Teil eines Werkes 
1. Theil, Zwei Lebenswege : 2. Band (1860)
Entstehung
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ihrem Glück nicht hinderlich ſein! Er will den Baron durch ſeine Gegenwart nicht erſchrecken und mißtrauiſch machen.

Während man ſich ſo in dem einen Zimmer unterhielt, fand in dem anſtoßenden Gemach eine Unterhaltung anderer Art ſtatt. Dort hatten die Damen einen Kreis gebildet um den in der Mitte des Zimmers ſtehenden Flügel, an welchem der ſchöne Baron Walther ſaß, im Begriff, dem all⸗ gemeinen Flehen nachzugeben und eine Arie zu ſingen.

Athemloſes, geſpanntes Schweigen herrſchte in dieſem Gemach und Aller Blicke waren unverwandt auf die des ſchönen Sängers gerichtet, der jetzt mit vollendeter Kunſſerigket eine italieniſche Arie ſang.

Nie gab es eine ſchönere, biegſamere Stimme, wie die Walther's, nie hatte man dieſe Arie gefühlvoller, zarter vortragen hören.

Auch waren alle Damen außer ſich, nur Judith ſaß mit gleichgültigem Geſicht dem Sänger gegen⸗ über, gedankenlos mit ihrem Fächer ſpielend, ſicht⸗ lich gelangweilt von dieſer langen Arie. Eine Fluth von Lobſprüchen und Schmeicheleien ergoß ſich von ſchönen Damenlippen, als der Geſang beendet war, Judith allein ſagte nichts, und wandte ſich mit irgend einer lauten zeichgiligen Frage an den neben ihr ſtehenden Herrn.

Baron Walther, der ſie lange ſchon beobachtete,