Teil eines Werkes 
2. Band (1832)
Entstehung
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noch unbekannte Bernardin de Saint⸗Pierre bei Madame Geoffrin Paul und Virginie vorzuleſen: die Geſchichte war einfach und die Stimme des Vorleſers zitterte; Alles gähnte, und nach einer halben Viertelſtunde rief Herr de Buffon dem Bedienten mit lauter Stimme zu: Spannt die Pferde vor meinen Wagen!

In unſern Tagen hatte die Dichtkunſt, als ſie nach einer unläugbaren Abweſenheit, unter einigen fremdartigen Formen und mit neuer tieferer Empfindung unter uns wie⸗ der erſchien, manche Gefahren zu beſtehen und manche Spöttereien zu erdulden. Man erinnert es ſich noch, wie der ruhmvolle Vorläufer dieſer eben ſo glänzenden, als herzlichen Poeſie aufgenommen wurde, und welch eines feſten Genies er bedurfte, um an ſich ſelbſt zu glauben und beharrlich zu ſein. Aber er wenigſtens, der allein Daſtehende, hat ſich ſeine Bahn geöffnet und ſie vollendet; nur die kräftigen und unbeſiegbaren Naturen vermögen dies. Die Schwächeren, Jüngeren und Nachgiebigeren, die ihm folgten, fühlten das Bedürfniß, ſich zu vereinigen, im Voraus zu verſtändigen und ſich für einige Zeit im Schutze einer unruhigen und wetterwendiſchen Geſellſchaft den nöthigen Anklang zu verſchaffen. Dieſe Arten von Vertraulichkeiten ſind, man hat es geſehen, in den Zeiten der Wiederbelebung oder der Auflöſung nicht ohne Vor⸗ theile für die Kunſt. Sie ſind tröſtlich und ſchützen zu Anfange, ſo wie in gewiſſen Perioden des Dichterlebens, gegen die Gleichgültigkeit von außen. Sie geſtatten man⸗