LAGERGEMEINSCHAFT AUSCHWTZ FREUNDESKREIS DER AU0SCHWTAZER AUSCHMWTZ 28. Jahrgang, Heft 1 Mitteilungsblatt, August 2008 Inhaltsverzeichnis Seite Uwe Hartwig stellt sich als neuer Vorsitzender vor 1 Im Gedenken an Henryk Mandelbaum und Stas?zek Hantz 3 Wie Stanislaw Hantz Auschwitz„durchlebte“ 4 Zum Tode von Henryk Mandelbaum 8 Aktion Solidarität 13 Das Schicksal von Ehbieta Chylinska 13 Liebste Mama-Die Geschichte einer Familie 16 „Zug der Erinnerug“ nimmt wieder Fahrt auf 18 LOA schreibt Brief an Bahnchef Mehdorn 24 Imo Moszkowicz: Der grauende Morgen 26 Die Produktion von Zyklon B 30 Monowitz-Häftling Nr. 181926 32 Joachim Proescholdt zum 80 33 Herzlichen Dank für Ihre Spenden Liebe Freunde und Förderer, diese Ausgabe des Mitteilungsblattes sollte eigentlich schon im Juni/Juli erschei- nen, was aber leider nicht möglich war. Weil wir unsere verstorbenen Freunde Stas?ek Hant? und Henryk Mandelbaum(S. 3 ff) nicht erst im Winter würdigen wollten, kam es zu einer erneuten Verzögerung. Ihr Vermächtnis verpflichtet uns, die Ziele des Vereins weiter Zu verfolgen. Dazu zählt auch die materielle Unterstüt- zung von ehemaligen Auschwitz-Häftlingen. Pank Ihrer Spenden haben wir auch in den vergangenen Jahren wieder beträchtliche Summen an die Partnervereini- gungen in Polen transferieren können. Zwar wird die Anzahl der noch lebenden NS-Opfer immer geringer, dies heißt aber nicht, dass weniger Unterstützung benõtigt wird, denn je älter die von uns unterstüt?ten Menschen werden, um 80 höher der Aufwand an ärzticher und pflegerischer Betreuung. In unserem nächsten Mitteilungsblatt(MB) werden wir im Pinzelnen berichten, Zu welchen Unterstüt- zungsleistungen wir fähig waren und welche Projekte wir fõrdern konnten. Falls Sie in diesem MB keinen Uberweisungsvordruck mehr finden, entnchmen Sie bitte unsere Bankverbindungen dem Impressum(S. 33). Wir sagen bereits jetzt herzichen Dank für Ihre Spende. Noch eine Bitte an unsere Mitglieder, die per Dauerauftrag regelmäßig ihre Beiträge und Spenden überweisen: Bitte überprüfen Sie, ob Sie ihre Daueraufträge schon auf die von der Mitgliederversammlung festgelegten Beträge umgestellt haben. Der Jahresbeitrag beläuft sich nun auf 40 Euro, für Schüler, Aus?zubildende, Studenten usw. auf 20 Buro. Finen schönen Herbst wünscht allen der Vorstand der Lagergemeinschaft Auschwit?-Freundeskreis der Auschwitzer Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 1 Hauptversammlung wählte neuen Vorsitzenden Uwe Hartwig stellt sich vor Die Mitgliederversamm- lung der Lagergemeinschaft Auschwit?- Freundeskreis der Auschwitzer hat mich bei der Jahreshauptversammlung am 23. Februar dieses Jahres zum neuen Vorsitzenden gewählt. Abrecht Werner- Cordt, der über zehn Jahre F dieses ehrenvolle Amt mit Engagement, Geschick und ſF Gestaltungskraft erfüllt hat, wollte die Arbeit des Vorsit- zenden in andere Hände gelegt sehen. Erfreulicher- weise hat sich Albrecht jedoch zu einer weiteren Mitarbeit im Vorstand bereit erklãrt. Seine Arbeits- Schwerpunkte sind„Organisation und Begleitung von Fahrten nach Ausch- wit? Sowie die Kontaktpflege zu ehe- maligen KZ-Häftlingen in Polen und deren Organisationen. Hierfür wurde er von der Versammlung einstimmig gewählt. Mein Kontakt zur Lagergemein- schaft entstand über Hermann und Anni Reineck. Ihnen begegnete ich bei den regionalen Aktivitäten gegen die „Nachrüstung“ und bei antifaschisti- schen Initiativen in Butzbach. Schnell war Hermann in die Henry Benrath- (Gesamt)schule in Friedberg, wo ich Lehrer war, Zu Gesprächen mit Jugend- lichen eingeladen. Hermanns Unbefan- genheit, sein Optimismus gegenüber den Jugendlichen, seine Fähigkeit, auf sie einzugehen, seine Verständnisbe- reitschaft zusammen mit pädagogi- schem Talent machten diese ersten „ 4½ Albrecht Werner-Cordt(li.) gratuliert seinem Nachfolger Uwe Hartwig zur Wahl Zum neuen LGA-Vorsitzenden. Schritte der Mitarbeit von Zeitzeugen in der Schule zu einer nachdrücklichen Erfahrung, aus der sich die Konsequenz einprãgte, dass die Arbeit mit Zeitzeu- gen nicht bloß politisch-pädagogische Pflicht ist, sondern pädagogischen Zugewinn einbringt. Bei der Binarbeitung in das neue Amt beeindruckt mich immer wieder, welch große materielle Hilfe die Lager- gemeinschaft über die Jahre den über- lebenden polnischen Auschwitz-Häft- lingen zukommen lassen kann. Meiner Meinung nach leistet damit die Lager- gemeinschaft einen wesentlichen Bei- trag zur deutsch-polnischen Aussöh- nung- schon seit Zeiten, als das politische Klima gegenüber Polen eher von den revanchistischen Vertriebenen- verbãnden bestimmt wurde als von den Verfechtern auch nur einer Verständi- gung Zwischen Deutschen und Polen. Selbst 1944 im damaligen Breslau als Kind einer schlesisch/oberschlesi- 2 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer schen Familie geboren, brachte es mein Erwachsenwerden in der Familie mit sich, Brüche, Ressentiments, Kon- flikte und Unversöhnlichkeit gegen- über Polen zu erleben. Unter anderem daraus ergibt sich für mich die Pflicht, für die Lagergemeinschaft und den Freundeskreis zu arbeiten, wenn es Not tut. Von den Mitgliedern des Vor- standes wurde ich sehr offen und herz- lich aufgenommen. Meine Hoffnung ist, dass ich die Erwartungen der Mit- glieder erfüllen kann. Ume Hartwig Im Namen der Opfer Neu gewählter Vorstand der IGA betont Kontinuitãt der Arbeit „Der Einsatz für die ũberle benden KZHäftlinge und die Gefangenen der Gestapo-Gefängnisse sowie deren Angehörige hat weiterhin oberste Pri- orität in unserer Arbeit“, bekräftigte Uwe Hartwig nach seiner Wahl zum neuen Vorsit?enden der Lagergemein- schaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer in einer Presseerklärung. Die LGA hat kürzlich aus Anlass des internationalen Gedenktages für die Opfer des Nationalsozialismus am 2. Januar in einem offenen Brief an Bundesfinanzminister Peer Steinbrück gefordert, die deutsche Pflegeversiche- rung für alle Uberlebenden der Shoah und der NS-Konzentrationslager zu öffnen(iehe unsere Internetseite www. lagergemeinschaft-auschwitz.de unter der Rubrik Presse). Er fühle sich verpflichtet, zusam- men mit den Vorstandsmitgliedern die Kontinuität der bisherigen Arbeit der LGA zu gewährleisten, führte Hart- wig weiter aus. Neben der materiellen und ideellen Unterstüt?ung der NS- Opfer leistet die KGA politische Bil- dungsarbeit- vor allem durch Studi- enfahrten nach Auschwitz und zu anderen Orten nationalsozialistischer Verbrechen. Bei der Jahreshauptversammlung in ihren Vorstandsämtern bestätigt wurden als stellvertretender Vorsit- zender Diethardt Stamm(Münzen- berg) und als Kassierer Matthias Tiessen(Frankfurt am Main). Als Mitglieder im erweiterten Vorstand ebenfalls bestätigt wurden Martina Hörber(Mühlheim am Main) für die Bereiche Internet-Auftritt und Proto- koll, Gerhard Herr(Wetzlar) für die Kommunikation mit den Mitgliedern sowie Annedore Smith und Hans Hirschmann(Oberursel und Bad Vil- bel) für die Offentlichkeitsarbeit und die Herausgabe des zwei Mal jährlich erscheinenden Mitteilungsblattes. Neu in den Vorstand gewählt wurden Lothar Evers(Köln), der den Bereich „Entschädigung ehemaliger Häftlin- ge und Zwangsarbeiter“ bearbeiten wird, Sowie Wolfgang Gehrke(Grün- dau), zuständig für die Fortbildung von Lehrerinnen und Lehrern für Studienfahrten mit Jugendlichen in die Gedenkstätten der nationalsozia- listischen Verbrechen. Wie in der Vor- stellung von Uwe Hartwig bereits er- wähnt komplettiert Albrecht Werner- Cord(zuständig für Studienfahrten) den Vorstand. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Im Gedenken an unsere Freunde Henryk Mandelbaum und Staszek Hantz Zwei bedeutende Zeitzeugen sind nicht mehr unter uns Wir sind sehr traurig. Unsere polnischen Freunde Henryk Mandelbaum und Stanislaw (Stas?ek) Hant? sind tot. Henryk starb am 17. Juni in Bytom und Stas?ek genau einen Monat spã- ter am 17. Juli in Krakau. Henryk(geboren am 15. De- zember 1922) wurde im Sommer 1944 nach Auschwit? verschleppt und war Häftling(Nummer 181970) im jüdischen Sonder- kommando in Birkenau. Mit sei- nen Kameraden musste er die Leichen aus den Gaskammern Wenn ich vergehe(von Rose Alsldinder) Wenn ich vergehe wir die Sonne wieder brennen Die Weltõrper werden sich hewegen nach ihren Geselzen im einen Mittelpunkt den Keiner Kennt Siß duften wird immer der Nieder weiße Blitze alsstrahlen der Schnee Wenn ich forigehe von nsyrer vergeßlichen Erde holen und verbrennen. Er war ei- ner der wenigen Uberlebenden dieses Kommandos. Stas?ek Hant?(Auschwit?z- Häftling Nummer 2049) wurde am 22. Januar 1923 in Wladiwostok geboren, Seine Familie kehrte 1932 aus der Ver- bannung von Russland nach Polen zurück, wo er am 12. August 1940 von den Deutschen verhaftet und nach Auschwit? deportiert wur- de. Als Mitglied des Zimmerei- Kommandos „arbeitete“ er Sowohl im Stammlager Auschwit? I als auch im Ver- nichtungslager in Birkenau. Damit gehörte er zu den wenigen überleben- den Hãftlingen, die von beiden großen Auschwit?z II wiyt du mein Wort ein Weilchen für mich sprechen? Lagerbereichen aus eigener Erfahrung berichten konnten. Mit dem Tod von Stas?Zek und Henryk haben wir zwei Freun- de verloren, die wir lange Jahre aus gemeinsa- mer Arbeit kannten. Wenn Ssie bei Studien- fahrten, Mus- Stellungen oder Vorträgen an Schulen, Universitäten und anderen Pinrichtungen über Auschwitz erzähl- ten, dann stand nicht nur ihr eigenes Schicksal im Mittelpunkt. Es ging ihnen vor allem darum, das Gedenken an ihre in den deutschen Konzentrationslagern Henryk Mandelbaum 4 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer und Gefängnissen ermordeten Kame- raden wachzuhalten. Gleichzeitig mahnten sie damit, nicht zu vergessen, welche Grausamkeiten Menschen ein- ander antun können. Wir erfuhren von ihnen, wie Menschen sich auch in Pxtremsituationen für humanitäres Verhalten entschieden,„weil sie kein Schwein sein wollten“, wie es Staszek beschrieb- später aber den Ausdruck „Schwein“ bedauerte, denn die Tiere sind unschuldig, während Menschen grausam sind. Die Fäter waren die Schuldigen. Stas?ek und Henryk über- trugen diese Schuld nicht auf deren nachgeborene Generationen. Vielmehr ermutigten sie ihre deutschen Zuhörer, aus der Vergangenheit Lehren zu zie- hen und für die Gegenwart Verantwor- tung zu übernehmen. Wir sind sicher, dass auch nach ihrem Tod Henryks und Stas?zeks „Worte“ an die Menschen„unserer vergeßlichen PErde“, die ihnen jemals zuhörten, noch mehr als nur„ein Weil- chen“ sprechen. So wie es sich die Ho— locaust-Uberlebende Rose Ausländer in ihrem Gedicht erhofft. Hans Hirschmann „Weiß ich viel, vielleicht zu viel für ein Leben“ Wie Staszek Hantz Auschwitz„durchlebte“ Es hat einige Zeit gebraucht, bis sich der Pole Stanislaw(Stas?ek) Hant? an die deutschen Worte„Herzlich will- kommen“ und„Freundschaft“ ge— wöhnt hatte und sie als ehrliche Aussa- gen akzeptieren konnte. Vor mehr als Sechs Jahrzehnten- im Alter zwischen 17 und 22 Jahren- war er in deutscher Sprache nur mit„Du Schwein“,„Blö- der Hund“ und ähnlichen Beschimp- fungen„angesprochen“ worden, wie er in vielen Gesprächen und Vortrãgen Seinen Zuhörern erzählte. Uber einen seiner Vortrãge vor Stu- denten in Gießen schrieb ich im Herbst 2005 folgenden Zeitungsbericht(Aus- züge): Fast fünf Jahre lebte Stanislaw Hantz„ohne Schuld und ohne Ge— richtsurteil“ als KZHäftling in ständi- ger Todesgefahr. Von den 1665 Gefan- genen seines Iransportes ist er„einer von Zwölfen“, die das Kriegsende er- lebten. Bei einer Razzia in Warschau verhaftet, kam er am 15. August 1940 in Auschwit? an.„Arbeit macht frei“ Stand dort über dem Fingangstor. Aber Schon beim ersten Appell erfuhren die Deportierten von SS-Lagerführer Fritsch, dass die Häftlinge lediglich das Recht hätten, das Lager„als Rauch durch Schornsteine von Krematorium“ zu verlassen. Zuvor Sollte jedoch nach dem Prin- zip„Vernichtung durch Arbeit“ ihre Arbeitskraft ausgebeutet werden. Die durchschnittliche Lebenserwartung polnischer Hãftlinge lag bei drei Mona- ten, die von Juden und„Zigeunern“ bei zwei Wochen, verdeutlichte Hantz die Todesmaschinerie. Er„durchlebte“- s0 seine Formulierung- die Zeit nur mit viel Glück und noch mehr Zufällen. Um zu überleben, waren zudem der feste Wille nötig, durchhalten zu kön- nen, Ssowie die Freundschaft unter den Häftlingen, die bei dem stãndigen Hun- ger und der Willkür der Bewacher alles andere als selbstverständlich gewesen Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 8 Srantsten erdeni 221.1423 CRRtec1m zOh Adres KLarTSS Obb(wiezienie) Mumer do Zwiazku EO— — m S Wsr. —— Staszeks erster Ausweis als Mitarbeiter der Gedenkstätte Auschwitz vom 1. März 1946. Sei.„Haben wir morgens Hunger, am Mittag und vor dem Schlafen gehen“, Sagte Hantz in seinem immer noch dem damals erlernten„Lagerdeutsch“ an- gelehnten Idiom. Sein größtes Glück war es, dass er dem Zimmerei-Kommando zugeteilt wurde, das ein gerechter deutscher Kapo(Funktionshäftling) leitete. In Birkenau baute sein Kommando bei— Spielsweise die Baracken des Frauen- lagers. Diese Holzkonstruktionen waren ursprünglich als Ställe für 52 Pferde gedacht. In Birkenau waren dort Zwischen 500 und tausend Häft- lingsfrauen untergebracht. Fünf bis Ssechs Frauen mit zwei oder drei Decken mussten sich eine Pritsche zum Schlafen teilen. Da die Baracken keine Böden hatten, standen auch hier die Gefangenen oft bis zu den Knien im Schlamm. Wenn Häftlinge„fehlten“, wurde im Dreck gesucht und zumeist wurde dort die Leiche gefunden. Stanislaw Hant?z konnte auch die fabrikmãßige Vernichtung beobachten. So Sah er beispielsweise, wie die Opfer ins sogenannte„rote Haus“, die 1. Gas- kammer in Birkenau, getrieben und Spãter die KLeichen vom jüdischen Son- derkommando herausgeholt und in Gruben verbrannt wurden. Soweit der Bericht von 2005, der ab- schloss mit einem Zitat Staszeks aus dem Buch„Zitronen aus Kanada“, in dem Karin Graf in„biografischen Pr- zählungen“„Das Leben mit Auschwit? des Stanislaw Hantz“ beschrieben hat: Dort resümiert Staszek:„Gehe ich als Knabe rein und komme ich raus, weiß ich viel, vielleicht Zu viel für ein Leben.“ Befreiung und Untergang eines langgehegten Traumes Befreit aus deutscher Haft wurde Stas?zek am 29. April 19435, als Iruppen der US-Armee Dachau besetzen, wo Stas?zek einige Tage zuvor nach einem 6 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer „Jodesmarsch“ angekommen war. Er kehrt nach Polen Zurück und muss eine weitere bittere persönliche Erfahrung machen: Seine Mutter ist tot(Vater und Geschwister waren bereits vor seiner Verhaftung gestorben), und er findet in Warschau nur noch zerstörte Häuser. In einem Interview(Mitteilungsblatt Dezember 2004,„Beim Erzählen fühle ich als Häftling“, S. 11 ff) erinnert er Sich:, Whrend der gesamten Lagerzeit habe ich daran gedacht, habe ich ge— nofft, hahe ich davon getrumt, wieder nacn Hause zu Kommen nach War— Schau. Ich habe davon getrumt in War- Schau ein neues Leben anzufungen. Als ich damals Mitte August 14 alus dem Bahnhof von Warschau heruusgetreten hin, hahe ich nur einen Haufen Ziegel gesehen, Keine Hdusen Keine Studt, Kei- ne Straßen. Ich hin in Kichtung Zoli— horz gegangen, das wur mein Stadtteil vor dem Krieg, m unser Halis zl Sl chen. Alch dieses Haus war Kapuitt. Qudlende Fragen tuten vich auf Wo s0ll ich diese Nacht Schlafen? Was werde ich moygen essen? Wie voll ich ein neues Weihnachtsmarkt am Römerplatz. Regina und Staszek mit Uschi Vogel bei einem Besuch in Frankfurt am Main auf dem Lehen anfangen im Nichts mit Mchits? Ohne Hamilie, ohne meine Mutten Ich wlisvle nicht, wo jetzt meine Verwundten wohnten. Das war ein Sehn Sehr Schwe— rer Jag fir mich. Hier ist mein lang ge- triumter Vraum in meiner Lagerzeit ntergegangen.“ Weiterleben in Auschwitz und dann in Zgorzelee Ab März 1946 ist Staszek wieder in Auschwitz und hilft beim Aufbau des Museums und der Gedenkstätte. Nach einigen Jahren überzeugen ihn ein Arzt und der Museumsdirektor, dass er das chemalige Lager verlassen soll,„weil ich da verbrenne- von innen verbrenne“, wie er es selbst beschreibt. Es sind nicht nur die eigenen Frinnerungen, die ihn innerlich zu verbrennen drohen. Es sind auch die Fragen von Angehörigen von im Lager umgekommenen Freunden und Bekannten. Die Angehörigen wol- len Zumeist hören, dass ihr Vater, Bruder, Neffe„friedlich“ oder„in Würde“ ge- Storben ist. Stas?ek lügt und sagt Zumeist (Foto: Wi Vogel) Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 7 gen Häflingen mit jährlich 1200 Euro. ja. Uns gegenüber hat er dies an einem Beispiel verdeutlicht: Ein Freund hat ein Lebensmittelpaket von zu Hause be- kommen, und vor Hunger isst er alles auf einmal auf. Sein Organismus kolla- biert, er bekommt Durchfall und ist am nächsten Morgen tot.„Er hat sich totge- Schissen“, Sagt Stas?ek. und nach einer Pause fãhrt er mit tonloser Stimme fort: „Sollte ich den Verwandten das sagen?“ Stas?ek verlässt Auschwit? und ar- beitet ab 1950 in verschiedenen Braun- kohle-Gruben. Er lernt Regina ken- nen, sie heiraten 1952 und zicehen bald nach Zgorzelec. Zwei Töchter werden geboren, später kommen Enkel und Urenkel zur Welt. Die Familie Hant? wird weiterleben. 1974 erleidet Staszek einen Herzin- farkt und muss 1982 in Pension gehen. Pr gründet die Zgorzelecer Vereini- gung ehemaliger KZ-Häftlinge und ist bis Zu seinem Tod deren Präsident. Mit seinen Töchtern hat Stas?ek Sprechstunde im Hüäftlingsclub Zgorzelec mit Dr. Wladislaw Kotyto ¶Q. v. rechts). Staszek mit Zofia Lielezinska und Geneva Bejmo(beide Häftlinge im KZ Ravensbrück) und Regina. Die Lagergemein- Schaft unterstützt die Arztbesuche zu den ehemali- lange Jahre nicht über seine La- gerzeit geredet. Als sie in einem Buch lesen, dass er in Auschwitz war, überzeugen sie ihn, dass er darüber mit Jugendlichen spricht. So jst er von den 70er Jahren an oft in Schulen als Zeit- zeuge eingeladen- ab den 80er Jahren auch in Deutschland. Es wird ihm zu einer neuen Lebens- aufgabe, der er sich trot? vieler Krankheiten und Beschwerlich- keiten stellt. Oft wird er von Re- gina begleitet.„Ich habe über- lebt, ich muss es erzählen“, sagt er in dem erwähnten Interview: „Wenn ich heute vor meinem ehemaligen Block in Birkenau stehe, dann denke ich an meine Freunde, die dort geblieben sind. Ich bin es ihnen schuldig.“ Nun kann uns Staszek selbst nicht mehr berichten. Wir werden seine große Güte und seine Geduld mit uns nicht vergessen. Wir sind froh und sStolz, dass er uns vertraute und uns als seine Freunde und als die Freunde seiner Kameraden in den Konzentrationsla- gern ak?eptiert hat. Hans Hirschmann PS: Karin Graf:„Litronen aus Kanada- Das Leben mit Auschwitz des Stanis- law Hantz.“ Nachdem die erste Auf— lage des Buches seit einigen Jahren ver- griffen war, sind die„biografischen PrZählungen“ im Mai 2008 wieder neu erschienen. Das Buch kann im Buch- handel oder beim Bildungswerk Stanislaw Hantz bestellt werden. Es hat die ISBN 3-00-002600-1 und es kostet 20 Buro. 8 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer „Jestem unikatem/ Ich bin einmalig“ Zum Tode von Henryk Mandelbaum Mit Henrk Mandelhalum ist am 17. Muni in Bylom der in Polen und Deuschland hekunnteste Uherlebende des jüdischen Sonderkommandos Auschwitz gestorben. Der erte freundschaftliche Kontalkt zwischen Andreus Kilian(dem Verfasser des ſolgenden Wachrufs) und damit einem Miglied der Lagergemeinschaft Auschwitz elindesKreis der Aluschwitzer geht auf das Jahr 704 zuriick. Andreas Kilian war dumals freiwilliger pHdagogischer Mitarbeiter an der Internationalen Jugend- hegegnungsstdtte in Auschwit? ind Koordinierte für die Aktion Süihnezeichen- riedensdienste Studienaufenthalte von deulshcen Gruppen. Sehr Schnell nach sei- ner Belanntschaft mit Henr M Mandelbaum sei ihm deutlich geworden, verichert Kiliun, dass Henr) Mk nicht nur ganz hesondere Erlehnisse zu herichten hatte, von- dern auch ein vehr außergewöhnlicher Mensch wun Henryk Mandelbaum wurde 1922 im polnischen Olkus? als Sohn einer armen jüdischen Familie geboren. Nach der Beset?zung Polens durch die Deutschen wurde seine ostoberschle- sische Heimatstadt 1939 in das Deut- sche Reich einverleibt und Familie Mandelbaum im Rahmen der natio- nalsozialistischen Judenverfolgung 1941 in das offene Ghetto nach Dabrowa Gornicza verbracht, wo er als Maurer in einer deutschen Baufir- ma Zwangsarbeit leisten musste. Vor der Liquidierung dieses Ghettos wur- de seine Familie Ende 1942 in das Ghetto nach Sosnowice verlegt. Während dieser„Umsiedlungsaktion“ flüchtete Henryk und lebte unter falschem Namen in wechselnden Ver- stecken, bis er Ende März 1944 von ei- nem volksdeutschen Bekannten in Bedzin erkannt und denunziert wurde. Während seine Eltern inzwischen in das Vernichtungslager Auschwit? de-— portiert und dort ermordet wurden, wies ihn die Gestapo in das Gefängnis von Sosnowice ein, von wo er am 22. April 1044 mit einem Transport nach Auschwitz überstellt und die Häft- lingsnummer 181 970 auf seinen linken Unterarm eintãtowiert wurde. Drei Liquidationsaktionen und den Häftlings-Aufstand überlebt Pinige Wochen später wurde Henryk aus der Quarantäne in das berüchtigte Sonderkommando einge- wiesen, das in den Krematorien von Auschwitz-Birkenau die Ermordeten aus den Gaskammern zerren, ihre Körper in Ofen und Gruben verbren- nen und die Asche restlos beseitigen musste. Die Gefangenen des Sonder- kommandos unterschieden sich von allen anderen Häftlingen im Lager, da Sie als einzige im Zentrum der Ver- nichtung eingesetzt wurden. Wegen seiner Körperkraft wurde Henryk als Leichenschlepper in die Krematorien überstellt und musste die Toten in den Verbrennungsgruben einäschern. Iso- liert von Häftlingen anderer Arbeits- kommandos musste Henryk acht Mo- nate lang das alltägliche Grauen syste- matischen Mordens miterleben. Als Augenzeugen der Vernichtung Sollten die Sonderkommando-Hãäftin- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 9 „ Henryk Mandelbaum bei einem Rundgang in Birkenau mit einer Studiengruppe der LGA. Hinter ihm Vorstandsmitglied Martina Hörber.(Foto: Franco Conforti) ge nach der Beendigung von Mord- aktionen und im Rahmen von Straf— maßnahmen der S8 selbst getötet wer- den. In einem verzweifelten Aufstand versuchten sich Sonderkommando- Häftlinge am 7. Oktober 1944 an ihren Peinigern zu rächen und die Vernich- tungsanlagen zu zerstören. Die Revol- te scheiterte und endete in einem Blutbad. Henryk überlebte sie wie durch ein Wunder. Er zählt zu den wenigen Häftlingen des Kommandos an den Krematorien, der drei Liqui- dierungen und den Sonderkomman- do-Aufstand überlebte. Als Ende Oktober 1944 die Gas- kammern in Birkenau zum letzten Mal benutzt wurden, erwartete das Son- derkommando nun seine vollständige Liquidierung, doch gelang es den let?- ten Uberlebenden am 18. Januar 1945 aus ihrer Isolierbaracke auszubrechen und sich unter andere Hãäftlinge in die Fvakuierungskolonnen des Lagers zu mischen. Auf dem Todesmarsch in das Konzentrationslager Mauthausen ge— lang Henryk in Jastrzebie Zdroj Schließlich die Hlucht. Er gehört damit zu den wenigen Mutigen, insgesamt neun bekannten Sonderkommando- Häftlingen, die auf dem odesmarsch flüchteten. Nach der Befreiung immer wieder Rückkehr nach Auschwitz Kur? nach der Befreiung Schlesi- ens durch die Rote Armee kehrte er nach Auschwit? zurück und trug als ei- ner der ersten von insgesamt fünf 10 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Uberlebenden des Sonderkommandos vor einer sowſetischen Untersu— chungskommission zur Aufklärung der nationalsozialistischen Verbrechen in Auschwit? bei. Seine Aussage aus dem Jahre 1945 gilt heute als verschollen. Der erste dokumentierte Erinnerungs- bericht für die Sammlung des Staat- lichen Auschwit?-Museums wurde erst im Jahre 1971 aufgenommen. Bis zu diesem Zeitpunkt wurde Mandelbaum von den Historikern des Auschwit?- Museums ignoriert, obwohl er regel- mäßig die Gedenkstätte aufsuchte und Kontakt aufnehmen wollte. Erst der polnische Journalist Jan Poludniak ver- arbeitete Mandelbaums Prinnerungen auch filmisch mit den beiden Kurz-Do- kumentationen„Kadencja“ und„Zag- lada“. Diese beiden Zeugnisse aus dem Jahre 1988 sind in der Sonderkomman- do-Filmgeschichte zwei der frühesten — Bild- und Ton-Parstellungen von Zeit- zeugen überhaupt. Sie sind von ver- gleichbarer Bedeutung wie die Inter- views mit Dov Paisikovic in dem Do— kumentarfilm der BBC„the world at war“(GB 1975) und mit Hilip Müller in Claude Lanzmanns„Shoah“(F 1985), oder auch dem Porträt von Jacob Zylberberg in Karl Fruchtmanns Hilm „Fin einfacher Mensch“(BRD 19860) Sowie der Filmreportage„pamiec...“ (PI 1986) mit Alter Fainzylberg. Nur wenige Sonderkommando-Uberle- bende schafften es, an den Ort des grauenhaften Verbrechens zurückzu— kehren. Henryk war regelmäßig dort, Auschwitz Zzog ihn geradewegs an, wie er Zu sagen pflegte. Prst als die prominenten polni- schen nichtjüdischen Auschwitz-Uber- lebenden, die sich als„Zeit?eugen“ zur Verfügung stellten immer weniger Henryk Mandelbaum(rechts) bei einem Ortstermin am Vergasungsbunker V in Bir- kenau. Kriystztof Antonczyk interviewt ihn und eine ehemalige Bewohnerin des 1942 in eine Vernichtungsanlage umgebauten Bauernhauses.(Foto: Kilianò 1997) Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 11 in Auschwit? nach der politi- schen Wende in Polen nicht mehr relativiert oder verschwie- gen wurde und die Geschichte des Sonderkommandos in den Blickpunkt der Auschwitz- Forschung rückte und offen be- arbeitet werden konnte, wurde Henryk Mandelbaum für das Auschwitz-Museum und die in- ternationale Jugendbegeg- nungsstätte in Oswiecim inter- essant und ernst genommen. Jedoch noch 1994 wurde es nicht für nötig gehalten, ihm bei den Feierlichkeiten des 50. Jahrestags des Sonderkommando-Aufstands als un— mittelbaren Zeugen im Gedenkpro— gramm einen Platz zukommen zu las- Sen. Der unschät?bare Wert seiner Be- richte und seine außergewöhnliche Wirkung auf Besuchergruppen aus dem Ausland wurde leider erst nach langer Zeit, nämlich seit 1908 erkannt. Henryk Mandelbaums Bedeutung für die Sonderkommando-Forschung Die Lagergemeinschaft Auschwitz konnte Henryk in den vergangenen Jahren als Zeitzeugen für die Beglei— tung ihrer Studienfahrten und als treu- en Freund gewinnen. In den let?zten zehn Jahren seines Lebens erschöpfte sich Henryk unermüdlich durch regel- mäßige Gespräche mit Jugend- und Prwachsenengruppen, vor allem deut- Schen. Während er noch in den achtzi- ger Jahren von US-amerikanischen In- stitutionen als besonderer„Zeitzeu- ge“ erkannt wurde und bereits verein- zelt amerikanische Gruppen durch Auschwit? begleitete, wurde er nun auch vermehrt nach Deutschland ein- Henryk Mandelbaum mit Ehefrau Lydia bei einem Besuch in der Internationalen Jugendbegegnugns- stätte Auschwitz/Oswiecim.(Foto: Kilianò 1994) geladen, um dort- oftmals an der Seite seines Freundes und Auschwitz-Uber- lebenden Stas?ek Hant?- von Stadt zu Stadt Zu reisen und über sein Schicksal und das der Auschwitz-Häftlinge zu berichten. Kein Sonderkommando- Uberlebender stellte sich für so viele Vortrãge zur Verfügung wie Henryk Mandelbaum. Von insgesamt 2200 Sonderkom- mando-Häftlingen in Auschwit?-Bir- kenau überlebten nur etwa 110 Mann das Kriegsende. Mandelbaum war der einzige, der seit seiner Befreiung von Anfang an dazu bereit war, über das Er- lebte õffentlich zZu berichten(was in den ersten Jahrzehnten jedoch niemand hören wollte), und der in seinem Hei- matland Polen bis zu seinem Tod lebte. Vermutlich nur zwei Uberlebende von ehemals 350 polnischen Sonderkomman- do-Vberlebenden emigrierten nicht in das Ausland. Seit den spãten neunziger Jahren gehörte Henryk Mandelbaum neben Shlomo Venezia zu den einzigen beiden Sonderkommando-Uberleben- den, die interessierten Menschen an den Originalschauplät?en, auf dem ehe- maligen Gelände der Krematorien und Vernichtungsanlagen, von ihren Frin- nerungen berichteten. Nach seinem Jod 12 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Sprechen heute von den insgesamt noch elf verbliebenen ehemaligen Sonder- kommando-Häftlingen nur noch drei õffentlich über das Geschehene. Henryks Vermächtnis findet sich heute in Radio- und Zeitungs-Inter- views, Dokumentarfilmen, Büchern so- wie einer Foto-Ausstellung über sein Leben wieder. Er war der in den inter- nationalen Medien am stärksten vertre- tene Sonderkommando-Uberlebende, den es je gab. Er stand gerne im Mittel- punkt und scheute sich nicht, aus dem Inneren der Hõlle von Auschwit? zu be- richten, Sselbst dann nicht, als er dafür verurteilt und verlacht wurde, weil ihm niemand glaubte. Sein furchtloses Auf- treten kann nicht hoch genug geschätzt werden: Im Lager legte er sich mit Funktionshäftlingen an, half Kamera- den in anderen Lagerabschnitten mit Medikamenten und Nahrungsmitteln, Sabotierte den Goldraub der SS, indem er Wertsachen im Ascheteich versenkte. Nach dem Krieg musste er sich mit Antisemiten und Auschwitz-Leugnern auseinandersetzten; als Ehemanmn einer deutschen Frau war er zudem mit anti- deutschen Ressentiments konfrontiert. Henryk hatte kein einfaches Leben und trotꝰdem blieb er seinem inneren Auf- trag treu, Zeugnis von den Verbrechen in Auschwit? abZulegen- auch wenn es lange Jahre dauerte, bis seine Berichte anerkannt und er geschät?ztwurde als das, was er war: ein außergewöhnlicher, ein einmaliger Mensch,„Jestem unika- tem“, wie er selbst Ssagte. Wir danken Henryk für seine aufop- ferungsvolle Kraft, uns seine Erfahrun- gen und Erlebnissen mitzuteilen und uns vorzuleben, wie ein Mensch uner- Schütterlich und gegen alle Widerstände seinen Weg gehen kann, für seine Uber- zeugung: für Frieden und Versöhnung auf der Welt. Henryk hinterlässt eine große Lücke, die nicht zu füllen ist. Wir werden seine Herzlichkeit, die ihn lie- benswert machte, seine unerschöpfliche Lebensfreude, die anstecken konnte, Seinen einmaligen Humor, der uns zum lachen brachte, und seine unermüd- lichen beispiellosen Versõhnungsbemü- hungen schmerzlich vermissen. Andreas Kilian Literatur zu Henrk Mandelbaum. EFric Friedler, Barbara Siebert, Andreas Kilian: Zeugen aus der Todeszone: das jüdische Sonderkommando in Auschwitz. DIV München 2005, ISBN 3-423-34158.0 Nur die Sterne waren wie gestern: Henryk Mandelbaum, Häftling im Sonderkom- mando von Auschwitz 1 044/1 045; Ausstel- lungskatalog. Bildungswerk Stanislaw Hantz, Kassel 2006, ISBN 3-00-018142.3 „Die Natur macht die Welt für mich schön.“ Foto: Andreas Dahlmeierò in: Nur die Sterne waren wie gestern. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 13 Aktive Solidarität Orthopãdische Operationen für NS-Opfer aus Osteuropa Das bundesweite Projekt„Aktive Solidarität- Orthopädische Operationen für NS- Opfer aus Osteuropa“ wurde im Jahr 2002 ins Leben gerufen und dient der unentgelt- lichen Behandlung von chemaligen Zwangsarbeitern sowie Uberlebenden von Kon- zentrationslagern. Die Gründung erfolgte auf Inititative von Prof. Dr. Wolfram Neumann, Inhaber des Lehrstuhls für Orthopädie am Universitätsklinikum Magde- burg, in Verbindung mit der Stiftung„Polnisch-Peutsche Aussöhnung“. Bisher wur- den in rund 80 beteiligten Kliniken in Deutschland und Osterreich etwa 340 Frauen und Mãnner größtenteils aus Polen, aber auch aus der Ukraine und Weißrussland-, die unter Verschleißerkrankungen leiden, operiert. Das Krankenhauspersonal ope- riert die Patienten kostenlos, die Implantatindustrie stellt die Gelenkprothesen gratis zur Verfügung. Die Reisekosten inklusive Jagegeld und einer Begleitperson wurden bis Zum April dieses Jahres von der Stiftung„Brinnerung, Verantwortung und Zu- kunft“ finanziell unterstützt. Im Mai konnte die Koordinationsstelle am Klinikum Magdeburg mitteilen, dass durch private Spenden und Sponsoring das Projekt weiter- geführt werden kann. Informationen im Internet unter vww aktive-Solidaritaet.de. Der folgende Bericht über eine Patientin aus Polen stammt von Dr. Michael Schulte, Chefar?t der Orthopädischen Abteilung des Diakoniekrankenhauses Rotenburg. „Ich habe schreckliche Angst gehabt“ Das Schicksal der KZ Uberlebenden EkRbieta Chylinska „JCn hahe Schreckliche Angst ge— haht nach Rotenburg zu Kommen... Angst vor den Delutschen, Angst vor der deutchen Sprache..“ Frau Ebieta Chylinska, geb. Woj- nowska, Jahrgang 1935, ist eine Patien- tin, die im Rahmen der Aktion„Akti- ve Solidarität“ im Diakoniekranken- haus in Rotenburg(Wümme) im Sep- tember 2007 ein künstliches Kniege- lenk erhalten hat. In Rotenburg wur- den in den vergangenen Jahren schon mehrere Patienten aus Polen, davon zwei ehemalige Auschwit?-Häftlinge, behandelt. Vor der Rückreise in ihre Heimat nach zweiwöchigem Aufent- halt im Diakoniekrankenhaus konn- ten wir Flzbieta Chylinska bewegen, uns Auskunft über Erlebnisse in ihrer Kindheit Zu geben. Die Familie Wojnowska lebte 1939 zum Zeitpunkt des deutschen Uber— falls auf Polen in Warschau, die Mutter war Krankenpflegerin. Beide Eltern wurden Mitglieder der polnischen Wi- derstandsbewegung. 1941— El?bieta war damals 6 Jahre alt- erfolgte die Verhaftung ihres Vaters, der als Funker bei dem„Verband für den bewaffne- ten Kampf“(päter„Heimatarmee“- Armia Krajowa oder AkK, die größte Widerstandsbewegung Buropas im II. Weltkrieg) im Untergrund aktiv war. Er wurde am 17. Juli 1941 in Palmiry bei Warschau mit Tausenden anderer Gegner des Nazi-Regimes erschossen. Noch vor der Fxekution wurden 14 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Mutter und Jochter mehrfach von der Gestapo verhört; immer wieder wurde die Freilassung des Vaters für den Fall in Aussicht gestellt, dass die Namen von Kontaktpersonen aus der Widerstands- bewegung preisgegeben würden. Um den Druck auf die Familie zu erhöhen, wurde der kleine Bruder von ElkEbieta, ein blonder, blauãugiger Junge im Alter von drei Jahren, durch die Gestapo ver- Schleppt: sie hat ihn Zeit ihres Lebens nie wieder geschen. Die Mutter wurde von einem Deutschen in der Gestapo- Zentrale heimlich gewarnt, dass die Verhaftung und Deportation der HFami- lie bevorstünde; dabei erfuhr sie auch von der Erschießung ihres Mannes. Mutter und Jochter kehrten daraufhin nicht mehr in ihre Wohnung zurück und versteckten sich von 1941 bis 1944 an verschiedenen Plät?zen bei Bekannten und Verwandten im Warschauer Stadt- bezirk Wola. Die Mutter setzte ihre konspirative Tätigkeit in der Wider- Standsbewegung fort und Elzbieta un- terstützte sie dabei. Nach Beginn des Warschauer Aufstandes am 1. August 1944 flohen beide in das Warschauer Stadtꝰentrum und wurden Zeugen von unvorstellbaren Grausamkeiten des 63 Tage andauernden Kampfes um jedes ein?elne Haus und jeden Straßenzug. Die deutschen Besatzungstruppen begangen Massenmorde an der Fivil- bevõlkerung, es wird heute von 150.000 bis 225.000 Opfern ausgegangen. Nach Umstellung ihres Hauses durch SS-Fin- heiten wurde Elæbieta zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter sowie an- deren Familien auf einen Plat? geführt, wo Kranke, Schwache und Juden sofort erschossen wurden. Die restlichen Per- sonen wurden zu einer Bahnstation geführt, wo man ihnen einen Transport nach Krakau und die dortige Freilas- Sung versprach. Ehæbieta wurde dann zu- sammen mit ihrer Mutter und Groß— mutter in Viehwagons mit vielen Ande- ren nach Auschwitz-Birkenau depor- tiert. Andere Zivilisten vowie Angehöri- ge der Armia Krajowa wurden u.a. nach Mauthausen-Gusen, nach Ravensbrück oder in das Strafgefangenenlager XB in Fallingbostel gebracht. ElZbieta erlebte den Tod ihrer Großmutter, die sich aus Verzweiflung unmittelbar nach der An- kunft in Birkenau gegen einen Hoch- SpannungselektroZaun warf. Der Gaskammer entkommen weil die Technik streikte Nach der„Selektion“ durch die SS an der Rampe wurde die Neunjährige von der Mutter getrennt. Säuglinge und Kleinkinder unter drei Jahren wurden sofort nach der Ankunft er- mordet. Da auch ältere Kinder keine Zwangsarbeit leisten konnten, war ihre rasche Vernichtung geplant, und die neu Fingetroffenen mussten zunächst mehrere Stunden warten. ElZbieta ent- ging der Ermordung zunächst durch den Umstand, dass die Tötungsmaschi- nerie durch die täglich eintreffenden Fransporte mit Juden aus gan?z Furopa völlig überlastet war. Sie wurde daher nach einer Zweiwöchigen Quarantäne mit Hunderten anderer Kinder aus mehreren Ländern im Alter von bis zu 14 Jahren in einen Block gesperrt. Im Lager herrschte in extremer Weise Hunger und Kälte. Täglich um 6 Uhr früh war der Morgenappell, bei dem jedes Kind in deutscher Sprache seine Lagernummer nennen musste. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 15 Elzbieta Chylinska beim Interview mit Dr. Michael Schulte. Wenn ein Kind während des Appells schwächelte oder in Ohnmacht fiel, wurde es aus der Reihe herausgezogen und verprũgelt. Wenn es danach nicht mehr in der Lage war, aufzustehen, wurde es Zu Tode geprügelt und im Kre- matorium verbrannt. Nach jedem Ap- pell lagen viele Leichen auf dem Platz, Ohnmachtsanfälle waren häufig die Folge von Unterernährung und völlig mangelhafter Kleidung. Die Nahrung bestand ausschließlich aus schwarzem Kaffee, trockenem Brot, Kohlrübensup- pe oder Suppe aus Kartoffelschalen. Im Block war es den Kindern verboten zu sprechen, außerhalb der Baracke, die mit Stacheldraht umgeben war, war es verhängnisvoll, die Aufmerksamkeit der Bewacher, die mit Hunden patrouil- lierten, auf sich zu ziehen. Auch in der Baracke starben täglich Kinder an den Folgen von Nahrungsentzug und Infek- tionserkrankungen; die Leichnahme wurden morgens vor die Tür gelegt. Den Kindern war schon sehr bald bekannt, dass sie vergast und im Kre- matorium verbrannt werden sollten. Pl?Zbieta wurde einmal mit einer Gruppe von Kindern in die Gaskam- mer geführt und verdankt ihr Uberle— ben nur einer technischen Störung bei der Freiset?ung von Zyklon B. Als„Versuchskaninchen“ von SS-Arzt Mengele mißbraucht Der Kinderblock erhielt mehrfach „Besuch“ von dem SS-Arzt Josef Men- gele, der auch in ihrer Baracke nach Probanden für seine berüchtigten Fx- perimente suchte. Nach Entkleidung der Kinder traf Mengele eine„Aus- lese“, wobei kranke und schwache Kin- der und solche, die das Aussehen eines „Muselmanns“ Zugesprochen bekamen, unverzüglich den Weg in die Gaskam- mer antreten mussten. Zusammen mit 20 anderen Kindern wurde Elzbieta dann in den„Fxperimentalblock“ ver- legt: alle erhielten von Mengele an drei Tagen Injektionen in den Rücken, wor- aufhin die Hälfte dieser Gruppe starb. 16 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Zulet?t war EFbieta eines von nur drei Kindern, die die sonst tõdlich verlaufen- den Menschenversuche überlebte. Am Weihnachtsabend 1944 gelang es ElꝰZbieta durch die Hilfe anderer Per- Sonen, im Lager heimlich ihre Mutter zu treffen, von der sie Brot und Hering er- hielt. Informationen über die Offensive der Roten Armee begründeten an die- sem Jag erstmals bei ihr die Hoffnung auf ein Uberleben. Im Januar 1945 wur- de Ekbieta mit wenigen anderen im LKa- ger zurückgelassenen Kindern von der Roten Armee befreit und zunächst me- dizinisch betreut- sie litt an Geschwür- bildungen infolge von Hundebissen, beidseitiger Jaubheit und an einem Ver- lust der Sprache. Zwischen Januar und Oktober 1945 ist sie durch das ganze Land geirrt. Im Dezember 1945 wurde sie von ihrer Mutter, die das Vernich- tungslager und den folgenden„Jodes- marsch“ der Häftlinge-eine Lagereva- kuierung angesichts der anrückenden Roten Armee-ebenfalls überlebt hatte, in einem Kinderheim in Gorzéw Wiel- kopolski gefunden. In diesem Ort lebt Sie seit dieser Zeit. 1950, im Alter von 15 Jahren, be- Suchte ElzZbieta erstmals die Grund-— Schule. Später absolvierte sie eine Aus- bildung als Krankenpflegerin. Seit 1970 ist Elꝰbieta Chylinska bedingt durch die erlittenen schweren gesundheitlichen Schädigungen vollständig invalidisiert. Von den über 40„Auschwitz-Kindern“, die in Gorzéw ihr Zuhause gefunden haben, ist sie allein übrig geblieben. Uber die Erlebnisse ihrer Kindheit hat FlZbieta Chylinska viele Jahre lang nicht sprechen können, auch nicht mit ihren eigenen beiden Kindern. Ihre Tochter wurde erstmals bei einer Besichtigung des Konzentrations- lagers Auschwit?z mit der Schulklasse von einer Lehrerin über das Schicksal der Mutter aufgeklärt. Michael Schulte Liebste Mama-Die Geschichte einer Familie Daisy Koeb hat Briefe und Familiendokumente veröffentlicht Daisy Koeb, die heute in Israel lebt, ging es wie vielen, denen in Lebensab- schnitten mit etwas ausführlicherer Zeit Familiendokumente in die Hand fallen, die man entweder bearbeiten muss oder die dann von weniger inter- essierten Nachfahren beseitigt werden. Um dem Let?zteren zu begegnen, ent- Stand so eine Aneinanderreihung von Briefen der Großmutter an die Auto- rin und deren Eltern und Nachrichten von Geschwistern der Autorin an die Großmutter. Schon 1890 beginnt der Briefwech- Sel, er zicht sich über den 1. Weltkrieg hinein in die Weimarer Republik. Man erfährt„Normales“ über eine„norma- le“ Familie- sei sie christlich oder jü— disch. Im August 1933 findet sich zum ersten Mal der eher nebensächliche Hinweis auf Hitler und seine„unsym- pathischen Anhänger“ und deren Dro- hungen, von denen man aber glaube, sie seien„leere Redereien“. Die 1912 geborene Jochter des Bruders der Oma kommt mit einem„an sich netten Freund“ nach Hause, man will heiraten, aber man ist nicht„begeistert“ davon, dass er die Uniform der SM trägt. 1934 Steht die Hochzeit kurz bevor und die Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 17 Mitfamilie wundert sich, erklärt aber fast alles damit, dass der jüdische Vater der Tochter Offizier war und im Welt- krieg„für das Vaterland“ gefallen ist. Das Buch lässt gut den normalen „Alltag“ mit seinen relativen Nichtbe- Ssonderheiten auch für viele jüdische Bürger in der Anfangs?eit der Nazis er- kennen. Aus manchen Briefen des Jah- res 1934 spricht wohl Verunsicherung, man diskutiert die Auswanderung eines Neffen nach Iel Aviv aber auch das in- dividuelle Glück der Halbjüdin mit ihrem SA-Mann, die stolꝰ ein gemeinsa- mes Auto des Führers, einen Volkswa- gen, fahren. Das jüdische Leben mit be- gren?zten Aufgeregtheiten und immer dem Schimmer an Hoffnung, es werde wohl nicht schlimmer, zicht sich bis 1938 durch die Briefe. Im Frühjahr 1938 beschreibt die Oma einen Besuch bei ihren Kindern in Wien und ihre dabei gesammelten Er- lebnisse beim Finmarsch der deutschen ruppen:„Ich kann Pir mein EFntsetzen kaum schildern!“ Es folgen schr genaue Beschreibungen über das Wüten der Nazis. Zweifelnde Familienmitglieder fahren im Sommer 1938 nach Wien und in weiteren Briefen kommt es zZu drasti- schen Bestätigungen. Erst jet?t kommt es Zu handfesten Folgerungen. Man will das Land verlassen,„ganz egal wohin.. nur will uns leider kein Land aufneh- men“. In weiteren Schriftstücken tritt nun das jüdische Schicksal Zunehmend in den Vordergrund. Das Buch vermit- telt über die persönliche Berichterstat- tung nüchtern den Alltag der Personen in der Vorkriegszeit. Beeindruckend Sind die Schilderungen zum 9. Novem- ber und die Tage danach. Wenigen aus der Familie gelingt die Auswanderung, die USA, Schweden und besonders abenteuerlich Palästina werden erreicht. Briefe von diesen Or- ten beschreiben die dortigen großen Probleme, die aber in Deutschland gan? klein erscheinen. Im Juni 1942 steht der Name eines Familienmitgliedes in kur- zen Worten eines Briefes in Verbindung mit einer Deportation. Drei Wochen Später wiederholt sich der Vorgang mit einem anderen Verwandten. Berichte der Ausgewanderten stellen dazu einen Kontrast zu den Geschehnissen in Deutschland dar. Am 10. Mai 1945 wird„nach 3 Iagen Betäubung“ über das Kriegsende ein Brief aus Schweden geschrieben. Der Jenor ist„unglaublicher Irubel“ über das Ende des Krieges, den„die Deut- schen endlich, endlich verloren haben“. Bis Zum 25. Mai 1946 erstreckt sich die briefliche Familiengeschichte. Erst in der Nachkriegs?Zeit wird klar, wer aus der Familie in Ireblinka vergast oder anderen Orts im Zuge der Verfolgung zu Tode kam. Das Buch beinhaltet keine neuen wissenschaftlichen Erkenntnisse, das ist auch nicht der Anspruch. Dargestellt wird ein ganz„normales“ Leben in der Unnormalitãt des II. Reiches. Die nicht aufdringliche nüchterne persönlich ge- haltene Briefsprache und das Lesen „Zwischen den Zeilen“ ergeben das Bild einer jüdischen Familie im Verbrecher- Staat der Nazis. Die Lektüre ist eine gute Prgänzung zu vielen beschriebe- nen Finzelschicksalen und wissen- Schaftlichen Abhandlungen. Besonders gut geeignet ist sie für Menschen die sich erstmalig den Themenstellungen der Nazi?eit stellen. Diethardt Stamm Paisy Koeb: Liebste Mama-Die Ge- Schichte einer Familie, MariPosa Verlag, Berlin, 18 Euro, ISBN 978-3-927708-501 18 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer „Zug der Erinnerung“ nimmt wieder Fahrt auf Gedenkprojekt wurde durch die Widerstände der Deutschen Bahn zu einem Politikum Mas mohile Alsvtellungsprojelt, Zug der Frinnerung“ zum Gedenken an die von Nazi- Meutschland in die Vernichtungslager deportierten- zumeist jüdischen-Kin- der hat von November 2007 his Muni dieses Jahres mehr als 70 Bahnhéſe angefah- ren. Rnd 240. 000 Besucher Kamen und es enustund eine hreite õffentliche Pisklis- vion. Der„Zig der Prinnerung“ pausiert ⁊wur seit Anfang Muni, wird aber veine Fahrt wohl noch in diesem Jahr fortsetzen. Dies teilte der Vorstand der gleichnami- gen Blrgerinitiative Anfang Auli mil. Pas gegen massive Widerstände der Pelt- Schen Bahn von einer privaten nitiative und vielen õrtichen Miorganisatoren durckgefihrte Projekt hat über Erwarten große õffentliche Beuchtung gefunden. Die Lagergemeinschaft Auschwitz- Prelindeskreis der Auschwitzer hat vich mit einem oſfenen Brief an die Peltsche Bahn und Bundes verkehsminister Viefensee (ciehne S. 24) in die Dehutte eingemischt. Der Vomtand des bundeseigenen Kon- zerns heharrt daruuß den„Zig der Erinnerung“ wie jedes andere Schienenfahr- Zelig zu hehundeln, ind verlangte vom Vrgerverein Gebiihren für Trassen- und Bahnhofnutzung vowie für die Bereitstellung von Stromanschlüssen, die vich auf etwaus mehr als 700. 000 Euro vummierten. „Der Zug der Brinnerung“ ist eine mobile Ausstellung, die an die Depor- tation von Kindern und Jugendlichen erinnert, die während des Dritten Rei- ches mit Zügen der Deutschen Reichs- bahn in die Konzentrations- und Ver- nichtungslager transportiert wurden. Schät?zungsweise eine Million Men- Schen dieser Altersgruppen wurden s0 verschleppt. Nur wenige kehrten zurück. Die Ausstellung und das ganze Projekt belassen es nicht bei der Erin- nerung. Sie sind- wie der Irägerverein Schreibt-„der Gegenwurt zugewundi. Im GOedenken an die Opfen Gegen An- tisemitismius, Fremdenhass lind natio- nalen Größenwahn“. Pine historische Lok hat mit weni- gen Waggons, in denen die Ausstellung prãsentiert wurde, von November 2007 bis Mai 2008 auf früheren deutschen Deportationsstrecken mehr als 70 Bahnhöfe angefahren(Start war in Frankfurt am Main; am 9. und 10. Mai, zum Jahrestag der deutschen Kapitu- lation, war Station in Auschwitz. Mehr als 240.000 Besucher- in erfreulich großem Umfang Schulklassen und Jugendgruppen- sind gekommen. Die Ausstellung konnte ständig um aktuelle und lokale Bezüge zu den jeweiligen Städten erweitert werden, da viele ört- liche Recherche-Ergebnisse zur Verfü- gung gestellt wurden: Schulklassen er- stellten Biografien der Verschleppten aus ihrer jeweiligen Stadt und umlie- genden Gemeinden, Stadt- und Kandes- archive brachten die Ergebnisse von örtlichen Nachforschungen und erhal- tenen Dokumenten ein. Die franzõsi- sche Bahn(1) stellte weitere Waggons zur Verfügung, damit mehr Fxponate prãsentiert werden konnten. „Ohne die Deiutsche Reichsbahn hät- te die N Vernichtungsmaschinerie nicht Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer funktionieren Können. Sie Schaffte die logistischen Voralssetzungen für die Masentransporte aus allen Veilen des von den Peut- Schen hesetzten EFuropds nach Sobibon Auschh witz, Vehlinka, Majdanel und die anderen Vernichtungs- lagen Allein in Auschwitz Kamen 1 in 766 Vans- Porten der Reichshahn ca. 160.000 deportierte Juden an, 143 waren es 174 Jo- desziige mit cu. 220 000 Mu- den, im Jahr Ja heförder- ten yund 300 Züge ca. 650 000 Opfer der„ Endlõ- Sing“ in das Vernichtuungs- lagen Pies sind nur die Zahlen für das Vernich— nungslager Auschwitz.“ (Stephan A. Glienke in ei- nem Beitrag in den Mittei- Initiativen können neue Stationsvorschläge anmelden Der Irägerverein hat eine Fortset?ung des Projekts„Zug der Frinnerung“ beschlossen. Zu einer Weiterfahrt haben tausende von Spendern ermutigt. Die Ausstellung soll er— weitert und in mehreren Waggons neu instal- liert werden. Mindestens drei Tage soll der „Tug der Erinnerung“ künftig auf den Halte- bahnhöfen stehen. Die bisher vorliegenden Terminanfragen interessierter Gruppen und Städte reichen bis zum Frühjahr 2009. Per Mail werden unter infoSæzugde. eu neue Stati- onsvorschläge entgegen genommen. Den örtlichen Mitträgern, die in ihren Städten Biografien deportierter Kinder und Jugendlicher rekonstruieren möchten, will der Verein ein umfassendes Arbeitsprogramm an- bieten. Es sicht stärkere Kontakte mit den Uberlebenden in Osteuropa und in Israel vor. Das praktische Konzept der Aktivitäten, die eine europäische Dimension haben, will die Bürgerinitiative so bald als möglich unter lungen der Humanisti- ww. Zug-dererinnerung. de veröffentlichen. schen Union, Nr. 200, April 2008).* Halber Fahrpreis 3. Klasse Die NS-Forschung geht davon aus, dass die Reichsbahn rund drei Millio- nen Menschen in die Vernichtungslager fuhr.„Wie teuflisch banal“ der Massen- mord organisiert wurde, beschreibt Tanja Dückers in der Zeit mit Hinweis auf Raul Hilbergs Standardwerk„Die Vernichtung der europãischen Juden“: „Der Ahtransport in die Lager wurde ehenso Z)nisch wie akrihisch mit einem 5 Billet zum Malben Hnhrpreis 3. Klasse herechnel. Bis zum Kriegsende unter- ndhm die Keichshahn alles, m genli- gend Kapazitten für die Vodesfahrten hereitzstellen.“ Insgesamt ein„Bom- bengeschäft“ für die Bahn: Für den Transport der Opfer in Viehwaggons wurden pro Erwachsenem und Kilo- meter 4 Pfennig berechnet, für Jlugend- liche und Kinder über vier Jahre waren es 2 Pfennige, für jüngere Kinder zeigte sich die Reichsbahn„groß?zügig“ und verlangte keine Gebühren. Zu beglei- chen waren die Beträge so weit wie * Der Beitrag„Mit der Reichsbahn in den Iod-Zwei Ausstellungen erinnern an das dunkle Erbe der Deutschen Bahn“ skizziert u. a. die Vorgeschichte, wie die Weigerung der DB dazu führte, dass„Der Zug der Erinnerung“ als Bürgerinitiative startete. Er ist auf der Internet- seite www humanistische-union. de zu finden. Wer keinen Computer hat kann bei Hans Hirschmann eine Kopie anfordern unter Iel. 06101— 32010(bitte auf Band sprechen). 20 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Frank und Ernst Wohl aus Berlin wurden mit der Reichsbahn nach Auschwitz de- portiert. Foto: Zug der Erinnerung möglich von den Deportierten selbst. Mehrere Millionen Reichsmark hat die Bahn so an dem Võlkermord verdient. Und heute: Irot? vieler õffentlicher Appelle- auch von Bundestagsabge- ordneten quer durch alle Fraktionen so- wie dem für die Bahn zuständigen Bun- desminister Wolfgang Tiefensee- be- harrt der Bahnvorstand darauf, den „Tug der Frinnerung“ wie jedes andere Schienenfahrzeug zu behandeln. Dem Trägerverein werden Gebühren für Trassen- und Bahnhofsnutzung in Rechnung gestellt. Pro Kilometer muss- ten 3,50 Euro bezahlt werden, zudem pro Stunde Aufenthalt auf den Bahn- höfen 5 Euro, des Weiteren werden als Ausstellungsgebühr für den Zugang der Besucher am Bahnsteig pro Stunde Zwi- Schen 22,50 Buro und 45 Buro verlangt und auch„fir die Beleuchtung der Hotos ind der lelziten auf Papier geschriehenen ind aus den Waggons geworfenen Hilſe- nife der in den 7od geschickten Kinder erebt der Konzern Strom- und An- Schlussgebhiihren“.(Glienke) Auf etwas mehr als 100.000 Furo beziffert Hans-Rüdiger Minow, Spre-— cher des Vereins„Zug der Brinne- rung“, die Summe der inzwischen be- zahlten Aufwendungen für die Schie- nen- und Bahnsteignutzung(Neben- kosten inklusive). Dass der„Zug der Prinnerung“ überhaupt fahren konnte und nun sogar weitergehende Pläne gemacht werden können, ist privaten Spendern zu verdanken sowie„dem enormen Zusprich vieler tausend Menschen, die Gedenken und Han- deln, Vergangenheit und Gegenwurt, als eine Finheit hegreifen ind dabei auch malerielle Hilfe leisten. Ohne die liher- ragende Spendenhereitschaft wäre das Projekt nach Kurzer Zeit zum Erliegen gekommen“, so der Trägerverein in Seiner jüngsten Mitteilung auf der Ho— mepage(vww.zug-der-erinnerung. de). Bahnchef Mehdorns Eklat mit den Jüdischen Gemeinden Finen Höhepunkt der Eskalation erreichte der Streit um die Gebühren- forderungen des Bahnvorstands, als der Zug in Düsseldorf Station machte(O. März 2008). Michael S7entai-Heise, Verwaltungsdirektor der Jüdischen Ge- meinde der Stadt, ging Bahnchef Meh- dorn hart an. Er sagte:„Die Oſentlich- Keil vieht Ihre Peron ind IMhre politische StrliMtir S0, dauss Sie- wren Sie im Prrit- ten Reich in demelben Position gewesen wie helte,- möglicherweise Ssogar mit großer Uherzeugung- genau dasselbe angeordnet hätten, wie ihre dumaligen Vorgänger“. Und mit Bezug darauf, dass für Kleinkinder(unter vier Jahren) da- mals keine„Deportationsgebühr“ ver- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 21 Keine„Shock and go“-Effekte Als der„Zug der Brinnerung“ in Frankfurt am Main startete, schrieb Hans Riebsamen in der FAZ(S.11.2007), dass Bahnchef Mehdorn nicht recht hat- te mit seiner Behauptung, Bahnhöfe seien keine Orte um den Opfern des Holocausts Zu gedenken. Die Ausstellung über deportierte Kinder habe nichts mit„Shock and go“ zu tun, wie Mehdorn unterstellt hatte. Riebsamen schilderte seine Beobachtung: Fine Karte der Deportations- trecken in einem der Ausslellungs- Waggons zeigtAlle Wege fiihren nach Alis- chwitz. Nicht ohne Grund vind die Giterwugen mit irer menschlichen Fracht mit ⁊m Smhol des Holocuusis geworden. Margot Kleinherger ist alb Kind in einem volchen Zig abtrunsportiert woyden nach Vheresienstudi. Jetzt ist vie eine alte Hrau mit diinner Stimme. Moch trotz des üblichen Bahmnhoſplärms haben 150 Zuhören die den, Zig der Prinnerung“ in Hrankfurt empfangen haben, sie genau vemiunden. Nehen uu Kleinherger erzdhlen auch die Kinder im Zug der Erinnerung“ ihre Ge- Schichte. Selma Meerhaum zum Beispiel eine junge Dichterin alus CZernowilz, die mit V ahren ins Arbeitslager MichdilowsMi deportiert wlurde und dort ⁊u Vode Kam.„Jch möchte lehen. Ich möchte lachen und Lasten heben“, hat sie in einem Brief geschriehen. Uhre Sätze wirken auch an einem Oyt der laut hel- tiscn und eng ist wie der HFrankfurter Haupthbahnhof langt wurde:„Hr mich hdt es den An- Schein, als oh es den heutigen Verant- worlichen im Nachhinein leid tut die Keinkinder damals Kostenlos in den Vod hefõrdert zu haben, lind heute ⸗ nachtrglich- diese Geldeinhuße durch Rechnungsslellung im Zusammenhang mil diesem Zig, der ehen an diese Kin- der erinnert, alsgeglichen werden soll.“ Mehdorn drohte SZentai-Heise mit Kla- gen. Jedoch auch der Zentralrat der Juden in Deutschland reihte sich in die Kritik am Bahnvorstand ein. Stephan Kramer, Generalsekretär des Zentral- rates meinte, er„hätte es diplomati- scher formuliert“, aber„im Kern teile ich den Unmut von Szentai-Heise“. Mehdorn habe schließlich alles ver- sucht, sowohl den„Zug der Brinne- rung“ als auch die Ausstellung der Bahn über die Deportationen„auf eine klein- karierte Art zu hintertreiben“. Auch habe er hinter den Kulissen„Strippen“ geZogen,„einmal gefundene Kompro- misse zu untergraben“, und Bestrebun- gen innerhalb der Bahn unterbunden, sich kooperativer zu zeigen. Sogar die bahneigene Ausstellung sei nur auf Druck- unter anderem des Verkehrsmi- nisteriums- realisiert worden. Charlotte Knobloch, Präsidentin des Zentralrates der Juden, wandte sich õffentlich gegen den Bahnchef. So sag- te sie der Thüringer Landeszeitung(I9. April 2008):„Es ist hedauerlich, dass Sich die Finsicht in die Bedeutung der Frinnerung nicht auch bei der Peut- Schen Bahn durchgesetzt hat, die jetzt mit ihrer Verweigerungshaltung gegeni- her dem Zug der Erinnerung' ein falsches ja ein futales Zeichen vetzi. Jch meine, dass die Bereicherung, die diese Alslellung hedeutet, hei weitem größer ist, als die Umstdnde, die der Peuschen Bahn aus einem Aufenthalt des Ziges enttunden wären. Wer eine demohrati- 22 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Krystyna Oleksy vom Staatlichen Museum Auschwitz mit Ute Schilde vom Trägerverein„Zug der Erinnerung“. Sche PrinnerungsMultur und eine fried- liche Gesellschaft will, mliss auch hereit Sein, in Sie zl in vestieren.“ Nüdische Gemeinden weisen Strafspende' als Ablasshandel zurück Der Bahnvorstand hat die Forde- rungen bisher formalistisch abgelehnt: Der Geset?geber schreibe vor, dass von jedem Nutzer der Gleise und Bahnhöfe Gebühren zu bezahlen seien. Auch sei es„nicht erlaubt“, die geforderten Ge- bühren über eine Stiftung oder Schen- kung zurückzugeben. Diesen Weg hat- ten beispielsweise die verkehrspoliti Schen Sprecher aller Bundestagsfraktio- nen vorgeschlagen. Dies hatte jedoch lediglich eine weitere Absurdität Zzur Folge. Werner Müller, Aufsichtsratsvor- sit?ender der Deutschen Bahn-früher Wirtschaftsminister im Kabinett von Kanzler Schröder- schrieb den Abge- ordneten: In Wirdiging der Argumen- e der Bahn(nicht zuletzt auch einiger verhaler Eniglei- vingen) Sowie ihrer Uberlegung, dass die Bahn angesich- tes inres Werheeiats auchn etwus Giles ſfür das internatio- nale Renommee tln Solle, Sind wir im Prsidium 2 dem Prgehnis ge- Kommen, dass die DB A46„att dem Verein Zug der Ert innerung' einer na⸗ tional wie interna- tional renommier- ten gemeinniitzigen jidischen Finrich— tung eine Spende von 700.000 Furo zukommen lassen SOe. Wenn Sie mit diesem Vorgehen ein- vemtunden Sind, werde ich den Vor- vand der Bahn lim diese Spende hitten. Ich weire hnen sehr verblinden, wenn Sie mir einen Vorschlag für den mpfdinger üibermitteln lassen würden. Mit freundlichen Grüßen“ Die„Argumentation“, diese ange- botene Spende„ausdrücklich als Er- Sat? b?w. Zur Vermeidung einer Spen- de an die Initiative Zug der Erinne- rung' zu tun“, fanden die Fraktions- Sprecher der Parteien„nicht überzeu- gend“.„Bei einer volch sensiblen Vhe- malik dirfen persõnliche Animositòten oder auch zum Veil vicherlich nachvoll ziehbarer Arger und Unverstündnis iher das ein oder andere unprofessio— nelle Vorgehen Keine Grundlage für eine Sachentscheidung vein. Wichtig ist, dieses Projelkt im richtigen historischen Kontext ⁊zu vehen. Es it ns daher nicht nach vollæiehhan weshalb sich der Vor- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 23 Von der Bevölkerung getragenes Gedenken Die Bedeutung des„Zuges der Erinnerung“ hebt prägnant Andreas Kilb in der Frankfurter Allgemeinen Zeitung(FAZ) hervor(15. April 2008): Die Alustellung(.) mit gleichfõrmig gestalteten Slationen und einer Kur- zen Film vorfiihrung am Schlluss ist vimpel Konzipiert wie es sich Kein Zeit- genössisches Muselum leisten Kõnnte(.). Und dennoch ist der, Zig der Erin- nerung“ ein Gewinn(...). Er steht für eine Privatisierung des Gedenkens an den Noloculist, die in den achziger Jahren eingesetzt hat aber jetzt richtig vichtbur wird, für eine Prinnenungskuluun die nicht ausschließlich von stuuclichen Insti- uionen, Sondern von der Bevblkerung velbst getrugen wird. Dehalh macht die Peutche hahn einen Hehlen wenn sie den, Zig der Er- innerung“ mit Bürokrtenhänden anfasst. Es ist wuhn die Orgunisatoren des Ziges hahen vich der Bahn auſgedrängt vie verlungen gebüihrenfreie Nulzung der Gleisunlagen, die Kein anderer Kostenlos hefahren durß und schlagen auch vonst einen herausfordernden Jon an. Aher der Prinnerungszug ist Kein Gau- di- Gefdhrt. Unn mit Sumthandschuhen anzufussen, gehietet jene Unterneh- mensdipiomatie, auf deren Kiinste die Bahn nach ihrer anstehenden Privuti- vierung noch õftem angewiesen vein wird. Geschichtsstlunden lassen sich nln einmal nicht durch Gehiihrenordnungen regeln. Und so verldsst man den, Zig der Frinnerung“ mit dem Geſiihl mehr erfuhren zu haben, als in ein vuatliches Muelm pussen wlirde Ganz privut.“ and und der Außichitsrat der DB A4C mit dieser ⁊ivilgesellschaftlichen Initia- tive derurt vchwer tun. Zumal die hohe Resonanz der wollenden Ausstellung darauf hin weist, duss diese nelue aus der Gesellschaft Kommende Form des Er- innerns möglicherweise vorhildhaft Sein Lönnte.“ Den„Zug der PFrinne- rung“ bewusst nicht mit einer Spende zu unterstüt?en, dafür aber andere jü- dische Organisationen, wirke in der Offentlichkeit wie eine„Strafspende“ antworteten die Parteisprecher. Dieser Ansicht schloss sich der Zen- tralrat der Juden in Deutschland an. Ihr Generalsekretär Stephan Kramer kom- mentierte scharf: Das sche nach„Ab- lasshandel“ und„noch schlimmer“ aus. „Das dsst vermliten, dass man im Bahn vomtand glauht, dass insbesondere jidische Stimmen Kaufhur wären mit 700.000 Furo. Wir wollen dieses Geld nicht.“ Der Vorschlag bediene antise- mitische Klischees, fuhr Kramer in ei- nem Interview mit dem inforadio des rbb(Radio Berlin Brandenburg) fort, „das hat ein ziemliches Geschmäckle, um es vorsichtig aus?udrücken.“ Klaus Hillenbrand, Kommentator der Berli- ner tages?eitung(ta?) meinte, der Vor- schlag der Bahn sei„eine Art umge- Kehrter Arierparagraf im Zuge des ert lauhten und verhotenen Gedenkens“. Bahnchef Mehdorn, seine Vor- standskollegen und auch der Auf— sichtsrat der Bahn haben sich dazu nicht weiter geäußert. Und die Politik? Sie hängte sich mit Stellungnahmen aus dem Fenster und wird von Meh- dorns Sturheit brüskiert. Hier wackelt soZusagen der Schwan?(Bahnchef Mehdorn) mit dem Hund(dem Bund als alleinigem Figner der DB). Hans Hirschmann 24 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer LAGERGEMENSCHAFT AUDSCHWTZ AUSCEHMWAE FREUNDESKRkEIS DERR AUSCHWITZER An den Vorstand der 26. März 2008 Deutschen Bahn A6 Potsdamer Platz 2 nachrichtlich 10785 Berlin an das Bundesverkehrsministerium Sehr geehrter Herr Dr. Mehdorn, Sehr geehrte Damen und Herren des Vorstands der Deutschen Bahn A6, mit großer Fassungslosigkeit beobachten wir, dass der Vorstand der Deut- Schen Bahn sich weiterhin weigert, der Initiative„Zug der Brinnerung“ die Iras- sen- und Stationsgebühren zu erlassen. Die Lagergemeinschaft Auschwit?- Freundeskreis der Auschwit?er fordert Sie, Herr Mehdorn und den gesamten Vorstand der Bahn auf dem Vorschlag der ver- kehrspolitischen Sprecher und Sprecherinnen der Bundestagsfraktionen zu folgen und dafür zu sorgen dass der Initiative„Zug der Brinnerung“ die Trassen- und Sta- tionsgebühren erlassen bzw. als Spende erstattet werden. Sie sollten sich bewusst Sein, dass Ihr Verhalten von den NS-Opfern sowie deren Angehörigen und Nach- kommen als neuerliche Demütigung, Erniedrigung und Verhöhnung ihres Schick- Sals aufgefasst wird. Uneinsichtig stellen Sie sich gegen die vielfach und quer durch die politischen Parteien und gesellschaftlichen Gruppen geäußerte Kritik, dass sich die Bahn A6i respekt- und würdelos ihrer historischen und gesellschaftlichen Verantwor- tung entzicht. Unbestritten ist, dass während der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft auf dem Schienennetz der Reichsbahn und mit deren Wag- gons die Opfer des Holocausts nach Auschwitz und in andere Vernichtungslager transportiert wurden. Zum Gedenken an diese NS-Opfer werden in der Ausstel- lung in den Fisenbahnwagen des„Zuges der Brinnerung“ beispielhafte Finzel- Schicksale dokumentiert. Bereits mehr als 100.000 Besucher- insbesondere Schulklassen und Jugendgruppen- haben diese Ausstellung besucht. Als vorbildliches„historisch-pädagogisches Projekt“ wurde die Initiative unter anderem in einem gemeinsamen Schreiben der verkehrspolitischen Sprecher/in- nen aller im Bundestag vertretenen Fraktionen gewürdigt und als„einmalige In- itiative“ bezeichnet. Hervorgehoben wurden das„große bürgerschaftliche Enga- gement“ und die privaten Spenden, mit denen dieses Projekt verwirklicht wird. Dieses Schreiben vom 15. Januar war an Sie, Herr Mehdorn, gerichtet, weil die DB Net? AG als Tochter der Holding der Deutschen Bahn A6 es ablehnt, der Initiati- ve die Gebühren für die Nutzung der Schienentrassen, der Stationsaufenthalte so- wie der Stromanschlüsse auf den Bahnhöfen zu erlassen- insgesamt summieren sich diese Gebühren nach neusten Kalkulationen auf mehr als 100.000 Euro. Mit jedem Tag, an dem Sie sich weigern, diesem Vorschlag zu folgen, verhöh- nen Sie die Opfer des Nationalsozialismus aufs Neue. Dies ist nicht nur Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 25 empõrend schamlos, sondern entbehrt auch jeglichen Verantwortungsgefühls. Schließlich hat die Reichsbahn mit den Deportationen aus dem großen Mensch- heitsverbrechen des nationalsozialistischen Staates hohe Profite gezogen. Heute muss sich die Deutsche Bahn A6 den Vorwurf gefallen lassen, dass sie am Ge-— denken an die NSVerbrechen und an deren Aufklärung ebenfalls verdienen möchte, wenn sie beides schon nicht verhindern kann. Aus Presseberichte wissen wir, dass viele Mitarbeiter der Bahn die Initiatoren spontan und unbürokratisch unterstüt?ꝰen. Daran sollten Sie sich ein Beispiel nehmen. Uns ist es unerklärlich, mit welcher geschichtslosen Sturheit der Vorstand der DB der Initiative nicht nur Unterstüt?ung verwehrt, sondern sie auch noch mit vielen kleinen Auflagen schikaniert. Dabei nimmt der Bahnvorstand billigend in Kauf, dass seine Haltung in dieser Frage auch international auf Unverständnis stõßt. Die verkehrspolitischen Sprecher/-innen der Bundestagsfraktionen weisen mit Recht darauf hin, dass die DB große Summen für Werbung und Imagever- besserung ausgibt. Indem sich das Bahnmanagement weigert, dem„Zug der Er- innerung“ die Trassen- und Stationsgebühren zu erlassen b?w. als Spende zurück- zuerstatten, stichlt es sich aus der Verantwortung für die eigene Geschichte und schadet seinem nationalen und internationalen Ruf. Mit dem Argument, der Geset?geber habe einen Prlass von Kosten und Ge- bühren ausgeschlossen, versteckt sich der Bahnvorstand hinter dem Deutschen Bundestag und leugnet seine Konzernmacht, die sonst bei vielen Gelegenheiten immer sehr deutlich zutage tritt. Wir appellieren an den Vorstand der Deutschen Bahn: Lassen Sie die Initiative„Zug der Erinnerung“ die Gleise und Bahnhöfe kostenfrei nutzen. Jeder Tag Ihrer Weigerung gerät Ihnen zu einem Jag der Schande und der Respektlosigkeit gegenüber den Opfern. Es muss Sie nicht wundern, wenn Sie inzwischen mit Helfershelfern der Nazis verglichen werden. Hochachtungsvoll Uwe Hartwig Diethardt Stamm Vorsit?ender Stellvertretender Vorsitzender LAK empört über Haltung der Bahn A6 Die Haltung der Deutschen Bahn A6 gegenüber der Initiative„Zug der Brin- nerung“ empört die im Internationalen Auschwitz Komitee organisierten Uber- lebenden der deutschen Konzentrati- onslager zunehmend: Sowohl die finan- ziellen Auflagen als auch das Sperren von wichtigen Bahnhöfen für den„Zug der Erinnerung“ sind unverständlich und inakzeptabel.„Die würdelose Hal- tung der Deutschen Bahn A6 gegenü- ber einem so wichtigen bürgerschaftli- chen Engagement beschädigt das Anse- hen Deutschlands und wirkt wie eine Prmutigung für Rechtsextreme in Furo- pa“ betonte IAK-Präsident Noach Flug in Rerusalem. Presseerklärung vom d. April 2006 26 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Imo Mos?zkowicz: Der grauende Morgen Vom Wieder-Hören und Wieder-Sehen Statt einer Buchbesprechung: Die 1906 in 1. Auflage erschienenen Prinnerungen des ehemaligen Mono- wit?-Hãftlings Imo Mos?kowic? hatte ich gelesen, unmittelbar nachdem er im Oktober 1998 bei einem„Treffen der Uberlebenden von IG Auschwitz“ die nach Frankfurt am Main Gekomme- nen mit einer eindrücklichen Rede be- grüßt hatte.* Imo Mos?Zkowicz ist Mitglied der ILGA sowie des Rats der Uberleben- den des Holocaust im Frit?z Bauer In- Stitut, das 1908 in jenem Gebäude- un- terdessen von der Goethe-Universität genut?t- das Ireffen organisierte, in dem der I6 Farben-Konzern seine mörderischen Buna-Planungen betrie- ben hatte. Dazu aus dem Redetext: Durcn Namensdinderung und neuen Verwendungs? weck dieser 760 Furhen- Verwultung hier wird- gewollt oder nicht gewollt- ihre menschenbeherr- Schende und menschen veruchtende Poilion in der Nazizeit, die unser aller Lehen So Schwer belastet, vor der Histo- rie verschleiert. Zur Begründung hatte es Zuvor geheißen: Al Bundahdftlinge alterten wir vor der Zeit einer Mgend heraubi die wir noch gar nicht gewon- nen halten, weil die 70 Farben dring— lichst Arheiler für ein Werk brauchte, das dem Hiller helfen vollte veine Siege z Sahilisieren, deren wichtigstes die Vernichtung von uins Mden wun Und man nlulzte uns volunge unsere Könpert liche Kraft reichte, ließ aher diejenigen unter lins, die den Strapazen veelischer nd Köperlicher Ayt nicht mehr ge- wachksen waren, in die GasKammern ah— Eindrücke beim Wiederlesen ſiihren, weil vie flr diesen kriegerischen Zweck nicht mehr augten. Wenige Monate nach dem Ireffen, auf dem ich diese Worte gehört hatte, lernte ich Imo Mos?Zkowicz in Otto— brunn bei München, wo er wohnt, per- Sönlich kennen. „Der grauende Morgen“- so der Ti- tel der Lebenserinnerungen—ist unter- dessen in 4. Auflage, überarbeitet und erweitert, im mentis Verlag Paderborn 2008 neu aufgelegt worden. Als ich das Buch in Händen hielt, war es, trotz der Anderungen in Format, Satz und Jitel- blatt, ein Wiedersehen mit einem ver- trauten Iext und Autor, dessen Stimme ich beim Lesen zu hören meinte, und die Zugesagte Buchbesprechung wür- de, So schien es mir, leicht von der Hand gehen. Doch nicht nur Bücher haben ihr Schicksal. Auch Rezensenten. Denn bevor die unter gedanklichem Rück— griff auf die Zzehn Jahre zurückliegen- den Pindrücke konzipierte Bespre-— chung, nach kurzem Vergleich?wischen Prst- und Neufassung des Textes, von mir abgeschlossen werden konnte, kam terminlich eine Bahnfahrt nach Berlin dazwischen. Dort sollte der in die Ver- nichtungslager deportierten Kinder ge- dacht und gegen die Deutsche Bahn demonstriert werden, die den„Zug der Prinnerung“ mit skandalösen Mitteln zu be- und verhindern sucht. Bequem in der Bahn sitzend, blät- terte ich in den mitgenommenen Büchern und blieb nicht zufällig an je-— nen Passagen hängen, in denen Imo Mos?kOwic? von der„Deportation“ sei- * Diese Begrüßung dokumentierten wir in Heft 1/1900 unseres Mitteilungsblatts. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 27 ner Muter und seiner Ge- schwister Rosa und Gisela, Aron und Moses spricht. Pin Jahr später wurde er Selbst mit seinem Bruder Hermann abtransportiert. Sein Bruder David war kur? zuvor nach Auschwit? „überstellt“ und auf der Rampe erschossen wor- den, als er sich bei der Se- lektion wehrte: Dort, dort driihen ist der Bahnsteig J. Von dort hrachte man mei- ne Mutter und meine Ge- Schwister in ein Vernich— nungslagen Es wur ein gunz normaler Pemonenzlg, vollgepfopft mit Pener AMuden, von einer mit auſge- Pfanztem Bajoneit hestiickten S— Mannschaft begleitet. Meiner weinenden Multer riss der Schmerz des Ahschieds einen lang gezogenen Schrei aus dem Kõpen der sich, wie ein Schrillen Nerven zerfetzender Von einer überdehnten Saite, über den ganzen Bahnhof legte. Sie nahm Abschied von ns Zurüickge- hliehenen, die wir ja in Kriegs wichtigem Finsatz waren, ahnend, dass sie ihre Kinder nie mehr wiederehen wird. Pie- Ser Schrei hat sich in mein Hirn ge- hrannt, lind die unmenschliche Angst, die vich damit verhindet, verfolgt mich velhst in meinen zufriedensten Stlunden. Und einige Seiten spãter- nachdem Prinnerungen an die„bornierten groß— mannssüchtigen Machtdemonstratio- nen“ der Wachmannschaften und die ohnmächtige Schwäche der in die Zũge Getriebenen gefolgt waren: Welche Maßlosigkeit, die da an vollkommen hilflosen Menschen vorgenommen wur— deꝰ- heißt es, im Text fortfahrend und der Wiederholung des grauenhaften Geschehens assoziativ über die Jahre Imo Mos?kowicz während einer Lesung in Ottobrunn 2006. Fotografiert von Claus Schunk. auf der Spur bleibend: Die nämliche Demonstration wiederholte sich ein Jahr später bei meinem Ahtransport aus der Portmuinder Halle, wo man die rest- lichen Muden von Rhein und Ruhr ein- gesummelt hatte. Der Transport endete in Auschwit?.. Der Esener Bahnhof war ja nicht leer zu der Stunde des Vransportes, nd viele hahen ja nicht nur gehört Sondern auch gesehen. Wie jene Vausende, die,. als wir zum Giter hahnhof gebracht wurden, linseren Marsch durch einen Portmunder Stadt- teil gesehen haben und hämisch feixten. „Wir wisslen ja nicht, duss ihr.. wir dachten, ihr werdet in Arheitslager ge- hracht. nd arbeiten miissen ju vchließ⸗ lich alle.. ist ja nichis Schdndliches..“ Das ignorierende Vhertinchen habe ich zl oft hõren mlissen. Meine Brüder Mermann und Pavid Kehrten mit mir in insere Wohnung am Gänsemarkt zuriick. Blitzsauber hatten Muuter und Rosd vie Zuriickgelassen, den Herd ge⸗ Plitzt, die Betten frisch bezogen, als würt den vie in ein paur Vagen wieder da sein. Als ich das große Schlafzimmer hetrat, fand ich Pavid weinend; er weinte Jag 28 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer ind Nacht. Hermann, blass und still, veysleinerte, wehrte sich auf diese Weise gegen das Uhermaß des Schmerzes. Ich weine erst helle, jetzt, da ich dieses außchreibe, die Vränen, die ich Schon damals hätte weinen Sollen. Mir ist als gähe ich durch das Außchreihen etmus Preis, das nur meinen Briüdern und mir gehört, dus unser Ureigenstes ist Unan- asthan an dem teilæuhahen eigentlich niemandem zukommt, riefe nicht die Ppflicht, Zeitzeuge zu sein, zur Uherwin- dung. Abermals schließt sich ein Bin- Schub an. Eine Chronologie wird mir nicht gelingen, weil ein Lonsequentes Ahlauchen in die damalige Zeit eine Marter wäre, die es mir unmõglich ma- chen Könnte, die damit aus dem Unter- hewsslsein auftuuchenden tausendfa- chen Gedanken in Worte zu fasben, wil darum vemlichen, den belastenden Weg in die Vergungenheit über die Gegen- wart Zu gehen. Prst 35 Seiten später nimmt Imo Mos?kowicz den Faden wieder auf und verknüpft den unertrãglichen Schmer? über den Verlust seiner Mutter und sei- ner Geschwister, die mit der Mutter in den Tod transportiert worden waren, und das Weinen und Versteinern seiner ihm verbliebenen zwei Brüder, die als Zwangsarbeiter einen Aufschub um ein Jahr bis Zzum eigenen Abtransport in den geplanten Tod erhalten hatten, mit den demütigenden Bildern der ver- zweifelten Ohnmacht beim Transport nach Auschwitz. Zunehmend fassungsloser wer- dend, nahm ich den unveränderten Text erstmalig wahr, obwohl ich ihn doch zehn Jahre zuvor schon gelesen hatte: Wir richteten lns, als eyte in den Wagen Kletternd, in einer Ecke ein. Unterhalh einer Klappe, die eine Art Henslerõfnung wan damit die Viere, die vonst hier transportiert wurden, an heißen Jagen nicht ertickten. Unser Waggon fiillte vich S0 sehn dass an ein Sich-Minlegen nicht mehr zu denken wn Als der Zig vollte und ningendwo hielt, wurden die emten menschlichen Bedirfnisse riechhar Wer den Mut hat- 1e vich in die Hosen zu Scheißen, der war gar nicht s0 Schlecht dran. Meinem Bru- der Hermann erging es da recht Sœhlimm. er hielt vich zuriick und helam wildeste Darmkrmpfe. Ichn hatte seit jangem Schon mil Sodhrennen zu lun, ind meine Verdauung war permanent in Unordnung, mir machte es nichis auus zurickzuhalten. Die Mdnner pinkelten durcn die Bodenritzen auf das Geròl der Peuschen Keichshahn. S0 falen es auch die Tiere, die in diesen Waggons in die Schlachthäuser transportiert wur— den. Die Hrauen genierten vich, v0 hilde- ten andere Frauen einen blickschitzen- den Kordon, wenn eine Sich hinhocite, m ihre Notdurft zu verrichten. Pie Degradierung nahm allerprimitivste ormen an, die ihren Tiefpunkt auf der Kampe von Auschwitz erreichte. Bei— nahe vier Jage waren wir unterwegs, die meisten vollgeschissen, elendig stin- Kend. Als die ersten Postentirme in unser Bickſeld Kamen, vagte einer von uns, der Schon mal in Buchen wuld inhaftiert wr Konzentrationslager Als die Waggontren sich õffneten, wlren wir Kuum ſähig, die Waggons zu verlassen. Pin Schreiendes nd schla- gendes HäftlingsKommando jagte uns auf den tief liegenden, erdigen Bahn- veig vlinkende Juden. Diesen Text vor Augen, verdichte- ten sich die Jransporte in die Vernich- tungslager mit meiner Bahnfahrt nach Berlin zu einer Wahrnehmung: Fuhr Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 29 denn nicht auch ich ei— nen Streckenabschnitt weit auf jener Bahn- trasse, auf der 1943 der Transport gefahren war, von dem hier die Rede war? Und wie anders ergriffen mich nun im April 2008 die im Rückblick auf 1943 geschriebenen Zeilen! Mit Händen zu greifen war die Konsequen? „deutscher Ordnung“, die heute wie damals ins Feld geführt wurde und wird: Pass wir inseren Vansport zu hezahlen hat- ten, genauestens auf Erfassungsbögen registriert, dumit auch das seine deut- Sche Ordnung hatte, wirkte alf ns wie ein weiterer Hoſffnungsschimmen Wer S0 ordentlich die Vorgänge reguliert, wird doch nicht..? Poch, sie konnten und sie können. Angeblichen Bestim- mungen für Sicherheit und Ordnung und dem eigenen Finan?gebaren ver- pflichtet, verlangt die DB-Führung von den Initiatoren des„Zugs der Brinne- rung“ Streckennutzungs-, Strom- und Standgebühren und verweigert den Zwischenhalt auf dem Berliner Haupt- bahnhof und anderen Bahnhöfen, von denen die Reichsbahn die Züge auf die Gleise„nach Osten“ dirigierten. Die Organisatoren, die Viehwagen bereit- Stellten und genau wussten, welchen Zweck die Menschen-Hransporte hat- ten, für die sie kassierten, verblieben nach 1945 auf dem Posten. „Der grauende Morgen“ bringt Bil- der, Stimmungen, Reflexionen ans Licht, die Nachdenken und Bestürzung auslõsen: Die Schilderung der Kindheit in Ahlen, des 9. November 1938, der Verfolgung, der Sklavenarbeit in Mo- Benjamin und Sarah Mos?kowicz mit ihren Kindern(1938) nowitz, der Gespräche über Gott und was es heißt,„Jude“ zu sein, und das Weiterleben mit der ewigen Frage: „Warum?“. Das Erlauschen von Zwischen- tõnen, die Ahschdtzung der Bedeutung eines Wortes oder eines Begriffes geht doch nun meine ich, wenn man die Spra⸗ che hinter der Sprache veysteht, Allitera- tionen wollen mitempfunden sein, da- mit der ganze Inhalt, das ganze Gewicht des Gemeinten unmissverstndlich ist. Imo Mos?kowicz ist nach Todes- märschen und Befreiung ein Mann des Theaters und der Oper geworden, Re- gisseur, Schauspieler, ein Mann des Wortes und der Töne und der Bilder. Bei Gustav Gründgens lernte er sein Handwerk, das ihn auch beim Verfas- sen seiner Prinnerungen geleitet hat. „Notieren Sie alles, was sich da oben (auf der Bühne) tut“, Zitiert er seinen Lehrmeister. Und:„Lesen Sie den Text lesen Sie laut und deutlich!“. Und schlieBlich:„Lesen Sie das, was da steht, Zum Donnerwetter!“. Wer dies beim Lesen von„Der grauende Morgen“ beherzigt, wer liest, laut und deutlich, was da steht- nicht mehr und nicht weniger— der wird ein 30 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer dramatisches Stück Prosa hören und schen; die einzelnen Szenen des Ge- Samttextes sprechen als zu Wort ge— kommene Frinnerungen mit dem Ie- Ser, weil sie etwas zu sagen haben. Sie fordern auf, Zwischen das Iextbuch lee- re Seiten zu legen, auf denen alles zu notieren ist, was an Vorstellungen das Gelesene hervorruft. Im Frühjahr erhielten wir eine Mail von Imo Mos?kowicz mit dem lako- nisch zu nennenden Text: Hetzten Mienstag erwischte mich ein Schlagan- ſall der meine Sprachlicheit sehr Stark einschränkte. Fine haldige, ungefähre Vuuglichkeit ist bereits anzumerken. Wie es weiter mit mir gehen wird, das ist für den Moment nicht abzusehen. Sohald eine nennens werte Beserung eintreten wird, werde ich mich Sofort melden. Kurz darauf, nach unseren allerherz- lichsten Wünschen, kam die angekün- digte„Meldung“: Soehen meldet das Arzteteam, dass mein Schlaganfull vbl lig geheilt sei. Glück auf, lieber Imo Mosꝰkowic?! Alhrecht Werner Cordt Imo Mosꝰ?kowicz. Der grauende Mor- gen. Brinnerungen. 4. überarbeitete und erweiterte Neuaufiage, Paderborn 2008. ISBN 9783897854307 Für Leser, die das geschriebene Wort hören wollen: Auf der CD mit dem Ji- tel„Immer lebe ich in diesem Missver- hältnis(ISBN 3-92343250—X) Spricht der Autor über seine Arbeit als Regisseur, während seine Hochter Pa- niela Dadieu die Abschnitte Zzu Kind-— heit und Pogrom sowie Fodesmarsch und Befreiung liest. Die Produktion von ZyRlon B Eine Entwicklungslinie von Dessau in Sachsen-Anhalt nach Friedberg in Hessen „Zyklon B“ war der Handelsname von Blausäure, die seit Ende des 19. Jahrhunderts als Schädlingsbekämp- fungsmittel eingeset?zt wurde. Die Na- zis benut?ten dieses hochgiftige Gas unter Zuhilfenahme eines porösen Materialträãgers um es als Granulat in Büchsen verpackt als Massentötungs- mittel in Konzentrationslagern einzu— Set?Zen. Produziert wurde es im Krieg in der Dessauer Zuckerraffinerie. In Dessau hat sich 1996 eine ehren- amtliche Forschungsgruppe gebildet, die sich seit Jahren intensiv mit den grausamen Geschehnissen und Hin- tergründen beschäftigt und das Buch „Zyklon B“ herausgegeben hat. Die Lagergemeinschaft Auschwit? hat das Prscheinen mit einer größeren Geld-— Summe unterstützt. Das Buch beschreibt einleitend die Zusammenhänge der Anteilseigner der Zyklon-B-Produzenten und deren Be- zichungen zum Nazistaat. Die bekann- testen Namen sind dabei die IG Farben und die Pegussa in Frankfurt am Main. Die I6 Farben lieferten Materialien um „feindliche“ Soldaten und Zivilisten und unschuldige Naziverfolgte zu Jode zu bringen, verdienten aber gleichzeitig auch an den Medikamenten für ver- wundete„eigene“ Soldaten. Der I6 Farben und der Pegussa gehörten unter anderem die„Degesch“, die Deutsche Gesellschaft für Schädlingsbekämp- fung. Diese wiederum war der auftrag- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 31 gebende Kopf mit Sitz in Frankfurt und später im ebenfalls hessischen Fried- berg, der sich bei Zyklon B der Dessau- er Werke als Produzent bediente. Das Buch beschreibt tiefgründig in Texten, Schaubildern und Fotodoku- mentationen alle Zusammenhänge in organisatorischer, wirtschaftlicher und politischer Hinsicht. Viele Fakten wer- den mit abgedruckten Originaldoku- menten hinterlegt. Gut dargestellt wird, wie sich mit Auschwit?z„gutes“ Geld machen lässt und zwar vom Wa- renverkauf an das KZ, als auch durch die Verwertung gestohlener Materiali- en der umgebrachten Menschen. Eine zentrale Rolle spielt dabei immer Zy- klon B, das die 8S8 sowohl zur Schäd- einen„menschenwürdigen Tod“ einge- Set?t, aber es geschah eher der Effizi- en?z wegen beim Vernichtungsprozeß. Im Buch ist auch gut die Situation in der Stadt Dessau beschrieben, als am 9. März 1933 zum ersten Mal die Hakenkreuzfahne auf dem Rathaus wehte. Auch von Hugo Jacoby, den er- Sten in Dessau erschlagenen Juden, wird berichtet sowie über das Kriegs- ende. Auch die politische Gegenwart kommt in dem Buch„nebenbei“ nicht zu kurz. Die in der DDR noch vorhan- dene Hugo Jacoby-Straße heißt seit 1992„Isarstraße“, weil den Stadtver- ordneten dieser Fluss in Bayern doch näher war, als ein von den Nazgis er- mordeter kommunistischer schwerbe- lingsbekämpfung im feindli- chen Gebiet, als auch zur Menschenvernichtung im ei- genen Land einsetzt. Uber den Abdruck von vielen Dokumenten wie( schädigter Jude. Gerade sol— = che Randnotizen machen das — Buch wertvoll. Dessau wurde gegen Ende des Krieges Zu 80 Prozent zer- stört und die Verwaltung der Schriftverkehr zwischen der Degesch und den Konzentra- trationslagern, von Jelegram- men?Zwischen der SS und der Degesch, von internen Degesch-Protokollen oder Mitteilungen der Reichsministerien er- Schließt sich gut die Denk- und Hand- lungsweise der Nazis. Da stößt man auf Papiere mit Uberschriften wie„Blau- Säure-Tagung“ oder„Zyklon B- Um- Sat? 1938 1944“. Vieles steuert das Buch auch aus dem Nürnberger IG-Farben-Prozess bei. Die zwischendurch eingefügten Originalaussagen erklären das Ge— Samtgeschehen. So erfährt man?. B., dass bei Zyklon B der aus Sicherheits- gründen normalerweise beigefügte Reiꝰstoff absichtlich wegelassen wird, da dieser Stoff besondere Qualen ver- ursacht. Als hätten sich die Nazis für Produktionsstãtte von Zyklon B wurde ins hessische Fried- berg verlagert. Auf der dorti- gen Kaiserstraße beginnen- angeregt durch das Buch und die rãumliche Nähe zum Sitz der Lagergemeinschaft Ausch- wit?- die weiteren Recherchen. Das Buch hat wohl einen speziel- len Iitel und auf den ersten Blick ein Ausschnittsthema, da es aber im Kern um ein von den Nazis benutztes Mes- senvernichtungsmittel geht, erklärt sich über das Buch der Nazistaat in ei- ner größeren Breite. Diethardt Stumm Zyklon B-Die Produktion in Dessau und der Missbrauch durch die deut- schen Faschisten. Hrsg. Forschungs- gruppe 7yklon B, Dessau, ISBN 97838334902198, 11 Buro 32 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Monowitz-Häftling Nr. 181926 Wer kann Auskunft zu Robert Limacher aus Lothringen geben? Robert Limacher, 1905 in Lothrin- gen geboren, war Hãäftling in Auschwitz- Monowitz. Er hatte die Häftlingsnum- mer 181926. Seine Enkelin Blaine und ihr Fhemann Heinz Weimann haben vor einiger Zeit Nachforschungen an- gestellt, um Näheres über das Schicksal des vor mehr als zwanzig Jahren ver- Storbenen Großvaters zu erfahren. Der Gestapo galt Robert Limacher als„Haupt des passiven Widerstands und als RUCKHALT der noch fran- Zösisch eingestellten Elemente“, wie es in einer Beurteilung der NSDAP- Ortsgruppenleitung heißt. Limacher war im August 1941 drei Wochen in Untersuchungshaft in Metz, weil er der Beihilfe zur Fucht von franzõsi- schen Kriegsgefangenen verdächtigt wurde. Zwar wurde er mangels Bewei- se entlassen, jedoch wurde beurteilt: „es wäre angebracht ihn während der Dauer der Feindselichkeiten in Schutzhaft Zu verwahren und seine en- gere Familie nach den Ostgebieten umzusiedeln“(Rechtschreibung im Original beibehalten). Deportiert wurde die Familie Limacher 1943(vermutlich im Janu- ar). Ehefrau Camille und Sohn Jean- Jacques kamen ins VOMI-Lager 136, Mittlau. Robert KHimacher wurde von der SAPO-Dienststelle Breslau nach Auschwitz überstelit. Der genaue Auf— enthaltsort vor seiner„Weiterleitung“ nach Auschwitz ist nicht bekannt. Es wird vermutet, dass er am 21. April 1944 in Auschwitz ankam. Danuta Gech notiert im Kalendarium an die- sem Datum:„Die Nummern 181913 bis 181949 erhalten 37 mit einem Sam- meltransport eingelieferte Häftlinge“. Im Archiv des Museums in Auschwitz ist lediglich eine Häftlingskarteikarte von ihm vorhanden. Fin erhaltener Brief von Robert aus Auschwitz an sei- ne Frau enthält die Absenderangabe „Block 42“. Dieser Block gehörte zum „Schutzhaft- und Erziehungslager“ Jeil von Auschwitz III(Monowitz). Aus unbekannten Gründen wurde Robert Limacher am 10. Oktober 1944 aus dem„KI Auschwitz II/ Mono- witz“ entlassen. Warum und wohin ist unbekannt. Er fand nach Kriegsende zu seiner Familie zurück und lebte in seiner Heimat Lothringen. Flaine und Heinz Weimann haben in verschiedenen Archiven, beim Fritz-Bauer-Institut und der IST Bad Arolsen Nachforschungen angestellt. Die PErgebnisse sind jedoch sehr lückenhaft. Sie bitten deshalb unsere Leserinnen und Leser- insbesondere ehemalige Auschwitz-Häftlinge- zu überlegen, ob sie sich an Robert H- macher erinnern und ihre Erinnerun- gen mitteilen können. Die Lagerge- meinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer vermittelt den Kon- takt zu Flaine und Heinz Weimann. Wir sind per EMail zu erreichen unter info Glagergemeinschaft-auschwitz. de. Anfragen per elefon bitte bei Hans Hirschmann unter Rufnummer (o6101) 32010. NHans Mirschmann Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 33 Joachim Proescholdt zum 80. Glũckwünsche für unseren vormaligen Vorsit?enden Es gilt ein Versãumnis nachzuholen: Wir gratulieren nachträglich, aber um- So herzlicher, unserem vormaligen Vor- Sit?enden Joachim Proescholdt zum 80. Geburtstag. Er hatte 1995 nach dem Tod des Vereinsgründers Hermann Reineck bis 1997 den Vorsit? der LGM übernommen. Er kannte Hermann seit Jahren und hat viele Studienreisen nach Auschwit? und andere ehemalige deutsche Konzentrationslager mit und für die Lagergemeinschaft organisiert. Joachim Proescholdt, am 4. Novem- ber 107 in Leipzig geboren, in Frank- furt am Main zur Schule gegangen und nach Kriegsdienst und Gefangenschaft 1948 in Friedberg(Wetterau) Abitur gemacht, Studierte 1 948 bis 1952 in Mar- burg evangelische Theologie. Seine let?⸗ te Pfarrstelle vor der Pension war ab 1972 mit St. Katharinen die größte Impressum: Pfarrgemeinde von Frankfurt am Main. Joachim war unter anderem ab 1972 auch Berater und Beistand für Kriegs- dienstverweigerer. Zu seinen zahlrei- chen Verõffentlichungen zählt u. a. der von ihm im Jahr 2000 herausgegebene Band„Minderheiten in Frankfurt am Main-Vom Umgang mit Andersden- kenden-Andersglaubenden-Anders- lebenden“(iehe MB 1/2001). Wir wünschen Joachim und auch Ursula Proescholdt, die ebenfalls seit Jahr?Zehnten Mitglied unsers Vereins ist und auch im Vorstand mitgearbeitet hat, noch viele gemeinsame Jahre und dass sie mit ihrer Schaffenskraft noch einige Vorhaben privater wie ehren- amtlicher Art verwirklichen können. Auch würden wir uns über ihre kriti— Sche Begleitung unserer Vereinsarbeit freuen. Herausgeber: Lagergemeinschaft Auschwit?-Freundeskreis der Auschwitzer Freiherr-vom-Stein-Straße 27, 35516 Münzenberg Internet: www. lagergemeinschaft-auschwitz. de Redaktion: Hans Hirschmann, Tel.(06101) 32010, Annedore Smith, Bankverbindung Sparkasse Wetterau(BLZ 518 3500 79) Konto-Nr.: 20 000 503 Bei Spenden bitte Adresse deutlich schreiben, damit die Bescheinigung für die Steuererklärung zugeschickt werden kann. Nitelfoto: Vad Vashem: Das von Moshe Safdie konzipierte Denkmal zur Frinne- rung an die Deportierten besteht aus einem Waggon der Reichsbahn, der über einem Abhang auf einer ins Nchts führenden Brückenkonstruktion steht. (Foto: http:/de.wikipedia.org/wiki/Vad Vashem) Von Auschwitz zur Zwangsarbeit nach Hessen„vermietet“ Gedenkveranstaltung mit der Holocaust-Uberlebenden Eva Pusztai-Fahidi Sonntag, 9. November 2008, 19 Uhr Im Museum der Stadt Butzbach, Färbgasse 16 Die Pogrome vom 9. und 10. November 1938 markieren einen Wendepunkt in der Geschichte des Holocaust. Die Entrechtung und Verfolgung der Juden ging in die Phase der Vertreibung und Vernichtung über und gipfelte in dem Völker- mord, der mit„Auschwitz“ in einem Wort zu benennen ist. Im Viehwaggon aus ihrer Heimat Ungarn deportiert, traf am 1. Juli 1944 die da- mals 19jährige Fva Fahidi mit weiteren verschleppten Jüdinnen und Juden in Auschwitz ein. Von Fvas fast 50-köpfiger Großfamilie überlebt nur sie das Kriegs- ende. Am 13. August 1944 gehörte sie zu den tausend ungarischen Jüdinnen, die von der S8 zur Zwangsarbeit an das Rüstungsunternehmen Flick„vermietet“ und ins Lager Münchmühle im hessischen Stadtallendorf transportiert wurden. Dort mussten sie in der Granatenfabrik von Dynamit Nobel arbeiten- zwölf Stunden am Jag ohne Schutzkleidung und Handschuhe mit Salz, Salpeter und anderen gefährlichen Stoffen hantieren. Bald waren blonde Haare rot und schwarze lila (noch heute ist das Wasser um die frühere Fabrik verseucht). Im März 1945 wurden die überlebenden Frauen auf den Marsch nach Bergen-Belsen geschickt. Fva konnte fliechen und sich im Wald ver- Stecken, bis Soldaten der US-Army eintrafen. „Körperlich haben wir überlebt“, sagt sie heute, „aber unsere Seele ist gestorben“. Ihre Wunden habe die Zeit nicht geheilt,„ich habe bloß ge- lernt, sie zu ertragen.“ Vine Veranstaltung der Lugergemeinschaft Auschwitz 2 Nyelndeskreis der Auschwitzer nd der Studt Butzbach Eva Pusztai-Fahidi Die Chronik des Gettos Lodz/Litzmannstadt Zum 67. Jahrestag der Deportation Frankfurter Juden nach Lodz Sonntag, 19. Oktober 2008, 16 Uhr Frankfurt am Main, Bunker an der Friedberger Anlage 5-6 Lesung aus der 2007 veröffentlichten Getto-Chronik und Podiumsgespräch mit den Herausgebern Dr. Sascha Feuchert und Prof. Dr. Jörg Riecke. Vine Veranstultung der Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundesireis der Auschwitzen der Initiative 9. Novemben dem Fritz-BauerInstitut, dem Jüdischen Museum Frank— furMain und weiteren Kooperationspartnern