LAcERSEMEiscapr Auscrrz ec FREUMbEskRkis DEß AuscrwrrzER 4 22. Jahrgang, Heft 2 Mitteilungsblatt, Dezember 2002 Inhaltsverzeichnis Seite Pflegschaften in Krakau 1 „Hoffnungen, die von Scham und Schüternheit begleitet werden“ 3 „Das falsche Wort“ 5 Fallbeispiele von Nicht-Entschädigung von Roma und Sinti Von Joachim Brenner Moralische Instanz und Ratgeber der Nachgeborenen 8 Zum Tod von Tadeus?z Szymanski Von Barbara Distel 6 „Das Buch der Erinnerung“ 10 Deportationen aus der Region Krakau nach Auschwitz Wiedersehen mit Oberaufseherin Maria Mandel 11 Erinnerung der Hãftlingsfrau Stanislawa Rachwal Ubersetzung aus dem Polnischen von Ekbieta Stamm Legalisierter Raub 13 Ausstellungen in Marburg und Gießen Der Aufstand der Verlorenen 14 Neue Forschungsergebnisse zur Vorgeschichte des Aufstandes des jüdischen Sonderkommandos in Auschwitz Von Andreas Kilian Die verkürzte Sichtweise des Ex-Staatsministers Volmer 29 Von Diethardt Stamm Medizinverbechen: Die Hofierung der Täter 320 Die Missachtung der Täter Zu einem Vortrag von Ernst Klee Alen Mitgliedern, Freunden und Sympathisanten erholsame Weihnachtsfeiertage und die besten Wünsche für das Jahr 2003 S 6 Freundes Stanis- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 1 Pflegschaften in Krakau Zu den beiden Pflegschaften der Lagergemeinschaft in Krakau gibt es traurige aber gleichzeitig auch trõstli- che Neuigkeiten. Stanislaw Smialek, der als„KZ- Tourist“?, wie er sich einmal bitter selbst nannte, in fünf deutschen Konzentrati- onslagern inhaftiert war, ist gestorben. 6 die finanzielle Hilfe unseres Ver- ins wurde es ermöglicht, dass er die letzten anderthalb Jahre seines Lebens nicht nur bettlägrig verbringen musste. Mit Unterstũt?ung der Betreuer konn- te er fast tãglich das Bett verlassen und „in seinem geliebten Sessel sitzen“, wie aus Krakau mitgeteilt wurde. Auch hat ihm das Vorlesen und die sonstige Be- treuung sehr geholfen, ruhig zu bleiben und nicht mehr so oft in ein traumati- sches Delirium zu verfallen. Stanislaw Smialek hat lange Jahre sehr isoliert chemalige Auschwitz-Häftling, der aufgrund von Spãtfolgen der erlittenen Schläge und Verletzungen teilweise gelähmt war, war nicht nur in der Lage, wieder Laufen zu lernen- quasi ge- meinsam mit seiner kleinen Urenkelin er konnte im Sommer sogar das Haus verlassen, im Park spazieren geführt werden, auf der Bank sitzen und Freunde wiedersehen. Sprechen hat er leider nicht mehr gelernt, da das Sprachzentrum zu sehr zerstört ist, aber er versteht und reagiert mit Kõr- persprache. Lee-Plisabeth Hölscher-Langner, die das von der Lagergemeinschaft un- terstũtzte Betreungs und Pflege-Netz- werk in Krakau aufgebaut hat, über- mittelte uns den Dank der Familie von Pawel Rzepa, den wir an alle Spender und Förderer hiermit weitergeben: und in großen Angst- zuständen gelebt. Sein Tod wurde uns als ein ruhiges Hinübergleiten beschrieben.(Mir fällt dabei die Aussage un- aw Hantz aus Zgorce- lec ebenfalls ehemali- ger Auschwitz-Häftling ein, der einmal am To- tenbett einer Freundin äußerte:„Es spielt eine große Rolle, wie man sterben kann.*) Bei Pawel Rzepa, unserer zweiten Paten- schaft, hat die Rehabi- Pawel Rzepa, ehemaliger Auschwitz-Häftling, hat dank der durch die Lagergemeinschaft ermöglichten physiotherapeuti- litation sichtbare Fort- schen Anwendungen wieder Laufen gelernt. Links Jaroslaw schritte gebracht. Der Kaczor vom Krakauer Betreuungs-Team. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer „Die Familie, die sich rührend um ihn kümmert, läßt Ihnen allen von Herzen danken, denn würde er nicht bestän- dig rehabilitiert werden, würde er den Tag wohl auch erst nur im Stuhl und später nur noch im Bett verbringen können, um dann dem Siechtum zu er- liegen. Die Arzte hatten ihn genau wie Stanislaw Smialek- aufgegeben, und nun führt er doch schon so lange noch ein so erfülltes Familienleben, dank Ihrer großartigen und zielorien- tierten Hilfe.“ Wie berichtet, haben wir für das noch laufende Jahr für Pflegepaten- Schaften und für physiotherapeutische Aufwendungen rund 2000 Furo nach Krakau überwiesen. Diese und weitere Hilfen wol- len wir weiterführen, was natürlich nur mit lhrer Unterstützung mög- lich ist. Bitte helfen Sie uns mit Ih- rer Spende hier weiter tãtig zu sein. (Fin Uberweisungsformular liegt diesem Heft bei. Oder beachten Sie bitte unser Spendenkonto.) Wie Sie, liebe Spenderinnen und Spender, wissen, ist Ihr Beitrag nicht nur eine materielle Hilfe. Wer jemal mit ehemaligen KZInsassen unò Häftlingen der Gestapo-Gefängnisse zusammenkam, weiß, wie bedeutend für sie die Gewissheit ist, dass ihre Ver- folgung als Unrecht anerkannt wird, und wie groß ihre Freude ist, dass dies nicht vergessen ist. Bitte um finanzielle Hilfen:„Hoffnungen, die von Scham und Schüchternheit begleitet werden“ Neben den Pflegschaften, den ver- schiedenen Projektförderungen(wie die Herausgabe der Brinnerungs- bücher, siehe Seite 10 ff) und der all- gemeinen Unterstützung für Belange der Häftlingsorganisationen hat die Lagergemeinschaft-Freundeskreis in diesem Jahr auch wieder eine ganze Reihe von Hilfeleistungen für indivi- duelle Fälle erbracht. Mit-relativ bescheidenen-Einzel- beträgen wurden besonders hilfebe- dürftige ehemalige Häftlinge und Ver- folgte in verschiedenen Ieilen Polens bedacht. So fragt beispielsweise Jan Kazimiercz Bokus, Vorsitzender der Warschauer Sektion der Auschwitz- Häftlinge, bei uns an, ob 13 der älte- sten und schwer erkrankten Mitglie— der finanzielle Zuwendungen erhalten könnten:„Wir besuchen diese Kran- ken und sie freuen sich sehr, dass man an sie denkt und sich mit ihnen unter- hält. Bokus vergißt auch die anderen Kranken nicht und spricht in seinem Brief von„Hoffnungen, die durch Scham und Schüchternheit besleiech werden“. Unser Vereinsmitglied Annedore Smith aus Frankfurt am Main besuch- te vor kurzem im Krakauer Gabriel- Narutowicz- Krankenhaus die Spezial- abteilung für ehemalige Häftlinge in deutschen Konzentrationslagern und heschreibt die Situation wie folgt: Die Leiden der ehemaligen KZHãftlinge sind altersbedingt wie bei anderen 80⸗ Jährigen auch. Doch können viele ih- rer Beschwerden unmittelbar auf die Lagerzeit zurückgeführt werden. Ge- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 3 lenkentzündungen sowie Rücken-, Nieren- und Lungenerkrankungen sind meist die Folge von jahrelanger Zwangsarbeit und Unterernährung. Viel schlimmer noch sind die psy- chischen Probleme. Depressionen, Le- bensunlust und Angstzustãnde sind ty⸗ pische Symptome des so genannten KZSyndroms, unter dem alle ehema- ligen Häftlinge leiden. So haben viele Patienten Angst, im Gunpem zu schlafen, wie Oberschwe- ster PoZnanska erläutert. Bei ärztli- chen Untersuchungen fürchten sie sich vor schmerzhaften medizinischen Experimenten. Im Fieberdelirium durchleben sie häufig noch einmal die Gewalttätigkeiten der SSSchergen, und Anzeichen von Altersdemenz ma- nifestieren sich oft darin, dass die Pa- tienten wie einst im Lager Essensreste im Schrank verstecken. Hier ist eine hohe Sensibilität des Pflegepersonals erforderlich.“ Neue Gesetzgebung drängt ehemalige KZ-Häftlinge in Isolation Warum unser Engagement in Po- 6 weiterhin dringend notwendig ist, wird auch dadurch deutlich, dass der polnische Staat(im Zuge dessen, was als„wirtschaftliche Konsolidierung“ Voraussetzung für den Beitritt zur Eu- ropãischen Union ist) einige Vergün- stigungen im Gesundheitswesen sowie bestimmte Förderungen bei der Nut- zung von õffentlichen Verkehrsbetrie- ben abgeschaft oder eingeschränkt hat, von denen auch und gerade ehe- malige Häftlinge der Konzentrations- lager direkt betroffen sind. So sind ei- nige ärztliche Behandlungen und Befreiung Für uns: Kriegsende Für die Opfer: Wiederkehr alles Erlebten. Alpträume, Absturz ins Bodenlose, KZ-Syndrom aus Auschwitz-Alphahet von Anne- Marie Fabian Medikamente, die bisher umsonst wa- ren, kostenpflichtig geworden. Fhemalige KZHäftlinge konnten bisher kostenfrei auf allen Linien des öffentlichen Nahverkehrs innerhalb Polens fahren, nun sollen nur noch Er- mãßigung von 37 Prozent für die erste und 78 Prozent für die zweite Klasse bei Bus- und Bahnfahrten gelten. Ganz wegfallen sollen diese Ermãäßi- gungen für Furo- und Intercityzüge. Aber heute fahren auf der Strecke Wars?awa-Krakéw und Warszawa- Katowice(Richtung Oswiecim) nur diese Züge, für die die Konzentrati- onslagerhäftlinge und andere Kriegs- invaliden keine Ermäßigung mehr ha- ben. Dies„erschwert oder macht es unmöglich, Kontakte mit dem Muse- um in Auschwitz zu unterhalten, wie auch die Gruppen von Jugendlichen nach Auschwit?z zu begleiten, was eine Grundlage der Kontakte der Gesell- schaft zur Betreuung von Auschwitz zu den Jugendlichen ist“, wie uns der Auschwitz-Häftling Lech Piekalkie- wicz aus Warschau schrieb. Einschnitte gibt es desweiteren bei den bisherigen Vergünstigungen für Auto-Versicherungen sowie bei Rund- 4 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer funk- und Fernseh-Gebühren, 80 dass auch hier die Gefahr größer wird, dass Pflege bedürftige und Kranke immer weniger Besuch erhalten und in Isola- tion geraten. Unsichtare Wunden, die aber immer noch bluten Die Journalistin Monika Held, die in den 80er und 90er Jahren mit unse- rem Vereinsgründer Hermann Rein- eck in Polen ehemalige Häftlinge be- suchte, Schrieb:„Die tiefsten Wunden sind doch die, die man nicht sieht“. „Man sieht sie nicht, aber sie bluten noch immer“, antwortete zustimmend damals der Auschwitz-Hãäftling Amsel Cymerman. Helfen Sie mit Ihrer Spende mit, damit wir bei den wenigen Uberle- benden nicht zu spãt kommen. Spendenkonto der Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer: G Sparkasse Wetterau (BIZ 518 500 79), Konto-Nr. 20 000 503 „Fanatiker“ für eine gute Sache Bei unserer Mitgliederversamm- lung am 30. November in Frankfurt am Main konnten wir von den ehemali- gen Auschwitz-Häftlingen Janos Mly- narski und Stanislaw Hantz begrüßen. Als„Fanatiker“ für eine gute Sa- che, bezeichnete Janos Mlynarski die Mitglieder der Lagergemeinschaft und des Freundeskreises. Stanislaw Hantz bestätigte, dass niemand von den ehemaligen KZHäftlingen und ihren Familien vergessen werde, wie Hermann und Anni Reineck zunächst privat und nach Gründung der Lager- gemeinschaft Ende der 70er Jahre auf Vereinsbasis sie mit Lebensmittel- transporten, Medikamenten, medizini- schem Gerät, Kleidung und anderen Hilfsgütern unterstützt haben. Selbst- verstãndlich sei man auch für die heu- Stanislaw Hantz und Janos Mlynars tigen Hilfsleistungen sehr dankbar, die für viele kranke und alte KZGefan- gene nicht nur von ihrem materiellem Wert her wichtig, sondern auch durch die dadurch zum Ausdruck gebrachte ideele solidarische Haltung von großer Bedeutung sei. Impressum: Herausgeber: Lagergemeinschaft Auschwit? Freundeskreis der Auschwitzer Lindenstraße 68, 35516 Münzenberg; Telefon(06033) 60168 Redaktion: Hans Hirschmann Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 5 „Das falsche Wort“ Entschädigung bzw. Nicht-Entschädigung von Roma und Sinti Von Joachim Brenner Melanie Spitta und Kathrin Seit bold gaben ihrer Dokumentation über Entschädigung und Wiedergutma- chung von während des Nationalso- zialismus verfolgten Roma und Sinti den Titel' Pas falsche Wort?. Ignoranz 04 Verweigerung ebenso wie die Un⸗ möglichkeit, die industrielle Vernich- tung durch Geldbetrãge wieder gut zu machen, wurden so auf den Punkt ge- bracht. Diese Verhaltensweisen in Be- zug auf Roma und Sinti setzen sich ähnlich fort nach der Gründung der Bundesstiftung zur Entschädigung ehemaliger NS-Zwangsarbeiter. Die Aufnahme des Zentralrats der deutschen Sinti und Roma in das Ku- ratorium steht knapp Zwei Jahre nach Beginn der Stiftungstätigkeit immer noch aus. Gesetzeslücken verhindern die Vertretung. Von den drei- bis vier- tausend Roma und Sinti wurden bis- her etwa tausend teilentschädigt und zwar mit einem geringeren Betrag als andere Opfergruppen. Allein der Pro- test der Betroffenen Ende letzten Jah- es vor dem Bundesfinanzministerium erõffnete die Zusammenarbeit der in- ternationalen Migrantenorganisation IOM, die die Prüfung und Abwick- lung der Zahlungen übernimmt, mit dem Zentralrat. Die Kritik seitens des Verbandes: Die IOM ist maßlos über- fordert und verschleppt durch unpro- fessionelle Arbeit die Zahlungen. Die IOM bemängelt ihrerseits, dass viele Roma und Sinti in KZListen nicht ge⸗ führt wurden und Arbeitslager nicht ohne weiteres als Haftstätten aner- kannt werden. Eine unglaubliche Vor- gehensweise, wenn man bedenkt, dass bereits 1942 per Erlass feststand, Nu- den und Zigeuner schlechthin zu ver- nichten, am besten durch Arbeit“. Das Haftstãttenverzeichnis liegt nach etli- chen Auseinandersetzungen nunmehr in erweiterter Form vor. Zudem konn- te die ursprüngliche Absicht der Bun- desregierung, Opfer, die eine spãrliche Rente bezichen, von der Entschädi- gung vollends auszunehmen, nur durch nachhaltigen Druck des Zen- tralrates abgewendet werden. Dennoch, der aktuellen Gleichset- zung des Entschädigungsteilbetrages mit dem Niveau anderer Opfergrup- pen steht die hinlãnglich bekannte Tat- sache gegenüber, dass die Mehrzahl der Menschen etwa 80 Jahre alt ist. Seit Verabschiedung des Gesetzes sind bereits 60 Personen verstorben. Einige Beispiele, die belegen, welche Ge- schichte sich hinter Zahlen und Na- men verbirgt. Frau S. wurde 1 924 geboren. Mit 19 Jahren kam sie und ihre gesamte Fa- milie von Köln nach Auschwitz, von Auschwitz nach Ravensbrück und schließlich ins Lager Schwarzenforst. Frau S. wurde schwer misshandelt, lei- stete Zwangsarbeit bei Heinkel und Siemens. Sie ist zu 70 Prozent behin- dert, leidet an Herz- und Gelenk- krankheiten und kann sich ohne Hilfe nicht fortbewegen. Die KZNummer trägt sie, ebenso wie ihr Bruder, der der einzig überlebende Verwandte ist. auf dem Arm. Frau 8. erhielt bisher le- diglich ein Drittel der Summe, die Sklavenarbeiterinnen zusteht. Frühere 6 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Zahlungen wurden unberechtigter- weise angerechnet. Ein Widerspruch ist anhängig. Frau W. wurde 1922 geboren. 1939 deportierten die Nazis sie von Ham- burg nach Warschau ins Ghetto. Von dort nach Tomaschov nach Ravens- brück und Bergen-Belsen. Frau W. be- kam 25 Schläge mit dem Ochsenzie- mer, wurde an Kopf und Operkörper schwer verletzt und im mit Wasser ge- füllten Stehbunker arretiert. Gearbei- tet hat sie in einer Planierkolonne, im Steinbruch und in der Rüstungsindu- strie. Obwohl alle Unterlagen voll- ständig sind und Akten der Bundes- entschädigungsbehörde vorliegen, ist bis heute keine Zahlung an Frau W. seitens der Bundesstiftung ergangen. Interventionen beim Büro der IOM in Berlin und in Genf blieben erfolglos. Zu viele Anträge, Zu viel Arbeit ist die Standardantwort. Das Krankheitsbild von Frau W. bestätigt ernst zu neh- mende Herz-, Lungen- und Gelenkbe- schwerden. Ihr Behindertenstatus weist 100 Prozent aus. Herr G ist 68 Jahre. Als Junge von sechs Jahren kam die Deportation von Köln in die Ghettos Platerow, Sidlice und Warschau. Das Kind musste bei Gleis- und Bauarbeiten für die Wehr- macht helfen und in einer Munitions- fabrik in Oranienburg arbeiten. Allein die Flucht und ein Dasein im Unter- grund retteten das Leben. 1950 und 1959 leisteten der Entschädigungsaus- schuss Wanne-Fickel und das Regie- rungspräsidium Arnsberg einmalige Tahlungen. Fine Rente wurde verwei- gert, weil das RP Arnsberg die festge- stellte Herzneurose bereits 1960 als nicht verfolgungsbedingt einstufte. 1966 kam eine weitere Ablehnung der Landesentschädigungsbehörde NRW hinzu, die urteilte, dass kein Schaden an Förper und Gesundheit vorliege. Auch das Innenministerium bestãtigte zwei Jahre spãter, es ist kein Anspruch aufgrund des Verlustes an Ausbildung während der NS-Zeit geltend zu ma- chen, da die Schulbildung ja nach 45 hätte nachgeholt werden können. Herr G. musste sich erstrangig um die Versorgung der wenigen Familien- überlebenden kümmern. Für Schule gab es weder Zeit noch Moslichkeich Das Innenministerium sah das anders und begründete den Bescheid mit den Worten, Herr G. habe auf die Ausbil- dung wohl'keinen besonderen Wert gelegt..“ EFine Argumentation, die an die Rechtsprechung des Bundesver- fassungsgerichtes anknüpfte, die lange Zeit aus Opfern Täter machte. Es kon- statierte höchstrichterlich bis in die 60er Jahre, dass Roma und Sinti auf- grund von Straftaten zu Recht in der NSZeit in Konzentrationslager inhaf- tiert wurden und somit kein Anspruch auf Entschädigung bestehe. Die Be- willigung einer Beihilfe beim Bezirk- samt Köln verlief vor zwei Jahren ebenfalls negativ, da bereits entschä- digt worden sei. Wie bereits erwähnt, vor fünfzig Jahren mit einer einmali- gen Summe. Der Antrag bei der Bun desstiftung kam zu spãt. Herr G. reich- te einige Dokumente erst in diesem Jahr ein. Er glaubt nicht mehr an eine Entschädigung. Herr L. wurde 1943 mit neun Jah- ren nach Auschwitz deportiert. Er kam mit seiner Familie aus Leipzig. Als Neunjähriger musst er beim Bau von Birkenau mithelfen. Den Todes- marsch nach Buchenwald überlebte Herr L., ebenso die Misshandlungen, das Fleckfieber und den Typhus. Was blieb, ist eine vpãrliche Opferrente, die Lagergemeinschaft Auschwit?- Freundeskreis der Auschwitzer 7 frühe Erwerbsunfähigkeit und ein ex- tremer Hörschaden. Der früh gestellte Antrag bei der Bundesstiftung hat noch nichts ergeben. Auch eine Inaus- sichtstellung, ob und wann mit Gel- dern zu rechnen sei, ist nicht möglich. Die eintätowierte KZ-Nummer und die Bestätigung im Gedenkbuch in Auschwitz-Birkenau reichen nicht aus. Ohne die Hilfe seiner Frau, die er im Lager kennen lernte, kann Herr I den 0 1 nicht bewältigen. Frau P 1930 geboren, mit Herrn LK. verheiratet, kam von Berlin nach Auschwitz, nach Ravensbrück und nach Bergen-Belsen. Die Zwangsar- beit im Steinbruch, die Schlãge der 88 und der Typhus bedingen die heutige schlechte gesundheitliche Verfassung, die Magen- und Knochenkrankheit. Der NRW Härtefonds gewährte eine kleine Rente. Ihr Antrag bei der Bun- desstiftung wurde früh gestellt. Alle Bestätigungen, so wie sie auch ihr Mann vorweisen kann, haben bisher nichts genützt. Es wird immer noch ge- prüft. Fazit eines kleinen Ausblicks. Drei von vier Antragstellern haben immer noch keine Entschädigung aus Mitteln der Bundesstiftung erhalten. Bei Frau S. hat der geleistete Betrag nicht mal symbolischen Wert. Herr G. ist die Zermürbungstaktik leid, sein Antrag kann die Frist nicht mehr wahren. Die Menschen sind alt und leiden an ver- folgungsbedingten schweren Krank- heiten, die nur noch eine kurze Le- bensperspektive zulassen. Nicht zur Sprache kam der Diebstahl von Schmuck und Bargeld. Die Rede ist ebenso wenig von Raub an Kindheit und Jugend, von Traumatisierungen aufgrund des Verlustes der Eltern und anderer enger Familienmitglieder, die im Gas geblieben sind. In den Arztbe- richten sprechen die Experten von ex tremen Angstzuständen, Schlaflosig- keit, von Apathie, Suizid- Baracke im„Zigeunerlager“ Auschwitz. gefährdung, Antriebslosigkeit, ISolation und Verzweiflung. Allerdings gibt es eine Aus- nahme. Herrn W. wurde Mitte diesen Jahres die Entschädi- gung aus einem österreichi- schen Fonds zugesprochen. Zwei Tage vor der Auszahlung war er in Frankfurt gestorben. Joachim Brenner (Förderverein Roma, Frank- furt/ Main) Der Vorstund der Lagergemein Schaft Auschwitz Freundekreis hat beschlossen, als Weihmachts- spende insgesumt 500 Euro für einige nichtentschädigte Koma hereitzustellen. 8 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Tadeus? S?ymanski ist tot Wir trauern um unseren Freund Tadeusz Szymanski, der am 25. Au- gust 2002 im Alter von 85 Jahren starb. Viele Mitglieder der Lagerge- meinschaft und des Freundeskreises Sowie Jeilnehmer von Studienfahrten haben den ehemaligen Auschwitz- Häftling und langjährigen Kustos der Gedenkstätte kennen gelernt. Der Freund unseres Vereinsgründers Her- mann Reineck hat viele Gruppen bei Besuchen in Auschwitz-Birkenau kun- dig und mit großem Pinfühlungsver- mõgen begleitet. Tadeusz Szymanski, im bosnischen Gostilla geboren und bei LEwow (Lemberg) aufgewachsen, wurde im Mai 1941 als Pfadfinder von den Deutschen verhaftet und im August des gleichen Jahres ins KZ Auschwitz eingeliefert. Im Herbst 1944 wurde er in das KZ Groß Rosen verlegt und von dort nach Buchenwald, wo ihm im April 1945 die Flucht gelang. Seit Oktober 1946 bis zu seinem Tod lebte er im Verwaltungsbau des ehemaligen Stammlagers Auschwitz. Er baute dort das Museum und die Gedenkstät- te mit auf, war Jahr- zehnte Lei- ter der Gf— fentlich- keitsarbeit und der As- servaten- sammlung. Anstatt eines Nachrufes erinnern wir an Tadeus? Sxymnaski mit einem Text den Barbara Distel(Leiterin der Gedenkstätte Dachau) anläßlich seines 85. Ge- burtstages am 18. Mai 2002 für die Zeitung des deutsch-polnischen Versöh- nungswerkes„Zeichen der Hoffnung“ geschrieben hat. Moralische Instanz und Ratgeber der Nachgeborenen Von Barbara Distel Tadeusz Szymanski spricht nicht mehr, die Krankheit hat ihn verstum- men lassen. Er hat den Diskurs been- det, den er über ein halbes Jahrhun- dert hinweg mit Inbrunst geführt hat: den Diskurs über Auschwitz, über die Notwendigkeiten, die sich aus seiner Sicht am Ort des Menschheitsverbre- chens ergeben, und die Verpflichtun- gen, die aus dem Erbe erwachsen, das er verkörpert. Als Uberlebender des Vernichtungslagers, der nach seiner Befreiung dorthin zurückkehrte und all seine Energie und Schaffenskraft der Erinnerung an Auschwitz widme- te, wurde er wie kein anderer zur mo⸗ ralischen Instanz. 6 Aber es war vor allem seine Lei- denschaft, sein unablässiger Eifer, mit dem er sich in die vielfãltigen Aufga- ben stürzte, den alle Menschen in Er- innerung behalten, die ihm begegnet sind: seine unermüdliche Suche nach den Eltern der in Auschwitz befreiten Kinder, seine Bemühungen um den Erhalt von Kunstwerken, die in Ausch- witz entstanden waren, seine Samm- lung von Hãftlingsbriefen. ja von jeder Art von Zeugnissen und seine niemals nachlassende Sorge um die Zukunft Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 9 der Gedenkstätte Auschwitz-Bir- kenau. Antrieb seines Handelns war seine persõnliche Zeugenschaft, die er jedoch nie in den Vordergrund rückte. Aber sie war die Legitimation für sein unbeirrtes und unbeirrbares Engage- ment. Unbeeinflusst von politischem Kalkül oder Karrieredenken galt sein Bemühen ausschließlich dem Ort, der sein Leben bestimmt hatte, der Be- wahrung, Erforschung und Vermitt- Oens der Geschichte des Vernichtungs- lagers. Im Laufe der siebziger und achtzi- ger Jahre wurde Tadeusz S2ymanski zu einem der wichtigsten Gesprächspart- ner für junge Menschen, die vor allem aus der Bundesrepublik Deutschland, aber auch aus vielen anderen Lãndern nach Auschwit? kamen. Er war immer präsent, half jedem Bitt- und Frage- steller, und wenn abends die Gedenk- stätte ihre Pforten schloss, wurde die Diskussion in Tadeus?s Wohnzimmer fortgesetzt. Er war Auskunftsstelle und Ratgeber der Nachgeborenen am Ort des Unvorstellbaren. Wie vielen Menschen er geholfen hat, sich der Geschichte von Auschwitz zu stellen, und wie viele er motiviert hat, das The- ma»Auschwitz« nicht mehr aus den Augen zu verlieren, ist nicht quantifi- zierbar. Allerdings hatte er ein gutes Ohr für falsche Töne; wem Auschwitz Selbst?weck war, leistete er keine Un- terstũtzung. Es war nur folgerichtig, dass Ta- deus? Szymanski zu einem leiden- schaftlichen Verfechter der Idee einer internationalen Jugendbegegnungs- stätte in Auschwit? wurde. Als im Jahr 1980 nach jahrelangen politischen Kämpfen der Grundstein gelegt wer- den konnte, war er stolꝰ und glücklich. Die Errichtung des Hauses begleitete er bis zum letzten Moment. Mit wie vielen Gästen des Hauses er noch ins Gespräch kam, bevor die Krankheit allem ein Ende setzte, wissen wir nicht. Wir wissen aber, dass heute in vielen Ländern Menschen leben, deren Den- ken und Handeln durch Tadeusz Szy- manski mit geprägt wurde. Sie tragen seine Hoffnungen und Ideen weiter. Zu seinem 85. Geburtstag wünsche ich ihm von ganzem Herzen, dass er heute die Erinnerun- gen an seine Freunde in seinen inneren Bil- dern bewahrt und die Schreckensbilder des Vernichtungslagers verblasst sind. 2002 erschien bei Zei- chen der Hoffnung das Buch Tadeusz Symanski, Verlier die Hoffnung nicht —— und Iade(um 190) bei ei-· ¶BN30221 706. nem Rundgang mit einer Studiengruppe im Stammlager. I5N 034430570. 10 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Als zweiter Teil der Reihe Das Buch der Erinnerung“ sind kürzlich fünf Bãän- de über die Deportationen aus der Region Krakau nach Auschwitz erschienen. wie beim ersten Jeil(Deportationen aus Warschau) hat die Lagergemeinschaft das Projekt finanziell unterstützt. „Das Buch der Erinnerung“ Schicksale von mehr als 18.000 Deportierten wurden dokumentiert Am 16. September 2002 wurden in Krakòw die neuen fünf Bände aus der Reihe Das Buch der Brinnerung“ vorgestellt. Vor zwei Jahren waren drei Bände erschienen, die den Peporta- tionen aus Warszawa und Umgebung nach Auschwit? gewidmet sind. Die jetzigen 5 Bände enthalten Namen von 17.000 Polen, 768 Juden, 97 Ukrai- nern, 84 Russen, 17 Tschechen, 118 Zi- geunern und eines Belgiers, die in den Jahren 1940— 1944 aus Krakéw und anderen Ortschaften Südpolens nach Auschwitz deportiert wurden. Auschwitzhäftling Nr. 6804, Herr August Kowalczyk, skizzierte bei der Prãsentation kurz die historische Situa- tion, in der sich Polen im September 1930 befand. Sämtliche Schulen waren von den Deutschen geschlossen wor- den, zahlreiche Jugendliche organisier- ten sich im Untergrund, viele Polen ver- suchten das Land über die sogenannte grüne Grenze“(Slowakei, Ungarn) zu verlassen, um sich der durch den Gene- ral Sikorski in Frankreich gegründeten Armee anzuschließen. Viele von diesen Patrioten wurden gefaßt und später nach Auschwitz gebracht. Im weiteren Verlauf der Veranstal- tung unterstrich der ehrenamtliche Vor- sitzende der Gesellschaft Zur Betreuung von Auschwitz(TOnO), Herr Kazi- mierz Albin, Auschwitzhäftling Nr. 118, die Bedeutung der von TOnO initiier- ten Reihe Das Buch der Erinnerung“ und erinnerte daran, dass die durch Dr. Franciszek Piper geleitete Arbeit an diesem Vorhaben schr aufwendig war und vieler verschiedener Mittel bedurf⸗ te. Auch Herr Albin betonte die Bedeu tung und Wichtigkeit von solchen Pu- blikationen, welche die Erinnerung an die Ermordeten weiter lebendig halten. Herr Dr. Piper, das leitende Mit- glied der Arbeitsgruppe, die das Mate- rial bearbeitete, erlãuterte, dass neben den Lebensdaten und Schicksalen der Deportierten die fünf᷑ Bãnde auch vie- le Dokumente und etwa 3000 Bilder enthalten. Etwa 3000 der aus Krakau deportierten Hãftlinge überlebten das KI(2725 wurden in Auschwitz oder in anderen Kl befreit. 20 sind geflohen, 251 wurden entlassen). Man kann also annehmen, dass die übrigen etwa 15.000 Häftlinge im KI. Auschwitz oder nach der Uberführung in andere Konzentrationslager gestorben sind. Die Arbeit an dem Krakaue Buch der Prinnrung“ dauerte drei Jahre und wurde von einer Grup- pe von 25 Historikern und Dokumen- tararbeitern des staatlichen Museums Auschwitz ausgeführt. Geplant sind weitere Publikationen über Deportie- rungen nach Auschwitz aus anderen Regionen Polens wie auch über die jů⸗ dischen Opfer des Holocaust. Teilwei- se sind diese Arbeiten bereits begon- nen worden. Tadeus? Sobolewicz (Zusammenfassung seines Berichtes von der Buchvorstellung) Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 11 Wiedersehen mit KZ-Aufseherin Maria Mandel Erinnerungen von Stanislawa Rachwal übersetzt aus dem„Buch der Erinnerung“ von Elæbieta Stamm Jeder Häftling im Konzentrations- lager träumte davon, irgendwann als Genugtuung für sein Leiden seine Peiniger zu treffen, verhaftet, ge- nugtuung, als ich sie gebückt, auf den Knien, mit einem nassen Lappen die Fliesen des Gefängnisbodens schrub— bend, Ssah. Vor großer Freude ist mir demütigt. Er ist frei und sie warten auf die GOon verdiente Strafe, erfüllt mit Angst, ver- zweifelt, resigniert. Das Schicksal er- füllte unerwartet mei- ne Erwartungen und ich hatte tatsächlich die Gelegenheit, sogar die Hauptpersonen der SSMannschaft des Konzentationslagers Muschwitz zu treffen— wobei ich selbst wieder Hãftling war. Natürlich waren die Gründe mei- fast die Luft wegge- blieben, gleichzeitig aber habe ich dem Schicksal vorgeworfen, dass es gerade mir pas- S( Als zum Tode Ver- urteilte wurde ich in ei- nen oberen Stock ver- legt, wo ich in Einsam- keit auf Begnadigung oder Tod wartete. Und neben mir waren wie- der Maria Mandel und die ehemalige Aufse- herin Therese Brandl und sie warteten auch ner Verhaftung ganz Hãftlingsfoto von Stanislawa(). Diese Nachbar- andere, als die durch Kachwal die SS. Ich war wegen meiner politischen Tätigkeit in den 6 1945/1 046 verhaftet worden, in inem neuen Zeitabschnitt in der Ge- schichte unserer Nation, in einer Zeit voller widersprüchlichen Meinungen und Iaten. Als ob die Verhaftung selbst nicht genug wäre, sah ich im Dezember 1946 im Montelupich-Gefängnis in Krakow die ehemalige Oberaufseherin aus dem Frauenkonzentrationslager Aus- chwitz-Birkenau Maria Mandel, die zusammen mit der Oberaufseherin des Frauenkonzentrationslagers Ravens- brück Binz den Fußboden im Gang wusch. Es war für mich eine große Ge- (ihre Nummer war 26281). Auschwit?- Schaft war für mich schwierig, ich spürte die Unruhe der beiden ehemaligen Aufseherinnen durch die Wand. Ich konnte mit einer Begnadigung rech- nen und sie eher nicht(..). Sie wußten doch, was sie erwartet, was erlebten sie? Dachten sie, dass es richtig ist, oder konnten sie nicht begreifen, dass sie von oben so tief gefallen sind? Dachte die Mandel, dass sie diese Welt genau so verlassen soll wie eine von Tausenden dieser erbärmlichen Hãäft- linge? Meine Anwesenheit mußte in ihnen den Gedanken wecken, dass sie wegen eines solchen Wesens wie ich, sterben müssen. Hinter der Wand konnte ich ihre Schritte hören, hin und 12 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer zurück, hin und zurück, und jeder Schritt brachte sie näher an das Ende des Lebensweges. Der nächste Tag sollte mir die Antwort auf die mich be- wegende Frage geben und diese Ant- wort Sollte wieder nur ich bekommen- vom Schicksal gewählt vom Schick- Sal, das mich auf dem schmalen Ge- fängnispfad mit Mandel zusammen- brachte. Am Nachmittag wurde ich zum Baden aufgerufen und als mich die Abteilungsaufseherin fragte, ob ich mit den Beiden gehen würde, antwor- tete ich mit Ja. Mein alter starker Pro- test schien mir in unserer gemeinsa- men Situation ohne Bedeutung mehr. Mandel und Brandel gingen vorne und ich hinter der Aufseherin. Im Ba- deraum stellten sie sich unter die Du- schen auf der mir gegenüber liegen- den Seite. Die Aufseherin ließ das Wasser laufen und von jemandem ge- rufen, ging sie weg und schloß die Türen hinter sich. Die ehemalige Oberaufseherin Maria Mandel auf der Anklagebank beim Prozeß in Krakau 1947. Das warme Wasser lief an mir herunter, ich fühlte mich wohl entspannt, gleichzeitig aber begann ich langsam, die Angst zu spüren und durch das laufende Wasser und den dichten Dampf ließ ich nicht die Augen von den Frauen. Es war ein bizarres Bild, die beiden und ich, drei einge- sperrte Wesen aus einem ehe- maligen Vernichtungslagei Eine von ihnen damals die höchste Obrigkeit, und ich, ein Häftling, grauer Staub und Asche. Und nun alle auf einer Stufe, angesichts des To- des und doch so verschieden in ihrer Schuld. Plötzlich ver- nahm ich, dass sie sich mir langsam nãherten. Mandel ging vorne, Brandl hinter ihr. Die alte Angst be- herrschte mich durch und durch, ich stand erschrocken und ratlos, und sie gingen auf mich zu durch diesen ne- beldicken Dampf und durch die aus den Duschköpfen fließenden Wasser- strahlen, nackt und naß und dieser Au- genblick schien mir eine ganzes Jahr- hundert zu dauern. Mein Gott, flüsterte ich ratlos, was wollen sie noch von mir.. Und 4 ehemalige Oberaufseherin Marie Mandel aus dem Frauenkonzenrati- onslager Birkenau blieb zwei Schritte von mir entfernt stehen, nackt, klein, demütig, aus ihren Augen flossen Strõme von Trãnen und sie sagte lang- sam, mit großer Mühe nach Luft schnappend, aber deutlich:“ Ich bitte um Verzeihung“— hinter ihr stand Brandl, sie weinte krampfhaft und Sprach auch etwas. Alle alten Auschwitzer Träume über Revanche und Rache zerplatz- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 13 ten im Nu, verschwanden, wurden un- wichtig. Diese tragikomische Situati- on im Baderaum, dieses Ausmaß an Schuld und Macht und dieser menschliche Fetzen, den das Gefühl seiner eigenen Schuld zermalmt und der angesichts des Todes einen ehe- maligen Häftling um Verzeihung bit- tet.. Das Gefühl der Erbarmung, Traurigkeit, Verzeihung tötete meine Seele, ich weinte zusammen mit ih- en, ich beweinte das Geheimnis des menschlichen Herzens, das nach so vielen Verbrechen, nach dem Verlust jeglicher Menschlichkeit, den Weg der Sühne gefunden hatte. Ich ergriff ihre ausgestreckte Hand und erwi- derte Ich verzeihe in Häftlings na- me“(wortgetreu übermommen aus dem polnischen Jext d. 0). In diesem Augenblick kam die Abteilungsauf— scherin zurück und blieb überrascht stehen. Sie verstand, dass etwas unge- wöhnliches passiert war und sagte kein Wort. Wir gingen in die Zellen in derselben Reihenfolge wie vorher. Die Aufseherin ließ die zwei Frauen in die Zellen reingehen, im letzten Moment drehten die beiden ihre Köpfe nach mir und und lächelten. Mandel sagte auf Polnisch laut und deutlich nur ein Wort- Panke“. Ich habe sie nicht mehr gesehen. EFinige Tage später wurden sie hinge- richtet. Nach einer Zeit wurde ich begna- digt und ich kehrte langsam wieder zum Leben zurück. Legalisierter Raub Ausstellung über die fiskalische Ausplünderung der Juden in Hessen Die Ausstellung„Legalisierter Raub-Der Fiskus und die Ausplünde- rung der Juden in Hessen 1933— 1945“ (Frit?-BauerInstitut und Hessischer Rundfunk; siehe Mitteilungsblatt 1/2002, S. 18) wird vom 6. Dezember bis zum 28. Januar in Marburg in der M niersitatsbibliothek. Wilhelm Böp- keStraße 4, gezeigt. Zur Ausstellung und dem Begleitprogramm gibt es ein Informationste lefon: 06421— 2821321. (Siche auch: wwwfritz-bauerinstitut. de /ausstellungenlegalisierterraub. htm) Am 4. Februar 2003 wird die Aus- stellung dann in Gießen, Alte Uni-Bi- bliothek, Bismarckstraße 37, eröffnet. Unter anderem spricht Karl Starzacher (SPDD), der 1998 als hessischer Finanz- minister die Behörden angewiesen hat. nach Unterlagen zur fiskalischen Aus- plũnderung der jũdischen Vermõgen zu suchen. Auch in Gießen gibt es ein Be- gleitprogramm. Ielefon 0641— 19433. Zur Vor und Nachbereitung eines Ausstellungsbesuches haben Dr. Klaus- Konrad- Tromsdorf und Nadja Kuhl ei- ne Mappe mit Arbeitsmaterialien und Bearbeitungsvorschlägen für Schulen, studentische Arbeitsgruppen, Ge- schichtsvereine und Finanzbeamte zu- sammengestellt. Sie ist für 9,80 Euro (gebunden oder LoseBlatt-Samm- lung) erhältlich bei: Bookexpress-Ver- lag Ielefon 06404 9490, Fax 90491, mail „info Qdruckwerkstatt-fernwald. de“ Auschwitz und ich Die Wanderausstellung„Auschwitz und ich“(Aschaffenburg) wurde in Wolfsburg gezeigt und ist wieder aus- leihbar(vww. auschwitz-und-ich. de). 14 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Neue Forschungsergebnisse und Erkenntnisse zu Vorgeschichte und Ablauf des legendärsten Häftlings-Aufstands im Vernichtungslager Auschwitz Birkenau, März 1943 Oktober 1944: von Andreas Kilian DER AUFSTAND DERVERLORENEN Teil 1: In tiefster Verzweiflung, tragischer Hijflosigkeit und ungebrochenem Uberlebensdrang Bereits in den ersten Veröffentli- chungen zum Thema Auschwitz wurde das Kapitel Widerstand mit besonderer Aufmerksamkeit behandelt. Inzwi- schen sind zahlreiche Monographien und Aufsätze über die Widerstands- bewegungen und maktionen im KL Auschwitz erschienen, die auch meist den Aufstand des jüdischen Sonder- kommandos vom 7. Oktober 1944 berücksichtigen. Jedoch wurde die Exi- stenz einer konspirativen jüdischen Widerstandsorganisation im Sonder- kommandol! gewöhnlich relativiert oder sogar verleugnet. Die Ursprünge und Aktivitãten der Widerstandsgrup- pen im Sonderkommando blieben weitgehend im Verborgenen, was ver- mutlich mit der Tatsache zusammen- hing, dass die Quellen zum Thema noch unerschlossen waren oder un- berücksichtigt blieben sowie die letz- ten Augenzeugen totgeglaubt wurden. Außerdem erklärte sich der dürftige Quellenbestand durch die Natur kon- Spirativer Arbeit. Den ersten Versuch, das Thema umfassend zu analysieren und darzu- stellen unternahm der wohl angese- henste und bekannteste Historiker jü- dischen Widerstands in Polen und Lei- ter des Jũdischen Historischen Instituts (ZIH) in Warschau, Ber Mark 10 1966). Ferner bemühten sich die Aus? chwitz- Uberlebenden und ehemaligen Untergrund-Aktivisten Israel Gutman (geb. 1923) und Erich Kulka(1911- 1995) vor allem in den S0er und in den 80er Jahren, das Thema zu bearbeiten. Ihnen schloß sich der nichtjüdische Auschwitz Uberlebende und Spanien- Kämpfer Hermann Langbein(1912 1995), der Leitungsmitglied der Inter- nationalen Kampfgruppe Auschwitz war, maßgeblich in den 70er Jahren an. Im Rahmen seiner Forschungen unternahm Kulka, der inzwischen Ehrenvorsitzender des israelischen Auschwitz-Kommitees geworden war, erstmals Anfang der 80er Jahre den Versuch, eine systematische Befra- gung ehemaliger Sonderkommando- Hãftlinge durchzuführen, wobei er 2 Uberlebende ausfindig machen konn- te. Bei einer Veranstaltung anläßlich des 40sten Jahrestages des Sonder- kommando-Aufstandes in Jerusalem gelang es Kulka erstmals, sieben Son- derkommando-Uberlebende zu ver- sammeln. Der Sonderkommando-Auf- stand wurde in Europa erstmals im Jahre 1984 einer breiten österreichi- schen und israelischen Offentlichkeit über Rundfunk, Fernsehen und Zei- zur Entwicklungsgeschichte und Historiographie dieses Häftlingommandos s A. Kilian in⸗ Mitteilungsblan der Lagergemeinschaſt Auschwite Freundeskreis 10. H.J 1090 5 979 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschvitzer 15 tungen bekannt gemacht. Zwei Jahre Spãter begann der Vad Vashem Mitar- beiter Gideon Greif(geb. 1951) seine Zusammenarbeit mit Kulka, um des- sen Forschungsprojekt langfristig fort- zusetzen. 1995 vereinbarten Greif, Kulka sowie Andreas Kilian(geb. 1974) die Zusammenarbeit an der er- sten Gesamtdarstellung der Geschich- te des jüdischen Sonderkommandos mit dem Schwerpunkt Aufstand. S0 gung überlebender Augenzeugen und der anschließenden wissenschaftlichen Auswertung die Vorgeschichte des Aufstands und die Gründe für dessen Scheitern erhellt werden. Dennoch blieb eine kritische Un- tersuchung, Finordnung, Bewertung und Darstellung der Breignisse des Sonderkommando-Aufstands und des- sen Hintergründe aus. Diese liegt nun mit der ersten Gesamtdarstellung der Gmen mit der systematischen Befra- Sonderkommando-Geschichte vor? Die Orientierungsphase Wenn Ihr am Leben veid, v0 werdet Ihr nicht wenige Werke lesen, die aus An- luß dieses Sonderkommundos geschrieben vein werden. Aber ich hitte Euch, mich niemals vchlecht zu beurteilen. Wenn es unter uns Gute und Schlechte gah S0 war ich hestimmt nicht unter den Letzteren. Ohne Furcht vor Risiko und Gefahr lat ich in dieser Epoche alles, was in meiner Macht lag, um das Schicksal der Un- glicklichen ⁊u mildern, oder politisch das wovon ich EFuch über mein Schicksal nicht vchreiben Kann, so daß mein Gewisen rein ist und ich um Vorabend meines Vodes vol⁊ daruufsein Kann. Brief von Chaim Herman(1901 1944):“ Birkenau, 6. November 1944. An meine Lieben, meine Frau und meine Tochter? Nach der Neugründung des Son- derkommandos am 9. Dezember 1942 soll die Aufnahme organisierter Wi- derstandsaktivitãten, die auf einen be- waffneten Häftlingsaufstand zielten, schließlich im Herbst 1943 eingeleitet worden sein. Doch schon einige Mona- te zuvor begannen einzelne kleine Mruppen im Sonderkommando Mög- lichkeiten in Erwägung zu ziehen, eine Revolte auszulõsen: der spontane An- schluß an eine Erhebung der Opfer, der Fluchtversuch oder die Rache an den grausamen Peinigern wurden an- gedacht. Gedanken an eine geplante Beteiligung an der Verhinderung einer bevorstehenden Liquidierungsaktion, die Zerstörung der Vernichtungs- anlagen und die Befreiung des Lagers entwickelten sich erst geraume Zeit SPpäter. Die Inbetriebnahme der vier neu- en Krematoriumsanlagen zwischen März und Juli 1943 leitete eine neue Epoche in der Geschichte des Sonder- kommandos ein. Für die in der Todesfabrik“ zwangsbeschäftigten Hãäftlinge bedeutete sie nicht nur eine Intensivierung des Arbeitsprozesses, sondern auch eine schrittweise Radi- kalisierung und Ausweitung der Ver- nichtung und Zuspitzung der Sonder- kommando-Tragòdie. Bevor sich Widerstand ernsthaft organisieren konnte, mussten sich die Häftlinge im Mikrokosmos Todes- 2 Pyic Fyiedler Barbaru Siebert und Andreus Kiliun,*Zeugen aus der Todeszone“ Pas ji- dische Sonderkommando in Auschwitz(416 Seiten, 35 Abb vowie eine neubearbeitete Karte, gebunden, Euro 25, 15BN 3934020 241). Verlag zu Klampen(wwwZiklampen. de), 2002. 16 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer zone und dem Alltag der Mordfabrik erst einmal orientiert haben. Dies war allerdings erst möglich, nachdem sie den ersten Zugangsschock überwun- den sowie den Leichenschock und schließlich die Finarbeitungsphase überstanden hatten. So konnten nach einiger Zeit die bestehenden Strukturen durch die EFin- weisung polnischer Juden, die bereits langjährige Erfahrung in kommunisti- scher Untergrundarbeit erworben hat- ten und am 4. März 1943 mit dem 49. Transport des RSHA aus Prancy ein- geliefert wurden, verbessert werden. Unter ihnen befanden sich zwei der zu- künftigen Anführer der Widerstands- be wegung im Sonderkommando, der 34 jährige Jankiel Handelsman und der 36 jährige Josef Wars?awski alias Do- rebus Sowie der 41jãhrige Chaim Her- man. Zu dieser Gruppe stieß der 31— jährige echemalige Spanien-Kämpfer und Untergrundaktivist Alter Feinsil- Alter Feinsilber(1911-1987), 1985(AP- MO, Nr.neg. fotogr. 21202/27) ber alias Jankowski, der am 19. Juli 1943 aus dem Krematoriumskomman- do im Stammlager zum Krematorium IV nach Birkenau verlegt wurde. Die politische Untergrundarbeit im Sonderkommando entstand schließlich durch die konspirative Vereinigung ein?elner aktivistischer Zellen. Zuerst organisierten sich Nationalitãtengrup- pen und innerhalb dieser Stãdtegrup- pen. Ota Kraus und Erich Kulka be- gründeten dies in ihrem 1946 veròich fentlichem Werk Die Todesfabrik“ mit der These, dass die einzige morali- sche Unterstützung der Juden die Zu- gehörigkeit zu einer Nationalitãt gewe- sen sei. Sie beantworteten in dieser übrigens ersten Veröffentlichung zum Thema Sonderkommando auch die Frage, warum die Häftlinge des Son- derkommandos nicht dazu in der Lage gewesen seien, sich geschlossen zu or- ganisieren, damit, dass die nationalen Sowie klassenmäßigen Unterschiede das Entstehen einer großen solidari- schen Gemeinschaft unmöglich ge- macht hätten. Alle Versuche, eine sol- che Gemeinschaft zu schaffen, seien immer wieder durch die andauernde Vernichtung der Hãäftlinge, durch den starken Zugang und durch die Uber. stellungen und Abgänge zerstört vorſy den. Die extremen Existenzbedingun- gen sowie der alltägliche gnadenlose Uberlebenskampf unter der Hãftlings- selbstverwaltung im Konzentrations- lager leisteten dazu einen weiteren und hedeutenden Beitrag. So war die Sterb- lichkeit im Sonderkommando noch bis zum Sommer 1943 relativ hoch. Die Zwangsarbeit an den provisorischen Vergasungsbunkern wurde von bruta- lem Jerror der S8. von Hunger, Durst und Krankheiten begleitet. Die Le- bensbedingungen sollten sich erst im Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 17 Mai 1944 soweit verbessern, dass sich Selbst die alten Hãftlinge körperlich er- holen konnten. Der Handlungsspiel- raum an Widerstandsaktivitãten war daher besonders in der Bunkerphase“ äußerst gering. Der erste aktive politische Organi- sator im Sonderkommando soll der Kapo in Krematorium I, der etwa 32 jährige litauische Lehrer Jaacov Ka- minski, gewesen sein. Er stand mit der eitung der Widerstandsgruppe im Stammlager Auschwitz in direkter Verbindung. Da er das Vertrauen der wachhabenden SS-Angehörigen ge- noß, gelang es ihm, unter den ver— schiedensten Vorwänden andere La- gerabschnitte zu besuchen. Mit Hilfe seiner Freundin Schmidt, die in der im Frauenlager befindlichen Beklei- dungskammer als Kapo beschäftigt war, konnten die ersten Verbindungen mit Häftlingsfrauen aus der Pulver- kammer der Weichsel-Union Metall- werke hergestellt werden. Diese Ver- bindungen konnten vom Sonder- kommando aus tatsãchlich nur von ei- nem bei der Ss und den Mithãftlingen gleichermaßen als Autorität aner- kannten Häftlingsfunktionär herge- Stellt werden. Dieser hatte schließlich Ooer die S8 auch Pinfluß darauf, wie- viel Bewegungsfreiheit dem einzelnen Hãftling ermõglicht wurde. So entstand ein enger privilegier- ter Kreis um Kaminski, der von den schweren Arbeiten ausgenommen wurde. Der gewöhnliche Häftling, der an den Gruben oder als Heizer an den Ofen arbeiten musste, war kör— perlich und geistig so erschöpft, dass er für die konspirative Planungsarbeit weder Zeit noch Energie übrig hatte. Kaminski wurde zum Oberkapo er- nannt und stand somit von Januar bis April 1944 in der Lagerhierarchie so- gar über den polnischen Funktions- häftlingen im Kommando. Die Widerstandsaktivitäten inner- halb des isolierten Sonderkommandos wurden folglich von den im Dezember und Januar eingewiesenen'alten“ er- fahrenen und einflußreichen jüdischen Hãftlingen aus Polen begonnen, denen sich franzõsische Häftlinge polnischer Herkunft anschlossen. Diese sowie ge- eignete Sprachkenntnisse waren vor allem für die Verbindung zur polni- schen Widerstandsbewegung hilfreich, aber auch verwandschaftliche Bezie- hungen konnten eine günstige Rolle spielen. So wurde etwa Noah Zabludo- wicz, der 24 jährige Cousin von Kapo Shlomo Kirs?enbaum, vom Stammla- ger Auschwitz über die Bauleitung tãg- lich nach Birkenau zur Arbeit kom- mandiert und konnte als Elektriker das Krematoriumsgelände betreten. Er war einer der Verbindungsleute zwischen dem Sonderkommando und der Kampfgruppe Auschwitz im Stammlager. Der einzige Häftling unter den acht nicht jüdischen polnischen Funk- tionãren im Sonderkommando, der in die konspirative Arbeit miteinbezogen wurde, war der etwa 28 jährige Kapo von Krematorium III, Wladyslaw To- miczek. Dieser hatte als ehemaliger Funktionär der Kommunistischen Par- tei Polens bereits eine politisch aktive Vergangenheit und stand daher ver- mutlich unter Beobachtung der politi- schen Abteilung. Nachdem er 1941 in das Krematoriumskommando im Stammlager als Heizer eingewiesen wurde, gelang ihm kurze Zeit später der Wechsel in die Arbeitskommandos Mühle und Fleischerei, in denen er sich an konspirativen Aktivitäten be- 18 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer teiligt haben soll, woraufhin er 1943 verhaftet, wochenlang verhört und Schließlich zum Tode verurteilt wurde. Kurz vor seiner Erschießung wurde er vom Leiter der Lagergestapo, SSUn- terscharführer Maximilian Grabner wiedererkannt und am 3. April 1943 ins Krematoriumskommando Il über- Stellt. Als Kapo in Krematorium III konnte er spãter das Vertrauen seiner jüdischen Kameraden gewinnen, wel- che ihn in ihre konspirative Arbeit einweihten. Eine längere und nutz- bringendere Zusammenarbeit wurde allerdings dadurch verhindert, dass Tomiczek vermutlich noch im August 1043 erneut verhaftet und anschlie- Bßend ermordet wurde. Wladyslaw Tomiczek(um 1918— 1943), erkennungsdienstliche Häftlingsaufnahme, Kl Auschwitz 1941(APMO). Spontane Hilfsaktion und gescheiterter Widerstand Die empirischen Kenntnisse der Sonderkommando-Häftlinge von Ex tremsituationen bestimmte die Stra- tegie ihrer Planungen: Gescheiterte Fluchtversuche oder Angriffe von zur Vergasung bestimmten Opfern auf SSAngehörige waren nicht zu unter- schätzende Erfahrungswerte für die traumatisierten Hãftlinge. Sie zogen aus diesen eindrucksvollen Aktionen ihre Konsequenzen und richteten ihre Kampftaktit danach aus, die Schwachstellen ihrer Unterdrücker aufzudecken und das Reaktionsver- mõgen der SSPosten und SSFührer zu studieren. Uberliefert wurden seit der Ein- berufung des Sonderkommandos vom 9. Dezember 1942 bis zur Ein— stellung der Vernichtungsaktionen am 25. November 1944 lediglich fünf Fälle dramatischen und spekta- kulären Widerstands der Opfer. Außergewöhnliche und extreme Er- eignisse dieser Art haben sich im Ge- dächtnis der Uberlebenden nachhal- tig eingeprãgt. Sprachen sich im Kom- mando und zum Teil auch in anderen Lagerbereichen rasch herum oder wurden von den Chronisten im Son- derkommando dokumentiert und der Nachwelt als Kurzerzählung Aus dem Herzen der Hölle“ hinterlassen. Der erste Fall spielte sich wahrz scheinlich im Februar 1943 vor Bun ker 2 ab: Fin junger unbekannter Mann, der aus dem Ghetto Bialystok deportiert wurde, verwundete einige S8Posten mit Messern und wurde schließlich beim Versuch zu flüchten erschossen. Einen nachhaltigeren Eindruck auf die Entwicklung der Aufstandspläne und auf das Bewußt- sein der Hãäftlinge hinterließ die von mehreren Zeugen beschriebene Tö- tung des Rapport und SSOberschar- führers Josef Schillinger sowie die Verwundung des SSUnterscharfüh- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 19 rers Wilhelm Emmerich im Entklei- dungsraum von Krematorium I am 23. Oktober 1943. Vermutlich handel- te es sich bei der Attentãterin um eine junge Tänzerin namens Lola Horo- wit? oder Franziska Mann, die mit et- wa 2500 weiteren polnischen Juden vom Hotel Polski in Warschau als Geisel und Austauschhäftling in das als Sonderlager“ bezeichnete Famili- enlager nach Bergen-Belsen depor- iert und von dort am 21. Oktober 1943 mit etwa 1750 Männern, Frauen und Kindern des Warschauer Trans- ports in das KK Auschwitz geschickt wurde, wo sie alle vergast werden sollten. Man hatte diesen Menschen ursprünglich eine Reise in ein Lager bei Dresden vorgetäuscht, so dass es bereits nach der Ankunft einen ersten Aufruhr auf der Selektionsrampe gab. Danach beeilte sich die S8, sie etap- penweise mit LKKW auf das Kremato- riumsgelãnde zu verbringen und nach Frauen und Mãnner auf die Kremato- rien I und II zu separieren. Nachdem die Schüsse der Attentäterin gefallen waren, begannen Frauen mit Flaschen und anderen Gegenständen nach den SS-Posten zu werfen. Dies hatte ein Massaker an den noch nicht in der Gammer befindlichen Opfern zur Folge und führte den anwesenden Sonderkommando-Hãäftlingen, die in dieser Situation selbst nur knapp dem Tod entgingen, vor Augen, dass be- stenfalls auch die Täter Verluste hin- nehmen mussten, aber das von den „Endlösern“ beschlossene Schicksal der Opfer, nämlich ihre restlose Er- mordung, nicht verhindert werden konnte. Drei weitere Fälle fanden während der sogenannten Ungarn- Aktion am 25. und 28. Mai 1944, so- wie im Juni 1944 statt und betrafen Fluchtversuche auf dem Gelände von Krematorium IV sowie den Ausbruch ungarischer Juden aus einer unzurei- chend verschlossenen Räumungstür einer Gaskammer im Krematorium IV. Andere Fälle vom Widerstand der Opfer gingen deshalb nicht in die Ge- schichtsschreibung ein, weil sie früh— zeitig verhindert wurden. So geschah es mehrfach, dass aufgebrachte und kampfentschlossene Opfer von Schicksalsgenossen aus den eigenen Reihen zurückgehalten und vorsätz- lich getäuscht wurden. Die Verräter versuchten mit ihrem Verhalten zu er reichen, sich selbst und ihre Familie von der Ermordung auszunehmen. Sie wurden jedoch ausnahmslos liqui- diert. Der bekannteste Fall betraf ver- mutlich Anfang September 1943 ei— nen Transport aus Przemysl, als einige Jugendliche und Angehörige der Ghettopolizei ihre Peiniger mit Mes- ser angreifen wollten. Am Beispiel dieser vorsätzlichen Vereitelungen von Revolten wurden die Sonder- kommando-Häftlinge somit letztlich auch mit allen Formen mensch- licher Schwächen konfrontiert und in ihrem Denken und Handeln verunsichert und beeinflußt. Diese Breignisse belehrten das Sonderkommando, sich unter keinen Umstãnden an individuellen und ver- zweifelten Aktionen des letzten Au- genblicks zu beteiligen. Die quãlende und brennende Hilflosigkeit führte zu tiefer Verzweiflung und unsäglichem Leid unter denjenigen Häftlingen, die Menschenleben retten wollten, aber dazu keineswegs in der Lage waren. Die ursprüngliche Bereitschaft zu spontanen Hilfs- aktionen wurde da- durch schließlich gebrochen, da die 20 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Aussicht auf einen erfolgreichen Aus- gang dieser Verzweiflungstaten zwei- felhaft war. Auch wurde der Gedan- ke, die Opfer nach ihrer geheimen Aufklärung über das ihnen bevorste- hende Schicksal in die eigenen Auf- standsplãne einzubeziehen, bald ver- worfen. Die Transporte waren Unsi- cherheitsfaktoren, die zielsicheres und schlagkräftiges Vorgehen verhin- dert hätten. Es darf hierbei nicht außer Acht gelassen werden, dass die Vergasungsopfer in der Mehrzahl aus nach der Deportation und Selektion innerlich aufgewühlten und stark be- sorgten sowie verängstigten Alten, Kranken, Schwachen, Frauen und Kindern bestanden, die letztlich mit ihrem Eintritt in die Todes?one nicht mehr zu retten waren. Das Tor zum Krematoriumshof bedeutete bereits die Schwelle zum Tod. Eine anonyme Masse von Menschen, die von Inter- essengegensätzen., Hilf- und Orientie- rungslosigkeit geprägt war, konnte ein vorbereiteter Aufstandsplan nicht überzeugen oder mitreißen, er konnte nur zur Panik und zu unkoordinier- ten, nicht näher einschätzbaren Reak- tionen führen. Die Wehrhaftigkeit der vor der Vergasung Stehenden war in der Regel äußerst gering. Ein weiterer wichtiger Aspekt war der Widerstandswille. Selbst verhafte- te Widerstandskämpfer, die kurz vor ihrem Tod standen, verhielten sich, den Zeugnissen Uberlebender zufol- ge, passiv indifferent und apathisch. Sie erblickten keinen weiteren Sinn in einem Kampf. Die Machtlosigkeit betãubte sie. Der let?te Gang erfahre- ner Partisanen, die zum eil jahrelang mit hoher und ungebrochener Moral den bewaffneten Kampf führten, de- motivierte die Widerstands-Bestre- bungen der Sonderkommando-Häft- linge. Wenn in einer Gruppe von bis zu 150 Mann Partisanen der Reihe nach zur Erschießung geführt wurden und sich in vollem Bewußtsein des Bevorstehenden dennoch nicht zur Wehr setzten, was konnte man dann von den Hãftlingen erwarten, die tãg- lich Zeugen dieser unausweichlichen Vernichtung wurden und die zittern- den Opfer noch während der Liqui- dierung festhalten mussten? Dieses Bild einer indifferenten Masse prägte das Verhalten der Son- derkommando-Häftlinge entschei- dend und doch lähmte es sie nicht dauerhaft. Die erfahrenen und mi- litärisch geschulten Untergrundkämp- fer im Sonderkommando waren sich der Todeskandidaten-Psychologie be- wußt und waren daher nicht bereit, das Risiko einzugehen, eine unkon- trollierbare und hoffnungslose Masse in ihre Planungen miteinzubeziehen. Godel Silber(geb. 1921), Aufn. Kilian 1993 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 21 Schließlich ging man in den Uber- legungen dazu über, konkrete Flucht- plãne zu entwickeln, die einen Mas- senausbruch aus der Todes?zone im Alleingang ermöglichen sollten. Zu diesem Zweck mussten Kontakte über andere Widerstandsgruppen im Lager zu Partisanen in der Umge- bung geknüpft werden, um eine aus- reichende Unterstützung, Versorgung und versteckte Unterbringung nach Gen Ausbruch zu gewährleisten. Aber auch an dieser Stelle muss er— wähnt werden, dass stets nur ein Bruchteil der Häftlinge zur Flucht be- reit war, denn schlußendlich handelte es sich dabei um ein selbstmörderi- sches Unternehmen, das dem indivi- duellen Selbsterhaltungstrieb wider- sprach. Vermutlich noch Ende 1943 wurden in diesem Zusammenhang mit zahlreichen lagerinternen Wider- standsgruppen konspirative Verbin- dungen aufgenommen sowie Vertrau- enspersonen gesucht und angewor- ben. Mit diesen ersten praktischen und umfassenden Tätigkeiten einer organisierten Widerstandsgruppe im Sonderkommando wurde die Grund- lage ge schaffen, einen umfassenden nd radikalen Aufstand in Erwãgung 5 ziehen, welcher wiederum mit den allgemeinen Aufstandsplänen der polnischen Widerstandsbewegungen einher ging. Durch Beziehungen zu konspirati- ven Gruppen in anderen Lagerab- schnitten wurden zudem Möglich- keiten geschaffen, über Verbindungs- kanãle Stichwaffen sowie Spreng und Schußwaffen-Bestandteile ins Sonder- kommando zu schmuggeln. Die Ar- beitskommandos Zerlegebetriebe, Hãftlingsküche und Effektenlager so- wie einzelne Zivilarbeiter waren Quel- len dieser Versorgung. Für den Trans- port einzelner Materialien sorgte un- ter anderem ein Häftling aus dem Kommando Schlosserei, der mit einem der Chronisten im Sonderkommando befreundete 23 jährige Godel Silber. Seine gleichaltrige Freundin Roza Ro- bota, die in der Bekleidungskammer beschäftigt war, erhielt wiederum das Schwarzpulver von verschiedenen Ku- rieren aus den Union-Werken und übergab es, so wie auch einige andere Häftlinge, Zilber zur Weitergabe an das Sonderkommando. Als bedeuten- der Kurier und Informant fungierte auch der als Elektriker eingesetzte 33¹ jährige Häftling Henryk Porebski, der wichtige Informationen von seiner in der Aufnahmeabteilung der Lagerge- stapo beschäftigten 25 jährige Freun- din Zippy Spitzer erhielt. Fluchtpläne und Repressalien Noch vor dem Gedanken an einen bewaffneten und zerstõrerischen Auf- stand war ein allgemeiner Fluchtplan in Erwägung gezogen worden, der letztlich aber nur in individuellen Fluchtversuchen einzelner mündete, die dem gegenwärtigen Forschungs- Stand zufolge ausnahmslos scheiterten. Die Betreffenden waren von einer er- folgreichen Massenflucht nicht über- zeugt, hatten sie doch den Ausgang des Plans ihrer Vorgänger von anderen Häftlingen berichtet bekommen, der die Liquidation des gesamten Kom- mandos am 9. Dezember 1942 zur Fol- ge hatte. Finzelne versuchten schließ- lich auf eigene Faust durchzukommen, um vor einer ungläubigen und nicht 22 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer hilfsbereiten Weltöffentlichkeit aus dem Zentrum der Massenvernichtung ein authentisches Bild und glaubhaftes Zeugnis ablegen zu können. Doch von den mißlungenen Ergebnisen dieser Fluchtversuche konnten sich die ande- ren Hãftlinge in den meisten Fãllen da- durch überzeugen, daß die Leichen der ergriffenen Kameraden zur Abschre- ckung im Männerlager zur Schau aus- gestellt wurden. 80 beteiligte sich Anfang Januar 1944 der vermutlich 35 jährige ehema- lige Angehörige der französischen Fremdenlegion und Aktivist einer fran- zösischen Widerstandsorganisation., Daniel Obstbaum, der Vorarbeiter in Krematorium IIl war, gemeinsam mit dem Sonderkommando-Hãäftling Ma- jorczyk und zwei franzõsischen Juden polnischer Herkunft an einer der be- kanntesten Fluchtaktionen in der La- gergeschichte. Als Funktionär im Son- derkommando gelang es ihm, Wert- sachen zu organisieren, mit denen S8- Angehörige bestochen werden sollten. Die Hãftlinge wurden jedoch dabei be- trogen und nach der Abgabe ihrer Wert- Sachen hinterhältig erschossen. Da Obstbaum in der Wahrnehmung der S8 ein Vertrauenshãftling war und das Sonderkommando durch den Zu— gang zu Wertsachen ohnehin ein sicher- heitspolitischer Risikofaktor war, wur- de der Fall Zu einem Skandal für die S8. der noch schwerwiegende Konsequen- zen nach sich zichen sollte. Die politi- sche Abteilung, die das Sonderkom- mando ohnehin unter ihre direkte Aufsicht gestellt hatte, beraumte dar- aufhin zum erstbesten Zeitpunkt eine Selektion an. Die Teilliquidation im Sonderkommando fand schließlich am 24. Februar 1944 statt: 200 Hãäftlinge wurden zu einem Uberstellungstrans- port in das KI Majdanek in Lublin aus- gesondert und dort nach ihrer Ankunft ermordet. Gewißheit über diese Liqui- dation erlangte das Sonderkommando erst zwei Monate Spãter, als mit einem Transport aus Majdanek das dort aus 19 sowjetischen Kriegsgefangenen und dem oberschlesischen Kapo Karl Kon- voent bestehende aufgelõste Kremato- riumskommando eintraf. Deren An- kunft und Berichte bestätigten die Vermutung der Sonderkommandc Häftlinge, da die Sowjets Kleidungs- stücke der auf Transport geschickten Kameraden trugen und mit den Opfern kurz vor deren Ermordung noch ge- Sprochen hatten. Der Neuzugang führ- te unter den alten Hãftlingen zu der Be⸗ fürchtung, von den sowſetischen Gefangenen in naher Zukunft abgelöst zu werden. Doch sollte sich die spãtere Zusammenarbeit sowohl als nützlich wie auch problematisch erweisen. Diese nicht jũdischen Soldaten(an- deren Quellen zufolge sollen sich unter ihnen drei Juden befunden haben) wur- den aufgrund ihrer militärischen Aus- bildung und wegen ihres Iemperaments von der Ss gefürchtet und daher zur be⸗ Sonderen Kontrolle und Verhinderung konspirativer Aktivitãten separiert un auf drei Krematoriumsanlagen verteil Anfangs wurden sie im freien Promi- nentenblock Bl. Z des Mãnnerlagers B II d untergebracht, von wo sie mit ihren Landsleuten aus anderen Kommandos Kontakte knüpfen konnten, so auch zu Sprengstoffexperten und Feuerwer- kern, wie dem Sowjetoffizier Borodin, die vpãter für den Bau der selbstgefer- tigten Handgranaten verantwortlich wurden. Bis auf die sechs Vornamen Gregor. Iwan, Ljubaska. Luka, Nikolai und Viktor konnte nur der Familienna- me Malinkow überliefert werden. ——— Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 23 Geplante Hilfsaktion: Die Tragõdie des Theresienstädter Familienlagers“ Nach dem Besuch des Leiters des Judenreferats IV Bd im RSHA, S8- Obersturmbannführer Adolf Fich— mann, am 29. Februar 1944 in Auschwitz wurde das Theresienstãdter Familienla- ger im Lagerbauabschnitt B IIb auf des- sen Anweisung am 8. März 1944 liqui- diert. Hãftlinge des Sonderkommandos, elche von der beabsichtigten Liqui- dierung bereits einige Tage zuvor Kenntnis erlangten, versuchten Kon- taktleute innerhalb des Familienlagers vor der bevorstehenden Aktion zu war- nen und einen Aufstand der Todeskan- didaten zu erwirken. Der Obercapo im Sonderkommando, Jaacov Kaminski, 70g sogar in Erwägung, sich im günstigs- ten Fall mit seinem Kommando einem Aufstand anzuschließen und das Uber- raschungsmoment sowie die Kampf- handlungen auszunutzen, um einen Massenfluchtversuch zu wagen. Die Schlosserei im Birkenauer Mãnnerlager B IId wurde unter der Lei- tung von Erich Kulka und Ota Kraus zum Verbindungszentrum zahlreicher Hãftlingsgruppen der internationalen deene Verbin- ngsmann vom Sonderkommando war der 2Vjährige Landsmann Filip Müller. Von der Schlosserei aus sollte der konspirative Informationsdienst die notwendigen Vorbereitungen in Zu- sammenarbeit mit der Widerstands- gruppe im Familienlager treffen. Doch die Mission scheiterte, als alle War- nungsversuche und Aufstandsbestre- bungen sich als vergeblich heraus- stellten. Der Selbstmord des 28jäh- rigen prominenten und beliebten La- gerältesten im Familienlager, Fredy Hirsch, der den improvisierten Auf- stand auslõsen und anführen sollte und die unerwartet widerstandslose Ver- nichtung von 3.800 Männern, Frauen und Kindern, die bis zuletzt von der 88 erfolgreich getäuscht wurden und nicht wirklich an ihre Vernichtung glauben wollten, waren die Folge. Die Zurückhaltung des Sonderkom- mandos in diesem Fall beruhte aber auch auf einem grundlegenden Mißver- stãndnis. Dieses lag wohl darin begrün- det, dass Sowohl das Sonderkommando als auch die Opfer gleichermaßen nicht dazu in der Lage waren, den ersten Schritt zu wagen, dafür aber eine illuso- rische Erwartungshaltung an die jeweils andere Partei hatten und folglich ver- geblich auf ein Signal warteten. Die er- ste große Gelegenheit für eine potenti- Erich Kulka alias Schön(1911-1995) vor der Schlosserei-Baracke in B IId, 1947 (Privatfoto) 24 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer elle Widerstandsaktion des Sonder- kommandos war somit verloren. Dies führte, dem 35 jährigen Chronisten und Augenzeugen Salmen Gradowski zu- folge zu einer starken Desillusionie- rung der Sonderkommando-Hãftlinge. Der Mißerfolg und tragische Aus- gang der Planungen lag vowohl darin begründet, dass sich die Widerstandsor- ganisation des Familienlagers bis zu diesem Breignis noch nicht mit den konkreten Vorbereitungen auf einen bewaffneten Aufstand auseinanderge- Setzt hatte, als auch in der Iatsache, dass die Privilegien und der Sonderstatus des Familienlagers zum Hindernis für seine Bewohner wurden, ihre eigene Ver- nichtung in Erwãgung zu ziehen, 80 wie die Privilegien des Sonderkommandos den aktiven Widerstandswillen der Son- derkomando-Hãftlinge schwächten und lãhmten. Das Ereignis der Selektion vom 24. Februar 1944, die erschütternde Hilflo- sigkeit angesichts der Liquidation des Theresienstädter Familienlagers“ am 8. März 1044 und das Scheitern der un- vorbereiteten Widerstandsaktion sowie die Mitte April 1044 gewonnene Ge- wißheit über das Schicksal des halben Zerstõrung und Befreiung: Der erste Aufstandstermin) Die zahlreichen Transporte aus Un- garn und aus den von Ungarn annek- tierten Gebieten führten im Vernich- tungslager Birkenau im Mai 1944 zu einer neuen und bisher nicht gekannten Dimension der Vernichtung. Eine Auf- stockung des Sonderkommandos war erforderlich. Letztlich wurde es mehr als vervierfacht, was wiederum aus po- litischen und organisatorischen Grün- den die Durchführung von Aufstands- plãnen erschwerte. Die Neuzugänge waren in der Regel zu paralysiert und S im Februar 1044 deportierten Sonder- kommandos, waren die ausschlagge- benden Gründe für die Planung eines bis ins Detail durchorganisierten und strukturierten bewaffneten Aufstands, der eine Aussicht auf᷑ Erfolg bieten soll te. Sie stärkte die Entschlossenheit der Hãftlinge zur großen Tat. Das Ausbleiben großer Deportati- onswellen und die Tatsache. dass die S8 bereits mit der Liquidierung von Hãft- lingslagerabschnitten begann, führte? der berechtigten Befürchtung, dass das Sonderkommando mit Beendigung der Vernichtungsaktionen restlos beseitigt würde. Nur außerhalb der Phasen pau- Senloser Mordaktionen hatten die Hãft- linge zudem die Mõglichkeit sich zu or- ganisieren und effektive Vorbereitun- gen zu treffen. Solange Vernichtungs- transporte im Lager eintrafen, war das Sonderkommando in den Augen der S8 erhaltenswert, die Finstellung der De- portationen würde ihr Ende besiegeln. Mit einem gut vorbereiteten Aufstands- plan beabsichtigte man schließlich ei- nem passiv hingenommenen Ende durch Selektion zuvorzukommen und im Kampf die Selbstachtung zu bewah- ren. orientierungslos, als dass sie kompeten- te und ernstzunehmende Mitglieder in militärischen Planungskreisen hätten sein können. Im Rahmen der Lagersicherheits- politik und aus Organisationsgrũnden. vor allem aber im Hinblick auf die per- manent benötigte Verfügbarkeit der Sonderkommando-Hãftlinge innerhalb der Todes?zone, wurde nahezu das ge- samte Sonderkommando von den Io- lierblõcken Bl. 11 und 13 innerhalb des Mãnnerlagers B Il d in die drei Sicher- 1— Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 25 * 1 * Henryk Tauber(1917-1999) und Shlomo Dragon(1922-2001) vor der Entlausungs- kammer im Fffektenlager Kanada I“. Auf- nahme der sowjetischen Untersuchungs- kommission in Auschwitz, März 1948. heitszonen der vier Krematorien über- Stellt und auf den Dachbõden der Kre- matorien I und II sowie im Entklei- dungsraum des außer Betrieb stehen- den Krematoriums I untergebracht. Das bis zu diesem Zeitpunkt im äftlingsblock des Männerlagers ge- Sammelte Material an Waffen musste nun in einem neuen sicheren Versteck in den Hãftlingsunterkünften innerhalb der Krematoriumsgebäude unterge- bracht werden, da der ungehinderte Zu- gang im Notfall gewährleistet sein mus- ste. Diese Funktion konnte nur ein Häftling aus dem inneren Kreis der Hãftlingsunterkunftsverwaltung über- nehmen, der vor Ort das Versteck über- wachen konnte und anderen Hãftlingen die konspirative Arbeit im Block er- mõglichen würde. Diese Aufgabe über- nahm in Block 13 wie auch anschlie- ßend in Krematorium IIl die ganze Zeit ũber der Stubendienst Shlomo Dragon. Mit der Durchführung der»Un- garn Aktion“ war die Schonfrist des Sonderkommandos vorläufig garan- tiert, andererseits gelangte das Sonder- kommando physisch und psychisch an die Grenzen der ohnehin stark strapa- zierten Belastbarkeit. Die Durch- führung eines Aufstands war, den Zeug- nissen der Sonderkommando-Hãftlinge zufolge, daher nun auch verstärkt mit dem Gedanken verbunden, dem Mas- senmorden und folglich auch dem eige- nen Leiden endlich ein Ende zu berei- ten, den Vernichtungsbetrieb aufzu— halten, die Vernichtungsanlagen zu zer- stõren und somit mõglicherweise zehn⸗ tausende Menschen vor dem Tod zu be⸗ wahren. Der eigene Tod wurde in diesen Planungen mit einkalkuliert. Die Tod- geweihten hatten nunmehr weniger die eigene Rettung im Sinn, denn die war aufgrund der Kräfteverhältnisse im größten nationalsozialistischen Kon- zentrations und Vernichtungslager auf dem Gebiet des Großdeutschen Rei- ches s0 gut wie aussichtslos. Erhärtet wird diese Annahme durch den Bericht des Chefs des WVHA, S8- Obergruppenführer Oswald Pohl, an den ReichsführerSS Heinrich Himmler vom 3. April 1944, in dem er die Siche- rungsmaßnahmen im KK Auschwitz analysierte und auf den Ernstfall eines Aufstands einging. Aus dem Bericht geht hervor, dass man im Fall eines Auf- stands oder Massenausbruchs mit etwa 34.000 beteiligten Häftlingen aus Aus- chwitz und Birkenau rechnen könne. Die 18.000 kranken oder invaliden Häftlinge der beiden Lager sowie die 15.000 Hãäftlinge der Nebenlager wür- den nicht als potentielle Gegner mitein- 26 Lagergemeinschaft Auschwit?-Freundeskreis der Auschwitzer gerechnet. Für Auschwit? und Birkenau stünden 2.300 SS-Angehörige, für die Außenlager weitere 650 S8 Männer zur Verfügung. Insgesamt würde die Regi- on Auschwitz bis Mitte April 1944 von 4.080 Mann und einer unbestimmten Anzahl von Wehrmachtsangehörigen abgesichert. Doch führte das traumatische Erle- ben der' Ungarn-Aktion“ im Sonder- kommando zu der verbreiteten Uber- zeugung und dem Bedürfnis, sich definitiv mit Gewalt zur Wehr zu set- zen. So steuerten die Führer der Unter- grundbewegung innerhalb des Sonder- kommandos in den folgenden Wochen Systematisch darauf zu, einen mõglichst optimalen Aufstandsꝰeitpunkt Zu er- mitteln. Auf den folgenden Aktionsab- lauf hatte man sich bald geeinigt: Die konkret überlieferten Aufstandspläne Sahen vor, Zuerst um vier Uhr nachmit- tags die 10 bewaffneten SSPosten auf dem Gelãnde der Krematorien Zu tõten und sich ihrer Waffen zu bemächtigen um damit eine Stunde später die 20 Mann starke und mit automatischen Waffen ausgestattete Wachablösung der Postenkette auf dem Weg?u den wachtürmen zu überfallen und zu be- seitigen sowie danach mit den erbeute- ten Waffen die ebenso starke Posten- kette selbst Zu liquidieren. Der betreffende Zeitpunkt wurde ferner gewählt, weil um diese Uhrzeit gewöhnlich die Arbeitsaußenkomman- dos in das Lager einrũckten und die an- deren Hãftlinge somit die Mõglichkeit gehabt hätten, sich an einer Aktion zu beteiligen, ihre geringe Begleitbewa- chung zu überwãltigen und zu entwaff- nen. Außerdem hãätten nach einer Mas- senflucht um diese Uhrzeit die Such- aktionen der Sð mit Einbruch der Pun- kelheit einige Stunden später aus Si- cherheitsgründen abgebrochen werden müssen und vermutlich die Chancen der Hãftlinge erhöht. zu den in der Um- gebung operierenden Partisanen voru- dringen um von diesen Unterstũtzung zu erfahren. Parallel zur Liquidierung der Pos- tenkette sollten die in den anderen La- gerbauabschnitten befindlichen Ver- bündeten., vor allem aber die im Pffek- tenlager und in der Zentralsauna akti- ven Widerstandskãämpfer ihre Bew⸗ cher ausschalten und sich mit den Son derkommando-Hãftlingen zusammen- schließen, um im gesamten Lager die SSAngehörigen außer Gefecht?Zu setz- ten, die Stacheldrãhte der Lagerbauab- schnitte zu durchtrennen und weitere Fluchten zu ermöglichen, die Unter- kunfts- und Magazinierbaracken in Brand zu setzten vsowie die Krematori- en und die Zentralsauna in die Luft zu sprengen. Als allgemeines Startsignal für den Kampf in anderen Lagerbereichen wurde mit allen Gruppen eine gewalti- ge Explosion in der Sauna abgespro- chen. Neben der Zerstörung der Ver- nichtungsanlagen sollte also folglich nicht nur das Leben potentieller tod- geweihter Neuzugänge, sondern auch das Leben der Hãftlinge durch Befre ung gerettet und ein allgemeines Cha- os aus- gelöst werden. Dieses hãätte mõglicherweise auch einer kleinen An- zahl von»Geheimnisträgern“ die Flucht aus der Mordfabrik ermögli- chen können. damit sie als einzige Au- genzeugen aus dem Innern der Todes- maschinerie vom Massenmord in Auschwitz-Birkenau berichten wür- den. Diese Wunschvorstellungen hiel- ten die Sonderkommando-Hãäftlinge mitunter am Leben und ließen sie das tãgliche Leid'inmitten des grauenvol- ⸗.— c.— 8 — oce c——— Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 27 len Verbrechens“ ertragen und durch- halten. Nach der Finstellung der Massen- transporte aus den Gebieten Ungarns vom 11. Juli 1944 wurde der erste Auf- standstermin auf Freitag, den 28. Juli 1944 festgelegt. Bis dahin kam es noch am 19., 23. und 27. Juli zu vier Verga- sungsaktionen, an fünf weiteren Tagen wurden ferner Gruppen von bis zu hun⸗ dert Personen im Krematorium er— hossen. Während also einerseits auf- Zrund der geringen Beschäftigung im Vernichtungsbetrieb die Gelegenheit zur Aufstands-Planung günstig war, trat andererseits konsequenterweise die be⸗ rechtigte Befürchtung der eigenen Er- mordung in den Vordergrund. Die 874 kõpfige Sonderkommando-Belegschaft war nun zu zZahlreich im Verhältnis zur anfallenden Arbeit. Man befürchtete zu Recht, dass das volle Kommando von der SSLagerführung nicht weiter er- halten werden würde und eine Mor- daktion bevorstand, da die Hãftlinge als Geheimnistrãger“ nicht in andere Ar- beitskommandos ũberstellbar waren. Nach Bekanntwerdung des Befehls der SSLagerverwaltung vom 15. Juni 1944, die arischen Häftlinge in das eichsinnere zu überstellen, Sowie nach 5 Liquidierung des Familienlagers, den zahlreichen Selektionen innerhalb der Lagerabschnitte und dem vorlãufi- gen Finstellen der zur Vernichtung be- stimmten Massendeportationen, deute- te alles auf eine;Liquidierung? des La- gers und zuvor auf die schrittweise Be- seitigung der Sklaven der Todesfabrik hin. Das Voranrũcken der Sowjetarmee machte die Finstellung des Vernich- tungsbetriebs absehbar. Mit der Zer- Stõrung der Todesfabrik würde auch das Sonderkommando, das untrennbare In- ventar der Todesfabrik, untergehen. Die Terminierung des Aufstandes auf den 28. Juli 1944 ergab sich wahr- Scheinlich kurzfristig und nach dem Be- kanntwerden der Befreiung des Kl. Majdanek vom 24. Juli 1944. Das Son- derkommando setzte sich damit von den Plänen und Anordnungen der in- ternationalen Widerstandsbewegung im Lager ab, welche weiterhin an ihrer Hinhaltetaktik festhielt und einen gün- stigeren Frontverlauf abwarten wollte. Die Führung der Widerstandsgruppe im Sonderkommando ignorierte alle Einwãnde mit der Begründung, dass sie unter einer akuten Todesgefahr stünde. Sie erkannte gleichzeitig die realistische Möglichkeit zu einem erfolgverspre- chenden Aufstand und wollte nicht län- ger abwarten. Nachdem der eingeweih- te Kreis und die Führungskräfte alle notwendigen Vorbereitungen getroffen hatten, wurden weitere vertrauens- würdige Hãftlinge eingeweiht. Es ist al- lerdings Zzu bezweifeln, dass alle Son- derkomando-Hãftlinge oder auch nur die Mehrheit von ihnen eingeweiht war. Vermutlich blieb weiterhin nur eine Minderheit von schätzungsweise eini- gen Dutzend Männern informiert, die die Gruppen anführen und kurz vor dem Ausbuch der Aktion instruieren Ssollten. Da die Interessengegensät?ze auch in einem so isolierten und schick- Salsvereinigten Arbeitskommando wie dem des Sonderkommando erheblich waren, besonders angesichts der psychi- Schen und physischen Belastung die un- ter den Häftlingen des Sonderkom- mandos herrschte, war die begründete Gefahr des Verrats und Boykotts er- heblich. Die Informationspolitik der Untergrundführer musste sich vorlãufig auf᷑ wenige zuverlãssige Kameraden be- grenzen, und erst einen Tag vor dem festgeset?ten Iermin konnten alle Auf- 28 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer standswilligen und Fãhigen eingeweiht und ausgerũstet werden. Da der letzte Todeszonen-Zugang vom 27. Juli einen Evakuierungstrans- port aus dem Zwangsarbeiterlager Pustkow mit vermutlich 1237 ausgeson- derten Menschen betraf, musste in der Wahrnehmung des Sonderkommandos davon ausgegangen werden, dass in Zu- kunft noch andere Arbeitslager liqui- diert würden und der Arbeitseinsatz in den Krematorien wieder erhöht wer- den würde, was wiederum die Auf- standsmõglichkeiten eingeschränkt hät- te. Da die Vernichtungstransporte vor ihrer Ankunft in den Krematorien stets angekündigt werden mussten, um de- ren Betrieb vorzubereiten, legten die Führer der Widerstandsbewegung im Sonderkomanndo am 27. Juli, nach dem Ausbleiben der Voranmeldung, noch am 27. Juli den Termin definitiv auf neun Uhr abends also eine Stunde vor Fin⸗ bruch der Dunkelheit- des folgenden Tages fest. Der letze Verbindungsmann bestätigte den Termin am 28. Juli um zwei Uhr nachmittags. Doch die am frũhen Nachmittag er- folgte überraschende Ankunft eines Bvakuierungs-Transportes aus dem Kl. Majdanek, welcher aus 837 Häftlingen bestand und von einer ungewöhlich starken und aus SS-Posten und Wehr- machtsangehörigen bestehenden Irans- portbegleitung eskortiert wurde, mach- te die gewissenhaften Aufstandsplanun- gen der Sonderkommando-Häftlinge unmittelbar vor ihrer Realisierung zu- nichte. Dadurch dass es sich bei dem Iransport um einen der Krematoriums- verwaltung unangekündigten reinen Zugangstransport handelte, erklärt es Sich, warum das Sonderkommando von dessen Ankunft nicht vorab informiert vurde und die Aktion notgedrungen im letzten Moment abgesagt werden mus- ste. Da die Aufstandsplãne sich auf die in der benachbarten Zentralsauna und im Effektenlager beschäftigten Hãftlin- ge erstreckten und der Transport in die als Zone“ bezeichnete Sauna geleitet wurde, war die Gefahr eines Massakers an den vorlãufig zum Leben bestimm- ten Menschen zu groß. Die todesmutigen Sonderkomman- do-Hãftlinge, die bereits võllig desillu- sioniert an ihre eigene Rettung ni mehr glaubten, nahmen noch im letzteñ Augenblick Rücksicht auf die ahnungs- losen Neuankõmmlinge. Die Aktion musste aber auch deshalb abgesagt wer- den, weil man mit der überraschend neuen Situation võllig ũberfordert war, doch die Plãne waren nun bereits einem grõßeren Kreis der Hãftlinge offenbart worden und in Gefahr, verraten zu wer- den. Die Aufregung und Enttäuschung aller Eingeweihten war extrem, die Ner- ven bis zum Außersten angespannt. Der Chronist und Leitungsmitglied der Wi- derstandsorganisation im Sonderkom- mando, der 26 jährige Salmen Lewent- hal, beschrieb die Stimmung in diesen tragischen Momenten sehr ein- dring- lich und die Vorahnung der Männer treffend:' Um die Wahrheit zu beken nen, vo haben unsere Leute einfach weint, da vie wußten, dass man eine sol- che Aktion nicht außchieben darß weil Sie vonst nicht so ausgefihrt wird, wie man sie geplant hatte.“ In der nãchsten Ausgabe des Mittei- lungsblauts wird Andreas Kiliun über die Vorbereitungen für den zweiten Auf. vrandstermin berichten und wie vich da- hei hittere Enttäuschung, blanke Wut und die reine Hoffnungslosigkeit letzt- lich in einem Konflikt entluden, der di- relt in die Kauustrophe führen vollle. —— —— Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 29 Die verkürzte Sichtweise des Ex-Staatsministers Ludger Volmer von Piethardt Stamm Schon seit mehreren Jahren denkt die Lagergemeinschaft Auschwitz dar- über nach, wie einerseits in der Bevl- kerung und insbesondere bei jungen Menschen ein Interesse für die Thema- k Nationalsozialismus“ und Ausch- 6 geweckt werden kann und wie andererseits in diesem Zusammenhang neue Konzepte langfristig auch ohne Zeitzeugen realisiert werden kõnnen. Dazu hat die Lagergemeinschaft Auschwitz pãdagogisch-organisatori- sche Konzepte entwickelt und partiell erprobt Giehe u. a. Mitteilungsheft Nr. 1/2001). Es sollte unstrittig sein, dass neue Arten der Begegnung mit Polen und auch andere Zugänge zu Ausch- witz als im Kontext zu sehende Anlie- gen notwendig sind und zunehmend wichtiger werden. Sollen derartige Uberlegungen von einer kompetenten und langjãhrig erfahrenen Institution wie der Lagerge-meinschaft Auschwitz nachhaltig umgesetzt werden, so be- darf es einer politisch gewollten Start- Ufe. Hierzu bietet sich am besten eine ftung an, da deren Kapital die lang- fristige ·Verfügungsmasse ist, von de- ren Zinsen die laufende Arbeit finan- Ziert wird. Dementsprechend gab es im Früh- jahr 2001 inhaltliche und organisatori- sche Absprachen mit der Leitung im Museum Auschwitz, dem Vorstand zur Betreuung von Auschwitz(TOnO) in Warschau, dem polnischen Außenmini- Ster Wladyslaw Bartoszewski und der polnischen Botschaft in Berlin. Auch das Hessische Landesinstitut für Pã- dagogik(HeLP) befaßte sich einver- ständlich in einem Lehrerlnnensemi- nar mit der Materie. Alle Institutionen und Personen waren von der Konzeptanalyse der La- gergemeinschaft Auschwitz überzeugt. nach der sich'traditionelle“ Fahrten nach Auschwitz insbesondere für junge Personen aus Deutschland, nicht mehr ausschließlich an den unmittelbaren Gegebenheiten des Lagers orientiert. Auschwitz wird in einen Zusammen- hang mit Polen gestellt werden. Es soll ein Konzept von võlkerverständigen- den, õkonomischen, politischen, sozia- len und kulturellen EFlementen vermit- telt und nachhaltig verinnerlicht wer- den. So wurde es am 21.07.01 in einem erläuternden Brief dem damaligen Staatsminister im Auswärtigen Amt Dr. Ludger Volmer mitgeteilt. Der Direktor des Museums und der Gedenkstätte Auschwitz Jerzy Wroblewski schrieb parallel, dass es neu und bedeutsam sei, wenn es der Lagergemeinschaft gelingt, für allge- meine Themenstellungen die Schnitt- Stellen zu Auschwitz zu finden“. Weiter formulierte er sein großes Interesse am Aufzeigen von Auschwitz in unter- schiedlichen Lebensbereichen. Hier- zu bedarf es auch des Fxperimentes“ stellte er fest. Ahnlich äzußerte sich der Vorsitzen- de der Gesellschaft zur Betreuung von Auschwitz Kazimierz Albin. Wir sind auch der Meinung, dass man das Anlie- gen der Lagergemeinschaft Auschwitz erproben und evaluieren soll. Erfah- rungen aus praktisch durchgeführten Begegnungen in Polen können immer 30 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwit?er wieder zu Konzeptanpassungen füh- ren“ schrieb er in einem umfassenden Brief. Auch in der Presse konnte man das Statement des damaligen polnischen Außenministers Wladyslaw Bartos?e- wki nachlesen: Das Besondere ist die Vermittlung des heutigen Bildes der Pepublik Polen als zukünftiger EU- Nachbar an junge Menschen in Deutschland. Geschichtlich bedingt ist Auschwitz bei diesem Bild immer ein Mitbestandteil“ Angesichts der Vielfalt der ermuti- genden Schriftstücke und auf der Grundlage zahlreicher eindeutiger Aufforderungen erhob die Lagerge- meinschaft Auschwit? die Forderung nach Bereitstellung eines Stiftungska- pitals. In seinem Antwortschreiben vom 09. 11.01 fand Dr. Ludger Volmer das vorgelegte Konzept'ungewöhn- lich und deshalb interessant?. Und wei- ter: Es ist sicherlich von großer Wich- tigkeit, auch Menschen., die sich bislang nicht ausführlich mit der Geschichte der nationalsozialistischen Verbrechen auseinandergesetꝰt haben, für die Be- schäftigung mit diesem auch für die Zukunft wichtigen Thema zu gewin-— en Dr. Volmer schrieb allerdings auch einen kritischen Satz: Es gibt aber auch Punkte in dem Konzept. die mich noch nicht überzeugen“. Daraus resul- tierte der Vorschlag nach einer weite- ren Abstimmung mit einschlägigen In- stitutionen. In einem weiteren Schrei- ben vom 12.06.02 münzte Dr. Volmer allerdings auch den Wunsch des Mu- seums Auschwitz nach'Experimen- ten“ in erkennbaren'Zweifel in den polnischen Stellungnahmen“ um. Die- ses Verdrehen des polnischen Wun- sches mußte dann für eine weitere Feststellung herhalten, nämlich, er sehe keine Möglichkeit angesichts der wei- terhin angespannten Haushaltslage für die Bereitstellung eines Betrages“ ein- zutreten. Daraufhin wurde die Zusammen- kunft vieler Delegationen aus der ganzen Welt anläßlich der Tagung des Internationalen Auschwitzkomites im Frühjahr 2002 genutzt und das Kon- Zept der Lagergemeinschaft breit dis. kutiert. Der Präsident des Komite Noach Flug hielt in Jerusalem ansch- ließend das Ergebnis fest. Wörtlich: Wir sind von dem Konzept sehr be⸗ eindruckt, da es neue Wege zur Er- schließung von Auschwitz beinhaltet. Gerade wir ehemaligen Häftlinge mõchten alle Wege beschreiten, um das Gedenken an Auschwitz aufrechtzuer- halten. Dazu gehören auch die von Ih- nen ausgearbeiteten ungewöhnlichen Schritte, die aber bald zu einer Norm werden könnten“. Am 21.08.02 wurde Dr. Volmer mit diesen Ergebnissen schriftlich konfron- tiert und auch darauf᷑ hingewiesen, dass die Lagergemeinschaft für eine Grup- pe von Abiturienten der Bettina Schu- le. Gymnasiasten in Frankfurt am Main, eine Studienfahrt nach Ausch witz vorbereitet, organisatorisch gleitet und entsprechend den Zielvor- stellungen der LGA konzipiert und ausgewertet habe. Eine weitere Gruppe, bestehend aus Historikern, Lehrern, Therapeuten Sowie Mitarbeiterinnen und Mitarbei- ter aus Verlagswesen und Unterneh- mensberatung, war einige Wochen spã- ter ebenfalls in Auschwitz und Krakau. Beide Polenfahrten“ wurden jeweils auf᷑ die spezifische Interessenlage und den Vorkenntnissen der Teilnehmer abgestimmt. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 31 Mit diesen beiden Fahrten hat die LGA einen überzeugenden Beweis er- bracht, dass sich das vorgesetzte Kon- Zept zur Verknüpfung der Themenfel- der Auschwitz, Jugendbegegnung, Oko nomie, Okologie, Geschichte, Eu- ropa, Tourismus auch praktisch be- währt. Selbstverständlich müßten weitere Gruppen nach Auschwitz fahren kön- nen, um die Möglichkeiten, die das A Konzept bietet, auf breiterer Er- fahrungsgrundlage auswerten zu kön- nen. Dazu aber fehlen einem ehren- amtlich tãtigen Verein, der ausschließ- lich durch Spendengelder finanziert wird, die Mittel. In demselben Schreiben an den da- maligen Staatsminister im Auswärtigen Amt wurden auch weitere mögliche Missverstãndnisse ausgeräumt und ab- schließend geklärt. Dr. Volmer wurde zu einem Entscheid über das Einbrin- gen des Stiftungskapitals noch vor der Bundestagswahl am 22.09.02 aufgefor- dert. Figentlich hätte es umgehend zu einem positiven Entscheid und zur so fortigen Arbeitsaufnahme kommen können. Erst Wochen nach der Wahl ließ Dr. olmer dann die Katze aus dem Sack. U. 10.02 teilte er mit, dass eine ge- nerelle Verknüpfung der Themenfel- der Auschwitz, Jugendbegegnung. Okonomie, Okologie und Tourismus problematisch“ sei. Auf das Angebot der Lagergemeinschaft Auschwitz nach einer Diskussion mit Kompro- missergebnissen im Auswärtigen Amt ging er nicht ein. Vielmehr stellte er weiter fest: Grundsãtzlich erscheint es mir nicht notwendig, zum Zweck der Heranführung jüngerer Menschen an das Thema Auschwitz eine neue Stif- tung ins Leben zu rufen“. Der über ein Jahr geführte Schrift- wechsel sollte nach der Bundestags- wahl plõtzlich Makulatur sein und die Mitteilung Wie Sie wissen, Schäãtze ich das Engagement der LGA sehr hoch ein“, ausgerechnet am Jahrestag der Reichspogromnacht 2002 übermittelt, klingt wie Hohn. Endgültig auf den Arm und nicht ernst genommen fühlt man sich aber bei den weiteren Aus- führungen. Geeignete Projekte kön- nen aus Mitteln der Bundesstiftung Prinnerung, Verantwortung und Zu- kunft“ gefördert werden“ teilt der Mi- nister mit. Die Lagergemeinschaft Auschwitz hatte sich aber ausdrũcklich schon vor einem halben Jahr in einer von ihr organisierten Veranstaltung mit dem Leiter der Stiftung Günter Saathoff sachkundig gemacht. Danach schließt die Satzung der Berliner Stif- tung klar eine Mittelverwendung für die gewünschten Anliegen der Lager- gemeinschaft aus. Lediglich Zeitzeu- genbegegnungen können bezuschusst werden. Die Lagergemeinschaft möch- te aber neue Konzepte jetzt schon er- proben, die auch dann noch funktio- nieren, wenn leider keine Zeitzeugen mehr am Leben sind. Ein merkwürdiger und radikaler Tonwandel kommt in einem weiteren Satz des Staatsministers Dr. Volmer zum Ausdruck. Er verweist auf die Task Force for International Coope- ration on Holocaust Education, Re- membrance and Research“, die sich als politisch-diplomatischer Schirm zur Unterstũtzung internationaler Initiati- ven im Bereich der Bildung und For- schung über den Holocaust“ verstün- de. Dabei ist Dr. Volmer zuversicht- lich, dass mit Initiativen wie dieser das befürchtete Erlahmen einschlägiger Interessen insbesondere bei Jugendli- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer chen wirksam vermieden werden kann“. Entweder hat Dr. Volmer die An- liegen der Lagergemeinschaft Ausch- witz nicht zur Kenntnis genommen, oder er hat schlecht kaschiert, dass ihm die einmalige Ausgabe für ein Stif— tungsgrundkapital nicht paßt. Auf die- Ser Basis haben aber die Lagergemein- schaft und deren Anliegen nicht ein gan?es Jahr lang Zuckerbrot und dann nach der Wahl die Peitsche verdient. Weder das Internationale Auschwitz- kKomitee noch das Museum in Ausch- witz oder das polnische Außenministe- rium sowie TOnO, die sich alle in die- ser Sache so deutlich engagiert und geäußert haben, kann man s0 abspei- sen. Mõglicherweise hat dieses Verhal- ten mit dazu beigetragen, dass Dr. Vol- mer in den Koalitionsverhandlungen nach der Bundestagswahl nicht erneut ernannt wurde. Dies bedeutet dann ei- ne Wiedergutmachungschance für die Nachfolgeschaft. Die Lagergemein- Schaft Auschwitz wird der Bundesre- gierung diese Chance geben, aber auch unmißverständlich darauf hinweisen, dass man nicht gewillt ist, Auschwitz wahltaktischen Gegebenheiten oder Sondermeinungen einzelner Personen auszuliefern.“Wir haben uns bislang publizis tisch zurückgehalten, hoffen auch weiterhin auf die Einsicht verant- wortlicher Personen, aber wenn es nq wendig ist, stellen wir auch eine geeig nete Offentlichkeit her“, so die einhel- lige Meinung im LGAVorstand. Die Lagergemeinschaft wird sich nun erneut an die zuständige Kabi- nettsperson wenden, um die Angele- genheit im Sinne von Auschwit? weiter voran zu bringen. Mitglieder und Freunde der Lagergemeinschaft sind aufgerufen, ihre Kontakte Zu Regie- rungskreisen zu nutzen. Bei einer Veranstaltung der Lagergemeinschaft Auschwit? berichtete am 3l. Ok- tober Ernst Klee in Bad Nauheim über Wissenschaftler, die an Medizinverbre- chen beteiligt waren oder von diesen profitierten. Einige machten Karriere am Kerckhoff-Institut und anderen Sanatorien in der Wetterauer Kurstadt. Medizinverbrechen: Die Hofierung der Täter- Die Missachtung der Opfer Seit mehr als zwanzig Jahren schreibt Ernst Klee über Medizinver- brechen im Dritten Reich und deren Verharmlosung nach 1945. Briefe mit dem Halbsatz eigentlich müsste ich Sie verklagen“ bekam er häufig. Nichts Neues also, dass im Vorfeld sei- nes Vortrages im Bad Nauheimer Café König über die Hofierung von NS-Tätern und die Missachtung der Opfer von medizinischen Verbrechen nach 1945 sowie über die Verstrickung von renommierten Institutionen wie der Deutschen Forschungsgesellschaft und der Max-Planck-Gesellschaft(als Nachfolgerin der Kaiser- Wilhelm-Ge- sellschaft) von einem Vertreter eines in der Wetterauer Kurstadt ansãssigen Instituts angekündigt wurde, dass man sich eine juristische Uberprüfung vor- behalte, wie Albrecht Werner-Cordt von der Lagergemeinschaft Auschwit?z Freundeskreis der Auschwitzer bei der Begrüßung anmerkte. Der„glänzende Rechercheur“ Ernst Klee so eine Charakterisierung — —— — des Historikerkollegen Götz Aly— blieb nie im Allgemeinen, hat immer Ross und Reiter genannt und musste noch nie einen Rückzieher machen. Seine Bücher- zuletzt„Auschwitz, die NSMedizin im Dritten Reich. Karrie- ren vor und nach 1945 haben eine Gesamtauflage von mehr als 500.000 Exemplaren erreicht, wie Walter H. Pehle vom 8. Fischer Verlag ausführte. Auch in Bad Nauheim wirkten vor und nach 1945 einige der NS-Täter, die im Widerspruch zu ihrer ärztli- n Verpflichtung, menschliches eid zu mindern, bedenkenlos mit Menschenversuchen ihre persönli- chen Karrieren vorantrieben und sich als Förderer der NSVernichtungsm- dedizin zur Verfügung stellten. Der SS-Arzt Aribert Heim im KZ Maut- hausen Hunderte von Juden„abge- SPritzt“. 1947/48 spielte er beim Vfl. Bad Nauheim Fishockey und arbeite- te in Friedberg als Assisten?arzt. Spã- ter praktizierte er in Süddeutschland und kam 1962— vermutliche nach ei- nem Tipp aus der Justizverwaltung- durch Flucht seiner Verhaftung zuvor. Der„Erbstatistiker“ Siegfried Köhler war bis 1940 in Bad Nauheim am Kerckhoff-Institut beschäftigt. „Medizin im Dritten Reich bedeutete immer auch Selektion“, zog Klee, der h ein Standardwerk über Euthana- sie und die Vernichtung des so genann- ten„unwerten Lebens“ geschrieben hat, eine bittere Bilanz. Die NS-Herr- scher waren bei weitem nicht die Ver- führer des medizinischen Personals, das die Vernichtung betrieb, vielmehr kursierten alle Ideen über„Erbge- Sundheit“ und„Rassehygiene“ bereits lange vor 1933. Das NS-Regime bot den Medizinern dann etwas, was viele Schon lange gefordert hatten: Sie konn- ten Menschen aus der Psychiatrie und den Konzentrationslagern als Ver- suchspersonen„verbrauchen“. Die „Forschungen waren bewusst und von vornherein auf den Tod der Opfer aus- gerichtet. In Bad Nauheim leitete Fanz Voll- hard ein Sanatorium. Er war nicht Mitglied der NSDAP und konnte so für„Kollegen“ die„Entlastungsgut- achten“ schreiben. Er war vor 1933 Freimaurer und wurde deshalb nicht in die Partei aufgenommen, war je- doch Mitglied in der Nationalsoziali- stischen Volkswohlfahrt und„fõörden- des Mitglied der SS“. Auch hat er an einer Tagung teilgenommen, bei der offen über die Menschenversuche re- feriert wurde, wie Ernst Klee recher- chierte. An einer solchen Tagung haben auch Otto Gauer und Rudolf Thauer teilgenommen, die ab 1954 am Kerck- hoff-Institut arbeiteten, Thauer gar als Direktor. Vor 1945 hatte er unter an- derem für die Luftwaffe„an Men- schen selbst und an Hunden ohne Narkose“„geforscht“ und bei Publi- kationen die Herkunft seiner Ver- suchspersonen verschwiegen. Bad Nauheim gedenkt seiner mit dem „Rudolf-ThauerWeg“ eine Verhöh- nung der Opfer, wie nicht nur Ernst Klee sagt. Hans Hirschmann Der Artikel erschien am 4. 11. 02 in der Nordausgabe der Frankfurter Neuen Presse 58. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz-Birkenau Gedenkveranstaltungen: Die verweigerte Entschädigung Montag, 27. Januar 2003, 19 Uhr Historisches Museum, Römerberg, Frankfurt am Main „ vund dann blieb ich in Frankfurt“ Kurzbiografien unserer Ehrengäste(ehemalige Häftlinge von Konzentationslagern und Nazi-Gefängnissen) „ wird hiermit abgelehnt“ Erich Schaffner liest aus„Entschädigungs“ Akten Musik: Solisten des Philharmonischen Orchesters der Roma und Sinti Zur Verfolgung und Vernichtung der Roma und Sinti Sonntag, 26. Januar 2003, 17 Uhr Historisches Museum, Römerberg, Frankfurt am Main Berichte von Uberlebenden Zeugen aus der Todeszone Dienstag, 21. Januar 2003, 19 Uhr Ton- und Bildstelle. Rechneigrabenstraße 10, Frankfurt am Main (Nãhe Konstablerwache/ Börneplat?) Das jüdische Sonderkommando in Auschwitz Vortrag von Andreas Kilian (Andreas Kilian hat?usammen mit Eric Friedler und Barbara Sie bert vor we- nigen Wochen das gleichnamige Buch im Verlag zu Klampen verõffentlicht.) Veranstalter: Lagergemeinschaft AuschwitzFreundeskreis der Auschwitzer und Arbeitsgruppe Ausgegrenzte Opfer Frankfurt/Main AFT AUSCHWITZ AUSCHMTZ ER AUSCFHWTZER 0 Farbkarte 113 Mitteilungsblatt, Dezember 2002