LAGERGEMEINSCHAFET AUSCHWTZ FREUNDESKRElIS DER AUSCFHMWAEER AUSCEHMWTA „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 1945 Die gleichna- mige Wanderausstellung ist vom 12. September bis 17. Oktober in Marburg im Auditorium der Universität(Biegenstraße 10) zu sehen. 17. Jahrgang, Heft 1 Mitteilungsblatt, September 1997 Inhaltsverzeichnis Mitgliederversammlung und Monatstreffen 1 Antifa-Woche, Ausstellungen, Seminare 2 Brundibär-Oper der Kinder von Theresienstatd 4 Projekt für Schulen, Musikschulen, Jugendkultureinrichtungen Zwangsarbeiter bei Leuna und Buna 4 Aufruf zur Entschädigung der Siemens-Zwangsarbeiter 8( Infame Rechtfertigungsstrategie 7. Siemens will Zwangsarbeiter nicht entschädigen. Begenung mit Polen 11 Impressionen und Reflexionen von Hermann Peppler Auskunft über Gerd Wilhelm Vogel gesucht 14 Das macht jetzt keinen Unterschied mehr 15 Soldaten der Wehrmacht und Verbrechen der Wehrmacht Die Angst vor allen Deutschen war gegenwärtig 17 Rede von Ignat?z Bubis zur Fröffnung der Ausstellung Vernichtungs- krieg. Verbrechen der Wehrmacht?(Frankfurt/M., April 1997) Kein Krieg gegen eine andere Armee, sondern ein Krieg gegen eine andere Bevölkerung 21 Rede von Jan Philipp Reemtsma zur Bröffnung der Ausstellung Ver- nichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht“(Frankfurt/M., April 1997) Fin Biedermann und ein Fotospaziergang im Ghetto 29 Rezension von Joachim Proescholdt Die Ernst-Ludwig Chambré-Stifung hat die Arbeit aufgenommen 30 von Sascha Feuchert IMPRESSUM: Herausgeber: Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Redaktion: Hans Hirschmann Mitarbeiter: Joachim Proescholdt, Klaus Konrad-Tromsdorf, Anni Rossmann-Reineck, Sascha Feuchert, Hermann Peppler Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 1 Neuwahl des Vorstandes mit neuem 1. Vorsitzenden Mitgliederversammlung und Monatstreffen Die ordentliche Mitgliederversammlung(MV) der Lagergemeinschaft Auschwit?- Freundeskreis der Auschwitzer findet am Samstag, dem 1. November, um 14 Uhr im Haus der Evangelischen St. Katharinengemeinde, Leerbachstraße 18 in Frankfurt, statt. Da es unter anderem auch um die Neuwahl des Vorstandes geht, bitten wir um zahlreiches Erscheinen. Unser derzeitiger 1. Vorsitzender Joachim Proescholdt hat bei seiner Wahl bereits angekündigt, daß er nur für eine Ubergangszeit das Amt wahrnehmen und nicht erneut kandidieren werde. Dies hat sich auch bestätigt, so daß auf alle Fälle ein neuer Vorsitzender gewählt werden muß. Die Mitglieder erhalten satzungsgemäß circa drei bis vier Wochen vor dem Termin eine gesonderte Einladung. Bitte aber jetzt schon den Termin vormer- ken. Fingeladen zur MV sind auch alle Interessenten, die nicht oder noch nicht Mitglied sind, abstimmungsberechtigt sind nur Mitglieder. Das nächste Monatstreffen im Haus der Evangelischen Katharinenge- meinde, Wolfsgangstr 109 in Frank- furt, findet am Mittwoch, dem 1. Oktober, um 19 Uhr statt. Angefragt als Gastreferent ist der 1928 geborene Karl Ulbrich, der über die Verfolgung seiner Familie berichten wird. Der Vater war Lehrer und wurde 1933 aus politischen Gründen(SPDMitglied) entlassen, die Familie mußte umge- hend die Dienstwohnung räumen. Wie die Eltern mit Hilfe von Freun- den den Alltag bewältigen konnten, erfuhr Karl Ulbrich erst nach Kriegs- Oende. denn aus Angst, daß die Kinder etwas ausplaudern könnten, schwie- gen die Eltern. Als ihm selbst als Her- anwachsenden die Einberufung zur S8 drohte, meldete sich Ulbrich zu den Fallschirmjägern. Im Mai'45 ge- riet er in Gefangenschaft. Am 1. November findet, wie er- wähnt, die Mitgliederversammlung statt, das Monatstreffen am ersten Mittwoch im November fällt aus. Für Mittwoch, dem 3. Dezember, wollen wir Manfred Wittmeier als Vortragenden einladen(angefragt), damit er sein Buch„Internationale Jugendbewegungsstätte Auschwit? Zur Pädagogik der Erinnerung in der politischen Bildung“ vorstellt. Das Buch soll laut Verlagsmitteilung im September an die Buchhändler ausge- liefert werden. Der Erzichungswissenschaftler Manfred Wittmeier ist hauptberuf—- lich Referent für politisch Bildung beim Hessischen Landesjugendring. Er ist Gründungsmitglied der Ju— gendbegegnungsstätte in Auschwitz sowie des Fritz-BauereInstituts in FrankfurtMain, und er ist seit lan- gen Jahren auch Mitglied in der La- gergemeinschaft Auschwitz- Freun- deskreis der Auschwitzer. Im Januar findet keine Monatsver- sammlung statt. Sofern es aus terminlichen Grün- den machbar ist, wird im kommenden Frühjahr Max Adrian aus Amsterdam bei einem unserer Monatstreffen an- wesend sein. Er ist dort Leiter des Anne-Frank- Museums sowie der gleichnamigen Forschungstelle, und will über die Schwerpunkte der For- schungsstelle referieren. 2 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Antifa-Woche des Jugendbildungswerkes der Stadt Gießen Ausstellungen, Konferenzen und Seminare Das Jugendbildungswerk der Stadt Gießen lädt vom 3. bis 8. November zu einer Antifa-Woche ein. Das Programm wurde in Zusammenarbeit mit dem Jugendzentrum Jokus und der Lagergemeinschaft Auschwit?- Freundeskreis der Auschwitzer erstellt. Von Montag bis Freitag ist im Jugendzentrum (Ostanlage) die Ausstellung„Wir haben Auschwitz gesehen“ aufgebaut. Sie wurde von Jugendlichen im Rahmen eines Bildungsurlaubes in Auschwitz entwickelt. Am Montag, dem 3. November, wird um 20 Uhr der Film„Rechte Zeiten“ gezeigt, der als Ergebnis eines Bil- dungsseminars mit Hermann Rein- eck, dem Gründer der Lagergemein- Schaft Auschwitz, entstanden ist. An- schließend findet ein Gespräch mit dem damaligen Filmteam über die Auseinandersetzung mit dem histori- schen und aktuellen Faschismus statt. Am Mittwoch, dem 5. November, Steht der Film„Jetzt- nach so viel Jahren“ auf dem Programm. Harald Lüders und Pavel Schnabel haben ihn 1981 gedreht und erzählen darin die Geschichte eines nordhessischen Dor- fes in dem bis 1939 über 50 Prozent der Bevölkerung Juden waren. Es wer- den die Brinnerungen der Uberleben- den des Holocaust denen der deut- schen Bevölkerung gegenübergestellt. Am Donnerstag, dem 6. November. ist mit Stan Zak-Kaminski ein Uber- lebender der Konzentrationslager zu Gast im Jokus. Der heute in Frank- furt am Main lebende Kunstmaler war in Auschwitz, Buchenwald, Mittelbau-Dora(VAProduktion) und Bergen-Belsen inhaftiert, er wurde zu Schwerstarbeit gezwungen und als Versuchskaninchen“ bei medizin- ischen Versuchen mißbraucht. Am Samstag, dem 8. November, fin- det zum Abschluß der Amifa-Woche eine ganztäge Exkursion nach Frank- furt in die„Jugendbegegnungsstätte Anne Frank' statt. Neben dem ze 0 such der Ausstellung„Anne aus Frankfurt“, die die Geschichte des jüdischen Lebens in der Mainmetro- pole exemplarisch am Schicksal der Familie Frank thematisiert, begibt sich die Gruppe im anschließenden Seminar auf Spurensuche nach dem vergangenen und heutigen jüdischen Leben und geht den Erscheinungsfor- men von Rassismus und Faschismus nach. Kontakt: Jugendbildungswerk der Stadt Gießen, Ostanlage 25 a in 35390 Gießen, Telefon 0641— 3062496, Fax 3062494. Ausstellung in Breitenau: »Skizzen und Zeichnungen aus dem KZ Vom 11. September bisð. otr in der Gedenkstätte Breitenau in Guxhagen die Ausstellung„Skizzen und Zeichnungen aus dem KZꝰ zu se⸗ hen. Sie zählt zum Rahmenprogramm der Documenta, Mitveranstalter ist die Hessische Landes?zentrale für Po- litische Bildung HI-Z). Geöffnet ist montags bis freitags von 9 bis 13 Uhr sowie von 14 bis 16 Uhr und sonntags von 13 bis 17 Uhr. Die Gedenkstätte Breitenau ist in der Brückenstraße 12 in 34302 Guxhagen zu finden, Telefon 056653533, Fax 1727. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 3 Rüstungesindustrie und KZ In der KZ-Gedenkstätte Mittelbau- Dora in Nordhausen findet vom 23. bis 25. September eine wissenschaftli- che Konferenz zum Thema„Rüs- tungsindustrie und Konzentrationsla- ger in der Spätphase des Zweiten Weltkrieges“ statt. Veranstalter sind neben der Ge- denkstätte, Eurokomitee und EG so— wie die Bundes?zentrale für politische Giouns Info: KZGedenkstätte ittelbau-Dora, Kohnsteinweg 20 in 99734 Nordhausen, Telefon 03631— 3636 0der-40190, Fax-40181. Seminar in Hadama „Die Landesheil- und Pflegeanstalt Gießen im Nationalsozialismus? heißt ein Fortbildungsseminar des Landes- wohlfahrtsverbandes, das am 13. und 14. November in der Gedenkstätte Ha- damar stattfinden wird. Info: Ge-— denkstätte Hadamar, Mönchberg 8 in 65589 Hadamar, Telefon 06433— 9170, Fax 917175. Stan Zak-Kaminski und Stanislaw Hantz: zwei Uberlebende des KZ Auschwitz. Stanis- law Hantz war im Frühjahr von seinem Wohnort 2Zgorzelec nach Frankfurt am Main zu einem Zeit- zeugengespräch bei einem unserer Monat- streffen gekommen. Karin Graf hat die Biografie von Stazek Hantz geschrieben, die Lagergemein- schaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer unter- stützt die Publika- tion, die im Verlag des Museums Au- schwitz erscheinen Ssoll. Stan Zak-Ka- minski lebt seit Jah- ren in Frankfurt und wird am 6. November im Jugendzentrum der Stadt Gießen im Rahmen der Antifa- Woche mit Jugendli- chen diskutieren. 4 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer »Brundibär“- Frinnerungsarbeit für Kinder und Jugendliche Die Oper der Kinder des KZ Theresienstadt Jeunesses Musicales Deutschland hat zur Brinnerung an die Kinder von Theresienstadt das'Kinder- und Jugendkulturprojekt Brundibär“ ins Leben gerufen. Die Kinderoper Brundibär“? wurde 1938 von Hans Kräsa geschrieben und 1943/44 im KZ Theresienstadt von den dort inhaftierten Kindern über fünfzig Mal aufgeführt. Jeunesses Musicales will Schulen, Musikschulen und Jugendkultureinrichtungen dazu anregen, Brundibär“ in eigenen Projekten zu erarbeiten und aufzuführen. Jeunesses Musicales wird diese Produktionen unterstützen und hofft, daß auch deutsch-tschechische und deutsch-polnische Projekte dabei sind. Die Kinderoper Brundibär handelt von den beiden armen Kindern Anin- ka und Pepicek, die Milch für ihre kranke Mutter brauchen und sich die- se singend auf dem Marktplatz ver- dienen wollen. Der böse Leierkasten- mann Brundibär jagt sie fort. Erst mit Hilfe dreier Tiere und vieler Kinder gelingt es ihnen, sich gegen Brundibär durchzusetzen. 1997 wurden bei sechs exemplari- schen Brundibär-Aufführungen Er- fahrungen gesammelt. Dies ist in ein- er Brundibär-Mappe dokumentiert. Hier werden Inhalt und historischer Hintergrund der Oper, wie auch Mög- lichkeiten der Umsetzung auf der 1995 sowie eine Brundibär-CD geben zusätzliche Einblicke. Verschiedene Organisationen und Institutionen entwickeln derzeit gemeinsam mit Jeunesses Musicales Vorschläge für die Gestaltung geschichtsbezogener Rahmenprogramme, planen Angebote für Gedenkstättenbesuche und Ge- spräche mit Zeitzeugen und erarbei- ten weiterführende pädagogische Ma- terialien zu Brundibär, die den Opern-Produzenten zur Verfügung gestellt werden. Die Brundibär-Mappe kann an- gefordert werden(Schutzgebühr 30 Mark) bei Jeunesses Musicales, Marktplatz 12 in 97990 Weikers- heim, Tel. 07934— 280, Fax- 8326. Hans Hirschmann Bühne dargestellt. Fine Video- Dokumentation der Projektes von Augenzeugen gesucht- Wer kann über die Zustände berichten? G Zwangsarbeiter bei Leuna und Buna Um eine Dokumentation über Zwangsarbeiter in Leuna und Buna zu ver- vollständigen, werden Augenzeugen gesucht. Erwünscht sind Berichte über Schicksal und Lebensumstände der Zwangsarbeiter. Kontakt: Martin Pabst. 27474 Cuxhaven, Heinrich-Heine-Str. 36, Tel. 0472125843. Unser Mitglied Horst Jacke machte uns auf die Dokumentation aufmerk- Sam. Leuna produzierte im Ersten Weltkrieg Sprengstoff für die deutschen Armeen. Ende April 1917 fuhr der erste Kesselwagen mit Ammoniakwasser aus dem Werk fuhr, er trug die Aufschrift„Franzosen-Tod! Glück aufl“ Auch im Zweiten Weltkrieg war Leuna Rüstungslieferant. Tausende von Zwangsarbei- tern mußten für die Wehrmacht produzieren. Sie waren in Arbeitslagern zusammengepfercht, ungeheuren Strapazen sowie Grausamkeiten ausgesetzt. Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 5 Zwangsarbeiter des Deutschen Reiches sind nicht als NS-Verfolgte anerkannt Der Vorstand der Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer hat folgenden Aufruf unterstützt und bittet die Mitglie- der und Freunde unseres Vereins den Aufruf auch als Finzelpersonen zu unterschreiben und Unterschriften zu sammeln. Fine Liste ist auf der nächsten Seite samt Kontaktadresse abgedruckt. „ Aufruf zur Entschädigung ehemaliger Zwangsarbeiter 150 Jahre Siemens AG 1997 feiert die Siemens A6 ihr 150 jähriges Firmenjubiläum. Teil dieser Geschichte ist auch die Rolle des Konzerns im Nationalsozialismus. Wäh- rend des Zweiten Weltkrieges wurde zeitweise ein Drittel der wirtschaftli- chen Produktion für das Deutsche Reich durch den flächendeckenden Einsatz von Zwangsarbeiterlnnen erbracht. Die Frauen, Männer und Kin- der kamen aus den von der Wehrmacht besetzten Gebieten, auch aus Deutschland. Bis zum heutigen Tag wird den ehemaligen ZwangsarbeiterIn- nen vom deutschen Staat die Anerkennung als NS-Verfolgte und eine mate- rielle Entschädigung verweigert. Die Firmen, die von der Zwangsarbeit profitierten, so auch die Siemens AG6, haben Entschädigungsansprüche der ehemaligen ZwangsarbeiterInnen zurückgewiesen. Als Lieferant der Rüstungsindustrie und führender Flektro-Konzern übernahm die Siemens A6 eine Vorreiterrolle bei der systematischen Aus- beutung von Zwangsarbeiterlnnen. Zunächst bereicherte sich Siemens ab Frühjahr 1940 an jüdischen Zwangsarbeiterinnen. Es folgte 1942 die Errich- tung eines eigenen Werkes mit schließlich 20 Produktionshallen beim Ravensbrück. 1943 machten FremdarbeiterIn- n, Kriegsgefangene, jüdische Zwangsarbeiterlnnen und KZHãäftlinge mehr als 30 Prozent der Siemens-Gesamtbelegschaft aus. Sie wurden ausge- beutet, schikaniert und gequält; viele sind verhungert und wurden„durch Arbeit vernichtet?. Die Siemens A6 hat sich bis heute ihrer Verantwortung entzogen. Ein einmaliges finanzielles„Trostpflaster“ erhielten lediglich 2203 jüdische Uberlebende durch das hartnäckige Engagement der Jewish Claims Confe- rence in den 60er Jahren, jedoch ohne Anerkennung eines Rechtsanspru- ches auf Entschädigung. Die übergroße Mehrheit der ehemaligen Zwangs- arbeiterlnnen wurde bis heute nicht entschädigt. Dabei war Zwangsarbeit bereits bei den Nürnberger Prozessen im Sinne eines der vier Hauptankla- gepunkte als„Verbrechen gegen die Menschlichkeit? verurteilt worden. Das Furopäische Parlament hat in seiner Entschließung vom 16. Januar 1986 eindeutig festgestellt, es bestehe eine klare moralische und rechtliche Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Verpflichtung der Firmen, die Sklavenarbeiter beschäftigt haben, Entschä- digungsleistungen zu zahlen'*. Vieſe ehemalige Zwangsarbeiterlnnen sind schon gestorben, ohne ent- schädigt worden zu sein. Die heute noch Lebenden sind sehr alt, daher drängt die Zeit. wWir fordern von der Siemens Aß: die rückhaltlose Aufklärung der Siemens-Firmengeschichte: die Anerkennung des den ehemaligen Zwangsarbeiterlnnen zugefügten Leids und Unrechts; die Bestätigung des Rechtanspruchs der Betroffenen auf finanzielle Ent- schädigung: die Entschädigung für die ehemaligen Zwangsarbeiterlnnen und ihrer Hinterbliebenen: entweder die öffentlich erklärte Bereitschaft, einen angemessenen Bei- trag in die seit längerem geforderte Bundesstiftung für die unbürokrati- sche Entschädigung aller ehemaligen Zwangsarbeiterlnnen zu leisten oder die direkte Emschädigung ehemaliger Siemens-Zwangsarbeite- rinnen und Zwangsarbeiter. Erstunterzeichner waren u. a. Lagergemeinschaft Ravensbrück/Freundeskreis. Koordinationskreis Siemens-Boykott, Berlin, Dachverband der Kritischen Aktio- närinnen u. Aktionäre, Köln, Aktion Sühnezeichen Friedensdienste Einsenden mit Text des Aufrufs an: Christine Krause, Juliusstr. 48, 12051 Berlin, Fax 030 32702299 Ich/wir unterstütze/n den Aufruf zur Fntschädigung ehemaliger Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter und bin/sind einver- standen, daß mein Name/der Name unserer Gruppe/Organisation in der Offentlichkeit genannt wird: Name/ Gruppe Adresse Datum, Unterschrift Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 7 Siemens will ehemalige Zwangsarbeiter nicht entschädigen Infame Rechtfertigungsstrategie Am 12. Oktober findet im Berliner Kongreßzentrum ICC der offizielle Fest- akt statt, mit dem der Siemens-Konzern sein 150 jähriges Bestehen feiert. Das Firmenjubiläum ist allerdings'nicht der Anlaß für eine Auseinandersetzung mit der Rolle des Hauses während der Zeit zwischen 1933 bis 1945 und- darin eingeschlossen- dem Themenkomplex Zwangsarbeit“, schrieb Prof. Dr. Wil- fried Feldenkirchen an den Vorsitzenden des Vereins'Gegen das Vergessen Für Demokratie“, Hans-Jochen Vogel. Prof. Feldenkirchen ist Leiter der Abteilung'Unternehmenskommunikation“ und antwortete für den Siemens- Vorstands vorsit?enden Heinrich von Pierer, den Vogel in einem Brief auf die vielen Zwangsarbeiterinnen und Zwangsarbeiter insbesondere die KZHäft- linge angesprochen hatte, die im DPritten Reich in den Siemensbetrieben'unter härtesten Bedingungen“ arbeiten mußten. Der Konzern möge'den wenigen noch überlebenden Opfern jener Zeit aus Anlaß des Jubiläums eine Entschädi- gung zukommen zu lassen', es könne dabei'nicht allein um eine juristische Bewertung gehen“, ausschlaggebend sollten'ethische Kategorien und Maßstä- be der menschlichen Mitverantwortung' sein, hatte Vogel argumentiert. Die Legende vom Zwang, Zwangsarbeiter beschäftigen zu müssen Die Wortwahl in Feldenkirchens Antwortschreiben ist entlarvend. Die zum Firmenjubiläum erscheinenden Publikationen würden sich'natür- lich'''sowohl mit den Höhepunkten als auch mit den Tiefpunkten der Sie- mensgeschichte' beschäftigen“, be- gann er. Zu den Tiefpunkten gehöre auch'die Zeit des Nationalsozialis- mus mit allen ihren Konsequenzen.“ Siemens hat, nach Feldenkirchens Sichtweise,'wie auch viele Großun- ternehmen- im Rahmen der national- Soxialistischen Kriegswirtschaft an der seit 1933 einsetzenden Auftragser- teilung durch öffentliche Stellen par- tizipiert und während des Zweiten Weltkrieges- wie viele Kommunen und gemeinwirtschaftliche Betriebe Zwangsarbeiterinnen und Zwangsar- beiter beschäftigen müssen.“(Dieser Darstellung nach waren es also Be- treibe wie Siemens, die unter Zwang standen und nicht in erster Linie die Zwangsarbeiter.)'Wir bedauern das den betroffenen Pesonen zugefügte Unrecht zutiefst“, vergißt der Leiter Unternehmenskommunikation nicht anstandshalber zu beteuern. Feldenkirchen verweist auf die nicht ganz 7,2 Millionen Mark'Wie- dergutmachungsleistungen in mate- rieller Form', die Siemens in den sechziger Jahren'freiwillig und ohne rechtliche Verpflichtung oder ger- ichtliche Urteile' nach Verhandlun- gen mit der Jewish Claims-Confe- rence gezahlt hat. Zudem habe Sie- mens auch in Einzelfällen Hilfe ge- leistet“-'soweit dies aus humanitä- ren Gründen geboten schien?. Infame Argumentation Abschließend wird der Siemens- Kommunikator besonders infam. Er greift die berechtigte Kritik an dem zwiespältigen Begriff'Wiedergutma- chung' auf, indem er schreibt, daß eine Wiedergutmachung' weder ju— ristisch noch durch finanzielle Ent- schädigung möglich ist. Wogel selbst Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer hatte an keiner Stelle seines Briefes von Wiedergutmachung gespro- chen.) Mit seinem Schlußabsatz schiebt Feldkirchen gleichzeitig das Problem weg von der Unterneh— mensseite auf die politische Ebene, wobei er- man beachte wieder die Formulierung— nicht mehr von Zwangsarbeitern, sondern von'un- freiwillig Beschäftigten“ spricht. Sein Resumee lautet: Eine Wieder- gutmachung an den während des Nationalsozialismus in den Siemens- Betrieben unfreiwillig Beschäftigten kann weder durch eine juristische Bewertung noch durch eine finan- zielle Entschädigung erfolgen. Frei- willige Entschädigungsleistungen können auch die Gesamtproblema- tik nicht lösen. Dies muß vielmehr auf politischer Ebene geschehen.“ »Gewaltherrschaft' der Nazis war an allem schuld Klaus Reiff, Geschäftsführer des Vereins'Gegen das Vergessen- Für Demokratie“, drängte in einem Er- wiederungsschreiben darauf,'er- neut zu bedenken“, ob Siemens nicht doch einen'weiteren finanziellen Schritt“ in Sachen Entschädigung der Zwangsarbeiter unternehmen sollte. Reiff verwies auf die Schwei- zer Banken, die sich,'obwohl sie für Schäden an Leib und Leben keine unmittelbare Verantwortung tragen, nach über 50 Jahren nicht mit dem Appell an die politische Ebene be- gnügen, sondern selber einen beachtlichen Betrag zur Verfügung gestellt haben.“ Feldenkirchen antwortet in weni- gen Sätzen, wobei er das Wort Zwangsarbeiter vermeidet und statt- desen von'Opfer(n) der nationalso- zialistischen Gewaltherrschaft, die gegen ihren Willen in den Siemens- Betrieben beschäftigt wurden“ fabu— liert. Er legt damit lediglich eine passi- ve Rolle von Siemens bei der Beschãfti- gung von Zwangsarbeitern nahe und Schließt so aus, daß sie auch Opfer von Siemens waren. Statt Zwangswirtschaft, Handlungsautonomie der Betriebe Beim Versuch, die Verweigerungs- und Rechtfertigungshaltung von Sie- mens zu begründen, greift Feldenkir- chen auf eine immer wieder vorge- brachte Legende zurück, die durch Wiederholungen nichts an Wahrheits- gehalt gewinnt. Daß die Firmen nur dann KZInsassen zum Arbeitseinsatz bekommen haben, wenn sie ein forma- les Gesuch eingereicht hatten und der S8 versichern konnten, die Sicherheits- Denkmal in der Gedenkstätte Ra- vensbrück. Am Programm'Vernich- tung durch Arbeit'“ profitierte auch Siemens& Halske. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer bestimmungen zu erfüllen, um die Fluchtgefahr zu minimieren, hat un- ter anderem Benjamin B. Ferencz(1) nachgewiesen. Der Historiker Karl Hein?z Roth belegt in einem neueren Forschungsbeitrag(2), daß das Ma- nagement des Siemens-Konzerns be- reits 1942 zu einer bis dahin noch ziemlich kleinen Gruppe öffentlicher und privater Unternehmen(gehörte), die die Zwangsarbeitsverhältnisse in allen ihren Schattierungen als eine Oiine Herausforderung ansahen und gegenüber den Arbeitsbehörden entsprechend aktiv auftraten.“ Dem- nach hat Siemens als eines der bedeu- tensten Privatunternehmen der Rü- stungswirtschaft'seit dem Vorabend des zweiten Weltkrieges zunehmend freie Lohnarbeit durch Zwangsarbeit ersetzt und in ihre stretegischen wirt- Schaftspolitischen Entscheidungen integriert“. Roth belegt, daß Siemens- Betriebe Belegschaftsangehörige der Gestapo zur'betriebsexternen“ Be- strafung'zugeführt“ und selbst in- nerbetriebliche Sanktionsmaßnahmen ergriffen hat. Er kommt zu dem Er- gebnis, daß schließlich'auch der Ter- ror zu einem durchgängig angewand- ten Hebel des Kosten-Nutzen-Kal- küls“ geworden war. Nach Roths Resümee haben sich die Siemens-Verantwortlichen'schneller Danq systematischer als vergleichbare Großunternehmen auf die Suche nach unfreien Arbeitsverhältnissen begeben.(..) Besonders typisch für Siemens war dabei die Beschäftigung deutscher bzw. polnischer jüdischer Zwangsarbeiter seit 1940, noch mehr aber das Ausmaß des'Finsatzes' von KZHäftlingen, die zudem im Rah- men des Konzerns allen bis heute be- kKannten Ausbeutungsformen bis hin zur Extremvariante Vernichtung durch Arbeit' ausgesetzt waren.(...) Die unfreien Arbeitsbedingenen (prich Zwangsarbeit, Red.) waren eine der entscheidenden Rahmenbe- dingungen, die der deutsche Faschis- mus in der Phase der Hochrüstung und Kriegsführung gewährleistet. Diese Rahmenbedingungen wurden von den Managern des Siemens- Konzerns seit dem Ubergang zur Voll- bzw. Uberbeschäftigung in ei- ner überraschend weit gesteckten Handlungsautonomie gestaltet und während des Krieges in zunehmender moralischer Schrankenlosigkeit zur Verwertung von Arbeitskraft ge- nutzt.“ Die Legende von der Freiwilligkeit der Entschädigungszahlungen Was die von Feldenkirchen behaup- tete Freiwilligkeit angeht, mit der Sie- mens nach Verhandlungen mit der Claims-Conference nicht ganz 7,2 Millionen Mark als Entschädigung für jüdische Zwangsarbeiter zZahlte, so stimmt es lediglich in der Hinsicht, daß die Zahlungen nicht aufgrund von Gerichtsurteilen erfolgten. An- Sonsten ist die Rede von einer angeb- lichen Freiwilligkeit jedoch eine Ver- schleierung der tatsächlichen Hinter- gründe. Die Konzernleitung hatte sich der Macht der Fakten und der weiteren Geschäftsentwicklung beu- gen müssen. Benjamin B. Ferencz, da- mals Berater der Claims-Conference, hat den Verlauf der Verhandlungen mit Siemens in seinem Buch Lohn 1) Benjamin B. Ferencz: Lohn des Grauens-Die Entschädigung jüdischer Zwangsar- beiter Fin offenes Kapitel deutscher Nachkriegsgeschichte, Campus, FfM 1986 2) Karl Heinz Roth: Zwangsarbeit im Siemens-Konzern(1938 1945), Fakten-Kontro- versen-Probleme. In: Konzentrationslager und deutsche Wirtschaft 1939— 1943, hrsg. v. Hermann Kaienburg, Leske Budrich, Opladen 1996. 10 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer des Grauens? publik gemacht. Zum Zeitpunkt der Verhandlungen wurde in Jerusalem Adolf Eichmann der Prozeß gemacht, und die interna- tionale Presse berichtete fast täglich über Nazi-Verbrechen gegen Juden. Siemens plante gleichzeitig eine Er- weiterung seiner Aktivitäten in den USA und sah sich so unter Legitimati- onsdruck. Der Konzern schlug zu— nächst vor, zwei Millionen Mark zu zahlen und stritt ab, daß in seinen Be- trieben so viele jüdische Zwangsar- beiter beschäftigt waren, wie die Claims-Conference angab. Es war bekannt, daß Siemens kurz nach dem Krieg einen Bericht erstel- len ließ, in dem der Finsatz von KZ- Insassen beschrieben wurde. Der Fir- menarchivar bestätigte auch dessen Existenz, die Herausgabe wurde je- doch mit der Begründung verweigert, daß dieser Bericht nur für den inter- nen Gebrauch bestimmt sei. Durch ei- nen Zufall kam die Claims-Confe- rence in Besitz einer Kopie des Be- richts, dessen Inhalt Ferencz wie folgt beschreibt: Obgleich er von Siemens- Repräsentanten mit dem Zweck der Rechtfertigung des Unternehmens geschrieben worden war, enthielt er eine Menge Informationen, die bestã- tigtn bzw. ergänzten, was die Claims Conference bereits wußte. Er wider- legte einige wichtige von Siemens- Anwälten vorgebrachte Argumente, und seine Unterschlagungen waren ebenso eindrucksvoll wie seine Ge- ständnisse.* Erwähnt sei hier noch, daß die von der Glaims Conference aufgespürtenq) ehemaligen Zwangsarbeiter der Sie- mensbetriebe- wie Ferencz es formu- liert-eins gemeinsam hatten:'sie wa- ren alle Juden, die sich ohne Bezah- lung für Siemens abmühten und das Glück hatten noch am Leben zu sein. Für ihre Dienste, ihren Schmerz und ihr Leid erhielt jeder nicht mehr als 3.300 Mark.“ Für diejenigen, die sich totgeschuftet haben, ermordet wur- den, aus anderen Gründen umkamen oder nicht ausfindig gemacht werden konnten, hat Siemens keine Entschä- digung geleistet.(3) Hans Hirschmann 3) Roth deutet an, wie Siemens versucht, den Zugang zu Archivmaterial zur Ge- schichte der Zwangsarbeit zu erschweren und zu verunmöglichen. Offensichtlich habe die Publizität, die ein von einer ehemaligen Zwangsarbeiterin gegen Siemens geführter Musterprozeß erlangt hat, eine Rolle gespielt. Armutszeugnis Zahlreiche Zwangsarbeiter und KZ Häftlinge mußten im Zweiten Weltkrieg unter härtesten Bedingungen für den Sie— mens-Konzern schuften. Ein großer Teil von ihnen zahlte dafür mit dem Leben, der Rest erlitt schwerste körperliche und scelische Schäden. Sie alle trugen mit ih— rer Zwangsarbeit dazu bei, daß Siemens gigantische Profite einfahren und sich zu einem der führenden Großunternchmen Deutschlands entwickeln konnte. Vor diesem Hintergrund ist es schlicht und einfach schäbig, wenn sich der Kon- zern im Jahr seines 150 jahrigen best 0 hens weigert, den wenigen noch überle- benden Opfern eine Entschädigung zu zahlen. Unverschämt ist auch die Begrün— dung, die der Profiteur der Zwangsarbeit zum besten gibt: Entschädigungsleistun- gen könnten die„Gesamtproblematik nicht lösen“, das könne„nur auf politi- scher Ebene“ geschehen. Schöner kann man fast nicht umschreiben, daß man sich auch 50 Jahre danach noch immer nicht für die Leiden der Opfer verantwortlich fühlt. red Frankfurter Rundschau, 15. Mai 1997 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 11 Begegnung mit Polen Im März 1997 wurde von der Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundes- kreis der Auschwitzer in Zusammenarbeit mit dem Ev.-luth. Predigermi- nisterium Frankfurt am Main eine zwölftägige Studienreise durchge- führt. Studienziel war die Begegnung mit den Naziverbrechen, die wie ein unentrinnbares Netz ganz Polen überzog. Erkenntnis: Auschwitz war überall. Die Reise führte zu folgenden Gedenkstätten des Nazi-Terrors: Auschwitz- Birkenau- Lõödz(Radogoszez und Kinderverwahrlager) Warschau(Pawiak, Getto, Umschlagplatz u. a.)- Palmiry- Preblinka. Neben dem Besuch der Stätten des Grauens fanden Begegnungen und O vräche mit ehemaligen Auschwitzhäftlingen, auch mit'Kindern aus Auschwitz“, statt. Hermann Peppler, ein Reiseteilnehmer, berichtet: Impressionen und Reflexionen von Hermann Peppler Von Bekannten erfahren wir, meine Frau und ich, von der geplanten Reise unter Leitung von Joachim Proe- scholdt und Ursula Middelanis nach Auschwitz. Unsere Entscheidung, an der Reise teilzunehmen, wird von vie- len nicht verstanden. Wir hören:„Das tue ich mir nicht an. Bei meinem an- strengenden Alltag im Beruf habe ich im Urlaub Erholung verdient'. Auf der Reise Unsere Reisegruppe ist klein an Zahl, gemischt in der Zusammenset- zung: Alte, Junge, Christen, religiõse keptiker, persönlich Betroffene nterschiedliche Argumentations- weisen, manchmal bei derselben Per- son, die Erfahrungen dieser Reise las- sen Grenzen und Ratlosigkeit erleben, aber auch Möglichkeiten des Ge- Sprächs, der Verständigung. Wie gehe ich damit um? Etwa so wie häufig bei Gruppenreisen: nicht viel nachdenken, sich treiben lassen, passiver Bestandteil der Gruppe sein, in der Gruppe suchen Oder- wie in unserer Gruppe: auf persönliches Erleben, persönliche Ge- spräche führen, Erfahrungen suchen, selbst da gewesen sein wollen, nicht nur über Bücher und Filme Vermit- teltes wissen, sondern selber erken- nen! Wieder daheim Bei Bekannten, am Arbeitsplatz Berichte über die Reise: Der Name Krakau, der ursprüngli- chen polnischen Königsstadt, verbin- det sich sofort mit schöner, alter Ar- chitektur, mit viel Kunst- aber das benachbarte Auschwit? oder Kazi- mierz. 7 Polen als europäischer Staat zwischen West und Ost, Geschichte und Gegenwart.. Warschau, von den Deutschen 1944 systematisch ge— sprengt, heute moderne Hauptstadt mit bewunderswert genau wieder her- gestellter Altstadt- aber die Suche nach dem verschwundenen Getto ist mühsam.. Palmiry bei Warschau? Pawiak? Ro- dogoszcz? Kinderverwahrlager im Getto Lödz? Wo ist das? Was war daꝰ Wenig Kenntnis über Polen, das Land, die Leute, die Geschichte.. Bei mir bleiben unauslöschliche Eindrücke, Erfahrungen! 12 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Palmiry ein riesiger Friedhof in entlegenem Waldgebiet. Tausende von Kreuzen, die meisten mit Namen und Lebensdaten, Ort der Massenerschie- ßungen von Pawiak-Gefangenen. Wieviele junge Menschen, wieviele führende Menschen aus Gesellschaft, Wissenschaft und Politik. Hier, wie an anderen Orten der Vernichtung: Qual, Leiden, Erniedrigung- Auslö- Schen fast einer ganzen Generation. Pawiak das gefürchtete SS- und SD-Gefängnis in Warschau. Wir hö- ren vom Tonband Texte Gefangener, Gefolteter, zum Tod Verurteilter Kassiber voller Verzweiflung und Ausweglosigkeit, Warnungen in Sorge um die Familie'draußen'. Draußen in Warschau an vielen Hauswänden mehr als 300 an der Zahl!- Gedenk- tafeln, die an Razzien, Verhaftungen, Erschießungen am jeweiligen Ort er- innern. Radogoszcz eine Fabrik für pol- nische Zwangsarbeiter. Einen Tag vor der Befreiung, am 27. Januar 1945, werden alle 2000 Häftlinge im mehr- stõckigen Gefängnisbau zusammen- getrieben, das Gebäude in Brand ge- setzt. Wer sich an den vergitterten Fenstern zeigt, den Flammen zu ent- kommen sucht, wird erschossen. Kei- ner überlebt! Kinderverwahrlager.. Zwangsla- ger für über 3000 Kinder verhafteter Polen. Kinder zwischen ein und vier- zehn Jahren, namenlose Nummern, zehn Stunden Zwangsarbeit im frühe- sten Alter, Unterernährung, drakoni- sche Strafen, brutale Behandlung, sy- stematisches Quälen und Vernichten von Kindern Vernichtung durch Arbeit auch als Kindern zugedachtes Los! Die Buchhalter des Todes hinter- lassen penibel geführte Listen, die mitteilen: Bei den meisten Kindern sind die Augen durch Säure verätzt. Totenscheine mit der Todesursache Allgemeiner Erschöpfungszustand“. An dem Ort der Qual heute: ein Denkmal wie ein großes, zerbroche- nes Herz. Treblinka.. Ort perfidester Men- schenvernichtung. Stangl, Polizeioffi- zier und Lagerkommandat, läßt zur Beruhigung der Todgeweihten eine täuschend genaue Bahnhofsattrapp errichten. Angstliches, verstörtes, zu Tode erschrockenes Hãäftlingsmate- rial“ könnte die reibungslose Abferti- gung behindern. Fahrpläne suggerie- ren eine'Umsteigestation?. Treblinka Todesstation. Endstation des Lebens für über 800.000 Menschen. Zwischen Aussteigen und letztem Atemzug bleiben ihnen 20 Minuten. Heute: Fin großer Friedhof. Der Ort bringt jeden zum Schweigen. Ver- einzelt sucht jeder seinen Weg. Der »Bahnhof', das gesamte Vernich- tungslager planiert, Bäume gepflanzt. Uber fünfzig Jahre alte Kiefern und Birken bilden eine'malerische Umge- bung“. Symbolhafte Fisenbahn- schwellen, die an der ehemaligen Rampe enden, ein Meer von Gedenk- steinen unterschiedlichster Größe, Erinnerungen an Orte, aus denen% Opfer stammten.., an Menschen, di hier vergingen.., ein mächtiger Op- ferstein mit dem siebenarmigen Leuchter, Hände, die sich im Gebet nach oben öffnen. Wir hören aus Psalm 69: Gott hilf mir!.. Ich habe mich müde geschrien, mein Hals ist heiser.. Die mich ohne Grund hassen, sind mehr, als ich Haare auf dem Haupte habe. Die mir?u Unrecht feind sind und mich verderben wol- len, sind mächtig.. Ich warte, ob je- mand Mitleid habe, aber da ist nie- mand, und auf Tröster, aber ich finde Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 13 Ich bin elend und voller keine Schmerzen. Gott, deine Hilfe schütze mich*. Wir frieren innerlich und äußerlich. Auschwitz-Birkenau Todesfa- brik.. Drei Tage am Ort millionenfa- chen Mordes an Menschen aus vielen Nationen. Polen, Juden, Sinti und Ro- ma, russische Kriegsgefangene, religi- 5s, politisch, sozial Ausgegrenzte. Die Dimensionen der Menschenverach- Oung unfaßbar. An allen Stationen unserer Reise haben wir begriffen: Auschwitz war überall. Die Denkmäler- in Birkenau Erin- nerung an Henri Moore- lassen das Erwandern der mörderischen Weite bei Eiseskälte auch zum Naturerleb— nis werden, zur stummen individuel- len Begegnung mit der Landschaft, deren prächtige Erscheinung Barbarei verbrämt: eine Au mit kräftigen Bir- ken umgibt die Trümmer von Gas- kammern und Krematorien, Teiche betören als prãchtiges Spiegelbild von Baumwipfeln und blauem Himmel — und sind in Wirklichkeit Beseiti- gungsort für die Asche millionenfach Ermorderter, Massengräber. Auschwitz konkret- bei den Füh- rungen durch Kasek Smolen, dem Wissenschaftler, Juristen, Pädagogen und langjährigen Direktor des Auschwitz-Museums. Der überleben- de Häftling nimmt sich viel Zeit für uns, bringt uns am Ort seines Ausge- liefertseins seine Grenzerfahrungen nahe, das Ausgestoßensein an den Rand des Todes, abgrundtiefe menschliche Gemeinheit. Kasek über- schüttet nicht mit Emotionen, nimmt sich zurück, bedrängt nicht. Im Ge- spräch öffnet er sich. An einzelnen Stationen werden demütigende Erleb- nisse von einst fühlbar: der Tisch mit der Essensration für die Häftlinge ei— nes Blocks, der Würfel Brot, die Zere- monie des gerechten Aufteilens.. Krakau, Warschau- Begegnungen, Gespräche mit ehemaligen Au- schwitzhäftlingen. Wir hören Lebens- und Leidensgeschichten, erfahren De- 14 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer tails, Details, die aufwühlen. Wir fra- gen zurück. Unwissend verletzen wir. Haben Sie Kinder?.. Medizinische Versuche im Lager.. Experimente. Kinderlosigkeit.. überlebt, befreit, ge?eichnet für das ganze Leben'“. Trä- nen. Wir erleben Dankbarkeit, Zuhö- rer Zu haben, nicht ganz vergessen zu sein. Wir spüren aber auch Skepsis, Scheu, Enttäuschung: Warum so we- nig Hilfe und so spät?“— Frage der ehemaligen'Kinder von Auschwitz?. Versprechen der Bundestagspräsiden- tin, sich persönlich einzusetzen, sind Seit Jahren uneingelöst. Die Clubs der Uberlebenden des Holocaust wollen helfen, bieten Solidarität bei Einsam- keit, bei Krankheit, beim Sterben. Die Bhefrau des deutschen Generalkon- suls, engagiert in der Betreuung und Begleitung kranker und hilfsbedürfti- ger Auschwitzer“, kommt zu unse- rem Treffen direkt vom Sterbebett ei- nes K?ZOpfers. Dieser Dienst fordert sie zunehmend mehr. Sie wird als of- fizielle Repräsentantin und als per- sönliche Freundin im Krakauer Club der Uberlebenden geschätzt und ver- ehrt. Zgorzelec?u Gast bei ehemali- gen Häftlingen oder deren Nachkom- men. Sprachschwierigkeiten. Wer gibt die Erfahrungen, persönlichen Erleb- nisse der Geschundenen weiter? Schon in Auschwitz: Begegnung mit dem Steiger im Kohlenbergbau und Erzähler Stas?ek Hantz. Wir erleben Vermittlung des Erlebten durch un- terschiedliche Temperamente. Schlim- me persönliche Erfahrungen werden unterschiedlich verarbeitet und wei- tervermittelt, mit Widerständen un- terschiedlich umgegangen. Zuhause. die Zeitungen, ein ganzer Stapel. immer wieder Themen, die jetzt nach der Reise besonders ins Auge sprin- gen: Auschwitz, VVN, Wehrmachts- ausstellung von Reemtsma, entlarven- des Gezänk von Politikern, S0Jahres- Brinnerung an ins Ausland verschick- ter jüdischer Kinder, Jurek Becker tot (er meinte, es sei»auf Dauer kein er- träglicher Zustand, Opfer des Fa- schismus und sonst gar nichts“ zu sein), Asylpraxis heute, Leitartikel: Laßt die Wahrheit nicht in der Lüge verschlampen! Auschwitz-Lüge? Reise-Findrücke prägen die Brin- nerung, verändern die Wahrneh- mung. Daraus erhellt sich unsere ei- gene Situation: Wahrheit erfordert ungefärbte, nicht beschönigte Aner- kennung des Vergangenen, das nicht aus der Welt geschafft werden kann, mit dem wir leben müssen. Freiheit aus dem Leben mit der 6e9 schichte. Auschwitzerin aus Warschau sucht ehemaligen Mitgefangenen Auskunft über Gerd Wilhelm Vogel gesucht Alina Dabrowska aus Warschau, Auschwitz-Häftling Nr. 44 165, bittet um Auskünfte über Gerd Wilhelm Vogel, einen deutschen Häftling, der in Auschwitz mehrere Jahre inhaftiert war. Vor seiner Verhaftung wohnte er in Berlin am Kurfürstendamm. Wer Mitteilungen machen kann, ist gebeten, sich mit der Lagergemein- schaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer in Verbindung zu setzen. Postanschrift: Lindenstraße 68 in 35516 Münzenberg, Telefon 06033 60168. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 15 Zur Ausstellung'Vernichtungskrieg“ R von Hans Hirschmann Das macht jetzt keinen Unterschied mehr Die Wanderausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 194! bis 1944* ist vom 12. September bis 17. Oktober in Marburg im Auditorium der Philipps-Universität, Biegenstraße 10, zu sehen. Offnungszeiten sind montags bis freitags von 8 bis 20 Uhr sowie sonntags von 11 bis 16 Uhr. Infos gibt's beim Hessischen Institut für Lehrerfortbildung(HILE)- Außenstelle Marburg, Frankfurter Str. 6 in 35037 Marburg, Tel. 06421— 17240, Fax 172420. Die Ausstellung des Hamburger In- stituts für Sozialforschung dokumen- tiert die Verbrechen der Wehrmacht an drei konkreten Beispielen, dem Partisanenkrieg in Serbien von 1941, dem Weg der 6. Armee nach Stalin- grad und der dreijährigen Besat- zungszeit in Weißrußland. Unbe- rücksichtigt von dieser zeitlichen und räumlichen Beschränkung ist dage- gen meistens- vor allem auch im Me- dienalltag- allgemein von'der Wehr- machtsausstellung“ die Rede. Damit finde sich der durchschnittliche Besu- cher, der den präsentierten Aus- schnitt'für die ganze Wahrheit neh- me', in seiner selektiven Wahrneh- mung bestätigt, sagte Friedrich P. Kahlenberg, Präsident des Bundesar- chivs, in seiner Rede zur Fröffnung der Ausstellung in der Frankfurter Paulskirche(13. April 1997). Auch Lin- da Reisch, Kulturdezernentin der Stadt Frankfurt, versuchte in ihrer Ansprache klarzustellen:'Sie ist eben willentlich keine Wehrmachts- Ausstellung', sondern eine über den militärischen Anteil am Vernich- tungskrieg an drei Kriegsschauplät- Zen im Osten.“ Die Ausstellung wendet sich gegen den Mythos von der'sauberen Wehr- macht', die mit Anstand in sogenann- ter soldatischer Pflichterfüllung ge- kämpft habe(iehe auch unser Mit- teilungsblatt vom Dezember 1996). Daß Waffen-SS, Polizei und Wehr-— macht'in treuer Waffenbruderschaft unermüdlich an die Erfüllung ihrer Aufgaben herangingen“ ist schon im Stroop-Report“ über die Liquidie- rung des Warschauer Gettos nachzu- lesen, wie Linda Reisch zitierte. Selbst der chemalige FAZHerausgeber Joa- chim Fest, der nun wahrlich nicht im Ruf steht, ein Vaterlandsverräter oder linksliberaler Nestbeschmutzer zu sein, hat den von der Wehrmacht in Osteuropa geführten Krieg als Er- oberungs- und Vernichtungsfeldzug beschrieben. Auch nimmt die Ausstel- lung den Begriff Vernichtungs- krieg' auf, den Ernst Nolte 1963 ge- prägt hat. Jener Ernst Nolte, der be- hauptete, der Uberfall der deutschen Armeen auf Polen und die UdSSR sei eine Folge der sowjetischen Bedro- hung gewesen und dem Völkermord an den europäischen Juden sei eine vom jüdischen Weltkongreß an Deutschland gerichtete'Kriegserklä- rung“ vorausgegangen. Nolte hatte mit diesen Behauptungen in der zwei- ten Hälfte der 80er Jahre die soge- nannte Historikerdebatte ausgelöst. Mit der heftigen öffentlichen De- batte über die in der Ausstellung do- kumentierten Verbrechen der Wehr- macht wurde deutlich, daß nicht nur ein alter Generationskonflikt neu ausgetragen wird, sondern die Aus- stellung auch ganz allgemein etwas bewegt'in der Mentalitätsgeschichte unseres Landes“, wie es Linda Reisch formulierte. 5 16 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Bundesarchiv-Präsident Kahlen- berg der übrigens alle Zweifel an der Authentizität der in der Ausstellung gezeigten Quellen zurückweist- stellt sich selbst mit den Worten seines Hi- storikerkollegen Jürgen Reulecke die Frage, ob sein als Wehrmachtssoldat gefallener Vater'ein überzeugtes Werkzeug eines verbrecherischen Re- gimes war? oder warum dieser*trotz seines Wissens darüber, ein fremdes Volk mit überfallen zu haben,(rr- tümlich) geglaubt hat, nur so seine Heimat vor einem bösen Aggressor Schützen zu können?“ In Johannes Bobrowskis Erzählung Mäusefest' wird ein junger Wehr- machtssoldat, der sich 1939, wenige Tage nach dem deutschen Uberfall auf Polen, im Laden des polnischen Juden Moise umsieht, beschrieben: ein junger Mensch, so ein Schuljun- ge, der eigentlich nicht weiß, was er hier wollte, jetzt, wo er in der Tür steht. Mal sehen, wie das Judenvolk haust, wird er sich draußen gedacht haben.(..) Die Deutschen sind ge- kommen, unzählig viele, einer sitzt hier im Judenladen, ein ganz junger, ein Milchbart. Er hat eine Mutter in Deutschland und einen Vater, auch in Deutschland, und zwei kleine Schwe- stern. Nun kommt man also in der Welt herum, wird er denken, jetzt ist man in Polen, und später vielleicht fährt man nach England, und dieses Polen hier ist ganz polnisch.“ Später als der junge Soldat wieder gegangen ist, wird Moise, der weder weglaufen noch sich verstecken will, vorgehal- ten: Das war ein Deutscher, das hast du doch gesehen. Sag mir bloß nicht, der Junge ist keiner, oder jedenfalls kein schlimmer. Das macht jetzt kei- nen Unterschied mehr. Wenn sie über Polen gekommen sind, wie wird es deinen Leuten gehn?“ Die bedingungslose Kapitulation Deutschlands am 8. Mai 1945 kann nur als Tag der Befreiung' angese- hen werden. In seiner Rede vor dem Deutschen Bundestag hat der ehe- malige Auschwitz-Häftling und da- malige polnische Außenminister Wla- dislaw Bartoszewski zum Ausdruck gebracht, daß damit keinem Men- schen abgesprochen wird, den Tod von Angehörigen und Freunden zu betrauern, die im Krieg und danach bei Flucht und Vertreibung ihr Leben verloren. Für Schmerzgefühle wegen des für das Deutsche Reich verlore- nen Krieges könne jedoch keinem Deutschen Verständnis entgegenge- bracht werden. Im folgenden sind die Reden von Ignat? Bubis und Jan Philipp Reemts- ma anläßlich der Ausstellungseröff- nung in der Frankfurter Paulskirche abgedruckt. Wer auch die Anspra- chen von Friedrich P. Kahlenberg, Linda Reisch sowie von Hessens Mini- sterpräsident Hans Fichel im Wort- laut nachlesen möchte, sei an das Kul- turdezernat der Stadt Frankfurt ver- wiesen, wo die Dokumentation aller fünf Reden gegen eine Schutzgebühr von zwei Mark zu erhalten ist. Der Katalog zur Ausstellung(SBN 3-930908-24 7) ist in der Hamburger Edition erschienen, ebenso ein von H. Heer und K. Neumann herausgegebe- ner Band(ISBN 3-930908042) mit vielen Aufsätzen zu Einzelfragen der Thematik. Der gleiche Verlag publizi- erte'Stets zu erschießen sind Frauen, die in der Roten Armee dienen“, Ge- ständnisse deutscher Kriegsgefange- ner über ihren Finsatz an der Ost- front(ISBN 3 930908-069) und*Es gibt nur eines für das Judentum: Ver- nichtung“, Das Judenbild in deut- schen Soldatenbriefen 1939— 1944 (ISBN 3-930908-050). Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 17 „Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944* „Die Angst vor allen Deutschen war gegenwärtig“ Rede von Ignatz Bubis zur Ausstellungseröffnung in Frankfurt Bei der Betrachtung(bzw bei der Lektüre des Katalogs) der heute zu eröff- nenden Ausstellung fielen mir gleich zu Beginn zwei Sätze ins Auge. Es heißt da,'daß die Wehrmacht an allen Verbrechen aktiv und als Gesamtorganisati- on beteiligt war“. Ferner heißt es:'Die Ausstellung will kein verspätetes und pauschales Urteil über eine ganze Generation ehemaliger Soldaten fällen“. Diese Sätze scheinen zunächst widersprüchlich. Tatsächlich sind aber beide Sätze wichtig und richtig. Sie fassen sehr treffend die Absicht der Ausstellung zusammen, eine Debatte eröffnen zu wollen. Die Spannweite zwischen diesen beiden Sätzen sollte auch der Maßstab der öffentlichen Diskussion sein, und abgesehen von einigen Auswüchsen läuft auch diese Diskussion entsprechend. Nach dem Ende des Zweiten Welt- kriegs und der Kapitulation des na— tionalsozialistischen Deutschen Reit ches bildeten sich in der deutschen Offentlichkeit mancherlei Legenden über die braune Vergangenheit her- aus. Manche waren eher harmlos und sollten über die Mühsal der unmittel- baren Nachkriegszeit hinweghelfen. Andere Mythen aber waren weder harmlos noch der Realität angemes- sen. Ein Mythos der letzteren Art, der vielfach heute noch die Sicht be— stimmt, will diese Ausstellung hinter- fragen. Dieser Mythos besagt, daß die von Deutschen während des Zweiten Weltkrieges begangenen Verbrechen ausschließlich von der 8S8 bzw. den Finsatzgruppen verübt worden seien. Schon die Beteiligung von Waffen-SS und Polizeibataillonen an dem im Geiste der nationalsozialistischen Rassenideologie geführten Vernich- tungskrieg wurde kaum noch wahrge- nommen. Die Wehrmacht vor allem Sollte jedenfalls völlig'sauber“ ge- blieben sein. Ließen sich Kriegsver- brechen nicht leugnen, wurde darauf verwiesen, Kriegsverbrechen habe es schließlich auf allen Seiten gegeben, oder aber. Hitler sei als Oberbefehls- haber der Wehrmacht der allein Ver- antwortliche, da Soldaten schließlich Befehle auszuführen hätten. Soweit die Mythen. Die vielen apologetischen Ilu— strierten-Geschichten der 50er und 60er Jahre, die bis heute auflagenstar- ken Landser“-Heftchen, die zahlrei- chen unreflektierten Bildbände über das Dritte Reich' oder die Wehr- macht und manche Filme trugen und tragen zu einer Verklärung der Wehr- macht und zu einer Idealisierung des deutschen Soldaten“ bei. Gleichzei- tig wurden im Gegenzug alle Deser- teure der Wehrmacht als Verräter“ und'Feiglinge' diffamiert, ohne ihre Motive differenziert zu betrachten. Die Truppenstärke der deutschen Wehrmacht lag 1 943 bei etwa 9,5 Mil- lionen Mann an allen Frontabschnit- ten. Zu den Kampftruppen zählten ferner 350.000 Angehörige der Waf- fen-SS. Die S8 und die ihr angeglie- derte Polizei bestanden aus 600.000 Mann. Wenn man unterstellt- was ich nicht tue daß nur 10 Prozent der Wehrmacht in Verbrechen verwickelt wären, entspricht dieses der gleichen Anzahl wie SS- und Waffen-SS sowie Polizeiverbãnde zusammengenom- men, aber darum geht es nicht. Es 18 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer geht auch nicht darum, wieviel Pro- zent der Mitglieder welcher dieser Gruppen an den NSVerbrechen be- teiligt waren, und dieses kann auch nicht die Hauptfrage sein. Es muß vielmehr darum gehen, ein differen- ziertes und wahrheitsgemäßes Bild der deutschen Wehrmacht wissen- schaftlich zu recherchieren und glaubwürdig zu vermitteln. Diese Ausstellung kann hierzu nur einen Anstoß geben. Sie stellt vor al- lem ein von mir eingangs angespro- chenes idealisierendes Bild in Frage. Eine abschließende Bewertung der deutschen Wehrmacht als Ganzes und eine Beurteilung der individuel- len Schuld, die einzelne Wehrmachts- angehörige auf sich geladen haben, kKann nicht Aufgabe dieser Ausstel- lung sein und soll es auch nicht. Nun werfen die Gegner dieser Aus- stellung ihr Finseitigkeit vor. Insbe- sondere wird dieser Ausstellung vor- gehalten, die positiven Handlungen von Teilen der Wehrmacht nicht genügend zu würdigen. Unter ande- rem werden die Geschehnisse um den 20. Juli ins Feld geführt. Der 20. Juli hat aber eine eigene Ausstellung. Dort werden allerdings genausowenig ne- gative, ja verbrecherische Handlun- gen mancher Beteiligten wie z. B. des Berliner Chefs des Reichssicherheits- hauptamtes Nebe, um nur einen Na— men zu nennen, dargestellt wie positi- ve Taten mancher Angehöriger der Wehrmacht in dieser Ausstellung. Beides aber gab es. Ich sage dieses nicht etwa, um einen Teil der Beteiligten am 20. Juli herab- zusetzen. Ich will auch hier und heute keine weiteren Namen oder Beispiele nennen. Unbestritten gab es verschiedene Ebenen der Verbrechen, in die Teile der Wehrmacht verstrickt waren. Drei Befehle waren es, die insbesondere zu der Beteiligung der Wehrmacht an verbrecherischen Aktionen führten. Erstens der Kommissar-Befehl, nach dem bestimmte Teile der Zivil- bevölkerung der UdSSR und politi- sche Kommissare als Feinde definiert wurden, die sofort zu töten waren. Diese ideologisch fundierte Tötung war eine logische Folge des fanati- schen antibolschewistisch-antijüdi- schen'Kreuzzuges“ der Nazis gegen die Sowjetunion. Manche Generäle haben gegen diesen Mordbefehl pro- testiert. Ihnen ist nichts geschehen. Sie wurden lediglich, wie z. B. auf ei- nige Interventionen bei Hitler, gegen andere willigere Helfer ausgetauscht. Auch manche Truppenteile weigerten sich, an diesen willkürlichen Tötun- gen mitzuwirken. Daher treten auf- grund der vorliegenden Dokumente jene Truppenteile um so deutlicher hervor, die dem Kommissarbefehl Folge leisteten. Im Zuge dieser An- ordnung wurden nicht zuletzt sehr viele Juden ermordet, denn die Ver- quickung von bolschewistisch und jü- disch war in der nationalsozialisti- Schen Ideologie immanent. Zweitens gab es den Befehl zur Par- tisanenbekämpfung. Die Bekämp- fung der Partisanen als Kombattan- ten war an sich nicht völkerrechts- widrig, doch unter dem Deckmantel der sogenannten Partisanenbekämp- fung kam es zu grausamsten Aus- schreitungen gegen Zivilisten und zu zahllosen Morden an Frauen, Greisen und Kindern. Auch hiervon waren wieder Juden in besonderem Maße betroffen. Letztendlich konnten Ju- den, denen die Deportation und Ver- nichtung drohte, nur in die umliegen- den Wälder bzw. Pörfer fliehen, um überhaupt eine Uberlebenschance zu haben. Daß sie sich dort teilweise den Partisanen anschlossen, war die Folge. Aber unabhängig davon, ob sie sich nun als Partisanen betätigten oder Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 19 nicht, wurden sie, und zwar gleichsam Männer oder Frauen, ob Greise oder Kinder, erbarmungslos ermordet. Drittens wurde durch die Verord- nung des Oberkommandos der Wehr- macht(OKW) über die Behandlung von Kriegsgefangenen die Genfer Konvention außer Kraft gesetzt. Dies war ein verbrecherischer Befehl, der gemäß der Sonderanordnungen? er- laubte, jüdische und andere mißliebi- ge Gefangene zu töten. Millionen so- wjetischer Soldaten wurden ermordet oder der Vernichtung durch Verhun- gern ausgeliefert. Durchgeführt wur- de dieser Mord von Angehörigen aller Abteilungen der Wehrmacht, vom OKW bis hin zum kleinen Soldaten. Ich war vom Herbst 1942 bis Juli 1944 in einem Zwangsarbeitslager in Deblin an der Weichsel. Unser Lager unterstand der Luftwaffe. In nicht weiter Entfernung von unserem La- Kriegsgefangenenlager, das dem Heer unterstand. Wir hörten nachts in un— serem Lager sehr oft Schüsse, und zwar nicht nur vereinzelt, sondern ganze Salven. Es handelte sich dabei eindeutig um Massenerschießungen von sowjetischen Kriegsgefangenen, deren Gräber nach dem Ende des Krieges dort gefunden wurden. Zu- letzt ein Massengrab in den 80er Jah- ren. Weder S8 noch Waffen-SS waren in diesem Lager anwesend. Wehrmachtssoldaten bewachten oft die Wälder und Ghettomauern oder Zäune und achteten darauf, daß nie- mand zu fliehen versuchte. Wer floh, auf den wurde geschossen. Bei der Niederschlagung des War- Schauer Ghettoaufstandes 1943 waren auch Finheiten der Wehrmacht im Ghetto selbst eingesetzt. Wie uns die Piloten in Deblin erzählten, wurde das Ghetto zuvor auch durch die Luftwaffe bombardiert. Makaber, daß wir als Zwangsarbeiter die Bomben auf dem Fliegerhorst transportierten und die Flugzeuge mit den Bomben beluden, die das Warschauer Ghetto bombardierten. Bei Ghettoräumungen waren Solda- ten ebenso anwesend wie bei Mordak- tionen in Wãldern. Noch ein persõnliches Erlebnis: Bis zum Herbst 1942 lebte ich im Ghetto in Deblin. Als Ende September dieses Ghetto geräumt wurde, wurde es durch Soldaten der Luftwaffe um- stellt, die auf Flüchtende schossen. Sie haben zwar nicht unmittelbar an der Räumung und an Erschießungen innerhalb des Ghettos teilgenommen das haben der 8D, die S8 und Poli- zeieinheiten besorgt- aber doch da— für gesorgt, daß keiner fliehen konn- 18 Soldaten der gleichen Einheit wa- ren es, die uns spãter bei der Zwangs- arbeit auf dem Fliegerhorst Brot oder Zigaretten zusteckten, und es waren Offiziere eben dieser Einheit, die da- für sorgten, daß wir auf dem Flieger- horst beschäftigt wurden, obwohl die S8 unsere Auslieferung gegen Ersatz durch andere Zwangsarbeiter anbot. Damit haben sie uns zunächst bis Juli 1944 am Leben gehalten. Schon alleine bei dieser differen- zierten Betrachtung wird deutlich, daß es'die“ Wehrmacht in keiner Hinsicht gab. In Westeuropa war auch die Verstrickung von Truppenteilen in die Verbrechen des NS-Regimes und in die gezielte Judenvernichtung bei weitem nicht so groß wie in Ost- und Südosteuropa. »Die Wehrmacht als Ganzes kann für die heutige Bundeswehr kein Vor- bild sein“, so Verteidigungsminister Volker Rühe. Darauf aufbauend wäre es zu wünschen, daß gegen die Ver- brechen seinerzeit protestierende oder sich verweigernde Soldaten und Generäle zu Vorbildern der heutigen Bundeswehr werden könnten.— 20 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Noch eines will ich aus meiner Sicht anmerken: Für jüdische Uberlebende mutet die Diskussion um Differenzie- rung trotz des Wissens um schuldlose deutsche Militärangehörige manch- mal gespenstisch an. Der Mehrzahl der jüdischen Opfer war es gleich, ob es S8, Waffen-SS, ein Soldat oder ein Polizist war, der sie aus den Häusern trieb und, wo auch immer, die Ver- wandten und Freunde, Greise wie Kinder, mordete. Die Angst vor allen Deutschen war gegenwärtig, eine Dif— ferenzierung konnte damals nicht ge- leistet werden. Wenn einer dieser Deutschen Menschlichkeit zeigte, war es ebenfalls egal, ob dies ein Angehö- riger der S8 oder ein Soldat war. Und es gab unter allen Finheiten Men- schen, die human handelten. Auch Schindler, der kein Finzelfall war, ist ein solches Beispiel. Erst die Uberlebenden verstanden, wenn auch unter großer Anstrengung, daß es nicht'den' Deutschen gab. Doch eine bittere Erkenntnis bleibt den Uberlebenden der Shoah: wäre die Wehrmacht als Ganzes wirklich So sauber geblieben wie es der Mythos will, wäre der Mord an den europãäi- schen Juden weitaus weniger perfekt abgelaufen, und es hätte viel mehr Uberlebende gegeben. Aus all diesen von mir erwähnten Gründen begrüße ich diese Ausstel- lung. Sie ist ein Teil der Geschichte der Jahre 1933 bis 1945, und ich hoffe, daß viele junge Menschen sich diese Ausstellung ansehen werden, um zu begreifen, wie entmenschlicht diese Zeit war. (PS: Hervorhebungen gemäß dem Ma- nuskript von Ignatz Bubis) Verhaftung von»*Partisanen“. Foto aus dem Katalog zur Ausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 1944*. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 21 »Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht 1941 bis 1944* Kein Krieg gegen eine andere Armee, sondern »ein Krieg gegen eine andere Bevölkerung'? Rede von Jan Philipp Reemtsma in der Frankfurter Paulskirche Sehr geehrte Damen und Herren- Zellulose, Zelluloid, Tränen, Knei- pengespräche, Legenden, Alpträume, Lügen, Memoiren, verstaubte Alben auf Dachböden, Grabsteine, Orden, Wahrheiten— aus vielerlei Stoffen sind die Erinnerungen an Kriege ge- macht. Der Sozialwissenschaftler re- konstruiert aus ihnen nicht nur ein Bild des Krieges, er rekonstruiert im Bild des Krieges, das eine Gesellschaft entwirft, das Bild, das sie sich von sich selbst macht, von ihrem Verhält- nis zum Krieg. Texte, immer wieder Texte, Klassi- sche sozusagen:'Draußen vor der Tür“; Wanderer, Kommst du nach S »Der Arzt von Stalingrad“; Kata- launische Schlacht“;'Kaukasische Aufzeichnungen“; Leviathan oder die beste der Welten?. Und nun so viele öffentliche Texte: Debatten, Reden, Fersehkommentare, Beschimpfungen, Verleumdungen, Lob; so viele private: Gesprãche, Brie- fe, Beschimpfungen, Dank, Morddro- hungen, Bekenntnisse. All dieses Ma- terial, das der Analyse, des zeitdia- gnostischen Bemühens harrt. Wie vielfältig auch wären die Textsorten, in denen man die Befunde präsentie- ren könnte. Wie nahe läge, wie nahe liegt mir manchmal die Polemik. Et- wa dann, wenn Politikerinnen und Po- litiker aus die Regierung tragenden Parteien Außerungen tun, die bis in die Wortwahl hinein den Briefen äh- neln, die ich allerdings ohne Unter- schrift und Absender erhalte. Etwa dann, wenn von der Ehre einer Orga- nisation gesprochen wird- lassen wir die Uberlegung beiseite, ob eine Orga- nisation denn eine Bhre haben könne und ob jemand Fhre durch Mitglied- schaft und nicht allein durch ehren- volles Verhalten erwerbe—, in der je- des Mitglied, qua nicht erzwungenem, sondern in freudiger Freiwilligkeit gefaßten Beschluß ihrer organisatori- schen Leitung auf einen Verbrecher vereidigt wurde. Ftwa dann, wenn einem vorgehalten wird, man verstehe als nach 1945 Geborener nicht, was einst Gehorsam und Fid bedeutet ha- be, und über dieser Anmahnung ver- gessen wird, daß in ebendieser Eides- formel etwas historisch völlig Neues Zzum Ausdruck gebracht wurde, was mit allen Traditionen, eine Armee auf ein Land, auf eine Verfassung oder auf eine Institution und ihre persönli- che Repräsentan? zu verpflichten, brach: die Vereidigung auf ein Indivi- duum als Individuum. Daß hier- und da würde die Polemik zur Soziologie- eine Armeeführung freiwillig Ge- bräuche wählte, die sonst nur für Ver- brecherbanden kennzeichnend sind. Dann also, wenn vor jeder Diskussion darüber, was denn überhaupt gesche- hen ist auf den Kriegsschauplätzen, denen diese Ausstellung gewidmet ist, vergessen wird, daß die deutsche Wehrmacht als Organisation bereits 1934 mit den Traditionen jenes Solda- tentums gebrochen hatte, dessen An- schen man angeblich antastet, wenn man darstellt, was historisch der Fall gewesen ist. 6 22 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Etwa dann, wenn man hört, die Ausstellung verschweige, daß'nicht einmal das Nürnberger Siegergericht die Wehrmacht verurteilt“ habe man möchte schon etwas über diesen Sprachgebrauch sagen, und dann noch etwas über das Selbstbewußtsein der Uninformiertheit, der doch mit dem Erwerb eines dtv-Taschenbuches abzuhelfen gewesen wäre, in dem das Nürnberger Urteil hätte nachgelesen werden können- auch das Bedauern der Richter, daß ihnen das Statut des Gerichtshofs aus formalen Gründen nicht erlaubte, das Oberkommando der Wehrmacht und den Generalstab abzuurteilen, wiewohl ihre Mitglieder van all diesen Verbrechen teilgenom- men haben oder in schweigender Zu- stimmung verharrten, wenn vor ihren Augen größer angelegte und empö- rendere Verbrechen begangen wur- den, als die Welt je zu sehen das Un- glück hatte.(..) Wo es der Sachver- halt rechtfertigt, sollen diese Leute vor Gericht gestellt werden.* Und so ist man dann über die Pole- mik unversehens wieder in die Quel- len geraten, wo doch auf die Polemik die Satire hätte folgen können auch sie eine klassische Form, der Zeit die Diagnose zu stellen. Denn wie anders als Satirisch soll von Vorschlägen wie dem die Rede sein, die Ausstellung Vernichtungskrieg. Verbrechen der Wehrmacht“ in'Verbrechen in der Wehrmacht' umzubenennen, weil so allein eine Pauschalverurteilung von Soldaten, die individuell ohne zure- chenbare Schuld geblieben seien, ver- mieden werden könnte? Verbrechen in der Wehrmacht'? Die- um ein un— verfängliches Beispiel zu nehmen Fehler eines Unternehmens sind Feh- ler, die diese wirtschaftliche Organi- Sation bei der Erreichung ihrer Ziele macht, ganz unabhängig davon, wie viele ihrer Mitarbeiter an den Fehlern beteiligt sind, und die Fehler in einem Unternehmen sind Fehler, die eben in ihm, im Bereich der Herstellung oder Verwaltung, gemacht werden. Diesen Unterschied kennt jeder, der die deut- sche Sprache mit minimaler Kompe- ten?z spricht, aber eben diese Kompe- ten? verschwindet, kollabiert- wie soll man sagen? unter der Last dieses Themas. Was soll man von Leuten halten, die, um ihrer Empörung Aus- druck zu verleihen, von einem'so- genannten Forschungsband zur Aus- stellung“, ja sogar von einer'soge nannten Ausstellung“ sprechen? Wel- che Affekte verheeren da das Denken und Sprechen? Es sind solche Signale, die zeigen, wie unrecht jene haben, die meinen, der Erfolg dieser Ausstellung sei nur dem Ungeschick ihrer Gegner zuzu- schreiben. Wer denn hätte noch die Legende von der sauberen Wehr- macht geglaubt, an welcher Schule sei die noch Gegenstand des Unterrichts gewesen? Nun, tatsächlich hat einzig und allein die hartnäckige Reaktion der deutschen Presse, die vom Ende einer Legende“ nicht aufhören konn- te zu schreiben, uns die Ansicht nahe- gelegt, es habe diese Legende tatsäch- lich noch jenseits der S0er Jahre gege- ben. Gestaltet worden ist die Ausstel- lung und wer sie ansieht, sieht es ihr an— doch nicht als Enthüllungsakti- on, als politische Provokation. Der Ausstellung wie dem Buch, auf dem sie beruht, geht es um ein Stück Ge- schichte des 20. Jahrhunderts. Um eine Dimension des Krieges, die in der Neuzeit unbekannt gewesen ist. Der hier gemeinte Krieg hat sich vor al- lem auf den Gebieten der ehemaligen Sowjetunion abgespielt und ist nicht das Ergebnis einer Eskalation gewe- sen, sondern von Seiten der politi- schen wie militärischen Führung von Anfang an intendiert. Dieser Krieg ist nicht ein Krieg gegen eine andere Ar- mee gewesen, sondern von vornherein Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 23 ein Krieg gegen eine andere Bevölke- rung, deren einer Teil, die Juden, aus- gerottet, deren anderer Teil, die nicht- jüdische Zivilbevölkerung, durch Hunger und Terror dezimiert werden Ssollte. Zu diesem Krieg gehörte auch die planmäßige Ermordung von Kriegsgefangenen. Anders als in an- deren besetzten Territorien machte das kriegführende Deutschland hier kKeinen Versuch, Quisling- oder Vichy-Regime einzusetzen, anders als 0 anderen Kriegsschauplätzen, wurden hier von Anfang an- und die in der Ausstellung dokumentierten Befehle, wie die Dokumente, die ihre Durchführung belegen, beweisen das die Regeln jener Kriegsführung au- Ber Kraft gesetzt, in derer prinzipiel- ler Einhaltung traditionellerweise das Ethos des Soldatenstandes seit dem Ende der Söldnerheere des 17. Jahr- hunderts besteht. Dieses zu zeigen heißt nicht- lassen Sie mich wieder- holen, was ich anläßlich der Fröff- nung dieser Ausstellung nicht erst in München gesagt habe: Zu zeigen, wie wenig scharf gezogen diese Gren- ze zwischen Normalität und Verbre- chen war und wie weit verbreitet die freudige und freiwillige Beteiligung am Massenmord- denn die Ahndung der hier und dort vorgekommenen und der in einzelnen Fällen sehr ent- Ochiedenen Verweigerung verbreche- rischer Befehle hat es ja allenfalls in Ausnahmefällen gegeben— ist diese Ausstellung da. Sie behauptet nicht, daß jeder Wehrmachtsangehörige je— ne Grenze überschritten habe, die die Haager Landkriegsordnung zog, oder sich in jener Grenzenlosigkeit wohl- gefühlt hat, die das Konzept des To- talen Krieges eröffnete“. Dieser Ausstellung ist es nicht um die Demontierung einer Legende ge- gangen, sondern um die Konfrontati- on mit einer Dimension historischer Wirklichkeit, von der gerade der oft wenig weiß, der die Attitüde des Sich- Auskennens zur Lebensmaxime erho- ben hat. Kriege, so sagt uns der Leser- briefschreiber, und er sagt es mit der Sprache derjenigen, die stolz sind, daß sie das alles aus dem Fffeff kennen, seien immer schrecklich. Kriege, sagt uns die Pazifistin, und sie sagt es nervõs-mahnend, seien immer schrecklich. Besteht tatsächlich die Sorge, denjenigen, die zu lange mit den Dokumenten, die dieser Rassen- und Vernichtungskrieg hinterlassen hat, beschäftigt gewesen sind, sei sol- cherlei Erkenntnis inzwischen abhan- den gekommen? Oder dokumentiert sich so die Weigerung, zur Kenntnis zu nehmen, daß Deutschland vor et- was mehr als einem halben Jahrhun- dert, also vor viel weniger als einem Menschenalter, einen 2ivilisatori- schen Tiefstand erreicht hatte, der eben- glücklicherweise nicht zum historischen Alltag, auch nicht zu dem dieses furchtbaren Jahrhunderts gehört hat? Solche Sätze seien, sagen manche, Bußpredigerrituale. Eine perverse Lust am Schuldbekenntnis. Die sei na- türlich durch die Meinungsfreiheit gedeckt, aber- wie die Ausstellung insgesamt— eine bloße Privatveran- staltung, der man am besten Nichtbe- achtung zuteil werden lasse. Immer noch diese seltsame Verwechslung von Tatsachen und Meinungen, die Hannah Arendt bei ihrem Besuch in Deutschland 1950 feststellte: Der wohl hervorstechendste und erschrek- kendste Aspekt der deutschen Reali- tätsflucht liegt in der Haltung, mit Tatsachen so umzugehen, als handele es sich um bloße Meinungen.(..) Dies ist in der Tat ein ernstes Problem(..), weil der Durchschnittsdeutsche ganz ernsthaft glaubt, dieser allgemeine Wettstreit, dieser nihilistische Relati- vismus gegenüber den Tatsachen sei das Wesen der Demokratie. Tatsäch- 24 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer lich handelt es sich dabei natürlich um eine Hinterlassenschaft des Nazi- regimes. Die Lügen totalitärer Propa- ganda unterscheiden sich von den ge- wöhnlichen Lügen, auf welche nicht- totalitäre Regime in Notzeiten zu— rückgreifen, vor allem dadurch, daß sie ständig den Wert von Tatsachen überhaupt leugnen: Alle Fakten kön- nen verändert und alle Lügen wahr- gemacht werden. Die Nazis haben das Bewußtsein der Deutschen vor allem dadurch geprägt, daß sie es darauf getrimmt haben, die Realität nicht mehr als Gesamtsumme harter unaus- weichlicher Fakten wahrzunehmen, sondern als Konglomerat ständig wechselnder FEreignisse und Parolen, wobei heute wahr sein kann, was mor- gen schon falsch ist.“ Die Qualifizie- rung des deutschen Vernichtungs- krieges als einer historisch nicht nur quantitativ, sondern auch in ihrer Klaren und dokumentierbaren Inten- tionalität beispiellosen Entgrenzung von Gewalt ist keine Meinungsäuße- rung, sondern eine Tatsachenfeststel- lung. Und die Feststellung, alle Krie- ge seien schrecklich, ist ebenfalls kei- ne Meinungsäußerung, sondern— wenn sie denn bedeuten soll, dieser Krieg sei im Wesentlichen einer wie alle anderen gewesen, seine Greuel das, was allenthalben vorfalle, wenn Armeen aufeinanderschlagen— be- stenfalls eine Trivialität im Dienste einer Tatsachenverkennung. Aber, es ist seltsam, die Tatsachen verlangen ihr Recht. Die Bundestags- debatte über die Ausstellung hat ge- zeigt, wie auf einmal das Erzählen von Geschichten Oberhand gegen das Austauschen von Meinungen gewann, und mit den Geschichten gewannen die Tatsachen- wie sie erinnert wor- den waren- die Aufmerksamkeit zu- rück, die ihnen zuvor verweigert wor- den war. Nun sind Kriege immer schreck- lich, und ich habe auch lange gedacht, es sei bloß der Krieg gewesen. Auch mich bringt das zum Erzählen, und erlauben Sie mir, daß ich von meinen Brinnerungen spreche. Da war zu- nächst ein kriegsversehrter Vater, Freiwilliger im Ersten Weltkrieg. Als ich sieben Jahre wurde, ist er gestor- ben, und ich erinnere mich mehr an seine Verwundungen und den Stock, den er benutzte, als an vieles andere. Den zerschossenen Ellenbogen, das zerschmetterte Bein- er mochte es nicht, wenn ich die Treppe schneller hinauflaufen konnte als er mit seinem Stock— das Bein, in dem Streptokok- ken überlebt hatten, die regelmäßig- unregelmäßig virulent wurden, und manchmal wußte er im Fieberschock nicht mehr, was er tat. An das Nacht- gebet mit der Zeile:»Und gib mir Feinde Mann um Mann 7 Sattsein macht faul und träge' erinnere ich mich noch. An die Bilder an der Wand und auf der Kommode: die gefallenen Halbbrüder Uwe und Jochen. Zu ih- rem Gedenken ging es immer am Volkstrauertag oder, wenn der Lap- sus es wollte, Heldengedenktag, an ein Ehrenmal(später sagte man Mahn- mal). Es war auf dem Lande, Bläser bliesen im kalten Novemberwind und dann gemeinsames Lied: Ich hatt' 16 nen Kameraden...“. Irgendwann ist mir der Text aufgefallen. Der verwun- dete Kamerad stirbt, doch'Kann dir die Hand nicht reichen/ derweil ich indessen lad“. 4 Uwe und Jochen. Der Altere hat ich weiß nicht, ob es stimmt, das ist die Geschichte, die mir erzählt wor- den ist— auf Befehl eines betrunkenen Offiziers alleine ein von Soldaten der Roten Armee gehaltenes Haus angrei- fen müssen. Er ist dann auf der Stra- ße, nach einem Bauchschuß, sehr lan- ge gestorben. Vielleicht sollte man Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 25 hier von Verbrechen in der Wehr- macht sprechen. Der Jüngere meldete sich freiwillig zur Front, obwohl er es nicht hätte tun müssen, denn er war der letzte von drei Brüdern, der zweite, jüngste, war zuvor an Kinderlähmung gestor- ben. Er wollte, was weiß ich, nicht zu— rückstehen, kein Feigling sein, sich nichts nachsagen lassen— vielleicht glaubte er an den Endsieg, was weiß ich. Sein, mein Vater hätte ihn zu- Gcknalten können. Aber hatte nicht gewollt, daß sein Sohn später einmal- was weiß ich. Es war in den letzten Monaten eines nunmehr offensicht- lich so verbrecherischen wie bankrot- ten Regimes, das zu verteidigen mei- nem Bruder sein Leben, meinem Va- ter das Leben seines Sohnes gerecht- fertigter Einsatz zu sein schien. Beide hätten es nicht so formuliert. Beide hätten für'Regime“ Deutschland“? gesagt oder'Vaterland?. Man kann es sich einfach machen und sagen, hier habe so etwas wie ein Irrtum vorgelegen, eine grandiose Verkennung und Verwechslung. Doch diese durch Tod und Schmerz und Trauer als so grundlegend erwiesene Uberzeugung über die Generations- grenze hinweg als zwar groben, aber doch Unfug abzutun, geht doch tat- G c nicht an. Wer verstehen will, uß lernen, beim Worte zu nehmen, auch beim Worte der Taten, er darf sich die Tatsachen nicht so zurechtre- den, daß gar kein Verstehensproblem mehr vorliegt. Es gehört mit zur An- erkennung der historischen Tatsa— chen, daß wir konstatieren müssen, daß dort eine intellektuelle wie mora- lische Differenzierung nicht vorge- nommen wurde, die wir für unab- dingbar halten. Diese nicht zu beto— nen, würde bedeuten, die eigenen je- weiligen Standards aufzugeben. Wer das nicht will, gleichzeitig aber doch verstehen und damit gerecht werden will, muß auf der kognitiven wie mo- ralischen Differen? als Vorausset- zung des Verstehens beharren. Das ist keine moralische Uberhebung, son- dern die Verteidigung einer politi- schen Kultur gegen jene Affekte, die uns immer wieder drängen, mit de- nen, die wir geliebt haben, auch ein- verstanden sein zu wollen. Vor weniger als einem Monat erhal- te ich einen Brief von einem Ver- wandten-*gestatte mir das»Du', denn Deine Großmutter und der Schwiegervater Deines Vaters waren Geschwister meines Vaters“- von des- sen Fxistenz ich bisher keine Ahnung hatte. Er schreibt wegen der Ausstel- lung, die er nicht gesehen, aber über die er gelesen hat. Er ist Soldat gewe- sen, ist schwer verwundet worden, hat ein Bein verloren. Er schreibt:'Ich stehe unter dem Findruck, daß auch hier- wie so oft im Leben nicht die Frage nach Ursache und Wirkung ge- stellt wurde.“ Im Brief eine Erzäh- lung: September/Oktober 1941,'die Sturmgeschützabteilung“, deren Zug- führer er ist, durchbricht die Vertei- digungsstellung an der sowjetischen Grenze-'schwacher Widerstand ist zu brechen, stärkerem Widerstand ist auszuweichen“- und marschiert vor., 20 bis 50 Kilometer am Tag. Die Di- vision folgte uns, wobei es sich selbst- verständlich nicht vermeiden ließ, daß zwischen Vorausabteilung und Division meistens ein viele Kilometer tiefer Zwischenraum, der nicht vom Feind gesäubert war, sich bildete.“ Der nicht vom Feind gesäubert war. Nun passierte es, daß vier Versor- gungs-Lkw, die von der Division zur Vorausabteilung geschickt wurden, vom Russen'- vom Russen- abge- schossen und die Soldaten erschossen wurden. Wir, die Vorausabteilung, er- hielten durch Funk den Befehl, kehrt 26 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer zu machen, weil hinter uns'irgend- eine Schweinerei' passiert sei'. Sie fin- den keinen Feind mehr vor, nur die ausgebrannten Lkw und die gefalle- nen deutschen Soldaten. Es'war von Russen nichts zu sehen“, heißt es im Brief, und man hört noch die Emp- örung über den aus dem Verborgenen operierenden Feind. Die deutschen Soldaten aber:'Sie waren regelrecht hingerichtet worden'. Was für ein Sat?, der doch eigentlich sagen will, sie seien heimtückisch ermordet wor- den. Ein Untergebener, ein'Kradmel- der', durchwühlt die Leiche eines der Gefallenen, mein Verwandter vermu- tet sofort Leichenfledderei und ver- bietet diese. Aber der Kradmelder hat nur nach dem Soldbuch gesucht, er kannte den Gefallenen, der war ein »Bekannter oder Verwandter“ von ihm gewesen, den er auf Grund des Soldbuches hatte zweifelsfrei identifi- zieren wollen, denn dessen Gesicht war während des Gefechts zerschmet- tert worden. Man marschierte weiter, Gefangene werden gemacht. Der Kradmelder soll sie zur Division brin- gen. Finmal kommt er zu schnell zu- rück: er hat sie, wie es im Brief heißt, vhinter irgendeinem Busch kurzer- hand mit der Maschinenpistole erle- digt“. Dieses nun, führt der Brief aus, wäre ja ohne den Uberfall auf den LkKw-Trupp nicht passiert, und nur wenn man so Ursache und Wirkung gemeinsam erkenne, erkenne man auch die Wahrheit. Wie leicht und mit wieviel mehr Recht ließe anders sich von Ursache und Wirkung sprechen: von der Ursa- che des Angriffskrieges, von der Ur- sache, daß der Voraustrupp befehls- mäßig jenseits der Front operierte und das sogenannte Massaker nicht nur der Versuch war, die Stoßtrupps eines von vornherein gegen alles Völ- ker- und Kriegsrecht operierenden Feindes zu bekämpfen- eine normale Kampfhandlung, auch wenn es ein anderer Feind gewesen wäre. Aber darauf kommt es nicht an. Es kommt darauf an, daß hier einer von Ursache und Wirkung spricht, wo die Rede von Handlungen, Entscheidungen und Verantwortung sein müßte. Mein Verwandter hat eine Tat gedeckt, die nach damals geltendem Völkerrecht sowie nach bisherigem militärische Selbstverständnis ein Mord war, schreibt: Weil ich die Ursache, das Massaker an den Soldaten der Versor- gungs-Lkw, kannte, habe ich davon abgesehen, Lötzsch- 8o der Name des Untergebenen- zu melden''. Aber es folgen noch vier Sätze. Dies hätte für ihn bestimmt Kriegsgericht be- deutet. Das Urteil hätte mindestens Strafbataillon 600' oder'Todesstrafe bedeutet. Nur zur Abrundung sei er- wähnt, daß ich?usammen mit Lõtzsch 1943 infolge einer falschen Einweisung in russische Gefangen- schaft geriet. Daß unsere Gefangen- Schaft nur etwa 10 bis 15 Minuten dau- erte, hab ich nur dem entschlossenen Handeln von Lötzsch zu verdanken, doch dies ist eine andere Geschichte.* Nein, es ist keine andere Geschichte. So eng sind die Sätze nebeneinander gefügt, daß man sie zitierend nſ trennen mag. Was haben Lötzsch un sein Vorgesetzter erwartet? Auch eine regelrechte Hinrichtung“ nach dem Maße von Ursache und Wirkung? Wie sehr muß die andere Geschichte, die Ursache der Dankbarkeit, noch zur Rechtfertigung des tolerierten Mordes herhalten, als wäre sie die rückgewandte Ursache der Entschei- dung. Man sieht, wie wenig wohl der- jenige, der die Geschichte erzählt, sich in ihr fühlt. Er ahnt, während er sie erzählt, daß nicht gelingen kann, was er möchte: daß man sein Verhal- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 27 ten billigen möge.. Sagte mein Verwandter die Wahr- heit über die Strafen, die seinen Un- tergebenen erwartet hätten, sein Ent- schluß, den Mord an den Kriegsgefan- genen faktisch zu akzeptieren, wäre ein Verbrechen in der Wehrmacht gewesen. Tatsächlich aber war der Mord durch die Anordnungen für die Behandlung sowjetischer Kriegs- gefangener“ des OKW vom Septem- ber 1941 gedeckt- wohlgemerkt: ge- deckt, nahegelegt, nicht ausdrücklich befohlen. Der Mord war erlaubt, er wurde begangen, und so teilt mein Verwandter in diesem Brief ein klei- nes Detail aus dem Bereich der histo- rischen Wirklichkeit mit, der zurecht Verbrechen der Wehrmacht' heißt. Es ist schwer, bei einem solchen Brief, der am Ende den Refrain auf- zuweisen hat, ein Krieg sei'leider nun einmal so“ und'Krieg ist nun einmal kein Frauenkränzchen“, die intellektuelle Selbstbeherrschung zu wahren. Und doch gehört er zu diesen Geschichten, in denen sich die Tatsa- chen zu Worte melden, und die Worte stehen denen, die die Tatsachen ca- mouflieren wollen, nicht mehr zu Ge- bote, und wir können in diesen Ge- schichten lesen, was mit ihnen noch dementiert werden soll. Ein Krieg wie jeder andere, und man solle ihn ver- stehen, indem man nicht als welt- fremder Moralist nach Recht und Un- recht, sondern als Historiker nach Ur- sache und Wirkung frage. Mein Ver- wandter überläßt sich dabei der Erin- nerung und im Brinnern dem Sog des totalen Krieges, der die Aufhebung dieses Unterschiedes zur Vorausset- zung hatte. Hier sieht man erneut, daß nicht nur die Tatsachen für das moralische Urteil von Belang sind, sondern das moralische Differenzie- rungsvermögen darüber entscheidet, was man an Tatsachen überhaupt wahrzunehmen in der Lage ist. Man kann aus solchen Geschichten lesen, wie schwierig die Wieder- oder vielleicht Neugewinnung moralischer Maßstäbe ist, die ein totaler Krieg so totalitär außer Kurs gesetzt hatte. Die Reaktionen auf die Ausstellung'Ver- nichtungskrieg' zeigen dieses in einer Deutlichkeit, die vielleicht kaum ein- er erwartet hätte. Nicht, daß die Aus- stellung dies bewirkte. Die Rede vom Volkspädagogischen Unternehmen“ ist verfehlt und wahrscheinlich nur ein Fcho des Nachkriegsressenti- ments gegen den als Zumutung emp- fundenen Versuch einer Re-Fduca- tion, die man-Meinungen gegen Tat- sachen— allenthalben argwöhnt, wo die Rede über das, was gewesen ist, eine gewisse Intensität erreicht. Be- wirken kann so etwas kein Buch, kei- ne Ausstellung. Hier werden wir Zeu- gen einer wirklich noch nicht abge- schlossenen Umbildung einer polit— schen Kultur, die- und hier ist auch das Ressentiment gegen die Volks- pãdagogik“ Indikator einer halbbe- wußt eingestandenen Finsicht- sich nach 1945 aus sich selbst nicht hätte verändern können. Fine Ausstellung wie die, die wir hier in der Frankfur- ter Paulskirche eröffnen, ist— 80 hat sich herausgestellt- so etwas wie ein Schlüsselreiz, der viele Erinnerungen explizite Texte werden läßt, in denen wir ein Bild unserer Gesellschaft er- kennen in seiner ganzen Ambivalenz, seinem beschwerlichen Neben- und Ineinander von Nähe und Distanz zum Verbrechen. Zusammengehalten wird dieses Konglomerat durch eine gemeinsame Phantasie- unterschiedlich ist nur die Bereitschaft, ihrer Berechtigung nachzugehen und sich dem Schrecken auszusetzen, den jede, wie immer be- schaffene Antwort mit sich bringt. Diese Phantasie kommt im Vorwurf der Pauschalisierung zum Ausdruck, dem lautstarken öffentlichen Insistie- 28 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer ren darauf, es seien doch nicht al- le beteiligt gewesen an den Ver- brechen. Nein, kommt die Gegen- beteuerung, nicht alle sind es ge- wesen, niemand sagt das, kein Buch, keine Ausstellung, diese schon gar nicht. Warum löst sich die Beschwörung des Nicht alle“ nicht auf in der gemeinsamen Feststellung, der gemeinsamen bitteren Finsicht, daß es zu viele gewesen sind? Darum, weil die Phantasie, weil es so viele gewe- sen sind, hätten es alle gewesen sein können, noch immer und im- mer wieder mit dem ritualisierten »Nicht alle' abgewehrt werden muß? Als verstehe es sich nicht von selbst, daß es nicht alle gewe- sen sindꝰ Wer das Bild einer Gesellschaft. das sie von sich entwirft, wenn sie über den Krieg redet, analysiert. muß zusehen, kein Teil eines sol- chen Phantasierens zu werden. Doch muß er es verstehen- ver- stehen etwa, daß hinter dem Vor- wurf, die Ausstellung zeige nicht die ganze Wirklichkeit, nicht nur der Versuch einer Fhrenrettung, sondern auch die Angst steht, es könne einmal jemand wirklich die ganze Wirklichkeit zur Dar- stellung bringen. Aber er sollte auch verstehen, daß bei vielen die- se Angst mit der Sorge verbunden ist, ein zu direkter Blick auf die Barbarei könne, was an Zivilisati- on wieder errungen ist, ruinieren. Die einen sprechen dann von der Kraft des Bösen zu faszinieren, die anderen davon, daß ein Zuviel an Bösem zu erblicken mutlos ma— che, die nächsten, daß jede Gesell- Schaft ein gewisses Maß an positiv besetzter Kontinuität brauche, um zu funktionieren- und so fort. Kurz: Man lebe besser mit einer bestimmten Menge an Illusionen statt Wahrheiten, Ahnungen statt Gewißheiten und Idealisierungen statt politischer Ur- teilsfähigkeit. Es stimmt sogar, zeitweise lebt es sich damit besser. Nur nicht auf Dauer. Es ist nicht die Ausstellung, die das behauptet, es sind die Reaktionen auf die Ausstellung, die das beweisen. Fotos: Katalog zur Ausstellung nichtungskrieg. Verbrechen der Wehr- macht 1941„1948*. Siehe auch Foto S. 20. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 29 EFin Biedermann und ein Foto-Spaziergang im Ghetto„ Für den Journalisten Günther Schwarberg gibt es zwei Anlässe, sein großformatiges Buch'Das Ghetto“ zu schreiben. Zunächst die Geschich- te des Walter Caspar Többens. Töb- bens hat in Vegesack, einer kleinen Hafenstadt an der Weser, ein jüdi- sches Textilgeschäft'übernommen?, das er auch nach dem Krieg weiter betreibt. Ein deutscher Biedermann. Wo war Többens während der Kriegs- zeit? 1958 findet Schwarberg in einem polnischen Archiv einen Bittbrief ei- ner jüdischen Näherin an den'schef W. Többens'. Die Recherchen des Journalisten decken eine ungeheuerli- che Geschichte auf: Többens— der brutalste Ausbeuter im Warschauer Ghetto. 50.000 Juden müssen für ihn kostenlos arbeiten und Militärkleider für deutsche Soldaten nähen. Die Ju- den hoffen, durch eine Többens'sche Arbeitskarte der drohenden'Aussied- lung', das heißt, dem Massenmord in Treblinka, zu entgehen. Für 5.000 bis 10.000 Zloty erhalten sie die begehrte Arbeitskarte. Többens kassiert gewis- senlos. Später selektiert er persönlich. Von 6.000 Juden aus einer seiner drei Mammutfabriken gibt er 5.700 Juden zur Deportation in den Tod frei. Nur 300 Menschen überleben- auf Zeit. Den zweiten Teil seines Buches wid- met Schwarberg dann den Fotografi- en des deutschen Feldwebels Heinrich Jöst aus Langenlonsheim. Jöst, seiner- zeit in Warschau-Praga stationiert, nutzte seinen 43. Geburtstag zu ei- nem'Spaziergang in die Hölle“. Da- bei entstanden 140 Fotoaufnahmen, von denen etwa die Hälfte in diesem Band dokumentiert ist.*Er fotogra- fierte Straßenhändler und Leichen- Fine Rezension von Joachim Proescholdt träger, sterbende Kinder und gutge- Kleidete Frauen', wie Schwarberg schreibt. Jöst'wollte wissen, was hin- ter den Ghettomauern vorging“. So ist eine erschütternde Bilddokumentati- on entstanden, die in der Realistik des Grauens und der Unmenschlichkeit noch weit über die Foto-Dokumente von Joe J. Heydecker(dtv 1280) hin- ausgehen. So unterschiedlich die Mo- tivation zu den Fotoaufnahmen war, s0 kann man nur mit Joe J. Heydecker sagen'Die Dokumente vertreten noch heute und heute wieder densel- ben Sinn wie am fernen Tag ihrer Ent- stehung: meine Furcht, daß dies alles einmal niemand mehr wahrhaben möchte“. In Schwarbergs Buch werden die ca. 70 großformatigen Fotos durch kurze Begebenheiten jener Zeit begleitet und interpretiert. Im Nachwort schreibt Wolfgang Raupach von Ak- tion Sühnezeichen:'Die Bilder in die- sem Buch.. machen traurig und zor- nig, möchten aufschreien lassen oder verstummen. Manche werden fragen: Warum werden diese Bilder gezeigt? Und sie werden hinzufügen: Haben wir nach 50 Jahren nicht das Recht auf einen Neuanfang?- Nein, dieses Recht haben wir nicht! Das Recht ist verwirkt und nicht einzuklagen. Wer Ssollte ein solches Recht auf Neube- ginn gewähren? Die, die es könnten, sind ermordet worden.* Günther Schwarberg, Das Ghetto Geburtstagsspaziergang in die Hölle, Steidl Verlag Göttingen, 1989, 222 Sei- ten, 24 Mark. Als Fischer-Taschen- buch Nr. 10302 14, 80 Mark. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung von Sascha Feuchert Gießen/Lich- Eine lange Vorbereitungsphase fand am 31. Januar ihren Abschluß: An diesem Tage erteilte der Regierungspräsident die Genehmigung für die neugegründete Ernst-Ludwig Chambré-Stiftung zu Lich'. Die Aufga- ben der Stiftung liegen vorwiegend in den Bereichen Politische Bildung, Forschung und Publikation: Sie möchte einen Beitrag dazu leisten, die Erinne- rung an das oberhessische Judentum, seine Geschichte, seine Vertreibung und Vernichtung durch die Nationalsozialisten aufrechtzuerhalten und überdies das Erforschen der Entstehungsbedingungen und Erscheinungsformen von Antisemitismus und Rassismus voranzutreiben. Die Ernst-Ludwig Chambré- Stiftung will gezielt solche Unternehmungen fördern, die der Auseinanderset- zung von Jugendlichen mit der Zeit des Nationalsozialismus dienen. Entsprechende EFinrichtungen wie Arbeitsräume, eine Präsenzbibliothek und eine Mediothek stellt die Stiftung zunächst an der Dietrich-Bonhoeffer- Schule Lich bereit. Dort wird sie auch einen Büroraum bezichen. Die Stif- tungsgeschäfte laufen allerdings ab Sofort. Zu diesen gehört auch die För- derung von kulturellen Veranstaltun- gen und Forschungsvorhaben, die dem Stiftungszweck dienen. Ernst Ludwig Chambré(1909—*96) Die Vorgeschichte der Stiftung: Es war im Jahr 1987, als Schülerinnen und Schüler der Licher Dietrich- Bonhoeffer-Schule damit begannen, die Nazizeit in ihrer Heimatstadt zu recherchieren- nicht zuletzt der Ma- gistrat der Stadt Lich war an einer umfangreichen Dokumentation inter- essiert. Im Zuge der Recherche blieb es nicht aus, daß die Jugendlichen auf den Namen Ernst Chambré stießen. Ein ehemaliges Dienstmädchen der Familie erzählte Einzelheiten und vermittelte die Adresse: Ernst-Ludwig Chambré, in den USA lebend, erzählte in vielen Briefen von der Geschichte seiner seit dem 18. Jahrhundert in Lich ansässigen jüdischen Familie. 1909 wurde er in Lich geboren. Sein Vater Max übernahm 1919 das vom Großvater gegründete Manufactur- waren- und Bankgeschäft in der Un- terstadt. Ernst-Ludwig Chambré hat- te zwei Schwestern, Henriette und Anne. 1929 bestand er das Abitur in Gießen und studierte anschließend Jura in Gießen, Frankfurt und Berlin. Bereits in den 20er Jahren gehörten seine Eltern dem sozialdemokrati- schen Reichsbanner Schwarz-Rot- Gold' an und versuchten, gegen den erstarkenden Antisemitismus anzuge- hen. Doch vergeblich- nach unendli- Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 31 chen Drangsalen floh die Familie, ihr Vermõgen wurde in einem dubiosen Konkursverfahren verschleudert. Die Flucht endete für Ernst-Ludwig Chambrés Eltern und seine Geschwi- ster in der Hölle von Auschwitz: die Familie wurde im Vernichtungslager umgebracht, nur Ernst-Ludwig über- lebte die Flucht. Er konnte sich nach zweimaliger Internierung nach Portu— gal und später nach Palästina abset- zen. 1947 kam er mit seiner aus Gie- en stammenden Ehefrau in die USA. 1948 erlangte er Gewißheit über das Schicksal seiner Familie. Seit 1051 mpfte Eynst Ludwig Chambré um Wie- dergutmachung— bis jetzt vergeblich. Doch Chambrés Interesse an Wiedergutmachung und Brinnerung galt nicht nur der eigenen Person—es ging weit darüber hinaus. So ver- folgte er die Arbeit der Li- ee üleinen d Schüler, die nicht nur in ih— rem Heimatort recherchier- ten, sondern auch in den Gedenkstätten Buchenwald und Auschwitz arbeiten, mit großer Aufmerksamkeit. 1995, wenige Monate vorsei- Tod, entschloß er sich, ine nach ihm benannte Stiftung ins Leben zu rufen, die diese Lernwege dauer- haft unterstützen soll: Der von Deutschen durchge- führte Genozid am jüdi- schen Volk soll nicht verges- Ssen werden Fiün diesen Zweck beauftragte er den Pädagogen Dr. Klaus Kon- rad-Tromsdorf mit der Er- arbeitung eines entsprech- enden Konzeptes, Rechtsan- walt Winfried Möller sorgte für die juristische Abwicklung der Stiftungsgründung. Am 31. Januar konnte die Stiftung ihre Arbeit dann aufnehmen. Der Stiftungsbeirat unter Vorsitz des hessischen Staatsministers Karl Starzacher(Lich) hat Doris Nusko, Nadja Kuhl und Kristine Tromsdorf in den Vorstand gewählt. Dr. Klaus Konrad-Tromsdorf fungiert als Ge— schäftsführender Direktor. Die Stif— tung ist über die Dietrich-Bon- hoeffer-Schule in Lich(Kirchhof- gasse) zu erreichen. „ Carl Chambrèé, Lich, Unterstadt 7(um 1929). Heute residiert hier eine Filiale der Volksbank Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Unseren Mitgliedern herzliche August 01 8. Susanne Rudolph 02.8. Günter Bilgmann 03.8. Inge Hartwig 03.8. Eduard Wolny 09.8. Steffen Gross 10.8. Doris Graenert 10.8. Astrid Knöss 11.8. ElkKe Maurer 13.8. Wiebke Lessin 16.8. Ursula Schmidt 17.8. Hildegard Moos 18.8. Joachim Sokolowski 19.8. Willi Berg 25 8. Detlev Puls 27.8. Andrea Wrede 28.8. Michael Hummel September 03.9. Gotthard Keusch O4. 9. Neithard Dahlen O5.9. Eva Beck-Friedrich O6.9. Bllen Krosch O8.9. Heino Galland O8.9. Karin Mihm 10.9. Rudolf Reiferscheid 12.9. Martin Grün 14.9. Thomas Krug 14.9. Edgar Nienhuys 15.9. Dr. Werner Falk 15.9. Eva Leidescher-Blaschke 16.9. Peter Hofmann 16.9. Josef Seuffert 21.9. Dr. Christian Grosche 21.9. Gerhard Heyer 24.9. Karl Hammer 25.9. Susanne Roth 27.9. Dr. Bastian Meijer 28.9. Jutta Wies 29.0. Harald Skroblies 30.9. Elke Gross Oktober 01.10. Dr. Margit Proescholdt O2. 10. Franz Solms-Laubach 08.8. Katharina Neidert 09.8. Hans-Jürgen Rojahn Geburtstagsgrüße 06. 10. Prof. Dr. Konrad Huchting O6.10. Jörg Raab 09. 10. Helga Leib 02 8. Dr. Ursula Krause-Schmitt 09.10. Barbara Reuter 11.10. Walter Matt 11.10. Alfred Oppenheimer 11.10. Christa Piotrowski 11.10. Dr. Dieter Reithmeier 14. 10. Katharina Fleckenstein 14. 10. Stephan Kahl 16.10. Heinz Betzler 16.10. Jürgen Lindemann 17. 10. Peter Reimann 18.10. Helmut Hertel 19.10. Peter C. Keller 21.10. Maria Kretzschmann 23. 10. Gerhard Gaede 23.10. Regina Hamel 25.10. Nina Melchers 28.10. Cornelia Bandorf 28.10. Dr. Klaus Konrad-Tromsdorf 30.10. Carl Cellarius 31.10. Hans Hirschmann 31.10. Michael Metz November O2. 11. Britta Gundlach O4. 11. Joachim Proescholdt 07.11. Hanns Blauert 07. 11. Thomas Kremer O8.11. Klaus Reinhardt 15.11. Sissi Hajtmanek 16.11. Berthold Zins 17. 11. Kerstin Krause 17. 11. Wofgang Merten 18. 11. Dr. Hans-Joachim Funke 18.11. Hedda Hansen 19.11. Günther Magel 22.11. Prof. Dr. Klaus Dörner 25.11. Ingeborg Kress 26.11. Rudko Kawczinski 27.11. Dietrich Spaeth 29. 11. Reiner Drescher 29.11. Hubert Meyer 30.11. Gabriele Abel Wenn Sie sich um Ihre Einzahlung für die nächste Zeit nicht mehr kümmern wollen, lassen Sie einfach abbuchen, Sie sparen: Die Bank bzw. Postgebühren Mindestbeitrag: 60 DMjährlich Einzugsermächtigung Ich bin bis auf Widerruf mit der Abbuchung Q monstlich halbjährlich DM einverstanden ſQ vereharien[I jhrlen Anschrift Geldinstitut Ort Konto- Nr. Bankleitzahl Datum Unterschrift Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V., 35516 Münzenberg, Lindenstraße 68 Der Verein ist als gemeinnũtzig anerkannt. Die Beiträge und Spenden sind steuerlich abzugsfähig. Eine Spendenbescheinigung wird zugesandt. Adressenänderung: Bitte teilen Sie uns bei Wohnungswechsel Ihre Neue Anschrift“ mit. Wir haben bei unserer letzten Aussendung etwa 50-60 Retouren mit dem Vermerk unbekannt verzogen“ von der Post erhalten. Die Nachforschungen nach der neuen Anschrift sind sehr Zeit- und Geldaufwendig, dazu meist erfolglos. Sicher sind Sie an unserer weiteren Arbeit interessiert, aber wie sollen wir Sie informieren, wenn..22 „ S Dann füllen Sie bitte diesen Abschnitt aus, kleben ihn auf eine Postkarte und schicken ihn an folgende Adresse: Lagergemeinschaft Auschwitz Lindenstraße 68 35516 Münzenberg Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V. aUsctwrrz Lindenstraße 68 35516 Münzenberg Telefon 0 60 33 /6 01 68 Sparkasse Wetterau(BLZ 518 500 79) Konto- Nr. 0 020 000 503 Postscheckkonto Frankfurt Main(BL?Z 500 100 60) Konto-Nr. 51 664608 Beitrittserklärung Name, Vorname Anschrift, Straße, PIZ, Ort Geburtsdatum Titel, acad. Grad, Beruf Q Haftling im K? Auschwitz vom bis Haftl. Nr. S Hãftling in anderen Lagern, Gefängnissen etc. E Angehöriger des ehem. Auschwitzhäftlings Hãftl. Nr. Q Freundeskreis der Auschwitzer Datum des Beitritts Unterschrift Zutreffendes bitte ankreuzen HELFEN SIE UNS WERDEN SIE MITGLIED M FREUNDESKREIS HAET AUSCHWTZ DER AUSCHWTAER AUSCEHMWTZ Farbkarte 613 echen der Wehrmacht 1941— 1945*. Die gleichna- tvom 12. September bis 17. Oktober in Marburg ität(Biegenstraße 10) zu sehen. Mitteilungsblatt, September 1997