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Idee— wahr oder falſch, das iſt einerlei; denn wer entſchei⸗ det hier in der Welt, was wahr oder unwahr iſt? Zwar fam es mir ſo vor, als wenn das Schickſal dieſer Idee einen Maßſtab ihrer Wahrheit abgeben müßte. Denn, mag man ſagen was man will, der Weltlauf iſt im Gan⸗ zen genommen ſehr vernünftig; wenigſtens iſt es ſchwer, etwas Vernünftigeres zu finden. Mindeſtens wäre es doch ſonderbar, daß unſer Herr und Gott, wenn es etwas Vernünſtigeres gäbe, nicht hätte dahinter kommen ſollen, daß er, wenn er eine vernünftigere Weltordnung eingeſehen, ſie nicht in der Wirklichkeit hätte ausführen ſollen. Zwar könnte man meinen, daß unſere Erde zu den ſchlechteſten Weltkörpern gehört, und daß es vielleicht auf einem andern Planeten weit klüger und gerechter hergeht. Da wäre es nur ein Unglück, daß mancher Weltverbeſſerer, deſſen Pläne, wie man zu ſagen pflegt, in Rauch aufgegangen ſind, nicht zum Beiſpiele im Monde geboren wurde. Wenn aber auch der Schöpfer der Planeten ſo für gut befunden hat, den einen Planeten zu einer Academie der himmliſchen Weisheit und den andern zu einem Narrenhauſe zu machen, ſo kann vernünftiger Weiſe kein Grund vorhanden ſein, warum wir Menſchen, die wir offenbar von der Natur qualifizirt ſind, eben ſo gut die Bewohner des einen Pla⸗ neten zu ſein, wie die des andern, zufälliger Weiſe aber unſern Platz in dem Narrenhauſe erhalten haben, und das noch dazu ohne um unſere Meinung befragt worden zu ſein. Von uns kann alſo mit Recht auch nicht viel ver⸗ langt werden. Wenn aber das alles auch wahr iſt, ſo iſt es dennoch das ſicherſte, die Sache kalt zu nehmen. Denn es iſt klar, daß unter den Reden der Thoren diejenige die thörichſte iſt, welche aus dem Munde deſſen kommt, der ſich allein für klug hält. Wenn daher Jemand ſagt:„hier habt Ihr ein Mittel, das Euch klug, tugendhaft und glück⸗ lich machen ſoll; aber ich weiß, daß es Euch nicht nützen wird, weil Ihr allzu werrückt ſeid, um den hohen Werth meines Mittels einzuſehen,“ ſo heißt dies nichts anderes,


