LAGERGEMEINSCHAFT AUSCEHWTZ FREUNDESKREIS DER AUSCHWTAZER AUSCHMWITZ 20. Jahrgang, Heft 1 Mitteilungsblatt, August 2000 Inhaltsverzeichnis Seite Besuch des LGA-Vorstandes in Polen 1 Albrecht Werner-Cordt u. Josef Paczynski Gesellschaft zur Betreuung von Auschwitz(TONO) 5 Kazimierz Albin Patenschaften zur Pflege von kranken Hãftlingen 7 Lee-Flisabeth Hölschner-Langner Nachruf: Henryk Matuszewski 10 Gerhard Herr Holocaust-Literatur: Auschwitz 12 Hans Hirschmann Deutsche Wirtschaft blockiert weiterhin Beginn der Zahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter 16 Hans Hirschmann Die Forderungen ehemaliger?ZwangsarbeiterInnen nach Entschädigung und die„Solidarische Antwort der deutschen Wirtschaft und Regierung 18 Andreas Plake 16 Farben preist sich als„Vorreiter“ 31 6 Matthias Arning, Frankfurter Rundschau 24.8.2000 Impressum: Herausgeber: Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Lindenstraße 68, 35516 Münzenberg-Gambach Redaktion: Hans Hirschmann Mitarbeiter: Anni Roßmann-Reineck, Gerhard Herr, Matthias Tiessen, Diethardt Stamm, Albrecht Werner-Cordt, Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 1 Gespräche mit guten Freunden LGAVorstand in Krakau und im ehemaligen KZ Auschwitz Vom 28. April bis 1. Mai 2000 besuchten Mitglieder des Vorstandes der La- gergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer unsere politischen Freunde in Krakau. Selbstverständlich gehörte auch ein Aufenthalt im KZ Au- Schwitz und in der Jugendbegegnungsstätte zum umfangreichen Programm. Aus Warschau war eigens der Vorsitzende der Gesellschaft zur Betreuung von Auschwitz TONO, Kazimierz Albin, angereist. Nicht zuletzt lernten wir durch Lee-FElisabeth Hölscher-Langner die beiden ehemaligen Hãäftlinge Pawel Rzepa und Stanislaw Smialek auch persõnlich ken- nen, deren Therapie wir seit Jahresbeginn aus Spendenmitteln finanzieren. Begleitet wurden die Vorstandsmitglieder Matthias Tiessen, Diethardt Stamm und Albrecht Werner-Cordt wãhrend der gesamten Zeit von Tadeus?z So- bolewicz und Jozef Paczynski. Am ersten Iag galt unser Besuch dem Krakauer Klub der ehemaligen KZ- Hãftlinge Auschwitz-Birkenau, wo wir von Jozef Paczynski, Tadeus? Matusze- wski, Hanka Kaczmarska, Tadeus?z Chmura und Tadeusz Sobolewicz begrüßt wurden. In herzlicher Atmosphäre wurden wir über die derzeitige Situation des S 6 2 Vorstandsmitglieder der Lagergemeinschaft-Freundeskreis der Auschwitzer mit Gast- gebern in Krakau. Von links: Diethardt Stamm, Jozef Paczynski, Hanka Kaczmarska, Alb- recht Werner-Cordt, Kazimierz Albin, Tadeusz Sobolewski und Tadeusz Chmura. 2 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Klubs und die dort geleistete Arbeit informiert. In einem der nächsten Mittei- lungsblätter mõchten wir dem Vorstand des Klubs das Wort geben und unsere Leser einbeziehen in die Aufgabenstellung der Betreuung und Interessenver- tretung der ehemaligen Hãftlinge und ihrer Angehörigen: Was heißt es, heute 55 Jahre nach der Befreiung sich den Spãt- und Folgeschäden der Qualen, Demüti- gungen und Verletzungen zu stellen und zu helfen, so gut es geht? Im Klub verabschiedeten wir uns von Henryk Matuszewski, der trotz ande- rer Verabredungen darauf bestanden hatte, uns zu sehen. Es war ein Abschied mit Tränen in den Augen, als hätte unser Freund geahnt, dass es ein Abschied für immer sein würde. Wenige Tage spãäter starb dieser in seiner stillen bescheide- nen Art imponierende Mann im Alter von 77 Jahren.(Siehe Nachruf von Ger- hard Herr auf Seite 10.) G Im Staatlichen Museum Auschwitz konnten wir uns vom guten Fortgang der auch von uns finanziell unterstũtzten Sicherung der Exponate überzeugen. In ei- nem lang angelegten Projekt ist vorgesehen, farbige Digitalaufnahmen zur Do- kumentation der Sammlungen zu erstellen. Auch hierüber werden wir dem- nächst berichten. Nicht zuletzt konnten durch unseren Besuch die Kontakte zum Internatio- nalen Auschwitz-Komitee gepflegt werden. Matthias iessen und Albrecht Wer- ner-Cordt wurden von Kazimierz Smolen, der vor seinem Ruhestand lange Jah- re als Direktor dem Staatlichen Museums Auschwitz vorstand, zu einem freundschaftlichen Gespräch empfangen, in dem ebenfalls über die Verwendung von Spenden zur Finanzierung verschiedener anstehender Vorhaben gesprochen wurde. Alles in allem haben die Zusammenkünfte nicht nur über die Verwendung des Spendenaufkommens wesentliche Aufschlüsse erbracht, sie waren darüber- hinaus reich an neuen Finsichten und Erfahrungen. Der Vorstand bittet alle Mitglieder und Freunde um eine Spende. Das Geld dient der Finanzierung laufender Arbeiten. Ohne regelmäßige wei- tere Unterstũtzung ist der Fortgang nicht gesichert.(Ein Uberweisungs- formular liegt wie üblich diesem Heft bei. Falls nicht, dann beachten Sie bitte die Kontonummern auf den Umschlagseiten.) Auf den nächsten Seiten berichten Jozef Paczynski, Vorsitzender des Kra- kauer Klubs ehemaliger Häftlinge des KZ Auschwitz-Birkenau, über den Be- such, während Kazimierz Albin die Ziele und Aufgaben der Organisation TO- NO vorstellt. Lee-Flisabeth Hölscher-Langner portraitiert kurz die beiden ehemaligen KZHäftlinge, für die die Lagergemeinschaft-Freundeskreis der Auschwitzer in einer Patenschaft die Kosten für die pflegerische Betreuung übernommen hat. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 3 „Die Treffen sind schon Tradition“ Jozef Paczynski, Vorsitzender des Krakauer Klubs der ehemaligen Hãftlinge von Auschwitz-Birkenau, zum Besuch der LGA Die Treffen zwischen derdurch un- seren Freund Hermann Reineck ge- gründeten und durch seine FEhefrau Annie mit Anregungen fortgeführten Lagergemeinschaft Auschwitz-Freun- Oeskreis der Auschwitzer und dem Krakauer Klub der ehemaligen KZ Häftlinge Auschwitz-Birkenau sind schon Tradition. Die Zusammenarbeit und der ge- genseitige Austausch wurden kontinu- ierlich fortgesetzt. Vor Ostern besuchte eine deutsche Gruppe unter Leitung von Frau Karin Graf mehrere Tage Auschwitz. Am 19. April 2000 kamen die Besucher nach Krakau. Nach der Stadtbesichtigung trafen sich die Deutschen mit ehema- ligen KZHãftlingen von Auschwitz- Birkenau. Nach dem allgemeinen Teil begann eine Diskussion, die durch ei- ne breite Palette an Fragen und Pro- blemstellungen gekennzeichnet war. Von unserer Seite hat die Gruppe als Gast der ehemalige Auschwitzhäftling Herr Stanislaw Hantz begleitet. Am 29. April kamen Vorstands- mitglieder der Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Ausch- witzer nach Krakau in unseren Klub. ter dem früheren Fingangstor mit dem ehemaligen Häftling Stanislaw Hantz. 4 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Thema der Gespräche war der gegen- seitige Meinungsaustausch über unse- re Organisationen und die weitere Zu- sammenarbeit. Im Museum des ehemaligen KZ Auschwitz trafen wir uns zu einem Ge- spräch mit dem Direktor des Mu- seums Herrn Jerzy Wroblewski und seiner Vertreterin Frau Krystyna Oleksy. Die Mitglieder der LKGA in- teressierten sich vor allem für den Zu- stand und die Absicherung der ver- bliebenen Exponate, die Organisation und Durchführung der Besuche und für die Finanzierung. Nach einem Besuch in der Interna- tionalen Jugendbegegnungsstätte fuh- ren wir nach Birkenau, wo Stachel- draht, einzeln verbliebene Kamine, Ruinen der Gaskammern und der Krematorien stumme Zeugen des größten Friedhofs der Welt sind. Am Sonntag, dem 30. April, trafen wir uns zu einer halbtägigen Konfe- renz. Die wichtigsten Tagespunkte wa- ren die vielfãlti- gen Aspekte in der Zusammen- arbeit zwischen der Lagerge- meinschaft Au- schwitz-Freun- deskreis der Au- schwitzer und den die ehemali- gen Häftlinge des Konzentrati- onslagers Ausch- wit?-Birkanau vertretenden Or- ganisationen. Die Bedeutung des weiteren deutsch-polnischen Aus- tausches, besonders unter den Jugend- lichen, soll an dieser Stelle betont wer- den. Der Krakauer Klub der ehemali- gen Häftlinge Auschwitz- Birkanau arbeitet mit der Internationalen Ju- gendbegegnungsstätte in Oswiecim zusammen, unsere Kollegen nehmen sehr oft an den Treffen mit den deut- schen Jugendlichen teil. Auch die deut- schen Jugendlichen sind in unserenſſ) Klub oft zu Gast. Wir informierten auch darüber, dass unsere Mitglieder ehrenamtlich im Maximilian- Kolbe- Werk in Freiburg tãtig sind, das sich al- ten und kranken Menschen widmet. Am 1. Mai beendeten wir unser Treffen. Es waren sehr arbeitsame und wichtige Tage, die uns nähergebracht und unsere gegeneitigen Kontakte vertieft haben. Die finanzielle Unter- stützung, die wir bekommen haben, wird der Tätigkeit des Klubs und den Bedürftigen zugute kommen. Mahnmal in Auschwitz-Monowitz. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 5 Gesellschaft zur Betreuung von Auschwitz „Towarzystwo Opieki nad Oswiencimiem“(Tono) Neben dem Hauptvorstand in Warschau ist TONO mit Wojwodschaftsver- tretungen in 14 polnischen Stãdten vertreten, zudem bestehen Bezirksvorstän- de und schulische Zirkel. Die Ziele und Aufgaben von TONO umreißt der Vor- sitzende Kazimierz Albin in folgendem Beitrag: Auf Initiative ehemaliger Häftlin- 0 des Konzentrationslagers Ausch- witz-Birkenau ist 1983 die Gesell- Schaft zur Betreuung von Auschwitz TONO gegründet worden. Ihr Haupt- anliegen ist es, das Wissen der Hãftlin- ge über das Konzentrationslager Au- schwitz an nachfolgende Generatio- nen, vor allem aber an die Jugend wei- terzugeben. Das Wirken der Gesellschaft ba- siert hauptsächlich auf der ehrenamt- lichen Tätigkeit ihrer Mitglieder, zum größten Teil ehemaligen Häftlingen des Lagers. Verwirklicht werden die genannten Aufgaben durch die Veran- staltungen von Begegnungen, Vorträ- gen, Vorlesungen, Ausstellungen und Wissenswettbewerben für die Jugend Sowie durch Seminare und Symposien für Geschichtslehrer. Besondere Aufmerksamkeit mes- sen wir der internationalen Zusam- menarbeit mit israelischen, deutschen und japanischen Kreisen bei. Port ver- breiten wir dem Holocaust und der Wirklichkeit der„Zeit der Gaskam- mern und Krematorien“ gewidmetes literarisches und publizistisches Mate- rial. Durch das Anregen von Presse, Rundfunk, Fernsehen und Film zum Aufgreifen mit dem KZ Auschwitz zu- sammenhängender Themen, u. a. auch durch die Anregung von Diplomarbei- ten und Dissertationen an der Schlesi- schen Universität in Katowice und der Jagiellonen-Universität in Krakau ha- ben wir der Bevölkerung Kenntnisse über das ehemalige Vernichtungslager nahegebracht. All das geschieht in en- ger Zusammenarbeit mit dem Staatli- chen Auschwitz-Museum, dem inter- nationalen Rat des Auschwitz- Muse- ums und der internationalen Jugend- begegnungsstätte in Auschwitz und mit hohem finanziellem Aufwand. Wir sind auch Mitglied des internationalen Auschwitz-Komitees mit Sitz in Wien. Auf Initiative und mit Unterstüt- zung der Gesellschaft hat eine Reihe schlesischer Schulen Namen von Hel- den der Wiederstandsbewegung im KZ Auschwitz-Birkenau bekommen. Zu den Aufgaben der TONO-Gesell- schaft gehören auch die Stiftung von Gedenktafeln zu Fhren der Helden von Auschwitz und das Veranstalten der damit zusammenhängenden Ent- hüllungs- und Finweihungsfeiern. Außerdem geben wir ein Bulletin heraus. Ein großer Erfolg war 1998 die 6 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Verõffentlichung des deutschsprachi- gen Sonderheftes„Memento Ausch- witz“, das für jene deutsche Jugend- gruppen bestimmt ist, die sich mit Aufräumungs- und Pflegearbeit auf dem Gelände des ehemaligen Kon- zentrationslagers befassen und die im Archiv des staatlichen Auschwitz-Mu- seums gesammelten Dokumente über die nazistischen Verbrechen studieren. Wir hoffen, dass im Jahr 2000 ein wei- teres Heft dieser anerkennenswerten Reihe erscheinen wird. Hervorzuheben ist, dass die Ge- sellschaft keinerlei Zuschüsse aus dem Staatshaushalt erhält; unser Wirken stützt sich ausschließlich auf Mit- gliedsbeiträge und Zahlungen von Sponsoren. Lediglich das Bulletin wird von der Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit mitfinanziert. 6 Im folgenden beschreibt Kazimiers Albin(TONO) ein Projekt, zu dessen Realisierung auch die Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Ausch- witzer aus Spendengeldern einen finanziellen Zuschuss geleistet hat. Auf Initiative des Hauptvorstandes der Gesellschaft zur Betreuung von Auschwit?(TONO) hat eine Gruppe von Mitarbeitern des Staatlichen Aus- chwitz- Museums im Rahmen von Auf- tragsarbeiten dokumentarische Re- cherchen für die Publikation„Ksiega pamieci. Transporty Polakow z Wars- zawy do KI Auschwitz 1940— 1945“ (Gedenkbuch. Polen-Transporte von Warschau in das KZ Auschwit?) aus- geführt. Die Arbeiten umfaßten die Durchsicht des Nummernverzeichnis- ses der Hãftlinge im Informationsbüro des Museums Auschwitz-Birkenau und eine Umfrage unter ehemaligen Häftlingen, das Ausdrucken der Hãäft- lingspersonalkarten, das Herauszie- hen der Angaben und das überprüfen- de Vergleichen dieser Daten mit der Memoiren- und Geschichtsliteratur. Die genannten Arbeiten sind als erster Teil eines umfangreicheren Vor- habens vom Staatlichen Museum Au- Schwitz-Birkenau und der Gesell- schaft zur Betreuung von Auschwitz gemeinsam finanziert worden. Gegenwärtig beginnen wir mit der zweiten FEtappe, das heißt, mit der Herausgabe dieser Materialien in drei Bänden, die 26.863 Häftlingseintra- gungen des KZ Auschwitz-Birkenau umfassen(Männer, Frauen und Kin- der von insgesamt 71 Transporten). Für das Staatliche Auschwitz-Mu- seum wird das Gedenkbuch das Do kumentationsmaterial der Gemein- schaftsarbeit„Polacy w KI. Ausch- witz-Birkenau“(Die Polen im KZ Auschwitz-Birkenau) und seine Mate- rialsammlung für wissenschaftliche Untersuchungen zur Zeit des zweiten Weltkrieges darstellen. Für den Kreis der ehemaligen Hãftlinge und ihre Fa- milien hingegen wird es ein Beweis sein, dass man das tragische Schicksal der Polen in diesem Vernichtungslager in Erinnerung behalten wird. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Patenschaften zur pflegerischen Betreuung von ehemaligen KZ-Häftlingen Lee-Flisabeth Hölscher-Langner berichtet über ihre Initiative in Polen In Krakau und Umgebung betreut Lee-Flisabeth Hölscher-Langner mit Zi- vildienstleistenden und mit Unterstũtzung durch„Zeichen der Hoffnung“ sowie andere Organisationen eine Reihe von ehemaligen KZHäftlingen. Anfang des Jahres hat die Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer die finanzielle Patenschaft für die pflegerische Betreuung von Pawel Rzepa und Sta- nislaw Smialek übernommen. Frau Hölscher-Langner informiert im folgendem Beitrag über ihre Arbeit in Polen. In einem Kurzportrait übermittelt sie den Lebenslauf von Pawel Rzepa und stellt auch Stanislaw Smialek mit einer kurzen Beschreibung vor. Wir haben diesen Sommer wieder erlebt und unsere Schützlinge relativ gut durch die Hitze begleitet. Schlimm ist die Situation nur für unsere liegen- den Patienten, denn die feuchte Wär- me läßt auch die bestgepflegte Haut platzen. Auch bei Herrn Smialek ha- ben wir durch„Zeichen der Hoff- nung“ jetzt die Möglichkeit, den nun doch entstandenen Decubitus so in- tensiv wie möglich zu behandeln. S0 glaube ich, dass wir den Kampf um das Bein vielleicht doch gewinnen kön- nen. Jedoch ohne Rehabilitation wür- de er lãngst nicht mehr den Iag im Sit- zen verbringen können, und das wãre noch schlimmer. Auch Pawel Rzepa wäre ohne Re- habilitation ein liegender Patient ge- worden, der womõglich schon gestor- ben wäre. So hat er jeden Tag die Freude an seinen aufwachsenden Ur- enkelkindern, die er aufrichtig liebt und die vor allem ihn lieben. Herrn Smialek konnten wir im Ju- ni noch einmal in unseren Garten brin- gen. Später hat ihm eine Lungenent- zündung viel Kraft gekostet. Wir ha- ben fünf Tage und Nãchte bei ihm ver- bracht und er hat sich in die Zeit des hohen Fiebers pausenlos den Gewalt- tãtigkeiten der SSMänner ausgesetzt gefühlt. Es waren sehr bedrückende Stunden. Die psychische Situation hat sich wieder stabilisiert, aber sein kör- perlicher Zustand gibt großen Anlaß zur Sorge. Pawel RZepa Ich bin am 2. September 1920 in Rzeszotary geboren. Im Alter von 18 Jahren kurz vor dem Kriegsausbruch, nachdem ich die Schlosserschule ab- Solviert hatte, wurde ich in der Straßenbahnabstellhalle(heute: Stãd- tisches Verkehrsunternehmen) einge- stellt. Anfang 1942 wurde ich verhaftet und in das Gefãngnis in der Montelu- pich-Straße eingeliefert. Am 11. Juni 1942 wurde ich in das Konzentrations- 8 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer lager Auschwitz abtransportiert. Im Lager wurde ich dem Kommando zu- geteilt, dessen Aufgabe es war. eine Fa- brik der Buna-Werke in den Sümpfen in Auschwitz zu bauen. Während die- ser mörderischen Arbeit wurde ich von einem Kapo(Aufseher) zusam- mengeschlagen, weil ich versucht ha- be, einen anderen Hãäftling zu retten. Ich erlitt Schädelbruch und Gehirner- schütterung. Im nãchsten Jahr wurde ich zu dem Konzentrationslager Mauthausen ab- transportiert. Im Lager wurde ich zu- erst zur Arbeit in einer Schmiede bei dem Steinbruch in Mauthausen und dann zum Kommando in die Fabrik der Steyer-Werke bei Linz zugewie- sen. Während der den Körper ruinie- renden Arbeit bei dem Pochwerk sind drei Finger meiner rechten Hand zer- quetscht und infolgedessen verloren- gegangen. Nach der EFinlieferung in die Krankenbaracke hat man an mir verschiedene medizinische Experi- mente durchgeführt, indem man mir Iyphus-, Paratyphus- und Cholera- viren injiziert hat. Im Lager habe ich bis zur Befrei- ung von der amerikanischen Armee ausgeharrt. Gleich danach kehrte ich nach Polen zurũck und begann in dem- selben Betrieb zu arbeiten, in dem ich vor Kriegsanbruch angestellt war. Die Der ehemalige KZ-Hüftlinge Pawel Rzepa mit Seinem Pfleger Jaroslaw Kaczor. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 9 Jahre in den Konzentrationslagern und meine körperliche Behinderung haben aber meine frühzeitige Rente zur Folge gehabt. Seit Anfang 1997 bin ich teilweise gelähmt. Stanislaw Smialek Stanislaw Smialek wurde am 13. August 1918 in Kalwaria Zebrzydows- ka geboren. Er hatte einen Bruder, der im letzten Augenblick 1939 nach Eng- land emigrierte und erst 1992 nach Po- len zurückkam, um in Karkau zu ster- ben. Stanislaw Smialek wurde bei der Straßenaktion„Schwarzer Sonntag“ in Krakau verhaftet. Uber Montelu- pich, Plasow, Flossenbürg wurde er dann zum Kommando Langefled als politischer Gefangener unter der Nummer 27.671 geführt, wo er bis zur Befreiung ausharren musste. Stanislaw Smialek war nach dem Krieg verheira- tet. Die Ehe war kinderlos, er ist heu- te seit acht Jahren Witwer. Dies ist der offizielle Teil, den ich dem Freund entlocken konnte. Ich kenne aber die Fotoalben und eigene Geschichten, die er mir erzählte erst- mals unter dem Versprechen der Ver- schwiegenheit, denn er lebt bis heute völlig isoliert und immer wieder in großen Angstzuständen. Beide Brüder waren mit Jüdinnen verlobt, was auch die Emigration des Bruders 1939 erklärlich macht. Von beiden Frauen gibt es viele Bilder in Familienalben und viele traurige Ge- schichten. Die jüdischen Freundinnen der beiden Brüder waren gleich ums Le- ben gekommen(Sprich ermordet wor- den). Stanislaw Smialek wurde„KZ- Tourist“- wie er es 2ynisch nennt-, denn er musste fünf Konzentrations- lager erleben. Heute ist Stzanislaw Smialek schwer krank. Als er ins Krankenhaus kam, stellte sich erst nach langer in- tensiver Behandlung eine Besserung ein. Aber plötzlich war alles von ei- nem Jag auf den anderen verdreht. Er befand sich im Delirium, schlug um sich und in seiner Not rief der Profes- Sor mich an, weil er medizinisch keine Gründe für die Verwandlung sah. Ich fuhr umgehend in die Klinik und überlegte, was passiert sein konnte. Und dort sah ich: er war in ein ande- res Zimmer gelegt worden und der Tropf, der an einer Stahlstange hing, stand an der rechten Seite. Ich ahnte, dass es etwas mit den medizinischen Experimenten im KZ 2Zu tun haben könnte, dass er damals mit einer Me- tallstange von rechts geschlagen wur- de, wenn er die Versuchsmedikamen- te nicht einnehmen wollte. Ich bat den Arzt, den Versuch zu machen, das Bett raus?zuschieben, auf dem Flur zu dre- hen und in dasselbe Zimmer wieder zurückzufahren, nur das Bett auf die andere Seite zu stellen. Ich blieb eine gute Stunde am Bett sitzen, unser Pa- tient fiel in einen ruhigen Schlaf- das Problem war gelõst. Das kann kaum ein Arzt oder eine Krankenschwester leisten und auch bei mir war es ein reiner Zufall, da ich seine Geschichte so gut kannte und er auch bei der Pflege immer auf der rechten Seite reagiert. 10 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer In memoriam Henryk Matuszewski Der Auschwitz-Hãäftling Nr. 5860 starb im Alter von 77 Jahren Mit großer Trauer mussten wir von unserem langjährigen Freund und Wegbegleiter Prof. Dr. med. Henryk Gracian Matuszewski Abschied neh- men, der am 4. Mai im Alter von 77 Jahren verstorben ist. Seit Gründung der Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer durch seinen Freund Hermann Reineck im Jahre 1970 gehörte er zu den ehemali- gen Auschwitzern, die unsere Studien- fahrtgruppen bei ihren Besuchen im Lager, in Krakau und bei Gesprächen mit Ehemaligen im Krakauer Klub der chemaligen KZHäftlinge begleitet haben. Noch Ende April hatte er sich mit einer Vorstandsdelegation der La- gergemeinschaft getroffen. Henryk Matuszewski wurde am 16. Juni 1922 in Bydgoszcz(Bromberg) geboren, wo er bis zu seinem 18. Le- bensjahr die Oberschule/Gymnasium besuchte. Um nach der Okkupation seiner Heimat einer drohenden Ver- haftung durch die deutschen Besatzer zu entgehen, plante er, über Ungarn nach Frankreich zu flüchten. Unter dem Tarnnamen Heinrich Krüger wur- de er aber bei diesem Versuch am 26. April 1940 kurz vor der ungarischen Grenze verhaftet, nach Tarnow ver- bracht und von dort am 10. Oktober 1940 in das KZ Auschwitz deportiert, wo er die Hãftlingsnummer 5860 er- hielt. Bis zum Ende des Krieges sollte er die Freiheit nicht mehr erleben. Im Lager arbeitete er in verschie- denen Kommandos: im Bauhof, in den Henryk Matuszewski wenige Tage vor sei- nem Tod beim Treffen mit Vorstandsmit- gliedern der Lagermeinschaft in Krakau. Bunawerken und den PAW(Deut- sche Ausrüstungswerke). Den tägli- chen Tod und Mord vor Augen über- lebte er Fleckfie ber, Lungenentzün- dung und lebensbedrohenden Durch- fall, ebenso wie zwölf Tage in der Höl- le des Stehbunkers im Todesblock 11. Am 28. Oktober 1944 wurde er- wie es in der verharmlosenden, Nor G malabläufe vortäãuschenden Bürokra- tensprache der„Herrenmenschen“ hieß nach Leitmeritz, einem Neben- lager des KZ Flossenbürg„überstellt“, wo er bei Kriegsende von den Alliier- ten befreit wurde. Nach dem Krieg studierte Henryk Matus?ewski Medizin und wurde 1951 in Krakau promoviert. Er verfügte über ein enormes Organisationstalent, was ihm eine Reihe von Führungs- funktionen einbrachte. So war er Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 11 1955/56 Wojwodschaftsgesundheitslei- ter in Krakau, 1956 bis 1958 Chefarzt einer gynäkologischen Abteilung da- selbst, ab 1961 Direktor der Gemein- Schaftsmedizin und ab 1980 Vorsitzen- der des Roten Kreuzes im Bereich Krakau. Kontakte mit dem Deutschen Roten Kreuz pflegte er duch seinen Freund Dr. Ostermüller aus Augsburg. Seine Verdienste brachten ihm viele polnische Auszeichnungen ein, zuletzt die Professur. Ich selbst lernte Henryk Matusze- wski 1985 anläßlich eines Besuchs bei Familie Reineck zusammen mit sei- nem Sohn Andrzej und einigen ehe- maligen Auschwitzern kennen. Daraus entwickelte sich eine langjährige Freundschaft, vor allem auch mit An- drzej und dessen Frau Marzena. Un- vergeßlich ist mir ein Urlaub mit ihm, seiner Frau Ziuta und der Familie des Sohnes in ihrem gemeinsamen Ferien- haus im Lubon-Gebirge. Vor drei Jah- ren traf Henryk Matuszewski und sei- ne Angehörigen mit dem plõtzlichen Tod seines einzigen Sohnes ein Schicksalschlag, den er nie mehr ver- winden konnte und der seinem Le- bens abend viel an Hoffnung, Zuver- sicht und Kraft nahm. Uns bleibt die Erinnerung an ei- nen liebenswerten, in seiner menschli- chen Größe bescheidenen und über- zeugenden Gesprächspartner, Ka- meraden und Freund auch der Dank, dass wir ihm begegnen, ihn schätzen und lieben durften. Seiner Frau Ziuta, der Schwieger- tochter Marzena und den Enkelkin- dern Monika und Dagmar gilt unser Mitgefühl. Ihnen wünschen wir Irost, Zuversicht und Kraft in ihrer Trauer wie auf ihrem weiteren Lebensweg. Gerhard Herr Leserbrief des ehemaligen Buna-Häftlings Imo Moszkowicz zu Artikel über die Sonderkommandos(MB 1 /1999) „Bestürzend und herzbeklem- mend ist der Bericht„Stimmen aus dem Herz der Finsternis'“. Die so sehr differenten Ausserungen dazu, zeigen mir nur allzu deutlich, dass es nahezu unmöglich scheint, für das Verhalten von Hãftlingen eine gültige morali- sche Kategorie zu benennen; nicht für den reflektierenden Aussenstehenden noch für den Betroffenen. Das quãlen- de Elend und der stãndig lauernde Tod erlaubten keinerlei Moral! Das scheint kaum begreiflich, soll auch Untaten nicht rechtfertigen, aber das Recht, über Sonderkommandos den Stab zu brechen, hat meines Erachtens niemand. Für alles ist ausschließlich das 3. Reich in Verantwortung zu nehmen, nicht der Gemarterte. Unterm Galgen oder auf's Rad geflochten oder jegli- cher Ehre beraubt, sind alle Ernied- rigten dieser Erde, die den Macht- zwängen ausgesetzt waren, nicht mehr entscheidungsfrei; wer weiß dies bes- ser als ehemalige Häftlinge.“ 12 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Holocaust-Literatur: Auschwitz Im Reclam-Verlag erschien erstmals ein Sammelband mit Texten von Uberlebenden des nazistischen Massenmordes Die Memoiren von Uberlebenden des Holocaust sind zu einer Literatur- gattung des 20. Jahrhunderts gewor- den. Es sind autobiografische Auf- zeichnungen, in denen die Ver- fasserinnen und Verfasser von der ex- tremen Gewalt berichten, der sie un- terworfen waren. Sie sind auch dort, wo dies nicht thematisiert wird, den- noch insgesamt Ausdruck einer Lei- dens- Schmerz- und Uberwältigungs- erfahrung und- das ist nun das Be- sondere- sie werden darum gelesen, mehr noch: es wird ihnen aus diesem Gyrunde eine Deutungsautorität zuge- sprochen“, s0 Jan Philipp Reemtsma in einem Vortrag!. Der Hamburger Sozialwissenschaftler und Publizist geht darin unter anderem der Frage nach, warum sich dies so entwickelt hat. Zuvor fand- von wenigen Aus- nahmen abgesehen-Leid nur dann „literarische Salonfähigkeit“, wenn es über den Umweg durch einen Autor beschrieben wurde, der nicht mit der leidenden Hauptfigur identisch wart „Wir lesen Shakespeares King Lear und nicht Lears Tagebücher(..), wir lesen die Vroerinnen des Euripides und nicht die Memoiren der Hekabe.“ Wenn heute der Massenmord an den europãischen Juden als„Zivilisa- tionsbruch“ bewertet wird und nicht nur als„eine Katastrophe mehr im so katastrophenreichen FEuropa“, so ist zu beachten, dass dies nicht von An- fang an so gesehen wurde, weder von jüdischer noch von nichtjüdisicher Seite. Es war zwar etwas Außeror- dentliches, aber„es war eben etwas, was neben vielen anderen Untaten und vielem anderen Unglück in die- sem Krieg geschehen war“, zitiert Re- emtsma hier Ruth Klüger. Und er ver- weist auch darauf, dass die Allierten nicht wegen Auschwitz Krieg gegen Nazi-Deutschland geführt haben. Dass wir heute den Holocaust als einen„Zivilisationsbruch? schen,„ist nicht die Voraussetzung für unsere Lektüre der Autobiographien der Uberlebenden, sondern mit deren Er- gebnis“. Reemtsma kommt zur Schlußfogerung:„Trostbüchlein sind es nicht, keine Dokumente des Welt- vertrauens, aber als Dokumente des Uberlebens und der Schilderung des Entsetzens und des Entsetzlichen bleiben sie paradoxe Zeugnisse des Fortlebens einer Zivilisation, die in den Lagern zerstört wurde auch dort, wo sie, wie im Fall Roman Fristers, die- ses zu dementieren scheinen. Die Fra- ge nach dem Woher der moralischen Autorität dieser Memoiren Uberle- bender läßt sich beantworten: Nur in Jan Philipp Reemtsma: Die Memoiren Uberlebender. Vortrag an der Universität Ham- burg am 8. Juli 1997 im Rahmen der Ringvorlesung Geschichte der neueren deutschen Literatur: Gegenwartsliteratur 1966— 1996“ Hier paraphrasiert und zitiert nach einem Abdruck in: Jan Philipp Reemtsma„Mord am Strand-Allianzen von Zivilisation und Barbarei“ Siedler Taschenbuch, März 2000 8. 227—233. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 13 diesen Texten wird das Ausmaß der Zi- vilisationskatastrophe, weil im Detail zur Kenntnis genommen, nicht ver- leugnet. Nur in diesen Texten wird wirklich deutlich, dass die Rede vom Zivilisationsbruch' keine wohlffeile Rede ist. Wir sprechen nicht von ir- gendeiner der historischen Katastro- phen. An keinem anderen Ort und zu keiner anderen Zeit hat man ein der- art unerwartetes und derart komple- Xes Phänomen beobachtet: niemals sind so viele Menschenleben in so kur- zer Zeit mit einer derart luziden Kom- bination von technischer Erfindungs- gabe, Fanatismus und Grausamkeit ausgelöscht worden', schreibt Primo LEe Die Metapher„Holocaust“ Die Tatsache, dass die Memoiren Uberlebender des Holocaust zu einer Literaturgattung geworden sind, trug die Universität Gießen Rechnung als sie vor Jahresfrist am Fachbereich Germanistik die Arbeitsstelle„Holo- caust-Literatur“ einrichtete. Sascha Feuchert, Mitarbeiter dieser Arbeits- stelle, hat nun im Reclam-Verlag erst- mals einen Band„Holocaust-Litera- tur: Auschwitz“ herausgegeben, in dem er eine Auswahl von Erinne- rungstexten von überlebenden Opfern (Sowie auch von zwei Tätern) versam- melt. In dem oben erwähnten Essay hat Jan Philipp Reemtsma nebenbei auch auf Raul Hilberg hingewiesen, der be- richtete, dass die„Holocaust Studies“ in den USA während des Vietnam- krieges populãr wurden, als man nach Traditionen moralisch gerechtfertig- ter Kriege suchte. In der Folge dieser Stimmung entstand die TVSerie Ho- locaust. Als diese 1970 auch in Deutschland ausgestrahlt wurde, soll- te sie sich als Auslõser erweisen, dass auch hierzulande der Begriff„Holo- caust“ zur Metapher wurde, für den Massenmord, den die Deutschen während des Dritten Reiches an den von staatswegen nach rassistischen Kriterien zu„Untermenschen“ dekla- rierten Völkern und Bevölkerungs- gruppen exekutierten. Die kontroverse Diskussion über den Bedeutungsgehalt dieser Meta- pher hat Sascha Feuchert in der Fin- leitung zu seinem Sammelband in- struktiv und spannend erlãutert. Dies macht das Buch, das in der renom- mierten Reclam-Reihe„Arbeitstexte für den Unterricht“ erschienen ist, auch für Leserinnen und Leser be- deutsam, die nicht im schulischen oder außerschulischen Bildungsbereich tãtig sind. Die erste deutsche Kritik, die ge- gen die„Gedankenlosikgkeit“ der USFernsehproduzenten aufkam, weil „Holocaust“ in seiner ursprünglichen Wortbedeutung„Brandopfer“ als ei- ne Sinngebung des Massenmords ver- standen wurde, übersah, dass„Holo- caust“ als Begriff in den USA längst gebräuchlich war. Die Rekonstrukti- on, wie sich die Metapher im engli- schen Sprachgebrauch für die„End- lõsung“, also den Mord an den Juden, einbürgte, ist lohnend und,weit mehr als eine bloße philologische Fingerü- bung“, wie Feuchert schreibt und im folgenden überzeugend darstellt. Zur 14 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Sprache kommt hier auch die innerjũ- dische Auseinandersetzung und die Abgrenzung bzw. Gleichsetzung mit dem hebräischen Wort„Shoah“. Feuchert schließt sich dem Vor- Schlag des Philosophen und Sozialwis- senschaftlers Jürgen Habermas an, den dieser im Zusammenhang mit der Auseinandersetzung um das Holo- caust-Mahnmal in Berlin unterbreitet hatte. Demnach„wird der zuerst ein- gebürgerte Kollektivname Auschwitz' fast gleichbedeutend mit dem spãter übernommenen Ausdruck Holocaust? gebraucht. Tatsächlich erstreckt er sich aber nicht nur auf das Schicksal der Juden. Als Pars pro toto meint er das komplexe Vernichtungsgeschehen im ganzen“(Zitat Habermas). Unter „Holocaust“ ist also die Gesamtheit der Repressions- und Vernichtungspo- litik gegen alle Opfergruppen zu ver- stehen.„Dabei bleibt klar, dass den Zwangs- und Vernichtungsmaßnah- men gegen die jüdische Bevölkerung- nicht zuletzt wegen ihrer Dimension- stets eine besondere Beachtung zu- kommen muss.“(Feuchert) Dieser erste Teil der Finleitung wird ergãnzt durch den Abdruck einer längeren Passage aus der„Enzyklopã- die des Holocaust“(hrsg. von Israel Guttman,? 1998), in dem die wichtig- sten Informationen zur Geschichte und zur Bedeutung des Konzentrati- onslagers Auschwitz dargestellt wer- den. Bereits hier läßt sich ersehen, wie und in welchem Maße die Geschichts- wissenschaft auch auf die Zeugnisse der Uberlebenden Bezug nimmt.„Die Die Uberreste eines der von den Nazis gesprengten Krematorien in Auschwitz-Birkenau. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 15 Schrecken von Auschwitz sind im in- ternationalen Sprachgebrauch zum Synonym für Unmenschlichkeit ge- worden“, heißt es abschließend in dem Enzyklopãdie-Artikel. Primo Levi, Elie Wiesel, Ruth Klü- ger, Tadeus? Borowski, Wieslaw Kie- lar, Fania Fenelon sind die hierzulande wohl bekanntesten Namen von Uber- lebenden des Holocaust, deren schmerzlichen Erinnerungen das Wis- sen und die Literatur über den millio- nenfachen Völkermord des Deut- schen Reiches an Juden, Roma und Sinti sowie den ebenfalls zu Unter- menschen stigmatisierten slawischen Võlkern vor allem Polen und Russen bestimmt haben. Zusammen mit Bei- spielen weniger bekannter Autorin- nen und Autoren(insgesamt 18 Beitrãge) bilden sie den Hauptteil der Reclam-Sammlung. Es wurden Text- auszüge ausgewählt, die„die unein- heitlichen Häftlingsgruppen berück- sichtigen, die von verschiedenen Zeiten des Lagers berichten, die die uneinheitlichen„Lebens“Bedingun- gen von Männern und Frauen reflek- tieren und die drei großen Teile des Lagerkomplexes Auschwitz auf unein- heitliche Weise interpretieren: Ausch- witz I-Stammlager, Auschwitz II-Bir- kenau und Auschwitz III- Monowitz“. Ergänzt werden die Berichte der überlebenden Hãäftlinge durch Nie- derschriften von zwei Tätern(Aussa- gen des Auschwitz-Kommandanten Rudolf Hõss und Tagebuchnotizen des SSArztes Johann Kremer). Denn den Opfern gebührt ohne Zweifel unser Mitgefühl, aber„den Verbrechern ge- bührt unsere Aufmerksamkeit, damit wir Bescheid wissen-zur Mahnung“, so Hanna Krall, die polnische Schrift- stellerin, die wie keine zweite die Schicksale der Opfer und die„Leer- stellen, die die Toten hinterlassen ha- ben“, in ihren Büchern beschrieben hat. Der 232 Seiten starke Reclam- Band wird abgerundet durch ein hilf- reiches Glossar zu Begriffen des La- gersystems und des Lageralltags sowie von Arbeitsvorschlägen, wie die Texte im Unterricht- auch fächerübergrei- fend, wie Feuchert betont eingesetzt werden kõönnen(Sie wurden so ausge- wählt, dass sie ab dem 9. Schuljahr Ver- wendung finden kõnnen). Ubersicht- lich ist zudem das Quellen- und Literaturverzeichnis, das auch einige nützliche Hinweise für die Recherche im Internet umfaßt. Herausgeber Sascha Feuchert be- gründet die Notwendigkeit der Be- schäftigung mit Auschwitz und dem Holocaust mit einem Hinweis auf den Soziologen Wolfgang Sofsky. Für Sofs- ky ist grundsätzlich alles, was Men- schen sich gegenseitig antun und von- einander erleiden, verstehbar.„Wo man sich hinter der Rede von der Un- verstehbarkeit beziehungsweise Un- vorstellbarkeit versteckt, da will man nicht verstehen“, fasst Sascha Feu- chert die Schlußfolgerungen Sofskys Sowie das Anliegen seines Buches zu- sammen. Hans Hirschmann „Holocaust-Literatur: Auschwitz“; hrsg. v. Sascha Feuchert; Reclam Ver- lag, Stuttgart 2000; ISBN3-15-015047 7; 10 DM. 16 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Tögern, Zaudern, Zeitgewinnen Deutsche Wirtschaft blockiert weiterhin Beginn der Zahlungen an ehemalige Zwangsarbeiter Auch nachdem das Gesetz zur Ein- richtung einer Stiftung zur Entschädi- gung von Zwangsarbeitern im Bun- destag verabschiedet wurde, sind noch keine Zahlungen erfolgt. Erstens hat die deutsche Wirtschaft ihren verspro- chenen Beitrag in Höhe von 5 Milliar- den Mark noch immer nicht zusam- men(weitere 5 Milliarden stellt die Bundesregierung zur Verfügung, und bei den 5 Milliarden der deutschen Wirtschaftsunternehmen sind die Steuerzahler ebenfalls beteiligt, denn die Beträge können vom zu versteu- ernden Finkommen abgesetzt wer- den) und zweitens wartet die Stif- tungsinitiative der deutschen Wirt- Schaft bis sogenannte Rechtssicherheit besteht. Das heißt, bis in den USA die eingereichten Sammelklagen von den Gerichten entsprechend einer Emp- fehlung, die von der Regierung Clin- ton im Verlauf der Verhandlungen zu- gesichert wurde, abgewiesen werden. „Zögern, Zaudern, Zeit gewinnen“ lautete im Juni eine Schlagzeite in der „tageszeitung“(taz) über die Taktik der deutschen Wirtschaft in der Frage der Entschädigung von Zwangsarbei- tern.„Von Scham keine Spur“ über- schrieb taz-Kommentator Christian Semler bereits im Mai seinen Beitrag zum Vorschlag der Wirtschaftsstiftung den Anteil der mittlerweile privati- sierten ehemaligen Staatsunterneh- men für den Entschädigungsfonds vom Anteil des Staates auf den der privaten Wirtschaft umzulegen. Hier- zu Semlers Kommentar:„Kollektive Scham setzt Kollektives Erinnerungs- vermõgen voraus Beim Gros der deut- Schen Unternehmer heginnt die Hir- mengeschichte beim Auferstunden aus Ruinen, beim Wirtschaftswunden das selbstverstũndlich sie hewirit haben. Weil das so ist Moßen alle Hakten auf raube Ohren, die den Anteil der Zwangsarbeit während des Zweiten Weltrieges am deuschen Wiederauft stieg nach 1945 helegen. Das morali- Sche Minimum verfũngt nicht. Es he- stünde in dem Argument, wenn ihr euch Schon nicht für das Handeln eurer Väter und Großväter verantwortlich fiinlt, dann entrichtet wenigstens einen geringen Abschlag auf die Quellen eu- res eigenen Reichtums.“ Die ganze Entschädigungsdebatte hat von seiten der Wirtschaft„etwas Kaltes, Erledigendes, Festhaltendes“ sagte Lotar Evers von dem in Köln ansãssigen Bundesverband Informati- on und Beratung für NSVerfolgte Ende April bei einer Podiumsdiskus- sion in Friedberg(Wetteraukreis). Der Berichterstatter der Frankfurter Rundschau erinnerte in diesem Zu- sammenhang daran, unter welch ein- deutig ökonomischen Aspekten Hans-Olaf Henkel, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen In- dustrie, die Firmen zur Einzahlung in Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 17 den Stiftungsfonds zu bewegen suchte: Neben dem angestrebten„faktischen Rechtsschutz“ vor weiteren Forderun- gen werde die Mitgliedschaft in der Stiftungsinitiative von den„Ge- Schäftspartnern in vielen Ländern“ als „ideeler Bonus“ aufgefaßt, argumen- tierte Henkel. Lothar Evers, der bei den Entschä- digungsverhandlungen als Vertreter von tschechischen Opferverbänden teilgenommen hatte, berichtete, dass gerade bei großen und alten HFirmen die Zahlungsmoral schlecht sei. Nach seinen Erfahrungen sind bei den Spen- dern junge, erst nach dem Krieg ge- gründete Unternehmen in der Mehr- heit. Bereits im PDritten Reich existierende Verbrecher-Unterneh- men,„die bei der S8 antichambriert haben, um sich ein KZ an die Firma bauen zu lassen“, seien dagegen mehr als zurückhaltend. Selbst wenn große Rüstungsfirmen und Banken bis zu 100 Millionen Mark in den Entschãdigungsfonds der Wirt- schaftsstiftung einzahlen, so sei dies lächerlich, so Evers. Diese Summe decke nicht einmal die damals einge- sparten Löhne- von Entschädigungs- leistungen ganz zu schweigen. Wãhrend viel von den Gewinnerwar- tungen der US-amerikanischen An- waltskanzleien, die die Interessen der Zwangsarbeiter vertreten, die Rede ist, habe kaum jemand über die millio- nenteuren Gegengutachten gespro- chen, die von der Großindustrie in Auftrag gegeben wurden. Im Unter- schied zu den bereits bezahlten Gut- achtern seien die erwarteten Honora- re sowie die Begleichung der bisherigen Aufwandsentschädigungen der US-Anwälte mit hohem Risiko verbunden. Nicht für Entschädigungsfonds der Stiftungsinitiative Spenden Evers sprach sich dagegen aus, dass Unternehmen in den Stiftungs- fonds der deutschen Wirtschaft ein- zahlen, Effektiver sei es für lokale Projekte zu spenden, die bereits Leis- tungen für ehemalige Zwangsarbeiter aufbringen. Die zugesagten fünf Milli- arden seien von den Großunterneh- men„lächelnd“ aufzubringen, wenn sie denn wollten. Durch die lokalen Initiativen bekomme die Entschädi- gungsdebatte ein„menschliches Ge- sicht“ im Gegensatz zum„kalten“ Kalkül der auf Zeitgewinn spekulie- renden Stiftungsinitiative, so Evers. (Die Stadt München hat mit der Ent- schädigung von Zwangsarbeitern, die wãhrend des Zweiten Weltkrieges bei städtischen Einrichtungen beschãäftigt waren, übrigens begonnen. Fine ent- sprechende Forderung richtet die La- gergemeinschaft Auschwitz- Freun- deskreis der Auschwitzer zusammen mit einer Arbeitsgruppe aus verschie- denen Organisationen auch an die Stadt Frankfurt am Main. Unter an- derem wurde Kulturdezernent Nord- hoff aufgefordert, sein Versprechen wahr zu machen und ehemalige Zwangsarbeiter zu einem Besuch ein- zuladen.) Hans Hirschmann GrundsatzArtikel zur Entschädigung der Zwangsarbeiter ah 6 6. 18 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Die Forderungen ehemaliger ZwangsarbeiterInnen nach Entschädigung und die„Solidarische Antwort“ der deutschen Wirtschaft und Regierung Eine Bestandsaufnahme von Andreas Plake Uber 10 Millionen ZwangsarbeiterIn- nen schufteten und litten in der Zeit von 1933 bis 1945 im Dienste der deut- schen Kriegswirtschaft- in der Indu- strie, in Handwerksbetrieben, in der Landwirtschaft, in õffentlichen Betrie- ben, in privaten Haushalten; in allen Bereichen der deutschen Gesellschaft. Dieses Zwangsarbeitssystem wurde vom Internationalen Militärtribunal von Nürnberg als Verbrechen gegen die Menschheit eingestuft. Im Urteil hieß es: Das SMlavenarbeisprogramm ver ſolgte Zwei Zwechke, die verbreche- risch waren. Der erste Zweck wur(...) die Erfiillung der Arbeitsanforderun- gen der Nazi-Kriegsmaschinierie, in- dem man die auslãndischen Arbeits- Kròfte ⁊wang, s0 gut wie gegen ihr eigenes Vaterland und veine Verbün- deten Krieg zu führen. Der zweite Zweck war die Vernichtung und Schwächung der Võlen die von den Vertretern der Nazi-Kassenlehre als minderwertig oder von den die Welt- herrschaft anstrebenden Nazis als mõgliche Feinde betrachtet wurden.! Zwei führende Verantwortliche für den Einsatz der ZwangsarbeiterInnen wurden in Nürnberg zur Rechenschaft geZogen: der Generalbevollmãchtigte für den Arbeitseinsatz Fritz Sauckel wurde Zum Tode und der Rüstungsmi- nister Albert Speer zu 20 Jahren Haft verurteilt. Die Verfahren gegen Ver- antwortliche aus der deutschen Wirt- schaft endeten entweder mit geringen Strafen(Flick, Krupp, I6 Farben) oder wurden mit der beginnenden Wieder- aufrüstung der BRD im Kalten Krieg eingestellt. Den überlebenden ZwangsarbeiterIn- nen wird bis heute sowohl die Aner- kennung als NSVerfolgte als auch die Entschädigung für die Zwangsarbeit verweigert. Entgegen den eindeutigen Formulierungen im Nürnberger Vrteil verfolgte die BRD die Strategie, das Zwangsarbeitssystem nicht als natio- nalsozialistisches Unrecht zu werten, sondern als„Kriegsunrecht“. Die Zwangsarbeiterlnnen könnten keine Ansprüche auf Entschädigung stellen, so die Argumentation, da Ansprüche aufgrund von Maßnahmen unter Kriegs und Besatzungsbedingungen- woꝛu eben die Zwangsarbeit gezählt wurde- nach internationalem Recht nur von Staat zu Staat geltend zu ma- chen seien. Die Zwangsarbeit begrün- de also keine persõnlichen Ansprüche gegen den deutschen Staat und die zit. nacht Christine Krause:„Wiedergutmachung“ und Entschädigung. Die Auseinan- dersetzung nach 1945 in VVN/BdA Kreisvereinigung Esslingen(Hg.)„Räder müssen rollen für den Sieg“ Zwangsarbeit im Pritten Reich? Stuttgàrt 2000, S. 161 172 8. 161 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 19 deutsche Wirtschaft. Zuständig seien deshalb die Staaten der ehemaligen ZwangsarbeiterInnen, die diese For- derungen aus ihrem Anteil an den deutschen Reparationen zu beglei- chen hätten. Der BRD die als Bündnispartner im Kalten Krieg gebraucht wurde- ge- lang es, diese Auffassung auch interna- tional durchzusetzen. Mehr noch: selbst die Verhandlung über die An- sprüche der ZwangsarbeiterInnen im Rahmen von Reparationszahlungen wurde auf eine ferne Zukunft ver- schoben. Im Londoner Schuldenab- kommen vom Mai 1952, das den Aus- gleich der Altschulden des Deutschen Reiches regelte, die die BRD als Rechtsnachfolger übernommen hatte, wurde in Art. ð festgehalten: Eine Prüfung der aus dem zweiten Weltkrieg herrührenden Forderun- gen von Saaten, die sich mit Deuschland im Kriegszustand be- fanden oder deren Gebiet von Deutschland besetzt wur und von Sautsangehörige dieser Stuaten ge⸗ gen das Reich und im Auftrage des Reichs handelnde Stellen oder Perso- nen(..) wird his zu der endgiltigen Regelung der Reparationsfrage zu riickgestellt.2 Nach deutscher Auffassung war damit die Beschäftigung mit den Ansprüchen ehemaliger ZwangsarbeiterInnen bis zum Abschluß eines Friedensvertrages vertagt, da erst dann die Reparations- frage geklärt werden könne. Auch das deutsche Bundesentschädi- gungsgesetz schloß eine Entschädi- gung für Zwangsarbeit aus. Zwangsar- beiterInnen galten nicht als Verfolgte, da sie nicht aus den vom Gesetz aner- kannten Gründen der politischen Uberzeugung, der Rasse oder Religi- on verfolgt worden seien. Nur ZwangsarbeiterInnen, die nach diesen Kriterien als Verfolgte anerkannt wa- ren(und die nicht den ãußerst vielfãl- tigen Ausschlußbestimmungen des Bundesentschädigungsgesetzes unter- lagen), konnten einen„Schaden an Freiheit“ geltend machen, wenn sie „Zwangsarbeit unter haftdhnlichen Be- dingungen“ geleistet hatten. Die Ent- schädigung betraf allerdings nur die Freiheitsentziechung und nicht die Zwangsarbeit als solche. Uber 30 Jahre mußten die Uberleben- den sich immer wieder sagen lassen, es sei noch zu früh, um ihre Ansprüche anzumelden- dann hieß es, nun sei es Zu spãt. The same procedure as every year? Am 23. Mai 1996 inzwischen hatten viele ehemalige ZwangsarbeiterInnen vor deutschen Gerichten Klagen ge- gen die BRD und verschiedene deut- sche Unternehmen erhoben erklärte der Bundesfinanzminster im Namen der Bundesregierung alle Ansprüche für endgültig erledigt. Zunächst wie- derholte er die alte Argumentation al- ler vorherigen Bundesregierungen: Zu den Ansprichen der hetroffenen Zwungsarbeiter weise ich auf foigen- des hin. Soweit während des Zweilen Welkrieges auslHndische Zwangsar- 20 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer nichts geändert hat und die auch von der rot-grünen Bundesregierung voll geteilt wird). heiter verpflichtet und eingesetzt wor- den vind Kõnnen diese Keine direlten Ansprüche gegen den kriegführen- den Staat oder seine Unternehmen geltend machen. Solche Forderungen knnen nach allgemein anerkannten vblMerrechtlichen Grundsdtzen nicht von einzelnen Personen und auch nicht gegen einzelne Personen oder privutrechtliche juristische Peronen, Sondern nur von Staat ⁊u Suat als Re⸗ Inzwischen aber hatte eine Klage überlebender ZwangsarbeiterInnen dieser 50 Jahre lang hochgehaltenen Rechtsauffassung den Boden entzo- gen. Das Bundesverfassungsgericht stellte in einer Entscheidung vom Mai 1996 fest, es gebe überhaupt keine all- purationsverlungen geltend gemacht gemeine Regel des Völkerrechts,„die individueller werden.(..) Deutsche Privatunter- der nehmen können deshalb von ausldn- dischen Zwangsarbeiterm nicht in Anspruch genommen werden. Anschließend erklärte die Bundesre- gierung auch den Weg über die Repa- rationsforderungen für erledigt: S0 Jahre nach Beendigung des Zwei- ten Weltkrieges, weit üher 30 Jahre nach der von den alliierten Mãchten Zu unterschiedlichen Zeitpunlkten er- Klärten Beendigung des Kriegszu- Sundes nach Jahrzehnten friedlicher vertrauens voller und fuchtharer Zu- Sammenarbeit der Bun- desrepublik Deuischland mit der intermationalen Suatengemeinschaft und nach um- fangreichen Vransferleistungen hat die Reparationsfrage ihre Berechti- gung verloren.3 Den ehemaligen ZwangsarbeiterIn- nen wurde damit endgültig jede recht- liche Grundlage ihrer Forderungen nach Entschädigung abgesprochen (eine Auffassung, an der sich bis heute Geltendmachung Enigelt-Ansprüche durch ehemalige Zwaungsarbeiter aus dem Zweiten Welt Krieg enigegensteht“. Darüberhinaus entschied das Gericht, der 24-Vertrag von 1900 sei als Friedensvertrag zu be- trachten, so daß rechtlich auch die Re- parationsfrage jetzt wieder offen war. Es folgten eine Vielzahl weiterer Kla- gen ehemaliger ZwangsarbeiterInnen (bis heute sind es ca. 6000), aber die Aussichten, vor deutschen Gerichten ein rechtskräftiges Urteil zugunster ehemaliger Zwangsarbeiterlnnen noch zu ihren Lebzeiten zu erreichen, waren nicht sehr gut. Bei einer Besprechung der Bundesregierung mit von den Kla- gen betroffenen Unternehmen sicher- te ein Vertreter des Bundesfinanzmi- nisteriums diesen im Dezember 1996 zu, Prozesse erforderlichen Fulls bis zum BOH Zu führen. Erst die Aussicht, daß deutsche Unter- nehmen sich nicht nur vor der ihnen wohlgesonnenen deutschen Justiz, sondern vor US-amerikanischen Ge- Umfassender Bericht über bisherige Wiedergutmachungsleistungen deutscher Unter- nehmen Bundestags- Drucksache 13/4787 vom 3.6.1906 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 21 richten verantworten sollten, brachte Bewegung in die seit über 50 Jahren bestehende Abwehrfront gegen die Ansprüche der ehemaligen Zwangsar- beiterInnen. Am 4. März 1998 hatte Elsa Iwanowa, Zwangsarbeiterin aus Rostow, beim Bezirksgericht in Newark/New Jersey Klage gegen die Kölner Ford-Werke und das Ford-Stammwerk in Dear- born /Michigan eingereicht. Beim Amtsantritt der neuen Bundesregie- rung im Herbst 1998 waren in den USA bereits mehr als ein Dutzend Verfahren gegen deutsche Firmen we- gen ihrer Rolle bei der Beschäftigung von NSZwangsarbeiterInnen anhän- gig. Die Klagen orientierten sich am Beispiel des Verfahrens gegen zwei Schweizer Großbanken wegen ihrer Beteiligung an den Arisierungs- und Raubgoldgeschäften der Nazis. Am 12. August 1908 endete dieser seit 1906 laufende Prozess mit einem Ver- gleich: Die Schweizerische Kreditan- stalt und die UBS A6 erklärten sich bereit, 1,25 Milliarden Dollar zu zah- len, um so einer für sie negativen Ent- Gi n des Bezirksgerichtes New ork zuvorzukommen und einem in den USA drohenden Boykott und weiteren fürs Geschäft negativen Schlagzeilen zu entgehen. Eine Uberprüfung der Verantwortung der deutschen Wirtschaft und ihrer Rolle im NSZwangsarbeitssystem vor USamerikanischen Gerichten- das galt es unbedingt zu vermeiden. Die neue Bundesregierung erklärte den Schutz der deutschen Wirtschaft vor USamerikanischen Klagen zur Chef- Sache; am 16. Februar 1999 wurde die Gründung der„Stiftungsinitiative der derutschen Wirtschaft Erinnerung, Ver- antwortung und Zulkunft'“ bekanntge- geben, und die Verhandlungen über die Entschädigung der ehemaligen Zwangsarbeiterlnnen begannen. Amosen statt Entschädigung Ein Blick in die offiziellen Selbstdar- stellungen dieser Stiftungsinitiative verdeutlicht, was es mit der„Erinne- rung“ und„Verantwortung“ auf sich hat. Zunächst einmal macht die deut- sche Wirtschaft klar, daß sie keines- wegs die Abwehrhaltung gegen über den ZwangsarbeiterInnen aufzugeben gedenkt und nur unter Druck bereit ist, überhaupt über das Thema zu re- den:„Der Zusammenschluß der Opfer im Rahmen von Sammelklagen eic. for- dert eine volidarische Antwort der Wirt- chaft in Form der Sifnungsinitiative. Die Erinnerung der deutschen Wirt- Schaft sagt ihr nur, daß sie selbst auf kei- nen Fall verantwortlich zu machen ist: Deutsche Unternehmen waren- ins hesondere im Kahmen der Kriegs- wirtschaft- in das NRegime und damit auch in das von ilm ausgelòste Unrecht eingebunden. Dabei gingen nationalsozialistische Verfolgung und Zwangsarbeit vom NStuat aus.(..) Nahezu jedes damals existierende deusche Industrieunternehmen mus- Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft„Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“: Humanitãre Geste und Schaffung von Rechtsfrieden(http:/www stiftungsinitiative. de/) 22 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer ste wegen der Einbindung in die Kriegswirtschaft und dem alkuten Ar heiuskrdftemangel Zwangsurbeiter heschäftigen.? Die rot-grüne Bundesregierung teilt offensichtlich diese Auffassung. Aus- gerechnet der Degussa, Schmelꝰstati- on für Zahngold aus Auschwitz und Mutterfirma des Zyklon-B-Produzen- ten Degesch, bekundete Fischers Au- Benministerium in einem Unterstüt- zerbrief zur Abwendung einer Klage in den USA tiefes Verständnis: Alle deutschen Unternehmen hätten sich während der Naziherrschaft den An- forderungen der Kriegswirtschaft nicht entziehen können. Bei Degussa kom- St me hinzu, daß die Firma ein Monopol für das Einschmelkzen von Edelmetal- len gehabt habe. Die Unternehmen konnten gar nicht anders handeln und sind deshalb nicht zu verurteilen, hieß das im Klartext. Die Klage wurde schließlich vom Gericht zurückgewie- sen. Auch im Gesetz zur Gründung der Bundesstiftung„Erinnerung, Verant- wortung und Zulcunft“, die die Ent- schädigung der ZwangsarbeiterInnen übernehmen wird, soll noch einmal festgeschrieben werden, daß deren Ansprüche keineswegs berechtigt sind: Nach Auffassung der Bundesregie- rung vind die derzeit gegen sie und Uberreste eines von Zwangsarbeitern montierten V2riepwerkes in einem Stollen des KꝰZ Mittelbau-Dora. Aufnahme aus: Dirk Reinartz,„totenstill“, Steidl, Göttingen 1994. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 23 deusche Kommunen geltend ge- machten Forderungen nicht begrün- det. Die Wiedergutmachungsgesetze der Bundesrepublik Peutschland se- hen einen Entschädigungsanspruch wegen Zwangsarbeit nicht vor Nach Auffassung der Untemehmen Kön- nen auch keine Ansprüche gegen sie geltend gemacht werden. Bislang ist keine rechusKräftige Entscheidung belannt, die den Anspruch eines Zwangsurbeiters für hegriündet er- achtet. Mehrere Klagen wurden be— reis abgewiesen. Dennoch giht es ei- ne Vielzahl von Klagen vor deutschen und ausländischen Ge- richten. Deshalb besteht ein dringen- des Interesse, dass die Unbegrinder- heit weitergehender Forderungen geselzlich fesigestellt wird.o Die deutsche Wirtschaft und der Staat Bundesrepublit Deutschland(als Rechtsnachfolger des Deutsches Rei- ches) sind also keinesfalls bereit, eine rechtliche oder politische Verantwor- tung für das als Verbrechen gegen die Menschheit beurteilte Zwangsarbeits- System zu übernehmen. Bisher ist nur 0 ihnen das Zugestãndnis einer moralischen Verantwortung abzuringen und auch das nicht für das Zwangsar- beitssystem als ganzes, sondern nur für die damit verbundenen Auswichse“ E Kann heute nicht darum gehen, al- lein für die Jaache der Zwangsur- heit Leisungen ⁊u gewhren.(..) Die deuschen Unternehmen sehen eine moralische Verantwortung vor allem dort, wo Zwangsarbeit unter beson- ders eyschwerten Bedingungen gelei- Stet werden mußte oder wo Unter- nehmen an der Piskriminierung von Menschen mitwirkten, die aus russi- Schen Grinden vom NRegime ver Folgt wurden.! Die Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft erklärt sich daher nur dazu bereit,„als Geste der Veròhnung Mit- rel in eine humanitäre Sriftung einzu- bringen“, um ehemaligen Zwangsar- beiterInnen,„die hesondere Härten erlitten hatten, zu helfen“s. Vorausset- zung für die Bereitstellung dieser Al- mosen ist allerdings, daß allen Zwangsarbeiterlnnen endgültig die Möglichkeit genommen wird, ihre An- sprüche auf Entschädigung geltend zu machen: Vnabdingbare Voraussetzung für die Gründung der Stiftung und die Be- reittellung der Mittel ist, daß für die Unternehmen umfassende und dau- erhafte Rechtssicherheit geschaßfen ist d. h. daß vie vor gerichtlicher In- anspruchnahme geschitzt sind. In Entwurf eines Gesetzes zur Errichtung einer Stiftung„Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“(Bundestags-Drucksache 14/3206), Begründung zu§ 16. Der Gesetzentwurf wurde am 14.4.2000 von allen Parteien gemeinsam in den Bundestag eingebracht. Präambel der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft„Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“(http/wwwstiftungsinitiative. de/) Entsprechend heißt Es im Gesetzent- wurf daß, im Rahmen der Stiftung vordringlich diejenigen Opfergruppen bedacht werden sollen, die in der Zeit des NRegimes ein überdurchschnittlich Schweres Schicksal erlitten haben“. Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft„Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“: Humanitãre Geste und Schaffung von Rechtsfrieden 24 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer diesem Sinne soll die Stiftung dauer- haften Rechusfrieden fõrdern.? Auch der Gesetzentwurf schreibt die Rolle der ZwangsarbeiterInnen als Almosenempfänger fest. Von Rechten der Uberlebenden ist darin keine Re- de ihnen können allenfalls„Leistun- gen gewährt“ werden. Wörtlich heißt 8,„dass im Rahmen der Stiftung vor dringlich diejenigen Opfergruppen he⸗ dacht werden sollen, die in der Zeit des NRegimes ein iberdurchschnittlich Schweres Schicksal erlitten haben“. Mit dem Gesetz werde „eine abschließende Regelung für An- Spriche wegen Zwangsarbeit“ geschaf- fen:„Etwaige weitergehende An- sprüche(..) sind ausgeschlossen“. ¹0 Die angeblich völlig unbegründeten Ansprüche der ehemaligen Zwangs- arbeiterInnen auf Entschädigung wer- den allerdings so ernst genommen, daß im Gesetz noch eine weitere Ab- sicherung dagegen eingebaut wurde- doppelt genäht hält besser: Jeder Leistungsberechtigte gibt im Antragsverfahren eine Erldrung ah dass er. mit Erhalt einer Leistung nach diesem Gesetz au jede darüber hinuusgehende Geltendmachung von Forderungen gegen die ffentliche „Die Deutschen werfen einen Knochen in die Mitte, und lassen die Opfer sich darum streiten“ Hund für Zwungsarbeit und für Vert mõgensschäden sowie auf alle An- prüche gegen deutsche Unterneh- men im Zusummenhang mit natio- nalsozialistischem Unrecht.. unwit- derruflich verzichtet.i Die Rechtssicherheit, die in offiziellen Stellungnahmen immer wieder als an- zustrebendes Ziel genannt wird, be- deutet also die endgültige Rechtlos- stellung aller Zwangsarbeiter- Innen, während die Rechtsnachfolger der damaligen Täter vor jeder rechtlicher Uberprüfung ihrer Verantwortung ge- schützt werden. Die Uberlebenden kõnnen sicher sein, daß Sie allenfalls das Recht haben, gegenü- ber der Stiftung als Bittsteller aufzu- treten. Die deutsche Wirtschaft und die deutsche Regierung wollen sicher sein, daß sie sich ihrer Verantwortung endgültig entledigen können gegen die Lahlung einer bestimmten Summe als Ablaß für die Verfehlungen in der NS-Zeit. Ablaß zu Ausverkaufspreisen Die internationalen Verhandlungen ũber eine Entschãdigung für Zwangs- arbeit konzentrierten sich schnell auf die Hõhe der Summe, die die deutsche prãambel der Stiftungsinitiative der deutschen Wirtschaft„Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ Entwurf eines Gesetzes zur Errichtung einer Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“(Bundestags-Drucksache 14/3206),§ 16 und Begründung zu§ 16 Gesetz zur Errichtung der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft'§ 162u finden auf der vorlãufigen Website der Stiftung(htip: wWww barov. bund. de). Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 25 Seite für diesen Ablaß zu zahlen bereit war. Nachdem die deutsche Wirtschaft mit dem endgültigen Abbruch der Verhandlungen gedroht hatte, erfolgte Mitte Dezember 1999 die Finigung auf 10 Mrd. PM, je zur Hälfte von der Stiftungsinitiative und der Bundesre- gierung aufzubringen. Verglichen mit dem Betrag von 1 Mrd. PM, den die Wirtschaft ursprünglich zahlen wollte, 0“ das eine beachtliche Summe, ge- Sexer-45 — Von Bleikoliken gequälter„Muselmann“(Zeichnung von René Baumer, aus: H. Keienburg(Hrsg.); Konzentrationsla- ger und deutsche Wirtschaft 1930— 1945. Opladen 1996. messen an den Zahlungen, zu denen die Schweizer Banken verpflichtet worden waren, war es ein Ablaßhan- del zu Ausverkaufspreisen. Ungeklärt war zu diesem Zeitpunkt noch die Frage der Verteilung dieser 10 Mrd. DM an die überlebenden ZwangsarbeiterInnen, die in den Ver- handlungen zurückgestellt worden war. Fin schon vorliegender Gesetz- entwurf aus dem Bun- desfinan?zministerium hätte wenn es nicht gelungen wäre, ihn noch in einigen Punk- ten zu ändern- dazu geführt, daß die Mehr- heit der überlebenden ZwangsarbeiterInnen leer ausgegangen wã- re. Die nun folgenden Verhandlungen über die Verteilung charak- terisierte ein Teilneh- mer, Karl Brozik von der Jewish Claims Conference, durchaus zutreffend: Die Deut- schen werfen einen Knochen in die Mitte, und lassen die Opfer Sich darum streiten“. 2 Die Schweizer Banken zahlen 1,25 MRD 5 für die Beteiligung an relativ geringfügigen Vergehen wie Unterschlagung und Hehlerei, während die deutsche Wirtschaft und der deutsche Staat an ei- nem Verbrechen gegen die Menschheit beteiligt waren. 26 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Die deutsche Seite zeigt sich nicht ein- mal dazu bereit, die Verantwortung für die Verteilung der Almosen zu über- nehmen mit den Uberlebenden sel- ber mõchte sie mõglichst nichts zu tun haben: Die Gewhrung und die Auszahlung der EFinmalleistungen erfolgen durch Partmerorganisationen. Die Sriftung ist insoweit weder berechtigt noch verpflichtet.(..) Es ist nicht Auſgabe der Stiftung, über Einzelfũl- le zu entscheiden. Leistungsberech- rigte vollen ihre Antrãge an die für vie zuständige Parmerorganisation rich- ren. Zwischen der Stiftung velbst und den Antrugstellern hestehen Kei- ne Rechtsheziehungen s Als Partnerorganisationen vorgese- hen sind bisher für die an den Ver- handlungen beteiligten fünf osteu- ropãischen Staaten die Stiftung Deutsch-Polnische Aussöhnung, die Russische Stiftung„Verständigung und Aussbhnung“, die Ukrainische Nationale Stiftung„Verständigung und Aussõhnung“, die Weißrussische Stiftung„Verständigung und Aussöh- nung“ und der Deutsch-Tschechische Zukunftsfonds sowie die Conference of Jewish Material Claims against Ger- many(zustãndig für jüdische Uberle- bende im Staat Israel, den USA und den übrigen westlichen Staaten). Alle ehemaligen ZwangsarbeiterInnen, di nicht in die Zuständigkeit einer dieser Organisationen fallen, zäãhlen zum so- genannten„Rest der Welt“, für den die Internationale Organisation für Migration mit Sitz in Genf die Vertei- lung übernimmt. Am 23. März 2000 einigten sich die Verhandlungsdelegationen über die Aufteilung der 10 Mrd. PM. Nach Ab- zug von 1 Mrd. PM für Vermögens- schäden1 700 Mill. PM für einen, Zu- kunftsfond“é und 200 Mill. PM für administrative Kosten der zukünftigen Bundesstiftung blieben 8,1 Mrd. PM Gesetz zur Errichtung einer Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“§ 10 und Begründung zu 8§ 10 a Im einzelnen zählen dazu: Alle KZ und Ghetto-Hãftlinge sowie die Uberlebenden der Arbeits und Erziehungs lager aus Westeuropa. K?ZHãftlinge sowie Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter aus Mittel und Osteu- ropa, die nach 1945 nicht in ihre inzwischen unter kommunistischer Herrschaft stehen- den Heimatlãnder zurückkehrten und daher heute verstreut in aller Welt leben. Uberlebende aus Ländern Mittel- und Osteuropas, die nicht über eine eigene Versõh- nungsstiftung verfügen und daher von den Verhandlungen ausgeschlossen blieben. gSinti und Roma in aller Welt, sofern sie nicht durch eine der fünf᷑ osteuropãischen Part- nerorganisationen vertreten sind. 6 Alle diesbezuglichen Ansprüche(insbesondere gegen deutsche Versicherungen und Banken wegen ihrer Beteiligung an der Arisierung“ und der Ausplünderung der be- setzten Länder) sollen mit abgegolten werden, obwohl sie mit der Entschãdigung für Zwangsarbeit, um die es angeblich geht, nichts Zu tun haben. 16 Zur Zweckbestimmung dieses Zukunftsfonds heißt es: Seine dauerhafte Aſgabe be⸗ slehnl darin, vor allem mit den Ertrãgen aus den im ⁊ugewiesenen Siftungsmitteln Projelte ⁊u ſoydern, die der Võlkerversundigung, den Interessen von Vherlebenden des nutional- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 27 für den Bereich Zwangsarbeit. Dieser Betrag wurde sodann unter den für die Verteilung vorgesehenen Partneror- ganisationen aufgeteilt, auf Grundlage der Zahl der anspruchsberechtigten Uberlebenden in ihrem jeweiligen Zu- ständigkeitsbereich.“ Benachteiligt wurden bei dieser Auf- teilung die Opfergruppen im, Kest der Welt, die an den Verhandlungen nicht beteiligt waren. Für diesen Bereich war eine Summe von 800 Mill. PM vorgesehen, die inzwischen noch auf 540 Mill. DM gekürzt wurde. Nach den (wahrscheinlich zu niedrigen) vorlie- genden Zahlen der Uberlebenden im „Rest der Welt“ reicht dieser Betrag nicht einmal aus, den ehemaligen KZ- Hãftlingen die vorgesehene Entschä- digung von 15.000 DM auszuzahlen. Ihre Zahl wird auf 61.000 Personen ge- Schätzt, alleine für ihre Entschädigung wãre ein Betrag von 915 Mill. DM not- wendig. Woher dann noch das Geld kommen soll, um die ehemaligen ZwangsarbeiterInnen aus dem„Rest der Welt“ zu entschädigen, steht in den Sternen. 1s Allein durch diesen Vertei- lungsmodus droht eine eklatante Un- gleichbehandlung der überlebenden ZwangsarbeiterInnen: Ein ehemaliger Häftling des KZ Auschwitz, der das Pech hat, zum„Rest der Welt“ gezählt zu werden, müßte damit rechnen, eine erheblich niedrigere Entschädigung zu bekommen als ein Leidensgenosse, der in den Zuständigkeitsbereich ei- ner der anderen Partnerorganisatio- nen fällt. Eine weitere Ungleichbehandlung wird sich aus der Bestimmung der Lei- stungsberechtigten ergeben. Nach deutschem Gesetzentwurf gehören zu diesem Kreis nur ehemalige KZHãft- linge(die„his zu 15.000 DM“ bekom- men sollen) und ZwangsarbeiterInnen in der Industrie oder im öffentlichen Bereich(„his zu 5.000 DM*). Alle anderen ehemaligen Zwangsar- beiterInnen(insbesondere sind dies Sozialistischen Regimes dem Jugendaustausch, der sozialen Gerechtigkeit der Erinnerung an die Bedrohung durch totalitäre Systeme und Gewalterrschaft und der internationalen Zusammenarbeit auf humanitärem Gebiet dienen. Im Gedenken an und zu Ehren derje- nigen Opfer nationalsozialistischen Unrechis die nicht überlebt haben, voll er auch Projelte im Interesse ihrer Erben fõrdern.“ antwortung und Zukunft“,§ 2) (Gesetz zur Errichtung einer Stiftung„Erinnerung, Ver- Piese(teilweise heftig umstrittenen) Zahlen wurden auf einer Konferenz unter Leitung des von der Bundesregierung beauftragten Historikers Lutz Niethammer festgelegt. Sie beruhen hauptsächlich auf den Angaben der beteiligten Organisationen(die gleichzeitig die Partnerorganisationen für die Verteilung sind und ein Interesse an mõglichst hohen Zahlenangaben haben müssen, da sich dadurch ihr Anteil an der Gesamtsumme erhöht) und wurden keiner nãheren Prüfung unterzogen. s Nach dem Gesetzentwurf müssen die partnẽrorganisationen mit den ihnen zugewiese- nen Mittel auskommen: Die partnerorganisationen müssen mit diesen Mitteln die vor- geschenen Leistungen für alle Personen erbringen, die am 1. Januar 2000 ihren Haupt wohnsitz in ihrem jeweiligen sachlichen und örtlichen Zuständigkeitsbereich hatten.“ (Gesetz zur Errichtung einer Stiftung„Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“,§ 9) Die genaue Bestimmung lautet:, Teistungsber echtigt nach diesem Gesetz ist, wer 7. in einem Konzentrationslager im Finne von 5 42 Abs 2 Bundesentschädigungsgesetz oder in einer anderen Hafistãtte oder einem Gheto unter vergleichharen Bedingungen inhaftiert 28 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Ehemalige Arbeitsstätte von Zwangsarbeitern: Das Klinkerwerk in Neuengamme. Auf- nahme aus: Dirk Reinartz,„totenstill“, Steidl, Göttingen 1994. die große Zahl derjenigen, die in der Landwirtschaft gearbeitet haben) ha- ben keinen Anspruch auf Entschädi- gung. Sie sind auf das Wohlwollen der jeweiligen Partnerorganisation ange- wiesen, in deren Ermessen es gestellt ist, bei der Verteilung der Entschädi- gungszahlungen auch laut Gesetz war und zur Arbei gez wungen wurde nicht leistungsberechtigte Personen zu berũcksichtigen. Die den jeweiligen Partnerorganisationen zugewiesene feststehende Gesamtsumme wurde auf der Grundlage dieser leistungsbe- rechtigten Personen berechnet. Wen auch diejenigen bedacht werden sol- len, die das deutsche Gesetz von der 2 aus seinem Heimulstuat in das Gebiet des Deutschen Reichks in den Grenzen von 1937 oder in ein vom Peutschen Reich hesetztes Gebiet deportiert wurde, ⁊u einem Arbeitsein- Surt in einem gewerblichen Unternehmen oder im õffentlichen Bereich gezwungen und un- ler anderen Bedingungen als den in Nr) genannten inhaftiert oder haftdhnlichen Bedin- gungen oder vergleichbur besonders schlechten Lebens bedingungen unierworſen war diese Regelung gilt nich für Personen, die wegen der iberwiegend im GebietOsterreich geleiste- ten Zwangsurbeit Feistungen aus dem õsterreichischen Verbhnungsfonds erhallen Kön- nen Geset zur Errichtung einer Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft“ (Bundestags Drucksache 14/3206),8 11) Für Osterreich gibt es eine gesonderte Regelung. „Die Parmnerorganisationen Lõnnen im Rahmen der ilmen. Zugewiesenen Mittel Lei- stungen auch solchen Opfern nationulsozialistischer Unrechusmaßnahmen gewähren, die Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 29 Entschädigung ausschließt, muß die Entschädigung für die leistungsbe- rechtigten Zwangsar- beiterInnen zwangslãu- fig reduziert werden. „Wir wollen itiativen zumindest beginnen, Hilfe für Vberlebende zu organisieren, behar- ren die Unternehmen und die Bundesregie- rung darauf, daß es kei- Insbesondere in Län- eigentlich nen Pfennig Entschädi- dern mit einem großen gung gibt, solange ihre Anteil von Zwangsar- e1ne ultimative Forderung beiterlnnen in der Entschuldigung.“ nicht erfüllt ist, daß die Landwirtschaft wie Po- len und Ukraine wird MOaie zu einer im Vergleich mit anderen Ländern erheblich niedrigeren Ent- schãdigung für die einzelnen Zwangs- arbeiterInnen führen. Der deutsche Gesetzentwurf hingegen behauptet vollmundig:„Die Stiftung erfillt etwaige Forderungen im Hin- hlick auf ihre begrenzten Mittel zwar nicht vollstũndig, aber Sozial ausgewo- gen. 2 Nicht abzusehen ist, wann die ersten Entschãdigungszahlungen die überle- benden ZwangsarbeiterInnen errei- chen werden. Trotz langwieriger Ver- handlungen über Milliardensummen erhalten sie von Seiten der deutschen Wirtschaft und Regierung bisher kein- erlei Unterstützung, obwohl viele von Dnnen(gerade in Osteuropa) in Not und Elend leben. Wãhrend private In- chemaligen Zwangsar- beiterInnen alle Rechtsansprüche aufgeben: ihre Zahlungen aus dem Siftungsvermõ⸗ gen Können naturgemäß emt nach In- Krafttreten dieses Gesetzes erfolgen. Es ist überdies angebracht, dass die Zahlungen aus der Stiftung erst nach dem Inkrafttreten des deutsch-ameri- kanischen Ablommens über Rechts- Fieden beginnen. Im Vemtdndnis der Srifterunternehmen ist üherdies eine Verwendung der eingezahlten Mittel erst mõglich, wenn die in den U4 anhängigen Klagen zurückgenom- men oder abgewiesen sind und vomit das Ziel des Rechtsfriedens erreicht wlurde. 2 Bevor auch nur ein Pfennig an einen Uberlebenden gezahlt wird, muss der Deutsche Bundestag noch einmal for- nich ⁊u einer der genannten Hallgruppen gehören.“ bie Können, zu Lasten der Hõchst- betrůge für Zwangsarbeiter auch minderschwere Falle nationalsozialistischen Unrechs einbeziehen(⁊. B. Zwangsurbeit in der Landwirtschaſt) und dabei Unterkategorien mit enu- Prechender Abstufing der Höchstbeträge bilden. Pesweiteren Kann dies„ Zum Beispiel Personen betreffen, die al Kinder in Konzentrationslagern oder Zwungsarbeitslagern le- ben musslen, oder KZHãfilinge die nicht ⁊u Zwangsurbeit herungezogen waren(Ge— setz zur Errichtung einer Stiftung Frinnerung, Verantwortung und Zukunft“(Bundes- lags-Drucksache 14/3206),§ 11, Begründung zu§ 11 und Begründung, Allgemeiner Teil) ebd. Begründung?zu§ 16. Die deutschen GesetzgeberInnen genieren sich nicht, an die Solidaritãt der Opfẽr zu appellieren: Empfůngern regelmäßiger deutscher Wiederguuma- chungsleistungen soll nahegelegt werden, auf Zahlungen der Siſtung zugunsten Bedürfti- ger zu verzichten.“(Begründung zu§ 15) 2 ebd. Begründung zus 17 30 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer mell feststellen, dass diese Bedingung der deutschen Wirtschaft erfüllt ist² Vergebung? Der Gesetzentwurf zur Gründung der Bundesstiftung„Erinnerung, Verant wortung und Zukunft“ Zitiert im allge- meinen Teil der Begründung aus der Ansprache von Bundespräsident Rau SMlaven- und Zwangsarbeit bedeute- te nicht nur das Vorenthalten des ge- rechten Lohnes. Sie hedeutete Ver- Schleppung, Entrechtung, die bruuule Missachtung der Menschen würde. Oft wur vie planvoll durau angelegi die Menschen durch Arbeit zu ver- nichten.(¶..) Ich weiß, dass für viele gar nicht das Geld entscheidend ist. Sie wollen, dass ihr Leid als Leid an⸗ erkannt und das Unrecht, das ihnen angetan worden ist Unrecht genannt wird. ¶.) Ich gedenke heute allen die unter deuuscher Herrschaft SMlaven- arbeit und Zwungsarbeit leisten mus⸗ Sten und bitte im Namen des deut- Schen Volkes um Vergebung. Ihre Leiden werden wir nicht vergessen. Die õffentliche Anerkennung der Lei- den der ehemaligen Zwangsarbeite- rInnen ist insbesondere durch viele in- zwischen entstandene lokale und regionale Initiativen zumindest an- Satzweise erreicht. Auf eine Anerken- nung ihrer Rechte hoffen die ehema- ligen ZwangsarbeiterInnen allerdings immer noch vergeblich. Für die von ihnen erwartete„Vergebung“ hätten sie einen hohen Preis zu zahlen- den Verzicht auf ihre Rechte. Rudy Kennedy ein jüdischer Uberle- bender der Zwangsarbeit bei 16 Far- ben in Auschwitz Monowitz, hat zur Rede des Bundespräsidenten Rau an- gemerkt: Wir wollen eigentlich eine Enischul- digung. Ich habe meine Heimat, E- tern, meine ganze Familie verloren, alles, was wir hesessen haben... Fr Vergebung habe ich Kein Man- dat. 4 Andreas Plake arbeitet beim„Bundesverband Information 0 Beratung für NSVerfolgte?(Holweider Str. 1315 in 51065 Köln, ſelefonnummer 0221 61204, Fax 0221 0624457, Mail info Qnsbe- ratung de, Homepage: http:/wwwnsberatung. de). Der Verband wird von verschiedenen Organisationen überlebender Opfer des NS-Regimes und engagierten Einzelpersonen getragen und bie- tet Unterstützung für alle NSVerfolgten bietet. 3 PDie erstmalige Bereitstellung der Stiftungsmittel setzt das Inkrafttreten des deutsch- amerikanischen Regierungsabkommens betreffend die Stiftung Frinnerung, Verantwor- tung und Zukunft' Sowie die Herstellung ausreichender Rechtssicherheit für deutsche Unternehmen voraus. Das Vorliegen dieser Voraussetzung stellt der Deutsche Bundes tag fest.(Geset?z. Frrichtung der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft 17) Neues Deutschland 22./23.1.2000, 8. 3 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 31 I6 Farben preist sich als„Vorreiter“ Die Liquidatoren der IG Farben in Abwicklung haben auf der Jahres- hauptversammlung versprochen,„in den nächsten Tagen“ eine Stiftung für NSOpfer zu gründen. Zugleich mach- ten sie am Mittwoch deutlich, dass sie sich nicht als richtige Adresse für An- sprüche ehemaliger Zwangsarbeiter begreifen: Vielmehr sei es der Konzern der„noch heute den größten Nutzen“ aus der I6 Farben ziehe. Wenn Ernst Krienke an Zwi- schenrufer denkt, fällt ihm Hans Fran- kenthal ein. Schließlich ging das jahre- lang so. Frankenthal, ein ehemaliger Zwangsarbeiter der IG Farben, hatte es satt, die Beschwichtigungen des Aufsichtsratsvorsitzenden Krienke wãhrend der Jahreshauptversammlun- gen der Liquidationsgesellschaft an- zuhören. Frankenthal suchte den Kon- füikt mit den Nachlassverwaltern des Konzerns, den die Aliierten wegen sei- ner Verstrickungen in das NSSystem in Bayer, Hoechst, BASF und die Ab- wicklungsgesellschaft zerschlagen hat- ten. Frankenthal gehörte auf Seiten Ge„Kritischen Aktionäre“ zu denen, die auf„die sofortige Auflösung“ der seit 1945„in Auflösung“ begriffenen 16 Farben dringen. Bei ersten Zwischenrufen auf der Jahreshauptversammlung am Mitt- woch in Frankfurt musste Krienke wieder an Frankenthal denken. Denn eines wollte er schon immer mal sa- gen„Wir, Herr Frankenthal, sind die Vorreiter der Entschädigung“. Was der Aufsichtsratschef nicht weiß: Der Zwischenrufer, den er Frankenthal nennt, heißt Eduard Bernhard. Auch der ist kritischer Aktionär. Franken- thal aber, der sich früher lautstark für die Belange der Opfer eingesetzt hat- te, ist Ende vorigen Jahres gestorben. Uberhaupt findet Liquidator Volker Pollehn, könne nicht die Schrumpffirma, deren Eigenkapital 1900 um vier auf gut 17 Millionen Mark absackte, als„allein verantwort- licher Nachfahre des früheren Kon- zerns“ angesehen werden. Bei ihr ge- be es nicht viel zu holen: Nach vielen Prozessen seien Ansprüche auf frühe- re Ostvermõgen definitiv aufgegeben worden. Jetzt hoffe man auf Gutha- ben, die während des Krieges in die Schweiz umgeleitet worden seien. Für Restitutionsansprüche aber gebe es Firmen anderer Grõßenordnung,„bei denen das Vermõgen“ der IG Farben gelandet ist. Pollehn nennt BASF BASF beteiligt sich an der Stif— tungsinitiative, die den Entschädi- gungsfonds für Zwangsarbeiter mit fünf Milliarden Mark bestücken will. Pavon wollen die IG-Farben-Liquida- toren nichts wissen. Sie kündigten an, die vor einem Jahr zugesagte eigene Stiftung bald zu gründen und mit 500.000 Mark auszustatten. Nur die Zinsen davon sollen den Opfern zu- gute kommen. Das ist für Peter Gin- gold, den alten Mitstreiter Franken- thals, inakzeptabel:„Diese Stiftung bedeutet, dass das Unternehmen wei- terexistiert.“ Matthias Arning Frankfurter Rundschau, 24.8.2000 32 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer August O2.08. Susanne Rudolph O2.8. Günter Bilgmann O2.8. Dr. Ursula Krause-Schmitt 03.8. Inge Hartwig 03.8. Eduard Wolny 07.8. Petra Gõgelein O8.8. Katharina Neidert 09.8. Hans-Jürgen Rojahn 09. 8. Steffen Gross 10.8. Doris Graenert 10.8. Astrid Knöss 11.8. Elke Maurer 13.8. Wiebke Lessin 16.8. Ursula Schmidt 17.8. Hildegard Moos 18.8. Joachim Sokolowski 19.8. Willi Berg 25.8. Detlev Puls 27.8. Andrea Wrede 28.8. Michael Hummel September 03.9. Gotthard Keusch O4.9. Neithard Dahlen O6.9. Ellen Krosch O8.9. Heino Galland O8.9. Karin Mihm 10.9. Rudolf Reiferscheid 12.9. Martin Grün 14.9. Thomas Krug 14.9. Edgar Nienhuys 15.9. Dr. Werner Falk 15.9. Eva Leidescher Blaschke 16.9. Peter Hofmann 16.9. Josef Seuffert 21.9. Dr. Christian Grosche 21.9. Gerhard Heyer 24.9. Karl Hammer 25.9. Susanne Roth 27.9. Dr. Bastian Meijer 28.9. Jutta Wies 29.0. Harald Skroblies 30.9. Elke Gross Oktober O1.10. Dr. Margit Proescholdt O2.10. Franz Solms-Laubach O6.10. Prof. Dr. Konrad Huchting O6. 10. Jörg Raab 09. 10. Helga Leib 09. 10. Barbara Reuter 11.10. Walter Matt 11.10. Christa Piotrowski Reithmeier 14. 10. Katharina Fleckenstein 14. 10. Stephan Kahl 16.10. Heinz Betzler 16.10. Jürgen Lindemann 17.10. Rainer Michel 17.10. Peter Reimann 18.10. Helmut Hertel 19.10. Peter C. Keller 21.10. Maria Kretzschmann Unseren Mitgliedern die herzlichsten Geburtstagsgrüße 23.10. Gerhard Gaede 23.10. Regina Hamel 25. 10. Nina Melchers 28.10. Cornelia Bandorf 28. 10. Klaus Konrad-Tromsdorf 31. 10. Hans Hirschmann 31.10. Michael Metz November O2.11. Britta Gundlach O4. 11. Jachim Proescholdt 07.11. Hanns Blauert O7. 11. Thomas Kremer 11.11. Aaron Lõwenbein 15. 11. Sissi Hajtmanek 16.11. Berthold Zins 17.11. Susanne Bolczek 17.11. Kerstin Krause 17.11. Wofgang Merten 18.11. Dr. Hans-Joachim Funke 18.11. Hedda Hansen 19.11. Günther Magel .11. Prof En. Klaus Dörner 25. 11. Ingeborg Kress 25. 11. Edgar Luy 26.11. Rudko Kawczinski 29.11. Reiner Drescher 29.11. Hubert Meyer 30.11. Gabriele Abel Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Wir bitten, Mitgliedsbeiträge per Dauerauftrag zu überweisen In eigener Sache Wir erinnern noch einmal daran, daß Mitgliedsbeiträge oder regelmã- Bige Spenden per Dauerauftrag überwiesen werden können. Es ist für Sie und uns praktikabel. Es macht Ihnen weniger Mühe als die Uberweisungen immer einzeln auszufüllen und im Vergleich zum ₰ Einzugsverfahren haben Sie eine bessere Kontrolle, da nur Sie Zugang zum Konto haben. Ein Dauerauftrag- egal ob jährlich, halbjährlich oder monatlich- hat gegenüber der Einzugsermächtigung für uns den Vor- teil, daß wir bei einem Wechsel der Bank nicht in das Mißvergnügen kommen, mit Gebühren für nicht einziehbare Beträge belastet zu wer- den- was leider schon vorgekommen ist. Vielen Dank für Ihr Verständnis 3 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer e. V., 35516 Münzenberg, Lindenstr. 68 Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt. Beiträge und Spenden sind steuerlich abzugsfähig. Eine Spendenbescheinigung wird zugesandt. Adressenänderung: Bitte teilen Sie uns bei einem Wohnungswechsel Ihre neue Anschrift mit. Wir bekommen immer wieder von der Post Retouren mit dem Vermerk'unbekannt verzogen“. Das kostet Geld, Zeit und Nerven. Deshalb: Abschnitt ausfüllen, ausschneiden und einsenden! Adressenänderung: Neue Anschrift LL LLLL Suraze LLLLLLKLLLKKLIQ posteitꝛanl LLLKLL ER SR R Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V. aUscrMrrz Lindenstraße 68 35516 Münzenberg Telefon 0 60 33/6 01 68 Sparkasse Wetterau(BLZ 518 500 79) Konto- Nr. O 020 000 503 Postscheckkonto Frankfurt Main(BL? 500 100 60) Konto-Nr. 51 664 608 Beitrittserklärung Name, Vorname Anschrift, Straße, PLZ, Ort Geburtsdatum Titel, acad. Grad, Beruf Q Hãäftling im KꝰZ Auschwitz vom bis Häftl.-Nr. S Hãftling in anderen Lagern, Gefängnissen etc. S Angehöriger des ehem. Auschwitzhäftlings Hãäftl.- Nr. Q Freundeskreis der Auschwitzer Datum des Beitritts Unterschrift Zutreffendes bitte ankreuzen K HELFEN SIE UNS! WERDEN SIE MITGLIED IM FREUNDESKREIS AFET AUSCEWTZ abscrwMrz ER AUSCHWAZER Farbkarte 613 Mitteilungsblatt, August 2000