Teil eines Werkes 
3. Theil (1858)
Entstehung
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Laura legte den Brief weg und begann eben ſo wie die Andern den Doctor freundlich willkommen zu heißen.

Als ſie ihm Alle die Hand gedrückt und ihn wiederholt begrüßt hatten, beſann ſich Laura wieder auf den Brief und nahm ihn vom Tiſche, um ihn zu ihrer Mutter zu tragen. Zu⸗ gleich ſah ſie ihn genauer an, ſtieß einen Ruf der Ueberra⸗ ſchung aus und winkte eilig dem Doctor.

Er näherte ſich ihr und ſie gab ihm den Brief in die Hand.

Er ſetzte ſeine Brille auf und betrachtete ihn.

»Jals flüſterte er;»er iſt von ihm.«

Joſephine und Camill ſahen, daß etwas vorging und näherten ſich daher mit Neugier in ihren Zügen.

Laura legte ihre Hand auf einen kleinen Tiſch in ihrer Nähe und ſtützte ſich einen Augenblick lang darauf. Es ward ihr ſo ſonderbar zu Muthe bei dem Anblick eines Briefes, der von einem Todten kam.

Laura, liebe Schweſter,« rief Joſephine beſtürzt,»was gibt es?«

Meine armen Freunde,« ſagte der Doctor feierlich, dies iſt eines jener furchtbaren Dinge, die Sie in Ihrem kur⸗ zen Leben noch nicht geſehen, die ich aber ſchon mehr als ein⸗ mal erlebt habe. Die Schiffe, welche Briefe aus fernen Län⸗ dern bringen, ſegeln bald ſchneller, bald langſamer und ſind Zufällen unterworfen, durch welche ſie zuweilen aufgehalten werden. Ja, es iſt das dritte Mal, daß ich einen Brief an⸗ kommen ſehe, der von einer Hand geſchrieben iſt, von der man ſchon weiß, daß der Tod ſie auf immer gelähmt hat. Die Baronin iſt heute ein wenig aufgeregt, ich weiß ſelbſt nicht weshalb. Wenn Sie damit einverſtanden ſind, Madame Ray⸗ nal, ſo will ich dieſen Brief leſen, ehe ich ihn ihr ehen laſſe.«