LAGERGEMEINSCHAET AUSCFHWITZ FREUNDESKREIS DER AUSCHWTAZER E. V. 12. Jahrgang Nr. 3 Mitteilungsblatt August 1992 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Aus dem Inhalt Studienreise Okt. 1992 Nachrichten: Auschwitz-Stop dem Verfall' Unser monatlicher Treffpunkt Film des Monats Informationen zum Podiumsgespräãch am 19.06. Nachruf auf Heinz Galinski Spende für Auschwitz Für gequãlte Hunde.. KZ Auschwitz vor Verfall retten R. Giordanos Brief an Bundeskanzler Heiner Lichtenstein: Zur zweiten Schuld.. Auschwitz-Birkenau als Gedenkstätte erhalten Geburtstagsgrüße Kein Gras über Auschwitz.. Seite Briefe von Heinz Galinski, Simon Wiesenthal, Hess. Ministerprãsident H. Eichel 24 Nachruf auf Krystyna Zywulska Spendennachweis Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V. ASChMWE Wir laden ein zur: Studienreise 1992* Unsere zweite Studien u. Bildungsreise im Jahr 1992 soll uns diesmal auch an Stãtten der NSVergangenheit in Osterreich und der Tschechoslowakei führen. Wir wollen mit unserer Reise versuchen, den Teilnehmern das damalige Geschehen zu ver- mitteln, Geschichte aufzuarbeiten. Die Kontakte mit noch lebenden ehemaligen Hãftlingen sollen dazu beitragen, vieles be- greiflicher zu machen und Anregung dafür geben, gegen neue Gefahren oder Wiederholung von Ahnlichem etwas zu tun. Reisetermin: 03.10.—16.10.1992 Reiseroute: Frankfurt/M.-Passau Linz/Ponau(in sterreich werden wir erstmals über- nachten)Besuch der Gedenkstãtte Ebensee- KZMauthausen- Prag mit ãltester Synagoge Europas Aufenthalt in Prag und Besuch der Gedenkstãtte Lidice· Theresienstãdter Ghetto- Krakow(dort werden wir privat wohnen) KZAuschwitz und Birkenau- Zgorzelec-Frank- fur/M Unterkunft und Verpflegung: Wir werden in einfachen Hotels oder auch privat bei ehemaligen Hãäftlingen wohnen. Ab Passau bis Zgorzelec Vollverpflegung. Fũhrungen und Fintrittsgelder sind im Reisepreis enthalten. Teilnehmerzahl maximal 25 Personen. Reisepreis: DM 900.— 1 rgele— chwitz deoTSCRd Anmeldeschluß: 18.09.1992 ℳ. Llee Wir bitten um baldige An- rchectioxioMAet meldung! Nach erfolgter An- meldung erhalten Sie weitere ausführ- liche Informationen über die genaue Reiser- oute und Programm. Anmeldepostkarte liegt bei. Jeder Teilnehmer benötigt einen bei Antritt der Reise noch mindestens 6 Monate gültigen ·Reisepaß. PS: Die Reisen kõnnen für Arbeitnehmer als Bildungsreise“ für Lehrer als Lehrerfortbil- dungsreise genutzt werden. Genaueres kõnnen Sie bei unserem Mitarbeiter und Mitglied Dr. Dieter Werner erfragen. Math V *Ebens* SsrERReict Anmeldung an: Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Schillerstraße 18, W6309 Münzenberg 1, Telefon(06033) 6 01 68 Konio für Studienreise: Wetterauer Sparkasse, BIZ 518 500 79), KontoNr. O 020 000 660 2 Lagergemeinschaft Auschwitz- F̃reundeskreis der Auschwitzer e. V. Nachrichten zur Aktion Auschwitz-Stop dem Verfall“ Auf das Konto der'Lagergemeinschaft Au- schwitz- Freundeskreis der Auschwitzer e.V. sind bisher DM 75 000.— eingegangen. Die Lagergemeinschaft Auschwit?-Freun- deskreis der Auschwitzer e. V.“ wird die AK- tion bis Dezember 1992 weiterführen. Wir legen diesem Mitteilungsblatt nochmals Einzahlungsscheine für die Aktion bei und bitten Sie um Weitergabe an Ihre Freunde und Bekannten. Unsere Sondernummer'Auschwitz- Stop dem Verfall liegt in genügender Anzahl bei uns vor. Wir senden auf Anforderung Inter- essenten die gewünschte Anzahl kostenlos zu. Wie wir erfahren, ist in Bonn eine Kom- mission Auschwitz“ gebildet worden. Es geht um den Beitrag Deutschlands gegen den Verfall von Auschwitz. Das Auswärtige Amt und Finanzexperten sollen beraten und ra- sche Entscheidungen fällen. Einzahlungen für die Aktion Auschwitz- Stop dem Verfall“ nur auf KontoNr. 00 2000 2000, Sparkasse Wetterau, BIZ518 3500 79 AUSCHWTZ UNSER MONAILICRHER 6 im Gemeindehaus der ev. St. Katharinengemeinde Myliusstraße 353 6000 Frankfurt/ Main Bitte vormerken: 2. Sept. 1992 8 Der 2. Weltkrieg und Auschwitz 7. Okt. 1992 Pas mit den Russenweibern.. d. Nov. 1992 Die Progromnacht von 1938 19.30 Uhr Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Wegen dieses Krieges Wegen dieses Krieges von Orna Ben-Dor Niv handelt von den Nachwirkungen des Holocaust auf die nach„jenem Krieg“ in Israel geborenen Kindert ein in der israelischen Offenilichkeit bisher wenig diskutiertes Thema. im Privatle- ben zahlreicher israelischer Familien aber ein Trauma. Im Mittelpunkt des Films stehen vier Menschen aus beiden Generationen: Der Rocksänger Vehuda Poliker und sein Freund und Produzent Makov Gilad— zwei populäre und engagierte Vertreter der israelischen Musikszene. Sie haben nicht nur über die Musik zusammengefunden, sondern auch über die Geschichte ihrer Eltern. Uberlebende des Holo- caust. die das Leben der Jüngeren nachhaltig beeinflussen. Polikers Vater Jaco wurde von Saloniki aus in ein Vernich- tungslager geschickt. Seine Frau. sein Sohn und die jünge- ren Brüder wurden umgebracht, er selbst überlebte das Lager. Gilads Mutter Halina Birenbaum war zehn Jahre alt. als die Nazis Warschau besetzten. sie entkam in letzter Minute der Gaskammer. Der Film zeigt eindringlich, aber zurückhaltend, überwie- Lond heschränkt auf die Dokumentation von Gesprächen in den Familien. wie die beiden umerschiedlichen Men- schen Jaco Poliker und Halina Birenbaum doch in ähnlicher Weise ihre Vergangenheit zu bewältigen versuchen: Sie wie- derholen tagtäglich und fast zwanghaft ihre Geschichte. um die Erinnerung. venn schon nicht los zu werden. wenig- stens ertragen zu können. Und die Hüngeren müssen immer wieder zuhören. obwohl sie es cigemlich irgendwann nicht mehr hören wollen. Sie müssen die wiederkehrenden Alp- träume der Eltern ertragen, ihre Verbote. die übersteigerte Furcht vor Verlusten. vor dem Weggehen zum Spielen auf dem Hof. Schließlich nehmen die Kinder— selbst schon erwachsen— sogar Einschränkungen ihrer Freiheit in Kauf. Der Film zeigt, wie die Jungen und die Alten mit einem Leben voller Schuldgefühle umgehen. Sie tun dies produk- tiv: Mhuda Poliker und Vaakov Gilad verarbeiten in ihrer Musik die Geschichte ihrer Familien; Gilads Mutter schreibt Texte für diese Lieder. sie veröffentlicht Gedichte und Werke ermordeter Schriſisteller, sie hält Vorträge und schreibt eine Biographie über Polikers Vuter Jaco. Der Film ist sicher ein Beitrag. Erinnerung wach zu halten: seine Stärke liegt aber vor allem darin, das Tabu der Aus- wirkungen des Holocaust auf die Kinder der Uberlebenden öhentlich?u machen. Montag, 9. Nov. 1992 um 19.30 Uhr Hugenottenhalle Neu Isenburg Q — 0 — S — — 0 — — 8 ₰ S — — 65 — — —— — 0 E — — 0 — 60 — — D 4 Lagergemeinschaft Auschwitz- F̃reundeskreis der Auschwitzer e. V. Referat auf dem Podiumsgespräch am 19.6.1992 in Frankfurt am Main von Kazimierz Smolen Sehr geehrte Damen und Herren! Noch wäãhrend der Zeit des Bestehens des Kl. Auschwitz waren viele Häftlinge der Meinung, daß dieser Ort, an dem hundert- tausende von Menschen: Männer, Frauen und Kinder, durch Hunger, Schläge Krank- heiten und Exekutionen ermordet und durch Zyklon B in den Gaskammern getötet wur- den, geehrt werden muß. Natürlich wußte niemand, auf welche Wei- se und in welcher Form dies geschehen soll. Man wußte nur, daß die tragische Ge- Schichte dieses Ortes schon weltbekannt war. Die Informationen über die Nazi-Ver- brechen in Auschwitz wurden durch die Hãftlings· Widerstandsbewegung aus dem Lager herausgeschmuggelt. Dank dieser er- schienen Nachrichten in der illegalen Pres- se; Kommuniques sind nach London ge- langt, vogar in die Schweiz und in die USA. Die Häftlinge von Auschwitz waren davon überzeugt, daß auch wenn sie selbst die Freiheit nicht mehr erleben würden, die Na- tionen, deren Bürger im KL gemartert wur- den, gekämpft haben und umgekommen sind, Auschwitz ehren werden. Deshalb ist es kein Zufall gewesen, daß schon 1945 ein Mitglied des damaligen pol- nischen Parlaments, Dr. Mfred Fider kie- v¶cz, Selbst ein ehemaliger Auschwitz Hãäft ling, im Namen einer Gruppe von Abgeord- neten einen Antrag stellte, daß Auschwit?z und Majdanek geehrt werden sollen. Ob- wohl das Land Polen wirtschaftlich und biologisch ruiniert und viele Städte und Pörfer zerstõrt waren, wurde dieser Antrag einstimmig angenommen. Ein Geset? wur- de verabschiedet, das berücksichtigte, daß das Gebiet und die Objekte des ehemaligen KI als Denkmäler des Martyriums der pol- nischen und anderer Nationen zu betrachten Sind. Aus diesem Grunde wurde Polen zum Realisator des Testaments der Opfer der Nazi Menschenverbrechen. Diese Pflicht war eine große Ehre, wenn auch eine sehr schwere Aufgabe. Das 1947 herausgegebene Gesetz stellte fest, daß das Terrain des ehemaligen KI. Auschwitz einschließlich der sich dort be- findenden Objekte und Einrichtun- gen'( für ewige Zeiten? erhalten bleiben müssen. Die Pflege wurde dem Staatlichen Museum Auschwitz übergeben. In dem Moment, in dem das Museum ins Leben gerufen wurde, existierte keine ver- gleichbare Einrichtung, an der man sich hãtte orientieren können, um ein Programm zu erarbeiten. Deshalb hat man eine ge- schichtliche Kommission und spãter einen Museumsrat eingerichtet, in denen viele Diskussionen geführt wurden., durch wel- che die Grundlagen der Arbeit des Mu- Seums festgelegt wurden. Wãhrend dieser Diskussionen, in denen die Form dieser Stätte besprochen wurde, bemühte man sich festzustellen, ob es ein Museum, ein geschichtliches Institut, ein Denkmal oder ein Friedhof sei. Im Laufe der Zeit, und bestimmt seit 1956, Stellte man fest, daß das Museum in Ausch- witz alle diese Funktionen erfüllt. Der Aus- stellungsteil, die Führungen durch die Ex- position und das Gelãnde, sind sicher Funk- tionen eines Museums. Das Sammeln und Verwerten von Dokumenten, die Untersu- 6 chungen in den Archiven und dem Gelãnde, das Schreiben von historischen Arbeiten, die Vorlesungen und Veröffentlichungen von Bearbeitungen sind Aufgaben eines Im stituts. Die Erhaltung und die Konservie- rung von Objekten muß man der Denkmal- pflege zurechnen. Aus dem Obigen geht hervor, daß die Auf- gaben, die sich die ersten Mitarbeiter stell ten, zu vielfältig waren für die Möglichkei- ten des Museums. Diese ersten Mitarbeiter einschließlich des Direktors waren hauptsãchlich ehemalige Häftlinge. Die Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Anfangstätigkeit des Museums hatte des- halb viele Elemente spontaner Improvisati- on. Man muß außerdem noch unterstrei- chen, daß die Mitarbeiterzahl sehr klein war (1955 ca. 4050 Personen). Zusätzlich litt das Museum seit Beginn bis heute an feh- lenden Finanzmitteln. Diese Einleitung ist deshalb unentbehrlich, da seit einiger Zeit das Interesse an dem weiteren Schicksal der Gedenkstätte sehr groß ist. Man sollte aber nicht vergessen, daß diese schon oft alarmierend auf die Verschlechterung des Erhalts der Objekte und die unzureichenden Finanzmittel auf- merksam gemacht hat. Auf die vᷣchwierige Situation hat nicht nur das Museum hinge- wiesen, sondern auch das Internationale Auschwitzkomitee. Diese Apelle fanden zum Beispiel ein Echo in den langjährigen Arbeiten, welche von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste, verschiedenen anderen Or- ganisationen und der Lagergemeinschaft Auschwitz geleistet wurden. Diese Unter- stützung war sehr unterschiedlich, anfangs unter anderem in Form von Hilfsarbeiten zum Erhalt des Geländes und von Spenden, wie Büromaterial, Kopierapparaten und Fo- tomaterial. Diese Hilfe war und ist sehr wertvoll, sie ermöglicht jedoch nicht die faktische Tätigkeit des Museums. Seit über 45 Jahren lastet das Hauptgewicht der Finanzierung auf Seiten des polnischen Staates. Dank des Rats der Gedenkstätte, welcher neben dem Ministerium für Kultur und Kunst einberufen wurde, konnte man viele Aufgaben ausführen und finanzieren. Hier muß man feststellen, daß Auschwitz- Birkenau auf dem Gebiet steht, auf dem vorher polnische Menschen lebten. Sie wurden ohne Entschädigung ausgesiedelt. Diese Entschädigung wurde aus dem Bud- get des polnischen Staates bezahlt. Die Summe war sehr hoch(1956 ca. 60 Mio. Z. Nur für die konservatorischen Arbeiten hat man dem Museum große Mittel zur Verfü- gung gestellt. Dieser große Beistand des polnischen Staates hat es ermöglicht, daß die Objekte weiterhin stehen, obgleich in einem sehr schlechten Zustand. 1956 hat das Museum ein Programm und einen Zeit- plan für die konservatorischen Arbeiten er- stellt. Man hat alle Objekte und ihren tech- nischen Stand unter konservatorischen Ge- sichtspunkten geprüft und Richtlinien für ihren Erhalt erarbeitet. Me diese Richtlini- en hat man realisiert, wobei man dem Grundsatz folgte, daß die Objekte in ihrem Originalzustand bleiben sollten, bis auf not- wendige Reparaturen, Verstärkungen und Entwãsserungen. Es wurde nichts abgeris- sen und neu aufgebaut. Diese Arbeit führte oft dazu, da. man eine Baracke auseinan- dernahm, ihre Elemente chemisch behan- delte und sie wieder zusammenbaute. In den gemauerten Baracken in Birkenau, in denen die tragenden Wände der Last des Daches nicht standhielten, hat man die Wãnde geankert. ähnlich behandelte man die Lagerküche in Auschwitz I. Das Gebäu- de der großen Sauna in Birkenau, welches teilweise 1952 einstürzte, baute man aus demselben Material wieder auf und sicherte es. Solche Beispiele kann man vielfach nen- nen. Die überwuchernde Vegetation in Bir- kenau und Auschwitz hat man entfernt, und dies ist eine große Leistung von Aktion Sühnezeichen Friedensdienste gewesen. Man muß unterstreichen, daß dies eine Sys- sifusarbeit ist, denn es ist ein Kampf gegen die Natur, bei dem aus ökologische Grün- den keine chemischen Mittel eingesetzt werden dürfen. Ich muß darauf aufmerksam machen, daß das Gebiet über 190 ha umfaßt, die Zahl der Objekte beläuft sich auf über 150 und die Kubatur auf über 400.000 m3. Dies ist so groß wie ein Stadtteil. Ein Stadtteil ohne Bewohner ein ausgestorbener Stadtteil, in dem jede Kleine Zerstörung zu einer Ver- größerung der Degradation des Objektes führt. Das Museum wollte und will die Zahl 6 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. der konservatorischen Arbeiter vergrößern und sie mit dem richtigen Werkzeug ausrü- sten. Natürlich führt auch dies zu einer Ver- grõßerung der benõtigten Finanzmittel. Am wichtigsten ist es, die richtigen Mittel zur Konservierung zu finden, wobei es sol- che sein sollten, die das Leben der verwen- deten Baumaterialien verlängern. Es ist wichtig darauf zu achten, daß keine neuen Materialien benutzt werden, die es wãhrend der Lagerzeit nicht gab. Mit diesen Informationen mõchte ich dar- auf aufmerksam machen, daß die Stimmen, die heute weitere Finanzmittel für das Mu- Seum fordern, berechtigt sind. Richtig sind auch die Informationen, die den Fortschritt der Degradation der Lagerrelikte beschrei- ben. Wenn der polnische Staat nicht gehol- fen hätte und weiterhin hilft, würde in Bir- kenau heute keines der Lagerobjekte mehr stehen. Mit großem Interesse habe ich den Artikel gelesen von Heiner Lichtenstein: Zur Zweiten Schuld käme dann die dritte- Aus- chwitz verfällt- und wenn Deutschland nicht bei der Restaurierung hilft, wird bald nichts mehr zu sehen sein.“ Außergewöhn- lich richtig ist hier der Gedanke: Experten müssen sich zusammensetzen und ausrech- nen, wieviel Geld benõtigt wird.“ Man muß aber zugeben, daß die Experten zunächst ein Programm zur Revalorisation vorlegen müssen, welches die historischen Elemente dieses Ortes berücksichtigt. Bir- kenau soll wie ein Reservat? erhalten blei- ben. Das Problem der Konservierung ist sehr kompliziert. Auf der einen Seite stehen das Gesetz, die Gesamtheit der Besucher und die ehemaligen Häftlinge, die mit Recht verlangen, keinerlei Veränderungen auf dem Gebiet des ehemaligen Lagers vorzu- nehmen. Auf der anderen Seite verlangen die Konservierungsnotwendigkeiten die Durchführung verschiedener Abänderun- gen. In wieweit diese zwei Ansichten in Ubereinstimmung zu bringen sind, gehört mit zur objektiven, fachmännischen Dis- kussion. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Zum Tod von Heinz Galinski Am 19.07.1992 verstarb der ehemalige Auschwitz-Häftling Nr. 104412 Heinz Ga- linski. Wir, die Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer e.V. hatten ihn eingeladen zum Podiumsgespräch am 19.06. 1992 nach Frankfurt/M. Finziges Thema war“Au-schwitz- Stop dem Ver- fall“. Heinz Galinski konnte nicht mehr kommen (Siehe seinen Brief aus Seite). Aber der Brief zeigt die Aufrichtigkeit um das Enga- gement, wenn es um Auschwitz ging. Heinz Galinski war von vielen Menschen geachtet, geliebt dank Seiner Aufrichtigkeit, aber ebenso von anderen, den Ewiggestri- gen geschmãht und verleumdet. Insbesondere von alten und neuen Nazis, S der Unmenschlichkeit, gehaßt. Bis zur Morddrohung gingen die Anfeindungen. Heinz Galinski, der Auschwitz, Dora und Bergen Belsen überlebte, ließ sich nicht einschüchtern. Er war, wie alle Uberlebenden von Auschwitz, unbeugsam und unerschrocken. Die in Auschwitz erlittenen Verletzungen hatten Heinz Galinski für sein ganzes ferneres Le ben geprägt. Oft wurde er mißverstanden, rief Unmut hervor. Er konnte kantig und eckig sein, und man- cher stieß sich an seiner Art. Eines aber war er immer: aufrichtig, sagte egal auf abschbare Reaktionen- was er dachte und für richtig empfand. Es ist ohne Zweifel oft Schwierig, einen Auschwitzer zu verstehen. Doch Hein? Galinski, der durch seine Erlebnisse von Auschwitz psychisch als auch physisch zu kämpfen hatte, ent- wickelte wenn es um Auschwitz ging unerschöpfliche Kräfte. Nie wurde er müde, auf die kleinen und grõßeren tãglichen Geschehnisse sofort zu reagieren. Wãhrend wir das Gesche- hen, das Tãgliche verfolgen und erschrecken, war Heinz Galinski sofort dabei, Stellung zu nehmen. Oft lautstark und aggressiv, wie es eben nur'der Auschwitzer“ konnte. Wie stehst du zu Auschwitz- war sein Maßstab, an dem er alle und jeden gemessen hat. Oh- ne ihn ·Heinz Galinski gãbe es keine so große und gute Jüdische Gemeinde Berlin. Trotz seiner grauenhaften, nicht nachvollziehbaren Auschwitzerlebnisse, bemühte er sich stets um Versõhnung und Ausgleich. Diese Kraft zur Versõhnung war und ist bewunderns- weft. Heinz Galinski war unbequem aber auch unermüdlich. Der Mord an seinen Eltern, seiner ersten Frau in Auschwitz belasteten ihn, machten ihn aber gleichzeitig stark als Mahner im Kampf gegen Haß, Menschenverachtung, gegen das Ver gessenwollen. Die Stimme des Mahners Deutschland ist fast nicht erset?bar. Mit Scharfsinn und Beharrlichkeit hat Heinz Galinski das politische Leben in Deutschland mitgeprägt. Wir sind erschũttert über seinen Tod und trauern aufrichtig. 3 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 2500 DM Spende für Lager Auschwitz Kreis will mithelfen, Verfall zu stoppen/ Spendenappell an Bevölkerung WETTERAUKREIS(to), Der Wetterau- kreis Spendet 2500 Mark für den Frhalt der Gedenkstätie auf dem Terrain des ehemaligen Konzentrationslagers Au- schwitz-Birkenau. Das beschloß der Kreisausschuß, die Initiative war von Landrat Rolf Gnadl und seiner Stellver- treterin Gila Gertz ausgegangen. Gila Gertz meinte in einer Pressekonfe- renz in Friedberg, dabei könne es nicht bleiben. Sie denkt etwa daran, vom Kreis aus Friedenscamps für Jugendliche in Auschwitz zu veranstalten und zu finan- zieren, um die Erinnerung an die Nazi- verbrechen aufrecht zu erhalten. Gnadl und Gertz riefen die Bevölkerung auf, mit ihren Spenden ebenfalls für den Erhalt dieser historischen Stätte des Grauens zu sorgen. Die in Gambach an- Sassige„Lagergemeinschaft Auschwitz“ hat dafür ein Sonderkonto bei der Spar- kasse Wetterau eingerichtet unter dem Titel„Auschwitz— Stopp dem Verfall“ Die Kontonummer lautet 00 2000 2000, BLZ 518 500 79. Der Kreis veranstaltete bislang eine Reihe von Fahrten zum ehemaligen Konzentra- tionslager Auschwitz. Die Besucher konnten sich überzeugen, daß die Ge- bäude, auch bedingt durch die Schlechte Versorgungslage in Polen, dem Verfall ausgesetzt sind. ,Wir wollen mit unserer Spende deutlich machen, daß wir sehr wohl unser historisches Erbe auch als Aufgabe betrachten, die nicht nur staatli- chen Stellen zufällt. Insbesondere die Auseinandersetzung mit unserer Ge- Schichte, die in der planmäßigen Ver- nichtung einer ganzen Volksgruppe gip- felte, darf nicht verdrängt wepden“, sagte Gnadl vor der Presse. Frankfurter Rundschau, 11. Aug. 1992 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 9 Für gequãlte Hunde mehr Spenden als für Auschwitz Lagergemeinschaft veranstaltete Podiumsdiskussion- Verfall droht: Ehemaliges KZ soll als Mahnmal erhalten werden Münzenberg/Frankfurt(ütz). Den Verfall des ehemaligen Konzentrationslagers Auschwitz in Po- len zu stoppen, hat sich die Lagergemeinschaft Auschwitz(Münzenberg) zum Ziel gemacht. Man bemüht sich darum, das KZauch für künftige Ge- nerationen als Mahnmal zu erhalten, nicht zuletzt auch deshalb, um rechtsradikalen Parolen, die die Massenvernichtung der Juden leugnen, einen sichtbaren Gegenbeweis vor Augen führen zu kön- nen. Eine bundesweite Spendenaktion läuft, und in deren Rahmen fand kürzlich in Frankfurt eine hochkarätig besetzte Podiumsdiskussion unter der Moderation von Ulrike Holler vom Hessischen Rundfunk statt. Das Anliegen der Lagergemeinschaft hat seit ei- nem Filmpbeitrag des Norddeutschen Rundfunks in „Panorama« eine größere Beachtung gefunden. Al- lerdings, so berichtete MDR-Redakteurin Patricia Schlesinger, waren die Reaktionen des Fernseh- Publikums auf den Beitrag durchaus nicht nur wie gewünscht: Eine Flut von Leserbriefén sei die Fol- ge gewesen, und viele hätten sich megativ zu dem Thema geäußert. Dies sei so weit gegangen, daß die Renovierung des KZ zwecks Wiederinbetriebnah- me für Juden und Türken gefordert worden sei. Unter diesem Aspekt relativierte die Redakteurin auch die bislang, eingegangene Spendensumme von ũber 300 000 Mark: Nach einer Sendung über mißBhandelte Hunde sei ein weit höherer Betrag gespendet worden, und dies, ohne daß ein konkre- ter Aufruf erfolgt sei. Der langjährige Direktor des Museums Ausch- witz, Kazimierz Smolen, stellte die akuten Verfalls- erscheinungen in dem Lager dar. Es sei dringend notwendig, daß Fachleute mit historischem Wissen und mit Sensibilität dort Denkmalschutz betrie- ben. So sei es beispielsweise nicht gut gewesen, daß kürzlich in einer Rampe leuchtend gelber Kies 10 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. aufgebracht worden sei. Ein für Touristen»aufge- mõbeltes« Auschwitz lasse noch leichter die Stra- pazen vergessen, denen damals die Hãftlinge in Hitze, Regen und Sturm ausgesetzt gewesen seien. Der ehemalige KZ-Häftling Hermann Reineck aus Münzenberg berichtete in diesem Zusammen- hang unter anderem von Schlammlöchern, die sich vor 50 Jahren nach jedem Gewitter auftaten. Man könne auch die Gräben, in denen Leichen ver- prannt wurden, nicht»sauber« zuschütten,»damit Touristenschuhe nicht beschmutzt werdens. Ignaz Bubis, der Vorsitzende der Jüdischen Ge- meinde Frankfurt, sprach sich für ein umfassendes Gesamtkonzept zur Renovierung in Auschwitz aus. Der Bundestagsabgeordnete Siegried Vergin mein- te dazu, daß die Deutschen und ihre Regierung bei der Gestaltung der Konzeption nicht mitzubestim- men hätten, sondern dies Aufgabe von polnischen Fachleuten sei. Das dürfe allerdings nicht bedeu- ten, fügte Kurt Goldstein vom Internationalen Auschwitz-Komitee an, daß Deutschland aus der Verantwortung sei. Er wies auf punktuelle Hilfen hin, die die Bundesregierung bisher geleistet habe. Auch Christoph Heubner von der Aktion Sühnezei- chen-Friedensdienste sprach von der Pflicht jeder Landesregierung und jedes Kommunalparlaments, zum Erhalt von Auschwitz beizutragen. Allgemein wurde vom Podium die Meinung ver- treten, daß auch die Großindustrie, ins besondere jene, die durch Häftlingsausbeutung in Auschwitz direkte Gewinne zog, gegen den Verfall etwas Zu unternehmen habe. Aus dem Publikum wurde unter anderem der praktische Arbeitseinsat?z von Schüler- und Ju- gendgruppen in Auschwitz gefordert.»Wer Zy- klon-B-Behälter und menschliches Haar der Getõ- teten konserviert, ist gegen dümmliche Propagan- da von rechts besser gewappnet«; lautete die Be- gründung. Die Lagergemeinschaft wertete ihre Veranstal- tung als vollen Erfolg und weist auf die Fortset?ung der Spendenaktion hin. Für FEinzahlungen wurde bei der Sparkasse Wetterau die Kontonummer 00 2000 2000 eingerichtet. Wetterauer Zeitung, 5.8. 1992 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 11 KZ Auschwitz vor Verfall retten Lagergemeinschaft startet Spendenaktion/Podiumsdiskussion zum Thema WETTERAUKREIS(pm). Die„Lager- gemeinschaft Auschwitz— Freundes- kreis der Auschwitzer“ kämpft gegen den Verfall des ehemaligen Konzentra- tionslagers Auschwitz. Um auf den ma- roden Zustand dieses Mahnmals hinzu- weisen, veranstaltet die Lagergemein- schaft am heutigen Freitag, 19. Juni um 18 Uhr im Festsaal des Kolpinghauses in Frankfurt eine Podiumsdisküssion. Mo- deriert wird die Veranstaltung, die in Ausschnitten auch im Fernsehen gezeigt wird, von der hr-Redakteurin Urike Holler. Die Lagergemeinschaft hat ein Sonderkonto bei der Sparkasse Wetterau eingerichtet: Konto-Nr. 00 2000 2000, BLZ 518 500 79. Die riesigen Anlagen der ehemaligen To- des fabrik in Auschwitz und der Nebenla- ger sind dem Witterungsverfall und der ungenũgenden Bauunterhaltung preisge- geben. Wie dramatisch die Zerstörung schon fortgeschritten ist, wurde erst kürzlich in einer NMDR-Panorama-Sen- dung dargestellt. Parallel dazu laufen verstãrkt Aktionen von Rechtsradikalen in der Bundesrepublik, die die Existenz des Konzertrationslagers Auschwitz leugnen. Hermann Reineck aus Gambach, ehe- maliger Häftling und Präsident der La- gergemeinschaft Ausschwitz:„Läßt man Auschwitz weiter so zerfallen, ist der Zeitpunkt absehbar, wo der politischen Rechten der reale Gegenbeweis zu ihren Hetzparolen nicht mehr vorgeführt wer- den kann? Die Lagergemeinschaft hatte deshalb im Mãrz erstmalig zeitgleich mit dem NDR zu einer Spendenaktion gegen den Ver- fall der Gedenkstätte Auschwitz aufge- rufen und selber Spontan mit 30 000 DM einen Großteil des Kassenbestandes zur Verfügung gestellt. Zwischenzeitlich wurden der Lagerge- meinschaft weitere rd. 20 000 DM ge- Spendet. Etwa die zehnfache Summe ist auf den Konten des NDR eingegangen. Auch der polnische Staat unternimmt sein Bestes. Alles ist in Anbetracht der benõtigten Millionen nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Diethardt Stamm aus dem Vorstand der Lagergemeinschaft er- klärt:„Die Spendenaktionen müssen im Interesse der Wahrheit, des Gedenkens. des Nichtvergessens, der historischen Be- schäftigung und der Gestaltung der ak- tuellen Politik weiterlaufen. Auschwitz darf nicht zerfallen. Warum Auschwit?z unbedingt erhalten bleiben soll, darüber sprechen Ignaz Bi- bis,(Vorsitzender der jüdischen Gemein- de Frankfurt, Elisabeth Abendroth, Kul- turamt der Stadt Frankfurt), Kurt Gold- stein vom Internationalen Auschwitzko- mitee, Christoph Heubner von der Ak- tion Sühnezeichen/ Friedensdienste, WDR-Journalist Heiner Lichtenstein, Patricia Schlesinger als Autorin des Pa- noramabeitrages, Beate Schneben-Rauer von Zeichen der Hoffnung, Frankfurt, und die SPD-Bundestagsabgeordnete Sigfried Vergin. Gäste aus Polen sind Prof. Dr. Jacek Marecki, Historiker aus Warschau und Kazimierz Smolen, ehe- maliger Direktor des Museums Au- schwitz. Butzbacher Zeitung“ 19.6. 1992 12 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. VUnd Auschwitz, Herr Bundeskanzler,-Auschwitz?“ Offener Brief an Helmut Kohl/ Von Ralph Giordano Köln, 11. Januar 1992 Sehr geehrter Herr Bundeskanzler! Darf ich Sie, falls nötig, darauf aufmerksam machen, daß die Ge- denkstätte Auschwitz verfällt? Daß aus Geldmangel dort, wo zwischen März 1942 und November 1944 Mil- lionen Juden und Hunderttausende Sinti und Roma aus dem ganzen deutsch besetzten Europa systema- tisch umgebracht worden sind, die Reste der größten Schädelstätte in der Menschheitsgeschichte vom Un- kraut überwältigt zu werden dro- hen? Die letzte erhaltene Gaskam- mer(30 m lang, 7 m breit, 2 1/2 m hoch, Tötungskapazität seinerzeit bis zu 3000 Menschen innerhalb von 10 Minuten) versinkt langsam im Morast des Untergrunds, ebenso die Häftlingsbaracken, deren umge- stürzte Schornsteine bereits die oh- nehin mürben Fundamente zer- trümmert haben. Die Dächer sind abgedeckt, die Scheiben zersprun- gen, die Fensterrahmen verrottet, die Pfähle um das Lager verrostet. Wenn nicht rasche Hilfe kommt, wird das Haargebirge in Block 4 und die aus ihnen gefertigten Stoffballen (in denen noch die Spuren des To- desgases Zyklon B nachweisbar sind) unwiederherstellbar verschim- meln, wie die Koffer, die Schuhe und die Prothesen, die den Todge- weihten abgenommen worden wa- ren. Das heißt: ohne nachdrückli- chen Eingriff wird die Gedenkstätte Auschwitz insgesamt ebenso ver- schwinden, wie schon der Steg über den See, in den die Asche der Er- mordeten aus dem Krematorium 4 mittels Loren gekippt wurde. Uber die Problematik seit langem informiert, entnehme ich die akute Zustandsschilderung dem alarmie- renden Bericht von Monika Held im Magazin der„Süddeutschen Zei- tung“, ein publizistischer Aufschrei: „Wenn die Schornsteine in Birkenau umfallen, dann wird die Landschaft aufhören, stumm 2u erzählen von den Menschen in Auschwitz.“ Was geht hier vor, Herr Bundes- kanzler? Sollen denn wirklich jene Unverbesserlichen triumphieren, die schon immer„Schluß machen“ wollten, womit sie in Wahrheit nie angefangen haben? 6 Zwar steht dieses grauenhafteste aller Museen auf polnischem Boden, aber das Original war von Deut- schen errichtet worden. Wäre des- halb nicht die Bundesrepublik, schon vor ihrer neuen, größeren Einheit immer wieder offiziell als Rechtsnachfolger des Dritten Rei- ches proklamiert, der eigentlich ver- antwortliche Konservator der Ge- denkstätte? Auschwitz ist die fürch- terlichste Schöpfung unserer Ge- schichte, errichtet im Kontext eines Systems, dessen Verbrechertum Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 13 sich mit Hilfe seiner Armeen weit über die deutschen Grenzen hinaus- katapultiert hatte. Hier hilft keine Enthistorisierung und Entnazifizie- rung der Hitlerwehrmacht, dies war ihre historische Rolle— der Vor- marsch bis Stalingrad und Ausch- witz sind die Kehrseiten ein und derselben Hakenkreuzmedaille. Na- türlich, die Schuld der Generatio- nen, die aus näherer oder weiterer Distanz, objektiv oder subjektiv, an Auschwitz und allem, was es symbo- lisiert und materialisiert, mitgewirkt haben, kann nicht auf die Söhne und Töchter, die Enkel und die Enkelin- nen von heute übertragen werden (das nenne ich„die Gnade der spä- ten Geburt“). Aber aus der Verant- wortung entlassen ist niemand, kein Deutscher und keine Deutsche von heute und morgen. Polen ist, wie jeder weiß, ein ar- mes Land. Dennoch hat es Milliar- den Zloty in die Gedenkstätte Auschwitz investiert, 1991 fast 1 1/2 Millionen Mark— was doch nur zwei Drittel dessen war, was unbedingt benötigt wurde, um den Verfall auf- zuhalten. Immerhin wird abey die fi- nanzielle Größenordnung erkennbar — sie hält sich in durchaus mäßigem Rahmen. Kurz vor der spãten Entscheidung dieses Briefes an Sie, Herr Bundes- kanzler, stieß ich zufällig noch ein- mal auf den Bericht des Bundes- rechnungshofes vom Vorjahr. Die- sen„Bemerkungen 91“ entnehme ich, ausschnitthaft, Beispiele von be- stürzender Verschwendung. Hier 2 Millionen Mark für eine Brücken- reparatur ohne Vorprüfung, ehe er- kannt wurde, daß neu gebaut wer- den mußte; da sinnlos in einen Bundeswehrflughafen bei München investierte 15 Millionen Mark; fer- ner vermeidbare Verluste von 160 Millionen durch Fehlplanungen, an anderer Stelle gar von 200 Millionen — genug, um in die äußerste Ver- gleichsbeklemmung zu geraten! Und zwar schon, bevor der Chronist an staatliche Subventionen denkt, die ungeachtet von Abbauverspre- chen mühelos zweistellige Milliar- denziffern erreichen. Und Bundeskanzler— Witz? Stimmt die Mitteilung des polni- schen Ministeriums für Kultur und Kunst, daß der deutsche Staat sich noch nie an Geldspenden für die Ge- denkstätte Auschwitz beteiligte? Haben Sie während Ihres Besuches von 1989 aber nicht selbst in das Schwarze Gedenkbuch von Ausch- witz geschrieben:„DIE MAHNUNG DIESES ORTES DARF NICHT VERGESSEN WERDEN“? Und ge- hört Deutschland nicht der„Interna- tionalen Konvention zum Schutze des Kultur- und Naturerbes“ an, un- ter deren Obhut 322 Objekte stehen, von denen die Nummer 80 Ausch- witz ist? Dort sah sich die deutsche Journa- listin Monika Held angesichts des bedrohlichen Verfalls zu der Be- schwörung veranlaßt: Wer über die- ses Millionengrab Gras wachsen ließe, der beraube nicht nur die To- ten ihrer Geschichte, sondern„belei- digt auch die Lebenden“. Ja, Herr Bundeskanzler, auch die Lebenden, womit hier in erster Linie die Uberlebenden des Holo- caust gemeint sind, zu denen auch ich zähle(dies die Legitimation mei- nes Briefes an Sie). Deshalb ein Wort zu ihrer Befindlichkeit, in die ich mich einbeziehe. Wie manch andere Deutsche jüdi- scher Abstammung, bin ich, trotz al- lem Schrecklichen in jenen zwölf Jahren, nach meiner Befreiung am 4. Mai 1945 hiergeblieben, in diesem Land, ihm in kritischer Auseinan- dersetzung verbunden, und das ohne jede Aussicht auf Anderung. Wo immer ich auch hingegangen wäre auf der Welt, Deutschland wäre mir überall nachgekommen, angenagelt an mir wie ich an ihm. Wie Sie sehen, ist es ein Heine'sches Verhältnis, also dem, was gemein- hin unter„Patriotismus“ verstanden wird, sehr fern— und gerade des- halb unlösbar dauerhaft. Aber ver- gessen, Herr Bundeskanzler, verges- sen ist gar nichts! Wie zuvor schon die alte Bundes- republik, so soll nun auch dieses Herr S e 14 Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer e. V. größere, vereinte Deutschland von 1992 wissen, das in ihm, immer noch und wohl bis übers Jahrhundert- ende hinaus, Opfer leben; Men- schen, denen beim unfreiwilligen Einatmen der Auspuffschwaden im Stau des motorisierten Wohlstands- blechs unweigerlich, und oft genug gegen ihren Willen, Gedanken an die Gaskammern von Auschwitz, an die Gaswagen von Chelmo kommen. Dieses Deutschland soll wissen, daß in ihm immer noch Menschen leben, die beim Anblick jeder Wunde, jedes Tropfens Blut, an Babi Jar denken, an Sobibor, an Lidice, an Oradour- sur-Glane. Menschen leben, die zu- sammenzucken, wenn sie das ebenso begrifflos wie inflationär be- nutzte Wort„Einsatz“ vernehmen, nachdem es doch die mobilen Mord- kommandos der„FEinsatzgruppen“ gegeben hat— sie benutzen auch diese Vokabel der„Sprache des Drit- ten Reiches“, des Unmenschen, nie mehr, es sei denn, bei einer notwen- digen Vorführung wie dieser. Versöhnung? Oh ja, mit jedem Tä- ter, der wirklich in sich gegangen ist, auch mit jedem ehemaligen Nazi, auf den das zutrifft! Aber ver- gessen, Herr Bundeskanzler, verges- sen ist nichts, weil das Erlebte es nicht zuläßt. Die schleichende Entrechtung der jüdischen Bürger und Bürgerinnen gleich nach 1933; die Garotte, das Würgeisen der sogenannten Nürn- berger Gesetze zum„Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“; der Boykott jüdischer Ge- schäfte schon am 1. April 1933; die Flut der Verbote und Gebote für Ju- den(insgesamt an die 1000 Bestim- mungen!); das Trauma der„Arisie- rungen“; die Reichspogromnacht: der„gelbe Stern“; die willkürlichen Verhaftungen, die Gestapoverhöre, der ständig lauernde Gewalttod, aus keinem andern Grund als dem der biologischen Existenz. Und das alles auf eines zusteuernd— die Deporta- tion. In meiner Vaterstadt Hamburg begann sie am. 25. Oktober 1941. Welch hilflose Begleitung jeder Ver- such einer Rekonstruktion, aber dennoch... Uberall in Deutschland dasselbe Grauen— die Selbstmorde vor dem Abtransport; der Weg 2u den Sammelorten, der Zug unter Dampf, die Fahrt nach Osten, im- mer weiter nach Osten. Schon hier beginnt die Phantasie zu versagen, schon hier ging die Entkleidung al- les Menschlichen und seiner Würde vor sich, war die Gegenwelt, die irdi- sche Hölle leibhaftig. In diesen voll- gestopften, zugepferchten Güterwa- gen und Viehwaggons, oft ohne Nahrung, ohne Wasser, erfolgte der Abschied, endgültig und doch wohl uneingestanden bei der unsterbli- chen Fähigkeit des Menschen, je in- brünstiger zu hoffen, je hoffnungslo- ser die Situation ist. Als der Zug schließlich hält, für die, die noch le- ben, Licht durch die aufgerissenen Türen: Gebrüll, Peitschengeknall, Kommandos— auf deutsch. Wo ist man? Eine Rampe, ein Daumen: rechts-links, links-rechts. Dann die Trennung der Familien, von Mann und Frau, von Mutter und Kin- dern. Diese und ähnliche Bilder, Herr Bundeskanzler, verlassen einen nie, denn die Erwartung, daß die Zeit ir- gend etwas heilen würde, hat sich ſängst als Irrtum entpuppt. Im Ge- genteil, je größer der Abstand zwi- schen dem einst Erlebten und der Gegenwart wird, desto näher rückt der Schrecken von damals, desto furchtbarer werden die Alpträume, schrumpfen die Abstände zwischen ihnen immer enger zusammen. Ge- rade diese Träume, denen man wehrlos ausgeliefert ist, sind es, die manchen Uberlebenden des Holo- caust vor dem Alter grausen lassen. Dennoch ist all dies nur eine Bürde, an der die Uberlebenden des Holocaust zu tragen haben. Es gibt noch eine zweite. Ist doch dem größten geschichts- bekannten Verbrechen, das wohlbe- merkt hinter den deutschen Fronten Millionen und aber Millionen Men- schen umbrachte wie Insekten, das größte Wiedereingliederungswerk für Täter gefolgt, das es je gegeben hat. Von wenigen Ausnahmen abge- sehen, kamen sie nicht nur straffrei davon, sondern sie konnten ihre Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 15 Karrieren auch unbeschadet fortset- zen. Die„Fachleute“ der Zerstörung wurden ganz selbstverständlich zu „Fachleuten“ des Wiederaufbaues, und die bundesdeutsche Funktions- elite aus Wirtschaft, Staatsbürokra- tie und Militär war personell bis hin- ein in die 70er Jahre nahezu iden- tisch mit der von 1945. Ich habe das „die zweite Schuld“ genannt, näm- lich die Verdrängung und Verleug- nung der ersten unter Hitler, den „Großen Frieden mit den Tätern“— dies gemünzt auf die alte Bundesre- publik(mit dem notwendigen Kom- mentar, daß der„Verordnete Antifa- schismus“ der ehemaligen DDR mit der gan?zen Verlogenheit des realexi- stierenden Sozialismus das NS-Erbe ebensowenig aufgearbeitet hat). So steht es also um die Befindlich- keit der Uberlebenden des Holo- caust. Sollte die Gedenkstätte weiter dem Verfall preisgegeben bleiben, so würde das den Uberlebenden eine dritte Bürde hinzufügen. ⸗ Zusammengefaßt: Die Erhaltung des„Museums Auschwitz“ darf nicht von privater oder religiöser Zuwendung abhängig sein, von gut- meinenden Organisationen, von den Schwankungen heutiger Trauer und morgiger Gleichgültigkeit— Deutschland, Herr Bundeskanzler, ist in der Pflicht! Zum Schluß noch einmal aus den „Bemerkungen 91“ des Bundesrech- nungshofs. Darin wurde festgestellt, daß der halbierte Mehrwertsteuer- Ssatz von 7%(„zur Verbilligung“) in vielen Fällen„offensichtlich schwer jugendgefährdenden Schriften ras- sistischen, gewaltverherrlichenden und pornographischen Inhalts“ zu- gute gekommen sei. Die Verbreiter solcher Schriften hätten dadurch jährlich, so der Bundesrechnungs- hof, im Umfang von 6 Millionen Mark profitiert. Das, Herr Bundeskanzler, wäre genau die Summe, die jene dringend notwendige FKlimaanlage kosten würde, mit deren Hilfe die vierzig Zentner grau gewordenes Häftlings- haar in Auschwitz davor bewahrt würden, unwiderruflich zu verfilzen. Mit dem Ausdruck vorzüglicher Hochachtung Berliner Zeitung Sonntag 11/12. Januar 1992 , 16 Lagergemeinschaft Auschwitz- freundeskreis der Auschwitzer e. V. Zur zweiten Schuld käme dann die dritte Auschwitz verfällt- und wenn Deutschland nicht bei der Restaurierung hilfft, wird bald nichts mehr zu sehen sein Von Heiner Lichtenstein Durch die Fenster pfeift der Wind. Schnee und Regen haben das Fundament mürbe ge- macht. Wenn die Baracke im kommenden Sommer nicht grundsaniert wird, dürfte sie im nächsten Winter Zusammenbrechen. Nicht nur sie. sondern auch die meisten anderen im chemaligen Vernichtungslager Auschwit?z- Birkenau in Shdpolen. Von den umnterirdi- schen Auskleidekäſigen, den Gaskammern und den sich anschließenden Krematorien ist ſast nichits mehr zu erkennen. Die Nazis hat- len die Anlagen bei ihrer Flucht vor der Roten Armee im Januar 1945 zwar gesprengt, das Vernichtungswerk war aber nur höchst un- vollkommen gelungen. Man sah noch sehr ge- nau, was da vorher war. Inzwischen hat die Natur gewaltet. Die Seitenmauern sind einge- stürzt, der Boden hatsich meterhoch gewölbt. Und was von den Dachern übriggeblieben war, ist in sich zusammengesackt. Auschwitz Steht auf der Liste der UNESCO mit den Bauwerken, die als Denkmal zu erhal- len sind. Aber um diese Forderung zu erfül- len, müssen auch die Gelder zur Verfügung schen. An ihnen ſehles jedoch in der polni- schen Staatskasse. Das heißt freilich nicht, Warschau ließe dieses brutalste Zeugnis menschlicher Unkultur bewußt verkommen. Davon kann sich jeder öberzeugen, der Birke- nau betritt. Im Eingang gibt es die Bahnglei- se, auf denen die mit Menschen vollgepferch- ten Güterzüge zu den Gaskammern und Kre- matorien ſuhren und leer zuruckrollten. Die Schienen liegen jetzt neben dem Bahnkörper. Die alten hölzernen Schwellen sind verrottet, werden durch andere ersetzt, die Schon ange- lieſert sind. Der polnische Staat tut also durchaus et- was. Aber nicht genug. Im Stammlager Aus- chwit?z l, dort, wo die Kommandanten herrschten, dröcken ErCmassen gegen die Be- onmauer am Ende der Gedenkstatte. Die Be- onplatten zwischen den Pfählen wölben sich nach innen. werden dem Druck nicht mehr lange Standhalten. Aber der polnische„Rat zum Schutz des Gedenkens an Kämpſe und Märtyrertum“ hat seit zwei Jahren neue Aufgaben. Er ist jetzt auch für Gedenkstãtten zur Erinnerung an die polnischen Stalinopſer zustandig. Bis zur po- litischen Wende waren die ein Tabu. Jetzt kön- nen sie ausgebaut werden. Das scheint Vorrang für Stalinopferꝰ? Vorrang zu haben vor den Gedenkstätten zur Brinnerung an die Nazizeit. Das jedenfalls war mein Eindruck von einem Gesprãch Mitte März dieses Jahres mit dem stellvertretenden Vorsitzenden des Rates, Cezary Chlebowski. 4.000 Orte, wo Polen Opſfer des Stalin Jerrors geworden sind, kennt der Rat inzwischen. Es dürften noch viele hinzukommen. Das freilich befreit Polen nicht von der Pflicht, die anderen Gedenkstätten instand- zuhalten. Hier allerdings dürfte das Land oh- ne internationale Hilſe überfordert sein. Im Stammlager Auschwitz 1 führen mittlerweile Einheimische ihre Hunde spazieren, und die heben das Bein unter anderem an der Gas- kammer, in der 1942„probeweise“ sowjeti- sche Kriegsgefangene mit Zyklon B erstickt worden sind. Und niemand scheint sich daran zu stören. Geschahe das auf der Akropolis oder in der Alhambra in Granada, wäre sofort die Polizei zur Stelle. Aber niemand käme auf den Ge- danken, diese Stätten als Hundetoiletten zu mißbrauchen. In der Liste der Kulturstâtten Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 17 5 der UNESCO, die unter ewigem Schutz ste- hen, folgi Auschwit? hinter der Akropolis und der Alhambra. Nur 322 solcher Objekte gibt es auf der Welt. Die 115 Mitgliedsstaaten ha- ben sich verpflichtet, die Kulturstätten auf ih- rem Nerritorium zu schützen und dafür das nolwenige Geld aufzubringen. Polen hat das jahrzehntelang getan- unter kommunistischer Herrschaft. Jet?t, in der freien Republik Polen, fehlen die Mittel. Der Staat kann nicht mehr einfach anordnen und alles[unktioniert. Der Sejm, also das Parla- ment, muß den Haushalt des Staates verab- Schieden. In ihm scheint kein Platz zu gein für das brutalste Zeugnis einer Unkultur, das die Menschheit hinterlassen hat. Wettlauf gegen Zeit und Natur Von Birkenau, dem größten jüdischen Friedhof der Welt, ist ohnehin nicht viel öbriggeblieben. Immerhin— die stehengeblie- benen Baracken und die Fundamente der ab- gerissenen vermitteln wenigstens noch einen Eindruck von der Brutalität des Vernich— tungslagers. Geschieht nicht bald etwas, wer- den in Kürze gar keine Gebaude mehr?u sehen sein. Birkenau liegt bekanntlich in einem Sumpf- gelände. Die Feuchtigkeit greiſt Mauern und Dacher besonders aggressiv an. Holz fault, Ziegel und Betonfundamente zerbröseln. Im Sommer läßt die Hitze alles schrumpfen, im Herbst schwemmen Nebel und Regen alles auf, im Winter laßt die eisige Kälte dann vie- les zerplatzen. Wenn da nicht Jahr für Jahr re- stauriert wird, ist der Wettlauf gegen die Zeit endgültig verloren. 1990 hat der polnische Staat in dieses Erbe, das ihm die Deutschen hinterlassen haben. vehn Milliarcden Zlotv gesteckt- etwa 7wei Millionen Mark. 1991 stiegen die Ausgaben auf 11,5 Milliarden Zloty. Das waren J,5 Mil- harden zu wenig, um wenigstens die notwen- digsten Reparaturen erledigen zu können. In Zum Platzen ge- spannt die Außen- mauern des Stammlagers den Baracken des Stammlagers werden riesige Mengen von Haar aufbewahrt-die letzten Re- ste der Opſer, die in die Gaskammern getrie- ben worden sind. Das Haar ist langst grau und droht unwiderbringlich zu verfilzen, wenn nicht schnellstens eine Klimaanlage eingebaut wird. Die kostet 24 Milliarden Sloty, also etwa fünf Millionen Mark. 500.000 Menschen kommen Jahr für Jahr in diese Baracke.„Diese grauen Haare erzäh- len nun auch von Jahr zu Jahr aufdringlicher die Geschichte des Verſalls aus Mangel an Geld“ stellte Monika Held im Dezember 1991 im Magazin der Süuddeutschen Zeitung zutref- fend ſest. Nicht nur Haare werden, wenn nichts geschieht, bald zu einem undefinierba- ren Etwas verkommen sein. Das gilt auch für die anderen Hinterlassenschaften: die Kofſer, die Brillen, die Prothesen, die Kinderschuhe. Fachleute, die hier helſend einspringen könn- ten, gibt es in Polen genug. Aber die Experten müssen bezahlt werden- und das Geld dafür ist nicht aufzutreiben. polen hat sich nicht darum beworben, ein „Kulturerbe“ dieser Art zu bekommen. Die Nazis haben es Polen aufgezwungen 7usam- men mit Majdanek, Treblinka, Sobibor, Chelmno, Belzec. Unvorstellbare Summen hat der polnische Staat seit der Befreiung von den Deutschen ausgegeben, um dort Gedenk- 18 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Stätten zu errichten und zu erhalten. In Ie- blinka, Sobibor, Chelmno, Belzec ist nichts von früher übriggeblieben. Die Nazis haben die Orte des Schreckens selbst platigemacht. Auschwit? aber und Majdanek sind Gedenk- Stätten, wie es sie sonst auf der Welt nicht gibt. Nicht in Dachau und nicht in Ravens- brück, nicht in Matzweiler und nicht in Bergen-Belsen, allenſalls in Mauthausen. Aber dieses Lager war ein KZ, kein Vernich- tungslager wie Auschwitz Il also Auschwitz- Birkenau. Geld für Gedenkstätten zur Erinnerung an die Nazischrecken war in der Bundesrepublik nie sonderlich populär. Erinnert sei an den Streit um die Jugendbegegnungsstätte in Aus- chwitz, die der Bund und die Bundesländer zu ſinan?ieren sich verplichtet hatten. Kurz vor dem Ende der Bauarbeiten scherte Bayern plõtzlich aus dem Kreis der Finanzierer aus. Der Bund sprang in letzter Minute ein. Nicht viel anders verhält sich der Freistaat Seit Jah- ren bei der geplanten Jugendbegegnungsstätte in Dachau. Immer nur Bedenken, Einwande, Querschüsse. Wie da jetzi angesichts der Finanzlage im vereinten Deutschland Geld für Auschwit?z locker gemacht werden könnte, weiß vermut- lich niemand. Aber es muß etwas geschehen- und zwar in Deutschland und von Deutsch- land aus. Experten müssen sich zusammen- setzen und ausrechnen, wieviel Geld henòtigt wird. Und zwar langfristig, damit nicht in zwei. drei Jahren erneut gesammelt werden muß. Dann isteine Stiftung 7u gründen. an der sich Parteien, Gewerkschaften, Industrie, Schneller Spendenaufruf nõtig Handel und Offentlichkeit beteiligen müssen. Wenn Rita Süssmuth oder der Bundespräsi- dent dazu aufruſen, für Auschwitz zu spen- den, dürfte das Echo nicht ausbleiben. Aber es muß schnell gehandelt werden. Einen Win- ter übersteht Birkenau wohl noch, vielleicht auch zwei, aber mehr nicht. Geschieht nichts, drängt sich der Verdacht auf, den meisten Deutschen würde es gerade- 6 3 z Ein früherer Häſtling inspiziert die verfallenen Reste der Gaskammern. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 19 zu gefallen, wenn Auschwitz von der Bildfla- che verschwände. Aber hier muß gegengehal- len werden- auch jett, wo das Geld knapp ist. Jedes Volk erkennt man am Umgang mit geinem kulturellen Erbe. Auschwitz ist das Er- be der Deutschen. Helſen sie nicht, seinen Verfall zu stoppen, Kommt um Ralph Gior- dano zu zitieren zur zweiten die dritte Schuld. Algemeine Jüdische Wochen?eitung“ 28. Mai 1992 20 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Hessens Landesregierung unterstützt den Aufruf: Stoppt den Verfall? Kann Auschwitz-Birkenau als Gedenkstätte erhalten werden? Hessens Minlsterprsldent Akropolls und der Ahambra. Ple Tellnehmer Hans Eichel stelſte selnem Der Staat Polen hat hehrzehn- gesprächs appelllerten 5 aufrut und Grußwort eln telang dle Gedenkstätte vor verelnte Deutschland, als den Nletzsche-Zltat voran:„Nur was nlcht aufhört wehzutun, blelbt Im Gedschtnls. Wle kann das als Gedenkstst- te erhaltene ehemallge Kon⸗ zentratlons- und Vernlch- tungslager Auschwltz-Blrke- nau vor dem Verfall bewahrt dem Verkall bewahrt, jetzt fehlen der frelen Republlk Po- len dle klnanzlellen Mittel. Wenn aber nlcht schnell etwas geschleht, dann„lst es ꝛu spät', dann vertällt Aus- chwltz, wle lgnatz Bubls, der Vorsltzende der Jüdlschen Gemelnde Frankkurt, betonte. Nachfolgestaat der staatll- chen Bauherren und Betrelber des Vernlchtungslagers.„Was hlnter den Stacheldrähten von Auschwltz und Blrkenau passlert lst, Ist deutsche Ge- schlchte“, machte Kurt Gold- steln vom lnternatlonalen Auschwltz-Komlttee deutlich. werden? Mlt dleser Frage be- schäftlgten slch vor kurzem In Frankfurt dle Fellnehmer el- nes Podlumsgesprächs ꝛ2u dem dle„Lagergemelnschaft Auschwltz“ elngeladen hatte. Der Publlalst Helner Lchten- steln berichtete wle dle Witte- rung den Fundamenten und dem Mauerwerk der Gebäude zusetzt und wle dle Bahnkör- per, auf denen dle Oplern mit Güterwaggons zu den Gas- kammern transportlert wur- den, unterspült werden. Dle Feuchtlgkelt läßt verrotten, was dle Ermordeten hinterlas- sen hatten-Brlllen, Koller, Prothesen, Klnderschuhe. Auch dle Haare, dle dle NMazls, lhren Oplern zwecks Welter- verwertung abschnltten, dron hen unwlederrüklich zu verkll- zen. Ober 500 000 Menschen ka- men blsher jährllch in dle Ba- racke, In der dle Haare aufbe- wahrt werden. Wenn nlcht schnellstens elne Klimaanlage elngebaut wlrd, werden dlese Zeugnlsse der deutschen Bar- barel bald nicht mehr exlstle- ren. ln der Llste der 332 Kultur- stätten der 0NESCO, dle un- ter ewlgem Schutz stehen, lolgt Auschwltz hlnter der 8 — 6 Das Lagertell„Kanada“, in dem das EFlgentum der Auschwltz-Hãäftlinge zur Welterverwendung gesammelt wurden, brannten dle Wachmannschaften kurz vor Be- frelung des Lagers nleder. Heute kann man man nur noch sehr wenige verrostete Lölfel, Gabeln und Messer lm Gras llegen sehen. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V 21 Auch Kazlmlerz Smolen, der ehemallge Dlrektor der Ge- denkstätte, holft auf deutsche Hlte, schlleßlich„lastet selt über 45 Jahren das Hauptge- wlcht auf dem polnlschen Staat“ Zu einer ersten Hillsaktlon hette dos„fhrnsehllagazln Panorama Im Frühſahr aul- gerulen. Nach elnem Berlcht über den Zustand des ehe- mallgen K?s waren Spenden n Höhe von 420 000 Merk elngegangen, konnte dle Au- torln des Beltrags Patrlcla Schleslnger berlchten. Das sel zwar für den Erhalt zu wenlg, für den Ankang recht ordent- lich, melnte sle. Allerdings sel dleser Betrag geradezu be- schelden, wenn man bedenke, daß nach elnem Berlcht über „Schlkanlerte Hunde“' annä- 1 hernd 500 000 Mark Spen- dengelder gellossen slnd, wle der ehemallge Auschwltzhält- lng Hermann Relneck an- merkte. Der SPD-Bundestagsabgeord- nete Slegtrled Vergin wles auk berelts aufgenommene Ver- handlungen mit der polnl- schen Reglerung hln, auch sel lm Bundeshaushalt kür 1993 elne erste Rate zur Sanlerung der Gedenkststte vorgesehen. Mlt elner Spende von 20 000 Mark werde das Land Hessen slch kür dle Erhaltung des „Mahnmals gegen das Verges- sen* elnsetzen, kündigte Minl- sterpräsldent Hans Elchel In selnem Aukrufan. Dle„Lagergemelnschaft Aus- chwitz“ selbst hat aus hhren Rücklagen 30 000 Mark zu- gunsten der heutlgen Gedenk- stätte bereltgestellt und au- Berdem eln Spendenkonto elngerlchtet, auf dem blsher ungelähr 18 000 Mark elnge- gangen slnd. Wer aut dleses Konto bel der Sparkasse Wet- terau, Kontonummer 0020002000(Bankleltzahl 5¹850079) elnen Betrag über- Welst, Kkann von der als ge- melnnützlg anerkannten La- gergemelnschakt elne Spen- denbeschelnlgung für das Fl- nanzamt erhalten. ln elner Extra-Nummer selner Mlttellungsblätter hat dle La- gergemelnschaft dle Panora- ma-Sendung dokumentlert. Auf Wunsch kann der Nach- druck unter der Adresse La- gergemelnschaft Auschwltz, Schlllerstraße 18, 6309 Münz- enberg 1, angekordert werden. (hah) Bad Vilbeler Anzeiger“ 16. Juli 1992 u Auschwltz-Blrkenau-Dle Asche der Ermordeten wurde in elnen Telch geschüttet oder auf dem Lagergelände vertellt. Auch heute noch kann man Asche und Kno- chenreste Ilnden. 22 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Unseren Mitgliedern herzliche Geburtstagsgrüße 9 2 August S 2. 8. Günter Bilgmann 2. 8. Dr. Ursula Krause-Schmitt 2. 8. Werner Schmidt 3. 8. Eduard Wolny 8. 8. Katharina Neidert 9. 8. Hans-Jürgen Rojahn 10. 8. Doris Graenert Oktober 10. 8. Astrid Knöss 13. 8. Wiebke Lessin 1. 10. Margit Proescholdt 16. 8. Ursula Schmidt 6. 10. Dr. Konrad Huchting 17. 8. Hildegard Moos 11. 10. Walter Matt 18. 8. Joachim Sokolowski 11. 10. Mfred Oppenheimer 19. 8. Willi Berg 11. 10. Christa Piotrowski 23. 8. Helen Kraas-Pimentola 11. 10. Dr. Dieter Reithmeier 25. 8. Detlev Puls 14. 10. Katharina Fleckenstein 14. 10. Stephan Kahl 15. 10. Ruth-Monika Riebold Sep tember 16. 10. Heinz Betzler 16. 10. Jürgen Lindemann 3. 9. Gotchard Keusch 17. 10 peter Reimann 4. 9. Neithaud Dahlen 18. 10 Helmut Herel §. 9. Eva Beck-Friedrich 19 10 e 6. 9. Ellen Krosch 21. 10. Maria Kretzschmann s K S 23. 10. Gerhard Gaede 10. 9. kudolf Reiferscheid 10 e 12. 9. Martin Grün 25. 10. Susanne Roth 14. 9. Thomas Krus 28. 10. Dr. Klaus Konrad-Tromsdorf 30. 10. Carl Cellarius 15. 9. 6 Falk 31. 10. Hans Hirschmann 15. 9. Eva Leidescher-Blaschke 31 10 Michael Metz 16. 9. Peter Hofmann 16. 9. Josef Seuffert 21. 9. Dr. Christian Grosche 21. 9. Gerhard Beyer 2. 9. Dr. Bastian Meijer 28. 9. Ulrike Janssen 28. 9. Jutta Wies 29. 9. Harald Skroblies 30. 9. Elke Gross Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. über Auschwitz soll kein Gras wachsen Auschwitz verfällt. Gras wächst über die Schienen, über die die Züge in Richtung Rampe rollten. Rost nagt an den Verschlägen der Türen, die zu den Gasöfen führten. Feuchtigkeit läßt verrotten, was die Ermordeten hinterlassen hatten— Haare, Schuhe, Brillen. Das Konkrete der Geschichte zerbricht, das Gegen- wärtige droht das Vergangene?u überwuchern. Gelänge es nicht, das zu retten, was von dem als Gedenkstätte erhaltenen Konzentrationslager Auschwitz-Bir- kenau in Polen bewahrt wurde, wür- den sich die Deutschen nach Ansicht von Siegfried Vergin neben der Unfä- higkeit zu trauern auch als„unfähig zu erinnern und unfähig zu mahnen“ erweisen. Daher müsse das Zeugnis der Barbarei erhalten werden. Dies forderte der SPD-Bundestagsabgeord- nete wie die anderen Teilnehmer einer Diskussion über die Zukunft des Mahnmals am Wochenende in Frank- furt am Main. Zu dem Gespräch hatte die„Lagergemeinschaft Auschwitz“ eingeladen. Schließlich ist Auschwitz gegenwär- tige Vergangenheit,„ein besonderes Lager“, wie der polnische Historiker Jacek Marecki sagte, das Zeugnis des industriell geplanten Massenmordes, die Signatur des Schreckens:„Was in dem Stacheldrahtgeviert von Ausch- witz und Birkenau passiert ist“, be- tonte Kurt Goldstein vom internatio- nalen Auschwitz-Komitee,„ist deut- sche Geschichte“ Deswegen dürfe nicht zugesehen werden, wie Auschwitz verfällt. Zu einer ersten Hilfsaktion hatte der Norddeutsche Rundfunk im Früh- jahr aufgerufen: Nach einem Bericht über den Zustand des ehemaligen KZs waren Spenden in Höhe von 420 000 Mark eingegangen. Für den Anfang ordentlich, befand Patricia Schlesin- ger, die Autorin des Filmbeitrags, aber zu wenig für den Erhalt der Gedenk- stätte und geradezu bescheiden, wenn man bedenke,„wieviel nach einem Be- richt über schikanierte Hunde gespen- det wird“ Daher komme es auf die Hilfe der Bundesregierung an, die sich bislang kaum an dem Erhalt beteilig- te. „Seit über 45 Jahren lastet das Hauptgewicht auf dem polnischen Staat“, sagte Kazimierz Smolen: „Wenn Deutschland nicht hilft“, fügte der frühere Direktor des Museums Auschwitz hinzu,„wird bald nichts mehr zu sehen sein.“ Derzeit, berichtete Vergin, werde mit der polnischen Regierung über eine Beteiligung an den Konservie- rungsarbeiten verhandelt. Eine erste Rate, mit der die Restaurierung unter- stützt werden soll, sei im Bundeshaus- halt für 1993 vorgesehen, sagte der So- zialdemokrat, ohne die Höhe der Sum- me zu nennen. Ausgegangen werde von Kosten, die von der USamerika- nischen Ronald-S.-Lauder-Stiftung er- rechnet worden sind: Gebraucht wer- den 42,8 Millionen US-Pollar, geht aus einer Studie der Stiftung hervor. Und zwar bald. Wenn nicht zůgig mit der Konser- vierung begonnen werde, dies habe die Lauder-Studie gezeigt, betonte Ignatz Bubis, der Vorsitzende der Jü- dischen Gemeinde in Frankfurt am Main,„kann es zu spät sein“ Dann verfällt Auschwitz. MATTHLAS ARNING o Spenden können an die„Lagergemeinschaft Auschwitz“, Kontonummer 00 2000 2000 bei der Sparkasse Wetterau, Bankleitzahl 513 500 79, über- wiesen werden. Frankfurter Rundschau“ Montag, 22. Juni 1992 24 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Judische Gemeinde zu Berin on nonnp. Kowofachali des oſoniichen Rechis Dor Vonand Laqerqemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer eV. SchiLLerstraße 18 6309 Münzenberq 1 Benin, 22 EINMGERAMGE Sehr qeehrte Damen und Herren! TIch bedanke nich für Thr Schreiben vom 21. Mai d.J. mit dem Sie mich um die Tei Lnahne an einer Podi umsveranstatunq am 19. Juni d. J. in Frankfurt Pitten. zu meinem Bedauern ist nmir dies aus qesundheit1ichen Gründen nicht mögLich. Unabhänqiq davon darf ich Thnen mitteilen, daß 1ch an 20. Mai d. J. an einer 2-stündiqen Hörfunksendung Peim NDR in Hamburq tei 1qenommen habe, in der es qerade um diese Thematik qinq. Die sendung wurde auf NDR 4 am 21. Mai von 10.05 bPis 12.00 Uhr und vird heute um 20.05 Uhr wiederholt. Mit freundLichen 6rüßen auanschit Tololon Jelen Tolola posigiro Bank Fasanenstraße 79780 88 42 03 32 182 998 j9bln o 83172 68 Berlin(BZ 100 100 10) Borliner Bank A6(B2 00 200 00) 000 Benin 12 88 42 03 34 Konto-M. 327 16104 Kono. 0102 320 900 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 25 JOiscfER VERFOLGTER OES NAEREGMES A-1010 WiER, SALZToORSASSESIVS— TELEFOM63 9131, 63 98 05, FAN5350397 BANKVERBINDUNG: GREDITANMSTALT BANKVEREINMIEN KONTO NR. 47„32 608 F S EINMGEGANEGEE An de Lsgergemeinschaft Aoschwt?z E 1 3. Mil 1905 Herrn Hans-Joschim 6önther d SchtLLerstroaße 18 0 6309 Mönzenberg wiEu. 9. Joni 1992 SM/A getrfft: podtonsveranstaltong*stoppt den Verfall Non AoschwLt?Z* Ihre freondLche Einladung zu Threr Veranstsltong am 19.on 1S e sten, de 1ch an einer Konferenz öber Antfsemtsmos 1n Parts tetLnehmen moß. Ich verde öber dte S1tostLon der Gedenkstötte in Auscht?, öber den bedenklächen zostand der unwderbrngLLchen EXponste von velen Besochern Unformtert und ve1ß dsher Beschetd, deß Ihre Benöhongen dringend notwendg snd. Menn Lch Thnen n UrTgenderner Wetse als Unterzeichner etnes Appells oder a1s Beförvorter etner SpendensktLon nötzLTch seln kenn, verde 1ch S1e bezw. Thr„Lchtges an1tegen gerne onterstötzen. D EUn aofmerksamer Besocher des Krchtves 1n Aoschtz stsrtete onLängst elne Inttattve, dsß Conpoter zur Verfögong gestelLt Herden so11en, om das Mstertsal zo spetchern ond dsmt zogöng- 11ch zU mschen. Koch dteses Unternehmen vLrd von mr beförvortet. Ich vönsche Ihnen und allen MLtstreitern gotes 6eLin- gen för Thre Veranstsltong, mögLLchst brettes Medtenecho und natörLAch jede Menge fLnanzLelle HLLfe, dte dorch noch so VLe1 Sen e Mt freondLTchen Srößen 26 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Aufruf des Hessischen Ministerpräsidenten Hans Eichel anlãßlich der Podiumsveranstaltung Stoppt den Verfall von Auschwitz“ Nietzsche wußte es: Nur was nicht aufhört wehzutun, bleibt im Gedächtnis.“ Die Lagergemeinschaft Auschwitz“ will mit ihrer Initiative uns allen das im Bewußtsein er- halten, was seit den Greueltaten der Nazis unser Verhältnis zu den Juden schmerzhaft üper formt. ⁸ Wir wissen, daß die Nazis in Auschwitz, die-seit der'Wannseekonferenz“ beschlossene Massenvernichtung der europãischen Juden- realisierten: Auschwitz ist für alle Juden das Symbol des Holocaust; es steht für den systematischen und industriell perfekten Võlkermord und Mord an Juden, Polen, Sinti und Roma, an Tschechen, Russen, an Franzosen und vielen anderen. Heute ist die Gedenkstätte Auschwitz ein Mahnmal gegen das Vergessen der brutalen und sinnlosen Opferung von mehr als 6 Millionen Menschen. Als solches muß es authentisch er- halten bleiben! Mit einer Spende in Höhe von PM 20.000 unterstützt die Hessische Landes- regierung seitens des Ministeriums für Jugend, Familie und Gesundheit, die Erhaltung des Museums. Auschwitz symbolisiert darũberhinaus die Erinnerung an Leiden, Unterdrückung und Krieg, an Võlkermord und nukleare Bedrohung, wie sie als Facette von Herrschaft qualitati variierendsich durch die Menschheitsgeschichte zieht. Für ein gutes Gelingen der Podiumsveranstaltung dart ich Ihnen abschließend einen Ge- 6 danken von Theodor W. Adorno aus seinem Essay Erziehung nach Auschwitz“ nennen, der* nach meinem Dafürhalten auch für die Zukunft Gültigkeit beanspruchen darf: Ein Schema, das in der Gechichte aller Verfolgungen sich bestätigt hat, ist, daß die Wut gegen die Schwachen sich richtet, vor allem gegen die, welche man als gesellschaftlich schwach und zugleich- mit Recht oder Unrecht als glücklich empfindet. Soziologisch möchte ich wagen, dem hinzuzufügen, daß unsere Gesellschaft während sie immer mehr sich integriert, zugleich Zerfallstendenzen ausbrütet. Diese Zerfallstendenzen sind dicht unter der Oberfläche des geordneten, zivilisatorischen Lebens, äußerst weit fortgeschritten“ Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 27 Nach Redaktionsschluß erreichte uns die Nachricht, daß Frau Krystyna Andrzejewski-Zywulska, ehemal. Au- SchwitzHäftling Nr. 55 908, am 1. August 1992 verstarb. In der nãchsten Nummer unseres Mitteilungsblattes wer- den wir ausführlicher auf das Leben von Frau Zywulska eingehen. Adressenãnderung: Bitte teilen Sie uns hei Wohnungwechsel Ihre Moue Anschrift? mit. Wir haben bei unseret letzten Aussendung et 50.60 Retouren mit dem Vermerk*unbokannt vorzogen“ von der Poat erhalten. Die Nachforschungen nach der neuen Anschrift sind sehr Zeit- und Geldaufwendig, daxu meist erfalglos. Sicher sind Sie an unserer weiteren Arbeit interessiert, aber wie sollen wir Sie informieren, wenn. 27 —8 Neue Anschrift: 2 E B Dann füllen Sie bitte diesen Abschnitt aus, kleben ihn auf eine Postkarte und schicken ihn an folgende Adresse: Lagergemeinschaft Auschwit⸗ Schillerstraße 18 W-6309 Münzenberg 1 S E SEA . 0 23 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Spenden zum Frhalt von Auschwitz' J.P. Frankf urt /NM K.B„ Nã dda M. T. Frankf urt /M W. St, Roth V.O, Hofheim A⸗8S„ Li nd Lar W. Sch, Wupperta1 Ndda N⸗K„ Däetzenbach H. B FfFm- Höchst A⸗ H, Saarbrücken F. P, PohLheim K Verden M. Sch, Kö1n U. L, Schorndorf J.T, St. Peter Stadtk. Herängen K⸗A, Frankfurt /M H. H, Nã esbaden K.R, Lehrte M. P, Reinbek A⸗Sch, Obersum O. Sch, Kirchheim/Te ck M. H, Geesthacht F.P, Babenhausen F.H, Cramberg K⸗D, Güter sLoh L. G, Dortmund V.D, Hamburg oh⸗N, Sal.-HeiLägenbg. M. W, Stuttgart R.R, Frankfurt /M SPD Butzbach J.G, Neuenkirchen JF.V, Inge Lheim J.H, Kasse 1 G.H, Mannheim J. S, B e 1e fe 1d G. A, FLorstad t M. vö, Oberurse1 R. H, Offenbach K.P, Ravensburg V.R, Lohhof M. H, MhLheim/M K. R, Bad SatzufLen HC.P, Ort unbek. oh⸗N, Ludwigsburg Wänsen/A. Stadtk. Münzenberg E.F, Mainz R. B, He ro1Ld NM, Marburg/L. FTL. E, Bad homburg oh. N, Frankfurt /NM 200.—— 50.—— — — 300.—— — 50.—— 50.—— 50.—— 50.— 20.—— — 1oo.—— 50.—— 20.— 20.— 50.— 50.— — — 50.—— 20.—— — 50.—— 20.—— 10.— 200.—— 200.—— — — — 50.—— 50.—— 50.—— 50.— 30.—— 30.— 500.—— — 50.—— 50.— 30.—— 25.— 20.—— 20.—— 50.—— — 80.— — 200.—— 120.—— — [oo.—— 20.— S.H. Frankfurt /M 6, Frankfurt /M U. P, WöLfersheim F. P, PohLheim KH. Z. Bad Homburg 5 Wä Ldeshausen S. H-MW, Frankfurt/M K. P, Loccum BerLin A. B-B, PaderbPorn D. S-C, Franlfurt /M S. H, Lüneburg V.R, Ort unbek. U. Sch, Münzenberg E. E-B, So1ms M. M- S, Kasse1 A⸗8S, Schöneck 6 Neustadt /Saale H. N-W, Ornt unbek. F.D, Darms tadt K. Sch, Frankfurt/M NV.R, Laubach W-D, Wettenberng H. Sch, MihLheim/M D. St,„ Minzenberg VVN Giessen/L. W.V, Bad Homburng D6GB Butzbach E. Sch, Berg.-GLadbach H. B, Ontenberg E. St, Bie1efe1d W. B, Berg.— GLadbach FE Merzig ch. K, 6Giessen/I. KoLLekte ev. Luth. Gem. Ffm B.8, Oberhausen R-O, Frankfunt/M W. H, Münzenberg S.L, Kasse 1 W. K, Vechta B.M, Frankfurt /M H.R, Göttäingen 8 Frankfurt/M R.St,„ Varendorpf J.VW, Frankf urt /M B. D, Giessen/I. K.G, Hofbeber H. 8S, GeLnhausen SkatcL. L.N.T. G.B, Ffm- SeckRbach oh.N, Frankfurt/M M. W, Darms tadt H. N, Langgöns M. H, Rüsse1Lsheim 40.— 50.—— 20.— — 50.— — 50.— 50.— 50.—— 200.— 50.— — 50.— oo.—— 20.—— — 50.—— 30.— 20.— — — 200.—— 8 — — — — 50.—— 20.—— 50.— 300.—— 20.—— S 396.65 100.— 60.— 50.—— 50.—— 30.—— 50.—— 50.—— — 50.—— 50.—— 50.— — 50.— 27 86 200.—— 30.—— — 30.—— 50.—— Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzere. V. 29 G.G. FLors tadt 20.—— U⸗P WöLfFersheim 20.— Dokum.— Oberer Kuhbg. 125.— S5 Frankfurt/M— Sn— R. vV, Segbach 50.— H.L, OLdernshausen 50.—— E.VW, Bonn 120.— LXW.6, Karben k0.— L Dor tmund— BrL. Sch, Frankfurt /Ml— G. Langen 100.— H. V, Kö1n 70.— O.6, Franlefurt /M 50.— H. K, Hess.—Ldchtenau 30.—— K.B,y Nã dda 20.—— H. H, Darms tadt— N⸗K, Di etzenbach 30.— VVN Marburg- Bäedenk. 110.—— Chr. K, Bad Vä. Lbe1 50.—— Frankfurt/M 50.—— K., Frankf unt/NM 300.— A.M, ULm 50.—— H. K, FeLsberg 30.— K⸗D, GütersLoh 50.—— HL S, Berg.- GLadbach 20.— D. Th, Frankfurt /M—. Monheim— 2 Ett Leben 100.—— M. K, Frankfurt/M 50.— H.R, Münzenberg 150.—— K. H, Emden 200.—— H. K, Marburg/IL. 100.— G.K, Nonden K0.— KJSch, Neu-Tsenburg— T. M, De tmo1Ld 10.— Fr.—Eb.—Gymn.Müh1h. /M 30.— D. D. H, Tübängen 1. 000.—— H. V, Bonn 500.—— G.0, Erw tte 50.— P⸗K Münzenberg— B. St, Franlkfurt /5l 50.— S.G, Frankfurt /M[oo.—— Rockenberg 20.— B.C, Hamburg 20.— R München 20.— D. S, Bad Urach— Chr. S, Münster 250.—— JD, KLeve 20.—— 10.—— Chr.V, Aachen 10.—— 0259 Kasse 1 50.— B. Lünen 200.—— JK Franlf ur t /M— F. Z, Hannover— HdB, MSbug 50.—— S.E, Wi esbaden 50.—— L. B, FLorstadt 50.—— K.R, Hei de Lberg 20.— A⸗RH, Mainz 20.— K. H, Ort unbek. 20.— U.B, Ont unbelk. 20.—— D. S, Bã e LefeLd 200.—— KrTchenkrs. Essen- Süd— S h, anunt/ 200.— G. RH-H, Ort unbek. 100.— G. B„ Ont unbek. 50.— S Kã. e 1 50.— F. G, Ort unbek. 50.—— R.R, Ort unbek. 20.—— W.NW, SchwaLbach 20.—— E.M, Ornt unbek. 20.—— Mannheim 60.— 8 Hamburg— U. H, Kö1Ln 110.—— W. Sp„ De tmo1d 50.—— A⸗8S, Hamburg 200.—— K Potsdam 50.— M.K, Bã e Lefe1d 100.—— Ke., HMarburg /IL. 50.— Kö 1n— D. Sch, Frankfurt /M— F. e— G. W, Hamburg— HJ.NW, Mark1Lohe 30.— TeL Oberurnse1 20.—— B.G, Hamburg 10.—— D.F, Neu-Tsenburg 50.—— Fachsch. Ev. TheoL.Mbg/L. 600.— J8S0 Aarbergen— M. G, ELLwangen— A⸗Sch, Ort unbek. 50.—— B. K, Hede Lberg 30.— KAe, Aachen 15.— M.Th, Ort unbek.— Dã 1 Lenburg— R. A, Ne ckargemünd 20.—— W. H, Ort unbek.— C.Th, Bremen 50.— Ma., Koberg 50.—— M. K, BerLin 50.—— W. Sch, Bad Nauheim 50.—— 10.— Frankfurt /M— M. G-P, Bad Homburg 25.— H. K, Korntal/Stg. 100.—— R. St, Frankfurt /N 25.—— L. Sch, Wei Lheim— H⸗A, Hamburg 50.— R. E⸗ ort unbek.— . Kö1n 600.— W.F, Weidenberg 200—— 30 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. RTS. R, Tdstein 57 N. H, H. F, w. M, H. U, H. H, Heyde cke Emmerã ch Frankf urt/M Büdängen Frankfurt /M Franf ur t /M ch.V, Frankf urt/M M.L. O.8 P, Essen Münster Lagergem. Aus chwä tz — — 50.—— 160.— Koo.—— 50.—— 150.—— 50.—— 30.— — Zoo00.—— AL1en, däe unseren Aufruf: M. Th, K.L, M.K, A⸗B, P W. K, E.O, Co, A⸗K, S.L, Hambung 50.— Ort unbek. 5 Hochheim S 28 Käe1 S Bad Pyrmont 50— Stenhagen S— Usängen ſSc Hannover 50— Bad Hombung 5— Ont unbek. 150.— Hess. Landesreg erung 20. 000.—— „Auschwitz— Stop dem Verfall“ bis jetzt unterstützten, 13 chst Fün Thre Spenden. danken wiTF herz— Von velen Spendern haben wär Leider keine Anschräft, quã ttung zusenden können. Tei len Se uns doe bi be Lnne anset mät, dami t wäir das nachholen können. s odaß wi kKeine Spenden- Unsere Spendenaktion wid noch bäs zum Jahresende weitergehen. Unser Konto: BLZ 518 500 79 Sparkasse Metterau KS. Nn oo 2o000 2Z000 me Sie cł K Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 31 S= Wenn Sie sich um Ihre Einzahlung für die nãchste Zeit nicht mehr kümmern wollen, lassen Sie einfach abbuchen, Sie sparen Die Bank bzw. Postgebühren Einzugsermächtigung U Ich bin bis auf Widerruf nalpjahelich mit der Abbuchung einverstanden. B Qvierteljãhrlich A jahrlich 5—— Geldinstitut S—— Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der AUSCHMTZ Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt. Die Beiträge und Spenden sind steuerlich abzugsfãhig. Eine Spendenbescheinigung wird zugesandt. 4 Auschwitzer e.V., W-6309 Möünzenberg, Schillerstraße 18 32 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Unsere Bankverbindungen: Postscheckamt Frankfurt/M. für Organisation † Polenaktionen Sparkasse Wetterau für Organisation † Polenaktionen für Studienreisen für Aktion Auschwitz-Stop dem Verfall“ Impressum: Herausgeber: Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer e. V.“ Verantwortlich: Hermann Reineck, Schillerstr. 18, 6309 Münzenberg 1, Tel. 06033/60168 Mitarbeiter: D. Stamm A. Rossmann-Reineck Auflage: 2000 Fxemplare Die Mitteilungen erscheinen vierteljãhrlich Nachdruck von Artikeln gegen Belegexemplar gestattet. BLZ 500 100 60 Kto.-Nr 51 664608 BLZ 518 500 79 Kto.-Nr. 00 2000 0503 Kto.-Nr. 00 2000 0660 Kto. Nr. 00 2000 2000 N 6 Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwiter e. V. FREUNDESKREIS DER AUSCHWAZER eV. Schllerstraße 18 WW6309 Morgerberg 1 Telefon(0 60 33) 6 0168 Sparasse Wetterau GlZ 518 50079) Korto-Nr. O 020 000 503 ostschecſdxorſto F̃rarifurt/Meln GlZ 500 100 60) Korto-Nr. 51 664608 „ Beitrittserklärung LAGERGEMEINSCHAFT AUSCHWTA aSCrMZ 4 Name, Vorname Anschrift, Straße, PL.Z, Ort Geburtsdatum— FTitel, acad. Grad, Beruf Q Haftl. im KZ Auschwitz vom bis Haäftl.- Nr. Haftl. in anderen Lagern, Gefängnissen, etc. Angehöriger des ehem. Auschwitzhäftlings Haftl.- Nr. Q Freundeskreis der Auschwitzer Datum des Beitritts Unterschrift Zutreffendes bitte ankreuzen E HELEEN SlE UNS! WERDEN SE MGLED M FREUNDESkKRElS Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. —— 86. Farbkarte 613 SCHAFT AUSCEHMWITZ [S DER AUSCHMWTZER E. V.