LAGERGEMEINSCHAFT AUSCHWTZ cnrd FREUNDESKREIS DER AUSCFHWTAZER 35. Jahrgang Mitteilungsblatt, Dezember 2015 Europas Außengrenzen: Stoppt das Sterbenl! Informieren, Mitglied wercien und zpenden unter PRO ASFVI www. proasyl.de bEn EizEtFnt 2zRr. Inhaltsverzeichnis Seite Eine 70-jährige Gegenwart“ 1 Zum Gedenken an Hermann Reineck 3 Unser Vereinsgründer starb vor 20 Jahren Kontinuitãten und Veränderungen 10 Die Arbeit der IGA in 2015 Auschwitz-Gedenkstätte und Museum seit 1947 14 Fva S?Zepesi: Ein Mädchen allein auf der Flucht(1944— 1945) Bestandteil des Weltwissens 13 Die Situation in Auschwit?z bei 1,5 Millionen Besuchern jährlich Die Wunde heilt nicht 17 Rede von Fva Fahidi bei Gedenkveranstaltung des IAK Wenn die Seele ohnmächtig wird 22 Trude Simonsohn hatte viele Chancen, tot zu sein? Nachrufe 25 Die Liste der verstorbenen Mitglieder ist lang Zeuge des Widerstands in Auschwitz-Birkenau 32 Stanislaw GwiZdka über den Aufstand im jüdischen Sonderkommando Impressum: Herausgeber:Lagergemeinschaft Auschwit?-Freundeskreis der Auschwitzer 35516 Münzenberg, Freiherr-vom-Stein-Str. 27 Vorsitzender: Uwe Hartwig, 61230 Ober Mörlen, Usinger Str. 7 (Korresponden? bitte an diese Adresse) Internet: www. lagergemeinschaft-auschwitz. de Redaktion: Hans Hirschmann, Tel.(06101) 32010 Foto Titelseite: Pavillon des Norbert Wollheim Memorials in Frankfurt/ Main vor dem ehemaligen I. G. Farben-Haus(heute Goethe-Universität) Bankverbindung: Sparkasse Oberhessen IBAN DE43 5185 0079 0020 0005 03; BIC HEHLADEFIFRI Bei Spenden bitte Adresse deutlich schreiben, damit die Bescheinigung für die Steuererklärung zugeschickt werden kann. Bitte bei Umzũgen neue Adresse und Anderungen der Bankverbindung mit- teilen. Es erspart Arger, Zeit und Geld bei Bankeinzügen STUDIENFAHRTEN 2016 Termin I: 24. April-30. April 2016 Termin II: 28. September-4. Oktober 201 Rundgang im Stammlager Auschwitz Rundgang im Vernichtungslager Birkenau Gesprãche mit Uberlebenden Besuch in Archiv und Kunstsammlung der Gedenkstätte Auschwit? Besuch in Krakau(u. a. ehemalige Fabrik von Oskar Schindler) Kosten: 750 Huro(Flug, Unterkunft, Verpflegung, Fintritte, Honorare) ermäßigt: 350 Furo(auf Antrag für Studierende, Schülerinnen und Schüler Sowie Menschen mit geringem Finkommen) Auskünfte und Anmeldungen für alle Termine bei Uwe Hartwig, E-Mail uwe. fv. hartwigweb. de, Tel.(06002) 938033 Die Studienfahrten sind als Lehrerfortbildung und als Bildungsurlaub anerkannt Legalisierter Raub Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933. 1945 Fine Ausstellung des Frit?-Bauer-Instituts und des Hessischen Rundfunks Michelstadt/Odenwald, 10. November 2015- 28. Februar 2016, Odenwald- und Spielzeugmuseum in der Kellerei 64720 Michelstadt, Einhardspforte 6 Offnungszeiten: dienstags sonntags 13 17 Uhr(Eintritt frei) (vom 21. DeZember-8. Januar bleibt die Ausstellung geschlossen) jeden Donnerstag um 17 Vhr offene Führung(Ieilnahmegebühr: 1 Furo) Für Schulen können auch Jermine außerhalb der Offnungszeiten vereinbart werden. Anmeldung unter Rufnummer(U6061) 706139 Informationen Zum Begleitprogramm mit lokalen Bezügen sind im Internet zu finden über www. frit?-bauer-institut. de/legalisierter-raub. html oder auch über www michelstadt.de. Ein Flyer kann angefordert werden beim Stadtarchiv Michel- Stadt, Ielefon(06061) 97941 32 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 1 Nicht nur Vergangenheit, sondern auch eine 70-jährige Gegenwart? Liebe Mitglieder und Unterstützer unseres Freundeskreises, die Liste der Nachrufe auf in diesem Jahr verstorbene Zeitzeugen und Mit- glieder ist lang(iehe die Seiten 25—31). Die Befreiung von Auschwitz und ande- ren Konzentrations- und Vernichtungs- lagern des Deutschen Reiches sowie das Ende des Zweiten Weltkrieges Hiegen nun bereits 70 Jahre zurück. In abseh- barer Zeit werden auch die letzten Uberlebenden der deutschen Lager und Gestapo-Gefängnisse gestorben sein. Soll die Erinnerung an sie und das, was ihnen angetan wurde, dann weiter aufrecht erhalten werden? ie muss*, lautete die Antwort der Auschwit?- Uberlebenden Anita Lasker- Wallfisch? kürzlich auf eine entsprechende Frage bei einem Interview des Hessischen Rundfunks.“Es ist wichtig, vich zu erin- nem, 80 Frau Lasker-Wallfisch weiter, Chauen Sie sich lm, wus in der Welt ge- Schiehnt Man mordet doch mit grõßtem Vergniigen. Sie miüssen vehr voyichtig vein mit Menschen. Eine ziemlich ge ſcinrliche Erfindung.“ Als große Befürchtung der überle- benden KZHäftlinge nannte Anita Lasker-Wallfisch bereits kurz nach der Befreiung durch die britische Armee dem Sender BBC, dass die Welt nicht glaluhen wird, was dort geschehen ist.“ Nun wird seit einigen Jahren die Leug- nung des Holocausts als Straftat geahn- det in Deutschland und anderen Staa- ten. Auch die Vernichtung von Roma und Sinti und weitere Verbrechen des deutschen Vernichtungskrieges in den ost- und südosteuropãischen Ländern wie auch die Versklavung deren Bevöl- kerung werden nur noch von notori- Schen Geschichtsleugnern bestritten. Aber alle Brinnerung und wissen- Schaftliche Bearbeitung der Mensch- heitsverbrechen, die sich mit MAusch- wit?ꝰ in einem Wort Zzusammenfassen lassen, haben es nicht vermocht, die ge- genwärtigen Kriege, Vertreibungen und Ungerechtigkeiten in fast allen Teilen der Welt Zu verhindern. Natürlich lassen sich keine vereinfachten Gleichsetzun- gen von damals mit heute treffen, aber menschenfeindlicher Machthunger, Rassismus, Antisemitismus, Vertrei- bung, Ausgrenzung und Diskriminie- rungen bestimmen immer noch in er— Schreckendem und in vielerlei Hinsicht tõdlichem Maß die Weltgeschichte. So ist auch in dieser Hinsicht die Aussage eines Briefes zu verstehen, die Anita Lasker-Wallfisch im Nachwort ih- res Buches Vhr vollt die Wahmeit erben“ Zitiert: Vor einigen Jahren hatte ihr ein Besucher einer Lesung berichtet, dass er durch ihre persönliche Schilderung be- griffen habe, dass es sich beim Holocaust * Pie in London lebende Anita Lasker Wallſisch war vom 9. J3. November 2015 auf unsere Ninladung hin zu Gast in Peluchland. Sie hat bei einer õffentlichen Abendveranstultung in Bad Vilhel gesprochen und bei drei Jerminen an Schulen in Hriedberg, Seligenstadt und Herborm. 2 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer nicht nur lim eine feme Vergan- genheit vonder lim eine 60jcihri- ge Gegenwart handelt.“ Aus der 6O jãhrigen ist nun bereits eine 70- jährige Gegenwart geworden. Auch aus dieser Finsicht he- raus werden sich die Aufgaben und Ziele der Lagergemeinschaft Aischwit?- FrelundesKreis der Auschwilzer nicht erledigt haben, wenn keine Zeitzeugen der NS- Verfolgung mehr leben werden. Dank der Mitarbeit von vielen Unterstüt?ern konnten wir auch 2015 Studienfahrten nach Polen durch- führen, Zeitzeugen hier an Schulen ver- mitteln, Lesungen und Vorträge organi- sieren. Nicht zuletzt konnten wir auch wieder Spenden weiterleiten an die überlebenden Hãäftlinge von Auschwitz und ihnen auch auf diese Weise ver- deutlichen, dass ihr Schicksal und das ih- nen angetane Unrecht als solches aner- kannt und gewürdigt werden. Sie danken es uns und allen Unterstũtzern mit ihrem großen Vertrauen. Dies alles waren schon wichtige Zie- le bei der Vereinsgründung, die auf Ini- Wenn Sie in diesem Fxemplar des Mitteilungs- blattes kein Uberweisungsformular für Ihre Spende vorfinden, hier unsere Bankverbindung: Lagergemeinschaft Auschwit?- Freundes- kreis der Auschwitzer IBAN DE43 5185 0079 0020 0005 03; BIC HELADEFIFRI Vielen Dank für Ihre Unterstützung: Bitte schreiben Sie deutlich Ihren Namen und Adresse, damit wir Ihnen Spendenbescheinigun- gen für das Finanzamt schicken können. tiative von Hermann Reineck in den 1970er Jahren erfolgte. Diese Arbeit wollen wir auch in den nächsten Jahren fortset?en und bitten ganz herzich um Spenden, damit uns dies mindestens im gleichen Rahmen wie bisher gelingen kann. Uberwei- sungsformulare liegen diesem Mittei- lungsblatt bei. Vielen Dank, erholsame Feiertage und die besten Wünsche für 2016. Der Vorstand der Lagergemeinschaft und des Freundeskreises der Auschwitzer Wir sind gerettet, aber wir sind nicht befreit? Norbert Wollheim, 26. August 1945 Norbert Wollheim(1913 1998) musste als Auschwit?-Hãftling für die I. G. Farben Zwangsarbeit in Monowitz leisten. 1951 verklagte er den Konzern auf Schadener- Sat?, Schmerzensgeld und Arbeitslohn. Es war der erste Musterpro?ess eines Zwangs- arbeiters gegen ein deutsches Industrieun- ternehmen. Nach einem globalen Vergleich musste die I. G. Farben 30 Millionen PM an mehrere tausend Zwangsarbeiter Zahlen. Das MNorbert Wollheim Memorial? Giche Titelseite) mit dem Zitat in der Uberschrift befindet sich in Frankfurt auf dem Gelãnde des ehemaligen I. G. Farben- Hauses, heute Sitz einiger Fachbereiche der Goethe-Universitãät. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 3 Zum Gedenken an Hermann Reineck Der Gründer der Lagergemeinschaft starb vor 20 Jahren Am 29. Dezember 1995 starb Hermann Reineck. Auf seine Initiative hin wur- de Ende der 1970er Jahre die Lagergemeinschaft Alschwitz- Hreundeskreis der Ausch witzer gegründet. Sie hat sich von einem lockeren Unterstützerkreis für ehemalige KZHäftlinge und Verfolgte zu einem gemeinnützigen Verein mit nachhaltiger Wirkung entwickelt. Hermann, am 9. Januar 1919 in Wien geboren, wurde nach der Verbüßung eit ner Haftstraße wegen Verbreitung illegaler Propaganda? im September 1942 mit dem Vermerk Rückkehr unerwünscht? ins Konzentrationslager Auschwit? deportiert. Auf unserer Internetseite sind seine Biographie und ein langes In- terview aus dem Jahr 1985 zu lesen(httpMlagergemeinschaft-auschwitz. de/wir- uber-uns/hermann-reineck/). Beim Frankfurter Auschwit?-Prozess sagte er 1963 als Zeuge aus. Hier lernte er seine spätere Frau Anni Roßmann-Reineck ken- nen und übersiedelte ein Jahr spãter zu ihr nach Hessen. In den folgenden Texten, sind anlässlich seines bevorstehenden 20. Todesta- ges einige Erinnerungen wiedergegeben von Menschen, die er beeindruckt und die er für ein Engagement für die LGA gewonnen hat. Ist es wirklich vorbei? Es ist vorhei“, sagte mir Anni, Hermanns Frau, mit tonloser Stimme am Jelefon am Tag bevor er im Kran- kenhaus in Lich starb. Ich glaubte es noch nicht so recht, aber am nächsten Tag kam dann ein Anruf unserer Freundin Ariana: Hermann ist tot.? Ich hatte es am Jag Zuvor noch nicht glauben können, weil Hermann in sei- nem Leben bereits viele Vorhersagen, er werde nicht mehr lange leben, Lügen gestraft hatte- obwohl die Wahrschein- lichkeit jeweils klar gegen ihn sprach. Falsch lagen vor allem der Staatsapparat des Deutschen Reiches und dessen wil- lige Helfer, die ihn im September 1942 nach Verbüßung seiner Gefängnisstrafe 4 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer mit dem Vermerk Rüchkehr uner- wiinscht“ ins Konzentrationslager Auschwit?z deportieren Hießen. Falsch lagen auch rund vierzig Jah- re spãter die Arzte der Herz-Klinik in Bad Nauheim nachdem sie Hermann operiert hatten. Sie gaben ihm noch höchstens ein Jahr, da die Rückwand seines Herzmuskels nur noch so dünn wie ein Blatt Papier gewesen sei. Dies bestãtigte auch eine Arztin, die damals dabei war, und die Hermann dann auch mehr als zehn Jahre später während seiner letzten Tage medizi- nisch betreute. Hermann war nach seiner ersten OP Zzwar in Rente geschickt worden, aber den ärztlichen Rat, Aufregungen und Stress Zzu vermeiden, schlug er in den Wind. Irot? weiterer Operationen und Krankenhausaufenthalte im Laufe der folgenden Jahre war er mit Hilfe von Anni unermüdlich unterwegs, wenn es galt, den Freunden in Polen Unterstüt- zung Zukommen zu lassen, bei Demon- strationen gegen die NPD aufzutreten, Studienfahrten nach Auschwit? zu be— gleiten, bei Veranstaltungen über Auschwit? und die Verbrechen der NS- Zeit zu sprechen und zu warnen, dass dies wieder geschehen könnte. Und da könne man nicht unbeteiligt Zusehen. Ich selbst habe ihn 1989 kennenge- lernt und bin ũber Ostern 1900 erstmals mit der IGM im Bus nach Polen-sprich nach Auschwit? und Krakau- gefahren. Hier in Deutschland habe ich Hermann mehrfach zu unterschiedlichen Veran- Staltungen gefahren. Was seinen, es lãsst Sich sagen, eisernen Willen? betrifft, 80 ist mir eine für mich zunächst dramati- Sche Begegnung in Erinnerung. Ich fuhr ihn- ich meine, es war nach Wetzlar in die Jugendherberge- zu einer Jugend- gruppe, die sich auf eine Fahrt nach Auschwit? vorbereitete. Hermanns kör- perliche Schwäche war schon beim EFin- Steigen ins Auto auffällig, und ich sowie selbst Anni versuchten, ihn zu überre- den, den Iermin abzusagen. Vergeblich. Am Tagungsort musste ich ihm die Trep- pe hoch helfen und machte mir Vorwür- fe, dass ich ihn erneut nicht überzeugen konnte, wieder nach Hause zu fahren. S0 klapprig und fahrig waren seine Bewe- gungen, so schwer ging sein Atem und so zittrig und leise war seine Stimme. Zehn Minuten später saß er vor den Jugendlichen, eine Tasse schwar- zen Kaffee vor sich und eine brennen- de Zigarette in der Hand. Von körper- licher Schwäche und Zittriger Stimme konnte keine Rede mehr sein. Seine ganze Körperhaltung hatte sich verän- dert.“Entspannt und fast wie das jun- ge Leben', dachte ich mit Erstaunen und wusste gleichzeitig, dass dies natürlich Quatsch war. Aber was er zu Sagen hatte, sagte er mit fester Stimme, eindrücklichen und klaren Worten und beeindruckte die Jugendlichen und ihre Betreuer zudem mit seinem Charme, den er sehr geschickt und mitunter sehr bewusst einsetzte. Uher Auschwitz darf Kein Gras wachsen“, war das Motto, das er ver- trat und das als Wahlspruch unserer Lagergemeinschaft Aluschwitz- Hrelin- desKreis der Auschwitzer bis heute nichts an seiner Bedeutung verloren hat. Hermann hatte den festen Willen, dies an die nachfolgenden Generatio- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 8 nen weiterzugeben. Dazu fühlte er sich seinen Häftlingsk ameraden verpflich- tet. Vor allem wohl einem, über den er mir gegenüber nur einmal sprach. Es war ein Freund aus Wiener Tagen, den er mehrfach im Hãäftlingskrankenbau bei Selektionen versteckte, da er un- weigerlich als nicht mehr arbeitsfähig ins Gas geschickt? worden wãre. Das Risiko, dass die SS dies entdecken und damit den gesamten Lagerwiderstand gefährden könnte, wurde immer größer. Auf Beschluss der Wider- standsgruppe und gegen alle persön- lichen Bedenken und Skrupel unter- ließ es Hermann, seinen Freund vor der nächsten Selektion zu warnen und ihn erneut vorübergehend zu ver- Stecken. Hermann sprach so gut wie alle, die ihm begegneten, auf Auschwitz an. Die Arzte und das Pflegepersonal bei sei- nen Krankenhausaufenthalten und al- le, bei denen er merkte, dass sie das In- teresse gepackt hatte und Empathie empfanden, lud er nach Gambach in die Wohnung zu sich und Anni ein. Und ja, Hermann konnte auch— ich formuliere es bewusst-“mit Ausch- wit? nerven“. Konnte ungeduldig drängen. Insistierte, dies und jenes müsse gemacht werden. Ich kann mich erinnern, wie Wolfgang Gehrke Gchon früh nach der Gründung der LGA und nach einer Unterbrechung auch seit Jahren wieder im Vorstand) ihm einmal antwortete: Hermann, ich weiß, du hist jeden Jag in Alschwilz, well du mussl. Aber das Kann ich nicht. Mas alte ich nicht durch.“ Hermanns Tod war ein Finschnitt. Aber die Kontakte zu seinen Kamera- den, den Auschwit?-Häftlingen, blie- ben bestehen. Wir versuchten, die Ar- beit der Lagergemeinschaft mit Studienfahrten, der Vermittlung von Zeitzeugen an Schulen, die Veranstal- tung von Gedenkfeiern sowie anderen Aktionen fortzusetzen. Auch wenn wir vieles anders machten- was uns Anni dann mitunter schwer übel nahm, aber das ist ein anderes Thema-, so ist uns das dank der Unterstüt?ung aller Mit- glieder und Sympathisanten im Grun- de doch gut gelungen. Aufgrund von Krieg und Bürgerkrieg in vielen Län- dern der Welt, aufgrund von Verfol- gung aus rassistischen und politischen Gründen scheint uns dies auch weiter- hin nötig. Die Brinnerung an die Ver- brechen der Vergangenheit und deren Voraussetzungen ist auch eine Voraus- set?ung für die Bewältigung der ge- genwärtigen gesellschaftlichen Bedro- hungen. Hans Hirschmann Seit Mitter der 1990er Jahre Vorstandsmitglied der KGA 6 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Das Fremde in dir Lie ber Hermann, es ist jet?t schon fast 35 Jahre her, dass ich Dir begegnet bin, und du bist Schon vor 20 Jahren gestorben. Wir ha- ben uns Briefe geschickt, jetzt kommt noch ein verspäteter dazu. Dass ich Dich Freund' nenne, erschreckt mich fast. Es gab etwas unüberwindbar Fremdes, Anderes in Dir, an dem ich nur von außen teilnehmen konnte. Du warst Auschwitzhäftling. Es war kaum auszuhalten, was Du mir alles erzählt hast, als wir während der langen Bus- fahrt nach Auschwit?z unterwegs wa- ren. Ich hatte Dir, dem Menschen aus dem politischen Widerstand in Oster- reich, erzählt, dass ich als junger Stu— dent in Wien einen ganzen Tag mit Ubelkeit zu kãmpfen hatte, als ich zum ersten Mal in der Universitätsbiblio- thek von den Grãueln in Auschwit?z ge- lesen hatte, zu einer Zeit, als in Deutschland noch ein großes Schwei- gen herrschte. Ich habe danach viel Zu Auschwitz gelesen. Du aber ließest nicht locker: Du wolltest mich mit nichts verscho- nen. Deine Schreckensberichte aus dem Strafbataillon mag ich bis heute nicht wiedergeben. Wir übernachteten im selben Zimmer in Krakau. Du sag- test: Jch brauche einen, der mir zuhört.“ Ich habe von Dir erfahren, wie die geheime politische Wider- standsgruppe Dir zu einer Verset?ung in die Schreibstube im Krankenbau verholfen hat, wo Du massenweise fin- gierte Todesursachen schreiben muss- test. Einen schwerkranken politischen Freund hast Du dort wochenlang vor der Selektion für die Gaskammer be- wahrt, indem Du Karteikarten ver- tauschtest. Pann kam die geheime An- weisung: Wir können ihn nicht mehr halten, es ist zu gefährlich. Da habest Du ihn freigeben müssen. Der letzte Blick, den der Freund dir beim Ab- transport Zugeworfen habe, das sei fast das Schlimmste in deiner Frinnerung. Beim Gang durch das Stammlager zeigtest Du mir im Todesblock 11 die Stehbunker und den Hungerbunker, in dem auch Maximilian Kolbe frei- willig Starb, mit dem von Hingernägeln Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 7 zerkratzten Türrahmen. Du erzähltest, wie die Todeswand? nach den Massen- erschießungen aussah. Immer waren es Menschen, die vor meinen Augen stan- den, und einer, der es überlebt hatte: Du. In Birkenau, wo nur noch Bahngleise und gesprengte Kremato- rien zu sehen sind, hobst Du eine Handvoll Erde auf, gabst sie in meine Hand und sagtest:“Du hältst jetzt die Uherreste von 10.000 Menschen. Lege vie ehrfirchtig zurick.* Lieber Hermann, Auschwitz war dein Lebensthema. Du musstest im- mer wieder dort hin fahren. Du grün- detest die Lagergemeinschaft Ausch— wilzMrelindesKreis der Ausch wilzer. Du bist ein Beispiel des Lebenswillens und des Widerstandes. Du hast mir ein wichtiges Lebensthema mitgegeben, das ich mit Schülern in Oberstufen- kursen, mit Konfirmanden und mit Er- wachsenen erleben und an sie weiter- geben wollte. Danke! Dieter Schermeier mittlerweile pensionierter Pfarrer aus Essen, war vor fast 35 Jahren mit der Aktion Sühnezeichen/Friedensdienste in Auschwitz und hat Hermann Reineck auf dieser Fahrt getroffen. Auf der In- ternetseite Himmelsrauschen“ vom Fvangelischen Kirchenkreis EFssen httpiwww. himmelrauschen. de/an- den-freund-hermann-reineck-ausch- wit?haeftling-nr63-387 3/ ist vorstehen- der Nachruf erschienen.(Wir danken Dieter Schermeier für seine Zustim- mung zum Nachdruck.) VUnbeugsame Stärke“ Hermann lernte ich im Frühjahr 1991 anlässlich der Vorbereitung mei- ner ersten Studiereise nach Auschwitz kennen. Die grausamen Frinnerungen, die er als Zeit?euge über Auschwitz zu berichten hatte, waren erst mal nicht 80 recht mit dem liebenswürdigen und humorvollen älteren Herrn, der vor uns saß, in Finklang zu bringen. Erst später konnten wir die unbeugsame Stärke unseres Erzählers erahnen. Hermann hatte an diesem Tag Schließlich sehr schnell die Herzen der aufmerksamen Zuhörer und Zuhöre- rinnen erobert. Und das lag nicht nur an seinem Wiener Charme, sondern auch an dem Mut, seine Meinung frei zu äußern, es nicht jedem recht ma— chen zu wollen, zu widerstehen und Sich selbst treu Zu bleiben. Mit diesen Figenschaften war Hermann mir im Ater von 16 Jahren ein großes Vorbild. Und ist es bis heu- te geblieben. Hermann Reineck hat seinen Beitrag zur Erziehung nach Auschwit?“ im Sinne Adornos gelei- stet und damit viele Menschen ge- prägt, denen er unvergessen bleibt. Dafür danke ich ihm ganz herzlich. Andreas Kilian Historiker, u. a. Co-Autor von Zeu- gen aus der Vodeszone- Pas jidische Sonderkommando in Auschwitz 8 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Totale“ Zivilcourage Marcel Reich-Ranicki hat einmal über Nachrufe gesagt: Herrgott, vie miisven Zeigen, wus der Kerl taugte nicht w0 er zlur Schlle ging.* Uber unseren Gründer ließe sich in diesem Zusammenhang eine Menge schreiben. Die Uberzeugungskraft und Glaubwürdigkeit, die Hermann als Per- Son und ebenso als Kämpfer gegen den rechten Ungeist mit seiner“totalen? i- vilcourage an den Jag legte, werden mir immer im Gedãchtnis bleiben. Pin Schlüsselerlebnis hatte ich im Ja- nuar 1985 in Frankfurt, als ich Hermann Reineck in der Ausstellung“Pohkumente iher Auschwitz“ kennenlernen konnte. Fs dauerte nicht lange und Hermann zog mich und meine Freundin in den Bann Seiner Erzählungen über seine Erfahrun- gen als Häftling in Auschwitz. Noch am Selben Jag wurde ich vor Ort Mitglied der IGM. Ich bin ihm unendlich dankbar, dass er mir damals den Weg geebnet hat, Mit- glied der ILGM zu werden und auch im Vorstand mitarbeiten Zu dũrfen. Sein Jod hat mich damals tief getroffen. Wir hatten einen Freund verloren, dessen Wesen auch durch Bescheidenheit, Humor und Menschlichkeit geprägt war. Das Frin- nern an ihn gibt Mut und Kraft, gegen das Vergessen des mõrderischen Kapitels der deutschen Geschichte anzukämpfen. Mexander Woff Vorstandsmitglied der KGA Pas wird schon Klappen“ Selbstverständlich traf man Her- mann und Anni bei Demonstrationen gegen die Nachrüstung. Schnell kam Hermann mit einem ins Gespräch. Sein nicht unterdrücktes Wienerisch, seine freundlichen Augen, sein meist lächeln- der Mund, vor allem aber seine herzliche, einfühlsame Art fesselten einen sofort und für immer. Finmal kam die Idee auf, zu einem Jahrestag aus der Reihe der NS-Verbrechen Hermann in die Klasse einzuladen, in der ich gerade Geschichte unterrichtete. Das war damals noch neu. Mir war nicht gan?z wohl dabei: Auf der Fahrt mit Hermann zur Schule er- zählte ich ihm, ich sei mir nicht sicher, ob das gut gehen werde. Ich hätte Schwie- rigkeiten mit der Klasse und fürchtete, Sie würden sich nicht richtig verhalten- bis hin Zu HFlegeleien. Hermann machte mir Mut: Ach lass mal, das wird schon klappen. So wars dann auch. Die Ju- gendlichen waren freundlich, sogar höf- lich, hörten ihm gespannt zu und unter- hielten sich mit ihm noch lange nach Ende der Stunde. Zweierlei hatte ich als junger Lehrer von Hermann gelernt: Man muss seinen Schülerinnen und Schülern vertrauen. Und man muss keine Angst haben, Nu- gendliche mit dem Jerror von Auschwit? zu konfrontieren. Als ich Spãter das Buch von Monika Held fand Per Schrecken vErliert Sich vor Oyt, musste ich an die Mut machende Bemerkung von Her- mann denken. Uwe Hartwig Vorsit?ender der LGA Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 9 Kaum begreifliche Kraft Hermann war der erste Auschwitz-Uberlebende, den ich 1991— damals noch als Schülerin des Friedrich- Ebert-Gymnasiums Mühl- heim- kennenlernte. Er be- gleitete uns während unserer zweiwöchigen Studienreise und war immer für uns an- sprechbar. Er führte uns Selbst durch das Lager und erzählte uns von seinen Er- lebnissen dort. Ich kann noch immer kaum begreifen, wie ein Mensch die Kraft finden kann, an einen solchen Schreckensort zurückzukeh- Hermann mit Zigarette und mit Anni Roßmann-Reineck ren und immer wieder seine Ge- mann ist sicher einer der Menschen, schichte zu erzählen. Noch dazu fand die mich am meisten in meinem Le- er trõöstende Worte für uns, wenn wir ben beeindruckt haben. Schwierigkeiten hatten, das Gehörte Martina Hörber zu verkraften und zu verarbeiten. Her- Vorstandsmitglied der KGA Hermann(rechts) mit Joachim Proescholdt Q. von links), seinem Nachfolger als Vorsitzender der Lagergemeinschaft, und mit HFreunden aus Polen bei einer Studienfahrt. 10 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Kontinuitäãten und Veränderungen Die Arbeit der IGA in 2015—Bericht von der Mitgliederversammlung Bei der Mitgliederversammlung Anfang November wurde der Vorstand der Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer(ILGA) für weitere zwei Jahre im Amt bestätigt: Uwe Hartwig als Vorsitzender, Neithard Dahlen als 2. Vorsit?ender und Matthias Tiessen als Kassierer. Ebenfalls wieder gewählt wurden als Beisitzer Angelika Berghofer-Sierra, Wolfgang Gehrke, Hans Hirschmann, Martina Hörber, Deniz Martin und Alexander Woff. Nicht mehr kandidiert hatten Gerhard Herr, Simon Hemmers und Uli Vogel. Sie werden jedoch weiterhin bei Einzelprojekten dem Vorstand mit Rat und Jat zur Seite stehen. Vorstand und Versammlung dankten ihnen für ihr Engage- ment, insbesondere Gerhard Herr, der mehr als 30 Jahre im Vorstand tãtig war. Vier Studienfahrten Die Arbeit der LGA im Berichtsjahr 2015 war geprägt von der Brinnerung an die Befreiung von Auschwit? vor 70 Jahren am 27. Januar 1945, erläuterte Uwe Hartwig in seinem Rechen- Schaftsbericht. Die breite und lang an- haltende Berichterstattung darüber habe bei vielen Menschen das Interes- Se geweckt, mehr über Auschwitz zu er- fahren und vor allem auch Auschwit? zu besuchen. Neben etlichen Anfragen nach Informationen und Ratschlägen für individuelle Besuche in Auschwitz führte das gestiegene Interesse auch dazu, dass in diesem Jahr vier Studien- fahrten nach Auschwit? und Krakau unter Keitung der KGA durchgeführt werden konnten. Zu den zwei turnusmäßigen im April und im Oktober kamen zwei zu- Sätzliche im September und Anfang Oktober hinzu. Dabei besuchten ins- gesamt 79 Menschen mit uns die Ge- denkstätte in Auschwitz und Birkenau und auch das jüdische Krakau. „Ohne die organisatorische Unterstt- zling der Intemationalen Jugendhegeg- nlngsstätte(UB) in Owiecim— Hau Guik und Hrau Paczynska— und oh- ne die Hilfe der Kralcauer Sudtflihre- rin, Frau OstrosMa, wiren die Fahrten nicht v0 glatt verlaufen“, bedankte sich Uwe Hartwig, der an allen vier Fahr- ten federführend beteiligt war und sie auch als Leiter begleitet hat. Die Fahrt im September wurde von Studierenden der Goethe-Universität Frankfurt am Main belegt. Diese in?wi- schen dritte von der KGM für Studie- rende der Universität Frankfurt orga- nisierte Fahrt hat als einen besonderen Schwerpunkt Monowit?— wegen des Sit?es der Universität im ehemaligen Gebäude der IG-Farben. Den Studie- renden ist es gelungen, beträchtliche Sponsorenbeiträge einzuwerben. Sie haben sich selbst organisiert inhaltlich auf die Fahrt vorbereitet und viele von ihnen nehmen an nacharbeitenden Aktivitäten teil. Auch das gehört zur Tradition dieser studentischen Fahrten. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 11 Die Fahrt Anfang Oktober führte die KGA durch in Kooperation mit der Hesischen Landeszentrale für po⸗ litische Bildung— Keferat No-COedeni- vtten. Diese Studiengruppe besuchte auch Warschau. Die Journalistin Gabriele Lesser war an zwei Tagen kompetente Stadtführerin. Sie ist Ex- pertin für die Gedenkkultur, kennt sehr genau die Geschichte Polens und gab viele interessante Finblicke in die polnisch-jũdische Geschichte. Mit Neu-Isenburgern in Auschwitz Die letzte offen ausgeschriebene Fahrt dieses Jahres war ein Koopera- tionsprojekt mit dem Geschichtsver- ein Neu-Isenburg und seinem Vorsit- zenden, Bürgermeister Herbert Hun- kel. Die Stadt hat eine besondere Be- ziehung zu Auschwitz. In Neu-Isen- burg steht das Gebäude des 1907 vom Jüdischen Frauenbund unter Berta Pappenheim eröffneten Heims für so- zial entwurzelte jüdische Mädchen, für unverheiratete Schwangere und ledige Mütter mit ihren Kindern. 37 Kinder und Jugendliche sowie weite- re 40 Bewohnerinnen des Heims wur- den 1942 nach Auschwit? verschleppt. Die Stadt Neu-Isenburg hat das ehemalige Heim vor knapp Zwanzig Jahren als Gedenkstätte hergerichtet, die nach Berta Pappenheim benannt ist. Die bei einem Projekt der Stadt er- stellte gut dokumentierte Namensliste der aus Neu-Isenburg verschleppten Jüdinnen und Juden war zuvor schon an das Archiv der Gedenkstätte ge- schickt worden. Dort war die Kiste überprüft worden und beim Treffen konnte Krystyna Lesniak wichtige Er- gänzungen an Bürgermeister Hunkel In Auschwitz trafen die Neu-Penburger auch mit dem S4-jährigen Emanuel Elbinger(I. Reihe 3. v l.) Z7usammen. Er erzihlte, wie er mit Eltem und Geschwistern sich als jüdische Familie wůhrend des Krieges verstecken musste- oft verteilt auf verschiedene Unterkünfte. Die Mutter und eine Schwester haben das Kriegsende nicht überlebt. Bürgermeister Herbert Hunhel dank- te ihm für seine Schilderungen, besonders weil bemerkbar war dass ihn dies vchr belastet. 12 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer für die Archivierung im Bertha-Pap- Penheim-Haus übergeben. Das Neu-Isenburger Stadtober- haupt legte bei der Besichtigung des Stammlagers einen Kranz an der Todeswand(Schwarze Wand) im Hof zwischen Block 10 und 11 nieder. In ei- nem Bericht schrieb er als Gesamtein- druck der Studienfahrt:„Diese Reise hat lins allen sehr viel gegeben, sie wur eine der wichtigsten des Neu-benburger Geschichtsvereins.“ Nach der Erfah- rung dieser sechs Tage in Polen kündig- te er an, für 2017 eine Fahrt von Neu- Isenburger Jugendlichen nach Ausch- wit? Zu organisieren. Für 2016 ist die IBs in Oswiecim bereits ausgebucht. Auch einige der anderen Studien- fahrten aus diesem Jahr werden ver- mutlich in den kommenden Jahren zu Nachfolgeprojekten führen, teilte Uwe Hartwig in der Mitgliederver- sammlung mit. Viele Besucher, kaum noch Zeitzeugen Weiter berichtete er über die großen Besuchermengen, die in Auschwit? zu verzeichnen sind, und die sich daraus ergebenden Probleme. Zunehmender Diebstahl von Uberresten in beiden Gedenkstätten(Stammlager und Bir- kenau), Vandalismus gegenüber den Objekten und auch pietãtloses Verhal- ten der Besucher führen vor allem beim Zugang zum Stammlager zu sehr Scharfen, bisweilen kleinlich wirken- den und vor allem zeitaufwändigen Kontrollen. Die LGA und ihre Studiengruppen sind in der Gedenkstätte jedoch stets gern gesehene Gäste und können auch immer mit Besuchen im Archiv bei Frau Lesniak und in der Kunstsamm- lung bei Herrn Kaplon Finblicke bie- ten, die anderen Gruppen und Finzel- besuchern nicht offen stehen. Schwieriger wird es dagegen für künftige Fahrten, Ireffen mit Uberle- benden zustande zu bringen. Diese Zusammenkünfte waren für viele ein Hauptmotiv für die Teilnahme an ei- ner Studienfahrt. Auch die IBS hat nur noch zu wenigen Uberlebenden Kontakt, die sie direkt einladen kann. Andere, die weit weg von Oswiecim wohnen, stehen nur dann zur Verfü- gung, wenn sie aus anderen Gründen in der Gedenkstätte sind. Besuch von Auschwitzern Neben den Studienfahrten zählten 2015 auch wieder regelmäßige Veran- staltungen an Gedenktagen und vor allem Veranstaltungen mit Uberleben- den in Schulen und in der Wetterauer Offentlichkeit zu den Arbeitsschwer- punkten der KGM. So las bei einer Ko- operationsveranstaltung mit dem Kul- turamt Bad Vilbel am 9. Februar der Autor Reiner Engelmann aus seinem Buch„Der Fotograf von Auschwitz— Dds Leben des Wilhelm Brasse“. Vor seinem Tod im Jahr 2012 stand Wilhelm Brasse mehrfach in Ausch- wit?z den Teilnehmern von LGA-Stu— dienfahrten als Gesprächspartner zur Verfügung. Am 9. November war in Butzbach Hein? Hesdörffer auf Finladung der Stadt und der Lagergemeinschaft Eh- rengast bei der traditionellen Gedenk- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 13 Waclaw Dlugoborski, Uberlebender von Auschwitz, beim Vortrag vor Teilnehmern der Studienfahrt, die das Hessische Institut für polit. Bildung mit der LGA durchführte. feier Zum Jahrestag der Novemberpo- grome von 1938. Der rund 45 Minuten lange Film Schritte ins Ungewisse Zeich- nete Stationen seines Lebens nach. Zu- dem berichtete der heute 93-Jährige, wie er die Haft in Auschwit? und die Todesmärsche überlebt hat, während Bruder und Mutter ermordet wurden. Mit Eva Pus?tai in der ersten Jah- reshälfte und mit Anita Lasker-Wall- fisch Anfang November waren zwei weitere Uberlebende von Auschwitz zu Gast, die in sehr bewegenden Ver- anstaltungen berichteten und sich anschließend den Fragen aus dem Pu- blikum stellten. Bei diesen Vortrags- reisen legten wir auch immer Wert darauf, dass die Zeit?eugen auch Schu- len besuchen konnten und Jugendli- che mit ihnen ins Gespräch kamen. Beteiligt war die KGA auch an zwei Veranstaltungen, bei denen das von Bettina Leder verfasste Buch Lalingers— Eine Hamiliengeschichte aus Meutschland vorgestellt wurde. Dies war einmal am 31. Mai im Schau- Spiel in Frankfurt sowie am 15. Novem- ber in der Stadtbibliothek Bad Vilbel. EFin Teil dieser Präsentationen war je- weils ein Gesprãch mit dem 96 jãhrigen Wolfgang Lauinger, der als Halbjude, Swingkid und schwuler Mann von der Gestapo verfolgt wurde und auch noch in der Bundesrepublik wegen seines Schwulseins vor Gericht stand. Dank an Kooperationspartner Der Umfang dieser von der Lager- gemeinschaft Auschwitz— Freundes- Kreis der Auschwitzer organisierten Veranstaltungen war nur möglich dank einiger Kooperationsvereinba- rungen. Zu nennen und zu danken sind hier den Städten Butzbach und Bad Vilbel, dem Wetteraukreis und der Eynst- Chambré-Stiftung zu Lich. Der Vorstand dankte aber auch den Mitgliedern und Unterstützern für ihre Spenden und Beiträge sowie ihr Engagement. So war es auch 20135 möglich, namhafte Geldbeträge an die Hãäftlingsklubs in Warschau, Krakau und Zgorzelec und an die Ambulan?z in Krakau zu schicken. Diese materi- elle Hilfe war neben dem Bewusstsein um die Schicksale der im PDritten Reich Verfolgten und ihrer Angehöri- gen seit Gründung unseres Freundes- kreises ein Hauptanliegen, für das sich Hermann Reineck als Initiator der LGA stets eingesetzt hat.„Wir vind Sol“, s0 Uwe Hartwig zum Schluss Seines Jahresberichtes,„dass wir auch diese Aufgabe weiter erfiillen Können.“ 14 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Auschwitz-Gedenkstätte und Museum seit 1947 Auschwitz I 009) mit einmontiertem Foto von 1945.(www. air-quad. de über Wikimedia Commens) Die Gedenkstätte Auschwitz, offizi- ell Saatliches Muselum Auschwitz-Bir- Kenau(polnisch Paßñstwowe Muzeum Alschwilz-Biricenau, Abk. PMO) wur- de am 2. Juli 1 947 auf Beschluss des pol- nischen Parlamentes von Uberleben- den des Lagers begründet. Ihre Fläche umfasst 101 Hektar, wovon 20 Hektar auf das Stammlager Auschwitz I und 171 Hektar auf Birkenau entfallen. Sie gehört Zum Gebiet der Stadt Oswiécim und umfasst die erhalten gebliebenen und rekonstruierten baulichen Anlagen der Konzentrationslager Auschwit? I und Birkenau(Auschwitz II, das ei- gentliche Vernichtungslager). Brinnert wird an die Morde und die Lager während der deutschen Be- set?ung Polens im Zweiten Weltkrieg. Das Museum hat verschiedene weite- re Aufgaben, s0o wird zur Schoah/Zum Holocaust an den Juden sowie zum Porajmos an den Sinti und Roma in Furopa durch die deutschen Natio- nalsozialisten geforscht.(Porajmos— das Wort aus der Sprache der Roma- nes bedeutet„das Verschlingen“- be- zeichnet den Völkermord an den eu— ropãischen Roma und Sinti.) Im Museum sind über 200 Perso- nen in verschiedenen Abteilungen als Angestellte tätig(Archiv, Computer- sektion, Informationsbüro über ehe- malige Häftlinge, Sammlungen, Kon- Servatorische Abteilung, Bibliothek, Wissenschaftliche Forschungsabtei- lung, Sektion für ehemalige Häftlinge, Ausstellungen, Bildung und Erziehung und die Abteilung für Publikationen. Das Museum wurde von der UNEñHSCO 1979 unter der Bezeich- nung Auschwitz Concentration GCamp zu einem Teil des Welkulturerbes er— klärt. 2007 wurde die Bezeichnung er- weitert Zzu Auschwitz-Birkenau— deulsches nationalsoziulistisches Kon- zentrations- und Vemichtungslager (140—704)*. Damit soll verhindert Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 15 werden, dass Auschwitz fälschlicher- weise als„polnisches Vernichtungsla- ger“ bezeichnet werden kann. Heute wird die Gedenkstätte jähr- lich von mehr als 1,5 Millionen Men- schen aus der ganzen Welt besucht. Laut Internationalem Auschwitz Ko— mitee in Berlin sind etwa 60 Prozent der Besucher und Besucherinnen junge Menschen unter 26 Jahren. Bestandteil des Weltwissens Die Situation bei mehr als 1,5 Millionen Besuchern pro Jahr Das Kopfhörersystem wollte er nicht benutzen. Seine geschulte Schau- Spielerstimme würde die Geräusche der Windben übertönen beim Rund- gang durchs Stammlager an einem Sonnigen aber schon kalten Oktober- Sonntag. Wir waren an dem Vormittag fast allein mit Thadeus?z Sobolewicz. Langsam gingen wir mit ihm durchs Stammlager und er erzählte uns an verschiedenen Orten, was er als Ge- fangener in Auschwitz erlitten, gese- hen und von Kameraden gehört hatte. Das war vor sechs Jahren. Heute Stehen wir schon vor dem Fingangsge- bäude Schlange vor der Sicherheits- Schleuse, die alle passieren müssen. Die Grõße der Taschen wird genau kontrol- liert, was Zu groß ist, wird zurückgewie- sen. Vorher wurden Führungen und Archivbesuch schon bezahlt. Kopf- hörer sind Pflicht. Wer allein anreist oh- ne Vorinformationen, muss sich einer offenen Führung anschließen, die viel- leicht erst in zwei Stunden beginnt. An manchen Stellen im Stammla- ger stauen sich die Besuchergruppen: vor allem im Raum mit dem Modell der Gaskammer und dem Gang ge- genüber. Vor Block 11 und besonders dort im Keller. Kaum ist im Stammla- ger noch individuelles Gedenken an die Opfer und schon gar nicht ehren- des Innehalten möglich. AMerdings: Die letzten Stunden der Offnungszei- ten bieten dafür Möglichkeiten. Die Guides der Gedenkstätte ge- ben sich große Mühe, der eigenen Gruppe gerecht zu werden und gleichzeitig auch auf die anderen Gruppen Rücksicht zu nehmen. Man mag die gesamte Situation be- dauern. Zu kritisieren ist sie nicht. Die verschiedenen Anlässe des Erinnerns und Gedenkens der letzten Jahre ha- ben Auschwit? zunehmend ins öffentli- che Bewusstsein gehoben. Das wirkt sich auf die Besucherzahlen aus. Auch unsere Lagergemeinschaft erhält in?wi- Schen etliche Anfragen nach Teilnahme an unseren Studienfahrten, aber auch nach Beratung für persõnliche Besuche in Auschwitz. In Krakau wird für den halbtägigen Besuch von Auschwitz ge- worben im selben Atemzug mit der Werbung für eine Fahrt zu den Salz- minen von Wieliczka. Fine demokratische Gesellschaft kann keine Auswahl treffen, wer an- gesichts der riesigen Besucherzahlen von derzeit 1,5 Millionen pro Jahr in die Gedenkstätte darf und wer nicht. 16 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Auschwitz-Birkenau 009) mit einmontiertem Foto von 1945.(Www.airquad. de über wikipedia) Alle haben das gleiche Besuchsrecht: der nach Erklärungen Suchende, der wissen Wollende, was war und wies war, der touristische Sammler von Se- henswürdigkeiten oder von Stätten des Weltkulturerbes, wie der auf Sen- Sation aus Seiende. Die Gruppenführungen mit ver- pflichtender Kopfhörernutzung sind eine Chance: Man kann sich in das vom Guide direkt ins Ohr Berichtete Zurückziehen“, ein wenig nach eige- nem Interesse Bilder, Texte oder Ge- genstände genauer betrachten oder auch einige Schritte abseits stehen oder gehen, um in Ruhe zu hören oder nachzudenken. Die Gedenkstätte hat auch zu kämpfen mit Diebstählen von Uber- resten der Lager. Spektakulär war der Raub der Jor-Uberschrift„Arbeit macht frei“. Es gibt aber auch „Sammler“, die ein Stück für die häusliche Andenken- oder Erinne- rungsecke suchen— wie den Stein von der Akropolis— oder die Uberreste sammeln, um daheim den Bericht über die Fahrt zu illustrieren. Neu und provisorisch aufgestellte Hin- weisschilder im Bereich des Lagerab- schnitts Kanada(in Birkenau) weisen darauf hin. Wir können froh sein, dass Ausch- wit? in?wischen weithin Bestandteil des Weltwissens geworden ist— viel- leicht auch Teil des Weltgewissens. Was der Welt gehört, will von ihr auch be- Sessen werden. Nur Religionen, Mon- archien und Piktaturen haben ihre Ge- heimnisse und ihre verbotenen Zonen. Die Gedenkstätte kann sowohl per gebuchter, kostenpflichtiger Führung, als auch individuell zu je— weils festgelegten Zeiten besucht werden. Auskünfte finden sich über das Internet-Portal der Gedenkstätte wwWw. auschwitz. Org. pl. Uwe Hartwig Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 17 Die Wunde heilt nicht Rede von Fva Fahidi bei Gedenkveranstaltung des IAK Am 26. Januar 2015, am Tag vor dem 70. Jahrestag der Befreiung von Auschwit?, fand in Berlin in der Urania eine Gedenkveranstaltung des Internationalen Ausch- witz-Komitees(IAK) statt. Für die ehemaligen Hãäftlinge sprach Eva Fahidi?. Als ich in der Morgendämmerung des 1. Juli 1 944 in Auschwit?-Birkenau ankam und mich die Mitglieder des Sonderkommandos aus dem Viechwa- gen warfen, dachte ich nicht daran, dass es je eine demokratische Bundes- republik geben würde- und dass gera- de ich die Ehre haben würde, mich hier zu erinnern. Siebzig Jahre sind in der Zwischenzeit verlaufen. Wenn ich mein langes Leben be- trachte, worauf 75 Jahre auf das 20. Jahrhundert fallen, muss ich schmerz- haft feststellen, dass ich schon sehr früh dem Antisemitismus und dem Hass be- gegnet bin. Die Geschichte unserer Ahnen, worüber wir als Kinder zu ler- nen beginnen, ist die chronologische Aufzählung von Kriegen, die auf dem Hass gegenüber dem Feind beruhen. Heute kenne ich schon den tragi- Schen Zusammenhang zwischen Hass und Angst. Hass, als Folge der Angst. Wie soll ich meinen Nächsten und wie gar den Fremden lieben, wenn ich Angst vor ihm habe? Als wir Kinder uns Zu Hause gezankt haben, hat Mutti gesagt: Kinden his zluum Abend müsst inr euch versòhnen. Mit Argen mit Hass in Herz und Seele, Schldft man nicht ruhig.“ Wir Uberlebenden von Auschwitz- — Birkenau sprechen über unser Leben, wenn wir über Hass und Angst spre- chen. Es begann schon viel früher, mit der ständigen Angst um die Männer, die als Juden in den Arbeitsdienst ver- Schleppt wurden. Kommt mein Vater, Bruder, Onkel zurück? Werde ich ihm noch je begegnen? Die angstbelaste- ten, unvergesslichen Momente des Abschieds! Damals wussten wir nicht, aus wel- chen weiteren Gründen wir noch der Angst begegnen sollten. Im Viehwa- gen, auf der Reise nach Auschwitz- Birkenau, klammerten wir uns an die Hoffnung des Zusammenbleibens. Ja*, sagte mein Vater, mit angstvoll *Eva hidi-Pusztui leht in Budapest Sie wur im Mai 2015 zum wiederholten Mal Gast der La- gergemeinschaft ind hat bei mehreren õffenclichen Jerminen und auch an Schllen über ihr Schicksal herichtet. Die Hotos zu ihrer Rede hier Stammen alle von den Auftritten im Mai. 18 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer zitternder Stimme,“wir bleiben zu— mmen, wir vind jung, vurk und ge- vund, wir zusummen werden Heißig ar- heiten und die Kleine Zeit bis zum Kriegsende liberstehen.“ Es hat kei— nen weiteren Tag gebraucht, dass wir auseinander gerissen, meine Mutter und meine kleine Schwester vergast und verbrannt wurden. Schnell kam die Zeit, als wir um unser eigenes Leben Angst haben mussten. Die Lebensgefahr in jeder Sekunde in Auschwit?-Birkenau spür- te man eigentlich nicht. Die Angst Steckte doch in jeder Ecke und war eil jeder Sekunde. Und der Hass ebenfalls. Wir, die Häftlinge von Auschwitz-Birkenau, wir waren ver- hasst. Alles, was mit uns geschah, von dem ersten Atemzug in der von bren- nenden Leichen stinkenden Luft, bis zum Schlaf auf dem kahlen Boden der halbfertigen Baracken, war mit Her- absetZung verbunden. Man wollte uns zur Kenntnis geben, dass wir nichts auf der Erde zu suchen hätten, dass wir vollkommen überflüssig seien, dass es nichts so sehr Verfluchtes gä- be, als unser elendes Leben, und dass es nur eine Frage der Zeit sei, dass wir So oder so umgebracht würden. Sehr jung, und mit sehr festem Selbstbe- wusstsein verscehen musste man sein, um Zu überleben. Und doch. Im Namen fast aller Zeit?eugen kann ich sagen: Heute hassen wir niemanden mehr! Wir wis- sen, wie der Hass die menschliche Seele zerstört. Wir wollen nicht mehr hassen, wir lassen uns nicht demorali- sieren, wir stehen weit darüber. Das ist unser trauriger Trost. Wie ich gesagt habe, hassen wir, die Uberlebenden, niemanden mehr. Aber Versöhnung? Ich kann mich nur für meine eige- ne Person äußern, nicht im Namen meiner Toten. Meine kleine Schwester Gilike war elf Jahre alt. Ein lebens- lustiges Kind in Debrecen, einer klei- nen Stadt in Ost-Ungarn. Ich sche sie zu Hause, wie sie im Garten lustig her— umsaust. Sie hat genau so einen deut- Schen Schäferhund wie die SS. Der Hund von Gilike hieß Muki. Ich sehe Gilike bei der Ankunft nach Ausch- wit?Birkenau, wie sie sich erfreut bei dem Anblick der vielen schönen ge- pflegten Hunde, bei den Wachmän- nern auf der Rampe und auf dem Weg zum Krematorium. Freundlich wollte Sie einen streicheln. ei voichtig“, musste Mutti warnend sagen.“Cih acht Gilike, der ist nicht dein Mulki.? Meine Mutter war 39 Jahre alt. Ein Musterbild einer Dame. Sie kam nicht irgendwo an, sie erschien. Ich stelle sie mir in der Gaskammer vor, zusammengepresst mit vielen ande- ren, an der Hand Gilike. Ich sehe sie in der Sekunde, als sie wahrnimmt, dass sie jet?zt ermordet werden. Was war ihr letzter Gedanke? Und mein Vater, und die Großel- tern, Cousinen, Onkel, TJanten, wollten sie nicht alle noch ein Leben haben, die Jungen nicht Väter und Mütter werden, die Alten sich nicht an ihren Enkelkindern erfreuen? Wen haben unsere Toten beauftragt, zu verzei- hen? Wir ehemaligen Häftlinge aus Auschwitz-Birkenau sprechen über unser Leben und über das Leben un- serer Toten, wenn wir über Verzei- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 19 hung sprechen. Unsere Toten kom- men nicht zurück, ob wir uns versöh- nen oder nicht. In unseren Herzen dominiert der Schmerz, auch nach 70 Jahren. Uns Selbst ist der Tod schon nahe und wir können immer noch den unwürdigen Tod unserer Vorgänger nicht verges- sen. Die unnatürliche und unmensch- liche Weise, wie es geschah. Während sieben langen Jahrzehnten haben wir gelernt, mit unseren Fraumata zu leben. Die Zeit hilft nicht, sie vertieft nur das Mangelgefühl. Und weil es um Traumata geht, kommt man immer wieder dorthin zurück. Als ob man je-— manden ermordet hätte, wie Raskol- nikow bei Dostojewski in Verbrechen und Strafe. Die Wunde heilt nicht, sie ist immer neu, wenn man ihr begeg- net. Die Frage ist nur, wie oft. Und man ist sofort wieder dort. Bei der Gebärde, bei dem kleinen Wink von Mengele: links, rechts. Als es geschah, wusste man nicht, dass alles zu Ende war. Dass man alles verlor. Die Fami- lie, damit die gemeinsame Vergangen- Mai 2015 in Butzbach: Eva Fahidi-Pusztai mit Bürgermeister Michael Merle und Manfred de Vries(Jüdische Gemeinde). heit, die gemeinsame Zukunft. Die Wurzeln wurden herausgerissen, nicht einmal ein Grab ist geblieben. Wenn wir an die Be- freiung von Auschwit?- Birkenau denken, müs- Sen wir Primo LeEvi be- nennen. Er war dort. Er hat, wie durch ein Wun- der, die entsetzlichen letzten Tage an Ort und Stelle überlebt. Er beschreibt in seinem Buch Jt das ein Mensch, wie die 88 das Lager verließ und nicht mehr funktionierte. Es gab keine Heizung bei einer Jemperatur von minus 20 bis 30 Grad, es gab überhaupt keine Ver- pflegung, keine Versorgung, und, man kann sagen, wie immer, war auch kein ausreichendes Wasser in Auschwitz- Birkenau vorhanden. Primo Levi hat den Wassermangel im Winter erlebt. Wir, die ungarischen Juden, 1944 im Sommer. Wir sprechen über unser Leben, wenn wir über Wassermangel in Ausch- wit?-Birkenau sprechen. Es geschah nichts Besonderes. Es war einfach nur Sommer. Es waren die siebenundfünf- zig Tage der Deportation der jũdischen Ungarn nach Auschwitz-Birkenau. Den ungarischen Behörden war es sehr dringend gewesen, uns los zu wer- den, trot? Kriegswirtschaft fand man schnell die nötigen 147 Züge, im Durchschnitt mit 3000 Personen je Zug. Das Tempo der Deportation war für das KLager Zu geschwind. Nichts war vorbereitet. Wir, die auf der Rampe zum Leben verurteilt wurden, mussten —,— ₰ 20 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer deswegen noch mehr Herabset?ung und Misshandlung erleiden. Man muss auch über die Latrinen sprechen. Es mangelte an Latrinen. Stattdessen gab es den Kübel, der let?tens in die Latrine zu schütten war. Er durfte nicht umkippen, nicht überschwappen. Der Kübel wusste es nicht, er Schwappte, kippte um, auf un- sere Hände, Füße, auf die Fetzen, die wir anstelle von Kleidern trugen. Es gab keine Seife, kein Handtuch, und, wie gesagt, kein Wasser. Es gab nur die Pemütigung und die Schande. Wir haben überlebt, es muss darü- ber gesprochen werden. Wasser gab es keines, aber dort war der Sumpf! Wir Uberlebenden von Muschwit?-Birkenau sprechen über unser Leben und über unsere Toten, wenn wir über den Sumpf spre- chen. Der eine Jatort des ungarischen Holocaust in Auschwitz-Birkenau war das Frauenlager BII. b, an einem Ufer des Sumpfes. Wir, die dort im Staub auf dem Boden saßen und Brand- flecke von der Sonne erhielten, mus- Sten manches erlernen: Vorerst, dass der Sumpf kein Trinkwasser war, auch wenn der Mund vollkommen ausgetrocknet war, die Zunge am Gaumen festkleb- te, und man nicht wusste, wie man die nächste Sekunde überlebte. „Nicht einmal Hände und Gesicht durfte man sich im Sumpf waschen. Man musste sogar allen Kontakt mit ihm vermeiden. Weil der Sumpf verseucht war. Er war nur da, um unsere Qualen zu verstärken und um am anderen Ufer die Asche unserer Geliebten, die Tag und Nacht, ununterbrochen, aus vollen Lastwagen in den Sumpf ge— Schüttet wurde, zu verschlingen. Der Sumpf ist schon längst trocken gelegt worden. Die Asche all derer jedoch, die in den Gaskammern ungezählt er- mordet und in den Krematorien ver- brannt wurden, ist dort geblieben. Sechr gechrte Damen und Herren! Am 12. August 1944 wurden im Lager BII.b 1000 Frauen selektiert, um in dem Rüstungswerk Dynamit M. G., versteckt im Herrenwald von Allendorf, Sklavenarbeit zu leisten. Wir wurden fotografiert, man sieht uns im Auschwitz-Album, als wir am nächsten Tag, am 13. August 1944, in Waggons nach Allendorf verladen werden. Ich war 19 Jahre alt. Ein Mensch hält mehr aus als ein Pferd. Ein Pferd trinkt aus keinem Fimer, der nach Chemikalien stinkt oder verschmutzt ist. Ich weiß es, weil ich zwischen vielen Pferden, die mein Großvater gezüchtet hatte, aufge- wachsen bin. Wir tausend Frauen im Rüstungs- werk haben keine Wahl gehabt. Mit Trinitrotoluol und Salpeter sind wir ohne Schutzmittel umgegangen, als wären sie Zucker und Mehl. Unser Glück war die Befreiung durch die Alliierten am 1. April 1945. Es war 1989, das Jahr des ungari- schen Aufbruchs, als in sämtlichen un- garischen Zeitungen ein Aufruf er— Schien: Per Magistrat von Studtullen- doyf vlicht die ehemaligen Häftlinge der Münchmihle.“ Zweimal musste Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 21 ich es lesen, um einmal zu begreifen: Ich werde gesucht, Gott im Himmel, was will man noch von mir nach 44 Jahren? Es stellte sich heraus, dass man mich und meine 999 Lagerschwe- Stern einladen wollte. Um Verzeihung bitten, uns ein wenig verhätscheln wollte. Es war wie eine hingereichte Hand, man konnte kein Nein sagen. Auch weitere Uberraschungen folgten. Die Zahl der Einwohner, als wir Mitte Oktober 1945 Aendorf verließen, war 1500. Als wir 1900 wie- der dort waren, war aus Stadtallen- dorf eine richtige Stadt geworden. Man hat uns auf Deutsch freundlich angesprochen, zu unserem ehemali- gen Lager geführt, uns in unserem chemaligen Rüstungswerk die Stellen ge?eigt, wo wir gearbeitet hatten. Es war nicht das Deutschland, das wir verlassen hatten. Es war nach der Aus- einandersetzung mit der Vergangen- heit ein anderes Deutschland, worü- ber wir im sozialistischen Ungarn nichts gehört und gewusst hatten. Seitdem bin ich mehrere Male auch nach Muschwit?z-Birkenau zurückgekehrt, mit dem Schuldgefühl, das alle Uberlebenden belastet: Warum gerade ich??? Warum bin gerade ich am Leben geblieben??? Im Laufe der siebzig Jahre habe ich die Antwort gefunden: Weil ich ei— ne Zeugin bin, weil ich mir alles, was geschah, gut gemerkt habe, weil ich die Erinnerung an meine Erlebnisse der ganzen Welt übergeben muss. Nach einem Schweigen von fast Sechzig Jahren ist es mein Lebensziel geworden, die Frinnerung an Ausch- wit?-Birkenau nicht auslõschen zu las- sen. Für die Zeit, die noch übrig bleibt, ist es eine würdige Aufgabe. Die Asche der Ungezählten im echemali- gen Sumpf von Ausch- wit?-Bir- kenau, dar- unter die Asche von neunundvierzig Mitgliedern meiner Großfamilie, die meiner Mutter Irma und meiner klei- nen Schwester Gilike, diese Asche verpflichtet. Die Asche hat mir und meinen überlebenden Lagerschwe- stern und Lagerbrüdern die Verant- wortung übertragen, die Erinnerung an die Toten zu bewahren. All denen, die im Sumpf von Auschwitz-Birkenau ruhen, den Juden, den Sinti und Roma, den Polen, den Russen, den Frauen und Männern des Widerstandes aus allen Ländern Buropas, allen, die kein würdiges Be- gräbnis hatten, die nicht von weinen- den Familienmitgliedern zum Grab begleitet wurden, weil es kein Grab gibt, ihnen sei hier das let?te Wort ge- Sprochen: Heute, nach siebzig Jahren, wendet sich die ganze Welt mit Scham und Mitleid zu Euch! AKLMW HASFHALOM* NVUGODAOK BEKEBEN“ RFOUIESCATIE IN PAEM* RUHET BEHUTEIT UND IN FRIEFDEHN BIS ZUR EWIGKETT!“* 22 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Wenn die Seele ohnmächtig wird Trude Simonsohn hatte viele Chancen, tot zu sein? Unerwartet groß war der Andrang beim Holocaustgedenken in Butzbach (Wetteraukreis) am 27. Januar 2015, als die Auschwitz-Uberlebenden Trude Simonsohn über ihr Verfolgungsschicksal und die Frinnerung an ihre ermor- deten Eltern berichtete. Damit hatten die Lagergemein- Schaft Alschwitz- Hreundeskreis der Aschwitzer und die Stadt Butzbach als gemeinsame Veranstalter nicht gerechnet! Geschätzte 200 Besuche- rinnen und Besucher- Jugendliche, Erwachsene und auch betagte Senio- reninnen und Senioren- drängten sich im Saal des Butzbacher Muse- ums. Für die Empore und die Seiten- gänge wurden zusätzliche Stühle ge- holt, trot?dem mussten einige Zuhö- rer sich mit Stehplãtzen auf der Tep- pe begnügen. Neithard Dahlen vom Vorstand der Ldgegemeinschaft und Butzbachs Bürgermeister Michael Merle be- grüßten das Publikum und neben Trude Simonsohn namentlich auch Monik Mlynarski und Manfred de Vries als Vertreter der jüdischen Ge- meinden in der Wetterau. Aushn wilz geht uns alle an- helte ind morgen, nicht nur an Gedenita- gen*, zitierte Merle aus der Rede, die Bundeskanzlerin Merkel am Tag zu- vor in Berlin bei einer Veranstaltung des Internationalen Auschwitz-Komi- tees gehalten hatte. Zu den Klängen einer Bach-Kan- tate, die von Voki Miller(Oboe) und Petra Jähle(Akkordeon) intoniert wurde, las Dahlen die Erklärung PErhe antreten- Vermächtnis weitertragen vor, die von verschiedenen Lagerge- meinschaften, Komitees und Verbän- den ehemaliger KZ-Häftlinge anläss- lich des 70. Jahrestages der Befreiung von Auschwit? verfasst wurde. Die Quintessen? dessen habe der Ausch- witz-Uberlebende und Literaturno- belpreisträger Elie Wiesel mit den Worten formuliert, dass diejenigen, die einem Zeugen zuhören, selbst zu Zeugen werden. Dann hatte Trude Simonsohn das Wort, die mit ihren 93 Jahren klar und geradlinig zu erzählen begann. Jch hatte viele Chancen, tot zu Sein. Jch hal- 1e Oliick, trotz allem*, hat sie ihr Leben in ihrem 2014 erschienen Erinnerungs- buch Noch ein Olick zusammenge- fasst. In einer gutsituierten Familie zweisprachig(deutsch und tsche— chisch) aufgewachsen, ist ihr Antisemi- tismus erstmals 1938 im Englischun- terricht begegnet. Damals hatte in frei- er Auswahl eine Mitschülerin einen Artikel aus dem Nazi-Hetzblatt Der Srürmer übersetzt, in dem die Englän- der dafür geschmäht wurden, weil sie die Juden als Menschen anerkennen, während dies einem“guten Deut- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 23 schen“ niemals möõglich sein sollte. Nach dem EFin- marsch der Wehr- macht in Prag am 15. März 1939 ha- be erschrecken- derweise keiner ihrer Mitschüler sie mehr ange- schaut. Noch nicht einmal ein ver- Stecktes Zulächeln habe sie bemerken können, erinnert sich Trude Simon- sohn mit einem Tonfall, in dem immer noch etwas Enttäuschung mitschwingt. Aber es sollte noch schlimmer kommen. Als sie im Gefängnis sehr verꝰweifelt war und nach dem Erhalt des Totenscheins ihres Vaters an Selbsttötung dachte, hat sie morali- sche Unterstüt?ung von unerwarteter Seite bekommen. Fin“Kassenkna- cker?(also ein Bankräuber) habe ihr aus seinem Fenster mehrmals zugeru- fen:“Gih nicht auf Der Hitler wird draufgehen. Du wirst weiterleben!“ Auch ein tschechischer Maurer habe ihr täglich Mut zugesprochen. Solche Kleinigkeiten“ hätten ihr das Leben gerettet. Zwar kenne sie die Namen dieser beiden Männer nicht, aber sie werde deren Zuspruch nie vergessen. Ebenso wie jenen deut- schen Polizeipräsidenten aus Olmütz, der sie zwar nicht befreien konnte, aber doch veranlasste, dass sie nicht Trude Simonsohn bei ihrem Vortrag im Butzbacher Museum wie alle anderen jüdischen Mithäft- linge ins KZ Ravernsbrück deportiert wurde, Ssondern nach Theresienstadt, wo sich bereits ihre Mutter und Freunde aus der zionistischen Ju— gendbewegung befanden. Dort lernte sie ihren späteren Mann Berthold Simonsohn kennen. Nach jüdischem Ritus heirateten sie kurz vor der be- vorstehenden Deportation im Okto— ber 1944 nach Auschwitz. Hrudes Mut- ter hatte ihr dazu geraten und ihr ge- Sagt, sie solle sich künftig an Berthold orientieren, und sie davor zurückge- halten, dass sie mit ihr deportiert wird. Trude sah ihre Mutter wenige Tage später zum let?ten Mal. Trude Simonsohn hat an ihre Zeit in Auschwitz lediglich eine Erinne- rung: die Demütigung, wie sie nackt und geschoren durch eine Reihe von SS-Männern laufen musste. Ansons- ten sei ihre Erinnerung ausgelöscht?. Sie erklärt sich dies damit, dass mei- 24 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Im Frühjahr konnte die Lagergemeinschaft Trude Simonsohn für ein Zeitzeugenge- Spräch mit Schülerinnen und Schülern der Wetzlarer Fichendorff-Schule vermitteln. ne Seele ob der großen Belastungen ohnmächtig geworden ist“*. Am 9. Mai 1945 wurde Trude Si- monsohn durch die Rote Armee in Mer?zdorf, einem Außenlager des Konzentrationslagers Groß-Rosen, befreit. Berthold Simonsohn überleb- te in Kaufering, einem Außenlager des Konzentrationslagers Dachau. Von ihrem 1978 verstorbenen Mann habe sie gelernt, dass es wichtig ist, darüber zu reden, was ihnen als Verfolgte und nur knapp dem Tod entronnenen Uberlebenden passiert ist, berichtete Frude Simohnsoh. Des- halb besuche sie oft Schulklassen oder spreche bei anderen Veranstal- tungen. Jch mache mir aber Keine M jusionen, dass ich die, die S0 etwas nicht hören wollen, helcehren Könnte*, stellte sie nüchtern fest. Wichtig seien ihr aber die anderen, die bereit Sseien, ihr zuzuhören. Trude Simonsohn ist 1921 im mäh- rischen Olmütz geboren. Wegen zio— nistischer Tätigkeiten kam sie 1942 in Gestapo-Haft. Sie hat das Ghetto Theresienstadt sowie die Konzentra- tionslager Auschwit? und Groß-Ro- sen überlebt. Ihr Vater wurde in Dachau, ihre Mutter in Auschwitz er- mordet. Mit ihrem Mann Berthold kam sie 1950 nach Hamburg und 1956 nach Frankfurt. Mit Flisabeth Abend- roth hat sie ihre Brinnerungen in dem 2013 erschienen Buch Noch ein Gick (Wallstein Verlag, 14.900 Euro) veröf- fentlicht. Hans Hirschmann Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 25 Wir trauern um unsere verstorbenen Weggefährten und Freunde Bei unserer Mitgliederversammlung Anfang November wurde zu Beginn der in diesem Jahr verstorbenen Mitglieder mit einer Schweigeminute gedacht. Die Liste der ehemaligen Häftlinge und der Zeitzeugen wird bald nicht mehr so lang sein können, denn es werden immer weniger, die noch aus eigenem Erleben er- zählen können. Vorsitzender Uwe Hartwig würdigte die Verstorbenen:„ Uns hleibt vich an sie zu erinnern und vor allem zu erinnerm an das, was vie erliuten ha- hen. Erinnern nicht nur um der Toten willen, Sondern erinnern, damit vich ihr im- mer wieder vorgetragener Wunsch erfiillt duss nie mehr geschehe, wus geschehen ist. Pli Wiesel hat— vinngemäß— gesugt., Wenn wir Uberlebenden nicht mehr le— hen, werden diejenigen Zeugen sein, die uns gehört haben. Joef Paczynski 20 07. 1920— 26. 04 2015 oZef Paczynski wurde 1920 gebo- ren. Am 14. Juni 1940 wurde er mit dem ersten Trans- port polnischer Männer in das Konzentrationsla- ger Auschwit? de- portiert. Er erhielt die Häftlingsnummer 121. Seit 1942 musste er als Friseur des Komman- danten Rudolf Höß tätig sein. Im Ja- nuar 1945 wurde er mit dem letzten Todesmarsch aus dem Konzentrati- onslager Auschwit? nach Mauthausen verschleppt, wo er seine Befreiung er- lebte. JozZef Paczynski wurde in Kra- kau Ingenieur und später Leiter einer Beruflichen Schule. Er war eng befreundet mit dem Gründer unserer Lagergemeinschaft Auschwilz, Hermann Reineck, der bis 60 zu seinem Tode in Münzenberg lebte. Paczynski besuchte Hermann Rein- eck oft in Deutschland, wie auch Her- mann Reineck sich mit ihm in Ausch- wit? und Krakau traf. In den letzten Jahren traf Jozef Paczynski immer wieder Gruppen deutscher Besucher der Gedenkstätte Auschwit?z. Mindestens zweimal im Jahr trafen ihn Studiengruppen der Lagergemeinschaft Auschwitz in Kra- kau in der Ambulanz für die Opfer der Konzentrationslager. Während dieser Treffen, an denen auch seine Freunde vom Klub der ehemaligen Auschwit?-Gefangenen teilnahmen, gab es intensive Gespräche über das Geschehen im Lager. Paczynski war es stets ein Bedürfnis, vor allem den jungen Menschen deutlich zu sagen, dass er und seine Freunde keinen Hass hegen gegenüber den heutigen deutschen Menschen. Seine herzliche und freundliche Art war die leibhaf— tige Bestätigung seiner Beteuerung. JoZef Pazcynski hat außerordent- 26 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer lich viel beigetragen zum Verständnis zwischen Polen und Deutschen. Be- sonders den jungen Menschen woll- ten er und seine Freunde vermitteln, dass Völkerhass und Vorurteile zu Krieg und Diktatur führen. JoZef Paczynski starb am 26. April 2015 in einem Krakauer Kranken- haus im Alter von 95 Jahren. 2014 besuchte die Journalistin Margaret Wohlan mit einer Studiengruppe der Lagergemeinschaft Ausch wilz die Ge- denkstätte Auschwitz und Krakau. Aus der Begegnung mit Jozef Paczy- nski ergab sich ein Kontakt, der zu ei— nem Gespräch mit ihm einige Monate später in Krakau führte. Das Inter- view finden Sie im Internet unter www. deutschlandradiokultur. de/kz- ueberlebender-auschwitz-warein- Seltsamer-ort. 990. de. html?dram:ar- ticle id=280068. Dr. György Denes 1923— 30.4.2015 Mit Dr. György Denes ist auch in Ungarn einer unserer Freunde ge— storben, die auf unsere Einla- dung hin bei Vor- tragsreisen hier Jugendliche in Schulen und Teil- nehmer von öf- fentlichen Veran- staltungen sehr beeindruckt haben. Es war 2009, als der Uberlebende des KZ Bergen-Bel- sen auch in Friedberg war. Port hat er am 7. November 2000 bei einer Kundgebung gesprochen, mit der ge- gen einen Aufmarsch der NPD prote- stiert wurde.„Wenn mein Uherleben einen Sinn hat, dann ist es die Auft Kdrung über den Faschismus und des- ven Bekdmpfung“, sagte er. Als erste Stufe, mit der die faschistische Ideolo- gie Macht gewinnen will, bezeichnete er das Schüren von„Hdss duf Minder- heiten und Andersdenkende“ Und in einer zweiten Stufe werde dann „Angst gemacht und Furcht erregt vor remden“ Bereits dagegen müsse man sich engagieren, bevor die nack- te Gewalt immer weniger Spielraum für eine Gegenwehr gewähre. Diese Beschreibung ist heute erschreckend aktuell— wir müssen nur an die Brandanschläge auf Flüchtlingsunterkünfte, die Uberfälle auf nach Deutschland geflohene Menschen sowie deren Diskriminie- rung als„Wirtschaftsflüchtlinge“ und „SoZialschmarotzer“ denken. Gegen diesen Hass und diese Hetze gelte es an?zukämpfen, bevor es Zu spãt ist, gab György Denes uns und den rund 200 Zuhörern in Friedberg vor sechs Jah- ren mit auf den Weg. Als„Halbjude“ war György Denes mit 21 Jahren 1944 nach Bergen-Belsen verschleppt worden. Wenige Iage be- vor die britische Armee am 15. April 1945 das Lager befreite, wurde er mit anderen Hãftlingen auf Hansport nach Theresienstadt geschickt und überlebte die Bombardierung des Zuges schwer Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 27 verletzt nur mit viel Glück, wie er uns 2000 bei seiner Vortragsreise berichte- te. Rund 30 Personen aus seinem Fami- lienkreis— darunter drei Schwestern und Zwei Brüder als direkte Verwandte wurden im Holocaust ermordet. Als György Denes nur wenige Jahre nach seiner Befreiung deutschstämmi- ge Studierende kennenlernte, habe er begriffen, dass es auf die EFinstellung der einzelnen Menschen ankomme und dass ein Deutscher nur wegen seiner Nationalität und Herkunft kein schlechter Mensch sein müsse. Sehr wichtig war ihm immer, den Opfern der NS-Verbrechen ihren Namen zurück- zugeben und sie nicht als Nummern an- zusehen. So gelang es zum Beispiel, auf seine Angaben hin, Mitarbeitern der Gedenkstätte Bergen-Belsen die in ei- nem Massengrab gefundenen Leichen zu identifizieren. Bis Zu seinem Jod war György Mitglied im Beirat der nieder- sächsischen Gedenkstätten-Stiftung. Seine Rede vom 7. November 2009 in Friedberg ist auf unserer Internetseite nachzulesen unter wwwlagergemein- Schaft-auschwitz. de/001 107 Rede Pe- nes NPDD Pemo. pdf. Wir werden György Denes als charmanten, wissbegierigen, politisch aktiven und liebenswerten Menschen in Erinnerung behalten und versu- chen, seiner Aufforderung, sich gegen Hass und Menschfeindlichkeit zu en- gagieren, gerecht Zu werden. Dr. Janus? Mynarski 21.5.1922— 6.5.2015 Janus? Mlynarski kam wie Jozef Paczynski ebenfalls am 14. Juni 1940 mit dem ersten Transport von 728 polnischen Gefangenen ins Konzentrati- onslager Auschwitz. Er erhielt die Hãäftlingsnummer 355 und wurde bis Januar 1945 im Stammlager Ausch- witz I festgehalten, wo er gegen Ende seiner Haftzeit als Pfleger im Kran- kenbau eingeset?t war. Wenige Tage vor der Befreiung von Auschwit? wurde er aus dem Lager evakuiert und erreichte nach mehreren Todesmärschen die Konzentrations- lager Mauthausen, Melk und schließ- lich Ebensee in Osterreich. Heute weiß man, dass von rund 60.000 Hãäftlingen, die an diesen Märschen teilnahmen, mehr als 15.000 verhungerten, erfro- ren, erschossen oder totgeschlagen wurden. Der weitere Transport erfolgte bei eisiger Kälte in offenen Viehwag- gons. Wie wir das alles üiberlebt haben, weiß ich his helite nicht. Wir befunden lns wie in einer Vance“, sagte der Zeit- zeuge in einem Interview mit Anne- dore Smith im Jahr 2005. Das Lager Ebensee wurde am 6. Mai 1945 von der US-Armee befreit. An diesem Tag habe eine unbe— schreibliche Freude geherrscht— und niemand sei gestorben.„Irgendwie wolllen alle diesen Moment, auf den wir so lange gewartet hatten, Unbe— dingt noch miterleben“, meint Janus? 28 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Mlynarski. Finen Tag später habe es dann mehr als 200 Todesfälle gege- ben. Gleichzeitig habe eine grausame Lynchjustiz gegenüber den ehemali- gen Aufsehern begonnen. Für Janus? war dies ein schreckliches Erlebnis, denn er hätte sich eine ordentliche Justiz für die Aufseher gewünscht. Andererseits sagte er, dies habe ihm vielleicht auch dabei geholfen, seinen eigenen Hass zu überwinden. Jeden- ſalls Konnte ich diese Horm von Rache nicht akzeptieren.“ Janus? Mlynarski wurde nach dem Krieg in Polen Arzt. Seit 1978 lebte er in Monheim in Nordrhein-Westfalen. Er Starb am 70. Jahrestag seiner Be- freiung. Die Brinnerung bewahren und den Hass überwinden waren sein großes Lebensziel. Dafür arbeitete er mit seinen Freunden und Kameraden. Er berichtete oft vor Schülerinnen und Schülern und anderen Interes- sierten von seinen Erlebnissen und Setzte sich mit viel Engagement für Frieden und Versõhnung ein. Er war Gründungsmitglied der La- gergemeinschaft Auschwit?z und be— suchte uns auch in den letzten Jahren noch gelegentlich zu Veranstaltungen und Mitgliederversammlungen. Joachim Proeschoildt 4.11.1027— 11.5.2015 Nach Reichs- arbeitsdienst, Kriegsdienst und Kriegsgefangen- schaft studierte Joachim Proe- scholdt Theolo— gie. Er war Pfar- rer in Rüssels- heim, Wörr- stadt /Rheinhessen und von 1972 bis zu seiner Pensionierung 1992 in St. Katharinen in Frankfurt am Main. Jahrelang war er Beistand und Bera- ter von Kriegsdienstverweigeren. Er war zudem wissenschaftlich tätig und hat zahlreiche Beiträge und Bücher zur Kirchen- und Kunstgeschichte Frankfurts veröffentlicht. Joachim Proescholdt war Grün- dungsmitglied der Lagergemeinschaft Alsch witz. Er übernahm nach dem Tode des Gründers, Hermann Rein- eck, den Vorsit?(1906— 1997) bis zur nächsten ordentlichen Vorstands- wahl. In dieser Zeit leitete und stabili- sierte Joachim Proescholdt die Ge-— schicke des Vereins. Hierfür wurde er auch von unseren polnischen Freun- den sehr verehrt und geliebt. Joachim Proescholt wusste, dass es notwendig ist, das Leid der Opfer an- zuerkennen und gleichzeitig die eige- ne Verantwortung auf sich zu nehmen, um Versöhnung zu erlangen. Dies zeigte er unter anderem in vielen klei- nen menschlichen Gesten, die ebenso wertvoll sind, obwohl sie öffentlich nicht wahrgenommen werden. Hier- mit hat Joachim Proescholdt einen wichtigen Beitrag zur polnisch-deut- schen Versöhnung geleistet. Er wusste — Versöhnung ist ein Geschenk. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 29 Wladyslaw Bartoszewski 19.2.1022— 24.4.2015 Wladyslaw Bartoszewski schloss sich während des Zweiten Weltkriegs dem Widerstand gegen die deut- sche Besatzung Polens an. Im September 1940 wurde er als Ge- fangener mit der Nummer 4427 nach Auschwit?z deportiert und im April 1941 schwer krank entlassen. 1944 nahm er am Warschauer Aufstand teil. 1905 übernahm er zum ersten Mal das Amt des polnischen Außenminis- ters. In Deutschland beeindruckte er mit seiner Rede vor dem Bundestag (Z8. April 1995) beim Gedenken an das Ende des Weltkrieges. Damals galt die Kapitulation des Deutschen Reiches vom 8. Mai 1945 bei vielen Deutschen keineswegs als Tag der Befreiung, sondern als Tag der Nie- derlage. Wladyslaw Bartoszewski, den Heinrich Böll einmal einen„lei- denschaftlichen Humanisten“ ge- nannt hatte, versicherte den Deut- schen,„volh verstdHndlich ist hr Schmerzgefüihl wegen des Verlustes von Angehörigen“, stellte jedoch so— fort auch klar,„jedoch Schwer zu ye— pelkctieren wäre ein Schmerzgefiihl wegen des verlorenen Krieges, denn zusdmmen mit dem durch das Pritte Reich verlorenen Krieg hat auch jenes Syslem veyspielt, das flr viele Võlker Vernichtung und Unglick brachte, ehenfalls den Peutschen selbst.(...) Der Alusbruch des Zweiten Weltkrie- ges hleiht mit dem deutschen Namen verblinden. Während des Krieges hat das nationalso⁊iulistische Regime vie- le Völcer gequdlt und geschndet... Jchn Kann nicht in einem Atemzug Op- ſfer lind Tter nennen oder auch jene, die das Bõse passiv akzeptiert haben.“ Wladyslaw Bartoszewski war der Lagergemeinschaſt Alschwitz— Frelin- desMreis der Auschwilzer freundschaft- lich verbunden und schätzte unsere Ar- beit. So waren Vertreter unseres Vor- Standes u. a. einmal zu einem längeren Gespräch im Ministerium in Warschau eingeladen. Hugo Höllenreiner 18.9.1033— 10.6.2015 Hugo Höllenreiner stammte aus einer angesehenen Ingolstädter Sinto- Familie mit einer langen Familientra- dition. Als Kind hat er Birkenau im so⸗ genannten Zigeunerlager durchlitten. Durch all seine Vortrãge Zog sich— im- mer wieder wie- derholt— die große Angst vor Josef Mengele, der sich seine Opfer besonders häufig im Zigeunerla- ger“ aussuchte. Oft besuchte er das Lager Bir- 30 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer kenau— vor allem an den Gedenk- tagen Zum Schicksal der Sinti und Roma. Vor zwei Jahren war er für eine Woche unser Gast in der Wetterau. In dieser Zeit besuchte er mehrere Schu- len und sprach in zwei Abendveran- staltungen über sein Leben. Hugo Höllenreiner war ein sehr freundlicher und einfühlsamer Mensch, der besonders im Gespräch mit den Jugendlichen nach seinem Vortrag viel Herzlichkeit ausstrahlte. Die ihn erlebt haben, werden sich im- mer wieder an ihn erinnern. Tadeusz Sobolewicz 25.03.1925— 28.10.2015 Nachdenken und sich erinnern werden viele bei der Nachricht von Tadeus? Sobole-—— wicz' Tod. Er N Starb am 28. Ok- tober 2015 in Kra- kau. An dem Tag reiste eine Studi- engruppe der La— gergemeinschaft nach Besuchen in Auschwitz und an Orten jüdischen Lebens in Krakau wieder nach Hause. Zum ersten Mal in der Geschichte der Studienfahrten der Lagergemein- Schaft hatte sie kein Treffen mit dem Klub der Uberlebenden von Ausch- witz in Krakau vereinbaren können. Die Vorbereitungsphase war zu kurz, die Gesprächspartner nicht mehr in der Lage, sich auf den Weg in die ul. Dietla 16 zu machen-zur Ambulanz für die Uberlebenden und vom Holo- caust traumatisierten Menschen in Krakau. Tadeusz Sobolewicz war fast im- mer dabei, wenn sich eine Studien- gruppe der Lagergemeinschaft mit Auschwitz-Uberlebenden traf. Viele Jahre hat er die monatlichen Treffen der Uberlebenden von Auschwitz be- sucht. Diese Gemeinschaft war für viele wie eine Familie. Hier arbeitete er lange aktiv mit, um den Uberleben- den zu helfen und sie zu unterstüt?en bei der Bewältigung des Lebens. Tadeus? Sobolewicz, 1 924 geboren als Sohn eines polnischen Offiziers, wurde 1941 in Tschenstochau verhaf- tet und nach Auschwit? verschleppt— als 17 jähriger Widerstandskämpfer gegen die deutschen Okkupanten. Er war Häftling in den Lagern Ausch- wit?(Nummer 23053), Buchenwald, Flossenbürg, Mülsen und anderen. Den Decknamen Tadeus? Sobolewic? aus der Untergrundzeit hat er nach dem Krieg als Namen beibehalten. Er hatte viele Freunde in Deutschland. Ftliche Mitglieder un— serer Lagergemeinschaft Alsch witz waren mit ihm persõnlich befreundet. Damals waren die Gruppenreisen nach Auschwit? Reisen zu Freunden in Polen. Er war einer der Freunde. Freundschaften waren ihm außeror- dentlich wichtig. Denn in den Lagern hatte er erlebt, dass Freundschaft und Kameradschaft überlebenswichtig Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 31 waren. Beides hatte er erfahren und lebte es nach der Befreiung weiter. Tadeus? Sobolewicz lernte ich kennen vor sechs Jahren während der ersten von mir begleiteten Studi- enfahrt nach Auschwitz: Er berichte- te in der Internationalen Jugendbe— gegnungsstätte in Oswiecim eindring- lich darüber, was er in Auschwitz er- litten hatte. Am folgenden Tag, ei— nem Sonntag, ging er mit uns durchs Stammlager und erzählte an den ver- schiedenen Stellen, was er gesehen, erlitten oder gehört hatte über das, was dort geschehen war. Dieser Gang hat sich eingeprägt. Nach fast Zwei Jahren Festsetzung im Stammlager Auschwit? wurde er nach Buchenwald verschleppt. Nach etlichen weiteren Stationen als Zwangsarbeiter konnte er bei Re- gensburg von einem Todesmarsch fliehen und wurde in einem Unter— schlupf bei Bauern von amerikani- schen Truppen befreit. In Polen wurde er ein bekannter Schauspieler, arbeitete unter ande- rem fest an den Theatern in Krakau, Breslau und Kattowitz. Zudem war er Autor vieler Publikationen zur La— gerthematik. Viel Beachtung fand s0 auch sein Buch über sein Lebens- schicksal, das in deutscher Fassung zuerst 1993 im Verlag des Museums Auschwit? unter dem itel Aus dem Jenseits zurick ꝰ erschien und dann ab 1999 in der Schwarzen Keihe des 8. Fischer-Verlages(Frankfut/ Main) un- ter demt Iitel Aus der Hõlle zurück Von der Willkür des Uherlebens im Konzentrationslager?. Viele Jahre traf er sich vor allem mit Jugendgruppen in Auschwitz. Die nternationale Jugendbegegnungs- vditte in Oswiecim war dabei für ihn wie eine zweite Heimat. Er erzählte von der Vergangenheit und rief dabei immer wieder auf, sich Hass und Gewalt entgegenzustellen. Der Ruf „Nie wieder Krieg“ bildete einen Grundton seiner Vorträge und Ge-— spräche. Dazu reiste er oft nach Deutschland, um hier zu berichten und zu werben für Frieden, Verständi- gung und für Europa. Lang ist die Reihe der in letzter Zeit verstorbenen Uberlebenden der Lager— viel länger wird sie nicht mehr werden. Wir werden allein sein — aber haben die Pflicht, ihre Arbeit fortzusetzen, ihre Botschaft zu ver- mitteln. Der Appell„Fragt uns, wir Sind die Letzten“ ist fast nicht mehr zu hören. Jetzt müssen wir uns daran machen, die Berichte, die wir gehört haben, weiterzutragen. Mit Emotion und Wahrheitsliebe. Denn nur da- durch wird das, was heute als„Narra- tiv“ bezeichnet wird, glaubwürdig sein— und wirksam. Tadeus? Sobolewicz fügte seinen Unterschriften und Widmungen oft seine Häftlingsnummer aus Ausch- wit?- 23053— an. Hier jedoch soll am Ende sein Name stehen, an den wir uns erinnern: Tadeusz Sobolewicz. Wir werden unsere Freunde im- mer in unserem Herzen tragen und ihnen ein ehrendes Andenken be- wahren. 32 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Zeuge des Widerstands in Auschwitz-Birkenau LGA-Mitglieder ermutigten Stanislaw Gwizdka zur Niederschrift Der im Folgenden(S. 34 ff) abge- druckte Zeitzeugen-Bericht wurde von dem ehemaligen Auschwitz-Hãftling Stanislaw Gwidzka im Jahre 1988 ver- fasst, nachdem er von Mitgliedern der Lagergemeinschaft Aluschwitz dazu motiviert worden war. Der kurze Be- richt mit dem itel Pas Heldentlum der Besdtzung des Krematorilums, 7. 70 7044, Der Außtand im Sonder- ommando Auschwitz-Birenau“ be- findet sich im Archiv des Vereins und wird seit 1980 als zeithistorisches Do- kument u. a. in den Sammlungen des USHMM(Washington, USA) und des Moreshet Archive/ Mordechai Aniele- vich Memorial(Givat Haviva, Israel) aufbewahrt. Stanislaw Gwidzka, am 26. März 1922 in Lod? geboren, wurde aus Poli- tischen' Gründen am 17. März 1943 im Alter von 21 Jahren von der Gestapo verhaftet und am 6. Mai 1943 mit sei- nem Bruder und seiner Schwester ins KI Auschwitz eingewiesen. Er erhielt die Häftlingsnummer 120165. Von Be- ruf Klempner und Dachdecker, gelang es ihm nach einiger Zeit, vom MArbeits- dienst“ in das 30 bis höchstens 60 Mann starke privilegierte Pach- decker-Kommando? überstellt Zu wer- den. Sein großer Arbeits-Finsatzbe- reich ermõglichte Gwidzka eine Bewe- gungsfreiheit, die den meisten Häftlin- gen verwehrt blieb. Er wurde Zeuge von außergewöhnlichen Breignissen, darunter offenbar vom Aufstand des Sonderkommandos auf dem Gelände des ersten Birkenauer Krematoriums am 7. Oktober 1944 sowie des Schmug- gels eines Films mit Foto-Aufnahmen vom Gelãnde des dritten Birkenauer Krematoriums im Juni 1944. Interes- Sant ist der Bericht auch in Gegenüber- stellung mit anderen Zeugenaussagen. Die erfolgreiche Flucht der beiden im Bericht benannten Widerstands- aktivisten im Dachdecker-Komman- do, Konstanty Jagiello(“Kostek“; Hãäftl.-Nr. 4507) und Tomas? Sobanski (Hãftl.- Nr. 13609) erfolgte am 27. Juni 1944. Sobanski beschrieb in seinen Er- innerungen Huchtwege aus Ausch— wit?* 22 Jahre später, was sie bei ihrer Flucht dabei hatten: Finſen/ Arbeits- anzug unter der gestreiften Hftlings- Cleidung, Dokumente, Fotonegative, eingenòht in den Hosen(...)*. Um wel- che Fotomotive es sich dabei handel- te, bleibt offen. Am 29. Mai 1964 gab der Zeuge Alfred Wojcicki(Hãäftl.- Nr. 39247), der im Erkennungsdienst der Lagergestapo eingesetzt war, im Frankfurt Auschwitz-Prozess folgen- des zu Protokoll:(...) aus Birkenau Schickte man mir das Hlmhand, das ei- ner der Hdftlinge fotografiert hatte(..) nd ich entwickelte dieses Band, Selhst- verstindlich im Geheimen.(..) Nach— dem der Film entwickelt wurde, Schicl- te man ihn nach draußen, nach Kra- Kau.* Die Versendung der sieben be- lichteten Negative ist durch die erhal- ten gebliebene Nachricht der Unter- grundaktivisten Jozef Cyrankiewicz (Rot*; Hãäftl.-Nr. 62033) und Stanis- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 33 law Klod?zinski(Staklo?; Hãftl.-Nr. 20019) vom 4. September 1944 do- kumentiert:(..) Schickt die beige- igten Aufnahmen unverziiglich an Jell- wir vind der Auffassling, die veygrõßerten Fotos vollten weilerge- leitet werden.“ Vermutlich über die in der SS-Kantine eingesetzte Zivil- arbeiterin Helena Szpak-Danton (Lech*) und über das Leitungs- mitglied einer Widerstandsgruppe in Brzes?cze namens Wladyslaw Pytlik(Birkut*) gelangten die Negative schließlich nach Krakau. Tell“- Teresa Lasocka-Estreicher vom konspirativen Hilfskomitee in Krakau rettete die Aufnahmen, konn- te sie jedoch wahrscheinlich nicht mehr an die Alliierten weiterleiten. Die Urheberschaft der Aufnah- men konnte inzwischen entgegen der Darstellung Dawid S?Zmulewskis (Hãftl.-Nr. 27849) dem griechischen Widerstandsaktivisten im Sonder- kommando, Alex“ Alberto Errera (Hãftl.- Nr. 182552), zugeschrieben werden. Er drückte den Auslöser, während seine Kameraden aus dem Sonderkommando, Alter Fajnzylber (Hãftl.-Nr. 27675) sowie Shlomo und Abraham Dragon(Häftl.-Nr. 80359 und 80360) die Umgebung sicherten. Errera wurde am 9. August 1944, nur einen Monat vor der Versendung des Kassibers, bei einem Fluchtversuch erschossen. Ob die Aufnahmen Gwidꝰ?ka zufolge bereits im Juni 1944 erstellt wurden oder erst einen Monat später, kurz vor dem geplanten aber schließlich annullierten Aufstands- Termin des Sonderkommandos im Shlomo Dragon(1922- 2001), Aufnanme 1945 (RGVA), und AMter Fajnsylber(1911- 1987), Aufnahme 1979(Privatarchiv A. Kilian) Juli 1944, ist eine andere Frage. Mög- licherweise stand die Anfertigung der Geheim- aufnahmen auch im Zu- sammen- hang mit dem Beginn der großen Offensive der Roten Armee am 22. Juni 1944(Operation Pagration*), dem Beginn der Aktion Burza“ der Polnischen Heimatarmee (AK) Ende Juli 1944 sowie der Festle- gung eines Aufstands-Termins des Sonderkommandos. War doch zu er— warten, dass mit dem Herannahen der Front die Beweise der Massenmorde beseitigt und nach einem Aufstand des Sonderkommandos keine konspirati- ven Aktionen dieser Art mehr möglich sein würden. Alberto Errera (1913 1944), Vorkriegsaufnahme (Jewish Museum of Greece) Andreas Kilian Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 34 m pusjqis) 9 „ Beld go 06 Zursutg uutum — 35753 pß — uu uuues— —— nESO M MnHOLWMAM 3— —„ - „ 1 voo? ogg Odv5ö3 8Op00Z ue V ꝛusuonezadaszuphg pun sspunn9& ——— . uuuesen Zuesut FFõ FVſi öFüö ſſ Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 35 W EpELS s rrr uer wut Aun eer Erinnagt 1 M tntrutionsLngnr Auntrltk— BlrAteu bre elcht„ an LLrkee FVarr, 1n Junt 19 3„ als»r, hh Pecklg Mfenthalt 1n UnRera der lchetsl kapllzel 25 1n Ud, nasn Manthwltk depertl ert vurde u vee dea Kent an Keln ernsh uhr edr ael1ta, ken Kt, kalæ SnHL, kedne FHoTTurk Tar anlne Kltarn, netalan ruur Arbei takrurt, lch a 1angs, Ms an nur soglcn 1at, unßentz vaT. 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Rltter Mehre l In Eeapräch vor den ahktuelen Aufaben der Urganisaklce urde 1en zu etgensn Ertnnerungen eruige, Lus 1ch dosals a1s HRrtLng 1n Runzentratd ans lager Aac— PRnau Srlebt haba. 36 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer umd velche den Aufstand 12 5 erkekande as 7.UCitbar 15 botrtTTt. HHruta, als 1cn RT deses erachterren EIm worgestelI Rabe, nus der Zels vor Jahren, als de Baautzung der Mrekatert en 1n Kunchwiez— 5arTRon s hoErnslsen aber e hedeaften Kanp? aufgenanman hatte, 1n dan MassdZ en der Tast gan zLvLLLalerten VWelt Lebaig wurden die d lder vor 50 ahren walche aln* Kr stallnartht* bezetchnet snd— de von RZF den Anang Fur neun Eppche gegeben habn, le Fhocha de Hasasa, des Haasas für aLles, vas kenschlAch 13 1 DEe Eporhs, welche gan nun BegrtfF geschaffun hatts 5 5 BRM EM3ERH ER Rur dlese Bpoche kprmte dtesen urmhrschenLAchen Eedanke schaer 1 Die Epocha, die Upfelertolg var und dle aelne Rx a tenz nlt den verbrechen, wle der Rerdung ber 5 M LL uner Ju en und fber 30 MILLenen Opfer der andaren MarLonakLeAten Pezelchnet hatte 111 5ue Welt, gank verblandet vn den Erfplgen di anar* Neuen öordnung* hat dl eas Cefahr rdcht bamert 1 Un hat dte Srafe getrugen! Die Strafs- dte schrakLchste 111 der Konk entratienslagern: Kusch1 tz- Hrkerau 120 165 Eross— Kosen FLonsenburg- Hersbruck der vor den Tor des Rarm mntruti vnnLagers Dachau bafradt vk. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer DAS HELDENM DER BESATZUMG DES KREMarORWMS M 7.10 1944 DER AUFESTAMD M SONDERKOMMANDO AUSCHWITZ— BRKENAU 38 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Dnaer Tag hut ntchta bescnderes bekanmt genanht. VL 1nR haben wlr uns an dan Knumanp-fHethrn vpur dem Auanarach zur Arbelt gestelLLt. Im Takt der Lag armaLk haben wLT us Lagar- Jaunbschrn t TId veraaaen, M un Zu Un a Barks Paßeban, vwon, 1n Gruppan utat1Lt, sin wir zur Arbud tapLtkun terichter. Nr, dh. 1eh alt Rdne Brer Kazklerz- RR?tArgsrnser 12016 nein Mmar 120165 ℳ, ndn zue Bau der Reenanerrtur geschickt vcrder. DLe Mlrde dieaes Bebludes varer schon aufzentolLt un de Dach⸗ Sparren auch NT— als Dachdckerkano- slx zur Dacar- valten angetreten. DHeses OebAude soklte alt Luchzlegeln bodeck verden. VE thg, a 1cn Rc un Larn befand, naben wLr d n Fnucarkader beeTRt, velche aus dn LugergelInde herorge- drurngan strMu, ub Krenaturu RHr MW war. pIbtalch haben vLr de 3lrene eer HArLngsfeuerer gert, de 1n daer Hchtarne er Sran 1t Es 4zund ausr u - 1m Fnnnen ar Krenatortu— V alLen Seiten hbrte san de Rufan dur 33-Mannur, d 1n cZeant KAchurg atLen um andere Rb 1LIR oxtnn. Bu sussts etas besnnderrs geachehen 1 Etwus gana ungetroffenes 1n der Eschdchte des Lagers 1 In dleser Lage- nach kuraen Ueaprek sl kelnen bruder— haba Leh alch entachbastn, ac schnel vl kbgickh ei di ua er ckrdeht nacn Fi. Frauenktu entratorislagr zu kchen, vo ursare Sakrester var. Ddn Vertragung esaer Rachrtcht var unsers PfLLeht, vo11 d4e Zugehbrchkett aue Daedker- KEkar nlt dar PrLLcht dar Worgabe verucht edener Infurma- ttanen Vern en 1at nan nuss beacheen, dans 1r 1rgendeins Frossa entztieen varen umd das var unsern. el mige gLLchkett 1 Unare Schweater HiRTLLnmmnr Ah21 1 t zusassen n1 uns 1ns Lager gemen ve11 wlr dte aus1Mreache Rndi on end er enbrt haban und das war TLHr a1ls varbotm„„ un vrT„den nuch Aucl 2z gnathitkt. Für atch war dlese Kufgabe- nach Fl. xu genan- niekt s6 schwer n auc n ct kcupLlzierTt, velL 1ch sehr oTt zur Ardbat nae Fi. Schickt ure uri aus dlasm Lrung, cn deatxic eru Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 39 Sehl ertgkettan, korme 1ch durch dte Bloekfihrerstubs durchgeher⸗ De Bloakftrerstube- das var eln UOebude, wb Zedar, der 1s Lager gehnen musste, slcn Balden sLto. Ein RontrolLpunkt 1 Ich nabo ntt stch unerseta 11 chu. Munatatturg n Egebracht - elne Kists zit den ekx eug— nd habe 1cn aich auf dan Veg Eeuucht⸗ UngefMnr 1,5 MM- arst 1Rnat der QuaruntAns 3 II a habe 1c 2un fiauptetngangster der F. vorgedrngan md nuch der ErLedigmg unersetzbaren Forsatdten bün 1ch zu Rlock r 25 gecktunen, vo molne Sctester war. Vonn 1chn muar 1n le Mte herningekoer war md habe erzh1S, was 1os 1Rt, hnban Lr ungnunrern LArn gahr, an Krematurtum Hr IE. Nr haben ans Farnstar galnufen und unseran Augen hat slcn ein gam ungennLLches B1 1d gaa a1gt 1 Dle Bonatzung das Kronnturimn IF„ Rtt zinnchl nurp ntln. un Hur rennten befTnet drnt Eun d Prhtn eLLNe 1n dt n Das var ein unheisliehes ArbILck 111 Aber Lch Russ, v RLicn acheL1, Zun Kend zursk⸗ Auf al1en Rpnmanda mnd 1n alLen Lagern wurds eln Kortrc1- Appel angocrdrnetk — volcher bis den spAtesten Abondsatunden dauerte In der Racht haben die KLierten die Buna- erke benbard ert. Mr haben gedacht, dass ea achon EMe 1LarlhI S0 vLal., was 1ch Rt stgman Augan goschm hnbe. une etzt das, ms 4ch caaia genkrt nabe, ven de, wie der Lagerkerardant vun dem B1LockTnreratubs 7 5 IIL d alle-MAnner zu a ch geruf᷑ en hat, Wum HL1Fe belm Brard1Bachen un Kanpt gegen dte Aufstreache. Feen dde Fesatzun des Ktnatorluns IV, velche att HL1fn des Holxes une Berir das Krenatorlun IV varbranmnt hatta ur auf das Eelinde des Krnator uns F a1ch gerunmt hatte. Aber wisehen den S5-MMrirer waren Kolnn bar t 11igel Varun 71 40 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 4 Ve.1 di SS-MRnu as besten gusst haben er gl Maenannen- plateln uræ hiand grunaten, eer vun 1hnen, de Austami rhan 7ugstelt hatts 1 - seLhstweratAnLAch n cht kratenlos, absr 1n Tac 7Er öcld, Klc den Opn gert vurda, d hi n de et r t un dls Kncknbank d Ur ↄd Euacans zu verntarke 1 - da 6ld den Uyor geraubt dure Hermrutzzen eer Snlr nrnMna ue Kben dar e1dt Herings 1 —***———„——— Ele Besatzung der Kruaatarl en wsntn sun gona, v1* 1hrg Ihre VerkRnger hler 4 Ktkakerdun gearbeltet nahen — e1n ahkr mnd naeh r ein Bek e a n Rne! Ur ale vnren auch berzcugt, dans aue auch AnnLLcnos Schck⸗ Lal tel1e verden, 1b 3lne vorgRgsr ⸗ cie Vercung 1I 12 esand vun ihnee als„ugenknage blaiben Ronte 1 * Ur eter nn t rn n LenlL sbln I— el Lr— Fp ilen in d eaer Akx arwertraut var, hat cne Keere verrater hie Kkkt! bamast aofort angefangen aslrr Der Verrgzer- CSerdape Kurl wurde 1rs QUn Lebendi x Feorf verbrunnt! ———„„———„„ ble zetto 3tella z KrMatorlum rI un III. Kach der Verlassung dea 6elAndas der Rratarlen ncrtar dl stAl che den Zelegebotri eb erraichern, u0 über 3000 ru— sLach Rrl agagofungene bracklgt vuren, u zlt 1hnen xusamen 4 Hald zu genen. Aber auck dtesen 21el haben sda racht errelt. In den Lager warer SAatruppen gesthiekt, DLe Puri ortppen der 35RKlngada v aLen, nleit zien zur Zedt 1n dar Seger vᷣen Auckni ta zur Ertolur befart⸗ A11e Kasereden von den Rrnater1er vuret erachckken. ———„„—— —„——„ m„— ———„*———„„ j——— 50 vLel von Rre1gna son valche Ach se1bat Resenr nabe mnd vus 1ch ven nene Kaeraderi 1k Lager gehbr Rabe. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 41 Abor, a5 daa alna 1at, vas alch an d ean Tug, a2 AeEr ge Tag, erelgret aate md alns, an edn Tug in Kagar 1 KRnp e PPerloban gonckMh ⸗ 1n di vat enles er Kakpr u e1e Eate 7 1 Pech rdcht alle Insasaer, welche hter zus Tode verurtni 1t en en pratch elne andere CRare genabt naber, als ernckreekend auf alr Ene zu vnrtan, an Brka umd gana d gep11 nben varen. ven Zelt zu Zalt erklang dte Lageradrune- eln Zalchen, Saus 4n dZesur 3nursleaen Sedingungen ure kretz 0 v1s1 RLnd ern usen, vle Druht, Punterikerta und akrenxgsbe Verornngn, due das DA CSRDRs garaneren s0LItan, t otn ZeAchen, dass dl ese Katte zerrlsnemn ren und aLlea, vab hänter den Druun vnr, Ens Lcht der Nelt azbllrk 1 Peeh el san— zz zi rdn Srarhrriten kBxLich⸗ mbR V äi e Me alle di sae Hirernssn zu bakkpren, de Nrel aut FagsalAcht zu vrtnger 1 U Aese glRantlschs Mabchtne, verbrecherunacitre zu entd ek 1 En auf dtese Velse dm Auken dar bALIs Lait zu arTnn Ur dle Rachrchten, davon, as hler geschthan 1 at, atanen vn den vrax ed rnn uelen ur a Knapp atn. VLe verLg vLasen vir vee de Hald antin vLelan Unbekannton, die 1nstande varen, 18 Monent dur grdsstun Gafahr, aeln Kppf nekt ku verLLoren 1 In selnen Sedachtns Snlebt elns Frinarmig, velche urg Eapo der Dachd ecker arh1t hatte, vslcher 1auter vIderna1¹ S*Tuen hatte. Dochecksrcape ⸗ Zepp. ALao en lnes 3bentag, kurz vcn dee artrotter unseres Koanar an dnr KartofTelhae, erscheln er kana zufrleden unn 3 hat unn 5fTetAch bakant Emacht, enas Ra pportiarer 21 1IArger erschoszn 15t 111 — durcn elne Frau, 1n Krunatarlug- hanker. Selne Fraun vnr benodar rsd, wel1 Kapprtz rer 21 111nger 42 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer „„——r————vkb.è—— Lhn dt KecatapfLege aandgelet hat persbrich 50 5 ochk- kuhLAge an 51 zer a15 Se I 1LrgeMeinen Vastes. Ihn I Des Dachdeekereapd 1 De Relchsdeutschen 1 Er konmte das rucht vergessan 1!1 Aber, vIa os dunzu geknen 1t 7 mrer der Vargusurg- 1n elnra Hgm,»lras aln Bnc arau ausgetatket vur, hatte ene vr den Frauen bemnrkt, dan es Kaln Sadeum 1at umd hat n eachrel arhebt„ Pas hut den NLderstand selts dar hdnelngetrabenen Frauen var- ursacht. In dteser S1tuatun and dte SS-MMnner unter Frung den Rapper rer ZLLAger hieingschratterr und versuchten dte Urnng v1ederherzustellen. In Ru hat cne Frau dm Haprrer Z LALLnger aen P1ta nuan den Platnlahatar heruagtgan un„ zLt elnen elgenen PLAEe hut ade Lhn gatbtt 1 Aueh Nel ander en M 2 2 R.————————————————— ULnam Inratnn be ttgten aLcn sznon ba 1. Don KapportEErer LLLEnker haben wlrT nicht atnr EAchehn F n n dile rAben z ven at re ln cht z a. — m—————————————„„„„„„„——————————— VLMel andere Proben gnb es noch, dte stch Rt der ganzen Ri vderlage beehet haben, aber us Kad aunn solch, d s ntt den Rrolg gekrent wuruen. AIe dese Versuths haben ein Ael 1 die Nalt zu Anfprui aren, at aAen zugngl ehen Mtteln, ule die neue Doiktran ir Prarn- den gestten Zeen dahin gent Fberenschen 111 VPLkertre 111 Fett eln Fragart elnr 6 R 0 3 3 ER 0 b E K A 7 1 0M„ an weleher Ich parstnlLch tet1gercoen nabt. Eas war 1n Mn 1500, An d ases Tag war 1ch vos Kontehk„ Kohtany Jagette HRI4gs- tnmer*307 aneruren unc nabe von Uhn gin ün eni. bicxnur, t alner Eruppe nac FEektenlagr zur Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 43 Arbelt zu gehen. Ich, an der öpltze dteser Gruppe stchond„ behkamm elne zustzLAche Aufgubo urel zwar, 1ch atL1 etne Bchrmnnchime ntt Hnndantrtab atnnm RMftLng, volcher 1k Rrenaterdun Mr beschkdgt vur, geber urt vLmn ihm alnn Mhnnltrhe Rrhmsrhine nehnen. 5o vlel 1n der 5sche des Befchls. Ur etzt utnas ErkLArungen. Kontuk Jagctke- 1n dteaer Zelt, elner der Altesten 1n der Arbaltsgruppe auf unsorum Kouande, Tur atch spielt er elne deppelte Rol1a, well er der Phrer der HLderstansberegung in Brkenmu war. ETekterlager- var eln Platz, vo alle geraubte Sachen, der nach Auschwtk deporkl art en lienachen, gelagert varen⸗ Dleser Lager 1LLegk umitt elbar des Rreatorlun Nr A. GarstRne- etn sperlell Zetrabschnltt, so ula auch boson- arar Lager, vo slch die RAt1Lrge zu neuen Badngungen 1 Lager adcptLeren ndasrn. bie Saracke, vo alch der Verkstatt und Varaltun des Dachdecker-Kenandos beftnot, 14egt ungefhr Eben 1 1 vcn FTektenlager. Kelne Arbeltagruppe destrht mus 5 Porscnen und etnen fHune- vagen zun Fransport nbtiger Eunrachtungen, vLe Kessel zur vorderal tung der Mubenasss, werkeuge und haterla1. Ownl vLr Kelne Ardelt ntt Bchrnaschine zur Ausfrung haben, habe 1ch etna Bchrnnachine in dle Kote zelachen den Werkzeug gelagt und so„. haden vlr umserern Veg nach BrTektenlager angefangen. 44 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Erat habern v1r unserer Nagen auf dte Haptatraaae gerꝭch- tet, velche zwluchen der Bauabsckni et TT une Baubsehni t TII 1Legt urd von dem Krmandatur-Barucke-Ss bta an dus Rrtnttrlun M und V Znrte. An dar 1nken Selte dleser 5trasse L1egt zuerst der Lager * A* e Buarantane„ dann* F*— rachecntscher-Lager, v atlch dte gentachtan Zdarh-Ari achn Fnmi ILen brfLncen, dnunn* E*— oln Lagar fürn Fraunmn, Judt nan vom Ungarn, dann edns UuerstrnRse, vrlchn nac BRnuabsrhnit T mmrte. Auf der rechtensette, auf den Bauabsthntt III, var eln Lager auch Tr Juldnen aus Ungarm, vor con HALngen * Mexke* gerannt. Und velter auf der LLnken Zelte- das Stamlager*D*, Tür MArmer vergeschen, velche zur verschtedenen Arbelten nuagertzt varer. velter* E* Zigeunelsger urd * F*L HHFLingakrenkenbau⸗ An Ende dteser Strusse, auf den belden Belen varen zel Kronnterlon r Anks- Kramntrrl um Rr- IV rechts— KranatcrAun Rr V Runter den Krenaturten drcht salch dle Strasas mch LHnks und führt welter den Znun des Krenterlus Mr MW entleng. ve slch der Anfurg der BfTektenlagor betAret. KAr msaer nech ea 150 Meter vetter gehen, bls zu dem Tor nd haben so vir das Z1el arrelchbt Ffektenlager⸗ A1le dtese Laser, dn buchstabon ur 24 7Ler kan nan uf den delgelegte⸗ Flan ersuchen⸗ Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 45 Das 21 c1 neiner Aufgabe- 11egt an der anderen SeLtn desanlben Veges„ velcher zur 5aunm gefhrt natee. E T Tekten1a er„ vAr haben hter eine Baracke eraucht, velche an Drahtzuun 1a 6 eln Drahtzaun zwischon EHTektenlager urd Kruma torlun ur IV. Dort haben v1r den Kessel n1t Klebenasse aufgestel.Lt urter dr Kensnl Feuer ang ezndet m zur KHnparutur des Daches argetretten⸗ Ich, a1s Klenpner, habe das Z1och an Schornsbein geprdt, aber neine Am⸗enerhelt bel dteser Krbels var eln Signal Lur unsere Kameradoen aus Kenatrun⸗ Kach einer Ve1 1e hobe ich beerkt, daas eln KafLing xreatorium ver1aas en rnt und nMert stch zue Zaun⸗ be bin 1cn von Dach herunterßeßanten und a* Sunar gchrnaachine habe 1ch ntch auth zum Zuun vorsdchtL6 Be— nnert. Scchh er, vle auch 1ch, nebrn In den RHAnder die Behr- aunchinen. Tas var ein ausr icherdes Beniis, daas s11ea 1n Orurung var. chre Vorte haben wtlr unsere chrnaacR nen genechselt. Mn Tak varen cte Drehten von der Sparnns ausgeschaltet. 351e varen nur unter Sparrmur verm sLch al1Le HaftlAnge nach der Arbelt 1n Ihnen Baracken 1n al1en tagern vetinen./ Aso, der erste Tel1 der Aufgabe 1st achon gemacht 1 Jetat, muss nar gluckllch den klcknarsch organtsleren⸗ Raen alniger Zelt habe 1ch das fcktreben verordn⸗ O-ch1 v1r zur Bber1rrung derselbern Neg haben, bün 1ch nlcht gan rhl, vel1 1ch Ansst habe, od es unterwets nchts passterte⸗ 46 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer * Ich habe nlcht gnusst, vus dueser Untatusth bd autet, aber aeln Vorte?nl hatte mtr vergesagt, dass es u Bchr vLchtlge Snche gens. KRalna Unrue var gross umt ndt zttterndes Horzen, vs11 Aar Sparirnng erwurt⸗te Len esns Mcmmnt, vem 1ch dte bohrnaschtnt Ketek agletto abergeben karmn. In der Stube, 1n urserer Verkstatt vartet auf æten achon Katek und vle 1ch brerkt habe, auch er war, v1 ich, erregt. Mekala hnbe 1ch dhn 1n aclche Zustan geschon A14 vtr schon alteln wuren, begunn er alt der Abare⸗ hung der Fchrsaschlna, 1n Kalche, stutt Zehnrader, eln Pckchen gesteckt var. Ala Kostak desen Fhekchen geshen hatte, habe 1ch bearkt. aan h„p SE-n vnm Herzen gefFn11— Lsk. Schon ruht und Irch sagte er zu n1r 3Staszek, v1nt du, vus das 1st 7* Kber Lch häbe vrdter kelne Ahmung gehnbt. Darn erklrte er ndr, daas eln F11m 1n dieses Packcen 18, vel.cher vor den Kaaruder man der MIderatandabene- Fung 1k Kresattrun genactht wurda, tt vr achtu allen klar 1 Aber der Fbl sunst weter fbergeben verden 1 DLe Velt nuas visnen, vas d1e K U LTURTRAn nl 33 Zetchen hler 1n Aunchwitz alt den RRft UHngen ncrn1 En Benola, norh kehr vrtges Dokunnrit, nA. d1 ea chrELLchen Relungen, t velche uris ene Verstana- bwmegung dar Velt eperzeuger volte, vas der vVernentunga- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 47 N dlan 85 den Menschen und der Menschhelt vorbereltt hat. In der nAchste Noche Tolgt dlie Flucht von zwnl KartlAngen vor Auschwitz- Birkenau, belde vrn Konnaro Dacherker, es waren: Kontek JagLette- Munser 5507 un Tonch Zohaisk— Mer 13509 Ich habe kelne Uelagerhat achr 1n melnem Lobon neh 1* Kestek Jagtetke zusarerkutraffen. Fr Labt n1cht 1 Er 18t v1* ein Heli grfa1len 1 Rr 18t ntcht aus des Lager geriHchtet us mur scln Leber Hach der g1HrkLchen Flucht, orgartstert er ncut Fichte für ardere Kameruden. Bel der nchsten Akktlor vure er von den 3-Mbrdern erschoasen, als er selnen Kumedaten schtzte. In etnem Buch, vcn FLHchta aus Lager, habe 1ch veltere ErAuterungen von den Trarspprt deses FL Lmes ke?unden, velchur In der 5Schrmaschtre verstackt vurde. Kos tek hatte bel der Flutht verschdedene Drkumente von den NrkIAchkelt dus Lebens 1n Lager, so vle den FLIm mlt slch gebracnt. Vermn 1ch nlch heute 1n den verachtederen verlagen die seltene Aufnahse von Krematprien ansche, kehrt 4n neln GedAchtnls nein Letztes Zusanmentreffugen mlt Kostek Uagiatto- Hartldngsnmeser à507„