— See e Leihbiblivthet deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur„ von Eduard Ottmaun in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. Seih und geſebedingungen. 1. Oflensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von ijedem Tag 5 Pf. bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprchende Summe i welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. 4. Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt: für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: N . ——————— auf 1 Monat: 1 Mk.— Pf. 1 Mk. 50 Pf. t— Pf. 5 AusWärtige Wonnenten haben für Hin⸗ und Zuräckſendung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. 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Pater Abraham a St. EClara, zu ſeiner Zeit einer der geſchätzteſten Schriftſteller, deutzutage bloß von wenigen Kennern aus dem Dunkel des Alterthums hervorgeſucht, verdient um ſo mehr der Vergeſſenheit ent⸗ riſſen zu werden, je ſeltener ſeine Werke, eine Schatzkammer großer Menſchenkennt⸗ niſſe, origineller Einfälle, beißender Satire und witziger Einfälle, werden.— Wer kann irgend ein Werk dieſes geiſtreichen Schrift⸗ ſtellers, abgeſehen von de Maängeln der deutſchen Sprache jener Zeiten, ohne Be⸗ friedigung ſeines Geiſtes, wenn dieſer nach Scheiterung ſich ſehnte, weglegen?— Wer muß nicht erſtaunen über die Kühnheit, mit welcher dieſer Schrift teller über die Gebre⸗ chen und Laſter der Menſchen jedes Standes ſeine ſatiriſche Geißel ſchwingt, weſſen Zwerg⸗ fell kann unerſchüttert bleiben bei ſeinen oft komiſchen Gleichniſſen, bey ſeinen wi⸗ tzigen, nicht entlehnten, ſondern originellen Einfüllen?— Pater Abrahams Werke lie⸗ fern eine ſo reichhaltige Quelle zur Unter⸗ haltung und Erheiterung ihrer Leſer, daß ſie unerſchöpflich bleiben wird. ——— ————— ——— —. — 1V Vorrede⸗ Dieſe Vorzüge der ſämmtlichen Werke Pater Abrahams a St. Clara gaben ſchon vor Jahren die Veranlaſſung, die beſten, reichhalrigſten Stellen aus ſeinen in verſchie⸗ denen Bibliotheken zerſtreuten Werken her⸗ auszuziehen, und ſo einem Publikum, das eine launige, erheiternde Lektüre liebt, eine Sammlung derſelben zu übergeben, da mit jedem Jahre Pater Abrahams Schriften ſeltener und eben ihrer Seltenheit wegen koſtſpieliger werden.— Richt unbelohnt blieb dieſes Unterneh⸗ men, Es erweckte die Erinnerung an die Verdienſte und geiſtigen Vorzüge des einſt über Alles geſchätzten, gegenwärtig aber faſt ganz vergeſſenen Pater Abrahams, und der ganz vollkommene Abſatz der erſten Auf⸗ lage dient zum Beweiſe, wie vielen dieſe Sammlung eine willkommene Erſcheinung geweſen ſeyn möge. Um jedoch Pater Abrahams Gedanken dem Geiſte unſerer Zeiten mehr anzupaſ⸗ ſen, mußte das Gold von den Schlacken ge⸗ reiniget werden, das heißt, es mußte ſowohl die mangelhafte Sprache reiner umgewan⸗ deit, wie auch manche Stellen, die heutzu⸗ tage, wenn auch nur ſeinen Schatten herab⸗ wurdigen würden, entweder ganz ausgelaſſen, — — — 4—— —— VBorrede. v oberaber doch gemildert werden. Daher wurde größtentheils alles Widrige, Triviale, Läp⸗ piſche, alles Ausſchweifende, überhaupt Al⸗ les, was die Würde der Religion verletzt, entfernt, damit des Leſers Geſchmack nicht beleidiget und der Verehrer einer geläuter⸗ ten Religron nicht geärgert werde. Dieſe Anſichten lagen beſonders bey der gegenwärtigen Umarbeitung der erſten Auflage von Pater Abrahams a St. Clara auserleſenen Gedanken, Aneldoten, Fabeln, Schnurren und Mählchen, dem Perausge⸗ ber zum Grunde, und mit aller Sorgfait iſt daher aus der alten Sammlung mauches Anſtößige ausgelaſſen, und in die neue man⸗ ches Gute aus Pater Abrahams übrigen Schriften dafür aufgenommen worden. Abraham erſcheint alſo in dieſer neuen Ausgabe noch in einem modernern Kleide, als in der vorigen, doch nicht ſo, daß man das Original ganz verkenne Ganz durfte der Urgeiſt des humoriſtiſchen Abra⸗ hams nicht verwiſcht werden und die Antike muß noch hier und dort unter dem moder⸗ nen Kleide hervorblicken. Die kraftvolle Sprache, welche man in Abrahams Schrif⸗ ten trifft, durfte nicht entkräftet werden, v1I Vorrede. vorzüglich da nicht, wo der Gedanke das Charatteriſtiſche verlieren könnte. Abraham war unſtreitig ein witziger Kopf, wofür ihn auch der ſcharfſinnige Flö⸗ gel anerkennt; er war ein Mann von Be⸗ ſeſenheit, ein Genie, das zum Satyriter und nicht zum Redner geſchaffen war. Da⸗ her find et auch jede Gattung von Leſern in ſeinen Schriften etwas zu ihrein Vergnügen und zu ihrer Unterhaltung; denn ſie ſind wirklich eine Fundgrube des Witzes und ori⸗ gineller, launiger Einfälle. Es liegen die rreflichſten Ideen zu ſatyriſchen Gedanken in dieſen Werken, ein ſatyriſcher Kopf dürfte ſie nur auffaſſen und ausführen, und man würde ein treffliches Werk erhalten. Um aber die Leſer dieſer Sammlung mit Abraham vertrauter zu machen, ſo hat der Herausgeber ſeine Biographie derſelben vorangeſetzt; denn höher ſteigt das Inter⸗ eſſe fur jenen Schriftſteller, deſſen Ver⸗ hältniſſe im Leben uns nicht unbekannt ge⸗ blieben ſind. ————— — Biographiſche Skizze. AztiherieSne Clara ward am ₰. Julius 1642 in dem ſchwäbiſchen Flecken Krähenheimſtädten, zwey Stunden von der fürſtenbergiſchen Stadt Möß⸗ kirch in Schwaben geboren. Er ſtammt aus dem Megerlinſchen Geſchlechte, welches Kaiſer Ferdi⸗ nand III. in den Adelſtand erhoben hatte und heißt eigentlich Ulrich Megerle. Im achtzehnten Jahre ſeines Alters(664) trat er zu Mariabrunn in Unter⸗ Hſterreich in den Orden der Barfüßer⸗Auguſtner, ſtudierte zu Wien in dem dortigen Kloſter ſeines Or⸗ dens Philoſophie und Theologie, kam dann, nachdem er ſein Noviciat zu Mariabrunn abgewartet hatte, als Feſttagsprediger nach Kloſter Tapa in Ober⸗ Bayern, und wurde bald darauf 1669 nach Wien als kaiſerlicher Hofprediger berufen, wo er vier⸗ zig Jahre mit größtem Ruhme predigte und ſo ſich Kaiſer Leopolds I. und ſeiner Großen Achtung und Liebe erwarb. Seine Beredſamkeit, ſeine Durch⸗ ſchauungskraft, ſeine vielſeitigen Kenntniſſe verbunden mit einer ſeltenen Beleſenheit, überhaupt ſeine Laune, erheben ihn zum moraliſchen Schriftſteller. Seine Predigten zeichnen ſich durch bizarren und burlesken Witz aus und ſind mit den ſeltſamſten Einfällen reich⸗ lich ausſtafirt. Dieſe Eigenſchaften, welche zu dem Geiſte der damaligen Zeit recht wohl paßten, ver⸗ ſchafften ihm fleißige und zahlreiche Zuhörer, und da ſie mit einer großen Popularität verbunden ſind blieben ſie gewiß nicht ohne Wirkung. ——————— vn BPBorrede. Da er ſelbſt einen untadelhaften Lebenswandel füßrte und weit über die Schwachheiten ſeines Zeit⸗ alters erhoben war, konnte er mit mehr Freimüthig⸗ Leit dem Laſter die Larve von dem Geſichte reißen und de Thorheit die Schellenkappe aufſetzen. Geliebt und geſchätzt von ſeinen Ordensbrüdern⸗ denen er weſentliche Dienſte leiſtere, machten ihn dieſe zum Prior Provinzial. Als ſolcher wohnte er dem General⸗Ordens Capitel zu Rom bey, und predigte dort mehrmals mit Beyfall. um ſeine Verdienſte zu lohnen(denn er erbaute auch das Auguſtiner⸗Kloſter zu Mariabrunn) erhielt er die Würde eines Pelinitor Provintiae und ſtarb zu Wien am Dezember 1700 als ein acht und ſechszigjähriger Greis allgemein betrauert. Seine hinterkaſſenen Schriften führe ich dem Titel nach an, weil dieſer den darin herrſchenden Ton hinlänglich charakteriſirt: Merks Wien, Löſch Wien. Judas der Erzſchelm. Wohlangefüllter Weinkeller. Geiſtlicher Krämerladen. Huy und Pfuy der Welt. Gemiſch, Gemäſch. Reim dich oder ich lies dich nicht. Luſt und Liebe zu einem Dinge, macht vielen Müh und Irbeit geringe. Ga, ga gack, ein Ey⸗ ſagt was die Kirchfartb und Kloſtertaxa ſey. Die Todten⸗Kapele Merk's wohl Sol⸗ dat. Oſterreichiſches Deo gratias. Die große Todtenprieſterſchaft. Abrahami⸗ ſches Beſcheidefſen. Gehab dich wohl Ab⸗ raham a Sancta Clara ganz neu ausge⸗ hecktes Narrenneſt oder kurioſe Werk⸗ ftatt mancherlei Narren und Narrinnen und noch einige Kleinigkeiten. In der Sammlung ſelbſt ſind noch einige Anek⸗ doten aus ſeinem Leben aufgenommen., 5 n 5 Das Weib 5 Der geſchmuͤckte Galgen Vergleichung melan choliſcher Menſchen Das erwachte SWreisetsewiſen Die froͤhlichen Leute Wer ſchmiert, der faͤhrt Die Krebſe im Briefe Der alte und der junge Krebs Mancher hat ſchon ſein Gluͤck gemacht Rechthaberei bis in den Tod. Das kuͤnſtliche Gemählde Die Wahrheit Der Menſch wie er nicht ſeyn ſn Koͤntglicher Undank Der blinde Braͤutigam. Die Welt Die im Rauſche neemeine Schiffbrüchigen Das widerlegte Sprichwor Der durch die A teithrt Siuet Witzige Gedanken 3 Der geprelltr Geizhals „„ „ „ 6„ ₰ Der Dornſtrauch als Kinig der S ume Der Wunſch ein Eſel in wer Der 3 Die große Ruͤbe 3 5 Drei Muſter der Saulbei. Dos Geld 2 Der Tod„*„. Die Segel im Pflnge. Ueber den Adel. ₰ Seite [eSr l*— . Fnhalt. Die Buͤßenden. 2 S Der Eſel... Folge das Weinkoſtens*. 5 26 Unrecht Gut, thut fein aut„ Wie gowo nen, ſo zerronnen. K 27 Pupillen⸗ Schickſal.— Der Wolf und der Löwe 5. 28 Charafteriſtik mancher Vermuͤnder ⸗— Schickſal eines Exnovizen..*— Warnung fuͤr Schwelger*. 2 29 Der Sch'emmer ₰ 30 Der Spielmann in der Todtengruft— Der berauſchte Bauer 5 2 5 3* Die Dienſtbothen. 32 Der theuer besahlte Goldpokal 33 Die Mod de„„„„* E Titelſucht... 35 Ein beſchämter Freier„— Der woblfeile Kauf„ 2 5 36 Der ſtrenge Varer 37 Die Klagen des kleinen Fingers.— Der Mann ohne Hoſen..„ 38 Wer gleicht en Igel 8 5. 39 Anekdote„„„„— Vorwitz„... 40 Maͤadea ſpräch ² 2— Die Nenai⸗ de der Wieder— Der verſchmitzte und ehrliche Schuſter 2 41 Der Geitziae 1„ 3— An die Reichen„ Der beſchämte undanfbare 42 Mein Mitſeiden mit verſchiedenen Dingen 43 Die Sebnſucht des Juͤnalings in Wuͤſte 44 Die Jungfern 4 Heldenmuth eines Weibes„* 45 Die belohnte Tugend.. 40 Lebensweiſe— vir*ße—„„*„ 47 DPas ſtumme Wer da. 45 Die Schmeichelen 8 19 Die Nuß als Sinnbild i drei welplichen 6 Stände„ 5 n h a 7t. Was ſchätzen die Meuſchen am meiſten Die tugendhafte Wittwe Die blinden Sehenden 6 Der Meuſch 8** Gebeugter Stolz 3. Die Wabrheit* 5 Die Welt„„ 5 Des Adels ſchönſte Eigenſchaft 5 Uber das Hofleben Wem ſollte de Adel gleichen. Die beiden Competeuten 2 Farbendeutung Das Brettſpiel ats Sleichniß der Welt Soldaten⸗Muſterung Anekdote.* Ege ſchaften der Eheleute. Uber die boͤſen Weiber 5 Guter Rath für Frauen pruͤchwoöͤrter 2 Der beſch mte Geizhals„ ornie Spräpwoͤr er. 8 Schickſal eines Geizigen. 8 Der Luͤgenbach.. 2 Der Reidige Der furchtſame Handwerksburſche Die Strohkoͤpfe 3 Fleider⸗Polizey Gleichniſſe„„ Die Gewiſſenswuͤrmer Pero Friederich e Prediger Bild der Schmeichler Der exaltirt. Geiſtliche Kinder und Altern Das Heirathen Die verräͤtheriſche Elſter.2 prichwörter Das gebrechliche Geſchlecht ² Merkwürdiaer Diebſtahl— Die Katze läßt das Manſen kicht* Der Krug geht ſo lange zu Baſſer bis „ ₰ 6 „ 4 Eine Fabel xn Fn h a 3 Seite So wie ſie 2 88 1 Recht ſo 5 4 89 Der Teufel 5 90 3 Der uberliſtete Biſchof 3 3 91„ 3 Der beſtrafte libermuth. 92— 4 Die Luͤge 53 Undank iſt der Welt Lohn 94 Wer iſt arm?. 97 Fleiß und Fleiſch: 98 4 Die Muͤßſggänger.— 4 Eine Fabel 3 2 101 ſ Die drei Trägen. 102 Täuſch: ing 2 2 103 Wie wir ſind 3. 2— 3 Humoriſtiſche Stpen. 104 Der ehrliche Rahme..— Charakterzüge... 105 3 Die Splitterrichter 106 ₰ Tabackprieſen 3. 2 107. Lob das Bauernſtandes— 199 Etwas fuͤr Pfleger und Verwalter 111 ſi Der treue Diener 2— Der phantaſtiſche Li⸗ bhaber 4* 113 Der beſtrafte Horcher 1 114 Phoſiſche Liebe aſtn Pi. taſien 116 Die Liebesprobe. 116 Der beſchämte Kautor.. 117 Der belohnte Tonkünſtler..— Anekdote. 3. 119 Si pofnungen 5— Der Atlas. 120 Täu ſchung 3. 121 Falſchheit* 2.— S Der Ehrentag im Zuchthauſe. 125 Die Scheinheilige.. 126 Schnurre 2 128 Der intereſſirte oinns 129 „ * 3i Frfit 6 130 er ſ. 132 N 5 5 3 xur „Seite Lob der Schuker. Der richtende Bauer 134 Weiberklagen 5 135 Geduld 8.„ 5.— Die magere Suppe..— Der insere Werth„ 136 Quackſalberſpruch— Wer ſich nicht rathen laßt, dem iſt nicht zu helfen. Eine Fabel Das Häschen und der Igel. Eine Fabel 137 Das Schvoshuͤndchen und der Eſel. Eine Fabel 138 Wachſamkeit.. 139 Behutſamkeit und Schonung— Die Vorzuͤge des Alters 140 Wer zu hoch ſteigt, fält tief. Eine Fabel Die jungen und die alten Fröſche. Eine Fabel— Vergleichungen falſcher Freunde. 141. Die Feyer der Feſitage 5 142 Lebensart der groten Herrn— Gleiches mit Gleichem. 143 Der ehrliche Teufel.— Der Reiche und der Arme. 144 Wirkungen des Weines. 145 Der Streit zwiſchen dem Papier und dem Per⸗ gament..... 146 Ein Schwank vom Doktor Fauſt„ 147 Der magere Fuchs. Eine Fabel 148 Mittel wider das Podagra. Eine Fabel 149 3 Der Dieb.. 3 151 Der Freund.— Die grauſame Strafe. Eine Erzählung. 5 Die eingeſchwärzte Waare 5 153 Der ehrliche Steffen.— 155 Der Magier 3* S. 155 Die Pudel 6 159 Der Hoͤfling 3** Das Gewiſſen.„„*— Die Vergiftung. 160 Anekdote. 8. 6 Dreihundert Mann an einem Galgen— ———-———— F nhalr. Seite Anekbote 3 102 Die zebn W.. ⸗ ²— Cornelta„* ⸗ 163 Dir b. yden Muhler„„ n Die naͤbmliche Sache in einer andern Benennun 8 164 Der Mund. 5. 16% Anekdote 3.— Der S Sreti— Eine„„„ 6— Eine Fabel 168 Die des hre⸗— Anekdote 3 169 Anekdote„„„„„ 170 Anekdote ⸗ ⸗ 22 Adler„„„„ 171 r Fint᷑ 3— Pile eines Hundrs. 4 172 1 Die Afterärzte 173* Die ſonderhere Heilung—— Titus 2 ⸗ Erinnerung an die veeinute 174 Darius Hiſtaspes 3.— Dreitacher Mord ⸗— 3 Der Schmeichler 5. 175 Pemetrius Valerius— Der Vertäumder 176 LQeſop*— Zeupes.. 277 Friedlev F„„— Jaiſer Valens ⸗— Georg Kaſtrivta.— Der roͤmiſcher Juwelier 179 Qekdote.—. Wenzel der Heilige— Pehenn v. Eilers, Jaiſer geopoids F. Rath, Se⸗ kretär und geheimen Reſerendar, 6* ein Mu⸗ ſter zur Rachabmung aufgeſtellt 3 180 3 las„„„„„ 181 n mir iſt alles.— Das falſche Urtheil.— Die Zunge„„„— 132 5 n h 1 Seite Verläumder 3. 132 Thomas Morus. 8— Amerika..— Ehebuͤndniſſe des Teufels ⸗ 183 Geſchwaͤtzigkeit— Die drei Bruͤder. Johannes v. St. Guilielmo 8 184 Anekdote—..— Die Heuchler 2.... 185 Die Eitelkeit„ 0 0 0— Der Muͤßigganger.. 186 Ein Schwan& 2 3— Erinnerung an die Sterblichkeit 5— Verſchiedene Träume„„ 0 o g Ein Maͤhrchen 2 5. 187 Ein Trarm„ 2. 138 Das zaͤnfiſche Weib„. 189 Drei auf ein Mahl 3„— Der Zorn.„ 5. 100 Das Standbild des Theagenes 5 191 Ibrahim„„„„ Die Aeltern...— Die Edelfrau in Japan.„— Antonio Grimani.„. 194 Wahrheiten in Knittelverſen.. 195 Sorgen machen arque Haare. 196. Gebet dem Kaiſer, was des Faiſers iſt— Kindliche Liebe.. 1488 Georg Giſera 5„ Romada 3 3 198 Der Mabler 199 Anerdote ⸗„„*— Das böſe Gewiſſen 5.— Die Ingend. 3* 6 200 Acecidentien.. 5 Der Mößiagang 270 Der Stolz dem Worte Frauen ein Anagramm hervorzuhrin⸗ Das WBeib. Wen die Bibel von der Schöpfung Adams re⸗ det, ſo ſagt ſie, daß ihn Gott aus Lehm und gemei⸗ ner Erde bildete; ſpricht ſie von der Schöpfung des Weibes Heva, ſo bedient ſie ſich, nach dem lateini⸗ ſchen Texte des Wortes aeditcavit, welches ſo viel als erbaute heißt; folglich hat der Schöpfer die He⸗ va oder Eva gebaut, und das Weib iſt ein Gebäude; aber warum iſt es ein ſolches? Weil es beinahe eben das Alles zu ertragen hat, als ein Gebäude. Das letztere durchnäſſet der Regen, der es mit der Zeit verzehrt; der Schnee bedeckt es, der Sturm erſchüttert es, die Hitze zerſprengt es; die Würme durchnagen, die Käfer durchſtechen es, und oft fällt der Bligſtrahl hinein. Eben ſo vielen Widerwär⸗ tigkeiten iſt das Weib ausgeſetzt, wenn der Mann poltert, toſet das Ungewitter. Hier donnert es, wenn er nach Packträgerart mit Schlägen drohet; dort wetterleuchtet es, wenn der Zorn zu heftig wird; es ſchlägt oft gar ein, zum Glucke iſt der Schlag nur ein Waſſerſtreich, der aus dem weiblichen Au⸗ ge Waſſer pumpt. Alle Weiber wollen Frauen ge⸗ nannt werden, und ſie haben nicht unrecht. Wüß⸗ ten ſie doch durch Verwechslung der Buchſtaben aus Pater Abraham 1. 3 — 2— gen, und ſie würden finden, daß aus dieſem ambi⸗ tionirten Ehrentitel das nicht fremdartige Wort raufen eutſteht. Der geſchmückte Galgen. Ein Landesfürſt ſollte durch ein Dorf reiſen und ſeinen Einzug halten. Die Bauern, welchen erſtlich befohlen wurde, daß Alles rein und aus⸗ geſchmückt ſeyn ſollte, hatten nichts vergeſſen, ihr Hertchen aufzuputzen; ſogar der an der Heerſtraße gelegene langbeinige Galgen, wurde nicht ohne Zierde gelaſſen. Schon einige Monate hing auf demſelben eine halbverweſene, ſcheußlich entſtellte Menſchenfigur; dieſer(ſo befahl es der wohlweiſe Dorfmagiſtrat) ſollte ein weißes Hemd angelegt und ein Roſenkranz in die Hand gegeben werden, um den vorüberfahrenden Fürſten zu erbauen. Der⸗ Befehl wurde auf das pünktlichſte befolgt, und man bedauerte nur, daß es der Gemeinde an Tapeten und andern Verzierungen fehlte, um den Galgen zu Len ſchönſten aller Galgen des Erdenrundes zu machen. Vergleichung melancholiſcher Menſchen. Melancholiſche Leute ſind Sauertöpfe, ängſi⸗ liche Haſen finſtere Wolken, Mondſchatten, Win⸗ kelſitzer, Hoſpitalgrillen, Holzäpfelkrämer, Eſ⸗ ſigkrüge, die Quinteſſenz der Unluſt, hohle Köpfe, die das Licht ſcheuen, Bruthennen, die nächſten Schwäger des Freund Haius, weil die Melancho⸗ * lie des Todes Schweſter iſt. Pieſe Menſchen haben gemeiniglich ein böſes Gewiſſen, wenn dieß Wort anders noch in ein deut⸗ . . ſches Wörterbuch taugt und nicht unter die veral⸗ teten Wörter gehört. Der ein böſes Gewiſſen hat, iſt milzſüchtig, traurig, furchtſam; hört er irgend⸗ wo, daß Jemand geſtorben ſey, ſo erbleicht er; rührt ſich Nachts in ſeinem Gemache ein Maus⸗ chen, ſo fährt ihm ein Dolchſtich durch das Herz; ſiehrer einen Schatten an der Wand, ſo verfärbt er ſich und wähnet ein Geſpenſt zu ſehen: fällt ein Steinchen vom Dache, ſo rufter wehe, und glaubt das Haus ſtürze über ihn zuſammen. Er kann nie froh ſeyn; jeden Augenblick überfällt ihn ein Paro⸗ rismus; Hitze wechſelt mit KFälte ab, und keiner Seele wagt er mit offenem, heiterem Blicke ins Ge⸗ ſicht zu ſehen. Das erwachte Schneidergewiſſen. In einem ehemahligen Reichsſtädtchen pflegte man vor die Häuſer ſo viel Glöckchen zu hängen, als Gemächer in denſelben waren, um anläuten zu können. In einem dieſer Häuſer wohnte ein Schneider(jetzt heißen ſie um die ſchöne Kunſt nicht zu entehren und auf nnedle Rebenbegriffe zu führen, Kleidermacher, oder wohl auch Klei⸗ der⸗Meßkünſtler) der eben zu dieſer Zeit ſehr einträgliche Arbeiten hatte. Seinem Geſellen— er war nur mit einem einzigen verſehen— ſtach ein ſchönes Tuch, daß er eben in der Arbeit hatte, ſo gewaltig in die Augen, daß er einen Fleck von einer 6 halben Elle in die ſogenannte Schneiderhölle fallen ließ. Da nun bald nachher der Meiſter das ent⸗ fremdete Tuch vermißte und wohl wußte„wohin es gekommen ſey, ſtellte er ſeinen Geſellen zur Rede, der hoch und theuer ſchwur, daß er nichts von dem in Verluſt gerathenen Tuche wiſſe Gut, ſprach — 4— jetzt der erzürnte Meiſter, dich ſoll der Schwarze dafür belohnen, du Taugenichts! Er ſagt es und eben begleitete der Schweinhirt, welcher freylich nicht ſo göttlich als der homeriſche war, ſeine grun⸗ zende Gemeinde nach Hauſe. Einem Mitgliede der⸗ ſelben juckte gewaltig der Rücken; es fuhr daher mit nicht allzu großer Delikateſſe grunzend an die Wand und traf von Ungefähr des Glöckchens Schnur, wodurch es läutete. Der Schneidergeſell, welcher an dem Fenſter ſaß, öffnete dieſes mit aller Ge⸗ ſchwindigkeit, um zu ſehen, wer da läute; aber wie erſchrack er, als er ein ſchwarzes Schwein er⸗ blickte, das er in der Dämmerung für den leibhaf⸗ ten Satan hielt. Wehe mir, der Schwarze! rief er jetzt, ſchlug das Fenſter zu, und ſetzte ſtotternd hinzu: Meiſter! Meiſter! Ich habe das Tuch, ich habe es. Hier iſt es! Bringt mich nur nicht in Schimpf und Schande! In unſern aufgeklärten Zeiten würde freylich das Tuch Trotz des ſataniſchen Einfluſſes doch aus der Schneiderhölle nicht erlöſet worden ſeyn. Die fröhlichen Leute. WMiir gefallen die luſtigen Leute; ſie zeigen, daß es in ihrer Bruſt visl reiner als in vielen an⸗ zuwerfen haben. Zwei Bekannte, ſchreibt ein ſiche⸗ er Stengelius, reiſeten zuſammen. Ob ſie gleich gute Freunde waren, ſo war ihre Gemüthsart doch ehr verſchieden. Einer war melancholiſch, trau⸗ ſeiner Wirthſchaft, und dachte ſchon zum voraus — deren Herzen ausſieht, und daß ſie ſich nichts vor⸗ rig, voll Kummer; er ſprach von nichts, als von auf die Mittel/ die er, ſich zu helfen, anwenden 3 — 5— wuͤrde, falls auf's künftige Jahr der Wein mißra⸗ then möchte. Ich werde mich, rief er nach langem Hin⸗ und Herſinnen tiefſeufzend aus, in Schul⸗ den ſtecken müſſen. Ich muß ſchon mit den Aus⸗ gaben ein wenig inne halten, weil alles ſo ſchreck⸗ lich theuer wird, und muß ſehen, oh ich die ſchlim⸗ men Zeiten zu meinem Portheil benutzen und mei⸗ ne Menſchenbrüder ein bischen ſcheren kann. Der andere war immer luſtig und fröhlich, pfiff oder ſang und ſprach: Wer wird immer den Kopf hän⸗ gen. Mit frohem Gemüthe iſt noch keiner zu Grun⸗ de gegangen!— Ich ſehne mich nicht nach Geld; was kümmert mich dieſes. Biſt wohl ein armſeli⸗ ger Tropf, mein lieber Freund, mit deinem trau⸗ rigen Geſichte. Es iſt ja keine Noth, als allenfalls die, welche dein wurmſtichiges Gehirn ausheckt; kannſt das Geld doch nicht freſſen, oder mit dir auf die weite Reiſe in die andere Welt nehmen; du mußt es ſicher zurück laſſen. Die traurige Men⸗ ſchengeſtalt ging jetzt voran, hing ſeinen Grillen wieder nach. Mein Gott, denkt er ſich, wenn ich heute oder morgen blind würde. Wie ging es mir dann, wenn mich meine Frau am Stabe geſtützt umher führen müßte.— Schnell ſetzt er ſich in die traurige Lage eines Blinden, machte den Verſuch, einen ſolchen, Trotz eines Schauſpielers, der den König Lear oder den vertriebenen Feldherrn Beli⸗ ſar ſpielt, lebhaft darzuſtellen, drückt die Augen feſt zu, tappt mit den Händen umher, mißt mit täuſchender Angſt und Vorſicht jedan ſeiner Schrit⸗ te. Laſſet ſehen, ruft er, wohin ich ohne Führer fommen kann, und wankt ſo eine Weile fort, wie der Knabe, der blinde Kuh ſpielt. Während er ſo herum trippelt, findet ſein luſtiger Gefährte einen Geldbeutel, den der Andere gefunden hätte, wen er weniger Mimiker und kein ſo vollſtändiger Narr geweſen wäre, wurdig Swifts Tollhaus zu zieren. Wer ſchmiert, der fährt. Ein Schriftſteller, den ich nicht nennen darf, ſagt, daß Lucifer, wenn er zu Zeiten ſein Höllenminiſte⸗ rium zur Tafel ladet, dieſem vor allen andern vier leckerhaſte Gerichte in eben ſo viel Schüſſeln auf⸗ ſtellen läßt. KIn der erſten finden ſie lauter Zoll⸗ beamtenfinger in einer gelben Soße; in der zwei⸗ ten grobe und böſe Männerzungen in einer Sulze; in der dritten lauter Wuchererhirn in gebackenen Semmelſchnitten, und in der vierten lauter gebra⸗ tene Advokatenohren. Warum Zollbeamtenfinger? Weil ſich dieſe gern ausdehnen. Warum böſe und grobe Männerzungen? Weil ſie über manches gute Weib(es giht doch mehr als ein ſolches ²) herſtürmen und es tyranniſiren. Warum Wuchererhirn? Weil Tag und Nacht die Wucherer ſpekuliren, wie die Armuth ganz zu Grunde zu richten ſey. S Warum gebratene Advokatenohren? Weil ei⸗ unter ihnen einen ſo gräulichen Betrug ſpie⸗ nn man nichts gibt und nichts zuſchickt Flang nicht hören, kein glücklicher dels, er mag noch ſo gerecht der fährt nicht. Dieſen ältiger Bauer, der ſeinem ud zwar nach dem Grundſa⸗ — Nachbar rieth, ſeinem Advokaten zu ſchmieren, wenn er anders den Prozeß nicht verlieren wolle. Der Nachbar nahm das unedle Wort ſchmieren im eng⸗ ſten Sinne, ging zu ſeinem Sachwalter, griff nach einem Hefen voll Oel und Wagenſchmiere, den er mit ſich nahm. Der Herr Doctor der Rechte ging eben auf ſeinem Zimmer auf und nieder, ols der Bauer eintrat. So oft ſich der Erſtere umkehrte, ging der Letztere hin und beſtrich dem Sachwalter mit ſeiner Salbe die Haͤnde, der das gleich ver⸗ ſtand, was ſein Client wollte und es ſeiner Gemah⸗ linn ſagte. Die verſchmitzte Doectorin ließ ſich bald ſehen und redete den Bauer ſo an: Ihr thut nicht übel, mein lieber Freund, daß ihr meinen Gemahl mit euerer Salbe beſtreicht; nur muſſet ihr anch ein Stück feiner Leinwand bringen, damit er ſich die Hände abtrocknen könne. Ihr werdet ſicher mit dem Trocknen mehr ausrichten als mit dem Schmieren. Darum kann Niemand hinanſteigen, der kein goldene Leiter hat. Man kann die Herzen nicht beſſer als durch ſilberne Kugeln treffen. Man kömmt nicht zu Ehren, wenn man nicht verehren kann. Ein Advokat, der keinen ſo üblen Nachklang haben wollte, ſchrieb auf ſeine Studierſtube, Bonis semper patet d. i. Meine Thür ſteht den Rechtſchaf⸗ fenen immer offen. Ein Schalk machte aus dem B ein D. Daraus entſtand das Wort Ponis und der Sinn des ganzen lautete ſo: Den Geſchenken ſteht meine Thür immer offen. Einige Advofaten ſind der Ruthe an der Angel ähnlich; ſo lange kein —— ——— Fiſch an der Schnur hängt, biegt ſie ſich nicht und bleibt gerade; ſo bald aber ein großer Fiſch an den Köder fährt und ſich fängt, biegt ſie ſich. Doch nicht allein die Advokaten, ſondern auch andere Herren von Einfluß ſind Freunde des Rehmens⸗ Da komme Einer mit der Beredſamkeit eines Cicero, dem Verſtande eines Ariſtoteles, den Gebehrden eines Cato, mit der Redlichkeit im Herzen; Nie⸗ mand beugt ſich vor ihm, ſind ſeine Hände leer— Hängt aber etwas an der Angelſchnur, kömmt ein ſchwerer Geldbeutel; ſo beugt ſich gleich alles, al⸗ les geht nach Wunſche. Ja, ja, ja! ſagt man dann, es kann ſeyn! Mit ein Paar Dutzend Tha⸗ lern, Seudi, Kronen, Dukaten läßt ſich alles durch⸗ ſetzen. Wer ſchmiert, der fährt. Die Krebſe im Brieße. Ein Bote wurde einſt mit hundert Krebſen und einem Briefe zu einem nicht gar zu ſehr entlegenen Edelmanne geſchickt. Die Krebſe waren in einem Querſacke, der ſich nicht gut zuſchloß, ſie konnten da⸗ her leicht heraus kriechen, als der Bote, vom lãn⸗ ern Wandern ermüdet, ſeine matten Glieder ins ras ſteckte um eine gute Weile zn ſchlafen; was anch wirklich geſchah. Als der Bote beym Erwachen die Krebſe vermißte, rief er: Wo ſie doch hingekom men ſeyn müſſen? Es kann ſie doch niemand geſtoh⸗ len haben, weil der Querſack dicht an meiner Sei⸗ te lag und noch jetzt an meiner Seite liegt. Die abſcheulichen Thiere!—— doch wer wird ſich viel den Kopf zerbrechen. Ich gehe mit dem Briefe al⸗ lein dem Edelhofe zu. Als er dort ankam und den Brief übergab, las dieſen der Edelmann und ſgote: Da ſind ja hundert Krebſe, die— Gott lob! fiel ihm der Bote voll Freude in die Rede, Gott lob! daß ſie da ſind; mir ſind ſie alle ausgekrochen. Der Edelmann mußte, Trotz des Verluſtes, herzlich über die originelle Dummheit des Boten lachen und rief: Gut, gut! vielleicht kommen ſie unvermuthet auf meine Tafel, wenn ſie ihre lange Reiſe voll⸗ endet haben werden. Der alteund der junge Krebs. Als nun die aus ihrem Kerker befreyten Kreb⸗ ſe im Graſe herum krochen, erblickte ein alter Krebs weidende Schafe und ſchallt einen Jungen, daß er rückwärts krieche: Schämſt du dich nicht, du un⸗ artiges Thier, daß du rückwérts gehſt. Hebe dei⸗ ne Beine und geh friſch weg! Siehe wie die Schafe gehen, ahme ihren natürlichen Gang nach, gewöhne dich nicht an den unnatürlichen. Ich ahme ja dei⸗ nen Gang nach, lieber Vater, gingſt du natürli⸗ cher, ſo ging ich auch ſo. Mancher hat ſchon ſein Glück gemacht. Nicht ſelten wird eine beſudelte Hahnenfeder auf den Hut geſteckt. Selbſt eine Eſelshaut hat die Ehre, daß Kaiſer und Könige ihre Bemerkun⸗ gen und Diplome darauf ſchreiben laſſen. Es iſt nichts ſeltenes, daß man aus gemeiner Erde Trink⸗ gefäße macht, die Fürſten zu dem Munde führen; es iſt auch nichts neues, daß manchesmahl ein ſchlechter Menſch zu Ehren gelangt und ein Armer zu großem Reichthume. Kaiſer Valentiniar hat ſein Glück gemacht; er war der Sohn eines Webers, und wurde römiſcher Kaiſer, was ihm zur Ehre gereicht, Calameta, ein Bettelknabe aus dem Dorfe Rarni, ward in den Wald geſchickt, um Holz zu fällen; verlor aber ſeine Art, und getraute fich nicht mehr heim zu kehren, weil er fürchtete, daß ihn ſein Vater, der verlornen Axt wegen, hart be⸗ handeln werde. Um der Züchtigung zu entgehn⸗ flüchtet er ſich mit einem Soldaten, tritt in Kriegs⸗ dienſte, und wird zuletzt gar ein Feldherr. Der Menſch hat ſein Glück gemacht. Altendäus, ein Bauernknabe, zieht mit einem Marquetänder ins Feld, hilft dieſem braven Manne waſchen, ſieden und verrichtet die niedrig⸗ ſten Küchendienſte. Er brachte es in der Folge ſo weit, daß er Fürſt wurde. Hat er nicht auch ſein Glück gemacht? Bilegiſus, eines Wagners Sohn, ſtudierte⸗ trat nach vollendeten Studien in den geiſtlichen Stand, wurde ſpäter ein Capellan, aus dieſem ein Beſchof, und zuletzt Churfürſt von Mains⸗ Er hat ein großes Glück gemacht. Papſt Pius II. hatte das Federvieh ſeiner Mutter gehütet, und dieſes verkauft. Nie bildete ſich ſeine Mutter ein, daß ihr Sohn einſt den päbſt⸗ iichen Stuhl beſteigen würde. Welch ein Glück! Im gemeinen Leben pflegt man zu ſagen: Der Kerl hat ſein Glück gemacht. Sein Vater war ein Pote und er iſt ein Botſchafter geworden. Iſt das nicht ein Glück? Er hat ein Capital von vielen tauſend Gulden: ich kannte ſeinen Pater, der mir einem Guckkaſten herum zog und ſchöne Rarität⸗ e— ſchönes Spielzeug! ſchrie. Der Herr hat ſein Glück gemacht. Rechth aßerei b in den Tod. Ein Bauer, der von der Feldarbeit nach Hau⸗ ſe kam, ſagte zu ſeiner Gattin: Jetzt habe ich end⸗ lich doch die große Wieſe abgemaht. Es iſt nicht wahr, antwortete ſie, du haſt ſie nicht abgemäht, ſondern abgeſchoren. Nach langem für und wider brach des Mannes Geduld, und er ergrimmte ſo ſehr, daß er das Weib haſtig ergriff, und in den vorbeyfließenden Strom warf. Das Woſſer hatte ſchon ihren Mund gefüllt, ſo zwar, daß ſie keinen artikulirten Laut mehr hervorbringen konnte. Um von ihrem Eigenſinne nicht weichen zu dürfen und das beſtrittene Wort im Tode behanpten zu können, hob ſie noch zwei Finger über das Waſſer empor, wodurch ſie zeigen wollte, daß die Wieſe doch nicht abgemäht, ſondern abgeſchoren worden ſey. Das künſtliche Gemählde. Ein Cavalier, der eine vortreffliche Gemählde⸗ fammlung hatte, verlangte von einem berühmten Künſtler ein Gemählde, das zwei Pferde darſtellen ſollte, und zwar eines im ſchnellen Laufe, das an⸗ dere, wie es ſich im Sande wälzt. Der Mahler liefert ein Meiſterſtück, und verlangt die beſtimmte Beloh⸗ nung. Ich zahle nur für ein Pferd; ſagte der Caval⸗ lierzu dem Künſtler, weil ſie nur eins mahlten und zwar das im ſchnellen Laufe. Ich mahlte beide, erwie⸗ derte der Mahler und beharrte darauf, indem er hoch und theuer ſchwur, daß er Wort gehalten hätte. Der Cavalier, der immer darauf beſtand, das aus⸗ gemachte Geld nicht ganz bezahlen zu wollen, ward jetzt unwillig und wollte ſich eben entfernen, als der Künſtler plötzlich das Tableau umwandte, und zeigte, daß das Pferd nun auf dem Rücken liege und ſich im Sande wälze. Dadurch überraſcht, reichte der Cava⸗ lier dem Mahler das ausgemachte Geld und ließ das⸗ ſchöne Gemählde in ſeiner Bildergallerie aufſtellen⸗ Die Wahrheit. Sie iſt ein Brot, das ſtarke Zähne fordert; eine Braut, die ein Jeder ſcheut; ein Buch, in welchem Riemand gern liest; in dem ſich Niemand gern wäſcht; eine Lanze, die ſchwer verwu'adet; ei⸗ ne Speiſe, die Niemanden ſchmecken will. Der Menſch, wieer nicht ſeyr«ſoll. Der Menſch muß nicht ſeyn, wie eine Orgel, die wenn ſie berührt wird, ſchreit; nicht wie ein Wald: der, wenn man ihm einen Schelm in den Buſen wirft, ihn durch den Wider'all wieder zu⸗ ruͤckgibt; nicht wie ein Kieſel: der, wenn ihn der Pferdehuf ein bischen ſtärker als zewöhnlich berührt, Funken ſprüht; nicht wie ein Feerzenlicht: das ſich mit dem Geſtanke rächet, wermn man es auch nur ein wenig reiniget; nicht wie ei'ne Stande: die, wenn man ſie nur etwas biegt„ zurückprallt und einen ins Geſcht ſchlägt. Königlicher Undank⸗ Ein Löwe fing ſich einſt in einem Garn, das die Jäger aufgeſtellt hatten. Verſtrickt in dieſes, waren alle Bemühungen des Königs der Thiere fruchtlos, ſich los zu machen. Mit Reſignation ergab er ſich zuletzt ſeinem traurigen Schickſale und erwartete ſchon mit männlicher Unerſchrockenheit den nahen Tod⸗ & — 13— der ihm unausbleiblich zu ſeyn ſchien, als ein Mäus⸗ chen aus der Erde hervorguckte und mit Erſtaunen und Schrecken den gefangenen Löwen erblickte.— —— Doch warum erſchrecke ich? ſagt es; der Kö⸗ nig der Thiere iſt ja gefangen und kann daher mir nicht ſchaden. Werde ich ihm nützlich,(ich vermag das) ſo iſt er mir noch Dank ſchuldig und ich kann glücklich werden, glücklicher als mein ganzes Ge⸗ ſchlecht, angeſehner, reicher, mächtiger als die übri⸗ gen Thiere, welche mich bisher an Macht und Stärke übertrafen. Ich will mich ihm nähern.——— Wie dauerſt du mich, armer König, ſprach jetzt die Maus, daß du der Liſt böſer Menſchen erliegſt. Ich will dir helfen, und dich von den Stricken, in die du verwi⸗ ckelt biſt befreien, wenn du meinen Wunſch erfüllſt. Erwarte meinen Dank, gutes Mäuschen, ſagte der Löwe und mit dieſem die Erfüllung deines Wunſches, wenn dieſes anders in meiner Macht ſteht. Sprich, wie kann ich dir danken, was wünſcheſt du? Dich zum Gatten, König!— erwiederte die Maus. Mich, dachte der Löwe. Welch ein kühner— lächerlicher Wunſch! Doch ich kann ja verſprechen— Bin ich doch nicht ſchuldig das zu halten, was ich verſpre⸗ che.— Wer wagt es, mich, den König der Thiere, einen Wortbrüchigen zu nennen?——— Willſt du meinen Wunſch erfüllen? pfifferte jetzt das Mäuschen das auf eine entſcheidende Andwort wartete. Der Löwe brüllte ſein Ja. Wirſt du aber auch Wort halten? frag⸗ te das Mäuschen.——— Ich will Wort halten, erwiederte der König der Thiere; denn er dachte bey ſich ſelbſt, mit einem Drucke meiner Tatze kann ich ja, ſobald ich will, mich von meiner lächerlichen Gattinn befreyen. Mäuschen, ſchrie jetzt der Löwe laut, du biſt, ſo wahr ich ein König bin, mein auf ewig. . Grenzenlos war des Mäuschens Freude; in dieſer ging ſie ans Werk, zernagte mit den ſpitzen Zähnen das Garn und befreyte in kurzer Zeit ſeine thieriſche Majeſtät. Das Vermählungsfeſt ward mit aller Pracht gefeyert. Nie war der Stolz lächerlicher als den die neue Frau Königin zeigte; mit Verachtung vlickte ſie über die größten Thiere weg, weßwegen ſelbſt der Eſel in ein lautes Gelächter ausbrach, das in der Raubhöhle erſcholl, und ihm die größte Un⸗ gnade der Königin zugesogen hätte, wäre die Arme nicht von des Löwen Maſeſtät im Grimme über das Eſelgelachter mit der Tatze erdrückt worden⸗ Der blinde Bräutigam. Ein Blinder verſprach einem häßlichen Weibe die Ehe. Wahrend ſeines Bräutigamſtandes lies er ſich den Staar ſtechen, und erhielt ſein Geſicht wie⸗ der, das ihn aus ſeinem Irrthume riß. Er wollte auf ſeine Braut Verzicht thun, und im Falle er zur Trauung gezwungen würde, ſich vor das geiſtliche Gericht ſtellen. Um ihn davon abzulenken, ſprach die Braut zu ihm: Ich bin zwar nicht ſchön; allein ein Mann kann immer mit mir zufrieden ſeyn der keine ſchonere verdient, und erſt vor kurzem ſein Ge⸗ ſicht wieder erhalten hat. Wäre die Operation ſchlecht ausgefallen; ſo wäreſt du blind geblieben, und hätteſt Gott danken müſſen, ein Weib zu bekommen, die zwar keine Venus, aber doch keine Furie iſt. Ich will lieber noch einmahl erblinden, erwiederte der Bräutigam als dich zur Gefährtin meines Lebens wéhlen. Du haſt mich betrogen, und dafür ſollſt du büßen. Freylich hätte ich verſchiedene Leute fra⸗ gen können, ob du ſchön oder häßlich ſeyſt; allein ich traute deinen Worten als du mir ſagteſt du ſeyſt — 15— ein ſchönes Weib. Das Weib, welches ſich nicht irre machen ließ, brachte es doch dahin, daß man den Bräutigam zwang, ſie zu heirathen. Ich will ſie zur Gattin nehnen, rief jetzt der letztere, wenn ſie an⸗ ders eine tugendhafte Perſon iſt; denn Tugend geht über alle Schönheit. Sie ſchwört hoch und theuer, daß ſie von dem Pfade der Tugend nie gewichen ſey. Wir wollen es verſuchen, ſagte der Bräutigam. Nimm dieſen Becher und trinke; ein weiſer Mann gab ihn mir. Sie ſetzt ihn an den Mund, der Trank verſiegt und der Becher entglüht ſo, daß ſie ihn voll Schrecken plötzlich von ſich wegſchleudern muß.— Du biſt eines beſſeren Weibes würdig, rief ſie jetzt; ich bin deiner nicht werth. Die Welt. Die Velt iſt einer Wespe gleich, deren giftigen Stachel ſchon Mancher fühlte, welcher ihr verbor⸗ genes ſüßes Gift ſaugte. Sie iſt ein grüner Raſen, auf-den man ſich gern legt, um ſich gütlich zu thun, ohne ſich auf das Sprichwort: Es iſt eine Schlange im Graſe verbor⸗ gen, zu erinnern. See iſt eine Wolke, die bald heiter und lieblich in der Luft ſchwebt, balb wieder grau und wetter⸗ ſchwanger über unſerm Scheitel herab hängt. Ein Wurm, der immer beißt und nagt. 3 4 Ein Wachs, das alle Eindrücke annimmt. Ein Wind, der hin und her bläßt und betäubt. ————— — ——— Ein Wald, deſſen S chönheit verſchwindet, wen er von wilden Thiéren bewohnt wird. 4 Die im Rauſche vermeinten Schiffbrüchigen⸗ Zu Straßburg ſoll ein Haus geweſen ſeyn, das man das Schiff nannte; denn vor ſehr vielen Jah⸗ ren ſollen einige junge Zechbrüder, ſich in demſelben ſo berauſcht haben, daß ſie den Verſtand verloren. Sie wähnten in einem Schife zu ſeyn, das von den Wellen hin und her getrieben werde. Um, wie ſie vefürchteten, nicht ganz zu Grunde zu gehen, war⸗ fen ſie alles Hausgeräthe: Bette, Tiſche, Stühle, Banke und was ihnen immer im Wege ſtand, zum Fenſter hinaus, um das vermeinte Schiff von einer zu großen Laſt zu befreien und leichter zu machen. Man traf die Narren auf der Erde, als man herbei⸗ eilte, um zu ſehen, was da geſchähe.— Helfet uns⸗ ſchrien ſie jetzt, ihr Götter des Gewäſſers! Wir ſind ohne eure Hülfe verloren und ein Raub der Wellen. Erſt nach drei Tagen verwitterte der Weingeiſt in den Köpfen dieſer Leutchen. Das widerlegte Sprichwort. Ein Zecher aß viel Eier und trank nicht wenig Wein darauf. Als er in die Luft kam, ſtieg ihm der Letztere ſo in den Kopf, daß er kaum aufrecht ſtehen konnte. Man hielt ihm dieß vor, und er rief: Nun ſehe ich erſt, daß das Sprichwort falſch ſey, wel⸗ ches ſagt, daß ein Ei und ein Glas Wein einen Menſchen vier und zwanzig Stunden lang erhalten konnen; ich habe doch fünfzehn Eier gegeſſen und veinahe ein und dreißig Gläſer Wein getrunken, und kann mich kaum noch erhalten.— — 17—— Der durch die Narrenkappe bekehrte S Ein berühmter Säufer, deſſen Geſicht einem auf dem Farbſteine geriebenen Zinnober, oder viel⸗ mehr einem Schachte glich, aus dem Kupfer er⸗ beutet wird, beſprengte ſich täglich mit Bachus Weihbrunnen dergeſtalt, als müßte er verdorren, wenn er ſich nicht benetzte. Als er einſt trunken nach Hauſe kam, wüthete, töbte, ſchrie er, warf um ſich, brüllte, donnerte, hagelte, fluchte wie ein zweyter Jupiter. Seine Gattinn, welcher der Faden der Geduld ſchon riß, erdachte ein Mittel, den Trun⸗ kenbold zu bekehren. In der Stadt, die ſie bewohnte, war ein ſogenanntes Bruderhans, in dem man arme Leute und Wahnſinnige verſorgte; als jetzt der vieh⸗ ähnliche Herr Gemahl von der Wuth einkräftet ein⸗ ſchlief, ließ ſie vier Männer aus dem erwähnten Hoſpitale kommen, und befahl dieſen, ihren trunke⸗ nen Mann ſammt dem Gewande in das Bruderhaus zu bringen und ihn in eine Narrenzelle zu ſperren. Sie thun es für baare Bezahlung. Als der Trun⸗ kenbold erwachte, um ſich ſah und griff, fand er ein Maskenkleid mit einer Narrenkappe an ſeiner Seite, das ihm ſeine Gemahlinn gefliſſentlich mit⸗ gab. Er war nicht wenig betroffen, als er ſah, daß er an einem fremden Orte ſey; läuft daher wie ein wirklich Wahnſinniger zur Thür, zum Fenſter und findet alles mit eiſernen Gittern verſchloſſen. Was ihm noch vollends faſt alle Beſinnung nimmt, iſt, daß er andere Narren ſieht, die aus ihren Behält⸗ niſſen herausglotzen oder heraus grinzenz er fängt deßwegen fürchterlich zu wuͤthen und zu ſchreyen an, doch umſonſt. Niemand will ihn hören. Um nicht zu eifrieren, iſt er gezwungen, ſich in das Masken⸗ Pater Abraham I. — 18— Fleid zu hüllen und dem allgemeinen Gelächter Preis zu geben. Zu Mittag bringt man ihm, wie den übri⸗ gen Narren, etwas weniges zu eſſen und einen Be⸗ cher Waſſer; er klagt, jammert, proteſtirt, flucht, und bittet um Gottes Willen, man möchte ihn mit ſeiner Gattinn ſprechen laſſen; allein man ſagte bald, ſie wäre nicht zu Hauſe, bald hinderten ſie Geſchäfte, ſich ihm zu nähern. Nach langen Fragen wurde ihm gerade heraus geſagt, daß ſeine Frau mit ihm als einen Wahnſinnigen nichts zu thun haben wolle. Jetzt nahm er ſeine Zufiucht zu Bitten, gelobte, nie mehr unmäßig trinken zu wollen, um nicht wieder in die Narrenzelle geſperrt zu werden. Ob er nach ſeiner Befreyung Wort gehalten, ſagte der Erzähler dieſer Schnurre nicht. Ich glaube er hielt Wort, denn die Narrenzelle kann er doch nie vergeſſen haben. Vitzige Gedanken. Die Stärkſten in der Welt ſind die Weiber, der Wein und die Wahrheit. Die Angenehmſten in der Welt ſind das Glüch das Geld und der Gute Nahme. Sie größten Lügner ſind die Wetterkundigen/ die Hökerweiber und krumme Bettler. Leute die tieber nehmen als geben„ſind Edel⸗ leute, Kriegsleute, Bettelleute. Dergepreltte Geizhars.. Ein Knabe ſaß an einem Brunnen und weinte bitterlich. Ein Geiziger, der vorüber ging, fragte den Knaben, warum er weine. Ach Herr, antwor⸗ 1* —„ . tete dieſer, ich habe einen goldenen Becher in den Brunnen fallen laſſen, und traue mich jetzt nicht nach Hauſe zu gehen. Der Geizhals zieht ſich in aller Eile ganz nackt aus, ſteigt in den Brunnen hinunter und der Knabe packt indeſſen die Kleider zuſammen und läßt den Narren ſuchen, der, als er nachher die Kleider nicht fand, ein Geſichtchen geſchnitten haben mag, das eines hogartſchen Pinſels nicht unwürdig wäre. Die große Rübe. Ludwig Xl. war in ſeiner Jugend ein ſo leiden⸗ ſchaftlicher Liebhaber der Jagd, daß er bey einem armen Bauer, bey dem er einſprach, ſogar mit Rü⸗ ben ſich begnügte. Als er Frankreichs Thron beſtieg, ſagte die Bäuerin, bey welcher Ludwig Rüben ge⸗ geſſen hatte, zu ihrem Manne: Verſuchs, lieber Mann, und gehe zum Könige; vielleicht kennt er dich noch und ſchenkt dir etwas. Der Bauer folgte dem Rathe ſeiner Gattin, nimmt Rüben mit ſich, und geht nach Paris; weil er aber auf der Reiſe hungrig wird, verzehrt er die Rüben bis auf eine große, ganz. Der König erblickte ihn, als er nach Hof kam, und erkannte ihn gleich, befahl daher, daß man ihn vor⸗ führen möchte. Als der Bauer ſich näherte, gab er dem Könige die ihm übrig gebliebene große Rübe, die dieſer in ein reines Tuch wickelte, in die Taſche ſteckt, und befahl, daß man ſeinen ländlichen Gaſt bey Hof wohl bewirthen ſollte. Dieß geſchah, und dem Bauer wurden noch auf des Königs Befehl tau⸗ ſend Chaler ausgezahlt. Ein geldgieriger Höfling, der alles dies bemerkt hatte, verehrte dem Könige ein ſehr ſchönes Pferd, in der Hoffnung, er werde für dieſes Geſchenk ungleich mehr als der Bauer be⸗ 2 X * . lohnt werden; allein wie ſah er ſich getäuſcht, als 16 er die nähmliche Rübe erhielt, die der Monarch von 1 dem Bauer erhalten hatte. Er kam erſt aus ſeinem Irthume, als er das Tuch unterſuchte, in das die Rube gewickelt war, war aber noch immer in der 33 Meinung, der König hätte ſich vergriffen. Als er 1 die vermeintliche Irrung mit der dem Franzoſen ei⸗ 3 nige Feinheit dem Monarchen zu verſtehen gab, ſagte der Letztere zu ihm: Habe ich euer Pferd nicht theuer genug gezahlt? Die Rübe koſtet mir tauſend Tha⸗ ler. Merket euch übrigens, daß ſich meine Freyge⸗ bigkeit nur auf Dürftige erſtreckt. Drei Muſter der Faulheit. Ein menſchliches Faulthier hatte drei Söhne, und erklärte denjenigen unter ihnen in ſeinem letzten Willen zum Haupterben, welcher der Trägſte ſeyn würde. Nach des Vaters frühem Tod wurden deſſen drei Söhne vor Gericht geladen, und ihrer Träg⸗ heit wegen ins Verhör genommen. Der Erſte geſtand⸗ , daß, wenn ſein Fuß, auch auf glühenden Kohlen 5 läge, er ihn nicht ein Mal zurück ziehen würde. Der Zweyte änßerte ſich, daß er auf der Leiter, welche zum Galgen führt, ſtehen bleiben, und ſelbſt den Strang am Halſe nicht abſchneiden würde, hätte er wirklich Erlaubniß dazu, und zwar bloß darum, weil er zu träge wäre, ein Meſſer aus der Taſche hervor zu holen. Der Dritte gab vor, daß er zu träge wäre, die Augen zu ſchließen, geſchweige die Hand vorzuhalten, wenn es Nadeln regnete, und er auf dem Rücken läge. Welcher von dieſen Dreien zm Haupterben etklart wurde, mag der Leſer errathen. —— 2 1— Das Geld. Es iſt eine Mühle, in der Jeder mahlen will; 6 ein Ziel, wohin Jeder laufen, ein Fluß, in dem Jeder ſich baden, eine Nuß, die Jeder aufknacken, eine Wieſe auf der Jeder mähen, ein Kleid, das Jeder tragen, ein Biſſen, nachdem Jeder ſchnappen, eine Schüſſel aus der Jeder Eſſen, einé Braut, die Jeder heimführen, ein Kraut, das Zeder beſi ſitzen, ein Schmauß, an dem Jeder Antheil nehmen; ein Haus, das Jeder bewohnen, eine Blume, an der Jeder rie⸗ chen, ein Obſtbaum, an dem Jeder ſchütteln Wih In der Stärke gleicht ihm nichts auf der Welt. Es ſchlägt alles, es trotzt allem, es treibt alles, es findet alles, es jagt alles, es beſchneidet alles, zer⸗ malmet und überwindet alles. Geld beherrſcht die Welt, ſagt das alte Sprichwort; hätteſt du auch zehn Mahl den Helikon beſtiegen, des Phöbus und der Pierinnen Gunſt erworben; was nützet es dir, wenn du kein Geld haſt? Geld erwirbt allein alle Gunſt, ohne Geld gilt keine Kunſt; ſie iſt ein bloßer Rauch und Dunſt, mängelt das Geld. Nur der Be⸗ ſitzer desſelben iſt der größte Künſtler. Mit Geld kann man alles bewirken, alles ausführen, alles erlangen, was man nur haben will; alle Händel in der Welt werden mit dieſem geſchlichtet. Man findet nichts kräftigeres, nichts ſtärkeres; Heere und Fe⸗ ſtungen vermögen nichts wider dieſes, Wer kein Geld hat/ iſt wie ein Todter; nur dieſes macht zum größ⸗ ten Hibrt nur dieſes verſchafft und hilft zu allen Sachen. Dem Reichen ſteht alles zu Gebothe, er erkauft ſich Wiſſenſchaft, Tugend, Verſtand; und wenn er will, ein Aemtchen; er darf grob⸗ * —„. ungeſchlffen, und ein Seui ger ſeyn. Der Tod. Der Tod iſt eine Ruß, die Jeder aufknacken; ein ſchlechter Braten, den Jeder verſchlucken muß; eine Lauge, mit der ſich Jeder waſchen, eine Brille mit der ſich Jedermann bewaffnen muß; ein Trunk, der Allen dargebothen wird, und eine Kuitse über die zu ſpringen Jedermann gezwungen iſt. D Die St am Pfluge. Ein Sch fer d der viele J Jahre ſein Glück auf der See ſuchte, und des ſteten Herumſchiffens herzlich müde war, wollte verſuchen, ob er ſich mit dem Felobau nicht eben ſo ernähren könnte, als in dem Seeleben, außer dem er gar nichts auf Gottes wei⸗ ter Erde kannte. Er ſtellt jetzt den Pflug auf den Acker, beſpannt ibn aber weder mit Ochſen noch Pferden, ſondern bedient ſich nur der Segel, die er an den Pflug heftet, in der Hoffnung, daß der Wind hier ſo wie auf der See das Seinige thun werde; allein der Pflug bleibt Trotz des Windes, der immer fort bließ, ſtehen. Wann wirds denn ein Mahl gehen? ſagt er jetzt: Teufel— es will ja gar nicht vom Flecke. Der Pflug ſtand immer ſtill und unbeweglich; jetzt ſetzt er ſich auf den Pflug und ruft mit mächtiger Stimme: Dieſe Sese haben das größte Schiff in Bewegung geſetzt, ein Schiff, das tau⸗ ſend Mahl ſchwerer war als der? Pflug. So ſchreit ein jeder S Stocknarr, der nicht weiß, daß eine jede Sache in der Welt ihre beſondere Behandlungsart hat * Ueber den Adel. Was nitzt es dir, wenn dein Vater eine ſchöne Leibesgeſtalt hatte, du aber einem äſoptſchen Affen gleichſt? Der Eſſig iſt ein faurer Geſelle, obgleich ſ Vater ein vortrefflicher Skahe war. Ein offener Helm adelt nicht aein auch eine wurmſtichige Nuß hat einen offenen Helm. Hochgeboren iſt auch der Storch; er bauet ſein Neſt auf Firchenthürmen. Von gutem Hauſe, wie man zu ſagen pflegt, iſt auch die Schnecke und die Schildkröte; denn beide tragen ein l5 H auf dem Rücken mit ſich herum. Ein ſaurer Holzapfel iſt auch von einem pohen Stamme.— Die Tugend muß den Adel erhöhen, wie der Edelſtein einen Ring erhöhet, der Kern eine le, des Heiligthum ein goldenes Gefäß. Der Dornſtrauch als Fönig der Bäume. Was für eim erbärmlicher Wahl habt ihr ge⸗ troffen, ihr Bäume, daß ihr den Dornſtrauch zu euerem Könige erwählet habt! Es gibt doch viele Baume, die auf dieſe höchſte Würde Anſpruch machen können. Die Eiche weichet keinem Baume in der Stärke. Warum habt ihr dieſe nicht gewählt? Die Ceder übertrifft alle andere in der Höhe; warum alſo nicht dieſe? Ein Palmbaum iſt ſeines Adels wegen genug bekannt. Warum habt ihr auf dieſen vergeſ⸗ ſen? Kaum hat der erbärmliche Dornſtrauch die Re⸗ gierung angetreten, als er ſeine Unterthanen ſchon — 24— tyranniſirte. So geht es, wenn man hohe Aemter mit Unwiſſenden und Dummköpfen beſetzt; ſo geht es, wenn man ungeſchickte Leute befördert, welche verdienſtvolle Männer verachten, und wenn ſie kön⸗ nen, mißhandeln. Wohl eine verkehrte Welt, wo ein Strohhalm einen größeren Werth als ein Gold⸗ faden; wo ein trüber ſchlechter Wein den Vorzug vor dem edlen Malvaſier hat, und der Löwe dem Haaſen nachtreten muß; und doch geſchieht dieß häu⸗ Sfig zum größten Nachtheile des gemeinen Weſens. Nicht ſelten ſieht man die Unwürdigſten zu hohen Würden gelangen, und in ſolchen Ehren, die ſie nimmermehr verdienen. Sie glänzen von außen durch Kleiderpracht; von innen iſt alles hohl; kein Ver⸗ ſtand, keine Wiſſenſchaft, keine Erfahrung. Am beſten verſtehen ſie ſich auf Gaſtmahler„wo geſchwelat wird, und wo nur der ſich auszeichnet, welcher es im unmäßigen Genuſſe der Speiſen und des Ge⸗ tränkes andern zuvor thut. Der Wunſch, ein Eſel zu werden. Ein alter, abgelebter Koch, der einem maylän 8 diſchen Fürſten diente, ward ſeiner langen Dienſte 3 überdrüſſig, und bat um eine Guade. Was verlangſt du für eine Gnade? fragte der Fürſt. Machen ſie mich zu einem Eſel, gnädiger Herr! antwortete der Diener. Ein ſeltſames Verlangen, ſprach der Fürſt lachend, du biſt ja ein Narr. Warum? erwiede der Koch. Euer fürſtliche Gnaden haben vishe ter Eſel zu einträglichen und hoher e dert; um daher auch zu ſolchen zu 9 gel ſche ich ein Eſel zu ſeyn. S Es iſt nicht a wenn es ſo 66 wie mit den Brunneneimern, wo immer der leere Eimer in der Höhe iſt, und der angefüllte unten bleibt. Es iſt gar nicht rüͤhmlich, wenn man es ſo wie der Bauer macht, welcher durch das Sieb oder das Reuter alles Gute durchfallen, und den Stanb in die Höhe gehen läßt. S Der Wilderhall. Der Widerhall gleicht einem böſen Weibe, das immer das letzte Wort haben will, und iſt ſo empfind⸗ lich, daß er dem, welcher ihm einen Schelm heißt, dieſen w wieder in den Buſen zurück wirft. D D ie B 6 d Es reiſet mancher, um ſeine Sündenlaſt an ei⸗ nem Gnadenorte abzulegen, und dannpflegt er im⸗ mer zu ſagen, er habe ſich recht entlaſtet, und es ſey ihm ein großer Stein vom Herzen gefallen. Gut! Gut! Ich wünſche viel Glück dazu; in der Rückreife kömmt man ſce n wieder zu den alten Be⸗ kannten; man ißt wieder, man trinkt, man win⸗ ket, und ſtinkt wieder vom vorigen Unflathe, und der erſt aus dem weißen Lamme herkam, ſpricht wieder beym blauen Bocke ein. Der Mond mocht es nicht beſſer; er magert ſich ſo aus, daß er einer Sichel gleicht; oft füllet der ſich wieder, daß er fugelrund ausſieht. Der Eſ*1. Der Eſel iſt ein plumpes dummes Thier, und hat dennoch zwiſchen ſeinen langen Ohren keinen ſo kurzen Verſtand, als man etwa glauben möchte; denn wo er einmahl e oder fällt, geht er das weite Mahl behutſam. Ein Eſel, der Sals uf e Rücken zu tragen hatte, legte ſich ermü⸗ det in einen Bach, und merkte, daß ſeine Laſt ge⸗ ringer wurde, weil das Salz zerging; verſuchte dieß daher öfter. Allein ſein Herr fuhr ihm durch den Sinn, und belud ihn in der Folge mit lauter Baumwolle. Als ſich der arkadiſche Klepper einige Mahle wieder in den Pach legte, konnte er ſeine Laſt nicht ertragen, weil die Wolle durch das ein⸗ geſaugte Waſſer ſchwerer geworden war. i maochte, daß der Eſel das Bad meidete, und ſi beſſerte. Folge des Weinkoſtens. Ich habe einen Menſchen gekannt, der volle dreißig Jahre keinen Wein trank; einer ſeiner Ge⸗ fährten tauchte einſt einen Handſchuh in den Wein⸗ krug und ſchlug ihm denſelben um den Mund, wor⸗ nber er ſehr krank wurde, bald nachher aber den Wein zu koſten anfing, und in kurzer Zeit ein voll⸗ kommener Säufer wurde. Die Menſchen dürfen nur etwas koſten, gleich hat es des S*i Unrecht Gut thut kein Gut. Alte Naturkundiger wollten behaupten, daß, wenn man Adlerfedern zu andern läge, die letzteren von den erſteren verzehrt würden. So geht es mit dem unrechtmäßig erworbenen Gut und Geld, wel⸗ ches ſogar das rechtmäßig erworbene wegfrißt. Einer meiner Bekannten erzählte mir, daß er dieſen Win⸗ ter eine außerordentliche HFälte ausgeſtanden hätte, und in den vorigen Jahren beynahe feines Pelzes nöthig hatte. Ich ſagte ihm im Scherz: Vielleicht iſt das Futter geſtohlen worden. Hole mich ₰ — 2 Teufel, antwortete er, der Pater hat es errathen, denn ich habe einem von meinen guten Bekannten zwolf Marderfelle weggenommen, er brachte hun⸗ dert derley aus Eſſek mit ſich. Es verſteht ſich, daß ich ſie ihm unwiſſend nahm, allein ungeachtet deſſen, ſehe ich augenſcheinlich, mein lieber Pater, daß meine Unterkleider, von den Marderfellén verzehrt werden. E Wie gewonnen, ſo zerronnen. Es reiſete einſt ein Mann auf der See umher, und empfing zu dieſem Ende von ſeiner Gattin eine beträchtliche Summe Geldes. Als er eines Tages fchläfrig wurde, nahm ein Affe, der auf dem Schiffe frey herum ging, einen großen Beutel wahr, den der Reiſende bey ſich hatte, ſtahl ihn mit außeror⸗ dentlicher Behendigkeit weg, eilte damit auf den Maſtbaum, wo er ihn öffnete, hin und her ſuchte, zuletzt das Geld herauszog, alle Mahl zwei Stücke zu den Füßen des Schlafenden fallen ließ, das dritte in das Meer warf, und in der Ordnung fort⸗ fuhr, bis nichts mehr im Beutel übrig blieb. Als er nach Hauſe kam, erzählte er dieſen Vorfall ſeiner Gattin umſtändlich, die ſich ſehr darüver wunderte, aber doch bekennen mußte, daß ſie das Geld welches ſie ihrem Gatten mitgab, zwar aus dem Milchver⸗ kauf löſte(ſie heſaß einen ſehr großen Meyerhoſo) aber doch unrechtmäßig, weil ſie unter zwei Theile Milch immer einen Theil Waſſer gegoſſen hätte. Wie gewonnen, ſo zerronnen, ſagt das alte Sprich⸗ wort.. Pupillen⸗Schicſal. Wir ſehen es mit den Augen, hören es mit den 45 — 28— Vhren, greifen es n Händen, wenn S ſtirbt und ſeinen Kindern eine reiche Erbſchaft hin⸗ terläßt, daß dieſe gleichwohl in Armuth gerathen. Es iſt mit dem Gute und Gelde, wie mit einem Aale, dieſer entwiſcht, ohne daß man daran denkt. Der Wolf und der Löwe. Ein Wolf hatte einem ſorgloſen Hirten ein Schaaf aus der Heerde weggeſchleppt und es in ein Gebüſch getragen, um wieder nach einer neuen Beute ausgehen zu können. Der Löwe, welcher die Beute roch, verzehrte es. Als der Wolf zurück kam, rief er wehmüthig: Ho, ho! Bruder Löwe! das war uicht recht gehandelt; ich habe das Schaaf ehrlich erworben,—— und ich ehrlich gefreſſen⸗ erwiederte der Löwe. Charakteriſtik mancher Vormünder. Ich habe oft geſehen, daß einige Vormünder faſt alle Sonn⸗ und Feiertage auf den Beſitzungen ihrer Mündel Feſte und Gaſtmähler angeſtellt ha⸗ ben, wahrend dieſe armen Mündel zu Hauſe kärg⸗ lich leben mußten. Wie viel gibt es, welche das Geld ihrer Mundel zu acht und neun für hundert anlegen und nur das geſeszmaßige Imtereſſe ihren Mündeln verrechnen! eines Ernobizen. Ein Ungar trat nicht weit von Wien ins Ro⸗ viziat, und da man den Rovizen bis auf einen Schopf alle Haare auf dem Scheitel abzuſcheren pflegt, ſo geſchah es auch dieſem. Mittlerweile tamen ihm die Ordensregeln zu ſtrenge vor, und er verließ das Novizigt. Als man ihm die ſoge⸗ nannte Krone*) abgenommen hatte, wollte er durch⸗ ans, daß man ihm ſeinen vorigen Schopf mit Pech wieder anheften ſollte, welches auch gefchah. So aus⸗ gerüſtet, nahm der Exnoviz ſeinen Weg gerade in eine Schenke; ſoff ſich voll an, und wählte, da es Win⸗ ter war, die Ofenbankzu ſeinem Nachtlager. Mit dem anbrechenden Tage ſchrie er um Brantwein, ſoffſich wieder toll und voll, und fing zu ſchnarchen an. Da die Magd mittlerweile den Ofen ziemlich geheizt hatte, zerfloß das Pech und fiel ihm nach und nach mit dem angehefteten Schopfe auf die Naſe hin⸗ unter, wo dieſer feſt anpckte. Als der Säufer erwachte, konnte er ſich nicht genug wundern, daß ſeine Naſe unter einen Haarbuſch verſteckt ſey, lief daher wie ein Raſender herum, mit der Klage, daß man ihn bezaubert hätte. Das Hausgeſinde hielt ihn für einen completen Narren, und der herbey⸗ geholte Bader konnte den Schopf nicht ohne Ver⸗ letzung der Naſe aus ſeinem Standquartiere bringen⸗ Warnung für Schwelger. Wo man ſiets Gaſtmähler gibt, unmäßig ißt und trinkt, wenn Pokale und Weingläſer um die Tafel herum tanzen, wie die Kinder Iſraels um das goldene Kalb, da kann kein Haus beſtehen; da geht die Wirthſchaft den Krebsgang, die Ar⸗ muth ſchleicht ſich ein, die Meubeln werden verzehrt, und nichts bleibt übrig als das Kupfer auf der Raſe. Das Waſſer hat ſchon Manchem Haus und Hof mit fortgeriſſen, aber der Wein noch Mehrern. F 9 geſchorne Platte auf dem Haupte der Geiſt⸗ lichen, —— „ 5 g — 5 —————- —— v*— Ein Schlemmer hatte alle ſeine Habe ver⸗ ſchlemmt, brannte aber dennech bey ſeinem ſehr frugalen Abendmahl Wachskerzen. Als dieß einer ſeiner Bekannten ſah, und ſich darüber ſehr verwun⸗ derte, ſagte der Schlemmer: Narr! weißs du nicht, daß man bey einem Leichenbegängniß keine Unſchlitt — ſondern Wachskerzen brennt? Weriſt denn geſtor⸗ ben? fragte jetzt der Bekannte. Frage nicht viel, wer geſtorben iſt, antwortete der Weinſchlauch: alle meine Häbe iſt geſtorben und ich bin verdorben! urban! urban! man ſagt von dir, daß du alle Tage ſternvoll ſeyeſt. Aus dieſem Stern nehme ich ab, daß du nicht lange leben wirſt. Richts iſt ſchäd⸗ licher als zu viele Geſundheit, wenn man nämlich zu viel zutrinkt. Vitis(die Weinrebe) vita(das Leben) ſind des Nahmens wegen ſehr verwandt, im Grunde äber ſehr verſchieden; denn der Rebenſaft iſt dem Leben gar nicht günſtig, und Bachus iſt des Magens und der Geſundheit ärgſter Feind überhaupt⸗ Gießt man auf den Kalk Waſſer, ſo fängt er an zu brennen; genießt man zu viel Wein, ſo wird der Körper entzündet, und im Kopfe ſpukt es ſonderbar herum⸗ Der Spielmann in der Todtengruft. Zur Peſtzeit hatte ſich ein Spielmann, ſeiner löblichen Gewohnheit nach, faſt taglich vollgezecht; einſt lag er betrunken auf der Gaſſe. Die Todten⸗ gräber hielten ihn für todt, legten ihn auf einen Wagen nnd warfen ihn mit den übrigen Todten in die Grube. Er lag unter den Leichnamen die ganze Nacht; als er des anderen Tages nüchtern erwachte, * 4 „ tonnte er gar nicht begreifen, wo und in was für einer Geſellſchaft er ſey; zu ſeinem Glücke hing an ſeinem Gürtel eine Sackpfeife; auf dieſer fing er zu ſpielen an und lockte dadurch Leute herbey, die ihn nicht ohne Verwunderung heraus zogen. Der berauſchte Bäuer⸗ *. Man erzählt von dem niederländiſchen Herzoge Philipp dem Guten eine drollige Geſchichte. Die⸗ ſer ſah einſt einen Bauer trunken auf der Gaſſe liegen. Da ſein Schnarchen bewies, daß er feſt ſchlief, befahl der Herzog, daß man ihn in ſeinen Pallaſt tragen, ſeine vom Gaſſenkothe beſudelten Kleider ausziehen, und ihn in ein fürſtliches Bett legen pute⸗ Alles ward genau befolgt. Als der Bauer den Weinrauſch ausgeſchlafen hatte, und ſah, daß er in einem fürſtlichen Bette liege, und nur Prunk ihn umgebe, wußte er nicht, was er denken ſollte. Kämmerer und Hofbediente erſchie⸗ nen, und hüllten ihn in koſtbare Kleider. Als er angekleibet war, kamen vornehme Herren, und fragten, wie Seine Durchlaucht geſchlafen hätte? Recht ſehr gut, gab der maskirte Bauer zur Ant⸗ wort, und ließ ſich, beſonders bey dem herrlichen Mittagsmahle recht gütlich geſchehen. Er griff töl⸗ pelhaft bald in dieſe, bald in jene Schüſſel und fraß für drey. Philippen, der heimlich zuſah, machte der Spaß viel Vergnügen. Nach der Tafel See len dem verkleideten Herzoge der Tanz und alle die Spiele die ſeinetwegen veranſtaltet wurden, außer⸗ ordentlich. Vorzüglich ſchmeckten ihm die köſilicher Weine, die man ihm anboth, und von denen er ſo häufig genoß, daß er neuerdings berauſcht wurde. Mit dem Sinken der Abendſonne wurden dem ein⸗ 2* 5 geſchlafenen Trunkenbold die koſtbaren Kleider aus und ſeine vorigen Lumpen angezogen; er ſelbſt wie⸗ der in den Gaſſenkoth gelegt. Als er früh morgens erwachte, hielt er alles, was ihm begegnete, für einen Traum, und erzählte ſeinem Weibe, die ihm einen derben Verweis gab, ſeinen vermeinten Traum umſtändlich. Die Sienſtbothen. Man findet, unter dieſen einige, welche ſich die ganze Zeit im Hauſe herumſchleppen, und ſich ſtatt der Pfeifen der Brummeiſen bedienen⸗ Andere gleichen dem Widerhall in den ſteye⸗ riſchen Gebirgen, wo ein einziges Wort drei oder vier Mahl wiederholt wird; ſagt die Frau ein Wort, ſo bezahlt die Magd das Capital mit Intereſſen. Es gibt einige unter ihnen, denen der Wein eben ſo widerſteht, wie den Bären der Honig; ſie wünſchen, daß alle Tage wie zu Cana in Gallilaͤa ein Wunderwerk geſchehe, und denken nicht, daß ſie dem ungelöſchten Kalke gleichen, den die Räſſe entzündet⸗ 3 Die meiſten befaſſen ſich mehr mit Liebeleyen, als mit den häuslichen Geſchäften, und ſprechen, ohne mehr ſchamroth zu werden, von Nebenverdien⸗ ſten, die nur dgrum geſucht werden, um den Da⸗ men in dem Luxus gleich zu kommen, oder es hnen„ wohl gar zuvor zu thun. Viele tragen das Kehricht nicht allein nach Hauſe, ſondern auchalles, was im Hauſe geſchicht, ₰ außer Haiſſé, freylich immer mit liebigen Zuſätzen= —— ₰ vatt Abraham 1. Viele ſind eine Art Mispel, die liegen müſſen⸗ und oft auch faulen⸗ Sie wollen lieber Trennen als Zuſammennä⸗ hen; darum ſchwingen ſie wie Erynnien die Fackel der Zwietracht, und trennen die Herzen manches Ehepaares; auch dienen ſie den gnädigen Damen als Liebesunterhändlerinnen⸗ 82 Der theuer bezahlte Goldpokal. Ein ungariſcher Cavalier, der einen fünf volle Maß haltenden vergoldeten Becher beſaß, ließ kund machen, daß er dieſen Pokal demjenigen ſchenkfen wolle, der ihn mit Wein gefüllt auf einmahl aus⸗ zutrinken im Stande wäre. Es fand ſich bald einer, der den vollen Becher auf einen Zug ausleerte, und ihn als Geſchenk mit ſich nahm. Doch nicht lange war er der Beſitzer dieſes Pokals. Der Tod hatte ihn ihm in wenigen Tagen entriſſen. Das heißt ſaufen und dem Tode entgegen laufen. Man könnte ihm wohl die Grabſchrift machen⸗ die man einſt einem gewiſſen Mathias Fink machte: BHic jacet extinetus quondam venerabilis Fincus, In rubea toga, pro eo Deum voga. Cujus olim venter bibit corsica vina lihenter⸗ In Fide sincera et charitate verau*) Di'e Mode. Ehemals trug man ein hübſches Kleid viele 8 — *) Hier liegt der verſtorbene einſt ehrwürdige Fink. Bitte für ihn im rothen Gewande bey Gott für ihn, deſſen Bauch gern corſiſchethen trank. Wit wahrem Glauben und wahrer Liebe. 1. — — —— Jahre; man zog es nur alle hohen Feſttage an, jetzt ändert ſich faſt mit jeder Woche die Mode, wie der Mond, der von einem Piertel ins andere tritt. Was gibt es von ſechszig Jahren her für Veränderungen? Was für Moden nur in den Hüten! Bald ein hoher Hut, wie ein ſteyriſcher Kegel, bald ein niederer, wie ein Pudelfell, bald ein glatter, wie ein Maul⸗ wurf, bald ein breiter, wie ein Faßboden, bald ein ſchmaler, wie ein Milchtopf; bald iſt er ein Mahl geſtülpt, bald zwey Hörner vor. Bald iſt der Hut mit Federn geziert, bald fehlen ihm dieſe; bald hat er einen ſilbernen oder goldenen Reif, bald wieder keinen. Was für eine Veränderung in den Kragen und Aufſchlägen! Eine Zeit her trug man Krauſen wie lauter Hohlehippen auf einander, dann fingen die glatten Kragen an wie Halsharniſche. Eine Weile hatten die Krauſen lange Kanten, wie ein Juden⸗ Leintuch; wieder eine Zeit lang waren die Krauſen ſo ſchmal wie der Schwanz einer Bachſtelze, und ſpäter ſo breit wie eine Zielſcheibe. Man trägt jetzt Halstücher, die den Windeln gleichen.. Wie vielen Veränderungen unterliegen die Rö⸗ cke! Bald ſind ſie franzöſiſch, bald kalabriſiſch, bald portugiſiſch, bald lukeſiſch, bald bologneſiſch, bald chineſiſch, aber nie deutſch; bald ſind ſie voll Knö⸗ pfe, bald haben ſie dieſe nur unten bald an der Seite, vald rings herum; vald ſind die Knöpfe groß, bald klein. Es gibt jetzt lange, kurze, enge, weite Hoſen, Schürzhoſen, Sturzhoſen, runde, bunte„geſtrickte, gebrämte, gefärbte, mit einem Worte unbeſtändige * — 35— Hoſen. Rur bey den Höfen und in den Palläften der Könige trug man einſt ſeidene Kleider, jetzt kleidet ſich ein jeder nichts bedeutende Menſch in Seide, faſt jede Küchen⸗Magd⸗ Titelſucht. Die Titelſucht hat keine Grenzen. Sogar mit dem eigenen Nahmen iſt man unzufrieden. Es will feiner mehr Schuſter, ſondern Sutorius; keiner mehr Weber, ſondern Textorius, keiner mehr Schneider, ſondern Sartorius oder Caligula a caligis(von den Hoſen) heißen. Euere Geſtreng will jetzt ſchon der Häſcher und Amtsdiener betitelt werden; dem Bet⸗ telvogt iſt faſt der Titel Eure Herrlichkeit zu ſchlecht. In den älteſten Zeiten hieß man Fürſtentöchter Jungfern, jetzt verlangt ſogar die Tochter eines Marftſchreiers ein Fräulein zu heißen. Eine bewußte Caſtanien⸗Perkäuferin will nicht Urſel ſondern Ma⸗ dame Urſel heißen. Man las vor einigen Jahren auf einer Addreſſe: an den Wohledelgebohrnen Herrn N. N., bürgerlichen Beſe nbinder⸗ Die Prädikate wachſen dergeſtalt, daß der, welcher Hans Hader ſchlechtweg heißt, ſich Hans Ha⸗ der von Lumpenhoſen ſchreibt. Ein Fiedler in der Schenke will jetzt Muſikus oder wohl gar Mus⸗ vigus heißen. Ein Blasbalgzieher will nicht mehr Calcant, ſondern Cooperator chori heißen. Ein beſpämter Freier. Ein junger, nach Reichthum ſtrebender Stutzer, kaufte einſt einer ſchon ziemlich alten, jedoch ſehr reichen Jungfrau einen Fächer, auf welchem der Liepesgott dargeſtellt war, wie er mittelſt eines Blas⸗ halges einige todte Kohlen aufzublaſen ſucht, um 3 ——— Schläge. ſeine Pfeile darin zu glühen und zuzuſpitzen. Die alte Jungfran bat ihn um die Erklärung dieſer mah⸗ leriſchen Darſtellung; worauf dieſer erwiederte, daß der aufgezogene Blaſebalg den Wind ſeiner Seufzer bedeute, durch welche er die todten Kohlen ihrer erlo⸗ ſchenen Liebe wieder anfachen wolle. Ei, antwortete die alte Jungfrau, ſagen Sie lieber ihrer erlogenen Liebe, denn dieſer Cupido verſinnlichet ſehr treffend ihren Stutzerſinn, der durch ſeine betrügeriſchen Schmeicheleien mich mit Wind abzuſpeiſen ſucht. Der wohlfeile Kauf. Ein Edelmann führte einſt einen Schneider in eine Kaufmannsbude, damit er ihm ein Tuch zu einem Kleide ausſuche. Es wurde das ſchönſte und beſte Tuch gewählt und der Kauf abgeſchloſſen. Der Schneider, dem der Preis zu überſpannt ſchien, ſagte dem Edelmann ins Ohr: Gnädiger Herr! das Tuch iſt zu theuer. Laſſet es gut ſeyn, Meiſter, ant⸗ wortete der Edelman leiſe, ich bin ja nicht Willens es zu bezahlen. So belieben Euer Gnaden, ſagte jetzt der Schneider, auch für mich eines auf ein Kleid zu nehmen. Wie oft gehen Lente in Sammet und Seide ſtolz einher, und das Kleid iſt noch nicht bezahlt. Die Bezahlung des Conto wird zwar oft betrieben, allein der Gläubiger richtet nichts aus. Der Kauf⸗ man läuft, ſchnaubt, ſchreibt⸗ treibt, wird aber zur lieben Geduld verwieſen, und erhält, wenn er zudringlicher wird, von der Dienerſchaft einen Tritt vor den Hintern, wird über die Treppe geworfen oder erhält ſtatt der Intereſſen wohl gar eine Tracht — — 37— . Der ſtrenge Vater⸗ Sraf Liderich von Flandern hatte unweit Ryſſel ein ſchönes Schloß, wo er Hof hielt. Sein älteſter Sohn ſpielte eben mit ſeinen Brüdern vor dem Schloſſe, als ein armes Weib mit einem Korbe voll Früchte hinzutrat, und dieſe feilboth, um bey der großen Theurung im Lande ihren Kindern Brot ver⸗ ſchaffen zu können⸗ Joſeramnus, ſo hieß der älteſte Sohn, ein hoffnungsvoller Jüngling, machte dem Spiele ein Ende, handelt dem Weibe die Fruͤchte ab, und ſagte ihr, er würde ihr das Geld aus dem Schloſſe ſchicken, ſie ſollte nur warten. Tas arme Weib, auf die Joſerasmus ganz vergeſſen hatte, wartete bis in die finſtere Nacht, und ſah ſich zuletzt genöthigt, troſtlos nach Hauſe zu gehen, wo ſie ihre zwei Kinder todt fand, der Hunger hatte ſie weggerafft. Mit zerriſſenem Herzen brachte ſie des andern Tages ihre zwei todten Kinder vor Liderich und klagte über ihren ſchmerzlichen Verluſt in Jam⸗ mertönen, und ſagte dem Gräfen, daß ſein älteſter Sohn ihr die erhandelten Früchte nicht bezahlt hätte. Der darüber entrüſtete Graf reiſete heimlich nach Dornik, und erzählte in einer Verſammlung, unter einem fremden Nahmen, das ganze Ereigniß. Man verurtheilte, ohne es zu wiſſen, ſeinen eigenen Sohn zum Tode, und Liderich ließ ihn darauf ohne Ver⸗ zug zu Ryſſel enthaupten⸗ Die Klagen des kleinen Fingers⸗ Der kleine Finger beſchwerte ſich bei Jupiter, daß er verachtet ſey und den Auftrag hätte, die Ohren zu reinigen; indeß man dem Daumen und Zeigefinger erlaube nach dem beſten Biſſen zu langen; ſie hätten öfter ſo gar die Gnade abgeſchleckt zu wer⸗ den. Du kheines kraftloſes Ding, ſprach jetzt der erzürnte Väter der Götter: Was haſt du dich zu beklagen? Kannſt du mehr leiſten, als du wirklich leiſteſt. Sey mit deinem Looſe zufrieden, und ver⸗ lange nichts mehr. Ein Ochſentreiber will einen Schreiber vorſtellen! Wie ungereimt! Ein Schaaf⸗ hirt will Amtma n werden! Wie närriſch! Der Hirt möchte einen Wirth vertreten! Wie unbeſonnen! Der Eſel möchte ſich ein Mahl gern unter die Tonkünſt⸗ ler miſchen, erhielt aber den Takt zwiſchen die Ohren. Der Beſen wollte auf eine Zeit lang unter das Obſt gezählt werden, wurde aber zum Auskehren des Un⸗ rathes verurtheilt. Ein Jeder bleibe, wer er iſt, und ſtrebe, wenn er untauglich iſt, nicht nach höhern Würden. Der Fuß gehört nicht zu dem Haupte, die Rippen gehören nicht zu den Füßen, die Hände nicht zu den KFnieſcheiben. Der Mannohne Hoſen. 3n Leibnitz in Rieher⸗Steyermark wohnte ein Mann, der ſich ſeiner guten Art wegen überall be⸗ liebt machte. Dieſen hatte ſeine Gattin eines Mor⸗ gens ſehr hart angegriffen, inpem ſie ihm ſagte, daß, S er die Wirthſchaft nicht verſtehe, ſie allein dem ausweſen vorſtehen wolle, und zwar um ſo mehr, ihr Gatte die meiſte Zeit in der Schenke zubrin⸗ Be. Da du dich für ein Haupt ausgibſt, ſo ſollſt du auch nicht der letzte unter den Haupt⸗Narren ſeyn. Begib dich gutwillig aller Regierung, ſonſt ſoll dich alles begrüßen, was ſich zum Prügeln brauchen laßt. Ho, ho! dacht er jetzt, mit Schlägen iſt hier nichts ausgerichtet, denn ein Weib gleicht einer Or⸗ gel, je mehr man auf ſie ſchlägt, je heftiger ſchreit ie, ich will was anders verſuchen. Er ſpringt daher aus dem Bette, läuft wie ein ächter Sans— culotte auf die Gaſſe und ſchreit: Meine Frau hat mir die ** — Hoſe gonommen. Auf dieſes Geſchrei verſammelte ſich eine Menge Menſchen und riethen ihm, er ſollte der Art einen Stiel ſuchen, und den Teufel aus ſeiner Herberge verjagen. Wer gleicht einem Igel. Der Vertäumder gleicht einem Igel, denn er iſt mit Stacheln, die ſcharfen Pfeilen gleichen, ver⸗ ſehen. Der Verläumder verwundet nicht allein die⸗ jenigen, die ihn berühren, ſondern trifft auch in der Entfernung Wer iſt ein Igel? Der Reiche. Der Igel pflegt in der Herbſtzeit auf die Obſtbäume zu kriechen, wirft die Aepfel und Birnen hinunter, wälst ſich nachher unter dem Baume hin und her und ſpießt ſo die Früchte an, mit denen er ſich in ſein Loch begibt; da dieſes enge iſt, ſo bringt er von dem geſtohlenen Obſte wenig oder gar nichts hinein, weil es ſich ab⸗ ſtreift. So der Reiche; was er durch Wucher und Ungerechtigkeit zuſammen ſcharret, muß er verlaſ⸗ ſen, und bringt nichts mit ſich ins Grab, als ei⸗ nige Breter. Anekdote. Als Kaiſer Carl V. das ſächſiſche Heer ſchlug, und den Herzog Johann Friedrich ſelbſt gefangen nahm, ſoll, wie d Avila und Grimaldi ſagen, die Sonne ſtill geſtanden haben. Als der Herzog Alba ſpäter nach Paris kam, uni im Nahmen ſeines Herrn(Phi⸗ lipps II.) mit Iſabella vermählt zu werden⸗ fragte ihn der franzöſiche König, ob er auch wahrgenom⸗ men hätte, daß in der oben erwähnten Schlacht die Sonne ſtill geſtanden habe. Sire, antwortete der Herzog; Jederwann behauptete es damals⸗ allem ih ſelbſt war ſo ſehr im ganpfe verwicelt, daß ich und Erde vergaß. Vorwitz. Zu Antdorf trug Jemand etwas unter dem Mantel; einer ſeiner Bekannten fragte ihn, was er trage?— Was ich verborgen babeß wil war die Antwort. Mägde gefpräch. Von den Mägden, die auf den Markt zum Einkauf geſchickt werden, ließe ſich manches ſagen. Es gibt nirgends ſo viel Vorwitz als bey der Küchen⸗ Partey, eine viſttirt der andern den Einkauf⸗Korb.. Nantchen, heißt es dann, wie theuer haſt du dieſes gekauft?— Um acht Kreutzer.— O Sabinchen, wenn ich meiner Frau nach Hauſe käme, ſo würde ſicher die Sturmglocke geläutet; denn ſie will alles um das halbe Geld, und wenn ſie abgezogene Fröſche kauft, ſo will ſie auch die grüne Hoſe dabey haben. tten gehe ich meiner Frau, wo ich kann, an die Hand; ich trage ihr in aller Stille Liebesbriefchen aus, beſonders, wenn der gnädige Herr im Rothſale ſitzt. Der heilige Nicolaus legt mir zu Zeiten einen ſchönen Zeug zu einer Schnür⸗ bruſt ein; da muß ich ſchon ein Auge zudrücken, mit dem andern ſehe ich ohnehin nichts. Die Neugierde der Wiener. i Wenn ſich in Wien irgendwo eine Menge Men⸗ ſchen verſammeln, laufen eine Menge Gaffer her⸗ bey. Bey ſolchen Gelegenheiten verlieren die Nar⸗ ren manches Mahl ihr Geld und büßen, wenn es arg wird, oft auch ihr Leben ein, oder kommen, wenn es noch gut ausfällt, mit einem Bein oder Arm 3½ Gedränge. ———— —— Der veſchmizte und ehrliche Schuſter. Es wohnten zwei Schuſter feſt neben einander. Der eine arbeitete fleißig; faſt Tag und Nacht trug er den Riemen um den Kopf, die Knie wurden ihm Frumm, die Hand glich einer eichenen Rinde; das Pech klebte, wo er hinſah, an ihm. Wenn er früh Morgens ſein Nachtlager, auf dem er nur wenige 3 Stunden lag, verließ, zog er oft das angepechte Lein⸗ tuch mit ſich. Von Morgen bis in die ſpäte Nacht ſaß er bey ſeiner Arbeit, und ſchwitzte über dem Ochſen⸗ und Falbleder, um ſich und die Seinigen, obgleich nur kärglich, zu erhalten. Dem Schuſter, ſeinem rachbar lächelte das Glück; dieſer war immer frohen Muthes, ſang und pfiff und ſcharrte ſich ein hübſches rundes Sümmchen zuſammen. Man darf nicht lange rathen, wo dieſem ſein Glück herkam. Die böſen Menſchen raunten ſich in das Ohr, er betrüge ſeine Mitmenſchen: er aber betheuerte, er hätte ſich durch kluge Speculationen Geld erworben. Der Geizige⸗ Er ſchnappt und tappt noch dem Gelde, wie die Forelle nach der Leber, er ſchnaubt und läuft nach dem Mammon, wie ein Renn⸗Pferd nach dem Ziele, er dringt und ringt nach dem Gelde, wie ein Geier ₰ nach der Taube. Kein Weg iſt ihm zu weit, kein Meer zu gefährlich, kein Berg zu hoch, kein Thal zu tief, keine Arbeit zu ſchwer, wenn er nur etwas erhaſchen kann. An die Reichen. Könnt ihr ungerührt und mit tröckenen Augen das Elend armer Witwen und Woaifen ſehen, ohne ihnen beyzuſtehen? Ihr habet manches Mal ſo viel Fleider als Feſttage im Jahre find, und der Arme * ————————— ————— k. —————ů——.——— — 42— kann kaum ſeine Blöße bedecken; euere Hunde erhal⸗ ten die beſten Brocken, und der Dürftige hat nicht 3. Brot genug. Euere Spiele verſchlingen große Sum⸗ men und für den Armen habt ihr nicht einen lum⸗ pichen Pfennig. Zu Comödien und Gaukelſpielen fehlt es auch nie an Geld; nur für die Dürftigen iſt euer Beutel geſchloſſen. Ihr bauet Palläſte und Häuſer und der Dürftige hat oft nicht ein Mal ein ſchlechtes Strohdach, unter dem er liegen könnte. Der beſchämte Undankbare Ein ehrlicher Bauer war einem Nachbarn ſo herzlich gut, daß er ihm erlaubte, das Getreide in 4 ſeine Scheune ſchütten zu dürfen. Der böſe Nachbar, weit entfernt, die Wohlthat zu erkennen, nahm ſich vor, den guten Bauer zu beſtehlen. Unter dem Porwande, als wollte er das Getreide umſchlagen, begab er ſich . bei hellem Tage in die Scheune mit dem Vorhaben, 3 nächtlicher Weile einen Sack voll fremder Förner weg zu ſchleppen. Damit er aber dieß deſto ſicherer thun könne, legte er auf den Getreidehaufen des ehr⸗ lichen Bauers ſeinen ſchlechten Kittel, um ſich, wenn er Nachts ohne Licht kame, nicht zu irren. Run kam von ungefähr der ehrliche Bauer in die Scheune, und fand des Nachbars Rock auf dem Getreidehau⸗ ſen, worüber er ſich Anfangs ſehr verwunderte, und zuletzt glaubte, der Nachbar bedecke ſein Getreide, un es r Regen zu ſchützen, der ihm, weil das Dach der Scheune baufällig war, leicht ſchaden* könnte. Er glaubte dieſe vermeinte Liebe vergelten zu müſſen, und ſagte zu ſich ſelbſt: Ich kann es nicht zugeben, daß der gute Michel mit ſeinem Schaden mein Getreide vor dem Regen ſchütze. Er ſprach's und legte den Kittel auf den Getreidehaufen des 3 boſen Mannes. Wie dieſer nun nächtlicher Weile als 3 8 Dieb einſtieg, griff er im Finſtern um ſich, fand den Kittel, fülite ſogleich einen großen Sack und eilte davon; nahm aber, als er zu Hauſe ankam, zu ſeiner nicht geringen Beſchämung wahr, daß er ſein eigenes Getreide fortgeſchleppt habe. Mein Mitleiden mit verſchiedenen Dingen. Ich habe Mitleiden mit dir, liebe Erde, weil dich ſowohl der Menſch als das Vieh mit Fuͤßen treten. Du mußt die größten Gebäude auf deinem Rücken tragen. Ueberdieß ſchröpfet dir noch der grobe Bauer mit der ſpitzigen Pflugſcharre deinen Rücken, daß ſich Steine erbarmen möchten⸗ Ich bemitleide dich, lieber Weinſtockz denn du wirſt gebunden, als hätteſt du einen Schelmenſtreich begangen! oder wäreſt beh einem Diebſtahle ertappt worden. Das ſcharfi ſer, mit dem man dich perwundet, muß dir billig Thränen erpreſſen. Auch die wilden Thiere ſind deine Feinde, die oft nach deinem Leben ſtreben. Reif und Schloſſen ſchwören dir den Untergang; nicht ſelten reißen ſie dir mit Gewalt das grüne Kleid vom Leibe. Auch dich, lieber Ambos, muß ich herzlich be⸗ mitleiden, nicht etwa darum, weil du mit einer be⸗ wußten Herberge zufrieden ſeyn mußt, ſondern weil man dich von frühe Morgen an, bis in die ſpäte Nacht mit faſt unterbrochenen Stößen und Schlägen mißhandelt. Der Hammer liegt dir ſtets auf dem Nacken; wäre deine Haut nicht ſo hart und dauer⸗ haft, ſo müßte ſie, des glühenden Eiſens wegen⸗ das ſo oft auf dir ruht, ſchon in tauſend Stücke zerfallen ſeyn. — — „ Piel muß der Ambos leiden, mehr der Wein⸗ ſtock, mehr als dieſer die Erde, aber am meiſten der Menſch; dieſer hat faſt ſo viele Feinde, als We⸗ ſen in der Schöpfung ſind; Feinde ober⸗, Feinde unter ſich, auf allen Seiten; rings umher; mehr unſichtbgre, als ſichtbare; die erſteren ſind immer die ſchlim:uſten, die gefährlichſten. Die Sehnfucht des Jünglings in der Wüſte. Ein alter Einſiedler wohnte mit einem Jüng⸗ linge an dem äußerſten Ende einer Wiſte. Uner⸗ fahren in den Dingen der Welt, kannte der Letztere nichts als die Gegend um die Einſiedeley ſeines Pfle⸗ Zevaters und keine menſchliche Seele außer dieſen. Als ihn einſt der Alte in eine Stadt führte, begeg⸗ neten ihnen einige jungs Mädchen. Was ſind das für Dingerchen? fragt nſchuldige Jüngling. Ganſe erwiederte der Ein Gänſe? wiederholte der Letztere. Als ſie ihren Rückweg in die Wöſte nahmen, ſprach der Junge kein Wörtchen, war ganz medergeſchlagen, und fing, als er in die alce, bau⸗ fällige Hütte fam und ſich niederſetzte, zu weinen an; die Thränen floſſen ihm unaufhörlich aus den Wimpern. Der Alte, der gern wiſſen wollte„war⸗ um der Junge unaufhörlich weinte, fragte ihn, was fehlt dir mein Sohn?— Ach, ein Gänschen, lie⸗ ber Vater, war die naive Antwort. Die Jungfern. Die Jungfern gleichen dem Schnee, wenigſtens ſollten ſie ihm gleichen, denn dieſer hält am läng⸗ ſten, je weniger er an die Sonne kömmt. Den Maädchen iſt nichts anſtändiger als die eingezogene Lebensart. Man ſagt nicht Frauen⸗Gaſfen, ₰ ondern Frauen⸗Zimmer. Jungſern ſollten den — 45— Taocher⸗Aenten gleichen, die immer untertauchen, um ſich vor Nachſtellungen zu ſchützen. Heldenmuth eines Weibes. Im Jahre 162) wurde unweit Rom ein armer Mann ins Gefängniß geworfen, weil er ſeinen un⸗ barmherzigen Gläubiger zur beſtimmten Zeit nicht zahlen konnte. Ein Böſewicht, der dieß erfuhr, er⸗ ſchien bald nach der Gefangennehmung des armen Mannes nächtlicher Weile vor deſſen Hauſe, wo des Verhafteten Gattin ganz allein war und forderte mit umgeſtüm eingelaſſen zu werden. Er drohte das Häuschen in Brand ſtecken zu wollen, falls ſie die Thür nicht öffnen würde. Als jetzt das arme Weib, aus Furcht, der Böſewicht möchte Wort halten, den Riegel zurückzog, wurde ſie plötzlich angegriffen⸗ und nur mit großem Widerſtande konnte ſie ſeinen Klauen entgehen. Da er zu ſeinem thieriſchen Ziele icht gelangen konnte, forderte er Geld oder Gel⸗ eswerth, und erhielt zwey Dukaten, die das Weib geborgt hatte, um ihren Gatten zu befreyen. Jetzt verlangte er einen Strick, mit dem Porſatze, die Arme erwürgen zu können; allein ſie ſagte, ſie beſitze keinen, als den, an welchem ihr Eſel angebunden wäre. Sie mußte ihm dieſen zeigen. Während er an der Auflöſung des Strickes, der ſehr verknüpft war, arbeitete, erblickte das Weib, die ihren Un⸗ tergang vor Augen ſah, einen tüchtigen Knittel, griff nach dieſem, ſchlug den Böſewicht zu Boden, wie⸗ derholte die Streiche, bis er todt war, und ſchleppte den Leichnam auf die Gaſſe. Des andern Tages früh Morgens eilte eine Menge Leute herbey und Nie⸗ mand zweifelte, daß die Mordthat in dem Hauſe des Verhafteten begangen worden ſey. Man ſtellte das Weib zur Frage, und ſie bekannte alles umſtändlich. Es kam bald heraus, daß der Ermordete ein berüch⸗ tigter Räuber und Mörder ſey, auf deſſen Kopf das Gericht ſchon längſt hundert Dukaten ſetzte, die dem armen Weibe auf der Stelle zuerkannt wurden. Die ſie ſogleich zur Bezahlung der Schulden ihres Mam nes verwendete. Die belohnte Tugend. Ein neapolitaniſcher Edelmann hatte ſeine Habe vergeudet und hinterließ nach ſeinem Tode außer einer Gemahlinn und einer Tochter, gar nichts. Armuth drückte beyde ſo ſehr, daß ſie das Wenige, was ihnen noch übrig blieb, verkaufen mußte. Nicht lange langten ſie mit dem Gelde aus, und die gewiſſenloſe und unverſchämte Mutter rieth ihrer ſchönen Tochter, daß ſie ihre Ehre feilbiethen ſollte. Letztere weigerte ſich, ihre Ehre aufs Spiel zu ſetzen, ſchnitt ſich ihr langes Haar ab und ſagte, daß auch aus dieſem Geld zu arlöſen wäre. Die Mutter trägt jetzt das abgeſchnittene Haar auf den Markt. Jeder der es ſieht betrachtet es mit Verwunderung. Ein Furſt⸗ der eben mit ſeiner Gemahlinn vorüber fährt, er⸗ blickt das ſchöne Haar, frägt nach, und erfährt alles unſtändlich. Gerührt von der Noth, ſorgte er für Mutter und Tochter, läßt der letzteren zwan⸗ zig tauſend Gulden auszahlen und verſchafft ihr einen rechtſchaffenen Mann zum Gatten. Lebensweiſe. Was verlangen Sie, Pater? Soll ich wie ein gemeines Weib mir mit Spinnen die Zeit vertreiben, wird manches adelige Frauenzimmer ſagen. Sie waren noch wenig in vornehmen Geſellſchaften.—. Ich laſſe meine Leinwand aus Holland kommen, denn man muß ſich nach dem Adel richten. Ich ver⸗ laſſe täglich um eilf Uhr Vormittag das Bett; die Chokolade muß ſchon vorhanden ſeyn. Ich laſſe mich ankleiden, bis dahin ſchlägt es zwölf Uhr, und man trägt mich in die Stephans⸗Kirche. Wäh⸗ rend der Meſſe habe ich eine Menge Fragen an meine bekannten Damen zu thun. Z. B. Wie haſt du heute Nacht geſchlafen, liebe Gräſinn?— Sehr gut, nur eine kleine Colik hat mich geweckt.— Wie ſo Engelskind?— Ich aß gar zu viel von der kalten Sulze, und trank Limonade davauf u. ſ. w. Nach der Tafel vertreibe ich mir die Zeit mit einem Spielchen, bis es Zeit iſt, in die Litaney zu gehen. — In der Kirche muß man natürlicher Weiſe ſehen, wer hinein kommt oder heraus geht. Wer ſteht dort? Page, gehe zur Gräfin hin und ſage, ſie möchte in meinen Betſtuhl kommen.— Daß doch die ge⸗ meinen Leute ſo grob ſind, mein Schatz; ſie geben dem hohen Adel gar keinen Reſpect. Wie geht es dir, mein Herzchen? Was ſchreibt dein Graf Gu⸗ tes? Sieh, Sieh, liebe Gräfinn, was die Frau des Sekräters Schildheim für einen Putz hat, ihr Mann kann ihr dieſen Broccat unmöglich gekauft haben, es muß gewiß ein Geſchenk ſeyn, weil er das Krumme gerade machte.— Warum kömmſtdenn du heute in die Kirche, liebe Schweſter?— Frage nicht viel, ich habe Langeweile. Mein Graf hat heute Commiſſion, und iſt dieſe geendigt, ſo muß er einen Brief ſchreiben. Größe. Es iſt nicht alles an der Größe gelegen, ſonſt würde eine dicke Heuſtange mehr als ein Zepter gel⸗ ten; der Elephant einen Haaſen in der Schnelligkeit übertreffen; ein Mühlſtein einen größeren Werth als ein 2 Diamant haben; ein Rabe ſchöner ſingen, al eine Nachtigall. Das ſtumme Wer da. Baue dir mit dem Brudermörder Kain eine Feſte und verſchließe dich darein: ſo wird dich doch das ſtumme Wer da,(das Gewiſſen) erſchüttern⸗ Alle deine Bruſtwehren, Baſteyen, Schanzen, Thür⸗ me, Thore nützen dir nicht. Der Feind iſt in der Stadt, du trägſt ihn in deinem Buſen. Du kannſt dich durch die Flucht nicht retten; überall ruft dir das ſtumme Wer da? zu Verkrieche dich mit Caligula unter die Lett⸗ ſtätte, verbirg dich unter das ſchußfreye Schilddes gottloſen Artemnon, ziehe dich in eine verſchloſſene und wohlbefeſtigte Inſel wie der Tyrann von Sira⸗ kus; das ſtumme Wer da iſt immer an deiner Seite. Luſei in eine Kiſte dich verſchließen, wie der ponti⸗ ſche Tyrann Elearchos, und dein ewiger Begleiter iſt wieder bey dir⸗ Steige endlich in das höchſte Genach, virf die Leiter hinab, ziehe die Brücke hinauf, wie der argi⸗ niſche Ariſtodemus;— alles vergebens; dem nagen⸗ den Wurm deines böſen Gewiſſens kannſt du entrinnen. Zuweilen wird der ichter aus verſhedenen urſachen von dem Beklagten nicht angenommen, wel⸗ ches die Rechte geſtatten, um den Kniffen verdäch⸗ tiger und beſtochener Richter zu entgehen. Zu Zeiten nimmt man die Richter nur gar zu gern an, weil man weiß, daß Geſchenke und Beſtechungen oftdie beſten Entſchuldigungen ſind. Doch der Richterdes Innern dringt ſich ſelbſt auf, ſetzt ſich ſelbſt zu Ge⸗ richt, läßt ſich nicht verwerfen, nicht durch Gunſt oder Gaben verblenden; er urtheilt ſelbſt wider ſich und alle begangenen Verbrechen. Das Wild mag ſich in das tiefſte Gehölz ver⸗ laufen, ſeine Spur wird es doch verrathen. Es ziehe ſich ein Igel noch ſo enge zuſammen, ſo werden die Stacheln doch ſeine Anweſenheit an den Tag geben. Es ſpinne ſich ein Seidenwurm noch ſo ſehr ein, das Geſpinnſt wird ihn immer verrathen. Man werfe ein faules Holz in den finſterſten Winkel, man wird es doch entdecken. 6. Die Schmeicheley⸗ Hüte dich!— Es gibt Einige, die dem Miſt⸗ haufen gleichen, den der Schnee im Winter bedeckt. Hüte dich! Es gibt Einige die den vergoldeten Pillen gleichen. Hüte dich! es gibt Einige, die eine Aehn⸗ lichkeit mit dem überzuckerten Enzian haben. Hüte dich! es gibt Einige die dem Wein gleichen, in wel⸗ chen man Hauſenblaſen legte. Hüte dich vor den Schmeichlern. Die Schmeichler überreden den Stolzen, daß Pracht einen hohen Geiſt anzeige; den Ehrgeizigen, daß der Durſt nach Ehre den Menſchen adle; den Geizigen, daß es klug ſey den Nothdürftigen ſeine Hülfe zu verſagen; den Verſchwender, daß Ueberfluß auszeichne; den Schwelger, daß Schwelgerey das Leben würze; den Rachſüchtigen„daß die Rache eine gerechte Wiedervergeltung ſey; den Schlemmer, daß Völlerey fröhlich und luſtig mache; den Müſſiggän⸗ ger, daß Nichtsthun den Mann von Adel chara⸗ Pater Abrahgm 1 4 6 * 2 3₰ 3 . —————— —————— X teriſire; den Verläumder, daß üble Rachreden Ab⸗ ſcheu vor Verbrechen und Thorheiten erregen. Meißner hat ein ſeltſames Gemählde aufgeſtellt, nähmlich einen Mann mit einem Doctorbart, der auf dem Rücken eine Harfe, mit der linken Hand einen Speer hält, mit der Rechten aber ein Jagd⸗ horn an den Mund ſetzt, als ob er blaſen wollte. Ich betrachtete dieſen Kerl drei bis vier Mahl, und wußte doch nicht, ob er ein Jäger, Soldat, Mu⸗ ſikus, ein Doctor oder ein anderer Menſch ſey. Nur als ich die Beyſchriftt las, wußte ich, was er damit ſagen woilte. Sie lautet ſo: Es ſind nicht alle Jäger, die in das Horn blaſen. Dieſe we⸗ nigen Worte gaben mir Aufſchluß. Alſo nicht ein jeder, der das Jagdhorn an den Mund ſetzt, iſt ein Jäger; nicht ein jeder, der mit einem Doctorhut pranget, ein Doctor; nicht ein jeder, der eine Harfe oder Geige auf dem Rücken trägt, ein Muſikus; nicht ein jeder, der eine Partiſane in der Hand hält, ein Soldat. Darunter liegt eine verblümte Wahrheit verborgen; das Gamählde iſt ein lebhaftes Contre⸗ fait eines Schmeichlers. Ein Schmeichler will für einen Mann angeſeheu werden, der er nicht iſt. Er iſt alles nur dem Scheine nach, in der Sache nichts oder nur halb und halb; eine bloße lügenhafte Darſtellung, aus der Niemand klug werden kann. Wer ihn nicht kennt, möchte ſchwören, er habe alls allen Dingen zu ſchwätzen. Er bläßt das Horn Wiſſenſchaften gefreſſen: ſo meiſterhaft weiß er von „wie man will; bald langſam, balb ſtark, weiß ſe jede Laune zu ſchicken. Er iſt ein Soldat, aber nur hinter dem warmen Ofen; eintapferer Zungenheld; ein trefflicher Harfenſpieler, der die Saiten bald hoch, bald nieder ſtimmt und jedem ſingt, wie er — 51— es gern hört. Er trägt bald einen grauen Bart und lobt das Alter, bald einen jugendlichen und ſchändet die Jugend; bald iſt er ſtolz und verachtet die De⸗ müthigen, bald demüthig und verachtet die Stolzen; pald iſt er ſchön und macht ſich luſtig über die Miß⸗ geſtalten; bald iſt er ſchwarz und lobt die blendende Weiße; bald iſt er ein Geiſtlicher und verwirft den weltlichen Stand; bald ein Affe im ſtrengſten Sinne; vald ein grober Bengel; bald ein artiger Geſelle. Die Schmeichler ſind, wie Plutarch ſagt, einem Spiegel nicht unähnlich, der alles von ſich gibt, was ihm dargeſtellt wird. Sie gleichen einem Papagey, der nichts an⸗ ders ſchwätzt, als was er hört. Sie gleichen, nach Plinius, der Sonnenblu⸗ me, die ſich nach der Sonne wendet und dreht. Sie gleichen einem Stocke, in dem ein verbor⸗ gener Dolch iſt, den man herausſpringen laſſen kann. Sie ſind den Hunden des Acteon gleich, die ihren eigenen Herrn aus Dankbarkeit zerriſſen haben. Sie gleichen den Syrenen, die durch ihren an⸗ lockenden Geſang die Menſchen ins Verderben ſtürzen. Sie gleichen dem Immergrün, das ſich allent⸗ halben anſchließt, und das, was es umfaſſet, erſtickt und verdirbt. Sie gleichen endlich einer Emme, die das Kind, welches ſie auf den Fußhoden fallen ließ„mit ſüßen — 652— Worten zu beſäuftigen ſucht, und ſo lange nicht aufhört, es zu loben und zu erheben, bis es aus Wohlgefallen zu lachen anfängt. Die Nuß als Sinbild der drei weiblichen Stände. Ein Mädchen wollte einſt in einem geſelligen Zirkel einen ſinnreichen Vergleich anſtellen, indem ſie eine Nuß ſammt der grünen Außenſchale ergriff, ſich der Geſellſchaft zuwandte und ſagte: Geben ſie acht, wie ich ihnen die drei Stände des Frauen⸗ zimmers, nämlich den Eheſtand, den Witwenſtand und den Jungfrauenſtand durch dieſe Nuß erklären werde. Die grüne Hülſe, welche häutig und bitter iſt, bedeutet den Eheſtand, die harte Schale be⸗ zeichnet den Witwenſtand, aber der innerlich ver⸗ borgene ſüße Kern verſinnlicht den Jungfrauenſtand. Hierauf beißet ſie die Nuß entzwei— aber Gott in Himmel! welcher Beſchämung— ein Wurm iſt darin. Was ſch ätzen die Wenſchen am meiſten. Drei Dinge ſchätzen und lieben die Menſchen ammeiſten, Geſundheit, Reichthum und Ehre. Wir geben uns, wenn wir anders nicht wahnſinnig ſind, alle Mühe unſere Geſundheit zu erhalten. Wir ſcheuen keine Gefahr, um uns Vermögen zu ver⸗ ſchaffen, und bieten alles auf, um allgemein geehrt zu werden. Der gute Nahme geht inzwiſchen über Alles, er iſt ein Kleinod, das wir am meiſten zu verwahren ſuchen, der größte Schatz⸗ e Witwe. Eme junge, ſchöne, aber arme Witwe wurde von einem jungen Edelmann verfolgt, der ihr eine 53— große Summe verſprach, wenn ſie ſich anders ent⸗ ſchließen könnte, ſeine Beyſchläferin zu werden⸗ Der Antrag war zu entehrend, als daß er Eingang in dem Herzen des tugendhaften Weibes gefunden hätte; ſie wies ihn, wie er es verdiente, mit Ver⸗ achtung ab. Gegen Mitternacht ſchickte der Edel⸗ mann bald nach ſeiner ihn beſchämenden Abfertigung einen unbekannten Bedienten an das Haus der Matrone; dieſer läutet an, worüber die Magd er⸗ wacht und frägt, was er wolle? Die Muhme eue⸗ rer Frau ſchickt mich, um dieſe zu ihr zu bitten, weil ſie gefährlich krank und dem Tode nahe iſt. Verweilet nur nicht lange,/ damit die Muhme euere Frau noch vor ihrem Tode ſprechen könne⸗ Die Magd weckt auf der Stelle ihre Frau, die erſchrocken über die betrübte Rachricht, ſich ſchnell ankleidete und aus dem Hauſe ging. Sie hatte ſich kaum einige Schritte von ihrer Wohnung entfernt, als ſich ihr der Edelmann mit ſei⸗ nen Bedienten, die brennende Fackeln trugen⸗ näherte, und ihr wieder den enteherenden Antrag machte. Sie gab ihm nicht allein kein Gehör ſondern erreget ein Ge⸗ ſchrey, daß die Leute erwachten und herbey eilten/ und der Edelmann, um nicht verrathen zu werden, ſich aus demStanbe machen mußte. 2 Die blinden Sehenden. Keiner iſt ausgenommen, der den ſchiefen Ur⸗ theilen dieſen blinden Sehenden nicht unterliegen müßte. In ihren eigenen Sachen ſind ſie blind, in fremden haben ſie wahre Luchsaugen; ſie ſind alſo rechte Wunderthiere. Was vor ihrer Thüre liegt⸗ und in ihnen ſelbſt ſteckt, ſehen ſie nicht; nur das Fremde, das Weitentlegene ſehen ſie ſogleich, und dringen bis auf das Mark. Sie ſehen ſogar das an andern, was bey ihnen nie zu finden iſt. Das⸗ —— Schwarze und Dunkle ſehen ſie, und finden man⸗ ches Mahl gleichſam eine finſtere Nacht an einen Himmel, an welchem doch helllichter Tag iſt. Geht Jemand ein bischen wohlgekleidet ein⸗ her, ſo fallen ſie gleich moraliſch über ihn her, und fragen ſich untereinander: Wo nimmt dieſer das Geld her? Ich halte dafür, daß er und ſein Herr aus einem Beutel zehren; was er ſeinem Herrn ſtiehlt, verwendet er auf ſeine Kleidung. S Geht Jemand zerriſſen oder gar in Lumpen ge⸗ hüllt einher, ſo will das wieder nicht gefallen. Sieh doch, heißt es jetzt, auf den Geizhals, auf den Geldwurm; er will weder ſich, noch andern etwas gönnen; dem Gelde zu Liebe geht ſo zerriſſen einher. Beſucht Jemand ſtille und einſame Herter, ſo heißt es ſogleich: der Menſch will in einen Orden treten, weil ihm die Arbeit nicht behagt; er ergreift die Kutte aus Verzweiflung. 8 Wenn Jemand böſe Geſellſchaften flieht und ſich ſittlich beträgt, ſo ſtürmet alles auf ihn los, man nennt ihn einen Heuchler, einen Gleißner, einen Menſchenfeind. Keiner der Edlen iſt vor den flie⸗ genden Pfeilen der Läſterung ſicher, mit denen un⸗ aufhörlich nach dem guten Nahmen, wie nach einer Zielſcheibe gezielet wird. De Mnſch Der Menſch iſt ein Gras, das nicht lange ſteht; ein Schatten, der bald verſchwindet; ein Schaum, der bald zerrinnt; eine Blume, die bald ihre Far⸗ be verliert; ein Rauch, der ſich bald verzleht und ——— — ein Feuer, das ſich ſelbſt verzehrt; ein Blatt, das pald abfällt; ein Glockenſchall, der bald verhallt; ein Fluß, der ſchnell rinnt; eine Kerze die bald ver⸗ prennt. Der Menſch gleicht, ſeines Wankelmuths wegen, der Witterung im April und der Wandel⸗ varkeit der Roſenblätter; er gleicht der Sonne, die auf und nieder geht, und iſt ein Spielball des Schickſals. Gebeugter Stolz. Wie vielen Menſchen iſt ſchon begegnet, was alle Jahre dem Emmerling wiederfährt. Dieſer Vo⸗ gel iſt ganz gelb, und es ſcheint, als wäre er ganz in Drapd'Or gehüllt. Im Sommer wird keiner unter den Vögeln mehr geſchätzt, als dieſer Em⸗ merling. Er fliegt und hüpft ſtolz von einem Bau⸗ me zu dem andern, und ſingt, als wäre er edler als alle übrigen Bewohner der Luft; kömmt aber der Winter und hat der Schnee die Fluren bedeckt; ſo nähert er ſich der Hütte des Landmannes, ſetzt ſich an ſeine Thür, ſogar auf den Düngerhaufen und ſcheint allen Stolz verloren zu haben. Die Wahrheit. Sie iſt eine Mutter, die nur Haß gebährt; eine Wurzel, aus der nichts anders, als Verfol⸗ gung wächſt; eine Henne, die nur Feindſchaft aus⸗ hrütet, die faſt Niemand ohne Verluſt wählt. Sie gleicht einer Wüſte. Man ſieht bald ein tiefes Thal, welches an der Hölle anzuklopfen ſcheint, bald einen Berg, deſſen Gipfel bis an die Wolken reichen. Man trifft bier rauhe Felſen, deren Glatze jeder Witterung ausgeſetzt iſt; tiefe, finſtere Höhlen, — 65— 3 die wilde Thiere bewohnen, herabſitzende ſchäu⸗ 3 mende Catarakten. Hier ſteht ein dickes Geholz mit Stauden und Gebüſche, worunter das giftige Unge⸗ ziefer ſeine Herberge nimmt, dort heulen Wölfe, zwiſchen Nattern, brummen Bären, ſtechen Dornen, kratzen Hecken, brennen Reſſeln, verletzen Steine. Des Adels ſchönſte Eigenſchaft. Nichts ſteht dem Adel beſſer an, als Freygebig⸗ “ keit. Die Naturforſcher wollen behaupten„daß bei dem Adel die rechte Hand etwas länger als die linke ſey, als ob die Natur den Adeligen zu geben er⸗ 6 mahnte. Ein offener Helm und eine zugeſchloſſene Hand ſchicken ſich nicht wohl zuſammen. Plump war die Wahl der Bäume, als ſie die Dornhecke zu ¹ ihrem Könige erwählten, weil dieſe nicht allein nichts gibt, ſondern noch nimmt, zum Rupfen und Zupfen ganz geneigt iſt. Es fährt kein Fuder Heu vorüber⸗ in das ſie nicht greift; ſogar den unſchuldigen Lämm⸗ chen reißet ſie zu Zeiten ein Büſchelchen Wolle aus. Ueber das Hofleben. 8 Weg vom Hofe!— Die letzte Sylbe des Wortes Palaſ heißt Laſt. Wohl iſt hier nichts als glaſt und Beſchwerniß. Weg vom Hofe!— Hof⸗Art und Hoffarth ſind verwandte Worte, oder Siſtei liegen beide in einem Quartier. 11 2 Weg vom Hofe!— Das lateiniſche Wort 5 3 choß läßt ſi ſich durch eine Buchſtaben⸗ Verwechs⸗ lung leicht in Lava umſchaffen. — 5— 1 Vom Hofe weg!— wo man die Farbe miſcht wie der Mahler auf der Palette. Weg vom Hofe!— wo einer dem andern den Fuß unterhält, um zu fallen. Wem ſollte der Adel gleichen?— Der Adel ſollte meiſtentheils den Bienchen oder Immen gleichen. Sie ſind edle Thierchen, die nicht wie andere Inſekten im Kothe herumkriechen, ſon⸗ dern nur Blumengärten beſuchen. Die Biene hat Honig und einen Stachel; ſo ſollte der Adel zwar gütig, aber voll des Ernſtes ſeyn. Die beiden Competenten. Zwei geiſtliche Competenten kamen bey erledigter Pfarre zu dem Kavalier, der das Jus praeseniandi hatte. Der Eine war ein ſehr gelehrter Mann, hatte aber nichts im Beutel, der Andere war reich, hatte aber nichts im Kopfe. Beide hielten um die Pfarre an. Der Kavalier ſandte Beide zu ſeinem Sekretär, der ihre Fähigkeiten prüfen ſollte. Dieſer fragte an⸗ fangs den Gelehrten, wie Abrahams Vater geheißen habe. Dieſer antwortete ſogleich: Thare. Der Reiche hingegen wußte es nicht, drückte aber dem Sekretär ein Dutzend Thaler in die Hand, daher er auch als Pfarrer vorgeſchlagen wurde, in dem der Sekretär meinte, dieſer habe den wahren Sinn ſeiner Frage verſtanden, indem er nicht den Thare, ſondern das Dare(auf Deutſch geben) darunter gemeint habe.. Farbendeutung. Die Lilie beitet durch ihre weiße Farbe dem Schnee Trotz. Wenn denn nun eine jede Farbe ihre gewiſſe Bedeutung hat, ſo deutet d die w eiße Farbe auf Reinigkeit, und auf die Tugenden überhaupt; die ſchwarze auf die Demath; die grüne auf die Hoffnung; die rothe auf die Liebe. Die grüne Farbe deutet auch auf den Frühling, die rothe auf den Sommer; die blaue auf den Herbſt; die weiße auf den Winter. Die weiße Farbe zeigt die Kindheit, die grüne die Jugend, die blaue das männliche, die ſchwarze das Greiſenalter an. Die rothe Farbe deu⸗ tet auf das Feuer, die blaue auf die Luft, die weiße auf das Waſſer, die grüne auf die Erde. In dem Edelſteinen ſpielet die blaue Farbe in dem Türkis, die grüne Farbe in dem Smaragd, die weiße in dem Dia⸗ mant. So kann man durch Farben vieles andeuten; aber nie treffender, als wenn man durch die dümmſte aller Leidenſchaften, den Neid andeutet. Das Bretſpier als Gfeichniß der Welt. Die Welt gleicht ganz einem Bretſpiele. Das Bret beſteht gemeiniglich aus weißer und ſchwarzer Farbe; Freuden ſind mit Leiden vermiſcht. Nun wiſſen die erfahrnen Spieler wohl, daß, wer in dem Bretſpiele die Dame erhält, die ſicherſte Hoffnung zum Gewinn hat. Wer im Weltſpiele die Dame auf ſeiner Seite hat, die für ihn bittet, ſich für ihn ver⸗ wendet ihn in Schutz nimmt und unctſtist der hat ein ß ſchon gewonnenes Spiel. Soldaten⸗„Muſterung. Soldaten, denen die Schenke lieber als das Zeughaus iſt; denen Karten lieber als die Piken ſind⸗ die lieber nach der Bettdecke als nach dem Degen greifen, lieber Paſteten als Baſteyen trenſchiren, lieber Schlafmützen als Helme tragen; denen der Saml lieber die Lrommne ſ denen die Wachteln in der Schüſſel lieber als die Wachen ſind, der Tanz leiber als die Schanze, der Krug lieber als der Krieg iſt, taugen nichts. A'nekdote. Ein vornehmer Franzoſe reiftte nach Rom in der Hoffnung, den Cardinalshut dort zu erlangen⸗ allein er täuſchte ſich. Wie er alſo wieder in ſein Vaterland kam und einen gefährlichen Huſten mit nach Hauſe brachte, wunderte ſich ſein Arzt ſehr darüber. Als dieß der Narr des vornehmen Franzo⸗ ſen wahrnahm, ſagte er zu dem Arzte: Wundert euch nicht, Doctor, daß mein Herr einen ſtarken Huſten hat, er machte ja die ganze lange Rückreiſe ohne Hut. Eigenſchaften der Eheleute. Die Eheleute müſſen gute Zähne haben, um alles verbeißen zu können; ſie müſſen gute Finger haben, weil ſie oft durch dieſe ſchauen müſſen, einen guten Rücken, um alles zu ertragen; einen guten Magen, um die härteſten Brocken verſchlucken zu können; gute Achſeln, um ſie recht oft zucken zu können; gute Füße, weil ſie der Schuh oft drückt. Laſſet ihr euch in ein eh'liges Bündniß ein, ſo prüfet wohl, damit ihr nicht ſtatt einer Gertrand eine Bärenhaut, ſtatt einer Dorothee ein Ach und Wehe; ſtatt eines Matthias einen Motto heirathet. Prüfet wohl, ſage ich noch ein Mahl, damit ihr auf dem Roßmarkte keinen Eſel einhandelt und Rüben für Rettig einkauft. ueber die böſen Weiber. In Steyermark iſt der Boden ſehr uneben, den größten Theil deſſelben bedecken Felſen und Berge⸗ — 60— die natürlichen Schanzen gleichen, und dem Feinde Trotz bieten. Wenn in den heißen Sommertagen ein ſtarkes Ungewitter entſteht, der Himmel dadurch ein finſteres Geſicht macht, die Stürme zu toben anfan⸗ gen, die Vögel ſich furchtſam unter die dicken Aeſte verbergen, die Bäume zittern, Blitze ſich durch das ſchwarze Gewölk ſchlängeln und es zu donnern an⸗ fängt, ſo merkt man, daß, wenn der erzürnte Him⸗ mel den Donner hören läßt, der Widerhall drei oder gar vierfach, nicht ohne Entſetzen ber Reiſen⸗ den, vernommen wird; ſo zwar, daß dieſer Wider⸗ hall ein größeres Getöſe als der Donner ſelbſt macht. Ein böſes Weib iſt zwar kein Berg, aber ein Thal (Jammerthal wollte ich ſagen), und gleicht dem Widerhall in Oberſteyermark. Geſchieht es zu Zei⸗ ten, daß der Mann gründliche Urſachen zum Wider⸗ willen und zur Ungeduld hat, und ſich gezwungen ſieht, in harte Worte auszubrechen, verdoppelt ſich der weibliche Widerhall, und es geht nicht anders zu, als in der Hütte des Schmidts Tubalwino, beſtändig gehammert wird, ſo zwar, daß die Rachbarn ſich die Ohren mit Baumwolle verſtopfen müſſen. Das Ding endet ſich meiſtens mit einem Luſt⸗ feuer, wohl auch mit einer Tracht Schläge. Welch eine Zärtlichkeit! Nach Plutarch, ſoll bei den Sparta⸗ nern der Gebrauch geweſen ſeyn, daß mau der Braut die Haare vom Kopf abſchnitt, ſie dann in Manns⸗ kleider hüllee und ſie ſo dem Bräutigam zuführte; in England wird die Braut mit drey Kronen gekrönt; nn den gothiſchen Provinzen iſt der läppiſche Gebrauch, daß, ſo bald der Prieſter das Brautpaar zuſammen gibt, die zunächſt ſtehenden den Bräutigam und die Braut ins Geſicht ſchlagen, und die Römer drehten die Braut, wenn ſie dem Bräutigam zugeführt wurde⸗ 4 8 ſheeie 1 * —— ——————— — P* einige Mahl ſo herum, daß ſie ſchwinblich ward, und die Thür nicht mehr finden konnte. Servius, der Commentator des Virgil, er⸗ wähnt eines ſonderbaren Gebrauchs, daß man die Thürſchwelle, wo die Braut nähmlich eingeführt wurde, vorher ſtark mit Oehl und Fett beſchmiert. Was man damit andeuten wollte, iſt zwar nicht be⸗ kannt: allein ich vermuthe, daß man durch dieſes Beſchmieren oder Beſtreichen, der neuen Gattinn das Stillſchweigen einrathen wollte; denn wenn man die Thür einſchmiert, ſo knarrte ſie nicht, ſon⸗ dern ſchweigt, wie ein Mäuschen ſtill, wenn es Speck naſcht. Guter Nath für Frauen. Ein Weib wurde von ihrem Manne von Schlä⸗ gen ſo erbärmlich zugerichtet, daß ſie in der Ver⸗ zweiflung auf das Feld hinauslief, und ſich entlei⸗ ben wollte; ſich aber ſpäter doch eines andern be⸗ ſann, und ſich hinter eine Haſelſtaude ſetzte, wo ſie jammerte, klagte, ſeutzte und weinte. Ach, rief ſie, wie geht es mir! Wäre es ein Wunder, ich ſchnitt mir die Gurgel ab. O du mein lieber, mir zu frühe entriſſener Paul! Gott habe dich ſelig! Richt wahr! du haſt mich nicht erzürnt? Du konnteſt ohne mich nie aus dem Hauſe gehen, du nahmſt mich immer mit. O Gott! wie werde ich jetzt von meinem jetzigen Manne(ich wollte ſagen von mei⸗ nem Mörder,) dem hundiſchen Menſchen, mißhan⸗ delt. Freilich folgen nicht zwey himmliſche Zeit⸗ räume auf einander; auf den Himmel folgt die Höl⸗ le! Wie ſie ſo klagte, ſpricht die Haſelſtaude zu ihr: Siehſt du die Eiche, die nicht weit von hier Peht, wie zerzauſet ſie iſt, und ſieh mich an, wie . * —— unverletzt ich bin. Willſt du die Urſache wiſſen, warum ich ſo unverletzt da ſtehe? Wiüthete der Sturm, ſo ſtemmte ſich dieſe Eiche mit aller Macht gegen ihn, welches den Sturm noch mehr erbitterte. Darum iſt ſie ſo zerzauſet; ich aber laſſe mich von dem Sturme herumtreiben, ohne mich zu widerſe⸗ tzen, darum bleibe ich, wie du ſiehſt, unbeſchädigt⸗ Die Anwendung auf meine Lehre wird dir doch ein⸗ leuchtend ſeyn? B Sprüſchwörter. Bey den Kaufleuten iſt das Lügen und ſchwö⸗„ ren ſo gemein, Wie bey den Schwaben der Haberbrein. Gezierte Worte, geſchmierte Worte; heuchleri⸗ ſche Worte, ſchmeichleriſche Worte; gelehrte Worte, bewährte Worte; demüthige Worte, ſanftmüthige Worte. Die größte Herrſchaft in der Welt Behauptet jeßzt allein das Geld⸗ Gield und Gut Macht Uebermuth. 1 Iſt ein Menſch gieich voll vom Ladel Geld bringt Schönheit und den Adel. Wer nicht zum Geleitsmann hat das Geld Der wandelt nicht glücklich durch die Welt. Ein reicher, und was von dem Reichthume meiſt unzertrennbar iſt, auch geiziger Handelsmann zu Antwerpen verlangte von einem berühmten Mah⸗ ler gemahlt zu werden, und verſprach, wenn das Portrait anders Aehnlichkeit mit dem Original ha⸗ ben würde, den Künſtler nach Wunſch bezahlen zu wollen. Der Mahler lieferte ein Meiſterſtück; er mahlte wie Portraitmahler ſollten, nicht allein den äußeren, ſondern auch den inneren Menſchen, und goß in das Bild, treffende Aehnlichkeit, Leben, Geiſt, Ausdruck und Charakter. Als nun der Mah⸗ ler die accordirten dreißig Thaler verlangte, ſchüt⸗ telte der Kaufmann den Kopf, gieng nach Hauſe und ließ dem Mahler das Bild: Um ſich an dem Kaufmann, der ihn getäuſcht hatte, zu rächen, ſetzte ſein ſchnellarbeitender Pinſel dem Bilde eine Schellen⸗ kappe auf, und ſtellte es mit andern Bildern aus. Die Narrenkappe auf dem Portrait lockte eine Menge Menſchen herbey, die ein ungeſtümes Gelachter erhoben, und ſich über das Hriginal luſtig machten. Da nun mit jedem Tage das allgemeine Geſpötte wuchs, brachte der Kaufmann das accordirte Geld, bat den Künſtler die Narrenkappe auszuſtreichen, und ihm das Portrait zu übergeben. Der Künſtler that jetzt zwar alles, was der Kaufmann verlangte; allein die Schande konnte er nicht mehr wegwiſchen⸗ die dem letztern blieb. S er 8 oeng0 Betrachtet mit kaltem Blute den Zornigen; es funkeln ihm die Augen, er wackelt mit dem Kopfe, ſchäumt, blöcket die Zähné wie ein Kettenhund, er⸗ hebet ſeine Stimme, wie ein ſchlechter Sopraniſt, der in den Tenor übergeht; er wüthet mit den Hän⸗ den, wie ein Tollhäusler; die ſich ſträubenden Haare gleichen dem Storchenneſte auf einem Kirchthurm, er reißt den Mund auf, wie der Fiſch gegen den ——— Tobias; er zeigt ein Geſicht, als wäre er bey dem Satan ins Bad gegangen; er tobt wie ein Pan⸗ ther, und jeder vernünftige Menſch muß ihn für einen Wahnſinnigen halten. Der Zornge gleicht dem in Aufruhr gebrach⸗ ten Meere; der geringſte Anlaß ſetzt ihn außer ſich⸗ Die Köchin verbrennt den Brey, der Diener zer⸗ trümmert das Glas, die Kinder ſind nicht immer mäuschenſtill, die Frau ſpricht nur ein Wörtchen entgegen, und er wüthet ſchon, tobt, raſet, ſchreit, als hätte er die Hirnwuth, als wäre ein Tieger ſeine Säugamme, als hätte er ein Faß über einen hohen Berg mehrere Mahle umkehren müſſen. Jetzt regnet es allerley Schmach⸗, Schelt⸗, Fluch⸗, Stichel⸗, Spott⸗ und Schimpfwörter; er haſpelt ganze Le⸗ gionen Teufel aus dem Munde, als hätten dieſe die Furien hinein geſponnen. Foetida vomit. Ein Thor, der eines einzigen Wortes wegen ſich ſehr beleidigt wähnte, ward ſo entrüſtet, daß er mit dem Kopfe gewaltig an die Thüre rannte, die, weil ſie moderig war, durchbrach, und den Thoren, um ſich an dem Halſe nicht zu beſchädigen, zwang, ſo lange in der Oeffnung ſtecken zu bleiben, bis ihn der Wundarzt aus ſeinem Zwinger zog; worüber er zuletzt ſelbſt lachen mußte. Senertus ſchreibt, daß nichts ſchädlicher ſey, als wenn ein Zorniger trinkt oder ißt, weil die Speiſe im Magen verderben und zum tödtenden Gifte wird. Es iſt ein wahrer Jammer, wenn der Zornige, wie ein abgezogener Froſch im Bette liegt⸗ wenn er krumme Finger macht, wie ein Schuſter⸗ kneip, wenn ihm die Wangen herabhängen wie ein ———— ———— — 65— „Schrottbeutel, wenn er die Arme ſaft-, kraft⸗ und haftlos herabhängen läßt, wenn er wie eine Taucher⸗ Aente mit dem Kopfe wackelt, wenn er ſich zuſam⸗ menkrümmt, wie ein Taſchenmeſſer, wenn es im Bauche ſchneidet, wenn die Galle in die Glieder dringt und der frühseitige Tod dem jungen Leben ein Ende macht. Durch ein zänkiſches Leben im Eheſtande erkal⸗ tet die Liebe, die Treue wanket, die Einigkeit ſchwin⸗ det, das Gemüth verſauert, die Redlichkeit ſchim⸗ melt, die Wirtſchaft maust, die Küche gähnet, der Keller vertrocknet, die Stube trauert, die Kammer trotzt, das Vermögen verwelkt, die Kinder ſtrau⸗ cheln, die Mägde glitſchen, die Diener fallen, und die Geſundheit zerrinnet. Sprüchwörter. Wie die Bezahlung, ſo die Arbeit. Wie der Wundarzt, ſo die Salbe. Wie der Kopf, ſo das Urtheil. Wie die Einſcht, ſo die Behandlung. Wie die Kuh, ſo das Kalb⸗ Wie der Acker, ſo das Getreide. Wie die Wieſe, ſo die Weide. Wie der Meiſter, ſo der Junge. Wie der Tänzer, ſo der Seit Pater Abraham 1. 2 Wie der Baum, ſo die Birnen. Wie die Frau, ſo die Mägde. Wie der Herr, ſo der Diener. Wie der Soldat, ſo das Gefecht. Wie der Hirt, ſo das Vieh⸗ Wie die Aeltern, ſo die Rinder⸗ Scigſar eines Geitzägen. Als ſich Harpar durch vieles Zuſammenſchar⸗ ren ein hübſches Sümmchen blinkender Kremnitzer geſammelt hatte, quälte ihn die Furcht, ſie möch⸗ ten ihr Standquartier verändern, ſo ſehr, daß er Tag und Nacht ohne Ruhe war, und ſeinen lieben Mamon wie ein Drache bewachte, Er traute weder ſeinem Weibe, noch ſeinem Gefinde; darum ſchie⸗ nen ihm Riegel und Schlöſſer zu ſchwach. Nie ſchlief er unruhiger, als wenn er in Geſchäften in die benachbarten Gegenden reiſen mußte. Um aller dieſer drückenden Sorgen auf ein Mahl befreyet zu werden, ſinnt er auf ein Mittel, das er glücklich ausfindig macht. Nach dieſem nimmt er an einem beſtimmten Tage ſeinen mit Golde gefüllten Sack mit ſich, ſteigt in ſeinem großen Garten auf einen Bqum, und weil er zwiſchen zwey großen Aeſten hohl war, verbirgt er ſeinen großen Schatz, und war faſt vor Freuden außer ſich, daß er ihn ſo vor allen Diebs⸗ banden geſichert habe. Die Ruhe ſeines Gemüthes ward jetzt wieder hergeſtellt, allein auf nicht lange. Seinen Nachbar, einem armen Mann, der viele Kinder hatte, und ſie nicht ernähren konnte, ergriff die Verzweiflung ſo, daß er auf den nämlichen Baum ſtieg, wo der Mamon war, um ſich zu erdroſſeln. Schon hatte er den Strick um den Hals, als er von ungefähr den Sack erblickte und glaubte, Gott habe ihm dieſes geſchickt. Er ſtieg jetzt mit dem Mam⸗ mon herab, ließ in dem Uebermaße der Freude den Strick auf dem Baume hängen, und dankte Gott für das Glück. Bald nachher wollte der Geitzhals ſeinem lieben Golde einen Beſuch machen, und ſich an deſſen Anblick weiden; allein wie erſchrak er, als er wahrnahm, daß das Goldvogelchen ausge⸗ flogen ſey. Es fehlte nicht viel, und er wäre vom Baume heruntergefallen. Ach! ſchrie er jetzt, ſo iſt doch alles hin, alles, was ich liebte, was meine ganze Seligkeit ausmachte, was ich mir abdarbte. Alles auf ein Mal hin! Hätte ich nur einen Strick, ich würde meinem verhaßten Leben auf der Stelle ein Ende machen! Kaum hatte er dieß geſagt, als er ſchon den Strick erblickte, und ſich erhing. Der Lügenbach⸗ Ein reiſender Edelmann ſah ſich genöthiget, aus Mangel an Pferden, den'erſten beßten Fuhr⸗ mann zur Fortſetzung ſeiner Reiſe aufzunehmen. Als ſie nun bereits auf dem Wege begriffen waren, ſah der Edelmann einen Fuchs über das Feld laufen. Er fragte den Fuhrmann, was dieſes für ein Thier ſey?— Gnädiger Herr, es iſt ein Fuchs, antwor⸗ tete der Fuhrmann. Wie, ſprach der Edelmann, ſind bey euch die Füchſe ſo klein. In meinem Landé ſind die Füchſe ſo groß, wie die Ochſen. Der Fuhr⸗ mann hätte gerne darüber gepfiffen, aber— er blieb ruhig, ohne ſich zu äußern. Bald darauf kom⸗ men ſie an einen Bach, den ſie durchfahren muß⸗ ten, da fing der Fuhrmann an zu ſeufzen und ſich — 68— hinter den Ohren zu kratzen. Der Edelmann fragte ihn hierüber um die Urſache. Ach, ſagte dieſer, in dieſer Gegend iſt ein Bach, den man den Lügenbach nennt; der hat die Eigenſchaft, alle Lügner, die ihn durchfahren, in große Lebensgefahr zu verſetzen. Iſt es dieſer Bach? fragte der Edelmann. Der ſchlaue Fuhrmann antwortete, er wiſſe es eigentlich nicht. Wohlan, ſprach er zu dem Fuhrmann, ich will dir nun bkennen, daß die Füchſe in meinem Lande nicht größer ſind, als ein halbgewachſehes Kalb. Mithin fuhren ſie durch den Bach ohne einige Gefahr; trafen aber bald wieder auf einen größern Bach; wobey ſich der Edelmann mehrere Mahle er⸗ kundigte: Ob nicht dieſes der ſogenannte Lügenbach ſey.— Jedoch der Fuhrmann entſchuldigte ſich neu⸗ erdings mit ſeiner Unwiſſenheit. Der arme Edel⸗ mann, den ſein Gewiſſen ſchon zu drücken anfing, ſagte hierauf: Ich habe midh wohl geirrt, die Füchſe ſind bey mir nicht größer als ein Schaf. Auch die⸗ ſen Bach durchſetzten ſie ohne Gefahr. Endlich aber ſtellte ſich ihren Augen ein großer Fluß dar, bey deſſen Anblick der Fuhrmann ausrief: Gnädiger Herr, das iſt der wahre Lügenbach; jener gefähr⸗ liche Fluß! Iſt das möglich, rief der Edelmann aus?— Nun mein lieber Fuhrmann, ſprach er, ich will dir die Wahrheit frei geſtehen, daß bey mir, in meinem Lande die Füchſe auch nicht größer ſind als hier; und lächlend durchfuhr der Fuhrmann den gefährlichen Bach. 5 Der Neidige.— Er gleicht einer Eule, die das Licht ſcheuet. Er kann nicht ohne Aerger ſehen, wenn Jemand ſeiner Tugend wegen glänzt, Er gleicht einem Miſt⸗ 1 läfer, der aus den ſchönſten Roſen nur Gift ſaugt. * — 69— Er ſpricht nur von den Mängeln ſeiner Nebenmen⸗ ſchen, ihr Gutes verſchweigt er. Er gleicht den Feilen oder Raſpeln, die alles verzehren, wegrei⸗ ßen und wegbeißen. Er gleicht den Brunnen, die bey kalter Witterung warm, bey warmer kalt ſind. Er frenet ſich, wenn es Jemanden übel geht, und trauert, wenn es ſeinen Nebenmenſchen wohl geht. Er gleicht dem Blitze, welcher gemeiniglich nur hohe Gebäude trifft, und weniger die niederen. Er haſſet die⸗enigen, die Gott erhöhete. Er gleichet den Wach⸗ teln; dieſe böſen Vögel ſeufzen immer, wenn die Sonne aufgeht; er ſeufzet, wenn dem Nebenmen⸗ ſchen die Glücksſonne aufgeht. Er gleicht einem Baume, unter dem junge Bäume wachſen; derley Bäumchen werden von den Aeſten der großen Bäume unterdrückt. Der Reidige ſieht nicht gern, daß ihm Jemand gleich komme; er ſucht ihn, wo er nur im⸗ mer kann, zu unterdrſcken. Er gleicht einem Fieber⸗ kranken, dem jede Speiſe bitter vorkömmt, weßwe⸗ gen er alles ſeinen Nebenmenſchen zu verbittern ſucht. Er gleicht den Fliegen, welche den Menſchen ge⸗ meiniglich nur an dem ungeſunden oder verwundeten Theile des Körpers quälen. Der Reidige ſucht auch nur das Tadelhafte, nie das Gute auf. Er gleicht den Waſſereimern an einem Brunnen; fällt der eine hinab, ſo ſteigt der andere herauf. Der Ne idige iſt beym Falle des Nebenmenſchen froh, und traurig bey ſeinem Glücke. Erbärmliche Leidenſchaft! Der Neidige fühlet einen immerwährenden Dorn, der ihn verwundet, einen immerwährenden Dolch, der ihn durchbohrt, einen immerwährenden Hammer, der ihm das Herz zerſchläht, eine im⸗ merwährende Schlanz die ihn umwindet, einen — 6& * immerwährenden Tieger, der ſein Herz verzehrt, ſein Herz iſt in beſtändiger Unruhe. Der Neidige kann ſeine Leidenſchaft ver⸗ bergen, ſein Geſicht verräth ihn; die eingefallene Wangen, die finſteren Augen, die berggrünen Lip⸗ pen, die birkene Stirne, die giftigen Seufzer, die melancholiſchen Geberden, das Zwitſchern mit den Zähnen, ſein mageres, ausgeräuchertes Geſicht, ſind die Dollmetſcher ſeines Innern. Ein Neidiger mag eſſen, was er will, wie er will, wann er will, wie viel er will, wo er will; ſo wird er doch immer ſo hager, wie ein Windhund ſeyn, weil ſich bey ihm alles in Gift verwandelt. Der funchtſame Ein armer Handwerksburſche reiste von Wien nach Baden. Um der Schwüle des heißen Som⸗ mertages auszuweichen, hatte er ſich erſt Abends auf den Weg gemacht. Als er nun bey eintretender Nacht die ſogenannte Teufelsmühle erreichte, ergriff ihn ſo ein Grauen und Bangen, daß er aus vollen Fräften zu laufen aufing. unglückſeliger Weiſe hatte ſeine Rocktaſche, die er ſich mit Rüſſen angefüllt hatte, ein Loch, durch welches ſich allmählig eine Nuß nach der andern durchdrängte, und dem Flie⸗ henden auf die Ferſen fiel. In der Meinung, der Teufel träte ihm ſchon auf die Ferſen, ſtrengte er ſeine Kräfte noch mehr zum Laufen an, bis er ganz zu Boden ſtürzte.— Hier verhüllte er ſein Ange⸗ ſicht der Erde zugewandt und brach in ein Jammern und Zagen aus, bis die Vorübergehenden ihn eines Beſſern belehrten und ihn von 2 Furcht be⸗ freiten. — 7¹— Die Strohköpſe S Mancher wird ſeiner Kenntniſſe wegen erhöhet, was auch ganz billig iſt; denn es gibt nichts nach⸗ theiligeres, als wenn man Strohköpfe oben anſetzt. Es iſt, bekannt, daß Gott den Plan zur Arche ent⸗ worfen hat; wo der Ochſe, der Eſel und die übrigen Thiere das untere Stockwerk, aber die Menſchen das obere bewohnen ſollten. Und doch ſteht ein leerer Kopf nicht ſelten oben an, und der talentvolle muß unten bleiben. Die Natur iſt eine witzige Mutter; ſie trug dem kleinen Finger auf, daß er die Ohren reinige; nicht aber dem Daumen oder Zeigefinger, weil ſich der Fleine beſſer dazu ſchickt als die andern. Mancher Ort, manche Stadt, manche Gemeinde muß billig erſchrecken, wenn es eine Obrigkeit ohne Kopf hat. Kleider⸗Polizey. In einer gewiſſen vornehmen Stadt kam eine kleider⸗Polizey auf, und Jedermann wurde durch ein ſcharfes Dekret gebothen, ſich nicht wider den Stand zu tragen. Doch dieß dauerte, wie viele gute Sachen, nicht lange, und ein Spötter machte fol⸗ gende Grabſchrift auf dieſe nützliche Anſtalt: Hier liegt begraben Eine Frau gefreſſen von Motten Die papierne Kleider⸗Polizen Der Weiber Pein und Qual; Schneider, Kaufleute und Krämer Wünſchen ihr mit den Weibern Eine ewige Ruhe. 6 G leichniſſe. 3 WManche Menſchen ſind den Apothekerbüchſen * gleich, welche äußerlich oft ha⸗ ben„inwendig aber höchſtens ein Spinngewebe ent⸗ 3 halten; andere wiederum gleichen den Kinderdocken, auswärtig ſtolz, inwendig Holz. Manche Menſchen gleichen den verdorbenen Uhren; wenn der Zeiger auf drei Uhr ſtehet, ſo ſchlägt der Hammer zwölfe. Ein zänkiſches Weib gleicht einer lebendigen Hölle, einer ſteten Maul⸗ trommel, einer immerwährenden Beißzange, einer unaufhörlichen Klappermühle, einem kirrenden Schub⸗ karren, einem unerträglichen Hausübel, einem un⸗ ruhigen Poltergeiſt, einem bellenden Ketenhunde. Das Gold gleichet der Sonne; wenn dieſe nicht ſcheinet, ſo iſt trübes Wetter. Die Schönheit gleicht einer Blume, heute vor dem Buſen, morgen vor dem Beſen. ie Gewiſſenswürmer. Es gibt einen Wurm, der kriecht in den Kan⸗ zelein und auf den Schreibtiſchen der Advocaten her⸗ um; es iſt der Intereſſe⸗Wurm. Es gibt einen Wurm, der kriecht auf den Schee⸗ ren der Schneider herum; es iſt der Beſchores⸗ Wurm. Es gibt einen Wurm, der kriecht auf den Schrif⸗ ten der Notarien herum, es iſt der Teſtaments⸗ Wurm. Es gibt einen Wurm, der kriecht auf dem Hausgeräthe der Eheleute herum, es iſt der Zank⸗ Wurm. ℳ 8 Es gibt einen Wurm, der kriecht in den Scheunen der Wucherer herum, es iſt der Getreid⸗ und Horn⸗Wurm. Es gibt einen Wurm, der niſtet in Locken der großen Perücken; es iſt ein politiſcher Wurm. Es gibt einen Wurm, der läßt ſich auf dem Luxusputze der Frauenzimmer ſehen, es iſt ein Ga⸗ kanterie⸗ und Luxuswurm. Aber wer kann alle Ge⸗ wiſſenswürmer aufzählen? Herzog Friederich. Friederich, der Aeltere dieſes Nahmens, Her⸗ zog von Heſterreich, hatte ſeine fürſtlichen Kleider oft mit einem ſchlechten Bauerkittel vertauſcht. Uner⸗ kannt droſch er manchen lieben Tag ums baare Geld in der Scheune eines Bauern, verichtete andere harte Arbeiten, und nahm mit der ländlichen Mahlzeit vorlieb. Mancher Landmann betrachtete ſeine zarten Hände und fuhr ihn an, indem er ſagte: Mit dei⸗ nen weichen Pfoten mußt du nicht viel gedroſchen haben. Während ſolcher ländlichen Arbeiten fragte der Fürſtoft, was man denn von dem Herzoge Frie⸗ derich halte? Zuweilen erhielt er zur Antwort, daß er ſelbſt ein liebenswürdiger Herr ſey, ſeine Apoſteln (Räthe) aber nichts taugten, er ſehe ihnen gar zu viel durch die Finger, brauche deßwegen wenig Bril⸗ len; er laſſe die Edelleute nach Belieben ihr Weſen treiben, die dann mit den armen Bauern ſo verfah⸗ ren, wie man mit den Weiden zu verfahren pflegt, wenn man ſie beſchneidet oder ſtutzt. Wir bethen immer zu Gott, ſprachen die Bauern, daß unſer gnädiger Herr lange lebe; denn ſtürbe er, ſo würden die Edelleute uns, wie das Laſtthier nach Willkür herumtreiben. Wir armen Landleute ſind nicht mehr ſoglücklich wie zu Davids Zeiten, wo man die Schaf⸗ hirten und andere gemeine Leute auf die Edelbans ſetzte. Es iſt heute zu Tage ein jeder Bauer ein Her; aber nur mit einem r: denn es heißt: Bauer gib her, Bauer, trage her, Bauer, gehe her! Dem Herzoge mißfiel der derbe Witz des Landmanns nicht; er behagte ihm ſo gar; denm er liebte Wahrheit. Als Friedrich bey einem andern Bauern, wo er als Knecht arbeitete, wieder fragte, wie ihm der Herzog gefalle; ſo klang die Antwort ganz anders als ſonſt. Mein lieber Knecht, unſer Herzog iſt zu verſchwenderiſch, er gibt dem nächſten beſten Seil⸗ tänzer gleich fünfzig Thaler, für den vielmehr ein Seil gehörte; uns Bauern ſieht er keinen Kreuzer nach, er ſchreibt eine Steuer auf die andere aus. Man möchte, wenn einem der Kopf nicht ſo lieb wäre, beynahe gar keinen haben. Und wo glaubſt du, daß das Geld hinkömmt?— Die Pracht hat ſich zu ſehr eingeſchlichen; es fährt jetzt eine jede Krämerin in einer Caroſſe. Unſer Herr Pfarrer predigte einſt, daß ein gewiſſer Atlas die ganze Welt getragen habe; ich kanns jetzt ſchier glauben, trägt doch unſer Edelmann, der ziemlich ſchwach iſt, 5 fünf bis ſechs Dörfer auf dem Rücken, nähmlich ſeing„ Kleider werden ſo hoch, wie dieſe Dörfer geſchätzt. Solche Aeußerungen hörte Friedrich in der Bauern⸗ jacke. Kam er wieder nach Hof und erſchien er da im fürſtlichen Anzuge, ſo fragte man ihn, warum er ſich ſo oft in grobe Lumpen hülle und die ländlichen Hütten betrete? Er gab mit einer ernſten Mienezur Antwort: Nur auf ſolche Weiſe kann ich Wahrheit hören; meine Hofleute ſagen ſie mir nicht. Schmeich⸗ jer, Schmarotzer, Schwätzer, Schwärmer, Schlemmer und Sch. habe ich genug um mich, aber keinen, der mir die Wahrheit ohne Scheu ſagt. Fugit potentum limina veritas, Quamquam salutis nuntia. Sr Pre5iger, Man hört den Predigét nicht gern, wenn er großen Herren die Wahrheit ſagt; ſie ſollten nähm⸗ lich doch endlich ein Mahl ſich die Brille auf die Naſe ſetzen, und nicht immer durch die Finger ſehen, mit der Juſtiz nicht ſo verfahren, als mit einem Gewölbe voll Spinnengewebe, wo die größten Inſekten durch⸗ brechen, und die Mücken hängen bleiben, ſie ſollten nicht dem Diſtillier-Kolben gleichen, der aus der Blume den letzten Tropfen herausſaugt. Man hört den Prediger nicht gern, wenn er den Edelleuten ſagt, daß ſie den Barbierern nicht in das Handwerk greifen ſollten; den Geiſtlichen, daß ſie oft den Glo⸗ cken gleichen, welche andere in die Kirche rufen, ſelbſt aber wegbleiben; er mißfällt ſehr, wenn er dieſen Geiſtlichen ſagt, daß ſie Noahs Zimmerleuten nicht unähnlich ſind, welche andern die Arche baue⸗ ten, ſich aber ſelbſt nicht retten konnten und mit den übrigen Menſchen in der Sündfluth zu Grunde gin⸗ gen; wenn er ſagt, daß ſie den Eulen gleichen, welche das Hel nächtliger Weile aus den Lampen ſchlürfen, von der Kirche erhalten werden, und zu ſonſt nichts nützen. Man hört den Prediger nicht gern, wenn er von den Soldaten ſagt, daß ſie glauben, ihr Gewiſſen ſey privilegirt. Man ärgert ſich über den Prediger, wenn er den Obrigkeiten ſagt, daß ſie einer Hoſpital⸗Suppe gleichen, auf der wenig Augen ſind; wenn er den Beamten äber⸗ — haupt ſagt, daß ſie gar zu barmherzig ſind, nicht zwar in der Beherbergung eines Fremdlings, ſon⸗ dern des fremden Guts. Man hört den Prediger nicht gern, wenn er den Wirthen ſagt, daß ſie ſchlech⸗ ten Wein für Rheinwein verkaufen, und den gemein⸗ ſten Landwein noch verfälſchen; wenn er den Bäckern ſagt, daß ſie das Brot mit ſchlechtem Mehl ſchlecht backen, und des Gewicht nicht ſo gewiſſenhaft nach der Vorſchrift nehmen. Man hört ihn nicht gern, wenn er von den Bauern ſagt, daß ſie nur die Rolle des Einfältigen ſpielen, indieß ſie voll Tücken und Kniffe ſind. Am meiſten ärgert man ſich, wenn er die Frauen⸗ zimmer bey der delikateſten Seite packt: z. B. bey der Liebe zum Putze, bey den Winkel⸗Liebeleyen, bey der liebenswürdigen Koketterie, und daß es heut zu Tage wenige gibt, die über die ſchamloſeſte Sache roth werden. Ich fragte die Wahrheit, warum ſie einen mit Blumen geſtickten Mantel trägt, und einen Fuchs⸗ ſchwanz um den Hals hat? Habet ihr denn einen Huſten, Madame Wahrheit, daß ihr den Hals ſo warm hatte? Mein lieber Pater, antwortete ſie ich trage ſchon lange einen mit Blumen geſtickten Mantel, weil man mich allenthalben bemäntelt und verblümt. Den Fuchsſchwanz trage ich um den Hals, weil die Schmeicheley gemeiniglich nicht ſehr entfernt von den hohen Häuptern zu ſeyn pflegt. Zornig über dieſe Aeußerung riß ich ihr die Kleider vom Leibe, und ſchenkte ſie dem nächſten Bettler, der bey der ganzen Verhandlung gegenwärtig war. Der Fuchs⸗ ſchwanz hatte ihm gute Dienſte geleiſtet; er warf einer vorübergehenden häßlichen Frau die gewöhnlichen Bett⸗ lercomplimente: meine ſchöne wackere Frau zu, und erhielt eine reichliche Gabe. . Der Schlemmer und Schwelger Heliogabalus fragte einſt eine Hofſchranze, ob es eine große Sünde ſey, die Mutter mit der Tochter zu umarmen. Eben eine ſo große Sünde antwortete der niedrige Schmeich⸗ ler, als die Henne ſammt dem Hühnchen zu eſſen. Faſt gleichen Gelichters war jener Hofſchranze in Paris, welcher dem Koͤnige immer das Lied vor⸗ ſang, was dieſer am liebſten hörte. Fand der Höf⸗ ling ſeine Majeſtät, des Geldemangels wegen nie⸗ dergeſchlagen und nachdenkend; ſo hatte er allerlei Vorſchläge bereit. Man muß die Bauern beſchnei⸗ den, wie ſie ihre Weiden und Weinſtöcke beſchnei⸗ den. Schlagen Sie mit dem Zoll auf, Sire! legen Sie auf Butter, Schmalz, Pfeffer und Salz, Linſen und Brei, auf Bier und Wein, Tauben, Hühner, auf Obſt und derlei einen Impoſt, üher⸗ haupt auf alles, was die Bauern auf den Markt tragen, und zwar durch zwei Jahre hindurch. Der König folgte dem Rathe des böſen Schutzgeiſtes und machte Taxen auf Taxen. Indeß nagte der Wurm des Gewiſſens und der Höfling ſah ein, daß er übel gehandelt habe. Er hinterließ in ſeinem Teſtamente, daß man ſeinen Leichnam nur in die Kloake begra⸗ ben ſollte, in welcher aller Schlamm von jenem Markte fließt, auf dem der Zoll erhöhet wurde. Bild der Schmeichler. Dieſe Leurchen gehören in die Luft; denn ſie gleichen der Luft. Dieſes Element charafteriſirt treff. lich den Schmeichler. Die Luft iſt an und für ſich weder warm noch kalt, weder licht noch dunfel, weder trocken noch feucht, ſondern ſie richtet ſich nach dem Himmel; iſt er kalt, ſo iſt auch die Luft kalt, iſt er warm, ſo iſt ſie es anch. Die Schmeichler rich⸗ ten ſich nach den Reigungen ihrer Herren Hat d Herr zu Liebeleyen einen Hang, ſo wird von 4 ſonſt als von Liebesintriguen geſprochen; ſagt der Herr die niedrigſte Wolluſt ſey keine Sünde, ſo be⸗ jaht es der Schmeichler, und ſagt, daß dieß nun allgemein ſey und in den heißeren europäiſchen und aſiatiſchen Ländern(auch bey uns) zum bon ton ge⸗ höre. Iſt der Herr ſchläfrig, ſo dehnt auch der Schmeichler ſeine Glieder; ſagt der Herr, daß es ihn friere; ſo zittert auch der Schmeichler, wäre es auch in den Hundstagen; hinkt der Herr, ſo hinkt auch der Schmeichler; ſtammelt oder ſtottert der Herr, ſo ſtammelt und ſtottert auch der Schmeichher. Will der Herr Jemanden verfolgen, ſo verfolgt ihn auch der Schmeichler. Die Luft hat noch eine andere Ei⸗ genſchaft, ſie trägt nähmlich alles zu. Wenn man. hier im ſogenannten Grätzer⸗Schloß die große Glo⸗ cke läutet, ſo hört ſie der Landmann oft Stunden⸗ weit Wer trägt ihm einen ſolchen Klang zu? Nie⸗ mand ſonſt als die Luft; ſie iſt die allgemeine Zu⸗ trägerinn alles Halls, Klangs, Schalls, Knalls und Falls. Nicht viel anders iſt der Schmeichler; was er ſieht, hört, greift, riecht, koſtet, fühlt, merkt, lieſt, trägt er ſeinem Herrn zu; vergrößert, ver⸗ kleinert, verſchwärzt, vermehrt, verringert; nach⸗ dem er es braucht. Die Schmeichler gleichen dem Spiegel. Dieſer gläſerne Affe ahmt alles nach, was er ſieht, mit dem Lachenden ſchmunzelt er; mit den Weinenden hat er naſſe Augen. Dieſe Geſellen gleichen der Sonnenwende, die immer der Sonne folgt; ſie tan⸗ zen, wie der Herr geigt; gleichen den Ziegen, welche an den Bäumen lecken und ſie zuletzt ſo entrinden⸗, daß ſie verdorren müſſen. Wie viele Schmeichler⸗ Zungen haben andere ins Verderben geſtürzt. Was dem Raben begegnet, begegnete manchem vorneh⸗ men Herrn. Wer kennt die Fabel nicht, in welcher der Rabe ſeinen Käſe verlor, weil er ſeine Stimme hören ließ; ſie wurde dem Fuchſe zur Beute. Wie oft geſchieht im menſchlichen Leben das nähmliche. Mancher Schmeichler hält ſich bey einem reichen und mächtigen Manne auf, um von ſeinem Weine zu trinken, aus ſeinen Schüſſeln zu eſſen. Er iſt dort ein ewiger Lockvogel, weiß alles Bittere zu verſüßen⸗ das Böſe gut zu machen, das Laſter für Tugend⸗ den Mauskoth für Anis⸗Zucker zu verkaufen, damit er ſeinen Herrn nicht aus der Wiege und ſich ſelbſt nicht aus der Schmarotzer⸗Koſt werfe. Iſt der Herr ausſchweifend, ſo nennt ihn der Schmeichler einen Mann von Welt, der die Freuden des Lebens genießt; iſt der Herr ein Geizhals, ſo nennt ihn der Schmeichler einen wirthlichen Mann; iſt er ein fal⸗ ſcher Böſewicht, ſo nennt ihn der Zungendreſcher einen Hofmann; iſt der Herr ein Intriguenmacher,— ſo nenntihn der Schmeichler einen wachſamen Mann; iſt der Herr ſtolz, daß er kaum den Kopf nickt, wenn mann ihn grüßt, ſo nennt ihn der Schmeich⸗ einen Mann, der ſich fühlt; iſt er einTrunkenbold, ſo nennt ihn der Schmeichler einen luſtigen Mann⸗ ver bloß den Wein liebt, um ſich die Grillen zu ver⸗ treiben. Seit die Schmeichler ſich überall hinge⸗ ſchlichen und auch die Frauenzimmer bethört haben, cheißt Leichtfert igkeit, Freundlichkeit; Zorn, Ernſt; Diebſtahl, Feinheit; Schelmenſtück, Politick; Un⸗ zucht, Zertraulichkeit; Stolz, Mode; Rachgierde, eine Bravade, und aus Teufeln ſind Engel geworden⸗ Der epaltirte Geiſtliche Als einſt ein Geiſtlicher in eine von der Stadt etwas entfernte Kapelle, die heil. Meſſe zu leſen, ausgegangen war, verſah er ſich mit einem Feuer⸗ zeuge, um daſelbſt Feuer ſchlagen zu können. Als er in der Kapelle angekommen war, ſchlug er Feuer, um die Kerzen auf dem Altare anzuzünden; wickelte dann den Feuerzeug wieder zuſammen, ſteckte ihn in den Buſen ohne den Zunder gehörig ausgelöſcht zu haben und bereitete ſich zur heiligen Meſſe; die die er auch mit ſeiner gewöhnlichen Andacht begann. — Als er aber zu dem Gloria in excelsis kam, em⸗ pfand er auf ſeiner Bruſt eine große Hitze, und weil gerade das heilige Pfingſtfeſt war, ſo hielt er die⸗ ſelbe für das Feuer des heiligen Geiſtes, welches eben an dieſem Tage die Herzen der Apoſtel entzün⸗ dete. Er hielt deßwegen einige Augenblicke inne und rief mit lauter Stimme: Gelobet ſeyeſt du o höchſter Gott, der du mich würdigeſt, heute dein göttliches Feuer zu empfinden!« Aber da der Zun⸗ der immer mehr und mehrfortbrannte, und die bren⸗ nenden Schmerzen gewaltig mehrte, ſo rief er mit bebender Stimme aus:»O Gott, es iſt genug, höre auf, denn ich kann die Hitze deines göttlichen Feu⸗ ers nicht mehr ertragen!« Hiemit riß er ſeine Kleider auf, um die Gluth zu dämpfen und ſiehe da, es fiel zum großen Gelächter der ganzen Verſamm⸗ lung, das Feuerzeug mit dem brennenden Zunder zu Boden. „ Kinder und Aeltern. Wenn die Lochter eine Helena und Lais zu⸗ gleich iſt; wenn die Schnürbruſt zwar enge, aber das Gewiſſen weit iſt; wer iſt daran Schuld? Die Aeltern! Wenn der Sohn nicht allein immer das Pfla⸗ —. 81— ſter betritt, ſondern auch in die Schule des Laſters geht; wer iſt daran Schuld? Wieder die Aeltern. Wenn die Tochter mehr liebelt als arbeitet, wer iſt daran Schuld? Die Aeltern! Wenn der Sohn frühzeitig nach des Paters Geldkiſte greift, wer iſt daran Schuld? Die Aeltern! Haben die Aeltern ein Kind, welches einen Höker hat, wie ein Manlwurfshaufe im May, ſo ſchämen ſie ſich; ſie ärgern ſich, wenn das Kind ſo ſchielt, daß es zwei Bücher auf ein Mahl leſen kann; wie verdrießt es ſie, wenn es wie ein Hund hinkt, den man in der Küche bewillkommte. Wie ſchmerzt es ſie, wenn das Kind ein Muttermahl z. B. eine Kirſche auf der Naſe hat?, deren Stengel in den Mund hängt. Den geringſten körperlichen Fehler an dem Kinde ſucht man zu verbeſſern. Man ruft gewöhnliche Aerzte, Wundärzte, Zahn⸗ ärzte, Augenärzte, um das Kind herzuſtellen; um die Gebrechen der Seele kümmert man ſich nicht. Bricht ein Kind den Fuß, ſo weint die Mutter, aber nicht, wenn die Seele verdorben iſt. Mir fömmt dieß gerade ſo vor, als achte einer bloß den Schuh, und nicht den Fuß; als hebe er die Nuß⸗ ſchale auf, und werfe den Kern hinter die Thür; das heißt ja Dukaten auf die Gaſſe ſchütten, und die Schweinsblaſe aufbewahren; den Degen verroſten laſſen, und die Scheide vergolden; die Gans den Hunden vorwerfen und den Flügel aufbewahren⸗ Das Heirathen. Das Heirathen kömmt mir wie das Fiſchen Pater Abraham 1. 5 5 * 6. vor. Mancher fiſcht und fängt einen ſtattlichen Hau⸗ ſen, er bekömmt eine gute Hauswirthinn. Ein an⸗ derer fiſcht, und fängt einen trefflichen Karpfen⸗ zieht, wie man zu ſagen pflegt einen guten Rogen; er bekömmt eine Reiche. Ein Dritter fiſcht, und fängt einen Weißfiſch, der voll Gräten iſt; er bekömmt eine Weiße und Schöne ohne Vermögen. Ein Vierter fiſcht, und fängt einen Aal, welcher der Schlange ähnlich iſt; er bekömmt eine Megära. Manchen reizt eine ſchöne Geſtalt, da doch das gemeine Sprichwort ſagt, die Schönheit vergeht, die Tugend beſteht. Schön ſind die goldenen Haar⸗ locken, aber nicht dauerhaft. Schön ſind die ſchwar⸗ zen Augen, aber nicht beſtändig; mit der Zeit flie⸗ ßen ſie und werden roth wie die der cipriſchen Taube. Schön iſt ein Korallenmund, aber nicht beſtändig; das ſchöne Roth verwandelt ſich in ein ſterbendes Blau. Schön ſind weiße Zähne, die einer Schnur Perlen gleichen, aber ſie dauern nicht, werden bald abgeſtumpft und gleichen Paliſaden. Mancher verliebt ſich nur in die Schale und kennt den Kern nicht, vernarrt ſich in die Scheide und ſieht nicht auf den Degen, er verliert ſich an der Hülle und kennt das Innere nicht; er bekommt eine Herrliche, aber keine Ehrliche Ein ſchönes Weib ohne Tugend gleicht den vergoldeten Pillen, einem ſchön ein⸗ gebundenen Buche, deſſen Inhalt nichts taugt; einem goldenen Becher, in dem ein ſchlechter Landwein blinkt; ſie ſetzt nicht ſelten dem Mann das osma⸗ niſche Wapper nauf, macht aus einem höflichen Manne einen Knopf. Die S Eine Dame hatte eine Elſter verſchiedenes plau⸗ dern gelehrt. Unter ihrer Dienerſchaft befand ſich vine Kammerjungfer(Marie hieß ſie) dieſer redete ſie betzm Einſieben des leckerhaften Confectes, in den Zucker zu erſparen immer mit dieſen Worten zi Marie nicht zu viel! Der Elſter, hin gelehrigen Vogel, war dieſe Lection nicht zu ſchwer, ſie faßte auch die Worte im Gedachtniſſe ſchnell und wiederholte ſie des Tages hindurch ſehr oft, beſonders wenn mit Löffelkraut hin⸗ ter der Hausthüre bandelte. Der gefiederte Spion verrieth ſie immer und e ſie ab: Marie, nicht zu viel! Marie, zu viel! Dieß verdroß die Kammerjungfer zuletzt ſo ſehr, daß ſie den armen Vogel im Zorn mitten in den Gaſſen⸗ koth warf. Die arie Elſter wickelt ſich ſo gut ſie konnte aus dem Schlamm; ſieht aber, daß ſich auf ihrer Seite ein großes Maſtſchwein in dem Unrath wälzt, redet daher den beſudelten Cammeraden ſo an: Dir geht es gewiß darum ſo ſchlecht wie mir, weil du vielleicht auch Mariechen verrathen haſt. Fiat applicatio. Sprüchwörter. Traue keinem Juden, wenn er auch ſchwört. Kei Wolf, wäre er auch auf grüner Haide⸗ Keinem untergrabenen ufer⸗ Keinem Hunde an der Kette⸗ Keinem Judaskuſſe⸗ Reinem Aprilwetter⸗ * 64— Keinem„der im Spiele ſchwört. Keiner ſchmeichelnden Katze. Keinem Diebe mit weiten Beinkleidern. Keinem Scheermeſſer mit einer Scharte. Keinem Bruder im Zechgelage. Kefnem Lügner⸗ wenn er verſpricht. D gebrechliche Geſchlecht. Es gab einen Rarren, der ſich einbildete, er ey ganz von Glas. Wenn er von der Ferne, Je⸗ mand erblickte, ſchrie er ſchon wehmüthig man möchte nicht an ihn ſtoßem Er wollte nicht ſitzen, aus Furcht, ſein Steiß könnte in Trümmer gehen. Sind doch die Menſchen wie Glas, beſonders das gebrech⸗ liche Geſchlecht. Es wäre zu wünſchen, daß es ſich einbildete, es ſey wirklich von Glas; es würde mehr auf ſeiner Hut ſeyn. Merkwürdiger Diebſtaht. Ein Dieb begab ſich zu einem reichen Kaufmanne, der, wie er wußte, auf einen Jahrmarkt zu reiſen hatte. Dieſen bath er nebſt ſeinen Waaren ihm auch eine Kiſte mitzunehmen, worin, dem Vorgeben nach, koſtbare Sachen eingeſchloſſen wären; er verſpricht dem Kaufmanne, daß er die Frachtkoſten bezahlen und noch eine kleine Belohnung geben wolle, er wurde in wenig Tagen ſelbſt nachreiſen. Der Kauf⸗ mann, welcher nichts arges ahnete, konnte die Bitte nicht abſchlagen und ließ die Kiſte in ſein Haus brin⸗ gen. Dieß war dem Dieb erwünſcht, der ſich durch — 1 2 — zwey ſeiner Gelichters in die Kiſte ſperren und in die Bude des Kaufmanns tragen ließ. Als jetzt bey dunkler Nacht alles verſperrt und verriegelt war, wollte der Dieb aus ſeinem hölzeruen Kerker gehen, um alles ausräumen zu können, allein da ein wach⸗ ſamer Hund in dem Gewölbe eingeſperrt war, konnte er ſein Vorhabeu nicht ausführen; dieſer verrieth ihn durch ſein unaufhörliches Bellen, und machte, daß alles im Hauſe erwachte, und ſich in die Bude begab. Mit Verwunderung ſah man, daß der Hund wüthend auf die Kiſte losſtürmte, ſie anbellte, und biß. Der verſchmitzte Dieb wußte ſich aus dieſer Verlegenheit durch einen feinen Kniff zu reißen. Er zog in aller Eile zwei Schlüſſeln aus der Taſche, und ſchlug ſie zwölf Mahl auf einander, welches den Anweſenden allen Argwohn benahm; ſie glaub⸗ ten nähmlich, es ſey nebſt andern Sachen eine koſt⸗ bare Uhr in der Kiſte, die eben zwölf geſchlagen hätte. Damit nun der Hund ſie nicht mehr in ihrer Ruhe ſtöre, ſchafften ſie ihn aus dem Gewölbe, wel⸗ ches dem Diebe Gelegenheit gab, aus der Kiſte zu ſteigen und den Kanfmann zu plünden. Seine Hel⸗ fershelfer waren bey der Hand und ſchleppten nächt⸗ licher Weile den Raub fort. Der war ein großer Dieb, aber er fing mit kleinen Sachen an.— Niemand wird auf ein Mal der Böſeſte. Man ſtiehlt Aufangs einen Federkiel, dann ein Federmeſſer, ferner einen Federbuſch, zu⸗ letzt ein Federbett. Man fängt mit einen Hand⸗ ſchuh an, geht zum Handtuch über, kömmt von dieſem zum Handbecken, von Handbecken zum Hand⸗ pferde u. ſ. w.— So ſteigt der Menſch in den Un⸗ tugenden. Anfangs iſt er ein kleiner, dann ein grö⸗ ßerer und dann der größte in der Stufenfolge; gleicht dem, der durch einen tiefen Fluß waten will. Zuerſt geht er in das Waſſer bis an die Knie. dann bis auf den Nabel, weiter bis unter den Arm und zuletzt ſo weit, daß ihm das Waſſer in den Mund rinnt. Die Katze läßt das Mauſen nicht. Eein Schuſter hatte eine Katze, die ihm ſehr lieb war, weil ſie ſein Haus rein hielt, und wo ſie nur eine Maus entdeckte, dieſe aus dem Wege raumte. Die Mäuſe klagten nicht wenig über das ſchreckliche Blutbad, das Pauls Katze aurichtete, und berachſchlagten ſich in einer großen Geſchlechts⸗ verſammtung, wie einem noch größeren Unglücke vorzubengen wäre. Nach langem Pro und Contra ere ward beſchloſſen, daß man mit Pauls Haushunde Alltanz ſchließen ſollte. Zu dieſem Ende ward ein WMiſſiw verfertigt, worin der ſtarke Cordian, ſolhieß der Hund, ins Verſtändniß gezogen wurde; man glaubte nähmlich, daß der tapfere Hauswächter dem Feinde ſchon gewachſen ſeyn würde. Mittlerweile geſchah es, daß der ſchneeweiße Kater in ein Ge⸗ fäß voll Schuſter⸗Schwärze fiel, und dadurch kohl⸗ ſchwarz wurde. Wie jetzt die an den Haushund ab⸗ geſchickten Bothſchafter von Ferne wahrnahmen, daß der weiße Kater ſich wider alles Vermuthen in ſchwarze Kleider gehüllt hatte, gingen ſie in aller Eile zu ihren Prinzipalen zurück, die eine grenzen⸗ loſe Freude äußerten, weil das Mäuſegeſchlecht über⸗ haupt glaubte, der Kater ſey in ein Kloſter gegan⸗ gen und habe die ſchwarze Kutte angezogen, weß⸗ wegen er auch kein Fleiſch mehr eſſen durfe. Dieſe allgemeine Vermuthung machte nun, daß die armen — . — 37— Mäufe aus ihren Löchern wieder frey herausgingen. Sobald aber der Kattr dieſe frechen Burſche er⸗ plickte, fuhr er wieder über ſie her, und eine ſter⸗ ende Maus mitten unter dem ſchrecklichen Gemetzel rief: Die Katze läßt das Mauſen nicht. Der Krug geht ſo lange zu Waſſer biser bricht. Es wollte Jemand ohne viel Mühe und Arbeit reich werden, indem er auf das alte gemeine Sprich⸗ wort vergaß: Wer fette Kühe haben will, muß auch die Mühe haben. Um daher ohne viele Mühe zu einem großen Reichthume zu gelangen fiel er auf den Gedanken, daß zu einem ſolchen Niemand leichter, als ein Dieb komme, deſſen Finger das Silber an⸗ ziehe wie der Magnet das Eiſen. Wäre ihm das Halstuch nicht eingefallen, das der Meiſter mit dem rothen Beinkleide ſeinen Clienten auf einer Anhöhe zu verehren pflegt, er hätte auf der Stelle einen Verſuch gemacht.— Nach längerem Nachdenken glaubte er nichts beſſares thun zu können, als einen Zauberer um Ralh zu fragen, ob er ihm nicht die Kunſt lehren könnte, wie man wacker ſtehlen könne, ohne gehenkt zu werden. Der ſchwarze Doctor, zu dem ſich der Taugenichts verfügte, rieth ihm, er ſollte ſich den nächſten Sonnabend nächtlicher Weile zu dem Galgen ſeines Hrtes begeben und den Ge⸗ henkten ſo anreden: Steige herab, ſchwarzer, dürrer Bruder, denn dieſer Galgen gehört mir Der ge⸗ horſame Lehrling folgte dem Rathe des Zanberers⸗ begrüßte zwei Sonnabende nacheinander den Galgen und deſſen Schwengel, erhält aber keine Antwort. Wie er aber zum dritten Mahl das Hochgericht bekom⸗ plimentirt, antwortete der Galgenmann: diefer Ort iſt nicht für dich; dir gehört der Galgen zu Hirſchau. 1 Mit dieſer Antwort eilte der Taugenichts zu dem Zauberer, welcher ihn vor dem Hirſchauer Galgen warute; wüßte er ſich vor dieſem zu hüten, ſo wäre er von allen übrigen Galgen frey. Dieſe ſchöne Lehre befolgte der Lehrling in der löblichen Kunſtzu ſtehlen, ſehr genau, und hatte das Glück überall dem Stricke zu entgehen. Es war faſt kein Kirch⸗ feſt, kein Jahrmarst, wo der Gauner nicht glück⸗ liche Verſuche angeſtellt hätte. Die Stadt Hirſchau zu vermeiden, ließ er ſich zwar angelegen ſeyn; allein es kömmt gleich wohl der Herbſt, wo derley Geſellen reif werden. Nach⸗ dem er viele große und kleine Diebſtähle begangen hatte, ſo trug ſichs zu, daß er ſich unweit Hirſchau aufhalten mußte; und weil eben damals in der be⸗ ſagten Stadt ein Jahrmarkt war, ſo ſtach ihn der Vorwitz, dieſen zu ſehen, mit dem feſten Vorſatze jedoch, nicht den kleinſten Strohhalm zu entfremden. Allein die Katze laßt das Mauſen nicht. Kaum kam er in die Stadt, als er einen Bauer erblickte, wel⸗ cher ein erſt gekauftes Taſchenmeſſer probirte, und in die Taſchen ſtecken wollte, nach dem der Dieb nicht allein blickte, ſondern auch darnach griff. Un⸗ glücklicher Weiſe ertappte ihn der Bauer, hielt ſei⸗ ne Hand ſo lange in der Taſche feſt und ſchrie un⸗ aufhorlich: eim Dieb! ein Dieb! bis die Häſcher herbey eilten, und ihn gefangen nahmen, wo er nach einer harten Folter alle ſeine Duebſtreiche bekannte, und ſo, wie er es verdiente, auf den Galgen kam⸗ Es hatte Jemand die Gewohnheit in ſeinem Reden von Zeit zu Zeit die Worte ſo wie Sie einzu⸗ miſchen. Dieſer wurde einſt von ſeinem Herrn zu dem Landrichter geſchickt, welchem er melden ließ, daß er zwei böſe Buben eingefangen habe, die er geſinnt ſey, ihm als ſeiner gnädigen Obrigkeit ein⸗ zuliefern. Der Bothe entlediget ſich ſeines Auftra⸗ ges folgendermaßen: Mein Herr läßt ſich Eurer Gnaden unterthänigſt empfehlen, ſo wie Sie⸗ und meldet Denenſelben, ſo wie Sie, daß am ver⸗ ſoſſenen Donnerstag um halb eilf Uhr Nachts zweien Diebe, ſo wie Sie, einbrachen, ſo wie Sie, viel geſtohlen haben, und die er nicht ohne viele Mähe und Arbeit ertappte, ſo wie Sie. Er läßt daher Euere Gnaden in aller Unterthänigkeit bitten, ſo wie Sie, womit Sie am künftigen Sonnabend, dieſe zwey Diebe, ſo wie Sie, wenn ſolche nähm⸗ lich unter ſicherer Begleitung hieher gebracht werden, in den Kerker werfen möchten. Dieſe Böſewichter verdienen, ſo wie Sie, anderen zum abſchrecken⸗ den Beyſpiel geſtraft und gehenkt zu werden⸗ Der Landrichter, der wohl merkte, daß der Bote aus Gewohnheit ſo ſchändlich mit ihm ſpreche, ſagte zu dieſem: Gehet nur wieder nach Hauſe, und ſagt euerem Herrn, daß er die zwei Diebe wohl bewacht hieher liefere, in Zukunft aber keinen ſo groben Nar⸗ ren mehr zu mir ſchicke. Ja, Euer, Gnaden, ſo wie Sie, antwortete der Bote, und ging ſeine Recht fo. Ein anderer hatte die uͤble Gewohnheit faſt zu jedem Satze in der Rede die Wörtchen„echt ſo hinzu zu ſetzen. Es fügte ſich nun, daß ein Fuhr⸗ mann unweit der großen Brücke bey Wien das unglück hatte ſeinen mit Wem beladenen Wagen umzuwerfen; Zu dieſem Unglücke kam der Phantaſt, dem die Wörtchen recht ſo beynahe immer im Mun⸗ 5 de waren, und der ein herzliches Mitleiden zeigte, beſonders als er ſah, daß aus einem Faſſe über die Hälfte des Weines ausgeronnen war. O du mein Gott, ſagte erzu dem Fuhrmanne, wie ſeyd ihr denn angegangen? Recht ſo, jetzt müſſet ihr den Scha⸗ den büßen, recht ſo; der Herr, dem ihr dieſen Wein zuführt, wird euch wohl keinen Pfennig nach⸗ laſſen. Recht ſo. Der Fuhrmann, der ohnehin voll Unwillen und Grimm war, fluchte ſein: Potz Stern Tauſend: Wie ich angegangen bin? die verfluchten Leute beſſern die Straßen nicht aus, und wir müſſen den Straßenzoll ſo genau entrichten. Recht ſo, ſagte der andere. Sie glauben, die Sakerlot, fuhr der Fnhrmann fort, wir Fuhrleute wären lauter Narren. Recht ſo, fiel ihm der Phantaſt in die Rede. Was? ſchrie jetzt der Fuhrmann, iſt denn das recht, daß man uns arbeitſame Leute um alles bringen will? Recht ſo, mein lieber Fuhrmann. Nunge⸗ rieth der Roßſtriegler durch das ſo oft wiederholte Recht ſo, ſo in Wuth, daß er die Peitſcheſchwang, und mit vielem Fluchen auf den Phantaſten los⸗ ſchlug, während dem der Lappe immer fort rief: Was iſt das? was iſt das für eine Manier? Recht ſo, daß ihr mich ſo mißhandelt, recht ſo. Ich ſchenke euch dieß nicht, hohl mich der Teufel, rechtſo! S i e⸗. Ich wurde einſt, ſagt P. Abraham, in einen ſchönen Flöcken zu einem hohen Feſttage eingeladen, um dort etwos herat zu kanzeln. Abends zuvor ging ich in die Kirche, um zu ſehen, ob nicht etwas da wäre, das zu meinem Concepte dienen konnte. Der Kuſter wär eben mit der Aufſtellung eines Bil⸗ des beſchäftigt, daß die Auferſtehung Chriſti vot⸗ ſtellte. Weil es ſich auf dem Altare nicht recht ſchi⸗ der ü cken wollte, wurde der Küſter unwillig und rief: der Teufel iſt doch hieher gar zu groß! Es ſtand nicht lange an, daß ein Muſikus, der ihm Hülfe leiſtete, mit dem Fuße das Bild des heiligen Paulus, das an der Seite des heiligen Petrus war, umgeſtoßen hatte. Gib doch acht, ſchrie jetzt der aufgebrachte Jüſter, daß du nicht auch den andern Teufel her⸗ ab wirfſt. Der überliſtete Biſchof. Ein Biſchof, welcher ein ſtattliches Pferd hatte, wollte dieſes um keinen Preis verkaufen, ſo ſehr auch deſſen Bruder, ein Edelmann, es an ſich zu kaufen bemüht war. Um es dennoch an ſich zu brin⸗ gen, erſann der Edelmann einen lächerlichen Vor⸗ theil. Er hatte oft wahrgenommen, daß der Biſchof, ſein Bruder, immer, wenn er ausritt, ſein Brevier zu bethen pflegte, beſonders jene Horen(Tagzeiten) die er auswendig konnte. In Abweſenheit des Bi⸗ ſchofs alſo, wenn dieſer namlich, des Gottesdien⸗ ſtes wegen ſich in der Kirche aufhielt, ſeßte er ſich auf den ſtattlichen Zelter und lehrte es latein; er gab dem Roſſe, ſo oft er die Worte: Peus in ad- jutorium meum intende ausſprach, einen ſo tüch⸗ tigen Sporn, daß es ſich bäumte, und wiederholte die Lection ſo oft, bis das Pferd ohne geſpornt zu werden, ſchon auf die beſagten Worte in die Höhe ſtieg. Als nun kurz darauf der Biſchof ſein Pferd beſtieg und das Deus in adjutorium u ſ. w. aus⸗ ſprach, bäumte es ſich dergeſtalt, daß es ſeinen Rei⸗ ter aus dem Sattel hob und ſehr unſanft in eine Pfütze warf. Nur dieſer Unfall konnte den Bifchof bewegen, daß er den ſtattlichen Zelter ſeinem Bru⸗ re„der ihn endlich doch überreden konnte, „ 92— daß das muthwillige Roß für keinen Biſchof, ſon⸗ dern bloß für einen Soldaten tauge. Der beſtrafte übermuth“ Ein Student, der bey den Beluſtigungen des Carnevals nicht der Letzte ſeyn wollte, bath ſeinen Koſtgeber, der ein Mahler war, er möchte ihm das Geſicht ſo überſtreichen, daß es einer Larve ähnlich ſey. Der Mahler zeigte ſich bereitwillig, und ſagte ſeinem Koſtgänger, er möcht ſich indeſſen mit einem Maskenkleide verſehen und es anziehen, bis er die Farben gemiſcht haben würde. Der Narr thats, ſetzte ſich zu dem Mahler und ſprach: Nun mahlen Sie mir das Geſicht ſo grotesk als Sie können. Der Foſtherr, ein arger Schalk, wollte dem Studenten einen Poſſen ſpielen, ſagte ihm daher, er möchte die Augen feſt zuſchließen, damit ihm die hinabflie⸗ ßenden Farben nicht ſchaden, und er die Farben deſto gemächlicher auftragen könnte. Die Mahlerei beginnt; der Koſtgeber, welcher ſich des Lachens nicht enthalten konnte, ſuchte es mit dem zu machen, daß er dem Narren ſagte, keine Seele würde ihn, der vielen Züge, Striche und Punkte wegen, kennen. Er hatte den Pinſel in gar keine Farbe, ſondern all⸗ zeit in bloßes klares Waſſer getaucht, welches der Student, der die Augen feſt zugeſchloſſen hatte, nſcht bemerken konnte. Nachdem jetzt der Mahler das Ge⸗ ſicht des Narren mit klarem Wiſer überſtrichen hatte, legte er den Pinſel bey Seite, und ſprach: Wäre doch meine Frau zu Hauſe, ſie müßte dem Herrn Ferdinand den Spiegel geben, worin er ſehen würde, daß ſein Geſicht vollkominen einer Larve gleiche. Das heiße ich figurirt! Es gibt keinen Narren in der Stadt, der dem Herrn Ferdinand in der Ri gieich käme. Dieſer, voll Begierde, ſich — — — laſſen, eilt mit ſeinem Narrenkleide auf die Gaſſe, von der Gaſſe auf den Marktplatz. Der erſte, der ihm begegnet, erkennt ihn und ruft zu: Herr Fer⸗ dinand! Was iſt der Herr für ein ſeltſamer Narr; Holla, dachte er ſich, der kennt mich. Er geht kaum einige Schritte weiter, als ihm zwei Com⸗ militionen aus den Collegien begrüßten: einer ihm zuruft: Was für eine Thorheit beginnſt du Ferdi⸗ nand!——— Schau, ſchau! ruft ein anderer, der Rarr iſt des Mahlers Koſtgänger, und glaubt, es kenne ihn keine Seele. Um Gottes Willen, ſagt er bey ſich ſelbſt, mich kennt ja alle Welt! Wie muß mich denn mein Koſtgeber gemahlt haben? Sagts, ſpringt in ein bekanntes Haus und bittet um einen Spiegel. Man gibt ihm einen, er ſieht ſich hinein, und wie ſehr erſtaunte er, als er keine Farbe erkennt. Wie beſchämt ſteht er jetzt da und gibt alle Narren⸗ poſſen auf. Si üge. Wenn man in unſern Zeiten zu einer jeden Lüge Ffeifen ſollte, ſo müßte man immer einen ſpitzen Mund machen, denn es gibt kein Land, keinen Stand, keine Wand, wo man der Wahrheit keine Ohrfeige gibt. Es gibt daher ausgeſprochene Lügen, geſchriebene, gemahlte, gedruckte, geſtochene, ge⸗ ſchnitzelte, geſungene Lügen. Man kennt deutſche, lateiniſche, griechiſche, franzöſiſche, engliſche, große, kleine, mittelmäßige, höfliche, grobe, verſchmitzte, plumpe, gemeine, neue, alte, wöchentliche, tägliche, ſtündliche Lügen. Es gibt Stadt⸗Lügen, Flecken-Lügen, Dorf⸗Lügen, 6 Schloß Lügen, Haus⸗Lügen, Liſch Lügen, Goſ⸗ 8. ſen⸗Lügen, Winkel⸗Lügen, Männer⸗und Weiber⸗ Lügen. Undank iſt der Welt Lohn. Eein Bauer wollte einſt etwas in die benach⸗ barte Stadt zum Verkauf tragen. Die ſchwere Laſt, die er auf dem Rücken hatte, nöthigte ihn an einem Felſen auszuruhen, in welchem eine große Schlange eingeſpert war. Als dieſe den Bauer wahrnahm, bath ſie ihn inſtändig, er möchte ſich ihrer erbarmen⸗ Ich bitte dich, drückte ſie ſich aus, hilf mir doch aus dieſem Loche; ich kann des ſchweren Steines wegen, der die Oeffnuug verrammelt, nicht hinaus⸗ kriechen. Wie wirſt du mich aber belohnen? fragte der Bauer. O du mein inniggeliebter Mann! Ich will dich mit dem lohnen, mit welchem die Men⸗ ſchen die größten Wohlthaten zu belohnen pflegen⸗ So ſey's denn, erwiederte der Bauer, und wälzte den großen Stein hinweg. Als die Schlange dadurch in die freye Luft kam und ihre Freyheit erhielt, wollte ſie den Bauer tödten. Holla! ſchreit dieſer, was iſt das? Soll dieß der Lohn für eine ſo große Wohl⸗ that ſeyn? Iſt dieß der Welt Dank? Ja, antwor⸗ tete die Schlange; die Menſchen pflegen das Gute mit dem Böſen zu vergelten; dieſen Welt⸗Dank habe ich dir verſprochen. Ich bin ein einfältiger Mann, ſagte jetzt der Bauer, und kann mich daher ohne gelehrte Zeugen in keinen Streit einlaſſen. Wir wollen ſolche ſuchen und entſcheiden laſſen; habe ich unrecht, ſo will ich gern ſterben. Beyde begeben ſich jetzt auf den Weg, und treffen bald einen alten Schimmel, welcher der Mähre des Ritters Hudi⸗ bras oder der bekannten Roſinaute glich: Haut und KFnochen trug das Thier nur; das Fleiſch war ver⸗ ſchwunden. Willkommen, Herr Schimmel, ſprach man die Mähre an: Was macht ihr hier auf dem öden Feide? Warum ſeyd ihr nicht in einem Marſtalle vey guter Hafer⸗Koſt? Ach, antwortete der Schim⸗ mel, ihr dürfet euch deßwegen gar nicht wundern; es iſt allgemeiner Weltbrauch, daß man Geſchöpfe, die Alters halber nicht mehr dienen können, bey Seite ſetzt. Ich war dreißig Jahre bey eineni Edelmann, dem das Schloß, welches ihr hier ſehet, zugehört. Redlich habe ich ihm gedient, und weiß mich wohl zu erinnern, daß ich ihm in dem vorigen Kriege mit den Türken bey Comorn einige Mahl das Leben rettete. Jetzt, da ich alt und kraftlos bin, übergab er mich dem Abdecker. Haſt du gehört, Bauer, ſprach die Schlange, wie man in dieſer Welt belohnt?— Ich nehme dir das Leben! Gemach, gemach! rief der Bauer, die Sache kann nicht ein Einzelner ent⸗ ſcheiden; es müſſen noch mehrere gehört werden. Man beurlaubte ſich von dem Schimmel, geht wei⸗ ter, und ſtößt bald auf einen Hund, der an einem alten Stricke an einen Zaun angebunden war⸗ Seyd gegrüßt, Herr Melampus, rief man dem Hunde entgegen: Warum ſo melancholiſch? Ihr müßt eine ſchlechte Koſt haben, weil ihr einem Ge⸗⸗ rippe gleicht? Wie kömmt es, daß man euch an die⸗ ſem Zaune findet? Ach, ſeufzte Melampus, ich habe meinem Herrn treu gedient und dieß iſt jeht mein Lohn. Wie viele Beſchwerlichkeiten habe ich bey Jag⸗ den und Hetzen ausgeſtanden, wie viele Haſen für meinen Herrn gefangen und manches gute Bißchen mit meinen Zähnen erſchnappt! Ich will der Schel⸗ men nnd Diebe nicht gedenken, die ich durch meine Wachſamkeit vertrieb. Da ich nun alt, müde und verdroſſen bin, ließ mich mein Herr an dieſen Zaun binden. Jeden Augenblick erwarte ich meinen Tod; denn bald wird man kommen, mich zu erſchießen. Run, Bauer, rief die Schlange, dein Handel iſt 5 erloren— Richt ſo ſchnell, meine Schlange! Wenn auch der dritte ſolcher Meinung iſt, ſo bin ich dein, und es ſteht dir frey, mit mir zu thun, was dir gefällt. Während des Streites läßt ſich ein Fuchs ſehen, welcher ſich freywillig zum Richter auf⸗ warf. Bevor er aber noch das Richteramt übernimmt zieht er den Bauer bey Seite, und frägt ihn, ob er mit Hennen verſehen ſey, und wie viele er ihm geben wolle, wenn er ihn aus der Lebensgefahr rettet. Ich ſchenke dir alle meine Hennen, lieber, golde⸗ ner Fuchs, antwortete der Bauer. Zetzt fing der Erſtere mit einem Strome vom Beredſamzeit zu ha⸗ ranguiren an, und bewies“ daß man alle uUmſtände„„ reiftich erwägen müſſe. Damit, fuhr er fort, keinem von euch beyden ein Unrecht geſchehe, muß man wiſſen, wie ſich die Sache zugetragen hat, und den Ort in Angenſchein nehmen, wo, du Schlange ein⸗ geſperrt warſt. Zu dieſem Ende begaben ſich alle drei zu dem Felſen. Der Fuchs ſchüttelt den Kopf, 3 und ſcheint nicht begreifen zu können, wie die große Schlange in dem Loche ſtecken konnte. Zeige mir doch, Schlange, ſagte der Fuchs, wie du in dem Loche ſteckteſt? Und dieß zu zeigen, kriecht die Erſtere hinein, und der Bauer wälzt auf des Fuchſes Wink den Stein vor, nachdem der liſtige Reinecke zu wieder⸗ holten Mahlen fragte: Wars ſo, liebe Schlange? — Gerade ſo, antwortete dieſe. Wenn es ſo ge⸗ weſen iſt, fuhr der Fuchs fort, ſo ſoll es ſo bleiben. Auf ſolche Art wurde der Bauer gerettet, der vor Freuden außer ſich den Fuchs früh Morgens um ſieben Uhr in ſein Haus auf eine Hennenſuppe lud⸗ Der Bauer, welcher ſpät nach Hauſe kam, wird von ſeinem Weibe nicht ſehr freundlich empfan⸗ ——— „ ————— — gen. O mein Weib, ſagte der Bauer, wenn du wüßteſt, wie es mir ging, du würdeſt weit anders ſprechen. Meine goldene Gertraud, du hätteſt mich bey einem Haare verloren. Gedenke was mir für ein Unglück geſchah; ich war in augenſcheinticher Lebensgefahr.— Hier erzählt er ihr alles— und, fährt er fort, hätte der Himmel mir nicht einen ehrlichen Fuchs zugeſchickt, ich würde unwiederbringlich verloren ge⸗ weſen ſeyn. Aus ſchuldiger Dankvarkeit habe ich ihm alle unſere Hennen verſprocheu, die er morgen früh abholen wird. Was? Abholen? ſagte ſie; was? Hennen holen? Hol' dich der Teu—— Was haſt du mit meinem Geflügel zu ſchaffen, du Schmarotzer! Wer wird dir Eier legen? du Bengel? Komm mir nur Fuchs, ich will dir's ſchon vergel⸗ ten. Der arme Fuchs erſchien, zu ſeinem Unglück; die Bäuerin hatte ihm den Rücken abgeſchlagen⸗ Sterbend rief er noch: Dieß iſt der Welt Lohn!— W.er iſt Arm?— er iſt arm? Der Bettler ſagſt du, weil er ſein Brot von Thür zu Thüre ſuchen muß. Doch auch der Bauer iſt arm; denn er gleicht den Limo⸗ nien, welche man ſo lange ausdrückt, bis kein Saft. mehr darin iſt; auch Wittwen und Waiſen ſind arm, denn ſie gleichen einem Ofen; ſo lange dieſer warm iſt, ſchmeichelt man ihm, erkaltet er aber, ſo zeigt man ihm den Rücken. So lange eine Wittwe einen Mann hat, der ihr reichlichen Unterhalt verſchafft⸗ wimmelt es von Freunden, geht der Mann aber zu ſeinen Vätern hinüber, ſo fliegen ſie ab, wie die ſchmarogenden Fliegen von einer leeren Küche.— Wir Menſchen ſind indeß nicht arm; denn wir ha⸗ Pater Abraham 1. 7 S ben Gold und Schätze genug, die goldene Zeit, die wir nicht mit Richtsthun verſchwenden ſollen. 5 51eiſg. Sie können ſich miteinander nicht vertragen. Sie gleichen zwey Waſſer⸗Eymern; iſt einer von dieſen oben, ſo muß der andere natürlicher Weiſe hinunter. Wenn der Fleiß die Oberhand hat, ſo wird das Fleiſch unterdrückt; herrſcht aber das Fleiſch, ſo nimmt der Fleiß Abſchied. D ie Nüßiggängerz Dort an der Ecke des Platzes ſtehen einige in verſchiedenen Kleidern; einer unter ihnen iſt roth, der andere blau, der dritte gelb, der vierte grün, der fünfte braun, der ſechste bundt; mit allerley Farben wie ein Taubenhals. Aber Tauben ſind dieſe nicht, ſie ſind andere Vögel.———— Ich halte ſie für Herren⸗Diener. Sie ſtehen ſchon eine ge⸗ raume Zeit müſſig, glaubſt du, mein Freund! Nein, ſie ſtehen nicht müſſig, ſie läuten! läuten iſt ihr Ar⸗ beit; aber was läuten ſie, die Sch weins⸗Glocke, wie man in der gemeinen Sprache ſagt. Sie glei⸗ chen dem Widehopf, der ſich am lebſten in ſtinken⸗ den Orten aufhält, und ſeinen Schnabel in den Un⸗ rath ſteckt. Unterhalb des Platzes ſtehen wieder einige. Sind auch dieſe müſſig? Rein, ſie ſchnei⸗ den. Holz vielleicht? Kraut? Nichts weniger als dieß? ſie ſchneiden an der Ehre ihres Nebenmen⸗ Am Ende dos Plazes ſtehen zwey ganz müſſig; es ſind ein Paar Weiber, die in der ſogenannten Frühmeſſe waren, und um 9 Uhr noch beyſammen ſiehen. Sind ſie müſſig? Richts weniger als dieß. 6 Sie leſen— Was leſen ſie? Ihren Männern, wie man zu ſagen pflegt, das Capitel. Wie geht es dir, mein liebes Bärbchen?— Wie ſoll's gehen; es iſt doch ein großes Kreuz.— Man mahlt die heilige Bar⸗ bara mit einem Thurme; mich könnte man mit einem Zwinger mahlen. Ich darf ja die ganze Zeit micht aus dem Hauſe gehen. Mein Mann iſt ein gar eiferſichtiger Narr! Ihr habt wohl auch kein Pa⸗ radies, meine liebe Margareth.— Es iſt doch kein Weib ſo geplagt als ich. Mit Recht bin ich Mar⸗ gareth getauft; ich habe freylich wohl einen Lind⸗ wurm*), der immer voll Wuth und Zorn iſt, hätte ich einen Gaſthof, ſo müßte er zum wilden Manne heißen. Denke nur, geſtern kam mein ſauberer Gemahl betrunken nach Hauſe. Weil das Abendeſ⸗ ſen nicht gleich, wie er eintrat, auf dem Tiſche ſtand, ſchlug er mich zwey Mal ins Geſicht, daß mir das Feuer aus den Angen ſprühte. Viele andere ſtehen noch müſſig auf der Gaſſe und verſchwenden die edle Zeit. ie fie betrügen ſollen und ihren Rebenmenſchen mit einem Scheine von Rechtlichkeit das Fell über die Ohren ziehen kön⸗ nen, denken ſie immer nach; Gott lohne die lie ben Seelen, es wird ihnen gewiß vergolten werden, gewiß(früh oder ſpät). Der Krug geht ſo lange zum Brunnen, bis er bricht. Der Müſſiggang brütet alles Uebel aus; er iſt eine Wurzel, aus dem alles Uebel wächſt, ein Brun⸗ nen, aus dem alle Bosheit rinnt, ein Lehrer, der *) Die heilige Margaretha wird mit einem Lindwurm gemahlt. 6. alle Niederträchtigkeit lehrt; ein Haus wo alle Schelm⸗ ſtreiche wohnen, ein Meiſter, der alle Laſter her⸗ vorbringt, eine Uhr, die immer ſteht und nie geht, ein Waſſer, das nie fließt, ein Schiff, das immer auf dem Trockenen ſteht. Arbeiten! rufen manche Frauenzimmer. Ich ſoll arbeiten, warum bezahle ich denn die Mägde? Eine Dame muß auf ganz andere Dinge ſehen, die Arbeit ſteht nur dem Pöbel zu. Morgen ſtehe ich um halb zehn Uhr auf; fahre, wenn ich nichts beſ⸗ ſers zu thun weiß an einem regneriſchen Tage in die Kirche, dann nach Hauſe zur Tafel. Nach der Ta⸗ fel wird ein Spielchen gemacht, und da ich noch un⸗ ter die Andächtigen gehöre, deren es heut zu Tage, leider ſo wenig gibt, ſo gehe ich in den Segen, oder beſuche die Kirche, wo die Bethſtunde gehalten wird.— Gräfinn! komme in meinen Bethſtuhl. O weh! wie grob doch der Pöbel iſt! Mit harter Mühe weicht er, wenn eine Dame kömmt. Wie geht es dir liebe Gräfinn? Stehe ich in deiner Gnade? Was ſchreibt dir dein Herr? Weißt du ſchon, daß die engliſchen Waaren verbothen ſind? Es iſt doch ewig Schade. Mit dem Schleichhandel will es nicht mehr recht gehen. Wenn das gemeine Volk nur nicht ſo prächtig einherging. Sieh doch, liebe Gräfinn die Frau des Raths Römiſch, auf der andern Seite im dritten Stnhle. Was ſie für ein ſchönes Kleid trägt! Will uns doch das Ungeziefer alles gleich thun!— Der Segen fängt ſchon an.—— Ach Gott ſey mir gnädig!— heiliger Leopold ſtehe mir bey! O du mein heiliger Schutzengel!———— Ich hatte bald vergeſſen wo iſt heute Aſſemblee? Ich werde dich dort wohl treffen?— Ich habe lange Weile zu Hauſe. 5 —————————— zertreten hatte. — 161—— Fabel. es beklagte ſich einſt Jemand ſehr wehmithig, daß ſeine Hauswirthſchaft den Krebsgang nehme; er fühlte nähmlich, daß ſein Vermögen ſchwinde, und ſeine Aecker und Felder ihm nicht mehr ſo will⸗ fährig wären, als anderen Leuten; auch ſah er deut⸗ lich, daß Platos Po nis(die Armuth) ſchon den Finger an ſeine Thüre lege, um anzuklopfen. Um ſich wieder empor zu ſchwingen, frägt er eine alte Frau, die er für eine Wahrſagerinn hielt, um Rath, wie er nähmlich zu ſeinem vorigen Vermögen wieder Lommen könne. Dieſe war eine ehrliche und gewiß⸗ ſenhafte Matrone, welche wohl wußte, warum ſes Hauswirthſchaft in Verfall gerathen ſey, gab ihn daher ein hölzernes Büchschen, welches wohl ver ſiegelt war, mit der Erinnerung, er ſollte dieſes alle Tage ein Mal in die Küche, in den Keller, in den Stall, in die Scheune und überall hin tragen, wo er etwas beſäße. Sie(die Mattone) verſpricht und betheuert ihm, daß er in einem halben Sahre merklich die Wiederaufnahme ſeiner Hauswirthſchaft ſpüren wird. Er folgt dem Rathe und trägt das Büchschen überall hin. Wie er in die Küche kömmt, ſo ertappte er die Köchinn an der Sete ſeines Kuechts, der mit ihr ein nahrhaftes Frühſtück verzehrte. Pflegt man ſo zu wirthſchaften, rief er im Zorn, ertappe ich euch noch ein Mal, ſo jage ich euch beyde zum Teufel. Er kömmt mit dem Büchschen in den Kel⸗. ler und trifft ſeinen Sohn dort an, welcher mit einem großen Kruge Wein ihm entgegen kam und vor Schre⸗ cken nicht reden konnte, ſondern nur mit a auf den Mund fuhr, als wollte er ſagen: Vater, zum trinken! Als er in den Stall kam e daß aus Unachtſamkeit der Magd, die Kuh ihr Kalb — Bichschen herum getragen hatte, ſo wurden ſeine Dienſtleute ſo getreu und fleißig, daß die Wirthſchaft in einem halben Jahre in Aufnahme kam. Der blöde Geſelle merkte wohl jetzt, daß er ſich erhole und der Matrone Dank ſchuldig ſey, wußte aber nicht, daß er der vermeinten magiſchen Kraft des Büchschen ſeine verbeſſerte Hauswirthſchaft gar nicht zu ver⸗ danken habe. Der Vorwitz trieb ihn einſt an, das Büchschen zu entſiegeln. Wie erſtaunte er, als in demſelben nichts, als folgende Worte auf einem Zet⸗ telchen geſchrieben fand: Willſt du Nutzen ha⸗ hen, ſo ſiehe auf deine Sachen. Di e drey Trägen. Du wirſt doch nicht mit den drey berüchtigten Faullenzern verwandt ſeyn, deren Erſter ſo träg war, doß er ſagte: er wollte aus Trägheit die Speiſen nicht berühren, die man ihm aufſtelle. Der Zweite ſprach: Wenn man mir auch die Speiſen mit Gewalt in den Mund ſteckte, ſo würde ich ſie doch nicht hinunter ſchlucken. Der Dritte wollte kaum den Mund öffnen, und ſagte Ich wie könnet ihr reden!——— „ Ein Menſch der auch ſehr herabkam„ fragte einſt ein altes Weib um Rath, wie er von der unter⸗ ſten Stufe wieder zur oberſten gelangen könne, und erhielt zur Antwort, daß er mit dem anbrechenden Tage aufſtehen, und wohl acht geben möchte, was ihm die Schwalben ſagen würden, von denen auch er ſpät Abends hören könne, wann er ſchlafen gehen ſollte. Der Träge befolgte den Rath, weil er aber die Sprache der Vögel nicht verſtand, ſo gieng er wieder zu ſeiner Rathgeberinn, die ihm nun deut⸗ Nachdem er auf ſchr eſſe alle Tage da ſamen Spruch deutet. Stehe früh' auf, lege dich ſpät nieder; So bekömmſt du deinen Reichthum wieder. Täu ſchu ng. — 103— lich ſagte, daß er wenigſtens dem Beyſpiele der Schwalben folgen ſollte; welches auf folgenden heil⸗ 1 Nicht Jeder, der ein langes Meſſer trägt, iſt ein Koch; nicht Jeder der in grünen Kleidern geht, iſt ein Jäger, nicht Jeder, der eine Kappe trägt⸗ iſt ein Narr; nicht alles, was pfeift, iſt ein Vogel; und nicht Jeder der böſe ſcheint, iſt böſe. Berg im Waſſer kömmt uns vor, der Spitze; die Sonne kömmt nſcht größer als eine Zielſcheibe. kömmt uns vor wie ein Licht. W e i als ſtehe er auf uns vor, als ſey ſie Das faule Holz Wir ſind wie dieſenigen, welche durch rothe Prillen ſchauen, und glauben, alles um ſie herum ſey roth; ſie wähnen ein jeder Müller trage einen Cardi ut. Wir ſind wie diejenigen Gläſer, die durch opti⸗ ſchen Betrug alles verkehrt zeigen⸗ . lo glaubt er, er ſtehe auf dem Kopfe. „ pflegen älle Sachen umzukehren. Sieht Jemand Auch Wir ſind ſo, wie diejenigen, die zu viel October⸗ Saft eingenommen haben; es dreht ſich alles mit ihnen herum, und ſie glauben, daß ſich Häufer und Straſſen auch mit ihnen herum drehen. Wir ſind diejenigen, die eine S anſehen, wenn ſie weiß iſt. 1 — — — vo3 Humoriſtiſche Betrachtungen. Das Gold iſt ein es iſt ein Würden⸗Angel, ein Ku ſchaft, ein Schlüſſel der Ge der Reiche: Das Geld iſt mir! iſt ein Dieb. Die Bücher ſind ein Spiegel, in welchem ſich Jedermann beſehen kann; ſie weiſen dem Irrenden den rechten Pfad. Eine Bächerſammlung iſt eine Apothele, aus der die bewahrteſte Arzney genom⸗ men wird. Daher ſpricht der Gelehrte: Die Bücher ſind mir lieb, der ſie mir ſtiehlt, iſt ein Dieb. eſch⸗ venn ppler der Feind⸗ müther. Daher ſagt ieb, der mir es ſtiehlt, 1 Perlen und Edelſteine zieren den n lichen Körper, empfehlen das Frauenziminer ſie ſonſt, wie gewöhnlich nichts em ges hat. Den Weibern dünken ſie der größte ob ſie gleich ihren Gatten und Geliebten pro dieſen und eben den ſagt ein jedes Weibsbild(auch die gemeinſten Wei⸗ ber behängen ſich jetzt wie Schlittenpferde mit die⸗ ſem Schatz) Perlen und Edelſteine ſind mir lieb, der ſie mir ſtiehlt, der iſt ein Dieb. ch atz, forma ſelben Nahmen geben. Darum aaren ſind nothwendig, um anſtändig zu erſcheinen und den Handel zu befördern; nur müſſen ſie nicht bloß des Lurus wegen, ins Unend⸗ liche vermehrt werden. Ein jeder Handelsmann ſagt, die Waaren ſind mir lieb, der ſie mir ſtiehlt, iſt ein Dieb. — Der eyrliche Nahme. Wir ſind arme Schlucker; keiner übernehme c. Ha „ ₰ Halbgott auf der Erde; es pfehlungswürdi⸗ ben wir etwas, ſo iſt dasſelhe immet ein — 105— fremdes Gut. Wenn die Erde ihr Metall, das Schaaf ihre Wolle, die Seidenraupe ihre Seide, der Ochs ſeine Haut, der Acker ſeinen Hanf oder Flachs zurückfoderte, wie armſelig ſtünden wir da! Nur ein einziges Schäfchen hat der Menf ſch, wel⸗ ches mit ihm aufwächſt, mit ihm ißt, in ſeinem Schooß ſchläft, und ihm über alles lieb iſt, oder wenigſtens lieb ſeyn ſoll. Es heißt die Ehre, der ehrliche Nahme, dieſer gehört ihm allein zu. MWittlerweiſe kömmt Jemand und ſtiehlt ihm dieſes Schäfchen, uimmt ihm die Ehre. Soll es ihn nicht ſchmerzen? Der ehrliche Nahme iſt das beſte leinod, der beſte Geleitsmann, der beſte Platz, die beſte Luſt, der beſte Seegen. Er war mir der liebſte in meinen Aeltern; der liebſte in Mutterleibe; der liebſte in meiner Kindheit; der liebſte in meiner Jugend; der liebſte im männlichen und Greiſenal⸗ ter; der liebſte in meinem Leben und der liebſte auch nach meinem Tode; und dieſen nimmt mir eine ver⸗ giftete Zunge? O Diebſtahl über alle Diebſtähle! Cha na Das Jüngferchen oder, weil faſt keine mehr eine ſolche ſeyn will, das Fräulein iſt wohl ein herr⸗ liches Kind. O wie ſchön iſt ſie; ſie hat keine Ur⸗ ſache über die Natur zu klagen. Man würde ſie in Indien in die Reihe der Gottheiten zählen, und ſie ſicher anbethen. Zum Glücke mangelt es uns auch in Europa nicht an Anbethern. Sie iſt nebſtbey eine ſtattliche Wirthin, ſie ſieht der Kuh in den Augen an, wie viel ſie Milch gibt, ſie iſt wachſam, ich möchte ſchwören, ſie ſchlafe mit offenen Augen wie die Haſen. Ihres gleichen wird man wirklich we⸗ nuig finden. Wenn ſie nur nicht gar ſo böſe wäre. ſie ein Mal einen Mann, ſo wird 6e mit ihm verfahren, wie die Bauern mit dem Weiden⸗ baum. Sie ſingt den Sopran, daß einem die Wimper naß werden. Wenn ſie nur dieſen Fehler nicht hätte. Ich höre, daß ſie vor Wuth ſchon zwey Mal wie tod zu Boden geſunken ſey. Dieſe Frau könnte nicht beſſer ſeyn als ſie wirk⸗ lich iſt; ſie beleidigt kein Thier, viel weniger einen Menſchen. Ich habe nie ein böſes Wort von ihr ge hört. Meines Erachtens hat ſie gar keine Galle, wie die Tauben. Wenn ſie auch einen ganzen Korb voll Halzäpfel äße, ſie könnte kein ſaueres Geſicht machen. Sie iſt nur gar zu gut. Ihr iſt es gleich⸗ viel ob ihre Tochter ſpuhlt oder buhlt; ſie ſagt nichts, ſie iſt gar zu gut. Ihre mittlere Tochter läuft über⸗ all hin, und ſie ſagt nichts. O ſie iſt gar, gar zu gut. 5 Die Menſchen gleichen einem Hahn, wenn die⸗ ſer den ganzen halben Tag in den Miſthaufen herum ſcharrt und kratzt, und endlich ein oder ein Paar Körnchen findet, da geht das ga ga ga an, da ſchreit er, daß es das ganze Haus hören muß. Einige ſuchen ſo lange nach, bis ſie an ihren Nebenmen⸗ ſchen Mängel entdecken; dieſe werden dann öffent⸗ lich ausgekramt. Man ſchreit es aus, ſchreibt es aus, man reitert es, man trichtert es, und das Ge⸗ rücht wächſt wie der Schnee, den die muthwilligen Knaben auf den Gaſſen zuſammen tragen und auf⸗ thürmen. Die Menſchen unſerer Zeit gleichen dem BVlutegel, welcher aus dem Körper das ſchlechte und uunreine Blut herausſaugt; ſie gleichen den Dorn⸗ hecken, welche niemand vorüber gehen laſſen, den ke nicht rupfeu. 1 1 7 Tabakprieſen. Es fährt ein Wagen mit ſechs Pferden beſpannt daher. Von vorne, von hinten und von der Seite läuft ſich faſt alles halb tod; Pagen, Lakeyen, Be⸗ diente, deren Livree faſt alle Farben wie der Re⸗ genbogen hat. Vielleicht bedeutet es naſſes Wetter in den Augen der Unterthanen. — Ein jedes Weib will jung ſeyn, wenn ihr gleich der Schnee auf dem Kopfe liegt; ſie will jung ſeyn, wenn gleich ihre Stirne Acker⸗Furchen gleicht und ihre Wangen ſchlapp herab hängen; ſie will jung ſeyn, wenn gleich ihr Mund einer ausgebrannten Zündpfanne gleicht; ſie will jung ſeyn, wenn ihre Zähne einem abgeſtumpften Rechen ähnlich ſind; ſie will jung und ſchön wie Helena ſeyn, darum bedient ſie ſich fremder Haarez darum unfaßt ſie den Kopf mit einer Perlenſchnur, übertüncht ihre Wangen, ſetzt ſich falſche Zähne ein, färbt ſich die Lippen roth und gerbt ſich das ganze Fell.. Nur ſchöne Kleider, wenn auch noch ſo viel Conti von den Kaufleuten in dem Fenſter ſtecken, daß ſie einen Gewürz⸗Krämer auf ein halbes Jahr mit Dütten verſehen können. Nur ſchöne Kleider, wenn auch der Mann alle Tage in des Kaiſers Beu⸗ tel gucken muß— Nur ſchöne Kleider, wenn auch der Mann gekrönt werden ſoll. Nur ſchöne Klei⸗ der, wenn man auch nür Kraut und Rüben eſſen ſoll. 6 Ein Frauenzimmer von Adel pflegt man eine Dame zu nennen. Das Wort iſt franzöſiſch, in der lateiniſchen Sprache bedeutet dama eine Gemſe. Wer will immer höher ſteigen, als ein Weib. Lazarus lag vier Tage im Grabe, bis ihn endlich Ehriſtus von dein Tode erweckte. Vier Tage gehen hin, aber mein Recht, ſagt Mancher, bleibt ſchön liegen, nicht nur vier Tage oder vier Wochen, oder vier Monatheſondern volle vier Jahre ſteckt es ſchon. Mitt⸗ lerweile läuft die Beſtallung des Advocaten gleich⸗ wohl fort; ich muß den Herrn Doktor ſchmeren, ſein Schreiber, der ein hochſtudierter Maulaffe iſt, muß auch beſchenkt werden. Wenn doch ein Mal nur dieſer Lazarus erweckt würde. Du mußt wiſſen, lieber Freund, daß der Doctor an dir eine gute Melfkuh hat, daß deſſen Beutel mit dem deinigen in naher Verwandſchaft iſt; du mußt wiſſen, daß, *— er dich nicht laſſen will. Braucheſt du ihn nicht, wenn du dich auch gern von ihm losmachen möchteſt, „ benihe er dich, um dein Recht ſo langſam als möglich an das gewünſchte Ende zu bringen. Er will, wie man zu ſagen pflegt, nichts über das Knie brechen, damit der Hohnadek fein ganz bleibt. Eile mit Weile, ſagte die Schnecke, die volle 15 Jahre uber eine Brücke kroch, und gleichwohl ſtolperte. Aus dem Langſam wächſt dem Advokaten ſein In⸗ tereſſe. Ich habe meinen Advokaten einige Jahre her wohl beſchenkt, und verlor meinen Prozeß doch, denn der Gegenparthey iſt das Recht zugeſprochen worden. Schneidevinus iſt ein wackerer Jariſt, er verſprach mir den Rechtshandel zu gewinnen. Die gerechte Sache iſt auf meiner Seite, und doch wur⸗ de mir der Beutel S Maſtoforius iſt auch ein ſtattlicher Juriſt; er führte manchen das Recht ſo weit hinaus, bis er auf der Bahre lag; und ich glaube, daß es mir auch nicht beſſer gehen wird; denn ſeine widerrechtlichen Verhandlungen — — * — 109— richten ſich nach dem alten Kalender. Der Advokat Onosvintius hat ſchon, wie man zu ſagen pflegt, manchem Teufel das Ohr abgeſchworen, er wolle binnen der und der Zeit die Sache zu Ende bringen, aber wer wird denn ſo altmodiſch ſeyn, und den Schwur halten? Ich kenne eine Menge Rechtsge⸗ lehrte, aber keiner lehrte daß man den Clienten bey der Raſe herausführen und eine Sache, die in drey Tagen zu Ende gebracht werden könnte, Jahre lang herum ziehen ſoll; keiner lehrte, daß man die Partheyen jädiſch behandeln, und für eine kaum aufgeſetzte Schrift von einem halben Bogen ein Du⸗ zend Thaler begehren ſoll, keiner ſchrieb, daß man beyden Parteyen zugleich dienen; keiner daß ſich ein Advokat links und rechts drehen ſoll. Mein Sach⸗ walter gleichet einem Hunde, dem man durch einen Brocken das Maul ſtopft, daß er nicht bellen kann. Lob des Vauernſtandes. Mein Vater iſt kein Edelmann,. Man ſieht's ihm an den Augen an, Vertraulich gut und wacker; Sein Baſtard iſt ein Acker⸗Pflug⸗ Die Roͤßchen haben Acbeit genug Den ganzen Tag im Acker. Dir gold'ne Kett' und Silber ſchmeid Sind von dem Bauern fern und weit: Es trägt ſie nur der Adel. Kein Bauer mit dem Kleinod prangt, Sein Kleinod an dem Strohhalm hangt⸗ Das ziert ihm Hof und Stadel. Den ganzen Tag wohl durch und durch, Wenn ich im Acker mach die Furch, Geht alles wohl von Handen; Die Lerchen und ſo mancherley, Sie fingen ſchoͤne Melodey, Sind meine Muſikanten. Die Schwalben tröſten immer zu Zu Mitternacht und Morgen fruh, In meinem Hauſ' zu niſten; Sie ſingen, koſten doch nicht viel. Ich liebe dieſes Feder ſpiel 5 Vor ſieben Lauteniſten. . DZu Morgen, wenn der Tag angeht, Die Blumenfarbe Morgenroͤth Vergoldt die Spitz der Eichen; Ein Tag hat ſchon gekuͤndigt an Der Gockelhahn, der Hennen Mann; Auf, auf, gibt er ein Zeichen. Der Vauer hat beſondere Luſt, Db's ihm gleich viele Arbeit koſt, Kann er ſich dennoch laben. Den Bauern wird voran vergunt Auf gruͤner Haid ein Ort geſund, Gleichwie ſie's wollen haben. Ihr Buͤrger bleibt in eurer Stadt, Bedeckt mit euern Hauſern ſatt, Verſchloſſen hoch mit Mauern; Wir wohnen gern im freyen Ried⸗ —— ——— Da wird gleichwohl ein friſch Gemuͤth Vergoͤnnt uns armen Bauern. Rur eines iſt(Gokt ſey's geklagt) So hier uns arme Tropfe plagt——— Die Pfleger und Verwalter, Die zwicken uns und ſchinden gleich; Wollt lieber ſie wären im Himmelreich Ich bethete g'wiß ein Pſalter. Gtwas für Pfleger und Verwalter. Es gibt Pfleger und Verwalter, welche die at⸗ men Bauern nicht nur halb barbieren, ſondern ganz ſcheeren, ganz ſchinden. Sie verſchlucken und ver⸗ zehren den armen Urterthan, wie ein hungeriger Bettler ein Stück Brot. Adam war der erſte Ver⸗ walter im Paradieſe, ſein und der Frau Heva ** Kleid war ein Schafſell; in unſerer Zeit iſt man⸗ ches Pflegers Kleid gar eine Bauernhaut. Der treue Diener. Der Patriarch Abraham ſchickt ſeinen Diener Eliezer nach Meſopotamien, und dort für ſeinen Sohn Iſaac eine Braut zu ſuchen; er ſchickte ihn aber nicht mit leeren Händen; er gab ihm zehn Cameele mit, die mit Gold, Silber, ſchönen Fleidern und andern Koſtbarkeiten beladen waren. Dieſer treue Diener hatte ſich ſeines Auftrages gewiſſenhaft ent⸗ lediget und ſeinem Herrn in der Perſon der ſchönen Rebecca eine liebenswürdige Schnur zugeführt. Was hätte ſich dieſer Eliezer für Nutzen ſchaffen können! In unſeren Zeiten ſind die Sekretäre, Hofmeiſter⸗ Kammerdiener und Bediente weit verſchlagener. Waäre Eliezer ein halbes Jahr hin und her gereiſet; — 112— es ging nicht aus ſeinem Beutel. Hätte er nur auf dem Wege, wo er einſprach, die Abſicht ſeiner Reiſe an den Tag gegeben, da würde er geſehen haben⸗ wie er bedient worden wäre; alle die jungen Töch⸗ ter im Hauſe hätten ihm die größte Ehre erwieſen⸗ und ihn mit den Seinigen umſonſt bewirthet, be⸗ ſonders, wenn er ihnen, wie man zu ſagen pflegt⸗ das Maul gemacht hätte; da hätte er noch mehr erſparen, und ſich den Säckel beſſer füllen können⸗ Wenn er ſich bey dieſem oder jenem hätte verlauten laſ⸗ ſen, daß er eine der Haustöchter gut anbringen wolle, ſo würde der ſogenannte Kuppelpelz ſo gut bezahlt worden ſeyn, daß er auf alle Dienerſchaft hätte Verzicht thun können. Derley Accidentien wiſſen die Diener vornehmer Herren ſehr wohl zu benutzen⸗ Der geringſte Küchenratze verſteht ſich in ſeiner ſchmu⸗ tzigen Charge auf derley Accidentien, und weiß gar meiſterlich feine Waaren durch alte Bettelweiber zu verſilbern. Herren und Frauen klagen faſt immer über die Untreue ihrer Diener und Dienerinnen; man möchte noch ſo viel Katzen herbey ſchaffen, ſo kann man dem Mauſen doch nicht Einhalt thun. Man möchte ſo viel Augen als der junoniſche Liebling Argus hibn ſo heißts immer hier und dort: mobile sit zcum und der Meiſter Niemand kömmt ins Spiel; Koch und Kellermeiſter ſind die Gevattersleute, glau⸗ ben aber nicht, daß ein Frühſtück dem Diebsſtücke ähnlich ſey, wie der Wolf der Wolfin. Der Einkäu⸗ fer vergißt ſich nicht, und weiß ſich ein artiges Ca⸗ pitälchen vom täglichen Pfennig zu ſchmieden, den er bey der geringſten Krautſtaude vermehren kann Nur Geld her, ſo ſeyd ihr bey den Mägden wohl⸗ gelitten; nur einen ſchönen Zeug auf eine Schnür⸗ pruſt; ſo zeigen ſie dir, was du willſt, du kannſt ſieziehen, wohin es dir bellebt, nach Oſt und Weſt, — nach Nord und Süd; nur einige ſeidene Bänder und du wirſt erfahren, was dieſe vermögen. Das Geben iſt nicht vergebens. Viele hingegen verfahren mit ihren Dienſtleu⸗ ten, wie die Apotheker mit ihren Blumen; ſie ſon⸗ dern ſie ab, legen ſie in einen ſchönen Deſtiler⸗Kol⸗ ben, brennen ſie bis auf den letzten Tropfen aus. Iſt zuletzt kein Saft mehr darin, ſo wirft man die Ueberreſte der Blumen zur Thür hinaus. Nicht viel beſſer verfährt man mit den Dienſtleuten. Viele Jahre plagt ſich der arme Tropf, ſucht ſich durch Fleiß und Treue beliebt zu machen, allein ſobald ſeine Kräfte abnehmen, wird er wie ein zudringlicher Bettler vor die Thür geſetzt. Man fertigt ihn mit einigen Biſſen ab, und ſagt, er ſollte ſein Glück weiter ſuchen. Der phantaſtiſche Liebhaber. Ein großer Phantaſt verliebte ſich einſt in ein Mädchen, deren Fußſtapfen, in Koth und Lehm eingedrückt, er unabläſſig küßte. Um dieſen Rarren zum beſten zu haben, brachte ihn das Mädchen mit Liſt ins Haus, und verſteckte ihn in die Küche. Nach⸗ dem er hier eine ziemliche Weile harrte, und ſich ſo ſtille verhielt, wie das Mäuschen beym Speck, läuft das Mädchen in aller Eile herbey und ſpricht: Herr, um Gottes Willen! lieber Herr! mein Engel, ge⸗ ſchwind mein Kleinod, kommen Sie, und verber⸗ gen Sie ſich in dieſe große Waſſerkufe. Der Narr ſteigt in aller Eile in dieſe halb angefüllte Kufe hin⸗ ein, und das Madchen beiegt ſie mit verſchiedenem Holzgeräth, und verhüllt ihn mit ſchmutzigen Küchen⸗ Lumpen. Zwey ganze Stunden läßt ſie in dieſem Bade den Dummbart weich werden. Wie es dem Gimpel ums Herz war, iſt leicht zu denken.— Pater Abraham 1. 3 —— — 4— Nachdem der Rarr die Badekur zum Ueberſſuße ge⸗ braucht hatte, kam das ſchalkhafte Mädchen wieder her⸗ bey, und rief: Mein Herz, mein Leben, mein Troſt! Geſchwind, geſchwind aus der Waſſerkufe! Ver⸗ bergen Sie ſich anders wohin! meine Mutter will die Kufe haben; da in den Ofen hinein; ich werde das Thürchen ſchon zuſchließen, damit Sie nicht er⸗ tappt werden. Der Maulaffe ſteigt triefend aus ſei⸗ nem Waſſerbehältniß heraus, und friecht in den Ofen. Er mußte wieder eine lange Zeit darin bleiben, und faſt jeden Seufzer, jedes Räuſpern erſticken, um nicht verrathen zu werden. Was er jetzt durch den Rus und die Aſche für eine Farbe bekam, kann man ſich vorſtellen. Schnaubend kömmt noch ein Mahl das arge Mädchen, die ihr Müthchen noch nicht gekühlt hatte, reißt haſtig das Ofenthürchen auf, und ruft mit keuchender Stimme: Geſchwind, mein Herr; Geſchwind um Gottes Willen! Mein Vater ſucht Sie mit bloßem Degen! Retten Sie ſich! Ohne Muth, welcher eben nicht zu den Eigenſchaften un⸗ ſeres Liebesritters gehörte, ſteigt dieſer in größter Angſt aus dem Ofen in der leibhaften Geſtalt eines langbeinigen Satans, und läuft, ohne ſich umzu⸗ ſehen, zum Hauſe hinaus. Als er auf die Gaſſe kam, trug man eben eine Leiche vorüber. Die Träger, welche den vermeinten Satan erblickten, ließen die Bahre fallen und nahmen Reißaus. Wie ſehr kränkte das den armen Tropf, der pon einem Engel(ſo nannte ihn das ſchalkhafte Mädchen) zum Teufel wurde. Der beſtrafte Horcher. Ein Bauerjunge verliebte ſich in eine hübſche Bauerstochter, die er zu ſeiner Gemahlin wunſchte. Als er ſie in der Thomasnacht mit einer andern reden hörte, daß ſie durch das ſogenannte Leſſeln . und trug ihn am Halſe. — 115— bey einer Quelle erfahren möchten, was ſie fur einen Liebhaber hätten, ging der Gunpel heimlich in den Wald zur genannten Quelle und ſtieg auf den Baum, deſſen dichte Zweige über die Quelle hingen. Hier wartete er, auf einem Aſte ſitzend, mit unbeſchreib⸗ licher Sehnſucht auf die Ankunft der Landnympfen, und glaubte feſt, die Sache würde ihm deſto beſſer gelingen, weil er ihre Unterredung ganz angehört hatte, auch unter andern Bedingungen wußte, daß keine über, noch hinter ſich ſehen ſollte. Der Narr ſaß eine ziemliche Weile auf dem Baume, als die zwei Mädchen bey hellem Mondſchein ſich ganz ſtille an die Quelle ſchlichen, in der Hoffnung einen wa⸗ ckeren Bauerjungen darin zu erblicken. Der Gimpel ſtreckte jetzt ſeinen Kopf beſſer vor, damit das Waſ⸗ ſer ſein Bild deſto beſſer emnpfangen möchte; allein der ohnehin ſchon morſche Aſt brach, und der Narr fiel in das Waſſer hinab, worüber die Mädchen ſo erſchraken, daß ſie nach Hauſe liefen. Phyſiſche Liebe verſchiedener ekelhafter⸗ Phantaſten. Mancher verſchluckte Nadeln ſeiner Schönen zu Liebe, mancher fraß Glas; vermuthlich thaten ſie es aus Verzweiflung. Einer erhandelte den Pantoffel ſeiner Herzin⸗ nigen von ihrer Zofe um ein theures Geld, undzer⸗ nagte ihn, als wären es fleiſchige Knochen einer Gans, Wieder ein Anderer bezahlte den Floh ſeines Mädchens um dreißig Thaler. Ein Phantaſt ließ den ausgebrochenen hohlen Zahn ſeiner Theuren unter Edelſtein in Gold faſſen 8* Ein Thor in Steyermark ließ ſeiner Geliebten zu Ehren allen Fäſſern den Boden ausſchlagen, daß der edelſte Wein ausrann, und ein anderer ließ ſich ſeiner Dulcinea zu Liebe wöchentlich von ein Paar handfeſten Kerln wacker durchprügeln. Ein ähnlicher Onokephalos(Eſelskopf) ließ ſich von einem Wundarzte in den Rücken und in die Bruſt mit Fracturſchrift den Nahmen ſeiner Geliebten ein⸗ ſchneiden. einer befahl, daß man ihn nicht Herr Alphons, ſondern Herr Thereſe, nach dem Nahmen ſeiner Ge⸗ liebten nennen ſollte. 1 Die Liebesprobe. Eine Witwe hatte drei Narren, ihre Liebhaber, zum beſten gehabt. Da ſie ſchön, jung und artig war, ſuchte man ſie allenthalben auf, und alles both ſich ihr an. Dreien unter allen ihren Freiern wollte ſie die Liebe theuer bezahlen laſſen; ſie ſprach daher zu dem Erſten: Ob Sie mir gleich, mein lieber Herr, ewige Liebe uud Threue ſchwuren, ſo muß ich Slie doch, um mich noch mehr zu überzeugen, auf die Probe ſtellen. Ich verlange nicht, daß Sie mei⸗ net wegen, was Sie wollten, ſich das Leben neh⸗ men ſollten— Ihr Leben iſt mir zu koſtbar— Le⸗ gen Sie ſich in dieſem Zimmer auf eine Bahre, und ſtellen Sie ſich ſo lange tobt, bis ich Ihnen den Wink zum Wiedererwachen gebe. Ja, ja! rief der Pin⸗ ſel tauſend Mal ja!— Was thut ein Narrnicht! Er legte ſich wirklich in die Bahre, man bedeckt ihn mit einem ſchwarzen Tuche; ſetzet ein Paar bren⸗ nende Kerzen nehen und einen Weihbrunnenkeſſel — 117— ober ihn. Nicht lange nachher erſchien der zweite Galan, und ſprach mit zentnerſchweren Worten und vielfältigen Ceremonien von ſeiner Liebe, Neigung und Leidenſchaft. Die Witwe beantwortete alle dieſe Phraſen ſo: Ich glaube zwar alles, was Sie mir ſagen, mein Theurer; allein ich möchte doch von Ihrer aufrichtigen Liebe noch mehr überzeugt ſeyn, geben Sie mir daher einen auffallenden Beweis Ihrer Liebe. Ich habe eine Leiche in meinem Hauſe; wa⸗ chen Sie, und bethen Sie eine Zeit lang bey dieſer. — unvergeßlich iſt mir der Verwandte, welchen mir der Tod entriß.— Alles, was Sie verlangen, meine Theuere, ſiel ihr der zweite Narr in die Rede, ſoll geſchehen. Er tritt in das Gemach, wo der Ne⸗ benbuhler auf der Bahre lag, fällt auf die Knie und fängt eifrig zu bethen an. Zuletzt kömmt auch der dritte Liebhaber und haranguirt, wie der vorige. Zum Beweiſe ſeiner aufrichtigen Liebe verlangt ſie, daß er ſich in eine Teufelsmaske hülle und mit Unge⸗ ſtüm in das Nebenzimmer ſtürze.— Das Verlan⸗ gen ſeiner Auswählten war ihm ein Befehl; er warf daher in aller Eile das Maskenkleid über ſich, und lief in das Nebengemach. Der Narr in der Bahre hatte kaum den maskirten Teufel erblickt, als er ihn ſchon für einen leibhaften Satan hielt, und ſich ſtark zu bewegen anfing, welches dem Signor Diavolo einen ſoichen Schrecken einjagte, daß er das Ferſen⸗ geld nahm. Der bethende Narr, den ein gleicher Schrecken ergriff, ſuchte auch die Thür. Teufel, Tod und Andacht ſtürzten jetzt in hogartſchen Ati⸗ tüden über die Treppe und purzelten ſo über einan⸗ der, daß jeder mit ſchwérer Mühe ſeine eigenen Beine ſinden, und mit dieſen nach Hauſe hinfen konnte⸗ N — 118—* Der beſchämte Cantor. N Geſang, und verglich ſich mit dem Arſon, der durch. ſeine Stiunte anch die Delphine an ſich zag. Als.«. er eines Ta ſeine liebliche Stunme hören ließ, ſah er, daß ein altes Mütterchen, welches nächſt dem Altare kniete, bitterlech weinte. In der feſten Meinung, die ehr⸗ würdige Matrone ſey vom ſeinem Geſange bis zu Thränen gerührt worden, fragte ſie der Cantor nach dem Gottesdienſte, warum ſie ſo ſehr geweint hätte? Ach mein lieber Herr, antwortete dieſe Seufzende: Ich glaubte meinen verlornen Eſel zu hören; ſo na⸗ ges zum Verdruſſe der ganzen Gemeinde tirlich habt Ihr ſeine Stimme nachgeahmt. Der berohnte Tonkünſtler. Ein Student brüſtete ſich mit ſeiner Stimme, und ſagte, daß ihm in dieſer Niemand gleich komme. Um dieß noch mehr zu beweiſen, machte er einem ſittſamen Mädchen ein Ständchen, das von Zoten⸗ liedern ſtrotzte, welches das geſittete Mädchen ſo är⸗ gerte, daß ſie den frechen Sänger nicht allein eine unflätige Lauge über den Kopf goß, ſondern auch ſeinen Rücken mit tüchtigen Ziegelſtein⸗Trümmern begrüßte. Einer ſeiner Kameraden, der ſich über ihn luſtig machte, ſprach jetzt zu ihm: Du biſt ein exce⸗ lenter Sänger, Bruder; ſo viel ich weiß, ſo ſoll der Amphion der veſte Muſikus geweſen ſeyn, weil er auch Felſen bewegte; allein das iſt falſch; du biſt der beſte aller Tonfünſtler, weil dein Geſang nicht allein die Steine, fondern auch das Waſſer in Be⸗ wegung ſetzte. — 23 — Der Cantor einer Kirche brüſtete ſich mit ſeiſen 8 —————— — „2 — 11)— Anekdote. In einer Stadt trieb einſt ein Bauer ſeinen be⸗ laſteten Eſel bey einem fürſtlichen Pallaſte voruber. Ein Ritter, aus dem Gefolge des Fürſten ſah, daß der Bauer auf das arme Thier faſt ununterbrochen ſchlug, und wurde ſo darüber erbittert, daß er den Bauer tüchtig ausſchalt. Verzeihet mir,antwortete jetzt der letztere: Ich wußte nicht, daß mein Eſel Verwandte am Hofe habe, die ſich ſeiner ſo warm annehmen würden. Getäuſchte Hoffnungen. Ein Layenbruder in einen Kloſter, der ſich viel verſprach, war in der gewiſſen Hoffnung, er könnte einſt noch Prälat werden, ob er gleich nichts leſen konnte, als Linſen und Erbſen. Um ſich zur künf⸗ tigen Prälatenwürde vorzubereiten, machte er ſich mit dem A. B. C. vertraut; konnte es aber der vie⸗ len klöſterlichen Arbeiten wegen, nicht weit bringen, was ihn nöthigte, wieder in die Welt zurück zu tehren, wo ihm Zeit genug übrig blieb, ſich dem Leſen und Schreiben beſſer zu widmen. Trotz aller Anſtrengung machte der Layenbruder in ſeinen Stu⸗ dien außer dem KSloſter gar keine Fortſchritte, und ging ins Kloſter wieder zurück, wo er über nichts ſo ſehr nachdachte, als wie er einſt Biſchof werden könne. Mitten unter einem ſolchen Nachdenken, er⸗ ſchien ihm der Satan in der Geſtalt eines Engels und ſprach zu ihm: Fahre fort, Bruder Narciß, in dei⸗ nem Eifer, und du wirſt einſt gewiß Erzbiſchof wer⸗ den. Auf dieſes mächtliche Geſicht ward Rareiß ſo ſtolz, daß er ſeine übrigen Brüder wie trachtete, auf alle Küchen⸗Arbeit Verzicht that, und ſeiner Obrigkeit den Gehorſam verſagte. Ihr gro⸗ —— e Zwerge be⸗ be Geſellen, ſagte er oft zu ſeinen Mitbrüdern, ich werde nicht lange mehr unter euch ſeyn; hald wer⸗ det ihr euere Knie vor mir beugen und von meinen Gnaden leben. Herr Belzebub, der mit dem Layen⸗ bruder ſein beliebiges Spiel trieb, ſchickte einen an⸗ deren Geſandten aus dem Höllenpfuhl„der ihm die Nachricht brachte, daß der Erzbiſchof geſtorbeu ſey/ und er(Nareiß) deſſen Stelle erhalten würde. Kaum erfuhr dieß unſer Candidat, als er ſich um Mitter⸗ nacht aus dem Kloſter ſchlich und drei Tage nach der Stadt reiſete, wo der Erzbiſchof ſtarb. Eine Meile von dieſer Stadt ſprach er bey einem Pfarrer ein, der ihn freundlich empfing, und, ſo guter nur vermochte, bewirthete. Als ſich der künftige Herr Erzbiſchof zu Bette legte, ſah er erſt ein, daß er mit ſeinen ſchmutzigen Kleidern vor dem Volke nicht erſcheinen könne, nahm daher des Pfarrers neues Gewand mit dem Klepper aus dem Stall, und rei⸗ tet der Stadt zu. Der Pfarrer, welcher die ent⸗ fremdeten Sachen bald vermißte, und ſicher wußte, daß Frater Nareciß, ſein Gaſt ihn geplündert habe, eilte dem Letzteren nach, und traf ihn mitten in der Stadt. Frater Narciß! rief er dem Diebe zu, haltet ein bischen! Ihr habt euch vergriffen.— Ich bringe euch euere Kleider zärück, gebt mir die meinigen und mit dieſen den Klepper, der ench nur Koſten verurſachen könnte Mit Hülfe des Magiſtrats blieb Narciß wieder, was er war, und Satan hatte bey ihm allen Glauben verloren, als er wieder in das Kloſter kam und zu einer ewigen Abſtinenz verur⸗ cheilt wurde. Der Atlas. Der Atlas, ſagen und ſingen die Poeten, habe in au. Alterthume die Welt getragen; jetzt tönnte man ſagen, die Welt trage ihn; denn heut zu Tage trägt beynahe jede Dienſtmagd den Atlas auf dem Rücken⸗ Täuſchung. Siehe doch, wie die zwei Cavaliere dort ſich um⸗ faſſen, als wollten ſie ſich aus Liebe und Freund⸗ ſchaft erdrücken. Man ſolite glauben, ſie hätten ſich genau nach dem Ritual alter deutſcher Redlich⸗ keit gehalten; allein eben erfahre ich, daß ſie ge⸗ ſchworne Feinde ſind. Sie wollen ihren Haß mit dem Mantel der Täuſchung bedecken, und auf Ka⸗ tzenart den Koth mit Sageſpänen verhüllen. Man pflegt mit dem Munde guten Tag zu ſagen, in dem Herzen aber Gift zu tragen; mit den Füßen einen Kratzfuß zu machen, und im Herzem, Gott weiß, was zu denken. Dieſe hat bey Hofe den erſten Sitz. Die Höf⸗ linge tragen Honig in dem Munde und Gift im Her⸗ zen. Von außen athmet alles Liebe, von innen alles Haß. Der Höfling kömmt mir wie ein Zeiger auf der großen Uhr vor; dieſer iſt auf einer Seite wie ein Herz geſtaltet, auf der andern wie ein Pfeil. Er lügt nur den Freund und denkt auf alle Wege, wie er ſeinen Nebenmenſchen verfolgen kann.„ Ich entſchloß mich ſo lange zu ſuchen, bis ich die liebe Redlichkeit wieder gefunden haben würde. Mitten unter meinem Suchen fand ich in einer Kauf⸗ mannsbude zwey Freunde bey einer Kanne Wein. Ich hätte es nicht gewagt, den Kaufmann zu fragen, 2 wer ſie wären? hätte mir nicht ein ſonderbarer Aus⸗ hängeſchild dazu Anlaß gegeben; denn man ſah auf dieſem weiter nichts, als einige Bücher mitten im Feuer liegen. Dieß machte mich neugierig zu fragen, warum man auf das Schild gerade ſo etwas und nichts anders gemahlt habe. Der Kaufmann, wel⸗ cher meine Neugierde befriedigen wollte, gab mir zur Antwort: Es ſind vordem ſehr viele Waaren auf Borg herausgenommen worden, und jeder der Schuldner verſprach als ein redlicher Mann zu zahlen. Da ſehr wenige ihr Wort hielten, will ich Nieman⸗ den mehr auf ſeinen redlichen Nahmen etwas bor⸗ gen, und deute durch das Schild an, daß meine Schuldbücher verbrannt ſeyen.—— Ein tiefer Seufzer entfuhr mir auf die Antwort, und ich ſah lei⸗ der, daß ich auch hier die Redlichkeit nicht traf. Um übrigens auch zu erfahren, wer denn die zwei wären, welche die Feſte Krönneberg belagerten, erkundigte ich mich bey dem Kaufmanne, der mir ſagte, daß einer von ihnen ein reicher Mann, der andere aber ein Schmarotzer wäre, welcher ſich für ſeinen beſten Freund ausgabe— Uhi dapes, ibi apes.——— So lange Fortunatus den Felician zum Haus⸗ verwalter hat, ſo lange der Schornſtein bey ihm raucht, ſo lange mangelt es nicht an Freunden; ſo bald aber Blut, Gut, Geld Zeit, Haus, Schmaus verloren ſind, ſo entfernen ſich die ſchmarotzenden Fliegen. In einer kalten Küche ſucht man nichts.— Die Schmarotzer machen es wie die Schwalben; welche ſo lange mit ihrem Geſchwätze den Haus⸗ Eigenthümer liebkoſen, ſo lange es warm iſt; nahet ſich aber der Herhſt, ſo nehmen ſie Abſchied und hinterlaſſen nichts als ein beſchmutztes Reſt. Sie gleichen einem klaren Vache, welcher ſo lange zwi⸗ ſchen Stauden und Geſträuche dahin rieſelt, bis der Winter erſcheint, wo er zu rinnen aufhört und — — 123— erſtarret. Sie haben Aehnlichkeit mit den Fiſchen in dem Beiher, die nie den Kopf aus dem Waſſer ſtrecken, außer man wirftihnen einige Brocken Brot hinein. Sie gleichen den Blutegeln, welche ſo lange an dem Körper hangen, bis ſie ſich geſättigt haben. Es zählt Mancher eine ziemliche Anzahl ſo ge⸗ nannter guter Freunde, die Tag und Nacht an ſeiner Seite ſind, die um ihn herum ſummen, wie die Wespen um einen Zuckerhut; die ihn loben, wie ein Marktſchreier ſeine Arzneyen. Er iſt den Schma⸗ rotzern alles; er gilt alles; er hat alles; er bleibt alles; weil er alles gibt. Dafür hat er Tafel⸗Freunde Brocken-und Schüſſel-Freunde, an denen nichts Redliches als der Mund iſt, der ganz Affekt wegen des EConfekts und die ganze Bruderſchaft des gulen Bratens wegen iſt. Rancher kam um Haus und Hof; Mancher gerieth vom Regiments⸗Stabe zum Bettelſtabe. Frage ihn, warum er nicht fortkomme, und er wird dir ſagen, er habe jetzt Niemand, der ihn unterſtütze; vor demn Verfalle ſeiner Hauswirthſchaft habe er viele Men⸗ ſchen um ſich gehabt, die ſich Freunde nannten, vor⸗ her genug Gäſte In der Hoffnung, die liebe Redlichkeit doch irgendwo finden zu können, nahm ich mir vor, ſie wei⸗ ter zu ſuchen, wie man das Glück zu ſuchen pflegt⸗ und ſollte ich mir die Füße wund gehen. Ich ging gerades Weges jetzt zu zwey Brüdern, weil ich wußte, 3 daß ſich keiner von dieſen auch nur mit einem Wört⸗ chen beleidige; aber wie erſchrak ich, als mir auch dort die Falſchheit an der Thür entgegenging. Mancher Bruder zeigt ſich wie jener Bauer ge⸗ — 124. gen den Fuchs, welcher vn dem Jäger mit Hun⸗ den verfolgt, ſich zu ſeinem Glücke in die Scheune rettete. Hier bath er den Bauer inſtändig, et möchte ſeinen Fuchsbalg ſchüßen, mit dem Perſpre⸗ chen, er würde ſeinen Brüdern einſchärfen, daß ſie nie mehr die Hühnerſtälle des Bauern beſuchen ſoll⸗ ten. Der Bauer ließ ſich überreden, und verſteckte ven Fuchs unter das Stroh. Bald nachher kam der Jäger und fragt den Bauer, ob er keinen Fuchs geſehen hätte? Dort ſah ich ihn. laufen, gab der Bauer zur Antwort, winkt aber dem Jäger, daß er im Stroh verborgen ſey. Dieſen Wink bemerkte zum Glücke nur der Fuchs, der aus dem Stroh her⸗ vor guckte, und nicht der Jäger, der ſich wieder ent⸗ fernt hatte. Kaum hatte der Letztere die Scheune verlaſſen, als der Bauer den Fuchs aufbeckte und mit dieſen Worten laufen ließ: Du kannſt mir dein ganzes Leben hindurch dankbar ſeyn, und biſt ver⸗ pflichtet dein Verſprechen gewiſſenhaft zu halten. Dein Mund, erwiederte der Fuchs, meinte es zwar gut, aber das Winken mit den Augen möge dir der Teufel vergelten. Noch gab ich meine Hoffnung nicht auf, die alte Redlichkeit wieder zu finden. Ich erblickte ein Paar Eheleute, die in einem vertrauten und freund⸗ ſchaftlichen Ton mit einander ſprachen. Man hätte ſchwören können, daß keine Falſchheit verborgen ſey, und daß die alte Redlichkeit in beyder Munde und Herzen wohne; allein man verſicherte mich, daß die Madame ihren Gatten nach den modernen Geſin⸗ nungen an dem Narrenſeile herumführe. 8 Monſignor Simplicius weiß nicht, daß das Wort Falſchheit weiblichen Geſchlechts ſey; er ſoll Hlauben, daß Luſt und Liſt einen Sitz auf dem Miſt⸗ haufen der Weiber habe, daß das deutſche Wort Frau und das lateiniſche Fraus(Betrug) ſehr nahe verwandt ſind. Wollte Gott, es wäre nicht wahr; allein es iſt nur all zu wahr, daß es eine zahlloſe Menge gibt, die glauben, daß es in dem Eheſtande ſehr redlich zugehe, da indeſſen die bemäntelte Falſchheit alle Untreue ausübt.———— Als ein Ehemann hörte, daß dieſer oder jener ſchon öfter eine nahmhafte Erbſchaft machte, ſagte er: Ich bin wirklich ſehr unglücklich; denn wenn gleich alle Teufel in der Hölle ſtürben, ſo würde ich kaum ein Paar Hörner erben. Wir haben ja ſchon genug, antwortete die Frau, laſſe uns mit dem, was wir ſchon beſitzen, zufrieden ſeyn!——— Der Gimpel verſtand die Antwort nicht.—— Der Ehrentag im guchthauſe. Ein wohlhabender Kaufmann in Wien wurde durch den unvermutheten Tod ſeiner Gattinn zum Wittwer, was ihn ſehr betrübte, und zwar um ſo mehr, als er ſah, daß ohne eine Gehülfinn ſein Hausweſen den Krebsgang nehmen müßte. Es war kein anderes Mittel, ſeine Wirthſchaft aufrecht zu erhalten, als noch ein Mal in den Eheſtand zu tre⸗ ten. Der Entſchluß zur zweyten Heirath war bey ihm ſchon reif, nur wußte er noch nicht, wen er wählen ſollte. Seine Dienſtmagd, welche nach dem Tode ſeiner Gattinn das Hausweſen beſorgte, dachte auf Mittel und Ränke dieſen guten Fiſch in ihr Retz zu bringen. Um dieſes zu bewirken, zog ſie nächt⸗ licher Weile einen ſchwarzen Rock an. Die Hälfte des obern Leibes ließ ſie weiß, und beſtrich ſich das Geſicht mit Mehl, In dieſer Masfe erſchien ſie ſeuf 8 Fnöpfe ſammt dem Tuche abſchnitt. zend und klagend vor dem Bette ihres Herrn, wel⸗ cher ſo ſehr darüber erſchrak, daß er des andern Tages darauf ſich mit einigen Geiſtlichen beſprach, und bey dieſen Rath erholte. Die Geiſtlichen rie⸗ then ihm, er ſollte den Geiſt anſprechen, und das befolgen, was ihm dieſer rathen würde. Mit Zittern redete er die darauf folgende Nacht den maskirten Geiſt an, der ihm ſo antwortete: Ich bin der Geiſt deiner Gattinn, der in dem Fegfeuer unfägliche Schmerzen leidet. Hochmuth und Hoffarth müſſen beſtraft werden, ſagt der Ewige; ich habe in meiner Lebenszeit beyden Laſtern zu ſehr gefröhnt, darum muß ich jetzt büßen. Uebe ein Werk der Demuth aus, wenn du anders willſt, daß ich aus meinem peinlichen Kerker erlöſet werde, und heirathe deine treue Magd Sabina. Mit Anbruch des folgenden Tages berathſchlagte ſich der Kaufmann mit ſeinen Verwandten, deren einige die Sache für wahr, andere aber für ein Mährchen hielten. Hätte die geſchwätzige Sabina das Geheimniß in ihrem Buſen verſchloſſen, und nicht ihren vertrauteſten Freundinnen entdeckt, ſo⸗ würde ſie ſicher glücklich geworden ſeyn; allein ſie hielt, zur Strafe ihrer Geſchwätzigkeit, ihren ſo genannten Ehrentag, nach der Entdeckung des Be⸗ trugs im allgemeinen Zuchthauſe. Die Scheinheilige. Ich ſah einſt in Wien in der Hofkirche hinter einem Herrn ein reinlich gekleidetes Weib knien, das mit ſehr andächtigen Geberden einer Meſſe beywohn⸗ te, und dem Erſteren mit einer Scheere die hinteren So findet man falſche Briefe, falſche Stim⸗ men, verfälſchten Wein, falſche Siegel, falſches Gold, falſches Silber, falſche Blumen, falſchen Schmuck, falſches Haar, falſche Geſichte, falſche Freunde. Das Regiſter ginge ins Unendliche vom Throne bis zur Bettelhütte. er 3 Ein ſonſt vortrefflicher und glücklicher Schütze ſah ſich einſt genöthigt, von einem Freunde Geld zu borgen; er verſprach ſcnem Gläubiger dafür eine ſchöne Bärenhaut. Als er das verlangte Geld erhielt, fragte ihn ſein Gläubiger, wo denn die Bärenhaut ſey? Ich gehe auf der Stelle, erwiederte der Schütze, in den nächſten Wald, und ſchieße den erſten Baren, den ich dort treffe, nieder. Willſt du einen Spaß ſehen, Bruder, ſo gehe mit mir. Der Glaͤubiger nahm den Vorſchlag an, und gieng mit dem Schützen in den Wald. Als ſie eine ziem⸗ liche Weile Berge und Anhöhen, dichte Gehölze und Hecken durchſtrichen, und durchgeſtiegen hatten, er⸗ blickten ſie einen Bären von ungeheurer Größe. Der Schütze benutzte die gute Gelegenheit die ſich ihm darboth, und brannte los, traf aber den Bären nicht. Sein Cammerad hatte mittlerweile einen Baum be⸗ ſtiegen, um ſicherer der Bärenjagd zuſehen zu kön⸗ nen. Das ohnehin wilde Thier wurde durch den Schuß ergrimmt, und lief auf den Schützen zu, wel⸗ cher ſich des allgemeinen Jäger⸗Vortheils bediente, ſich ſogleich auf die Erde warf, den Athem nach Möglichkeit an ſich zog und todtenäbnlich liegen blieb. Der Bär beſchnarchte zwar den Schützen von allen Seiten; hält ſich aber am meiſten vey dem Kopfe des Jägers auf, den er zuletzt verläßt, und brummend in den Wald zurück geht.——— Rach ausgeſtandener Lebensgefahr richtete ſich jetzt der Schütze wieder auf. Der Held auf dem Baume will ſich über ſeinen Cammeraden luſtig machen, und frägt dieſen, was ihm der Bär ins Ohr geſagt hätte? Ich ſollte, antwortete der Schütze, keine Bärenhaut mehr verſprechen, bevor ich ſie nicht hätte. Schnurre. Ein ſehr witziger Diener, der einen ſehr lieder⸗ lichen Herrn hatte, erbielt von dieſem den Befehl, auf dem Vieh⸗Markte einen Eſel zu kaufen. Um den Befehl zu befolgen, lief er den halben Tag auf dem Markte herum, und betrachtete alle Langohren, fand aber keinen, der ihm behagte, und kehrte daher unverrichteter Sache nach Hauſe. Dem Herrn miß⸗ fiel dieß nicht wenig, und er beſchloß ſelbſt von ſei⸗ nem Diener begleitet, auf den Vieh⸗Markt zu ge⸗ hen, wo er einen Ueberfluß der arkadiſchen Thiere traf. Haſt du bey dieſer Menge von Eſeln, ſchnaubte er ſeinen Diener an, keinen wählen können? Ich habe, erwiederte der Letztere, einen Eſel mit einem Pfauenſchwanz geſucht, und da ich keinen ſolchen fand, wollte ich das Geld nicht umſonſt ausgeben. Du biſt mir ein wahrer Phantaſt, ſprach jetzt der Herr: Haſt du denn einen Efel mit einem Pfauen⸗ ſchwanz ſchon geſehen? Nein, antwortete der Die⸗ ner, allein ich meiß, daß ein liederliches Leben einem Eſel mit einem Pfauenſchwanz gleiche, das iſt, ein ſchönes Ende nehmen. Der intereſſirte Hoöfling. Ein Fürſt hatte unter ſeinen Höflingen einen ſehr intereſſirten Menſchen, derer, um ihm einige treffende Lehren zu geben, mit zwey Leibärzten zu ſich rufen ließ. Den Letzteren ſtellte er mit ſchein⸗ barer Theilnahme vor, daß der gegenwärtige Cava⸗ lier einen ſehr üblen Zuſtand hätte, und bath ſie, daß ſie alle ihre Kunſt aufbiethen möchten, um einen Mann, deſſen Verluſt ihm äußerſt kränkend wäre, zu heilen. Der Höfling verſtummte, und wußte nicht, was der Fürſt damit meinte; ſelbſt die Leib⸗ ärzte konnten nicht begreifen, wie man einen Men⸗ ſſchen für krank halten könne, an dem ſich nicht das geringſte Sympton einer Krankheit äußere, und ſag⸗ ten, der erwähnte Cavalter ſey von ſo geſunder Lei⸗ besbeſchaffenheit, daß er ſich ein langes Leben ver⸗ ſprechen könnte. Ihr ſeyd beyde irriger Meinung, meine Herren, der Mann, den ihr für geſund haltet, leidet an Milzſchmerzen. Wiſſet ihr auch, aus was die Milzſchmerzen beſtehen? Sie beſtehen, ich muß es euch nur ſagen, in dem, wenn die Mils andern Theilen des Körpers die Nahrung verſagt, die es ihnen zu gében ſchuldig iſt, und alles für ſich behält, und dadurch ſich ſelbſt verdirbt. Gine Fabel. Der Löwe, als König der Thiere, entſchloß ſich der immerwährenden Zwitracht und des beſtändigen Mißverſtändniſſes wegen, den Vögeln förmlich den Krieg anzukündigen. Der Bär, als Kriegs⸗Rath, fragte ſeine Majeſtät den Löwen, was er dem Haſen und Eſel für eine Charge geben wollte? Ich will den Haſen, antwortete der König der Thiere zum Feld⸗ courier und den Eſel, ſeiner Stimme wegen zum Trompeter machen.——— Er hätte beyden eine ungleich höhere Stelle anweiſen können.—— Der Traum. Ein Stallknecht legte ſich nächtlicher Weile nicht weit von ſeinen Roſſen gufs Stroh und ſchlief beſſer Pater Abraham 1. 9 als mancher auf Pflaumen. Der Traumgott, wel⸗ cher äuf ſeine Schläfer ſeine Mohnkörner ſtreut, und ihnen ſeine nächtlichen Larven gern vorhält, vergaß auch auf unſern Stallknecht nicht. Dieſem träumte, er habe einen herrlichen Schatz gefunden. Wie lachte ihm im Traume das Herz, wie erfreute ſich ſein Ge⸗ müth. Niemand war fröhlicher als der Stallknecht; er machte ſchon Anſtalten, wie er ſein künftiges Hausweſen einrichten wollte. Seine Cameraden müſſen ihn geſtrenger Herr nennen, er will ſich ein ſchönes Haus bauen laſſen, und ein ſchmuckes Mäd⸗ chen heirathen; keine Rüben mehr ſondern lauter köſt⸗ liche Speiſen eſſen, kein zwilchenes, ſondern ein ſeidenes Kleid tragen; kein Bier mehr, ſondern bloß Wein trinken. Er will eine große Mahlzeit halten, ſeinen Gevatter, ſeinen Vetter, ſeinen Schwager und ſeine Nachbarn dazu bitten, ſtolz thun gegen Hanns, Caſpar und Chriſtel, die ihm ſo viel Verdruß mach⸗ ten.——— Als dieſes Traumbild ſchwindet, bie⸗ thet ſich unſerm Stallknecht ein anders dar.——— Er ſieht einen vollen Geldbeutel; tappt darnach, und iſt vor Freuden außer ſich. Mitten unter dieſer Freude erſchrickt ein angebundenes Roß, und gibt ihm mit dem Hinterfuß einen ſolchen Stoß in die Seite, daß der Träumer erwacht, und weder Schatz noch Beutel findet. Der falſche Fucchs. Der Löwe, welcher ſich ſeines hohen Alters wegen, ſchon einige Zeit nicht wohl befand, muß⸗ te in ſeiner finſteren Höhle bleiben. Die übrigen vier⸗ füßigen Thiere, als ſeine gehorſamſten Vaſallen, ſtatteten ihre Condolenz⸗Viſiten ab. Da ſich der Fuchs nie bey ſolchen PViſiten einfand, ſuchte ihn der Wolf, der ihm nicht geneigt war, bey Hofe in 1 3 ein falſches Licht zu ſetzen. Um dieß zu bewirken, ſprach er in einer geheimen Audienz ſo zu dem Löwen: Der Fuchs muß Euerer Majeſtät höchſte Perſon wenig achten, weil er gar nie erſcheint; er muß Sie für ſeinen gnädigſten Herrn gar nicht erkennen, wel⸗ ches nicht ungeſtraft bleiben kann, weil dieß ſonſt kein kleines Aegerniß unter den Thieren geben würde⸗ An einem ſchlechten Hühner-Dieb iſt ja nichts ge⸗ legen, wenn er auch auſgeopfert wird. Zu allem Glücke erſcheint der Fuchs, der in dem Porzimmer die Läſter⸗Worte des Wolfs gehört hatte, und bittet um eine Audienz, die ihm der Löwe nicht abſchla⸗ gen konnte. Aus dem finſteren Geſichte des Letzteren ſah der Fuchs gleich beym Eintritte, daß die ver⸗ läumderiſchen Worte dees Wolfes Eingang gefunden haben, und redete daher den Löwen in einer demü⸗ thigen Stellung ſo an: Euere Majeſtät wird es be⸗ fremden, daß ich noch nicht erſchien; Sie werden einen Unwillen gegen meine geringe Perſon faſſen; allein ich kann mich entſchuldigen, warum ich meine Pflicht nicht erfüllte, und gründliche Urſachen zu meiner Vertheidigung anführen. Sobald ich Nach⸗ richt von Höchſtdero Krankheit erhielt, fragte ich ſo⸗ gleich mit aller Sorgfalt nach, wie Euerer Majeſtät koſtbare Geſundheit wieder hergeſtellt werden könne⸗ . Nur erſt vor Kurzem ſagte mir der Leibarzt des per⸗ ſiſchen Königs, den ich um Rath fragte, daß für Euere Majeſtät kein heilſameres Mittel ſeh, als wenn Sie den Wolfen lebendig ſchinden, und deſ⸗ ſen noch rauchende Haut ſich auflegen ließen. Er ver⸗ ſicherte mich, daß Sie binnen vier und zwanzig Stunden ganz geheilet ſeyn würden. Gut, gut, ſagte jetzt der Konig der Thiere. Ich danke euch, mein für dieſen wohlmeinenden Rath. Kaum hatte der Fuchs das Kabinet verlaſſen, als ſchon der Wolf für ſeine Verleumdung büßen mußte. Lob der Sſchuſter. Der Schuſter feyert ſo gern den blauen Montag Verſpricht die Schuh' auf den naͤchſten Sonntag. Und wenn ſie ſollten fertig ſeyn; So kauft er erſt das Leber ein. ℳ Der richtende Bauer. Ein junger Bauer ließ ſich in einer Schenke echt auftiſchen. Nachdem die Küche das ihrige ge⸗ tthan hatte, mußte auch der Keller das ſeinige thun. Eer begehrte ſo viel Gläſer, als man im Hauſe auf⸗ inden konnte. Man ſetzte ihm deren einige zwanzig auf den Tiſch, die er rein ausleerte, und zwar mit dieſem Schwanke. Er gab einem jeden Glaſe ſeinen Nahmen, und er ſelbſt vertrat die Stelle eines Ver⸗ walters. Wohlan, ſagte er zum erſten Glaſe: Wa⸗ rum biſt du, Hans Obermeyer den verfloſſenen Mon⸗ tag nicht zum Frohndienſte gekommen? Warum biſt du ausgeblieben? Fort mit dir ins Loch! Er ſagte es und ſäuft das Glas aus.— Jetzt macht er ſich an das zweyte Glas, und ſpricht es ſo an: Lenz Kenz⸗ auer! Warum haſt du das Holz für die Herrſchaft aus dem Walde nicht geführt? Hinunter mit dir ins Loch, du Faulenzer! Das wird wieder ausgeſtürzt. Zum dritten Glaſe ſprach er: Treffen wir uns ein Mahl Jäger Dulbinger? Wo warſt du denn Schlin⸗ gel, daß du das Heu nicht einführteſt, ſoll es auf der Wieſe durch den anhaltenden Regen faulen? Hinunter mit dir ins Loch! Er ſäuft das dritte Glas aus. Jetzt kömmt die Reihe auf das vierte. Willſt du dich, ſpricht er, Barthel Nußkern immer der herrſchaftlichen Arbeit entziehen? Fort üher Hals und — 133— Kopf mit dir ins Loch. Mit dieſem wird das vierte Glas ausgeleert. Es iſt eben recht, ſagte er zum fünften Glaſe, daß du ſauberer Geſelle, Mathias N ller, hier biſt; ich will dich lehren, wie man Be⸗ fehlen gehorcht. Geſchwind, geſchwind ins Loch hin⸗ unter!— Er ſäuft auch dieſes Glas aus. Ich habe mir wohl eingebildet, ſprach er zum ſechsten Glaſe, daß du buckelichter Flegel, mir ein Mahl auch ins Garn gehen wirſt. Du hätteſt Eiſen und Bande verdient; für dießmahl bleibt es beym Loch— Hin⸗ unter mit dir! Sagts und ſtürzt es aus. Als er ſolchergeſtalt einige zwanzig Gläſer ins Loch geſchickt hatte, konnte ſich zwar der Kellerburſche nicht genug verwundern, wollte aber dem Schwank auch das ſeinige hinzuſetzen; nahm daher ein Glas von der Tafel, welches der Weinſchlauch nicht bemerkte, und nachdem er es mit Eſſig angefüllt hatte, ſetzte er es ganz behutſam an das Ende der Tafel. Wie dieſes nun der Schlemmer erblickte, rief er aus: Was iſt das, du liederlicher Kerl? Meinſt du, ich kenne dich nicht. Du biſt der Lukas Draßler; weißt dich ſchuldig, du Schelm im Gewiſſen, weil du nur von der Ferne ſtehſt. Warum haſt du deine Ochſen zwei Mahl im Schloßgarten weiden laſſen? Du biſt nicht beſſer als die andern! Fort ins Loch! Als er das Glas faſt halb ausgetrunken hatte, ſetzte er es ein wenig nieder, und fuhr fort: Du unterſtehſt dich noch, du Bärenhäuter, ein ſaueres Geſicht zu ma⸗ chen? Es hilft nichts, du willſt oder willſt. nicht, du mußt doch ins Loch! Hinunter mit dir! Es ſagts und ſtürzt auch das das letzte Glas mit Eſſig vollends hinunter; wovon er ſo bezecht wurde, daß er mit einem an die Wand gelehnten Mehlſack tanzen wollte, und ihm ſogar die Ehe verſprach, weil er meinte, es „ ſey die Magd vom Hauſe, mit welcher er auf einem ziemlich vertrauten Fuß gelebt hatte. Weiberklagen. Wenn Weiber ungefähr zuſammen kommen, vor⸗ züglich aber ſich in Wien am Kohlmarkte treffen, da fängt eine nach der andern an, über ihren Mann zu klagen. O meine liebe Frau Margareth, ſagte die Erſte, mein Mann und ich leben wie die Hunde und Katzen. Ich kann, Gott ſey es geklagt, dazu nicht ſchweigen, wenn er täglich in der Schenke bey ſei⸗ nen Zechbrüdern ſitzt, und ich mit meinen armen Kindern kaum einen Biſſen Brot habe. Er jagt alles durch; ich habe ihn erſt letzthin nach dem Mittag⸗ mahle, wie er zwey Maß Wein ausſtürzte, gewarnt daß er ſeiner Geſundheit ſchonen ſollte. Der Magen, ſagt ich ihm, iſt, wie man zu ſagen pflegt, ſchon geſchloſſen, und nimmt nichts mehr an. Ey was, gab er mir zur Antwort, geſchloſſen; geſchloſſen oder nicht geſchtoſſen ich trinke ſo lange es mir ſchmeckt. Wo kömmt denn aber der Wein hin, fuhr ich fort, wenn der Magen ſchon geſchloſſen iſt? Närrin,(mein gewöhnliches Prädikat) erwiderte er, wenn der Ma⸗ gen geſchloſſen iſt, ſo rinnt der Wein beym Schlü⸗ ſelloch hinein. Jetzt ſtellen Sie ſich vor, mein lie⸗ bes Weihchen, wie hart es bey ſo einem Hauſe zu wirthſchaften iſt. Wir haben nicht ein Mahl die Hausmiethe bezahlt, und Michaelis iſt ſchon vorüber. Andére Weiber klagen, daß ihre Männer grob ſind, aber ich habe mich darüber nicht zu beſchweren; der meinige iſt ein ausgemachter Hofmann; aber das danke ihm der Tenſel. Ein Hofmann iſt er, denn er ſteckt den ganzen Tag im Matſchackerhof, im Sei⸗ tzerhof, frißt und ſäuft, und ich muß zu Haule wirth⸗ ſchaften. Ich habe ihm ein ſchoͤnes Gergth zugebracht, . —— nicht zu Hauſe, wenn gleich der Gläubiger ſieht, aber es iſt ſchon alles weg. Schüſſel und Teller zit⸗ tern vor ihm und fürchten verſetzt zu werden. Was er die ganze Woche hindurch verdient, verfrißt er am Sonntage wieder. Wenn er mich zuweilen mit ſich nähme, ſo würde dieß nichts weniger als nach⸗ theilig ſeyn, und ich könnte es ihm gar nicht verar⸗ gen, aber ſo iſt unſer eines immer beym Waſſer⸗ Krug und ſitzt ewig auf der Waſſerburg. Geduld. Wenn ſich Kaufleute oder Handwerker nothge⸗ drungen um die gebührende Bezahlung melden, ſo heißt es, ſie ſollen morgen oder übermorgen köm⸗ men. Erſcheinen ſie auf die beſtimmte Zeit, ſo hat der Bediente den Auftrag zu ſagen, der Herr ſey daß er zum Fenſter hinaus ſieht. Darum ſagte einſt auch ein Gläubiger einem Lakay, daß ſein Herr ein anderes Mahl den Kopf mit ſich nehmen ſollte, wenn er aus dem Hauſe gehe. Mancher arme Teufel läuft ein halbes Jahr mit dem Conto herum, und fängt eben ſo viel als Petrus, der die ganze Nacht fiſchte, und keine Gräte heraus zog. Mancher erhält ſtatt„ der Bezahlung eine rüchtige Tracht Schläge, oder man drohet ihm wenigſtens mit einem hölzernen Con⸗ fekt; wenn es noch gut ausfällt, ſo muß er ſich mit der Hälfte der ſchuldigen Sumime begnügen. Die maagere Suppe⸗ Ein verſchmitzter Diener, der eine geizige Frau hatte, band einſt die Suppenſchüſſel an einen Bind⸗ faden, und zog dieſe ganz langſam durch die Stube gegen die Küche. Als ihn die Frau darüber zu Rede ſtellte, gab er ihr zur Antwort: Ich habe immer ge⸗ hört, daß man die Blinden führen müſſe; denn die „ — Suppe war ſo mager, daß man auch mit einer drey⸗ fachen Brille kein Auge darauf entdeckt hätte. Der innre Werth. Gott ſieht nicht auf das, was der Menſch thut, ſondern wie er es thut; er ſieht auf den Kern, und nicht auf die Schale oder Hülfe; der Kern iſt die Meinung, die Schale das Werk. Er ſieht auf die Kornähre und nicht auf den Halmz; er ſieht auf den Schatz und nicht auf die Kiſte, auf den Degen und nicht auf die Scheide. Was nutzt es, wenn die Scheide gut und der Degen roſtig iſt? Was nitzt es, wenn die Kiſte feſt, und das darin enthaltene Geld falſch iſt? Was trägts, wenn der Halm hoch und gerade, und die Aehre leer iſt. Was nützt es, wenn die Schale gut und der Kern wurmſtichich iſt. Quackſalberſpruch. Eine zahnloſe Haus⸗Doktorin ſchrieb folgende Worte auf ein Stück Papier und hing es ihren Pa⸗ tienten wider das Fieber um den Hals: Fieber hin, Fieber her, Laß dich blicken niemmermehr! . Fahr' in eine wilde Au, Dieß befiehlt ein' alte Frau, Sonſt mußt du fahren in Kuttelfleck, Sieh dann, wie dir die Herberg ſchmeckt. Amen. Wer ſich nicht rathen läßt, dem iſt nicht zu helfen. Eine Fabel. S Die Schwalbe, welche ſich gleich andern Vö⸗ geln in den Waldern, und auf dem Felde aufgehal⸗ ten hatte, nahm wahr, daß man einen großen Acker mit Hanfſamen beſäete, und rieth ſogleich den übrigen Vögeln, alles aufzubiethen, dieſen ihnen ſchädlichen Samen wegzubringen: es könnte ja, ſagte ſie, leicht ein jeder Vogel ein oder zwei Förnchen mit dem Schnabel wegtragen. Die Vögel lachten die Schwalbe als einen ein⸗ fältigen Vogel aus; einige hielten ſie ſogar für eine unnütze Schwätzerinn, die den ganzen Tag mit Plau⸗ dern zubringe, und folgleich nicht wenig Lügen ein⸗ miſcht. Die gute Schwalbe mußte die Beleidigung ertragen; ſie ſah ein, daß es unter den Vögeln viele gäbe, die über einen guten Rath ſich luſtig machten, und dieſen mit Undank belohnen; ſie beſchloß daher, um dem ferneren Uebel vorzubeugen, die Geſellſchaft der Vögel ganz zu meiden, und ihr Reſt nicht mehr in Hecken und Geſträuche, ſondern bey den Häuſern zu machen. Mittlerweile iſt der Hanf faſt Manns⸗ hoch aufgewachſen, und zur völligen Reife gekom⸗ men, ſo zwar, daß er nach vielen Zubereitungen zuletzt zu Fäden wurde, aus denen man ein großes Garn ſtrickte, mit dem viele tauſend Vögel gefangen wurden. In dieſer traurigen Lage nahmen die übrig⸗ gebliebenen Vögel ihre Zuflucht zu der Schwalbe, und fragten ſie, was ſie zu thun hätten, um ferne⸗ rer Gefahr und Nachſtellung vorzubeugen. Jetztiſt es zu ſpät, antwortete ſie ihnen, warum habt ihr meinen Rath nicht eher befoigt, und den Hanfſamen aus dem Wege geräumt?—— Das Haͤschen und der Igel. Eine Fabel. Ein Häschen hatte ſich bey rauher Winterszeit in einen hohlen Felſen verkrochen, um der Ruhe zu⸗ genießen; allein nicht lange darauf erſchien auch ein Igel, welcher das Häschen um eine Herberge in folgenden Worten bath: Es iſt allgemein bekannt, daß deine Nächſtenliebe keine Grenzen kennt, und daß du daher nützeſt, wo du nützen kannſt. Ver⸗ gönne mir, ich bitte dich inſtändig, nur ein Win⸗ kelchen in deiner Wohnung, um mich vor der unaus⸗ ſtehlichen Kälte zu ſchützen. Ich werde die Freund⸗ ſchaft, welche ich von dir erwarte, nie vergeſſen, uud mit dem künftigen Herbſt dich mit den beſten Aepfeln bedienen. Obgleich der Platz, wo ſich das Häschen aufhielt, ziemlich enge war, ſo ward des Igels Bitte doch erfüllt. Nicht lange nachher fängt der letztere an, ſeine Stachel ſo auszuſtrecken, daß das arme Häschen zuletzt genöthigt war, ſeine Woh⸗ nung dem undankbaren Schelm ganz einzuräumen, und einen andern Zufluchtsort zu ſuchen. Ein ſolches Verdrängen iſt heut zu Tage faſt allgemein. Das Schvoßhündchen und der Eſel. Eine Fabel Ein Eſel hatte ſeit langer Zeit bemerkt, daß ſein Herr einem Schooßhündchen ſehr ſchmeichle; und daß dieſes die Freyheit habe, ſeine Pfötchen auf ſeinen Herrnzu legen, überhaupt auf ihn zu ſpringen, und allerley luſtige Geberden zu machen, In der Meinung nun, daß dem Herrn die Luſtigkeit des Eſels auch nicht mißfallen würde, war der letztere tölpiſch genug mit ſeinen Vorderfüßen auf ſeinen Herrn zu ſpringen, und ſie ſogar auf die Achſel zu legen; allein zu ſeinem größten Nachtheile; denn eine Tracht echläge war die Belohnung der tölpelhaften Lu⸗ Wenn ein Dummkopf oder ein Unwiſſender durch Wahl und Stimmen unvorſichtig genug zu einer Würde erhoben wird; ſo wird er gewiß alles auf⸗ biethen, es anderen nach zu thun. Er kleidet ſich, wie die übrigen ſeines Ranges, thut es dieſen oft auch zuvor; geht anders, ſpricht anders, aber leider, nie wie ein vernünftiger Menſch, ſondern wie ein dummer Sonderling. Indeſſen nimmt man leicht wahr, weß Geiſtes Kind er ſey, wenn er nur den Mund öffnet, ſo iſt man gleich überzeugt, daß der Palmtag ſein vornehmſtes Feſt ſey. Freylich verliert er die Achtung bey ſeinen Untergebenen, und muß ſie verlieren; allein er fordert ſie deſſen ungeachtet doch mit Ungeſtüm, und wird ausgelacht; mancher Schalk hintergeht ihn.— Er wird das Mährchen der Stadt, und ſelbſt der Pöbel macht ſich über ihn luſtig. Wachſamkeitt. Bey den Alten pflegte man auf die Kirchendä⸗ cher und Kirchenthürme einen Hahn von Eiſen oder Kupfer zu ſetzen. Ein Hahn iſt wachſam, der das Hausgeſinde weckt, ein Hahn, ſag ich, und kein Gimpel, der alles gehen läßt, wie es geht, wenn nur ſein Dickſchnabel unter den Hanfkörnern herum⸗ wühlen kann. Behutſamkeit und Schonung. Wenn man ein irdenes Gefäße, z. B. einen Topf ſtricken will; ſo muß man ganz behutſam den Drat durchziehen, dann ganz gelinde zuſammen zwicken. Man klopfet mit einem Hämmerchen ſehr leiſe daran, um nichts zu brechen. Noch gebrech⸗ licher ſind die Menſchen, wenn ſie einige Mängel an ſich haben. Es iſt zwar die Pſlicht der Obrigkeit dieſe Fehler an den Tag zu geben, aber mit mögli⸗ 2 x„ 3 2 3. cher Schonung; nur das Laſter verdient eine derbe Züchtiguug. Die Vorzüge des Alters. Ein alter Wein iſt geſünder, als ein neuer, ein altes dürres Holz iſt beſſer als ein neues und grünes; ein altes Gebäude ſtärker als ein neues, und ein alter Freund beſſer, als ein neuer. Wer zu hochſſteigt, fällttief. EineFabel. Ein junger Fuchs hatte öfter wahrgenommen, daß die Vögel in der Luft hin und her fliegen, ſagte daher zum alten Fuchs: Vater! ich will auch flie⸗ gen. Du junger Thor, antwortete der Alte: was fällt dir ein? Ich will fliegen, wiederholte der junge Narr; um die Flügel kuͤmmere dich nicht, Vater! Er macht ſich jetzt Flügel von Hennenfedern, ſteigt auf einen hohen Thurm, und ſpringt zum Fenſier hinaus, aber zu ſeinem größten Unglücke; er ſtürzte todt zu Boden.— Als ihn ſein Vater im Blute liegen ſah, rief er ihm zu: Nun Bürſchchen, wie behagt dir das Fliegen?— Wie viele juuge Leute machen hohe Ge⸗ dankenflüge, und denken nicht, wie tief ſie oft ſin⸗ ken müſſen. Die jungen und die alten Fröſche. Eine — Fabel. Die Sonne entſchloß ſich zu heirathen. Als die Verlobung zu Ende war, wurden Anſtalten zu einer prächtigen Vermählung gemacht. Man ſchickte Ein⸗ ladungsſchreiben an alle lebenden Geſchöpfe, weil ſie alle ſammt und ſonders ihr das Leben zu verdanken hatten. Als die Fröſche das Schreiben empfingen⸗ waren die Jüngern unter ihnen voll Frende. Sie konnten kaum den Tag des Vermählungfeſtes erwar⸗ ten. Mutter! riefen die jungen Fröſche, da müſſen wir alle in hochzeitlichen Kleidern erſcheinen.— Ihr freut euch, erwiederte der alte Froſch, weil ihr nicht in die Zukunft ſehen könnt. Ihr werdet einſt über dieſe Vermählung noch weinen. Denket nur: Wir hatten jetzt nur eine Sonne, und dieſe hat uns un⸗ ſere Waſſerwohnungen ſchon ausgetrocknet, wie wird es ſeyn, wenn ſie Kinder bekömmt; da werden wir alle verbrennen müſſen. fahrene Jugend bey manchen Ereigniſſen, daß eine lachende Außenſeite hat. Sie ſucht nur hier die Gegenwart den Genuß ihrer Sinne zu befriedigen, ohne zu bedenken, daß eben dieſe ſüße Quelle ihres Genuſſes, ihr in der Folge Reue bringen wird. Vergleichungen falſcher Freunde. Freunde gibt es genug, aber ſie gleichen dem Aale, welcher meiſtens dann Reißaus nimmt, wenn man ihn am beſten zu halten glaubt. Freunde gibt es genug, aber ſie gleichen dem Queckſilber, das nicht an einem Orte bleibt. Freunde gibts genug, aber ſie gleichen den Schwalben, die ſich im Winter verlieren. Freunde gibts genug, aber ſie gleichen der Son⸗ nenuhr, die nur ſo lange Dienſte leiſtet als die Sonne am Horizont iſt. Freunde gibts genug, aber ſie gleichen den Blut⸗ egeln, die nur anhangen, bis ſie ſich geſättigt haben. Freunde gibts genug, aber ſie gleichen den Mäu⸗ ſen, die nur ſo lange in den Häuſern bleiben, als ſie was zu ihrem Unterhalte finden. — So benimmt ſich die uner⸗ — Freunde gibts genug, aber ſie gleichen den Mels⸗ nen, die von außen gut zu ſeyn ſcheinen, von innen aber faul ſind. Freunde gibts genug, aber ſie gleichen den Bächen, die ſich bey gar zu trockener Witterung oft ganz zu verlieren pflegen. Man findet kaum ein Tröpfchen Waſſer, wo ſie einſt durch vielfärbige Kieſel rieſelten. Die Feyer der Feſttage. Man ſieht an einem Feſttage Küchen rauchen, alle Pfannen ſchwitzen, alle Waſſer ſieden, alle Brater laufen, alle Roſte glühen, alle Schüſſeln tra⸗ gen, alle Tafeln prangen, alle Fäſſer rinnen, alle Fannen ſchöpfen, alle Vecher ſchweppern, alle Glä⸗ ſer ſchwimmen, alle Gurgeln ſchlucken, alle Füße wanken, alle Köpfe ſummen. Hier trinkt ein Bür⸗ ger, dort ſäuft ein Bauer; hier ſchwelgt ein Ge⸗ ſelle, dort erbricht ſich der Knecht; hier ſtolpert ein Junger, dort fällt ein Alter; hier lehnt der Sohn, dort liegt der Vater; hier krabelt der Herr, dort liegt der Diener; hier gähnet der Richter, dort ſchnarcht der Geſchworne.———— So feyert man Feſttage. n Lebensart der großen Herren. Was iſt euere Klage, ihr Kaufleute und Hand⸗ werker; über was klagt ihr, ihr Wirthe? Die Men⸗ ſchen bezahlen ungern, antwortet ihr. Wahr iſt es⸗ die Menſchen bezahlen nicht gern, und zwar mei— ſtens die vornehme Herren. Darum antwortete der gelehrte, aber ſehr arme Heinrich Glareanus, als er gefragt wurde, wie er lebe: Ich lebe gar wohl; denn ich lehe wie die großen Herren. Ich eſſe und — 143— trinke, laſſe es mir wohl geſchehen, und bin Jeder⸗ mann ſchuldig.——— Gleiches mit Gleichem. Ein Bauer, der ſich in einer Schenke den Wein wohl ſchmecken ließ, ſchlief unter einem offenen Fen⸗ ſter ſanft ein, und fiel von dieſem hinunter; ein Vorübergehender, auf den er ſtürzte, wurde todtge⸗ ſchlagen. Die Verwandtſchaft des Todtgeſchlagenen ließ den Bauer in Verhaft nehmen, und ein Advo⸗ kat trieb die Sache ſo weit, daß der Bauer zum Tode verurtheilt werden ſollte. Wie dieſes der letztere von dem Gerichte vernahm, bath er um ein geneigtes Ohr, und man ließ ihn reden. Ich bin bereit, ſprach er jetzt, zu ſterben, weil ich die Urſache des Todes bin, der einem Menſchen ſeinen trauernden — Verwandten entriß; verlange daher mit gleicher Münze bezahlet zu werden. Der Herr Advokat be⸗ liebe ſich nur einen tüchtigen Rauſch anzutrinken, unter einem hohen Fenſter einzuſchlafen, und auf mich (ich werde unten liegend auf ihn warten) hinunter zu fallen. Dem Sachwalter wollte dieſer Vorſchlag nicht gefallen, und er mußte, von dem ganzen Ge⸗ richte ausgelacht, beſchämt abtreten. Der ehrliche Teufel. Ein Bauernmädchen, dem es im väterlichen Hauſe nicht behagen wollte, und der Vorwitz oder Uebermuth ſtach, entſchloß ſich bey einer Herrſchaft in Dienſte zu treten. Als ſie jetzt des Entſchluſſes gemäß die friedliche Hütte verließ, und nach dem benachbarten Schloſſe ging, begegnete ihr unter⸗ wegs Herr Satan, der ſich überall ins Spiel miſcht, und ſein Scherzchen krieb, in der Geſtalt eines Rei⸗ ſenden, und frägt das Bauernmädchen, wohin fis gehe? In das benachbarte Schloß, gab ſie zur Ant⸗ wort, um dort zu dienen. Das thue ja nicht, ſagte der ehrliche Teufel;(eine wahre Seltenheit) es wird dich reuen. Das Bauernmädchen läßt ſich nicht irre machen, ſetzt ihren Weg fort, tritt in dem Schloſ⸗ ſe in Dienſt; hat aber bald nachher das Unglück von einem niederträchtigen Menſchen verführt zu werden. Da die Herrſchaft hörte, daß ſie ſchwanger ſey, gab ſie den Befehl, man ſollte die Dirne aus dem Schloſ⸗ ſe ſchaffen.— Daraus verjagt, trat die Unglück⸗ liche den Rückweg in das Vaterhaus, das ſie ſo leichtſinnig verließ, an. Satan begegnete ihr wieder, aber in der Geſtalt eines andern Reiſenden. Wo⸗ hin, wohin, mein Töchterchen? fragte dieſer, wo geweſen? Da in dieſem Schloſſe, war die Antwort. Der Teufel hat mich dahin geführt, der Teufel mir gerathen, daß ich in das Schloß gehen ſoll; denn dort wurde ich von einem böſen Menſchen verführt, der jetzt über mein Unglück lacht. Auf dieſe Rede gab ihr der Satan eine tüchtige Maultaſche, daß ihr ſehen und hören vergieng. Du lügſt, unverſchämte Metze! Ich bin der Teufel und habe dich gewarnet. Nicht mir, ſondern dir ſelbſt ſchreibe es zu, daß du unglücklich geworden biſt.— Ein wirklicher ehrli⸗ cher Teufel, ehrlicher als mancher hochgeprieſene Menſch, der jungen unerfahrnen Mädchen räth, daß Leben zu genießen, und ſich jeder Ausſchweifung preis zugeben.* Der Reiche und der Arme. In dieſer Welt gilt der Arme gar nichts und der Reiche alles. Der Reiche iſt der Papagey, der Arme die Henne. Jener hat ſeine Reſidenz in dem Tafelzimmer, man liebkoſet ihn, reicht ihm das beſte Zuckerbrot; dieſe muß ihre Nahrung unter dem Un⸗ 3 tathe hervor ſuchen. Nach ihrem Tode erſt ſteht die henne in Ehren; man trägt ſie auf die Tafel, legt ſie nicht ſelten auf ein ſilbernes Unterbett, indeß der vornehm geweſene Papagey nach feinem Tode herausgeworfen wird, und den Galgenoögeln zur Speiſe dient.——— Der Reiche iſt alles, gilt alles, vermag alles? Sagt mir doch ihr Thoren! iſt der Reichthum bleibend? Iſt auf dem Gelde die Beſtändigkeit geprägt, daß ihr ſo ſehr nach demſel⸗ ben trachtet? Wirkungen des Weines. Den Gehelmſchreibern iſt es unter einer großen Verantwortung befohlen, geheime Dinge tief in den Buſen zu verſchließen, und keiner Seele etwas da⸗ von zu offenbaren. Die Verſchwiegenheit iſt eine große Kunſt, aber dieſe verdirbt oft der Wein. Es geſchieht ſehr oft, daß dieſer eine Sache, die lange verborgen war, aufdeckt. Spären die Muſcheln und Anſtern eine Hitze, ſo thun ſie gleich das Maul auf; wird der Menſch vom Weine erhitzt; ſo ſtehen ihm das Herz und der Mund offen. Fängt der Wein im Faſſe zu gähren an, ſo muß alles, at uch was zu un⸗ terſt am Boden iſt, zum Spundloch hinaus; wenn der Wein in dem Menſchen zu wirken beginnt, ſo müſſen die größten Geheimniſſe zum Munde hinaus. Hat das Mühlrad kei iſſe, ſo ſteht es ſtill, rinnts aber ſtark, ſo geräth es in Bewegung, und macht ein großes Geklapper. So lange der Menſch nüch⸗ tern iſt, ſo bewegt'ſich ſeine Zunge ſehr wenig, wird aber wacker Wein darauf gegoſſen, ſo ſteht ſie nie ſtill, klappert ſo lange, bis alle Geheimniſſe heraus geklappert ſind; daher gibt es keine beſſere Folter als den Wein, wodurch die Leute ohne viele Mähe zum Bekenntniſſe gebracht werden. Es kratzt ſich Man⸗ Pater Abraham 1. 16 *— 146— cher frühe Morgens hinter den Ohren, den des Ta⸗ ges zuvor ein Gläschen Wein zu redſelig gemacht hat. Der Streit zwiſcheu dem Papier und dem Pergament. Man erzählt, daß einſt das Papier und das Pergament in einen Streit geriethen. Hätten ſich nicht die Schreibets Buchdrucker und Buchbinder in's Mittel gelegt, es wäre eine blutige Fehde ent⸗ ſtanden. Das Papier brüſtete ſich nicht wenig mit ſeinem alten Herkommen, und ſagte, daß es den Nahmen Charta von der berühmten Stadt Chartago erhalten hätte. Das Pergament, welches ſeinem Gegner nicht nachgeben wollte, leitete ſeinen Nah⸗ men von der alten und berühmten Stadt Pergamo her. Das Papier bewies daß es zur Herausgabe der Bibel und aller Lehrbücher gebraucht werde. Wäre ich nicht, fuhr ihm das Pergament in die Re⸗ de, und würde ich nicht zu deiner Decke und deinem Schutzmantel gebraucht, wie es die Herren Buch⸗ binder beweiſen können*); ſo wäreſt du, deiner Schwäche wegen, ſchon lange zu Grunde gegangen. Ueberdieß laſſe ich mich zu kaiſerlichen, königlichen, fürſtlichen Diplomen verwenden, indeß man dich, 6 Papier, nur zu gemeinen und oft verdrießlichen Aus⸗ zügeln gebraucht. Wenn dem auch ſo iſt, erwiederte das Papier, ſo führe ich doch einen beſſeren Lebens⸗ wandel, und bin von friedlicheren Geſinnungen als du, indeß du auf die Trommel geſpannt wirſt, und das Signal zum Aufruhr, Mord und Schlachten *) Zu P. Abrahams Zeiten band man die Buͤcher meiſtens in Pergament ein. gibſt. Stille, ſtille! rief jetzt das Pergament; ich will dein Lob mit kurzen Worten beſchränken. Du kömmſt von den Lumpen und Hadern her, darum erregſt du auch den meiſten Hader und Zank; die ärgſten Lumpenhändel werden durch dich veranlaßt. Das mußt du mir beweiſen, ſchrie das Papier. Gar gerne, ſagt das Pergament, und enn der Stelle. Aus was für einem Stoff ſind die Spielkarten, als aus Papier? Und was verurſacht mehr Zank, Ha⸗ der und oft Schläge, was für ein größeres Uebel als die Karten?— Jetzt mußte das Papier ſchwei⸗ gen.——— Ein Schwank vom Doktor Fauft. Der als Zauberer verſchrieye Johann Fauſt, unter dem Nahmen des Doktor Fauſt mit Recht berühmter Unterſtützer des unvergeßlichen Gutten⸗ berg*), wurde einſt zu einer Mahlzeit gebethen, wo ein bischen zu tief in die Kanne geguckt wurde. Die benebelete Geſellſchaſt welche Fauſt, wie da⸗ mals alle Schwachköpfe, für einen Zauberer hielten, verlangte, daß er ihnen anſtatt des Nachtiſches (es war im Winter.) Weintrauben auf den Tiſch zaubern ſollte. Fauſt verſpricht ihr Verlangen zu erfüllen, doch mit dem Beding, daß keiner ein Wört⸗ chen reden ſollte, bis er ihnen befehlen würde, die Trauben abzuſchneiden. Er ſetzte noch hinzu, daß, wofern ſie das geringſte Wort hören ließen, es ſicher ihreu Nacken gelten wuͤrde. Wie ſie nun dieß mit Hand und Mund verſprachen, und auf Fauſts Ge⸗ ſundheit noch einige Gläſer leerten, wurden ſie ſa berauſcht, daß ſie alles glaubten, was man ihnen 6 —— *) Der Frfinder der Buchdruckerkunſt. * ſagte, und Dinge ſahen, die kein nüchterner Wenſch je ſehen konnte. Seht doch, ſeht doch, rief bald nachher Fauſt aus, dort ſteht der herrlichſte Wein⸗ ſtock mit friſchen und reifen Trauben;(er deutete auf die Naſe eines der Betrunkenen und winkte zum Genaß! Wirklich wirklich! ſchrien die Benebelten, und zitterten ſchon vor Begierde. Jeder griff nach dem Meſſer, und wollte die vermeinten Trauben ab⸗ ſchneiden; allein Fauſt ermahnte ſie zur Geduld⸗ ſprach, um den Schwank weiter zu treiben, einige unverſtändige Worte und rief: Seht ihr noch den Weinſtock?——— Rein ſagten die Thoren.—— Er iſt verſchwunden, fuhr Fauſt fort, weil ihr zu begierig darüber herfahren wolltet. Der magere Fuchs. Eine Fabel. Ein ſehr magerer Fuchs hatte ſich in eine wohl⸗ angefülltt Speiſekammer geſchlichen, wolches eine Maus wahrnahm, die nicht unterlaſſen konnte den Gaſt aus Höflichkeit zu bewillkommen. Mich freuet es ungemein, ſprach ſie, Herrn Reinecke in guter Geſundheit hier zu treffen; aber wie kam der Herr, wenn ich fragen darf, in dieſe Speiſekammer? Durch ein enges Loch, erwiederte der Fuchs, und mit Hülfe meines magern Körpers. Was für Ge⸗ ſchäfte, fuhr die Maus fort, führen den Herrn Reinecke herein? vermuthlich Hühner⸗Commiſſio⸗ nen? O nein, antwortete der Fuchs; ich habe mich bloß darum herein grdrängt, um einige gute Tage zu haben, und meinen dürren Leib in einen beſſern Stand zu ſetzen. So, ſagte die Maus, um eueren Balg iſt es geſchehen. Der Fuchs iſt mittlerweile dem edlen Verdauungswerke mit Eifer obgelegenz der Bauch vergrößerte ſich und der Balg nahm wirk⸗ lich zu. Er hätte noch länger hier gehauſet, wärs er von dem Koche nicht ertappt worden. Ob er ſich nun gleich durch das enge Loch wieder hinaus drän⸗ gen wollte, ſo vermogte er es nicht; denn die ange⸗ ſchwollene Wampe hinderte ihn, und er ſtarb unter den Händen ſeines Feiudes. Mittel wider das Podagra. Ein reicher Mann in Genua hatte bey allem ſeinem Reichthum faſt keine geſunde Stunde, denn das ſchmerzhafte Podagra wüthete in ſeinen Glie⸗ dern. Als er einſt ſich auf dem Meere befand, ge⸗ rieth er in die Hände der Corſaren von Tripolis, wo er in harter Geſangenſchaft mehr als ein Jahr lebte, und erſt durch ein ſchweres Löſegeld befreyet wurde. Als er von ſeiner Sclaverey zurückkam, und auf dem Platze von Genua friſch und gefund herum gieng, wunderten ſich ſeine Bekannten um ſo mehr, als ſie ihn vorhin nur in einem Tragſeſſel auf dem Platze fahen, in dem ihn ſeine Diener herum trugen. Einige der Podagriſten fragten ihn, ob er ihnen nicht das Mittel an die Hand geben könnte, von dem läſtigen Podagra befreyet zu werden. Theilet uns aus chriſtlicher Liebe, ſag⸗ ten ſie, das Arcanum mit. Gern, antwortete er, es iſt ein ſehr einfaches Recept und beſteht in folgen⸗ den Stücken: s. Nimm alle Tage 24 Stociſtreiche, um ein Paar Soldi Brod und einen Krug Waſſer, del resto niente(weiters nichts).— Dieß ver⸗ trieb mir das Podagra; denn ſo lange ich zu Hauſe an einer wohlbeſesten Tafel ſchwelgte, konnte ich von dem unangenehmen Gaſte nicht befreyet werden; ſobald ich aber gezwungen ward, mäßig zu leben, verließ es mich von ſelbſt. 93 — 150— Die Kroͤte. O wie vielen Alten begegnet das, was dem tragiſchen Dichter Aeſchylus wiederfuhr. Der Adler naſcht gern Schildkröten, weil ihre Schale aber zu hart iſt, und er das Fleiſch nicht ſo leicht genießen kann, ſo ergreift er ſeine Beute, führt ſie mit ſeinen Klauen in die Höhe, ſtürzt ſie auf einen Felſen her⸗ ab, wo ſie zerſchmettert, und ihm ſo zu theile wird. Aeſchylus ſuchte einſt Ruhe im Raſen, und legte ſich auf denſelben. Zur nähmlichen Zeit ſchwebte ein Adler mit ſeinem Raube in der Luft, und ſah die Glatze des Dichters für einen Stein an; ließ daher die Schildkröte auf dieſe herabfallen, wodurch Ae⸗ ſchylus ſeinen Tod fand. O wie oft wird ein Alter durch eine Kröte getödtet! Ein alter Vater übergiebt zuweilen dem Sohne ſein ganzes Vermögen und ſeine Hauswirthſchaft; dieſer heirathet ein junges Mädchen, das nichts kann als Kantenklöppeln, und die noch ſchlecht. Der alte Schwiegervater wird von ihr übel behandelt, ausgeſcholten und verlacht; dieß kränkt ihn ſo ſehr, daß er in eine Krankheit verfällt und ſtirbt. Wer hat ihn umgebracht? Die neidiſche, unverſchamte Fröte. S z Man wuß das Alter ehren, weil es erfahrner und verſtändiger iſt, als die Jugend. Wenn des Alten Haupthaar weiß gefärbt iſt, ſo mußt du wiſ⸗ ſen, dat er weiß und weiſe zugleich iſt. Sind gleich ſeine Augen dunkel, ſo iſt doch ſein Verſtand erleuch⸗ tet. Hat er gleich faſt keinen Zahn mehr im Munde, ſo weiß er doch manche Nuß aufzuknacken, an der ſich ein Junger die Zähne ausbricht. Zittert auch 3— 30 5. 4 3 — 151— ſchon des Greiſes Haupt, ſo ſchwanket doch nicht ſein Urtheil. Iſt er gleich auf den Füßen ſchwach, ſo geht er doch gerade durch, wo andere krumme oder verkehrte Wege einſchlagen. Geht er gleich mit gebogenem Rücken einher; ſo iſt er doch kein Achſel⸗ träger. Geht er gleich auf dem Stab geſtützt, ſo ſind ſeine Anſchläge doch nicht hölzern, und iſt er gleich voll Falten im Geſichte, ſo entdeckt er doch die Falten des Herzens, und kennt den Vogel aus ſei⸗ nem Gefieder. Der Dieb. Du giebſt dem Meere, das allzeit mehr will. Ob es gleich ſeit mehreren tauſend Jahren alle Flüſſe und Waſſer der Erde an ſich gezogen hat, ſo hat es doch noch nicht genug. Da gleicheſt einem Schwam⸗ me, der alles an ſich zieht, einer Henne, die auf fremden Boden ihre Nahrung ſucht, einem Opſer⸗ ſtock, der Tag und Nacht den Mund aufreißt, um das Geld zu verſchlucken, einer Dornhecke, die das, was vorüber fährt, oder geht, rupft. Du biſt ein reißender Strohm, der fremden Grund untergräbt, und mit ſich fort reißt. Du ſchwitzeſt mehr als ein Poſipferd, du läufſt mehr als ein Landbothe; du gräbſt mehr als ein Maulwurf; ſammelſt mehr als eine Anteiſe; beſſer geſagt, du ſtiehlſt mehr als ein Rabe.——— Darunter werden auch die privi⸗ legirten Diebe verſtanden.—— Der Fen Ein wahrer Freunoinelte einem Ruder gleichen, welches man dann am neiſten gebraucht, wenn ein ungünſtiger Wind weht; er ſollte einer Leuchte glei⸗ chen, die im Dunkeln leitet. . Die grauſame Strafe. Eine Erzählung⸗ Ein Edelmann aus Frankreich trieb die Neu⸗ gierde, die Welt zu umſegeln, und dos damals neu entdeckte Amerikalzn beſuchen. Er beſtieg daher mit ſeiner ſchönen Schweſter ein Schiff, in welchem ſich nebſt mehreren anderen ein Cavalier befand, dem das Fräulein in die Augen ſtach. Nach und nach wußte er ſich bey ihr ſo in die Gunſt zu ſetzen, daß er ihre Gegenliebe erwarb, und zuletzt gar in ein Ehebündniß trat, was aber geheim gehalten wurde, weil die Liebenden zum voraus überzeugt waren, daß der ſtolze franzöſiſche Edelmann in dieſes nich willigen würde. Dem Fräulein wurde mittlerweile, wie Bürger ſagt, das Röckchen zu enge, und nichts konnte den werdenden Menſchen verbergen. Ihr Bruder darüber ergrimmt, ſchwor die vermeſſene That zu rachen; um aber die Rache ungeſtört aus⸗ ben zu können, ſchien er die Vereinigung der Lie⸗ benden zu billigen. Unter dem Porwande, daß er als Herr des Schiffes einen Raſtag halten wollte, landete er an einer unbekannten Inſel, bis das Fahrzeug mit Pulver, Bley und verſchiedenen anderen Sachen beladen war, befahl bey dunkler Racht abzu⸗ ſegeln, und die Liebenden die mittlerweile auf der Inſel umher ſtrichen, zurück zu aſſen. Was er befahl, geſchah. Mit anbrechendem Tage ſahen ſich die Un⸗ glücklichen von aller Welt verlaſſen, allein in aller Wildniß, wo außer den wilden Thieren kein lebendes Geſchöpf zu ſehen war, eiſe ner Lage die jener nicht unähnlich war, in der Hagar mit ihrem Jsmael verſetzt war. Liebe, die alles ertragen lehrt, ließ die Liebenden aus dem Lethefluß ſchlürfen; ſie fingen an ihr Schickſal zu vergeſſen, und ſich aus dem 5 Geſträuche eine ſchlechte Hütte zu bauen. Liebe würzte die Koſt wie Oberons Lieblinge. Sie ſcheute ſich nicht, die Geliebte, mit ihren zarten Handen die Wurzeln aus der Erde zu reißen, und er durch⸗ ſtrich oft mit Lebensgefahr den Wald, um einiges Wild zu erlegen, und der Geliebten zu bringen, die oft mit ihm hungerte, und außer dem reinen Waſſer aus der aufgefundenen Quelle nichts zu ihrer Labung hatte. Nach einigen Monathen erkrankte der Ge⸗ liebte und ſtarb. Wer kann den Schmerz der Zu⸗ rückgelaſſenen ſchildern?——— Jetzt mußte ſie das graufame Geſchick allein tragen, und ein volles Jahr allein in dieſer Wildniß verleben. Das Kind⸗ ſo ſie unter ihrem Herzen trug, kam lange vorher todt auf die Welt.—— Soo ſaß ſie einſt an dem ufer, und ſah mit naſſen Blicken in die unabſehbare in Aufruhr gebrachte See, als ein franzöſiſches Schiff vom Sturme an die Inſel geworfen ward⸗ Der Capitän des Schiffes erbarmte ſich des verlaſ⸗ ſenen Geſchöpfes, das ſich ihm ſlehend mit zerriſſe⸗ nen und halb verfaulten Kleidern in faſt wilder Ge⸗ ſtalt näherte, und ihr bejammernswerthes Loos mit lebhaften Farben ſchilderte. Mit tiefgerührtem Her⸗ zen nahm er ſie auf, verſah ſie mit friſchen Kleidern⸗ verſchaffte ihr alle erdenkliche Bequemlichkeit, und brachte ſie nach Frankreich zurück, wo ihr die Juſtiz zu dem Ihrigen half. Die eingeſchwärzte Waare. Vor einigen Tagen gieng ich in Geſchäften au⸗ ßer Haus, und nahm meinen Weg vor dem Zollamte vorbey, wo ich ſah, daß ein ganzer Wagen voll ein⸗ geſchwärzter Waaren in das Zollhaus geführt wurde. Die Reugierde kitzelte mich auch hinein zu gehen, X und die mir nicht unbekannten Zollbeamten zu fra⸗ gen, was es für Waaren wären. Man antwortete mir, das ſie der Kaufmann für lauter Gewiſſen aus⸗ gben hätte. Gewiſſen? Gewiſſen? ſagte ich, ihr Herren! Wenn es lauter Gewiſſen iſt, ſo muß man es frank und frey paſſiren laſſen, weil der Allerhöch⸗ ſte ſelbſt das Gewiſſen frey gelaſſen. Sie öffnen den erſten Ballen und finden weiter nichts, als Vorwand. Dieſe Waare kenne ich gar zu gut; da iſt gewiß kein Gewiſſen dabey; ich verſichere euch. Die Zollbeamten machte einen andern Ballen auf, und findet lauter Fuchsbälge darin; er greift bin und her, um etwa ein Päckchen oder eine Düte zu treffeu, in dem das Gewiſſen wäre; allein ich ſagte ihm ſogleich, daß er ſich nicht vergebens be⸗ mühen möchte, denn da, wo man was Arges fin⸗ det, iſt kein Gewiſſen zu Wer in dieſer ſciten Welt fortkommen, und ſein ausgeſtecktes Ziel erreichen will, der darf nicht offanen Leibes ſeyn, der darf das Herz nicht in den Händen tragen, ſondern muß alles hübſch unter dem Mantel zu verbergen wiſſen. ſonſt nimmt ihm leicht Jemand die Sperlinge aus dem Reſte; er muß den Fuchsbalg zu Tapeten brauchen, um ſeinen Schild ſo hinter dieſen zu hängen, daß nicht leicht Jemand ahne, was er im Schilde führt; er muß den Pillen gleichen, welche die Apotheker vergolden, um das Herbe zu bedecken; er muß ſich wenden und drehen, wie des Fortunatus Wünſchhütchen; er muß heu⸗ cheln und ſchmeicheln, die Knie beugen, und die Geſtalten des Proteus annehmen. Der Zollbeamte öffnete wieder einen Ballen, 6 fand Gi als verſchiedene Farben; nicht ein Quentchen von einem Gewiſſen. Dieſe Waare, ſagte ich, kann mann häufig verkaufen, alles hat in der Welt einen gewiſſen Anſtrich. Der ehrtiche Steffen. Ein Edelmann hatte ſich in ein ſchönes, aber einfältiges Madchen verliebt. Um ſie an ſich zu lo⸗ cken, ſprach er ihr von ſeinem prächtigen Garten, der ſeines gleichen in der ganzen Gegend nicht hätte. Sie könnte ſich dort ſtundenlang vergnügen, und die herrlichſten Früchte genießen. Armuth und Dumm⸗ heit, wozu laſſen ſich dieſe nicht verleiten! Der Edel⸗ mann verſprach ihr den Wagen zu ſchicken, um ihre Füße zu ſchonen, was er auch hielt. Ihr Vergnü⸗ gen war grenzenlos, das ſie in dem ſchönen Gar⸗ ten genoß; ſie kehrte im Taumel der Freude zurück. Dem Kutſcher, der ſie ſpät Abends nach Hauſe führte, both ſie ein Trinkgeld an, das er aber auf keine Weiſe annehmen wollte; er ſagte immer, er heiße Steffen. Was ſeyd ihr für ein Narr! rief oft das Mädchen, nehmt doch, was ich euch gebe. — Ich heiße Steffen, wiederholte der Kutſcher, Steffen iſt mein Nahme. Der Kutſcher, welcher das Mädchen öfter in den Garten abholte, nahm nie ein Trinkgeld an, und nannte ſich immer bey ſeinem Nahmen. Dieß fiel nun dem Mädchen auf, und ſie fragte den ſeltſamen Menſchen, warum er un⸗ aufhörlich ſage, daß er Steffen heiße. Darum meine ſchöne Dame, erwiederte er, darum, weil vielleicht ſchon bald eine Zeit kommen wird, wo ihr ſagen werdet: Der Teufel hat mich in den Garten geführt, ich wollte, ich hätte dieſen Ort mein Lebtag nicht geſehen, es hat mich der Teufel dahin geführt; ich aber heiße nicht Teuſel, ſondern Steffen; ich häbe 6— 156— euch nur geführt, und mein Herr euch verführt.— — Der Kutſcher hat wahr geredet.—— Vor zehn Jahren war ich mehr Mahl im Hauſe des Herrn N. N., da war alles im Ueberfluſſe da; jetzt ſind die orientaliſchen Perlen, die ſchönen Rin⸗ ge, die Armbänder und Ohrgehänge der Frau weg. Wo iſt denn alles hingekommen? Ich darf es nicht recht ſagen.———— Der ſchöne Schmuck, glaubt man, hat eine Diverſion gemacht; er ſpazierte zu einem neuen Götzen, den der gnädige Herr unbethet. ——— Die arme Frau muß dazu ſchweigen; ſie theilt das Schickſal mit mehreren ihres Gleichen⸗ Der Magier. Ein Gerichtsſchreiber, der ſich in eine Mülle⸗ rrinn vernarrte, benutzte immer die Abweſenheit des Müllers, und ließ ſichs bey dieſer wohl geſchehen. Einſt ward für den Herrn Gaolan ein ſchmackhaftes Vesperbrot zugerichtet; es beſtand in einigen Hüh⸗ nern; eir er Schüſſel Krebſen, Krapfen, Spargel und Salae; auch an einem alten köſtlichen Weine fehlte es nicht. Gin Student, der eben zu dieſer Zeit nach Hauſe reiſete, ſuchte bey der ſchönen Müllerinn eine Herberge, die ihm aber rund abgeſchlagen wurde. So ſehr ihn dieß auch ärgerte: ſo klagte er doch nicht darüber, ſah aber durch die Fenſterſcheiben, was im Gemache vorgehe; die aufgetiſchten Leckerbiſſen, und der köſtliche Wein eutgingen ihm nicht. Der eremplariſche Gerichtsſchreiber hatte ſich eben mit. ſeiner Herzinnigen an den beladenyn Tiſch geſetzt, um den Mund und die Gurgel in Thätigkeit zu ſetzen, als ganz unvermuther der Müllner, der zu Hauſe etwas vergaß, ziemlich ungeſtüm an die Thür pochte. Man kann ſich den Schrecken und die Angſt der Ver⸗ . einigten vorſtellen. Auf die erſte Stimme des Gat⸗ ten verſteckte die Müllerinn, ſo gut ſie in der Ge⸗ ſchwindigkeit konnte, die Schüſſeln und den Wein⸗ verbarg den Schönen unter den Backtrog, undöffnete die Thür. Der Student verſuchte mit der Ankunft des Müllers, noch ein Mahl um eine Herberge an⸗ zuſuchen, die ihm der betrogene Ehemann nicht ver⸗ ſagte, und ſich nur immer entſchuldigte, daß er ihn (den Studenten) nicht ſo bewirthen könnte, ais er wünſchte, weil ſeine Frau gar nicht vermuthete, daß er noch heute zurück kommen würde, ſogleich nichts beſſeres zubereiten konnte. Als nun der Müller und der Student zuſammen an dem Tiſche ſaßen, gab der Letztere vor, daß er ſich einige Kenntniſſe in der Magie erworben hätte, und bereit wäre, ei⸗ nige Proben ſeiner Féhigkeiten an den Tag zu legen. Der Müller, der ein Freund der geheimen Wiſſen⸗ ſchaften war, wünſchte nichts ſehnlicher, als daß der Student einige Verſuche in der Magie machen möchte. Ich will euch, lieber Müller, ſprach jetzt der Letztere, ein Nachtmahl herzaubern, mit dem ihr zufrieden ſeyn ſollt. Nicht möglich! rief der hungrige Hauspatron, und konnte kaum den Augen⸗ blick erwarten, der ihm die herrlichen Gerichte zu⸗ führte; ſo ſehr wäſſerten ihm ſchon die Zähne darnach. Der Student fängt alſo in dem Tone eines Man⸗ nes, der wie Graf Gabalis alles ſteht, und wie der Zauberer Merlin alles vermag, die Beſchwörung mit folgenden Worten an, die der neuſten äſtheti⸗ ſchen Schule Ehre machen würden: Arengis, Krev- rest, Izott, Amales, Ostedet, Occales!— Herah vom Ofen mit einer Schüſſel gebratener Hühner. der Müller ſteht auf, ſucht und findet wirklich das Gericht, und kann ſich nicht genug verwundern. Oduaqua, Angilam, Saggelm, Ottilauzairs, Eli- * — 158— bantaz! fährt der Student fort: Geſchwind eine Schüſſel Krapfen von der Bettſtelle herab! Der Müller ſucht wieder, findet die Krapfen und trägt ſie mit größter Verwunderung auf den Tiſch. Ce- machdus, Crebiamibes, Formatlach quebsamite! ſpricht jetzt der Student, und ſagt, daß ein Salat und ein daumendicker Spargel unter der Bank zu finden wäre. Der Müller findet alles wieder, und verſtummt vor Erſtaunen.— Der ſchönen Mülle⸗ rinn ward jetzt um ihren Herzgeliebten nicht wenig bange, der ſich nicht bewegen, und nicht den ge⸗ ringſten Laut von ſich geben durfte. Der kalte Angſt⸗ ſchweiß lief ihm von der Stirne, das Herz pochte ihm mächtig, und der Backtrog ſchien ihm einer Bahre ähnlich. Schon glaubte er, der Student werde ihn verrathen, allein dieſer war in jeder Rück⸗ ſicht beſſer und dachte edler als die rein moraliſche Gerichtsperſon, Prognos Gnabalos, Winglanson, Franzarieth! rief jetzt der Student und ſagte, der Müller dürfte in dem Speiſekaſten eine Flaſche Wein ſuchen, er würde ſie gewiß finden. Der Müller folgt dem Winke, und holt eine Flaſche des beſten Weines hervor.— Als das Abendmahl, das ſich beyde wohl ſchmecken ließen, verzehrt war, fragte der Student, ob der Müller den Teufel in Men⸗ ſchengeſtalt ſehen wollte? Wenn er nur in keiner allzu gräßlichen Geſtalt erſcheint, erwiederte der Müller. Bene, fuhr der Student fort, Ihr werdet euch nicht zu fürchten haben. Lebzanti, Schnebetti, Mar- casmos anthezion! Hurtig Teufel! krieche aus dem Backtroge hervor, und packe dich in aller Eile aus dem Hauſe, wenn du dich anders vor einer Tracht tüchtiger Schläge verwahren willſt. Der Backtrog fängt ſich an zu bewegen, der Jammermann kriecht aus ſeinem Kaſiche, und uimmt die Flucht. Gott im Himmel, ruft jetzt der Müller, der Teufel ſieht ja unſerm Herrn Gerichtsſchreiber, wie ein Waſſer⸗ Tropfen dem andern gleich!—— Die Pudell. In dem Vorzimmer eines Landesfürſten traf ich einſt zwei Pudel, die einem jeden, der hinkam, ſchmeichelten, worüber ich mich ſehr verwunderte. Ein Cavalier zog ein Stück von einem Kapaun aus der Taſche/ und regalirte damit die Hunde; ein an⸗ derer ſtreichelte ihnen mit ſanfter Hand den Rücken. Ich fragte den Thürhüter, was dieß für Hunde wä⸗ ren, und wie ſie hießen, und erhielt zur Antwort, daß einer Avanzo und der andere Apoggio heiße.— Ein Cavalier verſicherte mich, daß man viel aus⸗ ſtehen müſſe, bis man bey Hofe zu einem ApPggio gelange. Man muß laufen, ſagt er, wie ein Poſt⸗ pferd, ſteigen wie ein Baumhacker, ſich ſchmiegen wie eine Taucheränte, wachen wie eine Schneegans, ſchlucken wie ein Strauß, tragen wie ein Eſel, auf⸗ warten und apportiren wie ein Hund, ſitzen wie eine Bruthenne; ſchmeicheln wie eine Katze, und lauern wie ein Fuchs.. Der Hoͤfling. Ein Höfling, der nach Ehre und Würde ſtrebt, hat eine Zentnerſchwere Laſt über ſich, unendlichen Verdruß, muß beſtechen, ſo viel er vermag, ſich bücken, ſchmiegen und neigen, und weit mehr ſchwi⸗ tzen, als der Baumkletterer an den öſterreichiſchen Kirchfeſten.. Das Gewiſſen⸗ Du kannſt allem entfliehen, nur deinem Ge⸗ wiſſen nicht, Thor! Gehe in dein Haus, ruhe auf ——— deinem Bette, tritt in das Innerſte deines Gemachs, ſo wirſt du dem Gewiſſen nicht entgehen; es wird iminer an dir nagen, dich immmer plagen, beäng⸗ ſtigen, fragen und züchtigen. Ohne Ruhe, ohne Linderung wirſt du den Wurm in deinem Herzen tragen. Ein Dorn wird dich unaufhörlich ſtechen, ein Henker dich immer foltern, ein Mühlſtein immer drücken, und ein Prediger dir immer die Wahr⸗ heit ſagen⸗ Die Vergiftung. Eine Bäuerinn hatte in einem großen Hafen Honig geſammelt. Um dieß vor ihrem Sohn, einem Knaben von acht Jahren, zu verwahren, ſagte ſie dieſem: Iß aus dieſem Hafen nicht, Fritze, es iſt das ſtärkſte Gift; wie du nur ein Bischen koſteſt, ſo mußt du ſterben. Merke es dir wohl! Die Mutter mußte mittlerweile in Geſchäften außer Hauſe gehen, und trug ihrem Sohn auf, er möchte während ihrer Abweſenheit auf die Hühner ſehen, damit ſie nicht irgend ein Raubvogel weg führe. Er thut, was ihm befohlen wurde, war aber doch ſo unglücklich, daß ihm ein Geyer ein Paar Hühnchen ſtahl. Um nicht wieder in Schaden zu kommen, band er mit einem Bindfaden ein Huhn an das andere, und glaubt nun, daß ſo das Federvieh nicht mehr aus⸗ einander laufen, und der geflügelte Hühnerdieb kei⸗ nen Schaden mehr zufügen würde. Allein der Letz⸗ tere erſcheint wieder, und trägt alle Hühner zugleich mit ſich fort. Aus Furcht, von der Mutter gezüchtiget zu werden, macht er ſich aus Verzweiflung an den Honigtopf, und verzehrt, in der Meinung, daß er ſich damit tödten könne, den Honig ganz. Die Bäue⸗ rin vermißt jetzt bey ihr Heimkunft alle ihre Hühner, und merkt bald, daß ihr Söhnchen an dem Verluſte — 161— berſelten die Urſache ſey. Erzürnt ergreift ſte einen Stab, und will den Knaben züchtigen; er aber fällt auf die Knie, und ruft flehend: Ach Mutter, Mut⸗ ter! ſchlage mich nicht! ich werde ohnehin bald ſter⸗ ben müſſen. Warum, Schelmt fragte die Bäuerin. Weil ich, antwortete er zitternd, weil ich den gan⸗ zen Hafen voll Gift aus Verzweiflung ausgegeſſen habe. Sie wußte jetzt nicht, ob ſie ſich zürnen oder über die Einfalt des Knaben lachen ſollte. Sie ver⸗ wieß ihm bloß, daß er aus einem kleinen Ubel ein größeres gemacht hätte⸗ Anekdote⸗ Dem Kaiſer Sigmund wurden ein Mahl vier⸗ zigtauſend Gulden aus Ungarn geſchickt. Als er ſich Nachts zu Bette legte, dachte er immer daran, wie er das Geld verwenden ſollte. Mit dieſem Gedanken immerwährend beſchäftigt, konnte er nicht einſchla⸗ fen, daß er um Mitternacht ſein Bett verließ, und den Kammerdiener rief: Laſſet, ſagte er ze dieſem, auf der Stelle meine Großofficiere und Hauptleute fommen; und der Kaiſer tritt auf das Geldfaß, in⸗ dem er ſprach: Dieſer Erzdieb hat mich um meinen Schlaf gebracht! Nehmt ihn weg, und theilet ihn unter einander, daß ich ſchlafen kann!— Dreihundert Mann an einem Galgen. Vor einigen Jahren hingen dreihundert Sol⸗ daten am Galgen, ohne das Leben verloren zu ha⸗ ben. Wie das zugieng, will ich ſagen. Die Krieger* waren auf einem Schſffe, als ein heſtiger Sturm ſich hob, und ihnen den Untergang drohete. Da rings um ſie lauter Wieſen waren⸗ konnten ſie nicht lan⸗ den, und wurden ſo weit getrieben, daß ſie nahe am Ufer einen Galgen erſahen. Ein Schiffer ſpringt Pater Abraham 1. 4 bem Anblick deſſelben aus dem Schiffe, und windet in aller Geſchwindigkeit ein Tau um ihn. Auf ſolche Art hingen die dreihundert Soldaten an dem Gal⸗ gen, ohne ihr Leben verloren zu haben, das ſie viel⸗ mehr retteten. Es hatte Jemand zu Prag dem Faiſer Carl IV. hunderttauſend Dukaten geliehen. In dem da⸗ mahligen Zeiten war das außerordentlich viel Geld. Am dritten Tage darauf lud der Gläubiger ſeinen durchlautigſten Schuldner zu Gaſt, und bewirthete ihn nach dem Gebrauche des Zeitalters ziemlich gut. Zuletzt ließ er anſtatt des Nachtiſches eine goldene Schüſſel auftragen, worin des Kaiſers Schuldſchein lag. Da ſich nun die anweſenden Fürſten und Her⸗ ren ſehr verwunderten, und augenblicklich fragten, was dieß bedeute? antwortete der Herr vom Hauſe: Die vorige Gerichte, allergnädigſter Herr, waren für alle Gäſte, dieſes aber ſammt der goldenen Schüſ⸗ ſel, gehört bloß Euerer Majeſtät, weil ich Ihnen, die Schuld von itei Dukaten völlig erlaſſe. 3 p e W. Der Wein macht voll; Der Wuͤrfel toll; Der Wagen fällt um; Der Wolf bringt um:. Der Wald ernährrt Diebe;. Die Wand verhindert die Liebe; Der Winter bringt Schneez* Die Wunde macht wehe: Die Wuͤrmer nagen; Die Weiber plagen. — 163— Cornelia. Cornelia, die berühmte Mutter der Grachen, beſuchte einſt ein vornehmes Frauenzimmer, wo ſich eine Jede mit ihrem Schmucke brüſtete. Ich habe, hieß es, ſo und ſo viel Rubinen, Diamanten, Be⸗ rillen, Hyazynthen, Türkiſe, Schmaragden und überaus prächtige Armbänder. Einer von den ver⸗ ſammelten Patriziern prahlte, er hätte die ſchönſten Edelſteine, und ein anderer gab vor, er habe zu Hauſe einen Edelſtein, der einige Zentner ſchwer wäre. Da das Letztere Niemand glauben wollte, zeigte er einigen der Zweifler einen Mäühlſtein aus ſeiner Mühle und ſagte: Sehet Freunde, dieſer iſt mein beſter Edelſtein, mir lieber, als euere Edelſteine; denn er bringt mir alle Jahre eine betraͤchtliche Summe Geldes. Cornelia, welche die Prahlereyen der römiſchen Matronen mit Stillſchweigen anhörte, und von die⸗ ſen bald nachher einen Gegenbeſuch erhielt, fing auch zum Scheine an mit Edelſteinen ſich zu brüſten, in⸗ dem ſie ſagte: Meine Schätze übertreffen bey weitem die eurigen; ich habe Edelſteine, die größer im Werth ſind, als alle die, von denen ihr ſprechet. Die Damen waren begierig die Schätze zu ſehen⸗ aber wie verwunderten ſie ſich, als die liebende Mut⸗ ter ihre zwein Söhne an der Hand herbey führte, und ſprach: Hier ſind meine Edelſteine. Wer kenut die beyden Grachen nicht, die Tribunen des Polks, Cajus und Tiberius?—— Die beyden Mahler. Zwei berühmte Mahler Antorides und Eu⸗ phranor wetteiferten, wer unter ihnen den geſtirn ten Himmel beſſer mahlen könne. Um den Vorzug ½ — 164— zu erhalten, voth Euphranor alle ſeine Kunſt auf⸗ Er mahlte den Himmel mit ſeinem Sternenheer, den Mond und den ſogenannten Thierkreis mit beynahe aſtronomiſcher Genauigkeit, indeß Antorides in ſei⸗ nem Gemählde bloß die Sonne mahlt, und das übrige Geſtirne wegläßt. Man ſtellt jetzt beyde Ge⸗ mahlde aus, und gibt, nachdem man ſie gehörig gewürdigt hatte, dem Antorides den Preis. Eu⸗ phranor wollte die Urſache wiſſen, warum man ihm den Preis nicht zuerkannt hätte, und erhielt zur Antwort, daß er zwar alle Kunſt aufgevothen habe, den geſtirnten Himmel zu mahlen; allein Antorides habe alle Aengſtlichkeit in der Darſtellung der vielen Himmelskörper vermieden und nur das größte Licht der Welt, die Sonne mit weiſer Ueberlegung um ſo mehr hingezaubert, als dieſe alle ſie umgebende Lichtchen verdunkelt. Die nähmliche Sachein einer andern BVenennung. Man ſäuft ſich nicht nehr voll; man hat nur ein Rauſchchen. Man ſchweift nichts mehr aus, ſondern ge⸗ nießt nur das Leben. Man flucht und ſchwört nicht mehr, St man. braucht nur Ernſt. Man lügt nicht mehr, ſondern vexirt nur. Man ſtiehlt nicht mehr, ſondern man mache ſich nur etwas auf die Seite⸗ — 163— Man ſchmeichelt und heuchelt nicht mehr, ſon⸗ dern iſt nur höflich. Man ſündiget nicht mehr, ſondern begeht nur zuweilen Schwachheiten. Der M und. Der Mund hat ſchon manche berühmte Stadt zerſtört. Der Mund hat manche Unſchuld ſchon ver⸗ leumdet, manche wahre Liebe vernichtet; er machte, daß manche gute Sache zu Grunde ging⸗ Es iſt keine Scheere ſo ſcharf, als die Zunge im Munde; kein Dolch, der ſo ſehr verwundet als weben dieſe; ſie trifft in der Ferne wie kein Geſchoß. Anekdote. S Graf Heinrich von Görz hatte ſeine Söhne um Mitternacht aufgeweckt und ſie gefrast, ob es ſie nicht dürſtete. Da ſie voll des Schlafes nicht trinken wollten, wurde er ſo erzürnt, daß er ihnen den Wein mit Gewalt in die Gurgel goß, und da ſie dieſen wieder von ſich gaben, beſchuldigte er ſeine Frau einer Untreue, weik er nicht glauben konnte, daß die Knaben ſeine ehelichen Söhne ſeyn könn⸗ ten, die eine ganze Racht, ohne auch nur ein Mahl zu trinken, verſchlafen. O Thor über alle Thoren! Rur drei Mahl ſollte der Menſch trinken; ein Mahl für Durſt, das zweyte Mahl zur Luſt und das dritte Mahl zur Fröhlichkeit; was darüber geht, gehört für den Truntenbold. Der Schmarotzer Gonella.„ Dieſer machte einen klugen Rarren an dem — 166— an dem Hofe des Herzogs von Ferrara. Einſt fragte ihn dieſer Herzog, welche das größte Gewerbe in der Stadt Ferrara hätten? Ich glaube, antwortete er, die Handelsleute und die Schneider⸗Meiſter. Pon den Letzteren gibt es gar viel, und zwar: Klei⸗ dere, Zelt⸗Flick⸗, Leiſten⸗, Stroh⸗, Schwein⸗, Stein⸗, Glas⸗, Beutel⸗Schneider, und Ehr Abſchneider.— —— Ich bin der Meinung, ſagte Gonella eines Tages zu dem Herzoge, daß in dieſer Reſidenzſtadt unendlich viel Aerzte find. Halten mir Euere Durch⸗ laucht zu Gnaden, wenn ich mit Ihnen wette, daß ich einige Hunderte zuſammenbringe. Der Herzog, der wohl wußte, daß nicht mehr als zehn Aerzte in Ferrara wären, ging die Wette ein. Der ſchlaue Gonella verbindet ſich des anderen Tages den Kopf und den Mund mit Tüchern und ging ſo in der Stadt herum. Weil er allgemein bekannt war, ſo ſprach ihn faſt Jederman an, und fragte, was ihm fehle? Ich leide, erwiederte er, an großen Zahnſchmerzen. — Gleich waren alle bereit, ihm ein Mittel vor⸗ zuſchlagen. Der Erſte verordnete ihm Rautenblätter und Salbey. Reibe, ſagte er, das Zahyufleiſch da⸗ mit; es iſt ein bewährtes Mittel. Der Zweyte meinte, Gonella ſollte weißes Wachs in den hohlen Zahn ſtecken; es verzehrte die darin hauſenden Würmchen. Der dritte ſagt ihm, er follte Hirſekörner verbrennen, und mit der Aſche die Zähne reiben. Der Pierte räth ihm Palmblätter mit Feigen in Eſſig geſotten u. ſ. w. So wie ihm Jemand ein Arzneymittel vor⸗ ſchlug, zeichnete er gleich deſſen Nahmen in ſeine Schreibtafel auf.— Es war faſt kein Weib, daß ihm nichts wider die Zahnſchmerzen verordnet hätte. Eine Vettel rieht ihm ſogar, er ſollte drey WMahl in den Knochen eines Todten beißen und drei Mahl dazu ſprechen: Wende das Zahnweh Znädig 167— von mir ab. Wie nun Gonella ſein Verzeichniß von Quackſalbern zuſammengeſchrieben hatte, geht er nach Hauſe zurück, und ſtellt ſich etwas entfernt von dem Herzoge, dieſer aber erblickt ihn gleich und frägt ihn, warum er ſo verbunden wäre, was ihm denn fehle? Ach, Euere Durchlaucht! antwortete Gonella die Zahnſchmerzen bringen mich noch zur Verzweif⸗ lung. Bringe mir, ſagte jetzt der Herzog zu einen Bedienten meinen Mithridat, daß ich dem armen Teufel helfen kann. Gut, rief Gonella, ſchrieb auch des Herzogs Nahmen in ſeine Schreibtafel, riß den Verband von dem Geſichte, und ſprach, indem er dem Herzoge das Verzeichniß vorhielt: Da ſehen Euere Durchlaucht ſelbſt, wie viele es hier Aerzte in Ferrara gibt; alle dieſe gaben mir Mittel an die Hand, wie ich von dem Zahnſchmerzen befreyet wer⸗ den könne. Mich freuet bey dem ganzen Schwanke nichts ſo ſehr, als daß ich Euerer Durchlaucht höch⸗ ſten Nahmen unter meine Aerzte ſchreiben konnte. Fabel. Ein Hund trug ein Stück Fleiſch, und ſah, indem er über eiuen Steg lief, den Schatten ſeines Fleiſches. In der Meinung, er ſehe ein anderes Stück, haſcht er nach demſelben, und verliert das, was er im Maule hat. Fabel. Die Vögel hielten einen Reichstag, bey dem alle gefiederten Bewohner der Luft erſcheinen mußten. Die Krähe, welche mit ihren ſchwarz⸗grauen Fe⸗ dern nicht zufrieden war, und geſchmückter erſcheinen wollte, raffte allerley Federn von Pfauen, Diſtel⸗ finken, Zeiſigen und Hahnen zuſammen, um ſich recht aufzuſtutzen, allein kaum erſchien ſie in dieſem erborgten Schmucke, als ihr die übrigen Vögel die fremden Federn ausrupften und fie nackend der Schande und dem Spotte preis gaben. Wie viele glänzen mit ſolchen fremden Federn. Sogar gäh⸗ nende Projekranten gibt es, die Schriftſteller affec⸗ riren, und von andern ſich ihre Sudeleyen verbeſ⸗ ſern laſſen, die ſie obendrein noch täuſchen und betriegen.. Fabel. Ein Paar Fröſche lebten lange Zeit in friedlicher Eintracht in einer Pfütze, waren aber zuletzt gezwun⸗ gen ihren Wohnort zu verlaſſen, weil ein heißer Sommer die Pfütze ganz austrocknete. Bey ihrer Wanderung, die ihnen jetzt das Schickſal geboth, ſtießen ſie auf einen ſchönen Brunnen. Das Weib⸗ chen, natürlicher Weiſe vorwitziger als das Männ⸗ chen, ſieht in den Brunnen hinab, und ruft dem Letzteren zu: Was wollen wir uns bemühen weiter zu gehen; ſteigen wir hinab! Ich zweifle nicht, daß es uns hier wohl gehen wird. Das glaubſt du, er⸗ wiederte das Männchen; allein wie ſehr täuſcheſt du dich. Unten ſind wir bald, aber wie fommen wir wieder herauf, wenn einſt das Waſſer verſiegt.— Er ſagts und das Weibchen folgt dem vernünftigeren Mannchen, und zieht mit dieſem weiter. Die Monathedes Jahr. Ein Greis, Nahmens Rhai, hatte zwölf Söh⸗ ne. Der Erſte wohnte auf dem Kaltenberg,(Kah⸗ * — lenberge) der zweyte zu Lappenhauſen; der Dritte j zu Heiligenſtadt, der Vierte, ein unbeſtändiger Sauſewind, bald da, bald dort; der Fünfte wählte das Blumenthal zu ſeinem Aufenthalte; der Sechſte Lenzenau; der Siehente Hendorf; der Achte Birn⸗ verg! der Neunte läßt ſich im Lerchenfelde nieder, der Zehnte in Weinhaus; der Eilfte in Heiligenberg; der Zwölfte in Wintergrün. Der Jänner im Jahre 1672 wohnte zu Kal⸗ tenberg; war kalt genug. . Der Februar heißt Lappenhauſen, weil er die 1 Faſchingszeit in ſich begreift, wo es Lappen im Ue⸗ berfluſſe gibt. Der Märtz erhält den Nahmen Heiligenſtadt, weil in dieſem Monathe das Heiligſte, die Erlöſung des Menſchengeſchlechts, geſchah. Der May verdient billig den Nahmen eines Blumenthals. Ich will von den anderen Monathen ſchweigen, weil man dieſe ohnehin ſchon kennt. Man weiß daß der Julius auch den Nahmen des Heumonaths hat, daß man ſich im September mit dem Lerchenfang beſchäftigt, im October die Weinleſe zu ſeyn pflegt, und daß es im October viele Faulenzer gibt. Anetkdote. Kaiſer Valentinian der Aeltere hatte im Jahrè 375 ein großes Heer wider die Sauromaten, welche durch öftere Einfälle das römiſche Gebieth beun⸗ ruhiaten, zuſammengezogen. Da die Letzteren die Rüſtung des Kaiſers vernahmen, ſchickten ſie ohne Zeitverluſt Geſandte ab, welche den Auftrag hatten⸗ den Frieden zu erbitten. Als der Kaiſer dieſe wilden und ungeſtalteten Barbaren erblickte, fragte er, ob 6 ealle ſo häßlich wären, und erhielt zur Antwort, 3 2 daß es Sitte bey den Sauromaten waͤre, immer die Beſten und Hübſcheſten zu Geſandten zu wählen. Hierüber gerieth der Kaiſer ſo in Wuth, daß ihm eine Ader ſprang, und er elendig ſtarb. Er konnte nicht daran denken, daß ſich die'e häßlichen Barba⸗ wagen konnten, das römiſche Gebieth zu über⸗ allen. Anekdote. Ein vornehmer Römer, der in den Zeiten des Auguſtus ſtarb, hinterließ nichts als ungeheure Schulden. Der Kuiſer verlangte, daß man ihm das Kopfkiſſen des Verſtorbenen überlaſſen ſollte. Als man ſich hierüber verwunderte, ſagte Auguſtus: Es muß eine beſondere Kraft in dieſem Kapfkliſſen liegen, weil der mit Schulden belaſtete darauf ſchla⸗ ſen konnte. Der Kaiſer konnte ſeiner Regierungs⸗ 6 ſorgen wegen wenig ſchlafen. Anekdote. Im Jahre 1196 unter der Regierung des Kai⸗ „ ſers Heinrich V. und dem Pabſtthume Cöleſtin 1I. entſtand zwiſchen den Engländern und Franzoſen ein hitziger Krieg. In dieſem Feldzuge diente frey⸗ willig Philipp, dek franzöſiſche Biſchof von Beluac, und commandirte die ganze Armee der Franzoſen. Als es zu einem blutigen Treffen kam, ſiegten die Engländer, jagten die Franzoſen in die Flucht, und nahmen den Biſchof gefangen, den der brittiſche önig Richard ins Gefängniß werfen ließ. Nach⸗ dem dieß dem Pabſte Eöleſtin zu Ohren kam, ſchrieb er einen derben Brief gn den engliſchen König, und verwies ihm mit harten Ausdrücken ſein Verfahren 35 gegen den franzöſiſchen Biſchof. Richard ſchicte 3. gleich nach dem erhaltenen päbſtlichen Brief einen 2 . 1 Geſandten nach Rom, welcher des Biſchofs Har⸗ niſch und Helm mit ſich brachte. Als der Geſandte vor dem Pabſte erſchien, gab ihm dieſer einen ſehr ſcharſen Beweis, und ſagte, wie ſich ſein König un⸗ terfangen konnte, ſeinen(des Pabſten) geiſtlichen Sohn in den Kerker zu werfen? Beſiehe dieſen Rock erhielt Cöleſtin, nach der Bibel*) zur Antwort, und ſage, ob er der deines Sohnes ſey? Schickt ſich die⸗ ſer Harniſch, dieſer Helm für einen geiſtlichen Sohn Eurer Heiligkeit?— Der Pabſt mußte auf dieſe Frage, die ihn ſehr überraſchte, verſtummen, und nachdem er ſich erholt hatte, ſelbſt bekennen, daß der Geſandte nicht unrecht habe. Der Adler. An einem heißen Sommertage ſchickten Schnit⸗ ter einen von den Ihrigen zu einem nahe gelegenen Brunnen um Waſſer. Als dieſer dahin kam, ſah er eine große Schlange, welche einen Adler gans umwickelt hatte. Der Schnitter erbarmte ſich des beängſtigten Vogels, ſchnitt die Schlange mit der Sichel von einander, befreyte den Adler, und füllte ſein Lägel mit Waſſer. Die Schnitter tranken mit Gierigkeit, fielen aber alle todt zur Erde. Der Waſſerträger wollte eben auch trinken, als der he⸗ freite Adler herbey flog, und dos Lägel mit ſeinen ſtar⸗ ken Flügeln ſo umſtieß, daß alles Waſſer herausfloß. Der Fink. Ein Fink wurde viele Jahre in einem herrſchaft⸗ lichen Hauſe genahrt. Beym Vogelfang ließ mün 5„5 x ⁸) Vide, utrum haec tunica filii tui sit, an non 2 Gen. 27. ihn aus ſeinem Käſich fliegen und lockte dadurch an⸗ dere Vögel herbey, die ſich bald zu ihm geſellten, als wäre er gar nicht zahm. Nun trug ſich zu, daß fremde Vögel ſeiner Art, ſich in das Garn locken ließen und eingebracht wurden, mit denen er ſich freywillig fangen ließ, weil er durch lange Gewohn⸗ beit merkte, daß er unverletzt wieder in ſeine Woh⸗ nung kommen werde. Lerne von dieſem Finken, Menſch! Gott erhielt dich durch ſeine Vaterhuld. Die Erde iſt dein Vorrathshaus, die Luft deine Arzney, das Feuer dein Koch, das Waſſer dein Waſcher. Dir dienen alle Geſchöpfe; dir ſchwim⸗ men die Fiſche; dir ſingen die Vögel; dir tragen die Bäume; dir grünen die Wieſen; dir riechen die Blumen; dir nützen die Kräuter, dir regnet der — Himmel, dir ſcheinet die Sonne⸗ Mitleid eines Hundes. In dem kariſchen Schloſſe St. Peter unterhiel⸗ ten die Maltheſer⸗Ritter einige große Hunde, welche die Stelle der Wachen vertraten, und durch den Geruch die Osmanen von den Chriſten zu unterſchei⸗ den wußten; dieſe pflegten ſie mit beſonderen Schmei⸗ cheleyen zu empfangen, und jene durch unabläſſiges Bellen zu verrathen. Nun geſchah es, daß ſich ein Chriſt, dem die Osmanen nacheilten, in eine alte tiefe Eiſterne verbarg. Da er aus dieſer nicht mehr heraus ſteigen konnte, und weil er ſchon einige Tage darin war, vor Hunger faſt ſtarb; ſoll ſich einer der beſagten Hunde ſeiner erbarmt, und ihm täglich ſeine Portion Brod zugetragen haben. Der Hüter der Hunde bemerkte nun, daß der mitleidige Hund nach und nach magerer wurde, wollte daher die Ur⸗ ſache dieſer Magerkeit wiſſen, und folgte eines Ta⸗ des dem Hunde ſchnell nach, als dieſer ſein Stück — —————————— Brot in die Ciſterne trug. Mit nicht geringer Ver⸗ wunderung nahm er hier wahr, daß der gute Hund den in der Ciſterne verborgenen Ehriſten ſpeiſete. Lernet ihr Menſchen, von den Thieren menſch⸗ lich ſeyn! Gehe hin zur Ameiſe, ſagte ein weiſer Mann, und lerne von ihr! Trägt das Thierchen eine ſchwere Laſt, fo hilft ihm das nächſte tragen, daß es nicht unterliege. Heute zu Tage muß der Menſch ſich den Rücken wie ein Eſel beladen laſſen, ohne ein ſaures Geſicht machen zu dürfen⸗ Die Afteraärzte. Zum Arzte machte ſich jeder ungeweihte Schwach⸗ kopf, der Jude, der Mönch, der Gaukler, der Barbier und die alten Weiber. Die ſonderbare Heilung. Ein Narr in Rom glaubte, er habe eine Naſe, die bis zur Erde reiche. Um ihn von dieſer Narr⸗ heit zu heilen, hing ihm ein verſtändiger Arzt eine ungeſottene Blutwurſt an die Naſe, von der er ein Stück abſchnitt, und dem Narren auch die Naſe in etwas verletzte, ein Mittel, das die beſte Wirkung that, indem es den Kranken ganz wieder herſtellte. Wäre doch mancher Narr in unſeren Tagen ſo leicht zu heilen! Titus. Titus, der Gütige, pflegte, wenn ein Tag vorüber ging, ohne daß er Jemanden eine Wohl⸗ that erwieſen hatte, Abends beym Auskleiden zu ſa⸗ N gen: Freunde!l dieſer Tag iſt mir verloren. Erinnerung an die Vergänglichkeit. Plutarch ſchreibt, daß die Griechen ihre Lei⸗ chenbegängniſſe mit Chören hielten. Man ſtellte drey Chöre auf. Der erſte derſelben beſtand aus Greiſen, der zweite aus Jünglingen und der dritte aus Kindern. Die Greiſen ſangen den Jünglingen entgegen: Wir waren, was ihr ſeyd. Die Jünglinge antworteten: Wir ſind,was ihr waret. Darauf comentirten die Kinder mit beyden und ſangen darein: Wir werden, was ihr ſeyd. Ein ſchöner Gebrauch, die Menſchen an die Vergäng⸗ lichkeit zu erinnern. Darius Hiſtaſpes. Als Darius Hiſtaſpes mit ſeinem Heere von den europäiſchen Seythen ganz eingeſchloſſen war, ſchickten ihm die Letzteren, nebſt einem Bunde Pfeile, einen Vogel, einen Froſch, und einen Maulwurf, als ein Zeichen, daß er gefangen ſey, und ihren Händen und Pfeilen nicht ſo leicht entrinnen werde, wenn er ſich anders nicht in einen Froſch verwan⸗ deln, in Geheim durch das Waſſer ſchwimmen, wie ein Maulwurf unter der Erde ſeine Zuflucht neh⸗ men, oder wie ein Vogel ſich ſo retten könne, daß ihn keiner der feindlichen Pfeile erreiche. Da Da⸗ rius keines von dieſen zu thun vermochte, ſo mußte er ſich ergeben, oder die Seinigen niederſchießen und niederhauen laſſen. Dreyfacher Mord. Unweit Bononia hielt ſich eine Luſtdirne auf, welche alle vorübergehenden jungen Leute an ſich zog. Ein jeder ihrer Schönen wollte, wie man zu ſagen pflegt, allein Hahn im Korhe ſeyn, woraus —— dann natürlicher Weiſe Streitigkeiten entſtehen muß⸗ ten, wenn vornehmlich zwey Buhler zuſammen tra⸗ fen. Einſt wurde einer der Schönen eingelaſſen, und dem anderen die Thür verſchloſſen. Der Letz⸗ tere verbarg zwar den Groll, erwartete aber ſeinen Rebenbuhler in der nächſten Gaſſe, wo er ihn freund⸗ lich bewillkommte, und auf den andern Tag mit der Buhlerin in feinen Garten lud. Der begünſtigte Nebenbuhler erſcheint; man geht in größter Ver⸗ traulichkeit im Garten herum, und unterhält ſich einige Zeit recht wohl. Plötzlich regt ſich der unter⸗ drückte Groll; es kömmt zu einem Wortſtreit; man veſchimpft ſich, und wird zuletzt handgemein. Der begünſtigte Nebenbuhler fällt, und der verſchmähte Liebhaber ergreift die Flucht. Als die Buhlerin kurz darauf den Körper auf der Straße fand, wo⸗ hin man ihn trug, ſchauderte ſie zurück, und ſtieß ſich von Gewiſſensbiſſen gefoltert, als Urheberin des Mordes, den Dolch in die Bruſt. Der Schmeichler. Celius hatte, wie Seneca ſchrieb, einen Schmeich⸗ ler an der Seite, der ſich beſtrebte den Celius in Gedanken, Worten und Handlungen ganz ähnlich zu ſeyn. Was Celius bereute, bereute auch er; was er verwarf, verwarf dieſer auch. Einſt ſagte Celius zu dem Schmeichler lächlend: Rede doch an⸗ ders und gebärde dich anders, damit man einmal wiſſe, daß wir unſer zwey ſind. Vortrefflich!— Die treffendſte Priſe für unſere Speichellecker. Demetrius Valerius. Als Demetrius Valerius, erzählt Plu⸗ tarch, von den Athenern verbannt wurde, und ge⸗ hört hatte, daß man die ihm zu Ehren errichteten 3b0 Stathen zerſtört und die Ueberreſte derſelben zu deñ riedrigſten Gegenſtänden verwendet habe, rief er aus: Meine Statuen konnten die neidiſchen Athener zer⸗ trümmern, aber meinen guten Nahmen werden ſie nicht vernichten/ meine Thaten nicht verdunkeln. Der Verläumder. Unweit Krakau wohnt auf einem Edelſitze ein armer Edelmann, über den man ſich in allen Geſeil⸗ ſchaften und Saufgelagen damahliger Zeiten,(im Jahre 1487) ſeiner Armuth wegen luſtig machte. Selbſt ſeine Unterthanen verläumdeten ihn. Einer von dieſen ſagte einſt in einer öffentlichen Schenke, der Edelmann wäre ein Bauernplacker, ſöge wie ein Blutiegel das Blut aus ſeinen Unterthanen, und verſchwendete das erpreßte Geld mit liederlichen Dirnen Der Edelmann, welcher dieß hörte, ſuchte ſeine Bauern, nach ſeiner ihm angebohrnen Sanft⸗ muth, eines Beſſeren zu belehren, allein er predigte tauben Ohren, des Verläumdens war kein Ende⸗ Nun wurde der ſauftmlthige Edelmann ſo ergrimmt, daß er dem Bauer, der ihn am meiſten verläumdet hatte, auf der Straße mit bloßem Säbel entgegen ging, worüber der Letztere ſo erſchrak, daß er um Gnade bath, und zuletzt gar todt zur Erde ſank⸗ Ae ſo p⸗ m Marimus Planndes erzählt, daß einſt der Philoſoph Eanthus den Aeſop mit dem Beſehl in die Fleiſchbank geſchickt, das beſte und ſchlechteſte N Fleiſch einzukaufen. Aeſop befolgt den Befehl, und brachte nichts als eine Zunge nach Hauſe, weil dieſe wie er ſagte, ſicher das beſte, und ſchlimmſte Fleiſch wäre. Wie ſie treffend⸗ —— 8 Der berühmte Mahler des Alterthums, Zeu⸗ res, wollte die Göttin Artannis(Diana) mahlen. um ſie würdig darzuſtellen/ mahlte er zuerſt den Lerb, und ließ das ſchwerſte und beſte, das Haupt zuletzt. Der Leib war jetzt fertig, und es fehlte nur noch das Haupt. Nachdem er lange über die Darſtellung des letztern nachgedacht hatte, warf er den Pinſel weg und rief: Wer kann das?— Fridlev. Als der däniſche König Fridlev den wohlbe⸗ feſtigten Platz Duflin belagerte, und nicht er⸗ obern konnte, nahm er ſeine Zuflucht zur Liſt. Er ließ nähmlich alle Schwalben, die aus der Feſte flogen, auffangen, denſelben unter die Flügel bren⸗ nende Schwämme und Lunten binden, und ſo wie⸗ der frey abfliegen, wodurch geſchah, daß dieſe Thiere ihrer Gewohnheit nach in ihre bekannten Häuſer und Scheunen zurück kehrten und dieſe in Brand ſteckten⸗ Kaiſer Valens. Kaiſer Valens wollte wiſſen wer ſein Nachfol⸗ ger in der Regierung ſeyn würde, ließ daher einen Freis ziehen, und dieſen in vier und zwanzig gleiche Theilen, ſo zwar, daß in jeden dieſer Theile ein Buchſtaben gezeichnet wurde, folglich im Kreiſe das ganze Alphabet war. Auf jeden der Buchſtaben ward jetzt ein Weitzenkörnchen gelegt, und ein Hahn darauf gelaſſen. Alle die Buchſtaben, welche nun der Hahn durch das Aufpicken der Förner berührte, ließ er nach der Reihe aufſchreiben, und fand in der Zuſammenſetzung das abgekürzte Wort Theod (Theodoſius). Palens ließ darauf zwar alle, die dieſen Nahmen führten, aus dem Wege räumen Pater Abraham. I. 12 5 konnte aber den wahren doch nicht ertappen, denn Theodoſin der Aeltere, ſogenannte Große, folgte 6 ihm doch in der Regierung. Der Hißtoriker muß dieß wieder unter die Maͤhrchen zählen, obgleich der Hahn von Ungefähr die erwähnte Buchſtaben berühren Fonnte. Georg Caſtrioto. Wem iſt wohl dieſer Held unter dem Nahmen Scanderbegh unbekannt?— Dieſer Schrecken der Osmanen hatte einen großen ſtählernen Säbel, mit dem er einen geharniſchten Mann auf einen Streich mitten von einander hauen Fonnte. Als der Großherr der Osmanen einſt einen ſolchen entzwei gehauenen Krieger unter den Seinigen liegen ſah, 3 verwunderte er ſich ſehr, und wünſchte Scander⸗„ beghs Wunderſäbel zu ſehen, ſchickte deshalb einen beſondern Geſandten mit der Bitte an den albani⸗ ſchen Helden, er möchte ihm das menſchenfreſſende Eiſen auf eine kurze Zeit ſchicken. Scanderbegh erfüllte des Großherrn Wunſch, und ſandte den Säbel in das osmaniſche Lager. Lange betrachtete dieſen der Sultan, und konnte nicht begreifen, wie ein von Anſehen ſchlechter Säbel einen Harniſch durchhauen konnte; hielt ihn daher nicht für den ächten. Scanberbegh, der von dem Zweifel des Groß⸗ herrn unterrichtet war, ließ dieſem in der Folge 1. egene 3 Ich habe dir wirklich meinen ächten Säbel geſchickt, über deſſen Wirkung du dich ſo verwun⸗ 6 derſt; den Arm, mit dem ich ſchwinge; fannich dir nicht ſchicken. Der römiſche Juwelier. Unter Leo X. Regierung ſtellte ein Juwelier ein Kichtig Gaſtmahl an, und lud alle anweſen⸗ den Cardinäle ein. Da nun die Fenſter des Speiſe⸗ ſaales gegen den Tiberfluß lagen, ließ der Juwelier ſeinen Gäſten folgendes ſonderbare Schauſpiel ſehen. Sooft nähmlich eine ſilberne Schüſſel von der Tafel weggetragen wurde, ergriff er ſie jedesmahl, und warf ſie aus dem Fenſter in den Fulß. Sowohl die Gaſte, als das um den Pallaſt verſammelte Volk verwunderten ſich da über außerordentlich, und hiel⸗ ten den Juwelier für einen unſinnigen Verſchwender. Sie wußten nähmlich nicht, daß in dem Fluſſe ein ansgeſpanntes großes Retz war, welches das Sil⸗ bergeſchirr auffing. Als die Tafel aufgehoben ward, ließ der Juwelier den Silberſchas wieder heraus⸗ ziehen, unter dem ſich eine Menge Fiſche befanden, welche die in den Schüſſeln übrig gebliebene Spei⸗ ſen herbey lockten. Jeder der Gäſte mußte jetzt den Einfall des Hausherrn um ſo mehr loben, als da⸗ durch ſo viele Fiſche gewonnen wurden⸗ Aneidote. Von Rudolph I. rühmet Lipſius, daß er ſeinen Hofleuten immer einen Verweis gab, wenn ſie die armen Leute nicht zur Audienz ließen. Laſſet doch die Menſchen zu mir kommen, rief er aus; bin ich denn darum Kaiſer geworden, um mich in einer Kiſte zu verſchließen?— Wenzel der Heilige. Ein harter Winter hatte einen Holzmangel ver⸗ urſacht und die armen Leute litten deßwegen große Roth. König Wenzel, dem dieß zu nahe ging, legt einen groben Rock an, und trägt nächtlicher Weile in dieſer Verkleidung auf eigenen Schultern den ar⸗ men Leuten aus ſeiuem Vorrathe Holz vor die Thür. Der Holz⸗Verweſer, welcher den Abgang des Hoh 12 „ „ e e — — 180— zes merkt, beklagt ſich bey dem Könige, daß er faſt alle Nacht einen Holzdieb in der Burg ſpüre, und fragte, was zu thun ſey? Kömmt er noch ein Mahl, erwiederte Wenzel, ſo gerbe ihm ein Bischen das Leder, laſſe ihm das Holz, und ſchave ihm nicht am Leben. Als nun in der folgenden Nacht der verkleidete Fürſt eine ziemliche Bürde Holz wegtragen wollte, verſetzte ihm der wachende Verweiſer einen ſo derben Streich, daß Wenzel faſt halb todt zu Boden ſinkt, aber kein Wort ſpricht, ſondern das Holz auf die Schultern nimmt, und den Armen wieder vor die Thür trägt. Johunn von Eilers, Kaiſer Leopolds I. Narh, Sekretär und geheimer Referen⸗ där, als ein Muſterzur Nachahmung — aufgeſtellt. Eilers taſtete die Suplikanten nicht wie eine Dornhecke hart an, und verwundete ſie mit keinen Sticheleyen, und hörte ſie, wenn ſie auch kein Gold brachten, mit Geduld an; ſprach ſanft und freund⸗ lich mit ihnen. Ich will alles thun, was die Ge⸗ rechtigkeit erlaubt.— Er war wie eine Glocke, die nur dann gut hallt, wenn ſie nirgends anſtößt. Man trug ihm Geld und Geldeswerth an; allein mit Ver⸗ achtung ſtieß er alles von ſich. Einige offerirten ihm ſilberne Kannen; ich danke, ſagte er, ließ einen guten Wein hinein gießen, brachte ihn den Offe⸗ renten dar, und ſtellte ihnen die Kannen mit den Worten wieder zurück: Sie ſind ſchon ausgeſpühlt. Einſt brachte man ihm eine Schale voll ſchöner Ae⸗ pfel mit dem Beyſatz: Pat pyra, dar poma, qui non habet alia dona. Der mittlere Apfel war mit Dukaten beſpickt.— Ich muß ſchon ſo unhöflich ſeyn, ſagte er, mein Herr, und den Apfel eſſen, — 181 Ihnen zuvor aber die Schalen vorlegen. Hiemit nahm er die Dukaten weg, und gibt ſie zurück, und verzehrt den Apfel auf des Gebers Geſundheit. Archias. Der thebaniſche König Archias erhielt bey einem Gaſtmahle, das er ſeinen Freunden gab, einen Brief von einem abweſenden Freunde, den er aber zu leſen vernachläſſigte. Als nun der Bothe darauf drang, daß der König das Schreiben, welches ernſt⸗ hafte Sachen enthalte, doch leſen möchte, gab ihm der Letztere zur Antwort: Ich will die ernſthaften Dinge auf morgen laſſen, und mich heute nur mit fröhlichen befaſſen. Hätte Archias doch den warnen⸗ den Brief ſeines Freundes gleich geleſen! In der nähmlichen Nacht ward er von unbekannten Mördern angefallen und ermordet.. J ir iſt Vor Zeiten hatte die engliſche Ritterſchaft einen ſcherzhaften Streit, bey welchem ein jeder Ritter auf ſeinem Schilde eine Blume aufzeichnen ließ; der König ſaber einen Strauß, der aus allen den Blumen beſtand, ſo die Ritter auf ihren Schildern hatten, und zwar mit der Ueberſchrift: In mir iſt alles. Das falſche urtheil. Man nennet den beſcheidenen Mann einen Heuch⸗ ler, den muntern einen ausſchweifenden, den ſanf⸗ ten und geduldigen, einen furchtſamen Haſen. Der die Gerechtigkeit liebt, wird ein harter Mann ge— nannt, der nicht zu leben weiß; iſt er noch dabey klug, ſo nennt man ihn liſtig; liebt er das Einfache, ſo heißt es, er tauge nicht in die große Welt. Man 1 13 * 1 5 6 ſollte nicht verſchwiegen, nicht friedlich, nicht flei⸗ ßig ſeyn, um gewiſſen Menſchen zu gefallen. Die Zunge. Die Zunge gleichet der Schiange, die alles um ſich vergiftet; ſie iſt eine ſcharfe Lanze, die drei Menſchen auf ein Mahl durchbohren kann; ſie glei⸗ chet dem Schwerte. Das Schwert führen die Ehren⸗ ſchander gemeiniglich im Munde, wenn ſie ſagen: Dieſer Menſch wäre gut, wenn er dieſen oder jenen Fehler nicht an ſich hätte; er iſt zu dieſem oder jenem Amte tauglich, wenn ihm dieſes oder jenes nicht auszuſtellen wäre. Verleumder. Viele ſchmähen zwar ihrer Nebenmenſchen nicht ins Geſicht, aber deſto mehr ſchaden ſie ihnen durch gifge Reden, wenn ſie abweſend ſind. Thomas Morus. Wenn derbeittiſche Kanzler Thomas Morus merkte, daß man die Ehre ſeines Nächſten antaſtete, fing er gleich von anderen Dingen zu reden an, und ſagte, es ſtehe einem jeden frey zu meinen und zu reden, was er wolle. Ich halte dafür, ſetzte er hinzu, daß dieſes Haus wohl gebauet ſey, und einen guten Baumeiſter gehabt habe. Anekdote. Aſs man einſt den Pabſt Adrian VI. fragte, wos für eine Strafe er ſeinem Hauptfeinde gönnte? Doß er Pabſt werde, gab er zur Antwort. 6„ Le 2. l zuf in daß es —— — 183— * beſſer geweſen wäre, wenn er anſtat der Himnels⸗ Schlüſſeln, die einer Kloſterpforte gehabt hätte. * Paulus II. hätte, wie er ſelbſt geſtand, ſeine Würde mit dem Dienſte eines Capuziner⸗Kochs gern vertauſcht. Ehebündniſſe des Teufels. Der Teufel nahm die Ungerechtigkeit zu ſeiner Ehegenoſſinn, und erzeugte mit ihr verſchiedene Toch⸗ ter, deren älteſte, nähmlich die Hoffarter einem Edelmanne, den Geiz und Wucher Kaufleuten; die Räuberey den Soldaten; die Betriegerey dem Advokaten und die Mißgunſt einem Höflinge zum Weibe gab. Die Geilheit verheirathete er nicht, ſondern gab ſie jedem Preis, um durch ſie mehrere Meuſchen zu gewinnen. Geſchwätzigkeit. Die alten Philoſophen verglichen den geſchwä⸗ tzigen Menſchen mit Narren, hielten ſie auch für ſolche. Der allgemein bekannte Geſetzgeber Solon ſaß bey einem Gaſtmahle und redete kein Wort; weßhalb einer der Gäſte ihn fragte, warum er bey einer eſeere ein tiefes Stillſchweigen be⸗ obachtete? Darum, erwiederte Solon, w eilkei⸗ ner, der ein Narr iſt, ſchweigen kann.— —— Als Apollonius gefragt wurde, welche die beſten Menſchen ſeyen, antworteie er, diejeni⸗ gen, welche wenig reden. Die drei Brüder⸗ Drei Brüder hatten ſich vorgenommen, ſich Gott gefällig zu machen. Der Erſte both alle Kräfte auf, die ſtreitenden und uneinigen Partheyen zum Frie⸗ 6 ₰ . den und zur Einigkeit zurück zu ſühren, der Zweyte den Kranken beyzuſtehen und ſie mit allem Nothigen zu verſehen, und der Dritte hatte ſich die Einſamkeit gewählt. Laſſet uns ſehen, wie es den drei Brüdern geht. Der Erſie mußte ſeine Arbeit verzweifelnd auf⸗ geben, dem 3weiten wurde der Krankendienſt zu be⸗ ſchwerlich; beyde gingen daher zum dritten Bruder, klagten ihm ihre Noth und fragten ihn, was für Fortſchritte er in der Tugend gemacht hätte? Anſtatt ihnen zu antworten, gießt der Anachoret trübes Waſ⸗ ſer in ein Becken, und nachdem dieſes durch das Stehen klar wurde, ſprach er zu ſeinen Brüdern: Sehet nun, wie ſich das Woſſer klärte, es iſt klar, daß ihr euch wie in einem Spiegel darin beſehen könnet. Die Einſamkeit iſt ein Spiegel der Seele, ſagt Peter Damianus. Johannes a S. Guilielmo. Dieſer tugendhafte Mann wählte die Einſamkeit. Als er von ſeinen Freunden Abſchied nahm, und ſeinen Eſel mit Schriften beladen hatte, reiſete er gerades Weges in das hetruriſche Gebieth. Er hatte kaum einige Meilen zurück gelegt, als ihm ſchon zwei Straßenräuber begegneten, die zu ihrem Be⸗ durfniſſe ſeinen Eſel von ihm verlangten. Ohne ſich viel zu weigern, überließ er den Straßenräubern das Laſtthier, nahm ſeine Bücher und Schriften auf den Rücken und ſagte: Es iſt billig und recht, daß nuun auch ihr euch dieſes Eſels bedient, der mir ſchon genug diente, Anefdote. 5 Als Diogenes einſt in der ſtärkſten Kälte faſt halb nackend im Eiſe ſtand, und das zuſchauende Polk ſich ſeiner erbarmle, kam auch Plato dazu und — — 185— ſagte zu den Umſtehenden: Wenn ihr euch des Dio⸗ genes erbarmen, und ihn von ſeiner Laſt befreyen wollet, ſo gehet weg.. Die Heuchler. Sie haben die Natur des Falken, der, wenn er den Reiger ſieht, nicht gerade auf ihn zufliegt, ſondern thut, als wollte er ihm ausweichen, und ihn verlaſſen; nachdem er aber merkt, daß der Rei⸗ ger emporſteigt, läßt er ſich über dieſen herab, ſtürzt ihn zu Boden, und tödtet ihn. Das nähmliche thun die Heuchler, welche dem Scheine nach die Würden und Ehren fliehen, um deſto höher zu ſteigen, und größere Aemter erlangen zu können. Sie ſehnen ſich nach nichts ſo ſehr, als was ſie dem Anſehen nach verwerfen und verachten. Di Eitelkeit. Ein junger Mann von Adel, welcher der Eitel⸗ keit fröhnte, ging nächtlicher Weile in ſeinem Schloß⸗ garten ſpazieren, und erblickte plötzlich eine geputzte Frau, die ihm befahl, daß er ſich ihr nahern ſollte, denn ſie wäre diejenige, die er ſo ſehr liebte. Er geht zu ihr und betrachtet ſie mit Verwunderung. Nie habe ich, dachte er ſich, eine ähnliche Schönheit geſehen. Als ſich jetzt feine Augen genug an der ſchönen Geſtalt geweidet hatten, ſagt ihm dieſe, daß er nun auch ihren Rücken beſehen möchte; er thats, aber wie erſchrack er, als ſich ein häßliches Gerippe ihm darſtellte. Wie koͤmmt es, fragte er jetzt, als er ſich wieder gefaßt hatte, daß du vorne ſo ſchön und ſo bezaubernd, und rückwärts ſo ſcheußlich biſt. Ich bin die Ehre der Welt, erwiederte die Geſtalt, und dieſe auf den Rücken deutend, ſind meine Früchte. Sie ſagte es, und verſchwand. — ———————— ⸗ ⸗ Der Mußiggänger. Ein müßiger Menſch gleicht einem ſtehenden Waſſer, das fault, und mit Ungeziefer angefüllt iſt, weil es nicht bewegt wird. Der Müßiggänger nen und Neſſeln iſt. Ein Schwank. Ein Weib, das den ganzen Tag mit Plaudern zubrachte, und die Hausgeſchäfte vernachläßigte, wurde von ihrem Manne derb abgeprügelt. Warum ſchlägſt du mich denn, rief ſie jetzt, ich habe ja nichts gethan! Eben darum, erwiederte der Mann, weil du nichts thateſt. Sn an die Sterblichkeit. Es war ehedem der Gebrauch in Conſtantinopel, chem Marmor er ſein Grab hauen laſſen wollte. Eine ſchöne Erinnerung an die Sterblichkeit, und eine feine Ermahnung, gut zu regieren. Verſchiedene Träume. Einem Jäger träumte es, als treffe er einen wohlbewaffneten Eber im Eichenwalde, ſchreit daher im Schlafe: Huy Sau! worüber ſeine Frau erwacht und frägt: Was willſt du Schatz? Einem Mahler träumt, als mahlte er eine ſchöne Dame. Er will ihr eben einen Schleyer um den Hals werfen, als ihm der Teufel die Farben ſtiehlt. Einem Schlemmer träumt, er habe beym gol⸗ gleicht einem vernachläßigten Acker, der voll Dor⸗ daß bey der Kaiſerkrönung vier Steinmetze erſchie⸗ nen, die fünf Stuͤckchen Marmor von verſchiedenen Farben brachten, und den Kaiſer fragten, von wel⸗ — ———— . —— — —— hartes Eiſen und nage an Hufaägeln, dieſes ein ſig, der ſein vaterliches Erbtheil vergendete, und beynahe an den Bettelſtab kam. Dieſem träumte einſt, denen Hufeiſen, in dem er ſich am meiſten herum tummelt, ſein beſtes Pferd verſoffen Wenn es den alten Weibern träumt, daß ihnen Zähne ausfielen; ſo wiſſen ſie gleich in prophetiſchem Geiſte zu ſagen, einer ihrer Verwandten ſey geſtor⸗ ben. Träumt Jemanden, er werde gehenkt, und trete mit den Füßen die Luft; ſo wiſſen die runzlich⸗ ten Seherinnen, daß er zu hohen Würden gelangen werde. Fällt Jemanden im Traume eine Pfanne auf den Mund; ſo ſchwören dieſe Sybillen, der Trau⸗ mer würde nächſter Tagen bey einem vornehmen Herrn zu Gaſte gebethen werden. Auch wollen ſie behaupten, daß, wenn Jemanden traumt, er eſſe ſicheres Zeichen eines langen Lebens ſey. Der Mährchen. Zu Dortrecht in Holland lebte ein lockerer Zei⸗ er ſehe einen wohlgeſtalteten Mann von mittlerem Alter, der ihm ſeinen ſträflichen Lebenswandel zu Gemüth führte, und ſcharf einband, er ſollte ſich ohne Zeitverluſt nach der Stadt Kempen verfügen; dort würde er auf der Brücke einen Menſchen treffen, der ihm die Mittel an die Hand geben wurde, wo⸗ durch er zu ſeinem vorigen Wohlſtande gelangen könnte. Er war kaum erwacht, als er ſchon Anſtalten zur Reiſe macht, und in kurzer Zeit in Kempen ankömmt. Hier verweilt er ſich einen ganzen Tag. auſ der Brücke, ohne den erſehnten Mann zutreffen. Auſgebracht über das lange Harren und den täuſchenden Traum, wollte er ſchon in ſeine Herberge zurück kehren, als ihn ein Bettler, der ihn eine geraume Zeit ſo nachdenkend 1 1 ½ * 8 .———— ——— und beſtürzt auf und niedergehen ſah, anredete und fragte, warum er ſo übler Laune wäre? Ey, ant⸗ wortete der Dortrechter verdrießlich: Mir träumte, ich würde am dieſem Orte ein Pflaſter für meine Wunden finden, und den Schlüſſel zu meinem verlore⸗ nen Glücke wieder finden Finden? ſagte der Bettler: Da hatſich was zu finden. Narrenkappen wirſt du ertap pen. Iſt es nicht eine Thorheit, einem Traumbilde zu glauben, und von Dortrecht eine ſo weite Reiſe hierher zu unternehmen. Du mußt wohl ein leicht⸗ gläubiger Tropf ſeyn. Auf ſolche Weiſe hätte ich ſchon längſt nach Dortrecht reiſen müſſen; denn mir träumte auch, ich ſollte in Dortrecht in einem Gar⸗ ten(er nannte ihn) unter einer Dornhecke einen Schatz erheben. Aus allen Umſtänden nahm der Holländer wahr, daß der angegebene Ort in dem Garten ſei⸗ nes Vaters ſey, warf daher dem Bettler ein freund⸗ liches: behüte dich Gott hin, eilte nach Dort⸗ recht zurück, und erhob wirklich unter der Dornhecke den erſehnten Schatz.— Ein Traum. Einem Jünglinge träumte es, als ſehe er einen großen Globus mit veſchiedenen Schubladen, die er alle genau durchſuchte, und fand, daß in einer lauter Larven mit Schellen, in der andern lauter faule Fiſche, in der dritten Staub und Aſche mit einigen Glasſcherben, in der vierten wurmſtichige Leb⸗ kuchen mit einem Gläschen Wermuth, und in der fünften ein Zettel war, worauf die Worte: Reime es zuſammen, Tölpel! ſtanden. Die übrigen Schubladen waren alle leer. Verdrießlich über das Ganze trat er den Globus mit Füßen und erwachte. ————— Das zänkiſches Weib. Salomo ſagt, ein zänkiſches Weib ſey wie ein triefendes Dach. Bey einem ſolchen gibt's nichts als lauter Tropfen, und was anders bey einem böſen zänkiſchen Weibe? Iſt nicht der Mann ein armer Tropf, der eine ſolche Haustrompete immer hören. muß? Iſt nicht das Geſinde zu bedauern, das bey einer ſolchen Megäre ſo viel zu ertragen hat? Nicht die armen Kinder, denen eine ſo bitterböſe Mutter zu Theil geworden? Eine ſolche Hausglocke wurde krank und fiel einſt in eine Ohnmacht, die ſo lange währte, daß ſie die Arzte ſelbſt für todt hielten, weßwegen man ſie auch in einen Sarg legte, und zum Grabe trug. Als man mit der Leiche an das Ecke des Hauſes kam, ſtießen die unbehutſamen Träger an, und die Scheintodte erwachte zur Verwunderung aller An⸗ weſenden. Als ſie in einem Jahre darauf wirklich ſtarb, und der Leichnahm aus dem Hauſe getragen wurde, rief der befreyte Gatte den Trägern zu: Ich bitte euch um Gottes Willen, ſtoßet nicht mehr an; ich will euch reichlich belohnen! Drei aufein Mahl. Ein Student ging mit einer Flinte ſpazieren, und ſchoß auf ein Mahl einen Haſen, einen Fiſch und einen Vogel. Dieß trug ſich ſo zu. Nicht weit vom ufer jenſeits des Fluſſes erblickt der Student einen Haſen auf der Erde, zielt auf ihn, und ſchoß ihn nieder: während dieſes Schußes ſprang ein Fiſch im Waſſer auf, dieſen traf er auch, und zugleich eine Schwalhe, die eben auf dem Waſſer herum flatterte. 3 —— „ 5 6 3 48 . 5 1 § † . * 7 6 f⸗ 3 1 Der Zorn. Der ungariſche König Matthias Corvi⸗ nus ward über den Abgang einiger Feigen ſo er⸗ zürnt, daß er den Teller, worauf die übrigen lagen, zerbiß.— Als an einem Tage, an welchem der Kaiſer Cajus Caligula ein prächtiges Schauſpiel geben wollte, ein großes Ungewitter war, ergrimmte die⸗ ſer ſo ſehr, daß er mit frecher Stimme den Donne⸗ rer Jupiter zum Zweykampfe herausforderte. Wenn du Muth haſt, ſchrie der Thor, ſo wehre dich. Er war ſo ſinulos, daß er ſeinen Soldaten befahl, den mißgünſtigen Himmel mit Pfeilen zu beſchießen. Sie befolgten den Befehl des Raſenden, ſchoſſen ihre Pſeile ab, die gleich wieder herab fielen, und blutige Köpfe machten. Als dem Kaiſer Rudolph II. ein Cavalier frühe letztere von Ungefahr den Deckel von dem kryſtallenen Becher fallen, worüber der Kaiſer ſo erzürat war, daß er auch den Becher mit dieſen Worten zur Erde warf: Hat der Teufel den Sattel, ſo nehme er auch das Roß. Der kryſtallene Becher ward ſammt dem Deckel auf 400 Reichsthaler geſchatt. Ein zorniger Narr beſtieg einen Baum, Wil⸗ darauf fand, wurde er ſo erzürnt, daß er laut auf⸗ ſchrie: Du verfluchter Baum, willſt keine Apfel mehr tragen, ſo trage Schelmen und Diebe. Er dachte nicht daran, daß er ſelbſt auf dem Baume ſtand⸗ Morgens Waſſer zum Waſchen brachte, ließ der lens einige Früchte abzuſchütteln; da er aber keine 9 3 — — 191— Das Standbild des Theagenes. Dem Helden Theagenes, erzählt Plutarch, iſt, um ihn zu verewigen, ein Standbild errichtet wor⸗ den. Ein neidiſcher Menſch, dem dieß in die Naſe roch, geißelte alle Nacht eine halbe Stunde die Sta⸗ tue Weil aber ein ſolches Bubenſtück nicht lange fortgeſetzt werden kann, und jede Arbeit ſeinen Lohn erhält, geſchah es, daß das Haupt der Statue während des Geißelns auf den Kopf des Thoren her⸗ abfiel, und dieſen zerſchmetterte. Ibrahim⸗ Ibrahim, ein Mann von niederer Herkunft, der ſich durch Muth und Tapferkeit vom Bauern⸗ ſtande bis zum Groß⸗ Vezier emporſchwang, ward des Großherrn Soleyman Günſtling. Ehe er noch die Höchſte der Würden erſtieg, ſagte er zu ſeinem Kaiſer: Ich bitte Euere Hoheit mich zu keiner höheren Würde mehr zu befördern. Große Ehre erregt Reid und Mißgunſt; ich will lieber jetzt gleich ſterben, als dieſem ausgeſetzt ſeyn. Was Ibrahim befürchtete, geſchah. Seine Feinde, die ſeine Er⸗ höhung zum Groß⸗Vezier nicht ertragen konnten, machten ihn dem Soleyman ſo verdächtig, daß ihn dieſer im Schlafe ermorden ließ. 2 Die Aeltern. Tönen euch die ſuͤße Nahmen Vater und Mutter nicht durch die fühlende Bruſt? Habet ihr vergeſſen, daß euch euere Mutter mit Schmer⸗ zen gebahr, daß ſie euch ſäugte und nährte, und liebend in den Schlaf wiegte? Ihr verdankt ihr eure Erhaltung, ihrer Sorgfalt verdankt ihr ſie. Das vielfache Gute, was ihr von euerem Vater empfan⸗ — gen habt, ſcheint für euch verloren zu ſeyn. Iſt die Matur ſo verwildert, daß der Brunnen nicht mehr an ſeine Quelle, der Apfel nicht mehr an den Baum, die Wurzel nicht mehr an die Blume, der Topf nicht an den Töpfer, der Eſſig nicht mehr an den Wein, die Statue nicht mehr an den Bildhauer, das Kind nicht mehr an ſeine Aeltern denke? Benedikt.⸗ Als dieſen Pabſt ſeine leibliche Mutter, von andern Frauenzimmer prächtig bekleidet, beſuchte, wollte er ſie für dieſe gar nicht erkennen. Dieſe iſt nicht meine Mutter, ſagte er, meine Mutter trägt ein ſchlechtes Bauernkleid, dieſe hier iſt eine Dame, die ich gar nicht kenne. Beſchämt mußte die Mutter abtreten, und zum zweyten Male in einem ländli⸗ chen Anzuge erſcheinen. Als ſie in dieſem vor den Pabſt trat, rief er entzückt aus: Dieſe iſt meine Mutter, meine liebſte, meine theuerſte, meine leib⸗ liche Mutter; dieſer bin ich ſchuldig meine Liebe, meine Dankbarkeit zu zeigen. Er ſiel ihr jetzt in in Gegenwart ſeiner Hofleute, und eines zahlreichen Adels um den Hals, küßte ihr die Hände und er⸗ wies ihr alle kindliche Ehrfurcht. Die Edelfrau in kapan. Eine Edelfrau in Japan gerieth durch den Krieg in eine ſo große Noth, daß ſie ihr Brot betteln mußte. Ihre drey wackern und wohl erzogenen Söhne fühlten der Mutter Elend doppelt⸗ weil ſie nicht helfen konnten; berathſchlagten ſie ſich daher⸗ wie ſie ihr ein beſſeres Schickſal verſchaffen konnten. Es war zu eben dieſer Zeit, auf den Kopf eines Verbrechers der beleidigten Maieſtät eine anſehnliche Summe geſetzt. Wie ware es, ſagte der Aelteſte — — —— —— ½ unter dieſen drei Brüdern, wenn einer von uns ſich ſchuldig gäbe, und die Uebrigen ihn des Hochver⸗ rathes anklagten, und ſo die verheißene Summe zur Unterſtützung der armen Mutter erhielten. Der Vorſchlag wurde angenommen, und das Loos fiel . auf den jüngeren Bruder, der von den zwey Aeltern gebunden, zur Obrigkeit geführt, und angeklagt wurde. Der Richter verhörte ihn, verurtheilte ihn, nach ſeinem eigenen Geſtändniſſe zu dem tiefſten Kerker, und ließ den übrigen zwey Bruͤdern das ver⸗ heißene Geld auszahlen, das ſie mit gränzenlo ſer Freude der Mutter in den Schvos ſchütteten. Nun liebe Mutter, ſprach einer unter ihnen, haſt du paares Geld, und kannſt dir gütlich geſchehen laſ⸗ ſen, und wirſt keinen Mangel mehr leiden. Da er dieſes mit einer großen Aengſtlichkeit ſagte, arg⸗ wohnte die Mutter auf der Stelle, daß darunter was verborgen fey, und redete ihre Söhne ſo an: Ihr habt gewiß einen Raub oder Mord begangen, gottloſe Kinder! Wo iſt denn mein jüngſter Sohn? Pielleicht habt ihr dieſen aufgeopfert. Sie läugne⸗ ten ſo viel ſie konnten, und wollten von ihrem Bru⸗ der nichts wiſſen. Die Mutter bath, drohte und verlangte durchaus zu wiſſen, wo ihr jüngſter Sohn 3 ſey. Ich will lieber, ſagte ſie, in äußerſter Dürf⸗ tigkeit leben, als ein ungerecht erworbenes Geld be⸗ ſitzen. Um das Herz der Mutter nicht noch läunger in einer ſo peinlichen Ungewißheit zu laſſen, bekann⸗ ten ſie die That. Sie, die jetzt nicht wußte, ob ſie die überſchwengliche kindliche Liebe loben, oder die Hart⸗ herzigkeit gegen den aufgeopferten Bruber verdam⸗ men ſollte, ſtand ſtumm und gedankenlos da, und vrach erſt nach einer Weile in folgende Worte aus: 3 Was habt ihr g than, ihr Unmenſchen? Der Sim⸗ mel verhüte, daß ich mich mit meinem eigenen Blute . at Abraham 1. ————— — ——— ⸗ — — nähre. Sie ſprichts, eilt mit geflügelten Schritten fort, ſtürzt athemlos in den Richterſaal, wirft dem Richter das Geld vor die Füße, und verlangt, daß man augenblicklich ihren unſchuldigen Sohn aus dem Kerker entlaſſe. Ihre herbey geeilten Söhne beſtä⸗ tigten die mütterliche Ausſage, und geſtehen, daß ſie ihren Bruder nur darum angeklagt hätten, um das Los ihrer Mutter erträglicher zu machen. Der Richter, der dieſen ſchönen Beweis kindlicher Zärt⸗ lichkeit nicht genug bewundern konnte, zeigte dem Kaiſer die That ſchriftlich an, der die Mutter mit ihren drei Söhnen zu ſehen verlangte. Sie erſchie⸗ nen, wurden außerordentlich gelobt, und die Mut⸗ ter erhielt jährlich eine beſtimmte Summe zu ihrem jährlichen Unterhatt. Antonio Grimani. Antonſo Grimani, Procurator von San Marco zu Venedig) und zugleich Oberbefehlshaber eines Heeres wider die Osmanen, wurde, weil ihm das Glück nicht günſtig war, von ſeinen heimlichen Fein⸗ den einer Untreue beſchuldigt, und von der Repu⸗ blit zum Kerker verdammt. Sein Sohn, der rö⸗ miſche Cardinal Domenico Grimani, begleitete ei⸗ nen unſchuldigen alten Vater, von dem gerührt en Polke umgeben, bis zu dem Thurme, entfeſſelte ihn dort ſelbſt, half ihm die Leiter beſteigen, und bath inſtändig, man möchte ihn bey ſeinem lieben Vater im Gefängniſſe laſſen; weil man ihm aber das Letz⸗ tere verſagte, ſo kehrte er tiefgebeugt nach Rom zurück. Antonio Grimani, den man in den Kerker ge⸗ worfen und des Landes verwieſen hatte, wurde nachher in ſeine vorige Würde eingeſetzt, und nach — ———————————„ „—— — — — dem Tode des Dogen Leonardo, als neunzigjähriger Greis, unter dem Jauchzen des Volkes, zum Her⸗ zoge von Venedig erwählt. In dieſer höchſten Würde lebte er noch ein und ein halbes Jahr⸗ Wahrheiteln in Knittelverſen⸗ Bin ich ein Moͤnch, ſo werd' ich hart geſtriegelt; Bin ich ein Soldat, ſo werd' ich oft gepruͤgeltz Bin ich ein Bauer, ſo werde ich geſchunden; Bin ich ein Dieb, ſo werde ich gebunden; Bin ich Doctor, ſo muß ich ſtudieren; Bin ich ein Rarr, ſo wird man mich vexiren; Bin ich reich, ſo leb' ich in Sorgen; Bin ich arm, ſo will man mir nichts borgen; Bin ich hoch, ſo leide ich viel Muͤcken; Bin ich nieder, ſo ſucht man mich zu drücken; Bin ich ledig, ſo hab ich keine Freuden; Bin ich verehligt, ſo muß ich viel leiden. Thales Miltſins. Nach P. Abrahams Arterzäͤhlt. Thales von Milet, einer von den ſo genannken ſieben Weiſen Griechenlands, ging einſt an einem kühlen Abend ſpazieren, begaffte mit gähnendem Munde den geſtirnten Himmel, und ſprach bey ſich ſelbſt: Siehe, der mittlere Himmelszirkel, wodurch die Sonne ſtets mit feurigen Roſſen durchkutſchirt. Hier iſt das Zeichen der Wage. Wer in dieſem Zei⸗ chen gebohren wird, taugt zu einem Advokaten, der ein Freund der Gerechtigkeit ſeyn ſollte. Dort iſt die Venus. Wer in dieſem Geſtirne zur Welt kommt, taugt zur Keuſchheit, wie eine Sichel in einem Geſtecke. An dieſem vlase ſiiht der Planet Merkur. Wer in dieſem das Licht der Welt erblickt, kann ein Kaufmann werden; denn erwird dem Teufel das Ohr abſchwören, dieß ſey ein engliſches Tuch, wenn es gleich eines aus Lyon iſt. In dieſer Be⸗ traͤchtung vertieft ſtolpert der wackere Thales, und fallt in eine Kothlache! da lag der Haſe im Pfeffer. Wie er ſich nach einer Weile aus dem Schlamme hob, erblickte er ein altes Weib, das im unmäßigen Lachen ihre Hände in die keuchenden Seiten ſtemmte. Du ſchauſt, ſagte ſie, auf Dinge, die über dir ſind, und ſiehſt nicht, was vor dir liegt. Sorgenmachen graue Haare. Vor der Zeit grau werden, iſt ein Wunder, 3 fagſt du, aber ich ſage, daß es jetzt kein Wunder, mehr ſey, wenn einige vor der Zeit graue Haare be⸗ kommen. Guten Tag, Meiſter Mathias! So weiß, wie ein Greis und und zwar vor der Zeit! Wie kömmt das? Wie's kömmt? Die Sorgen machen mich grau. Ich ſchreibe, treibe, ſchnaube, laufe, ſtehe, gehe, ſorge, borge, ſchaue, hüthe, blüte, trage, jage, ſetze, wetze, wache, trachte, ziehe, krieche, ſchabe und grabe Tag und Nacht; frühe und ſpät, es will nichts hinreichen, ich kann keinen Pfenning erſparen. Was ich täglich einnehme, verzehrt der Küchen⸗ korb. Die Kinder ſtehen nach einander wie die Pfei⸗ fen in der Orgel, und pfeifen mich ſtets um Brot an. Es will gar nichts gedeihen. Ich mache keinen Feyertag, und ſehe, wie ich etwas gewinnen kann; allein nichts reicht hin. Werde ich einſt krank, ſo muß ich ins Bett, und mein Weib ergreift den Bettelſtab. 1 Gebetdem Kaiſer, was des Kaiſers iſt. Das Svgngelium ſagt; Gehet dem Kaiſer, was des Kaiſers iſt; bey Manchen aber heißt es: Stehlet dem KFaiſer, was des Kai⸗ ſers iſt. Kindriche Liebe. FrancescoScaglia, ein genueſiſcher Edel⸗ mann wurde ſchon in ſeinem fünfzigſten Jahre ſtock⸗ blind, und erreichte in dieſem traurigen Zuſtande das zwei und neunzigſte Jahr. Seine edlen zwei Söhne Odoardo uud Ricolo wollten nicht zu⸗ laſſen, daß der Vater von ſeinen Dienern geführt werde, ſie führten ihn überall hin, damit ihm nichts geſchehe. Dieſe kindliche Liebe wurde in Genua all⸗ gemein geprieſen. Möchte doch ein ſolches Beyſpiel die Kinder der heutigen Welt, wenn nicht ganz beſ⸗ ſern, doch erinnern, was ſie ihren vom Alter ge⸗ ſchwächten Aeltern ſchuldig ſind!—— Georg Giſera. Als der berühmte Georg Giſtra oder Gi⸗ ſera nach Reuſtadt kam, wo Ladislaus Kaiſer Friedrichs IIl. Mündel war, verlangte er bey dem Letzteren vorgelaſſen zu werden. Die Audienz ward ihm nicht verſagt, auch wie er wünſchte, der junge König Ladislaus von Ungarn vorgeführt. Als dieſer erſchien, rief Giſera aus: Run ſehe ich dich ein Mal mein König! Welch eine Freude für mich, dich in der Königlichen Würde zu ſehen! Wenn du wüßteſt, was ich deinetwegen aus geſtanden habe! Waos für Arbeit, welche Anſtrengung hatte ich zu deinem Wohle! In wie viel Gefahren war ich, in wie viel Fehden wurde ich verwickelt, und wie viel Wunden erhielt ich. Betrachte dieſe Narben; ſie beweiſen, daß ich deinem Herrn Vater, glorwürdi⸗ gen Andenkens treu geblieben, und daß mich kein *.— — 198 Unglücksfall, keine Gefahr, ja der Tod ſelbſt nicht abhalten ſoll, alles für dich aufzuopfern. Du biſt noch ein Kind(Ladislaus war damahls ſechs Jahre alt) und verſtehſt es nicht, was ich ſage. Wirſt du mir, was ich für dich thue, einſt vergelten? ſetzte er mit lächelndem Munde hinzu, werde ich mich dei⸗ nes Dankes freuen können? Kaum hatte Giſera ausgeſprochen, als der königliche Knabe ſchon im Gemache hin und her blickte, und endlich den All⸗ moſen⸗Beutel ſeines Kammerdieners erſah, den er in geheim zu ſich nahm und dem tapferen Giſera ſechs Groſchen(mehr waren damahls nicht im Beutel) gab. Alle Anweſenden waren bis zu Thränen gerührt, und Giſera ließ nachher dieſe ſechs Groſchen in Gold faſſen, und trug ſie zum Zeichen königlicher Dank⸗ barkeit an dem Halſe. Rom adda. Der Gemahlin des friauliſchen Herzogs Agi⸗ ſus wäſſerten die Zähne nach einer Krone. Um dieſe zu erhalten, ſchrieb ſie dem Cacannus, einem ungariſchen oder vielleicht hunniſchen Könige, er möch⸗ te ihres Gemahles Land mit Krieg überziehen. Sie ver prach ihm, die Hauptſtadt ohne Verluſt auch nur Eines Mannes übergeben zu wollen, wenn er ſie ehlichen würde. Cacannus verſpricht der Herzoginn Romadda, ſo hieß das ſanfte weibliche Geſchöpf⸗ alles, was ſie wünſcht, füllt in das friauliſche Ge⸗ bieth ein, tödtet den Herzog und vermählt ſich mit Romadda, aber wie? Auf freyem Felde läßt er ſie im Angeſichte ſeines geſammten Heeres an einen höl⸗ zernen Pfahl binden, und lebendig verbrennen. Ei⸗ nem ſolchen Weibe gehöre ein ſolcher Mann, ſagte er mit höniſchem Lächein, als die Flamme Romaddas Förper ergriff, und ſie verzehrte. — 3— — 159— Der Mahler. Der Mahler macht Adler und Gimpel in der Luft; er macht Pferde und Eſel auf Erden; Hech⸗ te und Stockfiſche im Waſſer; Roſen und Knoſpen im Garten; Birnen und Feigen auf den Bäumen;— Lämmer und Schweine im Felde; Bäume und Stöcke im Walde; Teufel und Engel an der Wand; Doec⸗ toren und Narren unters Fenſter; dumme und un⸗ wiſſende Beurtheiler der Autoren in den Stuben; Krumme und Gerade auf dem Platze; Kappen und Hüte auf dem Kopfe; Gläſer und Scherben auf die Tafel; Hunde und Katzen in die Küche. Der Mah⸗ ler mahlt an die Stauden Dornen, und wenh er will, auch unter eine Naſe eine Feige, an die Stirn einen Sporn; in der Hand eine Geige; in der Hand einen Zügel, und auf den Rücken ein Stock, und einen reichen Schwelger, wie ihn der Teuſel holt. Anekdote. Ein ſchlechter Mahler, der ſeine erbärmlichen Gemählde gar nicht verkaufen konnte, veyließ die Kunſt, die er entehrte, und wurde ein Arzt. Als man ihn fragte, warum er dieß that? gab er zur Antwort: In meinen Gemählden konnte man die Fehler bald entdecken, darum ergriff ich den Stab des Aeskulaps, wo man ſie um ſo weniger ſieht, als ſie gleich begraben, und mit einer Handvoll Erde leicht zudecken kann. Das böſe Gewiſſen. Das böſe Gewiſſen iſt einer Uhr gleich, wel⸗ ches den Verbrecher immer verräth; es mag noch ſo kalt ſeyn, ſo fühlt dieſer doch eine außerordent⸗ liche Hitze; er mag Honig ſaugen, ſo fühlt er doch X — 7 — 5300— Bitterkeit, er mag auf Pflaumen liegen, ſo drückt ihn doch das harte Gewiſſen; es mag der ſchönſte Tag ſeyn, ſo donnert doch das böſe Gewiſſen; es mag alles mäuschenſtill ſeyn, ſo ſchreit doch das böſe Gewiſſen. Das böſe Gewiſſen iſt ein Hund, der alle⸗ zeit bellt; ein Hahn, der immer kräht; eine Glocke, die immer läutet; ein Fluß, der immer rauſcht; eine Orgel, die immer pfeifft, ein Fuhrmann, der immer ſchnalzt; eine Küche, die immer raucht; ein Wagen, der immerknarrt; ein Puls, der immer ſchlägt. Die Jugend. Die Ingend gleicht ganz der Erde, wenn man ſorgfältig über ſie wacht. Da wird zwiſchen Tugend und Jugend, zwiſchen Kleinen und Kleinoden ein geringer Unterſchied ſeyn; mangelt dieß, ſo wird aus der Blume das Plumpe, aus der Narciſſe ein Narr, aus der Roſe ein Knopf; aus der Lilie ein Bengel⸗ und aus dem Veilchen ein Flegel. Acridentien. Mancher gibt vor, daß er eine kleine Beſol⸗ dung habe; allein die Accidentien tragen ihm etwas Ehrliches, mit denen er zuletzt doch zufrieden ſeyn gann. Wenn man mit den Leuten umgeht, wie der Gärtner mit dem Buchsbaum, ſo hat man Acci⸗ dentien⸗ Wenn man die Unterthanen ſchröpft, wie der Paber die Haut eines alten Weibes, ſo hat man ſie auch. Wenn man die Handwerker behandelt, wie die Beißzange die Hufnagel, ſo hat man Accidentien. — 5— Wenn man ſein Amt treu verwaltet, wie die Katze, der die Speiſekammer anvertraut iſt, ſo hat man Accidentien. — X L Wenn man die Ausgabe für die Herrſchaft mit einer längeren Elle mißt, als den Empfang, ſo hat man Accidentien.— Wenn man Niemand weder Gehör gibt, noch den Zutritt verſtattet, es ſey denn der Opferſtock habe ſeine Viſite, ſo hat man auch Accidentien. Ein Cavalier, der außer anderen Tugenden auch die Freygebigkeit beſaß, hatte einen Kammerdiener, der gerade das Gegentheil ſeines Herrn war; ein . Jeder, der von dem Letzteren etwas empfing, mußte 1* ihm meiſtens die Hälfte davon geben. Dieß hatte ein ſchlauer Geſelle in Erfahrung gebracht, und weil er zu dem Cavalier nicht anders gelangen konnte, als er verſpräche dem Kammerdiener die Hälfte deſſen, was er empfangen würde, ſo that er es auch. Der Cavalter gab indeß dem Schlaukopf eine anſehnliche Beyſteuer. Als er dieſe erhalten hatte, bath er ſich eine Gnade aus, die in dem beſtand, daß er(der Cava⸗ 5 lier) ihm eine Maulſchelle geben möchte; er würde 3 ſie, ſagte er, von einer ſo freygebigen Hand gern ertragen. Der Cavalier, welcher ſich lange gewei⸗ gert hatte, ihm dieſe Maulſchelle zu geben, willigte endlich doch in ſein Begehren, und gab dem ſchlauen Menſchen eine kleine, kaum empfindliche Maulſchelle. Als nun der Kammerdiener den mit Gnaden Begabten aus dem Gemache ſeines Herrn heraustreten ſah, ſiel er gleich über dieſen her, und drang auf die Er⸗ füllung ſeines Verſprechens. Gleich ſollt ihr die Hälfte des Empfangenen erhalten, ſprach jetzt der Schlaukopf, und gab dem Kammerdiener eine ſo derbe Maulſchelle, daß er zu Boden ſtürzte. Der Ravalier, welcher den Fall in ſeinem Zimmer hörte, lief herbey, und ſah ſeinen Kammerdiener noch am Boden. Nachdem er die Umſtände dieſes Verfahrens hörte, billigte er die Beſtrafung ſeines Dieners, und entließ denſelben auf der Stelle ſeines Dienſtes. Der Müßiggang.⸗ Daß die Mäuſe von den Katzen kommen, habe ich nie gehört; du haſt es auch nicht gehört, ein anderer hat es auch nicht gehört; und doch iſt es eine ausgemach te Wahrheit. Der immer ſchläft wie eine Katze, und der ſtets dem Mäßiggange fröhnt, wird eine Maus werden, ein Mauſer gar gewiß, welches ſo viel ſagen will, als ein Dieb; denn er kann ſonſt nichts anders erhalten. Mancher klagt und ſagt: dieſer und jener ſteht ſowohl, bey ihm iſt immer der Mond im Aufneh⸗ men, er ſäuft einen guten Nußdorfer, ich einen fri⸗ ſchen Brunner(Waſſer); er frißt oft Indianer, ich kümmerlich Knödlianer(Clöße); ihm ſetzt man Arti⸗ ſchoken auf, mir Mehlſpeiſe von ſchwarzem Mehl; er hat ein eigenes Haus; ich habe zwar auch eines, allein ich trage es wie die Schnecke immer auf dem Rücken. Er ſchreibt ſich don Weingarten, ich mich von Waſſerburg. Wiliſt du die Urſache wiſſen, Lenzophilus? Er war in ſeiner Jugend ſehr fleißig und arbeitſam, duwarſt aber immer ein träger Narr. Du haſt geglaubt, als wäreſt du von der Holzbir⸗ nen Art, die erſt im Liegen wird. ————————— 17 — —„— —————— 8 *—— + 203— Der Stolz⸗ Seh ein Mahl hin, Bruder Valentin! dort kniet Eine im erſten Stuhle. Sie hat einen roth⸗ ſammetnen Bücherſack vor ihr, ſie betet gewiß die psalmos graduales; denn ſie iſt ziemlich geſtiegen. Wenige wollen es glauben, daß ſie die Tochter einer Caſtanien⸗Braterin iſt. Sie machte eine reiche Erb⸗ ſchaft, und kam dadurch zu einer ſo vornehmen Hei⸗ rath, daß man ſie jetzt Ihre Gnaden titulirt. Dieß alles ging hin; denn Gott ſchenkt öfter den Menſchen ſeine Gnade, daß ſie von der Nadel zum Adel kom⸗ men. Rur ſollte ſie ſich jetzt nicht ſo aufblähen, wie ein Truthahn.— Es hatte ſich ein Menſch von geringer Abkunft emporgeſchwungen. Dieſem zu gratuliren erſchien ſein ehemaliger Kammerad, und ſprach: Ich gratu⸗ liere Euer Gnaden von Herzen zu dieſer hohen Würde, wünſche nichts ſehnlicher, als daß Sie viele Jahre leben, und in beſter Geſundheit Ihrem Amte vor⸗ ſtehen möchten. Laſſen Sie mich unter die Gering⸗ ſten Ihrer Diener zählen. Ich, erwiederte der neu⸗ gebohrne Blaſtus, ich kenne Ihn nicht. Auch dem Rahnen nach nicht? fuhr der alte Cammerad fort. Wir ſtanden vor einigen Jahren im beſten Einver⸗ ſtändniß; Brüder und Freunde ſind wir immer ge⸗ weſen. Ich kenne ihn nicht, antwortete der ſtolze Narr wieder. Djeß verdroß den andern ſo, daß er die Gratulation in eine Condolenz umſchuf, und ſo ſprach: Es thut mir vom Herzen leid, daß Euere Gnaden wider alles Vermuthen in ein ſo großes Unglück kamen, daß Sie den Verſtand ſo plötzlich und zwar dergeſtalt verloren haben, daß Sie mich gar nicht mehr kennen. Wäre ich nur ſo mächtig, daß ich Ihnen die ſchädliche Geſchwulſt aus dem Hirne vertreiben könnte. Adio!— ——— In allen ſoliden Buchhandlungen Deutſch⸗ lands ſind zu haben und bei dem Verleger dieſes Werkes herausgekommen: „hiſtoriſche, oder auserleſene, wenig bekannte und zum Theil noch ungedruckte Denk⸗ würdigkeiten aus der Menſchen⸗, Völker⸗„Kunſt⸗ und Literar⸗Geſchichte der Vorwelt und des Mit⸗ telalters. Herausgeg. von Rittgräff. 2 Thle. 8. mrthlr. 8 gr. Gölis, Dr. L. A., praktiſche Abhandlungen über die vorzüglichſten Krankheiten des kindlichen Al⸗ ters. ur Bd. Von der hitzigen Gehirnhöhlenwaſ⸗ ſerſucht ꝛc. 8. urthlr. 16 gr. Kanne, F. A., Habsburgs Geiſt über Wiens Freu⸗ denflammen. 4. 3 Lips, Dr. Alex, die deutſche Bundesſtadt. Eine Phantaſie auf abſoluter Baſis. Mit einem Plan. 8. broſch. Germanien. 1816. 6 gr. Phädrus, neu entdeckte Fabeln, des, aus dem La⸗ teiniſchen überſetzt, von C. A. v. Gruber. Mit dem Lateiniſchen Text und Anmerkungen. 3. 6 gr. Prechtl, J. J.,(Direklor ꝛc.) Grundlehren der Chemie in techniſcher Beziehung, für Kammera⸗ liſten, Hekonomm, Techniker und Fabtikanten. Zwei Bde. gr. 8. 5 rthlr. 16 gr. Riedel, F.. S., der wieneriſche Seeretär auf ——,—— —— — alltägliche Fälle für das gemeine Leben. Zum Gebrauch für jeden der im Briefſchreiben ꝛc. Un⸗ terricht erhalten will. 12te verbeſſerte Aufl. gr.8. 2 rthlr. Schlachtparthien, zwölf, des großen Kampfes um Europa's Freiheit, Friede und Glück. Mit einer allegor. Titelvignette. 3. broſch. 12 gr. Wieland, B. M. Auswahl denkwürdiger Briefe. Herausgegeben von L. Wieland. 2 Bode. gr. 8. ordin. Druckpap. 3 rthlr. groß Druckpap. 3rthlr. 16 gr. Velinpapier 5 rthlr. Beſchreibung, neueſte, von Paris, der Hauptſtadt Frankreichs, mit ihren Umgebungen. Nebſt dem Proſpekt des Schloßgebäudes der Tuillerien und dem neueſten und richtigſten Grundriſſe der Stadt. 3. broch. 12 gr. Cleynmann, C.,(reform. Prediger) Herzens⸗ ergießungen vor Gott, oder Empfindungen und Wünſche eines guten Patrioten. Ein Gebet. 8. geheftet 1 gr. —— Kommet herein! oder Ruf der Kirche an ihre Kinder in der gegenwärtigen bedrängten und ge⸗ fahrvollen Zeit. Eine Predigt. 8. geheftet. 4 gr. —— Der Krieg vor dem Richterſtuhle der Ver⸗ nunft und Religion. Eine Predigt. 8. gehef. 6 gr. Slyo's Curioſitäten⸗Cabinet.— Darſtellungen außerordentlicher Thatſachen, picanter Charak⸗ tere, ſeltener, zum Theil noch ungedruckter Ur⸗ kunden, überraſchend'er Momente, beſonderer Denkwürdigkeiten und wenig bekannter Anekdoten, aus der Geſchichte aller Zeiten und Völker. Her⸗ ausgeg. von F. Gräffer. Mit Kupf. 3. 16 gr Gedanken, freimüthige, einiger öſterreichiſcher Pa⸗ trioten über den wahren und falſchen Patriotis⸗ mus, gr. 8. geheftet, 4 gr. — Götz, E. v., Deutſche Harfentöne.(Gedichte). S. geheftet. 20 kr. Friegsſchauplatz im Jahre 1813. Enthält die geo⸗ graphiſch⸗, ſtatiſtiſch⸗, topographiſche Beſchrei⸗ bung der Haupt⸗ und Reſidenzſtadt Dresden, nebſt einer umſtandlichen Schilderung des König⸗ reichs Sachſen. 8. broch. 1 fl.— Histoire de Bohéme, depuis son origine jusqu“ a l'extens ion de la Dynastie de Przemisl Pu- mont de Florgy 2 T'omes. 8. 1812. 4 fl.— Klatte E. neues Wiener⸗Taſchenbuch für Freunde der Pferde und der Reitkunſt. Mit Kupferm⸗ Taſchenformat. 1810. geb. mit Futteral. 3 fl.— Meißners G. H., Stammbuch oder Denkmähler der Freundſchaft und Liebe, geſammelt auf meinen Reiſen. Zum Gebrauch für Jünglinge und Mäd⸗ chen, Herren und Damen, auch als angenehme Rückerinnerung im Alter gn unſern Jugendfreun⸗ den. 4te Auftage 8. 1812. 2 fl.— 5 Münchhauſen(des Freyherrn von) wunderbare Rei⸗ ſen, Feldzüge und luſtige Abenthener zu Waſſer und zu Lande, wie er dieſelben bei der Flaſche Wein im Zirkel ſeiner Freunde ſelbſt zu erzhlen Fiet Neueſte Ausgabe mit 24 Kupfern 3. Sommerroſen. Eine Sammlung der auserleſenſten, Erzählungen. Ein Geſchenk für gebildete Leſer⸗ „ 12mo. 13812. 1 fl.— Frühlings⸗Blüthen. Ete Sammlung der auser⸗ leſenſten Erzählungen. Ein Geſchenk für gebil⸗ dete Leſer 12 mo. 1812. 1 fl.—— Herbſtblumen. Eine Sammlnung der auserleſenſten Erzählungen. Ein Geſchenk für gebildete Leſer. Mit Kupfern 8. 1812. 1 fl.— . Farkas, Johann, ungariſche Grammatik für Deutſche. Verſehen mit einem ungariſchen Leſe⸗ z und dazu gehörigen Wörterbuche von Joſeph von Marton. Aufs Neue vollſtändig umgearbeitet durch Paul Szlemenies, Dr. der Rechte und o dentlicher Profeſſor des ungariſchen Privat⸗ und Kriminalrechtes zu Preßburg. Neunte Ausggbe. gr. 1 Rthl. 3 gr. Napoleon Buonopärte's zwei merkwürdigſte Lebens⸗ jahre, ſeine Ueberfahrt und Anknuft und ſeine Beſchäftigung und Lebensart auf St. Helena. Rebſt der Beſchreibung ſeines Verwahrungsortes auf dieſer Inſel. Aus dem Engliſchen. Zweite vermehrte Auflage. Mit zwei Kupfern. gr. B. urthl. ——————.—