eimar 1% Sp Y B BRND, 3 N El Duncker Verlag/W I] ke) E u u g Ö ö 2 E © E “ | nn | | "| Alexander UNIGIESSEN Vmamanaa 84 137 677 — ——— N © 2 ir] u a “T © 2 kl a Si Kl ni [4 142) =) < ® Yannanı ARTATHDHAANLTTTTITITTIHATTTTTTETTTHTEHHEDLEN [m] m] [m] m] [m] m] [m] m] [m] m] [m] m] [m] m] [m] [0] [m] m] [m] m] D m] m] m] m] [m] m] [m m [m m} [m [m] [0 m [m [m [m m m [m [m u [m [m m m [m ® m m [m m m m [m m m [m [m m] Aus fremden Gärten Eine Sammlung bedeutender und interessanter Dichtungen fremder Völker übersetzt und herausgegeben von Otto Hauser-_ Jede Nummer von ca. 3 Bogen kostet Mk. 1.— geheftet Als neueste Bände wurden ausgegeben: . Francesco Petrarca, Gedichte. Aus dem Italienischen „48. Hans Christian Andersen, Märchen. Aus dem Dänischen . Francis Viele-Griffin, Pindar. Aus dem Französischen[u . Ägyptische Märchen. Aus dem Griechischen[2] . 52. Benjamin Constant, Adolphe. Aus dem Französischen[m] _ Helene Swarth, Lieder und Elegien. Aus dem Niederländischen of . Rudyard Kipling, Indische Balladen. Aus dem Englischen[m] “ Gustave Flaubert, Felicitas. Aus dem Französischen B > Die Legende von St. Julian dem Gastfreundlichen r”» . August Strindberg, Gedichte in Vers und Prosa. Aus dem Schwedischen Chinesische Gedichte. Aus der Han-, Tang- und Sung-Zeit \ 60. Oscar Wilde, Gedichte Il. Aus dem Englischen . Miguel de Cervantes de Saavedra, Der eifersüchtige Estremadurer. Aus dem Spanischen Edgar Allan Poe, Der Rabe. Die Philosophie der Komposition. Aus dem Englischen . Arabische Preisgedichte I - Alexander L. Kielland, Novelletten. Aus dem Norwegischen . Holger Drachmann, Gedichte. Aus dem Dänischen . Johannes Jörgensen, Bekenntnis. Aus dem Dänischen . 70. Die Psalmen I. Aus dem Hebräischen . Albanische Volkslieder 73. Rumänische Märchen .1. M. Ega de Queiroz, Der Gehenkte. Aus dem Portugiesischen [m] m] m] m] [m] 63. Charles Baudelaire, Die Blumen des Bösen. Aus dem Französischen u m] [m a] m] [m] 76. Alexander Petöfi, Gedichte. Aus dem Magyarischen . Maria Konopnicka, Sommernächte. Auf der Weidenflöte. Aus dem Polnischen . 79. Prosper Merimee, Lokis. Aus dem Französischen . Rumänische Dichter I 82. Milan Ogrizovit, Die edle Frauen Hassan Agas. Aus dem Serbo- kroatischen . Josef Kiß, Jüdische Balladen. Aus dem Magyarischen . 85. Koloman Mikszäth, Das Wunderkraut von Lohina. Aus d. Magyarischen . Theophile Gautier, Emailen und Kameen. Aus dem Französischen; 88. Jose Maria Ega de Queiroz, Der Mandarin. Aus dem Portugiesischen . Mehmed Emin, Türkische Gedichte " Dante Gabriel Rossetti, Sonette auf Bilder. Aus dem Englischen AHHATAHNTTTLNTTTLTALALTTLAHTLEHTTLEGTHREEUN [m [m] [m] m DB’ E: oe 5 [m m! [u] m] m ®; BO| DO, cu u] [m BO| vs @|| m] [m] [7] D m] m] ®@ [m] m] [m] @ m] [m] [m] [m] [m m @ [m E) FE) JOSEF KISS ‚AUS DEM MAGYARISCHEN ÜBERSETZT VON OTTO HAUSER WEIMAR MCMXIX EN Or RE ONE ALLE RECHTE VORBEHALTEN OHLENROTHSCHE BUCHDRUCKEREI GEORG RICHTERS ERFURT Grermanistisches Seminar -Universilät Giessen N 63[642 der Jusius-Liebig BETEN EEE RD R RT i ZUR EINFÜHRUNG 1 Kr in irgendeinem anderen Lande haben die Juden 3 solche ‚Bedeutung wie in Ungarn. Nur noch Saloniki 5 vielleicht ist in solchem Maße eine jüdische Stadt wie Buda- | pest. Aber doch erst seit zwei Geschlechtern tritt das Juden- - tum in Ungarn hervor. Bis dahin war das öffentliche Leben fast ausschließlich vom Adel beherrscht, das Geschäfts- leben vom deutschen Bürgertum. Damals war Budapest ‚eine deutsche Stadt. Wohl gab es überall im Lande Juden, aber sie waren kleine Händler und Wirte. Hier und da bildeten sie ganze Ortschaften. Seit Jahrhunderten lebten sie in Ungarn friedlicher als anderswo, dabei aber ebenso abgeschlossen für sich, ohne Anlaß und ohne Ehrgeiz, in - andere Schichten einzudringen. Übertritte zum Christen- _ tum kamen kaum jemals vor. Alles dies änderte sich, als - Ungarn dem modernen Leben erschlossen ward. Und da _ begann die aufgespeicherte Kraft sich zu regen, und als- E -] bald gelangten Einzelne und ganze Familien zu großem Reichtum und betätigten sich andere im Kulturleben. Die ersten davon, ein Karl Beck, ein Karl Hugo(Bernstein), ein Joachim, ein Goldmarck, ein Sonnenthal, gingen ganz im Deutschtum auf, und seither hat das ungarische Juden- tum fortgesetzt einen Teil seiner Geister an Deutschland abgegeben. Würde man dem nachgehn, so würde die Zahl der aus ihm stammenden Rabbiner, Journalisten, Gelehr- I ten, Ingenieure geradezu erstaunlich sein. Ich erinnere b; Mm nur an Max Reinhardt(Goldmann), dessen beherrschende "| Stellung als typisch gelten kann. Das ungarische Juden- | tum hat vielleicht noch mehr geistige Regsamkeit als das ‚I galizische. Man darf allerdings nicht erwarten, daß auch ‚1 in fernerer Zukunft eine solche Fülle von Begabungen aus V der doch nicht allzu großen Gruppe hervorgehn werde; es muß eine Erschöpfung eintreten. Noch aber dürfte der Höhepunkt kaum erst überschritten seint. Seitdem die Juden in das magyarische Schrifttum ein- 1 Ich selbst bin nicht jüdischer Herkunft, wie vielfach an- genommen wurde und wird, und obwohl ich oftmals von Christen wie Juden für einen Juden angesehen wurde und zu verschiedenen Malen geradezu als Jude unter Juden gelebt habe. Was meinen Typus betrifft, so bin ich reiner Blondling, allerdings mit Zügen, die unter den Deutschen von heute ungemein selten sind; aber sie kommen in Ungarn unter Deutschen wie Magyaren(als Rück- schlag zu den Wikingervorfahren, vielleicht sogar zu Goten und Skythen) nicht so selten vor. Albrecht Dürer, der Sohn eines Deutsch-Ungarn, hatte sie bis zu erstaunlicher Ähnlichkeit mit mir in seinen Bildern aus jüngeren Jahren. Ingleichen erklärten Skandinavier, darunter Holger Drachmann, der mich in einem Toast als doppelten Cherubin feiern konnte— als Übersetzer seiner Verse und nach meinem Aussehen—, daß ich ganz wie ein Däne oder Schwede aussähe. Leider jedoch ist im deutschen Volke von heute dieser Typus fast schon ausgestorben, so daß ich meine Doppelgänger nur in Persönlichkeiten des alten hohen Adels und in Juden habe. Unter den Juden hat sich, wie ich oft ausführte, mit den uralten nordischen Grundbestandteilen auch ein sehr reiner blonder Typus erhalten, der noch immer in Rückschlägen auftritt. Catulle Mendes und Heinrich Heine, die beiden glänzendsten Dichter- begabungen jüdischer Herkunft, gehörten ihm in fast ungetrübter Reinheit an. Meiner Herkunft nach bin ich weitaus zum Hauptteil Deutscher, durch meine Mutter von allen Seiten Nachkomme sächsischer Freibauern aus dem Vogtland und der Lommatzscher Pflege, durch meinen Vater Deutsch-Ungar. Die Familie Hauser, die der Überlieferung und dem Namen nach aus Franken stammt, war zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges in Neuhaus in Böhmen ansässig und wanderte dann unter dem Druck der Gegenreformation nach Ungarn aus. Auch sie ist freier Herkunft und verband sich ausschließlich mit andern Bürgern. Mein Großvater jedoch heiratete eine deutsche Adelige, und durch die kam adeliges magyarisches und bürgerlich slawisches Blut hinzu. Meine Dichterbegabung, vielleicht auch mein Typus stammt aus diesem Vorfahrenkreis. Dort herrscht aber neben viel Phantasie und Phantastik auch in ziemlich hohem Maße Geisteskrankheit. Die Unglaublichkeiten im Leben meines Vaters erklären sich wohl aus diesem Erbteil. Alle meine Vorfahren, deren ich bisher mehrere hundert kirchenbücher-. lich feststellen konnte und deren Reihen vielfach bis 1600 reichen, ja darüber zurück, waren evangelisch-lutherischen Bekenntnisses. VI ar es A ge m apresr an hm un. se nn ae ee ee getreten sind, haben sie in raschem Zuge die Vormacht darin gewonnen. Die in Deutschland sehr bekannten Drama- tiker Franz Molnär und Melchior Lengyel, aus der vorher- ‚gehenden Generation Ludwig von Döczy, die Romanschrift- steller und Novellisten Emil Makai, Alexander Brödy, Thomas Köbor, Ludwig Bir6 und zahlreiche andere sind alle jüdischer Herkunft!. Die meisten dieser Persönlichkeiten hatten und haben das Bestreben, ganz und gar Magyaren zu sein, verhältnis- mäßig wenige— der Kreis der vornehmen Zeitschrift Mult es Jövö(„Vergangenheit und Zukunft“)— bekennen ihre jüdische Sonderart, Es ist nicht zu leugnen, daß trotz jenem Bestreben das neuere magyarische Schrifttum sich dem ältern gegenüber durch diesen Einschlag merklich ver- ändert hat. Denn notgedrungen sind die Werke dieser Männer ganz so Ausdruck ihres Wesens, wie die dem höhern, mittlern und kleinen Adel entstammenden Dichter— ein Kemeny, Josika, Eötvös, Jökai, Arany, Petöfi, Gyulai— in ihren Werken das ihre ausdrückten. Nur ein Einzelner und Vereinzelter könnte restlos in dem fremden Schrift- tum aufgehn.’ Kennzeichnend für dieses neuere magyarische Schrift- tum, zumal für das jüdisch-magyarische, ist das Über- _ wiegen des Romans und des Dramas und der feuilletonisti- schen Art in diesen Gattungen. Es ist darum leicht genug vorauszusagen, daß bleibende Bedeutung kaum einer der genannten Dramatiker und Erzähler haben wird, so sehr bekannt, so sehr bewundert sie zur Zeit sein mögen. Die „amerikanische“ Entwicklung des ungarländischen Juden- tums bringt das mit sich. Und so wird wohl der einzige Versdichter unter ihnen, Josef Kiß, mit seinem nicht so 1 Von Wissenschaftlern sind einige weltberühmt geworden, so der Orientalist Armin Vämbery, der mit dem Nobelpreis aus- gezeichnete Otologe Emil Bäräny; daneben stehen der Arabist Ignaz Goldzieher und die beiden Erforscher der ural-altaischen Sprachgruppe Bernhard Munkäcsi und Ignas Kunos. Von den magyarisch-jüdischen Künstlern ist der bekannteste der glänzende, namentlich in England so geschätzte Porträtist Philipp Läßlö. VI glänzenden Begabungen überdauern. Seit seiner Ballade „Judith Simon“, die noch der erste Geschichtschreiber der magyarischen Literatur, der deutschbürtige Franz Toldy (Schodel)„entdeckte“, ist Josef Kiß in Ungarn berühmt, und mehrfach auch wurden eine ganze Reihe seiner Ge- dichte ins Deutsche übersetzt. Josef Kiß, ursprünglich Klein— Kiß übersetzt den Namen nur ins Magyarische— wurde am 8. November 1843 in Mezö-Csät geboren, verlor seine Eltern früh, bildete sich autodidaktisch weiter, war wandernder jüdischer Volks- lehrer, dann Journalist, Jahre hindurch Notar der jüdischen Gemeinde in Temesvär, ging nach dem Erfolg seiner„‚Ge- sammelten Dichtungen‘(1878)— die erste Sammlung(1848) war wenig beachtet worden— nach Budapest und lebt nun dort al& Schriftleiter der Zeitschrift A het(‚Die Woche‘‘). Eine illustrierte Prachtausgabe seiner Gedichte(1901) be- zeugt die Schätzung, die ihm zuteil ward. Namentlich seine Volksgenossen feiern ihn, und das nicht mit Unrecht, da er als erster aus dem Judentum selbst heraus jüdische Stoffe behandelte. Doch wirft ihm die jüdisch-national erzogene Jugend den Mangel an tieferem jüdischem Gefühl vor. In der Tat ist die große Mehrzahl seiner Gedichte gewisser- maßen interkonfessionell gehalten, jüdisch sind außer den von mir hier übersetzten Stücken nur noch wenige, so das Gedicht„Gegen den Strom‘, das aus der Stimmung der Zeit des Tisza-Eszlär-Prozesses entstanden ist, dann ein kleines Epos„Das Märchen meines Großvaters‘‘ und ein daran sich anschließender ‚Brief‘ in seinem neuesten Vers- buch„Avar“(‚„Dürres Laub“, 1917). Ich erwähne noch das soziale ‚Lied von der Nähmaschine“(1884), ein kleines Epos, das in die ‚„Gesammelten Dichtungen‘ aufgenommen ist. Ein Großer ist Josef Kiß nicht. Seine Schwächen liegen klar zutage: Sorglosigkeit, ja Nachlässigkeit selbst dort, wo er von Hause aus unterrichtet sein müßte, Überladung mit hergebrachter ‚Poesie‘, Ghettokleinbürgerlichkeit in der Ausmalung des Reichtums. Von Typus ist er ziemlich reiner VIII großen und reichen, aber tiefer wurzelnden Talent, alle diese Mittelländer, sehr klein, schwarzhaarig(nach einer Stelle in seinen Gedichten), von feinen, gemäßigt ‚semitischen‘ Zügen. Meine Übertragungen geben die Versmaße der Originale zumeist in ihrer rhythmischen Freiheit wieder.(Nur das „Lied vom armen Arje‘ habe ich aus inneren Gründen deutsch gerhythmet; die Silbenzahl bewahrte ich auch hier.) In ff?(,,Jehova“ bei Kiß, worüber man die Anmerkung auf S. 6 einsehe) habe ich den paarweisen Reim, den das Original durchführt, auf ein paar Abschlüsse beschränkt, weil mir eine schon bis über die Hälfte gediehene Über- setzung in Reimen das Gedicht unleidlich pompös er- scheinen ließ. Die bescheideneren Blankverse mildern seine Schwächen. Die Reime sind wie im Magyarischen frei gestaltet: Vollreime wechseln mit Halbreimen, reimnahen Assonanzen und selbst identischen Reimen. In einzelnen Fällen verstärkte ich die Lokalfarbe dadurch, daß ich Be- aus dem Jargon herübernahm, in andern, die ich vermerke, übertuschte ich gewisse Sorglosigkeiten. OTTO HAUSER Juoa Demütig und georückt, stolz und vermessen, Knechtisch und herrenhaft, uralt und jung: Was für ein Volk bist du, wie unermessen Noch immer reich an Kraft und Seelenschwung! Wohl, manchmal schreitest du einher, wie wessen Rücken die friedelose Wanderung Gebeugt hat, wie des einst’'gen Ruhms vergessen, Verachtet und in Selbstveräctlichung: Doch geht in aller Welt kein Sabbath ein, Ohne daß Tausende beim Lichterbenschen Zions gedenken, und beim hellen Schein Der Makkabäerkerzen strahlt ein Glanz Im Auge selbst des gröbsten Diesseitmenschen,\ Und er ist Sohn des alten Vaterlands. Otto Hauser er TE TR FERNEN DAS LIED VOM ARMEN ARJE Vierrädriges Wägelein Und davor der Falbe!: So im Land von Markt zu Markt Zieht der arme Arje. Dort in Herves alle Mädchen, Alle jungen Weiber Lobten unsres armen Arjes Bänder, Schürzen, Leiber. Salgo-Tarjän, Traurigkeit Kam auf deinen Hattert, Seit zum letzten das Gefährt Arjes da gerattert. Die Paßtöher Judenmädchen Tragen Leid im Herzen, Und braun Esthers Perlenschönheit Ist verwelkt vor Schmerzen. „Eingespannt schon steht mein Pferd; Lieb, laß fort mich wieder. Eh’ ich komm’ nach Paßtöha, Geht die Sonne nieder. Sabbatheingangs Lichterbenschen Finde mich zuhause, ! Im Text:„ein Paar Falbe“, Aber späterhin wird immer nur von einem Pferd gesprochen. 2 Gemeindegebiet. Der Ausdruck ist siebenbürgisch, ® Der rechtgläubige Jude muß vor Sabbatheingang zuhause sein. Danach darf er nicht mehr reisen. Das Lichteranzünden heißt Lichterbenschen; benschen= benedizieren. Man sagt „der Sabbath geht ein“. Das ist am Freitag Abend. Kiß hat alle diese bezeichnenden Ausdrücke nicht. Statt Sabbatheingang heißt es bei ihm„Freitagabend“, Allerdings fehlen dem Magyarischen 3 “ a n a Eaens RT RETENEN Drängt’ ich anders so zur Eile, Einz’ge Blume, traute?‘“ O braun Esthers Augen, wie Wissen sie zu bitten,: Und wie schwer zu scheiden ist’s Von braun Esthers Küssen! Das gelobte Land ist’s, liegen In braun Esthers Armen. Ihrer süßen Lippen Flüstern f Alter Märchen Raunen. „Wohin gehst du? Bleib noch heut,“ Spricht das Mädchen,„bleibe I“ Spricht der Bursch:„Doch Mütterlein Wartet auf mich heute.‘ Traurig ist für sie der Sabbath, Wenn ich heim nicht komme. Arme Wittib! Ich bin ihres Hauses helle Sonne. „Sie zu sehn glaub’ ich, wie sie Eilig schon den Tisch deckt, Vielverflochtnen Barches dann Obenhin zum Sitz legt, Wasser bringt zum Händewaschen, Ansteckt die drei Kerzen. Und nun mag der Sabbath eingehn! Ihre Augen glänzen.“ manche dieser Ausdrücke, da, wie in der Einführung erwähnt, die eigentliche Sprache der Juden das Deutsche ist. i Zu Sabbatheingang wird in Erwartung der„Prinzessin Sabbath“ immer der Tisch reinlich gedeckt, und ein weißes zopf- artig verflochtenes Brot(Barches, nach den Segenssprüchen genannt, die darüber gesprochen wurden) auf den Platz des Hausoberhauptes gelegt. Auf dem Tisch brennen zumeist so viel Kerzen, als Teil- nehmer da sind. Wasser ist immer vorbereitet. Denn niemand setzt sich zu Tisch, ohne sich Wasser über die Hände gegossen zu haben, wobei die Frömmeren auch einen Spruch murmeln. 4 EEE EER ELTERN en Also tritt die späte Fahrt An der arme Arje; Altbekannte Straße hin Zotteltrabt der Falbe. Übern Weg da läuft ein Hase Querfeldein, bös Zeichen! Auf die wald’gen Berge sinken Graue Nebelstreifen. Finsternis füllt beiderseit Schon des Grabens Gründe, Busch und Dorn am Rande ringt Mit dem Matrawinde. In Gedanken schwer sitzt Arje, Rattert weiter, weiter... Plötzlich wachsen aus dem Boden Knapp vor ihm zwei Räuber. „Jude, her dein Geld! mach schnell! Hast viel eingenommen|!“ „Nein, ich geb’s nicht!““„Nun, das soll Dir noch teuer kommen|“ Und der Knüttel saust, das Beil trifft Mit gewalt’gem Schlag ihn, Armer Arje! nieder stürzt er Auf das knarr’ge Rad hin. Und die Wittib, wie sie eilt, Wie sie rasch den Tisch deckt, Vielverflochtnen Barches dann ' Obenhin zum Sitz legt, Wie sie Wasser bringt zum Waschen, ' Ansteckt die drei Kerzen! j Und nun mag der Sabbath eingehn| J Ihre Augen glänzen. si Si rt RER Und braun Esther knüpft das Haar Für die Nacht zum Knoten. Auf dem Bettrand sitzt sie, kommt Traum auf Traum gezogen. Vom schaumweißen Nacken nimmt sie Ihre schwarzen Perlen, Zählt sie, lächelt—: Wann ist Hochzeit? Zählt daran das Närrchen. In dem kleinen Kämmerlein Sitzt die Wittib einsam. Länger wird der Kerzenbutz. Trüber Sabbatheingang! Plötzlich löschen aus die Flammen, Wie von einem Hauche. Adonail! schick einen Strahl ihr In die Nacht, die grause| Und braun Esther sieht— das Herz Hüpft vor Glück— in Träumen Ihren Liebsten hochzeitlich In dem weißen Leinen!. Gegen Morgen pocht’s am Tore. „Esther, auf! geschwindel‘“ Adonai, gib, daß sie heute Kraft zum aufstehn findel 1 Das Hochzeithemd aus feinem weißem Leinen ist zugleich das Sterbehernd. Statt„Adonai“ sagt Josef Kiß„Jehova“, welche Mißform— die richtige Vokalisierung des heiligen Tetragramma- tons 77? JHVH, ist Jahve— jedoch rlur. von den Christen und auch von ihnen erst seit dem 17. Jahrhundert gebraucht wird. Die Juden lesen entweder nach den darunter gesetzten Vokalen Adonai(Herr) oder Nasch&m, ‚der Name‘. Die Aschkenasen sagen„Adunoj“. Ich habe es überall an Stelle des von Kiß— in Angleichung an den christlichen Gebrauch— angewendeten Jehova als einzig sachgemäß eingesetzt. h 6 n | | 7 a ze JUDITH SIMON Bei dem Juden Simon ward in jedem Jahre Auf die Erde gesetzt eine kleine Bahre, Ein klein Brettersärglein, nur ellenlang eben... Ein armer kleiner Wurm, vermocht’ nicht zu leben. Judith Simons Haar ist wie ein Schatz von Golde. "Weinend mit den Händen liebkost sie das blonde. Dann— oh jammerschade— schneidet die Schere drein!. Zum heiligen Rabbi so geht sie insgeheim. „Abgeschnitten hab’ ich das Haar ohne gleichen, ‚Beweint meine Schönheit, Ruhm von sieben Reichen: Heiliger Rabbi, sag’, sage mir nur eines: Werd’ ich, heil’ger Rabbi, kein Kind großziehn, keines?“ ‘Von der alten Bibel aufblickt der heil’ge Mann. Judith in schwerer Schuld faßt wilder Schauder an: „Jetzt möchtest du eins. Einmal wolltest du nicht es. Dein erstes Kind, Judith, sage mir, wo ist es?“ Frau Judiths Angesicht wird weißer als der Schnee, In ihren rosigen Händen birgt sie es jäh. Flüsternd kommen, stockend die Worte, lautlos fast: „Mit mörd’rischen Händen hab’ ich es umgebracht. Des Kindes Vater ließ schmählich im Stiche mich... Ein arm schwach klein Mädchen— die Schande fürchtet’ ich... * Die rechtgläubigen Jüdinnen schneiden ihr Haar bei der Verheiratung ab. Ausnahmen kamen in früherer Zeit kaum vor. Josef Kiß übersieht das und vergißt zu motivieren, warum Judith Simon ihr Haar behalten hatte. 2 Aus fremden Gärten 83. ‘ Schmachte, verzehre dich, unsäglich Elend trag’: Fieberische Notnacht— gut es einzugraben.... Besser wäre mir jetzt, ich läg’ unterm Rasen!“ Nachblättert der Rabbi in manch heil’gem Buche, Daß er für ihre Schuld drin die Buße suche. „steh auf Judith, steh auf! Tu ab dein Trauerkleid! Deine große Sünde wird so leicht nicht bereut. Nur andres erlöst dich— furchtbar ist die Probe. Judith, hast du die Kraft für so schwere, große? a Mörderisch ist dein Mund, wenn er Unschuld’ges küßt. Wiß, daß der Mutterkuß dir Dirne verboten ist. i ann rn ne nenn m mn Deine Buße endet des Kindes Hochzeittag.“ Bei dem Juden Simon ist das ganze Haus licht: Benamung! gibt es, als ob man Hochzeit ausricht’. Aus altem Psalmenbuch singt Simon die Psalmen, Judiths Wangen schwimmen in Tränen, die falben. Hundertmal das Kleine nimmt sie an ihre Brust, Will es immer küssen, doch verwehrt ist der Kuß. Bei dem Juden Simon ist das Haus voll Jammer; Leis-leise geht man, dicht verhängt ist die Kammer. Frau Judith ringt weinend, schreiend ihre Hände: „Muß ich verlieren auch dieses Kind am Ende?“ „Liebste Mutter, so brennt meine Stirn vom Fieber: Küsse mich, küsse mich, dann ist’s gleich vorüber.“ „Stille, Kleinchen, still, still! Schließ nur die Äuglein dicht.“ i — O mein Gott, mein Schöpfer| verlaß, verlaß mich nicht!" „Mein Mündchen, Mütterlein, ist ganz aufgerissen. Nicht wahr, darum, darum willst du mich nicht küssen?“ 1 Der Text sagt„Taufe“. Das ist eine Angleichung an den christlichen Ausdruck. Die orthodoxen Juden nennen die im allgemeinen nicht große Feierlichkeit bei Mädchen ‚‚Numme geben‘“, „Namen geben“,: 8 Der Jude Simon wird gelb im Gesicht und schwarz: „Schlecht von Herz und Nieren bist du, Judith. Mir ward’s Schon von manchem gesagt— und dies und das noch drauf, Und wie eines wahr ist, ist es das andre auch!. Wer schlechte Mutter ist, ist auch schlecht Eheweib: So leb’ mein Kind, wie ich dich aus dem Hause treib’ I“ Das Jahr geht hin, geht hin und erneut sich wieder. Von dem Juden Simon schallt Jubel herüber. Die Chügge? steht im Hof, alles drängt sich herein: Der junge Nathan führt heut Simons Tochter heim. Ein armes Bettelweib kommt auf den Hof zuletzt. Die andern stoßen sie von links und von rechts. Sie hofft, sie kämpft, sie bahnt durch die Gäste sich Weg. „Die schöne Braut, ach laßt, daß auch ich sie sehen mög?|“ Jetzt bringt man sieheran...schon sprechen sieden Schwur... Der Rabbi betet...„Jetzt, jetzt noch ein Schrittchen nur| Teures Blut! Kind! Mädchen!“— Sieumschlingt sieundzieht An ihre— kalten Lippen die Lippe, die glüht. - Das ist von Judith Simon das traurige Lied. 1 Bei den orthodoxen Juden wird es sehr genau beobachtet, ob sich in der Hochzeitnacht die Zeichen der Jungfrauschaft fanden.(Vgl. den Gebrauch bei den syrischen Arabern, den ich in den Anmerkungen zum ‚Hohen Liede“, AfG. 9 erwähne.) Auch hier läßt die Ballade die wirklichen Verhältnisse außer acht. 2 Der Trauhimmel. DIE SCHÖNE FRAU BATO Langer Tag ist es; schon versammelt sich alles, B| Von überall kommen die Juden im Talles!. Die schöne Frau Batö steht vor ihrem Tore, Ihr Rock ist von goldenem, silbernem Mohre; Ein Lächeln spielt ihr auf dem küßlichen Munde, Mit verliebten Reden beginnt sie zur Stunde: Zum Beten hast du Zeit bis Abend lange noch— Bis Abend, bis Morgen— so lang es lustsam dir, Wenn schon im Tempel nicht, im Kämmerlein bei mir. Meine zwei Sternaugen sind da das Psalmenbuch, . Meine zwei Arme sind das weiße Schultertuch, Kuß auf Kuß, durst’ger Kuß, das ist die Buße süß Und meine Schulter rund das Gnadeparadies.‘“ „Versuche mich nicht, laß, Klara Bat6, mich gehn! „Langer Jonas, mein Herz, bleib doch stehn auf ein Wort! Nicht gut ist’s für mich, dein Aug’, dein Antlitz zu sehn. Einen angetrauten Mann hast du, ob auch alt, Ich eine Braut, ob auch nicht so schön von Gestalt. Mit den beiden Händen schlüge mich Adonai?: Niemals spräche er mich von dieser Sünde frei.‘ In ihre Kammer da eilt Frau Bat6 hinweg Und legt sich zurstelle ins bunte Himmelbett. 1 Das schwarzgestreifte weiße Schultertuch, das die recht- gläubigen Juden zu gewissen Zeiten beim Gebet anlegen und worin sie vor allem am langen Tag(Versöhnungstag) im Tempel sitzen. 2 Der Text hat hier und später ‚‚Jehova“. Doch siehe Anmerk. Io ann | | 8 Ihr alter Gatte geht am Bett auf und nieder, Voll Sorge, sie hab vielleicht das kalte Fieber. „Das Fieber, mein guter Batö, hab’ ich nimmer, - Vor jedem Lüftchen ja hütest du mich immer, Hab’ nichts gegessen, mir nichts innen gerissen— Der Judenjunge hat sich an mir vergriffen!“ Jonas geht hin in die halbzerfallene Schule!, In dunkler Ecke sitzt er in einem Stuhle. Um die Schultern legt er den Talles, den weißen, "Und denkt an Frau Batös Arme, an die weichen, Aufschlägt er das Buch dann in heftigem Schauder, Und Frau Batös Augen blicken. drauf voll Zauber, Stumm den Ellenbogen stützt er auf die Lehne— Ach, auf deinen Nacken ihn stützen, du schöne! „lag des Gerichtes!“? tönt brausend da die Weise; Es klagen und weinen die bärtigen Greise. ee Sie schlagen die Brust sich, und die Beichte beginnt. Nicht fromm bist du, Jonas, ruchlos bist du gesinnt. Greul ist, daß du da bist, dein Gebet Frevelei. Sicherlich, sicherlich schlägt dich noch Adonai! Es schnoben die herbstlichen Winde, die kalten. Frau Batö tuschelt heimlich mit ihrem Alten. Sie streichelt ihn, sie nennt ihn ihr Väterchen lieb: „Ew’ge Schmach für uns, wenn das ungerochen blieb!“ -„Im wilden Wald war ich, die Dornen, sie rissen, j ‚Sie haben den teuern Rock mir ganz zerschlissen. : Langer Jonas, mein Herz, bleib doch stehn auf ein Wort: Hast in deinem Laden Seide für einen Rock? Aus neun Ballen Seide wähle mir einen aus, Aus neun Ballen Seide such den schönsten heraus: 1 Synagoge. 2 Kiß läßt die Gemeinde„Jehovas(!) großer Tag“ singen. Das Lied, das am Versöhnungtag gesungen wird, beginnt jöm Nadin, ‚Tag des Gerichtes‘, II Dunkles Schwarz mit blutroten Blumengewinden. Komm, bring sie heut abend beim Lichteranzünden.‘“ „Aus neun Ballen Seide wählte ich einen aus, Aus neun Ballen Seide sucht’ ich den schönsten aus: Dunkles Schwarz mit blutrotem Blumengewinde.. Hier, Klara Batö, Perle, sieh, was ich bringe! Nicht für Gold geb’ ich es, nicht für Silber geb’ ich’s, Für einen liebenden Kuß aus Liebe geb’ ich’s, Fliege meine Seele deinethalb zur Hölle, Werde zum Feind mir jeder gute Geselle— Glaube, Gebet, was gilt mir’s von dieser Stunde? Will nur selig sein auf deinem roten Munde!“ Wild die zwei Arme da schlang er um ihren Leib. Fieber schüttelte das verräterische Weib. „Flieh, wenn du liebst! Weh, weh! Umdes Himmels willen! Dein Blut kommt auf meine Seele! Flieh von hinnen!“ Jäh erwacht Jonas aus seinem Lieberausche. „Lebendig nicht kommst du— nicht aus diesem Hause!“ Blutdurchflossner Augen tritt Bat6 vor ihn hin, Und herab saust das Beil mitten auf Jonas Stirn. Aufspritzt das Blut an die Wand, zur Decke hochhin, Aber drei Tropfen auf Frau Batös weiße Stirn!... „Meine lieben Herrn Richter, hohes Tribunal, Quälet nicht, martert nicht meinen alten Gemahl! Stille, fromme Seele, schlägt keine Fliege tot. Aber für mich tut keine Barmherzigkeit not. Gebt in des Büttels Hand mich nur ohne Gnade, Zerbrecht meinen schönen Leib nur auf dem Rade, An drei Meerufern streut meine Gebeine aus, Dort auch unbegraben, dorten verlassen auch. Der wehende Wind soll um mich weinen immer, In Schande bleib’ ich, sei vergessen für immer: Weil ich den verraten, weil ich den töten mußt’, Den auf der weiten Welt ich den liebsten mir wußt’.‘“ 12 ae ne een I engine IL en LEGENDE Berühmt sind die Heil’gen auf der Moldaubrücke, - Rechte Heilige, nicht hergelauf’ne Sippe. Doch wie der Rabbi am Fuß des Hradschin waren Sie alle nicht, keiner Größer, ungemeiner Auch wohl heiliger nicht— vor viel hundert Jahren. Von des Hauses Altan im’ Schein des Dämmergraus Blickte der berühmte Prager Rabbi hinaus. Im Nebel jetzt verwehn, die zu Gast da wohnen, "Die spukhaft webenden, - Unsichtbar schwebenden, Von ihm nur geschauten Geister und Dämonen. Nichts, nur daß einmal gleich einer Spule, die rollt, Mitten auf dem Wege ein stummer Sarg hertrollt, Auf schlechtem Wägelchen. Niemand geht hinterdrein. Vor einer Türe bloß Gähnt ein Köter, wo Moos Und dünnes Gras in den Pflasterritzen gedeihn. Ein armer Musikant, der Lieder ausgestreut, Liegt da im Rock, doch, ach, ohne Hemd auf dem Leib. - Wohin kam das Hemd denn? Er besaß auch nicht eines, So schwer war seine Not; Und auch jetzt noch im Tod, Von der gnäd’gen Hippe gestreift, hat er keines. Langsam geht es dahin: ein Zigeuner, ein Gaul. Wacklig ist der Wagen, hat einen Boden kaum. Und auch der Kutscher vorn sitzt mit schwankendem KopE Verschlafen und dosig. Der Weg pfützig, kotig; Bisweilen stößt es, und hinten das Gatter hopst. Schaube und Mantel da nimmt der Rabbi schnelle Und folgt dem Toten nach. Und der Tag wird helle, Und mit neugier’gem Volk füllt sich die Straße an. „Sag, wer ist, o Meister, Der Tote? Wie heißt er, Daß du solche Ehre erweisest diesem Mann?“ Und der Prager Rabbi spricht mit bebendem Munde „Er allein weiß es, dem jedes Geheimnis kund. Aber den heiligen David hab’ ich erkannt Hinter dem Sarge in königlichem Gewand, Auf dem Haupt die Krone, Die Harfe in der Hand. 2 Im Text ‚Halb ausgegangen ist des Kutschers Pfeife‘. Weiter oben„Frack“ statt ‚„‚Rock“. Daß auch Goethe im„Faust“ schon den„Toback“ erwähnt, entschuldigt solche Anachronismen doch wohl nicht. p 14 a re a Na a ne a m a Tr fi Die Welt sah ich, durchzog die weite Erde, bi Im Süden betet’ ich die Sterne an. Vom Strand der blühenden, der blonden Theiß Im Wandertriebe irrt’ ich weit umher: Vom Fuß der Schneehöhn bis knietief in Rosen Zog ich ins blaue, zaubrische Italien. Doch, o Farbe und Duft auslöschend Nichts! Fliehender Wolke gleich sehn wir’s verwehn, Dahin rafft’s die Minute wie der Wind das dürre Blatt— zu schön, umsonst darum Hältst du’s zurück; und aus der Seele auch_ Schwand wie ein Morgentraum der Süden mir, Find’ ihn nicht mehr, nicht Farbe mehr und Glanz Noch Üppigkeit... O langsame Zerstörung der Jahre! Aber eines wilden Felsens Harter Umriß blieb in der Seele wohl, Tief darin grabend seine Fratzenzüge. Ich seh’ ihn— steil, bis in die Wolken greifend, Unfreundlich, öde, aber hoheitvoll, _ Ungestalt, aber Eisen! Und im Grunde Deckt seine Füße üpp’ger Pflanzenwuchs, Und die fruchtbaren Felsen dort sind Glieder Seines Leibes, die mit wilder Gewalt Der Sturmwind losriß und befruchtete: Sind seine eignen lieben Kinder; doch Zwei Welten sind die seine und die ihre. Wo sah ich dies Gesicht, das lang mir folgt? In Marmelstein? als großen Meisters Werk? 15 nen en Der Augen Blitz, der weitgeschwungne Arm Deutet auf den Titanen Angelo, Und seiner Seele wilden Ingrimm les’ ich Und ihren Schmerz in dieser Stirn von Stahl. Ist es so? Hat unter Sankt Pietros Kuppel Diesen Eindruck empfangen mein Gehirn? Nein, nein! Dort träumt’ ich nur zum Leben wieder Die düstre Dämmrung eines Wintertags. Il: Aus unserm kleinen Dorfe stammt dies Bild. (Wie kam mir das nicht früher in den Sinn?) Eine hohe Gestalt in schwarzem Kaftan Langsam ausschreitend, kam er stolz daher, Und wir herumlungernde Gassenkinder _Wichen furchtsam zur Seite, wenn er kam, Und drückten uns zusammen wie die Spatzen Im dichten Laube, wann der Sturmwind naht. Die Last von hundert Jahren lag auf ihm, Doch hatte seinen Rücken nicht gebeugt. Ein lebend Märchen, eingehüllt in Dunkel, Unter den Menschen schwankt’ er so umher, Geahnt vielleicht, doch oh, begriffen nicht— In einem Leben, das kein Ende nahm! In großen Wissens Rufe stand der Greis, Und niemand wußt’, von wannen er gekommen. Man munkelte, kund wären ihm die alten Geheimnisse der heil’gen Kabbala, Und nur an ihm, an ihm nur sei’s und leben Konnt’ er in Reichtum wie ein kleiner König. Doch bis zum Grab war er der Armut Sohn Und wohnt’ in kleiner schilfgedeckter Hütte. In Büchern steckte er und ging zum Tempel; Es war sein Wissen nicht von dieser Welt. In ausgestorbnen Stämmen toter Sprachen 16 ERERN: RE Dee ni nen TERROR ETERELEINEEFEINERFORFEREOVE KOENNEN Lebt er: Syrisch und Altchaldäisch! sind Ihm offne Briefe. Abend findet ihn und Morgen Sinnend über den krausen Hieroglyphen. Mit den Jahren zugleich an Werte zu. Und eine Weisheit nur: die Religion, Nur eine Weisheit, das ist: Adonai?. Der starre Gott, der harte, der die Sünden Der Väter rächt bis in das vierte Glied, Das war sein Gott. Wie auf der Spiegelfläche Der Atem, wie die Träne, die ein Kind weint, Ingleichen kommen, gehn und schwinden hin Vor ihm in raschem Laufe die Geschlechter. Und er befand, daß alles wank hier sei, Nur zwei beständig: er und Adonai. Wortkarg, finster schweigend, schlummerte ihm Unter den Augenlidern eine Welt: Die Welt, die grenzenlose, des Gedankens, In Nacht gehüllt, in Blitzesschein getaucht. Er mied die Lebenden, so wie sie ihn. (Ja, schon gehört’ er kaum noch unter sie.) Doch wo ein Sterbender im Endkampf lag, Da kam er, ob gerufen oder nicht, Und die ringende, los sich reißende Seele, Aus der Gewißheit, die im Aug’ ihm glänzte, 1 Das Syrische hat so gut wie keine jüdische Literatur, nur christliche. Was Kiß unter Syrisch versteht, ist fraglich. Ebenso Die alten jüdischen Werke sind entweder hebräisch oder aramäisch(eventl. chaldäisch zu nennen), geschrieben. Die Schriftzeichen sind stets ist Altchaldäisch eine ganz unsichere Bezeichnung. dieselben: die hebräischen. * Im Text wird bis auf den Schluß(vorletzte Zeile) immer Jehova gebraucht, so auch als Titel. Doch siehe die Anmerk, auf So wie der Wein, denkt er, so nimmt die Weisheit L Während er tönend das Bekenntnis! sang, Für ihren letzten Weg gewann sie Kraft. Oft beim brennenden Docht aufsaß er droben Um des kargen täglichen Brotes willen. Auf große pergamentne Blätter da Kopierte den uralten Text der Greis?, Des alten Testamentes ew’ge Lehren, Das Gotteswort, das da zum Leben führt, Den Quickborn, der von frischem Wasser sprudelt, Das Mysterium, dessen Name: Gott. Doch da er also lebt’, Buchstaben malend, Herrschte auch der Buchstabe über ihn. Zurück wünscht’ er in seiner Phantasie Die grausig-dunkle, rauhe, wilde Welt, Da Adonai die Fackel war auf Erden, Und wer ihn schändete, mit Tod es büßte, Da toter Buchstabe lebend Gesetz war Und seine Spur Steinigung, Feuer, Abgrund, Zum Himmel schlug der Scheiterhaufen Brand, Das Schwert blitzt’ in des Hohenpriesters Hand’.... III. Am Fuß des öden, unfruchtbaren Gipfels Erwuchs verborgen eine frische Blume. ı Kiß sagt„Glaubensbekenntnis‘‘, doch handelt es sich um das Sündenbekenntnis, das eigentlich der Sterbende selbst zu sagen hat, das jedoch auch, wenn er schon zu schwach ist, von einem Vertreter gesprochen werden kann. 2 Ein solcher Thoraschreiber ist eine halb geistliche Persön- lichkeit. Er hat die strengste Verpflichtung, den heiligen Text bis auf das Tüttelchen(das schon die Evangelien ihm nicht rauben lassen wollen), abzuschreiben. Dieser Gewissenhaftigkeit, die weit zurückreicht, verdankt man den für so lange Überlieferung un- gemein guten Text des ‚Alten Testamentes‘. Daß Kiß diesen Ausdruck gebraucht, der sonst bei den Juden ganz ungebräuchlich ist, befrerndet. 3 Scheiterhaufen und Hinrichtung durch das Schwert kannte das Judentum meines Wissens nicht. 18 ER seh ER rk mat nn ein mom _—= EEE ur Be ee we ENTER ur e Lüftchen und Bachgemurmel zog sie auf, Spärlicher Sonnenschein, Grund ohne Segen, Vaterstrenge, Entbehrung, heiße Sehnsucht— Statt Taus fiel Reif auf die durstende Blume. Und unter diesem feindlich rauhen Klima Zur vollen Rose ward die Tochter Jobs, Unverdorben, gesund, ein Wunderbild, In zauberischem Einklang Kraft und Licht. Majestät ihre Schönheit, die Bewegung Anmut und Rhythmus und wie Silberglocken Abends im Blachland, die zum Träumen laden, So voll Gesangs ihr Sprechen, ihre Stimme. Und was sie spricht, ist klug, schön, was sie denkt, Ein bunter Falter, der die Flügel spreitet Ob eines hellen Sees blauem Spiegel... Und ihre Augen?— Oh, erst diese Augen! Und ob ich hundert Jahre angelte, Nicht käme auf den Hamen mir ein Wort, Das dieser Augen Poesie ausspräch’. Doch zur Erklärung sag’ ich auch ein Märchen: . Die Nacht der Tiefe und der hohe Tag Blickten einander an in Sehnsuchtglut, Schmachteten nacheinander, fanden sich, Verschmolzen, trennten sich fortan nicht mehr; Der Fabel Lösung saht ihr wunderbar Flammen in Mirjams schwarzem Augenpaar. Brachfeld nährte den Leib und Einsamkeit Die Seele,— treue Amme, deren Lied Gar viel geheime Kräfte weckt und kühner Die Flügel wachsen läßt der Phantasie. Gierig aus gelben- Fetzen für sich selbst Lernte sie lesen, heimlich in der Nacht; Gestohlen aus zerrißnen Büchern blieb ihr Haften ein Wort, ein Lied, Sage, Geschichte: Karge Brosamen von des Geistes Tisch, Freude und Nahrung für die gier’ge Seele. O wie durstig war diese Seele! Durstig Nach Wissen, Kenntnissen, Veränderung| Aus dem werktäglichen Dasein sehnte sie Sich fort, schuf selbst sich eine neue Welt. Die schöner, reicher war, reiner und kühner: Halb Ahnung und halb Poesiel... Einst fiel ein altes Buch ihr in die Hand, Vollständig, nur der Titel fehlte ihm; Darin fand sie die allerschönsten Sachen. (Schade, daß der Schöpfer verborgen blieb|) Sie las es immer, hundertmal im Jahr, Wie eine wunderbare Melodie, Die wir unausgesetzt uns wiederholen, Weil Herz und Seele voll uns sind davon. Sie las, und einzeln alle die Gestalten Bezog sie auf sich selbst, der. Reihe nach: War heute Julia in Romeos Armen Morgen die unglückliche Desdemona, Lady Macbeth dann mit der blut’gen Hand, Cordelia heute, morgen Imogen.... Und wenn nun einer von des Dorfes Rüpeln Mit plumpem Mund ihr Schmeicheleien sagte, War Zottel er und sie Titania... So war Mirjam, das Kind des alten Jobs. IV; ge Herbstabend lind und lau. Die Pappeln zittern, Vom Vordach scheidet schon der Schwalben Schar. Und morgen sind die Nestchen kalt, die leeren. Zwitscherndes Schwälbchen, wirst du wiederkehren? ge ee Des kleinen Schilfdachhauses Fenster glänzt, Die Zitterpappel wirft blitzende Strahlen. Die Pappel färbt zu reinem Gold ihr Laub. Von ferne dämmert schon die Nacht herauf. 20 Seeds ee * 2 E % V. Tief brütend sitzt der alte Job, das Haupt, Das taubengreise, in die Hand gesenkt, Vor sich die gelben pergamentnen Blätter, Feder und Tintenhorn— es will nicht gehn. Inne hält er, ergreift die Feder wieder... Doch die Buchstaben fließen heut zusammen. _ muß schwerer Nebel niedersinken, f RE ee. sung ansich, ’ en core 1% Schwer ist sein Kopf auch— alter Adler, auf! Und wieder taucht er tief die Feder ein. Ein Kapitel so recht nach seinem Herzen Harrt seiner ems’gen Hand heut: Moses, zwei, 3 Kapitel zweiunddreißig. Schlaget auf - Und lest daheim in eurer alten Bibel. Des goldnen Kalbs verruchter Götzendienst Und Mosis Zorn und seine große Trauer Ist da mit Demantgriffel eingegraben: Das war ein Dichter wohl, der dieses sang! Sprach Josua zu Mose: ein Geschrei Ist in dem Lager, Meister, wie im Streit. Antwortete der Meister: Sohn, Ou irrst. Es ist nicht ein Geschrei gegeneinander Derer, die obliegen und unterliegen, Sondern ich höre einen Singetanz... Und wundersam, da er die Worte schreibt Braust es und tönt’s auf einmal ihm im Ohr, Als ob, der vor Jahrtausenden erschollen, Derselbe Klang ihn träfe eben jetzt. Ein sonderbares wirriges Gelärm.... Anhält er, lauscht— Ah, ganz was andres ist’s| Nicht Klänge, die auf Geistesflügeln wehn, Nicht Geisterklänge sind es, was er hört: Wandernde Komödianten schlugen unter Der Wirtshausscheune Dach ihr lustig Reich auf, open binnen in nun an in kihr nenne en en rise nges nine SIE Bea ee ee rem NS Te Ten Brenn — ragt ehe Und die Dorfleute, wer nur irgend konnte, Sind dorten jetzt und klatschen ihnen Beifall. Es schwitzt die Hand, in Bächen fließt die Träne— O für die Musen wie beglückende Szene Das Lärmen hat den Alten wohl gestört, Doch wieder weiter läuft die Feder, läuft, Knistert und hält von neuem an.— Umsonst! Die Seele will heut keine Ruhe finden. Stumm nun ist die Musik. Jedoch statt dessen Kommen Gespenster lang entschwundner Zeiten, Und peinigen den Greis und martern ihn— Ach, wozu sind die alten Zeiten auch?! v1. Drei schöne Söhne hatt’ er und verlor sie— Durchs Leben— durch das Leben, nicht den Tod. Ja, den der Tod ihm nahm, der einz’ge ist er Der dreie, über den er sich freuen kann. Krieg, Weltlauf, Luft und eine neue Zeit, Die leise, auf den Zehenspitzen naht Und deren Strom man erst bemerkt, wenn schon Das ganze Land von seinen Wogen schallt: Die Neuzeit, auf der Alten Nacken steigend, Verschlang ihm wie ein Moloch die drei Söhne. Nach Glaube, Ziel, Ideen, Lebensführung War zwischen ihnen kein gemeiner Zug. Und jenes heil’ge Band, das mit den reinen, Versöhnenden Strahlen alles überbrückt, Des Bluts und Herzens Band zerriß der Vater, Der unbeugsame selbst in eisernem Trotz. Sein Kind dem Schutz des Himmels anempfehlend Stieß er es in die weite Welt hinaus. Kaum dreizehn Jahre war es erst, doch so Will’s die uralte Überlieferung. 22 | Lange kam keine Nachricht von dem Sohn, Doch einmal— sieh, der Junge schreibt ja doch! „Vater, eins gibt es auf der Welt, was schön, Was groß und ruhmreich ist: Maschinen baun su Des Vaters Glaube schwankte nicht: ein Wort nur Steht auf dem Pergamentblatt: Adonai! Und neue Kunde kam:„Ich geh ins Wildland. Schienen leg’ ich am Ufer des Missouri, F Urwälder rod’ ich, Felsen brech’ ich durch, eb, N #B3 Auf mein Kommando tut sich auf die Wildnis. Der Himmel ist mein Zelt, dürr Laub mein Bett, Der lauernde Indianer schreckt mich auf, Den Schakal! hör’ ich heulen in der Nacht— Und heil noch, Vater, ist dein Talisman...“ Dann keine Nachricht mehr. Die Jahre gingen, Ein neu Geschlecht erstand, die Alten starben. Niemand mehr dacht’ an Jobs, des alten, Sohn. Auf einmal da kam er ins Heimatdorf. Er kam mit Folgschaft, wie die Fürsten reisen, Mit wunderprächt’gen Kutschen ohne Zahl, #° Den Mohren auf dem Bock, ein Heer von Dienern, Die vorn und hinterher rings um ihn schwärmten In glitzenden und blitzenden Livreen— Das hatte man im Dorf noch nie gesehn| Und vor dem Schilfdachhaus, ringsum, dahinter Standen sie und zertraten sie das Gras. Der Herr, schön, stattlich, ritterlicher Art— Südliche Sonne bräunt’ ihm das Gesicht— Hob aus der schwanken Kutsche flaumenleicht Ein lieblich Weib mit einem Kinderantlitz Und ging nun auf den Greis zu, der erwartend Schon seine Arme ausgebreitet hielt. Doch jäh fährt er zurück— erbleicht und zittert: Auf dem Busen der Frau sah er— das Kreuz| ! In Amerika gibt es keine Schakale. 3 Aus fremden Gärten 83. „Abtrünniger,‘“ aufweint er wild und weh, „Abtrünniger, du bist mein Sohn nicht mehr| Nicht über meine Schwelle kommst du mir, Also erbarm sich meiner Adonai|‘ VII. Unter der schmerzlichen Erinnrung Last Entbrennt der alte Grimm in seiner Seele, Erneut sich seine-schwere, alte Wunde Und blutet wieder, wie sie einst geblutet. Schluchzend senkt er das Haupt in seine Hand, Und weiter führt ihn die Erinnerung. Ach, einen Sohn noch hatt’ er, einen zweiten| Die Züge sieht er noch, die kindlichen, Den Feuergeist, der Gottes Stirn entspringt,— Und irre ging auch er in der großen Wüste. In Stein und Pflanze forschte er nach Gott; Ach, seine Jugend gab er dafür hin. Und als des Wissens Lichtkulm er erstiegen, Alles da fand er— Gott nur fand er nicht. Der Ruhm trug seinen Namen fort, er steht Nun zwischen denen, die für immer groß sind, Gelehrten Weisen— eine neue Bibel. Alles umsonst! Auch er war nicht sein Sohn mehr. Langsam, verstohlen— seltner Gast bei ihm— Über die Wange da floß eine Träne Dem alten Job. Nur Gott weiß, wie das kam. Es galt die Träne seinem jüngsten Sohn. Den stieß er nicht ins Weltgetrieb hinaus, Von allen drein war er der liebste ihm. Ein muntrer Bursch war er, ganz reines Herz, Das wahre Abbild seines lieben Weibes, Ein mutwilliges, lustiges, nettes Kind, Das jeder ausschilt und doch jeder liebt. 24 Und kaum zwölf Jahre war er alt, kaum zwölf... Auf einmal geht ein Umsturz durch die Welt, Throne wanken, alte Basteien stürzen, Man fällt das Bajonett, man wetzt die Sense.. Blut trieft aufs Gras, in Blut aufsteigt der Morgen— Und freiwillig ging mit dem Heer das Kind. Die Flinte nicht ertrug die zarte Schulter, So hing man ihm die Trommel um den Hals— Und trommelnd ging er mit von Schlacht zu Schlacht, Bis eine Kugel in das Herz ihn traf... VIII. Die Kerze geht zu Ende, will erlöschen. R Aschige Glut erfüllt das Haus mit Dunkel Und als der alte Job aufstand vom Tisch, Erfüllte es noch tiefre Finsternis. „Mirjam!‘ flüstert er,„du mein liebes Kind! Alle verlor ich, du nur bliebst mir noch. Wache an deinem Bett der Engel Heer, Gabriel, Rafael seien deine Hut Und sechzigtausend in hellen Panzern mögen Von dir scheuchen die nächtlichen Gespenster, j Markolf, Irrlicht und böses Traumgesicht, Bewachen, decken das geliebte Kind!“ Die Flamme facht er an zu hellem Schein Und tritt ins innerste Gemach der Hütte, Wo wie auf einem Blumenbeet das Mondlicht| Mirjam nachts auf den weißen Kissen ruht,:. N VORREITER Segel WE N Ein überirdisch, schlummernd Marmorbild....: Doch unberührt das Bett, Mirjam nicht da.| r Und auf dem kleinen Tischchen an dem Bette j | Mit wirrer Schrift drauf liegt ein weißes Blatt:} Die Züge Mirjams, und wo verwischt sie sind, 5 Rs Sieht man darauf noch ihrer Tränen Spur... Verworrne Schrift und klarer nicht der Inhalt... (Gewiß verlor das Mädchen den Verstand!) Des Vaters Fluch... das Lebensziel, es dränge.... Die Kunst, die sie begeistert, lockt und ruft... Kurz, daß sie ihrem Schicksal einen Ruck gab Und mit der wandernden Gesellschaft durchging! IX. Wie das Wild, wenn des Jägers Büchse knallt, Und das tödliche Blei herüberpfeift, Das es nur streift, nicht trifft, und dann das Wild Eine Sekunde lang taumelt und keucht Betäubt umherblickt, lauscht— und plötzlich drauf Mit wildem Sprung sich aufrafft und aufs neu Dem Jäger, der Gefahr entgegenspringt: So Job. Er wankt... er taumelt... Dunkelheit, Etwas wie Star... lastende Finsternis Verwirrt ihm seinen alten armen Kopf. Aufheult er, fühlt den wehen Stich, doch kann Den Laut nicht finden für sein Schmerzgefühl. Endlich bricht es hervor:„Und auch noch dies? Das letzte Kind... Mirjaml... ah, nun auch du!“ Dann bitterlich fängt er zu schluchzen an, Und nicht sich selbst beklagt er, nur das Kind. Doch als der erste Ansturm dann vorbei war, Zerbrach er alles: keinen Götzen hatt’ er, Nicht Sohn, nicht Tochter mehr, noch sonst derlei, Sein Herr war nur der eine:— Adonail Das enge, verbleite Fenster stößt er auf— Am Himmel blicken ein, zwei Sterne nur— Und blickt empor und in die Nacht hinaus, Die sich in dichte, düstre Trauer kleidet Und so, als ob alle die Heerscharen Des Herrn der Heerscharen dort oben stünden 26 Und seinem Worte Erde lausch’ und Himmel, Daß er in seinem Glauben wank nicht ward, Fest blieb, keine Sekunde Aufruhr sann, Mit einer Stimme, die das Haus durchschüttert Langhin schallend, in Geschluchz erstickend Rief er hinaus weit in die leere Nacht: „Du, Adonai, du gabst— du nahmst sie mir; Das Leben steht bei dir, der Tod bei dir!...“ ENDE INHALT DAS LIED VOM ARMEN ARJE JUDITH SIMON DIE SCHÖNE FRAU BATO LEGENDE Aus fremden Gärten Übersetzt und herausgegeben von Otto Hauser Jede Nummer von ca. 3 Bogen kostet Mk. 1.— geheftet 1. Li-Tai-Po, Gedichte. Aus dem - Chinesischen. 2. Auflage .„ A. Ch. Swinburne, Gedichte und Balladen. Aus dem Eng» lischen. 2. Auflage . Japanische Utas . Biblische Novellen (Esther, Ruth, Jona) . Serbische Dichter . Paul Verlaine, Saturnische Ge- „ Li-Tai-Po, Gedichte. dichte. Galante Feste. 2. Auflage DTeilt Aus dem Chinesischen. 2. Aufl. . A. Ch. Swinburne, Lieder vor E Sonnenaufgang. 2. Auflage Das Hohe Lied. Aus dem Hebräischen . J. P. Jacobsen, Gedichte. Aus dem Dänischen .©. Wilde, Charmides. Aus dem Englischen. 9. u. 10. Taus. . F. van Eeden, Ellen. Ein Lied vom Schmerz. Aus dem Nieder: ländischen. 2. Auflage . 14. Dante, Die göttliche Kos mödie. 1. und 2. Teil. .©. Wilde, Die Ballade vom Zuchthaus zu Reading. Aus dem Englischen. 9. u. 10. Taus. . J. P. Jacobsen, Gedichte, 2. Teil . 18. Multatuli, Parabeln, 1. und . G. Flaubert, Herodias. 2. Teil. Aus dem Niederländ. Aus dem Französischen . A.de Musset, Wovon diejungen Mädchen träumen. Aus dem Französischen . G. A.Becquer, Reime. Aus dem Spanischen 22: 23. 24. 25. 26. 28. 29. 30. 31. 32%: 33. Almquist, Ramido Marinesco. Aus dem Schwedischen Almquist, Der Palast H. Drachmann. Beethovens 9. Symphonie. Aus dem Dän. H. Drachmann. Er starb und wurde begraben 27.©. Wilde, Gedichte 1. und 2. Teil. 9. u. 10. Tausend Molietre, Sganarell. Aus dem Französischen Moliere, Die lächerlichen Pres ziösen Moliere, Die Männerschule Sa’di, Der Fruchtgarten. Aus dem Persischen Althebräische Gedichte B. Björnson, Eine grausige Kindheiterinnerung. Gedichte und Lieder. Aus dem Nor wegischen . Helene Swarth, Sonette. Aus dem Niederländischen . Charles van Lerberghe, Ah- nungen. Dramolet. Aus dem Französischen . 37. John Milton, Das wieder» gewonnene Paradies. Aus dem Englischen . G. A. Becquer, Legenden. Aus dem Spanischen . Henry Beyle-Stendhal, Waters loo. Aus dem Französischen . 41. G.diBoccaccio,Dekameron. Erster Tag. Aus dem Italienisch. . 43. H. W. Longfellow, Evan» geline.e Aus dem Englischen . 45. Dante, Die göttliche Kos mödie, 3. und 4. Teil. Aus dem Italienischen Band 46 und folgende siehe gegenüber dem Titelblatt——— zu $ | a I } u: ET ee elsielsleieisisisisisisiefefsiefeieieisieielelefelglgleglelelsielelelelelelelelslelelelsleiglelelelelelelglele) EEEEEB ulolulaolalolaloloooaoaoono@ooonofonfoofoonfoofnfoniofoimfoioon| Die Freunde dieser Sammlung seien besonders auf ein pseudonymes Werk aus dem Kreise Woltmann- Chamberlain-Otto Hauser aufmerksam gemacht, dessen Erscheinen großes Aufsehen erregte: F. Büttner Ich und meine fünf Jungen Tagebuchblätter eines Erziehers Geheftet Mk. 4.—, geb. Mk. 5.— Die„Ostara“ schreibt: „Die hohe und. edle Tendenz des ganzen Buches wird durch die feine künstlerische Form, die der Verfasser seinen Ideen und Absichten zu geben versteht, in harmonischster Weise ergänzt. Eine stille, bescheidene Vornehmheit durchweht das Werk und wirkt um so nachhaltiger und tiefer auf den Leser.“ In der„Täglichen Rundschau“ schreibt Wilhelm Arminius: „Unterdem Namen Ferdinand Büttner hhatein aufrecht deutsch empfindender Mann— ein Österreicher— in dem vorliegenden Buche sein Erziehungsideal in ungezwungenen Tagebuchblättern aufgezeichnet und damit zugleich ein Stück vornehmer Welt- und Lebensanschauung gegeben. Wir suchen literarische Wichtig- tuerei darin umsonst. Wir finden bei der zwanglosen Form die Frische wirklichen Persönlichkeitslebens.— Die Bemerkungen des Verfassers sind immer wurzelständig. Auf Gleichrassige, die Selbstbeobachtung treiben, werden sie oft wie Offenbarungen wirken und den, der sie so ungezwungen ausspricht, zu ihrem Freunde stempeln. Wahrlich— es ist eine Fülle von echt Menschlichem und Nachdenksamem in diesem Persönlichkeitsbuche eines Blonden| Es muß als Ganzes heftig verworfen oder— mit aufjauchzender Seele aufgenommen werden.“ Alexander Duncker Verlag/ Weimar role en en en on onen fon ofen Ten finfco TomTom Tem Tmm onen om em{emo fon Jon Jim Jim mo mm fon mm in] 40°), Teuerungszuschlag ee een : ' Gleleisieisieisisieleieielsieieieieiesisielsieielgie]eisisteteleiieieieteteloleieeieteteteteioieteteteteteitetetete έ½ 8 3 —— — SESESRREEEEEeEEEAEEEE ‿ 8 8 5— 3 —— 22 — ——— SntChai n Blue Cyan Green vellow- Hed Magenta Whie Sreyi Grey 3— Grey 4 Black