16 Die eiſerne Maske.
deren Stützen von der Regierung ſcharf beaufſichtigt und nöthigenfalls entfernt werden müſſen. Seine Majeſtät der König ſetzt das ehrenvolle Vertrauen in mich, daß ich den Staatskörper, welchen ich blutend und krank fand, geheilt und geſund hinterlaſſe. Stellt ſich nun Klein oder Groß dieſer meiner Abſicht in den Weg, ſo werde ich mich un⸗ terſtehen darüber hin zu gehen. Wollte ich noch deutlicher ſprechen, ſo müßte ich fürchten das ſanfte fühlende Herz meiner Königin mehr zu treffen als es für deſſen Ruhe gut wäre. Es würde alſo dabei bleiben, daß ich nur eine Warnung höherer Art zu geben vermag, und dies glaube ich in klaren Worten gethan zu haben.“
Nach dieſen Worten verbeugte ſich der Cardinal und nahm ſtolz ſeinen Rückzug, im Vorbeigehen die Frau von Motteville höhniſch grüßend, welche während des Ge⸗ ſprächs aus ihrem Hinterhalt hervorgekommen und bei dem plötzlichen Aufheben deſſelben zu ſpät zurückgetreten war.
„Furchtbarer Richelieu!“ murmelte die Dame hinter ihrer Säule, ſtarr vor Schrecken. Die Königin winkte und ſagte dann zur Motteville:
„Ich befinde mich unwohl und kann heute niemanden mehr ſprechen... Der verſchmähte Cardinal wird mich verderben, wenn es ihm möglich iſt,“ fügte ſie leiſe hinzu.
Die nöthigen Befehle wurden gegeben. Die Königin zog ſich mit ihren Kammerfrauen in ihr Boudoir zurück und lehnte ſich nachläſſig auf ein Sopha. Die Motte⸗ ville, welche nie von ihrer Seite kam, wollte ſich eben erkundigen, ob ſie nach dem Leibarzte ſchicken ſollte, als die Königin tief aufſeufzte und folgendes Selbſtgeſpräch hielt:
„Ja, der Cardinal hat Recht; ich bin einſam. Mein leuteſcheuer Gemahl, der nur bei den beliebten öffentlichen


