LAGERGEMEINSCHAFT AUSCHWIT2 FREUNDESKREIS DER AUSCGHWTAZER EV. AUSCHWITZ 12. Jahrgang Nr. 4 Mitteilungsblatt Dezember 1992 Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der AuschMitzer eM Aus dem Inhalt Editorial GEW unterstüzt Geburtstage Offener Brief von Christian Schormann Zur Machtergreifung Von Hirzenhain bis Mölln Gedenkstãttenerfall und Auslãndermord Bũüro für Auschwitz Monatlicher Treffpunkt Studienfahrt Auf den Brettern... himtip Generalversammlung IAK Herr Bundespräsident! Notizen — Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer eV EDTTORIAL. Von der Arbeit mit und um Auschwitz Wir alle kennen entweder ehemalige uinee, haben also persönlichen Kontakt, oder wir sind über die Be- kanntschaft mit Leuten, die ein Opfer kennen, zu der Auseinandersetzung mit dem Thema Auschwitz gekommen. Ir gendwann werden unsere Kameraden und Freunde nicht mehr unter uns sein, Sie werden nicht mehr persõnlich Zeug- nis ablegen können von dem Grauen, das ihnen widerfuhr. Sie können nicht mehr aktiv eintreten für die Erhaltung der Mahn— und Gedenkstätten, nicht mehr durch ihr Schicksal persõnliche Betroffenheit bei Zuhörern auslõsen. Was kommt dann(2) oder vielmehr, gen die dann noch da sind das sind wir Sselbst, diejenigen, die sie kennen, die ehemaligen Häftlinge. Sbe ihnen zugehört haben; sagen kön- nen, wie es war; wir, die wir dann hof- fentlich so eintreten für den Erhalt des Mahnmals, wie sie es getan haben oder, noch besser, so eintreten, wie sie es ge⸗ wollt hätten und es nicht tun konnten (wollten) weil zuviel Leiden und Erin- nern für sie damit verknüpft ist. Natür- lich können wir Nachgeborenen das ganze Thema theoretisch besetzen, aber was wird es uns nützen? Wir brauchen die Erfahrung von den älteren Mitglie dern in unseren Organisationen, von wer kommt dann? Freunde, die einzi- denen, die damals die Opfer waren. Wir brauchen jetzt“ die Auseinander- Setzung über eine oder eine zweite Be sichtigungsweise des Themas um 2u unserer Possition zu kommen, die wir einnehmen werden, wenn wir nur noch alleine sind. Mein Gott, was habe ich schon Dis- kussionen gehabt mit Hermann, über die Art und Weise wie etwas abzulaufen hat, habe versucht, Verständnis auch für meine Situation bei ihm zu finden; Zwecklos, das ummenschliche Erbe von Auschwitz setzt mich, ob ich will oder nicht, ins Unrecht. Wer kõnnte ihm etwas abschlagen! Hans-Joachim Günther 2 Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer eV GEW unterstütz die Aktion zur Erhaltung der Mahn- und Gedenkstättenarbeit in Auschwitz Der Kreisverband Friedberg der Gewerk- Schaft Erziehung und Wissenschaft(GEW) hat 2000 DM für unsere Sammelaktion zur Brhaltung der Mahn und Gedenkstätte Auschwitz gespendet. Beschlossen wurde das einstimmig von der Mitgliederversammlung des Kreisverban- des. Als Lehrer organisierende Gewerk Schaft im DGB will die GEW mit dieser Spende beitragen, die Gedenkstätten zu er- halten. Finige Gedanken dazu, warunm gerade eine Lehrergewerkschaft sich dazu aufgerufen fühlt: Den zentralen Ort des Massen und Völker- mordes als Anschauungs-, Lern- und Ge- denkort zu erhalten ist das wichtigste Motiv. Wenn wir Auschwitz heute verfallen lassen, wird irgendwann die kollektive Erinnerung daran verdrängt werden und erlõschen. Der deutsche Faschismus wird dann nur noch ei- ne Episode der Geschichte sein, seine Ge- fahr nicht mehr gesehen werden. Auschwitz— wie alle anderen Gedenkstät- ten des faschistischen Terrors— zu erhalten bedeutet, die Würde der gequälten und er- mordeten Opfern zu gewahren. Es ist auch ein ideologischer Beitrag zur Abwehr fa- schistischer Tendemen. Es gibt Zeiten, in denen sich gerade eine Lehrergewerkschaft prüfen muß, ob sie sich der Grundlagen ihrer pãdagogischen Arbeit noch sicher ist. Die einstimmige des Vorschlages, aus dem Kreisverbandsver mõgen eine Spende an die Lagergemein schaft zu geben und die ausschließlich zu- stimmenden Diskussinsbeiträge dazu haben das bestãtigt. Der Spendenbeschluß der Kreisverbandes Friedberg der GEW soll auch ein Beispiel sein für andere Organisationen und Finzel- personen, sich an der Spendenaktion zur Er- haltung der Gedenkstätte Auschwitz zu be- teiligen. Uwe Hartwig Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer eV 3 AUFRUF Auscjnwit?— Stoppt den herjall!“ Der Aufruf ist nicht ungehört geblieben. Dezember Viele unterstützen uns bei unserer Arbeit mit ihren Spenden. An dieser Stelle mõch 2.. Maria Reiferscheid ten wir allen ganz, ganz herzlich danken für 2.M. Emil Schmidt Ihre Hilfe. Im ersten Heft des neuen Jahres 3.. Dieter Hild wird ausfũhrlich über die Spendenaktion be. 4 12. Gerhard Oberlin chtetwerden. 5M Bria Stckraih S vergessen sind alle, die die Arbeit der 92. Herbert Bohner Rapp Lagergemeinschaft Auschwitz/Freundes- 13.. Gisela Wagner kreis der Auschwitzer eV.“ seit Jahren mit 14 12 Pieter Fischer ihren Spenden unterstützen. Ihnen gilt unser 4 12 chana Steinwurz Schãfer j 1 herꝰlichster Pank 15M. Esther Bejarano 18.12. Rosmarie See 10. 12. Barbara Mlynarski Ein gesegnetes Weihnachtsfest und ein fried- 222. E.— Ludwig Proescholdt volles neues Jahr 1093 wünschen wir allen 22.12. Egon Schweiger unseren Mitgliedern, Freundinnen, Freun- 23.. Alfred Schulz den und Gõnnern. 29. Prof Dr D H. Gollwitzer 30.12. Claus Schwing 30.12. Albrecht Werner— Cordt GEBURTSTLACFE November Januar 4. Il. Joachim Proescholdt 3.01. Susanne Gräser 7.I1. Hans Blauert 3.01. Susanne Hainbach 8. 11. Klaus Reinhardt 3.01. Susanne Lutz 15. 11. Sissi Hajtmanek 4.01. Dr. Hans Gaertner I. I1. Wolfgang Merten 8.01. Margarete Schoplick 18 1. Hans oachim Funke 901. Hermann Reineck 19. 11. Günter Magel 13.01. Joachim Bernecke 20 11. Anne—Marie Fabian 1601. Kathrin Czerannowski 20.11. Lieselotte Thumser- Weil I701. Thomas Rolle M. II. Prof. Dr. Klaus Dörner 20 01. Ingolf Spickschen 25.1l. Ingeborg Kresse M. O1. Patricia Krosch 26. 11. Rudo Kawczynski 2.01. Michael Wahle M. 11. Dietrich Spaeth 23.01. Birgitta Werk— Lang 29. 11. Hubert Meyer 30. 11. Hoorst Gross 4 Lagergemeinschaft Auschwitz freundeskreis der Auschwitzer eV OFHENER BKIEFaur politischen Gewalt Stellvertretend an Dr. Helmut Kohl, Kanzler der Bundesrepublik Deutschland. Sehr geehrter Herr Dn Kohl, gestutten Sie mir zundchst, Mnen für die deutlichen orte der Mßbilligung zu dan- ken, die Sie anldßlich der jüngsten, im Sinne des Nrtes fatalen, Gewaltuusbung in die- Sem Lande gesprochen hahen. Ich kann je- doch auch nicht verhehlen, daß Ihnen eine gewisse Vrantwortung fir den Jod der drei Menschen in Mölln zukommt, wie auch für jeden weiteren Vren, Vrlerten und Mißhan- delten, den die Gemult, der Ihre Politit eine Nr aufeestoßen hat, gebiert. Ich hoffe zu rieÿpt, daß die Vren von Molln Sie nicht un- gerührt lassen. Natrlich kann niemand Ihnen vorwerfen, daß Ihre Rede nicht die Gewalt immer verur- reilt hahe. Aher politische erantwortung geht in diesem Falle weiter: Sie(und viele Po⸗ litische Kollegen) haben das politische Klima geschaßen, das die Unruhen dieser Zeit erst mõglich mach. Ich werfe Unen von daß Sie gegenüber der Gewalthereitschaft im günstig- Sten Fulle einen Kurs des Appeasements ge⸗ Seuert hahen. Ich werfe Ihnen von parteipo- litische Winsche ſie zum Beispiel die Kedu- zierung des Zustroms von Albewerbern) über den erſassungsgrundsat von der Wir de des Menschen zu vellen. Ich werfe Inen ganz hesonden von das Thema 49l zum Blimableiter ſür Ihre politischen Prohleme, die Sie opensichtlich nicht einzugestehen wa- gen, gemacht zu haben. Rostock Rechtsertreme Gewalnter belagern rugelang ein Albewerberheim, Stecken Schließlich das Gebdude in Brand, man hdlt es vdhrend der Unruhen zeirweise nicht für nõtig den Nhhnblock zu hewachen. Hon der Fag wrdigkeit der Plazierung von Albe⸗ werberheimen in Gehieten mit extremer Soi- aler Belastung ganz abgesehen, ist die Reak rion auf die Ausschreinungen praktisch eine Ermunterung zur Genalt gegen Menschen. Der Rechtssraat, der Jahwehnte lang die Ma vime, er kenne Sich nicht erpressen lassen, heront hat, geht ohne jede Gegemehr vor Gewaltdtern in die Knie, veyschleudert Sein Politisches Kapital. Denn die einzige politi- Sche Fige ist der Ruf nach einer Schnellen Wiedenaußname der AlrechtsDiskussion/ Genau die hedeutet Rostock Die Gewalt Sich, enmal wieden als erolgreiches Mitel der Innenpoilitik prãsentiert. Die Gealndter hahen gleich in Zweierlei Hinsicht viel er- reicht. Zum einen wurden die Alhewerher- Unterkiinſte gerdumt Zum anderen aber und dies ist viel Schlimmer haben Sie aus den Unruhen genau die Konsequenz gezogen, die eine Besttigung der Vheltdter darstellt: Sie haben zuenst einmal nach einer erchrfung des Asylrechtes gerufen. Sie haben Sich nicht ie ein Mann“ hinter die Angegrißfenen, hinter diejenigen, deren Grundrechte verlett vunden, gestellt, vondern sie hahen mit Mhrer Reaktion im Gegenteil hetont, daß Sie der un- rerschwelligen Grundhaltung, die Sich hinter den Unruhen verbirgt, Sehr grob gesagt. Aus- dnder naus“ dunchaus nicht abgeneigt Sind, das Lippenbekennmis gegen das Mittel zum Zeck geniigt einfach nicht, dies gilt auch für die Opposition, die vehenden Auges in die Volitische Rulle getuppt ist. Die Frage, oh 0 viele Asylhenerber zuiele Ausldnder in Deutschlònd Sind, ist ſir die Bewertung der Rostocker Unruhen völlig unerheblich. Ent- Scheidend ist, daß Ihre Reaktion auf Kostock den Ttern eine Bestdtigung Sein muß, daß der eg der Politik Sich mit Gewalt leiten ldßt. Glauben Sie, Herr Dr Kohl, daß der Haß hei den Alhewerbern halmachen vlinde, daß nicht hald alle Ausldnder zum Dom in den Augen werden würdenꝰ Der Haß vird auch darüber noch hinauswachsen, venn wir ihn weiter gemdhren lassen. Die Achtung vor der Wirde des Menschen, vor der Wirnde des Schcheren, hätte die Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer eV Plitii Deutschlands zum Beispiel dazu zwin- gen miüssen, jede Diskussion der Alfage Solange konsequent zu dchten, wie Gewalt auf der Straße als Druchnittel verwendet wird, auch gegen eigene politische Winsche. Der Rechtsstaat hat jedoch nachgegeben. Bissig könnte man hemerkten Er hat Sich nicht einmal erpressen lassen. Er hat Schon vorher aufegehen.“ In dieser Meise auf die rstellungen einer Gruppe von Gewalntern einugehen, ist Kaum weniger als eine Auf “ zur Hrtserung des Vhels. Und adchlich, die Ereignisse der lemten Moche Zeigen deutlich, daß die erjolgreiche Genalt Frichte mgt, furchthare Früchte. In einer Ke- de hahen Sie weiterhin, nur wenige Mochen nach Rostock, gesagt, uns Sründen, hei weiter ungehremsten Alhewerber— Zusmom der Saatsnotstund ins Haus. Ich kann nicht glau hen, daß Sie mamchlich von dem ühemeugt Sind, was vie damit Sagten. Selbot die von M- nen genannten Zahlen der hereinstrõmenden Alhewerber wären ja Kaum ausreichend für einen Suatsnotstund, wenn es vich dabei um altive Sahoreure oder dhnliches handelte. Si- cherlich hereiten uns Alherwerber Mihe und Schwierigkeiten, und wenn es der Velt Schlecht geht, Kann Sich niemand, Schon gar nicht ein ſeiches Land, Seiner moralischen Hilfpflichten entiehen. Aber gewiß Sind die Probleme nicht Anlaß genug, den Stuatsnor- Sand zu postulieren, ganz davon abgesehen, 6 der Lorbeer von Menschlichkeit und Christlichkeit nun mal nicht ohne Mühe zu hahen ist. Narürlich Kommt Ihnen die Hurcht vor den Fremden, die uns angeblich über- Scnemmen“ Sehr zugute. Ich glauhe, Sie Su- chen, der wirtschafilichen und politischen Pyohleme wegen, einen Sündenbock, den Sie, einem Bauer im Schachspiel gleich, den Un- Zufiedenen zum Opfer darbieten. Der Bal- kan gibt uns allerdings gerade ein Beispiel daßir, welche FHlgen eine Umleinungspoli- tik“ die die wahren Prohleme zugunsten ei- ner Geisterbeschörung vendrngt, im Schlimmsten Falle haben kann. Doch wen undert die Angst vor den Frem- den angesichts der massiven Desinfonmation, die hemieben wirdꝰ Menn Schon Schulkinder nach einer Umfage, die unldngst im Bceri- Schen Fernsehen zu Sehen wan umwidersprochen glauben, daß 20—40 5 Alhewerher in Deutschland lehen, dann SOllren Sie, Schon der Liehe zur Nahrheit we- gen, wenn nicht gar der Ihrer Partei so nahe- Srehenden Christen wegen, der Uhenreibung entgegentreten, Stut Ol auf das Feuer der er⸗ hiteten Gemiuter zu gießen. Politische Moral geht vor politischen Eigennut. Die Dren von Mölln heweisen, daß Geister gerufen wurden, die Sich mit einer Appease- ment Politit Scherlich wieder vertreiben Klassen. Weder Sie, Herr Dr Kohl, noch re Politischen Kollegen aus Regierungskoalition und Oppobition, Kõnnen Sich der Herantor- nung entiehen, die Sie sich mit Mhrer Politik auferlegt hahen. Ich appelliere an Sie alle, Sich der Unbeugsamkeit der Menschenrech 1e, der Menschlichkeit gegenüher der Ge- walt, und damit der Unbeugsamkeit des Rechussraates zu erinnem. Ich appelliere an Deutschland, Sich der Bereitschaßt zur Ge- walt in Frieden zu widerseten und dem Haß den Boden zu entiehen. Joh hitte um Ire Srellungnahme, Christian Schormann 6 Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer eV Zum 60. Jahrestag der Machtergreifung. Bericht des Bundes der Antifaschisten VVN Kreisvereinigung Frankfurt) wir Zitieren: Liebe Kolleglnnen, werte Friedens- Feundinnen und Feunde, Sehr geehrte Damen und Herren, am 30 Januar 1993 jdhrt Sich zum 60. mal der Nig, an dem der Rüchall in die Barbareiꝰ auf Suutlicher Ehene be gann. Eile der deutschen Industrie und der Reichs wehrfihrung ſörderten und heglnstigten die nuzistische Genalt- hernchafi. Die Hlgen vind hekannt: Zerschlagung der demokratischen Strukturen, erol- gung, Prror und Folter gegen Antifa- Schisten, KZs und vòllige politische Gleichschaltung, Judemerfolgung, ri- gerose Aufrüstung als innenpolitische naussettung für die ebenso hrutule wie opferreichen Raubzüge gegen ande- re Vlker und ſir Auschwit. Naziverbrecher vor der Haustür Die Lehren der deutschen Geschichte Sind Schon deshalh ins Gedãchtmis zu rijfen, weil— wenn auch unter võllig verdnderten Bedingungen— einige raussettungen für militãrische Inter- ventionen deuscher Streitkrdfte ut of area ꝰ geschaffen hu verhin- dert werden vollen. Konsequenzen aus leiduoller histori- Scher Erfahrung der Deutschen Sind auch zu vergegemdrtigen angesichts des KanzlerRuß nach dem Stautsnot- vand“ mit diesem voll der Machterhalt rechtskonserwutivdeutschnationaler Krdfte contra emanzipatorische und so ziale Alternativen gesichert werden. In- dem der Bundenskanzler die hilſhe dürftigen EFimunderer als Hauptumu- che des von ihm gewollten Saatsnor Srandes erkldrt, fhrdert er Fremden- ſeindlichteit und weitere Jerroruktionen gegen hilfesuchende Alanten. (.. Zitatende.) Hg. Lagergemeinschaft Ausschwitz begegnet dem Rechtsradikalismus MUNZENBERG(pe). Die in Frank- furt/M und Münzenberg ansüssige La- gergemeinschaft Auschwitz/Freund kreis der Auschwitzer bietet jetzt eine weitere Veranstaltung an, in der sie dem aktuellen Rechtsradikalismus mit dem Aufzeigen von dem Faschismus, der sich im III. Reich in praktisch jedem Dorf er- eignet habe, begegnen will, wie Vor- dsmiiglied Diethardt S ankün- digt. Die Lagergemeinschaft Auschwitz hat sich dazu Hirzenhain in der Wetterau ausgewählt, vo in den letzten Kriegsta- gen 81 meist polnische und russische Frauen und 6 Männer brutal von der 88 ermordet wurden. Diese Frauen schufte- ten in der bis heute produzierenden Gie- ßerei der Firma Buderus. Jeder Dorfbe- wohner vußte von der Existenz der Haft- linge. Nach dem Krieg kam es in Gießen zu einem Prozeß, bei dem Verantwortli- che teilweise zur Rechenschaft gezogen wurden. Aber schon ein Jahrzehnt da- nach waren die Spuren des Mordes in Hirzenhain nicht mehr nachzuvollzie- hen. Durch einen Auftrag des Wetterauer Kreistages wurden die Lebensweise, die Arbeitsausbeutung, die Ermordungsum- stande und der spãtere Umgang mit den Greueltaten recherchiert. Daraus ent- stand das Buch„Das mit den Russenwei- bern ist erledigt..“ Buchautoren und das Buch selbst sind Gegenstand der Ver- anstaltung der Lagergemeinschaft Au- schwitz. Der Termin ist Mittwoch, 4. November, um 19.30 Uhr im evangelischen Gemein- dezentrum in der Myliusstr. 52 in Frank- furt/ M. Alle Interessierten sind eingela- i6 32 3.. 7772 Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer eV 7 Himenhain- Auschnwitz Hojenwerda Molln Im November führte die Lagergemeinschaft Auschwitz einen Vortrags- und Diskussionsabend zu den Massenmorden einer SS Finsatzgruppe an 81 Frauen und 6 Mãnnern kurz vor Kriegsende in dem Vogelsbergõrtchen Hirzenhain durch. Schon im Ankündigungstext der Wetterauer Zeitung wurde eine Verbindung zwischen den Umtrieben von Neofaschisten und rechten Gewalttätern der Gegenwart zu den Freignissen von Hirzenhain dargestellt. Die Frage ist, ob man die genannten Verknüpfun- gen und Verbindungen der in der Verschrift ge nannten Orte durchführen darf. Was haben Mil- lionen von Toten in Auschwitz mit 3 Toten in Mölln zu tunꝰ Schon im Jahre 1985 wurde im Kreistag des Wet- teraukreises das Thema Auschwitz sehr ernst ge- nommen, was sich unter anderem in einer deutli- chen Bezuschußung von Klassenfahrten nach Auschwitz zeigte. Gleichzeitig war aber auch klar, daß über Begegnungen in Auschwitz oder eine abstrakte kognitive Auseinandersetzung in Schulklassen nur ein klei- ner Teil der Schülerlnnen erfaßt werden kann. Das Freignis in der Heimatgemeinde, Tegion — nach dem man im Anbetracht millionenfacher Nasziverbrechen nicht lange suchen muß— galt als Einsteigerdiskussion und Aufarbeitungsthema Schüler-näher“ Deshalb hatte der Wetteraukreis beschlossen, auch die Mordumstände am 26.3.45 in Hirzenhain näher erforschen und dokumentie- ren zu lassen. Das Ergebnis— das später ein Buch wurde— O allen Wetterauer Sekundarstufen K und I Schulen mit jeweils einem Klassensatz zum Ar- beiten übergeben werden. Daran anschließend Sollte sich dann eine Informationsfahrt zu dem wenige Kilometer entfernten und den meisten Schülerlnnen vom Namen her bekannten“Tatort“ angeschlossen werden. Dies lãuft mittlerweilen seit einem Jahr in mehre- ren Wetterauer Schulen und führt zu einer Fülle von Nachfragen, die immer bei zwei Stichworten ankommen: Weimarer Rebublik(Wie konnte es zum II. Reich kommend) und Auschwitz (Wie konnte das geschehen?). Hirzenhain ist also für viele Wetterauer Schülerlnnen nicht nur in geografischer Hinsicht nahe“ Uber die Hilfs- brücke“ ortsnahes Breignis läßt sich dann Auschwitz unter ganz anderer Voraussetzung er- schließen. EFine solche Vorgehensweise ist sicherlich nicht nur in Schulklassen interessant, sondern auch bei Veranstaltungsreihen z. B. durch die Lagergemein- Schaft Auschwitz/Freundeskreis der Auschwitzer eN., bei denen eine pädagogische Hinführung zu dem zentralen Thema Auschwitz erfolgen soll. Wenn über die Erarbeitung der Abfolge Naziter- ror vor Ort— Weimarer Republik— Auschwitz“ — die Diskussion zu den Gegenwartszuständen Hojerswerda— Mölln— Flächenbrand Auslän- der- u. Minderheitenfeindlichkeit“ weitergeführt wird, dann ergeben sich als Aha— Effekt“ deutli- che Parallelen. Hinzu kommt dann ein anderer Frõrterungsansatz, bei dem Auschwitz nicht mehr als Keule zum Erklären der Gefährlichkeit neonazistischer gegenwärtiger Umtriebe gilt Go empfinden es oft insbesondere Schülerlnnen). Die Artikelübersicht hat also eine pädagogische Be- rechtigung und sollte auch so verstanden werden. Nachzutragen bleibt: Die Veranstaltung der La- gergemeinschaft Auschwitz /Freundeskreis der Auschwitzer eV. am 4. Il. war ein Erfolg, da sich auch mehrere'neue Gesichter“ über die Pro- blemstellung ꝰortsnahes Freignis“ einfanden und eine fruchtbare Diskussion geführt wurde. Die Joten von Auschwitz und die bei rechtsradikalen Anschlägen ums Leben Gekommenen verbindet sehr viel“, dies war eines der Ergebnisse und deshalb: Wehret den Anfängen und erst recht dem was jetzt schon in unserer Ge⸗ Sellschaft weit über das hinausgeht“ Diethardt Stamm Die Erinnerung an die Greuel von Hirzenhain Die„Lagergemeinschaft Auschwitz/ Freundeskreis der Auschwitzer“ will in der Auseinandersetzung mit dem Rechts- radikalismus an die Nazi-Greuel erin- nern, die sich auch in Hessen„vor den Haustüren“ abgespielt haben. Am heutigen Mittwoch geht es um 19.30 Uhr um das Dorf Hirzenhain in der Wetterau, in dem 1945 in den letzten Kriegstagen 81 meist polnische und russi- sche Frauen und sechs Männer von der SS ermordet worden sind. Die Frauen hatten in der Gießerei der Firma Bude- rus Zwangsarbeit leisten müssen. Fakten zu den Umständen ihres Lebens und Sterbens sind im Auftrag des Wetterauer Kreistages gesammelt wor- den und in dem Buch erschienen:„Das mit den Russenweibern ist erledigt. Buch und Autoren sind Gegenstand der Veranstaltung im evangelischen Gemein- dezentrum, Myliusstraße 52. clau 8 Lagergemeinschaft Auschwitz F̃reundeskreis der Auschwitzer eV Gedenkstãttenerfall und Ausländermord— was bleibt der Lagergemeinschaft? Wãhrend aller vergangenen Jahre protestier- ten linke Gruppen und Organisationen im- mer, aber fast auch immer alleine, gegen Auftritte der Neonazis, warnten die Organi- Sationen der Opfer und Verfolgten vor einem Anwachsen des braunen Terrors. In der Offentlichkeit wurden neonazistische Auftritte gemeldet, verurteilt, hingestellt, als dumme Aktionen junger Menschen, geleug- net als Armeichen faschistischen Untergrun- des. Rechtsradikale und neofaschistische Parteien wurden als Sektierer lächerlich ge macht; die Bundesparteien versuchten durch Ausholen nach rechts rechtsradikales Wäh- lerpotential zu vereinnahmen— und wollten nicht wahrhaben, wohin sie sich veränder- ten. Heute— 1092— Deutschland ist vom Wirt- Schaftsriesen zum politschen Riesen ge- wachsen. Die geeinte Nation ist eine neue Nation geworden— ganz die alte Nation! Gedenk und Mahnstätten an den Faschis- mus werden zerstört, geschlossen oder aber verfallen. Denkmãler von Kaisern als Heer- führer werden neu auf den Sockel gehoben. Der Umgang mit Denkmälern und Gedenk- Stätten ist zwar eine Oberflächenerschei- nung, aber nicht nur. Gleichzeitig gibt es gegenläufige, positive Erscheinungen: die Gründung des Fritz Bauer— Instituts in Frankfurt. Neue Denk mäler entstehen in zahlreichen kleinen Ge meinden. Lokalhistorische Arbeiten er- Scheinen über die Zeit und die Opfer des Fa- Schismus, über jüdische Gemeinden und ihre Mitglieder in vielen Orten. Der Kreis derer, die daran arbeiten, ist oft Klein. Zwar werden die Arbeiten meist von den regie renden Lokalpolitikern gestützt— jedch be steht Unsicherheit darüber, wie die jewei- lige Bevõlkerung das sieht. Die Beschädigung, Zerstörung oder Be- Schmutzung von Denkmälern, Denkstätten und jüdischen Friedhöfen lassen Gefährli ches vermuten. Die großen Demonstratio- nen in Berlin der Bonn lassen hoffen, wie die vielen Demonstrationen nach den Mor- den von Mölln. Dagegen allerdings stehen die agichen ¶ Brandanschläge, Massenaufmãrsche Rechtsradikaler, Mordversuche und Morde an Ausländern, allgemeine Abwehrhaltung, õffentliche Vorurteile und Abschiebe Ver trãge für Roma und Sinti. Neofaschistern beherrschen die öffentliche Szene; stabile Organisationen zeichnen sich ab: für jede gesellschaftliche Schicht die richtige Organisation: zurückhaltend und dezent die Republikaner, mehr fürs grobe, deutlich Faschistisches nicht auslassend die DVU. Offen faschistische Gewalt androhend und anwendend die verschiedenen von Küh- nen, Röder und anderen angeleiteten Orga- nisationen. Faschistische Gewalt als Frei- Zeitgestaltung— neue Inhalte fürs Jugend- zentrum, Mordversuche an Ausländern er- Setzen die Wirtshausschlägerei. Was soll mit dieser knappen Gegenüberstellung erreicht werdenꝰ Ist es nicht fahrlässig, Denkmal- sturz und Ausländermord zusammenzubrin- genꝰ Wird nicht das eine aufgebauscht, das andere verniedlicht? Nimmt man beides zusammen, dann zeigt sich, daß schon wieder vieles einer faschi- stischen Infrastruktur vorhanden zu sein scheint in unserer Gesellschaft: die Gewalt- bereitschaft vieler Menschen und der Wille, die vergangenheit zu bereinigen“ Freilich: vieles Wesentliche fehlt Gum Glück) noch: die Unternehmer sind gegen Ausländerhaß: sie fürchten Exporteinbrüche und haben das Tarifsystem noch nicht so sturmreif, daß sie auf Ausländer verzichten — Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer eV 9 kõnnten. Die großen Parteien glauben noch, sie könnten durch rechtsausholende Politik die Herrschaft sichern. Lõsungen können hier nicht angeboten wer- den. Um die zu finden, kommt es darauf an, daß die Situation endlich von vielen und vor allem von den gesellschaftlichen Organisa- tionen und Parteien zur Kenntnis genommen wird. Neofaschismus darf nicht hoffähig, akzep- tierbar oder als eine Ausdrucksform im de- mokratischen Staat angesehen werden. Hier liegt— wie bisher schon— weiter die wichtigste Aufgabe der Organisationen der Opfer und Verfolgten: wir müssen deutlich machen, daß Neofaschismus der- Wegberei- ter eines neuen faschistischen Terrors ist. Dazu gehört auch, Mahn— und Gedenkstät- ten zu erhalten, zu sichern und dafür zu sor- gen, daß sie zentrale Orte des Erinnerns und vor allem des historisch—politischen Ler- nens werden. Nur wenn der politische Riese Deutschland dies zu seiner wesentlichen Aufgabe macht, nur wenn Deutschland den Antifaschismus als Grundelement seiner Verfassung und seines gesellschaftlichen Le bens ansieht, kann langfristig Faschismus verhindert werden. Die Lagergemeinschaft und andere Organi- O ibnen der Opfer des faschistischen Ter- rors werden dazzu ihren Beitrag leisten, in- dem sie erinnern helfen. Die gesamte deutsche Gesellschaft jedoch muß diesen Beitrag aufnehmen und zum Be- standteil ihres Lebens machen Uwe Hartwig AUFRUF Ein Büro fir Auschwit? Der Anfang ist gemacht, zwei Mitglieder haben spontan ca. 100— DM gespendet. Das Ziel ist auch nicht so unendlich schwer zu erreichen. Es sind 7000.—— DM aufzu- bringen für die Finrichtung des neuen Büros des Int. Auschwitzkomitees in Auschwitz. Dann ist die neue Geschäfts- stelle per Telefon, per Fax und per Brief zu erreichen. Die räumliche Zuordnung zum Museum Auschwitz(die Zusage wurde auf der Generalversammlung gegeben) läßt den Informationsfluß hoffentlich besser Kklap- pen. Fin Kopiergerät sorgt für die Unab- hängigkeit vom Vervielfältiger des Muse- ums, wie auch ein eigener Computer mit Drucker hoffentlich installiert werden kann und die Benutzer des Büros in die Lage ver- Setzt richtig arbeiten zu können. Die Lagergemeinschaft Auschwitz/Freun- deskreis der Auschwitzer eV. hat sich ver- pflichtet für die Einrichtung des Büros sorge Zu tragen. Konkrete Ziele sind zu ereichen! Wir bitten Sie um Ihre Unterstützung auf das Spendenkonto: Sparkasse Wetterau BILZ 3s 300 79 Konto— Nr. 00 2000 2000 Stichwort: Büro Der Generalsekretär 10 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer eM WR LADEN EMW Zur Sudienfahrt 1093. Unsere erste Studien- und Bildungsreise im Jahre 1003 soll uns auch an die Stätten der NSNergangenheit in Osterreich und der Tchechoslowakei führen. Es soll den Teilnehmern die Möglichkeit gegeben werden sich mit dem damals geschehenen vor Ort auseinandersetzen zu können. Der Kontakt mit noch lebenden Häftlingen Soll dazu beitragen vieles begreiflicher zu machen und Anregung sein, sich gegen etwas ähnliches, wie z. B. Neonazismus wenden zu können. Reisetermin 2. Od.— 24. 04. 1005 Reiseroute — Frankfurt /Main — Passau Linz/Donau(Ubernachtung erstmalig in Osterreich) — Besuch der Gedenkstätte Ebensee — KZ Mauthausen — Prag(Besuch der ãltesten Synagoge Furopas) — Aufenthalt in Prag und Besuch der Gedenkstãtte Lidice — Theresienstädter Ghetto — Krakow(dort werden wir auch privat übernachten) — KZ Auschwitz und Birkenau — Zgorzelec(Görlitz) — Frankfurt Main. Untentunft und herflegung. Wir werden in sehr einfachen Hotels oder aber privat bei ehemaligen Hãftlingen wohnen. Ab Passau bis Zgorzelec Vollverpflegung. Führungen und Eintrittspreise sind im Reisepreis enthalten. Teilnehmerzahl max. 25 Personen. Reisepreis. vorauss. DM 900. 6 Anmeldeschluß. 26 02. 93 Himveis. Wir bitten um baldige Anmeldung, es er- leichtert uns sdie Planung. Nach der Anmel- dung erhalten Sie weitere Informationen ũber den Verlauf der Veranstaltung. Anmelõdepostkarte liegt bei! Jeder Teilneh- mer bebnötigt bei Fahrtantritt einen nch 6 Monate gültigen Reisepaß. Wichtig: Die Reise kann für Arbeitnehmer als Bildungsreise“, für Lehrer als Lehrerfortbildung“ genutzt werden. Genaueres erfahren Sie von unserer Geschäftsstelle. Anmeldungen an. Lagergemeinschaft Auschwitz/* Freundeskreis der Auschwitzer eV. Schillerstraße 18, W 6033 Münzenberg 1 Telefon: O 60 33/ 60168 Konto: Wetterauer Sparkasse BLZ 5ls 500 79 KtNr. 0 020 000 660 Kennwort:“Studienreise“ Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer eV 11 rlß RNechte Zeiten BRD 1992 Hauptdarsteller: Hermann Reineck, ehemaliger Auschwitz-Häftling und Präsident der Lagergemeinschaft Auschwitz/Freundeskreis der Auschwitzer eV.. Entstehung und Inhalt: Im März 1089 fuhr eine Gruppe junger Menschen mit dem Jugendbildungswerk der Stadt Gießen im Rahmen eines Bildungsur- laubes eine Woche nach Auschwitz. Nach- dem diese Gruppe zunächst eine Broschüre als Ergebnis dieses einwöchigen Aufenthal- tes fertigstellte, beschäftigte sich ein Teil dieser Gruppe weiterhin mit dem Themen- komplex Auschwitz und stellte danach eine umfangreiche Ausstellung über dieses The ma zusammen. Wãhrend dieser Zeit arbeiteten sie fest mit Hermann Reineck zusammen und es ent- efrereſe pluti Stand die Idee, einen Film mit und ũber die- Se faszinierende Persõnlichkeit herzustellen. Sofort begannen die jungen Filmemacherln- nen mit den ersten Recherchen. Parallel da- zu eigneten sie sich mit Hilfe des Landes- filmdienstes Hessen in Frankfurt Fertigkei- ten der Videotechnik an, ohne die eine Realisierung dieses Vorhabens nie Wirklich- keit geworden wäre. Nach diesen technischen Finführungen und den inhaltlichen Recherchenarbeiten wurden die ersten Videoaufnahmen gemacht. Bei diesen Dreharbeiten wurde versucht die 12 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer eV gesamte Lebensgeschichte des Hernamm Reineck einzufangen, da es der Gruppe wichtig war und ist, nicht'nur“ den Auschwitzhäftling Nr. 63387 zu dokumen- tieren, sondern auch seine Jugend, seine Widerstandstãtigkeit und sein Leben nach Auschwitz festzuhalten. Darũberhinaus wurde bei diesem Filmpro- jekt nicht mit einem komentionellen Dreh- buch, sondern mit sogenannten Assoziati- onsketten gearbeitet. Mit diesem Konzept und einem aktuellen Zeitbezug sollte ein Zeitgeschichtliches Dukument entstehen, welches insbesondere Jugendliche an- Spricht. Entstanden ist ein 30 minütiger Videofilm der Widersprüche aufdeckt, Parllelen auf- zeigt, provoziert, keine Lösungen bietet und hoffentlich gerade deshalb Interesse zur Weiterarbeit mit diesen geschichtlichen und doch so aktuellen Themen weckt. Wer Interesse an dem Film hat, bekommt ihn gegen die Einsendung einer Videokaset- te Zugeschickt. Adressen: Jugendbildungswerk der Stadt Gießen z. Hd. Thomas Krug Ostanlage 25 a 6300 Gießen oder: Landesfilmdienst Hessen z. Hd. Inge Schmittimger* Kennedyallee 105 a 6000 Frankfurt/ Main * verantw. Leit. Filmprojekt Auf den Brettern... die die Welt bedeuten! Lagergemeinschaft Auschwitz/Freun- deskreis der Auschwitzer eV. sandte Theatergruppe nach Krakow. Versõhnungsarbeit und Kontakt mit der polnischen Jugend sind zur Zeit sicher So wichtig wie lange nicht mehr. Unversehens bekam dieses Motto von der Völkerverständigung eine Aktua- litãt, die niemand vorher erwartet hatte: zwei Tage vor dem Auftritt in Nova Huta hatten polnische Skinheads dort einen deutschen Lastwagenfahrer er- mordet. Im ersten Moment wirkte diese Nachricht auf uns wie ein Schock, dann wurde sie zu einer Bewährungsprobe: so, und viel schlimmer müssen sich z. Zt. Ausländer in Deutschland fühlen, nur haben sie meist nicht die Freunde, die wir in Polen haben: die ehemaligen Hãftlinge von Auschwitz, unter ihnen besonders Kasek Sowa und Stanislaw Koczanowicz, die Deutsch— Poolnische Gesellschaft und die vielen Helfer beim Aufbau der Kulissen, beim Krakower Fernsehen, in den Familien, wo wir un- tergebracht waren und im Goethe— In- stitut. „Das war võllig anders als bei üblichen Tourneen, wo man anreist, spielt und wieder abreist“, meinte Margit Fehrer, Regiseurin der Büdinger Theatergruppe mimikri. Besonders aber erinnern sich noch alle an den zweiten Auftritt, eben den in Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer eV 13 Nova Huta. Hier erlebte es alle Beteilig- ten als eine große Hilfe, daß das Krako- wer Fernsehen zur Aufnahme einiger Sꝰenen erschien. Wir fühlten uns nicht mehr alleine mit unseren Sorgen und wir durften erzãhlen vom Ausländerhaß in Deutschland, der uns erschreckt. Der Grenzen in den Köpfen aufrichtet, wo die Politik dabei ist, gerade diese Gren- Zen Zu überwinden. Auch der letzt Auftritt in der Aula der pãdagogischen Hochschule war dann wieder ein großartiges Erlebnis. Das Goethe— Instiut hatte überall gut plaka- tiert und fast 300 Zuschauer kamen. Gleichzeitig war dieser Auftritt auch Abschied von den meisten Freunden, die unsere Tournee begleitet hatten. Zwei ehemalige Häftlinge fanden sich, die uns dann am folgenden Sonntag nach Auschwitz begleiteten. Hier erleb- ten wir handgreiflich und hautnah, wo- hin Fremdenhaß in Deutschland führt. Und unsere Begleiter, Opfer des Nazi- Regimes; da war keine Spur von Haß, wohl aber der verzweifelte Versuch, über alle Sprachgrenzen hinweg uns ihre Botschaft mit auf den Weg zu ge- ben: Sorgt dafür, daß wir nicht umsonst gelitten haben! Wolfgang Gehrke 14 Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer eV Die wohl wichtigste Versammlung in der jüngeren Geschichte des I. A. K fand in der Jugendbegeg nungsstãtte in Auschwitz am 7.— 8. I. 92 Statt. Wichtig insofern, als daß die Weichen für eine Arbeit auch in der Zukunft gestellt worden sind. Festzumachen wäre dies an den neuen Statuten, die es nun mõglich machen, daß auch Bewahrer des Andenkens“, sprich: Nachgeborene, Nichthäftlinge, jüngere Mitstreiter in die Ent- scheidungskremien des I. A. K aufrücken können. Sie, die Generalversammlung hat den umfassen- den Bericht über den Zustand der Gedenkstätte Auschwitz— Birkenau, des Staatlichen Museums, der Archive, der nationalen Ausstellungen und al- ler anderen Anlagen entgegengenommen. Uber den Verfall der Anlagen sind wir alle erschüttert, zutiefst beunruhigt und um wirksame Konzepte bemüht, weil die Gefahr besteht, daß irreparabele Schäden entstehen. Gleichzeitig würdigen wir die Anstrengungen des polnischen Staates zum Brhalt der Gedenkstãtte. Um den weiteren Verfall aufzu- halten und die weiteren Maßnahmen der Restau- rierung umfassend in Angriff zu nehmen, sind in den nãchsten Jahren ca. 40 Mill. Dollar an Ine- stitionen nõtig. Die Generalversammlung gibt im Namen der Uberlebenden von Auschwitz ihrer festen Uber- zeugung Ausdruck, daß der größte Teil dieser Mittel nach dem international anerkannten Verur- Sacherprinzip, von Deutschland, seinen Großkon- zernen, wie I6 Farben und anderen, die sich an der Arbeit und dem Sterben von Millionen Zwangsarbeitern bereichert haben, erbracht wer- den muß. Sie beauftragt daher das neu gewählte Prãsidium, diese Forderung namens des IAK der Bundesregierung schriftlich zu unterbreiten und sie öffentlich zu machen; wie auch den Parteien des Bundestages zuzuleiten. Solche Aktionen, wie die der Auschwitz— Stiftung in Belgien, der Lagergemeinschaft Auschwit?- Freundeskreis der Auschwitzer eV., die Aktion im NDR oder gleiches sollten Anlaß für alle an- deren Mitgliedsorganisationen sein, in ihren Län- dern ähnliches auszulõsen, um zum Brhalt der Gedenkstãttte Mittel zur Verfügung zu stellen. Die Generalversammlung beschließt, in Auschwitz ein Büro unter der Leitung eines Vize— Präsidenten einzurichten, dessen wichtigste Ausgabe es wãäre, Bericht über die Generalversammlung des IAK alles zu tun und zu koordinieren, was der wichtig- Sten Aufgabe des IAK dient: dem Erhalt der Ge- denkstãtte Auschwitz in allen Teilen, die im UN ESCO— Register des gesamten wertvollen kultu- rellen Erbes der Menschheit benannt sind. Wahlergebnisse: Präsident: Maurice Goldstein Vize— Prãsidenten: Kazek Smolen Kurt Goldstein Paul Halter Christoph Heubner Max Mdrian Leitungskremium: Maria König Esther Bejarano Maria Michalowska Felix Kolmer Hans Frankenthal Carry van Lakerveld Anne v. Törne Karl Forster Hans Joachim Günther Michael Frey (aut Zãhlliste) Hans Joachim Günther Neuigkeiten zur Generalversammlung bei der nãchsten Mitgliederversammlung am Samstag, den 6. Febr. 1993 ⁸ 0 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer eV 15 Sehr geehrter Herr Bundespräsident! Ich Schreibe Ihnen, um Mnen einen dringenden Wunsch aller Eilnehmer der Generulvenummlung des Int. Auschwitẽ Komitees vom 7— 9. 1092 mitzueilen. Groß ist die Gefahr des erjalls der hedeutsumen Anlagen von Auschwite— Birtenau, mit seinem Museum, Seinen Aychiven, veinen nationalen Ausstellungen und den Resten des Lagers mit veinen Ruinen von Gastammenm und Krematorien. Die polnischen Behörden, verschiedene Initiativen und die nutionalen herbdnde der Uherlehenden von Auschitz haben Sich viel Mühe gemacht, um die Anlagen zu eralten, doch hleiht die Gefahr, daß mit der Zeit die Reste des grõßten Kon⸗ zentrationslagers der Naxionalsoialisten verschinden werden. Fir die Vherlebenden von Auschwitz, und nicht nur für diese, muß Auschwit eine arnung an die Menschheit und ein Aufuf zur achsumkeit sein, dumit die Men- Schemvünde gewahrt hleiht. Die Uherlehenden von Auschwitz sind der Meinung, weil es ein deutsches Lager vur hat Deutschland die Pflicht auch die Kosten ſür die Erhaltung und den Schut der hedeutsamen Anlage von Auschwit zu übernehmen. Es vcheint uns auch logisch zu vein, daß auch die vielen deutschen Unternehmen die vich an der Arbeit vieler Opfer bereichert haben uns auch unterstüten müßen, um Auschnwit ⁊u erhalten. Herr Prdsident, ich hedanke mich fir Ihre Bemühung unserem Wunsch zu entspre- chen. Mit Feundlichen Grüßen Prof Maurice Goldstein Prdsident des int. Auschwitz Komitees Sinngemãße Ubersetzung aus dem Franzsischen) Hg. 16 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der AuschWitzer eN AUSCHMWTZ UNSER MONATLICHER im Gemeindehaus der ev. St. Katharinengemeinde Myliusstraße 33, 6000 Frankfrt/ Main Bitte vormerken: Sumstag, der 30 Januar 1093 Sumstag, der 6 Fhruar 1093 Mitgliederversammlung um 15.00 Uhr. Seperate Einladung ergeht an die Mitgliedschaft. Sumstag, der 3. Mdn 1993 Rechte Zeiten“ Filvorstellung mit anschließender Aussprache. Unsere Bankverbindungen: Postscheckamt Frankfurt/ Main BLZ 500 100 60 für Organisation † Polenaktionen: Kto.Nr. 51664— 608 Sparkasse Wetterau BIZ 3ls 3500 70 für Organisation † Polenaktion: Kto.-Nr. 0020000503 0 für Studienreisen: Kto. Nr. 0020000660 für Aktion Auschwitz— Stop dem Verfall“: Kto. Nr. 0020002000 Impressum: Herausgeber: Lagergemeinschaft Auschwitz/ Freundeskreis der Auschwitzer eV. Verantwortl.: Hans Joachim Günther Keesburgstraße 29 A 0 8700 Würzburg Telefon 09 31 /7 59 80 Mitarbeiter: Keine Auflage: 2000 Exemplare Die Mitteilungen erscheinen vierteljãhrlich. Nachdruck gegen Zusendung eines Belegexemplares gestattet. Namentlich gekenmeichnete Artikel stimmen nicht in jedem Fall mit der Meinung des Herausgebers und der Redaktion überein. . Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der AuschMitzer eV Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer eV —— Farbkarte 613 8GHAFT AUSCHWITZ [S DER AUSCGFHWTAZEBR EV.