Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Dritte Abteilung, Ange Pitou : 5.-8.Bändchen (1851) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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ehr

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leicht iſt, zu erfahren, was Sie vor aller Welt verber⸗ gen und was Sie ſogar vor ſich ſelbſt verbergen; be⸗ greifen Sie, daß es mir leicht iſt, Sie auf dieſem Stuhle auszuſtrecken, den Ihre Finger inſtinetartig ſuchen, um eine Stütze daran zu finden.

Oh! machte die Königin erſchrocken, denn ſie fühlte unbekannte Schauer bis in ihr Herz eindringen.

Ich darf nur in mir ein Wort ſagen, das ich nicht ſagen will, fuhr Gilbert fort,ich darf nur einen Willen formen, auf den ich verzichte, und Sie fallen nieder⸗ gedonnert in meine Gewalt. Sie zweifeln, Madame; oh! zweifeln Sie nicht, Sie würden mich viell⸗icht verſuchen, und wenn Sie mich einmal verſuchen! Doch nein, nicht wahr, Sie zweifeln nicht?

Halb zurückgeworfen, keuchend, beklommen, ver⸗ wirrt, klammerte ſich die Königin an der Lehne ihres Stuhles an mit der Energie der Verzweiflung und der Wuth einer unnützen Vertheidigung.

Oh! fuhr Gilbert fort,glauben Sie mir, Ma⸗ dame, wenn ich nicht der ehrerbietigſte, der ergebenſte, der fußfälligſte Ihrer Unterthanen wäre, ſo würde ich Sie durch ein furchtbares Erperiment überzeugen. Oh! ſeien Sie unbeſorgt. Ich neige mich in Demuth, ſage ich Ihnen, mehr noch vor der Frau, als vor der Köni⸗ gin. Ich zittere, einen Gedanken zu haben, der Ihren Gedanken nur oberflächlich berührt, ich würde mich eher tödten, als daß ich Ihre Seele zu beengen ſuchte.

Mein Herr, mein Herr, rief die Königin, indem ſie mit ihren Armen die Luft ſchlug, als wollte ſie Gil⸗ bert, der mehr als drei Schritte von ihr entfernt ſtand, 8 zurückſtoßen.

1Und dennoch haben Sie mich in die Baſtille ein⸗

ſperren laſſen, fuhr Gilbert fort.Sie bedauern es nur, daß ſie erſtürmt iſt, weil das Volf, indem es die⸗

ſelbe erſtürmte, mir die Thore geöffnet hat. Ihr Haß

bricht in Ihren Augen gegen einen Mann aus, dem Sie perſönlich nichts vorzuwerfen haben. Und ſehen