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Denkwürdigkeiten eines Arztes : Vierte Abteilung, Die Gräfin von Charny : 27.-33. Bändchen (1855) Mémoires d'un médecin
Entstehung
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Fleiſch und das Blut herrſchten, war Danton vor Allem ein Mann; es war in ihm vom Löwen und von der Dogge, auch viel vom Stiere. Seine Maske erſchreckte; die erhabene Häßlichkeit eines zerriſſenen Geſichtes ver⸗ lieh ſeiner ungeſtümen, gleichſam in Anfällen hingeſchleu⸗ derten Rede eine Art von wildem Stachel. Die Maſ⸗ ſen, welche die Stärke lieben, fühlten vor ihm, was von Furcht und Sympathie jedes mächtig erzengende Weſen empfinden macht; und unter dieſer heftigen, wüthenden Maske fühlte man dann auch ein Herz, man vermuthete Eines: daß dieſer erſchreckliche Mann, der nur in Droh⸗ ungen ſprach, im Grunde einen braven Menſchen ver⸗ barg. Die aufrühreriſchen Weiber um ihn her fühlten dunkel Alles dies und ließen ſich haranguiren, beherr⸗ ſchen, bändigen; er führte ſie, wohin und wie er es wollte; er erklärte ihnen barſch, wozu die Frau diene, wozu die Liebe diene, wozu die Erzeugung diene; daß man nicht für ſich ſelbſt gebäre, ſondern für das Vater⸗ land, und hiebei erhob er ſich plötzlich, ſprach für Rte⸗ mand mehr, ſondern(wie es ſchien) für ſich ſelbſt. Sein ganzes Herz trat ihm, wie man ſagt, aus der Bruſt mit einer gewaltigen Zärtlichkeit für Frankreich, und auf dieſes ſeltſame, von Blattern zerriſſene Geſicht, das den Schlacken des Veſuvs und des Aetnas glich, kamen all⸗ mälig große Tropfen, und das waren Thränen. Dieſe Weiber konnten ſich nicht mehr halten; ſie beweinten Frankreich, ſtatt über ihre Kinder zu weinen, verbargen das Geſicht in ihrer Schürze und entflohen ſchluchzend.

O großer Geſchichtſchreiber, den man Michelet nennt, wo biſt Du?

In Nervi!

O großer Dichter, den man Hugo nennt, wo biſt Du?

In Jerſey!