LAGERGEMEINSCHAFT AUSCHWITZ FREUNDESKREIS DER AUSCHWTZER ( egenstand ammjüdische Fätigkeiten sind. sind zu vernichten. 26. Jahrgang, Heft 1 Mitteilungsblatt, August 2006 Inhaltsverzeichnis Gedenken und Erinnern Das Buch„Menschen guten Willens“ Aus dem Vorwort Porträt aus Pappe Häftlingsfrau Nr 10291 Polentransporte aus dem Bezirk Radom ins KZ Auschwitz Neue Gedenkbände Wir bringen ein Denkmal, das immer erinnern will Vom ruhigen AMtag zur rechtsradikalen Eskalation Alltäglicher Rechtsradikalismus in der Provin?z Denkmal von unten Das Kunstprojekt„Stolpersteine“ Straßenschilder dokumentieren Brutalität der Ausgrenzung von Juden Künstler machen Wohnviertel zum Ort des Frinnerns Nur die zweitbeste Lösung Kulturzentrum„Bezalel-Synagoge“ eingeweiht Ehrung-Gratulation-Nachruf Impressum: Seite S N 11 18 24 27 30 33 Herausgeber: Lagergemeinschaft Auschwit?-Freundeskreis der Auschwitzer Freiherr-vom-Stein-Straße 27, 35516 Münzenberg Internet: www. lagergemeinschaft-auschwitz. de Redaktion: Hans Hirschmann, Iel.(06101) 32010, Annedore Smith Ubersetzungen aus dem Polnischen: Elzbieta Stamm Titelfoto: Renata Stih/ Frieder Schnock(Siehe Artikel Seite 27) Bankverbindung: Sparkasse Wetterau(BIZ 518 3500 70) Konto-Nr.: 20 000 3503 Bei Spenden bitte Adresse deutlich schreiben, damit die Bescheinigung für die Steuererklärung zugeschickt werden kann. Bitte bei Umzügen neue Adresse und Anderungen der Bankverbindung mit- teilen. Es erspart Arger, Zeit und Geld bei Bankeinzügen Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 1 Gedenken und Erinnern Von Albrecht Werner-Cordt Unter dem Titel„KSIEGA PAMIECI“ ist in den letzten Jahren am Staatlichen Museum in Auschwitz eine Buchreihe zu den so genannten„Polentransporten“ erschienen. Mittlerweile ist diese auf über 13 Bände mit insgesamt 7.300 Seiten angewachsen. Das Besondere an diesem einzigartigen Werk ist der Blick auf die „Opfer“, die als handelnde, betroffene, leidende und sich wehrende einzelne Per- Sonen mit Namen und Biografie gesehen und dokumentiert werden- und nicht als anonyme Häftlingsgruppen, lediglich als Objekt der NS-Vernichtung. Im Mitteilungsblatt der Lagerge- meinschaft Auschwitz-Freundeskreis wurde„Ksiega Pamieci“ in den bishe- rigen Besprechungen sowohl als Buch der Frinnerung als auch als Buch des Gedenkens oder als Gedenkbuch übersetzt. Pieses trifft jeweils nur par- tiell den Sinn des Wortes„Pamiec“, das alles das bedeutet, wofür die deut- sche Sprache mehrere Wörter mit un- terschiedlichem Sinn verwendet: Erin- nern, Gedenken, Gedächtnis. Die SPprache hat es linmiss veystdind- lich hedeutet, dass das Geddchtmnis nicht ein Instrument flir die Erkundung des Vergangenen ist, vielmehr ein Medium. Ps is das Medium des Prlebten wie das Eydreich das Medium ist in dem die al- ten Städte verschittet liegen. Wer sich der eigenen verschiitteten Vergangen- heit zu nähern trachtet, muß sich ver— halten wie ein Mann, der gräht. Vor al— lem darf er vich nicht Scheuen, immer wieder aluf einen und denselben Sach- vermalt zurickzuommen- ihn aluszu- Streuen, wie man Erde ausstreut, ihn Umzutwlihlen, wie man Erde um wiihll. Denn„Sachverhalte“ Sind nicht mehr als Schichten, die erst der soygsamsten Auf Anregung von TOnO, der Gesellschaft zur Betreuung von Auschwitz, maßgeblich begleitet von ihrem Präsidenten Kazimierz Mbin, sind am Staatlichen Museum Ausch- witz-Birkenau Gedenkbücher zu den von den deutschen Besatzern so genannten„Po- lentransporten“ erarbeitet worden. Im Jahr 2000 wurde die dreibändige Ausgabe der „Polentransporte“ aus Warschau veröffent- licht. Im Jahr 2002 folgte die fünfbändige Dokumentation der„Polentransporte“ aus Krakau. Im Jahr 2006 bildete die ebenfalls fünfbändige Darstellung der„Polentrans- porte“ aus Radom(ISBN 83-60210-00-4) den vorläufigen Abschluss dieser beein- druckenden Bücher des Gedenkens. 2 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Durchforschung das ausliefern, im desventwillen vich die Grabung lohnt. (Walter Benjamin, Schriften, Band IVW, S 400, Franhfurt). Genau das haben die Wissenschaft- ler am Staatlichen Museum getan. Im Medium des Erlebten der Hãftlinge, inmitten ihrer Frinnerungen und K- bensꝰZeugnisse, sind sie immer wieder auf den Sachverhalt zurückgekom- men, dass in Hunderten von Hãäftlings- transporten gequälte Menschen, die ein Leben vor Auschwitz gelebt hatten, in das Vernichtungslager Auschwit?z- Birkenau deportiert worden sind, be- raubt ihrer Familien, ihrer Heimat, ih- res Besitzes, ihrer gesellschaftlichen Stellung, ihres Namens, ihrer Ge- schichte. Hinter sich die Auslöschung ihres bisherigen Lebens, vor sich die Vernichtung durch Arbeit. In diesem Mitteilungsblatt werden einige dieser Brinnerungen den Le- sern Zzugänglich gemacht. Sie gehören zum Traurigsten und Erschütternd- sten, was sich erinnern lässt: Unfassbar viele Zerstörte Lebensgeschichten, s0 viele Tode, So viele um ihre Hoffnun- gen, Begabungen und Freuden, letzt- lich um das Leben selbst gebrachte Menschen und Finzelschicksale! Die LGA möchte mit diesem Heft, dem sich weitere Verõffentlichungen anschließen werden, dazu beitragen, dass diese bisher nur in polnischer Sprache vorliegenden Brinnerungen auch im Gedächtnis deutschsprachi- ger Leser ihren Platz finden. Deswegen sollen nach und nach ein?zelne dieser Lebenszeugnisse wie auch bereits früher publizierte „Zeit?eugen“-Berichte- übersetzt und dadurch vor allem auch deut- schen Besuchergruppen des KI. Auschwitz-Birkenau erschlossen werden. Hierfür bitten wir um Spen- den unserer Mitglieder und Freunde. Wir danken für die bisherige Hilfe, die nicht zuletzt den in diesem Heft vorgestellten Büchern, in Form von finanzieller Unterstüt?zung, zugute gekommen ist. Im Jahr 2005 erschien, ebenfalls in der Reihe KSIEGA PAMIECI, das Buch„Menschen guten Willens“ (ISBN 83-60210-01-2), mit dem den Bewohnern von Oswiecim und der umliegenden Ortschaften ein Denkmal gesetzt wird. LUDZlE DOBRE. WOl KSERA PaMEC MESZKANCOW ZEM oOSwiEciMSE) NMOSvC POMOC wWEZNOM KL AUSCHMW pod redakcjg Henryhka Swiebockego Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 3 Zeugnisse der Bewohner der Stadt und Region Oswiecim Das Gedenkbuch„Menschen guten Willens“ Aus dem Vorwort von Jõzef Matynia Während eines Tref— fens ehemaliger Ausch- wit?-Hãäftlinge anlässlich des 55. Jahrestags der Be- freiung des KL Auschwit?z habe ich vorgeschlagen, ein eigenes Gedenkbuch zu erarbeiten und heraus- zugeben. Dieses sollte den Bewohnern von Oswiecim gewidmet sein, die in den Jahren 1940— 1945 Häftlin- gen das Leben gerettet ha- ben. Zu diesem Thema gab es bis dahin noch kei- ne authentische und voll- ständige Arbeit. Das Staatliche Museum Ausch- wit? Birkenau sammelt seit Jahren Berichte, Erinnerungen der ehemali- gen Häftlinge, Dokumente und Er— klärungen der helfenden Bevölke- rung. Sie wurden zum Neil in verschie- denen wissenschaftlichen Publikatio- nen benutzt sowie in Presse, im Rund- funk und Fernsehen. Manche wurden in den Bulletins von TOnO, der Ge- Sellschaft zur Pflege von Auschwitz, und in den Publikationen des Staatli- chen Museums in Oswiecim veröf- fentlicht. Im Verlag Czytelnik erschien 1962 das Buch„Kominy“(Kamine), das ei- ne Sammlung der Erinnerungen von ehemaligen Auschwitz-Häftlingen war. In diesem Buch wurde auch ein Seite 503) Beitrag von Janina Kaj- toch unter dem Titel„Ich kannte Menschen guten Willens“ veröffentlicht. Dieser enthielt wertvolle Informationen über die Bewohner von Oswiecim und der Gegend, die den Häftlingen auf verschie- denste Art und Weise ge- holfen haben. Die häufigste Form der Jõzef Matynia(aus: Hilfe waren Lebensmittel, „Ludzie Dobrej Woli“, Medikamente, Kleidung. Es wurden auch Kassiber und Briefe nach außen ge- schmuggelt sowie Informationen an die konspirativen Anti-Nazi-Organi- Sationen. Schmuggel von Nahrung, Medikamenten und Kleidung Aus einem Häftlingsbericht der Widerstandsbewegung weiß man, dass nur 20 Prozent der Medikamente im Lagerkrankenhaus aus den offiziellen Hieferungen stammten. Ftwa 70 Pro- zent wurden eingeschmuggelt und et- wa 10 Prozent der Apotheke für die SSBesatzung gestohlen. Fin weiteres Beispiel für die gehei- men Kontakte der Hãftlinge zur polni- schen Bevölkerung und damit zu den Untergrundorganisationen des Wider- Stands war die Tatsache, dass Anfang 4 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer September 1944 ein Plan des S8- Hauptführers Moll nach London wei- tergeleitet wurde. Dieser hatte die mas- senweise Ermordung von Hãäftlingen zum Ziel sowie auch die Vernichtung der Lagergebäude, Gaskammern und Krematorien. Da die Alliierten diese Nachricht publik machten, kam es nicht zu diesem schrecklichen Verbrechen. In allen Ortschaften in der Nãhe des KIL Auschwit?z entstanden spontan aus der inneren Stimme des Her?ens Hilfs- gruppen, manchmal waren es ganze Fa- milien. Me halfen unter dem Finsat? des eigenen Lebens. Die Liste derer, die für ihre Hilfeleistung verhaftet oder er- mordet wurden, ist sehr lang. Nach dem Krieg versuchten die ehe- maligen Häftlinge und ihre Organisa- tionen, in unterschiedlichen Formen ih- re tiefe Dankbarkeit gegenüber den Menschen zum Ausdruck zu bringen, die ihnen geholfen und damit das Uber- leben und die Rückkehr zu den An- gehörigen ermöglicht hatten. Viele Fin- wohner der Auschwitzer Region wurden für ihre Taten mit staatlichen Orden und Auszeichnungen bedacht, ihre Namen sind an Jõzef Kornus. Fot. przedwojenna Helena Kornas. Fot. z okresu okupacji Julia Rembierz. Fot. z okresu okupacji Jadwiga Mis. Fot. powojenna Gedenktafeln zu le- sen, auch viele Schu- len und Straßen tra- gen ihre Namen. Die Publikation „Das Gedenkbuch“ ist ein wahres Zeug- nis des Patriotismus und einer enormen Francisek Muzur. Opferbereitschaft, Fot. z okresu okupacji der menschlichen Güte, des Mutes und des heldenhaf- ten Handelns vieler polnischer Familien, von Frauen, Män- nern, sowohl der Jungen als auch der Alten, ihrer Eltern, Großmütter und Großväter, die alle unter dem Finsatz des eigenen Lebens das Leben der La- Jadwiga Rysiewic?. Fot. z okresu okupacji (prawdopodobnie) Ausschnitt aus Buch dem„Ludzie Dobrej Woli“ Men- schen guten Willens), Seite 466 gerhäftlinge rette- ten. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 8 — * 3 Emilia Klimczyk, Sohn Mikolaj und Mann Adam(„Ludzie Dobrej Woli“, S. 418) Bericht von Emilia Klimczyk aus der Jaszowice-Siedlung Porträt auf Pappe Auszug aus dem Buch„Menschen guten Willens“ Ich heiße Klimczyk Emilia. Ich wohne in der Jaszowice-Siedlung. Während der Nazi-Okkupation ar— beitete ich in der Küche der Grube Brzes?zcze. 1944 waren dort in der Sortierungsabteilung junge Juden aus Ungarn beschäftigt. Diese Jugend- lichen waren Häftlinge des KI. Auschwitz, wohnten aber in einem Nebenlager in Jawiszowice. Die mei- sten waren etwa 16 Jahre alt, manche waren vielleicht gerade 18 geworden. In dieser Mannschaft war ein Junge, der wegen seines für sein Alter unge- wöhnlich ernsten Gesichtsausdrucks und seiner Traurigkeit meine Auf— merksamkeit auf sich lenkte. Alen Jungen haben wir EFssen gegeben. Von anderen Häftlingen habe ich erfah- ren, dass dieser bestimmte Junge sei- ne Eltern in Birkenau verloren hatte. Sie wurden direkt ins Gas geschickt. Dieses Erlebnis hat in das Antlit? des Kindes eine tiefe Traurigkeit ge- meißelt. Ich beschloss, mich diesem Kind mehr zu widmen. Den anderen Kindern habe ich weiterhin das Essen gebracht, aber für dieses Kind habe ich mich um zusätzliche Leckereien bemüht. Dieser Junge verstand kein Pol- nisch. Etwa Ende 1944 jst es ihm gelun- gen, in die Küche zu kommen, und mit seinen Augen hat er mir zu verstehen gegeben, dass er mir etwas mitteilen mõchte. Nachdem es uns gelungen war, unbemerkt in eine Ecke zu gehen, in der uns keiner der SS-Leute sehen konnte, warf dieses Kind mit Freudentrãnen in den Augen seine Arme um meinen Hals 6 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer und sagte in gebrochenem Polnisch: „Ich danke dir, Mutti“. Pieser herzliche Ausdruck der Dankbarkeit und das kleine Porträtbild des Jungen hat mir die Kraft gegeben, mit verstärktem En- gagement den ausgehungerten Hãäftlin- gen zu helfen. Das winzige Porträt des Jungen habe ich bis heute behalten. Es zeigt diesen Jungen. Es ist mit einem Bleistift auf einem Stück Pappe ange- fertigt.(..) Ich überreiche es dem Staat- lichen Museum in Auschwitz. Brinnerungen von Jenny Spritzer, einer Jũdin aus Holland Häftlingsfrau Nr 10291 Auszug aus dem Buch„Menschen guten Willens“ Wir sind immer in Fünferreihen marschiert, und ich war in der ersten Reihe. Es war Herbst 1942, oder Schuhcreme und andere Kleinig- keiten. Die Schuhcreme war für uns ein besonders kostbares Gut, eine durchdringende Kälte, keine von uns hatte einen Schal oder Handschuhe. (..) Vor uns ging ein Pole mit wunderbaren Hand- schuhen, die in mir ein Neidgefühl weckten. Ich habe ihn„verführerisch“ angelächelt und ihm meine von der Kãlte blau gefrore- nen Hände gezeigt. Er hat Sofort seine Handschuhe ausgeZogen, überquerte die Straße(es war verboten, sich den Häftlingen zu nähern) und warf die Handschuhe auf den Boden. Ich habe sie aufgehoben und lãchelte den Mann dankbar an. Hätte jemand diesen Vor- fall gemerkt, hätte es für mich ein schlechtes Ende nehmen können. Andere Mithäftlingsfrauen hatten immer Angst um mich, weil ich viel ris- kierte. Dieser Pole hat sich spãter unse- rem Arbeitskommando genähert, und noch zwei Mal hat er heimlich Hand- schuhe hingeworfen, auch Zahnpasta Jenny Spritzer(„Lud- zie Dobrj Woli“, S. 507) weil wir uns immer sauber präsentieren sollten, aber wie wir das machten, war den SSLeuten egal. Beson- ders Kristian begutachtete uns vom Kopf bis Fuß und forderte immer glänzend geputzte Schuhe. Der Weg durch das Lager, den wir vier Mal tãglich gehen mus- sten, war nicht befestigt. Wir versanken bis zu den Knöcheln im Schlamm, und wir tauften den Weg„Schokola- den-Sahne-Straße“. Eben dieser Kristian hatte seinen wilden Spaß daran, uns im schnellen Tempo durch Pfützen und Schlamm zu jagen. Unsere Strümpfe waren bis zu den Knien verschmutzt, und er verlang- te von uns glänzende Schuhe. Wir ver- Steckten uns in der Toilette und putzten die Schuhe, soweit es nur möglich war. Seiten 3- 6 als dem Polnischen über- Selzt von Elzhieta Stumm. Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer ⸗ vühe⸗— 2. 1 12. W V LeZREL. LRM. [Geheim! an den Konmandanten des Konzentrattonalagore Aunchtts Hauptaturuführer K 3 3 „rn 133— 1n 41 uscbvtb RcRtch 1. An den. kteur der B1cherhettspoltse ——— An den der Staatapoltzetoto1le Kattowts REtE⸗ N1e ntr von Thnen geneLdet wurde, 1at an 6.7.1940 der polntache Schutnhäft1Ang egowkt, Thadeus aus den dorttgen Konzentrattons- 1eger entnichen. Mach den btahertgen Erattte lungaergobnis ateht fest, dab die Fucht durch 5 24 vLlarbeiter, dte 12 Fagor tättg varen, durch Bochaffung von 24vLIkletdung und Lobenanttteln aowte Kasstber⸗ wtterlettung orsögltcht wurde. Die Tataache, daß bereits in der Macht von 11. zun 12.7.1920 von auben ber ein 5efrelungsversuch unternoemen wurde und das 1n der nRheren Uagebung des Lagers, bosonders nachte, verdachttge Peor- sonen benerkt wrden, gebLetet etn energtaches Durchgrotfen un Vetterungem, dte atch aus dteser lage ergeben könnten, von vorn⸗ heroin auanuschlteben. Ieh orane daher an, das ae run polntachen?4vt1arbotter und zwrt 1. 5 1 0 5 BolMdausn geb. 1.4.1900 1n 51014 ts wolmh. 1n Aunchutts, Klutschnt⸗ kowlcestr. à3, geb. 25.11. ₰ 1n Gruschom vohnh. 1n Babitae 333, Beb. 5.6.1 ₰ 1n Btrkonau vohnh. 1n 31ronau, Koleowstr. * geb.15.12„191 ½ 1n 6odn Lennsenta vokuh. 1n btrkonau 321, Ztantalaus— 16.4.1914b 1n S LaRRch 2. Musc1LnSk1 Josef 3. KovaLovk1 R11 3. Patek Josef 5. Nryg1Lo4 Anordnung der SsS, fünf Livilarbeiter zu exekutie- ren, weil sie einem Häft- unvorsügLAch durch etn ven LRen zu ate1lendos Rokut1Lonn⸗ komande su arachtohen atnd⸗ ernung für dteentgen vra, d1e atch att ahnl1chen Gedanken ling zur Flucht verhalfen*— („Ludzie, S. 61). Ieh stolAe anbein, dte Rekutton so durchsuführen, dah s4 e1n⸗ 8 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Zusammenfassung der neuesten Gedenkbände„Polentransporte“ Fast 16.000 Menschen wurden aus Radom in das KL Auschwitz deportiert Der Distrikt Radom war einer der fünf Verwaltungsbezirke, in die die Deutschen den zentralen Teil des be- Set?ten Polens, das sog. Generalgou- vernement, unterteilt hatten. Dieses 24.000 Quadratkilometer große Ge- biet hatte 1940 zirka 2,7 Millionen Ein- wohner, darunter 2,4 Millionen Polen und 282.000 Juden. Die Zahl der Juden stieg durch Umsiedlungen aus anderen Gebieten auf nahezu 400.000 an. Im Distrikt Radom richteten die Be- Sat?ungsbehörden mehrere Dutzend Gerichtsgefängnisse, polizeiliche Un- tersuchungsgefängnisse und viele Lager der verschiedensten Art ein. Unter letz- teren war das Lager in BliZyn gewisse Zeit eine Außenstelle des Konzentrati- onslagers Lublin. 861.000 Bewohner des Distrikts waren direkt Verfolgun- gen ausgesetzt(Inhaftierung in Gefäng- nissen, Untersuchungsgefängnissen und Lagern, Morden, Hinrichtungen). Den Tod fanden dabei 380.000 Juden- die meisten in den Gaskammern des Ver- nichtungslagers Heblinka und mindes- tens 113.000 nicht jüdische Polen, die bei Hinrichtungen und Razzien ermor- det wurden. Unbekannt ist die Zahlje- ner Polen, die in Lagern beziehungs- weise während der Zwangsarbeit in Deutschland ums Leben kamen. In den Jahren 1940 bis 1944 verhaf- teten die deutschen Besatzungsbehör- den Zehntausende von Polen und meh- rere Tausend Juden aus dem Raum Kielce und wiesen sie in Konzentrati- onslager ein. Fast 16.000(ca. 14.000 Männer und 2000 Frauen) kamen in das Konzentrationslager Auschwitz. Zu diesen TFansporten gehörten minde- Stens etwa 13.000 Polen(höchstwahr- Scheinlich ca. 14.500), über 1100 Juden Sowie mehrere Dutzend Hãäftlinge an- derer Nationalität · Russen, Zigeuner, Deutsche und Tschechen. Vor der Finweisung ins KZ Musch- wit? erwartete die meisten Verhafteten ein langwieriges Untersuchungsver- fahren, bei dem sie bestialisch geprü- gelt wurden. Das diente dem Zweck, die ihnen zur Last gelegten Vorwürfe zu bestätigen oder bestimmte Infor- mationen zu erlangen. Der Verlauf des Untersuchungsverfahrens entschied darüber, ob ein Beschuldigter hinge- richtet oder in ein Lager eingewiesen wurde. Bei einigen der in ein Lager ein- gewiesenen Personen war in den Ak- ten die Anweisung vermerkt, dass die Hinrichtung vollstreckt werden sollte. Die EFntscheidung über die Fin— weisung in ein Konzentrationslager traf der Kommandant der Sicherheits- poli?ei Sipo und des Sicherheitsdien- Stes SD im Distrikt Radom. In einer nach dem Kriege gemachten Aussage Stellte der Sipo- und SD-Kommandant des Distrikts Radom, Frit?z Kiphardt, zugleich Vorsit?ender des Polizei- Standgerichts, fest, dass vom Standge- richt freigesprochene Angeklagte u. a. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 9 — Zerstörung und Vernichtung waren auch jenseits von Kriegshandlungen die Maximen der deutschen Besatzungsmacht in Polen. Das Foto stammt aus dem Band„Ludzie Dobrej Woli“(Menschen guten Willens), Seite 33. in Konzentrationslager eingewiesen wurden.(..) Der Grund für die Finweisung ins KZ Auschwitz waren die Beteiligung bzw. der Verdacht der Beteiligung an der Widerstandsbewegung oder aber Verstõße gegen die Geset?gebung und die Anordnungen der Besatzer. Ins Lager gerieten auch Personen, die nach Ansicht der Polizei besonders ge- eignet waren, Maßnahmen gegen die Okkupanten ergreifen zu können. Die Verhaftungen erfolgten entweder nach zuvor aufgestellten Listen oder einfach zufällig bei den zahlreichen Kontrollen, Leibesvisitationen und Menschenjagden auf den Straßen, in Zügen, auf Bahnhöfen, am Wohnort oder am Arbeitsplatꝰ. Fine besonders der Verfolgung ausgeset?te Gruppe der polnischen Bevölkerung waren die Lehrer, gegen die spezielle Verhaftungsaktionen or- ganisiert wurden. Eine davon bezeich- nete man sogar als„Lehreraktion“. Die Vorbereitungen dafür begannen bereits im Januar 1942 mit der Auf— stellung von Listen jener Lehrer, die als Reserveoffiziere registriert waren. Am 4. Juni 1942 begannen Binsatz- gruppen der Gestapo mit den Fest- nahmen. Damals gelang es ihnen, 247 der 317 zur Verhaftung vorgesehenen Lehrer zu inhaftieren. Davon kamen 183 ins KZ Auschwitz. Auf den Abtransport mussten die dorthin Eingewiesenen im Radomer Gefängnis oder in anderen Gefängnis- sen warten. Für den Weg vom Gefäng- nis zum Bahnhof wurden die Hände der Inhaftierten mit Schnüren oder Draht auf dem Rücken zusammenge- bunden oder mit Handschellen gefes- selt, die man ihnen erst im Lager wie- 10 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer der abnahm. Das erschwerte sowohl das Hineinklettern in die Waggons als auch das Aussteigen, was den Wachen zusätzlich Gelegenheit bot, die Ver- hafteten zu schlagen oder ihnen Fußtritte Zzu versetzen. Die ins KZ Auschwitz eingeliefer- ten Hãftlinge aus dem Distrikt Radom hatten die verschiedensten Berufe. Nach unvollständigen Angaben(bei ca. 7000 fehlen Fintragungen zum Be- ruf) waren Bauern(1479) und Schlos- ser(571) am zahlreichsten vertreten. 1390 Häftlinge machten keine genau- en Angaben zum Beruf und bezeich- neten sich als Arbeiter. Unter den zur Intelligenz zählen- den Berufen gab es Beamte und Ver- ins KZ Auschwitz eingeliefert worden sind. Man kennt nur das Datum ihrer Ankunft im Lager und die Nummern, unter denen sie registriert worden sind. Von den nahezu 16 000 Fingelie- ferten haben ungefähr 3000 den Krieg überlebt. Die Zahl der Hãäftlinge, die im KZ Auschwit? oder nach ihrer Ver- legung in andere Lager gestorben oder ermordet worden sind, beläuft sich demnach auf ca. 13 000. Deutsche Zusummenfassung des Ge— denkhuches„Polentransporte in das KTLAusch wilz aus Radom und anderen Orten der Region Kielce 7040— 7044“ waltungsangestellte (570), Lehrer(345), Ingenieure(65) und Arzte(50). Mit den Transporten wurden auch 48 Diözesan- und Ordenspriester sowie drei Ordens- brüder und eine Non- ne eingeliefert. Von diesen kamen minde- stens 34 ums Leben. Sechs der ermorde- ten Priester wurden 1990 vom Papst selig gesprochen. Trot? äußerst gründlicher Nachfor- schungen ist es nicht gelungen, die Namen von 2173 Häftlingen zu ermitteln, die vom Distrikt Radom aus ſochen Böhler Auftakt zum Vernichtungskrieg Die Wehrmacht it Polen 1939 empfehlen. Es ist bei S. Fischer, Frankfurt/ Main, 2006 erschienen(ISBN 3-596-16307-2), 12,95 Euro. Buchempfehlung Bereits im Jahr 1939 ist die deut- sche Kriegs- und Besat?ungspolitik in ihren wesentli- chen Merkmalen durch verbrecheri- Sche Vernichtungs- aktionen gegen- über der polni- schen Bevölke- rung gekennzeich- net. Diese sind bis heute weitgehend ungesühnt geblie- ben. Das Buch von Jochen Böhler ist nachdrücklich zu Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 11 Gedenkbuch„Polentransporte in das KI Auschwitz aus Radom und anderen Ortschaften der Region Kielce 19401944“ Wir bringen ein Denkmal, das immer erinnern will Von Franciszek Piper Der Frühling 1940 sollte der polni- schen Nation die ersehnte Freiheit bringen. Der„Sonderbare“ Krieg an der deutsch-französischen Grenze Sollte sich, wie man hoffte, in eine ent- Schlossene Offensive Frankreichs und Großbritanniens gegen Deutschland verwandeln und zum baldigen Kriegs- ende führen. Darauf wartete mit sei- ner Abteilung Major Dobrzanski, der gegen die deutschen Besatzer seit Sep- tember 1939 bis Zu seinem Tode am 30. April 1940 kämpfte. Und darauf war- tete ganz Polen. Aber es kam anders. Die Deutschen griffen im April 1940 Dänemark und Norwegen an, und nach kurzer Zeit waren auch diese bei- den Länder besetzt. In dieser gedrückten Stimmung trafen sich am 3. Mai 1940— am Jahres- tag des vor dem Krieg festlich gefeier- ten polnischen Nationaltages- die Gläubigen von Janòw Czestochowski in der hiesigen Kirche. Die todtraurige Stimmung unterbrach plötzlich ein Bittgesang, der Generationen von Po- len über Jahrhunderte begleitete- ein Flehen für die Rettung der Heimat: „Oh Gott, der du durch die ganzen Jahrhunderte über Polen den Glan?z der Macht und des Ruhms verliehen hast, du, der über die Nation den Schut?schild gehalten hast, um sie zu retten vor dem Unglück, das kommen Sollte! Vor deinem Altar flehen wir dich heute an, möge unsere Heimat wieder frei sein“. Als die Orgelklänge verhallten, herrschte in der Kirche ei- ne feierliche Stimmung:„Gott ist mit uns, Gott gibt uns die Heimat wieder.“ Für diese feierliche Stimmung hat Janõw Czestochowski mit dem Leben Seines Priesters geZahlt, der damals den Gottesdienst gehalten hat, wie auch mit dem Leben des Orgelspielers. Der Prie- ster Laon Kuchta wurde unter unbe- kannten Umständen ermordet. Der Orgelspieler Wladyslaw Misterko wur- de, nachdem er monatelang in einem Gefängnis gesessen hatte, am 9. Januar 1940 nach Auschwitz abtransportiert, wo er nach 37 Tagen einen qualvollen Tod an Hunger und Kälte starb. Die Gestapo begründete das Urteil auf La- gerhaft eigentlich das Todesurteil-da- mit, dass der Organist„nach den Fest- stellungen der Polizei mit seinem Verhalten die Sicherheit der Nation und des Staates bedroht hat, weil er während eines Gottesdienstes ein ver- botenes polnisches Lied begleitete, da- durch seine feindliche Gesinnung ge- gen die Deutschen zeigte, in den Glãubigen den Geist des Polnischen er- weckte hatte und in ihnen dadurch den Widerstandswillen bekräftigte“. Wladyslaw Misterko war einer von 16.000 Bewohnern der Region Kielce, die in das KL Auschwitz deportiert wurden. In den Transporten waren 12 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Jõzef Kleczaj, wiezien nr 8570, Stanislaw Krawczyk, wiezien nr Wladyslaw Misterko, wiezien nr ur. w Lipiu, rolnik, prawdopo- 8490, ur. w Radomiu, zginaw 8341, ur. 9.8(9). 1898 r. w Za- dobnie ⁊ginal w obozie wwieku wiecku 40 lat. wierciu, organista koscielny 34 lat. w Janowie kolo Czestochowy. zginal 15.2.1941 r. Schuhhaftbeſehl —— Mntl 1 trk„ ———.9.b in Zer. —— rctt, — rtiratt, —— alen. —— ——.—. ——— anr1e Meen, t—— Sr ſe rt— Der ben Prhab u hir ZerNn D e „ ar, deb er el⸗ orgn„— b 1 No Der Orgelspieler Wladyslaw Misterko(Foto rechts oben, links seinSchutzhaft- befehl) überlebte in Auschwitz nur 37 Tage. Rechts unten der Priester Laon Kuchta. Diese Reproduktionen sowie die weiteren Fotos zu dem Artikel von Franciszek Piper stammen aus dem Gedenkbuch(Siehe MB Seite 1)„Polen- transporte in das KL Auschwitz aus Radom und anderen Orten der Region Kielce 1940— 1944“, Seiten 138, 165, 450, 1298 und 1634. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 13 13.000 bis 14.500 Polen, mehr als 1.100 Juden sowie Russen, Zigeuner, Deut- sche und Tschechen. Fine der besonders verfolgten Gruppen waren die Lehrer. Sie wur- den während der gesamten Zeit des Lagerbetriebs nach Auschwitz ge- bracht.(..) Fine Aktion ohnegleichen war am 12. Juli 1942 die Verhaftung und De- portation nach Auschwit? von 217 Männern vom Dorf Garbatka als Ver- geltung für die dortige Widerstands- bewegung. Die Verhafteten wurden in einen Güterzug geladen und weiter durch Radom zum KL Auschwitz ge- bracht. Diesen Transport überlebten nur zwölf Personen. Die Häftlinge, die am 14. April 1943 nach Auschwitz kamen, mussten während des gesamten Transports knien, und es war ihnen nicht erlaubt, diese Position Zu wechseln. Sie durften sich weder bewegen noch ihre Bedürf- nisse erledigen. Für die kleineren Fransporte wurden einzelne Güterwa- gen an Personenzüge angehängt oder spezielle Gefängnisautos zur Fahrt nach Auschwitz eingesetzt. Nach Betreten des Lagers wurden die Häftlinge routinemäßig der Auf- nahmeformalitäten und der Registrie- rung unterzogen. Falls ein Transport in der Nacht ankam, wurden die Hãäftlin- ge zunächst in Räumlichkeiten wie Toiletten festgehalten. Vor der Regi- strierung wurde den Menschen alles weggenommen, was sie besaßen: ihr Gepäck, Kleidung, Dokumente, klei- ne Andenken. Danach wurden sie am ganzen Körper rasiert, mussten sich ei- ner Desinfektion und einer Dusche unterziehen, und zum Schluss beka- men sie gestreifte Häftlingskleidung. All dies fand in einer Atmosphäre des Terrors mit Geschrei, Schlägen und Antreiben statt. Die nächste Etappe des Aufnah- meverfahrens war die Registrierung. Bis zum Frühling 1943 wurden die Häftlinge in drei Positionen fotogra- fiert. Spãter wurde statt der Bilder die Tätowierung der Registernummer eingeführt. Nach der Beendigung aller Formalitäten wurden die Hãäftlinge zu den Quarantãneblocks geführt. Die Zeit der Quarantäne, in der etwaige ansteckende Krankheiten festgestellt werden sollten, diente vor allem dem Fintrichtern einer bedin- gungslosen Disziplin und Gehorsam- keit. In dieser Zeit wurden die Häft- linge gezwungen,„Sport zu treiben“. Sie mussten sich am Boden wälzen, laufen, marschieren und ganze Stun- den in der Hocke ausharren, mit den Armen auf dem Nacken verschränkt oder nach vorn ausgestreckt. Schon während der Quarantäne- zeit wurden viele Häftlinge krank, sie starben oder wurden ermordet. Aus dem Transport vom 12. Dezember 1943 kamen während dieser Zeit min- destens 50 Häftlinge ums Leben. Die- jenigen, die die Quarantäne überleb- ten, wurden in verschiedene Blocks und Arbeitskommandos aufgeteilt. Manche arbeiteten in den Nebenla- gern des KI Auschwitz, einige wurden in andere Konzentrationslager ge- bracht. Viele Menschen kamen nach den Verhören in so schlechtem Zu- 14 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Eingetragen aulmSmeb— vchriftlche Anteite dos Arstes Doktor dor— uedztn Entresa 1n Anschftz von 28. Mra 1942— F. 3 B* Die Ubereinstimmung mit dem Eruibueh wird beglaubixt. Aunehwitz, den— 4.— 15 42 ndeibeamte Pheschllessung de Verstorbenen am——————— Laut Totenschein des K?Z Auschwitz starb der Rechtsanwalt Stanislaw Styczen im Alter von 39 Jahren an„Akutem Magendarmkatarrh. Stand nach Auschwitz, dass sie für kei- ne Arbeit geeignet waren. Weronika Krajewska(Nr. 67328), die erste Kurierin der Bezirkskomman- dantur der Heimatarmee, wurde am 11. November 1943 nach Auschwit? ge- bracht.„Auf dem Kopf hatte sie Banda- gen durchtränkt mit Fiter, Hände und Füße waren mit Wunden übersät. 8S0 habe ich sie im Block gefunden“, erin- nert sich Maria Chodnikiewicz im La- ger Sowiar(Nr. 35146).„Sie ist am 12. Dezember 1943 verstorben“. Unter den am 20. Februar 1942 ein- gelieferten Häftlingen war der Fisen- bahner Waclaw Berghausen. In seinen Memoiren erinnert sich sein Vater Ka- zimierz in Czstochowa:„Bei der Ge- Stapo wurde mein Sohn geschlagen(..). Er wurde so furchtbar gefoltert, dass er es nicht aushalten konnte und aus dem dritten Stock des Gestapogebäude ge- sprungen ist. Er kam nicht um, sondern brach sich lediglich das Bein und Zwei Rippen. Er wurde in ein Krankenhaus gebracht, Ich bin blind, und vielleicht durfte ich deswegen schon am dritten Tag nach dem Unfall meinen Sohn be- suchen. Von ihm habe ich erfahren, dass ihn S?Zabelski und noch ein ande- rer Gestapomann geschlagen haben. Er wurde mit Stõcken so fest geschla- gen, dass das Fleisch von den Knochen abfiel und verfaulte.“ In so einem Zu- stand wurde Berghausen nach Ausch- wit? gebracht, wo er nach 40 Tagen am 1. April 1042 gestorben ist.(..) Im Lager ist auch Roman Grocho- wski(Nr. 83827), der Wojewode von Wolyn und Vertrauter der Abgeordne- ten für den Bezirk Kielce, gestorben. Seine Fhefrau Wanda Grochowska Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 15 (Nr. 27211) überlebte das Lager. Ihre Tochter, Ewa Lipinska, versteckte wãhrend der Nazizeit in ihrer Wohnung eine jüdische HFamilie. Sie kam beim Warschauer Aufstand 1 944 ums Leben. Ins Lager Auschwitz wurden auch viele Vertreter des Gesundheitswe- sens gebracht: Dr. Ludwik Witkowski (Nr. 10561) war seit 1937 Direktor des Krankenhauses des Heiligen Kazi- mier? in Radom. Er wurde erschossen. Dr. Wlodzimierz Fijalkowski nahm an den Septemberkämpfen als Arzt einer Verwaltungsabteilung des General- stabs der Polnischen Armee teil. Er war in Untergrundorganisationen ak- tiv. Am 17. März 1943 wurde er ver- haftet. Im KK Auschwitz arbeitete er einige Zeit als Arzt im Lagerkranken- haus. Zusammen mit seinem Bruder Gracjan schmuggelte er für Häftlinge illegal erworbene Medikamente. Dr. Tadeus? Tomas? Orzes?ko ar- beitete seit 1935 im Städtischen Kran- kenhaus des Hei- ligen Kazimierz in Radom. Anfang 1940 trat er dem Verband der Be⸗ waffneten Kämp- fer bei. Im KI. Auschwit? war er im Lagerkranken- haus tätig, wo er unter dem Einsat? .. Seines eigenen Le- oe i Ar bens die Hãftlinge Auschwitz, weil er v0 der Selektion versteckten Juden für die Gaskam- half. Er wurde er- mer rettete. Nach Schossen. der Befreiung Der Arzt Ludwik nahm er die Arbeit im Ra- domer Kran- kenhaus wie- der auf Bis an ein Leben- sende stand ſer mit großer Opferbereit- Schaft im Dienste sei- ner Patienten. Er Starb am4. August 1974 Dr. Boleslaw Kwapinski wurde von Auschwitz nach Sachsenhausen jn Warschau. verlegt. Als er im März Dr. Boles- 1945 den Befehl erhielt,]a%, Kwapins die an Tuberkulose er- ki, Mitgliec krankten Hüftlinge zu der polmi melden, nahm er sich. Schen Soziali- das Leben.. stischen Par- tei, wurde 1937 zum Stadtrat in Sulejõw gewählt und hatte die Stelle eines Bür- germeisters inne. Er wurde zusammen mit seiner Ehefrau Helena(Nr. 50535) im Juni 1943 verhaftet. Seine Frau starb im Januar 1944 in Birkenau. Dr. Kwa- pinski arbeitete im Lagerkrankenhaus, wo er viele Patienten vor den Gasselek- tionen rettete. Im KI Sachsenhausen erhielt er im März 1945 den Befehl, ei- ne Liste aller an Tuberkulose erkrank- ten Hãftlinge vorzulegen, was für diese das Todesurteil bedeutete. Paraufhin beging er Selbstmord.(..) Im KL Auschwitz starb ferner Bo- leslaw Chmielewski(Nr. 27426), Postdi- rektor in Sandomierz, der dafür gesorgt hatte, dass ein Teil der Post nicht von den Deutschen zensiert wurde. Im La- ger wurden auch viele Widerstands- 16 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer kämpfer inhaftiert: Wa- lenty Julian Walas?czyk- Walewski(Nr. 24959), Kommandant des Ver- bandes der Bewaffneten Kämpfer für den Bezirk Tomaszéw Mazowiecki, Starb in Auschwit? am 30. März 1942. Gleich nach dem Krieg wurde sein Na- me auf einer Gedenktafel für die Untergrundkämp- fer in Tomaszõw verewigt. Zwei Aufnahmen von Seweryna Szmaglewska. Sie Stanislaw Sowizral überlebte Auschwitz, war Zeugin bei den Nürnberger (Nr. 23387) war Gründer Prozessen und vröffentlichte später Bücher, z. B. und Kommandant des„Rauch über Birkenau“. Verbande der Bewaffne- ten Kämpfer des Bezirks Tarnéw. Im Oktober 1940 gelang ihm die Flucht, als die Gestapo ihn verhaften wollte. Unter dem Decknamen Sobolewic?z versteckte er sich in verschiedenen Städten Polens, unter anderem in Gzestochowa, wo er weiterhin im Ver- band der Bewaffneten Kämpfer aktiv war. Er wurde am 20. Juni 1942 er— mordet, nachdem ihn ein SS-Arzt während einer Selektion im Lager- krankenhaus für den Tod in der Gas- kammer bestimmt hatte. Sein Sohn, der Schauspieler Tadeus?z Sobolewicz (Nr. 23053), überlebte Auschwitz. Finer der vielen weiteren Gründe für die Inhaftierung war die Hilfe für Juden. Deswegen saßen im Lager: ein Magistratsbeamter von Sandomierz, Feliks Kotowski(Nr. 27439)—er starb im Lager wie auch Zygmunt Janicki (Nr. 79299) aus S?ydlowiec. Wegen ih- rer Hilfe für jüdische Kindern kam Zagmunt Gajda nach Auschwitz. Auch der schon früher erwähnte Dr. Ludwik Witkowski half den sich vor dem Na- ziregime versteckenden Juden. Anna Serwinska(Nr. 63900), eine Malerin, wohnhaft in Kielce, wurde am 2. Oktober 1943 nach Auschwit?z ge- bracht. Am 2. August 1943 wurde ihre Tochter Aniela Metallman mit dem Schwiegersohn, der Zahnarzt war, we- gen konspirativer Tätigkeit verhaftet. Die hochschwangere junge Frau wur- de im Gefängnis geschlagen, sie brachte dort das Kind zu früh zur Welt. Beide wurden ermordet, ebenso ihr Fhemann. Anna Serwinska fragte in Briefen an ihre jüngere Tochter nach Aniela, aber keiner hatte den Mut, ihr die Wahrheit zu sagen. Sie starb im La- ger im Dezember 1943, ohne jemals das tragische Schicksal ihrer Tochter zu erfahren. Von den Lagerhäftlingen, die nach dem Krieg im öffentlichen Leben bekannt wurden, ist Seweryna Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 17 SꝰZmaglewska(Nr. 22090) zu nennen. Sie wurde im Juli 1942 in Piotrkòw Trybunalski verhaftet und im Gefäng- nis in Radom festgehalten. Sie floh während einer Evakuierung der Häft- linge aus dem KE Auschwit? und kehr- te in ihren Heimatort Piotrkòw zurück. Sie war eine der wenigen pol- nischen Zeugen in den Nürnberger Prozessen. Sie hat viele Bücher ge- schrieben, manche wurden zur Pflicht- lektüre im Schulunterricht, wie zum Beispiel.„Dymy nad Birkenau“(Der Rauch über Birkenau). Oft wurden Mitglieder derselben Familie in die Konzentrationslager de- portiert. Im Lager saßen auch Mitglie- der der Familie Wröblewski, die aktiv in der Heimatarmee(AK) im Bezirk Radom tätig war. Das KI Auschwitz überlebte Walenty Wröblewski, sein Bruder Teodor Wröblewski starb. Die Schwester Irena Wröblewska und die Schwägerin Stanislawa Wröblewska haben den Krieg überlebt. Der Bruder Michal Wröblewski wurde während eines Verhörs zum Tode gefoltert, der Bruder Jan wurde nach Groß-Rosen gebracht. Die Mutter Maria Wröb- lewska wurde an der Tür ihrer eige- nen Wohnung von der deutschen Poli- zei erschossen, als sie versuchte, das Findringen der Beamten zu verhin- dern, um auf diese Weise etwas Zeit zu gewinnen, damit die Söhne fliehen könnten.(..) Am 12. Mai 1941 klopfte an die Tür der Wohnung von Maria Kubska in Radom in der Pilsudski-Straße 11/15 ein Bote und überreichte ihr ein Tele- gramm. In der damals verhassten fremden Sprache kam eine Hiobsbot- schaft:„ehemann heute im konzentra- tionslager auschwitz verstorben, Un- terschrift: Kommandant. Adresse: maria kubska, pilsudski str. radom.“ Ohne Namen des Ehemanns, ohne Vornamen, sogar ohne Nummer. Fin verschmierter Stempelabdruck, ein unleserliches Datum. Solche S?enen wiederholten sich in allen polnischen Dörfern, Städtchen und Städten während der ganzen Okkupationszeit. EFin Fpitaph für die Ermordeten Die Verstorbenen haben keine Gräber, keine Grabsteine. Fine Schwester des Ermordeten hat einmal geschrieben, es gibt keinen Platz, wo man für die Verstorbenen an Merhei- ligen ein Licht entzũnden oder ein par Blumen hinlegen könnte. Heute, nach mehr als 60 Jahren, bringen wir hier nach Radom kein Buch aus Auschwitz, keine Literatur- wir bringen ein großes Gesamtwerk, ein Epitaph, also eine Grabschrift, ein Denkmal, das immer erinnern soll. Dank dieses Epitaphs werden die Na- men der Gequãlten, Zu Tode Gefolter- ten niemals vergessen. Und die Enkel und Urenkel werden diese Namen ihren Kindern weiter geben. AlisZlige als der Rede anlässlich der Prd- Sentation des Gedenkhuchs„Polentrans Porte in das KI Auschwitz aus Radom und anderen Ortschaften der Region Kielce 7940 am 8. Mai 2006 in Nadom. Vhersetzung Plabieta Stamm. 18 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Alltäglicher Rechtsradikalismus in der Provinz am Beispiel Wetterau Vom ruhigen AMtag zur rechtsradikalen Eskalation Von Diethardt Stamm Die„goldene“ Wetterau ist eine ländliche Idylle im Norden von Frank- furt.„Braune“ Flecken gibt es dort schon seit Jahrzehnten, sie äußern sich durch Aktivisten von NPD, DVU, Re- publikaner oder Personen von regio- nalen Verbänden. Häufig ist es auch der„liebe“ Nachbar von nebenan, der mit seiner Großverwandtschaft in ein- zelnen Kommunen agiert. Oft ist der- selbe Nachname mehrfach im Kom- munalparlament vertreten. Der Be- kanntschaftsgrad ist in der Regel ört- lich groß, geht doch der„Hiebe Kum- pel“ von nebenan häufig Türklinken putzen und greift dabei die Themen auf, die von der Nationalzeitung, de- ren Ableger und Publikationen aus rechten Verlagen immer wieder popu- listisch bearbeitet werden. Zur Be- kanntheit trägt aber auch Zuweilen die demokratische Gegenwehr bei, be- richtet doch über jede Demonstration dankbar die Presse, häufig inhaltlich kritisch denen gegenüber, die ver- meintlich intolerant den braunen Bo- den kritisieren. Landesweit sind Me- dien aufgescheucht, wenn, wie in der Kommune Wölfersheim schon ge- schehen, die NPD mit über 20 Prozent das Kommunalparlament bevölkert. Dann wird„neutral“ sensationsdarge- stellt berichtet, weniger geht es um Beiträge, die Demokratiefeindlichkeit und faschistisches Gedankengut an- prangern. Die„normale“ Welt hat Sich etabliert und arrangiert. Zuweilen wird das„Normale“ ge- stört und das Gleichgewicht läuft aus dem Ruder. So geschehen in der Wet- terau, als in dem Butzbacher Stadtteil Hoch-Weisel bekannte Rechtsextre- misten aus dem Nachbarkreis ein Haus kauften und sofort„private Tref- fen“ und„Feierlichkeiten“ zelebrier- ten. Je mehr sich eine Protestbe- wegung bildete, desto disziplinierter und zurückhaltender traten die Rechtsradikalen vor Ort auf und be- teiligten sich lieber an Aufmärschen ir- gendwo in der Republik. Konträr zur Protestbewegung gegen die Neo- Rechten am Wohnort etablierte sich dort aus der Mitte der schweigenden Mehrheit ein offener Sympathiekreis für rechtes Gedankengut. Fin verall- gemeinbares Muster wuchs heran, ob- wohl die Situation eine spezifische Entwicklung erfährt. Leserbriefe bestimmten die Orts- presse, und da es sich um die Region in unserem engeren„Finzugsgebiet“ handelt, mischte sich auch die Lager- gemeinschaft(LGAh ein.„Das rechts- radikale Umfeld ist- auch wenn es sich nur' gelegentlich zum Grölen alter Nazilieder trifft- auf Umsturz der Ge- Ssellschaft angelegt“ heißt es u. a. in ei- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 19 nem Leserbrief der ILGM. Auf weitere Leserbriefe aus der Bevölkerung folg- te in einer ersten Eskalationsstufe ein Flugblatt der Rechtsradikalen an alle Haushalte. In zusätzlichen Pressedarstellun- gen kriechen immer mehr Bürgerfin- nen, den Rechten zustimmend, aus ih- rer Deckung. Man ist sprachlos. Dimensionen von Rechtsradikalismus Man schaut näher hin und stellt die auf der untenstehenden Grafik skiz- zierten Grundstrukturen fest: Die Struktur ergänzt sich durch ei- ne rechte Jugendszene, die sich über alle Strukturelemente zieht und sich aus nicht immer gleichartigen Grüpp- chen und Gliquen ergibt. Es gibt offen- kundig auch keine einheitliche Ideolo- gie, aber immer wieder benutzte gleichartige Fragmente. Diese ergeben sich aus Flugblättern und nutzen die Themen Ausländer, Kriminalität, Dro- gen, Prostitution und„sauberes“ Deutschland für ein Gemisch an brau- ner Farbe. Solche Flugblätter sind in dem genannten Dörfchen Hoch-Wei- sel Zzugeschnitten auf örtliche Verhält- nisse sehr schnell nach dem Zuzug der echtsentremsmus und rechte Jugendszene /Dimensionen des Rechtsextremismus lll . 1 Rechtsextemismus in der Sundesrepublik Deutschland „ . * 1 Akton und Miitanz Einstellungen lnternet, neue Medien Republikaner — — DVU — —* — 3. 1 Kulturorganisationen Publikstionsorgane, Verlage „ 5 ½ — —, 1 * Musik MeonaziSzene Skinhead-Szene bewalttaten 1. Kamsgradschaften? Politische kinstellungen Traierte Finstellungen Wahherhahen Kommunikatun Organisation 2 Publikation. Distribution 20 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Rechtsradikalen aufgetaucht. Mit her- ausgepickten örtlich individuellen Ge- gebenheiten wurden sofort entstande- ne Protestgruppen an den Pranger ge- Stellt, konkret in Hoch-Weisel u. a. der örtliche Pfarrer. Ihm wurde sofort un- terstellt, im„heiligen Gotteshaus“ zur „Hetzjagd“ aufzurufen und„Propa- gandablätter“ der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes(VVN) zu verteilen. Auch wird die VVN diffa- miert, als„eine Organisation, die sich darauf versteht, das schwere Leiden der Vergangenheit anzuprangern und ganz nebenbei noch Spendenzettel zu verteilen, denn das Jammern muss sich lohnen“. Es ist die Rede von der„Ho- locaust-Industrie“ und von der„Holo- caust-Keule“, die geschwungen werde, wenn es Z. B. um den„unerträglich ho— hen Zuzug von Ausländern“ geht. Die jungen Nazis fühlen sich dabei unter Berufung auf ihr Alter und die 3. Ge- neration der Nachgeborenen„frei“ in der Benutzung radikaler Außerungen, wãhrend es auf der rechten Parteiebe- ne noch eine Minimalvorsicht im Rah- men von Verbotsdiskussionen gibt. Als jugendspezifisch kann man auch Zwei weitere Merkmale einstufen: eine weit verbreitete Musikkultur mit extrem rechter Wortwahl bis hin zu auf den ersten Blick nur kritischen Songs bei fließenden Grenzen. Uber diese Kultur werden unpolitische Jugendli- che angesprochen und sind leicht„an- zubaggern“. Deshalb stehen rechte Trupps insbesondere vor den Gymna- sien und beruflichen Schulen und ver- teilen CDs mit ansprechender Musik echtsextrernismus urd rechts Jugandszeng Vergleich von Gewalt- und Straftaten 2004/2003 Vergleich von Gewalt- und Straftaten 2004/2003(bundesweit) u Ausläncerextreris mus U Uinksentrermismus NRechtsextrerismus Quele Bundesemt fur Verfassungsschutz 2003. 2004 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 21 für Jugendliche mit rechtsradikalen Nazitexten. Im konkreten Fall kam es zu Mu- siktreffen, bei denen anzuwerbende Jugendliche deutlich das zweite Merk- mal, nämlich einen bestimmten Habi- tus, vertraten. Es geht um ein definier- tes„Ordentliches“ Auftreten, uniform- ähnliche„akkurate“ Kleidung, das Benutzen von rechten sprachlichen Versat?ꝰstücken und hierarchischen Umgangsformen. Nach außen schließt das Verhaltensmuster die Hilfe bei der deutschen Oma beim Gang über die Straße bewusst ein. Dies ist auch kein Widerspruch zur größeren Gewaltbe- reitschaft von Jugendlichen,„wenn es sein muss“. Angefangen bei regiona- len Beispielen bis auf die Bundesebe- ne nehmen diese Gewalt- und Strafta- ten permanent zu. Der Verfass ungsschutzbericht spricht bundesweit immerhin von 10.000„Subkulturell geprägten und gewaltbereiten Rechtsextremisten.“ Kameradschaften Anfang der neunziger Jahre kam es zu Verboten von faschistoiden Verei- nen. Die Folge war das dezentrale Gründen sog.„Kameradschaften“. S0 nennt sich auch die Nazigruppierung im Beispiel Hoch-Weisel. Diese„Ka- meradschaft“ hat sich den bezeichnen- den Namen„Freie Nationalisten Rhein-Main“ gegeben. Sie agiert ohne eine„klassische“ vereinsmäßige Form, sie ist vernetzt mit vielen weiteren sol- cher autonomen Gruppen, die auch gemeinschaftlich agieren und sie ist je- derzeit mobilisierbar. Eine große Rol- le spielen persõnliche Kontakte und der Finsatz neuer Medien(Internet) zur Schaffung einer organisations- übergreifenden Vernetzung. Das In- ternet hat darüber hinaus die Aufgabe, vor allem auf Jugendliche einzuwir- ken. Dazu gibt es eine Fülle an rechts- radikalen Homepages mit raffinierten und verführerischen Grafiken, Ton- und Videospielen sowie Mailinglisten, Newslettern, Diskussionsforen und Verbreiten von Schulungsmaterialien. Auch hier lässt sich ein bestimmter Aufmacher und Sprachgebrauch durchgängig feststellen. Schon Victor Klemperer hat auf daraus resultierende Gefahren hinge- wiesen:„Worte können sein wie win- zige Arsendosen: Sie werden unbe- merkt verschluckt, sie scheinen keine Wirkung zu tun, und nach einiger Zeit ist die Giftwirkung doch da“. Auch bei den Kameradschaften in Hoch-Weisel oder in Mittelhessen be- nutzt man Begriffe wie„fremdrassig, Vergangenheitsvergewaltigung, De- mokröten, Verfassungssch(m)utz oder Holocauster“. Dabei bedient man sich verschiedener Mataphern aus der Tier-, Krankheits- und Religionswelt. Es ist die Rede von Judenschweinen, Holocaust?Zecken am Wirtsvolk, geisti- gem Mids, Gaskammerkult oder der Holocaustreligion. Die sog. Kameradschaft in Hoch- Weisel veranstaltet Treffen gerade auch für„normale“ Jugendliche auf dem angekauften Hof. Hier geht es um die Vermischung von Musik, Schulun- gen und politischen Aktivitäten bis hin 22 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer zur organisatorischen Finbindung in rechtsextreme Kreise. Nach Untersu- chungen des Verfassungsschutzes stammen die Jugendlichen nicht mehr primär aus den unteren sozialen Schichten mit einfachen oder mittleren Schulabschlüssen, sondern auch aus gut situierten bürgerlichen Schichten. Hier liegt eine der deutlichen Schnitt- Stellen zur Erwachsenengesellschaft. Ubergreifender Zusammenhang Uber die rechtsradikale Kamerad- Schaft in Hoch-Weisel gibt es neben der Kontaktmöglichkeit zu anderen Cli- quen und Kameradschaften die Kon- takte Zu Sꝰenelãden und Kneipen, Zum Besuch rechtsradikaler Konzerte bis hin zu den rechtsextremen Parteien. Neben der Analyse über die rechtsradikalen Aktivitäten und deren Vernetzung ist es schwierig, die Ziel- gruppe für Gegenmaßnahmen ausfin— dig zu machen. Hierzu gibt es keine Patentrezepte und es muss individuel vor Ort gehandelt werden. Aktivitäten der Lagergemeinschaft Aus dem Vorstand der KGA wurde mit Leserbriefen gearbeitet, da es hier einen relativ großen Aufmerksam- keitsgrad gibt und nicht nur die LGA- Meinung verbreitet, sondern auch de- mokratische Aktivitäten vor Ort unterstüt?t werden konnten. Dem in Hoch-Weisel entstandenen und von der Bevölkerung kritisch gesehenen Arbeitskreis„Demokratisches Hoch- Weisel“ wurde die Solidarität Zzugesi- Wichtige Internetanschriften zum Thema: www. verfassungsschutz.de www. bnr. de(hlick nach rechts) www. mut-gegen-rechte-gewalt. de www. lexikon. idgr. de(Informations- dienst gegen Rechtsetremismus) wwWw. vvn-bda. de www. bpb. de(Bundeszentrale für Polilische Bildung) chert. Mithilfe bei Veranstaltungen wurde organisiert und Unterstüt— zungskontakte zu dem örtlichen Pfar- rer wurden hergestellt. Wichtig waren Aufklärungsabende mit Diskussionen am Podium, das mit Landkreisvertre- tern, Staatsschutz und Wissenschaft- lern besetzt war. Der 27. Januar wurde als Jahrestag der Befreiung von Ausch- wit? für eine Presseerklärung gegen die undemokratischen rechten Scharf- macher genutzt. Und dann beteiligt sich die LKGA am einem Konsensge- spräch mit Vertretern aller in Butz- bach ansãssigen Parteien. Und dann... .. dann waren am 26. März 2006 Kommunalwahlen und der 23 jährige Kameradschaftschef aus dem Stadtteil Hoch-Weisel kandidiert für die NPD und für den Kreistag. Im Rahmen des Wahlkampfes gibt es eine Podiumsver- anstaltung in der Gesamtschule Ge- dern mit NPD-Beteiligung. Das LGA- Vorstandsmitglied Diethardt Stamm verfaßt daraufhin eine Anfrage an den Wetteraukreis als Schulträger. Bei der Wahl geben 13,3 Prozent der Hoch-Weiseler Bürger der NPD ihre Stimme. Dies gleicht den niedrigeren Stimmenanteil anderer Stadtteile aus Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 23 und der nun landesweit bekannte Rechtsradikale Marcel Wöll Zieht in das Stadtparlament ein. Im gleichen Land- kreis schafft es die NPD in die Kommu- nalparlamente von Hirzenhain, Gedern und Wölfersheim und auch in den Kreistag. Die braune Saat geht auf. We- nigstens können in einigen anderen Kommunen durch das Initiieren von politischen Bündnissen weitere Parla- mentseroberungen verhindert werden. Der braunen Gefahr wurde auch nach der Kommunalwahl durch Vorstands- mitglieder der LGA begegnet. In meh- reren Schulen kam es Zu Sonderge- samtkonferen?en der Lehrer mit „Rechtsradikalismus“ auf der Tagesordnung. Der 2. LGA-Vorsit- zende vermittelte hierzu den Leiter des Aussteigerprogamms„Ikarus“, Vertre- ter des Staatsschutzes und der örtlichen Kripo als Referenten. Jüngster Höhepunkt im Mai 2006: Der junge Nazi, Kameradschaftsführer und NPD-Aktivist aus Hoch-Weisel, wird NPD-Landesvorsitzender Hessen. Fazit Die LGA kann nicht nur der Mil- lionen Opfer der Nazis in Auschwitz und anderswo gedenken und sich um deren Angehörige und Uberlebende kümmern. Sie muss auch den neuen Nazis und deren über Anfänge weit hinaus gekommenen Aktivitäten Widerstand entgegensetzen. Weil es ef- fektiver ist, dabei mit Bündnispartnern vor Ort und ũberregional zu kooperie- ren, arbeitet die LGA mit dem DGB und anderen Verbãnden zusammen. Die lãndliche Idylle(Siehe Anfang) gibt es schon längst nicht mehr und es ist aufzupassen, dass der schleichende Flãchenbrand mit seiner verbrannten Erde begren?t bleibt. ßut?acn onen„ 3 mormsbo vried Aktuelle Ubergriffe Die Wetterau-Ausgabe der Frank- furter Rundschau berichtete Ende Juli 2006 über eine„Zunahme an Bedro- hungen, Finschüchterungen und An- griffen auf Jugendliche in und um But?z- bach“. Die Antifaschistische Bildungs- initiative Wetterau teilte mit, dass am 17. Juli eine 15-Jährige und ihr 17jähri- ger Freund auf einem Parkplat? von vier teils maskierten„Nazi-Skins“ nie- dergeschlagen wurden. Die Polizei be- stätigte, dass ein polizeibekannter 24 Jãhriger zu den Jatverdächtigen gehört. Bei einem weiteren Vorfall am 23. Juli sind eine 19Jährige und zwei 18Jähri- ge am Bahnhof beschimpft(„Scheiß- Zecken“,„Heil Hitler“) und geschlagen worden. Auch hier ermittelt die Polizei. 24 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Das Projekt„Stolpersteine“ zum Gedenken an NS-Opfer Denkmale von unten, damit wir„ideell zum Stolpern“ gebracht werden Von Regine Wolfart In über 130 Ortschaften in Deutsch- land sind sie in?wischen verlegt, insge- samt mehr als 7500. Fine Fin-Mann- Idee und bis vor kurzem auch eine Fin-Mann-Arbeit.„Ein Kunstprojekt für FEuropa“ nennt der Bildhauer Gun- ter Demnig seine Form des Gedenkens an Opfer des NationalsozZialismus, das die Vertreibung und Vernichtung der Juden, Zigeuner, politisch und religiqs Verfolgten, der Homosexellen und But- hanasieopfer in uns lebendig erhalten Soll. 1997 hatte der Künstler die ersten Paten in Köln gesammelt, die ersten der 10 X 10 cm Betonsteine gegossen und die ersten Namen, Geburts-und Schicksalsjahre in eine Messingplatte gehauen, die den im Pflaster sichtbaren Jeil der Steine bedeckt.„Jeder persön- liche Stein symbolisiert auch die Ge- Samtheit der Opfer, denn alle eigentlich nötigen Steine kann man nicht verle- gen“, sagt Demnig. Ausgangspunkt sei- ner Idee,„Stolpersteine“ als„Denkma- le von unten“ zu konzipieren, war die Uberlegung, dass Auschwitz und ande- re Konzentrationslager Endpunkte der Vernichtung waren, aber das Grauen für die Opfer in den eigenen Wohnun- gen begonnen hat. Mit den Steinen soll das frühere Leben der Opfer für uns heute öffentlich dokumentiert werden und zwar nicht museal, sondern an Or- ten, an denen Passanten in ihrem Alltag „ideell Zum Stolpern“ kommen sollen. Die allerersten Steine wurden in Berlin-Kreuzberg noch ohne Geneh- migung der zuständigen städtischen Amter in den Bürgersteig eingelassen, in?wischen gibt es kaum noch Ge— meinden, die sich widersetzen. Die prominenteste Enthaltung übt die Stadt München: Oberbürgermeister Ude und die hier lebende neue Präsi- dentin des Zentralrats der Juden in Deutschland, Charlotte Knobloch, sind der Meinung, dass auf„Stolper- steinen“ die Opfer erneut mit Füßen getreten würden. Von Wyk auf der Insel Föhr bis Zittau, von Flensburg bis Uberlingen kann man die Messingplatten im Pfla- ster finden, geschändet bisher nur in Pasewalk Mecklenburg-Vorpommern und Garz auf Rügen, nächtlich wieder ausgegraben in Halle. Zahlreiche ört- liche Initiativen liefern die Daten, su- chen nach Angehörigen, verhandeln mit Amtern und gestalten einen wür- digen Rahmen für die Verlegung. Be- Sonders eindrucksvoll hat Demnig die Verlegung für ein Mitglied der Zeugen Jehovas in Köln in Frinnerung, als 250 Anwesende den Verkehr in der Straße zum Erliegen brachten. Die Initiative in Frankfurt am Main hat seit 2003 mehr als 120 Steine verle- gen lassen. Darunter bisher einige weni- ge für nicht-jüdische Opfer, deren Daten nicht wie die der jũdischen aus einer Da- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 25 tenbank abgerufen werden können. Neben dem Jüdi- schen Museum erhielten wir Hinweise vom Studien- kreis deutscher Wider- stand, von Angehörigen der Opfer aus Frael und den USA, von Freunden zwischen Deutschland und Australien, von ehemaligen Nachbarn wie der Tochter des Inhabers eines Milch- geschäfts, das eine jüdische Kundin heimlich belieferte. Mit uns unbekannten Namen fingen wir an und erhielten einen neuen Ein- druck davon, von wem un- sere Straßen einmal be- wohnt gewesen waren. ⸗Wenigstens erinnert jet?t ein Stolperstein an Karl Altschul, dem bis 1940 das Haus im Ober- weg 56 gehörte und der mit 84 Jahren nach The- resienstadt deportiert wurde. „Oder an Max Fröhlich in der Hansaallee 12: Zweimal konnte er ent- kommen, zuerst nach Frankreich, von wo aus er es auf das Flüchtlingsschiff „St. LOuis“ schaffte. Aber Kuba gab keine Landeerlaubnis, und die Flücht- linge fuhren, vorbei an den rettenden Küsten, zurück nach Antwerpen. Max Fröhlichs zweite Flucht nach Frank- reich endete in der Deportation nach Auschwitz. Ihm als Ausländer fehlte der Schutz von hilfswilligen Franzosen, die viele Juden verstecken und retten konnten. Eine Frankfurterin erinnerte Im Oberweg 56 in Frankfurt lebte Karl Altschul, Jg. 1887, der 1938 ins KZ Buchenwald kam, 1942 nach Theresienstadt, wo er ermordet wurde. Stein in Frankfurt-Rödelheim, Fluss- gasse 5: Hier wohnte/ Ferdinand Markus/ Jg. 1901/ deportiert/ Auschwitz/ ermordet 31. 8. 1942 26 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Man muss schon genau hinschauen, um die nur 10 x 10 em großen Stolper- steine zu bemerken. So wie hier in Berlin in der Zolastraße 1a. Hier wohnten einst Fritz Sternberg, Hans Achim Litten und Max Fürst. sich an Max Fröhlichs nicht-jüdische Frau, die Schneiderin ihrer Mutter, und an sein Schicksal und bat um die Ver- legung des Steines. ⸗Oder an die Brüder Robert und Josef Strauss, die in Izbica und in Auschwit? ermordet wurden. Für sie wurden Steine vor der ehemaligen ko- scheren Metzgerei ihrer Familie in der Fahrgasse 18 gelegt. Die aus Israel an- gereisten Angehörigen erlebten die Verlegung, das von Rabbi Andrew Steiman gesprochene Kaddisch und die Anteilnahme der Umstehenden als Begräbnis. Aus dem„Grab in den Lüf— ten“ war ein Ort geworden, an dem man der Ermordeten gedenken kann. ⸗ So sah es auch ein KZ-Vberle- bender in Rödelheim, der das Kad- disch für den ihm unbekannen Ferdi- nand Markus in der Flussgasse 5 sprach, damit der Tote seine Ruhe fin- den konnte. Wichtig an dem Projekt ist, dass die „Stolpersteine“ durch Patenschaften von Privatpersonen, Vereinen, Schul- klassen und anderen Verbãnden finan- ziert werden und nicht alles generell von einer Stadtverwaltung oder einem Großmäzen. Eine Patenschaft kostet 95 Buro. Demnig möchte„die Brin- nerung genauso in den Alltag hinein- tragen, wie die Opfer aus ihrem her- ausgerissen wurden“, und genau das vermõgen diese Steine. Unter„www. stolpersteine. com“ findet man alles Wissenswerte. Anfra- gen und Terminabsprachen für die Verlegung von„Stolpersteinen“ bei Uta Franke, der Koordinatorin des Projekts, unter uta. franke Garcor.de. Regine Wolfart urbeitet in der„Initiutive Volpersteine in Frunkfurt am Main“ Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 27 Künstler machen Berliner Wohnviertel zum Ort des Erinnerns Schilder dokumentieren Brutalitãt der Ausgrenzung von Juden Von Annedore Smith Das weiße„U“ auf blauem Hinter- grund scheint ganz normal auf eine U- Bahn-Station hinzuweisen. Doch auf der Rückseite des Schildes am Bayeri- schen Platz in Berlin steht die Auf- schrift:„Juden dürfen öffentliche Ver- kehrsmittel nur noch auf dem Weg zur Arbeit benutzen. 13. 9. 1941. Vollstän- diges Benutzungsverbot. 24. 4. 1942.“ Vor den Bänken der Grünanlage zeigt ein weiteres Schild eine rote Parkbank auf grünem Rasen. Auf der Rückseite heißt es:„Juden dürfen am Bayeri- schen Platz nur die gelb markierten Sit?bänke benutzen.“ Insgesamt 80 an Laternenpfählen angebrachte Schilder erinnern am Bayerischen Plat? und den umliegen- den Straßen auf anschauliche Weise an die Judenverfolgung im Dritten Reich. Das Projekt geht auf die Künstler Re- nata Stih und Frieder Schnock zurück, einen Seite Piktogramme wie bei ei- nem Memory-Spiel. Die Iexte auf der Rückseite stammen zumeist aus Ge- setZesverordnungen, die nach der Machtergreifung der Nationalsoziali- sten den Juden das Leben immer mehr zur Hölle machten. Auf beklemmende Weise wird der schleichende ProzZess der Ausgrenzung schon lange vor der gezielten Vernichtung deutlich. „Juden werden aus Sport- und Turnvereinen ausgeschlossen. 25. 4. 1933“, heißt es auf einem Schild, das die Umrisse eines Fußballfelds zeigt. Fin Schachbrett weist auf den Text „Juden werden aus dem Großdeut- schen Schachbund ausgeschlossen. 9. 7. 1933“. Pin Notenarrangement be- deutet„Juden werden aus Gesangs- vereinen ausgeschlossen. 16. 8. 1933“. Noch gravierender ist auf der Rück- Seite eines Stempel-Piktogramms die die nach eigenen Worten die Brutalität der Geset?gebung von damals im heutigen Mltag bewusst machen wollten. Es ge- he um„das Sichtbarmachen von Sachverhalten, die in perfi- der Folgerichtigkeit Schritte zur Vernichtung der jüdischen Be- wohner waren“, erklärt Stih. Die rund 50 Mal 70 Zenti- meter großen Schilder in knapp drei Meter Höhe zeigen auf der Juden dürfen keine Haustiere mehr halten. 15.5. 1942 28 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Aufschrift„Jüdische Beamte werden aus dem Staatsdienst entlassen. 7. 4. 1933“ oder hinter der Schulnote 24 die Anweisung„Sämtliche Berliner Be- zirksämter sind angewiesen, jüdische Lehrkräfte an den städtischen Schu— len sofort zu beurlauben. 1. 4. 1933“. Hãufig nehmen die Schilder Bezug auf heutige Finrichtungen vor Ort. Vor einem Supermarkt sieht man ein Brot und auf der Rückseite die Auf- schrift„Lebensmittel dürfen Juden in Berlin nur nachmittags von 4— 5 Uhr einkaufen“. Vor einem Geldinstitut heißt es hinter dem Piktogramm „Bank“ kategorisch„Juden müssen ihre Vermögensverhältnisse offenle- gen, um den Pinsatz des Vermõgens im Interesse der deutschen Wirtschaft sicherzustellen“. Vor einer Metzgerei ist Wurst abgebildet sowie die Auf— schrift„Die Versorgung von Juden mit Fleisch, Fleischprodukten und ande- ren zugeteilten Lebensmitteln wird eingestellt.“ Weitere Schilder verweisen darauf, dass Juden keine Hirmen oder Hand- werksbetriebe mehr führen dürfen, dass ihnen künstlerische und schrift- stellerische Tätigkeit untersagt ist und dass jüdische Arzte und Tierärzte Be- rufsverboten unterliegen. Vor einem Kindergarten heißt es, dass arische und nichtarische Kinder nicht mitein- ander spielen dürfen. Man erfährt, dass jüdische Kinder von 1938 an kei- ne öffentlichen Schulen mehr besu- chen dürfen und ihnen nach 1942 jeg- licher Schulbesuch verboten war. Zu diesem Zeitpunkt durften Juden auch keine Haustiere mehr halten, wie hin- ter der Abbildung einer Katze mitge- teilt wird. Erschütternd ist in diesem Zusammenhang der Bericht über die Frmordung eines Mannes, der seinen Wellensittich nicht abgeben wollte. Das Bayerische Viertel im Berliner Stadtteil Schöneberg schien den Künstlern für ein Projekt dieser Art geradezu prädestiniert. Hier lebten bis 1933 rund 16.000 Juden- vor allem Arzte, Juristen, Wissenschaftler und andere Bürger des Mittelstands, die damals einen wichtigen Beitrag zum wirtschaftlichen und kulturellen Le- ben der Hauptstadt leisteten. Albert Finstein lebte für einige Zeit im Bayerischen Viertel und ebenso der Psychoanalytiker Erich Fromm. Rund 10.000 Schöneberger Juden konnten rechtzeitig emigrieren. Gut 6.000 wur- den später deportiert- von ihnen ha- ben nur etwa 170 überlebt. Auch diese Phase ist in den Schil- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 29 dern festgehalten. Hinter dem Pikto- gramm eines Briefes verbirgt sich der Text„Nun ist es soweit, morgen muß ich fort u. das trifft mich natürlich Schwer;.. Ich werde Dir schreiben... Vor der Deportation, 16. 1. 1942“. Hin- ter dem Emblem der Deutschen Reichsbahn heißt es„Erste Massen- deportationen Berliner Juden. 18. 10. 1941. Erste Direktdeportation ins Ver- nichtungslager Auschwitz. 11. 7. 1942“. Und unter dem Patum 23. 10. 1941 wird auf das„Auswanderungsverbot für Ju- den“ hingewiesen. Die Bildseite dieser Verordnung ist einfach nur schwarz, was wohl für sich selbst Spricht. Schon seit über zehn Jahren gehören diese Schilder zum Stadtbild des Bayerischen Viertels in Berlin. Das Kunstamt Hempelhof-Schöneberg vermittelt auch Führungen entlang der Standorte. Wer noch nichts von dem Projekt gehört hat und rein zufäl- lig darauf stößt, reagiert zumeist ver- unsichert und befremdet, weil er die Bedeutung zunächst nicht richtig ein- Schätzen kann. Zweifellos lag es in der Absicht der Künstler, erst einmal Ver- wirrung zu stiften, um auf diese Weise zum Nachdenken anzuregen. Mer- dings hätte man ihrem Projekt wohl doch etwas mehr Resonan?z ge- wünscht. Denn großes Aufsehen hat es nicht erregt. Zu dem Dankmalprojekt von Renata Stih und Frieder Schnock erschien mit„Orte des Frinnerns/ Places of Remembrance“ ein zweisprachiges„Arbeitsbuch für ein Denkmal“. Unsere Fotos stammen aus ei- nem Nachdruck, Berlin 2002, ISBN3-7759. 0473-5. Copyright: Stih& Schnock, Berlin/ VG BildKunst, Bonn. KWir hatten einen Wellensittich. Als nun die Verordnung uns erreichte, daß Juden das Halten von Haustieren verboten sei (I1.. 1 942), konnte sich mein Mann nicht von diesem Tier trennen. Jeden Tag, wenn die Sonne schien, stellte er den Vogelkäfig auf das Blumenbrett. Vielleicht hat ihn jemand denunziert, denn mein Mann er- hielt eines Tages eine Vorladung zur Gestapo.(..) Nach vielen angstvoll durchlebten Wochen bekam ich von der Polizei eine Karte, daß ich gegen Zahlung einer Gebühr von 3.- RM die Urne meines Mannes abholen soll.“ Bericht 1943 30 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Dem Gedenken und Frinnem an den Holocaust und den Nationalozialismus dem Schwerpunktthema dieses Mitteilungsblattes- ist auch das im JManuar 2006 erõjfnete„Kulurzentrium Bezalel Snagoge“ in dem hessischen Städtchen Lich (Landkreis Gießen) gewidmet. Die Beschäftigung mit der Vergangenheit wird mit Bezlig zlr Gegen wurt ind Zulcunft gesehen. So voll in dem Begegenungszentrium vOy allem für junge Menschen-„historisches Wissen und emotionale Betroft fenheit“ s0 zur PisMussion gestellt werden,„dass sie eine Beziehung zur Gegen- wart, also gegen wärtige moralische Sensibiltät und politische Verantwortling er- mõglichen“, zitierte Kristine Jromsdorf von der Ermnst-Lhudwig-Chambré-Stifung hei der Ein weihng als der Rede des ehemaligen Bundestagspräsidenten Wolf- gang Thierse zum 27. Januar 19099. Nur die zweitbeste Lösung Von Hans Hirschmann Golden funkeln wieder die Sterne vom hellblauen Deckenhimmel der ehemaligen Synagoge in Lich. S0 wie Schon vor mehr als 80 Jahren, als dort von 1921 bis 1 933 und eingeschränkt bis 1938 die jüdische Gemeinde betete und religiõse Feste feierte. Am 29. Januar dieses Jahres ist das Gebäude nach ei- ner aufwändigen Sanierung als„Kul- turzentrum Bezalel Synagoge“ einge- weiht worden. Der Bröffnungstermin wurde ganz bewusst in Anbindung an den 27. Januar gewählt, den Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwit? und heutigen Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus, erlãuterte Kristine TFromsdorf vom Vorstand der Cham- bréStiftung. Die Stiftung war die trei- bende Kraft bei der Sanierung und Um- widmung zum Begegnungszentrum. Fine solche Nut?ung sei die zweit- beste Lᷓsung, sagte in seiner Festrede Morit? Neumann, Vorsitzender des Landesverbandes der Jüdischen Ge- meinden in Hessen. Die beste aller Lõ sungen wãre es gewesen, wenn das Ge- bãude wieder in den Besit? einer jüdi- schen Gemeinde zu Lich hätte überge- ben werden kõnnen. Die war jedoch im Holocaust vertrieben und ausgemerzt KULTFURZENTRUNM BEZAMEL-SVNACOGE worden. Schülerinnen der örtlichen Dietrich-Bonhoeffer-Schule verlasen bei der Frõffnung die Namen der Fami- lien, die ab 1933 aus Lich vertrie ben wurden. Dauerhaft erinnert an sie eine Gedenktafel im Foyer. Damit sind die- 8se Namen, wie Moritz Neumann aus- führte, einer„gewollten Vergesslich- keit“ entrissen worden, die in Deutschland„vor 50 und 40 Jahren na- hezu epidemisch“ aufgetreten ist und als sehr willkommen angesehen wurde. Als„ultimatives und finales Heilmittel“ ist die„Schlussstrich- Wunderpille“ ent- deckt worden, Sso der Festredner. Dem gegenüber stellte Neumann die„zZwanghafte“ Brinnerung der Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 312 überlebenden Opfer, de- f nen Nachbarn und Freun- de nicht aus dem Sinn gin- gen, die plötzlich„keine Freunde mehr sein woll- ten“, die sich begeistert an fremdem Figentum ver- griffen und in„kürzester Fvolutionszeit zu Herren über die körperliche Un- versehrtheit schutzloser Menschen mutiert wa- ren“. Verbunden ist diese Erinnerung der im Exil, Das neue Kulturzentrum in Lich auf der Fucht und auch in Konzentrationslagern Uberlebenden mit dem Schmerz und der Trauer um die massenhaft ermordeten Angehöri- gen und Glaubensgenossen. Morit? Neumann warf die Frage auf, ob die einstigen jüdischen Bürger Lichs der rein theoretischen Vorstel- lung zustimmen würden, dass das Ge- bäude wieder Synagoge sein könnte, und bezeifelte dies:„Denn nach all den schrecklichen Erlebnissen, die sie zu durchleiden hatten, nach all den 80 tief deprimierenden Erfahrungen mit vielen, die sie einst für ihre Mitbürger hielten, nach ihrer erzwungenen Flucht aus Geburtsstadt und Heimat gab es auch Gefühle von Abwehr und Ablehnung. Das geschah nicht selten als Selbstschutz, um nicht wieder und wieder den Schmerz empfinden zu müssen, wie geprügelte Hunde verjagt worden zu sein.“ Finer der durch Flucht sein Leben retten konnte, war Ernst Chambré, dem es imponierte, als vor knapp 20 Jahren Licher Schüler sich für die Auf- klärung der NS-Zeit engagierten. Er Stellte die finanzielle Ausstattung be- reit, mit der die Stiftung gegründet wurde, die seinen Namen trãgt und sich der Aufklärung und Brinnerung im Land der einstigen Täter widmet.„Ei- ne selbst gewählte Aufgabe“, würdigte dies Morit? Neumann,„die den einsti- gen Verfolgern besser angestanden hätte als einem einstigen Verfolgten, einem Uberlebenden des Infernos. Es zeigt nichts anderes als den hohen Grad an Fähigkeit und Bereitschaft, über alle Leichenberge von Ermorde- ten hinweg die Hand zu reichen. Das gereicht den einen zur Ehre. Manche andere müsste es beschämen.“ Die Geschichte eines Gebäudes und die Chambré-Stiftung Das Gebäude des heutigen Kultur- zentrums wurde 1921 von der Jüdi- schen Gemeinde erworben, umgebaut und erhielt den Namen Bezalel-Syna- goge nach dem biblischen Baumeister 32 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer zur Zeit Moses. In der Pogromnacht von 1938 brechen Licher Bürger ein und zerstören die Inneneinrichtung. Die Nazi-Partei okkupiert die Räume. 1940 übernimmt die Stadt Lich das Ge- bãude. Im Krieg ist eine Flak-Finheit untergebracht und spãter wurde es als Gefangenenlager genutzt. Nach dem Krieg ist es bis 1955 Sitz von Teilen der Stadtverwaltung. Ab 1967 dienen leer stehende Räume als Altentagesstätte, wãhrend bis 1983 der Schützenverein in den Räumlichkeiten zum Hof hin Ge- wehrschießen trainiert-„auch nicht unbedingt ein Symbol gesteigerter Sen- Sibiltät“, wie Morit?z Neumann sarka- stisch kommentierte. Seit 1984 ist in dem Gebäude die Musikschule unter- gebracht. 1987 beginnen Schülerinnen und Schüler der Dietrich-Bonhoeffer-Schu- le damit, die Nazi-Zeit in ihrer Heimat- Stadt Zu recherchieren. Ein ehemaliges Dienstmädchen der Familie Chambré vermittelt die Adresse des in den USA lebenden Ernst Ludwig Chambré. Brie- fe werden gewechselt und der Holo- caust- Uberlebende berichtet ausführ- lich über die Geschichte seiner Familie. Mit großem Interesse verfolgt er die Versuche, neue Wege bei der Auseinan- derset?ung mit der nationalsozialisti- schen Vergangenheit zu gehen: lokal- und regionalgeschichtliche Zugänge, Seminare in den Gedenkstätten Ausch- wit?ꝰ und Buchenwald finden das Inter- esse der Jugendlichen. Chambré ent- Schließt sich, eine nach ihm benannte Stiftung ins Leben zu rufen, die diese Lernwege dauerhaft unterstüt?en soll. 1997 wird sie gegründet. Nachdem Ende der 80er Jahre ein Ver- such geschei- tert war, die chemalige Sy- nagoge zu ei- f nem Begeg- ſ nungszentrum E umzugestal- ten, Startet die Stiftung einen neuen Ver Blick in den Saal der uch. Es wird Bezalel-Synagoge. ein Konzept erarbeitet und mit der Stadt verhandelt. Es werden Spenden gesammelt und Sponsoren gesucht. Nach jahrelangen politischen Auseinanderset?ungen wird 2003 mit dem Umbau begonnen. Die Stadt beteiligt sich an den 635.000 Furo Gesamtkosten mit rund 200.000 Furo. Der Deutsche Bundestag hatte 153.000 Furo beigesteuert, die aus den Strafgel- dern stammen, die die hessische CDU wegen ihrer Parteispendenaffäre be- zahlen musste. Im Kulturzentrum Bezalel-Synago- ge sind die Musikschule sowie die Ernst-Ludwig-Chambré-Stiftung un— tergebracht. Das Netzwerk„Kultur— werkstatt Lich“ organisiert Veranstal- tungen. Das Begegnungszentrum kann für Symposien, Tagungen, Workshops und Ausstellungen genutzt werden. In dem Saal unter dem erhalten gebliebe- nen„Himmel“ der einstigen Synagoge finden rund 130 Besucher Platz. Zlur Stiftung siehe im Internet unter mhrestiftung. de Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 33 Ehrung-Gratulation-Nachruf Noach Flug, Seit 2002 Präsident— des Internationa- len Auschwit?-Ko- mittees, bekam am 15. Juni 2006 das Große Bundesver- dienstkreu? ver- liehen. Flug wurde 19235 in Lodz gebo- ren, kam 19309 ins Ghetto und im Au- gust 1944 nach Auschwitz. Fast alle Verwandete wurden im Holocaust er- mordet. Nach der Befreiung und dem Kriegsende studierte er Okonomie. Mit seiner Familie wanderte er nach Is- rael aus. In den 80er Jahren arbeitete er als Diplomat an der israelischen Bot- schaft in Bonn. Noach Flug war unter anderem an den Verhandlungen über die Entschädigungszahlungen an NS- Zwangsarbeiter beteiligt. Am 8. März B feierte unser— Freund Peter † Gingold in Frankfurt sei- nen 90. Ge- burtstag. An- fang der 80er* Jahre war er in der Gründungsphase der Lagergemeinschaft Auschwitz Mitglied im ersten Vorstand. Für Nazi- Deutschland war Peter wegen seiner jüdischen Herkunft sowie seiner kom- munistischen Weltanschauung gleich in doppelter Hinsicht ein Feind. 1933 wurde er erstmals verhaftet. Nach der Freilassung ging er mit Eltern und Ge- Schwistern ins Fxil nach Frankreich. Später schloss er sich der Resistance an. Zwei Geschwister wurden in Auschwit? ermordet. 1943 wurde Peter verhaftet, ihm gelang die Flucht. Be- reits 1945 kehrte er nach Frankfurt zurück. Seit Jahrzehnten ist er Spre- cher der VVN(Vereingung der Ver- folgten des Nazi-Regimes). Peter ist u. a. Träger der Johanna-Kirchner-Me- daille und der franzõsischen Medaille de la Liberation. Auch heute noch ist Peter Gingold oft bei Kundgebungen als Sprecher zu erleben sowie als Ge- Sprächspartner von Jugendlichen. Rudolf Vrba, Auschwit?-Hãäftling Nr. 44070, ist am 27. März 2006 in Ka- nada 82 jährig gestorben. Zusammen mit Mfred Wetzler gelang ihm am 7. April 1944 die Flucht aus Birkenau. Sein„Auschwitz-Protokoll“ gilt als er- stes authentisches Zeugnis über die Vernichtungsmachinerie im KZ. Es wurde in der Schweiz publiziert. Auf- grund dessen wurde von allierter und neutraler Seite der ungarische Reichs- verweser, Admiral Horthy durch Apel- le unter Druck gesetzt, die Deportation der ungarischen Juden zu stoppen. Er befahl dies am 7. Juli 1944. Da waren be- reits 300.000 ermordet worden. Vrbas Bericht rettete vermutlich weiteren 100.000 das Leben. Laut einem Nachruf in Shoa. de war Vrba, der auch Zeuge im großen Frankfurter Auschwitz-Prozess war,„der vermutlich erste Anklãger des Schlimmsten Vernichtungslagers und seiner deutschen Betreiber“. Mitgliederversammlung Lagergemeinschaft Auschwit?-Freundeskreis der Auschwitzer Samstag, 18. November, 14 Uhr Frankfurt am Main, Rechneigrabenstraße 10(Bild- und Tonstelle) Legalisierter Raub Der Fiskus und die Ausplünderung der Juden in Hessen 1933— 1945 Fine Ausstellung des Frit?-Bauer-Instituts und des Hessischen Rundfunks Hanau, 9. Oktober-19. November 2006, Neustädter Rathaus, Am Markt Offnungszeiten: montags bis freitags. 11 18 Uhr und samstags 11— 15 Uhr Ausstellungseröffnung: Sonntag, 8. Oktober, 16 Uhr Fin Begleitprogramm mit lokalen Bezügen ist in Vorbereitung. Anmeldung zu Führungen: elefon(O6181) 20209. Fin Lehrerfortbildungsworkshop zur Ausstellung wird mit Referenten des Frit?- Bauer-Instituts für Donnerstag, 5. Oktober, von 15 bis 18 Uhr angeboten. An- meldung: Jelefon(D069) 708322 32, E-Mail„g. koesslerGfrit?-bauer-institut. de“. Der Dokumentarfilm„Der große Raub-Wie in Hessen die Juden ausgeplündert wurden“ von Henning Burk und Dietrich Wagner ist als VHS-Cassette(45 Min.) zum Preis von 15,90 Furo beim Hessischen Rundfunk zu beziehen: Best.-Nr. 200260, www. Onkel-otto-shop. de. 20. Juli und Denkmal für„Fahnenflüchtigen“ „Das /foigt der Kruden Logih, nach der die Bundeswehr heute der hewuſfnete Arm des Koten Kreuzes vei. Ich sehe Keinen inneren Zusammenhang zum 20. Juli. Der Bendlerblock Könnte ein Denkmal des Unbehannten Fahnenßiich- tigen' vertragen, die wurden erschossen, verfemt und hliehen entrechtet.“ So der Journalist und Fernsehproduzent Friedrich Küppersbusch zu der Idee, ein Fhrenmal für im Ausland gefallene Bundeswehrsoldaten zu errichten. Diesen Vor- schlag machte Bundesverteidigunsminister Jung aus Anlass des Gedenktages an das misslungene Attentat einiger deutscher Offiziere auf Hitler am 20. Juli 1944. Finige Attentäter wurden im Bendlerblock hingerichtet. Küppersbusch weiter:„Sozialdemokraten, Gewerkschafter und bürgerliche Zivilisten unter den Attentãtern scheinen bereits vergessen. Die bisherige Gedenkpraxis macht aus dem 20. Juli ein Heldengedenken des Adels und der Offiziere. Es verdrängt die vielen namenlosen Kommunisten oder Finzeltäter wie Elser. Die Kopplung an den militãrischen Aspekt beraubt uns der mõglichen Lehren über zivilen Ungehorsam.“ aus. ta?, 17. Mi 2006