Leihbibliothet deutſcher, engliſcher und franzöſiſcher Literatur 2 von Ednard Oitmann in Gießen, Schloßgaſſe Lit. A. Nr. 256. cLeih- und geſebedingungen. 1. Oflensein der Bibliothek. Die Bibliothek ſteht zur Em⸗ jl pfangnahme und Rückgabe der Bücher jeden Tag von Morgens 7 Uhr bis Abends 8 Uhr offen. 2. Lesepreis. Bei Rückgabe eines geliehenen Buches wird von jedem Tag 5 Pf bezahlt. Die Zeit eines Tages iſt zu 24 Stun⸗ den angenommen. 3. Caution. Unbekannte Perſonen müſſen, bei Entgegennahme eines Buches, eine dem Werthe deſſelben entſprechende Summe 3 — v. binterlegen, welche bei deſſen Zurückgabe von mir zurückerſtattet wird. b 5 Abonnement. Daſſelbe muß voraus bezahlt werden und beträgt. für wöchentlich 2 Bücher: 4 Bücher: 6 Bücher: ———————˙—˙—— auf 1 Monat: 1 Mi.— Pf. 1 Wr. 5 Pf 2 W— und Zurückſ endung der Bücher auf ihre eigenen Koſten und Gefahr ſelbſt zu ſorgen. 6. Schadenersatz. Für beſchmutzte, zerriſſene, verlorene und A „ E. 5. Auswärtige Abonnenten haben für Hin⸗ —— defecte Bücher(namentlich bei ſolchen mit Kupfern ꝛc.) muß der Ladenpreis erſetzt werden.— Iſt das zerriſſene, beſchmutzte, ver⸗ lorene oder defecte Buch ein Theil eines größeren Wertes, ſo iſt der Leſer zum Erſatz des Ganzen verpflichtet. 7. Ausleihezeit. Dieſelbe iſt auf 14 Tage feſtgeſetzt und wird beſonders darauf aufmerkſam gemacht, daß das Weiterverleihen der Bücher nicht ſtattfinden darf, indem Diejenigen, welche die⸗ ſelben von mir geliehen, auch dafür zu ſtehen haben. ——————— 5 8 Auserleſene— Gedanken, Anekdoten, Fabeln, Schnurren und Maͤhrchen. Aus den Schriften des. Fater Abraham 4 8t Elarg e. Zweite vermehrte Ausgabe. Zweiter Theil. Wien 1 3 8, im Verlage der Carl Gerold'ſchen Buchhandlung. ————————— ⸗ „— 8 — . . 4— —. * ⸗ — — „ *— x* — * — m Hilarion⸗ E, grüßt mich oft ein alter eisgrauer Mann, er hat einen holzernen Klepper zu ſeinem Handpferdel, ſchüttelt mit dem Kopfe, wie die Bachſtelze den Schweif; er huſtet, wie ein dämpfiges Roß. Die Raſe glänzet wie ein Schneckenfirniß, der Kopf gleicht einem geputzten Kalbskopf, der Fuß einem Srängelchen, der Leib einem lebendiges Beinhauſe. Ich konnte bey allem Nachſinnen nicht errathen, wer die alte Jammergeſtalt ſey, fragte ſie daher, wer ſie ſey? Ich, murmelte der lebendige Knochenmann, mit halv gebrochenen Worten, heiße Hilarion von Freudeneck. Potztauſend, erwiederte ich, wie haben ſich die Zeiten geändert. Ehedem war keine Biblio⸗ thek, in der du nicht ſtudierteſt, kein Spielmann, der dir nicht pfiff; keine Mahlzeit, bey der du nicht warſt; kein Spaß, den du nicht vermehrteſt. Mein Hilarion, fuhr ich fort, war auf allen Wieſen, bey allen Schaaren. Aber ſage mir, wo das alles hin⸗ gekommen iſt. Alles war, und iſt nicht mehr. Dem Faſſe iſt der Boden ausgegangen, die Gaigenſaiten ſind abgeſprungen der Blaſebalg bekam ein Loch; der Wein iſt zu Eſſig geworden, das Gefäße iſt zer⸗ trümmert; der Bach ausgetrockuet; die Sonne un⸗ tergegangen; das Laub abgefallen; der Degen ver⸗ roſtet. O Eitelkeit! Alles iſt hin! Pater Abrgham K⸗ ————— — —— —— Die Gärten. Cypreſſen gibt es in den Gärten, aber Cypria (Venus), iſt auch nicht weit. Rüſſe gibt es in ₰ den Gärten, aber Aergerniſſe bleiben auch nicht aus; Roſen findet man hier auch, aber auch weibliche 5 Roſen ſtehen dort. Meſter gibt es in den Gärten, und darum mangelt es dort nicht an ſchlimmen Vögeln. Sonderbare Schilderung der Luft. Die Dame hier prangt mit ſchönen Kleidern. Sie hat einen himmelblauen Rock, läßt ihre goldene Locken fliegen; ihr Mantel iſt vielfärbig geſtreift, wie der Regenbogen. Ihr Wangen⸗Paar iſt auf⸗ geblaſen, als hätte ſie Zahnſchmerzen. Andere ſtolze Helenen tragen, um mehr hervorzuſtechen, auf ihrer— weißen Haut ſchwarze Fleckchen, in Hirſch⸗, Haſen⸗, und Fuchsgeſtalt geſchnitten, aber unſere Dame prangt mit lauter Vögelchen im Geſichte, und wenn ich nicht irre, ſo ſehe ich einen taffeten Gimpel auf ihrer Naſe. Was ſagſt du, lieber Leſer, zu dieſer ſonderbaren Schilderung? — Geſcheite Leute werden erhöhet und Eſel. bleiben unten. WMutius Attendulus, war ein Bauern⸗ knab⸗, der mit Marketändern und Garköchen ins Feld zog, anfangs die Schüſſeln reinigte, und den Bratenwender umtrieb. Er ſollte es durch ſeinen Fleiß ſo weit gebracht haben, daß er Fürſt wurde. Recht und billig, arbeitſame Leute gehoren hinauf, und die Eſeln müſſen unten bleiben. Gabrielletus ward Anfangs Hundsbube bey dem Cardinal Ascomio Sforza, und wurde dann ——— ——— ₰——— N — 3— Küchenjunge Ceine hübſche Beförderung). Sein Fleiß und Wohlverhalten brachten es dahin, daß er Erzbiſchof zu Bari, Partriarch von Indien, und zuletzt von dem Papſte Clemens VII. zum Cardinal erwählt wurde. Das iſt ſehr weislich geſchehen; Eſel bleiben unten. S Lügen, eines Muͤnchhauſen wuͤrdig. Zwey Fleiſcher ſollen ſo geſchnarcht haben, daß einer die Kammerthür mit dem Schnarchen aufge⸗ macht, und der andere mit ſeinem Schnauben zu⸗ gemacht hat. Ein anderer litt Schiffbruch, rettete ſich aber durch das Schwimmen. Man ſagt, er ware fünf wälſche Meilen im Waſſer geſchwommen, und hätte unter demſelben drey Pfeifen geſchmaucht, ohne daß die glühende Kohle verlöſcht wére. Auch wird erzählt, daß einer über das hohe Gebirge von Bo⸗ nonia im heißeſten Sommer gereiſet wäre, und das Unglück gehabt hätte einen Fehltritt zu thun, der machte, daß er eine gute deutſche Meile hinab fiel, ſich 2413 mal umkehrte, und nicht ein einziges vene⸗ tiantſches Glas gebrochen hätte, deren er ſechs und dreißig in ſeinem Bündel trug- Sein linker Fuß war ein bischen geſchwollen, den eine Salve noch in demſelben Tage heilte⸗ Die Sonne. Wenn aus der Hoͤhe die Sonn', der Quelle des Lich⸗ tes herabſtrahlt, Sieh' die Frende und Luſt, die ſie auf Erde uns weckt! Froͤhlich ertoͤnen weither der Waldbewohner Geſänge, Munter huͤpfet das Lamm, freut ſich des ſoni Tags. 1* — 4— Holder bluͤhet die Roſe, praͤchtiger ſchimmert der De⸗ mant, Denn der ſonnige Strahl mehret das Leben, die Kraft.— Da nun die Sonne ſo ſchoͤn, welch großer Meiſter erſchuf ſie? Der ſeines Geiſtes Licht ausſtroͤmt in Koͤrper und Geiſt, Der mit ſeiner Liebe Glanz erhellet den Erdball.— Die Sonne iſt ſo mächtig, daß ſie über die ganze Welt herrſcht, und ſogar unter der Erde und unter dem Waſſer zeigt ſie ihre Wirkungen. Das iſt eine Macht! Alles liebt die Sonne, nur Schel⸗ me, Diebe, Freudenmädchen und lichtſcheue Nacht⸗ wögel, welche ein finſteres Gewerb treiben, lieben ſie nicht. Der Mond. Die Sonne gleicht dem Golde, der Mond hat Sil⸗ berſchein: Von beyden zieht die Welt den groͤßten Reichthum ein. Drum ſollt' man Tag und Nacht dem großen Schoͤ⸗ pfer dienen, Für Lunas Silber⸗„Glanz, und fuͤr der Sonne Gold, Allein was thut man hier? Man ſchnarcht, wenn ſie erſcheinen, Man bleibt dem kuͤhnen Werk der Finſterniſſe plb⸗ Man deckt die Laſter zu mit ſchwarzem Flor der Racht, Das iſt es, was den Mond ſo garoft ſchamroth macht⸗ Aeltern. Einige Aeltern brauchen keine Brillen, weil ſie ihren Kindern zu viel durch die Finger ſehen⸗ Sie dieſe in glle Geſellſchaften; in dem einfältigen — ————————— ——— Gl auben, die Menſchen ſeyen, wie die Sonnen⸗ ſtrahlen, welche auch durch eine Pfütze gehen, und ſich nicht beſudeln. Wir haben ja nicht die Natur einer Roſe, welche in der Anweſenheit eines ſtinken⸗ den Knoblauchs den Geruch nicht verliert.— Die warmen Bäder haben gemeiniglich einen Geruch von Schwefel, KFalk und derley; nicht, weil das Waſ⸗ ſer von Natur ſo iſt, ſondern weil es durch ſolche Orte unter der Erde fortgeht, wo ſich derley Mi⸗ neralien befinden. Die Bitte des Mondes an Zeus. Der Mond, welcher bey Vater Zeus Audienz nahm, beklagte ſich bey dieſem ſehr, daß er ſo we⸗ nig Achtung hätte, und zwar meiſtens darum, weil er nackt, und immer erſcheinen müſſe; er ſey doch dasjenige Geſtirn, welches einen großen Einfluß auf die Erde habe; als ein ſolches Weſen von Einfluß verlangte er ſtandesmäßig bekleidet zu werden. Zeus lachte Anfangs, gerieth aber zuletzt in Zorn, und brach in folgende Worte aus: Du erbärmlicher, wankelmüthiger Geſelle! Mir ſcheint, daß du ſelbſt ein Narr biſt, weil du Mondſüchtige und Halbnarren machſt; deine Bitte zeigt es wenigſtens. Ich glaube, die Schneider würden den Himmel beſtürmen, wenn ſie den Befehl erhielten, daß ſie dir ein Kleid machen ſollen. Wie iſt es aber auch möglich, dir ein Fleid anzumeſſen, da du bald krumm, wie eine Si⸗ chel, bald rund wie eine Zielſcheibe, bald fett wie ein Maſtſchwein, bald wieder ſo dürre wie ein Pi⸗ ckelhäring, überhaupt ein unbeſtändiger Narr biſt⸗ Die Bitte fand nicht Statt. —— — 6— Der aſtronomiſche Kohlenbrenner. Ludwig XI. König von Frankreich hatte an ſeinem Hofe einen Aſtrologen, den er eines Tages, als er auf die Jagd gehen wollte, befragte, ob ſchö⸗ nes Wetter bleiben würde. Die Frage wurde nach einigem Nachſinnen mit ja beantwortet. Als jetzt Ludwig mit ſeinem Gefolge unweit des Waldes kam⸗ wo die Jagd vor ſich gehen ſollte, begegnete ihm ein Kohlenbrenner mit einem Eſel, der einen Sack Koh⸗ len trug. Dieſer räth dem Könige, er ſollte nach Hauſe eilen, weil ein ſchweres Gewitter einfallen würde. Ludwig lachte über den ſchwarzen Geſellen, und ſetzte ſeinen Weg fort. Kaum fing aber die Jagd an, als ein heftiges Ungewitter entſtand, und ein Platzregen alles in der Gegend umher ſo über⸗ ſchwemmte, daß der König mit ſchwerer Muhe nach Hauſe kam. Den Tag darauf ließ Ludwig den Koh⸗ lenbrenner kommen, und fragte ihn, als er erſchien, wo er die Wiſſenſchaft, das Wetter voraus zu ſagen⸗ gelernt habe. Ich bin nie, antwortete der Kohlen⸗ prenner, in eine Schule gegangen; kann weder le⸗ ſen noch ſchreiben; habe aber zu Hauſe einen eigenen Sterngucker, der mir nie eine Unwahrheit ſagt. Und dieſer wäre? ſiel ihm der König haſtig in die Rede: Mein Eſel, allergnäbigſter Herr, ant⸗ wortete der ſchwarze Mann, denn wenn dieſer die Ohren hängt, und ſich an einer Mauer oder einem Zaun, reibte ſo kömmt unſfehlbar ein Ungewitter. Der König lachte herzlich, und ließ den Kohlenbren⸗ ner und ſeinen Wetterpropheten bey ſeinem Hofe ſehr gut bewirthen. Fabel. Die Luft nahm es ſehr übel, daß ſie dem Va⸗ ————— —— ——— — —— ——— — —————— ter Zeus einen Brautführer abgegeben müſſe, und warf dem Erdboden vor, daß er ein ſchlechter und verwerflicher Kerl ſey, weil ihn Menſchen und Vieh mit Füßen treten, und weil er keine andere Speiſe als Koth und Unrath erhalte. Ich bin, erwiederte die Erde, mit meinem niedrigen Stande zufrieden, und verſehe Menſchen und Vieh mit der nöthigen Nahrung. Du biſt freylich eines höhern Standes, allein tauſend Ungemächlichkeiten unterworfen. Der König Alfonſo von Arragonien pflegte zu ſagen, daß die Eſel viel glücklicher als die Konige wären; denn dieſen werde die Laſt zuweilen abgenommen, den Königen aber nie. Der liederliche Student, Ein Student koſtete ſeinen Aelten ein hübſches Sümmchen Geld, ohne in den Studien auch nur die geringſten Fortſchritte gemacht zu haben. Man ermahnte ihn, daß er mit geringeren Speiſen vorlieb nehmen, und nicht immer Kapaunen und Rebhüh⸗ ner eſſen ſollte. Mir befahl mein Vater, gab der Student zur Antwort, daß ich wohlfeile Speiſen eſſen ſollte; in dieſer Rückſicht laſſe ich mir Geflügel vor⸗ ſetzen, das nicht ſo theuer als ein Ochſe iſt.— Als dieſer Student einſt am Camine ſaß, und ununter⸗ brochen Holz auflegte, ſagte er zum Feuer: Du wil⸗ der Vieifraß, biſt ſo grob und undankbar, verzeh⸗ reſt das Holz, daß dich ernährt! Ey du Bachant! erwiederte das Feuer: Weißt du nicht, daß dieß meine Natur iſt. Was du thuſt, iſt Bosheit— Deinen guten Aeltern, die dich biöher ernährten, frißt du durch deinen ſchlechten Lebenswandel das Leben ab, und bringſt ſie vor der Zeit ins Grab. Schwank⸗ Ein Chriſt reiſete bey heißer Sommerszeit auf die Frankfurter Meſſe; wollte aber dem heiteren Himmel nicht zu viel tranen, weswegen er ſich mit einem Mantel verſah. Unterwegs ſtieß er auf einen Juden, der nach Frankfurt ging. Es ſpann ſich bald ein Geſpräch an, und weil beyden vor großer Hitze der Schweiß über das Geſicht floß, fagte der Jude: Zetzt wünſchte ich von dem Hmmel ſo wie meine Vorfahren, die Israeliten, begünſtigt zu werden⸗ welche eine große Wolke vor de Sonnenhitze ſchützte⸗ Lieber Samuel, erwiederte der Chriſt, der dem Ju⸗ den die Wolke fühlen laſſen wollte, mir fällt etwas ein. Ich habe in Frankfurt Schulden einzukaſſiren, nahm doher kein Geld zu mir; es könnte aber ſeyn, Ddaß ich doch nichts einbrachte, darum leihe mir einen Thaler; ich verſetze dir dafür meinen Mantel. Der Chriſt bekömmt das Geld, der Jude den ſchweren Montel, den er volle zwei Stunden trug. Als beyde nahe an das Stadtthor kamen, ſpricht der zu dem Juden: Eben fällt mir ein, daß ich in Frankfurt einen guten Bekannten habe, der mir einen Thaler leihen wird, darum haſt du hier deinen Thaler; gib mir pafür meinen Mantel wieder. Die vier Weintrauben. Anacharſis pflegte zu ſagen, doß der Weinſtock vier Trauben trage. Die erſte diene zur Geſund⸗ heit, die zweite zur Trunkenheit, die dritte zur Krank⸗ heit, und die vierte zur Armuth. Der BVBerauſchte. Ein Schlemmer, der die meiſte Zeit ſeines Lebens in der Schenke zubrachte, und alle ſeine Habe ver⸗ gendet hatte, bezechte ſich einſt ſo ſehr, daß er vor —————— ————— —* ſeiner Hausthür und ſelig in Bachus entſchlief. Wäh⸗ rend dieſes ſeines Verdauungs Schläſchens fing es zu regnen an, und da er unter der Traufe ſchlief⸗ fielen ihm die Tropfen in den Mund. Laut ſchrie er jetzt, vom Schlafe halb erwacht: Brüderchen!— hole mich der Teufel; ich kann nicht mehr Beſcheid thun. Ihr ſeyd ja alle Narren, daß ihr mir den Wein in den Mund mit Gewalt gießet. Derh a3el Wo koöͤmmt der Hagel her? von aufgezog'nen Tropfen, Die Gott in weicher Luft, zu harten Kugeln dreht. Wenn nun das Windgeſtuͤrm einauder denkt zu klopfen, So ſterben Korn und Wein von dieſer Zänker Fehd'! Doch bricht der Hagel mit, wenn er die Fruͤchte bricht, Und ſo verdirbt er viel und ſchont auch ſeiner nicht. So boͤſ' der Hagelguß den Halmen und den Reben, So ſchlimm wird eine Zung' voll Neid und Rachgier ſeyn. Wer kann uns eine Zahl der Riederlagen geben, Wenn der ergrimmte Mund mit Hageln ſchlägt darein. Doch wer mit Laͤſtern ſchlagt unbändig, grimmig, trey, Der ſchlägt zwar and're ſcharf, doch guch ſein Glück entzwey. Der blode Landmann⸗ Ein Bote reiſete aus einer großen Stadt nach Hauſe. Unterwegs fragte ihn ein Bauer, ob er nichts neues wiſſe? Nichts beſonderes, antwortete der Erſtere, außer daß man vor einigen Tagen ei⸗ nen Uebelthäter zum Galgen führte. Was mag der begangen haben, fiel ihm der Bauer in die Rede. Der böſe Menſch, erwiederte der Bote, hatte im Winter am Ofen Schnee gedörrt, und dieſen den Leuten für Salz verkauft— Den Menſchen hätte * — 10— man verbrennen ſollen, rief jetzt der dumme Land⸗ mann.——— Schwank. In einem Lande, das ſeiner hohen Gebirge we⸗ gen dem Blitzſtrahle ſehr ausgeſetzt war, wohnten zwei Bauern, die ihre Hütten nicht weit von einan⸗ der hatten, und denen der Blitzſtrahl alles Getreide ſo vernichtete, daß ihnen nicht ein Strohhalm übrig blieb, und ſie um ſo mehr bettelarm machte, als ſie ohnehin alles durch die Gurgel gejagt hatten. Um ſich einigermaßen aufzuhelfen, nehmen ſie ihre Zu⸗ flucht zu einem bekannten wohlhabenden Herrn, und verſprachen ihm alles wieder zu erſtatten, wenn er ihnen an die Hand ginge Der Herr, welcher die Verſchmitztheit der Bauern kannte, und wohl wußte, daß ſie viel verſprechen und wenig halten, ſagte zu den Supplikanten: Ich will euch, meine lieben Leut⸗ chen, einen größeren Dienſt thun und einen Schäf⸗ ſel Weizen ſchenken. Die unzufriedenen Ehemänner. Vier gute Zechkameraden ſaßen an einem Tage in einer Schenke, und zogen über ihre Weiber los. Der Erſte ſagte, daß ihm ſein Weib ſtatt eines Ket⸗ tenhundes diene; es käme ihm Niemand unange⸗ bellt in's Haus. Der Zweyte nannte ſeine Gattin eine mürriſche, finſtere Perſon, die ihm ſeine Stube ſo verfinſtere, daß er bey hellem Tage eine Kerze anzünden müſſe. Der Dritte gab vor, er habe an ſeinem Weibe eine ſehr ſchlechte Föchinn, die ihm jedes Gericht verderbe. Ich, ſprach der Vierte, klage über meine Urſula nicht, die auf ihrem Geſichte immer einen Regenbogen trägt. Wer ſolches nicht glaubt, komme mit mir, und überzeuge ſich ſelbſt. Wie ſie die⸗ —— 5— ſes Saufbrüderchen nach Hauſe begleiteten, da fan⸗ den ſie freylich den Regenbogen auf dem Geſichte der Madame Urſula, aber nicht als Friedensverkündiger; ſie war blau, grün, roth und gelb um die Augen⸗ — der ausgeſtandenen Stöße wegen. Fabel. Der Sturm hatte eine Eiche ſo übel zugerichtet⸗ daß ihr Aeſte brachen, und ſie faſt ganz entblättert da ſtand. Darüber ergrimmt, ſchalt ſie den Sturm aus, nannte ihn einen Straßenräuber und ein unge⸗ rechtes Weſen, weil er einer nahe flehenden Haſel⸗ ſtande ſchonte. Du erbärmliche Baumgeſtalt, erwie⸗ derte jetzt der Sturm, wozu dienſt du? Höchſtens zu einem Steckenpferd für Knaben, oder zu einer Gärte für den Eſeltreiber. Die Haſelſtaude trägt wohl⸗ ſchmeckende Nüſſe, und bleibt von mir unverſehrt, weil ſie ſich meiner Macht nicht widerſetzt. So viel Kopfe, ſo viel Sinne. Ein leerer Kopf hörte in einer Geſellſchaft das Sprichwort: So viel Köpfe, ſo viel Sinne. Um nun einen Verſuch zu machen, ob dieß Sprichwort auch wahr ſey, beſtieg er mit einem großen Sacke voll Krautköpfe, die er aus ſeines Vaters Garten ausgeſchnitten hatte, einen hohen Berg, und warf alle über dieſen hinab. Weil nun einer da, der an⸗ dere dort hin lief; vorzüglich aber einer der unter dem Berge gelegenen Schenke zulief; ſo rief er aus: Ho, ho! dieſer hat meinen Sinn, das Sprichwort muß nicht wahr ſeyn! Fabel. Einſt ſtritt ein Löwe und ein Eſel um den Vor⸗ zug, und man kam überein, daß eines von dieſen zwei Thieren von einer Mühle, das andere von einem Berge wettlaufen ſollte; welches nun von beyden am geſchwindeſten laufen würde, ſollte über das andere herrſchen. Der Wettlauf begann, und der Löwe ließ den Eſel weit hinter ſich. Als er aber den Berg hin⸗ unter kam, ſah er einen andern Eſel, den er fuͤr ſei⸗ nen ächten Gegner hielt; verlangte daher von dieſem, daß der Wettlauf erneuert werde. Nun ſah der Löwe über dem Berge noch ein Mahl einen Eſel weiden, glaubte überwunden zu ſeyn, und erkannte das Lange ohr auch wirklich als ſeinen Beherrſcher. Das naive Bauermädchen. Ein hübſches Bauernmädchen reiſete von ei⸗ nem Jahrmarkte nach Hauſe, und trieb einen Eſel vor ſich her. Auf dem Wege begegnete ihr ein ganz fremder Burſche, der ſie fragte, woher ſie käme, und wohin ſie wollte? Das Mädchen gab ihm eine beſcheidene Antwort; er aber frafte weiter, ob ſie das Mädchen, welches er nannte, nicht kenne. O ja, erwiederte ſie, ſie iſt ja meine Nachbarin. Jetzt trat der Schalk zu ihr, und gab ihr einen Kuß, ſprechend: Gib dieſen deiner ſchönen Nachbarin. Narr, rief nun das überraſchte Mädchen, den Kuß hatteſt du meinem Eſel geben können, denn dieſer kömut eher als ich nach Hauſe. Die Heuſchrecke und die Ameiſe. Eine Fabel. Eine Heuſchrecke hatte ſich den ganzen Som⸗ mer hindurch auf dem Felde luſtig gemacht, indeß die emſige Ameiſe jedes Körnchen auflas, und in ihre Vorrathskammer trug. Der rauhe Winter kam, deckte Wieſen und Felder, und benahm der Heu⸗ ſchrecke alle Mittel, ſich zu eruähren, während die —— S —— —— S —— Ameiſe zufrieden lebte, und keine Noth litt. Bet⸗ telnd kroch die Heuſchrecke herum, und klopfte auch bey der Ameiſe an. Wie, fagte dieſe, haſt du den Sommer zugebracht?— PVon mir erhält der Müſſig⸗ gang nichts. Der Fleißige wird nie Noth leiden. Packe dich und werde klüger. Dergetaͤnſchte Wolf. Eine Fabel. Ein Wolf konnte auf einer dürren Haide keine Mahrung finden, näherte ſich daher den hin und' her zerſtreuten ländlichen Hütten. In einer derſelben hörte er ein Kind weinen, und ſchlich ſich hinein, weil er von einem alten Weibe folgende Worte ver⸗ nahm: Schweig, Fränzchen, oder du wirſt von dem Wolfe gefreſſen. Herrlich, dachte ſich der Wolf, da wirds beſſer, als auf der Haide gehen, wo die Hir⸗ 1 ten zu wachſam ſind, und die groben Schäferhunde 4 welche die Vorrathskammern bewachen, mich nichts wegſtippitzen laſſen. Der Wolf harrte verſteckt bis auf den Abend in der Hütte mit der größten Geduld; konnte aber nichts erharren. Die alte Wärterin hatte das Kind aus der Wiege genommen, und dieſem, 4. mit folgenden Worten geſchmeichelt: Jetzt haſt du 3 5 von dem böſen Wolfe nichts mehr zu befürchten, weil 2 du ſo Lämmchen fromm biſt. Wenn er mir erſcheint, der böſe Gaſt; ſo ſchlage ich ihm die Lenden lahm. Hole dich der Satan, du alte Hexe, rief jetzt der erſchrockene Wolf. Ich will mit zweizüngigen Leuten nichts zu thun haben.— Er ſagte es, und ſchlich ſich aus der Hütte. Der Guckguck. An einem ſchönen Frühlingstag gingen zwei 3 Bauern auf dem Felden ſpazieren„ wo ſie einen Guckguck rufen hörten. Pravo, rief einer von den — 14— — 5 2 Spazierenden: Der Guckguck ſchreit für mich; er prophezeyt mir eine reiche Aerndte. Mir, erwiederte der Andere, mir verkündigt er mein Glück. Unter langem pro und Contra ging der Wortſtreit in Be⸗ † ſchimpfungen über. Die Sache wurde bey dem Rich⸗ ter anhängig gemacht, und ungeachtet die Prozeß⸗ koſten ſchon ſehr viel Geld koſteten, hatte man doch nichts entſchieden. Wißt ihr was, lieben Leutchen, rief eines Tages der Richter, der beyde Parteyen vorladen ließ, wir wollen der Soache ein Ende ma⸗ chen. Der Guckguck hat nicht für euch, ſondern für meinen Beutel geſchrien. Er iſt ein Paradiesvogel für mich, und ihr ſeyd Thoren. Gehabt euch wohl! Der Prozeß iſt zu Ende. Schwank. Ein vornehmer Herr ritt auf ſeinem Pferde, und ſein Diener lief ihm zu Fuße nach. Nun ge⸗ ſchah es, daß das Pferd den Bedienten von unge⸗ fahr auf den Fuß ſchlug. Um ſich des Schmerzens wegen, den er empfand, zu rächen, warf er dem Thiere einen Stein zu, der unglücklicher Weiſe ſeinen Herrn in die Seite traf. Der Letztere wußte nicht woher der Schlag käme, und ſchwieg ſtill; nachdem er aber ſeinen Diener hinken ſah, und vernahm, daß ihn das Pferd geſchlagen habe, ſagte er: Du mußt dich nicht wundern, lieber Johann; es iſt ſchon des Pferdes böſe Art, daß es immer ausſchlägt, auch mich ſchlug es in die Lenden.. Das Räuschen im Gänſeſtalle. Ein rothnaſiger Wein⸗Igel hatte ſich ſo in den 5 1 Weinſtock verliebt, daß er ſich aus keinem andern Holze, als aus den Reben Zahnſtocher ſchnitzelte, und vor keinem Weinſtock vorüber ging, dem er nicht 3 8 N . * einen herzlichen Kuß zuwarf. Dieſer Weinfreund lies ſich oft verlauten, daß man ſtatt der Blumen lauter Weinlaub auf ſeinen Sarg ſtreuen ſollte. Es verſteht ſich von ſelbſt, daß er den Weinſtock nur des Weines wegen liebte, wovon er ein Geſicht bekam, wie der Feſttag im Bauernkalender. Eines Tages hatte er ſich in einer Schenke ſo bezecht, daß ihn die Füße nicht mehr tragen konnten, und er ſich in den näch⸗ ſten Hühnerſtall, wo ſich auch Gänfe befanden, nie⸗ derlegte, und die ganze Nacht ſchnarchte, ohne den frühen Hahnenruf zu hören. Als ſpäter(die Sonne hatte ſchon eine ziemliche Bahn zurück gelegt) der Rauch verdampfte, klagte er ſehr über den Schmerz ſeines Rückens, und ſeiner Lenden, und glaubte, er wäre wacker durchgeprügelt worden. Dieß gab Anlaß zu einer Spötterey; ſeine Zechbrüder ſagten nähmlich zu ihm, daß er ſich nicht zu beklagen hätte, nachdem er auf weichen Pflaumen gelegen wäre. Freylich, bin ich, erwiederte der Säufer, auf Fe⸗ dern gelegen, aber der Teufel hole das Leintuch, das dazwiſchen lag. Folgen des Aberglauben*s. Zu Baſel ward ein Kupferſchmidt gehenkt. Nun geſchah es, daß ein Reiſender, den die eintretende Nacht übereilte, ſich unter einen Baum, der an dem Galgen ſtand, legte. Des andern Tages gingen früh morgens mehrere Landleute vorüber, um die Meſſe zu beſuchen Einer von ihnen rief im Scherze dem Gehenften zu: Auf! auf! wenn du auf den Jahrmarkt gehen willſt!— Der Menſch, welcher unter dem Baume lag, glaubte, man rufe ihm zu, und antwortete: Geduld! ich werde bald kommen. Da die Morgendämmerung nur den Gehenkten, nicht aber den Lebenden, der unter dem Baume lag, ſehen * ließ, glaubten ſie, der Erſtere ſpreche, und liefen in aller Eile davon. Der Reiſende läuft ihnen nach, und ſchreit immer: Wartet! Wartet! aber je mehr er ſchrie, deſto mehr liefen ſie, und fielen vor Schre⸗ cken und Mattigkeit am Stadtthore, wie todtnieder. Der Gold⸗ und der Roßkäfer. Eine Fabel. Ein Gold⸗ und Roßkäfer begegneten ſich einan⸗ der. Willkommen, lieber Bruder, rief jetzt der Letz⸗ tere dem Erſteren zu. Bruder? antwortete der Gold⸗ käfer— Wie kann ich das ſeyn, da wir uns nicht gleichen. Du mußt wiſſen, fuhr der Roßkäfer fort, daß mein Weib geſtorben iſt, und daß ich deßwegen ein Trauerkleid anzog. Hat die Trauer ein Ende, ſo erſcheine ich, wie du wieder in Goldſtoff. Der Roßkäfer lud jetzt den vergoldeten Bruder zum Mit⸗ tagmahle ein, welches der Letztere, der Höflichkeit wegen, nicht ausſchlagen konnte. Der Gaſt erſchien, und merkte bald, daß man ihm nichts als Unrath auftiſche, ſagte daher zu dem Roßkäfer: Nun ſehe ich wohl, daß du nicht mein lieber Bruder biſt, und rkroch, ſo ſchnell er konnte, weg, um ſich an ſeinen Blumen ſchadlos zu halten⸗ beſchämte Luͤgner⸗ Ein Lügner, welcher einſt mit einigen munteren Geſellen luſt wandelte, fragte dieſe, was das für Thierchen wären, die auf den Blumen lägen, und den Thau wegſaugten. Bienen ſind es, antwortete einer, die uns Honig geben. Bienen ſind dieß⸗ erwiederte der Lügner: Ich war in einem Lande, wo ſie ſo groß, wie unſere Schafe ſind. Die derbe Lüge fiel auf, und man fragte ihn, wie groß die Bienenkörbe dort wären, doch alſo ungleich größer, als hier zu Lande? Rein erwiederte er, ſie ſind nicht größer, als die unfrigen. Wie können ſie aber hin⸗ ein kriechen? that man wieder die Frage, und der Lügner, der verſtummen mußte, ward beſchämt. Wie das Verdienſt, ſo der Lohn. Ein Amtmann, der mit ſeinem Edelmanne den Bauern wacker die Haut abzog, kam endlich doch ein Mahl in ſeines Herrn Ungnade, und verlor ſeinen Dienſt. Um ein neues Amt zu ſuchen, ging er jetzt in der Gegend zu Fuß umher, und begegnete einem Landmanne, den er bath, daß er ihn über den Bach⸗ an dem er ſchon ſtand, tragen möchte. Der Bauer, welcher noch nicht wußte, daß der Amtmann ein Vertriebener ſey, gehorchte aus Reſpekt, und trug den Wanſt auf dem Rücken bis in die Mitte des Baches, wo er ſtillſtand, und ſeine belebte Laſt fragte, wohin denn der geſtrenge Herr Amtmann wolle? Ich ſehe mich um einen neuen Dienſt um, antwortete er. Aiſo ſeyd ihr nicht mehr bey dem Edelmanne, fiel dem Amtmanne der Baner in die Rede. Nein, war die Antwort— So mag dich der Teufel tragen, rief der Bauer, warf ſeine Laſt in den Bach, und lief davon. Anekdote. Zwei vornehmen Römern wurde ein Gemählde des berühmten franzöſiſchen Mahlers Le Brun gezeigt. Dieſem zur Seite ſtanden zwei Meiſterſtücke von Ra⸗ phael und Paul Veroneſe. Als man nun einen dieſer Römer fragte, was er von dem Gemählde des Le Brun halte, gab erzur Autwort: Es iſt ſchön, aber es hat zwei ſchlimme Nachbarn. Jetzt führte man den Römer in ein anderes großes Zimmer, in dem mehrere vortreffliche Gemählde waren. Unter andern ſah man ein Tableau, das einen Spring⸗ Pater Abraham 11. 2 7 8 B—. — — brunnen, an dem ein Reiſender trinkt, meiſterlich darſtellte. Man fragte den Römer, wie ihm dieß Mahlerwerk gefalle, und ſetzte hinzu, ob es nicht wahr ſey, daß dem Trinkenden nichts, als die Spra⸗ f che fehle? Es iſt wahr, erwiederte der Römer, es mangelt ihm wirklich nichts, als die Sprache; allein trinken und reden, kaun man nicht zugleich. War⸗ tet bis er ausgetrunken hat, und der Fehler wir? ſich zeigen. Der Strom als Gleichniß des Adels. Lätßt ſich der Adel nicht mit einem Strom vergleichen? Es mehren beyde ſich duoch einen langen Lauf. Der Adel muß dem Reich die tapfern Haͤnde reichen, Und nimmt der Länder Laſt mit ſtarken Schultern auf. Et iſt's, von dem ein Land, Schutz, Gut und Ehr † genießt;— Doch macht die Schelmerey, daß er in Nichts zer⸗ fließt. Der reumuthige Lügner. Ein Herr reiſete mit ſeinem Diener über Land. Als jetzt plötzlich ein Fuchs über den Weg läuft, ſagte der Herr: Das war ein großer Fuͤchs! O Herr, erwiederte der Diener, welcher Profeſſion vom Lügen machte, ich habe einen größeren geſehen, der war ſo groß wie ein Ochs. Das iſt ſtark, dachte ſich der Herr, und ſchwieg. Des anderen Tages» frühe betete der Herr laut auf dem Pferde in fol⸗„ genden Worten: Bewahre mich o Herr, vor Lügen! 3 Dieß befremdete den Diener ſo ſehr, daß er ſeinen Herrn fragte, warum er ſo betete. Wir müſſen heute, erwiederte dieſer ſeufzend über einen Fluß reiten, worinn alle Lügner erſaufen. Als nun un⸗ 6 ſere Reiſenden an einen Fluß kamen, fragte der Die⸗ ner ängſtlich, ob dieſer Fluß die unglückbringende Eigenſchaft habe; denn er erinnere ſich, daß er des Fuchfes wegen zu viel geſagt hätte: er wäre eigent⸗ lich nicht größer geweſen, als eine mittlere Kuh— Sey ruhig, erwiederte der Herr, dieſer Fluß hat nicht die fatale Eigenſchaft. Sie kamen bald dar⸗ auf zu einem anderen Waſſer; der Diener fragte wieder, ob es nicht dieſes wäre, welches dem Lüg⸗ ner den Tod bringe, denn er denke doch, daß der Fuchs nicht größer, als ein Kalb geweſen ſey. Wir ſind noch nicht an demſelben, war die Antwort des Herrn, aber bald kommen wir hin⸗ Zitternd ſagte jetzt der Lügner, daß der Fuchs nicht größer, als die gewöhnlichen Füchſe war. Die unedle Veluſtigung. Zu einem Bader kam einſt ein Bauernbengel⸗ der um den Meiſter Scherer fragte. Die Gäſte, welche bey dem Bader waren, lachten den derben Geſellen aus, reichten ihm aber doch ein Glas mit Wein, das er rein ausleerte. Darauf ſtand einer der Gäſte, welcher kein Barbier war, auf, hing dem Bauer ein Tuch um den Hals, und fing ihn an zu ſcheren, daß ihm die Augen wäſſerten, und er nicht anders die Zähne blöckte, als der Hund, dem man eine Ofengabel vor die Schnautze hält. Dieß brachte alle zwar zu einem lauten Golächter; allein der Bauer konnte es nicht länger mehr aus⸗ halten, und ſprach, Meiſter, ihr müßt betrunken ſeyn, denn ihr rauft mich erbärmlich: es thut ja fürchterlich wehe! Der Scherer tröſtete ihn, ſagte, es würde bald zu Ende ſeyn, fiug wieder derb zu ſcheren an, und goß ihm zuletzt einen ganzes Becken voil Waſſers um den Mund. Der darüber erſchro⸗ 2 ckene Bauer ſprang auf, rief: Ich kam ja nur zum Scheren, aber nicht zum Baden, und eilte davon. Anekdoten aus P Abrehams Le ben. Kaiſer Leopold I. hatte den Jeſuiten den unter dem Nahmen Prater bekannten Wiener Luſtwald nur halb und halb zu geſagt, weil er ihn ſelbſt be⸗ halten wollte. P. Abraham, der merkte, daß der Faiſer in Verlegenheit ſey, fagte zu ihm: Da wäre bald zu helfen. Laſſen Euer Majeſtät den Jeſui⸗ ten einen Bratenwender, in der Provinzi— alſprache der Oeſterreicher einen Brater in das Kloſter ſtellen; ſo haben ſie doch, was ſie verlangen. Es geſchah zur Weitiii der Jeſuiten auch wirklich. P. Abraham, der das unweit Wien gelegene Kloſter Maria Brunn erbaute, kam eines Tages zu Kaiſer Leopold I. ganz niedergeſchlagen. Der Kaiſer, dem dieß um ſo mehr auffiel, als er den launigen Abraham immer munter und voll Laune ſah, fragte: Was fehlt dir Abraham?— Ach ſehr viel! Ach ſehr viel! Ich leide an Sand und Stein. Der Kaiſer verſtand die launige Antwort, und wies P. Abraham die nöthigen Materialien zum Bau des Floſters von Maria Brunn mit Vergnügen an. Fabel. Ein Rohr im Sumpfe hatte ſich ſehr beklagt, daß es ſo ſehr verachtet werde, weil kein Vogel auf ihm ein Neſt baue, nachdem doch alle Bäume das Glück hätten, und ſelbſt die geringe Dornhecke mit Vogelneſtern verſehen ſey. Um nun mit aller Ge⸗ walt doch ein Neſt tragen zu können, bath es einſt den Gimpel ſehr dringend, er möchte auf ihm(dem ———— — ——— Rohre) ein Reſt bauen, allein dieſer obgleich nichts weniger als ſehr verſtändige und beredtſame Vogel, erklärte ſich daß er ſein Neſt ohne weiters auf das Rohr machen wolle, wenn dieſes anders ruhig blei⸗ ben, und ſich nicht vom Winde herum treiben laſſen würde, widrigen Falls er ſein Haus, und das ſeiner Kinder auf keine ſo gebrechliche Grundfeſte bauen wollte. Der uͤberliſtete Straßenraͤnber. Ein Bauer, der ſeine Abgaben in die Amtskanzley bringen wollte, mußte ſeinen Weg durch einen dicken Wald nehmen. In dieſem begegnete ihm ein Reiter, der ihm mit Gewalt das Geld wegnahm. Um ſich bey ſeiner Obrigkeit zu rechtfertigen, bath der Bauer den Straßenräuber, er mochte ihm doch ein Loch durch ſeinen Rock, und ein anderes durch ſeinen Hut ſchießen; denn ſonſt müßte er, wie er ſagte, das mit Gewalt abgenommene Geld wieder erſtatten. Der Straßenräuber ließ ſich überreden, drückte beyde Piſtolen ab; allein während dieß geſchah, ergriff der Bauer das Pferd beym Zaum, und hob den Reiter aus dem Sattel, prügelte ihn derb ab, ließ ihn im Walde liegen, und brachte nun zu Pferde ſeine Abgaben in die Kanzley, worüber er noch Lob davon trug. — Anekdote. Ein, in der freyen Kunſt zu ſtehlen, wohler⸗ fahrener Menſch brachte es ſo weit, daß niches mehr vor ihm ſicher war, und daß er zuletzt glaubte, er habe das Privilegium exciusivum glles, was er nur wollte, zu ſeinem Eigenthum zu machen, ohne je zu befuͤrchten, daß er noch an den Galgen kom⸗ men könne. Einſt brach er nach der Art gemeiner Gauner irgendwo ein, und hatte eine ziemliche Beute gemacht, mit welcher er ſich davon ſchlich, und den Weg in eine nicht weit entlegene Inſel nahm, wo er ſie verbarg. Da man nun früh Morgens aus den im Sande bemerkten Fußſtapfen ſah, daß ſich Jemand gefluchtet, ſo ward dem Diebe in aller Eile nachgeſetzt. Als man den ſauberen Vogel im Reſte ertaspte, zum Richter führte und ihn fragte, was er denn Unrechtes gethan hätte? gab er zur Ant⸗ wort: Das größſe Unrecht, ſo ich beging, iſt, daß ich mich habe fangen laſſen, und wohl werde hängen bleiben müſſen. Dermißtrauiſche Kaufmann. „ Ein Kaufmann, der bald nach ſeinem angefan⸗ genen Handel einen Schiffbruch litt, und dadurch viele Faſſer mit Feigen verlor, ward ſehr beſtürzt; weil ihm aber ein Freund eine anſehnlich« Summe vorgeſtreckt hatte, und ihm rieth, den Handel wie⸗ der fort zu treiben; ſo entſchloß er ſich zwar dazu, allein mit Feigen, ſagte er, will ich nicht mehr han⸗ deln. Ich ſtand vor einigen Tagen am Ufer des Meeres, und habe wahrgenommen, daß es ſich ſehr ſtil und züchtig betrug. Vielleicht möchte es wieder Feigen freſſen, das Leckermaul, und will mich durch ſeine Stille nur täuſchen. Ich traue der See nicht mehr, und will alſo lieber mit Pfeffer handeln, der dem Leckermaul gewiß nicht behagen wird. Das Meer. Hier breitet ſich das Meer, die Wahlſtatt wilder Winde, Mit ungeheurer Wuth der vollen Wellen aus. Bald ſteigt es Himmel an durch Aeols Hofgeſinde, e — — — 23— Bald ſtuͤrzt es ſich hinab in Plutos Hoͤllen⸗Haus, Bald ſchaͤumt, bald bäumt es ſich, bald ſchmeichelt's in dem Lauf, Je mehr es ſittſam thut, je ſtaͤrker tobt es d'rauf. So ſtellt ſich auch das Volk, nach der Väter Sitten. Und nach den Maͤngeln in der Miſchung des Gebluͤts Und nach dem Landesgeiſt viel Buͤndniß uͤberſchritten⸗ Wer nach der Weſten Grenz' fortwandern will, der ſieht's, Es geht den Frieden ein, verſpricht dir Huͤlf dabey, Doch wer ſo fluͤchtig iſt, hat ewig keine Treu. Der kluge Rath. Der Philoſeph Tantus, Aeſops Gebiether, war dem Trunke ſo ergeben, daß er oft berauſcht nach Hauſe kam. Einſt hatte er in der Trunkenheit ſich gebrüſtet, daß er allein das Meer austrinken wolle, und zur Bekräftigung ſeiner Erklärung ſein Haus darauf geſetzt. Als er aber den andern Morgen ſei⸗ nen Rauſch ausgeſchlaſen hatte, ging ihm ſeine thö⸗ rigte Erklärnung in dem Kopfe herum, und er wollte, was er verſprach, gern widerrufen. Um ſich auf eine kluge Art aus der Schlinge zu ziehen, hatte er ſich bey ſeinem Selaven Aeſop des Raths erholt, der ihn gutes Muthes zu ſeyn hieß, und ihm rieth, er möchte ſich mit dem, mit welchem er die Wette ein⸗ ging, an das Meerufer verfügen, den ſchriftlichen Contract öffentlich ableſen laſſen, und geſtehen, daß er zwar ſein Haus verſchrieben habe, falls er das Meer nicht austränke; allein er könne dieß ehe nicht thun, bis die vielen Flüſſe weggeräumt ſeyn wurden, die in das Meer fließen; er habe ja nur das Meer, aber nicht auch die Flüſſe auszutrinken verſprochen. Fantus befolgte den klugen Rath ſeines Sclaven, und erhielt allgemeinen Beyfall; hütete ſich aber für die Zukunft vom unmaͤßigen Trunk, der ihn zum Vieh herabwürdigte. Vnekdote. Ein Bauer wunderte ſich über die Kühnheit der Schiffleute, daß ſie einem ſchwachen Holze Leib und Leben anvertrauen, welches ſie oft an den wilden Klippen des Meeres einbüßten; darum fragte er einſt einen Schiffer, wo ſein Vater geſtorben ſey? Auf dem Meere, antwortete der Letztere. Und wo dein Großvater? Auch dort, erhielt der Bauer zur Antwort. Wie kannſt du doch ſo thörigt ſeyn, dich auch auf das Meer zu begeben? fuhr der Bauer fort, wenn alle deine Vorfahren darauf ſtarben? Wo ſtar⸗ ben denn deine Vorältern? fragte jetzt der Schiffer den Bauer. Auf dem Bette, lautete die Antwort. Warum biſt denn du alſo ein ſo großer Narr, ſagte nun der Schiffer, daß du alle Nacht in daſſelbe Bett gehſt, in dem deine Vorältern ſtarben. Der hierkreis. Das Land Pamphilien ſoll unter dem Fiſche; Nrabien unter dem Waſſermanne; Indien unter dem Steinbock; Spanien unter dem Schützen; Mayland unter dem Scorpion; Judäa unter der Waage; Me⸗ ſopotanien, unter der Jungfrau; Italien unter dem Löwen; Afrika unter dem Krebſe; Armenien un⸗ ter den Zwillingen; Perſien unter dem Stiere; Deutſchland unter dem Widder ſtehen. Gott hatte dieſen zwölf Zeichen des Thierkreiſes viel Kraft ge⸗ geben.(Nach der en der Sterndeuter). Die unter dem Widder gebohren werden, ſind gewöhn⸗ lich Waghälſe; die unter dem Sriere gemeiniglich Lellerlec ker; die unter den Zwillingen gemeiniglich 4 5 finnreiche Köpfe; die unter dem Krebſe zankſüchtige Menſchen; die unter dem Löwen ſtarke Seelen; die unter der Waage weibliche Haſen; die unter dem Scorpion jüdiſche Intriquenmacher; die unter dem Steinbock gemeiniglich wilde ausſchweiſende Men⸗ ſchen; die unter der Jungfrau gelehrige Lente; die unter dem Waſſermanne grobe Bengel; die unter dem Fiſche wackere angeſehene Leute. Melancholiſche Lente⸗ Sie ſind Sauertöpfe, Angſthaſen, finſtere Wol⸗ ken, Ochſenſcherben, Wandſchatten, Trübeswink⸗ ler, Holzäpfel⸗Krämer, Hoſpitalgrillen, Eſſigkrü⸗ ge, die Quinteſſenz des Unluſts, abgeſtumpfte Bart⸗ pürſten, dumpſe Ochſenköpfe, die das Licht ſcheuen, Bruthennen, Grasmücken; ſie ſind des Todes Schwä⸗ ger, weil die Melancholie des Todes Schweſter iſt. Muntere Leute. Sie ſind angenehme Geſellſchafter, Kinder des Magnets, die alles an ſich ziehen, Glücksvö⸗ gel, Bruſtzucker, Gemüthsärzte, Freundſchafts⸗ ſchmiede; ein Gewürz, das alles ſchmackhaft macht. Der Menſch hat Gluͤck gehabt. Der franzöſiſche König Ludwig der VI., der ſeinen Damen eine Unterhaltung verſchaffen wollte, hullte ſich mit vier Cavalieren in eine Lowenhaut, und tanzte mit dieſen, und ſprang herum. Von un⸗ gefähr ſtößt jetzt einer ſeiner Diener mit der bren⸗ nenden Fackel auf die Lowenhaut, daß ein Funken herunter fällt, und die Löwenhäute in Brand ſetzt⸗ Indem nun ein Löwe dem andern helfen wollte, zün⸗ dete einer den andern an. Der Konig, der brannte, hatte ſich in die Schleppe ſeiner köͤniglichen Gemah⸗ lin gewickelt, und dadurch die Flamme gelöſcht; ein anderer ſtieß von ungefähr auf den Spülnapf, und ſchüttelte dieſen ſo über ſich, daß das Feuer erſtickt wurde. Der Menſch hat Glück gehabt. Ein Zecher hatte ſich in einer Schenke ſo be⸗ trunken, daß er nicht wußte wie ihm geſchehe. Um Mitternacht weckte der Wirth ſeinen Knecht, um eine Fuhr Hopfen nach der Stadt zu führen. Der Betrunkene, der über das Rufen des Wirthes wach wurde, und glaubte, er werde von den Häſchern aufgeſucht, ſpringt in aller Eile aus dem Bette, will entlaufen, ſieht das Fenſter offen, thut einen Sprung durch dasſelbe hinab, und fällt auf den mit Hopfen beladenen Wagen. Der Menſch hat Glück gehabt. Der Sal afluß, der einſt hoch aufſchwoll und austrat, riß viele tauſend Klafter Holz mit ſich fort, und trug die Brücke in Salzburg ab. Auf der letz⸗ tern ſtand damals eben ein Soldat der Tabak rauchte. Dieſer ſchwang ſich mit ſeltener Geiſtesgegenwart auf das Brückendach, und ſchwamm ohne Schaden an das Ufer. Der Menſch hat Glück gehabt. Das Suchen. Der Geldgierige ſucht Reichthum; findet er ihn, ſo wird er merken, auf welchen ſchlechten Grund er baute. Der Beſitz des Reichthums ängſtigt. Der Ehrgeitzige ſucht hohe Würden; findet er ſolche, ſo wird auch er ſehen, daß er auf ſchwachen Grundfeſten ruht; denn Ehre und Laſt ſind nie von einander getrennt. Sind denn hohe Bäume nicht am meiſten den Stürmen ausgeſetzt? 5 — 25— Der Schwelger ſucht Speiſe und Trank in Hülle und Fulle, und er erfährt, daß er auf ſchwachen Grundpfeilen baute; denn entweder fömmt ihm ein Ekel, wie den Isrgeliten an der Manna, oder er fühlt manches Leiden, das er, wenn er mäßig ge⸗ lebt hätte, nicht empfunden haben würde. * Der Ausſchweifende ſucht Vergnügen; hat er es gefunden, ſo kömmt er bald darauf, daß er ſich übel gebettet habe. Die Venus Pulgivaga ſagt einen munteren Prolog, aber einen deſto traurigeren Epilog. Der Rachgierige hat ſich auf ſchlechten Grund gebaut. Er verwundet, wie der Stachel der Hum⸗ mel, ſich ſelbſt. Welches iſt das ſchwerſte Holz⸗ Das ſchwerſte Holz iſt der Bettelſtab.——— Es iſt kein Wunder, daß manches Armen Bettelſtab ihm Waſſer aus den Augen treibt. Die Armuth iſt gar ein bitteres Kräutchen, das nirgends beſſer als in den Hütten der Landleute gedeiht; die Reichen haben dafür auf ihren Palläſten und Häuſern Ha⸗ bichte.——— In unſern hellſehenden Zeiten iſt der Arme ein Nulle in der Schöpfung. Vergänglichkeit. Wer nach vergänglichen Dingen haſcht, gleicht den Kindern, welche die geringſten Gauklerpoſſen beluſtigen. Man reitet auf Steckenpferdchen; wäh⸗ let einen Spielplatz. Einer trägt Steinchen herbey⸗ der zweite Sand, der dritte Holz, der vierte Koth. Da arbeiten, laufen und bauen ſie, und zappeln ſich ab, daß ſie ganz müde werden. Was das für eine Freude iſt, wenn ein Häuschen da ſteht, das 6 — 28— doch nur bis auf den Abend bleibt. Denn da treibt von ungefähr ein Fleiſchhauer ſeinen Ochſen vorüber, und tritt auf das Lehmhäuschen, das dadurch mit einem Male zu Grunde gerichtet iſt. Jetzt jammern die Knaben, die alle ihre Mühe und Arbeit zertreten ſehen. Die Wäntſte. Hippokrates ſagt, daß die fetten Leute nicht lange leben, weil ſie gar zu viel Fett haben. Ptolomäus, der König von Cyrene, war unge⸗ mein fett, wurde deßwegen Phyſton, der Dickbäu⸗ chige oder der Wanſt genannt, lebte aber nicht über keben und dreißig Jahre. Wilhelm der Eroberer, König von England, Carl der III. römiſcher Kaiſer, und Ludwig der Dicke von Frankreich waren wohlbeleibte Herren, die auch nicht lange lebten. Sieh nur einen gemäſteten Ge⸗ ſellen an, eine aufgedunſene Fleiſchmaſſe, einem bohmiſchen Hopfenſacke ähnlich. Wo er geht und ſteht, ſchnaubt er, als wäre er mit Jemand zu Wette gelaufen. Er läuft, aber wie? Wie ein klei⸗ ner noch blinder Hund; der Schweiß fließt ihm über die Wangen. Sein Vollmonds⸗Geſicht gleicht einer Floſterkatze, der fetten Seilerinn zu Straßburg, oder dem Probſte zu Ellwangen. Die Aungen ſtehen ihm im Kopfe, wie einer alten Eule; ſeine Füße ſind nicht viel dicker als die einer Bachſtelze, deſto dicker ſind aher die Knie. Seine Finger ſind ſo dick⸗ daß er eu hunden Häutchen zu einem Handſchuhe braucht. 5 Beſtrafte Gewiſſenloſigkeit⸗ Auf der Meſſe einer großen Reichsſtadt wollte ein munterer Geſelle ſich einen Spaß machen, nähete daher allerley Metall, als Bley, Zinn und derglei⸗ chen in ein ſchwarzes Leder ein, als ob es noch ſo was koſtbares wäre. Mit dieſem ging er dahin, wo das Volk am meiſten ab und zulief. Hier ließ er ſein eingenähtes Kleinod unvermerkt fallen, und ſah bald darauf, daß es einer von den reichen Kaufleu⸗ ten aufhob und fragte, wer das Ding verloren hätte? Ein anderer reicher, aber, wie gewöhnlich, gewiſ⸗ ſenloſer Kaufmann, ſagte, es wäre ſein Eigenthum, und gab dem angeblichen Eigenthümer ein Geſchenk von einigen Ducaten, welches Letzterer gefordert hatte. Als er aber ſpäter fand, daß nichts vom Werthe in dem Leder war, forderte er ſein Geſchenk zurück; aber der Empfänger der Belohnung ſprach? Warnm haſt du den geſagt, das das Verlorene dein Eigenthum ſey? Gehe mit mir zum Richter, und wir wollen ſehen, wer von uns beyden der größte Schelm iſt. Der Finder wurde dadurch beſchämt, und ließ dem anderen das Geld⸗ Rudolph Kamerins Edelſteine. Rudolph Kamenin kam einſt in das Lager des Herzogs von Andegan, der ihm verſchiedene Edelſteine von großem Werthe zeigte. Rudolph fragte, wozu ſolche Steine dienten? Zu nichts, gab ihm der Herzog zur Antwort. Ich habe nur zwey Steine, fuhr der Erſtere fort, die mich aber nur zehen Gul⸗ den koſten. Der Herzog verlangte dieſe Steine zu ſehen, und Rudolph führte ihn in ſeine Mühle, wo er ihm zwey Mählſteine zeigte und ſagte: Dieſe zwey Steine übertreffen alle die eurigen an Kraft und Tugend. Anekdote. Ein Mann beſchwerte ſich bey ſeinem Freunde, baß dieſer aufgehört habe, ihm das zu ſeyn, was er ihm war, und ſchrieb ihm unter andern, daß die Freundſchaft der Donau gleichen ſollte, die in ihrem Laufe immer zunehme. Auf dieſe ſchriftliche Klage erhielt er weder eine ſehriftliche noch mündliche Ant⸗ wort, ſondern es wurde ihm bloß eine Perle und ein zerbrochener Brautring geſchickt. Bei den Ita⸗ lienern heißt eine Perle perla, der Trauring bedeu⸗ tet die Treue, fed, und weil ſolcher zerbrochen war, ſo hat es ſo gelautet: Per la fede rotto; die Freundſchaft ſey nämlich darum aufgehoben, weil die Treue gebrochen worden wäre. Anekdote. Ein Bucklichter ging mit Aufgang der Sonne über die Gaſſe; und ein Einäugiger, welcher eben über das Fenſter hinab ſah, ſchrie auf den Buckli⸗ chen: Wie kommt es, Freund, daß ihr beym frühe⸗ ſten Morgen ſchon ſo ſtark beladen ſeyd? Es muß wohl frühe feyn, antwortete der Mann mit dem Hö⸗ cker, den dieſer Schimpf ſehr verdroß, weil ihr nur ein Feuſter offen habt. Wie ſpeiſt man Schmaroser ab?— Ein Schmarotzer, der einem Herrn gar zu lä⸗ ſtig wurde, ließ ſich nicht ein Mal durch ſauere Ge⸗ ſichter vertreiben. Eines Tages ſagte der Herr zu dem Schmarotzer: Ich habe heute zu viel Gäſte. Nicht doch, erwiederte der Letztere, fangt mit mir zu zählen an, und ihr werdet finden, daß wir un⸗ ſer nicht zu viel ſind. Komme morgen, wenn du kannſt, fuhr der Herr fort, lieber Johnſton! † N * Der Schmarotzer erſchien wirklich, konnte aber, Trotz ſeines ungeſtümmen Pochens doch nicht zur Hausthüre hinein, weil ſie der Herr verſperren ließ, der zum Fenſter hinaus ſah, und den Schmarotzer fragte, was er wolle? Ich bin Ja zu Gat gebe⸗ then.— Ich weiß es, erwiederte der Herr, allein ich ſagte, wenn du kannſt; da du aber, wie du ſiehſt, nicht kannſt, ſo mußt du ſchon weiter gehen. Die zwey Kornahren. Eine Fabel. Eine Kornähre ſpottete der andern, daß ſie ſo den Kopf hangen laſſe, wie ein altes Weib aus dem Krankenhauſe. Es ſcheint, ſagt die Gegnerinn, daß du keines redlichen Gemüthes biſt, weil du immer zur Erde blickſt. Betrachte mich, ich ſehe ſo munter in die Höhe⸗ Ein Sperling, der gegenwärtig war, wollte die Sache erläntern, flog daher auf die nie⸗ „ dergebeugte Aehre, pickt ein Körnchen heraus, und zeigt mit Geberden, als wollte er dieſe Aehre loben, dann ſehzr er ſich auf die, welche ſich mit ihrer Mun⸗ terkeit brüſtete, ſchaukelte ſie hin und wieder; fin⸗ det ſie aber leer, und läßt ſeinen Unrath auf ſie fallen, indem er ſpricht: Dieß gehört dem ſtinken⸗ den Stolze. Der ſchlaue Schulmeiſter. Ein Schulmeiſter, der auch zugleich Küſter war, hielt bey einer anderen reichen Gemeinde um einen Dienſt an, um ſein Schickſal zu verbeſſern. Sei⸗ nen Zweck eher zu erreichen, gab er vor, er könne ſchönes und regneriſches Wetter machen; man dürfte nur verlangen, was man für eines wollte. Die Bauern, welche damit ſehr wohl zufrieden waren, 2 ſchaften ihren alten Schulmeiſter ab, und nahmen den neuen. Als aber nachher der neue Schulmeiſter keine andere Witterung machte, kamen die Bauern zu ihm, und beſchwerten ſich, daß er ſein Verſpre⸗ chen nicht halte. Der Schulmeiſter entſchuldigte ſich auf eine ſchlaue Art, und ſagte, daß ſich hierwegen noch niemand gemeldet hätte; ſie ſollten ſich nur nit einander abfinden, und ihm ſagen, was ſie für Wetter haben wollten. Die Bauern verſammelten ſich, konnten aber nicht einig werden; denn einer wollte Regen, der andere ſchönes Wetter. Da ihr, ſprach jetzt der Küſter, nicht einig werden könnet, ſo kann ich euch keine andere Witterung machen. Ein paar Anekdoten aus Pater Abrahams Leben. P. Abraham ſah einſt an der Pforte des Wie⸗ ner Auguſtinerkloſters eine Magd etwas tragen, das in ein ſauberes weißes Tuch gehüllt war. Nengie⸗ rig, was wohl unter dieſem Tuche verborgen ſey, trat er zur Magd, und ſpricht: Was trägt ſie hier, Jungfer?— Eine Paſtete— Wohin denn?— Zu den Capuzinern, denen ich ſie als ein Geſchenk von meiner gnädigen Frau, einer andächtigen Seele und großen Freundinn der Geiſtlichkeit bringe.——— Sie iſt an der Stelle meine Liebe! Hier iſt das Klo⸗ ſter der ehrwürdigen P. P. Capuziner.——— Hier?— Sie wollen mich täuſchen, Pater! Ich bin aber nicht ſo dumm, als ſie glauben, ob ich ſchon erſt kürzlich vom Lande kam. Die Capuziner haben ja braune Kutten. Abraham merkte, daß er mit einem leicht zu täuſchenden Landmädchen ſpreche, und ſagte zu dieſem: Weiß denn die Jungfer nicht, daß eine Prinzeſſin an unſerem Hofe geſtorben iſt, un deren Willen wir Capnziner in Trauerkleider ge⸗ hüllt ſind? Ja, wenn es ſo iſt, ſo muß ich die Pa⸗ —— — ,— —.— — ſtete wohl hier übergeben⸗ Mittlerweile wunderte ſich die andächtige Freundinn der Geiſtlichkeit ſehr, daß keiner von den Capuzinern, wie ſonſt, nach er⸗ haltenen Geſchenken, dankend erſcheine, und hörte ſpäter von einem derſelben, daß das Capuzinerklo⸗ ſter die Paſtete gar nicht erhalten habe. Die Magd wurde jetzt derb ausgefilzt, und brachte ſtatt der Entſchuldigung folgendes vor: Ihro Gnaden wollten mich zum Beſten haben, und ſagten mir nicht, daß die Capuziner wegen der verſtorbenen Prinzeſſin ſchwarze Kleider angezogen haben. Nach einer län⸗ geren Ausfrage vernahm die vornehme Dame, daß die Paſtete in die Hände der Auguſtiner, und zwar in die Hände des launigen P. Abraham gekom⸗ men ſey⸗ ——————— P. Abraham wurde, ſeines Geiſtes und ſeiner muntern Laune wegen, in den Cirkeln der Großen gern geſehen. Nun geſchah es, daß einer aus der alten wackern Familie der Trautmannsdorf in einem ſolchen Eirkel war, den Abraham mit ſeiner nie ver⸗ ſiegenden Laune belebte. Rach mehreren witzigen Einfällen unſeres Humoriſten kam es zu einem Wett⸗ ſtreite, bey welchem Abraham ſagte, daß er den Gra⸗ ſen Trautmannsdorf öffentlich auf der Kanzel einen Eſel heißen wollte, ohne das ſich dieſer beleidigt fin⸗ den würde. Topp! ruft Trautmannsdorf, die Wette gilt! Aber ich glaube immer P. Abraham wird der verlierende Theil ſeyn. Das wollen wir ſehen, er⸗ wiederte Abraham, und beſtimmté den Tag, an welchem der Graf den Titel eines Langohr erhalten ſollte. Die Kirche war mit Menſchen, und dem ganzen Cirkel, welcher der Wette beywohnte, ange⸗ füllt. Die Predigt beginnt, und plötzlich heißt es in dieſer, daß eine Dorfgemeinde einen ungeſchickten Pater Abraham. U. 3 ——— —— .*.— —— ——— Baucr zum Schulzen gewählt habe. Und dem Eſel, ruft jetzt P. Abraham aus, traut man's Dorf an. Die Wette war gewonnen, und Graf Trautmannsdorf der verlierende Theil. Eine Magd wurde von ihrer Dame geſchickt⸗ um an der Pforte des Wiener Auguſtinerkloſters zu fragen, ob Pater Fabelhanns(ſo nannte P. Abraham der Haufen) auf den künftigen Sonntag predigen würde? Von ungefähr geſchah es, daß Abraham ungekannt eben an der Pforte ſtand, und in dem obigen Ausdrucke gefragt wurde. Sage Sie, meine Liebe, ihrer gnädigen Frau, erwiederte der aufgebrachte Abraham, ziemlich derb, daß der P. Fabelhanns den künftigen Sonntag ſicher über alle Metzen predigen wird, wozu auch ihre gnädige Frau hoöflichſt eingeladen iſt⸗ Ehem äznner nach den Sternbildern beur⸗ . theilet. Es gibt viele gute Sterne am Firmamente; einen derſelben nennt mann den Waſſermann, wenn die Männer ſich im Trinken mäßigen, und nicht ſtets nach dem Octoberſaft ſtreben. Pon dieſem Weine kommt den Weibern das Weinen. Einen andern Stern hat man den Adler genannt; dieſer Stern bewegt ſich ſtets, hat keine Ruhe: Noch iſt ein Stern⸗ bild, das den Nahmen der Brüder Caſtor und Pol⸗ lux führt, das ſo genannte Zwillingsgeſtirn. Dieß leitet die Schiffenden auf der See; bringt Freude und Hoffnung, ſo oft es ſich ſehen läßt; bedeutet es Windſiille, wenn die Ehemänner das Poltern und Donnern bey Seite laſſen und ſanfter Art ſind; wenn ſie nicht mit Flaſche und Krügen aufziehen; denn es iſt gar übel aus dieſen Flaſchen(Maulſchel⸗ . ——— ———— ⸗ ten) zu trinkenz es ſchwellen den Leuten, die ſolche empfangen, die Backen auf⸗ Anekdoke⸗ Der Herzog von Mayland: Giovanni Galleazö Visconti, hatte an einem Tage ein neues Kleid an⸗ gezogen, an dem et ſeinem Wanſt wacker fröhnte, und war in der Meinung, der Schneider habe es ihm zu enge gemacht. Im Zorn ließ er den Schnei⸗ der kommen, und filzte ihn ſo aus: Möchteſt du mich vielleicht, du dummer Menſch, in einen Sack ſchlagen! Muß mir denn das Kleid ſo enge ſitzen⸗ wie die Reife um das Faß? Der Meiſter Schneider, der wohl merkte, wo es fehle, ſagte zu dem Her⸗ zoge: Gedulden ſich Euere Durchlaucht bis Morgen fruͤhe, und ich will ſchon helfen. Er ſprichts, trägt das Kleid nach Hauſe, legt es auf den Tiſch, und läßt es liegen. Die Nacht hindurch verdaute ber herzogliche Magen, und der herzogliche Bauch ſiel fo zuſammen, daß, als der Schneider das Kleid den andern Tag brachte, ſelbes dem Galleazo Vis⸗ conti recht ſaß. Der Menſch⸗ Der Menſch iſt ein Madenſack, ein Deſert der Würmer, ein Behälter alles Unraths, ein April ein Februar der Narrheit, ein Verwandter des Gim⸗ pels in der Luft, des Eſels auf der Erde, des Stock⸗ fiſches im Waſſer, eine Copie des Stolzes, ein Hriginal der Thorheit, ein Abriß der Schwachheit, eine Kloake, ein Garten voll Diſteln, eine Roſe voll Dörner, eine Küche voll Rauch, ein Haus voll Winkel, ein Kalender voll trüben Wetters, und ein Buch voll Druckfehler. 3* — 36— P. Abraham wiltals D. medieinae re⸗ ſpektirt werden. Vielgeliebte Zuhörer, ich bitte es mir nicht als einen Hochmuth anzurechnen, wenn ich verlange, daß Sie mich heute ein wenig reſpektiren, und zwar um ſo mehr, als jeder nach Stand und Würde re⸗ ſpektirt werden will.— Ich erſuche, mich in Zu⸗ kunft nicht Herr Pater, ſondern Euere Exzellenz zu tituliren; denn Sie ſollen wiſſen, daß ich Doctor der Arzneykunde bin; ich bin Doctor bey St. Ste⸗ phan geworden, wo gewöhnlich alle Poctores fey⸗ erlich inaugurirt werden. Ich vermehre die Zahl der zahlloſen Doctoren in Wien, wo es, ich möchte nicht gern um einen Achtring Tyroler Wein wetten, mehr Doctoren der Mediein gibt, als Dachziegeln auf der Stephanskirche. Das Neue wird gelliebt. Lieber traͤgt man neue Hoſen; Lieber riecht man neue Roſen; Beſſer ſchreibt die neue Feder; Beſſer fangen neue Koͤder; Beſſer gehen neue Raͤder; Lieber hat man neues Leder; Beſſer kehren neue Beſen; Beſſer gefallen neue Weſen. Schnurre. Unweit des Marktes Lauffen in Oberſteyermark ſaßen in einem Dorfe viele Bauern in einer Bier⸗ ſchenke, welche, ihrer Gewohnheit nach über den Ackerbau ſprachen. Einer unter ihnen, ein ver⸗ ſchmitzter Geſelle, aus Oberöſterreich hielt dafür, daß das gegenwärtige Jahr nicht ſehr fruchtbar ſeyn 7 ——————————— — 3— würde, weil es ſo viel Nebel gebe. Dafür können wir nicht, antworteten die übrigen Bauern, ſon⸗ dern der Himmel iſt Schuld daran. Ja wohl, ſprach jetzt der Oberöſterreicher, aber ich weiß ein Mittel⸗ den Nebel zu vertreiben, wenn man mich anders dafür belohnt. Die Bauern ſagten ihm voll Freude, auf der Stelle eine Belohnung zu. Mittlerweile fiel kein Nebel ein, und die Bauern kamen in der nähmliche Bierſchenke zuſammen, wo ſie wacker in die Bierkrüge guckten. Als fie nun ganz berauſcht waren, und der Tabackdampf das Zimmer verdun⸗ kelte, trat in den Qualm von Rauch der Oeſter⸗ reicher auch in die Schenke, auf den die Bauern gleich losſtürmten, und ihn an ſein Verſprechen er⸗ innerten, daß er nähmlich den Nebel vertreiben möchte. Herzlich gern, antwortete er, ich muß mich nur um mein geweihtes Holz umſehen. Bald er⸗ ſchien er auch mit einem tüchtigen Prügel, und ſchlug in der Stube kreuzweiſe herum, daß den Trunken⸗ bolden die Pfeifen im Munde zertrümmerten, weß⸗ wegen einige nach der Thür ſahen, die ſchon offen ſtand. Der ſogenannte geweihte Prügel hatte auch den Fenſterſcheiben derb zugeſetzt wodurch ſich der Rauch gänzlich verlor, aber zum Schaden des Wir⸗ thes, der ſich darüber ſehr beſchwerte. Es iſt etwas ſehr gewöhnliches, ſprach jetzt der Heſterreicher, daß die Schloſſen fallen, wenn der NRebel in die Höhe ſteigt. Ein Schock Phantaſten in einem Kaſten⸗ Die Sperlinge in der Luft ſehen einander gleich, ſo wie die Karpfen im Waſſer, und die Haſen auf Erden; aber die Narren ſehen einander nicht gleich; denn unter ihnen iſt ein ſehr großer Unterſchied, weil allerley Narren gefunden werden; große Narren⸗ * * kleine Rarren, mittelmäßige Narren, vorne hme Narren, ſchlechte Narren, ſubtile Narren, alte Parren, junge Narren, luſtige Narren, kühle Narren, wilde Narren, beſtändige Narren, ge⸗ duldige Narren, wankelmüthige Narren, ölge⸗ tränkte Narren; Gewiß iſt es, daß die Welt ſehr mit Narren angefüllt iſt; es iſt keine Stadt, kein Flecken, kein Dorf, wo nicht Leute dieſes Gelichters gefunden werden. Anekdoten. Ein Koch hatte einſt eine Speiſe verdorben, und durfte ſie nicht auftragen. Ein Schalk, der die Verlegenheit des Koches ſah, ſprach zu ihm: Hebe die Speiſen bis morgen auf, und gib ſie dann deinem Herrn, wenn er hungerig iſt; ich wette, er ißt ſie, wäre ſie auch mit Schuhnägeln gewürzt. Der Hunger iſt die beſte Würze, die Speiſe mag auch noch ſo verbrennt ſeyn, noch ſo räucheln. Ein Mann kam zun. Landvogt, den er fragte, wie viel er zu zahlen habe, wenn er einem eine Maulſchelle gebe, beſonders, wenn er ſich dadurch rächen wollte. Nach dem Geſetze, das beſteht, darfſt du nicht mehr als fünf Batzen zahlen, da kannſt du ſchlagen, ſo viel du willſt, wenn nur der Ge⸗ ſchlagene keinen all zu merklichen Schaden hat, Iſt dieß wahr? ſagte der Bauer, ſo darf ich ſchlagen, wen ich will? Er zählet ſogleich die fünf Baßen auf den Tiſch, und gibt dem Landvogt eine Maul⸗ ſchelle, daß er zuſammenſtürzt. W W Das Weib. Ein adeliges Weib wird in der lateiniſchen Spra⸗ che des Mittelalters gewöhnlich eine Pama genannt, was auf Deutſch eine Gemſe heißt. Was für ein Geſchöpf ſteigt höher als dieſes Thier? Wer will immer höher ſeyn, als ein Weib? Der Satan hat ihnen uuten und oben, bey den Füßen und bey dem Kopfe etwas zuſetzen müſſen, damit ſie höher ſind: bey den Füßen, die hohen Abſätze, beym Kopfe die hohen Hauben⸗ Der Eheſtand. Wenn euch die Zähne nach dem Eheſtand wäſ⸗ ſern, ſo legt zuvor alles wohl anf die Wagſchaale, fahret uicht gar zu gäh in den Haferbrey, damit ihr euch nicht den Muud verbrennt, erwäget fein reif⸗ lich alle Umſtände, alle Eigenſchaften und Neigun⸗ gen jener Perſonen, mit welchen ihr euch verbinden wollet.——— Da gehet eine mit gekrauſten Haar⸗ locken, worin ſechshundert Klafter ſeidene Bänder eingeflochten ſind, daß man einen halben Tag braucht, um ſie abzuhaſpeln. Dort geht eine andere, welche ſchon drei Tage ihr Geſicht in Eſelsmilch beizte, und auf ihren Wangen Roſenſtauden ohne Knoſpen pflauzet. Wie gefällt dir dieſe? Dort ſteht eine, welche ihre Lenden zuſammenpreßte, daß ſie beynahe der Odem verläßt; ſie iſt wenigſtens ganz ſchlank, wenn nicht ganz rein Behagt die dieſe? Siehſt du jene dort, deren Rücken von der Natur ein bischen beſchimpft wurde, und deren eine Seite ſich mühſam empor hebt?— Doch dieſe Mängel decken einige tauſend Dukaten. Wie gefällt dir dieſe? Hier er⸗ ſcheint eine, deren Geſicht die Blattern zu einem Mi⸗ gniatur⸗Bilde umſchaffen; allein ihr Vermögen iſt groß, und ſie hat viele Tauſende zu erben. Da hin⸗ ter uns ſteht eine, die einen kurzen, und einen lan⸗ gen Fuß hat, deßwegen ein bischen hinkt; doch das thut nichts, ſie hat Geld über Geld. nichtaltes was glänzt, iß Gold. Waos hilft es, einen gekrausten Kopf haben, der mit Stroh ausgefüttert iſt; was nützt ein ſchöner goldener Becher, wenn nichts als ſchlechtes Stein⸗ bier aus Kärnthen darin iſt; was nützt es, ein Paar wohlriechende römiſche Handſchuhe tragen⸗ wenn die Hände unſauber ſind. Kinder, die ſich ihrer Aeltern ſchämen. Es geſchieht ſehr oft, daß Einer durch der Ael⸗ tern Schweiß auf der Schulbank den Doktorhut er⸗ haſcht; ſich bald in Sammet, bald in Atlas einhüllt, das Wamms mi Flügeln behängt, den Kopf unter eine ſtruppichte Perücke ſteckt, wie eine dreijährige Eule herausguckt, und ſich nachher ſchämt mit ſeinem Pater, der etwa Rüben auf den Markt führte, zu reden. Jeder Stand hat ſeine Laſt. Es gibt kein Haus ohne Wokel, kein Weinfaß ohne Hefen, keinen Garten ohne Reſſel, keinen Gar⸗ ten ohne wurmſtichige Frucht, keinen Weizen ohne Unkraut, keine Roten ohne Dörner, keine Meſſe (Jahrmarkt) ohne Diebe, keinen Himmel ohne Wol⸗ ten, keinen Fiſchteich ohne Kröten, kein Handwerk ohne Stümper, keine Scheune ohne Stroh, alſo auch keinen Stand ohne Beſchwerden⸗ Ideale. Eine ächte Jungfer ſoll und muß ſeyn, wie eine Orgel; ſo bald dieſe nur ein bischen berührt 3 — 8 ———————— —— wird, ſchreit ſie; eine Jungfer muß ſeyn, wie ein Palmeſel, der ſich im Jahre nur ein Mahl ſehen läßt, wie eine Suppe aus dem Hoſpitale, die nicht viel Augen hat; und wie eine Nachteule, die das Ta⸗ geslicht ſcheut; wie ein Spiegel, der wenn man ihn anhaucht, gleich ein finſteres Geſicht macht. Lurus. Seine Geſtreng, der wohledle Herr Jonas Is⸗ friedus Damf von Dampfenek und Dampfenthal⸗ haben ein Officium, vulgo einen ſtattlichen Dienſt. Dieſer trägt ihm jährlich 400 Gulden. Seine Frau Gemahlin kleidet ſich, als wäre ſie eine abkopirte Cleopatra. Sie hat faſt alle Monathe ein neues Mo⸗ dekleid; der Rock muß von geblumten Brokat und — mit goldenen Kanten rund herum garnirt ſeyn; die Haube muß künſtlich und koſtbar durchbrochen ſeyn. Alles iſt reich an ihr außer dem Halſe, der nackt und bloß iſt; alles iſt mit Bändern umwunden und ver⸗ A vunden, nur das Gewiſſen iſt frey. Ihre Hand⸗Fuß⸗ A ſchuhe, wenn ich mich ſo ausdrucken darf, werden mit jedem Reum onde gewechſelt. Die vierhundert Gul⸗ den reichen für die Kleider dieſer Dame allein nicht hin; ſie braucht des Jahres hindurch mehr als tauſend Tha⸗ ler. Die Beſoldung beſteht, wie geſagt, aus vierhun⸗ dert Gulden, das übrige machen die aceidentia, beſſer occidentia aus. Er, der Herr Gemahl hat treffliche Smiralia, vulgo Diabolia; mit einem Wort, er ſtiehlt, um die Kleiderpracht ſeiner Frau zu unterſtützen. Wundert euch nicht. Mancher ſagt: Der dort vor uns geht, iſt mei⸗ nen Vater oft um eine Suppe angegangen, dann iſt er ſpäter in unſerm Orte Präceptor geworden, wo er eine Wittwe heirathete, die ihm zu einem Amte — —————— N kalf; denn das dona und Donna vermag viel. Jetzt iſt er Buchhalter, und hat in einem Jahre dreitau⸗ ſend Gulden auf die Seite gelegt. Dieſer kennt mich nicht mehr, aber ich ihn deſto beſſer; ſein Vater war ein Nadelmacher; ſeine Mut⸗ ter ein hübſches Weib, eine Wäſchers⸗Tochter. Mit dieſem gings bergan; er hat Equipage. Sein Dienſt trägt hm dernſahlen Tauſende, ohne Accidenzien. Er hat in einem Jahre viel proſperirt. Der dort denkt nicht mehr, wer er war; als er nach Wien kam, kehrte er in der Kärnthnerſtraße zum Eſel in der Wiege ein. Studiert hat er nie⸗ Nur damahl fand man Wiſſenſchaft bey ihm, wann er dem Junker die Bücher in die Schule nachtrug. Sein Herr half ihm nachmahls zu einem Dienſt, der nur hundert Gulden trägt, aber deſſen Accidenzien deſto größer ſeyn müſſen, weil er binnen ſechs Jah⸗ en zwei ſchöne Häuſer bauen ließ. 3 Dieſer ſchreitet einher, als wollte er dem baby⸗ loniſchen Thurme den Kopf aufſetzen. Er dehnt ſich, und breitet ſich wie ein neues Paar Schweizer⸗Hoſen aus. Ich weiß noch recht gut, wie er noch des Bet⸗ telvogts Koſtgänger war; ſein Mantel hatte mehr Löcher, als ein Sieb. Jetzt prangt er, wie ein Pfau. Er hat leicht zu reden; ſein Dienſt trägt ihm viel; auch hat er ſeit ſeiner Verwaltung ein hübſches Sümmchen proſperirt— Ungefähr eilftauſend Gul⸗ den. Was wird er erſt erheurathen! Warnung vor Verläumdern. Ein weiſer Mann ſagt irgendwo in ſeinen Wer⸗ ken: Verzäune deine Ohren mit Dornem —————— — und hbre nicht, was eine böſe Zunge re⸗ det; mache Thüren und Schlöſſer an dei⸗ nen Mund, und an deine Ohren. Er be⸗ fiehlt, daß man den Zaun nicht aus Blumen, als Roſen und dergleichen, ſondern aus Diſteln und Dornen machen ſoll, wenn wie anders dem Verläum⸗ der den Weg verſperren wollen. Die Zäune ſind darum da, um die Aecker gegen wilde Thiere, und Gärten gegen Diebe zu ſchützen; die Dornen, um die Ohren gegen die Verläumder zu ſchützen, die nicht beſſer abgehalten werden können, als wenn man ihnen ein ernſthaftes Geſicht entgegen ſtellt. Sollte man aber dieß aus erheblichen Gründen nicht thun können, ſo thut man ſich von einer Geſellſchaft, wo verläumdet wird, entfernen, und zu anſtändigeren Geſprächen übergehen, denn ſo wie man einem wüthen⸗ den Stiere entweder einen Mantel oder eine Decke uber den Nacken wirft, um ihm deſto beſſer zu ent⸗ gehen, und ihm mitſich ſelbſt zu ſchaffen zu geben, ſo müſſen wir zur Ehrenrettung desjenigen, der ver⸗ läumdet wird, die Aufmerkſamkeit auf andere Ge⸗ genſtände lenken. Die Schwalbe und die Schwäne. Eine Fabel. Die Schwalben warfen einſt den Schwänen vor, daß ſie, entfernt von Menſchen im Waſſer und an ſtillen Orten ſich aufhielten, indeß ſie,(die Schwalben) ſich unter den Leuten in den Städten, Schloſſern, Slecken und Dörfern befänden, dort Reſter bauten, und Menſchen mit ihrem lieblichen Geſang erfreuten. O ihr armſeligen Vögel, wie eitel und nichtswürdig ſeyd ihr, daß ihr auf eueren Geſong pocht. Wir ſingen nur ſelten, aber deſto lieblicher. Euer Geſchwätz iſt allen Menſchen läſtig. Der kleine Schelm. Ein Reiſender, der von der großen Sonnenhitze ſehr müde und matt wurde, legte ſich unter einen Baum, und ſchlief ein. Ein Knabe, der indeſſen auf dieſem Baume, eines Vogelneſtes wegen, herum kletterte, verlor einen Schuh, der dem Schlafenden auf die Maſe fiel, worüber dieſer erwachte und ſich herum ſah, wer ihm dieſen Streich geſpielt habe. Als er den Knaben erblickte, rief er: Was machſt du Schelm da oben? Ich pflücke Schuhe, antwortete der loſe Knabe.— Trägt denn dieſer Baum Schuhe? ſprach jetzt der Reiſende.— Freylich, erwiederte der Knabe. — Sind ſie aber ſchon reif?—— Ueberreif, dat⸗ um fallen ſie ſchon ab. Nu, dachte der Reiſendé, da könnte man auf die leichteſte Art zu Schuhen kom⸗ men, ohne einen Pfennig Geld auszugeben, und ſteigt auf den Baum, von dem der Knabe auf der andern Seite herabſtieg. Nachdem der Reiſende lange hin und her geſehen hatte, ſo ſchrie er: Ich ſehe nichts, ich finde nichts. So trägt denn der Baum keine Schuhe? rief der Knabe jetzt. Nein, antwor⸗ tete der Reiſende.— Nun ſo trägt er doch Narren, war das Erſteren Antwort, der vor Lachen ſchier berſten wollte. Die gute Entſchuldiguung. Ein Bote ging einſt mit ſeiner Hellebarde durch ein Dorf, wo ihn ein böſer Hund aufiel, den er aber zu Boden ſtreckte. Der Herr des Hundes wollte ſchadlos gehalten werden, und forderte eine anſehn⸗ liche Summe, weil, wie er vorgab, der Hund ſehr treu und wachſam geweſen ſey. Der Bote ent⸗ ſchuldigte ſich, daß er den Hund nicht aus Muth⸗ willen, ſondern weil er ihn anfiel, nach einer län⸗ geren Vertheidigung getödet habe. Die Sache kam vor den Richter, der dem Boten ſagte, daß er die Hellebarde umwenden, und dem Hunde nicht die Spitze hätte vorhalten ſollen. Ja, antwortete der Bote, wenn mir der Hund anſtatt der Zähne den Schwanz gewieſen hätte. Der Richter, welcher über dieſen Einfall herzlich lachen mußte, ſprach den Bo⸗ ten von aller Zahlung frey. Der Supplicant am Hofe. Ein Mann, der ſich lange an einem fürſtlichen Hofe aufhielt, um ein Amt zu erhalten, wurde immer auf die Antwort abgefertigt, daß er ſich ge⸗ dulden ſollte; der Fürſt bliebe ihm übrigens in Gna⸗ den gewogen. Nach einer geraumen Zeit nahm der Suplicant, welcher ein Edelmann war, eine Katze, ſperrte ſie in eine Kiſte, bohrte aber zugleich einige Löcher in den Deckel derſelben, damit ſie Luft habe, So oft nun dieſe Katze vor Hunger ſchrie, rief er ſo lange: Ich bleibe dir in Gnaden gewogen, liebes Kätzchen, bis die Katze krepirte. Mittlerweile mel⸗ dete ſich der Edelmann wieder einige Mal bey dem Fürſten, und bekam die nähmliche Antwort——— Von dieſer Antwort, ſagte jetzt der Edelmann, krepirte meine Katze. Nach einer Erläuterung, die der Fürſt erhielt, mußte er herzlich lachen, und der Edelmann erhielt die verlangte Stelle. Der Eſel. Ich hochgeehrtes Thier kann auch nicht länger ſchweigen, Ich muß vom eigenen Lob, weil andere ſwei zeugen. Wenn mich der Buckel juckt, ſo werd ich ein Prophet⸗ Und ſchrey, was nicht ſo gut in dem Calender ſteht. ——————— — — Viel' konnen nicht, als nur durch meine Milch geneſen, Viel' binden meine Haut, wie duͤnne Bücher ein, Daraus ſie, was ſie nicht vergeſſen wollten, leſen. Kann wohl die Rechenſchul' ohn' meine Dienſte ſeyn? Hab' ich nun ſo viel Lob? wer ſchaͤtzt ſich dann verletzt, Wenn ihm mein Nahme wird im Titel beyge⸗ ſetzt?——— Der gehoͤrnte Ehemann⸗ Ein Mann, der, wie man zu ſagen pflegt⸗ ſeiner Gemahlinn viel durch die Finger ſah, kaufte an einem Jahrmarkte ein Lamm, das ſchon ziemlich große Hörner hatte, und ſchickte es durch einen ſei⸗ ner Diener nach Hauſe. Kaum hatte die liebe Ehe⸗ hälfte das Thier erblickt, als ſie ſchon ausrief: Mein Mann iſt doch ein guter Narr, er kauft, was ihm ähnlich ſieht⸗ S ch wan k. Eine abgerichtete Aelſter konnte viel plaudern, unter andern auch die Worte: Der Wein iſt um ſechs Kreuzer. Als nun einige in die Schenke, wo die Aelſter war, kamen und tranken, und zu⸗ letzt nicht mehr als ſechs Kreuzer für die Maaß be⸗ zahlen wollten, entſtand zwiſchen ihnen, und dem Kellerburſchen ein Zank. Die Gäſte behaupteten, es hätte Jemand vom Fenſter den Wein um ſechs Kreuzer ausgerufen, und gaben durchaus nicht mehr, welches der armen Aelſter, auf die der Kellerbur⸗ ſche verfallen mußte, viel Nachtheil zuzog; man warf ſie in den Koth— Hier traf ſie ein grunzendes Schwein, und tief: Du haſt gewiß auch den Wein unrecht ausgerufen⸗ ——— ——————— Die Spinne und der Seidenwurm⸗ Eine Fabel. 4 Eine Spinne hatte einige Zeit wahrgenommen, daß der Seidenwurm ſo fleißig in Erzengung der Seide iſt. Du biſt ein ſeltſammer Narr, daß du Tag und Racht mit Erzeugung det Seide dich beſchäftigeſt, damit ſich andere Leute in ſie kleiden können. Dir Armen wird ein geringes Maulberblatt zur Speiſe gegeben; ich arbeite für mich, und ſtelle mein Netz aus, um für mich zu fangen. Du wirſt alſo, erwie⸗ derte die Seidenraupe, nichts für deinen Nächſten thun. Ackern die Ochſen nicht für andere, trägt das Schaf nicht die Wolle für andere? Und bringen die Baume nicht für andere Früchten? — Der Beamte. Von einem hinterliſtigen, und mit Fuchsbalg gefütterten Geſellen pflegt man zu ſagen: Er ſtelle ſich, als ob er nicht drey zählen könnte. Von einigen Beamten kann man mit Wahrheit ſagen, daß ſie nicht drey zählen können.————— Der gelehrte Spanier Sylveria, hält für ſehr gut, daß vey der Manna⸗Sammlung keine Beam⸗ ten geweſen wären; denn obgleich das Manna in Ueberfluß da war, ſo hätte es doch nicht hingereicht, wenn es in die Hände dieſer Herren gekommen wäre. . Sie füttern mit dem Piminutivo, und das Meiſte bey ihnen kommt in den abnehmend Mond⸗ Die Advocaten. Weil ſelten eine Wieſe ohne Maulwurfshau⸗ fen, ſelten eine Meſſe ohne Diebe, ſelten ein Wein ohne Hefen, ein Garten ohne Reſſel, ſelten ein Som⸗ 7— 48— mer ohne Mücken, ſelten ein großer Geldſchatz ohne große Münze, ſelten ein Buch ohne Eſelsohren n. ſ. w. iſt, ſo gibt es auch ſelten in einem Stande lauter tadelloſe Individuen. Einige ſind wie ein Wagen, der immer ge⸗ ſchmiert werden will. Wie eine Wiege, die hin und her geſchaufels Wie ein Hagel, der ſich nur dann einfindet, wenn es kühl wird⸗ Wie ein Hügel, der nichts anders iſt, als eine ſich ſtolz erhebende Erde. Wie ein Aal, der nur das truͤbe Waſſer liebt⸗ Wie ein Hehl, das allzeit oben ſchwimmen will. Wie ein Lachs, der die ſeltſamſten Sprünge macht., Die Soldaten. Es gibt Soldaten, die bloß den Nahmen füh⸗ ren. Mancher liegt die meiſte Zeit zu Wien beym Haſenwirth im Quartier, und der nächſte Fleiſcher muß ihn mit Herz verſehen. Mancher verſteht ſich beſſer auf die Paſteten, als auf die Baſteyen⸗ Man⸗ chen iſt die Schlafmütze lieber als der Helm, die Flöte lieber als die Flinte, Sabinchen lieber als der Säbel,. —,.—— * —— —— ———— ui— ene Soldaten ſind die beſten, vor der Feind zittert, nicht aber, vor denen die Kiſteh und Comoden zittern; denn obgleich die wenigſten von von ihnen ſtudirt haben, ſo wiſſen ſie doch in der Grammatik hauptſächlich die verba auferendi. Die Aerzte. Ein unerfahrner Arzt ſollte vielmehr Modieus als Medicus heißen. Ein ſolcher bekommt kein beſſe⸗ res Geſicht, als von Todten⸗Gräbern, bey denen er allein Gewicht hat. Die Patienten reden zwar nicht übel von ihm, weill er ihnen den Mund mit . Erde verſtopft. Der treuloſe Wolf. Eine Fabel. Ein Schaafhirth ertappte einſt einen Wolf im Stalle, und wollte ihm auf der Stelle tödten; allein der Erſtere bath und beſchwor den Hirten, er möchte ihm doch das Leben ſchenken, er verſpräche, daß er gar nicht mehr ſtehlen wolle. Meine Wölfin liegt zu Hauſe krank und verlaſſen, ruft er!—— Sollte mich ja der Hunger plagen, ſo will ich zum Mit⸗ tagmahle nur ſo viel verzehren, was ſieben Heller ausmacht. Auf dieſes Verſprechen läßt ihn der Hirt los. Allein nicht lange blieb er ſeinen Worten ge⸗ treu; denn kaum ſah er eiuen Widder, ſo fraß er ihn, und meinte er wäre nicht mehr als drey Heller 3½ werth. Das nähmliche Lvos traf den folgenden Tag eine Kuh mit ihrem Kalbe; der Kuh gab er einen Werth von vier und dem Kalbe einen von drey gemaßnunget an die Mädchen. Verſteht ihr wohl, was das Wörtchen Tauben heißt? Ihr ſollt ganz taub ſeyn, und nicht hören, Pater Rbraham R. 4 —— ,———— * was auf allen Plätzen vorüber geht; nicht hören, was an allen Orten Neues geſchieht; nicht hören, die glatten, verborgenen, verzuckerten, goldenen, ſüßen Worte eines oder des anderen Freyers; denn † ſolche Worte ſind nur Stricke, die euch fangen;. Pfeile, die euch verwunden; nur Wege, die euch ver⸗ führen; Diebe, die euch ſtehlen. Eheſtandsliedchen⸗ Sagt er ja, ſo ſag' ich nein. Will er aus, ſo will ich ein⸗ Will er dieß, ſo will ich das. Singt er Alt, ſo brumm ich Baß.⸗ Greift er zum Pruͤgel, ſo nehm' ich die Schluͤſſel. Wirft er mit Kruͤgen, ſo fecht ich mit der Schuͤſſel. 1 Macht er's zu grob, und ich bin zu ſchwach— So lauf ich davon, verberg' mich unter's Dach⸗ Zeig ihm den Ruͤcken und weiſ' ihm die Feigen. Muͤßt ich nicht laufen, ſo würd ich nicht ſchweigen⸗ Was paart ſich?— Roß und Wagen, Eheſtand und Plagen. Acker und Pflug, Waſſer und Krug. Durſtige Bruͤder, Zecher und Lieder. Dfen und Stuben, Rettig und Ruben. Kirchen und Pfaffen, Sind fuͤr einander erſchaffen⸗ Sie will glänzen. Daß ſie ihren Leib hart hehandelt, und denſel⸗ — ———— —„ ben compendiöſer Weiſe zuſammen zwang, iſt dar⸗ um geſchehen, damit ſie ganz ſchlank ausſehe, und etwa nicht mit einem böhmiſchen Hopfenſack ver⸗ † wandt ſey, ſondern die Dicke eines Zuckerhutes nicht überſteige. Daß ſie mäßig im Eſſen war, geſchah darum, damit ſie in keine unangenehme Fette ge⸗ rathe, und nachher einem geadelten Schmalzgefäße ähnlich ſey. Daß ſie ſich des Weins enthielt, iſt darum geſchehen, damit dadurch die allzugroße Rö⸗ the in den Wangen vermieden werde. Daß die Füße 3 in einen ſtrengen Orden traten, und die Zehen über⸗ einander gewickelt wurden, wie ein Alpfuß, geſchah darum, daß ihre Füße, ſo zart und klein, wie bey einer Bachſtelze werden. Daß ſie große Kälte und Froſt ausgeſtauden, iſt darum geſchehen, damit ihren ſchneeweißen orientaliſch⸗perlenfarbigen Hals alle ſehen und loben können. Daß ſie die halbe Nacht mit Waſchen zubrachte, geſchah darum, damit ſie dem papierenen Kampf des Karten⸗Pamphili bey⸗ wohnen könne. — — Die Ehe ans Convenienz. Herr Lorenz Schlaf, vorhin Student und Prä⸗ zeptor, hatte eine alte reiche Kaufmannswittwe zur Frau genommen, und lebte mit dieſer in der größten Einigkeit, wiewohl ſie den Alt ſang, und mit zittern⸗ dem Kopfe den Tackt gab; wiewohl ſie den Decem⸗ ber in Haaren und Jahren hatte; wiewohl ihr Ge⸗ ſicht voll Falten war; wiewohl ſie immer huſtete, wie ein beladener Krämer⸗Eſel. Er fang immer das placebo Dominae; wie ſie pfiff, ſo tanzte er; wie ſie zeichnete, ſo mahlte er; wie ſie buchſtabirte, ſo hat er geleſen. Zum Ja nickte er mit dem Kopfe; zum Nein ſchüttelte er denſelben; lachte ſie, ſo ſchmunzelte er; weinte ſie, ſo war er betrübt, wollte 4 —— ſie trinken, ſo ſchenkte er ein; wollte ſie ſpeiſen,* legte er vor. Beffoͤrderung eines Idioten. Ein Dummkopf erhielt ein Amt, und andere Verſtändige und Gelehrte zogen den Kärzeren. Um nun dieſe ungeſchickte Wahl dem König verſtehen zu geben, hatten ſie in dem Meßbuche in der ſoge⸗ nannte Collecte für den König zwey Buchſtaben ausgekratzt, weil ſie wußten, daß in einigen Tagen ein feyerliches Hochamt vor dem Könige gehalten werden würde. Das Gebet lautet: Da famulo tuo Regi(Schenke dem Könige, deinem Knechte u. ſ. w.) Man kratzte die Sylbe fa weg. Seine Hochwürden, die das Hochamt abſangen, hatten ſich in der latei⸗ niſchen Schule nicht ſehr den Kopf zerbrochen, ſan⸗ gen daher: Da mulo tuo Regi(Schenke dem S⸗ nige, deinem Mauleſel).— Luxus macht nicht beſſer. Eine mit Gold geſtickte Schabracke oder Decke macht das Pferd nicht beſſer. Es iſt wahr, daß ein Miſthaufen im Winter darum nicht mehr ſagen will, weil er mit Schnee bedeckt iſt. Es iſt wahr, daß ein Buch nicht höher zu ſchätzen ſey, weil es in Sammet eingebunden iſt, und einen Goldſchnitt hat; woraus erhellt, daß den Menſchen koſtbare Kleider nicht beſſer machen, wenn er ſich auch ſo ſehr 3 damit brüſtet. Die Saiten. Die meiſten Leuten gleichen den Saiten, und dieſe den Leuten. Sind die Sgiten nicht geſpannt, ſo haben ſie keine Stimme. *— Das Intereſſe. Die Gelbſucht iſt eine ſehr üble Krankheit, aber die Geldſucht iſt noch übler, und dieſe läßt ſich faſt nicht curiren, außer mit Münzkraut. Wir ärgern uns mit Unrecht über die Israeliten, daß ſie ein goldenes Kalb anbetheten; denn man verehrt ja ſo⸗ gar goldene Eſel. Dastraäge Weib. Eine Glocke, eine Nuß, ein Eſel und ein trä⸗ ges Weib thun nichts ungeſchlagen. Das geſchminkte Weib. Weib! deine Wangen prangen mit der Schminke, deine Schuhe ſind voll Geruch; deine Haare ſind Biſam⸗Waare; deine Handſchuhe, deine Hauben riechen, deine Glieder, dein Kopf, dein Band, dein Gewand ſind zur Zibethkatze geworden, und doch will dich Niemand beſitzen.——— Die Wen Die Welt iſt ein Schwanenleich, wo ſich eine große Menge von Leuten befindet, die verſchiedene Krankheiten uud Suchten haben. Unter ihnen ſind viele, welche an der Ehrſucht leiden; ein jeder will der Erſte ſeyn, und will den Vorgang haben. Hier⸗ an ſparen ſie weder Mühe noch Arbeit. Die wahren Freunde. Ein guter Bruder ſoll wie ein Ruder ſeyn; dieß braucht man meiſtens, wenn ein ungünſtiger Wind iſt. Ein guter Geſpan(Gefährte) ſoll ſeyn wie ein Spann, der zum Leuchten nöthig iſt, wenn die Dunkeiheit einbricht. Ein guter Kamerad ſollte „ 3 1 einem Rade gleichen welches bey üblen Wegen dauert. Der wahre Freund muß ſich in der Noth bewähren. Die alten Jungfraunen. Die alten Jungfrauen die gern noch heurathen möchten, berathſchlagen ſich mit dem Spiegel. Lange und oft beſehen ſie ſich in demſelben. Alle Mähler, alle Flecken, die ſie im Spiegel an ihrem altväteri⸗ ſchen Geſicht ſehen, ſelbſt die kleinſten, reiben ſie aus, wie einen Lehmfleck aus einer ſchmutzigen Bett⸗ decke. Das ganze Angeſicht, alle Kleider, alle Mie⸗ nen, jede Bewegung des Leibes ſtellen ſie ſich in dem Spiegel dar; auch der einfältigſte Menſch hält ſie für Närrinnen. Wollen ſie die Haare aus den Aug⸗ braunen reißen, ſo ſehen ſie in den Spiegel; wollen ſte ein Härchen ober der Lippe wegzupfen; ſo ſehen ſte in den Spiegel. Wollen ſie dem Venus⸗Blätter⸗ chen ein ſchwarzes Pfläſterchen auflegen, ſo ſehen ſie abermahl in den Spiegel; ſtehen ſie vom Schlafe auf, ſo wird in den Spiegel geguckt; ich glaube, die meiſten ſehen ſich noch vor dem letztem Hauche des Lebens in dem Spiegel.—— Die weiblichen Spiegel. Die alten Weiber und die jungen Affen, die in den Spiegel gaffen, werfen ihn weg, damit ſie nur nicht über ihr Geſicht klagen tärfen, welches ſo ſchön iſt, daß ſie ſich ſelbſt davor entſetzen, wie vor einem Geſpenſt. Sieh in einen Spiegel, Weib, VParro zeigt einen. Darin wirſt du ſehen deinen Kopf auf der Erde. Du biſt eine große Spiegelnärrin, in der Stube, Spiegel am Bette, Spiegel vor dem Buch, Spiegel in allen Winkeln⸗ * — . „— . — 55— Ueber fremde Sprachen. Eine deutſche Mutter läßt ihre Tochter die fron⸗ zöſiſche Sprache lernen, daß ſie unter den Deutſchen verſtumme. Muß ſie endlich doch ein deutſches Wort herauswürgen; ſo geht es ungeſchlagen nicht heraus, wie Bileams Eſel, welcher auf die empfangenen Streiche reden mußte. Fremde Sprachen haben fremde Sitten in's Land gebracht; gemeiniglich verrathen ſolche ihr Vater⸗ land, die ihre Matterſprache verläugnen. Ein Weib, welcher der Mann wichtige Geheimniſſe anvertraut, verräth ſie durch Correſpondenz dem Feinde, wenn ſie deſſen Sprache mehr als die eigene ſchätzt. Eine ſolche Perſon iſt freylich in dem Lande des Feindes eine Sclavin, wenn ſie in ihrem Paterlande eine Frau war Probatum est. Der Raubvogel und die RNachtigall. Eine Fabel. Ein Raubvogel ſtieß auf eine Nachtigall und ergriff ſie mit den Klauen. Das arme Thierchen bath um ihr Leben. Was willſt du mir geben, ſagte jetzt der Raubvogel, wenn ich dir das Leben ſchenke? Ich bin arm, antwortete die Nachtigall, kann dir gar nichts geben; allein ich will dich mit meinem Geſange ergötzen. Ho! ho! rief der Räuber, mein Bauch hat keine Ohren, und verſchlang die Sängerin. Der Pfau.⸗ Der Juno Vogel muß uns hier zur Lehre taugen, Er drehet in dem Schweif ſeine buntes Spiegel⸗Rad. Welch freches Farben⸗Spiel blickt aus den hundert Augen! — 56— Da glaͤnzt mehr Pracht, als ſonſt ein Regenbogen hat Doch wenn er Schwaͤrz' und Krätz' an ſeinem Fuß — erb ickt, So faͤllt der Schweif zuſamm, der Hochmuth wird 4 gebuͤckt Iſt Jemand, dem der Muth aufwallt vom hohen Adel, Den übermachtes Gut, den hochgebrachte Pracht, Den ſein erhabener Leib, ein Antlitz ohne Tadel, An Mienen hoch und ſtolz, im Geiſt einbildriſch macht? Der blick nur auf die Füß' die nach der Grube geh'n; Wos gilts? Er wird in ſich beſchämt demuthig ſteh'n⸗ Die Deutſchen⸗ Die Deutſchen ſind liebe und lobenswürdige Leute, und doch gibt es einige Nationen, welche wie die Fledermäuſe das Licht haſſen, und den deut⸗ ſchen Ruhm ſo zu verkleinern ſuchen; daß ſie uns nur deutſche Hunde nennen; vielleicht darum, weil wir ſie ſchon oft in die Füße gebiſſen haben. Unge⸗ achtet deſſen wäre zu wünſchen, daß nicht allein ein Jeder von uns dem Nahmen nach, ſondern auch in der That ein Hund wäre. Wie da? Warum? Wo⸗ her? Weßwegen? Dehwegen, daher, darum, weil ee Hund, wenn er verwundet wird, ſich mit der 33 Zunge heilet— Auch wir ſollen die Gebrechen des 3 Berzens mit der Zunge heilen, wir ſollen gut mochen, was die letztere verdarb. Die Verläumder. Ich laſſe die Fechter gute Leute ſeyn, aber die⸗ jenigen taugen nichts, die üͤber die Schnur hauen. Ich laſſe die Fiſcher gute Leute ſeyn, aber die taugen — — nichts, welche ſich mit faulen Fiſchen befaſſen. Ich laſſe die Kaufleute gute Leute ſeyn, allein die tau⸗ gen nichts, die mehr Waare als Wahrheit haben⸗ Ich laſſe die Drechsler gute Leute ſeyn, aber die taugen nichts, die Jemanden eine lange Naſe dre⸗ hen. Ich laſſe die Hutmacher gute Leute ſeyn, allein die taugen nichts, die unter dem Hute ſpielen. Ich laſſe die Bildhauer gute Leute ſeyn, allein die tau⸗ gen nichts, die einem nur das Maul machen. Ich kaſſe die Muſiker gute Leute ſeyn, allein die taugen nichts, die einen nur zu ſtimmen verlangen. Ich laſſe die Köche gute Lente ſeyn, allein die taugen nichts, die eiuem bey andern die Suppe verſalzen. Ich laſſe die Schloſſer gute Leute ſeyn, allein die taugen nichts, die einem in allem einen Riegel ſchlie⸗ ßen. Ich laſſe die Mahler gute Leute ſeyn, allein die taugen nichts, die einem etwas Blaues vor die Augen machen. Ich laſſe die Gärtner gute Leute ſeyn, aber die taugen nichts, die alle Schelmen⸗ ſtreiche zu verblümen wiſſen. Ich laſſe die Uhr⸗ macher gute Leute ſeyn, allein die taugen nichts, die lauter Unruhe machen. Ich laſſe die Wundärzte gute Leute ſeyn, allein die taugen nichts, die einem das Zugpflaſter an den Geldbeutel legen. Ich laſſe die Fuhrleute gute Menſchen ſeyn; allein die taugen nichts, die einen hinter das Licht führen. Ich laſſe endlich die Schneider gar gute und ehrliche Leute ſeyn, allein ſie taugen nichts, wenn ſie Ehrabſchnei⸗ der ſind. Die Modenarrinnen. Während man jetzt aller Orten nichts hört, als über ſchwere Zeiten klagen; ſo hat man doch Geld genug, ſolches auf Moden zu verwenden. Man andert oft ſieben Mahl in der Woche nur die Fnopf⸗ — 58— ſöcher, und wenn der Sonntag kömmt, ſo iſt das Kleid gleichwohl nicht nach der Mode gemacht. Bald trägt man einen kurzen Rock mit langen Aermeln, bald wieder einen langen mit kurzen Aermeln. Wie viele Kleider hängen nicht umſonſt in dem Kleider⸗ ſhrank, welche die gnädige Frau nicht anziehen will, weil ſie nicht nach der Mode ſind. Alle Kleider, die ſie hat, taugen nichts. Aber mit einem Kleide von Parterre⸗ Zeng geht ſie ſchwanger, und denkt immer daran, wie ſie ihren Herrn Gemahl überrede, daß er doch das rückſtändige Quartalgeld erhebe, um den Parterre⸗Zeug erhalten zu können. Eine ſagt zu ihrem Gemahl: Mein Schatz! Es iſt nur um dreißig Ellen zu thun(die Elle zu zehn Reichsthaler gerechnet) und ich habe ein Kleid. Der Zeug iſt zwar ſchmahl; gllein der Schneider weiß ſchon damit umzugehen. Wir haben ja gute Ein⸗ künfte, könnten leicht von den Intereſſen leben. Der zwanzigjährige Prozeß, der bey der Stelle liegt, wird ſchon wieder alles eintragen. Mit einem Worte, das Weib bedient ſich einer ganzen deutſchen Rheto⸗ rit, des Mannes Vorſatz, den er hatte, dem Weibe kein Kleid mehr machen zu laſſen, völlig über den Haufen zu werfen. Endlich läßt ſich der Mann über⸗ reden, ſchickt zur goldenen Sonne in das Kauf⸗ mannsgewölbe, und kauft der Frau den verlangten Zeug. Jetzt muß gleich der Schneider mit ein Du⸗ zend Geſellen auf der Werkſtatte ſeine flüchtigen Ca⸗ priolen machen. Man verſpricht Trunk und Trink⸗ gelder, und ſo bald der Manteau hinten mit ſeinen Sternenlappen fertig iſt, geht die Frau mit dem Modekleide in die Kirche, ſetzt ſich vorne an den gro⸗ ßen Stuhl unter die Damen, und breitet ſich aus, wie die Katze im Schub⸗Sacke. Es lachte ja faſt neulich die ganze Kirche, als die alte zahnloſe Ra⸗ gonda mit ihrem aufgeſtreiften Manteau an dem eiſernen Gitter hangen blieb, und ein ſo großes Loch darein riß, daß man einen großen Fleck von dem gepappten Sternpapier ſah. Mich deuchte, es müſſe erſt von dem Kartenmahler gekommen ſeyn; denp der Pamphilius ſtand noch ganz friſch darauf. Un⸗ geachtet deſſen muß alles nach der Mode ſeyn. Sieht denn dergleichen Moden eines ehrlichen Mannes Toch⸗ ter, ſo denkt ſie gleich: Tragt dieß des Herrn No⸗ tars oder Doctors N. N. Frau, ſo kann ich es auch tragen, und zwar um ſo mehr. Iſt doch mein Va⸗ ter dieſer und jener. Ich muß die Mutter bitten, daß ſie den Pater berede, damit er mir auch ein ſolches Kleid machen laſſe. Kaum kommt ein franzöſiſcher Brotwurm von Paris über das Croaten⸗Dörfchen mit Moden in Deutſchland an, ſo halten es ſchon die Damen für ein vollkommenes Muſter, wornach ſie ſich genau richten. Sie laſſen ganze Stücke Zeng zerſchneiden, bis endlich ein geflickter Rock oder eine geflickte Mantillie daraus wird. Wenn ſie denn des Morgens in einem ſolchen Modekleid erſcheint, ſo denkt ſich eine jede: Dieß Kleid möchte ich auch ha⸗ ben, und da man geſtern nur zwei oder drei in einem ſolchen Putze ſah, ſo waren den folgenden Tag ſchon alle Gaſſen mit franzöſiſchen Mod nar en davon voll, bis die Reihe auch an die gemeinen Weiber kam. Man kann jetzt die Magd nicht mehr von der Frau, den Diener nicht von dem Herrn, den Ge⸗ ſellen nicht von dem Meiſter und den Lehrling nicht von dem Geſellen unterſcheiden. So oft die Frau ſich einpudert, ſo pudert ſich die Magd auch. Wie oft werden nicht Bänder durch die Farbe gezogen⸗ welche die Frau in die Schuhen trug; das Stuben⸗ mädchen braucht ſie zur Haube. Ein braver Mann. hätte nemlich gewettet, als er den Herrn Leander in dem ſchönen Modekleid ſah, er ſey bey der Belage⸗ rung von Ryſſel Ober⸗Officier geweſen, wenn ihn nicht ein anderer verſichert hätte, er habe vor einem Jahre den Geſellen die Schuhe geputzt, und ſey erſt heuer von dem Kupferſchmids⸗Handwerk freygeſpro⸗ chen worden. Vom Jahre 1400 bis 1420 war eine außeror⸗ dentliche Kleiderpracht in Deutſchland. Man trug große ſilberne Faſſungen oder Bänder mit großen Glocken von zwanzig Mark ſchwer, die rheiniſchen Ketten von fünf bis ſechs Mark mit allerley köſtli⸗ chen Halsbändern, großen ſilbernen Gürteln, Span⸗ gen und derley. Als den Magnaten aber die Augen aufgingen, gaben ſie die Thorheit auf, und ließen all das Zeug verſchmelzen und Geld daraus münzen. Weiber und Mütter. David vergleicht ein Weib und eine Mutter mit einem Weinſtock; denn ein Weinſtock; trägt nicht lauter gute Trauben, ſondern auch zuweilen faule. Eine Mutter hat auch nicht immer lauter gute Kinder, ſondern auch zuweilen faule und ſchlimme. Snt lihe. Narren ſind in der Welt viele— die meiſten, welche keine ſeyn wollen. Haute ſind, aus denen kein gutes Leder zu hoffen: Trägheit, Geilheit, Vollheit. Leute die lieber nehmen als geben: Edelleute, Bettelleute, Kriegslente. Die größten Lügner ſind: Kalendermacher, Krämerweiber, krumme Bettler. Das allerſtärkſte in der Welt iſt der Wein⸗ das Weib und die Wahrheit. Zuſammen werden gemeiniglich getroffen: ge⸗ cher, Zangen, Zungenſchmiede. Los ſind, und ein Uebel, wenn dieſe auf uns loß gehen— ehrlos, gottlos, treulos⸗ Die Modeſucht. Wer heut zu Tage(in P. Abrahams Zeiten) den Unterſchied der Nationen in ihren Trachten und 3 Kleidermoden erkennen will, der verfüge ſich nur in das deutſche Reich, dort wird er die Affen der Natur ſehen, und die Modenarren des ganzen Erd⸗ dens. Was die Franzoſen, Spanier, Italiener, Osmanen, Ruſſen und andere entlegene Völker zur Bedeckung ihrer Blöße gebrauchen, daraus machen die Dentſchen eine ausbündige Mode; darum ſchicken ſie auch meiſtens ihre Jugend in weit entfernte Län⸗ der, welche aber nach einigen Jahren nichts als leere Plauderey, eine verſtümmelte franzöſiſche Verben⸗ gung, ein ausländiſches Kleid, und das oft ange⸗ ſteckt, eine Krankheit, welche die Franzoſen und Italiener ſich einander vorwerfen, mit bringen. Weß⸗ wegen billig unter den Gelehrten die Frage entſtand⸗ ob es der deutſchen Jugend zu reiſen nützlich ſey? Modenasrren. Damit die Modenarren in ihrem Neſte nur bra⸗ viren können, werden ganze Wälder, Felder, Wie⸗ 3 ſen, Aecker auf dem Kopfe und auf den Rücken ge⸗ tragen, und wofern man manche Fontangen mit Erlaubniß der Frau Prinzipalin zu Geld machen dürfte, ſo brauchte man gewiß eine ganze Wechſel⸗ ſtube, bis die Haarnadel, die Zitternadel, die Steck⸗ nadel, die Schleifen, die Knöpfe, Zöpfe, Schöpfe nach dem billigen Preiſe, ausgezahlt würden. Viele ausgemergelte Zaunſtöcke umhängen ſich oft mit einem ganzen Trödlerkram von Lappen; darin ſtehen ſie wie die Schraubſtöcke; und breiten ſich aus wie dicke Eſſigkrüge, wiewohl nichts als Haut und Kno⸗ chen darunter ſteckt, mit denen ſich nach dem Tode des Modenarren die Beindrechsler und Kammmacher bedienen und die muthwilligen Knaben Nüſſe ab⸗ werfen können. Manche Sekretaͤrin Bleibt gleichwohl die alte Raͤrrin; Der Monſieur Wohlgemuth Bleibt bey ſeinem hohen Hut; Der Rundimundius von ven ſchmahlen Brocken Trägt ſeine neuen Parocken; Die Frau Delatillie Prangt mit ihrer Mantillie, Sybilla der bucklichte Ranzen, Hängt um die gefälbelte Franzen; Die Magd beym Tiſch thut ſitzen In ihren Modeſpitzen; Hat alle Feyertag. Faſt ein neues Fuͤrtuch; Und mit dieſen thut ſie bethen und bitten Um einen Mann von goldenen Sitten. Serenaden. Hier ſind wir arme Rarren auf Plätzen und auf Gaſſen, Und thun die ganze Racht mit unſerer Muſik paſſen; ——— — 63— Es gibt uns keine Ruh, die ſtarke Liebes⸗Macht Wir ſtehen mit dem Bogen erfroren auf die Wacht, Sobald der helle Tag ſich nur beginnt zu neigen, Gleich ſtimmen wir dir Laut, die Harfe und die Geigen, Mit dieſer laufen wir zu manchem ſchoͤnen Haus, Und legen unſern Kram, Papier und Roten aus. Der Erſte gibt den Takt, der Andere blaͤßt die Flöte, Der Dritte ſchlaͤgt die Pauk', der Vierte die Trompete: Ein Anderer aber ſpielt Theorb und Galiſchan, Mit gar beſonderm Fleiß', ſo gut er immer kaun Und ſo lang pflegen wir in einem Eck zu hocken, Bis wir ein ſchoͤn Geſpenſt hin an das Fenſter locken; Da faͤngt man alsbald an vor der Geliebten Thuͤr Verliebte Arien mit Pauſen und Suspir; Iſt denn, daß durch die Wacht wir endlich weichen muſſen, So macht man ſtatt der Händ' die Laͤufe mit den Fuͤßen, Und alſo treiben wir's oft durch die lange Nacht, Daß ſelbſt die ganze Welt ob unſrer Narrheit lacht. Ach ſchoͤnſte Phitlis hoͤr' doch unſer Muſiciren, Und laß uns eine Racht in deinem Schooß Pauſiren!— ie i Heut zu Tage will faſt ein Jeder, ob ihm gleich die Pflaumen von dem Strohſack an der Perücke hän⸗ gen, ein Critiker ſeyn. Es kömmt kaum eine Schrift noch ganz naß aus der Preſſe, ſo ziehen ſolche die 3 critiſirenden Narren ſchon über ihre Hobelbank; eine einzige Zeile, ein ſchlechtes Strichelchen, ja das ge⸗ ringſte Pünetchen gibt ihnen Gelegenheit tauſend Injurien über den Auctor auszuſchütten. Einem ſchreibt man zu fkandalös, dem andern zu ſtichelhaft, dem dritten nicht gelehrt genug, dem vierten mal à Propos, dem fünften gar zu dunkel, dem ſechsten —— 6 gefällt die Schreibart nicht. Ueberhaupt iſt den eri⸗ tiſirenden Phantaſten und grillenfangenden Narren nichts vollkommen nach ihren Köpfen eingerichtet; ſie ziehen den Domat und den Prician bey der Naſe, wie die Philoſophen den Ariſtoteles, und da ſie von der Ausſtellung fremder Fehler eine rechte Profeſ⸗ ſion machen, ſind ſie nicht ein Mal im Stande die geringſte Schrift nachzuahmen, geſchweige ſie beſſer zu machen; darum ſindet man heut zu Tage bey den Buchhändlern ganze Gewölber voll Cenſoren, aber nichts weniger als Schriftſteller, wie bey großen Unglücksfällen viel Tröſter, aber wenig Helfer. Vielverſprechende Leute. Die meiſten verſprechen und ſprechen ſo: Sie befehlen mein Herr, und werden mich immer bereit finden. Klopfen Sie nur ohne Scheu an, wenn Sie etwas brauchen, wäre es auch um Mitternacht, in dem erſten Schlaf, ich verſpreche Ihnen immer treulich beyzuſtehen. Steht nun der gute Freund an etwas an, und kömmt an die Hausthüre, ſo iſt der Vielſprecher nicht zu Hauſe; die Frau befindet ſich nicht wohl, ſie kann nicht aus dem Bette, der größere Sohn iſt verreiſet; die Tochter aber, darf ohne dem Vorwiſſen ihrer Aeltern nichts thun, bittet daher, ſie für dermalen zu entſchuldigen. Kömmt der bedürftige Freund ein andermal wieder, ſo finoen ſich wieder andere Ausflüchten; bald ſchützet man Unmöglichkeit, bald ſchwere Zeiten, bald überhaäufte Ausgaben, bald andere Sachen vor. Der kluge RNarr. Es wurde einem Geldnarren unter einer großen Strafe, ja ſogar bey dem Verluſte ſeines Vermö⸗ gens, aufgetragen, daß er einen Eſel ſollte leſen und —————— — ſchreiben lehren. Der Geldnarr entſchuldigte ſich auf alle mögliche Weiſe, und ſagte: daß es ſogleich nicht ſeyn könnte. Einen Eſel gelehrt zu machen erforderte ſehr viel Zeit. Nur nach vielem Bitten wurde ihm eine Zeit von zehn Jahren eingeräumt, in welcher er den Eſel mußte leſen, und ſchreiben lehren. Seine Freunde lachten ihn aus, ſagten, daß er ein Narr ſey⸗ und den Eſel nicht ein Mal in zwanzig Jahren, geſchweige in zehn auch nur das Alphabet lehren würde. Seyd ohne Sorge, ant⸗ wortete der Geldnarr, unter dieſer Zeit werde ent⸗ weder ich, der Eſel, oder des Eſels Herr ſterben; und ſo behielt er ſein Geld in der Taſche. Eſel⸗ Die Eſel, und mit ihnen die Ignoranten, ſind nicht zu verachten.———————— Ein Ignorant gleicht einer ſchönen Scheide, welche mit köſtlichen Perlen und Edelſteinen geziert iſt, worin eine bleyerne Klinge oder ein Schwert ſteckt. Obſchon ein Ignorant übergoldet iſt mit Schönheit und Anſehnlichkeit des Leibes, mit Digni⸗ täten, Hoheiten und Aemter, ſo iſt er doch nichts anders als ein Stück Bley. Da nun ein bleyernes Schwert in einer ſo ſchönen Scheide ſteckt, halt man es für eine gute und koſtbare Wehre, und ſo longe ein ſolcher gravitätiſcher und anſehnkicher Ignorant ſchweigt, und nicht viel ſpricht, ſo wird er gleich⸗ ſam ſür geſcheidt, weiſe, gelehrt und erfahren ge⸗ halten; ſobald er aber den Mund aufthut, und zu reden anfängt; ſo ſieht man gleich, daß er ein Lang⸗ ohr iſt.— Ein alter Mann hatte einen Sohn, der war auch mit dieſer Krankheit behaftet. Um ihn zu heilen, führte ihn der Vater zu pen delphiſchen Pater Abraham K. — Hrakel, fragte dieſes, ob denn einige Hoffnung zur Genueſüng ſeines Sohnes wäre? Das Orakel gab zur Antwort: Weihe deinen Sohn dem Stillſchwei⸗ gen.— Obgleich dieſe Krankheit unheilbar iſt, ſo 3 tann ſie doch durch das Stillſchweigen diſſimulirt werden. Wer einen Ihnoranten zu Ehren kommen laßt, thut nicht mehr und nicht weniger, als daß er einen Stein in einen Steinhaufen legt. So wie der Stein, wenn er in die Hohe geworfen wird, mit Gewalt getrieben werden muß, ſo wird auch„ dem Ignoranten die Ehre oder das Amt mit Gewalt auferlegt. So wie der Stein, je höher er ſteigt, deſto höher wieder nieder fällt, und großen. Schaden thut, ſo iſt es auch mit dem Ignoranten; 1iie hoher ein Ignorant ſteigt, deſto tiefer fällt er. — Ein in die Hohe geworfener Stein beweiſet ſeine. natürliche Schwere, und ein zu Würden erhobener Ignorant gibt ein ſchlechtes Talent, und einen ge⸗ riagen Gehalt zu erkennen. Die Ignoranten ehren, mit Wurden uͤnd Aemter verſehen, und Steine zum Tempel des Merkurs hergeben, iſt einerley. Deun wenn man einem Ignoranten ein anſehnliches Amt. gibt, ſo thut man nichts anders, als daß man einem Götzen Altäre errichtet. Einige Ignoranten ahmen einen grimmigen Löwen nach. Gehen ſie auf der Gaſſe, werfen ſie ihre Blicke von einer Seite bis zur andern, ſetzen den Hut nach der Seite, die Hände in die Hüſten, machen ein ſaures Geſicht, gleichen dem Portrait des Satans. Die kleinen Fiſche. Was ſpielſt, was ſchnalzeſt du, was will dein Cirkel 66 drehen? Du ſiehſt aewiß die Flut fuͤr deine Feſtung an? Mein Fiſchlein trane nicht: Es iſt gar leicht Leſchehen, — ——————————— ——FHGꝗ%OÜÜY Daß ein verſtecktes Neis zum Kerker werden kann. Keunſt du die Angel nicht, die auf dem Waſſer ſpielt⸗ Dran mancher Fiſch die Luſt durch ſeinen Tod gekuhlt? Ach fliehe vor Betrug, und traue keiner Locke: Du langſt dem Koͤder nach, der Koͤder langt nach dir. Er fängt dich, den du ängſt, der ausgehenkte Brocke. Doch was lehr' ich die Fiſch'? Es ſind ja Leut g'ung hier. Ihr Menſchen lernet das: Wannn ihr die Liebe ſchmeckt, Der Tod hat Gift und Tod in ihre Luſt verſteckt. Schnurre. Ein altes, aber wohlhabendes Mütterchen hatte, mit Verſprechung eines nahmhaften Geldes, einen Arzt erſucht, er möchte ihr das Augenlicht, das ſehr ſchwach würde, wieder herſtellen. Der Arzt bediente ſich verſchiedener Mittel, aber nichts wollte helfen. Da ſich die Alte über die mißlungene Cur bey dem Arzte ſehr beklagte, ſagte dieſer ganz ver⸗ drießlich: Es ſey ganz recht, daß ſeine Mittel nicht helfen; er habe nie gehört, daß man einem alten baufälligen Hauſe neue Fenſter eingeſetzt habe. Auf die weitere Frage der Alten, warum ihr die Zähne o ausfallen? gab ihr der nämliche Arzt zur Antwort: Wundert ench nicht, Mütterchen! Euere Zunge ſtößt zu oft an die Zähne. Harmonie. Iſt der Mann voll, So iſt das Weib toll; Iſt der Mann im Wirthshaus, So dehi das Weib ins Schenkhaus; Trinkt der Mann bey der Anten(Aente) So ſpielt das Weib mit der Kanden;(Kanne) Schmaußt der Mann beym pflug, So ſitzt das Weib beym Krug; Geht der Mann zum rothen Freutz,* So folgt das Weib auch allerſeits; Iſt der Mann beym gruͤnen Kranz, Macht das Weib auf gleicher Schanz; Zehrt der Mann beym Stern, So iſt das Weib nicht fern; Gleiche Schaalen, gleiche Kern, Gleich und gleich geſellt ſich gern. Höde mich an, wie ich dir gefalle? Die Kunſt der Wirthe iſt, wohlfeil einkaufen, und das Gekaufte ſich theuer bezahlen laſſen. Ich gebe es ihnen umſonſt, ſie mögen es daher nur mit 5 geneigtem Willen annehmen. Die letzte Zeitung von Wahrburg meldet, daß unter den Wirthen viele Be⸗ trüger gefunden werden, welche billig von Jeder⸗ mann ein ſchlechtes Lob haben, weil ſie die Augen und Hände nicht auf Liebe, Ehre, Freundlichkeit und Bedürfniß der Gäſte gerichtet haben, ſondern bloß um dieſe zu ſtutzen, den Beutel zu leeren und dem Eigemnutz zu fröhnen. Es gilt keine Treue noch Glauben mehr unter ihnen, ſie ſcheuen ſih nicht, ſich in einem Tag gegen alle Menſchen zu verſchwö⸗ ren. Die grobe Höflichkeit, und ungefütterte Freund⸗ lichkeit iſt bey vielen zu verehren, beſonders das. eſſiaſauere Geſicht der Frau Wirthinn, die ſtockfiſch⸗ ähnliche Gravität des Herrn Wirthes, ſammt der tölpiſchen Holdſeligkeit des Hausknechts. Dieſes wäre noch zu ertragen; allein das Waſſer läuft zu viel in den Keller, und der Wein wird zu ſehr ge⸗ tauft; das Fleiſch wird in den Schöſſeln gewärmt,— weil man nicht will, daß es ſo oft durch die Hände der unreinlichen Köchinn gehe; die alten Braten, an denen Mäuſe und Ratzen ſchon nagten, werden aufs neue mit Speck geſpickt, und damit der Gaſt er⸗ quickt. Die Paſteten ſind mit abgeſtandenem Ge⸗ fnügel gefüllt; beym rothen Wildbret muß man die Naſe verhalten. In den Eyern ſieht man ſchon den Keim des Küchleins. Man kann wohl ſagen, wie jener Schwabe zu einem Tyroler„welcher auch in einer Schenke ein ſo verdorbenes Ey bekam: Stille, Iß zu! ſonſt mußt du das Junge auch bezahlen. Charakteriſtik. Ich habe ſelbſt eine Perſon gekannt,(vielleicht lebt ſie noch) deren Geſicht ſo zart, wie eine ge⸗ ſchabte Ochſenhaut, und deren Naſe ſo vollkommen und groß war, daß der Prieſter beym heil. Abend⸗ mahl einſt nicht ein mal den Mund finden konnte⸗ Die Zähne ſind ſo ſchneeweiß, wie die verfaulten Zaunſtöcke; die Stirn ſo glatt, wie eine ſchweitzeri⸗ ſche Bauernhoſe. Ob ſie gleich kaum zu eſſen hat, ſo trägt ſie ſich doch wie eine vom Adel. Dieſe vier⸗ zigjährige Schöne, hat ſich einen Spiegel für fünf und zwanzig Thaler gauſe„in welchem ſie ſich tätg⸗ lich beſieht. Der Reiche. Hier ſitzt der reiche Mann von Gold umſtreuet; Mehr liegt im Kaſten noch tief, ſchichtweis eingepreßt. Das mehrt er, wenn er's oft auf hoͤh're Zinſen leihet Sein Wucher kreiſet ſtets zu einem neuen Reſt. Und ſo läßt ihm das Gluͤck mit Schachern keinr Ruh⸗ Wer ohnedem viel hat, dem weiſt es mehr noch zu. Sag, Reicher, venn ich dich darf offenherzig fragen Ich weiß, daß Lazarus nicht einen Heller kriegt: 6— ————— — —— Wer kriegt, was du zuſamm, nach Hamſterart ge⸗ tragen, Wenn dein erſtarrter Leib im letzten Schweißtuch liest? Du ſprichſt: Ich weitz es nicht. Dein Wort legt an . den Tag, Daß Kopf und Geiſt an dir auch Midas Ohren trag' 2 S 3 Eine Dame, die in ihrem Schloßgarten luſt⸗ wandelte, ſah ihre Unterthanen den Frohndienſt ver⸗ richten, und ſagte zu ihnen, daß ſie mit Luſtarbeiten mochten, denn nach diefem Leben wurde es ganz anders gehen. Es könnte, antwortete eine unter den Bäuerinnen, wohl kommen, daß die armen Leute auch dort werden fröhnen müſſen. Wie ſo? fragte die Gräfinn. Die armen Leute werden dort Holz und Stroh zutragen müſſen, daß jene, welche die hier verachten, und plagen, deſto warmer ſitzen mögen. ebe die Gpiee. Ich bemerke bey keinem Spiele einen Gewinn oder Nutzen, wenn ich das Kartenſpiel ausnehme; denn in den Tournir und Ritterſpiel haben Manche ſo geſpielt, daß ſie das Pferd oder ein Glied vom Leibe verloren, und als Ritter zu Fuß nach Hauſe kamen, oder die Sporen im Kopfe herum trugen. Im Vexier⸗Spottſpiel gerieth man oft im Ernſt in Haruiſch. In dein Wärfelſpiel iſt nicht viel zu ge⸗ winnen, beſonders wenn man auf der Trommel ſein Leben verſpielt. Im Bretſpiel kann man auch wenig Chre einholen; denn Fürſten und Grafen werden zu Schuſter und Schneider. Im Sgitenſpiel möchte 3 71 c wohl eine Erquickung ſeyn; allein es bleibt oft beym beſten Tanz die Saite nicht ganz. Der Weintrinker. Einem dem Wein ergebenen Studenten wollte ein Arzt Gerſtenwaſſer zu trinken verordnen, und fragte ihn daher, ob er es trinken wollte. Von Herzen gern, war die Antwort, wenn es nach Wein riecht. Anek dote. Ein großer Trupp Reiter wollte in einem Porfe Quartier machen; die Bauern, die dieß verhüten wollten, machten auf die meiſten Häuſer ein ſchwar⸗ zes Kreutz, hingen allerley Lumpen von Bettgewand auf die Gaſſe, und gaben vor, daß in ihrem Dorfe die Peſt herrſche. die Soldaten, welche dieſe Nachricht vernahmen, flohen, ſo ſchnell ſie konnten, davon⸗ Die ueberſchwemmung.⸗ Wie, hat der Waſſergott den weiten Krug zerbrochen; Und riß der Heean ein Vorgeburg entzwey? Die Auen haben ſich tief unter's Meer verkrochen, Und ihnen treten nun ſchon Berg' und Baͤume bey⸗ Hier trinkt der arme Hirt nächſt ſeiner Heerd den Tod, Dort forſcht man nach dem Haus mit einem langen Loth. Hier ſchwimmt ein Dach von Stroh, dort hohe Tem⸗ pel Zinnen, Hier reißt der Wellen Fraft die Wall den Mauern ein. Die Städte ſind zur See, und Niemand lebt darinnen Die Fluth will einig Herr der Elemente ſeyn⸗ — ——— ———— ———— n ——————————— —— So geht's! Wenn Venus ſetzt die freche Glut in Blur, So denke nur: Es loͤſcht die Suͤndfluth ſolche Gluth⸗ Der leichtgläußige Bauer. Ein Aſtrolog hatte einem einfältigen Bauer vorhergeſagt, daß er aus dem Geſtirne wahrgenom⸗ men hätte, daß das Dorf, in dem der Bauer wohnte, durch eine Ueberſchwemmung ganz verſinken wuͤrde. Er rieth ihm, um dem Ungkücke zu entgehen, daß er einen Backtrog an den Gipfel ſeines Hauſes bin⸗ den, ein gutes Meſſer mit ſich nehmeu, und ſich darein legen ſollte. Er ſollte nun ſo lang ruhig blei⸗ ben, bis er ein großes Geſchrey oder Getümmel hö⸗ ren würde. So bald er dieß vernähme, ſollte er ſchnell den Strick abſchneiden, und ſich mit ſeinem Schiffchen retten. Der einfältige Tropf folgte dem Rathe des Sterndeuters, und blieb einige Rächte im Backtroge liegen. Mittlerweile entſtand durch „Unvorſichtigkeit ein Feuer und der Rarr im Back⸗ troge hörte Feuer! Feuer! ſchreien, welches ihn be⸗ wog, den Strick abzuſchneiden Der Strick war kaum ontzwey, als er ſchon herabburzelte, und derb ausgelacht wurde, 55 Das Ererdbeben. Die Quellen rinnen trub, die Maus flieht ihre Hoͤhle, Der Wolkenſtaub bedeckt der Sonne heitern Mund. Der Schwindel wirbeſt uns im oberen Schloß der Seele, Die Glocke brummt im Thurm, es zittert Dach und Grund. Wer ſo viel Kraft behält, entlaͤuft ins Feld der Roth, Indeſſen fällt die Stadt und ſchlägt ſich ſelb«s todt. — — Jedoch geſchiebt es oft, daß der ſchnell fliehen wollte In einen Erdenſpalt wie dorten Dathan ſintt. Daß einer lebendig tief in das Unt're rollte, Der drauf im Schwefelſee, den truͤben Leihe trinkt. Anekdoten aus P. Abrahams Leben. Das Auguſtinerkloſter in Wien hatte mehrere Ausgaben, die es nicht beſtreiten konnte, und kam dadurch in Verlegenheit, aus der es nur der erfin⸗ deriſche P. Abraham reißen konnte. Dieſer ging zu dem damals regierenden Monarchen, Leopold I. und hath wehmüthig um eine kleine Unterſtützung, der Kaiſer möchte nähmlich dem armen Kloſter nur eine kleine Fuhre Holz auszahlen laſſen. Gern willigte Leopold in dieß Begehren, und zwar um ſo mehr, als ſich Abraham in vieler Rückſicht verdient und angenehm gemacht hatte.— Kurz darauf er⸗ ſchien ein Wagen vor der kaiſerlichen Burg, der mit eingeſchnittenen Hölzern beladen war,(man gebraucht ſolche Hölzer in Heſterreich, um Schul⸗ den durch Einſchnitte aufzuzeichnen und nennt ſie Rabiſche) und P. Abraham folgte ihm nach, um ſie dem Kaiſer vor den Fenſtern zu zeigen. Der Mo⸗ narch, der die kleine Fuhre Holz ſah und nicht wußte, daß es Kerbhölzer waren, befahl, daß man ſie aus⸗ zahlen ſollte. Der Befehl wurde vollzogen, und der Monarch erfuhr erſt ſpäter, nicht ohne herzlich darüber zu lachen, wie fein Abraham ſein Kloſter aus der Verlegenheit geriſſen habe. Alle Schul⸗ den der Auguſtiner waren dadurch bezahlt. Das Schneiderhandwerk⸗ Das Schneiderhandwerk muß ein uraltes Hand⸗ werk ſeyn; denn ſchon der weiſe Salomo gedenkt dieſes Handwerks in ſeinen Schriften, da er ſchreibt: * ———————— rempus scindendi, tempus consuendi. Dieſe Regel beobachtet Niemand beſſer, als der Schneider; denn was iſt ſeine Arbeit anders als ſchneiden, trennen, flicken, ſticken, glätten, ſtechen, reißen, meſſen, wichſen, wenden, ziehen, zu Zeiten faulenzen, zu⸗ weilen wesſtipitzen. Ein ſchönes Handwerk; gibt wohlerfahrne Meiſter darin. Ueber den Frohndienſt. Zu Wien innerhalb der Donaubrücke iſt gar eine vornehme Mauth(Zoll), die wird genannt auf dem Thabor, wenn man dieß Wort zurückliest, ſo heißt es Robath(Frohdienſt). Was iſt dieß für ein Thier? O frage nur einen armen Unterthan auf dem Lande, der wird dir bald ſagen, was ein Frohn⸗ dienſt iſt. Am Montag muß der Unterthan der Herrſchaft ackern. Am Dinſttag muß er im Weingarten arbeiten. Am Mittwoche muß er in das Schloß Holz führen. Am Donnerstag muß er dreſchen, oder Stroh⸗ ſchneiden. Am Freitag muß er in dem Teich fiſchen, oder auf die Jagd gehen. m Sonnabend muß er ſechs Kreutzer zum Ge⸗ bäude geben. m Sonntage muß er als Bote herum kaufen tvxan. Iuæ IM uMeal lAc. . Dieß iſt der Frohndienſt. Jetzt mache Jemand aus den Tagen die Wochen, aus den Wochen die Monathe, aus den Mongthen das Jahr, ſo wird er wiſſen können, was die Bauern für Oſtern haben⸗ und wie oft ſie Haut und Knochen(es iſt ſonſt nichts mehr an ihnen) zu Markt tragen.——— Was nichts iſt. Reich und nicht ehrlich ſeyn; Gelobt werden und ehrlich ſeyn; Schoͤn und nicht ehrlich ſeyn. Wer wird auf dieß heut zu Tage ſehen. Da kämen die Reichen, Gelobten und Schönen übel an; ſie wären ja gerade nichts. Alexander dee Große. Es iſt ohnehin ſchon bekannt, daß da, wo große Herren ſind, ſich auch Schmeichler, Fuchsſchwänze, Ohrenkratzer, Maulmacher und Hammelſtreicher ein⸗ finden. Mehrere dieſes Gelichters waren am Hofe Alexanders des Großen. Dieſe ſagen, der König wäre nicht Olimpias leiblicher Sohn, ſondern der Sohu des Donnerers. Um ſeine Mutter zu ſcho⸗ nen, gab auf dieſe tolle Schmeicheley Alexander gar keine Antwort; allein als er in einer großen Schracht ſchwer verwundet wurde, und ſah, daß das Blut ſo häufig aus ſeinem Körper rann, lachte er laut auf, und ſagte: Alle ſagen, ich wäre ein Sohn des Donnerers und dieſe Wunde ſpricht für meine Sterblichkeit, welches mich meiner Mutter wegen um ſo mehr freut. Die planeten. Man ſagt, und es iſt wahr, daß die Plane⸗ ten wie die Poeten ſind. Ihre Einflüſſe ſind leere Conſequenzen. Richts deſto weniger können wir die Meigung der Kinder aus den Planeten gbnehmen, doch ohne Zwang und Drang des freyed Willen⸗ Alfo wer unter dem Zeichen des Waſſermannes ge⸗ bohren wird, der hat gemeiniglich(nach P. Abra⸗ ham) als ein Ziegenbock Federn, und in ſeinem Ka⸗ lender ſteht meiſtentheils ein Feſttag, in ſeinem Gar⸗ ten wachſen gemeiniglich Kummernüſſe, in ſeinem Beutel iſt alles eitel; ein armer Narr in ſeiner Pfarre. Der in dem Zeichen des Widders gebohren wird, der wird meiſtens Schriftgelehrt, heirathet hie Frau Bebliotheka und ſein Kopf wird eine kleine Akademie. Der in dem Zeichen der Wage zur Welt kommt, hat Gluck zu hoffen, der führt die Braut nach Hauſe. Der in dem Zeichen der Jungfrau gebohren wird, hat eine Beförderung zu hoffen und wird aus einem Bauer ein Edelmann. Der in dem Zeichen der Zwillinge das Licht der Welt erblickt, hat das größke Glück zu erwarten. Nichts Reues, Manchem wird bey einem Geſpräch eine beſudelte Hahnenfeder auf den Hut geſteckt; das iſt nichts Reues, auch das nicht, daß eine Eſelshaut ſo hoch kommt, daß Monarchen Bemerkungen darauf ſchrei⸗ ben. Es iſt nichts Neues, daß ein ſchlechtes irdenes Gefaß, ein Mundgefäße des Kaiſers wird. Daher iſt es auch nichts Reues, daß ein ſchlechter Menſch zu Ehren kommt. Die Ehrſucht. Das Krokodil ſoll, wie P. Abraham ſagt, ſo — lange es lebt, immer wachſen. Wenn es nicht mehr wachſen kann, ſo iſt es dem Tode nahe. Es iſt ein — 1 Sinnbild des Ehrſüchtigen, der immer nach höheren Aemtern ſtrebt, und wenn ſeine Hoffnungen verei⸗ telt werden, ſo ſcheint ihm dieß bitterer, als der Tod ſelbſt. Die Poeten dichten von dem Tantalus, daß dieſer im Orkus bis an den Mund in dem Waſſer ſtehe, und daß vor ihm die ſchönſten Aepfel hangen, ohne ſie genießen und von dem Waſſer trinken zu können. Immer nach etwas ſtreben, und es doch nicht erhalten, iſt wirklich arg. Arg iſt es, und bitter, ſage ich, wenn der Ver⸗ dienſtvolle ungeachtet ſeiner Bemühung zu nichts ge⸗ langen kann; höchſt bitter, wenn Dummköpfe und Schurken im Ueberfluſſe leben, indeß er beynahe am Hungertuche nagen, und ſich noch verfolgt ſe⸗ hen muß. Die Luft. Die Luft, die zwiſchen Erd' und Himmel ausgegoſſen, Iſt leicht veraͤnderlich, und allen Förpern ſchwer. Der Lenz zeugt Than darin, der Sommer Blitz und Schloſſen, Der Herbſt holt Regen dort, der Winter Flocken her Sie traurt in Finſterniß, und ſchmaubet bey dem Windz Lacht, wenn die Sonn' ihr Kleid aus goldenen Faͤden ſpinnt. Daher läßt ſich kein Bild ſo wohl getroffen machen, Als wenn des Menſchen Sinn der Luft verglichen wird. Bald weinet er, bald äußert ſich das Lachen, Bald mocht er ſich mit Haß, bald liebend eine Bürd'. Wie mag doch mancher Menſch ſo auf ſich fürmen ein, Und ſich mit leichtem Sinn ſo ſehr beſchwerlich ſeyn! „ ————— ———————— — ————— Dier Fuͤrſten, wie ſie ſeyn ſollten. Ein Landesfürſt ſoll beſchaffen ſeyn, wie der große Patriarch Abraham, nelcher einſt Gott ein Sühnopfer brachte, das ihm höchſt gefallig war; weil aber dieß Opfer unter dem freyen Himmel ge⸗ ſchah, und ſich die Raubvögel haufig einfanden, welche das dem Herrn geſchlachtete Fleiſch verzehren wollten; ſo hatte Abraham dieß Raubgeflügel mit aller Gewalt vertrieben. Dieſem Patriarchen ſoll⸗ ten billig alle gewiſſenhafte Landesfürſten und Ob⸗ rigkeiten nachahmen; ſie ſollten die Raubvögel in ihrem Gebiethe aufſuchen und aus dem Wege räu⸗ men laſſen; denn in einem Lande wächſt keine beſſere Friedensfrucht, als wenn man Diebe auf den Gal⸗ gen pfropft, und es wäre zu wünſchen, daß man in den Gerichtshöfen ſo zu Werke ging, wie zu den Zeiten des weiſen Geſetzgebers Moſes. Dieſer Füh⸗ rer der Israeliten hatte einſt befohlen, daß man die Uebertreter des Geſetzes, und die allzu frechen bringen ſollte. 3 Die Ehemanner, wie ſie ſeyn ſollten. Wenn man die Bienen fragen würde, wo ſie den meiſten Honig finden, ſo würden ſie ohne Zwei⸗ tel ſagen in der Roſe, denn dieſe Blume gibt thnen meiſtens einen ſo ſußen Saft. Ein Mann ſollte gegen ſein Weib ſo ſeyn, wie die Roſe gegen die Bienen, nicht bitter, ſondern ſüß und freundlich. Die Spielkarten. Die Karten als ein Papier nehmen ihren Ur⸗ ſprung von den Hadern und Lumpen; ſie bringen 35 Anbether des goldenen Falbes erwürgen und ohne alle Kückſicht auf Freund⸗und Verwandſchaft um⸗ . endlich auch den Spieler in ſolche Armuth, daß er nichts als Lumpen und Hadern anzulegen hat. Wenn auch der Spieler alle Karten vor ſich legt, ſo bleibt ihm doch allemahl der Baſtone, verſteht ſich, der Bettelſtab in den Händen. Das Waſſer. Die Luft preßt an der Fluth, Fluth druͤckt der Erden Schwaͤche, In dieſe wird dadurch die Fruchtbarkeit gepraͤgt. Gaͤb' uns das Meer nicht Fluͤß', der Fluß nicht klei⸗ ne Baͤche; Die Liche keinen Born, der Born nicht, was er tragt: Wo kam der Aepfel Roth, der Roſen Purpur her, Wo Sn Feld und Wald, wenn nicht das ſte waͤr? Die Wolken. Die Wolke, die jetzt ſtolz in hohen Luͤften prahlet, War vor ein kahler Dampf vo Waſſer oder Erd'. Des Sonnen„Pinſel Gold hat ihn jetzt hell bemahlet, Und hoch hinan gefuͤhrt. Der Klump iſt das nicht werth. Und dennoch ſteht er nun der Sonne vor dem Licht, Und nimmt dem ganzen Land ein ſchoͤnes Angeſicht⸗ Ihr Fuͤrſten denke dran. Ihr pflegt oft zu erhöhen, Was beſſer in dem Koth der niedern Dienſie blieb. Und was an Tugend reich, das laßt ihr unten ſtehenz Doch habt aus dieſer Wolk den furchtbar' n Lehrſatz lieb: Erhebt ihr einen Dunſt an edlen Kraͤften leer; So zieht um euern Glanz ihr eine Wolke her. ————————— 5 1 Das menſchlicheLeben. Das Leben iſt ein Meer, das Glück erreget Wellen, Die Leidenſchaften ſind vermengten Winden gleich. Der dieſe meiſtern fann, bey gut und boͤſen Fällen, Der hat in ſeiner Bruſt ein friedlich Königreich. Auch fährt kein Menſch zum Port, als durch der Tu⸗ gend Spur, Und wer den Himmel hält für ſeine Cynoſur. Die Hohle. Siehſt du ein Felſenloch, ſo magſt du bey dir ſagen⸗ Es iſt vielleicht ſo hohl durch Hammer, Donner, Fluth. Suchſt du hier etwa Geld? Hier iſt keins zu erfragen? Hier liegt im Wochenbett die Peſt der Schlangen Brut. Wie oft lauſcht etwa hier der Räuber Liſt und rutz. Wer gern im Finſtern wohnt, iſt ſelten etwas nutz. Der Menſch. Er iſt wir eine Blume, die heute von dem Bu⸗ ſen, morgen vor dem Beſen iſt. Eine Saite, die bald lieblich klingt, bald elend ſpringt. Ein Blaſebalg, der bald aufſchwilit„bald zu⸗ ſammen ſinkt. ˙ Eine Uhr, die bald geht, bald ſteht. Ein Mondſchein, der bald groß, hald klein iſ⸗ Ein Glas, das bald ſchimmert J bald zer⸗ trümmert.* — Die Gewohnheit. Wer kann dem Hunde das Bellen abgewöhnen, wer dem Wolfe das Heulen? Wer dem Fuchſe das Schleichen, dem Bären das Brummen, dem Raben das Stehlen, den Gänſen das Schnattern, den Schaafen das Blöken? Wer kann eine alte, böſe Gewohnheit ablegen; denn die Gewohnheit iſt eine andere Natur. Man kann keinen Mohren waſchen, feinen alten Baum biegen, keinen alten Schaden heilen, wenigſtens ſehr ſchwer, und keinen Eſſig zun Wein machen. Der Engelſturz⸗ Eine Fabel ſagt, daß, als der Engel vom Him⸗ mel ſtürzte, er unter Wegs zerbrochen, und in Trüm⸗ mer gegangen ſey. Seine Glieder fielen auf ver⸗ ſchiedene Länder. Der Kopf fiel auf Spanien, dar⸗ um ſind die Spanier ſo gravitätiſch, hochmüthig und aufgeblaſen. Die Bruſt fiel auf Italien, darum ſind die Italiener ſo hinterliſtig. Der Bauch fiel auf Deutſchland, darum fröhnt man dieſem am mei⸗ ſten. Die Füße fielen auf Frankreich, deßwegen iſt man dort ſo unruhig und dem Tanze hold. Die Hände fielen auf Algier und andere an dem Meere liegende Länder, darum befinden ſich dort ſo viele Corſaren. Wohin aber fiel die Zunge? Dieſe hat/ wie ich glaube der gefallene Engel vor Zorn ſo in kleine Stückchen zerbiſſen⸗ daß überall ein Stück⸗ chen hinfiel. Das gute Beyſvpiel. Ihr großen Häupter und Regenten, ihr Obrig⸗ beiten und geſammte Vorſteher, ihr Geiſtliche und Diener Gottes, und ihr Aeltern— verzeihet mir! Pater Abrgham. 11. 5 Ihr Alle ſollt und müßt einen guten Sporn haben; dieſer iſt aber nichts anders, als ein gutes Beyſpiel⸗ welches als ein goldener Sporn alle zur Rachah⸗ mung antreibt. Ferner, Waſſer, Luft und Erde beſtätigen dieß. Die Erde ſagt: Ich habe eine Blume, die Sonnenwende genannt wird. Wie die Sonne als die Mutter aller Pflanzen geht, ſo geht auch dieſe Blume. Die Luft ſagt: Ich habe ein Vogelchen, welches Nachtigall heißt; dieſes ſingt nie mehr und nie lieblicher, als wenn es Küchlein hat, damit dieſe von den Aeltern etwas lernen. Das Waſſer ſagt: Ich habe gewiſſe Fiſche, die Fur⸗ bini heißen. Dieſe werden ven einem Könige ge⸗ führt; ſo wie der König ſchwimmt, ſchwimmen die Seinigen, ſtürzt er ſich in die Tiefe des Meers, ſo ſtürzen ſich die andern nach; koömmt er in die Höhe, ſo ſteigen auch ſie empor. Da Feuer ſagt: Ich habe im alten Teſtamente in Geſtalt einer feurigen Wolke den Kindern Israel den Weg gezeigt. Der Mag⸗ net zieht das Eiſen, der Achtſtein zieht das Stroh, die Sonne zieht die Erddämpfe, das gute Beyſpiel die Gemüther an ſich. charakteeiſtik. Mir begegnete unlängſt eine alte Vettel, deren Gleichen ich mein lebtag nicht ſah. Ihre Haare gleichen einer weißen Wolle, die ſchon ſiebenzig Jahre in einer Madratzen ſteckte; die Stirn war ſo von Furchen durchgraben, daß ſie wie ein Brachacker ausſah, und weil beyde Wangen einer Grotte von Tropfſtein gleichen, ſo konnte man die Naſe leicht für eine verdorbene Waſſerkunſt halten. Der Mund kam mir wie ein roſtiges Schliſſelloch an einer Kellerthüre vor. Sie ſah von innen wie eine Orgel aus, die keine Pfeifen mehr hat. Der Hals war Fallſtricke. — 6 ſo zuſammen geſchruinpft, daß ich ihn beym erſten Anblick für eine lederne Taſche hielt, worin die Knaben in der Herbſtzeit den Voge leim aufbehalten. Die Hände waren kreuzweiſe mit ſolchen angeſchwol⸗ lenen Adern überzogen, daß ich mich nicht genug wundern konnte, daß eine ſo ſo ſchlechte Waare mit ſo vielen Stricken eingepackt werde. Der Morgen und der Abend. Beſſer und zweckmäßiger könnten die Menſchen den Tag nicht beginnen, als wenn ſie im frommen Gebete zu Gott, auch ihre gute Vorſätze ſich im Geiſte wiederholen möchten, und herrlicher die Ruhe des Abends nicht genießen, als wenn ihr Be⸗ wußtſeyn ihnen keine ſchlechte Handlung vorhält. Sonderbare Beantwortung auf die Frage: was iſt ein Teufel⸗ Er iſt ein Mahler, denn er mahlt Manchem etwas Blaues für die Augen. Er iſt ein Schloſſer, denn er ſchließt Manchem einen Riegel. Er iſt ein Fuhrmann, denn er führt Man⸗ chen hinter das Licht.. Er iſt ein Bader, denn er bereitet Manchem ein ſchlimmos Bad. Er iſt ein Fiſcher, geht aber meiſtens mit faulen Fiſchen um. * Er iſt ein Seiler, und macht viele tauſens 6* Er iſt ein Kaufmann, handelt aber nur mi Bärenhäuter⸗Zeuch.— Er iſt ein Gärtner und verblümt alle ſeins Schelmereyen⸗ Er iſt ein Schuſter, und will, daß ein Jeder über ſeinen Leiſt geſchlagen werde. Er iſt ein Drechsler, und dreht gar vielen eine lange Naſe. Er iſt ein Kürſchner, er ſetzt aber Manchem ein Ungeziefer in den Pelz⸗ N Meiſtens iſt er ein Holzſpalter, deſſen einzige Arbeit das Zerſpalten iſt. Die Vergänglichkeit. Die Welt und Alles fällt durch Tod und Zeit ins Grab; Er maͤht es mit dem Pfeil, ſie mit der Sichet ab⸗ Ich ſah den Satan oft mit einer Apt in ein Haus hinein gehen. Ich wußte nicht, ob er eine beſtellte Arbeit hätte. Es kam mir alles in dem Hauſe ſo ſtill vot, als wäre faſt keine Seele darin, oder als wären die Einwohner alle ſtumm. Doch dieſe Stille währte nicht lange; ich hörte bald ein heftiges Geſchrey, und ein entſetzliches Gepolter. Du Schelm, du Dieb, du Hund, du verſoffene Weingurgel! hieß es, du vergeud ſt das, was ich dir zubrachte! O weh! weh!l ſchlage zu, daß dir die Hände erkrümmten, du Mörder, du Henker. Fitten unter dieſem Geſchrey läuft plötzlich Mann und Weib zum Hauſe heraus, er mit einem derbeu Prügel, ſie mit einer Beſenſtange. Ich wußte gar nicht was ich aus dieſem wunderlichen Gefechte ma⸗ chen ſollte; denn er war ein grober Federfechter, und ſie keine Dame. Sie warf zuletzt ihr hölzernes Rappier weg, fuhr dem Herrn mit beyden Händen in's Geſicht, und ſchrieb etwas mit grober Katzen⸗ ſchrift auf die Naſe, raufte ihm à la poissarde den halben Bart aus, und ſcheerte ihn auf Pudelart. Unweit dem Schauplatz ſaß der Teufel auf einem teeren Eſſigfäßchen, und lachte ſo ſehr, daß die Reife abſprangen. Der Hund. So mannigfaltig Farb' und Schnautze ſind an Hunden, So unterſchiedlich ſind ſie doch an Art als Muth. Der bengt den Haſen vor, der reißt den Baͤren Wunden; Der wachet vor der Thuͤr, der iſt den Schafen gut; Der dient zur Enten⸗Jagd, der geht dem Rebhuhn nach, Der ſchwimmt durch ſchnellen Fluß, als ging er durch den Bach. Ein andrer macht viel Luſt durch Künſte und Gauke⸗ leyen, Steht Schildwach, zahlt die gech, ſpricht laut und ſchläget an, Macht Volten wie ein Roß, den Herren zu erfreuen, und thut nach deſſen Wink, was man begehren kann. Ihr Menſchen ſtellt euch doch zur Schul' bey Hunden ein, Und lerwt es ihnen ab, den Menſchen tren zu ſeyn⸗ — 86— Die Katze. Bie Katze, die ſich kann wie einen Pelzkreis winden, Itt Mäuschen, dein Tyrann und Tod im hoͤchſten Grad; Will bey dem falſchen Blick, dein Eingeweid ergrun⸗ den, Auch ſchnurrt in ihrem Leih fuͤr dich Jrions Rad. Sie uͤberſchleicht und ſpringt die Mauern ſammt dem Dach; Kein Tänzer auf dem Seil macht ihre Sprunge nach. Nimm Mäuschen, dich in Acht vor Augen, Zähren, Klauen: Es geht dir an den Hals, wenn ſie dich herzen will⸗ Du darfſt der Freundlichkeit der Scherzerinn nicht trauen; Sie ſpielt, daß ſie durch dich den leeren Magen Weil nun ein Weib viel wuͤrgt durch ſolche Schmei⸗ — cheley, So wohnt die Katenlieb⸗ den meiſten Weibern bey. Die Frägheit. Mein lieber Herr Langſam! Wie geht der Herr ſo zerriſſen einher? Fetz iſt zwar eine große Stadt in Afrika(auch ein Reich dieſes Namens) aber der Herr hat dieſe an dem Leibe, denn deſſelben Rock iſt voll Fegen. Er war einſt ein großer Künſtler, jetzt iſt er ein Drechsler und macht nichts als lauter Stäbe, will ſagen, Bettelſtäbe; denn wer der Trägheit ergeben iſt, bekommt gemeiniglich ein ſol⸗ ches Holz zum Lohne. Mein lieber Herr Faulenzer! Wie ſehen Sie aus Der dürre ſim ſoniſche Eſelskinnbacken war ſehr ſpißzig und mager, und doch ſind ſie nicht um einen — 37— Meſſerrücken dicker. Ach, lamentirt der Faullenzer⸗ freylich wohl; ich ſehe, daß es meinem Nachbarn ſo wohl geht, er hat ein ſo ſchönes Vermögen, trinkt gute Weine und gibt Mahlzeiten; ich muß mit ſchlechten Brocken vorlieb nehmen.—— Arbeite und ſey nicht träge.— Lehre die kein' Rutzen ſchaffen⸗ Knechte die bis um acht Uhr ſchlafen, Faule Mägde dey dem Rocken, Faule Kuͤſter bey den G'ocken, Faule Meiſter und Geſellen, Knaben, die nichts kernen wollen, Faule Bettler auf der Straße Und Vaganten auf der Gaſſe, Müßiggänger bey der Brenthen⸗ Faule Schüler und Studenten, Künſte, die kein Brot eintragen⸗ Soll man all' zum Land' ausjagea. O wie viele müſſige Mädchen gibt es! Fenſter⸗ Spiegel⸗ und Guckerinnen, Gaſſen⸗ und Straßen⸗Tre⸗ terimnen! 2 Es ſitzt Manche den halben Tag vey dem Spie⸗ gel, ſchaut und betrachtet ſich, wie ihr das Lachen anſtehe, macht dabey einen Mund wie ein halber Mondſchein. Eine andere guckt immer zum Fenſter hinaus⸗ lockt, winkt, ſingt wie ein Canarienvsgel aber derley Vögel koſten gar viel Futter. Es gibt Muttertöchterchen, welche das Luſtwan⸗ deln ſehr gewöhnt ſind, den Buhlen anhangen⸗ — 38— nach jungen Kerlchen haſchen„wie die Fröſche nach rothen Flecken, ja gleich der Klette überall haften und hängen bleiben. 13 Gewiß die Jungfern kommen mir Nicht anders als die Klette fuͤr. Sie machen ſich gewaltig groß Und wollen von dem Stock nicht los, Doch ruͤhrt man ſie ein wenig an So hangen ſie ſich ſelbſten an. Warnung. 5 Lern' Menſch, daß auch die Nacht kein Laſter bergen mag; Wer was im Finſtern thut, der buͤßt es bey dem Die Verſtellungskunſt. Willſt du Tren und Redlichkeit ſuchen, ſo gehe nur nach Hof; dort wirſt du ſehen, was für Honig man in dem Munde führt; was für Kratzfüße man demjenigen macht, welcher in der Gnade des Für⸗ ſien ſteht, was ihm die Hofſchmeichler für Titel geben⸗ Willſt du Treue und Redlichkeit ſuchen, ſo gehe in manche Apotheke, dort wirſt du allerley ſchöne Büchſen ſehen, auf denen dieſes oder jenes Arzney⸗. mittel geſchrieben ſteht; mache ſie auf, und du fin⸗„ deſt nichts als Spinnengewebe oder vermoderte Kräu⸗ ter darin. Wilic du Treue und Redlichkeit ſuchen, ſo gehe in einige Kaufmanns⸗Gewölber, dort wirſt du ſehen, wie ein oder der andere Kaufmann ſchwört, der Zeug ſey aus Paris, Holland, Genua, er koſte ihn ſelbſt zwölf Reichs⸗Thaler—„ Willſt du die Treue und Redlichket ſuchen, ſo gehe in die Schenke da wird dir der Wirth eine Menge Complimente machen, und ſeine ſchlechte Waare rühmen. Trau keinem Wolf auf grüner Haid, Tran keinem Inden bey ſeinem Eid, Trau keinem Pferde in dem Laufen, Trau keinem Bruder in dem Saufen,* Trau keinem Sonnenſchein im April, Tren keiner Weiberlieb zu viel. Trou keinem mit dir verſoͤhntem Feind, Trau keinem ſchmeichler ſchen Freund, Trau keinem Hund beim Knoch nnagen⸗ Trau keinem rothen Haar und Bart, All dieſe ſind von falſcher Art⸗ Die Menſchen. Manche Menſchen ſind verdorbenen Uhren gleich⸗ wenn der Zeiger auf den dreier ſteht, ſo ſchlägt der Hammer zwolf. Manche gleichen den übertünchten Gräbern, welche von außen voll Gold, von innen voll Un⸗ rath ſind. Manche gleichen den Apothekerbüchſen, die ſchön von außen, und von innen voll Spinnengewebe ſind⸗ Manche gleichen den Puppen⸗ welche ſich durch Steifheit zu hrüſten ſcheinen, ob ſie gleich von Hols ſind. Manche ſind den Vergrößerungsgläſern gleich. Sieht man hinein, ſo iſt es ein Elephant, den man erblickt, thut man das Glas weg, ſo zeigt ſich eine Mucke. Seit die Politik oder Politeſſe über einen ge⸗ horſamen Diener das Bein brach, geht die liebe Wahrheit immer auf Stelzen. Gehorſamer Diener, verbundener Diener, demüthiger Diener, und mehr dergleichen politiſche Weidſprüche, ſind aufgekom⸗ men; behalten auch noch bis heutigen Tag ihre Wir⸗ kung, ſo zwar, daß oft mancher ehrliche Mann beh vielen politiſchen Großſprechereyen und Schein⸗ höſtchkeiten bey ſich im Stillen denken kann: Ey Der Kaufmann. Der Kaufmann mißt ſein Gewiſſen mit der kur⸗ zen Elle aus, und doch ſchwört er bey ſeiner Seele, bei Eid und Gewiſſen, daß es das beſte Tuch, der friſcheſte Zeng, die feinſte Waare ſey. Mit dieſem falſchen Schwören bringt der Kaufmann zwar ſeine Waaren um baares Geld an den Käufer, aber wo bleibt das Gewiſſen? Der Schneider. Mancher Schneider weiß die Kleider meiſter⸗ lich zuzuſchneiden, und zwar ſo vortheilhaft, daß er gar leicht aus einem reichen Zeug ſeinem Weibe ein Mieder oder einige Kinderhäubchen machen kann. Der Schuſter. Ihr ſeyd ein alter abgelebter Schuſter⸗Meiſter Criſpin, ſchlagt zwar die Schuh über den Leiſten, aber nicht das Gewiſſen. Ihr wißt das verbrannte — 4 3 ———.———— E— Leder ſo gut zu brauchen, daß in acht Lagen die Schahe wieder Fenſter bekommen, und die Füße ſich um einen neuen Schuſter umſehen müſſen. Die Prieſier. Es ſteht gar ſchändlich, wenn es Prieſter gibt, die den Wetzſteinen gleichen, welche andere Klingen ſchärfen, aber ſelbſt nicht ſchneiden. S Es iſt gar übel und unanſtändig, wenn man⸗ cher Prieſter mehr auf die Bravour, als auf das Brevier hält. Es iſt gar ärgerlich„ wenn manche Geiſtliche lieber ad choreos(zum Tanze) als ad chorum gehen. Es iſt den Geiſtlichen ſehr nachtheilig, wenn ſie mehr auf die Augen der Würfel, als auf Gottes Augen ſehen. Es iſt eine Schande, wenn manche Geiſtliche mehr Jäger unter den Windhunden, als wahre See⸗ lenhirten unter ihren geiſtlichen Schäfchen ſind. Geld macht ſchon. Iſt eine am rechten Auge blind, ſo darf ſie nur 1000 Dukaten darüber legen, ſo iſt der Mangel bald bedeckt. Hinkt eine am rechten Fuß, ſo nimmt ſie einen Geldſack zum linken; dieſer macht darch die Schwere, daß der Leib im gleichen Gewichte bleibt. Iſt ein guter Vortheil. 1 —— ter Ranze mit Geld drückt den Höcker ſchon wieder nieder, und ebnet alles. Hat ein Mädchen auch einen Kropf, ſo kommt ſie doch an den Mann, wenn der Beutel nur kropf⸗ lich iſt. Eine ſolche Leſt iſt leicht zu ertragen. ſt eine bucklicht wie ein Kamehl; ein angefüll⸗ 6 Hatte manche große und tiefe Blatternarben, nur auf eine jede Narbe eine Duplone gelegt, ſo bekommt ſie ein goldenes Geſicht. 3 Die Vuhlerinnen.* Einige flüchtige junge Stutzer treten das Pfla⸗ ſer, und erblicken ein freches Mädchen, welches in ſeinem Gange ſo beweglich, wie eine Perpendikel⸗ Uhr iſt, den Hals immer in die Höhe wirft, wie ein türkiſcher Klepper, ihre feurigen Blicke in alle Ecken ſchießen läßt, wie ein glühendes Eiſen unter rinem Schmidhammer, die nie einen Quatember hat, 4 weil die obere Fleiſchbank immer offen iſt. Von einer folchen ſagt ein leichtfüßiges Herrchen: Schau Brü⸗ derchen! Das iſt ein Mädchen! Die hat Feuer im Leibe, ein wackeres Mädchen; ein herziges, ſcherzi⸗ ges, galantes, charmantes Mädchen; ein Mädchen wie ein Rüßkern; ja wohl Rußkern! Die We 1. Die Welt gleicht einem Jäger, der mit den Windſpielen manchen einfältigen Haſen erwiſcht. Sie gleichet einem Seiltänzer; macht nur eitle Luſtſprünge, damft ſie andere zum Sturze lockt. — „—— Sie gleichet einem Schützen, ſchießt aber nur mit Windbüchſen, wo man goldene Worte einla⸗ det, welche bald wiedér in die Luft gehen⸗ Der Eheſtand. Der Eheſtand iſt eine tiefe Scharte, die nicht Jeder auswetzen kann⸗. Er iſt ein bitterer Alicanten⸗Wein, den nicht Jeder austrinken kann. Er iſt ein enger Schuh, den nicht Jeder tragen und ertragen kann. Die boöſen Weiber⸗ Ein Binder kann das Faß zwingen mit dem Schlegel; Ein Dreſcher kann die Garben zwingen mit dem Flegel, Ein Jäger kann den Falken zwingen mit dem Luder (Koͤder) 3 Ein Schiffer kann die Wellen zwingen mit dem Ruder; Ein Schmid kann das Eiſen zwingen mit der Hit'; Ein Soldat kann die Feſtung zwingen mit dem Ge⸗ ſchutz. Aber ein böſes, hartes, eigenſinniges Weib⸗ läßt ſich weder zwingen, noch bändigen; und ihr Dickkopf, iſt ein rechter Knopf, den Niemand auf⸗ löſen kann. 6 4 Faemina molle genus, turpes proelivis ad aetus Aut constauter awat vel aeternaliter odit Nil medii—— 6 Gebeth einer romiſchen Matrone. Allmächtiger Gott, der du das weibliche Ge⸗ ſchlecht aus Adams Rippe, und folglich aus einem Knochen erſchaffen haſt, verleihe mir deine Hülfe, damit ich in Zukunft nicht verhärtet, eigenſinnig, verſtockt und halsſtarig ſey Habe Geduld, lieber Gott, mit meinen weiblichen Schwachheiten, Ge⸗ brechen und Blödigkeiten; wende von mir ab den angebornen Vorwitz, den eingewurzelten Argwohn, und alle eitle Einbildungen, ſtolze Gedanken, Wan⸗ kelmuth und Unbeſtändigkeit, auch alle Lüſternheit. Nehme doch ein Mal von mir, und zwar jetzt in meinen alten Tagen, allen närriſchen Putz, damit ich der Welt nicht zum Gelächter werde, und mache mich zur Feindinn aller Verläumdungen. Bewahre mich vor allem unnützen Geſchwätz, beſonders in den Kirchen. Regiere meine Zunge auf allen Waſch⸗ plätzen und bey unnützen weiblichen Zuſammenkünf⸗ ten. Gib mir deine Gnade, daß ich gegen einen jeden Menſchen, beſonders gegen meinen lieben Gat⸗ ten, nicht falſch, hinterliſtig, tückiſch und mürriſch ſey. Verſchaffe mir mit deinem Beyſtand die Gnade, daß ich nicht den Kopf hänge, oder wie ein Polter⸗ geiſt im Hauſe herum ſpuke, und Niemand Nachts durch Herumwandeln in der Ruhe ſtöre. Mache, daß ich das Hausweſen mit Manier und Ehrbarkeit regiere, richte und ſchlichte. Gib, daß ich immer ehrbar, nüchtern, ſanft, mild, ſtill, verſchwiegen, treu, beſtändig, fromm, geduldig, emſig, haus⸗ lich, redlich, wahrhaft, dankbar und erkenntlich ſey. Verleihe mir, daß ich meinen Mann beſſer achte, und nicht verlange, daß er mein Unterge⸗ ordneter ſey. Laſſe mich nicht auf den teufliſchen Gedanken gerathen, daß ich einen beſſeren Gatten verdient hätte. Ich bin, o Herr! des Mannes, — den ich beſitze, nicht werth. Mache, daß ich dieſen meinen Mann unter die beſten Dinge der Welt zaͤhle, ihn fur mein koſtbarſtes Kleinod hälte, ihn bis an meine End verehre und liebe Amen. Die Gelegenheit. Wäre dieſe nicht, ſo wären teine Diebe, keine Metzen⸗Reſter, keine Spieler, keine Säufer, keine Raufhändel. Die alte Barbara. Mein' alte Barbara ſieht recht barbariſch aus, Mit ihrem alten Bart macht ſie mir recht viel Graus. Sie murrt den ganzen Tag, ſie brummt die ganze Nacht,*. Und hat mich Armen faſt des Lebens ſatt gemacht. Ich denk' oft: Varbara! ach! wär' ich von dir frey, Und du mit deinem Bart wärſt in der Barbarey. Wer ein ſolches Weib hat, der hat eine leben⸗ dige Hölle, ein immerwährendes Brummeiſen(Maul⸗ trommel, eine ſtete Beißzange, einen knarrenden Schiebkarren, ein unerträgliches Hausübel, einen unruhigen Poltergeiſt, eine garſtige Vogelſchen⸗ einen bellenden Kettenhund, mit einem Worte: eine Folterbank. Die Wärme. Einer dieſer Würme kriecht in den Kanzleyen, und auf den Schreibtiſchen der Advokaten herum— er iſt der Intreſſe⸗Wurm. Einer kriecht auf der Schneiderſcheere herum— er iſt der Beſchores⸗Wurm. — 96b— S6 kriecht unter den Routuus. Scheiſtet herum— er iſt der Leſtaments⸗ Wurm. Einer hält ſich in den Betten und dem Haus⸗ rathe der Eheleute auf— er iſt der S it Einer kriecht in dem Getreide herum— er iſt der Wucherer⸗Wurm. Einer ſiet in den Locken der großen Perücken, jetzt in vem Cacadu— er iſt der politiſche⸗Wurm⸗ Einen ſieht man immer auf dem Nähkiſſen der Frauenzimmer— er iſt der Galanterie⸗Wurm. O wie viele tauſend Gewiſſens⸗Wiürmer, ja ganze Wurm„Meſter findet man unter den Das gute Gewiſſen. Wer gottes fürchtig lebt, und rein iſt im Gemuth, Stt Leben, Schmerz und Tod mit einem Freu⸗ denfried. D'er Hahn. Wie viel ſind Weiber da um einen Mann zu ſier Wie blaͤht er nicht den Kamm, den fleiſch'gen Feder⸗ buſch! Bald ſonate er um ſich her, bald fint er an zu krähen,* Wenn er den großen Sporn im Blut der z. de wuſch. War er die Morgenröth vorher auch merken kann, So eist er gls Fourier der Sonne Einzug an. Roch mehr iſt Wunderns werih, daß, wo kein gu Gewiſſen, Er aus dem Suͤndenſchlaf die Herzen auferweckt. Du Peter ließeſt einſt gerechte Thraͤnen fließen, Da dich der dritte Schrey des Hahnes ſo erſchreckt. Was wär nicht ewig jetzt fuͤr aͤrgerlich Gekräh, Wenn jedem falſchen Schwur ein Hahnenſchrey ge ſchaͤh'. Das boſe Weit. Ein böſes Weib hat alle vier Elemente in ſich. In der Luft iſt ſie die Peſt, in dem Waſſer ein Frokodill, auf der Erde ein Drache, und im Feuer ein eingefleiſchter Teufel⸗ Der Eheſtand. Der Eheſtand verſüßet unſers Lebens Bitterkeit durch eine angenehme Gehülfinn, und iſt wie ein Spiel. Aber was für ein Spiel? Kein Trapulier⸗ Spiel, wo der Baſtoni der Meiſter in der Karte, ſondern ein Glockenſpiel, darinn der Mann wie die Glocken und das Weib wie die Docken(Puppen) in guter Zuſammenſtimmung unter einander einen ſchö⸗ nen Klang geben. Der Eheſtand iſt ein Garten; aber was für ein Garten? Kein ſolcher Garten, wo die Saublumen ſtatt der Nareiſſen iniden Beeten wachſen, ſondern ein ſolcher, wo Ehrenpreis, je länger, je lieber, Vergiß mein nicht, nebſt ſchönen Haustugenden im immerwährenden Wachsthum ſind. 5 ⸗ —.——————————. St Eheſtand iſt auch eine Schanze; aber was ir eine Schanze? Keine ſolche Schanze, wo die Wirthſchaft auf der verlorenen Schildwache ſteht —— Pater Abraham U⸗. — 8 5 — RR ſondern wo Treue und Liebe eine gute Parola hal⸗ ten, und den Poſten nicht verlaſſen. 15 Was iſt der Eheſtand noch? Ich antworte: Eine Scheune; aber was für eine Scheune? Keine ſolche, wo Flegel und Dreſchel die beſten Werkzeuge ſind, ſondern wo ein gutes Korn, das iſt auserleſene Ehe⸗ eute in angenehmer Zufriedenheit zuſammen leben. Wie man Weiber wählt. Es finden ſich wohl Einige, und zwar gar viele⸗ welche, wenn ſie etwa eine ſchöne Puppe, ein glat⸗ tes Geſichtchen, eine gefärbte Haut, eine polirte Geſtalt, ein herziges Zuckermündchen, ein verlieb⸗ tes Polſterkäpchen erblicken, da vergaffen ſich die Affen darein, und werden faſt vor Liebe unſinnig trachten und wachen, laufen und ſchnauben, bren⸗ nen und rennen, ſtudieren, ſpeculiren, und ſpendi⸗ ren, auf alle mögliche Weiſe; geben Tag und Nacht keine Ruhe, bis ſie ein ſo angenehmes Wildprät in ihr Retz bringen. Wenn endlich alle Mühe verge⸗ bens iſt, ſchauen ſie, wie ſie ein anders ſchönes Mutterkind mit Gewalt entführen. Die Schoönheit. Die Schönheit iſt wie das Kirbisblatt des Pro⸗ pheten Jonas, welches bald hält, bald fällt. Sie iſt wie der Mond, welcher bald klein, bald groß iſt. Sie iſt wie eine Blume; heute vor dem Bu⸗ ſen, morgen vor dem Beſer Wie der Apfel von Sodom, äußerlich roth, innerlich Staub und Koth. Sie iſt wie eine Raquette, welche, ſo wie ſie ſteigt, gleich wieder fällt. Die Schönheit iſt an ſich ſelbſt ein Geſchenk der Götter, ein Schatz der Natur, und das Band der kräftigſten Liebe; ein jeder trachtet gern nach etwas Schönem, wiewohl die Schönheit an ſich ſelbſt eitel und vergänglich iſt. Ein junges Mädchen mit einem Purpurmund iſt freylich beliebter als eine alte Vettel, wenn ſie einen Mund hat, wie ein roſtiges Schlüſſelloch an einer alten Kellerthür. Es ſind freilich weit angenehmer die zarten Ro⸗ fenwangen einer blühenden Schönheit, als ein ſie⸗ benzigjähriges Pfundleder eines geifernden Mufti. Es iſt weit ergötzlicher eine wohlproportionirte Naſe einer herzigen Roſemunde, als ein triefender Diſtillier⸗Kolben eines garſtigen Schmutzhammels. Es iſt weit erfreulicher eine ſolche Puppe anzu⸗ ſehen, welcher die Zähne in dem Munde ſtehen, wie orientaliſche Perlen, als einen Meerwolf, der ein Gebiß hat, wie die ausgefaulten Palliſaden. RNärriſche Liebe zu Weibern. Ich weiß Einen, welcher das Kind wiegt, weun die Frau ſpazieren geht. Ein Anderer zieht die Schuhe aus, um ſeine Frau, die Polſterkatze, nicht aus dem Nachmittags⸗ ſchläfchen zu bringen⸗ —— — 100— Ein Dritter trinkt aus dem Pantoffel ſeines Weibes dieſer ihre Geſundhett. Die Vormunder. Einer Taube unter den Stoßögeln geſchieht hart. Einem Schafe unler den Wölfen. Einem Hirſchen unter den Stricken der Jäger. Einem Reiſenden unter den Räubern und Mör⸗ dern. Aber weit härter geſchieht einem Kinde, einem Erben, einem armen Mündel unter dergleichen Raub⸗ vögeln, Wölfen, Stricken„ Räubern und Mör⸗ dern, das iſt: unter gewiſſenloſen, gottloſen, ehr⸗ loſen intereſſirten Vormündern; denn dieſe machen es wie der Guckguck; welcher andern Vögeln die Eyer austrinkt, und ſeinen Unrath in ihren Reſtern läßt. Dergleichen Gerhaber und Gernhaber machen es, wie die Igol unter einem Birnhaufen. Dergleichen Gernhaber machen es„ wie ein großes Ungeziefer in den Weingärten, welches man Knoſpenſtecher nennt; dieſe freſſen die Knoſpe weg, bis endlich der Weinſtock leer ſtehen muß. Wenn man dergleichen Gernhabern alle ihre Wirthſchaft durchſuchen, durchforſchen, durchgrü⸗ beln, durchgehen„und ſie fragen ſollte: Wem ge⸗ hörte vorher dieſe Wieſe, dieſer Acer? ſo würde es heißen: Den Mündeln. —,——— — 101— Wo kommen dieſe Thaler und Dukaten her? Pon den Mündeln. Wo kommen die kupferne Keſſel und zinnerne Schüſſeln her? Von den Mündeln. Wo kommt der ſchöne Tiſchzeug und die feine Leinwand her? Von den Mundeln. Wo kommen ſo viele ſchöne Weinberge her, ber volle Weinkeller? Von den Pupillen. Wo kommen die herrlich aufgerichteten wetten und Bettſtätte her? Von den Mündeln. Wo kommen die koſtbaren Ringe, Perlenſchnu⸗ ren, goldene Ketten, und andere Silbergeſchmeide her? Von den Mündeln. Der RNeid bey Hofe. Der, welcher ſich nach Hof will wagen, Muß haben einen Straußen⸗Magen, Der gar viel hart's verdant; Er muß viel grobe Brocken ſchlicken, und ſich in jeden Sattel ſchicken. So er nicht hat enttraut. Beyneben plagt ihn jederzeit der Reid. Iſt mancher in des Fuͤrſten Gnad', Er gar viel Reider um ſich hat, Ob er ſie gleich nicht kennt; Ein jeder thut ſich vor ihm buͤcken, Das Füßchen und das Hütchen rücken, Mit tauſend Compliment, Im S ſteckt doch jederzeit 3 der Reid⸗ 3 Meriten ſind ein Spies in Augen, Die thun den Reidern gar nicht taugen; Be Hof und im Pallaſt! Man thut ſich hin und her bedenken, Wie man mit Liſt und argen Schwänken, Den Frommen macht verhaßt; — Drum bemuͤht ſich jederzeit der Neid. Der Neid der wird bey Hof geboren, Dadurch wird Seel' und Leib verloren; Das iſt genug kekannt. Wer ſich nicht laſſen will beneiden, Muß Fuͤrſtenhof und Höfling meiden, 8 In jedem Hrt und Land; Denn dort graſſiret jderzeit der Reid. Der Lahme. Wer etwa durch den Fall ſein grades Bein gebrochen, Wem eine Kugel ſchlug den feſten Fuß entwey, Der nimmt im Stelzenſtock von Holz gemachte Knochen, Kann er, ſo ſchnitzt er ſich ſelbſt einen Fuß dabey. Den knuͤpft er ſich fein feſt mit haͤnfnen Baͤndern an, Vergnügt, wenn er nur ſo das Land e kann, Nichts deſto minder will der Fuß zerx ſchiatrzch ſtehen, Und er erneut ſein Kreuz bey jedem Tritt und Stampf. Das nenn' ich durch die Welt auf ſtetem Kreutzwes gehen, uud ſiegen mit Geduld ob Lahmheit Kreuz und Kampf. Du Grader! reit' und fahr durch Gaſſen⸗ Feld und Thor; Der Lahme rennt dir doch im Lauf zum Himmel vor⸗ Die Tadler. Manche Menſchen gleichen der Schnecke, wel⸗ che die ſchönſten Mauern und Wände mit ihrem garſtigen Firnis bemakelt, und beſchmutzt. Manche Leute ſind wie Würmer und Raupen, welche gemei⸗ niglich das beſte Obſt, und die ſußeſten Blätter durchfreſſen. Manche Leute gleichen den Phantaſten, Stern⸗ zuckern und Planeten⸗Stümpern, welche dem ma⸗ ſeſtatiſchen Licht der Sonne Flecken zueignen⸗ Verſtellung⸗ Die Ziegen lecken die Bäume, und mit dem Lecken trocknen ſie ſolche aus. Man ſollte glauben ſie küſſen den Baum, allein ſie vergiften ihn⸗ Die Wahrheit iſt ſeltene Waare. Morgen, ſagt der Schuldner, gewiß Morgen! Haben ſie nur bis Morgen Geduld, da will ich ehr⸗ lich bezahlen; ich weiß, daß ſie ſchon lange warten⸗ es thut mir herzlich leid.— Es ſind ſchwere Zeiten; man hat ſehr viel Ausgaben; aber Morgen will ich Richtigkeit machen. Ja⸗ ja! warte nur darauf. Auf die andere Woche, ſagt der Advokat, oder Kechtsgelehrte, geht der Prozeß zu Ende; die Sache iſt richtig und klar; die Zeugen haben geſchworen, die Akten ſind collationirt, alles peremptoriſch clau⸗ ſulirt. Es kann nicht anders ſeyn. Der Gegen⸗ theil muß verlieren. Ja, ja! warte nur darauf. Dieſe Nacht wird it atienten beſſer werden, ſpricht der Urzt der F hat ſeinen or⸗ dentlichen Gang, die Pillen operiren ſehr gut; es fommt ſchon wieder eine lebhafte Geſichtsfarbe; der Kranke hat Appetit. Ja, ja! warte nur⸗ was kom⸗ men wird⸗ Das Geld. Wer nicht zum Schiffmann hat das Geld, Der ſchifft ungluͤcklich in der Welt. Eine Scheune ohne Getreide; Eine Heerde ohne Weide;z Ein Pferdſtall ohne Heu; Ein Weib ohne Treu; Ein Hirt ohne Feld; Ein Menſch ohne Geld—* Iſt nicht geachtet in der Welt. An die Aeltern. Ihr Aeltern, die ihr wollt euer Kind in zarter Jugend Sorgfältig auferziehn zur Andacht, Furcht und Zg. gend; Kommt, nehmet heut von mir die kurze Regel an; Thut eure Kinder biegen, ſo lang man biegen kann. Red't, fuhrt, und thut, doch redt allein von ſolchen Dingen, Was zarte Unſchuld kann zu keuſchen Sitten bringenz Führt und leitet ſie an ſolche Hrt' zu gehen, — —.—.——— 3 — 105— We ſie was rühmliches und auferbauliches ſehen, Thut aber ſelbſt vorher, was ihr die Jugend lehret, So wird eure Kinderzucht in allem ſeyn bewaͤhret; Dieweil ein neuer Topf den erſten Geruch behält, und ſolchen nicht verliert bis er zu Trümmer faͤllt. Schnurre. Einem alten Dorf⸗ Schulmeiſter, welcher eine ziemlich kupferne Naſe hatte, und der ſtets eine Brille vor den Augen haben mußte, wenn er ein Lied ſang, entfiel während des Geſanges der gläſerne „ Sattel; da er aber die Stimme faſt auswendig fonnte, ſang er immer fort. Unglücklicher Wetſe floh ihm eine Mücke auf das Papier; dieſe ſah er für ein Note an, gab daher einen Trippel⸗Tackt, und ſchrie laut auf, welchem die Schulknaben bald nachfolgten, und auch zu ſchreyen anfingen⸗ daß die ganze Muſik verwirrt wurde. Spruͤchlein. Ein Wirth ohne Wein, Ein Doctor ohne Latein, Ein Hafner ohne Geſchirr, Ein Geiſtlicher ohne Brevier, Ein Soldat ohne Degen, Bringen wenig zu Stande. Die boöſen Weiber. Von dem Zimmetbaum ſchreiben die Natur⸗ forſcher, daß, je öfter man ihm die Rinde ab⸗ klopfe, er deſto beſſern Zimmet traget. Ich klopfe mein Weib täglich, ſagt mancher Mann, aber ſie trägt mir doch nichts gutes. Daher hatjener Schalks⸗ narr ſehr wohl geſprochen, der⸗ als er über den — 106— Bodenſee fuhr, ſagte: Herrle, Herrle! Was iſt das, für eine ſchöne Milchſuppe. Sein Herr fragte ihn, was er denn hinein brocken wollte? Lauter böſe Wei⸗ ber, antwortete der Narr, und der Teufel ſoll ſie auffreſſen; er würde an Euerer Frau wahrhaftig kein ſchlechtes Bröckchen finden. Waſchen und Backen, Unreinigkeit machen, Weinen und zanken, HBoffarth und Verfuͤhrung Iſt der Weiber Handthierung. Ein Weib kann kurzwetlen trotz einem Affen, kann brummen trotz einem Bären: kann lecken und kratzen trotz einer Katze, kann weinen, wenn es will, trotz einem Krokodill. Womit übertrift ein Weib alle andere Thiere? Ich antworte und ſage, ja mit mir ſagt es die ganze Welt— mit der Zunge; denn ein geſchwätziges Weib trägt leichter einen Centner Bley als drei Loth Geheimniß, und man kann eher ein Mühlrad aufhalten, als eine geſchwätzige Wei⸗ ber⸗Zunge. So bald ein Wort bey einem Weibe zu den Ohren hinein geht, ſo klopft es ſogleich bey der Mund⸗Thür an, und verlangt den freyen Paß in die Welt. Auf die lange Vank ſchieben. Sie mein Herr Student haben ſo viel Fenſter in ihren Schriften, daß ſie nicht nur mit dem Kopf, wie jener Pfarrer, ſondern mlt dem ganzen Leibe herausſchauen könnten. Sie ſollten billig Niklas, oder Nitglas heißen, das iſt ein papiernes Fen⸗ ſter. Ich weiß wohl die Urſache. Sie gehen gern auf die lange Schiebſtadt, und ſo kommeu die Schrit⸗ ten auf die lange Bank. — 107— Ein andermahl bin ich zu einem Advokaten ge⸗ tommen; dort führte mich der Schreiber in die Canz⸗ ley, worinn die Stellen voll mit Akten und Fas⸗ cikeln waren. Mein Gott dachte ich, das werden wohl lauter Fasciculi Myrrhae oder Myrrhen⸗Bü⸗ ſcheln ſeyn, welche den armen Partheyen bitter ge⸗ nug ſind. Ich fragte den Schreiber, ob dieſe Pro⸗ zeſſe ſchon alle ausgearbeitet ſind? Ey, kein Ge⸗ danke, mein Vater, antwortete der Schreiber; es ſind Prozeſſe, deren Principalen ſehr reich ſind, der Gegentheil aber arm. Sie tragen uns etwas nahmhaftes in die Küche, darüber ſchieben wir ſie auf die lange Bank⸗ So gehtes auch unter den Menſchen. Eine Fabel. Eine trächtige Hündin, die keinen Ort hatte, wo ſie ſich ihrer Bürde entladen konnte, kam zu ei⸗ nem Haushunde, der einen großen Stall hatte, und bath ihn inſtändig„ er möchte ihr doch in ſeiner Hütte ein Plätzchen gönnen/ um ihre Jungen ruhig ausſchütten zu können, Der Haushund erfüllte nach vielen Bitten ihr Begehren⸗ räumte ihr ſeinen Stall ein, und ſuchte ſich irgendwo anders im Hauſe zu unterbringen. Nach einer geraumen Zeit trat der Hund in ſeine Hütte, und ſagte der Hündinn, daß er ſich lange genug geduldet hätte; ſie ſollte ſich doch ein Mahl wegpacken, ſonſt wollte er ihr die Zähne weiſen. Doch die Hündinn ſpottete nur ſei⸗ ner, weil ihre Jungen ſchon ziemlich erwachſen wa⸗ ren, und biß den alten Hausinhaber dergeſtalt in ſein ledernes Camiſol, daß er die Flucht nehmen⸗ und die Hütte der Hündinn und ihren Jungen über⸗ laſſen mußte. ————— Der Reid. Sage Jemand zu der Frau Gunkelbergerinn, daß ihre Nachbarinn eine gute Wirthinn ſey; ſo wird ſie ſogleich aus Neid zu ſchaumen anfangen, ₰ wie ein ſiedender Hafen, die Zähne blöcken, wie ein bißiger Hund, die Farbe verändern, wie ein Einfatz bey den Laboranten. Was, wird ſie ſagen, meine Nachbarinn ſoll eine gute Wirthinn ſeyn? Iſt ſie doch Abends immer voll. Es ſteht bald da, bald dort ein Hafen voll Wein in dem Ofenloche, dabey ißt ſie gern gute Bißchen; gebratene Hühner, Spargel, junge Ganſe, zu Zeiten gebeitzte Täuv⸗ chen in einer Paſtette. Mein Gott, das Weib iſt ſchon von Jugend an das gute Eſſen gewöhnt; der Mann weiß den Teufel, wie es in der Küche zugeht. Ich eſſe die ganze Woche nichts, als Rindfleiſch, ſpare mir einen jeden Biſſen vom Munde ab, und verſtehe die Wirthſchaft beſſer, als manche andere. Potz tauſend, Frau Gevatterinn, wirft mir mein Mann wieder die Urſel vor, ſo gehe ich zu ihr, und raufe ihr alle Haare aus dem Kopf. Dieß geſchieht alles aus Neid. 3 Es wage Jemand im Beyſeyn eines dritten 3 Frauenzimmers der erſt erwähnten Dame zu ſagen, daß Frau Modeſtia eine prächtige, ſittſame, wa⸗ ckere, und ſtattliche Frau ſey. Wie? wird ſie ſagen, eine Frau, eine Metze iſt ſie. Ich habe ſie noch. als ein Mädchen von fünfzehn Jahren gekannt: ſie war eine wahre Löffelkatze, immer von jungen Bur⸗ ſchen umgeben— eine————— Sie hat, zwar jetzt einen Mann, wird aber das Naſchen gleichwohl nicht laſſen können, ſo wenig, als die Ka⸗ tze das Mauſen. — —— ———————— — 1 09— Die Todesnachricht. Ein Frauenzimmer fitzt einige Stunden vor dem Spiegel, ziert, ſchmiert und poliert ſich. Während ſie die Toilette macht, hört ſie die Glocken läuten, ruft daher die Kammerjungfer, um zu hören, wa⸗ rum das Geläute ſo groß ſey, und erhält zur Nach⸗ richt, daß ihre beſte Bekannte, Fräulein Charlotte d**s geſtern geſtorben ſey. Was, ſagt die Dame, Charlotte iſt geſtorben. Habe ich doch erſt vor zwei Tagen in der Geſellſchaft mit ihr geſpielt; ſie war luſtiger, als ich ſie jemahls ſah, und iſt geſtorben. O Gott, wenn auch ich ſo plötzlich ſtürbe! Inzwi⸗ ſchen fährt ſie doch fort, ſich zu ſchmücken; und in den Spiegel zu gucken. Sie kräuſelt ihre Haar⸗ locken, umſteckt ihren Kopf mit allerley Koſtbar⸗ keiten, daß ſie wie der geſiirnte Himmel ausſieht. Klage uͤber die ſchlimmen Zeiten. O liebe Frau Nachbarinn, ſagt eine zahnloſe Sabine, wenn ich auf zwanzig Jahre zurück denke, was waren da für Zeiten? Da gabs Geld; ich ha⸗ be im Winter an einem Abend mehr gebratene Ca⸗ ſtanien verkauft, als jetzt, wenn ich eine ganze Nacht über der Glutpfanne ſäße. Die Zeiten ſind ſchlimm. Herr Gevatter Barthelm! Siewiſen ſich wohl noch zu erinnern, was es für Zeiten gab. Was habe ich nicht für Silber ausgebrannt; man hat einen ehrlichen Rebach nehmen können? Jetzt bezahlt man einem Schneidermeiſter kaum mehr das Ma⸗ cherlohn. Die Zeiten ſind ſchlimm. Herr Wirth Venantius! was iſt das für ein ſauree Wein, und koſiet gleichwohl die Maß zwölf Kreutzer?(zwölf Kreutzer nur?27) Er iſt blaßer N —— ———————— —— — 115— Krämperſteiner. Der Wein iſt das vorige Jahr gar wohl gewachſen. Ja ſpricht der Wirth, die Mie⸗ the iſt groß; die Ausgaben und Anlangen wachſen und ſteigen immer höher. Die Zeiten ſind ſchlimm. Herr Meiſter Mehlkübel, Herr Bäcker und Pfiſterer! Waruu ſind die Semmeln ſo klein? Ein armer Tagwerker ißt ein Groſchenlaib auf, ehe ſich der Sperling auf dem Dache umkehrt. Gott hat uus ja mit einer reichen Erndte geſegnet: Ja ſpricht der Bäcker, es iſt nicht ſo„wie es war. Die Zeiten ſind ſchlimm. Herr Proeurator! Herr Collega! Herr Doe⸗ tor, ſagt ein guter Freund, ich bin verſichert, daß man mir vor einigen Jahren als einem aufrichtigen Biedermanne auf mein Ehrenwort 100 Gulden ge⸗ liehen hätte. Jetzt muß ich wegen 20 Gulden eine Handſchrift von ſechs Zeugen unterfertigen, und be⸗ ſiegeln laſſen, und noch dazu Haus und Hof ver⸗ ſetzen. Ja, freylich antwortet ein anderer, Herr Bruder, wie es ſchon geht. Die Zeiten ſind ſchlimm. Falſche Verſicherungen. Mancher Kaufmann verſpricht vor gewiß, die⸗ ſer oder jene Stoff ſey aus London oder Paris. Er iſt gar zart am Faden, liegt aber ſchon zehn Jahre in dem Laden. Der Buchhändler ſagt, das Buch ſey die neue⸗ ſte Ausgabe. Iſt eine alte Sfarteie mit einem neuen Titel. Der Weinwirth ſchwört z ſeiner Ehr⸗ und Treue, daß der Wein ächt und von dem beſten Ge⸗ —„—— —— — 11 2— birge ſey, er iſt aber ein verdorbener Wachauer, voll Hauſen⸗Blaſen, geſchwefelt und ſauer. Das Geſchäft des Wachshändlers iſt viel Ter⸗ pentin zu den Kerzen zu nehmen, daß ſie immer fli eßen. Der Leinwandhändler hat nicht ohne Grund gern finſtere Hütten und Gewölber, das Dunkle iſt ihm lieber als das Helle; denn in der Dunkelheit iſi die Leinwand ſtärker und ſchöner. Sieht man eine ſolche Leinwand beym hellen Lichte an: ſo wäre ſie gut zum Strohſack flicken. Gewürzkrämer verkaufen gefärbten Saffran in dem Auszuge für friſchen; das Gewürz hat keme Kraft, die Limonie keinen Saft. Mancher ver⸗ kauft Mauskoth für Pfeffer. Die Luͤgen der Zeitungsſchreiber. Dieſe verſtehen ſich trefflich auf die Multipli⸗ sation. Schreiben ſie von einer feindlichen Nieder⸗ lage, ſo ſetzen ſie ſtatt 400, 6, 7, wohl auch meh⸗ rere Tauſende. In ihre Extrablättchen miſchen ſie ſo viel Fabeln, abentheuerliche Märchen, welche meiſtens aus ihrem Gehirne entſpringen, und die ſolche Mißgeburten ſind, daß man ſie mit den Hän⸗ den greifen kann. Das Gwerbe der Welt. Laß dir verjuͤngert hier nach kleinem Meßſtab weiſen, Wie alle Welt erpicht nur aufs Gewinnen ſey. Der baut ein Haus, die Géſt' um Geld darinn zu ſpeiſen, Der legt ſich Guͤter zu durch ſchlaue Krämerey. Der bauet Korn und Wein, ein anderer ſchmelzet Schmeer, Und jener leiht der Laſt um Geld den Buckel her. Zwar Mancher möchte den allein fuͤr glucklich halten⸗ Der mit dem Sechs⸗Geſpann nach großen Hoͤfen fäͤhrt⸗ Der Müſſiggang. Der Müſſiggang iſt der Lehrmeiſter aller Sün⸗ den und Miſſethaten, ein Feind der Wiſſenſchaften, ein Vorbothe der Sorgen, eine Nacht des Verſtan⸗ des, ein Vater der Armuth, ein Lehrer der Unwiſ⸗ ſenheit, ein Verbanner dex Tugend, eine Herberg der Laſter, ein Polſter des Teufels, ein Greuel vor Gott und ein Grabmahl für lebendige Menſchen⸗ Faulheit und Müſſiggang verurſachen alles Uebel in den meiſten Sachen, in dem Eiſen den Roſt, in dem Holz den Wurm, in dem Tuch die Schaben, in dem ſtehenden Waſſer die Fäule, auf dem Acker das Unkraut, in dem Hausweſen das Verderben, in der Armuth böſe Gedanken, und in böſen Ge⸗ danken mannichfaltige Sünden. Anekdote. In Sachſen ſoll es ſich ereignet haben, daß der Hofnarr eines daſigen Churfuͤrſten einem Zim⸗ mermanne den er auf dem Zimmerplatze auf den ab⸗ gefallenen Holzſpanen ſchlafend antraf, mit ſeiner eigenen Hacke den Kopf abgeſchlagen und folchen mit folgenden Worten dem Fürſten übergeben hat: „Herrle, Herrle, ich habe deinem Zimmermanne einen Poſſen geſpielt; wenn der Kerl munter wird⸗ wie wird er nicht ſeinen Kopf fuchen!— — Die Spinne und das Podagra. Ein? Fabel. Die Spinne und das Podagra begegnetei ſich einſt. Meine liebe Freundin, ſagte das Podagra zů ihr, wo geheſt du hin?— Ich gehe, erwiederte die Spinne, mir eine Herberge zu ſuchen⸗ Ich auch, ſprach das Podagra. Wo werden wir aber dieſe fin⸗ den?— Ich, außerte ſich die Spinne, gehe in den nächſten Pallaſt eines großen Herrn; denn ich kann gar eine zierliche Arbeit, mein Gewebe nämlich⸗ welches zugleich den Fliegen eine Schlinge iſt, und ſo glaube ich gar freundſchaftlich aufgenommen zu wer⸗ gen. Ich/ verſetzte das Podagra, bin unglückſeli⸗ der als du, da man foögar meinen Nahmen nicht leiden mag. Bald heißt man mich den Krampf in den Füßen, bald das Hühneraugenweh, bald die kalte Gicht, bald das Rothlauf; kein Menſch will das Podagra haben und daher will ich zum nächſten⸗ beſten Bauern einkehren, vielleicht wird der die Ein⸗ kehr mir doch nicht verſagen. Hierauf ſchied die Spinne vom Podagra. Erſtere machte ſich in eines ſchönen Herrn Zimmer, das Podagra in eine ar⸗ me Bauerhütte⸗ Als aber die Dame das Spinnengewebe in ih⸗ rem Zimmer erblickte, ließ ſie ſogleich daſſelbe durch ihr Stubenmädchen zerſtören, ſo, daß die arme Spinne mit größter Lebensgefahr davon kam. Wie aber ging et dem Podagra in der Bauernhütte?— —— Der Bauer faß rauſchig bey dem Tiſche, als er auf ein Mal ſchmerzendes Kitzeln in ſeinem Fuße wahruimmt. Au weh urſchel; fagt er zu ſeiner Frau, wie thut mir der Fuß ſo wehe⸗ Jetzt ſpricht Patat urnpat* 5 — — 114— das Weib: Mein Lenzel, es wird ſicher das ſaubere Podagra ſeyn; gehe auf den Acker bewege dich, ar⸗ beite und laß mir dieſe fatale Krankheit nicht ein⸗ wurzeln. Holla, gedachte das Podagra, hier iſt kein Ort für mich; ich will lieber mit der Spinne tauſchen. Der Tauſch wird gemacht bey der näch⸗ ſten zweiten Zuſammenkunft, und die Spinne be⸗ gibt ſich zum Bauern, das Podagra aber in den Pallaſt. Alle beyde waren recht willkommen. Der Bauer ließ die Spinne ungeſtört in ſeinem Zimmer, das Podagra aber machte ſeine Einkehr in den Fü⸗ ßen des Großen und lachte alle Aerzte aus. Muſſige Frauenzimmer. Es gibt müſſige Frauenzimmer welche an kühlen Sommerabenden unter der Hausthüre, wie ein Stock vor einer Bildhauer⸗Huͤtte, ſtehen; aber aus der⸗ gleichen Stöcken werden gar ſelten heilige Jungfrauen geſchnitzelt; denn ihr vielfältiges Plaudern, Pol⸗ tern, und Leutausrichten machet ihnen in dem Schul⸗ denbuche bey Gott ein großes Nota bene. die Anslänferinnen⸗ Durch vieles Auslaufen und Gaſſentreten wer⸗ den die Jungfrauen den Krapfen gleich, welche weiß in 36 Bad gehen und braun wieder herausfommen. enſchliche Mängel. iſt in Allem ſo vollkommen, daß er nicht auch in ſeinem Garten ein unfraut„daß er auszurotten hat. Ve cſtellung alter Männer. Mancher Greis ſtellt ohngeachtet ſeiner grauen Haare einen Jüngling vor, iſt ein verliebter Rarr, — 2——— * feine Füße ſehen aus wie ein umgekehrter Kegel, und dennoch macht er mit dieſen zu Zeiten einen gezwun⸗ genen Bockſprung; auch kann er das Huſten vor den Frauenzimmern meiſterlich verbergen, wie auch ſei⸗ ne übrigen kövperlichen Gebrechen, die das Alter mit ſich bringt. Alles hat ſeine Zeit⸗ zum Lachen, Zeit zum Weinen. zum Frieden, Zeit zum Greinen. — Riederreiſſen,—— Bauen. Zeit Zeit —— SAckern—— Hauen.. —— Gewiunen—— Verlieren. —— Heimbleiben—— Spatzieren. —— Trauern—— Singen. —— Sitzen—— Springen. —— Sen—— Schneiden. —— Fommen—— Scheiden. —— Reden—— Schweigen. —— Trommeln—— Geigen. —— Tanzen—— Layern. —— Arbeiten—— Feyern. Die Zeit. Die Zeit iſt der beſte Rathgeber, aller Dinge Erfinderin, der größte Schatz und eine vergebliche Wiederkunft. Die entflohene Wahrheit. Suchet auf Erden hin und her, Ihr findet wenig Wahrheit mehr. 8* Es iſt ein Schwert, das immer richt. . — 116— Die Aligemeinheit der Luge. Wenn man heutzutage zu einer jeden Lüge pfeif⸗ fen wollte, müßte man ſtets einen geſpitzten Mund machen. Am meiſten aber lügen die Menſchen, wenn ſie im Vaterunſer auf die Stelle kommen; Herr, vergib uns unſere Schulden, gleich wie wir verge⸗ ben unſern Schuldigern. eteichniſſe. Manche Menſchen gleichen den Brenneſſeln; man rührt ſie kaum an, ſo brennen ſie. Andere den Feuerſteinen, die bey dem leichte⸗ ſten Schlag Funken von ſich geben. Die Gelegenheit. Die Gelegenheit iſt der größte Dieb, ein Teu⸗ fel über alle Teufel. Sie bethhret die Weiſeſten⸗ entkräftet die Stärkſten, befleckt die Keuſchſten, hintergeht die Behutſamſten, und verführt die Hei⸗ ligſten.— Das böſe Gewiſſen. Ein böſes Gewiſſen iſt ein Henker, der ſtets foltert, Ein Geſpenſt das immer poltert; Es iſt ein Schuh der immer druͤckt, Ein Feind, der nicht vom Patze rückt. Es iſt ein Dorn, der immer ſticht Es iſt eine Uhr die immer weckt Und ein ſchweres Wetter, das Alle ſchreckt. — v ——————— Es iſt eine Krankheit, die immer ylagi. Ein Herzenswurm, der ewig wagt⸗ Böſe Weiber⸗ Böſe Weiber ſind fürwahr eine große Marter. Will der Mann in die Predigt gehen, ſo lieſt ſie ihm ſchon zu Hauſe das Capitel vor; will er in den Beichtſtuhl gehen, ſo wirft ſie ihm, ehe er aus dem Hauſe gehet, alle ſeine Sünden vor und er findet in chr ſeinen Beichtſpiegel. Das Geld⸗ Das Geld richtet Alles/ das Geld ſchlichtet Al⸗ les, das Geld bindet Alles⸗ das Geld ſiberwindet 6. Alles, das Geld entſchuldiget Alles, das Geld be⸗ : fördert Alles, das Geld verblendet Alles⸗ Das Geld ſtreicht allen Laſtern eine Farbe an; es legt allen Wunden ein Pflaſter auf, es macht alle krum me Handel gerade es errettet ſogar Man⸗ chen vom Rad und Galgen⸗ Das Geld gleicht einer Sonne; wenn dieſe nicht ſcheinet, ſo iſt trubes Wetter. X Die Welt⸗ Die Welt gleichet einem Jäger, der mit den Windſpielen manchen einfältigen Haſen erwiſcht Die Welt gleicht einem Seiltänzer. Sie macht nur eitle Luftſpringe, damit ſie andere zum Stur⸗ ze locke.— Die Welt iſt gleich einem Schützen. Sie ſchie⸗ et aber nur mit Windröhren, in die man go dene 3* — Worte hineinladet, welche bald wieder in der Luft verfliegen. Der hriſtliche Soldat. Bey einem chriſtlichen Soldaten muß an dem Degen der Handgriff durch wahre Gottesſurcht an⸗ gelegt, das Stichblatt durch Rechtſchaffenheit und Geduld befeſtiget, der Rücken durch Klugheit ver⸗ doppelt, und die Schneide durch unverdroſſenen Fleiß geſchliffen ſeyn. Weibliche Vosheit. Es gibt keine höhere Bosheit, als jene, deren ein Weib fähig iſt. Die Eigenſchaft der Weiber zu unter halten. Ein Weih kann unterhalten, wie ein Affe, brum⸗ men wie ein Bär, heulen wie eine Eule, lecken und kratzen wie eine Katze; ja es kann weinen, wenn es will, wie das Crocodill. Die Undankbarkeit. Die Undankbarkeit iſt ein brennender Wind, die den Brunnen der göttlichen Barmherzigkeit austrock⸗ net, die Ausfllüſſe der Gnade, und den Abgrundider Güte Gottes. Die Schönheit. Die Schönheit iſt liebreich, lobreich, luſtreich, jedoch ein ſchlüpfriger Steg, und ſelten ein Him⸗ melsweg. — 110— Diemenſchliche Seele. Die unſterbliche Seele eines Menſchen kann nach ihrer urſprünglichen Erſchaffung mit einer ſehr ſchönen Blume verslichen werden⸗ die gleich in ihrer erſten Blüthe durch den Reif erfrieret. Sie kann verglichen werden mit der aufgehen⸗ den Sonne, die gleich Anfangs von einer Wolke verfinſtert wird; mit einem vollen Waizenkorn, das aber, ehe es noch die gehörige Reife erlangt hat, vom Hagel abgeſchlagen wird⸗ Sie gleicht einem ſchönen Gewächſe, das bald nach ſeinem Hervorkeimen von einem giftigen Wur⸗ me abgebiſſen wird. Sie gleicht endlich einem reich beladenen Kauf⸗ mannsſchiffe, das aber gleich bey ſeinem erſten Aus⸗ laufe Schiffbruch leidet. Gottfried von Vonillon, Herzos zu Loth⸗ ringen. Als dieſer Herzog die Stadt Jeruſalem mit gewaffneter Hand erobert und nunmehr als König mit einer goldenen Krone ſollte gezieret und trium⸗ phirend durch die Thore der Stadt eingeführet wer⸗ den, ſo legte er alle königliche Pracht von ſich unter dem Vorwande ab, daß es ſich nicht gezieme durch dieſe Thore der Stadt mit einer königlichen Krone zu gehen, durch welche ſein Heiland und Erlöſer mit einer martervollen Dornenkrone eingezogen wäre. Die gute Lehre⸗ Ein gelehrter Prediger beſtieg einſt die Kan⸗ ——— — 26— und weil er viele ſtarke Zechbrüder unter ſeiner Gemeinde wußte, ſo gab er ihnen die Lehre, ſie ſollten trinken wie Ochſen und Kühe; denn hat ein Hchſe oder eine Kah genug getrunken, ſo wird man dieſe Vernunftloſen mit allen erdenklichen Zwangsmit⸗ ietn nicht mehr hahin bringen, ſich zu überſaufen⸗ Menſchliche Metamorpho ſen. Die Argliſt macht die Menſchen zu Füchſen, die Grauſamkeit macht ſie zu Hyanen, die Hoffart zu Pfauen, die Geil heit zu Schweinen und der Neid zu biſſigen Hunden. Bildnitdes Reides. Der Reid wird von einem bekannten Gelehr⸗ ten unter dem Bildniße eines halb nackenden und magern Weibes, mit dürren, weit herabhangendeu Bruſien, aus deſſen Bruſt das bloſſe Herz ſich her⸗ vordrängt, welches ſich ſelbſt benaget; übrigens iſt dieſes Weib mit rothen und triefenden Augen ouf einen dornigen Stock gelehnt, dargeſtellt. Dieverlohte Wachskerze. Ein Schiffer kam einſtens auf dem Meere in die äußerſte Lebensgefahr, daher verlobte er dem hei⸗ ligen Schutzpatrone der Schiffenden eine Wachsker⸗ ze, die ſo groß ſeyn ſollte, als der Maſtbaum in ſeinem Schiffe. Dieß hörte ſein Sohn, der zu ihm ſprach: Ach liehſter Vater, wo wollen wir doch ſo viel Wachs hernehmen. Eine ſolche Kerze kommt ja auf bohes Geld und unſere Mittel erſtrecken ſich nicht ſo weit. Hierauf antwortete ihm ſein Voter: Märrchen, laß uns nur ans Land kommen; dann thuts wohl auch ein Kreuzerlichtchen 2 4— — 121— Die Allegorie auf die Liebe. Die Liebe wird in Geſtalt eines geflügelten Knaben, die Flüchtigkeit der Liebe damit anzudeu⸗ ten, abgebildet. In der Rechten führet er zum Beweiſe ſeines Sieges ein feuriges Herz, in der Linken einen Scepter, als ein Zeichen ſeiner Macht.—. Den Tod hingegen mahlet man ganz häß⸗ lich, ohne Ohren, weil er keinen Bitten Gehor gibt; ohne Augen, weil er keinen Menſchen, er mag jung oder alt, reich und vernehm over arm ſeyn, anſtehet. In ſeiner Hand halt er eine Senſe, mir der er die Menſchen ohne Rückſicht abmähet; und zu ſeinen Füßen liegen zertrummerte Thronen⸗ zerſplitterte Scepter, zerbrochene Kronen, mit Hacken und Faeen vermiſchet, ais Seweiſe ſeiner Unpartheilichteit. Die Welt. p Dieſe Welt iſt ein lauteres Meer und der Tod iſt das Geſtade, an dem wir alle landen müſſen- Der Werth der Zeit. Wir Menſchen ſuchen und verlangen immer nach Zeitvertreib. Uuterdeſſen werven wir von der Zeit in das ſchwache Alter vertrieben, da erſt erkenuen wir den Werth der Zeit, und fangen uber die Entflohene an zu klagen. Ein Mohr wurde von ſeinem Herrn zu einem etwas entfernten Edelmanne in wichtigen Angelegen⸗ heiten geſchickt. Als derſelbe bereus eine große Strecke Weges zu Pferde zuruckgeiegt patte, verlohr — 1 1 1 ii — 122— er auf einmal die rechte Straße, und wußte nun nicht, welchen Weg er einſchlagen ſollte. Jetzt er⸗ blickt er einen Bauer, auf den er ſogleich zureitet; der aber, da er noch nie einen Mohren geſehen, den hibhaften Teufel zu ſehen vermeinend, aus allen Kräften zu laufen anfing. Da ihn aber der reiten⸗ de Mohr bald wieder einhohlte und ihn um den rechten Weg fragte, ſo ſiel der Bauer voller Angſt zitternd auf ſeine Knie nieder, hob beyde Hände in die Höhe und ſprach: Ach gnädiger Herr Teufel! wenn ihr euch vor jenem Kreuze nicht furchtet, dort geht der rechte Weg in das Schloß.. Recht herzlich mußte der Mohr hierüber bey ſich ſelbſt lachen, und der Bauer ſchöpfte neues Le⸗ ben, als er den vermeinten Teufel losgeworden war. Die unedle Rache. Nichts entehret den Menſchen ſo ſehr, als eine unedle Rache. Der Menſch ſoll die gerechte Rache an ſeinen Feinden Gottes Sache ſeyn laſſen, und ſich ſelbſt dann nicht rächen, wenn Rache Gerech⸗ tigkeit wäre. Die Maus in der Einſamkeit. Ein Mäuschen entſchloß ſich das Weltgewirre zu fliehen und ſich in die Einſamkeit zu begeben; doch wohin ſollte es am füglichſten ſeine Zelle bauen? — Hierüber in Betrachtungen verlohren, fiel ihm plötzlich ein großer Käſe in einer Speiſekammer ein, in welchen ſich einſam einzugraben, das friedliche Mäuschen beſchloß. Glücklicher hatte nun das Mäus⸗ chen wohl nie gelebt, als in dieſer ſeiner neuen Zelle; denn Eßwaaren und beſonders Käfe gehörten ja von jeher zu ſeinen höchſten Geuüſſen, und eine Käſe⸗ ———— wohnung mußte es ja nun vollends glücklich machen. — So auch entſtand manches Floſter umgeben von trefflichen Weinbergen und geſegneten Frucht⸗ feldern. Die Reichen. Die Reichen könnten Götter dieſer Erde werden/ wenn ſie die himmliſchen Gefühle, Unglückliche glück⸗ lich gemacht zu haben, recht innig jemals empfin“ den möchten. Der Figennutz⸗ Richts entehret das Chriſtenthum mehr, als der Eigennutz, dieſe herrſchende Leidenſchaft nieder⸗ trächtiger Seelen. Meide denſelben, denn er iſt vor Gott ein Gräuel, und erfährt allezeit die Ver⸗ achtung edeldenkender Menſchen. Syruüſchwörter. Gute Erziehung gibt eine fromme Zugend. Trau, ſchau, wem. Wer einmal lügt, Dem glaubt man nicht, Und wenn er auch die Wahrheit ſpricht. Wer viel ſchwöret, der lügt auch viel. Wer ſeinen lieben Gott weiß herzlich zu verehren, Dem wird es niemahls ſchwer, die Böſen zu bekehren. — Je tugendhafter der Menſch ſich glaubt und halt, Deſto leichter und öfter er ſtrauchelt und fallt. Wer nur urtheilt nach dem Schein, Wird recht oft betrogen ſeyn. Ver viel grübelt nach verborgenen Dingen. Wird ſich nie Zufriedenheit erringen. Wenn der Mann auch fieißig iſt, Die Hausfrau aber der Wirthſchaft vergißt, So kommen ſie endlich Beyde auf den Miſt⸗ Die vermeinte Tugend. Wer ſich ſchon für gut hält, weil er einiges Gutes thut, wie z. B. Ber jetzt betet und dann wieder fluchet; heute gewiſſenhaft faſtet, und mor⸗ gen ſich betrinket; deſſen Tugend iſt nur ſend Flickwerk. Die r zur ſtationaftracht Manche Nationen tragen ſo eine große Liebe zu ihrer Nationaltracht, daß ſie dieſelben ſogar an den Altären ihrer Kirchen anbringen, wie man dieß oft in Spanien zu ſehen Gelegenheit hat, wo man⸗ ches Altarblatt die Mutter Gottes, das Jeſukind und andere Heilige in ſpaniſcher Kleidung darſtellt. Die unw iſſenden Grauſamen. Manche Menſchen ſind ſo unwiſſend und den⸗ ken ſo wenig, daß ſie ohne Barmherzigkeit und Mit⸗ leid kleine Thierchen/ als Inſekten, Würmer u. ſ. w. martern und quälen können. Stellt man ſie zur Re⸗ de, ſo antworten ſic: Was liegt denn an einem ſchädlichen Wurme?— Ich aber frage ſie, ob der Wurm erſchaffen iſt, um ſich von grauſamen Men⸗ ſchen wiederum tödten zu laſſen und ob ſie glauben, daß ein Wurm gar kein Gefühl habe?— Wenn die Menſchen bey ihren Handlungen mehr denken und überlegen möchten⸗ als ſie wirklich den⸗ zen und überlegen, ſie würden gewiß weniger böſe ſeyn, als ſie es wirklich ſind. So ſoll der römiſche Kaiſer Nero, einer der größten Böſewichte die es je gegeben hat, dadurch ſo grauſam geworden ſeyn, daß er in ſeiner Kind⸗ heit ſich ſo gerne damit beſchäftigte, Fliegen und Fäfern die Flügel und Füße auszurupfen, um ſich dann an ihrem Zappeln zu ergötzen. Dergute Hausvater. Ein guter Hausvater iſt das Symbol Gottes. So wie dieſer mit ſeiner Liebe und mit ſeiner Güte den ganzen Erdball und alle auf ihm lebende Ge⸗ ſchöpfe umfaßt, ſo weiht jener ſein ganzes Leben und Wirken mit Liebe und treuer Sorgfalt ſeiner Familie. — Die Ehe. Der Mann ſoll ſich ein Weib ſuchen, das er liebt und ſchätzt, und es ehlichen. Allein gleicht er dem Weinſtoce ohne Reben. Sprüͤſchwörter. Luſt und Liebe zu einem Dins Machet alle Müh' gering⸗ 126— Wer Weniges nicht ehrt, I„ſt Vieles nicht werth. Soll dir den Lag über, Alles von Statten gehn, So mußt du den Morgen mit Gebet begehn. Lehre für ſtarke Eſſer. Merkt euch ihr Eſſer doch die merkenswerthe Lehr' Wer wenig ſpeiſt, der ſpeiſt recht lang und deſto mehr. Die Geſchichte Adams und Evas iſt der beſte Beweis, daß das weibliche Geſchlecht von jeher viel über das männliche vermocht hat. Wäre Eva nicht geweſen, gewiß hätte Adam aus eigener Lüſternheit nicht in den Apfel gebiſſen, aber— wer weiß es— nicht, wozu einen ein reitzendes Weib nicht verfüh⸗ ren kann.— Mancher Mann würde bey mancher Gelegenheit anders handeln, wenn er nicht von dem Einfluſſe ſeines Weibes abhänge; ob es jedoch nicht auch viele Fälle gibt, wo dieſes mit Recht und zu 4 ſeinem Vortheile Statt findet, dieſes unterliegt kei⸗ nem Zweifel. Das Geſicht. Das Geſicht iſt der Spiegel der Seele. Wer in dieſen richtig zu ſchauen vermag, kann leicht in 3 ihm die Abdrücke innerer Empfindung und Denkungs⸗ 6 art leſen. X . —— Der Schwan. Manche Eigenſchaften verſchiedener Thiere kön⸗ nen dem Menſchen zur Belehrung dienen. So hat vielleicht der Schwan zuerſt in den Schiffsleuten die Idee, mit Segeln zu ſchiffen, erweckt; da er, wenn er den Wind im Rücken hat, ſeine Flügel in einer Wölbung erhebt, und ſo ſich derſelben ſtatt ſeiner Segel bedient, um ſeine Farth zu beſchleunigen.— Richt minder verdient der Schwan ſeiner Liebe zur Reinheit wegen allen Verehrern des Schmutzes und der Unreinlichkeit als Muſter der Nachahmung vorgeſtellt zu werden. Der übermuͤthige. Der, dem Glück und Gut und zum Schwulſt die Seele blaͤht, Fůlt in den Spott des Volk's, wenn ſich das Gluͤck verdreht. Woher ſchreibt ſich die Vergleichung der Schneider mit den Ziegenboͤcken her? Einſt ſoll durch eine gewiſſe Anzahl kleiner Schnei⸗ derlehrjungen eine Feſtung, die durch Feinde aus⸗ gehungert werden ſollte, auf die Art gerettet wor⸗ den ſeyn, daß ſich dieſe in Ziegenhäute einnähen lie⸗ ßen und ſo verſtellt auf den Wällen herumhüpften, worüber die Feinde, die vermeinten Ziegen erbli⸗ ckend, den Muth verlohren, die Belagerung länger fortzuſez en, nachdem ſie ohnehin ſchon ſo lange gedauert hatte.— ————————. ,. Sprüchwörter. Der Müſſiggang, Bringt Untergang. Nichts iſt ſo fein geſponnen, Daß es nicht käme an die Sonnen. Von Außen: Hui! Von Innen: Pfui!— Die entflohene Wahrheit. Suche die Wahrheit, wie Diogenes die Men⸗ ſchen, bey hellem Tage mit der Laterne, duwirſt keine mehr auf Erden finden, denn ſie iſt iisi Pegen Himmel geflogen. Die dummen Reichen. Wenn gleich Stroh im iſt, und das Ge⸗ nie mit langen Ohren verſehen iſt, das ſchadet nichts — das Gold und S erhebet und befördert zu je⸗ der Würde. Mancher ehrliche, geſchickte der ſich manichfaltige Kenntniſſe erworben, der viel erfahren hat, kann dennoch nicht emporkommen, weil er arm und ohne Geld iſt. Welt, Welt!— Dich regiert das Geld.— Die Hhrigteiten. Die Obrigkeiten ſollten den Roſen gleichen, — 129— welche ergötzen und verletzen. Sie ergötzen durch weiſe Maßregeln die Tugendſamen und Rechtſchafſe⸗ nen, verletzen hingegen die Unbändigen und die La⸗ ſterhaften mit dem Stachel der Züchtigung und wohl⸗ verdienter Strafe.— Das Intereſſe. Es gibt ein Thier mit neun Füßen; dieſes läuft durch die ganze Welt. Noch hat man kein Land entdeckt, auf dem es nicht anch gefunden worden wäre. Es heißt Intereſſe. Falſcher Schein⸗ Auf dieſer Erde ſcheinet Mancher heilig und vollkommen zu ſeyn; aber dieſe vermeinten Heiligen gleichen vollkommen einem weißen Bogen Papier, auf den man mit Zitronenſaſt geſchrieben hat, der ſchön weiß bleibt, ſo lange er nicht uber das Feuer gehalten wird, wo dann erſt die Schrift lesbar wird. Die boͤ ſe Gelegenheit. Viele Hunderte haben ihr Leben am Galgen geendet, viele Hunderte ſind auf die Räder geflochten oder durch das Schwerdt des Henkers getödtet, oder auf dem Scheiterhaufen verbrannt worden, weil ſie Diebe, Mörder, Verräther des Vaterlandes wa⸗ ren u. ſ. w. aber die böſe Gelegenheit iſt der größte Dieb, der argliſtigſte aller Teufel. Die Goͤtzen gegenwaͤrtiger Zeiten. Geitz, Wollüſte und eitle Ehre ſind noch heut zu Tage die Götzen, denen alles geopfert wird. Stolz, leidenſchaftlicher Ehrgeitz, Herrſchſacht Pater Abraham 1½ 9 ————— . . ———————.——.- — 130— können den meſhen zu den größten Grauſamkeiten führen. Die Die Tugend iſt die einzige Bedingung eines glück⸗ ſeligen Lebens, der Böſe, Wteſii kann nicht wahrhaft glücktich ſeyn. Adam und Eva. Eva biß in den verbotenen Apfel, und Adam folgte ihrem böſen Beyſpiele nach. Wie viele Fille gibt es auch heutzutage noch täglich, wo das Weib gleich der Eva, ihren Mann, das Adamskind zu ſ erlaubten Schritten durch ihre Schmeicheleien ver⸗ ührt.— Die Manche Menſchen blenden die Vorſpieglungen des Lotterieſpiels dergeſtalt, daß ſie mit Brodſuppe zum Mittagmale und mit einem elenden Strohſacke als Nachtlager verlieb nehmen, bloß um ihre lei⸗ denſchaftliche Reigung zu dieſem Sih zu können. Anekdote. Ein witziger Bauer trat einſt in eine Apotßecke und fragte, was denn in dieſer verkauft würde. Der Apotheker erwiederte: Allerley. Nun ſo gebe mir der Herr, antwortete der Bauer, um ein Paar Groſchen Speck und einen Laib Brod dazu.— Die muthvolle Magd. In einem Wirthshanſe befand ſich eine Magd, wettete, um Wiinht einen . — 131— vom Kirchhofe hohlen zu wollen. Einer der anwe⸗ ſenden Gäſte, welcher dieſes hörte, nahm die Wette an, und begab ſich um Mitternacht heimlich in die Todtenkammer des Kirchhofes. Die Magd erſcheint richtig zur feſtgeſetzten Stunde, und ergreift einen Schädel, um ihn fortzutragen; aber plötzlich erhebt ſich eine hohle, klägliche Stimme, gleich wie aus ei⸗ nem Grabe, welche die Worke ſpricht; Laß meinen Kopf da! Die Magd warf alſogleich dieſen Schädel weg und ſagte ganz gefaßt: Da haſt du ihn wieder und nahm hierauf einen andern. Jetzt ertönte zum zweiten Mahle die nämliche Stimme, die vorigen Worte wiederholend; aber nunließ ſich die beſonnene Magd in ihrem Porhaben nicht mehr ſtören und ſagte: Geh', geh' du kannſt ja nicht zwei Köpfe haben. Der einfaͤltige Bauer⸗ Einſt machte in Ungarn ein Edelmann eine Reiſe zu Pferde. Schon hat er faſt das Ziel ſeiner Reiſe erreicht, als er an einen großen Sumpfkömmt, den er ohne Berathung eines benachbarten Bewoh⸗ ners deſſelben nicht zu durchreiten wagt. Endlich ſieht er einen Bauer, den er frägt, ob er wohl mit ſeinem Pferde durch den Sumpf durchkommen wür⸗ de?— Der Bauer fragt nun den Edelmann, ob er die lateiniſche Sprache verſtünde, und als ihm dieſe Frage bejahet wird, ſo ſpricht er zu ihm;: O⸗ reitet nur zu, ihr kommet ſicher durch. Der Edel⸗ mann, der dieſen Rath befolgte, hatte kaum einige Schritte zurückgelegt, als er mit ſeinem Pferde ſte⸗ Cen blieb und durch herbeieilende Landleute mit gro⸗ ßer Mühe aus dem Sumpfe gezogen wurde. So⸗ gleich begab er ſich nun zum Richter des nächſten Ortes und verklagte den Bauer, der ihm gerathen 9 — 132— hatte, den Sumpf zu durchreiten.— Der Bauer wird vor Gericht geladen und wird ins Verhör ge⸗ nommen; aber er entſchuldigte ſich dadurch, daß ihm ſein PVater verſichert habe, ein Mann mit der lateiniſchen Sprache käme durch die ganze Welt fort; um deſto eher habe er daher geglaubt, das man mit ihr durch einen Sumpf glücklich reiten werde können.— Der Richter und der Kläger mußten über die Dummheit des Bauers lachen und ſo blieb er ohne Strafe. Di ogenes. Dieſer wunderbare Weltweiſe ging einſt am hellen Tage mit einer brennenden Laterne über den Markt. Als man ihn fragte, was er ſuche, ant⸗ wortete er, Ich ſuche Menſchen, wie ſie ſeyn ſoll⸗ ten!— N Der Gottder Kanfleute. Bey den Griechen und Römern war den Kauf⸗ leuten Merkur, der Gott des Handels und der Lüge, geheiliget. Daher kömint es wohl, daß auch heut⸗ zutage noch die Kaufleute im Lügen ſo wohl bewan⸗ dert ſind. Perkaufen ſie Waaren, die vom Spit⸗ ttelberg her ſind, ſo ſchwören ſie hoch und theuer⸗ das ſie von Paris, oder von London her ſeyen, findet man die Preiſe zu hoch, ſo ſchwören ſie nicht minder, daß ſie der Einkauf der Waare ſo hoch gekommen, daß ſie bey ihrem gegenwärtigen Verkauf beſtimmt daran Verluſt hatten u. ſ. w. Das Lügen iſt bey Kauflenten ſo gemein, Wie bey den Schwaben der Haſerhrein, . Fragen und Antworten⸗ Frage. Womit ſtiftet der Menſch recht viel Gutes und doch auch zugleich viel Böſes?— Antwort. Mit der Zunge. Frage. Was hat in der Welt den ſchnellſten Lauf? Antwort. Die menſchlichen Gedanken. Frage. Was iſt noch veränderlicher als die Farbe des Chamäleons. Antwort. Die Geſinnungen mancher Menſchen. Frage. Velches ſind die ſchönſten aber auch fal⸗ ſcheſten Katzen?— Antwort. Die Weiberkatzen. Srage. Welcher Wurfthut den gefühlvollen Men⸗ ſchen am meiſten wehe?— Antwort. Ein Vorwurf erzeugter Wohlthaten. Frage. Welches ſind die ſtärkſten Menſchen auf der Wel Antwort. Die Gott vertrauen. Frage. Wer hat nie Seinesgleichen geſehen?— antwort. Gott. — RNero, der Grauſame⸗ MNero, ein römiſcher Kaiſer, ließ ſeinen Vater und ſeinen beſten Freund vergiften, ließ ſeine Mut⸗ ter tödten, wie auch ſeine erſte und zweite Gattin, welche Letztere ſchwanger war. Seinen Lehrer ließ er in einem Bade alle Adern öffnen und ihn auf dieſe Art ums Leben bringen. Einſt ließ er die Stadt Rom an mehrern Orten anzünden, beſtieg hierauf einen Thurm, um ſich an dem Schauſpiele dieſes Brandes zu ergötzen. Er war ein großer Chriſten⸗ feind, deren er viele ſpießen, lebendig ſchinden und verbrennen ließ. Ja er ließ ſogar einige mit Pech überſtreichen, die er dann an die Pfähle ſeines Gar⸗ tens anzubinden und ſie anzuzünden befahl. Grabſchrift eines Säufers. Der Saͤufer Harpax lieget hier; Der dreißig Jahr in ſeinem Leben Dem Weine'alſo war ergeben, Daß er noch nie, o glaubt es mir Die Sonne nüchtern hat erblicket, Bis ihn das Zipperlein geſchicket, In dieſes finſtre Todtenhaus, Den langen Rauſch zu ſchlafen aus. Warnung. Verlaß' dich nie auf großer Herren Gunſt; Denn dieſe iſt gewöhnlich nichts als Dunſt. Die Wohlthaten. So wie die Nachtviolen in ihrer Eingezogen⸗ heit nur im Dunkel der Nacht ihre Kelche öffnen und die Luft mit ihrem göttlichen Geruche ſch wängern, ſo ſollten guch die Menſchen ſo viel als möglich nur — „ im Verborgenen ihre Wohlthaten gegen Huͤlfsbe⸗ dürftige ausüben.— Der Lowe. Der Löwe, der König der Thiere, iſt in ſeinem Grimme ein fürchterliches Thier; er kann aber auch ſanft und großmüthig ſeyn.— Wie mancher Herr⸗ ſcher dürfte ſich ihn zum Muſter nehmen. Die Affen. Wer hat nicht ſchon die lächerlichſten Beyſpiele von der Rachahmungsſucht der Affen erzählen ge⸗ hört. Hier nur einige. Ein Fürſt beſaß einen Affen, der es ſich zur Gewohnheit gemacht hatte, täglich den Schuſter ſei⸗ nes Herrn, der in der Nachbarſchaft wohnte, heim⸗ zuſuchen. Hier hatte er denn oft Gelegenheit zuzu⸗ ſehen, wie des Schuſters Frau das Weinen ihres kleinen Kindes entweder durch den Zutzel oder durch andere Nahrungsmittel, beſonders oft durch das ſogenante Kindskoch, zu ſtillen pflegte. Einſt ſtattet der Affe wieder ſeinen gewöhnlichen Beſuch ab; aber kaum iſt er in die Stube eingetreten, als plötzlich auf der Gaſſe Feuerlärm entſteht. Hierüber aufge⸗ ſchreckt laufen Alle hinaus, der Affe allein bleibt zurück. Das Kind erwacht über den Lärm und fängt heftig an zu weinen. Geſchäftig nimmt nun der Affe den Topf mit der Schuſterpappe von der Werk⸗ ſtätte herab, und beginnt dem armen Kinde mit dem zähen Brein den Mund zuzuſtopfen und es ſo zum Schweigen zu bringen. Jetzt kehren die Aeltern, gerade noch zur rechten Zeit zurück, um ihr Kind vor dem Erſtickungstode zu retten⸗ deſſen Geſicht ſchon blau und ſchwarz geworden war. — 136— Ein anderer Affe hatte oft, wenn der Balbie⸗ rer ſeinen Herrn raſirte, einen aufmerkſamen Zu⸗ ſchauer abgegeben. Einſt, als er ſich allein befand, 4 wollte er einen Verſuch ſeiner Geſchicklichkeit im Raſiren ablegen. Er fing ſich zu dieſem Behufe eine Katze, feifte ſie mit den lächerlichſten Geberden ein, und begann nun mit einem großen Brodmeſſer die arme Katze auf eine unbarmherzige Weiſe an zu ſchin⸗ den, bis ihr Zetergeſchrei Menſchen herbeilockte, die ſie von dieſer barbariſchen Operation befreiten. Der Werth eines guten Freundes. Wer einen guten Freund nicht mehr als Silber ehrt: Der iſt des Gluͤcks nicht werth, das Freundſchaftuns gewährt.„ Dieentlarote Hepe. Eine Bäurin benutzte lange das Vorurtheil und 3 den Aberglauben ihrer Nachbarn, indem ſie Nachts um die Mitternachtsſtunde ſich volltommen entklei⸗ dete, ſo eine ihrer Kühe beſtieg, und den Schwanz derſelben in der Linken, ein Melkgefäß in der Rech⸗ ten haltend, getroſt in dieſer Maskerade zu den Ställen ihrer Nachbarn ritt und daſelbſt den Kühen ihre Milch abmelkte. So trieb ſie es lange fort, bis eine ihrer Nachbarinnen den Betrug merkte, in⸗ dem ſie ſie bey einer mondhellen Nacht genauerkannt hatte. Die nachſte Nacht entkleidete ſich dieſe eben⸗ falls vollkommen, beſtieg auch eine ihrer Kühe, ahmte ganz die Stellung, ihrer Nachbarin nach und ritt ihr alſo enigegen. Bald treffen ſie ſich und mit ei⸗ nem lauten Schrey ſpringt die Betrügerin, dieſe Ge⸗ ſtalt erblickend, die ſie für eine wahrhafte Hexe hält, von ihrer Kuh, eiligſt die Flucht ergreifend. Aber — diefe verſucht ſie vergebens: denn einige Anver⸗ . 4 wandte der Bluerin, berichtet von dem Unterneh⸗ men derſelben, hatten ſich verſteckt gehalten und als ſie ſich üverzeugten, daß ſie keine Hexe ſey, nah⸗ men ſie ſie ſog in ihrer größten Beſchämung ſo nackt wie ſie war gefangen, und überlieferten ſie alſo dem Gericht, ohne ſich an ihr Bitten zu kehren. Wenn alle Menſchen ſo viel Muth beſäßen, nie dieſe Bäuerin, ſie würden allen Aberglauben fahren laſſen, und ſich immer mit wahrem männli⸗ chen Muth von der eiteln Nichtigkeit ihrer Einbil⸗ dungen überzeugen. Sprüſchwörter⸗ Ein zufriedenes Geſicht, Ein gutes Herz verſpricht. Auf das Lügen Folgt das Betrügen. Auf Näckereien, Oft Zänkereien. Der Krieg⸗ Der Krieg iſt die ärgſte Strafe Gottes für das Menſchengeſchlecht.— Richts iſt ſchrecklicher, als. wenn Menſch auf Menſch, beſtimmt von Gott in Eintracht und Friede zu leben, mit Mordgewehren loszieht, ſich ſtümmelt und mordet. Da heulen Tau⸗ ſende von Verwundeten, die auf dem Schlachtfeld geblieben, dort haͤufen ſich die Leichen zu ganzen Hügeln, dort brennt eine Reibe vvn Dörfern, dort wird eine Stadt geplündert.— Schrecklich, ſchreck⸗ lich iſt die Strafe des Krieges⸗ Fragen und antm orten. Frag iſt das menſceuftuntich Ge⸗ ot? Antwort. Du ſollſt beinen Rächſten lieben, wie dich ſelbſt. Frage. Welches Laſter iſt die Ouelle vieler ande⸗ ter?— 2 ntwort. Der übermäßige Genuß barauſchender Getränke; denn im Rauſche iſt der Menſch zut Vollführung jedes Laſters fähig. Frage. Welcher iſt der glücklichſte Menſch?— Antwort. Der ein ruhiges Gewiſſen beſitzt. Frage. Wie wird man am ſicherſten reich?— Antwort. Wenn man arbeitſam iſt und gut zu wirthſchaften verſteht.— Das Schwein. Die Menſchen verachten gewöhnlich das Schwein ſeiner Unreinlichkeit wegen und doch ſollten ſie es außerdem, daß ſein Fleiſch und Fett uns ſo manchen Leckerbiſſen liefert, auch einer beſondern Tugend we⸗ gen noch recht ſehr ſchätzen, die vielen Menſchen mangelt, und in der ſich dieſe das Schwein füglich zum Vorbild nehmen könnten. Ich meine die Liebe zu ſeinem Nächſten; denn befindet ſich ein Schwein von irgend einem Feinde angegriffen, ſo eilen ihm st ſeine Gefärthen auf ſein Geſchrei zu Hülfe, — 139— und ſuchen muthig mit aller Selbſtaufopferung es zu retten. 3 Wie gleichgültig hingegen ſieht mancher, der ein verſtocktes Herz beſitzt, auf das Unglück ſeines Bruders, anſtatt daß er, der es mildern könnte, ihm Hülfe leiſten ſollte. Wie viele gottloſe Reidige gibt es nicht, die bey dem Unglücke ihrer Nächſten zu lachen pflegen!— Das Laſter. Das Laſter hat viele Geſchwiſter. Wer an einem Gefallen findet, wird mit der Zeit auch mit den üb⸗ rigen vertraut; zumal trift dieſes bey demjenigen ein, der ſich dem Laſter des Trunkes ergibt; denn im Rauſche wird der Menſch ſeiner Vernunft be⸗ . — — — — raubt, und er iſt zur Vollbringung jedes Laſters auf⸗ gelegt, ſo bald ſich ihm die Gelegenheit dazu an⸗ biethet. † „ rTT uR1W Pracht und Lurus machen nicht gl wenn Geſundheit mangelt. Ein Bauernjunge wurde einſt von ſeinen Vater nntt Obſt an den Beſitzer des Dorfes, in welchem ſie lebten, geſendet. Dieſer war ein Landedelmann- Von früheſter Jugend auf in der Reſidenz aufeinem glänzenden Fuße auferzogen, machte er fortwahrend ein großes Haus und übertraf alle ſeine Nachbarn an Pracht und Herrlichkeit. Der Bauernjunge als er vorgelaſſen wurde, erſtaunte daher nicht wenig über die prachtvollen Zimmer, durch die er gehen ninßte; er rieb ſich die Augen, um ſich zu überzeu⸗ gen, ob er nicht vielleicht träume?— Aber er wachte und der Glanz, den er bewunderte, war kein Traum⸗ geſicht. Ach, ſeuftte er jetzt, wie elend iſt doch un⸗ SMn ————— — 140— „ ſere Wohnung, wie prächtig muß ſichs hier wohnen laſſen— ach, warum bin ich nicht auch ein Land⸗ edelmann, warum ſtecke nicht ich in der Haut un⸗ ſeres Herrn?— Aber wie reuete ihn dieſer thörigte Wunſch, als er nun bey dem Landedelmanne vorgelaſſen wurde und in dieſem einen krankhaft abgemergelten Gicht⸗ kranken fand, der, wie ihm ſein Vater ſpäterhin er⸗ klärte, gerade durch ſeine prachtvolle, aber ganz natürlich zugleich ausſchweifende Lebensart, ein ſo elender Menſch geworden war. Ja, ja, die Geſundheit iſt des Menſchen vor⸗ nehmſtes Gut, das ſich mit Gold nicht erkaufen läßt. Wer arm aber geſund iſt, iſt tauſendmal glücklicher, als derjenige, der reich aber krank iſt; und größten⸗ theils ſind die Reichen kränklich, weil ihr Reich⸗ thum zur Unmäßigkeit und verſchiedenen Ausſchwei⸗ fungen ſie verführt, die dem Armen fremd ſind. So die Sache betrachtet, könnte man den Reich⸗ thum oft für eine Strafe Gottes anſehen.— Sirtus der Fünfte. Sirtus der Fünfte im Jahre 1521 in einem italieniſchen Dorfe geboren, war der Sohn eines armen Taglöhners, deſſen Frau in Dienſten ſtand⸗ Bey der Taufe hat ihm ſein Voter den Nahmen Fe⸗ li beygelegt. Felir konnte als er bereits neun Jahre alt war, weder leſen noch ſchreitzen, allein er ſehnte ſich darnach. Als er eines Tages die Schweine des Dorfes hütete, erblickte er einen Franziskanermönch, der vyn rechten Wege abgekommen wor. Felir lief hnzu, um dem Moͤnche behülflich zu ſeyn, und bey dieſer Gelegenheit bot er ſich ihm zum Diener an, ——————— — 141— als welchen ihn der Pater um deſto lieber zu ſich nahm, da er ihn ſehr reifen Verſtandes fand⸗ Alo der Mönch ihn fragte, ob er wohl gerne ein Franziskaner werden möchte, ſo antwortete ihm Fe⸗ lir ganz erfreut: Herzlich gerne.— Als ſie im Klo⸗ ſter angekommen waren, erwarb ſich der kleine Fe⸗ lir in Kurzem die Liebe aller Geiſtlichen durch ſein Betragen und durch ſeine Geiſtesfähigkeiten. Der Pater nahm ihn nun auf ſeine Zelle und lehrte ihu in kurzer Zeit leſen und ſchreiben. Als er das fünf⸗ zehnte Jahr zurückgelegt hatte, wurde er Franzis⸗ kanermönch, in dem vier und vierzigſten Jahre F. nes Lebens General dieſes Ordens, bald darauf Kardinal endlich in ſeinem vier und ſechszigſten Jah⸗ re Pabſt. Die thorigten Wuͤnſche. Wie gut iſt es doch eingerichtet, daß die Erfüb⸗ ung unſerer Wünſche nicht von und abhängt, denn — wie lächerlich, wie höchſt zweckwibrig für unſere Za⸗ friedenheit fallen dieſe oft aus.— Der Arme wünſcht ſich Reichthum, ohne die verderblichen Folgen deſſelben zu kennen, ohne zu ahnen daß er bey ſeiner Armuth glücklicher iſt, als mancher Reiche, der im Uberfluſſe lebt. Mancher wünſchte ein Kaiſer oder König zu ſeyn, ohne vorher zu überlegen, daß Niemand mehr von Sorgen und Geſchäften umlagert iſt, als eben der Herrſcher irgend eines Landes⸗ Das Kind ſtrebt in die Flamme der Kerze zu greifen, weil ſie glänzt. Aber nicht alles was glänzt⸗ iſt Gold. So geht eo huch den Erwachſenen. Sie — — 142 ₰ ſreben nach manchen Dingen ihres Glanzes wegen, die aber bloß dazu geeignet ſind, ſie unglücklich zu machen, was ſie jedoch, wenn ſie nicht auf den Rath der Klugen und Erfahrenen ören immer in der Folge en Die armen Wohlthiter. Nicht Jeder iſt reich, nicht Jeder kann durch Geld ſeinem ärmern Bruder aufhelfen. Aber— kann er ihm alſo gar nicht nützlich ſeyn, iſt es nur den Reichen vergönt, wohlthätig handeln zu kön⸗ nen?— Gewiß nicht. Oſt können wir bedrängten Men⸗ ſchen durch unſere innige Theilnahme, durch gute, wohlmeinende Rathſchläge; durch freundſchaftlichen Troſt, durch die Erweckung des Vertrauens zu Gott in ihnen, durch die Aufmunterung zum Gebete, und durch die Fürſprache bey unſern bemittelten Ver⸗ wandten, mehr nützen, als der Reiche mit ſeinen kalten Almoſen, der ihnen durch dieſelben oft kaum die theure Zeit bezahlt, die ſie verpaſſen mußten, bis ihr Flehen erhört war.— Man kann alſo auch als ein Armer, dennoch ein Wohlthäter für ſeine bedrängten Brüder ſeyn. Gedenket an den Sod. Wenn die Menſchen öfter an den Tod denken ſollten, als ſie wirklich daran denken, das heißt, wenn ſie ſo recht überlegen möchten, daß der Menſch von der S Viertelſtunde nie mit Gewißheit ſa⸗ gen kann, daß er ſie erleben werde, ſo wurden ſie gewiß ein frommes, zweckmäßigeres, glücklicheres, thatenreicheres Leben fuhren, als diejenigen es zu —— — ———— — — 143— führen pflegen, welche gänzlich darauf vergeſſen, daß ſie ſterblich ſind⸗ Der Geitzige würde ſein häßliches Laſter able⸗ gen, er würde bedenken, daß ſeine gehäuften Schätze ihm im Grabe unnütz ſind, er würde daher noch bey Lebzeiten ſeinen Uberfluß dazu verwenden, um theils der Armen Wohlthäter zu ſeyn, theils um gemeinnü⸗ tzige Unternehmungen durch ſein Vermögen zu un⸗ terſtützen. Der Ehrgeig ige würde ſich ſeiner Eitelkeit ſchä⸗ men, würde von ſeinen hohen Entwürfen zurückkeh⸗ ren in ſich ſelbſt, wärde nur ſeine moraliſche Ver⸗ vollkommung ſich zum Ziele ſetzen, würde nur ein zufriedenes Leben führen, daß der Ehrgeitzige nie erlangen kann, weil ein ehrgeitziger Wrnſch aus dem andern entſpringt, und die Etfüllung derſelben keine Ruhe laſſen.— Gedenket an den Tod ihr Reichen; ihr Geitzi⸗ gen, ihr Ehrſüchtigen, ihr Konige und Herrſcher, ihr Richter, ihr alle, die ihr euch Menſchen nen⸗ vet, wenn ihr ein glückliches Leben führen und ein ſeliges Ende nehmen wollet; gedenket jeden Morgen⸗, jeden Abend daran, denn die nächſte Stunde viel⸗ leicht ſucht er euch ſchon heim, und wehe euch dann, wenn ihr nicht früher auf ihn gedacht habet. Das ſonderbare Leichenbe gängniß. Kaiſer Karl der Fünfte faßte noch bey ſeinem Leben den ſonderbaren Entſchluß, ſein eigenes Lei⸗ chenbegängniß vor ſeinem Tode halten zu laſſen. Man errichtete alſo zu dieſem Zwecke in der Kloſter⸗ kapelle, in die er ſich ſchon früher hegehen hatte, — um daſelbſt den Reſt ſeiner Lebenstage zuzubringen, ein Trauergerüſt und nun begann der Leichen zug. Karls zwölf Bedienten mit ſchwarzen Fakeln in den Hän⸗ den, gingen paarweiſe voraus und Kaiſer Karl folgte ihnen in ſeinem Todtengewande Er wurde hierauf mit vielen Zeremonien in den Sarg gelegt. Während der Seelenmeſſe weinte und betete er, ſo wie alle, die dabey zugegen waren. Nach geendigter Meſſe beſprengte man den Sarg mit Weihwaſſer, und es wurden die Thüren der Kapelle, nachdem ſich alle Zuſchauer entfernt hatten, verſchloſſen.— 7 Hierauf Karl zitternd aus ſeinem Sarge und begab ſich in ſein Zimmer, wo er bald darauf in ein hitziges Lieber verſtel, weld es ſeinen Tod be⸗ förderte. Er ſtarb den 21 September 1568 in ei⸗ nem Alter von 53 Jahren. Fragen und Antworten. Frage. In welchem Geſchlechte findet man Engel und Teufel?— Antwort. In Frauenzimmergeſchlechte. Frage. Wenn werd en die beſſer werden, als ſie ſind?— Antwort. Wenn es feine Reichen mit Frag e. Womit iſt das menſchliche Leben von jeher immer am beſten vewlichen worden?— Antwort. Mit einer Uhr. Frage. Wie wird es in dem künftigen Leben zuge⸗ hen?*— Antwort. Gewiß Rſi als in dieſem⸗ Frage. Warum fürchten alſo ſo viele Menſchen den Tod?— Antwort. Aus Mangel an Religion, aus Man⸗ gel an Vertrauen zu Gott.— Einige Anekdoten von Diogenes. Diogenes hatte befohlen, ihn nach ſeinem Tode nicht zu begraben. Aber du wirſt von wilden Thie⸗ ren gefreſſen werden, erwiederten ihm ſeine Freun⸗ de. Ja ſo, antwortete er— nun, ſo legt mir ei⸗ nen Stock zur Seite, damit ich ſie ſortjage, wenn ſie kommen. Aber vergißt du denn, daß du kein Gefühl mehr haſt, wenn du todt biſt, fragten ihn ſeine Freunde. Nun alſo, erwiederte Diogenes, wenn dem ſo iſt, warum ſolite es mir nicht gleich⸗ gültig ſeyn, ob ſie mich freſſen oder nicht⸗ Ein Mann hatte über den Eingang in ſein Haus folgende Inſchrift ſetzen laſſen:»Nichts Bö⸗ ſes komme hier herein« Als Diogenes die⸗ ſe Inſchrift las, ſo fragte er:„Wo geht denn der Hauseigenthümer hinein.— Diogenes ſtrebte ſehr darnach, ſo viel als mög⸗ lich die Zahl ſeiner Bedürfniſſe zu verringern. So warf er endlich auch ſeinen hölzernen Becher weg, als er einen Hirtenknaben aus hohler Hand trin⸗ ken jah: Was nützt er mir, der Becher, ſagte er, da ich ihn entbehren kanu. Ueber die Weiber. Manche Weiber gleichen dem Köder an dem Angel. Sie wiſſen ſo mit ihren Reitzen zu locken, Pater Abraham U. 19 ——— „ 5 8 7 6* 7 — z6 der Fiſch ſich blutig an ihren Angeln gebiſſen at. Schöne Weiber ſind oft wahrhafte Zauberin⸗ 6 nen; denn verwirren ſie nicht oft den Verſtand der weiſeſten Männer, die ſie zu den lächerlichſten Thorheiten verleiten?— Schöne, aber nicht rechtſchaffene Weiber, ſind Abkömmlinge aus Satans Götterreich— ſie ſtiften überall nur Elend und Unglück. Schöne und rechtſchaſſene Weiber hingegen ſind Engel Gottes, die dazu beſtimmt zu ſeyn ſchei⸗ nen, um das Bittere des Erdenlebens durch ihre Anmuth verſüßen zu helfen. Zweck des Heirathens. Der Eine heirathet, um eine getreue Magd zu bekommen; der Andere um gemächlich und be⸗ quer leben zu können, der dritte um durch ſeine Frau reich zu werden, der vierte, um durch Verwendung ſeiner vornehmen Schwiegerältern zu Ehre und Ruhm zu gelangen; wenige aber aus wahrer Liebe, die auf Freundſchaft und gegenſei⸗ tige Achtung beruht⸗ Wie können die Menſchen gluͤcklicher werden, als ſie ſind?„₰ Die Löſung dieſer Frage beruht allein auf ei⸗ ner beſſern, zweckmäßigern Erziehung, die ſich wie⸗ der auf die Grundſätze der Religion und den Wahl⸗ ſpruch: Lerne entbehren!— ſtützen ſollte. —— PWer verdient den Nahmen Strumpf. Alle Ehemänner, welche zu ihren Frauen in dem nämlichen Verhältniſſe ſtehen, als der Strick⸗ ſtrumpf zu deren Händen; verdienen dieſen Nah⸗ men. Denn ſo wie bey jeder leichtern Bewegung der Hände der Strickſtrumpf dieſen Bewegungen nachgibt, ſo ſchmiegt ſich mancher ſchwache Ehemann ſchon bey einem Blicke ſeiner klügern Gemahlinn zu ihren Füßen,— welche Erniedrigung für Beyde.— Der Wein. Mäßig genoſſen iſt der Wein eine der ſchätz⸗ barſten Gaben Gottes für Geſunde und Kranke; wer aber in dem Genuſſe desſelben kein Maaß und kein Ziel zu halten weiß, verwandelt dieſes edle Ge⸗ tränke in wahres Gift; denn viele, viele Krankhei⸗ ten nehmen ihren urſprung aus dem unmäßigen Ge⸗ nuſſe des Weines, und ſchon mancher Trunkenbold iſt nicht mehr aus ſeinem Rauſche erwacht, indem ihn der Schlag getroffen. Menſch ſpiegle dich an der Mäßigkeit der Thie⸗ re, vor denen du deiner Vernunft halber einen Vor⸗ zug zu haben glaubſt; lerne von ihm, wo du als ver⸗ nünſtiger Menſch ſo oft fehlſt.— Menſchliches Glück. Schon mancher iſt auf dem Miſt geboren wor⸗ den, der auf dem Throne geſtorben iſt; darum ver⸗ achte die Armuth nicht, du Reicher, dem das Glück wohl gewollt hat; denn es iſt nicht zu ſpät, daß du dereinſt auf dem Miſte ſterbeſt. 10* — 15— Das Beſte und Schlechteſte. Aeſop erhielt einſt den Befehl von ſeinem Herrn, ihm die beſte Speiſe der Welt nach ſeinem Geſchmacke zurichten zu laſſen. Voll Neugierde über die Art der Befriedigung dieſes Befehles begab ſich Aeſops Herr und Befehlshaber den andern Tag zu Tiſche, und fand zu ſeiner nicht geringen Ver⸗ wunderung bloß Zungen aufgetragen. Als dieſer ſeinen Sflaven Aeſop über dieſe ſonderbare Bewir⸗ thung zur Rede ſtellte, erwiederte jener: aHerr, du befahlſt mir das Beſte dir aufzutiſchen; ich habe dei⸗ nen Befehl vollkommen vollzogen. Die Zunge iſt das nothwendigſte Sprachorgan und wie unendlich viel Gutes iſt nicht ſchon durch⸗dieſelbe geſtiftet worden, und was iſt daher beſſer als die Zunge?«— Lächelnd erwiederte ſein Herr, du ſcheinſt Recht zu haben; ſo laſſe mich aber nun auch ſehen, was du für das Schlechteſte hältſt. Aber zu ſeiner höch⸗ ſten Verwunderung wurden auch am nächſten Tage bloße Zungen aufgetiſcht, indem Aeſop ſich da⸗ durch rechtfertigte, daß zwar durch die Zunge oft ſchon das Beſte, öfterer aber das Bö ſeſte ge⸗ ſtiftet worden ſey.—. WMeerkt es euch, ihr vielzüngigen Weiber, was Aeſop ſagt, daß ſchon manche Zunge viel Böſes— angeſtiftet habe; merkt es euch und nehmt es zu 7 Herzen, denn wer wüßte es nicht, was manche boſe Weiberzunge ſchon vor Unheil angeſtiftet hat. Die beſtrafte Geſchwaͤtzigkeit.„ Vor dem Rathhauſe einer dentſchen Stadt ½ — 149— begegneten ſich faſt täglich zwey Frauen, die gut mitſammen bekannt, daſelbſt Posto faßten und oft ei⸗ ne ganze Stunde lang, bald uͤber ihre Ehemänner, bpald über ihre Nachbarsleute Böſes ſchwätzten. Lange beobachtete der Bürgermeiſter die Geſchwätzig⸗ kein dieſer beyden Weiber, bis er ſich endlich entſchloß, ſie einmal öffentlich zu beſchämen und, ſie ſo an ibr Geſchäft und an ihre Pflichten zu verweiſen. Zu dem Zwecke befahl er eines Tages, als er die bey⸗ den geſchvätzigen Weiber wieder beyſammen ſah, dem fämmtlichen Magiſtratsperſonale in die Fenſter des Rathhauſes ſich zu begeben und ihm die beyden geſchwätzigen Weiber beſtrafen zu helfen⸗ Zugleich ſandte er zwey Gerichtsdiener mit Seſſeln auf den Platz hinab die ſie im Nahmen des Herrn Bürger⸗ meiſters ihnen anbiethen mußten. Wie geſagt, ſo geſchehen.— Voll Beſchämung und Verwirrung blicken die beyden Frauen auf, ſehen alle Fenſter des Magiſtratsgebäudes mit Beamten gefüllt, aus de⸗ ren Mund ein allgemeines Gelächter erſchallt.— Sie eilen ſchamroth vom Platze weg im Bewußtſeyn ihres Fehlers, und niemals hat man ſie wieder Stun⸗ denlang auf der Gaſſe plaudern geſehen. Bravo, bravo, Herr Bürgermeiſter!— Dieſe Medizin hat gut gewirkt; auch gibt' noch viele Pa⸗ tienten, denen die Zunge zu ſtark gelöſt worden iſt. Daß die Hebammen doch gar nicht wiſſen, daß die Natur dem Weibe ohnehin eine geläufigere Zunge als dem Manne gewährt hat! da wäre es oft beſſer, ſie ein bischen feſter anzunähen, als ſie noch mehr zu Meinungen uͤber die Weiber. Manche erhöhen die Weiber zu Perlen der Na⸗ — 150— tur, zu dem Meiſterſtücke der Gottbeit, andere wie⸗ der erniedrigen ſie zu Teufeln, zu Drachen und der⸗ gleichen mehr, indem das Sprichwort ſagt: Wer eine Tochter hat, dem hat der Teufel ein Ey in's Huus gelegt.v Aber dem ſey wie ihm wolle, ſo gibt es gute Männer und gute Weiber; aber wahr iſt es, daß ein ſchönes und böſes Weib ein Satan iſt, die hun⸗ dert brave Männer in die Holle zu ſtürzen ver⸗ Die untauglichen Heirathskandidaten. Gelehrte Männer ſind untaugliche Hei⸗ rathskandidaten; denn ſie lieben ihre Bücher mehr als ihr Weib, und vergeſſen über den Erſtern die Letztern. Große Dichter ſind untaugliche Heiraths⸗ kandidaten; denn ſie leben immer nur in eingebilde⸗ ten, erträumten Welten, wo Alles vollfommen iſt, weßweaen ſie die kleinſte verzeihlichſte Schwachheit ihrer Weiber nicht ertragen können. Kaufleute ſind untaugliche Heirathskandi⸗ „ daten; denn die Waare liegt ihnen am nächſten; daher ſie auch gewöhnlich ihre Gattinnen nur als Waare betrachten. Soldaten ſind untaugliche Heirathskandida⸗ ten; denn entweder werden ſie feig und weichlich, oder die untreueſten Ehemänner; denn ſie führen größ⸗ tentheils das Sprüchwort im Schilde: Ein anderes Städtchen, ein anderes Mädchen.— Aa— Alte Männer oder Junggeſellen ſind ſchlechte Heirathskandidaten, weil ihr Mitgift ge⸗ wöhnlich in herannahenden Krankheiten und wun⸗ derlicher Laune beſteht.— Gerechtigkeitsliebe. Heinrich der Fünfte, Kronprinz von England⸗ machte ſich in Verbindung mit den liederlichſten Va⸗ gabunden der größten Ausſchweifungen ſchuldig, wo⸗ bey er ſich einmal ſo vergaß, daß der erſte Richter des Reichs, Wilbelm Gascoigne, ihn gefänglich ver⸗ wahren ließ. Als der Kronprinz nun nach ſeines Vaters Tode den Thron beſtieg, ſo ſchenkte er ſeinem ſtrengen Richt er Wilheim Gascoigne ſeine ganze Ach⸗ tung, beſſerte ſich, und hörte fortan nur ſeine und an⸗ derer weiſen Männer Rathſchläge an. Das gefährlichſte Thier. Als man einſt Diogenes fragte, welches das ge⸗ fährlichſte Thier ſey?— ſo antwortete er:„Unter den wilden Thieren iſt es der Verleumder, unter den zahmen der Schmeichler.“. Liebe zur Wiſſenſchaft. Euclides, der Vater der Mathematik, verehrte dieſe Wiſſenſchaft ſo ſehr, daß er trotz ſeiner Entfer⸗ nung von Athen und ohne Rückſicht auf die To⸗ desſtrafe, welcher ſich die Megarenſer, die Athen be raten, unterziehen mußten, Abends in weiblicher Kleidung nach Athen kam, einige Stunden hindurch den Unterricht des Sokrates genoß, und mit An⸗ bruch des Tages wieder zurückkehrte. — 153— Folgen der Eiferſucht. Kaiſer Theodoſius der Jüngere hatte ſich mit Eu⸗ docia, der Tochter des Philoſophen Leontius zu Athen, einem eben ſo ſchönen als geiſtreichen und gelehrten Frauenzimmer vermählt. Ihr Thron war ſtets von Gelehrten umgeben, unter denen vorzüglich Paulinius bey ihr in Gnaden ſtand, über den der Kaiſer bey einer Gelegenheit, wo ſeine Gemahlinn dieſem Gelehrten ei⸗ ne Frucht überreichte, ſo in Eiferſuchtentbrannte, daß er ihn umbringen ließ, und Eudocien in ihren vorigen Privatſtand ſetzte. Die Eiferſucht iſt eine Höllenfurie, die ſchon man⸗ ches häusliche Glück zertrümmert hat und eine ge⸗ wohnliche Folge des Mangels an gegenſeitigem Ver⸗ trauen. Der Pfan und die Nachtigall. Eine Fabel. Ein Pfau machte ſich über die Geſtalt und das Aus ſehen einer Nachtigall, die vor ſeines Herrn Fen⸗ ſter hing, luſtig, indem er zu ihr ſprach: Ich be⸗ greife ganz und gar nicht, wofür mein Herr dich pflegt und nährt, da du doch ein ſo häßliches Ding biſt. Stolz ſchlug er nun mit ſeinem Schweife ein buntes Rad, um hierdurch ſeinen Worten noch mehr Nachdruck zu geben.— Beſcheiden ſchwieg die klei⸗ ne Rachtigall. Doch der Lenz erſchien, mit ihm kehr⸗ te in ihr die Luſt der Lieder zurück. Kaum fing es an zu dämmern, als ihre Kehle jedes Ohr in Entzückung verfetzte. Die Vorübergehenden konnten den Geſang der kleinen Nachtigall nicht genug loben; denn wen entzückt nicht das Lied einer Nachtigall?— Krän⸗ kend war dem ſtolzen Pfau dieſer Beyfall, er wollte —— S— — 153— auch im Geſange, wie in ſeiner Kleidung, die Rach⸗ tigall übertreffen und aus vollem Halſe begann er ſein durchdringendes Geſchrey.— Aber was war ſein Lohn?— Er hörte Verwünſchungen, Spott und Tadel der Vorbeygehenden, und hielt es daher klüger, ſich künftighin nicht mehr mit der unanſehn⸗ lichen Nachtigall zu meſſen. Wer ſieht nicht in dieſer Fabel die geputzten und gezierten Dummköpfe, und die beſcheidnen, ein⸗ fachen Gebildeten, die immer mehr ſind, als ſie ſcheinen, da bey den Erſtern immer der entgegen⸗ geſetzte Fall Statt findet.— Schutzmittel vor dem Laſter. So einfach das Mittel auch iſt, ſo bewährt es ſich doch täglich. Das beſte Schutzmittel vor dem Laſter iſt Arbeitſamkeit und Genügſamkeit. Wer dieſe bey⸗ den ugenden beſitzt, geht gewiß nicht vom Wege der⸗ ſelben ab. Im entgegengeſetzten Falle aber bewäbrt ſich das Sprichwort ſicherlich: Der Müßiggang iſt al⸗ ler Laſter Anfang. Geiſtige Reſultate. Ein berühmter franzöſiſcher Schriftſteller ſagt, Deutſchland ſey geeignet, um daſelbſt zu reiſen, Ita⸗ lien, um daſelbſt zu verweilen, England, um doſelbſt zu denken, und Frankreich, um daſelbſt zu leben. Ein Mittel, um reich zu werden. Sey arbeitſam, ſparſam und vertraue auf Gott, und du wirſt bald den Segen des Allmächtigen wahrnehmen. 1 Die fetten und die magern Menſchen. Man hat von jeher fette Menſchen für gutmü⸗ thige, magere aber für ſchlaue, hinterliſtige Leute gehalten. Dieſer Meinung war auch der berühmte Cajus Julius Cäſar, welcher ſich bey irgend einer Ge⸗ legenheit alſo äußerte: vIch fürchte mich nicht vor den fetten und gekräuſelten, ſondern vor den bleichen und hagern Menſchen.« Die feigen Soldaten. Manchem Soldaten geht es wie jenem Krieger in der Fabel, der als er in den Krieg zog und von ohnge⸗ fähr einige Krähen ſchreien hörte, ſogleich die Waffen niederlegte und ſtille ſtand— und endlich wieder in ſeine Hütte zurückkehrte. Einen braven Krieger ſoll ſelbſt das fürchterlichſte Feldgeſchrei ſeiner Feinde, noch der Donner der Kanonen nicht entſetzen. Das höchſte Sluͤck eines guten Herr⸗ ſchers. Das höchſte Glück eines guten Beherrſchers kann bloß in dem Selbſtbewußtſeyn liegen, nach allen Kräf⸗ ten an der Beglückung ſeiner Untergebenen gearbeitet zu haben. Die Gerechtigkeit. Keine Tugend macht durch ihren Ruhm und durch ihr Anſehen ſich mehr Neider, als die Gerechtigkeit, weil ſie die größte Macht und das größte Zutrauen ſih beym Polke gewinnt. 2 —————— Der Eſel als Schimpfnahme. Mancher, der ein Eſel genannt wird, wird durch — dieſen Nahmen geehrt, weil der Eſel nichts deſto we⸗ niger als ein dummes und unbrauchbares Toier iſt.— Ach ware mancher, der durch ſeine Dummheit viel ſcha⸗ den kann, nur halb der Menſchheit ſo nützlich, wie der ſo allgemein verachtete Eſel. Die Staatsgeſchaͤfte. Demoſthenes widerrieth allen jungen Leuten an den Staatsgeſchäften Antheil zu nehmen, indem er ſagte:»Wenn ihm gleich Anfangs zwey Wege wären gezeigt worden, von welchen einer in die Volksver⸗ ſammlungen und auf die Rednerbühne, der andere 3 aber zum Tode ſelbſt geführt hätte, ſo würde er gewiß, voraus geſetzt, daß er alle die Uebel, die Furcht, den Kummer, den Neid, die Läſterungen, Verfolgungen, Streitigkeiten, die mit der Bechäftigung mit Staats⸗ angelegenheiten verbunden wären, zugleich vorher ge⸗ kannt hätte, ohne Bedenken ſogleich den Weg zum To⸗ de ſich erwählt haben. Jung gewohnt, alt gethan. Höret mich ihr jungen Taugenichtſe, die ihr ganzs Nächte mit Jauchzen, Lärmen, Prahlen, Saufen und Schwelgen zubringt, höret mich und geht in euch⸗ . Ihr müßt einmal ſterben.— Schrecklich, gräulich, entſetzlich wird uns der Gedanke eines Abſchiedes von dieſer Erde werden, die Erinnerung an die Greuel i eures vergangenen Lebens, die Ausſicht in die Ewig⸗ ½ keit und in das Gericht des Herrn wird eine ſchmerz⸗ liche Reue in euch werden, und die Zähne werden euch klappern, ihr werdet zu ſpät in Jammer⸗ und — 156— Angſtgeſchrei ausbrechen, und blutige Thraͤnen wei⸗ nen.— Drum höret mich bey Zeiten, geht in euch⸗ beſſert euch.— Bemerkungen. Nichts geht über die Falſchheit und Bosheit der Frauenzimmer, nichts über die Kniffe und Gewiſſen⸗ loſigkeit der Advokaten, nichts über die Betrügereien der Juden, und nichts über die Dummheiten, die ein verliebter Narr zu begehen fähig iſt. 65½ Der edle Sclave. Antonius hatte ſeit längerer Zeit einen treuen Sclaven, dem er befohlen hatte, daß, wenn er ihn dar⸗ um bitten würde, er ihn mit einem Schwerte niederſte⸗ chen möchte.— Da nun Antonius ſich ſowohl von Kleopatra als auch von ſeiner Armee verlaſſen und verrathen ſah, ſo verlangte er, daß nun ſein Sela⸗ ve ſein Verſprechen an ihm erfüllen möge. Der Sclave zog das Schwert, holte damit ſo aus, als ob er ſeinen Herrn wirklich niederſtoßen wollte, kehrte ſich aber plötzlich um, und ſtieß ſich ſelbſt das Schwert durch ſeine Bruſt.— Er fiel todt zu den Füßen ſeines Gebiethers nieder, welcher dabey ausrieft»Redlicher Diener! was dunicht ſelbſt haſt thun können, das haſt du mich zu thun gelehrt!« Darauf ſtieß er ſich ſelbſt den Degen durch die Bruſt. Lebensbeſchäftigungen. Der Eine verſchläft ſein Leben, der Andere ver⸗ lumpt es, der Dritte verſäuft es, der Vierte verträu⸗ met es, der Fünfte verweint es, der Sechste ver⸗ wünſcht es; aber der, welcher redlich und gottſelig fleißig und häuslich iſt, der iſt guter Dinge und freut ſich des Lebens. Sprächwoͤrter. Wer hoch ſteigt, fällt tief. Allzu ſpitz bricht gern. Muntre Leute, gute Leute. Wer läuft, kommt geſchwind zum Ziel. Wer langſam geht, kommt ſicher zum Ziel. Der Haſe und die Schnecke. Eine Schnecke ging mit einem Haſen ein Wett⸗ rennen ein. Als der Haſe einige Sprünge gemacht hatte, und die Schnecke kaum bemerkbar von ihrem Platze weiter gekommen war, ſo verlachte der Haſe die thörigte Schnecke und dachte ſich, bis dieſe zum Ziele gelangt, kannſt du dir im nahe gelegenen Buſche durch ein Schläfchen gütlich thun. Wie gedacht, ſo gethan. Die Schnecke kroch indeß ganz langſam ih⸗ rem Ziele zu, und hatte es bereits erreicht, als der Haſe, zu ſpät aus ſeinem Schlafe erwacht, das Ver⸗ ſäumte durch ſchnelleres Laufen einzubringen ſuchte. Lachend rief ihm nun die Schnecke zu:»Wer langſam geht, kommt auch zum Ziel!« Welches waͤre fuͤr die Menſchen das größte Ungluͤck. Kein größeres Unglück für die Menſchen kann ich mir denken, als wenn ſie im Stande wären, Alles, was ſie wünſchten, auch erfüllen zu können. Hören wir doch täglich, wie eitel, thörigt und verderblich die Wünſche der meiſten Menſchen ſind⸗ — 1658— Alerander der Große, ein ſo vernünftiger Mann, wurde ſtolz und eitel genug, um endlich wünſchen zu können, daß man ihn als einen Gott verehren möge!— Die Krankheiten verſchiedener Stäͤnde. Der Arzt leidet gewöhnlich an der Einbildung. Der Kaufmann an der Galbſucht. Die Weinwirthe an der Leberverhärtung und Waſſerſucht. Die Fleiſchhauer an der Fettſucht. Der Rauſch. Der Rauſch iſt ein großes Laſter, weil wäh⸗ rend demſelben der Menſch ſeiner Vernunft beraubt iſt, und jeder thieriſchen ja empörenden That fä⸗ hig iſt. Spruͤchwoͤrter. Hente an mir, morgen an dir. Heute roth, morgen todt. Heute am Altare, morgen auf der Bahre. Heute in die Welt, morgen aus der Welt. Und doch gibt es ſo viele thörigte Menſchen, die ſol⸗ che Anſtalten in ihrem Leben treffen, als ob es wig dauern würde. Der Neid, frißt die Leut! Ein altes, aber wahres Sprüchwort heist: »Der Reid, frißt die Leut!« Bald iſ es die S Der Rechtsgelehrte an einer des — 159— vald der Reichthum und das PVermögen, bald Schön⸗ heit, bald ein anderer Vorzug, den wir an unſeren ₰ Nächſten beneiden: ohne zu bedenken, daß das Be⸗ neiden nichts hilft, und nur böſes Blut und üble Laune macht. Da heißt es oft:»Schau, ſchau, die Frau Schneidermeiſterinn, was die für ein geputz⸗ tes Kleid hat; wie die dazu gekommen ſeyn mag?— Hm, hm, es iſt leicht zu errathen— die Scheere des Herrn Schneidermeiſters hat vermuthlich auch für die Frau Meiſterinn geſorgt. Gott bewahre, daß ich auf ſolche Art zu einem Kleid zu gelangen wünſch⸗ te, lieber breche ich meinen Dienſtleuten von ihrem Monatgelde etwas ab, oder ich verkaufe meine Waa⸗ ren etwas theurer. Eine Andere beneidet ſie ſo ſehr, 3 daß ſie ſich endlich entſchließt, Alles daran zu wagen⸗ — um ſie zu übertreffen, und ſo iſt nicht ſelten Neid und Eitelkeit der Ruin mancher Familie geweſen. Grundſätze und Meinungen. Verzeihe deinen Nebenmenſchen ihre Fehler weit eher, als dir die deinigen. Werde durch die Fehler deiner Nebenmenſchen, klüger und weiſer; denn beſſer iſt es durch die Erfah⸗ rungen Anderer, als durch die eigenen, wenn ſie unangenehm ſind, klug zu werden. 1 Liebe deinen Nächſten, wie dich ſelbſt; denn vielleicht ſteht dir eine Zeit bevor, wo du wünſchen möchteſt, alle Menſchen dächten ſo⸗ . Rede immer die Wahrheit, um nie in die fatale Lage eines Lügners gerathen zu müſſen. Beurtheile nie den Menſchen bloß nach ſeiner Phyſiognomie, denn ſie trügt oft; aber beobachte ſein Thun und Laſſen, und darnach modle deine Meinung von ihm. Wenn es das Wohl des Staates gilt, ſo weihe dich ihm mit ganzer Seele, wenn auch deine Angele⸗ genheiten dabey leiden ſollten. Meide das Böſe und thue Gutes, ſo wirſt du Ruhe und Freude dir im Herzen ſammeln. Geduld richtet oft mehr aus, als Gewalt; dar⸗ um merket euch, daß viele Dinge, die auf einmal nicht geſchehen können, ſich nach und nach thun laſ⸗ ſen, denn erhaltende Standhaftigkeit iſt unüberwind⸗ z darch ſie beſiegt, vertilgt die Zeit alle Ge⸗ walt. Sertorius, jener berühmte römiſche Krieger⸗ ſagt:»Die Zeit iſt allen Jenen eine gute Gehülfinn, welche mit Klugheit die Angelegenheiten, die ſie ſelbſt veranlaßt, abwarten, gegen diejenigen aber, die zur Unzeit mit Ungeſtümm handeln, iſt ſie eine große Feindinn. Die Größe eines Königs oder Herrſchers ſollte immer nach ſeiner Gerechtigkeitsliebe bemeſſen werden. Ein edeldenkender Mann muß mit Ehren ſiegen und durch ſchändliche Mittel ſelbſt ſein Leben nicht zu erhalten ſuchen; denn es iſt ſüßer für ſein Vaterland ſich aufzuopfern, als ihm ungetreu zu werden. Ein Biſſen Brod, ein redliches Herz, Iſt mehr werth als Torten und goldenes Erz.— Der gute Einfalf⸗ Einent zu Pferde reiſenden Handelsmanne wurde in einem Dorfe, wo Jahrmarkt gehalten wurde, ſein Reitpferd geſtohlen. Trotz aller Mühe, die er ſich gab, den Dieb aufzufinden, wutde ihm dieß doch nicht mög⸗ lich, bis er nach einigen Wochen durch Zufall ſein Reit⸗ pferd, auf dem ſich eben der Dieb befand, entdeckte. Alſogleich hielt er ihn an, und forderte ihm das Pferd ab, das er ihm während der Marktzeit im bewußten Dorfe geſtohlen habe. Der Thäter läugnete den Diebſtahl, und ſchien ſehr beleidigt zu ſeyn ob dieſer Zumuthung. Allein der wahre Eigenthümer ließ ſich dadurch von ſeiner gerechten Forderung nicht abſchre⸗ cken, ſondern beſtand auf der Auslieferung ſeines Reit⸗ pferdes, und brachte endlich den Thäter vor den Rich⸗ ter, von dem er Gerechtigkeit forderte; Dieſer konnte kein Urtheil fällen, ohne von dem Ankläger Beweiſe zu fordern, daß das Pferd ſein ſeye. Dieſer, entfernt von ſeiner Heimath, wußte keine anzugeben, und ſchon wurde dem Diebe das Pferd als ſein Eigen⸗ thum zugeſichert/ als der eigentliche Beſitzer plötzlich den Einfall bekam, den Dieb zu fragen, auf wel— chem Auge denn ſein Pferd blind ſeye, welches er doch wiſſen müſſe, da er es für ſein Eigenthum aus⸗ gäbe. Dieſer, durch dieſe unvermuthete Frage in eine große Verlegenheit geſetzt, glaubte richtig, daß das Pferd blind ſeye, und daß er dieſen Fehler überſehen habe, und antwortete alſogleich, um ſeine Perlegenheit zu verbergen, er wiſſe wohl, daß es auf dem rechten Auge blind ſeye. Nun⸗ erwiederte der Andere, wenn dem ſo iſt, ſo ſprecht ihr euch ſelbſt das Urtheil, und veweiſet, daß dieſes Pferd euch nicht zugehört, indem mein Pferd nicht blind war⸗ und Pater Abraham 1. das gegenwärtige es auch nicht iſt. Hiemit bega⸗ ben ſie ſich in den Hof, beſichtigten das Pferd, fan⸗ den es ſehend, und der Richter ließ ſogleich den Dieb ſtreng verwahren, und lieferte dem Eigenthümer das Pferd aus, der dieſem guten Einfalle ſeine Wieder⸗ erhaltung zu verdanken hatte⸗ — — e ———— —,— Hilarion„. Die Gärten Sonderbare Schilderung der Luft. Geſcheite Leute erpöht⸗ Eſel bteiben unten Luͤgen 3 2 Die Sonne 5 5 Der Mond 2 Aeltern Die Bitte des Mondes an ri Der aſtronomiſche heene Eine Fabel 5 Der liederliche Student Ein Schwank ⸗ 8 Die vier Weintrauben Der Verauſchte„ 3 Der Hagel Der bloͤde ⸗ Ein Schwank. Die unzufriedenen Ehemänner* Eine Fabel So viel Koͤpfe, ſo viel Sinne Das naive Bauernmaͤdchen Die Heuſchrecke vnd die Ameiſe. Eine Fober Der getäuſchte Wolf. Futel Der Guckguck Ein Schwank Das Rauſchen im ditſſ 7 7 * . * 6 — „„ ſ lSel ———————————— Folgen des Sberglaubens Der Gold⸗ und der Roßkäfer. Eine Saber Der beſchaͤmte Luͤgner Wie das Verdienſt, ſo der Lohn Anekdote Der Strom als Girichniß des atets Der reumuͤthige Luͤgner Die unedle Beluſtigung Anekdoten aus Pater Abrahams Leben Der uͤberliſtete Straßenräuber.. Der niſche Das Meer.. Der kluge Rath. 3 5. Der Thierkreis„.. Melancholiſche Leute. 1 Muntere Leute Der Menſch hat Gluͤck grhabt Das Suchen Welches iſt das gwerſte Son? Die Vergaͤnglichk eit Die Waͤnſte Beſtrafte Gew iſſenloſigkeit Rudolph Kamerins Cdelſteine„ Wie ſpeiſt man Srter ab7 4 Anekdoten. 5 4 Die zwei Kornähren. Eine Fabel Der ſchlaue Schulmeiſter Einige Anekdoten aus Pater Abrahams Leben Lien nach den Sternbildern bete * . Der Menſch P. Abraham will als Dr. nedense reßerütt werden 1 Das Neue wird geliebt. Eine Schnurre. Ein Schock Phuntaße in einem ahe Anekdoten.. Das Weib.. Der Eheſtand Nicht Alles was glänzt iſt Gold die ſich ihrer Aeltern ia⸗ 3 * * — „* „ 5 Seite 15 16 17 18 15 21 20 22 23 24 26 27 28 29 30 31 32 34 —————————————— Inhalt. Sert S hat ſue S. Ideale Lnxus Wundert euch nicht! 3 Warnung vor Verleumdern Die Schwalbe und die S eue scuei Der kleine Schelm Die gute Entſchuldigung. 2 Der am Hofe. Der Eſe 3 5 2 Der Ehemann. Ein Schwank 3 Die Spinne und die Setzentanbe Fabel Der Beamte 5 Die Advokaten. 3 3 2 Die Soldaten. Die Aerzte. Der treuliche Wolf. Eine Fabei ⸗ Ermahnungen an die Mädchen. Eheſtandsliedchen. 3 2 Was paart ſich? Sie will glaͤnzen Die Ehe aus Convenienz ² 2 Befoͤrderung eines Idioten. ⸗ Luxus macht nicht beſſer. Die Saiten. ⸗ Das Intereſſe* Das traͤge Weib. Das 2igke Weib Die Welt. Die wahren Freunde* Die alten Jungfern 3. Die weiblichen Spiegel. Ueber fremde Syprachen. Der Raubvogel die chugut. Fubet Der Pfau. 3. Die Deutſchen 5 Die Verleumder„ 3. 2 Die Modemaͤnner..* 5 Weiber und Mütter. Seite S 0— Quodlibet„ 4 Die Modeſucht. Modenarren S Serenaden 2 Die Kritiker⸗ Die vielverſprechenden Leute Der kluge Narr„. Die Eſel„. Die kleinen Fiſche. Eine Schnurre„. Harmonie.. Höre mich an, wie ich dir gefall Charakteriſtik Der Reiche„ Der Frohe. Ueber die Spiele Der Weintrinker Die Ueberſchwemmung Der leichtglaubige Bauer Das Erdbeben Inekdoten aus P. Abrahams Leben Das Schneiderhandwerk. Ueber den Frohndienſt Was iſt— nichts? Alerander der Große Die Planeten Nichts Neues. Die Ehrſucht ⸗ Die Luſt„. Die Fuͤrſten, wie ſie ſeyn ſollten Die Ehemänner, wie ſie ſeyn ſollten Die Svpielkarten„ Das Waſſer Die Wolken Das menſchliche Leben Die Hoͤhle. Der Menſch.* Die Gewohnheit. 8 Der Engelſturz„ Das gute Beyſpiel „„„ „„„„„ „„„„ * Seite — — — — „ „ 0— „ 5 V3 ———— Inhalt. Seits Charakteriſtik„ 82 Der Morgen und der Abend. 83 Was iſt ein Teufel 5 5— Die Vergaͤnglichkeit ² 34 Der Ehezank— Der Hund. 4 ² 85 Die Fatze. 86 Die Trägheit. 3 Warnung. 88 „„ 4„ 60 Die Verſtellungskunſt „„ oe* Die Menſchen 89 Der Kaufmann 3 2 90 Der Schneider— Der Schuſter..— Die Prieſter 8.: 1. 91 Geld macht ſchoͤn*— Die Buhlerinnen Die Welt.— Der Eheſtand 8 ⸗ 93 Die boͤſen Weiber— Gebetb einer roͤmiſchen Farene 94 Die Geleaenheit. 95 Die alte Barbara„ 5 Wuͤrmer— Das gute Gewiſſen 96 Der Hohn 2*.— Das boͤſe Weib 97 Der Eheſtand.— Wie man Weiber wählt 98 Die Schoͤnbeit„.— Rärriſche Liebe zu Weibern 99 Die Vormuͤnder*. 100 Der NReid bey Hofe 101 Der Lahme 3. 102 Die Tadler„„„ ⸗ 103 Verſtellung ⸗— Die Wahrheit iſt eine ſenene Wauer.. Das Geld. 8. 104 An die Aeltern 3— Schnurre„... 106 o — Inhalt. Spruͤchlein Bie boͤſen Weiber 3 2 Auf die lange Bank ſchieben So geht es auch unter den Menſchen. Der Reid. Die T odesnachricht. Klage uͤber die ſchlimmen Zeiten Falſche Verſicherungen Das Luͤgen der Zeirungsſchreiber Das Gewerbe der Welt. 2 Der Muͤſſiggang 5 Eine Anekdote„ eupite „„ Die Spinne und das Podagra. Sbei Muͤßige Frauenzimmer Die Ausläuferinnen„ Menſchliche Maͤngel Verſtellung alter Maͤnner Alles hat ſeine Zeit. Die Zeit. Die entflohene Wahrheit: Die eheigheit der kiget. Gleichniſſe. 1 Die Gelegenbeit„ Das boͤſe ſtn„ Boͤſe Weiber. Das ⸗„ Die W Der weiliche Soldat. Weibliche Bosheit Die Undankbarkeit „ „„„„ . Die Eigenſchaft der Weiber zu unterhalten Die Schoͤnheit.. Die menſchliche Seele„ Gottfried v. Bouillon. Die gute Lehre. Menſchliche Metamorphoſen Bildniß des Neides 2 Die verlobte Wachskerze Allegorie auf die Liebe. vie Wet — * 6„ . „ . 7 Seite 105 — 106 107 108 109 110 117 112 113 114 — — 00 —*5 — 1 „ Jnhl1 eite Der Werth der Zeit„ 3 3 Si Die unedle Rache 5 4 122 Die Maus in der Einſamei..— Die Reichen 3 12 3 Der Cigennns. ⸗— Spruͤchwoͤrter 3 3— Die vermeinte Tugend.. 6 124 Die Liehe zur Rationaltracht.— Die unwiſſenden Grauſamen„ 2— Der gute Fen 5. 12% Die Ehe.. 3— Spruͤchwoörter.— Lehre fuͤr ſtarke Eſſer.. 126 Adam und Eva... 2— Das Geſicht 3..— Der Schwan 5 127 Der Uebermuͤthige.— Woher ſchreibt ſich die Vergleichung der Schnet der mit den Ziegenboͤcken her?. Die entflohene Wahrheit 3 Die dummen Reichen Die Obrigkeiten. Das Intereſſe Falſcher Schein„ Die boͤſe Gelegenheit.. Die Göͤtzen gegenwaͤrtiger Seten Die Tugend 2 Adam und Eva Die Lotterieſuͤchtigen. Die mutbvolle Magd„ 128 .„— * „ „„„— „ „ Der einfältige Bauer Diogenes„ Der Gott der Kaufleute Fragen und Antworten Rero, der Grauſame„ Grabſchrift eines Warnung. Die Wohlthaten Der Loͤwe„. Die Affen ⸗. 13T 132 133 134 „„„„„ 135 Inhalt. Seite Der Werth eines guten Freundes„ 136 Die entlarvte Hexe.— Spruͤchwoͤrter„. 137 Fragen und Antworten„ 3. 133 Das Schwein.. S— Das Laſter... 139 Pracht und Luxus machen nicht glucklich, wenn Geſundheit mangelt 3 5— Sirtus der Fuͤnfte. 140 Die thoͤrichten Wuͤnſche. 141 Die armen Wohlthäter. 142 Gedenket an den Tod„„. 3— Das ſonderbare Leichenbegaͤngniß 5 143 Fragen und Antworten⸗. 3. 144 Einige Anekdoten von Diogene 145 Ueber die Weiber..— Zweck des Heirathens„ 146 Wie können die Menſchen gluͤcklicher werden, als ſie ſind?...— Wer verdient den RNahmen Strumpf. 147 Der Wein—„*—* Menſchliches Gluͤck 3— Das Beſte und Schlechteſte„. 148 Die beſtrafte Geſchwätzigkeit Meinungen über die Weiber 149 Die untanglichen Heirathskandidaten. 150 Gerechtigkeiteliebe 151 Das gefährlichſte Thier 4 3 Liebe zur Wiſſenſchaft 2 3 Folgen der Eifer ſucht„ 152 Der Pfau und die Nachtigall. Eine Fabel— Schutzmittel vor dem Laſter„„ 3 153 Geiſtige Reſultate„ 2 Ein Mittel, um reich zu werden Die fetten und die magern Menſchen Die feigen Soldaten„ 3 Das hoͤchſte Gluck eines guten Heyrſchers.— Die Gerechtigkeit 2 Der Eſel als Schimpfnahme 155 ———— ——— —— ——— Inhalt. Die Staatsgeſchäfte Jung gewohnt, alt gethan Bemerkungen* Der edle Sklave.. Lebensbeſchaͤftigungen„. Sprüchwörter Der Haſe und die Schnecke „„ *„ Welches wäre fur den Menſchen das größte u „„*„„* Die Krankheiten verſchiedener Stände 6 Der Rauſch Spruͤchworter Der Reid, frißt die Leut! Grundſätze und Meinungen„ Der gute Einfall 4 — — nglůck?— Seite 1355 156 — 157 — „ — — „ — — „— Si———————— ——— ———— Bei dem Verleger dieſes Werkes ſind unter andern noch folgende zu haben: A ntiquitäten, hiſtoriſche, oder auserleſene, wenig bekannte und zum Theil noch ungedruckte Denkwürdigkeiten aus der Menſchen⸗, Völker⸗, Sit⸗ ten⸗, Kunſt⸗ und Litterar⸗Geſchichte der Vorwelt und des Mittelalters. Herausgegeben von Ritt⸗ gräff. 2 Thle. 3. Wien, 1816. urthlr. 8gr. Beſchreibung, neueſte, von Paris, der Hauptſtadt Frankreichs, mit ihren Umgebungen. Nebſt dem Proſpekt des Schloßgebäudes der Tuillerien und dem neueſten und richtigſten Grundriße der Stadt. 8. Wien, 1314. Broſch. 12gr. Braunhofer, A. G., Naturwissenschaftliche Vorbegriffe für Naturgeschichte, nebst dem prãparativen Theile der oryktognostischen Mi- neralogie. Als Einleitung für Studierende der Heilkunde, Pharmacie, Oekonomie und für Piebhaber dieser Wissenschaft Mit einer Rupfertafel. gr. 8. Wien, 181b. 1Tthlr. 16 gr. Clio's Curioſitäten⸗Cabinet.— Darſtellungen au⸗ ßerordentlicher Thatſachen, pikanter Karaktere, ſeltener, zum Theil uoch ungedruckter Urkunden, überraſchender Momente, beſonderer Denkwürdig⸗ keiten und wenig bekannter Anekdoten, aus der Geſchichte aller Zeiten und Völker. Herausge⸗ geben von Franz Gräffer Mit Kupfer. 8. Wien 1814. 16 gr. 1 Farkas, Joh. von Farkas d Falva, ungariſche Grammatik für Deutſche. Ehemals umgear⸗ beitet und mit einem ungariſchen Leſe⸗ und dazu gehörigen Wörterbuche verſehen von Joſeph von Marton, Profeſſor der ungariſchen Sprache und Literatur an der k. k. Univerſität zu Wien. Jetzt aber auf's neue umgearbeitet und vervollſtändigt durch Paul Szlemenies, Doctor der Rechte ꝛc. Neunte Ausgabe. 3. Wien, 1816. rthlr. 8 gr. Fürſt, N., Briefe über die däniſche Literatur. 2 Bochn. 8. Wien, 1816. urthlr. 12 gr. Füger's, M. A., neues Bankſyſtem, begründet durch neue Kreditpapiere von unveränderlichem Gleichwerthe mit dem Golde und Silber. gr. 8. Wien, 1816. 12gr. Gartlers, J., wieneriſches bewährtes Kochbuch, in ſechs Abſchnitten, welches Tauſend ſechshundert neunzehn Kochregeln für Fleiſch⸗ und Faſttage, alle auf das deutlichſte und gründlichſte beſchrieben, enthält. Nebſt einem Anhange in fünf Abſchnit⸗ ten, worin man einen allgemeinen Unterricht, was man in der Küche, beim Einkaufen, beim An⸗ richten der Speiſen und Anordunng der Tafeln zu beobachten habe, findet. Mit bequemen Speiſe⸗ und Suppenzetteln, verbeſſert und vermehrt von Barbara Hickmann. Ein und dreißigſte mit einem alphabetiſchen Regiſter verſehene Auflage. 3. Wien, 1316. urthlr. 3 gr. ——— ——————— Gölis, Dr. Leop. Ant., praktiſche Abhandlung über die vorzüglicheren Krankheiten des kindlichen Alters. Erſter Band. Von der hitzigen Gehirn⸗ höhlenwaſſerſucht. ꝛc. 3. 1xthlr. 16 gr. Hausfrau, die wieneriſche, in allen ihren Geſchäf⸗ ten. Oder nützliches Hausbuch für Frauen und Mädchen welches in ſechs Abſchnitten viele bewähr⸗ te und auf Erfahrung gegründete Lehren, Wirth⸗ ſchaftsregeln, ökonomiſche Kunſtſtücke, wie auch PVorſichtsregeln zur Erhaltung der Geſundheit und Schönheit des ſchönen Geſchlechtes enthält. Des bewährten wieneriſchen Kochbuches von Ignatz Gartler und Varbara Hickmann. 2r Thl. Sechste ganz neu unigearbeitete Auflage. 8. Wien⸗ 1816. 1rthlr. 3gr. Leben, Thaten und Schickſale des in Paris hingerich⸗ teten Marſchalls Ney. Aus dem Franzöſiſchen 3. Saarloui's, 1816. 4 gr. Napoleon Bonaparte's zwei merkwürdigſte Le⸗ bensjahre, ſeine überfahrt und Ankunft, und beſon⸗ ders ſeine Beſchäftigung und Lebensart auf St. Helena. Nebſt Beſchreibung ſeines Verwah⸗ rungsortes auf dieſer Inſel. Aus dem Engliſchen⸗ zte vermehrte Auflage, mit zwei Kupfern. 8. London, 1316. 1rthlr. Pautz, V. J. v. und A. J. Atzk, Verſuch einer Beſchreibung der vorzüglichſten Berg⸗ und Hütten⸗ werke des Herzogthums Steyermark nebſt anderen 3 — 2 — „ — vermiſchten mineralogiſchen Berg⸗ und Hüttenmän⸗ niſchen Abhandlungen. Mit 4 Kupfern und 2 Ta⸗ vellen. gr. 8. Wien. 2rthlr. Prechtl, Joh. Joſ./(Direktors), Grundlehren der Chemie in techniſcher Beziehung für Kame⸗ raliſten, Okonomen, Techniker und Fabrikanten. 2 Bände. gr. 8. Wien, 187. 6 rhtlr⸗ Riedel, Fr. E. S./ der wieneriſche Sekretär auf alltägliche Fälle für das gemeine Leben. Zum Gebrauch für jeden der im Briefſchreiben Unterricht erhalten will. Vierzehnte verbeſſerte Auflage. ꝛc. gr. 8. Wien, 1517. 2 rthlr. Szeleczky, Carl, franzöſiſche. Grammatik nach einer neuén für jedes Alter faßlichen Methode bearbeitet, und zum Gebrauche der Schulen ein⸗ gerichtet. Mit berichtigenden Anmerkungen zu der Sprachlehre des Abbe Mozin. gr. 8. Wien, 1816. rthlr. 6gr. Vierthaler, Fr. M., Meine Wanderungen durch Salzburg, Berchtesgaden und Sſterreich. 2 Theile. Mit Kupfern. 12. Wien, 181b. in ſchönem 18 umſchlag gebunden⸗ 3rthlr. ð——— ——— — * * * 6 ——————— — ——— * ⸗