Teil eines Werkes 
1.-3. Bändchen (1851)
Entstehung
Einzelbild herunterladen

8 6

ſorgniſſen, die einen Geſunden krank machen koͤnnen, ſie erfand auch noch eine weitere Zugabe.

Der Kriegsrath war nicht ganz frei von Aberglau⸗ ben, und Frau Laura, die ein großes Talent beſaß, ihre Karten zu legen und ganz beſonders aus denſelben zu prophezeien, that dieß an den Abenden oft, um zu ſehen, wann ihr geliebter Schwager geſund würde.

Im Anfang, wenn der Schwager dabei ſaß, nahm ſie blos nach einigen allgemeinen Vorausſagungen eine betroffene Miene an oder warf mit Beſtürzung die Kar⸗ ten unter einander.

Zuweilen brach ſie auch in Thränen aus, jedoch mit der Verſicherung, daß dieß nichts zu bedeuten habe.

Aber an andern Abenden, wenn der Schwager, der ſich leiſe an die Kammerthüre geſchlichen hatte, da ſtand und don Frau Laura unbemerkt lauſchte, war ſie nicht 0.

Da hieß es halblaut:

Armer Mann, armer Mann dieſe Krankheit, welche die Leute nicht begreifen wollen, die ſie als Nichts darzuſtellen ſich bemühen,.. ach, ich ſehe es wohl, nur allzu wohl, ſie wird ihn bald von hier fort⸗ ſchaffen. Dürfte ich ihn doch allein verpflegen, ich, die ich ihn beſſer verſtehe, als andere, ich, die ich ſeine Ge⸗ fahr ahne.

Allmählig, ohne daß es der Kriegsrath ſelbſt wußte, wie oder wann er dieſe Gedanken gefaßt hatte denn im Anfang lächelte er blos über dieſes kindiſche Be⸗ nehmen ſeiner Schwägerin wurden ſie auch ſeine eigene Ueberzeugung.

Und nachdem er überdieß zwei oder drei Nächte hinter einander deutlich und felerlich geträumt hatte, daß er am Herbſt ſterben würde, da konnte Nichts ihn von der ſixen Idee heilen, daß es ſo geſchehen werde.

Aber trotz all dieſer natürlichen und künſtlichen Leiden, welche dem Abend angehörten, fuhr er fort, mit derſelben Beharrlichkeit wie früher zu arbeiten, und