Teil eines Werkes 
Denkwürdigkeiten eines Arztes : Dritte Abteilung, Ange Pitou : 5.-8.Bändchen (1851) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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ten und belebenden Gefühles die erſten Tropfen von einer Galle aufzunehmen, welche, beſtändig fließend, in's Blut gehen ſollte.

Es war endlich die Frau des dritten Portraits der Gallerie von Verſailles, das heißt, nicht mehr Marie Antvinette, nicht mehr die Königin von Frankreich, ſondern diejenige, welche man nur noch mit dem Namen: die Oeſterreicherin, zu bezeichnen anfing.

Hinter ihr war, halb im Schatten liegend, eine unbewegliche junge Frau, den Kopf auf das Fiſſen eines Sopha zurückgeworfen und die Stirne auf ihre Hand geſtützt.

Das war Frau von Polignac.

Als ſie Herrn von Lambeseg erblickte, hatte die Königin eine von jenen Geberden verzweifelter Freude gemacht, welche beſagen wollen: Endlich werden wir Alles erfahren

Herr von Lambeseq hatte ſich mit einem Zeichen verbeugt, das zugleich wegen ſeiner beſchmutzten Stiefel, wegen ſeines beſtaubten Rockes und ſeines verdrehten Säbels, den er nicht mehr ganz in die Scheide hatte bringen können, um Verzeihung bat.

Nun, Herr von Lambescq, ſagte die Königin, Sie fommen von Paris?

Ja, Eure Majeſtät.

Was macht das Volk?

Es mordet und brennt.

Aus Schwindel oder aus Haß?

Nein, aus Grauſamkeit.

Die Königin dachte nach, als ob ſie geneigt ge⸗ weſen wäre, ſeine Anſicht über das Volk zu theilen. Dann ſchüttelte ſie den Kopf und entgegnete:

Nein, Prinz, das Volk iſt nicht grauſam, wenig⸗ ſtens nicht ohne Grund; verbergen Sie mir alſo nichts. Iſt es Wahnwitz? Iſt es Haß?

Ich glaube, daß es ein bis zum Wahnwitz getrie⸗ bener Haß iſt.