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(2022) 1/2022. Dezember 2022
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Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 19

Butscha, wo offenen Quellen zufolge 1.300 Menschen, darunter mehrere Dutzend Kinder, ermordet wurden, das heutige Gesicht von Auschwitz? ist.Es kann nicht davon ausgegangen werden, dass sich die Vergangenheit in der gleichen abscheulichen Form wie vor 80 Jahren wiederholt, es gibt Varia- tionen, aber das totalitäre Böse bleibt im Prinzip dasselbe, erklärt der re- nommierte Historiker. Er sicht Paral- lelen zwischen Hitler und Putin; beides yrannen, die ihren Krieg aus der Posi- tion der empfundenen Ungerechtig- keit heraus verteidigen für Deutsch- land sei dies die nach dem Ersten Weltkrieg als unerträglich empfunde- nen Reparationen gewesen, und für Russland das nach dem Ende des Kalten Krieges und dem Fall des Ei- sernen Vorhangs erfolgte Vorrücken der NAIO an die eigene Staatsgrenze.

Turski zufolge handelt es sich in beiden Fãllen um irrationales populi- stisches Tyrannisieren, um den Ver- such, eine komplizierte Situation aus- zunutzen und an die Macht zu gelan- gen- im Falle Hitlers, im Falle Putins, um den Versuch, um jeden Preis an der Macht zu bleiben.

Hat die Welt aus dem Holocaust gelernt? fragt Turski und antwortet: Er hoffe es, denn die freie Welt unter- Stütze jet?t massiv die Ukraine. US- Präsident Joe Biden handele nicht wie damals Neville Chamberlain. Die freie Welt habe sich gegen den Puti nismus geeinigt, aber die alten Koali- tionen seien nicht stabil, einschließlich der NAIO, verweist Turski kritisch auf die problematische Unterstüt?ung Putins durch die Türkei.

Kollektives Gedächtnis schaffen Was ist die Rolle der Uberlebenden und ihrer Nachkommen in dieser Welt? Das Gewissen der freien Welt zu sein, die Stimme der liberalen De- mokratie, sagt Turski, gegen Rassis- mus, gegen Fremdenfeindlichkeit, einschließlich Russophobie, betont er. Was ist zu tun, wenn die Generation der direkten Zeugen des Völkermor- des ausscheidet? Die Nachkommen der Zeugen werden zu den Zeugen der Zeugen und schaffen ein kollek tives Gedãchtnis. Dies geschieht ja be- reits. Die meisten Delegierten sind Angehörige der zweiten, aber auch der dritten Generation. Turski erin- nert noch einmal daran, wie wichtig es ist, sich gegen die Gleichgültigkeit aus?zusprechen, denn Gleichgültigkeit tötet, 80 lautet das Motto des Interna- tionalen Auschwit?-Komitees.

Das Komitee wurde vor siebzig Jahren gegründet, um das Bewusst Sein für das Vernichtungslager Ausch- wit?-Birkenau zu schärfen und für die Rechte der Uberlebenden auf Ent schädigung und soziale Unterstüt?ung zu kämpfen. Gegenwärtig ist es eine Stimme, die die liberale Demokratie unterstützt und sich in Deutschland in Fällen von rassistischer Gewalt und Intoleranz engagiert. So führte sie bei- Spielsweise eine Kampagne gegen die Verharmlosung des Holocaust in der zeitgenössischen Kultur, insbesondere im Rap(Nie wieder rappen über den Holocaust? im Jahr 2018). Nachdem der deutsche Christdemokrat Walter Lübcke 2019 einem Neonazi Zum Opt fer gefallen war, engagierte sich das Komitee für sein Andenken, worauf