LAGERGEMEINSCHAFT AUSCHWTZ FREUNDESKREIS DER AUSCFHWAZER —— —,— — — —— W Blick aus der Bewacherperspektive vom Turm des Eingangsgebäudes in Birkenau 43. Jahrgang Mitteilungsblatt, Dezember 2023 Liebe Leserinnen und Leser Aus verschiedenen Gründen ist es uns leider nicht gelungen, diese Ausgabe des Mitteilungsblattes noch vor den Weihnachtstagen fertigzustellen. Somit hoffen wir, Sie hatten geruhsame Feiertage, und wünschen Ihnen einen guten Start ins Jahr 2024. Inhaltsverzeichnis Seite Gegen Judenhass und Antisemitismus 2 Unsere Projekte 3 Im Zeichen des Massakers: Präsidiumssit?zung des IAK 6 Das Krakauer Ambulatorium für NS-Verfolgte 9 Die Botschaft der Uberlebenden: Impressionen einer Studienreise 10 Gesprãch mit der Auschwitz-Uberlebenden Lidia Maksymowicz 13 Anna S7alaznas 97. Geburtstag 14 Zum Tod von Eva Fahidi 15 Die Zukunft der Erinnerung: Veranstaltung mit Christoph Heubner 17 Die Kinderoper„Brundibar“ 19 Wo ist Anne Frank: Mit Kindern über den Holocaust sprechen 22 Späte Gewissheit: Die Informationsstelle im Auschwitz-Archiv 23 Das zweite Gradowski- Manuskript 28 Zweifach gechrt: Auszeichnungen für Christoph Heubner 32 Impressum: Herausgeber: Lagergemeinschaft Auschwit?-Freundeskreis der Auschwitzer 35516 Münzenberg, Freiherr-vom-Stein-Str. 27 Vorsitzender: Gerhard Merz, 35308 Gießen, Unterer Hardthof 15 (Korresponden? bitte an diese Adresse) Internet: www.lagergemeinschaft-auschwitz. de facebook. comſlagergemeinschaft/ Redaktion: Hans Hirschmann Bankverbindung: Sparkasse Oberhessen IBAN DE43 5185 0079 0020 0005 03; BIC HEHLADEFIFRI Bei Spenden bitte Adresse deutlich schreiben, damit die Bescheinigung für die Steuererklärung zugeschickt werden kann. Bitte bei Umzügen neue Adresse und Anderungen der Bankverbindung mit- teilen. Es erspart Arger, Zeit und Geld bei Bankeinzügen. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 1 „Eine Mutter kämpft gegen Hitler? Das Schicksal des Hans Litten Mittwoch, 24. Januar 2024, 20 Uhr Stadtbibliothek Bad Vilbel, Niddaplatz 2 Die Schauspielerin Patricia Litten liest aus dem ein- drücklichen Buch ihrer Großmutter Irmgard Litten, das diese sich in der Emigration von der Seele ge- Schrieben hat. Patricia Litten ist die Enkelin von Irm- gard Litten und die Nichte von Hans Litten. Seit dem Tag der Verhaftung ihres Sohnes hatte Irmgard LKitten alles unternommen, um ihn aus den Fängen der Nationalsozialisten zu befreien. Ihre Hartnãckigkeit führte sie bis Zu den Spitzen des Re- gimes, sie schrieb unzählige Gesuche, auch an Hitler, Göring und Himmler. Vergeblich. In ihrem Buch schildert sie die Leidensgeschich- te des Anwalts, der Adolf Hitler im Berliner Eden- palast-ProzZess von 1931 in den Zeugenstand gerufen hatte. Durch die Fragen des linken Strafverteidigers in die Enge getrieben, ver- strickte sich Hitler unter Fid in Lũgen und beschimpfte Hans Litten wütend. Die- ser musste nach der Machtergreifung auf tragische Weise erfahren, dass Hitler ihm diese Demütigung nie verzieh. Er war einer der Ersten, die 1933 in der Nacht des Reichstagsbrandes festgenommen wurden. Nach Jahren der Folter in ver- schiedenen Gefängnissen und Konzentrationslagern nahm Hans Litten sich am 5. Februar 1938 im KZ Dachau das Leben. Patricia Litten Musikalisch begleitet wird Patricia Litten an diesem erstaunlichen Abend von der Cellistin Birgit Saemann. Der Bintritt ist frei. Bitte kostenfreie Tickets über das Kartenbüro Bad Vilbel, Klaus-Havenstein- Weg 1, bestellen: Ielefon(O6101) 559455, E-Mail„tickets Obad-vilbel. de?. Eine Veranstaltung der Lagergemeinschaft Auschwitz- Freundeskreis der Auschwitzer, der Naturfreunde und der Arbeiterwohlfahrt Bad Vilbel, der Stadt Bad Vilbel sowie gefördert vom Wetteraukreis aus dem Programm„Demokratie leben!“ des Bundesfamilienministeriums und kofinanziert vom Land Hessen. 2 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Gegen Judenhass und Antisemitismus Die Lagergemeinschaft Auschwit? — Freundeskreis der Auschwitzer ver- urteilt aufs Schärfste den brutalen An- griff der palästinensischen islamisti- Schen Terrororganisation Hamas vom 7. Oktober 2023 auf Israel mit seinen grausamen Massakern, Massenent- führungen und vergewaltigungen, Fol- terungen und Leichenschändungen und erklärt sich mit den Opfern und ihren Familienangehörigen sowie dem Staat Israel solidarisch, dessen Exi- Sten?- und Selbstverteidigungsrecht nicht Zu relativieren ist. Die Angst vor erneuten Pogromen und dem weiterhin verbreiteten Anti- Semitismus veranlasste die Mehrheit der Uberlebenden der Shoah und ihrer Nachkommen, Buropa in den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg Zu verlas- Sen. Mit ihren Gewaltakten wollte die Hamas Jüdinnen und Juden weltweit erneut traumatisieren und ihnen vor- führen, dass es wieder einen Holocaust geben kann. Dieser Jerror ist durch nichts gerechtfertigt und kann durch nichts relativiert werden. Als Verein, der von Auschwitz- Uberlebenden gegründet wurde, den- ken wir insbesondere an die Uberle- benden der Shoah in Israel, die um ihr Leben fürchten müssen und zum Teil erneut vertrieben wurden. Die 86jähri- ge Uberlebende der Konzentrationsla- ger Ravensbrück und Bergen-Belsen, Emmie Arbel, fand sogar Zuflucht an ihrem ehemaligen Leidens-Ort und lebte nach dem Hamas-Angriff kur?- zeitig in der Gedenkstätte Ravens- brück(„Haus der Uberlebenden“ der Lagergemeinschaft Ravensbrücky. Seit dem 7. Oktober hat sich die An- zahl antisemitischer Vorfälle in West- europa erschreckend vervielfacht. Dass Sie auch in Deutschland drastisch Zuge- nommen hat, erfüllt uns mit großer Wut. Gleichzeitig sind wir empört und traurig, dass Juden und Jüdinnen an- gepöbelt, beschimpft, beleidigt und be- droht werden- nur weil sie jũdisch sind. Dies geschieht öffentlich in Schulen, in Bussen und Bahnen, auf Straßen und Plätzen- und viele„Nicht-Betroffene“ Schweigen dazu. Wir appellieren, dies nicht Zu akZeptieren und den Mut auf- zubringen, sich offen solidarisch auf die Seite der Geschmähten zu stellen. Wir stimmen mit Jürgen Habermas, Nicole Deitelhoff, Rainer Forst und Klaus Günther überein, wenn sie in den „Grundsätzen der Solidarität“(veröf- fentlicht am 13. 11. 2023) sagen: „Mit dem demokratischen, an der Verpflichtung zur Achtung der Men- Schenwürde orientierten Selbstver- Ständnis der Bundesrepublik verbindet sich eine politische Kultur, für die im Lichte der Massenverbrechen der NS- Zeit jüdisches Leben und das Fxisten?- recht Israels zentrale, besonders schüt- zenswerte Blemente sind. Das Bekenntnis dazu ist für unser politi- sches Zusammenleben fundamental. Die elementaren Rechte auf Freiheit und körperliche Unversehrtheit sowie auf Schutz vor rassistischer Diffamie- rung sind unteilbar und gelten glei— chermaßen für alle.“. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 3 Liebe Mitglieder, liebe Sympathisantinnen und Sympathisanten Vor 75 Jahren- am 10. Dezember 1948— beschloss die UN-Vollversam- mung mit der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte das„Grundge- set? der Menschheit“(FR 9./10. 12. 2023). Aber es gibt keinen Grund in Feierstimmung zu geraten. Verbre- chen gegen die Menschheit lassen sich bei Russlands Krieg in der Ukrai- ne beweisen und auch bei gewaltsa- men Auseinanderset?zungen und Ver- treibungen in vielen Ländern der Erde. Und nun der 7. Oktober: Die bestialischen Morde der Hamas- Terroristen beim Uberfall auf israeli- sche Gebiete, die Vergewaltigungen, Demütigungen und die Verschlep- pung von Geiseln jeglichen Alters sind eines der grausamsten Vergehen gegen die 1948 formulierten Men- schenrechte. Obendrein filmten und fotografierten die Täter ihre Untaten und schickten die Bilder samt ihrer Freudentänze um die Leichen ihrer Opfer über die Smartphones in die Weltõffentlichkeit(Siche unsere Er- klärung auf der Seite links). Keine ernst?unehmende Stimme zweifelt daran, dass die Hamas ganz bewusst kalkuliert hat, wie massiv die Gegenwehr Israels ausfallen wird- mit militärischen Angriffen auf den Gaza- Streifen und mit vielen zivilen Opfern unter der palästinensischen Bevölke- rung. Die Hamas-Marodeure als Frei- heitskämpfer zu bezeichnen und die Schuld für den Krieg in Nahost bei den Opfern des Terroranschlags vom 7. Oktober zu suchen, ist eine bizarre Verdrehung der Wahrheit. Jetzt- nach mehr als zweimonati- gem Krieg- haben in Gaza(Stand 20. Dezember) um die 20.000 Zivilisten ihr Leben verloren und Hunderttau- sende sind vertrieben worden; ihre Wohnungen wurden zerbombt, und die Menschen leben in existentieller Unsicherheit in Notunterkünften oder unter freiem Himmel. Israel droht die Unterstüt?ung seiner wich- tigsten Verbündeten zu verlieren- Selbst die USA fordern die israelische Regierung und das Militär offen zu einer Anderung der Kriegsführung auf und insbesondere den Schutz der Zivilbevõlkerung Zu berücksichtigen. Die Hoffnung, dass ein gewaltfrei- es Zusammenleben von jüdischen Israelis und Palästinensern möglich sein wird, ist nicht weit verbreitet. Aber es gibt noch Menschen, die sich dafür engagieren. Die jüdisch-palästi- nensische Graswurzelbewegung Stan- ding Vogether, die seit 2016 für Frie- den, Gleichheit und soziale Gerech- tigkeit mobilisiert, ist überzeugt, „dass Frieden möglich und nötig ist*, wie das Leitungsduo Rula Daood und Alon-Lee Green betont?. Auch wenn * die tageszeitung(taz) 9. 12.2023, und Hrankfurter Kundschau 13. 12. 2023 . Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer unserer jüngsten Studienreise(. bis 9. November 2023) mit der Zeitzeugin Zdzislawa Wlodarczyk(Mitte mit dunkler Brille), die in der In- ternationalen Jugendbegegnungsstätte zu einem Gespräche zur Verfügung stand. Abgründe von Hass aufgerissen wur- den und„all der Schmerz statt auf Lösung auf Vergeltung aus ist'“, s0 wollen sie die Menschen in ihren Län- dern überzeugen:„Unsere Schicksale sind miteinander verwoben. Es wird keine Sicherheit für Israelis geben oh- ne Befreiung der PalästinenserInnen. Es wird aber auch keine Befreiung der Palästinenser geben ohne Sicher- heit für Israel.“? Den Bemühungen, Frieden zu schaffen nach Möglichkeit ohne Waf- fen, fühlt sich auch die Lagergemein- schaft verpflichtet. Wie bereits in der Vergangenheit haben wir auch im ab- gelaufenen Jahr vier jungen Leuten mit finanziellen Patenschaftsbeiträ- gen ihr Engagement bei der Aktion Sihnezeichen Friedensdienste mit er— möglicht. Insgesamt haben wir dafür 1.440 HFuro bereitgestellt. Die von uns unterstüt?ten Freiwilligen: „ Jonas Hartmann aus Berlin un— terstützt im Jüdischen Zentrum der Stadt Oswiecim(Auschwit?z) die pãdagogische Abteilung, unter ande- rem bei Führungen. „ Josef Lachnitt aus Neuhof ar- beitet in der Stiftung Polnisch-Deut- sche Aussöhnung in Warschau und unterstützt über das Maximilian-Kol- be-Werk ältere Menschen. „ Kathrin Grimm aus Hamm ar- beitet in der Stiftung Polnisch-Deut- sche Aussöhnung in Warschau und unterstützt über das Maximilian-Kol- be-Werk ältere Menschen. „ Luisa Frieden aus Chemnitz ar- beitet in Lublin in der Gedenkstätte Majdanek in der historischen Bildung und unterstũtzt über das Maximilian- Kolbe-Werk ältere Menschen. Dass die 97 jährige Uberlebende Anna Szalasna nach wie vor in ihrer Wohnung leben kann, haben wir im Jahr 2023 mit mehr als 5000 Euro mit- ermöglicht. Der Warschauer Klub der Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 8 cehemaligen Nazi-Verfolgten bedank- te sich bei uns für den zur Verfügung gestellten Betrag in Höhe von 4.500 Euro und der Krakauer Klub für 4000 Buro. Auch das Ambulatorium(siehe Seite 9) wurde wieder mit 4000 Huro bedacht. Natürlich haben wir auch wieder eine Studienfahrt durchgeführt(Siehe Seite 10 ff.) und unseren Beitrag als Mitglied des Fördervereins der Inter- nationalen Jugendbegegnungsstätte Oswiecim geleistet. Wir danken allen, die unsere Pro- jekte unterstützt und begleitet haben. Wir können versichern, dass die Uberlebenden der Konzentrations- lager und Gestapo-Gefängnisse sowie deren Angehörige das durch Buch/Sie ermöglichte Engagement anerkennen. Wir geben hiermit deren Dank weiter an Sie, unsere Mitglieder Die Bankverbindung für Ihre Spende: Lagergemeinschaft Auschwit? Freundeskreis der Auschwitzer Sparkasse Oberhessen IBAN DEd3 5185 0079 0020 0005 03 BIC HELADEFFIFRI Vielen Pank: Bitte Name und Adresse deutlich schrei- ben, damit wir Ihnen die Spenden- bescheinigung Zuschicken können. und Unterstũtzer. Als Vorstand der Lagergemein- schaft Auschwit? und des Freundes- kreises der Auschwit?er wünschen wir Ihnen für 2024 ein respektvolles und hoffnungsvolles Jahr, das mehr an friedlichen Lösungen bringen möge, als die gerade hinter uns liegenden Monate. o Durch Mitgliedsbeiträge und Spenden können wir u. a. Studienreisen nach Polen finanzie- ren und auch Gespräche mit ehemaligen NS-Verfolgten organisieren. So wie hier bei der jüngsten Reise mit Zdzislawa Wlodarczyk Cinks). Sie wurde im Mter von 11 Jahren mit El- tern und jüngerem Bruder nach Auschwitz deportiert. Dort wurden die Kinder von den F- tern getrennt. Der Vater wurde sSpãter im Konzentrationslager Fossenbürg ermordet. Die Mutter Starb kur? nach ihrer Befreiung. Bereits in Auschwitz musste sich Zdꝛislawa um ihren Keinen Bruder kümmern, Ständig auf der Hut und ständig bangend um ihrer beiden Leben. 6 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Im Zeichen des Massakers Präsidiumssit?ung des Internationalen Auschwitz-Komitees Ganz im Zeichen des Massakers vom 7. Oktober stand die Tagung des Prä- sidiums des Internationalen Ausch- wit?-Komitees vom 29.- 31. Oktober in Berlin. Bereits unmittelbar nach dem beispiellosen Angriff der palãsti- nensischen Terrororganisation Ha- mas hatte das Präsidium in einer Stel- lungnahme seine Bestürzung und An- teilnahme insbesondere mit der Lage der in Israel lebenden Holocaust- Uberlebenden erklärt(Siche Kasten rechts). Im Mittelpunkt des Interesses Stand daher am ersten Tag der Bericht des IAK-Vizepräsidenten und Gene- raldirektors des Dachverbands der Organisationen von Holocaust-Orga- nisationen in Israel, Avi Rosenthal. Bei dem Massaker wurde ein erst kürzlich als Holocaust-Uberlebender anerkannter Mann aus Rumänien getötet. 550 Uberlebende mussten in der Folge aus dem Süden evakuiert werden. In Israel leben gegenwärtig noch 154.000 Personen, die als Holo- caust-Uberlebende anerkannt sind. Viele dieser Menschen sind in ihrem alltäglichen Leben stark betroffen. Sie sind auf Pflegedienstleistungen angewiesen, die aufgrund der aktuel- len Situation nicht mehr umfassend gewährleistet sind, sei es, weil sie sel- ber oder die Pflegekräfte evakuiert werden mussten.(Anmerkung: Auch die Aktion Sühnezeichen, die in Israel Großangriff auf Israel „Auschwitz-Uberlebende in aller Welt denken in diesen Stun- den mit großer Kiebe, Sorge und Solidarität an die Uberlebenden des Holocaust und ihre Familien in Israel, die seit heute früh unter einem massiven Angriff der palã- stinensischen Hamas leiden: Auch dieser massive Angriff, der den traumatischen Brinnerungen der Uberlebenden neue Bilder des Schreckens und die entsetzliche Angst um ihre wiederaufgebau- ten Familien hinzufügt, Speist sich aus dem immer wieder neu ange- fachten Antisemitismus und Ver- nichtungswillen gegenüber dem Staat Israel und seinen Bürgerin- nen und Bürgern.“ Alis der Erkldrung des Inter- nalionalen Ausch witz-Komitees (7. 70. 2023) besonders stark in der Betreuung die- ser Menschen engagiert ist, hat ihre Freiwilligen aufgrund der Sicherheits- lage abgezogen.) Auch das häufige Aufsuchen von Schutzräumen und Bunkern wegen der ständigen Rake- tenangriffe bereitet Probleme, führt zu Angst, Verunsicherung, Verwir- rung, Traumatisierung. In Israel wa- ren zum FZeitpunkt der Tagung Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 7 120.000 Menschen aus ihren Wohnun- gen evakuiert, hauptsächlich aus dem Süden, aber mit zunehmender Tendenz auch aus dem unter Be- Schuss der vom Li- banon aus agieren- den Hisbollah-Mi- li? liegenden Nor- den. Aber auch an den Evakuierungs- orten sind die Menschen häufig nicht sicher: 80 wird FEilat, das we- gen seiner zahlrei- chen Touristenho- tels(S6.000 Betten) zahlreiche Flüchtlinge unterbringt, mittlerweile durch Raketen der vom Iran unter- stützten jemenitischen Huthi-Milizen bedroht. Ergänzend wurde über die Reak- tionen in den verschiedenen bei der Tagung repräsentierten Ländern be- richtet. Insgesamt wurde deutlich, dass mit dem neuerlichen Konflikt auch ein Ansteigen„antizionisti- scher“, antisemitischer Agitation und entsprechender Angriffe gegen jüdi- sche Personen und Einrichtungen zu beobachten ist. IAK-Präsident Mari- an Turski wies auf das Ansteigen des israelbeZogenen Antisemitismus als einer weit über das rechtsextremisti- sche Spektrum hinaus zunehmend at- traktiven Spielart hin. In der Diskus- Marian Turski, Präsident des Internationalen Auschwitz-Komi- tees, und Avi Rosental, einer der Vizepräsidenten, beim Präsidi- umstreffen Ende Oktober in Berlin. sion wurde angemerkt, dass es eine groteske Ironie ist, dass sich gerade rechte Parteien und Organisationen derzeit als Verteidiger Israels bzw. jü- discher Menschen präsentieren, weil dies ihrer antiislamischen Agenda entgegenkommt, und sich der Antise- mitismus, z. B. in Deutschland, als ein im Wesentlichen„muslimisches Pro- blem“ redefinieren lãsst. Ubereinstimmung unter den Teil- nehmer?innen bestand darin, dass es sich bei dem Massaker vom 7. Okto- ber um ein beispielloses, einschnei- dendes Breignis und eine ungeheure Herausforderung des Staates Israel, aber auch aller in der Brinnerungsar- beit engagierten Kräfte handelt. Dies erfordere eine klare Positionierung von allen Organisationen. Die Zeit 8 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer der„Ja, aber“Sätze sei vorbei. Uber- einstimmung bestand auch darin, dass die im IAK zusammengeschlossenen Organisationen sich noch stärker als bisher in die aktuellen politischen Auseinandersetzungen einmischen müssen, um der Umwertung der Frin- nerung an den Holocaust und der da- mit einhergehenden Täter-Opfer- Umkehr als einem der zentralen Merkmale des Post-Holocaust-Anti- semitismus entgegenzutreten. Diese Uberzeugungen wurden auch tags darauf in einem ausführli- chen Gespräch der Tagungsteilneh- mer*innen mit dem Chef des Bundes- kanzleramtes, Staatsminister Wolf- gang Schmidt, vorgetragen und fan- den bei ihm vollständige Zustim- mung. Schmidt erläuterte dabei die getroffenen Maßnahmen und begrün- dete auch die umstrittene Stimment- haltung der Bundesrepublik zu einer Resolution in der UN-Vollversamm- lung. Man habe sich hinter den Kulis- zu eindeutigen Stellungnahmen auf— gefordert seien. Er zeigte sich vor al- lem von dem Bericht Avi Rosentals beeindruckt. Seitens des IAK wurde auf die Notwendigkeit einer deutlich intensi- veren schulischen und außerschuli— schen Bildungsarbeit hingewiesen. Die Kenntnis der Hintergründe und der Dynamik des Nahost-Konflikts Sei nicht nur bei Jugendlichen äußerst lückenhaft. Ganze Gruppen von jun- gen Menschen, nicht nur solche mit „Migrationshintergrund“, würden zur Zeit nicht erreicht. Daher baten die Teilnehmer konkret darum, die vor- gesehenen Kürzungen im Ftat der Bundeszentrale für Politische Bil-— dung zurückzunehmen. Gerhard Merz (Cemard Merz hat auf Einladung von Pechtive Vice-President Christoph Meluhner als Gast an der Vagung des A K Prdsidilims teilgenommen.) sen erfolgreich um For- mulierungen bemüht, die für viele unterschiedli- che Länder konsensfähig seien und dabei gerade auch mit arabischen Ländern zusammengear- beitet. Angesichts dessen sei die Enthaltung der Versuch, offene Türen nicht wieder zuzuschla- gen. Auch Schmidt stimmte der Aussage zu, dass die Zeit des„Ja, aber“ vorbei sei, und Po- litik und Zivilgesellschaft Das von der SS vor der Flucht im Januar 1945 gesprengte Krematorium in Birkenau Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 9 Anlaufstelle für ambulante Hilfe Stiftung betreut NS-Verfolgte und deren Angehörige Am 8. Novem- ber 2023 konnten wir als Vorstands- mitglieder der La- gergemeinschaft Auschwitz der Ein- ladung von Frau Zofia Horwat in die neue Ambulanz der„Fundacja Pro vita et spe'“ in der ul. Wielicka 267 in Krakau folgen und wurden dort über— aus herzich emp- fangen. Teresa Ostrowska, die uns Seit vielen Jahren bei den Studienfahr- ten in Krakau durch das ehemalige jü- dische Viertel Kazimierz, das frühere Ghetto in Podgorze sowie das Gelän- de des ehemaligen Konzentrationsla- gers Plasz6w führt, begleitete uns und fungierte freundlicherweise als Uber- SetZerin. Nach der Kündigung des langjähri- gen Mietvertrags im Zentrum der Stadt mussten für die Ambulanz neue Räumlichkeiten gefunden und um- fangreiche Umbauten vorgenommen werden, um alle Anforderungen des polnischen Nationalen Gesundheits- fonds(NFE) und des Sanitärepide- miologischen Instituts Zu erfüllen. Die heute noch 82 Patienten- Uberlebende der Konzentrationsla- ger, der Ghettos, von Arbeitslagern Monika Malzenska, Leiterin Zofia Horwat und eine weitere Mit- arbeiterin der Ambulanz mit Teresa Ostrowska und Matthias Tiessen(von links) beim Besuch am neuen Standort der Krakauer Finrichtung. und deren Angehörige- werden inten- siv von Arzten, Krankenschwestern, Physiotherapeuten und Psychologen zuhause und-seit Juli 2023— auch wie- der in der Ambulanz betreut. Dass die- 8e Betreuung der oft traumatisierten Patienten und Patientinnen dringend benötigt wird, kann das gesamte hochmotivierte Team täglich spüren. In?wischen werden bereits Nachkom- men von Uberlebenden psychologisch behandelt, die unter dem KZSyn- drom ihrer Eltern oder Großeltern lei- den. Wir freuen uns sehr, dass wir diese unschätzbar wertvolle Arbeit der Am- bulanz in Krakau auch in 2023 wieder mit 4000 Buro aus unseren Spenden- einnahmen unterstützen konnten. Matthias Tiessen, Andreas Kilian 10 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Impressionen: Studienreise 2023 Foto oben: Fingang Zum Stammlager. Mitte: Koffer der Deportierten, rechts: Jan Ka- plon, Leiter der Kunstsammlung. Unten rechts: Auf demjüdischen Friedhof Krakau. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 11 Die Botschaft der Uberlebenden Studienfahrt nach Auschwitz und Krakau(November 2023) Von Anita Kazungu „Waas? Du reist nach Auschwitz?“ „Wie mutig, dass Du Dir das antust, ich könnte das nicht.“„Ja, was wünsche ich Dir denn da jetzt, Schönen Urlaub ist ja wohl nicht so passend...*. Solche Reaktionen aus dem Bekanntenkreis und Kollegium kamen da schon, als es vor drei Wochen losging. Ich hatte natürlich auch so meine Verunsiche- rungen— noch dazu nach den furcht- baren Freignissen seit dem 7.10.2023 in Israel und Gaza: darf ich mich auf diese Reise freuen? Was wird es mit mir machen, die Orte des Unfassbaren zu betreten, zu berühren, abzuschrei- ten,(Er-) Zeugnissen von Ermordeten, Mördern, aber auch Uberlebenden re- al und ungefiltert gegenüberzustehen? Was für Menschen sind mit mir in der Reisegruppe unterwegs? Tatsächlich waren wir 22 Personen (davon 3 als Organisationsteam und wissenschaftliche Begleitung), Frauen und Mãnner im Alter von 16 bis U60, mit verschiedensten beruflichen Hin- tergründen, aus vielfältigen persönli- chen Beweggründen, manche bereits zum wiederholten Mal dabei, und sehr schnell hat sich eine sehr wohltuende Gruppendynamik entwickelt. Die Un- terkunft in der Internationalen Ju— gendbegegnungsstätte in Oswiecim war ideal für eine solche Gruppenrei- se: einladende Räumlichkeiten, eine großzügig gestaltete Gartenanlage und hervorragende Verpflegung ha— ben uns hier einen geschützten Rah- men geboten und Erholung und Be-— gegnung ermöglicht. Unser Programm war unglaublich facettenreich: EFine hoch kompetente Führerin hat uns durch das Stammla- ger Auschwit? begleitet und durch das Vernichtungslager Auschwitz-Birke- nau, das weitgehend zerstört ist und dennoch durch die schier unermess- liche Größe und die Ruinen der von der S8 gesprengten Gaskammern und Krematorien berührt. Wir durften in Block 25 des Stammlagers eine Kunstausstellung besuchen, die der Offentlichkeit nicht zugänglich ist. Herr Jan Kaplon, der verantwortlich ist für die ũber 5000 ar- chivierten Kunstwerke, die in Ausch- wit? geschaffen wurden, hat uns hier sehr lebendig die Geschichten und Hintergründe einiger exemplarischer und teilweise sehr berührender Kunst- werke erzãhlt: legal entstandene Kunst als offizielle Auftragsarbeiten durch die S8, halblegale Auftragsarbeiten ge- gen die Gewährung von Vergünsti- gungen, aber auch heimlich entstande- ne und verbotene Zeichnungen zur Dokumentation des Lagerlebens, von Porträts und Karikaturen. Wir hätten Herrn Kaplon gerne noch viel länger zugehört. Andreas Kilian hat uns zu verbor- genen Zeitzeugnissen und weniger be- kannten Gedenkorten geführt: z. B. 12 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer zur sogenannten„alten Judenrampe“ und zu den Resten des Lagers Mono- wit?(Buna-Werke der I6 Farben): Die von den Deutschen vertriebene polnische Bevölkerung ist nach dem Krieg zurückgekehrt und hat ihr Dorf wieder aufgebaut und dabei auch Ge- bãude, Fundamente und Baumaterial des Lagers genutzt, so dass hier nur das geübte Auge noch die Spuren er- kennen kann. Es sind sehr spannende Uberlegungen entstanden, z. B. wie Gedenken christlicher Menschen für jüdische Opfer angemessen ausge- drückt werden kann(mit einem Kreu??22), oder das Spannungsfeld zwischen dem Wunsch nach Landnut- zung der ehemals vertriebenen polni- schen Bevölkerung und dem Auswei- sen eines Gedenkortes für ein durch Deutsche betrie benes Vernichtungsla- ger auf polnischem Territorium. Bewegende Begegnungen mit drei Zeitzeuginnen Der zweite Teil unserer Reise hat uns nach Krakau geführt, ins historische jüdische Stadtviertel Kazimierz. Un- tergebracht waren wir in einem zentral gelegenen Hotel mitten im kulturellen Leben des Stadt- teils. Unsere Stadtführerin Te- resa Ostrowska hat uns mit ihrem unerschöpflichen Wis- sensschatz und 2zahllosen Anekdoten sehr informativ und kurzweilig begleitet bei unseren Besuchen von Syna- gogen, jüdischem Friedhof, Oskar Schindlers Fabrik, Aus- stellungen, Restaurants, Klez- mer-Musik und und und... Besonders würdigen möchte ich noch die drei sehr bewegenden Be- gegnungen mit Zeitzeuginnen, die mich auf unserer Reise nachhaltig be- eindruckt haben. Wir durften als Gäste den 97. Geburtstag von Anna SzZalasna begehen und ins Gespräch kommen mit Zdzislawa Wlodarczyk und Lidia Maksymowicz, die beide als Kinder Auschwitz überlebt haben. Trotz grau- envoller Erfahrungen haben es diese drei Frauen geschafft, ihr Leben„da- nach“ fruchtbar zu gestalten, weil sie sich nicht von Hass haben zerfressen lassen. Das ist für mich die größte Bot-— schaft, die sie immer noch an jüngere Generationen weitertragen und die mir Hoffnung macht, wie Krieg, Hass und Leid nicht nur überlebt, sondern transformiert werden können. Alles in allem eine überwältigende und bereichernde— wenn auch kör- perlich Sehr anstrengende-Reise, die ich allen Interessierten sehr empfeh- len kann. Fin großes Dankeschön an die Organisatoren und an die tolle Reisegruppe und hoffentlich auf Wie- dersehen! Lidia Maksymowicz im lebhaften Gespräch mit Teilnehmer:innen der Reisegruppe. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 13 Von Birkenau in den Vatikan Gespräch mit der Holocaust- Vberlebenden Lidia Maksymowicz Im Laufe der diesjährigen Studienfahrt nach Ausch— wit? und Krakau gab es Gelegenheit zu gleich drei Begegnungen mit Holo— caust-Uberlebenden. Uber das Schicksal von Zdzislawa Wlodarczyk, die uns auch in diesem Jahr wieder in der Internationalen Jugendbe- gegnungsstätte in Oswiecim ihre(Uber-) Lebensge- schichte erzählte, haben wir schon in früheren Ausgaben des Mitteilungsblatts berich- tet. Ebenso über die Ge- schichte von Monika Goldwasser, die in den vergangenen Jahren im Muze- um Galicja in Krakow unsere Gesprãchspartnerin war. In diesem Jahr trafen wir dort mit der Auschwitz-Uberlebenden Lidia Maksymowicz zusammen. Wie Frau Wlodarczyk und Frau Goldwasser wurde auch sie als Kleinkind im Alter von drei Jahren mit ihrer Familie aus Ostpolen(heute Gebiet von Weißrus- sland) nach Birkenau deportiert und überlebte mit ihrer Mutter die Selek- tion. Wãhrend die Mutter im Arbeits- kommando schuftete, wurde sie von dem berüchtigten Nazi-Arzt Dr. Men- gele pseudomedizinischen Fxperi- menten unterworfen. Die Mutter wur- de auf einem der Todesmärsche nach Ravensbrück und dann nach Bergen- Belsen„evakuiert“. Lidia blieb alleine im Lager zurück und wurde von den Zeitzeugin Lidia Maksymowic? Soldaten der Roten Armee befreit. Sie berichtet, wie sie erst langsam die körperlichen und seelischen Schä- den, die die Inhaftierung hinterlassen hatte, überwand. Mit der Mutter war auch die einzige Person verschwun- den, die ihre Identität kannte. Bekannt war tatsächlich nur die Nummer, die auf ihrem Arm eintätowiert war und die sie lange zu verbergen suchte. Nach 17 Jahren die Mutter wieder gefunden Das kleine Mädchen wuchs bei Adop- tiveltern heran. Erst auf Drängen von Mitschülerinnen begann sie, nach ih- rer leiblichen Mutter zu suchen, die mithilfe der Häftlingsnummer in der UdSSR ausfindig gemacht werden konnte. Das erste Zusammentreffen der beiden- nach 17 Jahren- fand denn auch in Moskau statt und wurde 16 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer durch die Veröffentlichung zahlrei- cher Artikel weit beachtet. Dies führ- te schlieBlich- mit verschiedenen Zwi- Schenstationen-2Zu einem Besuch bei Papst Franziskus im Januar 2022. Der italienische Autor Paolo Rodari Schrieb eine Biografie unter dem Jitel „Das Mädchen, das nicht hassen konn- te“; sie erscheint im Januar 2024 auf Deutsch unter dem Nitel Ich war zu jung, um zu hassen“ bei Heyne. Das Gespräch und die Persönlich- keit von Frau Maksymowicz, die heu— te 83-jährig in Krakau lebt, hinterließ bei uns allen einen starken Findruck. Noch lange nach dem Gespräch wurde sie von Teilnehmer?innen umlagert. Gerhard Mer?z er für Anna S7alasna Mattihas Tiessen(inks) und Gerhard Merz sowie die gesamte Gruppe der Stu- dienreise freuten sich, gemeinsam mit Anna Szalasna feiern zu können. Am 31. Oktober 2023 feierte die Holocaust- Uberlebende Anna S2alas- na ihren 97. Geburtstag. Sie überlebte das Vernichtungslager Auschwit?Bir- kenau und das Konzentrationslager Ravensbrück. Seit vielen Jahren steht sie der Internationalen Jugendbegeg- nungsstätte in Owiecim als Zeitzeugin zur Verfügung. Aus Anlass ihres Ge- burtstages fand am 4. November während unserer diesjährigen Studi- enfahrt- eine Geburtagsfeier in der ITBS statt, die wir als LGA mit auszu- richten die Ehre und Freude hatten. Neben einer ganzen Reihe von Weg- gefährten hatten wir Gelegenheit, Frau SZalasna zu gratulieren und ein Geschenk zu überreichen. Die gesam- te Feier wurde simultan gedolmetscht, So dass alle Teilnehmer?innen unserer Studienfahrt Anteil nehmen konnten. Gerhard Mer?z Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 15 Die Leben vor und nach Auschwitz Zum Tod von Eva Fahidi Wir sind traurig: Unsere Freundin Fva Fahidi ist am 11. September 2023 in Budapest gestorben. Am 22. Oktober hätte sie ihren 98. Geburtstag feiern können. Wir haben viel von ihr gelernt und sind sehr dankbar, dass sie uns ihr Vertrauen schenkte und ab 2008 immer wieder unserer Binladung nach Deutschland folgte, um bei vielen Ver- anstaltungen in Schulen und auch ge— genüber Erwachsenen von ihrem Schicksal Zu berichten. Sie freute sich immer, wenn ihr die Menschen auf— merksam zuhörten. Ja, wir können be- Stätigen, was das Internationale Ausch- wit?Komitee in einem Nachruf schrieb: „Die Menschen hörten ihr gehannt zu, vie wurde geliebt und verehrt.“ Erst ab 1900 war es ihr möglich, ihre Geschichte zu erzählen. Zu erzählen, wie sie, weil Sie Jũdin war, 1044 mit 18 Jahren nach Auschwit?-Birkenau deportiert wurde. Wie der SS-Arzt Josef Mengele die Selektion durchführte:„Den 7. Muli AA, als ich nach Auschwitz-Birkenau ankum, Kann ich nicht vergessen.(..) Weil mil dieser Kleinen Gehdrde, die So leicht wn womil mich Mengele aufdie eine Sei- te nd alle meine Hamilienmitglieder auf die andere winkte, mein ganzes Leben, das danach Kam- wenn es auch als eine erfolgreiche Kurriere alussuh- durch mich erleht jedoch, linwiderruflich miserabel, wrzellos ind Schamhaft wlirde. Eine offene Wunde, die man nur zut ertragen gewohnt wurde, die aber nie geheilt wer- den Kann.“* 40 Menschen aus Evas Verwandt- Schaft fielen dem Vernichtungswahn der Deutschen zum Opfer. Eva über- lebte, weil sie„ein rüstiges und stram- mes Mädchen' war, schlieBlich über Buchenwald in ein Arbeitslager ins hessische Stadtallendorf kam, um dort als Zwangsarbeiterin Granaten für den deutschen Sieg zusammenzubauen. Beim Todesmarsch 1945 gelang ihr dann die Flucht. Fva waren vor allem die jungen Menschen wichtig, denen sie ihre Ge- Schichte erzählte.„Die Kinder sagen min Sie verstehen es S0 hesser als als Bichern. Und ich möchte, dass sie er- fahren, wie es gewesen ist.“ Sie bezeich- nete sich stol? als„praktizierende Großmutter“ von vier Enkelkindern. „JCh weiß nicht, wus ich machen wiirde, wenn ich nicht dariber Sprechen Könn- tex, Sagte sie. Doch das war nicht immer So. Es hat lange gedauert, bis sie über den Holocaust reden konnte. Nach der Befreiung ist sie zurückgekehrt nach Ungarn. Alleine. Ihre Mutter und ihre * Zitiert aus Evas damaligem Manuskript, MB, Dezember 2008. 16 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer elfjährige Schwester waren sofort nach der Ankunft in Auschwit? in der Gas- kammer ermordet worden. Ihr Vater war wenig spãter gestorben. In Ungarn begann Fva ein neues Leben. Sie ar- beitete, heiratete, bekam eine Tochter- und sprach 45 Jahre kein Wort über das Erlebte.„Nicht mit meinem Mann, nicht mil meiner Vochten“ Und:„ Jch wollle nie mehr nach Deutschland.“ Es kam zum Glück anders. Sie hat es in ihrem Buch Die Seele der Dinge(Lukas Ver- lag, Berlin 2011) beschrieben. Wie ihre Vorträge und Gespräche auf die Zuhörerinnen und Zuhörern wirkten, das beschrieb 2008 bei einer Veranstaltung der Lagergemeinschaft in Bad Nauheim der Reporter der Blitz hacher Zeitung wie folgt:, Vief he- wegend wuren ihre Klaren Worte, die vie mit dem Charme ngarischen Pin- Schlags in der hellwuchen Stimme Schil- derte ind von der Hõlle auf Eyrden he- richtete, die vie durchleiden miisste.(..) Sie fassle Unsaghares in Worte und iherprang dabei trotzdem noch viel Grausameres. Sie hlieh dahei stets zu- vorMommend freluundlich und ohne eit— nen Anflug von Anklage.“ Abschlie- Bßend sagte Eva:„Was mit unseren Seelen passiert ist das ist Schwer zl sd- gen. Aber wir hassen niemanden.“ Noch im November 2022 bei einer Veranstaltung des Hamburger Ausch- wit?-Komitees bekräftigte Fva dies: „JCh Sage immer Win die auf der Kam- he ⁊lim Leben verurteilt' wlurden— auf einmal sind wir dagestunden, Kahige- Schoren, Splitternackt. Alle Auschwitz— Vberlebenden müssen etwus im Leben mit diesem Vauma anfangen. Wir wol- len nicht hassen, einfach aus diesem Fvas Mutter Irma Weis? im Jahr 1923 Gruind weil wir linsere Seele nicht mit dem Hass heflecken wollen. Wir hahen die Auseinanderetzung entdeckt“ Aber vorzeihen Können wir nichtꝰ Und wollen wir nichkt““ „Wer Auschwitz-Birkenau überleht hat, hat ⁊wei Lehen. Ein Lehben vor ind ein Leben nach Ausch witz.“ Mit diesem Sat? beginnt das erste Kapitel von Fvas Brinnerungsbuch. Ich würde behaup- ten, Eva hatte drei Leben. EFines vor Auschwitz, eins nach Auschwitz- als sie jahrzehntelang nicht davon sprechen konnte-, und ein weiteres, als sie davon sprach. Wer furchtbar die Zeit davor war, mag eine Passage aus ihrem Buch verdeutlichen: JIch wur flinfindsiehzig Jahre alt als ich endlich mit meiner Mut- ter Frieden Schloss lind dieses Foto an die Wand hängte. Davor hatte ich, wenn ich nur an meine Multer dachte, vor Wut Schreien Können. Wozt hatte sie mich auf die Welt gebracht, wozu gelieht, ert Zogen, verwöhnt lim mich dann im Stich zu lassen? Mich mittemeelenallein zluriickzulassenꝰ*(S. 77) Hans Hirschmann Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 17 „Eine Erinnerungskultur, die zuhause beginnt? Christoph Heubner thematisiert„DieZukunft der Erinnerung“ Rund 60 Teilnehmer:innen fanden am 27. November 2023 trot? winterlicher Wetterbedingungen den Weg in das International Graduate Centre for the Study of Gulture der Justus-Lie- big-Universität Gießen oder waren online Zugeschaltet, um auf Einladung der Arbeitsstelle Holocaustliteratur und der Lagergemeinschaft Ausch- wit?— Freundeskreis der Auschwitzer (LGA) den Vortrag von Christoph Heubner, dem Fxekutiv-Vizepräsi- denten des Internationalen Auschwitz Komitees(IAK), Zu verfolgen. Heub- ner, der den deutschen Frinnerungs- diskurs der letzten Jahrzehnte maß- geblich geprägt und mit großem Nachdruck stets die Perspektive der Uberlebenden in die õffentlichen De⸗ batten eingebracht hat, sprach in sei- nem Impulsvortrag und in der an- Schließenden Diskussion unter der Moderation von Gerhard Merz, dem Vorsitzenden der ILGA, über die Her- ausforderungen, aber auch über die Chancen und Perspektiven der Prin- nerung an den Holocaust in Gegen- wart und Zukunft. Die Frinnerungskultur und das Be- wusstsein dafür seien in Deutschland zivilgesellschaftlich erkämpft worden, „deshalb sollten wir sie uns nicht schlechtreden oder nehmen lassen“, mahnte Heubner. Dazu bedürfe es auch gewisser Rituale, um die Men- schen an das Sujet heranzuführen, ar- gumentierte er und wandte sich damit gegen den derzeit häufig geäußerten Vorwurf einer„ritualisierten“ Erinne- rungskultur. Allerdings müsse der „Staffelstab“ nun an die jüngeren Ge- nerationen übergeben werden, wie er in Anlehnung an den Holocaust- Uberlebenden und Präsidenten des IAK, Marian Turski, beschrieb; es sei nun an ih- nen, die Erinne- rungsarbeit fort- zuset?en. Diese stehe jedoch an- gesichts des Krieges in der Ukraine und im Nahen Osten sowie des Erstarkens einer neuen politischen Rechten vor ei- ner enormen Herausforderung. Insbe- Sondere das seit vielen Jahren themati- sierte und leider immer näher rückende Ende der Zeit?eug:innenschaft markie- re eine Zäsur, denn die Uberlebenden hätten mit ihrer„Zartheit“ und „Freundlichkeit“ lange Zeit entschei- dend zum Mialog und zur Erinnerungs- kultur in der deutschen Nachkriegsge- Sellschaft beigetragen, erklärte Heubner, und schon bald„sind wir al- lein“. Gerhard Merz ergänzte, dass auch die unersetzliche„Aura“ der Uberlebenden verloren gehe, die bis- her in pãdagogischen Kontexten von unschät?barem Wert gewesen sei. Beide waren sich einig, dass insbe- Ssondere die Literatur ein wesentliches 18 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Medium sein wird, um das Vermãächt- nis der Zeitzeug:innen auch in Zukunft zu bewahren. Sie könne, so Merz, die „abstrakte“ Erinnerung in individuelle Lebensgeschichten auflösen. Beson- ders deutlich wurde dies in den drei Auszügen aus Heubners Erzählbän- den, die er dem Publikum vorlas. In Ich vehe HMunde, die an der Leine reißen (2019), Durch die Knochen bis ins Herz (2021) und Al wir die Mailcdfer waren (2023), alle erschienen im Göttinger Steidl-Verlag, erzählt Christoph Heub- ner aus der Ich-Perspektive— sich sei- ner Sprecherrolle aber mehr als be- wusst— von jenen Menschen, die Auschwitz überlebt haben und denen er durch seine Tätigkeiten etwa im Rahmen der Aktion Sühnezeichen Friedensdienste und der Internationa- len Jugendbegegnungsstätte mit der Gedenkstätte Auschwit? lange Zeit freundschaftlich verbunden war. Er Selbst habe wohl mit der Idee gerun- gen, die Geschichten auf diese Weise auf?uschreiben: erst die Anregung der franzõsischen Uberlebenden Simone Veil habe ihn dazu bewogen, dies zu tun. Sie hatte Heubner 2008 mit auf den Weg gegeben:„Jhr miisst linsere Geschichten weiterschreiben, ihr misst euch die Falkten und unsere Erinnerun- gen aneignen und Kiinstlerische Wege Kinden, linseren EFmotionen eure Emo- tionen hinzuzufügen.“ Es sei eine zentrale Aufgabe, die Geschichten der Opfer weiterzuer- zählen, um ihnen ihren Namen zurück- zugeben, resümierte Merz. Bei der Auseinandersetzung sei es aber beson- ders wichtig, nicht auf der Gefühlsebe- Christoph Heubner und Gerhard Merz ne verhaftet zu bleiben, sondern die Brinnerungen durch Fakten zu ergän- zen— das eine sei ohne das andere nicht denkbar, um ein umfassendes Ver- ständnis zu ermöglichen, so Heubner. Fakten und Emotionen In der anschließenden Diskussion wurde dieses Spannungsfeld zwischen Wissen und Empfindungen weiter ver- tieft. Prof. Dr. Sascha Feuchert Sprach von der Herausforderung der Frinne- rungskultur, dass sich gerade in der Schule viele Menschen— trot? empi- risch belegter Wissenslücken— vom Thema Holocaust übersättigt fühlten. Deshalb sei es besonders wichtig, jun- ge Menschen sowohl über Fakten als auch Emotionen einen Zugang zum Thema zu ermöglichen. Ein Weg kön- ne sein, Leerstellen und weiße Flecken in der eigenen Familiengeschichte zu identifizieren und zu hinterfragen. Es brauche daher„eine Erinnerungskul— tur, die zuhause beginnt. ſ...] vor der eigenen Haustür, vor der Schulhoftür, vor dem eigenen Bahnhof“, denn dort gebe es noch„s0 unendlich viel aufzu- arbeiten und zu benennen“, betonte Heubner am Ende der anregenden aber auch nachdenklich stimmenden Veranstaltung. Jennifer Ehrhardt Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 19 „Brundibär“. Neuerscheinung nach der gleichnamigen Kinderoper „Ein Licht in der Dunkelheit“ Es ist der 23. September 1943 im Konzentrationslager(KL) und Ghetto Theresienstadt. Der Lageralltag der Hãäftlinge ist ge- Prägt vom Terror der Deut— schen. Gewalt, Hunger, Krank- heiten, Epidemien führen zu einer hohen Sterberate. Die De- portationen in das Vernich- tungslager Auschwit?-Birkenau sind im vollen Gange.i In dieser schrecklichen Si- tuation findet etwas schier Un- vorstellbares statt. Auf dem Dachboden der Magdeburger Kaserne wird zum ersten Mal eine ganz besondere Oper auf- Ilannælurt Rerhnrer Mlarin Thumaathkr gaUNDIBn Wie Aninku und Pepit̃ek den Leierkastenmann besiegten MEN †— geführt, eine Oper für Kinder. Sie trãgt den Iitel:„Brundibär?. Hauptakteure auf der Bühne sind jüdische Mädchen und Jungen. Komponiert wurde die Oper von Hans Kräsa. Das Libretto stamm- te von Adolf᷑ Hoffmeister.? Die Handlung ist einfach:„Die Mutter ist krank, ihre zwei Kinder Pepĩcek und Aninka gehen Milch ho- len, aber sie haben kein Geld. Da sehen sie, dass die vorübergehenden Men- Hardcover, 64 Seiten, 38 Bilder, Berlin 2023. Ladenpreis: 19,90 Euro schen dem Leierkastenmann Brun- dibãr Geld geben. So stellen sie sich auf den Markt und fangen an zu singen. Aber ihre Stimmen sind zu schwach. Da kommen die Tiere der Stadt und ra- ten ihnen, einen Kinderchor zu formen, damit ihre Stimmen stärker werden. Und die Niere laden die Schulkinder 1 Unter den Häftlingen befanden sich etwa 15.000 jüdische Kinder. Für sie organi- sierte die sogenannte Jüdische Selbstverwaltung, die unter der Kontrolle der S8S stand, pãdagogische Betreuung, geheimen Unterricht und Kulturveranstaltungen wie„Brun- dibãrꝰ. Diese kulturellen Leistungen zeugen vom Uberlebenswillen, von der Selbstbe- hauptung der Häftlinge, auch von ihrem geistigem Widerstand gegen die Deutschen und die S8. Von den Kindern überlebten nur etwa tausend die Shoah. 2 Brundibär ist tschechisch und bedeutet Hummel und im übertragenen Sinne Miesepeter. 20 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer ein, die Kinder fangen an zu singen, und ihre Stimmen sind stark genug, und der Leierkastenmann ist geschlagen.“3 Gespannt verfolgen die Kinder das Geschehen auf der Bühne. Viele den- ken bei dem Bösewicht Brundibär an Hitler, den es zu besiegen gilt. Dank der Solidarität der Tiere und der Schulkinder mit Aninka und Pepicek besiegen sie diesen Bösewicht und Dieb am Ende tatsächlich. Sie singen ein Siegeslied— und feiern den Tri— umph des Guten über das Böse. Dies gibt den Kindern Kraft und Hoffnung auf ein Ende des Krieges, auf den Sieg über Hitler und die Deutschen. Heute wissen wir: Für die Kinder waren die Aufführungen von„Brundibär? ein „Licht in der Dunkelheit?. EFin Vorbild für die Welt Die Idee zu einem„Brundibär“-Kin- derbuch hatte Hannelore Brenner Schon vor mehr als zwei Jahrzehnten. Aber erst jetꝰt wurde sie Wirklichkeit. Am 23. September 2023, genau 80 Jah- re nach der ersten Aufführung der Oper in Theresienstadt, erschien das Buch im Musikverlag Boosey& Ha- wkes— Bote& Bock, der die Rechte der Oper vertritt, und in der von Han- nelore Brenner gegründeten Edition Room 28(Co-Verlag). Hannelore Brenner erzählt die Ge- schichte, die der Oper zugrunde liegt, lie bevoll und lebhaft für Kinder ab vier Jahren. Sie widmete das Buch dem Komponisten Hans Krãsa(1899-1944) mit den Worten:„Möge die Botschaft dieses Werkes im Sinne ihrer Schöpfer ein Vorbild für die Welt sein und die Herzen aller Kinder erreichen, in Ge- genwart und Zukunft.“— Mit dem Kin- derbuch hat Hannelore Brenner, die für ihre jahrzehntelange Frinnerungs- arbeit mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, einen weiteren großen Beitrag gegen das Vergessen und gegen Antisemitismus geleistet.“ Die Bilder von Maria Thomaschke überzeugen und faszinieren, und ich bin sicher, nicht nur mich, sondern vor allem Kinder. Aninka und Pepñcek, die Tiere und der Leierkastenmann Brun- dibãr sind wunderbar poetisch gemalt, mit Liebe zum Detail. Es liegt auch viel Bewegung und Rhythmus in den Bildern.s Das Zusammenspiel von Text und Bild ist stimmig, das Buch mit spürba- rer Sorgfalt ediert. Bald wird es auch eine ukrainische Ausgabe geben. Es ist 3 Pas leicht abgewandelte Zitat stammt von Adolf Hoffmeister, Zu hören auf dem Ra- diofeature„Brundibär und die Kinder von Theresienstadt? von Hannelore Brenner. 4 Im Rahmen von Recherchen zum Hörfunkfeature lernte Hannelore Brenner 1996 Uberlebende von Theresienstadt kennen, auch eine Gruppe jüdischer Frauen, die unter dem Namen'»Die Mädchen von Zimmer 28“ international bekannt wurden. Daraus folgten verschiedene Veröffentlichungen in der Edition Room 28. s Maria Thomaschke ist Chanson-Sängerin, Dozentin, Schauspielerin und Mitglied des in Berlin gegründeten Ensembles Zwockhaus, das Kieder aus dem Ghetto The- resienstadt erforscht, arrangiert und zur Aufführung bringt. Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 21 ein Gemeinschaftsprojekt des Vereins Room 28 und der Edition Room 28, gefördert vom Auswärtigen Amt Deutschland. Room 28 Weihnachtsangebot Aktuell offerieren die Edition Room 28 und der Verein Room 28 das Buch zusammen mit einer CD als Weih- nachtspaket. Parin enthalten ist neben dem Kinderbuch eine CD mit dem 1908 entstandenen Radiofeature Brundibär und die Kinder von Vhe- resienstadt. Es erzählt die Geschichte der ersten Aufführungen der Oper in Prag und Theresienstadt. Viele Zeit- zeuginnen und Zeitzeugen, Uberle- bende von Theresienstadt und Ausch- witz, kommen darin zu Wort. Ich lege das schöne Kinderbuch El- tern und Großeltern ans Herz und empfehle es Pädagogen, Schulen, Bibliotheken, Kulturämtern und wei- teren Kultur- und Bildungseinrichtun- gen sowie Menschen mit Interesse an der Kinderoper Brundibãr. Informationen zum Kinderbuch und zum Weihnachtsangebot finden sich auf der Website httpswww.editi- on-roomꝰs.de/Kinderbuch-Brundibar b?w. Rubrik Weihnachtsangebot Alexander Woff Auf Leben 75 Jahre Jüdische Gemeinde Frankfurt am Main Mit der Ausstellung„Auf Leben' setzt die jüdische Gemeinde ihr Programm zum Jubiläum„75 Jahre Wiederbe- gründung'? fort. Die Ausstellung ist ab dem 15. Januar 2024 bis zum 26. Mai im Foyer des Ignatz Bubis-Gemeinde- zentrums, Savignystraße 66, Zu sehen. Das Konzept der Ausstellung wird von der Gemeinde wie folgt beschrie- ben: Nach der Schoa stellten sich Jüd- innen und Juden die Frage, ob sie von Neuem in Frankfurt beginnen konnten. Dem Großteil der Zurückgekehrten und heimatlos gemachten Uberleben- den war eine Zukunft in Deutschland nur schwer vorstellbar. Viele emigrier- ten, einige jedoch blieben und formten eine neue Gemeinde. Sie bauten Insti- tutionen wie Kindergarten, Altenheim, Synagogen und Schule wieder auf. Ihre Geschichte in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts zeigt den Weg einer zunehmend selbstbewussten Gemein- schaft, die sich in der Stadtgesellschaft positioniert. Das Dach der Finheits- gemeinde vereint die Vielfalt des gegenwärtigen Judentums und möchte einen gemeinsamen Ort für die plurale, jüdische Gemeinschaft schaffen. Ihre Geschichte des Handelns und Verän- derns erzählt die Ausstellung in zwölf Kapiteln. Sie zeigt Frankfurter Ge- schichte(n) des Aufbauens, Aufbegeh- rens und Auflebens. Geöffnet ist montags bis donners- tags und sonntags von 10 bis 18 Uhr so- wie freitags bis 15 Uhr. Der Eintritt ist kostenfrei. Es werden Führungen ange- boten. Infos auf der Internetseite der Jũdischen Gemeinde Frankfurt/ Main. ⸗ 22 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Wo ist Anne Frank KikKa- Projekt: Mit Kindern über den Holocaust Sprechen Am 4. November 2023 feierte der preisgekrönte Animationsfilm„Wo ist Anne Frank“ des israelischen Re- gisseurs Ari Folman Premiere im deutschen Fernsehen. KiKA zeigte den Film inklusive der zweiteiligen Begleitdokumentation „Wo ist Anne Frank— die Hintergründe“, die in Zu- sammenarbeit mit Sascha Feuchert, dem Leiter der Arbeitsstelle Holocaust- literatur an der Univer- sität Gießen, entstanden ist. Darin erklärt Modera- torin Clarissa Corréa da Silva in der Bildungsstät- te Anne Frank in Frank- furt wichtige Hintergrün- de zu Anne Franks Leben, ihrer Kindheit, ihrer Zeit im Versteck in Amsterdam und ihrer Ermordung im Holocaust. Während und nach der analogen Ausstrahlung hatten die jungen Zu— schauer:innen die Möglichkeit, in ei- nem Chat auf kika.de Fragen an Sascha Feuchert und das Team der Arbeitsstelle Holocaustliteratur zu stellen. Insgesamt wurden rund 70 Fragen beantwortet. Dabei ging es unter anderem um das Schicksal von Anne Frank und ihrer Familie sowie um das Leben in den Niederlanden während der deutschen Besatzung. Auch zur Machart des Animations- films wurden viele Fragen gestellt. Im Hilm erwacht Anne Franks Anne Frank, 1941 in Amsterdam imaginäre Freundin Kitty, an die sie auch viele ihrer Tagebuchbriefe Schreibt, im heutigen Amsterdam zum Leben und macht sich auf die Su che nach Anne und der Familie Frank. Dabei folgt sie Annes Spuren, vom Hinterhaus bis zu ihrem Tod im Konzentrati- onslager Bergen-Belsen. Unterstützt wird sie auf ihrer Reise von ihrem Freund Peter, der eine ge- heime Unterkunft für Ge— flüchtete ohne gültige Auf— enthaltspapiere betreibt. Kitty ist verwirrt vom ak- tuellen Umgang mit Schutzsuchenden in Euro- pa und den Ungerechtig- keiten, denen Flüchtlings- kinder ausgesetzt sind. Der Film sowie das Begleitpro- gramm sind in voller Länge(89 Minu- ten) auf kika. de(Filme: Wo ist Anne Frank KiKA) abzurufen. Begleitma- terialien sowie ein Interview für El- tern mit Sascha Feuchert, in dem er Tipps für das Gespräch mit Kindern über Anne Frank und den Holocaust gibt, sind ebenfalls verfügbar. Die Dokumentation„Triff Anne Frank“(KiKA/hr), die ebenso in Zu- sammenarbeit mit der AHL entstan- den ist, steht ebenfalls auf kika. de und im KiKA-Player zur Verfügung (Triff..: Anne Frank] KiKA). https: wwWw. kika. de/filme/videos/wocist-an- ne frank-116.(hir) Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 23 Späte Gewissheit Informationsstelle im Archiv des Auschwitz-Museums legt Enkel von Isidor Müller Belege über dessen Todesdatum vor Von Andreas Kilian Durch den deutschen Ordnungswahn und die Unmöglichkeit, alle Beweise der Verbrechen restlos zu beseitigen, blieben immerhin wenige Verwal- tungsunterlagen erhalten, die wesentli- che personenbezZogene Daten derjeni- gen Menschen dokumentierten, die von den„Endlõsern? spurlos vernich- tet werden sollten. In den meisten Fãl- len konnten aber bislang keine Doku- mente Zzu Deportation oder Lagerhaft und auch keine lagerstandesamtlichen Sterbeeinträge gefunden werden. Uberlebenden Familienangchörigen blieb daher häufig nicht mehr als eine blasse und zum Jeil nur mündlich überlieferte Erinnerung. Im Laufe der Jahre nahm aber auch dieses Wissen ab, Ssofern es nicht im Rahmen von Oral History oder schriftlichen Auf— zeichnungen festgehalten wurde. Von etwa 400.000 registrierten und 30.000 bis 50.000 nichtregistrierten Häftlingen des KI Auschwit? haben et- wa 80.000 bis 90.000 Häftlinge das Kriegsende überlebt. Während im Jahr 2004 noch schätzungsweise 40.000 ehe- malige Häftlinge lebten, sind es im Jahr 2023 weltweit vermutlich nur noch eini- ge Hundert. Im Hinblick auf die Tatsa- che, dass weltweit aktuell etwa 350.000 „Holocaust-Uberlebende“ am Leben sind(darunter 135.000 in Israel), ist die- 8e Anzahl verschwindend gering. Mlle Auschwitz- Uberlebenden muss- ten sich ein neues Leben aufbauen und in die Zukunft blicken. Häufig war die Erinnerung an die Ermordung ihrer Angehörigen zu schmerzhaft um zurückzublicken und die Rekonstruk- tion der Breignisse durch die zweite oder dritte Generation ein Tabu. Vergessen von harten Fakten sowie Verdrãngen von Konkretem waren Be- Standteile einer Weiterlebens-Strategie und der Vergangenheitsbewältigung. Nach Hrennung und Verschleppung wa- ren häufig weder der tatsächliche Ort der Ermordung noch ein genauer Jo— des?Zeitpunkt bekannt. Offiziell galten diese Mord- oder Todesopfer als„ver- schollen“ oder„vermisst“. In einigen Fällen machten gesetz liche Anforderungen es notwendig, ei- nen vermuteten Todeszeitpunkt fest?u- Stellen. Vielen Angehörigen war als Folge der deutschen Massenvernich- tung nicht nur kein Todesdatum be— kannt, sondern auch Geburtsdatum, Geburtsort und Namen der Groß— eltern oder Urgroßeltern waren völlig unbekannt. Nicht nur Dokumente fehlten, sondern vor allem die Men- schen, die darüber hätten Auskunft ge- ben kõönnen. In den letzten Jahren stieg die Zahl der verstorbenen„Holocaust- Uberlebenden“ stark an. Aktuell ster- ben allein in Israel etwa 50 Uberleben- de tãglich. Nach diesem großen menschlichen 24 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer und Wissens-Verlust arbeiten immer mehr Angehörige, in?wischen der drit- ten und vierten Generation, ihre Fami- liengeschichte auf, besuchen die ehe- maligen Leidens- und Mordstätten und suchen auch nach schriftlichen In- formationsquellen. Die Anzahl perso- nenbe?Zogener Anfragen an das Archiv des Staatlichen Museums Auschwit?- Birkenau in Oswiecim steigt seit Jah- ren kontinuierlich. Zu den weltweit bekanntesten Auschwitz-Uberlebenden und weni- gen Zeugen der Massenvernichtung aus dem Sonderkommando gehört zweifellos Filip Müller, der im Alter von 20 Jahren aus der Slowakei in das Vernichtungslager deportiert und dort in den Krematorien zur Sklavenarbeit ge?wungen wurde. In seinem FErinne- rungsbericht„Sonderbehandlung“, der 2022 im vbg-Verlag verõffentlicht wurde, beschreibt er das Wiedersehen mit seinem Vater im Stammlager Auschwit? und dessen Finäscherung im Krematorium:„Jch traf meinen Va- ter noch einige Male. Trotz aller Hilfe ind Unterstitzung, die ich ilm Matte zMommen lassen, Siechte er immer mehr dahin.(...) Als wenige Jage Spä- ter der Rollwagen vom Krankenbau Kam nd auf dem Hof abgeladen wur— de, lag unter den Voten auch sein Leich- nam. Meine Kameraden trugen ihn ins Krematorium und legten ihn im Ver— hrennungsruum auf den Vog des Koll- wugens. Vor den glüihenden Ofen betete 5Fi5 Filip Müllers Unterkunft in Block 11 des Stammlagers. O A. Kilian 2023 Schwarz das Kaddisch.(...) Als aber Schwarz das Kaddisch sprach,(...) empfund ich in meiner Seele unsagha- ren Schmerz ind tiefe Jrauen die ich mit Worten nicht auszudricken ver- mag. Doch das Gehet half min den Schmerz zu überwinden und mein Herz zu heschwichtigen in dieser Schweren Stlinde, als die Hammen die erblichen Uherreste meines Vaters un— wiederbringlich verzehrten.“(S. 73 f.) Als der seinerzeit in Prag lebende Filip Müller im Jahre 1961 das Staat- liche Museum Auschwitz besuchte, konnte er in der Informationsstelle er ee e Filip Müllers Vater in der Zugangsliste aus Majdanek vom 03.07. 1942. O Archiv des Staatlichen Museums Auschwitz-Birkenau in Oswiencim(APMA-B) Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 25 des Archivs weder Dokumente über sich noch über seinen Vater finden. Während in den ersten Jahren nach der Befreiung des LKagers und nach der Frõffnung des Museums im Jahre 1947 Schriftliche Quellen noch mühselig ge- sammelt und zum Teil aus dem Müll, verschmutzten Kellern und Geheim- verstecken geborgen werden mussten, arbeitete eine„Dokumentationsabtei- lung“ an verschiedenen Projekten wie Ausstellungen und ersten Publikatio- nen. Erst 1957 wurde ein Archiv im Museum errichtet, jedoch befand sich eine Kartothek(„Häftlings-Hauptkar- tei“ nach Namen und nach Häftlings- nummern sortiert, insgesamt ca. 1,9 Millionen Karten) erst im Aufpau und das Archivgut war als Kriegsbeute, Be- weismittel und Souvenir weltweit ver- streut worden sowie längst nicht er— schlossen. Die„Informationsstelle über ehemalige Häftlinge“ wurde erst Später eröffnet. Durch den„Eisernen Vorhang“ (1945-1989/1991) war ein Informati- ons-Austausch Zwischen den Archiven Schwierig und langwierig, viele erhal- ten gebliebene Quellen waren über- haupt nicht bekannt, zumal schät— zungsweise 95 Prozent der Lagerdoku- mentation noch vor der Befreiung des Lagers auf Befehl der S8 verbrannt worden war. Nach der Auflösung der Sowjet- union im Jahre 1991 und der Offnung Sowjetischer Archive wuchs der Doku— mentenbestand des Archivs im Muse- um Auschwitz an. Laut Inventarproto- koll aus dem Jahre 1994 betrug die Länge der Ordner, Schuber, Alben und Ablageboxen des Archivs insge- Samt 247 laufende Meter. Interne Findmittel beschränkten sich jedoch nur auf einen kleinen Jeil des Archiv- bestands. Die Erstellung von Find-— büchern wurde von der Archivleitung verhindert. Uberlebende und deren Angchöri- ge hatten kaum Chancen bei perso- nenbe?Zogenen Suchen, fündig zu wer- den, und wendeten sich daher seit 1948 häufig an den Internationalen Suchdienst(ITS) in Bad Arolsen(1944 als„Central Tracing Bureau“ des In- ternationalen Komitees vom Roten Kreu? gegründet, 2019 in„Arolsen Archives- Internationales Zentrum über NS-Verfolgung“ umbenannt). Bhemalige Häftlinge konnten beim ITS eine„Inhaftierungsbescheini- gung“ beantragen, in der unter der Rubrik„Geprüfte Unterlagen“ rele- vante Quellen aufgeführt wurden. Ins- besondere für die Anmeldung von Entschädigungsansprüchen war die „Inhaftierungsbescheinigung“ für Uberlebende unverzichtbar. Filip Müller ließ diese Bescheini— gung im Jahre 1965 durch seinen An- walt anfordern. In dem ITS-Doku- ment heißt es unter„Bemerkungen“: „Die Hdftlings- Nr. 20236 eyscheint nicht in den hier vorliegenden lin voll tndigen Unterlagen des KL Ausch- wilz“. Allerdings konnte seine Inhaf— tierung durch Unterlagen aus dem K. Mauthausen belegt werden. Die„Arolsen Archives“ verfügen über etwa 30 Millionen Dokumente, meist aus nationalsozialistischen La— gern oder zum Thema Zwangsarbei- 26 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer tereinsat? sowie über Displaced Per- Sons. Seit 2019 sind 43% davon im In- ternet Zzugänglich und bis 2022 wurden 46% der Dokumente transkribiert, was eine beeindruckende Leistung ist. Die„Zentrale Namenskartei“ (ZNK) war vor der Entstehung des digitalen Archivs das wichtigste Such-— instrument in Arolsen und beinhaltet Informationen über 17,5 Millionen Menschen. Filip Müllers ZNK-Anfra- gekarte wurde 1957 angelegt, eine ZNK-Hinweiskarte mit der Regi- 1542 A——*— 12 At M Aa in Mer — 34 R— 3r. 5ha, Kt R, mh1.— „— M. 1— 12— 1— 1—— „ MMht, Fnrn— H. Har 1H * * Bat, kn— —* — MMnr, mln nnn i l — m MMar p S mMmnlr an Anlak— ———— rm Rtanz h a— um Rrnn lrmr dn— nn hMhnn tn knn m. Munt 124— nM h————— —,— Fu IIa1a n— F——*—— ——— 10B1 10 H AiaklLhramir Ln. Mrkruur ——— — unknrran — 1l —— — —— hrp Sinn 1„ 2 Sterbeeintrag Iidor Müllers in den Auschwitzer„Sterbebüchern“ O AP- MA-B striernummer 690068 wurde erst 1965 erstellt. Entwicklung und Aufbau einer elektronischen Quellendatenbank be- gannen im Auschwitz-Museum erst in den Jahren 19901906 in Zusammenar- beit mit dem Max-Planck-Institut für Geschichte in Gõttingen sowie dem In- Stitut für Geschichte der Jechnischen Universität Parmstadt. In den darauf- folgenden Jahren begannen deutsche Projektgruppen in Zusammenarbeit mit der 1991 gegründeten Computer- abteilung des Auschwit?-Museums ein digitales Archiv auf?ubauen. Pine neue Datenbank wurde im Jahre 2015 eingeführt und wird in Ko- operation mit zahlreichen ausländi— schen Archiven weiterhin ausgebaut. Bislang wurden 35% der Dokumente im Archiv des Museums Auschwit? digitalisiert(mehr als 800.000 Daten- Sãtze). Dr. KrZysztof Antonczyk, Leiter des Digitalen Repositoriums im Archiv schätzt, dass auf Grundlage der bisher ausgewerteten Quellen bislang die Namen von 30.000 registrierten jü— dischen Häftlingen(15 6) und von 100.000 registrierten nichtjüdischen Häftlingen(71 6) ermittelt werden konnten. Er hofft, dass von den minde- Stens 1,1 Millionen jüdischen Depor- tierten Zukünftig bis Zu 340.000 Namen benannt werden können. Zum 10. Todestag von Filip Müller entschloss sich sein Sohn, mit einer Studiengruppe der Lagergemeinschaft Auschwit? im November 2023 zum er- Sten Mal die Gedenkstätte und das Museum Auschwitz-Birkenau zu besu- chen. Hilip Müller war das letzte Mal Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 27 vor der Geburt seines Sohnes im Mu- Sseum Auschwitz und in Birkenau ge— wesen. Er hatte zu Hause viel über Auschwitz berichtet und unterhielt sich wie selbstverständlich mit ande- ren Uberlebenden darüber, während sein Kind in der Nähe spielte, was schlieBlich dessen Interesse weckte. Am zweiten Jag der Studienfahrt führte die Archiv-Mitarbeiterin Frau Krystyna Lesniak einen Workshop zur Arbeit des Archivs durch. Da Filip Müllers Sohn keine Dokumente über seine Groß- oder Urgroßeltern besaß und nur wusste, dass sein GroßBvater Isidor Müller in Auschwitz verstorben war, nut?te er die Gelegenheit, Frau Lesniak nach Hinweisen auf Quellen zu Isidor zu fragen. Die Datenbankab- frage ergab drei Treffer. In einem Fall lag ein plausibler Fintrag in den Ster- bebüchern vor. Frau Lesniak konnte Hinweise auf den 1895 geborenen Isidor Müller in der Zugangsliste vom 03.07.1942(betr. Zugänge vom 30.6.1942), in einem Sterbeeintrag vom 12.08. 1042 und in einem Fintrag im Buch der Leichen- halle vom 08. 08. 1042 finden. Auch im 2. Band des„Stärkebuchs“ wurde er unter den„verstorbenen Häftlingen“ aufgelistet. Eine Uberprüfung der An- gaben führte zu dem Ergebnis, dass es sich bei der erwähnten Person zweifel- los um den Vater von Hilip Müller han- delt, da die genannte Melde-Adresse in Sered(Filip Müllers Adresse) und der Name der Ehefrau verifiziert wer- den können. Die Lebensdaten von Filip Müllers Vater, sein Geburtsort Ssowie die Namen der Großeltern wa- E 5 ber u Sr e2, 0 M hub o bout 2 ½ ½ 44 UMLe 1 452 ubſe een eo e be uuazo 64 4 Fbeebep e o LL Fintrag von Pidor Müllers Hüäftlings- nummer im„Leichenhallenbuch“ O APMA-B ren Filip Müllers Sohn bis dahin unbe- kannt und ihre Entdeckung ein bewe- gendes Breignis. Isidor Müller wurde nur 47 Jahre alt. 39 Tage nach seiner Ankunft verstarb er unter den un-— menschlichen Haft- und Lebensbedin- gungen in Auschwit?z. Gewissheit über den tatsächlichen Sterbetag Zu erlangen, bedeutet Famili- enangehörigen viel und verdeutlicht, wie wertvoll die Arbeit des Archivs im Museum Auschwitz ist. Die Zahlen sind viel bedeutungsvoller als Lebensdaten auf einem Grabstein oder auf einer Ur- kunde. Sie sind ein Beweis für die Exi- Sten? und nicht nur relevant für die Ah- nenforschung, sondern auch für die Identität. Mõglicherweise ist es sogar viel mehr:„ Gewissheit ist die OGrund- lage, nach der die menschlichen Gefiihle verlangen.“(Honore de Balac, franzq- sischer Schriftsteller). o 28 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer Das zweite Gradowski-Manuskript Wie der Augenzeugenbericht für die Nachwelt gerettet wurde(Teil 1) Von Andreas Kilian Salmen Gradowski(1910-1944) ver- fasste als Augenzeuge und Zwangsar- beiter im Sonderkommando Ausch- wit? die wohl literarisch bedeutend- sten Aufzeichnungen über den Mas- senmord in den Vernichtungseinrich- tungen von Auschwitz-Birkenau. Von Seinen Zahlreichen Manuskripten und Abschriften, die er wahrscheinlich seit Herbst 1943 verfasst hatte, sind nur zwei Funde bekannt, die auf dem Gelände von Krematorium II ausge- graben wurden. Der zweite Fund be- Stand vermutlich im Frühjahr 1945 aus losen Blättern mehrerer Notizhefte, die laut bisheriger Uberlieferung von einem christlichen Polen an den Groß-Rosen-Uberlebenden Chaim Wolnerman(1912-1977) verkauft worden sein sollen. Im Herzen der Hölle Diese Version wurde von Chaim Wol- nerman und seiner Ehefrau Vokhid/ Jetti(19192006) verbreitet, die 1977 in Israel auf eigene Kosten und unter Chaims„Copyright“ Gradowskis Schrift auf Niddisch unter dem Titel„Im Her?en der Hölle“ herausgegeben hat- ten. In seinem Vorwort schreibt er: „Kir? hevoyr wir die Stadt /Uswiecim/ verließen, Kam ein junger Mensch zu mir nd zeigte min eine blechhiichse, die er heim hirkenauer Krematorium aus— gegraben hatte. Aus der verrosteten Bichse nahmen wir Kleine Blätter her- alus, die in jiddischer Handschrift vey— fasst waren. Jchn sah mir einige Blätter der PFinleitung durch und erkunnte, duss ich ein wichtiges Dokument vor mir hat- te. Oh wohl ich nicht wussle, wer der Ver- ſfasser wur und auch den Rest nicht Kannte, fihlte ich mich verpflichtet, die Schriften zu Kaufen und zahlte die ge⸗ wlinschte Slumme. So gingen die Schrif⸗ ten in meinen Besitz lihen Viele Monate wr ich mit dem Abschreiben der Blil- ter heschftigt.“(S. 3 f.) Dieser Darstellung wurde 1983 in Lola Bodners(1927-2009) Memoiren „Weg nach Israel? widersprochen, die 1985 für ihre Familie vom Polnischen ins Hebräische übersetzt und 1997 überarbeitet unter dem Titel„Milesto- nes(1939-1949)“ in englischer Sprache gedruckt wurden(Privatdruck). Darin bezZeichnet Lola Bodner ihren Mann Maurycy(1909-1983) als Käufer von Ehemaliger Tatort vom Oktober 1943 wührend der Altbausanierung 2021. O AM. Kilian 2023 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 29 —„* S 1L. nrt 1 e Mſiara rMh n PIRen — AmnMnn HHun M k* NrM n ſ R R r. — Dit᷑ BisLAkß VERöfEEMrUcEM ORGMASETEMVON GRADOMWSkls ZWETEMMAMUSRRPT i L. KaIi 1 Rk, mm. nhmm laN iennnwi Gradowskis Handschrift: „Bodner wur dufiir hekunnt, dass er veyChiedene Waren Kaufte. Eines Jages Kam ein polnischer Mann in Bodners Hals mit einer Hasche, die Zettel ent- hielt, auf denen in Kleiner Handschrift Prinnerungen geschrieben waren(... Bodner Kaufte natiirich die Husche. Er ind Chuim Wolnerman sprachen beide Spruchen fließend. Sie nahmen die Zet- lel als der Hasche und begannen vie zu lesen.(..) Wir bewahrten die Notizen in inserem Haus auß und die einzigen Menschen, die wissten, w0 sie sich he- funden, waren ich, mein Mann und Libl hyisch. Am Vag bevor Wolnerman Owiecim verließ, verchwunden die Nolizen. An diesem Jag war Bodner in Krakau und ich wur allein zu Haluse. Als ich erfuhn dass die Wolnermans am ndchsten Jag abreisen wlirden, belam ich ein Komisches Gefiihl. Ich ging zu dem Schrank, in dem die Notizen ver- Secht wauren, und vtellte mit Schrecken ſest duss vie lind die Hasche verchwun- den wuren.“(S. 71 f.) Das Freignis könnte sich auf An- fang Oktober 1945 datieren lassen, da Chaim Wolnerman sich nach einem mehrtägigen Aufenthalt in Prag, wo ihm auf der Durchreise bereits Kaufangebote für das Manuskript ge- macht worden seien, am 13.10.1945 als Displaced Person(DP) in Lauf an der Pegnit? registriert hatte. Ihm wurde dort eine Vier-Zimmer-Wohnung in der Goethestraße 52 zugewiesen, die er kur? darauf gemeinsam mit seiner Frau, deren Schwester, Frisch und zwei weiteren Frauen bezog und die 1946 Sit? der jüdische DP-Gemeinde wurde (deren erster Vorsitzender Wolnerman war). Lola Bodner schreibt weiter, dass sie Wolnerman am selben Tag bei der Polizei anzeigen wollte, ihr aber davon abgeraten worden sei. Des Weiteren Stellt sie Libl Frisch als den eigentli- chen Dieb dar:„Jhre splter in Irdel trafen wir Libl Prisch auf einer Zusum- menkunft ehemaliger Oswiecimer(...). Py lief auf Bodner zu, m ihn 2 hegriißen, aber Bodner wendele sich ab ind sugte. Jch will dich nicht sehen. Nach allem, wus ich für Dich getan habe, hast Du mich hestohlen. Ich wil nichts mit dir ⁊u un hahen.* Leon„Libl* Frisch(1920-1962) war am 4.5. 1945 aus Groß-Rosen nach Oswiecim zurückgekehrt und lebte bis Ende September 1945 in derselben Wohnung in der Krakowska Straße 10 30 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer wie die Bodners, da Maurycy Bodner, der ihn wie einen Sohn behandelte, mehrere Lagerüberlebende bei sich aufgenommen hatte(eine Hilfelei- Stung, die Wolnerman in Oswiecim nach eigener Darstellung auch ange- boten haben soll). Zum Zeitpunkt des Verschwindens des Manuskripts lebte Frisch jedoch in Krakau, was eine Ana- lyse seiner Korrespondenz belegen konnte. Da Frisch mit den Wolnermans befreundet war und sich am selben Tag wie Jetti Wolnerman am 22.10.1945 in Lauf als DP registrieren ließ, erscheint die Verbindung verdãchtig. Als angeb- licher Mitwisser des Verstecks musste er per se in Verdacht geraten. Er könn- te aber auch nur als Sündenbock gedient haben, entweder weil Lola Bodner möglicherweise das Versteck Sselber verraten hatte(Lola und Chaim müssen sich bereits länger gekannt ha- ben, im Ghetto Sosnowitz waren sie Nachbarn und nach ihrer Rückkehr nach Oswiecim lebten sie zuerst in der- Selben Straße, nur drei Häuser vonein- ander entfernt), oder weil das Versteck vom wahren Täter leicht gefunden werden konnte. Die widersprüchlichen Darstellun- gen erschweren eine Rekonstruktion der Freignisse. Die seinerzeit beteilig- ten Akteure und Zeugen können we- der befragt werden noch sich verteidi- gen: Frisch verunglückte 1962 in Israel mit seinem Lieferwagen tõödlich, Wol- nerman starb an seinem 65. Geburtstag und kur?z nach der Veröffentlichung von Gradowskis Manuskript in Jerusa- lem. Maurycy Bodner starb fünf Jahre später im Jahre 1983, ohne von Wol- nermans Publikation erfahren zu ha- ben, die in einer limitierten Auflage von 300 Fxemplaren gedruckt worden und nur wenigen bekannt war. Ein Rekonstruktionsversuch zeigt, dass den unterschiedlichen Parstellun- gen und Besit?ansprüchen möglicher- weise ein Interessenskonflikt Zugrunde lag: Maurycy Bodner scheint der tatsäãchliche Käufer und rechtmäßige Besit?er des Manuskripts gewesen zu Sein. In der Stadt Oswiecim war er in der Nachkriegszeit als Vorsitzender des Jüdischen Komitees von Oswiecim der erste weltliche Repräsentant der jüdischen Gemeinschaft(April 1945 bis April 1946), sein Freund und Mit- bewohner Ignacy Lerner war Sekretär des Komitees, Samuel Natowicz war Bodners Stellvertreter. Das Jüdische Komitee war eine Zweigstelle des Zen- tralkomitees der Juden in Polen(144 1950) und lokale politische Vertretung der polnischen Juden, der Vertreter verschiedener politischer Parteien an- gchörten. Chaim Wolnerman hingegen war Repräsentant der religiösen Seite. Er war Enkel des in Oswiecim als religiq- ser Führer und Talmudgelehrter ver- ehrten Rabbis Chaim Zvi Kuperman, der vierzig Jahre lang als religiõse In- Stanz wirkte und zudem als besonders rechtschaffener und frommer chassidi- Scher Jude die Ehrenbezeichnung Zad- dik verlicehen bekam. Chaims Vater, Rabbiner Vosef Simcha Wolnerman, war zudem ein anerkanntes Mitglied der Chewra Kadischa(Beerdigungs- bruderschaft) von Oswiecim und habe sich nicht nur um die Toten, sondern auch um die Kranken gekümmert. Die Prrichtung jüdischer Gemeinden in ihrer Vorkriegsform war von der pol- nischen Regierung nicht erwünscht: erlaubt wurden lediglich jũdische Reli- gionsgemeinschaften. In Oswiecim fanden die ersten Wahlen zur Grün- Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer 31 dung einer jüdischen ½ Religionsgemein- E schaft im Mai 1945 Statt. Chaim Wolner- man wurde als Vorsit- zender des Vorstands, Samuel Natowicz als Sein Stellvertreter ge- wählt. Anfang August 1945 bestätigte das † Bezirksamt in Biels- ko-Biala den Vor- stand(Im Oktober 1945 wurde er von Leon Schönker ab- gelöst. Maurycy Bod- ner wurde dessen Stellvertreter). Chaim Wolnerman wurde bis zur Ernennung eines Rabbiners die Verantwortung für jũdische Aufzeich- nungen übertragen. In diesem Zusammenhang und we- gen Wolnermans hervorragender Jid- disch-Kenntnisse konsultierte Bodner offenbar Wolnerman und zeigte ihm Seinen Erwerb der bedeutenden Schrift Gradowskis. Gemeinsam begannen sie, den Fund zu entziffern, und versuchten, den Namen des Verfassers herauszufin- den. Wer den Namen Gradowskis letzt- lich identifiziert hat, lässt sich nicht mehr rekonstruieren, es liegt jedoch na- he, dass beide mit der Entzifferung der Schrift im September 1945 begonnen hatten und ihnen vermutlich gemein- schaftlich die Identifizierung gelang. Möglicherweise traten hierbei die er- Sten Konflikte auf bezüglich des Inhalts, der Bedeutung oder des Umgangs mit dem historischen und literarischen Er- be von Gradowskis Schrift. Der Wech- Sel der Besitzer dürfte jedenfalls einen tieferen, vermutlich religiösen oder ideologischen Grund gehabt haben. Schauplat? der ersten Entzifferung von Gradowskis 2. Manuskript im September 1945. O A. Kilian 2020 Wolnermans Funktion, sein fami- liärer Hintergrund und sein persönli- ches Interesse an der Schrift scheinen offenbar ausschlaggebend für seine Besit?ansprüche und für seine Rolle als Ubermittler von Gradowskis Iext gewesen zu sein. Formal gesehen wäre er seitens der jüdischen Religionsge- meinschaft in Oswiecim für die Hand- Schrift zuständig und verantwortlich gewesen. Bodner hat das bedeutende Zeugnis als Käufer jedoch nicht aus den Händen gegeben, was die Verwah- rung in einem Versteck in seiner Woh- nung nahe legt. In Lola Bodners Memoiren(S. 73) wird erwähnt, dass ihr Mann von pol- nischen Fivilarbeitern angekaufte Wertsachen jüdischer Häftlinge(ge- nau genommen die Habe von Ermor- deten und Schmuggelware) als Ver- kaufsvermittler an polnische Händler in Krakau weitergegeben habe. Mls Vertrauensmann wäre er für christ— liche Polen ein geschät?zter Geschäfts- partner gewesen, weshalb ihm offen- 32 Lagergemeinschaft Auschwitz-Freundeskreis der Auschwitzer bar auch Gradowskis Manuskript angeboten worden war. Vermutlich befürchtete Wolnerman, dass Grado- wskis Manuskript weiterverkauft wer- den und in falsche Hände gelangen könnte. In der nãchsten Ausgabe des Mittei- jungshlatits werden in Jeil 2 dieses Ar- tihkels dus weitere Schicksal von Gra- dosKis Manuskript rekonstruiert und die Zuverlssigkeit und Glaubwürdig- Keit historischer Quellen hinterfragt. Zweifach geehrt Christoph Heubner, Historiker, Schriftsteller und Vizepräsident des Internatio- nalen Auschwitz-Komitees, bekam am 5. November 2023 in Magdeburg den Lo- thar Kreyssig-Friedenspreis verliehen und wurde am 28. November in Dillen- burg mit der Charlotte-Petersen-Medaille ausgezeichnet. Wir gratulieren. Lothar Kreyssig(1898-1986) war Jurist, prangerte als einziger deutscher tersen-Medaille„für Verdienste um die Verständigung zwischen den Men- Richter die Euthanasiemor- de der Nazis an, entging nur knapp einem Konzentrati- onslager und gründete 1958 die Aktion Sühnezeichen. Die DillenburgerJournali- stin Charlotte Petersen hat- te 1950 gemeinsam mit Hilda Heinemann eine Hilfsorganisation für die schen“ betonte Christoph Heubner: Charlotte Peter- sen, iher viele Jahrzehnte legendäre Journalistin bei der Lohkalzeitung in Pillen- hlurg wur eine hescheidene und vlinderbare Figur' die- ser Blindesrepublil, die durch ihre perõnliche Inte- gritdt, EFmpathie und Hart- Uberlebenden des Konzen- Cmnopn Heupner ndckigMkeit unendlich viel für trationslagers Wapniarka ge- O LK Berlin gründet und unermüdlich Spenden- gelder gesammelt. Die Jury des Lothar Kreyssig-Frie- denspreises begründete ihre Entschei- dung wie folgt: Christoph Heuhner vetzt vich seit Jahrzehnten für die Wei- tergube von Erinnerungen der Uherle- henden vor allem an junge Menschen ein. Ey ist eine wichtige Stimme gegen Antisemitismus und Geschichits verfül- vchung und für demolkratische Vielfult, Voleranz uind Menschenfreundlichkeit. Zur Verleihung der Charlotte Pe- die Uherlebenden des Holo— caust getan und damit Peutchland in den Augen vieler Uberlebender mit ei— ner großen Portion Würde und Olauh— wlirdigkeit verehen hat, als in anderen Amisstuhen Almazis noch nbeirrt ind selbsthewußt das große Woyt fiihr- ten. Es is für mich wirklich eine große Phre mit dieser großen und viel zu ln- hekannten Persõnlichkeit in Zusam- menhang gehracht zu werden. Gerade in diesen Jagen. Eine Ermutigung im Kampf gegen Anlisemitismus und Haß.(hir) Nur wenige Häftlinge haben die Arbeit in den Sonder- kommandos in Auschwitz überlebt, noch weniger vermochten je darũber zu berichten. Der jüdische Gerichtsmediziner Miklös Nyiszli gehörte zu denjeni- gen, die das Grauen nicht nur überlebten, sondern auch Zeugnis von der»ſins- tersten Zeit der Mensch- heitsgeschichtes ablegen konnten. 1945 erstmals erschienen, schildert der Be- richt des ungarischen juden mit rumänischem Pass, der in Deutschland zum Ge- richtsmediziner ausgebildet wurde, minutiõs die Abläufe der Vernichtungsmaschi- nerie. Es handelt sich um die erste Publikation eines AMgenzeugen, die aus dem lnneren der Todesfabrik Auschwitz berichtete. 1992 erschien die Schrift erst- mals in deutscher Sprache im Karl Dietz Verlag Berlin, jetat lieꝑt der Band in einer aktualisierten und erweiter- len Neuausgabe vor, ergänzt um Dokumente, die weitere Details aus Nyiszlis Leidens- zeit enthalten. insbesondere über seine Inhaftierung im Lager Auschwitz-Monowitz vor seiner Uberstellung nach Birkenau. ¶ Dietz Berir Miklöòs NMyiszli Ein Gerichtsrmediziner in AuSchwitz ANMDREAsS KILIAN, Peb. 1974, Ist Historiker und erforscht seit 1992 die Geschichte der Sonder- kommandos in Auschwitz. Er ist Autor oder Bearbeiter von mehr als 90 Veröffent- lichungen zum Thema und ist Gründer des lnernetportals Snereommuntistucien. de. detzberlin de FRIEDRIcRH RHRRRRR (1939—2013) war Facharzt für Rechtsmedizin und hbis 2002 als Oberarzt am Institut für Rechtsmedizin der Univer- sität Leipzig tätig. Miklos Miszli lmn Jenseits der Menschlichkeit Ein Serichtsrrecizirer in Austhwitz Herausgegeben vor Andresas Kilian und Frisdrich Horbor c. J5.2 Seiten mt Abb un Krton, Brosehm 2000 E 56/ 575-320-0232 Erschirt᷑ im nr 2024 LAGERGEMEINSCHAFT AUSCGHMWITE FREUNDESKREIS DEB AUSCHMWTZER E.V. Lahr Mi Ma — FrFn Dis Lagumumnnsthaſt Austhwitz- Fruuncitskrnis rin Aumchwitzer u V wird fast nusschnlirh urch Spenden unci Mitgliecsheilrage ſinarizient Der Iahresbetrag betrsgt minciestens 40 EUR fur Borufstange und minties tens 20 Euro fUr SchülerStucenen Ausubikcertie urt Abeitslse Wi ben Se durtt lhten Eirnrilt in d= Lsgergerneirschaſt ocder durch eine einmsge Spenele 2Zu hellen. dass der verein Uber cie ſrnzisllen Mti vorflgt. ciie er qrirgen bendtgt Beitrittserklärung W eeeeeeeeteeteereeeeeeetetetheeheheeeeette Min V——— E Ceburtsdaturn opUonal) ſch mbchtu Mitglind cior Lagorgaminsthakt Auachltz Froundnskreis clor Auschwitzar uW wrcun o Den Jshresbenrsg n HS en ER r per Ubersuftrsg de sls ynricne Emxæluberuesung iMirufreferitkes hln ittn) auf das ſrgence Kurito ubeneisen Sparkasse Oberhessen[SAN. DE 43 5135 0075 0020 0005 03 BIE HELALEFERl kch ernchhge tie Lagergereincht bis auf Werrul, cien Jahrresheitrag wrn ELR oinzuhen vl dem Beun bestsnge ich ꝑleicnzeibg mein Eruetstẽndnis rna der Speherung rneiner petsnenbezogeren Esien L⸗ or honensvhutaorksrung der Lageemenschsft dusthwtx ſxu fnden urer Akt2 gh. Spolaen Sin Uber keinen intemetzugang wrkUger ielen Sie urs ues— kurx— Wr srden Ihrnen die Dalenschukenlaung dann suf poslalacher Wege zu. Mne ch bin darn ninwrstanan, das Mntwſlungshti cier LGh ruquimallig ſic R 12 Mal prw Jahr) pur Post an mninn d Anschue xu erhasen ſWenn rick zutrefleri. biue streichen) nſnrmatiunsn por E-Mal: lch bin ciurni ninerstarther dass ce LAgergerneinsthat Autrnwitz— Frrurteskreis cer Auschrlxrer e V. rmr in unegelmsligen Ahstkncen Intmriatiren xu AkliuitterWeranslalumgen per E-MMad ari rneine g. EMait- Axirtsbp Zukmmen lasst Wonn nicht xutroffenci, hitt stroithan.) Bit