Teil eines Werkes 
3. Theil (1856)
Entstehung
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teten, kam der Bürgermeiſter, um ſein Verſprechen zu halten, in das Haus des Conferenzraths. Aber wie wunderbar verändert ſah der gute Mann aus! Die ungeheure Laſt und das Weh des einen Tages hatte ſeine Schultern niedergedrückt, er ſchien zerknickt an Geiſt und Leib, er gähnte fortwährend und ſank faſt erſchöpft auf einen Seſſel, ſobald er in's Zimmer ge⸗ treten war. b Nachdem er ein Glas kräftigen Weins dankbar angenommen und geleert hatte und ſchon Helenens Augen erwartungsvoll auf die ſeinigen gerichtet ſah, ſagte er:Ja, meine junge Dame, unſer Schickſal hat ſich ſchnell umgewandelt; geſtern konnte ich Sie zu meiner Gefangenen machen, und heute bin ich 3 der Ihrige. Unſer Reich iſt für jetzt aus. Ich kann

¹ Sie nicht mehr zur Unterſuchung ziehen, der Amtmann

von Veile iſt fort und ich ich bin frei von dieſer

Verantwortung wenigſtens. Sie können alſo gehen,

wann und wohin Sie wollen, vorausgeſetzt, daß Sie die Richtung nach dem Süden wählen.

Ach, was mich betrifft, mein Herr, erwiderte Helene,ſo ſorgen Sie ja nicht um mich, ich habe mich längſt in das Unvermeidliche ergeben aber der Gefangene Sie ſagen ja nichts von ihm Ja, der Gefangene, richtig! Das wollt' ich