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eine Laterne geſchleppt: man ſchlingt ihm einen Strick um den Hals und hißt ihn auf. In einer Höhe von un⸗ gefähr zehn Fuß zerreißt das Gewicht ſeines Körpers den Strick. Er fällt lebendig nieder, zerarbeitet ſich einen Angenblick und ſieht den Kopf ſeines Gefährten am Ende einer Pieke. wie fand ſich gerade hier eine Pieke?.. Bei dieſem Anblick ſtößt er einen Schrei aus und wird ohnmächtig. Da ſchneidet oder ſägt man ihm vielmehr den Kopf ab, und es findet ſich wie gerufen eine zweite Pieke, um die blutige Trophäe in Empfang zu nehmen!
Sogleich bemächtigt ſich der Menge das Bedürfniß, die zwei abgeſchnittenen Koͤpfe in Paris umherzutragen, und gefolgt von etwa hundert ihnen ähnlichen Banditen ſchlagen die Kopfträger ſingend den Weg nach der Rue de Grenelle ein.
Um nenn Uhr verkündigten die Municipalbeamten, die Notabeln, mit Huiſſiers und Trompetern, auf dem Platze des Palais Royal das Decret der Nationalver⸗ ſammlung und die Repreſſivmaßregeln, welche jede Ver⸗ letzung dieſes Decretes nach ſich ziehen würde, als durch die Rue Saint Thomas⸗du⸗Louvre die Mörder ausmün⸗ deten.
Der Municipalität wurde hiedurch eine bewunderungs⸗ würdige Stellung gemacht: ſo herb ihre Maßregeln waren, ſie würden nie die Höhe des Verbrechens erreichen, das ſo eben begangen worden.
Die Nationalverſammlung fing an ſich in ihrem Lo⸗ cale einzufinden; vom Platze des Palais Royal bis zur Reitſchule war es nicht weit; die Neuigkeit macht nur einen Sprung und bricht im Saale aus.
Nur ſind es nicht mehr ein Perückenmacher und ein Invalide, die man übermäßig wegen eines Bubenſtreiches beſtraft hat; es ſind zwei gute Bürger, zwei Freunde der Ordnung, welche man ermordet, weil ſie den Revolu⸗ tionären Achtung vor den Geſetzen empfohlen haben.
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