Teil eines Werkes 
1. Bd. (1859)
Entstehung
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1 rückten Schwangerſchaft alle erdenkliche Mühe, um

ihrem Gemahl zur Flucht zu verhelfen.

Da die arme Frau eine Menge Gold verſchwen⸗ det hatte, ſo ging ihr kleines Complott ſeinen gu⸗ ten Weg. Der Kerkermeiſter hatte verſprochen blind zu ſein; der Stockknecht hatte dem Gefangenen eine Feile und Stricke gebracht, damit er ein Gitter durchſägen und ſich auf die Straße herablaſſen könnte, wo Frau de la Graverie ihn erwarten ſollte, um mit ihm Frankreich zu verlaſſen.

Die Flucht war auf den folgenden Tag, den 14. Mai feſtgeſetzt.

Nie haben die Stunden einem Sterblichen län⸗ ger geſchienen, als die Stunden dieſes Unglücksta⸗ ges der armen Frau erſchienen. Jeden Augenblick ſah ſie auf ihre Uhr und verfluchte die Langſamkeit derſelben. Zuweilen ſtrömte ihr das Blut gegen das Herz und ſie bekam plötzliche Erſtickungsanfälle, ſo daß ſie es für unmöglich hielt die Morgenröthe des ſo erſehnten folgenden Tages glänzen zu ſehen.

Gegen vier Uhr Abends konnte ſie es nicht mehr aushalten, und um ihre furchtbare Angſt zu be⸗ ſchwichtigen, wollte ſie einen widerſpenſtigen Prieſter, den eine ihrer Freundinnen in ihrem Keller verbarg, aufſuchen, damit er ſeine Gebete mit den ihrigen vereinige, um die göttliche Barmherzigkeit über den unglücklichen Gefangenen herabzurufen.

Frau de la Graverie ging alſo aus.

Als ſie trotz ihres beläſtigenden Umfanges durch eines der engen Gäßchen gehen wollte, hörte ſie auf dem Platz das dumpfe und anhaltende Getöſe einer großen Volksmenge. Sie verſuchte jetzt umzukehren,