LAGERGEMEINSCFHAFT AUSCHWTL DAWE Vor 50 Jahren, am 8. Mai 1945, kapitulierte das Deutsche Reich, der Krieg war zu Ende, die Welt vom Terror des nationalsozialistischen Deutschland befreit. Solange die Soldaten der Wehrmacht gekämpft hatten, solange war auch der Mordbetrieb hinter den Stacheldrahtzäu- nen der Konzentrationslager weitergegangen. 15. Jahrgang, Heft 1 Mitteilungsblatt, April 1995 Inhaltsverzeichnis geDENKEFN Zum 50. Jahrestag der Befreiung 1 Die Gegenwart von Auschwit? oder Was ist aus den Kindern von Bertha Pappenheim geworden?* Musik in Konzentrationslagern 5 Wie erleben Nachgeborene? das Thema Auschwitz 6 Studienfahrt nach Polen und Auschwitz 3 Studienfahrt ins ehmalige KZ Mauthausen 11 Die Freiheit feiert Geburtstag 2 »Ich fühle mich lebendig.. in Birkenau? 14 Es ist nicht so, daß man hinfährt und hat dann alles kapiert? 21 Rechte planen eigene Gedenkfeier 2 Frzichung nach Auschwitz oder Betroffenheit ist kein Lernziel' 26 Geburtstagsglückwünsche 26 NSJustizopfer gelten weiter als vorbestraft 2 Die zweite Strafe 28 Wehrmachts-Deserteure und*Soldatenurteil? 30 In eigener Sache Einladung zur Mitgliederversammlung der Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer am Samstag, dem 20. Mai, um 14.30 Uhr in Frankfurt am Main im Haus der Ev. Katharinengemeinde, Leerbachstraße 18(Nähe Alte Oper) Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 1 ge D E NK EN Gedanken zu den Veranstaltungen anläßlich des 50. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz R von Manfred Keitel Anläßlich der Gedenkveranstaltungen zur Befreiung des Konzentrations- lagers Auschwitz wurde über Juden, politische Häftlinge, Sinti und Roma, lso den Menschen, die in den Lagern ermordet wurden, gesprochen. Ich laube, daß die meisten dieser Veranstaltungen in Frankfurt, an denen ich als Fahrer eines Flektrofahrstuhls in Mainz nicht teilnehmen konnte, gut besucht waren. Fin Beweis, daß sich mehr Menschen endlich stärker mit dem Thema auseinandersetzen und bereit sind zu lernen. Dennoch blieben andere Opfer des 1000 jährigen Reiches- die Aso- zialen“, Behinderten, Homosexuellen, Bibelforscher, Psychatriepatienten- im Hintergrund beziehungsweise im Dunkeln. Bei der Zahl der Opfer und den grauenvollen Dimensionen der Verbrechen ist das nur zu verständlich. Doch ein halbes Menschenalter'danach' kann nicht verborgen bleiben, welche Personen'desinfiziert“ wurden, da sie zum Teil durch ihre bloße Existenz eine Bedrohung für den Volkskörper? darstellten. Meiner Meinung nach hat das Verdrängen immer noch handfeste Grün- de, die nicht alleine in der'geringen“ Zahl dieser Opfer zu finden ist. Denn der gute Mensch ist nun nicht einmal'asozial“, behindert oder chronisch krank, homosexuell oder einmal in der Psychatrie gewesen. Die richtig guten Menschen sind auf keinen Fall behindert, sondern normal, sozialver- 6 und sorgen mit ihren Familien für Umsatz in der Wirtschaft. Das st das Bild, das uns täglich vermittelt wird: Wenn wir den Fernseher ein- schalten, an Plakatwänden vorbeispazieren, mit Menschen reden.. Das alles, und noch einiges mehr, halte ich für beDENKlich! Als behinderter Mensch in einer nichtbehinderten Gesellschaft kann ich mich natürlich am besten mit manchen anderen behinderten Menschen identifizieren. Vielleicht rũhrt meine Aufmerksamkeit für die'vergessenen Verfolgten?(Klaus Scherer), die sich noch nicht rehabilitieren konnten, gerade daher, daß ich selbst einer randständigen Minderheit angehöre. Was mich aber besonders beunruhigt, ist die die Tatsache, daß Gewalt gegen Behinderte nur zu 11 Prozent von Rechtsradikalen ausgeht(Forum gegen Gewalt an behinderten Menschen). Denn das Bewußtsein'behinderte Menschen sind schlechte Menschen' ist in vielen Bereichen Allgemeingut. 2 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Die Gegenwart von Auschwitz »Welchen Bezug zur Gegenwart hat Auschwitzꝰꝰ wird heute viel ↄu oft gefrugt. Die Tatsache, daß Lchller diese Ausstellung konzi- piert hahen, gibt eine Antwort. Jan. 1993, Fintrag ins Ausstellungsbuch der Brüder-Grimm-Schule Neu-Isenburg Vom 15. Januar bis 12. Februar fand in Frankfurt am Main anläßlich des 50. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz-Birkenau eine Veranstaltungs- reihe mit Filmen, Lesungen, Konzerten, Podiumsgesprächen, Vorträge und Diskussionen statt.(Das Programm lag dem letzten Mitteilungsblat bei.) Die Lagergemeinschaft Auschwitz war vertreten im Kuratorium, das zusammen mit dem Fritz Bauer Institut, dem Filmmuseum und dem Frank- furter Institut für Stadtgeschicht die Veranstaltungen vorbereitet hatte. Im Filmmuseum, wo die meisten Veranstaltungen stattfanden, wollten wir eine neue, vom Internationalen Auschwitz-Komitee konzipierte Ausstel- lung zeigen. Leider ließ sich dieses Vorhaben nicht realisieren. Wir danken Jutta Lösch, Lehrerin an der Brüder-Grimm-Schule in Neu-Isenburg, daß sie uns eine ältere Ausstellung ausleihen konnte, die ihre Schülerinnen und Schüler vor Jahren nach einer Studienfahrt nach Auschwitz zusammenge- stellt hatten. Hermann Reineck hatte die Gruppe damals begleitet. Die Ausstellung war zwei Wochen im Filmmuseum zu sehen und fand bei den zahlreichen Besucherinnen und Besuchern viel Beachtung. Auf den folgenden Seiten beschreibt Jutta Lösch das Projekt der Fahrt, wie sie es bei einer Lehrerfortbildung erläutert und zur Diskussion gestellt hat. Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 3 Schülerfrage: Was ist aus den Kindern von Bertha Pappenheim geworden? Projektbeschreibung einer Studienfahrt u von Jutta Lösch 1988 gedachte ich mit meiner Klasse anläßlich des 50. Jahrestages der Reichspogromnacht' der da- Mmaligen Freignisse und in besonde- rer Weise der Leiden jüdischer Mit- bürger in Deutschland während der Zeit der Gewaltherrschaft. In Neu-Isenburg wurde in Erman- gelung einer Synagoge das jüdische Kinderheim von Frau Bertha Pap- penheim, ein Haus des von ihr ge- gründeten jüdischen Frauenbundes, angesteckt und die Kinder in den Wald getrieben. Auf die Schülerfra- ge, was denn dann aus dem Kinder- heim und den Kindern geworden sei, fanden wir den Hinweis:*.. die letz- ten Kinder wurden 1942 ihrer Hei- mat Auschwitz zugeführt.“ Im Dezember 1988 stand für mich der Entschluß fest, mit dieser Klasse nach Auschwitz zu fahren. Schon im Februar konnte ich Kontakt zu dem ehemaligen KZ-Hãäftling und heuti- gem Präsidenten der Lagergemein- schaft Auschwitz, Hermann BRei- neck, aufnehmen. Ich erhielt die Zu- sage, daß er uns auf der Fahrt be- gleiten werde. Ab Januar 1980 wurden wiederholt Sequenzen im Unterricht gefahren, die sich behutsam dem Thema der systematisch und industriell be- triebenen Menschenvernichtung nã- herten. In meinen Fächern Deutsch, Geschichte, Sozialkunde, Erdkunde und Kunst bzw. Musik sowie Evan- gelischer Religion konnte ich fä— cherübergreifend arbeiten. Langsam wuchs den Schülern und Schülerin- nen ein Reader, den sie in einem Ordner immer präsent hatten. Die Besonderheit des Textblattes mit dem Polensymbol in der rechten oberen Ecke erleichterte den Schü- lern und Schülerinnen die richtige Ablage. Zwei zusätzliche Nachmittagsver- anstaltungen, ein ganztägiger Be- such im Jüdischen Museum Frank- furt am Main und- vor allem—ein zweitägiges Kompaktseminar im Die Ausstellung der Schülerinnen und Schüler aus Neuenburg fand große Beachtung 4 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Religionspädagogischen Studienzen- trum(RPZ) der Evangelischen Kir- che in Hessen und Nassau unter- stützten die Vorbereitungen. Erst im RPZ in Schönberg/Taunus wagte ich, einen kurzen Film über die Ver- nichtung der Zigeuner zu zeigen. Dort, mit viel Zeit und keinen ande- ren Verpflichtungen im Unterricht wie im privaten Bereich, konnten die Jugendlichen die Auseinander- setzung mit dem organisierten Völ- kermord Nazi-Deutschlands in Ruhe beginnen. Bei der Fahrt selbst wurden mir als Begleitpersonen noch eine Kolle- gin und ein Kollege genehmigt, die mit mir den Jugendlichen helfend und trõstend zur Seite standen. Als Seelsorger konnte ich meinen Mann Auch nach fünf Jahren hatte die Ausstellung der Brüder Grimm Schule Neu- gewinnen, der aus seiner Gemeinde, in der er als Pfarrer steht, noch zwei junge Erwachsene im Alter von 20 und 23 Jahren mitnahm, die ihrer- seits dort für die Schüler und Schü- lerinnen ansprechbereit waren, wo diese sich nicht direkt an einen Alte- ren bzw. an einen Lehrer oder eine Lehrerin trauen. So vorbereitet, vor allem aber begleitet von Hermann Reineck, konnte ich die Fahrt mit diesen jungen Menschen wagen. Neben den Besichtigungen waren die zwei Gespräche in Krakow und Wars?zawa mit 10 und 15 ehemaligen Hãäftlingen des Todeslagers sowie eine mehrtägige Begegnung mit ei- ner deutschsprechenden Schulklasse in Warszawa für die Schüler und Schülerinnen besonders wichtig. ₰ ſvenburg für die Besucherinnen und Besucher der Veranstaltungen im Film- museum Frankfurt nichts an Aktualitãt verloren. Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 8 Hermann Reinecks Geduld, Güte und Liebe war uns in Allem eine kaum zu ermessende Hilfe, ganz ab- gesehen von der Fülle der Informa- tionen, die wir von ihm aus erster Hand erhielten. Nach der Fahrt war noch ein Ganztagesseminar zur Nachberei- tung eingeplant, wo wir in den Räu- men des Gemeindehauses in Neu- Isenburg acht Stunden unbehelligt arbeiten konnten. Hier wurden noch offene Fragen, soweit es ging, ge- klärt und vor allem die Ordner fer- tiggestellt sowie die Berichte ver- faßt. Besonderes Gewicht lag auf der Frage: Was konnte ich aus der Fahrt lernen?“ Auch die Konzeption dieser hier präsentierten Ausstel- lung wurde an diesem Tag festge- legt. Die Bilder, die auf der erläuterten Fahrt gemacht wurden und in der Ausstellung zu sehen sind, sind aus- schließlich Bilder von Schülern und Schülerinnen. Ich danke noch einmal meiner Klasse- sie ist längst ausgeschult und vor allem jenen Menschen, die uns in Polen mit offenen Armen und großer Herzenswärme empfingen, den ehemaligen Häftlingen des Kon- Zentrationslagers Auschwitz-Birke- nau. Forschungsprojekt der Uni Regensburg- Zeitzeugen gesucht Musik in Konzentrationslagern In den Konzentrationslagern des »Dritten Reiches“ hatte Musik die verschiedensten Funktionen: Mittel des Widerstands, Uberlebenshilfe durch illegale Kulturveranstaltun- gen, Ergötzung' für SS und Funk- tionshäftlinge und Folterinstrument bei Bestrafungsaktionen. Bis heute ist darüber wenig bekannt. Ein For- schungsprojekt der Universität Re- gensburg will hierzu eine umfassen- de Beschreibung leisten. Hierfür werden Zeitzeugen gebe- ten ihre persönlichen Erlebnisse nie- derzuschreiben oder auf eine Ton- kassette zu sprechen(Leerkassetten können gestellt werden). Dabei spielt es keine Rolle, ob die Zeitzeu- gen als Musiker oder Zuhörer im Lager an Musikveranstaltungen teilgenommen haben. Rückfragen und Kontaktaufnah- me: Forschungsprojekt Kultur in NS-Konzentrationslagern?, c/0 Guido Fackler M. A., Am Lossele 13, D79211 Denzlingen. 6 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Wie erleben nachgeborene' SchülerInnen und LehrerInnen das Thema Auschwitz dargestellt am praktischen Beispiel a von Diethardt Stamm Es gibt viele Berichte über Fahr- ten von Schulklassen nach Au- schwit?z, Gruppenfahrten der Ju- gendbildungswerke an diesen Ort oder auch Studienfahrten organi- siert durch die Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Au- schwitzer. Weiter gibt es Darstellun- gen über besonders intensive Be- schäftigungen mit dem Themen Auschwitz, Drittes Reich und Fa- schismus. Immer gibt es dabei Quali- tãtsunterschiede in Abhängigkeit der Gruppenvorkenntnisse und— homogenität, des Vorwissens der Be- treuer und Lehrerlnnen, vorhande- ner Motivationen, bestimmter Me- thoden bei der Vermittlung oder dem Vorhandensein von Zeitzeugen. Oft werden dann auch Vergleiche zu einer'optimalen'“ Themenbe- handlung angestellt, die gewollt oder ungewollt, den Effekt haben, unter dem unausgesprochenen Mot- to'für mich als Lehrenden ist das alles zu kompliziert“, das Thema ab- zuwürgen. Auch die nicht'perfekte“ Be- schäftigungsart mit dem Thema Auschwitz soll deshalb ihre Berech- tigung haben. Am Beispiel einer Veranstaltung der Beruflichen Schule Butzbach am 9. Februar 1995 sollen dazu einige Anregungen er- folgen. Nicht nur wenige Schülerlnnen und Studierende der beruflichen Schule Butzbach sollten sich mit dem einschlägigen Thema befassen, Sondern alle. Dies bedeutet, daß ein Schüler im Berufsvorbereitungsjahr und oft ohne Hauptschulabschluß sich Auschwitz ebenso zu widmen hatte, wie der erwachsene Studieren- de im Rahmen einer beruflichen Weiterqualifizierung. Alle Möglich- keiten, die der Schule zur Verfü- gung standen, wurde dabei genutzt. Es wurden aber nicht Lehrerlnnen und Schülerlnnen mit Informations- material'erschlagen', was punktu- ell aus Anlaß des 50. Jahrestages der Befreiung von Auschwitz vielfach vorhanden war. Es sollten Angste vor dem Thema genommen und nicht entfacht werden. Zur Verfü- gung stand Lehrpersonal unter- schiedlicher Qualifikation, nämlich ausgebildete Politiklehrer genauso wie überwiegend technisch gebildet Lehrer. Auch die letzt genannten ga- ben sich viel Mühe bei der Aufberei- tung des Themas und niemand kriti- sierte- was möglich gewesen wäre Spitzfindig, daß nicht alle'i-Punk- te' gesetzt wurden. Schuleigene Videos wurden einge- setzt, erreichten aber primãär die bei- den Klassen, die Ende Februar nach Polen und Auschwitz fuhren, sowie andere besonders interessierte Schü- lergruppen. Finschlägige Bücher in Klassensatzstärke, die jedoch nur beschränkt vorhanden waren, fan- Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 2 den die Hand der gleichen Interes- senten. Spätestens an dieser Stelle ging die Vorbereitung'auseinan- der“. Aber jetzt wurde mit Absicht nicht entschieden, wir machen die Besseren noch besser und die ande- ren lassen wir hängen, sondern es wurde auf unterschiedlichen Ni- Veaustufen bei begrenzter Zeit am hema Auschwitz weitergemacht. In einer Art Höhepunkt wurde dann für alle Schülerlnnen eine Ver- anstaltung geplant. Hier spielten eine Ausstellung und eine TonDia- Serie, die beide von einer Gruppe, die einige Monate zuvor mit der La- germeinschaft- Freundeskreis in Auschwitz waren, zusammengestellt worden war, ebenso eine Rolle, wie das Gespräch mit Zeitzeugen. Der ehemalige Leiter des Museums Au- schwitz, Kazimierz Smolen, konnte anläßlich seines Aufenthalts beim Fritz Bauer Institut in Frankfurt ge- wonnen werden, wie der Präsident der Lagergemeinschaft Auschwitz, Hermann Reineck. Dabei bot es sich an, 6ffentlichkeit einzubeziehen. Dies hatte zur Folge, daß mehrere andere Schulen und interessierte Personen sich der Veranstaltung an- Schlossen und das Bürgerhaus als Veranstaltungsort gewählt werden mußte. Der direkte Kontakt zwi- schen Uberlebenden und dem gro- Bßen Publikum war nur noch über Mikrofon möglich. Dadurch war das emotionale Erleben durch die Anwe- senden eingeschränkt, aber nicht unmöglich.— Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Was war das Ergebnis? Die Ton- Dia-Serie bringt nach wenigen Mi- nuten die letzten Privatgespräche zum Erlöschen. Alle verfolgen den Fortgang, 500 Schülerlnnen sind mi- nutenlang nach der Serie betroffen und schweigen total. Was sich in den Köpfen abspielt kann nur erahnt werden. Ftwas' nicht näher zu Be- stimmendes hat sich aber getan, was sich aus den Reaktionen schließen läßt. Gezielte Fragen kommen im An- schluß von den'besser? Vorbereite- ten und nach einer Stunde teil sich die Großgruppe. 2/3 sind von den Berichten gefesselt und hätten ver- mutlich das Bedürfnis'nach mehr?. 1/3 jedoch flüchtet körperlich und evtl. auch geistig, was sich durch Toilettengänge, Raucherpausen oder Unterhaltungen äußerlich zeigt. Al- lerdings wirken sich auch die von den Schülerlnnen gewohnten Pausen aus, und es stören die festgelegten Zeiten für Bustransporte. Das The- ma Auschwitz läßt sich nicht in 90 Minuten-Takte pressen, muß aber auch unter den Bedingungen der Schulrealität vermittelt werden. Vielleicht ist es auch für einige in- haltlich zuviel. Nach zweieinhalb Stunden wird die Veranstaltung unterbrochen und nach einer Mittagspause wird auf freiwilliger Ebene außerhalb der Schulzeit für Interessierte im Rah- men einer Diskussion mit Kazimierz Smolen und Hermann Reineck eine Fortsetzung angeboten. Dort kommt ein'harter Kern' von denen, die so- wieso schon viel wissen und die eine der wenigen Gelegenheiten nutzen, um mit Zeitzeugen zu reden. Die Schon etwas Wissenden werden also noch besser. Trotzdem gibt es im Nachhinein nicht erwartete Ansätze: In mehre- ren Klassen entsteht eine MNach- frage“ nach dem Thema und viele Wünsche drehen sich um den ak tuellen Bezug, wie z. B. den Umgang mit Rechtsradikalen oder den Um- gang von Richtern mit rechten Ge- walttätern. Es hat den Anschein, als seien manche'anmotiviert“ und möglicherweise die besonders Inter- essierten von morgen. Manche läßt auch alles'kalt“, tra- gen Desinteresse zur Schau und man könnte resignieren. Wenn aber die Erwartungshaltung nicht falsch ist und man einkalkuliert, daß auch kleinste Erfolge sinnvoll sind, so ist das'nicht perfekte“ Beschäftigen mit Auschwit?z immer noch besser als inaktiv sein. Es wurde also eine Abwägung getroffen zwischen einer optimalen“ Themenvermittlung bei ein oder zwei Klassen und eine Darstellung des Themas Auschwit?z mit Kompromissen bei einer breiten Schülerlnnengruppe. Das Letztere wurde gewählt, weil der Gesamter- folg größer schin. Wenn an der Schule die beiden Klassen aus Polen zurückkommen, werden sie ihre- eventuell unvoll- kommen Bilder und Uberlegungen prãsentieren und es wird neue Den- kanstöße geben. Das Motto heißt dann*steter Tropfen höhlt den Stein auch wenn der Tropfen klein ist*. N Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 9 Bildungsurlaub und Veranstaltungen des Vereins Impuls? Studienfahrt nach Polen und das ehemalige KZ Auschwitz-Birkenau EFine Studienfahrt- Anerkennung als Bildungsurlaub ist beantragt— führt vom 30. September bis 7. Ok- ober nach Polen in das ehemalige deutsche Konzentrations- und Ver- nichtungslager Auschwitz-Birkenau. Veranstalter ist der Frankfurter Verein für Bildung und Kultur Impuls“ in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Bund für Sozi- alarbeit- Jugendsozialwerk Offen- bach. Die Teilnahme an dem Vorberei- tungswochenende, 1. bis 3. Septem- ber, ist verbindlich. Neben den Begehungen des sog. Stammlagers Auschwitz I und des Vernichtungslagers Auschwitz II in Birkenau sowie Besichtigungungen in den Städten Oswiecim und Kra- kau stehen auf dem vorläufigen Programm Gespräche mit Uberle- benden und Informationsbeschaf- fung(Archiv) als auch Diskussionen zur Geschichte und Bedeutung des KZ Auschwitz: Okonomie(Stichwort'Vernich- tung durch Arbeit'), Ordnungsvorstellungen“ der Na- zis(Stichwort Rassehygiene“), industrielle Menschenvernichtung, medizinische Versuche an Häftlin- gen, Ausbildung der SS-Wachmann- schaften,— Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 10 spezielle Situation der weiblichen Hãftlinge, Widerstand im KZ. Unterwerfung und Anpassung im K Umgang der Uberlebenden mit den Qualen ihrer Haftzeit. Die Anreise nach Auschwitz er- folgt vermutlich mit der Bahn, die Ubernachtung ist in der Internatio- nalen Jugendbegegnungsstätte Au- schwitz(Mehrbettzimmer) vorgese- hen. Die Kosten belaufen sich auf 800 Mark, vorbehaltlich genügender Anmeldungen sowie Gewährung be- antragter Zuschüsse. Im Preis ent- halten sind An- und Abfahrt, Unter- kunft. Verpflegung, Führungen, Fintritt, Vorbereitungswochenen- de). Anmeldeschluß ist der 30. Juni. Anmeldungen lich an'Impuls- Verein für Bildung und Kul- tur“, 60326 Frankfurt am Main, Oppenheimer Landstraße 33. Uberweisungen bitte auf das Konto von Im- puls unter dem Stich- wort: Auschwitz 9501* bei Postbank Frankfurt (Bankleitzahl: 500 100 60), Kontonummer: 26 765607. Die Anmeldung ist nach Fingang des Teilnahmebeitrags und der Bestätigung durch Impuls verbindlich. Rückfragen(am besten abends) bei Folker Be- hrens, Tel. 069 626744. schrift Impuls“ bietet in diesem Jahr weitere Studienfahrten an: Besuch der Gedenkstätte des ehe- maligen Konzentrationslagers Pa- penburg(Emslandlager) vom 7. bis 9. Juli, Besuch im ehemaligen Frauen- konzentrationslager Ravensbrück vom 25. bis 27 August, 6 Besuch der Gedenkstätte des »Südwürttembergischen Glschiefer- projektes“ und seiner Konzentrati- onslager(bei Rottweil) vom 8.— 10. September sowie einen Bildungsurlaub'Entwick- lung einer Industrieregion“ am Bei- spiel des Saarlandes(ndustria- lisierung, Entindustrialisierun, Re- naturierung, soziale und ökologi- sche Probleme) vom 12. bis 17. No- vember. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 11 Vom 15. bis 18. Juni 1995- Anmeldeschluß ist der 31. Mai Studienfahrt zur Gedenkstätte des ehemaligen KZ Mauthausen Die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Mauthausen bei Linz in Osterreich ist Ziel einer Mstudienfahn C ſ e ist der Frankfurter Bildung und Kultur Veranstalter Verein für Impuls“. Das Konzentrationslager Maut- hausen war eines der brutalsten La- ger Großdeutschlands überhaupt. Schon das Außere sollte seinen Cha- rakter deutlich werden lassen: Eine Zwingburg aus Granit, scheinbar für die Ewigkeit gebaut. Hierher ka- men Häftlinge mit dem Vermerk e wünscht'. Mauthausen war das ein- zige KZ mit der Klassifizierung II. Außer den Häftlingen aus dem Reich' wurden unter anderem so- wietische Kriegsgefangene gegen je- des Reglement internationaler Kon- ventionen in Mauthausen inhaftiert. Die Häftlinge wurden gefoltert und durch brutale Arbeit, durch Men- schenversuche und in der Gaskam- mer vernichtet. Das Programm sieht vorläufig wie folgt aus: Am Donnerstag, 15. Juni, erfolgt um 8 Uhr die Abfahrt am Hauptbahnhof Frankfurt. Am Frei- tag, 16. Juni, ist um 10 Uhr eine Füh- rung durch die Gedenkstätte und um 14 Uhr der Besuch der histori- schen Ausstellung und der Kunst- ausstellungen vorgesehen. Um 16 Uhr wird ein Film gezeigt und abends ist eine Gesprächsrunde. Für Samstag, 17. Juni steht ab 10 Uhr eine Begehung des Außengeländes von Mauthausen auf dem Pro- gramm und abends eine weitere Ge- Sprächsrunde. Am Sonntag, 18. Juni, erfolgt die Rückfahrt. Die Anreise zur Studienfahrt nach Mauthausen erfolgt mit der Bahn, Ubernachtungen sind in einer Pensi- on mit Mehrbettzimmern gebucht. Die Kosten pro Person betragen 290 Mark. In diesem Preis sind enthal- ten: Drei Ubernachtungen mit Früh- stück, An- und Abreise mit der Bahn, Führungen und Fintritt. Alle weiteren Kosten sind individuell zu tragen. Anmeldeschluß ist der 31. Mai. Anmeldungen schriftlich an Impuls- Verein für Bildung und Kultur“, Oppenheimer Landstraße 53 in 60326 Frankfurt/Main. Uberweisungen bitte auf das Kon- to von Impuls unter dem Stichwort: Mauthausen 9501* bei der Postbank Frankfuert(Bankleitzahl: 500 100 60), Kontonummer: 26 765-607. Die Anmeldung ist nach Fingang des Teilnahmebeitrags und der Bestäti- gung durch Impuls verbindlich. Rückfragen(am besten abends) bei Folker Behrens, Tel. O69- 626744. 12 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Veranstaltungen zum 50. Jahrestag der deutschen Kapitulation Die Freiheit feiert Geburtstag Am 8. Mai 1945 kapitulierte das Deutsche Reich bedingungslos. An- läßlich des 50. Jahrestages lädt die Stadt Frankfurt und der Hessische Rundfunk(HR) am Sonntag, dem 7. Mai, von 20 Uhr bis Mitternacht zu einer Open-Air-Revue auf den Paulsplatz ein. Gefeiert wird unter nach dem Motto'Die Freiheit hat Geburtstag“. Die Moderation des Abends hat der Schauspieler Michael Quast übernommen. Auftreten werden die Bigband des HR, das Hänsche Weiss- Ensemble mit Sinti-Jazz, die Sänge- rin Eva Maria Hagen, der Chor Mainsirenen' und weitere Jazz-, Rock-, Punk- und Hip Hop-Bands. Hannelore Elsner wird Texte der KZ-Hãftlinge Charlotte Delbo und Ruth Klüger lesen und als Zeitzeu- gen werden die ehemaligen K?- Häftlinge Arno Lustiger und Ricky Adler sprechen ebenso wie Valentin Senger und andere Gäste. Die Feier zum Befreiungstag wird am 7. Mai ab 22 15 Uhr vom 3 Fernsehpro gramm des HR übertragen. Außer der Revue finden zum Jah- restag der Befreiung in Frankfurt und Umgebung viele weitere Veran- staltungen statt. Deutschland- wo liegt es?* Diese schon von Goethe formulierte Frage steht als Motto am 7. Mai über einem Gesprächsfo- rum in der Paulskirche. Jürgen Ha- bermas wird mit einem Referat,*89 im Schatten von 45. Zur Normalitãt einer künftigen Berliner Republik“, das Forum einleiten. Diskutieren werden die Schriftstellerin Monika Maron, der Publizist Johannes Groß sowie die Historiker Christian Meier und Hans Mommsen. Den'Versuch eines Franzosen, den Deutsche Deutschland zu erklären“ unter- nimmt anschließend André Glucks- mann. Zu einer weiteren Diskussi- onsrunde haben Heiner Geißler (CDU), Rudolf Scharping(SPD) und Joschka Fischer(Grüne) zuge- Sagt. Der Fintritt zum Symposium ist frei, Karten beim Information- samt, Römerberg 32. Unter den Ausstellungen zum Thema 8. Mai erfreut sich*1945 bis 1995. Fünfzig Jahre nach Kriegsen- de' im Karmeliterkloster bereits seit März regen Besuchs. Erinnern für die Zukunft. Bilder von Alfred Hrdlicka? nennt sich eine Schau des Frankfurter Instituts für Stadtge- schichte, die vom 30. April bis 30. Mai im Foyer der Paulskirche zu 0 hen ist. Den Kriegsverlauf vom Tag des deutschen Uberfalls auf die Sowjet- union bis zur Finnahme Berlins, die Potsdamer Konferenz und die Nürn- berger Prozesse dokumentieren vom 4. bis 25. Mai im Historischen Muse- um Frankfurt Bilder des russischen Fotografen Jewgenij Chaldej. Ein ausführliches Programm mit allen Terminen und Ortsangaben ist beim Institut für Stadtgeschichte und bei der Bürgerberatung, Römer- berg 32, zu erhalten. Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer ch fühle mich lebendig. in Birkenau'? Wie Jugendliche Auschwitz erleben von Klaus Konrad-Tromsdorf Im vergangenen Jahr habe ich in zwei Ausgaben der Mitteilungs- blätter' unter der Uberschrift'Wie Jugendliche Auschwitz erleben' do- kumentiert, welche Aneignungs- und Verarbeitungswege die Teilneh- merinnen und Teilnehmer von Ge- denkstättenseminaren in Auschwitz fanden, bzw. welche ihnen eröffnet wurden. Nach der'Plenumsdiskus- sion' und dem'privaten Tagebuch' möchte ich heute das Gruppen- tagebuch' vorstellen. Die Auszüge sind dem Tagebuch einer Seminar- gruppe entnommen, die im Früh- sommer 1994 Auschwitz besuchte, die Teilnehmerinnen und Teilneh- mer waren zwischen 16 und 18 Jahre alt, Schülerinnen und Schüler von Gesamtschulen des Landkreises und der Stadt Gießen. Jedes Gedenkstättenseminar hat unabhängig von der Intensität sei- ner Vobereitung- bei den Teilneh- menden zunächst'Sprachlosigkeit' zur Folge. Wenngleich die Vorberei- tung'Wissen' und'Kenntnis' ver- mittelt, so wirkt die unmittelbare Begegnung zunächst paralysierend. Mehrere Faktoren scheinen mir hierfür verantwortlich zu sein. Ganz sicher ist es vor allem die Diskrepan? zwischen Abbildern (nämlich den in der Vorbereitung medial vermittelten) und manifester Realität, die den Vorgang des Verstummens' auslösen. Und min- destens ebenso diskrepant scheint mir die in der Vorbereitungsphase gewachsene persönliche Erwar- tungshaltung an einen solchen Ort und das tatsächliche persönliche Empfinden an einem solchen Ort W sein: bereits die Entscheidung, an einem Gedenkstättenseminar teilzu- nehmen wird als'mutig' empfun- den, dies umsomehr, als das persön- liche Umfeld in aller Regel mit mehr oder minder großem Unverständnis auf diese Entscheidung reagiert. Dieser Mut' verwandelt sich im Laufe der Vorbereitung, die man ja mit Gleichgesinnten zusammen er- lebt, offensichtlich in ein Gefühl von relativer Sicherheit, Sicherheit, die sich darauf gründet, zu den Guten' zu gehören, zu denen, die sich, wenn auch mit Angsten, enga- gieren. Diese relative Sicherheit macht es, denke ich, Jugendlichen udau erst möglich, die Reise in eine Ge- denkstätte zu beginnen. An diesem Ort angekommen, werden aber auch sie von der historischen Semantik dieses Ortes überwältigt, gerade weil sie in der Lage sind, diese Semantik sensibel aufzunehmen. Die Uber- wältigung selber äußert sich in Sprachlosigkeit und es ist interes- sant zu beobachten, wie dieser Zu- stand überwunden wird, weil er überwunden werden muß. Er muß überwunden werden, weil angesichts der unmittelbaren Realitätserfah- rung nicht Schweigen, sondern Mit- Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer einanderreden Bedürfnis ist. Als Möglichkeit des Uberwindens bieten wir bei unseren Seminaren ein sogenanntes'Gruppentagebuch' an, das ab dem Tag der Ankunft ausliegt, das jeder und jede benut- zen kann, aber nicht benutzen muß. Idee hierbei ist, dem Uberwinden von'Sprachlosigkeit' ein Forum zu Oerechaflen, das das Aufgeschriebe- läßt, den ne öffentlich' werden Schreibvorgang selber jedoch indivi- dueller Entscheidung und dueller Tätigkeit überläßt. Zwei möglicherweise vorhandene Grundbedürfnisse sind hier m. E. er- indivi- füllbar: das Bedürfnis nach indivi- dueller Auseinandersetzung mit Ge- schenem und Erfahrenem(was in al- ler Regel das unmittelbare Gespräch unmöglich macht) und das Bedürf- nis nach Mitteilung und Diskurs (was in aller Regel des Gesprächs bedarf). Gleichsam dazwischengeschaltet ist der Schreibvorgang, der auf der einen Seite individuelle Tätigkeit beinhaltet, auf der anderen Seite ein Angebot zum Diskurs darstellt. Nun ist zunächst freilich nicht ra- tionaler Diskurs angesagt, wie auch, wenn es um persönliche Empfin- dungen wie Trauer, Hilflosigkeit, Wut geht? Vielmehr finden sehr viele Jugendliche- wohl leichter als Erwachsene- sehr spontan und selbstverständlich einen Weg über lyrische Textformen. Verwundern mag das jedoch nur auf den ersten Blick, denn Lyrik ist tatsäãchlich die allersubjektivste und damit am wenigsten konstruktions- bedüftige und daher unmittelbarste Form der schriftlichen Mitteilung, sie gleicht darin dem privaten Brief, richtet sich jedoch nicht ausschließ- lich nur an einen Adressaten. Auch künstlerische Versuche wie Textcollagen oder Zeichnungen er- füllen tendentiell den gleichen Zweck, nämlich individuelle Ausein- andersetzung und Gesprächsange- bot zugleich zu sein. Die nachstehend abgedruckten Auszüge zeigen- wie ich finde- sehr eindrucksvoll, welche vielfältigen Ausdrucksmöglichkeiten die Teil- nehmerinnen und Teilnehmer für 3 sich gefunden haben. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Auschwitz, warum fahre ich zu dir? Auschwitz, was gibst du mir? Auschwitz, warum mußte es dich geben? Auschwitz, warum bist du so wichtig für mich? Auschwitz, welches Leid bedeutet dein Name! Auschwitz, gib mir Kraft zum Kämpfen! Auschwitz, du veränderst mich. 6 Auschwitz, ich willdich nie vergessen!!! 58 8 S6 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Ich habe heute versucht, mir das Unvorstellbare vorzustellen- aber ich habe es nicht geschafft. Ich bin voller Erwartung in die nächsten Tage, aber ich habe auch Angst! Inwieweit wird Auschwitz dazu beitragen, daß ich verstehe und mich erneut verãndereꝰ Stumm. Sprachlos. In Worte gefaßt: wortlos Birke nau lebt. BEGEGNUNGEN Begegnung mit dem Schrecken in Auschwitz Begegnung mit der eigenen Sprachlosigkeit. Begegnung mit Perfektionismus in Birkenau Begegnungen mit.. Begegnung——— mit mir selbst. und ich bin hier Menschen begegnet, die mir jetzt Sehr nahe sind. schön.. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Aus dem Archiv der Gedenkstätte: Auszug aus den Personalakten des Ludwig Damm. Dem SSMann Ludwig Damm, geboren am 15.8. 1911, 177em groß, Gestalt: kräftig, Haarfarbe dunkelblond, Mund und Nase normal, weder Bart noch besondere Kennzeichen, seit dem 1.1. 1031 Parteimitglied, wurde am 5. Januar 1944 vom Lagerkom- mandanten ein strenger Verweis erteilt. Begründung:Während Ihres Urlaubs im Dezember 1942 unter- hielten sie sich mit Soldaten und Parteigenossen über das Ju- denproblem und tãtigten hierbei Außerungen über die Lösung der Judenfrage in Auschwitz. Durch dieses Verhalten, welches unter Umständen geeignet war, Unruhe in die Bevölkerung zu bringen, handelten sie entgegen den ihnen bekannten Befehlen. Ich habe lediglich aufgrund ihrer bisherigen einwandfreien Führung und einer anderweitigen guten Beurteilung von einer strengeren Bestrafung abgesehen und erwarte, daß ihnen dieser Vorfall als Lehre für die Zukunft dienen wird.? Grün die Bäume in Birkenau bin berührt verãndert. Grün die Bäume in Birkenau bin verãndert für immer. Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Auschwitz Ich habe viel nachgedacht Ich hatte Erwartungen Ich war darauf vorbereitet..* ER Ich denke viel nach Ich habe Erwartungen war ich darauf vorbereitet? kann ein Mensch darauf vorbereitet seinꝰ? Vor den Schaukästen Millionen Haare, hunderttausende Schuhe, hunderte Koffer jedes Haar eine Träne jeder Schuh ein Leben jeder Koffer eine Geschichte Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Magisch angezogen und voller Angst zugleich suche ich mich selbst in Auschwitz Birkenau- Hier, wo der Tod so alltäglich war ist er für mich unvorstellbar. Ich fühle mich lebendig in Birkenau Hier, wo das Leid so groß war ist es für mich unvorstellbar. 6 Ich fühle mich gesund in Birkenau Hier, wo die Angst so allgegenwärtig war ist sie für mich unvorstellbar. Ich fühle mich sicher in Birkenau Hier laufe ich über Asche und fühle mich wohl in Birkenau Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 21 Gespräch mit Teilnehmern einer Studienfahrt nach Auschwitz Es ist nicht so, daß man hinfährt und hat dann alles kapiert? Wichtig ist ihnen vor allem das Bild mit dem abgestorbenen Baum, sagen Kaba, Jan, Aljoscha und Daniel. Die 18jährige Kaba war vor drei Jahren in Auschwitz mit einer Gruppe des Jugendbildungswerkes. Ihre gleichaltrigen Mitschüler von der Gießener Ostschule hatten ein Jahr später an einer von der Kreis-SV organisierten Fahrt nach Auschwitz teilgenommen. Bei den jeweiligen Vorbereitungstreffen der beiden Studienaufenthalte hatte auch immer ein Gesprächsnachmittag mit dem ehemaligen Auschwitzhäftling Hermann Reineck stattgefunden. Die zweite Gruppe hatte nach der Rück- kehr aus einer Unzahl von Fotos eine Ausstellung zusammengestellt, zu der auch die besagte Aufnahme von dem abgestorbenen Baum gehört. Der Baum steht auf einer grünen Wiese und die beiden verdorrten Hauptäste ragen in den Höhe. Er symbolisiere die heutige Realität“ von Auschwitz wieder, sind sich die vier jungen Erwachsenen einig. Er ist eine erkennbar'tote Sache“, während überall die Natur siegt“ und fast alles Zzuwachse. Daß das Foto von dem Baum in die Ausstellung aufgenommen wur- de, sei auch bei den anderen Schüle- rinnen und Schülern, die bei der Zu- sammenstellung mitgearbeitet hat- ten, unumstritten gewesen, erzählen die vier Auschwitzbesucher. Anson- sten habe es bei der Auswahl der mehrere hundert Aufnahmen um- fassenden Bildbestände kontroverse Diskussionen gegeben. Für das Foto von der schweren Straßenwalze, mit der die Häftlinge die Lagerwege fast täglich planieren mußten, habe sich eigentlich niemand so recht ausge- sprochen. Daß es schließlich doch aufgenommen wurde, finden Aljo- scha und Daniel aber in Ordnung. Auch Jan stimmt zu:'Sie gehörte zum Arbeitsalltag der Häftlinge.“ Uber das Konzept der Ausstellung waren sich die Teilnehmer und Teil- nehmerinnen der Auschwitzfahrt schnell einig gewesen. Die Findrük- ke sollten durch die Fotos weiterge- geben und nicht mit langen Texter- klärungen in Worte gefaßt werden. Die spärlichen schriftlichen Infor- mationen beschränken sich darauf einige Daten zu nennen. Zum Bei- spiel, daß in Birkenau in den Holzba- racken, die eigentlich als Ställe für jeweils 52 Pferde konstruiert waren, über 800 Häftlinge untergebracht waren. Oder daß das Verbrennen von 2000 menschlichen Leichen in 5 Ofen ca. 12 Stunden dauerte; in Au- Schwitz waren zwei Krematorien mit je 5 Ofen und zwei weitere mit je 4 größeren Ofen in Betrieb. Es bleibt den Betrachtern überlassen Schlüsse zu ziehen und Fragen zu stellen. An die Arbeit mit der Ausstellung habe man sich nicht gemacht, um ein Ergebnis der Fahrt präsentieren 22 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer zu können, sondern„weil nach der Rückkehr das Thema Auschwitz einfach nicht abgehakt war“, sagt Jan und fügt gleich hinzu,„es ist nie vorbeiꝰ. Kaba hat die gleiche Erfahrung gemacht:*Es ist nicht so, daß man hinfährt und hat dann alles ka- piert.“ Der Aufenthalt sei anstren- gend gewesen und nervlich bela- stend. Während es Kaba wichtig war, mit Gileichaltrigen in Au- schwitz gewesen zu sein, Sagt Daniel, daß er dies egal finde. Kaba beharrt: Mit Erwachsenen rede ich anders, da sind mehr Hemmschwellen.“ Uber die Wichtigkeit der Gesprä- che mit ehemaligen Häftlingen und anderen Zeitzeugen stimmten Da- niel und Kaba ebenso wie Jan und Aljoscha wieder überein. Aufgrund der Erzählungen habe man sich eher getraut, sich das eigentlich Unglaub- liche und Grauenhafte vorzustellen. Als Wanderausstellung werden die Bild- und Texttafeln zur Zeit in den Schulen der Stadt Gießen und des Landkreises Gießen gezeigt. Infor- mationen sind über die Kreis-SV zu erhalten. Kontakt: Klaus Konrad GO Tromsdorf, Tel. 06403-5594. PS: Kaba, Jan, Aljoscha und Da- niel haben sich übrigens von Grup- pen, die nach ihnen in Auschwitz waren, erzählen lassen, daß der ver- dorrte Baum nicht mehr steht. Er ist zusammengebrochen und existiert nur noch auf dem Foto und in der Brinnerung. Hans Hirschmann Jan Sauer, Katharina Bartz, Aljoscha Eickmann und Daniel Schdfer vor dem Bild mit dem abgestorbenen Baum aufder Wiese in Birkenau. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 23 8. Mai wird angeblich zu'einseitig“ als Befreiungstag dargestellt Rechte planen eigene Gedenkfeier Ausgerechnet'Gegen das Verges- sen'“ nannte eine einschlägig be- kannte*Initiative“ ihren Aufruf zum 8. Mai 1945, mit dem sie per An- zeige in der FAZ V. April) Reklame für die»selbstbewußte Nation“ machte. Gefaselt wird von einer Paradoxie'.»Finseitig wird der 6. Mai von Medien und Politikern als Befreiung' charakterisiert. Dabei droht in Vergessenheit zu geraten, daß dieser Tag nicht nur das Ende der nationalsozialistischen Schrek- kensherrschaft hedeutete, Sondern zugleich auch den Beginn von Ver- treibungsterror und neuer Unter- driickung im Osten und den Beginn der Teilung unseres Landes. Fin Geschichtshild, das diese Wahrheit verschweigt, verdrängt oder relati- viert, kann nicht Grundlage für das Selhstverständnis einer velbsthe- wußten Nation sein, die wir Deut- Schen in der europdischen Võlkerfa- milie werden müssen, um vergleich- hare Katastrophen künftig auszu- Schließen.“ So der dürftige Text, dem noch ein Zitat von Theodor Heuss vorangestellt ist. Die Initiatoren um die'neurechte Spitzenkraft“ Rainer Zitelmann und den Alt-Politiker Alfred Dreg- ger rufen auch zu einer eigenen Ge- denkfeier am 7. Mai nach München ein, mit Ernst Nolte, Alexander von Stahl(FDP) und anderen Gesin- nungsgenossen. In die Reihe der Un- terzeichner haben sich neben hohen Bundeswehrangehörigen und Kohls Minister Spranger flugs auch Mit- glieder der Reps und andere rechts- radikale Kader eingereiht. Sie wol- len- s0 Thomas Assheuer in der FR (11. April)'vordergründig'nicht ver- gessen', was nie vergessen wurde: Daß am 8. Mai 1 945 der Zweite Welt- krieg, aber nicht aller Schrecken zu Ende war'. Zwar nicht offen ausge- sprochen, aber nahegelegt wird eine historische Zäsur: Das Kriegsende war für sie nicht ein Sieg der Demo- kratie, sondern Niederlage“ und Auftakt für Verbrechen gegen die »Besiegten“. Auch der Germanist Richard Her- zinger geht in seinem Kommentar in der taz(15. April) auf die kunstvoll verdruckste Art und Weise, wie dort Provokationen angedeutet, aber nicht offen ausgesprochen wird'“ ein.'Während die plakative Parole eine skandalträchtige Umwertung der symbolischen Bedeutung des 8. Mai erwarten läßt, kommt die dar- unterstehende Erklärung im Gestus ausgewogener Bedenklichkeit da- her“. Nach Herzinger geht es bei dem Aufruf hintergründig um die Westintegration Deutschlands. Ver- klausuliert wird nahegelegt, an dem Nachkriegsunrecht gegen Deutsche seien auch die Westalliierten schuld. Damit solle die Westbindung gelok- kert und der Weg hin zur deutschen Vormachtstellung im Großraum Europa“? gewiesen werden.— 24 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Für Ralph Giordano(taz 18. April 1995) fallen die Vorwürfe der po- litischen Ingenieuren“ des Aufrufs auf sie selbst zurück. Er hält den Rechtsaußenkreise des deutschen Konservatismusꝰ vor, daß gerade sie seit einem halben Jahrhundert mit ihrem einseitigen Beklagen deut- schen Leids durch ein'wohlsor- tiertes bis heute zäh durchgehalte- nes und alle historischen Zusam- menhänge verschweigendes'Verges- sen'“ aufgefallen sind. Besteht das Defizit der rechten Medien doch in der notorischen Unterschlagung der Vorgeschichte von Flucht und Vertreibung, ihrer Chronologie und ihrer Kausalitäten“. Nach der Ab- schaffung der demokratischen Frei- heiten ging der deutsche Staat mit Zustimmung und Billigung der Mehrheit der Bevölkerung unver- züglich daran, Hunderttausende ir- reführenderweise»Emigranten' ge- nannte jüdische Bürger'zu den er- sten deutschen Vertriebenen“ 2u machen, die Armee hochzurüsten und schließlich in fast ganz Furopa einen Angriffskrieg zu beginnen. Welch grausame Gleichgültigkeit- So fragt Giordano-'liegt denn einer Gesinnung zugrunde, die wenig oder gar kein Wort über die Leiden ande- rer Völker unter der Naziherrschaft verliert, vor ihnen aber eine mög- lichst pflegliche Behandlung Deut- scher fordert, nachdem diese Herr- schaft um den Preis von 50 Milli- onen Toten gebrochen werden konn- Gaskammer. Foto Inge Werth, in der GEW-Zeitschrift'Erziehung und Wissen- Schaft“, April 994. SieheArtikelS. 25 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 25 Erzichung nach Auschwitz ist Hauptthema der GEW-Zeitschrift Betroffenheit ist kein Lernziel? »Erziehung nach Auschwitz: Im Gedenken unterweisen' hat die Re- daktion der Mitgliederzeitschrift der GEW(Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft) das Schwer- punktthema ihrer April-Ausgabe überschrieben. Im Editorial heißt es: »Was geschieht, wenn die Gedenk- tage des Supergedenjahres hinter uns liegen? Versinkt der Holocaust endgültig in Museen und Bibliothe- ken? Wird der Schlußstrich' gezo- gen, die nachfolgenden Generatio- nen dann hefreit Sein von der Last der Vergangenheit'? Pas darf nicht Sein. Was aber meint eine Erziehung nach Auschwitz heute, jenseits der ofiziellen Gedenkinszenierungen? Eine Antwort darauf giht der Histo- riker Raul Hilberg, erschreibt.'Wer diese Vergangenheit nicht Kennt, der Kann Sich selhst nicht begrei- ſen. In der Tat, wir Lönnen uns Selhst nicht hegreifen, wenn wir uns nicht mit der mörderischen Ge- Schichte auseinandersetzen, in die unsere Eltern und Großeltern ver- Strickt waren. Eine Erziehung nach Auschwitz, die Sich nicht unmittel- har aufAuschwitz hezieht, wäre ahi- Sorisch, wäre auch gelhstleugne- risch. Theodor W. Adornos Erkennt- nis, daß die einzige wahrhafte Kraft gegen das Prinzip von Au- Schwitz, die Autonomie, die Kraft zur Reflexion, zur Selbsthestim- mung, zum Nicht- Mitmachen' Sei, ist nach wie vor gůltig.* Als Binführung sind in dem GEWHeft Auszüge aus Adornos 1966 gesendeten Radiovortrag Er- ziehung nach Auschwitz“ abge- druckt. Es folgt ein Beitrag des Hei- delberger Erziehungswissenschaft- lers Micha Brumlik, der unter dem Titel Erzichung nach Mölln oder im Gedenken unterweisen' seine Ansichten»Uber die Grenzen und die Herausforderungen an die Pä- dagogik“ beschreibt. Der Historiker Eckart Krause referiert über den Umgang der Universitäten mit ihrer NS-Vergangenheit. Betroffenheit ist kein Lernziel' hat der Pädagoge und Historiker Matthias Heyl seine Thesen zum Thema Der Holocaust im Unter- richt“ überschrieben. Desweiteren berichtet Heyl über Erfahrungen mit einem Schulbuchverlag, der ihn gebeten hatte für ein Lehrbuch ein Kapitel zur'Jüdischen Geschichte“ beizutragen. Zu jedem Artikel sind Literaturhinweise aufgelistet. Illustriert ist das GEWHeft mit Fotos von Inge Werth, die das KZ Auschwitz in seinem heutigen Zu- stand zeigen. Kommentar der Re- daktion: Es sind Uberreste des Grauens, das sich nicht vermitteln läßt. Es sind aber auch Orte des Ge- denkens an die Opfer. Und deshalb So wichtig.“ Die Redaktion der GEWZeit- schrift hat ihren Sitz in Frankfurt und ist unter Postfach 900409 in 60444 Frankfurt zu erreichen. 26 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Unseren Mitgliedern herzliche Geburtstagsgrüße Aprril Manfred Wittmeier Brigitte Sauer Marcus Nedoma Erhard Penner Eberhard F. Schaeufele Brigitte Wiegand Ingrid Neubert Harald Kliczbor Janina Haubenstock Helwig Wegner Rudolf Redenius Matthias Tiessen Gerd Häuser Gernot Richter Alexander Meyer Isabell Diehm-Frankenau Gudrun Nieter Dr. Erwin Knauss Helmut Poppenberg Peter-Alexis Kasten Ariana Enders Joachim Klärner Manfred Keitel Monika Held Jürgen Telschow Uschy Klopsch Ursula Middelanis Marta Palczewska Jutta Freisens Florian Ross Harald Blümel Frank Pötter Uwe Hartig Dr. Janus? Mlynarski Olaf Wehrheim Dr. Matthias Hamann Brigitte Harder Hans-Joachim Günther Annegret Brombach Dr. Manfred Zencker S S 8—— S S b Sin S S S n S Gerhard Herr Ludwig Poppeler Dr. Walter Bittner —— d S 6 S 6 6 P6 96 15 16 18.6. 22.6. 6 25 256 28G — b ——————— S— S 6 6 0— BRainer Leichtenberg Dr. Dieter Werner Dirk Rothe Diethard Stamm Marie-Louise Steinschneider Dietlind Clever-Schmidt Kristine Tromsdorf Jutta Loesch Hansjörg Lacour Matthias Loesch Birgit Brunner Dr. Feliks Niedzielak Bettina Hack Kurt Rosemeier Rudolf Boning Horst Jacob Alexander Wolf Erhard Fasel Rolf Kirsten Michael Thiel Roland Schähle Wladyslawa Jankiewicz Karl-Klaus Rabe Devakaur Wade Carl-Martin Barnutz Barbara Distel Hildegard Gerhards Norbert Hessler Jürgen Bartholome Prof. Friedemann Hellwig Martin Proescholdt Lothar Bembenek Angela Sulzmann Wilhelm Dorn Heinz Ennemann Bardo Bayer Rainer Röhrborn Halvar Bertilsson Herta Weck Dr. Susan Cerniak-Spat?z Michael Langhanky Imo Moszkowicz Klaus Rosenstock Walter Nuhn Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 27 Regierunsparteien verweigern Wehrmachts-Peserteuren weiterhin die generelle Rehabilitierung und das Recht auf Entschädigung NS-Justizopfer gelten als vorbestraft Wãhrend die treu dem NS-Regime ergebenen Juristen hohe Renten bezie- hen, gelten ihre Opfer, die sie im Namen des Führers wegen sog. Wehrkraft- zersetzung, Kriegsdienstverweigerung oder Desertation abgeurteiltet hat- en, weiterhin als vorbestraft. SPD, Bündnisgrüne und PPDS hatten im Bundestag gefordert die Urteile der NSMilitärjustiz pauschal für Unrecht zu erklären und den Opfern generell das Recht auf Entschädigung zuzuer- kennen. In der Parlamentsdebatte im März verweigerten die Regierungspar- teien CDU/CSU und FDP ihre Zustimmung. Demnach werden Anträge auf Rehabilitierung weiterhin nur durch EFin- zelfallprüfungen entschieden. Die oft langwierigen Verfahren belasten die alten und meist kranken Opfer stark. Sprecher der Regierungsparteien vertraten die Meinung, daß die Gerichte der hitlerhörigen Wehrmacht nicht grundsätzlich rechtswidrig gehandelt hätten. Norbert Geis(CSU) vertrat die Auffassung, die NS-Justiz habe dort 28 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer rechtens geurteilt, wo es um den Schutz der Zivilbevölkerung gegangen sei. Eine pauschale Aufhebung der Urteile wegen Fahnenflucht würde zudem jene Soldaten, die bei der Stange geblieben sind“, ins Unrecht setzen. Der ehemalige Bundesminister Rupert Scholz begründete seine Ablehnung mit der Ansicht, daß nicht alle Deserteure aus Protest gegen den Angriffskrieg der Nazis geflohen seien. Volker Beck(Bündnis 90 /Grüne) verwies auf die Gesetzeslage, wonach Einzelanträge auf Entschädigung nicht danach entschieden werden dürf- ten, aus welcher Motivation heraus der Wehrmachtsdeserteur gehandel habe. Die wenigen hundert Uberlebenden müßten endlich von dem Make des Drückebergers befreit und entschädigt werden. Es sei unakzeptabel, den Opfern mit Rücksicht auf die Gefühle anderer Wehrmachtssoldaten die Rehabilitierung zu verweigern. Volker Kröning(SPD) argumentierte, es grenze an Rechtsverweigerung, daß Opfer der NS-Justiz bis heute als vorbestraft gelten und keine Entschä- digung erhielten. Zur Frage der Wehrmachtsdeserteure dokumentieren wir im folgenden einen Kommentar zur erwähnten Bundestagsdebatte(Frankfurter Rund- schau vom 3. April 1995) und eine Stellungnahme des DParmstädter Si- gnals“, die Thomas Fürst erläutert. Kommentar Frankfurter Kundschau, 3.4.*95 Die Zweite Strafe von Ferdos Forudastan mit den Verfolgten des Faschismus„ sich geladen hat. 3 i iRi ben in rechtsstaatswid- Der Bundestag hat eine seltene Chance. Nazi-Richter ha Er kann den großen Worten im 50. Jahr rigen Verfahren gegen Deserteure, der Befreiung Deutschlands vom Natio- nalsozialismus eine Tat folgen lassen, die viel bewirkt und kaum etwas kostet. Ent- Scheidet das Parlament, die Opfer der NS- Militärjustiz zu rehabilitieren und zu ent- schädigen, bekommen einige hundert Menschen endlich, was ihnen seit Kriegs- ende zusteht. Entschließt sich die Koali- tionsmehrheit zu dem überfälligen Schritt, tilgt sie wenigstens einen Teil der Schuld, die Bonn beim schäbigen Umgang Kriegsdienstverweigerer und„Wehrkraft- zersetzer“ über 30000 Todesurteile ge- Sprochen. Etwa 22 000 wurden vollstreckt, der Rest in Haftstrafen umgewandelt, an denen ungezählte Verfolgte starben. Mehr als 100 000 Menschen sperrten die Wehr- machtsjuristen ein. Bis auf gan?z wenige Ausnahmen warten die Opfer noch immer vergeblich auf Genugtuung. Ehemalige Soldaten, die sich dem ver- precherischen Angriffskrieg der Nazis Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 29 entzogen haben, gelten bis heute als vor- bestraft. Materielle Entschädigung ver- wehrten Behörden, Gerichte und Regie- rungen im Nachkriegsdeutschland fast al- len Betroffenen. Mal verschanzten sich die Beamten hinter den hohen bürokrati- schen Hürden. Meist erklärten sie die Ur- teile für rechtmäßig. So verbringen die meisten der wenigen Uberlebenden ihr Alter nicht nur krank wegen der erlitte- nen Qualen; etliche sind auch noch arm, sie nach Jahren im Strafbataillon, Zuchthaus oder K?Z kaum arbeitsfähig wa- ren oder weil sie als Drückeberger geäch- tet am Rande der Gesellschaft standen. Das stimmt besonders bitter, wenn man bedenkt, wie viele NSJuristen hohe Ren- ten beziehen. CDU/CSU und Teile der FDP überhö- ren bislang die verzweifelten Bitten der Opfer, ihnen die verlorene Ehre offiziell wiederzugeben, ihren Lebensabend finan- ziell ein wenig zu erleichtern. Wohl weil sie dahinter„eine Anklage gegen die gan- ze männliche Kriegsgeneration“ wittern, wie ein ehemaliger Deserteur formuliert, schmettert die Koalition jeden Antrag der Opposition ab. So verhindert die Regie- rungsmehrheit seit Jahren, daß der Bun- destag die Urteile gegen Fahnenflüchtige, Kriegsdienstverweigerer und„Wehrkraft- zersetzer“ pauschal brandmarkt und die Entschädigung großzügiger regelt— Jah- re, in denen bereits etliche Verfolgte gestorben sind. Wie ein Kartenhaus zusammengebro- chen ist die Argumentation der Gegner einer umfassenden Rehabilitierung. Jeder Betroffene, sagen sie, solle doch selbst un- tersuchen lassen, ob das Urteil gegen ihn rechtswidrig war. Dabei haben Militär- historiker längst nachgewiesen, daß die Entscheidungen der Wehrmachtsrichter grundsätzlich Ausdruck einer Terrorjustiz gewesen sind. Außerdem kann man den oft gebrechlichen Uberlebenden die auf- wendigen und langwierigen Einzelfallprü- fungen nicht zumuten. NS-Opfer müssen keine Widerstands- kämpfer gewesen sein, um Genugtuung beanspruchen zu können. Diesen Spruch des Bundessozialgerichts sollten jene Unionschristen zur Kenntnis nehmen, die nur Helden, nicht aber normale Menschen mit Todesangst und Abneigung gegen das Töten für entschädigungswürdig halten. Daß Desertion auch andernorts strafpar ist, stärkt die Position der Koalitionäre mitnichten. Sich dem völkkerrechtswidri- gen Krieg eines Unrechtssystems zu ver- sagen, ist etwas anderes, als der Armee einer Demokratie davonzulaufen. Die Ur- teile aufzuheben hieße keineswegs, alle Kriegsteilnehmer zu diffamieren, wie Kon- Servative behaupten. Bei der Rehabilitie- rung geht es allein um die Frage, ob den Betroffenen NS-Unrecht widerfahren ist. Ubrigens könnte sich die Regierungs- mehrheit auf ihre eigene Tradition stüt- zen: Die Urteile des Volksgerichtshofes und der Erbgesundheitsgerichte erklärte der Bundestag in einem politischen Sinne pauschal für nichtig. Er verwarf die „Waldheimer Urteile“ des SED-Regimes, obwohl sie auch nationalsozialistische Kriegsverbrecher betrafen. Er bezeichne- te die Urteile der DDR-Gerichte gegen Wehrdienstverweigerer als in der Regel unrechtmäßig, obgleich die DDR anders als Nazi-Deutschland dieses Delikt nicht mit dem Tod ahndete. So richtig der Um- gang des Parlaments mit diesen Richter- Sprüchen war, so falsch liegt die Koa- lition, wenn sie die Wehrmachtsjustiz schont. Die Koalition darf die Opfer der NS- Militärgerichte nicht länger mit unver- bindlichen Bekundungen des Mitleids ab- zuspeisen versuchen, die vor den Behör- den wertlos sind. Der Bundestag muß die Opfer schnell ausdrũcklich rehabilitieren, ihre Entschädigung gesetzlich erleichtern und ihnen— fiskalisch ist das bei weni- gen hundert Uberlebenden kein Problem — eine angemessene Rente einräumen. Diese Minimalia schuldet das Parlament den Opfern— und sich selbst, will es nicht mit dem Vorwurf in die Geschichte eingehen, es habe die Menschen ein zwei- tes Mal bestraft. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Deserteure und**Soldatenrtei Parmstädter Signal“ greift Tabuthemen auf a von Thomas Fürst Anläßlich des 50. Jahrestages des versuchten Attentates auf Hitler verõffentlichte der Arbeitskreis Parmstädter Signal' eine Stellung- nahme, die auch heute, fast ein Jahr danach, nicht an Aktualität verloren hat und deren Abdruck wir für wichtig halten. Da nicht davon aus- gegangen werden kann, daß das Parmstädter Signal“ allen Lesern bekannt ist, sollen einige kurze In- formationen folgen. Der Arbeitskreis, bestehend aus etwa 200 Bundeswehrangehörigen, wurde 1983 während der sog. »Nachrüstungsdebatte“ gegründet. Die Mitglieder lehnten aber nicht nur die Stationierung neuer Raketen ßirtenau: Die Asche der ermordeten KZOpfer wurde in den See geschüttet. Solange die Soldaten der Wehrmacht die Front hielten, Solange tonnte die Mord- maschinerie inden Lagern weitergehen. ab, sondern stellten ein Verteidi- gungskonzept vor, das sich wesent- lich von der offiziellen Doktrin un- terscheidet: Verzicht auf ABC- Waffen, Ablehnung der Abschrek- kung, eine ausschließlich defensiv Bewaffnung, Verbindung militär- ischer und sozialer Verteidigungs- konzepte u. a. m. In den letzten Jahren hatte der Arbeitskreis unter Repressalien der Bundeswehrführung zu leiden, nachdem in einer Erklärung das sog. »Soldatenurteil“ des OIG Frankfurt begrüßt worden war: darin wurde angesichts atomarer Bewaffnung der Richterspruch unterstützt und eine offene Diskussion auch inner- Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 31 halb der Bundeswehr gefordert. Die Reaktionen der Hardthöhe: Militärgerichtsverfahren, Beförde- rungssperren und Degradierungen: insgesamt 21 Unterzeichner waren davon betroffen. Nachdem auch in der Offemtlichkeit der Druck auf die Bundeswehr zugenommen hatte, 0* mittlerweile sämtliche Dis?ipli- narmaßnahmen 2urückgenommen worden. Neben dem Arbeitskreis gibt es den Förderkreis Parmstädter Si- gnal', in dem nicht der Bundeswehr angehörende Personen finanzielle und politische Unterstützung lei- sten. Derzeitiger Vorsitzender des Förderkreises ist der Gießener Arzt und Therapeut Horst Eberhard Richter. Wir drucken die Erklärung zum 20. Juli 1994 hier ab, weil in ihr Ta- buthemen angesprochen sind, die längst in die politische Diskussion gehören: problematische Traditio- nen innerhalb der Bundeswehr; die Unteilbarkeit des Widerstandes ge- gen die Nazi-Diktatur; die Würdi- gung von Deserteuren und Verwei- gerern; schließlich die fehlende Be- reitschaft, aus der Geschichte zu lernen. Es sollte zu denken geben, daß eine Erklärung dieser Qualität unse- rem Wissen nach bislang nur von ei- nigen couragierten Soldaten abgege- ben worden ist und nicht von politi- schen Richtungen, denen man es eher zugetraut hätte. Pressemitteilung des Parmstãdter Signals? vom 18. Juli 1994 Deserteure der Wehrmacht zählen mit zum Widerstand gegen das NS-Regime Der 20. Juli ist ein Tag zum Nachdenken und zur Besinnung auf alle Formen des Widerstandes und der Zivilcourage— er ist ein Tag des deut- schen Volkes und nicht der Bundeswehr! Wir Deutsche können dankbar sein, daß Frauen und Männer mit unter- schiedlicher Zielsetzung und unterschiedlichem Engagement Widerstand gegen die Nationalsozialisten, ihre vielen Helfer, Unterstützer und Mitläu- fer leisteten. Der 20. Juli 1944 ist das symbolische Datum für den vielfälti- gen Widerstand gegen den totalen Staat und seine verbrecherische Politik. Wir gedenken damit auch aller, die von Anfang an innerhalb und außer- halb Deutschlands Widerstand leisteten: das schließt diejenigen ein, die aus Widerstand gegen das Naziregime den Kriegsdienst verweigerten oder desertierten. Wer zwischen gutem und weniger gutem Widerstand unter- Scheidet, schwächt die Hoffnung und die Kraft, die wir bei unterschiedli- cher Bewertung der Geschichte aus der Geschichte schöpfen können. Die Bundeswehr hat keine besonderen Besitzrechte am Widerstand gegen das Naziregime, aber die besondere Verpflichtung, aus dem Widerstand zu 32 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer lernen! Der Versuch der Bundeswehrführung, den Widerstand gegen die Nazi- herrschaft für die Bundeswehr zu vereinnahmen, ist unglaubwürdig, weil ich die Bundeswehr in ihrer Traditionspflege bis heute nicht von der Wehrmacht, 2.B. von hitlertreuen Generalen wie Dietl und Kübler distan- die Bundeswehr keinen nennenswerten Bezug zu den Kräften des zivilen Widerstandes hat, die Bundeswehr sich immer noch schwer tut mit dem Recht auf Neinungs) freiheit. Weil die Reichswehr die damals noch junge Demokratie behinderte und die Wehrmacht dem Nationalsozialismus den Raum für sein verbrecheri- sches Handeln öffnete, haben Soldaten der Bundeswehr besonderen Anlaß, mit Respekt des Widerstandes zu gedenken und die Lehren aus dieser Geschichte sichtbar in demokratische Traditionspflege und demokratisches Verhalten umzusetzen! Diese Pressemitteilung wurde vom Vorstand des Arbeitskreises DARM- STADTER SIGNAl.: Stabsfeldwebel Peter Brosche, Kaufbeuren; Oberstleut- nant a. D. Helmuth Prieß, Swisttal; Leutnant Dr. Michael Steger, Amberg, und weiteren 50 Offizieren und Unteroffizieren unterzeichnet. In eigener Sache: Liebe Mitglieder. in letzter Zeit häufen sich leider die Rücklastschriften. Das heißt, wir haben versucht Ihren Beitrag- wie mit Ihnen seinerzeit vereinbart- im Abbuch- ungsverfahren einzuziehen, jedoch wird Ihr Konto bei dieser Bank nicht mehr geführt oder die Kontonummer hat sich geändert. Diese neuen Daten herauszufinden, bereitet uns große Mühe und für jeden vergebliche Ein- zugsversuch berechnet die Bank 8,50 Mark. Informieren Sie uns bitte, wenn Sie umgezogen sind(auch wenn Sie dieses Mitteilungsblatt vielleicht durch einen Nachsendeantrag erreicht hat, heißt das nicht, daß auch wir Ihre neue Adresse mitgeteilt bekommen), wenn sich Ihr Name durch Heirat geändert hat, wenn Sie eine neue Bankverbindung haben. Impressum: Herausgeber: Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer e.V. Redaktion: Hans Hirschmann, Hermann Reineck Mitarbeiter: Anni Roßmann-Reineck, Thomas Fürst, Diethardt Stamm, Klaus Konrad-Tromsdorf Wenn Sie sich um Ihre Einzahlung für die nächste Zeit nicht mehr kümmern wollen, lassen Sie einfach abbuchen, Sie sparen: Die Bank bzw. Postgebühren Mindestbeitrag: 60 DMjährlich Einzugsermächtigung Ich bin bis auf Widerruf mit der Abbuchung[Q monatlich Q napjhrlich „ DM einverstanden Name, Anschrift Geldinstitut Ort Konto- Nr. Bankleitzahl Datum Unterschrift Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V., 35516 Münzenberg, Lindenstraße 68 Der Verein ist als gemeinnũtzig anerkannt. Die Beitrãge und Spenden sind steuerlich abzugsfähig. Eine Spendenbescheinigung wird zugesandt. Adressenänderung: Bitte teilen Sie uns bei Wohnungswechsel Ihre Neue Anschrift“ mit. Wir haben bei unserer letzten Aussendung etwa 50-60 Retouren mit dem Vermerk unbekannt verzogen“ von der Post erhalten. Die Nachforschungen nach der neuen Anschrift sind sehr Zeit- und Geldaufwendig, dazu meist erfolglos. Sicher sind Sie an unserer weiteren Arbeit interessiert, aber wie sollen wir Sie informieren, wenn.. 22 TLLLLLLLLLLIL Dann füllen Sie bitte diesen Abschnitt aus, kleben ihn auf eine Postkarte und schicken ihn an folgende Adresse: Lagergemeinschaft Auschwitz Lindenstraße 68 35516 Münzenberg Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V. aUsctMrz Lindenstraße 68 35516 Münzenberg Telefon 0 60 33/6 01 68 Sparkasse Wetterau(BLZ 518 500 79) Konto- Nr. O 020 000 503 Postscheckkonto Frankfurt/ Main(BLZ 500 100 60) Konto-Nr. 51 664-608 Beitrittserklärung Name, Vorname Anschrift, Straße, PLZ, Ort Geburtsdatum Titel, acad. Grad, Beruf S Häftling im K?Z Auschwitz vom bis Hãftl.-Nr. Hãftling in anderen Lagern, Gefängnissen etc. Angehöriger des ehem. Auschwitzhäftlings Hãftl.-Nr. Q Freundeskreis der Auschwitzer Datum des Beitritts Unterschrift Zutreffendes bitte ankreuzen D HELFEN SIE UNS! WERDEN SIE MITGLIED IM FREUNDESKREIS AET AUSCEHWITZ ERR AUSCFHWTAER Farbkarte 613 945, Kapitulierte das Deutsche Reich, der lt vom Terror des nationalsozialistischen e die Soldaten der Wehrmacht gekämpft Mordbetrieb hinter den Stacheldrahtzäu- veitergegangen. Mitteilungsblatt, April 1995