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Schrecken ohnmächtig, brachte er mich hieher und rief mir mit ſchrecklicher Stimme in die Ohren: 3
„„Da ſollſt Du bleiben, häßlich, ſelbſt von den Thieren verachtet, bis an Dein Ende, oder bis Einer aus freiem Willen Dich, ſelbſt in dieſer ſchrecklichen Geſtalt, zur Gattin begehrt. So räche ich mich an Dir und Deinem ſtolzen Vater.““
„Seitdem ſind viele Monate verfloſſen. Einſam und traurig lebe ich als Einſiedlerin in dieſem Ge⸗ mäuer, verabſcheut von der Welt, ſelbſt den Thieren ein Gräuel; die ſchöne Natur iſt vor mir verſchloſſen, denn ich bin blind am Tage, und nur, wenn der Mond ſein bleiches Licht über dies Gemäuer ausgießt, fällt der verhüllende Schleier von meinem Auge.“
Die Eule hatte geendet, und wiſchte ſich mit dem Flügel wieder die Augen aus, denn die Erzählung ih⸗ rer Leiden hatte ihr Thränen entlockt.
Der Kalif war bei der Erzählung der Prinzeſſin in tiefes Nachdenken verſunken.„Wenn mich nicht Alles täuſcht,“ ſprach er,„ſo findet zwiſchen unſerem Unglück ein geheimer Zuſammenhang ſtatt; aber wo finde ich den Schlüſſel zu dieſem Räthſel?“ Die Eule antwortete ihm:„O Herr! auch mir ahnet dies; denn es iſt mir einſt in meiner früheſten Jugend von einer weiſen Frau prophezeiht worden, daß ein Storch mir ein großes Glück bringen werde, und ich wüßte viel⸗ leicht, wie wir uns retten könnten.“ Der Kalif war ſehr erſtaunt und fragte, auf welchem Wege ſie meine. „Der Zauberer, der uns Beide unglücklich gemacht hat,“ ſagte ſie,„kommt alle Monate einmal in dieſe


