LAGERGEMEINSCHAFT AUSCHWITZ FREUNDESKREIS DER AUSCFHWTAER E. V. AUSCEMWE I. Jahrgang Nr. 2 Mitteilungsblatt Juni 1991 Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Aus dem inhalt Wäim bätten unsere Freunde.. Seite 2 Geburntstagsgrüße 3 8 LyVrik gegen das Vergessen 2 4 Sinti und Roma 9 S Neonazis— WöLfernsheim— und kKein Ende Bücherverbmennung 1o. Mai 1933 n 15 Vewanstaltung Säntäi und Roma n 16 Monat1Lächer Treffpunkt ſ. Gedenktage 4 18 Kommentar 20 Unternehmen Barnbarossa 1 22 Leserbiefe W 25 Bopde11 in Kopzentretenslegern W 20 BuchempfehLungen 1 32 Der neue Vorstand Präsident: Hermann Reineck Generalsekretär: Hans-Joachäm Günther Sekretär: Gerhard Herr Kassierer: Anni Rossmann-Reineck Bestzer: LieseLotte Thumser- ei1 Beisitzer: Diethard Stamm Beisitzen: Vo1fgang Gehrke Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 1 Die Wahl von Friedrich Hardenberg Am 23. 05. 1991, an einem Donnerstag, fand die Mitgliederversammlung der Lagergemeinschaft Auschwitz/F reundeskreis der Auschwitzer e. V. in der Myliusstraße in Frankfurt am Main statt. Die Themengebiete waren, wie sollte es anders sein, natürlich immer noch von der Diskussion über die Presseerklärung geprägt. 0 wichtiger Tagesordnungspunkt war die Zuwahl des Generalsekretärs, damit der Vorstand wieder handlungsfähig werden konnte. Von den Vorschlägen, die dem Verein zugingen— einige von diesen liefen auf eine mögliche Wiedervereinigung der beiden Vereine hinaus— konnte keiner eine Mehrheit bei den Anwensenden finden. Zur Wahl stellte sich einzig Hans-Joachim Günther aus Würzburg, der mehrstimmig, bei einer Enthaltung, gewählt wurde. Auf die Frage, warum er denn das Amt angenommen habe, meinte er nur, daß es nötig wäre, in einer Zeit der Stürme nicht alles Segeltuch von den Masten zu nehmen, denn dann würde keine Fahrt mehr gemacht, und dies würden die Mitglieder schon honorieren, denn nichts wäre langweiliger, als einen Verein mit einer derartigen Thematik langsam dahinschippern zu lassen. Außerdem brauche der Verein wieder ein Forum, und dies gedenke er mit Hilfe der anderen wieder zuwegezu- bringen. Die'anderen! seien im übrigen alle Mitglieder, und nicht nur ein exklusiver Kreis von Vorständlern. E Bei der obengenannten Mitgliederversammlung wurden auch einige Statutenänderungen vorgenommen. E Wir werden die neuen Statuten nach Drucklegung allen Mitglie- dern zusenden. Bemerkenswert wäre noch, daß die Mitgliederversammlung in sehr guter, freundschaftlicher Atmosphäre verlief und alle Diskus- sionsbeitrãge im Sinne einer neuen, positiven Arbeit der Lager- gemeinschaft geführt wurden. 2 Lagergereinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Wir bitten unsere Freunde um Entschuldigung daß unser Mitteilungsblatt mit großer Verspätung zu Ihnen/Euch kommt. Die Hauptursache liegt daran, daß wir zwei außerordentliche Mitglie- de rversammlungen durchführen mußten, da die Zuwahl eines Vorstands- mitgliedes(Gen. Sekr.) nötig war, wie auch die Zuwahl eines Kassen- prüfers. Das alles kostete viel Zeit. Deshalb kommen auch die Geburtstagsgrüße für alle im Mai/Juni Geborenen zu spät. Wir hoffen, daß die Glückwünsche trotzdem noch angenommen werden! Auch der Beitrag zur Bücherverbrennung am 10. 05. 1933 kommt zu spät. Leider wird dieses Tages fast überhaupt nicht mehr gedacht. Die vorliegende Ausgabe beschäftigt sich vornehmlich mit den Zigeu- nern(Sinti und Roma). Sie finden einen mehrseitigen Artikel von W. Gehrke. In der Rubrik Lyrik gegen das Vergessen“ haben wir einen Sinto zu Wort kommen lassen. Wir möchten Sie schon heute auf unsere Veranstaltung am 24. August 1991 zu diesem Thema aufmerksam machen und bitten Sie, in lhrem Freundes- und Bekanntenkreis darauf hinzuweisen. Dazu gleich noch eine Vorankündigung: lm November wollen wir eine Podiumsdiskussion durchführen zum Thema »Der Golfkrieg und seine Auswirkungen“. Wir wollen dazu namhafte Historiker, Politologen u. a. einladen. Ein Film mit dem Fitel IRAkK— die Zeit nach dem Krieg — Bericht aus einem zerschlagenen Land— von Carl-A. Fechner wird gezeigt werden. Ein Letztes: Wir sind ein Verein von Mitgliedern', aber kein Mitslie der-Verein. Nicht die Masse macht's, sondern die Qualität. Wenn Sie unsere Arbeit interessiert, Sie aber bisher noch keinen Kon- takt zu uns gefunden haben, dann wenden Sie sich an uns; entweder an unsere Zentrale in Schillerstraße 18, 6309 Münzenberg 1, oder auf einer unserer Veranstaltungen. HR DRAHT 20 UMS: Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Unseren Mitgliedern herzliche Geburtstagsgrüße MAl — — . — O Wdl 00 SSSSSSSSSSSSSSS Monika Held Jürgen Telschow Uschy Klopsch Ursula Middelanis Marta Palczewska Jutta Freisens Florian Ross Harald Blümel Frank Pötter Ruth Jakusch Dr. Janusz Mlynarski Dr. Matthias Hamann Brigitte Harder Hans joachim Günther Annegret Brombach Dr. Manfred Zenker Gerhard Herr Ludwig Poppeler Dr. Walter Bittner Diethard Stamm Dietlind Clever-Schmidt Marie-Louise Steinschneider Kristine Tromsdorf Jutta Loesch Matthias Loesch Birgit Brunner Dr. Feliks Niedzielak Bettina Hack Kurt Rosemeier Rudolf Boning Horst jacob Rainer Leichtenberger Dr. Dieter Werner Alexander Wolf Prof. Gerhard Baader Erhard Fasel Rolf Kirsten Roland Schähle Wladyslawa Jankiewicz Karl-Klaus Rabe 13. 7. Carl-Martin Barnutz 13. 7. Barbara Distel 13. 7. Hildegard Gerhards 19. 7. Lothar Bembenek 19. 7. Wilhelm Dorn 19. 7. Angela Sulzmann 20. 7. Heinz Ennemann 21. 7. Bardo Bayer 21. 7. Reiner Röhrborn 24. 7. Halvar Bertilson 24. 7. Herta Weck 27. 7. Michael Langhanky 27. 7. lmo Moszkowicz 28. 7. Klaus Rosenstock 28. 7. Adeline Verino 31. 7. Dr. Ludwig Fast mann AUGUST 2. 8. Güner Bilgmann 2. 8. Dr. Ursula Krause-Schmitt 2. 8. Werner Schmidt 3. 8. Horst Ehrhardt 3. 8. Eduard Wolny 10. 8. Doris Graenert 10. 8. Astrid Knöss 16. 8. Ursula Schmidt 17. 8. Hildegard Moos 19. 8. Willi Berg 23. 8. Helen Kraas-Pimentola 25. 8. Detlev Puls Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. WVRIMK GEGEN DAS VERGESSEN RUhEn Bruder, welchen Preis habe ich nicht bezahlen müssen! Ihr habt mein Wesen gestohlen, 6 Mir mein Bewußtsein vernichtet Und meine Zunge gelähmt, Um mich zu demütigen und von den andern zu trennen. Meine Kultur wollt ihr begraben, Meine Lebensweise bestimmen, So daß ich schließlich nicht mehr weiß, wer ich selbst bin. Bruder, welchen Preis müssen wir bezahlen! lhr habt mich zum Gespött der Welt gemacht. Ihr reißt eure Witze auf meine Kosten. Es ist das Zwanzigste Jahrhundert Und ihr solltet mitder Zeit gehen. Bruder, welchen Preis müssen wir noch bezahlen! Knochen und Asche von 500 000 Menschen Liegen zerstreut in der Erde. Bruder, wir sind in Deutschland geboren. Vater, Mutter, Großvater, Urgroßvater sind hier geboren. 700 Jahre geknechtet und verfolgt. Und noch immer bist du kein Deutscher. 6 Bruder, welch' ein Preis! Bruder, dein Name ist auf der Speisekarte. Mit deinem Namen machen sie deutsche Kultur. Opern, Operetten und Theater spielen sie mit deinem Namen. Kaiser, Könige und Staatsmãnner lieben deine Musik. Aber dich und deine Lebensart wollen sie nicht anerkennen. Bruder, wir wollen keinen Preis mehr bezahlen! Bruder, in den Hochhäusern, in die sie dich verbannt haben, Wird deine weinende Geige verstummen. Bruder, lege dich hin— du bist tot! Lolotz Birkenſeſder Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Sinti und Roma Versuch einer Einführung in die Problematik von Wolfgang Gehrke Es ist mir bewußt, daß dieser Artikel nicht den Anspruch auf Wissen- Schaftlichkeit oder Vollständigkeit haben kann, sondern hinführen soll zu Fragestellungen im Zusammenhang mit dem Problemkreis»Sinti und Roma in unserer Kultur bzw. Kulturgeschichten. Die Veranstaltungen der Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer“ zu diesem Thema werden es dann hoffentlich dem Deiraelnen ermöglichen, in dieser Frage zu einer eigenen differenzierten position zu kommen und menschliche Begegnungen mit einer Kultur ermöglichen, die häufig im Alltag unmöglich sind. Rom! in der Sprache der Simi und Roma bedeutet Mensch'; demnach bezeichnet sich dieses Volk schlicht als ein Volk von Menschen. Man Schätzt etwa 5 bis 10 Millionen Angehörige dieses, weltweit anzutref- fenden Volkes. In BEuropa tauchen die»Zigeuner“(von Kleinasien bis Mitteleuropa in Abwandlungen so genannt) erstmals um 1322 in Krera und 1347 in Korfu auf, in Deutschland, Ungarn und der Schweiz erst 1417, später in ltalien und Frankreich. Offensichtlich hat es aber für Europa noch einen zweiten Einwanderungsweg über Nordafrika und Spanien gegeben. Ein dritter Einwanderungsweg führte vermutlich über Armenien nach Rußland. Oberall, wo sich Angehörige dieses Volkes der Sinti und Roma trafen, konnte und können sie sich untereinander verständigen, also auch dort, wo nach Jahren oder Jahrhunderten der Trennung sich Angehörige der verschiedenen Einwanderungsrichtungen begegneten. c 7 rmen e e 4 e 0 ℳ 23 0ℳ Da e Vlcun 3 2) On Tb.. anecek e⸗ 50 70 03 Pn h a el Fcl e DX. 7 6 73— ⸗. 2 ſt e a 4 7/An0e„ e a Fe⸗ e Fruc) 7 25 Z ( Ma. hn 6„( [(e 0 3 2e F..1% DA. h⸗ h6 Ce⸗ ſ A4s dem Volenbuch des Zigeunerlagets Achwilz- Birenau 6 Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwftzer e. V. Meiner Ansicht nach wesentlich sind für dieses Volk einige grundsätzliche Charakteristika, die seit 1322 immer wieder zu ähnlichen Vorurteilen und Konflikten mit der seißhaften Bevölkerung in Europa geführt haben (Man möge mir energisch widersprechen, wenn ich irren sollte.): Roma und Sinti leben nach eigenen Gesetzen“ und Moral- vorstellungen, also nach einem eigenen Sittenkodex“, der sich erheblich von dem seßhafter europäischer Völker unter- scheidet. — Sie besitzen eine eigene Sprache, die verwandt ist mit Dialekten, die im NW Indiens gesprochen werden. Im engen Zusammenhang mit ihrem*Sittenkodex“ ist ihre nomadische Lebensweise zu sehen. — Roma und Sinti gliedern sich in sog. Stämme und Sippen, mit einem Stammeschef“ und einer'Stammesmutter“ an der Spitze. Sie besitzen genuin keine eigene Schrift und daher keine schriftliche Tradierung ihrer Sitten. Gebräuche und Normen. Die Tradierung erfolgt(e) ausschließlich mündlich. Man könnte aber auch umgekehrt formulieren: Für Roma und Sinti gab(und gibt?) es keine existentielle Notwendigkeit, eine Schriftsprache in ihre Kultur aufzunehmen. — Sinti und Roma erwarben ihren Lebensunterhalt immer in Abhängigkeit von den Möglichkeiten, die ihnen die seßhaften Völker Furopas boten, allerdings ohne sich je von diesen assimilieren zu lassen. Erwähnenswert ist noch, daß Sinti und Roma auf ihrem jahrhunderte- langen Weg nach Europa in ihre Sprache armenische, persische, griechi- sche, rumänische und einige türkische Lehnwörter aufgenommen haben. Als sie 1417 den deutschen Sprachraum erreichten, verbreitete sich zunächst die Legende, sie kämen aus Kgypten(vermutlich hatten sie selbst ihre Herkunftsland bereits vergessen). Hinter der ewigen Suche nach ihrem Herkunftsland verbirgt sich vermu) lich ein spezifisch seßhaftes“ Charakteristikum: Wenn hier jemand auftaucht, muß er auch eine Heimat haben, er muß irgendwo seßhaft gewesen sein und einem spezifischen Broterwerb nachgegangen sein— anders ist es nicht vorstellbar. Die Möglichkeit nomadisierender Kultur und Lebensweise wird quasi durch die Fragestellung von vornherein augeschlossen und kommt erst gar nicht in Betracht. Dieses nomadisierende Element aber ist in der Roma- und simikultur offensichtlich wesentlich konstanter und konstitutioneller als andere Charakteristika, die in unseren Augen konstituierend sein müßten, wie etwa das religiöse Bekenntnis. Kußerlich bekennen sie sich zu allen Konfessionen, mit denen sie durch die»Seßhaften“ in Kontakt gekommen sind, wobei im Hintergrund(oder Vordergrund)*0 Del“ oder*0 Devel“ Gott, 0 Beng“„ das Böse sowie Erd- und Luftwesen eine Rolle spielen. Womöglich spielte also die Konfession in erster Linie die Rolle, von den Seßhaften wenigstens in dieser Hinsicht geduldet zu sein und wenigstens hier nicht zum Stein des Anstoßes zu werden, zum Beispiel in Zeiten der Inquisition eine höchst sinnvolle Verhaltensweise. Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 5 GEORGIA RAKELMANN glaubt, die Zeit der Verfolgung von Sinti und Roma in Europa in vier Phasen einteilen zu können: 1. Von 1400 bis zum 16. Jahrhundert keine eigentliche Verfolgung des Nomadenvolkes, nur lokale Konflikte, eher geschätzt wegen seiner Fähigkeiten und Fertigkeiten. 2. Zeit zwischen dem 16. und 17. Jahrhundert Im Zuge der Gegenreformation drohten sie, eher zwischen den Mäch- ten zerrieben zu werden. Die Suche nach Sündenböcken(Inquisition) machte auch vor den Zigeunern nicht halt. Bauernanführer nutzten 6 teilweise die gute Ortskenntnis der Roma und Sinti für ihre Zwecke. Erwerbsquelle für dieses Volk war damals u. a. das Brauen von haluzinogenen Tränken, ihre Erfahrung in der Tierheilkunde und Hand- linienlesen. 3. Für die Jahrhunderte des Früh- und Hochkapitalismus nimmt G. RAKELMANN eine dritte Phase der Verfolgung am Die Verfolgung des Müßigganges“. Zigeuner galten in der Folgezeit als varbeitsscheu“, neue, überregionale Verwaltungseinheiten erleichtereten dazu noch die Verfolgung. lndustriell gefertigte Kochtöpfe wurden billiger als geschmiedete; sie erlitten ein den Handwerkern vergleichbares Schicksal: Flicken vor Fertigen. 4. spricht sie von einer Phase der Verfolgung, die der industriellen Technik entspricht. Gemeint ist einmal der organisierte Massenmord, aber auch die hochentwickelte Industriegesellschaft(Wegwerfgesellschaft), die allmählich sämtliche Erwerbsquellen des Nomadenvolkes endgültig 2u zerstören droht. Mit der Zerstörung der Erwerbsquellen geht vermut- lich auch eine Zerstörung sozialer Strukturen einher, die mit nichts aus vorangegangenen Jjahrhunderten zu vergleichen ist. Sinti und Roma in der NS-Zeit Wenn wir uns als Pagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer“ mit diesem Thema beschäftigen, dann interessiert natürlich vorrangig jene Zeit, die den organiserten Massenmord erst ermöglichte. Zigeuner wurden in drei Internierungswellen in die Konzentrationslager der Nazis gebracht(1939, 1941, 1943). Die nachhaltige Zerstörung der Familienst rukturen, die die Nazis erreich- ten, hat wohl unabsehbare Folgen bis heute und in die Zukunft. Die Verfolgung im lII. Reich begann mit den bekannten Methoden der Herabwürdigung und Entmenschlichung dieses Volkes, das Schädlingen gleichgesetzt wurde und infolgedessen nausgerottet“ oder nausgemerzt“ werden mußte. Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Der Chefdes Rasse- und Siedlungshauptamtes— 88 Berlin SW 68, den 18. Juni 1940 Hedemannstraße 24 Tgb. Nr. 192/40. Pck. /La. Betr. Bericht über Slowakei. Bezug: Diess. Schrb. vom 15.5.40. TIgb. Nr. 164/40 Anlg. Ohne An den Reichsführer— 88 Berlin SW 11, Prinz-Albrecht-Straße 8 Reichsführer! .. EFin außerordentlich widerwärtiges Element in der Slowakei sind die Zigeuner. Es gibt fast in jedem Dorf mehrere Zigeunerfamilien reinsten Blutes. Die Zigeuner werden, soweit sie einer christlichen Kirche ange- hören, vom slowakischen Staat als Slowaken behandelt, haben ihre Arbeits- dienstpflicht und ihre Militärdienstpflicht abzuleisten, wenn auch nur in slowakischen Formationen, sind aber rassisch für uns Deutsche das Wider- wärtigste und Ekelhafteste, was ich bishergesehen habe. Um überhaupt nur einen Vergleich herbeizuziehen, gleichen sie sowohl in ihrem Gesichtsaus- druck wie in ihrem Wesen den Ratten. Sie haben eine fast Schwarze Haut- farbe, lange spitze Nase und Gesichtsform, scheue, schräggestellte Augen und grõßtenteils Nagelzähne. Sie leben in unglaublichschmutzigen Hütten an einem Rande des Dorfes, arbeiten nicht, sondern ziehen bettelnd und stehlend herum. Sie werden unbegreiflicherweise als unabwendbares Ubel hingenommen und geduldet. Der Kinderreichtum ist sehr groß. Es gibt in der Slowakei bereits einen Pfarrer und einen Rechtsanwalt zigeunerischer Rasse. Selbstverständlich sind alle Musikanten Zigeuner. Nach Entfernung der Juden und Zigeuner außerdem nach Ausschal- tung der Magyaren und Magyaronen— schätzungsweise etwa 500 000 Men- schen— kann meiner Ansicht nach dieses Land wieder voll dem Deutsch- tum zurückgewonnen werden... Heil Hitler! gez. Pancke, SS-Gruppenführer Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 9 Wie das Kalendarium aus dem Konzentrationslager auschwitz“ belegt, gab es schon vor Errichtung des Zigeuner-Famiſienſagers Foma und Sinti im KL. Am 25.05.42 floh nachweislich ein Zigeuner(Vincent Daniel, Nr. 33804). Aber erst nach dem 14.12.42 rollten die Zigeunertransporten regelmäßig nach Auschwitz. An diesem Tag war ein Himmler-Befehl im Einvernehmen mit dem Justizminister ergangen, daß alle asozialen 5 Elemente“ in die Konzentrationslager zu schicken seien. 943 Daraufhin wurde das Familienlager für 2Zigeuner“ von Auschwitz Il Birkenau fertiggestellt. Dies war eine Beson- derheit insofern, als nur die Juden aus Theresienstadt ebenfalls in einem Familienlager“ untergebracht waren. Vom ln dieser Zeit trafen fast täglich große Transporte mit 26.02.43 Zigeunern in Auschwitz ein. Jeder Transport umfaßte zwi- bis schen 100 und 1.500 Personen. 10.04.43 Dies dürfte die Zeit gewesen sein, als sich im Familien- lager“ zwischen 20.000 und 30.000 Menschen befanden. Nach dem 10. 04. 43 kamen'nur“ noch 10 bis 15 größere Zigeunertransporte“ in Auschwitz an, die größten am 07.05.43 mit 863 bzw. 768 tschechischen Zigeunern. und am Täglich wurden jedoch weiterhin einzelne Sinti eingeliefert 22.08.43 oder kleinere Gruppen bis 15 oder 20 Personen. Auffallend ist weiterhin ein Transport vom 17.01.44 mit 351 Zigeunern aus Belgien, Frankreich, Holland und Deutschland. Zwischen dem 11.03.43 und dem 5.06.44 wurden nahezu räglich bis zu fünf Zigeunerkinder geboren ₰ und registriert(tätowiert). Nur wenige von ihnen überleb- ten die ersten Tage oder Wochen ihres Daseins. Die Auflösung des Familienlagers für Zigeuner“ kündigte sich wahrscheinlich mit dem 15.04.44 an, als 1.357 Häftlinge(884 Männer und 473 Frauen) ins Kl. Buchenwald bzw. Ravensbrück nüberstellt“ wurden. Es folgten am 24.05.44 82 Männer nach Flossenbürg und 144 Frauen nach Ravens- brück. Am 02.08.44 werden letztmals 1.408 arbeitsfähige Menschen ins Kl. Bu- chenwald abtransportiert(918 Männer und 490 Frauen). Obrig bleiben in Auschwitz II— Birkenau 2.897 Frauen, Kinder, Greise und Arbeitsunfähige, die am Abend des 02.08.44 alle vergast werden. Das Familienlager für Zigeuner existiert nicht mehr. 10 Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Wenn ich richtig gerechnet habe, werden bei der Auflösung des Fami- lienlagers für Zigeuner“ zwischen 14.000 und 24.000 Menschen nicht mehr erwähnt, die alle als Häftlinge einmal eingeliefert worden waren. Es ist zu vermuten, daß diese Menschen durch Hunger und Krankheit ums Leben gekommen sind, die neugeborenen Lagerkinder nicht gerechnet. Man geht heute allgemein davon aus, daß die Nationalsozialisten insge- samt etwa eine halbe Million Menschen vom Volk der Roma und Sinti umbrachten und damit für den europäischen Raum einen nicht mehr gutzumachenden Schaden anrichteten— hoffenlich bedeutet dies nicht den Untergang dieses Volkes in Europa! 0 Zur heurigen Situation der Sinti und Roma Im März 1979 wurden die Sini und Roma in den FCOSOC der Vereinten Nationen aufgenommen(der Okonomische und Soziale Rat der Vereinten Nationen). Eine Rede, die anläßlich dieses Ereignisses von elf Delegierten der Sinit-Delegation verfaßt wurde, zeigt uns ein Stück der Situation, in der sich dieses Volk heute befindet. Mit der gewachsenen Mobilität eines jeden Einzelnen in den Industrie- gesellschaften, die für uns selbstverständlich geworden ist, wurde der Mobilitätsvorsprung“, den Zigeuner jahrhundertelang vor der seßhaften Bevölkerung hatten, ökonomisch bedeutungslos: Ich kann mir in weitem Umkreis von mir begehrte Waren selbst kaufen. Konsumgũter, die noch vor 40 Jahren zigmal geflickt wurden, bevor man sie wegwarf, werden heute billiger neu verkauft als geflickt. So geraten Zigeuner in finamielle Not, zwingt sie die Sozialgesetzgebung, zuerst den Gewerbeschein abzugeben, bevor eine soziale Unterstützung gezahlt wird. Diese erzwungene Seßhaftigkeit wiederum hat zur Folge, daß Sitten und Gebräuche des Nomadenvolkes außer Kraft gesetzt sind— eine Kultur droht, 50 Jahre nach der Naziherrschaft, auch ohne Euthanasie auszusterben, schlimmer, zu verelenden in erzwungener Seßhaftigkeit. 6 S K Neonazi Wölfersheim und kein Ende von Diethardt Stamm Anfang Mai hatte die Lagerge- Es ging um den wiederholten meinschaft Auschwitz zu einer Versuch der extremen Kräfte am Versammlung und Demonstration rechten Rand, sich unter einem gegen eine sog.'nationale Kund- Dach zusammenzuraufen, dieses gebung' am 11. Mai in Wölfers- Mal unter dem Stichwort»Deut- heim aufgerufen. sche Allianz“. Bekannte einschlä- Lagergemeinschaft Auschitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 11 (chaft gige Negativprominenz wurde aufgeboten: Rechte Europaabgeord- nete, der stellvertretende NPD- Bundesvorsitzende, ein Ex- Rep!— Landesvorsitzender, Mitglieder des Rep!-Bundesvorst andes und Mitglieder von rechten freien! Wählergemeinschaften. Dem Druck der mitinitiiert von der Lagergemein- Auschwitz, war es 2u verdanken, daß der wieder einmal durch Gerichtsbeschluß und eine wohlwollende Gemeindeverwaltung zur Verfügung stehende Saal kurzfristig dann doch nicht für die Neonazis zu bekommen war: Plötzlich fand der Bürgermeister den Schlüssel nicht mehr. Die Neonaziveranstaltung mußte in eine Kneipe in einem Nachbar- ort verlegt werden, wo es eben- falls zu erheblichen Auseinanderset- zungen kam. Sffentlichkeit, Können so Probleme gelöst werden, und wie sehen diese aus? Die Problematik von Wölfersheim ist die gleiche wie mittlerweile an vielen Orten in der Bundes- republik, wobei sich ein Schwer- punkt in den neuen Bundesländern abzeichnet. Die dortigen Erfolge' S die teilweise in Konkurrenz tehenden Neonazis in den alten Bundesländern in relative Bedräng- nis gebracht. In den alten Bundes- ländern läßt sich nicht ganz so leicht agieren und die Polizei ist gegenüber brutaler Gewalttätigkeit nicht ganz so untätig und unfähig wie in Thüringen, Sachsen oder Sachsen-Anhalt. Verschiedene Wahlen haben zudem die relative Bedeutungslosigkeit rechter Gruppen innerhalb des Parteienspektrums aufgezeigt. Relative Bedrängnis und relative Bedeutungslosigkeit kann man aber in den alten Bundesländern nur feststellen, wenn der Bezugs- neuen Bundesländer schäumt die braune Zeit über. Die West- braunen formatieren sich, um mit den Ossibraunen mithalten zu können und weil eine allge- meine Aufbruchstimmung im rechten Lager herrscht. Iln Wölfersheim haben sich erstma- lig NPD, Republikaner und andere maßst ab die sid. Döt Welle zur braun Lackierte zusammengefunden. Was eine solche Deutsche Alli- anz“ uns beschert, zeigen Alltags- beispiele in den neuen Bundeslän- dern: Rechte Gewalttäter schlagen am 9. März Jugendliche in Jugendhei- men in Elsterwerde und Bad Liebenwerda zusammen, weil diese Ausländer eingeladen hatten. Skinheads stürmen am Ostersams- tag in Zwenkau bei Leipzig eine Asylantenfamilie und verletzen mehrere Personen so schwer, daß die Familie nach Hessen flüchten muß. Faschistoide Jugendliche am Ostersonntag eine Dresdener Straßenbahn und werfen den Afrikaner Joao Gomondai hinaus. Dieser stirbt an den Verletzungen und eine Hundertschaft! Skinheads greift 3 Tage später unter*Sieg Heil“- und Ausländer raus“-Rufen die Beerdigungsgäste an. stürmen Am 8./9. April— der Visumzwang für Polen ist aufgehoben— verlet- zen Hunderte von Rechtsradikalen unter Hitler-Parolengebrüll polni- sche Reisende und beschädigen deren Autos. Hitlers Geburtstag am 20. April wird mit Krawallen in Leipzig gefeiert. Ausländer werden in Fisenhüttenstadt verprügelt. Skinheads randalieren im»Erfurter Hof“ in Erfurt, in dem einst Willi Brandt abstieg, und in Magdeburg skandieren Hooligans Nazilieder. ln Sondershausen nimmt die 12 Lagergemeinschaft Auschuitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Krawallen 21 Nazis fest. hiten⸗ Sabstäen g Am Vatertag! brennt in Liebert- Wölfersheim die sich gegen die Antentiin i Rechten S sind wieder Dresden Leihtit und Berlin- einmal die Nestbeschmutzer“. Verwaltungsgerichte entscheiden re zugunsten der'nicht verbotenen!— Sb e Partei, und Bereitschaftspolizei ahr schützt massiv die Braunen. Mahlsdorf Gaspistolen*Schwule ausmerzen“. Prinzipiell sieht es so auch in vielen anderen Städten in West- Uö P ß n% und vor allem SOstdeutschland Spitz deiese in einem kurzen Zeitabschnitt. als die deutsch-polnische Grenze 3 Si tüt geöffnet wurde, war trotz War- e nungen Polizei kaum präsent bzw. griff nicht ein; in Frankfurt/Oder sprechen Kommunalpolitiker von nunbedeutenden Delikten“, und der Bürgermeister stellt nach den Ausschreitungen fest, daß man nicht für jeden Polen eine Hundertschaft bereithalten“ könne. In Dresden zeigten Bürger und Polizei gemeinsam Zympathie für junge Arbeitslose, denen Auslände das Brot wegnehmen“ würden. Bei Frankfurt bildeten sich Kühnen-Anhänger an Waffen aus, um im lrak zum Einsatz zu kom- men: Das Fernsehen darf einige Szenen gegen dickes Enmgelt filmen, und von einem Polizeiein- griff ist nichts bekannt. Am 15. Juni treffen sich 1.200 Neonazis aus allen Bundesländern in Dresden anläßlich des Geden- kens an einen erschossenen Gesinnungsgenossen. Stundenlang schallen die»Sieg-Heil“-Rufe, wird die Staatsmacht als»in den letzten Zuckungen! dargestellt, und es werden Nazilieder und parolen gegrölt. Die Weltpresse und das ausländische Fernsehen schauen dem fast ungehinderten Fee Polizei am 3. Mai ein Naziwaffen- lager aus und nach größeren vielen Beispiele, besonders in den neuen Bundesländern, werden weder registriert noch bekannt. Wölfersheim ist auch nur ein Beispiel— allerdings typisches— wie das Umfeld auf das Auftreten der Neonazis reagiert. Da wird eine NPD von anderen Parteien im Parlament hoffähig gemacht, da verhalten sich weite Bevölke- rungskreise passiv und ein Teil Wölfersheim ist Beispiel von vielen. wichtig und richtig, die Lagergemeinschaft Auschwitz zu einer Kundgebung aufzurufen. ln Wölfersheim haben sich auch ceher die geistigen Verführer% Neonaziszene getroffen, die harter Umsetzer der rechtsradikalen Programme findet man eher in den neuen Bundesländern. Die geistigen Rädelsführer sind meist schlimmer als die Verführten. Sicherlich muß die Lagergemein- schaft öfter in das sogenannte Tagesgeschäft einsteigen. Der in mehreren Presseorganen gewürdigte Aufruf zu Wölfersheim und die durchgeführte Demonstra- tion vor Ort und Teilnahme an der Blockade der Ausweichkneipe und die darüber erfolgte Bericht- erstattung sind wesentliche Kleinarbeit aller Antifaschisten. eben nur ein Aber es war dort durch Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 13 Bücherverbrennung 20 Die prophetischen Worte aus Heinrich Heines Tragõdie Almansor“ sollten wenige Jahre später erschreckende Realität werden. Almansor: Wir hörten, daß der furchtbare Ximenes, Inmitten auf dem Markt, zu Granada— Mir starrt die Zung im Munde— den Koran. ln eines Scheiterhaufens Flamme warf! Hassan: Das war ein Vorspiel nur, dort wo man Bücher verbrennt, verbrennt man auch am Ende Menschen.“ Bücherverbrennungen gab es 2u allen Zeiten— schon 221 v. Chr. in China, bis zu Agricola und Luther, der französischen Revolu- tion bis ins 19. Jahrhundert. All die Umaten hatten aber andere Ursachen und Hintergründe als die Schandtaten der National- sozialisten. O besondere Rolle spielte bei den Bücherverbrennungen der NSDSTB Nationalsozialistische Deutsche StudentenBund“. Der NSDSTB bediente sich antisemiti- scher, antimarxistischer, antire- publikanischer und antiparlamen- tarischer Argumente. Militärischer, võlkischer Geist herrschte im NSDSTB. Die Aktion Wider den undeut- schen Geist“ war nach dem Machtantritt Hitlers, nach der Gleichschaltung im Frühjahr 1933 organisiert worden. Schon 1931 zeichnet Franz von Unruh ein düsteres Bild der von H. Reineck st udierenden Jugend:. daß sie nur aufnehmen, was der völkischen ldeologie entspricht, daß ihnen Begriffe wie geistige Freiheit, Frieden nichts sind als Quark, den die Hitlerschar auf den Mist kehrt. Vom 12. April bis 10. Mai 1933 - 28 Tage benötigten die Nazis zum Büchersturm. Schwarzlisten“ wurden erstellt, Bibliotheken geplündert, Verleger und Bibliothekare terrorisiert, die Bevölkerung drangsaliert, bis am 10. Mai die Brandfackeln der Bücher-Scheiterhaufen die Nacht in vielen Städten erhellten. Aber es war kein Licht, es war ein Rückfall ins dunkelste Mit- telalter. Die besten Bücher von Schriftstel- lern aus Deutschland, Osterreich, Amerika, der Sowjetunion u. v. a. wurden verbrannt: S Mann, E. Hemmingway, K. Tucholsky, M. Gorki, B. Traven, J. Wassermann, F. Kästner und E. M. Remarque, S. Freud und C. v. Ossietzky, U. Sinclair und J. Ringelnatz, F. Werfel und H. G. Wells, Jack London, F. Masarell und Vicki Baum und und und tausende, tausende! Von einem— einem deutschen Arier namens Oskar Maria Graf“ - verbrannte man nur ein Buch: Wir sind Gefangenen. Er prote- stierte. Bertold Brlecht schrieb aus dem Exil ein Gedicht dazu; Sie finden es umseitig. Bücherverbrennung und Konzentra- tionslagerbetrieb hängen inhaltlich zusammen. Die Bücherverbrennung war die geistige Vorbereitung auf den entsetzlichen Massenmord 14 Lagergemeinschaft Auschwitz— F̃reundeskreis der Auschwitzer e. V. an Juden⸗ Zigeunern, Russen Oskar Maria Graf sagte am Polen und vielen, vielen anderen. 10. Mai 1943 im amerikanischen Exil: .„Dieser 10. Mai—ewiges Schand- 2 gebe mal nazistischer Barbarei- müßte Traditionen der Literatur, der aut det e e Geisteswissenschaften zu unter- j Sen elr e brechen. in einen Tag des Nie-wieder- der Bücher Vergessens· S einen Tag der wurden nach 1945 1i R in der BRD Manifestation für die Freiheit nicht wieder verlegt. Sie, die verbrannten aus dem Bewußtsein Menschen gestrichen! 10. Mai 1933 Berlin Bonn Braunschweig Breslau Danzig Darmstadt Dillingen Dresden Erlangen Frankfurt/M Freiburg Giessen/l. Söttingen Greifswald Halle Hamburg 1 Hamburg I1 Hannover Heidelberg 1 Heidelberg II Kaiserslautern Kiel Köln Kõnigsberg Mannheim Marburg/l- München Münster Nürnberg Regensburg Rostock Salzburg Tübingen Worms Würzburg des Geistes!“ Bücher, sind vieler, vieler DFEUTS CHE SATIREN DIE BUcRHERvERBRENNUNG Als das Regime befahl, Bücher mit schãdlichem Wissen Offentlich zu verbrennen, und allenthalben Ochsen gezwungen wurden, Karren mit Büchern Zu den Scheiterhaufen zu ziehen, entdeckte Ein verjagter Dichter, einer der besten, die Liste der Verbrannten studierend, entsetzt, daß seine Bücher vergessen waren. Er eilte zum Schreibtisch Zornbeflügelt, und schrieb einen Brief an die Machthaber. Verbrennt michl schrieb er mit fliegender Feder, verbrennt mich! Jut mir das nicht an! Laſit mich nicht übrig! Habe ich nicht Immer die Wahrheit berichtet in meinen Büchern? Und jetzt Verd ich von euch wie ein Lügner behandelt! Ich befehle euch: Verbrennt mich! Bertolt Brecht Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 15 6tudenten„Bürger Würzburgs! Pllegl deutſche Kultur und zerſtört minderwerliges und zerſetzendes Schriſttum vm deutſcher Schrifiſteller. Die Stuntenlenſchaft veranſtaltet in dieſen Tagen einen Feldzug gegen jedes undeutſche Schrifttum. Es ik Pllicht jedes Deutſchen, dieſen Kampf zu unterſtützen O Feiniat Euere Büchereien! ecn— R e v e Tn. ar Be T. a— e. b⸗———.—— 3 e* n.— F.—. 2—— ebb N.— 3. 3— brn— S* Mh h— ſ Die autgeſonderten Bücher werden von der Studentenſchaft ge ſammelt. Abgabeſtelle Studentenhaus, Zimmer 70. Die Bücher werden ſpäter ſeierlich verbranntt Eine ausführliche Liſte liegt im Sludentenhans. Zimnier 70 zu Einſicht auf. Die Studentenſchaft an der Univerſität Würzburt gez Gerhard Linde, Studentenſchafteführer ſe N F Fe Fen e⸗— e v— Ln Se 77 See t Nn e e Wioer den undeutſchen Geiſt! 5 deutſche Männer uno Frauen! Deteillgt Euch an unſerm ſiampf gegen das jüoiſch⸗marziſliſche Schriſltum. Säubert Luren Pächerſchrank von tieſem Unrat uns lieſert éieſt Erzengniſſt ariſremden Oeiſtes bei unſcten Sammelſtellen ab. Sie wersen am Miüwoch, 10. Moi1033, cbss. 19 Uhr, öffentlichauſ dem Trommelplah verbrannt weröen. Sammelſtellen: Beſchöſtozimmee des H. S. d. St. B. im S. F.⸗Haus(Otto Rcinkt Stt.) Oeſchäſtezſmmer des Stahlhelm“ Vorder Roßgarten iSn Orſchöſtszimmer der Stusentenſchaſl(Rlles Lanöpericht, Theaterpl. 3, Rulg. C) Ruſkläcenör kiſttn ſins im Geſchöftezimmer der Studentenſchaſt zu haben. Rrbeiter der Stirn uno der Fauſt Erſcheint dazu in Maſſen! vn— A— D O. bie—. S——*. 16 Lagergemeinschaft Auschwite— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. LAGERGEMEINSCHAFT AUSCEHWTL FREUNDESKRElIS DEBR AUSCHMWTAER EV. AUSCFHMWITE Wir laden Sie herzlichst zu unserer thematischen Veranstaſtung ein: Sir UMp, GESTERM Es berichtet: Rudko Kawezynsk ein Sinto, Sinti und ß ur9 Es Singt und berichtet: Ranco Brartner Um/O ein 5 und Opfer der Nꝛn ß S Film:„Das ene vorr Wiederqutms in Dedtscnq? Non Melare Spitta Sinte) Fenen Oie Autorin St Si Ausstellung:!„Sinti und Roma: vertfolgt, ermorcat. vergessen“ Nationalsozialistisofie Zgeumerwertoigung in betereen ſergestelit vomn Dokumentationsarcs õsterreichisohen Widerstandes Wien DisSkusion: Zeit und Ort: Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 17 lrak Die Zeit nach dem Krieg Bericht aus einem zerschlagenen Land Weite Teile des Landes sind ohne Wasser, Gas oder Strom. einstigen Erdöl- ein Liter. Benzin 22 Dollar. LKWs können kaum noch fahren; die Versorgung mit Lebensmitteln ist zusammen- gebrochen. Viele Menschen sind ohne Arbeit. Seuchen breiten sich aus. In den Krankenhäusern sterben die Kinder an Umer- ernährung. Es fehlt an Medika- menten, es fehlt an Milch. Nach 40 Tagen Bombardement, nach über 100.000 Luftangriffen, nach der Explosion von 88.500 Tonnen Sprengstoff steht der lrak am Rande einer Hungerkatast rophe, hat die Welt ein Entwicklungsland und einen Krisenherd mehr. lm Land des 2 produzenten kostet (Text: Carl-A. Fechner) Auszug aus dem Begleittext zum Film von April/Mai 1991. laden wir zu Film Zu dieser Thematik nach der Sommerpause und zur Diskussion ein. Termin wird gesondert gegeben, voraussichtlich S bekannt- Sept./ Der Vorst and —— UMSER MoMarIcRn im Gemeindehaus der ev. St. Katharinengemeinde Myliusstraße 53 6000 Frankfurt/ Main ACHTUNG! Jetzt Mittwoch: 3. Juli 4. Sept. 2. Okt. 6. Nov. 4. Dez. 19.30 Uhr 18 Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Gedenktage Frinnern- Daten— Freignisse 1933-1945 0⁰ * — 8G 8 1933 Gewerkschaftshäuser besetzt, Gewerkschaften aufgelöst 1945 Berlin kapituliert 1945 Kapitulation d. Dtsch. Wehrmacht, Ende des 2. Weltkrieges 1933 Bücherverbrennung in Deutschland 1940 Angriff der Deutschen Wehrmacht auf Frankreich, Belgien und die Niederlande 5. 1942 Erste Massenvernichtung von 1.500 juden in Auschwitz 1941 Fallschirmgruppen landen auf Kreta 1942 Attentat auf Heydrich 1944 Alliierte Truppen befreien Rom 1944 Landung der Alliierten in der Normandie 1942 Zerstörung v. Lidice u. Lezanky(Ermordung der Einwohner) 1940 Kapitulation Frankreichs 1941 Uberfall der Deutschen Wehrmacht auf die Sowjetunion Fall Barba rossa) 1934 Röhm-Putsch!(SA) 1944 Befreiung von Minsk durch sowjetische Truppen 1943/ 1943 Panzerschlacht Kursk 1941 1944 Verteidigung von Leningrad 1943 Britische u. amerikanisch Landungsoperation auf Sizilien 1945 Konferenz von Potsdam(4-Zonenteilung) 1936/ 1939 Spanischer Bürgerkrieg 1944 Rote Armee überschreitet die polnische Grenze 1944 Attentat auf Hitler 1934 NS-Putsch in Wien /Bundeskanzler Dollfuß ermordet 1943 Absetzung von Mussolini 1943 Neue italienische Regierung(Marschall Badoglio) 1944 Zigeunerlager' in Auschwitz liquidiert, die restlichen 2.897 Männer, Frauen und Kinder werden in der Gaskammer ermordet Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 19 AUGUST 18 2.10. 1944 Warschauer Aufstand 6. 8. 1945 Atombombenabwurf auf Hiroshima, 9. 8. 45 Nagasaki 23. 8. 1939 Nichtangriffspakt Dtschl.-UdSSR(Hitler-Stalin-Pakt) 25. 8. 1944 Befreiung von Paris 29. 8. 27. 10. 1944 Slowakischer Nationalaufst and 2 31. 8. 1944 Befreiung von Bukarest SEPTEMBER 1. 9. 1939 Uberfall des faschistischen Deutschland auf Polen Beginn des 2. Weltkrieges 4. 10. 1943 Befreiung von Korsika durch Partisanen 13. 9. 1942 Großangriff auf Stalingrad 15. 9. 1935 Nürnberger Rassegesetze gegen Juden 15. 9. 1944 Befreiung von Sofia 29. 9. 1938 Münchener Abkommen! Abtretung der Sudetengebiete —2 Wenn Sie sich um Ihre Einzahlung für die nächste Zeit nicht mehr kümmern wollen, lassen Sie einfach abbuchen, Sie sparen Die Bank bzw. Postgebühren Einzugsermächtigung Ich bin bis auf Widerruf ſQmonatlich Qnalbfahlich 3 mit der Abbuchung einverstanden. Qvierteljãhrlich Vjähtlich Name, Anschrift Sniter Ort Konto- Nr. Bankleitzahl Dtum Unterschrift Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer eV., W-6309 Münzenberg, Schillerstraße 18 Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt. Die Beitrãge und Spenden sind steuerlich abzugsfãhig. Eine Spendenbescheinigung wird zugesandt. 20 Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Kommentar Was lernen wir aus der Vergangenheit? von Hans-oachim Günher Friede sei mit FEuch!“ Der alte Friedensgruß, der juden, Christen und Moslems verbindet, ist mehr als ein frommer Wunsch. Er bringt dem Adressaten eine Gesinnung entgegen, welche den, der ihm Frieden wünscht, auch zum Friedens-Handeln verpflichtet. lch habe schon sehr viele Menschen getroffen, die sich diesen»Satz“ zum Leitfaden werden ließen, aber auch fast so viele, die ihn nur im Munde führten, gleich einem Kaugummi, ihn jederzeit und an jedem Ort mit ihrer Zunge zu formen und zu ziehen, oder ihn auszuspucken. Leute wie Rudolf Dohrmann“, die schrecken doch nicht davor zurück, anderen Menschen(Alfred Schulz) Böses zu unterstellen, die doch nur helfen woll(t)en, Licht“ in das Dunkel zu bringen, von wegen Vakuum bei der Arbeit zur Erlangung des zweiten Standbeines der DOWEA in Auschwitz, oder um was ging es denn bei den Besuchen in Bonn? Sollte noch einmal jemand behaupten, daß Hermann Reineck sich ein Denkmal errichten lassen will, was die Arbeit der Lagergemeinschaft Auschwitz betrifft, so sehe ich es als legitim an, die Behauptung aufzustellen, daß Rudolf sich ein Stiftungsdenkmal setzen möchte. Was habe ich denn davon, den Verein zu übernehmen(?), doch nichts als Arbeit und Streß; es ist ja kein gemütlicher Vorstandsposten mit jeder Menge Diäten auf Kosten der Mitgliedsbeiträge, es ist nichts von alledem, aber es istZeit, hohe Zeit, zurückzufinden auf den Teppich der Realität. Meine Auffassung von Friedensarbeit kennen eine Menge Leute, aber ich muß meine Auffassung davon mit anderen besprechen können, wenn ich das nicht mehr kann, dann frage ich mich erst einmal, ob ich falsch liegen kann, bevor ich den anderen das Handtuch um die Ohren haue, das ich in den Ring werfen möchte. Kann ich mein gesetztes Ziel erreichen, wenn ich mich außerhalb stelle? Nein! Der Weggang der Gruppe um Rudolf hat zuerst wehgetan, doch dann kam die Erkenntnis(spätestens nach der PRESSE-Erklärung), daß wir sie allemal verschmerzen können. Nicht, daß wir jetzt einem Höhen- rausch erliegen würden,(nein) aber was da so alles an Garstigkeiten rüberkam, schriftlich, per Post verschickt an fast alle Mitglieder der LG-Auschwitz, noch dazu unrechtmäßigerweise, denn wer benutzt schon eine Mitgliederkartei, die er zu benutzen nicht mehr das Recht hat. Aber das war wohl nicht so gemeint, Manfred, das sollte nur wachrüt- teln, oder? Selbst danach das Angebot, wieder miteinander ins Gespräch zu kommen, die entst andenen Probleme zu bereden— kein Kommentar! Wenn die Menschheit frei von Fehlern wäre, dann hätte es Auschwitz nicht gegeben! Kollektives Zerstörungshandeln in Form von Krieg, Unter- Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 21 drückung, Völkermord und Vertreibung ist nur möglich ohne Toleranz. Wenn wir nicht wissen, wie wir miteinander reden sollen und deshalb unser Gesicht abwenden, dann ist das auch ohne Toleranz“, nämlich egoistisch. Wir werden also ohne die»tatkräftigen Umerstützung der Gruppe um Rudolf auskommen müssen, es wohl auch so wollen(1) und letztendlich Gefallen daran finden, wie viele andere Mitglieder auch, die sich nun im beruhigten Fahrwasser ihren Anliegen im Verein widmen können, wenn sie nicht wieder einen Brief von Werner Renz erhalten und ihn lesen, oder ihn gleich dahin tun, wo er hingehört(). Uberall, wo es bergab geht, ist irgendwann einmal der Punkt erreicht, wo es tiefer nicht gehen kann, weil die Talschle erreicht ist. Aber es ist immer besser, die alten»Seilschaften“(dann) aufzulösen, wenn man mit ihnen nicht mehr zum Gipfel kommt. Aus diesem Grund bin ich froh und guten Mutes, daß es von nun an nur noch bergauf gehen kann. —— 22 Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Unternehmen Barbarossa Gedanken zum 22. 6. 1941 von H. Reineck Gestern— vor 50 Jahren— begann der Krieg gegen die Sowjetunion. Gestern— vor einigen Monaten— begann der Krieg am Golf. Der vor 50 Jahren dauerte mehr als vier Jahre. Er war gekenn- zeichnet von Unmenschlichkeit und Brutalität. Wie soll man in einer kurzen Darstellung objektiv da rũber schreiben? Uber den Uberlebenskampf der sowjetischen Menschen, aber auch über die nationalen Minder- heiten- der Polen, den Unkrainern, den Balten— welche Opfer dieses zweiten Weltkrieges wurden? Eines steht unerrickbar fest: Für die Menschen in der Sowjet- union ging es ums Uberleben, den Kampf gegen die staatliche Vernichtung, die Unterdrückung, die Versklavung und die Unter- jochung der vielen Völker der UdSSR. Die Pläne der Nazis sind s0 unfaßbar, daß es einen auch heute noch, trotz allen Wissens darüber, erschauern läßt und unbegreifbar macht. Der»Ost- plan“, der die Germanisierung und damit die systematische Ausrottung des ostischen Unter- menschentums“ vorsah. Es wurde mit der systematischen Vernichtung der Menschen begon- nen. Einige Beispiele: Von den 300.000 Einwohnern Sewastopols wurden mehr als 200.000 nach Deutschland verschleppt. Sie gingen an Hunger zugrunde oder wurden erschossen. Der systematische Mord an Millio- nen von sowjetischen Kriegsgefan- genen, im KZ Auschwitz etwa 14.000, im KZ Mauthausen 32.000, Sachensenhausen 20.000, Buchen- wald 8.500, usw.. Dazu die syste- matische Vernichtung durch die Einsatzgruppen der 88-Verbände und der deutschen Wehrmacht. In der Schlucht von Babijar liegen mehr als 100.000 Ukrainer und Juden. Hinzu kam der sogenannte Kommissarbefehl“, nach dem jeder pol. Führer der sowjetischen Armee, ohne Verhör, an Ort und Stelle zu erschießen war. 2u diesem Plan gehörte auch die Ausrottung von mehr als 300.000 Zigeunern aus Polen, der Sowjet- union und anderen Ostländern. Hitler wollte den Krieg gegen die UdSSR in 3 Monaten gewinnen; er dauerte vier Jahre! Der Widerstand aller Völker der Sowjetunion vereitelte diesen Plan. Nach Anfangserfolgen der deutschen faschistischen Wehr- macht wuchsen die Kräfte der Roten Armee. Die Niederlagen der Wehrmacht vor Moskau und bei Stalingrad waren die Wende des Kriegsgeschehens. 400.000 deutsche Soldaten fanden bei Stalingrad den Tod, 90.000 kamen in sowjetische Kriegsge- fangenschaft. Wieviele Millionen junger deutscher Menschen waren es insgesamt? Es gibt Streit der Historiker über die Zahl der Opfer des stalinistischen Terrors, es gibt Streit über die Zahl der deutschen Kriegsgefangenen, welche in — Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschter e. V. 23 sowjetische Lager kamen. Es geht dabei in allen Fällen um Menschenschicksale. Wieviel Trauer, Tränen und Leid! Millionen von Opfern des Krieges, von Flucht und Nachkriegsfolgen! Keinen Streit gibt es über die rund 900 Tage dauernde Belage- rung von Leningrad, darüber, daß mur an Hunger“ mehr als 1.000.000 Menschen starben— die rägliche Brotration betrug 125 Gramm! Es gibt auch keinen Streit darüber, daß dieser Krieg unvergessen“ sein soll, daß Der verdammte Krieg“(so die fünfteilige Fernseh- serie, die Sie, so hoffe ich, auch gesehen haben), der die Welt- herrschaft des Faschismus bringen sollte, nicht glückte. Vor wenigen Wochen endete der Krieg am Golf. Wir sahen von diesem Krieg nur Computerspiele—- ein Fadenkreuz im Visier des Piloten und auf der Erde irgendein Objekt— kein Blut, keine Toten, keine Brände. Wir sahen nicht, wie in»Der verdammte Krieg“ die Menschen, die Soldaten von unserer Seite, von der anderen Seite, die Frauen, die Kinder. Das unsagbare Leid jedes einzelnen Menschen, welches durch Krieg verursacht wird, wer verantwortet dies? Wer kann Krieg mit seiner Moral, seinem Gewissen vereinbaren? Kein Soldat darf je wieder in einem Krieg verheizt“ werden. Kriege heißen heute anders und werden immer perfekter geführt, zum Beispiel Golfkonflikt!, Interessenkonflikt“, oder nur Grenzstreitigkeiten“. Es bleibt aber am Ende doch menschenverachtendes Morden, gemeiner abscheulicher Massen- mord! 24 Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwiter e. V. Dr. Josef Cornelius Rossaint Am 16. April 1991 verstarb ein aufrichtiger Antifaschist, und wir alle trauern um den Friedenskämpfer Rossaint. Katholischer Priester als bolschewistischer Nachrichtenagent“, Der katholische Geistliche verbreitet Greuelmärchen“ und noch Nieles ähnliches schrieb die gleichgeschaltete NS-Presse, als am 27. April 1937 der Berliner Katholikenprozeß stattfand. Rossaint war der Angeklagte Nummer ein. Das Urteil lautete: 11 Jahre Zuchthaus! Was war sein Verbrechen? Er widersetzte sich dem Versuch, aus der katholischen Kirche eine Kirche von Hitlers Gnaden zu machen. Er kämpfte gegen den Kriegskurs des Regimes und wollte das drohende Unheil des Krieges abwenden. Er war angeklagt wegen wersuchter Bildung einer Einheitsfront zwischen Katholiken, Kommunisten und Sozialde mokraten.“ Rossaint überlebte. Am 8. Mai 1945 war er wieder in Freiheit. Er arbeitete als Publizist und Verleger, setzte sich erneut für Frieden, Abrüstung und Demokratie ein. Alle Schikanen— bis zu seinem Tod— konnten ihn nicht von seinem Weg abbringen. Seit 1950 war Rossaint in dem VVN-Bund der Amifaschisten tätig. Rossaint war Vorbild- 1902 geboren, 1991 gestorben, 89 Jahre— ein langes Leben mit rLeiden, Freuden, Enttäuschungen, Anfechtungen, Anfeindungen, aber immer ein Ziel vor Augen, von dem er sich nicht abbringen ließ.. se 8 mit Altbundesbürgern“ unter Leserbriefe diesen Aspekten doch nicht 80 ganz geheuer erschien. Als positiv wertete ich die vorgegebene Reiseroute und vor allen Dingen die Möglichkeit, Menschen aus Bericht über meine Teilnahme an den eben genannten alten Bundes- einer antifaschistischen Polenreise vom 1. 4.— 13. 4. 1991 von Ruth Monika Ribold lernen. Marischa König vom ländern mitsamt ihren Ansichten und Befindlichkeiten kennenzu- Auschwitzkomitee“ unterbreitete mir diesen Vorschlag und war Meine Entscheidung zur Teilnahme wohl doch etwas erstaunt, daß mußte ich sehr schnell treffen, zumal mir als ehemalige DDR* bürgerin eine gemeinsame Fahrt ich mich in eben dieser Minute dazu entschieden hatte. — Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 25 ich mich zum gemeinsamen FTreff nach Wilsdruff auf den Weg, obwohl es anfangs einige Schwie- rigkeiten zu bewältigen gab: Auto kaputt— Ersatz beschaffen - Leute und Bus unbekannt— keine Kenntnisse westlicher Autokennzeichen. Durch Spürsim und glückliche fündig. Die ersten Stunden gab es im allgemeinen nur erstauntes Zuhören und vorsichtiges Bekanntmachen. An der Grenze folgten dann Aufmerken, daß es noch einen de n n DDRgemäßen Ausweis und Paß trotzig den Kontrolleuren vorzeigt. wurde ich aber dennoch lch hatte für mich allerdings noch die Warnung“ von Freunden im Hinterkopf, mit meinem linken Verständnis doch besser hauszuhalten und war erstaunt, daß es Bundis“ gibt, deren Demokratieverst ändnis meinem vorauseilt. Nachdem wir die Grenze passiert haben und auf der polnischen Seite von ehemaligen Auschwitz- Kameraden liebevoll empfangen wurden, war meine Uberraschung groß, daß uns die Polen uneinge- schränkt wie die eigenen Kinder in ihr Heim aufnahmen. Je später es wurde, desto besser Klappte- die Verständigung. Diese Verständigung erfolgte zwar mit Händen, Füßen und Wörterbuch sowie mit der steten Aufforderung zum Essen, es gab aber keinerlei Mißverständnisse; das war doch das Wichtigste! Am nächsten Morgen fuhren wir nach einer mittäglichen Umerbre- chung direkt nach Oswiecim. Dort angekommen, war ich arg erschrocken, denn unser zugeteiltes Zimmer gab den Ausblick vom Lagerhotel auf das verfluchte Tor mit der widerlichen Aufschrift Arbeit macht frei“. Als Tochter eines Davongekom- menen und ehemaligen Auschwitz- häftlings(Nr. 103926) gab es angesichts des Tores zum Tod die ersten Uberlegungen, ob ich eigentlich tatsächlich hierher nach Auschwitz wollte. Am Abend erzählte uns Hermann Reineck aus seiner Jugend und brachte uns sein Mitwirken an der Einheitsfront der kommunisti- schen und sozialde mokratischen Jugend in Wien näher. Sein Lei- densweg von der ersten Verhaftung bis nach Auschwitz ähnelte dem meines Vaters und war doch ebenso tragisch zu benennen wie jedes millionenfache Menschen- schicksal in dieser Hölle. Am darauffolgenden Tag führten uns Hermann und seine Amni durch das Stammlager, und wir besichtigten zumeist lautlos die Allgemeine Ausstellung“. Nach Verlassen jedes einzelnen Blocks war es immer wunderbar, daß es Sonnenschein gab und wir die innere und äußere Kälte verlieren konnten. Entsetzen breitete sich aus beim Anblick der gefüllten Vitrinen mit Koffern, Zahnbürsten, Brillen und Schuhen— jedes Stück ein Menschenschicksal, das das Recht zum Leben nicht haben durfte. Für mich waren diese Anblicke fast nicht zu ertragen, desgleichen belastend war unser Rundgang im Block des jüdischen Martyriums. Es stellt sich mir dann immer die Frage: Waren das wirklich Menschen, die so etwas Menschen angetan haben? Wer erfand die Todeswand, wer den Block 11 und wer projektierte das l. Krematorium? 26 Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Am nächsten Tag, dem 4.4.91, und angesichts des Frauenlagers? hatten wir die Möglichkeit, das Wie verkrafteten wir den Rund- Archiv aufzusuchen, und ich nahm e e die Gelegenheit wahr, nach der diese Fküursion ist mir a Familie meines Vaters zu'forschen“. geworden, warum Uberlebende Ja, ich habe sie gefunden, als von Auschwitz und anderen KZs Karteikarte und als seitenweise nach der Befreiung das Gefühl Eintragung im Gedenkbuch. Das bis heute haben, zum 2weiten ist der eimige Beweis, daß es Mal geboren zu Sein Pieses unsere Familie gegeben hat— Gefühl wird von uns Nachgebo- wer kann jetzt noch verzeihen? renen nie belächelt, denn das kann gar nicht anders sein. 6 Nachmittag führten wir erstmalig mit T. Szymanski einen Rundgang Der nächste Tag war äußerst in Birkenau durch, der natürlich angefüllt, aber alle fühlten sich nicht vollständig sein konnte. verpflichtet, sich das Leid anzu- Diese Ausmaße sind nicht nach- sehen. Wer konnte damals davon- vollziehbar, und es war ganz klar, laufen? daß wir am nächsten Tag unsere Am Vormittag besichtigten wir Besichtigung erneuern und ver- den Nationenblock Gsterreichs tiefen müssen. und mußten erfahren, wie sich Am Nationendenkmal, der ehemalige Häftling Hermann cehemals beschriftete Grabplatten Reineck quälend Selbst aktivierte, nun blanker Stein sind, wurde und da hatte keiner das Recht von jedem Fahrteilnehmer der zu sagen, Wir kömen das nicht Ermordeten mit einer Blume mehr ertragen“! gedacht. Das war nicht mur Nachmittags ging eine kleine Symbol, sondern Ausdruck und Gruppe nach Birkenau, um eigen- Gedenken an erlittenes Leid. ständig an Si Stelle zu Es gäbe noch vieles davon zu besichtigen, was uns am Vormittag berichten. nicht tiefgründig genug unsere Fragen beantwortet hatte. Was empfanden wir in den Pfer- deställen mit den sinnigen Sprü- ln der lnternationalen Jugend- chen wie ede Laus dein Tod“ begegnungsstätte trafen wir uns Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 27 wieder und führten einen kleinen Rundgang in dieser Begegnungs- stätte der Võlkerverstãndigung durch. Zum Tagesausklang berichtete der ehemalige polnische Häftling T. Szymanski von seinem unwerten“ Leben, das ihn nach Auschwitz gebracht hatte. Diskussionsan- haltspunkt war vordergründig der sogenannte Historikerst reit um ie Zahl der Auschwitztoten und nsbesondere seine Erlebnisse während des Auschwitzprozesses in Frankfurt /Main. Der Abend klang aus, nachdem wir über die westdeutsche Ver- drängung und die ostdeutsche Verordnung der nazistischen deutschen Vergangenheit befunden hatten und feststellten, daß es nicht nur im neuen Deutschland Gegensätze gibt und viele Berüh- rungsängste eigentlich unnötig sind. Am nächsten Vormittag fuhren wir nach Krakow und verließen somit den größten Friedhof der Welt. Es war für alle eine Erlö- sung, wieder lachen zu dürfen; in Auschwitz verbietet sich das von Selbst. Richtung Krakow besichtigten ir kurzzeitig das Monowit?z- Denkmal, fuhren an den Werken, dem Grabhügel für vier- tausend englische Flieger, den ehemaligen Wachtürmen und den dazugehörigen Splitterbunkern vorbei. Abends besichtigten wir gemeinsam mit unserer zauberhaften und kunstbeflissenen Gastgeberin die Marienkirche und die Tuchhallen. Buna- Der 7. Tag brachte uns Erholung, Abwechslung und einigen FTeil- nehmern Verlassenheit im Dauer- guß an der Zakopaner Sprungschan- ze. Dieser Ausflug nach Zakopane brachte uns ins Leben zurück; das war für alle wohl sehr nötig. Am 8. Tag besichtigten wir das Kleinod Krakows, den Wawel, und das jüdische Viertel Kasimiercz mit seinem judaistischen Museum und seiner Synagoge nebst Fried- hof. Die ausgestellten Reliquien sind die reinsten Schätze und Zeugen vernichteter Kultur, die dort liebevoll aufbereitet sind. Die Synagoge ist wohl eher eine Gebetsstube als ein Tempel, aber für wen sollte das auch einer Anderung bedürfen! Am Ende des Tages folgte dann ein Abschlußgespräch mit den cehemaligen Häftlingen aus Krakow, denn unsere Fahrt ging andermags weiter nach Lodz. Dort betrach- teten wir die Anlage des ehema- ligen Kinder-KZs und besuchten die Gedenkstube in einer nahege- legenen Grundschule. Die Besich- tigung der Gedenkstätte in Radogoszcz brachte uns nach Auschwitz zurück und warf die Schatten auf das Heute. Ziemlich müde erreichten wir Warschau und übernachteten bei polnischen Freunden(), die ein schreckliches Schicksal durch und nach Auschwitz erlebten. Es ist ein Erlebnis, diese uneigennützige polnische Gastfreundschaft erleben zu dürfen. Der nächste Fe Stadt rundfahrt bewältigt und brachte uns den Stolz der War- schauer auf ihre Stadt nahe. Berührt waren wir insbesondere im jüdischen Viertel beim Betrach- ten der Chopin-Anlage mit ihrem kunstvoll erschaffenen Denkmal. Bedauerlich war nur die graue Jahreszeit. 28 Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwftzer e. V. Der Gestapokeller in der Szucha- Allee machte uns sehr nachdenk- lich und Auschwitz war sofort allgegenwärtig, und dabei waren wir doch so weit entfernt. In Polen gibt es kein Entrinnen; hier holt jeden die Vergangenheit deutschen Untums ein, egal, wo man polnische Erde betritt. Dafür war der Besuch der War- schauer Altstadt erholsam und erschöpfend für Kunstinteressierte zugleich. Der vorletzte Tag brachte uns den aussagekräftigen jüdischen Friedhof mit seinem traurigen, aber dennoch schönen Janusz- Korczak-Denkmal nah. Beim Besuch der Synagoge begegnete uns ein liebenswerter Rabbi“ zum Anfassen. Er war anläßlich des ſom Haschoah“ nach Polen gekommen, denn dieser Tag ist allen Juden heilig, und das ließ ihn diese Reise von lsrael in seine alte Heimat unternehmen. Nachmittags erfolgte kin abschlie- Bender Besuch im Judaistischen Museum. Im Historischen Museum sahen wir die entsetzliche Zerstörung und den grandiosen Wiederaufbau Warschaus. Wie haben das die Polen ohne Marshallplan geschafft? Diese wiedererschaffenen Werte nur von polnischen Bürgern sind im Nachhinein ein Wunder. Daran anschließend wurden wir von unserer Helmut Kohl-verpaßten Stadtführerin in die Kathedrale, gelegen in der Altstadt Warschaus, geführt. Auf der Rückfahrt zum Kulturpalast besahen wir uns den ehemaligen Umschlagplatz für 30.000 polnische Juden, den man nicht erläutern muß und darf. Nach der Besichtigung von wenigen Zentren des Kulturpalastes fuhren wir zur Aussichtsplattform unò da rananschließend war unser letztes gemeinsames Zusammentreffen mit den Kameraden des Auschwitz- komitéees Warschaus. —— ———= 7 Am Abend hieß es wieder: Essen, essen, Fahrt! trinken. Welch! st rapaziõse —„ Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Nach dem liebevollen Abschied ging es zurück nach Zgorzelec, und dort übernachteten wir, wie zu Beginn der Reise, bei demselben freundlichen polnischen Ehepaar. Der Abfahrtstag kam heran, aber vorher gab es noch ein Gespräch mit den ehemaligen Häftlingen. Das war ein sehr nötiges und aufschlußreiches Gespräch, denn erst jetzt wurde deutlich, wie gut es uns in Deutschland geht, auch n Ostdeutschland. Je näher wir Dresden kamen, desto trauriger wurde mir ums Deutsche so entzweit hat, und ist es wirklich so mühevoll, Verständnis zwischen uns herzustellen? Der Abschied war nahezu umwer- fend und leider nicht tränenlos, aber ich gab das Versprechen zum Wiedersehen. Nachdem unser Nachbereitungs- treffen schon stattgefunden hat, danke ich allen auf diesem Wege für die Möglichkeit der Teilnahme und bedauere aufrichtig, daß das in der ehemaligen DDR nicht möglich gewesen ist. Wie gut hätte es unserer gewoll- ten Amifaschismus-verkörpernden DDR zu Gesicht gest anden, statt- dessen wurde der Schwur von Buchenwald verordnet. Wie sollte da Antifaschismus von unten wachsen? Als Quintessenz wünsche ich noch vielen FTeilnehmern aus Ost- und Westdeutschland(geogra- fischl) den Mut und die Tatkraft zum Kennenlernen, damit im geeinten Deutschalnd eine antifa- schistische Grundhaltung gemeinsam wachsen kann. Keiner von uns, gleichgültig ob Christ, Jude oder Atheist, darf je wieder sagen: Der Tod ist ein Meister aus Deutschland.“ Adressenãnderung: Bitte teilen Sie uns hei Wohnungswechsel Ihre Neue Anschrift? mit. Wir haben bei unserer letzten Aussendung etwa 30.60 Retouren mit dem Vermerk»unbekannt vorzogen“ von der Post erhalten. Die Nachforschungen nach der neuen Anschrift sind sehr Zeit- und Geldaufwendig, dazu meist erfolglos. Sicher sind Sie an unserer weiteren Arbeit interessiert, aber wie sollen wir Sie informieren, wenn.27 S —(S Name Neue Anschrift Straße, Haus-Nr. S voneme[TLLLLLLLL EE e[LL . Dann füllen Sie bitte diesen Abschnitt aus, kleben ihn auf eine Postkarte und schicken ihn an folgende Adresse: Lagergemeinschaft Auschwitz Schillerstraße 18 W.-6309 Münzenberg 1 29 30 Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Achtung und Selbstachtung im Lager Die Symbolische Ordnung der moralischen Identität der Fania Fenelon oder Achtung und Selbstachtung im Lager! Oft ist von Enmmenschlichung“ die Rede, von Pressionen, von Gewalt, von Hunger und Kälte; wir alle kennen die Bilder aus Büchern oder in unseren Köpfen, wenn von Lagern wie Auschwitz die Rede ist. Doch, wie war es mit der Persönlichkeit? Kam es zu Selbstwertproblemen und Selbstwertkrisen? Wie steht es heute damit? Was bedeuten heute für die, die damals der Herrschaft“ der Nazis ausgesetzt waren, Selbst- achtung und die Bereitschaft und Fähigkeit, sich als moralische Person zu verstehen? Ist Moral eine Emotion(?), und kann moralisch nur der handeln, der über Selbstachtung verfügt? Diese Fragen oder ähnliche werden wohl aufgeworfen werden von Matthias Junge, Dipl. Soz., Zinkenwörth 35, 8600 Bamberg. Er möchte gerne mit zwei Frauen und zwei Männern(Idealbesetzung) jeweils Interviews führen(max. 3-4 Stunden). Jeweils eine Frau und ein Mann sollten Häftlinge gewesen sein; die andere Kombination Wärterin und Wärter. Die absolute Wahrung der Anonymität wird von Herrn Junge zugesichert. Wer sich nicht persönlich an Herrn junge wenden will, kann dies selbst- verständlich über unsere Redaktion tun und auch noch nähere Informa- tionen anfordern. Redaktion Mitteilungsblatt: Hajo Günther, Kopenhagener Str. 64 a, W 7800 Würzburg r Wie die Uberschrift schon erkennen läßt, ist anhand des Romans Das Mädchenorchester in Auschwitz“ beispielhaft und provisorisch eine solche Arbeit aufgezeigt worden; diese hier dazustellen würde den Rahmen des Blattes sprengen, daher nur kurz die— 6 Biographie Fania Fenelon(dies ist ein Pseudonym, ihr Geburtsname ist Goldstein) war die Tochter eines wohlhabenden jüdischen Kaufmanns und wurde 1922 geboren. Sie besuchte die Musikhochschule in Paris und wurde im Mai 1943 als Widerst andskämpferin verhaftet. Sie gibt sich als Volljüdin aus(Sie war Halbjüdin), um den Torturen der Verhöre zu entgehen und kommt im Januar 1944 nach Auschwitz— Bitkenau. Sie wird Mitglied des Frauenorchesters des Lagers. Im April 1945 wird sie im KZ Bergen- Belsen von britischen Soldaten befreit. Danach wird sie in Paris eine bekannte Chanson-Sängerin und geht 1966 als Dozentin nach Ost-Berlin. Nach dem Tod ihres Lebensgefährten kehrt sie nach Paris zurück und schreibt zwischen 1973 und 1975 in Anlehnung an ihr Tagebuch die autobiographische Erzählung Das Mädchen- orchester in Auschwitz“. Dieses Buch wurde nach einem Drehbuch von Arthur Miller verfilmt. Sie starb 1983. Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. —, Bordelle in deutschen Konzentrationslagern Auf den ersten Blick scheint käufliches Sexualvergnügen“ für männliche Häftlinge im Widerspruch zur NS-Sexualpolitik zu stehen. Prostituierte wurden verfolgt bis hin zu ihrer Internierung in KZs. Dies ist allerdings nur ein ver- meintlicher Gegensatz. Ziel des NS-Staates war die maximale Ausbeutung der weiblichen und männlichen Häftlinge. Hier l5st sich der Widerspruch: Die Dirne kann uns aber gleichgültig sein; ob eine Dirne ausgenutzt wird oder nicht, geht uns nichts an. Je mehr sie ausgenutzt und je schneller sie dadurch ausgemerzt wird, umso besser ist es.“ (Gisela Bock Keine Arbeitskräfte in diesem Sinne' in Pieke Biermann Wir sind Frauen wie andere auch“, 1980,§. 81) Für unsere Recherchen 2um Thema Bordelle in deutschen K onzentrationslagern“ suchen wir Zeitzeuginnen, die in den Bordellen zur Prostitution gezwungen wurden. Mittels Literatur, Dokumenten, Berichten und Gesprächen mit Zeitzeugimen wollen wir den Verlauf der Errichtung der Bor- delle, deren Organisation, ihre Bedeutung für das System der NS-Konzentrationslager— dokumentieren. Die zur Prostitu- tion gezwungenen Frauen wurden nicht nur in der Lagerzeit, sondern auch danach diskriminiert. Die Auswirkungen auf das spätere Leben, die Zahlung, oder besser Nicht zahlung von Entschädigung sind ein weiterer Schwerpunkt unserer Arbeit. Zeitzeuginnen, die unsere Arbeit unterstützen möchten, bitten wir, sich an uns zu wenden. Reinhild Kassing Lessingstr. 1, 3500 Kassel ſe 0560 9 5 Christa Paul Wohlers Allee 70, 2000 Hamburg 50 Tel. 040— 43 42 68 31 32 Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskreis der Auschwitzer e. V. = Buch-Empfehlungen Zur Thematik Zigeuner(Sinti und Roma) »Die Vernichtung der europäischen Zigeuner im Dritten Reich“ von Donald Kenrick, Grattan Puxon Reihe pogrom Nr. 69/70 2505 Seiten, DM 7,80 »Die Zigeuner, verkannt, verachtet, verfolgt“ von Donald Kenrick, Grattan Puxon, Tilman Zülch, Niedersächsische Landeszentrale für politische Bildung, Hannover 1, 131 Seiten Zigeuner heute— Verfolgung und Diskriminierung in der BRD* von Anita Geigges/Bernh. W. Wette Lamuv-Verlag 1979, 475 Seiten, DM 24,80 Das Buch der Sinti“r von)örg Bostrõöm/Uschi Dresing Blefantenpress— Berlin 1981 192 Seiten, DM 36,— Zigeuner und Zigeunerwissenschaft“ von J. S. Hohmann Verlag Guttandin& Hoppe, Marburg/l- 264 Seiten, DM 18,— Kalendarium der Ereignisse in Auschwitz— Birkenau“ von Danuta Czech, Rowohlt-Verlag 1056 Seiten, DM 98,— (kann auch durch Lagergemeinschaft Auschwitz bezogen werden) uln Auschwitz vergast, bis heute verfolgt“ Zur Situation der Roma(Zigeuner) in Deutschland und Europa von Zülch, Tilman, Rowohlt-Verlag 334 Seiten, DM 8,80 Lagergemeinscheft Auschwtz— Freundeskreis der Auschwftzer e. V. LAGERGEMEINSCHAFT AUSCHWTA ctM? FREUNDESKREIS DER AUSCHWTAZER eV. 6 Scrilerstraße 18 W6309 Mcruerberg 1 Teleton ſ0 60 32) 6 0168 Spersse Wetterau GlZ 515 50079) Korno-Nr. O 020 000 503 ostschecldorno F̃raridurt/Meln BlZ 500 100 60) Korno-Nr. 51 664—608 8 Beitrittserklärung Name, Vorname Anschrift, Straße, PI.Z, Ort Geburtsdatum— FTitel, acad. Grad, Beruf Q Haftl. im KZ Auschwitz vom bis Hãftl.- Nr. Q Haftl. in anderen Lagern, Gefängnissen, etc. „ Q Angehöriger des ehem. Auschwitzhäftlings Haftl.-Nr. Q Freundeskreis der Auschwitzer Datum des Beitritts Unterschrift Zutreffendes bitte ankreuzen E HELFEEN SlE UNS WERDEN SEMGLEED M FREUNDESKRElS Lagergemeinschaft Auschwitz— Freundeskrels der Auschwitzer e. V. lmpressum Herausgeber»Lagergemeinschaft Auschwi tz- Freundeskrets der Auschwtzer eV.* vorantwort1ich: Hermann Retneck, Schi 11erstr. 18, 6309 Münzenberg 1, Te1. o6033/60168 Rodakta on: Hajo Günther, Kopenhagener str. 64 A 5 N— 87 00 Würzburg„0417 467 74 7 Mi tarbeiter: Diethard Stamm, Wo1Lfgang Gehrke Auf Lage: 2. 000 ExempLare. Die Mi ttei Lungen“ erscheinen vierteLährLich Nachdruck von Artike1n gegen BeLegexempLare gestattet en⸗ 031 4094 HAET AUSCFHMWITZ DER AUSCHWTAZER E.V. Farbkarte 613 Mitteilungsblatt Juni 1991