164 Nicolaus Nickleby.
Nicolaus verbeugte ſich, wünſchte dem alten Herrn einen guten Morgen und drehete ſich um.
»Warten Sie,« entgegnete der Alte, indem er ihn in ein Gäßchen winkte, wo ſie ungeſtörter mit einander ſprechen konnten.»Was meinten Sie? Was meinten Sie?«
»Ihr freundliches Geſicht und Ihr gutherziges We⸗ ſen,— wie ich noch niemals geſehen,— verleiteten mich zu einem Geſtändniſſe, das ich keinem einzigen andern Fremden in dieſer Wildniß London gethan haben würde,⸗ antwortete Nicolaus.
„Wildniß! Ja, das iſt es, das iſt es. Gut. Es iſt eine Wildniß,« ſagte der alte Herr ſehr lebhaft.»Auch für mich war es einſt eine Wildniß. Ich kam barfuß hierher,— und habe es nie vergeſſen. Gott ſei Dank!« und er nahm ſeinen Hut ab und ſah ſehr ernſt dazu aus.—»Was fehlt Ihnen?— was fehlt Ihnen?— Wie wurden Sie ſo weit heruntergebracht?« fragte er dann weiter, indem er die Hand auf die Schulter Nico⸗ laus' legte und mit ihm in dem Gäßchen weiter ging. »Sie ſind—, he?«— und er ſtrich mit den Fingern auf dem Aermel des ſchwarzen Rockes ſeines jungen Freun⸗ des hin.»Sie trauern— he?⸗
„»Um meinen Vater,« antwortete Nicolaus.
»Ach!« entgegnete der alte Herr ſchnell.»Es iſt ſchlimm für einen jungen Mann, ſeinen Vater zu ver⸗ lieren. Vielleicht eine verwittwete Mutter?«
Nicolaus ſeufzte.
„»Auch Brüder und Schweſtern— he?«
„Eine Schweſter,« antwortete Nicolaus.
»Das arme Kind! Das arme Kind! Sie haben et⸗ was Luchtiges gelernt, nicht wahr?« fuhr der Alte fort, indem er dem jungen Manne theilnehmend in das Ge⸗ ſicht ſah.


