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den uns, vor Schaam erröthend, entfernen, um nicht zu antworten:„Wir wiſſen es ſelbſt nicht, wo die Aſche Bailly's ruht*).“
Schrecken beherrſchte Frankreich, Ströme Blutes floſ⸗ ſen von der Höhe des unbarmherzigen Montagne(der Berg im National⸗Convent und Sitz der eifrigſten Patrioten), und die werdende Republik ſtarb mit der Freiheit in den Ausbrüchen ſchrecklicher Zügelloſigkeit. Die National⸗Tri⸗ bune erzitterte von dem Gebrüll Marat's, des gehäſſigſten Repräſentanten anarchiſcher Wuth, und alle Herzen erſtarr⸗ ten vor Staunen: dieſes franzöſiſche Volk, deſſen Drohen ſchon das bewaffnete Europa erzittern machte, unterwarf ſich ſchweigend dem Joche des niedrigſten Tyrannen. Je⸗ der empörte ſich gegen ſeine eigene Erniedrigung, und Nie⸗ mand wagte ſelbſt nicht den Wunſch, ſich derſelben zu entzie⸗ hen. Nur einige Frauen ſchienen bei dieſem moraliſchen Scheintode des Menſchengeſchlechts Leben zu bewahren.
Eine unter ihnen, Charlotte Corday, aus edler, durch
ſie weltberühmt gewordenen Familie, faßte, in vollem Glanze
*) In dem Augenblicke, da ich dieſe Zeilen ſchreibe, erfahre ich, daß eine neue Beleidigung gegen das Ge⸗ daͤchtniß dieſes beruͤhmten Mannes begangen iſt. Bei der letzten Ausſtellung im Louvre hat man ein Bild Boulan⸗ ger's, den Tod Bailly's darſtellend, deſſen Verdienſt man erkannte, unter dem Vorwande zuruͤckgewieſen: daß man eine aͤhnliche Erinnerung nicht erwecken muͤſſe.
Anmerk. d. Verf.


