Heft 
(2004) 1/2004. Juli 2004
Einzelbild herunterladen

Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 21

HTUORISCHEHR VON Hessi- Scher Kundfunk J9.C06. 7065 Fernseh- vendung- Sprecher Robert Mulka, ehemals Adjutant des berüchtigten Auschwitz-Kommandanten Höß, von der Spruchkammer Hamburg als ent- lastet eingestuft, heute wegen Beihilfe zum Massenmord in mindestens 3000 Fãllen zu 14 Jahren Zuchthaus verur- teilt. Mulka, mit 70 Jahren der älteste der Angeklagten, war für die gesamten Vergasungsanlagen in Auschwitz ver- antwortlich.

Karl Höcker, Adjutant des letzten Auschwitz-Kommandanten Baer, we- gen der gleichen Beteiligung an den Vergasungen: 7 Jahre Zuchthaus.(..)

Hans Stark, Landwirtschaftslehrer aus Darmstadt, 44 Jahre alt, des Mor- des an 300 Häftlingen schuldig, erhält 10 Jahre Jugendstrafe, weil er seine Verbrechen in Auschwit? beging, be- vor er volljãhrig war.

Rogosaroff: Als der Auschwitz- Prozess anfing war für mich klar, dass ich da auf jeden Fall hingehen wollte und mir des angucken wollte. Und da hab ich dann meinen ehemaligen Zahnarzt auf der Anklagebank wie- dergesehen. Und das war ein ganz selt- sames Gefühl. Ich wusste nur-ich woll- te da noch mal hinkommen und wollte ganz vorne sitzen, wollte dem Auge in Auge gegenüber sitzen. Das hab ich dann am nächsten oder übernächsten Tag auch gemacht, und hab den auch fixiert, und ich denke auch, dass er mich wiedererkannt hat. Also das war auch ein ganz ungutes Gefühl.

Ich denke, ich wollte was auf sei- nem Gesicht sehen, was mit Scham, mit Betroffenheit zu tun hatte. Und da war

nichts, der sah aus wie immer. Also, ich glaub schon, dass ich auch noch mal hingegangen bin, um das zu überprü- fen, ob der wirklich so gleichgültig war. Und das war er. Der war unverãndert.

Anni Reineck: Weniger in Erschei- nung getreten sind die Arzte, die in Auschwit? waren und auf der Ankla- gebank saßen. Die saßen in der ersten Reihe:Frank, Lukas, Schobert. Die ha- ben nie irgendwas gesagt. Die haben nur immer mit gesenktem Kopf da ge- sessen. Man konnte nichts, aber auch nichts aus dem Gesicht herauslesen. Was sie denken, was sie fühlen, gar nichts. Es war wie ne Maske.(..)

Anni Reineck: An einem Jag des Auschwitz-Prozesses kamen morgens zwei Zeugen, die reingeführt wurden- beide aus Osterreich. Und jeder hat von seinem Leben in Auschwitz erzählt, von den Tagen dort, dem Tagesablauf, dem Tagesgeschehen. An manchen Tagen war es 80, dass man noch zusammenge- Standen hat- hat noch ein bisschen ge- redet; und Neugierde kann manchmal auch sehr positiv sein, dass man bei nem Gespräch noch'n bisschen was erfährt.

Hermann Reineck: Ich hab gesagt: Na gut, also wenn ihr das oder jenes noch wissen wollt- wir können uns ir- gendwie treffen. Und haben uns dann, ich weiß nicht, ein, Zwei Tage Spã- ter irgend in so einem kleinen Wein- lokal da in der Niedenau getroffen, und da hab ich ein bisschen was er?ãhlt und irgendwie ist mir diese Frau sehr sym- pathisch geworden- und sie sah sehr gut aus und auch ihre ganze Finstel- lung und alles hat mir gefallen, und ja,