=—— Scecce Z—— S— 2— Zh 3 Leihbibliothet deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur„ b von Ednard Oktmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. cLeih und Geſebedingungen. ſ 1 oflensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens⸗ 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun den angenommen. 2. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahmeh eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe hinterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Aonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden undſ beträgt: 3— für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: 3 auf 1 Monat: 1 Mk— Pf 1 Mt. 50 Pf. 2 WM— Pf. * 2„„„— 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ und Zurückſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und ahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersätz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und defecte Bücher namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver lorene oder deferte Buch ein Theil eines größeren Werkes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch vafür zu ſtehen haben. nahme Summe, rſtattets n und her: — 3 Pr endung ſorgen. ne und nuß der? e, ver⸗ „ſo iſt d wird„ rleihen he die⸗ E. L. Pulwer's ſämmtliche Romane. Aus dem Engliſchen. Achter Band. Rienzi. l. Stuttgart: Scheible, Rieger& Sattler. 1815. Rienzi, der Tetzte der römiſchen Tribune. Ein Roman von Ednard Lytton Bulwer. Ueberſetzt von Theodor Voth. Erſter Band. Stuttgart: Scheible, Rieger& Sattler. 1815. Dann, letzter Tribun, nahen wir uns Deinem Leben, Von tauſend Tyrannen iſt es ſtets umgeben; Befreier von der Schmach, die hart Dein Land betroffen, Petrarka's Freund— Italiens letztes Hoffen. Rienzi, letzter Römer! Es hat der Baum Der Freiheit nur für wenig Blätter Raum. Laß für Dein Grab Dir Kränze daraus winden; Des Forums Kämpe, Du, des Volkes Haupt, Laß Rom in Dir den neuen Numa finden. Childe Harold, IV. 114. Inmitten dieſer Begeiſterung und Beredſamkeit wurden Ita⸗ lien und Europa durch eine Revolution überraſcht, die für einen Augenblick deſſen glänzendſte Träume verwirklichte. Gibbon, Kap. XIX. Aleſſandro Manzoni, als roffen, dem Genie des Platzes, ſind dieſe Früchte, geſammelt auf dem Bvoden italiſcher Dichtung, urden Zta⸗ gewidmet. ie für einen XIx. London, 1. Dec 1835. . Vorrede zu der erſten Anflage. Ich ſing dieſe Erzählung vor zwei Jahren zu Rom an. Als ich mich nach Neapel begab, legte ich ſie bei Seite, um„die letzten Tage von Pom⸗ peji“ zu ſchreiben, welche den Vortheil des Auf⸗ enthaltes in der Nähe der beſchriebenen Scenen mehr als„Rienzi“ erforderten. Das Schickſal des römiſchen Tribunen nahm indeſſen fortwährend mein Intereſſe in Anſpruch, und einige Zeit, nach⸗ dem„Pompeii“ herausgegeben war, machte ich mich wieder an mein früheres Unternehmen. In der That betrachtete ich die Vollendung dieſer Bände als eine Art von Pflicht; denn da ich Gelegenbeit gehabt, die Originalurkunden zu leſen, aus wel⸗ chen neuere Geſchichtſchreiber ihre Berichte über das Leben Rienzi's geſchöpft haben, gewann ich die Anſicht, daß ein ſehr merkwürdiger Mann oberflächlich beurtheilt, und eine ſehr wichtige Epoche nicht genau geprüft worden ſei.* Und dieſe Anſicht war fark genug, um mich zuerft zu * Siehe den Anhang. veranlaſſen, meine Gedanken auf ein ernſteres Werk über das Leben und die Zeiten Rienzi's zu richten.“ Verſchiedene Gründe vereinigten ſich gegen dieſen Plan— und ich gab die Lebensbe⸗ ſchreibung auf, um die Dichtung anzufangen. Ich habe mich indeſſen mit mehr Treue, als in Ro⸗ manen gebräuchlich iſt, an die Hauptbegebenheiten in dem öffentlichen Leben des römiſchen Tribunen gehalten; und der Leſer wird vielleicht in dieſen Blättern einen vollſtändigeren und genaueren Be⸗ richt über das Steigen und den Fall Rienzi's fin⸗ den, als in irgend einem anderen, mir bekannten engliſchen Werke. Ich habe allerdings ſeinen Cha⸗ rakter in verſchiedener Hinſicht anders betrachtet, als Gibbon oder Sismondi. Dies iſt das unbe⸗ ſtreitbare Vorrecht des Romans. Aber es iſt in allen ihren Hauptzügen eine Anſicht, zu welcher ich, wie ich beweiſen zu können glaube, nicht we⸗ niger durch die Thatſachen der Geſchichte, als durch die Geſetze der Dichtung berechtigt bin. Da ich indeſſen die Urkunden, aus welchen ich die Beſchrei⸗ bung des Hauptcharakters ſchöpfte, angeführt habe, ſo hat der Leſer hinreichende Data für ſein eige⸗ nes Urtheil. Der Plan dieſes Werkes, welcher im Allge⸗ meinen die wirkliche Chronologie von Rienzi's Le⸗ ben beibehält, erſtreckt ſich über einen Zeitraum von mehren Jahren und enthält diejenige Ver⸗ ſchiedenheit von Charakteren, welche zu einer der Wahrheit getreuen Beſchreibung der Ereigniſſe * Ich habe die Benennung Riemi ſtatt Rienza angenom⸗ men, da die Leſer im Allgemeinen vertrauter damit ſind. Doch iſt die letztere vielleicht die richtigere, da der Name eine Volks⸗ Corruption von Lorenzo war. mind wegg diejer ngen. Ich ls in Ro⸗ ebenheiten Tribunen in dieſen ueren Be⸗ ienzi's fin⸗ bekannten einen Cha⸗ betrachtet, das unbe⸗ es iſt in welcher nicht we⸗ als durch Da ich Beſchrei⸗ ührt habe, ſein eige⸗ im Allge⸗ enzi's Le⸗ Zeitraum ige Ver⸗ einer der Freigniſſe angenom⸗ ſind. Doch eine Volks⸗ 9 nöthig iſt. Die Erzählung kann daher den inter⸗ eſſanteſten Begebenheiten nicht gerade in der Ordnung folgen, welche in ſtreng und echt dra⸗ matiſchen Dichtungen gefunden wird, in welchen, wenigſtens nach meiner Meinung, die Zeit mög⸗ lichſt beſchränkt, und die Zahl der Charaktere mög⸗ lichſt klein ſein ſollte,— wo gegen das Ende des Werkes kein neuer Charakter von einiger Wichtig⸗ keit mehr eingeführt werden ſollte. Wenn ich das Wort epiſch in ſeiner beſcheidenſten und anma⸗ ßungsloſeſten Bedeutung anwenden darf, ſo gehört dieſe Dichtung, ob ſie ſich gleich dramatiſche Dar⸗ ſtellungen erlaubt, als ein Ganzes mehr zur epi⸗ ſchen, als zur dramatiſchen Schule. Ein Werk, welches die Verbrechen und Irrthümer einer Ration zu ſeinem Gegenſtande wählt, welches, wenn auch mit wenig Erfolg, es wagt, das Wirkliche und Weſentliche auf der höchſten Stufe der Leidenſchaft oder Handlung zu ſuchen, kann meiner Meinung nach nur ſelten die melodramatiſchen Wirkungen annehmen, welche durch gemeine Kunſt, oder durch humvriſtiſchen Bühneneffekt hervorgerufen werden. Dieſer letztere zieht, indem er von unbedeutenden Eigenthümlichkeiten der Charaktere entſieht, die Aufmerkſamkeit des Leſers von der Größe oder vom Verbrechen ab und leitet ſie auf die Schwäche oder die Thorheit. Auch läßt eine Dichtung, welche ſich mit ſolchen Gegenſtänden beſchäftigt, nur ſel⸗ ten überflüſſige oder genaue Beſchreibungen von Sitten und Gebräuchen zu.— In Betreff der Sitten und Gebräuche habe ich in der That einen minder ehrgeizigen und minder beſtreitbaren Be⸗ weggrund gehabt, mich kurz zu faſſen, obgleich diejenigen, welche ich beſchreibe, hoffentlich ganz geiren find;— ich ſchreibe von einem Feudalzeit⸗ alter und trage nach den unnachahmlichen und unvergänglichen Gemälden, welche wir von Wal⸗ ter Scott über die Sitten derſelben beſitzen, kein Verlangen, mehr als nöthig iſt, darüber zu jagen. Ich ſage ſo viel, um den Leſer vorzubereiten, was er von den folgenden Bänden zu erwarten hat — eine Pflicht, welche jedem Beſcheidenen und wohlgefinnten Schriftſteller und eine Vor⸗ ſicht, welche, indem ſie ihn ſel ſt manchmal vor Kränkungen ſchützt, dem Leſer nicht minder ſelten Täuſchungen erſpart.— Ich muß zugeben, daß dieſer Eingang etwas ominös klingt!— Wenig von Gebräuchen, noch weniger von Geheimniß,“ nichts von Humor! Was bleibt denn da für In⸗ tereſſe oder Beluſtigung? Ach! in der Leidenſchaft, den Charakeren und der Handlung bleibt Stoff genug, wenn der arme Bearbeiter ſie nur gehörig zu verbinden weiß! In dem Gemälde des römiſchen Volkes, ſowie in dem der römiſchen Edeln des vierzehnten Jahr⸗ hunderts folge ich buchſtäblich den hinterlaſſenen Beſchreibungen; ſie ſind nicht geſchmeichelt, aber treu— es find Portraits. In einem großen Theile meines Werkes werden diejenigen, welche glau⸗ ben, daß die Menge— gleichviel, zu welcher Zeit, oder in welchem Lande, ſtets Recht habe, vielleicht eine conſervative Moral finden, deſſen Andere mich ſchwerlich im Verdacht haben könnten. Aber auch nur ſehr finnreiche Kopfe können dieſe Bände ſo auslegen, als dienten ſie den Parteizwecken „ Was hier unter Geheimniß zu verſtehen, iſt abſichtlich unter einem dünnen Schleier gelaſſen. Der Schrecken iſt zuwei⸗ len größer, wenn er in der Entfernung gezeigt wird⸗ logieer 4 unſere meiner entnon kann 1 Verga Bürde tigen G Ic und t „Rien Huldie Held ſeren — ho oder r Mit d zwiſchi von d Traue in me ſchenh Helder eibt Stoff ur gehörig e, eowie nten Jahr⸗ terlaſſenen helt, aber ßen Theile lche glau⸗ cher Zeit, „vielleicht ſen Andere tenn Aber ieſe Bände rteizwecken iſt abſichtlich en iſt zuwei⸗ d. 11 unſerer Zeit— wenigſtens liegt meinem Wunſche, meiner Abſicht Nichts ferner. Die der Geſchichte entnommene Dichtung, wie die Geſchichte ſelbſt, kann von den ruhigen und anerkannten Lehren der Vergangenheit handeln, aber ſie geht von ihrer Bürde ab, wenn ſie zu den heftigen und zweideu⸗ tigen Streitigkeiten der Gegenwart unpaſſende Ana⸗ logieen aufftellt. Ich kann nicht ſchließen, ohne der gewandten und talentvollen Verfaſſerin des Trauerſpieles „Rienzi“ den Tribut meines Lobes und meiner Huldigung abzuſtatten. In Betracht, daß unſer Held derſelbe iſt,— daß wir den Stoff zu un⸗ ſeren Arbeiten aus denſelben Materialien nahmen — hoffe ich, man werde finden, daß ich mir ſelten, oder nie erlaubte, etwas ſchon Geſagtes zu geben. Mit der einzigen Ausnahme einer Liebesintrigue zwiſchen einer Verwandten Rienzi's und Einem von der Gegenpartei, welche den Plan zu dem Trauerſpiele der Miß Mitford gibt, und welche in meinem Roman nicht viel mehr, als eine Zwi⸗ ſchenhandlung iſt, da ſie auf das Benehmen des Helden wenig, auf ſein Schickſal gar keinen Ein⸗ fluß hat, kenne ich keine Aehnlichkeit zwiſchen den beiden Werken, und auch dieſes Zuſammentreffen hätte ich leicht vermeiden können, wenn ich es für räthlich gehalten hätte:— aber es würde mir beinahe geſchadet haben, wenn ich Nichts gegeben hätte, das einem Werke gleicht, welches nachzu⸗ ahmen man ſich zur Ehre rechnen darf. In der That, die reichen Materialien der Ge⸗ ſchichte— die füllereichen Farben von Rienzi's Charakter— vereint mit dem Vortheile, welchen der Romanſchreiber hat, Alles aufzunehmen, was —— 12 der Dramatiker verwerfen muß“— find hinrei⸗ chend, um zu verhindern, daß Dramatiker und Romanſchreiber einander Eintrag thun. * So erlaubt der beſchränkte Raum, welcher dem Drama⸗ tiker geſtattet iſt, Miß Mitford nicht, den Thatſachen ſehr ge⸗ treu zu ſein; einen Unterſchied, zwiſchen Rienzi's früherem Le⸗ ben und der ſpäteren Periode ſeiner Macht zu machen; oder die wahren, aber etwas verwickelten Urſachen ſeines Steigens, ſei⸗ nes Glanzes und ſeines Falles genau zu beſchreiben. London, den 1. December 1835. Fu da quenza;! rista buor questi bue terommit bell omo non ne f aiutare; frate; pe male guid In ſeir ein guter Schriftſtelle Römer? A leben könne Es ereignet nicht geräc lange denkt er zu regie Der Werkes b en ſehr ge⸗ üherem Le⸗ uz oder die igens, ſei⸗ Erſtes Vuch. Zeit, Ort und Menſchen. Fu da sua gioventudine nutricato di latte di elo- quenza; buono grammatico, megliore rettorico, auto- rista buono Oh, come spesso diceva,„Dove sono duesti buoni Romani? Pov'é loro somma giustizia? Po- terommi trovare in tempo che questi foriscano?“ Bra bell omo Accadde che uno suo frate fu uccis non ne fu fatta vendetta di sun morte: non lo poted aiutare; pensa lungo mano vendicare 1 sangue di suo frate; pensa lunga mano dirizzare 13 cittate di Roma male guidata. Viia di Cola di Riensi. Ed. 1828. Forli. o, e In ſeiner Jugend genährt mit der Milch der Beredſamkeit, ein guter Grammatiker, ein noch beſſerer Redner und guter Schriftſteller O, wie oft ſagte er:„Wo ſind jene wackeren Römer? Wo iſt ihre hohe Gerechtigkeit? Hätte ich in der Zeit leben können, da vieſe blühten?“ Er war ein ſchöner Mann. Es ereignete ſich, daß ihm ein Bruder getödtet und ſein Tod nicht gerächt wurde; er konnte ihm nicht zu Hülfe kommen; lange denkt er das Blut ſeines Bruders zu rächen, lange denkt er zu regieren die ſchlecht geleitete Stadt Rom.— Leben Rienzi's. Erſtes Kapitel. Die Brüber. Der gefeierte Name, welcher den Titel dieſes Werkes bildet, ſagt dem Leſer ſchon, daß der Anfang meiner Geſchichte in die erſte Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts fällt. An einem Sommerabende konnte man zwei Jüng⸗ linge den Ufern der Tiber entlang wandeln ſehen, nicht weit von jener Stelle ihres ſich ſchlängelnden Laufes, wo ſie den Fuß des Berges Aventino beſpült. Der Weg, den ſie gewählt, war abgelegen und ruhig. Nur in der Ferne ſah man die an den Ufern zer⸗ ſtreuten, ſchmutzigen Häuſer, inmitten welcher dunkel und häufig das hohe Dach und die ungeheuren Thürme ſich erhoben, welche das feſte Schloß eines römiſchen Edeln erkennen ließen. Auf dem einen Ufer des Stro⸗ mes erhob ſich hinter den Hütten der Fiſcher der Berg Janieulus mit ſeinem dichten, dunkeln Laubwerk, durch welches an mehren Stellen die grauen Mauern vie⸗ ler mit Thürmen verſehener Paläſte, ſo wie die Thurmſpitzen und Säulen von hundert Kirchen ſchim⸗ merten; auf der entgegengeſetzten Seite ſtieg der ver⸗ laſſene Aventino jäh und ſteil, mit dickem Reiſig bebeckt, empor, während von der Höhe aus verbor⸗ genen, aber zahlreichen Klöſtern durch die ruhige Landſchaft und die ſich kräuſelnden Wellen nicht un⸗ harmoniſch der Schall der heiligen Glocke drang. Der ältere der beiden eben erwähnten Männer, ver das zwanzigſte Jahr zurückgelegt haben mochte, war von hohem, ja ſogar Achtung gebietendem Wuchſe, und es lag in ſeinem Auftreten etwas Auffallendes, beinahe Edles, trotz der beſcheidenen Kleidung, die aus dem langen, fliegenden Oberkleide und der ein⸗ fachen Tunieg, heide von dunkelgrauer Sarſche, beſtand, getragen Kenntnifſ Zeiten eit ten gewäl ohne jene Blick— reien und Verganget ſprechen, genwärtig ter, als n Der J ſtalt, noch wenn nich licher Aus nahe etw mit der Sorgfalt gekämmt wie die en ſchim⸗ der ver⸗ n Reiſig verbor⸗ e ruhige icht un⸗ rang. Männer, mochte, Wuchſe, allendes, ng, die der ein⸗ Sarſche, 15 beſtand, und damals von den anſpruchloſeren Schülern getragen wurde, welche die Klöſter ſolch gewöhnlicher Kenntniſſe wegen beſuchten, deren Erwerb in jenen Zeiten eine karge Belohnung für angeſtrengte Arbei⸗ ten gewährte. Seine Züge waren ſchön und wären ohne jenen ungewiſſen, zerſtreuten, ſchwärmeriſchen Blick— der ſo häufig eine Neigung zu Träume⸗ reien und Betrachtungen andeutet, und verräth, daß Vergangenheit oder Zukunft dem Geiſte mehr ent⸗ ſprechen, als der Genuß oder die Vorfälle der ge⸗ genwärtigen Stunde— in ihrem Ausdrucke eher hei⸗ ter, als nachdenklich geweſen. Der Jüngere, damals noch Knabe, hatte weder in Ge⸗ ſtalt, noch Zügen etwas beſonders Bemerkenswerthes, wenn nicht ein außerordentlich lieblicher und freund⸗ licher Ausbruck ſo genannt werden will; es lag bei⸗ nahe etwas Weibliches in der zarten Hingebung, mit der er ſeinen Begleiter anzuhören ſchien. Er trug die den niederen Klaſſen gewöhnliche Kleidung, wenn gleich vielleicht etwas zierlicher und neuer; die zärtliche Eitelkeit einer Mutter ſprach ſich in der Sorgfalt aus, mit welcher die langen, ſeidenen Locken gekämmt und ſo abgetheilt waren, daß ſie ſich unter der Mütze hervordrängten und halb auf die Schul⸗ tern herabfielen. Während ſie ſo, Jeder den Aem um den Leib des Andern legend, an dem liſpelnden Schilfe des Fluſſes hingingen, war nicht nur in den Manieren und in dem Gange, ſondern in der Jugenb und au⸗ genſcheinlichen Liehe der Brüder— denn ſolche waren ſte— eine Anmuth und ein Gefühl zu bemerken, welche die Niedrigkeit des Standes, dem ſie anzuge⸗ hören ſchienen, noch erhob. „Lieber Bruder,“ ſagte der Altere,„ich tinn Dir nicht ſagen, welchen Genuß mir dieſe Abendſtunden bereiten. Ich fühle, daß Du allein mich nicht für einen Schwärmer und Träumer hältſt, wenn ich von der dunkeln Zukunft rede und meine Luftſchlöſſer baue Unſere Eltern hören auf mich, als ob ich ihnen ſchön Dinge aus einem Buche ſagte, und meine geliebi Mutter, der Himmel möge ſie ſegnen! wiſcht die Augen und ſagt: Horch, wie gelehrt er iſt! Wenn ich von meinem Livius aufblicke und rufe: Noch ein⸗ mal ſollte Rom das werden! ſo ſtaunen die Mönche, gaffen und runzeln die Stirne, als ob ich eine Ketze⸗ rei ausgeſprochen hätte. Du aber, geliebter Bruder, ſympathiſirſt, wenn Du auch meine Gedanken nicht theilſt, ſo gütig mit allen ihren Erzeugniſſen— Du ſcheinſt meine wilden Plane zu billigen, meine ehr⸗ geizigen Hoffnungen zu ermuthigen— daß ich bis⸗ weilen unſere Geburt, unſere Vermögensumſtände ver⸗ geſſe, und in Gedanken mich erkühne, als ob mn das Blut des tentoniſchen Kaiſers in unſern Ader flöſſe.“ „Mich dünkt, geliebter Cola,“ ſagte der jüngert Bruder,„daß die Natur uns einen ſchändlichen Streich geſpielt— Dir gab ſie die, wenn auch dunkel von der Familie unſeres Vaters ſtammende königliche Seele mir nur den ruhigen, demüthigen Geiſt von meins Mutter niedriger Herkunft.“ „Nein beſſere Th aber könit es höher König zu Veränderu „Ich großen M entgegnete „daß Du ſchon jetzt Glück, ſo bei den C „Die „die Color geben ſich genheit, falſch bei ihrem Tiſ gibt, ſo erhoben h nicht für nn ich von hlöſſer baue ihnen ſchön ine gelieble wiſcht diz iſt! Wenn Noch ein⸗ die Mönche, h eine Ketze⸗ bter Bruder, danken nicht iſſen— Du meine ehr⸗ daß ich bis⸗ mſtände ver⸗ als ob m nſern Adern der jünger⸗ ichen Streich dunkel von gliche Seele von meins 17 „Nein, erwiderte Cola raſch,„da hätteſt Du das beſſere Theil— denn ich wäre nur barbariſchen, Du aber königlichen Urſprungs. Es gab eine Zeit, wo es höher galt, ein einfacher Römer, als ein römiſcher König zu ſein.— Nun, nun, wir können noch große Veränderungen erleben!“ „Ich werde es erleben, daß ich Dich als einen großen Mann ſehe, und damit will ich zufrieden ſein,“ entgegnete der jüngere Bruder, liebevoll lächelnd; „daß Du ein großer Gelehrter biſt, damit kommen ſchon jetzt Alle überein: unſere Mutter weiſſagt Dir Glück, ſo oft ſie von unſerer freundlichen Aufnahme bei den Colonna hört.“ „Die Colonna!“ ſagte Cola mit bitterem Lächeln, „die Colonna— die Pedanten! Die geiſtloſen Seelen geben ſich den Anſchein, als kennen ſie die Vergan⸗ genheit, ſpielen den Herrn und eitiren das Lateiniſche falſch bei ihren Gelagen! Sie ſehen mich gerne an ihrem Tiſche, weil die römiſchen Doktoren mich ge⸗ lehrt heißen, und weil die Natur mir einen kühnen Witz gab, der ſie mehr ergötzt, als die abgenützten Scherze eines gemietheten Poſſenreißers. Ja, ſie wollen mein Glück fördern— aber wie? durch eine Stelle im öffentlichen Dienſte, welche eine entehrte Kaſſe durch noch empfindlichere Erpreſſungen von dem ſauer erworbenen Gelde unſerer verhungernden Bürger füllen würde! Wenn es auf der Welt ein gemeines Geſchöpf gibt, ſo iſt dies ein Plebejer, der durch die Patricier erhoben wurde, nicht um ſeinem eigenen Stande Ge⸗ rechtigkeit widerfahren zu laſſen, ſondern um in ihrem Bulwer, Rienzi. I. Intereſſe zu kuppeln. Er, der aus dem Volke ſtan wird zum Verräther an ſeiner Geburt, wenn er zu einem Spielzeug ihrer thranniſchen Gleißnereiß gibt, damit ſie ihre Hände erheben und rufen: ſ welche Freiheit wir in Rom haben, wenn wir, Patricier, einen Plebejer ſo erheben! Erhoben ſ einen Plebejer, wenn er die Geſinnungen eines bejers hatte? Nein, Bruder; ſollte ich über meß Stand erhoben werden, ſo ſoll dies auf den Arn nicht auf dem Nacken meiner Mitbürger geſchehe „Ich hoffe nur, Cola, daß Du in Deinem G für Deine Mitbürger nicht vergeſſen mögeſt,* theuer Du uns biſt. Keine Größe könnte mich jen dem Gedanken ausſöhnen, daß ſie Dir Gefahr bring „Und ich könnte jeder Gefahr lachen, wenn zur Größe führte. Aber Größe— Größe! Eit Traum! Verſparen wir ihn für den nächtlich Schlaf. Genug von meinen Planen; jetzt, theuer Bruder, von den deinigen.“ Und der junge Cola verbannte mit der ihm eiz nen zuverſichtlichen und heiteren Kraſt alle wilden Gedanken und zwang ſeinen Geiſt, auf die einfachen Plane ſeines Bruders zu hören und in dieſelben ei zugehen: das neue Boot, vas feſttägliche Gewan die an einem vor dem überfalle der Adeligen ſich reren Orte erbaute Hütte und ſolche ferne Lieblinz gemälde, wie ein feuriges Auge und fröhliche Lipp ſie in den unbeſtimmten Gefühlen eines angehen Jünglings heraufbeſchwören. Auf Plane und Strebn. deren Gränzen ſolche Gegenſtände waren, horchten Gelehrte n Lächeln, 9 Unterredun nes Herz⸗ „Und d ich nach Fahrzeng zweifelhaft — dieſe mit ſo vie mit Bücher hören dür altes, in kaufen. lächelte un „Guter Aufgabe ſ mich dünkt beneidensn um ſich bl friedliche ſelbſt in di liſirten W ehe die R Geeräuber weit ſind Das e und drei deck beobe ufer, als Volke ſtan wenn er Sleißnereit d rufen; ſ enn wir, Erhoben ſi ßen eines über me if den Arn er geſchehe Deinem G mögeſt, te mich jer efahr bring en, wenn röße Eit nächtlich etzt, theuerſ der ihm eiz alle wilden ie einfachen dieſelben ei ch Gewa deligen ſich ne Lieblinz hliche Lipy angehen und Strel horchte 19 Gelehrte mit minder ſtrenger Stirne unb freundlichem Lächeln, oft noch ſiel ihm im ſpäteren Leben dieſe Unterredung ein; wenn er bei der Frage an ſein eige⸗ nes Herz, welcher Ehrgeiz der weiſeſte ſei, zurückſchrack. „Und dann,“ fuhr der jüngere Bruder fort, möchte ich nach und nach genug zuſammenſparen, um ein Fahrzeng zu kaufen, wie wir hier eines ſehen, un⸗ zweifelhaft beladen mit Korn und Kaufmannswaaren — dieſe würde ich verkaufen— ach, ich würde ſie mit ſo viel Nutzen verkaufen, daß ich Dein Zimmer mit Büchern anfüllen könnte und nie mehr eine Klage hören dürfte, Du ſeieſt nicht reich genug, um ein altes, in Staub zerfallendes Mönchsmanuſeript zu kaufen. Ach, das machte mich ſo glücklich!“ Cola lächelte und drückte ſeinen Bruder feſter an ſeine Bruſt. „Guter Junge,“ ſagte er,„möge es lieber meine Aufgabe ſein, für Deine Wünſche zu ſorgen. Aber mich dünkt, die Herren jenes Fahrzeuges ſind in keinem beneidenswerthen Beſitze; ſiehe, wie ängſtlich die Leute um ſich blicken, vor⸗ und rückwärts; wenn es gleich friedliche Kaufleute ſind, ſo fürchten ſie, wie es ſcheint, ſelbſt in dieſer Stadt, einſt dem Stapelplatze der civi⸗ liſirten Welt, die Verfolgung eines Seeräubers, und ehe die Reiſe beendigt ſein wird, mögen ſie dieſen Seeräuber in einem römiſchen Edeln finden. Wie weit ſind wir zurückgekommen!“ Das erwähnte Fahrzeug glitt raſch den Fluß hinab, und drei oder vier bewaffnete Männer auf dem Ver⸗ deck beobachteten in der That aufmerkſam die beiden ufer, als ob ſie einen Feind vermutheten. Bald war indeſſen die Barke aus dem Geſichte verſchwumgluft und dach und die Brüder verfielen wieder auf jene Gegenſtämnach, die ih welche nur der Zukunft angehören dürfen, um anganges erzäh hend für die Jugend zu werden. jüngere Schr Als endlich der Abend dunkler wurde, erinner Blumen nach ſie ſich, daß die gewöhnliche Stunde der Heimkdie in der vorüber ſei, und traten den Rückweg an. wild und meh „Halt,“ ſagte Cola plötzlich,„wie unſer Geſpriſetzte ſich wit mich Alles vergeſſen ließ! Vater Uberto verſprach nwinde zu fle eine ſeltene Handſchrift, die nach dem Geſtändniſſe moch immer guten Mönches das ganze Kloſter in Verlegenheit ſeßklaſſiſchen G Ich ſollte deßhalb heute Abend in ſeine Zelle komm Während Warte hier wenige Minuten. Es iſt nur noch halin einiger E wegs auf den Aventinv. Bald bin ich wieder hierſtimmen. S „Kann ich Dich nicht begleiten?“„Wahrſc „Nein,“ antwortete Cola mit ruhiger Freundliteinem Feſte! keit,„Du haſt den ganzen Tag gearbeitet, und miein hübſcher müde ſein; meine Anſtrengungen, wenigſtens die klachfarbenen perlichen, waren leicht genug. Du biſt überdies zugern, will il und ſcheinſt bereits erſchöpft; die Ruhe wird Dir w Eo nähe thun. Ich halte mich nicht auf.“ niſch immer Der Knabe ließ es ſich gefallen, obwohl er liehnach dem O ſeinen Bruder begleitet hätte; aber er war ſanft mtete, mehr: nachgiebigen Gemüthes und widerſprach ſelten dem; Jetzt wi ringſten Geheiße derer, die er liebte. Er ſetzte ſiſtattliche Tr auf eine kleine Bank am Ufer nieder, und bald warzander, wo der feſte Tritt und die hohe Geſtalt ſeines Brudenſehr ſchöne wegen des dichten, trübſinnigen Laubwerks ſein der Glanz ih Blicken entſchwunden. ten des däm Zuerſt ſaß er ruhig, erfreute ſich der kühlen Aben Haufen, Al 21 verſchwunzluft und dachte über die Geſchichten des alten Rom Gegenſtännach, die ihm ſein Bruder während ihres Spazier⸗ n, um anganges erzählt hatte. Endlich fiel ihm bei, daß ſeine jüngere Schweſter, Irene, ihn gebeten, ihr einige e, erinner Blumen nach Hauſe zu bringen; er ſammelte ſolche, per Heimkſdie in der Nähe wuchſen(und manche Blume blühte n. wild und mehre beiſammen an dieſem einſamen Orte), nſer Geſpriſetzte ſich wieder und fing an, ſie in eines jener Ge⸗ verſprach nwinde zu flechten, für welche das ſüdliche Landvolk ſtändniſſe moch immer die alte Zuneigung und etwas von der genheit ſezklaſſiſchen Geſchicklichkeit bewahrt hat. elle komm Während der Knabe ſo beſchäftigt war, hörte man ur noch helin einiger Entfernung Huftritte und laute Männer⸗ wieder hierſtimmen. Sie kamen näher und näher. „Wahrſcheinlich der Zug eines Edeln, der von er Freundliheinem Feſte heimkehrt,“ dachte der Knabe;„das wird et, und miein hübſcher Anblick— ihre weißen Federn und ſchar⸗ ſtens die khlachfarbenen Mäntel. Ich ſehe ein ſolches Schauſpiel überdies zugern, will ihnen aber doch aus dem Wege gehen.“ ird Dir w Eo näherte ſich der junge Römer, indem er mecha⸗ niſch immer an ſeinem Geflechte arbeitete, die Augen ohl er liehnach dem Orte gerichtet, von wo er den Zug erwar⸗ ar ſanft mtete, mehr und mehr dem Fluſſe. elten dem; Jetzt wurde der Zug ſichtbar, in der That eine Er ſetzte ſiſtattliche Truppe; voran Reiter, zu zweien nebenein⸗ d bald warzander, wo es der Weg erlaubte; ihre Pferde trugen nes Brudenſehr ſchöne Decken, ihre Federn wehten luſtig, und verks ſein der Glanz ihrer Bruſtſtücke ſchimmerte durch die Schat⸗ ten des dämmernden Zwielichtes. Ein großer, bunter ihlen Aben Haufen, Alle bewaffnet— die Einen mit Pike und Panzer, Andere mit weniger kriegeriſchen oder zeibund athemlos gemäßen Kampfwerkzeugen folgte den Reitern, mwährend das hoch über Federn und Piken wallte das blutrothe Banſeinem Arme ner der Orſini mit in glänzendem Golde geſtickteſtrebende Ha Wahlſpruch und Deviſe, worin mit Pracht das guelUnruhe fühlt phiſche Abzeichen und die Schlüſſel des heiligen Petnden Ausgang dargeſtellt waren. Eine augenblickliche Furcht bef Aus der das Gemüth des Knaben, denn in dieſer Stadt ſchieumgebung e zu jener Zeit ein von Kriegern umgebener Edler deProviant für Plebejern fürchterlicher, als ein wildes Thier; abalonna beſetzte zur Flucht war es bereits zu ſpät— der Zug welicher Fehde beinahe an ihn herangekommen. Erpedition, „He, Knabe!“ rief der Anführer der Reiter, Mangerathen, w tino di Porto, ein Anhänger des mächtigen Hauſedie Mannſch der Orſini;„haſt Du ein Boot auf dem Fluſſe g⸗Dieſe Nachr ſehen?— Doch, Du mußt es geſehen haben— wimaßen, den lange iſt es her?“ welche unter „Ich ſah ein großes Boot vor etwa einer halb. Angſtlich Stunde, erwiderte der Knabe, durch die rauhe Stimmnach dem ſi und das herrſchſüchtige Benehmen des Ritters erſchreckaber noch i „Gerade vorwärts ſegelnd, mit grüner Flagge wſchirmer nick dem Steuer?“ Sie war „Daſſelbe, edler Herr.“ lich eine St „Vorwärts denn! ehe der Mond aufgeht, woll⸗ Verfolgung wir ihrem Laufe Einhalt thun,“ ſagte der Anführe Sterne raſe „Vorwärts!— nehmt den Knaben mit, damit er nich„Jetzt zum Verräther werde und die Colonna alarmire.“ führer;„ſie „Orſini, Orſini!“ ſchrie der Haufe;„vorwärt⸗„Halt!“ vorwärts!“ und ungeachtet ſeiner Bitten und Von er zu Mar ſtellungen wurde der Knabe in die Mitte genommn da unten! 23 n oder zeibund athemlos, beinahe unter Thränen fortgeſchleppt, ſeitern, unwährend das arme, kleine Geflechte noch immer an trothe Banſeinem Arme hing und ihm eine Schleuder in die wider⸗ de geſtickteſtrebende Hand gedrückt wurde. Trotz ſeiner inneren ht das guelunruhe fühlte er noch immer eine kindliche Neugierde, eiligen Peteden Ausgang der Verfolgung anzuſehen. Furcht beſ Aus der lauten und heftigen Unterhaltung ſeiner Stadt ſchinumgebung erfuhr er, daß das Boot, das er geſehen, er Edler deProviant für einen oben an dem Fluſſe von den Co⸗ Thier; abelonna beſetzte Feſiung enthalte, welche damals in tödt⸗ per Zug welicher Fehde mit den Orſini lagen, und Zweck der Erpedition, in die der Knabe ſo unglückſeliger Weiſe Reiter, Margerathen, war, die Zufuhr aufzufangen und ſie für tigen Hauſedie Mannſchaft von Martinv di Porto zu verwenden. m Fluſſe gDieſe Nachricht vermehrte ſeine Veſtürzung einiger⸗ haben— wimaßen, denn der Knabe gehörte einer Familie an, welche unter dem Schutze der Colonna ſtund. einer halb Iingſtlich blickte er unter Thränen alle Augenblicke auhe Stimmnach dem ſich an dem Aventino erhebenden Pfade; ers erſchreckaber noch immer erſchien ſein Beſchützer, ſein Be⸗ er Flagge gſchirmer nicht. Sie waren eine Strecke weiter gegangen, als plötz⸗ lich eine Straßenbiegung ihnen den Gegenſtand ihrer geht, wolle Verfolgung zeigte, wie er bei dem Lichte der erſten er Anführen Sterne raſch auf dem Strome dahinglitt. amit er nich„Jetzt ſeien die Heiligen geſegnet,“ rief der An⸗ larmire.“ führer;„ſie iſt unſer!“ „vorwärt⸗„Halt!“ flüſterte ein deutſcher Hauptmann, indem n und Von er zu Martino heranritt;„ich höre bei den Bäumen genmm te Töne, die ich nicht liebe— horch! vas Wiehern eines Pferdes!— bei meiner Ehre, dazl noch der Schimmer eines Panzers.“ „Eilen wir, meine Herren,“ rief Martino;„de Reiher ſoll dem Adler nichts anhaben— treiben Si die Pferde an!“ Unter fortwährendem Geſchrei drängten die Leut zu Fuß vorwärts, bis, als ſie beinahe das von den Deutſchen bezeichnete Buſchholz erreicht hatten, ein kleine, dichte, von Kopf bis zu Fuß bewaffnete Rei⸗ terſchaar unter den Bäumen hervorſtürzte und mit eingelegter Lanze die Reihen der Verfolger angriff. „Colonna! Colonna!“„Orſini, Orſini!“ tönte es laut und ungeſtüm von beiden Seiten. Martino di Porto, ein Mann von kräftigem Körperbau und durch ſeine Wildheit ausgezeichnet, hielt mit ſeinen, haupt⸗ ſächlich aus deutſchen Söldlingen beſtehenden Reitern den Angriff, ohne zu wanken, aus.„Nehmt Euch vor den Griffen des Bären in Acht,“ rief der Orſini, als ſein Gegner, Roß und Reiter, vor ſeiner Lang zurückwich. Der Kampf war kurz und hitzig, die vollſtändige Rüſtung der Reiter auf beiden Parteien ſchützte die⸗ ſelben vor Wunden— nicht ſo unverletzt kamen dit halbbepanzerten Fußgänger der Orſini durch, wie ſie, hart aufeinander drängend, gegen die Colonna an⸗ rückten. Nach einem Hagel von Steinen und Wurf⸗ pfeilen, die wirklich nur wie Hagelkörner auf die dicken Panzer der Reiter fielen, ſchloſſen ſie ihre Reihen und hemmten durch ihre Zahl den Lauf der Pferde während Speer, Schwert und Streitart ihrer Gegner eine unbart und Ordn: Martino, Viele von! als er ſei und den ſi Enge getri wohl breit enge), eir eben im 2 entſchwund Hörnerſcho Feinde be lonna zu wenigen 2 tertruppe den Bann „Daß hätte geda murmelte nicht gewe Angriffe 2 Rückzuge. Feſt in der gr gehende L kommen? zu laſſen. Führer zt genden S treiben Si n die Leut i!“ tönte ez Martino d u und durch en, haupt⸗ e Reitern kehmt Euch der Orſini, einer Lanze vollſtändig⸗ ſchützte die⸗ kamen dit h, wie ſie, lonn an⸗ und Wurf⸗ er auf die hre Reihen er Pmferde, rer Gegner 2* eine unharmherzige Verheerung in der nicht an Zucht und Ordnung gewöhnten Schaar anrichteten. Und Martino, der ſich wenig darum bekümmerte, wie Viele von dieſem bloßen Pöbel gemordet wurden, gab, als er ſeinen Feind durch das ungeſtüme Drängen und den ſich bildenden Kreis ſeines Fußvolkes in die Enge getrieben ſah(denn der Kampſfplatz war, ob⸗ wohl breiter, als die Straße, doch beſchränkt und enge), einigen ſeiner Reiter ein Zeichen und war eben im Begriffe, auf das jetzt beinahe dem Auge entſchwundene kleine Fahrzeug zuzureiten, als ferner Hörnerſchall durch einen der in der Nähe befindlichen Feinde beantwortet wurde und das Geſchrei:„Co⸗ lonna zu Hülfe!“ aus der Ferne wiedertönte. In wenigen Augenblicken ſah man eine zahlreiche Rei⸗ tertruppe in vollem Galopp, mit dem ſtattlich wehen⸗ den Banner der Colonna an der Spitze. „Daß dieſe Zauberer die Peſt bekommen! wer hätte gedacht, daß ſie uns ſo ſchlau geahnt haben!“ murmelte Martino;„wir find dieſer überlegenheit nicht gewachſen;“ und die Hand, welche vorher zum Angriffe Befehl ertheilt, gab jetzt das Zeichen zum Rückzuge. Feſt geſchloſſen wandten ſich Martino's Reiter in der größten Ordnung zur Flucht; der zu Fuße gehende Volkshaufen, welcher der Beute wegen ge⸗ kommen war, blieb jetzt zurück, um ſich niedermetzeln zu laſſen. Sie verſuchten es, dem Beiſpiele ihrer Führer zu folgen, wie hätten ſie aber Alle den flie⸗ genden Schlachtroſſen und den ſcharfen Lanzen ihrer * — —— Gegner entkommen wollen, deren Blut durch den Kampf erhitzt war und welche die in ihrer Gewalt befindliche Leben anſahen, wie ein Knabe das Wes⸗ penneſt, das er zerſtört. Die Menge zerſtreute ſich nach allen Richtungen:— Einige entkamen wirklich auf die Hügel, wo die Pferde keinen feſten Fnß faſſen konnten— Andere ſtürzten ſich in den Fluß und ſchwammen an das entgegengeſetzte Ufer— die we⸗ niger Erfahrenen, welche gerade vorwärts flohen, er⸗ leichterten dadurch, daß ſie dem Feinde den Weg ver⸗ ſtopften, ihren Anführern die Flucht, aber fielen ſelbſt Leiche auf Leiche, niedergemetzelt von den grauſamen und unwiderſtehlichen Verfolgern. „Keine Gnade den Räubern— jeder erſchlagene Orſini iſt ein Räuber weniger— kämpfet für Gott, den Kaiſer und die Colonna!“ Dieſes und ähnliches Geſchrei hörten die entmuthigten und fallenden Flücht⸗ linge gleich einer Todtenglocke. Unter denen, welche gerade auf dem den Reitern am meiſten zugänglichen Wege flohen, war Cola's jüngerer, ſo unſchuldiger Weiſe zu dem Streite gekommener Bruder. Eilig floh er, ſchwindelig vor Schrecken— armer Knabe, der vorher kaum von der Seite der Eltern oder des Bruders gekommen war!— die Bäume ſchwanden an ihm vorüber— die ufer wichen zurück:— fort ſtürzte er, und hart hinter ihm tönten die Hufſchläge — das Geſchrei— das Fluchen— das rohe Geläch⸗ ter des über Todte und Sterbende hinjagenden Fein⸗ des. Jetzt war er an der Stelle, wo ſein Bruder ihn verlaſſen hatte; eilig blickte er rückwärts und ſah, wie des Re ſchmuck ihn auf, und ſ ſchlungenen wachſen we „Rette und der T ben der hi genblick ſp Gnade!“ Verfolgers durch gedr ſen, auf Hoffnung hatte. Der) ſeinen Ge Cola war knieete ne ner⸗ und Gruppe, letztere ar geweſen Mann, 1 Federn ge dem ehrw ſagte der „was iſt Der Stimme urch den r Gewalt as Wes⸗ reute ſich wirklich uß faſſen Weg ver⸗ elen ſelbſt rauſamen rſchlagene für Gott, ähnliches en Flücht⸗ n, welche änglichen ſchuldiger r. Eilig r Knabe, oder des chwanden — fort ufſchläge Geläch⸗ en Fein⸗ Bruder und ſah, 27 wie des Reiters eingelegte Lanze und ſtarrender Helm⸗ ſchmuck ihn beinahe erreichte; verzweifelnd blickte er auf, und ſiehe da! ſein Bruder trat aus dem ver⸗ ſchlungenen Farngeſträuch, mit dem die Anhöhe be⸗ wachſen war, und eilte ihm zu Hülfe. „Rette mich! rette mich, Bruder!“ ſchrie er laut und der Ton drang zu Cola's Ohr;— das Schhau⸗ ben der hitzigen Roſſe fühlte er heiß;— einen Au⸗ genblick ſpäter fiel er mit einem wilden Schrei:„Gnade, Gnade!“ zu Boden— eine Leiche; die Lanze des Verfolgers war vom Rücken bis zur Bruſt durch und durch gedrungen und ſpießte ihn gerade an den Ra⸗ ſen, auf dem er voll Jugendblüte und ſorgloſer Hoffnung noch vor nicht ganz einer Stunde geſeſſen hatte. Der Reiter zog ſeinen Speer heraus und eilte, ſeinen Gefährten folgend, fort nach neuen Opfern. Cola war herangekommen,— war an der Stelle,— knieete neben dem gemordeten Bruder. Unter Hör⸗ ner⸗ und Trompetenklang kam jetzt eine vornehmere Gruppe, als die bis jetzt beſchriebene, näher, welch' letztere auch wirklich nur der Vortrab der Colonna geweſen war. An ihrer Spitze ritt ein bejahrter Mann, deſſen lange, weiße Haare unter dem mit Federn geſchmückten Helme hervorguckten und ſich mit dem ehrwürdigen Barte vermengten.„Was iſt das?“ ſagte der Anführer, indem er ſein Pferd anhielt, „was iſt geſchehen, junger Rienzi?“ Der Jüngling blickte in die Höhe, als er dieſe Stimme hörte, und warf ſich dann vor das Pferd des alten Nobili, rang die Hände und rief in kaum verſtändlichen Tönen aus:„Es iſt mein Bruder, ed⸗ ler Stephan,— ein Knabe, ein reines Kind!— das beſte— das ſanfteſte! Seht, wie ſein Blut ſich mit dem Graſe miſcht;— zurück, zurück— die Hufe Enrer Pferde treten in des Blutes Strom! Gerech⸗ tigkeit, o, Herr, Gerechtigkeit!— Ihr ſeid ein mächtiger Mann!“ „Wer erſchlug ihn? ein Orfini ohne Zweifel; es ſoll Gerechtigkeit Dir werden.“ „Dank, tauſend Dank,“ murmelte Rienzi, wankte wieder zu ſeinem Bruder, hob das Antlitz von dem Graſe auf und wollte die Schläge ſeines Herzens fühlen; eilig zog er ſeine Hand zurück, denn ſie war blutroth, hob ſie in die Höhe und rief laut:„Ge⸗ rechtigkeit! Gerechtigkeit!“ Die um den alten Stephan Colonna verſammelte Gruppe wurde, obwohl an ſolche Auftritte gewöhnt, von dem Anblicke ergriffen. Ein hübſcher Knabe, dem dicke Thränen über die Wangen rollten, und der heut neben Colonna ritt, zog ſein Schwert:„Herr,“ ſagte er halb ſchluchzend,„nur ein Orſini kann ein ſo unſchuldiges Weſen morden; laſſet uns keinen Au⸗ genblick verlieren,— eilen wir den Schurken nach.“ „Nein, Adrian, nein!“ erwiderte Stephan, in⸗ dem er die Hand auf des Knaben Schulter legte, „Dein Eifer iſt lobenswerth, aber wir müſſen uns vor einem Hinterhalte hüten. Unſere Leute haben ſich zu weit gewagt.— Heda!— blaſet zum Rück⸗ zuge.“ Im Verfolger Lanze eir Er war Porto in gepreßte roſſes lie „Dar lonna z tapfer ge denn Dr ſini erſe That; ſ Schutze! „We nahm de ſich u zu Mar kam ihm ſches Geſ „Jh Donnerf denn, C rechtigke fordere „M mitleidis ſprochen obgewal mer zu in kaum Blut ſich die Hufe Gerech⸗ weifel; es i, wankte von dem s Herzens in ſie war ut:„Ge⸗ erſammelte gewöhnt, nabe, dem d der heut „Herr,“ kann ein einen Au⸗ en nach.“ han, in⸗ ter legte, üſſen uns ite haben um Rück⸗ 29 In wenigen Miniten brachten die Hörner die Verfolger zurück,— unter ihnen den Reiter, deſſen Lanze einen ſo verhängnißvollen Stoß geführt hatte. Er war der Anführer derer, welche mit Martino di Porto im Kampfe lagen, und das auf ſeine Rüſtung gepreßte Gold, ſo wie die Verzierungen ſeines Schlacht⸗ roſſes ließen ſeinen Rang vermuthen. „Dank, mein Sohn, Dank,“ ſagte der alte Co lonna zu dieſem Ritter,„Du haſt Dich gut und tapfer gehalten. Aber ſage mir, wenn Du es weißt, denn Du haſt ein Adlerauge, welcher von den Or⸗ ſini erſchlug dieſen armen Knaben?— ſchändliche That; ſeine Familic ſteht überdies unter unſerem Schutze!“ „Wen? jenen Knaben?“ erwiderte der Reiter und nahm den Helm vom Kopfe, um die heiße Stirne ſich zu wiſchen;„ſagtet Ihr ſo? wie kam er denn zu Martino's Schurken? Ich fürchte, der Irrthum kam ihm theuer zu ſtehen. Ich konnte nur Orſini⸗ ſches Geſindel in ihm vermuthen, und ſo— und ſo—“ „Ihr erſchluget ihn!“ rief Rienzi mit einer Donnerſtimme und ſtand vom Boden auf.„Nun denn, Gerechtigkeit! Stephan, mein Gebieter, Ge⸗ rechtigkeit! Ihr habt ſie mir verſprochen, und ich fordere ſie!“ „Mein armer Jüngling,“ ſagte der alte Maun mitleidig,„gegen die Orſini hahe Rache ich Dir ver⸗ ſprochen; ſiehſt Du aber nicht, daß hier ein Irrthum obgewaltet? Ich wundere mich nicht, daß Dein Kum⸗ mer zu groß iſt, als daß Du jetzt der Vernunft Ge⸗ hör geben könnteſt. Wir müſſen dieſe Sache für Dit ausmachen.“ „Und laſſet hiefür Meſſen für des Knaben Seu leſen;— der Unfall geht mir ſehr nahe,“ ſagte d. jüngere Colonna, indem er eine Golbbörſe hinwan „Ach, kommt nächſte Woche zu uns in den Palg junger Cola— nächſte Woche. Mein Vater,„ wäre wohl am beſten, wir kehrten zu dem BVon jetzt zurück; vielleicht ſind wir zu ſeinem Schih nöthig.“ „Wahr, Gianni; bleiben Einige von Euch zurüt um für die Leiche des armen Knaben zu ſorgen;— ein ſchmerzlicher Zufall! wie konnte es geſchehen!“ Die Truppe ritt denſelben Weg zurück, den ſ gekommen war; außer Adrian blieben nur zwei g meine Soldaten da; der erſtere wartete noch einig Augenblicke und verſuchte, Rienzi zu tröſten, der, al wäre er ſeiner Sinne beraubt, bewegungslos daſtan dem ſtattlichen Zuge, während er dahinritt, nachſi und in ſich hineinmurmelte:„Gerechtigkeit, Gerech tigkeit! ſie muß mir dennoch werden.“ Den weinenden, wiverſtrebenden Adrian rief di laute Stimme des älteren Colonna hinweg.„L mich Dir Bruder ſein,“ ſagte der wackere Jung, indem er leidenſchaftlich die Hand des Schülers u ſein Herz drückte;„ich habe einen Bruder, wie Dich nöthig.“ Rienzi gab keine Antwort; er gab nicht auf ihl Acht und hörte ihn nicht— trübe und ernſte Ge panken, Gedanken, in welchen der Keim zu eins mächtiget res. M auf, wäl menfügte nam zu haſtig ſie an ſeine fluſſe dut Der beim Fa und hing an ihm. lichkeit, ſeines ei zurück! Schickſal zu mache der über treten? tragen? ner, er Gerechti ler und — Gold — und Feuer— ſchaffen? ſprach, Lippen! Anrufun naben Seil „ ſagte d. rſe hinwar den Palaß Vater, dem Boyt nem Schu Euch zurüt ſorgen;— geſchehen! rück, den ſ. nur zwei ge e noch einig ten, der, al slos daſtan ritt, nachſi keit, Gerech rian rief ti nweg.„L ckere Jung⸗ Schülers u r, wie Dich icht auf ihr ernte Ge⸗ n zu eine 31 mächtigen Umwälzung lag, beſchäftigten ſein Inne⸗ res. Mit einem Schauder wachte er aus demſelben auf, während die Soldaten nun ihre Schilde zuſam⸗ menfügten, um eine Art Bahre daraus für den Leich⸗ nam zu machen, brach dann in Thränen aus, als er haſtig ſie aufbrechen hieß, und drückte den Todten an ſeine Bruſt, bis er buchſtäblich von dem Blut⸗ fluſſe durchdrungen war. Der Blumenkranz des armen Kindes hatte ſelbſt beim Fallen ſich nicht von ſeinem Arme losgemacht, und hing, um ſein Gewand verwickelt, noch immer an ihm. Dieſer Anblick rief in Cola all die Zärt⸗ lichkeit, das gütige Herz und die gewinnende Anmuth ſeines einzigen Bruders— ſeines einzigen Freundes zurück! Er ſchien das vorzeitige und unverdiente Schickſal des unſchuldigen Knaben noch unmenſchlicher zu machen.„Mein Bruder! mein Bruder!“ ſeufzte der überlebende,„wie ſoll ich vor unſere Mutter treten?— wie ohne Dich Nacht und Einſamkeit er⸗ tragen?— ſo jung, ſo unſchuldig! Seht, ihr Män⸗ ner, er war nur zu ſanft. Und ſie wollen uns nun Gerechtigkeit verweigern, weil ſein Mörder ein Ed⸗ ler und ein Colonna iſt. Und auch noch dieſes Gold — Gold für das Blut eines Bruders! Wollen ſie“ — und die Augen des jungen Mannes funkelten wie Feuer—„wollen ſie uns keine Gerechtigkeit ver⸗ ſchaffen? Die Zeit wird es lehren!“ Während er ſo ſprach, beugte er ſein Haupt über die Leiche, ſeine Lippen begegten ſich, wie um Gebete, oder einer Anrufung; dann erhob er ſich, und ſein Antlitz war blaß, wie der Todte neben ihm— nicht aber wa es mehr der Kummer, der dieſe Bläſſe verurſacht⸗ Als ein ungeſchaffenes Weſen erhob ſich Cola vyr dem blutenden Körper und dem innerlichen Gebet⸗ Mit ſeinem jüngeren Bruder erſtarb ſeine eigene Ju gend. Ohne dieſes Ereigniß wäre der zukünftige V. freier Rom's vielleicht nur ein Träumer, ein Ge lehrter, ein Dichter— der friedliche Nebenbuhler P trach's, ein Mann voll Gedanken, nicht voll Thate geblieben. Von dieſem Zeitpunkte an vereinigten ſi dagegen alle ſeine Gaben, ſeine Thätigkeit, ſeine G vanken, die Richtung ſeines Geiſtes in einem einſ gen Punkte. Vaterlant sliebe, bis jetzt nur ein Traun bild, miſchte ſich in die lebendige und kräftige, be ſtändig entflammte, ſtandhaft verhärtete und ehrfurcht voll geheiligte Leidenſchaft— ans Rache! Zweites Kapitel. Ein hiſtoriſcher Ueberblick— nur von denienigen zu überſcht gen, welchen nichts daran liegt, ob ſie verſtehen, was ſie leſt Jahre waren vergangen und der Tod des jung Römers war über edleren und weniger zu entſcht digenden Morden bald vergeſſen,— vergeſſen beina von den Eltern des Erſchlagenen über dem zuns menden Rufe und dem Glücke des älteren Sohn — nie weder vergeſſen, noch vergeben von dieß Sohne ſelbſt. Aber zwiſchen bieſem blutigen Ei gange und dem darauffolgenden politiſchen Dran — zwiſcher mes und d den Aufret wohl nicht überſicht 7 der Stadt, ſchichte fal dem vollſté handelnden gen des K Ungeac men, die ſtadt der G rung Rom Obergewal war von d artet und Ungeſtüm, unzertrenn durchaus Vornehme als unbart Päpſte g gekämpft. len Trotz dieſe Päp Zügel hie wo ſie ſic ht aber we verurſacht⸗ ſich Cola vyr chen Gebet henbuhler P voll Thate reinigten ſi eit, ſeine Ge einem einz tr ein Traun kräftige, h nd ehrfurcht „1 en ze überſch n, was ſie leſt d des jung r zu entſchu geſſen beina dem zun eren Sohn n von dieß blutigen Ei ſchen Dran 33 — zwiſchen dem unbeſtimmten Intereſſe eines Trau⸗ mes und den geſchäftigeren, thätigeren und dauern⸗ den Aufregungen eines ernſteren Lebens— iſt es wohl nicht am unrechten Platze, dem Leſer eine kurze überſicht von dem Zuſtande und den Verhältniſſen der Stadt, in welche die Hauptereigniſſe dieſer Ge⸗ ſchichte fallen, zu geben;— einen überblick, der zu dem vollſtändigen Verſtändniſſe der Beweggründe der handelnden Perſonen und der vielfachen Verwicklun⸗ gen des Knotens für Viele vielleicht nothwendig iſt. Ungeachtet der Menge von vermiſchten Volksſtäm⸗ men, die gezwungen ihren Wohnſitz in der Haupt⸗ ſtadt der Cäſaren aufgeſchlagen, hatte die Bevölke⸗ rung Rom's doch einen unmäßigen Begriff von ihrer Obergewalt über die übrige Welt beibehalten; ſie war von den ehernen Tugenden der Repuhlik ausge⸗ artet und beſaß immer noch das trotzige, halsſtarrige Ungeſtüm, das von dem Plebs des alten Forums unzertrennliche Attribut. Unter dieſem wilden, aber durchaus nicht tapferen Pöbel behaupteten ſich die Vornehmen weniger als ſcharfſinnige Tyrannen, denn als unbarmherzige Banditen Vergebens hatten die Päpſte gegen dieſe unbiegſamen, ſtrengen Patricier gekämpft. Ihre Würde wurde verlacht, ihren Befeh⸗ len Trotz geboten, ſie ſelbſt öffentlich beſchimpft, und dieſe Päpſte, welche das ganze übrige Europa im Zügel hielten, wohnten als Gefangene im Valican, wo ſie ſich fortwährend bedroht ſahen. Achtunddrei⸗ ßig Jahre vor den Ereigniſſen, welche zu ſchildern ich im Begriffe ſtehe, hatte ein Franzoſe, unter dem Bulwer, Rienzi. 1. 3 Namen Clemens V., den Stuhl des heiligen Peir beſtiegen, und der neue Papſt vertauſchte, mehr g Klugheit als Tapferkeit, den Aufenthalt in Romm dem ruhigen Avignon; ſo wurde die üppige Stn einer ausländiſchen Provinz der Hof des römiſch Papſtes und der Thron der chriſtlichen Kirche. So ſelbſt von den Banden, welche die Anweſe heit des Papſtes dem Namen nach erlangte, befrei hatte die Macht der Edeln außer ihren eigenen Lu nen, oder der gegenſeitigen Eiferſucht und Fehder eigentlich keine Grenzen mehr. Obgleich ſie dur fabelhafte Stammregiſter ihren Urſprung von de alten Römern abzuleiten ſich anmaßten, waren ſ dem größeren Theile nach doch wirklich die Söhn der kühnen nordiſchen Barbaren, und mehr durz italieniſche Liſt befleckt, als von dem Vaterlande zu gethanen Geſinnungen erfüllt,— blieb die Verac tung ihrer fremden Vorfahren einem eroberten Lanh und einem entarteten Volke. Während das übrig Italien, beſonders Florenz, Venedig und Mailan ſich in Civiliſation und Kunſt immer mehr den an deren Staaten Europa's näherte, ſchienen die Römn eher rückwärts, als vorwärts zu ſchreiten;— vohn gute Geſetze, ohne Induſtriefleiß, dem ritterliche Betragen eines kriegeriſchen, wie den Tugenden ein⸗ friedlichen Volkes fremd, wohnte in ihnen noch in mer Sinn und Verlangen nach Freiheit, und noß immer ſuchten ſie durch wilde Paroxismen und ver⸗ zweifelte Kämpfe für Rom den Namen„Hauptſtall der Welt“ zu hehaupten Während der beiden letzte Jahrhunder ren,— kut Noch immet Volksherrſch ten je ihr ſer obrigkeit nannte, beſ ſie nie wede tend zu maſ men Sena zwei oder d von dem Pa wurden. D ſchien keine oberſte Diet nachdem der die angenom Adel wurde wurden alle C liche Rechtsp ſchaften ver! Ordnung we Racheplanen. Indem und Feſtung von Obrigke und Vorrecht anſprach, ſi und machte Kriegsvölker ligen Petr emehr g in Romn ppige Stn es römiſch dirche. ie Anweſen gte, befrei igenen und Fehder ich ſie dur 8 von de waren ſ die Söhn mehr durt terlande zu die Verach erten Lan das übrig Mailan die Röme — ohn ritterliche nden eine noch im und noch und vet 35 Jahrhunderte hatten ſie mehre Umwälzungen erfah⸗ ren,— kurz, voft blutig, aber immer ohne Erfolg. Noch immer ſchwebte ihnen das leere Trugbild einer Volksherrſchaft vor. Die dreizehn Stadttheile ernann⸗ ten je ihr Oberhaupt, und die Verſammlungen die⸗ ſer obrigkeitlichen Perſonen, welche man Caporivni nannte, beſaßen in der Theorie ein Anſehen, das ſie nie wever den Muth noch die Kraft hatten, gel⸗ tend zu machen. Noch hörte man den ſtolzen Na⸗ men Senator; aber zu jener Zeit war dieſes Amt zwei oder drei Männern übertragen, welche bisweilen von dem Papſte, bisweilen von den Adeligen gewählt wurden. Das an den Namen ſich knüpfende Anſehen ſchien keine beſtimmte Grenzen zu haben; es war eine oberſte Dietatur, oder ein läſſiges Puppenſpiel, je nachdem der jeweilige Machtinhaber die Kraft hatte, die angenommene Würde zu behaupten. Nur dem Adel wurde dieſe verliehen, und nur von Adeligen wurden alle Gewaltthätigkeiten verübt. Wenn je öffent⸗ liche Rechtspflege ſtattfand, ſo wurden Privatfeind⸗ ſchaften verhandelt, und Herſtellung der nöthigen Ordnung war nichts Anderes, als Vollziehung von Racheplanen. Indem ſie ihre Paläſte zu fürſtlichen Schlöſſern und Feſtungen machten, jeder ſeine Unabhängigkeit von Obrigkeit und Geſetz darthat, Feſtungen anlegte und Vorrechte auf dem angeſtammten Boden der Kirche anſprach, ſicherte der römiſche Adel ſeine Stellung und machte ſich noch verhaßter dadurch, daß er fremde Kriegsvölker, hauptſächlich Deutſche, in Sold nahm; — ſie waren beſſer geordnet, im Dienſt diſeiplinir⸗ ter und in Führung der Waffen geſchickter, als der freieſte Italiener jener Zeit; ſo vereinigten ſie in ſich richterliche und militäriſche Gewalt nicht zum Schutze, aber zu dem Verderben Roms. Zu den mächtigſten unter dieſen Adeligen gehörten die Orſini und die Colonna; ohne Unterlaß dauerten die ſich vererben⸗ den Fehden, und jeder Tag war Zeuge von den Er⸗ gebniſſen ihrer geſetzloſen Zwiſte durch Blutvergießen, Entführungen und Feuersbrünſte. Schmeichelei oder Zuneigung von Petrarka, welchem nur zu leicht von den neueren Geſchichtſchreibern geglaubt wurde, legt den Colonna, namentlich zu der Zeit, von der wir ſprechen, eine Anmuth und eine Würde bei, die ihnen nicht eigen war. Gewaltthaten, Betrug, Mord, ſchmutzige Habſucht bei für ſich in Anſpruch genommenen öffent⸗ lichen Amtern, übermüthige Bedrückung ihrer Mit⸗ bürger und feige Kriecherei gegen Mächtigere, mit nur wenigen Ausnahmen, bilden Haupicharakterzüge der erſten Familie Roms. Aber reicher, als der übrige Adel, waren ſie üppiger und vielleicht auch verſtän⸗ viger; ihr Stolz wurde dadurch noch geſchmeichelt, daß ſie Beſchützer von Künſten wären, in welchen ſie ſelbſt nie eine Fertigkeit erlangen konnten. Von die⸗ ſen zahlloſen Unterdrückern wandten ſich die römiſchen Bürger mit heftigem und ungeduldigem Bedauern zu ver unbeſtimmten und dunkeln Vorſtellung von einſti⸗ ger Freiheit und Größe. Sie vermiſchten die Zeiten des Kaiſerreiches mit denen der Republik und betrach⸗ teten den teutoniſchen König, der jenſeits der Alpen erwählt annahm trauten lichen S bisweile wurden, ihnen re Aber derunger Klaſſe v der ſich legte,! wir nal pagnie“ ganiſirt als den ten ver! zahlloſe durchzo Plötzlic diſeiplinir⸗ r, as der ſie in ſich um Schutze, mächtigſten ni und die h vererben⸗ on den Er⸗ utvergießen, eichelei oder leicht von wurde, legt on der wir i, die ihnen d, ſchmutzige enen öffent⸗ ihrer Mit⸗ tigere, mit araterzüge der übrige ich verſtän⸗ ſchmeichelt, welchen ſie Von die⸗ erömiſchen edauern zu von einſti⸗ die Zeiten nd betrach⸗ der Alpen 37 erwählt wurde, den Kaiſertitel aber von den Römern annahm, als einen Abtrünnigen von der ihm anver⸗ trauten geſetzlichen Gewalt und ſeiner rechtmäßigen Heimath, in dem irrigen Wahn, daß, wenn Kaiſer und Papſt ihren Wohnſitz in Rom nehmen, Freiheit und Recht wieder ihren natürlichen Schutz unter der wiederauflebenden Oberherrſchaft des römiſchen Vol⸗ kes ſuchen würden. Die Abweſenheit des Papſtes und des päpſtlichen Hofes trug viel zu Verarmung der Bürger bei, und ſie hatten offenbar noch mehr von den Plünderungen der zahlreichen, ſchonungsloſen Räuberhorden zu dul⸗ den, welche die Romagna überſchwemmten, alle öffent⸗ lichen Straßen verſperrten und bisweilen insgeheim, bisweilen offen, von dem Adel in Schutz genommen wurden, der häufig ſeine Banditengarniſonen aus ihnen rekrutirte. Aber außer den geringeren und gemeineren Plün⸗ derungen war in Italien eine noch weit furchtbarere Klaſſe von Freibeutern aufgeſtanden. Ein Deutſcher, der ſich den ſtolzen Titel eines Herzog Werner bei⸗ legte, hatte wenige Jahre vor dem Zeitpunkte, dem wir nahe ſtehen, unter dem Titel„die große Com⸗ pagnie“ eine beträchtliche Macht angeworben und or⸗ ganiſirt, mit der er ohne einen ſchamloſeren Zweck, als den der Plünderung, Städte belagerte und Staa⸗ ten verheerte. Bald fand ſein Beiſpiel Nachahmung: zahlloſe, auf ähnliche Weiſe errichtete„Compagniecen“ durchzogen plündernd nach allen Richtungen das Land. Plötzlich erſchienen ſie, wie hervorgezaubert, vor den Mauern einer Stadt und verlangten gegen Zuſicherung des Friedens ungehenere Summen. Weder Tyrannen noch Freiſtaaten waren ſtark genug, um ihnen Wider⸗ ſtand zu leiſten, und wenn man andere nordiſche Söld⸗ linge gegen ſie aufbot, ſo war dies nur, um die Fahnen der Freibeuter durch Ausreißer zu verſtärken. Söldner focht nicht gegen Söldner— der Deutſche nicht gegen den Deutſchen: größerer Lohn und erlaubte Plünderung verlieh den Zelten derCompagnieen“ einen weit größeren Reiz, als der geregelte Sold einer Stadt, oder die ſchwerfällige Feſtung und die verarmten Kaſ⸗ ſen eines Oberhauptes. Werner, der unverſöhnlichſte und wildeſte von dieſen Abenteurern, der in ſeiner Verworfenheit ſo weit gegangen war, daß er auf ſei⸗ ner Bruſt eine Silberplatte mit der Inſchrift trug, „Feind Gottes, des Mitleids und der Gnade,“ hatte vor nicht langer Zeit die Romagna mit Feuer und Schwert heimgeſucht. Aber entweder durch Geldrück⸗ ſichten beſtimmt, oder nicht im Stande, die kühnen Räuber, die er auf die Beine gebracht, zu beherr⸗ ſchen, führte er in der Folge den Kern ſeiner Truppen nach Deutſchland zurück. Gleichwohl blieben kleine, im ganzen Lande zerſtreute Abtheilungen zurück, die nur auf einen geſchickten Führer warteten, der ſie wieber vereinigte; unter denen, welche zu dieſem Ge⸗ ſchäfte am geeignetſten ſchienen, war Walter von Montreal, ein Ritter des heiligen Johannes und Edelmann aus der Provence, deſſen Tapferkeit und militäriſcher Geiſt trotz ſeiner Jugend ſeinen Namen bereits fürchterlich berühmt gemacht hatten; ſein Ehr⸗ geiz, liche u waren munger des ab ſer Gei Erbgüt neren dieſes f ten nur Clemen⸗ finirteſt hatte eir und ihr Beir wir ſpr lichen K zufriedet Jahr ei der heid in dieſe hundert⸗ ſuchte, ungeher Theilen Gedank mit Re len, di die den * Gi nlichſte zeldrück⸗ kühnen beherr⸗ ruppen kleine, ück, die der ſie ſem Ge⸗ lter von nes und keit und Namen ein Ehr⸗ 39 geiz, ſeine Erfahrung und ſein durch einige ritter⸗ liche und edle Eigenſchaften unterſtützter Scharffinn waren zu noch größeren und wichtigeren Unterneh⸗ mungen fähig, als die gewaltſamen Plünderungen des abſcheulichen Werner. Kein Staat hatte von die⸗ ſer Geißel empfindlicher zu leiden, als Rom. Die Erbgüter des Papſtes, die ihm zum Theil von klei⸗ neren Tyrannen entriſſen waren, zum Theil durch dieſes fremde Raubgeſindel verheert dalagen, liefer⸗ ten nur einen ſpärlichen Zuſchuß für die Bedürfniſſe Clemens VI., des vollendetſten Edelmannes und raf⸗ finirteſten Wollüſtlings ſeines Zeitalters; der gute Vater hatte einen Plan entworfen, durch welchen er die Römer und ihren Papſt auf einmal zu bereichern gedachte. Beinahe fünfzig Jahre vor der Zeit, von welcher wir ſprechen, hatte Bonifacius VIII., um die päpſt⸗ lichen Kiſten zu füllen und die verhungernden Römer zufrieden zu ſtellen, das Jubelfeſt oder das heilige Jahr eingeſetzt, der That nach ein Wiederaufleben der heidniſchen Ceremonien. Jedem Katholiken, der in dieſem und je dem erſten der folgenden Jahr⸗ hunderte die St. Peter⸗ und St. Paulskirchen be⸗ ſuchte, wurde vollkommener Ablaß zugeſagt. Ein ungeheures Zuſammenſtrömen von Pilgern aus allen Theilen der Chriſtenheit ſprach für die Klugheit des Gedankens; und zwei Pfaffen ſtanden Tag und Nacht mit Rechen in der Hand da, um, ohne ſie zu zäh⸗ len, die Haufen von Gold und Silber zu ſammeln, die dem Altar des heiligen Paul zufloſſen.* * Gibbon, Band RII. Kap. 59. Man varf ſich nicht wundern, daß dieſes einträg⸗ liche Feſt, ehe das nächſte Fahrhundert nur halb ver⸗ ſtrichen war, einem verſtändigen Papſte als zu weit hinausgeſchoben erſchien. Beide, Papſt und Stadt, ſtimmten in der Anſicht überein, daſſelbe ſollte in kürzerer Zeit eine Wiederholung erleiden. Demzufolge hatte Clemens VI. im Jahre 1350, nämlich drei Jahre ſpäter, als in dem nächſten Kapitel meine Erzählung beginnen wird, unter dem Namen Jubelfeſt Moſes ein zweites heiliges Jahr verkündet. Dieſer Umſtand erregte großes Aergerniß unter dem Volke gegen den Adel, und bereitete die Ereigniſſe vor, die ich be⸗ richten werde; denn die Straßen waren, wie ſchon oben geſagt, durch Banditen unſicher gemacht, die Werkzeuge oder Verbündeten der Adeligen. Wurden die Straßen nicht geſäubert, ſo durfte man keine Reiſende erwarten. Es war die Aufgabe des Stell⸗ vertreters des Papſtes, Raimund, Biſchof von Or⸗ vietto— eines ſchlechten Politikers, aber guten Kirchen⸗ gelehrten—, ſchlechterdings olle Hinderniſſe zwiſchen den Opfern der Frömmigkeit und dem Schatze des heiligen Peter aus dem Wege zu räumen. Dies war, um kurz zu ſein, der Zuſtand Rom's zu der Zeit, die wir zu prüfen im Begriffe ſtehen. In Italiens und Europa's Augen hatte ſein Ruf noch nicht gelitten. Dem Namen nach war es we⸗ nigſtens immer noch die Königin der Erde; aus ſei⸗ nen Händen empfingen die nordiſchen Herrſcher ihre Krone und der Kirchenvater die Schlüſſel. Seine Lage bot dem kühnen Ehrgeize einen großen, glänzenden Triump! rigen A mus— habenere Freveln ihre han dung bil An einem de alte Ron zerſtört verſamn Söldlin Haus ei daſſelbe gar die ſtieg. Mitgef „N fügen!“ „J thue e 41 Triumph,— einen begeiſternden, wenn auch trau⸗ rigen Anblick dem zum Grabe wankenden Patriotis⸗ mus— und eine geeignete Schaubühne für die er⸗ habenere Tragödie, die unter den Wechſelfällen und . Freveln der Nationen ihre Zwiſchenhandlungen ſucht, folge ihre handelnden Perſonen wählt und ihre Nutzanwen⸗ dung bildet. Drittes Kapitel. Der Aufſtand. ſchon An einem Aprilabende des Jahres 1347 war auf die einem der geräumigen Plätze, wo das neue wie das Purden alte Rom vermengt ſchien— gleich verlaſſen und gleich keine zerſtört— ein ſehr gemiſchter, unwilliger Volkshaufe Stell⸗ verſammelt. Am Morgen deſſelben Tages waren die on Or⸗ Söldlinge des Martino di Porto mit Gewalt in das Nirchen⸗ Haus eines römiſchen Juweliers gedrungen und hatten zwiſchen daſſelbe mit einer kühnen Frechheit geplündert, die ſo⸗ atze des gar die gewöhnliche Unverſchämtheit der Adeligen über⸗ ſtieg. Tief und von ſchlimmer Vorbedeutung war das Rom's Mitgefühl und die Entrüſtung in der ganzen Stadt. e ſtehen.„Nie werde ich mich dieſen Gewaltthätigkeiten ein Ruf fügen!“ es we⸗„Ich auch nicht!“ aus ſei⸗„Ich auch nicht!“ cher ihre„Nein, bei den Gebeinen des heiligen Peter, ich eine Lage thue es nicht!“ länzenden„Und worin, meine Freunde, beſtehen die Gewalt⸗ 10 —½— thätigkeiten, denen Ihr Euch nicht fügen wollt?“ fragte ein junger Edelmann, indem er ſich an die Menge von Bürgern wandte, die erhitzt, zornig, halb bewaffnet und mit den heftigen Geberden italieniſcher Leidenſchaft jetzt die lange, enge Straße hinabzogen, die nach dem düſteren, von den Orfſini behaupteten Stadtviertel führte. „Ach, gnädiger Herr!“ ſchrieen zwei vder drei Bürger zumal,„Sie werden uns in unſerem Rechte ſchützen— werden uns Gerechtigkeit widerfahren laſ⸗ ſen— Sie ſind ein Colonna.“ „Ha, ha, ha!“ lachte verächtlich ein Mann von rieſenhafter Geſtalt, mit einem ungeheuren Hammer auf der Schulter, der ſein Gewerbe errath ließ. „Gerechtigkeit und Colonna! Gott's Tod! Dieſe Na⸗ men findet man nicht häufig beiſammen.“ „Nieder mit ihm! nieder mit ihm! er iſt ein Orfini,— nieder mit ihm!“ ſchrieen wenigſtens Zehn in dem Gedränge; aber keine Hand erhob ſich gegen den Rieſen. „Er ſpricht die Wahrheit,“ ſagte eine zweite Stimme feſt. „Ja, das that er,“ nahm ein Dritter das Wort, indem er die Stirne runzelte und ſein Schwert ent⸗ blößte,„und wir ſtehen dafür ein. Die Orſini ſind Tyrannen— und die Colonna ſind im beſten Fall⸗ eben ſo ſchlimm.“ „Du biſt ein frecher Lügner, Schurke!“ ſchrie der junge Edelmann, der ſich vorwärts drängte und demjeni⸗ gen ſich gegenüber ſtellte, der zuletzt die Colonna ſchmähte Vor de des Cavalie zurück, ſo Geſtalt de aber kräfti Von i den Muth auch wenig an die ro auch war eines Adel ſtreuen, di ſeinem Ha wandter de der Hand gen die ge größe, Pl „Geht er mit W thut, wer Uebelthate ſere eigen Hauſe un mich ſo 1 Augen fo kläre, daſ „So 43 Vor dem blitzenden Auge und der drohenden Geberde ves Cavaliers trat der würdige Schreier einige Schritte zurück, ſo daß ein wenig Raum zwiſchen der hohen Geſtalt des Schmiedes und der kleineren, ſchlanken, aber kräftigen Figur des jungen Nobili war. Von ihrer Geburt an lernten Roms Patrieier den Muth eines Plebejers verachten, kümmerten ſich ober drei auch wenig um den eigenen Namen und waren ſchon em Rechte an die rohe Gemeinſchaft dieſer Schreier gewöhnt; fahren laſ⸗ auch war es nicht ſelten, daß das bloße Erſcheinen eines Abeligen hinreichte, um ganze Haufen zu zer⸗ Mann von ſtreuen, die den Augenblick zuvor ſeinem Stande und n Hammer ſeinem Hauſe Rache geſchworen hatten. ath Cließ.„ junge Adrian di Caſtello, ein entfernter Ver⸗ Dieſe Na⸗ wandter der Colonna, winkte daher dem Schmiede mit der Hand und befahl ihm ſtolz, völlig gleichgültig ge⸗ er iſt ein gen die geſchwenkte Waffe oder die ungeheure Leibes⸗ gſtens Zehn größe, Platz zu machen. ſich gegen„Geht nach Haufe, Freunde! und wiſſet,“ fügte er mit Würde hinzu,„daß Ihr uns ſehr Unrecht eine zweite thut, wenn Ihr glaubt, wir haben Theil an den Uebelthaten der Orſini, oder wir befriedigen nur un⸗ das Wort, ſere eigene Leidenſchaften im Kampfe zwiſchen jenem chwert en⸗ Hauſe und dem unſrigen. Möge die heilige Mutter Orſini ſind mich ſo richten,“ fuhr er mit andächtig erhobenen beſten Falle Augen fort,„wie ich jetzt der Wahrheit gemäß er⸗ kläre, daß ich nur wegen der Euch, wegen der Rom “ſchrie der gewordenen Unbilden dieſes Schwert gegen die Or⸗ nd demjeni⸗ ſini gezogen habe.“ a ſchmähte„So ſprechen alle Thrannen,“ erwiderte keck der 44 Schmied, während er ſeinen Hammer gegen ein Frag⸗ ment von einem Stein— einem Ueberbleibſel von dem alten Rom— ſtemmte,„ſie kämpfen nie gegen einander, es wäre denn zu unſerem Heile. Schnei⸗ det ein Colonna Orfini's Bäcker den Hals ab— ſo iſt es zu unſerem Heile! entführt ein anderer Co⸗ lonna die Tochter von Orſini's Schneider— ſo ge⸗ ſchieht auch dies zu unſerem Beſten! zu unſerem Beſten— ja, zum Beſten des Volkes!— des Bäckers und des Schneiders, he?“ „Geſetzt,“ ſagte der junge Edelmann mit Nach⸗ druck,„wenn ein Colonna dies gethan, ſo hatte er ſehr Unrecht; aber die heiligſte Sache kann ſchlimme Vertheidiger haben.“ „Ja, die heilige Kirche ſelbſt ſtützt ſich auf ſehr mittelmäßige Säulen,“* erwiderte der Schmied in roher Anſpielung auf die Zuneigung des Papſtes ge⸗ gen die Colonna. „Er läſtert! der Schmied läſtert!“ ſchrieen die Anhänger dieſes mächtigen Hauſes.„Colonna! Co⸗ lonna!“ „Orſini! Orſini!“ wurde beinahe zu gleicher Zeit von der andern Partei geſchrieen. „Das Volk!“ ſchrie der Schmied und ſchwenkte ſeine Waffe hoch über den Köpfen der Menge. In einem Augenblicke theilte ſich der ganze Hau⸗ fen, der zuerſt nur um den Angriff eines einzigen Mannes ſich verſammelt hatte, durch die vererbte * Ein im Deutſchen nicht wieder zu gebendes Wortſpiel. „U⸗ Parteit hänger auf di⸗ die an Schmi chen 4 Volke Stimr Schlä bei ih fluſſe tragen ſchen Schlä heit einem nach r Zeit venkte Hau⸗ zigen erbte el. 45 Parteiwuth. Bei dem Rufe Orſini eilten neue An⸗ hänger herbei; die Freunde der Colonna ſtellten ſich auf die eine Seite— die Vertheidiger der Orſini auf die andere— und die Wenigen, welche mit dem Schmiede übereinſtimmten, daß beide Parteien glei⸗ chen Haß verdienen und daß bei einer Gährung im Volke einzig und allein das Volk rechtmäßig ſeine Stimme erhebe, hätten ſich von der bevorſtehenden Schlägerei zurückgezogen, wenn nicht der Schmied, der bei ihnen für eine Autorität von bedeutendem Ein⸗ fluſſe galt,— ſei es aus Groll gegen das ſtolze Be⸗ tragen des jungen Colonna, oder aus jener bei Men⸗ ſchen von kräftigem Körperbaue, der ihnen bei allen Schlägereien das erhabene Vergnügen der überlegen⸗ heit gewährt, nicht ungewöhnlichen Begierde nach einem Kampfe— wenn nicht, ſage ich, der Schmied nach kurzer Unentſchloſſenheit ſich zu den Orſini ge⸗ ſtellt und durch ſein Beiſpiel ſeine Freunde den An⸗ hängern dieſer Partei zugeführt hätte. Bei Volksaufſtänden wird Jeder mit dem Rudel, oft halb gegen ſeine Billigung oder ſeinen Willen, fortgeriſſen. Die wenigen Worte des Friedens, mit denen Adrian di Caſtello eine Anrede an ſeine Freunde begonnen hatte, wurden, während er ſprach, über⸗ täubt. Die Anhänger der Colonna ſtellten, ſtolz dar⸗ über, in ihren Reihen einen der Beliebteſten und Edelſten dieſes Namens zu finden, ihn an ihre Spitze, und griffen ungeſtüm ihre Feinde an. Adrian in⸗ deſſen, der durch die Umſtände ſich etwas von den ritterlichen Geſetzen zu eigen gemacht hatte, was er ſeiner römiſchen Abkunft gewiß nicht vervankte, hielt es im Anfange unter ſeiner Würde, mit Leuten zu kämpfen, unter denen er weder an Rang, noch in Führung der Waffen, Seinesgleichen erkannte. Er beſchränkte ſich darauf, die wenigen in dem Gedränge des Kampfes auf ihn gerichteten Streiche abzuweh⸗ ren; die wenigen— denn diejenigen, welche ihn erkannten, wollten ſich ſelbſt unter den erbittertſten Anhängern der Orſini nicht der Gefahr und der Ge⸗ häſſigkeit ausſetzen, das Blut eines Mannes vergoſ⸗ ſen zu haben, der neben ſeiner hohen Geburt und der fürchterlichen Macht ſeiner Verwandten, perſön⸗ lich bei dem Volke ſehr beliebt war, was er mehr einer Vergleichung mit den Fehlern der Letzteren, als Tugenden zu verdanken hatte, die bis jetzt an ihm ſelbſt merklich aufgefallen wären. Der Schmied al⸗ lein, welcher bis jetzt keinen thätigen Antheil an der Schlägerei genommen hatte, ſchien ſich zu entſchloſ⸗ ſener Gegenwehr zu bereiten, als der junge Ritter ihm einige Schritte näher trat. „Haben wir Dir nicht geſagt,“ begann der Rieſe, indem er die Stirne runzelte,„daß die Colonna eben ſo die Feinde des Volkes ſeien, wie die Orſini? Blicke auf Dein Gefolge und Deine Anhänger: morden ſie nicht friedliche Lente, um die Schandthat eines Großen zu rächen? Aber dies iſt immer die Art, wie ein Patricier die Gewaltthaten des andern züchtigt. Er legt die Ruthe auf des Volkes Nacken und ruft dann: Seht, wie gerecht ich bin!“ „Ich gebe Dir jetzt keine Antwort,“ erwiderte perſön⸗ er mehr ren, als an ihm mied al⸗ an der ntſchloſ⸗ e Ritter er Rieſe, na eben Blicke rden ſie Großen wie ein t Er t dann: widerte 47 Adrian;„wenn Du aber, wie ich, dieſes Blutver⸗ gießen verabſcheueſt, ſo vereinige Deine Kräfte mit den meinigen, um demſelben Einhalt zu thun.“ „Ich— gewiß nicht! Laſſen wir das Blut der Sklaven heute fließen: bald wird die Zeit kommen, wo es durch das Blut der Herren weggewaſchen wird.“ „Hinweg, Schurke!“ ſagte Adrian, um einer weiteren Unterhandlung auszuweichen, und ſchlug den Schmied mit dem flachen Schwerte. In demſelben Augenblick war der Hammer des Schmiedes in der Luft geſchwungen und hätte unfehlbar den jungen Nobili zu Boven geſchlagen, wäre dieſer nicht durch einen behenden Sprung demſelben entgangen. Ehe der Schmied Zeit gewinnen konnte, um einen zweiten Streich zu führen, traf Abrian's Schwert zweimal ſeinen rechten Arm, daß die Waffe ſchwer zu Boden fiel. „Erſchlaget ihn, erſchlaget ihn!“ ſchrieen mehre Anhänger der Colonna und drängten ſich furchtſam um den entwaffneten, kampfunfähigen Schmied. „Ja erſchlaget ihn!“ ſagte in leiblichem Italieniſch, aber mit fremdem Aecent ein halb in eine Rüſtung gekleideter Mann, der ſo eben zu der Gruppe kam und zu den rohen, deutſchen Banditen gehörte, welche die Colonna in ihrem Solde hielten;„er gehört zu einer fürchterlichen Bande von Böſewichten, die gegen alle Ordnung und Ruhe ſich verſchworen haben. Er gehört zu Rienzi's Gefolge und,— geſegnet ſeien die drei Könige!— wüthet für das Volk.“ „Du ſprichſt Wahrheit, Barbar,“ ſagte der trotzige Schmied mit lauter Stimme, und riß mit der linken Hand die Jacke von ſeiner Bruſt;„kommt Alle— Colonna und Orſini— durchbohrt dieſes Herz mit Euren Klingen und wenn ihr ganz in daſſelbe ein⸗ gedrungen ſeid, ſo werdet Ihr dort den Gegenſtand Eures gemeinſchaftlichen Haſſes finden— Rienzi und das Volk!“ Als er dieſe Worte in einer Sprache äußerte, die für ſeinen Stand zu erhaben geſchienen hätte, wenn nicht eine gewiſſe Glut und übertreibung in Ausdruck und Gefühl bei jedem Römer, war er aufgeregt, vor⸗ herrſchend geweſen wären, übertönte ſeine laute Stimme den Lärm um ihn herum und beſchwichtigte einen Augenblick das allgemeine Getöſe; als er am Ende die Worte„Rienzi und das Volk“ ausſprach, drangen ſie mitten durch den immer zunehmenden Haufen, und aus hundert Kehlen antwortete das Echv—„Rienzi und das Volk!“ Welchen Eindruck auch dieſe Worte des Hand⸗ werkers auf die Anderen gemacht haben mochten, ſo war er doch in dem jungen Colonna beſonders be⸗ merkbar. Bei dem Namen Rienzi wich die Glut der Aufregung von ſeinen Wangen; er ſchauderte, murmelte Etwas in ſich hinein und ſchien ſelbſt mitten in dem bewegten Aufſtande in tiefſinnige Träumerei verſunken. Als das Geſchrei in der Luft verhallte, gewann er ſeine Beſinnung wieder und ſagte mit leiſer Stimme zu dem Schmied:„Freund, es thut mir leib, daß ich Dich verwundet, ſuche mich morgen auf und Du ſollſt Dich überzeugen, daß Du mir Unrecht ge⸗ than.“ Er winkte dem Deutſchen, daß er ihm folge, und beiden tertſte jener Mitg! wider A gelau noch das„ mocht Ander „ dem gegen „ Niem „ mit 6 „die G nach W und ſagte ſeiner ſcheln Bu erte, die e, wenn Ausdruck egt, vor⸗ Stimme te einen Ende die angen ſie und aus ienzi und s Hand⸗ chten, ſo ers be⸗ die Glut hauderte, ſt mitten räumerei verhallte, nit leiſer mir leid, auf und recht ge⸗ m folge, 49 und nahm ſeinen Weg durch die Menge, die ihm zu beiden Seiten Platz machte. Denn mit dem erbit⸗ tertſten Haſſe gegen den Adelſtand verband ſich in jener Zeit eine knechtiſche Unterwürfigkeit gegen deſſen Mitglieder und eine geheime Furcht vor ihrer un⸗ widerſtehlichen Macht. Als Adrian durch denjenigen Theil der zuſammen⸗ gelaufenen Menge ſchritt, welcher die Feindſeligkeiten noch nicht begonnen hatte, folgte ihm ein Gemurmel, das wohl nicht Viele ſeines Standes gehört haben mochten. „Ein Colonna,“ ſagte der Eine. „Doch keiner von den Nothzüchtigern,“ ſagte ein Anderer mit wildem Lachen. „Auch kein Mörder,“ murmelte ein Dritter, in⸗ dem er die Hand gegen die Bruſt drückte.„Nicht gegen ihn ſchreit laut meines Vaters Blut.“ „Segnet ihn,“ ſagte ein Vierter,„denn noch Niemand flucht ihm bis jetzt!“ „Ach, Gott ſteh uns bei!“ ſagte ein alter Mann mit grauen Haaren, der ſich auf ſeinen Stab ſtützte, „die Schlange iſt noch jung; das Gift wird nach und nach kommen.“ „Pfui, Vater; er iſt ein artiger junger Mann, und nicht im geringſten ſtolz. Wie er lächelt!“ ſagte eine hübſche Frau außerhalb des Gedränges. „Adien, Ehre des Mannes, wenn ein Adeliger ſeinem Weibe zulächelt!“ war die Antwort. „Nein,“ ſagte Luigi, ein luſtiger Fleiſcher mit ſchelmiſchem Blicke,„was ein Mann von einem Mäb⸗ Bulwer, Rienzi. I. 4 ———— chen, vver einer Frau ohne Trug erhalten kaun, das mag er haben, Plebejer vder Patricier— das iſt meine Moral; wenn aber ein häßlicher, alter Adeliger um ſchöne Worte keine freundliche Blicke bekommt, nur auf dem Rücken eines deutſchen Bären ein Weib ent⸗ führt und den Gatten mit einem Stiche in die Seite tröſtet— dann ſäge ich, iſt er ein ſchlechter Kerl und ein Ehebrecher.“ Während dieſe und ähnliche Bemerkungen dem Nobili folgten, bemerkte der deutſche Söldling ganz andere Worte und Blicke. Ebenſo, ja noch bereitwilliger machte die Menge dem ſchweren Tritte des Bewaffneten Platz, aber in ihren Blicken war keine Ehrerbietung zu leſen;— das Auge glänzte, wenn er näher kam, aber die Wange wurde blaß— das Haupt neigte ſich— die Lippen zitterten— Haß und Furcht durchſchauderten Jeden, als erblickte er in ihm einen fürchterlichen Tod⸗ feind. Zornig bemerkte der kecke Söldner wohl die Zeichen der allgemeinen Abneigung. Unſanft drängte er ſich vorwärts— lächelte bald verächtlich, bald runzelte er drohend die Stirne, während er nach beiden Seiten blickte— und ſeine langen, geflochtenen, hellen Haare, ſein rothbrauner Schnurrbart und flei⸗ ſchige Stirne bildeten einen auffallenden Gegenſatz zu den dunkeln Augen, den Rabenlocken und ſchlanken Geſtalten der Italiener. „Der Teufel hole zweimal dieſe deutſchen Meuchel⸗ mörder!“ murmelte ein Bürger zwiſchen den knir⸗ ſchenden Zähnen. — „ blicke ein v ſagte größe deiner Barb / Bürg „ Ander nahm V in we ausdr von G verſch A obwol doch an ſe merke zu de Hauſe ſchim; dieſes Name des un, das iſt meine iger um mt, nur eſen;— aber die ch— die hauderten hen Tod⸗ wohl die drängte ch, bald er nach ochtenen, und flei⸗ Hegenſatz ſchlanken Meuchel⸗ en knir⸗ 51 „Amen!“ antwortete von Herzen ein Anderer. „Stille!“ ſagte ein Dritter, ängſtlich um ſich blickend;„wenn Dich einer von ihnen hört, biſt Du ein verlorener Mann.“ „O Rom! o Rom! wie tief biſt Du geſunken!“ ſagte bitter ein in Schwarz gekleideter Bürger von größerem Anſehen als die übrigen;„wenn Du in deinen Straßen bei dem Tritte eines gedungenen Barbaren zitterſt!“ „Höret auf einen unſerer Gelehrten und reichen Bürger!“ ſagte der Fleiſcher ehrerbietig. „Er iſt ein Freund Rienzi's,“ entgegnete ein Anderer aus der Gruppe, indem er ſeine Mütze ab⸗ nahm. Mit niedergeſchlagenen Augen und einer Miene, in welcher Kummer, Schande und Zorn ſichtlich ſich ausbrückten, ging Pandulfo di Guido, ein Bürger von Geburt und Ruf, langſam durch die Menge und verſchwand. Adrian hatte unterdeſſen eine Straße erreicht, die, obwohl nicht weit von dem Zuſammenlaufe entfernt, doch leer und verlaſſen war, und wandte ſich jetzt an ſeinen dreiſten Gefährten.„Rudolph!“ ſagte er, merke Dir!— keine Gewalt gegen die Bürger. Kehre zu dem Gewühle zurück, ſammle die Freunde unſeres Hauſes und entferne ſie von dem Schauplatze; be⸗ ſchimpfe die Colonna's nicht durch eine Gewaltthat dieſes Tages; verſichere unſeren Anhängern in meinem Namen, daß ich bei dem Ritterorden, den ich aus des Kaiſers Händen empfing, ſchwöre, Martino di — 52 Ponto ſoll durch mein Schwert für ſeinen Schimpf gezüchtigt werden. Gerne würde ich in eigener Perſon mich in das Getümmel miſchen, aber ſchon meine Gegenwart ſcheint daſſelbe gut zu heißen. Gehe— Du haſt bei Allen einiges Gewicht.“ „Ja, gnädiger Herr, das Gewicht der Schläge!“ erwiderte der grimmige Krieger.„Aber der Auftrag iſt hart, gerne ließe ich ihr unreines Blut noch einige Stunden länger fließen. Doch verzeiht mir; handle ich, wenn ich Eurem Befehle gehorche, nicht denen meines Herrn, Eures Verwandten, entgegen? Ich ſtehe im Solde des alten Stephan Colonna, der ſelten Blut oder Geld ſpart—(ausgenommen ſein ei⸗ genes) Gott ſegne ihn— ſeinem Dienſte bin ich durch einen Eid verpflichtet“ „Diavolo!“ murmelte der Ritter, und ein zorniges Roth flog über ſeine Wangen; aber mit der gewohnten Selbſtbeherrſchung eines italieniſchen Edelmannes un⸗ terdruckte er ſeine aufſteigende Galle und ſprach ruhig aber würdevoll:„Thue, wie ich Dir befahl; thue dem Aufruhr Einhalt,— mäche uns zu der duldenden Partei. Sorge, daß nach einer Stunde Alles ruhig iſt und hole morgen bei mir Deinen Lohn; nimm dieſe Börſe zum Pfande fernerer Dankesbezeugungen. Was meinen Verwandten betrifft, den ich Dir mit mehr Ehrerbietung zu nennen empfehle, ſo handle ich in ſeinem Auftrage. Horch! der Lärm wird größer — der Streit nimmt zu— gehe— verliere keinen Augenblick.“ Durch die ruhige Feſtigkeit des Patriciers etwas einge rede, hinwe hinka 4 dem deſſen ihre ſelbſt Ande: — w Kinde Groß flucht ſäen vater wird ſein wir, der G bewa Schw ſpott die u mäßi lichen ſeren unſer heit Schimpf Perſon meine Hehe— hläge!“ Auftrag ch einige handle enen Ich er ſelten ſein ei⸗ bin ich zorniges wohnten nnes un⸗ ach ruhig thue dem udenden les ruhig nimm ugungen. Dir mit ſo handle rd größer re keinen ers etwas 53 eingeſchüchtert, verbeugte ſich Rudolph ohne Wider⸗ rede, ließ das Geld in ſeine Taſche gleiten und ſchritt hinweg nach dem heftigſten Gedpänge. Aber ehe er hinkam, hatte eine plötzliche Reaktion Statt gefunden. Der junge Ritter, der ſich nun allein ſah, folgte dem ſich entfernenden Söldner mit den Augen, auf deſſen glänzenden Helm die untergehende Sonne ſchief ihre Strahlen warf, und ſprach ſchmerzlich zu ſich ſelbſt:„Unglückliche Stadt, Quelle aller großen Andenken— gefallene Königin von tauſend Nationen wie wirſt du von deinen feigen, abtrünnigen Kindern deiner Krone beraubt und verwüſtet! Deine Großen ſtehen ſich feindlich gegenüber— dein Volk flucht auf den Adel— deine Prieſter, welche Frieden ſäen ſollten, ſtreuen Zwietracht aus— der Kirchen⸗ vater verläßt deine ſtattlichen Mauern, ſeine Heimath wird ein Schlupfwinkel, ſein Biſchofshut ein Lehen, ſein Hof kommt in ein galliſches Dorf— und wir! wir, von dem edelſten Blute Rom's— wir, die Söhne der Cäſaren, die wir von Halbgöttern abſtammen, bewachen einen trotzigen, verachteten Staat durch die Schwerter von Miethlingen, die unſerer Feigheit ſpotten, während ſie ſich von uns bezahlen laſſen,— die unſere Bürger zu Sklaven machen und ihre recht⸗ mäßigen Gebieter beherrſchen! O, daß wir, die erb⸗ lichen Häupter Rom's, es fühlen— v, daß wir un⸗ ſeren rechtmäßigen Schutz in den dankbaren Herzen unſerer Mitbürger finden könnten!“ Der junge Adrian fühlte die beunruhigende Wahr⸗ heit von Allem, was er ſprach, ſo tief, daß Thränen ves Unwillens über ſeine Wange rollten. Er fühlte keine Scham, als er ſie hinwegwiſchte, denn die Schwäche, die um gefallene Geſchlechter weint, iſt nicht die Rührung des Weibes, ſondern eines Engels. Als er langſam ſich umwandte, um den Ort zu verlaſſen, wurde er plötzlich durch den lauten Ruf: „Rienzi! Rienzi!“ aufgehalten, der durch die Lüfte drang. Von den Mauern des, Capitols bis zu dem Bette der glänzenden Tiber tönte weit und breit dieſer Name; und als der Schall ſich verlor, folgte ihm eine ſo tiefe, ſo gänzliche, athemloſe Stille, daß man hätte glauben können, der Tod ſelbſt ſei in die Stadt eingezogen. Und jetzt ſtand vorne an der Spitze der WMenge, höher als ſie, auf Steinhaufen, die bei einem der in der neuern Zeit zwiſchen den einander feindlich gegenüberſtehenden Parteien hänfig vorge⸗ fallenen Tumulte aus den Trümmern Roms zuſam⸗ mengetragen worden waren, um Bürgern als Schutz⸗ wehr gegen Bürger zu dienen,— der merkwürdige Mann, der mehr, als ſein ganzes Geſchlecht von der Rühmlichkeit der einen, wie von dem Verderbniſſe des anvern Zeitalters durchdrungen war. Adrian ſtand ſo entfernt von dem Schauplatze, daß er nur die dunkeln Umriſſe von Rienzi's Geſtalt unter⸗ ſcheiden konnte; er vernahm nur einen ſchwachen Schall ſeiner mächtigen Stimme; er bemerkte nur an dem gedämpften, aber wogenden Meere von Men⸗ ſchen, deren entblößte Häupter die letzten Strahlen der Sonne beſchienen, den unausſprechlichen Eindruck, den eine, von den Zeitgenoſſen als beinahe überna⸗ türlie Wirk dem Alle ihrer T Geſta chung kurze welch 2 als d lende fühlte enn die int, iſt Engels. Ort zu n Ruf: ie Lüfte zu dem eit dieſer gte ihm daß man die bei einander gvorge⸗ zuſam⸗ s Schutz⸗ kwürdige tvon der derbniſſe atze, daß lt unter⸗ chwachen rkte nur on Men⸗ Strahlen. Findruck, überna⸗ 55 türlich beſchriebene Beredſamkeit,— die aber in Wirklichkeit mehr dem Mitgefühle der Zuhörer, als dem Geiſte des Mannes zuzuſchreiben iſt,— auf Alle machte, welche mit Herz und Seele den Strom ihrer glühenden Gedanken hinabſchlürften. Dem ernſten Auge Adrian's di Caſtello war dieſe Geſtalt nur kurze Zeit ſichtbar, nur mit Unterbre⸗ chungen erreichte dieſe Stimme ſein Ohr; aber dieſe kurze Zeit reichte hin, um all die Wirkung zu haben, welche Adrian ſelbſt gewünſcht. Neues Jubelgeſchrei, ernſtlicher— anhaltender, als das frühere, worin ſich die Befreiuung von ſchwel⸗ lenden Gedanken— von heftigen Gefühlen ausſprach — deutete den Schluß der Rede an; und dann konnte man nach einer augenblicklichen Pauſe die Menge nach allen Richtungen hin ſich wälzen und durch die Straßen in bunten Haufen und Gruppen ſtrömen ſehen, Alle von dem gewaltigen und dauernden Eindruck beſeelt, den die Rede auf ſie gemacht hatte. Jede Wange glühte— jede Zunge ſprach; wie ein lebendiger Geiſt war das Feuer des Sprechers in die Bruſt der Zuhörer gedrungen. Er hatte gegen die unordentliche Auf⸗ führung gedonnert, doch mit einem Worte hatte er die Wuth der Plebejer entwaffnet— er hatte Frei⸗ heit gepredigt, aber ſich der Zügelloſigkeit widerſetzt. Durch Ausſichten auf eine beſſere Zukunft hatte er die Gegenwart beſchwichtigt. Er hatte ihre Streitig⸗ keiten getadelt, gleichwohl aber ihre Sache vertheidigt. Durch das feierliche Verſprechen, daß morgen Ge⸗ rechtigkeit geübt werden ſolle, hatte er die Rachgier 56 von heute bemeiſtert. So groß kann die Macht, ſo hinreißend die Beredſamkeit, ſo furchtbar das Genie eines Mannes ſein— ohne Waffen, ohne Rang, ohne Schwert oder Hermelin, der zu einem unter⸗ „drückten Volke ſpricht. Viertes Kapitel. Ein Abenteuer. Indem er den getheilten Strömen der ſich zer⸗ ſtreuenden Menge auswich, ſchritt Adrian Colonna eilig eine der engen Straßen hinab, welche nach ſeinem Palaſte führten, der in ziemlicher Entfernung von dem Flatze lag, wo der jüngſte Streit vorgefallen war. Seine Erzichung flößte ihm ein tiefes Inter⸗ eſſe nicht nur an den Spaltungen und Streitigkeiten ſeines Vaterlandes, ſondern auch an dem Auftritte ein, von dem er ſo eben Zeuge geweſen, und an dem Einfluſſe, den Rienzi ausübte. Als Waiſe eines jüngeren, aber reichen Zweiges der Colonna, war Adrian unter der ſorglichen Vor⸗ mundſchaft ſeines Verwandten, des ſchlauen, aber tapfern Ste phan Colonna, erzogen worden, der ſowohl als Günſtling des Papſtes, wie wegen der Anzahl hewaffneter Söldlinge, welche zu halten ſein Reich⸗ thum ihn in den Stand ſetzte, unter allen römiſchen Eodlen der mächtigſte war. Adrian hatte frühe für die Begriffe der damaligen Zeit außerordentliche An⸗ lagen für geiſtige Studien gezeigt und ſich von dem Wenigen, was man damals von der alten Sprache und( möglie O Leſer von d ſeines Schm wand Herz gefliſſ und! Rien Brut Hall Gaſt gewi trag wint Amt und fälli ſein Der wel bei yfe iro wo Ge die Rang, unter⸗ ſeinem ng von gefallen Inter⸗ tigkeiten Auftritte an dem Zweiges en Vor⸗ t, aber owohl Anzahl Reich⸗ zmiſchen ühe für che An⸗ on dem Sprache 57 und Geſchichte ſeines Vaterlandes wußte, ſo viel möglich zu eigen gemacht. Obgleich noch Knabe zu der Zeit, wo er dem Leſer zum erſten Male vorgeführt wurde, wo er Zeuge von den Gemüthsbewegungen Rienzi's bei dem Tode ſeines Bruders war, hatte doch Mitgefühl für Cola's Schmerz, und Scham über die Fühlloſigkeit ſeines Ver⸗ wandten bei den Folgen ihrer Fehden ſein ſanftes Herz durchdrungen. Er hatte Rienzi's Freundſchaft gefliſſentlich geſucht und trotz ſeiner Jugend die Macht und Thatkraft ſeines Charakters erkannt. Wenn auch Rienzi nach kurzer Zeit nicht mehr an den Tod ſeines Bruders zu denken ſchien— wenn er auch wieder die Hallen der Colonna betrat und ihre höhniſch ſtolze Gaſtfreundſchaft benützte, beobachtete er dennoch eine gewiſſe Entfernung und Zurückhaltung in ſeinem Be⸗ tragen, welche ſelbſt Adrian nur theilweiſe zu über⸗ winden vermochte. Er wies jedes Anerbieten eines Amtes, von Gunſtbezeugung vder Beförderung zurück, und mehr als gewöhnliche Beweiſe von Adrian's Ge⸗ fälligkeit ſchienen, ſtatt ihn zutraulicher zu machen, ſein kühles Sichentfernthalten nur noch zu vermehren. Der heitere Humor und die lebhafte Unterhaltung welche ihn im Anfange zu einem willkommenen Gaſte bei denen gemacht hatten, die ihr Leben unter Käm⸗ pfen und Schmauſereien hinbrachten, waren jetzt in eine ironiſche, eyniſche und bittere Laune verwandelt. Gleich⸗ wohl fanden die geiſtloſen Adeligen an ſeinem Witz Gefallen, und Adrian war beinahe der Einzige, der die unter dem Lächeln verborgene Schlange bemerkte. 53 Oft ſaß Rienzi ſchweigend, aher beobachtend bei dem Feſte, als belauerte er jeden Blick, wäge jedes Wort ab, als bemäße und berechnete er den Verſtand, die Klugheit, das Temperament jedes Gaſtes, und wenn er befriedigt ſchien, erhoben ſich ſeine Lebens⸗ geiſter auf einmal, ſeine Worte floſſen, und wenn ſein blendender, aber bitterer Witz das lärmende Gelage entzündete, ſah Niemand, daß dieſes freudeloſe Auf⸗ blitzen den nahen Sturm verkündete. Während dieſer ganzen Zeit verſäumte er jedoch keine Gelegenheit, ſich unter den niedrigeren Bürgern ſehen zu laſſen, ihre Gemüther aufzuwiegeln, ihre Einbildungskraft zu entflammen, ihren Ehrgeiz durch Schilderungen der Gegenwart und Sagen der Vorzeit rege zu machen. Er ſtieg in Volksgunſt und Anſehen, und ſeine Ge⸗ walt unter den Haufen war um ſo größer, weil er von dem Adel in Ehren gehalten wurde. Vielleicht iſt es hieraus zu erklären, daß er fortwährend der Gaſt der Colonna blieb. Als ſechs Jahre vor dem jetzigen Zeitpunkte das Capitol der Cäſaren den Triumph Petrarka's ſah, hatte der gelehrte Ruf des jungen Rienzi ihm die Freundſchaft des Dichters gewonnen— eine Freund⸗ ſchaft, die, mit kurzer Unterbrechung, durch ſo un⸗ endlich verſchiedene Bahnen bis ans Ende dauerte, und ſpäter ſah er ſich als einer der Abgeordneten, welche die Römer nach Avignon ſandten, mit Petrarka“ ver⸗ * So nach den neueren Geſchichtſchreibern; aber es ſcheint wahrſcheinlicher, daß Rienzi's Sendung nach Avignon eine ſpätere war, als die Petrarka's. Wie dem auch ſein mag, in Avignon eint, Stuhl dieſer orden Freil lichke nicht zückt mit bekle loſe auf Nie Rech hatt Gru er an Gei Adr oſe Auf⸗ nd dieſer machen. eine Ge⸗ weil er Vielleicht rend der nkte das a's ſah, ihm die Freund⸗ ſo un⸗ rte, und welche * ver⸗ es ſcheint e ſpätere Avignon eint, um Clemens VI. zu bitten, er möge den heiligen Stuhl wieder von Avignon nach Rom verlegen. Bei dieſer Sendung bewies er zum erſtenmale ſeine außer⸗ ordentliche Macht in Beredſamkeit und überzeugung. Freilich wurde der Papſt, dem mehr an der Bequem⸗ lichkeit, als an dem Ruhme lag, durch die Gründe nicht überzeugt, aber er war von dem Sprecher ent⸗ zückt, und Rienzi kehrte, mit Ehren überhäuft und mit der Würde eines hohen, verantwortlichen Amtes bekleidet, nach Rom zurück. Nicht länger der that⸗ loſe Gelehrte, der heitere Geſellſchafter, errang er ſich auf einmal einen höheren Einfluß auf ſeine Mitbürger. Nie zuvor war die geſetzmäßige Gewalt mit ſo ſtrenger Rechtlichkeit, ſo reinem Eifer verwaltet worden. Er hatte es verſucht, ſeinen Kollegen dieſelben erhabenen Grundſätze einzuflößen— aber vergebens. Nachdem er jetzt feſten Fuß gefaßt hatte, fing er vffen an, ſich an das Volk zu wenden, und bereits ſchien ein neuer Geiſt Roms Bevölkerung zu beſeelen. Während Rienzi dieſe Schickſale erlebte, war Adrian lange von ihm getrennt und von Rom ab⸗ weſend geweſen. Die Colonna waren ihren Grundſätzen nach getreue Anhänger der kaiſerlichen Partei und Adrian di Ca⸗ ſtello war einer Einladung an den kaiſerlichen Hof gefolgt. Unter dieſem Monarchen hatte er ſich mit den Waffen vertraut gemacht und von den deutſchen wurden Petrarka und Rinzi, wie der Erſtere ſelbſt in einem ſeiner Briefe ſagt, die vertrauteſten Freunde. —— —— —— Rittern gelernt, die dem Italiener angeborne Schlau⸗ heit mit edler, nordiſcher Tapferkeit zu paaren. Nachdem er Baiern verlaſſen, hatte er kurze Zeit in der Einſamkeit einer ſeiner Beſitzungen an dem ſchönſten See des nördlichen Italiens zugebracht, von da aus mit einem durch Thaten und Studien ver⸗ edelten Geiſte manche der italieniſchen Freiſtaaten be⸗ ſucht, weniger von Vorurtheilen eingenommene Ge⸗ fühle, als diejenigen ſeines Standes, eingeſogen und ſich frühe einen Namen erworben, während er Cha⸗ raktere und Thaten Anderer genau beobachtete. In ihm waren die vorzüglichſten Eigenſchaften des italie⸗ niſchen Adels vereint. Dem Studium der Wiſſen⸗ ſchaften leidenſchaftlich ergeben, fein und tief in Po⸗ litik, von ſanftem, gefälligem Benehmen, erhöhte er die Liebe zum Vergnügen zu einem gewiſſen erhabe⸗ nen Geſchmacke und beſaß zugleich einen Edelmuth in ſeinem Benehmen«eine Ehrenhaftigkeit und einen Abſcheu gegen Grauſamkeit, wie man ſie ſehr ſelten in einem italieniſchen Gemüthe fand, und denen ſogar die Ritterſchaft des Nordens, während ſie doch unter ſich im höchſten Grade darauf hielten, in dem Augen⸗ blick untreu wurde, wo ſie mit der ſhſtematiſchen Liſt und der Verachtung von Redlichkeit in Berührung kamen, die dem Charakter des heftigen, aber verſchmitz⸗ ten Südens eigen ſind. Mit dieſen Vorzügen verband er jedoch die friedlicheren Leidenſchaften ſeiner Lands⸗ leute— er betete die Schönheit an und machte die Liebe zu ſeiner Gottheit. Er war erſt ſeit wenigen Wochen in ſeine Vater⸗ ſtadt zu angeeil für die mens eigene, veränd veſuch Ferne lunger dacht, hegte volle nacht mehr zu v Bür Vor dieſe Ital zur redl Hö vie We abe ich ich At Schlau⸗ ren. urze Zeit f in Po⸗ höhte er erhabe⸗ delmuth nd einen r ſelten en ſogar ch unter Augen⸗ hen Liſt ührung ſchmitz⸗ erband Lands⸗ hte die Vater⸗ ſtadt zurückgekehrt, wohin ihm ſein Ruf ſchon vor⸗ angeeilt war, und wo man ſich ſeiner frühen Neigung für die Wiſſenſchaften und ſeines anſtändigen Beneh⸗ mens noch wohl erinnerte. Weit mehr, als ſeine eigene, fand er bei ſeiner Rückkehr Rienzi's Stellung verändert. Noch hatte Adrian den Gelehrten nicht beſucht. Er wollte zuerſt mit eigenen Augen aus der Ferne ſeine Beweggründe und den Zweck ſeiner Hand⸗ lungen prüfen; denn theilweiſe nährte er den Ver⸗ dacht, den ſeine Standesgenoſſen hinſichtlich Rienzi's hegten, theilweiſe ſtimmte er mit in die vertrauens⸗ volle Begeiſterung des Volkes ein. „Gewiß,“ ſprach er jetzt zu ſich ſelbſt, als er nachdenklich vahinſchritt,„gewiß hat es kein Mann mehr in ſeiner Gewalt, unſeren krankhaften Zuſtand zu verbeſſern, unſere Spaltungen zu heilen, unſere Bürger zu der Erinnerung an die Tugenden ihrer Vorfahren zu erwecken. Wie gefährlich iſt aber gerade dieſe Gewalt! Habe ich nicht in den freien Staaten Italiens Männer geſehen, die, um das Volk zu ſchützen, zur Herrſchergewalt berufen wurden, im Anfange die revlichſten Abſichten hatten und dann, trunken von der Höhe, zu der ſie ſo ſchnell erhoben wurden, gerade vie Sache verriethen, die ihre Erhöhung veranlaßt hatte? Wahr, dieſe Männer waren Fürſten und Edle; ſind aber Plebejer weniger Menſchen? Wie dem auch ſei, ich habe aus der Ferne genug geſehen und gehört, ich will jetzt näher treten und den Mann ſelbſt prüfen.“ Während er ſo mit ſich ſelbſt ſprach, bemerkte Adrian nur wenig die verſchiedenen, nach Hauſe keh⸗ 62 renden Vorübergehenden, die mit dem ſeinem Ende ſich nahenden Abende immer ſeltener wurden. Unter ſt ihnen waren zwei weibliche Geſtalten, die ſich jetzt allein mit Adrian in der nunmehr von ihm betretenen Straße befanden. Der Mond glänzte bereits hell am Himmel, und als die Frauen mit leichtem, raſchem Schritte an dem Ritter vorüberkamen, wandte ſich die jüngere um und betrachtete ihn bei dem reinen Lichte des Mondes mit lebhaftem, aber furchtſamem Blicke. „Warum zitterſt Dun, meine Liebe?“ fragte ihre Begleiterin, die etwa fünfundvierzig Jahre zählen mochte, und deren Kleidung und Stimme verriethen, daß ſie von geringerem Stande war, als die jüngere. „Die Straßen ſcheinen jetzt ziemlich ruhig, die Jung⸗ 6 5 frau ſei geprieſen! wir ſind unſerer Wohnung nicht i nn mehr ferne.“ Frn „Ach Benedetta, er iſt es! es iſt der junge Signor 4 — es iſt Adrian!“ „Das trifft ſich glücklich,“ erwiderte die Amme, Rieber dies war ſie,„denn ſie ſagen, er ſei ſo tapfer wie ſehr ein Nordländer, und da der Palaſt Colonna nicht ſehr Woc weit von hier iſt, wäre er mit ſeiner Hülfe gleich zur Hand, wenn wir ihrer bedürfen ſollten: das Se heißt, Holde, wenn Du ein wenig langſamer gehen ze wollteſt, als bisher.“ Die junge Dame hemmte ihren Schritt und ſeufzte. Pup „Er iſt gewiß ſehr ſchön,“ ſagte die Amme;„aber So Du mußt nicht mehr an ihn denken; zum Heirathen iſt Dein er für Dich viel zu vornehm, und zu irgend etwas An⸗— derem biſt Du zu anſtändig, und Dein Bruder zu ſtolz—“ hell am raſchem Amme, er wie ht ſehr gleich das gehen ufzte. „aber en iſt 3 An⸗ 3— 4 63 „Und Du, Benebetta, biſt zu vorlaut. Wie kannſt Du ſo ſprechen, da Du weißt, daß er nie, wenig⸗ ſtens ſeit ich kein ganzes Kind mehr bin, nicht wieder mit mir geſprochen hat; kaum weiß er ja, daß ich nur lebe. Er, der Baron Adrian di Caſtello, von der armen Irene träumen! Der bloße Gedanke iſt Tollheit!“ „Warum,“ fragte die Amme lebhaft,„träumſt Du dann von ihm?“ Ihre Begleiterin ſeufzte jetzt noch tiefer, als das erſtemal. „Heilige Katharina!“ fuhr Benedetta fort,„wenn es nur einen Mann in der Welt gäbe, ſo wollte ich eher ledig ſterben, ehe ich an ihn dächte, ohne daß er wenigſtens zweimal meine Hand geküßt und es nur an mir gelegen hätte, daß es nicht die Lippen waren.“ Das junge Mädchen antwortete noch immer nicht. „Aber wie kamſt Du auf den Gedanken, ihn zu lieben?“ fragte die Amme.„Du kannſt ihn nicht ſehr oft geſehen haben: er iſt erſt ſeit vier oder fünf Wochen wieder in Rom.“ „Ach, wie blöd biſt Du!“ erwiderte die ſchöne Irene.„Habe ich Dir nicht ſchon zu wiederholten⸗ malen geſagt, daß ich ihn vor ſechs Jahren liebte?“ „Als Du erſt zehn Jahre alt warſt, und eine Puppe ein paſſender Geliebter für Dich geweſen wäre! So wahr ich eine Chriſtin bin, Signora, Du haſt Deine Zeit wohl genützt!“ und hörte ich während ſeiner Abweſenheit,“ fuhr 64 das Mädchen zärtlich, aber traurig fort,„nicht von ihm ſprechen, und war nicht der bloße Klang ſeines Namens gleich einem Liebespfand, das mir ihn ins Gedächtniß rief? und wenn man ihn lobte, habe ich mich nicht darüber gefreut? wenn man ihn tadelte, that mir das nicht wehe? und wenn man ſagte, daß ſeine Lanze bei dem Turnier ſiegreich ſei, habe ich nicht vor Stolz geweint? Wenn man ſich zuflüſterte, daß ſeine Gelübde in den Gemächern der Damen willkommen ſeien, weinte ich da nicht eben ſo heftig aus Schmerz? Sind nicht die ſechs Jahre ſeiner Abweſenheit ein Traum geweſen und war nicht ſeine Rückkehr ein Erwachen zum Licht— ein Morgen der Herrlichkeit und der Sonne? Jetzt ſehe ich ihn in der Kirche, wenn er nicht an mich denkt, und auf ſeinem glücklichen Roſſe, wenn er an meinem Fenſter vorüberreiteb iſt das nicht Glück genug für die Liebe?“ „Wenn er aber Dich nicht liebt?“ „Närrin! darnach frage ich nicht— ja, ich weiß nicht einmal, ob ich es wünſche. Vielleicht träume ich lieber von ihm, wie er als Ideal mir vorſchwebt, als daß ich ihn kennen möchte, wie er in Wahrheit iſt. Er könnte unfreundlich, oder unedel ſein, oder mich nur wenig lieben, ich wollte lieber gar nicht geliebt werden, als nur kalt, und mein Herz auf⸗ zehren, wenn ich es mit dem ſeinigen vergleiche. Jetzt kann ich ihn als etwas Außerordentliches, nicht wirklich Vorhandenes, als etwas Göttliches lieben: wie groß wäre aber meine Scham, mein Kummer, wenn ich finden müßte, daß er hinter meinen Erwartungen zu⸗ findet ſelben einfäl die At die ſti lene 1 leere ſtand rade! räuſch hören blaſſe gerin der O nern, ſah, U keine ſeneri Abth B nicht von ug ſeines ihn ins habe ich tadelte, gte, daß ich nicht rte, daß lkommen Schmerz? nTraum rwachen und der wenn er en Roſſe, iſt das ich weiß träume ſchwebt, Bahrheit in, oder ar nicht rz auf⸗ e. Jetzt wirklich ie groß enn ich gen zu⸗ 65 rückbliebe! Dann wäre mein Leben gewiß zerſtört; vann wäre die Schönheit der Erde für mich dahin!“ Die gute Amme war nicht ſehr geeignet, mit der⸗ artigen Gefühlen zu ſympathiſiren. Wäre auch ihre Gemüthsart ſich ähnlicher geweſen, ſo hätte ihre Al⸗ tersverſchiedenheit eine ſolche Sympathie unmöglich gemacht. Wo anders, als in einer jugendlichen Seele findet die Jugend Wiederhall— für all die Muſik ihrer wilden Schwärmereien und romantiſchen Thorheiten? Die gute Amme theilte die Gefühle ihrer jungen Dame nicht, aber ſie begriff den tiefen Ernſt, womit die⸗ ſelben ausgeſprochen wurden. Es kam ihr wunderbar einfältig, aber wunderbar rührend vor; ſie wiſchte ſich die Augen mit der Ecke ihres Schleiers und nährte die ſtille Hoffnung, es werde ihre junge Pflegbefoh⸗ lene bald einen wirklichen Gatten finden, der ſolche leere Phantaſieen ihr aus dem Kopf bringe. Es ent⸗ ſtand eine kleine Pauſe in ihrem Geſpräche, als, ge⸗ rade wo ſich zwei Straßen kreuzten, ein lautes Ge⸗ räuſch von lachenden Stimmen und Fußtritten ſich hören ließ. Man ſah Fackeln in der Nähe, die dem blaſſen Schein des Mondes Trotz boten, und in nur geringer Entfernung von den beiden Frauen kam in der Querſtraße ein Trupp von ſieben oder acht Män⸗ nern, die, wie man bei dem rothen Licht der Fackeln ſah, das ſchreckenerregende Abzeichen der Orſini trugen. Unter anderen Unordnungen jener Zeit war es keine ſeltene Gewohnheit der jüngeren oder ausgelaſ⸗ ſeneren Adeligen, bei Nacht in kleinen, bewaffneten Abtheilungen durch die Straßen zu paradiren und Bulwer, Rienzi. I. 5 * 66 Gelegenheit zu einer frechen Helbenthat unter den nie⸗ drigeren Bürgern oder ein Scharmützel mit herum⸗ ziehenden Rivalen ihres eigenen Standes zu ſuchen. Einer ſolchen Bande führte nun der Zufall Irene und ihre Gefährtin in den Weg. „Heilige Mutter!“ rief Benedetta ganz blaß und fing zu laufen an,„welcher Fluch hat uns betroffen? Wie konnten wir auch ſo thöricht ſein, ſo lange bei Signora Nina zu verweilen! Lauft, Signora, lauft, oder wir fallen in ihre Hände!“ Aber Benedetta's Rath kam zu ſpät— ſchon waren die flatternden Gewande der Frauen erſpäht; im näch⸗ ſten Augenblicke ſahen ſie ſich von den Räubern um⸗ geben. Eine rauhe Hand riß Benedetta's Schleier bei Seite, und bei dem Anblicke von Zügen, denen, wenn ſie vie Zeit nicht geſchont hatte, ſie nicht mehr viel anhaben konnte, ſtieß der rohe Angreifer die arme Amme mit einem Fluche gegen die Mauer, den ſeine Kameraden mit einem lauten Gelächter beantworteten. „Du haſt viel Glück mit Geſichtern, Ginſeppe!“ „Ja, erſt dieſer Tage griff er ein Mädchen von ſechzigen auf.“ „Und zog ihr, um ihre Schönheit zu vervollkomm⸗ nen, ſeinen Dolch über das Geſicht, weil ſie nicht ſechzehn war!“ „Seht, Geſellen! wen haben wir da?“ ſagte der Anführer der Rotte, ein reich gekleideter Mann, der, obgleich er ſich dem mittleren Alter nahte, ſich nur um ſo mehr an die Ausſchweifungen der Jugend ge⸗ wöhnt hatte; wie er ſo ſprach, riß er die zitternde Irene her! welche Schör Orſin Du e ein L „ Nein, ohne? Beller iſt di komm — 5 von d ſtillet dem mit e Du ſ wonn S „ ten b der S die K „ uns! lieben gnädi Rette den nie⸗ t herum⸗ u ſuchen. rene n blaß und etroffen? lange bei a, lauft, on waren im näch⸗ en m⸗ hleier bei n, wenn nehr viel die arme den ſeine worteten. uſeppe!“ chen von ollkomm⸗ ſie nicht ſagte der nn, der, ſich nur gend ge⸗ zitternde Irene aus den Händen ſeiner Begleiter. Ha, hier⸗ her! Fackeln! Oh che bella faccia! welche Röthe— welche Augen!— nein, ſchlage ſie nicht nieder, meine Schöne; Du darfſt Dich nicht ſchämen, die Liebe eines Orſini zu gewinnen— ja, ſo wiſſe, welchen Triumph Du errungen, es iſt Martino di Porto, der Dich um ein Lächeln bittet!“ „Um der heiligen Mutter willen, laßt mich los! Nein, mein Herr, laſſen Sie mich— ich bin nicht ohne Freunde— dieſer Schimpf ſoll nicht ſo hingehen!“ „Hört dieſe Silberſtimme; ſie iſt hübſcher als das Bellen meines heſten Hundes! Monatlangen Harrens iſt dieſes Abenteuer werth. Wie! wollt Ihr nicht kommen?— Euch ſträuben— gar auch noch ſchreien? — Franzeska, Pietro, Ihr ſeid die Menſchlichſten von der Bande. Schlagt ihren Schleier um ſie— ſtillet dieſe Muſik— ſo! traget ſie vor uns her nach dem Palaſte, und morgen, meine Holde, ſollſt Du mit einem Korbe voll Gulden heimkehren, von denen Du ſagen magſt, Du habeſt ſie auf dem Markte ge⸗ wonnen.“ „Aber Irene's Hülferufen, Irene's Sträuben hat⸗ ten bereits Hülfe herbeigebracht und als Adrian ſich der Stelle näherte, warf ſich die Amme vor ihm auf die Knie. „O, gütiger Signor, um Chriſti willen, rettet uns! Befreit meine junge Dame— ihre Freunde lieben Euch ſehr! Wir ſind alle für die Colonna, gnädiger Herr; ja, wahrlich, alle für die Colonna! Rettet die Tochter Eurer Schützlinge, edler Herr!“ „Es iſt genug, daß ſie ein Weib,“ erwiderte Adrian und murmelte zwiſchen den Zähnen,„daß ein Orſini ihr Angreifer iſt.“ Stolz trat er mitten unter den Hau⸗ fen; die Dienſtmannen legten die Hand an's Schwert, machten aber Platz, als ſie ihn erkannten; er erreichte die beiden Männer, welche Irene bereits ergriffen hatten; in einem Augenblicke ſchlug er den Vorderſten zu Boden, im nächſten hatte er ſeinen linken Arm um die leichte, ſchlanke Geſtalt des Mädchens geſchlungen und ſtand dem Orſini mit gezogener Klinge gegenüber, deren Spitze er jedoch zu Boden ſenkte. „Pfui, Herr, ſchämt Euch!“ ſagte er entrüſtet. „Wollt Ihr Rom zwingen, in einem Manne ſich gegen Euren Stand zu erheben? Neckt den Löwen nicht zu ſehr, wenn er auch angekettet iſt; kämpft gegen uns, wenn Ihr wollt! zieht Eure Schwerter gegen Männer, wenn ſie auch von Eurem Stamme ſind und Eure Sprache reden; wenn Ihr aber des Nachts ſchlafen und nicht vor der Hand des Rächers zittern— wenn Ihr ſicher über den Marktplatz wan⸗ deln wollt— ſo beleidigt kein römiſches Weib! Ja, ſelbſt die Mauern, die uns umgeben, verkünden Euch die Strafe einer ſolchen That; für dieſe Miſſethat fielen die Tarquinier— wegen derſelben wurden die Decemvire verjagt— für dieſe Miſſethat ſoll, wenn Ihr ſie begeht, das Blut Eures ganzen Hauſes fließen. Steht alſo ab, Herr, von dieſem tollen, Eures Na⸗ mens ſo unwürdigen Unternehmen; ſteht ab davon und danket es ſelbſt einem Colonna, daß er im Angenblick des Wahnfinns Euch den Weg vertrat 4 E Adria Diene tino 1 ſo plö an G Anbli Auge wenn ſeine „ſchn Geva von 2 in m Dein teres den wohl ſprac nach deute griff ſtige Men Erbſ über woh erreichte ergriffen ßorderſten Arm um ſchlungen egenüber, entrüſtet. kämpft Schwerter Stamme aber des s Rächers atz wan⸗ geib! Ja, nden Euch Miſſethat uren Wdie oll, wenn es fließen. ures Na⸗ avn un Angenblick So edel, ſo erhaben waren Miene und Geberde Adrians, wie er jetzt ſprach, daß ſelbſt die rohen Diener Beifall und Reue fühlten— nicht ſo Mar⸗ tino di Porto. Er war von der Schönheit der ihm ſo plötzlich entriſſenen Beute entzückt, ſeit langer Zeit an Gewaltthat und Strafloſigleit gewöhnt; ſchon der Anblick, ja die Stimme eines Colonna war ſeinem Auge ein Dorn, ſeinem Ohr ein Mißklang; wie nun, wenn ein Colonna ſeinen Lüſten entgegentrat und ihm ſeine Laſter vorwarf? „Schulfuchs!“ ſchrie er mit bebenden Lippen, „ſchwatze mir nicht von Deinen ekeln Legenden und Gevattergeſchichten! Denke nicht daran, mir den Beſitz von Anderen zu entreißen, wenn Dein eigenes Leben in meinen Händen ſteht. Laſſe das Mädchen los! wirf Dein Schwert weg! gehe nach Hauſe, ohne ein wei⸗ teres Wort zu verlieren, oder, bei meiner Ehre und den Klingen meiner Begleiter—(betrachte ſie Dir wohl)— Du ſtirbſt!“ „Signor,“ ſagte Abrian ruhig, aber während er ſprach, zog er ſich mit ſeiner ſchönen Bürde nach und nach gegen die nahe Mauer zurück, um von der be⸗ deutenden übermacht wenigſtens nur von vornen ange⸗ griffen werden zu können—„Du wirſt den Dir gün⸗ ſtigen Augenblick nicht ſo mißbrauchen und Dir in der Menſchen Mund ſo ſchaden, daß Du ſelbſt Deinen Erbfeind mit acht Schwertern angreifeſt, während er überdies noch ſo gehindert iſt. Aber— nein, halt! — wenn dies wirklich Deine Abſicht iſt, ſo bedenke wohl, daß ein Ruf meiner Stimme bald eine der Deinigen überlegene Schaar herbeirufen wird. Du biſt in dem Stadttheile meines Stammes, von den Wohnungen der Colonna umgeben; jener Palaſt wim⸗ melt von Männern, die nur, den Harniſch auf dem Rücken, ſchlafen— von Männern, die ſelbſt jetzt meine Stimme erreichen kann, aus deren Händen ſie Dich aber, ſehen ſie einmal Blut, nicht mehr retten könnte!“ „Er ſpricht wahr, evler Herr,“ ſagte einer von der Bande;„wir haben uns zu weit entfernt; wir ſind gerade in ihrer Höhle; die Stimme kann den Palaſt des alten Stephan Colonna erreichen, und ſo viel ich weiß,“ ſetzte er leiſe hinzu,„find achtzehn friſche Gewaffnete— und dazu Nordländer— heute durch ſeine Thore eingegangen.“ „Und ſtünden achthundert Gewaffnete auf Arms⸗ länge da,“ entgegnete Martino wüthend,„ſo ließe ich mir mitten unter meinen Leuten nicht ſo beim Barte rupfen! Fort mit jenem Weibe! Zum Angriff! Zum Angriff!“ So ſprechend, führte er einen verzweifelten Stoß nach Adrian, der jede Bewegung ſeines Feindes mit vorſichtigem Blicke bewachte und nicht unvorbereitet auf den Ausfall war. Indem er dem Gegner mit dem Schwerte das ſeinige aus der Hand ſchlug, rief er mit lauter Stimme:„Colonna! zu Hülfe, Colonna!“ Nicht ohne anderweitigen Zweck hatte der ſcharf⸗ ſinnige, geiſtesgegenwärtige Adrian den Wortwechſel bis jetzt hinauszuziehen geſucht. Im Anfange, wie er Orfini anredete, hatte er beim Monvſchein die glän⸗ zenden Rüſtungen zweier Männer bemerkt, die von dem fert der Geg der Col San ohnmäch linken 2 durch di hatte, u ohne eir waren, gewöhnt brauche ſich Adr erworbe die Spi Begleite theils a das Bli vergoſſe niß, ſie barmher nur ſchl ſich jed mehr zu Colonne dem erf Straße ſogar a wo noc ngriff! Stoß es mit ereitet it dem rief er nna!“ ſcharf⸗ vechſel wie er glän⸗ e von dem fernen Ende der Straße herkamen, und hatte aus der Gegend geſchloſſen, ſie müſſen zu den Söldlingen der Colonna gehören. Sanft ließ er die Geſtalt Irenens, die, vor Schrecken ohnmächtig, jetzt zu ſchwer auf ihm laſtete, von ſeinem linken Arme herabgleiten, ſtand über ihr, von hinten durch die Mauer geſchützt, die er ſo vorſichtig erreicht hatte, und parirte die eilig auf ihn gezielten Streiche, ohne einen Verſuch, ſie heimzugeben. Wenige Römer waren, obgleich an ſolche vorübergehende Zwiſtigkeiten gewöhnt, vamals in dem gewandten und richtigen Ge⸗ brauche der Waffen geübt, und die Geſchicklichkeit, die ſich Adrian in den Schulen des kriegeriſchen Nordens erworben hatte, half ihm jetzt, ſelbſt ſolcher überzahl die Spitze zu bieten. Wahr iſt freilich, daß Orſini's Begleiter die Wuth ihres Gebieters nicht theilten, theils aus Furcht vor den Folgen für ſich ſelbſt, wenn das Blut eines ſo hochgeborenen Signors durch ſie vergoſſen würde, theils in der unangenehmen Beſorg⸗ niß, ſie möchten ſich plötzlich von den ſo nahen, un⸗ barmherzigen Söldlingen umringt ſehen, führten ſie nur ſchlecht gezielte Streiche in die Luft, wohei ſie ſich jeden Augenblick rück⸗ und ſeitwärts umſahen, mehr zur Flucht als zum Kampfe geneigt. Den Ruf Colonna wiederholend, floh die arme Benedetta bei dem erſten Waffengeklirr. Sie rannte die traurige Straße hinab, rief fortwährend um Hülfe und eilte ſogar an dem Portale von Stephans Palaſte vorüber, wo noch einige grimmige Geſtalten plauberten, ohne dort ihren Schritten Einhalt zu thun, ſo groß waren bei ihr Schrecken und Beſtürzung. Mittlerweile kamen die beiden Männer, welche Adrian erblickt hatte, gemächlich die Straße herauf. Der Eine war von rohem, gemeinem Ausſehen, Waffen und Geſichtsfarbe ließen ſeinen Beruf und ſeine Ab⸗ ſtammung errathen, und aus der großen Achtung, die er ſeinem Begleiter bezeugte, konnte man mit Sicher⸗ heit ſchließen, daß dieſer Letztere kein geborener Ita⸗ liener war; denn die nordiſchen Straßenräuber gaben ſich, während ſie den Laſtern der Südländer dienten, kaum die Mühe, ihre Verachtung der Feigheit dieſer Letzteren zu verhehlen. Der Gefährte des Räubers war ein Mann von kriegeriſchem, aber gefälligem Außeren. Er trug keinen Helm, ſondern eine Mütze von karmeſinrothem Sammt, auf welcher eine weiße Feder prangte; auf ſeinen ſchar⸗ lachenen Mantel oder überrock war auf Rücken und Bruſt ein weißes Kreuz gewirkt, und der Glanz ſeines Bruſtharniſches war ſo ſchimmernd, daß, wenn bis⸗ weilen der Mantel bei Seite flog und ihn den Mond⸗ ſtrahlen ausſetzte, er wie das Licht ſelbſt blitzte. „Nein, Rudolph,“ ſagte er,„wenn es Dir hier bei dem eisgrauen Planmacher ſo gut geht, ſo ſei der Himmel dafür, daß ich Dich wieder zu unſerer luſtigen Bande zurückziehen ſollte. Aber ſage mir— dieſer Rienzi— glaubſt Du, er habe eine zuverläſſige und furchtbare Macht?“ „Pah! evler Häuptling, nicht im geringſten. Er gefüllt dem Pöbel, was aber den Adel betrifft, ſo lacht d kein G ſpricht gebrac erkauft werder tin ve Ander und ſ Lhrſe Renz iſt da ſim! „Ver „ laufe grati Ha des umve kütz der anfi hitt Fin nn von gkeinen Sammt, n ſchar⸗ ken und z ſeines nin bis⸗ Mond⸗ te. ir hier ſei der luſtigen dieſer ige und ten. Er ifft, ſo 73 lacht der über ihn, und für die Soldaten hat er kein Geld.“ „Dem Pöbel gefällt er alſo?“ „Ja, das thut er, und wenn er laut zu ihnen ſpricht, ſo iſt das Schreien in ganz Rom zum Schweigen gebracht.“ „Hm!— wenn der Adel verhaßt iſt und die Krieger erkauft ſind, ſo kann ein Pöbel in einer Stunde Herr werden. Ein tüchtiges Volk, ein ſchwacher Pöbel— ein verdorbenes Volk, ein ſtarker Pobel,“ ſagte der Andere, mehr zu ſich ſelbſt, als zu ſeinem Gefährten, und ſich vielleicht kaum der ewigen Wahrheit ſeines Lhrſatzes bewußt.„Er iſt kein bloßer Schreier, dieſer Renzi, befürchte ich— ich muß zuſehen. Horch! was iſt das für ein Lärm? Bei dem heiligen Grabe, es ſim die Klänge unſeres eigenen Metalles!“ „Und der Ruf— Colonna!“ rief Rudolph aus. „Verzeiht mir, Herr— ich muß zu Hülfe eilen!“ „Ja, Deine Pflicht als Miethling verlangt es; laufe;— doch halt, ich will Dich einmal begleiten, gratis, und aus bloßer Freude an Unheil. Bei dieſer Hazd, keine Muſik iſt ſo angenehm, wie das Klirren des Stahles!“ Noch immer vertheidigte ſich Adrian tapfer und uwerwundet, obgleich ſein Arm jetzt müde, ſein Athem kützer wurde und ſeine Augen unter dem Schimmer der geſchwungenen Fakeln zu blinzeln und taumeln ahfingen Orſini ſeibſt, erſchöpft durch ſeine Hitze, hitte einen Augenblick inne gehalten und ſtand ſeinem Finde keuchend mit wilden Blicken gegenüber, als plötz⸗ lich ſeine Begleiter riefen:„Flieht! flieht!— die Banditen nahen— wir ſind umzingelt!“ und zwei von den Dienern ohne weitere Umſtände Reißaus nahmen. Die anderen fünf blieben unentſchloſſen und harrten, der Befehle ihres Gebieters, als der mit der weißen Feder, den ich ſo eben beſchrieben, ſich in das Hand⸗ gemenge ſtürzte. „Wie! meine Herren,“ ſagte er,„Sie ſind ſchon fertig? Nein, wir wollen den Spaß nicht verderben; fangen Sie wieder an, ich bitte. Wer iſt im Vor⸗ theil? Ha! Sechs gegen Einen!— nun, kein Wunder, daß Sie auf Ausgleichung gewartet. Seht, wir beihe wollen uns auf die ſchwächere Seite ſchlagen. Nin denn, ſo beginnen wir jetzt wieder.“ „Unverſchämter!“ rief der Orſini.—„Kennſt Du den, mit welchem Du auf eine ſo freche Weiſe ſprichſt?— Ich bin Martino di Porto. Wer biſt Du?“ „Walter von Montreal, Edelmann aus der Pro⸗ vence und Johanniterritter!“ erwiderte der Anſere nachläfſig. „Bei dieſem furchtbaren Namen— dem Nanen eines der kühnſten Krieger und eines der vollendeiſten Freibeuter ſeiner Zeit— wurde ſelbſt Martino's Wange blaß und ſeinen Begleitern entfuhr ein Schrei des Entſetzens. „Und dieſer, mein Gefährte,“ fuhr der Rüter fort,„denn wir müſſen die Vorſtellung vollſtändig durchführen, iſt Euch wohl bekannter, als ich, Ilr Edle von Rom, und Ihr erkennt ohne Zweifel n ihm Ri treu, r „S beſtürzt ren Bl walt. Un Stepha waffnet „G oder at treffen bei den und M brauch mein J niere anen etſten zunge des küter indig Ilr ln 75 ihm Ruvolph von Sachſen, einen tapferen Mann und treu, wo ſeine Dienſte beſtändig bezahlt werden.“ „Signor,“ ſagte Adrian zu ſeinem Feinde, der beſtürzt und ſtumm die beiden Ankömmlinge mit lee⸗ ren Blicken anſtarrte,„jetzt ſeid Ihr in meiner Ge⸗ walt. Seht, es nähern ſich auch unſere eigenen Leute.“ Und in der That blitzten auch von dem Palaſte Stephan Colonna's her Fackeln, und man ſah Be⸗ waffnete herbeieilen. „Geh' heim in Frieden, und wenn Du morgen oder an einem andern Dir gelegenen Tage mich allein treffen willſt, Lanze gegen Lanze, wie es Sitte iſt bei den Rittern des Reiches, oder Trupp gegen Trupp, und Mann gegen Mann, wie es mehr römiſcher Ge⸗ brauch iſt, ſo ſtehe ich Dir zu Dienſten— hlier iſt mein Pfand.“ „Edel geſprochen,“ ſagte Montreal;„und wenn Ihr das Letztere vorzieht, ſo will mit Eurer Erlaub⸗ niß ich auch von der Partie ſein.“ Martinv gab keine Antwort; er hob den Hand⸗ ſchuh auf, ſteckte ihn in ſeine Bruſt und ging eilig hinweg; als er einige Schritte die Straße hinab ge⸗ macht hatte, drehte er ſich um, ſchüttelte die geballte Fauſt gegen Adrian und rief in ohnmächtiger Wuth mit zitternder Stimme—„Getreu dem Tode!“ Die Worte waren einer von den Wahlſprüchen der Orſini und waren, was auch ihre frühere Be⸗ deutung geweſen ſein mochte, ſchon längſt zum ge⸗ läufigen Sprüchwort geworden, um ihren Haß gegen die Colonna zu bezeichnen. Adrian, der jetzt Irene erhob und mit dem Ver⸗ ſuche beſchäftigt war, die noch immer Ohnmächtige ins Leben zurückzurufen, überließ verächtlich die Ant⸗ wort an Montreal. „Ich zweifle nicht, Signor,“ ſagte der Letztere kaltblütig,„daß Du dem Tode getreu ſein wirſt; denn ſeine Bande ſind auch die Klügſten nicht im Stande zu Prechen, oder ihnen zu entgehen.“ „Verzeihe mir, edler Ritter,“ ſagte Adrian, in⸗ dem er von ſeiner Schutzbefohlenen aufblickte,„wenn ich nicht ganz der Dankbarkeit mich jetzt noch widmen kann. Ich habe genug vom Ritterdienſte gelernt, um zu fühlen, daß Du anerkennſt, meine erſte Pflicht—“ „Ach, alſo eine Dame war die Urſache des Strei⸗ tes! Da brauche ich nicht zu fragen, wer im Rechte war, wenn ein Mann mit ſolcher Ueberzahl kämpſt, wie jener Schurke.“ „Du irrſt ein wenig, ritterlicher Herr,— es iſt nur ein Lamm, das ich dem Wolfe entriſſen.“ „Für Deinen eigenen Tiſch! Es ſei!“ verſetzte im Scherze der Ritter. Adrian lächelte ernſt und ſchüttelte verneinend den Kopf. Er war in der That über ſeine Lage etwas in Verlegenheit. Obgleich immer tapfer, wünſchte er doch nicht, die Uneigennützigkeit dieſer ſeiner Hand⸗ lungsweiſe einer Mißdeutung ausgeſetzt zu ſehen und (denn ſeine Politik ging dahin, ſich Volksgunſt zu erwerben) das Anſehen, das ihm ſeine Tapferkeit un⸗ ter den Kriegern verſchaffen mußte, dadurch zu be⸗ flecken, daß er Irene, deren Schönheiet er bis jetzt kaum b doch bl dere W wußte milie. nicht i Fürſor an ſeit theuer das de daher ſeine gegant träger „werd belieb⸗ es iſt erſetzte nd den etwas chte er Hand⸗ nund nſt zu it n⸗ zu be⸗ is jetzt 77 kaum bemerkt hatte, in ſeine Wohnung führte; und doch blieb ihm bei ihrem jetzigen Zuſtande keine an⸗ dere Wahl. Sie gab kein Lebenszeichen von ſich. Er wußte weder ihre Wohnung, noch kannte er ihre Fa⸗ milie. Benedetta war verſchwunden. Er konnte ſie nicht in den Straßen laſſen; er konnte ſie nicht der Fürſorge eines Andern übergeben, und als ſie jetzt an ſeiner Bruſt lag, fühlte er bereits, daß ſie ihm theuer geworden durch jenes Bewußtſein des Schutzes, das dem menſchlichen Herzen ſo wohlthut. Er ſetzte daher kurz denen, die ſich um ihn geſammelt hatten, ſeine gegenwärtige Lage und die Urſache des voran⸗ gegangenen Kampfes auseinander und hieß die Fackel⸗ träger ihm nach ſeiner Wohnung vorangehen. „Ihr, Herr Ritter,“ wandte er ſich an Montreal, „werdet, wenn Ihr nicht ſchon bequemer logirt ſeid, belieben, mein Gaſt zu ſein?“ „Dank, Signor,“ erwiderte Montreal boshaft, „aber auch ich habe vielleicht auf meiner Hut zu ſein. Adieu! Bei der nächſten Gelegenheit werde ich Dich aufſuchen. Gute Nacht und ſchöne Träume! „Robers Bertrams qui estoit tor⸗ Mais à ceval estoit mult fors Cil avoit o lui grand effors Multi ot homes par lui mors“! und indein er dieſes holperige Lied aus dem alten Roman de Rou ſummte, zog der Provenzale, von Rurolph gefolgt, ſeinen Weg weiter. Die ungeheure Ausdehnung Roms und die dünne Bevölkerung ließen viele Straßen ganz leer. Die vor⸗ nehmſten Edelleute ſahen ſich ſo in den Stand ge⸗ ſetzt, ſich einer langen Reihe von Häuſern zu be⸗ mächtigen, die ſie theils gegen einander, theils gegen das Volk befeſtigten; ihre zahlreiche Verwandte und Klienten wohnten um ſie herum und bildeten ſo gleich⸗ ſam unter ſich kleine Höfe und Städte. Beinahe dem Hauptpalaſte der Colonna gegenüber, den ſein mächtiger Verwandter, Stephan, bewohnte, lag die Wohnung Adrian's. Schwer flogen, als er näher kam, die maſſiven Thore auf; er ſtieg die breite Treppe hinan und trug ſeine Bürde in ein Gemach, das ſein Geſchmack auf eine ſeinem Zeitalter nach un⸗ gewöhnliche Weiſe eingerichtet hatte. Alte Bildſäulen und Büſten waren ringsum aufgeſtellt; gemalte Ta⸗ peten der Lombardie zierten die Wände und bedeckten die maſſiven Stühle. „Heda! Lichter her und Wein!“ rief der Sene⸗ ſchall. „Laßt uns allein,“ ſagte Adrian, während er leidenſchaftlich die blaſſe Wange Irenens betrachtete und hei dem hellen Lichte all ihre Schönheit gewahrte, und eine ſüße, aber brennende Hoffnung beſchlich ſein Herz. Fünftes Kapitel. Schilderung eines Verſchwörers und Anbruch der Verſchwörung. Allein, an einem mit allerlei Papieren bedeckten Tiſche, ſaß ein Mann noch in der Jugendblüte. Das Zimme ſtellte tende 2 des Eig ſterblich Die was ger dieſer 2 den ſor bene, lieh die ſchen 2 Dicke, etwas ſtammu den in und ſel! rung. ckten Das 79 Zimmer war nieder und lang; viele alte und ent⸗ ſtellte Basreliefs und Torſos ſtanden an den Wän⸗ den umher, zwiſchen denen hie und da das kurze Schwert und der geſchloſſene Helm, die veralteten überreſte von Roms einſtiger Tapferkeit, zu ſehen waren. Rechts über dem Tiſche, an dem er ſaß, ſtrömte das Mondlicht durch ein hohes und ſchmales, tief in die Mauer verſenktes Fenſter. In einer Niſche, rechts von dieſem Fenſter, ſtanden, durch eine jetzt eben halb bei Seite geſchobene Schiebthüre geſchützt — aus deren Feſtigkeit und dem Eiſenblech, womit ſie beſchlagen war, man ſchließen konnte, welchen Werth der Schatz, den ſie verbarg, in den Augen des Eigen⸗ thümers habe— etwa dreißig oder vierzig Bände, eine nach den Begriffen der damaligen Zeit nicht unbedeu⸗ tende Biblivthek, zum größten Theile von der Hand des Eigenthümers mühſam gefertigte Copieen von un⸗ ſterblichen Originalen. Die Wange auf die Hand geſtützt, die Stirne et⸗ was gerunzelt, die Lippen leicht zuſammengedrückt, hing dieſer Mann ganz anderen Betrachtungen nach, als den ſorgloſen Träumen eines Gelehrten. Das erha⸗ bene, ſtille Mondlicht, das auf ſeine Züge fiel, ver⸗ lieh dieſen, die von Natur einen ernſten und majeſtäti⸗ ſchen Anſtrich hatten, noch eine feierlichere Würde. Dicke, kaſtanienbraune Haare, deren Farbe man aſs etwas bei den Männern Ungewöhnliches ſeiner Ab⸗ ſtammung von dem teutoniſchen Kaiſer zuſchrieb, ſtan⸗ den in dichten Locken über einer hohen, breiten Stirne; und ſelbſt das jetzt ſo nachdenkliche Zuſammenziehen der 80 Augenbraunen konnte den Ausdruck verborgener Kraft nicht ſchwächen, der in der großen Breite zwiſchen den Augen lag, worein die griechiſchen Bildhauer des Al⸗ terthums ſo bewundernswürdig den Ausdruck der mo⸗ raliſchen Gewalt und die ſtille Thatkraft befehlender Größe legten. Aber ſeine Züge waren nicht von grie⸗ chiſchem, noch viel weniger von deutſchem Schnitte. Die eiſerne Kinnlade, die Adlernaſe, die etwas einge⸗ fallene Wange erinnerten auffallend an den Charakrer des harten Römerſtammes und hätten ganz füglich ei⸗ nem Maler als Modell zu dem jüngeren Brutus die⸗ nen können. Die markirten Umriſſe des Geſichtes und die kurze, feſte Oberlippe waren nicht von Backen⸗ und Schnurr⸗ bart, wie man ſie damals gewöhnlich trug, verdeckt; und in dem verblichenen Bilde des ſo eben beſchriebe⸗ nen Mannes, das noch in Rom zu ſehen iſt, kann man eine gewiſſe Ihnlichkeit mit den gewöhnlichen Bildniſſen Napoleon's herausfinden, zwar nicht in den Zügen, welche bei dem Römer viel trotziger und aus⸗ gezeichneter ſind, aber in dem eigenthümlichen Aus⸗ drucke geſummelter und ruhiger Kraft, die dem Ideal geiſtiger Majeſtät ſo nahe kommt. Obwohl noch jung, waren doch die gewöhnlich der Jugend eigene perſön⸗ liche Vortheile,— die Blüte und Glut, die runde Wange, in welche Sorgen noch nicht ihre Furchen ge⸗ zogen, das volle, nicht eingeſunkene Auge, und die zarte, ſchlanke Geſtalt— nicht das Charakteriſtiſche dieſes einſamen Gelehrten. Und obgleich er bei ſeinen Zeitgenoſſen für außerordentlich hübſch galt, gründete ſich doe gewöhn auf die geſchätz welche der Che drücken ſelten i Rie dem Leſ geführt ihm) he Macht: Geburt großen ſeine E niedrige natürlic ſcheinlie den un zu The ihn— „D einem ill dieſe Anſ Geſchicht ſich an von ſeine di basta ſteller, d terſtützen rentii Bult Kraft en den es Al⸗ er mo⸗ hlender n grie⸗ chnitte. einge⸗ arakrer lich ei⸗ us die⸗ kurze, chnurr⸗ erdeckt; hriebe⸗ „kann lichen in den d aus⸗ n Aus⸗ Ideal hjung, perſön⸗ runde hen ge⸗ ind die riſtiſche iſeinen ründete 81 ſich doch wahrſcheinlich dieſes Urtheil weniger auf die gewöhnlichen Anſprüche zu ſolcher Auszeichnung, als auf die Höhe des Wuchſes, die damals höher, als jetzt, geſchätzt wurde, und jene edlere Art von Schönheit, welche ein gebildeter Geiſt und ein Achtung einflößen⸗ der Charakter gewöhnlich auch ſchlichteren Zügen auf⸗ drücken,— und der in einem ſo rohen Zeitalter ſ ſelten iſt. Rienzi's Charakter(venn der Jüngling, welcher dem Leſer in dem erſten Kapitel dieſer Erzählung vor⸗ geführt wurde, ſteht jetzt in reiferen Jahren wieder vor ihm) hatte mit jedem Schrittſteine auf der Bahn zur Macht mehr Stärke als Haltung gewonnen. Ein ſeine Geburt betreffender Umſtand hatte wahrſcheinlich frühe großen Einfluß auf ſeinen Ehrgeiz geübt. Obgleich ſeine Eltern in dürftigen Umſtänden waren und ein niedriges Gewerbe betrieben, war doch ſein Vater der natürliche Sohn von Kaiſer Heinrich VII.;“ und wahr⸗ ſcheinlich war es der Stolz ſeiner Eltern, der Rienzi den ungewöhnlichen Vortheil einer beſſeren Erziehung zu Theil werden ließ. Dieſer Stolz vererbte ſich auf ihn— die königliche Abſtammung klang von der Wiege „De Sade glaubt, Rienzi's Mutter ſei die Tochter von einem illegitimen Sohne Heinrich VII. geweſen und unterſtützt dieſe Anſicht durch eine Handſchrift des Vatican. Aber nach Geſchichtſchreibern, die mit Rienzi lebten, leitete dieſer, a ſich an Karl, König von Böhmen, wendete, die Verwandtſch von ſeinem Vater ab:„Di vostro legnt di bastardo d'Enrico imperatore, et ſteller, der Pater Gabrini, citirt, um dieſe Abſtammung zu un⸗ terſtützen, eine Aufſchrift;„Nicolaus Pribunus Lau⸗ rentii Peutonici Filius,“ ote. Bulwer, Rienzi. I. 6 ehr 82 an in ſeinem Ohr und vermiſchte ſich mit ſeinen Ge⸗ danken— daß er ſich ſchon in ſeiner früheſten Ju⸗ gend den römiſchen Herren ebenbürtig dünkte, und ohne es ſelbſt zu wiſſen, darnach trachtete, über ſie zu gebieten. Als ſich aber ſeinem begierigen Auge und ſeinem ehrgeizigen Herzen die Literatur Roms entfaltete, da erwachte in ihm jener vaterländiſche Stolz, edler, als Stolz auf Geburt,— und wenn er nicht gerade durch Anſpielung auf ſeine Abſtam⸗ mung gereizt wurde, that er ſich ganz ungekünſtelt mehr darauf zu Gute, ein römiſcher Plebejer, als der Abkömmling eines tentoniſchen Königes zu ſein. Der Tod ſeines Bruders und die Schickſale, die er ſelbſt ſchon erlebt, gaben den ernſten, feierlichen Ei⸗ genſchaften ſeines Charakters eine höhere Richtung; und zuletzt concentrirten ſich alle die Fähigkeiten eines ungewöhnlichen Verſtandes auf einem Gegenſtande— der von einem ebenſo ſtreng und geheimnißvoll reli⸗ giöſen, wie dem Vaterlande ergebenen Gemüthe einen geheiligten Anſtrich annahm und zugleich Pflicht und Leidenſchaft wurde. „Ja,“ ſagte Rienzi, ſich plötzlich von ſeinen Träu⸗ mereien loßreißend,„ja, der Tag iſt nicht mehr ferne, wo Rom ſich wieder dus der Aſche erheben wird; Gerechtigkeit wird die Unterdrückung vom Throne ſlür⸗ zen, und ſicher werden die Männer auf ihrem alten Forum wandeln. Wir wollen die unbezähmbare Seele Cato's aus ihrem vergeſſenen Grabe aufwecken! Ein Volk ſoll wieder in Rom ſein! Und ich— ich werde das Werkzeug dieſes Trinumphes ſein— der Wieder⸗ herſte zuerſi der ich ſ ſteige des! erhal Mit ſtere: Bru daß kann dem ſeine ten Roms ndiſche wenn bſtam⸗ künſtelt chtung; n eines ande— l reli⸗ e einen cht und nTräu⸗ r ferne, wird; ne ſtür⸗ m alten e Seele n! Ein h werde Wieder⸗ herſteller meines Geſchlechtes— meine Stimme wird zuerſt das Schlachtgeſchrei der Freiheit ertönen laſſen — meine Hand zuerſt ihr Banner erheben— ja, von der Höhe meiner Seele, wie von einer Burg, ſehe ich ſchon Größe und Freiheit des neuen Roms auf⸗ ſteigen; und auf dem Eckſteine des mächtigen Gebäu⸗ des wird die Nachwelt meinen Namen leſen.“ Das ganze Weſen des Redners ſchien, als er dieſe erhabenen Worte ſprach, von ſeinem Ehrgeize bewegt. Mit leichten, raſchen Schritten ging er in dem dü⸗ ſteren Zimmer auf und ab, wie auf der Bühne; ſeine Bruſt arbeitete— ſeine Augen glühten. Er fühlte, daß die Liebe ſelbſt kaum ein Entzücken gewähren kann, das dem eines Patrivten gleich käme; der in dem erſten jungfräulichen Enthuſiasmus ſich noch ganz ſeiner Aufrichtigkeit bewußt iſt! Es wurde leicht an die Thüre gepocht, und ein Diener in der reichen Livree der päpſtlichen Officia⸗ ten erſchien. „Signor,“ ſagte er,„mein Gebieter, der Biſchof von Orvietto, iſt draußen.“ „Ha! glücklicher Zufall. Lichter her!— Mein Herr, das iſt eine Ehre, die ich mehr zu fühlen, als auszudrücken im Stande bin.“ „Pah, pah! mein guter Freund,“ ſagte der Bi⸗ ſchof, während des Eintretens, und ſetzte ſich ver⸗ traulich,„keine Ceremonien zwiſchen den Dienern der Kirche; und nie war ſie, glaube ich, treuer Freunde bedürftiger, als jetzt. Dieſe gottloſen Tumulte, dieſe ausgelaſſenen Streitigkeiten, gerade in der Stadt und vor dem Altar des heiligen Petrus, reichen hin, um der ganzen Chriſtenheit ein Argerniß zu geben.“ „Und ſo wird es bleiben,“ ſagte Rienzi,„bis Seine Heiligkeit dahin gebracht ſein wird, Ihre Re⸗ ſidenz an dem Sitze Ihrer Vorfahren aufzuſchlagen und mit kräftigem Arm die Ausſchweifungen des Adels zu zügeln.“ „Ach, Mann!“ ſagte der Biſchof,„Du weißt, daß dies nur in den Wind geſprochen iſt; denn er⸗ füllte der Papſt Deine Wünſche und käme wieder von Avignon nach Rom, er würde, bei dem Blute des heiligen Peter! nicht den Adel, ſondern der Adel würde ihn am Zaume halten. Du weißt wohl, daß, bis ſein geſegneter Vorgänger, gottſeligen Andenkens, den wei⸗ ſen Plan faßte, nach Avignon zu fliehen, der Vater der Chriſtenheit, gleich vielen andern Vätern in ihren alten Tagen, von ſeinen rebelliſchen Kindern einge⸗ ſchränkt und bewacht wurde. Erinnerſt Du Dich nicht, wie der edle Bonifacius ſelbſt, ein Mann von gro⸗ ßem Herzen und ehernen Nerven, von den Vorfah⸗ ren der Orſini in Knechtſchäft gehalten wurde— wie ſein Ein⸗ und Ausgang von ihrem Willen ab⸗ hing— ſo daß er, wie ein in einen Käfig einge⸗ ſperrter Adler, ſelbſt gegen ſeine Balken rannte und ſtarb? Wahrlich, Du ſprichſt von Erinnerungen Roms — dieſe Erinnerungen aber ſind nicht ſehr anziehend für Päpſte.“ „Nun,“ ſagte Rienzi, freundlich lachend, während er mit ſeinem Stuhle dem Biſchof näher rückte,„mein hoher Herr hat gewiß den beſten Beweis gleich bei der„ gellos jetzt gen Papf war von von und mein geſar mich ten, war. die A Herr weiß vorat bedee eiger lichet den bis iſt e zu ſiaſt einge⸗ nicht, gro⸗ rfah⸗ — n ab⸗ inge⸗ und Noms ehend rend mein hbei 85 der Hand, und ich muß geſtehen, daß, ſo ſtark, zů⸗ gellos und ruchlos der Adel damals war, er es doch jetzt noch in höherem Grade iſt.“ „Sogar ich,“ erwiderte Raimund, und ſeine Wan⸗ gen rötheten ſich beim Sprechen,„obgleich Vicar des Papſtes und Stellvertreter ſeiner geiſtlichen Macht, war erſt vor drei Tagen einer groben Beleidigung von gerade dieſem Stephan Colonna ausgeſetzt, der von dem heiligen Stuhle immer Gunſtbezeugungen und Artigkeiten erfuhr. Seine Diener rannten die meinigen an auf offener Straße und ich— ich, der Ab⸗ geſandte des Herrn der Könige— war genöthigt, mich bei Seite an die Mauer zu drücken und zu war⸗ ten, bis der übermüthige Graukopf vorübergeſtürmt war. Auch fehlte es nicht an Gottesläſterungen, um die Beſchimpfung vollſtändig zu machen.„Verzeihung, Herr Biſchof,“ ſagte er im Vorbeigehen, aber Du weißt wohl, dieſe Welt muß nothw endig der anderen vorangehen.““ „Hat er ſich das erkühnt?“ fragte Rienzi und bedeckte ſein Geſicht mit der Hand, als ein ganz eigenthümliches Lächeln— es war an ſich kein fröh⸗ liches, obgleich es Andere erheiterte, und veränderte den von Natur ernſten Ausdruck ſeiner Züge ſogar bis zur Strenge— um ſeine Lippen ſpielte.„Dann iſt es Zeit für Dich, heiliger Vater, wie für uns, zu „Zu was?“ unterbrach ihn der Biſchof raſch. „Können wir Etwas ausrichten? Laſſe Deine enthu⸗ fiaſtiſchen Träume fahren— ſteige auf die wirkliche Erde herab— blicke nüchtern um Dich. Was ver⸗ mögen wir gegen ſo mächtige Männer?“ „Herr,“ erwiderte Rienzi ernſt,„es iſt ein Un⸗ glück der Leute Eures Standes, daß ſie nie das Volk oder die richtigen Zeichen der Zeit kennen. Wie die⸗ jenigen, welche auf einem hohen Berge hinwandeln, die Wolken unten hintreiben ſehen, wo ſie Ebenen und Thäler ihren Blicken verſchleiern, während dieſe, nur wenig über die Oberfläche erhaben, die Bewe⸗ gungen und Wohnungen der Menſchen erblicken; gerade ſo erblicket Ihr von Eurem erhabenen Stand⸗ punkte aus nur die verworrenen und trüben Dünſte — während ich von meiner beſcheidenen Stellung nur die Vorbereitungen der Schäfer ſehe, um ſich und ihre Herden vor dem Sturme zu ſchützen, den dieſe Wolken verkünden. Verzweifelt nicht, Herr; man erträgt nur bis zu einer gewiſſen Grenze— bis zu dieſer Grenze reicht die Spannung ſchon— Rom wartet nur auf die Gelegenheit(bald wird ſie kommen, aber nicht plötzlich), um mit Einemmale gegen ſeine Unterdrücker aufzuſtehen.“ Das große Geheimniß der Beredſamkeit ſoll in dem Ernſte liegen— das große Geheimniß von Rienzi's Beredſamkeit beſtand in der Macht ſeiner Begeiſterung. Er ſprach nie wie Einer, der noch an dem Erfolge zweifelt. Vielleicht erkannte er wie die meiſten Unternehmer von erhabenen, großen Thaten ſelbſt nie vollkommen die ſich ihm bietenden Hinder⸗ niſſe. Er ſah das Ziel hell und klar, und überſprang in der Einbildung ſeiner Seele die Kreuzungen und die L zeugu Er ſe g zu erl und Geſe! mehr ſchaf Adel er Pleb verli Tha wöh ich den vor geb Ple mit län den ſchl ger rr ſte Dünſte tellung im ſich d wird emmale ſoll in iß von ſeiner er noch er wie Thaten Hinder⸗ rſprang e nd die Länge der Bahn; ſo prägten ſich die tiefen über⸗ zeugungen ſeines Gemüthes unwiderſtehlich Andern ein. Er ſchien weniger zu verſprechen, als vorherzuſagen. Der Biſchof von Orvietto, ein Mann von keinem zu erhabenen Geiſte, aber von ruhigem Temperamente und viel Welterfahrung, war von der Thatkraft ſeines Geſellſchafters lebhaft ergriffen; vielleicht dies um ſo mehr, als auch ſein eigener Stolz und ſeine Leiden⸗ ſchaften gegen den übermuth und die Frechheit des Adels aufgebracht waren. Er ſchwieg eine Weile, ehe er Rienzi antwortete. „Aber werden,“ fragte er endlich,„ſich nur die Plebejer erheben? Du weißt, wie elend und unzu⸗ verläſſig ſie ſind.“ „Herr,“ erwiderte Rienzi,„urtheilt nach einer Thatſache, wie kräftig ich von Freunden nicht ge⸗ wöhnlicher Art umgeben bin: Du weißt, wie laut ich gegen den Adel ſpreche— ich nenne Namen— den Savelli, den Orſini, den Colonna biete ich Trotz vor ihren Ohren. Glaubſt Du, daß ſie mir ver⸗ geben? Glaubſt Du, ſie würden, wären nur die Plebejer mein Schutz und meine Gönner, mich nicht mit offener Gewalt angreifen?— es wäre mir nicht längſt ein Knebel in ihren Kerkern zu Theil gewor⸗ den, oder ewige Stille des Grabes hätte mich ver⸗ ſchlungen? Bemerke,“ fuhr er fort, als er in den Zügen des Viecars den Eindruck las, den er auf ihn gemacht—„bemerke, daß in der ganzen Welt eine große Umwälzung begonnen. Die barbariſche Fin⸗ ſterniß von Jahrhunderten iſt gebrochen; das Wiſſen, vas in früheren Zeiten Menſchen zu Halbgöttern machte, iſt aus ſeiner Urne hervorgerufen; eine Macht, ſchlaner als rohe Gewalt, und mächtiger, als be⸗ waffnete Männer, iſt geſchäftig; wir haben noch ein⸗ mal angefangen, der Herrſchaft des Geiſtes zu hul⸗ digen. Ja, dieſelbe Macht, die vor wenigen Jahren Petrarka auf dem Capitol krönte, als es nach einem Schweigen von zwölf Jahrhunderten Zeuge war von der Herrlichkeit eines Triumphes,— die auf einen Mann von dunkler Herkunft, unerfahren in den Waffen, dieſelben Ehren häufte, welche vor Alters Kaiſern und Beſiegern von Königen zu Theil wurden — die in einem Akte der Huldigung die rivaliſirenden Häuſer Colonna und Orſi ſtolzeſten Patriecier wetteifern ließ, um dem Sohne des Florentiniſchen Plebejers die Schleppe zu tragen, nur ſeinen Purpurmantel zu berühren— die noch immer Europa's Augen auf die niedere Hütte von Vaneluſe zieht— die dem beſcheidenen Gelehrten die überall anerkannte Freiheit gibt, Tyrannen zu war⸗ nen und mit ſtolzen Bitten ſich ſelbſt dem Kirchen⸗ vater zu nahen; ja, dieſelbe Macht, die ſchweigend wirkſam unter der feſten Grundlage der Venetiani⸗ ſchen Oligarchie* murrt, die jenſeits der Alpen in Spanien, Deutſchland und Flandern ſichtbares, plötz⸗ liches Leben erweckte, und die ſogar auf jener bar⸗ * Etwa acht Jahre ſpäter brach der lange unterdrückte Groll des venetianiſchen Volkes gegen die weiſeſte und wachſamſte aller Oligarchien, das Sparta Italiens, in der Verſchwörung unter Marino Faliero aus. ni vereinigte— welche die! * hariſch erober regier lähme müſſet Mach in de einigt Schin ein Wiſſe iſt, a Mant gelert mich ſchaft aufbl vor Prie blen welc chriſt dieſe einer chere heber Es eine Früc ebenſ Alters wurden renden che die Sohne tragen, ie nch te von ten die u war⸗ dirchen⸗ veigend tetiani⸗ pen in plötz⸗ er bar⸗ tte Groll chſamſte wörung 89 bariſchen Inſel, die das Schwert der Normannen eroberte, und der Tapferſte der lebenden Könige“ regiert, einen Geiſt erweckte, den der Normann nicht lähmen kann— Könige, die über ihn herrſchen wollen, müſſen durch ihn herrſchen— ja, dieſe nämliche Macht iſt überall zu erkennen; ſie ſpricht, ſie ſingt in der Stimme deſſen, der vor Euch ſteht; ſie ver⸗ einigt für ihre Sache Alle, in die nur ein ſchwacher Schimmer des Lichtes gedrungen iſt, Alle in welchen ein großartiges Verlangen entflammt werden kann! Wiſſet, Herr Vicar, daß nicht ein Mann in Rom iſt, außer gerade unſeren Unterdrückern— nicht ein Mann, der eine Silbe von unſerer alten Sprache gelernt hat— deſſen Herz und Schwert nicht für mich wären. Die friedlichen Pfleger der Wiſſen⸗ ſchaften— der ſtolze Adel zweiten Ranges— das aufblühende Geſchlecht, reifer, als ihre trägen Väter; vor Allem, Herr, die niederen Diener der Kirche, Prieſter und Mönche, welche Schwelgerei nicht ver⸗ blendet, Pracht nicht betäubt hat für die Schmach, welche der Chriſtenheit bei Tag und Nacht in der chriſtlichen Hauptſtadt zugefügt wird; dieſe— alle dieſe— ſtehen mit dem Kaufmann und Künſtler in einem unauflöslichen Bund und warten nur auf das „ Eduard MI., unter deſſen Regierung viel volksthümli⸗ chere Anſichten, als die des folgenden Jahrhunderis ſich zu er⸗ heben begannen. Die Bürgerkriege machten dieſe Aktion blutig. Es war in der That ein Zeitalter, das in der ganzen Welt eine Menge Blüten trieb, aus denen aber nur rohe, unreife Früchte wurden;— ein außerordentlicher Sprung, dem ein ebenſo außerordentlicher Stillſtand folgte. 90 Signal, zu fallen vder zu ſiegen, frei zu leben, oder im Tode Unſterblichkeit zu erringen für Rienzi und ihr Vaterland!“ „Sprichſt Du im Ernſte ſo?“ fragte der erſtaunte Biſchof, indem er ſich halb erhob.„Beweiſe nur dieſe Deine Worte, und Du ſollſt die Diener Gottes nicht weniger eifrig für das Glück der Menſchen finden, als ihre Laienbrüder.“ „Was ich ſage,“ verſetzte Rienzi in kälterem Tone, „kann ich beweiſen; doch mag ich dies nur gegen die⸗ jenigen thun, welche für, uns ſein werden.“ „Jürchte nichts von mir,“ antwortete Raimund; „ich kenne die geheime Geſinnung Seiner Heiligkeit wohl, deren Abgeſandter und Stellvertreter ich bin, und könnte er der Macht der Patricier nur die ge⸗ ſetzlichen und natürlichen Schranken geſetzt ſehen, die in ihrem übermuthe ſelbſt das Anſehen der Kirche nicht achten, ſo ſeid verſichert, daß er der Hand hold wäre, welche dieſe Grenzlinie zöge. Ja ich bin deſſen ſo gewiß, daß ich, ſein verantwortlicher, aber un⸗ würdiger Stellvertreter, wenn Ihr die Oberhand be⸗ haltet, ſelbſt dem Erfolg Geſetzeskraft ertheilen will. Aber hütet Euch vor rohen Angriffen; die Kirche darf dadurch nicht leiden, daß man ihr einen Fehler zur, Laſt legte.“ „Recht, mein Herr,“ erwiderte Rienzi;„die Po⸗ litik der Religion kommt mit jener der Freiheit hierin überein. Schließet aus meinem langen Zögern auf meine Vorſicht. Wer Alles um ſich ungeduldig ſehen — während er ſelbſt vor Ungeduld brennt— und ꝛ noch t warten beſonn „2 indem Plane theilen hat, e und ſi komm ſuches zuſam weißt Amt lende ur dieſe s nicht finden, heiligkeit ich bin, die ge⸗ hen, die rKirche and hold in deſſen ber un⸗ an be⸗ en will. che darf hler zur, die Po⸗ it hierin ern auf ig ſehen — und — — 91 noch das Signal zurückhalten, und die Stunde er⸗ warten kann, verliert ſeine Sache nicht leicht aus Un⸗ beſonnenheit.“ „Noch etwas mehr alſo hievon,“ ſagte der Biſchof, indem er in ſeinen Stuhl zurückſank.„Sind Deine Plane reif, ſo trage kein Vedenken, ſie mir mitzu⸗ theilen. Glaube, daß Rom keinen aufrichtigeren Freund hat, als den, der beſtimmt iſt, Ordnung zu erhalten, und ſich einem Angriffe nicht gewachſen fühlt. Doch kommen wir nun zu dem Zwecke meines jetzigen Be⸗ ſuches, der vielleicht einigermaßen mit dem Gegenſtande zuſammenhängt, den wir ſo eben beſprachen.. Du weißt, daß, als Seine Heiligkeit Dir dein jetziges Amt anvertraute, er Dir auch befahl, ſeine wohlwol⸗ lende Abſicht hinſichtlich der Bewilligung eines allge⸗ meinen Jubelfeſtes zu Rom für das Jahr 1350 zu verkünden— eine bewundernswerthe Abſicht aus zwei Gründen, die Dir hinlänglich einleuchten werden; er⸗ ſtens, weil jede Chriſtenſeele, welche bei dieſer Gele⸗ genheit nach Rom wallfahrtet, gänzliche Vergebung ihrer Sünden erhält, und zweitens, weil, um fleiſch⸗ lich zu ſprechen, das Zuſammenſtrömen ber hiedurch angelockten Pilger durch die Schenkungen und Opfer ihrer Frömmigkeit die Einkünfte des heiligen Stuhles gewöhnlich ſehr weſentlich vermehrt werden, welch letz⸗ tere, beiläufig geſagt, im gegenwärtigen Augenblicke in keinem ſehr blühenden Zuſtande ſind. Das weißt Du, lieber Rienzi.“ Rienzi nickte bejahend und der Prälat fuhr fort: „Nun bemerkt Seine Heiligkeit mit der größten Be⸗ 92 trübniß, daß ſeine frommen Abſichten wahrſcheinlich vereitelt würden; denn die Räuber auf den öffentlichen Straßen gegen Rom find jetzt ſo kühn und zahlreich, daß auch der kühnſte Pilger zittern muß, die Reiſe zu unternehmen, und diejenigen, welche es dennoch wagen, werden wohl aus den Armſten der chriſtlichen Gemeinſchaft beſtehen— Leute, die, da ſie weder Gold, noch Silber, noch werthvolle Geſchenke bringen, wenig von der Raubgier der Schurken zu fürchten haben werden. Hieraus läßt ſich zweierlei folgern; auf der einen Seite werden die Reichen— die, der Himmel weiß und das Evangelium ſagt es ausdrücklich, einer Vergebung ihrer Sünden am bedürftigſten ſind— der rühmlichen Gelegenheit zur Abſolution verluſtig; auf der andern dagegen werden die Kiſten des Stuhles auf eine gottloſe Weiſe der Reichthümer beraubt, die im andern Falle ohne Zweifel von dem frommen Eifer ſeiner Kinder zu erwarten wären.“ „Nichts kann logiſch klarer ſein, mein Herr,“ erwiderte Rienzi. Der Viear fuhr fort:„Nun befahl mir Seine Heiligkeit in Briefen, die ich vor fünf Tagen erhielt, dieſe fürchterlichen Folgen für die Chriſtenheit den ver⸗ ſchiedenen Patriciern, rechtmäßigen Lehensträgern der Kirche, auseinanderzuſetzen und ihre entſchloſſene Ver⸗ bindung gegen die Straßenräuber zu verlangen. Ich habe mich mit ihnen berathſchlagt, und vergebens.“ „Denn durch den Beiſtand und die Truppen dieſer Räuber haben die Patricier ihre Paläſte gegen einan⸗ der befeſtigt,“ fügte Rienzi hinzu. —— „C ſchof. ſtigkeit Verluft zuſetzer ſinnige gern ſ thun. Heilig ſagt er rathe und fr großen ſein V lial's a er ſich dauern verpfli ſeres C Himmel ig; auf Stuhles ubt, die en Eifer Herr,“ rSeine erhielt, den ver⸗ ern der ne Ver⸗ en. Ich ebens.“ ndieſer einan⸗ 93 „Gerade aus dieſem Grunde,“ verſetzte der Bi⸗ ſchof.„Ja, Stephan Colonna beſaß ſogar die Drei⸗ ſtigkeit, es zuzugeben. Gänzlich ungerührt durch den Verluſt ſo vieler koſtbarer Seelen und, kann ich hin⸗ zuſetzen, des päpſtlichen Schatzes, der doch einem ſcharf⸗ ſinnigen Manne nicht weniger theuer ſein ſollte, wei⸗ gern ſie ſich, einen Schritt gegen die Banditen zu thun. Nun hört denn den zweiten Auftrag Seiner Heiligkeit:„Sollte es mit dem Adel nicht gelingen,“ ſagt er mit ſeinem prophetiſchen Scharfſinne,„ſo be⸗ rathe Dich mit Cola di Rienzi. Er iſt ein kühner und frommer Mann und, wie Du mir ſagſt, von großem Einfluſſe bei dem Volke; ſage ihm, daß, wenn ſein Verſtand das Mittel finden kann, die Söhne Be⸗ lial's auszurotten und die Heerſtraßen ſicher zu machen, er ſich höchlich um Uns verdient machen werde— dauernd wird die Dankbarkeit ſein, zu der er Uns verpflichtet; welchen Beiſtand Du und die Diener un⸗ ſeres Stuhles ihm leiſten könnt, mit dem zögert nicht.““ „Sagt Seine Heiligkeit ſo?“ rief Rienzi aus.„Ich verlange nicht mehr— die Dankbarkeit iſt auf meiner Seite, daß er ſo an ſeinen Diener gedacht und mir dieſes Geſchäft übertragen hat; zugleich nehme ich den Auftrag an und verbürge mich für den Erfolg. Laßt uns denn, mein Herr, laßt uns genau über die Gren⸗ zen uns verſtändigen, die meiner Willkür überlafſen ſind. Um die Räuber außerhalb der Mauern zu bändigen, muß ich Gewalt über die innerhalb derſelben befind⸗ lichen haben. Wenn ich mich mit Gefahr meines Le⸗ bens unterziehe, alle Zugänge Roms von dem Räu⸗ bergeſindel, das ſie unſicher macht, zu ſäubern, ſoll ich unumſchränkte Freiheit für kühnes, unbedingtes und ſtrenges Verfahren haben?“ „Ein ſolches Benehmen fordert ja die Natur des Auſtrages,“ antwortete Raimund. „Ja, wenn es auch gegen die Erzfrevler, gegen diejenigen, welche die Räuber unterſtützen— wenn es gegen den höchſten Adel ſelbſt anzuwenden wäre?“ Der Biſchof ſchwieg und ſah dem Sprecher ſcharf in das Geſicht.„Ich wiederhole,“ ſagte er endlich mit gedämpfter Stimme und bedeutungsvoller Beto⸗ nung,„es iſt bei dieſem kühnen Unternehmen Gelin⸗ gen die einzige Beſtätigung. Erreiche den Zweck, ſo werden wir Dich aller Verantwortung überheben — ſelbſt des——“ „Todes eines Colonna odex Orſini, wenn die Ge⸗ rechtigkeit ihn verlangt, wenn er in dem Geſetze vor⸗ geſehen und nur durch eine Verletzung des Geſetzes verſchuldet wäre!“ ſetzte Rienzi beſtimmt hinzu. Der Biſchof antwortete nicht durch Worte, aber eine leichte Bewegung ſeines Kopfes war Rienzi ge⸗ nügend. „Mein Herr,“ ſprach er,„von dieſem Augenblicke an ſteht Alles gut; die Revolutivn— die Herſtellung der Ordnung des Staates leite ich von dieſer Stunde — von dieſer Unterredung her. Bis jetzt habe ich in dem Bewußtſein, daß die Gerechtigkeit nie ein Auge zudrücken darf, aus Furcht gezögert, Du und Seine Heiligkeit möchten es für Strenge halten und denje⸗ nigen tadeln, der das Geſetz wieder aufrichtet, weil — er die ich Er D ſie feſ Beide D war d war! wegzu offen, Fackel wegw eine 1 blieb und f oder „ von von / mit dem ern, ſoll gtes und at des , geen wenn es är er ſcharf r endlich er Beto⸗ n Gelin⸗ Zweck, berheben die Ge⸗ ſetze vor⸗ Geſetzes nzu. te, aber ienzi ge⸗ genblicke rſtellung Stunde habe ich ein Auge d Seine id denje⸗ tet, weil 95 er die übertreter des Geſetzes ſtraft. Jetzt beurtheile ich Euch richtiger. Eure Hand, mein Herr!“ Der Biſchof reichte ihm die Hand; Rienzi ergriff ſie feſt und erhob ſie ehrfurchtsvoll zu ſeinen Lippen. Beide verſtanden, daß der Vertrag beſiegelt war. Dieſe in der Wiederholung ſo lange Unterredung war der That nach nur ſehr kurz; aber der Zweck war bereits erreicht, und der Biſchof erhob ſich, um wegzugehen. Das äußere Portal des Hauſes ſtand offen, die zahlreichen Diener des Biſchofs hielten ihre Fackeln empor, und als er ſich eben von Rienzi hin⸗ wegwandte, der ihn bis zum Thor begleitete, ſtürzte eine weibliche Geſtalt durch das Gefolge des Prälaten, blieb plötzlich ſtehen, als ſie Rienzi anſichtig wurde, und fiel zu ſeinen Füßen nieder. „O, eilt, Herr! eilt, um Gottes willen eilt! oder die junge Signora iſt für immer verloren!“ „Die Signora!— Himmel und Erde, Benedetta, von wem ſprecht Ihr?— von meiner Schweſter— von Zrene? iſt ſie nicht zu Hauſe?“ „O, Herr— die Orſini— die Orſini!“ „Was iſt mit ihnen?— ſprich, Weib!“ Jetzt erzählte Benedetta athemlos und mit vielen Unterbrechungen Rienzi, in welchem der Leſer bereits Irenens Bruder erkannte, ſo viel von dem Abenteuer mit Martino di Porto, als ſie mit angeſehen: von dem Ansgange und dem Ergebniſſe des Streites wußte ſie noch nichts. Rienzi hörte ſie ſchweigend an, aber die tödtliche Bläſſe ſeines Geſichtes und das Verzerren der Unter⸗ lippe zeugte von der Aufregung, der er nicht in Wor⸗ ten Luft machte. „Ihr hört, mein Herr Biſchof, Ihr hört,“ ſagte er, als Benedetta zu Ende war, und wandte ſich an„ den Biſchof, der durch die Erzählung aufgehalten war; „Ihr hört, welchen Gewaltthaten die Bürger Roms er die ausgeſetzt ſind!— Meinen Hut und mein Schwert! . rend augenblicklich! Mein Herr, verzeiht meine Eile.“ mor 4 „Wohin— wohin?“ fragte der Biſchof. leiden „Ach, ich vergaß, mein Herr, Ihr habt keine Schwe⸗ wie ſ ſter. Vielleicht hattet Ihr auch keinen Bruver?— Nein, und nein; ich will wenigſtens ein Opfer erretten. Wohin, der er fragt Ihr mich?— nach dem Palaſte Martino's di Portv.“ ter u „Zu einem Orſini, allein, und um Gerechtigkeit ger vi zu erlangen?“ ſo ga „Allein, und um Gerechtigkeit zu erlangen!— mehr Nein!“ ſchrie Rienzi mit lauter Stimme, indem er der u ſein Schwert, das ihm jetzt ein Diener gebracht, er⸗ italier griff, und ſtürzte aus dem Hauſe;„aher ein Mann beredt iſt genug zur Rache!“ ſcheid Der Biſchof blieb einen Augenblick ſtehen, um zu genen überlegen.„Er darf nicht verloren werden,“ mur⸗ pers melte er,„wie es wohl der Fall ſein könnte, wenn zarte er ſo allein der Wuth des Wolfes preisgegeben wäre. Liebe Heda!“ rief er laut;„tragt die Fackeln voran!— gekan raſch, raſch! Wir ſelbſt— wir, der Stellvertreter ſchaft des Papſtes— wollen es mit anſehen. Beruhigt euch, gute Leute; wir bringen enre junge Signora bewu zurück. Vorwärts! zu dem Palaſte Martino's di neber Porto!“ ſanft 97 Sechstes Kapitel. ſich an Irene in dem Palaſte Adrian's di Caſtello. en Wie der Cyprier das Bild betrachtete, in welchem n er die Träume ſeiner Jugend verkörpert hatte, wäh⸗ i. rend die lebendigen Farben langſam unter dem Mar⸗ Sth mor hervorquvllen,— ſo betrachtete der junge und Schwe⸗ leidenſchaftliche Adrian die vor ihm liegende Seſtalt, wie ſie nach und nach wieder zum Leben erwachte. Nein, Und wenn die Schönheit dieſes Geſichtes nicht von der erhabenſten, blendendſten Art war, wenn ſein ſanf⸗ 3 ter und ruhiger Ausdruck von mancher wirklich weni⸗ chtigkeit ger vollkommenen Schönheit überſtrahlt werden mochte, ſo gab es doch nie ein Antlitz, das manches Auge gen— mehr angeſprochen hätte, und nie eines, in welchem dem er der unansſprechliche, jungfräuliche Ausbruck, den die cht, er⸗ italieniſche Kunſt in ihren Bildern zu erreichen ſucht, Mann beredter ausgedrückt geweſen wäre,— in welchem Be⸗ ſcheidenheit den äußeren, Zärtlichkeit den mehr verbor⸗ um zu genen Grundzug ausmacht; die Jugendblüte des Kör⸗ mur⸗ pers und des Herzens, ehe die erſte ſchwache und wenn zarte Friſche beider abgeſtreift iſt: und wo ſelbſt die nwäre. Liebe, der einzige unruhige Gaſt, der in dieſem Alter an!— gekannt ſein ſollte, nur ein Gefühl, nicht eine Leiden⸗ ertreter ſchaft iſt! eruhigt„Benedetta!“ flüſterte Irene endlich, indem ſie ignora bewußtlos ihre Augen gegen den Mann aufſchlug, der o's di neben ihr kniete,— Augen von jener ungewiſſen, ſanften Farbe, in die man Jahre lang blicken, und Bulwer, Rienzi. I. 7 habt.“ „Und welche Erſcheinung!“ dachte Adrian. „Wo bin ich?“ rief Irene, indem ſie von dem — dieſe Tapeten — heilige Jungfrau! träume ich noch immer!— und Ihr! Himmel!— es iſt der Signor Adrian di Ca⸗ Lager ſich erhob. ſtello!“ „Iſt das ein Name, den Du fürchten gelernt haſt?“ „wenn dies der Fall iſt, ſo will ich fragte Adrian; ihn abſchwören.“ Wenn Irene jetzt tief erröthete, ſo geſchah es nicht in jenem wilden Entzücken, mit dem ſie, wie ihr ſchwärmeriſches Herz ihr prophezeihen mochte, die erſten Worte der Huldigung von Adrian di Caſtello an⸗ hören würde. Verwirrt und beſtürzt,— erſchreckt durch die Unbekanntſchaft mit dem Orte, und zurückbebend ſelbſt vor dem Gedanken, ſich allein mit dem Manne zu finden, der ſeit Jahren in ihrer Einbildung ge⸗ lebt,— waren Unruhe und Kummer die Regungen, die ſie am heftigſten fühlte und die ſich am deutlich⸗ ſten in ihren beredten Zügen ausſprachen; und als Adrian ſich ihr jetzt näherte, da wuchs trotz ſeiner ſanften Stimme und der Ehrerbietung in ſeinen Blicken ihre Angſt, die, ganz unbeſiimmt, nur um ſo hefti⸗ ger war; ſie floh an das fernſte Ende des Zimmers, nie das Geheimniß ihrer Farbe erfahren könnte, da ſie mit der ſich erweiternden Pupille ſich ändert,— im Schatten dunkler wird, und im Lichte in Azur glänzt:„Benedetta,“ ſagte Irene,„wo biſt Du? Benedetta! Ich habe einen ſchrecklichen Traum ge⸗ „Dieſes Zimmer leger Anm lich; Belo digu Reg könnte, da ändert,— te in Azur ſt Du? O, Traum ge⸗ rian. ie von dem eſe Tapeten er!— und ian di Ca⸗ ernt haſt?“ ſo will ich geſchah es m ſie, wie mochte, die Caſtello an⸗ chreckt durch urückbebend m Manne bildung ge⸗ Regungen, m deutlich⸗ t; und als trotz ſeiner inen Blicken m ſo hefti⸗ s Zimmers, blickte wild um ſich, bedeckte dann ihr Geſicht mit den Händen und brach in einen Strom von Thrä⸗ nen aus. Gerührt von dieſen Thränen, errieth Adrian ihre Gedanken und vergaß für einen Angenblick alle küh⸗ neren Wünſche, die in ihm aufgeſtiegen. „Fürchte nichts, holdes Mädchen,“ ſagte er voll Ernſt,„ſammle Dich, ich bitte— keine Gefahr, keine Bosheit kann Dich hier erreichen; dieſe Hand war es, welche Dich vor der Gewaltthat der Orſini rettete — dieſes Zimmer iſt nur das Obdach eines Freundes! Sage mir denn, ſchöner Engel, Deinen Namen und Deine Wohnung, ſo will ich meine Diener rufen und ſogleich Dich nach Hauſe geleiten.“ Vielleicht brachte noch mehr die Erleichterung durch Thränen, als ſelbſt Adrian's Worte Irene wieder zu ſich und gaben ihr die Kraft, ihre ungewöhnliche Lage zu begreifen, und als ihr heller Verſtand ihr nun ſagte, was ſie dem zu verdanken habe, der ihr ſo lange in ihren Träumen als Ideal alles Vorzüglichen vorgeſchwebt war, da wurde ſie wieder Herrin ihrer ſelbſt und ſprach ihren Dank mit einer durch die Ver⸗ legenheit, in der fie ſich befand, nur noch erhöhten Anmuth aus. „Danke mir nicht,“ erwiderte Adrian leidenſchaft⸗ lich;„ich habe Deine Hand berührt, ich bin belohnt. Belohnt!— ja, an mir iſt es, Dankbarkeit und Hul⸗ digungen darzubringen!“ Wieder erröthend, aber aus einer ganz anderen Regung als zuvor, erwiberte Irene nach einem augen⸗ blicklichen Schweigen:„Doch, mein Herr, muß ich meine Schuld als eine um ſo gewichtigere betrachten, weil Ihr ſo leicht darüber weggehet. Macht meine Verbindlichkeit jetzt voll;— ich ſehe meine Beglei⸗ terin nicht— erlaubt, daß ſie mich nach Hauſe führt; es iſt von hier nur eine kurze Strecke.“ „Geſegnet alſo iſt die Luft, die ich ſo unbewußt einathmete!“ ſagte Adrian.„Aber Deine Vegleiterin, liebes Mädchen, iſt nicht hier. Sie floh, meine ich, in der Verwirrung des Handgemenges, und da ich Deinen Namen nicht wußte und in Deinem damaligen Zuſtande ihn von Deinen Lippen nicht erfahren konnte, ſo war es nur glückliche Nothwendigkeit, Dich hierher zu bringen— aber ich will Dich geleiten. Nein, war⸗ um dieſer furchtſame Blick?— auch meine Leute ſollen mit uns gehen.“ „Mein Dank, edler Herr, iſt von geringem Werthe; mein Bruder, der Dir nicht unbekannt iſt, wird Dir paſſender denſelben abſtatten. Kann ich gehen?“ und bereits war Irene, während ſie ſo ſprach, an der Thüre. „Verlangſt Du ſo heftig, mich zu verlaſſen?“ antwortete Adrian traurig.„Ach, wenn Dich meine Augen nicht mehr erblicken, wird es ſein, als hätte der Mond die Nacht im Stiche gelaſſen!— Aber Glückſeligkeit iſt es, Deinen Wünſchen zu gehorchen, auch wenn ſie Dich von mir reißen.“ Ein leichtes Lächeln trennte Irenens Lippen, und Adrians Herz ſchlug ſo laut, daß er ſelbſt es hörte, während er das Lächeln und die niedergeſchlagenen Augen für kein ungünſtiges Vorzeichen hielt. Wit die Thi als ſie holdes nicht un Freund „Se Stolz( Roms „H außeror aus, al für ſeit Colonn erblicke Mädche ſetzte kennt e zur V erprob ſeine E „T Adrian Straß Gefüh argwöl tricier der Fr angeſe Beglei⸗ führt; konnte, hierher n, war⸗ e Leute Werthe; ird Dir ?“ und an der aſſen?“ meine s hätte — Aber horchen, n, und hörte, lagenen 104 Widerſtrebend und langſam wandte er ſich gegen die Thüre und rief ſeine Diener.„Aber,“ ſagte er, als ſie nun oben an der Treppe ſtanden,„Du ſagteſt, holdes Mädchen, der Name Deines Bruders ſei mir nicht unbekannt. Der Himmel gebe, daß er ein wahrer Freund der Colonna ſei!“ „Sein Stolz,“ antwortete Irene ausweichend,„der Stolz Cola di Rienzi's iſt, der Freund der Freunde Roms zu ſein.“ „Heilige Jungfrau von Ara Cveli!— iſt jener außerordentliche Mann Dein Bruder?“ rief Adrian aus, als er bei Nennung dieſes Namens ein Hinderniß für ſeine plötzliche Leidenſchaft ſah.„Ach! in einem Colonna, in einem Adeligen wird er kein Verdienſt erblicken; obgleich Dein glücklicher Befreier, holdes Mädchen, früher ſeine Freundſchaft ſuchte!“ „Du thuſt ihm ſehr Unrecht, mein Herr,“ ver⸗ ſetzte Irene mit Wärme;„mehr als alle Andere er⸗ kennt er Deine edelmüthige Tapferkeit, wäre ſie auch zur Vertheidigung des niedrigſten Weibes in Rom erprobt worden— wie viel mehr denn, wenn ſie ſeine Schweſter beſchützte!“ „Die Zeiten ſind in der That krank,“ antwortete Adrian nachdenklich, als ſie ſich jetzt auf der offenen Straße befanden,„wenn Männer, die mit denſelben Gefühlen um das Wehe ihres Vaterlandes trauern, argwöhniſch gegen einander ſind— wenn ein Pa⸗ trieier ſein, heißt: ein Feind des Volkes ſein— wenn der Freund des Volkes als ein Feind der Patricier angeſehen werden muß. Aber komme, was da will, o! laſſe mich hoffen, kheures Mädchen, vaß keine Zweifel, bemerkte keine Spaltungen eine freundliche Erinnerung an mich aus Deiner Bruſt verdrängen ſollen!“ Rienzi w „Ach! wenig, wenig kennt Ihr mich!“ fing Irene mit Fak an und ſtockte plötzlich. Biſchofe „Sprich! ſprich weiter!— welcher Muſik hat tino's di vieſes boshafte Schweigen meine Seele beraubt! So ſich zu t willſt Du mich alſo nicht vergeſſen? Und,“fuhr Adrian den Orf fort,„wir werden uns wieder treffen? Auf Rienzi's nern im Haus ſind wir jetzt beſchränkt; morgen werde ich den Nar meinen alten Kameraben beſuchen— morgen Dich wußte,1 wiederſehen— oder nicht?“ terie, g In Irenens Schweigen lag ihre Antwort. Edelmu „Und nachdem Du mir den Namen Deines Bru⸗ ſeinem ders genannt, mache, indem Du den Deinigen hinzu⸗ Sicherh fügſt, ihn meinem Ohre noch lieblicher.“ für das „Man nennt mich Irene.“ wenn d „Irene, Irene! laß mich ihn wiederholen. Es iſt walt ar ein ſanfter Name und hängt an den Lippen, als ₰ An wollte er ſie nicht gern verlaſſen— ein paſſender ihrem Name für ein Weſen wie Du!“ bezaub So machte Adrian, ohne zurückgewieſen zu werden, Zurück Irene in ſeiner blumenreichen und glühenden Sprache welche den Hof, die, wenn auch jenem Zeitalter und der pflegen Galanterie des Südens beſonders eigenthümlich, doch Colonr die Sprache iſt, in welcher die Poeſie jugendlicher ſprüch Leidenſchaft zu allen Zeiten und in allen Ländern ihr 5 einan reiches übermaß zu äußern pflegte, wenn Herz zu Herzen ſprechen konnte. Er geleitete ſeine ſchöne Schutz⸗ wiß, befohlene auf dem größten umwege nach Hauſe; Irene E Es iſt n, als ſſender eren, prache d der „doch dlicher rn ihr rz zu chutz⸗ Irene bemerkte entweder den Kunſtgriff nicht, oder vergab ſie ihn ſtillſchweigend. Jetzt ſahen ſie die Straße, wo Rienzi wohnte, als unerwartet eine Abtheilung Männer mit Fakeln auf ſie zukam. Es waren die Diener des Biſchofes von Orvietto, die von dem Palaſte Mar⸗ tino's di Porto zurückkamen, um, begleitet von Rienzi, ſich zu dem Adrian's zu begeben. Sie hatten, ohne den Orſini zu Geſicht zu bekommen, vpn den Die⸗ nern im Hofe unten den Verlauf des Kampfes und den Namen von Irenens Retter erfahren, und Rienzi wußte, ungeachtet Adrian's allgemein bekannter Galan⸗ terie, genug von ſeinem Charakter und kannte ſeinen Edelmuth hinlänglich, um zuverſichtlich Irene unter ſeinem Schutze für ſicher zu halten. Ach! in dieſer Sicherheit für die Perſon liegt oft die größte Gefahr für das Herz. Ein Weib liebt nie ſo gefährlich, als wenn derjenige, der ſie lieht, ſich um ihretwillen Ge⸗ walt anthut. An ihres Bruders Bruſt gedrückt, hieß Irene ihn ihrem Befreier danken, und Rienzi ging mit jener bezaubernden Offenherzigkeit, welche den gewöhnlich Zurückhaltenden ſo wohl anſteht, und über die Alle, welche die Herzen ihrer Mitmenſchen zu beherrſchen pflegen, zu Zeiten zu gebieten haben, auf den jungen Colonna zu und ergoß ſich in Dankbarkeit und Lob⸗ ſprüchen. Wir ſind zu lange getrennt geweſen— wir müſſen einander wieder kennen lernen,“ verſetzte Adrian.„Ge⸗ wiß, ich werde Dich binnen Kurzem heimſuchen.“ Er wandte ſich gegen Irene, um von ihr Abſchied 104 zu nehmen, führte ihre Hand zu ſeinen Lippen, drückte ſie und ſchmeichelte ſich mit der Einbildung, dieſe zarten Finger haben, während ſie ſeiner Hand entglitten, ⸗ leicht und unwillkürlich den Druck erwidert. Siebentes Kapitel. Ueber Liebe und Liebende. Wenn Shakeſpeare, als er die legendenartige Liebesſage von Romeo und Julie zum Gegenſtand wählte, den Schauplatz, wohin ſie verlegt iſt, in ein nördlicheres Klima verſetzt hätte, ſo zweifle ich, ob ſelbſt Shakeſpeare's Kunſt uns mit dem plötzlichen Zünden und der Heftigkeit von Juliens Leivenſchaft auszuſöhnen vermocht hätte. Und auch wie es nun einmal iſt, glaube ich, daß Wenige unter unſeren vernünftigen und nüchternen Inſelbewohnern ſein werden, die, wenn man ſie ernſtlich fragt, nicht offen geſtänden, ſie halten die Romantik und Inbrunſt dieſer unglücklichen, liebenden Veroneſer für über⸗ trieben und überſpannt. Jedoch in Italien bieten ſich dieſem Gemälde der in einer Nacht entſtandenen, — aber„bis zum Tode ſtarken“— Leidenſchaft in den gewöhnlichſten Verhältniſſen des Lebens zahlloſe Gegenſtücke. Wie in den verſchiedenen Altersſtufen, ſo nimmt unter verſchiedenen Himmelsſtrichen die Liebe wunderbar verſchiedene Geſtalten an; und bis auf den heutigen Tag würde unter italieniſchem Himmel manches einfache Mädchen fühlen, wie Julie, und —— manch Schw man ſchreil Lande die ir gewif Liebe wahrt einme durch und als z erſche von Vorf ſpiele rung ihner ein 2 und Bei konn Sch keine Bru geni trug klüg tuge drückte e zarten tglitten, nartige enſtand in ein ich, ob tzlichen enſchaft es nun unſeren n ſein ht offen nbrunſt über⸗ bieten wenen, at in ahlloſe ſtufen, en die nd bis immel „ und 105 mancher gewöhnliche Liebhaber würde mit Romeo's Schwärmerei wetteifern. Lange Bewerbungen kennt man in dem Lande, in und von welchem ich jetzt ſchreibe, nicht. Vielleicht entſteht in keinem andern Lande die Liehe gewöhnlich ſo auf den erſten Anblick, die in Frankreich ein Scherz, in England etwas Un⸗ gewiſſes iſt; auch wirb in keinem andern Lande die Liebe, wenn auch ſo plötzlich entſtanden, treuer be⸗ wahrt. Was in der Phantaſie gereift iſt, wird auf einmal zur Leidenſchaft, aber bleibt durch alle Zeiten durch das Gefühl einbalſamirt. Und dies muß meine und ihre Entſchuldigung ſein, wenn Adrian's Liebe als zu frühzeitig und die Irenens als zu romantiſch erſcheint;— es iſt die Entſchuldigung, welche ſie von Luft und Sonne— von den Gewohnheiten ihrer Vorfahren— von der ſanften Anſteckung des Bei⸗ ſpieles erhalten. Aber während ſie den Einflüſte⸗ rungen ihrer Herzen Gehör gaben, bemerkte man an ihnen eine gewiſſe, wenn gleich geheime, Traurigkeit ein Vorgefühl, das, wenn es auch Unannehmlichkeiten und Kummer verkündeten, doch nicht ohne Reize war. Bei ſeiner Abſtammung von einem ſo ſtolzen Geſchlechte konnte Adrian kaum an eine Verbindung mit der Schweſter eines Plebejers denken, und Irene, die keine Vorſtellung von der zukünftigen Größe ihres Bruders hatte, konnte ſchwerlich eine andere Hoffnung genährt haben, als die— geliebt zu werden. Doch trugen dieſe widrigen Umſtände, welche für härtere, klügere, mehr ſich ſelbſt verläugnende und vielleicht tugendhaftere Gemüther, wie ſie unter dem nordiſchen 106 Himmel ſich bilden, ein Antrieb geweſen wären, gegen die Liebe zu kämpfen, nur dazu bei, die ihrige zu nähren und zu beſtärken durch einen Widerſtand, der für die Romantik immer ſeine Reize hat. Sie fanden häufig, doch kurz, Gelegenheit, ſich zu treffen— nicht ganz allein, ſondern nur im Beiſein der nachläſſi⸗ gen Benedetta— bisweilen in den öffentlichen Gärten — bisweilen unter den ungeheuern verlaſſenen Ruinen, von denen Rienzi's Haus umgeben war. Sie über⸗ ließen ſich, ohne ſich viel um die Zukunft zu be⸗ kümmern, der Aufregung— dem Elyſium der Stunde; ſie lebten nur von Tag zu Tag; ihre Zukunft war die Zeit, wo ſie ſich das nächſte Mal trafen; über dieſe hinaus vereinigten ſich die übel ihrer jugend⸗ lichen Liebe in Dunkelheit und Schatten, welche ſie nicht zu durchdringen ſuchten: und da ſie noch nicht auf jener Stufe der Zärtlichkeit ſtanden, wo ein Fall ſie bedrohte,— ſo war ihre Liebe noch nicht durch das goldene Thor gegangen, wo der Himmel auf⸗ hört und die Erde anfängt. Alles war für ſie die Poeſie, die Unbeſtimmtheit, die Reinheit,— nicht die Gewalt, die Vereinigung, die Sterblichkeit des Verlangens!— der Blick— das Flüſtern— der kurze Händedruck,— höchſtens die erſten Küſſe der Liebe, ſelten und wenige— bezeichneten die menſch⸗ liche Grenze des Gefühles, das ſie mit einem Leben erfüllen,— das ihrer Seele einen neuen Schwung gab. Das ſchwärmeriſche Streben Adrian's hatte auf einmal eine beſtimmte Richtung und einen Mittel⸗ punkt erhalten; die Träume ſeiner Geliebten waren zu eine einer! der Er die bei mus u ten, n in ein lich di ſchrän Wirkl als in gebrei ſie K Schw ihre 2 ſie eb Edeln ihr Y beflec Zwecd hätter ſinker der( eben liche erkäl fluß liche als enſch⸗ Leben gab. auf ittel⸗ aren 107 zu einem noch immer träumeriſchen, aber doch von einer Wahrheit umgebenen, Leben erwacht. All der Ernſt, die Thatkraft und die hitzige Aufregung, die bei ihrem Bruder in den Planen des Patriotis⸗ mus und in dem Streben nach Macht ſich Luft mach⸗ ten, waren in Irene auf einen Zweck des Daſeins, in eine Vereinigung der Seele verſchmolzen— näm⸗ lich die Liebe. Doch war in dieſem ſcheinbar ſo be⸗ ſchränkten Felde des Denkens und Handelns der Wirklichkeit nach keine weniger grenzenloſe Sphäre, als in dem weitem Raume von ihres Bruders aus⸗ gebreitetem Ehrgeize. In ebenſo hohem Grade beſaß ſie Kraft und Antrieb zu den erhabenſten, unſerer Schwachheit möglichen Gedanken. Gleich groß war ihre Begeiſterung für ihr Idol— gleich groß, wäre ſie ebenſo auf die Probe geſtellt worden, wäre ihr Edelmuth, ihre Ergebung geweſen:— größer gewiß ihr Muth, unveränderlicher ihre Anbetung— weniger befleckt von ſelbſtſüchtigen Abſichten und niedrigen Zwecken. Zeit, Wechſel, Mißgeſchick, Undankbarkeit hätten ſie nicht verändert! Welcher Staat könnte ſinken, welche Freiheit in Verfall gerathen, wenn der Eifer von des Mannes lärmendem Patriotismus ebenſo rein wäre, wie die ſchweigende Treue weib⸗ licher Liebe? Bei ihnen war Alles jung!— das Herz nicht erkältet, ungetrübt,— jene Fülle und jener über⸗ fluß von des Lebens Mark, die an ſich etwas Gött⸗ liches haben. In dieſem Alter, wo wir uns den Tod als unmöglich denken, wie unſterblich, wie glühend 108 und durch die Jugendlichkeit eines Gottes mächtig iſt da Alles, was unſer Herz erſchafft! Unſere eigene Jugend iſt gleich der der Erde, als ſie Wälder und Gewäſſer mit gewöhnlichen Weſen bevölkerte,— als das Lehen ausſchweifte und doch nur Schönheit er⸗ zeugte— alle ihre Geſtalten, Poeſie,— alle ihre Lüfte die Melodieen Arkadiens und des Olymps! Das goldene Zeitalter verläßt die Welt nie: es be⸗ ſteht noch immer und wird beſtehen, bis Liebe, Ge⸗ ſundheit, Poeſte verſchwunden ſind, aber nur für die Jugend! Wenn ich jetzt, obwohl nur für einen Augenblick, bei dieſem Zwiſchenſpiele eines Drama's verweile, das männlichere Leidenſchaften, als Liebe, in Bewegung ſetzt, ſo geſchieht dies, weil ich vorausſehe, daß die Gelegenheit hiezu nur ſelten wiederkehren wird. Wenn ich mich bei der Schilderung Irenens und ihrer ver⸗ borgenen Neigung aufhalte, ſtatt die Ereigniſſe ab⸗ zuwarten, die ſie beſſer zeichnen, als es die Worte des Schriftſtellers vermögen, ſo geſchieht dies, weil ich vorausſehe, daß das liebende und liebenswürdige Bild, gegen das Ende mehr Schatten, als Bild,— wie es auch in der Wirklichkeit die Beſtimmung ſol⸗ cher Naturen iſt, wegen kühnerer Geſtalten und präch⸗ tigeren Farben, in den Hintergrund treten muß—, als ein Etwas, deſſen Gegenwart man mehr fühlt, als ſieht, und deſſen wahre Harmonie mit dem Ganzen in ſeiner zurückgezogenen und beſcheidenen Ruhe beſteht. D zu Adri wie ſie eines b nicht a zur Ob Vergan ich ein von ih von ei Wieder „A „Y Weg, der iſt, in der? dauernt ſelbſt, große der M „N Geſchic ſcheiner ger ge annahn len übl ungehe 109 htig iſt Achtes Kapitel. e Der Enthuſiaſt, beurtheilt von dem Beſonnenen. er und ls„Du thuſt mir Unrecht,“ ſagte Rienzi mit Wärme eit er⸗ zu Adrian, gegen das Ende einer langen Unterredung, e ihre wie ſie ſo allein daſaßen;„ich ſpiele nicht die Rolle ymps! eines bloßen Demagogen; ich will die großen Tiefen es be⸗ nicht aufwühlen, damit die Hefen meines Glückes ſich „Ge⸗ zur Oberfläche erheben. Ich habe ſo lange über der für die Vergangenheit gebrütet, daß es mir ſcheint, als wäre ich ein Theil von ihr geworden— als hätte ich kein nblick, von ihr getrenntes Daſein. Meine ganze Seele brennt e, das von einer Hauptleidenſchaft, deren Zweck iſt— die eng Wiederherſtellung Rom's.“ aß die„Aber durch welche Mittel?“ Wenn„Mein Herr, mein Herr! es gibt nur einen er er⸗ Weg, die Größe eines Volkes wieder herzuſtellen— ſſe ab⸗ der iſt, ein Aufruf an das Volk ſelbſt. Es ſteht nicht Worte in der Macht von Fürſten und Baronen, einem Staate „weil dauernde Berühmtheit zu verſchaffen; ſie erheben ſich ürdige ſelbſt, aber ſie erheben das Volk nicht mit ſich. Jede ld,— große Wiedergeburt iſt eine gänzliche Umwälzung g ſol⸗ der Maſſe.“ präch⸗„Nun,“ erwiderte Adrian,„dann haben wir die uß—, Geſchichte in ſehr verſchiedenem Sinne geleſen. Mir fühlt, ſcheinen alle große Regenerationen das Werk Weni⸗ zanzen ger geweſen zu ſein, welche die Menge ſtillſchweigend eſteht. annahm. Aber wir wollen nicht, wie es in den Schu⸗ len üblich, ſtreiten. Du verkündeſt laut, daß eine ungeheure Kriſis hevorſtehe; daß der gute Zuſtand 11⁰ (puono stato) gegründet werden ſoll. Wie? wo ſind Eure Waffen?— Eure Soldaten? Iſt der Adel we⸗ niger ſtark, als bisher?— Iſt der Pöbel kühner, beſtändiger? Der Himmel weiß, daß ich nicht mit den Vorurtheilen meines Standes rede; ich weine um vas Verderben meines Vaterlandes. Ich bin ein Rö⸗ mer und vergeſſe in dieſem Namen, daß ich zu dem Adel gehöre. Aber ich zittere bei dem Sturme, den Ihr ſo gewagt heraufbeſchwören wollt. Wenn Euer Aufſtand glückt, wird er heftig ſein— er wird durch Blut— durch das Blut all der ſtolzeſten Namen Roms erkauft werden. Ihr bezweckt eine zweite Ver⸗ treibung der Tarquinier, aber es wird einer zweiten Proſeription Sulla's ähnlicher ſein. Blutbad und Un⸗ ordnungen beſſern nie den Weg zum Frieden; wenn Ihr aber unterlieget, ſo find die Ketten Roms für immer geſchmiedet; ein fruchtloſer Verſuch zur Flucht iſt nur ein Vorwand für weitere Qualen des Sklaven.“ „Und welchen Rath würde denn der Signor Adriau uns geben?“ fragte Rienzi mit dem ſchon oben be⸗ ſchriebenen, ſarkaſtiſchen Lächeln.„Sollen wir war⸗ ten, his die Colonna und Orfini ſich nicht mehr rau⸗ fen? Sollen wir die Colonna um Freiheit, und die Orſini um Gerechtigkeit bitten? Herr, wir können die Edeln nicht gegen die Edeln anrufen. Wir müſſen ſie nicht bitten, ihre Macht zu mäßigen; wir müſſen dieſe Gewalt wieder an uns bringen; das Wagniß mag mit Gefahren verbunden ſein— aber wir be⸗ ginnen es unter den Denkmälern des Forums, und wenn wir fallen— ſo ſterben wir würdig unſerer Väter ausget geſtam wi freie — nic Betru fes ge kühner daß d uns, iſt mi ſern( und Könnt Straß Gleich nicht gen u ſigkeit Mach gleich ich at ſelbſt, freien meine unter durch ſetzes Verd wo ſind del we⸗ kühner, icht mit eine um ein Rö⸗ zu dem me, den in Euer rd durch Namen eite Ver⸗ zweiten und Un⸗ n; wenn oms für ur Flucht Sklaven.“ rAdrian oben be⸗ wir war⸗ nehr rau⸗ und die r können ir müſſen ir müſſen Wagniß rwir be⸗ ms, und g unſerer 11¹ Väter! Ihr habt viele Ahnen und helltönende Titel, ausgebehnte Ländereien, und ſprecht von Euern an⸗ geſtammten Ehren! Auch wir,— wir Plebejer Roms wir haben die unſrigen! Unſere Väter waren freie Männer! Wo iſt unſer Erbe? Nicht verkauft — nicht weggegeben— ſondern geſtohlen, bald durch Betrug, bald durch Gewalt— uns während des Schla⸗ fes geraubt; oder unter Toben und Kämpfen uns mit kühner Hand entriſſen. Herr, wir verlangen nur, daß dieſes geſetzliche Erbe uns zurückgegeben werde; uns, nein, für Euch iſt es daſſelbe— Eure Freiheit iſt mit der unſrigen dahin. Könnt Ihr in den Häu⸗ ſern Eurer Väter ohne Thürme und Verſchanzungen, und die erkauften Schwerter der Bravos wohnen? Könnt Ihr ohne Waffen oder Gefolge Nachts in den Straßen gehen? Zwar Ihr, ein Adeliger, könnt Gleiches mit Gleichem vergelten— obgleich wir es nicht wagen dürfen. Ihr könnt auch Andere ängſti⸗ gen und Gewaltthaten verüben; iſt aber die Zügello⸗ ſigkeit ein Erſatz für die Freiheit? Man hat Euch Macht und Glanz gegeben— aber Sicherheit durch gleiche Geſetze wäre ein beſſeres Geſchenk. O, wäre ich an Eurer Stelle— wäre ich Stephan Colonna ſelbſt, ich lechzte eben ſo durſtig, wie jetzt, nach der freien Luft, die nicht durch Schranken und gegen meine Mitbürger errichtete Bollwerke kommt, ſondern unter dem weiten, offenen Himmel weht— ſicher durch den Schutz der ſchweigenden Vorſehung des Ge⸗ ſetzes, und nicht durch elende Angſt und hohläugigen Verdacht, die Begleiter einer verhaßten Gewalt. Der Tyrann hält ſich für frei, weil er über Sklaven ge⸗ bieiet— der geringſte Bauer in einem freien Staate iſt freier, als er. O, Herr, daß Ihr— der Ta⸗ pfere, der Großmüthige, der Erleuchtete— Ihr, bei⸗ nahe der Einzige unter Euren Standesgenoſſen, der weiß, daß wir ein Vaterland hatten,— o, möckh⸗ tet doch Ihr unſere Leiden fühlen können, möch⸗ tet doch Ihr mit uns kämpfen, um ſie abzuſchüt⸗ teln!“ „Du willſt gegen Stephan Colonna, meinen Ver⸗ wandten, ſtreiten; und obgleich ich ihn nur wenig geſehen habe, und ihn, die Wahrheit zu geſtehen, nicht ſehr achte, iſt er doch der Stolz unſeres Hau⸗ ſes; wie kann ich gemeinſchaftliche Sache mit Dir machen?“ „Sicher bleibt ſein Leben— ſicher ſein Beſitz⸗ thum— ſicher ſein Rang. Gegen was kämpfen wir? Gegen ſeine Gewalt, Andern Unrecht zu thun.“ „Sollte er entdecken, vaß Dir noch andere Kräfte, als Worte, zu Gebote ſtehen, er wäre weniger gnä⸗ dig gegen Dich.“ „Und hat er das nicht entdeckt? Sagt ihm nicht ver Jubel des Volkes, daß ich ein Mann bin, den er fürchten ſollte? Erbaut er— der Vorſichtige, der Verſchlagene, der Tiefblickende— erbaut er Feſtun⸗ gen und errichtet Thürine und ſieht er von ſeinen Zinnen nicht das mächtige Gebäude, das auch ich gegründet habe?“ „Ihr! wo, Rienzi?“ „In den Herzen Roms! Sieht er es nicht?“ fuhr frühere Erzähl fallen. mich Spaßr den E Beifal ſelben Buße herabl es mi flüſter na's. ich de Patri F en ge⸗ Staate Ta⸗ r, bei⸗ n, der möch⸗ möch⸗ zuſchüt⸗ n Ver⸗ wenig eſtehen, Hau⸗ tit Dir Beſitz⸗ n wir? t.“ Kräfte, er gnä⸗ m nicht n, den ige, der Feſtun⸗ ſeinen uch ich fuhr 113 Rienzi forl.„Nein, nein; er— Alle, Alle ſeines Stammes ſind blind. Iſt dem nicht ſo?“ „Zuverläſſig glaubt Stephan Colonna nicht an Eure Macht, ſonſt hätte er Euch längſt zermalmt. Ja, erſt vor drei Tagen ſagte er im Ernſte, er wolle lieber, daß Ihr zum Volke ſprechet, als der vorzüg⸗ lichſte Prieſter der Chriſtenheit; denn andere Redner entflammen die Menge, und Niemand beruhige und zerſtreue ſie ſo, wie Ihr.“ „Und Den nennen ſie tiefblickend! Läßt nicht der Himmel die Luft am ruhigſten, gerade wenn er ſie zum Sturme vorbereitet? Ja, Herr, ich verſtehe. Ste⸗ phan Colonna verachtet mich. Ich habe“—(als er hier weiter ſprach, überzog eine tiefe Röthe ſeine Wangen)—„wie Ihr Euch erinnert— in meinen früheren Jahren ſeinen Palaſt beſucht und durch witzige Erzählungen, wie durch leichte Kernſprüche, ihm ge⸗ fallen. Ja— ha! ha!— ich glaube, er pflegte mich bisweilen, in ſcherzendem Complimente, ſeinen Spaßmacher— ſeinen Narren zu nennen! Ich habe den Schimpf verſchluckt, habe mich ſogar für ſeine Beifallsbezeigung verneigt. Ich würde mich aus dem⸗ ſelben Grunde und für dieſelbe Sache noch heute der Buße unterziehen, noch heute zu derſelben Schmach herablaſſen. Was wollte ich erreichen? Könnt Ihr es mir ſagen? Nein! Dann will ich es Euch zu⸗ flüſtern: es war— die Verachtung Stephan Colon⸗ na's. Unter dieſer Verachtung war ich geſichert, bis ich des Schutzes nicht mehr bedurfte. Ich wollte den Patriciern nicht furchtbar erſcheinen, um ruhig und Bulwer, Rienzi. I. 8 1¹4 unverdächtigt meinen Weg unter dem Volke machen zu können. Es iſt mir gelungen; ich werfe jetzt die Hülle ab. Keck könnte ich Stephan Colonna noch in dieſer Stunde ſagen, daß ich ſeinem Zorne trotze — daß ich ſeine Kerker und ſeine Bewaffneten ver⸗ lache. Hält er mich aber für denſelben Rienzi, wie früher, ſo laßt ihn; ich kann meine Stunde abwarten.“ „Aber,“ ſagte Adrian, indem er eine Antwort in der erhabenen Sprache ſeines Geſellſchafters vermied, „ſage mir, was verlangſt Du für das Volk, um einen Aufruf an ſeine Leidenſchaften zu unterlaſſen? — unwiſſend und eigenſinnig, wie ſie ſind, kannſt Du von ihrer Vernunft nichts erwarten.“ „Ich verlange volle Gerechtigkeit und Sicherheit für Alle. Mit keinem geringeren Verſprechen laſſe ich mich zufrieden ſtellen. Ich verlange von den Edeln, daß ſie ihre Feſtungswerke ſchleifen,— daß ſie ihre Bewaffneten entlaſſen,— daß ſie keine Strafloſigkeit für Verbrechen der Vornehmen anſprechen,— daß ſte nur bei den öffentlichen Gerichten Schutz ſuchen.“ „Vergebliches Verlangen!“ ſagte Adrian.„Ver⸗ langt, was zugeſtanden werden kann.“ „Ha— ha!“ erwiderte Rienzi mit bitterem Lachen, „ſagte ich Euch nicht, es ſei ein eitler Traum, von den Großen Geſetz und Gerechtigkeit zu verlangen? Könnt Ihr mich dann tadeln, wenn ich ſie anderswo verlange?“ Dann änderte er plötzlich Ton und Hal⸗ tung und ſetzte mit großer Feierlichkeit hinzu:— „Auch das wache Leben hat falſche und eitle Träume; aber der Schlaf iſt bisweilen ein mächtiger Prophet. war Ri ſie ihre loſigkeit — daß uchen.“ „Ver⸗ Lachen, t„ von ngen ersw Hal⸗ — iume; phet. „ 1¹⁵ Durch ihn verkehrt der Himmel geheimnißvoll mit ſeinen Geſchöpfen und lenkt und erhält ſeine irdiſchen Werkzeuge auf dem Pfade, auf den ſie ſeine Vor⸗ ſehung leitete.“ Adrian gab keine Antwort. Nicht zum erſtenmale machte er die Bemerkung, daß Rienzi's weitſehender Verſtand ſeltſamer Weiſe mit tiefem, myſtiſchem Aber⸗ glauben verbunden war. Und dies machte den jungen Adeligen, der, obwohl hinreichend fromm, doch weit entfernt war von der Leichtgläubigkeit ſeines Zeital⸗ ters, noch geneigter, an dem Gelingen von Rienzi's Planen zu zweifeln. Er irrte ſich hierin gewaltig, obgleich ſein Irrthum der weltlicher Klugheit war. Denn nichts begeiſtert menſchliche Kühnheit ſo, als der feſte Glaube, man ſei das Werkzeug göttlicher Weisheit. Rachſucht und Patriotismus, vereint in einem geiſtreichen und ehrgeizigen Manne— find die Hebel des Archimedes, die in dem Fanatismus den Punkt außer der Welt finden, um die Welt zu be⸗ wegen. Der kluge Mann kann einen Staat lenken, aber der Enthuſiaſt iſt es, der ihn verjüngt,— oder zu Grunde richtet. Neuntes Kapitel. „Als das Volk dieſes Gemälbe ſah, erſtaunte Jedermann.“* Vor dem Marktplatze, am Fuße des Capitols, war eine ungeheure Menſchenmaſſe verſammelt. Jeder „ Der gleichzeitige Biograph von Cola di Rienzi. Ich muß bemerken, daß ich bei meinen Eitaten oder 116 ſuchte ſich vor ſeinen Nebenmann vorzudrängen; je⸗ der kämpfte, um zu einem Platze zu gelangen, um welchen herum die Menge dicht und feſt zuſammen⸗ gekeilt war. „Corpo di Dio!“ ſagte ein Mann von ungeheu⸗ rer Statur, indem er ſich wie ein großes Schiff vor⸗ wärts drängte, das die geräuſchvollen Waſſer rechts und links von ſeinem Spiegel wirft,„das iſt heiße Arbeit; aber warum, in der heiligen Mutter Namen, drängt Ihr Euch ſo? Seht Ihr nicht, Signor Ri⸗ bald, daß mein rechter Arm der Kräfte beraubt, ein⸗ gewickelt und verbunden iſt, vaß ich mir nicht beſſer helfen kann, als ein kleines Kind? und doch drängt Ihr auf mich, als wäre ich eine alte Mauer!“ „Ach, Cercv del Veechio! wie, Mann! wir müſſen Euch Platz machen— Ihr ſeid zu klein und ſchwäch⸗ lich, um durch einen Haufen zu kommen! Kommt, ich will Euch ſchützen!“ ſagte ein Zwerg von etwa vier Fuß Höhe, indem er an dem Rieſen hinauf⸗ blickte. „Wahrlich,“ ſagte der grimmige Schmied, den Pöbel ringsum betrachtend, der bei des Zwerges An⸗ erbieten laut auflachte,„wir bedürfen Alle des Schutzes, Groß und Klein. Weßhalb lacht ihr, ihr Affen? — ja, ihr verſteht kein Gleichniß.“ „Und doch iſt es ein Gleichniß, das anzuſchauen Nachweiſungen des gleichzeitigen Biographen Rienzi's die bewun⸗ dernswerthe Ausgabe von Zeforino Re benützt habe, Forli, 1828. Der Tert iſt korrekter, als bei Mukatori, und das Werk iſt mit werthvollen Anmerkungen verſehen. hat, ſ anzukt „ gen,“ die Ur und ſch U Män Sche Röck erzw ring Mit zuer hauen ewun⸗ 1828. iſt mit 1 117 wir gekommen ſind,“ ſagte Einer aus dem Haufen mit leichtem Spotte. „Vergnügten Tag, Signor Baroncelli,“ erwiderte Cecev del Vechico;„Ihr ſeid ein braver Mann und liebt das Volk; es macht Euer Anblick einem das Herz lachen. Was ſoll all das Getümmel?“ „Nun, der Notar des Papſtes hat ein großes Gemälde auf dem Marktplatze aufgeſtellt, und die Gaffer ſagen, es beziehe ſich auf Rom; ſo laſſen ſie an dieſem heißen Tage ihr Hirn ſchmelzen, um vas Räthſel zu faſſen.“ „Ho! ho!“ ſagte der Schmied, ſo kräftig voran⸗ drängend, daß er plötzlich den Sprechenden hinter ſich ließ;„wenn Cola di Rienzi Etwas bei der Sache hat, ſo bräche ich durch Felſen und Steine, um her⸗ anzukommen.“ „Viel Gutes wird uns ein lebloſes Geſudel brin⸗ gen,“ ſagte Baroncelli höhniſch, indem er ſich an die Umſtehenden wandte; aber Niemand hörte auf ihn, und er, der gerne den Demagogen geſpielt hätte, biß ſich vor Neid in die Lippe. Unter halberſticktem Stöhnen und Fluchen der Männer, die er auf die Seite drängte, und lautem Schelten und gellendem Schreien der Weiber, deren Röcke und Kopfputz er zu wenig Schonung bewies, erzwang ſich der derbe Schmied ſeinen Weg zu einem ringsum von Ketten eingeſchloſſenen Raume, in deſſen Mitte ein großes Gemälde aufgeſtellt war. „Wie kam es hieher?“ ſchrie einer,„ich war zuerſt auf dem Markte.“ 118 „Wir fanden es bei Tagesanhruch hier,“ ſagte ein Obſthändler,„Niemand war dabei.“ „Aber warum glaubt ihr, Rienzi habe die Hand im Spiele?“ „Nun, wer denn ſonſt, erwiderten zwanzig Stim⸗ men. „Wahr! Wer ſonſt?“ wiederholte der rieſige Schmied.„Ich könnte darauf ſchwören, der gute Mann verwandte die ganze Nacht dazu, um es ſelbſt zu malen. Bei dem Blute St. Peters! es iſt mächtig ſchön! Was ſtellt es vor?“ „Das iſt das Räthſel,“ ſagte ein nachdenkliches Fiſcherweib,„wenn ich es herausbringen könnte, ſo würde ich glücklich ſterben.“ „Es iſt ohne Zweifel etwas von Freiheit und Ab⸗ gaben,“ ſagte der Fleiſcher Luigi, indem er ſich über die Ketten lehnte.„Ach, wenn Rienzi wollte, ſo würde jeder arme Mann ſein bischen Fleiſch im Topfe haben.“ „Und ſo viel Brod, als er eſſen könnte,“ ſetzte ein blaſſer Bäcker hinzu. „Pah! Brod und Fleiſch— das hat wirklich Jedermann!— aber was für Wein die armen Leute trinken! Man hat nicht den Muth, ſich mit ſeinem Weinberge Mühe zu geben,“ ſagte ein Weingärtner. „Ho, hallo!— lange lebe Pandulpho di Guido! macht Platz für Herrn Pandulpho; er iſt ein gelehrter Mann; er iſt ein Freund des großen Notars; er wird uns das Bild erklären; macht Platz da— macht Platz!“ Lan ein ruh den nu Hauſe gegen 1 ſam da Farbe Kunſt in ihr⸗ und ſi ſchwar nächſt ſtaune um d mälde 4 ſagte ie Hand g Stim⸗ rieſige e te es ſelbſt mächtig enkliches nnte, ſo und Ab⸗ ſich über UUte, ſo n Topfe „ ſetzte wirklich en Leute ſeinem gärtner. Guido 1 elehrter ars; er — macht — 1¹9 Langſam und beſcheiden ſchritt Panvulpho di Guidv, ein ruhiger, wohlhabender und ehrbarer Gelehrter, den nur die ungeſtümen Zeiten aus ſeinem ſtillen Hauſe oder ſeinem Studirzimmer aufſtöbern konnten, gegen die Ketten. Er betrachtete lang und aufmerk⸗ ſam das Gemälde, das von friſchen noch feuchten Farben glänzte und etwas von der wiederauflebenden Kunſt an ſich trug, die, wenn gleich hart und rauh in ihren Zügen, zu jener Zeit zum Vorſchein kam und ſich zu einem weit höheren Standpunkte empor⸗ ſchwang, den wir noch in den Gemälden des in der nächſtfolgenden Generation blühenden Perugino an⸗ ſtaunen. Das Volk drängte ſich mit offenen Mäulern um den Gelehrten, während ſie bald auf das Ge⸗ mälde, bald auf Pandulpho blickten. „Verſteht Ihr,“ ſagte endlich Pandulpho,„den klaren, handgreiflichen Sinn dieſes Gemäldes nicht? Seht, wie Euch der Maler eine offene, ſtürmiſche See dargeſtellt hat— ſeht, wie ihre Wellen——“ „Sprecht lauter— lauter!“ ſchrie die ungedul⸗ dige Menge;„Stille!“ die, welche Pandulpho zu⸗ nächſt ſtanden,„der würdige Signor ſpricht ganz verſtändlich!“ Inzwiſchen waren einige von den Beſonneneren in eine Bude auf dem Marktplatze gedrungen und brachten einen rohen Tiſch daher, von welchem aus ſie Pandulpho zum Volke zu reden baten. Der bleiche Bürger ſah ſich mit einiger Verlegenheit und Scham, denn er war kein geübter Redner, in die Nothwen⸗ digkeit verſetzt, einzuwilligen; als aber ſeine Blicke 120 über die große, athemloſe Menge hinſchweifte, er⸗ muthigte und begeiſterte ihn ſeine eigene, innige Theil⸗ nahme an ihrer Sache. Feuer ſprühte aus ſeinen Augen; ſeine Stimme ſchwoll mächtig an und ſein gewöhnlich auf die Bruſt geſenktes Haupt erhob ſich ſtolz. „Ihr ſeht vor Euch in dieſem Gemälde(begann er wieder) eine ſchreckliche, ſtürmiſche See; auf ihren Wogen erblickt Ihr fünf Schiffe; vier bavon ſind bereits zertrümmert,— ihre Maſten ſind zerbrochen— die Wellen ſtürzen durch die zerriſſenen Planken ein— ſie ſind hülf⸗ und hoffnunzslos: auf jedem dieſer Schiffe liegt ein weiblicher Leichnam. Seht Ihr nicht an dem bleichen Geſichte und den bleifarbigen Glie⸗ dern, wie treu der Maler die Farben und die Ge⸗ häſſigkeit des Todes dargeſtellt hat? über jedem dieſer Schiffe ſteht ein Wort als Metapher. Dort ſeht Ihr den Namen Carthago; die anderen drei find Trvja, Jeruſalem und Babylon. Alle vier hahen eine gemeinſchaftliche Inſchrift: Zum Untergange wurden wir gebracht vurch Ungerechtigkeit! Richtet nun Eure Blicke nach der Mitte der See, dort ſeht Ihr das fünfte Schiff, von den Wellen umherge⸗ ſchleudert, mit zerbrochenem Maſte— das Steuer hinweggeriſſen, die Segel zerfetzt, aber doch noch kein Wrack, wie die übrigen, obwohl nicht viel mehr dazu fehlt. Auf ſeinem Verdecke knieet ein Weib in Trauer gekleidet; ſeht den Schmerz in ihrem Angeſichte,— wie gelungen hat der Künſtler deſſen Tiefe und Troſt⸗ lofigkeit ausgevrückt! ſie ſtreckt hetend die Arme aus ſie Jetzt Eure Euch D murm Blicke Ihr Ihr! cher trüm tunge und( zerrei Bäre geſet find geber chen Note kaufe Affer der Möt nich der vell ches (begann uf ihren d bereits — die ein— tdieſer hr nicht n Glie⸗ ie Ge⸗ jedem Dort rei find haben rgange Richtet rt ſeht cherge⸗ Steuer ch kein r dazu rauer — roſt⸗ aus — — ſie fleht um Euren und des Himmels Beiſtand. Jetzt ſeht die Ueberſchrift— dies iſt Rom— ja, Eure Vaterſtadt iſt es, die aus dieſem Sinnbild zu Euch ſpricht!“ Die Menge wogte hin und her und ein tiefes Ge⸗ murmel folgte der Stille, welche bisher geherrſcht hatte. „Jetzt,“ fuhr Pandulpho fort,„wendet Eure Blicke auf die rechte Seite des Gemäldes, ſo werdet Ihr die Urſache dieſes Sturmes gewahr werden,— Ihr werdet ſehen, warum das fünfte Schiff in ſol⸗ cher Gefahr ſchwebt und ſeine Schweſtern ſo zer⸗ trümmert ſind. Seht die vier verſchiedenen Thiergat⸗ tungen, die aus ihrem gräulichen Schlunde die Winde und Stürme ſenden, welche die See martern und zerreißen. Die erſte find die Löwen, die Wölfe, die Bären. Dieſe, ſagt Euch die überſchrift, ſind die geſetzloſen und wilden Herren des Staates. Die zweite ſind die Hunde und Schweine,— die ſchlimmen Rath⸗ geber und Schmarotzer. Drittens ſeht Ihr die Dra⸗ chen und Füchſe, dies ſind die falſchen Richter und Notare und Diejenigen, welche die Gerechtigkeit ver⸗ kaufen. Viertens erblickt Ihr in den Haſen, Ziegen, Affen, welche hei dem Sturme behülflich ſind, laut der Inſchrift die Sinnbilder der gemeinen Diebe und Mörder, Räuber und Ehebrecher. Seid Ihr noch nicht im Klaren, Römer! oder habt Ihr das Räthſel der Gemäldes verſtanden?“ Ferne in ihren maſſiven Paläſten hörten die Sa⸗ velli und Orſini den Wiederhall des Geſchreies, wel⸗ ches die Frage Pandulpho's heantwortete. „Seid Ihr denn uhne Hoffnung?“ fing der Ge⸗ lehrte wieder an, als das Geſchrei aufhörte, und mit dem erſten Schall ſeiner Stimme ſchwiegen die Aus⸗ rufungen und Reden, die Jeder an ſeinen Nachbar gerichtet hatte.„Seid Ihr ohne Hoffnung? Ver⸗ ſpricht Euch das Bild, das Eure Trübſal darſtellt, keine Befreiung? Seht, über dieſer grimmigen See öffnet ſich der Himmel und die Herrlichkeit Gottes ſteigt glorreich, wie zum Gerichte, herab, und von den Strahlen, welche den Geiſt Gottes umgeben, ge⸗ hen zwei flammende Schwerter aus und bei dieſen Schwerkern ſtehen zürnend, aber zur Befreiung bereit, die zwei heiligen Schutzherrn— die zwei mächtigen Hüter Eurer Stadt! Römiſches Volk, lebe wohl, das Gleichniß iſt zu Ende.““ Zehntes Kapitel. Ein ungeſtümer Geiſt wird beſchworen, der den Zauberer ſpäter zerreißen kann. Während dieſes lebhaften Schauſpieles in den Um⸗ gebungen des Capitoles ſaß innerhalb deſſelben in einem Zimmer des Palaſtes die Hauptperſon, der Ur⸗ „Sismondi läßt Rienzi bei Vorzeigung dieſes Gemäldes eine ſchöne Rede halten, worin er gegen die Laſter der Patricier donnert. Der gleichzeitige Biograph Rienzi's ſagt nichts von dieſer Anrede. Aber wahrſcheinlich war es Herrn Sismondi be⸗ quem, zwei an ſich ſehr verſchiedene Vorfälle unlereinander zu bringen. heber Schrei Kleini rend d Stam wälzte in ſei terbro fort, Perio Buch über und gaber gen Gew gut. die v Wie wiſſ rufe ſtru dert tigt anr ton nel er ſpäter n Um⸗ ben in er Ur⸗ mäldes atricier ts von ndi be⸗ nder zu heber der Aufregung. Umgeben von ſeinen ruhigen Schreibern, ſchien Rienzi ganz in die unbedeutenden Kleinigkeiten ſeines Berufsgeſchäftes verſunken. Wäh⸗ rend das Murren und Summen, das Schreien und Stampfen der Menge ſich gegen ſein Zimmer heran⸗ wälzte, ſchien er es gar nicht zu beachten, oder ſich in ſeinen Arbeiten ſtören zu laſſen. Mit der unun⸗ terbrochenen Regelmäßigkeit eines Automaten fuhr er fort, mit den deutlichen und ſchönen Schriftzügen jener Periode die verdammenden Figuren in ſein großes Buch einzutragen, die ihn beſſer als öffentliche Reden über die an dem Volke verübten Betrügereien belehrten und ihm jene Waffe— Thatſachen— in die Hand gaben, welche der Mißbrauch ſo ſchwer zu pariren hat. „Pagina 2, Volumen B,“ ſagte er in dem ruhi⸗ gen Geſchäftston zu den Schreibern;„ſeht dort den Gewinn der Salzauflage; Departement Nr. 3— ſehr gut. Pagina 9, Volumen D— wie hoch beläuft ſich die von Vescobaldi, dem Einnehmer, gelieferte Summe? Wie! zwölftauſend Gulden?— nicht mehr?— ge⸗ wiſſenloſer Schurke!(Hier hörte man draußen laut rufen: Pandulpho!— lange lebe Pandulpho!) Pa⸗ ſtrucei, mein Freund, Ihr habt Eure Gedanken an⸗ derswo; Ihr hört auf den Lärm draußen— beſchäf⸗ tigt Euch gefälligſt mit der Berechnung, die ich Euch anvertraute GSanti, wie viel beträgt der von An⸗ tonio Tralli abgelieferte Einzug? Ein leichtes Klopfen an der Thüre ließ ſich ver⸗ nehmen und Pandulpho trat ein. Die Schreiber arbeiteten fort, obgleich ſie eifrig nach dem bleichen, ehrwürdigen Beſuche blickten, deſſen Namen zu ihrem großen Erſtaunen ſo von dem Volke gerufen worden war. „Ach, mein Freund,“ ſagte Rienzi mit ziemlich ruhiger Stimme, aber ſeine Hände zitterten vor übel⸗ verhehlter Aufregung.„Ihr wollt mich allein ſprechen, he? gut, gut,— hier herein.“ Mit dieſen Worten führte er den Bürger in ein kleines Kabinet hinter dem Arbeitszimmer, verſchloß ſorgfältig die Thüre und faßte, ſich der natürlichen Ungeduld ſeines Charakters überlaſſend, Pandulpho bei der Hand.„Sprecht!“ rief er,„begreifen ſie die Auslegung?— habt Ihr es klar und faßlich genug gemacht?— iſt es tief in ihre Seele gedrungen?“ „O, bei St. Peter! ja!“ antwortete der Bürger, aufgeregt und erhaben durch die neue Entdeckung, daß auch er ein Redner ſei— eine überſchwängliche Wonne für einen ſchüchternen Mann.„Sie verſchlangen jedes Wort der Erklärung; ſie ſind bis auf das Mark er⸗ ſchüttert— Ihr könntet ſie in dieſer Stunde in die Schlacht führen und würdet Helden an ihnen finden. Was den handfeſten Schmied betrifft——“ „Wie! Cecco del Vecchio?“ unterbrach ihn Rienzi; „ach, ſein Herz iſt von Erz— was that er?“ „Nun, er faßte mich am Saume meines Rockes, als ich von meiner Rednerbühne hinabſtieg(o! ich wollte, Ihr hättet mich ſehen können!— par fede ich hätte Euch beim Mantel gefaßt!— ich war ein zweites Ihr!) und ſagte, indem er wie ein Kind weinte: Ach, Signor, ich bin nur ein armer Mann und vo Blut it es hin B Rom l Seines „3 ſagte Worte „C oder ſ 5 „S den ni Aventi pete! Augen reien L * „ich 1 Maſſe langte Veech ſeiner Auge lichen ſeieſt, ich n Vonne njedes rk er⸗ in die inden. ienzi; ockes, ich fede ein Kind ann und von geringem Werthe; aber wenn jeder Tropfen Blut in dieſem Körper ein Leben wäre, ſo gäbe ich es hin für mein Vaterland!“ „Brave Seele!“ ſagte Rienzi bewegt;„ich wollte, Rom hätte nur fünfzig ſolche! Niemand hat uns bei Seinesgleichen mehr genützt, als Ceeco del Veechio.“ „In ſeiner Größe ſchon finden ſie einen Schutz,“ ſagte Pandulpho.„Es iſt ſchon etwas, die trotzigen Worte eines ſolch trotzigen Burſchen zu hören.“ „Erhoben ſich auch Stimmen, die das Gemälde oder ſeinen Sinn mißbilligten?“ „Keine.“ „So iſt alſo die Zeit beinahe reif— wenige Stun⸗ den noch, und die Frucht muß gepflückt werden. Der Aventin, der Lateran, und dann die einzelne Trom⸗ pete!“ Mit gekreuzten Armen und niedergeſchlagenen Augen ſchien Rienzi nach dieſen Worten in Träume⸗ reien verſunken. „Beiläufig geſagt,“ nahm Pandulpho das Wort, „ich hätte faſt vergeſſen, Dir zu ſagen, daß die Maſſe beinahe hierher geſtürzt wäre, ſo heftig ver⸗ langten ſie, Dich zu ſehen; aber ich bat Cecco di Veechiv die Rednerbühne zu beſteigen und ihnen in ſeiner derben Weiſe zu ſagen, es ſchicke ſich im jetzigen Augenblicke nicht, wo Du mit weltlichen und geiſt⸗ lichen Angelegenheiten auf dem Capitol beſchäftigt ſeieſt, in ſo großer Maſſe vor Dich zu treten. That ich nicht recht?“ „Vollkommen recht, mein Pandulpho.“ „Aber Cecco del Veechio ſagt, er müſſe herkom⸗ 126 men und Deine Hand küſſen und Du kannſt ihn hier in dem Augenblicke erwarten, wo er unbemerkt ſich von der Menge hinwegſchleichen kann.“ „Er iſt willkommen!“ ſagte Rienzi halb mecha⸗ niſch, denn noch immer war er in Gedanken verſunken. „Und ſiehe da! hier iſt er,“ als einer von den Schreibern den Beſuch des Schmiedes meldete. „Laßt ihn eintreten!“ ſagte Rienzi und ſetzte ſich ruhig. Als der rieſige Schmied Rienzi gegenüberſtand, er⸗ götzte ſich Pandulpho daran, die wunderbare Gewält des Geiſtes über die Materie zu beobachten! Dieſer trotzige und ſtämmige Rieſe, der bei allen Volksauf⸗ ſtänden über ſeine Genoſſen emporragte mit ſeinen ſteinernen Muskeln und eiſernen Nerven, der Verei⸗ nigungspunkt und das Bollwerk der Anderen, ſtand jetzt erröthend und zitternd vor dem Geiſte, der(ſo ſehr hatte Rienzi's Beredſamkeit den Funken erweckt und angefacht, der bis daher ſchlafend in der rauhen Bruſt gelegen hatte) ſo zu ſagen den ſeinigen erſt ge⸗ ſchaffen hatte. Und wahrlich derjenige, der in dem Leibeigenen zuerſt das Gefühl und die Seele erweckt, nähert ſich, ſo weit es dem Menſchen geſtattet iſt, mehr als der Philoſoph, mehr als der Dichter, dem großen ſchöpferiſchen Attribute Gottes! Wenn aber die Bruſt es nicht zu faſſen vermag, kann die Gabe dem Geber zum Fluch werden, und derjenige, der mit einem Male aus dem Sklaven ein freier Mann wird, kann eben ſo ſchnell aus einem freien Manne ein Schurke werden. T einer k und nr lichſten kehren, De ausſtre Vecchi ( Rienzi Gott „ antwo Mann mit g dabei warte thun Nach! 127 „Tritt näher, mein Freund,“ ſagte Rienzi nach einer kurzen Pauſe;„ich weiß Alles, was Du gethan, und noch für Rom thun willſt! Du biſt ſeiner herr⸗ lichſten Tage würdig und geboren, wenn ſie wieder⸗ kehren, daran Theil zu haben.“ Der Schmied ſank Rienzi zu Füßen, der ſeine Hand ausſtreckte, um ihn aufzuheben, die aber Ceeco del Veechiv ergriff und ehrfurchtsvoll küßte. „In dieſem Kuſſe lauert kein Verrath,“ ſagte Rienzi lächelnd;„aber ſtehe auf, mein Freund, nur Gott und ſeinen Heiligen gebührt dieſe Stellung!“ „Der iſt ein Heiliger, der uns in der Noth hilft!“ antwortete der Schmied plump;„und das hat kein Mann ſo gethan, wie Du. Aber wann,“ ſetzte er mit gedämpfter Stimme hinzu und ſah Rienzi ſcharf dabei an wie Einer, der auf ein Zeichen zum Streiche wartet,„wann— wann werden wir den Hauptſchlag thun?“ „Du haſt mit allen braven Männern in Deiner Nachbarſchaft geſprochen— ſind ſie wohl vorbereitet.“ „Zu leben, oder zu ſterben, wie Rienzi ihnen gebietet!“ „Ich muß die Liſte haben— Zahl— Namen— Haus und Beruf, und zwar dieſe Nacht.“ „Das ſollſt Du.“ „Jeder muß ſeinen Namen unterſchreiben oder ein Zeichen von ſeiner Hand beiſetzen.“ „Es ſoll geſchehen.“ „Dann höre! erwarte Pandulpho di Guido dieſen Abend mit Sonnenuntergang in ſeinem Hauſe. Er wird Dich unterrichten, wo Du heute Nacht einige brave Herzen triffſt; Du biſt werth, unter ſie ein⸗ gereiht zu werden. Du wirſt nicht ausbleiben!“ „Bei der heiligen Treppe! Ich werde jede Mi⸗ nute bis dahin zählen,“ ſagte der Schmied, und ſein ſchwärzliches Geſicht leuchtete voll Stolz bei dem ihm bewieſenen Vertrauen. „Inzwiſchen wache über alle deine Nachbarn; laſſe keinen erſchlaffen oder kleinmüthig werden— keiner deiner Freunde varf ſich als Verräther brandmarken!“ „Finde ich nur einen, der ſich verbirgt, wankend, ſo ſchneide ich ihm die Gurgel ab, und wäre er meiner eigenen Mutter Sohn!“ ſagte der kühne Schmied. „Ha, ha!“ verſetzte Rienzi mit jenem ſeltſamen, ihm eigenthümlichen Lachen;„ein Wunder! ein Wun⸗ der! das Gemälde ſpricht jetzt!“ Es dämmerte ſchon beinahe, als Rienzi das Ca⸗ pitol verließ. Der große Platz vor ſeinen Mauern war leer und verlaſſen; er hüllte ſich dichter in ſeinen Mantel und ging nachdenklich weiter. „Beinahe habe ich die Höhe erklommen,“ dachte er,„und jetzt gähnt der Abgrund vor mir. Wenn es mir mißlingt, welcher Fall! Die letzte Hoffnung meines Vaterlandes fällt mit mir. Nie wird ein Ade⸗ liger ſich gegen den Adel erheben. Nie wird ein an⸗ derer Plehejer Gelegenheit und Macht haben, wie ich ſie habe! Rom iſt an mich— an ein einziges Leben gefeſſelt. Die Freiheit aller Zeiten hängt an einem Rohre, das ein Windſtoß ausreißen kann. Aber o, Vorſehung! haſt Du mich nicht zu großen Thaten aufhehe für S Wie h Und d Volk, entſche verlore W und ſi lichtes pejiſch und wüſte 5 kelu K geweſi chen* drückt gerech cher e gelun Went — ei wiſſe Nach — 3 werd Prür Gral 2 n; laſſe narken!“ er meiner das Ca⸗ Mauern in ſeinen dachte Wenn Hoffnung ein Ade⸗ ein an⸗ wie ich es Leben n einem Aber o, tThaten 129 aufbehalten und bezeichnet? Wie wurde ich Schritt für Schritt zu dieſem heiligen Unternehmen geführt! Wie hat jede Stunde die nächſtfolgende vorbereitet! Und doch, welche Gefahr! wenn das veränderliche Volk, feig geworden durch lange Knechtſchaft, in dem entſcheidenden Augenblicke nur ſchwankt, ſo bin ich verloren!“ Während er ſo ſprach, ſchlug er die Augen auf, und ſiehe da, vor ihm ſchien der erſte Stern des Zwie⸗ lichtes herab auf die zerbröckelnden überreſte des tar⸗ pejiſchen Felſen. Dies war kein günſtiges Zeichen, und Rienzi's Herz ſchlug heftiger, als die dunkle, wüſte Maſſe plötzlich vüſter auf ihn herabſah. „Furchtbares Denkmal!“ dachte er, von welch dun⸗ keln Kataſtrophen für unbekannte Plane biſt du Zeuge geweſen! Auf wie manche Unternehmungen, von wel⸗ chen die Geſchichte ſchweigt, haſt Du das Siegel ge⸗ drückt! Wie wiſſen wir, ob ſie verbrecheriſch ober gerecht geweſen? Wie wiſſen wir, ob nicht der, wel⸗ cher als Verräther verurtheilt wurde, wäre es ihm gelungen, als Befreier unſterblich geworden wäre? Wenn ich falle, wer wird meine Chronik ſchreiben? — einer aus dem Volke? Ach! verblendet und un⸗ wiſſend, liefert es keine Geiſter, welche ſich auf die Nachwelt berufen können. Einer von den Patriciern? — mit welchen Farben werde ich dann geſchildert werden! Kein Grabſtein wird ſich für mich unter den Prümmern erheben— keine Hand Blumen auf meinem Grabe ſammeln— alle meine Träume von früherer Bulwer, Rienzi. 1. 9 Ehre und Ruhm werden nur vie Verdammung ewiger Vorwürfe ernten!“ In ſolchen Gedanken über das Ende des mächtigen Unternehmens, zu dem er ſich anheiſchig gemacht, ſetzte Rienzi ſeinen Weg fort. Er kam an die Tiber und hielt einige Augenblicke neben dem fabelhaften Strom, auf welchen der purpurne und ſternenhelle Himmel feierlich herabſchien. Er ging über die Brücke, die nach dem Stadttheile von Trastevere führt, deſſen übermüthige Bewohner ſich noch rühmen, die einzig wahren Abkömmlinge der alten Römer zu ſein. Hier wurden ſeine Schritte ſchneller und leichter; heitere, wenn auch weniger feierliche Gedanken drängten ſich in ſeine Bruſt; der für einen Augenblick zur Ruhe gebrachte Ehrgeiz überließ ſeinen angeſtrengten und abgematteten Geiſt der Herrſchaft einer ſanfteren Lei⸗ denſchaft. Elftes Kapitel. Nina di Raſelli. „Ich ſage Dir, Lucia, ich liebe dieſe Stoffe nicht; ſie ſtehen mir nicht. Haſt Du je eine ſo ärmliche Farbe geſehen?— dieſes Purpurroth da!— dieſes Karmeſin! Warum gabſt Du zu, daß der Mann ſie hier ließ?— er mag ſie morgen hintragen, wo er will. Sie mögen für die Signvra's auf der anderen Seite der Tiber paſſen, die meinen, Alles, was von Venedig kommt, müſſe vollkommen ſein. Aber ich, Lucia, mein ei „Ac „wenn Zweifel würdig Cäcilia ſo lang „W erwider Sahſt Luſtbar Giulia „8 und P ſolches die Sa „J „C eine Lu Fünfzi ſpielte gamo! ich ſtel ſchöne „2 war di ich die liche L 3 ewiger Strom, Himmel icke, die „ deſſen ie einzig in. Hier heitere, gten ſich ur Ruhe gten und teren Lei⸗ ffe nicht; ärmliche — dieſes Mann ſie „ wo er anderen was von Aber ich, 134 Lucia, ich ſehe mit meinen eigenen Augen und habe mein eigenes urtheil.“ „Ach, liebſte Gebieterin,“ ſagte das Dienſtmädchen, „wenn Ihr wäret, was Ihr bälder oder ſpäter ohne Zweifel doch ſein werdet, eine große Signora, wie würdig würdet Ihr ſolche Hoheit tragen! Heilige Cäcilia! keine andere Dame in Rom würde angeſehen, ſo lange Signora Nina zugegen wäre!“ „Wollten wir ſie nicht lehren, was Pracht heißt?“ erwiderte Nina.„O! welche Feſte wollten wir geben! Sahſt Du nicht von der Gallerie herab die rauſchenden Luſtbarkeiten, welche vorige Woche bei der Signora Giulia Savelli ſtattfanden?“ „Ja, Signora, und als Ihr in Eurem Silber⸗ und Perlenſtoff den Saal hinaufginget, da flog ein ſolches Gemurmel durch die Gallerie; Alle ſagten, die Savelli haben einen Engel bewirthet!“ „Pfui! Lucia; keine Schmeicheleien, Mädchen.“ „Es iſt reine Wahrheit, Signora. Aber das war eine Luſtbarkeit— oder nicht? Das war großartig!— Fünfzig Diener in Scharlach und Gold! und immer ſpielte die Muſik. Die Spielleute hatte man von Ber⸗ gamo kommen laſſen. Gefiel Euch das Feſt nicht? Ach, ich ſtehe dafür, es wurden Euch an jenem Tage viele ſchöne Dinge geſagt!“ „Ach!— nein, es fehlte eine Stimme, und ſomit war die ganze Muſik verdorben. Aber, Mädchen, wäre ich die Signora Güulia, ſo hätte mir eine ſo ärm⸗ liche Luſtbarkeit nicht genügt.“ „Wie, ärmlich!— alle Adeligen ſagen doch, es 132 habe das ſtolzeſte Hochzeitfeſt der Colonna übertroffen. Ja, ein Neapolitaner, der neben mir ſaß und bei der Vermählung der jungen Königin Johanna aufgewartet hatte, ſagte, vaß ſelbſt Neapel überſtrahlt worden ſei.“ „Das mag ſein. Ich weiß nichts von Neapel; aber ich weiß, was mein Hof ſein ſollte, wäre ich was— was ich nicht bin und nie ſein werde! Das Tafelgeſchirr müßte von Gold— die Becher bis an den Rand mit Gdelſteinen beſetzt ſein— keinen Zoll von dem bloßen Voden hätte man ſehen dürfen— überall hätten Goldſtoffe geglänzt. Die Fontaine im Hofe hätte die Wohlgerüche des Oſten ausgeſtrömt— meine Pagen wären nicht rohe Buben geweſen, die über ihr eigenes linkiſches Benehmen errötheten, ſon⸗ dern hübſche Jungen, noch nicht zwölf Jahre alt, ausgeſucht in den erſten Paläſten Roms, und was gar die Muſik betrifft, o, Lucia!— jeder Muſiker hätte einen Kranz getragen und ihn verdient, und der beſte Spieler hätte, um die andern anzufeuern, zu ſeiner Belohnung bekommen— eine Roſe von meiner Hand. Sahſt Du auch das Kleid der Signvra Giulia? Welche Farben!— ſie hätten die Sonne am Mittag beſchämt!— Gelb und blau und orange und ſcharlachroth! O! gute Heilige!— meine Augen ſchmerzten mich noch den ganzen folgenden Tag!“ „Ohne Zweifel, der Signora Giulia fehlt Euer Geſchmack in Zuſammenſetzung der Farben,“ ſagte das gefällige Kammermädchen. „Und dann auch welches Ausſehen— gar nichts Königliches! Sie ging durch den Saal, ſo daß ſie beinahe dann ſ kleider Großer nicht f ſollte ſ hergehe „Y Orſini „D „B baren „U „T neben ertroffen. Neapel; wäre ich rde! Das weſen, die heten, ſon⸗ Jahre alt, „ und was er Muſiker dient, und anzufeuern, Roſe von er Signr die Sonne und orange teine Augen n Tag!“ fehlt Euer ſagte das gar nichts ſo daß ſie 133 beinahe jeden Augenblick auf ihre Schleppe trat, und dann ſagte ſie mit albernem Lachen:„Dieſe Feſttags⸗ kleider ſind nur läſtiger überfluß.“ Wahrlich, für die Großen ſollte es keine Feſttagskleider geben; für mich, nicht für Andere würde ich mich putzen! Jeder Tag ſollte ſein neues Kleid haben, prächtiger als das vor⸗ hergehende— jeder Tag müßte zum Feſitage werden!“ „Mich dünkt,“ ſagte Lucia,„der Signor Giovanni Orſini ſchien meiner Gebieterin ſehr ergeben.“ „Der! der Bär!“ „Bär, das mag er ſein! Aber er hat einen koſt⸗ baren Pelz. Seine Reichthümer ſind unermeßlich.“ „Und der Narr weiß ſie nicht zu verwenden.“ „War das nicht der junge Signor Adrian, der neben den Säulen, wo die Muſik ſpielte, mit Euch ſprach?“ „Es kann ſein— ich habe es vergeſſen.“ „Doch höre ich, wenige Damen vergeſſen es, wenn Signor Adrian di Caſtello ihnen den Hof macht.“ „Nur ein Mann war da, deſſen Geſellſchaft mir der Erinnerung werth ſcheint,“ antwortete Nina, die Anſpielung der ſchlauen Dienerin nicht beachtend. „Und wer war das? fragte Lucia. „Der alte Gelehrte von Avignon!“ „Wie! der mit dem grauen Bart? Ach, Signora!“ „Ja,“ ſagte Nina mit ernſter, trauriger Stimme; „wenn er ſprach, ſo verſchwand Alles vor meinen Augen— denn er ſprach nur von ihm!“ Bei dieſen Worten ſeufzte die Signora tief und Thränen traten in ihre Augen. Das Kammermädchen verzog verächtlich den Mund und ſah verwundert auf; aber ſie wagte keine Er⸗ widerung. „Offne das Fenſter,“ ſagte Nina nach einer Pauſe, „und gib mir jenes Papier. Nicht das, Mädchen— die Verſe, die man mir geſtern ſandte. Wie! biſt Du eine Italienerin und fühlſt nicht, vaß ich von dem Gedichte Petrarka's rede?“ An dem geöffneten Fenſterflügel ſitzend, durch den der ſanfte, glänzende Mondſchein ſich hereinſtahl, neben ſich eine Lampe, vor welcher ſie ihre Augen zu wahren ſchien, obgleich ſie eigentlich ihr Geſicht vor Lueia zu verbergen ſuchte, ſchien die junge Signora ganz in eine jener zarten Sonetten vertieft, welche damals die Köpfe verrückten und Italiens Herzen entzün⸗ deten.* Aus einem verarmten Hauſe entſproſſen, das, ob⸗ gleich es ſich ſeiner Abſtammung von einem römiſchen Conſulgeſchlechte rühmte, doch in jenen Tagen kaum eine Stelle unter dem niederen Adel behauptete, war Nina di Raſelli das verwöhute Kind— der Abgott und der Tyrann ihrer Eltern. Die kräftige, eigen⸗ willige Gemüthsart machte, daß ſie herrſchte, wo ſie gehorcht haben ſollte, und wie zu allen Zeiten Launen „ Obgleich zugegeben werden muß, daß Petrarka's Liebes⸗ ſonette damals nicht, wie jetzt, die geſchätzteſten ſeiner Werke waren, ſo iſt es doch ein großer, obwohl allgemein verbreiteter Irrthum geweſen, ſie als wenig bekannt oder kalt bewundert darzuſtellen. Sie machten in der That großes und allgemeines Aufſehen. Jeder Bänkelſänger leierte ſie in den Straßen ab, und(ſagt Filippo Villani)„Gravissimi nesciebent abstinere.“ biſt Du von dem r Lucia zu a ganz in „das, ob⸗ trömiſchen agen kaum ptete, war der Abgott ige, eigen⸗ te, wo ſie ten Launen rka's Liebes⸗ Werke waren, teter Irrthum darzuſtellen. ſſehen. Jeder (ſagt Filippo 135 die Gewohnheiten zu beherrſchen vermögen, hatte ſie, obgleich in einem Lande und unter einem Himmels⸗ ſtriche, wo unverheirathete junge Mädchen gewöhnlich gekettet und gefeſſelt ſind, nach und nach das Vor⸗ recht der Unabhängigkeit errungen. Wahr iſt, daß ſie mehr Kenntniſſe und Verſtand, als man gewöhnlich bei Frauen zu jener Zeit fand, und von Beiden ſo viel beſaß, um bei ihren Eltern für ein Wunder zu gelten. Auch war ſie, was dieſen noch höher galt, ausnehmend ſchön, und beſaß, was ſie noch mehr fürch⸗ teten, einen unbezähmbaren Stolz— einen Stolz, der mit tauſend ſanften und reizenden Eigenſchaften gepaart war, wo ſie liebte, und der, wenn ſie liebte, in der That zu verſchwinden ſchien. Zugleich eitel, aber hochherzig— entſchloſſen, aber leidenſchaftlich, lag gerade in ihrer Eitelkeit und ihrer Pracht eine glänzende Großartigkeit— etwas Wunderliebliches in ihrem Eigenſinn; ihre Fehler bildeten einen Theil ihres Glanzes; ohne dieſe hätte ſie weniger Weib geſchienen, und kannte man ſie, ſo wurde ſie der Maßſtab für Beurtheilung aller Frauen. Sanftere Eigenſchaften erſchienen neben ihr nicht reizender, ſondern ſchaler. Sie beſaß keinen gewöhnlichen Ehrgeiz, denn hart⸗ näckig hatte ſie mehre Verbindungen ausgeſchlagen, auf welche die Tochter Raſelli's kaum hoffen durfte. Der ungebildete Geiſt und die rohe Gewalt der römi⸗ ſchen Ebeln ſchienen ihrer Einbildungskraft, die voll war von der Poeſie des hohen Standes— ſeiner Pracht und ſeiner Anmuth— als etwas Barbariſches und Empörendes, fürchterlich und verächtlich zumal. Deß⸗ 436 halb hatte ſie ihr zwanzigſtes Jahr unvermählt, aber nicht ohne geliebt zu haben, überſchritten. Die Fehler ihres Charakters erhoben das Ideal von Liebe vollends, das ſie ſich gebildet. Sie wünſchte ſich ein Weſen, um das ſich alle ihre eitleren Eigenſchaften ſammeln könn⸗ ten; ſie fühlte, daß, wo ſie liebe, ſie anbeten müſſe; ſie verlangte kein gewöhnliches Idol, um vor ihm einen ſo kräftigen, ſo herrſchſüchtigen Geiſt zu beugen. Un⸗ ähnlich den Frauen von milderer Gemüthsart, die nur für kurze Zeit die Launen ſüßer Herrſchaft zu befrie⸗ digen wünſchen, mußte ſie, wenn ſie liebte, aufhören zu befehlen, der Stolz mußte ſich auf einmal in Hin⸗ gebung verwandeln. So ſelten die Eigenſchaften waren, welche Reiz für ſie hatten— ſo gebieteriſch verlangte ihr Hochmuth, daß dieſe Eigenſchaften, obgleich der⸗ ſelben Art, die ihrigen übertreffen, daß ihre Liebe den Geliebten wie einen Gott erheben ſollte. Gewöhnt, zu verachten, fühlte ſie die ganze Wolluſt der Verehrung! Und wenn es ihr Loos war, mit einem ſo geliebten Manne vereint zu werden, ſo war ihre Natur von ver Art, daß ſie durch die Anſchauung deſſelben erhoben werden konnte. Willſt du dir ein Bild von ihrer Schön⸗ heit machen, Leſer, ſo wirſt du, ſollteſt du je nach Rom kommen, auf dem Capitol das Bild der Cumäi⸗ ſchen Sibylle ſehen, von dem, wird es auch noch ſo oft eopirt, keine Copie auch nur eine ſchwache Vor⸗ ſtellung zu geben vermag; warum es ſo heißt, weiß ſch nicht, nur liegt etwas Fremdes und überirdiſches in den dunkeln, ſchönen Augen. Ich bitte dich, dieſe Sibylle mit keiner Andern zu verwechſeln, denn die römiſch Sibyll das G Turbar aber d Haare golden nur in bekom tadello Alles ſinden komme Kunſt, aber k ſches. beherr fünf Bild A künſte große müſſe; n. Un⸗ waren, rlangte ich der⸗ iebe den hut, zu ehrung! eliebten tur von erhoben Schön⸗ je nach Cumäi⸗ noch ſo he Vor⸗ t, weiß irdiſches ch, dieſe denn die 137 römiſchen Gallerien wimmeln von Eibyllen.“ Die Sibylle, von welcher ich ſpreche, iſt ſchwärzlich und das Geſicht von orientaliſchem Schnitte; Kleid und Turban, ſo glänzend ſie ſind, werden durch die reichen, aber durchſichtigen Roſen der Wangen verdunkelt; die Haare wären ſchwarz, bekämen ſie nicht durch eine goldene Glut eine Farbe und einen Glanz, die man nur im Süden und auch dort höchſt ſelten zu Geſichte bekommt; die Züge, nicht griechiſch, ſind gleichwohl tadellos; Mund, Stirne, der volle und feine Umriß, Alles iſt menſchlich und üppig, Ausdruck und Blick ſind mehr; die Geſtalt iſt vielleicht zu voll für voll⸗ kommene Liebenswürdigkeit, für die Verhältniſſe der Kunſt, für die Genauigkeit eines athenienſiſchen Bildes; aber der Fehler des überfluſſes hat etwas Majeſtäti⸗ ſches. Betrachte das Bild lange; es entzückt, aber beherrſcht das Auge. Während du hinblickſt, rufſt du fünf Jahrhunderte zurück. Du ſiehſt vor dir das lebendige Bild von Nina di Raſelli! Aber es waren nicht jene ſcharffinnigen und ge⸗ künſtelten Gedanken, in welchen Petrarka, ſo ein großer Dichter er war, ſo oft Pedanterie mit Lei⸗ denſchaft verwechſelt hat, die in dieſem Augenblicke die Aufmerkſamkeit der ſchönen Nina feſſelten. Ihre Blicke ruhten nicht auf den Blättern, ſonsern auf * Die Sibylle, auf welche hier verwieſen, iſt die wohlbe⸗ kannte von Domenichino. Als bloßes Kunſtwerk iſt vielleicht die von Guereino, die perſiſche Sibylle genannt, die in derſelben Sammlung ſich findet, vorzuziehen; aber hinſichtlich ihrer Schön⸗ heit, ihres Charakters, läßt ſie ſich nicht mit der erſteren ver⸗ gleichen. dem Garten, der ſich unter dem Fenſter ausbreitete. Der Schein des Mondes fiel auf die alten Frucht⸗ bäume und überhängenden Weinreben; mitten in dem grünen, halb vernachläſſigten Raſen ſpielten die Waſ⸗ ſer einer kleinen, ringförmigen Fontäne, deren voll⸗ kommene Verhältniſſe von längſt vergangenen Tagen ſprachen, plätſchernd im Sternenlichte. Still und ſchön war die Scene; aber weder an ihre Stille, noch an ihre Schönheit dachte Nina; auf einen, den düſterſten und unfreundlichſten Ort im ganzen Gar⸗ ten richteten ſich ihre Blicke; dort ſtanden die Bäume dicht zuſammengedrängt und verbargen die niedere, aber dicke Mauer, welche Raſelli's Haus umſchloß, dem Auge. Die Zweige dieſer Bäume bewegten ſich leiſe, aber Nina ſah, wie ſie ſich bewegten; und jetzt tauchte langſam und vorſichtig eine einzelne Geſtalt aus dem Dickicht hervor, deren Schatten lang und dunkel über den Raſen hinfiel. Sie näherte ſich dem Fenſter und eine leiſe Stimme hauchte Nina's Namen. „Schnell, Lueia!“ rief ſie athemlos der Zofe zu; „ſchnell die Strickleiter! er iſt es! er iſt gekommen! Wie langſam Du biſt!— ſpute Dich, Mädchen— er könnte entdeckt werden! ſo,— jetzt iſt ſie feſt. Mein Geliebter! mein Held! mein Rienzi!“ „Du biſt es!“ ſagte Rienzi, als er jetzt in das Zimmer tretend ſeinen Arm um ihre halb abgewandte Geſtalt ſchlang,„und was für Andere Nacht, iſt mir Tag!“ Die erſten ſüßen Augenblicke der Bewillkommnung, der Beglückwünſchung waren vorüher, und Rienzi ſaß reitete. Frucht⸗ in dem Bäume niedere, ſchloß, ten ſich nd jetzt Geſtalt ng und ich dem Kamen. ofe zu; mmen! — ie feſt. in das vandte tmir nung, zi ſaß 139 zu den Füßen der Geliebten; ſein Haupt ruhte auf ihren Knieen— ſein Antlitz ſah zu dem ihrigen em⸗ por— ihre Hände waren in einander verſchlungen. „Und wegen meiner trotzteſt Du dieſen Gefah⸗ ren!“ ſagte der Geliebte;„der Schande der Ent⸗ deckung— dem Zorne Deiner Eltern!“ „Was ſfind meine Gefahren gegen die Deinigen? O, Himmel! wenn mein Vater Dich hier fände, Du wäreſt des Todes!“ „Er würde es alſo für eine ſo große Ernievri⸗ gung halten, daß Du, ſchöne Nina, die Du Dich mit den ſtolzeſten Namen Roms vermählen könnteſt, Deine Liebe an einen Plebejer verſchleuderteſt— wäre er auch der Enkel eines Kaiſers!“ Das ſtolze Herz Nina's fühlte wohl den verwun⸗ deten Stolz ihres Geliebten; ſie entdeckte die Empfind⸗ lichkeit, die unter ſeiner Antwort verſteckt lag, ſo nachläſſig ſie hingeworfen war. „Haſt Du mir nicht,“ ſagte ſie,„von jenem großen Marius erzählt, der kein Adeliger war, aber von dem der ſtolzeſte Colonna mit Freuden ſeine Ab⸗ ſtammung darthun würde? und weiß ich nicht, daß Du, unbefleckt von ſeinen Laſtern, den mächtigen Marius verdunkeln wirſt?“ „Köſtliche Schmeichelei! holde Prophetin!“ ſagte Rienzi mit melancholiſchem Lächeln:„nie waren mir Deine aufrecht haltenden Verheißungen für die Zu⸗ kunft willkommener, als in dieſem Augenblicke; denn Dir will ich ſagen, was ich gegen Niemand anders äußern würde— meine Seele erliegt beinahe unter 140 der mächtigen Laſt, die ich ihr aufgebürdet. Ich hrauche neuen Muth, da die furchtbare Stunde naht; aus Deinen Worten und aus Deinen Blicken trinke ich ihn.“ „O!“ antwortete Nina erröthend,„ruhmvoll für⸗ wahr iſt das Loos, das ich durch meine Liebe zu Dir mir erkaufte: ruhmvoll, Deine Plane zu theilen— Dich im Zweifel aufzurichten— in der Gefahr Dir Hoffnung zuzuflüſtern.“ „Und meinen Triumph zu verſchönern!“ ſetzte Rienzi leidenſchaftlich hinzu.„Ach! ſollte die Zu⸗ kunft je auf dieſe Stirne den Lorbeerkranz drücken, den ſich der Retter ſeines Vaterlandes verdient, welche Freude, welche Belohnung, ihn Dir zu Füßen zu legen! Vielleicht hätte ich in den langen, einſamen Stunden erkältender Erſchöpfung, welche die Zwi⸗ ſchenräume der Zeit ausfüllen,— in der trüben Zwiſchenzeit für nüchterne Gedanken zwiſchen den Epochen lebendiger That,— gewankt und wäre er⸗ mattet, hätte für immer auf meine Träume wegen Rom verzichtet, wäreſt nicht Du in dieſe Träume mit verflochten geweſen!— hätte ich mir nicht die Stunde vorgemalt, wo mein Schickſal ſich über meine Geburt erheben ſollte— wo Dein Vater es für keinen Schimpf mehr hielte, Dich in meine Arme zu geben— wo auch Du mitten unter den Damen Roms ſtehen ſoll⸗ teſt, geehrter, ſchöner, als Alle; wo die Pracht, die meine Seele verſchmäht,* mir theuer und angenehm *„Ouem semper abhorrui sicut cenum“ ſind die von Rienzi gebrauchten Worte in einem Briefe an ſeinen Freund in würde danke ſpenſ ach! der erhab Träu nähr 3 lübde des Seel ſo w Abw die l barb aber nem jetzt len, zeih⸗ gefü Höh ihre kitze hein tent Avit ner Ich naht; trinke l für⸗ u Dir en— N ſetzte Zu⸗ ücken, welche en zu ſamen Zwi⸗ rüben den re er⸗ wegen e mit tunde eburt impf wo ſoll⸗ „die nehm e von nd in 144 würde, weil ich an Dir ſie erblickte! Ja, dieſe Ge⸗ danken haben mich begeiſtert, wenn Kühnere vor Ge⸗ ſpenſtern zurückbebten, die ihr Ziel umſchwebten. Und ach! meine Nina, geheiligt, ſtark, dauernd muß in der That die Liebe ſein, welche in einer ſo reinen, erhabenen Luft lebt, wie derjenigen, welche meine Träume von Vaterlandsliebe, Freiheit und Ruhm nährt!“ Dies war die Sprache, die mehr noch als Ge⸗ lübde der Treue und die ſüße Schmeichelei, die aus des Herzens Ueberfülle entſpringt, die ſtolze und eitle Seele Nina's unter die Ketten gebeugt hatte, die ſie ſo willig trug. Freilich malte ihr vielleicht in Rienzi's Abweſenheit ihre ſchwächere Natur den Triumph aus, die hochgeborenen Signora's zu demüthigen und die barbariſche Pracht der römiſchen Edeln zu verdunkeln; aber in ſeiner Gegenwart verband ſich, wenn ſie ſei⸗ nem hohen, edelmüthigen Ehrgeize zuhorchte, der bis jetzt noch nicht befleckt war von ſelbſtſüchtigen Gefüh⸗ len, die Hoffnung auf ſie,— einen leicht zu ver⸗ zeihenden Egoismus ausgenommen, ihr hohes Mit⸗ gefühl mit ſeinen Planen, ihr Geiſt ſtrebte zu der Höhe des ſeinigen empor, und ſie dachte weniger an ihre eigene Erhöhung, als an ſeinen Ruhm. Es kitzelte ihren Stolz, die einzige Vertraute ſeiner ge⸗ heimſten Gedanken, wie ſeiner kühnſten Plane zu ſein — vor ſich den ſchwierigen, eine Verſchwörung lei⸗ tenden Geiſt ohne Hülle zu ſehen— ſogar ſeine Zwei⸗ Avignon, und gewiß ſprach er aufrichtig. Selten handeln Män⸗ ner nach der Neigung ihres eigenen Geſchmackes. 142 fel und Schwächen, ſeinen Heldenmuth und ſeine Macht zu kennen. Nichts konnte in ſtrengerem Gegenſatze ſtehen, als die Liebe Rienzi's und Nina's zu der Adrian's und Irene's; bei den Letzteren waren Alles Träume, Phan⸗ taſieen, Abenteuerlichkeit der Jugend; nie ſprachen ſie von der Zukunft; keine andere Hoffnung hegten ſie neben der Liebe. Ehrgeiz, Ruhm, das erhabene Ziel der Welt, galten ihnen nichts, wenn ſie beiſammen waren; ihre Liebe hatte die Welt verſchlungen und außer ihnen nichts Sichtbares mehr übrig gelaſſen. Dagegen war die Leidenſchaft Nina's und ihres Ge⸗ liebten die verwickelterer Naturen und reiferer Jahre; ſie beſtand aus tauſend, urſprünglich getrennten Ge⸗ fühlen, die aber durch die mächtige Vereinigung der Liebe in einen Brennpunkt zuſammengedrängt waren; ſie ſprachen von der Welt; von der Welt bezogen ſie die Nahrung, die ſie unterhielt; ſie dachten an die Zukunft und ſprachen von derſelben; aus ihren Träu⸗ men und eingebildeten Herrlichkeiten ſchufen ſie ſich Haus und Altar; ihre Liebe hatte mehr Verſtändiges an ſich, als die Abrian's und Irene's; ſie paßte beſſer für dieſe rauhe Erde; auch hatte ſie mehr von den Hefen der ſpäteren, eiſernen Tage und weniger von der Poeſie des erſten goldenen Zeitalters an ſich. „Und mußt Du mich jetzt verlaſſen?“ fragte Nina, ihre Wange nicht ſeinen Lippen, ihre Geſtalt nicht ſeiner letzten Umarmung entziehend.„Der Mond ſteht noch hoch; nur eine kurze Stunde haſt Du mir gewidmet.“ gehe, höherer machen treffen A ſeiner mehr! ſtand— mich d der S oder— „„ in die mus; „ von m Die ſo nen i Mont n en ron ch. Nina, nicht Mond mir 143 „Eine Stunde! Ach! ſagte Rienzi, es iſt nicht mehr weit von Mitternacht— unſere Freunde er⸗ warten mich.“ „So geh' denn, meiner Seele beſſere Hälfte! gehe, nicht einen Augenblick ſoll Nina Dich von jenen höheren Zwecken abhalten, die Dich Nina ſo theuer machen. Wann— wann werden wir uns wieder treffen?“ „Nicht,“ ſagte Rienzi ſtolz, mit all dem Adel ſeiner Seele auf der Stirne,„nicht ſo verſtohlen mehr! nein! nicht wie ich bis jetzt Dir gegenüber ſtand— der dunkle, verachtete Leibeigene! Wenn Du mich das nächſte Mal ſiehſt, werde ich an der Spitze der Söhne Roms ſtehen! ihr Held! ihr Befreier! oder——“ ſagte er mit gedämpfter Stimme— „Hier gibt es kein Oder!“ unterbrach Nina, ihn in die Arme ſchließend, mit eben ſo viel Enthuſias⸗ mus;„Dein eigenes Schickſal haſt Du ausgeſprochen.“ „Noch einen Kuß! lebe wohl!— der zehnte Tag von morgen an leuchtet über die Reſtauration Roms!“ Zwölftes Kapitel. Die ſonderbaren Abenteuer, welche Walter von Montreal be⸗ gegneten. An demſelben Abend kehrte, als die erſten Ster⸗ nen über der Stadt ſichtbar wurden, Walter von Montreal allein in das damals mit der Kirche von Santa Maria del Privrata(beide gehörten den Hoſpi⸗ 144 talitern und im erſteren hatte Montreal ſeine Woh⸗ nung genommen) verbundene Kloſter zurück und blieb mitten unter den Ruinen und der Zerſtörung, die um ſeinen Pfad her lagen, ſtehen. Obwohl mit den klaſſiſchen Verbindungen und Erinnerungen des Ortes wenig bekannt, konnte er ſich doch des Eindrucks nicht erwehren, den die umherliegenden Zeugen vergangener Herrſchaft auf ihn machten— gleichſam das unge⸗ heure Skelett ver todten Riefin. „Jetzt,“ dachte er, indem er ringsum auf die überall ſich zeigenden, obdachloſen Säulen und er⸗ ſchütterten Mauern blickte, über welche das Sternen⸗ licht ſich ergoß, geiſterhaft und vurchſichtig, im Hin⸗ tergrund die drohenden mit Schießſcharten verſehenen Befeſtigungswerke der Frangipani, halb verſieckt hinter dem dunkeln Laubwerk, das mitten unter den Tem⸗ peln und Paläſten des Alterthumes aufſtand— wo die Natur über die ſchwächere Kunſt triumphirte; „jetzt,“ dachte er,„würden Büchermenſchen durch die⸗ ſen Anblick ſich begeiſtert fühlen von phantaſtiſchen und träumeriſchen Geſchichten vergangener Zeiten. Aber in mir erwecken dieſe Denkmale hochſtrebenden Ehr⸗ geizes und königlichen Glanzes nur Bilder der Zukunft. Rom kann mit ſeinem Diadem von ſieben Hügeln wieder werden, was es früher war, der Preis für die kräftigſte Hand und den kühnſten Krieger,— wieder⸗ belebt, nicht durch ſeine eigenen entarteten Söhne, ſon⸗ dern durch das eingeſtrömte Blut eines neuen Ge⸗ ſchlechtes. Wilhelm den Baſtard konnte der Sieg über die abgehärteten Engländer kaum ſo leicht zu ſtehen gekomm bei die Und we barbari Kleiner kleinere Wä ganz e leichter men,: ſchlank mit m Fuß de langen daß m bar wi erblickt welkt ohne „2 fahren lich? E Frau erſtau „ Ritte „ſeit Dir N B ne Woh⸗ und blieb die ucks nicht gangener as unge⸗ auf bie und er⸗ Sternen⸗ im Hin⸗ erſehenen ckt hinter den Tem⸗ d— wo mphirte; durch die⸗ taſtiſchen ten. Aber den Ehr⸗ Zukunft. Hügeln s für die wieder⸗ hne, ſon⸗ enen Ge⸗ ieg über zu ſtehen 145 gekommen ſein, als dies für Walter den Wohlgebornen bei dieſen entmannten Römern der Fall ſein wird. Und welche Eroberung iſt die glorreichere,— die der barbariſchen Inſel, ober die der Hauptſtadt der Welt? Kleiner Schritt vom General zum Podeſta— noch kleinerer vvm Podeſta zum König!“ Während er ſo in ſeinem kühnen, aber doch nicht ganz chimäriſchen Ehrgeize überdachte, ließ ſich ein leichter, raſcher Schritt in dem hohen Graſe verneh⸗ men, und als er aufblickte, bemerkte Montreal eine ſchlanke weibliche Geſtalt, welche von dem damals mit mehreren Klöſtern überbauten Hügel gegen den Fuß des Aventin herabkam. h auf einen langen Stab und ging mit ſo aufrechter Elaſtizität, daß man, als ihre Züge durch das Sternenlicht ſicht⸗ bar wurden, erſtaunt das Geſicht einer bejahrten Frau erblickte,— eine unfreundliche, ſtolze Miene, ver⸗ welkt und von tiefen Runzelt gen, aber nicht ohne eine gewiſſe Regelmäf mriſſe. „Barmherzige Jungfrau!“ rief Montreal zurück⸗ fahrend, als dieſes Geſicht ihn anblickte:„iſt es mög⸗ lich? ſie iſt es!— es iſt——“ Er ſprang vor und ſiellte ſich gerade vor die alte Frau hin, die bei dem Anblicke Montreal's ebenſo erſtaunt, wenn tuß weniger erſchreckt ſchien. „Seit Jahren hahe ich Dich geſucht,“ ſagte der Ritter und br hierdurch zuerſt das Schweigen; ho „ſeit Jahren, langen Jahren— Dein Gewiſſen wird Dir ſagen, warum.“ „Das meinige, Mann des Blutes!“ ſchrie das Bulwer, Rienzi. I. 10 446 vor Wuth vder Furcht zitternde Weib;„wagſt Du es, von Gewiſſen zu ſprechen? Du, der Ehren⸗ ſchänder— der Ränber— der Mörder von Hand⸗ werk! Du, Schandfleck der Ritterſchaft und Geburt! Du mit dem Kreuze der Keuſchheit und des Friedens auf Deiner Bruſt! Du von Gewiſſen reden, Heuch⸗ ler!— Du?“ „Frau— Frau!“ ſagte Montreal bittend und beinahe vergehend unter der heftigen Leidenſchaft die⸗ ſes ſchwachen Weibes,„ich habe gegen Dich und die Deinigen geſündigt. Aber erinnere Dich an Alles, was zu meiner Entſchuldigung dient!— frühe Liebe verhängnißvolle Hinderniſſe— raſches Gelübde — unwiderſtehliche Verſuchung! Vielleicht,“— fuhr er in ſtolzerem Tone fort—„vielleicht habe ich die Macht, meinen Fehler wieder gut zu machen und mit bepanzerter Hand von dem Nachfolger St. Peters zu erringen, der Macht hat zu löſen und zu binden——“ „Meineidiger, Verworfener!“ unterbrach ihn das Weib; läßt Du Dir träumen, daß Gewaltthat Ab⸗ ſolution erzwingen könne, oder daß Du je im Stande ſeieſt, das Geſchehene wieder gut zu machen?— einen edlen Namen zu Grunde gerichtet— vas gebrochene Herz und den Fluch eines ſterbenden Vaters! Ja, dieſen Fluch, ich höre ihn noch!— noch tönt er mir kreiſchend in die Ohren, als wachte ich bei der ver⸗ ſcheidenden Hülle!— er hängt ſich an Dich— er verfolgt Dich— er wird Dich durch Deinen Bruſt⸗ harniſch durchbohren— auf dem Gipfel Deiner Macht wird er Dich treffen! Der Geiſt zerſtört— der Ehrgeiz Hader u niß die hat Dick — Unt Die chen, ut — die Stunde einigte prophet deſſen 1 zer ſplitt zu Bod wilden hohler haſ 2 oder ei Staube Du bi Unvorf die zer daß de kann!“ „ plötzli ganzer überſe denken agſt Du Ehren⸗ n Hand⸗ Geburt! Friedens „Heuch⸗ end und aft die⸗ und die tund mit ßeters zu —— in das that Ab⸗ n Stande — einen ebrochene Ja ter mir der ver⸗ h— er t Bruſt⸗ r Macht — der 147 Ehrgeiz vernichtet— ſpäte Reue— ein Leben voll Hader und ein ſchmählicher Tod,— Deine Verdamm⸗ niß die Folge Deines Verbrechens!— Hiezu— hiezu hat Dich der Fluch eines alten Mannes verdammt! — Und Du biſt verdammt!“ Dieſe Worte wurden eher gekreiſcht, als geſpro⸗ chen, und vas blitzende Auge— die erhobene Hand — die ausgeſtreckte Geſtalt der Sprecherin— die Stunde— die einſamen Ruinen umher— Alles ver⸗ einigte ſich, um der fürchterlichen Verwünſchung einen prophetiſchen Charakter zu geben. Der Krieger, an deſſen unerſchrockener Bruſt hundert Speere vergebens zerſplittert worden wären, fiel blaß und niedergebengt zu Boden. Er faßte den Saum von dem Kleide der wilden uUnglücksverkünderin und rief mit erſtickter, hohler Stimme:„Schone mich! ſchone mich!“ „Dich ſchonen!“ ſagte das unerbittliche alte Weib; „haſt Du je einen Mann verſchont in Deinem Haſſe, oder ein Weib in Deiner Luſt? Ha, krieche in dem Staubhe— krieche— krieche!— wildes Thier, das Du biſt! deſſen glatte Haut und ſchöne Farben den Unvorſichtigen blind gemacht haben gegen die Krallen, die zerreißen, die Zähne, die verſchlingen;— krieche, daß der Fuß der Alten und Schwachen Dich ſpornen kann!“ „Hexe!“ ſchrie Montreal, indem er in der Kriſe plötzlicher Wuth und raſenden Stolzes ſich zu ſeiner ganzen Höhe aufrichtete:„Here! Du haſt die Grenzen überſchritten, innerhalb deren meine Nachſicht, be⸗ denkend, wer Du biſt, Dich gewähren ließ. Ich hätte 148 beinahe vergeſſen, daß Du Dir meine Rolle anmaßeſt — ich bin der Ankläger! Weib!— der Knabe!— bebe nicht!— lüge nicht!— rede nicht doppelſinnig! 3— Du warſt die Diebin!“ rück fuh „Ich war ſie. Du lehrteſt mich, zu ſtehlen ein nicht ſo 3 „Gib ihn zurück!“ unterbrach ſie Montreal und ſtampfte ſo heftig auf den Boden, daß die Schiefer der Marmortrümmer, auf denen er ſtand, unter der ſagte di gewaffneten Ferſe zerbrachen. Proven Das Weib achtete wenig auf eine Heftigkeit, vor daß da welcher der kühnſte Krieger Italiens gezittert hätte; Ausſchr doch antwortete ſie nicht unmittelbar. Der Charakter Beſſer ihrer Züge ging von der Leidenſchaft in einen Aus⸗ wachen druck ernſten, aufmerkſamen und trübſinnigen Nach⸗ denkens über. Endlich wandte ſie ſich an Montreal, hübſche deſſen Hand mehr aus dem Inſtinkt langer Gewohn⸗ Augen heit, wenn er erzürnt war, oder Jemand ſich ihm„₰ widerſetzte, als in irgend einer blutigen Abſicht nach ſcheucht dem Gefäß ſeines Dolches gegriffen hatte; ſo grau⸗ mich g ſam und rachſüchtig er auch war, wäre er doch nicht 33 fähig geweſen, ihn gegen ein Weib zu gebrauchen, Du me — am wenigſten gegen Diejenige, welche jetzt vor höre a ihm ſtand. logen, „Walter von Montreal,“ ſagte ſie mit ſo ruhiger und D Stimme, daß es beinahe wie Mitleid klang,„der Knabe, denke ich, hat nie Bruder oder Schweſter ge⸗ niſchen kannt, das einzige Kind eines einſt ſtolzen und her⸗ glückli riſchen, obwohl nicht von beiden Seiten entehrten die nu Geſchlechtes— nun, warum ſo ungeduldig?— Du klinger anmaßeſt Knabe!— ppelſinnig! ſtehlen ein ntreal und ie Schiefer unter der igkeit, vor tert hätte; Charakter inen Aus⸗ gen Nach⸗ Montreal, rGewohn⸗ ſich ihm bſicht nach ſo grau⸗ doch nicht ebrauchen, jetzt vor ſo ruhiger n,„der weſter ge⸗ und her⸗ entehrten 7— Du 149 wirſt bald das Schlimmſte erfahren— der Knabe iſt todt!“ „Todt!“ wiederholte Montreal, während er zu⸗ rück fuhr und erblaßte;„todt;— nein, nein— ſage nicht ſo! Er hat eine Mutter,— Du weißt es!— eine zärtliche, weichherzige, ängſtliche, hoffende Mut⸗ ter!— nein!— nein, er iſt nicht todt!“ „So kannſt Du denn für eine Mutter fühlen?“ ſagte die Alte anſcheinend gerührt durch den Ton des Provenzalen.„Aber bedenke Dich; iſt es nicht beſſer, daß das Grab ihn bewahrt vor einem Leben voll Ausſchweifungen, Blutvergießen und Verbrechen? Beſſer mit Gott ſchlafen, als mit den Teufeln zu wachen!“ „Todt!“ wieverholte Montreal;„todt!— der hübſche Kleine!— ſo jung!— dieſe Augen— die Augen der Mutter— ſo bald geſchloſſen!“ „Haſt Du noch Etwas zu ſagen? Dein Anblick ſcheucht alle Weiblichkeit aus meiner Seele! laſſe mich gehen.“ „Todt!— kann ich Dir glauben, oder ſpotteſt Du mein? Du haſt Deinen Fluch ausgeſprochen, höre auf meine Warnung:— Wenn Du dieſes ge⸗ logen, ſo ſoll Deine letzte Stunde Dir bange machen, und Dein Todtenbett ſoll das der Verzweiflung ſein!“ „Deinen Lippen,“ erwiderte das Weib mit höh⸗ niſchem Lächeln,„ſtehen lockere Gelübde gegen un⸗ glückliche Mädchen beſſer an, als Verkündigungen, die nur, wenn ſie von dem Guten kommen, feierlich klingen. Lebe wohl!“ 150 „Halt! unerbittliches Weib! halt!— wo ſchläft er? Meſſen ſollen geleſen werden!— Prieſter ſollen beten!— die Sünden des Vaters ſollen nicht heim⸗ geſucht werden an dieſem jungen Haupte!“ „In Florenz!“ antwortete ſchnell das Weib.„Aber kein Stein erhält das Andenken des Verſtorbenen!— Der todte Knabe hat keinen Namen!“ Ohne weitere Fragen abzuwarten, ging das Weib jetzt weiter,— ſie verfolgte ihren Weg;— das hohe Gras und die Biegung des Weges entzogen bald ihre Unheil verkündende Erſcheinung der einſamen Landſchaft. Montreal, jetzt allein, ſank mit einem tiefen und ſchweren Seufzer zu Boden, bedeckte ſein Ge⸗ ſicht mit den Händen und überließ ſich dem ſchmerz⸗ lichen Kummer; ſeine Bruſt hob ſich— ſein ganzer Körper zitterte— und er weinte und ſchluchzte laut mit der fürchterlichen Heftigkeit eines Mannes, deſſen Leidenſchaften ſtark und wild ſind, dem aber des Kummers Gewalt allein neu und fremd iſt. Er blieb ſo entmannt einige Zeit ausgeſtreckt liegen, bis er langſam und nach und nach, als Thränen ſeinen Schmerz linderten, ruhiger wurde und endlich eher einem düſtern Traume, als einer leidenſchaftli⸗ chen Betrübniß nachhing. Der Mond ſtand hoch und ſchon wär es ſpät, als er ſich erhob; wenige Spuren der vorigen Aufregung waren mehr in ſeinen Zügen zu finden; denn Walter von Montreal beſaß nicht die Gemüthsart, in welcher der Schmerz ſich mit Gewalt niederlaſſen, oder welche ein Unglück in fort⸗ dauernde und zur Gewohnheit werdende Schwermuth verſet nachh pfind zöſiſch tiefſte muth wurd grenz aufge ſtrebe kriege ſtürm liche Ritte eines Anhä mit ſ Leben trat, gegrä wo ſchläft eſter ſollen nicht heim⸗ ℳ eib.„Aber rbenen 3 das Weib — das hohe n bald ihre Landſchaft. nem tiefen e ſein Ge⸗ em ſchmerz⸗ ſein ganzer luchzte laut mes, deſſen aber des reckt liegen, s Thränen und endlich denſchaftli⸗ d hoch und ige Spuren nen Zügen eſaß nicht z ſich mit ick in fort⸗ chwermuth 15¹ verſetzen kann, welche Diejenigen beunruhigt, die nachhaltiger, obwohl mit weniger ſtürmiſchen Em⸗ pfindungen fühlen. Sein Charakter war echt fran⸗ zöſiſch, und zwar im vollkommenſten Maße; ſeine tiefſten und ernſteſten Eigenſchaften waren mit Wankel⸗ muth und Laune untermiſcht; ſein tiefer Scharfſinn wurde oft durch eine Grille zu nichte gemacht; ſein grenzenloſer Ehrgeiz einer gehaltloſen Verſuchung aufgevpfert; ſeine elaſtiſche, ſanguiniſche und hoch⸗ ſtrebende Natur war nur getren der Begierde nach kriegeriſchem Ruhme, der Poeſie eines kühnen und ſtürmiſchen Lebens, und empfänglich für jene zärt⸗ liche Leidenſchaft, ohne deren Farben kein Bild von Ritterwürde vollſtändig iſt und hinſichtlich deren er eines Gefühles, einer Zärtlichkeit und einer treuen Anhänglichkeit fähig war, die man ſich nur ſchwer mit ſeinem ſorgloſen Leichtſinne und ſeiner zuchtloſen Lebensweiſe vereint denken konnte. „Nein,“ ſagte er, als er langſam aufſtand, ſeinen Mantel um ſich ſchlug und ſeinen Weg wieder an⸗ trat,„nicht um meinetwillen habe ich mich ſo gegrämt. Doch die Qual iſt vorüber, und ich weiß das Schlimmſte. Zurück alſo jetzt zu den Gegen⸗ ſtänden, die nie ſterben— raſtloſe Plane und kühne Wagniſſe. Der Fluch dieſer Hexe macht, daß mein Blut noch immer kühl iſt, und dieſe Einſamkeit hat etwas Geſpenſtiſches und Schreckenerregendes an ſich. Ha!— was iſt das für ein plötzliches Licht?“ Das Licht, welches Montreal erblickte, brach bei⸗ nahe wie ein Stern hervor, kaum größer zwar, aber 152 röther und mit ſtärkerem Strahl. Es war an ſich nichts Ungewöhnliches und mochte aus einem Kloſter oder einer Hütte kommen. Aber es ſtrömte von einer Seite des Aventin, wo keine Wohnung von Lebenden, ſondern nur verlaſſene Ruinen und zertrümmerte Säu⸗ lengänge ſtanden, deren Namen ſogar, wie auch das Andenken an frühere Bewohner, erloſchen waren. Da Montreal dieſes wußte, fühlte er einen leichten Schauer, als die Flamme ihr gleichförmiges Licht über die trau⸗ rige Landſchaft ausgoß, denn er war nicht frei von dem ritterlichen Aberglauben jener Zeit, und es war jetzt die den Geiſtern und Geſpenſtern geweihte Zau⸗ berſtunde. Aber Furcht vor dieſer oder der andern Welt konnte den Geiſt des kühnen Freibeuters nicht lange einſchüchtern, und nach kurzem Bedenken ent⸗ ſchloß er ſich, einen Abſtecher von ſeinem Wege zu machen und ſich des Grundes jener Erſcheinung zu verſichern. Ohne daß es der Barbar wußte, ſchritt ſein martialiſcher Fuß über die Gegend hin, wo der berühmte oder berüchtigte Tempel der Iſis einſt Zeuge der wildeſten, von Juyenal erwähnten Orgien geweſen war, und er kam endlich an ein vichtes, dunkles Buſch⸗ holz, das durch eine Offnung in der Mitte das ge⸗ heimnißvolle Licht ſchimmern ließ. Der Ritter drang durch das dunkle Gebüſch und befand ſich dann vor einer großen, grauen, obdachloſen Ruine, aus deren Innerem unbeſtimmt und verworren der Schall von Stimmen kam. Durch einen Riß in der Mauer, der etwa zehn Fuß über dem Boden eine Art von Fenſter hildete(den das Gehände in ſeiner früheren Pracht wohl über geher einen Der auf und erſte Mau Pfa nur ſich zuſch in d kerze einer ſpäte Sche zen einer Ma⸗ dieſe gera ich ſüt ein mac Mä ſind an ſich Kloſter on einer ebenden, rte Säu⸗ auch das ren. Da Schauer, die trau⸗ frei von e war hte Zau⸗ r andern ers nicht nken ent⸗ Wege zu inung zu e, ſchritt „wo der nſt Zeuge geweſen es Buſch⸗ das ge⸗ ter drang dann vor us deren chall von auer, der n Fenſter en Pracht wohl nicht gekannt haben mochte), brach jetzt das Licht über den ſtark verwachſenen Grund, gleichſam in un⸗ geheure Schattenmaſſen eingehüllt, und ſtrömte durch einen ganz nahe liegenden, zertrümmerten Säulengang⸗ Der Provenzale ſtund, ohne daß er es wußte, gerade auf der einſt durch den Tempel— die Säulenhalle und die Bibliothek der Freiheit geweihten Stelle(die erſte öffentliche in Rom beſtehende Bibliothek). Die Mauer der Ruine war von unzähligen kriechenden Pflanzen und wildem Reisholz bedeckt und es bedurfte nur wenig Gewandtheit von Seiten Montreal's, um ſich mit deren Hülfe zu der Höhe der Offnung empor⸗ zuſchwingen und, verborgen in dem dichten Laubwerk, in das Innere zu blicken. Er ſah einen mit Wachs⸗ kerzen beleuchteten Tiſch, auf dem ein Crueifir ſtand; einen eniblößten Dolch; eine geöffnete Rolle, wie ſich ſpäter zeigte, heiligen Inhaltes, und eine metallene Schale. Etwa hundert Männer in Mänteln und ſchwar⸗ zen Masken ſtanden bewegungslos rings umher, und einer, größer als die andern, ohne Vermummung oder Maske— deſſen bleiche Stirne und ſtrenge Züge durch vieſes Licht noch bleicher und ſtrenger ſchienen— ſchloß gerade eine Anrebe an ſeine Gefährten. „Ja,“ ſagte er,„in der Kirche des Lateran will ich den letzten Aufruf an das Volk erlaſſen. Unter⸗ ſtützt von dem Stellvertreter des Papſtes, ich ſelbſt ein päpſtlicher Beamter, werde ich ihnen begreiflich machen, daß Religion und Freiheit— daß Helden und Märtyrer— die gleichen Intereſſen haben. Hiernach ſind Worte unnütz, Thaten müſſen an ihre Stelle treten. Bei vieſem Crucifir verpfände ich mein Wort — bei dieſer Klinge weihe ich mein Leben der Wie⸗ dergeburt Roms! Und Ihr(die Ihr dann weder Maske noch Mantel nöthig habt!), wenn die einzelne Trompete ſich vernehmen läßt— wenn Ihr den ein⸗ zelnen Reiter erblickt— Ihr ſchwört, Euch um die Fahne der Republik zu ſammeln, und mit Herz und Hand, mit Leben und Seele, mit Todesverachtung und in der Hoffnung auf Befreiung den Waffen der Unterdrücker zu widerſtehen!“ „Wir ſchwören— wir ſchwören!“ riefen alle Stim⸗ men, und als ſie ſich zu Kreuz und Dolch herzudräng⸗ ten, wurden die Kerzen durch das dazwiſchentretende Gedränge verdunkelt, und Montreal konnte die Cere⸗ monie nicht unterſcheiden, auch die gemurmelte Eides⸗ formel nicht verſtehen; aber er konnte errathen, daß der damals bei Verſchwörungen übliche Ritus— nach welchem jeder Verſchwörer einige Tropfen von ſeinem Blute vergießen mußte, zum Zeichen, daß er ſein Leben dem Unternehmen weihe— nicht verabſäumt werde; als die Menge wieder zurücktrat, hielt dieſelbe Geſtalt, welche vorher zu den Verſammelten geſprochen, mit beiden Händen die Schale in die Höhe und ſprach — während an dem linken, entblößten Arme langſam Blut hervorquoll und tropfenweiſe auf den Boden träufelte— mit feierlicher Stimme und aufwärts ge⸗ richteten Augen:„Unter den Rninen deines Tempels, o Freiheit! weihen wir Römer dir dieſe Libativn! Wir, begünſtigt und begeiſtert von keinen weſenloſen und in Fabeln geprieſenen Göttern, ſondern von dem ffen der e Stim⸗ udräng⸗ tretende ie Cere⸗ e Eides⸗ en, daß — nach ſeinem er ſein abſäumt dieſelbe prochen, d ſprach langſam Boden ärts ge⸗ empels, bation! ſenloſen on dem 155 Herrn der Heerſchaaren und von Ihm, der, auf die Erde herabſteigend, ſich nicht an Kaiſer und Fürſten, ſondern an Fiſcher und Landleute wandte— der den Niedrigen und Armen die Vollmacht der Offenbarung übertrug.“ Dann wandte er ſich plötzlich an ſeine Gefährten. Seine Züge, in Charakter und Ausdruck ganz eigenthümlich wechſelnd, verklärten ſich aus feier⸗ licher Scheu zu kriegeriſcher, flammender Begeiſterung, und er rief laut:„Tod der Tyrannei! Es lebe die Republik!“ Die Wirkung des überganges war über⸗ raſchend. Jeder legte wie aus unfreiwilligem und un⸗ widerſtehlichem Antriebe die Hand an das Schwert, während er die Worte wiederholte; Einige zogen ſo⸗ gar ihre Klingen, als ginge es gleich zum Kampfe. „Ich habe genug geſehen; jetzt werden ſie auf⸗ brechen,“ ſprach Montreal zu ſich ſelbſt;„und ich würde lieber einer Armee von Tauſenden gegenüber⸗ ſtehen, als nur einem halben Dutzend von dieſen ent⸗ flammten, berüchtigten Schwärmern begegnen.“ Mit dieſem Gedanken ließ er ſich auf den Boden herab⸗ gleiten und ſchlich ſich fort, als noch einmal durch die ſtille Mitternachtsluft der Ruf zu ſeinen Ohren drang: „Tod der Tyrannei!— Es lebe die Republik!“ Zweites Buch. Die Revolution. ogni lascivia, ogni male, nulla giustizia, nullo freno. Non c'era piu remedio, ogni persona periva. Allora Cola di Rienzi ete. Vila di Cola di Riensi, lib. I. Chap. 2. Nichts als Ausgelaſſenheit, nichts als Böſes; keine Ge⸗ rechtigkeit, kein Zügel. Es gab kein Mittel mehr dagegen, Alles ging zu Grunde. Cola di Rienzi, u. ſ. w. Erſtes Kapitel. Der Ritter von der Provence und ſein Antrag. Es war beinahe Mittag, als Adrian durch das Thor des Palaſtes von Stephan Colonna ging. Die Paläſte der Adeligen waren damals nicht ſo, wie wir ſie jetzt ſehen— Sammelplätze für die unſterblichen Gemälde italieniſcher, für die unvergänglichen Bild⸗ hauerarbeiten griechiſcher Kunſt; aber bis auf den heutigen Tag ſind die maſſiven Wände, die vergit⸗ terten Fenſter und die geräumigen Höfe noch vor⸗ handen, in welchen ſie zu jener Zeit ihre rohen An⸗ hänger beherbergten. Hoch über dem Thore erhob ſich ein gewaltiger, feſter Thurm, von welchem aus man eine weite Ausſicht üher die verſtümmelten über⸗ die des Zue jene des brü teri beih ßer, alle leich ſiſch er i Noe geſte mor Jup dieſe Orf den ſchm Wa nullo periva. 2 ine Ge⸗ n, Alles w. 157 bleibſel Roms hatte. Das Thor ſelbſt war auf bei⸗ den Seiten durch Granitſäulen geziert und befeſtigt, deren doriſche Capitäle den Tempelraub verriethen, durch den ſie einem der vielen Gotteshäuſer, welche früher das geheiligte Forum umgaben, entriſſen wor⸗ den waren. Von einer gleichen Beraubung ſtammten die ungeheuern Travertinblöcke, aus welchen die Mauern des äußeren Hofes waren. Das barbariſche Sich⸗ Zueignen der werthvollſten Kirchendenkmale war zu jener Zeit ſo gewöhnlich, daß Säulen und Gebäude des früheren Rom von allen Klaſſen nur als Stein⸗ brüche betrachtet wurden, von welchen Jeder die Ma⸗ terialien zu ſeinem Schloſſe oder ſeiner Hütte her⸗ beiholen konnte,— eine Zerſtörungsſucht, weit grö⸗ ßer, als die der Gothen, deren eine ſpätere Zeit gerne alle jene Schmach aufgebürdet hätte, und die viel⸗ leicht noch mehr, als ſchwerere Argerniſſe, den klaſ⸗ ſiſchen Unwillen Petrarka's erweckte und bewirkte, daß er in ſeinen Hoffnungen für Rom mit Rienzi fühlte. Noch immer find die Kirchen zu ſehen, die, von der geſtaltloſeſten Architektur, neben oder aus den Mar⸗ worblöcken erbaut ſind, welche die Namen Venus, Jupiter, Minerva heiligen(eher, als daß ſie durch dieſe geheiligt wurden); der Palaſt des Fürſten der Orſini, des Herzoges von Gravina, erhebt ſich über den ſchönen, noch ſichtbaren Bogen des Theaters des Marcellus,— damals eine Veſte der Sarelli. Als Adrian über den Hof ging, verſperrte ein ſchwerer, mit ungeheuern Marmorplatten beladener Wagen, die aus der unerſchöpften Fundgrube von 158 Nero's goldenem Hauſe gegraben waren, den Weg; ſie waren zu einem weileren Thurme beſtimmt, durch den Stephan Colonna das geſchmack⸗ und formloſe Gebände noch zu befeſtigen beabſichtigte, in welchem der alte Evelmann den Ruhm, dem Geſetze Trotz zu bieten, hehauptete. Der Freund Petrarka's und Zögling Rienzi's ſeufzte tief, als er an dieſem mit einem Raube be⸗ ladenen Fuhrwerke vorüberging, und ſah, wie ein Pfeiler von kannelirtem Alabaſter, der nachläſſig von dem Wagen herabgerollt wurde, mit lautem Krachen auf das Pflaſter fiel. Unten an der Treppe waren einige Dutzende der Banditen, die der alte Colonna unterhielt; ſie würfelten auf einem alten Grabſteine, deſſen deutliche und tiefgegrabene Inſchrift(ſo ver⸗ ſchieden von den nachläſſigen Schriftzeichen des ſpä⸗ teren Kaiſerreiches) ein Denkmal aus der mächtigſten Zeit Roms verriethen, und der jetzt, ſelbſt von Aſche frei und umgeſtürzt, dieſen wilden Fremdlingen als Tiſch diente und ſchon zu dieſer frühen Stunde mit überreſten von Eſſen und Flaſchen mit Wein bedeckt war. Sie rührten ſich kaum— ſie blickten kaum auf — als der junge Edelmann an ihnen vorüberging; ihre wilden Flüche und lauten, in einem nordiſchen Jargon ausgeſprochenen Stoßgebete, verletzten ſein Ohr, als er mit langſamem Schritte die hohen, unrein⸗ lichen Treppen hinanſtieg Er kam in ein geräumi⸗ ges Vorzimmer, das halb von der höheren Klaſſe der Clienten des Patriciers angefüllt war; fünf oder ſechs Pagen, ausgewählt aus dem niederen Adel⸗ Weg; durch rmloſe echem rotz zu Kienzi's ube be⸗ vie ein ſig von Krachen waren Folonna abſteine, (ſo ver⸗ des ſpä⸗ chtigſten on Aſche ngen als unde mit n bedeckt kaum auf überging; ordiſchen tzten ſein „unrein⸗ geräumi⸗ en Klaſſe fünf oder eren Adel, 159 ſtanden in einer ſchmalen Fenſtervertiefung und be⸗ ſprachen die ernſten Gegenſtände der Galanterie und Intrigue; drei Anführer der unten befindlichen Bande ſaßen mit angelegtem Bruſtharniſch, Schwert und Helm an ihrer Seite, ſtumm und dumm an einem Tiſche mitten in dem Zimmer und hätten, ohne die feierlich regelmäßige Bewegung, mit der ſie von Zeit zu Zeit ihre Becher an die bärtigen Lippen ſetzten und dann mit behaglichem Grunzen wieder in ihre Betrachtungen verſanken, für Automaten gelten kön⸗ nen. Auffallend war der Contraſt ihres nordiſchen Phlegma's gegen einen Schwarm italieniſcher Clien⸗ ten, Bittſteller und Schmarotzer, die unruhig hin⸗ und hergingen und laut mit all den heſtigen Ge⸗ berden und wechſelnden Phyſiognomieen ſüdlicher Lei⸗ denſchaft mit einander ſprachen. Als Adrian unter dieſe bunte Geſellſchaft trat, entſtand allgemeines Ge⸗ räuſch und Aufſehen. Die Banditenhäuptlinge nick⸗ ten mechaniſch mit den Köpfen; die Pagen verbeug⸗ ten ſich und bewunderten die Schönheit ſeiner Feder und Strümpfe; die Clienten, Bittſteller und Schma⸗ rotzer drängten ſich um ihn, Jeder mit einer ande⸗ ren Bitte um Verwendung bei ſeinem mächtigen Ver⸗ wandten. Adrian bedurfte all ſeiner gewohnten Höf⸗ lichkeit und Gewandtheit, um ſich aus ihren Händen zu retten; nur mit Mühe gewann er endlich die nie⸗ dere, ſchmale Thüre, an welcher ein großer Diener ſtand, der die Bewerber einließ, oder zurückwies, je nachdem es ſich mit ſeinem Vortheile und ſeiner Lanne vertrug. „Iſt der Baron allein?“ fragte Adrian. „Nein, nicht ganz, mein Gebieter; ein fremder Signor iſt bei ihm— aber für Euch iſt er natür⸗ lich ſichtbar.“ „Nun, Ihr könnt mich ſchon einlaſſen. Ich will mich nach ſeinem Befinden erkundigen.“ Der Diener öffnete die Thüre— durch welche mancher eiferſüchtige und ſehnſüchtige Blick hinein⸗ ſchaute— und übergab Abrian der Führung eines Pagen, der, älter und angeſehener, als die Müßig⸗ gänger im Vorzimmer, der Liebl lingsdiener des Schloß⸗ herrn war. Adrian ging noch durch ein leeres, großes und trübſeliges Zimmer, ehe er ſich in einem kleinen Kabinet bei ſeinem Verwandten befand. Vor einem mit einem Schreibapparat verſehenen Tiſche ſaß der alte Colonna; ein Rock von reichem Pelz und Sammt hing fliegend um ſeine hohe, ſtatt⸗ liche Geſtalt; unter einer runden Mütze von behag⸗ licher Wärme und karmeſinrother Farbe quollen einige graue Locken hervor und vermiſchten ſich mit einem langen, ehrwürdigen Barte. Die Züge des betagten Barons, der längſt ſein achtzigſtes Jahr zurückgelegt, trugen noch immer Spuren von Anmuth, wegen deren er in ſeinen früheren Jahren berühmt geweſen war. Seine Augen waren, wenn auch tiefliegend, noch kühn und lebhaft und ſprühten das Feuer der Jugend; ſein in gefälligem, obwohl halb ſatiriſchem Lächeln auf⸗ wärts gebogener Mund und ſeine Erſcheinung im Ganzen waren einnehmend und gebieteriſch, und zeug⸗ ten mehr für das erhabene Blut, den ſchlauen Witz fremder natür⸗ Ich will ch welche k hinein⸗ ung eines e Müßig⸗ s Schloß⸗ 3, großes m kleinen verſehenen on reichem ohe, ſtatt⸗ on be⸗ Men einige mit einem s betagten urückgelegt, vegen deren weſen war. noch kühn ugend; ſein ächeln auf⸗ ein im „und zeug⸗ lauen Witz p und die wackere Tapferkeit des Patrieiers, als für ſeine Liſt, ſeine Heuchelei und den ihm zur Gewohnheit ge⸗ wordenen, aber höhniſch ſtolzen Unterdrückungsgeiſt. Ohne gerade ein Held zu ſein, war Stephan Co⸗ lonna tapferer als die meiſten Römer, obwohl er feſt an dem italieniſchen Grundſatze hielt,— nie mit einem Feinde zu fechten, ſo lange es möglich iſt, ihn zu betrügen. Zwei Fehler ſchadeten indeſſen den Wir⸗ kungen ſeines Scharfſinnes: ein äußerſt launenvoller Uebermuth und ein ſtarker Glaube an ſeine einſichts⸗ volle Erfahrung. Unfähig, nach Analogien zu ur⸗ theilen, war er vollkommen überzeugt, däß, was nicht zu ſeiner Zeit ſich ereignet, nie ſich ereignen könne. So beſaß er, obgleich als geſchickter Diplo⸗ mat allgemein geachtet, die Liſt des Intriguanten, aber nicht die Vorſicht eines Staatsmannes. Wenn indeſſen ſein Stolz ihn im Glücke übermüthig gemacht hatte, ſo richtete er ihn auch im Unglücke auf. Bei den früheren Wechſelfällen eines Lebens, das er zum Theile in der Verbannung zugebracht, hatte er viele edle Eigenſchaften der Tapferkeit, Ausdauer und wah⸗ ren Seelengröße entwickelt, welche bewieſen, daß ſeine Fehler mehr durch die Umſtände angenommen, als von Natur ihm eigen waren. Sein zahlreiches, hoch⸗ geborenes Geſchlecht war ſtolz auf dieſes Haupt, und mit Recht, denn er war der Meiſtvermögende und Geehrteſte nicht nur unter dem unmilttelbaren Ge⸗ ſchlechte der Colonna, ſondern vielleicht auch unter allen mächtigen Adeligen. An demſelben Tiſche mit Stephan Colonna ſaß Bulwer, Rienzi. I. 11 162 ein Maun von eblem Anſtande und etwa drei over vierundpreißig Jahren, in welchem Adrian alsbald Waltern von Montreal erkannte. Dieſer berühmte Rit⸗ ter beſaß nicht ganz diejenige Perſönlichkeit, welche dem Schrecken, den ſein Name überall erregte, ent⸗ ſprochen hätte. Sein Geſicht war ſchön, beinahe weiblich zart, ſeine ſchöne Haare wallten lang und frei über eine weiße, ungerunzelte Stirne; das Leben im Felde und Italiens Sonnenſtrahlen hatten ſeine helle, geſunde Farbe, die noch viel Jugendblüte an ſich hatte, nur wenig gebräunt. Seine Züge waren adlerartig und regelmäßig; ſeine Augen, von einem lichten Hellbraun, waren groß, glänzend und durch⸗ dringend; ein kurzer, aber gekräuſelter Kinn⸗ und Schnurrbart, nur wenig dunkler als die Haare, gab ſeinem hübſchen Geſſchte wirklich einen kriegeriſchen Ausdruck, der aber eher für einen Helden an Höfen und bei Turnieren, als für den Häuptling einer Räu⸗ berhorde paßte. Ausſehen, Haltung und Benehmen des Provenzalen nahmen eher ein, als daß ſie Furcht einflößten,— indem ſie wirklich eine gewiſſe militäri⸗ ſche Freimüthigkeit mit der gefälligen und anmuthi⸗ gen Würde eines Mannes verbanden, der ſich ſeiner edeln Geburt bewußt und daran gewöhnt iſt, mit den Großen und Vornehmen auf gleichem Fuße zu leben. Seine Geſtalt hob durch den Widerſpruch glücklich den Charakter des Angeſichtes, das einen hohen und kräf⸗ tigen Wuchs erforderte, um ſeine ungewöhnliche Schön⸗ heit von der Beſchuldigung der Weiblichkeit zu befreien; ſie war von anſehnlicher Größe und bemerkenswerther Mu plur ſich als hau gefi hert wel nen wel gen Or Be beit ſche M ſtar nat bed lili Je übr für geb Vi tra thi unt feu rei oder alsbald mte Rit⸗ welche te, ent⸗ beinahe ang und as Leben ten ſeine blüte an e waren n einem id durch⸗ nn⸗ und are, gab egeriſchen in Höfen ner Räu⸗ Benehmen ſie Furcht militäri⸗ anmuthi⸗ ich ſeiner „mit den zu lehen. ücklich den und kräf⸗ he Schön⸗ befreien; nswerther 163 Muskelkraft, vhne die geringſie Annäherung an einen plumpen, oder ſchwerfälligen Körperbau; ſie neigte ſich in der That eher auf die Seite der Magerkeit, als Beleibtheit,— zugleich kräftig und ſchlank. Aber hauptſächlich war die Perſon dieſes Kriegers, der gefürchtetſten Lanze Italiens, durch eine ritterliche und herviſche Anmuth in Miene und Haltung ausgezeichnet, welche damals noch ſehr durch ſein Gewand von brau⸗ nem Sammt, mit Perlen geſtickt, gehoben wurde, über welchem der Mantel der Hoſpitaliterritter mit darein gewirktem, achteckigem Kreuze, dem Abzeichen ſeines ⁴Ordens, hing. Der Ritter beugte ſich in ernſtlicher Beſprechung leiſe gegen den Colonna vor und ſtützte beide Hände,— die(nach der gewöhnlichen Unter⸗ ſcheidung des alten Normannengeſchlechtes,“ von dem Kontreal, obgleich in der Provence geboren, abzu⸗ ſtammen ſich rühmte) klein und zart, und die Finger nach der Sitte der damaligen Zeit mit Edelſteinen bedeckt waren— auf den goldenen Griff eines un⸗ geheuren Schwertes, auf deſſen Scheide die Silber⸗ lilien, die Deviſe der provenzaliſchen Brüderſchaft von Jeruſalem, mit großer Sorgfalt eingegraben waren⸗ „ Kleine Hände und Füße wurden, wenn ſie auch mit der übrigen Geſtalt in keinem Verhältniſſe ſtanden, zu jener Zeit für keine geringere Auszeichnung der Leute von guter Herkunft gehalten, als dies in einem verfeinerten Zeitalter der Fall war. Viele der Leſer erinnern ſich wohl der Schmerzen, welche Pe⸗ trarka durch ſeine engen Schuhe verurſacht wurden. Dieſe Eigen⸗ thümlichkeit bezeichnet noch immer das wahre Normannengeſchlecht, und der diesfallſige Begriff von Schönheit ſtammt mehr aus der fendalen, als der klaſſiſchen Zeit. „Guten Morgen, ſchöner Vetter!“ ſagte Stephan. „Setze Dich, ich bitte, und erkenne in dieſem ritter⸗ lichen Beſuche den berühmten Herrn von Montreal.“ „Ah, mein Herr,“ ſagte Montreal lächelnd, indem er Adrian begrüßte,„und wie befindet ſich die Dame zu Hauſe?“ „Ihr irrt, Herr Ritter,“ ſprach Stephan,„mein junger Verwandter iſt noch nicht vermählt; wahrlich, wie der Papſt Bonifacius bemerkte, als er auf dem Krankenbette lag und ſein Beichtiger ihm von Abra⸗ hams Schvos vorſprach:„„dieſer Genuß iſt, je länger aufgeſchoben, deſto größer.““ „Der Signor wird meinen Irrthum entſchuldigen,“ erwiderte Montreal.. „Aber nicht,“ verſetzte Adrian,„die Nachläſſig⸗ keit des Ritters Walter, der ſich nicht perſönlich davon überzengt. Mein Dank gegen ihn, edler Vetter, iſt größer, als Ihr ahnt; er verſprach, mich zu beſuchen, um ihn mit Muße entgegen nehmen zu können.“ „Ich verſichere Euch, Signor,“ antwortete Mon⸗ treal,„daß ich die Einladung nicht vergeſſen habe; aber meine Geſchäfte in Rom waren bisher ſo wichtig, daß ich mich genöthigt ſah, mit meiner Ungeduld, unſere Bekanntſchaft zu befördern, zu unterhandeln.“ „O, Ihr kennt Euch von früher?“ ſagte Stephan. „Und woher?“ „Mein Herr, es betrifft eine Dame mit!“ er⸗ widerte Montreal.„Entſchuldigt mein Schweigen.“ „Aha, Adrian, Adrian! wann wirſt Du meine Enthaltſamkeit lernen?“ ſagte Stephan feierlich, indem er ſ ich kom Du meit dank ſie e anzt richt zu b ich! durc ohne Aug iſt ei ten, eine Voll ande eine dieſe In? Frei und kann verb Stephan. m ritter⸗ ontreal.“ d, indem i Dame „„mein wahrlich, auf dem n Abra⸗ e länger idigen,“ chläſſig⸗ ch davon tter, iſt eſuchen, ten.“ eMon⸗ n habe; wichtig, igeduld, ndeln.“ tephan. er⸗ en meine indem 165 er ſeinen grauen Bart ſtrich.„Welches Beiſpiel gebe ich Euch! Aber genug dieſer leichten Unterhaltung— kommen wir wieder auf unſern Gegenſtand zurück. Du mußt wiſſen, Abrian, daß ich der tapferen Bande meines Gaſtes die muthigen Herren unten zu ver⸗ danken habe, welche Rom ſo in Ruhe halten, wenn ſie auch viel Lärm in meine arme Wohnung machen. Er hat mich beſucht, um mir noch mehr Beiſtand anzubieten, wenn ich deſſen bedürfte, uns mit Nach⸗ richt über die Angelegenheiten im nördlichen Italien zu bringen. Fahrt fort, ich bitte Euch, Herr Ritter; ich habe keine Geheimniſſe vor meinem Vetter.“ „Du ſiehſt,“ ſagte Montreal, indem er ſeinen durchdringenden Blick auf Adrian heftete,„Du ſiehſt ohne Zweiſel, Herr, daß Italien im gegenwärtigen Augenblicke ein merkwürdiges Schauſpiel darbietet. Es iſt ein Kampfzwiſchen zwei ſich entgegenſtehenden Mäch⸗ ten, deren eine die andere zu Grunde richten wird. Die eine Macht iſt die des unbändigen und unruhigen Volkes— eine Macht, die ſie Freiheit nennen; die andere Macht iſt die der Häupter und Fürſten— eine Macht, die man geeigneter Ordnung nennt. In vieſe beiden Parteien ſind Italiens Städte getheilt. In Florenz, in Genua, in Piſa zum Beiſpiel iſt ein Freiſtaat gegründet— eine Republik, Gott weiß! und eine aufrühreriſche, unglücklichere Regierungsart kann man ſich kaum denken.“ „Das iſt vollkommen wahr,“ ſagte Stephan;„ſie verbannten meinen eigenen nächſten Vetter aus Genua.“ „Ein immerwährender Streit, mit einem Wort,“ 166 fuhr Montreal fort,„zwiſchen den großen Familien; ein Wechſel von Verfolgungen, Confiskationen und Verbannungen; heute ächten die Guelfen die Ghi⸗ bellinen— morgen vertreiben die Ghibellinen die Guelfen. Dies mag Freiheit ſein, aber es iſt die Frei⸗ heit des Stärkeren gegen den Schwächeren. In den anderen Städten, wie in Mailand, Verona und Bologna ſteht das Volk unter der Herrſchaft eines Mannes— der ſich ſelbſt Fürſt heißt, und den ſeine Feinde einen Tyrannen nennen. Er hat mehr Gewalt als jeder andere Bürger und regiert ſomit mit feſter Hand; da ſein Verſtand und ſeine Thatkraft beſtändig mehr in Anſpruch genommen ſind, regiert er auch weiſer. Dieſe beiden Regierungsarten liegen gegen einander zu Felde; wenn das Volk auf der einen Seite ſich gegen ſeinen Fürſten empört, ſo ſchickt das Volk auf der andern Seite— das heißt, die Freiſtaaten— Waffen und Geld zu ihrer Unterſtützung.“ „Du hörſt Adrian, wie ſchädlich dieſe Leute ſind,“ ſagte Stephan. „Nun ſcheint mir,“ fuhr Montreal fort,„daß dieſer Zwiſt bälder oder ſpäter ein Ende nehmen muß. Ganz Italien muß republikaniſch oder monarchiſch werden. Der Erfolg iſt leicht vorauszuſehen.“ „Ja, die Freiheit muß am Ende ſiegen!“ ſagte Adrian mit Wärme. „Verzeiht mir, junger Herr; ich bin gerade der entgegengeſetzten Anſicht. Ihr wißt, daß die Repu⸗ bliken ein Handelsvolk ſind, ſie ſchätzen den Reich⸗ thum, ſie verachten die Tapferkeit, ſie betreiben alle Gewe verthe Bürg zu ei Gewä die E ſie vo Trup es nie G 8 wenn wie et conti Haup ßenrä macht. oder ſ wird in der — det land, es noc Anſteck reißent gelloſi endet. zu leid Eigent Herrer amilien; nen und i Ghi⸗ inen die die Frei⸗ In den Bologna annes— ide einen als jeder Hand; i mehr weiſer. einander te ſind,“ 1„daß en muß. narchiſch rade der e Repu⸗ Reich⸗ 167 Gewerbe, ausgenommen das der Waffenſchmiede. Wie vertheidigen ſie ſich nun im Kriege? Durch ihre eigenen Bürger? Nicht daran zu denken! Entweder ſenden ſie zu einem fremden Fürſten und verſprechen ihm für Gewährung ſeines Schutzes die Oberherrſchaft über die Stadt auf fünf oder zehn Jahre, oder miethen ſie von einem kühnen Abenteurer, wie ich, ſo viele Truppen, als ſie im Stande ſind, zu bezahlen. Iſt es nicht ſo, Signor Adrian?“ Gegen ſeinen Willen mußte Adrian Beifall nicken. „Nun, dann iſt es der Fehler des fremden Fürften, wenn er ſich nicht eine dauernde Herrſchaft gründet, wie es ſchon in ehemals freien Staaten durch die Vis⸗ eonti und Scala geſchehen; oder iſt es der Fehler des Hauptmannes der Söldlinge, wenn er ſeine Stra⸗ ßenräuber nicht zu Senatoren, und ſich zum Könige macht. Dieſe ſo natürlichen Ereigniſſe müſſen bälber oder ſpäter in ganz Italien eintreten. Ganz Italien wird dann monarchiſch werden. Nun ſcheint es mir in dem Intereſſe aller mächtigen Familien zu liegen — der Eurigen in Rom und der Visconti in Mai⸗ land,— dieſe Epoche zu beſchleunigen und, während es noch mit Leichtigkeit geſchehen kann, dieſe rebelliſche Anſteckung unter dem Volke zu erſticken, die ſich jetzt reißend verbreitet und für ſie in dem Fieber der Zü⸗ gelloſigkeit, für Euch aber in der Fäulniß des Todes endet. In dieſen Freiſtaaten haben die Adeligen zuerſt zu leiden; zuerſt werden Eure Privilegien, dann Euer Eigenthum hinweggerafft. Ja, in Florenz, meine Herren, iſt, wie Ihr wohl wißt, kein Adeliger nur 168 im Stande, das niedrigſte Amt im Staate zu be⸗ kleiden!“ „Schurken!“ ſagte Colonna,„ſie verletzen das erſte Geſetz der Natur!“ „In dieſem Augenblicke,“ nahm Montreal wieder das Wort, der, ganz von ſeinem Gegenſtande in Anſpruch genommen, ſich wenig um die Unterbre⸗ chungen kümmerte, welche die heilige Entrüſtung des Barons verurſachte,—„in dieſem Augenblicke gibt es Viele vielleicht die Klügſten in den Frei⸗ ſtaaten— welche ſich nach Erneurung der alten lom⸗ bardiſchen Bündniſſe, ſehnen zu Vertheidigung ihrer allgemeinen Freiheit überall und gegen Jeden, der nach dem Fürſtentitel trachten ſollte. Glücklicher Weiſe legen die tödtlichen Eiferſuchten zwiſchen dieſen han⸗ veltreibenden Staaten— die gemeine plebejiſche Eifer⸗ ſucht— mehr des Handels, als des Ruhmes wegen gegenwärtig vieſer Abſicht ein unüberwindliches Hinderniß in den Weg; und Florenz, die rührigſie und geachtetſte von allen, iſt zum Glücke durch ſchlechte kaufmänniſche Spekulationen ſo zurückgekommen, daß es gänzlich unfähig iſt, ein ſo großes Unternehmen zu verfolgen. Jetzt alſo iſt für uns eine günſtige Zeit, meine Herren; während dieſe Hinderniſſe für unſere Feinde ſo groß ſind, iſt es jetzt Zeit für uns, einen Gegenbund zwiſchen allen Fürſten Italiens zu gründen und zu befeſtigen. Zu Euch, edler Stephan, bin ich, wie es Euer Rang erheiſcht, zu Euch allein von allen römiſchen Baronen bin ich gekommen, um Euch dieſe ehdenvolle Vereinigung vorzuſchlagen. Be denkt, Päpf gewic keines Beiſp Euch. eine Eure Mala Eurer laſſen der 2 E antwi Mitte „ von ciplin zahlre edler nicht dehnte den, Romé Adria merer Verw führb Eurer zu be⸗ en das wieder mnde in iterbre⸗ ung des cke gibt 1Frei⸗ en lom⸗ g ihrer en, der r Weiſe en han⸗ e Eifer⸗ s wegen indliches ührigſie ſchlechte en, daß rnehmen günſtige niſſe für für uns, liens zu Stephan, ch allein ten, um 469 denkt, welche Vortheile ſie Eurem Hauſe bietet. Die Päpſte haben Rom für immer verlaſſen; kein Gegen⸗ gewicht iſt mehr für Euern Ehrgeiz,— es ſoll auch keines mehr für Eure Macht ſein. Ihr habt die Beiſpiele der Visconti und des Taddey di Pepoli vor Euch. Ihr könnt in Rom, der erſten Stadt Italiens, eine höchſte und unumſchränkte Herrſchaft gründen, Eure ſchwächeren Nebenbuhler— die Savölli, die Malateſta, die Orſini— gänzlich unterwerfen und Euren Kindeskindern ein erbliches Königreich hinter⸗ laſſen, das vielleicht noch einmal nach der Herrſchaft der Welt ſtrebt.“ Stephan bedeckte ſein Geſicht mit der Hand und antwortete—„Aber dies, edler Montreal, erfordert Mitteb-— Geld und Mannſchaft.“ „Was die Letztere betrifft, ſo könnt Ihr genug von mir erlangen— meine kleine, am beſten dis⸗ ciplinirte Compagnie kann, ſobald ich nur will, zur zahlreichſten in Italien anwachſen; an dem Erſten, edler Baron, kann es dem reichen Hauſe Colonna nicht fehlen; ſelbſt ein Pfandbrief auf die ausge⸗ dehnten Beſitzungen kann leicht wieder eingelöst wer⸗ den, wenn Ihr Euch in den Beſitz aller Einkünfte Roms geſetzt habt. Ihr ſeht,“ fuhr Montreal gegen Adrian gewandt fort, von deſſen Jugend er einen wär⸗ meren Bundesgenoſſen erwartete, als in ſeinem grauen Verwandten,„Ihr ſeht auf einen Blick, wie aus⸗ führbar dieſer Plan iſt, und welch' weites Feld er Eurem Hanſe eröffnet.“ „Herr Walter von Montreal,“ ſagte Adrian, als 170 er von ſeinem Sitze ſich erhob, um dem mit Schwie⸗ rigkeit unterdrückten Unwillen Luft zu machen,„es betrübt mich ſehr, daß unter dem Dache von Roms erſtem Bürger ein Fremder ſo ruhig und ohne Unter⸗ brechung den Ehrgeiz anſpornen ſoll, um mit der Schuld und der verworfenen Berühmtheit eines Vis⸗ conti oder eines Pepoli zu wetteifern. Sprecht, mein Herr(an Stephan ſich wendend)— ſprecht, evler Vetter! und ſagt dieſem Ritter aus der Provence, daß, wenn durch einen Colonna die frühere Größe Roms nicht wiederhergeſtellt werden kann, durch einen Colonna die letzten Trümmer der Freiheit wenigſtens nicht zerſtört werden ſollen.“ „Warum das, Adrian?— warum das, lieber Vetter?“ ſagte der ſo plötzlich aufgerufene Stephan, „beruhige Dich, ich bitte. Edler Herr Walter, er iſt jung— jung und vorſchnell, er wollte Euch nicht beleidigen.“ „Davon bin ich überzengt,“ verſetzte Montreal kalt, aber mit großer und höflicher Selbſtbeherrſchung. „Aus ihm ſpricht der Eindruck des Angenblicks,— ein lobenswerther Fehler der Jugend. Auch ich hatte ihn in ſeinem Alter, und manchmal hätte mich meine übereilung beinahe das Leben gekoſtet. Nein, Signor, nein!— greift nicht ſo bedeutſam an Euer Schwert, als meintet Ihr, ich wolle Euch drohen; ferne von mir ſei eine ſolche Vermeſſenheit. Ich habe, glaubt mir, in den Kriegen hinlänglich Vorſicht gelernt, um nicht muthwillig eine Klinge gegen mich zu reizen, die ich gegen ſolche überlegenheit geſchwungen ſah.“ 2 Ritt welch word er fr keit,“ keine Ja, Euch einem Herze ſein einen chwie⸗ „e Roms Unter⸗ nit der es Vis⸗ „mein „edler ovence, Größe h einen igſtens lieber tephan, ter, er ch nicht ontreal ſchung. cks,— ch hatte h meine Signor, Schwert, rne von glaubt gelernt, reizen, n ſah.“ 171 Wider Willen gerührt durch die Höflichkeit des Ritters, und die Anſpielung auf einen Vorfall, bei welchem ſein Leben vielleicht durch Montreal gerettet worden war, reichte Adrian dem Letzteren die Hand. „Ich war zu tadeln wegen meiner Hitze,“ ſagte er freimüthig; aber erkennt an eben meiner Heſtig⸗ keit,“ ſetzte er ernſter hinzu,„daß Euer Vorſchlag keine Theilnahme unter den Colonna erregen wird. Ja, in Gegenwart meines edlen Vetters wage ich Euch zu ſagen, daß, wenn ſeine hohe Beſtätigung einem ſolchen Plane zu Theil würde, die treueſten Herzen ſeines Hauſes ihn verließen; und ich ſelbſt, ſein Verwandter, würde jenes Schloß da unten gegen einen ſo unnatürlichen Ehrgeiz bemannen.“ Eine leichte und kaum bemerkbare Wolke zog bei dieſen Worten über Montreals Angeſicht, und er biß ſich in die Lippe, ehe er antwortete:„Aber wenn die Orfini weniger gewiſſenhaft wären, ſo könnte man die erſte Ausübung ihrer Macht in dem zuſammen⸗ ſtürzenden Hauſe der Colonna erkennen.“ „Wißt Ihr,“ verſetzte Adrian,„daß einer unſerer Wahlſprüche die ſtolze Anrede an die Römer iſt— Wenn wir fallen, fallt auch Ihr! uUund lieber dieſes Loos, als eine Erhebung auf den Trümmern unſerer Vaterſtadt.“ „Gut, gut, gut!“ ſagte Montreal, indem er ſich wieder ſetzte.„Ich ſehe, daß ich Rom ſich ſelbſt über⸗ laſſen muß,— der Bund muß ohne jenen Beiſtand gebeihen. Ich ſcherzte nur, wenn ich auf die Orſini hindeutete, denn es fehlt ihnen die Macht, die ihre Bemühungen ſicher machen würde. Laßt uns denn die vorige Unterredung aus unſerem Gevächtnniſſe verwiſchen. Am neunzehnten, glaube ich, Signor Colonna, beabſichtigt Ihr mit Euren Freunden und Anhängern Euch nach Corneto zu begeben, wohin Euch zu begleiten Ihr mich aufgefordert?“ „An eben dieſem Tage, Herr Ritter,“ erwiderte der Baron, ſichtlich durch dieſe Wendung des Ge⸗ ſpräches erleichtert.„Die Sache iſt die, daß man uns ſo ſehr der Gleichgültigkeit an den Iutereſſen des guten Volkes beſchuldigt, daß mir viel daran liegt, durch dieſe Expedition die Behauptung zu wider⸗ legen, und wir beabſichtigen daher, eine Zufuhr Korn nach Corneto zu begleiten und gegen die Straßen⸗ räuber zu ſchützen. In Wahrheit aber habe ich außer der Furcht vor den Räubern noch einen zweiten Grund, aus welchem ich ein möglichſt zahlreiches Gefolge wünſche. Ich möchte meinen Feinden und dem Volke im Allgemeinen die feſte und immer wachſende Macht meines Hauſes zeigen; die Schauſtellung einer ſolchen hewaffneten Macht, wie ich ſie aufzubringen hoffe, wird eine herrliche Gelegenheit ſein, die Aufrühre⸗ riſchen und Widerſpänſtigen mit Scheu und Furcht zu erfüllen. Adrian, Du wirſt, hoffe ich, an dieſem Tage Deine Dienſtmannen verſammeln; wir möchten nicht ohne Dich ſein.“ „Und während wir dahinreiten, ehrenwerther Signor,“ ſagte Montreal, ſich gegen Adrian wen⸗ dend,„werden wir die Wunde gänzlich heilen, die ich Guch aus Unachtſamkeit ſchlug. Glücklicher Weiſe gibt es ei Ihr Rom Aben geſag Lande „ fleckt „ widerf ich ſchi alles, unſeret weichli Gerecht Trouba edeln V ſagen. Adien, erinnert Und leichter, entſchuld z denn nniſſe Signor en und wohin widerte es Ge⸗ ß man ſſen des n liegt, wider⸗ r Korn traßen⸗ ch außer Grund, Gefolge m Volke e Macht r ſolchen en hoffe, lufrühre⸗ d Furcht mn dieſem möchten enwerther ian wen⸗ n, die ich Weiſe gibt 173 es einen Punkt, in welchem wir uns vereinigen können — unſere Galanterie gegen das ſchöne Geſchlecht. Ihr müßt mich mit den Namen der ſchönſten Damen Roms bekannt machen, und wir wollen alte derartige Abenteuer abhandeln und auf neue hoffen. Beiläufig geſagt, Signor Adrian, ſeid Ihr, wie alle Eure Landslente, ein Verehrer Petrarka's?“ „Theilt Ihr unſern Enthuſiasmus nicht?— Be⸗ fleckt Eure Galanterie nicht ſo, ich bitte.“ „Kommt, wir dürfen uns nicht ſchon wieder widerſprechen; aber, bei Allem“ was mir heilig iſt, ich ſchätze einen Troubadours⸗Rundgeſang ſo hoch, als alles, was Petrarka je geſchrieben. Er hat nur aus unſerer ritterlichen Poeſie entlehnt und ſie wie ein weichlicher Geck maskirt.“ „Nun,“ ſagte Adrian heiter,„für jede Zeile der Trobadvurs, die Ihr eitirt, ſollt Ihr eine andere von mir haben. Ich will Euch die Ungerechtigkeit gegen Petrarka verzeihen, wenn Ihr den Troubadours Gerechtigkeit widerfahren laßt.“ „Gerechtigkeit!“ rief Montreal ganz begeiſtert; „ich ſtamme aus dem Lande, ja von dem Blute der Tronbadours! aber wir werden zu luſtig für Euern edeln Vetter; und ich muß für jetzt Euch Lebewohl ſagen. Signor Colonna— Friede ſei mit Euch; Adien, Herr Adrian,— mein ritterlicher Bruder, erinnert Euch Eurer Ausforderung.“ Und der Johanniterritter verabſchiedete ſich mit leichter, ungezwungener Anmuth. Der alte Baron entſchuldigte ſich durch eine ſtumme Verbeugung 174 bei Adrian und folgte Montreal in das anſtoßende Zimmer. „Herr Ritter!“ ſaßte er,„Herr Ritter!“ als er die Thüre gegen Adrian ſchloß und dann Mon⸗ treal in eine Fenſtervertiefung zog,—„ein Wort in's Ohr. Denkt nicht, ich verachte Euer Anerbie⸗ ten, aber man muß dieſe jungen Leute ſchonen; der Plan iſt groß— edel,— meinem Herzen angenehm; aber er erfordert Zeit und Vorſicht. Ich habe Viele aus meinem Hauſe, ſo bedenklich wie jener Hitzkopf, erſt zu gewinnen; der Weg iſt ſchön, aber er muß ge⸗ nau und ſorgfältig unterſucht werden. Ihr verſteht?“ Montreal warf unter den zuſammengezogenen Brauen einen durchdringenden Blick auf Stephan und antwortete dann:— „Meine Freundſchaft für Euch hieß mich jenes Anerbieten machen. Der Bund kann beſtehen ohne die Colonna,— hütet Euch vor einer Zeit, wo die Colonna nicht ohne den Bund mehr beſtehen können. Mein Gebieter, ſeht Euch wohl um; es gibt mehr freie Männer— ja, überdies noch kühne und rüh⸗ rige— in Rom, als Ihr wohl denkt. Hütet Euch vor Rienzi! Adien, bald treffen wir uns wieder.“ Mit dieſen Worten ſchied Montreal, und als er mit ſeinem ſorgloſen Schritt durch das vollgedrängte Vorzimmer ging, ſprach er zu ſich ſelbſt:— „Ich werde hier meinen Zweck nicht erreichen!— dieſe elenden Adeligen haben weder den Muth, um groß, noch die Weisheit, um ehrlich zu ſein. Laſſe ſie fallen!— Vielleicht finde ich einen Abenteurer aus der ſ 5 umar ſeiner Keckh derns Kunſt gelern geſagt befant baren noch 1 vollen ſchaftl eine t ſchafft mich Aber oßende als ton⸗ Wort lnerbie⸗ en; der genehm; be Viele Hitzkopf, muß ge erſteht?“ ezogenen han nd ich jenes hen ohne „wo die n können. gibt mehr und rüh⸗ ütet Euch wieder. ind als er Ugedrängte eichen!— Muth, um ein. Laſſe Abenteurer — 175 aus dem Volke,— einen Abenteurer, wie ich ſelbſt, der ſie Alle aufwiegt.“ Kaum war Stephan zu Adrian zurückgekehrt, ſo umarmte er ſeinen Mündel keidenſchaftlich, der ſchon ſeinen Stolz für einen ſcharfen Tadel wegen ſeiner Keckheit gerüſtet hatte. „Herrlich verſtellt,— bewundernswerth, bewun⸗ dernswerth!“ rief der Baron;„Ihr habt die wahre Kunſt eines Staatsmannes an dem kaiſerlichen Hofe gelernt. Immer dachte ich es— immer habe ich es geſagt. Ihr ſaht die Verlegenheit, in der ich mich befand, ſo überraſcht durch den tollen Plan des Bar⸗ baren; beſorgt, ihn von der Hand zu weiſen,— noch beſorgter, ihn anzunehmen. Ihr habt mich mit vollendeter Gewandtheit herausgezogen; dieſe Leiden⸗ ſchaftlichkeit— Eurem Alter ſo natürlich,— war eine treffliche Finte,— lenkte den Angriff ab,— ſchaffte mir Zeit, zu Athem zu kommen,— ſetzte mich in den Stand, mit dem Wilden zu ſpielen. Aber wir dürfen ihn nicht beleidigen, wißt Ihr; alle meine Leute würden mich verlaſſen, voder mich an die Orſini verkaufen, oder mir den Hals abſchneiden, wenn er nur mit dem Finger winkte. O! es war bewun⸗ dernswerth durchgeführt, Abrian, bewundernswerth!“ „Dem Himmel ſei Dank!“ ſagte Adrian, dem es ſchwer wurde, den Athem wieder zu finden, wel⸗ chen ſein Erſtaunen zurückgedrängt hatte;„Ihr denkt nicht daran, den ſchwarzen Vorſchlag anzunehmen?“ „Daran denken! nein, gewiß nicht!“ ſagte Ste⸗ phan und warf ſich in ſeinen Stuhl zurück.„Nun, 176 kennſt Du mein Alter nicht, Knabe? Hart an mei⸗ nem neunzigſten Jahre, müßte ich wahrlich ein Thor ſein, wenn ich mich in einen ſolchen Strudel von Unruhe und Bewegung ſtürzte. Ich wünſche zu be⸗ halten, was ich habe,— nicht, es durch weitere Wagniſſe auf das Spiel zu ſetzen. Bin ich nicht der Liebling des Papſtes? Soll ich mich ſeinem Kirchen⸗ banne ausſetzen? Bin ich nicht der Mächtigſte unter dem Adel? Wäre ich als König mehr? Mir, in mei⸗ nem Alter, von ſolchem Zeug reden!— der Menſch iſt toll. überdies,“ ſetzte der alte Mann mit ge⸗ dämpfter Stimme und ängſtlich um ſich blickend, hin⸗ zu,„wenn ich König wäre, ſo könnten meine Söhne mich der Nachfolge wegen vergiften. Es ſind gute Jungen, Adrian, gewiß! Aber eine ſolche Verſu⸗ chung!— Ich möchte ſie nicht auf dieſe Probe fetzen; dieſe grauen Haare haben Erfahrungen gemacht! Ty⸗ rannen ſterben keines natürlichen Todes; nein, nein! Die Peſt über den Ritter, ſage ich; er hat mich ſchon in einen kalten Schweiß geſtürzt.“ Adrian betrachtete die arbeitenden Züge des alten Mannes, deſſen Selbſtſucht ihn ſo vor einem Ver⸗ brechen bewahrte. Er horchte auf ſeine letzten Worte — voll von der dunkeln Wahrheit jener Zeiten— und als der hohe und reine Ehrgeiz Rienzi's plötz⸗ lich ſich ihm vor Augen ſtellte, fühlte er, daß er ſeine Hitze nicht tadeln, über deren übermaß ſich nicht wundern könne. „Und dann,“ fuhr der Baron, ſeine Selbſtbe⸗ herrſchung wieder gewinnend, bedächtiger fort,„zeigt mir ſeine meint unb de er gla mich, men nie er meinet — die und d die W ſen R „2 Erfah Mann eingeſt in mei⸗ in Thor del von zu be⸗ weitere icht der Kirchen⸗ te unter in mei⸗ Menſch mit ge⸗ id, hin⸗ e Söhne ind gute Verſu⸗ e etzen; cht Ty⸗ n, nein! hat mich des alten em Ver⸗ n Worte eiten i's plötz⸗ daß er ſich nicht Selbſtbe⸗ t,„zeigt 177 mir dieſer Mann durch ſeine Warnung auf einmal ſeine ganze Unkenntniß unſeres Staatszuſtandes. Was meint Ihr? Er hat ſich unter den Pöbel gemiſcht und deſſen furchtbare Sprache für Macht gehalten; ja, er glaubt, Worte ſeien Krieger, und bat mich— mich, Stephan Colonna,— mich in Acht zu neh⸗ men— vor wem meint Ihr? Nein, Ihr werdet es nie errathen!— vor dem Redenhalter Rienzi!— meinem früheren, ſcherzhaften Gaſte! ha! ha! ha! —die Unwiſſenheit dieſer Barbaren!— ha! ha! ha!“ und der alte Mann lachte, bis ihm die Thränen über die Wangen rollten. „Doch fürchten Viele unter dem Adel eben die⸗ ſen Rienzi;“ ſagte Adrian ernſthaft. „Ach! laßt ſie, laßt ſie!— Ihnen fehlt unſere Erfahrung— unſere Weltkenntniß, Adrian. Bedenke, Mann— wann haben je Deklamationen Schlöſſer eingeſtürzt und Solbaten beſiegt? Ich ſehe es gern, wenn Rienzi dem Pöbel von dem alten Rom und ſolchem Zeug vordeklamirt; es gibt ihnen etwas zu denken und zu plaudern, und ſo verdunſtet ihre ganze Wuth in Worken; ſie könnten ein Haus anzünden, wenn ſie keine Rede hörten. Da ich aber gerade auf dieſem Thema bin, ſo muß ich geſtehen, daß der Schulfuchs in ſeinem neuen Amte unverſchämt ge⸗ worden iſt; da, da,— dieſes Papier erhielt ich heute, noch ehe ich aufſtand. Ich höre, er hat die⸗ ſelbe Unverſchämtheit gegen alle Adeligen begangen. Lest es, wenn Ihr wollt;“ und der Colonna gab ſeinem Verwandten ein Papier in die Hand⸗ Bulwer, Rienzi. I. 42 178 „Ich habe daſſelbe erhalten,“ ſagte Abrian, als hören. er einen Blick hingeworfen hatte.„Es iſt eine Auf⸗ wir hi forderung Rienzi', in die Kirche des St. Johann Avignt von Lateran zu kommen, um die Erklärung der In⸗ wir, ſchrift einer kürzlich aufgefundenen Tafel mit anzu⸗ dien, hören. Sie ſteht, ſagt er, in der innigſten Verbin⸗ der Bi dung mit der Wohlfahrt und dem Zuſtande Roms.“ rechten „Sehr unterhaltend, wage ich zu behaupten, für unden Profeſſoren und Büchermenſchen. Verzeiht mir, Vetter; ja kaur ich vergaß, daß Ihr an ſolchen Dingen Geſchmack lichen findet; mein Sohn Gianni theilt auch dieſe Eure Nei⸗ lichen gung. Nun, nun! ſie iſt unſchuldig genug! Geht— die Ei der Mann ſpricht gut.“ bei 1 „Wollt Ihr uns nicht begleiten?“ ſchwier „Ich— mein guter Junge— Ich!“ ſagte der höre ic alte Colonna und riß die Augen mit ſolchem Erſtaunen Sohn auf, daß Adrian nicht umhin konnte, über die Ein⸗ falt ſeiner Frage zu lachen. Zweites Kapitel. Die Unterredung und der Zweiſel. Als Adrian den Palaſt ſeines Vormundes verließ erinne und ſeinen Weg in der Richtung gegen das Forum dem 5 nahm, begegnete er etwas unerwartet Raimund, dem ſchärf Biſchof von Orvieto, der, auf einem kleinen Klepper denn ſitzend und von drei vder vier ſeiner Diener begleitet, wenn plötzlich anhielt, als er den jungen Edelmann erkannte. feuer „Ach, mein Sohn! ich ſehe dich ſelten: wie geht ia7 6 es Dir?— gut? So, ſo! Es freut mich, dies zu Euch, ian, als ine Auf⸗ Johann der In⸗ it anzu⸗ Verbin⸗ Roms.“ oten, efür „Vetter; Zeſchmack ure Nei⸗ Geht— ſagte der Frſtaunen die Ein⸗ es verließ s Forum und, dem n Klepper begleitet, erkannte. wie geht , dies zu 179 hören. Ach! in welchem Zuſtande der Geſellſchaft leben wir hier, im Vergleiche mit den ruhigen Genüſſen in Avignon! Dort finden ſich alle Männer, die, wie wir, Freunde derſelben Beſtrebungen, derſelben Stu⸗ dien, der deliciae musarum find— hi! hm!(denn der Biſchof that ſich auf ein gelegentliches Citat, am rechten oder unrechten Orte, etwas zu Gute) leicht und natürlich zuſammen. Aber hier wagen wir uns ja kaum aus unſeren Häuſern heraus, außer bei feier⸗ lichen Gelegenheiten. Da ich aber gerade von feier⸗ lichen Gelegenheiten und den Muſen ſpreche, fällt mir die Einladung unſeres guten Rienzi in den Lateran bei; natürlich ſeid Ihr zugegen; es iſt ein mächtig ſchwieriges Stück Latein, das er erklären will— ſo höre ich wenigſtens— höchſt intereſſant für uns, mein Sohn— höchſt!“ „Es iſt morgen,“ gab Abrian zur Antwort.„Ja gewiß werde ich mich einfinden.“ „Und, höre, mein lieber Sohn,“ ſagte der Biſchof, indem er freundlich ſeine Hand auf Adrians Schulter legte,„ich hoffe nicht ohne Grund, daß er unſere armen Bürger an das Jubiläum im Jahre fünfzig erinnern und ſie anſpornen wird, die Straßen von dem Raubgeſindel zu ſäubern; eine nothwendige Ein⸗ ſchärfung, die man zur rechten Zeit beachten muß; venn wer wird der Abſolution wegen hierher kommen, wenn er riskirt, unterwegs ohne Abſolution in's Fege⸗ feuer wandern zu müſſen? Ihr habt Rienzi gehört— ja? ganz Cicero— gauz! Nun, der Himmel ſegne Euch, mein Sohn!— Ihr bleibt nicht aus?“ 180 „Nein, gewiß nicht.“ „Doch, halt— ein Wort mit Euch; ſagt doch Allen, mit denen Ihr zuſammentrefft, wie wünſchens⸗ werth eine volle Verſammlung iſt; es macht der Stadt Ehre, wenn den Wiſſenſchaften Achtung gezollt wird.“ „Nichts von dem Jubiläum zu ſagen,“ ſetzte Adrian lächelnd hinzu. „Ach, nichts von dem Jubiläum zu ſagen— ſehr gut! Adien für diesmal!“ Und der Biſchof ſetzte ſich wieder in dem Sattel zurecht und ritt feierlich weiter, um ſeine verſchiedenen Freunde zu beſuchen und ſie in die Verſammlung zu nöthigen. Abrian ſetzte inzwiſchen ſeinen Weg fort, bis er das Capitol, den Bogen des Severus, die zerbröckelnden Säulen des Jupitertempels hinter ſich hatte und ſich unter dem langen Gras, dem flüſternden Rohr und ven vernachläſſigten Weingärten befand, welche über der jetzt verſchwundenen Pracht von Nero's goldenem Hauſe ſich erheben. Er ſetzte ſich auf einen umge⸗ ſtürzten Pfeiler— an der Stelle, wo der Reiſende in die(ſogenannten) Bäder der Livia hinabſteigt— und ſah ungeduldig nach der Sonne, als wollte er ſie tadeln wegen ihres langſamen Ganges. Er durfte indeſſen nicht lange warten, bis man einen leichten Schritt in dem wohlriechenden Graſe gehen hörte, und jetzt ſtrahlte durch die gewölbten Reben ein Geſicht, das man wohl für die Nymphe— für die Göttin des Ortes hätte halten können. „Meine Schöne! meine Irene! wie ſoll ich Dir danken!“ Freund „N Hoffnu denſcha in dieſe ich nie Du ke beurth hat er ſich ſe ſeiner ſagt doch ünchens⸗ der Stadt lit wird.“ te Adrian n— ſehr ſetzte ſich ch weiter, n und ſie t, bis er röckelnden und eſich Rohr und elche über goldenem en mge⸗ Reiſende bſteigt— wollte er bis man en Graſe ten Reben e— für lich Dir 181 Es währte lange, bis der entzückte Liebende auf Irenens Antlitz eine Traurigkeit erblickte, die es ge⸗ wöhnlich in ſeiner Gegenwart nicht trübte. Auch zitterte ihre Stimme— ihre Worte ſchienen erzwungen und kalt. „Habe ich Dich beleidigt?“ fragte er;„oder welches geringere Unglück iſt Dir begegnet?“ Frene erhob den Blick zu dem Geliebten und ſagte, während ſie ihn ernſtlich anſah:„Sage mir, mein Herr, mit nüchterner und einfacher Wahrheit, ſage mir, würde es Dich ſehr betrüben, wenn dieſe unſere letzte Zuſammenkunft ſein ſollte?“ Bläſſer, als der Marmor zu ſeinen Füßen wurde Adrians dunkle Wange. Es vergingen einige Augen⸗ blicke, ehe er antworten konnte, und er that dies hier⸗ auf mit erzwungenem Lächeln und zitternden Lippen. „Scherze nicht ſo, Irene! die letzte! das iſt kein Wort für uns.“ „Aber höre mich, mein Herr——“ „Warum ſo kalt?— nenne mich Adrian!— Freund!— Geliebter! oder bleibe ſtumm!“ „Nun denn, Seele meiner Seele!— meine ganze Hoffnung!— Leben meines Lebens!“ rief Irene lei⸗ denſchaftlich aus,„höre mich! Ich fürchte, wir ſtehen in dieſem Augenblicke an einem Abgrunde, deſſen Tiefe ich nicht ſehe, der uns aber für immer trennen kann! Du kennſt das wahre Weſen meines Bruders und beurtheilſt ihn nicht falſch, wie ſo Manche. Lange hat er über Planen und Entwürfen gebrütet, iſt mit ſich ſelbſt n Rathe gegangen und hat, im Gefühle ſeiner Bedeutung bei dem Volke den Weg zu einem 182 großen Unternehmen vorbereitet. Aber jetzt—(Du wirſt ihn nicht verrathen— ihn nicht verderben?— er iſt Dein Freund!)“ „Und Dein Bruder! mein Leben gäb' ich für das ſeinige! Fahre fort!“ „Aber jetzt alſo,“ ſprach Irene weiter,„rücket die Zeit für dieſes Unternehmen, worin es immer beſtehen mag, ſchnell heran. Ich kenne ſeine Zwecke nicht genau, aber ich weiß, daß es gegen den Adel— gegen Deinen Stand— ja gegen Dein Haus gerichtet iſt! Wenn es gelingt— o, Adrian! Du ſelbſt wäreſt nicht außer Gefahr— unb mein Name wäre wenigſtens verbunden mit dem Namen Deiner Feinde. Wenn es fehlſchlägt — ſo iſt mein Bruder, mein kühner Bruder, verlvren! Er fällt als ein Opfer der Rache oder Gerechtigkeit, nenne es wie Du willſt. Dein Vetter kann ſein Richter, ſein Henker werden, und ich, ſollte ich auch am Leben bleiben, um den Ruhm und Glanz meines niedrigen Geſchlechtes zu betrauern, könnte ich mir geſtatten, zu lieben— einen Mann zu ſehen, in deſſen Adern das Blut ſeiner Mörder fließt? O! ich bin elend— elend! dieſe Gedanken machen mich beinahe wahn⸗ ſinnig!“ Bitterlich rang Irene die Hände und ſchluchzie laut. Abrian ſelbſt ward durch das ihm ſo dargeſtellte Gemälde heftig ergriffen, obgleich deſſen Alternativen ſich früher oft dunkel ſeinem Geiſte aufgedrungen hatten. Indeſſen iſt wahr, daß er, nicht wiſſend, welch phy⸗ ſiſche Macht hinter Rienzi's Planen war, und noch nie Zeuge der gewaltigen moraliſchen Kraft einer Re⸗ voluti dieſer folge langt Gerec genug breche zuwir wann zurich theiln tracht geſſen die E Falle gewä kein bin i Adriq Thei niß d klüge mich und E beun eine t—(Du erben?— ch für das „rücket die er beſtehen icht genau, en Deinen iſt! Wenn nicht außer verbunden fehlſchlägt „verloren! erechtigkeit, ein Richter, ham Leben s niedrigen geſtatten, eſſen Adern in elend— ahe wahn⸗ id ſchluchzte dargeſtellte Alternativen igen hatten. welch phy⸗ „ und noch ft einer Re⸗ 183 volution, nicht begriff, daß ein Aufſtand, zu welchem dieſer das Volk aufreizen möchte, von dauerndem Er⸗ folge ſein könnte, und was ſeine Beſtrafung anbe⸗ langte, ſo wußte Abrian in dieſer Stadt, wo alle Gerechtigkeit dem Einfluſſe weichen mußte, ſich mächtig genug, um Vergebung auch für das größte aller Ver⸗ brechen— bewaffneten Aufſtand gegen den Adel— aus⸗ zuwirken. Als dieſe Gedanken ſich ihm vorſtellten, ge⸗ wann er wieder den Muth, Irene zu tröſten und auf⸗ zurichten. Aber ſeine Bemühungen hatten einen nur theilweiſen Erfolg. Durch ihre Beſorgniſſe zu Be⸗ trachtung der Zukunft erwacht, die ſie bis jetzt ver⸗ geſſen hatte, ſchien Irene zum erſtenmale taub gegen die Stimme des Geliebten. „Ach!“ ſagte ſie traurig,„ ſelbſt im glücklichſten Falle, wie kann dieſe Liebe, die wir ſo blindlings gewähren ließen— wie kann ſie enden? Du kannſt kein Mädchen, wie mich, heirathen, und ich! wie thöricht bin ich geweſen!“ „Nimm Deinen Verſtand zuſammen, Irene,“ ſagte Adrian ſiolz, zum Theil vielleicht aus Arger, zum Theil aus ſeiner durch Erfahrung gewonnenen Kennt⸗ niß des weiblichen Herzens.„Liebe einen Andern, und klüger, wenn Du willſt; widerrufe Dein Gelübde gegen mich und halte es fortan für ein Verbrechen, zu lieben, und für eine Thorheit, treu zu ſein!“ „Grauſamer!“ ſagte ſtotternd die ihrerſeits jetzt beuntuhigte Irene.„Sprichſt Du im Ernſte?“ „Sage mir, ehe ich Dir antworte, ſage mir das eine: Käme Tod, kämen Quglen, käme ein ganzes 184 Leben voll Kummer als Folge dieſer Liebe, würdeſt Du je bereuen, daß Du geliebt? Wenn dies der Fall iſt, kennſt Du die Liebe nicht, die ich für Dich fühle.“ „Nie! nie kann ich es bereuen!“ ſagte Irene und fiel Adrian um den Hals;„vergib mir!“ „Aber iſt denn wirklich,“ ſagte Adrian kurz nach dieſem Streite mit nachfolgender Ausſöhnung,„iſt denn wirklich der Unterſchied in Deines Bruders früherem und jetzigem Benehmen ſo auffallend? Wie weißt Du, daß die Zeit des Handelns ſo nahe iſt?“ Weil er jetzt ganze Nächte mit allen Arten von Männern eingeſchloſſen iſt; er ſchließt ſeine Bücher ein— er liest nicht mehr— aber wenn er allein iſt geht er in ſeinem Zimmer auf und ab und ſpricht leiſe mit ſich ſelbſt. Bisweilen bleibt er vor dem Ka⸗ lender ßehen, den er neulich mit eigener Hand an der Wand befeſtigte, fährt mit ſeinen Fingern über die Buchſtaben, bis er an ein gewiſſes Datum kommt, ſpielt dann mit ſeinem Schwerte und lächelt. Vor zwei Nächten wurde auch eine große Menge Waffen in das Haus gebracht, und ich hörte den Führer der Männer, die ſie brachten, einen unter dem Volke gar wohl bekannten grimmigen Rieſen, ſagen, indem er ſich die Stirne wiſchte: dieſe werden bald zu thun be⸗ kommen!“ „Waffen! Biſt Du deſſen gewiß?“ fragte Adrian ängſtlich.„Ja, dann iſt mehr an dieſen Planen, als ich mir dachte! Aber(ſetzte er, als er bemerkte, daß Irenens Blick bei Veränderung ſeiner Stimme fürcht⸗ ſam auf ihm ruhe, munterer hinzu), aber komme, was de gebete von 8 ſich er ſere a hören „C müſſen die jet leute ſie na D Schlar andere Die La D liebt, walt u in zw gen— Schick für d Für d die Fi — fü härtefi würdeſt der Fall h fühle.“ ren nd urz nach „iſt denn früherem ei D, rten von e Bücher allein iſt ſpricht dem Ka⸗ nd an der über die tkommt, lt. Vor e Waffen ührer der Bolke gar em er ſich thun be⸗ te Adrian men, als rkte, daß ne fürcht⸗ rkomme, was da wolle, glaube mir, meine Schöne! meine An⸗ gebetete! paß, ſo lange ich lebe, Dein Bruder nichts von dem Zorne zu leiden haben ſoll, den er gegen ſich erwecken mag— und daß ich, wenn er auch un⸗ ſere alte Freundſchaft ganz vergeſſen ſollte, nicht auf⸗ hören werde, Dich zu liehen.“ „Signora! Signora, Kind! es iſt Zeit! wir müſſen gehen!“ rief die gellende Stimme Benedetta's, die jetzt durch das Laubwerk guckte.„Die Arbeits⸗ leute gehen auf dieſem Wege heim; ſchon ſehe ich ſie nahen.“ Die Liebenden ſchieden; zum erſtenmale wär die Schlange in ihr Paradies gedrungen, ſie hatten etwas anderes gedacht, beſprochen, als Liebe. Drittes Kapitel. Die Lage eines populären Patriciers in Zeiten des Mißvergnü⸗ gens unter dem Volke— Scene im Lateran. Die Lage eines Patriciers, der das Volk aufrichtig liebt, iſt in ſolchen ſchlimmen Zeiten, wenn die Ge⸗ walt unterdrückt und die Freiheit kämpft— wenn die in zwei Parteien getheilten Männer miteinander rin⸗ gen— die verdrießlichſte und verwickeltſte, welche das Schickſal möglicherweiſe ausſinnen kann. Soll er Partie für den Adel nehmen?— er verräth ſein Gewiſſen! Für das Volk?— er verläßt ſeine Freunde! Aber die Folge dieſer letzteren Wahl iſt nicht die einzige — für einen ſtarken Geiſt vielleicht auch nicht die härteſte. Alle Männer find beherrſcht und gefeſſelt 486 von der öffentlichen Meinung; ſie iſt die öffentliche Richterin. Aber die öffentliche Meinung iſt nicht für alle Stände dieſelbe. Die öffentliche Meinung, welche den Plebejer aufmuntert oder abſchreckt, iſt die Mei⸗ nung der Plebejer— derjenigen, die er ſieht, mit denen er zuſammenkommt und die er kennt; derjeni⸗ gen, mit denen er in Berührung kommt— mit denen er von ſeiner Kindheit an umgegangen iſt— deren Lob er täglich hört— deren Tadel ihm zu jeder Stunde entgegenſteht.“ So iſt auch die öffentliche Meinung für die Großen die ihrer Standesgenoſſen— derer, welche Geburt und Zufall für immer in ihren Weg warf. Wenn wir in unſerer Zeit in dem ſeichten Blatte eines dogmatifirenden Jyurnaliſten leſen, daß dieſer oder jener Edelmann nicht wagt, dieſe oder jene Handlung zu begehen— einen Pächter zu ſchrecken, oder einen Stimmgeber zu beſtechen, weil er die öffent⸗ liche Meinung ſcheut; iſt es dann die öffentliche Mei⸗ * Es iſt daſſelbe in noch kleineren Kreiſen. Die öffentliche Meinung für Juriſten iſt die von Juriſten; für Krieger, die der Armee; für Gelehrte, von Männern dieſes Faches. Und für die Feinfühlenden unter den letzteren iſt die feindſelige Kritik von Gelehrten ſchon ſchmerzender geweſen, als die ſtrengſte mo⸗ raliſche Rüge des Publikums. Mancher hat eine große Tbat gethan, ein großes Werk verfaßt, einzig und allein, um zwei oder drei Perſonen zu gefallen, die beſtändig ſeinem Geiſte vor⸗ ſchweben. Ihre Stimme war ihm öffentliche Meinung. Die öffentliche Meinung, welche Biſhop den Mörder beſtimmte, war die Meinung der Burker, ſeiner Kämeraden. Verdammten dieſe ihn? Nein! Er kannte keine andere öffentliche Meinung, bis er gehenkt werden ſollte und die verabſcheuenden Blicke ſah und die ziſchenden Verwünſchungen der unter ſeinem Galgen verſammelten Menge hörte⸗ nung damn ſeinet raden damn ander nicht ſelten der vielle für 2 wicht mehr litiker ſpruch zu be über daher wird wider nicht könne Weisl ſie vo dem Richte Ein a keit ei die G ſolche öffentliche nicht für g, welche die Mei⸗ eht, mit derjeni⸗ mit denen — deren er Stunde Meinung — derer, Weg n ſeichten eſen, daß oder jene ſchrecken, die öffent⸗ liche Mei⸗ e öffentliche ger, die der Und für ſelige Kritik rengſte mo⸗ große Tbat n, um zwei Geiſte vor⸗ inung. Die beſtimmte, Berdammten e Meeinung, n Blicke ſah em Galgen 187 nung derer, welche immer um ihn ſind, welche ihn ver⸗ dammt? die öffentliche Meinung ſeiner Schmarotzer, ſeiner Clienten, ſeiner Standesgenoſſen, ſeiner Kame⸗ raden in Politik und Anſicht? Werden dieſe ihn ver⸗ dammen? Nein! Es iſt die öffentliche Meinung einer andern Klaſſe— einer Klaſſe, der ſeine Bahn ſich nicht nähert— einer Klaſſe, deren Lob oder Tadel ſelten in ſeinen Ohren wiederklingt— einer Klaſſe, der zu trotzen die öffentliche Meinung ſeines Standes vielleicht für Muth, die geringzuſchätzen ſie vielleicht für Würde hält. Dieſe Unterſcheidung iſt voll von wichtigen, praktiſchen Schlüſſen; iſt eine ſolche, die mehr als die meiſten Grunbſätze, nie von einem Po⸗ litiker vergeſſen werden ſollte, welcher auf Tiefe An⸗ ſpruch macht. Es iſt alſo eine fürchterliche Probe zu beſtehen, die wenige Plebejer je durchmachen, und über welche, ohne zu ſtraucheln, hinwegzukommen, daher auch mit Unrecht von den Patriziern erwartet wird— die Probe, ſich der öffentlichen Meinung zu widerſetzen, welche hinſichtlich ihrer beſteht. Sie können nicht umhin, dem eigenen Urtheil zu mißtrauen— können nicht umhin, zu glauben, die Stimme der Weisheit oder der Tugend ſpreche in den Tönen, die ſie von ihrer Wiege an als Orakel betrachteten. In dem Tribunal von Sektenvorurtheil glauben ſie den Richterſtuhl des allgemeinen Gewiſſens zu erkennen. Ein anderes, mächtiges Gegenmittel für die Thätig⸗ keit eines in ſolcher Lage befinblichen Patriciers iſt die Gewißheit, daß am Ende die Beweggründe einer ſolchen Thätigkeit ſowohl von der Ariſtokratie, die er 188 verläßt, wie von dem Volke, zu dem er übertritt, mißdeutet werden. Es ſcheint an einem Manne ſo unnatürlich, wenn er offen von ſeinen Standesgenoſſen abfällt, vaß die Welt gerne dieſem Geheimniß alle Gründe, nur nicht revliche überzeugung vder erhabenen Patriotismus, unterſchiebt.„Ehrgeiz!“ ſagt der Eine. „Getäuſchte Hoffnungen!“ ruft ein Anderer.„Irgend ein Privathaß!“ bemerkt ein Dritter. Aufrühreriſche Eitelkeit!“ ſpöttelt ein Vierter. Das Volk bewundert zuerſt, beargwohnt aber hernach. Von dem Augen⸗ blicke an, wo er ſich einem Wunſche des Volkes wi⸗ derſetzt, gibt es kein Heil mehr für ihn; er wird an⸗ geklagt, er habe den Heuchler geſpielt— er habe Schafskleider getragen, und jetzt ſagen ſie:„Seht! die Wolfszähne kommen zum Vorſchein!“ Iſt er ver⸗ traulich mit dem Volke— ſo iſt es Schmeichelei! Hält er ſich entfernt— ſo iſt es Stolz! Was hält penn einen Mann in ſolcher Lage aufrecht, der ſeinem Gewiſſen folgt und mit vffenen Augen alle die Ge⸗ fahren ſeines Pfades ſieht? Hinweg mit dem Gewäſch von öffentlicher Meinung— hinweg mit dem arm⸗ ſeligen Wahn von ſpäterer Gerechtigkeit; er wird die erſtere beleidigen, die letztere nie erhalten. Was hält ihn aufrecht? Seine eigene Seele! Ein durch⸗ aus großer Mann hegt eine gewiſſe Verachtung für ſein Geſchlecht, während er es unterſtützt; ihr Wohl oder Wehe gilt ihm Alles; ihr Beifall, ihr Tadel gelten ihm nichts. Er tritt heraus aus dem Kreiſe von Geburt und Gewohnheit; er iſt taub für die kleinlichen Beweggründe kleiner Menſchen. Hoch in dem! er in leucht Bis 1 Stern eigene von! keinen ſeiner zufrie A Zeital der ge verdor Umſtä für di ſichtlic heit n mand jenem Ruhm ſteht 1 deren, That, durch Bewäh n von d bieten ſonder bertritt, anne ſo genoſſen miß alle rhabenen er Eine. „Irgend ihreriſche ewundert Augen⸗ olkes wi⸗ wird an⸗ er habe „Seht! ſt er ver⸗ meichelei! Was hält er ſeinem e die Ge⸗ Gewäſch dem arm⸗ rwird die Was hält Fin durch⸗ htung für ihr Wohl ihr Tadel em Kreiſe b für die Hoch in dem weiteſten Raum, den ſeine Bahn beſchreibt, hält er in ſeinem Laufe inne, um zu führen oder zu er⸗ leuchten; aber der Lärm unten erreicht ihn nicht! Bis das Rad gebrochen iſt, bis die ſchwarze Leere den Stern verſchlingt, macht er Tag und Nacht ſeinen eigenen Ohren Muſik; er dürſtet nach keinem Tone von der Erde, die er erleuchtet, er ſehnt ſich nach keinem Gefährten auf der Bahn, die er durchwallt, ſeiner eigenen Herrlichkeit ſich bewußt und deßhalb zufrieden, allein zu ſein! Aber Geiſter dieſer Art ſind ſelten. Nicht jedes Zeitalter bringt ſie hervor. Sie ſind Ausnahmen von der gewöhnlichen menſchlichen Tugend, die, wenn nicht verdorben, doch beſtimmt und geleitet wird durch äußere Umſtände. Zu einer Zeit, wo bloße Empfänglichkeit für die Stimme des Ruhmes ein großer Vorzug hin⸗ ſichtlich der moraliſchen Kraft vor der übrigen Menſch⸗ heit war, war es beinahe unmöglich, daß irgend Je⸗ mand von dem verfeinerten, überfinnlichen Gefühle, jenem geläuterten Antriebe zu großen Thaten— dem Ruhme in der eigenen Bruſt, der ſo unermeßlich hoch ſteht über dem Verlangen nach Berühmtheit bei An⸗ deren, eine Vorſtellung hatte. Wir müſſen in der That, ehe wir uns von der Welt losmachen können, durch ein langes und ſtrenges Noviziat— durch die Bewährung vielen Nachdenkens und vielen Kummers — durch vollkommene und ſchmerzliche Ueberzengung von der Eitelkeit alles deſſen, was die Welt uns bieten kann, unz— nicht in der Hitze einer Stunde, ſondern für immer— über die Welt erhoben haben; 190 eine Abgeſchiedenheit— ein Idealism— die ſelbſt ur in unſeren weiſeren Tagen nur Wenige von den Wei⸗ S ſeſten zu erreichen im Stande find! Und doch ken⸗ ſchaue nen wir, bis wir ſo beglückt find, die wahre Gött⸗ wärtig lichkeit der Betrachtung nicht, eben ſo wenig die all⸗ Politit genügende Macht des Gewiſſens; auch können wir 5 uns nicht mit feierlichen Schritten in das Allerheiligſte theil e unſerer eigenen Seele zurückziehen, wo wir erkennen ſehr k und fühlen, wie weit unſere Natur des unabhängi⸗ und P gen Daſeins eines Gottes fähig iſt! vielleie Aber kehren wir zu den irdiſchen Gegenſtänden und manne Gedanken wieder zurück! Dieſe Betrachtungen und dieſe fange Verkettungen der Umſtände, die in ähnlicher Lage ſo Verirr manchen ehrbaren und muthigen Geiſt feſſelten, mach⸗ ſirende ten ihre Gewalt auch bei Adrian geltend. Er fühlte ſtürmi ſeine falſche Stellung. Seine Vernunft und ſein Ge⸗ ein; ſ wiſſen waren für Rienzi's Plane, und ſeine natür⸗ Volkes liche Kühnheit wie ſein Unternehmungsgeiſt hätten ihn Vermi vermocht, thätigen Antheil an deren Ausführung zu Eigen nehmen. Aber dem traten alle ſeine Verbindungen, volutir ſeine Freundſchaften, Privat⸗ und häusliche Bande vielleic offen entgegen. Wie konnte er gegen ſeinen Stand, Ad gegen ſein Haus, gegen ſeine Jugenvgefährten ſich Ereign 3 insgeheim verſchwören, oder ernſtlich handeln? An er in dem Ziele, zu welchem ihn ſein Patriotismus trieb, um ſo ſtanden Heuchelei und Undankbarkeit. Wer wollte den dem T für einen treuen Kämpfer ſeines Vaterlandes halten, er eben der an ſeinen Freunden zum Verräther würde. Und ſo digen- nungen „Wechſelte die angeborene Farbe der Entſchließung Mit der kranken Bläſſe des Nachdenkens!“ beſchrä ie ſelbſt en Wei⸗ och een⸗ re Gött⸗ die all⸗ nen wir rheiligſte erkennen abhängi⸗ inden und und dieſe r Lage ſo n, mach⸗ Er fühlte ſein Ge⸗ ne natür⸗ hätten ihn ihrung zu ien, he Bande en Stand, hrten ſich en An mus trieb, wollte den es haten, e. Und ſo eßung 19⁴ und Er, der durch ſeine natürliche Anlagen ein Lenker der Zeit hätte ſein ſollen, blieb bloßer Zu⸗ ſchauer. Doch ſuchte ſich Adrian über ſeine gegen⸗ wärtige Unthätigkeit mit der Ueberzeugung von der Politik ſeines Benehmens zu tröſten. Derjenige, welcher bei dem Beginne bürgerlicher Umwälzungen keinen An⸗ theil an denſelben nimmt, kann in der Folge oft ein ſehr kräftiger Vermittler zwiſchen den Leidenſchaften und Parteien werden. In Adrian's Verhältniſſen war vielleicht Zögerung gerade die Rolle eines klugen Staats⸗ mannes; oft verleiht gerade die Stellung, die im An⸗ fange lähmt, gegen das Ende Anſehen. Rein von den Verirrungen und bewahrt von der Eiferſucht rivali⸗ ſirender Parteien, flößt ein neuer Charakter in einem ſtürmiſchen Drama leicht Allen Zuneigung und Achtung ein; ſeine Mäßigung kann ihm das Vertrauen des Volkes erwerben; ſein Stand macht ihn zum paſſenden Vermittler bei dem Adel, und ſo erheben ihn die Eigenſchaften, die ihn in der neuen Periode der Re⸗ volution zum Märtyrer gemacht hätten, in einer anderen vielleicht zum Retter. Adrian wartete daher ruhig und ſtille die weiteren Ereigniſſe ab. Schlugen Rienzi's Plane fehl, ſo konnte er in Folge eben dieſer Theilnahmloſigkeit das Volk um ſo beſſer vor neuen Ketten, und deſſen Helden vor dem Tode ſchützen. Gelang das Unternehmen, ſo konnte er ebenſo ſein Haus gegen die Wuth des Volkes verthei⸗ digen— und durch Unterſtützung der Freiheit Unord⸗ nungen verhüten. So hoffte er wenigſtens! und ſo beſchränkte und beruhigte die italieniſche Schlanheit 192 und Vorſicht ſeines Charakters die Begeiſterung ſeiner Jugend und ſeines Muthes. Friedlich und wolkenlos ſchien die Sonne auf eine ungeheure Menſchenmenge, welche auf dem großen Platze, der die Kirche des St. Johann von Lateran umgibt, zuſammenſtrömte. Theils aus Neugierde— theils auf den Wunſch des Biſchofes von Orvieto— theils weil es eine Gelegenheit war, die Pracht ihres Gefolges zu entwickeln— waren auch viele der vor⸗ nehmſten Barone Roms hierher gekommen. Auf einer der zur Kirche führenden Stufen ſtand⸗ den gefalteten Mantel um ſich geſchlagen, Walter von Montreal und betrachtete die verſchiedenen Züge, die einer nach dem andern durch die Gaſſe kamen, welche die Soldaten der Kirche mitten in dem Gewühle für die vornehmſten Edeln offen hielten. Er beobachtete mit Intereſſe, obgleich mit der Miene und dem ſchwei⸗ fenden Blicke der ihm eigenen Unbefangenheit die ver⸗ ſchiedenen Zeichen und Blicke der Begrüßung, womit das Volk die einzelnen hohen Perſonen empfing. Banner und Wappenſchilde wurden jedem Signor vorgetragen, und als jene in der Höhe flatterte, prägte er die Witzeleien und Spottnamen— die kurzen, vielbeden⸗ tenden Worte des Lobes oder des Tadels— die unter der lebhaften Menge hin und her wogten, ſorgfältig in ſein Gedächtniß. „Macht Platz da!— Platz für meinen Herrn, Martino Orſini— Baron di Porto!“ „Ruhe, Schätzchen!— zurück!— Platz für den Signor Abrian Colonna, Baron di Caſtello und Ritter ves Rei Nebenb in der vor me Colonn derer D tinv Or nur au erregter und ge Johann gelblan ihr Sch recht, ſ jene un Ordnun Lehrjah um ſie unorden von alle ſchlecht ſich vert in Mie übermu ſie dien ſie in 5 engen 2 ſich aug Jede dr laſſene Buln ing ſeiner e auf eine n großen n Lateran gierde— riet— acht ihres der vor⸗ fen ſtand, Walter von Züge, die en, welche ewühle für beobachtete dem ſchwei⸗ meit die er⸗ , womit ng. Banner orgetragen, igte er die „ vielbeden⸗ — die unter ſorgfältig inen Herrn, latz für den o und Ritter 193 ves Reiches.“— Und bei dieſen beiden Ausrufungen der Nebenbuhler ſah man den goldenen Bären der Orſini in der Höhe flattern mit dem Wahlſpruch„Hüte Dich vor meiner Umarmung!“ und die einzelne Säule der Colonna auf azurblauem Grunde mit Arthurs beſon⸗ derer Deviſe:„Ernſt, aber ſtark.“ Der Zug des Mar⸗ tinv Orſini war weit zahlreicher als der Adrians, welcher nur aus zehn 2 nern beſtand. Aber Adrians Leute erregten weit größere Bewunderung unter dem Volke und gefielen dem erfahrenen Auge des kriegeriſchen Johanniterritters weit mehr. Ihre Waffen waren ſpie. gelblank; ihre Größe war bis auf einen ihr Schritt regelmäßig und geſetzt; ihre Haltung auf⸗ recht, ſie ſahen weder rechts noch links; ſie verr jene unansſprechliche Disciplin— jene Harmonie Ordnung— welche Adrian während ſeiner eigenen Lehrjahre in den Waffen ſich zu eigen gemacht hatte, um ſie ſeinen Leuten einzuprägen. Dagegen war der unordentliche Zug des Herrn von Porto aus Männern von allen Größen zuſammengeſetzt. Ihre Waffen waren ſchlecht geputzt und nach altem Geſchmacke; ſie drängten ſich verwirrt durch einander, lachten und ſprachen laut; in Miene und Haltung ſprach ſich bei ihnen all der übermuth von Leuten aus, welche den Herrn, dem ſie dienten, ebenſo verach wie das Volk, das ſie in Furcht hielten. Da die beiden Banden in dieſem engen Paß unerwartet auf einander ſtießen, zeigte ſich augenblicklich die Eiferſucht der beiden Hänſer. Jede drängte ſich um den Vortritt, und als die ge⸗ laſſene Regelmäßigkeit von Abrians Zug und die ge⸗ Bulwer, Rienzi. I. 13 194 ſchloſſene kleine Anzahl ihm geſtattete, die Diener ſeines Nebenbuhlers hinter ſich zu laſſen, erhob das Volk ein lautes Geſchrei:„Colonna hoch!— Laßt den Bären hinter der Säule hertanzen!“ „Vorwärts, ihr Burſche!“ ſagte Orſini laut zu ſeinen Leuten.„Wie konntet ihr dieſe Beſchimpfung dulden?“ Und ſich ſelbſt an die Spitze ſeiner Leute ſtellend, wollte er mitten durch den Zug ſeines Neben⸗ buhlers drängen, als ein großer Mann in päpftlicher Livree ſeinen Stab vorhielt. „Verzeiht, mein Herr! wir haben den ausdrück⸗ lichen Befehl von dem Vikar, keinen Streit der ver⸗ ſchiedenen Züge unter einander zu dulden.“ „Bube! willſt Du Worte mit mir wechſeln?“ ſagte der ſtolze Orſini, und mit ſeinem Schwert hieb er den Stab entzwei. „Im Namen des Vikars befehle ich Euch, zurück⸗ zugehen!“ ſagte der handfeſte Wächter und vertrat mit ſeiner ungeheuern Figur dem Edeln gerade den Weg. „Es iſt Cecco del Vecchio!“ ſchrieen diejenigen von dem Volke, welche nahe genug waren, um die Stockung und ihre Urſache bemerken zu können. „Ja,“ ſagte Einer,„der gute Vikar hat viele der ſtärkſten Burſche in päpſtliche Livree geſteckt, um beſſer Ordnung halten zu können. Er hätte keinen beſſeren wählen können, als den Ceeco.“ „Aber er darf nicht fallen!“ ſchrie ein Anderer, als Orſini den Schmied anſtarrte und ſein Schwert zurückzog, als wollte er ihm die Bruſt durchbohren. „Schande— Schande! ſoll der Papſt ſo in ſeiner eigenen Stimm wie au Haufen und ſti wegged Orſini von hr Leute, einande zerſtrer ſtrengu die Or gebilde und S die er den er und al um na und vr als er Cecev dieſen und w halb 1 Schrit „J tino di mir fi den V ner ſeines das Volk Laßt den ni laut zu chimpfung iner Leute e Neben⸗ päpſtlicher ausdrück⸗ it der er⸗ 4 wechſeln?“ chwert hieb ch, zurück⸗ vertrat mit e den Weg. diejenigen en, um die nnen. r hat viele geſteckt, um hätte keinen in Anderer, in Schwert urchbhren. ſo in ſeiner 155 eigenen Stadt beſchimpft werden?“ ſchrieen mehrere Stimmen.„Nieder mit dem Frevler— nieder!“ und wie auf einen verabredeten Plan brach ein ganzer Haufen von dem Pöbel auf einmal durch die Gaſſe und ſtürzte wie ein Strom über Orfini und ſein hin⸗ weggedrängtes, ſchlecht zuſammen paſſendes Gefolge. Orſini ſelbſt ward mit Gewalt zu Boden geworfen und von hundert Füßen auf ihm herumgetreten; ſeine Leute, die, unter einander geworfen, eben ſo gegen einander, wie gegen den Pöbel kämpften, wurden zerſtrent und überwältigt, und als durch große An⸗ ſtrengung der Wachen, den Schmied an ihrer Spitze, die Ordnung wieder hergeſtellt und die Gaſſe wieder gebildet war, konnte Orſini, beinahe erſtickt vor Wuth und Scham, und von den groben Mißhandlungen, die er erlitten, übel zugerichtet, ſich kaum vom Bo⸗ den erheben. Die päpſtlichen Diener hoben ihn auf, und als er auf den Beinen war, ſah er ſich wild um nach ſeinem Schwerte, das ſeiner Hand entfallen und von dem Pöbel mit Füßen getreten worden war; als er es nicht erblickte, ſagte er zähneknirſchend zu Cecev del Vecchio:„Burſche, Dein Nacken ſoll für dieſen Schimpf büßen, oder ſoll Gott mich verlaſſen!“ und weiter ſchritt er durch die Geſſe, während ein halb unterdrücktes Jauchzen der Umſtehenden ſeinen Schritten folgte. „Platz da!“ rief der Schmied,„für Herrn Mar⸗ tinv di Porto, und möge es alles Volk wiſſen, daß er mir für Erfüllung meiner Pflicht in Gehorſam gegen den Vikar des Papſtes mit dem Tode gedroht hat!“ 196 „Das wagt er nicht!“ ſchrieen tauſend Stimmen; „das Volk kann die Seinigen beſchützen!“ Dieſer Auftritt entging dem Provenzalen nicht, der den Wind wohl nach dem Fliegen der Stroh⸗ halmen zu deuten wußte und aus der Kühnheit des Volkes zugleich ſah, daß ſie ſich eines nahen Stur⸗ mes bewußt waren.„Par Pieu,“ ſagte er, als er Adrian grüßte, der ernſt und ohne rückwärts zu blicken, jetzt die zu der Kirche führende Stufen erreicht hatte, „jener lange Burſche hat ein muthiges Herz und dazu noch viele Freunde. Was denkt Ihr,“ ſetzte er leiſe flüſternd hinzu,„iſt dieſer Auftritt nicht ein Beweis, daß die Edeln weniger ſicher ſind, als ſie wähnen?“ „Die Thiere fangen an, gegen den Sporn aus⸗ zuſchlagen, Herr Ritter,“ erwiderte Adrian;„ein kluger Reiter ſollte in einem ſolchen Falle darauf Bedacht nehmen, die Zügel nicht zu ſtraff anzuziehen, damit ſich das Thier nicht bäumt und ihn abwirft— doch das iſt eben die Politik, die Ihr empfehlt.“ „Ihr ſeid im Irrthum,“ verſetzte Montreal, mein Wunſch war, Rom einen Regenten zu geben, anſtatt der vielen Tyrannen,— aber horcht! was bedeutet dieſe Glocke?“ Die Ceremonie wird bald ihren Anfang nehmen,“ erwiderte Adrian.„Werden wir zuſammen in die Kirche gehen?“ Selten war ein Gott geweihter Tempel Zeuge eines ſo eigenthümlichen Schauſpieles, wie das, wel⸗ ches jetzt die feierlichen Räume des Lateran belebte. Mitten in der Kirche erhoben ſich amphitheg⸗ traliſch etwas! um vo große Mitte jetzt er Di fen be ein pu waren des Pe Biſcho den B Roms dem h Grade phithe weiſe Zeit ü Ei ger E — da purvot langſa aber: fachen Weſte nach 2 und Haupt Stimmen; alen nicht, e Str⸗ ihnheit des chen Stur⸗ er, als er zu blicken, eicht hatte, z und dazu tzte er leiſe ein Beweis, wähnen?“ porn aus⸗ rian;„ein alle darauf anzuziehen, abwirft— npfehlt.“ treal, mein en, atatt as bedeutet gnehmen,“ nen in die npel Zeuge das, wel⸗ an belebte. amphithea⸗ 197 traliſch Sitze, und an deren fernſtem Ende war ein etwas höheres Gerüſt; unter dieſem, aber hoch genug, um von allen geſehen werden zu können, ſtand eine große eiſerne Tafel mit einer alten Inſchrift; in ihrer Mitte war eine deutliche, hervorſtehende Deviſe, welche jetzt erklärt werden ſollte. Die Sitze waren mit Tüchern und reichen Stof⸗ fen bedeckt. In dem Hintergrunde der Kirche war ein purpurner Vorhang. Rings um das Amphitheater waren die Diener der Kirche in den bunten Livreen des Papſtes. Rechts von dem Gerüſte ſaß Raimund, Biſchof von Orvieto in ſeinen Staatskleidern. Auf den Bänken um ihn her ſah man alle Vornehmen Roms— die Richter, die Gelehrten, den Adel, von dem hohen Range der Savelli bis zu dem niederern Grade eines Raſelli. Der Raum anßerhalb des Am⸗ phitheaters war vom Volke angefüllt, das jetzt ſtrom⸗ weiſe hereindrang; hell und laut ertönte die ganze Zeit über die große Glocke der Kirche. Endlich, als Adrian und Montreal ſich in gerin⸗ ger Entfernung ſetzten, ſchwieg die Glocke plötzlich — das Gemurmel des Volkes hörte auf— der Pur⸗ purvorhang wurde zurückgezogen und Rienzi trat mit langſamem, majeſtätiſchem Schritte vor. Er kam— aber nicht in ſeinem gewöhnlichen, düſtern und ein⸗ fachen Anzug. über ſeiner breiten Bruſt trug er eine Weſte von blendender Weiße— ein langes Gewand, nach Art einer weiten Toga, reichte bis auf die Füße und ſchleppte auf dem Boden nach. Auf ſeinem Haupt trug er einen weißen Bund, in deſſen Mitte 198 eine goldene Krone ſchimmerte. Aber die Krone war getheilt, oder gleichſam geſpalten durch den myſtiſchen Zierrath eines ſilbernen Schwertes, welches die all⸗ gemeine Aufmerkſamkeit auf ſich zog und zugleich zeigte, daß er dieſe ſeltſame Tracht nicht aus Eitelkeit oder Gefallſucht angelegt habe, ſondern um der Verſamm⸗ lung in der Perſon eines Bürgers— ein Sinnbild von dem Zuſtande der Stadt zu geben, über den er ſich zu verbreiten im Begriffe ſtand. „Wahrhaftig,“ flüſterte ein alter Nobili ſeinem Nachbar zu,„der Plebejer tritt mit Anſtand auf.“ „Wats ſind das für Comödiantenſtreiche?“ ſagte ein Zweiter. „Das wird einen ſchönen Spaß geben,“ flüſterte ein Dritter.„Ich hoffe, der gute Mann wird auch einige Scherze in ſeine Rede mit einfließen laſſen.“ „Er iſt gewiß wahnſinnig!“ bemerkte ein Vierter. „Wie hübſch er iſt!“ ſagten die Frauen, die ſich unter der Menge befanden. „Das iſt ein Mann, der das Volk auswendig gelernt hat,“ bemerkte Montreal gegen Adrian.„Er weiß, er muß zu dem Auge ſprechen, um das Herz zu gewinnen, ein Schelm, ein ſchlauer Schelm!“ Jetzt hatte Rienzi das Gerüſt betreten; und als er lang und feſt in der Verſammlung umherblickte, brachte die hohe, gedankenvolle Ruhe ſeines majeſtä⸗ tiſchen Antlitzes, ſein tiefer und feierlicher Ernſt all das Gemurmel zum Schweigen; er machte auf den hohn⸗ lächelnden Adel denſelben Eindruck, wie auf das un⸗ geduldige Volk. „— Ihr,? wir h Biſcho dem 3 es ein Beziel in ihr wir z haben Räthſ nur d gehn! immer und e wenn Führe Wie, Altert was Irrth weſen det, fahre uns, ihre von eine hüche Krone war myſtiſchen es die all⸗ leich zeigte, telkeit oder Verſamm⸗ t Sinnbild ber den er bili ſeinem ſtand auf.“ he ſagte „ flüſterte wird auch en elaſſen.“ ein Vierter. en, die ſich auswendig drian.„Er ndas Herz chelm!“ nd als mherblickte, es majeſtä⸗ rErnſt all f den hohn⸗ uf das un⸗ „Ihr Herren von Rom,“ ſprach er endlich,„und Ihr, Freunde und Mitbürger, Ihr habt gehört, warum wir heute verſammelt ſind; und Ihr, mein Herr Biſchof von Orvieto,— und Ihr, Mitarbeiter auf dem Felde der Wiſſenſchaften,— auch Ihr wißt, daß es eine Sache betrifft, die mit dem alten Rom in Beziehung ſteht, deſſen vergangene Macht und Ruhm in ihrem Steigen wie in ihrem Fallen zu begreifen⸗ wir zur Aufgabe der Studien unſerer Jugend gemacht haben. Aber dies, glaubt mir, iſt kein bloßes gelehrtes Räthſel, das nur für den Gelehrten von Nutzen iſt,— nur die Todten betrifft. Laßt die Vergangenheit unter⸗ gehn!— laßt Finſterniß ſie bedecken!— laßt ſie für immer ſchlafen über den zuſammenſtürzenden Tempeln und einſamen Gräbern ihrer vergeſſenen Söhne,— wenn ſie uns nicht durch ihre enträthſelte Geheimniſſe Führerin werven kann für Gegenwart und Zukunft. Wie, meine Herren, Ihr habt gegkaubt, nur um des Alterthumes willen haben wir Tag und Nacht ſtudirt, was das Alterthum uns lehren kann! Ihr ſeid im Irrthum; es iſt nichts werth, zu wiſſen, was wir ge⸗ weſen ſind, wenn ſich nicht damit der Wunſch verbin⸗ det, zu wiſſen, was wir werden ſollen. Unſere Vor⸗ fahren ſind nur Staub und Aſche, wenn ſie nicht zu uns, ihren Nachkommen reden; und dann erſchallen ihre Stimmen nicht aus der Erde herauf, ſondern von dei Himmel herab. Es liegt in der Erinnerung eine Beredſamkeit, weil ſie die Amme der Hoffnung iſt. Die Vergangenheit iſt nur heilig durch die Jahr⸗ hücher, die ſie aufbewahren,— Jahrbücher von den Fortſchritten des Menſchengeſchlechtes,— Schritt⸗ ſteine für Geſittung, Freiheit, Wiſſenſchaft. Unſere Väter verbieten uns, zurückzugehen,— ſie lehren uns unſer rechtmäßiges Erbe kennen,— ſie gebieten uns, dieſes Erbe zurückzufordern, es zu vergrößern,— ihre Tugenden zu bewahren und ihre Irrthümer zu vermeiden. Dies iſt die wahre Nutzanwendung der Vergangenheit. Wie das heilige Gebäude, in wel⸗ chem wir uns befinden,— iſt ſie ein Grab, auf wel⸗ chem man einen Tempel errichten muß. Ich ſehe, daß Ihr Euch über dieſen langen Eingang verwundert; Ihr ſeht einander an— Ihr fragt, was daraus werden ſolle. Seht dieſe große Eiſenplatte; eine Inſchrift iſt darauf gegraben, aber erſt kürzlich hat man ſie unter den Haufen von Steinen und Trümmern aus⸗ gegraben, die— o Schande für Rom!— einſt Pa⸗ läſte des Kaiſerreiches und Bogen der triumphirenden Macht waren. Die Deviſe in der Mitte der Tafel, die Ihr ſeht, ſtellt die Handlung der römiſchen Se⸗ natoren vor,— welche dem Veſpaſian die kaiſerliche Würde übertragen. Um dieſe Inſchrift vorleſen zu hören, habe ich Euch eingeladen! Sie bezeichnet genau Ausdehnung und Grenzen der ſolchergeſtalt übertra⸗ genen Macht. Dem Kaiſer wurde die Macht anver⸗ traut, Geſetze zu geben und Bündniſſe zu ſchließen, mit welchen Nationen er es immer für gut fand,— die Grenzen der Städte und Diſtrikte zu erweitern oder zu verringern,— Männer— merkt hier auf, meine Herren!— zu dem Range von Herzogen und Königen zu erheben,— ja, und ſie abzuſetzen und der W vilegien nehmen Ja, je anvertr ich bitt ich? römiſch Volkes „J der Se ſtand, Silber „V der Be 8 ihn hä „R nen vr flüſtert Ri dieſe 6 zu! 2 Konnt men? meine Schlöf gend den ge die St Schriit⸗ ft. Unſere lehren uns bieten uns, ößern,— rthümer zu endung der „in wel⸗ „ auf wel⸗ Ich ſehe, erwundert; aus werden e Inſchrift at man ſie mern aus⸗ — einſt Pa⸗ nphirenden der Tafel, iſchen Se⸗ kaiſerliche vorleſen zu hnet genau lt übertra⸗ acht anver⸗ u ſchließen, ut fand,— erweitern t hier auf, rzogen und nſetzen und 201 der Würde zu entkleiden;— einem Orte die Pri⸗ vilegien einer Stadt zu ertheilen und ſie wieder zu nehmen; kurz, alle Eigenſchaften kaiſerlicher Macht. Ja, jenem Kaiſer wurde eine ſo ausgedehnte Macht anvertraut; aber von Wem? Habt Acht— horcht, ich bitte— verliert kein Wort,— von Wem, frage ich? von dem römiſchen Senate! Was war der römiſche Senat? Der Stellvertreter des römiſchen Volkes!“ „Ich wußte, daß er darauf kommen würde!“ ſagte der Schmied, der mit ſeinen Geſellen an der Thüre ſtand, zu deſſen Ohr aber rein und klar Rienzi's Silberſtimme drang. „Muthiger Burſche! und dies noch vor den Ohren der Barone.“ „Ja, da ſeht ihr, was das Volk war! und ohne ihn hätten wir das nie erfahren.“ „Ruhig, Leute!“ ſagte der Kirchendiener zu de⸗ nen von dem Haufen, welche ſich dieſe Worte zuge⸗ flüſtert hatten. Rienzi fuhr fort.—„Ja, das Volk war es, das dieſe Gewalt übertrug— dem Volke ſteht ſie daher zu! Maßte ſich der erhobene Kaiſer die Krone an? Konnte er nur ſo von ſich ſelbſt dieſe Macht anneh⸗ men? War ſie mit ihm geboren? Leitete er ſie, meine Herren Barone, von dem Beſitze befeſtigter Schlöſſer— von hoher Abkunft ab? Nein! allvermö⸗ gend wie er war, hatte er doch kein Recht auf nur den geringſten Theil von dieſer Macht, außer durch die Stimme und Uebertragung des römiſchen Volkes. So groß, meine Landsleute! ſo groß war ſelbſt zu der Zeit, wo die Freiheit nur noch ein Schatten von ihrem früheren Selbſt war,— ſo groß war das an⸗ erkannte Vorrecht Eurer Väter! Alle Gewalt kam vom Volke. Was habt Ihr jetzt zu verzeben? Wer, wer, frage ich,— welche einzige Perſon, welcher kleine Häuptling, fragt Euch wegen der Macht, die er ſich anmaßt? Sein Senat iſt ſein Schwert; ſein Freibrief iſt geſchrieben, nicht mit Tinte, ſondern mit Blut. Das Volk!— es gibt kein Volk! O! wollte Gott, daß wir eben ſo leicht den Geiſt der Vorzeit aus der Erde grüben, als ihre Denkmale!“ „Wenn ich Euer Vetter wäre,“ flüſterte Mon⸗ treal Adrian zu,„ich würde dieſem Manne kurze Ruhezeit zwiſchen dem Schluß ſeiner Rede und ſeiner Beichte geben.“ „Wer iſt Euer Kaiſer?“ fuhr Rienzi fort,„ein Fremder! Wer das große Haupt Eurer Kirche?— ein Verbannter! Ihr ſeid ohne Eure geſetzmäßigen Häupter, und warum? Weil Ihr nicht ohne Eure dem Geſetze hohnſprechende Thrannen ſeid! die Zü⸗ gelloſigkeit Eurer Edeln, Ihre Mißhelligkeiten, ihre Streite haben unſeren heiligen Vater von dem Erbe des heiligen Peters vertrieben;— ſie haben Eure Straßen mit Eurem eigenen Blute überſchwemmt; ſie haben die Frucht Eurer Arbeiten in Privatſtreiten und mit Unterhaltung gemietheter Räuber verſchwendet. Eure Kräfte haben ſich gegen Euch ſelbſt erſchöpft. Ihr habt aus Eurer Vaterſtadt, einſt die Beherrſcherin der Welt, ein Geſpötte gemacht. Ihr habt ihre Lippen in Gall auf ihr er, inde ſini um zuſchütte ihren H berden: kennen des Vol „Wie! die Hei niedrige ſer ein Ich ha das, w ich mei ich ſie werde eigenen — Lur ſelbſt zu hatten von r das an⸗ walt kam Wer, „welcher Racht, die wert; ſein ondern mit O! wollte er Vorzeit erte Mon⸗ nne kurze und ſeiner fort,„ein dirche?— etzmäßigen ohne Eure die Zü⸗ iten, ihre m Erbe des re Straßen ſie haben n und mit ndet. Eure pft. Ihr ſcherin der hre Lippen in Galle getaucht— Ihr habt eine Dornenkrone auf ihr Haupt geſetzt! Wie, meine Herren!“ ſatte er, indem er ſich heftig gegen die Savelli und Or⸗ ſini umwandte, die, bemüht, die geheime Furcht ab⸗ zuſchütteln, welche die feurige Beredſamkeit Rienzi's ihren Herzen eingeflößt, jetzt durch verächtliche Ge⸗ berden und höhniſches Lächeln das Mißfallen zu er⸗ kennen gaben, das ſie in Gegenwart des Vikars und des Volkes nicht laut werden zu laſſen wagten. „Wie! ſogar während ich ſpreche— hält Euch nicht die Heiligkeit dieſes Ortes im Zaume! Ich bin ein niedriger Mann— ein Bürger Roms;— aber die⸗ ſer einen Auszeichnung habe ich mich zu rühmen: Ich habe viele Feinde und Spötter mir erweckt für das, was ich für Rom gethan. Ich bin gehaßt, weil ich meine Vaterſtadt liebe; ich bin verachtet, weil ich ſie emporbringen wollte. Ich vergelte— ich werde gerächt werden. Drei Verräther in Euren eigenen Paläſten werden Euch verrathen: ſie heißen — Luxus, Neid und Zwietracht!“ „Der hat vernehmlich mit ihnen geſprochen!“ „Ha, ha! beim heiligen Kreuze, das war gut!“ „Ich ließe mich hängen um noch ſo einen kühnen Streich, wie der vorige!“ „Es iſt eine Schande, daß wir Memmen ſind, wenn ein Mann ſolchen Muth hat,“ ſagte der Schmied. „Der iſt der Mann, der uns immer fehlte!“ „Stille!“ rief der Beamte. „O, Römer!“ begann Rienzi leidenſchaftlich wie⸗ der,„erwacht! Ich beſchwöre Ench! Laßt dieſe Erin⸗ nerung an Eure frühere Macht, Eure früheren Frei⸗ heiten ſich tief in Eure Seelen ſenken. In einer glücklichen Stunde, wenn ihr ſie ergreift, in einer ſchlimmen, wenn Ihr die goldene Gelegenheit ent⸗ ſchlüpfen laßt, iſt dieſe Erinnerung an die Vergan⸗ genheit Euren Augen geoffenbart worden. Erinnert Euch, daß das Jubiläum herannaht.“ Der Biſchof von Orvieto lächelte und nickte bei⸗ fällig; das Volk, die Bürger, der niedere Adel be⸗ merkten wohl dieſe Zeichen der Aufmunterung, und nach ihrem Dafürhalten ſah der Papſt ſelbſt in der Perſon des Vikars wohlwollend auf Rienzi's Kühnheit. „Das Jubiläum naht heran— die Augen der ganzen Chriſtenheit richten ſich hierher. Sollen hier, wohin Menſchen von allen Enden der Welt kommen, um den Frieden zu holen, ſie Zwietracht finden? Wäh⸗ rend ſie Abſolution ſuchen, ſollen ſie nur Verbrechen ſehen? In dem Mittelpunkte von Gottes Herrſchaft, ſollen ſie weinen über Eure Schwäche? Am Sitze der heiligen Märtyrer, ſollen ſie ſchaudern über Eure Laſter? An der Quelle chriſtlicher Geſetze, ſollen ſie alle Ge⸗ ſetze verachtet ſehen? Ihr waret der Ruhm der Welt, wollt Ihr ihr Sprüchwort werden? Ein Beiſpiel waret Ihr für ſie, wollt Ihr eine Warnung werden? Erhebt Euch, während es noch Zeit iſt— ſäubert Eure Straßen von den Banditen, welche ſie unſicher machen! Eure Mauern von den Miethlingen, die ſie beherbergen! Verbannt dieſe bürgerlichen Zwiſte oder die Männer — wie ſtolz, wie groß ſie auch ſein mögen, welche ſie unterhalten! Reißt die Wagſchale aus der Hand des Betri that! W Gerechtig Eure hol jeden, de räther a größer a ſelbſt! Z Roms! d aufrichtu menfaller ſchaften Freiheit umſchließ haben 2 Opfer d Der rern her Sturme und über geſtiegen war, hin merkte, Die — wie e dem Aug ausgerich Kraft. kam den einer Ei eren Frei⸗ In einer in einer heit ent⸗ Vergan⸗ Erinnert nickte bei⸗ Adel be⸗ ung, und bſt in der Kühnheit. Augen der ollen hier, t kommen, en? Wäh⸗ Verbrechen Herrſchaft, Sitze der ure Laſter? e ale Ge⸗ der Welt, ſpiel waret n? Erhebt re Straßen e Eure herbergen! e Männer en, welche der Hand 205 des Betrugs! vas Schwert aus der Hand der Gewalt⸗ that! Wage und Schwert ſind die alten Attribute der Gerechtigkeit! gebt ſie ihr wieder zurück! Dies ſei Eure hohe Aufgabe, pies Euer großes Ziel! Haltet jeden, der ſich Euch hierin widerſetzt, für einen Ver⸗ räther an ſeinem Vaterlande. Erringt einen Sieg, größer als die der Cäſaren— den Sieg über Euch ſelbſt! Zeigt den Pilgern ver Welt die Auferſtehung Roms! das Jubiläum der Religion und die Wieder⸗ aufrichtung der Geſetze laßt in eine Epoche zuſam⸗ menfallen! Leget das Opfer Eurer beſiegten Leiden⸗ ſchaften— die Erſtlingsfrüchte Eurer wieder auflebenden Freiheit— auf eben den Altar, den dieſe Mauern umſchließen! und nie! o nie! ſeit Anbeginn der Welt haben Menſchen ihrem Gotte ein wohlgefälligeres Opfer vargebracht!“ Der Eindruck, den vieſe Worte unter den Zuhö⸗ rern hervorbrachten, war ſo groß— die dadurch mit Sturm eingenommenen Seelen blieben ſo athemlos und überwältigt, daß Rienzi von dem Gerüſt herab⸗ geſtiegen und ſchon hinter dem Vorhang verſchwunden war, hinter dem er hervortrat, ehe die Menge recht merkte, daß er aufgehört hatte. Die Eigenthümlichkeit dieſer plötzlichen Erſcheinung — wie er in ſo räthſelhaftem Glanze erſchien und in dem Augenblicke wieder verſchwand, wo ſeine Botſchaft ausgerichtet war— verlieh ſeinen Worten noch höhere Kraft. Der ganze Charakter vieſer kühnen Rede be⸗ kam den Anſchein von etwas übernatürlichem, von einer Eingebung; für den Verſtand des Volkes war 206 der Sterbliche in ein Orakel verwandelt, und in der Bewunberung des rückhaltloſen Muthes, mit welchem ihr Abgott die ſtolzen Barone getadelt und beſchworen hatte— deren jeden ſie als einen feierlich beſtätigten Scharfrichter betrachteten, deſſen Grimm ſich augen⸗ blicklich durch Galgen oder Beil offenbaren konnte— konnte ſich das Volk nur abergläubiſch einbilden, daß nichts Geringeres, als Einfluß von oben ihrem Führer ſolche Kühnheit verliehen und ihn vor der Gefahr, der er entgegenging, beſchützt habe. In der That war in eben dieſem Muthe Rienzie's ſeine Sicherheit begründet; er ſah ſich in eine Lage verſetzt, wo Kühn⸗ heit Klugheit wird. Wäre er weniger dreiſt geweſen, ſo wären die Adeligen trotziger geworden; aber eine ſolche Freiheit der Sprache an einem Diener des hei⸗ ligen Stuhls erſchien ihnen natürlich gebilligt durch die Zuſtimmung des Papſtes ſowohl, wie auch durch den Beifall des Volkes. Diejenigen, welche nicht, wie Stephan Colonna, Worte als Wind verachteten, ſchracken vor dem Gedanken zurück, einen Mann zu beſtrafen, deſſen Worte der bloße Wiederhall von den Wünſchen des Papſtes ſein mochten. Die Uneinigkeiten der Ade⸗ ligen untereinander waren für Rienzi nicht minder günſtig. Er griff einen Körper an, deſſen einzelne Glieder nicht zuſammenhielten. „Es iſt nicht meine Pflicht, ihn zu verderben!“ ſagte der Eine. „Ich bin nicht der Vertreter der Barone!“ ſagte ein Anderer. „Wenn Stephan Colonng nicht Acht auf ihn hat, wäre es gefährlich werfen!“ Die 6 Orfini a Beredſam derere Ad teien, n vurch die men hatt heißen. tadelte e immer ſe lichen Vi daß der heit und Tollkühn Als Betäubu ſahen ſie verriethe die ihner „Pel überſteig gangen! „Se gaffen— ſie nach Todfeint ſamer C nd in der t welchem eſchworen eſtätigten ch augen⸗ konnte— lden, daß em Führer rGefahr, der That Sicherheit wo Kühn⸗ geweſen, aber eine rdes hei⸗ ligt durch uch durch nicht, wie ſchracken beſtrafen, Wünſchen er Ade⸗ t minder neinzelne rderben!“ e!“ ſagte ihn hat, 207 wäre es für einen Geringeren eben ſo thöricht, wie gefährlich, ſich zum Verfechter der Ordnung aufzu⸗ werfen!“ ſagte ein Dritter. Die Colonna lächelten beifällig, wenn Rienzi einen Orfini anklagte— ein Orſini lachte laut, wenn ſeine Beredſamkeit gegen einen Colonna losbrach. Der nie⸗ derere Adel freute ſich über die Angriffe auf beide Par⸗ teien, während guf der andern Seite der Biſchof vurch die lange Ungeſtraftheit Rienzi's Muth bekom⸗ men hatte, das Benehmen ſeines Mitbeamten gut zu heißen. Er gab ſich zwar bisweilen den Anſchein, als tadelte er ſeine übermäßige Hitze, lobte aber dabei immer ſeine redliche Abſicht; der Beifall des päpſt⸗ lichen Vikars beſtärkte die Adeligen in der Annahme, daß der Papſt ſelbſt dieſe Geſinnungen billige. Sicher⸗ heit und Erſolg Rienzi's wurden ſo gerade durch die Tollkühnheit ſeines Enthuſtasmus geſteigert. Als die Barone indeſſen ſich ein wenig von der Betäubung erholt, in welches Rienzi ſie verſetzt hatte, ſahen ſie ſich der Reihe nach einander an; ihre Blicke verriethen, ꝛaß ſie den übermuth des Redners und die ihnen geſagten Beleidigungen verſtanden hatten. „Per fede!“ ſagte Reginaldo di Orſini,„dies überſteigt alle Geduld— der Plebejer iſt zu weit ge⸗ gangen!“ „Seht das Volk unten! wie ſie murmeln und gaffen— wie ihre Augen funkeln— und welche Blicke ſie nach uns werfen!“ ſagte Luca di Savelli zu ſeinem Tovfeinde Caſtrucciv Malateſta; das Gefühl gemein⸗ ſamer Gefahr verſöhnte in einem Augenblicke, aber 208 auch nur für einen Augenblick, die jahrelange Feind⸗ ſchaft. „Diavolo!“ raunte Raſelli(Nina's Vater) einem eben ſo armen Baron zu,„aber der Schreiber hat Wahrheit auf den Lippen. Schade, daß er kein Ade⸗ liger iſt.“ „Was ſür ein tüchtiger Kopf geht dadurch ver⸗ loren!“ ſagte ein florentiniſcher Kaufmann.„Der Mann könnte etwas werden) wenn er reich genug wäre.“ Adrian und Montreal ſchwiegen: der Erſtere ſchien in Gedanken verloren, der Letztere beobachtete die ver⸗ ſchiedenartigen auf die Zuhörer hervorgebrachten Ein⸗ drücke. „Stille!“ riefen die Officianten.„Stille für den Herrn Vikar.“ Bei dieſer Ankündigung wandten ſich Aller Augen auf Raimund, der ſich mit viel geiſtlicher Wichtigkeit erhob und zu der Verſammlung alſo ſprach:— „Obgleich, Edle und Bürger Roms, meine viel⸗ geliebte Heerde und Kinder,— obgleich ich eben ſo wenig, wie Ihr, genau die Beſchaffenheit der ſo eben gehörten Rede vorausſah,— und wiewohl ich keine lautere Zufriedenheit über die Form und, kann ich ſagen, über den ganzen Inhalt der feurigen Ermah⸗ nung empfinde,— kann ich dennoch(und er legte großen Nachdruck auf das letztere Wort) Euch nicht ſcheiden laſſen, ohne den Bitten des Dieners unſeres heiligen Vaters auch die des geiſtlichen Stellvertreters Seiner Heiligkeit beizufügen. Es iſt wahr! vas Ju⸗ biläum naht heran! Das Jubiläum naht heran— und noch Thore vr bern ver! penninen Petrus a Schande tären ke ſamen v die Kühn Alle, Bi unglückli Macht u die Bant bindend, räuber zt ren, Vie ſind; ab an den erwachſer es ſei m Euern C Vertheidi Unte der Rich Menſchet dieſen A ten ſtolz laten unt Schweigt Bulw uge Feind⸗ ter) einem reiber hat kein Ade⸗ durch ver⸗ „Det ug wäre.“ ſtere ſchien te die ver⸗ hten Ein⸗ e für den ler Augen Lichtigkeit eine viel⸗ eben ſo r ſo eben ich keine kann ich Ermah⸗ er legte ich nicht unſeres ertreters das Ju⸗ ran— 209 und noch werden unſere Straßen, ſogar bis an die Thore von Rom, von mörberiſchen und gottloſen Räu⸗ bern verheert! Welcher Pilger wird ſich über die Ap⸗ penninen wagen, um an den Altären des heiligen Petrus anzubeten? Das Jubiläum naht heran; welche Schande wird es für Rom ſein, wenn az dieſen Al⸗ tären keine Pilger erſcheinen— wenn die Furcht⸗ ſamen vor den Gefahren der⸗Reiſe zurückbeben und die Kühnen als Opfer fallen! Deßhalb bitte ich euch Alle, Bürger und Edle,— ich bitte Euch Alle, dieſe unglücklichen Fehden ruhen zu laſſen, die ſo lange die Macht unſerer Stadt aufgerieben haben, und, durch die Bande der Freundſchaft und Bruderliebe Euch ver⸗ bindend, einen geſegneten Bund gegen die Straßen⸗ räuber zu ſchließen. Ich ſehe unter Euch, Ihr Her⸗ ren, Viele, die der Stolz und die Pfeiler des Staates ſind; aber ach! mit Kummer und Schrecken denke ich an den grundloſen und eitlen Haß, der zwiſchen Euch erwachſen iſt!— ein Argerniß für unſere Stadt, das, es ſei mir erlqubt zu ſagen, kein ehrenhaftes Licht auf Euern Chriſtenglauben, noch auf Eure Würdigkeit als Vertheidiger der Kirche wirft.“ Unter dem niederen Adel— entlang den Sitzen der Richter und Gelehrten— durch die ungeheure Menſchenmaſſe erſcholl lautes Beifallsgemurmel bei dieſen Worten. Die vornehmeren Barone betrachte⸗ ten ſtolz, aber nicht verächtlich das Antlitz des Prä⸗ laten und beobachteten ein ſtrenges, undurchdringliches Schweigen. Bulwer, Rienzi. I. 14 210 „An dieſem heiligen Orte,“ fuhr der Biſchof fort, „laßt mich Euch bitten, dieſe nutzloſen Feindſeligkei⸗ ten zu begraben, die ſchon Gut und Blut genug ge⸗ koſtet; laßt uns mit dem gemeinſamen Entſchluſſe, unſeren Muth zu erproben und unſere Tapferkeit nur gegen unſere gemeinſchaftlichen Feinde zu bewähren, — dieſe Schurken, welche unſere Felder verwüſten und unſere Straßen unſicher machen,— die Feinde des Volkes, das wir beſchützen, und des Gottes, dem wir dienen ſollen— aus dieſen Mauern ſcheiden!“ Der Biſchof nahm ſeinen Sitz wieder ein; die Edeln ſahen einander ſtumm an; das Volk begann laut un⸗ ter ſich zu flüſtern, als nach einer kleinen Weile Adrian di Caſtello ſich erhob. „Verzeiht mir, meine Herren, und Ihr, ehr⸗ würdiger Vater, wenn ich, trotz meiner Jugend, mei⸗ ner Unerfahrenheit und meinem geringen Anſehen oder Bedeutung unter Euch, mir herausnehme, der Erſte zu ſein, der freudig den eben vernommenen Vorſchlag annimmt. Gerne entſage ich allen alten Feindſchaften mit irgend welchem meiner Standesgenoſſen. Zum Glücke für mich hat meine lange Abweſenheit von Rom die meiner frühen Jugend vertrauten Fehden und Eifer⸗ ſüchteleien aus meinem Gedächtniſſe verwiſcht; und in dieſer edeln Verſammlung ſehe ich nur einen Mann (hier blickte er auf Martino di Porto, der finſter vor ſich hinblickte), gegen den ich einmal mein Schwert zu ziehen für Pflicht hielt; der Handſchuh, den ich einſt dieſem Edeln hinwarf, iſt, ich freue mich bei dem Gedanken, noch nicht ausgelöst. Ich nehme ihn gehorch tes hinz Euch, gen gel hört. haben unglück nicht z beſſern fortan triciers ſo ehe dienen. „E lächeln iſchof fort, indſeligkei⸗ genug ge⸗ Entſchluſſe, ferkeit nur bewähren, vüſten und Feinde des „dem wir en!“ die Edeln tlaut un⸗ ile Adrian Ihr, ehr⸗ en, mei⸗ ſehen oder der Erſte Vorſchlag noſchaften n. Zum von Rom ind Eifer⸗ t; und in en Mann inſter vor Schwert „den ich mich bei ehme ihn 211 zurück. Von jetzt an ſeien meine Feinde nur noch die Feinde Roms!“ „Edel geſprochen,“ ſagte der Biſchof laut. „Und,“ fuhr Adrian fort, indem er ſeinen Hand⸗ ſchuh unter die Adeligen warf,„ich werfe ſomit, meine Herren, den wieder zurückgenommenen Hanvſchuh un⸗ ter Euch Alle als Aufforderung zu einem edleren Wett⸗ ſtreite auf einem edleren Felde. Ich lade Jeden ein, mit uns in dem Beſtreben zu wetteifern, Sicherheit auf unſeren Straßen und Ordnung in unſerer Stadt herzuſtellen. Es iſt dies ein Kampf, in welchem ich, wenn ich trotz meiner Anſtrengung beſiegt werde, den Preis ohne Neid hingeben werde. In zehn Tagen, von heute an, ehrwürdiger Vater, will ich vierzig bewaffnete Reiter ſtellen, bereit, jedem Befehle zu gehorchen, der auf die Sicherheit des römiſchen Staa⸗ tes hinzielt. Und Ihr, o Römer, verbannt, ich bitte Euch, aus Euren Gemüthern die beredten Schmähun⸗ gen gegen Eure Mitbürger, welche Ihr ſo eben ge⸗ hört. Alle unter uns, von welchem Stande auch, haben Antheil gehabt an den Ausſchweifungen dieſer unglücklichen Zeiten; laßt es unſer Beſtreben ſein, nicht zu rächen oder nachzuahmen, ſondern zu ver⸗ beſſern und ſie zu vereinigen. Und möge das Volk fortan erkennen, wie der wahre Stolz des Pa⸗ trieiers darin beſteht, daß ſeine Macht ihn um ſo eher in den Stand ſetzt, ſeinem Vaterlande zu dienen.“ „Schöne Worte!“ ſagte der Schmied, höhniſch lächelnd. 212 „Wenn ſie Alle wären, wie Er!“ ſagte des Schmieds Nebenmann. „Er hat den Großen aus der Klemme geholfen,“ ſagte Pandulpho. „Er hat grauen Witz unter jungen Haaren ge⸗ zeigt, ſagte ein bejahrter Malateſta. „Ihr habt die Flut abgewandt, aber nicht gedämmt, edler Adrian,“ ſagte der immer ſeine Bemerkungen machende Montreal, als unter allgemeinem Beifalls⸗ gemurmel der junge Colonna ſeinen Sitz wieder ein⸗ nahm. „Wie meint Ihr das?“ fragte Adrian. „Daß Eure ſanften Worte, wie alle Verſöhnungs⸗ verſuche der Patricier zu ſpät kamen.“ Kein anderer Adeliger ſtand auf, obgleich ſie ſich vielleicht geneigt fühlten, in die allgemeine Vergebung mit einzuſtimmen, und durch Zeichen und Flüſtern Adrians Worten Beifall zu geben ſchienen. Sie waren zu ſehr an einen widrigen, ungelehrten Stolz gewöhnt, als daß ſie ſich herabgelaſſen hätten, eine verſöhnliche Sprache entweder gegen vas Volk, oder gegen ihre Feinde anzunehmen. Und Raimund, der umher blickte und nicht wollte, daß ihr unziemliches Schweigen lunge bemerkt würde, erhob ſich auf einmal, um demſelben die beſte Deutung zu geben, deren er fähig war. „Mein Sohn, Du haſt als Freund des Vaterlandes, wie als Chriſt geſprochen; das beifüllige Schweigen Deiner Standesgenoſſen ſagt uns, daß ſie Deine Ge⸗ ſinnungen theilen. Heben wir die Verſammlung auf — ihr Zweck iſt erreicht. Die Art und Weiſe unſeres träger beſorgt die ſich feindſel durch Lärm, feindlic ſtrengu zur Or Ab tete W forderu merkun Stande Kreuzz guten ſeid di muß!“ haltun geſtieg beſſern Schmieds eholfen,“ aren ge⸗ gedämmt, terkungen Beifalls⸗ eder ein⸗ öhnungs⸗ ch ſie ſich ergebung Flüſtern ie waren gewöhnt, ſöhnliche gen ihre er blickte gen lunge emſelben war. erlandes, chweigen eine Ge⸗ lung auf e unſeres 213 Verfahrens gegen die verbündeten Räuber der Land⸗ ſtraße erfordert anderweitige, reifliche überlegung. Dieſer Tag wird in unſerer Geſchichte Epoche machen.“ „Das wird er,“ knirſchte Ceccv del Veechio mür⸗ riſch zwiſchen den Zähnen. „Kinder, meinen Segen Euch Allen!“ ſchloß der Vikar mit ausgebreiteten Armen. Wenige Minuten ſpäter ſtrömte die Menge aus der Kirche. Die verſchiedenen Diener und Banner⸗ träger ordneten ſich auf den Stufen außen, jeder Zug beſorgt um den Vortritt ſeines Herrn; und die Edeln, die ſich ernſt in kleine Truppen ſammelten, daß kein feindſeliges Blut zuſammenkam, folgten der Menge durch die Kirchenflügel. Bald erhob ſich wieder der Lärm, und das Geſchrei, das Zanken und Fluchen der feindlich geſinnten Banden, als mit Mühe und An⸗ ſtrengung die Diener des Vikars ſie ſehr unordentlich zur Ordnung anhielten. Aber ſo wahr waren Montreals an Adrian gerich⸗ tete Worte, daß das Volk ſchon halb die edle Auf⸗ forderung des jungen Nobili vergaß und bittere Be⸗ merkungen über das unziemliche Schweigen ſeiner Standesgenoſſen machte. Was war auch für ſie der Kreuzzug gegen die Straßenräuber? Sie tadelten den guten Biſchof, daß er nicht keck den Edeln ſagte;„Ihr ſeid die erſten Räuber, gegen die man zu Felde ziehen muß!“ die Unzufriedenheit des Volkes hatte ſolche Hin⸗ haltungsmittel überſchritten; ſie war auf den Punkt geſtiegen, wo das Volk nicht ſowohl nach einer Ver⸗ beſſerung, als nach einem Wechſel ſich ſehnte. Es 2¹4 gibt Zeiten, wo man eine Revolutivn nicht abwenden kann; ſie muß kommen— kommen entweder in Folge von Widerſtand oder Nachgiebigkeit. Wehe dem Ge⸗ ſchlechte, welchem eine Revolution keine Früchte bringt — wo der Blitz durch die oberen Räume zuckt, aber die Luft nicht reinigt. Vergebens dulden, iſt oft das Loos der edelſten Menſchen; wenn aber ein Volk ver⸗ gebens duldet, mag es ſich ſelbſt verfluchen! — Viertes Kapitel. Der ehrgeizige Bürger und der ehrgeizige Soldat. Der Biſchof von Orvieto zögerte am längſten, um mit Rienzi zu ſprechen, der ihn an einem dem Publikum nicht zugänglichen Orte des Lateran erwar⸗ tete. Raimund war verſtändig genug, um ſich nicht zu dem Glauben verleiten zu laſſen, der letzte Auf⸗ tritt könne eine Sinnesänderung unter den Adeligen hervorbringen, ihre Spaltungen heilen, oder ſie zu thätiger Bekämpfung der Verheerer der Campagna veranlaſſen. Als er aber Rienzi Alles genan berich⸗ tete, was nach dem Abtreten dieſes Helden von der Bühne vorgefallen war, ſchloß er mit den Worten: „Ihr werdet aus dem Geſagten ſehen, ein gutes Re⸗ ſultat wird ſich ergeben; der erſte Streit mit den Waffen in der Hand— der erſte Kampf unter dem Adel— wird als Bruch eines Verſprechens erſcheinen, für Volk und Papſt ein gültiger Grund ſein, an aller Beſſerung der Barone zu verzweifeln— ein Grund, der die überdie bei eine ſterten Wirkun Nie ſol zeichnur bei ſole dieſe A „D tete Ra deten D Euren Ei das he ſchweig Stund vorang Hier abwenden r in Folge dem Ge⸗ chte bringt zuckt, aber iſt oft das Volk ver⸗ oldat. längſten, einem dem an erwar⸗ ſich nicht letzte Auf⸗ Adeligen der ſie zu Campagna au berich⸗ n von der Worten: gutes Re⸗ mit den unter dem erſcheinen, „an aller in Grund, ver die Bemühungen des Erſteren und die Zuſtimmung des Letzteren rechtfertigen wird.“ „Auf einen ſolchen Kampf werden wir nicht lange warten,“ erwiderte Rienzi. „Ich glaube der Prophezeihung,“ antwortete Rai⸗ mund lächelnd;„für jetzt geht Alles gut. Geht Ihr mit uns heimwärts?“ „Nein, ich halte es für beſſer, hier zu verweilen, bis die Menge ſich gänzlich zerſtrent; denn wenn ſie in ihrer jetzigen Aufregung mich erblicken, möchten ſie auf ein raſches, voreiliges Unternehmen dringen. überdies, mein Herr,“ fügte Rienzi hinzu,„ muß man bei einem unwiſſenden, wenn gleich redlichen und begei⸗ ſterten Volke ſtrenge die Regel feſthalten: Schwäche die Wirkung Deines Auftretens nicht durch Gewohnheit. Nie ſollten Männer, wie ich, die keine äußere Aus⸗ zeichnung haben, unter der Menge erſcheinen, außer bei ſolchen Gelegenheiten, wo der Geiſt ſelbſt eben dieſe Auszeichnung wird.“ „Das iſt wahr, da Ihr kein Gefolge habt,“ antwor⸗ tete Raimund und dachte dabei an ſeine ſtattlich geklei⸗ veten Diener.„Adien denn! wir ſehen uns bald wieder.“ „Ja, bei Philippi, mein Herr. Ehrwürdiger Vater, Euren Segen!“ Einige Zeit nach dieſem Geſpräche verließ Rienzi vas heilige Gebäude. Als er auf der Treppe der jetzt ſchweigenden und verlaſſenen Kirche ſtand, lieh die Stunde, welche der kurzen Dämmerung des Südens vorangeht, der Anſicht vor derſelben ihren Zauber. Hier ſah er die prächtigen Bogen der gewaltigen 216 Waſſerleitung ſich weithin ausdehnen, begrenzt durch die fernen, purpurnen Hügel. Vor ihm— zur Rech⸗ ten— erhob ſich das Thor, das ſeinen römiſchen Namen von dem cöliſchen Berge erhielt, an deſſen Abhang es noch ſteht. In der Ferne ſah er— von der Höhe der Stufen herab— die durch die graue Campagna zerſtrenten Ortſchaften, weiß durch die ſchrägen Sonnenſtrahlen glänzen, und in der wei⸗ teſten Entfernung begannen die Bergſchatten über den Dächern des alten Tusculum und des zweiten Alba⸗ zu dunkeln, welches noch in öder Vernachläſſigung über den verſchiedenen Paläſten von Pompejus und Domitian ſich erhebt. Der Römer ſtand einige Zeit, in Gedanken ver⸗ tieft, regungslos da, betrachtete das Schauſpiel und athmete den ſüßen Balſam der milden Luft ein. Es war die liebliche Frühlingszeit— die Jahreszeit der Blumen, der grünen Blätter und ber liſpelnden Winde — der Hirtenmai von Italiens Dichtern; aber es ſchwieg die Stimme des Geſanges an den Ufern der Tiber— das Rohr gab keine Muſik mehr von ſich. Von dem heiligen Berge, wo Saturn hauste, waren die Dryaden und Nymphen und Italiens heimathlicher Sylvan für immer geſchieden. Rienzi's eigenthümliches Weſen— ſeine Begeiſterung— ſeine Verehrung für die Vorzeit— ſeine Vorliebe für das Schöne und *Das erſte Alba— Alba Longa— peſſen Gründung die Fabel dem Ascanius zuſchreibt, wurde von Tullus Hoſtilius zerſtört. Das zweite Alba, das heutige Albano, wurde kurze Zeit vor Nero in der Ebene unter der alten Stapt erbaut. Große— Pracht, einen ſo zenden u ſtrömten taſtiſchen von blicke an „Glü er,„wen die Welt was mich weil ich machen ke mein! zu reden zeugen Zeiten die er renzt durch zur Rech⸗ römiſchen an deſſen er— von die graue durch die der wei⸗ n über den ten Alba“ hläſſigung pejus unb nken ver⸗ ſpiel und ein. Es eszeit der en Winde aber es tfern der von ſich. , waren athlicher ümliches ung für öne und dung die Hoſtilius rde kurze aut. Große— ſelbſt die Anhänglichkeit an Anmuth und Pracht, welche der rauhen Wirklichkeit des Lebens einen ſo blühenden Charakter verleihen und welche die Macht ſpäter nur zu üppig hervortreten ließ; die Fülle von Gedanken und Bildern, die in einer ſo glän⸗ zenden und nie verſiegenden Flut von ſeinen Lippen ſtrömten— Alles verrieth die intellektuellen und phan⸗ taſtiſchen Kräfte, welche ihn in ruhigeren Zeiten in der Literatur zu einer unbeſtreitbaren Höhe erhoben haben würden, als wozu die That je führt, und etwas von einem ſolchen Bewußtſein zog in dieſem Augen⸗ blicke an ſeinem Geiſte vorüber. „Glücklicher wäre es für mich geweſen,“ dachte er,„wenn ich nie aus meinem eigenen Herzen auf die Welt hinausgeblickt hätte. Ich hatte in mir Alles, was mich mit der Gegenwart zufrieden machen konnte, weil ich das beſaß, was mich die Gegenwart vergeſſen machen konnte. Ich hatte die Macht, wieder zu bevölkern — zu erſchaffen; die Sagen und Träume des Alterthums — das göttliche Talent des Verſes, in das der ſchöne überfluß des Herzens ſich ergießen kann— das war mein! Petrarka wählte weiſe für ſich ſelbſt! Zur Welt zu reden, aber ſelbſt außerhalb derſelben, zu über⸗ zeugen— zu erregen— zu befehlen— denn dies iſt ja Ziel und Ruhm des Ehrgeizes— aber zu fliehen ihr Getümmel und ihre Mühen! Sein iſt die ruhige Zelle, die er anfüllt mit den Bildern der Schönheit — die Einſamkeit, aus welcher er die ſchlimmen Zeiten verbannen kann, in die wir gefallen ſind, in die er ſich aber die großen Herzen und die glorreichen * — ————— 218 Epochen der Vergangenheit zurückzuträumen vermag. und ich— mit welchen Sorgen bin ich beſchwert! an welche Arbeiten bin ich gekettet; welche Werkzeuge muß ich gebrauchen! welche Vermummungen muß ich annehmen! Zu Schlingen und Kunſtgriffen muß ich meinen Stolz beugen! nieverträchtig ſind meine Feinde — unbeſtändig meine Freunde! Und wahrlich, in dieſem Kampfe mit verblendeten und gemeinen Menſchen wird die Seele ſelbſt verkrüppelt und zwerghaft. Geduldig und im Dunkeln kriechen die Mittel durch Höhlen und beſudelnden Schlamm, um endlich das Licht, den Zweck zu erreichen.“ In dieſen Betrachtungen lag eine Wahrheit, deren ganze Düſterheit und Schwermuth der Römer noch nicht erfahren hatte. Wie erhaben auch das Ziel iſt, vas wir uns ausſtecken, jeder weniger würdige Schritt, den wir machen, um uns deſſelben zu vergewiſſern, verzerrt das geiſtige Bild unſeres Ehrgeizes, und nach und nach erniedrigen die Mittel den Zweck zu ihrem eigenen Maße. Dies iſt das wahre Unglück eines Mannes, der edler iſt, als ſeine Zeit— daß die Werkzeuge, deren er ſich bedienen muß, ihn ſelbſt beſchmutzen; halb verbeſſert er ſeine Zeit, halb wird aber auch der Verbeſſerer durch die Zeiten verdorben. Seine eigene Liſt untergräbt ſeine Sicherheit— das Volk, das er ſelbſt an eine falſche Aufregung gewöhnt, fordert ſie immerwährend mit Ungeſtüm, und wenn ſein Führer aufhört, ſeine Phantaſie zu verführen, ſo fällt er als ſein Opfer. Die Verbeſſerung, welche er durch dieſe Mittel zu Stande hringt, iſt hohl und momentan ſagte eine „Ich Rienzi, de geredet, u ſchem We „Ihr real;„do leicht unſ trifft, ſo Euch beke „Mö neten; in Ihr zu „Geh real ſtolt Magnate n vermag. beſchwert! Werkzeuge en muß ich t muß ich ine Feinde in dieſem ſchen wird Geduldig öhlen und den Zweck eit, deren mer noch Ziel iſt, e Schritt, gewiſſern, und nach zu ihrem tannes, erkzeuge, chmutzen; auch der ne eigene „das er rdert ſie n Führer llt er als rch dieſe omentan 219 — mit ihm ſelbſt wird ſie hinweggeſchwemmt; es war nur das Spiel— das Gepränge— das verſchwen⸗ dete Genie eines Verſchwörers; der Vorhang fällt— der Zauber iſt vvrüber— das Bilboket wird bei Seite geworfen. Beſſer einen langſamen Schritt zur Auf⸗ klärung— der, durch die Vernunft eines ganzen Volkes gemacht, nicht rückgängig werden kann— als dieſes plötzliche Aufflackern in der Tiefe der allgemeinen Nacht, welches die durch den Gegenſatz doppelt ſchwarze Fin⸗ ſterniß wieder für ewig verſchlingt. Als ſich Rienzi langſam und nachdenkend abwandte, um die Kirche zu verlaſſen, fühlte er ſich leicht an der Schulter berührt. „Schönen guten Abend Euch, Herr Gelehrter,“ ſagte eine fränkiſche Stimme. „Ich erwidere Euch die Höflichkeit,“ antwortete Rienzi, den Mann anſtarrend, der ihn ſo plötzlich an⸗ geredet, und an deſſen weißem Kreuze und kriegeri⸗ ſchem Weſen der Leſer den Johanniterritter erkennt. „Ihr kennt mich nicht, denke ich?“ ſagte Mont⸗ real;„doch das thut nichts zur Sache; wir können leicht unſere Bekanntſchaft anfangen; was mich be⸗ trifft, ſo bin ich zwar ſchon ſo glücklich, mich mit Euch bekannt gemacht zu haben.“ „Möglich, daß wir uns ſchon anderswo begeg⸗ neten; im Hauſe eines der Barone, zu deren Stand Ihr zu gehören ſcheint?“ „Gehören! nein, nicht ſo ganz!“ verſetzte Mont⸗ real ſtolz.„So hochgeboren und groß ſich auch Eure Magnaten dünken, möchte ich doch, ſo lange die Berge 220 nur noch einen Fuß breit freien Bodens für mich haben, meine Stelle auf der Stufenleiter der Welt nicht mit der ihrigen vertauſchen. Für den Tapfern gibt es nur eine Art von Plebejern, und das ſind die Feigen. Aber Euch, kluger Rienzi,“ fuhr der Ritter in muntererem Tone fort,„habe ich an einem Orte geſehen, wo es rühriger herging, als in dem Saale eines römiſchen Barons.“ Rienzi ſah Montreal ſcharf an, der den Blick mit offener Stirne aushielt. „Ja,“ begann der Ritter wieder,„aber laßt uns weiter gehen; erlaubt mir, nur wenige Augenblicke Euch zu begleiten. Ja! Ich habe Euch zugehört— an einem der letzten Abende, als Ihr zum Volke ſprachet, und heute, wie Ihr die Adeligen getadelt habt, und auch neulich um Mitternacht(Euer Ohr, guter Herr! tiefer, es iſt ein Geheimniß!)— auch um Mitternacht, als Ihr auf den Ruinen des Anentin den kühnen Eid der Brüderſchaft abnahmt und leiſtetet!“ Nach dieſen Worten trat der Ritter etwas bei Seite, um den Eindruck zu beobachten, den dieſelben auf Rienzi machen würden. Ein leichtes Zittern flog über die Geſtalt des Ver⸗ ſchworenen— denn ſo würde Rienzi, wäre die Ver⸗ ſchwörung mißglückt, von Anderen genannt worden ſein; er wandte ſich plötzlich um, ſah den Ritter gerade an, legte unwillkürlich die Hand an ſein Schwert, ließ den Griff aber augenblicklich wieder los. „Ha!“ ſagte der Römer langſam,„wenn dies wahr iſt, Freien!“ „Kein real;„ich aber Nie wenn ich in meiner daß ich es weiſen, „Du in den St Der Galg Rienzi un Dieſe Vitterkeit blick geſch „Nach de einem der der und Dich zu e „Cole fühle, di ner zuſa ſich über wurde ed meinen s für mich re Welt en Tapfern das ſind die der Ritter inem Orte dem Saalt Blick mit r laßt uns lugenblicke igehört— um Volke tgetadelt uer Ohr, niß à)— uinen des ahmt und twas bei dieſelben des Ver⸗ die Ver⸗ worden rgerade Schwert, enn dies 221 wahr iſt, ſo falle Rom! Verrath iſt ſogar unter den Freien!“ „Kein Verrath, tapferer Herr!“ erwiderte Mont⸗ real;„ich bin in dem Beſitze Deines Geheimniſſes— aber Niemand hat es mir verrathen.“ „Und heſt Du es als Freund oder als Feind er⸗ fahren?“ „Gleichviel,“ verſetzte Montreal leichthin.„Genng vorläufig, daß ich Dich an den Galgen bringen konnte, wenn ich nur das Wort ſagte, um zu zeigen, daß es in meiner Macht ſteht, Dein Feind zu ſein; genug, vaß ich es nicht gethan, um meine Neigung zu be⸗ weiſen, Dein Freund zu ſein.“ „Du irrſt, Fremdling! der Mann lebt nicht, der in den Straßen Roms mein Blut vergießen könnte! Der Galgen! Wenig weißt Du von der Macht, welche Rienzi umgibt.“ Dieſe Worte wurden mit einigem Hohn und mit Bitterkeit geſprochen; aber, nachdem er einen Angen⸗ blick geſchwiegen, fuhr Rienzi ruhiger wieder fort: „Nach dem Kreuze auf Deinem Mantel gehörſt Du einem der ſtolzeſten Ritterorden an; Du biſt ein Frem⸗ der und ein Cavalier. Welches edle Mitgefühl kann Dich zu einem Freunde des römiſchen Volkes machen?“ „Cola di Rienzi,“ verſetzte Montreal, die Ge⸗ fühle, die uns vereinigen, ſind die, welche alle Män⸗ ner zuſammenführen, die durch ihre eigene Kraft ſich über die gewöhnliche Maſſe erheben. Wahr, ich wurde edel geboren— aber machtlos und arm; auf meinen Wink ziehen jetzt von Stadt zu Stadt die 222 bewaffneten Werkzeuge der Macht; mein Hauch iſt das Geſetz von Tauſenden. Dieſe Gewalt habe ich nicht ererbt, ich erlangte ſie durch kühle Beſonnenheit und einen furchtloſen Arm. Erkenne in mir Walter von Montreal; iſt es nicht ein Name, der einen Geiſt, verwandt dem Deinigen, bezeichnet? Iſt nicht Ehr⸗ geiz ein uns gemeinſchaftliches Gefühl? Ich biete nicht Soldaten auf, nur um zu gewinnen, obgleich die Menſchen mich habſüchtig nannten— ich ſchlachte Bauern nicht aus Blutdurſt, obwohl man mich grau⸗ ſam hieß. Waffen und Geld ſind die Sehnen der Macht; Macht iſt es, wonach ich verlange— Du, kühner Rienzi, kämpfſt Du nicht um daſſelbe? Iſt es das ſtinkende Geſchrei des knoblauchkauenden Pö⸗ bels— iſt es der flüſternde Neid von Scholaſtikern — iſt es das hohle Geſchwätz von Knaben, die Dich Patrivt und Freiheitsmann nennen, Worte, die das Ohr betrügen— was Dich befrievigt? Dies ſind nur Deine Werkzeuge zur Macht. Habe ich wahr ge⸗ ſprochen?“ Wie groß auch Rienzi's Mißfallen an dieſer Sprache ſein mochte, er verbarg es glücklich.„Gewiß,“ ſagte er,„würde ich, berühmter Hauptmann, vergebens läugnen, daß ich nur nach der Macht ſtrebe, von der Du ſprichſt. Aber welche Vereinigung kann zwiſchen dem Ehrgeize eines römiſchen Bürgers und dem Anführer bezahlter Banden ſtattfinden, die ihre Partei nur nach dem Solde wählen— heute in Florenz für die Freiheit, morgen in Bologna für die Tyrannen fechten? Verzeihe meine Freimüthigkeit, denn in was ich theil,“ ſi keinen g uns wei „Bſt „ich dank wäre es ſehen ſo meiner Q Dort kön „Sei Mit die Stal Bürger, Achtung von dun Wege, *Di Tag als! zeigt, wu forſchern ausgegebe Zeit entſc Alterthüm Cola gege uch iſt das Palter von nen Geiſt, nicht Ehr⸗ biete nicht ſchlachte mich grau⸗ ehnen der holaſtikern e, die das es find nur wahr ge⸗ er Sprache iß,“ ſagte vergebens rebe, von ung kann rgers und nden, die —heute in na für die nüthigkeit, 223 denn in dieſen Zeiten hält man für keine Unehre, was ich Deinen Banden Schuld gebe. Tapferkeit und geſchickte Führung gelten dafür, die Sache zu heiligen, in welcher ſie glänzen; und wer der Herr der Fürſten iſt, darf von ihnen wohl als ihnen eben⸗ bürtig geehrt werden.“ „Wir betreten jetzt einen weniger verödeten Stadt⸗ theil,“ ſagte der Ritter;„gibt es in dieſer Gegend keinen geheimen Ort— keinen Aventin— wo wir uns weiter beſprechen können?“ „Bſt!“ erwiderte Rienzi, vorſichtig um ſich blickend, „ich danke Dir, edler Montreal, für den Wink, auch wäre es nicht gut für uns, wenn man uns beiſammen ſehen ſollte. Willſt Du mich Deiner Begleitung nach meiner Wohnung an der Palatinusbrücke würdigen?* Dort können wir ungeſtört und ſicher uns beſprechen.“ „Sei es ſo,“ ſagte Montreal zurücktretend. Mit raſchen, eiligen Schritten ging Rienzi durch die Stadt, wo die hier und dort ihm begegnenden Bürger, ſobald ſie ihn erkannten, ihn mit bezeichnender Achtung begrüßten; er wand ſich durch ein Labyrinth von dunkeln Gaſſen, als vermeide er die öffentlicheren Wege, und gelangte endlich auf einen großen Platz „Die maleriſchen Ruinen, die man bis auf den heutigen Tag als die einſtige Wohnung des berühmten Cola di Rienzi zeigt, wurden lange mit Beſtimmtheit von den Alterthums⸗ forſchern für das Eigenthum eines andern Cola oder Nicola ausgegeben. Ich glaube indeſſen, daß der Streit in neuerer Zeit entſchieden iſt; und in der That konnte Niemand als ein Alterthümler, und zwar ein römiſcher, vermuthen, daß es zwei Cola gegeben, auf welche ſich die Inſchrift des Hauſes beziehe! 224 nahe bei dem Fluſſe. Die erſten Sterne der Nacht ſchimmerten auf den alten Tempel der Fortuna Virilis herab, den der Wechſel der Zeit bereits in die Kirche der heiligen Maria von Eghpten verwandelt hatte; und gegenüber dem doppelt geheiligten Gebäude ſtand das Haus Rienzi's., „Es iſt eine günſtige Vorbedeutung, daß mein Haus dem früheren Tempel der Fortuna gegenüber⸗ ſteht,“ ſagte Rienzi lächelnd, als Montreal dem Römer in das Zimmer folgte, das wir ſchon oben beſchrieben. „Aber die Tapferkeit hat nicht nöthig, um Glück zu flehen,“ ſagte der Ritter;„die erſte beherrſcht das letztere.“ Langs währte die Unterredung zwiſchen den beiden unternehmendſten Männern ihres Zeitalters. Mittler⸗ weile ſei mir erlaubt, den Leſer etwas genauer mit dem Charakter und den Planen Montreals bekannt zu machen, als der Drang der Ereigniſſe bis jetzt geſtattete. Walter von Montreal, in den Chroniken Italiens allgemein bekannt unterdem Namen Fra Moreale, war nach Italien gekommen— ein kühner Abenteurer, wür⸗ dig, ein Nachfolger jener herumſchwärmenden Norman⸗ nen zu werden(von einem der ausgezeichnetſten derſelben leitete er von mütterlicher Seite ſeine Abkunft ab), die früher eine ſo ſeltſame Rolle unter der irrenden Ritterſchaft Europa's geſpielt hatten,— indem ſie die Fabeln von Amadis und Palmerin verwirklichten— die, jeder Ritter für ſich ſelbſt ein Herr, Länder er⸗ oberten und Throne umſtürzten; ſie anerkannten keine Geſetze, mit dem? unfähig, ihren An jener Zei loſen Abe dungskra und Got Jugende trotz der tragen; ſtörtes La um über Unehre, dieſer kü den Ber Tyranne bekriegte des Friei ſich an zu ſchütze gegen ih diſcher E litäriſche für die( waren fü der Zeit, Florenz fremden. erkauft. Bulw Nacht Fortuna ß in die nbeiden Mittler⸗ uer mit bekannt bis jetzt Italiens le, war r, wür⸗ orman⸗ erſelben ft ab), rrenden dem ſie hten— der er⸗ nkeine 225 Geſetze, als die der Ritterſchaft; vermiſchten ſich nie mit dem Volksſtamme, unter dem ſie ſich niederließen, unfähig, Bürger zu werden, und kaum zufrieden mit ihren Anſprüchen auf eine königliche Krone. Zu jener Zeit war Italien das Indien aller jener mittel⸗ loſen Abenteurer, die, wie Montreal, ihre Einbil⸗ dungskraft durch die Balladen und Legenden den Robert und Gottfried der Vorzeit erhitzt hatten; die von Jugend auf geübt waren, ihr Roß zu führen und trotz der Sommerhitze das Gewicht der Waffen zu tragen; und die, als ſie in ein verweichlichtes, ver⸗ ſtörtes Land kamen, nur Tapferkeit zu zeigen brauchten, um über Schätze zu gebieten. Man hielt es für keine Unehre, wenn ein mächtiger Häuptling eine Bande dieſer kühnen Fremdlinge um ſich ſammelte,— in den Bergen von Beute und Plünderung lebte,— Tyrannen oder Republiken, wie es das Intereſſe gebot, bekriegte und gegen ungeheure Summen die Rechte des Friedens verkaufte. Bisweilen vermietheten ſie ſich an einen Staat, um ihn gegen einen andern zu ſchützen, und das kommende Jahr ſah ſie im Felde gegen ihre früheren Soldherren. Dieſe Banden nor⸗ diſcher Söldlinge gewannen daher politiſche wie mi⸗ litäriſche Wichtigkeit; ſie waren ebenſo unentbehrlich für die Sicherheit eines Staates, als ſie verderblich waren für die Sicherheit Aller. Nur fünf Jahre vor der Zeit, von welcher wir ſprechen, hatte die Republik Florenz die Dienſte eines berühmten Führers ſolcher fremden Krieger— Gualtier's, Herzog von Athen— erkauft. Durch Zuruf hatte das Volk ſelbſt dieſen Bulwer, Rienzi. I. 15 226 Krieger in den Stand eines Fürſten oder Tyrannen ihres Staates erhohen; ehe das Jahr um war, em⸗ pörten ſie ſich gegen ſeine Grauſamkeiten, oder viel⸗ mehr gegen ſeine Erpreſſungen,— denn trotz alles Rühmens ihrer Geſchichtsſchreiber fühlten ſie einen Angriff auf ihre Börſe ſchmerzlicher, als die Beein⸗ trächtigung ihrer Freiheiten,— ſie hatten ihn aus ihrer Stadt vertrieben und ſich wieder für eine Re⸗ publik erklärt. Der tapferſte und begünſtigſte der Soldaten des Herzogs von Athen war Walter von Montreal geweſen; er hatte die Erhebung und den Sturz ſeines Chefs getheilt. Unter den Volksbewe⸗ gungen hatte der tiefe, beobachtende Geiſt des Ritters von St. Johann ſich keine geringe politiſche Erfah⸗ rung geſammelt; er hatte gelernt, ein Volk zu prüfen — zu wiſſen, wie weit deſſen Geduld geht— die Vorzeichen einer Revolution zu deuten— in den Zeiten zu leſen. Nach dem Sturze des Herzogs von Athen hatte er als Freiritter, mit anderen Worten als Freibeuter, unter dem kühnen Werner ſeine Reich⸗ thümer und ſeinen Ruhm ſehr vergrößert. Im gegen⸗ wärtigen Augenblicke ohne eine ſeines an Unterneh⸗ mungen und Intriguen Gefallen findenden Geiſtes würdige Beſchäftigung, hatte der unordentliche, kopf⸗ loſe Zuſtand Roms ihn in dieſe Stadt gezogen. Bei dem Bunde, den er Colonna vorgeſchlagen— bei den Einflüſterungen, die er der Eitelkeit dieſes Signors gemacht— war ſein Zweck nur, ſeine Dienſte un⸗ entbehrlich zu machen— ſich als Haupt des Kriegs⸗ volkes, welches ſein Vorſchlag für den Ehrgeiz des Colonna, Provence ſchaar übe Scharfbli Oberhauz fährlichen langung Zufrieden Alter, w war Ste der Hoff Die freit triciers auch der Colonna heit beſi yrannen ar, em⸗ der iel⸗ otz alles ie einen Beein⸗ ihn aus ine Re⸗ gſte der ter von und den ksbewe⸗ Ritters Erfah⸗ prüfen t— die in den gs n Worten Reich⸗ gegen⸗ terneh⸗ Geiſtes n. Bei bei den ignors ſte un⸗ Kriegs⸗ eiz des 227 Colonna, wenn er angeregt werden konnte, nothwendig machte, ſeſt zu ſetzen— und in ſeinem ungeheuren Unternehmungsgeiſt ſah er wahrſcheinlich voraus, daß die Herrſchaft über eine ſolche Macht in Wirklichkeit die Herrſchaft über Rom werden müſſe;— eine Ge⸗ genrevolution konute leicht die Colonna ſtürzen und ihm ſelbſt die Fürſtenwürde übertragen. Es war bisweilen in Rom, wie auch in anderen Staaten Italiens, Sitte geweſen, für die Stelle des oberſten Magiſtrates, unter dem Titel eines Podeſta, einen Fremden einem Eingeborenen vorzuziehen. Und Montreal hoffte auf die Möglichkeit in Rom das zu werden, was der Herzog von Athen in Florenz ge⸗ weſen war— ein Ehrgeiz, von dem er wohl wußte, daß er die Anſprüche eines Edelmannes aus der Provenee, aber nicht die des Führers einer Krieger⸗ ſchaar überſteige. Aber, wie wir bereits geſehen, ſein Scharfblick entdeckte auf einmal, daß er das betagte Oberhaupt der Patrieier nicht für die kühnen und ge⸗ fährlichen Maßregeln gewinnen könne, die zu Er⸗ langung der oberſten Gewalt nothwendig waren. Zufrieden mit ſeiner jetzigen Stellung, und durch ſein Alter, wie durch früheres Unglück Mäßigung gelehrt, war Stephan Colonna nicht der Mann, welcher in der Hoffnung auf einen Thron das Schaffot wagte. Die freimüthig bekannte Verachtung des alten Pa⸗ trieiers gegen das Volk und ſeinen Abgott belehrte auch den tiefblickenden Montreal, daß, wenn der Colonna nicht den Ehrgeiz, er auch nicht die Klug⸗ heit beſitze, welche zur Herrſchaft gehört. Der Ritter 228 fand, daß ſeine Warnung vor Rienzi keinen Anklang fand, und wandte ſich ſelbſt an dieſen. Wenig küm⸗ merte es den Johanniter, welche Partei die Ober⸗ hand behielt— Fürſt oder Volk— wenn nur ſein Zweck erreicht wurde; in der That hatte er die Launen eines Volkes nicht ſtudirt, um ihm zu dienen, ſondern um es zu beherrſchen; und überzeugt, daß alle Männer von ähnlichem Ehrgeize geleitet werden, glaubte er, ob nun ein Volksfreund, oder ein Patricier regiere, das Volk müſſe immer das Opfer ſein, und das Geſchrei Ordnung auf der einen, oder Freiheit auf der andern Seite ſei ein hloßer Vorwand, durch welchen die Thatkraft eines Mannes ſeinen Ehrgeiz vor dem großen Haufen zu rechtfertigen ſuche. Da er ſich für einen der ehrenhafteſten Männer ſeiner Zeit hielt, glaubte er an keine Ehre, welche er nicht zu fühlen im Stande war; und Skeptiker in der Tugend, war er ebendeßhalb ſehr gläubig in dem Punkte des Laſters. Aber ſein kühnes Weſen machte ihn dem aben⸗ teuerlichen Rienzi geneigter, als dem ſelbſtgefälligen Colonna; und er überlegte, daß er und ſeine be⸗ waffneten Leute für die Sicherheit des erſteren wohl nothwendiger ſein dürfte, als für die des letzteren. Für jetzt war ſein Hauptzweck, von Rienzi genau die Stärke zu erfahren, über die er zu gebieten hatte und wie weit er zu einem wirklichen Aufſtande ge⸗ rüſtet war. Der ſcharfſinnige Römer war einerſeits darauf bedacht, dem Ritter nicht mehr zu verrathen, als er ſchon wu Zurückha beſaß er beherrſche und tiefe beiderſeit ihrer jetz „Ich niſſen, chelten, mich Eu ſichert. Würdet Privatve öffentlich Patrieie iſt ein v thes, de Helm u ein Reh „So aufnehm ſten ſtel ſo viele „Wie ſi die letzt „ D Unklang g küm⸗ Ober⸗ ur ſein Launen ſondern Männer ubte er, regiere, d das eiheit , durch Ehrgeiz en Da r ſeiner er nicht in der in dem m aben⸗ efälligen eine be⸗ en wohl letzteren. enau die en hatte ande ge⸗ darauf als er ſchon wußte, andererſeits, ihn nicht durch anſcheinende Zurückhaltung zu erbittern. So ſchlau Montreal war, beſaß er doch nicht die wurderbare Kunſt, Andere zu beherrſchen, welche in ſo hohem Grade dem beredten und tiefen Rienzi eigen war; und der Unterſchied des beiderſeitigen geiſtigen Vermögens leuchtete deutlich in ihrer jetzigen Unterredung hervor. „Ich ſehe,“ ſagte Rienzi,„daß unter allen Ereig⸗ niſſen, welche in neuerer Zeit meinem Ehrgeize lä⸗ chelten, keines ſo günſtig iſt, als dasjenige, welches mich Eures Beiſtandes und Eurer Freundſchaft ver⸗ ſichert. Ich bedarf in der That bewaffneter Hülfe. Würdet Ihr es glauben, ſo kühn unſere Freunde in Privatverſammlungen ſind, beben ſie doch vor einem öffentlichen Ausbruche zurück. Sie fürchten nicht die Patricier, aber die Soldaten der Patrieier; denn es iſt ein wunderbarer Grundzug des italieniſchen Mu⸗ thes, daß ſie untereinander ſich nicht fürchten, aber Helm und Schwert eines fremden Miethlinges ſie wie ein Reh zittern macht.“ „So werden ſie denn freudig die Verſicherung aufnehmen, daß ſolche Miethtruppen in ihren Dien⸗ ſten ſtehen— nicht gegen ſie fechten werden; und ſo viele Ihr für die Revolution verlangt, ſo viele ſollt Ihr erhalten.“ „Aber der Sold und die Bedingungen,“ ſagte Rienzi mit ſeinem trockenen, ſarkaſtiſchen Lächeln. „Wie ſollen wir den erſteren beſtimmen und was über die letzteren feſtſetzen?“ „Das iſt eine leicht abzumachende Sache,“ ver⸗ ſetzte Montreal.„Ich für meine Perſon würde, es Euch offen zu geſtehen, mich mit dem Ruhme und der Aufregung einer ſo großen Revolution begnügen. Es ſchmeichelt mir das Gefühl meiner Unenthehrlich⸗ keit zu Vollendung wichtiger Ereigniſſe. Bei meinen Leuten iſt das anders. Eure erſte Handlung wird ſein, Euch der Staatseinkünfte zu verſichern. Nun, wie hoch ſie ſich auch belaufen mögen, ſoll das Ein⸗ kommen des erſten Jahres, groß oder klein, unter uns getheilt werden. Ihr die eine, ich und meine Leute die andere Hälfte.“ „Es iſt viel,“ ſagte Rienzi ernſt und wie in tiefer Berechnung,—„aber Rom kann ſeine Freiheit nicht zu theuer erkaufen. So ſei es denn beſtimmt.“ „Amen!“— und nun denn wie ſtark ſeid ihr? denn dieſe achtzig oder hundert Männer auf dem Aven⸗ tin,— ehrenwerthe Leute ohne Zweifel,— werden doch wohl zu einem Aufſtande kaum hinreichen!“ Der Römer blickte ſich vorſichtig in dem Zim⸗ mer um und legte die Hand auf Montreals Arm— „Zwiſchen Euch und mir,— es erfordert Zeit, die Leute feſt zu machen. Wir werden in den nächſten fünf Wochen nicht im Stande ſein, uns zu rühren. Ich habe den Zeitpunkt zu voreilig feſtgeſetzt. Die Ernte iſt zwar reif, aber jetzt muß ich durch geheime Beſchwörungen und Unterredungen die zerſtreuten Bündel zu Garben vereinigen.“ „Fünf Wochen,“ wiederholte Montreal;„das iſt viel länger, als ich vermuthete.“ „Was ich verlange,“ fuhr Rienzi, ſeinen forſchen⸗ Euch Ve ten, Eu und das legen ihrer fa könntet Söldner fluſſe ſte Vertheid in den von hier Noth h erſcheine als ihre Verbünr ſie ihrer Verzwei „Un das Beſ magoger „He ürde, es hme und egnügen. hehrlich⸗ i meinen ing wird . MNun, das Ein⸗ nter uns ne Leute in tiefer eit nicht i ihr m Aven⸗ werden en!“ m Zim⸗ Arm— eit, ie nächſten rühren. t. Die geheime ſtreuten das iſt rſchen⸗ den Blick auf Montreal heftend, fort,„iſt, daß wir in der Zwiſchenzeit tiefe Ruhe erhalten,— wir müſ⸗ ſen jeden Verdacht entfernen. Ich werde mich in meine Studien begraben und keine weitere Verſamm⸗ lungen berufen.“ „Gut—“ „Und Euch, edler Ritter, dürfte ich es wagen, Euch Verhaltungsmaßregeln zu geben, würde ich bit⸗ ten, Euch unter den Adel zu miſchen— gegen mich und das Volk die tiefſte Verachtung an den Tag zu legen— und ſo dazu beizutragen, ſie noch mehr in ihrer falſchen Sicherheit einzuwiegen. Mittlerweile könntet Ihr ganz ruhig ſo viele von den bewaffneten Söldnern aus Rom ziehen, als unter Eurem Ein⸗ fluſſe ſtehen, und dadurch die Abeligen ihrer einzigen Vertheidiger berauben. Sind dieſe kühnen Krieger in den Schlupfwinkeln der Berge, einen Tagmarſch von hier, verſammelt, ſo können wir ſie im Fall der Noth herbeirufen, und mitten in unſerem Aufſtande erſcheinen ſie an unſeren Thoren— von den Edeln als ihre Befreier begrüßt, in Wirklichkeit aber als Verbündete des Volkes. Unſere Feinde werden, wenn ſie ihren Irrthum entdecken, in der Verwirrung und Verzweiflung aus der Stadt flichen.“ „Und ihre Einkünfte, wie die Herrſchaft werden das Beſitzthum des kühnen Kriegers und ſchlauen De⸗ magogen!“ rief Montreal unter Lachen. „Herr Ritter, die Theilung ſoll gleich werden!“ „Es bleibt dabei!“ „Und jetzt, edler Montreal, eine Flaſche von und ſchied. 232 unſerer beſten Weinleſe!“ ſagte Rienzi, den Ton ändernd. „Ihr kennt die Provenzalen,“ ſagte Montreal heiter. Der Wein wurde gebracht, die Unterhaltung wurde frei und vertraulich, und Montreal, deſſen Schlau⸗ heit erworben, deſſen Freimüthigkeit natürlich war, verrieth unwiſſentlich die geheimen Plane ſeiner Ehr⸗ geizes Rienzi unumwundener, als er im Sinne ge⸗ habt hatte. Sie ſchieden dem Anſcheine nach als die beſten Freunde. „Beiläufig geſagt,“ nahm Rienzi das Wort, als ſie die letzten Becher leerten,„Stephan Colonna be⸗ gibt ſich am 19. mit einer Fuhre Korn nach Corneto. Wäre es nicht gut, wenn Ihr den Zug mitmachtet? Ihr könnt die Gelegenheit benutzen, Mißvergnügen unter die ihn begleitenden Söldlinge zu ſtrenen und ſie für unſeren Plan zu gewinnen.“ „Ich habe ſchon zuvor daran gevacht,“ verſetzte Montreal;„es ſoll geſchehen. Für jetzt, lebt wohl!“ „Sein Berberroß und ſein Schwert, Seine Dame, an Schönheit ohne Gleichen Hält Orlando, der Furchtloſe, werth Allein von Allem, was ihm eigen. Dem Braven lächelt das Glück, Der Normann weicht nicht zurück, Der Ruhm allein ſchwellt ſeine Bruſt, Der Ruhm allein iſt ſeine Luſt.“ Dieſe kunſtloſen Strophen ſang der Ritter, indem er ſeinen Mantel umwarf, reichte Rienzi die Hand Abnei Durch kreuze V das J Zimm den Ton real heiter. ung wurde en Schlau⸗ irlich war, einer Ehr⸗ Sinne ge⸗ ach als die Wort, als olonna be⸗ Corneto. itmachtet? vergnügen reuen und “ verſetzte bt wohl!“ er, indem die Hand 233 Rienzi beobachtete die ſich entfernende Geſtalt ſei⸗ nes Gaſtes mit einem Ausdrucke von Haß und Furcht in ſeinen Zügen.„Gebt dieſem Menſchen die Macht,“ murmelte er,„ſo kann er ein zweiter Totila wer⸗ den.“ Mich dünkt, ich ſehe in ſeinem feſthaltenden, wilden Weſen— durch all den Glanz von Heiterkeit und ritterlicher Anmuth hindurch— die wahre Per⸗ ſonifikation unſerer alten Feinde, der Gothen. Ich hoffe, ich hahe ihn eingelullt! Fürwahr, zwei Son⸗ nen könnten eben ſo gut an einer Halbkugel ſtehen, als Walter von Montreal und Cola di Rienzi in derſelben Stadt leben. Die Aſtrologen ſagen uns, man empfinde eine geheime und unwiderſtehliche Ab⸗ neigung gegen diejenigen, deren aſtraliſche Einflüſſe ſie beſtimmen, Einem Böſes zuzufügen; eine ſolche Abneigung empfinde ich gegen jenen ſchönen Mörder. Durchkreuze meine Bahn nicht, Montreal;— durch⸗ kreuze meine Bahn nicht!“ Während dieſes Selbſtgeſpräches kehrte Rienzi in das Innere ſeines Hauſes zurück, begab ſich auf ſein Zimmer und wurde dieſe Nacht nicht mehr geſehen. Fünftes Kapitel. Der Zug der Barone.— Der Anfang des Endes. Es war am Morgen des 19. Mai, die Luft war friſch und hell, und die eben aufgegangene Sonne * Innocenz VI. erklärte einige Jahre ſpäter Montreal noch für ſchlimmer, als Totilg. 231 ſchien heiter auf die blitzenden Helme und Speere eines ſtattlichen Zuges bewaffneter Reiter, der durch die lange Hauptſtraße Roms dahinprunkte. Das Wiehern der Pferde, das Tönen der Hufe, der Glanz der Rüſtungen und das Flattern der Fahnen, geſchmückt mit den ſtolzen Inſignien der Colonna, bot eines der fröhlichen und glänzenden, dem Mittelalter eigenthüm⸗ lichen, Schauſpiele dar. An der Spitze der Truppe ritt auf einem ſtolzen Roſſe Stephan Colonna. Zu ſeiner Rechten war der Ritter von der Provence, der mit geſchickter Hand einen feinen, aber feurigen Araber bändigte; hinter ihm folgten zwei Schildknappen— der eine führte ſein Streitroß, der andere trug Lanze und Helm. Zur Linken von Stephan Colonna ritt Adrian ernſt und ſchweigend und antwortete nur ſehr einſilbig auf das heitere Geplauder des Ritters von der Provenee. Eine beträchtliche Anzahl von der Blüthe des römi⸗ ſchen Adels folgte dem alten Baron; eine geſchloſſene Truppe fremder, vollſtändig bewaffneter Reiter bil⸗ dete das Ende des Zuges. Auf den Straßen war keine Menſchenmenge— mit anſcheinender Gleichgültigkeit blickten die Bürger aus ihren halbverſchloſſenen Läden auf den Zug. „Haben dieſe Römer keinen Geſchmack für Ge⸗ pränge?“ fragte Montreal;„wenn ſie leichter zu be⸗ luſtigen wären, wären ſie auch leichter zu regieren.“ „O! Rienzi und ſolche Poſſenreißer beluſtigen ſie. Wir machen es beſſer,— wir ſchrecken ſie!“ er⸗ widerte Stephan. „ fragte „2 zöſiſch und e Steph „ ſere 1 ren, der m d Speere der durch kte. Das der Glanz geſchmückt t eines der igenthüm⸗ em ſtolzen n war der kter Hand te; hinter ine führte nd Helm. rian ernſt nſilbig auf Provenee. des römi⸗ eſchloſſene teiter bil⸗ nenge— ie Bürger Zug. für Ge⸗ er zu be⸗ regieren.“ ſtigen ſie. ſie!“ er⸗ „Was fingt der Trvubadvur, Signor Adrian?“ fragte Montreal. „Lächeln, falſch lächeln muß der oſt, Der auf Größe und Herrſchaft hofft; Es entwaffnet die Starken, die Schönen es zwingt, Täuſchet die Hohen, und Länder es erringt. Lächeln, falſches Lächeln! Finſtre Blicke verrathen das Herz, Spornen den Tapferen und bringen Schönen Schmerz, Treiben den Stolz in blutiges Gefecht, Kreuzen die Speere und morden das Geſchlecht. Finſtere, falſche Blicke!“ „Das Lied ſtammt aus Frankreich, Signor; doch väucht mich, ſeine Weisheit hat es aus Italien;— denn das ſchlangenartige Lächeln iſt eine eigenthüm⸗ liche Unterſcheidung Eurer Landsleute und die finſtern Blicke ſtehen ihnen übel.“ „Mich dünket, Herr Ritter,“ verſetzte Adrian beißend und zornig über die Stichelei,„Ihr habt uns finſtre Blicke gelehrt;— bisweilen eine Tugend.“ „Aber keine Klugheit, wenn die Hand nicht be⸗ haupten kann, was die Stirne gedroht,“ erwiderte Montreal ſtolz, denn in ihm war viel von der fran⸗ zöfiſchen Lebhaftigkeit, die oft ſeine Klugheit beſiegte, und er hegte ſeit ihrer Unterredung in dem Palaſte Stephan's einen geheimen Groll. „Herr Ritter,“ antwortete Adrian erröthend,„un⸗ ſere Unterhaltung könnte zu wärmeren Worten füh⸗ ren, als mir gegenüber von einem Manne lieb wäre, der mir einen ſo biederen Dienſt geleiſtet hat.“ „Nun denn, ſo kommen wir auf die Tronbadours zurück,“ ſagte Montreal gleichgültig.„Verzeiht mir, wenn ich von italieniſcher Ehre oder italieniſchem Muthe nicht eben ſehr hoch denke; Eure Tapferkeit anerkenne ich, denn ich war Zeuge davon, und Tapfer⸗ keit und Ehre gehen Hand in Hand,— laßt Euch das genügen!“ Als Abrian eben antworten wollte, fiel ſein Auge plötzlich auf die ſtarke Geſtalt Cecco del Vecchio's, der ſeine entblößten, muskulöſen Arme auf ſeinen Amboß ſtemmte und lächelnd die Truppe anſchaute. Es lag etwas in dieſem Lächeln, das den Gedanken Adrian's eine andere Richtung gab, und das er nicht ohne ein unerklärliches Mißfallen betrachten konnte. „Ein ſtarker Burſche, das,“ ſagte Montreal, den Schmied gleichfalls beſchauend.„Ich möchte ihn gerne anwerben. Vurſche!“ rief er laut,„Ihr habt einen Arm, der ebenſo tanglich wäre, das Schwert zu füh⸗ ren, als es zu ſchmieden. Verlaßt Euern Amboß und folgt dem Glücke von Fra Moreale!“ Der Schmied ſchüttelte den Kopf.„Herr Ritter,“ ſagte er ernſt,„wir armen Leute haben keine Nei⸗ gung für den Krieg; wir brauchen nicht Andere zu tödten— wir verlangen nur ſelbſt zu leben;— wenn Ihr uns das laſſen wollt!“ „Bei der heiligen Mutter, eine ſklaviſche Ant⸗ wort! Aber, Ihr Römer——“ „Seyd Sklaven!“ unterbrach ihn der Schmied und wandte ſich hinweg nach dem Innern ſeiner Schmiede. „Der Hund iſt meuteriſch!“ ſagte der alte Co⸗ lonna. einan lich Mön tuna lich pet del zel bei rzeiht mir, Uieniſchem Tapferkeit d Tapfer⸗ laßt Euch ſein Auge hio's, der en Amboß Es lag Adrian's tohne ein treal, den ihn gerne habt einen rt zu füh⸗ mboß und r Ritter,“ eine Nei⸗ Andere zu — wenn iſche Ant⸗ Schmied rn ſeiner alte Co⸗ 237 lonna. Und als die Schaar vorüberritt, äußerte jeder der rohen Fremdlinge, ermuthigt durch ihren Anfüh⸗ rer, einen Schimpf oder Scherz in einem barbariſchen Verſuche des ſübdlichen Patois gegen den läſſigen Rie⸗ ſen, als er wieder in dem Vordergrunde ſeiner Schmiede erſchien, ſich wie zuvor auf ſeinen Amboß ſtemmte und durch keine Zeichen verrieth, daß er auf die Ver⸗ höhnung achtete, außer durch eine ſtärkere Glut auf ſeinem ſchwärzlichen Geſichte;— und ſo wandte ſich der ſtattliche Zug durch die Straßen und verließ die ewige Stadt. In ganz Rom war jetzt eine lange Pauſe tiefen Schweigens— allgemeiner Ruhe; die Kaufläden wa⸗ ren erſt halb geöffnet; Niemand ging an ſein Ge⸗ ſchäft; es war wie der Anfang eines Feſttages, wo der Müßiggang der Freude vorangeht. um Mittag konnte man einige wenige kleine Men⸗ ſchengruppen auf den Straßen herumſtehen ſehen, die einander zuflüſterten, aber ſich bald zerſtreuten; hie und da eilte ein einzelner Fußgänger, meiſt in den langen Rock gekleidet, wie ſie die Gelehrten gewöhn⸗ lich trugen, oder in der noch finſtereren Tracht der Mönche, die Straße hinauf nach der Kirche der St. Maria von Egypten, einſt der Tempel der For⸗ tuna. Dann war wieder Alles einſam und öde. Plötz⸗ lich hörte man den Schalleiner einzelnen Trom⸗ pete! Er wurde ſtärker— weithin ertönte er. Cecev del Veechiv ſah von ſeinem Amboß auf. Ein ein⸗ zelner Reiter ritt langſam an der Schmiede vor⸗ hei und that, als er in die Mitte der Straße kam, einen lauten, langen Stoß in die Trompete, die an ſeinem Halſe hing. Dann ſah man eine Menſchen⸗ menge plötzlich und wie durch Zauber aus allen Ecken auftauchen; die Straße drängte ſich voll von Men⸗ ſchen; aber nur durch den Hall ihrer Fußtritte und durch ein undeutliches, leiſes Gemurmel wurde die Stille unterbrochen. Wieder ſtieß der Reiter in ſeine Trompete, als wollte er Aufmerkſamkeit gebieten, und als der Ton verſtummte, rief er laut:—„Freunde und Römer! Morgen mit Tagesanbruch finde ſich Jedermann unbewaffnet vor der Kirche St. Angelo ein. Cvla di Rienzi ruft die Römer zuſammen, um für das Wohl Roms zu ſorgen.“ Ein Jubelgeſchrei, das die Grundfeſte der ſteben Hügel zu erſchüttern ſchien, brach bei dem Schluſſe dieſer kurzen Auffor⸗ derung aus; der Reiter ritt langſam weiter und die Menge folgte.— Dies war der Anfang der Revo⸗ lution. Sechſtes Kapitel. Der Verſchwörer wird die obrigkeitliche Behörde. um Mitternacht, als die übrige Stadt in Ruhe geſunken ſchien, ſtrömte der Glanz von Lichtern durch die Fenſter der Kirche von St. Angelv. Lange und feierliche Töne heiliger Muſik riſſen ſich von den wiederhallenden Flügeln los und durchhallten in häu⸗ figer Wiederkehr die Luft. Rienzi betete in der Kirche; dreißig Meſſen füllten die Stunden von Nacht bis Morgen, und die ganze Bekräftigung der Religion Cola di ſchrieben ſes Ge des V einer das V war esr Die vor e, die an Renſchen⸗ llen Ecken on Men⸗ ritte und vurde die r in ſeine eten, und „Freunde finde ſich Angelo men, um elgeſchrei, rſchüttern tAuffor⸗ und die er Revo⸗ de. in Ruhe ern durch nge und von den in häu⸗ r Kirche; acht bis Religion 239 wurde angerufen, um das Unternehmen der Freiheit zu heiligen.“ Die Sonne war längſt aufgegangen, das Volk hatte ſich längſt vor der Kirchthüre ver⸗ ſammelt und bedeckte in langen Zügen alle Straßen, welche zu derſelben führten,— als die Glocke der Kirche lang und fröhlich läutete; und als ſie ſchwieg, ſangen die Chöre innen folgende Hymne, in welcher auf etwas üherraſchende, obwohl barbariſche Weiſe, der Geiſt des klaſſiſchen Alterthums mit der Glut religiöſen Eifers vermengt war:— Die römiſche Freiheitshymne. Berge, laßt es rings ertönen, Auf dem Siebenhügelthrone Wird ſich Rom aufs Neue krönen. Jubelt laut! Singet laut, o Thal und Welle, Lauſcht hervor ihr alten Helden Aus des Grabes enger Zelle! Jubelt laut! Bleiches Geſpenſt, wer biſt du?— Seht! Aus vergangenen, dunkeln Zeiten Scheint es gleich dem Wind zu ſchreiten, Der am Himmel plötzlich weht. * Es wird nach meinem Dafürhalten, wenn je das Leben Cola di Rienzi's vyn einer der Aufgabe gewachſenen Hand be⸗ ſchrieben wird, ſich zeigen, daß ein kräftiges, religis⸗ ſes Gefühl ſich mit dem politiſchen Enthuſiasmus des Volkes rermiſchte,— das religiöſe Gefühl einernpch nicht reifen, unverdauten Reformation, das Vermächtniß Arnold's von Brescia. Indeſſen war es nicht gegen die Prieſter gerichtet, ſondern von ihnen begünſtigt. Die vornehmſten Mönchsorden erklärten ſich für die Revvlution. Als rieſiger Schatten ſtellt es ſich dar, rechtigk Umgeben von einer bewaffneten Schaar! Rienzi Das Leichenhemd ſchaurig die Glieder deckt icbi Sein Anblick der Sonne Strahlen ſchreckt; heraus. Die Welt ſich voll Zittern und Bangen erweist, heftiger Gegrüßt ſei der großen Vergangenheit Geiſt! lich rul Gruß! ja Gruß! ſehr jet Wie wir ſprechen und grüßen— der Athem haucht, fühle, Aus den Knospen am Kranz der Lorbeer taucht, 22 Wie die Sonne aus Nacht das Morgenroth malt, ihren Li Wird dunkel das Licht und der Schatten Geſtalt. men de Gruß! ja Gruß! ſtehend Der Vergangenheit großer Geiſt Rienzi Kehrt in die Herzen von Rom zurück; 5 zwei Die heidniſchen Fluren trifſt ſein Bick, Da er ſich wieder als Herrſcher weist! Gewaff als er O, Fama, laß es ringsum jetzt ertönen, nach u Mög' ſich die Welt in Freude neu verſchönen!— Wo immer nur der freche Stolz geſiegt ſend S Und Recht dem Unrecht grauſam unterließt, und T Wo nie erſcheint der Sonne Pracht An Wo der Schuldloſe weint in Kerkers Nacht 1 Dorthin dringe deine Stimme laut, damal Ihr Völker alle kommt und ſchaut! bildete Auf den Hügeln, wo die Herven gelebt, großen In den Tempeln, wo das Blut der Heiligen klebt, Im Gefängniß der Märthrer, im Kaiſerſaal 8 Erwecket die Schläfer der Freiheit Schall; von T Der Vandal und Gothe herrſcht nimmermehr, dete F Der Römer iſt wieder der Erde Herr! zu ein Als der Geſang zu Ende war, öffneten ſich die Er Thore der Kirche; die Menge wich auf beiden Seiten des V zurück, und unter dem Vortritt von drei Jünglingen gel ſe aus dem niederen Adel, welche Fahnen mit allegori⸗ Eigen ſchen Abbildungen, den Trinmph der Freiheit, Ge⸗ fahr; Br aucht, alt, lt. klebt, n ſich die den Seiten ünglingen allegori⸗ heit, Ge⸗ 241 rechtigkeit und Eintracht vorſtellend, trugen, ſchritt Rienzi in vollſtändiger Rüſtung, nur ohne den Helm heraus. Sein Antlitz war bleich vom Wachen und heftiger Aufregung— aber tiefſinnig, ernſt und feier⸗ lich ruhig; der Ausdruck deſſelben widerſetzte ſich ſo ſehr jedem lärmenden und gemeinen Ausbruch der Ge⸗ fühle, daß diejenigen, welche es ſahen, den Ruf auf ihren Lippen zurückhielten und durch gleichzeitige Stim⸗ men der Mißbilligung die Glückwünſche der hinten ſtehenden Menge zum Schweigen brachten. Neben Rienzi ſchritt Raimund, Biſchof von Orvieto, und je zwei und zwei marſchirend, folgten ihnen hundert Gewaffnete. Unter tiefer Stille begann der Zug, bis, als er ſich dem Capitol näherte, die Scheu des Volkes nach und nach verſchwand und tauſend und aber tau⸗ ſend Stimmen die Lüfte mit Ausrufungen des Jubels und Triumphes erfüllten. Am Fuße der großen Treppe angekommen, welche damals den Hauptzugang zu dem Platze des Capitoles bildete, hielt der Zug an, und als die Menge den großen, vor derſelben befindlichen Raum— geſchmückt und geheiligt durch viele der ſo majeſtätiſchen Säulen von Tempeln des Alterthumes— angefüllt hatte, re⸗ dete Rienzi die Einwohner Roms, die er ſo plötzlich zu einem Volke erhoben hatte, an. Er ſchilderte kräftig die Sklaverei und das Elend des Volkes— die völlige Geſetzloſigkeit— den Man⸗ gel ſelbſt der gewöhnlichen Sicherheit für Leben und Eigenthum. Er erklärte, daß er, ohne vor der Ge⸗ fahr zu erſchrecken, der er entgegengehe, ſein Leben Bulwer, Rienzi. 1. 16 242 der Wiebergeburt des gemeinſamen Vaterlandes weihe, und forderte feierlich das Volk auf, das Unternehmen zu unterſtützen und zugleich die Revolution durch Ein⸗ führung eines Geſetzbuches und Einſetzung einer eon⸗ ſtitutionellen Verſammlung zu heiligen und zu befe⸗ ſtigen. Dann ließ er durch den Herold den Entwurf der Menge vorleſen. Sie ſchuf oder rief vielmehr ins Leben mit neuen Privilegien und Machtvollkommenheiten— eine re⸗ präſentative Verſammlung von Räthen. Als erſtes Geſetz verkündigte ſie eines, das für unſere glücklichere Zeiten höchſt einfach ſcheint, bis jetzt aber in Rom nie gehandhabt wurde— jeder vorfätzliche Mörder ſoll ohne Anſehen der Perſon mit dem Tode beſtraft werden. Sie verfügte, daß kein Privatmann, Edler oder Bürger, feſte Burgen und Beſatzungen in der Stadt oder auf dem Lande halten dürfe; daß die Thore und Brücken des Staats unter der Aufſicht der zu wählenden höchſten obrigkeitlichen Perſon ſtehen ſollten. Sie verbot glle Beherbergung von Freibeutern, Söld⸗ nern und Räubern bei einer Strafe von tauſend Mark Silber, und machte die Barone, welche im Beſitze der umliegenden Ländereien waren, für die Sicherheit der Straßen und des Transportes von Handelsgütern ver⸗ antwortlich. Sie nahm Wittwen und Waiſen unter die Obheit des Staates. Sie beſtellte in jedem Stadtviertel eine bewaffnete Miliz, welche das Läuten der Glocken auf dem Capitol zu jeder Stunde zum Schutze des Staates verſammeln konnte. Sie ordnete an, daß in jedem Hafen an der Küſte zur Sicherung des Handels ein Schiff von hun theidigur Umriſſe leicht de rige Un wenn di kehrunge inhalt de eines Vi Das leſung di mitten u ſtalt des war er gen Kri noch me hartnäck gemacht. tete ihn ſprach e ſein He „La ſung er ſind abe haben, beſſer vr durch Ein⸗ einer eon⸗ mit neuen eine re⸗ Als erſtes glücklichere er in Rom e Mörder de beſtraft ann, Ebdler gen in der ß die Thore icht der zu hen ſollten. ern, Söld⸗ ſend Mark Beſitze der herheit der ütern ver⸗ n unter die tadtviertel locken auf es Staates in jedem indels ein Schiff ſtationirt werde. Sie beſtimmte die Summe von hundert Gulden für die Erben jedes für die Ver⸗ theidigung Roms gefallenen Mannes, und weihte die öffentlichen Einkünfte dem Dienſte und dem Schutze des Staates. Dies waren, gemäßigt und wirkſam zugleich, die Umriſſe der neuen Verfaſſung, und es unterhält viel⸗ leicht den Leſer die Erwägung, wie groß die vorhe⸗ rige Unordnung in der Stadt geweſen ſein mußte, wenn die allgemeinſten und uranfängſtlichſten Vor⸗ kehrungen der Geſittung und Sicherheit den Haupt⸗ inhalt des vorgeſchlagenen Geſetzbuches und die Grenzen eines Volksaufſtandes ausmachten. Das hinreißendſte Jubelgeſchrei folgte der Vor⸗ leſung dieſes Entwurfes einer neuen Conſtitution, und mitten unter dem Jauchzen erhob ſich die rieſige Ge⸗ ſtalt des Cecco del Vecechio. Trotz ſeines Gewerbes war er ein Mann von großer Wichtigkeit in der jetz⸗ gen Kriſis; ſein Eifer und ſein Muth, und vielleicht noch mehr ſeine blinde Leidenſchaftlichkeit und ſein hartnäckiges Vorurtheil hatten ihn beim Volke beliebt gemacht. Die niedere Klaſſe der Handwerker betrach⸗ tete ihn als ihr Oberhaupt und ihren Vertreter; jetzt ſprach er laut und ohne Scheu— ſprach gut, weil ſein Herz voll von dem war, was er ſagen wollte. „Landsleute und Bürger!— Dieſe neue Verfaſ⸗ ſung erhält Euern Beifall— und mit Recht. Was ſind aber gute Geſetze, wenn wir nicht gute Männer haben, welche ſie vollziehen? Wer kann ein Geſetz beſſer vollziehen, als der Mann, welcher es entworfen 244 hat? Wenn Ihr von mir verlangt, daß ich Euch die Idee angebe, wie ein guter Schild zu fertigen ſei, und wenn Euch meine Idee gefällt, würdet Ihr den⸗ ſelben durch mich oder durch einen andern Schmied machen laſſen? Wenn durch einen anderen, ſo kam er wohl einen guten Schild fertigen, aber es wir nicht derſelbe werden, den ich gemacht hätte, und deſſen Miene Beſchreibung Euch befriedigte. Cola di Rienzi ha loren. ein Geſetzbuch vorgeſchlagen, das unſer Schild ſein ſoll. Wer anders ſoll darauf ſehen, daß der Schi— Rie wird, wie er ihn vorgeſchlagen, als Cola di Rienzi! kann m Römer! ich trage darauf an, daß Cola di Rienzi von dem Volke mit der Vollmacht ausgerüſtet werde, unt Lächeln. welchem Namen es ihm beliebt, die neue Verfaſſun kuuft?“ ins Werk zu ſetzen— und welche Mittel er auch an wendet, wir, das Volk, wollen über ihn wachen, dez ſetzte V Diener ihm kein Leid zugefügt werde.“ glaubt. „Lange lebe Rienzi!— Lange lebe Ceccv d nur, w Vecchio! Er hat wohl geſprochen!— kein Anderer„H als der Geſetzgeber ſoll der Regent ſein!“ Achſeln Solche Zurufungen begrüßten das ehrgeizige Hen den Vo des Gelehrten. Die Stimme des Volkes bekleidete ih„hier mit der höchſten Gewalt. Er hatte eine Republik ge 73 ſchaffen— um, ſobald es⸗ ihn gelüſtete, ein Deſpol treal c zu werden! 8 „ Siebentes Kapitel. Nach dem Halfter ſieht man, wenn die Mähre geſtohlen iſt Sache Während dieſer Ereigniſſe in Rom war ſchon ein nicht ich Euch die fertigen ſei, et Ihr den⸗ ern Schmieh ren, ſo kann werde, unt⸗ te Verfaſſunz leer auch an wachen, deß be Ceccv d kein Anderer 14 rgeizige Hen bekleidete ih Republik g⸗ ein Deſpol geſtohlen iſt ar ſchon ein 245 Diener des Stephan Colonna auf dem Wege nach Corneto. Das Erſtaunen, womit der alte Baron die Nachricht aufnahm, kann man ſich leicht vorſtellen. Er verlor keinen Augenblick, um ſeine Truppe zu ver⸗ ſammeln, und während des Gewühles des Aufbruches trat plötzlich der Ritter von St. Johann zu ihm. Seine Miene hatte ihre gewöhnliche unbefangene Ruhe ver⸗ loren. „Was iſt das?“ ſagte er eilig;„eine Empörung? — Rienzi unumſchränkter Beherrſcher von Rom?— kann man dieſen Nachrichten glauben?“ „Es iſt nur zu wahr!“ ſagte Colonna mit bitterem Lächeln.„Wo hängen wir ihn bei unſerer Zurück⸗ kunft?“ „Sprecht nicht ſo unbeſonnen, Herr Baron,“ ver⸗ ſetzte Montreal unhöflich;„Rienzi iſt ſtärker als Ihr glaubt. Ich weiß, was Männer find, und Ihr wißt nur, was Edelleute ſind! Wo iſt Euer Neffe?“ „Hier iſt er, edler Montreal,“ ſagte Stephan, die Achſeln zuckend, mit halb verächtlichem Lächeln über den Vorwurf, den nicht zu ahnden er für klüger hielt; „hier iſt er!— ſeht, er tritt eben ein!“ „Ihr habt die Neuigkeiten gehört?“ rief Mon⸗ treal aus. „Das habe ich.“ „Und verachtet die Revolution?“ „Ich fürchte ſie!“ „Dann habt Ihr doch einigen Verſtand. Aber dieſe Sache geht mich nichts an; ich will Eure Berathungen nicht ſtören. Adien für jetzt!“ und ehe Stephan ihm 246 zuvorkommen konnte, hatte der Ritter das Zimmer verlaſſen. „Was hat dieſer Demagoge im Einne?“ murmelte Montreal.„Wollte er mich hintergehen?— Hat er ſich meiner Gegenwart entledigt, um den ganzen Ge⸗ winn des Unternehmens ausſchließlich zu behalten? Ich fürchte dies!— der verſchmitzte Römer! Wir nordiſchen Krieger könnten nie mit ihrem Verſtande in die Schranken treten, käme ihre Feigheit uns nicht zu Hülfe. Aber was iſt zu thun? Ich habe Rudolph ſchon befohlen, mit den Räubern zu unterhandeln, und ſie ſind auf dem Punkte, ihren bisherigen Herrn zu verlaſſen. Gut! ſei es ſo! Beſſer, ich breche zuerſt die Macht der Barone und vergleiche mich dann, das Schwert in der Hand, nach meiner Weiſe mit dem Plebejer. Und wenn ich hierin nicht ſiege— holde Adeline! dann ſehe ich Dich wieder!— Das iſt einiger Troſt!— und Ludwig von Ungarn wird Kopf und Arm Walters von Montreal theuer erkaufen. Heda! Rudolph!“ als die ſtämmige Geſtalt des Reiters halb bewaffnet und halb betrunken über den Hofraum tau⸗ melte.„Burſche! biſt Du betrunken zu dieſer Stunde?“ „Trunken oder nüchtern,“ erwiderte Rudolph mit einem tiefen Bücklinge,„bin ich zu Deinen Befehlen.“ „Gut geſprochen!— ſind Deine Freunde reif für den Sattel?“ „Achtzig davon, bereits überdrüſſig des Müßig⸗ gehens und der dumpfen Luft Roms, wollen ßiiegen, wohin Walter von Montreal es verlangt.“ „Spute Dich denn— laß ſie auffſitzen; wir gehen von nu verlaſſe Der Ang Bei Thore phan l leute v „V Stadtn Panier Colonr komme 52 der H 2 die vet das Zimmer murmelte — Hat er ganzen Ge⸗ behalten? ömer! Wir n Verſtande it uns nicht be Rudolph aterhandeln, rigen Herrn breche zuerſt an, das ſe mit dem e— hde s iſt einiger Kopf und fen. Heda! Reiters halb fraum tau⸗ rStunde?“ olph mit Befehlen.“ de reif für es Müßig⸗ len ßiegen, wir gehen 247 von nun an nicht mehr mit dem Colonna— wir verlaſſen ſie, während ſie noch ſchwatzen! Sage meinen Knappen, daß ſie mich erwarten!“ Und als Stephan Colonna ſeinen Zelter beſtieg, hörte er zum erſtenmale, daß der Ritter von der Pro⸗ vence, der Reiter Rudolph und achtzig von den Söld⸗ nern bereits abgezogen ſeien— wohin, wußte Nie⸗ mand.— „Uns voran nach Rom! tapferer Barbar!“ ſagte Colonna.„Vorwärts meine Herren!“ —,— Achtes Kapitel. Der Angriff— ver Rückug— die Wahl— und der Anhang. Bei ihrer Ankunft fand die Schaar Colonna's die Thore Roms verſchloſſen und die Mauern beſetzt. Ste⸗ phan ließ ſeine Trompeter mit einem ſeiner Haupt⸗ leute vorgehen, um gebieteriſch Einlaß zu begehren. „Wir haben Befehle,“ erwiderte der Anführer der Staͤdtwache,„Niemanden einzulaſſen, der Waffen, Paniere oder Trompeten bei ſich führt. Die Herren Colonna mögen ihr Gefolge entlaſſen, ſo find ſie will⸗ kommen.“ „Wer gab dieſe unverſchämten Befehle?“ fragte der Hauptmann. „Der Herr Biſchof von Orvieto und Cola di Rienzi, die vereinigten Beſchützer des buono Stato.“ Der Hauptmann des Colonna kehrte mit dieſer Bolſchaft zu ſeinem Herrn zurück. Stephans Wuth ———— war nicht zu beſchreiben.„Geht zurück,“ ſchrie er, ſobald er die Stimme wieder fand,„und ſagt, daß, wenn ſofort die Thore nicht für mich und die Mei⸗ nigen geöffnet werden, das Blut der Plebejer auf ihr Haupt kommen ſoll. Raimund, der päpſtliche Vikar, hat hohe geiſtliche, aber keine weltliche Gewalt. Er ſoll ein Faſten ausſchreiben, ſo wird man ihm ge⸗ horchen; dem kühnen Rienzi aber ſagt, Stephan Co⸗ lonna werde ihn morgen auf dem Capitol aufſuchen, um ihn aus dem höchſten Fenſter herabzuſtürzen.“ Der Hauptmann verfehlte nicht, dieſe Botſchaft zu überbringen. Der römiſche Hauptmann gab eine eben ſo grimmige Antwort. „Erklärt Eurem Herrn,“ ſagte er,„daß Rom ihn und die Seinigen für Rebellen und Verräther an⸗ ſieht, und daß in dem Augenblicke, wo Ihr Eure Truppe wieder erreicht, unſere Bogenſchützen den Be⸗ fehl erhalten, ihre Bogen zu ſpannen— im Namen des Papſtes, der Stadt und des Befreiers.“ Dieſe Drohung wurde buchſtäblich erfüllt, und ehe der alte Baron Zeit hatte, ſeine Leute beſtmöglich aufzuſtellen, wurden die Thore aufgeſtoßen, und eine wohlbewaffnete, wenn auch undiseciplinirte Menge ſtürzte heraus mit trotzigem Geſchrei, mit klirrenden Waffen, voran das azurne Banner des römiſchen Staates. Ihr Angriff war ſo verzweifelt und ihre Anzahl ſo groß, daß die Barone nach einem kurzen tumultuariſchen Kampfe zurückgeſchlagen und von ihren Verfolgern weit über eine Meile von den Mauern der Stadt ge⸗ trieben wurden. Sol dem Sch bei wel laut ge für de welches gänglie zerſtrer die Th bracht mächti recht z aber Kopf auf ſe alte C von e ſtändi Sache ten 3 befeſt erleſe nach ſuchet mögl liche zuwi „will Wer ſchrie er, aufſuchen, ſtürzen.“ Botſchaft n gab eine „daß Rom rräther an⸗ Ihr Eure zen den Be⸗ im Namen ℳ t, und ehe beſtmöglich „und eine enge ſtürzte n Waffen, ates. Ihr ſo groß, tuariſchen erfolgern Stadt ge⸗ 249 Sobald ſich die Barone von der Unordnung und dem Schrecken erholt hatten, wurde eilig Rath gepflogen, bei welchem verſchiedene und widerſprechende Anſichten laut geltend gemacht wurden. Einige waren dafür, für den Augenblick nach Paleſtrina ſich zu wenden, welches den Colonna gehörte und eine beinahe unzu⸗ gängliche Feſte beſaß. Andere waren dafür, ſich zu zerſtreuen und friedlich in kleinen Abtheilungen durch die Thore einzuziehen. Stephan Colonna— aufge⸗ bracht und ſeiner gewöhnlichen Selbſtbeherrſchung nicht mächtig— war nicht im Stande, ſein Anſehen auf⸗ recht zu erhalten; Luca di Savelli, ein furchtſamer, aber falſcher und feiner Mann, wandte ſchon den Kopf ſeines Pferdes und gebot ſeinen Leuten, ihm auf ſein Schloß in der Romagna zu folgen, als der alte Colonna ſich auf ein Mittel beſann, ſeine Schaar von einer Auflöſung zurückzuhalten, die, wie er ver⸗ ſtändig genug war, einzuſehen, für die allgemeine Sache mißlich werden mußte. Er ſchlug vor, ſie woll⸗ ten zuſammen nach Paleſtrina ziehen und ſich dort befeſtigen, während einer von den Vornehmſten aus⸗ erleſen werden ſolle, um anſcheinend unterwürfig allein nach Rom zu gehen und Rienzi's Stärke zu unter⸗ ſuchen, mit der unbeſchränkten Vollmacht, wenn es möglich, Widerſtand zu leiſten— oder die beſtmög⸗ liche Bedingungen für den Einlaß der übrigen aus⸗ zuwirken. „Und wer,“ fragte Savelli mit höhniſchem Lächeln, „will ſich dieſer gefährlichen Sendung unterziehen? Wer will ſich unbewaffnet und allein der Wuth des 250 kühnſten Pöbels in Italien und der Laune eines De⸗ magogen in der erſten Blüte ſeiner Macht ausſetzen?“ Die Barone und Hauptleute ſahen einander ſchwei⸗ gend an. Savelli lachte. Bisher hatte Abrian an der Beſprechung keinen, an dem vorhergehenden Gefechte nur wenig Theil ge⸗ kommen. Jetzt kam er ſeinem Vetter zu Hülfe. „Signori!“ ſagte er, ich will die Sendung über⸗ nehmen,— aber auf meine eigene Rechnung, un⸗ abhängig von Euch Anderen;— frei zu thun, was ich der Würde eines römiſchen Nobili und dem In⸗ tereſſe eines römiſchen Bürgers für am angemeſſenſten halte; frei meine Fahne auf meinem eigenen Thurme aufzupflanzen, oder der neuen Staatsgewalt Treue zu leiſlen. „Wohl geſprochen!“ rief der alte Colonna eilig. „Der Himmel ſei dafür, daß wir Rom als Feinde be⸗ treten, wenn als Freunde es zu betreten uns noch geſtattet wird. Was ſagt Ihr, evle Herren?“ „Eine würvigere Wahl konnte nicht getroffen wer⸗ den,“ ſagte Savelli;„aber ich ſollte es kaum für möglich halten, daß ein Colonna nur an eine Wahl zwiſchen Widerſtand und Treueleiſtung gegen dieſe plötzlich entſtandene Revolution dächte.“ „Darüher, Signor, will ich für mich ſelbſt ur⸗ theilen; wenn Ihr einen Diplomaten für Euch wünſcht, wählt einen Anderen. Ich geſtehe Euch offen, daß ich genug von anderen Staaten geſehen habe, um einzuſehen, der Zuſtand Rom's in neuerer Zeit er⸗ heiſche eine Verbeſſerung. Oh Rienzi und Raimund ſeinem fernter men, eines De⸗ sſetzen?“ er ſchwei⸗ ng keinen, Theil ge⸗ ülfe. ung über⸗ ung, un⸗ hun, was dem In⸗ meſſenſten nThurme Ut Treue nna eilig. einde be⸗ uns noch n7 ffen wer⸗ kaum für ne Wahl zen dieſe elbſt ur⸗ wünſcht, fen, daß be, um Zeit er⸗ Kaimund 251 der Aufgabe gewachſen ſind, der ſie ſich unterzogen, weiß ich nicht.“ Savelli ſchwieg. Der alte Colonna nahm das Wort. „Nach Paleſtrina denn!— Seid Ihr Alle da⸗ mit einverſtanden? Im ſchlimmſten oder beſten Falle vürfen wir uns nicht trennen! Nur unter dieſer Bedingung gebe ich zu, daß mein Vetter ſein Leben auf das Spiel ſetzt!“ Die Barone murmelten eine Weile untereinander; — die Räthlichkeit von Stephans Vorſchlag war ein⸗ leuchtend, und ſo ſtimmten ſie endlich demſelben bei. Adrian ſah ſie abziehen und ritt dann, nur von ſeinem Knappen begleitet, langſam gegen einen ent⸗ fernteren Eingang der Stapt. Am Thore augekom⸗ men, wurde er nach ſeinem Namen gefragt— er gab ihn ohne Rückhalt an. „Reitet ein, mein Herr,“ ſagte der Wächter,„un⸗ ſere Befehle lauten, Alle einzulaſſen, die ohne Waffen und ohne Gefolge kommen. Insbeſondere aber haben wir den ausdrücklichen Befehl, dem Signor Adrian di Caſtello die einem Bürger und Freunde gebührende Ehre zu erweiſen.“ Adrian, etwas gerührt durch die hierin liegende Erianerung der Freundſchaft, ritt jetzt durch eine lange Reihe bewaffneter Bürger, die ihn, als er vor⸗ überkam, achtungsvoll grüßten, und als er den Gruß mit Höflichkeit erwiderte, folgte lautes Beifallsgeſchrei hinter den Schritten ſeines Pferdes. So ritt, außer einem Diener, der junge Patri⸗ 252 cier allein und frieblich langſam durch die langen, leeren und verlaſſenen Straßen,— denn beinahe die Hälfte der Einwohnerſchaft war auf den Mauern ver⸗ ſammelt, und nahezu die andere Hälfte war mit Er⸗ füllung einer friedlicheren Pflicht beſchäftigt,— bis er weiter in das Innere der Stadt kam und der weite, erhöhte Platz des Capitols ſich ſeinen Blicken darbot. Langſam ging die Sonne unter über einer ungeheuren Menſchenmenge, welche dieſen Raum ganz überdeckte, und hoch über einem in der Mitte ſich erhebenden Gerüſte glänzte im Abendſtrahl das große mit ſilber⸗ nen Sternen geſchmückte Panier von Rom.— Adrian hielt ſein Pferd an.„Dies,“ dachte er, „iſt wohl nicht die geeignete Stunde, mich öffentlich mit Rienzi zu beſprechen, und doch möchte ich gerne, unter die Menge gemiſcht, beurtheilen, wie weit ſeine Macht begründet iſt, und auf welche Weiſe er die⸗ ſelbe trägt.“ Er bedachte ſich einen Augenblick, ritt in eine der einſameren, damals ganz verlaſſenen Stra⸗ ßen, übergab ſein Pferd ſeinem Knappen, borgte von dieſem Sturmhaube und den langen Mantel, ging nach einem der weniger häufig benützten Ein⸗ gänge des Capitols und ſtand nun, in ſeinen Mantel gehüllt,— ſelbſt zu ihr gehörend— unter der Menge, aufmerkſam auf Alles, was ſich ereignen ſollte. „Und was,“ fragte er einen einfach gekleideten Bürger,„iſt die Urſache dieſer Verſammlung?“ „Habt Ihr die Bekanntmachung nicht gehört?“ verſetzte der Andere erſtaunt.„Wißt Ihr nicht, daß der Rath der Stadt und die Handwerkergilden durch i langen, beinahe die auern ver⸗ r mit Er⸗ — bis der weite, ken darbot. mgeheuren überdeckte, erhebenden mit ſilber⸗ dachte er, öffentlich ich gerne, weit ſeine iſe er die⸗ nblick, ritt nen Stra⸗ n, borgte Mantel, itzten Ein⸗ en Mantel e Menge, ſollte. gekleideten gehört?“ nicht, daß ilden durch 253 Abſtimmung entſchieden haben, Rienzi den Titel eines Königs von Rom anzubieten?“ Der Ritter des Kaiſers, dem dieſe erhabene Würde zuſtand, zog ſich erſchreckt zurück. „Und,“ begann der Bürger wieder,„dieſe Ver⸗ ſammlung aller geringeren Barone, Räthe und Hand⸗ werker iſt zuſammengekommen, um die Antwort zu hören.“ „Natürlich wird ſie bejahend ausfallen?“ „Ich weiß nicht— es ſind ſonderbare Gerüchte im Umlauf; bisher hat der Befreier ſeine Geſinnung geheim gehalten.“ In dieſem Augenblicke verkündete ein lauter Tuſch das Herannahen Rienzi's. Lärmend theilte ſich die Menge und nun ſchritt Rienzi, noch in voller Rüſtung, außer dem Helme, von dem Pa⸗ laſte auf dem Capitol auf das Gerüſte, und mit ihm, in all dem Glanze ſeines biſchöflichen Staatskleides, Raimund von Orvieto. Sohald Rienzi die Plattform beſtiegen hatte und ſo der ganzen Menge ſichtbar geworden war— keine Worte reichen hin, die Begeiſterung aller An⸗ weſenden zu ſchjldern— das Geſchrei, die Geberden, die Thränen, die Seufzer, das wilde Gelächter, worin die Theilnahme dieſer lebhaften und reizbaren Kinder des Südens ſich Luft machte. Die Fenſter und Bal⸗ kone des Palaſtes waren von den Weibern und Töch⸗ tern ver niedereren Barvone und der reicheren Bürger beſetzt; und Adrian befiel ein leichtes Zittern, als er unter ihnen— bleich— bewegt— weinend— das liebliche Antlitz ſeiner Irene erhlickte, das ſelbſt in dieſer Gemütsbewegung alle Anweſende verdunkelte, mit Ausnahme Eines neben ihr, deſſen Schönheit durch die Aufregung dieſer Stunde nur noch erhöht worden war. Die ſchwarzen, großen, blitzenden, leicht bethauten Augen Nina's von Raſelli ruhten ſtolz auf dem Helden ihrer Wahl; und mehr noch Stolz, als Freude, verlieh ihrer Wange ein höheres Inkarnat, und ihrer edeln, abgerundeten Geſtalt einen königlichen Anſtand. Die untergehende Sonne ſtrömte ihren vollen Glanz auf den Ort, die ent⸗ blößten Häupter— die belebten Züge der Menge— die graue, ungeheuere Maſſe des Capitols, und nicht weit von Rienzi entfernt übergoß ſie mit einem ſelt⸗ ſamen, blendenden Lichte den koloſſalen Löwen aus Baſalt,* von welchem eine zu dem Capitol führende Treppe ihren Namen hatte. Er war eine alte ägyp⸗ tiſche Reliquie,— groß, durch die Zeit verdorben und grimmig, das Symbol eines verſchwundenen Glaubens, an deſſen Geſichte der Bildhauer etwas Menſchenähnliches angebracht hatte. Und dies gab, indem es die wahrſcheinlich beabſichtigte Wirkung hervorbrachte, den ernſten Zügen und der feierlich ſtillen Ruhe, das eigenthümliche Geheimniß der ägypti⸗ * Das heutige Capitol iſt ſehr verſchieden von dem Gebäude dieſes Namens zu Rienzi's Zeit, und der Leſer darf nicht glauben, daß die jetzige nach dem Plane Michel Angelo's angelegte Treppe, an deren Fuß zwei Löwen aus Marmor ſich befinden, welch letztere Pius IV. eus der Kirche St. Stephan del Cacco ge⸗ nommen, die Treppe des Baſaltlöwen war, die in ſo ernſthafter Beziehung zu der Geſchichte Rienzi's ſteht. Dieſer ſtumme Zeuge ſchwarzer Thaten iſt nicht mehr. ſchen S übernati welche d geeignet tiefer de der gew wie für gaß der mochte wenn er nernen Ungeher ſah. E der verſ werden mit ein der Bef er unge brachte „Be er,„ja geizig, Gehorſe gegen eignen Verfaſſ Könige bin ich Römer Freiheit erdunkelte, Schönheit och erhöht blitzenden, li ruhten tehr noch n höheres n Geſtalt de Sonne die ent⸗ Menge— und nicht inem ſelt⸗ öwen aus führende alte ägyp⸗ verdorben wundenen ner etwas dies gab, Wirkung feierlich er ägypti⸗ em Gebäude cht glauben, gte Treppe, den, welch Cacco ge⸗ o ernſthafter ſer ſtumme 255 ſchen Skulptur, zu allen Zeiten einen myſtiſchen, übernatürlichen und furchtbaren Ausdruck. Die Furcht, welche dieſes koloſſale und grimmige Bild einzuflößen geeignet war, wurde von dem gemeinen Volke noch tiefer deßhalb gefühlt, weil die„Treppe des Löwen“ der gewöhnliche Ort für öffentliche Hinrichtungen, wie für öffentliche Ceremonien war. Und ſelten ver⸗ gaß der ſtolzeſte Bürger ſich zu bekreuzen, oder ver⸗ mochte ſich eines gewiſſen Schreckens zu erwehren, wenn er über den Platz ging und plötzlich den ſtei⸗ nernen Blick und das ominöſe Grinſen des alten Ungeheuers aus den Städten des Rils auf ſich gerichtet ſah. Es vergingen einige Minuten, ehe die Gefühle der verſammelten Menge Rienzi's Worte verſtändlich werden ließen. Als aber envlich der letzte Ausbruch mit einem gleichzeitigen Geſchrei:„Lange lebe Rienzi! der Befreier und König von Rom!“ ſchloß, erhob er ungeduldig die Hand, und die Neugierde der Menge brachte eine plötzliche Stille hervor. „Befreier von Rom, meine Landsleute!“ ſprach er,„ja, ändert dieſen Titel nicht— ich bin zu ehr⸗ geizig, um König ſein zu wollen! Bewahret den Gehorſam gegen Euren Papſt— die Ergebenheit gegen Euern Kaiſer— aber bleibt getreu Eurer eignen Freiheit. Ihr habt ein Recht auf Eure alte Verfaſſung; aber dieſe Verfaſſung bedurfte keines Königes. Nacheifernd dem Namen eines Brutus, bin ich erhaben über den Titel eines Tarquin! Römer, erwacht! erwacht! Laßt Euch von einer ebleren Freiheitsliebe begeiſtern, als die iſt, welche, wenn ſie den Thrannen von heute entthront, toll ſich der Gefahr ausſetzt, morgen wieder einen Thrannen zu haben! Rom bedarf noch immer eines Befreiers— keines Uſurpators!— Nehmt jenen Tand hinweg!“ Hier entſtand eine Pauſe; die Menge war tief ergriffen, aber nicht lärmend äußerte ſich dieſer Ein⸗ druck; ſie erwarteten ängſtlich eine Antwort von ihren Räthen, oder von den Führern des Volkes. „Signor,“ ſprach Pandulpho di Guido, einer der Caporivni,„Eure Antwprt iſt Eures Ruhmes würdig. Aber um das Geſetz zu vollſtrecken, muß Rom Euch mit einem geſetzlichen Titel begaben— wenn nicht den eines Königes, ſo geruhet, den eines Dictators, oder eines Conſuls anzunehmen.“ „Lange lebe der Conſul Rienzi!“ ſchrieen mehrere Stimmen. Rienzi gebot durch Winken mit der Hand Stillſchweigen. „Pandulpho di Guido, und Ihr, geehrte Räthe von Rom! ein ſolcher Titel iſt zu erhaben für meine Verdienſte, und unanwendbar auf meine Verrichtungen. Ich ſtamme aus dem Volke— das Volk iſt das mit anvertraute Gut; die Adeligen können ſich ſelbſt ſchützen. Dietator und Conſul ſind Benennungen für Patricier. Nein,“ fuhr er nach einer kurzen Pauſe fort,„wenn Ihr es zur Erhaltung der Ord⸗ nung für nothwendig erachtet, daß Euerm Mitbürger ein förmlicher Titel und eine anerkannte Macht über⸗ tragen werde, ſo ſei es denn; aber laßt ſie von der Art ſein, daß ſie die Beſchaffenheit unſerer neuen Ein⸗ richtungen, die Klugheit des Volkes und die Mäßigung der Mä Einſt, ſchützeru gewiſſe, aus den Ihre V eine V dieſer 2 den ich, im vol dieſem mente— Rie ſein W weit un ihrer G die Mä Tribun ſtürmiſi Volk h weil de Einem von Ho merkſam ſentative beinahe nach der Syndier wählen Bulw hinweg!“ war tief ido, einer Ruhmes cken, muß en mehrere der Hand hrte Räthe für meine rrichtungen. iſt das mir ſich ſelbſt enennungen iner kurzen g der Ord⸗ Mitbürger Macht über⸗ ſie von der neuen Ein⸗ Mäßigung 257 der Männer, die an deſſen Spitze ſtehen, bezeugen. Einſt, meine Landsleute, wählte das Volk zu Be⸗ ſchützern ſeiner Rechte und Wächtern ſeiner Freiheit gewiſſe, dem Volke verantwortliche Beamte, gewählt aus dem Volke,— Sorge tragend für das Volk. Ihre Macht war groß, aber ſie war übertragen; eine Würde, aber eine anvertraute. Der Name dieſer Beamten war Tribunen. Dies iſt der Titel, den ich, wenn er mir, nicht durch Zuruf, ſondern im vollen Parlament des Volkes, unterſtützt von dieſem Parlamente und herrſchend mit dieſem Par⸗ mente— übertragen wird, dankbar annehmen werde.“* Rienzi's Rede und Geſinnungen wurden durch ſein Weſen voll ernſter und tiefer Aufrichtigkeit noch weit undurchdringlicher; und die Römer fühlten trotz ihrer Geſunkeuheit ein augenblickliches Entzücken über die Mäßigung ihres Oberhauptes.„Lange lebe der Tribun von Rom!“ wurde gerufen, aber weniger ſtürmiſch, als„Lange lebe der König!“ und das Volk hielt die Revolution beinahe für unvollſtändig, weil der erhabenere Titel nicht angenommen wurde. Einem entarteten und geſunkenen Volke erſcheint die Freiheit als etwas zu Einfaches, wenn ſie nicht mit * Weder Gibbon, noch Sismondi, von denen Keiner die von Hokſemius aufbewahrten Originalurkunden mit viel Auf⸗ merkſamkeit nachgeſchlagen zu haben ſcheint, erwähnen des reprä⸗ ſentativen Parlamentes, welches einzuſetzen, oder zu bilden, beinahe Rienzi's erſte öffentliche Handlung war. Sechs Tage nach dem venkwürdigen 19. Mai, redete er das Volk von Viterbo in einem noch vorhandenen Briefe an. Er fordert es auf, zwei Syndicus, oder Geſandte, zu dem allgemeinen Parlament zu wählen und zu ſchicken. Bulwer, Rienzi. 1. 17 258 dem Gepränge eben des Deſpotismus geſchmückt iſt, den es entthronen wollte. Mehr nach Rache als nach Erleichterung ſehnt es ſich; und je größer die neue Gewalt, die es ſchafft, deſto größer ſcheint ihm die Rache gegen die alte. Doch freuten ſich alle Geach⸗ teteren, Einſichtsvolleren und Mächtigeren unter der Verſammlung über eine Mäßigung, welche, wie ſie vorausſahen, Rom vor tauſend Gefahren von Seiten des Kaiſers oder des Papſtes bewahrte. Ihre Freude wurde noch vermehrt, als Rienzi, ſobald es die wieder eintretende Stille erlaubte, hinzufügte:„Und da wir gleiche Arbeiter in derſelben Sache waren, ſollte jede mir zuerkannte Ehre auch auf den Stellvertreter des Papſtes, Raimund, Biſchof von Orvieto, aus⸗ gedehnt werden. Bedenket, daß Kirche und Staat, ſtreng genommen, nur weil ihre Wohlthäter, auch die Beherrſcher der Völker ſind.— Lange lebe der erſte Vikar eines Papſtes, der immer auch der Be⸗ freier des Staates war!“ Ob nun Rienzi einzig und allein durch ſeinen Patriotismus zu dieſer Mäßigung bewogen wurde, oder nicht, ſo iſt doch ſo viel gewiß, daß ſein Scharf⸗ finn ſeiner Tugend wenigſtens gleich kam; und Nichts vielleicht hätte die Revolution mehr befeſtigen können, als daß der Vikar und Stellvertreter der päpſtlichen Gewalt auf dieſe Weiſe ſein Amtsgenoſſe wurde; ſie borgte für die Augenblicke die Sanktion des Papſtes ſelbſt— der auf dieſe Art die Verantwortlichkeit der Revolution zu theilen hatte, ohne die Gewalt des Staates gllein zu beſitzen⸗ Währ zujauchzte erfüllte, Zeichen u Demuthe Erwählte Manche, welche in zu gewint wünſchen ſobald R gehalten der ihm lichen Wi etwaige hintenſtel ſelben tr ſei, daß nun als ſie einge Geſetze dem Buc Der er in ſe und verf Gleichgü Schein e dern zur daß ſie gegen di mückt iſt, als nach die neue ihm die e Geach⸗ unter der „wie ſie bn Seiten re Freude ie wieder „Und da en, ſollte llvertreter to, aus⸗ d Staat, ter, auch lebe der de Be⸗ ch ſeinen n wurde, Scharf⸗ nd Nichts nkönnen, äpſtlichen urde; ſie Papſtes hkeit der valt des 259 Während die Menge dem Vorſchlage Rienzi's zujauchzte, während ihr Jubelgeſchrei noch die Luft erfüllte, während der etwas erſtaunte Raimund durch Zeichen und Geberden ſeine Dankbarkeit und ſeine Demuth auszudrücken ſuchte, bemerkte der zum Tribun Erwählte, als er ſeine Blicke umherſchweifen ließ, Manche, die ihre Neugierde hiehergezogen hatte, und welche in der erſten Hitze der öffentlichen Begeiſterung zu gewinnen, wegen ihres Ranges und ihres Gewichtes, wünſchenswerth erſchien. Demzufolge berief Rienzi, ſobald Raimund eine kurze und pomphafte Anrede gehalten hatte,— worin die bereitwillige Annahme der ihm angebotenen Ehre pofſierlich gegen den ängſt⸗ lichen Wunſch abſtach, weder ſich, noch den Papſt in etwaige verdrießliche Folgen zu verwickeln— zwei hintenſtehende Herolde auf die Plattform; einer der⸗ ſelben trat vor und verkündete:„Da zu wünſchen ſei, daß Alle, die bis jetzt neutral geblieben, ſich nun als Freunde oder Feinde bekennen, ſo wrdeen ſie eingeladen, den Eid des Gehorſams gegen die Geſetze zu leiſten, und ſich durch ihre Unterſchrift dem Buono Stato anzuſchließen.“ Der Eifer des Volkes war ſo groß, ſo ſehr war er in ſeiner Haltung durch Rienzi's Reden veredelt und verſtärkt worden, daß die Anſteckung ſelbſt die Gleichgültigſten ergriffen hatte; Niemand wollte den Schein auf ſich ziehen, als weiche er von den An⸗ dern zurück, ſo daß die Neutralſten, die wußten, daß ſie die Angeſehenſten waren, ſich am meiſten gegen den Buono Stato verpflichteten. Der erſte, 260 welcher ſich der Plattform näherte und den Eid lei⸗ ſtete, war der Signor di Raſelli, Nina's Vater.— Andere von dem niederen Adel folgten ſeinem Beiſpiele. Die Anweſenheit des päpſtlichen Vikars beſtimmte die ariſtokratiſch Geſinnten; die Furcht vor dem Volke drängte die Selbſtſüchtigen; Jubelgeſchrei und Glück⸗ wünſche ermuthigten die Eiteln. Der Raum zwiſchen Adrian und Rienzi hatte ſich gelichtet. Der junge Edelmann fühlte plötzlich, daß die Blicke des Tribuns auf ihm ruhten; er fühlte, daß dieſe Blicke ihn erkann⸗ ten und aufforderten— er erröthete— ſein Athem wurde kürzer. Die edle Mäßigung Rienzi's hatte ſein Her gerührt;— das Beifalljauchzen— das Gepränge— die Begeiſteruug des Auftrittes berauſchte— ver⸗ wirrte ihn. Er ſchlug die Augen auf und ſah vor ſich die Schweſter des Tribuns— die Dame ſeiner Liebe! Seine Unſchlüſſigkeit— ſein Schweigen— dauerten noch immer, als Raimund ihn bemerkte und auf einige Worte, die ihm Rienzi zuflüſterte, liſtig laut ausrief:„Platz für den Herrn Adrian di Ca⸗ ſtello! ein Colonna! ein Colonna!“ Der Rückzug war nun abgeſchnitten. Mechaniſch und wie im Traum beſtieg Adrian die Plattform; und um den Triumph des Tribunen vollſtändig zu machen, ſah der letzte Sonnenſtrahl die Blüte der Colonna— den beſten und tapferſten der Barone Roms— ſeine Macht und Gewalt anerkennen und ſeine Geſetze unterſchreiben! Die Als Corneto nach Ro ein undfe aber M und jede getreuen aufzuſuck In kürz zurück.„ en Eid lei⸗ Vater.— n Beiſpiele. s beſtimmte dem Volke und Glück⸗.. un zwiſchen D rittes B U ch. Der junge. es Tribunz Die Freiheit ohne Geſetz. ihn erkann⸗ Ben furo avventurosi i cavalieri ch' erano a quella etä, che nei valloni, lthem wurde 3 Nelle scure spelonche e boschi fieri, Hen Tane di serpi, d' orsi o di leoni, epränge— Trovavan quel che nei palazui altieri — Appena or trovar pon giudici huoni, Ponne che nella lor piü fresca etade Sien degne di aver titol di bettade. ind ſah vor dame ſeiner Ariosto, Orl. Vur. cun. XIII. 1. hweigen— emerkte und terte, liſtig Erſtes Kapitel. rian di Ca⸗ e Rückzug nd wie im Als Walter von Montreal und ſeine Söldlinge nd um den Corneto verlaſſen hatten, eilten ſie ſo ſchnell als möglich nachen, ſah nach Rom; dort trafen ſie lange vor den Baronen Folonna— ein undfanden einen ähnlichen Empfang an den Thoren; ms— ſeine aber Montreal vermied kluger Weiſe jeden Angriff eine Geſetze und jede Drohung, und begnügte ſich damit, ſeinen getreuen Ruvolph in die Stadt zu ſchicken, um Rienzi aufzuſuchen und um Einlaß für ſeine Truppe zu bitten. In kürzerer Zeit, als man erwartete, kehrte Rudolph zurück.„Nun,“ ſagte Montreal ungeduldig,„Du haſt, Die Rückkehr Walters von Montreal in ſeine Burg. 262 hoffe ich, den Befehl. Können wir ſie endlich auf⸗ fordern, die Thore zu öffnen?“ „Sie auffordern, unſer Grab zu öffnen,“ erwiderte der Sachſe plump.„Ich hoffe, meine nächſte Sendunz als Herold wird an einen freundlicher geſinnten Hof gehen.“ „Wie! was meinſt Du?“ „Nur kurz ſo viel: ich fand den neuen Regenten, oder was ſein Titel iſt, in dem Palaſte auf dem Ca⸗ pitol, umgeben von Wachen und Räthen, und in der vollſtändigſten, ſchönſten Rüſtung, die ich je außer Mailand ſah.“ „Die Peſt über ſeine Rüſtung! theile uns ſein⸗ Antwort mit.“ „Sagt Walter von Montreal“(fagte er, wem Ihr es denn haben wollt),„daß Rom nicht länger eine Räuberhöhle iſt; ſagt ihm, daß, wenn er her⸗ einkommt, er ſich einer Unterſuchung zu unterwerfen hat—— „Einer Unterſuchung!“ ſchrie Montreal zähne⸗ knirſchend. „Wegen Theilnahme an den übelthaten Werners und ſeiner Freibeuter.“ „Ha!“ „Sagt ihm ferner, daß Rom allen Räubern in Zelten oder Thürmen den Krieg erklärt, und daß wir ihm befehlen, binnen achtundvierzig Stunden das Ge⸗ biet der Kirche zu verlaſſen.“ „So gedenkt er alſo nicht nur mich zu hinter⸗ gehen, ſondern mir auch zu dohen? Gut, fahre fort.“ „Die würdigte Warnun deutſchen noch in Strick u „Ge Scham Auge in liefern? Rud ſchien e ſagte er beurthei aus wer hörte ie annehm „Hi braucht kommen ab. We nach fü wir mit Heilige ſame A That b Chevale compag „ H endlich auf⸗ „erwidert⸗ ſte Sendung ſinnten Hof n Regenten, uf dem Ca⸗ und in der ch je außer le uns ſein⸗ e er, wenn nicht länger enn er he unterwerfen real zähne⸗ en Werners Räubern in und daß wir den das Ge⸗ hzu hinter⸗ fahre fort.“ 253 „Dies war ſeine ganze Antwort an Euch; mich würdigte er indeſſen einer noch weit verbindlicheren Warnung.„„Höret, Freund,““ ſagte er,„„für jeden deutſchen Banditen, der nach dem morgenden Tage noch in Rom gefunden wird, iſt unſer Willkomm Strick und Galgen! Packt Euch!““ „Genug! genug!“ rief Montreal, vor Wuth und Scham erröthend.„Rupolph, Du haſt ein geübtes Auge in ſolchen Dingen, wie viele Nordländer wären nöthig, dieſen Glückspilz an eben dieſen Galgen zu liefern?“ Rudolph kratzte ſich ſeinen ungeheuren Kopf und ſchien einige Zeit in Berechnungen vertieft; endlich ſagte er:„Ihr, Hauptmann, könnt dies am beſten beurtheilen, wenn ich Euch ſage, daß ſeine Macht aus wenigſtens zwanzig tauſend Römern beſteht; ſo hörte ich zufällig; dieſen Abend ſoll er die Krone annehmen und den Kaiſer abſetzen.“ „Ha, ha!“ lachte Montreal,„iſt er ſo toll? dann braucht er unſere Hülfe nicht, um an den Galgen zu kommen. Meine Freunde, warten wir den Ausgang ab. Weder Barone noch Volk werden dem Anſcheine nach für den Augenblick unſere Kaſſen füllen. Ziehen wir mitten durch das Land nach Terraeina. Dank den Heiligen,“ und Montreal(der nicht ohne eine ſelt⸗ ſame Art von Frömmigkeit war— er hielt in der That dieſe Tugend für eine weſentliche Pflicht der Chevalerie) bekreuzte ſich gottesfürchtig,„die Frei⸗, compagnien ſind nie lange ohne Quartiere!“ „Hurrah dem Johanniter!“ ſchrien die Söld⸗ linge.„Und Hurrah dem ſchönen Frankreich und dem trotzigen Deutſchland!“ ſetzte der Ritter hinzu, ſchwang hoch die Hand, gab ſeinem ſchon ermüdeten Pferde die Sporen und in ſein Lieblingslied Sein Roß und ſein Schwert, und ſeine Dame, die Unvergleichliche u. ſ. w. ausbrechend, eilte Montreal mit ſeiner Truppe ſtatt⸗ lich durch die verödete Campagna. Bald ſank indeſſen der Ritter von St. Johaun in tiefe, ſchwermüthige Träumereien; ſeine Begleiter ahmten das Schweigen ihres Führers nach, und nach wenigen Minuten unterbrach nur das Raſſeln ihrer Waffen und das Klirren ihrer Sporen die Stille der weitausgedehnten, düſteren Ebenen, über welche ſie nach Terraeina zogen. Mit bitterem Grolle erinnerte ſich Montreal ſeiner Unterredung mit Rienzi, und ſtolz auf ſeinen Scharſſinn wie auf ſein Talent für Ränke, war er gedemüthigt und ärgerlich bei der Ent⸗ deckung, daß er von einem noch verſchmitzteren In⸗ triguanten zum Narren gehalten worden war. Seine ehrgeizigen Plane auf Rom waren überdies durchkreuzt, ja für den Augenblick durch eben die Mittel vernichtet, auf welche er gerechnet hatte, um ſie auszuführen. Er hatte die Barone hinlänglich kennen gelernt, um überzeugt zu ſein, daß, ſo lange Stephan Colonna, das Oberhaupt des Standes, lebte, er nicht leicht jene Herrſchaft in dem Staate erlangen könne, die, wenn er ſich mit einem ehrgeizigeren oder weniger furchtſamen und weniger mächtigen Herren verbün⸗ dete, ſi konnte. lich, et ſen, ſo theilha ſollte lich ge Beiſtar Der G und kü tigkeit lieber auf der dem ä anderet von Ur Rache unglüc Königi hatte dem u ſein B einige erklärt ſtreute ſchon Grenz Geier ſicht at Montt und dem , ſchwang en Pferde w. uppe ſtatt⸗ t. Johaun e Begleiter „und nach ſſeln ihrer Stille der welche ſie e erinnerte ienzi, und Talent für ei der Ent⸗ tzteren In⸗ war. Seine durchkreuzt, lvernichtet, uszuführen⸗ elent, m n Colonna, nicht leicht könne, die, der weniger en verbün⸗ — 265 Sꝛ dete, ſeine Hülfe bei Rienzi's Vertreibung belohnen konnte. Unter allen Umſtänden hielt er es für räth⸗ lich, entfernt zu bleiben. Sollte Rienzi's Macht wach⸗ ſen, ſo ſtand es bei Montreal, den Baronen ſo vor⸗ theilhafte Bedingungen zu machen, als er nur wollte; ſollte ſie aber finken, ſo konnte ihn dann ſein natür⸗ lich gedemüthigter Stolz dazu bewegen, Montreals Beiſtand zu ſuchen und ſich ſeinen Vorſchlägen zu fügen. Der Ehrgeiz des Provenzalen, obwohl vielumfaſſend und kühn, war nicht feſter, beharrlicher Natur. Thã⸗ tigkeit und Unternehmungen waren ihm bis jetzt noch lieber als der Lohn, den ſie darboten, und ſah er ſich auf der einen Seite getäuſcht, ſo wandte er ſich mit dem ächten Geiſte eines irrenden Ritters auf ein anderes Feld für ſeine Heldenthaten. Ludwig, König von Ungarn, grimmig, kriegeriſch, unverſöhnlich, nach Rache dürſtend für den Mord ſeines Bruders, des unglücklichen Gatten Johanna's(ver ſchönen, ſündigen Königin von Neapel— der Maria Stuart Italiens), hatte ſich ſchon gerüſtet, den Garten der Campagna dem ungariſchen Joche zu unterwerfen. Schon hatte ſein Baſtardbruder Italien betreten— ſchon hatten ſich einige der neapolitaniſchen Staaten zu ſeinen Gunſten erklärt— ſchon hatte der nordiſche Monarch den zer⸗ ſtreuten Compagnien Verſprechungen gemacht— und ſchon ſammelten ſich dieſe kühnen Söldlinge an den Grenzen des Paradieſes von Italien, angelockt wie Geier von dem Aas durch Kriegsrüſtungen und Aus⸗ ſicht auf Plünderung. Dieſes war das Feld, auf welches Montreals kühner Geiſt jetzt ſeine Gedanken richtete, 266 und ſeine Krieger hatten freudig ſeine Abſicht erra⸗ then, als ſie ihn Terraeina als ihr Ziel nennen hörten. Auf jede Hülfsquelle bedacht, und ſeine kühne, grund⸗ ſatzloſe Tapferkeit durch einen Scharfſinn verfeinernd, der, wenn die Jahre ſeine raſtloſe Ritterlichkeit mehr gereift und nüchterner gemacht hätten, ihn den ge⸗ fährlichſten, je bekannten Feinden Italiens an die Seite zu ſtellen verſprach, hatte Montreal auf das erſte Zeichen von Ludwigs kriegeriſchen Abſichten ein ſtarkes Caſtell auf der herrlichen Küſte jenſeits Terra⸗ eina eingenommen und befeſtigt, bei welcher der be⸗ rühmte Paß liegt, den einſt Fabius gegen Hannibal hielt, und den die Natur für den Krieg wie für den Frieden ſo begünſtigt hat, daß eine handvoll Bewaff⸗ neter den Marſch einer Armee aufhalten konnte. Der Beſitz einer ſolchen Feſte gerade an der Grenze von Neapel gab Montreal eine Wichtigkeit, aus der er gegenüber von dem ungariſchen Könige Nutzen zu ziehen hoffte, und nachdem nun ſeine größeren und emporſtrebenden Plane hinſichtlich Roms geſcheitert waren, wünſchte ſich ſein ſanguiniſcher, thätiger und elaſtiſcher Geiſt Glück zu dem Rettungsmittel, das er ſich aufbehalten hatte. Die Schaar machte bei Einbruch der Nacht dies⸗ ſeits der pontiniſchen Sümpfe Halt, nahm ohne Be⸗ denken Beſitz von einigen Hütten und Schuppen, aus welchen ſie die armen Bewohner hinauswarf, und ſchlachtete mit eben ſo wenig Umſtänden Schweine, Vieh und Geflügel eines naheliegenden Hofes. Bald nach Sonnenaufgang durchzog ſie jene fatalen Sümpfe, welch trockt erfri theile eröfft Hauſ allein Heite und tödtliq Kana welche ſchilde Geläch ſanges Marſc Es Paß h tulä). Felſen Blum zur wie d ſelte. Gebut verbu Schön blicke Bilder P ht erra⸗ hörten. „grund⸗ feinernd, eit mehr den ge⸗ an die auf das chten ein Terra⸗ der be⸗ Hannibal e für den Bewaff⸗ mte. Der ene n s der er tutzen zu jeren und geſcheitert tiger und el, das er acht dies⸗ ohne Be⸗ pen, aus a nd Schweine, fes. Bald n Sümpfe, welche theilweiſe ſchon von Bonifaeius VIII. ausge⸗ trocknet worden waren, und Montreal, durch den Schlaf erfriſcht, vergaß ſeinen letzten Verdruß über den Vor⸗ theilen, welche ihm der herannahende Krieg mit Neapel eröffnete, und hatte bei der Freude, daß er ſich einem Hauſe näherte, das ein Weſen in ſich ſchloß, welches allein ſein Herz mit dem Ehrgeize theilte, all die Heiterkeit wieder gewonnen, die ſeine galliſche Geburt und ſein ſorgloſes Leben mit ſich brachten. Und jene tödtliche, aber geheiligte Straße, wo man in dem Kanal noch die Arbeiten von Auguſtus ſehen kann, welcher von der durch Horaz mit ſo viel Humor ge⸗ ſchilderten Reiſe Zeuge war, wiederhallte von dem lauten Gelächter und den häufigen Bruchſtücken wilden Ge⸗ ſanges, womit die barbariſchen Räuber ihren ſchnellen Marſch belebten. Es war Mittag, als die Truppe den romantiſchen Paß betrat, deſſen ich oben erwähnt(das alte Lau⸗ tulä). Noch erhoben ſich zur Linken ſteile, erhabene Felſen, damals von üppigem Grün und den zahlloſen Blumen des zu Ende gehenden Mai bedeckt, während zur Rechten das Meer, ruhig wie ein See und blau wie der Himmel muſikaliſch zu ihren Füßen ſich kräu⸗ ſelte. Montreal, durchdrungen von der Poeſie ſeines Geburtslandes, die ſo eng mit der Liebe zur Natur verbunden iſt, hätte zu einer anderen Zeit ſich an der Schönheit der Gegend erfreut; aber in dieſem Augen⸗ blicke waren weniger äußerliche und mehr häusliche Bilder in ſeinem Inneren geſchäftig. Plötzlich einen ſich ſchlängelnden Gebirgspfad ein⸗ ſchlagend, der für die Pferde mühſam und rauh zu erſteigen war, kam die Truppe endlich vor einer ſtarken Burg von grauen Steinen an, deren Thürme durch das hohe Laubwerk verſteckt waren, bis ſie plötzlich finſter aus dem lachenden Grün hervortraten. Der Schall des Hüfthornes, die Fahne des Ritters, die ſchnell gegebene Loſung, brachten ein Jubelgeſchrei des Willkomms von etwa vierzig grimmigen Kriegern auf den Mauern hervor; das Fallgatter wurde auf⸗ gezogen, Montreal ſprang haſtig von dem keuchenden Pferde, eilte über die Schwelle eines vorſtehenden Portales und durch einen großen Saal, als eine Dame — jung, ſchön und reich gekleidet— ihm mit ebenſo flüchtigen Schritten entgegenkam und athemlos und überglücklich in ſeine Arme ſank. „Mein Walter! mein lieber, theurer Walter! Willkommen, zehntauſendmal willkommen!“ „Adeline, meine Schöne— meine Angebete— ich ſehe Dich wieder!“ Dieſe und ähnliche Grüße wurden gewechſelt, wäh⸗ rend Montreal ſeine Dame ans Herz drückte, ihre Thränen hinwegküßte, ihr Antlitz zu dem ſeinigen er⸗ hob und deſſen zarte Blüte mit all der ausdrucksvollen Beſorgniß der Liebe nach einer Trennung betrachtete. „Meine Schöne,“ ſaßte er zärtlich,„Du haſt Dich gegrämt, Du haſt Rundung und Farbe verloren, ſeit wir ſchieden. Komme, komme, Du biſt zu zart oder zu thöricht für die Liebe eines Kriegers.“ „Ach, Walter!“ verſetzte Adeline, ihn umſchlin⸗ gend,„jetzt biſt Du wieder da und mir wird wohl ſein. laſſen.“ „M Leib ur vermäh Schloſſt Das Lel um feudaler des Hin real in eine Zei Beſchäf keit, w Eid ſei rauh zu r ſtarken ne durch plötzlich n. Der ers, die lgeſchrei Kriegern rde auf⸗ uchenden tehenden re Dame it ebenſo los und Walter! ebete— It, wäh⸗ kte, ihre nigen er⸗ cksvollen trachtete. haſt Dich ren, ſeit zart oder uſchlin⸗ ird wohl 269 ſein. Du wirſt mich lange, lange nicht wieder ver⸗ lafſen.“ „M' amie, nein;“ er ſchlang ſeinen Arm um ihren Leih und die Liebenden— denn ach! ſie waren nicht vermählt!— zogen ſich in die inneren Zimmer des Schloſſes zurück. Zweites Kapitel. Das Leben der Liebe und das Leben im Kriege— Der Frie⸗ densbote— Das Turnier. umgeben von ſeinem Kriegsvolke, ſicher in ſeiner fendalen Veſte, entzückt von der Schönheit der Erde, des Himmels und der See um ihn her, vergaß Mont⸗ real in der leidenſchaftlichen Anbetung Adelinens für eine Zeitlang alle ſeine unruhigere Plane und rauhere Beſchäftigungen. Seine Natur war großer Zärtlich⸗ keit, wie großer Wildheit fähig, und ſein Herz blu⸗ tete, wenn er die ſchöne Wange ſeiner Dame anblickte und ſah, daß ſelbſt ſeine Gegenwart nicht hinreichte, das Lächeln und die Friſche früherer Zeiten darauf zurückzurufen. Oft verfluchte er den unheilbringenden Eid ſeines Ritterordens, der ihm verbot, ſich zu ver⸗ mählen, ſelbſt mit einer mehr als Ebenbürtigen, und Gewiſſensbiſſe verbitterten ſeine glücklichſten Stunden⸗ Die zarte Dame in dieſem Ränberſchloſſe, getrennt von allem, was ſie am meiſten ſchätzen gelernt— von Mutter, Freunden und gutem Rufe— liebte ihren Verführer nur um ſo heftiger; nur um ſo mehr drängten ſich all die weiblichen, zarten Gefühle, denen 270 jede andere, weniger ſündhafte Außerung verſagt war, auf einen Gegenſtand zuſammen. Aber ſie fühlte ihre Schmach, wenn ſie es auch zu verheimlichen ſuchte, und ein noch nagenderer Kummer, als die Schmach, trug dazu bei, ihren Geiſt zu verzehren und ihre Ge⸗ ſundheit zu untergraben. Doch war ſie bei all dem in Montreals Gegenwart glücklich, auch in der Trauer, und ihre wankende Geſundheit gab ihr wenigſtens ei⸗ nigen Troſt in der Hoffnung, daß ſie ſterben werde, ehe ſeine Liebe zu erkalten anfange. Bisweilen machten ſie kleine Ausflüge, denn der unruhige Zuſtand des Landes erlaubte ihnen keine zu weite Wanderungen von dem Schloſſe durch die ſonnigen Wälder und der ſpiegelklaren See entlang, welche den Reiz dieſer herr⸗ lichen Gegend ausmachen, und die Miſchung des Wil⸗ den mit dem Zarten, die abenteuerliche Begleitung, das Zelt um Mittag auf einem lichten Flecke in dem Walde, die Laute und Stimme Adelinens, und die grimmigen Solvaten in der Entfernung gruppirt und zuhorchend, hätte wohl für die Dichtung Arioſt's ge⸗ paßt und ſtimmte beſonders mit jener ſeltſamen, un⸗ ordentlichen und doch ritterlichen Zeit zuſammen, in welcher der klaſſiſche Süden der Sitz der nordiſchen Romantik wurde. Noch immer unterhielt indeſſen Montreal ſeine geheime Verbindung mit dem unga⸗ riſchen Könige und entſagte, in neue Plane vertieft, für den gegenwärtigen Augenblick gerne allen ſeinen Abſichten auf Rom. Doch dachte er, ſein hochſtrebender Ehrgeiz habe nur einen Aufſchub erlitten, und in dem fernen Hintergrunde ſeiner abentenerlichen Laufhahn ſtieg glär der Cäſa Einet Truppe! eina hin und eine ſonderbar haupt un von Mör Hymne, Willko Den 2 Die B Die E Es wei Tritt h Rauſche Trägt Furchtl Ueber! Keine Du zie Iſt mi Vorüb⸗ An Hö igt war, hlte ihre ſuchte, Schmach, ihre Ge⸗ all dem Trauer, ſtens ei⸗ n werde, machten tand des derungen und der eſer herr⸗ des Wil⸗ gleitung, e in dem und die ppirt und ioſt's ge⸗ men, un⸗ nmen, in nordiſchen t indeſſen em unga⸗ e vertieft, len ſeinen ſtrebender nd in dem Laufhahn 271 ſtieg glänzend das Capitol von Rom und das Seepter der Cäſaren auf. Eines Tages, als Montreal, nur von einer kleinen Truppe begleitet, nahe an den Mauern von Terra⸗ eina hinritt, wurden plötzlich die Thore aufgeſtoßen und eine zahlreiche Menge kam heraus, voran eine ſonderbare Geſtalt, deren Schritte die Anderen baar⸗ haupt und mit lauten Segnungen folgten; ein Zug von Mönchen ſchloß die Prozeſſion; ſie ſangen eine Hymne, deren Schlußworte lauteten, wie folgt: Willkommen auf der Berge Höhen, Den Boten trägt der leichte Fuß, Die Blumen wachſen, die ihn ſehen, Die Engel ſingen ihm den Gruß; Es weicht der Mond mit ſeinem Schein, Tritt hold der Friedensbote ein. Rauſchend über Thal und Hügel Lrägt dich der geweihte Flügel; Furchtlos ziehſt du Tag und Nacht, Ueber dich hält Gott die Wacht: Keine Macht hemmt deine Schritte, Du ziehſt durch der Heiden Mitte, Nicht von hartem Stahl geſchützt, Nur vom weißen Kleid umblitzt. Seine Hand, ſtatt mit dem Schwert, Iſt mit dem Silberſtab bewehrt. Vorüber am Hofe, an der Krieger Zelt, An Höhlen, wo verſteckt ſich der Mörder hält, Der Diener der Liebe zieht, Wie die Taube zur Heimath flieht. Die Wildeſten bezähmt er durch ein Wort Und reißt die Welt zu Chriſtus fort. Wie mit heil'gem Fuß der Herr Einſt betrat das feſte Meer, So weichen Raub und Mord mit ihrem Grimme Zetzt vor des Friedensboten holder Stimme! 272 Der Fremde, dem dieſe Ehrenbezeigungen galten, war ein junger, unbärtiger Mann, gekleidet in Weiß, mit Silber durchwirkt; er war unbewaffnet und baar⸗ fuß; in ſeiner Hand hielt er einen dünnen ſilbernen Stab. Montreal und ſein Gefolge hielten erſtaunt und verwundert; der Ritter ſpornte ſein Pferd gegen die Menge hin und ſah den Fremden gerade an. „Wie, Freund,“ ſprach der Provenzale,„gehörſt Du einem neuen Pilgerorden an, oder welche beſon⸗ dere Heiligkeit hat Dir dieſe Ehrerbietung erworben?“ „Zurück, zurück,“ ſchrie einer der Kühnſten aus der Menge,„laßt den Räuber den Friedensboten nicht aufhalten.“ Montreal winkte verächtlich mit der Hand. „Ich ſpreche nicht mit Euch, gute Herren, und die würdigen Brüder, die Euch folgen, wiſſen ſehr wohl, daß ich weder einem Herold, noch einem Pilger je etwas zu Leide gethan habe.“ Die Mönche brachen ihren Geſang ab und eilten raſch herbei, und wirklich hatte Montreal's Frömmig⸗ keit ihm immer das Wohlwollen aller Klöſter in der Nähe ſeiner wandernden Heimath erworben. „Mein Sohn,“ ſatzte der älteſte der Brüder,„es iſt dies ein ſeltſames, aber heiliges Schanſpiel, und wenn Du Alles erfahren, wirſt Du dem Boten eher einen Geleitsbrief gegen den unbedachten Muthwillen Deiner Freunde geben, als ſeinen Friedenspfad un⸗ terbrechen.“ „Ihr verwirrt mein einfaches Gehirn noch mehr,“ ſagte Montreal ungeduldig,„der Jüngling ſoll fit ſich ſelbſt Wappen gen, die länglich! für einen „Sig mir den! Rom, be Fürſten Die auf des Papf „GHm die Camp ſtab durch „Du der Jüng nach der Räuber des Tribu ſicher gem „Du „Dur die wildeſt — haben den dieſe kommen, ſegnen di nem Schl vertrieben Hütte del Bulwe n galten, in Weiß, und baar⸗ ſilbernen erſtaunt ferd gegen de an. „„gehörft che beſon⸗ worben?“ huſten aus boten nicht and erren, und wiſſen ſehr nem Pilger und eilten Frömmig⸗ ſter in der en. rüe, e uſpiel, und Boten eher Muthwillen enspfad un⸗ noch mehr, ng ſoll für 273 ſich ſelbſt ſprechen; ich bemerke auf ſeinem Mantel die Wappen Roms vermiſcht mit andern Schildeintheilun⸗ gen, die mir ein Räthſel ſind— ob ich gleich hin⸗ länglich bewandert bin in der Heraldik, wie es ſich für einen Edelmann und Ritter ſchickt.“ „Signor,“ ſagte der Jüngling ernſt,„erkennt in mir den Boten von Cola di Rienzi, des Tribunen von Rom, beauftragt mit Briefen an viele Barone und Fürſten auf den Wegen zwiſchen Rom und Neapel. Die auf meinen Mantel gewirkten Wappen ſind die des Papſtes, der Stadt und des Tribuns.“ „GHm! Du mußt ſtarke Nerven haben, daß Du die Campagna ohne andere Waffen, als dieſen Silber⸗ ſtab durchziehſt!“ „Du biſt im Irrthum, Herr Ritter,“ erwiderte der Jüngling kühn,„und beurtheilſt die Gegenwart nach der Vergangenheit; wiſſe, daß nicht ein einziger Räuber mehr in der Campagna lauert; die Waffen des Tribunen haben alle Landſtraßen um die Stadt ſo ſicher gemacht, wie die breiteſte Straße der Stadt ſelbſt.“ „Du erzählſt mir Wunder!“ „Durch Wälder,— und in Feſtungen,— durch die wildeſten Einsden,— durch die bevölkertſten Städte — haben, unbeläſtigt und unverletzt, meine Kamera⸗ den dieſen ſilbernen Stab getragen; wo wir hin⸗ kommen, begrüßen uns Tauſende, und Freudethränen ſegnen die Boten deſſen, der den Räuber aus ſei⸗ nem Schlupfwinkel, den Tyrannen aus ſeiner Burg vertrieben, der den Gewinn des Kaufmannes und die Hütte des Bauern geſichert hat.“ Bulwer, Rienzi.. 18 274 „Pardieu,“ ſagte Montreal mit ernſtem Lächeln, „ich muß für den mir bezeigten Vorzug dankbar ſein; bis jetzt habe ich weder Befehle des Tribunen erhal⸗ ten, noch ſeine Rache gefühlt; doch dünkt mich, mein beſcheivenes Schloß liegt gerade noch in dem Patri⸗ monium von St. Peter.“ „Verzeiht mir, Herr Ritter,“ ſagte der Jüng⸗ ling;„aber ſpreche ich mit dem berühmten Johanniter, Krieger des Krenzes und gegenwärtig Anführer von Banditen?“ „Knabe, Du biſt keck; ich bin Walter von Montreal.“ „Dann, Herr Ritter, führt mich mein Auftrag nach Eurem Schloſſe.“ „Nimm Dich in Acht, daß Du nicht vor mir dort eintriffſt, oder Du läufſt Gefahr, ſchnell wieder herauszukommen. Nun, meine Freunde?“ er ſah, wie die Menge bei dieſen Worten ſich näher um den Boten drängte,„glaubt Ihr, daß ich, der ich Mei⸗ nesgleichen an Königen habe, einen unbewaffneten Knaben zu meinem Opfer machen werde? Pfui! macht Platz— macht Platz. Junger Mann, folge mir nach Hauſe; Du biſt in meinem Schloſſe ſicher, wie in den Armen Deiner Mutter.“ Alſo ſprechend, ritt Montreal mit großer Würde und überlegtem Ernſte langſam ſeinem Schloſſe zu, ſeine verwunder⸗ ten Krieger in einiger Entfernung, und der weiß⸗ gekleidete Bote folgte mit der Menge, die ihn nicht verlaſſen wollte; ihre Begeiſterung war ſo groß, daß ſie bis zu den Thoren des gefürchteten Schloſſes mit⸗ gingen u die Rückk überzeugt Mon Rechte de Nachbarſe den Sche wollte, h fahl ſeine zu verſehe großen H mer, wo „Dies dung am Montreal Der Dolche u „Eue „hat ſich zu eigen übergeben gen zu r haben, Platz, ich ich ſollte zu thun nachſichtig Colonna „Iſt gungseid Lächeln, ar ſein; nerhal⸗ h, mein Patri⸗ r Jüng⸗ anniter, hre n te n Auftrag vor mir l wieder er ſah, um den ich Mei⸗ waffneten Pfui! in, folge ſſe ſicher, ſprechend, berlegtem rwunder⸗ er weiß⸗ ihn nicht rß, daß ſſes mit⸗ gingen und darauf beſtanden, außen zu warten, bis die Rückkehr des Jünglinges ſie von ſeiner Sicherheit überzeugte. Montreal, der, wie geſetzlos auch ſonſt, doch die Rechte des geringſten Bauern in ſeiner unmittelbaren Nachbarſchaft auf's Strengſte achtete und ſich ſogar den Schein von Popularität bei den Armen geben wollte, hieß die Menge in den Hofraum treten, be⸗ fahl ſeinen Dienern, ſie mit Wein und Erfriſchungen zu verſehen, bewirthete die guten Mönche in ſeiner großen Halle und begab ſich dann in ein kleines Zim⸗ mer, wo er den Boten empfing. „Dies,“ ſagte der Jüngling,„wird meine Sen⸗ dung am beſten erklären,“ und legte einen Brief vor Montreal. Der Ritter zerſchnitt den Seidefaden mit ſeinem Dolche und las den Brief mit großer Ruhe. „Euer Tribun,“ ſagte er, als er zu Ende war, „hat ſich den lakoniſchen Styl der Gewalt ſehr bald zu eigen gemacht. Er befiehlt mir, dieſe Burg zu übergeben und das päpſtliche Gebiet binnen zehn Ta⸗ gen zu räumen. Er iſt verbindlich; ich muß Zeit haben, mir ſeinen Vorſchlag zu bedenken; nehmt Platz, ich bitte, junger Herr. Vergebt mir, aber ich ſollte meinen, Euer Herr hätte alle Hände voll zu thun mit ſeinen römiſchen Baronen, um etwas nachſichtiger gegen uns fremde Beſuche zu ſein. Stephan Colonna——“ „Iſt nach Rom zurückgekehrt und hat den Huldi⸗ gungseid geleiſtet; die Savelli, die Orſini, die Frangi⸗ 276 pani haben alle ihre Unterwerfung unter den Buonv Stato unterzeichnet.“ „Wie!“ rief Montreal höchſt verwundert. „Sie ſind nicht nur zurückgekehrt, ſondern ſie haben ſich auch der Entlaſſung aller ihrer Söldlinge und der Niederreißung ihrer Feſtungen gefügt. Das Eiſen von dem Palaſte der Orſini verſperrt jetzt das Capitol und das Steinwerk der Colonna und der Savelli hat neue Mauern für die Thore vom Lateran und St. Laurentius gegeben.“ „Wunderbarer Mann!“ ſagte Montreal mit wider⸗ ſtrebender Bewunderung.„Durch welche Mittel iſt ihm dies gelungen?“ „Durch ſtrengen Befehl und eine ſtarke Macht, dieſen zu unterſtützen. Beim erſten Ton der großen Glocke ſtehen zwanzigtauſend bewaffnete Römer auf. Was ſind die Räuber eines Orſini oder eines Co⸗ lonna gegen eine ſolche Macht?— Herr Ritter, Eure Tapferkeit und Euer Ruhm machen, daß ſelbſt Rom Euch bewundert; und ich, ein Römer, bitte Euch, Euch in Acht zu nehmen.“ „Gut, ich danke Dir— Deine Nachrichten, Freund, rauben mir den Athem. So haben ſich die Barone alſo unterworfen?“ „Ja; am erſten Tage leiſtete einer von den Co⸗ lonna, der Signor Adrian, den Eid; in einer Woche verließ Stephan gegen Zuſicherung freien Geleites Paleſtrina, mit ihm die Savelli; die Orſini folgten — ſogar Martino di Porto unterwarf ſich ſtill⸗ ſchweigend.“ „Der mich dünk „Man aus. Sei Ehre anm ihm auszu „Ein ein ſcharf herrſcht, ſchen Nat „Verz gegen Be dem Adel nen geſetz „Ha! Schein b ich verſte iſt nicht ter den( „Her drei Tag warb er führte ſie „Raſ len könn „Abe fort,„d ſter, die Colonna wirbt un Buone dern ſie öldlinge t. Das jetzt das und der Lateran it wider⸗ ittel iſt Macht, grßen mer auf. ines Co⸗ Ritter, aß ſelbſt er, bitte Freund, Barone den Co⸗ e Woche Geleites i folgten ich ſtill⸗ „Der Tribun— aber iſt dies ſeine Würde?— mich dünkt, er hätte König werden ſollen——.“ „Man trug ihm den Titel an, aber er ſchlug ihn aus. Sein jetziger Rang, der ſich keine patrieiſche Ehre anmaßt, trug viel dazu bei, die Adeligen mit ihm auszuſöhnen.“ „Ein kluger Burſche!— ich bitte um Verzeihung, ein ſcharfſinniger Fürſt!— Nun denn, der Tribun herrſcht, denke ich, gewaltig über die großen römi⸗ ſchen Namen?“ „Verzeiht— er übt unparteiſſche Gerechtigkeit gegen Bauer wie gegen Patricier; aber er wahrt dem Adel alle ſeine rechtmäßigen Privilegien und ſei⸗ nen geſetzlichen Rang.“ „Ha! und die eiteln Puppen, ſo ſie nur den Schein behalten, vermiſſen fie kaum das Weſen— ich verſtehe. Aber das zeigt Genie— der Tribun iſt nicht verheirathet, glaube ich. Sieht er ſich un⸗ ter den Colonna nach einem Weibe um?“ „Herr Ritter, der Tribun iſt bereits verheirathet; drei Tage, nachdem er zu der Macht gelangt war, warb er um die Tochter des Barons von Raſelli und führte ſie heim.“ „Raſelli! kein großer Name; er hätte beſſer wäh⸗ len können.“ „Aber man ſagt,“ fuhr der Jüngling lächelnd fort,„der Tribun werde durch ſeine ſchöne Schwe⸗ ſter, die Signora Irene, in Kurzem mit dem Hauſe Colonna verwandt werden. Der Varon di Caſtello wirbt um ſie.“ „Wie, Abrian Colonna! Genug! Ihr habt mich überzeugt, daß ein Mann, der das Volk zufrieden ſtellt und die Adeligen ſchreckt oder verſöhnt, zur Herrſchaft geboren iſt. Meine Antwort auf dieſen Brief werde ich ſelbſt beſtellen. Für Eure Nach⸗ richten, Herr Bote, nehmt dies Juwel,“ und der Ritter zog einen Edelſtein von ziemlichem Werthe von ſeinem Finger.„Nein, bedenkt Euch nicht; ebenſo freiwillig, wie ich ihn jetzt Euch ſchenke, wurde er auch mir gegeben.“ Der Jüngling, auf den das Benehmen des be⸗ rühmten Freibeuters einen angenehm überraſchenden Eindruck gemacht hatte, und der nicht wenig erſtaunt war über die ruhige Vertraulichkeit, mit welcher er Fra Moreale in deſſen eigenen Burg die Neuigkeiten aus Rom berichtet, verbeugte ſich tief, als er das Geſchenk in Empfang nahm. Der ſchlaue Provenzale, der den augenſcheinlichen Eindruck, den er gemacht, bemerkte, ſah auch ein, daß es von Vortheil für ihn ſein müſſe, wenn er mit den Maßregeln, welche zu ergreifen ihm räthlich ſchienen, zögerte.„Verſichere den Tribun,“ ſagte er, als er den Boten entließ,„wenn Du vor An⸗ kunft meines Briefes zurückkehren ſollteſt, daß ich ſeinen Geiſt bewundere, ſeine Macht begrüße und es mir angelegen ſein laſſen werde, ſein Verlangen mit meinen Anſichten in Einklang zu bringen.“ „Lieber,“ ſagte der Bote mit Wärme(erwar von guter Herkunft und anſtändigem Benehmen)—„lie⸗ ber zehn Tyrannen zu Feinden, als einen Montreal.“ „Zum Feindſchaft oder mit e zu herrſche Jenen nachdenklic den Befehl wig von U pel und na an den Tr geben, Un zu den Vr derſelben“ werken ve führt und ſchafter at Montreal meiſten zu Abſichten Eines nung des er ſeine 2 Augenſchei gefunden von einem Miene, a nens Zimt Die 2 dem aus Thälern t mich frieden „ zur dieſen Nach⸗ nd der he von ebenſo ude er des be⸗ chenden rſtaunt cher er igkeiten er das inlichen ſch ein, venn er räthlich ſagte or An⸗ daß ich und es gen mit war von —„lie⸗ ntreal.“ 279 „Zum Feinde! glaubt mir, Herr, ich ſuche keine Feindſchaft mit Fürſten, die zu regieren verſtehen, oder mit einem Volke, das klug genug iſt, zugleich zu herrſchen und zu gehorchen.“ Jenen ganzen Tag über blieb indeſſen Montreal nachdenklich und unruhig; er ſchickte treue Boten an den Befehlshaber von Aquileja(der damals mit Lud⸗ wig von Ungarn in Correſpondenz ſtand), nach Nea⸗ pel und nach Rom;— den letzteren mit einem Briefe an den Tribun, in dem er, ohne ſich völlig bloß zu geben, Unterwürfigkeit heuchelte und nur längere Friſt zu den Vorbereitungen des Abzuges verlangte. In derſelben Zeit wurde die Burg mit neuen Feſtungs⸗ werken verſehen, große Vorräthe wurden hereinge⸗ führt und Tag und Nacht ſtanden Spivne und Kund⸗ ſchafter an dem Paſſe und in der Stadt Terraeina. Montreal war gerade der Befehlshaber, der ſich am meiſten zum Kriege rüſtete, wenn er die friedlichſten Abſichten vorſchützte. Eines Morgens, am fünften nach der Erſchei⸗ nung des römiſchen Boten, trat Montreal, nachdem er ſeine Außenwerke und ſeine Vorräthe genau in Augenſchein genommen und zu ſeiner Beruhigung gefunden hatte, daß er wenigſtens die Belagerung von einem Monate aushalten könne, mit heitererer Miene, als er in der letzten Zeit gezeigt, in Adeli⸗ nens Zimmer. Die Dame ſaß an dem Fenſter des Thurmes, von dem aus man die herrliche Landſchaft von Wäldern Thälern und Hrangenhainen überhlicken konnte— ein ſonderbarer Garten für einen ſolchen Palaſt! Als ſie ihr Geſicht auf die Hand ſtützte, ihr Profil leicht gegen Montreal gekehrt, lag etwas unbeſchreib⸗ lich Anmuthiges in der Bewegung ihres Nackens,— der kleine Kopf, der ſprechende Zeuge edeln Blutes, — die Locken in der einfachen Weiſe auf der Stirne getheilt, welche die neuere Zeit ſo glücklich wieder anregte. Aber der Ausdruck des halb abgewandten Antlitzes, der ſchwärmeriſche Blick und die tiefe Ruhe ihrer Stellung waren ſo traurig und ſchwermüthig, daß Montreals freundlich heiterer Gruß, den er im Sinne hatte, auf ſeinen Lippen erſtarb. Er nä⸗ herte ſich ſchweigend und legte ſeine Hand auf ihre Schulter. Adeline wandte ſich um, nahm ſeine Hand in die ihrige, drückte ſie an ihr Herz und lächelte all ihre Traurigkeit hinweg.„Theuepſte,“ ſagte Montreal, „wüßteſt Du, wie ſehr ein Schatten des Kummers auf Deinem lieblichen Angeſichte mein Herz beunru⸗ higt, Du würdeſt Dich nimmer grämen. Aber kein Wunder, daß Du in dieſen finſteren Mauern— wo kein weibliches Weſen Deines Standes um Dich iſt, und die Fröhlichkeit, die Montreal in ſeine Hallen laden kann, nur Dein Ohr verletzt,— kein Wunder, daß Du Deine Wahl bereuſt.“ „Ach, nein— nein, Walter, ich bereue ſie nie. Ich dachte nur an unſer Kind, als Du eintratſt. Ach! es war unſer einziges Kind! Wie ſchön war es, Walter, wie ähnlich war es Dir!“ „Nein, er hatte Deine Augen und Stirne,“ ver⸗ 6 ſetzte 1 den K „2 innerſt Heute Jahre überdr 5 überdr Zärtli müthi W* antwr und t verwe Dich 3 Erröt Opfe nie ſ aus t ein R verlie von um die 2 zuſch erfre die 1 vertr Palaſt! ihr Profil nbeſchreib⸗ ackens,— ln Blutes, der Stirne ich wieder gewandten tiefe Ruhe ermüthig, den er im Er nä⸗ auf ihre ind in die e all ihre Montreal, Kummers z beunru⸗ Aber kein ern— wo Dich iſt, ne Hallen n Wunder, ue ſie nie. eintratſt. ſchön war rne,“ ver⸗ ſetzte der Ritter mit ſtotternder Stimme und wandte den Kopf hinweg. „Walter,“ begann die Dame wieber ſeufzend,„er⸗ innerſt Du Dich?— heute iſt ſein Geburtstag. Heute iſt er zehn Jahre alt. Wir lieben uns elf Jahre, und Du biſt Deiner armen Adeline noch nicht überdrüſſig geworden.“ „Eben ſo gut könnten die Heiligen des Paradieſes überdrüſſig werden,“ verſetzte Montreal mit liebender Zärtlichkeit, die den ganzen Charakter ſeines helden⸗ müthigen Antlitzes in Sanftmuth verwandelte. „Könnte ich das glauben, ich wäre wirklich ſelig!“ antwortete Adeline.„Aber noch eine kleine Weile, und die wenigen Reize, die ich noch beſitze, müſſen verwelken; und welche andere Anſprüche habe ich an „Alle Anſprüche;— das Andenken an Dein erſtes Erröthen— Dein erſter Kuß— Deine gebrachten Opfer— Deine geduldigen Wanderungen— Deine nie ſich beſchwerende Liebe! Ach, Adeline, wir ſind aus der Provenee, nicht aus Italien; und wann wich ein Ritter aus der Provence ſeinem Feinde aus, oder verließ treulos ſeine Liebe? Aber genug, Theuerſte, von Heimath und Schwermuth für heute. Ich kam, um Dich zu einem Ausfluge einzuladen. Ich habe die Diener ausgeſandt, um unſer Zelt am Meer auf⸗ zuſchlagen,— wir wollen der Orangenblüten uns erfreuen, ſo lange es uns noch möglich iſt. Ehe die nächſte Woche vergeht, können wir ernſteren Zeit⸗ vertreib und engere Grenzen bekommen.“ 282 „Wie, theuerſter Walter; Du 2 doch keine Gefahr?“ „Du ſprichſt, Marienkäfer,“ ſugle Montreal la⸗ chend,„als ob Gefahr uns etwas Neues wäre; mich dünkt, Dü hätteſt dieſe inzwiſchen als die Atmoſphäre kennen lernen ſollen, in der wir athmen.“ „Ach, Walter, ſoll dieß immer ſo fortdauern? Du biſt jetzt reich und berühmt; kannſt Du dieſe Laufbahn des Wettſtreites nicht verlaſſen?“ „Jetzt, nicht doch, Adeline! Was ſind Reichthum und Ruhm anders, als Mittel zur Macht? Und der Kampf, der Schild des Kriegers, war meine Wiege — bitte die Heiligen, vaß er auch meine Bahre ſei! Dieſe ſeltſamen, bezaubernden Extreme des Le⸗ bens— von dem Schlafgemache in das Zelt— aus der Höhle in den Palaſt— heute ein wandern⸗ der Verbannter, morgen Königen gleich— machen das wahre Element der Ritterlichkeit meiner Ahnen, der Normannen, aus. Die Normandie lehrte mich den Krieg, die Provenee die Liebe. Küſſe mich, ge⸗ liebte Adeline, und laſſe Dich von Deinen Zofen an⸗ kleiden. Vergiß Deine Laute nicht, meine Holde. Wir wollen die Echo's mit Geſängen der Provence wecken.“ Adelinen's lenkſames Gemüth fügie ſich leicht der Heiterkeit ihres Herrn, und bald eilte die Geſell⸗ ſchaft von der Burg herab nach dem Orte, den Mont⸗ real zum Aufenthalt während des Tages Hitze be⸗ ſtimmt hatte. Aber ſchon auf einen Ueberfall gefaßt, ließ man das Schloß ſtreng bewacht und außer den häuslic vollſtär real ſe folgten Paſſes Straße allen C von eit niß vo Walde unter d ſiſchen „Buch die Au ſchützt Lüftche men A nen wi feſten ſchein ohne t rer Ze tigkeit bald! würder ebenſo Al ten ſi an det über ch ekeine real la⸗ re; mich oſphäre dauern? du dieſe ichthum Und der Wiege Bahre des Le⸗ Zelt— anden⸗ machen Ahnen, rte mich ich, ge⸗ fen an⸗ Holde. rence icht der Geſell⸗ Mont⸗ itze be⸗ gefaßt, ßer den häuslichen Dienern begleitete eine Abtheilung von zehn vollſtändig bewaffneten Kriegern die Liebenden. Mont⸗ real ſelbſt trug ſeinen Panzer, und ſeine Knappen folgten mit Helm und Lanze. Jenſeits des ſchmalen Paſſes am Fuße der Burg öffnete ſich damals die Straße nach einem großen, grünen Flecken, der von allen Seiten, ausgenommen die eine nach der See, von einem mit Myrten und Orangen und einer Wild⸗ niß von wohlriechenden Staudengewächſen gemiſchten Walde eingeſchloſſen war. An dieſer Stelle wurde unter dem Ohdach des weithin ſich ausbreitenden, klaſ⸗ ſiſchen Fagus(ſo unvollkommen durch das deutſche „Buche“ überſetzt) ein luſtiges Zelt errichtet, welches die Ausſicht auf die glänzende See geſtattete;— ge⸗ ſchützt vor der Sonne, aber zugänglich den ſanften Lüftchen. Dies war die Lieblingserholung der ar⸗ men Adeline, wenn man es nämlich Erholung nen⸗ nen will. Sie freute ſich, den düſteren Mauern ihres feſten Gefängniſſes zu entkommen und den Sonnen⸗ ſchein und die Süßigkeit vieſes wollüſtigen Klima's ohne die Ermüdung zu genießen, welche ihr ſeit neue⸗ rer Zeit jede Anſtrengung zuzog. Es war eine Ar⸗ tigkeit von Seiten Montreal's, der vorausſah, wie bald die Truppen Rienzi's ſeine Mauern belagern würden, und der für ſeine Perſon in dem Thurme ebenſo zu Hauſe war, wie im Felde. Als die Liebenden in dem Pavillon ruhten, lehn⸗ ten ſich Einige von den Begleitern draußen müßig an dem Strande hin; Andere bereiteten die Decke über ein Luſtbvot gegen die untergehende Sonne; An⸗ dere machten in einem gewöhnlicheren, wegen des Waldes nicht ſichtbaren Zelte Anſtalten für das Mit⸗ tagsmahl, während die Töne der von Montreal ſelbſt mit nachläſſiger Fertigkeit geſpielten Laute in träu⸗ meriſcher Stille des Mittages ihre Muſik liehen. Während Montreal ſo beſchäftigt war, kam einer ſeiner Kundſchafter athemlos und erhitzt in dem Zelte an. „Hauptmann,“ ſagte er,„eine Compagnie von dreißig Lanzen, vollſtändig bewaffnet, mit einem lan⸗ gen Gefolge von Knappen und Pagen, hat ſo eben Terracina verlaſſen. Ihre Paniere tragen die ver⸗ einten Inſignien von Rom und den Colonna.“ „Ha!“ ſagte Montreal fröhlich,„ſolch eine Truppe iſt ein willkommener Zuwachs für unſere Compagnie; ſende unſern Knappen hierher.“ Der Knappe erſchien. „Wirf Dich auf Dein Pferd und eile dem Zuge entgegen, dem Du in dem Paſſe begegnen wirſt(nein, meine holde Dame; keine Einrede!), ſuche den An⸗ führer und ſage ihm, der gute Ritter Walter von Montreal ſende ihm ſeinen Gruß und bitte ihn, auf ſeinem Zuge durch unſer Gebiet, eine Zeitlang als willkommener Gaſt bei uns zu verweilen; und— halt— ſage auch, Walter von Montreal werde, wenn ein paar Stunden in edler Kurzweil hier zu raſten ihm genehm ſei, ſich freuen, mit ihm, oder jedem Ritter aus ſeinem Gefolge zu Ehren unſerer Damen eine Lanze zu brechen. Beeile Dich, ſchnell!“ „Walter, Walter,“ begann Adeline, welche ihre zarte Lage lebhaft fühlte, die ihr ſorgloſer Gebieter oft mi kannſt „S keine zeugen liens, Italien ten, e Aber i gen er römiſch Weg r egen des das Mit⸗ eal ſelbſt in träu⸗ ehen. kam einer Zelte an. gnie von inem lan⸗ tſo eben die ver⸗ e Truppe mpagnie; dem Zuge irſt(nein, den An⸗ alter von ihn, auf itlang als und— rde, wenn zu raſten der jedem er Damen U“ eche ihre Gebieter 285 oft muthwillig vergaß;„Walter, thaurer Walter, kannſt Du es für eine Ehre halten——“ „Schweige, holde Lilie! Du haſt manchen Taß keine Kurzweil geſehen; mich verlangt, Dich zu über⸗ zeugen, daß Du noch immer die ſchönſte Dame Ita⸗ liens, ja der ganzen Chriſtenheit biſt. Aber dieſe Italiener find feige Ritter, und Du darfſt nicht fürch⸗ ten, es möchte mein Anerbieten angenommen werden. Aber in Wahrheit, meine Dame, ich freue mich we⸗ gen ernſterer Zwecke, daß das Schickſal mir einen römiſchen Epeln, vielleicht einen Colonna, in den Weg wirft;— Frauen verſtehen dieſe Sachen nicht; und Alles, was auf Rom Bezug hat, berührt uns in dieſem Augenblicke nahe.“ Mittlerweile näherte ſich der Knappe dem Zuge, der jetzt bis in die Mitte des Paſſes vorgerückt war. Es war eine ſtattliche, prächtige Truppe:— wenn die vollſtändige Rüſtung der Soldaten auf eine krie⸗ geriſche Abſicht ſchließen ließ, ſo ſprach auf der an⸗ deren Seite das zahlloſe Gefolge von unbewaffneten, glänzend geſchmückten Knappen und Pagen dagegen, während das glänzende Wappen zweier Herolde vor den Fahnenträgern ihren Zweck als einen friedlichen, ihre Reiſe als eine heilige bezeichnete. Es bedurfte nur eines Blickes auf die Truppe, um den Anfüh⸗ rer zu finden:— bedeckt von einem ſtählernen, ver⸗ ſchwenderiſch mit goldenen Arabesken gezierten Bruſt⸗ harniſche, über welchem ein Mantel von dunkelgrünem, mit Perlen beſetzten, Sammt hing, während über ſeinen langen Rabenlocken eine ſchwarze Straußenfeder von einem macedoniſchen Hute ſchwankte, wie ſie, glaube ich, noch jetzt der Großmeiſter des Ordens des heiligen Conſtantin trägt, ritt an der Spitze des Zu⸗ ges ein junger Cavalier, der ſich von ſeinen nächſten Begleitern theils durch ſein anmuthiges Weſen, theils vurch ſeine glänzende Kleidung unterſchied. Der Knappe näherte ſich ehrerbietig, ſtieg ab und entledigte ſich ſeines Auftrages. Der junge Cavalier antwortete lächelnd:„Bringt Herrn Walter von Montreal den Gruß Adrians di Colonna, Baron di Caſtello, zurück und ſagt ihm, daß der feierliche Zweck meiner gegenwärtigen Reiſe uns kaum erlauben werde, gegen die gefürchtete Lanze eines ſo berühmten Ritters zu kämpfen, und ich be⸗ daure dies um ſo mehr, als ich keiner andern Dame die Palme über die Schönheit Derjenigen, welcher ich diene, zugeſtehen kann. Ich muß auf eine gün⸗ ſtigere Gelegenheit hoffen. Hinſichtlich der Ruhe will ich gerne für einige Stunden der Gaſt eines ſo höf⸗ lichen Wirthes ſein.“ Der Knappe verbeugte ſich tief.„Mein Gebie⸗ ter,“ ſagte er zögernd,„wird es höchlich bedauern, einen ſo edlen Gegner zu verlieren. Aber meine Bot⸗ ſchaft geht an dieſen ganzen ſtattlichen Ritterzug; und wenn der Signor Adrian di Caſtello ſich ſelbſt durch den Zweck ſeiner gegenwärtigen Reiſe an dem Turnier verhindert glaubt, ſo wird gewiß einer ſeiner Ge⸗ fährten ſeine Stelle gegenüber von meinem Herrn vertreten.“ Laut und raſch nahm ein junger Edelmann an Adrian' nachmal und def Ende h „M „will ic „Bſ Ihr, L keinen( Meldet lichkeit e über er einer ſt geſſen, nur erit wie ſie, dens des des Zu⸗ nächſten n, theils 3ab und „Bringt drians di agt ihm, en Reiſe tete Lanze d ich be⸗ n Dame welcher eine gün⸗ Ruhe will es ſo höf⸗ in Gebie⸗ bedauern, eine Bot⸗ rzug; und lbſt vurch m Turnier ſeiner Ge⸗ m Herrn lmann an 287 Adrian's Seite, Riccardo Annibaldi, das Wort, der nachmals dem Tribun und Rom gute Dienſte leiſtete, und deſſen Tapferkeit im ſpäteren Leben ſein zu frühes Ende herbeiführte. „Mit Signor Adrian's Erlaubniß,“ ſagte er, „will ich meine Lanze mit——“ „Bſt! Annibaldi,“ unterbrach ihn Adrian.„Und Ihr, Herr Knappe, wißt, daß Adrian di Caſtello keinen Stellvertreter in den Waffen für ſich duldet. Meldet dem Johanniter, daß wir ſeine Gaſtfreund⸗ lichkeit annehmen, und wenn er nach einer Beſprechung über ernſtere Gegenſtände noch immer lüſtern nach einer ſo leichten Unterhaltung iſt, ſo will ich ver⸗ geſſen, daß ich der Geſandte nach Neapel, und mich nur erinnern, daß ich Ritter des Reiches bin. Ihr habt unſere Antwort.“ Der Knappe verbeugte ſich mit großer Höflich⸗ keit, beſtieg ſein Pferd und kehrte in kurzem Galopp zu ſeinem Herrn zurück. „Vergebt mir, lieber Annibaldi,“ ſagte Adrian, „daß ich Eurer Tapferkeit in den Weg trat, und glaubt mir, daß ich mich nie mehr ſehnte, mit Je⸗ manden eine Lanze zu brechen, als mit dieſem prah⸗ leriſchen Franzoſen. Aber bedenkt, daß, obgleich für uns, die wir in den feinen Geſetzen der Chevalerie erzogen wurden, Walter von Montreal der berühmte Ritter aus der Provence iſt, er von dem Tribun von Rom, deſſen ernſte Sendung wir jetzt erfüllen, nur als der feile Hauptmann einer Freicompagnie ange⸗ ſehen wird. Viel würden wir in ſeinen Augen un⸗ ſerer Würde vergeben durch einen leichtfertigen und übel angebrachten Kampf gegen einen erklärten Räu⸗ ber von Profeſſion.“ „Bei alle dem,“ ſagte Annibaldi,„ſollte der Räu⸗ ber ſich nicht rühmen können, daß ein römiſcher Rit⸗ ter die Lanze eines Provenzalen ſcheue.“ „Höre auf, ich bitte Dich!“ ſagte Adrian unge⸗ vuldig. In der That ärgerte ſich der junge Colonna ſchon auf's Bitterſte über ſeine beſcheidene und edle Ablehnung von Montreal's Vorſchlag, und als er ſich nun mit bedeutendem Grolle erinnerte, wie verächt⸗ lich der Provenzale von der römiſchen Ritterſchaft geſprochen, ſowie eines gewiſſen Tones von Ueber⸗ legenheit, den Montreal bei allen den Krieg betref⸗ fenden Dingen gegenüber von ihm angenommen hatte, — ſo fühlte er jetzt, wie ſeine Wange brannte und ſeine Lippe zuckte. Sehr bewandert in den kriegeri⸗ ſchen Uebungen ſeiner Zeit trug ein natürliches und entſchuldbares Verlangen, zu zeigen, daß er auch für die beſte Lanze Italiens wenigſtens kein unwürdiger Gegner ſei; überdieß mächte die Galanterie des Zeit⸗ alters, daß er ſeine Handlungsweiſe als eine Art von Verrath an ſeiner Geliebten betrachtete, wenn er eine Gelegenheit ungenützt ließ, ihre Vollkommen⸗ heiten zu verfechten. Als daher Adrian Montreal's Pavillon anſichtig wurde, bemerkte er höchſt gereizt, wie der Knappe wieder zu ihm zurückkehrte. Und der Leſer mag be⸗ urtheilen, wie ſehr dieſe Stimmung noch erhöht wurde, als der Letztere, abermals abſteigend, ihn folgender⸗ maßen anredete: 4 geſtüme tapferei „M trägt m Adrian wage, Signor luſtigun der Be Zelte i Gefah „Be baldi ir höflich; Dein G Gurten im We Mo hatte, ßierig Feinde liche Ge fühlte rers de dem P glücklich Adrian Bul igen und ten Räu⸗ der Räu⸗ ſcher Rit⸗ an unge⸗ Colonna und edle als er ſich e verächt⸗ titterſchaft on Ueber⸗ ieg betref⸗ men hatte, annte und n kriegeri⸗ liches und er auch für mwürdiger e des Zeit⸗ eine Art et wenn ollkommen⸗ n anſichtig e Knappe er mag be⸗ höht wurde, folgender⸗ tapferen Landsleuten z u Hauſe 289 „Mein Gebieter, der Ritter von St. Johann, trägt mir, nachdem er die höfliche Antwort des Signor Adrian di Caſtello vernommen, zu erwidern auf, er wage, damit nicht die ernſtere Unterredung, deren Signor Adrian erwähnt, die edle und freundliche Be⸗ luſtigung verderbe, den Vorſchlag, das Turnier möge der Beſprechung vorangeh Der Raſen vor dem Zelte iſt ſo weich, daß ſelbſt ein Fall mit keiner Gefahr für oder Roß verbunden ſein kann.“ „Bei unſerer Dame!“ riefen Adrian und Anni⸗ baldi in einem Ahem,„Deine letzten Worte ſind un⸗ höflich; und,“ fuhr Adrian ſich ſammelnd fort,„wenn Dein Gebieter es ſo haben will, ſo ſehe er nach den Gurten ſeines Pferdes. Ich will ſeiner Laune nicht im Wege ſein.“ Montreal, der ſo ſehr auf dem Spiele beſtanden hatte, theils, mag wohl ſein, aus heiterer und un⸗ geſtümer Großſprecherei, die noch immer unter ſeinen ſt, theils weil e Klerig war, vor Denjenigen, die bald ſeine offene Feinde ſein ſollten, ſeine ausgezeichnete, unverg liche Geſchicklichkeit in Führung der Waffen zu zeige fühlte ſich jetzt, nachdem er den Namen des An rers der römiſchen Truppe gehört, noch mehr dazu angetrieben; denn ſein eitler und ſtolzer Geiſt hatte, wenn er auch dermalen ſeinen Groll unteri keineswegs gewiſſe wärmere Ausdrücke Adrian's in dem Palaſte Stephan Colonna's und auf dem un⸗ glücklichen Zuge nach Corneto vergeſſen. Während Avrian am Eingange des Paſſes Halt machte und Bulwer, Rienzi. I. 19 e ſ⸗ e le ch ſ r be⸗ 290 mit Hülfe ſeiner Knappen unwillig, aber ſorgfältig ſeine Rüſtung vollends anlegte und ſelbſt nach Gur⸗ ten, Bügelriemen und den verſchiebenen Schnallen an ſuh, küßte Montreal ſchon zu ſanſt, voll Freude ſe 1 de um zu zürnen, boch höchſt getlh war(und doch vergaß ſie dieſen Aerger halb aus Beſorgniß um ſeine Sicherhe nahm ſchnell ihre blaue Schärpe auf, warf ſie ſeinen Bruſtharniſch und vollendete ſei⸗ nen Anzug mit der Unbefangenheit eines Mannes, der ſeines Sieges gewiß iſt. Das größte Mißgeſchick war ihm indeſſen von dem Schickſale beſtimmt; ſeine tüſtung und ſeine Lanze hatte man von dem Schlvoſſe enommen,— ſein Streitroß nicht. Sein Zel⸗ ter war zu leicht, um das bedeutende Gewicht ſeiner Rüſtung zu tragen, und unter ſeiner Truppe war kein Pferd, das dem Adrian's encie geweſen Er wählte indeſſen das ſtärkſte, das zur Hand war, und ein lauter Inbel ſeiner wilden Geſellen zeugte von ihrer Verwunderung, als er ohne Hülfe vom Boden in den Sattel ſprang— ein ſeltſames und ſchweres Stück von Geſchicklichkeit an einem mit der gewichtigen Rüſtung vollſtändig angethanen Manne, die zu ſeiner Zeit aus den Schmieden Mailands her⸗ vorgingen und die man in Italien noch ſchwerer trug, als in irgend einem anderen Theile Eurvpa's. Wäh⸗ rend die beiden Schaaren ſich allmählig gruppirten und in einer Art von Kreis um den grünen Raſen ſich ſtellten, und die römiſchen Herolde mit geſchäftiger Wichtigkeit die Zuſchauer zu ordnen bemüht waren, ritt V es zu ihm ei Reitku E ter de grüner den ſt freund nieren das 3 Italie ſtattli ſatz, ners! obglei komm größe auch orgfältig ich Gur⸗ nallen an Montreal zu ſanſt, und doch um ſeine irpe auf, ndete ſei⸗ Mannes, eißgeſchick mt; ſeine n Schloſſe Sein Zel⸗ icht ſeiner uppe war geweſen zur Hand Geſellen hne Hülfe ſeltſames einem mit en Manne, lands her⸗ verer trug, 's. Wäh⸗ pirten und Raſen ſich geſchäftiger üht waren, 291 ritt Montreal ſein Streitroß um den Raſen, zwang es zu verſchiedenen Wendungen und zeigte mit der ihm eigenen Eitelkeit ſeine ausgezeichnete und erprobte Reitkunſt. Endlich ritt Aprian mit niedergelaſſenem Viſir un⸗ ter dem Freudenruf der Seinigen langſam auf den grünen Platz. Die zwei Ritter an den beiden En⸗ ven ſtanden ſich ernſt gegenüber; ſie machten die bei freundſchaftlichen, zur Unterhaltung angeſtellten Tur⸗ nieren üblichen Begrüßungen; und während ſie ſo das Zeichen zum Zweikampf erwarteten, zitterten die Italiener für die Ehre ihres Führers, da Montreals ſtattliche Höhe und breite Bruſt einen ſtarken Gegen⸗ ſatz, auch in der Rüſtung zu der Geſtalt ſeines Geg⸗ ners bildeten, die beinahe unter mittlerer Größe, und obgleich feſt gedrungen, doch leicht und ſchlank gebaut war. Aber die Geſchicklichkeit in Führung der Waſ⸗ fen war zu der damaligen Zeit zu einer ſolchen Voll⸗ kommenheit geſteigert, daß große Kraft und Körper⸗ größe, weit entfernt, unbedingte Erforderniſſe zu ſein, auch nicht einmal die gewöhnlichen Eigenſchaften der berühmteren Ritter waren; Kraft und Handhabung des Roſſes vermochten in der That ſo viel, daß ein minder ſchweres Gewicht des Reiters oft eher zu ſei⸗ nem Vortheile als zu ſeinem Nachtheile gereichte, und auch in einer ſpäteren Zeit waren die vollendetſten Sieger in den Turnieren, der Franzoſe Bayard und der Engländer Sydney, nichts weniger, als durch Maſſe oder Größe des Körpers ausgezeichnet. Wie groß auch Montreals überlegenheit an Kör⸗ 292 perkraft ſein mochte, ſo wurde ſie doch völlig durch die geringere Beſchaffenheit ſeines Pferdes, das, ob⸗ gleich ein ſchwerer, ſtarker Calabrier, doch weder Blut, Knochen, noch die geübte Führung des nordiſcheu Streitroſſes hatte, das der Römer ritt, vollkommen aufgewogen. Die glänzende, kohlſchwarze Decke des letzteren war durch golddurchwirkten Scharlach heraus⸗ gehoben; Hals und Bug waren mit Panzerſchuppen überzogen, an der Stirne ragte eine lange Spitze, wie das Horn des Einhorns, hervor und auf dem Halſe flatterte ein Buſch von ſcharlachnen und weißen Federn. Da Adrians Sendung nach Neapel, an einen ſehr glänzenden Hof, eine Sache des Prunkes und der Ceremonie war, ſo paßten auch ſein Anzug und ſein Gefolge zu der Gelegenheit und entſprachen der jener Zeit eigenen Neigung für Gepränge; ja ſogar der Zaum ſeines Pferdes war, drei Zoll breit, mit Gold und Goelſteinen beſetzt. Der Ritter ſelbſt trug einen Harniſch, der von der ausgezeichneten Kunſt des berühmten Cadorico von Mailand zeugte; im Gan⸗ zen war ſein Aufzug ungewöhnlich prächtig und reich, und ſchien dies noch mehr neben der einfachen, aber blank geputzten und künſtlich⸗biegſamen Rüſtung Mon⸗ treals(der nur mit der Schärpe ſeiner Dame geſchmückt war) und der gewöhnlichen, rohen Panzerbedeckung ſeines Streitroſſes. Dieſer Contraſt war indeſſen dem Provenzalen nicht angenehm, deſſen Eitelkeit haupt⸗ ſächlich auf kriegeriſchen Schmuck gerichtet war, und der, hätte er den Zeitvertreib vorhergeſehen, der ſeiner wartete, den Colonna ſogar verdunkelt haben würde. Di Signa Statue über d legtem ranntet auf ha überm die erſ dem S überra unter Ende! erſchüt — Adrian rend, Ritter gut m wenigq nicht aus d edle Lanze tauſen g durch as, ob⸗ er Blut, rdiſcheu kommen ecke des heraus⸗ chuppen Spitze, uf dem weißen an einen tkes und zug und chen der ja ſogar eit, mit lbſt trug n Kunſt im Gan⸗ ind reich, en, aber ng Mon⸗ eſchmückt bedeckung eſſen dem t haupt⸗ var, und der ſeiner n würde. Die Trompeter beider Parteien gaben ein kurzes Signal— die Ritter blieben aufrecht, wie eherne Statuen; ein zweites, und beide beugten ſich leicht über den Sattelbogen; ein drittes, und mit einge⸗ legtem Speere, verhängtem Zügel und in vollem Laufe rannten ſie einander entgegen und begegneten ſich wild auf halbem Wege. Mit dem ihm eigenen ſorgloſen übermuthe hatte Montreal ſich eingebildet, daß durch die erſte Berührung ſeiner Lanze Adrian werde aus dem Sattel geworfen werden; aber zu ſeiner großen überraſchung blieb der junge Römer feſt und ritt unter dem Jubelgeſchrei ſeiner Partei an das andere Ende der Schranken. Montreal wurde ſeinerſeits ſtark erſchüttert, verlor aber weder Sitz noch Bügel. „Dies kann kein Weichling ſein,“ murmelte Mon⸗ treal zwiſchen den Zähnen und rief diesmal all ſeine Geſchicklichkeit zu einem zweiten Begegnen zuſammen; Adrian, die große überlegenheit ſeines Roſſes gewah⸗ rend, beſchloß, hievon Nutzen zu ziehen. Als nun die Ritter wieder gegen einander rannten, deckte ſich Adrian gut mit ſeinem Schilde und richtete ſein Augenmerk weniger auf ſeinen Gegner, den, wie er wohl fühlte, nicht leicht eine von Menſchenhand geführte Lanze aus dem Sattel heben konnte, als auf das weniger edle Thier, das er ritt. Der Stoß von Montreals Lanze war einer Lawine ähnlich— ſie zerſplitterte in tauſend Stücke; Adrian wurde bügellos und wäre ohne die ſtarken, eiſernen Bogen, welche hinten und vorn an dem Sattel angebracht waren, ſicher vom Pferde geſtürzt; ſo war er durch das Zuſammentreffen bei⸗ 294 nahe überſtürzt, ſeine Ohren klangen und ſeine Augen kreisten, ſo daß er einige Angenblicke beinahe alles Bewußtſein verloren hatte. Aber ſein Pferd hatte Pflege und Zucht wohl vergolten. In dem Augenblicke, als die Kämpfer zuſammentrafen, ſtieg das Thier und vrängte mit ſeiner mächtigen Bruſt mit ſo unwider⸗ ſtehlicher Kraft auf ſeinen Gegner, daß es Montreals Pferd einige Schritte zurückwarf, während Adrians ausnehmend geſchickt geführte Lanze den Helm des Pro⸗ venzalen traf und die Aufmerkſamkeit des Ritters für den Augenblick etwas unſanft von der Führung der Zügel ablenkte. Als Montreal von der Beſtürzung ſich erholte, zog er den Zügel zu ſtraff an, ſo daß ſein Pferd ſich bäumte, und da es in eben dieſem Augen⸗ blicke auf ſeinen Bruſtharniſch ungeſchwächt den Stoß des ſcharfen Hornes und der bepanzerten Bruſt von Adrians Streitroß erhielt— ſo überſchlug es ſich mit ſeinem Reiter und lag am Raſen. Montreal machte ſich voll Wuth und Scham los, als ein ſchwacher Schrei von ſeinem Pavillon her zu ſeinen Ohren drang und ſeinen Arger noch verdoppelte. Er ſtand mit einer Leichtigkeit auf, welche die Zuſchauer in Erſtaunen ſetzte; denn eine Rüſtung war zu damaliger Zeit ſo ſchwer, daß wenige Ritter, einmal niedergeſtreckt, ohne Hülfe wieder aufſtehen konnten; er zog das Schwert und rief wüthend:„Zu Fuß, zu Fuß!— der Fall war nicht meine Schuld, ſondern die dieſes verfluchten Thiers, das ich zur Strafe für meine Sünden ge⸗ zwungen zu dem Range eines Streitroſſes erheben mußte. Kommt heran——“ „ ſeine 2 ſchnallt Dir al Todtfei ſo kön: beflecke: Mr hatte, ſtellung ſänftige ſpruch bügello habt R war, d wenn i treal, / D mit ſo des La e Augen he alles rd hatte genblicke, hier und unwider⸗ dontreals Adrians des Pro⸗ itters für rung der rzung ſich daß ſein m Augen⸗ den Stoß Bruſt von g es ſich eal machte ſchwacher ren ran mit einer Erſtaunen er Zeit ſo reckt, ohne s Schwert der Fall verfluchten ünden ge⸗ es erheben 295 „Nein, Herr Ritter,“ ſagte Adrian, indem er ſeine Panzerhandſchuhe auszog und ſeinen Helm los⸗ ſchnallte, den er an den Boden warf,„ich komme zu Dir als Gaſt und Freund, zu Fuße aber fechten nur Todtfeinde. Würde ich Dein Anerbieten annehmen, ſo könnte meine Niederlage nur Deine Ritterſchaft beflecken.“ Montreal, den ſeine Hitze einen Angenblick bethört hatte, beruhigte ſich, obwohl ärgerlich bei dieſen Vor⸗ ſtellungen. Adrian beeilte ſich, ſeinen Gegner zu be⸗ ſänftigen.„übrigens,“ ſagte er,„kann ich keinen An⸗ ſpruch auf den Preis machen. Eure Lanze machte mich bügellos— die meinige ließ Euch unerſchüttert. Ihr habt Recht, die Niederlage war, wenn es eine ſolche war, die Schuld Eures Pferdes.“ „Wir können uns ein andermal wieder verſuchen wenn ich Euch gleich beritten bin,“ erwiderte Mon⸗ treal, noch immer entrüſtet. „Da ſei die Mutter Gottes für!“ rief Adrian mit ſo frommem Ernſte aus, daß die Umſtehenden ſich des Lachens nicht enthalten konnten, und ſelbſt Mon⸗ treal ſtimmte, noch grimmig und halb wider ſeinen Willen, in die Heiterkeit ein. Die Artigkeit ſeines Gegners rührte und verſöhnte indeſſen ſeine offen⸗ herzigeren und ſoldatiſcheren Geſinnungen, und er ver⸗ ſetzte:„Signor di Caſtello, ich bleibe Euer Schuldner für eine Artigkeit, die ich nur ſchlecht nachgeahmt habe. Wie dem auch ſei, wenn Du mich Dir auf ewig verbinden willſt, ſo erlaube, daß ich nach meinem eigenen Streitroß ſchicke, und gib mir Gelegenheit, 296 meine Ehre wieder herzuſtellen. Mit dieſem, vder einem em Deinigen gleichen Roſſe, das mir von engliſcher ſcheint, ſetze ich Alles, was ich beſitze, Land, Gold, Schwert und Sporen zum Pfande, daß ich dieſen Paß, Mann für Mann, gegen Dein ganzes Gefolge behaupte.“ Zum Glücke vielleicht für Adrian, ſagte, ehe dieſer zum Worte kommen konnte, Riccardo Annibaldi mit großer Wärme:„Herr Ritter, ich habe zwei im Tur⸗ nier wohl geübte Pferde bei mir, triff Deine Wahl und geſtatte mir, die römiſche gegen die franzöſiſche Ritterſchaft zu verfechten— hier iſt mein Pfand.“ „Signor,“ verſetzte Montreal mit ſchlecht verhehlter Freude,„Dein Anerbieten zeugt von einem ſo tapferen und freien Geiſt, daß es von mir ſchimpfliche Sünde wäre, wenn ich es zurückwieſe. Ich nehme Dein Pfand auf, und welches von Deinen Pferden Du verwirfſt, das bringe in Gottes Namen her und laſſe uns nicht Worte vor der That verſchwenden.“ Adrian, der wohl fühlte, daß der bisherige Vor⸗ theil der Römer mehr dem Glücke als dem Verdienſte zuzuſchreiben geweſen, bemühte ſich umſonſt, dieſes zweite Kampfſpiel zu hintertreiben. Aber Annibaldi war heftig gereizt, und bei ſeinem hohen Range wäre es von Abrian unpolitiſch geweſen, ihn durch ein unbe⸗ dingtes Verbot zu beleidigen; mit Wiederſtreben gab daher der Colonna ſeine Einwilligung zu dem Kampfe. Annibaldi's Roſſe wurden vorgeführt, das eine ein edler Rothſchimmel, das andere ein Rothbrauner, etwas geringer in Blut und Knochen, gleichwohl aber von großer treal ſi das let Adrian war an auch ur Rüſtun ſo daß für ein dieſesm Scham Heere heftig, kaum; von ſe nachde hatten Di liche den hergeh Er er einem ngliſcher „ Land, nde, daß n ganzes he dieſer aldi mit im Tur⸗ ne Wahl anzöſiſche Pfand.“ erhehlter tapferen he Sünde ein Pfand verwirfſt, uns nicht rige Vor⸗ Verdienſte ſt, dieſes Annibaldi ange wäre ein unbe⸗ reben gab n Kampfe. eine ein ner, etwas aber von 297 großer Stärke und von hohem Werthe. Als Mon⸗ treal ſich genöthigt ſah, zu wählen, ſo nahm er artig vas letztere und weniger ausgezeichnete. Annibaldi war bald zu dem Rennen bereit und Adrian gab den Trompetern das Zeichen. Der Römer war an Leibesgröße Montreal beinahe gleich, und wenn auch um mehre Jahre jünger, ſchien er doch in ſeiner Rüſtung beinahe' von demſelben körperlichen Umfange, ſo daß die neuen Gegner auf den erſten Anblick mehr für einander zu paſſen ſchienen als die vorigen. Aber dieſesmal fühlte ſich Montreal, gut beritten und durch Scham und Stolz auf's Höchſte geſpannt, einem ganzen Heere gewachſen, und er traf den jungen Baron ſo heſtig, daß, während die Feder auf ſeinem Helme ſich kaum zu bewegen ſchien, der Italiener einige Schritte von ſeinem Roſſe wegflog; erſt einige Augenblicke, nachdem ſeine Knappen ihm das Viſir abgenommen hatten, kam er wieder zur Beſinnung. Dieſer Erfolg gah Montreal ganz ſeine natür⸗ liche gute Laune wieder und belebte ſehr auffallend den Muth ſeiner Begleiter, die ſich durch den vor⸗ hergehenden Kampf ſehr gedemüthigt gefühlt hatten. Er half Annibaldi mit großer Höflichkeit und einem Schwall von Complimenten aufſtehen, die der ſtolze Römer mit finſterem Schweigen hinnahm; dann ging er nach dem Pavillon voran und befahl laut, daß man das Bankett bereite. Annibaldi zögerte jedoch hinten, und Adrian, der ſeine Gevanken durchſchaute und ſah, daß bei den Bechern wahrſcheinlich ein Streit zwiſchen dem Provenzalen und ſeinem Freunde ent⸗ ſtehen werde, nahm den letzteren bei Seite und ſagte: „Mich dünkt, lieber Annibaldi, es wäre beſſer, wenn Du mit der Mehrzahl unſeres Gefolges nach Fondi weiter ritteſt, wo ich bei Sonnenuntergang mit Dir zuſammentreffen werde. Meine Knappen und etwa acht Lanzen reichen für meine Sicherheit hier hin, und, die Wahrheit zu ſagen, ich wünſche einige geheime Worte mit unſerem ſeltſamen Wirthe zu wechſeln, in der Hoffnung, er laſſe ſich vielleicht gütlich beſtimmen, ohne Einmiſchung unſerer römiſchen Truppen von hier abzuziehen, die anderswo hinreichende Beſchäftigung für ihre Tapferkeit haben.“ Annibaldi drückte ſeinem Gefährten die Hand. „Ich verſtehe Dich,“ ſagte er mit leichtem Erröthen, „und könnte wahrlich nur ſchlecht den ſelbſtgefälligen Triumph des Barbaren ertragen. Ich nehme Deinen Vorſchlag an.“ Drittes Kapitel. Die Unterhaltung zwiſchen dem Römer und dem Provenzalen — Adelinens Geſchichte— Die See im Mondlichte— Laute und Geſang. Nachdem Abrian Annibaldi mit dem größeren Theile ſeines Gefolges hatte wegreiten ſehen und ſich ſelbſt der ſchweren Beinſchienen entledigt hatte, trat er allein in den Pavillon des Johannitérritters. Montreal hatte, das Bruſtblatt ausgenommen, bereits ſeine ganze Rüſtung abgelegt und ging jetzt ſeinem Gaſte entgegen, um ihn mit der gewinnenden, leichten An⸗ muth zu als zu ſe gungen r der ander einem Li er die U anderen, durch die und Wi Adrian z an das liebten, wußtſein ſpringen ſchönen welche v lichen L allein m Anhängl Gegenw häufigen den verſe wieder ſie nicht Gewohn Scham! Der und not ſehr bet ger, als ſagte: „wenn Fondi nit Dir d etwa t, und, eheime eln, in immen, on hier ftigung Hand. röthen, fälligen Deinen venzalen — Laute Theile ſelbſt r allein ontreal z ſeine Gaſte en An⸗ muth zu bewillkommen, die mehr zu ſeiner Geburt, als zu ſeinem Gewerbe Laßte. Adrians Entſchuldi⸗ gungen wegen des Nichterſcheinens Annibaldi's und der anderen Ritter aus ſeinem Gefolge nahm er mit einem Lächeln auf, das zu zeigen ſchien, wie leicht er die urſache errieth, und führte dieſen nach der anderen, inneren Abtheilung des Zeltes, wo das Mahl, durch die eben ſtattgehabte Leibesübung zwiſchen Gaſt und Wirth noch gewürzt, bereitet war; hier ſah Adrian zum erſtenmale Adeline. Lange Gewohnheit an das bunte, herumſchwärmende Leben ihres Ge⸗ liebten, verbunden mit einem gewiſſen, aus dem Be⸗ wußtſein ihres, wenn auch verwirkten, Standes ent⸗ ſpringenden Stolze, gab dem äußeren Weſen dieſer ſchönen Frau eine Leichtigkeit und Ungezwungenheit, welche oft ſogar Montreal das Gefühl ihrer unglück⸗ lichen Lage verbargen. Zwar zu Zeiten, wenn ſie allein mit Montreal war, den ſie mit ſchwärmeriſcher Anhänglichkeit liebte, fühlte ſie nur den Zauber einer Gegenwart, die ſie für Alles tröſtete; aber in ſeiner häufigen Abweſenheit, oder im Beiſein eines Frem⸗ den verſchwand die Täuſchung— die Wirklichkeit trat wieder an ihre Stelle. Arme Dame! die Natur hatte ſie nicht beſtimmt, die Erziehung ſie nicht gebildet, Gewohnheit ſie nicht abgehärtet für den Hauch der Scham! Der junge Colonna war über ihre Schönheit, und noch mehr über ihre edle, vornehme Anmuth ſehr betroffen. Wie ihr Gebieter, ſchien auch ſie jün⸗ ger, als ſie war; die Zeit ſchien eine Blüte zu ſcho⸗ nen, die ein erfahrenes Auge doch zu einem frühen Grabe beſtimmt angeſehen hätte; in der Leichtigkeit ihrer Geſtalt war beinghe etwas Mädchenhaftes— ihre üppigen, kaſtanienbraunen Haare, und die Röthe, die nicht nur mit jeder Bewegung, ſondern beinahe mit jedem Worte kam und wieder verſchwand. Der Contraſt zwiſchen ihr und Montreal ſtand ihnen bei⸗ den gut— es war der Gegenſatz zwiſchen hingeben⸗ dem Vertrauen und ſchützender Kraft; Jedes war im Beiſein des Andern ſchöner:— und als Adrian ſich an der reich beladenen Tafel niederſetzte, glaubte er, er habe nie ein Paar geſehen, das mehr für die poe⸗ tiſchen Sagen der Tronbadvurs ihrer Heimath gepaßt hätte. Montreal ſprach heiter über tauſend Gegenſtände — ſetzte den Weinflaſchen zu— und wählte für ſeine Gäſte die zarteſten Stücke der köſtlichen Spicola vom nahen Meere und das ſaftigſte Fleiſch von dem wil⸗ den Eber der pontiniſchen Sümpfe. „Gagt mir,“ nahm Montreal das Wort, als ihr Hunger jetzt geſtillt war—„ſagt mir, edler Adrian, wie geht es Eurem Vetter, Signor Stephan? Ein rüſtiger alter Mann für ſeine Jahre!“ „Er hält ſich wie der Jüngſte von uns,“ ant⸗ wortete Adrian. „Die neueſten Ereigniſſe müſſen ihm ein wenig nahe gegangen ſein,“ ſagte Montreal mit ſchlauem Lächeln.„Ach, Ihr ſeht ſo ernſt aus— aber laßt doch meiner Vorausſicht Gerechtigkeit widerfahren;— ich war der Erſte, der Eurem Vetter die Erhebung des Cola di Mann Colonna „De „iſt gew Und jetz nur wun jeſät ſc „Leu ihren H treal;„ ſcheid a Tribun, bald in „Er altes röt „Jh Soupir! erwidert mit eine Beſcheid Geſundh bunen— eine und telt den „Ich tete Adri ſchaft ve Tribun Beider: n frühen ichtigkeit aftes— ie Röthe, beinahe nd. Der nen bei⸗ ineen⸗ war im rian ſich aubte er, die poe⸗ h gepaßt genſtände für ſeine cola vom em wil⸗ „als ihr Adrian, n? Ein s,“ ant⸗ in wenig ſchlauem laßt doch — ich u des 301 Cola di Rienzi prophezeihte; er ſcheint ein großer Mann— am größten durch ſeine Ausſöhnung der Colonna und der Orſtni.“ „Der Tribun,“ erwiderte Adrian ausweichend; „iſt gewiß ein Mann von außerordentlichem Geiſte. und jetzt, wo ich ihn herrſchen ſehe, muß ich mich nur wundern, wie er je das Gehorchen ertrug— Ma⸗ jeſtät ſcheint ein Theil ſeines Ich.“ „Leute, die zur Macht gelangen, ziehen gerne ihren Harniſch, die Würde, an,“ erwiderte Mon⸗ treal;„und wenn ich recht höre—(thut mir Be⸗ ſcheid auf die Geſundheit Eurer Dame)— ſoll der Tribun, wenn auch ſelbſt nicht edel geboren, doch bald in eine edle Verwandtſchaft kommen.“ „Er iſt ſchon an eine Raſelli verheirathet— ein altes römiſches Haus,“ verſetzte Adrian. „Ihr weicht meiner Nachforſchung aus— le doulx Soupir! le doulx soupir! wie der alte Cabeſtan ſagt,“ erwiderte Montreal lachend.„Nun, Ihr habt mir mit einem Becher auf die Geſundheit Eurer Dame Beſcheid gethan, thut es mit einem zweiten auf die Geſundheit der ſchönen Irene, der Schweſter des Tri⸗ bunen— immer vorausgeſetzt, daß dieſe Beiden nicht eine und dieſelbe Perſon ſind. Ihr lächelt und ſchüt⸗ telt den Kopf?“ „Ich verhehle Euch nicht, Herr Ritter,“ antwor⸗ tete Adrian,„daß, wenn meine gegenwärtige Geſandt⸗ ſchaft vorüber iſt, ich hoffe, der Bund zwiſchen dem Tribun und einem Colonna werde ſich zum Wohle Beider noch feſter knüpfen.“ „So habe ich alſo recht gehört,“ ſagte Montreal in ernſtem, nachdenklichem Tone.„Rienzi's Macht muß in der That groß ſein.“ „Hiefür iſt meine Sendung ein Beweis. Wißt Ihr, Herr von Montreal, daß Ludwig, König von Ungarn——“ „Wie! was iſt mit dem?“ „Die Entſcheidung des Streites zwiſchen ihm und Johanna von Neapel, betreffend den Tod ihres kö⸗ niglichen Gemahles, ſeines Bruders, dem Ausſpruch des Tribunen anheimgeſtellt hat? Das iſt, glaube ich⸗ vas erſtemal ſeit dem Tode Conſtantins, daß ſolches Vertrauen und ein ſo hoher Auftrag je einem Römer zu Theil wurden!“ „Bei allen Heiligen des Kalenders,“ rief Mont⸗ real ſich bekreuzend,„dieſe Nachricht iſt in der That ———— zum Erſtaunen. Der trotzige Ludwig von Ungarn ver⸗ zichtet auf das Recht des Schwertes und wählt einen andern Schietsrichter als das Schlachtfeld!“ „Und dies,“ fuhr Adrian mit bedeutungsvollem Tone fort,„dies war es, was mich bewog, Eurer höflichen Aufforderung Folge zu leiſten. Ich weiß, tapferer Montreal, daß Ihr mit Ludwig verkehrt, Dieſer hat dem Tribun das ſicherſte Zeichen ſeiner Freundſchaft und ſeines Bündniſſes gegeben; werdet Ihr klug handeln, wenn Ihr——“ „Den Krieg wagt mit Ungarns Verbündeten,“ unterbrach Montreal.„Das wolltet Ihr doch ſagen; derſelbe Gedanke ſtieg in mir auf. Mein Herr, ver⸗ zeiht mir— Italiener erfinden bisweilen, was ſie „— wünſchet ſind dieſ „Bei Abrian jetzt nac Einleitu treffen.“ „Zw Plebejer ſchuldigt Neuigke Er! dann ſa zärtliche ſorgniß kungen tete, w verlangt „M was ſat wilde 2 Stadt line,“ eigenthi auf St hoch, 1 würde keln— lich au „D Rontreal s Macht . Wißt önig von ihm und ihres kö⸗ lusſpruch laube ich⸗ ß ſolches m Römer ef Mont⸗ der That garn ver⸗ ihlt einen ngsvollem g, Eurer Ich weiß, verkehrt. hen ſeiner t; werdet ündeten, ch ſagen; Herr, ver⸗ „was ſie — 303 wünſchen. Bei der Ehre eines Ritters des Reiches, ſind dieſe Nachrichten die nackte Wahrheit?“ „Bei meiner Ehre und dem Kreuze,“ erwiderte Abrian ſich aufrichtend,„und zum Beweiſe, ich bin jetzt nach Neapel geſchickt, um mit der Königin die Einleitungen zu dem heabſichtigten Erkenntniſſe zu treffen.“ „Zwei gekrönte Häupter vor dem Richterſtuhle eines Flebejers, und eines vertheidigt ſich gegen die Be⸗ ſchuldigung des Mordes!“ murmelte Montreal;„dieſe Neuigkeiten konnten mich wohl in Staunen verſetzen!“ Er blieb eine kleine Weile nachdenklich und ſtumm; dann ſah er auf, und ſein Auge begegnete Adelinens zärtlichem Blicke, der auf ihn mit jener tiefen Be⸗ ſorgniß geheftet war, mit der ſie die äußerlichen Wir⸗ kungen von Planen und Entwürfen an ihm beobach⸗ tete, welche zu erfahren ſie in ihrer Sanftmuth nie verlangte, welche zu theilen ſie zu unſchuldig war. „Meine Dame,“ fragte der Provenzale zärtlich, was ſagſt Du?“ Müſſen wir unſer Bergſchloß, dieſe wilde Waldſcenen gegen die dumpfen Mauern einer Stadt vertauſchen? Ich fürchte es. Die Dame Ade⸗ line,“ fuhr er gegen Adrian gewandt fort,„hat ihre eigenthümlichen Neigungen; ſie haßt die heitere Menge auf Straßen und Gaſſen und ſchätzt keinen Palaſt ſo hoch, wie die einſame Höhle des Banditen. Doch würde ſie, dünkt mich, jedes Antlitz Italiens verdun⸗ keln— Deine Gebieterin, Signor Adrian, natür⸗ lich ausgenommen.“ „Dies iſt eine Ausnahme, die nur ein Liebender, 304 und dazu noch ein Verlobter, zu machen wagen darf,“ verſetzte Abrian höflich. 6 „Nein,“ ſagte Adeline mit einer ausnehmend lieb⸗ lichen und klaren Stimme,„nein, ich weiß wohl, wie hoch ich die Schmeichelei meines Gebieters und die Höflichkeit des Signor di Caſtello anzuſchlagen habe. Aber, Herr Ritter, Eure Sendung geht nach einem Hofe, der, wenn die Fama Wahrheit ſpricht, in ſeiner Königin das wahre Wunder und Muſter von Schön⸗ heit beſitzt.“ „Vor einigen Jahren ſah ich die Königin von Neapel,“ antwortete Adrian,„und ließ mir damals nicht träumen, als ich in dieſes Engelsantlitz ſchaute, daß ich es erleben würde, wie man ſie des ſchändlich⸗ ſten Mordes beſchuldigte, der je ſelbſt die italieniſche Königswürde befleckte.“ „Und entſchloſſen, ihre Schuld zu beweiſen,“ ſagte Montreal,„wird ſie, ſeid verſichert, binnen Kurzem eben den Mann heirathen, der die That verübte. Hie⸗ für habe ich ſichere Beweiſe.“ Unter ſolchen Geſprächen verfloß den Rittern ber Tag und ſie ſahen aus dem offenen Zelte, wie die untergehende Sonne ihre Glut auf die purpurne See ſtrömte. Adeline hatte ſich längſt von der Tafel zu⸗ rückgezogen und ſie ſahen ſie jetzt mit ihren Diene⸗ rinnen auf einem Hügel an der Küſte ſitzen, während die Töne ihrer Laute ſchwach ihr Ohr noch erreich⸗ ten. Als Montreal das Lied hörte, brach er die Un⸗ terhaltung ab, ſeufzte und verbarg ſein Angeſicht halb mit der Hand. Auf die eine oder die andere Weiſe hatten den Grr vergeſſe damalig am Mo liche A flößen, mehr i deſſen behaupt verborg Leben oft plö war du Reife Uberzer real di Gebiete der jed unterw Der entging Beziehr deren „ „ſpielt Melod ſänger en darf,“ nend lieb⸗ om, wie und die gen habe. ach einem in ſeiner n Schön⸗ nigin von ir damals itz ſchaute, ſchändlich⸗ italieniſche en,“ ſagte Kurzem übte. Hie⸗ tittern der , wie die purne See Tafel zu⸗ en Diene⸗ „während ch eerreich⸗ er die Un⸗ geſicht halb dere Weiſe hatten die beiden Ritter all die kleine Eiferſucht oder den Groll, die ſie in Rom gegeneinander gefaßt hatten, vergeſſen. Da beide von dem kriegeriſchen Geiſte der damaligen Zeit durchdrungen waren, hatte ihr Kampf am Morgen nur dazu gedient, ihnen jene eigenthüm⸗ liche Art von Achtung und ſogar Herzlichkeit einzu⸗ flößen, die ein tapferer Mann noch immer(wie viel mehr in jenen Tagen!) für einen Anderen fühlt, deſſen Muth er erprobt, während er ſeinen eigenen behauptete. Es iſt wie die Entveckung eines bis jetzt verborgenen entſprechenden Gefühles und knüpft im Leben des Feldes mitten im Schoos der Feindſchaft oft plötzlich dauernde Freundſchaft. Dieſes Gefühl war durch ihre nachfolgende vertraute Beſprechung zur Reife gekommen und von Adrians Seite durch die Uberzeugung verſtärkt worden, daß, wenn er Mont⸗ real die Rathſamkeit des Abzuges von dem römiſchen Gebiete einleuchtend mache, er einen Vortheil erlangte, der jede Gefahr und jede Zögerung, denen er ſich unterworfen, reichlich vergalt. Der Seufzer und das veränderte Weſen Montreals entgingen Adrian nicht, und er ſetzte dies natürlich in Beziehung zu etwas, das auf diejenige ſich bezog, deren Muſik offenbar die Urſache davon war. „Jene liebenswürdige Dame,“ ſagte er freundlich, „ſpielt die Laute ausgezeichnet ſchön, und die klagende Melodie tönt zu meinem Ohr, wie die der Minne⸗ ſänger aus der Provenee.“ „Es iſt die Weiſe, die ich ſie lehrte,“ ſagte Montreal traurig,„gepaart mit unbedeutenden Wor⸗ Bulwer, Rienzi. I. 20 306 ten, wamit ich zuerſt um ein Herz warb, das nie ſich mir hätte ergeben ſollen!⸗Ja, junger Colonna, manche Nacht hat mein Boot am Ufer der ſternhellen Sorgia angelegt, die ihres ſtolzen Vaters Hallen beſpü*lt, und meine Stimme erweckte die Stille des wogenden Schil⸗ fes mit der Serenade eines Kriegers. Süße Erin⸗ nerungen! bitetre Früchte!“ „Warum bitter? Ihr liebt ja einander noch.“ „Aber ich habe das Gelübde der Eheloſigkeit abge⸗ legt, und Adeline von Courval iſt Geliebte, wo ſie ange⸗ traute Gattin ſein ſollte. Ich glanbe, ich gräme mich bei vieſem Gevanken noch mehr, als ſie— theure Adeline!“ „So iſt Eure Dame, wie aus Allem hervorgeht, edel geboren?“ „Das iſt ſie,“ erwiderte Montreal mit tiefer, au⸗ genſcheinlicher Empfindung, die, wenn nicht aus Ver⸗ anlaſſung der Liebe, ſelten, wenn je, in ſeiner rauhen Bruſt aufkam.„Das iſt ſie! unſere Geſchichte iſt kurz: wir liebten uns als Kinder; ihre Familie war reicher als die meinige; wir wurden getrennt. Man gab mir zu verſtehen, ſie habe mich aufgegeben. Ich verzweifelte und in der Verzweiflung nahm ich das Johanniterkrenz. Der Zufall führte uns wieder zu⸗ ſammen. Ich erfuhr, daß ihre Liebe unerſchüttert geblieben. Armes Kind!— denn ſelbſt damals, Herr, war ſie noch Kind! Ich, wild, ſorglos, und vielleicht nicht ungeſchickt in den Künſten, die mit Erfolg um Liebe werben. Sie konnte meinen Bewerbungen um ihre Zuneigung nicht widerſtehen!— Wir flohen. In dieſen Worten liegt der Faden zu meiner nach⸗ heriger waren uns. meiſter Schickſe habe di Namen Stern leuchter die Diſ weigert das Di Ihr be zart? ihre B ſo fröl „V den w ſagte S kommt ſonder nur ſe Mont Kleid, Ihr linens am g noch eine 2 s nie ſich manche n Sorgia bült, und en Schil⸗ e Erin⸗ noch.“ keit abge⸗ ſie ange⸗ ne mich bei Adeline!“ ervorgeht, iefer, au⸗ taus Ver⸗ ner rauhen ſchichte iſt milie war nnt. Man eben. Ich m ich das wieder zu⸗ nerſchüttert als, Herr, id vielleicht Erfolg um unen m gir flohen. einer nach⸗ herigen Geſchichte. Mein Schwert und meine Adeline waren mein ganzes Vermögen. Die Geſellſchaft grollte uns. Die Kirche bedrohte meine Seele, der Groß⸗ meiſter mein Leben. Ich wurde Glücksritter. Das Schickſal und mein Rechte begünſtigten mich. Ich habe diejenigen, welche mich verachteten, bei meinem Namen zittern gelehrt. Dieſer Name ſoll noch als Stern oder als Meteor vor aufgeregten Nationen leuchten und ich kann noch mit Gewalt von dem Papſte die Diſpenſation erzwingen, die er meinen Bitten ver⸗ weigerte. An einem Tage kann ich vielleicht Adeline das Diadem und den Ring überreichen. Genug hievon; Ihr bemerktet Adelinens Wange! Scheint ſie nicht zurt? Ich liebe dieſes unbeſtändige Roth nicht— ihre Bewegungen ſind matt— ihr Schritt, der ſonſt ſo fröhlich war—!“ „Veränderung des Aufenthalts und der milde Sü⸗ den werden ihre Geſundheit bald wiever herſtellen,“ ſagte Adrian,„und bei Eurem eigenthümlichen Leben kommt ſie ſo wenig mit Anderen in Berührung, be⸗ ſonders von ihrem Geſchlechte, daß ich denke, ſie fühlt nur ſelten das Peinliche ihrer Lage. Und Frauenliebe, tontreal, iſt, wie wir beide erfahren haben, ein Kleid, das ſie vor manchem Sturme ſchützt!“ „Ihr ſprecht freundlich,“ verſetzte der Ritter;„ aber Ihr kennt nicht alle Urſachen unſeres Kummers. Ade⸗ linens Vater, ein ſtolzer Herr, ſtarb— man ſagt am gebrochenen Herzen— aber alte Männer ſterben noch an mancher anderen Krankheit! Die Mutter, eine Dame, die ſich ihrer Abkunft von Fürſten rühmte, nahm die Sache ernſter als ihr Gemahl; ſie rief um Rache— und dies war ſonderbar, denn fſie iſt ſo fromm wie ein Dominikaner und Rache iſt, wenn auch an einem Manne ritterlich, an einem Weibe doch nicht chriſtlich!— Nun, mein Herr, wir bekamen einen Knaben, unſer einziges Kind; er war Adeli⸗ nens Troſt in meiner Abweſenheit— ſein liebliches Weſen galt ihr mehr als die Welt! Sie liebte ihn ſo, daß ich, hätte er nicht ihre Augen gehabt und ihr, wenn er ſchlief, gleichgeſehen, eiferſüchtig ge⸗ worden wäre! Er wuchs in unſerem wilden Leben auf, kräftig und lieblich; der junge Schelm wäre gewiß ein tapferer Ritter geworden! Mein Unſtern führte mich nach Mailand, wo ich mit dem Visconti Geſchäfte hatte. An einem ſchönen Junimorgen wurde unſer Knabe geſtohlen; wahrlich, dieſer Juni wurde für uns zum December!“ „Geſtohlen!— wie?— von wem?“ „Die erſte Frage iſt leicht zu heantworten,— der Knabe war mit ſeiner Wärterin im Hofe, die nach⸗ läſſige Dirne ließ ihn nur einige Minuten allein, — ſo verſichert ſie—, um ihm ein kindliches Spiel⸗ zeug zu holen, als ſie zurückkam, war er fort, außer ſeiner hübſchen Mütze mit der Feder darauf, war keine Spur mehr von ihm vorhanden! Arme Adeline! ſchon manches Mal fand ich ſie, wie ſie dieſe Reliquie küßte, bis ſie von Thränen feucht war!“ „Ein ſeltſames Schickſal, in der That. Aber welches Intereſſe konnte——“ „Ich will Euch,“ unterbrach ihn Montreal,„die einzige V — Adelit wir einen ihr beina! zu mir u der Niedr forderte f und es ni ſo beliebt Montreal in ihren t Zweifel zu kutte zu Mutter ſi Sie allein Rache, th Kind, the uns unſer Nachforſch wäre ſie meinen D Spaziergä aber dem konnte Ver geliebkost gleich nach von Courr übergegang mand wuß in einem f ie rief um ſie iſt ſo iſt, wenn Weibe doch rbekamen var Adeli⸗ liebliches liebte ihn ehabt und ſüchtig ge⸗ lden Leben em wäe in Unſtern Visconti gen wurde uni wurde — die nach⸗ ten allein, ches Spiel⸗ ort, außer rauf, war te Adeline! ſe Reliquie at Aber treal,„die einzige Vermuthung ſagen, die ich mir bilden konnte; — Adelinen's Mutter ſchrieb, als ſie erfuhr, daß wir einen Sohn haben, an Abeline einen Brief, der ihr beinahe das Herz brach und warf ihr ihre Liebe zu mir und dergleichen vor, als wäre ſie dadurch zu der Niedrigſten ihres Geſchlechtes herabgeſunken. Sie forderte ſie auf, Mitleid mit ihrem Kinde zu haben und es nicht zu dem Leben eines Räubers zu erziehen, ſo beliebte ſie die kühne Lebensweiſe Walters von Montreal zu benennen. Sie erbot ſich, das Kind in ihren dumpfen Mauern zu erziehen und es ohne Zweifel zu einer geſchorenen Platte und einer Mönchs⸗ kutte zu befähigen. Sie tobte wüthend, daß eine Mutter ſich nicht von ihrem Schatze trennen wollte! Sie allein konnte nach meiner Anſicht, theils aus Rache, theils aus albernem Mitleid für Adelinens Kind, theils vielleicht auch aus frommem Fanatismus uns unſeren Knaben geraubt haben. Auf meine Nachforſchung erfuhr ich von der Wärterin— die, wäre ſie nicht von Abelinens Geſchlecht geweſen, meinen Dolch gekoſtet haben ſollte, daß auf ihren Spaziergängen ein Weib von vorgerückten Jahren, aber dem Anſcheine nach von niederem Stande(das konnte Vermummung ſein!), das Kind oft angehalten, geliebkost und bewundert hatte. Ich begab mich ſo⸗ gleich nach Frankreich und ſuchte das alte Schloß der von Cvurval auf;— es war an den nächſten Erben übergegangen, und die alte Wiltwe war fort, Nie⸗ mand wußte wohin, aber man vermuthete, ſie habe in einem fernen Kloſter den Schleier genommen.“ 310 „Und Ihr ſaht ſie ſeither nicht wieder?“ „Ja, in Rom,“ erwiderte Montreal erblaſſend! „wy ich vor Kurzem plötzlich durch Zufall ihr be⸗ gegnete; und da erfuhr ich endlich das Schickſal meines Knaben und die Richtigkeit meiner Vermuthung; ſie gab den Diebſtahl zu— und mein Kind war todt! Ich habe es nicht gewagt, Adelinen etwas davon zu ſagen; es ſcheint mir, als wäre es, wie wenn man den Schaft aus der verwundeten Bruſt reißen wollte— und ſie würde plötzlich ſterben, beraubt der jetzt noch in ihr vorhandenen Ungewißheit. Sie hat noch immer eine Hoffnung— vieſe tröſtet ſie, obgleich mir das Herz blutet, wenn ich bedenke, wie nichtig ſie iſt. Brechen wir hievon ab, mein Colonna.“ Und Montreal ſprang plötzlich auf, als wollte er durch eine heftige Anſtrensung die Weichheit abſchüt⸗ teln, die während der Erzählung ihn beſchlichen hatte „Denken wir nicht mehr daran. Das Leben iſ kurz— ſeiner Dornen ſind viele— laßt uns kein⸗ ſeiner Blumen verachten. Hierin liegt Frömmigkel und Weisheit zugleich; die Natur, die für Kam und Arbeit mich beſtimmt, gab mir glücklicher Weiſt vas ſanguiniſche Herz und die elaſtiſche Seele de Franzoſen, und ich habe lange genug gelebt, um„ geſtehen, daß jung ſterben kein unglück iſt. Kommt Signor Adrian, ſuchen wir meine Dame auf, ch Ihr ſcheidet, wenn Ihr ſcheiden m üßt; bald win der Mond am Himmel ſein, und nach Fondi iſt e nur eine kleine Strecke. Ihr wißt, daß, obgleich is Euern Petrarka nicht bewundere, Ihr mit meh Artigkeit Ihr müß ſie noch iſt ausg Sänger! Adri Betrübni durch det tert, obg die plötzl wir aber darin la liche, w und der! ſchnell n und Gr ſamment ſeiner Z knabenhe wüſtung geſchlüfe und all Als die Mu Ohr, u wohlrie nicht ſe reinen der Me 2* erblaſſend! U ihr be⸗ kſal meines thung; ſie war todt! was davon wie wenn ruſt reißen n, beraubt ißheit. Sie tröſtet ſie, eene, wie n Colonna.“ ls wollte er heit abſchüt⸗ hlichen hatte. as Leben iſt t ns ekein Frömmigkeit e für Kampf cklicher Weiſ e Seele de eebt, em iſt. Kommt ame auf, eh⸗ t; bald wir Fondi iſt e , obgleich is hr mit mih 341 Artigkeit unſere provenzaliſchen Balladen lobt, und Ihr müßt Adeline eine ſolche ſingen hören, damit Ihr ſie noch höher ſchätzt. Das Geſchlecht der Tronbadvurs iſt ausgeſtorben, aber der Geſang überlebt den Sänger!“ Adrian, der kaum wußte, welchen Troſt er der Betrübniß ſeines bieten ſollte, fühlte ſich durch den Wechſel in deſſen Stimmung etwas erleich tert, obgleich ſein ernſ ſeres, ſein fühlendes Gemüth über die plötzliche Veränderung etwas betroffen wurde. Wie wir aber ſchon oben geſehen, war Montreals Geiſt(und darin lag vielleicht ſein Zauber) wie eine veränder liche, wechſelnde Wolke; der heiterſte Sonnen ſchein und der heftigſte Sturm wechſelten in demſelben reißend ſchnell mit einander; die Anlagen beſonderer Macht und Größe, die, wären ſie richtig geleitet und zu ſammengehalten worden, ihn zum Segen und Ruhm ſeiner Zeit gemacht haben würden, wurden mit einem knabenhaften Leichtfinn benützt, zu Krieg und Ver⸗ wüſtung angeregt, oder in Ruhe und Weichheit ein⸗ geſchläfert mit all der Geſchwindigkeit des Zufalles, und all dem Wankelmuth der Laune. Als ſie gegen die Küſte hinſchlenderten, drang die Muſik von Adelinens Laute beſtimmter zu ihrem Ohr, und unwillkürlich hielten ſie auf dem üppigen, wohlriechenden Raſen ſtille, als ſie mit einer zwar nicht ſehr ſtarken, aber wunderbar lieblichen und reinen Stimme, die zu der einfachen Art der Worte und ver Melodie herrlich paßte, folgende Strophen ſang: 312 Geſang der Dame aus der Provenee. 3 Warum ſo trübe, du, mein Herz, Drückt dich des Kummers Macht? Den heitern Himmel ſieht dein Schmerz So finſter, wie die Nacht. Wehe mir, wehe mir! Die Erde öffne ſich der Luſt, Die Freude ſchaut nur meine Bruſt; An dieſem Ort ſo ſtill Ich einſam bleiben will Und leben meinem Schmerz! Wehe mir, wehe mir! Wie ein Vogel bei heller Luft Das nah'nde Gewitter fühlt, So in mir eine Stimme ruft, Daß Sturm ſchon nach mir zielt. Wehe mir, wehe mir! O, freu dich jetzt, es bleibt dir kaum, Mein armes Herz, ein kurzer Raum! Und doch ich nicht weiß, Warum du weinſt ſo heiß? O, du mein weiches Herz! Wehe mir, wehe mir! 3. Glänzt am Himmel das Abendroth, Kommen Zweifel und Sorgen; Wer weiß bei der Sonne Tol, Was uns bringt der Morgen? Wehe mir, wehe mir! Harfe, klingend leis und fromm, Bald wirſt du auf ewig ſtumm. Sei du froh; und ſterb' ich auch, Fliege deiner Klange Hauch Mir als letzter Seufzer zu! Wehe mir, wehe mir! „Me vogel,“ ſachte un Geſang „Kei „deſſen Wahres muth, al San Geſicht; Worte, als Män und in Achtung gehört, in ſeine an deren ernſte H liche Dar Adel ſagte ſie das plötz Montrec in die Caſtello „Ja ka⸗toll, daß nie Liebhabe um Lieb ir! ir! ir! tir! ir! 313 „Meine geliebte Adeline— mein holdeſter Nacht⸗ vogel,“ flüſterte Montreal halblaut, näherte ſich ſachte und warf ſich ſeiner Dame zu Füßen—„Dein Geſang iſt zu traurig für dieſen goldenen Abend.“ „Kein Ton drang je zum Herzen,“ ſagte Adrian, „veſſen Pfeil nicht durch Schwermuth befiedert war. Wahres Gefühl, Montreal, iſt gepaart mit Schwer⸗ muth, aber nicht mit Trübſinn.“ Sanft und beifällig blickte die Dame in Adrians Geſicht; ſein Ausdruck gefiel ihr, noch mehr ſeine Worte, deren Wahrheit Frauen gewöhnlich noch tiefer als Männer anerkennen. Adrian erwiderte den Blick, und in dieſem lag tiefes, beredtes Mitgefuͤhl und Achtung; die kurze Geſchichte, die er von Montreal gehört, hatte ihn ſehr für ſie interefſirt; und nie lag in ſeinem Benehmen gegen die glänzende Königin, an deren Hof er geſandt war, eine ſo ritterliche und ernſte Huldigung, wie gegen dieſe verlaſſene, unglück⸗ liche Dame an den dämmerigen Küſten von Terraeina. Adeline erröthete leicht und ſeufzte; und dann ſagte ſie, um das peinliche Schweigen zu brechen, das plötzlich zwiſchen ihnen eingetreten war, während Montreal, die letzte Bemerkuug Adrians überhörend, in die Laute griff—„Natürlich theilt Signor di Caſtello die allgemeine Begeiſterung für Petrarka?“ „Ja,“ rief Montreal;„meine Dame iſt Petrar⸗ ka⸗toll, wie alle Andere; aber ich weiß nur ſo viel, daß nie ein mannhafter Ritter, oder ein ehrlicher Liebhaber in ſolch phantaſtiſchen und gequälten Reimen um Liebe warb.“ 3¹4 „In Italien,“ erwibverte Adrian,„iſt der gewöhn⸗ liche Ausdruck: übertreibung;— aber ſogar Eure eigene Troubabourpoeſie könnte Euch lehren, daß die Liebe, die immer eine neue, eigene Sprache ſucht, oft in eine ſolche verfallen muß, die, außer den Lie⸗ benden, Jedermann verdreht und gezwungen erſcheint.“ „Kommt, theurer Signor,“ ſagte Montreal, in⸗ dem er die Laute in Adrians Hände gab,„laßt Adeline Richterin ſein zwiſchen uns, welche Muſik — die Eurige, oder die meinige— holder werben kann.“ „Ha,“ ſagte Adrian lachend;„ich fürchte, Herr Ritter, Ihr habt die Richterin ſchon beſtochen.“ Montreals und Adelinens Augen begegneten ſich, und in dieſem Blicke vergaß Adeline alle ihre Sorgen. Mit geübter und geſchickter Hand griff Adrian in die Saiten; er wählte ein weniger künſtliches Lied, als die in ſeinem Vaterlande am meiſten beliebten, obgleich es in dem italieniſchen Geiſte gedichtet war und mit dem Gedanken übereinſtimmte, den er zuvor gegen Adeline geäußert hatte; er ſang, wie folgt: Entſchuldigung der Liebe wegen Traurigkeit. Wenn ich bei Dir nicht ganz entzückt, O, ſchilt mich nicht, Du Lieber; Das Herz, von Deiner Lieb' beglückt, Geht oſt in Wehmuth über. Wie nächtlich ſich auf ſtille Flut Der kühle Schatten ſinket, So fühl ich vft, daß Himmelsluſt Zu ſtiller Trauer lenket. „Un die Reit Eurem Der —„Be meine? fordern ſchmett zurückn ich auc Nach hann welcher fehlte, Holder Auf de Ich bi Wo di Willſ Gold er gewöhn⸗ ſogar Eure n„ daß die rache ſucht, er den Lie⸗ merſcheint.“ ntre, ein⸗ gab,„laßt elche Muſik der werben rchte, Herr tochen.“ gneten ſich, re Sorgen. riff Adrian ſtliches Lied, n beliebten, edichtet war en er ezuor wie folgt: urigkeit. t, 315 Das Bild, das mir im Herzen lebt, Iſt mir ſo eng verbunden, Daß, wenn's mir wachend auch eniflieht, Im Schlaf ich's noch gefunden. ſagte Abrian, als er geendigt,“ kommt „Und jetzt,“ ur das Vorſpiel zu die Reihe an Euch: ich gaben Eurem Triumphe.“ Der Provenzale lachte und ſchüttelte den Kopf. —„Bei jeder andern Schiedsrichterin hätte ich für meine Anmaßung, einen ſolchen Rivalen herauszu⸗ fordern, die Laute an meinem eigenen Haupte zer⸗ ſchmettert; aber ich darf vor einem Kampfe nicht zurückweichen, den ich ſelbſt hervorgerufen habe, ſollte ich auch an einem Tage zwei Niederlagen erleiden.“ Nach dieſen Worten trug der Ritter von St. Jo⸗ hann mit tiefer, ausnehmend melodiſcher Stimme, welcher es nur an größerer künſtlicher Ausbildung fehlte, um jede Mitbewerbung herauszufordern, vor: Das Lied des Troubadours. . Holder Fluß, wie glänzend erhellt der Mond deinen Lauf, Auf deinem Rücken nimmſt du das Boot der Liebe auf. Ich bind' es feſt, wo der Sturm das Schloß beſpült, Wo die holde Maid des Geliebten Nähe fühlt. Du biſt der Stern meines Lebens. Du zeigteſt der Barke den Pfad, Deine Schönheit legt mich in Ketten, Sobald das Auge Dir naht. Bel' amie, pel' amie, bel' amie! 2 Willſt vu fliehn aus der Welt, die nur Eitle mit Glanz bethört? Goldine Ketten hricht die Liebe, die nur ſich gehört. 316 Willſt du flieh'n aus der Welt? die Stolzen nur lockt ihr Schein, Doch Liebe in Höhlen erzeugt, iſt gerne mit Liebe allein. Deine Welt ſei mein Herz, o Geliebte, Die bleibt ſich ewig gleich; Du ſelbſt biſt ihr ja Sonne, Erhellſt Dir ſelbſt Dein Reich. Bel' amie, pel' amie, pel' amie! 3. Die Großen und die Reichen, ſie folgen Deiner Spur, Zwar Fürſtenblut entſproſſen, iſt arm Dein Troubadour; Doch für Dich ſchlägt ſein Herz, und um Dich will er frei'n, Wahr klinget ſeine Laute, und ſein Schwert es iſt rein. Verſchwunden ſind mir alle Sorgen, Verſchwunden iſt mir jeder Schmerz Und ſollt' die ganze Welt mich haffen, Wenn mir zur Seite iſt Dein Herz. Bel' amie, bel' amie, pel' amie! 4. Die holde Maid entbrannte in heißer Liebesglut; Keine Wolke ſtand am Himmel, keine Welle warf die Flut, Doch hätte auch gewüthet der Sturm mit aller Macht, Sie hätte doch verlaſſen das Schloß in dieſer Nacht. Süße Lilie, gebeugt vom Sturme, H, Du mein ganzes Glück! Gingſt Du wohl, wenn es möglich, Ins Vaterhaus zurück?— Bel' amie, pel' amie, bel' amio! So vertrieben ſie ſich die Zeit abwechſelnd mit Geſpräch und Geſang, als die waldigen Hügel ihre langen, ſcharf begrenzten Schatten über die See hin⸗ warfen, während von manchem Hügel voll erwachen⸗ der Blumen, von mancher Citronen⸗ und Drangen⸗ gruppe, gehoben durch die dunkle und feierliche Alve, die ſommerliche Luft, mit verſchiedenen Düften be⸗ laben ſä den lang welche d die munt ſer entzü Mond, langſam und das den grü Soldaten und Cyp lagen, u grasten und der Adri auf, um „Ich Euch ſch aber Se „Nei Adeline, den ſein⸗ per gelel lebet wo Adrian. tete ihr welchen lich betri heit. Bi t ihr Schein, allein. bel' amie! ur, dour; er frei'n, rein. e mie ie Flut, t, l' amie! elnd mit igel ihre See hin⸗ rwachen⸗ rangen⸗ he Alve, ften be⸗ laden ſäuſelte, und über dem Waſſer, gefärbt von den langſam erbleichenden Purpur⸗ und Roſatinten, welche die Sonne längſt der Dämmerung überlaſſen, die munteren Feuerfliegen flatterten, welche an die⸗ ſer entzückenden Küſte ſchimmern. Endlich ſtieg der Mond, über die dunkeln Waldhöhen ſich erhebend, langſam auf und warf ſein Licht auf das heitere Zelt und das glänzende Wappenſchild Montreals,— auf den grünen Raſen,— die blanken Rüſtungen der Soldaten, die in bunten Gruppen, halb von Eichen und Cypreſſen beſchattet, auf dem Graſe ausgeſtreckt lagen, während die Streitroſſe friedlich mit einander grasten— eine abenteuerliche Miſchung der eiſernen und der Schäferzeit. Adrian, der ungerne an die Reiſe dachte, ſtand auf, um ſich zu verabſchieden. „Ich fürchte,“ ſagte er zu Adeline,„ich habe Euch ſchon zu lange in der Nachtluft hingehalten, aber Selbſtſucht überlegt nicht viel.“ „Nein, Ihr ſeht, wir ſind vorſichtig,“ ſagte Adeline, indem ſie auf Montreals Mantel deutete, den ſeine ſorgliche Hand ſchon längſt um ihren Kör⸗ per gelegt hatte;„wenn Ihr aber ſcheiden müßt, ſo lebet wohl; ein guter Erfolg möge Euch begleiten!“ „Wir werden uns, hoffe ich, wieder ſehen,“ ſagte Adrian. Adeline ſeufzte leiſe; der Colonna betrach⸗ tete ihr Antlitz beim Scheine des Mondes, gegen welchen hin ſie es leicht erhob, und wurde ſchmerz⸗ lich betroffen über deſſen beinahe durchſichtige Zart⸗ heit. Von Mitleid bewegt, zog er, ehe er ſein Pferd beſtieg, Montreal bei Seite,—„vergebt mir, wenn ich vermeſſen ſcheine,“ ſprach er;„aber für einen ſo edeln Mann iſt dieſes wilde Leben kaum eine paſ⸗ ſende Laufbahn. Ich weiß, daß in unſerer Zeit der Krieg alle ſeine Söhne heiligt; gewiß aber wäre eine feſte Stellung am Hvofe des Kaiſers, oder eine eh⸗ renhafte Ausſöhnung mit Euern ritterlichen Brüdern beſſer——“ „Als ein Barbarenlager und ein Raubſchloß,“ un⸗ terbrach ihn Montreal etwas ungeduldig.„Das woll⸗ tet Ihr doch ſagen— Ihr ſeid im Irrthume. Die Geſellſchaft verſtößt mich aus ihrem Schvoß; laßt die Geſellſchaft die Frucht ernten, die ſie geſäet hat. Eine feſte Stellung, ſagt Ihr? einen ſubalternen Dienſt, um nach dem Befehle Anderer zu fechten! Ihr kennt mich nicht: Walter von Montreal wurde nicht zum Gehorchen geboren. Krieg, wenn ich will, und Ruhe, wenn mich gelüſtet, iſt das Motto mei⸗ nes Wappenſchildes. Der Ehrgeiz bietet uns ein⸗ Belohnung, von der Ihr Nichts ahnt, und ich ge⸗ höre durch mein Weſen wie durch meine Abkunft zu ven Männern, deren Schwerter Theben erobert ha⸗ ben. Im Ubrigen nöthigen Eure Nachrichten von dem Bunde Ludwigs von Ungarn mit Eurem Tri⸗ bun alle Freunde Ludwigs, allen Fehden mit Ron zu entſagen. Ehe die Woche zu Ende geht, mögen Eulen und Fledermänſe in jenen grauen Thürmen eine Zuflucht ſuchen.“ „Aber Eure Dame?“ mäßige t „Gen Zufluchts ſen in J ters, ich volle He Mon Herz; de mit über Schweig zu ſprech fanden ſ aber imt um noch ner liebe auf dem gekräuſel Wen Name L ſchöne G von Un er ſpäte wigs in ihn triu des Ehr oder der mir, wenn r einen ſo eine paſ⸗ er Zeit der wäre eine r eine eh⸗ n Brüdern hloß,“ un⸗ „Das woll⸗ umen Die ß; laßt die geſäet hat. ſubalternen zu fechten! treal wurde enn ich will, Motto mei⸗ t ns eine und ich ge⸗ Abkunft zu erobert ha⸗ richten von Eurem Tri⸗ n mit Ron zeht, mögen nThürmen 3¹9 „Iſt an Wechſel gewöhnt.— Gott helfe ihr und mäßige den rauhen Sturm für das Lamm!“ „Genug, Herr Ritter; ſolltet Ihr aber eine ſichere Zufluchtsſtätte für ein ſo edles und hochgeborenes We⸗ ſen in Rom wünſchen, bei der Rechten eines Rit⸗ ters, ich verſpreche ein ſicheres Dach und eine ehren⸗ volle Heimath für die Dame Adeline.“ Montreal drückte die dargebotene Hand an ſein Herz; dann riß er haſtig die ſeinige weg, fuhr da⸗ mit über die Augen und näherte ſich Adeline in einem Schweigen, welches deutlich verrieth, daß er ſich nicht zu ſprechen getraue. Nach wenigen Augenblicken be⸗ fanden ſich Adrian und ſein Gefolge auf dem Marſch; aber immer noch kehrte ſich der junge Colonna um, um noch einmal nach ſeinem wilden Wirthe und ſei⸗ ner liebenswürdigen Dame zu blicken, wie ſie noch auf dem mondhellen Raſen verweilten, während die gekräuſelte See traurig zu ihren Ohren tönte. Wenige Monate nach dieſer Zeit verbreitete der Name Fra Moreale Furcht und Schrecken durch das ſchöne Campanien. Die rechte Hand des Königes von Ungarn bei ſeinem Einfalle in Neapel, wurde er ſpäter zum Stellvertreter(oder Statthalter) Lud⸗ wigs in Averſa ernannt; Ruhm und Glück ſchienen ihn triumphirend auf der von ihm erwählten Bahn des Ehrgeizes zu begleiten, deren Ziel das Schaffot, oder der Thron ſein mochte. Piertes Vuch. Der Triumph und das Gepränge. Allora fama e paura di si buono regzi- mento, passa in ogni terra. Vil. di Cola di Riens, lib. I. cap. 21. Jetzt drang der Ruf und die Furcht vor einer ſo guten Regierung in alle Länder. Erſtes Kapitel. Der Knabe Angelo— Nina's Traum geht in Erfüllung. Der Faden meiner Geſchichte führt uns nach Rom zurück. In dem kleinen Zimmer einer halb verfallenen Behauſung an dem Fuße des Aventin ſaß eines Abends ein kleiner Knabe bei einem Weibe von ſchlankem unt ſtattlichem Wuchſe, aber etwas gebeugt durch Kränk⸗ lichkeit und Jahre. Der Knabe war von hübſchem freundlichem Ausſehen, und in ſeinem dreiſten, frei⸗ müthigen und unerſchrockenen Benehmen lag etwas, das ihn älter erſcheinen ließ, als er in Wirklichkeit war. Das alte Weib, welches in dem Winkel des tiefen Fenſters ſaß, war augenſcheinlich mit einer Bibel be⸗ ſchäftigt, welche offen auf ihren Knien lag; aber von Zeit zu Zeit erhob ſie die Augen und betrachtete ihren jungen G lichen A „Fra ſchäftigt „ich woll Nun, je Es iſt ſe weißen ſeinen w Aber her als ich at Nina gel blaues 2 „Und fragte, hat Dir Du biſt „O⸗ Dame N ein Läch verdrehet dienen! leidenſch. Schule a Frau, d gewachſe Rienzi.“ „Ja anders l mein alt Bulw uono reggi- b. I. cap. 21. cht vor einer der. Erfüllung. nach Rom verfallenen nes Abends lankem unt uch Kränk⸗ hübſchem iſten, frei⸗ lag etwas, ichkeit war. el des tiefen r Bibel be⸗ aber n chtete ihren 321 jungen Geſellſchafter mit einein traurigen und ängſt⸗ lichen Ausdrucke. „Frau,“ ſagte der Knabe ſchäftigt war, ſich ein „ich wollte, Ihr hättet das Schauſp e 3 Nun, jeden Tag gibt es jetzt ein Schauſpiel in Rom! Es iſt ſchon genug, wenn man den Tribun auf ſeinem weißen Roſſe ſieht—(o, er iſt ſo ſchön!)— mit ſeinen weißen Kleidern, ganz mit Edelſteinen beſetzt. Aber heute hat mich, wie ich Euch eben erzählt habe, als ich auf den Treppen des Capitols ſtand, die Dame Nina gegrüßt; Ihr wißt, Frau, ich hatte mein beſtes blaues Wamms an.“ „Und ſie nannte Dich einen hübſchen Jungen und fragte, ob Du ihr kleiner Page werden wolleſt; dies hat Dir den Kopf verdreht, einfältiger Balg, der Du biſt——“ „O, die Worte ſind das V e; wenn Ihr die Dame Nina geſehen hättet, würdet Ihr zugeben, ein Lächeln von ihr den weiſeſten Kopf in Italien verdrehen könnte. O, wie gern würde ich dem Tribun dienen! Alle Jungen von meinem Alter haben ihn leidenſchaftlich gerne. Wie werden ſie morgen in der Schule aufſſchauen und mich beneiden! Ihr wißt auch, Frau, daß ich, wenn auch nicht ganz in Rom auf⸗ gewachſen, doch ein Römer bin. Alle Römer lieben Rienzi.“ „Ja, für den Angenblick; das Geſchrei wird bald anders lauten. Dieſe Deine Eitelkeit, Angelo, quält mein altes Herz. Ich wollte, Du wäreſt beſcheidener.“ Bulwer, Rienzi. 1. 2¹ emſig damit be⸗ „ hölzernes S 322 „Baſtarde müſſen ſich ſelbſt einen Namen erringen,“ erwiderte der Knabe, tief erröthend.„Sie reiben es mir immer unter die Naſe, daß ich nicht ſagen kann, wer mein Vater und meine Mutter iſt.“ „Das haben ſie nicht nöthig,“ verſetzte die Frau eilig.„Du ſtammſt von edlem Blute und alter Abkunft, obgleich ich, wie ich Dir ſchon oft geſagt habe, den Namen Deiner Eltern nicht genau kenne. Aber wozu denn das zähe Stück Eichenholz?“ „Zu einem Schwerte, Frau, um dem Tribun gegen die Räuber beizuſtehen.“ „Ach! ich fürchte, er wird gleich Allen, die in Italien nach Macht ſtreben, eher Räuber anwerben, als ſie vertreiben.“ „Nun, da ſeht Ihr's, Ihr lebt ſo abgeſchloſſen, vaß Ihr nichts wißt und hört, ſonſt hättet Ihr er⸗ fahren, daß ſogar der trotzigſte von allen Räubern, Fra Moreale, endlich dem Tribun nachgegeben hat und aus ſeinem Schloſſe geflohen iſt wie eine Ratte aus einem umſtürzenden Hauſe.“ „Wie, was!“ rief die Frau,„was ſagſt Du? Hat dieſer Plebejer, den ihr Tribun nennt— hat er kühn dem gefürchteten Krieger den Handſchuh hin⸗ geworfen? und hat Montreal das römiſche Gebiet verlaſſen?“ „Ja, es iſt Stadtgeſpräch. Aber Fra Moreale ſcheint für Euch, wie für jede Mutter in Rom, ein Popanz. Hat er Euch je etwas zu Leide gethan, Frau?“ „Ja!“ rief die Alte mit ſo trotziger Haſt, daß ſogar der muthige Knabe ſtutzte. „Da einer P „De Mann, im Frie der gute lanzen? „JIc es ja.“ „üb und ma von Ob redend. „Du w Signor⸗ „Ja behren „Ki Sand i Dich be Jugend bewahr erfüller weihen. Kind. hätteſt Dich n Vertra ſchlimm gls Ver erringen,“ reiben es gen kann, e die Frau r Abkunft, habe, den Aber wozu ibun gegen en, die in anwerben, geſchloſſen, et Ihr er⸗ t Räubern, egeben hat eine Ratie ſagſt Du? nnt— hat dſchuh hin⸗ ſche Gebiet ra Moreale Rom, ein an, Frau“ Haſt, doß „Dann möchte ich ihm begegnen,“ ſagte er nach einer Pauſe, indem er ſeine Theaterwaffe ſchwang. „Das wolle der Himmel verhüten! Es iſt ein Mann, dem Du immer aus dem Wege gehen mußt, im Frieden wie im Kriege. Sage noch einmal, ſteht der gute Tribun in gar keinem Verkehre mit den Frei⸗ lanzen?“ „Ich ſage es noch einmal— ganz Rom weiß es ja.“ „überdies iſt er auch ſromm, wie ich gehört habe, und man ſprengt aus, er habe Viſtonen und werde von Oben geſtärkt,“ ſagte die Alte, mit ſich ſelber redend. Dann wandte ſie ſich zu Angelo und fuhr fort: „Du würdeſt mit großer Freude das Anerbieten von Signora Nina annehmen?“ „Ja, das würde ich, Frau, wenn Ihr mich ent⸗ behren könntet.“ „Kind,“ verſetzte die Matrone feierlich,„mein Sand iſt nächſtens abgelaufen, und mein Wunſch iſt, Dich bei Leuten zu wiſſen, welche Dich während Deiner Jugend beſchirmen und Dich vor einem zügelloſen Leben bewahren. Iſt dies gelungen, kann ich mein Gelübde erfüllen und den traurigen Reſt meiner Jahre Goit weihen. Ich will weiter darüber nachdenken, mein Kind. Nicht unter dem Dache eines ſolchen Plebejers hätteſt Du wohnen, nicht von dem Tiſche eines Fremden Dich nähren ſollen; aber in Rom— mein letzter, des Vertrauens würdiger Verwanbter iſt todt— und im ſchlimmſten Falle, Ehrlichkeit im Dunkeln iſt beſſer, als Verbrechen in Pracht. Dein Geiſt macht mich ſchon 324 unruhig. Zurück, mein Kind, ich muß in mein Gemach, und wachen und beten.“ Mit dieſen Worten ſchlüpfte die Alte, die An⸗ näherung des Knaben zurückweiſend und die von ihm gemurmelten, verworrenen Worte— die halb zärt⸗ lich, doch auch halb verdrießlich und eigenfinnig klangen — verbietend, aus dem Zimmer. Der Knabe ſah verdutzt auf die ſich ſchließende Thüre und ſprach dann zu ſich ſelbſt:„Die Frau ſpricht immer in Räthſeln; ich möchte wiſſen, öb ſie mehr von mir weiß, als ſie ſagt, oder ob ſie auf irgend eine Weiſe mit mir verwandt iſt. Ich hoffe nicht, denn ich liebe ſie nicht ſehr und wünſche mir auch ſonſt nichts Beſtimmtes hierin. Ich wollte nur, ſie brächte mich zu der Gemahlin des Tribuns, dann wollen wir ſehen, wer von den Buben Angelo Villani noch einen Baſtard nennt.“ Damit machte ſich der Knabe wieder mit verdoppel⸗ tem Eifer an die Verfertigung ſeines Schwertes. Wirk⸗ lich hatte das kalte Venehmen dieſes Weibes, die ihm Wärterin, Geſellſchafterin, Stellvertreterin der Eltern war, ſeine Herzlichkeit zurückgeſtoßen, ohne ſein Tem⸗ perament zu bändigen, und obgleich von Natur nicht von böſer Denkart, war doch Angelo Villani bereits trotzig, verſchlagen und rachſüchtig; andererſeits aher auch nicht ohne eine raſche Empfänglichkeit für Güte wie für Beleidigung, ohne natürliche Schärfe des Ver⸗ ſtandes und große Furchtloſigkeit. Da er mehr in ruhi⸗ gem Genügen als im überfluſſe erzogen wurde und viel unter den Augen ſeiner Beſchützerin lehte, die er nur unt anmuthi eines Kt war es obgleich vurch S Gattin ziehung rechnet. gelehrt, des Latet halb ſo Spiele † der Voll zu dränt liche Ger wiederkel Am des jung wieder a theilhaft dem Pal „Wi ſprang ſoll ich des grof „Ja Deine F keit liegt hat mein Gemach, die An⸗ von ihm a zärt⸗ g klangen chließende au ſpricht ſie mehr uf irgend ffe nicht, mir auch nur, ſie ns, dann lo Villani verdoppel⸗ tes. Wirk⸗ „ die ihm der Eltern ſein Tem⸗ atur nicht ni bereits ſeits aher für Güte e des Ver⸗ r in ruhi⸗ vurde und bte, die er 325 nur unter dem Namen Urſula kannte, hatte er ein aumuthiges Benehmen und ſein Anſtand war der eines Knaben von guter Herkunft. Und vielleicht war es mehr ſeine Haltung, als ſein Geſicht, das, obgleich hübſch, ſich noch mehr durch Verſtand, als durch Schönheit auszeichnete, die Aufmerkſamkeit der Gattin des Tribun auf ihn gelenkt hatte. Seine Er⸗ ziehung war wie auf eine gelehrte Beſtimmung be⸗ rechnet. Man hatte ihn nicht nur Leſen und Schreiben gelehrt, ſondern ihn auch in den Anfangsgründen des Lateiniſchen unterrichtet. Er zeigte indeſſen nicht halb ſo viel Neigung für dieſe Studien, als für die Spiele ſeiner Kameraden, oder für die Schauſpiele der Volksaufläufe in den Straßen, in die er ſich alle zu drängen wußte und aus denen er durch ſeine glück⸗ liche Gewandtheit immer unverletzt und wohlbehalten wiederkehrte. Am anderen Morgen trat Urſula in das Zimmer des jungen Angelv.„Ziehe heute Deine blaue Jacke wieder an,“ ſagte ſie;„Ich wünſche, daß Du vor⸗ theilhaft Dich ausnehmeſt. Du ſollſt mit mir nach dem Palaſte gehen.“ „Wie, heute?“ rief der Knabe voll Freude und ſprang halb aus dem Bette.„Liebe Frau Urſula, ſoll ich denn wirklich zu dem Gefolge der Gattin des großen Tribuns kommen?“ „Ja; und die alte Frau allein ſterben laſſen. Deine Freude ſteht Dir gut,— aber die Undankhar⸗ keit liegt in Deinem Blute. Undankbarkeit! O, ſie hat mein Herz zu Aſche gebrannt. Und die Deinige, 626 Knabe, findet jetzt keine Nahrung mehr in dem trockenen verfallenen Schutt.“ „Liebe Frau, Ihr ſeid immer ſo ſtreng. Ihr wißt, daß Ihr geſagt habt, Ihr wünſchet Euch in ein Kloſter zurückzuziehen und ich ſei eine läſtige Bürde für Euch. Aber Ihr habt eine Freude daran, mich zu ſchelten, mit Recht oder mit Unrecht.“ „Meine Aufgabe iſt gelöst,“ ſagte Urſula mit einem tiefen Seufzer. Der Knabe antwortete nicht, und die Alte ent⸗ fernte ſich mit ſchweren Schritten und vielleicht mit noch ſchwererem Herzen. Als er in ihrem gemein⸗ ſchaftlichen Zimmer zu ihr trat, bemerkte er, was ihm in ſeiner Freude zuvor entgangen war— daß Urſula nicht ihre gewöhnliche einfache und beſcheidene Klei⸗ dung trug. Die goldene Kette, damals gewöhnlich nur von Frauen evler Geburt getragen— obwohl ſie bei dem anderen Geſchlechte auch von öffentlichen Beamten und reichen Kaufleuten nicht verſchmäht wurde — glänzte auf einem Kleide von reichem, geblümtem, venetianiſchem Stoffe, und die Schnallen, welche das Gewand an Hals und Bruſt zuſammenhielten, waren mit Edelſteinen von nicht geringem Werthe geſchmückt. Angelo's Auge war bei dieſer Veränderung be⸗ troffen, aber er fühlte einen männlicheren Stolz, als er bemerkte, daß die alte Frau gut darin ausſehe. Ihre Geſtalt und Geſichtsbildung waren wirklich die einer Frau, welche an einen ſolchen Anzug gewöhnt iſt, und an jenem Tage ſchien darin noch mehr Strenge und Würde, als gewöhnlich, zu liegen. Sie den kurz ſteckte il Griff un ſeinen C „Ler „und ob haben, verſchaff „Die licher D kann! nicht fiü ich kann es. Ko bei Zeit Ang und als ſah erz damals und die den, od zu miet „W er in di Urſula Prunke in dem ig. Ihr Euch in ge Bürde an, mich ſula mit Alte ent⸗ leicht mit gemein⸗ was ihm daß Urſula dene Klei⸗ gewöhnlich — obwohl öffentlichen näht wurde geblümtem, welche das en, waren geſchmückt. derung be⸗ Stolz, als in ausſehe. virklich die ig gewöhnt noch mehr liegen. Sie glättete die Locken des Knaben, zog ihm⸗ den kurzen Mantel gefälliger über die Schulter und ſteckte ihm dann einen Dolch mit reich verziertem Griff und eine mit Gulden wohlgefüllte Börſe in ſeinen Gürtel. „Lerne beide vorſichtig gebrauchen,“ ſprach ſie; „und ob ich lebe, oder ſterbe, wirſt Du nie nöthig haben, den Dolch zu ſchwingen, um Dir Gold zu verſchaffen.“ „Dies iſt, rief Angelo entzückt, alſo ein wirk⸗ licher Dolch, mit dem man gegen die Räuber kämpfen kann! Ach, mit dieſem würde ich Fra Moreale nicht fürchten, der Dich ſo beleidigte. Ich hoffe, ich kann Dich noch rächen, obgleich Du mich ſo eben wegen Undankbarkeit ſchaltſt.“ „Ich bin gerächt. Nähre keine ſolche Gedanken, mein Sohn, ſie ſfind ſündhaft; wenigſtens fürchte ich es. Komme her an den Tiſch und iß; wir wollen bei Zeiten gehen, wie es Bittenden zukommt!“ Angelv hatte ſeine Morgenmahlzeit bald beendigt und als er neben Urſula zum Thore hinaushüpfte, ſah er zu ſeinem Erſtaunen vier jener Diener, welche damals Perſonen von Stande gewöhnlich begleiteten, und die in jeder Stadt zur Bequemlichkeit der Frem⸗ den, oder zum feſttäglichen Staat der reicheren Bürger zu miethen waren. „Was wir heute vornehm find,“ ſagte er, indem er in die Hände klatſchte, mit einer Heftigkeit, welche urſula alsbald tadelte.„Es iſt nicht um des eiteln Prunkes willen,“ ſetzte ſie hinzu,„den wahrer Adel —— — 328 wohl entbehren kann, ſondern damit wir in dem Palaſte leichter Zutritt erhalten. Dieſe Fürſten von geſtern her leihen dem gar zu Beſcheidenen nicht allzu bereitwillig ihr Ohr. „O! diesmal habt Ihr aber Unrecht,“ erwiderte der Knabe.„Der Tribun gibt Allen, dem Aermſten wie dem Reichſten, Gehör. Ja, es gibt keinen zer⸗ lumpten Bauern, vder baarfüßigen Mönch, der nicht vor dem ſtolzeſten Baron Zutritt bei ihm erhielte. Deßhalb liebt ihn das Volk ſo. Und einen Tag in der Woche widmet er dem Empfange von Wittwen und Waiſen;— und Ihr wißt, Frau, ich bin eine Waiſe.“ urſula, ſchon ganz mit ihren Gedanken beſchäftigt, gab keine Antwort und hörte den Knaben kaum; ſie ſtützte ſich auf ſeinen jungen Arm und ſchritt unter dem Vortritt der Diener, die den Weg bahn⸗ ten, nach dem Palaſte des Capitols. Einem aufmerkſamen Auge wäre die Veränderung wunderbar aufgefallen, welche zwei oder drei kurze Monate der ſtrengen, aber heilſamen und weiſen Herrſchaft des Tribuns in den Straßen von Rom hervorgebracht hatten. Man ſah die rieſenhaften, in Eiſen gekleideten Geſtalten ausländiſcher Söldlinge nicht mehr auf den freien Plätzen einherſchreiten, oder in ſtolzem Trotze vor den mit Schießſcharten ver⸗ ſehenen Thoren eines düſteren Palaſtes gruppirt. Die in manchen Statdttheilen ſeit Jahren geſchloſſenen Kaufläden ſtanden wieder offen, glänzten von Waa⸗ ren und wimmelten von Verkehr. Die Straßen, früher entwedet ſamen, und übe wiederh bels ode ten jetzt civiliſirt theils C und W neſtern raſſelter — um ſchen G aufgenv hatte n zigen lichen 1 Eine oder K der Ge zu freu gemach gen; d die St Reiſent fanden *( *„ *1 erini e in dem rſten von ten nicht erwiderte Aermſten inen zer⸗ der nicht erhielte. Tag in Wittwen bin eine eſchäftigt, n kaum; nd ſchritt e bahn⸗ ränderung drei kurze nd weiſen von Rom haften, in Söldlinge iten, oder arten ver⸗ pirt. Die ſchloſſenen oon Waa⸗ jen, früher entweber ſtille wie das Grab, oder von einem furcht⸗ ſamen, einzelnen Wanderer mit ſchnellen Schritten und überall umherſpähenden Augen durcheilt,— oder wiederhallend von dem Geſchrei eines armſeligen Pö⸗ vels oder den offenen Fehden wilder Edellente, zeig⸗ ten jetzt die geregelten, geſunden und bunten Ströme eiviliſirten Lebens, deren Zweck theils Vergnügen, theils Geſchäft war. Mit Gütern beladene Karren und Wagen, welche ſicher bei den zerſtörten Raub⸗ neſtern in der Campagna vorübergekommen waren, raſſelten luſtig über die Straßen.„Nie vielleicht,“ — um den von einem neueren, keineswegs parteii⸗ ſchen Geſchichtſchreiber von italieniſchen Autoritäten“ aufgenvmmenen Vericht anzuführen—„nie vielleicht hatte man die Thatkraft und Wirkſamkeit eines ein⸗ zigen Geiſtes auffallender gefühlt, als bei der plötz⸗ lichen Umgeſtaltung Roms durch den Tribun Rienzi. Eine Räuberhöhle wurde zur Diſeiplin eines Lagers oder Kloſters umgeſchaffen.„„In dieſer Zeit,““ ſagt der Geſchichtſchreiber,**„„fingen die Wälder an, ſich zu freuen, daß ſie nicht länger durch Räuber unſicher gemacht wurben; die Stiere fingen wieder an zu pflü⸗ gen; die Pilger beſuchten die Heiligthümer*** wieder; die Straßen und Herbergen waren wieder voll von Reiſenden; Handel, Ueberfluß, Treu und Glauben fanden ſich auf den Märkten wieder, und eine Börſe * Gibbon., „ Vita d? Cola di Rienzi, lib. I. cap. 9. Gibbon: In dem Originale heißt es wörtlich;„li pelle- grini cominciaro a fare la eeres per la santuaria.“ mit Gold konnte ohne Gefahr mitten auf der Land⸗ ſtraße hingelegt werden.““ Unter all dieſen Zeugniſſen des Wohlbehagens und der Sicherheit des Volkes konnte man hie und da finſtere, mißvergnügte Geſichter unter der Menge ſehen, und ſo oft Einer, der die Livree der Colonna oder der Orſini trug, ſich von dem Gedränge an⸗ gerannt fühlte, fuhr eine trotzige Hand unwillkürlich nach dem Schwertgriff, und ein halb unterdrückter Fluch endigte in einem unwilligen Seufzer. Hier und dort zeugten auch— im Gegenſatze zu den neu geſchmückten, neu eingerichteten und lachenden Kauf⸗ läden— Schutthaufen vor dem Thore eines ſtolzen Herrenhauſes von der Zerſtörung von Befeſtigungen, welche der Eigenthümer in ohnmächtiger Wuth als eine Entheiligung betrachtete. Durch ſolche Straßen und ſolche Gruppen nahm die Geſellſchaft, der wir folgen, ihren Weg, bis ſie ſich unter der am Ein⸗ gange des Capitols verſammelten Menſchenmaſſe be⸗ fanden. Die hier aufgeſtellten Beamten hielten in⸗ deſſen ſo geſchickt und gewandt Ordnung, daß ſie nicht lange aufgehalten wurden; und nun auf dem weiten Platze oder Hofe dieſes merkwürdigen Gebändes, ſahen ſie die offenen Thüren des großen Gerichts⸗ ſaales, von einer einzigen Schildwache bewacht, in welchem der Tribun ſechs Stunden täglich zu Gerichte ſaß; denn„geduldig zu hören, ſchnell abzuhelfen, unerbittlich im Strafen, hatten Arme und Fremde ſtets Zutritt zu ſeinem Richterſtuhle“.* *Gibbon. Nich ſellſchaft der zu! hier bil als köni ſtarken welche Sel riſchen höfe ge den Sa gekleide Blumer tigen I in wel Stadt Ke Verſan ganz aus ih förmli Diener „Die ihre ſi wohl ſprach deßhal Signr morge Stand Land⸗ ehens hie und Menge Colonna nge an⸗ illkürlich rdrückter Hier den neu en Kauf⸗ s ſtolzen igungen, zuth als Straßen der wir am Ein⸗ naſſe be⸗ elten in⸗ ſie nicht n weiten jebäudes, Gerichts⸗ acht, in Gerichte zuhelfen, Fremde —— — 331 Nicht nach dieſem Saale nahm indeſſen die Ge⸗ ſellſchaft ihren Weg, ſondern nach dem Eingange, der zu den Privatgemächern des Palaſtes führte. Und hier bildeten das Gepränge, der Staat, die mehr als königliche Pracht der Reſidenz des Tribuns einen ſtarken Contraſt zu der patriarchaliſchen Einfachheit, welche ſeinen Gerichtsſaal auszeichnete. Selbſt urſula, vor Zeiten an den verſchwende⸗ riſchen Aufwand italiſcher und franzöſiſcher Fürſten⸗ höfe gewöhnt, ſchien überraſcht und erſtaunt über ven Saal, in welchem eine Menge in koſtbare Livreen gekleideter Diener ſich befand, die vergoldeten, mit Blumen bekleideten Marmorſäulen und die präch⸗ tigen Paniere, die überall in der Runde wehten und in welche die vereinigten Wappen der republikaniſchen Stadt und des päpſtlichen Stuhles gewirkt waren. Kaum wiſſend, an wen ſie ſich in einer ſolchen Verſammlung wenden ſolle, wurde urſula durch einen ganz in Gold und Carmeſin gekleideten Beamten aus ihrer Verlegenheit geriſſen, welcher mit ernſtem, förmlichen Anſtande, der wirklich an der ganzen Dienerſchaft zu bemerken war, fragte, wen ſie ſuche? „Die Signora Nina!“ verſetzte Urſula, indem ſie ihre ſtattliche Figur aufrichtete, mit natürlicher, ob⸗ wohl etwas veralteter Würde. Es lag in ihrer Aus⸗ ſprache etwas Fremdes und der Beamte antwortete veßhalb:„Heute, Madame, wird, fürchte ich, die Signora nur die römiſchen Damen empfangen. Der morgende Tag iſt der für alle fremden Damen von Stande feſtgeſetzte.“ 332 Uurſula antwortete in etwas ungeduldigem Tone: „Mein Anliegen iſt von der Art, welche in Paläſten an jedem Tage willkommen iſt. Ich komme, Signor, um gewiſſe Geſchenke zu der Signora Füßen zu legen, die ſie, ſo hoffe ich, der Annahme würdigen wird.“ „Und ſagt auch, Signor,“ ſetzte der Knabe raſch hinzu,„daß Angelo Villani, den die Signora geſtern mit ihrer Beachtung beehrte, kein Fremder, ſondern ein Römer iſt, und kommt, wie ſie ihm befahl, um der Signora ſeine Huldigung und ſeine Ergebenheit darzubringen.“ Der ernſte Beamte konnte ſich bei der naſeweiſen, aber gleichwohl anmuthigen Keckheit des Knaben eines Lächelns nicht enthalten. „Ich erinnere mich, Herr Angelo Villani,“ er⸗ widerte er,„daß Signora Nina an der großen Treppe geſtern mit Euch ſprach. Madame, ich werde Eure Botſchaft überbringen. Folgt mir gefälligſt in ein für Euer Geſchlecht und Euer Ausſehen paſſenderes Gemach.“ Mit dieſen Worten führte ſie der Beamte durch den Saal nach einer breiten Treppe von weißem Marmor, deren Mitte mit jenen reichen Teppichen des Oſten belegt war, die damals ſchon, als in den Zimmern eines engliſchen Monarchen noch Binſen geſtreut wurden, zu dem größeren Lurus italiſcher Paläſte gehörten. Er öffnete eine Thüre in dem erſten Stockwerke und führte Urſula mit ihrem jungen Pfleglinge in ein hohes mit gewirkten Sammttapeten ausgeſchlagenen Zimmer. über der Thüre, durch welche d Wappen! all ſeinet von dem päpſtliche publik zu „Phi murmelte beſſer für Der! ein Gem das groß undzwanz gen von vergeſſene Palaſt det trugen die ſche Archi gelegt wa mit Gold ſo prächt mit präck ſtiſcher un dieſes kö: dem Thr ewigen W wirkte B Der! an deſſen in Silbet n Tone: Paläſten Signor, u legen, wird.“ abe raſch a geſtern ſondern ahl, um ebenheit ſeweiſen, en eines i,“ er⸗ Treppe de Eure tin ein ſſenderes te durch weißem eppichen in den Binſen taliſcher in dem jungen ttapeten „ durch 333 welche der Beamte jetzt verſchwand, prangten die Wappenbilder, welche der Tribun ſo beharrlich bei all ſeinem Pomp nicht ſowohl aus Prachtliebe, als von dem politiſchen Verlangen beſtimmt, mit den päpſtlichen Schlüſſeln die Wappenzeichen der Re⸗ publik zu vermiſchen, voranſtellte. „Philipp von Valvis wohnte nicht wie dieſer Maun!“ murmelte Urſula.„Wenn dies Beſtand hat, ſo habe ich beſſer für meinen Pflegling geſorgt, als ich dachte.“ Der Beamte kehrte bald zurück und führte ſie durch ein Gemach von großem Umfange, das in der That das große Empfangzimmer des Palaſtes war. Vier⸗ undzwanzig Säulen von vrientaliſchem Alabaſter, Zeu⸗ gen von den Plünderungen der ſpäteren Kaiſer, aus vergeſſenen Trümmern wieder ausgegraben, um den Palaſt des Wiederherſtellers der alten Republik zu zieren, trugen die leichte Decke, deren halb gothiſche, halb klafſi⸗ ſche Architektur mit goldener und purpurner Moſaik ein⸗ gelegt war. Der getäfelte Fußboden war in der Mitte mit Goldbrokat bedeckt, die Wände theilweiſe mit eben ſo prächtigen Tapeten behangen, gehoben durch jene mit prächtigen Farben friſch gemalte Felder, voll my⸗ ſtiſcher und ſymboliſcher Zeichen. An dem oberen Ende dieſes königlichen Zimmers führten zwei Stufen zu dem Throne des Tribuns, über welchem der mit den ewigen Wappenbildern des Papſtes und der Stadt ge⸗ wirkte Badalchin ſich erhob. Der Beamte durchſchritt dieſen Saal und öffnete an deſſen Ende eine Thüre, welche in ein kleines, von in Silber und blauem Sammt gekleideten Pagen an⸗ 334 gefülltes Zimmer führte. Wenige unter dieſen waren älter, als Angelo, und nach Aller Schönheit zu ur⸗ theilen, ſchienen ſie die Blüte und Zierde der Stadt. Kurze Zeit konnte Angelo ſeine zukünftigen Ge⸗ noſſen betrachten: in einer Minute ſtanden er und ſeine Veſchützerin vor der Gemahlin des Tribuns. Das Zimmer war nicht groß, aber doch geräumig genug, um zu zeigen, daß die ſchöne Tochter Raſelli's ihre Geſichte von Pracht und Glanz verwirklicht hatte. Es war ein Gemach, das jeder Beſchreibung ſpot⸗ tete— es ſchien ein Cabinet für die Edelſteine der Welt zu ſein. Das Tageslicht, durch hohe, tiefe Fen⸗ ſter von farbigem Glas gedämpft, überſtrömte in rei⸗ chen Purpurfarben alles, was die Kunſt jener Zeit Prächtiges oder königlicher Lurus Theures aufzuweiſen hatte. Die ſilbernen Kandelaber von florentiniſcher Arbeit; die Teppiche und Stoffe des Oſten; die Dra⸗ perien von Venedig und Genna; Malereien, wie bunt ausgemalte Meßbücher, auf einem Grunde von Gold und einer Miſchung von Blau und Carmefin; an⸗ tike Marmorbilder, Zeugen von den glänzenden Tagen Athens; ausgegrabene Moſatktafeln, die wie durch Zauber ihre Friſche behalten hatten; goldene Rauch⸗ fäſſer, welche Arabiens Wohlgerüche äusſtrömten, aber doch ſo gemäßigt, daß dadurch nicht der geſündere Duft der Blumen erſtickt wurde, die in jeder Ecke in marmornen hnd alabaſternen Vaſen blühten; ein kleiner, feenartiger Springbrunnen, der unter Roſen⸗ gewinden hervorzuquellen ſchien und durch demantar⸗ tigen, ſchönen Strahl der Luft eine kaum merkliche Friſche m liches be geſammel in Einkl ſchmack, betäubte ſah. Es ſchwendu machten; Phantaſi Zauberin plünderte dem gröl den aufg zurückgel ſchön wi ſten Fede die übri wöhnlich Aber taſtiſch etwas üb hätten a geſetzt, ſ Genius Schönhe ſchmeiche glänzend wenn er der Zau ſen waren it z ur⸗ e Stdt. tigen Ge⸗ ner und ribuns. geräumig Raſelli's icht hatte. un eſpt⸗ ſteine der tiefe Fen⸗ te in rei⸗ jener Zeit ufzuweiſen entiniſcher die Dra⸗ wie bunt von Gold eſin; an⸗ den Tagen wie durch ene Rauch⸗ mten, aber geſündere jeder Ecke ihten; ein ———— ter Roſen⸗ demantar⸗ merkliche 335 Friſche mittheilte— alles dieſes und anderes Aehn⸗ liches beſchreiben zu wollen, wäre vergebliche Mühe; geſammelt war alles mit der reichſten Verſchwendung, in Einklgng gebracht durch den ausgeſuchteſten Ge⸗ ſchmack, die alte Kunſt mit der neueren verbindend, betäubte und berauſchte es die Sinne deſſen, der es ſah. Es war nicht ſowohl die Koſtbarkeit oder Ver⸗ ſchwendung, welche den Charakter des Zimmers aus⸗ machten; es war eine gewiſſe prachtvolle, erhabene Phantaſie, ſo daß es eher dem fabelh Sitze einer Zauberin glich, auf deren Wink Genien die Erde plünderten und Feen das Wachsthum beförderten, als dem gröberen Glanze einer irdiſchen Königin. Hinter den aufgeſchichteten Kiſſen, auf denen Nina in halb zurückgelehnter Stellung ſaß, ſtanden vier Mädchen, ſchön wie die Nymphen, mit Fächern von den ſelten⸗ ſten Federn, und zu ihren Füßen lag eine, älter als die übrigen, deren jetzt ſchweigende Laute ihre ge⸗ wöhnliche Beſchäftigung andeutete. Aber hätte das Zimmer an ſich etwas zu phan⸗ taſtiſch und durch die verſchwenveriſchen Verzierungen etwas überladen geſchienen, Geſtalt und Antlitz Nina's hätten auf einmal alles in das richtige Verhältniß geſetzt, ſo vollkommen erſchien ſie als der natürliche Genius des Ortes; ſo wunderbar verkörperte ihre Schönheit, erhoben jetzt von befriedigter Liebe, ge⸗ ſchmeichelter Eitelkeit, frohlockender Hoffnung den glänzendſten Traum, der je Taſſo's Augen vorſchwebte, wenn er in einer unſterblichen Geſtalt die Herrlichkeit der Zauberin mit den Reizen des Weibes vereinte. 336 Nina erhob ſich halb, als ſie urſula erblickte, illkürlich ihr Er⸗ deren ruhige und püſtere Züge unw ſtaunen und ihre Verwunderung über eine ſo ſeltene und überraſchende Liebenswürdigkeit ausdrückten, die aber, durch den Glanz um ſie her nicht geblendet, ihre gewohnte Selbſtbeherrſchung bald wieder gewann und ſich auf das ihr von Nina angewieſene Polſter ſetzte, während der junge Gaſt, in kindlicher Verwun⸗ verung wie durch Zauber gefeſſelt, mitten in dem Zimmer ſtehen blieb. Nina erkannte ihn und lächelte. „Ah, mein hübſcher Junge, deſſen lebhafte Augen und offene Miede geſtern meine Zuneigung erweckten! Biſt Du gekommen, meinen Vorſchlag anzunehmen? Gehört Euch, Madame, dieſes hübſche Kind?“ „Signora,“ verſetzte urſula,„was ich zu ſagen habe, iſt nicht viel: Durch eine Verkettung von Er⸗ eigniſſen, mit deren Erzählung ich Euch nicht zu langweilen brauche, fiel dieſer Knabe von ſeiner Kind⸗ heit an meiner Fürſorge anheim— eine ſchwierige und ängſtliche Aufgabe für eine Frau, deren Gedan⸗ ken jenſeits der Grenzen dieſes Lebens beſchäftigt ſind. Ich habe ihm eine Erziehung gegeben, wie ſie einem Jünglinge von edlem Blute geziemt; denn von beiden Seiten, Signora, iſt er edel, obwohl vater⸗ und mutterloſer Waiſe.“ „Armes Kind!“ ſagte Nina mitleidig. „Erliegend jetzt,“ fuhr Urſula fort,„unter der Laſt der Jahre, und von dem Wunſche beſeelt, mich mit dem Himmel auszuſöhnen, reiste ich vor einigen Monaten hierher, in der Abſicht, den Knaben hei einem V dem dieſ ſtel den Verwant ordentlic in Verle der Vor ſtern Ab Beachtu er ſchon heit für Wahrhe Eurem ich, dur „Ich men, Y pfehlung muß ſei Ve führt de Vater o verlangt heimniß nicht ge „Um leid— wortete brennen! gen ſich beginnt Buln erblickte, ch ihr Er⸗ ſo ſeltene äckten, die geblendet, e ewann ene Polſter er Verwun⸗ en in dem und lächelte. hafte Augen erweckten! tzunehmen? in?“ ch zu ſagen ng von Er⸗ ch nicht zu ſeiner Kind⸗ e ſchwierige eren Gedan⸗ chäftigt ſind. ie ie einem n beiden vater⸗ und „unter der beſcelt, mich h vor einigen Knahen bei einem Verwandten von mir unterzubringen und, nach⸗ dem dieſe Pflicht erfüllt wäre, in der Stadt der Apo⸗ ſtel den Schleier zu nehmen. Ach! ich fand meinen Verwandten todt, und ein Baron von wildem, un⸗ ordentlichem Charakter war ſein Erbe. Angßtlich und in Verlegenheit blieb ich hier und glaubte die Stimme der Vorſehung' zu erkennen, als mir das Kind ge⸗ ſtern Abend erzählte, Ihr habt es der Ehre Eurer Beachtung gewürdigt. Wie alle übrigen Römer hat er ſchon Begeiſterung für den Tribun— Ergeben⸗ heit für⸗deſſen Gemahlin eingeſogen. Wollt Ihr in Wahrheit ihn in Eure Dienſte nehmen? Er wird Eurem Schutze weder durch ſein Blut, noch, hoffe ich, durch ſein Betragen Schande machen.“ „Ich würde ſein Geſicht als Bürgſchaft anneh⸗ men, Madame, auch ohne eine ſo ausgezeichnete Em⸗ pfehlung, wie die Eurige. Iſt er ein Römer? Dann muß ſein Name uns doch hekannt ſein.“ „Verzeiht, Signora,“ erwiderte Urſula:„er führt den Namen Angelo Villani— nicht den von Vater oder Mutter. Die Ehre eines edeln Hauſes verlangt, daß ſeine Abſtammung für immer ein Ge⸗ heimniß bleibe. Er iſt die Frucht einer von der Kirche nicht geweihten Liebe.“ „Um ſo mehr verdient er alſo Liebe und Mit⸗ leid— als das Opfer der Sünde Anderer!“ ant⸗ wortete Nina aus feuchten Augen, als ſie die tiefe, brennende Röthe ſah, welche über des Knaben Wan⸗ gen ſich ergoß.„Mit der Herrſchaft des Tribuns beginnt eine neue Zeitrechnung für den Adel, wo Bulwer, Rienzi. 1. 22 338 Rang und Ritterſchaft durch das eigene Verdienſt des Mannes, nicht durch das ſeiner Vorfahren, erworben werden ſoll. Fürchtet Nichts, Madame, in meinem Hauſe ſoll er keine Geringſchätzung erfahren.“ Urſula's Stolz wurde durch die Güte Nina's er⸗ ſchüttert; ſie näherte ſich mit unwillkürlicher Ehrer⸗ bietung und küßte die Hand der Signora: „Möge die Mutter Gottes Eurem edeln Herzen vergelten!“ ſprach ſie;„und nun iſt meine Pflicht erfüllt, mein irdiſches Ziel erreicht. Nur füget, Sig⸗ nora, zu Euren unſchätzbaren Gunſtbezeigungen noch eine. Dieſe Juwelen“— hier zog Urſula ein Käſt⸗ chen aus ihrem Gewande, drückte auf die Feder, und der zurückfliegende Deckel zeigte Edelſteine von be⸗ deutender Größe und dem glänzendſten Waſſer,— „dieſe Juwelen,“ fuhr ſie fort und legte das Käſt⸗ chen zu Nina's Füßen,„gehörten einſt dem fürſt⸗ lichen Hauſe von Toulouſe, ſind aber werthlos jetzt für mich, wie für die Meinigen. Geſtattet mir, daß ich mich an dem Gedanken erfrene, ſie in dem Be⸗ ſitze einer Dame zu wiſſen, deren königliche Stirne ihnen einen Glanz verleihen wird, den ſie nicht für fich zu entlehnen braucht.“ „Wie!“ ſagte Nina hoch erröthend,„glaubt Ihr, Madame, meine Güte ſei zu erkaufen? Bei welchem Weibe war dies je möglich? Nein, nein— nehmt Euer Geſchenk zurück, oder ich werde Euch bitten, Euren Knaben zurückzunehmen.“ Urſula war erſtaunt und verwirrt; ihrer Erfah⸗ rung war ſolche Enthaltſamkeit etwas Neues, und kaum w Nina b triumphi ihr vorig mit ern „Die tin des Madame lichkeit f vertraute dem Kna werden; „Nei mit zum für Meſſ für ihn Bedürfn nora, de zens. L Sie aber mit Nina, gener H während die Thü griff Ur nicht eir gebt ihn fühle ich dankbar erdienſt des „erworben in meinem ren.“ Nina's er⸗ cher Ehrer⸗ eln Herzen eine Pflicht füget, Sig⸗ ungen noch a ein Käſt⸗ Feder, und te von be⸗ Waſſer,— das Käſt⸗ dem fürſt⸗ rthlos jetzt t mir, daß n dem Be⸗ iche Stirne ie nicht für glaubt Ihr, Bei welchem — nehmt uch bitten, re Erfah⸗ teues, und kaum wußte ſie, wie ſie dieſelbe zu verſtehen habe. Nina bemerkte ihre Verlegenheit mit einem ſtolzen, triumphirenden Lächeln und ſagte dann, nachdem ſie ihr voriges höfliches Benehmen wieder angenommen, mit ernſter Anmuth: „Die Hände des Tribuns ſind rein,— die Gat⸗ tin des Tribuns darf nicht verdächtigt werden. Eher, Madame, ſollte ich Euch ein Zeichen meiner Erkennt⸗ lichkeit für das ſchöne, mir in Eurem Knaben an⸗ vertraute Pfand aufnöthigen. Eure Edelſteine können dem Knaben auf ſeiner ſpäteren Laufbahn von Nutzen werden; bewahrt ſie für Einen, der ihrer bedarf.“ „Nein, Signora,“ ſagte Urſula, als ſie aufſtand, mit zum Himmel erhobenen Augen;—„ich will da⸗ für Meſſen für die Seele ſeiner Mutter leſen laſſen; für ihn ſelbſt will ich ſchon zurückbehalten, was die Bedürfniſſe ſpäterer Jahre erfordern. Nehmt, Sig⸗ nora, den Dank eines unglücklichen, troſtloſen Her⸗ zens. Lebet wohl!“ Sie wandte ſich um, das Zimmer zu verlaſſen, aber mit ſo unſicheren, ſchwankenden Schritten, daß Nina, gerührt und ergriffen, aufſprang und mit ei⸗ gener Hand die alte Frau durch das Zimmer führte, während ſie ihr freundlich Troſt zuflüſterte; als ſie die Thüre erreichten, ſprang der Knabe herzu, er⸗ griff Urſula's Gewand und ſchluchzte:„Liebe Frau, nicht ein Lebewohl für Euern kleinen Angelo? Ver⸗ gebt ihm Alles, was er Euch zu Leide gethan! Jetzt fühle ich zum erſtenmale, wie eigenſinnig und un⸗ dankbar ich geweſen bin.“ 340 Die Alte ſchloß ihn in ihre Arme und küßte ihn leidenſchaftlich; als der Knabe, wie wenn plötzlich ein Gedanken ihn erfaßte, die Börſe, die ſie ihm gegeben, herauszog, und mit erſtickter, kaum ver⸗ ſtändlicher Stimme ſagte:„Und hiefür, liebſte Frau, laß Meſſen für meines armen Vaters Seele leſen; denn er iſt, wie Ihr wißt, ja auch todt!“ Dieſe Worte ſchienen auf einmal alle liebevolle Auf⸗ regung in Urſala zu erſticken. Sie ſtieß den Knaben mit demſelben kalten und ſtrengen Ernſte in Blick un Miene zurück, der ihn ſo oft zuvor im Zaume ge⸗ halten hatte; als ſie ihre Selbſtbeherrſchung wieder gewann, verließ ſie plötzlich das Zimmer, ohne noch ein weiteres Wort zu ſagen. Nina folgte überraſcht, voll Mitleid mit ihrem Kummer und voll Achtung gegen ihr Alter, ihren Schritten durch das Pagen⸗ vorzimmer und den Empfangſaal bis an die unterſt⸗ Treppe— eine Herablaſſung, deren ſich die ſtolzeſt⸗ Fürſtin Roms nicht zu rühmen hatte; traurig und nachdenklich kehrte ſie zurück, nahm den Knaben bei der Hand und küßte zärtlich ſeine Stirne. „Armer Knabe,“ ſprach ſie,„es ſcheint, als oh die Vorſchung es ſo gelenkt hätte, daß ich Dich geſtern unter der Menge herausfand und Dich ſo zu der geeig⸗ netſten Zufluchtsſtätte führte; denn wohin ſollten die Freundloſen und Waiſen Roms ſich wenden, als in den Palaſt des erſten Beamten von Rom?“ Dann wandte ſie ſich zu ihrem Gefolge und gab ihnen An⸗ weiſungen hinſichtlich der perſönlichen Vedürfniſſe ihre neuen S die Mach Herz nich ihr reichl Sie eines ver Geiſt un Unterhalt durch die Adel unt den Scha konnte de Signvras ſich bückt hatten. S verlangte gungen. worin ih Höflichke Gäſte zu ihr anmt gemeinen deten ab Gekränkt ten. Sie lächelnde des Con von Acht lich nich geben w d küßte ihn un plötzlich die ſie ihm kaum ver⸗ ir, liebſte n Vaterz t, ja auch bevolle Auf⸗ en Knaben in Blick und Zaume ge⸗ n wiedet ohne noch überraſcht, die unterſte die ſtolzeſte raurig und nt, als ob Dich geſtern der geeig⸗ ſollten die en, als in 7“ Dann naben hei neuen Schützlings, welche zeigten, daß, wenn auch die Macht ihrer Eitelkeit vienen mußte, ſie doch ihr Herz nicht verhärtet hatte. Angelo Villani ſollte es ihr reichlich vergelten! Sie behielt den Knaben bei ſich, und während eines vertraulichen Geſpräches gefielen ihr ſein kühner Geiſt und ſein offenes Benehmen immed mehr. Ihre Unterhaltung wurde indeſſen, als der Tag vorrückte, durch die Ankunft einiger Damen von dem römiſchen Adel unterbrochen. Dann traten Nina's Tugenden in den Schatten und ihre Fehler wurden bemerkbar. Sie konnte dem weiblichen Triumph über dieſe hochmüthigen Signoras nicht widerſtehen, welche jetzt ehrerbietig ſich bückten, wo ſie früher mit Verachtung gekränkt hatten. Sie nahm das Weſen einer Königin an und verlangte die einer ſolchen ſchuldigen Achtungsbezei⸗ gungen. Und durch manche jener gewandten Künſte, worin ihr Geſchlecht Meiſter iſt, ſuchte ſie gerade ihre Höflichkeit zu einer Demüthigung für ihre erlauchte Gäſte zu machen. Ihre gebieteriſche Schönheit und ihr anmuthiger Verſtand bewahrten ſie zwar vor dem gemeinen übermuth des Emporkömmlings, verwun⸗ deten aber nur um ſo heftiger den Stolz, indem die Gekränkten nicht durch Verachtung ſich rächen konn⸗ ten. Sie verſtand ſich auf verſteckte Sticheleien— die lächelnde Beleidigung— den Spott unter der Maske des Complimentes— die gleichgültige Abnöthigung von Achtungsbezeigungen in Kleinigkeiten, die äußer⸗ lich nicht übel aufgenommen, innerlich aber nicht ver⸗ geben werden konnten. —— 342 „Guten Tag, Signora Colonna,“ ſagte ſie zu dem ſtolzen Weibe des ſtolzen Stephan;„wir kamen geſtern an Eurem Palaſte vorüber. Wie hübſch er ausſieht, ſeit er von düſtern Mauern befreit iſt, die Eurem Auge oft läſtig geweſen ſein müſſen. Signora(wandte ſie ſich zu einer von den Orfini), Euer Gemahl ſteht in hoher Gunſt bei dem Tribun, der ihn zu wichtigen Aufträgen beſtimmt. Sein Glück ſteht ſicher, und das freut uns, denn Niemand dient dem Staate mit mehr Ergebenheit. Habt Ihr, ſchöne Signora Frangipani, das letzte Gedicht Petrarka's zu Ehren meines Ge⸗ mahls ſchon geleſen?— es liegt dort drüben. Dürfen wir wohl an Euch die Bitte wagen, der Signora di Savelli ſeine Schönheiten auseinander zu ſetzen? Wir bemerken, edle Signora Malateſta, mit Freude, daß Eure Augen wieder ſo gut hergeſtellt ſind. Als wir uns das Letztemal trafen, ſchient Ihr, obgleich wir Euch bei dem Feſte der Signora Giulia zunächſt ſtanden, uns kaum von dem Pfeiler neben uns zu unterſcheiden!“ „Muß man dieſen übermuth ertragen?“ flüſterte die Signora Frangipani der Signora Malateſta zu. „Bſt, bſt— wenn je un ſer Tag wieder kommt!“ Das Glüc Herz mit Spät Tage vr Palaſtes glühte ſ⸗ einander feſten E will; ſei den, fü ſeine pe haben, der, imt den Ferſ der bejal Herren, kennt ke blind ge „Ab Tribun, einmal Rie tern dr ſagte er unentſch Ein Se den Ein ſie zu dem nen geſtern r ausſieht, die Eurem ra(wandte mahl ſteht wichtigen „und das mit mehr rangipani, eines Ge⸗ n. Dürfen Signora u ſetzen? it Freude, ſind. Alz obgleich zunächſt n uns zu flüſterte ateſta zu. kommt!“ Zweites Kapitel. Das Glück, einen Rathgeber zu beſitzen, deſſen Intereſſen und Herz mit unſerem eigenen verknüpft ſind.— Wenn das Stroh in die Höhe fliegt— bedeutet es Sturm? Später als gewöhnlich kehrte Rienzi an jenem Tage von ſeinem Tribunal in die Gemächer ſeines Palaſtes zurück. Als er den Empfangſaal durchſchritt, glühte ſein Angeſicht; ſeine Zähne waren feſt über⸗ einander gebiſſen, wie bei einem Manne, der einen feſten Entſchluß gefaßt hat, von dem er nicht abgehen will; ſeine Stirne war verfinſtert von dem anhalten⸗ den, fürchterlichen Runzeln, das diejenigen, welche ſeine perſönliches Außere beſchrieben, nicht ermangelt haben, als das Kennzeichen eines Zornes zu ſchildern, der, immer gerecht, um ſo tödtlicher war. Dicht auf den Ferſen folgten ihm der Biſchof von Orvieto und der bejahrte Stephan Colonna.„Ich ſage Euch, meine Herren,“ ſagte Rienzi,„Ihr bittet vergebens. Rom kennt keinen Unterſchied der Stände. Das Geſetz iſt blind gegen den Thäter— luchsaugig gegen die That.“ „Aber,“ ſagte Raimund zaudernd,„bedenke Dich, Tribun, der Neffe von zwei Cardinälen und ſelbſt einmal Senator!“ Rienzi blieb plötzlich ſtehen und ſah ſeinen Beglei⸗ tern dreiſt in das Geſicht.„Mein Herr Biſchof,“ ſagte er,„macht dies nicht eben das Verbrechen noch unentſchuldbarer? Seht Ihr, die Sache iſt folgende: Ein Schiff von Avignon nach Neapel, beladen mit den Einkünften von Provenee für die Königin Johanna, 344 über dereu Angelegenheit, merkt das, wir eben jetzt feierlichen Rath halten, iſt an der Mündung der Tiber geſcheitert; da überfällt Martino di Porto— ein Edler, wie Ihr ſagt— der Beſitzer der Feſte, von der er den Titel führt— doppelt verpflichtet vurch edles Blut und die nächſte Nachbarſchaft, den Unglücklichen zu Hülfe zu eilen— das Schiff mit ſeinen Truppen (was macht der Rebell mit bewaffneten Truppen) — und plündert es, wie ein gemeiner Räuber. Er wird ergriffen— vor meinen Richterſtuhl gebracht— geſetzlich verhört und zum Tode verurtheilt. So lautet das Geſetz— was wollt Ihr mehr?“ „Gnade,“ ſagte der Colonna. Nienzi kreuzte die Arme und lachte verächtlich.„Ich hörte den Signor Colonna nie um Gnade bitten, wenn ein Bauer Brod geſtohlen, um ſeine hungernden Kinder zu füttern.“ „Zwiſchen einem Bauer und einem Fürſten mache ich für meine Perſon, Tribun, einen Unterſchied; das edle Blut eines Orfini darf nicht wie das eines ge⸗ meinen Plebejers vergoſſen werden.“ „Das Ihr, wie ich mich erinnere,“ ſagte Rienzi mit leiſer Stimme,„ziemlich gering anſchluget, als mein jüngerer Bruder unter der übermüthigen Lanze Eures ſtolzen Sohnes fiel. Weckt vieſe Erinnerung nicht, ich warne Euch; laßt ſie ſchlafen.— O pfui, alter Colonna, pfui; dem Grabe ſo nahe, wo die Würmer alles Fleiſch gleich machen, und mit dieſen grauen Haaren die liebloſe Unterſcheidung predigen zwiſchen Menſch und Menſch. Iſt ver Unterſchied nicht ————— ohnehi Purpu Beque der Ei ich etw welche macht? Manne eines V und de Col um ſich trat in „Al Rienzi ſo woh Cardin⸗ erwecker „B will es ſo ſpra Col „G möge e iſt. Ich vor Eu eigenen Cola d „J Rienzi eben jetzt der Tiber ein Edler, on der er urch edles glücklichen Truppen ruppen ²) uber. Er ebracht— So lautet lich.„Ich ten, wenn en Kinder te Rienzi uget, als gen Lanze innerung O pyfui, wo die tit dieſen predigen hied nicht ohnehin ſchon groß genug? Trägt nicht der Eine Purpur und der Andere Lumpen? Hat nicht der Eine Bequemlichkeit, der Andere Mühe? Schmaust nicht der Eine, während der Andere Hunger leidet? Hege ich etwa den tollen Plan, die Stände auszugleichen, welche die Geſellſchaft zu einem nothwendigen übel macht? Nein. Ich hadere ſo wenig mit dem reichen Manne, wie mit Lazarus. Aber vor dem Richterſtuhle eines Mannes, wie vor dem Gottes, gelten Lazarus und der reiche Mann gleich. Nichts weiter hievon.“ Colonna ſchlug mit großem Stolze ſeinen Mantel um ſich und biß ſich ſchweigend in die Lippe. Raimund trat ins Mittel. „All dies iſt wahr, Tribun. Aber,“ und er nahm Rienzi hier bei Seite,„Ihr wißt, wir müſſen eben ſo wohl politiſch als gerecht ſein. Der Neffe von zwei Cardinälen— welche Feindſchaft wird dies in Avignon erwecken!“ „Beunruhigt Euch nicht, heiliger Raimund, ich will es gegen den Papſt verantworten.“ Während ſie ſo ſprachen, ertönte ſchwer und laut die Glocke. Colonna fuhr zuſammen. „Großer Tribun,“ ſprach er mit leiſem Hohn, möge es Euch gefallen, einzuhalten, ehe es zu ſpät iſt. Ich erinnere mich nicht, daß ich je als Flehender vor Euch erſchien, und jetzt bitte ich Euch, meinen eigenen Feind zu ſchonen. Stephan Colonna bittet Cola di Rienzi, das Leben eines Orſini zu ſchonen.“ „Ich verſtehe Deinen Hohn, alter Herr,“ ſagte Rienzi ruhig,„aber ich ahnde ihn nicht. Ihr ſeid ein —— Feind der Orfini, und doch verwendet Ihr Euch für ihn— das lautet edelmüthig; aber hört— Ihr ſeid mehr Freund Eures Standes, als Feind Eures Neben⸗ buhlers. Ihr könnt es nicht ertragen, daß ein Mann, der groß genug war, daß er Euch bekämpfte, wie ein Dieb umkommen ſoll. Ich erkenne vollkommen ſolch edleé Vergebung; aber ich bin kein Edler und fühle nicht auf gleiche Art. Noch ein Wort— wäre dies die einzige räuberiſche und gewaltthätige Hand⸗ lung, welche dieſer Banditenbaron begangen, ſo möchten Eure Bitten zu ſeinen Gunſten ſprechen; iſt aber nicht ſein Leben allgemein bekannt? War er nicht von ſeinen Knabenjahren an der Schrecken und die Schande Roms? Wie viele entehrte Matronen, geplünderte Kaufleute, am hellen Tage erdolchte friedliche Männer, erheben ſich mit ſchwarzem Zeugniß gegen den Gefangenen? Und für einen ſolchen Menſchen muß ich einen be⸗ jahrten Fürſten und einen päpſtlichen Vikar um Gnade flehen hören?— Pfui, pfui! Aber ich will mit Euch quitt werden. Den nächſten armen Mann, den das Geſetz zum Tode verurtheilt, will ich um Euretwillen begnadigen.“ Wieder nahm Raimund den Tribun bei Seite, während Colonna kämpfte, ſeine Wuth zu unter⸗ drücken. „Mein Freund,“ ſagte der Biſchof,„die Adeli⸗ gen werden dies als eine ihrem ganzen Stande zu⸗ gefügte Schmach anſehen, gerade die Verwendung von Orſini's bitterſtem Feinde muß Dich hiervon überzeugen. Martino's Blut wird ihre Ausſöhnung ſchen S Martin „ Se Räuber. und Se Rai der alte aus ſei näherte und ſas Richter Rie dem B „V Herr, zu ſein „Tribu um Et für eir was J „2 aufleute, erheben ngenen? inen be⸗ m Gnade mit Euch den das retwillen i Seite, tunter⸗ Adeli⸗ nde zu⸗ vendung hiervon ſöhnung beſiegeln, und wie ein Mann werden ſie gegen Dich ſich erheben.“ „Sei es ſo; Gott und das Volk auf meiner Seite, will ich, obgleich ein Römer, wagen, gerecht zu ſein, Die Glocke verſtummt.— Schon iſt es zu ſpät“ Mit dieſen Worten riß Rienzi ein Fenſter auf; an der Löwentreppe erhob ſich ein Galgen, an welchem mit knarrendem Ton, angethan mit ſeinem patriei⸗ ſchen Staatskleide, der noch zuckende Leichnam des Martino di Porto baumelte. „Seht!“ ſagte der Tribun ernſt,„ſo ſterben alle Räuber. Für Verräther hat daſſelbe Geſetz Beil und Schaffot!“ Raimund kehrte ſich ab und erblaßte. Nicht ſo der alte Nobili. Thränen verwundeten Stolzes rannen aus ſeinen Augen; auf ſeinen Stab ſich ſtützend, näherte er ſich Rienzi, faßte ihn bei der Schulter und ſagte:„Tribun, ohne Verrath hat ſchon oft ein Richter ſein Opfer beneidet!“ Rienzi kehrte ſich mit eben ſo großem Stolze zu dem Baron. „Wir verzeihen leere Worte dem Alter. Mein Herr, ſeid Ihr zu Ende?— wir wünſchen allein zu ſein.“ „Gib mir Deinen Arm, Raimund,“ ſagte Stephan. „Tribun— lebt wohl. Vergeßt, daß Colonna Euch um Etwäs bat,— eine leichte Sache, dünkt mich, für einen weiſen Mann, wie Euch, der Ihr vergeßt, was Jeder Andere ſich erinnern könnte.“ „Wie, mein Herr, was?“ 348 „Die Geburt, Tribun, die Geburt— ſonſt Nichts!“ „Der Signor Colonna hat mein früheres Ge⸗ werbe aufgenommen und einen Witz gemacht,“ er⸗ widerte Rienzi in gleichgültigem, leichtem Tone. Er verfolgte Raimund und Stephan mit den Augen, bis die Thüre ſich hinter ihnen geſchloſſen und murmelte dann:„übermüthiger, wäre es nicht wegen Adrian, Dein grauer Bart ſollte Dich nicht ſchützen. Geburt! welcher Colonna würde ſich nicht, wenn er könnte, rühmen, der Enkel eines Kaiſers zu ſein?— Alter Mann, in dir lauert Gefahr, die beobachtet werden muß.“ Damit wantte er ſich nach⸗ denklich gegen das Fenſter, und wieder begegnete das gräßliche Schauſpiel des Todes ſeinen Blicken. Das unten in Maſſe verſammelte Volk freute ſich über die Hinrichtung eines Mannes, deſſen ganzes Leben Schande und Raub geweſen war— der für den Arm „der Gerechtigkeit unerreichhar ſchien— mit all dem wilden Geſchrei, welches das Frohlocken des Pöbels über einen geſtürzten Feind bezeichnet. Und Rienzi hörte von der Stelle aus, auf der er ſich befand, ihr Rufen:„Lange lebe der Tribun, der gerechte Richter, der Befreier Roms!“ Aber in dieſem Augen⸗ blicke machten ihn andere Gedanken taub für die Be⸗ geiſterung des Volkes. „Mein armer Bruder!“ ſprach er mit Thränen in den Augen,„den Verbrechen dieſes Mannes— einem Verbrechen, beinahe gleichartig demjenigen, für welches er jetzt büßt,— war es zuzuſchreiben, daß du in das Bluthad geriſſen wurdeſt; und Die⸗ jenigen, ſchreien Du no ſich vor es dam Gott le Ehrgeiz merung Der ſuchte hörte, glänzte ſie ſich an ſeir waren Es ſtolz a Ehren; ſpräch für Ri ſchien und ſc ihrer Weib denſcha ſich ni glückli Anerke Verehr Un ch nicht, aiſers zu ahr, die ch nach⸗ nete das n. Das ich über s Leben den Arm all dem Pöbels Rienzi befand, gerechte Augen⸗ die Be⸗ Thränen nnes— jenigen, hreiben, nd Die⸗ 319 jenigen, welche kein Mitleid für das Lamm hatten, ſchreien um Barmherzigkeit für den Wolf! Ach, wenn Du noch lebteſt, wie würden dieſe ſtolzen Häupter ſich vor dir beugen; wenn gleich getödtet, hielt man es damals nicht der Mühe werth, an dich zu denken. Gott laſſe deine edle Seele ruhen und erhalte meinen Ehrgeiz ſo rein, wie er war, als wir in der Däm⸗ merung neben einander wandelten!“ Der Tribun ſchloß das Fenſter, entfernte ſich und ſuchte Nina's Gemach. Als ſie ſeinen Tritt außen hörte, erhob ſie ſich von dem Ruhebette, ihre Augen glänzten, ihr Buſen wogte; und als er eintrat warf ſie ſich an ſeinen Hals und flüſterte, während ſie ſich an ſeine Bruſt ſchmiegte:„Ach! wie lange Stunden waren wir getrennt!“ Es war etwas Eigenes, dieſe ſtolze Frau zu ſehen, ſtolz auf ihre Schönheit, ihren Stand, ihre neuen Ehren;— deren prachtvolle Eitelkeit ſchon das Ge⸗ ſpräch von Rom war und Gegenſtand des Vorwurfs für Rienzi wurde,— wie plötzlich und wunderbar ſchien ſie in ſeiner Gegenwart verwandelt! Erröthend und ſchüchtern ſchien ſie allen Stolz auf ſich ſelbſt in ihrer ſtolzen Liebe zu ihm verſenkt zu haben. Kein Weib liebte je bis zu dem höchſten Grade der Lei⸗ denſchaft, die nicht verehrte, wo ſie liebte, und die ſich nicht gedemüthigt(und in dieſer Demüthigung glücklich) fühlte durch überſchwängliche, unbegrenzte Anerkennung der überlegenheit des Gegenſtandes ihrer Verehrung. Und das Bewußtſein dieſes Unterſchiedes zwiſchen 350 ihm und und allen andern erſchaffenen Weſen mochte es ſein, was die Liebe des Tribuns zu ſeiner Ge⸗ mahlin noch immer vermehrte, ihn gegen ihre Fehler gegenüber von Anderen verblendete und ihn ihr eine Pracht und ein Gepränge nachſehen ließ, die, obgleich bis zu einem gewiſſen Grad von der Klugheit geboten, doch auf eine Höhe getrieben wurde, die, wenn ſie auch ſeinen Sturz nicht befördern half, den Römern wenigſtens als Entſchuldigung für ihre Feigheit und ihre Treuloſigkeit, und den Geſchichtſchreibern als willkommene Erklärung der Gründe diente, welche näher zu erforſchen es ihnen an Emſigkeit fehlte. Rienzi erwiderte die Liebkoſungen ſeiner Gattin mit eben ſo viel Zärtlichkeit, und als er ſich zu ihrem ſchönen Antlitz herabbengte, reichte dieſer Anblick hin, um von ſeiner Stirne die Aufregung zu verſcheuchen, die, ſtreng oder traurig, ſo eben dieſelbe verfinſtert haite. „Du warſt dieſen Morgen nicht ausgegangen, Nina?“ „Nein, die Hitze war drückend. Aber nichts deſto weniger, Cola, hat es mir nicht an Geſellſchaft gefehlt— die halbe Matronenſchaft Roms hat den Palaſt angefüllt.“ „Ach, das glaube ich.— Aber jener Knabe, iſt dies nicht ein neues Geſicht?“ „Stille, Cola, ſprich freundlich mit ihm, ich bitte; von ſeiner Geſchichte ſpäter. Angelo, komme näher. Hier ſiehſt Du Deinen neuen Gebieter, den Tribun von Rom.“ Ang lichen S war Riſ er zur ſtrenger ie ihm eine gew lüächelte, und von ſelig gec beeilte e Knaben ihn willl „Mö kommen! abwandte „Dei „An „Ein in Flore Zweifel Villani von Dir „Ich geradezu ſo mehr Ihr es römiſchet n mochte iner Ge⸗ re Fehler ihr eine obgleich geboten, wenn fie Römern heit und en as „welche t fehlte. ttin mit u ihrem blick hin, 351 Angelo näherte ſich mit einer ihm nicht gewöhn⸗ lichen Schüchternheit, denn ein majeſtätiſches Weſen war Rienzi zu allen Zeiten natürlich und hatte, ſeit er zur Macht gelangt war, noch ein ernſteres und ſtrengeres Anſehen angenommen, welches Denjenigen. 3 die ihm näher kamen, ſogar fürſtlichen Geſandten, eine gewiſſe unwillkürliche Scheu einflößte. Der Tribun lächelte, als er den Eindruck bemerkte, den er gemacht, und von Natur ein Freund der Kinder, und leut⸗ ſelig gegen Jedermann, die Großen ausgenommen, beeilte er ſich, ihn zu verwiſchen. Er ſchloß den Knaben zärtlich in die Arme, küßte ihn und hieß ihn willkommen. „Möchten auch wir einen ſo hübſchen Sohn be⸗ kommen!“ flüſterte er Nina zu, welche ſich erröthend abwandte. „Dein Name, mein kleiner Freund?“ „Angelo Villani.“ „Ein toskaniſcher Name. Es lebt ein Gelehrter in Florenz, der im gegenwärtigen Augenblicke ohne Zweifel vom Hörenſagen unſere Annalen ſchreibt und Villani heißt. Iſt dieſer vielleicht ein Verwandter von Dir?“ „Ich habe keinen Verwandten,“ ſagte der Knabe geradezu;„und deßwegen werde ich die Signora um ſo mehr lieben und Euch um ſo mehr ehren, wenn Ihr es mir geſtattet. Ich bin ein Römer— alle römiſchen Knaben ehren Rienzi.“ „Thun ſie das, meine guter Junge?“ ſagte der Tribun, vor Frende erröthend;„das iſt ein gutes 352 Zeichen für die Beſtändigkeit meines Glückes.“ Er ſetzte den Knaben nieder und warf ſich auf die Pol⸗ ſter, während ſich Nina auf eine Art von niederem Stuhl neben ihn ſetzte. „Laß uns allein ſein,“ ſagte er, und Nina winkte den dienenden Mädchen, ſich zu entfernen. „Nehmt meinen neuen Pagen mit Euch,“ ſprach ſie;„er iſt vielleicht noch zu friſch von der Heimath weg, um an der Geſellſchaft ſeiner leichtfertigen Ge⸗ noſſen Freude zu finden.“ Als ſie allein waren, erzählte Nina Rienzi pas Abenteuer, das ſich am Morgen zugetragen; aber ob er gleich äußerlich zuzuhören ſchien, ſtarrte er doch vor ſich hin und war offenbar zerſtreut und abweſend. Als ſie endlich ſchloß, ſagte er:„Nun, Nina, Du haſt, wie immer, gütig und edel gehandelt. Spre⸗ chen wir jetzt von etwas Anderem. Ich bin in Ge⸗ fahr.“ „Gefahr!“ wiederholte Nina erblaſſend. „Nun, das Wort darf Dich nicht erſchrecken— Du haſt einen Geiſt, wie der meinige, der der Furcht trotzt; und aus dieſem Grunde, Nina, biſt Du in ganz Rom meine einzige Vertraute. Nicht nur, um mich durch Deine Schönheit zu erfreuen, ſondern um mich durch Deinen Rath aufzurichten, durch Deine Kraft mich zu unterſtützen, gab der Himmel mir Dich als Gefährtin. „Nun, die heilige Jungfrau ſegne Dich für dieſe Worte!“ ſagte Nina und küßte die Hand, die über ihre Schulter hing;„und wenn ich über das Wort Gefahr Weibes Cola, d Ich bin mit Dir fung ko an Deir mit unv „Je Rienzi Schritte Du wei meine P Gerecht mächtige eine v richtsho Tode v der Löm „Eit dernd. „We ſende v. leben. Barone für ſie, Sie wet ſehe den ihn zu Nin Buln niederem ina winkte Rienzi das t; aber ob te er doch abweſend. Nina, Du lt. Spre⸗ in in Ge⸗ . hrecken— der Furcht iſt Du in nur, um nden m ch Deine mir Dich für dieſe die über das Wort 353 Gefahr erſchrack, ſo war es nur der Gedanke des Weibes an Dich,— ein unwürdiger Gedanke, mein Cola, denn Ruhm und Gefahr gehen Hand in Hand. Ich bin ebenſo bereit, die letztere, wie den erſteren mit Dir zu theilen. Wenn je die Stunde der Prü⸗ fung kommt, ſo wird keiner Deiner Freunde ſo treu an Deiner Seite bleiben, als dies ſchwache Geſchöpf mit unverzagtem Herzen.“ „Ich weiß es, meine Nina, ich weiß es,“ ſagte Rienzi ſich erhebend und ging mit großen, raſcher Schritten im Zimmer auf und ab.„Jetzt höre mich. Du weißt, daß, um in Sicherheit zu regieren, es meine Politik, wie mein Stolz iſt, gerecht zu regieren. Gerecht zu regieren iſt eine kitzliche Sache, wenn mächtige Barone die Verbrecher ſind. Nina, wegen einen offenen und frechen Räuberei hat unſer Ge⸗ richtshof Martino Orſini, Herrn von Porto, zum Tode verurtheilt. Sein Leichnam ſchwebt ſchon an der Löwentreppe.“ „Ein fürchterliches Urtheil!“ ſagte Nina ſchau⸗ dernd. „Wahr, aber in Folge ſeines Todes werden Tau⸗ ſende von armen und ehrlichen Leuten in Frieden leben. Nicht dieſes iſt es, was mich beunruhigt; die Varone betrachten dieſe Handlung als eine Schmach für ſie, weil das Geſetz einen Adeligen treffen ſoll. Sie werden aufſtehen— werden ſich empören. Ich ſehe den Sturm voraus— nicht aber den Zauber, um ihn zu dämpfen.“ Nina ſchwieg einen Augenblick.—„Sie haben,“ Bulwer, Rienzi. I. 23 354 ſprach ſie dann,„einen feierlichen Eid auf die Hoſtie geleiſtet, die Waffen nicht gegen Dich zu tragen.“ „Meineid iſt eine unbedeutende Zugabe zu Raub und Mord,“ erwiderte Rienzi mit ſarkaſtiſchem Lächeln. „Aber das Volk iſt treu.“ „Ja, aber in einem Bürgerkriege(ven die Heiligen verhüten mögen!) ſind diejenigen Streiter die tüch⸗ tigſten, die außer ihrer Räſtung keine Heimath, kei⸗ nen anderen Beruf, als ihr Schwert haben. Der Kaufmann will nicht jeben Tag beim Schlag der Glocke ſeinen Kram verlaſſen; aber die Soldaten ber Barone ſind jede Stunde zur Hand.“ „Um ſtark zu ſein,“ ſagte Nina,— welche, vyn ihrem Gemahl zu Rathe gezogen, einen dieſer Ehre nicht unwürbigen Verſtand an den Tag legte,— „um in gefahrvollen Zeiten ſtark zu ſein, muß der Regierende ſtark ſcheinen. Dadurch, daß Du keine Furcht zeigſt, kannſt Du vielleicht dem zu Fürchtenden vorbeugen.“ „Ganz mein Gedanke!“ verſetzte Rienzi lebhaft. „Du weißt, daß die Hälfte meiner Macht über dieſe Barone von den Huldigungen herrührt, die mir von auswärtigen Staaten zu Theil werden. Wenn aus allen Städten Italiens die Geſundten gekrönter Für⸗ ſten den Bund des Tribuns ſuchen, ſo müſſen ſie ihren Groll über die Erhebung eines Plebejers ver⸗ bergen. Auf der andern Seite muß ich, um gegen Außen ſtark zu ſein, nach Innen ſtark ſein; der große Plan, den ich entworfen und wie durch ein Wunder auszuführen begonnen habe, wird auf einmal fehl⸗ ſchlagen, daß er ſtütze. 2 fort, in jungen 2 jenigen, Unterjoch es in Fr einen grr jeder regi zu gegen tilas des ter, dieſe nehmen z noch bis ſollte!“ „Ich von ſeine deſſen Au ben wir Schritte: „Rech bun, wel einer höh wird Den ſichte von wahren K ner Kind viele tosk dem Abſch die Hoſtie ragen.“ zu Raub m Lächeln. e Heiligen die tüch⸗ nath, kei en Der chlag der daten der che, von eſer Ehre legte,— muß der Du keine irchtenden i lebhaft. iber dieſe mir von Benn aus iter Für⸗ üſſen ſie jers ver⸗ um gegen er große Wunder mal fehl⸗ 355 ſchlagen, wenn man auswärts die Anſicht bekommt, daß er ſich auf eine unſichere, ſchwankende Macht ſtütze. Dieſer Plan(fuhr Rienzi nach einer Pauſe fort, indem er die Hand auf eine Marmorbüſte des jungen Auguſtus legte) iſt größer, als der Plan Des⸗ jenigen, deſſen tiefer, aber eiſiger Geiſt Italien durch Unterjochung vereinigte,— denn der meinige würde es in Freiheit vereinigen;— ja! könnten wir nur einen großen Bund aller Staaten Italiens gründen, jeder regiert nach ſeinen eigenen Geſetzen, aber vereint zu gegenſeitigem, gemeinſamem Schutze gegen die At⸗ tilas des Nordens, Rom als Hauptſtadt und Mut⸗ ter, dieſe Zeit und dieſes Gehirn hätten ein Unter⸗ nehmen zu Stande gebracht, wovon die Menſchheit noch bis zum Schall der letzten Trompete ſprechen ſollte!“ „Ich kenne Deinen göttlichen Plan,“ ſagte Nina, von ſeiner Begeiſterung ergriffen;„und wenn auch deſſen Ausführung mit Gefahren verbunden iſt: Ha⸗ ben wir nicht die größte Gefahr bei dem erſten Schritte überwunden?“ „Recht, Nina, recht! Der Himmel(und der Tri⸗ bun, welcher immer in ſeinem Schickſal das Wirken einer höheren Hand erkannte, bekreuzte ſich fromm) wird Denjenigen beſchützen, den er ſo erhabener Ge⸗ ſichte von der zukünftigen Erlöſung des Landes der wahren Kirche, von der Freiheit und dem Glücke ſei⸗ ner Kinder gewürdigt hat! Das hoffe ich; ſchon ſind viele toskaniſche Städte in Unterhandlungen wegen dem Abſchluſſe vieſes Bundes getreten; auch nicht 356 von einem einzigen Tyrannen, Giovanni di Vieco ausgenommen, habe ich etwas Anderes, als freund⸗ liche Worte und ſchmeichelhafte Verſprechungen er⸗ halten. Die Zeit ſcheint für den Hauptſtreich reif.“ „Und worin beſteht dieſer?“ fragte Nina verwundert. „In der Verwerfung aller fremden Einmiſchung. Mit welchem Rechte gibt eine Verſammlung fremder Fürſten Rom einen König in der Perſon eines deut⸗ ſchen Kaiſers? Roms Volk allein ſollte Roms Regen⸗ ten wählen;— und ſollen wir über die Alpen gehen, um den Titel unſeres Gebieters den Abkömmlingen der Gothen zu übertragen?“ Nina ſchwieg. Die Gewohnheit, den Oberherrn durch einen Reichstag jenſeits des Rheines zu wäh⸗ len, mit Vorbehalt und der Ceremonie ſeiner nach⸗ folgenden Krönung, als der ſcheinbaren Zuſtimmunz der Römer, ſo entwürdigend ſie auch für dieſes Volk, ſo zuwider ſie allen Begriffen von wirklicher Unab⸗ hängigkeit war, war doch zu jener Zeit ſo unbeſtrit⸗ ten, daß Rienzi's kühner Wink ſie überraſchte und ihr den Athem raubte, ſo ſehr ſie auf einen noch ſo ausſchweifend kühnen Plan gefaßt war. „Wie!“ ſagte ſie nach einer langen Pauſe,„ver⸗ ſtehe ich recht? Kannſt Du Trotz gegen den Kaiſer meinen?“ „Nun, höre mich an: im gegenwärtigen Augen⸗ licke haben wir zwei Prätendenten auf den römi⸗ ſchen Thron— auf die Kaiſerkrone Italiens— einen Böhmen und einen Baiern. Zu ihrer Wahl wirb unſere Beiſtimmung— Roms Beiſtimmung— nicht nachgeſue nen wir einer rep uns ein L geſetzt wi dem Nan bun iner politiſch langt una ſie edler gewinnen ſelbſt ihre Kühnheit lien wird der erſte ſoll geſch für eine „Cola erhebt ſich erlahmt; „Nein genblicke ſollte ich „Möt mit einem „Das Schickſal! gen iſt G er mit ti Er wird ni di Vico als freund⸗ hungen er⸗ reich reif.“ verwundert. inmiſchung. ng fremder eines deut⸗ ms Regen⸗ lpen gehen, kömmlingen Oberherrn s zu wäh⸗ einer nach⸗ Zuſtimmung dieſes Volk, icher Unab⸗ o unbeſtrit⸗ raſchte und einen noch 2 auſe,„ver⸗ den Kaiſer gen Augen⸗ den römi⸗ ns— einen Wahl wird ing— nicht nachgeſucht— wir werden nicht darum gebeten. Kön⸗ nen wir frei genannt werden— können wir uns einer republikaniſchen Verfaſſung rühmen,— wenn uns ein Fremder, und ein Barbar, ſo auf den Nacken geſetzt wird? Nein, wir wollen in Wirklichkeit, wie dem Namen nach frei ſein. überdies(fuhr der Tri⸗ bun in ruhigerem Tone fort) ſcheint mir dieſes ebenſo politiſch zu ſein, als es klug iſt. Das Volk ver⸗ langt unaufhörlich Wunder von mir: wie kann ich ſie edler blenden, ſie auf eine rechtmäßigere Weiſe gewinnen, als wenn ich ihr unveräußerliches Recht, ſelbſt ihre Regenten zu wählen, vertheidige? Die Kühnheit wird die Barone einſchüchtern; ganz Ita⸗ lien wird ſie ein aufregendes Beiſpiel geben; ſie wird der erſte Brand zur allgemeinen Flamme ſein. Es ſoll geſchehen, und mit einem Gepränge, wie es ſich für eine ſolche That ſchickt!“ „Cola,“ ſagte Nina zögernd,„Dein Adlergeiſt erhebt ſich oft ſo weit, daß der meinige zu folgen erlahmt; aber ſei nicht allzukühn.“ „Nein, predigteſt Du nicht noch vor einem Au⸗ genblicke eine ganz andere Lehre? Um ſtark zu ſein, ſollte ich nicht ſtark zu ſcheinen ſuchen?“ „Möge vas Schickſal Dich behüten!“ ſagte Nina mit einem ahnenden Seußzer. „Das Schickſal!“ rief Rienzi;„es gibt kein Schickſal! Zwiſchen dem Gedanken und ſeinem Gelin⸗ gen iſt Gott das einzige wirkende Weſen; und(ſetzte er mit tiefer Feierlichkeit in ſeiner Stimme hinzu) Er wird mich nicht verlaſſen. Nächtliche Geſichte, 359 ſelbſt während Deine Arme mich unſchlingen; er⸗ munternde und göttliche Vorbedeutungen und Auß⸗ forderungen bei Tag, ſogar mitten in dem lebhafte⸗ ſten Volksgewühle, ermuthigen meinen Schritt und bezeichnen mir mein Ziel. Jetzt, gerave jetzt, ſcheint mir eine Stimme ins Ohr zu flüſtern:—„„Zögere nicht; zittere nicht; wanke nicht;— denn das Auge des Allſehenden iſt über Dir, und die Hand des All⸗ mächtigen wird Dich beſchützen.““ Als Rienzi ſo ſprach, wurde ſein Angeſicht blaß, ſeine Haare ſchienen ſich zu ſträuben, ſeine ſchlanke, ſtolze Geſtalt zitterte ſichtbar; er ſank jetzt auf einen Sitz und bedeckte ſein Antlitz mit den Händen. Ein Schauder überkam Nina, obgleich ſie nicht ungewohnt an ſolch ſeltſame und übernatürliche Aufre⸗ gungen war, welche an einem Manne, der im ge⸗ wöhnlichen Leben ſo ruhig, ſtolz und Herr ſeiner ſelbſt war, um ſo auffallender erſchienen. Aber mit jeder Zunahme an Glück und Macht ſchienen dieſe Aufregungen auch an Heftigkeit zuzunehmen, wie wenn der fromme, überſchwängliche Aberglaube des Tribuns in einem ſolchen Zuwachſe einen weiteren Beweis eines geheimnißvollen Schutzes, mächtiger als Kraft und Kunſt des Menſchen, erkennte. „Sie näherte ſich ihm furchtſam und umſchlang ihn mit ihren Armen, doch ohne zu ſprechen. Ehe ſich jedoch der Tribun wieder ganz geſammelt hatte, hörte man ein leiſes Klopfen an der Thüre und vieſer Ton ſchien auf einmal ſeine Selbſtbeherrſchung zurückzurufen. „Her dem ſein Ein daß die fehle ern „Ich er Nina und wei dieſen W wöhnlich begab ſi des Emp „Nu mit bewt ſchaftlich genüber und die weniger men geg wie geht ſehe, we Arbeiter zu beſche römiſche habe nac möchte, des Orſi O vertraute vor ihm gen; er⸗ und Auf⸗ lebhafte⸗ hritt und zt, ſcheint „„Zögere das Auge d des All⸗ ſicht blaß, e ſchlanke, auf einen den. ſie nicht che Aufre⸗ e im ge⸗ e ſeiner Aber mit enen dieſe men, wie glaube des t weiteren mächtiger nte. ſchlang ihn geſammelt Thüre und eherrſchung 359 „Herein,“ rief er, indem er das Angeſicht erhob, dem ſeine gewöhnliche Farbe allmählig wiederkehrte. Ein Diener öffnete die Thüre halb und meldete, daß die Perſon, nach welcher er geſchickt, ſeine Be⸗ fehle erwarte. „Ich komme!— Herz meines Herzens“(flüſterte er Nina zu),„wir wollen heute allein zu Nacht eſſen und weiter über dieſen Gegenſtand ſprechen;“ nach dieſen Worten verließ er mit nicht ganz der ihm ge⸗ wöhnlichen Hoheit in ſeiner Miene das Zimmer und begab ſich in ſein Kabinet, das auf der andern Seite des Empfangſaales lag. Hier fand er Cecco del Veechiv. „Nun, mein tapferer Geſelle,“ ſagte der Trihun mit bewundernswerther Leichtigkeit, die Miene freund⸗ ſchaftlicher Gleichheit annehmend, wie er immer ge⸗ genüber von Leuten der niederen Klaſſe zu thun pflegte, und die einen auffallenden Contraſt zu der ihm nicht weniger natürlichen Majeſtät bildete, die ſein Beneh⸗ men gegenüber von den Großen bezeichnete.„Nun⸗ wie geht es, mein Cecev? Du hältſt Dich, wie ich ſehe, wacker während dieſer ungeſunden Hitze; wir Arbeiter— denn wir beide arbeiten, Cecco— find zu beſchäftigt, um, wie die Müßiggänger, von dem römiſchen Sommer oder Herbſte krank zu werden. Ich habe nach Dir geſchickt, Cecco, weil ich gerne wiſſen möchte, wie Deine Mithandwerker die Hinrichtung des Orſini aufgenommen haben.“ „O, Tribun,“ verſetzte der Handwerker, der, jetzt vertrauter mit Rienzi, viel von ſeiner früheren Scheu vor ihm verloren hatte, und die Macht des Tribuns 360 theilweiſe als ſein Werk betrachtete,„ſie ſind ſchon ganz außer ſich vor Entzücken, daß Ihr den Muth habt, die Großen ebenſo zu beſtrafen, wie die Kleinen.“ „So— ich bin belohnt! Aber hört, Ceeco, es kann uns vielleicht noch heiße Arbeit bringen. Jeder Baron wird fürchten, die Reihe komme jetzt nächſtens an ihn und die Furcht wird ſie kühn machen, wie verzweifelte Ratten. Wir können für den guten Staat noch zu fechten bekommen.“ „Von ganzem Herzen, Tribun,“ antwortete Cecev trotzig.„Ich für meine Perſon bin keine Memme.“ „Dann verbreitet, wo es nur immer Gelegenheit gibt, denſelben Geiſt unter den Handwerkern. Ich fechte für das Volk. Das Volk muß im Falle der Noth mit mir fechten.“ „Das wird es auch,“ erwiderte Cecco;„das wird es!“ „Cecco, dieſe Stadt ſteht unter der geiſtlichen Herr⸗ ſchaft des Papſtes— ſo ſoll es bleiben— es iſt dies eine Ehre, keine Laſt. Aber die weltliche Herrſchaft. mein Freund, ſollte allein bei den Römern bleiben, Iſt es nicht eine Schande für das republikaniſche Rom, daß, während wir hier ſprechen, einige Barbaren, von welchen wir nie hörten, jenſeits der Alpen über die Verdienſte zweier Oberherren entſcheiden ſollen, welche wir nie ſahen? Iſt dies nicht eine Sache, der man ſich widerſetzen muß? Eine italieniſche Stadt— was hat die mit einem böhmiſchen Kaiſer zu ſchaffen?“ „Wenig genug, das weiß St. Paul!“ ſagte Cecco. „St werden! „Je „Ur alten R nicht w Ht „N die Gen wurde, wählen „A kommer Steiner ein Vo „G — ſpr Präten Thron verdutz wennt „denn widerſſ von zr nd ſchon en Muth wie die ecco, es n. Jeder nächſtens hen, wie guten ete Ceceo Remme.“ elegenheit rn. Ich Falle der o;„ das hen Herr⸗ s iſt dies errſchaft. bleiben, ſche Rom, Barharen, lpen über en ſollen, ache, der Stadt— ſchaffen?“ gte Cecev. 361 „Sollte dieſes Anſpruchsrecht nicht unterſucht werden?“ „Ich denke wohl!“ erwiderte der Schmied. „Und wenn es ſich herausſtellt, daß es gegen unſere alten Rechte ſtreitet, ſollte man ſich dieſen Anſprüchen nicht widerſetzen?“ „Ohne Zweifel.“ „Nun, ſo hört! Die alten Urkunden geben mir die Gewißheit, daß nie ein Kaiſer geſetzmäßig gekrönt wurde, außer durch die freie Stimme des Volkes. Wir wählen nie einen Böhmen oder Baiern.“ „Aber umgekehrt, wenn dieſe Nordländer hierher kommen, um ſich krönen zu laſſen, ſuchen wir ſie mit Steinen und Flüchen fortzutreiben— denn wir ſind ein Volk, Tribun, das ſeine Freiheiten liebt.“ „Geht zurück zu Euern Freunden— beſuchet ſie — ſprecht mit ihnen, ſagt, daß Euer Tribun dieſe Prätendenten wegen ihres Rechtes auf den römiſchen Thron zur Rechenſchaft ziehen will. Laßt ſie nicht verdutzt oder ſtutzig werden, ſondern mich unterſtützen, wenn die Gelegenheit kommt.“ „Ich bin froh darüber,“ ſagte der rieſige Schmied; „denn unſere Freunde ſind in der letzten Zeit ein wenig widerſpänſtig geworden und ſagen——* „Was ſagen ſie?“ „Es ſei wahr, Ihr habt vie Banditen vertrieben, und haltet die Barone im Zaum und übt aufs Beſte Gerechtigkeit!“ „Iſt das nicht Wunder genug für den Zeitraum von zwei oder drei kurzen Monaten?“ 362 „Nun, ſie ſagen, von einem Edelmanne wäre es mehr als genng; aber Ihr, aus dem Volke entſproſſen, könntet mit ſolchen Gaben und ſo weiter doch noch mehr thun. Es ſind jetzt drei Wochen, daß ſie nichts Neues mehr zu reden haben; doch die Hinrichtung des Orſini heute wird ſie ein wenig anfeuern.“ „Gut, Ceeco, gut,“ ſagte der Tribun ſich erhe⸗ bend,„ſie ſollen bald mehr haben, um ihre Mäuler zu ſtopfen. So denkt Ihr wohl, ſie lieben mich nicht ganz ſo ſehr, als vor etwa drei Wochen?“ „Das will ich nicht ſagen,“ antwortete Cecco.“ „Aber wir Römer ſind ein ungeduldiges Volk.“ „Ach, ja.“ „Gleichwohl werden ſie ohne Zweifel ſich feſt genug an Euch hängen, Tribun, vorausgeſetzt, daß Ihr ihnen keine neue Steuer auflegt.“ „Ha! Wenn man aber, um frei zu ſein, fechten muß— wenn man zum Fechten Soldaten braucht, die bezahlt werden müſſen: wollte das Volk nicht zu ſeiner eigenen Freiheit etwas beitragen— für gerechte Geſetze und ſicheres Leben?“ „Ich weiß nicht,“ erwiderte der Schmied und kratzte ſich den Kopf, wie wenn er ein wenig in Verlegen⸗ heit wäre;„aber das weiß ich, daß arme Leute ſich nicht gerne zu hoch beſteuern laſſen. Sie ſagen, ſie ſeien beſſer mit Euch varan, als früher mit den Ba⸗ ronen, und deßhalb lieben ſie Euch. Aber Arbeils⸗ leute, Tribun, arme Leute mit Familien müſſen auf die Stimme ihres Magens hören. Nur Einer unter Zehn geht vor Gericht— nur Einer unter Zwanzig „ich gl dieſes „V den ar arbeite der Ar zeſſivne Seht, einen Abend A in dü . wäre es ſproſſen, och noch ie nichts richtung 0 ch erhe⸗ Mäuler ich nicht Ceceo. k. ſt genug aß Ihr fechten braucht, nicht zu gerechte d kratzte erlegen⸗ ute ſich zen, ſie en Ba⸗ lrbeits⸗ ſen auf r unter wanzig 363 wird durch den Soldaten eines Barons ermordet; aber Alle eſſen und trinken und fühlen eine Auflage.“ „Dies kann aber nicht Eure Meinung ſein, Cecco!“ ſagte Rienzi ernſt. „Nun, Tribun, ich bin ein ehrlicher Mann, aber ich habe eine große Familie zu ernähren.“ „Genug, genug!“ ſagte der Tribun ſchnell und dann ſagte er zerſtreut, wie zu ſich ſelbſt, aber laut: „ich glaube, wir find zu verſchwenderiſch geweſen; dieſes Gepränge und dieſe Schauſpiele müſſen aufhören.“ „Was!“ rief Cecco;„was, Tribun!— wollt Ihr den armen Burſchen einen Feiertag verſagen. Sie arbeiten hart genug, und ihr einziges Vergnügen iſt der Anblick Eurer ſchönen Feierlichkeiten und Pro⸗ zeſſionen; dann gehen ſie nach Hauſe und ſagen: Seht, unſer Mann ſticht alle Barone aus! Welchen Staat er macht!“ „Ah! ſo tadeln ſie alſo meinen Glanz nicht?“ „Tadeln? nein! Ohne dieſen würden ſie ſich an Euch ſchämen und den Buono Stato nur für ein ſchä⸗ biges Ding halten.“ „Ihr ſprecht derb, Ceccv, aber vielleicht klug. Die Heiligen ſeien mit Euch. Vergeßt nicht, was ich Euch geſagt!“ „Nein, nein. Es iſt eine Schande, wenn wir uns einen Kaiſer aufdrängen laſſen— ſo iſt es. Guten Abend, Trihun.“ Als der Tribun allein war, blieb er einige Zeit in düſtere, unglückweiſſagende Gedanken verſunken. „Ich liege mitten in dem Zanber eines Schwarz⸗ 364 künſtlers,“ ſagte er;„wenn ich abſtehe, ſo reißen mich die Teufel in Stücke. Was ich begonnen habe, muß ich vollenden. Aber dieſer rohe Menſch zeigt mir nur zu gut, mit was für Werkzeugen ich arbeite. Für mich iſt ein Fehlſchlagen von keiner Bedeutung. Ich habe bereits eine Größe erreicht, welche das Hirn manches geborenen Fürſten ſchwindelig machen könnte. Aber mit mir fallen— Rom, Italien, Gerechtigkeit, Civiliſativn— Alles fällt in einen Abgrund von Jahr⸗ hunderten zurück!“ Er ſtand auf, und nachdem er einige Male durch das Zimmer gegangen, in welchem von vielen Säulen die Marmorbilder der großen Männer des Alterthums auf ihn herabſtrahlten, öffnete er das Fenſter, um die Luft des jetzt ſich neigenden Abends einzuathmen. Außer einer einzigen Schildwache war der Platz des Capitols verlaſſen. Aber noch hing dunkel und ſchrecklich der Leichnam des vornehmen Räubers an dem hohen Galgen, und die koloſſale Geſtalt des egypti⸗ ſchen Löwen erhob ſich dicht neben demſelben, ſchroff und finſter in der ruhigen Atmoſphäre. „Furchtbares Bild!“ dachte Rienzi,„wie viele ſpurlos vergangene und feierliche Gebräuche haſt du an deinem heimathlichen Nil mit angeſehn, ehe römi⸗ ſche Hände dich hierher verſetzten— alter Zeuge römiſcher Verbrechen! Sonderbar! wenn ich dich anſehe, iſt es mir, als übteſt du einen geheimen Einfluß auf mein eigenes Schickſal aus. Neben dir wurde ich als der republikaniſche Gebieter Roms be⸗ grüßt; neben dir ſteht mein Palaſt, mein Tribunal, der Pla Geprär Prachtl beſtimn zu ſterl den me Opfer Gedank gegen Vorhar Tiſch v zeichen wahrli der N Lebens oder zu und a ſeine? weſen. I Menſi ebenſt wie i zuglei Geſta 6 reißen nhabe, igt mir te. Für g. Ich s Hirn könnte. tigkeit, Jahr⸗ e durch Säulen rthums r m thmen. r Platz kel und an dem egypti⸗ ſchrof e viele aſt du römi⸗ Zeuge h dich heimen en dir ns be⸗ bunal, 365 ver Platz meiner Rechtspflege, meiner Triumphe, meines Gepränges— auf dich fallen meine Blicke von meinem Prachtbette aus, und wenn ich vom Schickſal dazu beſtimmt bin, im Beſitze der Macht und im Frieden zu ſterben, ſo biſt Du vielleicht der letzte Gegenſtand, den meine Augen erkennen! Oder wenn ich ſelbſt ein Opfer——“ er hielt inne— ſchrack zurück vor dem Gedanken, der vor ſein Inneres trat— wandte ſich gegen eine Vertiefung des Zimmers und zog einen Vorhang zurück, der ein Crucifir und einen kleinen Tiſch verhüllte, auf welchem eine Bibel und die Mönchs⸗ zeichen eines Schädels und der Todtenbeine lagen— wahrlich ernſte und unwiderlegbare Sinnbilder von der Nichtigkeit der Macht und der Ungewißheit des Lebens. Vor dieſen heiligen Mahnern zur Demuth oder zur Erhebung kniete der ſtolze, hochſtrebende Mann, und als er aufſtand, war ſein Schritt leichter und ſeine Miene freundlicher, als ſie den Tag über ge⸗ weſen. Drittes Kapitel. Der Held ohne Maske. Im Rauſche, ſagt das Sprüchwort, verräth der Menſch ſeinen wahren Charakter. Im Glücke liegt ein ebenſo ehrlicher, die Wahrheit enthüllender Rauſch, wie in dem Weine. Der Firniß der Macht fördert zugleich vie Mängel und Schönheiten der menſchlichen Geſtalt zu Tage. Die in ihrer Art einzige und beinahe wunderbare 366 Erhebung Rienzi's von dem Range eines päpſtlichen Beamten zum Herrn von Rom wäre von einem noch größeren Wunder begleitet geweſen, hätte ſie nicht den ſo Erhöhten einigermaßen verblendet und verführt. Wenn, wie in wohlgeordneten Staaten und ruhigen Zeiten, Männer langſam, Schritt für Schritt, ſteigen, ſo gewöhnen ſie ſich an ihr wachſendes Glück. Aber der Sprung vom Bürger zum Regenten in einer Stunde — von dem Opfer der Unterdrückung zu dem Ver⸗ walter der Gerechtigkeit— iſt ein ſo plötzlicher über⸗ gang, der auch das nüchternſte Gehirn ſchwindeln machen könnte. Und vielleicht wird im Verhältniſſe mit der Einbildungskraſt, der Begeiſterung, dem Genie des Mannes der plötzliche Wechſel gefährlich werden — zb ausſchweifenden Hoffnungen veranlaſſen— und einen zu chimäriſchen Ehrgeiz nähren. Die Eigenſchaf⸗ ten, durch die er ſtieg, beſchleunigen ſeinen Fall, und⸗ der Sieg bei dem Marengo ſeines Glückes drängt ihn zu dem Untergange bei ſeinem Moskau. Während ſeiner Größe erwarb Rienzi nicht ſowohl neue Eigenſchaften, ſondern ſetzte die ſchon entwickelten nur in ein helleres Licht und tieferen Schatten. Einer⸗ ſeits war er gerecht— entſchloſſen— der Freund der Unterdrückten— der Schrecken der Unterdrücker. Sein wunderbarer Verſtand erleuchtete Alles, was er berührte. Durch Ausrottung von Mißbräuchen, durch genaue Prüfung und weiſe Ordnung hatte er die Ein⸗ künfte der Stadt ohne eine einzige neue Aufllage um das Dreifache vermehrt. Getreu ſeinem Idol von Frei⸗ heit, war er durch den Wunſch des Volkes nicht zu Annahme ſondern! wieder fö walt aus war, ſtel ſcheidung im Name Wichtiges fertigung wie die 5 herzuſtelle benützt, d in Vorſck Rom zun Völker g die Gewe ſtigt und Ander Gerechtig ſeine Tu ſetzte, ebe überleger übermutl um ſich d thaten an rend ſeine eine unr Barons 1 vorgewor kaum zu bſtlichen m noch ie nicht erführt. ruhigen ſteigen⸗ Aber Stunde m Ver⸗ r über⸗ windeln ältniſſe Genie werden — und enſchaf⸗ l, und ngt ihn ſowohl ickelten Einer⸗ Freund drücker. was er durch ie Ein⸗ ige um n Frei⸗ icht zu 367 Annahme einer deſpotiſchen Gewalt verführt worden, ſondern hatte den parlamentariſchen Rath der Stadt wieder förmlich ins Leben gerufen und mit neuer Ge⸗ walt ausgerüſtet. Wie ausgedehnt auch ſeine Macht war, ſtellte er die Ausübung derſelben doch der Ent⸗ ſcheidung des Volkes anheim; er erklärte, daß er nur im Namen des Volkes regiere, und führte nie etwas Wichtiges aus, ohne dieſem deſſen Gründe oder Recht⸗ fertigung vorzulegen. Ebenſo getreu ſeinem Wunſche, wie die Freiheit, ſo auch den Wohlſtand Roms wieder herzuſtellen, hatte er die erſte, blendende Epoche dazu benützt, den großen Bund mit den italieniſchen Staaten in Vorſchlag zu bringen, der, wie er richtig ſagte, Rom zum unbeſtreitbaren Oberhaupt der europäiſchen Völker gemacht hätte. Unter ſeiner Regierung waren die Gewerhe ſicher, die Wiſſenſchaften wurden begün⸗ ſtigt und die Kunſt fing an, ſich zu heben. Andererſeits hob der glückliche Fortgang, der ſeine Gerechtigkeit, ſeine Redlichkeit, ſeinen Patriotismus, ſeine Tugenden und ſein Genie in ein helleres Licht ſetzte, ebenſo offenbar das anmaßende Bewußtſein ſeiner überlegenheit, ſeine Prachtliebe und den wilden, kühnen übermuth ſeines Ehrgeizes hervor. Obgleich zu gerecht, um ſich durch Wiedervergeltung ihrer eigenen Gewalt⸗ thaten an den Patrieiern zu rächen, obgleich ihm wäh⸗ rend ſeines unruhigen und ſtürmiſchen Tribunats nicht eine unverdiente oder ungeſetzliche Hinrichtung eines Varvns oder Bürgers ſelbſt nicht von ſeinen Feinden vorgeworfen werden konnte, ſo theilte er doch in einer kaum zu entſchuldigenden Weiſe die Schwäche Nina's; er konnte ſeinem ſtolzen Herzen das Vergnügen nicht dieſe Scha verſagen, Diejenigen zu demüthigen, welche ihn als Zeitalter einen Luſtigmacher verlacht, als einen Plebejer ver⸗ viel dazu achtet hatten, und die noch jetzt, in ſeinen Augen Skla⸗ zu vergrö ven, hinter ſeinem Rücken ſpotteten.„Sie ſtanden prahleriſck vor ihm, während er ſaß,“ ſagt ſein Biograph,„alle feinerte ſi dieſe Barone— mit entblößtem Haupte, die Hände und Frem auf der Bruſt gekreuzt, die Blicke niedergeſchlagen— eines Hoſ o, wie erſchrocken waren ſie da!“— eine Schilderung, blikaniſche beſchimpfender für die knechtiſche Feigheit der Adeligen, und glänz als für den übermüthigen Trotz des Tribuns. Viel⸗ das Ander leicht hielt er es für klug, den Geiſt ſeiner Feinde zu ein glänz brechen und Diejenigen zu ſchrecken, mit welchen ſich Nacht, de zu verſöhnen er nicht hoffen durfte. haltung er Für ſeine Pracht läßt ſich leichter eine Entſchul⸗ di Rienzi digung finden; ſie war zu jener Zeit Sitte, ſie war Seufzer, das Abzeichen und Zeugniß ver Macht, und wenn der tigkeit, be neuere Geſchichtſchreiber ihm vorwirft, daß er die Ein⸗ Sicherhei fachheit der alten Tribune nicht nachgeahmt habe, ſo„Rien verräth dieſer höhniſche Vorwurf eine Unkenntniß des Unternehme Geiſtes der Zeit und bes eiteln Volkes, das der oberſte Datum ſein der Zeit, Magiſtrat zu regieren hatte. Ohne Zweifel trugen ſeine prächtigen Feſte, ſeine feierlichen Prozeſſionen, vorliegende gehoben und veredelt— wenn die Schauſtellung ſo ihn We veredelt werden kann— durch einen großartigen Reich⸗ ſehehen ſeinem nai thum verfeinerten Geſchmackes, immer mit populären brechen an; Sinnbildern verbunden, darauf berechnet, die Idee der Freude über die Wiederherſtellung der Freiheit zu er⸗ er wecken und die Herrlichkeit und Majeſtät des wieder; mertte, en auflebenden Rom darzuthun— ohne Zweifel trugen einzelnen 2 Bulwe gen nicht e ihn als bejer ver⸗ gen Skla⸗ e tanden ph,„alle ie Hände hlagen— hilderung, Adeligen, ns. Viel⸗ Feinde zu elchen ſich Entſchul⸗ „ſie war wenn der r die Ein⸗ habe, ſo untniß des er oberſte e tren ozeſſionen, tellung ſo gen Reich⸗ populären e Idee der eit zu er⸗ des wieder fel trugen 369 dieſe Schauſpiele, wenn auch in einem aufgeklärteren Zeitalter und von Stubengelehrten anders beurtheilt, viel dazu bei, das Anſehen des Tribuns im Auslande zu vergrößern und den Stolz eines wankelmüthigen, prahleriſchen Volkes zu kitzeln. Der Geſchmack ver⸗ feinerte ſich, der Lurus nahm die Arbeit in Anſpruch und Fremde von allen Staaten wurden durch den Glaaz eines Hofes herbeigezogen, an welchem unter repu⸗ blikaniſchem Namen ein fürſtliches Paar regierte, jung“ und glänzend, das Eine berühmt wegen ſeines Geiſtes, das Andere wegen ſeiner Schönheit. Es war wirklich ein glänzender, königlicher Traum in Roms langer Nacht, das ſeines Papſtes und deſſen üppiger Hof⸗ haltung entbehrte— dieſe Feiertagsregierung des Cola di Rienzi! Oft nachher erinnerte man ſich mit einem Seufzer, der nicht nur bei den Armen ſeiner Gerech⸗ tigkeit, bei dem Kaufmann der unter ihm herrſchenden Sicherheit, ſondern auch bei dem Galanten der da⸗ *Rienzi ſpricht in einem ſeiner Briefe von ſeinem großen Unternehmen und ſchreibt es der Hitze der Jugend zu. Das genaue Datum ſeiner Geburt iſt nicht bekannt; gewiß aber war er zu der Zeit, von der wir ſprechen, ein junger Mann. Sein Bildniß in dem Muſeo Barberino, nach welchem in dem erſten Buche des vorliegenden Werkes ſeine Schilderung entworfen wurde, ſtellt ihn ohne Bart dar und, ſo viel man urtheilen kann, etwa in einem Alter von dreißig Jahren— alt genug, um einen Bart zu haben; ſieben Jahre ſpäter trug er einen langen Bart, der ſeinem naiven Biographen ſehr mißfiel, welcher es als ein Ver⸗ brechen anzuſehen ſcheint. Der Kopf iſt ſehr merkwürdig wegen ſeiner ernſten Schönheit und bleibt wenig, wenn überhaupt, hinter dem von Napoleon zurück, mit dem er, wie ich ſchon oben be⸗ merkte, einige Aehnlichkeit im Ausdrucke, wenn nicht in den einzelnen Zügen hat. Bulwer, Rienzi. I. A 370 maligen Pracht, bei dem Dichter der idealen, geiſtigen Anmuth jener Zeit galt! Wie wenn er zeigen wollte, daß er nicht eine gemeine, ſinnliche Lüſternheit befriedige, beobachtete der Trihun mit in ſeiner Pracht, wenn die Tafel unter den Leckerbiſſen aller Zonen ſeufzte, wenn die Becher munter kreisten, eine gemäßigte, ſogar ſtrenge Enthaltſamkeit.* Während die Prunkgemache und das Zimmer ſei⸗ ner Gattin mit verſchwenderiſchem Lurus und Koſt⸗ barkeit geſchmückt waren, ſo nahm er in ſeine eige⸗ nen Zimmer genau die Ausſtattung mit, an die er ſich während ſeines eingezogenen Lebens gewöhnt hatte, Die Bücher, die Käſten, die Reliefs, die Wappen, welche ihn früher mit Geſichten der Vergangenheit begeiſtert hatten, waren ihm durch Erinnerungen lieb geworden, die er nicht gern verlor. Was aber den ſonderbarſten Zug ſeines Charak⸗ ters ausmachte und noch immer Alles um ihn her in ein gewiſſes Geheimniß hüllt, war ſein religis⸗ ſer Enthuſiasmus. Die kühnen, aber verworrenen Lehren Arnolds von Brescia, der einige Jahre vor⸗ her die Reformation gepredigt, aber auf Myſtieis⸗ mus hingearbeitet hatte, waren zu Rom noch immer im Andenken und hatten ſich in Rienzi's früher Ju⸗ gend ſeinem Geiſte eingeprägt; und wie ich ſchon oben bemerkte, ſein jugendlicher Hang zu träumeri⸗ ſchen Gedanken, der traurige Tod ſeines Bruders, * Vita di Cola di Rienzi.— Der Blograph rühmt die Ent⸗ haltſamkeit des Tribuns. ſein eigene Alles hatt feierliche beſtärken. Glaube e gen Fanat wie wenn religiöſen ehrwürdige einer beſſe dienten ſeit heiligeren bloß menſ ſeinem bei ner großer aus demſel welche ſich rühmlichen jenem ſein verbinden, men, in n wie weit e greifen. S bei dem S ſtiſche und Gefahr bel Träume ge chen Geleg gen ſonder wurden, geiſtigen nicht einen eobachtete die Tafel wenn die ar ſtrenge mmer ſei⸗ und Koſt⸗ eine eige⸗ an die er hut hatte, Wappen, angenheit ungen lieb s Charak⸗ nihn her in religi⸗ rworrenen ahre vor⸗ Myſtieis⸗ och immer rüher Ju⸗ ich ſchon träumeri⸗ Bruders, — ſein eigenes wechſelndes, doch günſtiges Geſchick, dies Alles hatte dazu beigetragen, die ſchwärmeriſche, aber feierliche Sehnſucht dieſes merkwürdigen Mannes zu beſtärken. Wie bei Arnold von Brescia hatte ſein Glaube eine auffallende Aehnlichkeit mit dem hefti⸗ gen Fanatismus unſerer Puritaner im Bürgerkriege, wie wenn ähnliche politiſche Verhältniſſe zu gleichen religiöſen Anſichten führten. Er glaubte ſich durch ehrwürdige und mächtige Gemeinſchaft mit Weſen einer beſſeren Welt inſpirirt. Heilige und Engel dienten ſeinen Träumen, und ohne dieſen tieferen und heiligeren Enthuſiasmus hätte er wohl nie aus einem bloß menſchlichen Patriotismus hinreichend Muth zu ſeinem beiſpielloſen Unternehmen geſchöpft; viele ſei⸗ ner großen Thaten— viele ſeiner Verirrungen ſind aus demſelben zu erklären. Wie bei allen Menſchen, welche ſich ſo durch einen eiteln, an ſich nicht un⸗ rühmlichen Aberglauben täuſchen, der damit einen, jenem ſeine irdiſche Färbung mittheilenden Ehrgeiz verbinden, iſt es auch bei ihm unmöglich, zu beſtim⸗ men, in wie weit er wirklich Geiſterſeher war und wie weit er ſich bisweilen erlaubte, zum Betrug zu greifen. Bei den Ceremonien ſeiner Schaugepränge, bei dem Schmuck ſeiner Perſon wurden beſtändig my⸗ ſtiſche und bildliche Zeichen gebraucht. In Zeiten der Gefahr bekannte er öffentlich, er ſei durch göttliche Träume geſtärkt und gelenkt worden, und da hei man⸗ mt vie En⸗ chen Gelegenheiten ſeine prophetiſchen Verkündigun⸗ gen ſonderbarer Weiſe durch den Erfolg beſtätigt wurden, ſo wurde ſein Einfluß auf das Volk noch 372 vurch einen Glauben an die Gunſt und den Beiſtand des Himmels geſtärkt. So mochte ihn Selbſttäuſchung verſuchen und verleiten, auch Andere zu täuſchen, und er nahm wohl keinen Anſtand, ſich des Vortheiles zu bedienen, das zu ſcheinen, was er ſelbſt zu ſein glaubte. Doch verleitete ihn ohne Zweifel dieſe be⸗ rauſchende Leichtgläubigkeit zu einer ſeines nüchternen Verſtandes unwürdigen und mit demſelben ſeltſam eontraſtirenden Ausſchweifung und ließ ihn das Ver⸗ hältniß ſeines unſicheren Mittels zu ſeinen unge⸗ heuren Zwecken außer Augen ſetzen, in der ſtolzen Täuſchung, daß, wo der Menſch zu ſchwach ſei, Gott ins Mittel trete. Cola di Rienzi war kein fehler⸗ freier Romanheld. In ihm lagen, in ſich bekäm⸗ pfendem Ueberfluſſe, die reichſten und widerſtreitendſten Charakterelemente; hoher Verſtand, von Geſichten ge⸗ plagter Aberglaube, eine Beredſamkeit und eine That⸗ kraft, die Alle bezwangen, denen er ſich nahte, ein blinder, ihn ſelbſt überwältigender Enthuſiasmus; ueppigkeit und Enthaltſamkeit, Trotz und Empfäng⸗ lichkeit, Stolz gegen die Großen, Freundlichkeit ge⸗ gen die Niederen; der hingebendſte Patriotismus un das gierigſte Verlangen nach perſönlicher Macht. Wie wenige Männer ohne außerordentliche Körperkraft große und verzweifelte Entwürfe unternehmen, 1 kann man auch bei den Meiſten, die ſich zu einer bedeutenden Höhe über den gewöhnlichen Haufen em porgeſchwungen haben, bisweilen einen Hang zur Ausgelaſſenheit und eine Elaſtieität des Humors be⸗ merken, welche oft nüchterne und geregeltere Geiſter, „die wirk nen ſetzt; ſtrengen 2 immer zei den Idea und Unh zu verein dies, gle bezeichnete wunderba: härtere ſchen ſchic von ſeinen fel; und derwillen politiſche wohl kon enthalten, Feinde zu gnügen, ger geweſ die Schne ten Humt Schrecken, ſelbſt dieſ nahm der trug viel beliebt zu an dem„ Zu di Beiſtand täuſchung ſchen, und Vortheiles ſt zu ſein dieſe be⸗ nüchternen en ſeltſam n das Ver⸗ nen unge⸗ der ſtolzen ſei, Gott ein fehler⸗ ich bekäm⸗ ſtreitendſten eſichten ge⸗ eine That⸗ nahte, ein huſiasmus; Empfäng⸗ dlichkeit ge⸗ tismus und Nacht. Wie Körperkraft; tehmen, ſo ich zu einer Haufen em⸗ Hang zur Humors be⸗ tere Geiſter, „die wirklichen Mittelklaſſen des Lebens“, in Erſtau⸗ nen ſetzt; zu der theatraliſchen Größe Napoleons, der ſtrengen Würde Cromwells bildet eine häufige, nicht immer zeitgemäße Poſſenreißerei, die ſo ſchwer mit den Idealen an ihrem Charakter, mit dem düſteren und Unheil verkündenden Intereſſe ihrer Laufbahn zu vereinigen iſt, einen ſeltſamen Gegenſatz. Und dies, gleichfalls ein Zug in Rienzi's Gemüthsart, bezeichnete die Stunden der Erholung und trug zu der wunderbaren Geſchmeidigkeit bei, mit welcher ſeine härtere Natur ſich in alle Launen und in alle Men⸗ ſchen ſchickte. Oft kam er als ein veränderter Menſch von ſeinem ſtrengen Richterſtuhle an die geſellige Ta⸗ fel; und ſelbſt die mürriſchen Barvne, die mit Wi⸗ derwillen zu ſeinen Feſten gingen, vergaßen ſeine politiſche Größe über ſeinem vertraulichen Witze; gleich⸗ wohl konnte ſich ſein ſorgloſer Humor nicht immer enthalten, die Kränkung ſeiner niedergeſchlagenen Feinde zu ſeiner Zielſcheibe zu wählen— ein Ver⸗ gnügen, auf welches großmüthig zu verzichten, klü⸗ ger geweſen wäre. Und vielleicht war es zum Theil die Schnelligkeit ſeines ſarkaſtiſchen und ungezügel⸗ ten Humors, die ihn oft ebenſo ſeine Freude am Schrecken, als am In⸗Staunen⸗ſetzen finden ließ. Aber ſelbſt dieſe Heiterkeit, wenn man es ſo nennen darf, nahm den Anſchein vertraulicher Offenheit an und trug viel dazu bei, ihn bei den niederen Ständen beliebt zu machen, und war, wenn auch ein Fehler an dem Herrſcher, ein Vorzug an dem Demagogen. Zu dieſen verſchiedenen, jetzt vollſtändig entwickel⸗ 374 ten Charakterzügen denke ſich nun der Leſer einen Geiſt voll ſo kühner Plane, ſo rieſenhafter, erha⸗ bener Entwürfe, vereint mit jener genaueren, ge⸗ wöhnlicheren Gewandtheit, welche das Einzelne be⸗ herrſcht, daß mit einem tapferen, edeln, einſichtsvollen, ergebenen Volke die Erhebung des Tribuns der Schluß für die Knechtſchaft Italiens und die ſcharfe Grenz⸗ linie für das dunkle Zeitalter Europa's geweſen wäre. Bei einem ſolchen Volke wäre ſeinen Fehlern un⸗ merklich Einhalt gethan, ſeine minder zuträgliche Macht bedeutend gebändigt worden. Erfahrung hätte ihn vertrauter mit dem Beſitze der Gewalt gemacht und ihn nach und nach von dem Uebermaß in deren Anwendung entwöhnt; vie thätige, männliche Kraſt ſeines Verſtandes hätte nie Feld für die raſtloſeren Geiſter gefunden, wie ſeine Gerechtigkeit den ruhigeren Schutz göwährt hätte. Fehler hatte er, ob aber dieſe ſeine Fehler, oder die Fehler des Volkes ſeinen Sturz vorbereiteten, iſt jetzt zu unterſuchen. Unter einem mißvergnügten Adel, einem wan⸗ kelmüthigen Volke, von der Gefahr der Ruhe zu der Gefahr des Unternehmens gedrängt, theils geblen⸗ det durch ſeine Macht nach Außen, theils angetrie⸗ ben von der Furcht, nach Innen ſich zu ſchwächen; vurch ſein Genie und ſeinen Fanatismus zu ſangui⸗ niſchen Hoffnungen geſtimmt und unruhig wegen der Erwartungen des Volkes,— ſtürzte er ſich indeſſen ungeſtüm in den Strudel der brauſenden Zeit, und überließ ſeinen erhabenen Geiſt keiner andern Füh⸗ rung, als der Ueherzeugung von ſeiner netriihen Schwimm Hafen gel Währ mit den( deren Va fähigte, len, ſein und den den Joch und im ihrer M Einet der Save ſeiner Fe lonna's. bald ent ſtande— herrſchte. „Ihr ſeiner ge „daß de morgen vorher i mich mi Wache( eſer einen er, erha⸗ eren, ge⸗ nzelne be⸗ chtsvollen, der Schluß fe Grenz⸗ eſen wäre. hlern un⸗ zuträgliche rung hätte t gemacht ß in deren liche Kraft raſtloſeren ruhigeren aber dieſe nen Sturz nem wan⸗ uhe zu der ls geblen⸗ angetrie⸗ ſchwächen; zu ſangui⸗ wegen der ch indeſſen Zeit, und dern Füh⸗ natürlichen 375 Schwimmkraft und den Himmel, der ihn zu dem Hafen geleiten würde. Viertes Kapitel. Das feindliche Lager. Während Rienzi, vielleicht in übereinſtimmung mit den Geſandten der tapferen toskaniſchen Staaten, deren Vaterlandsſtolz und Freiheitsliebe ſie wohl be⸗ fühigte, dergleichen zu verſtehen, oder auch zu thei⸗ len, ſeine Entwürfe vorbereitete, die alte Königin und den ewigen Garten der Welt von allem frem⸗ den Joche zu befreien, brüteten die Barone raſtlos und im Geheimen über Planen zu Wiederherſtellung ihrer Macht. Eines Morgens verſammelten ſich die Häupter der Savelli, der Orſini und der Frangipani in dem ſeiner Feſtungswerke beraubten Palaſte Stephan Co⸗ lonna's. Ihre Beſprechung war warm und ernſt— bald entſchloſſen, bald ſchwankend in ihrem Gegen⸗ ſtande— je nachdem Entrüſtung oder Furcht vor⸗ herrſchte. „Ihr habt gehört,“ ſagte Luca di Savelli mit ſeiner gewöhnlichen ſanften und weibiſchen Stimme, „daß der Tribun verkündigen ließ, er werde über⸗ myorgen die Ritterwürde annehmen und die Nacht vorher in der Kirche des Lateran wachen; er hat mich mit der Bitte beehrt, ihm hei dieſer ſeiner Wache Geſellſchaft zu leiſten.“ 376 „Ja, ja, der Schurke. Was will er wohl mit dieſem neuen Einfall?“ ſagte der wilde Fürſt Orſini. „Wenn es ihm nicht um das Recht des Ritterz iſt, einen Adeligen zu fordern,“ ſagte der alte Cv⸗ lonna,„ſo kann ich mir nichts benken. Wird Rom dieſes Narren nie ſatt werden?“ „Rom iſt noch ein größerer Narr, als er,“ ſagte Luca di Savelli;„aber mich dünkt, der Tribun hat in ſeiner Ausgelaſſenheit eien Fehler begangen, den wir in Avignon gut benützen können. „Ha,“ rief der alte Colonna,„das muß unſer Spiel ſein; hier unthätig, laßt uns in Avignon ſechten.“ „Mit einem Worte denn, er hat befohlen, man ſolle ihm ein Bad in dem heiligen Porphyrgefäß he⸗ reiten, in welchem einſt der Kaiſer Conſtantin badete.“ „Entweihung! Entweihung!“ rief Stephan.„Dies iſt genug, um eine Bannbulle zu rechtfertigen. Der Papſt ſoll es erfahren. Ich werde ſogleich einen Boten abſchicken.“ „Beſſer, wir warten und ſehen die Ceremonie mit an,“ ſagte der Savelli; eine noch größere Thor⸗ heit wird die Feierlichkeit ſchließen, vas ſeid verſichert.“ „Hört Ihr, meine Herren,“ ſagte das grimmige Oberhaupt der Orfini;„Ihr ſeid für Aufſchub und Vorſicht, ich bin für Eile und Wagniß; das Blut meines Vetters ſchreit laut und duldet keine Unter⸗ handlungen.“ „Und was thun?“ fragte Sabelli mit ſanfter Stimme, „ohne Soldaten fechten gegen zwanzigtauſend wüthende Römer?— ich nicht!“ Orſi vollen 2 man mi tig. Gla „Bſt beſſerer der, jed ſich ſelbſ chelmord Euer E „Uel iſt kaum einen R men M nehme i als je 3 „Sc über ein ich wollt allen fü Dich an Einfälle dürfteſt, „Be „Wi der Bar „St geduldig tagszeite Unterlaß wohl mit ſt Orfini. s Ritters alte Cy⸗ Lird Rom er ſagte ribun hat ngen, den nuß unſer echten.“ len, man gefäß be⸗ n badeie.“ in.„Dies gen. Der eich einen Ceremonie ere Thor⸗ erſichert.“ grimmige ſchub und das Blut ne Unter⸗ rStimme, wüthende Orfini dämpfte ſeine Stimme zu einem bedeutungs⸗ vollen Flüſtern.„In Venedig,“ ſprach er,„würde man mit dieſem Emporkömmling ohne ein Heer fer⸗ tig. Glaubt Ihr, in Rom trage Niemand einen Dolch?“ „Bſt,“ ſagte Stephan, der von weit edlerer und beſſerer Natur war, als ſeine Standesgenoſſen, und der, jeden anderen Widerſtand gegen den Tribun vor ſich ſelbſt rechtfertigend, ſein Gewiſſen ſich gegen Meu⸗ chelmord empören fühlte;„das darf nicht ſein— Euer Eifer führt Euch zu weit.“ „Ueberdies, wen könnten wir dazu verwenden? es iſt kaum noch ein Deutſcher in der Stadt, und gegen einen Römer nur davon flüſtern, hieße mit dem ar⸗ men Martino den Platz tauſchen— der Himmel nehme ihn auf, denn er iſt jetzt dem Himmel näher, als je zuvor,“ ſagte der Savelli. „Scherzt nicht,“ rief der Orſini wild.„Scherze über einen ſolchen Gegenſtand! Bei St. Francisko, ich wollte, da Du ſolchen Witz liebſt, Du müßteſt ihn allen für Dich behalten; und mich dünkt, ich habe Dich an der Tafel des Tribuns über ſeine plumpen Einfälle lachen ſehen, als ob Du keines Strickes be⸗ dürfteſt, Dich zu erſticken.“ „Beſſer lachen als zittern,“ verſetzte der Savelli. „Wie, Du wagſt zu behaupten, ich zittere?“ rief der Baron. „Stille, ſtille,“ ſagte der alte Colonna mit un⸗ geduldiger Würde.„Wir leben nicht in ſolchen Feier⸗ tagszeiten, wo man ſich unter einander zanken darf. Unterlaßt das, meine Herren.“ 378 „Eure größere Klugheit, Signor,“ ſagte der ſar⸗ kaſtiſche Savelli,„entſpringt aus Eurer größeren Si⸗ cherheit. Euer Haus ſteht im Begriffe, unter dem⸗ jenigen des Tribuns Schutz zu ſuchen, und wenn der Signor Abrian von Neapel zurück iſt, wird des Schenk⸗ wirths Sohn der Bruder Eures Vetters werden.“ „Ihr könntet mich mit dieſem Spotte verſchonen,“ ſagte der alte Nobili mit einiger Bewegung.„Der Himmel weiß, wie ſchmerzlich ich bei dieſem Gedan⸗ ken gelitten habe; doch wünſchte ich, Adrian wäre bei uns. Sein Wort iſt ſehr wirkſam, den Tribun zu mäßigen und meine Handlungsweiſe zu leiten, denn die Leidenſchaft blendet meine Vernunft, und ſeit ſeiner Abreiſe, dünkt mich, ſind wir viel mürriſcher, ohne ſtärker zu ſein. Laßt das gut ſein. Wenn mein eigener Sohn die Schweſter des Tribuns geheirathet hätte, ſo würde ich noch einen Schlag für die alte Verfaſſung thun, wie es einem Edelmann geziemt, wenn ich nur ſähe, vaß der Streich nicht mein eige⸗ nes Haupt träfe.“ Savelli, welcher mit Rinaldo Frangipani bei Seite leiſe geſprochen hatte, ſagte jetzt: „Edler Fürſt, hört mich an. Ihr ſeid durch die herannahende Verbindung Eures Vetters, durch Euer ehrwürdiges Alter und durch Euer vertrautes Ver⸗ hältniß zu dem Papſte zu größerer Vorſicht genöthigt, wie wir. ueberlaßt uns die Leitung des Unterneh⸗ mens und ſeid unſerer Beſonnenheit verſichert.“ Ein junger Knabe, Stephanello, der ſpäter Ver⸗ treter der direkten Linie der Colonna wurde, und dem der Leſe mal bege vaters. Großvat ten Stie oder zw „Un Tadler? die läche „De chen unt „Au den,“ ſe gegen d „W meinen Die Se und obt Geld ſc doch hie Gläubig abgenon dern. wennn heit be „M lachend, Händen „N Beifall „Der Gedan⸗ wäre bei denn die it ſeiner r ohne n mein heirathet die alte geziemt, in eige⸗ bei Seite urch die chEuer es Ver⸗ enöthigt, nterneh⸗ t. ℳ ter Ver⸗ und dem 379 der Leſer vor dem Schluſſe dieſer Geſchichte noch ein⸗ mal begegnen wird, ſpielte auf den Knieen ſeines Groß⸗ vaters. Er ſah Savelli ſcharf an und ſagte:„Mein Großvater iſt zu nachgiebig und Orſini einem gereiz⸗ ten Stier zu ähnlich. Ich wollte, ich wäre ein Jahr oder zwei älter.“ „Und was würdeſt Du dann thun, mein hübſcher Tadler?“ fragte der ſanfte Savelli und biß ſich in die lächelnde Lippe. „Den Tribun mit meinem eigenen Dolche erſte⸗ chen und dann eiligſt nach Paleſtrina!“ „Aus dem Ei wird eine tüchtige Schlange wer⸗ den,“ ſagte der Savelli.„Aber warum ſo erbittert gegen den Tribun, mein kleiner Baſilisk?“ „Weil er einem unverſchämten Krämer geſtattete, meinen Oheim Agapet wegen Schulden zu verhaften. Die Schuld war vor zehn Jahren gemacht worden, und obgleich man ſagt, daß kein Haus in Rom mehr Geld ſchuldig ſei, als das der Colonna, ſo hörte ich doch hier zum erſten Male, daß einem Schufte von Gläubiger erlaubt war, ſeine Schuld anders, als mit abgenommener Mütze und gebeugten Knieen einzufor⸗ dern. Und ich ſage, ich möchte kein Baron ſein, wenn man mir mit ſolcher bauernhafter Unverſchämt⸗ heit begegnen dürfte.“ „Mein Kind,“ ſagte der alte Colonna, herzlich lachend,„ich ſehe, unſer edler Stand wird in Deinen Händen ſicher genug ſein.“ „Nun,“ fuhr der Knabe, durch den geernteten Beifall dreiſt gemacht, fort,„wenn ich, nachdem ich 380 den Tribun erſtochen, noch Zeit hätte, würde ich gern noch einen zweiten Stoß führen nach——“ „Wem?“ fragte der Savelli, als er den Knaben ſchweigen ſah. „Nach meinem Vetter Abrian. Schande über ihn, vaß er ſich nur träumen läßt, eine zu einer Frau zu machen, deren Geburt ſie kaum zu der Geliebten eines Colonna befähigt!“ „Gehe ſpielen, mein Kind, gehe ſpielen,“ ſagte der alte Colonna, indem er den Knaben von ſich drängte. „Genug von dieſem Geplapper,“ rief der Orſini heftig.„Sagt mir, alter Herr, als ich eben eintrat, ſah ich einen alten Freund(einen Euerer früheren Sölvlinge) den Palaſt verlaſſen; darf ich nach ſeinem Geſchäfte fragen?“ „Ach, ja; ein Bote von Fra Moreale. Ich ſchrieb dem Ritter, warf ihm ſeine Abtrünnigkeit bei unſerer Rückkehr von Corneto vor und gab ihm zu verſtehen, daß fünfhundert Lanzen gerade jetzt ſehr theuer be⸗ zahlt würden.“ „Ha, ſagte Savelli,„und was iſt ſeine Antwort?“ „O, ſchlau und ausweichend; er iſt verſchwende⸗, riſch mit Complimenten und guten Wünſchen, aber er ſagt, er ſtehe in Dienſten des Königs von Ungarn, deſſen Sache vor Rienzi's Richterſtuhl liege; er könne ſeine jetzige Fahne nicht verlaſſen, er fürchte, Rom ſei ſo gleich vertheilt, zwiſchen den Patriciern und dem Volke, daß die Partei, welche für die Dauer die Ober⸗ hand behalten wolle, einen Podeſta berufen müſſe; dieſe Wü würde ih „Mo „Und gut ein borner 2 von Beit die Stat Rudolph lonna), meiner! jetzt ein und red ein Frei Palaſte „ denklich Bald d der vie Luca di Frangi Palaſt „D diſchwe ſchluſſe Sohn Un Orfini ſchrieb unſerer rſtehen, uer be⸗ wort?“ hwende⸗ „ aer Ungarn, r könne „Rom ind dem Ober⸗ müſſe; 381 vieſe Würde allein, gibt der Provenzale zu verſtehen, würde ihm anſtehen.“ „Montreal unſer Podeſta!“ rief der Orſini. „Und warum nicht?“ fragte Savelli;„eben ſo gut ein edel geborner Podeſta, als ein niedrig ge⸗ borner Tribun? Aber ich hoffe, wir brauchen keinen von Beiden. Colonna, hat dieſer Bote Fra Moreale's die Stadt ſchon verlaſſen?“ „Ich glaube ja.“ „Nein,“ ſagte Orfini;„ich begegnete ihm unter dem Thore und kannte ihn von früher her; es iſt Rudolph, der Sachſe(früher ein Miethling der Co⸗ lonna), der in den guten alten Tagen mehre Weiber meiner Anhänger zu Wittwen gemacht hat. Er iſt jetzt ein wenig entſtellt; gleichwohl erkannte ich ihn und redete ihn an, denn ich dachte, er könnte doch ein Freund werden und befahl ihm, mich in meinem Palaſte zu erwarten.“ „Ihr habt wohl gethan,“ ſagte der Savelli nach⸗ denklich, und ſeine Blicke begegneten denen Orſini's. Bald darauf wurde eine Beſprechung aufgehoben, in der viel geredet und Nichts feſtgeſetzt wurde; aber Luca di Savelli wartete an dem Portal und bat den Frangipani, wie die übrigen Barone, ſich in Orſini's Palaſt einzufinden. „Der alte Colonna,“ ſagte er,„iſt nahe am Kin⸗ diſchwerden. Wir werden bald ohne ihn zu einem Ent⸗ ſchluſſe kommen und können uns ſeiner durch ſeinen Sohn als Stellvertreter verſichern.“ Und es war dies eine richtige Prophezeihung, 382 denn die Berathung einer halben Stunde mit Rudolph vem Sachſen reichte hin, den Gedanken zum Beſchluß zu reifen. Fünftes Kapitel. Die Nacht und ihre Vorfälle. Mit dem Anbruche der nächſten Dämmerung wurde Rom zu dem Beginn des prachtvollſten Schauſpieles zuſammengerufen, das die kaiſerliche Stadt ſeit dem Falle der Cäſaren geſehen. Es war ein beſonderes von dem römiſchen Volke ſich angemaßtes Vorrecht, ihren Bürgern die Ritterwürde zu ertheilen. Zwanzig Jahre früher hatte ein Colonna und ein Orſini dieſe Ehre vom Volke empfangen. Rienzi, der es als das Vorſpiel zu einer wichtigeren Ceremonie betrachtete, verlangte von den Römern dieſelbe Auszeichnung für ſich. Vom Capitol bis zum Lateran zog in langer Prozeſſion alles, was Rom Evles, Schönes und Tapfe⸗ res aufzuweiſen hatte. Zuerſt kamen zahlloſe Reiter aus allen Nachbarſtaaten Italiens in einer für die Gelegenheit paſſenden Tracht. Trompeter und Spiel⸗ leute aller Art folgten— die Trompeten waren von Silber; Jünglinge trugen die mit Gold eingelegte Rüſtung des ritterlichen Streitroſſes, und ihnen folgte ein Zug der vornehmſten Frauen Roms, deren Schau⸗ luſt und vielleicht auch Bewunverung des triumphi⸗ renden Ruhmes(der bei den Weibern manchen Anſtoß ausgleicht) ſie die gedemüthigte Größe ihrer Gatten vergeſſen ließ; unter dieſen verdunkelten glle andern Nina und des Papſt die Erbitt wohl ſich gehen dür hielt ſich einer abſi ſein Stan Staatsgeſ Locken un der Freut Manne z lächelte. ſchmeidigf vor dem 2 gezogenes Fahne trr zeichnet. von weiß candoris) reich mit viele jene oben geſp allein den ſeinem du Stirne, i zu ſchlum Antheil ſ nehme; a ſprach ab udolph eſchluß wurde nſpieles eit dem onderes orrecht, zwanzig ni dieſe als das rachtete, ung für langer Tapfe⸗ Reiter für die Spiel⸗ ren von ngelegte n folgte Schau⸗ iumphi⸗ Anſtoß Gatten andern Nina und Irene; dann kam der Tribun und der Vikar des Papſtes, umgeben von allen Großen der Stadt, die Erbitterung, Haß und Rache kochten, aber gleich⸗ wohl ſich ſtritten, wer dem Helden des Tages zunächſt gehen dürfe. Allein der hochmüthige alte Colonna hielt ſich ferne und folgte auf kleinem Abſtande in einer abſichtlich einfachen Kleidung. Aber ſein Alter, ſein Stand, ſeine frühere Berühmtheit in Krieg und Staatsgeſchäften waren nicht hinreichend, ſeinen grauen Locken und ſeiner vornehmen Miene auch nur einen der Freudenrufe zuzuwenden, welche dem niedrigſten Manne zu Theil wurden, den der große Tribun an⸗ lächelte. Savelli ging zunächſt bei Rienzi, der Ge⸗ ſchmeidigſte unter der höfiſchen Schaar; unmittelbar vor dem Tribun gingen zwei Männer, deren einer ein gezogenes Schwert, der andere den Pendone oder die Fahne trug, welche gewöhnlich königliche Würde be⸗ zeichnet. Der Tribun ſelbſt trug ein langes Gewand von weißer Seide, deren ſchneeweißen Glanz(miri candoris) der Geſchichtſchreiber beſonders erwähnt, reich mit Gold verziert, während auf ſeiner Bruſt viele jener myſtiſchen Symbole hingen, von denen ich oben geſprochen, deren eigentliche Bedeutung vielleicht allein demjenigen bekannt war, der ſie trug. In ſeinem dunkeln Auge und auf der breiten, ruhigen Stirne, in welcher die Gedanken gleich einem Sturme zu ſchlummern ſchienen, konnte man leſen, wie wenig Antheil ſein Geiſt an dem ihn umgebenden Pomp nehme; aber hie und da nahm er ſich zuſammen und ſprach abwechſelnd mit Raimund oder Savelli. 384 „Es iſt dies ein ſchmuckes Spiel,“ ſagte der Orfini, als er bei dem alten Colonna zurückblieb;„aber es könnte tragiſch enden.“ „Mich dünkt, dies könnte der Fall ſein, antwortete der alte Mann, wenn der Tribun Dich hörte.“ Orſini erblaßte.„Wie— nein— wenn dies auch wäre, ſo ahndet er nie Worte, ſondern verlacht unſere geäußerte Wuth. Erſt vor wenigen Tagen hinter⸗ hrachte ihm ein Schurke, was einer der Annibaldi über ihn geſagt hatte— Worte, wofür ein echter Cavalier das Blut Desjenigen, der ſie ausgeſprochen, verlangt hätte; er ließ den Annibaldi rufen und ſagte: Mein Freund, nehmt dieſen Beutel mit Gold— tref⸗ fende Witze müſſen belohnt werden.“ „Nahm Annibaldi das Geld?“ „Nun, nein; der Tribun fand Gefallen an ſeinem Geiſte und lud ihn zum Abendeſſen ein, und Anni⸗ baldi verſicherte, er habe nie einen fröhlicheren Abend zugebracht und er wundere ſich nicht mehr, daß ſein Vetter Ricardo den Spaßmacher ſo liebe.“ Am Lateran angekommen, blieb Luca di Savelli zurück und flüſterte mit Orſini; die Frangipani und einige andere Edelleute wechſelten bedeptungsvolle Blicke; Rienzi trat in das heilige Gebäude, in dem er, der Sitte gemäß, ſeine Waffenwache halten ſollte, ſagte der Menge Lebewohl und berief ſie auf den nächſten Morgen, um Dinge zu hören, die, wie er hoffe, dem Himmel und der Erde angenehm ſein würde. Die unermeßliche Menſchenmenge vernahm dieſe Anbentunt nigen, wel vorbereitet wandelbar Die Men und Ordm ſo großer keinerlei Einige vo Luca di E ſarkaſtiſche einigen un und außer bot der g und der L lichte bald der Kirche Zeit der Orden des ebenſo unn glaube ver vas eine al und dies ke ſtehen. N endigt war Kirche zwi bracht. Hi * In e vor der Rit ſcheint die C worden zu ſe Bulwer, Orfini, aber es wortete e.“ ies auch t unſere hinter⸗ nnibaldi n echter n ſeinem nd Anni⸗ öhlicheren nehr, daß ebe.“ di Savelli ipani und tungsvolle e, ein dem ten ſollte, auf den e, wie er nehm ſein ahm dieſe Anbeutung mit Neugierde und Freude, während Dieje⸗ nigen, welche durch Ceceo vel Veechiv ſchon einigermaßen vorbereitet waren, ſie als ein Vorzeichen von der un⸗ wandelbaren Entſchloſſenheit ihres Tribuns begrüßten. Die Menge zerſtreute ſich mit ausnehmender Ruhe und Ordnung; bemerkenswerth war, daß unter einem ſo großen Zuſammenlaufe von Menſchen aller Art keinerlei Zügellofigkeiten, oder Streitigkeiten vorkamen. Einige von den Baronen und Rittern, unter ihnen Luca di Savelli, deſſen geſchmeidige Höflichkeit und ſarkaſtiſche Laune dem Tribunen gefiel, blieben nebſt einigen untergeordneten Dienern und Pagen allein da; und außer einer einzigen Schildwache an dem Thore bot der große Platz vor dem Palaſte, der Baſilika und der Quelle Conſtantins, dem traurigen Mond⸗ lichte bald eine ſchweigende, verlaſſene Ode dar. In der Kirche empfing nach der Sitte der damaligen Zeit der Abkömmling der teutoniſchen Könige den Orden des heiligen Geiſtes. Sein Stolz, oder ein ebenſo unmännlicher, obwohl mehr entſchuldbarer Aber⸗ glaube verleitete ihn, in dem Porphyrgefäße zu baden, das eine abgeſchmackte Legende dem Conſtantin zuſchrieb, und dies kam ihm, wie Savelli vorherſagte, theuer zu ſtehen. Nachdem die vorgeſchriebenen Ceremonien be⸗ endigt waren, wurden ſeine Waffen in den Theil der Kirche zwiſchen den Säulen des heiligen Johannes ge⸗ bracht. Hier wurde auch ſein Prachtbett aufgeſchlagen“. * In einem mehr nördlichen Lande hätte man den Abend vor der Ritterweihe ohne Schlaf zugebracht;— in Italien ſcheint die Ceremonie der Waffenwache nicht ſo ſtreng beobachtet worden zu ſein. Bulwer, Rienzi. I. 25 386 Das Gefolge von Baronen, Pagen und Käm⸗ merlingen zog ſich in eine kleine Seitenkapelle der Kirche zurück, wo ſie von Rienzi, der allein blieb, nicht geſehen werden konnten. Eine einzige neben ſeinem Bette ſtehende Lampe kämpfte mit den düſtern Strahlen des Mondes, der durch die hohen Fenſter über Flügel und Pfeiler ſein„dämmernd frommes Licht“ goß. Die heilige Stätte, die feierliche Stunde und das einſame Schweigen umher waren ganz geeignet, die hohe, ernſte Stimmung dieſes Sohnes des Glückes noch zu heben. Viele erhabene Ideen ſchwehten an ſeinem Geiſte vorüber— die bald auf weltliche Beſtrebungen, bald auf erhabenere, aber ungebildete Vorſtellungen ſich be⸗ zogen, bis er endlich, ermüdet von ſeinen eigenen Gedanken ſich auf das Bett warf. Eine Vorbedeu⸗ tung, welche zu erwähnen die ernſtere Geſchichte nicht verabſäumte, war, daß in dem Augenblick, wo er ſich auf das neu für dieſe Gelegenheit bereitete Lager legte, ein Theil deſſelben unter ihm zuſammenbrach; der Vorfall ergriff ihn, er ſprang bleich auf und murmelte einige Worte; aber, als ob er ſich ſeiner Schwäche ſchämte, legte er ſich nach einer kleinen Weile wieber zur Ruhe und zog die Vorhänge um ſich her zuſammen. Die Mondſtrahlen wurden mit der vorrückenden Zeit immer ſchwächer und ſchwächer, und die ſcharfe Unterſcheidung von Licht und Schatten verſchwand gänzlich auf dem Marmorboden, als hinter einer Säule in der fernſten Ecke des Gebäudes hervor ein ſeltſamer Schatten plötzlich das krankhafte Licht durch⸗ kreuzte— ohne ein Pfeiler— Tribunen hielt hier Rings die Stille war verſchn der Lampe feierliche, In ein Veränderut ſcheinlich 1 oben beme Savelli al blieb er ar der Kapell auffallende „Jetzt Burſchen kehrt nicht und ohne dere iſt ei vollbracht, entkommt, müſſen wit Nichts we Rienzi rä Wir und Colonna koß. Die n Geiſte gen, bald en ſich be⸗ eigenen ßorbedeu⸗ ichte nicht „ wo er tete Lager nenbrach; auf und ſich ſeiner er kleinen ge um ſich rrückenden die ſcharfe erſchwand ter einer ervor ein icht durch⸗ kreuzte— er ſchlich herbei— er bewegte ſich, aber ohne ein Geräuſch,— er huſchte von Pfeiler zu Pfeiler— endlich blieb er hinter der dem Bette des Tribunen zunächſt hefindlichen Säule ſtehen— und hielt hier ſtille. Rings umher wurden die Schatten immer dunkler; die Stille ſchien immer tiefer zu werden; der Mond war verſchwunden, und außer dem kämpfenden Strahl der Lampe neben Rienzi, bedeckte ſchwarze Nacht die feierliche, geiſterhafte Stätte. In einer der Seitenkapellen, die bei den vielen Veränderungen, welche die Kirche erlitten, wahr⸗ ſcheinlich längſt zerſtört wurde, waren, wie ich ſchon oben bemerkte, die wenigen Begkeiter des Tribuns. Savelli allein ſchlief nicht; athemlos und horchend blieb er aufrecht ſitzen, während die hohen Kerzen der Kapelle den raſchen Wechſel ſeiner Züge noch auffallender machten. „Jetzt gebe der Himmel,“ ſagte er,„daß es dem Burſchen nicht mißglückt! Eine ſolche Gelegenheit kehrt nicht leicht wieder! Er hat einen ſtarken Arm und ohne Zweifel eine geübte Hand; aber der An⸗ dere iſt ein kräftiger Mann. Iſt die That einmal vollbracht, ſo gilt es mir gleichviel, ob der Thäter entkommt, oder nicht; im letzteren Falle, nun da müſſen wir ihn erdolchen! Todte Männer erzählen Nichts weiter. Im ſchlimmſten Falle— wer kann Rienzi rächen? Es gibt keinen zweiten Rienzi! Wir und die Frangipani beſetzen den Aventin, die Colonna und Orſini die übrigen Stadttheile, und 388 ohne den lenkenden Geiſt können wir den tollen Pöbel verlachen. Wird er aber entdeckt——“ und Sa⸗ velli, deſſen Nerven zum Glücke für ſeine Feinde weniger ſtark waren als ſein Wille, bedeckte ſchau⸗ dernd ſein Antlitz—„ich meine, ich höre ein Ge⸗ räuſch!— nein— iſt es der Wind?— ſtille, es muß der alte Vico di Seotto ſein, der in ſeinem Panzerhemde umgeht!— Schweigen— ich habe dieſes Schweigen nicht gerne! Kein Schrei— kein Laut! kann der Schurke falſches Spiel mit uns getrieben haben? oder konnte er das Fenſter nicht erklettern? Es iſt ja kinderleicht;— oder entdeckte ihn die Schildwache?“ Die Zeit verſtrich; der erſte Strahl des Tages⸗ lichtes brach langſam herein, als er die Kirchthüre verſchließen zu hören glaubte. Savelli's Ungewißheit wurde unerträglich; er ſchlich aus der Kapelle und näherte ſich ſo weit, daß er das Bett des Tribun ſehen konnte— Alles war ſtill. „Vielleicht die Stille des Todes,“ ſagte Savelli und ſchlich zurück. Unterdeſſen war der Tribun, der ſich vergebens bemühte, die Augen zu ſchließen, durch die unbequeme Lage, zu der er ſich genöthigt ſah, immer wacher geworden— denn da der Theil des Bettes gegen vas Kopfkiſſen hin gewichen war, während das Ubrige feſt blieb, hatte er, der gewöhnlichen Art zu liegen, zuwider, ſich in dem untern Theile des Bettes, ſo gut es gehen wollte, eingerichtet, der Schein der Lampe, obwohl von den Vorhängen beſchattet, ſil ihm ſo ge Schlafloſie flackernde und wollte als er am aufheben er zum zt Geſtalt zw daß ein G wurde, der dend geſch hätte Ri gezielten E bei dem u mit dem g— muskulöſen ſeiner erſ ſetzte ihm erhob ſich wich aus, Arm. D einem tödt Der ſo jeder Art auch jetzt „Halt Ihr ſelbſt retten.“ „Verr „Still n ſeinem be dieſes in Laut! getrieben klettern? ihn die s Tages⸗ dirchthüre gewißheit pelle und s Tribun e Saelli vergebens tes geßen as übrige zu liegen, Bettes, ſo Schein der attet, fiel ihm ſo gerade in das Geſicht. Ungeduldig über ſeine Schlafloſigkeit, dachte er endlich, es ſei dieſes trübe, flackernde Licht, das ſeinen Schlummer verſcheuche, und wollte eben aufſtehen, um es weiter zu entfernen, als er am andern Ende des Bettes den Vorhang leicht aufheben ſah; er blieb ruhig und geſpannt;— ehe er zum zweiten Male athmete, trat eine dunkele Geſtalt zwiſchen das Licht und das Vett und er fühlte, daß ein Stoß nach dem Theile des Bettes geführt wurde, der ohne den Zufall, der ihm unglückverkün⸗ dend geſchienen, ſeine Bruſt dem Dolche vargeboten hätte. Rienzi wartete nicht auf einen zweiten, beſſer gezielten Stoß; als der Mörder ſich jetzt bückte, und bei dem unſicheren Lichte herumtappte, ſtürzte er ſich mit dem ganzen Gewichte und der Kraft ſeines ſtarken, muskulöſen Körpers auf ihn, entwand den Dolch ſeiner erſchrockenen Hand, warf ihn auf das Bett und ſetzte ihm das Knie auf ſeine Bruſt.— Der Dolch erhob ſich— blitzte— ſank herab— der Mörder wich aus, und ſo drang er nur durch ſeinen rechten Arm. Der Tribun erhob den rächenden Stahl zu einem tödtlicheren Stoße. Der ſo überwundene Mörder war ein an Gefahren jeder Art und Geſtalt gewohnter Mann und verlor auch jetzt ſeine Geiſtesgegenwart nicht. „Halt!“ ſagte er;„wenn Ihr mich tödtet, ſeid Ihr ſelbſt verloren. Schonet mein, ſo will ich Euch retten.“ „Verräther!“ „Stille— nicht ſo laut, oder Ihr weckt Eure Begleiter, und einer derſelben könnte das thun, was mir mißlungen. Schonet mein, ſage ich, ſo will ich Euch Entdeckungen machen, die mehr werth ſind, als mein Leben; aber ruft nicht— ſprecht nicht laut, ich warne Euch!“ Der Tribun fühlte, wie ſein Herz ſtille ſtand; an dieſem einſamen Orte, fern von dem ihn vergöt⸗ ternden Volke— ſeinen ergebenen Wächtern— nur mißvergnügte Barone oder vielleicht treuloſes Geſindel in der Nähe, konnte da nicht die Warnung des ver⸗ wirrten Mörders eine wohlgemeinte ſein?— dieſe Worte, dieſe Bedenklichkeiten ſchienen plötzlich ihr gegenſeitiges Verhältniß umzukehren und den Sieger wieder in die Gewalt des Mörders zu geben. „Duwillſt mich täuſchen,“ ſagte er, aber mit leiſer, unſicherer Stimme, welche dem Schurken den Vortheil ſogleich erkennen ließ, den er gewonnen;„Du möch⸗ teſt, daß ich Dich losließe, ohne meinen Leuten zu rufen, damit Du einen zweiten Angriff auf mein Le⸗ ben machen könnteſt!“ „Du haſt meinen rechten Arm unbrauchbar gemacht und mich meiner einzigen Waffe beraubt.“ „Wie kamſt Du hierher?“ „Durch Einverſtändniß.“ „Woher dieſer Angriff?“ „Das Geheiß von Anderen.“ „Wenn ich Dich begnadige——“ „Sollſt Du Alles erfahren!“ „Stehe auf,“ ſagte Rienzi, indem er ſeinen Ge⸗ fangenen, obwohl mit großer Vorſicht, losließ und ihn noch feſthielt, ſetzte.„L hat, dünt „Neit mehr ſag „Hun „Wen Kehle?“ „Ich Rienz Lumpe de ſicht, ſeit ſchienen Anderen einer gen vielen zu vorzubeng behend, ſten Fall⸗ nicht ſei chen kon „So welche D ich den g hin gehe Der linken H war; n— nur Geſindel des ver⸗ — dieſe tzlich ihr en Sieger en. mit leiſer, n Vortheil Du möch⸗ Leuten f mein Le⸗ ar gemacht ſeinen Ge⸗ losließ und ihn noch immer mit der einen Hand an der Schulter feſthielt, immer noch aber den Dolch an ſeine Kehle ſetzte.„Ließ Dich meine Schildwache ein? Die Kirche hat, dünkt mich, nur einen Eingang.“ „Nein, dieſe nicht; folge mir, ſo will ich Dir mehr ſagen.“ „Hund! Du haſt Mitſchuldige?“ „Wenn auch, ſo hälſt Du ja den Dolch an meine Kehle?“ „Möchteſt Du entwiſchen?“ „Ich kann nicht, wenn ich auch möchte.“ Rienzi betrachtete bei dem matten Schein der Lumpe den Mörder ſcharf. Sein rohes, gemeines Ge⸗ ſicht, ſeine grobe Kleidung und ausländiſche Sprache ſchienen ihm hinlängliche Beweiſe, daß er nur von Anderen gedungen war; und es war vielleicht klug, einer gewiſſen, vorhandenen Gefahr zu trotzen, um vielen zukünftigen und unvorhergeſehenen Gefahren vorzubeugen. Ueberdies war Rienzi bewaffnet, ſtark, behend, in voller Jugendkraft;— und im ſchlimm⸗ ſten Falle war kein Ort in der Kirche, von wo aus nicht ſeine Stimme die Leute in der Kapelle errei⸗ chen konnte— wenn er ſich auf ſie verlaſſen konnte. „So zeige mir denn die Stelle und Mittel, durch welche Du hereingekommen,“ ſagte er;„und wenn ich den geringſten Verdacht ſchöpfe, während wir da⸗ hin gehen— ſo ſtirbſt Du? Nimm die Lampe auf.“ Der Schurke nickte mit dem Kopfe; mit ſeiner linken Hand faßte er die Lampe, wie ihm befohlen war; Rienzi's Fauſt hielt ſeine rechte Schulter ge⸗ packt; aus der Wunde an ſeinem rechten Arme träu⸗ felte im Gehen Blut herab; geräuſchlos ſchritt er die Kirche entlang— er kam an den Altar— links von demſelben war ein kleines Zimmer zum Dienſte, oder Abtreten des Prieſters. Dahin nahm er ſeinen Weg. Rienzi's Herz erfüllte ſich einen Augenblick mit Zweifeln. „Nimm Dich in Acht,“ flüſterte er;„das ge⸗ ringſte Zeichen von Verrath, und Du biſt das erſte Opfer!“ Wieber nickte der Mörder und ſchriit weiter. Sie traten in das Gemach, und dann deutete der ſelt⸗ ſame Führer des Tribuns auf ein offenes Fenſter. „Seht, hier kam ich herein,“ ſagte er;„und gehe, wenn Ihr erlaubt, auch wieder da hinaus——“ „Der Froſch kommt nicht ſo leicht aus dem Brun⸗ nen, wie hinein, Freund,“ erwiderte Rienzi lächelnd. „Und wenn ich nun meine Wächter nicht rufen ſoll, was ſoll ich mit Dir thun?“ „Laß mich gehen, ſo werde ich Dich morgen auf⸗ ſuchen, und wenn Du mich ſchön bezahlſt und mir verſprichſt, daß Du mir Nichts an Leib und Leben thun willſt, ſo liefere ich Deine Feinde, die mich ge⸗ dungen, in Deine Gewalt.“ Rienzi konnte ſich bei dieſem Vorſchlage eines leichten Lächelns nicht enthalten, faßte ſich aber und ſagte:„Und wie, wenn ich meine Leute rufe und Dich ihrer Obhut übergebe?“ „So übergibſt Du mich Deinen Feinden und de⸗ nen, die mich gedungen; und in der Verzweiflung werden ſi oder Dir „Mic geſehen.“ „So mens n der Sach „Ich Montrea „Nein andere 2 eigene H bärmlich⸗ und miet Rien gelaſſen betrachte in Nach kleinen eine ſo er eine einige E waren. „meine das ge⸗ as erſte ter. Sie der ſelt⸗ Fenſter. nd gehe, m Brun⸗ lächelnd. fen ſoll, gen auf⸗ und mir nd Leben mich ge⸗ ge eines aber und rufe und und de⸗ weiflung werden ſie, damit ich ſie nicht verrathen kann, mir oder Dir die Gurgel abſchneiden.“ „Mich dünkt, Burſche, ich habe Dich früher ſchon geſehen.“ „So iſt es. Ich ſchäme mich weder meines Na⸗ mens, noch meines Vaterlandes, und bin Rudolph der Sachſe!“ „Ich erinnere mich;— in Dienſten Walters von Montreal. Der alſo iſt der Anſtifter?“ „Nein, Römer! dieſer edle Ritter verachtet jede andere Waffe, als das offene Schwert, und ſeine eigene Hand erſchlägt ſeine Feinde. Eure elenden, er⸗ bärmlichen, feigen Italiener allein henützen den Muth und miethen den Arm Anderer.“ Rienzi ſchwieg. Er hatte ſeinen Gefangdnen los⸗ gelaſſen und ſtand ihm gegenüber; jeden Augenblick betrachtete er ſein Geſicht und verſank dann wieder in Nachdenken. Als er endlich ſeine Augen in dem kleinen Zimmer umherlaufen ließ, in welches ſie auf eine ſo ſonderbare Weiſe gekommen waren, bemerkte er eine Art von Kabinet, worin die Prieſterröcke und einige Gegenſtände für den heiligen Dienſt enthalten waren. Dieſes bot ihm auf einmal einen Ausweg aus ſeiner Verlegenheit; er deutete darauf hin— „Hier, Rudolph von Sachſen ſollſt Du einen Theil dieſer Nacht zubringen— eine kleine Buße für Dein beabſichtigtes Verbrechen, und morgen, wenn Dir Dein Leben lieb iſt, wirſt Du Alles entdecken.“ „Hört, Tribun,“ verſetzte der Sachſe mürriſch, „meine Freiheit iſt in Eurer Gewalt, aber weder meine 394 Zunge, noch mein Leben. Wenn ich mich in bieſes„Per Loch einſperren laſſe, mußt Du mir auf den Kreuz⸗ Humor griff des Dolches in Deiner Hand ſchwören, daß Du götzte;„ mich, nachdem ich Alles, was ich weiß, bekannt, mir gern begnadigen und in Freiheit ſetzen willſt; derer, die geduldig mich gedungen, ſind genug, um Deine Wuth zu be⸗ len Jah: friedigen, und wäreſt Du ein Tiger. Wenn Du nicht hätte wi hierauf ſchwöreſt——“ meiner „Ach, mein beſcheidener Freund!— was dann?“ verrichte „Dann zerſchmettre ich mir das Hirn an ver ſtei⸗„Icd nernen Mauer! Beſſer ein ſolcher Tod, als die band,“ Folter!“ Wänden „Thor, an Leuten, wie Du, brauche ich mich nicht„Se zu rächen. Sei aufrichtig, ſo ſchwöre ich Dir, daß zelnd; Du zwölf Stunden nach Deinem Geſtändniſſe wohl⸗ um Die behalten und unverletzt außerhalb der Mauern Roms haben, ſtehen ſollſt. So wahr mir Gott helfe und ſeine Hie Heiligen.“ Dolch« „Ich bin zufrieden!— Donner und Hagel, ich darauf habe lange genug gelebt, um nur für mein eigenes ablaſſu Leben zu ſorgen und dann gleich für das des großen nahm 3 Capitäns;— im Uebrigen frage ich nicht darnach, Thüre, ob Ihr Südländer Euch die Gurgeln abſchneidet und und kel ganz Italien zu einem Grabe macht.“ den Ve Mit dieſen wohlwollenden Worten trat Rudolph ſein Le in das Kabinet; aber ehe Rienzi die Thüre ſchließen Be konnte, trat er wieder heraus— merun „Halt,“ ſagte er;„das Blut fließt ſtark. Helfſt„aus, 1 mir die Wunde verbinden, oder ich verblute mich vor wächte meinem Bekenntniſſe.“ Leute d ſeine el, ich eigenes großen arnach, et und udolph hließen Helft ch vor „Per fede,“ ſagte der Tribun, deſſen ſeltſamer Humor an der kalten Kühnheit des Mannes ſich er⸗ götzte;„aber abgeſehen von dem Dienſte, den Du mir gerne geleiſtet hätteſt, biſt Du der angenehmſte, geduldigſte, unerſchrockenſte Burſche, den ich ſeit vie⸗ len Jahren geſehen. Gib mir Deinen Gürtel. Ich hätte wohl nicht gedacht, daß ich am erſten Abende meiner Ritterſchaft ein ſo menſchenfreundliches Werk verrichten würde!“ „Ich meine dieſe Röcke wären ein beſſerer Ver⸗ band,“ ſagte Rudolph und deutete auf die an den Wänden aufgehängten Prieſtergewänder. „Schweige, Schurke,“ ſagte der Tribun ſtirnrun⸗ zelnd;„keine Entheiligung! Da Du aber ſo ſehr um Dich beſorgt biſt, ſo ſollſt Du meine Schärpe haben, Dich zu verbinden.“ Hiemit verband ihm der Tribun, nachdem er den Dolch auf den Boden gelegt und vorſichtig den Fuß darauf geſetzt hatte, das verwundete Glied, eine Her⸗ ablaſſung, für welche ihm Rudolph kurz dankte; dann nahm er Waffe und Lampe wieder auf, ſchloß die Thüre, ſchob den langen ſchweren Riegel außen vor und kehrte voll tiefer und entrüſteter Gedanken über den Verrath, dem er ſo glücklich entgangen war, auf ſein Lager zurück. Bei dem erſten grauen Strahl der Morgendäm⸗ merung ging er zu der großen Thüre der Kirche hin⸗ aus, rief die Schildwache, einen ſeiner eigenen Leib⸗ wächter, und befahl ihm, geheim und jetzt, ehe die Leute auf den Beinen wären, den Gefangenen in 396 einen der geheimen Kerker des Capitols zu bringen. „Sei verſchwiegen,“ ſagte er;„äußere gegen Nie⸗ mand ein Wort davon; gehorche und Du ſollſt beför⸗ dert werden. Wenn Du dies heſorgt, ſuche den Rath Pandulpho di Guido und ſage ihm, er möchte zu mir hierher kommen, ehe die Menge ſich verſammelt.“ Hierauf ließ er den Soldaten ſeine ſchweren Eiſen⸗ ſchuhe ablegen, führte ihn durch die Kirche, übergab Rudolph ſeiner Obhut, ſah ſie abgehen und nach wenigen Minuten hörten die Männer in der nahe gelegenen Kapelle ſeine Stimme und er ſah ſich von ſeinem Gefolge umgeben, Er ſtand ſchon in ein weites, mit Pelz verbrämtes Gewand gehüllt auf dem Eſtrich: ſein durchdringen⸗ der Blick prüfte genau und ſorgfältig das Angeſicht eines Jeden, der ſich nahte. Zwei von den Baronen aus der Famile Fangipani verriethen einige Zeichen von Beſtürzung und Verlegenheit, ſammelten ſich aber bei der unbefangenen Begrüßung des Tribuns gleich wieder. Aber alle Kunſt Savelli's konnte es nicht verhin⸗ dern, daß ſeine Züge dem gleichgültigſten Auge den Schrecken ſeiner Seele verrathen hätten;— und als er Rienzi's durchvringenden Blick auf ſich ruhen fühlte, zitterte er an allen Gliedern. Indeſſen ſchien Rienzi allein ſeine Unruhe nicht zu bemerken, und als Vico di Seotto, ein alter Ritter, aus deſſen Händen er ſein Schwert empfing, ihn fragte, wie er die Nacht zugebracht, erwiderte er heiter: „Gut, gut— mein tapferer Freund! über einem neuen Ritter wacht immer ein guter Engel. Signor Luca di ſchlafen bedeuten teres Bl Bl an dem ſiehe! a Tropfen „Nu ungeſchi kleiden ſeine S Die velli leh das übr „D es iſt e phezeih Schwert ſein mu ich. Ni ſtärker, vermutl dung de müſſen ſie — wil dieſen Unt flüſterte ringen⸗ ngeſicht en aus en von ber bei wieder. verhin⸗ ge den nd als fühlte, Rienzi Vico den er Nacht einem ignor 397 Luca di Savelli, ich fürchte, Ihr habt ſchlecht ge⸗ ſchlafen; Ihr ſcheint blaß. Doch, das hat nichts zu bedeuten,!— unſer heutiges Bankett wird Euer mun⸗ teres Blut bald wieder in Umlauf bringen“ „Blut, Tribun!“ ſagte di Seotto, der keine Schuld an dem Anſchlage hatte;„Du ſprachſt von Blut und ſiehe! auf dem Boden ſind große, noch nicht trockene Tropfen Blutes.“ „Nun, fort mit Dir, alter Held, daß Du meine Ungeſchicklichkeit verräthſt! Ich ritzte mich beim Ent⸗ kleiden mit meinem Dolche. Dank dem Himmel, daß ſeine Spitze nicht vergiftet war!“ Die Frangipani wechſelten Blicke— Luca di Sa⸗ velli lehnte ſich an eine Säule, um ſich zu halten— vas übrige Gefolge ſchien ernſt und überraſcht. „Denkt nicht daran, meine Herren,“ ſagte Rienzi, es iſt eine gute Vorbedeutung und eine wahre Pro⸗ phezeihung. Es bedeutet, daß derjenige, welcher ſein Schwert für das Wohl des Staates umgürtet, bereit ſein muß, ſein Blut für ihn zu vergießen; das bin ich. Nichts mehr davon— ein bloßer Ritz; es blutete ſtärker, als ich von einer ſo unbedeutenden Wunde vermuthet hätte, und erſpart dem Arzte die Anwen⸗ dung der Lanzette. Wie ſchön der Tag anbricht! Wir müſſen uns bereiten, unſere Mitbürger zu empfangen — ſie werden bald hier ſein. Ha, mein Pandulpho — willkommen! Du, mein alter Freund, ſollſt mir dieſen Mantel umlegen!“ Und während Pandulpho hiemit beſchäftigt war, fläſterte ihm der Tribun einige Worte in das Ohr, 398 die, nach ſeiner lächelnden Miene zu urtheilen, ſeinen Begleitern einer der vertraulichen Scherze zu ſein ſchienen, welche Rienzi in ſeine Unterredung mit ſeinen vertrauteren Freunden zu miſchen pflegte. Sechstes Kapitel. Die feierliche Vorladung. Die Glocke der großen Laterankirche ertönte gellend und laut, als die ungeheure Menſchenmaſſe, größer noch, als am vorhergehenden Abende, heranwogte. Die hiezu aufgeſtellten Diener machten mit Mühe Platz für die Edeln und Geſandten, und kaum waren dieſe vornehmeren Beſucher eingelaſſen, ſo drängte ſich die Menge ihnen nach, ſtürzte ſich haſtig in die Kirche und eilte nach der Kapelle Bonifacius VIII. Indem ſie hier jeden Winkel anfullten und den Eingang ver⸗ ſperrten, ſahen die Glücklicheren von dem Gedränge den Tribun, umgeben von dem glänzenden Hofe, den ſein Geiſt um ihn verſammelt, ſein Glück ihm unter⸗ worfen hatte. Als endlich die feierliche, heilige Mufik, als Vorſpiel für die feierliche Meſſe, durch das Ge⸗ bäude zu ſchwellen anfing, trat der Tribun vor, und der Eindruck, welchen das Verſtummen der Muſik machte, wurde noch größer durch die gänzliche Todten⸗ ſtille der Zuhörer. Seine Größe, ſeine Haltung, ſeine Züge waren diejenigen, welche immer der Menge Auf⸗ merkſamkeit gebieten, und damals wurden ſie noch weit mehr gehoben durch das Intereſſe der Veran⸗ laſſung u zurückged des Redn „Es bedächtlic diktion, n lament u beſtätigt das Geſe deſſen R des römif ſtadt der Kirche, ſ liens vor und derſ daß die ſchen Re geſammte fordern p Herzog welche ſie vor uns heute un zu verth innerhal! den Fürſ Fürſt od Kaiſerth alten, u dem rön ſeinen gellend größer te. Die e Platz en dieſe ſich die Kirche Indem ing ver⸗ eränge e, den unter⸗ Muſik, as Ge⸗ or, und Muſik Todten⸗ g, ſeine ge Auf⸗ ſie noch Veran⸗ * laſſung und den eigenthümlichen Ausdruck tiefen, aber zurückgedrängten Eifers, vielleicht die einzige Gabe des Redners, welche nur die Natur verleihen kann. „Es ſei hiemit verkündigt,“ ſagte er langſam und bedächtlich,„kraft der Autorität, Macht und Juris⸗ diktion, welche das römiſche Volk im allgemeinen Par⸗ lament uns übertragen und der Papſt als Oberherr beſtätigt hat, daß wir, nicht undankbar weder gegen das Geſchenk und die Gnade des heiligen Geiſtes— deſſen Ritter wir jetzt find— noch gegen die Gunſt des römiſchen Volkes, erklären, daß Rom, die Haupt⸗ ſtadt der Welt und der Grundpfeiler der chriſtlichen Kirche, ſowie alle Städte, Staaten und Völker Ita⸗ liens von nun an frei ſeien. Kraft dieſer Freiheit und derſelben geheiligten Autorität verkündigen wir, daß die Wahl, Jurisdiktivn und Monarchie des römij⸗ ſchen Reiches Rom, dem römiſchen Volke und dem geſammten Italien zuſteht. Wir laden daher ein und fordern perſönlich auf, die erlauchten Fürſten: Ludwig, Herzog von Baiern und Karl, König von Böhmen, welche ſich ſelbſt Kaiſer von Italien zu nennen pflegen, vor uns oder den anderen Magiſtraten Roms zwiſchen heute und Pfingſten zu erſcheinen, um ihre Anſprüche zu vertheidigen und zu beweiſen. Ebenſo laden wir innerhalb derſelben Zeit vor: den Herzog von Sachſen, den Fürſten von Brandenburg und Jeden— Monarch, Fürſt oder Prälat— der ſich ein Wahlrecht für den Kaiſerthron anmaßt— ein Recht, das, wie wir ſeit alten, undenklichen Zeiten aufgezeichnet finden, allein dem römiſchen Volke zuſteht— und zwar zur Wah⸗ 400 rung unſerer bürgerlichen Freiheiten ohne Schmälerung der geiſtlichen Gewalt der Kirche, des Papſtes und des heiligen Collegiums.* Herold, verkündige die Vor⸗ *Itutto senza derogare all' autoritä della Chiesa, del Papa e del Saero Collegio.— So ſchließt dieſe außer⸗ ordentliche Vorladung, dieſe kühne und wunderbare Behauptung der klaſſiſchen Unabhängigkeit Italiens in der feudalſten Zeit des vierzehnten Jahrhunderts. Der anonyme Biograph Rienzi's be⸗ hauptet, der Tribun habe auch den Papſt und die Carvinäle aufgefordert, ihren Sitz in Rom zu nehmen. De Sade wider⸗ legt dieſen Zuſatz zu Rienzi's Kühnheit oder Abenteuerlichkeit gründlich und unbeſtreitbar. Gibbon indeſſen, der das Uebrige der Citativn in abgebrocheneren und unhöflicheren Ausdrücken gegeben hat, als er durch irgend eine Autorität ermächtigt war, wiederholt den groben Mißgriff des Biographen und ſtichelt auf De Sade, welcher Beweiſe beibringe,„mehr des Anſtandes halber, als daß ihnen wirkliches Gewicht innwohne.“ Ohne den Leſer mit all ven Beweiſen des gelehrten Abbé zu ermüden, möge die Anführung der beiden Erſten genügen. 1.„Alle anderen gleichzeitigen Geſchichtſchreiber, welche dieſes Ereigniß abgehandelt haben, G. Villani, Hokſemius, die Hand⸗ ſchriften des Vatican und andere Chronikenſchreiber, welche die Vorladung pes Koiſers und der Cburfürſten anführen, ſagen nichts von einer ſolchen des Papſtes und der Cardinäle, und ver Papſt(Clemens VI.) ſchweigt in ſeinen ſpäteren Anklagen Rienzi's, während er doch ſehr erbittert über die Vorladung des Kaiſers iſt, gänzlich üͤber das, was für den Papſt eine viel bedeutendere Beleidigung geweſen wäre, über ſeine und der Car⸗ dinäle Vorladung.“ 2.„Die wörtliche Akte dieſer Citation, wie ſie förmlich im Lateran verkündigt wurde, iſt bei Hokſemius noch vorhanden (von wo auch, obgleich nicht in ihrer ganzen Ausvehnung, die Rede in dem Terte unſerer gegenwärtigen Erzählung entnommen iſt), und in dieſem Dokumente ſind der Papſt und die Kardinäle nicht namentlich vorgeladen.“ Gibbons ganzer Bericht über Rienzi iſt oberflächlich und ladung Form, geben n Als Freiheit kana u Die Ge Partei Verwun Barone ſchlagen Stephat achtung der Bür großart eröffnet dem Gl einem i nicht be mit die Wä ungetreu. ſo oft di ſtaltet, j zugeſteht wöhnliche nur als in Gibbo Hampden lichkeit u von einer Bul ieſe außer⸗ gehauptung en Zeit des ienzi's be⸗ Cardinäle ade wider⸗ teuerlichkeit as Uebrige Ausdrücken ichtigt war, ſtichelt auf ides halber, eden Leſer „möge die velche dieſes die Hand⸗ welche die ren, ſaen inäle, und n Anklagen rladung des ſt eine viel d der Car⸗ örmlich im vorhanden hnung, die entnommen e Kardinäle ächlich und 401 ladung in ihrer vollen Ausdehnung und regelmäßigen Form, wie ſie geſchrieben und Deinen Händen über⸗ geben wurde, außerhalb dem Lateran.“ Als Rienzi dieſe kühne Proklamation von Ztaliens Freiheit ſchloß, murmelten die Geſandten von Tos⸗ kana und einigen andern freien Staaten leiſe Beifall. Die Geſandten der Staaten, welche anſcheinend zur Partei des Kaiſers hielten, ſahen ſich ſchweigend in Verwunderung und Beſtürzung an. Die römiſchen Barone ſtanden mit ſtummem Munde und niederge⸗ ſchlagenen Augen da; nur über das greiſe Antlitz Stephan Colonna's zog ſich ein Lächeln, halb der Ver⸗ achtung, halb des Triumphs. Aber die große Maſſe der Bürger war von Worten hingeriſſen, die eine ſo großartige Ausſicht, wie die Emanecipation Italiens eröffneten, und ihre Ehrfurcht vor der Macht und dem Glücke des Tribuns war beinahe die, welche man einem überirdiſchen Weſen ſchuldig iſt, ſo daß ſie ſich nicht bei der Berechnung der Mittel aufhielten, welche mit dieſer Prahlerei im Verhältniß ſtanden. Während ſein Auge über die Menſchenmenge, die ungetreu. Dem kalten und höhniſchen Skepticismus, welcher ſo oft die rieſenhaften Werke dieſes großen Schriſtſtellers verun⸗ ſtaltet, jenem aufrichtigen und drängenden Enthuſiasmus nichts zugeſteht und in Sachen der Freiheit oder der Religion die ge⸗ wöhnliche Quelle kühner Thaten iſt, erſcheint der große Römer nur als ein ehrgeiziger und phantaſtiſcher Narr. Was würde in Gibbons Händen Cromwell geworden ſein? was Vane? was Hampden? Der Pedant Julian mit ſeiner ſchmutzigen Perſön⸗ lichkeit und ſeiner prahleriſchen Affektation war Gibbons Weal von einem großen Manne. Bulwer, Rienzi. I. 25 402 ſchimmernde Verſammlung in ſeiner Nähe, die ihm ergebene Maſſe in der Ferne hinflog— als das Ge⸗ murmel von Tauſenden und Zehntauſenden auf dem äußern Raume vor dem Palaſte Conſtantins(ietzt dem ſeinigen!) zu ſeinem Ohr drang, welche Gut und Blut ſeiner Sache zu weihen ſchworen; in der Flut des Glückes, das bis jetzt noch keine Hemmung erfahren hatte; in dem Zenith der Macht, die bis jetzt nichts von Widerwärtigkeiten wußte, ſchwoll das Herz des Tribuns ſtolz auf; Träume von unermeßlichem Ruhme und grenzenloſer Herrſchaft— Ruhm und Herrſchaft, wie ſie früher ſein geliebtes Rom beſeſſen und die er wiederherſtellen wollte, ſchwebten vor ſeinen trun⸗ kenen Blicken, und in der wahnſinnigen leidenſchaft⸗ lichen Aufregung des Augenblickes ſchwang er ſein Schwert nacheinander gegen die drei Gegenden ver damals bekannten Welt und ſagte mit zerſtreuter Stimme, wie ein Mann, der träumt:„Im Namen des römiſchen Volkes— alles dieſes iſt mein!““ So leiſe ſeine Stimme hiebei war, ſo wurde doch die abenteuerliche Prahlerei von allen Umſtehenden ſo deutlich verſtanden, als hätte ſie der Donner ihnen zugetragen. Und vergebens verſuchte man, die ver⸗ ſchiedenen Gefühle, die ſie erregt, zu beſchreiben; die überſpanntheit hätte den Hohn ſeiner Feinde, die Be⸗ trübniß ſeiner Freunde erregt, ohne das Weſen des Redners, das, feierlich und gebieteriſch, Vernunft und Haß zur Ehrfurcht vereinigte; nachher ins Gedvächtniß zurückgerufen und wiederholt, entblößt von dem Zau⸗ *Duesto e mio.. ber, erſuh tigur den„ ein L wie 1 Auge geſtre Weite hoch ſeine den 1 murm tönte lien: lichen um z plötzl billig ſtes 1 ſchwe und remo legen ner war, zu: ren erſchaft, und die ntrun⸗ nſchaft⸗ er ſein den der rſtreuter Namen nein!“* rde doch enden ſo inen die ver⸗ ben; die die Be⸗ eſen des unft und vächtniß em Zau⸗ ber, den ihnen derjenige, der ſie geſprochen, verlieh, erſuhren dieſe Worte die kalte Verdammung der Rich⸗ tigurtheilenden; aber in dieſem Augenblicke ſchien für den Helden des Volkes alles möglich. Er ſprach wie ein Begeiſterter— ſie zitterten und glaubten, und wie von dem Schauſpiele hingeriſſen, ſtand er einen Angenblick ſchweigend da, den Arm noch immer aus⸗ geſtreckt— ſein dunkles, weitgeöffnetes Auge in die Weite ſtierend, der Mund offen, ſein ſtolzes Haupt hoch und erhaben über die Menge hervorragend— ſeine Begeiſterung entzündete die der niederer ſtehen⸗ den und entfernteren Zuſchauer, und ein tiefes Ge⸗ murmel von Einem angefangen, verbreitete ſich und tönte laut von allen Seiten:„Der Herr iſt mit Ita⸗ lien und Rienzi!“ Der Tribun wandte ſich um und ſah den päpſt⸗ lichen Vikar erſtaunt und verwirrt, der eben aufſtand, um zu ſprechen. Beſinnung und Vorſicht kehrten ihm plötzlich zurück, und entſchloſſen, die gefährliche Miß⸗ billigung ſeiner Kühnheit durch die Autorität des Pap⸗ ſtes niederzuſchlagen, die ſchon auf Raimunds Lippen ſchwebte, gab er ſchnell den Muſikern einen Wink, und der feierlich erſchallende Geſang der heiligen Ce⸗ remonie benahm dem Biſchof von Orvieto alle Ge⸗ legenheit zu einer Erwiderung oder Entbürdung ſei⸗ ner ſelbſt. In dem Augenblicke, wo die Ceremonie vorüber war, berührte Rienzi den Biſchof und flüſterte ihm zu:„Wir wollen dies zu Eurer Zufriedenheit erklä⸗ ren Ihr ſpeiſet mit uns im Lateran.— Euern Arm.“ 404 Auch ließ er den Arm des guten Biſchofs nicht eher wieder los oder vertraute ihn anderer Geſellſchaft an, als bis unter dem ſtürmiſchen Schmettern von Hör⸗ nern und Trompeten, Trommeln und Cymbeln und unter einem Volkszuſammenlaufe, wie er vielleicht an derſelben Stelle bei Conſtantins legendenhafter Taufe ſtattgefunden hatte, der Tribun und ſeine Edeln durch die großen Thore des Lateran, damals des Palaſtes der Welt, eingetreten waren. Sy endete dieſe merkwürdige Ceremonie und die ſtolze Herausforderung der nordiſchen Mächte zu Gun⸗ ſten der Freiheit Italiens, die, wäre ſie von einem glücklichen Erfolge begleitet geweſen, als eine erha⸗ bene Kühnheit geprieſen worden wäre, die aber, da ſie ohne Erfolg blieb, von dem Pöbel als toller über⸗ muth ausgelegt wurde; die aber gleichwohl, wenn man alle den Tribun drängenden Verhältniſſe und alle ihn umgebende Macht ins Auge faßt, vielleicht noch nicht ganz ſo unklug war, als ſie erſchien. Und ſelbſt dieſe Unklugheit im ſtrengſten Sinne genommen— wird ſie dem durchdringenden Beobachter großartiger Cha⸗ raktere wahrſcheinlich als die glänzende Thorheit einer kühnen Natur erſcheinen, welche durch Verhältniſſe und Glück, durch religiöſe Leichtgläubigkeit, patriv⸗ tiſche Beſtrebungen, gelehrte Geſichte, welche zu ſchnell aus dem Traume zur Wirklichkeit geworden, hinaus⸗ geführt wurde über die Grenzen der klugen, irdiſchen Politik, welche die Waffe ſchärft, ehe ſie den Hand⸗ ſchuh hinwirft. Da prächti des Ce bürger Grade Geprät derte, ſpiel v für das möget welche floſſen den N Conſta ſtes, a mit S und G den. Tribur die De ſo vo! gute 2 fuhr Wenn ſo ſah der R cht eher haft an, n Hör⸗ eln und leicht n Taufe ln durch Palaſtes und die zu Gun⸗ n einem ne erha⸗ ber, da er über⸗ enn man alle ihn och nicht lbſt dieſe — wird ger Cha⸗ eit einer hältniſſe patrio⸗ zu ſchnell hinaus⸗ irdiſchen nHand⸗ 405 Sie bentes Kapitel. Das Feſt. Das Feſt an dieſem Tage war bei weitem das prächtigſte, das man bis jetzt geſehen. Der Wink des Ceeco del Vecchio, der den Charakter ſeiner Mit⸗ bürger, wie er noch jetzt, nur nicht in ſo hohem Grade, iſt, hinſichtlich ihrer Vorliebe für feſtliches Gepränge und prächtige Schauſpiele ſo treffend ſchil⸗ derte, war für Rienzi nicht verloren. Nur ein Bei⸗ ſpiel von dem ungeheuren Bankett, in der That mehr für das Volk, als für die höheren Stände berechnet, möge die mehr als königliche Verſchwendung darthun, welche dabei herrſchte. Vom Morgen bis zum Abend floſſen Ströme von Wein, wie ein Brunnen, aus den Nüſtern des Pferdes an der großen Reiterſtatue Gonſtantins. Die ungeheuern Säle des Lateranpala⸗ ſtes, allen Ständen geöffnet, waren aufs Reichlichſte mit Epeiſen aller Art beſetzt; Spiele, Beluſtigungen und Gauklereien jener Zeit waren in Fülle vorhan⸗ den. In einem abgeſonderten Saale bewirthete die Tribuneſſa, wie man Nina etwas unklaſſiſch nannte, die Damen Roms, und der Tribun hatte Raimund ſo vollkommen beſchwichtigt oder verſöhnt, daß der gute Viſchof— der Einzige, dem dieſe Ehre wider⸗ fuhr— ſeinen beſonderen Tiſch mit ihm theilte. Wenn das Auge vurch alle Säle und Hallen ſtreifte, ſo ſah es die Räume gefüllt von all dem Adel und der Ritterſchaft— dem Reichthum und der Macht 406 — der Gelehrſamkeit und Anmuth von Italiens Haupt⸗ ſtadt, vermiſcht mit Geſandten und edeln Fremden, ſogar von jenſeits der Alpen;“— Abgeordneten nicht nur von den Freiſtaaten, welche die Erhebung des Tribuns mit Jubelgeſchrei aufnahmen, ſondern auch von den hochgeborenen und hochmüthigen Tyrannen, welche im Anfange ſeine Anmaßung verlacht hatten und jetzt vor ſeiner Macht ſich bückten. Da waren nicht nur die Geſandten von Florenz, von Sienna, vyn Arezzo, das ſich zuletzt der Herrſchaft des Tri⸗ buns unterwarf, von Lodi, von Spoleto und zahl⸗ loſen anderen kleineren Städten und Staaten, ſondern auch von dem finſtern und ſchrecklichen Viseonti, Für⸗ ſten von Mailand, von Obizzo von Ferrara und den tyranniſchen Regenten von Verona und Bologna; ſogar der ſtolze und verſchlagene Maleteſta, Herrn von Rimini, deſſen Arm ſpäter für eine Weile die Macht Walters von Montreal, an der Spitze ſeiner großen Compagnie, brach; hatte ſeinen Stellvertreter in der Perſon ſeines geehrteſten Edelmannes geſchickt. Johann von Vieco, der ſchlimmſte und bösartigſte Deſpot ſeiner Zeit, der ernſtlich den Waffen des Tri⸗ buns Trotz geboten, war jetzt, unterworfen und ge⸗ demüthigt, in Perſon zugegen; und die Geſandten von Ungarn und Neapel miſchten ſich unter die von Baiern und Böhmen, deren Fürſten an jenem Tage vor den römiſchen Gerichtshof geladen worden waren. * Der einfältige und leichtgläubige Biograph Rienzi's ſagt, ſein Ruf ſei bis zu den Ohren des Sultans von Babylon ge⸗ drungen. Das Sck len und und das der Ban ven Gall cher Ma Ritterſch der feud und ſchr in dieſer dieſes E ſich gekt ſich mit vergang heſten Leben ge und den rath bei in alten aufdrän erſtarrte Wä Rienzi' einigen beugte Botſcha „M ternd, eine Eh Einladr Haupt⸗ remden, en nicht ung des rn auch rannen, hatten waren Sienna, es Tri⸗ nd zahl⸗ ſondern ti, Für⸗ und den ologna; „Herrn Beile die ze ſeiner vertreter geſchickt. sartigſte des Tri⸗ und ge⸗ eſandten die von m Tage n waren. nzi's ſagt, bylon ge⸗ 407 Das Schwanken von Federn, das Blitzen der Juwe⸗ len und Goldſtoffe, das Rauſchen von Seideſtoffen und das Klingen von goldenen Sporen, das Wehen der Banner von der Decke, die Töne der Muſik von ven Gallerien oben, Alles bot ein Gemälde von ſol⸗ cher Macht und Herrlichkeit— einen Hof und eine Ritterſchaft von ſolchem Glanze dar, daß die größten der feudalen Könige es vielleicht mit funkelndem Auge und ſchwellender Bruſt mit angeſehen hätten. Aber in dieſem Augenblicke ſaß der Schöpfer und Herr all dieſes Glanzes, von ſeiner kürzlichen Fröhlichkeit zu ſich gekommen, trübſinnig und zerſtreut da, erinnerte ſich mit gedankenvoller Stirne an das Abenteuer der vergangenen Nacht und dachte, daß unter ſeinen fro⸗ heſten Gäſten der Mann lauere, der ihm nach dem Leben getrachtet. Mitten unter dem Wogen der Muſik und dem Gepränge der Menge fühlte er ſich von Ver⸗ rath bedroht, und das Bild eines Skelettes, das wie in alten Zeiten, ſeinen ſchaurigen Gedanken dem Feſte aufdraͤng, verdunkelte des Weines Purpurfarbe und erſtarrte den Glanz des Schauſpieles. Während des lärmendſten Feſtgetöſes ſah man Rienzi's Pagen durch den Vankettſaal ſchlüpfen und einigen der Edelleute etwas zuflüſtern; Jeder ver⸗ beugte ſich tief, wechſelte aber die Farbe, als er die Botſchaft erhielt. „Mein Herr Savelli,“ ſagte Orfini, ſelbſt zit⸗ ternd,„zeigt doch mehr Muth. Nicht ſich rächen, eine Ehre will man uns erweiſen. Ich denke, Eure Einladung lautet wie die meinige.“ 408 „Er— er— bittet— bittet mich, auf dem Ca⸗ pitol zu Nacht zu ſpeiſen; ein freund— ſchaftliches Mahl—(die Peſt über ſeine Freundſchaft!)— nach dem geräuſchvollen Tag.“ „Daſſelbe iſt auch mir entboten!“ ſagte Orfini, zu einem der Frangipani ſich wendend. Diejenigen, welche die Einladung erhalten hatten, brachen bald von dem Feſte auf, ſammelten ſich in eine Gruppe und beſprachen ſich lebhaft. Einige wa⸗ ren für Flucht, aber Flucht hieß mit anderen Worten Geſtändniß; ihre Anzahl, ihr Rang, ihre lange un⸗ angetaſtete Strafloſigkeit gab ihnen wieder Muth und ſie beſchloſſen, zu gehorchen. Der alte Colonna, der einzige ſchuldloſe Baron unter den geladenen Gäſten, war auch der Einzige, der die Einladung ablehnte. „Pah!“ ſagte er mürriſch,„es iſt hier des Schmau⸗ ſens genug für einen Tag! Sagt dem Tribun, ich hoffe, ehe er zu Nacht ſpeist, ſchon zu ſchlafen. Graue Haare können nicht das ganze Luſtbarkeitsfieber durchmachen.“ Als Rienzi aufſtand, um ſich zu entfernen, was er bald that, denn das Bankett hatte noch Morgens angefangen, begann Raimund, begierig, ſich loszu⸗ machen und mit einigen ſeiner geiſtlichen Freunde über den dem Papſte zu machenden Vericht ſich zu beſpre⸗ chen, ſein Lebewohl auszudrücken, aber der unharm⸗ herzige Tribun ſagte ernſt zu ihm:„Mein Herr, wir haben Euch bei einem dringenden Geſchäfte auf dem Capitol nöthig. Ein Gefangener— eine Un⸗ terſuchung— vielleicht(ſetzte er mit unglückſchwan⸗ gerem, prophetiſchem Stirnrunzeln hinzu) eine Hin⸗ richtung wartet auf uns! Kommt.“ „Wahrhaftig, Tribun,“ ſtammelte der gute Bi⸗ ſchof,„dies iſt eine ſeltſam gewählte Zeit für eine Hinrichtung!“ „Die vergangene Nacht war eine noch ſeltſamere ſich in Zeit.— Kommt!“ tige wa⸗ In der Art, wie die letzten Worte ausgeſprochen Worten wurden, lag etwas, dem Raimund nicht zu wider⸗ nge un⸗ ſtehen vermochte. Er ſeufzte, murmelte, zupfte an ſeinen Kleidern und folgte dem Tribun. Als dieſer durch die Hallen ſchritt erhob ſich die Geſellſchaft auf allen Seiten. Lächelnd und durch Zuflüſterungen of⸗ fener Höflichkeit und gewinnender Freundlichkeit er⸗ widerte Rienzi ihre Begrüßungen. Jung, wie er bun, ich war, und von ſchönem, edlem Außern, das durch den ſchlafen. glänzenden Anzug und noch mehr durch den Ausdruck itsfieber geiſtiger überlegenheit in Stirn und Auge hervortrat, welch letzterer natürlich die weniger gebildeten Herren en, was jenes dunkeln Zeitalters entbehrten,— glänzte er Morgens unter dem verſammelten Hofe, wie ein Mann, wür⸗ loszu⸗ 3 dig, denſelben zu bilden, und geſchickt, ihn zu be⸗ nde über ₰ herrſchen; und ſeine angebliche Abſtammung von dem beſpre⸗ deutſchen Kaiſer, die ſeit ſeiner Größe im Auslande inbarm⸗ überall verbreitet und geglaubt wurde, ſchien den n Herr, fremden Herren unverkennbar in der Hoheit ſeiner ifte auf Miene und der leichten Anmuth ſeiner Anrede. ine Un⸗„Mein Herr Präfekt,“ ſagte er zu einem dü⸗ ſchwan⸗ ſteren, verdrießlichen, in ſchwarzem Sammt gekleideten Manne, dem mächtigen und anmaßenden Johann di * 41⁰ Vico, Präfekt von Rom,„wir ſind erfreut, einen ſo edeln Gaſt in Rom zu treffen; wir müſſen die Ar⸗ tigkeit dadurch erwidern, daß wir in Kurzem Euch in Eurem Palaſte überraſchen;— auch werdet Ihr, Signor(wandte er ſich zu dem Geſandten von Ti⸗ voli), uns ein Obdach unter Euern Höhlen und Waſſer⸗ fällen nicht verſagen, ehe die Weinleſe beginnt. Mich dünkt, Rom ſöhnt ſich, vereint mit dem lieblichen Tivoli, wieder mit den Muſen aus. Euer Prozeß iſt gewonnen, Meiſter Venoni; der Rath anerkennt Euer Recht; aber ich behielt die Neuigkeit für den Feiertag auf— Ihr tadelt mich deßhalb nicht, hoffe ich.“ Dieſe Worte wurden mit halb herzlicher Offen⸗ heit einem würdigen Bürger zugeflüſtert, der mitten unter ſo vielen Großen leicht der Beachtung des Tri⸗ buns hätte entgehen können; aber es war Politik bei Rienzi, denjenigen, welche Handelsgeſchäfte trieben, eine ganz beſondere Aufmerkſamkeit zu beweiſen. Als er, nachdem er einige Augenblicke mit dem Kaufmann geſprochen, weiter ging, fiel ſein Blick auf die hohe Geſtalt des alten Colonna. „Signor,“ ſagte er mit einer tiefen Verbeugung⸗ aber auch mit einem gewiſſen Nachdruck im Ton⸗ „Ihr werdet uns dieſen Abend nicht fehlen.“ „Tribun——“ begann der Colonna. „Wir nehmen keine Entſchuldigung an,“ unter⸗ brach ihn der Tribun haſtig und ging weiter. Einige Augenblicke blieb er bei einer kleinen Gruppe von einfach gekleideten Männern ſtehen, die ihn mit geſpannter Aufmerkſamkeit betrachteten; denn auch ſie er Offen⸗ er mitten eiſen. Als Kaufmann f die hohe erbeugung, im Ton, n.“ uter⸗ ter. en Gruppe ie ihn mit nn auch ſie 41¹ waren Gelehrte und ſahen in Rienzi's Erhebung einen neuen Beweis der wunderbaren und plötzlichen Macht, welche ver Geiſt über thieriſche Kraft zu erringen an⸗ fing. Bei dieſen ließ der Tribun, als wäre er plötz⸗ lich unter ihm verwandten Geiſtern, allen Ernſt von ſeiner Stirne verſchwinden. Glücklicher vielleicht wäre ſeine Laufbahn— unzweifelhafter ſein Nachruhm ge⸗ weſen— hätte ſein Geiſt das gleiche Ziel verfolgt! „Ah, carissime!“ ſagte er zu Einem, indem er veſſen Arm in den ſeinigen legte,—„wie geht es mit Deiner Erklärung der alten Marmorbilder?— halb in Ordnung? Das freut mich zu hören! Beſuche mich doch, wie früher, ich bitte Dich. Morgen— nein, auch übermorgen nicht, aber kommende Woche— werden wir einen ruhigen Abend haben. Geliebter Dichter, Eure Ode verſetzte mich in die Zeit des Horaz: doch dünkt mich, wir thun Unrecht, wenn wir unſere eigene Sprache gegen die lateiniſche zurückſetzen. Ihr ſchüttelt den Kopf? Nun, Petrarka denkt, wie Ihr; ſein großer Epos ſchreitet mit Rieſenſchritten voran — ſo höre ich von ſeinem Freund und Boten,— voch hier iſt er. Mein Laelius— iſt dies nicht Euer Name bei Petrarka! Wie ſoll ich mein Entzücken über ſeinen troſtreichen, begeiſternden Brief ausdrücken? Ach! er überſchätzt nicht meine Abſichten, aber meine Kräfte. Doch hievon ſpäter.“ Ein leichter Schatten verdunkelte bei dieſen Wor⸗ ten die Stirne des Tribuns; und als er zwiſchen einer langen Reihe von Edelleuten und Fürſten zu beiden Seiten weiter ging, kehrten ihm Selbſtbeherrſchung 1412 und Würde wieder, die er bei ſeinen früheren Stan⸗ desgenoſſen abgelegt hatte. So ſchritt er durch die Menge und verſchwand nach und nach. „Er benimmt ſich würdig,“ ſagte Einer, als bie Gäſte ſich wieder ſetzten.„Habt Ihr das Wir be⸗ merkt— die königliche Sprechart?“ „Aber das muß man zugeben, daß er ſie trefflich beherrſcht,“ ſagte der Geſandte des Visconti;„we⸗ niger ſtolz wäre bei ſeinem übermüthigen Hof Krie⸗ cherei.“ „Nun,“ ſagte ein Profeſſor aus Bologna,“ war⸗ um heißt man denn den Tribun ſtolz? Ich ſehe keinen Stolz an ihm.“ „Auch ich nicht,“ ſagte ein reicher Goldſchmied. Während dieſe und noch widerſprechendere Bemer⸗ kungen dem Tribun während ſeines Weggehens folg⸗ ten, trat er in den Saal, in welchem Nina ven Vor⸗ ſitz führte; und hier gewannen ihm ſeine ſchöne Per⸗ ſönlichkeit und ſeine Silberzunge(Suavis coloratae- due sententiae nach Petrarka's Beſchreibung) eine mehr allgemeine Gunſt bei den Damen, als ihm bei ihren Männern zu Theil geworden; er bildete keinen geringen Gegenſatz zu den förmlichen und kraftloſen Complimenten des guten Biſchofs, der ihm bei ſolchen Gelegenheiten zur herrlichen Folie diente. Aber ſobald dieſe Ceremonien abgethan waren und Rienzi ſein Pferd beſtieg, änderte ſich ſein Weſen plötzlich in ſtrengen, bedeutungsvollen Ernſt. „Vikar,“ ſagte er mit großer Kürze zu dem Bi⸗ ſchof,„wir möchten Eurer Gegenwart ſehr bedürftig ſein. ſitzt, u gangen mels u als O; Unt arme C nahe„ „8 Ri ſchof! boren. den Ar ſelbſt 1 Gefan nem V rend d 5 „Y hat er Roms mirz heren Stan⸗ ſie trefflich onti;„we⸗ Hof Krie⸗ gna,“ war⸗ Ich ſehe oldſchmied. ere Bemer⸗ ehens folg⸗ a den Vor⸗ chöne Per⸗ oloratae- ung) eine ls ihm bei et eien kraftloſen bei ſolchen an waren in Weſen t. dem Bi⸗ bedürftig 413 ſein. Wiſſet, daß auf dem Capitol jetzt ein Rath ſitzt, um über einen Mörder zu richten. In der ver⸗ gangenen Nacht wäre ich ohne die Gnade des Him⸗ mels unter dem Dolche eines gedungenen Mörders als Opfer gefallen. Wißt Ihr etwas davon?“ Und er ſah den Biſchof ſo ſcharf an, daß der arme Canoniſt vor Verwunderung und Schrecken bei⸗ nahe von ſeinem Pferde geſunken wäre. „Ich!—“ ſagte er. Rienzi lächelte.—„Nein, mein guter Herr Bi⸗ ſchof! Ich ſehe, Ihr ſeid nicht zum Mörder ge⸗ boren. Aber, um fortzufahren:— damit es nicht den Anſchein gewinne, als handle ich in einer mich ſelbſt betreffenden Sache, ſo befahl ich, daß man den Gefangenen in meiner Abweſenheit verhöre. In ſei⸗ nem Verhör(Ihr bemerktet den Brief, der mir wäh⸗ rend des Bankettes gebracht wurde?)——“ „Ja, und Ihr wechſeltet die Farbe.“ „Nicht ohne Grund; in ſeinem Verhör, ſage ich, hat er geſtanden, daß neun der vornehmſten Barone Roms ihn gedungen hatten. Sie eſſen heute mit mir zu Nacht!— Vikar, vorwärts!“ ——