LAGERGEMEINSCHAFT AUSCHWITZ AUSCtME FREUNDESKREISKREIS DER AUSCHWITZER 21. Jahrgang, Heft 1 Mitteilungsblatt, Juni 2001 Inhaltsverzeichnis Seite Vor der Auslöschung 2 Fotografien gefunden in Auschwit? Architektur des Verbrechens. Das Gebäude der Zentralen Sauna“ in Birkenau Die Innengestaltung der ehemaligen„Sauna“* Thematische Konzeption Konzept zur Verknüpfung der Themenfelder Auschwitz, Jugendbegegnung, õkonomie, Okologie und Tourismus 14 Zehn Präambelthesen S Aufgaben und Ziele des Staatlichen Museums Auschwitz 17 Von Franciszek Piper(Oswiecim) Gedenkbuch der Krakauer Auschwitztransporte 22 Neues Projekt von TOnO und dem Auschwitz- Museum Saul K. Padover: Lügendetektor 24 Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/1945 Adolf-Moritz-Steinschneider-Archiv 25 Nachrichten von Chotzen 26 „Wer immer hofft, stirbt singend“ wie in Frankfurt/ Main mit Minderheiten umgegangen wird 27 „Wir leben sowieso nur von einem Tag zum andern“ 29 Frinnerungen von Ilse Rewald E CDU-Strafgelder für Synagogenprojekt in Lich 33 Impressum: Herausgeber: Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Lindenstraße 68, 35516 Münzenberg-Gambach Redaktion: Hans Hirschmann Mitarbeit: Ursula Proescholdt, Anni Roßmann-Reineck, Diethardt Stamm, Matthias Tiessen, Albrecht Werner-Cordt Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 1 gerg Was ist Auschwitz? Ein deutsches Konzentrationslager in Polen. Die Stãtte des gröBten Mas- senmords in der Geschichte der Menschheit. Ein Ort der Folter, Qualen und Torturen. Eine Gedenk- und Begegnungsstätte, die besucht, ein Mu- seum, das betreut wird, ein Ort wissenschaftlicher Forschung. Oder aber: Pin Symbol? Die Hölle? Ein Anknüpfungspunkt für eine Sonntagsrede? Ein Tabu? Eine Geschichtserinnerung? Für uns, die Lagergemeinschaft, ist Auschwitz kein„Was“. Wir fragen nach dem„Wer“. Wer ist Auschwitz? . Qubchwit⸗ das sind die Menschen, allem voran: die Opfer. aber auch die Täter und Zuschauer(Raul Hilberg). Das sind die Familienangehörigen, die Nachgeborenen, die Klubs, in denen sich die ehemaligen Häftlinge treffen. das sind die Kranken, die Traumatisierten, die seelisch Verletzten, das sind die Mitarbeiter von Hilfsorganisationen, die Pfleger, das sind die- jenigen, die überlebt haben und berichten, das sind Namen und Fotos, Zer- störte Lebensgeschichten, das sind Baracken und Unterkünfte, das sind die Spuren, die geblieben sind: Haare, Koffer. Brillen. Auschwitz das sind die gedemütigten Menschen, die Ermordeten, die Verstummten. Für diese versuchen wir zu sprechen, für die Hilfsbedürf- tigen und ihre Angehörigen. In diesem Heft geht es vordergründig um Projekte, Konzepte, objek- tive Sachverhalte. Auch wenn von Geld, Finanzierung, Entschädigung und organisatorischen Regelungen die Rede ist: Es geht um Men- schen, denen mit lhrer Spende geholfen werden kann. Falls Sie die an . 5 einigen Beispielen dargestellte Arbeit unterstützen wollen, so können Sie dies entweder ohne die Nennung eines besonderen Verwendungs- zweckes auf dem beiliegenden Uberweisungsträger tun. Oder aber: Sie geben Museum Auschwitz“,„Buch der Erinnerung“,„Pflegekosten“ an. So oder so: Wir leiten, Ihrem Wunsch entsprechend, alle Spenden Sofort weiter. Hinweis: Bitte notieren Sie schon heute die Iermine der Verbereitungstreffen für die Fahrt nach Polen(27. Oktober bis 3. November 2001), siche Seite 14/15. Zur leilnahme am 18. Juni und d. September sind Sie herzlich eingeladen. 2 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Vor der Auslõschung Fotografien gefunden in Auschwitz Anfang Mai wurde in Birkenau die ehemalige„Sauna“ für die Besucher des Museumsgelãndes geõffnet. Uber die Bedeutung des Gebäudes in der Geschich- te des Lagers sowie über die nunmehrige Herrichtung und Nutzung für eine Aus- stellung mit Fotos, die von jũdischen Hãftlingen mit ins KZ gebracht wurden und zufällig erhalten geblieben sind, verõffentlichte der Verlag des Museums das deutschsprachige Buch Architektur des Verbrechens Das Gebäude der Zen- tralen Sauna im Konzentrationslager Auschwitt II-Birkenau, Oswiecim 2001, ISBN 8385047 04 8). Wir dokumentieren auf den folgenden Seiten das Vorwort von Architekt Helmut Morlok sowie den Beitrag von Ieresa Swiebocka und Teresa Zbrezeska. G Der Katalog zur Foto-Ausstellung ist im Kehayoff-Verlag erschienen:„Vor der Auslõschung Fotografien-gefunden in Auschwit?“ Herausgegeben im Auf- trag des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau von Kersten Brandt, Hanno Loewy, Krystyna Oleksy(Subskriptionspreis bis 30. Juni 2001: 198 PM Später 248 DM Kehayoff-Verlag, Herzogstraße 60, 80803 München, Iel. 089— 390185). Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 3 Architektur des Verbrechens Das Gebäude der Zentralen Sauna“ im Konzentrationslager Auschwitz II-Birkenau Vorwort von Helmut Morlok Adieu“ sagte der Fuchs.„Hier ist mein Geheimnis. Es ist ganz einfach: man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar.“ (Antoine de Saint-Exupéry aus„Der kleine Prinz“*) In diesem Buch wird aus der Ge- Onene eines Bauwerkes berichtet. Seine offizielle Bezeichnung lautet: „BW.32 im K. G. L. AUSCHWITZ O/S*, in den Akten wird es auch unter dem Namen„Neue“ oder„Zentrale Sauna“ geführt. Genutzt wurde dieses Gebãude als„Desinfektions- und Ent- wesunganlage im Lager AU II-BIR- KEFNAl“. Die Geschichte dieses Ge- bäudes wäre für die Geschichte des Lagers bedeutungslos ohne die Er- fahrungen der verfolgten Menschen- der Häftlinge nationalsozialistischer Herrschaft— deren Weg durch dieses Gebäude führte. Einige berichten in diesem Buch über das, was ihnen in diesem Gebãude widerfahren ist. Wie sie, an der Rampe zur Vernichtung 6 Arbeit selektiert, als vorläufig on der Ermordung in den Gaskam- mern Verschonte, in diesem Gebãude gängstigt, gequält, gedemütigt wurden. Wie ihnen ihr Namen genommen und durch-„ihre“ auf dem linken Unter- arm tãtowierte Nummer ersetzt wur- de. Die Berichte von Wenigen müssen stellvertretend für die Erfahrungen von Vielen stehen. Ihnen allen ist die- ses Buch gewidment. Gewidmet ist es auch den Kollegen-Architekten, In- genieuren, Iechnikern— die gezwun- gen waren im„Kommando Baulei- tung“ für die S8 zu arbeiten und ihre Zeichnungen und Berechnungen mit ihrer Häftlingsnummer signieren zu müssen. Primo Levi(Häftlingsnummer 174517) schreibt vom„unaussprechli- chen Universum der Lager“! Zu dem „unaussprechlichen Universum Au- schwitz“ gehörte auch seine Architek- tur. Vom EFintreffen des 1. Transportes im Juni 1940 bis zur Räumung des La- gers im Januar 1945 war Auschwitz ei- ne ständige Baustelle. Für Planung und Erstellung der Lagerbauten gab es eine selbstãndig arbeitende Institu- tion, die Zentralabteilung der Waffen SS und Polizei Auschwit? O/8, ein großes„Architekturbüro“ mit über 100„Angestellten“- Häftlingen des „Kommandos Bauleitung“ die zeich- nen, berechnen und vermessen mus- sten. Die Pläne für das Gebäude O/8“ wurden in diesem Büro von mehreren Häftlingen gezeichnet, Es war mir eine selbstverständliche Pflicht, die Häftlingsnummern, soweit dies mõglich war, Zu entschlüsseln und dadurch diese Kollegen persönlich vorzustellen, denn alle„Nummern“ 4 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer hatten und haben einen Namen. Die Entwurfs-, Werk- und Detail- plãne zum Gebäude„BW.32“ wurden vom Hãftling mit der Nummer 538 ge⸗ zeichnet. Sein Name ist Leon Sawka. Mit dem 1. Transport wurde er am 14. Juni 1940 nach Auschwitz deportiert. Er war 19 Jahre alt. Im Herbst 1944 wurde er über das KI Groß-Rosen ins KI Buchenwald verlegt. Nach dem Krieg wohnte er in Przemysl. Er starb am 30. Juli 1980. Die Zeichnung zur„Aufstellung ei- nes Druckkessels im Entwesungsge- bäude K. G. K.“ fertigte der Häftling mit der Nummer 129753. Sein Name ist Stanislaw Wein. Mit 41 Jahren kam er im Juni 1943 mit einem Transport aus Kattowit?. Nach einem halben Jahr Lagerhaft wurde er entlassen. Der Bestandsplan des fertigen Ob- jektes zeichnete der Häftling mit der Nummer 23241. Sein Nabe ist Anatol Adamczyk. Er war 31 Jahre alt, als er mit einem Transport aus Radom am 26. 11. 1941 ins KI Auschwitz„einge- wiesen“ wurde. Im Herbst 1044 wurde er in das K Flossenbürg„überstellt“. Er überlebte. Nach dem Krieg wohnte er in Radom. Weiter zeichneten Häftlinge mit den Nummer 89711 und 89722 Pläne für das Bauvorhaben„BW. 32*. Ihre Namen sind Wilhelm Kappel und J6— zef Kouba. Gewidmet ist dieses Buch auch den Häftlingen, die das Haus bauen muß— ten. Der weitaus größte Teil der Bau- arbeiten wurde durch die verschiede- nen„Kommandos“ geleistet. Nach Berichten war die Arbeit in diesen „Kommandos“ im wahrsten Sinne des Wortes mörderisch. Beim Bau der „Sauna“ waren, im Durchschnitt, täg- lich etwa 130 Häftlinge beschäftigt, an einigen Tagen waren es 200 bis 250 Hãftlinge. Dokumentiert ist der„Ein- sat?“ von„Zigeunern“ beim Aushub der Fundamente und der Baugrube. Wieviele von ihnen waren wohl im August 1944 noch in Auschwitz, als das sogenannte Zigeunerlager“ in ei- ner Nacht liquidiert wurde? Unter den heute noch bestehenden Bauten des ehemaligen Vernichtunge lagers Birkenau ist das GevauM „BW. 32— Desinfektions- und Entwe- sungsanglage“ von besonderer Be- deutung. Durch seine technisch-funk- tionale Gestaltung, durch Größe und Lage innerhalb des„Lagerabschnittes BIIg“, dem Pffektenlager„Kanada“, ist dieses Gebäude ein bauliches Po- kument rationeller Planung und Aus- führung des Massenmordes. Die in diesem Buch verõffentlichten Berich- te ehemaliger Hãäftlinge beweisen dies auf das Eindringlichste. Dem künftigen Besucher werden auf seinem Weg durch das Gebäude nur wenige Sachinformationen ver- mittelt. Das Gebäude und seine Räu- me werden für sich selbst Sprechen. Er wird die brutale Frostlosigkeit de Funktionsräume enptinden aieleieſ Trauer und Schmerz vor den verein- zelt vorhandenen„Lebensspuren“ der ehemaligen Häftlinge erfahren, um am Ende seines Weges vor den pri- vaten Fotos der Opfer, die vor dem Holocaust aufgenommen wurden, still zu werden. Der praktizierte denkmalpflegeri- sche Umgang mit dem Gebäude BW. 32 als einem wichtigen Element der Lagerbebauung, offenbarte erneut Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 5 den nicht aufzulösenden inneren Wi- derspruch konservatorischer Arbeit an diesem historischen Ort Birkenau. Trotz anerkannt eindeutiger Notwen- digkeit der Erhaltung originaler Sub— stanz, ergab sich zwangsläufig durch die notwendigen Fingriffe ein Verlust an Authentizität. Dies war, einmal, die Folge der Erhaltungsarbeiten selbst. zum anderen, eine Konsequenz der neuen Nutzung des Gebãudes für eine Lauerausstellung. Dieses Spannungs- ld war nicht aufzulõsen. In ihm hat- ten sich diejenigen, die sich für diese Sache eingesetzt haben, zu bewegen. Erleichtert wurden die denkmal- pflegerischen Entscheidungen durch die Möglichkeit, die für ein Ausstel- lungsgebäude notwendige technische Ausstattung im nicht originalen Dach- bereich(das Dach ist eine Rekon- struktion aus den 60er Jahren, nach- dem der originale Dachstuhl im Jahre 1954 eingestürzt war) konzentriert un- terzubringen. Konsequent wurde auch diese Konzeption für die Haustechnik des Gebãudes, einschließlich der Be- suchertoiletten, gewählt, die keinerlei Emissionen an die Umgebung, das heißt, an die Erde, an die Luft, an die Gewässer Birkenaus, abgibt. Bei der mehrjährigen Arbeit an dieser Aufgabe im ehemaligen Kon- Zentrations- und Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau erwies sich die tiefe Wahrheit der Wort Saint- Exupéry's:. Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar!.“ Ja, das Sichtbare, die Dinge, sind nicht das Wesentliche dieses Ortes. Das Wesentliche dieses Ortes ist un- sichtbar! Deshalb muß bei der Pflege und der Erhaltung des Sichtbaren je- de Sorgfalt aufgewendet werden, um das, was man mit dem Herzen sieht, nicht zu stören. üii 31 Bau eines Flügels der Sauna(Sommer 1943 Aufnahme eines SS-Mannes) 6 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Entwurf für die Innenausgestaltung der ehemaligen Sauna im Lager Birkenau und für die Nutzung der Räume zu Erinnerungs- und Informationszwecken von Teresa Swiebocka und Teresa Zbrzeska 1. Thematische Konzeption für die Innenausgestaltung der ehemaligen Sauna des Lagers Auf die Idee, im größten Gebäude des Lagers, Informationen zur Ge- schichte und zum Gedenken an die Opfer der Deportationen in das Kon- zentrationslager Auschwitz zu vermit- teln, kam man Mitte der neunziger Jahre. Sie stand in Zusammenhang mit den Arbeiten auf dem Gelände von Birkenau, die darauf abzielten, die — Teresa Zbrzeska vor der Informationstafel Rolle aller wichtigeren Objekte zu er- lãutern und an die wesentlichsten Fak- ten aus der Geschichte dieses Teils des Lagerkomplexes zu erinnern. Bei den Arbeiten dieser Art konnte ein 8 wichtiges Objekt wie die enenuuie Sauna des Lagers nicht unbeachtet bleiben. Die Konzeption für die themati- sche und geschichtliche Bearbeitung des Problems umfaßte zwei Haupt- aufgaben, die sich hinsichtlich Inhalt und Gestaltungsweise und somit hin- sichtlich der Einflußnahme auf die Besucher unterschieden. Die erste Aufgabe bestand in der Ausarbeitung eines Entwurfs zur Klärung der wichtigsten Funktionen, die das Saunage- bãude in den Jahren des Beste- hens des Lagers ausgeübt hatte. Die zentrale Entwesungs- und Desinfektionsanlage war inte- gral mit der Funktionsweise ur der Geschichte des ganzen Ls gers verbunden. Allerdings hatte die offizielle deutsche Bezeich- nung des Gebäudes nicht viel gemein mit den heutigen Ver- ständnis des Begriffs. Die Aufga- ben der Sauna betrafen nãmlich sowohl die von den Nationalso- zialisten durchgeführten Mas- senvernichtung der Juden in den des zu Ausstellung und Erinnerungs?wecken Gaskammern und den Raub ih- neu gestalteten Sauna- Gebäudes in Birkenau. res Hab und Gutes als auch Le- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer ben und Jod jener, die als billige Skla- venarbeiter in das Konzentrationsla- ger eingewiesen wurden und die unter den dort herrschenden mörderischen Bedingungen zum Tode verurteilt wa- ren. Die Bezeichnung Entwesungs- und Desinfektionsanlage oder auch Sauna, wie sie von den Hãftlingen ge- nannt wurde, klang also geradezu iro- nisch, übrigens ebenso wie die In— schrift Arbeit macht frei“ über dem Lagertor. 5 Unter den Juden, die bei der ersten Selektion auf der Rampe vorlãufig als arbeitsfähig eingestuft und ins Lager eingewiesen worden waren, führten die SSArzte in der Sauna manchmal zusätzliche Selektionen durch. Sie sonderten dann meist schwangere Frauen aus, die weil sie in diesem Ge- bäude unbekleidet waren— leichter identiziert werden konnten. Sie wur- den sofort zur Tötung in die Gaskam- mern geschickt. Das ganze Jahr 1944 hindurch fand in der Sauna das mit der Einweisung frisch eingetroffener männlicher und weiblicher Häftlinge ins Lager ver- bundene Aufnahmeverfahren statt. Hier wurden sie karteimäßig erfaßt. nd hier tätowierte man ihnen die Ger ein, die den Namen ersetzte. Man nahm ihnen die Zivilkleidung und ihre persönlichen Gebrauchsge- genstände weg, sie wurden geschoren, desinfiziert und geduscht. All diese Maßnahmen gingen mit Erniederi- gungen, Schikanen und Quãälereien durch die SS-Leute einher, die nicht selten Zusammenbrüche und sogar Todesfälle zur Folge hatten. Für die meisten Neuzugänge, die oft brutal von ihren Familien getrennt worden waren und nicht wußten, was mit den Angehörigen und ihnen selbst gesche- hen werde, war das Durchlaufen des ganzen Aufnahmeverfahrens ein Schock, den ein Mensch von heute nur schwer zu begreifen vermag. Die primitiven Lebensbedingungen der Häftlinge, die überfüllten Ba- racken, Dreck und Läuse bewirkten, daß häufig verschiedenartige Epide- mien auftraten, die das Lager dezi- mierten. Sie gefährdeten auch die SS- Keute und schränkten die Möglichkeit ein, die Arbeitskraft der Häftlinge ma- ximal aus?ubeuten. Aus diesem Grund führte die Lagerverwaltung von Zeit zu zeit Aktionen zur Entlausung und Desinfektion der Häftlinge und ihrer Kleidung in der Sauna durch. Dabei wurden die Häftlinge oft ungeachtet der Witterungsverhältnisse unter frei- em Himmel festgehalten und mußten mehrere oder sogar weit über zehn Stunden auf das Betreten der Sauna oder auf die Rückgabe der desinfizier- ten Kluft warten. Um das, was hier geschehen ist, bes- ser verstehen zu können, wurde vor- geschlagen, daß die Besucher, die heu- te diese Stätte aufsuchen, denselben Weg durch die einzelnen Räume neh- men, den die Neuzugänge oder die zum Baden und zur Desinfektion in die Sauna geschickten Häftlinge durchlaufen mußten. Es wurde vorge- schlagen, daß alle Räume und Gänge auf sehr sparsame Weise beschrieben werden: sie sollen nur die wichtigsten Informationen erhalten, die es ermõg- lichen, das zu begreifen, was in diesem Gebäude geschehen ist. Auf einigen Informationstrãgern sollen sich nicht nur Texte befinden, sondern auch 8 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer während des Bestehens des Lagers aufgenommene Fotografien. Die größte Bedeutung hat die Tatsache, daß das Objekt zum erheblichen Teil im Originalzustand erhalten ist und ei- ne einmalige Atmosphäre aufweist, die auf sehr emotionale Weise auf die Besucher ausstrahlt. Daher hat man auch das Prinzip beschlossen, daß alle Informationstrãger und die dort fest- gehaltenen Inhalte sehr diskret sein sollen, damit sie helfen, die Informati- on an die Besucher weiterzugeben, ohne die Räume und ihre spezifische Architektur zu dominieren. Nach dem Durchwandern der ein- zelnen Räume des Gebäudes, dem Kennenlernen seiner Geschichte und der Besichtigung der im Original er- haltenen technischen Anlagen werden sich die Besucher der Stätte mit dem zweiten zur Ausstellung in diesem Ge- bäude vorgesehenen Element be- kanntmachen können. Dabei handelt es sich um Fotos aus der Zeit vor dem Holocaust, die den ins Lager Eingelie- ferten gehört haben und die sie als wertvolle Familienandenken mit- brachten. Normalerweise hatten die in die Vernichtungslager geschickten Ju- den keine Ahnung von ihrem weiteren Schicksal. Die Deutschen betrogen sie, sie versprachen ihnen neue Arbeits- und Wohnorte. Daher führten die mei- sten Opfer Gepäck mit sich, in dem sich u. a. Kleidung, Wäsche, Schuhe, Tal- lith, Gebetbücher, kleine Utensilien und andere Bedarfsgüter befanden, of die letzten Gegenstände, die sie in den Ghettos oder bei den Aussiedlungsak- tionen hatten verstecken können. Sie hatten sich so manches Mal bemüht, letzte Familienandenken, darunter Fo- tos, zu retten und mitzunehmen. Die meisten ins Lager mitgebrachten Sa- chen sind von den Nazis geraubt wor- den oder der Vernichtung anheimge- fallen. Erhalten sind nur wenige. Doch das, was erhalten geblieben ist, stellt den tragischsten, aussagekräftigsten Nõrdlicher und vůüdlicher Teil des Saunagebäudes nach der Befreiung des Lagers. Aufnahme: Stanislaw Luczko, Mai 1948. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Beweis für die Verbrechen dar und wird sorgsam in den Sammlungen des Museums aufbewahrt und auch bei Ausstellungen gezeigt. Die Leute, die man nach Auschwit?z schickte, sind zum größten eil sofort nach ihrer Ankunft in den Gaskam- mern umgebracht worden. Von ihnen ist nur Asche zurückgeblieben. Die, die man für gewisse Zeit ins Konzen- trationslager einwies, wollte man in ei- e anonyme Masse verwandeln-ohne Seomne Gesichter, ohne Namen, ohne Haare, gekleidet in dieselbe ein- heitliche Kluft, in Leute ohne Vergan- genheit, ohne Zukunft, ohne Bedeu- tung. Die Hauptaufgabe des Museums besteht nicht nur darin, alle Uberreste des Lagers, alle Dokumente und Be- weise der Verbrechen aufzubewahren, sondern vor allem auch die Erinne- rung an die Opfer wachzuhalten. Da- her ist die Sammlung von ca. 2400 noch vor dem Holocaust gemachten Fotos so unglaublich wichtig. Dabei handelt es sich u. a. um Aufnahmen einzelner Personen wie auch um Gruppenbilder. Die Aufnahmen zei- gen Leute in Situationen, die jeder versteht, unabhängig von Nationalitãt, Rasse oder Religion. Es sind Fotos von Menschen, die sich über die Geburt ei- nes Kindes freuen, die verliebt sind, die die Schönheit der Natur bewun- dern oder die an wichtigen Ereignis- sen des privaten, beruflichen und õf- fentlichen Lebens teilnehmen. Diese Sammlung zeigt nicht alle Opfer des Lagers und des Holocaust. Die erhaltenen Fotos betreffen hauptsächlich Juden aus Bedzin und Sosnowiec. Einige auf den Fotos zu er- kennende Personen konnten identifi- ziert werden, und man hat ihren Le- benslauf zurückverfolgt. Ein Teil von ihnen ist in Ghettos umgekommen, ein Teil wurde erschossen, einige sind in Lagern, darunter in Auschwitz, gestor- ben, ganz wenige überlebten. Jedes Das Gebäude der ehemaligen Sauna nach der konservatorischen Frneuerung. Foto: Lidia Foryciarz, 2001 10 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer identifizierte Gesicht lãßt die Vernich- tung dieser Menschen weniger end- gültig werden, es entreißt sie der Ano- nymitãt, es gibt ihnen ihre menschliche Dimension zurück, es gibt uns die Möglichkeit, sich mit ihnen zu identifi- zieren, es erweckt Mitgefühl. Obwohl auf den Aufnahmen nicht nur Opfer des Lagers Auschwitz zu se- hen sind, bilden sie dennoch eine ein- heitliche, einmalige Sammlung, und das nicht nur, weil sie eine konkrete Gruppe betreffen, sondern auch weil sie alle nach dem Krieg auf dem Gelände des Lagers Auschwitz gefun- den worden sind. Auf diese Weise sind sie zum Symbol all jener jũdischen Op- fer geworden, von denen nur Asche zurückgeblieben ist, Symbol einer Welt, die unwiederbringlich ver- schwunden ist. Angestellte des Museums, die an der Ausarbeitung der thematischen Konzeption zur Erläuterung und Erin- nerung der Sauna beteiligt waren, ha- ben auch vorgeschlagen, im letzten Raum des Gebäudes ein originales, einmaliges Ausstellungsstück zu zei- gen, nämlich eine Lore, die den Nazis dazu gedient hat, die Asche der Er- mordeten und Verbrannten abzu- transportieren. Diese echte Lore ist 1993 aus dem in der Nähe der Sauna gelegenen Teich geborgen worden und bedarf als direkt mit der Vernich- tung zusammenhängendes denkwür- diges Objekt einer S Hervorhebung. 2. Wettbewerb für einen Entwurf zur Ausgestaltung der Lagersauna Die nach einem Szenario der Mit- arbeiterinnen des Museums Krystyna Oleksy, Ieresa Swiebocka und Ieresa Zbrzeska ausgearbeitete Konzeption für die Innenausgestaltung des ehe- maligen Sauna gebäudes wurde dem Internationalen Museumsrat zur Pis- kussion vorgelegtz und fand dort all- Desinfektionseinrichtung(Foto: L. Foryciarz) gemeine Zustimmung. Das Museum bat auch andere Kreise, darunter ehemalige Häftlinge, um ihr Urteil. Das Vorhaben erlangte ferner die Zustimmung der Vertreter de deutschen Bundesländer, die schon seit einiger Zeit die denkmalpflegerische Uberho- lung der Sauna finanziell un- terstützt und erklärt hatten, sie würden auch dieses Vorha- ben finanzieren. Dadurch wurde es dem Museum mõg- lich, die Entscheidung zu tref- fen, mit der Ausführung des Projekts zu beginnen. Im Zu- sammenhang damit wurde ei- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 11 Duschraum. Auf dem Bild ist eine Gruppe von Hãftlingen zu sehen, die nach der Desinfektion und dem Baden in den Trochenraum geführt wird.(Aufgenommen vom SS-Angehörigen D. Kamann. ne Arbeitsgruppe ins Leben gerufen. Ihr gehörten an der Architekt Hel- mut Morlok als Vertreter der Bundes- lãnder, der Architekt Wladyslaw Niess- ner als Vorsitzender des Denkmal- pflegeausschusses des Internationalen Museumsrates, Dr. Joachim Russek als Direktor der Judaica-Stiftung des Zentrums für jüdische Kultur im Kra- kauer Stadtteil Kazimierz sowie die Direktion und eine Gruppe von Mit- arbeitern des Museums Auschwitz- au. Mit Rücksicht auf die Be- deutung des Vorhabens bat das Museum vor der Auschreibung des Wettbewerbs für für einen architekto- nisch-gestalterischen Entwurf einen größteren Kreis von Experten um Konsultation. Diesem Gremium gehörten u. a. Fachleute auf dem Ge- biet des Museumswesens und der mit dem Holocaust und Võlkermord zu- sammenhängenden Thematik an. Im Oktober 1997 schrieb das Mu- seum einen auf geladene Teilnehmer beschränkten Wettbwerb für die pla- stisch-architektonische Gestaltung der Räume des ehemaligen Saunagebäu- des aus. Der Wettbewerb zielte darauf ab, eine optimale schöpferische Kon- zeption für die Ausgestaltung des Ge- bãudes zu finden, bei der der histori- Sche Charakter des Objekts berück- sichtigt und die Bausubstanz erhalten wurde, die es aber ermõglichen sollte, dort mehrere, voneinander unabhän- gige Ausstellungen zu zeigen. Dabei handelte es sich um: 1. Geschichte und Funktionen der großen Entwesungs- und Desinfekti- onsanlage, dargestellt mit Hilfe eines Informationssystems, das sowohl mit dem Innern des Gebäudes und dem Gelände des ehemaligen Lagers als auch mit den bereits vorhandenen Be- schriftungen und Gedenktafeln korre- Spondiert. 2. Eine Ausstellung von Familienfo- tos, die auf symbolische Weise die Welt der europäischen Juden veranschau- 12 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Ausgestelltes Raubgut.(Foto: Lidia Foryciarz) licht, der die meisten Opfer entstamm- ten und die infolge des Holocaust für immer von den Nationalsozialisten zerstört worden ist. Z. Die entsprechende Darbietung und Erläuterung der echten Lore, die den Nazis dazu gedient hat, die Asche der ermordeten und verbrannten Hãäftlinge zum nahe der Sauna gelege- nen Teich zu bringen. Nach einer Analyse der bisherigen künstlerischen Erfolge luden das Mu- seum und die Arbeitsgruppe folgende schöpferischen Teams bzw. Personen zur Teilnahme am Wettbewerb ein: 1. Die Innenarchitektin Barbara Borkowska, Professorin an der Aka- demie der Schönen Künste in Krakau, und den bildenden Künstler Jacek Ma- ria Stoklosa. 2. Die bildenden Künstler Jan Karol Kosinski und Malgorzata Ierlikowska, die sich mit Innenarchitektur und Aus- stellungswesen befassen. „ 3. Die Fotografin eresa Salmon. 4. Fine deutsch-polnische Studentengruppe der Hoch- schulen für bildende Künste in Wroclaw und Braunschweig un- ter der Aufsicht von Prof. Moni- ka Schnell. Die Wettbewerbsbeiträge wurden von einer internationa- len Jury begutachtet. Dieser Jury gehörten an: Jeshajahu Weinberg onW zender), u. a. Begründer des Ho- locaust-Museums in Washing- ton und des Diaspora Museums in Tel Aviv Mitglied des Inter- nationalen Museumsrates Au- Schwitz-Birkenau, Detlef Hoffmann, Kunsthistoriker und theoretiker, Prof. der Carl-von- Ossietzky-Universität Oldenburg, Carry van Lakerveld, ehemalige Direktorin des Geschichtsmuseums der Stadt Amsterdam und Gestalterin vieler Ausstellungen, Wladyslaw Niessner, Architekt, Helmut Morlok, Architekt, Jozef S?Zana, ehemaliger Hãäftling des KZ Auschwitz, Maler, Graphiker, Bühnenbildner, Regisseur, Drehbucl autor, Theatertheoretiker, uzle des Internationalen Museumsrates, Krystyna Oleksy, stellvertretende Direktorin des Museums Auschwitz- Birkenau. Zur Ausführung wählte man(die Jury, d. Red.) den Entwurf von Barba- ra Borkowska und Jacek Stoklosa aus. Die Autoren der siegreichen Ent- wurfskonzeprtion hatten vorgeschla- gen, die Besucher in Ubereinstim- mung mit dem Szenario den Weg Naomi Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 13 entlangzuführen, den diejenigen zu— rücklegen mußten, die von den Nazis in die Sauna geschickt worden waren. Den Verlauf der Führung soll ein po- destartiger, den Originalfußboden schützender Steg bestimmen. Die In- formationen und Belege über die Funktionen und die Geschichte der Sauna sollen auf Glastafeln vermittelt werden, weil Glas ein Werkstoff ist. der den vorgefundenen Raum am we- Ligsten beeinträchtigt. Die Sammlung der Familienfotos wird im vorletzten Raum unterge- bracht, in dem die Besucher den Steg verlassen und den mit dunklem Glas belegten Fußboden betreten. Dort ha- ben sie eine speziell konstruierte „Mauer“ und die die ganze Fläche be- deckenden Fotos vor sich. Die Auf- nahmen werden sich im Fußboden wi- derspiegeln. Die Grenze zwischen der Bilderwand und ihrer Spiegelung wird kaum zu erkennen sein. Hinter der Mauer“ ist ein kleiner Ausstellungs- raum vorgesehen. Es wird vorgeschla- gen, an dort aufgestellten Tafeln und ander Rückseiter der Mauer“ Fami- lienfotos zu zeigen. Besucher, die sich dafür interessieren, treten zwischen die mit Fotos bedeckte Wände und werden davon umgeben sein. Es kommt zu einem Distanzwechsel. Nach der monumentalen Mauer der Fotografien betritt mant den Privat- bereich der Familienaufnahmen, er- gänzt durch Hinweise auf die Ge— schichte bestimmter Familien oder Personen. Im letzten Raum, an dem die Besu- cher vorbeikommen, soll dem Vor- schlag der Autoren nach die echte Lo- re ausgestellt werden, mit der die sterblichen Uberreste der Ermorde- ten aus den Krematorien fortgeschafft wurden. Spiegelung durch den gläsernen Fußboden im Ausstellungsrau. 14 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Zusammenarbeit ⁊wischen Lagergemeinschaft Auschwitz, befreundeten Organisationen und HeLP (Hessisches Landesinstitut für Pädagogik) Vorstandsmitglieder der Lagergemeinschaft-Freundeskreis haben Ende April bei einem Besuch in Warschau dem polnischen Außenminister und ehemaligen Auschwitz-Häftling Wladyslaw Bartoszewski sowie Kazimierz Albin, Präsident der Gesellschaft zur Betreuung von Auschwitz(TOnO) ein„Konzept zur Ver- kniipfung der Vhemenfelder Auschwitz, Jugendbegegnung, Oonomie, Okologie ſinsbesondere erneuerbare Energien) und Vourismus“ vorgelegt. Dieses basiert auf᷑ zehn Prãambelthesen, die auf den folgenden Seiten dokumentiert sind. Zu- dem wird ein Projekt für Studienfahrten nach Polen entworfen, das die Lager gemeinschaft in Zusammenarbeit mit dem HeP vorbereitet und das dieselben Uberlegungen zur Grundlage hat: Im Mitteilungsblatt 2/2000 wurde es angekündigt: Neben den„traditionel- len“ Fahrten nach Auschwitz, die im Wesentlichen auf das KZ Auschwitz- Birkenau konzentriert sind, soll es Fahrten für Zielgruppen mit darüber- hinausgehenden Interessen geben. Gedacht ist insbesondere an junge Personen, die schwer zu einer klassi- schen“ Auschwitz-Fahrt zu motivieren sind. Diese fahren, wenn überhaupt. mit anderen Frage- und Problemstel- lungen nach Polen. Ahnlich wie vor 40 Jahren beim Aufbau einer Verständi- gung und Versöhnung mit Frankreich sollen Stichworte wie Völker und Nu- gendbegegnung, Austausch von Schül- ergruppen, Kennenlernen von Land und Leuten, sowie Beschäftigung mit 5konomischen und technologischen Besonderheiten eine Rolle spielen. Auschwitz ist dann Teil eines Gesamt- bildes. Hierzu gilt es gemeinsam mit Mul- tiplikatoren Konzepte zu entwickeln, zu erproben, zu evaluieren und jeweils neuen Gegebenheiten anzupassen. Deshalb sollen einschlägige Ansätze im Rahmen der Lehrer/innen-Fortbil- dung und das Know how der Lagerge- meinschaft Auschwitz und befreunde- ter Organisationen, wie z. B. TOnO in Warschau(Gesellschaft zur Betreu- ung von Auschwitz) zusammengefaßt und genutzt werden. Mit einfließen sollen die langjährigen Erfahrungen der Iechnikerschule Butzbach, die ei- ne Schulpartnerschaft in Zakopane, technologischen Austausch mit Insti- tuten im Energiebereich, touristi- sche Programme und Kontakte nach Auschwitz zusammenführt. Diesem exemplarischen Beispiel sollen weite- re folgen, die sich immer an den jewej ligen Möglichkeiten und Resvourceſ orientieren. Mit dem HelPsind folgende orga- nisatorische Schritte abgesprochen: Erstes Vorbereitungstreffen mit Lehrkräften und Eltern am Montag, 18. Juni 2001 von 14.30 Uhr bis 16.30 Uhr im HelP in Friedberg/Wetterau (Mainzer IorAnlage 8). Dort stellt sich die Lagergemeinschaft Auschwit? vor. Konzeptmöglichkeit. Materialien und Medien werden eingebracht. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 15 Zweites Vorbereitungstreffen am Dienstag, dem 4d. September 2001 von 14.30 Uhr bis 17 Uhr. Hier geht es um in der Zwischenzeit zusätzlich ent— wickelte Kon- zeptalternati- ven, Kontakt- möglichkeiten nach Polen in Goliucher õko- nomischer, kul- tureller und touristischer Zwei weitere Vorbereitungstref- fen- mit lerminen nach Absprache- sollen diese Inhalte vertiefen und die Fahrt nach Polen vom 27. Oktober bis Zzum 3. November 2001 vorberei- ten. Die ehemaligen Auschwitz-Häftlinge Kazi- mierz Albin und Wladyslaw Bartoszewski Nach der Fahrt sollen zwei Nachbe- reitungsveranstaltungen stattfinden, bei denen dann konkrete Klas- senfahrten und ZS Konzepte mit individuellen Gegebenheiten geplant werden sollen. Angespro- chen sind für die Veranstal- tungsreihe Lehrerinnen, und Multiplikatoren in Gewerkschaf- ten, Jugendverbänden und auch politi- schen Parteien. Diese können sich so- wohl beim HelP in Friedberg als auch bei der Lagergemeinschaft Auschwitz ab sofort melden. Konzept zur Verknüpfung der Themenfelder Auschwitz, Jugendbegegnung, Okonomie, Okologie und Tourismus Zehn Präambelthesen von Diethardt Stamm 1) Das Thema Auschwitz muß ins- bei nachfolgenden Genera- tionen als mahnendes und ab-— schreckendes Beispiel langfristig eine Rolle spielen. 2) Auschwitz läßt sich auch in der Zukunft am besten vor Ort in Polen erläutern, verstehen und emotional verarbeiten. t 3) Klassische Gruppenfahrten von Schülern und Jugendlichen zu dem Ort Auschwitz und dann nur mit dieser Themenstellung führen zu Akzeptanz- und Uberforderungsproblemen. 4) Auschwitz entwickelt sich einer- seits zu einem Geschichtsthema und ist andererseits bei Fragestellungen zu den Bereichen Neofaschismus, Rechtsradikalität, Gewalt und Um- gang mit Minderheiten und Anders- denkenden ständig aktuell präsent. 5) Das Thema Auschwitz muß in das Alltagsdenken und-handeln der Kriegsenkelgeneration in Verknüp- fung mit anderen relevanten Sachfra- gen eingebettet werden. 16 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 6) Die heutige Begegnung mit Au- Schwitz ist in einem Umkreis von etwa 150 Kilometern auch die Begegnung mit einem Umfeld an einzigartiger Landschaft, besonderer Kultur, kon- taktfreudigen und weltoffenen Men- schen, wichtigen europäischen Städ- ten, vielen speziellen touristischen Zielen und hoch entwickelten Iechno- logiesektoren. 7) Wenn es gelingt, Menschen be- sonders jüngere in Deutschland und auch allen Nationen, die von Ausch- witz betroffen waren, für das Umfeld zu interessieren, ergibt sich mit hoher Wahrscheinlichkeit ein Heranführen an Auschwitz. 8) Bezogen auf Deutschland kom- men ergänzende Themen wie Völker- verständigung. Jugendaustausch, zukünftige gemeinsame und benach- barte EU-Partner, gemeinsamer Auf- bau von grenzüberschreitenden Schlüsselbranchen wie Energie und Tourismus hinzu. 9) Der Zugang zu dem Thema Au- schwitz bedarf neuer Organisations- formen, Methoden und Inhalte und kann auch einen Aufbruch in Sachge- biete bedeuten, die bislang ohne Zu- sammenhang wahrgenommen wer- den. 10) Man muß exemplarisch begin- nen und dort ansetzen, wo Organisa- tionen und Personen in die Zukunft denken, aber gleichzeitig an Traditio- nen und Erfahrungen anknüpfen, Hierzu stehen nach erfolgtem ideen O und Konzeptaustausch folgende Insti- tutionen bereit: Die Gesellschaft zur Betreuung von Auschwitz(TOnO) in Warschau, die Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis in Frank- furt/Main. Energieexperten der polni- schen Akademie der Wissenschaften in Krakow und Szaflary, das Bundes- ausbildungsmodell für erneuerbare Energien /Energieberatung in Butz- bach/Hessen und das Hessische Insti- tut für Lehrerfortbildung(HeP). Nach diesem kurzfristig durch- zuführenden Bei- spiel lassen sich mit Auschwitz auch Themenzuz Snn wie Geschichte/ Politik(für Lehr- amtsstudenten), oder Biologie/ Naturwissenschaf- ten oder Literatur (für Journalisten) oder auch Gko-— Kazimierz Smolen(inks), ehemaliger Auschwitz-Häftling und langjãhriger Leiter des Museums Auschwitz-Birkenau, an der Butzbacher Berufsschule mit Diethardt Stamm. ren. nomie ausarbei- ten und praktizie- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 17 Aufgaben und Ziele des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau von Francis?zek Piper (Abteilung für Geschichte und Forschung des Museums Auschwitz-Birkenau) Eine der Hauptaufgaben des Staat- lichen Museums Auschwitz-Birkenau ist- außer der Erhaltung der Objekte des ehemaligen Lagers Auschwitz, der Wartung und zur Ver- gungstellung der Archiv- und Mu- seumsobjekte- die Durchführung der Forschungen über die Geschichte des Konzentrationslagers Auschwitz. Die Forschungs- und wissenschaftlichen Arbeiten konzentrieren sich vor allem auf die Abteilung für Geschichte und Forschung und haben als Ziel die Dar- stellung aller Aspekte der Geschichte des KZ Auschwitz, die die Funktionie- rungsmechanismen des Lagers wie- dergeben,seinen Platz im System des Terrors und der Vernichtung im Prit- ten Reich bestimmen und das Schick- sal der Opfer darstellen. Von der Auskunftsstelle zur Forschungsinstitution 3 In den ersten Jahren seines Beste- hens hatte das Museum keine Mög- lichkeiten, eine Forschungs- und wis- senschaftliche Arbeit zu betreiben. Die nach der Befreiung des Lagers in einer knappen Zahl geretteten und ge- fundenen Dokumente waren in ver- schiedenen Justizinstitutionen ver- streut, die die Prozesse gegen Nazi- verbrecher vorbereiteten. Ein Jeil der Akten übernahm das Polnische Rote Kreuz, um aufgrund der Akteninfor- mationen den ihre Nächsten suchen- den Personen Auskünfte zu erteilen. Die Aktivitäten auf dem Gebiet der Forschung und Geschichte konnten erst Mitte der S0er Jahre aufgenom- men werden, nachdem ein Jeil der Ak- ten Zurückkam und das Archiv organi- siert wurde. Bis Mitte der 60. Jahre wurde eine ganze Reihe von For- schungsthemen ausgearbeitet, das wichtigste war das Kalendarium der Ereignisse im KZ Auschwitz-Birena von Danuta Czech, das zum ersten Mal in den Jahren 1958-1963 in den Heften von Auschwitz veröffentlicht wurde(auch in der deutschen Version in den Heften von Auschwitz). Das in Gänze 1992 nachgebesserte und er- gänzte Kalendarium der Ereignisse im Konzentrationslager Auschwitz(im Ausland erschien auch die deutsche Ausgabe des Kalendariums der Ereig- nisse im Konzentrationslager Ausch- witz-Birkenau 93045, Reinbek bei Hamburg 1980, und die englische Aus- chwitz Chronicle 1930— 7945, New vork 1990) stellt ein grundlegendes Kompendium des Wissens über dieses Lager dar. In den Jahren 1963— 1970 konzen- trierten sich die Forschungen auf die Ausarbeitung einer Monographie über die Lagerfilialen des KZ Ausch- witz. Dreißig solche Monographien wurden in den Heften von Auschwitz verõffentlicht. 18 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer In den näãchsten Jahren 1980— 1995 waren die Forschungsarbeiten auf die Monographie des KZ Auschwitz fo- kussiert, die 1995 erschien(die deut- sche Ausgabe Auschwitz 1040— 1045. Srudien zur Geschichte des Konzentra- rions- und Vernichtungslagers Ausch- witz, Oswiecim 1999). Die aus 5 Bän- den bestehende Monographie enthält Beiträge, die von einem ihrer Kritiker Prof. Dr. Czeslaw Luczak als„eine sprichwörtliche Grube des Wissens über das Lager Auschwitz bezeichnet wurde und die unseren bisherigen Wis- sensstand über das Lager wesentlich erweitert“ Die Monographie stellt ei- ne Summe der Forschungsergebnisse sowohl der Mitarbeiter des Museums als auch der anderen auf diesem Ge- biet wirkenden Forscher dar. Neben den genannten Publikatio- nen verõffentlichten Mitarbeiter des Museums weitere Texte, die einen we- sentlichen Beitrag zur Forschung über das KZ Auschwitz leisten, z. B: Fran- ciszek Piper Arbeitseinsatz der Häft- linge aus dem KL Auschwitz, Oswie- cim 1995, von dem selben Autor: Die Zahl der Opfer von Auschwilz auf- grund der Quellen und Forschungser- gehnisse 1945 his 7000, Oswiecim 1993, Andrzej Strzelecki Endphase des K Auschwitz. EFvakuierung, Liquidierung und Befreiung des Lagers, Oswiecim 1995. Es wurde auch eine populär-wis- senschaftliche Geschichte des Lagers unter dem Titel Auschwitz. Nazitodes- lager. Oswiecim 1993 veröffentlicht. (1904 erschien dieses Buch in der fran- zösischen, 1995 in der italienischen, 1996 in der englischen und 1997 in der deutschen Sprache). Auch im Ausland erschien eine ganze Reihe von Publikationen unse- rer Mitarbeiter: in USA, in Israel, Deutschland, Frankreich, in Tschechi- en. Die Mitarbeiter der Abteilung für Forschung und Geschichte und die Mitarbeiter der anderen Abteilungen, die sich mit Forschungsarbeiten be- schäftigen, gehören zu den Mitautoren von Zehn Kapiteln des durch das Indi- ana University Press und United Sta- tes Holocaust Memorial Museum in Washington herausgegebenen 60 samtwerkes über das KZ Auschwitz unter dem Titel Anatom) of the Au- Schwitz Deuth Camp Bloomington and Indianapolis, die erste Ausgabe 1994, die zweite 1998. Dieses Werk ist zur- zeit die umfangreichste im Westen er- schienene Synthese der Geschichte des KZ Auschwitz. Aktuelle Projekte und zukünftige Forschungspläne Die Forschungsarbeiten an der Mo- nographie konzentrierten sich vor al- lem auf die Funktionsmechanismen des Lagers, seinen Platz in der Struk- tur des Terrors und der Vernichtung, wie auch auf die Rolle der Arbeits, kräfte der Häftlinge in der wirchatd des Dritten Reiches. Das Schicksal der als eine Gesamtheit geschenen Häft- linge wurde synthetisch dargestellt in- dividuelle Menschenschicksale dien- ten als Iustration von manchen Prozessen. Aktuelle Forschungen konzentrie- ren sich auf᷑ Opfer, die nicht nur als ei- ne statistische Größe mit einer be- stimmten sozialen Struktur zu sehen sind, sondern vor allem als eine Ge- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 19 Hamilie BarmilcowsKi. Sla- nislaw Barmikowski Surb heim Warschauer Auft Srand, Seine Frau Helena, geb 7006, N 645, der Sohn Bogdan, geb. 05.27032, N 19273. Aus Alschwilz wlrden sie nach Berlin-Blankenburg evakiert, wo vie beſreit wurden. Das Bild wurde 742 in Warschau anläß- lich der Eysten Kommuni- on gemacht. Bild von Helena Barmikowska in Blankenblrg, 23.2. 704 ſfür die ArheitsKarte. Die Fotos vtammen aus dem Buch„Polentransporte aus Warschau ins KZ Auschwitz 1940 1944 das K Piper erwähnt(S. 20 u. 22). Die Bildlegenden hat Elzbieta Stamm übersetzt. 20 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer samtheit von einzelnen Personen mit bestimmten individuellen Merkmalen zu verstehen ist. Durch die Schilde- rung von individuellen menschlichen Schicksalen wollen wir die Geschichte des Lagers auf einer emotionalen Ebe- ne nãher bringen. Wir wollen den- meistens anonym- en Opfern ihre Identität sowohl im Hinblick auf einzelne Person als auch im Kontext ihrer Zugehörigkeit zu be- stimmten sozialen Schichten wieder- herstellen. Zurzeit, gemäß den vorgenomme- nen zukünftigen Richtungen der For- schungs- und wissenschaftlichen Arbei- ten, konzentrieren wir uns auf die Problematik der Vernichtung von Hãft- lingen aus verschiedenen Ländern, ver- schiedenen Nationalitäten, verschiede- nen AMlters, Geschlechtes, Glaubens und verschiedener Kategorien. Es wer- den folgende Themen bearbeitet: Deportation und Vernichtung der Polen im KZ Auschwitz Deportation und Vernichtung der Juden im KZ Auschwitz Schicksal der Frauen im KZ Ausch- witz Schicksal der verschiedenen Kinder- gruppen im KZ Auschwitz Zeugen Jehovas im KZ Auschwitz Deportation und Vernichtung der christlichen Geistlichen im KZ Ausch- wit? Deportation und Vernichtung der Zigeuner im KZ Auschwitz Deportation und Vernichtung der Deutschen im KZ Auschwitz(das Thema wurde von einem deutschen Forscher bearbeitet auf Empfehlung und unter Zusammenarbeit des Staat- lichen Museums Auschwitz-Birke- nau) Einen wichtigen Abschnitt der For- schungsarbeiten zum Thema Peporta- rion und Vernichtung der Polen im KZ Auschwitz stellen die Arbeiten an den Büchern der Erinnerung für Polen dar, die aus verschiedenen Regionen Polens ins K?Z Auschwitz deportiert worden sind. Bis jetzt wurde weiter gearbeitet und Pas Buch der Erinne- rung, Polentransporte aus Warschalu ins KZ Auschwitz J040— 104d veröf- fentlicht. Das Buch enthält ein Na- mensverzeichnis von 26.000 nach Au- schwitz deportierten Polen(Christen) mit der Angabe der wichtigsten per- sönlichen Daten: Häftlingsnummer im Lager, Geburtsdatum und ort, Be- ruf, Nationalität wie auch das weitere Schicksal in Auschwitz oder nach eit ner Verlegung in ein anderes KZ*. Die Namen sind den einzelnen Trans- porten zugeordnet. Jeder Transport wurde genau beschrieben; es werden Personen genannt, die aufgrund ihres sozialen Engagements entweder vom Krieg, während des Krieges in der 6) Die polnischen Bürger jüdischen Glaubens wurden nicht direkt von Warschau nach Auschwitz in Massentransporten gebracht, sondern vor allem in das Ver- nichtungslager Ireblinka, zum feil auch in das KZ Lublin-Majdanek. die De- portation der polnischen Juden aus den verschiedenen Regionen ist Gegenstand von getrennten Forschungen. In Vorbereitung ist aktuell das Thema des Schick- sals und der Deportation der Juden aus Lodz in das KZ Auschwitz. Falls das Quellenmaterial es ermöglicht, ein Buch der Erinnerung-Judentransporte von Lodz in das KZ Auschwitz zu verfassen, wird ein solches verõffentlicht. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 21 Konspiration oder nach dem Krieg be- kannt waren. Das Buch ist reich am I- lustrationsmaterial: Bilder der Hãft- linge in Zivil und in der Haft. Kopien von Dokumenten. Aktuell wird am Buch der Erinne- rung für Polen gearbeitet, die aus Kra- kau und aus dem Krakauer Pistrikt nach Auschwit?z gebracht wurden. Die Liste umfaßt etwa 20.000 Personen. Auch dieses Buch wird reichlich Bil- 6 Dokumente und die Parstellung on individuellen Häftlingsschicksa- len bringen. Während der Arbeiten an diesem Buch, dessen Veröffentlichung für Januar 2002 geplant ist, wurden Kontakte mit Familien der Opfer her- gestellt, um verschiedene zusätzliche Informationen zu erhalten. Die Fami- lien der Opfer zeigten sich an den Ar- beiten sehr interessiert und für dieses Vorhaben sehr dankbar. Dies ist ein Beweis, dass diese vorgenommene Aufgabe nicht nur aus einem wissen- schaftlichen Gesichtspunkt, sondern auch im Kontext der mit den Hãäftlin- gen emotio- KVTV Auchwits, aes 2ZOKober 1 wr Berufsofftzter ausser DLenat Teo?1l Patana— nal verbun- denen Men- schen richtig griechisch gatboLtsch 18t. Dokument phah Karaahau, 5410 t Idz1konaktegoetrusno Kr. 24—— z A4„Okobar 19 02 Unr 50 incen aus: Polen- Die Arbei- seb z erntraae eraerden. ransporle ten an den Fur dr Vernordnr vut xxdoren am 5 Jnnuar 1895————— ch. ia Zu la21e Krsts Rsi chsho? Buchern der SMd IMS Erinne rung K? Ausch- 8 3 sind in enger 1 1940 VMer Onu?r; Datuna, vohnhaft 1n Btal—* vi? 3 Zusammen- Buler EaSkr z Dalans gaborcns. Mehalek, vohnhnt n— arbeit mit vuk TOnO dur ch. Lr vetztothtne vsr— ieht verheitatettt ALtng Plans gaborene geführt, die So11nger das Museum — sowohl bei 5 Enpeirapes aul vdrhede ehlliirde Aoete de Arzt Pottor der den For- Nedtzin Entreas in Zuschn tz vom 10 0 10 ber 1942—— schun gSar eite als auch vor al- lem bei der von finanziel- len Mitteln für Editions- arbeiten und Druck unter- Der Standesbeamt In Ferdre arzachche hot Bronchopnuanonie stützt. 22 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Im folgenden ist eine Passage aus dem von Francis?ek Piper erwähnten„Buch der Frinnerung, Folentransporie aus Warschuu ins KZ Auschwit 1940— 144 do- kumentiert. Die Lagergemeinschaft Auschwitz hat das Projekt mitfinanziert(Mit- teilungsblatt 2/2000). Die dokumentierte Passage sowie Francis?zek Pipers Artikel über das Auschwitz-Museum hat Flabieta Stamm aus dem Polnischen übersetzt. Abfahrt eines Transportes von Warschau nach Auschwitz am 6. Januar 1941. „Wir fanden uns im Westbahnhof ein. Wir stiegen(vermutlich aus den Lastwagen die Ubers.) im hinteren Teil des Bahnhofs direkt zwischen Ma- schinenpistolen und einer Reihe von SS-Männern aus. Unsere Begleiter führten uns zu einer Rampe, auf der ein langer sonderbarer Personenzug stand. Den Aufschriften entnahmen wir, dass diese Wagen aus dem besetz- ten Frankreich stammten. Irgendein Offizier versuchte erfolglos die Türen des nächsten Wagens zu öffnen, es stellte sich aber heraus, dass die fran- zösischen Wagen wegen ihres viel niedrigeren Fahrgestells auf unseren Bahnsteigen nicht zu öffnen sind. Die Gestapoleute berieten eine kurze Wei- le, dann verteilten sie sich auf dem Bahnsteig und öffneten in jedem Wa- gen jeweils ein Fenster. In der Spalte zwischen den Wagen konnte ich auf der anderen Seite des Bahnhofs eine große Gruppe Reisender bemerken. Sie beobachtete uns sichtbar er— schreckt.(..) Es entstand ein unvor- stellbares Durcheinander. Die ge- schlagenen Häftlinge verstreuten sich in alle Richtungen.(..). Um mich von den Schlägen eines Gestapomanne zu retten, sprang ich in einen Wagen- Im Wagen herrschten ein riesiges Ge- dränge, lautes Gebrülle, Durcheinan- der.(...) Plötzlich schaute ich in das Fenster auf der anderen Seite des Wa- gens und Sah etwas, was ich trotz ver- gangener 30 Jahre immer noch nicht vergessen habe. Aus der auf dem be- nachbarten Bahnsteig auf einen Zug wartenden Menschenmenge trat ein Straßengeiger hervor, riß aus dem Etui sein Instrument und spielte „Warszawianka“*). Die auf dem Bahnsteig versammelte Men- schenmenge zog ihre Mützen ab. Trotz der Entfernung über viele Meter ge- langte diese Melodie zu unseren Oh- ren. Eine Stille erfüllte den ganzen Wagen. Man mußte in besetztem 0 schau leben, um so eine manchma verzweifelte Tat eines Menschen zu erkennen, der gegen das Unrecht, des- sen alltäglicher Zeuge er war, Zu pro- testieren wußte. Quelle: APMO(Archiv des Staatlichen Museums Oswiecim die Ubers). Erin- nerungen-Sammelband, Band 121, S. 7.8. Erinnerungen des ehemaligen Häft- lings Czeslaw Rychlik, Nr. 7901. 6) Warszawianka“ wurde zu einer Hymne des Novemberaufstands 1830 ₰1 ge- gen das zaristische Rußland, das damals einen Jeil Polens mit Warschau besetzt hatte, und zu einem nationalen Revolutionslied. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 23 enminiter nen 3. vi.) empfing TOnO-Vorstand und LGA-Vorstand. 7 Gedenkbuch der Krakauer Auschwitztransporte Analog ⁊u dem mit finunzieller Untenstitung der Lagergemeinschaft emchienenen Gedenkhuch Polenunsporte aus Warschau ins KZ Auschwilz(viehe Seite 22) be- reiten das Museum Auschwitz und VOnU eine Gedenhuch über die Junsporte von Krakow nach Auschwitz von Auch hierfir vollen die fehlenden Mittel durch Spen- den auſgebrach werden. Auf Initiative der Gesellschaft zur Betreuung von Auschwitz(TOnO) hat das Staatliche Auschwitz- Museum Recherchen für die Publikation „Ksiega Pamieci. Transporty Polakow z Dystryktu Krakowskiego do KL. Auschwitz-Birkenau 1940— 1944(Ge- denkbuch. Polen-Transporte vom Distrikt Krakau ins KZ Auschwit?z- Birkenau 1940—1944) ausgeführt. Die Arbeiten umfaßten die Durchsicht 9 Nummernverzeichnisses der Hãft- inge im Informationsbüro des Mu- seums und eine Umfrage unter ehe- maligen Häftlingen, das Ausdrucken der gespeicherten Sterbelisten, das Abdrucken der Hãftlingspersonalkar- ten, das Herausziehen der Angaben und das überprüfende Vergleichen dieser Daten mit der Memoiren- und Geschichtsliteratur. Diese Arbeiten sind als erster Jeil eines umfangreicheren Vorhabens vom Staatlichen Museum Auschwitz- Birkenau und TOnO gemeinsam finanziert worden. Gegenwärtig beginnen wir mit der zweiten Etappe, d.h. mit der Heraus- gabe dieser Materialien in drei Bän- den, die 20.000 Häftlingseintragungen des KZ Auschwit?-Birkenau umfassen (Männer, Frauen und Kinder, insge- samt 200 Transporte). Für das Auschwitz-Museum wird das Gedenkbuch das Dokumtntati- onsmaterial der Gemeinschaftsarbeit „Polacy w KI. Auschwitz-Birkenau“ (Die Polen im KZ Auschwitz-Bir- kenau) und eine Materialsammlung für wissenschaftliche Untersuchungen zur Zeit des zweiten Weltkrieges dar- stellen. Für den Kreis der ehemaligen Hãäftlinge und ihre Familien hingegen wird es ein Beweis sein, dass man das tragische Schicksal der Polen in die- sem Vernichtungslager in Erinnerung behalten wird. Kazimierz Albin, Maria KorzeniowsMa 24 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer SAUL K. PADOVER:LUGENDFETEKTOR VEFRNEHMUNGEFNIM BESIFEGTEN DEUTSCHLAND 1944/45 reZensiert von Dr. Klaus Konrad-Tromsdorf Padover, Saul. K.: Ligendetektor. Vernehmungen im besiegten Deutschland 1944/45 Eichborn(Frankfurt/ Main) 1999, ISBN 3 821844787 44 PM „Wir sind alle unschuldig“, sagte König mit matter Stimme. Man darf das deutsche Volk nicht bestrafen“(S. 46). Hans König war Immobilienmak- ler in Aachen, als einer von acht Ab- wesenheitspflegern' maßgeblich und zu seinem eigenen Vorteil an der Ari- sierung' jüdischer Vermögen beteiligt. Mitglied der NSDAP seit 1933; von Erschießungen, Vergasungen und Massenmord hatte er gewusst. Sein Gesprächspartner in jenem Winter 1944 ist Saul K. Padover, 1905 in Wien als Sohn jüdischer Eltern geboren, 1920 in die Vereinigten Staaten aus- gewandert, Vale-Absolvent, 1938 per- sönlicher Referent des U.S.Innenmi- nisters, seit 1943 Offizier in der Ab- teilung für psychologische Kriegs- führung(PWD). Mit einem kleinen Team führt Padover seit dem Herbst des Jahres Interviews mit Deutschen. Seine Arbeit findet in Frontnãhe statt. die Schar seiner Probanden ist viefãl- tig: Die Bauerntochter, der Bischof. der Nazibonze, die Volksschullehrerin, befreite Zwangsarbeiter, kommunisti- sche Arbeiter. Das Ziel dieses Unter- nehmens: Informationen über Motive, Haltungen, Hoffnungen, Erwartun- gen, also über die gegenwärtige deut- sche Mentalität' zu gewinnen. Von Luxemburg über Aachen und Krefeld führt der Weg, den das Team zurück- legt, über Buchenwald und Torgau nach Regensburg. Padovers Bericht erscheint 1946 in New Vork ment in Germany') und zeitgleich il London(Psychologist in Germany'). Erst 1990, achtzehn Jahre nach Pado- vers Tod, erscheint die hier rezensier- te deutsche Ubersetzung. Zufall ist dies ganz sicher nicht, zu decuvrierend ist diese wichtige Quelle, zeigt sie doch das Selbstverständnis der Deutschen zu einer Zeit, als Ver- drängung und Deckerinnerungen noch nicht zu greifen begonnen hat- ten. Gleichwohl finden sich deren Grundmuster bereits in den Inter- views wieder, oszillierend zwischen Mut, kollektiver Depression, Selbst- mitleid und unbelehrbarer Arroganz. So plündern die deutschen Einwoh- ner eines Dorfes bei Paderborn das Schloß der Gräfin von Zitzewitz nick ohne den amerikanischen Kommans deur zuvor um die Erlaubnis hierzu gebeten zu haben. Die hinzukommen- de Frau eines deutschen Ingenieurs bemerkt zu Padover(mit 2ynischem Lächeln', wie er anmerkt):„Aha, die Russen haben wieder geplündert.“ Pa- dover zwingt sie dazu, sich die Plũnde- rer anzusehen, die Reaktion der Frau besteht aus dem gemurmelten Sat?: Aber sie müssen es gewesen sein!“ (S285 4) Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 25 Fast alle“ schreibt Padover im No- vember 1944 in einem seiner Berichte, „die dem Naziregime ablehnend ge- genüberstehen, klagen darüber, wie schwer sie es hatten. Sie fließen über von Selbstmitleid. Diese Larmoyanz ist eine mehr oder weniger unbewus- ste Methode zur Rechtfertigung des eigenen Mitläufertums“(S. 91). Bermerkenswert schließlich noch folgender Befund: Viele Deutsche erurteilen in den Interviews die Geuclraten die in Polen und Russ- land begangen wurden, verurteilen den Massenmord an den Juden. Es mag dahingestellt bleiben, ob diese Aussagen der Interview-Situation ge- schuldet waren oder nicht- festzuhal- ten bleibt jedoch, dass entgegen der später so häufig geäußerten Behaup- tung, man habe nichts gewußt', das Wissen um den Holocaust offensicht- lich verbreitet war, quer durch alle sozialen Schichten des deutschen Volkes. Padovers Berichte blieben seiner- Zeit nicht ohne Einfluß auf die Defini- tion der Deutschlandpolitik der Verei- nigten Staaten. Fisenhower, s0 vermeldet es wenigstens der Klappen- text, habe sie(die Berichte) zu Rate gezogen und beherzigt. Für heutige Leserinnen und Leser gewinnt Pado- vers Buch seine Wichtigkeit allerdings dadurch, dass es— in einer einzigarti- gen Momentaufnahme- EFinstellun- gen von Deutschen abbildet, die noch nicht die Zeit dazu gefunden hatten, zur eigenen Entschuldung kollektiven Rechtfertigungsideologien anzuhän- gen, gleichwohl jedoch die Ingredien- zien jener Rechtfertigungsideologien bereits bereithalten. Möglich war die- se Momentaufnahme nur in den weni- gen Monaten vom Herbst 1944 bis zum Mai 1945. Saul Padovers Ver- dienst ist es, diese Momentaufnahme unternommen zu haben. Saul K. Padovers Buch liefert uns heute einen Blick auf die mentalen Befindlichkeiten von Angehörigen der Tätergesellschaft, die als Personen in weiten Teilen prãgend und bestim- mend für die dann entstehende Nach- kriegsgesellschaft' werden sollten. Es ist also wohl kein Zufall, dass dieses Buch erst 1990 in einer deutschen Ubersetzung erscheinen konnte. Marie-Louise Steinschneider— langjähriges Mitglied der Lagerge- meinschaft Auschwitz-Freundeskreis hat zusammen mit Gleichgesinnten das„Adolf-Moritz-Steinschneider- Archiv“ gegründet. Ziel des gemein- nützigen Vereins ist es, den Nachlass von MarieLouises Vater Adolf᷑ Moritz Steinschneider für wissenschaftliche Forschungen zu ordnen und eventell Adolf-Moritz-Steinschneider-Archiv Teile daraus zu edieren. Als politischer Anwalt musste Steinschneider 1933 aus Frankfurt flie- hen, 1044 wurde er in der französi- schen Emigration von SS-Horden er- mordet. Erhalten ist ein Teil von Steinschneiders Briefen, in denen er hellsichtig die Situation im Exil be- schreibt. Kontakt zum Archiv üher die LOA. 26 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer „Verliere nur den Mut nicht. Wir kommen ganz bestimmt durch.“ Barbara Schieb, Nachricht von Chotzen,„Wer immer hoßfi stirbt singend“, PuhliMkationen der Gedenk und Bildungsstitte Haus der Wannsee- Konferenz, Bd. 9, Berlin 2000, 70. PM hei Pirelthezug üiher die Lagergemeinschaft Auschwitz. Dies ist-im mehrfachen Wortsinn- ein unerhörtes“ Buch. Herzstück sind die Dokumente, die auf über einhun- dert Seiten— teilweise faksimiliert- wiedergegeben werden: 384 Briefe und Postkarten, Nachrichten aus dem Ghetto Riga, aus dem Berliner Sam- mellager und aus dem Ghetto There- sienstadt, geschrieben seit Sommer 1942 bis Februar 1945 von Mitgliedern der Familie Chotzen. Adressiert sind die Lebenszeichen an die Mutter, die nach NS-Rasserecht„Arierin“ war. Durch die Heirat der Mutter mit der als„Volljude“ klassifizierten 6 und durch die Zugehörigkeit der Fa- milie zur jüdischen Gemeinde, wur- den die vier Söhne zu so genannten „Geltungsjuden“. Von den neun Fa- milienmitgliedern, die 1941 in Berlin lebten,„über ebten nur drei Men- Foto-, Brief- und Postkartendokumente der Berliner Familie Chotzen. Lagergemeinschaft Auschwit?-Freundeskreis der Auschwit?er 27 schen: die Mutter, ein Sohn und eine Schwiegertochter. Der rassenrechtliche“ Status der Familie wird ausdrũcklich in einem ei- genen Abschnitt erläutert: doch Per- version und Willkür der rassistischen Verfolgung und Vernichtung durchzie- hen als roter Faden das ganze Buch. Vordergründig steht die Mutter im Mittelpunkt, im Grunde aber ist das Geschehen Jahr für Jahr, Seite für Sei- e auf Rassenwahn und Antisemitis- 6 zentriert. Von diesen her er- schließen sich die Ursachen und Folgen, denen Millionen Menschen zum Opfer fielen. In diesem Sinne und Verständnis liest sich auch der größere Teil des Bu- ches(circa 150 Seiten), die„Familien- geschichte“. Barbara Schieb hat sie ein- fühlsam und sachkundig geschrieben. Der Berliner Historikerin gelingt es. Familiengeschichte als Zeitgeschichte S0 darzustellen, dass der Leser unmit- telbar nach-erlebt, was den Nationalso- zialismus so monströs und einzigartig macht: die„Auslöschung“ der Juden und anderer minderwertiger Rassen“. „Unerhört“ sei dieses Buch, hiess es am Anfang dieser Rezension. Eine derart materialreiche Studie, die uns die Stimmen der Opfer in einer für die Lieben daheim beschönigenden Form zu Gehör bringt, hinter der das erleb- te Grauen dennoch anschaulich spür- bar bleibt, erfasst den Leser in einer bislang nicht gehörten Weise und ge- radezu schockartigen Betroffenheit. Und es ist zu wünschen, dass die ver- schlüsselten Botschaften und Rufe nach einem Ausweg, die zwischen den Zeilen der Nachrichten zu hören sind, dieses Mal nicht unerhört bleiben. Albrecht Wernen Cordt Wie in Frankfurt/ Main mit Minderheiten, den „Anderen“ umgegangen wurde. Minderheiten in Frankfurt am Main. Vom Umgang mit Anders- denkenden-Andersglaubenden- 0 Anderslebenden, Vorträge von achim Proescholdt und Jürgen Ielschow Schriftenreihe des Evangelisch-lu- therischen Predigerministeriums Frankfurt am Main, Heft 5. 19,50 DM(Direktbezug bei La- gergemeinschaft). Fin mit knapp 200 Seiten ver- gleichsweise dünnes Buch legen die Autoren zum wieder einmal brand- aktuellen Thema Antisemitismus und Rassismus vor, aber ein Buch, das es in sich hat: Vorzüglich illustriert, mit prägnanten Anmerkungen und Hin- weisen zur Literatur werden vier kenntnisreiche Vortrãge verõffentlicht über Frankfurter Juden“- Von der Ausgrenzung bis zur Emanzipation“ (Joachim Proescholdt),„Frankfurter Juden- Vom Antisemitismus zur Shoah“(Joachim Proescholdt),„Reli- giöse Minderheiten in Frankfurt am Main gestern und heute“ Cürgen Telschow) sowie„Paul Schneider- Der Prediger von Buchenwald“ (Joachim Proescholdt). Den Vorträgen merkt man erfreuli- 28 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer cherweise in der Lebendigkeit der Darstellung das gesprochene Wort an, was in der schriftlichen Form durch die beigegebene Bilddokumentation an Anschaulichkeit noch gewinnt. Den Lesern wird ein rundum ge- lungenes, äußerst informatives Werk zugänglich. Es zeigt, dass Kirchenge- schichte, die sich als kritische Stadt- und Sozialgeschichte versteht, gerade zu den Themen Antisemitisums, Ras- sismus und Minderheiten aufschluss- reiche Finsichten beitragen kann. Die Autoren sind Männer der Kir- che. Proescholdt war überdies als Nachfolger von Hermann Reineck Vorsitzender der Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis. Telschow ist seit Jahren Vorstandsmitglied von „Zeichen der Hoffnung“ und anderen Organisationen, die sich für die Ver- söhnung von Deutschen und Polen einsetzen. So schr die Vorträge auch wissen- schaftlichen Standards genügen, s0 wenig kennzeichnet allerdings die Verfasser ein wertfreier, neutraler wissenschaftlicher Blick. Dies zeigt schon der Untertitel„Vom Umgang mil Andersdenkenden- Andersglau- henden Anderslebenden“. Wie ist man mit Menschen umgegangen und wie geht man mit denjenigen um, die „anders“ sind, ist ihre Frage. Aus der Darlegung dessen, was war und immer noch ist, gewinnt der Zuhörer und 9 ser Handlungsmaximen für heute. Wer sich knapp und fundiert infor- mieren möchte und bereit ist, aus den Folgen des Rassenwahns und der reli- giösen Intoleranz zu lernen und Mut zu eigenem Engagement zu finden. der lese dieses Buch. Unter dem letzt genannten Aspekt sei insbesondere auch auf den Vortrag über Paul Schneider, den Prediger von Bu— chenwald, verwiesen. Albrecht Werer Cordt Namen von 11.134 Frankfurter jüdischen Deportierten und Ermordeten an der Friedhofsmauer Battonstraße.(Foto: Proescholdt aus: Minderheiten in Frankfurt). Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 29 „Wir leben sowieso nur von einem Tag zum andern“ Ilse Rewald, geboren 1918 in Berlin, lebte von Januar 1943 bis Mai 1945 in der IMlegalität in Berlin. In einem Vortrag, den sie bereits 1975 in der Gedenk- und Bildungsstätte Stauffenbergstraße gehalten hat, Spricht sie vom„Uberleben“jü- discher Menschen, die mit-erleben“ mussten, wie ihre Familien„evakuiert“, in Listen erfasst und zur Abwanderung„abgeholt“ wurden. Die hier auszugsweise wiedergegebenen Erinnerungen sind in den„Beiträgen zum Widerstand 1933— 1945*, Heft 6, erschienen. Sie enthalten im Anhang das „Wannsee-Protokoll“ zur Endlösung der Judenfrage vom 20. Januar 1942 und das Faksimile eines„Abwanderungsbescheides“ vom 29. Mai 1942 mit einem Merkblatt für die Jeilnehmer an den Abwanderungstransporten“. Trotz De- oration und Ermordung ihrer Familienangehörigen, der Freunde, Nachbarn und Arbeitskollegen ist Ilse Rewald nach der Befreiung in Berlin geblieben. Ilse Rewald: Berliner, die uns hal- fen, die Hitlerdiktatur zu überle- ben, Gedenkstätte Deutscher Wi- derstand Berlin, 4. Auflage 1985. (Die Broschüre wird kostenlos ab- gegeben. Sie kann gegen Erstat- tung der Portokosten über die La- gergemeinschaft bezogen werden.) Oktober 1941. Neben mir in der Fabrik arbeitet ein junges, hübsches Mädchen von achtzehn Jahren. Sie ist aufs äußerste erregt, denn sie haben Listen von der Jüdischen Gemeinde in denen sie ihre Woh- ungseinrichtung, ihre Wäsche, ihr Bankkonto, kurz, ihren Besitz auf- führen sollen. Man spricht von der so- fortigen Kündigung ihrer Wohnung, weiß nicht, ob sie in eine andere ein- gewiesen werden, oder ob sie in ein Getto im Osten kommen. Sie erzählt von ihrer kranken Mutter, der sie alle Aufregungen wegen ihrer Herzanfäl- le fernhalten muß. Am nächsten Tag blieb ihr Platz leer, und wie wir hören, ist sie mit ihrer Mutter von der Gesta- Albrecht Werner Cordt po abgeholt und in die frühere Syna- goge in die Levetzowstraße gebracht worden. Dort werden die Juden für den Transport gesammelt, sie haben keinerlei Verbindung mehr mit der Außenwelt, und nach zwei odere drei Tagen hört man von ihrer Evaku- ierung nach Litzmannstadt. Jeder zer- bricht sich den Kopf, nach welchen Gesichtspunkten die„Listen“ ver- sandt werden. Wir finden keinen Schlüssel, es trifft wohlhabende und ganz arme Juden. Sie dürfen 10 Mark mitnehmen und Gepäck, soviel sie selbst tragen könnnen. Unser Freund, der Pianist, ist auch abgeholt worden, ebenso Verwandte meines Mannes. Wir zeichnen unsere Sachen mit unse- rem Namen, jedes Stück wird mit „Ilse Sara Rewald“ beschriftet, Ruck- sack zurechtgelegt, weil niemand weiß, wann die Reihe an uns ist. Wir nehmen an, daß wir in Litzmannstadt oder Minsk in ein Getto kommen und dort unter schärferer Kontrolle leben und arbeiten werden. Manch ein Opti mist hofft, daß dort die Schikanen ge- 30 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer ringer werden. Jeder, der arische Freunde hat, packt die ihm liebsten Sa- chen zusammen und bittet um Aufbe- wahrung. (..) Mein Mann gibt seine Einwilli- gung, daß er und ich uns freiwillig mel- den, um nicht von unseren Angehöri- gen getrennt zu werden. Immer noch glauben wir, daß uns nichts passieren kann, wenn wir nur nicht auseinander- gerissen werden. Ich spreche mit der Betriebsleitung, mit dem Meister, und sie geben mich zum Iransport frei. Wir packen die Rucksäcke, die wärmsten Sachen werden übereinanderangezo- gen, denn es ist eisiger Winter. Mein Mann stellt ebenfalls seinen Antrag bei der Deutschen Reichsbahn und bittet um Freistellung von der Arbeit. Der Inspektor spricht bei der Gestapo vor, die die Einwilligung verweigert: Die bei der Eisenbahn beschäftigten Juden werden noch dringend als Ar- beitskräfte gebraucht und können nicht zum Transport freigegeben wer- den. Die Listen meiner Mutter und Tante sind ausgefüllt, Gestapo-Beam- te kommen in die Wohnung und holen sie am 11. Januar 1942 ab. Eine Kolle- gin in der Fabrik erzählt mir, daß sie ihren echten Teppich für 1000 Mark verkaufen konnte. Sie ist darüber so froh, weil sie sich für den Erlös Vero- nal beschafft hat. Als sie die Listen be- kommt, ist sie ruhig und gefaßt. Am nächsten Tag hören wir, daß sie sich vergiftet hat. Die Selbstmorde er- schüttern uns fast nicht mehr, wir be- neiden jeden, der den Mut aufbringt und sich nicht mehr quãlen muß.(..) 1942: Die Ernährungslage wird im- mer schwieriger. Juden bekommen überhaupt kein Fleisch mehr. Mein Mann hat eine Schwerarbeiterkarte, auf die wir 200 Gramm Fleisch in der Woche erhalten. Freunde bringen uns heimlich Fisch, die Gemüsefrau packt uns einen Kohlkopf ein, meine alte Kinderfrau spart von ihrer Ration und bringt uns in einem kleinen Töpfchen eine nahrhafte Mahlzeit. Meine erste Lehrerin, mit der ich seit Jahren be- freundet bin, liegt mit Lungentuber kulose im Krankenhaus. Sie schick uns kleine Päckchen mit hartgekoch- ten Eiern, die sie zur Stärkung essen Sollte. Alle unsere christlichen Freun- de zeigen uns ihre Liebe und ihr Mit- gefühl. Sie besuchen uns nur noch am Abend, wenn es dunkel ist. Man weiß nicht, wer sie im Hause sehen könnte. wenn sie Juden besuchen und Verbin- dung zu uns haben. An unserer Woh- nungstür klebt auch ein großer Juden- stern. Wir dürfen das Haus abends nach 8 Uhr nicht mehr verlassen. Mein Mann hat eine Sondergenehmigung von der Gestapo, weil er für die Eisen- bahn in Nachtschicht arbeiten muß. 62) Dezember 1942. Meine S eltern werden abgeholt und nac Auschwitz deportiert. Der 16 jãährige Stiefbruder meines Mannes hat sich von ihnen losgerissen und kommt ganz verstõrt zu uns. Wir sind ratlos kõnnen ihn nicht verbergen. so daß er den schweren Weg doch mit seinen Eltern gemeinsam gehen muß. In der Fabrik treffen wir uns am Morgen schon mit verängstigten Gesichtern. Es gibt im- mer neue Listen, Transporte, immer neues Leid, und die Kolleginnen sind * — — Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 31 sich durch die gemeinsame Not sehr nahegekommen. Kaum eine von uns, die nicht ihre Mutter, ihren Bruder. gute Freunde durch die Deportatio- nen verloren hat. Jeder zittert vor den Neuigkeiten der anderen, die alle un- ser eigenes Unglück vergrößern. Es entstehen aufopfernde Freundschaf- ten und eine Finsatzbereitschaft für einander, wie sie nur Notzeiten und Schicksalsverkettung bringen können. h werde nie vergessen, wie eine Kol- gin mir an meinem Geburtstag, dem ersten, den ich in meinem Leben ohne meine Mutter verleben mußte, einen Kuchen gebacken hat. Sie mußte lan- ge dafür an Zutaten sparen, um mir ei- ne kleine Freude zu bereiten. Allmählich sickern Nachrichten aus den Konzentrationslagern Ausch- witz, Birkenau, Riga, Theresienstadt durch. Man hört von Massenhinrich- tungen, von Erschießungen, Soldaten erzählen von den Ermordungen in Minsk, und es wird klar, daß jeder „Fvakuierte“ seinem Tod entgegen- geht. Eines Morgens hören wir die Schreckensnachricht, daß die Abho— lungen jetzt ohne vorherige Mitteilung raßenweise oder vom Arbeitsplatz folgen sollen. Es gibt keinen Schutz mehr, auch wenn man bei der Reichs- bahn oder im Rüstungsbetrieb zwangsverpflichtet ist. Der Bruder meines Mannes wird als letzter unse- rer Familie geholt, und für uns gibt es nun keine Gefahr mehr, die wir unse- ren Angehörigen durch unsere Flucht bereiten könnten. Wenn sich einer ver- borgen hält, nimmt die Gestapo ein Familienmitglied als Geisel.(..) 1943: Am 11. Januar 1943, es ist ein Wintertag mit 20 Grad Kälte und schneidendem Ostwind, gehe ich zur Familie P, die ich persönlich über- haupt nicht kenne. Ich habe nur durch Freunde von ihrer großen Mensch- lichkeit und steten Hilfsbereitschaft gehört. Der jüdische Vater, Arzt, war vor kurzem gestorben. Die christliche Tochter und Mutter tun ihr möglichs- tes, um sich der verfolgten Juden an- zunehmen und ihre Not zu lindern. Ich bin Schon so verzweifelt, daß ich es wa- ge ihnen meine Bitte um Obdach vor- zutragen. Sie sagen mir, daß sie schon in großer Gefahr schweben und nicht noch mehr Risiko auf sich nehmen können. Während ich weinend die Treppe hinuntergehe, werde ich von ihnen zurückgerufen. Sie haben es nicht verantworten können, mich der Gestapo Zu überlassen und bieten mir an, vorlãufig bei ihnen zu wohnen. Von diesem Jag an tragen wir kei- ne Judensterne mehr, leben ohne poli- zeiliche Anmeldung und ohne Le- bensmittelkarten. Unsere Wohnung mit allem Inventar, Möbel, Wäsche, Porzellan, haben wir im Stich gelassen. Ich möchte gern noch einmal in die Wohnung gehen, um einen Bettsack und andere warme Sachen zu holen. Meine neuen Freunde sehen darin aber eine zu große Gefahr. Die Scher- gen der Gestapo sollen oft tagelang warten, weil sie annehmen, daß die „Untergetauchten? irgend etwas ihrer Sachen dringend brauchen und zurückkehren werden. Mein Mann und ich gehen von diesem Iag an auch nicht mehr zur Arbeit, denn auch von dort aus werden die neuen Transporte in die Konzentrationslager zusam- mengestellt.(..) 32 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Unseren Mitgliedern die herzlichsten Geburtagsgrüße u O1.6. Gerhard Herr O1.6. Ludwig Poppeler O5.6. Dr. Walter Bittner O5.6. Diethardt Stamm O7.6. Marie-Louse Steinschneider O9.6. Dietlind Glever Schmidt 11.6. Kristine Tromsdorf 13.6. Jutta Loesch 15.6. Andreas Kilian 17.6. Martina Hörber 17.6. Hansjörg Lacour 18.6. Matthias Loesch 18.6. Elke Schneider 19.6. Birgit Brunner Z.6. Bettina Hack 6. Kurt Rosemeier S.6. Rudolf Boning 5.6. Horst Jacob 5.6. Rainer Leichtenberg 28.6. Christiane Hörber 28.6. Susanne Thurnay 29.6. Norbert Augustin 29.6. Dr. Dieter Werner Juli N. 7. Alexander Woff 3.7. Rolf Kirsten B.7. Michael Thiel d. 7. Roland Schähle M. 7. Wladyslawa Jankiewic?z Karl-Klaus Rabe Susanne Schwartze Margret Hamm Ulrich Juncker Sonja Rahimi Devakaur Wade Carl-M. Barnutz Barbara Distel Hildegard Gerhards Norbert Hessler Jürgen Bartholome Prof. Friedemann Hellwig 17.7. Dr. Martin Proescholdt 18.7. Claus Ladwig 19.7. Lothar Bembenek 19.7. Wilhelm Dorn 19.7. Angela Sulzmann 6 —— 60—— ————— S S— 19.7. Bernd Stallenberger Heinz Ennemann Bardo Bayer Rainer Röhrborn Halvar Bertilsson Herta Weck Dr. Susan Cerniak-Spat? M. 7. Michael Langhanky 27.7. Imo Moszkowicz 28.7. Klaus Rosenstock 31.7. Walter Nuhn August 02.8 Susanne Rudolph O2.8. Günter Bilgmann O2.8. Dr. U. Krause-Schmitt 03.8. Inge Hartwig 03.8. Eduard Wolny O07.8. Petra Gögelein O8.8. Katharina Neidert 09.8. Hans-Jürgen Rojahn 09.8. Steffen Gross 10.8. Doris Graenert 10.8. Astrid Knöss 11.8. Elke Maurer 13.8. Wiebke Lessin 16.8. Ursula Schmidt 17.8. Hildegard Moos 18.8. Jachim Sokolowski 19.8. Willi Berg 25 8. Detlev Puls 27.8. Andrea Wrede 28.8. Michael Hummel September 04.9. Neithard Dahlen O6.9. Ellen Krosch O07.9. Volker Mattern O8.9. Heino Galland O8.9. Karin Mihm 10.9. Rudolf Reiferscheid 12.9. Martin Grün 14.9. Thomas Krug 14.9. Edgar Nienhuys 15.9. Dr. Werner Falk 15.9. Eva Leidescher-Blaschke 16.9. Peter Hofmann 16.9. Josef Seuffert 21.9. Dr. Christian Grosche 21.9. Gerhard Heyer 24.9. Karl Hammer — — — 27.9. Dr. Bastian Meijer 28.9. Jutta Wies 29.9. Harald Skroblies 30.9. Elke Gross Oktober 01. 10. Dr. Margit Proescholdt 02. 10. Franz Solms-Laubach O6. 10. Prof. Dr. Konrad Huchting 10. Jörg Raab 10. Helga Leib 10. Barbara Reuter 10. Walter Matt 10. Christa Piotrowski 10 10. Katharina Fleckenstein 14.10. Stephan Kahl 16.10. Heinz Betzler 16.10. Jürgen Lindemann 17.10. Rainer Michel 17.10. Peter Reimann 18. 10. Helmut Hertel 19.10. Peter C. Keller 21.10. Maria Kret?schmann 23. 10. Gerhard Gaede 23.10. Regina Hamel 25.10. Nina Melchers 28.10. Cornelia Bandorf 28.10. Dr. Klaus Konrad-Tromsdorf 31.10. Hans Hirschmann 31. 10. Michael Met?z November 02.11. Britta Gundlach O4. 11. JOachim Proescholdt Hanns Blauert Thomas Kremer Maron Löwenbein Sissi Hajtmanek Berthold Zins Susanne Bolczek Kerstin Krause Wofgang Merten Dr. Hans Joachim Funke 11. Hedda Hansen 19.11. Günther Magel 11. Prof. Dr. Klaus Dörner S S 25.11. Ingeborg Kress 25. 11. Edgar Luy 26. 11. Rudko Kawczinski 29.11. Reiner Drescher 29. 11. Hubert Meyer 30. 11. Gabriele Abel PDr Pieten Seunmeit l CDU-Strafgelder für Synagogenprojekt in Lich Die„Ernst-Ludwig-Chambré-Stif- tung“ in Lich(Landkreis Gießen)ge- schäftsführender Direktor ist KGA- Mitglied Dr. Klaus Konrad-Tromsdorf wird von den unrechtmäßig erlang- ten Spendengeldern der CDU 300.000 Mark für die Wiederherrichtung der ehemaligen Bezalel-Synagoge in Lich bekommen. Die Zuweisung erfolgte auf Initiati- ve des Bundestags-Vizepräsidenten Dr. Hermann Otto Solms(FDP) durch das Prãsidium des Deutschen Bundes- tages. vangsarbeiterEntschädigung: Kommentar der tageszeitung(12.5.2001) echtssicherheit für Opfer Eines ist gewiss: Wenn es nach den Unternehmen ginge, würden noch zehntausende ehemaliger Zwangsar- beiter ihre Entschädigung nicht mehr erleben. Allein seitdem sich die Regie- rung und die Stiftungsinitiative der Wirtschaft vor anderthalb Jahren auf die Zahlungen einigten, sind bald 100.000 Menschen gestorben, die An- spruch darauf hatten. Und obwohl die letzte Zwangsarbeiter-Sammelklage gegen deutsche Unternehmen in den USA abgewiesen wurde und damit die geforderte„Rechtssicherheit“ gege- ben ist, wollen sie noch immer nicht zahlen. Für diese unwürdige Taktik ist andal ein zu gelindes Wort. Aber was heißt überhaupt Entschä- digung? Deportierte und verschleppte Menschen würden ganze 5000 Mark er- halten, KZ und Sklavenarbeiter sowie Opfer rassistischer Verfolgung 15.000. Diese Beträge sind höchst bescheiden gemessen an der historischen Schuld- und dürften doch manchem Opfer, das von kãrglicher Rente lebt, schr gelegen kommen. Je eher, desto besser. (.) Der Bundestag muss seine Ver- antwortung wahrnehmen und die „Rechtssicherheit“ feststellen, denn damit garantiert er den Unternehmen, dass sie nur einmal Entschãdigung zah- len- und zwar via Stiftungsinitiative. Nur so kõönnen die Unternehmen end- lich zum Zahlen gezwungen, und nur So kann der Apparat zur Auszahlung in Gang gesetzt werden. Dazu müssen Organisationen in mehreren Ländern die Anträge der Opfer sammeln, auf- wendig prüfen und die Ansprüche dann gegenüber der Stiftungsinitiative nachweisen. Wie lange diese Prozedur dauern wird, ist võllig unklar. Auch hier gilt: Je eher, desto besser. Wer heute noch auf die Abweisung eines Teils der 19 weiteren Einzelkla- gen in den USAM warten will, wie der Sprecher der Stiftungsinitiative Wolf- gang Gibowski, verhöhnt dreist die Opfer. Zudem verdeckt das Lamento über die„Rechtssicherheit“ der Un- ternehmen, worum es wirklich geht: die Rechtssicherheit“ der Opfer. Ih- nen hatte Kanzler Schrõder im Febru- ar 1990 versprochen Schnell und un- bürokratisch“ zu helfen. Darauf warten die Uberlebenden noch immer. Daniel Haufler Mitgliederverammlung am 11. August Bitte merken Sie den Termin für unsere öffentliche Mitgliederversammlung am Samstag, dem 11. August 2001, um 16 Uhr in der Ton- und Bildstelle der EKHN, Frankfurt am Main, Rechneigrabenstraße 10, vor. Auf der Iagesordnungstehen ua. Vorstandswahlen. Es wird aber auch die Neufassung der Ton-Dia-Schau mit Hermann Reineck„Ich bin gesund und fühle mich wohl“ zu schen sein. Diese wurde in der Ton und Bildstelle erarbeitet(Video) und kann sehr gut in Schulen und anderen Bildungseinrichtungen eingesetzt werden. Bernd Durst, Leiter der Bildstelle, wird Auskunft ũber weitere Filme und Bilddokumentationen geben. die ausgeliehen werden können. Dokumentarfilm:„Sklaven der Gaskammer“ Andreas Kilian, einer der besten Kenner der Quellenlage über das jũdi- sche Sonderkommando in Auschwitz Giehe sein Beitrag im Mitteilungsblatt 1/1999) und in Kontakt mit einigen der wenigen Uberlebenden, hat als Co- Autor von Eric Fiedlers Dokumentar- film„Slaven der Gaskammer- Das jiidische Sonderommando in Ausch- witz“ mitgewirkt. Der Film wurde in der ARD und im dritten Programm beim Südwest-Fernsehen(SWF) ge- sendet. Er stieß bei der Kritik auf große Zustimmung, und trotz spãter Sendezeiten lagen die Zuschauer- Quoten über den Erwartungen. Uberlebende des Sonderkomman- dos, die an den Krematorien und Ver- brennungsgruben im Vernichtungsla- ger Birkenau„arbeiten“ mussten, erzählen in„Sklaven der Gaskammer“ über die Mechanismen des letzten Ak- tes der Massenmorde und wie dies ihr Feben nach der Befreiung bestimmte. Video: SWR-Media, Mitschnitt- dienst, 76522 Baden-Baden, Tel. 07221 300500. Und zum Ausleihen wahr- scheinlich bei der Ton- und Bildstelle der EKHN, Frankfurt, Rechneigra- benstraße 10. Henryk 6 Mandelbaum -Uberleben- der des Son- derkomman- dos und einer der Interview- Partner im Film„Sklaven der Gaskam- mer“- im Ge- spräch mit Schülerinnen aus Frankfurt am Main. Farbkarte 613 FT AUSCHWITAZ IS DER AUSCHWITZER Mitteilungsblatt, Juni 2001