Teil eines Werkes 
3. Theil (1858)
Entstehung
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Ja, leſen Sie ihn, Doctor.

Soll ich ihn laut ſleſen?«

Ja wohl. Vielleicht iſt irgend ein Wunſch darin aus⸗ geſprochen und die letzten Wünſche eines Helden ſind heilig.«

Camill zog ſich aus Zartgefühl einige Schritte zu⸗ rück und der Doctor las den Brief in leiſem, feierlichem Tone:

»Meine theure Mutter, ich hoffe, daß Alle in Beaurepaire ſo wohl auf ſind wie ich, oder wie

ich vielmehr bald zu ſeyn hoffe. In unſerm letzten

Scharmützel bekam ich eine Wunde, keine ſehr ge⸗ fährliche, obſchon ſie mir eine Zeitlang das Schrei⸗ ben unmöglich machte.«

Der arme Mann! Es war ſeine Todeswunde. Aber, wann iſt denn dieſer Brief geſchrieben?«

Und der Doctor hielt inne und ſchien plötzlich höchlich betroffen zu werden.»Liebe Freunde, habe ich denn kein Ge⸗ dächtniß mehr, oder« und er heftete ſeine Augen wieder auf den Brief.Um Gottes willen, an welchem Tage fand

denn das Treffen ſtatt, in welchem er ſeinen Tod fand,

dieſer Brief iſt vom fünfzehnten Mai datirt. Iſt es ein Traum? Rein, dieſer Brief iſt nach dem Tode des Schreibers geſchrieben.« Nein, Doctor,« ſagte Camill eilig,»Sie irren ſich.« Aber von welchem Tage war denn die Nummer des Moniteur?« fragte Saint⸗Aubin in großer Aufregung. Von einem bedeutend ſpäteren als dieſem,« ſagte Camill. Aberwenn auch ſehen Sie denn nicht? Wo iſtdas Blatt?* Meine Mutter hat es eingeſchloſſen. Ich werde es ſo⸗ gleich holen.« Nein, Laura, überlaſſen Sie das mir. Joſephine,