LAGERGEMEINSCHAET AUSCFHWTZ FREUNDESKREIS DER AUSCHWTAZER 3 m hihſahr 7A ren en a Ungan nach Biena ceportiert unq verast Mmnge muten ceren Gepact Sortieren das vom Debtschen Heich Konysziert Spfich gesfohlen wurcde 14. Jahrgang, Heft 1 Mitteilungsblatt, März 1994 Inhalts veræeichnis Neuer Treffpunkt Liebesbriefe an Hitler Studienreise nach Polen 50 Jahre: Befreiung von Paris Wie Jugendliche Auschwitz erleben KZ Auschwitz- Zentrum des dt. Völkermords von Kazimierz Smolen Kleine Anerkennung für NS-Opfer Fritz-Bauer-Kongreß Bonn zahlt erstmals für Erhaltung von Auschwitz »Und die Augen waren so blau wie der Himmel? Theaterstück mit Ilona Strauß Die»tragisch?(²) pflichtbewußten Soldaten Geburtstagsgrüße Gewaltaufruf der Neo-Nazis Manfred Lemm sang jiddische Lieder Nachrufe Vermischung von Tätern und Opfern D 0 do— 26 27 28 23 30 32 lch habe viel Anteilnahme erfahren beim Tod meines Sohnes Karl-Heinz. Viele Freunde und Bekannte rie- len an, schrieben Briefe oder besuchten mich. Viele nahmen auch an der Beerdigung in Frankfurt teil. Ich werde es nicht vergessen, daß sie mitgetrauert haben. Allen, dle an mich gedacht haben, sich meinen Kum- mer anhörten, aber auch meln Schweigen respektler- ten, sage ich recht herzlichen Dank. Lleselotte Thumser-Weil Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 1 7 2 Gemeindehaus der ev. St. Katharinengemeinde, Leerbachstraße 18 F (Nãhe Oper) in Frankfurt am Main jeweils um 19.30 Uhr am Mittwoch, den 6. April, ist Mfred Marchand, ehemalt- 0 oer KZãfting 2u Gast am Mittwoch, den 4. Mai, Liebesbriefe an Adolf Hitler? Bericht von Helmut Ushöfer Siehe Seite 2) am Mittwoch, den 1. Juni, Berichte von unserer Studien- reise nach Polen am Mitwoch, den 6. Jul, unsere Planungen für 1094/95 2 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Helmut Ulshöfer und William Emker werten Briefe an Hitler aus Blicke in die deutsche Seele Liebesbriefe an„Schatzerl“ Adolf Liebesbriete an Hitler oder„Blick in die deutsche Seele 1933 bis 1945* lautet der Titel einer Veranstaltung der Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundes- kreis. Am Mittwoch, den 4. Mai, werden im neuen Treffpunkt im Zentrum der Frankfurter St. Katharinengemeinde(Leerbachstraße 18) Helmut Ushöfer 9 William Emker über die Auswertung privater Briefe an den„geliebten Führer' berichten. Liebesbriefe an das„Schatzerl Adolf', oft versehen mit Häkeldecken oder Lebkuchenherzen, an das„zuckersüße Wölklein“, waren erotische Offenbarun- gen und gaben Einblick in die Lebenslage der Verehrerinnen. Sie fühlten sich als„Vertraute“ und schilderten dem„Herzensmann' detailiert die Umstände ihres Daseins. Teilweise fielen die Beschreibungen so krass aus, daß die NS- Mediziner die Diagnose„psychisch krank' stellten, was oft den Tod durch Euthanasiesrzte bedeutete. Die Briefe stellen aber auch oft Denunziationen dar. Auch Ehepartner waren dabei nach dem Motto„Mein Mann hat ein Ver- hältnis mit einer Fremdarbeiterin? nicht ausgenommen. Gesammelt hatte diese Briefe die Berliner Reichskanzlei, die außerdem für die oft beiliegenden Geschenke Magazine anlegte. Mehrere Monate nach Kriegsende fielen dem Amerikaner William Emker bei Stöbereien in den Trümmern der Kanzlei Papierberge auf und er brachte 7 bis 10 tausend Briefe in Sicherheit. William Emker, der in Frankfurt als Wilhelm Eucker geboren wurde und als Antifaschist vor den Nazis die Flucht ergriffen hatte, kam nach mehr als vier Jahrzehnten in Kontakt mit dem Soziologen Helmut Ulshöfer. Dieser hatte 1993 schon die Memoiren von Emker herausgegeben und befaßt sich zur Zeit mit der Auswertung der„Liebesbriefe“. William Emker, der in Los Angelos lebt, weilt im Mai zu Besuch in Frankfurt und wird sehr wahrscheinlich Helmut Ulshöfer, der bei der Fandtagstraktioni e der Grünen in Wiesbaden arbeitet, bei seinem Vortrag in der Leerbachstraß begleiten und zur Diskussion bereitstehen. Diethard Stamm Von dem Videofilm*Rechte Zeiten“- siehe Mitteilungsblatt Nr. 4, Dezember 1992— sind neue Kopien hergestellt worden und kõnnen bei der Geschäftsstelle der Lagergemeinschaft-Freundeskreis in Mün- zenberg gegen eine Spende von 20 Mark angefordert werden. Außerdem ist bei uns zu erwerben, das wieder aufgelegte Iaschen- buch*Auschwitz. Bericht über die Strafsache gegen Mulka u.à. vor dem Schwurgericht Frankfurt', in dem der Journalist Bernd Naumann den Verlauf des 1. Auschwitz-Prozeßes und seine Hinter- gründe dokumentierte. Das Buch kostet 15 Mark. Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 3 Noch Plãtze frei- Bitte umgehend anmelden Studien- und Bildungsreise nach Polen Auf den Spuren des Nationalsozialismus Die Studien- und Bildungsreise führt dieses Jahr wieder nach Polen. Sie beginnt am 26. Marz und endet am 10. April(also während der hessischen Osterferien). Es sind noch Platze frei, Anmeldung muß jedoch umgehend erfol- en. Die Reisen zu den Stätten der Vernichtung vhrend der NS-Zeit sind heute wichtiger denn jel Sie sollen uns zeigen, wohin Rassismus und Menschenver- achtung führen. Sie sollen dazu beitragen, dagegen anzukämpfen. Dabei sind aber auch die Kontakte und Gesprãche mit ehemaligen Haftlingen wichtig. REISEROUTE: Frankfurt/ M.- Zgorzelec-Oswiencim- Gedenkstätte Aus- chwitz-Zakopane-Majdanek-Krakow Zgorzelec-Frankfurt/M. UNTERKUNFT und VERPFLEGUNG. Wohnen werden wir in einfachen Hotels oder auch privat bei Familien ehemaliger Haftlinge. Führungen und Eintrittsgelder sind im Preis enthalten. Die Teilnehmerzahl ist auf maximal 25 personen beschränkt. Jeder Teilnehmer benötigt einen bei Antritt der Reise noch mindesten 6 Monate gültigen Reisepaß. REISEPRElS: voraussichtlich 970 Mark. Die Reise kann für Arbeitnehmer als Bildungsurlaub', für Lehrer als »Lehrerfortbildungsreiseꝰ anerkannt werden. ANMELDUNG an: Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Aus- chwitzer, 35516 Münzenberg, Telefon 06033— 6 01 68. Uberweisungen werden uf das»Konto für Studienreisen? bei der Sparkasse Wetterau Bl-Z 518 500 79) auf die Kontonummer O 020 000 660 erbeten. Eventuelle Anderungen vorbehalten. — 4 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Kohl untersagt deutschen Diplomaten Teilnahme an Gedenkfeiern 50. Jahrestag der Befreiung von Paris Reise zu französischen Gedenkstätten Eine Reise zu französischen Gedenkstätten und Stätten gemeinsamen Kampfes deutscher und französischer Antifaschisten findet vom 8. bis 20. September statt. Anlaß sind der 50. Jahrestag der Landung der Westalliierten in der Normandie und der 50. Jahrestag der Befreiung von Paris. An der Reise werden Zeitzeugen, auch deutsche Angehörige der Resistance, teilnehmen. Die Fahrt wird mit einem modernen Reisebus erfolgen. Der Preis für Fahrt und 10 Ubernachtungen beträgt 1210 Mark(plus Zuschlage bei Einzelzim- mern). Anmeldeschluß ist der 31. Juli 1994. Anmeldungen und Anfragen zum genauen Programm sind zu richten an: Touristik und Kontakt International, Dimitroffstraße 161/163 in 10407 Berlin, Telefon O40— 4 23 33 33, Telefax 4 23 33 22. Gefördert wird die Reise von dem Verband DRAFD. In Frankreich und den Beneluxstaaten finden dieses Jahr weitere Feiern statt, an denen diese Staaten zum 50. Mal den militärischen Erfolgen der Ali- ierten gedenken, durch die die deutsche Besatzer aus dem Land vertrieben wurden. Deutschen Diplomaten wurde es von der Regierung Kohl untersagt, Einladungen zu diesen Gedenkveranstaltungen anzunehmen. Laut Pressemel- dungen ist Kohl verärgert, weil er selbst nicht von den Aliierten eingeladen wurde, obwohl er sich darum bemüht habe. lnternationales Treffen zum Thema„Audivisuelle Spurensuche? Interviews mit Zeitzeugen Audiovisuell aufgenommene Zeugenaussagen von Uberlebenden der ds¶M Konzentrationslager sind Thema eines internationalen Treffens, das vom 16. bis 18. September 1994 in Paris im Palais du Luxembourg stattfindet. Veran- stalter ist die Brüsseler Fondation Auschwitz“ und die französische „Fondation pour la Memoire de la Deportation?. Gruppen oder FEinzelpersonen, die an der Konferenz teilnehmen möchten, werden gebeten, sich mit Angaben zu ihrer bisher geleistete Arbeit zu diesem Thema zu bewerben. Die Anschrift lautet: Foundation Auschwitz, rue des Taneurs 65, 1000 Bruxelles. Das Organisationskommitee wird dann über die Modalitäten der Teilnahme genau informieren. Wird eine Einladung ausgespro- chen, übernehmen die Veranstalter die Kosten für Anfahrt und Ubernachtung. Jede Gruppe hat bei der Konferenz 45 Minuten Zeit, um ihren Beitrag vorzu- stellen, der auch durch Videobeispiele(VHS) illustriert werden kann. Simul- tanũ bersetzungen in Englisch und Franzòsisch werden geboten. Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 5 Warum und zu welchem Endeꝰ Wie dugendliche Auschwitz erleben. von Klaus Konrad-Tromsdorf Die nachfolgend dokumentierten Tagebuchnotizen entstanden während eines Gedenkstättenseminars in Auschwitz. Die teilnehmenden Schülerin- nen und Schüler einer Gesamtschule des Landkreises Gießen waren damals Ssechzehn Jahre alt. Die Autorin studiert heute Germanistik und Kunstwis- Senschaften an der Universitãt in Gießen. TAGEBUCRH AUSCHWIT2 Katja Rischmann 01. 06. 1989 Nun sitze ich hier zwischen all meinen Sachen, die ich mit nach Auschwitz nehmen will. Morgen geht es los! Morgen beginnt die Fahrt zu einem Ort, an dem Menschen planmsßig umgebracht wurden, und ich sitze hier, packe meine Tasche und versuche, jeglichen Gedanken an diesen Ort zu unter- drücken. Aber es gelingt mir nicht! Denn ich habe Angst vor dem, was dort auf mich wartet. Ich frage mich, was ich empfinden werde, wenn ich durch diese Todesstätte gehe; werde ich schockiert oder niedergeschlagen sein, oder wird es mich gar nicht berũhren? Was wird kommen? 03. 06. 1989 Jetzt sind wir da! Mein erster Eindruck: hier ist alles grau, das Land, die Häuser, ja sogar der Himmel. Grauer Himmel, graue Vergangenheit. Wie passendꝰ! 04. 06. 1989 Heute morgen war Stadtführung. Es war sehr interessant, durch die Straßen zu gehen, Häuser und Plãtze zu schen, Geschichte und Geschichten anzuhören. Doch schon da ist mir bewußt geworden, wie sehr diese Stadt von der Vergangenheit beeinträch- 6 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer tigt wird. Ein großer Bunker- damals: Deutsche Wertarbeit“; heute: ein Einkaufszentrum. Das Judenviertel- damals; heute: heruntergekommene Hãuser. Die Vergangenheit ist überall. Und dann am Nachmittag: Führung durch das Stammlager Auschwitz. Wir sind von Block zu Block, von Ausstellung zu Ausstellung gegangen, und der einzige Gedanke, der mir dabei gekommen ist:'Wie können Menschen andere Menschen töten? Wie können Menschen Frauen, Kinder, Männer töten und dann noch alles, was verwertbar erscheint, verwerten Haare, kKleidung, Geschirr, Prothesen, Schuhe, Brillen etc.? Ich kann es nicht ver⸗ stehen, aber wird es jemals jemand verstehen? 6 In Block elf waren die Todeszellen. Folterkammern. Zellen, in denen die Menschen an Hunger krepierten, er- stickten oder durch erzwungenes Stehen geschwächt wurden. Was müssen das für Menschen gewesen sein, die sich solche Blocks, solche Gaskammern ausgedacht habenꝰ lch verstehe nichtl Mir erscheint das alles unwirklich. lch kann mir nicht vorstellen, wie so etwas passiert ist. lch kann nicht. 05. 06. 1989 Wieder sind wir ins Stammlager gegangen. Arbeitseinsatz zur Instandhal- tung des Lagers. Zuerst sind wir alle im Archiv gewesen, wo uns die Archi- Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 7 varin die Sachen erklärt hat, die es dort gibt. Dort sind noch heute von Zeugenaussagen bis hin zu Tonbãndern auch solche Informationen erhalten, die die SS nicht vernichten konnte. Danach ist die Gruppe geteilt worden. Eine Gruppe fürs Archiv, eine andere zum Grasrupfen. Ich bin in die erste Gruppe geraten, dort befaßte ich mich dann nãher mit einem Bericht über den Arzt Mengele, der in Auschwitz unmenschliche Versuche vornahm- vor allem an Zwillingen. Ich finde, dieser Mengele war ein total zwiespãltiger Typ, aut der einen Seite hat er seine Versuchskaninchen? verhätschelt und aut᷑ der anderen Seite hat er Menschen selektiert- also über Leben und Tod regiert. VOLLI6 ABSURD. 3 Am Nachmittag waren wir im Lager Birkenau. Eine riesige Flache(75 Hektar) mit Baracken. Ich weiß nicht, aber irgendwie ging das alles nicht an mich, mir war es da zu idyllisch. In's Gruppentagebuch habe ich geschrie- ben, daß es mir so vorkam, als ob wir über Leichen laufen. Es ist wirklich Seltsam. Ich spüre die Blicke der Besucher auf uns gerichtet, kann ihnen jedoch nicht begegnen. Ich fühle mich beinahe schuldig, so absurd es auch ist. Schuldig. Es hämmert in meinen Schlafen, obwohl ich genau weiß, daß ich nicht schuldig bin. Ich versuche meine Gedanken zu beschwichtigen, indem ich denke: Du warst es nicht. Es war das Herrenvolk' aus dieser Zeit' lch habe Angst davor, doch schuldig zu sein. In Birkenau ist alles ruhig, zu ruhig. 06. 06. 1989 Heute hatte ich meinen ersten Arbeitseinsatz. Wir waren in Birkenau, die Fugen zwischen den Steinen des Denkmals sauber zu machen. Ich fand es gut, da hatte man wenigstens Zeit zum Nachdenken. Am Nachmittag waren wir in der jüdischen Ausstellung, aber ich habe nicht viel davon mitgekriegt. lch war einfach schon zu voll mit Informationen, die ich noch nicht alle verdaut hatte, also habe ich einfach abgeschaltet. Schließlich fand am Abend das Gesprãch mit einem ehemaligen polnischen Auschwitz-Hsftling statt. Ich fand es gut, noch einmal zu hören, wie ein Haftling das alles erlebt hatte. 07. 06. 1989 Arbeitseinsatz! Heute fingen wir mit Schuheputzen an, da das Wetter schlecht war. Ein Teil von uns putzte Schuhe, ein anderer trug saubere in die Besichtigungskästen und holte dreckige heraus. Ich war bei den Trägern. Mir hat die Arbeit Spaß gemacht, was eigentlich verwunderlich ist, wenn man sich vorstellt, was ich da hin und her getragen habe. Was mich aber störte, war nicht die Arbeit, sondern die Besucher der Ausstellung. Die schauten uns an wie einen aufgespießten exotischen Schmetterling in einem Glaskasten, der noch ein wenig zappelte. Dann wurde das Wetter besser und wir fuhren nach Birkenau. Wie üblich harkten wir Unkraut in den Fu- 8 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer gen. Am Nachmittag hatten wir Gelegenheit, Fotos zu knipsen, Bilder zu malen oder etwas Ahnliches zu tun. 09. 06. 1989 Heute war Abschied. Am Morgen habe ich mich von Birkenau verabschie- det- beim Arbeitseinsatz. Am Nachmittag war ich im Stammlager und habe mich dort von dem Ort verabschiedet. Ich habe Angst, alles zu vergessen! Beim Abschied von Birkenau habe ich mich vor die Ruinen eines Kremato- riums gesetzt. Es war ganz still. Da habe ich etwas bemerkt, was mich komisch berührt hat: Mitten in den Ruinen blühen VergiBmeinnicht. lch werde nicht vergessenl 08. 06. 1989 Wir sitzen am Bahnhof. Noch eine Stunde Aufenthalt in Auschwitz. Ich versuche, meine Gedanken fließen zu lassen, durch meinen Kopt, durch den Füller aufs Papier. Ich versuche, das, was ich in der letzten Woche erlebt habe, zu rekonstruieren, aber ich lasse es lieber. Im Moment habe ich zu viele Gedanken, als daß ich auch nur einen aufschreiben könnte. Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 9 Konzentrationslager Auschwitz Zentrum des deutschen Völkermords Kazimierz Smolen Das größte Zentrum des hitlerfa- schistischen Völkermords ist das Konzentrationslager Auschwitz-Bir- kenau gewesen, in dem ungefähr vier Millionen Menschen aus ganz Europa ums Leben gekommen sind. In Au- schwitz starben Menschen verschie- dener politischer und religiõser Welt- anschauungen, Mitglieder der Wider- standsbewegung und Einwohner der ausgesiedelten Stäãdte und Dörfer, so- wijetische Kriegsgefangene und Zivili- sten, Juden und Zigeuner- Männer, Frauen und Kinder, Bürger aus 24 Staaten. Der Gedanke von der Notwendig- keit der Einrichtung eines Lagers, das die mit Polen überfüllten Gefängnisse entlasten würde, entstand bereits 1939 im Zusammenhang mit der von den Hitlerfaschisten geplanten Welle von Massenverhaftungen unter der polnischen Bevölkerung Schlesiens und des Generalgouvernements. Den Befehl zur Einrichtung des Lagers in Auschwitz erteilte der Reichsführer SS Heinrich Himmler am 27. April 1940, wobei er Rudolf Höss, den ehe- maligen Leiter des Lagers in Sachsen- hausen, zum Kommandanten ernann- te. Leere Kasernen der Polnischen Ar- mee wurden für das Lager ausge- wählt. Man umgab sie mit einer Dop- pelreihe elektrisch geladener Stachel- drähte sowie mit Wachtürmen, auf denen SS-Männer ununterbrochen ih- ren Dienst leisteten. Die ersten Haftlinge, Polen, wurden am 14d. Juni 1940 aus dem Gefängnis in Tarnow ins Auschwitzer Lager ge- bracht. Das anfangs für polnische Haftlinge bestimmte Lager wurde im Laufe der Zeit zu einem internationa- len Lager, da schon seit 1941 die Dienststellen der Gestapo damit be- gangen, unter anderen Tchechen, Slowaken, Russen, Jugoslawen und Osterreicher sowie anschließend Franzosen, Belgier, Niederländer, Zi- geuner, Italiener, Ungarn, Norweger, Amerikaner, Briten, Bulgaren, Schweizer und auch deutsche Gegner des Dritten Reiches und riesige Transporte von Juden in dieses Lager zu schicken. Parallel zum Anstieg der Anzahl der Hãftlinge vergrößerte sich die ter- ritoriale Ausdehnung des Lagers. Im Ergebnis entstand in Auschwitz ein riesiger Todeskomplex, der sich aus drei wesentlichen Bestandteilen zu- sammensetzte: dem Stammlager Au- schwitz I, dem Lager Auschwitz ll in Birkenau sowie dem Lager Ill in Mo- nowitz zusammen mit dem ihm unter- stehenden Netz von Nebenlagern, die hauptsächlich in der Nãhe der schlesi- schen Industriebetriebe gebildet wur- den. Die ins Lager geschickten Hãftlinge wurden registriert, das heißt man no- tierte ihre Personalien und kennzeich- nete die Häftlinge mit Nummern. Die Lagernummer war das einzige Erken- nungszeichen des Haftlings und trat an die Stelle des Namens. Vom Win- ter 1940 bis zum Jahre 1943 wurden die Haftlinge in den fotografischen Arbeitsräumen des Erkennungsdien- stes in drei Stellungen fotografiert. Schrittweise wurde diese Methode durch das Fintätowieren der Häft- 10 Lagergemeinschaft Auschwit? Freundeskreis der Auschwitzer lingsnummer am linken Unterarm ersetzt. Das lands für politische„Ver- Sollte einer Flucht des Haftlings vorbeugen und brechen? ins Lager gesteckt im Falle einer Festnahme seine Identifizierung worden waren. Hãftlinge jü- erleichtern. Darüber hinaus wurden die Haftlin- discher Abstammung erhiel- ge mit Dreiecken gekennzeichnet, deren Farbe ten einen Stern aus einem davon abhing, aus welchem Grund sie verhaftet gelben Dreieck und einem und ins Lager geschickt worden waren. Die Dreieck in der Farbe, die dem meisten Haftlinge trugen ein rotes Dreieck an Grund ihrer Verhaftuang ent- ihrer Bekleidung, was zu bedeuten hatte, daß sprach. Zigeuner und von Sie als Feinde des hitlerfaschistischen Deutsch- den Hitlerfaschisten als Aso- ziale angesehene Häftlinge wurden mit schwarzen Drei- ecken gekennzeichnet. kr0 minelle trugen grüne Dreiek- e, wahrend Bibelforschern iolette Dreiecke zugeteilt wurden. Das malarische Klima der Umgebung von Auschwit?, die allen grundlegenden An- forderungen hohnsprechen- den hygienisch-sanitären Un- terbringungsverhältnisse, Hunger, unzureichende und vor Kalte nicht schützende Bekleidung, die lange Zeit nicht gewechselt, gewaschen und schlecht desinfiziert wurde, Ratten und Insekten- all das trug dazu bei, daß Krankheiten hervorgerufen wurden und Epidemien ent- standen, die die Anzahl der Lagerinsassen dezimierten Unter diesen Bedingungen itten besonders die Haftlinge in Birkenau, wo es lange Zeit weder eine Kanalisation noch ein Wasserleitungsnetz gab. Einzig und allein die Nie- derschläge von Regen oder von Schnee erleichterten es, zu Wasser zu gelangen. Man hatte sogar den Befehl erlas- en, der die Benutzung der primitiven sanitãren Finrich- tungen auf zehn Sekunden begrenzte. 8 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 1 Die gewöhnlichen Tage im Lager unterschieden sich nicht voneinander. Fast zugleich mit dem morgendlichen Gong, der das Aufstehen ankündigte, stürmte der Blockälteste in die Stube und„beaufsichtigte“ mit Geschrei und Schlägen das Saubermachen des Saales. Ohne Rücksicht auf das Wet- ter wurden die Haftlinge auf die La- ertraße getrieben. Die weiblichen Haftlinge in Birkenau nutzten dann jede Pfütze, um zu etwas Wasser zum Waschen zu gelangen. Das Frühstück bestand aus einem halben Liter einer „Kaffee' genannten bitteren Flüssig- keit. Nach einer derartigen„Stär- kung' mußten die Häftlinge auf dem Appellplatz antreten, um dann meh- rere Minuten später in Fünferreihen zur zwölfstündigen Arbeit abzumar- schieren, die ohne Atempause, häufig im Laufschritt und unter der Aufsicht von mit Schlagstöcken bewaffneten SS-Männer und Kapos verrichtet wurde. Die Arbeitszeit wurde mit der Zahl der Getöteten bemessen und von einer kurzen Pause für den Verzehr einer aus verfaultem Gemüse zuberei- teten Mittagssuppe unterbrochen. Die hintereinander fallenden Schläge und Peitschenhiebe erhöhten das Arbeits- tempo der Haftlinge. Eine zusätzliche Qual waren die von den Haftlingen getragenen Holzpantinen, die es ih- nen erschwerten, sich auf dem aufge- weichten, lehmigen und aufgewühlten Gelãnde fortzubewegung. Bei der Rückkehr der Arbeitskom- mandos wurden die erschlagenen oder durch Stock- und Spatenhiebe verletzten Haftlinge ins Lager ge- Schleppt. Die Kameraden, die heute noch mit Mühe ihre Elendsgenossen trugen, wußten, daß der morgige Tag der letzte für sie sein konnte. Sie wußten, daß dann andere sie ins La- ger bringen würden, damit beim Ap- pell, bei dem alle-Lebende und die Toten- anwesend sein mußten, die Angaben der Lagerevidenz und der 12 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer wirkliche Stand übereinstimmten. Der Abendappell, während dessen die Haftlinge standen oder hockten, dau- erte eine oder sogar mehrere Stun- den. Im Frauenlager fanden oft Straf- appelle statt. Die Haftlinge mußten dann mit erhobenen Handen auf der Erde knien. Der längste, ungefähr 19 Stunden dauernde Appell wurde als Vergeltung für die Flucht eines der Haftlinge am 6. Juli 1940 in Au- schwitz durchgeführt. Nach dem Appell erhielten die Haftlinge ihr Abendessen, das aus 300 bis 350 Gramm Brot, 30 Gramm Magarine und Kräutertee bestand. Der tägliche Nährwert des Essens lag bei 1300 bis 1700 Kalorien. Die am obigen Beispiel geschilder- ten Tage unterschieden sich einzig und allein dadurch, daß anstelle des strõmenden Regens, der auf die kahl- geschorenen Köpfe der Haftlinge fiel, Kälte und Wind oder brütende Hitze ihren Körper durchdrang. Die Tage unterschieden sich durch die Anzahl der Getöteten, durch die Anzahl der in die Gaskammern geschickten Haft- linge und durch die Anzahl der Ge- nickschüsse, mit denen die Hãftlinge an der sogenannten Todeswand er- mordet wurden. Sklavenarbeit und Hunger trugen dazu bei, daß der Organismus der Hãftlinge völlig entkräftete. Die kör- perliche Schwächung wurde von einer geistigen Erschöpfung begleitet, die eine völlige Gleichgültigkeit und das Fehlen irgendwelchen Interesses an der Umwelt bewirkte. Im langsamen Aushungern begriffene Haftlinge wur- den im Lagerjargon„Muselmänner? genannt. Tagtäglich schleppte sich in Auschwitz ein Leidenszug dieser aus- gemergelten Haftlinge zum Tor des Lagerkrankenhauses, das wegen der fehlenden ärztlichen Hilfe und des Mangels an Medikamenten treffend Vorhalle des Krematoriums genannt wurde. Diejenigen, die es nach Mei- nung der SSMänner nicht zu heilen lohnte, gingen nach der Selektion in die Gaskammer oder wurden nach ih- rer Tötung durch Phenolinjektionen auf den letzten Weg ins Krematorium geschickt. Im Frauenlager in Birkenau wurden Kranke und Genesende, bei denen keine Hoffnung bestand, daß sie wie- der schnell zu Kräften kommen vur den, in die von den anderen isolierte Baracke 25 geschickt. Da auf sie der Abtransport in die Gaskammer war- tete, erachtete es die SS nicht für not- wendig, ihnen irgendwelche Nahrung zu geben. Die Gestorbenen wurden auf den Hof gelegt, und die Le benden wurden mit Lastkraftwagen nach ei- nigen oder mehreren Tagen zu den Gaskammern transportiert. Im Lager Auschwitz gab es auch Kinder. Sie kamen mit verschiedenen Transporten aus der Umgebung von Zamosc, Minsk, Witebsk und Teresi- na. Es gab auch Zigeuner, Juden und auch Kinder, die nach dem Warschau- er Aufstand deportiert wurden. Die Kinder unterlagen der gleichen Diszi- plin wie die Erwachsenen. Einige von ihnen dienten den SS-Arzten als Ex- perimentiermaterial, andere mußten schwer arbeiten. Die Kinder ware sich der ihnen drohenden Gefahr voll bewußt und versuchten, ihr aus dem Weg zu gehen. Besonders deutlich trat dies bei den Selektionen zutage, die von den SS-Arzten durchgeführt wurden. Ein ehemaliger Haftling, der Kinderarzt Professor Dr. Bertold Ep- stein, beschreibt folgendermaßen eine der derartigen Aktionen:„Wenn die S8 unter den Kindern eine Selektion vornahm, so brachte sin in 1,20 Meter Höhe eine Latte an. Alle Kinder, die unter dieser Latte hindurchgingen, kamen zum Verbrennen. Da sie dieses Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 13 wußten, streckten die Kleineren ihre Köpfchen so hoch wie möglich in die Höhe, um so in diejenige Gruppe zu kommen, die am Leben blieb.? Der von den Hitlerfaschisten ent- fesselte Terror war eine unablässige Gefahr für die Gefangenen. Selbst eine kurze Erholungspause wurde von Schlägen mit Stöcken, Knüppeln oder Gewehrkolben unterbrochen. Die At- mosphäre des Lagers war zu jeder Ta- geszeit vom Gebrüll der Henker und dem Sausen der ausgeteilten Schläge erfüllt. Selbst in der Nacht wurde der Schlaf der Häftlinge vom Widerhall der Schüsse unterbrochen, die die SS-Posten auf jene abgaben, die den Terror im Lager nicht ertragen konn- ten und sich„in die Drähte' warfen, um sich das Leben lzu nehmen. Die Hölle des Lagers wurde durch das von der SS angewendete Strafsy- stem noch verschärft. Dieses System war hauptsächlich darauf gerichtet, Terror zu s5en und die Hãftlinge zu vernichten. Alles konnte Grund für eine Strafe sein: das Aufheben einer Kartoffel, das Anstecken einer Ziga- rette, die Verrichtung der Notdurft zu unpassender Zeit, ja sogar der Tausch eines eigenen goldenen Zahns gegen ein Stück Brot oder die, nach Auffas- sung der SS-Leute zu langsame und wenig produktive Arbeit. Ausmaß und Art der Strafe hingen in der Regel vom Humor und Willen des SS- Mannes ab. Die am meisten ange- wandten Strafen waren: Prügelstrafe auf einem besonderen Bock(25 und mehr Schläge), stundenlanges Hän- 14 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer gen am Pfahl(der Körper des Haft- lings hing an den auf dem Rücken ge- bundenen Händen), langandauerndes Strammstehen, Strafappelle, Abkom- mandierung zur Strafkolonne, zusätz- liche Arbeit, Einsperren in besondere Zellen, Beschränkung oder völlige Einstellung der sowieso schon gerin- gen Essensrationen. Nach dem Prinzip der Sammelver- antwortlichkeit verurteilte die SS als Vergeltung für eine Flucht 10 bis 20 Mitgefangene zum Hungertod oder lieB sie aufhängen. Für den Verdacht, eine Flucht vorzubereiten oder für ei- nen Fluchtversuch wurden die Haft- linge während des Appells öffentlich gehängt oder erschossen. 8 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 15 Exekutionen fanden in Auschwitz am häufigsten auf dem Hof von Block 11, an der sogenannten Todeswand statt. Dort wurden ungefähr 20 000 Menschen erschossen. Ahnlich wie in anderen Lagern führten auch in Auschwitz SS-Arzte viele verbrecherischen Experimente an Haftlingen durch. So führten bei- spielsweise Prof. Dr. Carl Clauburg und Dr. Horst Schumann Experimen- te über die Sterilisierung von Frauen und Mãnnern durch, deren-Ziel darin bestand, eine schnelle Methode für die biologische Ausrottung der Sla- wen auszuarbeiten. Dr. Joseph Men- gele nahm im Rahmen genetischer und anthropologischer Untersuchun- gen Experimente an Zwillingskindern und Krüppeln vor. In Auschwitz wur- den auch verschiedenartige Versuche zu Anwendung neuer Präparate durchgeführt. Man rieb den Haftlin- gen giftige Substanzen unter die Haut, führte Hauttransplantationen durch. Hunderte von männlichen und weiblichen Hãftlinge starben während dieser Experimente, und bei denen, die überlebten, waren erhebliche Ge- sundheitseinbußen oder dauerende Verkrüppelungen festzustellen. Das Konzentrationslager Au- schwitz war nicht nur ein Ort, an dem Hãftlinge verschiedener Nationalitä- ten abgesondert und umgebracht wurden. Von 1942 wurde es zum größten Zentrum für die Ausrottung der jüdischen Bevölkerung Europas. Der ehemalige Kommandant des La- gers Rudolf Hõss zitiert in seiner Au- tobiographie ein Gespräch mit dem Reichsführer SS Heinrich Himmler, in dessen Verlauf dieser erklärte:„Die bestehenden Vernichtungsstellen im Osten sind nicht in der Lage, die bea- bsichtigten großen Aktionen durch- zuführen. Ich habe daher Auschwitz dafür bestimmt, einmal wegen der günstigen verkehrstechnischen Lage und zweitens läßt sich das dafür dort zu bestimmende Gebiet leicht absper- ren und tarnen. Nãhere Einzelheiten erfahren Sie durch Sturmbannführer Eichmann vom RSHA.* Die Züge, die Menschen aus allen okkupierten Ländern nach Auschwitz brachten, hielten an einer extra dafür hergerichteten Rampe im Lager, an der SS-Arzte die Selektion vornah- men. Dabei wurden die Arbeitsfähi- gen von den alten Leuten, Invaliden, Schwangeren und Kindern, die in der Regel zur Arbeit nicht geeignet wa- ren, getrennt. Einer der SS-Arzte, Johann Kre- mer, notierte 1942 in sein Tagebuch: „Zum ersten Male draußen um 3 Uhr bei der Sonderaktion zugegen. Im Vergleich hierzu erscheint mit das Dante'sche Inferno fast wie eine Ko- mõdie. Umsonst wird Auschwitz nicht das Lager der Vernichtung genannt.? Ohne jegliche Untersuchungen schickten die SS-Arzte durchschnitt- lich 70 bis 80 Prozent der Neuange- kommenen in den Tod. SSMänner umezingelten die Gruppen der selek- tierten Menschen und führten sie zu den Gaskammern. Man erklärte ihnen dabei, daß alle vor dem Betreten des Lagers gebadet und desinfiziert wer- den. Johann Kremer notierte am 12. Oktober:„Trotzdem in der Nacht noch bei einer Sonderaktion aus Hol- land(1600 Personen) zugegen. Schau- erliche Szene Das war die 10. Son- deraktion.“ Es gab hunderte solcher Aktionen. Nach dem Verschließen der Türen zu den Gaskammern schütteten An- gehörige der 8S8 durch spezielle Schächte, die sich in der Decke befan- den, das Giftgas Zyklon B ein. Die in der Gaskammer eingeschlossenen Menschen erstickten innerhalb von 15 bis 20 Minuten. Die Leichen wurden 16 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer in den vier Krematorien oder auf Scheiterhaufen verbrannt. Die Asche verstreute man auf den umliegenden Feldern oder schüttete sie in Flüsse und Teiche. Aus den Geschäftsberich- ten der Firma Degesch(DOeutsche Ge- sellschaft zur Schädlingsbekämp- fung), die das Zyklon B herstellte, geht hervor, daß allein in den Jahren 1942 und 1943 insgesamt 19.652 Kilo- gramm dieses Giftgases nach Au- schwitz geliefert wurden. Diese Zahl- in Gegenüberstellung zu den Worten des Kommandanten Höss, daß für die Vergasung von 1500 bis 2000 Men- schen 6 bis 7 Kilogramm Zyklon B be- nötigt wurden- bestätigt das riesige Ausmaß der von der SS allein in Au- schwitz begangenen Verbrechen. Um sich die Durchführung der ver- brecherischen Pläne zu erleichtern, betrogen die Hitlerfaschisten die zur Vernichtung Verurteilten, indem sie ihnen die trügerische Perspektive vorgaukelten, daß jene in neuen Ge- bieten angesiedelt würden. Daher nahmen die Deportierten auch oft die wertvollsten Dinge ihres Besitzes mit sich. Das geraubte Gut der Ermorde- ten wurde in 35 Sonderbaracken ge- sammelt, wo es sortiert und anschlie- Bend für den Bedarf der SS, der Wehrmacht wie auch der Zivilbevöl kerung ins Innere des Dritten Reiches geschickt wurde. Obwohl man neue Magazine errich- tete und ständig volle Züge von Au- schwitz abfuhren, wuchsen zwischen den Baracken Berge von Schuhen, Anzügen, Bürsten und weiteren Uten- silien. Bei der Jagd nach dem Gewinn wurden selbst die Leichen der Men- schen nicht übergangen: die umge- schmolzenen Goldzähne wurden dem SS-Sanitätshauptamt und der Reichs- bank zugeschickt; die den ermordeten Frauen und Mädchen abgeschnitte- nen Haare wurden zu Roßhaargewe- be, Matratzen und ähnlichem verar- beitet, und die Asche der Menschen Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 17 wurde als Dünger genutzt. Zugleich mit der Vernichtung von Millionen von Menschen wurden auch ihre Personalausweise verbrannt, und das Gelände, auf dem die Verbrechen begangen wurden, wurde schärfsten Kontrollen unterworfen, um sowohl die Anzahl der Ermordeten als auch die Namen der Mörder geheimzuhal- ten. Trotz der 1944 an den Fronten des Zweiten Weltkrieges erlittenen Nie- derlagen waren die Nazis weiter dar- um bemüht, die verbrecherische Ma- schinerie zu verbessern, den Fahrplan der Züge, die die Opfer zu Tausenden zur Rampe in Birkenau transportier- ten, reibungsloser zu gestalten und das Bersten der Tag und Nacht bren- nenden Kramatorien zu verhindern. Das Lager in Auschwitz war nicht nur ein Ort, an dem täglich Hunderte, Tausende von Menschen starben. Die dort inhaftierten Menschen kämpften fortwährend um ihr Leben, um die Wahrung der menschlichen Würde und auch darum, daß die Welt die Wahrheit über die Verbrechen der 88 erfuhr. Dieser Kampf war von dem Augenblick an geführt worden, als sich das Lagertor hinter den Haftlin- gen geschlossen hatte. Man konnte den Kampf jedoch nicht öffentlich führen. Die Haftlinge mußten eine sol- che Taktik wählen, die es ihnen er- möglichte, bei geringsten Verlusten größtmögliche Ergebnisse zu erzieh- len. Denn durch das auf verbrecheri- sche Methoden beruhende raffinierte System der Vernichtung wurde jedes kleinste erkannte Zeichen des Wider- stands mit äußerster Rücksichtslosig- keit zerschmettert. Die anfangs nicht organisierte und spontane Wider- standsbewegung des Lagers verbes- serte im Laufe der Zeit die Formen ih- rer Tätigkeit. Sie beruhte darauf, ge- fährdete Häftlinge mit allen zur Ver- fügung stehenden Mitteln zu retten, Medikamente zu besorgen, ärztliche Hilfe zu erteilen und den Mut der Hãftlinge aufrechtzuerhalten. Die Hãftlinge sammelten Beweise für die hitlerfaschistischen Verbrechen und schickten sie illegal„durch die Dräh- te'. Sie organisierten die Flucht von Mithäftlingen derart, daß andere nicht bestraft wurden. Nachrichten wurden in Form von Kassibern, die häufig chiffriert waren, überwiesen. Man schmuggelte sie in der Kleidung oder in extra dazu vorbereiteten Ge- genständen aus dem Lager. Oft wur- den Beweismaterialien über die Ver- brechen in der Erde vergraben. Der Kampf mit dem wütenden Ter- ror erforderte den Zusammenschluß der Anstrengungen der Hãftlinge. An der gemeinsamen Front gegen die S8 kämpften Menschen unterschiedli- cher gesellschaftlicher und politischer Weltanschauungen, Menschen ver- schiedener Nationalitäten, ohne Rücksicht auf Abstammung und Kon- fession. Die Siege, die die Hitlerfaschisten anfangs errungen, hatten sie zu dem Grad erdreistet, daß sie nicht damit rechneten, für von ihnen gegangene Verbrechen zur Verantwortung gezo- gen zu werden. Als jedoch nach der Welle der Siege die Zeit der Niederla- gen herankam, begannen sie die Spu- ren ihrer Verbrechen zu verwischen. Die Vernichtung der Dokumente, De- montage der Baracken, Verbrennung der Sachen und Kleidung ihrer Opfer und die Sprenung der Gaskammern und Krematorien sind beredte Bei- spiele. Die Faschisten begannen, die Hãftlinge in andere Lager zu evakuie- ren. Die letzte Gruppe von ungefähr 60 000 Haftlingen wurde mehrere Dutzend Kilometer aus dem Lager ge- trieben, anschlieBend in offene Kohle- waggons verladen und ins Reichsinne- 18 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer re verschleppt. Die Leichen säumten die Transportstrecke. Im Lager verblieben Kranke und Schwache, diejenigen, die von den Fa- schisten zum Erschießen bestimmt waren. Durch das schnelle Eingreifen der Sowjetarmee ist es nicht gelun- gen, diese Pläne zu verwirklichen. Das Lager wurde am 27. Januar 1945 von den Soldaten der 60. Armee der Er- sten Ukrainischen Front befreit. Nur wenige, völlig erschöpft, haben die Befreiung erlebt. Ihnen wurde von Sowjetischen Arzten und Kranken- pflegern sowie Angehörigen des Pol- nischen Roten Kreuzes sofortige ärzt- liche Hilfe erteilt. Gleichzeitig begann die Sowjetische Untersuchungskommission ihre Ar- beit, um die von den Nazi- Aggressoren und ihren Helfershelfern begangenen Verbrechen aufzuzeich- nen. Nach der Terrainbesichtigung, der Untersuchung der Vernichtungs- anlagen und dem Verhör der noch am Leben gebliebenen Haftlinge fertigte die Kommission einen genauen Be- richt an, in dem die erschütternde Wahrheit über die in Auschwitz be- gangenen Verbrechen dargestellt und in dem festgestellt wurde, daß„in Auschwitz nicht weniger als vier Millionen Men- schen ums Leben gekommen sind'. Diese Zahl ist durch über- schlägige Berech- nungen des Inter- nationalen Mili- tärgerichtshofes in Nürnberg und des Obersten Na- tionalgerichtsho- fes in Polen bestã- tigt worden. Das voln D sche Parlament beschloßß am 2. Juli 1947 ein Ge- setz, in dem das Gelände des ehe- maligen Konzen- trationslagers „für alle Zeiten zu einem Denkmal des Martyriums des polnischen Volkes und ande- rer Völker“ er- klärt wurde.— Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 19 Lagergemeinschaft würdigte Widerstand von Sinti und Roma Kleine Anerkennung für NS-Opfer Ein besonders„trauriges Kapitel deutscher Schäbigkeit' nannte Rechts- anwalt Heinrich Hannover auf dem Fritz-Bauer-Kongreß die Verfahrens- weise wie Gesetzgeber und Entschädigungsbehörden mit den NS-Opfern umgegangen sind und auch noch heute umgehen. Zu den Opfern, die kaum oder oft genug gar nicht entschädigt wurden, 5 zählten unter anderem auch die Sinti und Roma. Melanie Spitta und Kathrin Seiftert haben über das Schicksal dieser Menschen einen Film produziert, der auch uns beeindruckt hat. Vor Weihnachten hat der Vorstand der La- gergemeinschaft beschlossen, sechs aus dem Film bekannten Opkern der Nazis eine Spende, als Anerkennung für ihren Widerstand und als Weih- nachtsgeschenk zukommenzulassen. Jeweils 250 Mark wurden an Melanie Spitta zur Weitergabe überreicht. Ist Ihnen aufgefallen, daß wir in unserem letzten Mitteilungsblatt(Dezember 1993) keinen Spendenaufruf gebracht haben? Seit vielen Jahren war es üblich, daß wir im Herbst oder Winter solch einen Aufruf brachten. Wir haben diesmal beschlossen, daß wir unsere Aktion für ehemalige K?Z- Haftlinge zu Ostern durchführen. Wir bitten Sie deshalb in den kommenden Wochen um lhre Hilfe. Die Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer hat seit Jahren regelmäßig bedürftige ehemalige Hsaftlinge der deut- schen Konzentrationslager- überwiegend in Polen— finanziell und 5 auch mit Sachspenden unterstützt. In Polen sind die früher knappen Verbrauchsgũter heute zumeist günstiger zu haben, als in Deutsch- land, deshalb sind Hilfslieferungen mit Lebensmitteln und Kleidung nicht mehr sinnvoll. Auch wenn es die Waren in Polen zu kaufen gibt, so sind sie für viele doch nicht erschwinglich. Viele ehemalige Haftlin- ge, die kaum oder gar nicht für ihre Haft oder die Zwangsarbeit in Deutschland entschädigt wurden, benötigen unsere Solidaritãt. Um die beschriebenen Hilfsleistungen auf finanzieller Basis weiter- zuführen, bitten wir um Spenden auf das speziell hierfür eingerichtete Konto bei der Sparkasse Wetterau(BILZ 518 500 79) mit der Nummer O O020 000 503 oder beim Postscheckamt Frankfurt(Bl.Z 500 100 60) Konto-Nr. 51664-608. Spendenquittungen für das Finanzamt werden zugesandt Gitte deutlich und vollständig Name und Adressen ange- ben). Vielen Dank. 20 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Lange vergriffenes Buch zum Prozeßverlauf wiederaufgelegt Fritz Bauer und der Auschwitz-Prozeß Mit einem öffentlichen Kongreß erinnerte das Frankfurter Institut für Stadt- geschichte im Dezember 1993 an den Auschwitz-Prozeß, dessen Beginn sich zum 30. Mal jährte. Erstmals stand damals in Deutschland die„Endlösung'?, die Vernichtung des europsischen Judentums und der Sinti und Roma im Mittel- punkt öffentlicher Auseinandersetzung. Hinter diesem Prozeß stand der hessische Generalstaatsanwalt Fritz Bauer. Nicht um einen Schauprozeß war es ihm zu tun, sondern um gesellschaftliche Selbstaufklärung in den Bahnen des Rechts. Doch die gesellschaftliche Wir- kung des Prozesses blieb widersprüchlich, konstatierten die Mitveranstalter vom Lern- und Dokumentationszentrum des Holocaust in der Ankündigung. Bei den Vorträgen, den Diskussionen auf dem Podium und den Gesprãchen in den Arbeitsgruppen wurde versucht, sich über die Ursachen dieser Wider- sprüchlichkeit Klarheit zu verschaffen. Um den Dingen auf den Grund zu gehen, bot das Forum mit 400 Teilnehmern„nur bedingt Möglichkeiten? schrieb Norbert Leppert in seinem Beitrag in der Frankfurter Rundschau. Anläßlich des Kongresses wurde das lange vergriffene Taschenbuch „Auschwitz. Bericht über die Strafsache gegen Mulka u. a. vor dem Schwurgericht Frankfurt? von Bernd Naumann vom lnstitut für Stadtge- schichte und dem Lern- und Dokumentationszentrum des Holocaust nachge- druckt. Der Journalist Bernd Naumann dokumentierte den ProzeBverlauf und die Hintergründe. Die Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer hat 100 Exemplare des Buches erworben und bietet sie Interes- senten für 15 Mark zum Kauf an. Norbert Leppert-Frankf. Rundschau(20.12.93) zum Fritz-Bauer-Kongreß Hinweise auf besonders traurige Kapitel deutscher Schäbigkeit Der AMschwitz-Prozeß und beunruhigende Normalitäten Uber Auschwitz kann man so nicht re- den. Auschwitz ist Auschwitz, Punkt. Kein Vergleich, keine Umschreibung, kei- ne Metapher, die nicht bloß ein Ausdruck für die Vergeblichkeit des Versuches wã- re, Unfaßbares faßbar machen zu können. Aber über Auschwitz Schweigen? Schwei- gen und die Vergangenheit jenen über- lassen, die nichts daraus gelernt haben, wäre schlechter noch als Reden. So ging es manchem Teilnehmer durch den Kopf, der zu dem Kongreß kam, mit dem am Wochenende in Frankfurt an den Auschwitz-Prozeß erinnert wurde. „Was haben wir nur falsch gemacht?“ fragte Hessens Justizministerin Christine Hohmann-Dennhardt(SPD) irritiert. In keinem anderen Land der Welt— darauf hat Simon Wiesenthal, Leiter des jüdi- schen Dokumentionszentrums kürzlich in einem Interview hingewiesen—,„weder in Israel noch in Amerika, wurden so vie- le Filme gedreht, wurde so viel in den Schulen über den Nationalsozialismus aufgeklärt. Wieso dann die Welle rechts- extremistischer Straftaten, die Bundesju- stizministerin Sabine Leutheusser- Schnarrenberger(FDP) beklagte, ohne Lagergemelnschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 21 freilich ein wirksames Gegenkonzept pa- rat zu haben: 12 000 Ermittlungsverfah- ren 1992 und allein in den ersten sechs Monaten diesen Jahres 11 500. Einer, der sich keine Illusionen machte, war Fritz Bauer, Hessens früherer Gene- ralstaatsanwalt, ohne den der Auschwitz- Prozeß nicht zustandegekommen wäre. Bauer sagte damals. was er dachte: Daß „die deutsche Jugend im eigenen Land immer noch keine liberalen und demo- kratischen Standpunkte finden kann“ Und auf die Frage eines dänischen Re- porters, ob Hitler heute leichtes Spiel mit dem deutschen Volk hätte:„Ich glaube nicht, daß die junge deutsche Pemokratie stark genug wäre, ihn abzuweisen.“ Das war Anfang 1963, und ein Aufschrei der ging durch die Bundesrepu- lik. Oder der Skandal um Bauers Vortrag über„Die Wurzeln faschistischen und na- tionalsozialistischen Handelns“ Als der Landesjugendring von Rheinland-Pfalz den Text drucken ließ und ihn an den hö- heren Schulen verteilen lassen wollte, schritt der damalige Kultusminister ein und verbot es. Besonders ein Landtagsab- geordneter der CDU tat sich bei der Ver- teidigung des Verbots besonders hervor: Es war— wie sich der Journalist Conrad Taler anläßlich des Kongresses erinnerte — Helmut Kohl, der Bauer rüde belehrt habe, es sei viel zu kurz her, um über den Nationalsozialismus ein abschließendes Urteil zu fällen. Das war im Herbst 1962, und der junge Abgeordnete sollte dann als Bundeskanzler das Wort von der „Gnade der späten Geburt“ erfinden. „Wir hätten ihn(Bauer) viel mehr in Schutz nehmen müssen“, meint Helga Einsele heute, eine von Bauers Wegge- fährtinnen. Der gebürtige Schwabe war ein Einzelkämpfer, sensibler und ver- wundbarer, als es die äußere Statur und sein robustes Auftreten vermuten ließen. Enge Freunde berichten, daß er oft ver- zweifelt war, daß er mitten im Auschwitz- Prozeß alles hinwerfen und zurück nach Dänemark wollte, wohin er nach KZ-Haft und Amtsenthebung 1936 geflüchtet war. Dort heiratete er auch, doch es war wohl mehr eine Scheinehe, jedenfalls keine Bezichung, die nach seiner Rückkehr aus dem Exil größere emotionale Bedeutung für ihn haben sollte. Was Bauer mit dem Auschwitz-Prozeß Srreichen wollte, waren nicht Rache und Vergeltung, sondern Aufklärung und die Der ehemallge hessſsche Generalstaats- an walt Fritæ Bauer Einsicht, daß staatliches Unrecnt)ecen einzelnen zum Widerstand verpflichtet: „Ihr hättet Nein sagen sollen“. Doch die Chancen dafür waren schlecht. Pointiert und scharf wie in einem Plädoyer erin- nerte der Bremer Strafverteidiger Hein- rich Hannover daran, daß die„großen NSVerbrecher“ schon bald nach dem Krieg wieder gebraucht wurden:„im Gralszug gegen den Kommunismus“. Wo waren sie geblieben, die Planer, Wirt- schaftsbosse und Juristen?„Wieder auf- genommen mit offenen Armen in der zum Trauern unfähigen Gesellschaft.“ So saßen denn im Auschwitz-Prozeß, in dem am 19. August 1965 das Urteil ver- kündet wurde— sechsmal lebenslanges Zuchthaus, elf Freiheitsstrafen zwischen 14 und dreieinhalb Jahren sowie drei Freisprüche— nur Leute aus dem zwei- ten Glied.„Sündenböcke“, wie Hannover sagte,„auf denen die Gesellschaft ihre Kollektivschuld abladen konnte“. Sinn- voller zur Sühne dieser Schuld wäre et- was anderes gewesen, gleichsam der Vor- riff auf die Reformidee vom Täter-Op- er-Ausgleich. Doch was die NS-Opfer mit den Entschädigungsbehörden erlebt hät- ten, sei„ein besonders trauriges Kapitel deutscher Schäbigkeit“. Zum Beispiel der Fall des heute 71 jäh- rigen aus Frankfurt, der von 1941 bis 1945 22 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskrels der Auschwitzer im Lager Mohrungen bei Göttingen in- haftiert war. Sein Problem bei der Ent- schädigung war, daß Mohrungen als Kon- zentrationslager zunächst nicht aner- kannt wurde. Als Bonn sich dann doch dazu entschloß und dies im Bundesge- setzblatt verkündete, verpaßte der Mann die Frist— sechs Monate— zur Anmel- dung seines Anspruchs. Mit der Folge, daß er bis heute keinen Pfennig Entschä- digung bekommen hat. Nur eine Ge- schichte, bitter und beschämend wie so viele, die auf dem Kongreß zu hören wa- ren. Die Berichte der Uberlebenden(Her- mann Langbein, Rudolf Vrba)— furcht- bar und nicht zu fassen.„Warum weint hier niemand?“ fragte die Schriftstellerin FEva Demski. Das sei das Problem, wenn über Auschwitz berichtet und geschrie- ben wird: Daß wir eine kühle Wand er- richtet hätten, eine Mauer, um das Ent- setzen des Fühlens nicht zuzulassen, nicht die wirkliche Erkenntnis, die„Ge- schwisterlichkeit im Schmerz“ bedeuten würde. Deshalb könnten noch so viele Bücher geschrieben, noch so viele Filme gedreht werden: Solange wir nicht ertra- gen wollten, daß diese Mauer einreißt, werde es keine Anderung geben. Möglich, daß die Kunst, daß ein Gedicht wie Ce- lans„Todesfuge“ mehr erreicht, meinte die Schiftstellerin— im Gegensatz zu Adorno und anderen, die Auschwitz als Zivilisationbruch beschrieben haben, nach dem man nicht mehr Cello spielen kann. Unbequem die Fragen nach dem Täter- typ, die der TVournalist Winfried F. Schoeller in der abschließenden Diskus- sion aufwarf.(Sie wird im Anschluß an eine dreiteiligen AuschwitzSerie am Donnerstag, 23. Dezember, um 20.15 Uhr im Fernsehprogramm Hessen 3 ausge- strahlt.) Was für Menschen waren das, die in Auschwitz an der Rampe standen und die Gefangenen ins Gas schickten? Nicht nur Diebe und Räuber, wie Vrba sie beschrieb, sondern vor allem karriere- bewußte Spießer, Bürger eben, die als normal galten und—„Das ist ja das Be- unruhigende!“(Schoeller)— von deren Normalität man selber gar nicht so weit entfernt sei. Auschwitz, so die Professo- rin Ilse Staff, stelle an jeden einzelnen die Frage:„Wie hättest du gehandelt?“ Wäre es nach Fritz Bauer geg hätte es nach dem Auschwitz-Pro Frankfurt weitere bedeutende Pr gegeben, gedacht als„bittere Arznei“, die zu Katharsis und Selbstreinigung bewir- ken sollte. Zum Beispiel das Verfahren um die Aktion T4, um den Mord an mehr als 70 000 psychisch Kranken, bei dem sich 30 Gerichtspräsidenten zur schwei- genden Mitwissern hatten machen las- sen. Uber den Vorbereitungen zu diesem Prozeß ist Bauer, 64 Jahre alt, am 30 Juni 1968 gestorben— und mit ihm, wie sich zeigen sollte, auch das Verfahren. War- um? Um Dingen auf den Grund zu gehen, pot das Forum mit 400 Teilnehmern, där- unter Juristen, Historiker, Psychologen, Literaturwissenschaftler, nur bedingt Möglichkeiten. Ist bei der Justiz manipu- liert worden, um den„Euthäriasie-Pro- zeß“ totzumachen, bevor er begonnen hatte? War es die Schusseligkeit von Ju- stizbürokraten oder waren es rein rechtli- che Probleme, die zur EFinstellung führ- ten? Obwohl für jene Zeit nicht verant- wortlich, geriet Hessens amtierender Ge- neralstaatsanwalt Hans Christoph Schae- fer zunehmend in Bedrängnis, um sich schließlich mit der Formel zu behelfen: „Das ist alles andere als glücklich gelau- fen“. Auschwitz und ein bißchen Diplomstie? Das hätte Fritz Bauer nicht gelte Vude Smonsohn, ehemallger Haſtling In Vheresſenstadt und Auschultæ, disk- utierte belm Kongreb in elner Arbelſts- Hruppe. Weltere Arbeitsgruppen fanden mit den ʒeltzeugen und ehemaligen ftlingen Hermann Keineck, Kudot Vrba, Hermann Langbeln und KMazimſ eræ Smolen Statt Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 23 rankfurter Hunoscha, 3 Eeb. 7004 Pery Broad Der frühere SS- Mann im Vernich- tungslager Auschwitz-Birke- nau ist, wie erst jetzt bekannt wur- de, kurz vor Pro- zeßeröffnung im Ater von 73 Jah- 0 gestorben. Broad(ap-Archiv- bild), der 1965 im Frankfurter Auschwitzprozeß wegen ge- meinschaftlichen Mordes in 22 Fällen zu vier Jahren Gefängnis verurteilt worden war, wurde in einem damals abgetrenn- ten Verfahren beschuldigt, im August 1944 maßgeblich an der Ermordung von 3000 Sinti und Roma in Auschwitz-Birke- nau beteiligt gewesen zu sein. Dieses Ver- fahren war seit 1967 bei der Frankfurter Staatsanwaltschaft anhängig, ohne daß es zur Anklageerhebung gekommen wäre, obwohl mehrere hessische Justizminister dem als Nebenkläger auftretenden Zen- tralrat Deutscher Sinti und Roma eine ra- sche Bearbeitung des Ermittlungsverfah- rens zugesagt hatten. Jetzt erhob der Zen- tralrat gegenüber der Staatsanwaltschaft den Vorwurf, den Fall Broad„totermit- telt“ zu haben. Bereits 1987 konnte sich die FR-Korrespondentin in einem ein- schlägigen Bericht„des Eindrucks nicht erwehren, daß hier die Sympathie der Justiz doch allzu deutlich zugunsten des Beschuldigten ausfiel“.(aga) Bonn 2zahlt erstmals für Erhaltung von Auschwitz Von Reinhard Voss Im Dezember 1993 hat die Bundesregie- rung zum ersten Mal einen staatlichen deutschen Anteil von 400 000 Mark zur Erhaltung des Mahnmals im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz in Polen überwiesen. 5 DUSSELDORF, 28. Januar. Mit Hilfe der ersten deutschen Rate sollen die Re- staurierungswerkstätten in Auschwitz modernisiert werden. Insgesamt will sich die Bundesrepublik mit zehn Millionen Mark sich an den Kosten zur Bewahrung des ehemaligen Vernichtungslagers betei- ligen. Für die am dringendsten nötigen Restaurierungsarbeiten werden laut Gut- achten internationaler Experten minde- stens 42 Millionen Dollar benötigt. Krystyna Olesky, stellvertretende Di- rektorin des nach einem Beschluß der pol- nischen Regierung für alle Zeiten als Mahnstätte zu erhaltenden Auschwitz- Museums würdigte in Düsseldorf noch ankurter Hnoscha, 20 anar 7004 stärker jene knapp zwei Millionen Mark, die Tausende Deutsche im vergangenen Jahr anläßlich der Aktion des Norddeut- schen Rundfunks unter dem Motto „Auschwitz verfällt“ spendeten. In Polen habe dies großen Eindruck gemacht. Olesky räumte ein, daß auch in Polen über die Zukunft dieses insgesamt über 170 Hektar großen Museums und die Form seiner Erhaltung kontrovers disku- tiert werde. So sei beispielsweise noch nicht entschieden, ob die in Auschwitz aufbewahrten mehr als 2000 Kilogramm Menschenhaar, die die Deutschen ihren Opfern von den Köpfen geschoren hatten, ehe sie in die Gaskammern geschickt wur- den, erhalten oder dem Verfall preisgege- ben werden sollen. Unentschieden sei auch noch die Frage, ob man jene Teile des Vernichtungslagers, die von den Deutschen vor ihrer Flucht zerstört worden waren, um die Spuren ih- rer Untaten zu verwischen, rekonstruie- ren oder ob man sich mit Restaurierungs- arbeiten des Vorhandenen begnügen solle. 24 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Solo nach Motiven aus der Autobiografie der„Galizianerin? „Und die Augen waren so blau wie der Himmell? Auf Einladung der Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Au- — stellte die llona Strauß im Januar in Frankfurt im Haus Gallus ihre Inszenierung „Und die Augen waren so blau wie der Himmell“ vor. EreahD wird die Geschichte des jüdi- schen Mädchens Chawa, das 15 Jahre alt war, als die Deutschen 1939 Polen übertielen und damit den Weltkrieg auslösten. Chawa berichtet über ihre Schulzeit in Galizien. Nach der Warnung eines deutschen Offi- ziers, daß sie als Juden besser „auf die russische Seite gehen' sollten, folgt die Flucht nach Osten, denn Chawa will sich „nicht frohlockend vergasen las- sen'“. Der Hitler-Stalin-Pakt läßt die Familie dann doch in den deutschen Herrschaftsbereich geraten. Es folgen Zwangsarbeit, ein ständiges Fliehen und Verz; stecken und der Verlust aleM Angehörigen. Eva Deutsch- s0 der Name der authentischen Chawa- hat die Geschichte ihrer„Jugend- jahre“ 1980 der Schriftstellerin Brigitte Schwaiger auf Tonband gesprochen. In der Form eines Monologs im galizischen Deutsch erfolgte wenig später die Veröffentlichung„Die Galizi- anierin“. Der Satz„Und die Au- gen waren so blau wie der Him- Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 25 mell“, den llona Strauss für ihre Schauspielinszenierung wählte, bezieht sich auf einen achtzigjährigen„Herrn“, der Jahre nach Kriegsende in Wien Eva Deutsch stolz berichtete, wie er„unterm Faschismus' Juden und Kommuni- sten„geköpft' hatte. Eva Deutsch starb Anfang 1990. Barbara Kunze berichtet im Nachwort der 1993 erschienen Taschenbuchausgabe, daß EvaChawa sich sehr bewußt war, wie„unglaublich“ ihre Lebensgeschichte auf andere wirken könnte.„Ich Schlepp das in mir. Aber wann man das gãbe in ein Theaterstück, man wird ausgelacht, verpönt, verklatscht.“ Das ist je- doch nicht passiert. llona Strauß und Regisseur Martin Truth- mann haben für ihre Inszenierung sowie die beeindruckende Darstellung viel Anerken- nung erhalten. Auftritte im GroBraum Frank- furt sind am Dienstag, den 5. April, in der Stadtbücherei Neu-Isenburg(Uhrzeit noch nicht ganz klar, aber abends) und am Mitt- woch, den d. Mai, um 20.30 Uhr in Ortenberg im„Fresche Keller?. Geeignet ist das Stück für Jugendliche ab 16 Jahre. Für Gastspiele an Schulen gewährt die Hessische Landesregierung Zuschüsse. Veranstalter, die Ilona Strauß für einen Auf- tritt verpflichten möchten, können sie in Frankfurt, Telefonnummer 069— 70 30 09, er- reichen. Auf der fast leeren, improvisierten Bühne ist Mona Strauß Chawa. Durchlebt noch einmaſ Die Hucht nach Osten, die Zwangsarbeit fürs Massengrab, die O ht das Cungern, die Hucht, das Versteci in der Latrine, die Venunziation, die Hucht, den Veriust der Mutter der Brüder die ſetæte?) Hucht, über die eine hãmische Sonne scheint. Ourchlebt noch einma! die Begegnung mit jenem blauãugigen Bayern, nachher, der stolæ erzahit, uie er die uden„im Dienst“ ablnallte, jene Begegnung, die der Tite/ dieses Theaterabends fassungslos hervorhebt, Und die Augen waren so blau wie der Llmmel“ lona Strauß verfügt mühelos über die veiche Farbung des gallæischen Deutsch, als ure sie darin auſgewachsen. Wichtiger aber sind die Farben jhres Lãchelns Ein Lãcheln der Verlegenheit darũber, daß sie uns mit ihrem Grauen belastigt. Ein Lãcheln glüucilicher Erinnerung Ein Lacheln mit einer Spur Koletterie, voller Unschuld Ein Kleines Lacheln des Viumphs ũiberſebt ↄu haben. Ein Lacheln unter dem Schmeræ, eine Uberiebende æu sein. Ruth Fühner in: Frankfurter Rundschau 14. 12. 1983, Auszug) 26 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Nachträgliche Kriegsberichterstattung in der Medienwelt der BRD »Pamals vor Moskau? als ꝰtragisch? pflichtbewußte Soldaten Der Tod des deutschen„Vier- Sterne-Generals“ Johannes Steinhoff gab den Nachrufschreibern Gelegen- heit sich nachträglich als Kriegsbe- richterstatter zu gerieren. Auch die „Zeit' erinnerte stolz an die*167 Luft- siege'“, die Steinhoff für die Deutsche Wehrmacht, der Welteroberungsar- mee der Nazis, errungen hatte und rühmt den'hochdekorierten Jagdflie- ger'(Ritterkreuz mit Eichenlaub und Schwertern). Gegen Göring habe Steinhoff vaufgemuckt, aber nicht aufbegehrt?, schreibt ihm der Zeit-Autor ins Stammbuch und zitiert dazu seinen Chef, den Zeit-Herausgeber Helmut Schmidt,'der dem Geschwader Stein- hoffs damals vor Moskau Flakschutz gab' und nach dem Krieg von der Tragödie des Pflichtbewußtseins' wohlfeil schwadronierte. »Keiner der Nachgeborenen, der nicht dabeigewesen ist, sollte darüber rechten“, zieht sich der untergebenste Schreiber aus der Verantwortung. Ob die Nachgeborenen, die'nicht dabei- gewesen sind', hierzu unter Umstän- den aufmucken oder vielleicht sogar aufbegehren dürfen, bleibt ihnen selbst überlassen. Daß die als»Siege“ und'Erfolge' definierten Luftschlachten Steinhoffs und der unterstützende Flakschutz Schmitds dazu beitrugen, daß die Verfolgungs- und Vernichtungsma- schinerie in den überfallenen Ländern und besonders in den Konzentrations- lagern weitergehen konnte, zu dieser Erkenntnis ist vor Jahren auch schon ein CDU-Politiker gekommen. Heute sollen die Nachgeborenen den Makel im großen Krieg'nicht da- beigewesen“ zu sein, wohl dadurch wettmachen, daß sie vielleicht tra- gisch, aber doch bitte pflichtbewußt* den Mund halten. Hans Hirschmann Erflogen und erjagt Schon gestern bei der Tagesschau bin ich zusammengezuckt, aber nun druckt auch noch die FR den schamlosen Unsinn der Agenturmeldung ab(FR vom 23. 2. 1994, ZUR PERSON, Johannes Steinhoff sei„iner der erfolgreichsten Jagdflieger“ der deutschen Wehrmacht im 2weiten Weltkrieg gewesen. Gibt es denn keine„Kraus'sche Sperre“ in den Redakteurscomputern oder gehir- nen, die die Zusammenstellung bestimm- ter Worte verhindert? Jeder„Erfolg“, den Herr Steinhoff und seine„Kameraden“ er- flogen und erjagt haben, war doch ein(mit dem Leben bezahlter)„Mißerfolg“ von Menschen, die von Hitlers Soldaten ange, griffen worden waren.* Wenn denn schon über Tote nichts als Gutes gesagt werden darf, wie wäre es mit folgender Formulierung:„Johannes Stein- hoff hat nach 1945 unseres Wissens nie- manden mehr getötet, sondern seine rei- chen Erfahrungen nur noch an junge Menschen weitergegeben.“ Insofern war er ja doch„einer der er- folgreichsten... Dr. Gerhard Härle, Universitãt— Gesamthochschule Siegen Frankfurter Nundschau 3 Maræ 1904 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 27 Unseren Mitgliedern herzliche GeburtstagsgrüBe April 2.4. Manfred Wittmeier 6.4. Brigitte Sauer 8.4. Marcus Nedoma 8.4. Erhard Penner. 6 9.4. Eberhard F. Schaeufele 9.4. Brigitte Wiegand 12.4. Ingrid Neubert 13.4. Harald Kliczbor 14. 4. Janina Haubenstock 14.4. Helwig Wegner 14.4. Rudolf Redenius 17.4. Matthias Tiessen 18.4. Gerd Häuser 18.4. Gernot Richter 19.4. Alexander Meyer 19.4. Isabell Diehm-Frankenau 19.4. Gudrun Nieter 20. 4. Dr. Erwin Knauss 20.4. Helmut Poppenberg 26.d. Peter-Alexis Kasten 27.4. Ariana Enders 27. 4. Joachim Klärner 30.4. Manfred Keitel 1.5. Monika Held 2.5. Jürgen Lelschow 3.5. Uschy Klopsch 5.5. Ursula Middelanis 6.5. Marta Palczewska 8.5. Jutta Freisens 10.5. Florian Ross 11.5. Harald Blümel 14.5. Frank Pötter 20.5. Uwe Hartig 21.5. Dr. Janusz Mlynarski 21.5. Olaf Wehrheim 23.5. Dr. Matthias Hamann 23.5. Brigitte Harder 24.5. Hans-Joachim Günther 26.5. Annegret Brombach 26.5. Dr. Manfred Zencker Juni 1.6. Gerhard Herr 1.6. Ludwig Poppeler 5.6. Dr. Walter Bittner 5.6. Dirk Rothe 5.6. Diethard Stamm 7.6. Marie-Louise Steinschneider 9.6. Dietlind Clever-Schmidt 11.6. Kristine Tromsdorf 13.6. Jutta Loesch 17.6. Hansjörg Lacour 18.6. Matthias Loesch 19.6. Birgit Brunner 22.6. Dr. Feliks Niedzielak 23.6. Bettina Hack 23.6. Kurt Rosemeier 25.6. Rudolf Boning 25.6. Horst dacob 25.6. Rainer Leichtenberg 29.6. Dr. Dieter Werner Danke schön lch möchte nicht versäumen noch einmal recht herzlich allen zu danken, die mir telefonisch, schriftlich und persönlich zum 75. Geburtstag gratulierten. UOber alle guten Wünsche für das neue Lebensjahr habe ich mich sehr gefreut. Ganz beson- ders aber über die Geburtstags- feier mit mir sehr lieben Men- schen. Besonders danken möchte ich dabei vor allem unserer Lieselot- te, die den Anstoss zu dieser Fei- er gegeben hat. Danke, danke liebes Lieselottchen' Aber auch allen anderen, die mit vorbereite- ten und ausführten, das es eine rundum schöne Feier wurde, an dieser Stelle ein ganz herzliches „—5 Danke schön'. Fuer Hermann 28 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer vEinblick': Gewaltaufruf der Neo-Nazis WIESBADEN. Harmlose Handwerker bei der Mittagspause oder ein Späh- trupp von Neonazis? Argwöhnisch beob- achtet ein Wiesbadener Unternehmer die zwei Männer, die seit 20 Minuten vor seinem Haus in einem Auto sitzen „und andauernd zu mir rübergucken“ Der 29jährige ist mißtrauisch und läßt äußerste Vorsicht walten, seit sein Na- me samt Adresse und Telefonnummer in der rechtsradikalen Hetzschrift„Der Einblick“ veröffentlicht und in dieser Terror-Broschüre zur Gewalt gegen ihn und andere aufgerufen wurde. Sie sind den Rechten ein Dorn im Auge, weil sie in der Vergangenheit stets engagiert Neonazismus und Ausländerhaß be- kämpft haben. Keiner der Wiesbadener, die solchermaßen von den Neonazis be- droht sind, ist darũber in Panik geraten. Aber ein„mulmiges Gefühl“ haben sie alle. Zumal einige bereits Telefonanrufe erhielten wie:„Heute abend wird dein Auto brennen“ und„Ihr roten Ratten werdet bald verschwinden“. Betroffen in Wiesbaden sind rund ein Dutzend Männer und Frauen: Kleine Unternehmer, Gewerkschafter, Linke. „An unübersichtlichen Ecken gucke ich mich jetzt zweimal um“ erzählt einer von ihnen,„or allem abends.“ Ein an- derer nimmt„häufiger mal ein Taxi“ oder wechselt mehrfach in der Woche die Route zwischen Büro und zu Hause. „Finige gehen spätabends nicht mehr allein durch die Stadt“ berichtet ein Be- drohter. Sie haben die Telefonnummern untereinander ausgetauscht,„um uns gegenseitig zu warnen, wenn's bei ir- gendeinem von uns losgeht“ Für ihre Sicherheit müssen sie weit- gehend selbst sorgen, Polizei und Lan- deskriminalamt beließen es bei ein paar „Hinweisen zur Erhöhung des Eigen- schutzes gegen mögliche rechtsextremi- stische Aktionen“ Erste Verhaltens- empfehlung:„Entwickeln Sie ein gesun- des Sicherheitsbewußtsein. Teilen Sie verdãchtige Wahrnehmungen unverzüg- lich Ihrer zuständigen Polizeidienststel- le mit.“ Weitere Tips der Behörden: „Offnen Sie keinem Unbekannten“ oder „Untersuchen Sie vor Benutzung Ihre Kraftfahrzeuge auf mögliche Beschädi- gungen /Sprengsätze.“ Diese und ähnli- che Vorschläge nennt einer der Betrof- fenen wenig hilfreich:„Banale Tips, da- zu reicht der gesunde Menschenver- stand.“ Auf Polizei und Staatsschutz sind die Wiesbadener ohnehin nicht gut zu spre- chen, gegen die jetzt die„Anti-Antifa Rhein-Main“ mobilisiert hat. Seit Som- mer sei es bekannt, daß Rechtsradikale in Mainz über ein Info-Telefon Informa- tionen über mißliebige Antifaschisten (rechte Lesart:„militante Linksextremi- sten und kriminelle Startbahnchaoten“) sammelten.„Niemand ist dagegen ein- geschritten.“ Schlimmer noch. Die Poli- zei habe indirekt Verständnis für den rechtsradikalen Gewaltaufruf bekundet. Einigen von ihnen sei nämlich von den Beamten beschieden worden:„Ihr wer- det schon wissen, warum ihr auf der Liste steht.“ Ihren Widerstand gegen Neonazis und die Republikaner, die bei den Kommunalwahlen im März mit 13,1 Prozent der Stimmen Einzug ins Par- lament der Landeshauptstadt hielten, und ihr Engagement für ein harmoni- sches Zusammenleben von Ausländern und Deutschen wollen die bedrohten Wiesbadener unvermindert fortsetzen. Auch wenn sie erschreckt sind darüber, „daß sich die Rechten offenbar eines großen Gewaltpotentials sicher sein können, das sie nur zu mobilisieren brauchen“. Die Hatz im„Einblick“ sei mehr als nur verbale Kraftmeierei. Einer der Be- troffenen konnte da bereits schmerz- hafte Erfahrungen sammeln. Das war vor sechs Jahren, als er und seine Be- gleiter in seinem Auto von Rechten zu- sammengeschlagen wurden. „Man muß nüchtern und besonnen bleiben“, sagt der Gewerkschafter, „Sonst könnte man diese Bedrohung nicht ertragen.“ Ein anderer versucht, „nicht immer nur an mich selbst zu denken“ Denn sehr viel gefährlicher als für ihn sei es„für einen Farbigen, abends in einem Bus zu sitzen“ MARGITFEHLINGER Frankfurter Vundschau 14d. 12 1905 Cberschrift Unbeirrt im Wderstand“ Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer 29 Benefizkonzert Auf Finladung der Lager- gemeinschaft Auschwitz Freundeskreis traten am 25. Oktober 1993 Manfred Lemm und sein Ensemble im Frank- furter DCBR-Haus auf und prãsentierten bei einem Be- nefizkonzert zugunsten des Erhalts der Gedenkstätte Auschwitz jiddische Lieder des Krakauer Volksdichters Mordechaj Gebirtig. Die unten abgedurckte Be- sprechung erschien in der Frankfurter Rundschau vom 2 03 Geschichten der kleinen Leute Jiddische Lieder„Gegen das Vergessen“ im DGB-Haus „Gegen das Vergessen“ der Nazi-Ver- brechen an Menschen jüdischen Glau- bens war ein Konzert im Großen Saal des DGB-Hauses angesagt. Manfred Lemm und sein Ensemble spielten jiddische Lie- der, dessen Texte und Musik aus der Fe- der des Krakauer Dichters Mordechaj Gebirtig stammten. Das Ensemble ver- zichtete auf die Gage; die Einnahmen durch den Verkauf der Eintrittskarten kommen dem Erhalt der Gedenkstätte Auschwitz zugute. So ernst der Anlaß, so heiter die ver- brachte Zeit. Obwohl trotz des dem Kon- zert vorangestellten Mottos—„Wir set- zen gegen die Trauer die Fröhlichkeit, denn man muß nicht weinen, man muß lachen“— die Lieder Mordechaj Gebir- tigs meistens traurig klangen. Wobei nicht zu unterscheiden war, ob die vielen „Oi, oi, oi“Ausrufe Laute des Jammers oder Laute über die Lust am Jammer wa- ren. Aber wer war Mordechaj Gebirtig? Ihn konnte kaum einer vergessen, weil er nie bekannt war. Er wurde 1877 in Krakau geboren als Sohn kleiner Kaufleute, er- zählte Lemm. Er war für die„kleinen Leute“ da mit Gedichten, die jüdisches Leben Von unten“ beschrieben. Dazu ge- hörten größere Anlässe wie Hochzeiten — besonders problematisch: die Verhei- ratung von Töchtern—, und alltägliche mit der elementaren Frage: Was gibt es heute zu Mittag? Das waren Themen, bei denen Klez- mermusiker aufspielten, wie auch jetzt die durch„klassische“ Instrumente wie Cello und Kontrabaß„veredelte“ Gruppe um Manfred Lemm. Historisch besetzt war das Klezmer-Ensemble durch Klari- nette, Geige, Balalaika und Akkordeon. Lemm selbst begleitete sich auf der Gi- tarre. Alles zusammen ergab den typisch lustig-dramatischen Klezmer-Sound der Wandermusiker, die überall da aufspiel- ten, wo es etwas zu verdienen gab. So er- innern einige Texte Gebirtigs an die sanf- te Ironie der„jiddischen“ Lieder Georg Kreislers. Manfred Lemm übersetzte die jiddi- schen Texte vorab, streute Informationen ein und steuerte außerdem Kompositio- nen bei der Klezmermusik feinfühlig nachempfundene Melodien. SIGRD OLSCHEWSKI 30 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Wir trauern um danusz Balczerzak Am 17. Februar 1994 erlag Janusz in Krakow einem Her- zinfarkt. Janusz kannten wir seit rund 20 Jahren. Er hatte durch die Naziherrschaft Unsagbares durchgemacht. Eine Inhaftierung in einem Konzentrationslager blieb ihm zwar erspart, er wurde jedoch im Krieg als Zwangsarbeiter nach Deutschland gebracht. Schwerstarbeit in der Flugzeugfa- brik Henkel, Arbeit beim Todeskommando Bomben aus- graben' in Berlin, Hamburg und in Nordrhein-Westfalen waren weitere Stationen. Janusz hat diese Zeit überlebt. Eine Entschädigung für die Verschleppung und die vielen„ Jahre Sklavenarbeit wurde ihm jedoch verwehrt. Oft besuchte uns Janusz in der Bundesrepublik. Fast alle Teilnehmer unserer Studienreisen nach Polen haben ihn kennengelernt. Er war immer für uns da, half uneigennützig, erfüllte Wünsche, war immer freundlich und hilfsbereit. Er war für alle'unser Janusz'. Und nun werden unsere Reisen ohne ihn als Reise- begleitung stattfinden müssen. Wie wird das sein? Er wird uns sehr fehlenl Wir, und alle die ihn kennenlernten, werden ihn nicht vergessen,'unseren Freund Janusz?. Hermann und Anni Heineck nd ale Seine Freunde Rosa Jochmann starb 92jährig lm Alter von 92 Jahren starb am 28. Janu- 3 ar in Wien Rosa Jochmann. 1939 war die Gewerkschafterin und Sozialistin von der Gestapo verhaftet und 1940 in das KZ Ra- vensbrück eingeliefert worden. Sie war Blockälteste und kehrte nach der Befreiung nach Wien zurück. Dort war sie Mitgründe- rin der SPO und Mitglied des Nationalrates. Sie galt als die Symbolfigur des österreichi- schen Antifaschismus, die immer das Ge- spräch mit Jugendlichen suchte und ihnen von ihren Erfahrungen im KZ und der„Zeit ohne Gnade?- wie sie es einmal formulierte- berichtete. 1901 als viertes von sechs Kindern einer Arbeiterfamilie geboren, wurde Rosa Joch- mann schon als Jugendliche politisch aktiv. die Arbeiterhochschule, wo Ot- Sie wollte Lehrerin werden, mußte aber to Bauer, Alfred und Max Adler nach dem frühen Tod ihrer Mutter mit 14 ihrer Lehrer waren. Danach ar- Jahren als Fabrikarbeiterin Geld für die Fa- beitete sie unter anderm im milie mitverdienen. Sie wurde Betriebsrätin Frauensekretariat der Soziali- und die Gewerkschaft schickte sie 1926 in stischen Partei. el Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 31 Mein Freund Witold Tabeau ist tot Am 22. 1. 1994 starb in Krakow im Alter von 74 Jahren unser guter Freund Witek nach einer langen und schwer- en Krank- heit. 1940 wurde Witek wegen Unter- grundarbeit verhaftet und kam ins Gefängnis. Am 18. April 1942 wurde er ins Konzentrationslager Auschwitz eingeliefert. Ende September 44 wur- de Witek in das Konzentrationslager Sachsenhausen überstellt. Befreit wurde er nach dem*Todesmarsch? der Häftlinge aus Sachsenhausen 1945 bei Schwerin. Ich lernte Witek kennen, als ich im Herbst 1942 in die Schreibstube des Hftlingskrankenbau kam. Er war ein guter und hilfsbereiter Kamerad. Schon nach kurzer Zeit entstand zwi- schen uns eine herzliche Freund- schaft, ja eine Brüderlichkeit. Diese Freundschaft zwischen uns, blieb bis zu seinem Lebensende bestehen. Wi- 0 blieb immer der gute, hilfsbereite reund für mich. Viele Teilnehmer unserer Studien- reisen nach Polen waren Gäste bei Witek und seiner Frau Jadwiga. Alle haben die Herzlichkeit und Gast- freundschaft der Tabeaus kennenge- lernt. Wo er konnte, half Witek. Aber dann wurde er krank, schr krank. Alle ärztliche Hilfe konnte seine schwere Krankheit nicht heilen. Jadwiga, die ebenfalls als Häftling im KZ Au- schwitz, in Birkenau, war, hat ihn in all den langen Jahren seiner Krank- heit in beispielhafter Weise bis zuletzt gepflegt und umsorgt. Alle die Witek kennengelernt ha- ben, werden meine tiefe Trauer um ihn verstehen und mittrauern. Witek wird uns unvergessen sein. Hermann Heineck Au-faft Nr. 65567 Freunde der Lagergemeinschaft Nach der Befreiung der KZHãftlinge wurden in Auschwitz Gipsskulpturen modelliert. Für Abdrucke in Bronze, die die Skulpturen vor dem Verfall bewah- ren, hat die Lagergemeinschaft von dem Spendenkonto„Stoppt den Ver- fall? 9000 Mark überwiesen. 32 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer Auszug eines Artikels aus dem'Aufbau', New Vork, 3. 12. 1993 Vermischung von Titern und Opfern Von Henry Marx Nun hat Deutschland seine großspurig so benannte Zentrale Gedenkstätte“ in der Berliner Neuen Wache Unmer den Linden und man kann das Mißfallen daran nicht verhehlen. Zunächst einmal: Die Inschrift Den Opfern von Krieg und Gewaltherschaft“ welche Doppeldeutig- keit spiegelt sich in diesen sechs Worten! welchen Mangel an Sensibilität für die Geschichte verrät diese unglückselige Zu- sammenstellung! In ihrer Vermischung von Jätern und Opfern mutet sie wie ein?weites Bitburg an, allerdings als ein dauerhafteres als das erste Damals, vor mehr als acht Jahren, wurden die Amerikaner zum Besuch eines Soldatenfriedhofs missbraucht, auf dem sich auch ein paar Gräber von SSAn- gehörigen befanden, die es allesamt?u ehren galt.„6„ Und nun zur Inschrift dieser missglück- ten Gedenkstätte: Den Opfern von Krieg und Gewaltherrschaft“. Welcher Kriege? Welche Gewaltherrschaft? Warum werden die Urheber der Gewaltherrschaft und des sten— schamhaft verschwiegen? Ist dies nur wieder ein neuer Versuch, die Sprache dazu zu benutzen, um wahre Sachverhalte zuzudecken? Gewaltherrschaften(und Kriege) hat es viele gegeben; stehen diese Worte als Abstrakta? Und der Opfer von Gewaltherrschaft gibt es gar viele— sogar solche, die als Opfer des Krieges gelten können, ja sogar solche, die, obwohl Kriegsopfer, für die Gewaltherrschaft mit- oder gar hauptver- antwortlich sind. Hat es je etwas derartiges schon gegeben oder ist es nur mit der Komplexität der deutschen Geschichte, vor allem der des 20. Jahrhunderts, zu erklären, die nicht davor zurückscheut, Mörder(und dies noch als erste) und Ermordete zumindest symbolisch ge- meinsam zu ehren. Wenn das nicht Heuchelei ist, müsste eine neue Definition dieses Begriffs geschrieben werden. Demgegenüber ist es von untergeordne- ter Bedeutung, dass, um der historischen Gerechtigkeit willen, die Opfer des kKrieges denen der Gewaltherrschaft voran- gestellt werden: Die Gewaltherrschaft be- gann am 30. Januar 1933, der Krieg erst Krieges— nämlich die Nationalsoziali- am 1. September 1930.„„„ Impressum: Herausgeber: Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer e. V Redaktion: Mitarbeiter: Diethard Stamm Auflage: 2000 Exemplare Hans Hirschmann, Hermann Reineck Klaus Konrad-Tromsdorf, Anni Roßmann-Reineck, Nachdruck von Artikeln gegen Belegexemplare ge- stattet und erwünscht ₰ Name, Anschrift Wenn Sie sich um Ihre Einzahlung für die nächste Zeit nicht mehr kümmern wollen, lassen Sie einfach abbuchen, Sie sparen: Die Bank bzw. Postgebühren Mindestbeitrag: 60 DMjährlich Einzugsermächtigung Ich bin bis auf Widerruf᷑ mit der Abbuchung[Q monatlich[Q habjahrlich DM einverstanden Q vierteljährlich[ jährlich Geldinstitut Ort Konto-Nr. Bankleitzahl Datum Unterschrift Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V., 35516 Münzenberg, Schillerstraße 18 Der Verein ist als gemeinnũtzig anerkannt. Die Beiträge und Spenden sind steuerlich abzugsfähig. Eine Spendenbescheinigung wird zugesandt. Adressenänderung: Bitte teilen Sie uns bei Wohnungswechsel Ihre Neue Anschrift“ mit. Wir haben bei unserer letzten Aussendung etwa 5060 Retouren mit dem Vermerk unbekannt verzogen“ von der Post erhalten. Die Nachforschungen nach der neuen Anschrift sind sehr Zeit- und Geldaufwendig, dazu meist erfolglos. Sicher sind Sie an unserer weiteren Arbeit interessiert, aber wie sollen wir Sie informieren, wenn.. 27 Neue Anschrift E Dann füllen Sie bitte diesen Abschnitt aus, kleben ihn auf eine Postkarte und schicken ihmn an folgende Adresse: Lagergemeinschaft Auschwitz Schillerstraße 18 35516 Münzenberg Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V. aUscrMrrz Schillerstraße 18 35516 Münzenberg Telefon 0 60 33/6 01 68 Sparkasse Wetterau(BLZ 518 500 79) Konto- Nr. O 020 000 503 Postscheckkonto Frankfurt/ Main(BLZ 500 100 60) Konto-Nr. 51 664-608 Beitrittserklärung Name, Vorname Anschrift, Straße, PLZ, Ort Geburtsdatum Titel, acad. Grad, Beruf Q Hãftling im KZ Auschwitz vom bis Hãäftling in anderen Lagern, Gefängnissen etc. Q Angehöriger des ehem. Auschwitzhäftlings Hãftl. Nr. [Q Freundeskreis der Auschwitzer Datum des Beitritts Unterschrift Zutreffendes bitte ankreuzen HELFEN SIE UNS WERDEN SIE MITGLIED IM FREUNDESKREIS ——— 86. Farbkarte 413 HAFET AUSCHWTAE OER AUSCHWTAZER oen as Ungarn nach Sikena Cepofieft Unq en Gepack Sortieren das vom Lebtschen Heſch roe Mitteilungsblatt, Mãrz 1994