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gen erzählen, die ihre Mütter erlitten, von dem Elend ihrer vom Wildpret des Adels zerfreſſenen Felder, von der Schande ihrer unter den Feudalrechten gebeugten Kaſte, und dann ergreifen die Söhne die Art, die Keule, die Flinte, kurz Alles, was ſie finben, und ködten, als Werkzeuge geladen mit den Verwünſchungen des Grei⸗ ſes, wie die Kanone mit Pulver und Eiſen geladen iſt. In Paris ſchreien in dieſem Augenblick Männer, Weiber, Greiſe und Kinder nach Freibeit. Rechnen Sie Alles, was ſchreit, Madame, rechnen Sie achtmalhunderttauſend Seelen in Paris.“
„Dreihundert Spartaner haben das Heer von Kerxes beſiegt.“
„Ja, doch heute ſind Ihre drethundert Spartaner achtmalhunderttauſend, Madame, und Ihre fünfzigtau⸗ ſend Soldaten, das iſt das Heer von Ferxes.“
Die Königin erhob ſich, die Fäuſte krampfhaft ge⸗ ballt, das Geſicht roth vor Zorn und Scham.
„Oh! daß ich vom Throne fiele,“ ſagte ſie,„daß ich, von Ihren fünfmalhunderttanſend Pariſern in Stücke zerhauen, ſtürbe, aber daß ich nicht einen Charny, einen Mann, der mir gehört, ſo ſprechen hören müßte!“
„Wenn er ſo mit Ihnen ſpricht, Madame, ſo muß er es, denn dieſer Charnh hat in den Adern nicht einen Tropfen Blut, der nicht würdig iſt ſeiner Ahnen, und der nicht Ihnen gehört.“
„Dann marſchire er mit mir gegen Paris, und wir werden mit einander ſterben.“
„Schmählich,“ verſetzte der Graf,„ohne einen mög⸗ lichen Kampf. Wir werden gar nicht kämpfen, wir werden verſchwinden wie Philiſter oder Amalekiter. Gegen Paris marſchiren! Sie wiſſen alſo Eines nicht? daß in dem Augenblick, wo wir nach Paris kämen, die Häuſer über uns einſtürzen werden, wie die Wellen des rothen Meeres über Pharav, und Sie werden in Frank⸗ reich einen verfluchten Namen hinterlaſſen, und Ihre Kinder wird man tödten, wie die einer Wölfin.“


