Scrz S EV. a89 07 00 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 1 300.000 BUNDESBURGER Etwa 7,8 Mi 111onen Bundesbürger(das sind knapp 13 a11er e inee eine Forschunqsarbeit des zentrums für antisemitismusforschung 6 für Demoskopie h1LensPach. Diese Untersuchungen erqaben auch, daß jeder zveite Bundesbür- ger qLaubt,»“die Juden versuchen aus der Verqangenhett heute vorteile zu erlangen, die Deutschen so1LLten dafür zahlen!“ Ohne zweifel, der Antisemitismus ist nicht tot! Die Murzeln des dS 6ites sind nicht abqestorben. Teh meine, daß die oben anqeqehenen Zzahlen noch zu niedriq sind. Insbesondere in konservativen Kreisen Praucht man nicht viel an der Ober- fLäche zu kratzen und schon kommen der Praune Unterqrund und die antisemitischen Ansichten an die OberfLäche. NPD und FaP bPetreiben offen und verschleiert Rassenhetze, verbrei- ten Antisemitismus. F de nene qreifLich und unerträqlich, daß nach dem dokumentierten Mas- senmord an Juden und SLauen noch immer weiter qehetzt vird. Man so11te meinen, daß qerade aus diesem Land, aus dem der Tod über qanz Europa kam, die Menschen etwas beqriffen, etwas Oelernt hätten! ee n he nden dem sich Peharrlich qeveigert vürd, huschwitz als einziq- artiqe Schuld anzuerkennen, und Un dem die Opfer noch nie ernst- haft Petrauert vurden, ist die Beiphehaltung des antisemitismus Bestandteil der Verdränqung. Letztlich ist es soqar so, daß das ausmaß der verdränqten Schuld den antisemitismus nächt trotz, sondern veqen Auschwtz wachhält! Demokratie, Verständnis auch für die anderen, Toleranz qeden- über a 1Len Rassen, Reliqionen muß qelernt werden! Dies vürd nicht möqlich sein, ehe die»Unfähiqkett zu trauern“ der huseinandersetzung müt der eigenen sSchuld qevichen Ist. Fast könnte man verzveifeln, venn man an diese 7,8 Mi1Lionen (S ieh en dent Pe e it hb nh 2 Ich tue es trotzdem nächt, ich werde veiter dagegen ankämpfen! Der Auschwitz- HäftLing Nr. 63 387 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Spendenaufruf Es 1st vLeder soweLt— unser Mttei Lungsblatt kKommt 1m August/September, venn alle vom Ur 1aub zurück stnd, 1n Eure Hand. 6 In etvas mehr al1s 1 Monaten 1st Neihnachten. Die Zedt bis dahin 18t ndcht sehr Lange! Jedes Jahr haben vdr unseren po1ntschen Freunden, den ehema- 11 gen Häft1Angen und deren HHnterbLLebenen aus den Konzentra— tLons 1 agern, e1ne kletne Freude mt elnem We Lhnachtspaket“ ge- macht. 80 so11 es auch vetterhin bLetben! DLe vdelen hunderte von DankesbrLefen, ve1Lche vir erhtelten ze1gen uns, daß es vor allem um das„Ncht vergessen seInn geht daß mät dtesen Akttonen dte Kontakte aufrecht erhalten bLdeben un Aber— zu a11 dem gehört vde1 Tdealdsmus, Arbett, Kraft und LLebe und das Nchtvergessen der Zet des Naztfaschismus⸗ Letzteres 18t für uns Uberlebende unmög1tch und se1bstverständ- 11ch. Aber- um unsere Akttonen wetterführen zu können, 418t vor a11em auch vLe1 6e1d notwenddg.— Die nEvange1Asche Krche Im Rhei1nLand“ hat uns etne sehr großherzdge Spen- de zu däesem Zweck überwäiesen. Aber— das 1st noch nâcht genug für eine H 1Fsaktion- v1r brauchen noch etva 3o. 000 DM damd t vT vdeder mt 5oo— 600 Paketen nach Polen fFahren können. Wr bitten Sde daher herz1Lch, he1fen 8Sde uns m t Threr Spende! Der Transport so11 spätestens Ende November nach Polen gehen. Es grüßt und dankt 1m Voraus recht herz 14 ch Hermann Reineck WERNACRTSSPENDt Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Ein Kassieber aus dem Kl. Auschwitz Briefe nach'draußen' zu verschtcken, var Juden danals 1m Konzentrat1ons- und Vernichtungslager Auschvttz 1n nur ganz seltenen Ausnahnen erlaubt. Und venn, dann var der text!liche In- halt vorgeschrleben, sozusagen a1s Al1bi über das angebltche gute Be- finden' der Lagerinsassen. Und doch gelang es auch jüdisSchen Haftlingen, Schtlderungen über die schlimmen Geschehnisse 1m Lager nach draußen zu schnuggeln. S1e varen stch der ungeheuerlchen Gefahr, 1n die sle sich dantt begaben, vo11 be- „ußt. Es bedeutete bei einer Entdek- kung in der Regel das Todesurtei!; aber es var für s1e»tchtig, das dte Menschhelt über Auschvttz dte Vahr- heit erfuhr. Heinz J. Herrmann, geboren 1n Trop- pau, Jahrgang 1921, zählte zu den danaligen Haftlingen, die dieses Ri- stko eingegangen varen. Er var vom Oktober 1942 bis Januar 1945 1m KI. Auschwtz, nachdem er vorher schon vler Monate im KL. Theres ienstadt zu- bringen muBte. Und er öberlebte auch vle ein Vunder den Todesmarsch nach und den Aufenthalt 1n Dachau bis zu selner Befrelung. Den an seilne 1n ProsSnitz lebenden Tante und Onkel gertchteten Brief hatte ein im Lager beschäftigter tSchechtScher 21vLlarbetter trans- portlert. Heinz Herrmann hatte ihn dann später lange Zelt aufbevahrt und iUhn dann der Gedenkstätte VAD VASHEM 1n Jerusalem als Dokument ge- geben. Der nachfolgend vtedergegebe- ne Brlef„urde dort restaurlert, da der Zahn der Zelt an den nit Blei- stift auf Packpapler geschrtebenen Brief, der vegen des besseren Ver- steckens zuden noch nehrmals gefal- tet vorden var, seine Spuren hinter- lassen hatte. Die authentische Viedergabe des Brlefinhaltes erfordert die Betbe- haltung von orthographischen und granmatikalischen Abweichungen und von Durchstreichungen einzelner Vor- te, venigstens in den neisten Fal1en, So, N1e sle 1m Original vorhanden Ssind. Der Leser nuß auch berücksich- tigen, das Heinz Herrmann, als er diesen Brief schrieb, erst 23 Jahre alt„ar, bei der Lagerankunft seine Eltern sofort verloren hatte und un- ter dem ungeheuren Druck stand, beim Schreiben nicht erwischt zu verden. Verschtedene Passagen des Briefes bleiben dem Leser sicherlich unklar, dazu müßte er nehr über die Famt- 11enverhaltnisse und uber sonstige Lebensunstande des Heinz Herrmann vissen. Zum Briefinhalt bletbt jedoch nur die offene Schilderung äber seine Lagerer lebnisse und äber die Lager- verhaltnisse Nichtig. 4. den 4. T. 44. Liebste Tante und Onkel. Vor 4lem danke 1ch Fuch herzlichst fUr alles, vas Ihr m1r schickt, auch dafür, vas 1ch von dem öberbringer dieses Briefes bekommen habe. B8 Stimmt ales nit den Inhaltsver- zeichnis, das Du, aMerliebster Onkel geschickt hast, dberein. FS 1st ein „irk1ch gckicher Zufall, dass 1ch gerade mit einem Landswann und noch dazu mit einen so anstandigen zusam- wenkam- Vun„1 ich die heutige Gelegenhelt dazu ausnützen, Euch er- stens erklärlich zu nachen, varum ich so eindringich inmmer um Fakete bat, die ja gottlob jetzt vOkomnen in Ordnung und vollzshlig eintreffen, und 111 dabel gleichzeitig die trau- rige Frage des 1b. Onkel— Schreib Details Ottos Schicksal beantvorten.— Nun„ir trafen wit neinen Mebsten Ftern am 26. Oktober 1942 aus The- res ienstadt hier ein. FS„ar eine boden Iase Geneinheit des Herrn Vogel meine Ftern nicht aus dem Folentransport hinauszuziehen, doch * 6 — E N 9 2 4 — E — 2 0 — — 0 0 — 8 ₰ 0 — L- 5 N 5 — 8 0 ₰ 4 — ð ₰ 8 0 E 0 5 C 8 — E — W — „.* 3 3 e. ——— 3 F23 8. — 0. e . S 27 2 2. 3 121 6 S 1. 30 F 3 6 0 „ ½ Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. „ar das scheinbar elne absichtliche Spitze gegen neinen 11lebsten Vater. Dieser hatte s1ch nänlich in There- Sienstadt derartig mt neiner 1ieben Motter versohnt, dass Ihr es Kaum glauben„ördet. Der 4ogenbicR, da die beiden gemeinsam mich besuchen Kamen var fur nich die FrfLung neines Lebens taumes. Vur der Herr F. „ollte nun scheinbar sehen, dass wahrend Otto und Frieda abgingen, 1ch wit neiner Motter in Theres ien- Stadt bleiben sote. Tcœh neldete wich selbstverstandlich frei111ig mit weinen Ftern. Vie erstaunt va— ren„1r aber, als„ir anstatt in ein polnisches 6etto am Bahnhof Ausch- „tz halt machten. Vir varen danma]s 2000 Menschen, einer von hunderten Transpor ten, die e dassel be Schicksal hatten. 4m Bahnhof vurden 230 junge kräftige Manner sortiert und gingen ins KMd. Der Kest hatten das trau ging den traurigsten Veg den die Veltgeschichte kennt. Tch Schreibe Fuch dies absichtlich so ausführlich, da Ihr den PBrief personlich öbergeben bekommt und da 1ch unbedingt„111, dass, faS v1r uns nicht vieder sehen scten, Ihr visst, vas mit uns geschehen 1st“ Hier Ziebt es die modernste Massen- hinrichtungsanstalt der Velt. Fgal ob alt oder jung, ob Creis oder Hind, ob Mann oder Frau, alles konmt in eine Halle,„ird vergast“ und gleich 1n anschlessenden Hrema torium ver— brannt. Regt Foch daröber nich alzusehr auf, 1ch schreibe Fuch das Kurz, 1ch habe hier schon soviel miterlebt und durchgenacht, dass 1ch füur 6Gefohle hier nicht nehr 2Zeit habe. Das ist aber noch nicht aMes. Das betraf nur die Menschen, die von der Bahn direkt einen onbemussten leichten Tod sterben. arger ist es aber für die, die 12= lagsn— Schon- derur tig-Zernrter vom Lager aus ins Gas Daz gehen. verden auch nur Juden und zwar die, die Körperlich heruntergekommen s ind, genommen. Deshalb 1iegt nir soviel daran, dass 1ch viel zu essen habe. Vun ein a11— Seneines. 418 1ch hlerher Kam, var es noch die Hoe auf Frden. Schlãge, Schwerste 4Arbeit und erbarmicher Hunger varen Tagesprogramm. Von den 230 Menschen ingen bieben Nir un- gefahr 10. Juch ich vog bereits 45 Ig, aber Cott stand inner an neiner Seite. Heute sind die Verhaltnisse Schon bedeutend besser. Schlagen ist verboten, Fssen ist zwar dasselbe, aber Ihr helft ja Cottseidank und die Arbelt nacht vir Spass. Heute kenne ich ich hier schon aus. Erxr In- teressant und erfreulich ist es, dass die Transporte, die Fnde 1etzten Jahres(Feter, L. Keich usw aus Th. kanen, von obigem volkommen ausge- Schlossen sind und dass sie das in Zokunft„ohl kaum beforchten mussen. Sie sind auch in einem gesonderten Lager, Manner und Frauen beisannen. 4180 sSeht Ihr nun selbst, vas ich fUrm Aussichten habe. Momentan Sehe ich got aus und bin volommen gesund. Gesunder denn je. Befürchten brauche ich eigentlich nurmehr das Ende. Denn solange jemand ar beitsfa- hig ist,„ird er auch als Arbeiter anerkannt. Vir haben selt einigen Vochen einen Lagerkommandanten, der ein sehr feiner Mensch ist und s1ch nit so nancher erfreulicher Veue- rung eingeföhrt hat. Oft habe ich schon daran gedacht, ob Ihr nicht an ihn herantreten konntet,„as sicher keine unangenehmen Folgen Tum Buch hätte, doch Kann ich kein rechtes Moti Finden. Vollen ir es deshalb dem 610c überlassen. Nischinge verden her als 4rier gefuhrt und sind vo1kommen ungefahrdet. Inter- essant ist, dass nan vergangene Vo— che, alle TsSchechen, auch tschechi- sche Juden aufgeschrieben hat. Das kann nichts schlechtes bedeuten“ Fur heute„111 1ch Schiessen. Schreibt nir doch einen asführi- chen Brief nit der öberbringerin. Fuch und 4rthur Honig danke ich För die schönen Sachen, die Ihr n1r Schickt(von Fuch habe 1ch Faket VTT erhalten). 4rthor Honig lasse 1ch aber bitten besser und fester 2u packen, Inhalts verzeichnis beizulegen und deutlicher zu beschrei ben. Sendet mir auch etnas zum Lesen— 30 Pf Krininalromane. Mt 6russ und Muss Auf baldiges Viedersehen/““ Fuer Heinz Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V. UI/ MI Nl »ES darf ver langt m1t dem keln 6ras darüber vachsen“, die Inttlattve zum Ungang Gestapo-Gelande'. Die Tram- pelpfade durch die Schutthügel v1r— ken den 6rasuchs gen18 entgegen. Und die Diskusslon, die da susgelöst „urde, tut es auch. Es gibt sogar Forderungen, das Prinz Albrecht- Palals zu restaurieren, dantt die Er- innerung(und die Dokumentatton) ein Gehäuse haben. Im alten Schinkelbau, den Palais prinz Albrecht, Saß das Reichssicher- heltShauptamt, vährend der Reichs- föhrer und sein Stab 1m Hotel Pr1nz Albrecht„trkten. Das Palals an der V1lhelnstrage diente der Beichsregie- rung 1918 bis 1933 als 6ästehaus. Aber, 0, röcksichtsvolle Republik, es gehorte nach vle vor den Hohenzol- lern, die för die republtkanische Mutzung Miete kasslerten. Im Jahre 1032 bekanen die Mazis Schon einen Fug in die Tür auf dle- Sem begehrten Gelande: Binmal 2708 Goebbels“ Angriff Redaktton in das Haus Vilhelnstraße 106. Und dann „urde Alexander Langsdorff, einer, der den Marsch zur Feldherrenha!1le“ mitgenacht hatte, Kustos des Museums tür Vor- und Fröhgeschtchte Bcke Stresenannstraße— Prinz Albrecht- Straße. Papens Konnissare hatten schon 1m Voraus den richtigen Nach- barn för Heinrich Hinmnler besorgt. von Langsdorff konnte er Stoff för seine unersättlichen Germanenträume beziehen.(Ich gehe davon aus, daß diese Persona lentscheidung von Pa- pens Staatsstreichreglerung nach den 20. Ju11 1932 gefällt vurde, nicht von dem bis dahin regierenden Kabi- nett Otto Braun, das mut Reichswehr- und ReichspräsidentenhtIfe vertrie- ben vurde. Die Veinarer Repub1ik zerbrach am 20. Ju11 1932, als Papens Verfassungsbruch unter formellen Protesten hingenonnen vurde, nicht erst am 30 Jan. 1933. N GRAS DARUBER WacSN 1 Manen und Bilder aus der Ausstellung 1m Pav1110n: Binnal der Bürger bräu- attentäter Georg Elser, aufgenommen „shrend eines Verhörs: Der vache Blick, der Mund, der Stolz und FEigen- „111en ausdröckt, Elser, ein kleiner Mann', der ganz auf sich gestellt, ohne Apparat und Hintermänner, 8e handelt hat: Ver das vahrnimmt, der kann dann auch den Frägern großer preußischer Manen setnen Respekt be- zeugen, dte am 20. Ju11 1944 den 20. JolI 1932 venigstens noralisch vett- genacht haben. Berthold Jacob habe ich erst in die- ser Topographieausstellung kKennen gelernt. Er var zweimal in Hausge- kangnis Prinz Albrecht-Straße 8, im Sommer 1935 sechs Monate und deann von Septenber 1941 an 2we1 Jahre lang. Jacob starb an 26. Febr. 1944 Im Jödischen Krankenhaus Ber1in. Zwelnal vurde er, den die Enigration Schon gelungen var, von der Gestapo überfallen und 1n die Prinz Albrecht- Straße 2zuröückgebracht, elnnal, 1m Frühjahr 1935, aus Basel und 1941 aus L1SSabon. Vas varfen die Mazis dem Journalisten der Veltbühne vor? Br hatte die heinliche Aufrüstung der Reichsvehr gut recherchiert. Das hatte ihn schon 1926 acht Monate Cefangnis eingebracht. 61bt es 1r— gendetwss, das an Berthold Jacob er- Innert, ein Buch oder einen Straßen- nanen? Venigstens die Ausstellung 1m pav111on an der Stresemannstraße tut es. Im Cropiusbau gleich neben dem Pa- v1110n findet nan die Berlinische Calerle, die Jöditsche Abtetlung des Ber 11ner Museuns und das Verkbundar- chlv. Venn bel Capri dte rote Sonne im Meer versinkt“ heist die Verk- vundausstellung zun Vohn- und Varen- kltsch der Adenauerzelt, die behutsam und erbarmungslos deren totalitäres Unterfutter fretlegt: Paßt das nicht zu dilesem Terrain? Hier an der Mauer gelingt das Vverdrängen schwer, Selbst venn es einer möchte. M Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Zum 1. Okt. 1935, dem jüdisSchen Neu- jahrsfest, entwarf der Ber1iner Mar- tin Friedlander elne jödiSche Nat1o— nalfahne, blauweis und mtt Davtds- sStern, fast sSso„1e dte des Staates ISrael, die es damalSs ja noch nicht gab. Und er hängte seine Schopfung aus dem Fenster 1m Hause Linienstra- Be 196, ein Protest gegen die Mürn- berger Gesetze jenes Herbstes, aber auch ein schweijkisches Vort1tchneh- men jener Nazibehauptung vom ödi- schen Recht auf eine eigene Kultur in Dem 4ngriff var Fried- landers Courage sogar eine Lokalmel- dung Mert: Pamtt hat das Rätselra- ten,„le dlese Fahne aussieht, ein Ende gefunden.“ Martin Fried länder hatte das Morden überlebt. Seine Fahne hangt jetzt 1in der Jödtschen Ausstellung im Groptusbau. Peter C. Ke1ler Das Hauptquartier der Gestapo in Berlin. [NITIATIVE gegen VERDRANGUNG Entvicklungen auf den Prinz Albrecht-Gelände Daß die Machtzentrale des SS-Staates auf dem Terraln zw1Schen Vilhelm- Strage, Anhalter Straße, Stresemann- Straße und Prinz Albrecht-Straße entstand, 1in Palats- und Museumsar- chttektur des 19. und 18. Jahrhun- derts, ja, das lag an 6Göring. Um die trisch geschaffene CGestapo seinem Machtberelch anzukritstallisteren, der nördlich von der Prinz Albrecht- Strase lag, vles er s1e 1n Mai 1933 in die Kunstgeverbeschule— südliche Straßenselte, gegenüber den preuBt- schen Abgeordnetenhaus— ein. Noch Im Sonner 1938 vervandelten die neuen Herren die Atellervohnungen und Künstlerwerkstätten in 6efäng- niszellen um. Hatte sich die Hugen- vergpresse nicht lange genug öber die frivolen Orgten in einen staat- 11chen Cebäude entrüstet? Jetzt var Schluß nit der Bohenevirtschaft. Jezt zog Ordnung ein 1n dite Pr 1nz Albrecht-Straße 8. Mancher, der eben noch dort gelebt und geschafft batte und auch mal lustig gevesen var, kehrte bald als Häftling zurück. Denn dte Gestapo hatte hier 1hr Hausge- fängnis'. Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V. »Berüchtigt„urde die Prinz Al- brecht-Straße 8 vor allen durch die brutalen Folternethoden, nit denen die Gestapo die gewünschten Informa- tlonen zu erzvingen versuchte“, heist es 1n Ausstellungskatalog Topogra phie des Terrors: Mehrer Haftlinge „ußten s1ch diesen Terror nur durch SelbStmord zu entziehen. Die ver- Schärften Vernehmungen', v1e diese Folterungen im Böürokratendeutsch ge nannt vurden, fanden nicht in den Zellen des 6Gefängnisses 1m Sockel- geschoß, sondern in den Böros der Gestapo 1n den oberen Stockwerken Statt.“ Im Mat 1934 11e8 Hetnrtch Himmler slch 1Im Hotel'Prinz Albrecht', in der gleichen Straße Nr 9 nieder. Und das Reichssicherheitshauptamt, erst unter Heydrich, dann unter Kalten- brunner, okkupterte das Palais Prinz albrecht, den Schinkelbau. Die Aus- Stellung Topographle des Terrors' 1m Pav1110n Stresenannstraße 110, Ber 14n 61, die selt dem Jul1 1987 dort 2zu sehen 18t, gtbt Auskunft darber, v1e der Machtapparat Hinnlers, 1m Hand- umdrehen Görings Einfluß entglitten, 6rundstück um Grundstück aufsog und dann überall in Berl11n, 1n Filialen' Sozusagen, Fug faßte. Manen nenne 1ch an besten ger kelne. Sonst decken die Manen von Viderstandsprominenz die Anonynität der vlelen anderen zu, die auch in diesenm Hausgefängnts“ varen oder zum Verhör hlerher transporttert „urden. öber die neisten, so der Ka- talog,»11egen keine näheren Angaben vor“, vor allen dte aus der Sowet- unlon, aus Polen, Ungarn und der CSSR blleben veitgehend nanen10S. Der leichte, schmucklose Pav1110n n1t der Ausstellung Topographie des Terrors', auf die ausgegrabenen Re- Ste der 6efängnisköche gesetzt. Stehtnahe dem Martin 6Gropius-Bau, dem Kunstgewerbemuseum von eheden, das 1881 eingewelht und als einziges nach 1945 nicht gesprengt, sondern restaur 1ert vurde. Man kann den Kon- trast zw1schen beiden Häusern', den einzigen hier 1m 6Gelände, aus kosten. Das der Meorenaissancebau um 1980 zuletzt verdanken, der „ledererstand, 18t nicht Valter Gropius 2u sich für dte Schöpfung selnes GroB- onkels stark genacht hatte. Al1er- dings betritt nan den Gropilusbau jetzt von der Stresemannstraße her, „e11 s1ch vor dem alten Hauptportal dle Mauer entlangzteht. Die Fahrbahn der ehemaligen Prinz Albrecht-Straße, jetzt Nlederkirchener Straße, gehört Schon zum Bezirk Stadtnttte, also 2u Ostbelrin. Die Festaurlerung des al- ten Kunstgenerbenuseuns und die Aus- Stellungen dort— Schinkel und Preußen'— veckten Aufmerksankett für das verwahrloste Gelande nahe der Mauer. 80 konnte auch an dte 6e— Schichte des Terrors erntnnert„er- den. In den fünfziger und sechsziger Jahren vurde die Sprengung der 88— Zentralen sogar als Akt politischer Befrelung angepriesen. Velcher Ver- drangungs1lle da mttspielte, vurde erst in den achziger Jahren deutlich. Gefängnis Berlin-Moabit Unter dem Druck von Meugterde einer hüngeren Generatton nach 6Geschichte und unter den Druck fachlicher Kri- tik, zum Beispiel von der Internati- onalen Bauausstellung, veralteten die offizlellen Pläne, dort eine Schne11- strage zu bauen oder einen Lande- platz für Hubschrauber. Am 24. Jen. 1080 fragte die'Internattonale Liga für Menschenrechte' den Berliner Se- nat:»Venn m1t viel Aufwand an das alte Preußen erinnert vird, ver denkt Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 9 UMWSEK MOMAVLCAMHKEMR Fepf pOM S . s. Mn s. Mn .MEn Frankfurt Martin- Niemõer-Haus unckstraße 74. Kuhwaidsiedong an die Erniledrigten und Beleidigten, die 1n direkter Machbarschaft unsag 110he Qualen erleiden nußten?“ Sc21— aldemokraten verlangten ein»vürdi- ges Mahnmal“. Und schlieslich schrieb der Senat 1983 einen Archttekten- „ettbenerb aus, der historische Qua- 11taten des Ortes und Freizeitnutzung unter einen Hut bringen sollte. Vor So viel Viderspruch verlor der Diep- gensenat die Courage, die Veizsacker gehabt hatte. Doch im Viderspruch 2u offzizieller Zaghelt begannen Bürger am 5. Mal 1985 zunächst einmal sym- bolisch, auf dem Prinz Albrecht-Ge- lande zu graben. Aus der Geste ent- „1ckelten sich Systenatik des Vere1- nes Aktlves Museum Faschisnus und Viderstand in Berlin' und der daraus her vorgegangenen Initiattve zum Um- gang nit dem Gestapo-Celande'. Die Offenheit der Sttuation und die Pra- z1S10n, etwa bei der Erklarung des Geländes durch Metalltafeln, lassen hoffen. Auf jeden Fall muß man an- fangen und unbetrrt dabei bleiben. Das zeigt Ber11n. 70FOOEAPHIF DHS TFRRCRS. 6es tapo, 86 und Relchssicherheitshauptamt auf den Prinz 41brechtCelande“ Fine Dokumentation, hrSg. von Reinhard Rürup, Verlag Villnuth arenhovel, Ber 11n, 1987 Peter C. Keller Neue Ermittlungen eingeleitet LOBEck. 29. Juni(Reuter). Die Lübek ker Staatsanwaltschaft hat die Ermittlun- gen gegen den früheren 88 Generalmajor Wilhelm Mohnke, der 1940 an einem Massaker an britischen Kriegsgefange nen beteiligt gewesen sein soll, wieder aufgenommen. Der Sprecher der Behör- de. Joachim Böttcher, bestätigte dies am Mittwoch. Die Stastsanwaltschaft habe das bereits 1973 eingestellte Verfahren gegen Mohnke vor einigen Wochen wie dereröffnet, nachdem britische Journali- sten neue Mamen von Uberlebenden des Massakers übermittelt hätten. Neue Be weise habe man aber bislang nicht. Mohnke soll möglicherweise für die Er- mordung von 85 hritischen Kriegsgefan genen verantwortlich sein. die 1940 in der Nähe von Dünkirchen in einer Scheune von SSAngehörigen erschossen wurden. Der 77 jährige lebt heute in Stemwarde bei Hamburg. Frankfurter Rundschau 10 Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Krakòw Am 14. Apr11 1088 kan die 17 köpf1ge Gruppe des Stadtjugendrings Viesba- den(SR) aus Folen zurück. Die 19— tagige Fahrt vurde vom SR 1n 2u Ssammenarbelt nit der Lagergenein- Schaft Auscheltz— Freundeskrels der uschwltzer eV. und dem BeztrkSrat der Vereinigung der PolntSchen Stu- denten 1n Vroclam sovle deren Ju- gendreisebüro AlMATUR durchgeföhrt. aufgrund der berelts in letzten Jahr getroffenen geneinsanen Verein- barungen zw1Schen 28P und SJR vor dem Hintergrund der neuen Städte- partnerschaft zw1Schen Vlesbaden und Vrocla konnte— vor allen in Vroc- 1aw— ein intenstves Begegnungspro- gramm stattftnden. Die Viesbadener Gruppe hatte sich an zwel Vochenendsemtnaren und nehreren Abendtreffen auf die Reise gründ11ch vor bereitet. Die geneinsame deutsch- polnische Ceschichte, 1nsbesondere die der letdvollen Jahre 2zw1Schen 1930 und 1945, die Entvtcklung des deutsch-polnischen VerhältntssSes, ak- tuelle Problenstellungen der VR Polen oder die Entstehung der Partner- Schaft zw1Schen Viesbaden und Vroc— la varen einige der Themnen, die dte Gruppe dann auch vährend der Fahrt durch Polen„ie ein roter Faden be- glelteten. In Poznan var die Gruppe gletch 2u Beginn der Fahrt 1m 6Gespräch nit hochqualifizterten Vertretern des re- nommterten Vest-Instituts mit der komplizierten Materte der deutsch- polniSchen Bezlehungen und deren Grundlagen, vie 2.B. dem Varschauer von 1970, konfrontiert. Ein Meinungsaustausch var aber nicht nur hier, sondern auch mit Studenten und Jugendlichen des 285 Poznan moglich, die der Gruppe einen herz11chen Enpfang in Polen bereite- ten. Vertrag“ dtrekter Dem einen Schwerpunkt der Fahrt— vaus der Geschichte lernen“— näher- te s1ch die 6Gruppe dann zunächst „ahrend des Aufenthaltes in Varsza- a. Durch die Kontakte und Gespräche mit ehenaligen Haftlingen aus dem Frauenkonzentrations lager Ravens- bröck Nurde diese Begegnung für alle Beteiligten besonders einpragsan. Eine dieser ehenaligen Ravensbrücke- rinnen, Krystyna USarek, Später eine engaglerte Rundfunkjournalistin be- gleitete die Gruppe 1n Varszawa— ihre Erzählungen ernoglichten ein Nachenpfinden des danaligen Lebens in der polntschen Hauptstadt, vor allem aber des polnischen Vider- Standskanpfes Moch heute erinnern viele Gedenktafeln— nit frischen Blumen geschmückt— an die Opfer des Haziregines. Micht nur der Polni- Schen, auch der jödischen Opfer v1rd gedacht, vie nit einen Gedenkstein am Ort der Kommandozentrale des Ghetto- Kufstandes, ganz in der Hahe zu den velt bekannteren offizlellen Mahnmal' an das jüdische Ghetto in VarSzawa, an dem Vi11) Brandt 1970 den Kniefall tat, der heute noch vielen Polen als hochschtenswert in bester Brinnerung ist. Treblinka, die Stäatte, an der ein groger Teil der Bewohner des zödi- Schen Chettos in Varszava vernichtet vurde— und dann Auschwitz— aren die nachsten Stattonen der Fahrt. Die Ausetnandersetzung mit den Fragen der NSZett und des Faschis- mus erreichte hier die höchste In- tensttat à18 konpetenter Gesprächs- partner und Begleiter stand uns Her- mann Reineck zur Verfügung. Er 18t ehemaliger auschwitzhäftling und heute der Ceneralsekretar der La- gergeneinschaft Auschwttz. lange Cesprache nit ihm, bet Föh- rungen auf dem Gelande oder abends in der Jugendbegegnungsstatte Oswie- cim, der arbeltseinsatz der Jugend- 11chen 1n der KZ-Gedenkstatte, das Jachspüren 1m archtv nach den SchickSalen einzelner oder bestimm- ter Personengruppen, Filne und Grup- pendiSkuss 1onen 11eßen ein B11d je-— ner Zett entstehen, das die Jugend- 11chen zwar sahen, ob setner Unge- heuer11chkelt aber letztlich nicht begreifen konnten. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. „ Eine Ahnung aber vurde zur Gew1B- heit— Verstandigung nit Polen kann nur öber Auschwitz“ gehen— hiernit begann die nachste Phase der Fahrt, eln Kufenthalt 1n polnischen Fant1ien — neiSt Fanilien ehemaliger Haftlin- ge— in der alten Piastenstadt Krako. Sehr herzlich aufgenommen durch die 6astfanilien vurde eine Intens 1ve Form des Kennenlernens er- möglicht und selbst die schwierige Sprachliche Verstandigung bevsltigt. Durch eines der grogten polniSchen Industriegebiete um Katowtce und dann entlang der Oder ging die Feahnt Helter nach Vroclaw. Im Viesbadens neuer Partnerstadt schloß s1ch ein unfangreiches BegegnunsgS- und Be- sichtigungsprogramm an, ua. auch ein Enpfang beim Stadtprasidenten und Vicepräsidenten der Stadt Vroclaw. Bin Seminarteil zum Ost-Vest-Ver- haltnis mit anregenden Diskuss ionen beschlos das erste Jugendbegegnungs- programm nach Unterzeichnung der Stadtepartnerschaft. Meben den Führungen durch die àlt- stadt, durch Industrie- und landwtrt- Schaftliche Betriebe vurden von den Musikveranstaltungen ergebenden in— formellen Kontakte nit den Studenten und Jugend1tchen als besonders vich- tig erlebt. Um FBande des Programms führte elne SJR-Delegation ausführliche 6e— Sprache nit Vertretern von 278P und veiteren Jugendorganisattonen aus Vroclan zur zukünftigen Zusammenar- belt und zu geplanten Austauschpro- grammen. Schon Ende Mal 1988 virTd eine kleine Gruppe des polntschen Part- ners nach Vilesbaden kommen, um hier den ersten Teil eines deutsch- pol- nschen Seninars zu Jogendfragen mitzumachen. Moch vorher vlrd der in Vlesbaden bekannte jtddische Lieder- interpret Daniel Kenpin nit einer STR-Delegation nach Vroclas fahren und vahrend der Studententage dort konzertileren. öber veltere Akttvitaten und haben können s1ch Interessilerte SR informleren lassen Michael — Tel.: 300408). Ven beim Vies MIchael Vies Regine Graminski Gruppenleiter der Fahrt) Tellnehnern besonders die sich beim Besuch von Freizeiteinrichtungen oder kKurz berichtet Die»Evangelische Kirche im Rheinland“ hat der Lagergemein- schaft auschwitz eine sehr großzügiqe sSpende für Paketaktionen an ehemaliqe KZ-HäftlLinge Un Polen überviesen. Wir danken qanz qanz herzlich, insbesondere dem Landeskirchen- rat E. 6Gutheil für diese qroße HBiLfe. Welche Landeskirche schließt sich dieser quten Tat an? Achtung. Dieser husqabe 1Liegt ein Prospekt von»*Dialogq mit Polen“ bei. Mir Pitten um Beachtung und abonnementbestellungen. Die Laqerqemeinschaft huschvitz ist Mtherausqeber dieser 172 Vah- reszeitschrift, deren ziel es ist, auf diesem Weq für ein Pes- seres gegensettiges Verstehen mitzuhelfen. 12 Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V. H O CHHEIMER gegen So nennt sich eine Inttiativgruppe von Hochhetmer Bürgern. Spontan hat- ten s1e stch 2zusannengeschlossen, als über das Treffen des bekannten RechtsextremiSten Michael Kühnen m1t Gleichgesinnten an 12 03.1988 1n einer HcoChheimer 6aststätte über- regional berichtet„urde. Zonächst veröffentlichte die 6Gruppe elne Anzeige, die von über 200 Bür- gern nit unterzeichnet und finan- ziert vurde, in der vor allen ge- fordert vurde: In Hochheim dürften für Neonazis kelne Räume zur Verfögung stehen und eine öffentlichkettsvirkSame Aufklä- rung öber dte Ursachen des Erstar- kens rechtsextremer Gruppen mug be- Sinnen. Schon am 22. Apr11 1988 föhrte die Gruppe eine erste Infornattons- und DISkuss 1onsveranstaltung 1m Bvange- 118chen 6Geneindehaus durch. Ftwa einhundert Besucher erlebten eine lebhafte Ausetnandersetzung, varen doch— 2zunschst unerkannt— als Besucher auch Vertreter etner Grup- pierung erschlenen, die sich Pie Deutschen“ nennen und offenstchtlich rechtsextremes Gedankengut vertraten. Außerdem sorgte för reichltch DiS-— kuss1sonsstoff, des venige Tage 2zu- vor 1m Stadtparlament folgender An- trag der GAl.(Grüne Alternative Li— Ste) keine Mehrhelt gefunden hatte: Der Megistrat v„ird beauftragt, unter Ausschopfung aMer rechtli- chen Mogichkelten eine Vutzung öffentlicher Kãum1chkeiten in Hochheim durch rechtsextrenisti- sche Organisationen und Farteien zu verhindern. Purch Fundschrei- ben sind ferner die In Hochheim und Massenheim ansassigen Gastro- nomiebetriebe aufzufordern, sinn- gema6 zu verfahren. Zur Begründung vurde argumentiert— „le schon so häufig 1n ahnltch gela- Neonazis gerten Fällen— auch rechtsextreme Partelen genlesen den Schut?z des Partelen-, des Versannlungs- und des Grundgesetzes, solange Sle nicht ver- boten sind. Die nächste Veranstaltung der Hoch- heiner Inttilativgruppe vurde zusam- men m1t der Lagergeneinschaft Auschvtz S Freundeskreis der auschvltzer eV.“ angeboten. Unter den T1tel»Fhenalige K?Z- Häftlinge berichten“ sollten Liselotte Thumser- Vell und Hermann Reineck über thre Lagerzelt sprechen. Die Rechtsextrenisten sorgten zvet Tage vor der Veranstaltung für thre besondere Beachtung: »Keine Asylanten in Hochheim“— Fingang 1ns K?Z“*—»Ausgang— Asche“— Jude“ — Hakenkreuze uSm. varen die Hetz- parolen, v1e s1e an's Rathaus der Stadt und an's Katholische Genein- dezentrum, den vorgesehenen Veran- Staltungsort, gespröht vorden varen. Erfreulich var es dann, deß ca. 150 Besucher am 26 05. 1m Ssal saßen, als Hernann Reineck und Ltselotte Thunser-Veil n1t ihren Berichten öber ihre Verfolgungen 1im III. Reich deutlch verden 11eßen, ve eine preaktische Unsetzung' der Parolen an der Kirchenmauer aussehen vürde. Jedoch auch an dtesen Abend gab es etnige Jugendliche und altere Herren, die imner provokativer Beweise' für Auscheltz forderten oder Rtchtig- Stellungen' zu Taten der 88 11efer- ten. Die Masse der Besucher aber vurde slch an diesem Abend eintg, in einer öftentlichen Aktlon die Schntererelen am Katholischen Ceneindezentrum 2u entfernen und so die Einstellung ge— gen Meonazismus synbolisch s1chtbar verden zu lassen. Lagergemeinschaft Auschwitz F̃reundeskreis der Auschwitzer e. V. 13 Ca. 60 Personen betetligten stch dann am 31.05 an dleser Aktlon, überstr1- chen die Hetzparolen und kanen an- Schllesend zu einen Vortgottesdlenst zusanmen, gemetnan nit dem katho11- Schen Dekan, dem evangeltSchen Pfar- rer von Hochheim und Vertretern der Initiativgruppe. Blner der Texte dieses Abends von Erich Fried: Fntwohnung Ich soll nicht norden ich soll nicht verraten Das vei6 ich Ich nuß noch ein Drättes lernen⸗ Ioh soIl mich nicht gewohnen Denn„enn ich Nich gewohne verrate ich die die sich nicht gewohnen denn„enn ich nich Zevohne norde ich die die sich nicht gewohnen an das Verraten und an das Morden und an das Sichgewohnen enn ich nich auch nur an den Anfang gewohne fange Ich an n1ch an das Fnde 2u sewohnen. Michael Vies Jutta Röcker-Vies „Entschädigung für alle Opfer“ sp HANNOVER, 26. Mai. SPD, Grüne und FDP im Niedersächsischen Landtag haben am Donnerstag schnelle und un- bürokratische Hilfen des Landes für die- jenigen Opfer des Nazi-Terrors geforde die bei der bundesgesetzlichen Wieder- gutmachung vergessen oder ausgegrenzt worden sind. In einer Sitzung des Rechts- ausschusses des Landtags mit Sprechern von Verfolgtenorganisationen hstte sich bestätigt, daß eine große Zahl von Sinti und Roma, EFuthanasie-Geschädigte, Zwangssterilisierte, Wehrdienstverweige- rer, Homosexuelle, Zwangsarbeiter und Kommunisten bisher überhaupt keine Entschädigung erhalten haben. 27.5 88 Frankfurter Rundschau Sſlu eie⸗ „Stittung für polltisch Veriolgte“ will im Juni Arbeit aufnehmen Hamburß(dpa) Die Hamburger Stiftung für politisch Verfolg- te“ will nach Klärung noch offener Frsgen An- lang Juni ihre Arbeit aufnehmen und erste Sti- pendien vergeben In einer gemeinsamen Presse- erklärung des Mäzens Jan Philipp Reemtsms und des Ersten Bürgermeisters Klaus von Doh- nanyi, die beide Vorstandsmitßlieder sind. heißt es, vor allem müßten noch Bedingungen geschaf- fen werden, die den ausländischen Stipendiaten auch nach Ablauf ihres Studiums einen Aufent- halt in der Bundesrepublik ermöglichten. Zweck der Stiftung ist es unter anderem, Menschen zu helfen, die politischer Verfolgung ausgesetzt sind. Hauptsächlich will die Stiftung Künstlern aus dem Ausland helfen. Sie sollen in Hamburg eine Plattorm erhalten, um ihre Uberzeugungen in der Hansestadt zu verbreiten und auf diesem Wege in ihre Heimat hineinzutragen. Finanziert wird die Stüftung durch 50 000 Mark aus Haus- haltsmitteln sowie aus privaten Spenden. Gegen- wärtig gibt es eine Zusage von Reemtsms über 500 000 Mark jährlich, befristet auf fünf Jahre. Das Stiftungskapital in Höhe von 100 000 Mark stellte ebenfalls Reemtsma zur Verfügung. Sddeutsche Zeitung Samstag /Sonntag, 14./15. Mal 1988 14 Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V. MR h SſSNCiG WEITERE MTARRHEITER für unsere LAGERGEMEIN— SCHAFT »DOWEA und ES kann jeder helfen. Auch venn venig frele 2Zeit hat. aufgaben 1assen S1ch Und venn es jetzt nicht nögl1ch 18t, dann v1el— lelcht später. Vir verden unseren „HLferuf“ vlederholen. S Kletnere auch verteilen. Sprecht doch mal nüt Hermann Re1— S e 6 nit Horst Probstein(Tel. 069 7 S68 Mitgliederversummlung Am Samstag, den 8. Ok- tober 1988 1h Uhr fn- det dae satzungsgemä— Be M tg141ederversamm- Lung den e me 1nschaft Auschw tz— Freundeskrets der Auschwtzer e. V.* statt. Tagesorndnung: 1. Bertchterstatt- ung über die Tä- tLgke1t der 1etz- ten zwei Jahre 2. Kassabericht 3. Ent1Lastung des alten Vorstands 1. Neuwahl der Lei— tung 5. Unsere Aufgaben, besonders 1m Hin- b1ick auf dae Ar- beit der DOWEA* Dde M tg1iederversamm- 1ung findet im Martin Ni emõ 11er-Haus“ in der Funckstrasse 16, 6000 Frankfurt-9o statt. Um enen ordnungsgemã- Ben Ab1auf, Beschluß- Fähtgkett, Neuwahl ete⸗ zu gevährletsten, bit- ten v1r a 1 1 e Mi t- g1Leder um 4hr Er— scheinen. A11e M tg1LLeder erha1- ten nochmals eine Fäin- Ladung. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 15 Daimler-Zwangsarbeiter erhalten 20 Millionen Mark 20 ki11ionen Mark für ehemaliqe zwanqsarbeiter stellt die Paim- 1er-Benz à6 zur Verfüqung, melden die Nach- richtenaqenturen am 12. Juni 1988. ₰ 1986, zum 100]ährigen Firmenubi Läum hat Daimler eine sStudie Un auftraq qegebhen. Die»6esellschaft für Unternehmensgqeschich- te⸗(606) ermittelte, und das»Hamburqer Institut für So21a1— geschichte des 20. Jahrhunderts“ führte epenfal1s— alternativ eine studie durch. Letzteres kKam zu einer?ahl von etwa 6 00 rund doppelt soviel wie die 6U6. S der»Unternehmens“- Ge— schichte 1ieqt? Für mich sind die Forschungen des Hamburqer Instituts(Herausgeber der»huschuitz-Hefte“,»Nie vieder“ Folter und Mord Un arqentinien uam) maßgebender, q Laubwür- diqer! Die qroßen Industrieunternehmen hatten mt ihren JuPi Läums- und Festschriften schon immer schwieriqkeiten mit der NSVer- ganqenhett— in manchen dieser Sschriften qibt es üben diese Zzeit überhaupt näichts! 20 ki 1110nen Mark für ehemaliqe Zwangsarpeiter: »In Mürdiqung des Schicksals der Betroffenen“ so sagen die Herren von Daimler,?zahlen 43 Jahre vartete man damit! Wieviele sind an den Fo1gen der NusPeutung Un den Jahren von 1845— 1988 qestorbhen? a1fred Hauser von der Interessengemeinschaft der ZzwanqsarpPei- ter saqt: Nur 20 Pis 25 Prozent sind noch am Leben! 20 Mi11 i0nen Hark, viel 6e1d für mäch, für Dich— aber nicht 5 Und nur für solche aus Frankreich, Be1gten und den Nieder Lan- den? N Hauser rechnet aus, daß sie, die Zwanqsarbeiter aus diesen Ländern, pro Nase 470 ,—- DM erhalten werden. Entschädiqunq? Miederqutmachung? Die noch Lebenden SF S 70 bis 80 Jahre, sie nofften, verzveifelten und hofften vie— der, aper Jetzt 470 ,—- Mark für viele Vahre SkK Lavenarbeit? 5 Mi1110nen HMark von den 20 Mi1LLionen so11en die Rote Kreu?- orqanisationen in Frankreich, Belqien und den Nieder landen erhalten für soziale Ein- richtungen. Ob ste virkLich den Opfern zuqute kommen verden? 5 Mi 1110nen Hark sind für Einrichtungen in Polen Pestimmt. viele zwanqsarbeiter haben psychische StS— rungen, sie schämen sich ihrer Armut, ihrer 6Gebrechlichkett en e pürokratische Formulare ausfüllen— sie sind meist qar nicht mehr in der Lade dazu. Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 10 hi11ionen Hark von den 20 MiLLonen für HMenschen aus drei Ländern des*Westens“ Die NS-rpeitsstatistik gäibt für Jugust 1944 eine Zahl von 7650 000 zwanqsarbeitern an. Davon Snd 2,8 Rn verden sie ausqeschlossen von dieser Entschädiqunq“? sind sie andere Menschen, die aus dem»Osten“? Mu11 Mi 111onen Mark für jene Menschen, welchen es vohl am Schlechtesten erqing von allen. sie, die Russen, Polen, Tschechen usw. varen 3a Anqehöriqe einer sLawischen Rasse, also mi nderwertiq. 84e so11— ten ohnehin vernichtet verden! sie vurden qedemütiqt, qeschla- cen, Pekamen Lehensmittelrationen für»Ostarbeiter“— weniqer als andere. Daß es trotzdem von den mehr als 4,5 Mi1Lonen noch öberLebende qbt, qrenzt an Munder. Nul1 Mi 1110nen Mark also für husgegrenzte! Ein Rechtsanspruch Pesteht Laut Urtei1 des Bundesqerichtshofes nächt! Ansprüche aus Zwangsarbeit können als Reparationsforderungen erst nach Abschluß eines Friedens- vertraqes qeltend qemacht werden. wann„ird ein solcher Friedensvertrag zustande kommen? Ich erlepe es bestimmt nicht mehr. Und di e zwanqsarpeiter sind Pis dahin s1cher nicht mehr unter den Le- benden! wann vird»in würdäiqunq des schicksals der Betroffenen“, wie der vorstand von Daimler saqt, von den an- deren qroßen Industriekonzernen iRehe MenschLichkeit entdeckt? 20 Mi111onen Mark von Daimler sind nur ein Tropfen auf einen heißen stein. Es ist eine moralische 6este, ein Bekenntnis, daß die damaliqen Herren schuld auf sich qeladen haben. AbPer es werden mehr als 20 Mi11ionen Mark penötiqt für die Opfer! wir fordern die 6ründung einer stiftung, aus der e welche Pisher nicht entschädiqt vurden, Pe— rücksichtiqt verden. wir fordern die Industriekonzerne— welche Un der NS-Zeit Mi111Lonen Profite machten— auf, Einzahlunqen Un die stiftung einzubringen- Es ist höchste Zeit! Noch 1ephen viele von ühnen! Noch benötiqen sie Hi1fe! Nicht vertrösten Pis zum Friedensvertraq! Dann ist alles zu spät! Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Aufgelõst ist nicht das richtige Wort Seit einem Jahr wird vor dem Schwur- gericht in Siegen ein Prozeß gegen den ehemaligen SS-Rottenführer Ernst August König geführt. König wird vorge- worfen, als Blockführer im sogenannten Zigeunerlager“ von Auschwitz-Birkenau eine Reihe von Greueltaten begangen zu haben einschließlich der eigenhändigen Ermordung von sechs Häftlingen des Zigeunerlagers“ und der Beihilfe zum Mord an einer nicht mehr feststellbaren Zahl von Juden und Zigeunern in den Gaskammern von Auschwitz. Vergangene Woche siedelte das deut- sche Schwurgericht kurzfristig nach Is- rael über. Vor dem Tel Aviwer Amtsge- richt vernahmen Richter, Staatsanwalt, Nebenkläger und Verteidigung sechs 18 raelische Zeugen, die Auschwitz überlebt hatten und ihr Wissen von den Vorgän- gen im Zigeunerlager mitzuteilen bereit waren. In der Anklageschrift heißt es, König habe Häftlinge mit Schlägen und Tritten regelmäßig mißhandelt, und er habe bei dem Ausmaß der Mißhandlungen„mit dem Tod eines jeden Opters“ gerechnet und dies billigend in Kauf“ genommen. Unter den Zeugen, die vergangene Wo- che in Tel Aviv aussagten, war Regina Steinberg, die als Schreibkraft in der po- litischen Abteilung der SS in Auschwitz überlebt hatte. Im Frühling 1944 hatte sie den Auftrag erhalten, Listen der Häft- linge des„Zigeunerlagers“ auf den neue- sten Stand zu bringen. Fin Teil dieser Arbeit bestand darin, die tätovierten Nummern von den Armen der Häftlinge abzulesen.„Bei den Kindern war es manchmal fast unmöglich“ erinnerte sie sich.„Sie waren so ausgehungert und ihre Gliedmaßen so dünn geworden, daß man die Nummern kaum noch lesen konnte.“ In der Nacht zum 1. August 1944, nachdem das Zigeunerlager nur noch dem Namen nach existierte, erhielt Frau Steinberg den Auftrag, ein Telegramm mit dem Inhalt„Aktion vollzogen“ aufzu- geben. Die„Aktion“, sagte sie aus, hatte insgesamt etwa anderthalb bis zwei Stun- den gedauert. Für die Nebenkläger, Mitglieder des Zentralrates Deutscher Sinti und Roma, waren die Aussagen Frau Steinbergs von pesonderer Bedeutung, vor allem deswe- gen, weil sie ihren Vorgeset?ten, Pery Broad, der für das Zigeunerlager zustän- dig war, schwer belastete Auf das Drän- gen des Zentralrats hin und auf Grund anderer Aussagen im Prozeß gegen Kö nig hat die Staatsanwaltschaft Frankfurt vor wenigen Monaten ein Ermittlungs- vertahren gegen Broad eingeleitet. Broad lebt seit Kriegsende unbehelligt in der Bundesrepublik und ist als Entlastungs- zeuge im Prozeß gegen König aufgetre- ten. Broad behauptet, er sei am Tag, an dem die Zigeuner in Auschwitz liquidiert wurden, nicht im Lager gewesen. Diese Behauptung wurde von der israelischen Zeugin Regina Steinberg eindeutig wider- legt. Bei der Zeugenvernehmung in Tel Aviv fehlte weitgehend die Dramatik, die viele NSProzesse begleitet. Die Zeugen muß- ten nur wenig von ihrem persönlichen Leiden in Auschwitz berichten. Da sie den Angeklagten König auch nicht direkt belasteten, wurde ihnen ebenfalls die in solchen Prozessen übliche und oft de- mütigende Prüfung ihres Erinnerungs- vermögens durch die Anwälte der Vertei- digung erspart. In der ruhigen, fast gelösten Atmosphä- re des kleinen Gerichtssaales gab es dennoch beklemmende Momente. Die Zeugen sagten auf hebräisch aus. Immer wieder kam es jedoch vor, daß diese Sprache für die Beschreibung bestimm- ter Vorgänge nicht genügte. In die hebrä- ischen Sätze schlichen sich deutsche Worte ein: Stabskommando. Lager, Sach- bearbeiter Gaskammer. Rampe. Krema- torium, Entlausung.„Kann der Zeuge bit- te erklären, welche Bedeutung der Be- griff Entlausung' in Auschwitz hatte?“ fragte der Staatsanwalt aus Siegen. Es heißt, sie wurden umgebracht“ antworte- te der Zeuge auf deutsch. Die Zeugenaussagen wurden von einer Gerichtsdolmetscherin ins Deutsche übersetzt. Danach diktierte der Vorsit- 18 Lagergemeinschaft Auschwitz „Freundeskreis der Auschwitzer e. V. zende des Siegener Gerichts eine gekürz- te Fassung auf amtsdeutsch ins Protokoll. Gelegentlich waren die Zeugen mit der neuen Fassung ihrer Aussagen nicht ein- verstanden.„Als ich im Lager BLID war, wurde das Zigeunerlager aufgelöst“, dik- tierte der Richter im Namen des Zeugen Sinai Adler. Der Zeuge unterbrach ihn: „Aurgelöst' ist nicht das richtige Wort, es war zu schwach. Sie wurden liquidiert.“ So fügte der Richter zum Protokoll hinzu: „Ich meine damit. daß sie vernichtet wur- den.“ Und dann solche Details:„Wir wußten immer. ob es Neuankömmlinge oder älte- re Insassen waren, die gerade in die Ofen geschoben wurden“ erklärte Frau Stein- berg. Die Neuankömmlinge hatten noch Fett am Körper. So kam der Rauch sehr schwarz aus dem Schornstein, wenn sie verbrannt wurden. In der Schreibstube wurde das Papier mit schwarzem Staub pedeckt. Wir merkten es natürlich alle. aber es wurde nie darũber gesprochen.“ Ernst August König wird angeschul- digt, auch bei der Verladung von Zigeu- nerhäftlingen auf einen Lastwagen zum Abtransport zur Gaskammer“ mitgehol- fen zu haben. Er wird im Prozeß vom Frankfurter Anwalt Fritz Steinacker ver- teidigt, der Angeklagte in vielen der gro- Ben NS-Prozesse der letzten Jahrzehnte vertreten hat. Der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma wird als Nebenkläger von den An- wälten Arnold Rossberg und Urich Roe- der vertreten. Die Bedeutung des Prozes- Ses wurde vom Vertreter des Zentralrats. Peter Berneier, der mit dem Gericht zur Zeugenvernehmung nach Tel Aviv reiste. mit einfachen Worten erklärt:„Für uns ist das die letzte Möglichkeit, mindestens einmal zu dokumentieren, was mit den Sinti und Roma im Dritten Reich ge- schah.“ R/S Franurter undschau 4 8 Liquidierung des„Zigeunerlagers“ AuschMitz Die„Neue Zurcher Zeitung“ veròenlichle z diesem Mordompler eine Leserzuschri/t einer Kolner Zeitzeugin, aus der vir zilleren⸗ lm Sommer 1944 war ich in Auschwitz-Bir- kenau im Lager B 3„untergebracht“; nur ein elektrischer Zaun trennte uns damals von einem Zigeunerlager, einem sogenannten Familien- lager 7000 bis 8000 Menschen lebien dort auf engstem Raum zusammen, katholische Zigeu- ner aus Gsterreich und Deutschland. Viele wa- ren schon mehrere Jahre da. Sie waren ausge- mergelt vom Hunger, gelb von der Ruhr und anderen Krankheiten. Sie waren zerlumpt, schmutzig und verangstigt. Auffallend viele Kinder waren da, wie kleine Skelette sahen sie aus. Es war Anfang August, als es im Zigeuner- lager eine Blocksperre gab. Mehrere hundert SS- Mãnner stellten sich mit ihren Bluthunden um die Baracken herum auf. Dann kamen Lastwa- genkolonnen angefahren, und ein niedrig Hlie- gendes Flugzeug erzeugie künstlichen Nebel. Es wurde schon dunkel, und nur der Appellplatz 2igeuner in Auschwitz des Zigeunerlagers war mit starken Scheinwer- fern beleuchtet. Als die SS anfing, die Zigeuner- familien aus den Barachen herauszutreiben und auf die Lastwagen zu verladen, brach die Holle [os. Es waren unbeschreibliche Szenen. Hunde- gebell, brullende SS-Manner. Schusse auf Flie- hende Viele schrien laut vor Todesangst. Alte Lcute und Kinder wurden wie Mullsacke aufdie Lastwagen geworſen viele klammerten sich an die Stiefel der SSManner und bettelten um ihr Leben. Alle, bis zum kleinsten Kind, vußten, daß sie in den Tod gehen würden. Es dauerte Stunden, bis alle abtransportiert waren. Nur einige Kleidungsstucke und Haus- ratsgegenstände blieben auf dem Plat? zuruck. Es war eine helle Nacht. Ich sahdie Krematorien und 1] bis zum Morgengrauen Feuer spucken. Am nächsten Tag war das sonst s0 lebendige Zigeunerlager still und leer. Ein Lastwagen fuhr von den Krematorien in Richtung der Weichsel, beladen mit grober, grauweißer Asche. Das war von den Zigeunerfamilien übriggeblieben. MMortho Fao(Koln) Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 18 Für euch gelesen Der Verlag August Lax, Hildeshein, hat uns für unsere DOVBA drel Bücher gespendet, deren Titel hier vorge stellt verden. Kanzentrattanslager 1n Hannxer Auch venn es unfassende Literatur über dte Entstehung und dte Be- schreibung von Konzentrat 1ons lagern glbt, vie das Standardverk Der 88— Staat' von Fugen Kogon, vön Martin Broszat Mationa 1s021a11stische Kon- zentrations lager 1933 1945 oder das leider nicht nehr aufgelegte Buch von H.6. Ad 1er Der verweltete Mensch', kann auf die Beschreibung regtonal bezogener Lager nicht ver- zlchtet verden. In dem 2— bändigen Verk öber die Kon- zentrations lager in und um Hannover stehen die Detalls 1m Vordergrund. Sel es dite Planung und dte Errich- tung der Lager, die Herkunft und die Anzahl der Baftlinge, die Arbetts- und Lebenbedingungen, Krankhetten, arztltche Versorgung und Sterbltch- kelt oder Fluchtvorgänge und Vider- Stand, alles 18t durch die Beschrei- bungen 1m einzelnen verständlich ge- macht. Aussagen von ehemaltgen Häft- llngen fehlen ebensowenig ve Grund- riSSe und Lagepläne der Anlagen. Und außerdem dürfte der Bezug zu dilesen chemaligen schrecklichen Finrichtun- gen 1n der Reglon Hannover am größ- ten sein. Aber eines muß nan in dtesem Zusam- menhang doch vieder fragen: Vieso hatte damals keiner etvas davon ge- vuBt? Die Mttarbetter der Industrie- unternehnen in diesen Lagern und die 1in dlesen Lagern tätigen Ziv1larbei- ter? Sle hatten die schlimmen Freig- niSSe danals doch täglich gesehen und s1e hatten in ihrer prtvaten Um- gebung doch darüber gesprochen! Und mit den Todesmärschen aus dtesen La- gern zum KL. Bergen-Belsen vurden doch vlele Menschen untervegs kon- frontiert! Und ketner hatte davon etwas genußt? Oder keiner vo1lte davon etvas v1ssen; hat sich gesagt, es geht nich nichts an?! Rainer Fröbe, Claus Fulberg- Stolberg, Christoph Gutmann, Rolf Keller, Herbert Obernaus, Hans Her- mann Schroder: Monzen trations lager in Hannover, HZ-Arbelt und Küstungs- industrie in der Spätphase des Zwe1. ten Veltkrieges. 1985, 2 Bde, 647 8. Cestapo Hanncer neldet- Per 10dische politische Lageberichte von Staatspoltzeistellen im PDritten Relch sind sicherlich selten vo11- standig über 1defert. Für das n1ttlere und södliche Hiedersachsen der dama- 11gen Zeit gibt es den 6lücksfall der öber 11eferung. Das Bditionsnaterial besteht öber- „legend aus politischen Lageber1ch- ten der Stsatspolizeistelle Hannover an das Geheine Staatspolizetamt Ber- 11n und vird im vesentlichen ergänzt durch Lageberichte des hannoverschen Regierungspräsidenten an den Reichs- miniSter des Inneren und des hanno- verschen Poltzetpräsidenten an den Reglerungsprasidenten in Hannover. Der Inhalt dieser geheinen Berichte macht Aussagen über Akttvitäten und Verhaltensveisen von sogenannten Gegnern des Staates und der Beve- gung; von SPD und KPD angefangen, über Juden und Freinaurerlogen bis nin zu kirchlichen Vereinigungen und verbanden. Die Berichte zeigen auch Stinnungen innerhalb der Bevolke- rung 1m Al1geneinen und?u bestimm- ten Breignissen auf. Um es klar zu sagen: Das varen Spit- zelberichte von unteren Behörden- und Polizeistellen an dte höchste Stelle der 6Gestapo 1n Ber11n, die dann dort neist entsprechende Reak- tionen und Bepressalien ausgelöst hatten. Der perfekte öbervachungs- Staat mit seinen Mechantemen 18t da aufgezeigt. Der dokumentarische Vert, an dessen Zuverlässigkeit nicht 2zu zwelfeln 18t, nuß n1t Recht hoch an- ges1edelt verden. Vehret den Anfän- gen. B18 zu einen perfekten öberwan chungsstaat 18t es auch 1n unserer heutigen 2elt kein allzu groBer Schritt. ces tapo Mannover neldet FolIze1- ond Feglerungsberichte Ier das w1tt- lere und südliche Vedersachsen zw1 schen 1963 ond 1937. Bearbettet und eingelettet von Klaus Mynet 1966. 570 8 20 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Tudenhauser 1n Hannduer angesichts der Massenvernichtung der Juden 1m Dritten Reich mag nan leicht dazu neigen, der v111 kür11chen Raumung der Vohnungen der Juden und deren Unterbringung Einpferchung) in sogenannte Judenhäuser eine nur nebensächliche oder untergeordnete Bedeutung in der Judenverfolgung beizumessen. Jedoch auch diese Aktion hatte Systen, var keine aktion 1r- gendeiner untergeordneten regtonalen MS-Stelle. Mein, das 6Gesetz über MietverhältniSse mit Juden vom 30. apr11 1939 var dte Grundlage. Es 18t jedoch zlenlich vahrscheinlich, das in keiner grogeren Stadt Im dama!11- gen GroBdeutschen Reich' die räum- 11che Trennung von Juden und Vicht- Juden überhaupt oder in etner der- artigen Vollendung so durchgeführt „orden var vie in Hannover. EsS 18t der Autor1n zu danken, daß sie dieses veitgehend unbekannte Kapitel der Geschichte der Judenverfolgung und Judendiskrininierung in der MSZeit der öffent1ichkelt bekannt genacht hat. Ausführ11ch, unfassend und do- kumentarisch gut belegt. »ES kann keinem Deutschen zugemutet verden, daß er länger n1t Juden, a1s mit einer abgestenpelten Rasse von Mordern und Verbrechern und Todfein- den des deutschen Volkes, unter einem Dach lebt. Die Juden müssen daher aus unseren Vohnhausern und Vohnvierteln veragt und in Stragen- zugen oder Häuserblocks unterge- bracht verden, vo sie unter sich sind und mit Deutschen so venig ve moglich in Beröhrung kommen.“ Dieser Auszug aus dem Arttkel Juden, vas nun?“ stand bereits am 24 11.1938 1n Schwarzen Morps, der 2ettung der Schutzstaffeln der MSDAP. In v1elen deutschen Stadten varen Plakate an Vohnhäusern Hier vohnen noch Juden und Deutsche(Arier) unter etnen Dach' schon bekannt. In Hannover nachte Hartnann Lauter- bacher, GCauleiter von Söd-Hannover- Braunschweig, am 3. Septenber 1941 mit seiner Aktion' Ernst. An dtesen Tage vurden über 1000 hanncverschen Juden eine Raumungsverfügung über- bracht, nach der sie bis zum 4. Sep- tenber 1941, 18 Uhr, thre Vohnungen zu raumen und sich in das sogenannte Judenhaus“ zu begeben hatten. 16 in judtschem Besttz befindliche Häuser varen dazu bestimmt vorden: Privat- häuser, Altenheine, Kindergarten, Sy- nagoge und auch eine Leichenha11e. Der urspröngliche Richtvert von 5 bis 6 qm Vohnflache pro Person vur- de veit unterschritten. Unbeschreib- 11che Zustände herrschten naturgenas in diesen Hausern. Das nuste von den betreffenden Hachbarn, den Deutschen (Ariern) doch benerkt werden! Diese Judenhauser varen jedoch meist nur Durchgangsstatlonen. Ab 15. De- zenber 1941 begannen die Deportatto- nen dieser Menschen nach Riga, The- res lenstadt und Auschwitz. Marlles Buchholz: Die honnoverschen Judenhäuser. Zur Situation der Juden in der Zeit der 6het toisierung und herfolgung 1941 bis 1945. 1987, 294 8. Horst Probstein Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 21 S N J ſ ZumnSeden ceu von o Fta dt Funkfurt/n der al 0O ikunst1ertsche Ruhe“ so11— te am 9.Nov. 1988 1n Frank- fFurt/M sein. InzwLschen haben dde Ver- antwort1Lichen im Römer stch anders besonnen. UrsprüngLLch so1LLte in der Alten Oper eln Resenspek- take1- mdt promänenten Künst1ern, Po1itTkern etc.— stattfinden. Däie Kosten wurden auf 1 M 114 on Mark geschätzt! Es so1LLte vegmustztert, weg— geredet verden, daß vor fünfztg Jahren dae Synagogen brannten, daß mehr als hundert Juden ermordet wurden, daß däie Juden schreckLtche unmensch1Lche Schdkanen durch SA und H erletden mußten, daß tausende In das KZ verschleppt wurden, daß dde Kuppe Lhalle der Messe- A6 als Samme 1 platz für dde Deportatton dtente, daß dde Geschäfte der Juden zerstört und gepLündert wurden, daß dde Geschäfte kurz darauf nartsiert wurden und dae Herren Naz1 sLch beretcherten! Wenn dazu 1 M114 on ausgegeben verden so11te, hätte 1ch etnen anderen Vorschlag das 6e 1d zu verwenden: An a1ten Frankfurter Häusern ehemaldger jüdtscher Bürger etne Tafel anbringen 1assen mt etwa fo1gen- dem Text:*Her 1ebten die Bürger„ bds s1e am 9.Nov. 1938 abgehoLt und kurz darauf 1m KZ„ ermordet wurden.* Wie vLele Tafe 1In könnte man für 1 M 1 14 on anbrängen? Eine so1che Tat väre ein kletner Bettrag zur Aufar— beLtung der Geschächte. Bisher- 9 Jahre Lang- var es Aufgabe der Jüddschen Gemetnden und anttfaschästischen Organtsattonen des 9Nov. zu gedenken. be et der O pfer,„ ste, de Täter müssen Geschdchte aufarbetten! 1ſ Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Stellenausschreibung Hauptberuf 14 che(T) Mi tarbei terin(er) vid Für unsere„Dokumentatd onswerkstät- te Aus chwi tzn—(DOWEA) im Rahmen von ARM gesucht. HI SToRTKER(n) oder PoLTToLOGE(in), ve1che(T) seLbständig arbeiten kann⸗ Sprachkenntnisse engLäsch, event. PoL— näsch, Schreibmaschäneschreiben, Ver— traut mät Archi varbeiten sind Voraus— setzung. BezahLung nach BAT. Bewerbungen sind schräftLich, mät Anga- be der bäsherigen Tätigkeit, Erfahrung, an das Sekre tariat oder den Vorsitzen— den der nLagergemeinschaft Aus chwä tz— Freunde skreis der Aus chwi tzer e⸗V.* ba1LdmögLichst zu rächten. (Siehe Adressen, Secte 28) Unser MTTTETLUNG SBLATT Nr. 13 Kommt mät großer Verspä tung zu Thnen⸗ Dä. e Ur— sache 1st zum Tei1 In den vieLseitigen Akti— vi täten der Lagergemeinschaft zu suchen, zum Anderen 4st der Gesundheitszustand von H. Reineck in 1Letzter Zeit nicht?zum Besten. Ein 1Längerer Krankenhausaufenthatt und ein arzt1iches Verbot von bäsheriger Aktivã tãt— U.S.We Dies alles Ist sehr bedauer1ich, Letzt1ch aber keine EntschuLdgung. Wir hatten uns zu Jahresbegänn vorgenommen a11e 1/1 Jahr ein neues M ttei Lungsblatt her- auszubräingen, doch Leider! Im 2Zukunft werden Sie das Mi ttei LungsbLatt— das gLauben viT versprechen 2zu kKönnen— rege 1LmäßBig erhatten⸗ Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 23 Wetteraukreis: Antifaschistisches Bündnis bereitet Hilfen zur politischen Bildung vor. Der überwiegende Tetl antworntete sehr schneLL. Die Hinweise sind Das Antifaschistische Bündnis teiLwetse sehr ausführLich. im Wetteraukreis bereitet für den Ein vorLäuftger UberbLick zetqt, 9 November 1988 eine Liste daß 1n einigen Geme inden das über Literatur und Matertalien Thema bereits sorqfältiq bear- über dte Geschtchte der Juden beitet wurde, oft auch auf Int- in der Metterau vor. tiattve von Einzelpersonen. In Dieses Verzeichnis so11 Schul- einiqen Gemeinden gübt es keine klassen und Jugendqruppén anregen, Informat ionen. s1ch müt der Geschichte der Juden Insgqesamt kann man erwarten, daß Uhrer Heimat zu beschäftigen. aus der geplanten LLteratur- und zur Vorbereitung hat das Bündnis MaterialzusammenstelLung Anrequng al1e Wetterauer Genme inden ange- und HLLfen für die po1ttische schrieben und um HiLfe bei der Bi Ldung hervorgehen verden. Suche nach Literatur und QuelLen- Vielletcht auch, daß gerade an hinweisen gebeten. Die Resonan?z den Orten nachqefragt wird, wo der Gemeinden ist positiv. bisher noch nichts vorLieqt. Lagergemeinschaft Auschwitz Einzugse rm àchtiqu O Freundeskreis der Auschwitzer e. V. ch/Wir werde(n) jährlichhalbjährlichWiertehährlichmonatlich“ OM zahlen. Der Betrag soll widerruflich von meinem Konto Nr. D BZ bei Geſcinstitut mittels Lastschrift eingezogen werden?“ OQ chWir erbitte(n) weiteres Informationsmaterial Unzutreffendes bite streichen Datum Onerschrift Name Anschrift Der Verein ist als gemeinnützig anerkannt Die Beitrage und Spenden sind steuerhch abzugsfahig. Eine Spendenbeschet nigung wird zugesandt 24 Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 17. Junt 1988— öntifaschistisches Bündnts gegen NPD oberhörgern— eine Tei 1geme inde von Münzenberq/ Gambach in der Wetterau— hatte sich die NPD aus- gesucht, um eine»Gedenkfeier“ zum 17. Juni an dem Tag abzu- halten. Der Maqistrat der Gemetnde war vor dem Verwaltunqsgericht müt dem Versuch unterlegen, das NPD- Treffen zu verhindern. Unmittelbar nach dem sehr späten Bekanntwerden des Veranstaltungs- termins me1deten die vetterauer Grünen eine Protestkundgebung an und die PoLizei wurde sehr nervös— man wtsse schLteßLich nicht, was geschehen verde und fast al1e Polizeikräfte würden 1n Frankfurt veqen der Fußba11— Europameisterschaft gebraucht. Nuch das kein Grund für's Ver- waltunqsgericht, eine Naziveran- staltung zu verbieten. Die Polizei machte»reinen Tisch“ das Bürgerhaus Ober-Hörgern wurde vetträumig abgespernt, ver Freunde Pesuchen vo1Lte, mußt den halben Ort umrunden, vei1 ganze Mohnstraßen abqertegelt waren. 8So konnte die NPD in Ruhe ihre makabre Gedenkfeier abhal- ten. vor der Halle trafen stch dte wetterauer Antifaschisten— auf- gerufen Innerhalb drei Tagen vom antifaschistischen Bündnis. odo schwedes von den Grünen ging in seiner Rede auf das häufiq 2u hörende wort ein— macht doch die Meonazis nicht erst dadurch Pe- kannt, daß ihr ständig 6egende- LAGERGEMEINSCHAFT AUSCEHMWIT2 EREUNDESKREIS DEBR AUSCHMWZER EV. 6309 Mönzenberg 1 Schillerstraße 18 Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 25 monstrationen veranstaltet. Ver- ve1send auf historische Erfahrunqn und auf rechtsradikale Tendenzen unter JugendLchen machte Schwedes deutLich, daß ein Tonorieren neo- nazistischer Parteien gerade von JugendLichen als Duldung aufgefaßt werden und das berüchtiqte Recht- fertiqunqsmuster ausLösen könnte: das hat man a ntcht wissen können, nemand hat auf die Gefahr hinge- wiesen. Rus seinen Erfahrungen in der We imarer RepubLik und dem damals erfo1glosen Kampf gegen den Fa- schismus berichtete ein Vertreter der VWWM. Er stellte eindrucksvo11 dar, daß Verharmlosungen und Fehl- einschätzungen der faschistischen Gefahr die zerstörung der Meimarer RepubLik möqLich machten. Für den D6B-Kreis Metterau sprach der Kreisvorsttzende der Gewerk- schaft Erz ehung und wissenschaft. In seinem Beitraq beschrieb er, wie die Anqst vor Aus Ländern a1s bedrohlichen Fremden geschürnt vird und dadurch faschtstische Tendenzen weder geselLschafts- fähiq werden. Der Gewerkschafts- vertreter z1tierte dazu aus der von der Hessischen Landesregie- rung herausgegebenen und verant- worteten Informat ionsschrift Hessen-Report“, Juni 1988, wo ein Beitragq die Uberschrift trägt:*S0 kann's nicht veiter- gehen— Flut der AsyLbewerber nimmt zu“. So1lche Anqst aus15- senden 810gans erzeugen eine Stimmung, in der die Brutalttät der Parole»NusLänder raus— Deutschland den Deutschen“ gar nicht mehr auffalle. Angesichts solcher öffentLicher Stimmunqs- 1age gewinne die Forderung des hessischen Kultusminister nach voLks1iedpf 1ege polttische Bedeu- tung und könne nicht als Ver- schrobenheit abgetan verden. Daß im 50. Jahr nach dem Juden- poqrom vom November 1938 vom Hessischen Kultusminister noch keine hufforderung an die hessi- schen Lehrer ergangen set, das Datum zum Unterrichtstehma zu machen, stattdessen jedoch das Thema»Bundeswehr“ ab Sommer 88 zum Schwerpunkt in den hessischen Schulen verden so11, wurde in dem zusammenhang massiv kritistert. Antifaschisten in der Mehrheit Udo Schwedes bezeichnete es zu Recht als erfreulich, daß die zahl der anttfaschistischen De- monstranten vor der Halle qrößer war, al1s die der in der Halle ver- sammelten Neonazis. Nachspie-— FreiLich war es müt der Kundgebung nicht zu Ende: Nus der Rede des Magistratsver- treters der Geme inde Münzenberq, Lothar Groß, zütierten die Zeitun- gen auch eine Passage, 1n der er die Kont inuttäãt von deutschem Fa- schtsmus und Neonazis dargestelLt hatte. Die NpPD erstattete desha1p Inzeiqe wegen Ver Leumdunq. odo schwedes, der sich öffentLich 26 Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V. mt Lothar Groß so11dartsterte, bekam gleich noch eine Anzeige dazu. Eventuell verden vleder ein- mal antifaschisttsche Demokraten sich vor 6ertcht rechtferttqen müssen, wei1 ste von 1hrer Mei- nunqsfrethett Gebrauch machen, den Ruftraq des Grundgesetzes ernst nehmen und Faschisten als solche Pezeichnen. 0. Harntwiq ſREbKToM Herausgeber: nLagergemeAnschaft Auschwtz-Freundeskrets der Aus chwtzer eV.* Scht11erstr. 18 6309 Münzenberg— 1 verantwort1cht Hermann Reine ck M tarbetter dieser Nummer: Hermann Reineck, Ann. Rossmann-Reineck, KLaus Ve Imann Be1träge 14eferten: Uve Hartv1g peter Ke11er, Horst Probstein, Jutta u. Michae Mdes Lagergemeinschaft Auschwitz- freundeskreis der Auschwitzer e. V. 27 AUSCrMWE LAGERGEMENSCHAET AUSCHMWTZ RREUNDESKREIS DER AUSCHMWTAZERR EV. Sekretariat— Kassa rel. o 60 33 6 01 68 6309 MUnzenberg 1, Schillerstraße 18 Vorsitzender Rudolf Dohrmann Funckstraße 18 6000 Ffm.90 Tel.(O 69) 77 10 17 Generalsekretär Hermann Beineck Schillerstraße 18 O-6309 Mönzenber9 1 Teleſon(O 60 33) 6 01 68 PRESSEDIENST Dr. Horst Brandl Schaumainkai 5A O-6000 Frankfurt/M.1 Telefon(O 69) 61 65 05 Werner Renz Falkstraße 93 6000 Frankfurt/M 90 Telefon(O 69) 70 43 21 REGONALBRRUPPE NORD KONAKTADRESSEN Mfred Schulz Großer Scharnhorst 5A D-2037 Beinbek Telefon(0 40) 7 22 62 45 GSerhard Heyer Sandkamp 5 D-2037 Beinbek 5 ſelefon(0 40) 7 10 55 25 28 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. DOKUMENTAONSMWERKSTATTE AUSCFHMWTZ LaERSEMEhSctiaf A0SCtMWIZ REUNhESREls DEß a0SCMWTZER EV.(DOWEA) Dokumentauonswerkstane Auschwtz 6000 FrankturM-90 Funckstraße 18 AUSCEMWTE 4 KONAKTADRESSE„ Horst Probstein Gãrtnerweg 14 D-6000 Frankfurt/M. Telefon(O 69) 59 23 63 KONAKTADRESSE Marianne Groß/ Heike Duil Wehrhofstraße 1 6000 Frankfurt/M-90 Tel.(0 69) 7 89 33 68 GEDENKSTAENREFERAT lSe Glowack 6 Möllerstraße 21 O-6000 Frankfurt/M.90 Telefon(O 69) 7 07 24 46 Gerhard Hert Fredenstraße 30 6330 Wetzlar-22 Tel.(0 64 41) 3 16 02 Glemens Biesser Im Gäßchen 1 6300 Giessen/L-21 Tel.(0 64 03) 7 28 22 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 29 Niedersachsen will Verbot der Neonazi-Partei FAP sp HANNOVER, 2. Juni. Das Land Nie- dersachsen ergreift die Initiative zum Verbot der neonazistischen„Freiheitli- chen Deutschen Arbeiterpartei“(FAh). Einstimmig faßte der Landtag in Hanno- ver am Donnerstag eine Entschließung, worin er gegenüber der Gewaltbereit- schaft und den Gewalttaten zahlreicher Mitglieder, Funktionäre und Sympathi- santen der FAP Abscheu und Verachtung bekundet und unnachsichtige Verfolgung der Straftäter verlangt. Die Landesregie- rung wurde vom Parlament aufgefordert, umgehend in Beratungen mit den zustän- digen Stellen des Bundes und der ande- ren Länder zu prüfen, ob ein Antrag beim Bundesverfassungsgericht, die FAP für verfassungswidrig zu erklären, rechtlich Erfolg verspricht und von der Mehrzahl der Länder mitgetragen wird. Aus den niedersächsischen Erfahrun- gen mit der FAP, erklärten mehrere Sprecher, ergebe sich ein eindeutiges Bild. Da die Partei aber bundesweit in Erscheinung trete, könne das Verfahren in Karlsruhe nur von Bundesorganen be- antragt werden. Deswegen sei vor einer Antragstellung im Bundesrat zunächst eine Abstimmung mit anderen Bundes- lndern erforderlich. CDU und FDP-Sprecher meinten in diesem Zusam- menhang, nichts wäre schädlicher, als wenn ein niedersächsischer Antrag im Bundesrat oder ein Verbotsantrag beim Bundesverfassungsgericht verworfen würden, weil die FAP dann neuen Auf- trieb erhielte. Innenminister Wilfried Hasselmann(CDU) kündigte an, noch im Junt werde sich eine Konferenz der Ver- fassungsschutzbehörden aller Bundeslän- der mit dem Thema FAP-Verbot befas- sen. Auch der Nordrhein-Westfälische Landtag ist für ein Verbot der FAP. In- nenminister Herbert Schnoor(SPD) hat- te bereits mehrmals Bundesinnenmini- ster Friedrich Zimmermann(CSU) zum Verbot aufgefordert. Dem schloß sich der Landtag in einer einstimmig verabschie- deten Resolution an. 3 6. 82 Frankfurter BRundschau Festnahme nach Hitler-Gruß Die vom Hitler-Gruß“ und„Sieg Heil“-Rufen begleiteten Aktionen von Neonazis in München (FR v. 16.5) passen nahtlos in eine Zeit zuneh- mender Hakenkreuzschmierereien, ausländer- teindlicher und rassistischer Witze und Parolen Sowie rechtsradikaler Computerspiele, in denen sogar eine Massenvergasung wie in den „Duschräumen“ des Vernichtungslagers Auschwitz simuliert wird(vgl. FR v. 2.4. Nach Uberzeugung der Arbeitsgemeinschaft Unabhängige Lehrer(UL) im Lande Hessen kann jedoch die Erschütterung einer persönli- chen Begegnung mit den Stätten unbeschreibli- chen Grauens und grenzenlosen Hasses für junge Menschen heilsam ernüchternd wirken und die Ausbreitung neonazistischen Gedan- kengutes eindämmen helfen.— Aus diesem Grund unterstützen wir alle politischen Initis tiven— wie das vorbildliche Beispiel der Stadt Gießen—, deren Ziel die finanzielle Förderung von Schüierfahrten nach Auschwitz oder zu einem anderen Vernichtungslager ist. Darüber hinaus wird sich die Arbeitsgemeinschaft Un- abhängige Lehrer auf Kreis-, Bezirks und Lan- desebene mit Nachdruck dafür einsetzen, daß Schulen künftig in verstärktem Ausmaß von den Möglichkeiten persönlicher Begegnungen mit Zeitzeugen Gebrauch machen, die noch aus der Hölle eines Vernichtungslagers befreit wer- den konnten. Entsprechend dem Vorbild ande rer Länder sollte u. E. jeder deutsche Schüler im Verlauf seiner Schulzeit zumindest ein K? mit eigenen Augen und aus nächster Nähe ge- sehen haben. Dies verlangt schon der Auftrag der Uperlebenden von Auschwit? und den an: deren Lagern, die nach ihrer Befreiung in vie- len Sprachen den immer gleichen Satz in die Gedenk- und Mahnsteine meißelten:„Nie wie- derr“ Franz Maywald, OStR. Biebertal 211.5.88 Frankfurter Bundschau aus DER RECHTEN kekt 30 Lagergemeinschaft Auschwitz „Freundeskreis der Auschwitzer e. V. Faschistische Computerspiele MONCHEN, 1. April(AP/FR). Die Ver- breitung rassistischer und neonazisti- scher Gomputerspiele nimmt weiter zu, wie jetzt die in München erscheinende Zeitschrift„Happy Computer“ berichtet. Nach Angaben der Zeitschrift floriert auf den Schuihöfen zwischen Flensburg und München der Tauschhandel mit Disket- ten, auf denen faschistische Gomputer- spiele gespeichert sind. So kursiere bun- desweit das Computerspiel Stalag I“. Der jugendliche Spieler solle dabei als Wäch- ter in einem Konzentrationslager die Flucht von„Volksfeinden“ verhindern. „Soll die SS eine Judenverfogung durch- kühren?“ werde der Spielführer in einem Computerprogramm mit dem Titel„Hit- ler Diktator“ gefragt. Und im Computer- spiel„Achtung Nazi“ werde auf Knopf- druck grafisch eine Massenverßasung wie in den„Duschräumen“ des Vernich- tungslagers Auschwitz simuliert. Der Bildschirm-Kommentar dazu laute: „10 000 Negerlein, die wollten duschen gehn. Türen zu, Gas rein. da waren's nur noch zehn.“ 2.4.88 Frankfurter Rundschau Rechter Jurist verliert Titel pid. GTTINGEN, 24. Mai. Die Univer- sität Göttingen hat dem rechtsextremen Juristen Wilhelm Stäglich zu Recht sei- nen Doktortitel aberkannt: Der 71 jährige ist jetzt auch vor dem Bundesverwal- tungsgericht in Berlin mit seiner Klage gegen den Titelentzug gescheitert. Der ehemalige Hamburger Finanzrich- ter hatte 1979 das Buch„Der Auschwitz- Mythos— Legende oder Wirklichkeit?“ veröffentlicht. Darin wird die Juden- vernichtung im KZ Auschwitz als Erfin- dung jüdischer Bropaganda hingestellt. Das Buch wurde 1982 von einer Stuttgar- ter Staatsschutzkammer wegen Volksver- hetzung und Aufstachelung zum Rassen- haß verboten. Die Universität Göttingen entzog Stäglich daraufhin seinen juristi- schen Doktortitel, den er 1951 in Göttin- gen erworben hatte. Zur Begründung hieß es, er habe seinem„antisemitischen Machwerk“ den Anschein von Wissen- schaftlichkeit gegeben und damit seinen Doktorgrad mißbraucht. Er sei deshalb unwürdig, den Titel weiter zu tragen. 25.5.533 Frankfurter Bundschau KARL. POLACEK, niedersächsischer „Gau-Kassenwart“(Landesschatzmeister) der neonazistischen„Freiheitlichen Deut- schen Arbeiterpartei“(FAP) aus Macken- rode bei Göttingen, ist vom zuständigen Amtsgericht Duderstadt(Kreis Göttin- gen) zu 400 Mark Geldstrafe wegen fahr- lässiger Körperverletzung und Beleidi- gung verurteilt worden. Der 53jährige wurde vom Gericht dafür verantwortlich gemacht, daß einer seiner beiden Schä- ferhunde Anfang Januar ohne besonde- ren Anlaß einen 31 jährigen Nachbarn ge- bissen hatte. Als sich der Verletzte da- mals beschwerte, wurde er von Polacek als„Kommunistensau“ beschimpft. Wäh- rend des Prozesses drohte der Rechts- extremist nach Angaben von Ohrenzeu- gen sinngemäß an, daß das Gericht nach einer Machtübernahme der FAP zur Re- chenschaft gezogen würde. 0. 4. 88 Frankfurter Rundschau Staatsanwalt wird wegen „Wessel-Lied“ nicht bestraft geg FRANKFURT A. M 6. Juli. Staats- anwält Horst Leisen aus Trier, dem vor- geworfen wurde, öffentlich das„Horst- Wessel-Lied“ gesungen zu haben, wird nicht wegen Verwendung von Kennzei- chen verfassungswidriger Organisationen angeklagt. Wie der Leitende Oberstaats anwalt in Mainz, Hans Seeliger, am Frei- tag mitteilte, wurde das Ermittlungsver- fahren jetzt eingestellt. Zwar habe sich bei den„umfangrei- chen Ermittlungen“ bestätigt, erklärte Seeliger, daß der beschuldigte Staatsan- walt wiederholt in Lokalen das„Horst- WesselLied“ gesungen habe. Das sei je- doch jeweils im Rahmen einer geschlos- Senen Gesellschaft geschehen, ohne daß Unbeteiligte hiervon hätten Kenntnis nehmen können. Nach Bekanntwerden der Vorwürfe war Teisen von Justizminister Peter Ce. sar(FDP) von Trier nach Frankenthal versetzt worden. Wegen Verdachts eines Dienstvergehens läuft derzeit gegen Lei- sen noch ein Disziplinarverfahren in P rer. Frankturter Bundschau. †35 Lagergemeinschaft Auschwitz Freundeskreis der Auschwitzer e. V. 31 LAGERGEMEINSCHAFT AUSCHWITZ FREUNDESkKREiS der AUSCHWAZER e. V. Kreissparkasse Friedberg/Hessen Schillerstraße 18 BZ 518 500 79 D-6309 Münzenberg 1 Kto.-Nr. 062 000 74.9 Tel.(O 60 33) 6 01 68 Postscheckkonto Frankfurt am Main Kto.-Nr. 51 664-608 Beitrittserklärung Name, Vorname Anschrift-Straße, PlZ Ort Geburtsdatum Titel acad. Grad, Beruf Q Hãftl. im KZ-Auschwitz vom S— Hãftl. Nr. O Haäft in anderen Lagern, Gefängnissen, etc. Angehöriger des ehem. Auschwitzhäftlings Hãftl. Nr. Freundeskreis der Auschwitzer 8 Datum des Beitritts Unterschrift Zutreffendes bitte ankreuzen aSCtMMrz Werden Sie Helten Förderer Sie uns Seneee — 3* . 3* 5 gL onenqe 7 W