LAGERGEMEINSCHAFT AUSCHWITZ AUSCHMTE FRENDESKREISKREIS DER MSCHWITAZER 20. Jahrgang, Heft 2 Mitteilungsblatt, Dezember 2000 Inhaltsverzeichnis „Buch der Erinnerung“ vorgestellt Von ENbieta Stamm www Lagergemeinschaft.de? Von Diethardt Stamm Reise zum ehemaligen KZ Fossenbürg Eindrücke des ehemaligen Häftlings Tadeus?z Sobolewicz Arbeitsgemeinschaft„Ehemaliges K?Z Flossenbürg Von Hans Simon-Pelanda Unwürdige Gedenktafel am Ort des Auschwitz-Prozesses Von Albrecht Werner-Cordt Pflege-Patenschaften für ehemalige KZHäftlinge Von Dr. Klaus Würmell Die Bedeutung von Holocaust-Literatur für die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau Von Vizedirektorin Krystyna Oleksy Kazimierz Albing: Steckbrieflich gesucht Rezension von Albrecht Werner Cordt Der Blick des Besatzers RezZension von Klaus Konrad-Tromsdorf Hinweise auf Studienfahrten und Ghetto-Ausstellung 0 12 13 24 27 3 Allen Mitgliedern und Freunden wünschen wir 4 frohe Weihnachten und ein friedliches 4 Jahr 2001 ₰ La Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 1 Vielen Dank für Ihre Spenden Es konnte nicht nur materiell geholfen werden Liebe Mitglieder und Förderer, liebe Freunde und Sympathisanten, dank Ihrer Spenden konnten wir dazu beitragen, ehemaligen Hãäftlingen und ihren Familienangehörigen auch in Gen Jahr zu helfen. Dies geschah be- Speilsweise durch Kostenübernahme ärztlicher Betreuung und medizini- scher Pflege in Zgorcelec und Krakow (siehe Bericht auf Seite 12) oder durch finanzielle Zuschüsse für einzelne Pro- jekte der Häftlings-Klubs und anderer Verbãnde ehemaliger KZ-Gefangener. Mit einem Betrag aus der Spendenkas- se der Lagergemeinschaft wurde die Publikation„Buch der Finnerung“ Giehe S. 2) über die Hãftlingstranspor- te von Warschau nach Auschwitz un- terstũtzt. In diesem dreibãndigen Werk wird der ermordeten und verstorbenen Opfer gedacht, und es wurde durch die Recherchen auch vielen vorher ano- nym gebliebene Deportierten ihr Na- men und ihre Lebensgeschichte wie- egeben, was für die Angehörigen und die ũberlebenden Kameraden von größter Bedeutung ist. In den Gesprächen mit den Em- pfãngern sowie in Briefen wurde uns aufgetragen, allen Spendern hierfür zu danken, Grüße zu übermitteln und zu berichten, mit welcher Freude und An- erkennung das Engagement der Lager- gemeinschaft und des Freundeskreises aufgenommen wurde. Diesem Wunsch kommen wir sehr gerne nach. Auch heute noch gibt es Uberle- bende, die in den Gefängnisen und Lagern des Deutschen Reiches gelit- ten haben, denen die menschliche Würde und jegliches Recht abgespro- chen wurden. Deren seelische Wun- den verheilen nie,„man sieht sie nicht. aber sie bluten noch immer“, wie es der Auschwitzer Amsel Cymerman einmal ausdrückte. Jeder, der einmal bei unseren Fahr- ten mit ehemaligen KZHãäftlingen ge- sprochen hat, konnte die Freude spüren, mit der sie bemerkten, dass Nachfahren der Tätergenerationen aus Deutschland an sie denken und ihrem Schicksal mit Respekt begeg- nen. Die materielle Lage mag sich heu- te verbessert haben, aber es kann auch in dieser Hinsicht noch viel geholfen werden. So ist es zwar nach der Off- nung der Grenzen für den Warenver- kehr in die osteuropäischen Länder nicht mehr sinnvoll, Lebensmittel und Kleidung zu transferieren, aber Hilfe und Zuwendung werden immer noch benötigt. Im Mitteilungsblatt haben wir immer wieder darüber berichtet (G. B. August 2000) Um diese Unterstützung weiterhin leisten zu können, bitten wir auch künftig um Ihre Spenden. (Uberweisungsformulare liegen diesem Heft bei, oder siche Konto- nummer auf Seite 31.) 2 Lagergemeinschaft Auschwit?-Freundeskreis der Auschwitzer Towarzystwo Opieki nad Oswiecimiem(TOnO) Stellt„Buch der Erinnerung“ vor Von Elzbieta Stamm TOnO bedeutet die Uberschrift in der Abkürzung. Ubersetzt bedeutet dies„Gesellschaft zur Betreuung von Auschwitz“. Uber diese uns befreun- dete und wichtige Organisation in Po- len haben wir in den beiden letzten Mitteilungsblättern geschrieben. TOnO hat nun nach jahrelangen Recherchen gemeinsam mit dem Mu- seum Auschwitz das„Buch der Erin- nerung“- Transporte von Polen aus Warschau nach Auschwitz in den Jah- ren 1940-1944“ herausgebracht. Es handelt sich um ein 3 bändiges Werk von1657 Seiten mit vielen Dokumen- ten. Todeslisten, Bildern aus Ausch- witz und im Nachhinein besorgten Fo- tos aus den Familien der Betroffenen. Die Vorstellung des Buches fand im Rahmen eines Staatsaktes am 17. No- vember 2000 im Warschauer Königs- Schloß statt. Die Lagergemeinschaft Auschwitz war offiziell eingeladen und durch die Autorin dieses Artikels vertreten. Moderiert wurde die Veran- stal-tung von dem Leiter des Museums Auschwit?z Jerzy Wroblewski. Das Werk wurde von Kazimierz Albin (Vorsitzender von TOnO), Franciszek Piper(Wissenschaftler), Krystyna Marszalek-Mlynczyk(Präsidentin der Stiftung zur Erinnerung an die Opfer von Auschwit? Birkenau) prãsentiert. Als Ehrengast wurde Professor Wla- dyslaw Bartos?ewski(Außenminister. Vorsitzender des internationalen Au- Schwitzrates und ehemaliger Hãftling) eingeladen. Eingangs wurde u. a. die Mitfinan- zierung der drei Bãnder durch die La- gergemeinschaft Auschwit?- Freun- deskreis der Auschwitzer gewürdigt und sich für die Jeilnahme an der Ver- anstaltung bedankt. Die Lagergemein- Schaft erwies sich als wichtig und wendig und es sei gut. dass eine solche Unterstüũtzung dem Buch der Erinne- rung zuteil geworden sei. Kazimierz Albin stellte die histori- schen Gegebenheiten zur Entstehung der Publikation dar. Diese gehen bis zum 40. Jahrestag der Befreiung von Auschwitz zurück. Franciszek Piper kündigte die Erstellung ãhnlicher Er- innerungsbücher für Juden, Sinti und Roma und für die polnische Bevölke- rung in ausgewãhlten Regionen an. Pir per erlãutete auch die Veränderung der Forschung an solchen Büchern seit Mitte der 00er Jahre, was sich auf das vorliegende Buch stark auswirkte. Nicht mehr die Zusammenfassung von Namen und Nummern zu einem& samtschicksal, sondern die Pard lung von einzelnen Personen und ihren Schicksalen sollte Ziel sein. Die Berichte zu einzelnen Irans- porten sind im Ruch in die Teile a) Um- stände vor dem Transport, b) Bilder und Kopien von Dokumenten(auch private, um den Hãftlingen ihre indivi- deuellen Gesichter zu verleihen und um der mangelhaften Dokumentation der Nazis nach 1943 zu begegnen) und c) Listen über das Schicksal der einzel- nen Personen in Auschwitz gegliedert. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 8 Der Außenminister Bartos?ewski ergänzte spontan mit Berichten ihm bekannter Warschauer Hãäftlings- schicksale und sprach über seine Zeit in Auschwitz und danach. Nach dem Krieg wurde er u. a. von den Kommu- nisten verhaftet und traf im Gefãngnis wieder Auschwitzer. Bartoszewski be- dauerte, dass das Buch der Erinnerung zu spãt erarbeitet wurde und erklärte es als bezeichnend, dass der erste pol- nische Auschwitzhäftling mit der Nummer 31(Nr. 1 30 waren deutsche Kapos) noch heute im Sũdpolen prak- tisch vergessen lebe. Die weiteren Redner/innen stell- ten jeweils aus ihren Bereichen die Beiträge zu dem umfangreichen neu- en Werk vor. Der Lagergemeinschaft liegen die Bücher vor und sie wird an- hand einzelner Schicksale(von 26.000) später berichten. www Lagergemeinschaft-Auschwitz. de2 Von Diethardt Stamm Vielleicht findet man diese Adresse demnãchst im Internet? Die Frage ist, ob wir an den sog neuen Medien und ein Teil davon ist der Auftritt im welt- weiten Netz der elektronischen Nach- richten- weiter vorbei arbeiten sollen. Ich meine Nein. Die Nutzung des In- ternets nimmt stãndig zu und es ist ein Medium der jüngeren Generationen- die wir ansprechen wollen und müssen. Alte und neue Nazis sowie Rassis- ten aller Coleur nutzen das Internet lãngst für ihre Propaganda. Ihnen soll- n wir nicht das Feld überlassen und mit einer„Homepage“ dagegenhalten. Dies können z. B. von uns gestaltete In- formationsseiten sein, die von„Sur- fern“ das sind Personen, die zufällig auf unserer Homepage landen- und von Leute, die gezielt suchen, weil sie von der www LGA Kenntnis erhal- ten haben. Es gibt mittlerweile viele, die bevorzugt im Internet nach bestimm- ten Informationen suchen als in einem Buch. FEine Homepage könnte aber auch einen Auschwitzvideofilm, ein Dialogfeld, Ieminankündigungen und Verweise auf᷑ befreundete Organisatio- nen(so genannte Links“) beinhalten. Wer schon das Internet nutzt, soll- te sich als exemplarisches Beispiel die Homepage der ,Vereinigung der Ver- folgten des Naziregimes- Bund der AntifaschistInnen“ unter dem Namen www. vvn-bda.de ansehen. Dort er- fãhrt man gezielt vieles über Gedenk- Stätten, nationale und internationale Antifainformationen, spezielle politi- sche Organisationen, Zeitungen oder es gibt Dutzende„Klicks“ zu„Aktiv gegen Rechts“, Aussteigerseiten aus der rechten Szene, Lohnforderungen der NS-Zwangsarbeiter, NS-Gedenk- stätten u. a.m. Selbst ein„Ausflug“ nach Vad Vashem in englisch oder he- bräisch ist möglich. Auch wir als Verein sollten das In- ternet als Medium nutzen, für unsere Anliegen zu werben. Schreiben Sie uns hierzu bitte und teilen uns ihre Meinungen, Wünsche und Vorstellun- gen mit. 4 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Reise zum ehemaligen KZ Flossenbürg Eindrücke des ehemaligen Häfltings Tadeusz Sobolewicz Es gibt Jahrestage, die man nicht übergehen darf, Veranstaltungen, an denen nicht teilzunehmen, einfach nicht zu denken ist, schon aus diesem einen Grund, weil sie sich nie wieder- holen. Zu einem solchen Ereignis gehörte der 55. Jahrestag der Befrei- ung des wenig bekannten Konzentra- tionslagers in Flossenbürg, der unter Teilnahme vieler Uberlebender dieses Lagers aus verschiedenen Nationen im Juni 2000 begangen wurde. Das Lager wurde im Frühling 1938 gegründet, die Häftlinge stammten aus 18 Nationen. Schon am 8. November 1940 traf hier aus Auschwitz der erste —..—— Ehemalige Häftlinge des KZ Flossenbürg(hier mit deutschen Jugendlichen, die ihnen polnische Transport ein-11 Häftlinge, die mit der ersten Flucht des polni- schen Häftlings Tadeus? Wiejowski zu tun hatten. Die nächsten polnischen Transporte aus Auschwitz folgten in den nächsten Jahren. Insgesamt star- ben hier 17546 Polen- wenn man die aus einem Grabstein eingemeißeli) Zahl zugrunde legt. Besonders bekannt für ihr brutales Vorgehen und Morden der Polen wa- ren zwei Lagerleiter: Hans Aumeier und Karl Fritzsch. Viele Jahre nach dem Krieg interessierte sich fast kein Mensch für das ehemalige Lager. Glücklicherweise hat vor einigen Jah- gelbe Rosen geschenkt haben) setzen sich bei der bayrischen Staatsregierung für den Er- halt und die bessere Ausstattung der heutigen Gedenkstätte ein. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer F ren die deutsche Organisation„Ar- beitsgemeinschaft e. V. Flossenbürg in Regensburg Kontakte mit überleben- den Häftlingen des KK Flossenbürg aufgenommen, um Informationen, Be- richte über das Lager zu sammeln, Spuren der Geschichte der damaligen Zeit dokumentarisch zu sichern. Die Behörden vor Ort mit dem Bürgermeister an der Spitze haben er- Eicht, dass manche Musealobjekte 6 Waschraum) wieder zum Be- sit? des Museums wurden, man kann jetzt sukzessiv manche Anderungen vornehmen. Ein Teil der Lagerfläche, auf der mehr als zehn Hãäfitingsblöcke standen, ist heute von Privatleuten be- baut. Ein Teil der ehemaligen Einrich- tungen ist eigentlich bis heute nicht re- konstruiert. Man muss aber zugeben, dass das Gebiet direkt am ehemaligen Krematorium vorbildlich in Ordnung gebracht wurde. In einer Reihe befin- den sich 18 Tafeln mit der Zahl der Ermordeten jeweils aus einem Land. Ein aufbewahrter und gut gepflegter Hügel mit Resten der hier verbrann- ten Menschen hat auch seine Symbo- lik. Die Tafeln mit den Namen der Sol- 9 der 3. Amerikanischen Armee, Angebracht an einer getrennten Mau- er, ergänzen die Ereignisse der Ver- gangenheit. Vor ein paar Jahren wurde ein öku- menisches Gebetshaus mit nationalen Emblemen und Fahnen der Länder, aus denen die Häftlinge kamen, er- richtet. In diesem Gebäude beten je- des Jahr gemeinsam Vertreter ver- schiedenen Religionen. In der Nähe entstand ein Mausoleum für die fast Fünftausend hier ermordeten Juden. Auf den gut gepflegten Rasenflächen entlang der Baumalleen stehen Kreu- ze und kleine Jafeln mit den Namen der Opfer. Das Ganze vermittelt den Eindruck einer schr gut gepflegten Parkanlage. Es kommen hier Menschen aus der ganzen Welt, es kommen auch Jugend- gruppen aus Bayern, um die Ge- schichte des Lagers kennenzulernen. In den ehemaligen Verwaltungsgebäu- den wird in einem Kinosaal ein Doku- mentarfilm vorgeführt. In dem übrig- gebliebenen Teil des ehemaligen Bunkers ist eine kleine informative Ausstellung zur Geschichte des Lagers zu sehen. Es fehlen jedoch einzelne In- formationen über Häftlinge aus ver- schiedenen Ländern, über Transporte und Außenstätten des Lagers, die durch die SSFührung KI Flossenbürg verwaltet waren. Die ausgestellten Bilder der Hitler- attentäter vom 20. Juli 1944 von Ad- miral Wilhelm Canaris, General Hans Oster, Dietrich Bonhoeffer und von Anderen tragen nicht viel dazu bei, um sich das Ausmaß des Verbrechens und die Zahl derer, die hier ihr Leben ver- loren haben, bewußt zu machen. Die Leitung der Museumsstätte in Flos- senbürg liegt zurzeit in der Hand des dynamischen und aktiven Herrn Jörg Skriebeleit. In der letzten Zeit fanden hier Veränderungen und Verwaltungs- aktivitäten statt. Die Entfernung der bisherigen Bewohner aus der ehema- ligen Küche und Wãscherei und ande- re Aktivitäten lassen hoffen, dass der Vergangenheit und der Geschichte dieses Lagers endlich mehr Platz ge- widmet wird. Um das durchführen zu können, braucht man natürlich finan- zielle Mittel. Diese Frage war unter 6 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer anderem eines der Hauptthemen der zahlreichen Delegationen aus ver- schiedenen Staaten, die in einem an den Bayerischen Kultusminister und Vizemarschall des tschechischen Par- laments- die auch bei der Feierlich- keiten anwesend waren- gerichteten Memorandum das Thema der Zu- Schüsse für die Durchführung der wei- teren Arbeiten im ehemaligen Lager zum Hauptanliegen machten. ten nahmen dank der finanziellen Un- terstützung der„Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis Ausch- witz und der Internationalen Begeg- nungstätte in Auschwitz sieben ehe- malige Häftlinge aus Polen teil. Unter ihnen war der erste polnische Hãftling in Auschwitz, Herr Stanislaw Raniak, Nr. 31, der Ende 1944 zum Lager Leit- meritz einer Filiale des KZ Flossen- bürg versetzt wurde. Der Wunsch der an An den diesjährigen Feierlichkei- Stellungnahme polnischer KZ-Uberlebender an die Bayrische Kultusministerin, Monika Hohlmeier. vom 23.7.2000 Bei dem Zusammentreffen anlãßlich des 35. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Flossenbürg vom 20. bis zum 23. Juli 2000 haben wir aut᷑ der Flãche des ehemaligen Lagers viele Verãnderungen festgestellt. Aber es gibt bis heute keine Informationen über die Hãftlinge aus Polen und den anderen Nationen in Aufstellungen. Wãhrend den vielen vergangenen Jahren hat die Leitung der Gedenkstätte viel zu wenig für die Renovierung und Ausstattung des ehemaligen Lagers erhalten. Aus diesem Grund richten wir bei der Gelegenheit des diesjãhri- gen Treffens die Bitte an Sie, weitere finanzielle Hilfe und Unterstũtzung für den Aufbau zu leisten. Dieser Aufbau und die Sammlung der Pokumente sind sehr wichtig für die zukünftige Jungend und Geschichte.(.) Uberlebende des Konzentrationslagers Flossenbürg aus Polen. Unterschriften Die Antwort aus Minchen datiert vom J3. Oktoben wobei Regierungsdirek- ror Karg mitteilte, dass ein Historiker beuuſtragt wurde, alle Informationen über Fossenbrüger Häflinge in einer Patenbunk zu vummeln. Demnächst sollen zudem Nachkriegsbauten auf dem ehemaligen Appellnlat? des KZ be⸗ seitigt werden Sowie das geumte Geldnde archdologisch untersucht werden. um nicht mehr sichthare Strukturen erkennbur zu machen“ Ein wissen- chaftlicher Fachheirut werde ersmuls im November zusummentreten somi werde eine Voruussetz ung erfülli, um die Neukonzeption insgesumt Zügig auf den Weg zu bringen“. F Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer war, dass an dem Treffen möglich vie- le Häftlinge aus den Arbeitskomman- dos der Außenlagern teilnehmen. An- wesend waren auch Herr endera, der auch im Außenlager Leitmeritz war, Herr Hantz in Herebruk, Herr Kutyr- ba und Herr Jaksender in Lengenfeld. Sie alle, außer dem Verfasser dieses Berichtes haben das ehemalige KL. Flossenbürg zum ersten Mal nachdem ieg besucht. Wãhrend des drei Tage dauernden Treffens hatte jeder Delegationsteil- nehmer die Gelegenheit, für TV und Funk ein Interview zu geben, sein Wis- sen und seine Erlebnisse in zZahlreichen Begegnungen, vor allem mit deutschen Jugendlichen weiter zu vermitteln. Auch aus dem Warschauer Klub kamen ehemalige Häftlinge des KZ Flossenbürg, gemeinsam haben wir an der polnischen Tafel Kränze niederge- legt und Lichter angezündet. Alle Redner waren sich einig, dass die Auf- rechterhaltung dieser Gedenkstätte und die mõglichst weitgehende Unter- stützung der jetztigen Museumslei- tung die wichtigsten Aufgaben sind. EFine besondere Aufmerksamkeit verdiente die Außerung eines ehema- ligen Hãftlings des KIOs aus Ameri- ka, der feststellte, dass nicht wir den heutigen Treffort gewählt hatten, son- dern dieser Ort wählte uns, was uns besonders verpflichtet, bis ans Ende unserer Lebzeit die Toten und Ermor- deten des Lagers nicht zu vergessen. Am Ende des Programms der Fei- erlichkeiten übergaben die deutschen Jugendlichen allen Teilnehmern eine gelbe Rose und einen Stein aus dem ehemaligen Steinbruch. Die Vertreter der 18. Botschaften haben Kränze auf die Grabsteine niedergelegt. Der herzliche Abschied war ein Beweis dafür, dass nichts mehr die Menschen miteinander verbindet als die gemeinsam erlebte Geschichte. PC- und Internetkurs für LGA-Mitglieder 0 Lagergemeinschaft Auschwitz eundeskreis der Auschwitzer bietet für Mitglieder und Symphatisanten die Möglichkeit an einem Kurs„Um- gang mit dem PC, Einführung in Text- verarbeitung und Umgang mit dem In- ternet an 2 Samstagen a 5 Stunden (oder nach Absprache mehr) zu bele- gen. Bei 15 Teilnehmern beträgt der Selbstkostenpreis 40 Mark pro Person. Wer Interesse hat, möge sich bitte mel- den, damit dies Anfang des Jahres 2001 organisiert werden kann. Impressum: Herausgeber: Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Lindenstraße 68, 35516 Münzenberg-Gambach Redaktion: Hans Hirschmann Mitarbeit: Anni Roßmann-Reineck, Gerhard Herr, Matthias Tiessen, Diethardt Stamm, Albrecht Werner-Cordt, Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Ehemaliges KZ Flossenbürg Von Hans Simon-Pelanda „Die ARbeitsG Emeinschaft ehe- maliges KZ Flossnbürg e V gründeten 1986 vor allem junge Gewerkschafter. Nach neuerlichen Schändungen der Grab- und Gedenkstätte seit Anfang der 80er Jahre als Arbeitskreis zur Er- forschung der Geschichte des Lagers organisiert, kamen später Mitglieder von Geschichtsinitiativen unnd Inter- essierte aus der ganzen Region hinzu. Flossenbürg drohte Anfang der 80er Jahre als zweites KZ-Hauptlager in Bayern völlig vergessen zu werden. Die Grabanlage glich einem Park und war der„Bayrischen Schlösser- und Seenverwaltung“ unterstellt; eine pãdagogische Betreuung fehlte und so blieben Besucher sich meist selbst überlassen. Die kleine Ausstellung und Hinweisschilder erfüllten ihren Zweck kaum:„Vom KZ zur Parkanla- ge“ und„Das vergessene K?Z“ hießen demzufolge die ersten Publikationen der ARGE. Erfolglos blieb bis 1906 das Drän- gen, hauptamtliches Personal einzustel- len, verstärkt politische Bildung zu be- treiben sowie die Ausstellung und Gedenkstätte auszubauen. Aufgrund der Erforschung vor allem der regiona- len Bezüge zu Flossenbürg, die wirt- schaftlichen Verflechtungen in der Re- gion, die Nachkriegsgeschichte des ehemaligen KZGeländes und der Außenlager, entstanden zwei Diavor- träge und Ausstellungen, die zu Ge- denktagen der DGBugend Nordbay- erns und in Bildungseinrichtungen gezeigt wurden. Eine eigene, regional bezogene Führung zum ehemaligen KZ und seiner Umgebung wurde erarbei- tet. Mit EUMitteln wurde ein Archiv mit Dokumenten und Bildern angelegt. Nach 1990/01 widmete sich q ARGE vor allem der Unterstützu der letzten Uberlebenden. Außer den franzõsischen und belgischen Verbän- den hatten sich allenfalls einzelne ehe- malige Gefangene nach Flossenbürg begeben, niemals war ein Treffen or- ganisiert worden, Kontakte waren praktisch nicht vorhanden. Nach mehrjährigen Recherchen konnte die ARGE 1995 das erste Uberlebenden- treffen durchführen, an dem anläßlich der Befreiung des KZ vor 50 Jahren mehrere hundert Uberlebende aus drei Kontinenten, darunter erstmals aus Mittel-, Ost- und Südosteuropa, teilnahmen. Als Reaktion darauf stimmte die bayrische Staatsregierung den Forderungen nach einer wissen- schaftlichen Bei (nicht nur einer Verwaltungskraft)W und akzeptierte auch den personellen Vorschlag der ARGE. Beim Uberlebendentreffen 1997 übergaben die versammelten Präsi- denten und Vorsitzenden der Vereini- gungen ehemaliger Gefangenen eine Resolution. Deren Forderungen-Er- weiterung der Gedenkstätte, Errich- tung eines Forschungs- und Doku- mentations?entrums. jãhrliches Uber- lebendentreffen hat die bayrische Staatsregierung nach heftigen Ausein- ——— — Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 9 anderset?ungen mit der ARGE endlich zugestimmt und mit ihrer Umsetzung begonnen. Die Arbeitsgemeinschaft hat seit ihrer Gründung mit allem Nachdruck die Ubernahme dieser öffentlichen Aufgaben durch den bayrischen Staat gefordert; nachdem dies erreicht war, Zzeigte sich aber die Notwendigkeit ei- ner unabhängigen Stimme zu diesem um so deutlicher- denn seit mit der Umsetzung der Resolution von 1997 begonnen wurde, wird staatli- cherseits alles unternommen, um die ARGE aus?ugrenzen und ihr Informa- tionen vorzuenthalten. Zuletzt wurde ihr die Mitarbeit im neu errichteten Gestaltungsbeirat verweigert, obwohl die ersten Anstöße von ihr ausgegan- gen waren und wissenschaftliche und pãdagogische Konzepte zu einzelnen Bereichen(zum Beispiel Regionale Gedenkstättenarbeit in Ostbayern) teilweise allein durch sie vorgelegt wurden. Ein von Parteipolitikern ei- gens gegründeter Förderverein nann- te offen als eines seiner Hauptziele, Gelder der EU für Nicht-Regierungs- organisationen zu beantragen. Diese Auseinanderset?zung mit dem Staat Bayern erschwert nicht nur die Arbeit unserer politisch und kon- fessionell unabhängigen Organisation, Sondern belastet Z?unehmend auch die Zusammenarbeit mit den Uberleben- den und ihren Verbänden: Die Kon- takte zu den Verbänden wurden erst durch die Arbeitsgemeinschaft herge- stellt, die Uberlebenden für die Ireffen seit 1995 durch sie angesprochen und eingeladen. Seit 1999 ist die Arbeitsge- meinschaft organisatorisch und finan- 7 —„ P Sie waren nicht nur in Auschwitz gefangen, sondern auch in Hossenbürg: Die Au- Schwitzhäftlinge Tadeusz Sobolewicz(Hãftlings-Nr. 23983), Stanislaw Ryniak (Nr. 31), Karol Tendera(Nr. 100430) und Stanislaw Hantz(Nr. 2049) bei ihrem Besuch in der Gedenkstätte Flossenbürg. 10 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer ziell von den jãhrlichen Treffen ausge- schlossen. Seither wird auch eine viel geringere Anzahl von Uberlebenden eingeladen, obwohl viele neue Adres- sen inzwischen bekannt geworden sind. Dadurch sind viele Uberlebende ge und enttãuscht, kreiden diese Ver- säumnisse der ARGE an und ziehen sich oft ganz zurück, weil sie den Streit zwischen Staat und privater Initiative nicht verstehen können. Deshalb ist die ARGE dazu übergegangen, aus ihren Mitteln einige Uberlebende selbst in die BRD einzuladen-zuletzt wurde zusammen mit der Lagerge- meinscht Auschwit?- Freundeskreis der Auschwitzer eine Lesereise mit dem ehemaligen KZHäftling Tadeus? Sobolewicz ermõglicht. Die ARGE hat sich von Beginn an den Aktionen für eine kleine finanzi- elle Entschädigung der Zwangsarbei- ter beteiligt, so als Erstunterzeichner der Resolution„Sofortige Entschädi- gungszahlung an jeden Zwangsarbei- ter statt Schlußstrich für die Täter“. Die ARGE kann den Nachweis führen, dass das Land Bayern seit 1938 von der S8 Pacht bezog für den Stein- bruch des KZ Flossenbürg- der einst durch die KZ-Gefangenen erschlos- sen und damit wirtschaftlich nutzbar und profitabel wurde- und auch nach dem Krieg bis zum heutigen Tag wei- terhin mittelbarer Nutznießer der Zwangsarbeit ist, haben wir in einen offenen Brief an Ministerpräsident Stoiber diel umgehende Auszahlung der Millionenbetrãge(1) an die noch lebenden Zwangsarbeiter verlangt. Obwohl diese in Osteuropa in existen- zieller Not leben und auch mit wenig Geld alten und kranken Menschen ein würdiger Lebensabend ermöglicht werden kõnnte, weigert sich der Staat. In einem Antwortschreiben wird die- ser Anspruch zurückgewiesen- mögli- cherweise untermauert durch ein „Gutachten“ der staatlichen Doku- mentationsstätte Flossenbürg, in dem dann entscheidende Fakten ver- schwiegen wären! Es wird sogar der Versuch gemacht, diese Gelder gegen den Unterhalt der Gedenkstätte auf- zurechnen und damit den verbleib ¶ der Staatskasse zu legitimieren. Sol- len die Gefangenen des KZ Flossen- bürg die Gedenkstätte mit den ihnen vorenthaltenen Gewinnen aus ihrer Zwangsarbeit auch noch selbst finan- zieren?! Die ARGE hat mit finanzieller Hilfe der EU ein Projekt begonnen, um neue Interviews mit Uberleben- den durchzuführen, vorhandene zu bearbeiten und unter dem Titel„Ihrer Stimme Gehör schenken“ zu publizie- ren. Daneben stehen die weitere Aus- arbeitung des Regionalen Gedenk- stättenkonzeptes und die kritische Begleitung des weiteren Ausbaus der Gedenkstätte. Am wichtigsten wird aber weiterhin die unmittelbare Hilfe für die Uberlebenden sein, und Bemühen, möglichst viele wenigstens einmal nach Flossenbürg einzuladen und möglichst schnell für eine Ent- schädigung zu sorgen. Die ARGE ist überparteilich, ihre Mitglieder arbeiten ehrenamtlich: die Finanzierung erfolgt durch Beiträge. Spenden und Zuwendungen. Kontalt Arbeitsgemeinschaft ehe- maliges KꝰZ Flossenbürg, Kote-Hah- nen-Gasse 6, D-93047 Regensburg, Jel. (0041) 56264, Hax 567306. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 11 Unwürdige Gedenktafel am Bürgerhaus Gallus, der Tagungsstätte des Frankfurter Auschwitz-Prozeßes Im Februar dieses Jahres sprach der ehemalige polnische Auschwitzhäftling Tadeus? Sobolewicz auf Einladung der Lagergemeinschaft Auschwitz-Freun- deskreis der Auschwitzer in Frankfurt vor Schülerinnen und Schülern des Bettina-Gymnasiums und bei einer õf- fentlichen Veranstaltung vor zahlrei- en Zuhörern im Verlagshaus S. Fi- Scher über die Willkür des Uberlebens im Konzentrationslager“- s0 der Un- tertitel seines im§. FischerVerlag er- schienenen Buches„Aus der Hölle zurück“. Seine Gespräche mit deut- schen Jugendlichen waren begleitet von Gesten und Worten des Versöh- nung. Bei seinem weiteren Aufenthal- a e— ————— — „ tung besuchten der Gast aus Polen und Vorstandsmitglieder unseres Vereins unter anderem in Frankfurt auch das Haus Gallus, in dem in den 60er Jah- ren der Auschwitz-Prozeß stattfand. Der Ort und vor allem auch die Ge- denktafel präsentierten sich jedoch zur Enttäuschung des ehemaligen KE- Hãftlings in einem trostlosen und un- würdigen Zustand. Die Lagergemein- schaft hat unterdessen die Stadt schriftlich auf das Mißverhältnis von Wort und Tat hingewiesen- Erinne- rung an Auschwitz mit einer zerkratz- ten und verschmutzten Gedenktafel- und auf eine Sãuberung sowie stãndi- ge Pflege gedrängt. Tadeus? Sobolewiez vor der beschmierten Gedenktafel am Bürgerhaus Gallus in Frankfurt. 12 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Pflege- und Betreuungs-Patenschaften für ehemalige KZ- und Gestapo-Häftlinge Von Dr. Klaus Würmell In Krakau und Umgebung lebt noch eine relativ große Zahl ehemali- ger KZ-Häftlinge. Die meisten sind je- doch schon alt und hãufig krank oder pflegebedürftig. Seit Jahren hat Frau Flisabeth Hölscher-Langner, die Ehe- frau des langjährigen deutschen Ge- neralkonsuls in Krakau, ein Netz von Unterstützung für diejenigen unter den Uberlebenden aufgebaut, die Pflege und Hilfe besonders nötig ha- ben. Nachdem ihr Mann als stellver- tretender Botschafter nach Ljubljana in Slowenien versetzt wurde, ist sie in Krakau geblieben, um sich weiterhin um diesen Personenkreis zu küm- mern. Sie macht dies mit einem hohen persõnlichen Engagement udn in Zu- sammenarbeit sowie Unterstützung anderer Hilfsorganisationen. Fine wichtige Rolle spielt dabei auf᷑ polnischer Seite das Polnische Ro- te Kreuz, in dessen Krankenhäusern und Pflegestationen manche ehemali- ge KZ-Opfer gepflegt werden. Dabei sind zurzeit regelmäßig vier junge deutsche Freiwillige der„Initiative Christen für Europa“ mit Sitz in Dres- den in dieser Pflegearbeit tãtig. Das in Frankfurt am Main ansässige evange- lische Hilfswerk Zeichen der Hoff- nung- Znaki Nadziei e. V hat ein ei- genes Programm„Essen auf Rädern“ für ehemalige Häftlinge aufgebaut, das zurzeit von einem deutschen Frei- willigen und zwei polnischen Vo- lontären des Roten Kreuzes betreut S ½„**7 „ 1 37* — M Pawel RzZepa hat Auschwitz überlebt, aber die unmenschlichen Haftbedingungen ha- ben seine Gesundheit ruiniert. wird. Die Koordination der Arbeit und Leitung vor Ort liegt in den Hãn- den von Frau Hölscher-Langner. Die Finanzierung geschieht überwiegend durch Spenden, wozu die Lagerge- meinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer beiträgt. Da die be- troffenen Menschen immer älter und der Hilfe bedürftiger werden, ist die% Arbeit noch für geraume Zeit unent- behrlich. Dy Klaus Wiünmell ist Vomitzender von Zeichen der Hoffnung Znali Nadziei e. N Wie im Miueilungsblat(1/2000) berichtet hat die Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis die finanzi- elle Patenschaften für die Betreuung von zwei ehemaligen Häfilingen über- nommen. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 13 Die Bedeutung von Holocaust-Literatur für die Gedenkstätte Auschwitz-Birkenau Von Krystyna Oleksy Im Juli dieses Jahres hielt Krystyna Oleksy, Vizedirektorin des Staatlichen Mu- Seums Auschwitz-Birkenau, auf Einladung der Arbeitsstelle Holocaust-Litera- tur am Institut für Neuere Deutsche Literatur der Justus-Liebig- Universität Gießen einen Vortrag, den wir im folgenden(eicht gekürzt) dokumentieren. Wir danken Frau Oleksy sowie der Arbeitsstelle Holocaust-Literatur für die Bereit- Stellung des Manuskriptes und die Abdruckerlaubnis: Die tragische Wirklichkeit des 2. Weltkrieges hat die Humanisten und un- ter ihnen die Schrift- steller vor eine neue und ungewohnte Si- tuation gestellt. Diese neue Situation war unter anderem durch die Frage bestimmt, wie man die ganze Tragödie des Men- schen wiedergeben Soll, der sich in einer Heimat- und Frie- densgrenzen vertei- digt haben. Es finden sich in der Literatur vielmehr auch zahlrei- che sSchilderungen von Akten der Okku- panten: öffentliche Hinrichtungen, Men- schenjagden, Ver- schleppungen von Zwangsarbeitern, Ver- geltungsmaßnahmen an der Zivilbevöl- kerung sowie Depor- bis dahin nicht ge- Krystyna Oleksy bei ihrem Vor- tationen in die Lager kannten, schen und von verschiedenartigen phy- schen Bedrohungen und psychischen gekennzeichneten Lage befindet. Die moralische Ver- pflichtung den kommenden Generatio- nen gegenüber, für die die schmerzhaf- ten Erfahrungen ihrer Vorgänger eine Mahnung darstellen soll, wurde jedoch zur mächtigen Antriebskraft zur litera- rischen Aufarbeitung während des Krieges und auch nach Kriegsende. lhren Ausdruck in der Literatur haben nicht nur Frontkämpfe oder die hel- denhaften Anstrengungen bis hin zum Tod der Menschen gefunden, die die dramati- trag an der Universität Gießen als Ergebnis des Pro- grammes der Vernichtung der europãi- schen Juden. Erinnerungsliteratur über die „Epoche der Ofen“ Die Last der Abrechnung mit der „Epoche der Ofen“, mit den„Zeiten der Verachtung“ haben in erster Linie diejenigen auf sich genommen, die selbst die entsetzliche Zeit des Krie- ges und der Lager hinter sich haben und die das Bedürfnis empfinden, die moralische Pflicht gegenüber ihren er- mordeten Gefährten zu erfüllen. Die- 14 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer ser Verpflichtung haben sich Vertreter der Generationen angeschlossen, die die Grausamkeiten des letzten Krie- ges nicht selbst erleben mussten. In der umfangreichen Geschichts- schreibung dieser Zeit nehmen die Werke über die verschiedenen, über ganz Furopa verstreuten nationalso- zialistischen Lager einen besonderen Platz ein. Zu ihrer Synthese und zu- gleich zum Symbol des Völkermords wurde das Konzentrationslager Au- schwitz-Birkenau. Die Geschichte die- ses in der ganzen Welt bekannten La- gers sowie die Erlebnisse und das Schicksal seiner Häftlinge haben in ei- ner großen Anzahl von Publikationen ihren Ausdruck gefunden. Die Verõf- fentlichungen in vielen Sprachen zeu- gen einerseits davon, dass Menschen aus vielerlei Ländern nach Auschwitz deportiert wurden, andererseits zeigen sie das nicht nachlassende Interesse an Auschwitz und seinen unterschiedli- chen Aspekten. Die Literatur über Auschwitz zeichnet sich auch durch for- melle Vielfalt aus, einschliesslich der so genannten„Schönen Literatur“ mit ihren Formen Memoiren, Roman, No- velle, Erzählung, Gedicht und Drama. Die Verfasser von Erinnerungen sahen die Notwendigkeit, die sowohl für den einzelnen als auch für die Ge- sellschaft võllig neue und bis dahin un- bekannte Phänomene und Erlebnisse zu beschreiben. Die Gefahr bei der Beschreibung der Lagerwirklichkeit bestand darin, in bereits fertigen Sche- mata zu denken und die Realität in Schwarz-weiss wiederzugeben. Dieser Versuchung sind viele Autoren erle- gen, die nur die äãusserlichen Aspekte der Vorgänge wahrgenommen haben. In den Erinnerungen überwiegt die Schilderung des Martyriums und des Terrors; die Verfasser betonen aber immer häufiger die Rolle der Wider- standsbewegung, die Organisation der Selbsthilfe, des Kulturlebens und die Versuche, im Lager durch stärkere Be- tonung von Gefühlen und durch grõs- sere Aufmerksamkeit auf 2wi- schenmenschliche Beziehungen einen Ersat?„der Normalität“ zu schaffe Es kommt vor, dass sich die Nertae nicht ausschließlich darauf beschrän- ken, die Verhältnisse unter den Häft- lingen darzustellen, sondern auch die Verhältnisse zwischen einzelnen Häft- lingen und SSMännern nicht nur in denen von Opfer und Henker zu be- schreiben. Dank dieser Erinnerungen wird es den Historikern vielleicht ge- lingen, eine Lücke zu füllen, auf die wir bei der Beantwortunng der Frage stoßen, wie der Lageralltag über viele Monate und sogar Jahre die Persön- lichkeit der Häftlinge verändert hat. Authentizität und zeitlicher Abstand Der zeitliche Abstand hat zur Fol- ge, dass die Autoren in ihren Berichte offener und ehrlicher zu sein scneine Sie sprechen Themen an, die von den meisten vorher für ein Tabu gehalten wurden und die nur von wenigen auf- gegriffen wurden. Der zeitliche Ab- stand bringt auch negative Erschei- nungen mit sich Tatsachen verblassen in der Erinnerung, Namen und Paten entschwinden dem Gedächtnis und, was am wichtigsten ist, die authenti- schen Lagererlebnisse der Verfasser werden von gelesenen Büchern, von Bildern der gesehenen Filme und von Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 15 Erzählungen von Lagerkameraden überlagert. Solche Erscheinungen sind übri- gens bereits in den Erinnerungen zu bemerken, die kurz nach der Befrei- ung geschrieben wurden. Als Beispiel können hier in vielen Berichten wie- derkehrende Bilder dienen, Bilder von noch lebend ins Feuer geworfenen Kindern, von schönen Frauen, die in 6. Gaskammer getrieben werden, nd von gedemütigten und misshan- delten Behinderten. Diese Bilder soll- ten das Grauen bei den Lesern ver- stärken und bei ihnen einen be- sonderen moralischen Protest hervor- rufen. Ich glaube, die Verfasser waren sich dessen nicht bewusst. Da aber Auschwitz ein Ort war, wo ein Verbre- chen begangen wurde, welches die ganze Welt noch nicht kannte, haben sich im Bewusstsein der Häftlinge be- reits im Lager die besonders erschüt- ternden Bilder eingeprägt, auch wenn sie keine direkten Zeugen davon wa- ren, sondern diese nur vom Hörensa- gen gekannt haben. Unter andauern- der Todesgefahr in der Nähe der ständig rauchenden Schornsteine der — lebend, haben sie sich as eingeprägt, was sogar unter jenen Bedingungen ein unvorstellbares Schreckensbild war. Und eben aus die- sem Grund findet ein Historiker, der die Lagerprobleme erforscht, in die- sen Berichten das, was die individuel- len von den allgemeinen Feststellun- gen unterscheidet- das Schicksal eines einzelnen Hãftlings im Gegensatz zum Schicksal der Hãftlingsgemeinschaft. Es gibt in letzter Zeit in einigen Ländern eine verstärkte Tendenz ei- ner„Rehabilitation? des Naziregimes. Jean Amery- der ehemalige Häftling von Auschwitz- sieht in seiner Pro- testschrift„Die Zeit der Rehabilitati- on“ eine riesige Bedrohung durch die Versuche in der Literatur, besonders aber im Hilm,„den historischen Ob- jektivismus“ der Kriegszeit und der Naziherrschaft zu zeigen. Mit den Jah- ren und in dem Maße, in dem die neu- en Generationen von jenen Freignis- sen immer weiter entfernt sind, entsteht eine Art von„historischer Entropie“ die grossen, in der Nach- kriegszeit herrschenden Emotionen erlõschen und es bildet sich- wie bei physikalischen Vorgängen- ein Zu- stand der inhaltlichen Zerstreuung und Degradierung. Die Geschichte wird zum Wissen, das der moralischen Werte beraubt ist; sie stellt sich aus- serhalb der wertenden Meinungen und durch diese moralische Gleich- gültigkeit und die fehlende moralische Beurteilung der Ursachen und Folgen kann es dazu kommen, dass sehr un- terschiedliche Ereignisse beliebig mit- einander gleichgesetzt werden. Da heute ein immer größer wer- dender Anteil unter den Besuchern des Museums Auschwitz-Birkenau die mindestens zwanzig Jahre nach dem Krieg geborene Generation bil- det, ist es eine der Grundaufgaben des Museums neben dem Gedenken auch, das was sich hier ereignet hat, mittels Dokumenten, Objekten, Kunstwer- ken und durch literarische Werke be- kanntzumachen. Literatur und der„totale Krieg“ Figentlich bereits von Anfang ih- res Bestehens an existieren in der Li- 16 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer teratur Schilderungen von Kriegser- fahrungen, die auf Erlebnissen von Menschen basieren, die die Geschich- te gestaltet haben. Kriegsereignisse werden in der Bibel an mehreren Stel- len beschrieben, der Krieg bildet die Anregung zu Homers„Illiade“- dem ersten grossen literarischen Werk aus dem mediteranen Kulturkreis. Dieses Epos bildet bis heute die Lektüre ei- nes zeitgenössischen Intelektuellen. Es beschreibt nämlich nicht so sehr die Kriegshandlungen als vielmehr die Handlungsweise der Menschen, die Entstehung ihrer inneren Haltungen und Charaktere. Der Krieg ist eine be- sondere Prüfung von Verhaltenswei- sen sowohl für einen einzelnen Men- schen als auch für die Gesellschaft. Das 20. Jahrhundert war besonde- ren Erschütterungen ausgesetzt, wel- che von zwei Weltkriegen verursacht wurden. Ihr Schauplatz war vor allem Furopa: Genau deswegen haben sich Schriftsteller die Frage gestellt, ob nicht das Ende der europãischen Kul- tur gekommen sei und ob die Welt nicht vor dem Untergang stehe. Solche Ansichten, die bereits nach dem Ende des ersten Weltkrieges ver- breitet waren, traten nach 1945 ver- stärkt in Erscheinung. Der zweite Weltkrieg mit seinen Konzentrations- und Vernichtungslagern führte zu ei- ner pessimistischen Lebenseinstellung und zu Zweifeln an den anerkannten Werten. Viele Denker haben sich die Frage gestellt, warum die Gesellschaft keinen Widerstand gegen den Aus- bruch dieser Katastrophe geleistet hat. Schließlich ist Krieg nicht nur eine An- gelegenheit von einigen wenigen Poli- tikern. Die Verantwortung fällt auch auf diejenigen, die dem Krieg nicht wi- derstehen wollten oder konnten. Die Tragõdie derer, die den Krieg und die Konzentrationslager überlebt haben, besteht auch darin, dass sie aus- ser all den Repressionen, Leiden und Unglücksfällen, die ihnen zuteil wur- den, oftmals unbewusst von dem Gei- ste der unmenschlichen Wirklichkeit durchdrungen sind. Einer der polni- schen Schriftsteller- Boleslaw Miz cienski- merkt dazu an:„Ich hasse deM Totalitarismus auch dafür, dass er mir den Hass beigebracht hat. Der Hass gegen das Bõse ist sicherlich ein rich- tiges' und gerechtes' Gefühl, aber darf man sogar richtigen Hass straflos aus- lösen?(.) Der Totalitarismus verun- staltet nicht nur die Seelen seiner An- hänger— er vergiftet mit dem Hass, entstellt also auch die Seelen derer, die versuchen, ihm zu widerstehen; derer, die den richtigen und gerechten Krieg mit ihm aufgenommen haben(..) Die Tragik besteht darin, dass ich vergiftet bin, dass ich daran leide- und dass ich auf diesen Hass stolz bin.? Die Beweggründe, das Thema des Krieges und der Lagererlebnisse auf- zugreifen, waren sehr vielschichtig. I der Anfangszeit dominierten vern che Motive, da der Krieg und das Le- ben im Konzentrationslager in gros- sem Ausmaß die Psyche und das Bewusstsein der Menschen, ihre Per- sönlichkeit im Allgemeinen und die schöpferische Persönlichkeit im Be- sonderen verãndert hat. Wegen seines totalitären Charak- ters wurde der Krieg zu einer allge- meinen Erfahrung und übte riesigen Einfluss auf die Gesellschaft aus. Er übte eine derart große gesellschaftli- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 17 che Wirkung aus, wie sie bisher in der Geschichte unbekannt war, und davon betroffen waren nicht nur kleine aus- gewählte Gruppen wie zum Beispiel Soldaten, sondern ganze Völker. Der Krieg war eine Katastrophe von großem Ausmaß, während dessen die anerkannten Werte und Normen zertrümmert wurden. Die Völker wur- den gewaltsam aus der Sphäre ihres bisherigen Lebens geworfen und mus- sten sich an die neuen, plõtzlich verãn- derten Bedingungen anpassen: Nicht- anpassung bedeutete den Tod. Was sind also Erinnerungen, in der all diese individuellen und nationalen Erlebnisse ihren Ausdruck gefunden haben? Sind sie nur Dokument, ein Spiegel, in dem ein historisches Ereig- nis reflektiert wird, oder vielleicht ein subjektiver Kommentar, der zur Ver- tiefung des Wissens über die histori- schen Tatsachen und Ereignisse aus den Jahren 1930 bis 1945 führen kann? Tadeusz Borowski: „Bei uns in Auschwitz“ Eines der, meiner Meinung nach, besten, aber zugleich auch er- schütterndsten literari- schen Werke sind die La- gererzählungen von Tadeus? Borowski. Die meisten von ihnen ge— hören in Polen 2zur Pflichtlektüre für die Ju- gend der höheren Gym- nasialklassen. Die Erzählungen(in deutsch unter dem Titel „Bei uns in Auschwitz“ erschienen) wurden gleich nach der Be- freiung des Autors in Dachau verfasst und im Frühjahr 1946 in einem polni- schen Verlag in München herausgege- ben. Das, was die Erzählungen von Borowski von der späteren Erinne- rungsliteratur entschieden unterschei- det, ist die bewusste Auswahl einer an- deren Form. Zwar ist dabei nicht außergewöhnlich, dass sie in der ers- ten Person geschrieben sind, jedoch zum Ich-Erzähler hat der Verfasser ei- nen Menschen gemacht, der an die La- gerwirklichkeit absolut angepasst ist, der sie als normale Wirklichkeit ak- zeptiert und dadurch„demoralisiert“ ist. Das Lager Auschwitz-Birkenau war auf᷑ eine solche Weise organisiert, dass die einzige Uberlebenschance die Anpassung der Opfer, ihre Akzeptie- rung des totalen Ubels und die langsa- me Verwandlung in Tãter war. Wenn ein Häftling überleben wollte, s0 konnte er keine Finsprüche erheben, 18 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer denn„die Lebenden haben gegenüber den Verstorbenen immer recht“, s0 Borowskis Ich-Erzähler. Dieser ist ein Hãäftling aus dem Lager. Die äussere Welt hörte völlig auf zu existieren, Zählte nicht mehr, auch ihre Moral galt nicht mehr. Die Tragik derer, die über- lebt haben, ist nach Borowski der Ver- lust der Unschuld, der Verlust eines ru- higen Gewissens, denn die Umstände ändern nichts an der Tatsache, dass man an einer solchen„Ordnung“ teil- genommen hat. Die Tragik wird nach Borowski als tragischer Zwang ver- standen ein Hãftling wurde der Wahl- möglichkeit beraubt, er wurde in ein Lager ohne Ausweg versetzt. Tendenz zur Dämonisierung Deswegen ist das Werk von Ta- deus? Borowski auch auf eine gewalti- ge Protestwelle gestoßen. Borowski hat als erster darauf aufmerksam ge- macht, dass das, was sich in Auschwitz ereignet hat, eine menschliche Sache ist, die schmerzhaft jeden Menschen betrifft, egal ob er in Berlin oder in Warschau geboren ist. In der Be- schreibung der Lagergrausamkeiten, die in den Werken enthalten sind, die sowohl im Lager als auch in der Zeit unmittelbar nach dem Krieg entstan- den sind, gibt es eine Tendenz zur Dã- monisierung des vollbrachten Ubels. Das zeigt sich auch auf der sprachli- chen Ebene. Bezeichnungen wie„die Hölle von Auschwitz“,„die Bestien“, „die Henker“,„die Häscher“ wieder- holen sich verhältnismäßig oft. In der Literatur dieser Zeit zeigt sich eine Finstellung der ganzen La- gergemeinschaft in Schwarz-weiss-Ka- tegorien: die Einteilung in Opfer und Henker, die Einteilung aufgrund der Nationalitãten oder der Farbe der La- gerwinkel. Ein Deutscher war Symbol jeglichen Ubels, ein Jude oder Pole Symbol eines edlen Opfers. Der politi- tische Häftling wiederum war ein Mensch, der sogar in so extremen Ver- hältnissen wie im Lager zu Opfern be- reit war; eine Gestalt, die im Unter- schied zu den Verbrechern aus den asoZialen oder kriminellen Kreisen um die Würde und um die Erhaltung der hõöchsten Werte kämpfte. EFine solche Darstellungsweise ei- nes einzelnen Menschen im Lager und seines Umfeldes sollte der Intensivie- rung des moralischen Protestes gegen das Ubel dienen, und bis heute über- schattet sie die Art und Weise, wie die Tragõdie Auschwitz und die Verbre- chen in Auschwitz verstanden werden. Die Lagererinnerungen bilden einen Teil der Literatur, die das Verstãndnis von Auschwitz in großen Jeilen der Ge- sellschaft prägen, besonders unter der Jugend, die das Wissen über das Lager ausschließlich über Literatur erwirbt. Die Täter waren keine Sadisten, sondern„normale“ Menschen Die Erinnerungen sind ein einzig- artiges Dokument des Widerstandes, mit denen die Welt zur Kenntnis ge- nommen hat, dass die Verbrechen von normalen Menschen begangen wur- den, von Menschen, bei denen man sich schwer tun würde, sie als bõse im herkömmlichen Sinn des Wortes zu bezeichnen, von Menschen, die im Le- ben außerhalb des Lagers keinerlei verbrecherischen oder sadistischen Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 19 Neigungen gezeigt haben. Diese Wahrheit erschüttert die ganze Menschheit, sie stellt die grundlegen- den moralischen und kultureilen Ant- worten, die über Jahrhunderte Gültig- keit hatten, in Frage. Im Laufe der Zeit befassten sich die Literaten immer weniger mit der Schilderung von nachprüfbaren Tatsa- chen. Dagegen finden sich in immer 6„ Ausmaß- und das sogar in d er Erinnerungsliteratur- Kommen- tare also subjektive Deutungen, die zur Vertiefung unseres historischen Wissens beitragen. Damit werden Antworten gesucht auf Frage, ob die Geschichte aus unbewussten und weitgehend zufälligen, ihres tieferen Sinn beraubten Ereignissen besteht oder- im Gegenteil- aus bewussten, dem Willen des Menschen unterlie- genden Handlungen hervorgeht und damit einhergehend, ob man aus ihr Schlußfolgerungen für die Zukunft ziehen, ob man aus ihr lernen kann. Der Zweite Weltkrieg hat nicht nur deswegen apokalyptische Ausmaße angenommen, weil er die ganze Erde umfasste, sondern vor allem auch we- gen der Massenvernichtung, die auf ei- ne in der Menschheit noch nie dage- wesene systematische und indus- trialisierte Weise durchgeführt wurde. Die Literatur hat gleich nach dem Krieg eine bedeutende Rolle als eine der Grundquellen des Wissens über die nicht weit zurũckliegende Vergan- genheit gespielt. Mehrere der ersten Werke, die die Lagerrealitãt schildern, waren nicht als schöngeistige Litera- tur, sondern als Dokumente verfasst, die die historischen Ereignisse wider- spiegeln sollten. Gibt es eine Grenze, die die doku- mentarische von der so genannten „Schönen“ Literatur unterscheidet? Diese Grenze bildet wohl die literari- sche Fiktion, also die Schaffung von Wirklichkeit im Unterschied zu ihrer getreuen Wiedergabe. Die Memoiren, die sich großer Popularität und Aner- kennung unter den Lesern erfreuen und die den Wert eines historischen Dokumentes haben, erfüllen eine wichtige soziale und kulturelle Funk- tion. Sie sind Bindeglied zwischen der Fiktion und der wissenschaftlichen Aufarbeitung. Wegen der Vielfältig- keit der besprochenen Probleme sind sie ein außergewöhnlich wertvoller Literaturzweig. Die Authentizität und Einfachheit der Memoiren und der Frinnerungsliteratur im allgemeinen haben bewirkt, dass sie bis heute die Soziale Einbildungskraft gestalten. Lagerkommandant Rudoff Höß Eines der Probleme, die bis heute nicht zu Ende analysiert wurden, ist das Problem der Psyche der Täter. Ei- nes der ersten und relativ bekannten Bücher zu diesem Thema ist die in bel- letristischer Form geschriebene Bio- graphie von Rudolf Höß unter dem Titel„Der Tod ist mein Beruf(La mort est mon metier)“, deren Autor Robert Merle ist. Der Verfasser stütz- te sich auf die im Jahre 1951 in Polen herausgegebenen authentischen Erin- nerungen des Kommandanten von Auschwitz Rudolf Höß, die im polni- schen Gefängnis während des gegen ihn geführten Prozesses geschrieben wurden. Ich bin der Meinung, dass Merles 20 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Werk kein empfehlenswertes Buch ist. Für mich ist es eine„Quasi-Psycho- analyse“, die im Lebenslauf von Höß, angefangen von den jüngsten Jahren, die Antwort auf die Frage„Warum?“ und„Wie war es möglich?“ sucht. Wie war es mõglich, dass ein gewöhnlicher Mensch, der eine Familie hat, für den Massenmord verantwortlich ist, der an hunderttausenden von unschuldigen Menschen, an anderen Ehefrauen, Müttern und Kindern verübt wurde? Merle findet die Antwort in der frühen Kindheit von Höß, der in einer At- mosphäre von übermäßiger Strenge und Pflichtbewusstsein sowie absolu- ter Befehlsunterordnung erzogen wurde, sowie in dem Schock, der in der Psyche des Jungen durch den(im übri- gen unbegründeten) Verdacht des Verratens des Beichtgeheimnisses hervorgerufen wurde. Mit der Schuld daran, dass dem weiteren Leben von Höß eine solche Richtung gegeben wurde, dass er den nationalsozialisti- Schen Plan der„Endlösung“ sorgfältig verwirklichen konnte, belastet Merle die nãchste Umgebung von Höß-des- sen Familie. EFine solche Interpretati- onsweise scheint mir allzu oberfläch- lich zu sein. Ich empfehle als bessere Lektüre die authentischen Aufzeich- nungen von Höß, die dabei eine be- deutende Anzahl von Informatione über die historischen Ereignisse 0 ben. Nach Auschwitz-Prozessen: EFin neuer Blick auf die Lagerrealität Ein neuer Blick auf die Lagerwirk- lichkeit konnte sich aber erst in den 60er Jahren zeigen, als der Gesichts- punkt eines Opfers aufhörte, einzig und ausschließlich zu sein. Es began- nen Fragen aufzutauchen, die sich nicht nur durch das persönliche, emotionelle Ver- hältnis zur Vergan- genheit ergaben. Diejenigen, die den Krieg als Kin- der durchlebt hat- ten, Sahen die Pro- bleme des Krieges im Zusammen- hang mit dem ei- genen reiferen Le- ben, das sie zwanzig Jahre spã- ter durchlebten. Das bisher be- kannte Bild eines verbrecherischen Sadisten wurde Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 21 erst durch die Prozesse der 60 er Jahre zurechtgerückt. Dort erwiesen sich die ehemaligen Täter von Auschwitz als gewöhnliche Bürger. Während die Feststellung, dass die meisten von ih- nen, bevor sie nach Auschwitz kamen, ein normales, durchschnittliches Le- ben geführt haben, nur widerwillig an- genommen und aus dem Bewusstsein beseitigt werden konnte, war die au- genscheinliche Feststellung während es Prozesses, dass sie sich auch nach der Zeit in Auschwitz durch nichts von den anderen Menschen unterschie- den, ein Schock. „Anus mundi“ und andere „Klassiker“ der Auschwitz-Literatur In der Nachkriegszeit sind in allen europäischen Ländern tausende von Büchern erschienen, die den Themen- kreis Auschwitz behandeln. Ich werde kurz auf einige eingehen, die in meh- rere Sprachen übersetzt- zweifellos bedeutenden Anteil haben, wie die Vorstellungen, was Auschwitz war, ge- prägt wurden. In Polen überwiegt bis heute die Erinnerungs und Reportageliteratur. em weiten Leserkreis sind außer Borowski die Bücher von Seweryna Szmagliewska„Der Rauch über Bir- kenau“ und von Krystyna Zywulska „Ich habe Auschwitz überlebt“ be- kannt, die ausführlich über das Häft- lingsleben im Frauenlager berichten. Weithin bekannt ist auch Anus mun- di“ von Wieslaw Kielar, der mit dem ersten polnischen Transport als Hãäft- ling nach Auschwitz kam und vier Jah- re hier verbringen sollte. Kielar stellt also verschiedene Entwicklungsetap- pen des Lagers dar, angefangen von dem Konzentrationslager, das 1940 ursprünglich für polnische Häftlinge gegründet wurde, über seine„Inter- nationalisierung“, als mit der Depor- tation der sowjetischen Kriegsgefan- ge nen und der politischen Hãäftlinge aus anderen Nationen begonnen wur- de, bis zu der Zeit, als Auschwitz zu ei- ner riesigen Vernichtungsmaschinerie ausgebaut wurde. Dies erfolgte, als im Jahr 1942 mit den Judentransporten aus allen besetzten Ländern Furopas das massenhafte, industrialisierte Morden in den Gaskammern begann. Kielar schreckt in seinem Buch nicht vor der Schilderung der komplizier- ten Verhältnisse unter den Hãäftlingen und innerhalb der Häftlingsgruppen zurück. Er zeigt, wie sich ein Mensch im Lager veränderte, wie ein neues moralisches Wertesystem entstand. Er Schildert auch, was für viele ganz un- verständlich ist, die Versuche der Hãftlinge, sich eine Ersatznormalitãt zu schaffen sowie die Suche nach uni- versalen Werten in der Atmosphäre der stãndigen Todesbedrohung. Kielar ist Selbst über verschiedene Stufen der Hãäftlingshierarchie im Lager aufge- stiegen, vom völligen Muselmann bis zur verhältnismäßig bevorzugten Stel- lung eines Blockschreibers in Bir- kenau. In manchen Partien scheint Kielars Buch auch mit den Erzählun- gen von Tadeus? Borowski verwandt zu sein. Den Ansatz einer breiten Definiti- on der Problematik Auschwitz unter- nimmt Hermann Langbein in seinen Büchern. Solche Werke wie„Die Stär- keren“,„Menschen in Auschwitz“ oder„Der Auschwitz Prozess“ ge- 22 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer hören bereits heute zu den Klassikern der Literatur über Auschwitz. Lang- bein beschreibt- besonders in Men- schen in Auschwitz“ viele Probleme aus dem Lagerleben, wobei er sich nicht ausschließlich auf die Bedingun- gen und Gewohnheiten der Hãftlinge beschränkt, sondern auch den Angele- genheiten der Täter relativ viel Auf- merksamkeit zukommen lässt. Als di- daktisches Material vor und nach dem Besuch in Auschwit? können die Bücher Langbeins eine reiche Infor- mationsquelle sein, sowohl hinsicht- lich historischer als auch moralischer Fragestellungen. In der ganzen Erinnerungsliteratur überwiegen, wie schon erwähnt, grundsätzlich die Schilderungen von Leiden und Terror. Jedoch immer häu- figer wird von den Verfassern die Wi- derstandsbewegung, die Selbsthilfe und das Kulturleben sowie die Bedeu- tung von Solidaritãt und Freundschaft unter den Hãäftlingen betont. Wenn die Literatur moralisch wir- ken soll, so soll sie sich, meiner Mei- nung nach, nicht ausschließlich auf die Schilderung von negativen Beispielen beschränken. In dem rücksichtslosen Uberlebenskampf, welches das Lager darstellte, ist es gelungen, höchste Werte wie Freundschaft, Liebe und das Gute zu bewahren. Eine freundli- che Geste, ein gutes Wort haben manchmal Leben gerettet. Wenn wir nach Informationen über die Wider- standsbewegung suchen, so finden wir vor allem den geistigen, inneren Wi- derstand, die Nichteinwilligung in die Lage, in die ein Hãftling verset?t wur- de. Nicht vielen ist es gelungen. An der Lagerrealität, im harten Kampf ums Uberleben sind viele zerbrochen. Wie wichtig es jedoch war, in sich selbst die Kraft Zum Widerstand zu finden, wird von vielen Autoren betont. Elie Wiesel und Primo Levi haben darüber ge- schrieben. Die Werke dieser beiden Autoren sind aber so bekannt, dass ich mich damit nicht zu beschäftigen brau- che. Ghetto-Literatur Es wäre schwierig, über die Litera- tur des Auschwitzer Lagers ganz ge- sondert von der Ghettoliteratur zu sprechen, wobei diese den stärksten Ausdruck in den literarischen Werken ũber das Warschauer Ghetto gefunden hat. Die die Judenthematik betreffen- de Literatur ist in den meisten Fällen eine auf Tatsachen gegründete doku- mentarische Literatur über eigene oder fremde Erlebnisse. Eine belletri- stische Freizügigkeit nehmen solche Werke nur in sehr geringem Ausmaß in Anspruch. Dokument, Tagebuch. Memoiren und Beschreibung von Tãtigkeiten kommt hier auf natürliche Weise ein sehr hoher Rang zu. Die herausragenden unter den Ghetto- Memoiren sind die von Ludwik Hirs? feld, Wladyslaw Szpilman, Noemi S?ac-Woikranc. Zu den bekanntesten gehören auch„Das Tagebuch“ von R- nus? Korczak und„Das Tagebuch aus dem Warschauer Ghetto“ von Adam Gzerniakow. Besonders wertvoll sind die Nie- derschriften von Hirs?feld. So wie Ia- deus? Borowski in der Lagerliteratur, konnte Hirs?feld sehen und zeigen, dass der Nationalsozialismus die bis- her eindeutige Unterscheidung von Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 23 Täter und Opfer umgestoßen hat, dass er die Opfer herabgewürdigt hat, in- dem er ihre Solidarität zerstörte, in- dem er sie auseinander dividierte und sie zu unmenschlichem Verhalten an- stiftete. Hirs?feld zeigt, dass das Ghet- to eine Art Konzentrationslager war, in dem das System von Verboten s0 organisiert war, dass die Menschen- wenn sie leben wollten- gegeneinan- der auftreten mussten. Die Bedeutung von Interviews mit ehemaligen Häftlingen Zum Schluss möchte ich ein paar Zeilen den Häftlingsberichten wid- men, die von Mitarbeitern des Mu- seums Auschwitz gesammelt wurden und für viele Forscher ein sehr wert- volles Quellenmaterial bilden. Im Unterschied zu den Erinnerun- gen, die„aus Herzensnot“ und aus Pflichtgefühl gegenüber denjenigen, die ums Leben gekommen sind und gegenüber den kommenden Genera- tionen geschrieben wurden, stellen diese Berichte Antworten auf konkre- te, von den Forschern gestellte Fragen dar. Da der größte Teil der Dokumen- Oaon von Lagerbehörden vernichtet wurde, lassen sich viele Einzelheiten, wie beispielsweise die Namen von ein- zelnen Opfern oder auch Tätern nur durch die Aussagen der ehemaligen Häftlinge bestimmen. Sie liefern Kenntnisse über Erscheinungen aus dem Lagerleben, die in den Nazidoku- menten bewusst verfälscht wurden, wie zum Beispiel die wahren Todesur- sachen der Hãäftlinge, die Selektionen und den Võlkermord in den Gaskam- mern, der in der Lagerdokumentation mit den Decknamen„Sonderaktion., oder„SB“ für„Sonderbehandlung“ beZeichnet wurden. Diese Berichte sind oft die einzigen Quellen für die Bearbeitung von solchen Themen, wie beispielsweise das Kulturleben der Häftlinge, religöse Aktivitäten oder die Lagersprache. EFine ausführliche Analyse dieser Quellen ist in diesem Rahmen nicht möglich. Ich möchte an dieser Stelle mit der allgemeinen Feststellung schließen, dass die Erinnerungen an die Realität im Konzentrationslager anfangs im Wesentlichen von der All- gemeinheit, vom Leiden und Helden- tum von Gruppen und Menschen handelten. Im Laufe der Jahre haben immer mehr Autoren den Hauptge- genstand der Schilderungen und die Form in Richtung eines größeren An- teils an Phantasie verändert. Diese neue Strõmung entsteht aus dem Be- dürfnis, auf die allgemeine Grausam- keit mit den Augen eines einzelnen, durchschnittlichen Menschen schau- en zu wollen, aus der Uberzeugung, dass es unmöglich ist, die ganze Unermesslichkeit und Tragik der Er- mordung von Millionen von Men- schen zu erfassen, ohne die Bedeu- tung des Todes eines einzelnen Menschens zu verstehen. Zur Wahr- heit von Auschwitz und zu echter An- teilnahme kann man nur gelangen durch die Wiedergewinnung der Sen- sibilität für ein einzelnes menschli- ches Gesicht, für das individuelle Schicksal eines jeden Menschen. Im- mer häufiger herrscht in den Erinne- rungen an Auschwitz der Wunsch vor, jene Gesichter zu bewahren, Gesich- ter wie die von dir und mir. 24 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer „STECKBRIEFLICH GESUCHT“ Das Erinnerungsbuch des Auschwitz-Häftlings Kazimierz Albin Von Albrecht Werner-Cordt Ende August 1939. Der deutsche Angriffskrieg gegen Polen wirft seine Schatten voraus. Unter den jugendli- chen Gymnasiasten, die im polnischen Pfadfinderverband ZHP organisiert sind, bereiten sich auch der siebzehn- jährige Kazimierz Albin auf die Ver- teidigung seiner Heimat vor. Kurse für Gruppenleiter bei den Pfadfindern werden ergänzt durch eine systemati- sche vormilitärische Ausbildung an der Schule. Am 1. September 1939 tau- chen über Krakau, seiner Heimat- stadt, deutsche Bomber auf, und für Albin endet schlagartig die Jugend- zeit. Mit dem Uberfall Deutschlands auf Polen beginnt der 2. Weltkrieg: Der Krieg ließ uns im Ater von sieb- zehn Jahren zu Erwachsenen werden“, notiert er auf den ersten Seiten seiner über 350 seitigen Lebensgeschichte, die nun auch in deutscher Uberset- zung erschienen ist. Bücher haben ihr Schicksal“ wieviel mehr gilt dies für ein Buch, das schicksalsträchtige Ge- Schehnisse einer ganzen Nation schil- dert. Die ersten Aufzeichnungen da- tiert Albin auf die fünfziger Jahre: die polnische Ausgabe erschien 1989, eine zweite, erweiterte 1906. Die hier be- sprochene deutsche Ubersetzung wur- de nochmals ergänzt. Der Bericht umfaßt chronologisch die Jahre 1930 bis 1945 Am 18. Januar 1045 war Krakau befreit, am 27. Januar das Lager Auschwitz. Von dort war der Autor mit der Häftlingsnummer 118 am 27. Februar 1943 in den Abendstun- den. geflohen“, wie es in dem Tele- gramm des Kommandanten Höß heißt, und weiter:„Die sofort eingelei- tete Suchaktion blieb bisher ohne Er- folg. Es wird gebeten, von dort aus(dii. von„allen östl. Stapo(Leit)-, Kri- po(Leit)-Stellen und Greko(Grenz- kontrollen, d. Autor) besonders Kra- kau? sowie den hõchsten Dienststellen in Berlin) weitere Fahndungsmaßnah- men einzuleiten u. im Ergreifungsfalle das KI. Auschwitz sofort zu benach- richtigen.“„Ergriffen“ wurde Kazi- mierz Albin trotz der Einschaltung sämtlicher den Nazis zu Gebote ste- hender Stellen“ nicht. Trotz Terror ge- gen Mithäftlinge und Familienmitglie- der blieb er„Steckbrieflich gesucht“ so der Titel seines Buches. In das KZ Auschwitz wurde Albin mit dem ersten Fransport aus Tarnow. wo er 1940 in einem Gestapo-Gefäng- nis inhaftiert und fürchterlichen Tor- turen ausgesetzt war, eingeliefert“. Fast drei Jahre war er Gefangener in Auschwitz, einer der allerersten und einer der wenigen, der über die frühe Zeit aus eigener Anschauung berich- ten kann. Die Kapitelüberschriften benennen die einzelnen Bereiche des lnfernos, über die der Autor Zeugnis ablegt. Als Berichterstatter, der das Grauen überlebt hat, beschreibt er mit knappen Gesten das Gesehene. das Gehörte, das Gefühlte. Er findet prãg- nante eindrückliche Worte, die dem Grauen abgetrotzt sind. Einige der Uberschriften seien wegen ihrer lako- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 25 nischen Kürze, in der Tod und Ver- nichtung stecken, genannt:„Arbeit macht frei“.„Der Block der Minder- jährigen“„Das Lagerorchester“.„Be- klaidungswerkstätten“.„Russisches Kriegsgefangenen-Arbeitslager“„Ver- nichtungslager“.„Hãäftlingskranken- bau“„Das Bunkerbuch“.„SS-Küche“. Jozef S?ajna, Hãftling Nr. 187290. Daß der Autor ein Kapitel einem Mithäftling, Joszef Szajna, namentlich gewidmet hat, ist symptomatisch für das Ganze. In den erlebten und in Worte gefaßten S?zenen werden die Menschen wieder lebendig, sie erhal- ten Namen, eine Lebensgeschichte, ein Gesicht, einen Charakter: Der um- fangreiche Anhang verzeichnet über fünfhundert Namen, die durch Fotos ehemaliger Häftlinge und Wider- standskämpfer ergänzt werden. Hier dokumentiert sich die Intention eines Lebenswerkes: Kazimierz Albin gehört zu den Autoren, die der For- schung über Auschwitz die Richtung gewiesen haben: alles zu sichten, alles in Erinnerung zu bringen, was sich über die Personen sagen läßt. Das dreibändige„Buch der Erinnerung- Transporte von Polen aus Warschau nach Auschwitz in den Jahren 1940 1944*, über das wir in diesem Heft be- richten(Siehe Seite 2), ist hierfür ein bewegendes Dokument. Als ob der Bericht über Auschwitz nicht schon mehr als genug für ein Ke- ben und ein Buch sei, hat der Autor in „Steckbrieflich gesucht“ den Kapiteln über Auschwitz zwei weitere Darstel- lungen teils vorangestellt, teils ange- fügt. Der Leser erfährt, wie nach der militärischen Niederlage Polens im September 1939 der damals 17 jährige Oberschüler und Pfadfinder mit sei- nem Bruder am 3. Januar 1940 sein Zuhause verläßt, um über die Slowa- kei und Ungarn„nach Frankreich“ zu kommmen. Dorthin hatten sich Jeile der polnischen Armee durchgeschla- gen. Die Odysee endet nach Grenz- übertritten, Auslieferung, Flucht, er- neuter Flucht und viermaligem Gefängnisaufenthalt schließlich am 14. Juni 1940 in Auschwitz. Dazwischen lie- gen Verhöre, körperliche Qualen, bru- tale Gewalt der deutschen„Her- renmenschen“, die Albin ein Leben als „gewöhnliche Arbeitskraft“ zugedacht hatten. Die ersten Kapitel des Buches geben einen Einblick in die Moral und den Uberlebenswillen der polnischen Bevölkerung, die sich mit der Niederla- ge, der Besatzung und dem Terror nie abgefunden hatte. Die Leser erfahren aus der Lebensgeschichte von zwei pa- triotischen polnischen Jugendlichen wie„Hochmut und Gemeinheit“ der Besatzer, der verschiedenen deutschen Polizei- und Truppeneinheiten sowie deutscher Zivilisten sich in den ersten Tagen vor allem gegen Juden richteten, binnen kurzer Zeit aber das ganze pol- nische Volk erfaßten. Verglichen mit den anderen Län- dern war die polnische Widerstandsbe- wegung die stãrkste, die auf allen Ge- bieten aktiv war- von der zivilen Verweigerung über die Partisanentãtig- keit bis hin zur Untergrundarmee. Bis Mitte 1943 gelang es Polen, mit Hilfe der Alliierten eine Armee in der Stãrke von rund 500.000 Mann aufzubauen. Hauptsächlich über diese Zeit be- richtet Albin im zweiten Jeil seines Bu- ches. Nach der Flucht aus Auschwitz fand er in Krakau mit Hilfe von Freun- 26 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer den und der Untergrundarmee Unter- schlupf. In seinen Worten:„Das Haus in der Siemiradzkiego 2 wurde bis zum Ende der Besatzungszeit für mich zur Zufluchtsstätte, zur Ausgangsbasis für die konspirative Tätigkeit und gleich- zeitig zu einem Ort, an dem ich viel Her- zenswärme und echte menschliche Freundschaft kennenlernte.“ Auch bei der Schilderung einzelner Militäraktionen in den Jahren 1943 bis 1945 erweist sich die Stãrke dieses Bu- ches. In den persönlichen„Porträts“ der Mitstreiter, Kameraden, Helfer und Zeitgenossen treffen die Leser abermals Menschen mit Namen: sie erfahren Hintergründe der jeweiligen Lebensgeschichten, die militärisch knapp zum Verstäãndnis der Gescheh- nisse eingeblendet werden. Auf Auschwitz selbst kommt Albin nur mehr in vier kurzen Kapiteln ins- gesamt weniger als 40 Seiten— des zweiten Teils zurück. Diese Kapitel al- lerdings haben es in sich: Sie bringen, zum Teil nachträglich recherchierte und wissenschaftlich bestãtigte. Infor- mationen über die„Widerstandsbewe- gung im Lager“,„Flüchtlingsschicksa- le“ und das„Vorgehen der Lager- Gestapo“. Im wesentlichen aber schil- dert Albin seine fast zweijährige Di- versionstãtigtkeit mit Kampfeinsãtzen in Krakau als Soldat, Fähnrich und schließlich Offizier der Landesarmee AK. Hier scheint noch nicht das letzte Wort gesprochen. Albin merkt zu die- sem Thema am Ende seiner Abhand- lung lapidar an: Am 19. Januar 1945 wurde die Landesarmee AK auf gehei- men Befehl Leopold Okulickis, Deck- name Niedzwiadek“, aufgelöst. Die Bitternis der Niederlage dieser herrli- chen Idee, der wir unsere besten Jahre und Zehntausende von Patrioten ihr Leben geopfert haben, tragen wir bis heute in unserem Herzen.“ Deutlicher ließ es sich wohl zu Zeiten der Erst- auflage(1989) nicht sagen, in welch unglũckselige und tõdliche Auseinan- dersetzung zwischen Alliierten, polni- scher Exilregierung, Sowjetunion so- wie polnischen Kommunisten der eigenständige polnische Widerstand der Landesarmee und der Gruppen im Lager Auschwitz geraten war und sich bewegen musste. Der Warschauer Auf- stand, der am 1. August 1944 aus- ge- brochen war und nach 63 Tagen mit der Kapitulation der Aufständischen endete, bietet ein trauriges und er- schreckendes Beispiel für die Ohn- macht von Widerstandshandlungen, die der von Stalin betriebenen Sowje⸗ tisierung Polens entgegenstanden. Das Buch Kazimierz Albin ist nach- drücklich zu empfehlen. Nicht nur die polnische Geschichte, sondern auch die Geschichte Europas und damit die deutsche Geschichte wird besser ver- ständlich, wenn heutige Zeitgenossen zur Kenntnis nehmen, dass die Polen- wie die Deutschen zwar von fremden Armeen befreit worden sind, im Unter- schied zu den Deutschen, sich aber auch selbst haben befreien können. Dem polnischen Widerstand, dem mi- litãrischen wie dem zivilen, den Opfern, den Joten und Uberlebenden setzt Al bin mit seinem Werk ein Denkmal. Kazimierz Alhin, Steckbrieflich gesucht, Stautliches Museum Ausch- wil? Birkenau, Oswiecim 2000(tann direkt bei der Lagergemeinschuft(sie- he Impressum) bestellt werden). Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 27 DER BLICK DES BESATZERS Propagandaphotographie der Wehrmacht aus Marseille 19421944 Von Klaus Konrad-Tromsdorf Die von Ahlrich Meyer herausgege- bene und eingeleitete Bildersammlung wurde von dreizehn Photographen der chemaligen Propagandakom- panien (PK) der Wehrmacht aufgenommen d ist größtenteils im Bildarchiv des Gundeserchhe in Koblenz überliefert. Meyer unternimmt den Versuch, diese Bilder einer historisch-exakten quellen- kritischen Analyse zu unterziehen. Er weist hier zumindest den Weg, den eine seriõse Forschung zu gehen hätte, wid- mete sie sich einer ernsthaften wissen- schaftlichen Nutzung der photographi- schen Uberlieferung. Das bestehende Desiderat einer Nutzung photographischen Materials durch die zeitgeschichtliche For- schung ist stärker in das öffentliche Bewußtsein gerückt, seitdem die „Wehrmachtsausstellung..“ des Hamburger Institutes für Sozialfor- schung einer notwendigen Uberarbei- tung unterzogen wird. Die Gründe die hierfür verantwortlich waren, u.a. ein nicht immer vollständiges Ausre- cherchieren des Photomaterials, d.h. die nicht immer exakte Zuordnung der Abbildungen zu Orten, Ereignis- sen und Photographierenden, zeigt Fotografie der deutschen Propagandakompanie: Wehrmachtssoldaten in Marseille. 28 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer sehr deutlich auf, welcher Methoden sich die Forschung hier zu bedienen hätte. Zu selbstverständlich und somit vom Rezipienten nicht(mehr) wahr- genommen, bedienen sich zeitge- schichtliche Darstellungen des vor- handenen Bildmaterials lediglich zum Zweck der Ilustration. Dieser ledig- lich illustrative Gebrauch- gelegent- lich ist sogar der verfängliche Begriff des Symbolbildes' verwendet worden —ist natürlich weit von dem entfernt, was Friedrich P Kahlenberg, der ehe- malige Präsident des Bundesarchivs, in seinem Vorwort zu dieser Veröf- fentlichung als Forschungsziel defi- niert: Diese Forschung folgt dem Ge- danken, der Opfer zu gedenken. Ein Solches Gedenken. läßt den Opfern Gerechtigkeit wiederfahren und kon- frontiert die Nachgeborenen mit den Tatsachen'(S. 9f). Meyers zweisprachige Publikation (deutsch/franzõsisch) überzeugt durch einen gegliederten Aufbau. Ihr Thema ist- grob gesprochen- der Zeitraum der deutschen Okkupation der bis da- hin unbesetzten Zone Frankreichs im November 1942 bis zur Kapitulation des Deutschen Reiches am 8. Mai 1945. Innerhalb dieses Zeitraumes werden die deutsche Besetzung von Marseille, Räumung und Zerstörung des Hafenviertels, einschließlich der Deportation der dort lebenden Bevöl- kerung und schließlich die Deportati- on der Marseiller Juden focussiert. Ge- genstand dieser Focussierung sind die bereits erwähnten Photographien von Angehörigen der Propagandakompa- nien der Wehrmacht. In einem aus- führlichen Editorial werden For- schungsgegenstand, Forschungsinte- resse und Methoden definiert- dazu später mehr. Der daran anschließende Abbildungsteil ist chronologisch auf- gebaut und in fünf Schwerpunkte ge- gliedert:„Die Besetzung“(Photogra- phien vom November 1942),„Be- Satzungstourismus, Alltagsszenen“ (Photographien im Zeitraum Novem- ber 1 942 bis Januar 1943), Razzia und Räumung des Hafenviertels“(Photo- graphien vom Januar 1943),„Die D portation der Marseiller Juden“(Ph tographien vom 23. und 24. Januar 1943),„Die Zerstörung“(Photogra- phien Ende Januar/Anfang Februar 1943 bis Juni 1944). In einem ausführlichen Dokumen- tenteil- der allerdings(wenig sinnvoll) bereits mit der Deportation der Mar- seiller Juden im Januar 1943 endet werden zunächst solche Unterlagen aus deutschen Quellen(e.g. Armee- gruppenbefehle, Auszüge aus Kriegs- tagebüchern, Fernschreiben des RSHA, resp. Himmlers) bereitgestellt, die den Rahmen der damaligen Ereignisse ab- stecken. Ergänzt werden diese Quel- len durch zwei(gekürzte) Aussagen, die der ehemalige Höhere SS und Po- lizeiführer in Frankreich(Oberg)% der ehemalige Befehlshaber der Si cherheitspolizei und des SD in Frank- reich(Knochen) im September 1954 vor dem Pariser Militärgericht mach- ten. Weiterhin beigegeben sind dem Dokumententeil das Reprint der Re- portage( Marseille?) eines deutschen Militärberichterstatters vom April 1943, Auszüge aus dem Tagebuch von R.-R. Lambert(Freitag, 22. Januar bis Sonntag, 24. Januar 1943), die Depor- tationen betreffend- Lambert war Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 29 Leiter der 1941 von der Vichy-Regie- rung auf deutschen Druck hin einge- setzten jüdischen Zwangsvereinigung UGIF in der Südzone'- und-schließ- lich eine schriftliche Verlautbarung, ebenfalls die Deportationen betref- fend, der jüdischen Sektion der MOI (einer Gruppe von Immigranten in- nerhalb der verbotenen kommunisti- schen Partei Frankreichs). Dem Le- senden erschließt sich die Evidenz ieser Kombination von Täter und Opferperspektive allerdings nicht. Ei- ne ausführliche tabellarische Chrono- logie schließt dieses Kapitel ab. Für Meyer ist das Kapitel über die Deportation der Marseiller Juden zen- tral. Die Dokumentation der Photo- graphien ist- was den vorhandenen Bestand von dreiunddreißig Aufnah- men anlangt vollstãndig. Anhand die- ses Kapitels möchte ich die Prãmissen von Meyer's Ansatz kurz darlegen. Der Autor geht von folgenden Vor- aussetzungen aus(S. 16 ff): Photographien sind historische Primãrquellen, sie bedürfen der Kritik, der Analyse und der Interpretation. »Der Entstehungskontext einer Pho- tographie ist zu ermitteln und anzuge- en: Aufnahmedaten und orte ge- ören ebenso selbstverständlich dazu wie der Name des Photographen, eventuelle Originalbildlegenden, Erst- publikation, ggf. Bildarchiv oder Auf- bewahrungsort Hinzufügen wären- meiner An- sicht nach- grundsätzlich(grundsätz- lich heißt im Falle der vorliegenden Publikation, daß Meyer diese Anga- ben summarisch für den Bestand ins- gesamt angeben kann, für Einzelun- tersuchungen jedoch diese notwendig sind) die folgenden Angaben: »Liegt das Negativ vor, welches For- mat hat es? * Ist die Photographie Bestandteil ei- ner Serieꝰ » Handelt es sich bei der Photogra- phie um einen Abzug vom Original oder um eine Bearbeitung(e.g. Bild- ausschnitt)? Meyer selber gibt für den von ihm untersuchten Bestand das Negativ- Format 36 X 24 mm(Kleinbild) an und weist auf, wann es sich bei den einzel- nen Bildern um Aufnahmen einer (vorhandenen) Serie handelt. Der zunächst bloß technisch anmutende Zusammenhang ist bei näherem Be- trachten durchaus interessant: Die hier von den Photographen verwende- ten Spiegelreflexcameras(Leica) ge- statteten(und gestatten noch) eine re- lativ unkomplizierte Handhabung- ein, wenn auch nicht gewichtiger, s0 doch unter Umständen, wichtiger Zu- sammenhang, vermag er doch etwas über die Schnelligkeit' angefertigter Serienaufnahmen auszusagen und ge- stattet er ebenso wenigstens eine An- nahme über die Spontaneität'(bezo- gen auf den Photographierenden) der Aufnahme, da ein Wechsel zwischen Quer- und Hochformat unmittelbar möglich war, überdies war und ist das Verwenden von Wechselobjektiven zur Bild- und damit Aussagegestaltung von Bedeutung. Die Angabe schließlich, ob es sich bei dem Photo um einen Abzug vom Negativ oder einen Bildausschnitt handelt, ist natürlich von Wichtigkeit, will man sich den apriorisch subjekti- ven Charakter einer Photographie und womöglich den eines angefer- 30 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer tigten Ausschnittes erschließen. Daß das Objektiv einer Camera ehrlicherweise als Subjektiv' bezeich- net werden sollte, ist ein wohlfeiles ondit' das gleichwohl Möglichkeiten und Grenzen der Aussagefähigkeit jedweden photographischen Materi- als definiert. Nicht der vermeintlich dokumentarische', i.e. objektive', Blick wird ermöglicht, wohl aber der Blick des Aufnehmenden, der durch Bildausschnitt, Perspektive usf. be- stimmt, was er von der Totalität des von ihm Gesehenen weitergeben möchte. Von Retuschen, Montagen oder heute möglichen elektronischen Bearbeitungen einmal abgesehen, do- kumentiert natürlich jede photogra- phische Aufnahme Wirklichkeit. Aber eben bloß den subjektiv- vom Photo- graphierenden ausgewählten- Aus- schnitt einer Wirklichkeit, der noch dazu flüchtig ist. Das Fixieren eines womöglich nur Bruchteile einer Se- kunde andauernden Momentes von wirklichkeit ist also doppelt gebro- chen, gebrochen durch das Moment der Vergänglichkeit, das sich dem Re- zipienten nicht unmittelbar erschließt. sich in dessen unreflektierter Wahr- nehmung gleichgar in sein Gegenteil verwandeln kann, gebrochen schließ- lich durch die den Rezipienten aufge- nõtigte Sichtweise des Photographie- renden, die als solche mitunter nicht wahrgenommen wird. Es ist un?we felhaft Meyers Verdienst auf᷑ dieses in- terpretatorische Spannungsfeld auf- merksam gemacht und methodische Wege aufgezeigt zu haben, Photogra- phien als historische Quelle Zu nutꝰen. Meyen A.(Hg)- Der Bick des Be- suters Propugundaphotographie der Wehrmach aus Marseille I42044. Mit einem Vorwort von Serge Klars- ſeld, Bremen(Edition Vemmen) 1900, TBN 3.6606725 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 31 Kooperation mit Lehrer/innenfortbildung Rainer Michel von der Regional- stelle Friedberg des HeLP(Hessische Lehrerlnnenfortbildung) und Diet- hardt Stamm, 2. Vorsitzender der La- gergemeinschaft Auschwitz- Freun- deskreis, haben kürzlich erste Details einer künftigen Zusammenarbeit ver- einbart. So sollen ab Herbst des Jahres 2001 gemeinsam Studienfahrten nach Aus- chwitz in Verbindung mit dem Thema „Rechtsradikalismus“ vorbereitet, durchgeführt und nachbereitet wer- den. Zielgruppen sind Lehrerinnen und Lehrer, interessierte Vertreter der Elternbeiräte sowie Pädagoginnen und Pãdagogen, Betreuerinnen und Betreuer von außerschulischen Bil- dungseinrichtungen, aber auch Ver- trauensleuten in den Betrieben. Ange- sprochen sind also Menschen, die als Teamer mit einer Jugend- oder Er- wachsenengruppe eine Studienfahrt machen möchten, sich dafür aber vor- her einiges Know how verschaffen wollen. Hierzu planen die Lagergemein- Schaft und das HelP noch konkret zu konzipierenden Vorbereitungsveran- staltungen hier in Hessen anzubieten. Zu den Studienfahrten selbst könnte die Lagergemeinschaft den Gruppenn in Polen dann dort lebende Freunde als Ansprechpartner für Führungen, Zeitzeugengespräche u. ä. vermitteln. Im nächsten Mitteilungsblatt wird das genauere Konzept vorgestellt. Vorab bittet die Lagergemeinschaft Mitglieder und Sympathisanten, die bereits als Leiter von Studienfahrten nach Auschwitz und andere K?Z Er- fahrungen gesammelt haben und bei der Vorbereitung eines solchen lan- desweiten Fortbildungsangebotes mithelfen könnten, sich beim Vor- Stand zu melden. Studienfahrt nach Auschwitz Neben der mit dem HeLP(siehe Artikel oben) geplanten Studienreise nach Auschwitz führt die Lagerge- meinschaft-Freundeskreis im kom- menden Jahr für Ende April/Anfang Mai eine weitere Bildungsfahrt in das ehemalige deutsche KZ in Südpolen an. Zielgruppe sind in diesem Fall Frauen und Männer mit Vorkenntnis- sen zum Thema. Anfragen an die Vor- standsmitglieder, telefonische Aus- künfte beim Vorsitzenden Albrecht Werner-Cordt, Iel.-Nr.(069) 555017. Das Untergrundarchiv des Warschauer Ghettos Frankfurt/ Main-In der Börnegale- rie im Museum Judengasse ist noch bis zum 21. Januar 2001 eine Ausstellung über das Geheimarchiv im Warschauer Ghetto und über dessen Gründer Ema- nuel Ringelblum zu schen. Dabei wird zum ersten Mal in Deutschland der Of- fentlichkeit eine Auswahl der zahlrei- chen von Ringelblum und seinen Mit- arbeitern gesammelten Berichte und Dokumente über die Geschichte der polnischen Juden unter der deutschen Besatzung im Original prãsentiert. 32 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V. AUSCHMWTZ Lindenstraße 68 35516 Münzenberg Telefon 0 60 33/6 01 68 Postscheckkonto Frankfurt/ Main(BLZ 300 100 60) Konto- Nr. 351 664 608 Beitrittserklärung Name, Vorname Straße, PLZ, Ort Geburtsdatum Telefon-Nr Fax E-Mail. Die Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer ist als Verein ist als gemeinnützig anerkannt. Beiträãge und Spenden sind steuerlich ab- zugsfähig Eine Spendenbescheinigung wird Zugesandt: Adressendnderung: Bitte teilen Sie uns bei Wohnungswechsel Ihre neue Anschrift mit. wir bekommen immer wieder von der Post Retouren mit dem Vermerk„unbekannt ver- zogen Das kostet Geld, Zeit und Nerven. Deshalh: 4A hschnitt ausfüllen, ausschneiden und einsenden! Adressenänderung: Neue Anschrift n vorname LLQLLLLL suake LL postleitzahl QQQ on LLLMALLLLALL Neue Tel.-Nr. Fax EMail Dezember 02.12. Maria Reiferscheid 03. 12. Dieter Hild O5. 12. Erika Stückrath 09. 12. Herbert Bohner-Rapp 13.12. Gisela Wagner 14.12. Dieter Fischer 15.12. Esther Bejarano 18.12. Rosmarie See 19.12. Barbara Mlynarski 20. 12. Dr. Gerhard Lüben — EFgon Schweiger 23. 12. Alfred Schulz 30. 12. Claus Schwing 30.12. Albrecht WernerCordt Januar O1.1. Susanne Gräser O2. 1Andrea Höhle 03. 1,Susanne Hainbach 03.1. Susanne Lutz 08.1. Margarete Schoplick 08. 1. Gerd Vogt 13.1. Joachim Bernecke 16.1. Kathrin Czerannowski 17.1. Thomas Rolle 19.1. Eroika Kremer 19.1. Michel Meyerhof 20. 1. ngolf Spickschen 22.1. Michael Wahle 3.1.Birgitta Werk-Lang 24. 1. Folker Behrens 25.1. Leonarda Lüben 26.1. Cornelia Teller 29. 1.Friedhelm Hahn Februar 02.2. Wolfgang Schmidt O9.2. Michael Wies 10.2. Gila Gertz 11.2. Etty Gingold 12.2. Gottfried Bay Unseren Mitgliedern herzliche Geburtagsgrüße „ 13.2. Marianne von Oettingen 19.2. Wolfgang Gehrke 19.2. Friedrich Stichler 20.2. Wilfried Stranz 20.2. Corinna Weber Schöndorfer 23.2. Hans Boss 28.2. Brigitte Habig 28.2. Hilde Leng 28.2. Andreas Schreier März O1.3. osef Dreesen O2.3. Peter Meier-Röhm O4.3. Gertrud Amrein O4.3. Oliver Nedelmann 06.3. Elke Jung O7.3. Bernhard Krane O8.3. Marion Beste O8.3. Peter Gingold O8.3. Franziska Hinz 09.3 Horst Jacke 12.3. Thomas Fürst 14.3. Dr. Ullrich Waldschmidt 15.3. Horst Könnecke 15.3. Renate Wanie 16.3. Armin Clauss 16.3. Boleslaw Stefanski 20.3. Barbara Fleming 21.3. Edda Hertel 21.3. Dr. Siegmund Kalinski 24.3. Brigitte Stark 24.3. Michael Wagner 25.3. Hortense Haberman 25.3. Dr. Michael Schulte 25.3. Claudia Wiederholt 26.3. Annemarie Diefenbach 28.3.Daniel Hoffmann 29.3. Ralf Neubert 31 3. Peter Seib Aprril O2.4. Manfred Wittmeier 03.4. Gerard Verhoef O8.4. Marcus Nedoma O8.4. Erhard Penner O9.4. Eberhard F Schaeufele 09.4. Brigitte Wiegand 12.4. Ingrid Neubert 13.4. Harald Kliczbor 14.4. ilmann Kreyer 14.4. Rudolf Redenius 17.4. Matthias Tiessen 18.4. Gerd Häuser 18.4. Gernot Richter 19.4. Alexander Meyer 19.4. Gudrun Nieter 19.4. Ulrich Vogel 20.4. Dr. Erwin Knauss 20.4. Susanne Mickel 20.4. Helmut Poppenberg 26.4. Peter-Alexis Kasten 27.4. Ariana Enders 27.4. Joachim Klärner 30.4. Manfred Keitel Zum 56. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz/ Birkenau lider fars lebn- lieder fürs leben Konzert gegen Antisemitismus und Rassismus und Intoleranz Samstag 27. Januar 2001 19.30 Uhr Historisches Museum Römerberg Frankfurt/ Main Eintritt frei ₰ coinciderce mit Esther und Edna Bejarano Bass: Esther und Edna sind Mutter und Jochter. Joram Bejarano Esther war Mitolied im Mõdchenorchester Au- Gitarre: Schwitz/ Birkenau. Spõter Koloratursängerin, 2 sin9t heute vorwiegend jiddische und hebräi- Semens Võlker Sche Lieder aber auch Brecht u.a. Cello: Edna ist eine faszinierende Jazz- und Folklore- Wilfried Hesse interpretin(U.a. Theodorakis, Nazirm Hikmet) Coincidence heißt nicht nur Zufall, sondern auch Ubereinstimmung. 6 Zufsllig sind die Gruppenmitolieder zusammengetroffen, durch ihre Ube- reinstimmung im Gestus und im Fühlen sind sie zusammengeblieben. Sie haben jedoch einen völlig unterschiedlichen beruflichen Hintergrund, der von der Klassik über Folklore und Pop bis zum Jazz reicht. Diese Spann- weite von kammermusikalischer Feinheit bis zu mitreißenden Rhythmen spiegeſt sich in ihrer Musik wieder. Die Gruppe verfügt über ein vieleiti- 9es internationales Repertoire. Esther und Edna singen in neun Sprachen: Jiddisch, Hebräisch, Spanisch, Griechisch, Türkisch, En9lisch, Deutsch, Ladino und Romanes. Die Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis ist Mitglied der Arbeitsgruppe „Ausqeqrenzte Opfer“ und so Mitveranstaſter des Konzerts. FT AUSCHWITZ AUSCEHMWTA S DERAUSCHWITZER Farbkarte 613 Mitteilungsblatt, Dezember 2000