LAGERGEMENSCHAFT AUSCEFHMWITZ EREUNDESKREIS DER AUSCHWTZEBR E.V. Juli 1990 Mitteilungsblatt Nr. 18 TNHALTSVERZELCHNIS Lager geme inschaft Manfred Pöpper: gontschritte auf dem eg 20/»Strtung Aschit⸗ 1 Hermann Reineck: NachrUfe atf Kar Tbach, Manfred Poppe nd Meczys Ja SarnosK. Ursula Krause-Schmitt: Der Stodienkreis oss dsutschen oerstandes 5 Lagergeme inschaft Ravensbrück Liese lotte Thumser-Mei: Frerfen der KavensbrUckerinnen. 7 Kontroverse Merner Renz: Das Stast/che Museum Aoschitz nd der o Jocaust. 10 Star Zak-Kaminski: Gedanken und Vorsch ge eines W 15 Zeitgeschichte Hermann Langbein: AUschwitz nahm vor 50 Jahren se inen Gespräche mit öber lebenden des ersten Transports: Mietek SarnoskKi. 21 Aßned b das Ljed vom toten Kind das sich vrmen Danuta Czech: a Jendarium der ßreignisse im X AUschwitz-SirkKenau. 31 Bücher DOieter Merner: Lisa Tetzner, Die Kinder aus Wr. 67. 34 Arno kKlönne, Jogend im Oritten Keich. 34 TERMTE TRWRISE: Studienreise nach Polen— Reise nach Minsk und we ißruß land- Museum of Jewish Heritage— Gedenktage— Aus der Presse — Ssere Arbeit an der Stiftung: Nr. 15 ste)te verschiedene öberlegungen über mögiche Arbeitsbereiche der Stiftung zur Diskuss ion, vie sie in e iner Verfassung“ festge- Schrieben werden und in der Praxis Später SXistieren Soten; Nr. 16 berichtete über die erarbeitete Verfas- Sung sovie(im Zusammenhang mit der Mitgliederversamm- ung vom 296.89) über die S cSn ver- Schiedenen Verhandungen und die einzuschlagenden eite- ren Schritte. Inzwischen 9 ingen die Gespräche eiter, hier deshalb ein kurzer Uberbick. 1. Frankfurts ObenbEngef— me jster Vo ker Harf hat für die Stadt die prinzipiee Bereitschaft erkärt, sich an der Stiftung in dem von Uns angestrebten Rahmen 2u beteiigen. 2. Die Verfassung“ cer Stiftung wurce nach der rechtlichen Prüfung durch die staatijche StiftngsafF— Scht beim Regierungsprä- Sidenten in Darmstadt äber- arbeitet. 3. Die anderen uns be- Kannten 6rUppen, die eben- fals an unserem Vhema 40— Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 1 Lagergeme inschaft F ORTScCERTTVTE AULEF DEM wESS 2ZEUR ST TFTULRSR AUDLSSEHwTTV=* Bereits die Nummern 15 und schMitz“ afrbeten, vurden 16 des Mitteiungsbattes öber die Konzept ion, den enthielten Berichte über un- Verfassungsentwurf, den Stand der Verhandungen usw. informiert. Die 6Gruppen be- 9rüßten den 6Gang und die bisherigen Ergebnisse der vVerhand ungen. Die Ergebnis- Se der Diskuss ion bei diesem Treffen urden in den Ver- fassungsentwurf Singearbei- tet. 4. Bei diesem 6Gespräch Si9nalisierten zwei Gruppen das prinzipiel)e Interesse, unter dem Dach einer künf- S Kärender Meise präsent 2zu Ssein: — Das GSong-Herde-ArchiV“, Frankfurt, das seit einigen Jahrzehnten eine große An- zah] von 2zeitschriften im Hinblick auf das Themenfe)d »Behandung der SGrenzfrage, Ro))e der Föcht ings- und Vertriebenenverbände von 1945 bis heute“ auswertet, „ürde der Stiftung se ine Bestände u. U. 2zur Verfügung Stelen. Stod jenkneis cet- Sche Widerstand“, Frank- furt, der vor einigen Mona- ten neue(vorJäufige) Träger fand und einen neuen Vor- Stand erhielt, hat um 6Ge- Spräche über eine Ubernahme durch bz. eine Zusammenar- Beit mit der 2zukünft igen Stiftung gebeten. Die 6Ge- 2 Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V. spräche zwischen der Lager- 7. NMachdem anges ichts der geme inschaft und dem Studi- sich überstürzenden politi- enkreis sind inzwischen sehr schen Ereignisse in der intens iv 9eführt„orden Deutschand- und Poenpoi- (vg. auch den Bericht öber tik die Verhand)ungen mit den Studienkreis in diesem den par amentar iern des Heft). Deutschen Sondestages ins 8 Stocken geraten varen, fand Für die stiftung würde die im Mai ein erneutes Treffen Zusammenarbeit mit be iden statt. Dabei urde von den Gruppen eine große Verbrei- Vertretern aller parte ien terung der Ausgangsbasis im und von dem Vertreter des bibiothekarischen und ar- Aosänt igen Amtes die Unter- chivalischen Bereich bedeu- stützung unserer Konzepton) ten, die bisher allein durch nochmals bekräftigt. Die die Bestände der DOWEA be- sinnvolen veiteren Schritte reits recht ansehnich var. wurden besprochen. Nichtig Für die Panungen in die Zu-„ar in diesem 2Zusammenhang Kunft becdeuten diese beiden vor alem auch, daß unsere Angebote, daß die Stiftung Panungen im Finbich auf nicht zu kKein dimens joniert die notwendi ge jnanzaus- „erden darf: Schon im Hin- stattung der sStiftung vorge- blick auf den Raum- und Ar- stelt»erden konnten und beitskräftebedarf Können(in diesem Sremium) unwider- Später durchaus zu erwar- sprochen bieben. tende Zustiftungen iSh übersehen Merden. 5 Das Internat jona)e Soweit die reinen Fakten AUschwtz-Komitee„urde aus- über die'Fortschritte“ un- Föhr e öbe den Sen e Päne und Verhandungen in- tung. An dieser Stele kann formiert. Die Resonanz var natUrich nichtt über edes sehr positiv, sie reichte SRinzelgespräch berichtet, von der 2usage jeder Unter- nicht jede Stimmung ausge- stützung bei den Verhand- führt, nicht jecdes Ergebnis ungen bis hin 2zum Angebot im Detail referiert verden. der 2Zusammenarbeit auf in- Dieser kurze Sericht ist ternat ionaler Ebene. deshalbh bewußt als kühles ErgebniSprotoko verfaßt. 6. Mit dem Oe2zerhenten Abgetrennt hjervon: Ich FUn Stadto Janng, Her gaube, vir können uns über Wehtz, hat Rudolf Dohrmann die beschriebenen Fort- ein Gespräch über die Mög- schritte trotz vieſer emoti- ichkeit geführt, das Grund- onaler Mechsebäder sehr stöck in der So)msstr. 1 20 freuen, auch venn noch viel bebauen. Ein erster Entwurf Arbeit auf uns zukommt! so)) mö9 ichst bald vorge- anfrec pepper legt verden: Er Nird z. Zt. vonm der Bauabteiung des SVange)ischen Nog oneVef— bandes erarbeitet, der auch Sonst bei jedem Schritt zur Stiftung sehr geholfen hat. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. A CSHRU FE E Kar) Tbach Die»Lagergeme inschaft Au- schWit?- Freundeskreis der Auschwitzer eV.“ trauert um Kar) Ibach, der am 3. Mai 1990 starb. Einen Monat nach 5 Se inem 75. SGeburtstagt. Mer sein Buch Kemns— Wuppertaler kKonzentrat jons- ager 1933—1945* 9e esen hat, vird das Grauen von da- mals begreifen. 1933 vird er als Funkt ionär der Arbeiterjugend verhaf- tet. 18 Jahre„ar er alt! Sreige lassen, vieder verhaf- tet. 1936 vegen Vorbereitung zum Hochverrat zu acht Jah- ren 2uchthaus verurteilt. 1943 zum berücht igten Straf- bataion 999 Uberstelt. 1944 in sowjetische Kriegs- 9efangenschaft. Daten eines Le idensweges— aber kKar) Tbach bleibt ungebrochen. Nach RUckkehr aus der 6Ge- fangenschaft arbeitet er po- itisch in der SPD, gründet mit anderen den*Bund der verfolgten des Naziregimes“ (BVN). Seit 1969 war er Bun- desvorsitzender des»Zen- tralverbandes demokrat ischer Widerstandskämpfer und Ver- folgtenorganisat ionen“, ei— Hes Dachverbandes, wechem auch unsere Lagergeme in- Schaft angehört. Gerade in den 1etzten Mo- naten überlegte er,„ie man den neuen Herausforderungen, die sich durch die Mende in der DDR ergeben haben, ge- me insam begegnen kann. Wir erden kKar] vergessen. Tbach nicht Hormann Ke jneck Manfred Poppe Am 25. 03. 1990 verstarb unser langjähriges Mitg) ied und unser Freund Manfred Poppe in Reinbeck bei Famburg. Manfred starb viel 2zu früh, nur venige Monate nach sei- nem 45. SGeburtstag. Dem Journa)isten Manfred poppe, als Ortsvere insvor- Sitzender und kreisvorsit- zender der SPD tätig,„ar es Aniegen und Bedürfnis 2u— geich, sich für Minderhei- ten zu engagieren. Dies tat Sr besonders in der'Verei- nigung für Sozjalarbeit'. Sein Abeben hinteräßt eine 9roße Lücke und vird dbei Se inen Freunden noch ange Schmerzen. In cen 80er Jahren organi- Sierte er, als Kreisvorsit- zender der SPD, mit seinen Freunden eine Reise nach AUsSchWitz. Die erschüttern- den Eindrücke am Tatort des MasSsenmordes ießen ihn nicht mehr Jos. Trotz schwe- rer krankheit Schonte er Sich nicht. Seinen Aktivitä- ten tat dies keinen Abbruch. 4 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Marianne, trotz des se ine Frau, wird Schweren Verustes in seinem Sinn weiterarbei- ten. IThr iegen besonders die Behinderten am Berzen. Sie bat auch, beim Begräbnis auf Kränze zu verzichten und das dafòr 2zugedachte 6e)d einer Sevang. 6eme inde und der Lagergeme inschaft Ausch- Nitz-Freundeskreis der Au- schwitzer eV. 2u dberwe i— sen. Ein ansehn icher Betrag jSt inzwischen auf unserem Konto eingegangen. MWir dan- kKen an dieser Stel)e ganz herzich dafür. Manfred Poppe, Du wirst ei— ter unter uns sein. Mer Dich kannte, vird Dich veiter im Herzen behalten. Mieczyslaw Sarnonski Am 23. Mai 1990 verstarb einer von unseren besten Freunden in Bydgoszcz. Wann immer vir mit einer Bitte um seine Hife, seinen Rat zu ihm kamen— unser Mietek war immer fFör uns da, hatte Zeit für uns. Mietek erebte den Schrecken von Auschwitz von Anfang an. Er war mit dem ersten Transport am 14. Jun 1940 nach dem KZ Auschwitz ein- 9eiefert„orden. Er bekeam die Häftin9s-Nr. 357! Jahrestag des 1990— zum 50. ersten Trans- portes nach Auschwit?z— volten vir uns treffen. A— es var ausgemacht, vorbe- reitet, aber Mietek hat sich drei Nochen vorher verab- Schiedet.——— nen Erlebnissen Am 29.10.1944 im 2Zuge der vurde Mietek, Evakuierung der Häftinge, in das KZ Sach- Senhausen dberstelt. 818 zur Befreiung im Mai 19435 von Sinem KZ in das andere— fast fünf Jahre—„er kann diese fast 1700 Tage Grauen, Schrecken, tägich mit dem Tod konfront iert, nen? Und trotz alem, Mietek hat- te keinen Faß, er versuchte Mege zur Versöhnung 2zu fin- den S hatte ungezäh)te Freunde- nicht nur nem eigenen schwergeprüften Land, Polen,— auch in den beiden Staaten Deutschands 9ibt es viele, viee Freunde, ihn schätzten, iebten! die Oft var er in der Bundes- repubik, erzählte in Schu- en, im Freundeskreis oder auf Veranstaltungen im K2Z. Unc Carüber 2u Sprechen, ist nicht so eicht, aber Mietek hatte die Kraft dazu. Sein Tod hat eine Löcke hin- ter lassen, die kaum 2zu f6— len ist. Doch Bogomila, sei- ne Frau, sagte mir, daß sie die Tät igkeit Mieteks fort- setzen, eiterführen vi. Mieteks Merk wird weiter- 9ehen, und so verden auch „ir in seinem Sinne weiter- arbeiten. Nur die Vergesse- Mietek Jebt . K. nen Sinc in uns weiter. nachzeich- in sei- von sei- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Im ahre 7967 wUnde In Frankfunt ce*Stodjenkrsis zUn ESnfonschung ond ermitt- 79 cen Goschichte 0S8 osUtschen Wicdsrstandes“ ge- 9rUndet. Sr ist Vreger eines Shtsofechenden Ookmentat- onsarchives, des inzwischen S 1hen bsStächt)ichen Umfeang ahngenommen heat. 2eahre iche SUb ikatonen, Aossts! ngen Und VSranstatungen haben dazU be igetragen, Cnser WS— SS5 vom WMiderstand nd der vorFo 9gng in cen Maz-Zet z0 Vent iefen nd einefr brsS— teren 6Ffent)ichkeft zogeng- ch z0 machen. Sorsön) iche Kontakte 2— Schen einzenen Mitg]) iscern de, Lagerngeme inschert nd des StUdienkreises 9ibt s6s Schonh seit einige 2Zeit. Tn desem Jahr rden— 7m Z- sammenhang mit ode Vorbe- retng der Stirtung Aosch- tz— ach offjziee Kon- takte' afgsnommen. G„ Mez aen Mtg9) iecer der Lagengeme inschaft im Dok- mentst jonsarchiv oses Stod- Senkreses z0 Ses0ch nod vur- den öUbe dessen 8estäncs, Abetsheise, pPene nd pro- b)eme informient. Un fand sin geme nsames GesOräch Ube den 8e9n7FF deS Wderstandes S Utte VvVon Freyberg vom StC— djenkreis sitete daz„t S 7nem 8eitrag Sen Wicerste- hen nd Jeben— Zm 6SgnFF des Wderstandes anhand osr AUSsts7ng'Schestern vef— Der SEuc ienkreSiS ceS ddeuESchern Wi derS EanceS Se6t Uns 5icht—- Fracsn in den Konzentrst ions Jjagern Mo- 7ngen-L chtenberg-Kavens— Kontalte Und gems jnsame 86— mhUngen m das Vheme ider- Stand SOJ 7en Fontgesetzt veden. Ursls Krause-Schmitt S§ibt jm Fo 7genden eine Konze Oaf-— Steng des Stodienkre 1Ses Und Se ines ArchivS: Die Anregung, in der Bundes- republik ein Dokumentat ions- archiv des deutschen Wider- Standes zu errichten, stammt von einer Konferenz*Prob)e- me des Widerstandes und der verfogung um Dritten Reich im Spiege) der Schulböcher und des Unterrichts“, die 1967 in Frankfurt auf ESina- dung des Studienkreises zur Erforschung und Vermitt ung der Geschichte des deutschen Wi derstandes stattfand. Der Studienkreis, heute FTräger dieses Dokumentat jonsarchi- ves, ist ein Zusammenschuß von Historikern, Pädagogen, Publizisten sowie ehemaligen Widerstandskämpfern und Ver- fFolgten des Nazi-Reg imes. 2u se inen Gründungsmitgiedern im Jahr 1967 gehörten: Wo Ifgang Abendroth, Bans-V. Bartsch, Walter Fabian, Christ ian Geiß)er, Feinz-4. Heydornm, wofgang Kafki, Arno Könne, Friedrich MinsSsen, Oskar Müer, Mar- tin Niemö ler, Max Oppenheij- mer, Jürgen Redhardt, Jakob 6 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Rernneisen, Josef Saint, Lambert Schneider, Robert Schol, Max Stef!, Gunther We isenborn und Edgar Weick. »Best immend für diese Initi- at ive“, eräuterte bei der Sröffnung des Dokumentat i- onsarchives am 28. Januar 1977 der damaige Vorsitzen- e ſ war die geme insame Ober- zeugung, daß der ko)ektive verdrängungsprozeß gegenüber der fFaschistischen Per iode durchbrochen verden, daß der geschundene und S9emordete Widerstand vor allem der Ar-— beiterbewegung seinen histo- riSchen Patz einnehmen müs- Se, daß die einzige Mö9ich- kKeit, ein breites, demokra- tisSches Bewußtsein nationa- S e blich auf diesen Abschnitt deutscher Geschichte 2zu Schaffen, eben ausschieß- ich in der Ident if ikat ion mit diesem deutschen MWider- Stand iege. In den Jahren seit seiner Gründung hat der Studienkreis immer vieder versucht, Informat ionen und Erkenntnisse über den deut- Schen Widerstand zugängich zu machen und damit die Ba- SisS für ein daran anknüp- fendes historisches Ident i- tätsSbewußtsein zu verbrei- tern. Die Möglichkeiten, un- Sseren Anspruch zu realisie- ren, Merden nun durch unser DokKumentat ionsarchiv ent- Scheidend verbessert.“ Das Dokumentat ionsarchiv, überviegend aus Spenden fi— nanziert, unterhält inzwi- Schen eine Spezialbibiothek zur Geschichte des deutschen Faschismus und des antifa- Schistischen mit e 10 000 e ine umfangreiche Dokumen- tensammung. Grundstock bi— dete das Historische Archiv der Vereinigung der Verfog- ten des Nazi-Reg imes(VVN) mit Prozeßakten, Lebensbe- richten und im Micerstand erschienenen Zeitungen, Tarnschriften und Fugblät- tern. Durch die öbernahme von Nachlässen sowie durch e igene Forschungstät igkeit vurde dieser Bestand be trächtich erweitert. Hinzu Kam ferner ein Bidarchiv. Widerstandes Den Benutzern Findmitte) Orts-, Personen-, Schagwort- und chronoogi- Scher kKatalog sowie för die 8jbiothek Tite)-, Autoren- und Standortkatalog zur Ver- Fügung. Das DokKumentat i- onsarchiv cdes deutschen Wi— derstandes ist geöffnet: Dienstag, Mittwoch und Don- nerstag 10.00— 1700 Uhr (Voranme dung- 069/721575— ist erwünscht). Ursos Krase-Schmitt Stehen a)s Studienkreis Deutscher Widerstand Rossertstr. 9, 6000 Frankfurt/ Maln 1, Tel.: 069/721575 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Frauen ⸗Konzentrationslager Ravensbrück Fürſtenberg i. Meckl. Auszug aus der Lagerordnung: Jede Sefngent darf im Monat einen Brief oder eine Karte abſenden oder empfangen. Die Zeilen müſſen mit Tinte, und gut lesbar geſchrieben ſein. Vriefe dürfen vher normale Seiten mit je 15 Zeilen und Karten 10 Zeilen nicht überſchreiten. Jedem Schreiben darf nur eine 12 Rpf. Brief⸗ marke beigefügt werben, weitere verfallen der Beſchlagnahme zugunſten mittelloſer Häftlinge. otos dürfen nicht geſchickt werden. Alle oſtſendungen müſſen mit Häftlings⸗ oder Blochnummer verſehen ſein. Pakete jeglichen Inhalts dürfen icht empfangen werden. Es kann im Lager alles gehauft werden. Geldſen⸗ dungen ſind zuläſſio, müſſen aber durch Poſt⸗ anweiſung erfolgen. Mationalſozialiſtiſche Zei⸗ tungen ſind zuläſſig, e aber vom Häftling ſelbft über die Poſtzenſurſtelle des Frauen⸗ Konzentrationslagers beſtellt werden. Ent⸗ laſſungsgeſuche aus der Schutzhaft an die Lager⸗ leitung ind zwecklos. Der Lagerkommandant Lagergeme inschaft Ravensbrück VREFFEN DER RANVESRROCKERTLRnEN Das dies jährige Lagegems inscheart KaVehS— in Kemsche id statt. Liese- otte Vhumser- he7, sSme 7796 GS fangene im Srabenkonzen- trat ions Jager KevVensbrUck, hahm hieran tei und berich- tet KUnz Uber 1 Sin— dUcke VrefFfen oer Die Vorbereitungen vor oOrt hatte das Frauenforum in 2Zu- Sammenarbeit mit der Geich- ste ungsste)e(von Mann und Frau) in Remscheid über- nommen. Ajährich treffen Sich die überebenden Frauen an einem Mochenende; das er- Ste FTreffen, an dem ich teilnahm, fand in Stuttgart Statt, es ar im Sommer 1986. Am Freitagnachmittag reisen 32 FTeinehmerInnen(unter ihnen auch seinige Ehemänner bzw. Freunde) an. 6ertrud MUer, die Jangjährige vor- sitzende der Lagergeme in- Schaft der Ravensbrücker in- nen, begrüßt uns herzlich, SS kKommt schnel] 2zu persön- ichem Austausch untereinan- der. Sertrud nennt die Frau- en, die im Jetzten Jahr ver- Storben sind, auch die Kran- kKen werden Srwähnt, die nicht hier sein können, und die Frauen, die persön)iche 8 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Hi1fe verden die nannt und 9esprochen. benöt igen. Ebenfals Geburtstage ge- Göückwünsche aus- Noch am Abend findet die»offizielle' Be- 9rüßung durch den Oberbür- germeister der Stadt und S— ne Par amentarische Staats- SeKretärin aus dem Düsse]- dorfer Minister ium Statt das 6Ganze mus ikalisch um- rahmt in der Lenneper Ko— sterkirche. Am Samstagmor gen beginnt dann unsere inhaltiche Ar- beit: rege Diskuss ionen über die veränderte poitische Situat ion; immer vieder„er- den Angste Jaut vor neofa- Schistischen Auswöchsen und Schimmen Formen von Frem- denhaß. Der Austausch ist von Offenheit und Sebstkr— tik geprägt. Breiten Raum an diesem Morgen nimmt die Diskuss jon über die Beur au- bung des Jangjährigen Lei- ters der Mahn- und Gedenk- Stätte Ravensbrück,[5 Litschke, ein. Es„ird be- richtet, daß Dr. LLitschke körzlich- nach den po)itij- Schen Veränderungen in der DDR— vom Dienst suspendiert vurde. Mer dies bei der neu- Sen DDR-Regierung veranaßt hat, vird nicht kar. Se— kannt ist, daß Dr. Litschke durch eine Person ersetzt Nurde, die der CDU angehört. Die einst immige Resonanz der Frauen: Dr. Litschke war ein 9uter Mann in cder 6Gedenk- Se 9etan, besonders in cder Ar- chivarbeit, seine Beur Jau- bung ist nicht rechtens und Ssie sol nicht von uns hin- 9enommen erden. Es„ird im Ansch)uß eine Resolut ion verfaßt, die der DDR-Reg ie- rung überreicht erden so), mit dem Tenor, Dr. Litschke vieder einzusteen. Gertrud M0 ler erwähnt, daß auch die Lagergeme inschaften der Ra- vensbrücker innnen in anderen SeuUropäischen Ländern diese Reso)ut ion unterschreiben. Am Nachmittag Steht eine aternat ive Rundfahrt durch das Bergische Land auf dem Programm. Besonders Se ien erWähnt die jödischen 6Ge- denkstätten und Zwangsarbei- terager. Mir stehen auch vor einer Firma, die dama]s viele Zwangsarbeiter be- schäftigt hatte. Der heutige Firmenchef ist bekannt für seine totale Me igerung, sich mit diesem Thema konfrontie- ren zu assen. Er eist jeden, der fragt und etwas erfahren vi, barsch vom Tor. Ein Privatmann von ge- Sgenüber hat—-„ei) der Fir- men inhaber 2um Anbringen Siner Gedenktafe) nicht be- reit ist— auf seinem Grund- Stück einen Platz zur Verfö- 9ung gestelt, auf dem nun Sine entsprechende Gedenkta- fel angebracht wurde, die an die 2Zangsarbeiter dieser F irma erinnert. Rin gutes Beispiel von zivicourage. Gäste eines Sebenfals organisiert Abends sind wir Tanztheaters, das vom Frauenforum vurde. Das Thema: 100 Jahre Frauen im MWiderstand“. Es 9Seht um Freiheit und 6Ge- rechtigkKeit, um Krieg, um die Einhaltung der Menschern- rechte und die Bewahrung der Umet. Der Tanz vird unter- Stützt durch Fotokokumente oder Gemä)de. Für manche von uns äteren Frauen verwir- Fend und nicht immer ver- Stehbar. Das jüngere Pubi- Stärker an- kum fFühlte sich Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 9 9esprochen. 9en hatten, 2zusammenhielten und sich gegenseitig halfen. Für den Sonntagmorgen biebt Die'graue Masse“— und ich nur noch wenig trotz rotem Formales: den kKassenbericht Winkel— hatte es nach von Gertrud Müler, die An- meinem Ereben Sehr viei kUndigung des Treffens im schwerer. nächsten Jahr in Bad kKreuz- nach, kurze Informat ionen In Stuttgart trafen sich über das stattgefundene in- überwiegend Vieder die, die ternat ionale Ravensbrück- eine geme insame politische FTreffen in Paris. Nach dem Sprache sprachen, und der Mittagessen ein herziches geme insame parteipolitische verabschieden, mUde und an- Hintergrund— auch venn gestrengte Ges ichter von ge- ungenannt- var auch greif- zeichneten Frauen, die nicht bar. Die ganze Tagung war aufhören, ihre St imme zu er- durchorganisiert, es bieb heben und ihren Beitrag für enig Raum füur offene Dis- ein menschiches und fried- kuss ionen, Reso)ut ionen wa- iches Zusammen eben zu lei- ren formuiert und„urden sten, so gut sie es noch einst immig angenommen. können. Ganz anders in Remscheid,„0 Bleibende persöniche Ein- ich herzich empfangen und drücke: Lange hatte ich mir ganz in die Gruppe auf genom- über legt, obd ich teilnehmen men wurde. Die Tagungsge- soIte oder nicht. Meine Be- spräche vie auch die Begeg- denken gründeten in den Er- nungen in cden Pausen waren Fahrungen vom Treffen in offener. Besonders beein- S ce 9ab es druckte mich die FTatsache, auch damals gute SGespräche daß ich keine oberfläch)iche und Begegnungen für mich, Anpassung an veränderte po- doch Eberwog der Eindruck, Iitsche Vverhältnisse ausma- irgendie nicht dazuzugehö- chen konnte, sondern Kamera- ren, nicft dazugehören zu dinnen erlebte, die entweder vollen. Es var etas Atmos- auch heute noch bei ihrer phärisches, kaum Greifbares Rinste]ung bleiben und sie und mir dennoch sehr 8Be- vertreten,„ie auch die kanntess aus der Lagerzeit. anderen, bei denen ich ein Dama)s varen es die Po)iti- Sefüh) von neu gevonnener Schen die informiert Wa- Freiheit spüren konnte. ren, die veitgehend das Sa- Lese Jotte VThmsef—S77 xMMMe deM h& k e e t t ſeheRe e e e e ee e 22 Kꝛſehee — FH inwe iS Wir we isen unsere LeserInnen darauf hin, daß auf der hin- teren äußeren Umschagseite dieses Mitteiungsblattes eine Studienreise nach Po)en in diesem Herbst angekündigt 10 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Kontroverse In einem Arti »9ehört' Europ Andreas Mais ker in Innsbru tung des Sirkenau“ (e der Sem S von der Jocaust“, von 9ung des B01 die Museums 1e Rede. Ohne 9ründungen zu me int Mais)ing vahr vermesse mit einem »Leug Smo)en Auschwitz Gang durch Niecim 1961, c S S »Diese Stätte“ das Shemaige onsS- und AuschwWitz- Birk künden von d des ponischen öUber hinaus eine Stätte Sein fFür Barbarei (Smo len; gabe von 2 1978, AusS dem geht eindeutig 21tat können aus der von Kazimierz verfaßten das 2. aber KonteXt kel a* nger, ck, Ausc bezic His die Ausch nung des der»Ver ocaust“ e iefern, Sr, Seine ne Behau beleg A 40— 18945. STM. 1965, u. 18 „ 9eme in Konzent Sau, SIn VokKes. So1 deS nach S 130 des 2 hervor, Museum' DAS STVAATVLTSEHE RULSEULR AUSSHwWTTE UNMHP DER FHOLOSAULSN hwitz htigt tor i— »Lei- Museums Auschwitz-— Nit2— 22 HO— drän- durch die stichhaltige Be- ver— Für-— ptung en 2zu rbeit Sin (Os- ver— ES Jautet folgendermaßen: Sie ratj- vernichtungs lager S Hedentum, der Mesch)ichkeit und Opfer- bereitschaft vieler Menschen Dar- dies Gecenkens die Opfer der Nazi-— aus al)en Vökern.“ der Aus- jtats daß Smo len das 6Gesetz von 1947 paraphras iert, über das eSr an anderer Stelle schreibt: Am 12. Jui 1947 erieß die Regierung Vo kKspo lens Sin Geset? über die Erhaltung des Gebäudes des ehemaigen Konzentrat ions agers in AuSchwitz-Birkenau mit alen dort befindichen Gebäuden und Anlagen als Denkma) des MartVriums des ponischen VvokKes und anderer Vöker und beschoß, dort Sin Staat]ijches Museum einzu- richten.“(Smo)en, um Auschwit?z Faschist isches vernichtungs lager, Warszawa 8 Mais)inger daß in dem iSt zuzugeben, von Smo len refe- rierten Gesetzestext die Nennung desjenigen VoIkes feht, das die meisten Opfer in Auschwitz zu beklagen hat und för das Auschwitz 2zum Smbo] der von den deutschen Endlösern durchgeführten Shoah geworden ist des jödischen VoIkes. Dies rechtfertigt aber nicht Maisingers Rede von der Vereugnung“ bzv. der»ver- drängung“ des BHoocaust vas im übrigen nicht Se be ist. das- Smo lens Begeitbuch föUr die NMusSeumsbesucher ist 9ewiß kein 6Ganzstòck ponischer Histor iographie. Das tau- Sehdfach und imn mehreren Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 11 Sprachen verbreitete, 120 Seiten starke Böchlein hätte ängst dberarbeitet„erden müssen. Statt sich jedoch im Detai) mit Smo ens Arbeit 2zu befassen und ihre Unzuäng- ichkeiten aufzuzeigen, Steigt sich Maisinger in eine maßose Beschudigung, in einen haltlosen Vorwurf. Smo lens Museumsführer be— Steht aus 2zwei FTeien. Der G* trägt den VTitel e zweite die öberschrift'Bir- kKenau'(S. 97- 114). Bereits die unterschiediche Länge der beiden Tei)e„irft ein Licht auf die vom Autor vor- 9Senommene Gewichtung der darzuste enden Fakten. Die Beschreibung der AusSsSte— ungsblöcke 4, 5, 6 1 nimmt, verglichen mit den AUsführungen òüber Birkenau, Seinen unverhältnismäßig gro- sen Raum ein, bezieht sich S e Seschehnisse in Birkenau. Neben der unangemessenen Ge- Nichtung in der Darste] Jung des historischen 6Geschehens ist festzustelen, daß es Smo Jens Dar egungen vSr Sindeut ig- 5 schiedent ich an kKeit mangelt. o von Juden und einzig von Juden als den Opfern nat ionasozialistij- Scher Vernichtungspolitik die Rede sein müßte, spricht der Autor von'Menschen' und »Häftingen'. Smolen Isßt so Karheit vermissen,„o sie um der historischen Mahrheit Vien geboten ist. Bereits in der findet sich eine„enig ein- deutige Stele: AuBer den Konzentrat ions lagern„urden Spezielle Vernichtungs ager S Serrichtet, deren Aufgabe al- lein darin bestand, die phy- Sische Vernichtung der'an- 9e ieferten' Menschen 20 voZiehen. Soche Lager wa- ren ua. FTrebinka, 8e1zec, Sh 19) Das Gaswagenager Che Im- no und die Vodes lager cer von Odi)o 6Gobocnik gelei- teten Akt ion Reinhard' urnden aussch)ieß)ich Sr— richtet, um die Juden des Warthegaus' und des'Gene- ragouvernements' zu ermor- den. In den vier Vernich- tungs lagern fancden neben Tausenden von Zigeunern über zwei Miionen Joden den Tod. Mer hier vage SBenen- nungen wählt, äuft Gefahr, zur Entstelung und verzer- rung der Wahrheit be 12zu tragen. Smo len orient iert sich anzu Stark an dem von der Außer- ordent ichen Sowjet ischen Kommiss ion zur Untersuchung der Naz i-Verbrechen in ihrem AuschWitz- Bericht vorgegebe- nen Sprachgebrauch(Ein: TMT, 8d. XXXIN, S. 241—261; Mürn- berger Dokument 0O08-U0SSR). In dem in Nürnberg vorge- S9ten Bericht kommt das Mort'Jude nicht vor. Obgleich Smolen weitgehend der vorherrschenden Sprach- rege lung folgt, feht es se inen Daregungen geegent- Sm S der unab- din9gbaren Deut ichkeit. öber Saal 2 von Bock 4 heißt es: »In verschiedenen Nazi-Doku- menten ist die staat iche und nat ionale 2ugehörigkeit der Häftinge eingetragen. Aus diesen Dokumenten geht hervor, daß Auschwitz zum Schauplatz der voIstand i gen Judenvernichtung besSt immt 12 Lagergemeinschaft Auschwitz „Freundeskreis der Auschwitzer e. V. worden war.“(8S. 21). Smo len zitiert auch FHSßB, der Schidert, vie er im Sommer 1941 Hinmmers Sefeh) entge- gennahm, in Auschwitz ein Vernichtungszentrum zur Aus- rottung der europäischen Ju- den 2u errichten(siehe: Kommandant in Auschwitz. Autob iographische Aufzeich- nungen von Rudo† HöB, SeüteSant 1958 8 153) Srsichtlich Mais)ingers nicht halten S 6 Anschuldigung ist aber auch, daß der zwe— te Tei) von Smo lens Muse- umsführer gänzich unzu)eng S Neben dem Gber die Aus steung in Bock 4 Gesag- ten, der die Vernichtung zum Gegenstand hat, hätte die bDarste!ung der Ge— Schehnisse in Birkenau den an diesem Ort verübten Mas- Ssenmord an den Juden in der 9S botenen Ausführichkeit dar egen müssen. Smo len un- terläßt dies. Von der Anzah) der RSHA-Transporte mit Ju- Senm as o ie nach Auschit?z in den Tod roIten, Findet sich kein Wort. Keine Transportstärke „ird genannt, keine Angaben Uber das Verhältnis der für das Lager und der für den Gastod Seektierten verden gemacht. Smo ens Begeitbuch Si freilich eine frdhne Arbeit und keinesvegs beispie lhaft für die von den Mitarbeitern des Staat ichen Museums Au- SchwWitz 9e leistete FOr— Schungsarbeit. InteJektue]- le Redichkeit hätte Mais— linger abverlangen müssen, die sonstigen Pub)ikat ionen des Museums heranzuz iehen. Stattdessen verungimpft er Smo en, den Shemal igen Auschwitz-Häft ing, der im September 1944 mit Kameraden aus der Lagerwiderstands be vegung unter Lebensgefahr die Liste der Männer- und Frabentransporte anhand der originaen Zugangslisten an- fertigte, jene Quelle, die das Schicksa) von Stwa einer Mjion Juden dokument iert, die mit über 500 RSHA- Transporten, in der Sprache der Täter'Sonderzüge' ge- heißen, nach Auschwitz ver- bracht urden. Die bisang 18 in deutscher Sprache erschienenen'Befte von Auschwitz'(1959—1990; mit eiteren drei Sonder- heften), der Dokumentenband KL. Auschwitz in den Augen der 8S8— Böß, Broad, Kremer (Oswiec im 1973; Katowice 19813), der Samme band'Au- Schwitz— faschistisches vernichtungs lager'(Warszawa 1978, 19817; bundesdeutsche Lizenzausgabe bei Rowoht, Reinbech bei Hanburg 1980), die Aufsatzsammung Ausge- Nählte Probleme aus der 6e- Schichte des Kl. Auschitz (Oswiecim 1978, 19883), das 'Kalendar ium der SRreignisse im Konzentrat ions Jager Au- SchWitz-Birkenau 1939—1945˙* von Danuta Szech(Reinbe k bei Hamburg 1989)— sie ale zeigen unzweifehaft, daß von*Leugnung“ bz.»Ver- drängung“ des Hoocaust nicht die Recde sein kann. Verständicherweise haben die Vissenschaft ichen Mit- arbeiter in Auschwitz sich zuvörderst mit den im Archiv des Museums gesamme ten Do- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 13 kKumenten und Materialien be- Faßt. Da die deutschen Nör-— der versuchten, al)e AkKten und Unter lagen 20 ver— nichten, gibt es„enige er- hatene Naz i-Dokumente über die»Endosung der Juden- frage' in Auschwitz. Einge- Schränkte Arbeitsmög ichkei- ten und verordnete S Schungsergebnisse trugen darüber hinaus dazu bei, das Schwergewicht der NiSSen- Schaft ichen Tät igkeit auf Auschwitz als polnisches La- ger zu egen. Die dadurch entstandenen Einseitigkeiten und unangemessenen Gewich- tungen verangen nach Be- richtigungen und Korrektu- ren. ES jst nunmehr an der zeit, daß israeische, polnische und deutsche Historiker sich in Fruchtbarer 2Zusammenar- beit an die Aufgabe machen, a))es verfügbare Material über Auschwitz 2usammenz u- führen und einander zugäng- ich zu machen, so daß end- 6 bis heute aus- Stehende Gesamtdarste] ung des Lagers verfaßt werden Kann. Dieses Merk führte den Deut- schen und den österreichern ihre Jüng9ste, ihre gegen- wärtige Vergangenheit vOr Augen, sine Vergangenheit, in der sie ihre Zukunft fin- den müssen. SnS Kenz vom 5. bis 12. Oktober 1990 (Herbstferien) virO S ine Studiengruppe von sacht Per- sonen nach Minsk reisen, um im Museum für den Großen Va- terländischen Krieg, in der Stadt Minsk, in Chatyn und an anderen Orten Me iBruſßs- lands sich über die Auswir- kungen des Generalplanes Ost zu informieren. Seit Jängerer 2eit gibt es in der Lager geme inschaft ein Gespräch über den Begriff des Holocaust“. S0„ie der Begriff meistens verwandt und weitgehend verstanden vird, nämich als die ver- nichtung der jödischen 8e— vö kKerung Europas, so„ird die faschist ische Theorie und Praxis der Vernichtung lebensunwerten Lebens— näm- ich auch der Sawen, der Studienfahrt nach Minsk/ we i Bruß and Sinhti und Roma, der SSXUe)en und der und körperich nahelegen, den Begriff BHoo— caust in seiner spezieen Segrenzung auf die jödischen Homo- 9eistig Schwachen— Menschen um seine oekume- nische Dimens ion zu erwei- tern. Die Studienreise so)] den Bick fUr diese notwendi ge Erweiterung des Begriffes ermö9ichen. Der Eigenbeitrag für diese Studienreise beläuft Sich auf DM 900.—. Anme)dung bei Rudo†f Dohrmann Funckstr. 18 6000 Frankfurt a.M. 90 14 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. AIGEMEINWE w S S 28. Juni 1990 Nr. 26 Polen will die Würde von Auschwitz besser Schützen Das polnische Kulturministerium will auf dem Gelande des ehemaligen Konzentrations- lagers Auschwitz die Würde des Ortes und das Gedenken an die Toten besser schützen. Ein Sprecher des Ministeriums bedauerte vor kur- zem Vorkommnisse, die eine Gruppe von Auschwitz-Besuchern aus Kanada beobachtet hatte. Diese sahen, wie vier Männer in einem direkt neben dem einstigen Krematorium von Birkenau gelegenen Teich angelten. Sie hätten den entsetzten Besuchern berichtet, in diesem Teich gebe es die fettesten Karpfen. Andere hätten ausgerechnet an der Stelle, wo die Asche von Hunderttausenden von jüdischen Opfern des Holocaust liegt, Pilze gesammelt. Der neue nicht-kommunistische Leiter des Museums, Jerzy Wroblewski, sagte zu den Be- suchern aus Edmonton/Alberta, dies dürfe nicht wieder vorkommen. Rabbi Shmuel Mann vom„Auschwitz Awareness Project“ aus Aberta meinte im Gesprach mit dpa, er sei überzeugt, daß die neue Museumsleitung es ernst meine. Die Kanadier hatten eine Jafel zum Gedenken an 452 jüdische Mitglieder des Sonderkommandos nach Auschwitz ge bracht, das im Oktober 1944 gegen die SS- Aufseher rebellierte und das Krematorium IV in Brand setzte. dpa S 3 5 § * 2 MEBEM Frankfurter Rundschau 2. Juli 1990, Nr. 150 Charakter des Museums in Auschwitz wird geändert WARSCHAU, 1. Juli(dpa). Das ehema- lige Konzentrationslager Auschwitz soll eine Stätte des Gedenkens für alle dort Ermordeten werden. Auf seiner ersten Sitzung beschloß der neue„Internationa- le Rat“ des polnischen Museums Auschwitz, es müsse stärker als bisher hervorgehoben werden, daß hier vor al- lem Juden, Zigeuner und Polen umge- bracht wurden. Wie aus einem am Wo- chenende veröffentlichten Kommuniquè hervorgeht, will der Rat die Sowjetunion um Herausgabe der bei Kriegsende be- schlagnahmten Dokumente bitten. Auch das internationale Denkmal in Birkenau soll eine andere Form erhalten. Einige Länder werden gebeten, ihre na- tionalen Ausstellungen im Museum zu ändern. Dabei geht es vor allem darum, ideologisches Beiwerk zu entfernen. In der Nähe des Lagergeländes haben die Arbeiten an dem ökumenischen Zen- trum begonnen. Dorthin sollen auch die Karmeliterinnen verlegt werden, deren Kloster in unmittelbarer Nähe des Kon- zentrationslagers von vielen jüdischen Organisationen kritisiert worden war. Nach der Wende in Polen ist der kommu- nistische bisherige Direktor des Museums abgelöst und durch den Histo- riker Jerzy Wrohlewski ersetzt worden. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 15 ETNES vorbemerkung der Redakt ion: AU7 dem eg 15 die 6as— Kammen 7iefen Heift inge, S7— Her don Vieen Lsgerse eKt— ohen zm OofFS gefalen nc de nahen 7o00d vo A0gen, jhren zorUckb Je ibenden Kame- aden z0 Verge6t 5icht dis oge tung“ Kächt nsS““ Oie Mörde Kamen 15 ihrer Mohrheit 97 imbich davon. NUr ganhz venige„Urden in den Vagen de Serreing der Lager von den De vongekom- menen gerichtet, einige„U— den von 6erichten 2zon Ke— chenschaft gezogen, v6 7e b jeben Chbehe 7g9t ond— den nieme s egen ihrer Vef— brochen be Jeangt. Kecht, nicht Kache!“ sSrhob S mon Wiesehtha 20 s8e iner Gn September 1940„urde ich als 14— jähriger Junge von der Gestapo verhaftet— we— 9en der VTeinahme an einer j1Megalen Jugendgruppe und me iner jüdischen Herkunft. Zunächst saß jch im 6Gefäng- nis Pawiat in Marschau. Da- nach hat man mich im Januar 1941 ins Konzentrat ions Jager Auschwitz, Häftings-Nr. 9784, verscheppt, und im de e Krüppel mit v5ig ruinier- ter Sesundheit von der eng- ischen Armee befreit. S EDANKEN UNMRD VORScFHLELKS E N= T— OPEFE ERS STAN ZAMKAMMLNSEKI MaXme Uno versocht in mhe- vOJJS AfbSit bis 2Zm hebt 9S5 Vag, dSe Mönoen habhat 20 Weden. Stan Zak-KaminsK, Kunstma- e nd orneist(siehe Mitteiungsblatt, Nn. 6 Lande der 7äte, Jebend, st z0 Sins ichten g§e ſangt, oie HiS OSMss jon Ste)en„oJen. Vengessen, 5ise, Vef9ebng Und Vers6hnung, Ja““ ist cder Lsitsatz se ines Lebens nach AUSchMt2 9Sewoden. Stan ZaM-KaminsK 6 16 m 0ie SchMieri9kSt des Vhemas. Sr nd die Kedakt jon erhorffen S 7c von den Lsesern nd Le- Sser ihnen sngeg jente KeSO— nanz. ES ist nun kein Munder, daß ich mit Aufmerksamkeit Pres- Seberichte verfolge, die sich mit der nit)erischen Vergangenheit beschäftigen. Am 23. 1. 1990 habe ich in der SrankfUnter Kndscha einen Bericht gelesen mit dem Ti- te Mutmaß) icher NS-Verbre- cher vi)) Mordbefeh] ver- veigert haben“. Es geht um das Gerichtsverfahren in Münster gegen Bo1esav Mai— konskKi(heute 86), der be- schu)digt vird, als Faupt- 16 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. mann der Jettischen HifFSpo- i2zei im Jahre 1943 die Sr- Schießung von 170 Einwohnern eines Dorfes befoh)en zu ha- ben. Der Angeklagte bestrei- tet dies, obwoh] die Anka- 9evertretung öUber'BeweiS— Kräftige Dokumente und 2Zeu- Sgenaussagen verfügt.“ Der Prozeß in Münster hat mich an andere BRreignisse Serinnert. In den 60er Jahren am Main 9egen des La-— Statt. S fanden in Frankfurt mehrere Verhand ungen SS-Männer und Kapos 9erS AUSchwitz ionen Menschen durch das Gas Cykon 8 ermordet. Diese Prozesse in Frankfurt Naren von großer Bedeutung. Trotz vie)er Schwierigkei- ten, die sich während der Gerichtsverhandungen erga- ben,„urden Verbrechen be- viesen, die in der Geschich- te der Menschheit als einma- ig und ohne Präzedenz 2u bezeichnen sind. Mar damals als Zeuge der An- kKage von dem Tribuna) vor- 9e laden und habe ausgesagt. Die Angekagten verhielten Sich auf verschiedene Meise: Sinige haben ales bestrit- ten, einige betonten, sie hätten'nur ihre Pficht ge EEe Wie diese“'Pficht“ ausge- Sehen hat, erkärte der ehe- maige Kommandant von Ausch- Nitz, Rudof HößB, in dem ge- Sen ihn 1847 in Polen durch- 9eführten Prozeß: In Ausch- „itz wurden etwa 2,5 Mi— Bi Ld von Stan Zak- Kaminski, 1986 Die meisten Angeßagten„ur- den z0 Zochthausstrafen ver- urteit. Dies kann man als SVmboischen Akt bezeichnen. Denn in unserer humanitären Gese]schaft, in unserer Rechtsordnung, ist es unmög- S an9es ichts Socher Verbrechen eine vergleichbar angemessene Strafe gegen die Angekagten zu verhängen. ESs geht jedoch nicht um Ra- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 17 che, Sühne oder Vergeltung. Mir geht es um etvas Mich- tigeres als um Strafe. Dank dieser Prozesse hat man zusätziche Einsichten, Zeu9nisse und Dokumente über AuSchwitz, das Lager des To- des, 9Sewonnen. dienten 2zur mensch)ich Die Prozesse Aufkärung eines nicht faßbaren Geschehens der Geschichte. Diese Auf- 5 kärung ist das Mesent iche für uns alle. edoch halte jch eine strafrecht iche verfogung nach Gber 45 Jahren nicht mehr für sinn- e zum größten Teil alt, krank und gebrechich. SRSine vo11— Ständige Sachaufkärung vird immer schwieriger, da ein Geständnis unter dem Druck einer Strafe nicht zu Srwar- ten ist. kKein Munder, daß Sich die Verfolgung und Be- Strafung von NS-Verbrechern in manchen Fälhen in Schein- verfogung und Scheinstrafe verwandeln, die mit 6erech- tigkeit nicht mehr vie) 2zu tun haben. Das brauchen wir e Wir brauchen aber die wahr- heit, nichts als die wahr- heit, soange das noch mög- ich ist. Damit al das,„as während der Naz i-Herrschaft geschah, vor dem Vergessen bewahrt wird— als Lehre und Marnung för konmende Generat ionen in der ganzen Melt. Deshalb müssen Nir neue Mege beschreiten. Die 2eit ist reif für eine andere Lösung als die jetzige. Die Lösung heißt Amnest ie— Straffrei- heit für alle NS-verbrecher. Diese humanitäre Akt ion Sote auch den Betroffenen die Geegenheit bieten, sich von der Last der Vergangen- heit zu befreien— durch freiwiige Aussagen, durch das Abegen von Rechen- Schaft. Das Näre„ie eine Beichte, eine Art Mieder- 9utmachung für die Zukunft. Ich glaube, daß sich viele noch nicht erfaßte und nicht entdeckte NS-Verbrecher nach einer solchen Amnest ie frei- viig melden würden, um reinen Tisch zu machen, und Somit diese einmalige und S inzigartige Chance auf po- Sitive Meise ergreifen wür- den. — 0 — 0 G 8 —„ S 8 c= 1 0 „ 60 c 8 S— — S c 6 PcG 0— Amnest ie eröffnet einen Meg zur normalen Existenz— ohne AngsSt vor Verhaftungen, Ge- richtsverfahren und 6Gefäng- nis. LSute, die seit Kriegs- enhde noch immer auf cer Fucht sind oder getrennt von ihren Famiien irgendwo in der Melt leben, bekommen die Chance, 2zuròckzukehren. Das äre auch eine Mohltat für deren Famiien, die un- ter den bisherigen Umständen leiden mußten. 18 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Wir haben großes Göck, in außergewöhnichen zeiten 2u eben. Denn vie)es in der Welt, besonders in Osteuro- pa, hat sich zum Guten geän- dert. Wir sind 2eugen von Veränderungen, die noch vor einigen Monaten als unmög- ich galten. vor unseren Augen vozogen Sich große historische Nand- ungen, nicht nur im materi- Sen Sinne, sondern vor al- lem in unsserem geistigen und moralischen Leben. NWir solten auch das Jetzte Sch)imme Kapite) des 2Zweiten Wetkrieges samt den Nazi- Verbrechen an Miionen Men- Schen mit einem humanitaren Akt absch)ießen- unter dem MoOtto: vergessen nie— Vergeben und versöhnung, Ja. S S E DENK TVA S E Geburtstage: O208. 1902 Merner Schmidt O30O8 1921 Eduard Mony o7. 07. 1921 MWadisa Jancie- 06.09. 1821 Een Krosch „c2 10.101825 Stanislaw kKa- 27. 07. 1928 1mo PoszkKoMicz minski 28.07. 1924 Adeine ver ino 25. 10 1927 EVS Feig) 31. 07. 1897 dr. Luduig Fast- 20. 11. 1917 Lieseotte Thum- mahnn M Das Museum of Jewish FHer i- tage(Ne Vork), das 1992 eröffnet„erden so1), möchte FUr seine Dauerausste] ung Objekte 2zu den Fo)genden Themen erwerben: 1. Die Melt, vie sie var Europa und Mordafrika dem Hoocaust; Die Massenvernichtung (Judensterne, Lager-Objekte, Fotos); Nachkriegszeit in vor Ghetto-Objekte, 3. Die(Ob- SESSEſSSSSSSSESSSS SSr—Wei H inwwe iS Jekte aus DP-Lagern z.8.); 4. Die Vereinigten Staaten vomn Amerika(jödische Emi- 9rat ion). Mö9iche Stifter von Objeß- ten können sich venden an: ESther Srumberg, Research Coordinator, MuSeum o† JeMish Feritage, 342 Madi son Avenue, Suite 717, New vork, NN 10 123 te epho 687—9141. . Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 19 Zeitgeschichte Und vieder ein Jahrestag: 5 Vor 50 Jahren- am 14. Juni 1940— Nurden die ersten Häft)inge in das neu errich- tete Konzentratijons ager Au- schwitz einge iefert: 726 Poen. Thnen folgten in Schneer Reihenfolge eite- re polnische SGefangene. Im SrSten Jahr waren es bereits 17.000. Nur wenige Deutsche sind in dieser Zeit nach Au- SchWitz gebracht worden— Sie„Nurden aus dem kKZ Sach- Senhausen nach Auschwitz Uberstellt, um dort die Funkt ionen in der von der 88 bewußt geschaffenen Lager- hierarchie zu bekleiden. Es waren Sast durchweg solche, die Hegen ihrer krimineen vorstrafen ins KzZ eingewie- sen worden waren und sich in Seiner solchen Funktion im ₰ Sinne der Lagerführung be- reits beährt hatten. Erst etwa nach einem Jahr„urde von der SS ein Fransport Ge- fangener aus seSinem anderen Land nach Auschwitz geführt — aus der TSchechos owakei. AuSchwitz war damals as Lager gedacht, in dem vor allem die polnische Intei- genz interniert erden so71— te. Die Polen soten auf ein kuture mögichst nie- driges NMiveau herabgedrückt werden. Dazu diente auch die ISoierung ihrer Inte)i— AULSSHWTTYVZ NAHNM vVOR 50 AHREN S ETNEN NFANS HERMAWM LAOBEIN genz. Wie in jedem Konzen- trat ions lager var auch in AuschWitz die Aufbau- Epoche besonders schimm. Obereben konnten sie am ehesten junge Polen. SrSten heuer am Ober ebende des Transportes kommen 14. Juni 2zusammen. Sje bi— deten mit ihren niedrigen Häft)ingsnummermn in Ausch- Nit2 Später e ine Art heimiche Aristokratie, ihre 9eme insamen Erebnisse haben Sie auch noch Jahrzehnte da- nach miteinander verbunden. Auch aus dem Aus and fahren Sie zum Gedenken, 2zum MWie- dersehen nach Po)en und AusSchwitz- einer hat seit langem eine Reise aus Kanada fFür diesen Tag geplant. Mit manchen habe ich letzten Zeit gesprochen, mit Seinigen korrespondiert; nie- manden sote es„undern, daß die Entwickung in Deutschland Besorgnisse bei ihnen hervorruft: Meist doch das Mort von der Wieder“- vereinigung auf eine Ver- gangenheit hin, deren Fogen Sie kennenlernen mußten. Diese erste Per iode von AuschWitz hat sich in das Bewußtsein der Polen so tief S ingegraben wie Für die Franzosen das kKonzentrat i- ons lager Netzweier, für die 20 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. LuRemburger das Sonder ager Bintzert. Für alle Met„ur- de Auschwitz zum Symbol, ans nach der Niederschagung des Nat iona)sozialismus schreck- ich bekannt„urde, daß die- SesS Lager ab 1942 zum Zentrum der'Endösung der Judenfrage“ ausgebaut worden Mar, daß vier überdimens i0— nierte Kremator ien mit ein- 9Sebauten Gaskammern errich- tet worden waren, um dieje- nigen Menschen in Massen tö- ten zu können, denen die im Nat jonasozialismus vorherr- Schende Ideoogie das Le- bensrecht absprach— aso die Juden und die zigsuner. Der Kommandant von Ausch- Nitz, Rudo)f Böß, gab an, daß in den beiden grsßten Gaskammern bis z0 2.000 Men- Schen auf einma) mit dem Giftgas 2/kKon 8 ermordet verden konnten, Fügte al)er- dings hinzu, daß diese Zah] nur seten erreicht„orden S Gegensatz zu den vier Vver- nichtungs agern Treblinks, Sobibor, Belzec und kKumhof — die dorthin deport ierten Juden einer Se ekt ion unter- „orfen wurden, bevor sie die SS zu einer der Gaskammern SesSkortierte,„uchs trotz der hohen Sterbichkeit das La- 9er zum eitaus größten kKZ. Denn diejenigen, die bei der Se ekt ion von der SS als ar- beitsfähig taxiert w„urden, kamen als Häft inge ins La- 9er, um für die Rüstungs in- dustrie zur Arbeit gezwungen z0 werden. Mer sich nicht zu Siner so)chen Arbeit zu eig- nen schien, vurde sofort er- mordet, ohne in den Lager- Stand aufgenommen zu werden. Die TG-Farben-Merke, Krupp, Siemens, die Un ion-Werke Wer) und viele andere für die Rüstung arbeitenden Un- ternehmen nützten die Ar- beitskKraft der AusSchwitz- Häft)inge, bis sie voJends verbraucht var. Der Ausbau von Auschwitz zum 9rößten nat iona)sozialisti- Sschen Vernichtungs lager än- derte seinen Charakter: Mar es in der ersten Per iode 1940/42 ein relativ kK)eines KZ, in dem fast aussch) ieß- ich Polen einer für Nachge- borene unvorstelbaren Bru- ta)ität der 88S ausgesetzt Naren, sSo„uchs Auschwitz naen 1942 nieht nur 2um veitaus größten KZ; dadurch, daß aus den Deportat ions- transporten Juden, die ar- beitsfähig zu sein schienen, ins Lager eingewiesen wur- den, änderte sich auch die Zusammensetzung der Gefange- nen. Im August 1944 mußten mehr als 642 der Auschwitzer Häftinge seSinen Judenstern tragen. Der Prozentsatz der Poen war damals auf eta 22 9Ssunken. Mit dieser Skizze der 6Ge- Schichte von Auschitz ist auf ein Problem hingewiesen, das auch gegenwärtig noch aktUel) ist: Für vie)e Po)en jSt es eine nat iona)e 6e- denkstätte. För sie ist der 14. Juni 1940 ein Gecdenktag. Für Juden und 2Zigeuner be- deuten die SGaskammern von Auschwitz die sch) immste Zä- sur in ihrer Seschichte. Für die Melt ist Auschwitz die eindringichste Mahnung vor Herrenmenschentum und Ras- Senhaß E oi9t mi Schreckender Deut ichkeit, wohin extremste Inhumanität führen kann. die Jahre Für Deutsche, die Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. A der nat ionasozialist ischen Herrschaft nicht sSrlebt ha- ben— also für die überwie- gende Mehrheit- solte Au- Schiz nient in erster Linie persön)iche Bedrük- kKung, oh) aber eine stete Mahnung vor abfälligen Beur- teiungen von HMenschengrup- pen sein— ob es sich um Ju- andere SoIte vergessen Po len von ereiden den, 2i9geuner oder handet. Auschitz Sbenfalls nicht machen, Was Deutschen hatten müsSen. Am 14. Juni 1940 hat das begonnen. kKann der Jah- restag helfen, so)che Gedan- ken zu stärken? A05 INWERVIEMS MIT ZMEI POLNISCHEN UBERL.EBEMEN DES ERSTEN TRASPORTS NACH A0SCHITZ Mietek SarnonskKi Gespräch mit Mietek Sarnous- kKi, wohnhaft in BVdgoscsz, S5 6e 2 1922, Shemaliger Häfting des KZ Auschitz?z vom ersten ESo D Der eSr— Ste Transport kam von Tar- noM, insgesamt öber 700 Men- Schen, ausschließ)ich Man- 5Sr. Interviever: Urike Senft e- ben, Feike Dui, im fogen- den abgekürzt F(Frage); Mietek Sarnowski abgekürzt A (Antwort). Zeitpunkt der Einieferung? A: Tch bih 7822 Sgeboren, oa me S va ich a7so 15 71940 77 Jahne a7t. Ich urde am 9. Me VSfhartet dornch ode 6e— Stapo i5 KrakKow. F: Marum? A: Oas sSrkänt sich stwes sO“äten. Vom 6efän9njs Mon- te COp in Krako wunce ich 1 cas 6eren9n is Hach Varnon OUbefrs Sdet. F: MWie ange 2S1t7 dauerte diese M 14.6. 1940 A: Oas dacente sSI5 Monat, 1S Lage kamen as Serste Häft) inge. Die sersten varen vO MUmme 17—30, das varen Capos, die mt de 88— Sesatzung ins Lage Kamen, deas Waren de0tsche Härt inge mit grdnen Winken vom XZ SachSenhsaUSen. Jetzt dS AtMont, wam ich VSrhaftet vUnos. Ich bin in Sromberg geboOfen, Und m ine Stenn S 750 z0 den Uberzegng 96— Kommen, cdaß 68 5ach em Kreg FUn mich besser„ärs, ve Ni 2Zsammsn von dem S7Ochtheg von Warscha“ 2Z0— Uck gSKommen nach Sdgoscsz Voden sihd, das„an im Ok- tobe, 7939, 6S8„äne 3780 bessef, enn ich Fahne zm SrUden me ine Motten nach Se beiben, e es 70n mch s cheref were as 80— Hoscsz. Und So haben N das aUch S§emacht nd ssit 7. Janaf vohnte ich in Sanok dret im 6enefe goCVSnS— mSht. F: Warum dachten die Etern, 22 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. daß das sicherer 1ist? chern woten vom Vercdecht der jungen LsSCte, daß ich Stas damit z0 ton habe m7t dem sog. 870 tsonntag, der am 3. SSbtembe 1 8dgoscs2 wa. F: Was„ar das? A: Ma, a7s die ponische 4/— mee zUrUckkKehnte, de Kam S8 z0 einem Kampf, von den 7U/— men oer Kirche haben dqie /o Ksdeotschen z0n Amee 9e— Schossen, hd man kKam in ecdecht Und KkKonnte§eich Umkommen, venn einer zSigte, ah, den a mit dabe. Das 9 79 9anz Schne7, Un ehs man z0 SrKänng S9Skommen jSt, cda6 das hicht vahn ist, daß man Unschig ist— ich wa 2ZUm Seispie in Wansche —- bin ich mit meinen ßam7e hachh Warschat gefohen 2z60 SUG6.„ cds Konnte sSs schon z0 spet sein. F: Du varst aber nicht bei den Pfadfindern oder einer anderen Organisat ion? A: Me in, das„an ich nicht. Tch vaf Gymnas jast, ch habe d7e 4. Kesse vom 6Gmnas 7m beendet„it cer osotschen SOrache aoch nd das Keine Abton, v8 man Sagt, 9emacht. Ahtwornt geben aof die Srags, vaUm ich vSerhaftet UrOs. A 7Ss0, ich„e ine die OSt- schen, die SS ode die 66— Stapo, sCUchte Jonge po7n— sche Männe, die ingendo be im Genicht ode s8o 0f— 9S fa) Jjen waren,„icht. TSt das So g0t S§esagt?7 Uhd as 1c bS e inem OnkMs)] In SahoM vohnte, sSihd„n von Zeit 20 Zeit-ach Krako 9e— Fahren nd haben dont die sogenannten F7o9bJätten Je— mand ge9gSben Und in vn a 7S80 dsbe; behiFch 4 LSfer, Kanh mean Sagen. 03 8dgoscS SSboren wa, Wa aoch oer Verdacht S 6 mt dem 870tsonntag 2z tun hette, da ich Jetzt in Sanok vohnte— das ar das zwe its, Und der dnitte Gend varn, ob jch dies Abs icht nhätts, die Grenze, die 777694)e 6renze, z0 öberschreiten nd nach Ungarn z0 77Uchten. F: 2ur polnischen Armee? A: a, 20 ponischen Armee Uno dann iede„eiter 20 Kempen. FUn die ßreiheit z6 Kämpfen, So Kann man sSagen. Tch habe 6G7UcM gehabt, 68 Schacdet, e) ich Jung vaf. Tch sagte HatUrich, ich ha- be damt nichts 2z tn, man Konnte min nichts beus jSen, abef trotædem kam ich nq me CoCs in, der„an ach aUs Sdgoscsz(den 6Co0sin haben se sofornt ent Jassen aUS dSm GeFän9n7sS Monte- F: Das gab es auch? A: 4, S dasSs 8§ab 68 S hatte die NUmme 356, ce Kam mit min zosammne ins L— 9en, 20e7st ins 6efengnis ¶nd dann ins Lagen. F: kKannst Du noch einmal sa- 9en, as die Gestapo gemacht hat? A: So0„e ch mich serinnsre, Standen Nin bef oe 6es tapo jm S70n, dem 6es icht an der and, dann Kamen„in sSinzen z0m Venn6 nd zorUckM. Man mGte daran denksn, dasß man ach aUf die Sragen die richtige Antwont geben Konnts. F: War das Einze)haft? A: Ore Cos ins sind„in 2m SrUhstUcM goMommen, 7c05 9 Ja0be, es hat ns Jemand beobachtet, nd Mennn„in 20 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 23 e 756 Mch 9 159en, e JgenmarM Hoch, de a ve N m 9 Ja0be, N vjent von da KMamen„8 UnS Sofont die 6o Jen, 9gemacht habe Hat ah S7 Stfeße eine Und die LSt waen,„Un Manche wU LagSn. 4 78 nichts Spez DeUtschen§e 9SHU9te, daß best immten 8 Fen vUrde, Schon aes F: Me ine Fra DU während al eine wars mit mehreren vart? A: 4780 nach Kommen. Win mehrere. TcK denen 7ch 2 Fän9ns w= VransSpont. v ach z0s JahUS MUna def„ohnt Je and, dann ebt nicht SesSSSSSeh„t mit vie)en baf 15 68 58 S 15e t oem wUden S KaMOn 6 die Si TSPpPen 7chbar, Zug voOh SahOk hach Krako Fhren, os vO)Jten Nin sStas essen. TcK obSS— je haben Sgeschnappt. AbS ob J0ng rach KStte te, ¶Ye 0S vS den 85 USe K S man S7768 9 macht ₰ man„ chcMSa Un q vOfbe. S ode G⸗t⸗ die m6ten nicht vI67 c„e 16, aUF de gSmecht, dadrnin -hartet. t JaSsen, amen ns mGte S965 die aben, 68 on Sinem 9etOfF a 9e war eben, ob der 68es t oder tapoOhaft S in einer zele de Hat 8 inq W60 „ sofont ins 6efäng9nis ge mt meh— 0 in einer zes. F IThr konntet reden? jch,„in wafen S inn Csammen „ vOn Und an ammen 7 e nmich Hoch an manche Ko egen,„it im 66— me nem 5 en m Lager. S5 OSUtsch— JanoMcM, oS mohn, Kopane, Schabenbek, Zakopane, dis haben zosammen min, KO 7S96 aUS 2Z— aUcCh SUs jch hsbs zUSam- mengesessenh a0s ZaMopane. Abe das ist eine Meben- SachS. F: Ist es richtig, daß Du am 9. Mai verhaftet„urdest? A: 4, 00 am 74. n7„ c schon im Lager. F: Und in diesen vier wochen im Gefängnis, waren da stän- dig Verhöre oder nur am An- fang? A Mn am Anfang,„etef nichts. In 7arno haben sis ns in a9gons e ings Jacsn hd nemand„Bte,„o„7† hinkamen, 5emano wU6tS, w8 AUschtz ist. 407 einms s 150 Nin ins Leager gskommsn. F: Was habt Thr da gedacht? A: 4780, ehrich gesagt, in me 1hen Gedanken meintse da6ß es 7m Lager besser„ers. e77 im 6efengnis 2z0 sitzen s7hen Monat, das„ar rFö mich sehr schher. Man kKonnte sich nicht benegen, man hat- te Keine Fonkt ion, nd qie Langewee in cen vjer Ecksn S7en Keinen Stobs, 15 687— 5Sm Keihen Ham immern sit- 2S0 mt oense ben Leoten, das van rUn n„ich schrsck- 77ch. Und in minen 6Sdanken Hahm ich an, SsS„iro im Le— 9S bestmmt bessern,„e7 ch min vorgeste/t Habe, daß dont keine Ma0e 8ein „nd, ich Könnte mich bewe— 965 Ud anbeiten... F: Wie war der erste Tag? A: Oe erste 7ag„an sehr Sschscht, me ne Ko Sgen Haben das Schon Ve mes srzäht. Tch Sinnere„ich an dis SchS— Sene von cœn Gapos, a7S S em Z09 a0sgest iegen s 7d, nd osr Emofang im La— 9e dUnch KeaOOoOntfFUhre Saitsch, SS, dann die Os— Fahntene, Se dacerte 74 Veage ode stwas msh 5 sinem 9O06e5 6Gebeds, c hbe 24 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Schon de Mameh Ve9SSSSM, abe daran kann ich nich noch srinnern, ond dann Ka⸗ men„in ins Lage direkt zm ersten 87ocK. F Wie sah das Lager damals aus? A SES„a das HaCpt Jagef, 88 befihoet sich in shemea igen ponischen Kasernen der po 5iSchen Amee, 4 8 760 ℳ, 9 Ja0be ich, varen mt S 1em Stock, nd ae ahderen, dis „jersckig sind, nd dis an- dereh haben HU Srdgss choß 9gehabt. MatUrich haben das a77es die sersten Häft inge gebaot. Wir haben aso, die ersten Häft/ inge, ond die tasenden, die hinter ns Kamen, haben das Lagef§8— beaUt. F: Aber zuerst wart Thr 283 Wochen e ingeschossen in Quarantäne? A:, eSingesch Jossen. 878 haben ns höüpfen, singen, ro77en assen, in So77ten ns daran gewéhnen nd nicht vergessen, o„i sind. Ma, am Anfang kKann man ach d- zurechnen die Hfede Vom L— gerkKommandanten, 7ch 97sbs, Sritsch ar der srsts, es 1St Uber 40 Jahre her, nd nach os Pokumentat ion m6 man cdes Velſeicht KkKonn— §jeren, aber best immt„ar, daß einer Fritsch hieß, S7 Sagte, IThn sSed vSrhaftst bis 2zm Ende des Xrieges, Uno das vaf schreckich ond sch)imm FUn ns. F: Was habt Thr gedacht, vie lange der Krieg dauert? A: O5,„in haben gecacht, mahnche Haben gedecht, S e Hachdem, ie sich die po- 7tische Lage 15 EUropa ent- „cke 7t. Win heaben zUerst die Hoffnung gSehabt, daß 68 HUr kKUrz cdacefn„ird, die A7J7enten vSden SSh schne!) sisgen, nicht, m K e9„it de Peotschen. Aber, ie N Jstzt vissen, da0ente Ss fFönf Nahre. F: Kannst Du etwas Punkt'Anpassung an ger eben sagen“? A: 4, Ja, aS in ins Lager Kamen mt 30 Capos, c Ude as 0gehdichen z0gS zu dem das La- te7t e einem 87ock, 0 a7e N0gend ichen are m ahren. Tch erinnere mich aUcA, e Tschere z0 Arbeit 2Zge— teſſt„orcde als sinen von den JUgend ichen beim Capo Anthon 8e HkKe, der die NUmme 3 hatte. Insgesamt kann ich von 8a ℳe„ichts Schschtes Sagen, e] er z0 den J— gohd] ichen Po en nicht SchJecht Naf. F: Aber Thr pel) stehen? A:, aber er hat ons nicht geschagen, der 8ake. 076 anderen, das„a versche- den. 6S15 Appe, das af En- oe J7 7840, nach Sinem Mo- 0 ine om erste VransPort gefohen. S hie6 ie.)onsK ond hatte odie Nmme 220. Das wa FUn mich 815 schreckiches Erebnis, S7 „7 steanden von 76 Uhr 40— Dpe bis am néchsten 7a9 20 Mttag, ohne Essen, hea— beh keine Mö9 ichkeft 86— habt, Unsere Secddnfnisse 2zu S Jedigen. Uhd 8a Me 20 Ons,„e es ihm sben mö9 7ch „an, anständig. Nach seinen be9ehzten Mö9] jchkKeten Un- terstUtzte s uns, daß„7n diese Nacht 578 Mttag oUchhieten. F: Haben sie 9efunden? mußtet auch Ap- den Föchting Habeh hn§6— Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 25 Fnden, er ist zorück Iins Lagef SgeMommen nd sofort 7n 87oc 77 Sofont getétet. Hie Z7VI7ISten, die ihm gehoFen Haben, ie ich„eiß,„Unden a0ch ins Lagen gebrecht. F: Was ist mit dem Füch- tenden geschehen? 6 nicht, aber der Sch6 v Uns aen bekannt, s7e 7eben nicht mehn. Das w 675 schreckiches ErJebnis m6— es Lager JebensSs 9§7S/ch am AnFang. F: kKannst Du noch etwas dazu Sagen, vie sich die Le- bens bed ingungen zum Gefängnis im Gegensat?z vSrãndert ha- ben? Am Anfang Na s6s m Verg Jeich zm 6efSnons, as den LSbensstahdand“ angeht, jm Lagef nicht bSSSef. Vrotzdem, enn men 7m 6e— Fn9n iS Fakste sSrhieſt, die Uns beim Obereben geho] fen haben. Und am Anfang im Lagef kKameh keine HFakete, mean mu6te davon Jeben, vas man bekem. F zU0 schicken? A:, 8S8S„ vorboten 5 den ersten Jahren, 7ch 970— be, 15 den ersten 2Ze ahfen, nechhe kemen Pake- te, 7ch acch von me inen E7— tern, die sich vom Mnd das SSse abgespant haben ono min geschickt haben. 40ch belkam ich setas 6s 0, 57cht ve, natUrich, deafòn kKonn- te 7ch in der Keant ine Saat Und so ähn! iches Zeug, Keann man Sagen, aUch Zigaretten, verboten, Pakete KSUfen. F: Mit normalem polnischen Ged? A: Mein, mt oetschem 6s d. SMären, m6ten nssre 27VJe AnzU9ge abgeben, dqis HaafS vUnden Uns b9— schnitten, nd„i„rden mt Oes jhfekt jonsmtte bs hahcdet, no dann bekamen die gestreiften AzUge, die Sahen so„e pPyjame aUS, b 7a0 Ond e 6. Minkel? ch hatte S 7nen roten WinkKe m„t einen F: Sie haben Dich als po]i— tischen Häft ing eingestuft? A:, a78 Foitischen. F: Kannst Du sagen,„as Du an einem Tag 2u SSSen bekKommen hast? A: MOfgens AOS77, auch einen vVOn dem bevon n zn Arbet 9 ngen, haben„ir Kartse bs- Kommen. Menn noch jemanod e— 5e Kest von dem Srot hatts, dann kKonnte man das oaz SSSS. 20 Mttag bekamen„n SUe t KUben nod„Sf— SchSdenem Zebg, Ono 2Zm Abehdbrot, enh„in ins La— 9e Kemeh, 5ach dem Appe Jetzt, behamen„ir Sin VS— te) Srot, StMaS Mengarn ine nd enteder sin StUck worst ode Mame Jace, KäSe ocde S djesem Vnema mu6 ich noch Sagen, daß sSi Mensch, q† InS Lage kam, der Kkonnts be diese, Arbeſt ond bs dijese Veropregng non dre Monate Jeben. F: Mer sagte das? A: DOas„Urde 8So ofFI2iS77 von de 8S5 gesag9t. SS Kem aUch Sine Zet, 7ch 9 7ebe, das Wa 17942 nd 7543,„0 sch die ersten Häft inge mt oen nisdrigen NMmmern vSfStScken mUGten,„677 68 Hach Me inng ds 86 nmeg- ve dre Monete n dqiesen Verh“ät- issen im Lage„Ster 2z0 Sben. Und man Konnte sich 26 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. it einem SS-Mann trerfen,„Unden, Umæznt. ZCerSt Mf der einfach die Nummer ge Je- das„S ine Arbet, Und denn sen hat, uno der sagte dann, an ich in seinem anderen ve Kommt sSs, daß O0 Hoch KMommando. ebst, 00 Ssotest schon F: Wann bist Du dahin ge- ſen9ost tot sein“ Und as kommen, zu der Sefügefarm? diesem GrUnde,„S17 cas so A: In 7842, S7ebe ich. Teh gefährich var, habe ich g0- a achn 9an2 KUE2 jm te 8ez jehungen mit oem La- Kommando FUhrerhe im, das var gerarbeijtsdienst gehabt, von sin KMommeando be der 88, v0 dem Otto Kiese! Und ach Von dem Ho nĩschen AbetS— djenst, odo von Sches ien Stammte, oe 7Sbt nicht mehn, def„ich in ein AGen— Kommeando schickte,„677 da die sch immen Zeiten bessef 2z0 6be JSben anen. arbeitet? A: Im ACGenkKommando, das Waf e15e Arbeſt Unten dem Oech oder abch im ßSreien. F: As 2 immermann? A: Mein, V7Schlere S9gSegangen 0n bin nach KMommando Harmense geKommen. Min haben dont in e 15e eheme 71965 Sch0e§8— Sch Jafen. Das Naf eine ßHafm mt 6efUge7, VrUthehn, ein Kommando, das eine 6efU9e 7— Fafm wan. Kan inhchenzocht n BrUtnaum FUn Keine HUhner. F: Warum konntet Ihr da bes- Ser über leben? A: We7 es die Mög J jchkeiten gah, z0 onganisieren. habe gearbetet be den 6e— 7 7Uge farm, be den KMindern, Und Ni habe die Keinen HUSchen,„o die Siern ge egt jch sSine HfHifFsfEnkt jon het- te. Ich bin immen mit einem KWeinen Wagen ins Lager ge— Fahren nd zrdck, so Jange, bis de 6Capo, sin 7Schechs w dasS, 9e7)ohen Nan. Wenn S 15e 9erohen jSt, oann „Ude das KMommando aufge 76St nd vonher„bLrden... Konnts Jeden 70. 1 den Snken ge— 5en, das ar eine 6Sfahr. n) Konnte geGht enden dunch den SS—Mannn zm 7ooS, we7 einen geF7Ochtet an. F: Ich habe noch eine Ver- Sständnisfrage. Jeder zehnte, von 10 Mann der zehnte, oder a1e 107 A: ede 70. enn sin Mom- mando 700 Mann hatte, deann Jecder 70. enn sin Kommando 20 oder 30 Mann hette, dann Kamen 3 75 den 87ock 77, das w ce Schimmste 87ock, von dem jscder Htng Angst hatte, oboh S/ Strafs belam, ode 2zm Stehbnke 9759, oden StMas ahdenes. 6S wWe KJen, daß S tMS Sch) immes Pass jente. e e S 150 nicht herausgekommen... MUZEUM OSWIECIMBRZEZINKA * Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. W Das Lied vom toten Kind das sich värmen wote aus: Auschwitz-kKinderieder, Donat Verlag Bremen, 1990. Der Autor möchte ungenannt b)eiben. Es var ein Kind in Birkenau Ge9angen durch den Kamin Das mußte jetzt im Winterwind Am eisigen Himme! 2iehn d Das kKeine kKind war nicht aein ES fogen als Asche und Rauch Vje) tote Keine Kinder mit Und Neugeborene auch Der Mind blies die Kinder vor sich her Dem Kind var kalt und es fror sehr Obwoh) man es bei tausend Grad Im Ofen eingeäschert hat Da sucht das eisige tote Kind Sinen Ort No es etwas Märme findt ESs Kopft an die Tör in einem Haus Da kommt der Mördergesele heraus Der sieht das tote Kind und lacht Und sagt eh er die Vüre zugemacht Vergast hat man kein einziges Kind Schade daß es nicht mehr gewesen sind Das Kind kKopft an im nächsten Haus Da sieht der gute Börger heraus Der hat freundich dem toten kalten ₰ Kind eine värmende Rede gehalten Was tot und vergast ist muß man begraben Der Bürger muß Ruhe und Ordnung haben vergangnes vergessen sich der Zukunft zuwenden Und mit Bedauern das Trauern beenden Er wünscht gute Reise und gute Macht Und hat das Fenster zugemacht Da kam ein Laut als ob einer schreit Vom Kind in seiner Verlassenheit Das eisige Kind kKopft vieder an Da sSteht am Fenster ein frommer Mann Der betet geich für das tote Kind Und sagt ihm Gottes Mege sind 28 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Nicht unsere Wege und se in MNamen MWird durch den Tod geheiigt Amen Danach hat der fromme Mann bewegt Sich wieder in sein Bett geegt Da hat das Kind zu we inen begonnen Aus se inen Augen ist Eis geronnen ES hat Mutter gerufen und hifF de inem Kind Doch die Mutter fog in einem anderen Wind Das tote Kind in seiner Qua) Hat angek opft ein Jetztes Mal„ Da kKommt ein progressiver Mann Ans Fenster und fängt zu reden an Er empfände subjekt iv Sympathie Und über Faschismustheorie Habe er Seminare geführt Und die toten Kinder ausdiskut iert Die Themat ik als eingeordnet verJassen hetzt müsse er sich mit Aktuelrem befassen Aber da ist ein Wunder geschehn Der Mann hat sein signes Kind gesehn In dem toten und wote mit seinem Leben Ihm Schutz und Zuf ucht und Wärme geben Auf einmal bricht in brülenden Fammen Der FHimme) in Feuer und Rauch zusammen MWie das vorbei var war das Kind veg Am Fenster bieb nur ein grauer Feck Der fog auch bald fort im eisigen Wind vieeicht war er von dem toten Kind„ ES var ein kKind in Birkenau Gegangen durch den Kamin Das muſßte jetzt im Windervind Am eSisigen Himme! ziehn Das kleine Kind var nicht allein ESs fogen als Asche und Rauch Vje) tote kKeine Kinder mit Und Neugeborene auch Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 29 Alfred PrzybyISki AusSzug aus einem Interviem 6 Interviewer: Heike abgekürzt F(Frage); Afred PrzybVSkKi ab9gekürzt A(Antwort): F ed, kannSt D kurz „er Du bist? Oe en. A: Tch bin Hoe S0s HWarSzaws Und hs 16e AfFred Erzb JSK. Ich bin im ahre 7979 g96bo— Und vohne Jetzt aoch in WaSZawa Und bin Shems 196 Hert ing vom KMZ Auschtz— S7rKena. 5 men beim GShnze Und dann im ahre 7940, im SchUtzhaft genom- OUbentreten de ponisch-ngarisch. Fängnis in Sano gesteckt, dann„ieder öberste)t ns GeFängn ijs Varnow. Von Varnom⸗ 1St S1 FTranspornt zosammen- geste7t„onden, Und n S750„it dem Zug— es varen dama 78 736 KHäft) inge— Kichtng Mesten Und a7S„ dem SBahnhof dieser ZUg a0f Stfecke geholt„orcden, Un „ vUrden ss oen aggons Healsgeschmissen. OeS Na de Anfeng,„in wu6ten Obefr- hept nicht, caß dies en KOhzehtreat ions Jsger 8S615 d. Wir hahmen an, es„ird S75 ZMangsarbeterlager ocer Stwas Ahniches, o„ir be- Schäftigt„erden, aber am Anfang sind„n mt cen Gapos, 30 LeSote, Krimines, Häft inge von Sachsenhasen, Schecht behande)t vorden. F: Afred, das var der erste Transport? 15 gS Fahren. 1 Osiec im af Stahnden, 78t e 1ne Meben- jch habe die NUmmen 477 beMommen. Am Anfang van hoch Keine Arbeit, den ganzen 7ag m6ten I Obongen meachen, a780 sogenahnte SpontUbn- gen, a7S80 Labfschritt, Kne- beugen, HKo! Jen USW., vOh FU bis abends. F: MWie sSah Auschwitz-Stamm- lager zu der 2eit aus? A: Oas Stanmmage bes tand dema 8 nUn aos dre 87ocks, Shema)79e KMasernen, Ant777S— iekasernen, dre 87ocks mt Drovisorischem Zan, nd„ m6ten im Lsofschritt dqiese B6a0- Und ESrodarbs iten as fUhn- nen, mt vollen Karren im La0fen hin uno her. F Was habt Thr gebaut? A: Oas af das serste Kreme- tonjm, an diesen S7ocks o- daGenh. Jtzt h 76t ds Kreme tor jm T im Stamm]agef. Tch U6te deme 7s8„icht, FUf we Jche ZMecke i arbete- ten. Ich habe dont gearbe- tot, Ud danach worden die KoOmmandos hengestet. OeS eSte Kommeando wa 7Ur mich S n MaUrerkommando, dont h— be 7ch sScher 9earbeitet, V haben gebsUt, jch enin— nes mich nicht mehr gena, weS dasS Wa, JS0Senf7S wa das draußen hinter den dre 6 Jocks, die 2Zuenst bewohnt waen. F: Die Blocks waren damans noch kleiner als heute? A: Jaoh7, die 8Jocks veren me Stens einstéckige 8ocks, Stwa in de Mitte 8So S67n 9O6e 4Oe 7PStZ. 4 78 hächSte Vransponte kKamen von Wisnicz vom 6efngns be KahkaU, dann voh Wanschs ve7e VaUsehds Hft inge, Und dann varen die 87ocKs 30 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Schon ganz vo7. 67eichzSi— t79 worcde die fichtige, die 9ro6e Umznng, we Jetzt, ach Jangsam gebat. Win he— ben Jeden 7ag von FrUh bis abehds gearbeitet, s8 9§eab def AppelS Jeden Vag, 5icht zMS7,„ie nschhen. Tch „U6te schon, dams]S hatten s7e Uns Sesagt,„i 8ino hen zm Anrbeiten 7U das OSUtsche Ke ich nd dnfen Hicht Jängen als dre Monate Sben. 8 Haben S A: 2, geSagt. Danech„Urde ich be Zimmerern beschéftigt, te Hatdrich sins Afbeit, abe ds gefFährich,„6 S 15em Kommando te. O1e Anbeit be oen Ma— enn wea SSh Sehr Sche, ve17 ich tatsch)ich a7s MeaUnren bStrachtet Urds. Tch wa VoO dem Krieg non sin SchUler, ich habe zMaf Stwas vSO/Stahnden vOm Sawesen, abe mich haben sSe an den IkMe gesetzt be im SaU e 1nes Magazins oder stas Ahnichem, nd ich konnte ahderen... S S S DUu hast an 9Sstanden? A: 4n der Scke ges tanden Und wa immer tiefer as dqdie an- deren, 0nd ich bin gescha— 9e5 von dem 6CGapo, der Stand jmme be„in nd Schnis⸗ schneern, schneern F: Me ißt Du noch den Namen des Capos? Sie das 9esagt Fritzsch, 0UnS das LagenfFEUh- deUtich dS SUcA— 7e jchtere w 8SSh/ man 567 b e ben mG— der geraden Mau- de gSradSn MeCU— der Ecke N S srinnern, S1) es von 2Zeit z0 ZS7 t 7mme Mechse gsb. Danach b ich 2zm Vermes- SUngskommando gekMommen, das WASn s eben LSCte am Anfang. S15 Vermesser tet- sechich von 8eUF. Oef SzymbowsK an oer ersts nd vin JUngen Mnner aren a7S GSehFen beschäftigt b7 Vermessngen in der Umgebung des e in9Sznten Lagses. SS „ohnteh Hoch nebenan pon Sche Famiien 1 KSinsh HUSchen, HoOnfhäosern, Un de otenn Uns sStas 5S7— Fen, abe das„ 8teng vSpoten UnC Vodes 9S fFahr 5 draßen me istens beschäftigt worden,„n m6Gte Jsde⸗ Mongen neach draen 00 diese fS der VSemessen, e die Keine Kanten heatten. F: Me ißt Du,„ofür Thr mes- sen mußtet? Was die vorhat- ten? A: 47S80, dama 7]8„are ie Ho nischen ßamiien ssge- S Sde 7t 00 die Häusen waren abgebrochen oder die SS-Mein- nen Unden mit ihren ßami7 S5 anges jecet. F: Du hast einmal erzäh)t, daß die Leute in den Häusern Such geholfen haben? Mit ESSen. Kannst Du das noch mal erzäh)en? A:, 688S„an vensch ieden, SS a öUberhaupt Vorboten, mit jemandem von drau6en 2zo SOfechen ode jngendis KOhtealt aCfzUnehmen. Oas a Sbensgefahrich FUr de Het) inge, a60ch die ZIVIIisten. AbS 617 Im La9S imme Hunge„ar,„n Haben So en9 20 essen b6— Kommen, a7S80 ein Stdck Srot Oo Meann, sS Ke inss Srot 1 vien StUcke geteit. Und Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 31 dann stMas Magafihe Und abends noch sin 7Se, aber Kein Ficht igen, sSondern St- aS Von draußen,„e e6t A7S0, abShds haben in das aes afge— 9esSShn. F: Mochmals eine Frage, also von einem kleinen Brot vier Teile?ꝰ A: Mein, das„aren, 9 7a0be 9, e15 s 7bes SFund. 6 Und davon ein Vviertel für jede Person? A: Ja. Und morgens ar ach Stas zm Vrinken de, abe v7 haben das aes schon abends aofgegessen, damit s8 & K& e 2 e 3 e 2e e K 3e e 3e ee e e 2ſe e2ie 2e eee e e AUS?UCE ENMNOEN A0S5: DALA CZECH: KAEMAMRIUM icht vS/SchMinet SOwasS. Unod dann 2z 8 1 7oOpfF Sppe, Katoffen me cht, ode Mttag daS Wa VvVOh Ud 6emUSe ge— Und vas d noch drin a, Kannh ich nicht mehr s— SS5. JSdenfa7S Sine 7asse. F: Dünn, ohne Fett? ohne FStt Knaft, natUnich S Jeisch. Mn am Uno ohns ohnne Sonhtag Wa s 15 dickerer Sintopf ds,„it Stwas S7S 7Sch. Abe am Sonntag haben„ Je hicht geanbeytet. Wi m6ten nun osUtSche Lieder senen ono S7ngen, den ganzen 7ag. Oas wea aJSoO cden Anfeang. „„ BTRKENMA ROOfil-T VERL4A6 DER EREIGNMISSE IHM KOMENMRATTONSLAGER AU0SCtiITL- 1939— 1945. RETNBEkK BEI HABUR6 1989 Das Jahr 1940 14. Juni Aus dem Gefängnis in Tarnõw werden die ersten polnischen Hãftlinge in das Konzentrationslager Auschwitz eingeliefert. Es handelt sich um 728 Männer, die vom Kommandeur der Sipo und des SD Krakau in das Lager eingewiesen worden sind. Die Häftlinge erhalten die Nummern 31 bis 758 und werden für die Zeit der Quarantãne im Gebãude des ehemali- gen polnischen Tabakmonopols untergebracht“*, das in der Nähe des Eisenbahnnebengleises gelegen und von den übri- gen Gebäuden mit Stacheldraht abgetrennt ist. In diesem Transport sind viele junge, gesunde, militärdiensttaugliche Männer, die an der südlichen Grenze Polens verhaftet wur- den, als sie versuchten, die Grenze zu passieren, um zu der neugebildeten polnischen Armee nach Frankreich zu gelan- gen. Außerdem befinden sich darunter die Organisatoren die- 32 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. ses Grenzũbertritts, Untergrundkämpfer, Politiker, Vertreter der polnischen Intelligenz, Geistliche und juden, die im Frũh- ling 1940 im Rahmen der vom Generalgouverneur Hans Frank angeordneten Aktion AB verhaftet worden waren. Zur selben Zeit kommen zur Verstärkung der Wachmann- schaft des Lagers 100 S5-Männer sowie SS-Führer und S5- Unterführer verschiedener Dienstgrade an und übernehmen leitende Funktionen im Lager. Die 40 Häftlinge, die beim Bau des Lagerzaunes eingesetzt* waren, werden in das KL. Dachau?Zurückgeschickt. Bei der Abfahrt sehen sie am Anschlußgleis des Lagers den Zug mit den polnischen Hãftlingen aus Tarnõw. Die Häftlinge aus dem Kl. Dachau verlassen nur ungern Auschwitz, weil sie hier mit der Hilfe ihrer Landsleute rechnen. Daraufhin er- klärt ihnen SS-Unterscharführer Beck, sie hätten keinen Grund zum Bedauern, denn dieses Lager werde die Hölle auf Erden sein. Die Häftlinge aus Tarnõw werden mit Schlägen, Fußtritten und Gebrüll in die Keller getrieben, wo man sie der Aufnah- meprozedur unterzieht. Sie werden ihrer persõnlichen Sachen beraubt, geschoren, zum Bad und zur Desinfektion geführt, registriert und mit Nummern gekennzeichnet. Sobald sie ihre Kleidung zurũckbekommen, werden sie auf den Hof geführt, wo sie sich in Fünferreihen zum ersten Appell aufzustellen haben. Der Erste Schutzhaftlagerführer, SS-Hauptsturmfüh-„ rer Karl Fritzsch, begrüßt sie mit folgender Ansprache, die von zwei, unter den Hãftlingen ausgesuchten, Dolmetschern ins Polnische ũbersetzt wird: ahr seid hier nicht in ein Sana- torium gekommen, sondern in ein deutsches Konzentrations- lager, aus dem es keinen anderen Ausgang gibt, als durch den Schornstein des Krematoriums. Wenn das jemandem nicht gefällt, kann er ab sofort in den Draht gehen. Wenn in einem Transport Juden sind, dann haben sie kein Recht, länger zu leben als zwei Wochen, die Priester einen Monat und die ühri- gen drei Monate.v Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 15. Joni 6. Joli 7. li Die tags zuvor in das Kl. Auschwitz eingelieferten Hãftlinge werden der Sog. Quarantãne unterzogen. Die S&s versucht, die Hãftlinge dadurch zu terrorisieren und sie physisch und psy- chisch zu brechen. Jeden Tag werden sie nach dem Mor- genappell auf den Hof getrieben, wo sie den ganzen Tag bleiben. Sie müssen auf Befehl der S5Männer und Kapos „Nieder?, Auf»,„Hüpfen“ u.. üben, eingehüllt in Staub- wolken. In den Pausen zwischen den Ubungen lernen die Hãftlinge deutsche Marschlieder, An- und Abmeldeformen und das Abnchmen und Aufsetzen der Mützen auf Kom- mando. Dabei werden sie von den S5Mãnnern und deut- chen Kapos aufs brutalste geschlagen und gefoltert. Der polnische Hãftling Tadeusz Wiejowski flieht aus dem La- ger; dies ist die erste Flucht eines Häftlings aus dem kl. Auschwitz. Die Flucht wird wãhrend des Abendappells fest- gestellt, und zur Strafe hierfür wird ein Strafappell angeord- net, der vom 6. Juli 18 Uhr bis zum 7. Juli 14 ſ C 20 Stunden dauert. Die ganze Zeit gehen die SSMãnner zwi- schen den stehenden Hãftlingen umher und schlagen sie mit Stõcken oder treten sie mit Füßen. Der Flũchtling wird nicht ergriffen. Wãhrend dieses Strafappells wird zum erstenmal die Prügel- strafe auf dem in der Lagertischlerei angefertigten Bock öffentlich vollzogen. Der Prügelstrafe werden die Hãftlinge unterzogen, die von den S5Funktionãren der Politischen Ab- teilung verhört worden sind, weil sic unter dem Verdacht stc hen, dem Haftling Tadeusz Wiejowski zur Flucht verholfen und Kontakte mit den im Lager beschäftigten Zivilarbeitern unterhalten zu haben. Die Prügelstrafe wird von dem Rap- portführer Gerhard Palitzsch? mit einem Stock von vier Zen- timeter Durchmesser ausgeführt. ln der Nacht stirbt nach mehrstũndigem Stehen wãhrend des Strafappells der erste Hãäftling im Kl. Auschwitz, der Jude Dawid Wingoczewski. Ins lLager ist er am 20. Juni aus dem Gefängnis in Wisnicz Nowy eingeliefert worden mit Spuret unmenschlicher Folterung, tortgeschrittener Lungentuber- kulosc, Mavtdarinvorfall und forigeschrittener Nekrose. 34 Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Bücher Lisa Tetzner, O1e Kinder aos MWar Paul schuldig?“(dtv- junior, Nr. 701289, DM 12, 80) Lisa Tetzner, geboren 18894 in Sächsischen Schidert in ihrem neunbän- di gen Jugendroman das Schicksal von Kindern eines Beriner Mietshauses, denen durch Nat jonasozialismus und Zweiten Meltkrieg ver- Schiedene Lebenswege aufge- zwungen werden. Da ist das Jüdische Mädchen Mirjam, dem über viele Umwege die Fucht nach Amerika gelingt, und ErwWin, dessen EItern Sozia- grat ion nach Schweden ge- drängt werden. In Band 7 „ird von der Fucht des jü- dischen Waisenk indes Lukas in die Schweiz erzählt und von Paul, dem Hiterjungen, der lange sto]z darauf ist, zu den*Herrenmenschen“ 2zu gehören. Aber in dem Kima der Denunz iat ion und des Bombenkriegs kKommen jhm Zweifel an der Richtigkeit dessen, vas ihm seine Führer als Ziele vorgeben. Durch die spannend geschi— derten Lebenswege bekommen Jugendiche ein eindròcki- ches Bi)d der Lebenssituat i- on der damaligen 2eit ver- mittelt. edoch ist die Sprache Lisa Tetzners manch- mal unnstig altertüme Ind, die Charaktere ihrer Hand- ungsträger sind recht sche- mat isch und daher nicht ganz überzeugend. Doch sind die verschiedenen Einfüsse und vorbider, die das Bewußt- sein des Hitlerjungen Pau) bestimmen und die ihn in 6e- „issensnöte und 2Zweifel an der herrschenden Ideologie treiben, eindrucksvol] dar- 9estelt. Manchmal„ird dis pãdagog iSche Absicht der Autorin aber erkennbar, so daß 2zu fragen iS o5 bejahende moralische Positi- on in der dargebotenen Form von der 2ielgruppe der 9endichen ab 2zw5†f Jahren akzeptiert Nird. Denn die sind mög) icherweise kriti- Scher und kesser, als die AUtorin 9aubt. Facit: Spannende Erzählung, die den jugend)ichen Lesern ein 8id von der Lebenss i- tuat ion unter der nat ionan- Sozjalist ischen Diktatur und im Zweiten Meltkrieg vermit- telt, die aber ge egent lich al)zu bieder und bezopft dargeboten„ird. Oieten erner Arno Könne, gend im Ont- ten Ke ijceh— De it7en gehd unod ihne 6egnern(dtv- Zeitgeschichte Nr. 11173, DM 16, 80)„ Im ersten Tei) cdes Buches 9ibt der Autor einen Ober- bick über die Vorgeschichte der Hiter-Jugend. Er anal- s iert deren Organisat ionsge- Sehiehte 5i ich gelenkten Massenorgani- Sat jion mit Monopo anspruch, die als'Erweckungs bewe gung zur Einheit der Jugend“ an- dere Jugendverbände ver-— drängte. Er 2eigt, daß das Zie) dieser von oben verord- neten Staatsjugendorganisa- tion die v5))ige politische Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 35 Kontrole im Dritten Entmündigung und der Jugend)ichen Reich war. Die vielfä)tigen Formen des Jugendiche Protests gegen diese 6Geichschaltung ver— deut])icht Könne unter ande- rem anhand von Prozeßakten und Augenzeugenberichten im schidert, vie sich aus den der Arbeiterjugend Resten 6 den verschiedenen Rich- ungen der Bündischen Jugend die »Swing- Jugend“ oder die Ede lweißpiraten“ bi)deten, Gruppen einer jugend) ichen Gegenkultur, die sich dem Totalitätsanspruch der FBit- ler- ugend Nidersetzte. In diesem zweiten Tei) gibt Könne eine sehr sachkundi ge und detaiierte Darstel ung der verschiedenen Strömungen der Jugendoppos it ion im Na- tjona sozialismus. Hierbei jSt besonders bemerkenswert, daß er nachze ichnet, vie un- ter den Bedingungen scharfer Bücher, die Verständnis ₰ für andere wecken. Repress ion neue Formen enner oppositjonelen Jugendkutur Sich herausbideten und ie in vielen Fällen anfängich unpo)itische Aktivitäten in bewußte politische Opposit i- on übergingen. Den Anspruch, eine'umfas- sende Geschichte der Jugend im MNat ionalsozialismus“ 2u schreiben, kann dieses gut dre ihundert Seiten Starke Buch sicher ich nicht ein- Iösen. Die Fölle der gut be- legten Einzelbeispiele und Augenzeugenberichte gibt je- doch einen sehr guten öber- bick über die Lebenss i- tUat ion, das Hande n und Denken von Jugendichen und die Verfogungsmaßnahmen der nat ionasozialist ischen Dik- eMe Ales in allem ein vichtiger und sachich hervorragender Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte des Dritten Rei- ches. Oiete Wernen — Uss Tetzner Nr. 67 Die Kinder aus Sand7 und s Die Kinder sus Nr. 67 Band 9 Der neue Bune Uae Vetuner NEU m Schlußband der Buchserie entwirft Kisa ſetz ner eine Utopie: Nach Kriegs- ende treffen sich die in alle Welt zerstreuten Freunde in der Schweiz wieder Sie grün- der einen Friedensbund.. 70197/ DM 9,80 Ab 12(Sept.) dt junlor 36 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. TERMTNME der Lager geme inschaft Donnerstag, den 13.9. 1990, 20 Uhr, M. Niemö] ler-Haus: Dr. Maislinger, Historiker der Universität Innsbruck über: »warum gibt es im Bick auf das Dritte Reich keine ssterreichisch-deutsche Histor iker- Kom- miss ion?* bonnerstag, den 27.9. 19890, 20 Uhr, M. Niemöler-Haus: Gunter voz, Theologe, Vertreter der Gruppe Pomosexuelle und kKirche', Frankfurt Gbern: omosexuele in Geschichte und Gegenwart“ Unser monat icher Treffpunkt für alle: heden ersten Donnerstag im Monat um 20. 00 Uhr im Mart in Niemö er-Haus: 2. August 6. September 4. Oktober 1. November TschrLFtLLche EnLadung erfoLgt demnächst Mi tg1edevensammLung, am 28. 20. 9. 1900 DOMUEA Für Montag und Donners- Die Bestände der DOWEA ste- tag, 15-17 Uhr, mit TI7se hen allen Interess ierten zur 6Gowacki, te). 069— 7072446 Benutzung an Ort und Stelie (in der Dreifaltigkeitskir- FUr Mittworh, 912 Un che) zur Verfügung. Vorhe- mit Bas Meijer, te)l. 0691 rige telefonische Anmedung 5961427 ist jedoch erforderich. Da- bei können für folgende Ter- für verschiedene Nachmit- mine mit den genannten Mit- tage und Abende mit Liese- arbeitern Vere inbarungen ge- Jotte Thumser—We i, re0 troffen werden: 069- 777492. Bh Jerzy Adam Brandhober.„..ond so entsteht die Lagerstraße“, 1546 TMPRESSUM Herausgeber: Lagergeme inschaft Auschwit?z— Freundeskreis der Auschwitzer e.V.* verantvortich: Rudo1 Dohrmann, Sekretariat, Funckstr. 18 6000 Frankfurt/M. 90, Tel. 069—771017 Redakt ion: Heike Dui, Marianne Groß, Merner Renz, Kaus Me imann LAGERGEMEINSCHAFT AUSCHWITZ FREUNDESKRElS der AUSCHWAZER e. V. Kreissparkasse Friedberg/Hessen Schillerstraße 18 BLZ 518 500 79 D-6309 Mönzenberg 1 Kto.-Nr. 062 000 74.9 Tel.(0 60 33) 6 01 68 Postscheckkornto Frankfurt am Main Kto.-Nr. 51 664-608 Beitrittserklärung ¶ane Vorname Anschrift-Straße PlZ Ort GSebunsdatum Titel, acad Grad Beruf Q Hafu im KZ-Auschwitz vom S8 Hãfu. Nr QO Faftl. in anderen Lagern. Gefangnissen. etc Q Angehöriger des ehem Auschwitzhäftlings Hãft. Nr. OQ Freundeskreis der Auschwitzer Datum des Beitrits Unterschrift Zutrefiendes bitie ankreuzen Q aScrwz Werden Sie Helten Förderer Sie uns ee LAGERGEMElNSCFAET AUSCEHMWE FfREONDESKRES DEB AUSCFHMWAEEB eV. Wir laden ein 2zur: „Zweiten Studienreise“ nach Polen vom 6. Oktober- 20. Oktober 1990 Schwerpunkt unserer 2weiten Stucienreise im Oktober 1990 wird, wie bisher, auf cem 6 ferthalt im ehemalgen.-Auschwitz-Birkerna iegen. Darũber hinaus verden wir Sie au unserer Fahrroute au die urukigen Spuren ces Drit- ten Reiches“ aufrmnerksarn rmachen. Sie werden aber auch Land und Leune, polnische Kuſtur und und und kennerlermen. Vorgesehenes Prograrmrmn: Aerunger vordepaer) o6.10. Shfahrt von F̃ranurt/M. nach Göritz Qgorzelech, Obernachtung. 07.10. 2Z90relec— Wroclaw— Auschitz(Oswiecirn)— Krakow(Krakac), Arbeits- unc Stodenaufenthalt, Führungen in Ascwitz-Birkena(Oswiecirn-Brezinka), in „ Krakow Stadtbesichtigung, Besoch ces enemgen j0cischer Vertels. Konigs 14.10. Schloß etc. 15.10. bfahrt nach Warszawa(Warschau) Uber Locz, Cort Besuch des Hinder- un Sefanonis Racogoszcz In Warszawa Besuch des Pawiak, Sestaogefängnris, Shettodenkmal, Stactrundtahrt, Histor. Moseurn, Ausſug nach Zelazowa Wols⸗ V 18.10. Chopin Geburtshaus, Trefien mit ehermalgen Auscpitz-Hsftingen eic. 19.10. Abfahrt nach 29orzelec, Ubemsachtung. 20.10. Röckahr nach FranurM. Preis DM 750,— (ör Jgendiche ist errmäßigter Preis 7 mölich. Bitte wen Sie uns an.) m Beisepreis erthalten ist: Fahrt in mod. Beise- bus, Unterkunfie in alen Stöcten(Priwat bei ene- maligen Auschtz-Haftingen, oder Hoteh, Ver-„ ppegung. Vsa Eirtritisgeſder, Beiseleitung. Teinehmerzahl: mauna a5 personer 8 — Z9ordelez——½ Anmeldeschluß: os Sepierber 1990 Vorbereitungsseminar- Jeinanme Wird erwnscht. Ein ausfünriches Prograrnm gent hnnen nach der ₰ Rrokow AMecdung zu. Aucrw Anmelcdung ar: Lagergerneinschaft Auschwtz— F̃reunceskreis Cer AMuschwitzer eV.⸗ Scnilerstr. 18 6309 M0rzerberg 1 Teleſon O 60 33/6 01 68 KQno ſu Scienreise Weteraoer Spartasse BlZ 578 500 79) Kto.-Nr. O62 011 102 D = = 6 QO — — U- = 0 S DER AUSCEHWTZER E.V. Mitteilungsblatt Nr. 18