UB GIESSEN | II| li) 1| TI 27.017. 61% Über dieses Buch: Als Adolf Hitler sein Buch“Mein Kampf” während der Festungshaft in Landsberg diktierte, ahnte nie- mand, dass dies das Todesurteil für Millionen von Menschen bedeutete und den Befehl für Vernich- tung riesiger Landstriche, unzähliger Städte und Existenzen. Zwei Jahrzehnte später wusste das die ganze Welt. Erwin Leiser ist jetzt in seiner Bilddo- kumentation allen Stationen dieser Apokalypse nachgegangen. Wenn wir sein Buch lesen, erfahren wir, was Hitlers Buch im eigentlichen Sinne war: das vorweggenommene Protokoll des Grauens. Lei- sers meisterhaft arrangierte Dokumentation stützt sich auf die Bilder und Texte des gleichnamigen Fil- mes und muss als wertvolle Ergänzung der geschrie- benen Geschichte unserer Zeit angesehen werden. Erwin L vährend nte nie- nen von Vernich- jte und das die - okalypse erfahren ine Wal: ens- Lei- ‚n stürzt igen Ai geschrie- werden Erwin Leiser! »Mein Kampf «€ Ei i ne Bilddokumentation Heike Duill fari . an Eee o eg 7& Fischer Bücherei Erstmalig in der Fischer Bücherei März 1962 Fischer Bücherei KG, Frankfurt am Main und Hamburg © 1961 Giangiacomo Feltrinelli Editore Milano Alle Rechte an der deutschen Ausgabe Fischer Bücherei Layout: Lolita Riemer Tiefdruck: Arti Grafiche Pezzini- Milano Bindearbeiten: Hanseatische Druckanstalt GmbH, Hamburg-Wandsbek Printed in Italy jandsbek Erwin Leiser wurde 1923 in Berlin geboren, ging 1938 nach Schweden, stu- dierte in Lund und war 1950-58 Feuilletonredakteur des sozialde- mokratischen Regierungsorgans ’"Morgon-Tidningen” in Stock- holm.“Mein Kampf”(schwedi- scher Titel“Den blodiga tiden”- “Die blutige Zeit) ist sein erster Film. Er wurde im Aprile 1960 in Göteborg uraufgeführt. Der aus- sergewöhnliche Erfolg in Schwe- den und Deutschland wiederhol- ie sich in über 50 Ländern. Bei den Internationalen Filmfestspie- len in San Franzisko 1960 erhielt “Mein Kampf” den“Golden Award” als bester Dokumentar- film des Jahres. Der Senator für Jugend und Sport in Westberlin verlieh Leiser den Preis 1960 für den"besten Film für die Jugend,” weil er”in vorbildlicher Weise ein wichtiges Thema der deut- schen Zeitgeschichte behandelt.” Die Jury des französischen“Prei- ses der Brüderlichkeit” begrüsste den Film, 1961 als“ein beson- ders nützliches Dokument für die jungen Generationen.” Lei- ser ist auch der Gestalter des Dokumentarfilms“Eichmann und das Dritte Reich”(Zürich 1961). MEIN FILM“MEIN KAMPF” von Erwin Leiser Der Berliner Volksmund hat den Film“Mein Kampf” bereits seinem Anekdotenschatz einverleibt: zwei "alte Kämpfer” sehen sich den Film gemeinsam an. Beim Verlassen des Kinos sagt der eine zum andern: "Aber das Buch finde ich doch besser.” Der Witz und die beiden Unbelehrbaren haben den Film richtig aufgefasst. Hier wird die Wahrheit ge- gen Hitlers Floskeln in seinem Buch"Mein Kampf“ gestellt. Authentische Dokumente enthüllen das Ge- sicht der braunen Ideologie. Propagandamaterial, das die Machthaber des Dritten Reiches selbst her- gestellt haben, sagt gegen sie aus. Der Aufstieg und der Fall des Hitlersystems, der grosse Aufmarsch und sein unausbleibliches Endziel, das Wesen der“Neuordnung Europas auf rassischer Grundlage” und die brutale Eintönigkeit des Krieges werden in meinem Film in wesentlichen und ty- pischen Episoden geschildert. Ein vollständiges Bild dieser blutigen Jahre können allerdings weder ein Film noch ein Buch geben. Hier galt es, das Gesicht des Menschen zu zeigen, des bekannten und des namenlosen, des Führers und des Verführten, des Henkers und des Opfers. Die Statistik blutet nicht, aber das unmittelbare Erlebnis der Versuchungen, des Kam von eine dafür ge Deshalb die Juge Film für mente C für die gabe ist den Ant ken kan Recht h: würdigu rors ode te Verbı Es ist| entstanc Krieg v Ich hatı schen f geschrie ermutig Produkt das Dri nopsis, Wege C Wurden und en Streifen das deı Pagand Unterste Ostberli lichte F; fügung genom Kampf“ jr: zwei sam an. andern: ben den rheit ge- Kampf“ das Ge- material, |bst her- ms, der _ Endziel, assischer ; Krieges des Kampfes und des Elends geben eine Vorstellung von einer Epoche, die erst dann bewältigt ist, wenn dafür gesorgt wird, dass sie sich nicht wiederholt. Deshalb wendet sich“Mein Kampf” vor allem an die Jugend. Ein Film über die Vergangenheit ist ein Film für die Zukunft. Ich wollte Bilder und Doku- mente direkt zu einer Generation sprechen lassen, für die jene blutige Zeit schon Teil einer Schulauf- gabe ist. Einer Jugend, die die Wirklichkeit hinter den Antworten auf ihre Fragen nur selten entdek- ken kann, wollte ich zeigen, dass jeder Mensch das Recht hat, als Mensch zu leben. Und dass die Ent- würdigung des Menschen, sei es als Opfer des Ter- rors oder als Teil einer willenlosen Masse, das gröss- te Verbrechen ist. Es ist kein Zufall, dass dieser Film in Schweden entstand. In einem europäischen Land, das vom Krieg verschont blieb, ist eine Distanz möglich. Ich hatte den schwedischen Text zu dem französi- schen Film“Nacht und Nebel” von Alain Resnais geschrieben. Der Erfolg dieses Films in Schweden ermutigte den Verleiher, T.©. Sjöberg, es mit der Produktion eines dokumentarischen Langfilms über das Dritte Reich zu versuchen. Ich schrieb eine Sy- nopsis, die die entscheidenden Stationen auf dem Wege des Nazisystems aufzeigte. Nach diesem Plan wurden französische und sowjetische, amerikanische und englische, polnische und österreichische Bild- streifen ausgewählt. Das wichtigste Material aber war das deutsche, aus den Sammlungen des alten Pro- pagandaministeriums in Babelsberg bei Berlin. Sie unterstehen heute dem Staatlichen Filmarchiv in Ostberlin. Dort stellte man mir u. a. noch unveröffent- lichte Filmrollen aus dem Warschauer Ghetto zur Ver- fügung, die im Auftrage der Nazipropaganda auf- genommen worden waren. Goebbels und Himmier hatten sie nicht ausgenutzt, weil der Effekt dieser Aufnahmen nicht sicher war. Bei geschlossenen Vor- führungen hatten sie Mitleid mit den Opfern statt Verachtung und Hass ausgelöst. Auch antinazistische Dokumentarfilm-Gestalter der Nachkriegszeit haben nicht gewagt, diese Bilder zu zeigen. Aus Teilen dieser nach wie vor unmontierten Rollen setzte ich eine Bildfolge zusammen, die die stufenweise Ver- wandlung eines gewöhnlichen Stadtteiles(Warschau) in eine Hölle beschreibt. Leider hat eine allzu sehr auf Sensationen bedachte Reklame über die Entdek- kung dieser Filmrollen Legenden verbreitet, die die Aufmerksamkeit von dem Wesentlichen ablenken, der Wahrheit über Leben und Tod unter unmensch- lichen Bedingungen. Für mich galt es vor allem, alle persönlichen Gefühle auszuschalten und mich dieser Wahrheit unterzuordnen. Deshalb versuchte ich auch, die Aussage des Bildes nicht durch aufdringliche Kommentare und harte Effekte zu schwächen. Ich schrieb einen sachlichen Drehbuchtext und betonte weder den kontrapunk- tischen Aufbau des Films noch den Wechsel im Bild- rythmus allzu sehr. Um die Wirkung gewisser Ab- schnitte zu erhöhen, wurde nur dort ein Text gegen das Bild direkt ausgespielt. Die Anwendung von Mu- sik war asketisch und ebenfalls kontrapunktisch. In den Abschnitten über den Terror des Dritten Reiches wurden die furchtbarsten mir zur Verfügung stehen- den Aufnahmen nicht verwendet. Nur ein Teil des Publikums ist fähig, sehr harte Bilder richtig aufzu- nehmen. Über den Weg des Films von Land zu Land ist mehr zu berichten, als in einem Bildband wie dem vor- liegenden gesagt werden kann. Die in der Bundesrepublik, Österreich und der Schweiz gezeigte Fassung des Films“Mein Kampf” ist aufgrund übertriebener Vorsicht gewisser In- stanzen an manchen Stellen geschwächt. Aus | | | | | | | “Triump "im Auf der Partı Reportat geschäft Versuch Film zu rung fül Film heı Die Jug nemark debatte Deutschi Norweg Urauffül besonde von alte verkauf: ter, in Marsch Sohn wi te Aufn Schunge deutsch, dass ich jeder y chen ve er mit c figte,$ Jungen verschlc ereit z heit u gilt, die und Zu t dieser ıen Vor- rn Statt zistische t haben ; Teilen tzte ich ise Ver- arschau) Izu sehr Entdek- die die lenken, mensch- em, alle h dieser s Bildes d harte chlichen trapunk- im Bild- ‚ser Ab- t gegen von Mu- tisch. In Reiches | stehen- Teil des J aufzu- ist mehr em vor ind der Kampf sser In- 1t. Aus “Triumph des Willens,” dem von Leni Riefenstahl "im Auftrag des Führers” gestalteten“Standardfilm der Partei, verwendete ich ein paar charakteristische Reportagen von Hitlerreden und Aufmärschen. Der geschäftliche Erfolg meines Films veranlasste einen Versuch der Riefenstahl, auch an dem Antinazi- Film zu verdienen. Der Prozess, zu dem diese Forde- rung führte, ist leider nicht der einzige, den dieser Film hervorgerufen hat. Die Jugend hat den Film überall verstanden. In Dä- nemark antwortete ein 16jähriger in einer Rundfunk- debatte über den Film auf die Frage, ob er nun die Deutschen hasse:“Nein, ich hasse den Krieg.” In Norwegen kam das Parlament geschlossen zur Uraufführung, und die Kriegsinvaliden gaben eine besondere Broschüre heraus, die am Premierentag von alten Freiheitskämpfern überall auf den Strassen verkauft wurde. In Österreich glaubte eine Mut- ter, in einem deutschen Gefangenen auf dem Marsch durch Moskau ihren seit 1943 vermissten Sohn wiederzuerkennen. Sie erhielt eine vergrösser- te Aufnahme von dieser Szene, um neue Nachfor- schungen einleiten zu können. Ein unverbesserlicher deutscher Bewunderer Adolf Hitlers warf mir vor, dass ich die Opfer des Gestapoterrors gezeigt habe; jeder wisse doch, dass das Fotografieren der Lei- chen verboten gewesen sei. Er verstand nicht, dass er mit diesem Satz die Existenz jener Leichen bestä- tigte. Sehr erfreulich dagegen ist, dass sich die jungen Menschen in Deutschland dem Film nicht verschlossen haben. Eine neue Generation scheint bereit zu sein, aus den Irrtümern der Vergangen- heit zu lernen, und zu verstehen, dass es immer gilt, die angeborenen Menschenrechte zu verteidigen und zu bewahren. Ss A/ “ SEN N Sara| A Nach jahrhundertelanger politischer Zerrissen- heit war aus den deutschen Einzelstaaten erst 1871 ein geeintes Reich geworden. Durch seinen industriellen Aufschwung war das geeinte Deutschland in die erste Reihe der grossen Mächte gerückt, stolz auf seine “schimmernde Wehr”(Kaiser Wilhelm Il.), Eroberte Geschütze paradieren am 2.9.1914 Unter den Linden in Berlin. beargwöhnt und gefürchtet von seinen Nach- jerrissen" barn. Bei aller äusseren Machtentfaltung war elstaaten Deutschland politisch hinter der Entwicklung worden anderer moderner Industriestaaten zurück- ung W® geblieben. Im August 1914 entluden sich die te Reihe europäischen Spannungen im 1. Weltkrieg, uf seine I) der über vier Jahre dauern sollte. elm 1914 Deutschland ging in den ersten gros- sen Weltkrieg(1914-1918) ohne Einsicht in die Grenzen seiner Macht und seiner Möglich- keiten. Die Warnungen gingen unter in dem Rausch nationaler Begeisterung. So stimmten auch die Sozialdemokraten im Reichstag für die von| ten Krie schen An Deutsche Sinnbild denburg immten tag für die vun der Kaiserlichen Regierung beantrag- ten Kriegskredite. Die glänzenden militäri- schen Anfangserfolge überzeugten nahezu alle Deutschen von einem glorreichen Endsieg. Sinnbild dafür waren die Generale von Hin- denburg(2) und Ludendorff(1): E wg et «..- Pa A .— ER 1914-1918 Der bisher grösste aller Kriege wurde mit technischen Waffen von verheerender Wirkung geführt, erstmalig auch in und aus der Luft. Viele Millionen Menschen wurden ge- tötet, unermessliche Werte vernichtet. Die gesellschaftliche Ordnung Europas wurde durch den Krieg stark erschüt- tert. Zuerst zerbrach das zaristische Russland. Ende 1917 übernahmen in Petersburg die revolutionären Sozialde- mokraten(Bolschewiki) die Macht. Im Frühjahr 1918 schloss der Führer der russischen Revolution, Wladimir Jljitsch Uljanow, genannt Lenin, mit Deutsch- land den Frieden von Brest-Litowsk. Not und Mangel zehrten an der Kraft Deutschlands. 1917 brach eine Hun- gersnot aus. Sie stärkte die Zweifel des deutschen Volkes am Endsieg. Eine Sitzung des russischen Arbeiter- und Soldatenrates in der Duma 1917. Hunger in Deutschland:“Städtischer Kartoffelverkauf” in Berlin Matrosenaufstand in Kiel. vn Te Republik Il. No B\ Liebknecht. 1918 Der Friedensschluss mit dem revolutionären Russ- land brachte Deutschland nur vorübergehend militärische Entlastung. Im Herbst 1918 streckte es die Waffen. Wäh- rend der Waffenstillstandsverhandlungen brach am 9. No- vember in Berlin und anderen deutschen Städten die Re- volution aus. Am gleichen Tag wurde die erste deutsche Republik ausgerufen. Der Kaiser floh nach Holland. Am 11. November nahm Deutschland die Waffenstillstandsbe- dingungen an(der deutsche Vorsitzende, der Zentrumsab- geordnete Erzberger, wurde 1921 als”Novemberverbre- cher” von Rechtsradikalen ermordet). Gleichzeitig begann die Sozialdemokratie im Bunde mit der Obersten Heeres- leitung(von Hindenburg), die revolutionären Arbeiter- und Soldatenräte auszuschalten und die Revolution in Berlin niederzuschlagen. Aus dem linken Flügel der So- zialdemokratischen Partei, der sich schon während des Krieges gebildet hatte, konstituierte sich Ende Dezember unter Führung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht die Kommunistische Partei Deutschlands. Luxemburg und Liebknecht wurden wenige Wochen später ermordet. 17 Alliierte Waffenstillstandskömmissien in Compiögne. 1919 In Versailles bei Paris stellten die Sie- ger dem geschlagenen Deutschland ihre Frie- densbedingungen. Die Republik musste für einen Krieg bezahlen, den das Kaiserreich ver- loren hatte. Die Armee wurde auf 100 000 Mann Berufssoldaten beschränkt. Das Kriegs- material wurde zum grössten Teil vernichtet. Aber die staatliche Souveränität wurde nicht angetastet. Den Staatsapparat beherrschte nach wie vor die kaiserliche Ministerialbürokratie. Auch die Grundlagen der industriellen Pro- duktion blieben erhalten. Alle konservativen Kräfte waren bemüht, die Unterschrift unter den Friedensvertrag von Versailles als eine Schandtat der Republik hinzustellen. Die Ge- nerale von Hindenburg und Ludendorff stütz- ten die Legende vom Dolchstoss der Heimat und vom Verrat der führenden republika- nischen Politiker. Reichspräsident Ebert musste den Generalen ausdrücklich bestätigen:"Das Heer blieb im Felde unbesiegt.” Ebert(X) und. Reichswehrgenerale piögne, ublika- musste ,"Das t, I sms Be ER Rathenau. c © c fe] c = o Q = ° 7, ® = w ithenau. ünchen. Ritter von Epp. Die nationalen Fanatiker hatten in den ersten Nachkriegsjahren leichtes Spiel bei den verzweifelten und verwirrten bürgerlichen Massen. Ihnen blieb der Sturz des Kaiserreiches unfassbar. Eine masslose Hetze gegen die junge Re- publik setzte ein. Politische Morde häuften sich. Ein Opfer solcher rechts- radikalen Anschläge wurde der Aus- senminister Rathenau. Er wurde 1922 ermordet. In Bayern versuchten Reichswehr. und Freikorps eine selb- ständige Politik. General Ritter von Epp finanzierte extreme nationale Gruppen aus Geheimfonds der Reichswehr. Sein Adjutant, Hauptmann Röhm, beschäf- tigte Spitzel zur Überwachung dieser Gruppen. Einer dieser Spitzel wurde später Führer der kleinen"Deutschen Arbeiterpartei.” Er hiess Adolf Hitler. 1889-1907 Adolf Hitler war das vierte Kind aus der dritten Ehe des österreichischen Zollbeamten Alois Hitler. Er wurde am 20. April 1889 in Braunau am Inn geboren. Hier und am späteren Wohnsitz Leonding bei Linz gehörte die Familie zum gutsituierten Bürgertum. In Linz besuchte Hitler die Realschule. Seine Leistungen waren mässig, und bereits nach drei Klassen wurde er von der Schule gewiesen. Die vierte Klasse besuchte er in Steyr, wurde aber auch hier aus dem gleichen Grund entlassen. Im siebzehnten Lebensjahr kehrte Hitler zu seiner Mutter zurück und begann ein ungeordnetes Selbststudium. Mutter Klara Hitler. Vater Alois Hitler. 23 Wien 1907. = a 2 5 2 ® 7) Ibstbildnis 1907-1913 Über zwei Jahre blieb der ver- en 1907. zogene Bürgersohn bei seiner Mutter in Linz, ganz ohne Kontakte mit seinen Alters- genossen. 1907 wurde ihm sein väterliches Erbe ausgezahlt. Damit ging Hitler nach Wien. Hier wurde er als Kunststudent nicht zuge- lassen. Sein Talent reichte nur zum gefälligen Kopieren von Postkartenmotiven. In Wien prägte sich, aus dem Gefühl der Minderwer- tigkeit, sein Hasskomplex gegen die Umwelt stärker aus. Er fand neue Nahrung in den unklaren Theorien des Rassenfanatikers Jörg Lanz von Liebenfels. Dessen Schriftenreihe "Ostara” mit den Darstellungen sogenannter Rassenmerkmale übte grossen Einfluss auf Hitler aus. Der gescheiterte Kunststudent und Halbgebildete wurde überzeugter Antisemit nn ah j ! | \ ||@efäßformen: A. der niederen, in r g' der höheren Raffe. 25 Hitler am Tag der Verkündung des Kriegszustandes 1914. 1913-1918 Hitler ging 1913 von Wien nach München. Er wollte in der bayrischen Landeshauptstadt Kunststu- dent werden. Als angeblich Staatenlo- ser in München gemeldet, tauchte er auch hier wie zuvor in Wien in einem Männerasyl unter. Der Kriegsausbruch begeisterte Hitler. Der Mann ohne Beruf, Familie und ge- regeltes Einkommen suchte in der Kriegsarmee Ersatz für die ihm fehlende gesellschaftliche Bindung. Hitler kam an die Front nach Frankreich(im Foto rechts). Als er verwundet wurde (vorübergehende Erblindung) und der Krieg zu Ende ging, war der 34jährige Hitler wieder ohne Existenz. “In diesen Nächten wuchs mir der Hass gegen die Urheber dieser Tat(die deutsche Kapitulation- Red.). In den Tagen darauf wurde mir auch mein Schicksal bewusst. Ich musste lachen bei ENOEERT ELCH ETW TSTERTCCWAT] 009 die mir vor kurzer Zeit noch so bittere Sorgen bereitet hatte... Kaiser Wilhelm Il. hatte als erster deutscher Kaiser den Führern des Marxismus die Hand zur Versöhnung gereicht, ohne zu ahnen, dass Schurken keine Ehre besitzen. Wärend sie die kaiserliche Hand noch in der ihren hielten, suchte die ändere schon nach dem Dolche(Waffenstillstand- Red.). Mit den Juden gibt es kein Paktieren, sondern nur das harte Entweder-Oder. Ich aber beschloss, Politiker zu werden...” Adelf Hitler,”’Mein Kampf,” Band I, Kapitel 7, Seite 225. Nationalsozialistische b Deutsche Arbeiter-Partel Ortsgruppe München Brosaer öffentlicher Vortrag is Hofbräubausfestenel(Platal) a Donnerstag, dm. ee FIR Die Wahrheit ger den „ Gowaltfrioden von Erost-Litewsk?” una sen sogenannten „Frieden der Versöhnung und Verstä,.digung von Versalllos” Redner: Herr Adolf Hitler, Da auf Mansentonuch zu reohnen Ist, ist 95 Pflicht jeden Purzeimitgitonsns una Freundes userer Sagra, frünzeitig(6 Uhr) ma erscheinen, Der Gesamtvorstand der nationairortalierischen Deurschen Arbeiter-Parıei Onsceräftestolls: Srternarkarprau, Tai d4 Kecnrnii23920 Nosenarasle Veh-r. ae 1919-1920 Hitler schloss sich als ehemaliger Soldat zunächst einem Freikorps an. In einem dieser Korps wurde er als Verbindungsmann zu rechtsradikalen Gruppen verwendet. Im Auftrag des Korpsführers Röhm wurde Hitler 1919 Mitglied der unbedeutenden“Deutschen Arbei- terpartei.” In diesem Kreis entdeckte er seine stärkste Begabung: die Kundgebung, d.h. die politische Ansprache ohne Diskussion. Rück- sichtslos eroberte er die Parteiführung und trat erstmals 1920 öffentlich als Redner auf. Das Plakat oben kündigt einen Vortrag im Münchner Hofbräuhaus am 4. März 1920 u,a. über den "Gewaltfrieden von Brest-Litowsk“ an.“Sprecher: Herr Adolf Hitler.” Hitlers öffentliche Agitation gegen die Republik hatte begonnen. ’ | | rg 5.» r.2 Pi 1920-1921 Ehemalige, jetzt ebenfalls existenzlose Soldaten des Weltkrieges wurden Hitlers erste Anhänger. Vor allem in München hatten sie sich be- reits 1919 zu ıosen Gruppen zusam- mengeschlossen, unterstützt von der nach eigener Souveränität drängenden bayrischen Regierung.”Es gibt in Bayern Mordgruppen, aber noch nicht genug,” meinte der damalige Münch ner Polizeipräsident Pöhner Hitler erkannte seine Chance. Nachdem er 1920 aus der“Deutschen Arbeiterpartei” die NSDAP gegrün det hatte, bildete er für diese ehemaligen Soldaten eine halbmilitärische Formation, die Sturm-Abtei- lung(SA). Noch ohne Parteiuniform begannen die ersten Aufmärsche unter der Hakenkreuzfahne Terror in München 1921-1923 Auch arbeitslose Offiziere aus dem ersten Weltkrieg, die in der Reichswehr keine Verwendung fanden, wandten sich der SA zu. Unter ihnen war Hauptmann Hermann Göring. Er übernahm zunächst die Ausbil- dung der SA. Unter seiner und Hitlers Lei- tung wurde sie schnell zu einem Instrument der nationalsozialistischen Politik. Sie störte die Versammlungen anderer Parteien mit dem Ziel, deren Stärke, Glaubwürdigkeit und öffentliches Ansehen zu untergraben. Langsam begannen sich das Bürgertum und die deutsche Hochfinanz für Hitler zu inte- ressieren. Der Volksschullehrer Julius Strei- cher, erbitterter Rassenfanatiker wie Hitler, schloss sich der NSDAP an. Hitler und Streicher, 1923. Sankt fir Beten L 220 C Lapeter 1923 Die schwierige Wirtschaftslage und die zunehmende Verarmung des deutschen Mittel- standes erleichterten der NSDAP ihre Propaganda und führten ihr immer neue Anhänger zu. Die alliierten Reparationsforderungen des Jahres 1921 in Höhe von 132 Milliarden Goldmark erzeugten in weiten Kreisen Hassgefühle, die Hitler geschickt ausnutzte. Zudem verweigerte die Industrie der Republik ihre Unterstützung. Alle rechtsradikalen Gruppen waren sich darin einig, die Verpflichtungen des Friedensvertrages | zu sabotieren. Als Deutschland 1923 kurzfristig | keine Reparationen zahlen konnte, besetzte Frankreich das Ruhrgebiet. Die Folge dieser nunmehr auch politischen Krise war der Zusam- menbruch der deutschen Währung, die Infla- tion. Sie erreichte Ende 1923 ihren höchsten Stand. Zum Zeitpunkt der Währungsstabilisie- rung war eine Goldmark eine Billion Reichsmark wert. Während flüchten k verkehr| deutschen ren, Dadı erneut Ur Während sich die Industrie in ihre Sachwerte flüchten konnte und den notwendigen Zahlungs- verkehr uber Devisen abwickelte, gingen der deutschen Bevölkerung alle Spareinlagen verlo- ren. Dadurch wurde das Ansehen der Republik erneut und entscheidend untergraben. 1923 In dem wirtschaft- lich schwer erschütterten Nachkriegsdeutschland versuchte Hitler für seine NSDAP eine breitere po- litische Basis zu schaffen. Er propagierte vornehm- lich die These der alliier- ten Kriegsschuld und griff die von führenden Mili- tärs vertretene Meinung auf, dass das Heer im Felde ungeschlagen ge- blieben sei und dass nur die Heimat versagt habe (Dolchstosslegende). Die- se Politik fand ein offenes Ohr bei dem Weltkriegs- general Ludendorff, der fortan Hitler unterstützte. Ludendorff war der Mei- nung, die Republik müs- se beseitigt werden. Er war mit Hitlers Umsturz- plänen einverstanden. Diese Revolution wollten Ludendorff und Hitler im politisch zu dieser Zeit stark erschütterten Mün- chen beginnen. Am 9. No- vember 1923 kam es zu einem Putschversuch in der bayrischen Landes- hauptstadt. Der Aufstand war ungenügend vorbe- reitet und scheiterte. Bei dem Marsch durch Mün- chen gingen der ehemali- ge Gefreite Hitler und General Ludendorff Seite an Seite. Ihnen voran trug ein Lehrer die Ha- kenkreuzfahne. Er hiess Heinrich Himmler. Ludendorff 1923 Der Putschversuch in München wurde von der bay- rischen Polizei blutig nieder- geschlagen(16 Tote). Hitler flüchtete zu politischen Freun- den. Zwei Tage später wurde er verhaftet. Niemand aber wagte es, den Mitputschisten General Ludendorff anzutasten. Luden- dorffs Autorität bewahrte auch den noch immer als Staatenlosen in München gemeldeten Öster- reicher Hitler vor einer schwe- ren Bestrafung. Am 1.4.1924 wurde Hitler zu fünf Jahren mil- Ra PR \ der: Festungshaft verurteilt. Gleichzeitig erging für Deutsch- ıand ein Verbot der NSDAP. Auf der Festung Landsberg am Lech konnte sich Hitler frei bewegen und mit seinen politischen Freun- den Kontakt halten. Hier schrieb er, zusammen mit Rudolf Hess und zwei weiteren politischen Freunden, das Buch“Mein Kampf,” das von Pater Stempfle (rechts im Bild) bearbeitet wur- de. Es erschien erstmals 1925 und erreichte bis 1942 eine Auf- lage von 8 970 000 Exemplaren. Am 20.12.1924 wurde der Hoch- verräter Hitler begnadigt und vorzeitig aus der Haft entlassen. Hitler mit politischen Freun- den in Landsberg. Zweiter von rechts: Rudolf Hess, spä- ter“Stellvertreter des Füh- rers.”' "W Dei il ein [\ heı ital [0]: De ve Su Po ös de „Wir fordern den Zusammenschluss aller Deutschen auf Grund des Selbstbestimmungsrechts der Völker zu einem Grossdeutschland. Alle, die deutschen Blutes sind, ob sie heute unter dänischer, polnischer, italienischer oder französischer Oberhoheit leben, sollen in einem Deutschen Reich vereinigt sein. Wir verzichten auf keinen Deutschen im Sudetenland, in Elsass-Lothringen, in Polen, in der Völkerbundskolonie Österreich und in den Nachfolgestaaten des alten Österreich...” Punkt 1 des am 24. Februar 1920 verkündeten “Programms der NSDAP” mit parteiamtlicher Erläu- terung. © o 3 E [7 v - > © 3 + t © R«] wu {=} ix T- 3 © & E 5 N 1925 Im Februar 1925 starb Friedrich Ebert, der 1919 auf der Grundlage der republika- nischen Verfassung von Weimar zum vorläufi- gen Reichspräsidenten gewählt und 1922 in diesem Amt bestätigt worden war. Die An- feindungen durch seine Gegner hatten ihn in den letzten Jahren verbittert und seinen Tod beschleunigt. Ebert war stets bemüht ge- wesen, die Grundlagen der noch schwachen parlamentarischen Republik zu festigen. Mit seinem Ableben ging ein wesentlicher Ab- schnitt der demokratischen Entwicklung in Deutschland seinem Ende entgegen. Eberts Be- gräbnis zeigte, wie sehr die Traditionen des alten wilhelminischen Reiches in der Republik noch lebendig waren: es gab zwar keinen Kaiser mehr, aber die Generale, die Unifor- men und der alte Geist waren geblieben. Hindenburg. Hitler nac 1925 Nachfolger des Reichspräsidenten Ebert wurde der Generalfeldmarschall des Kaisers, Paul von Hindenburg. Er war der Kandidat der Rechtsparteien. Entgegen den Erwartungen vie- ler seiner Anhänger richtete sich Hindenburg anfänglich korrekt nach den Bestimmungen der Verfassung von Weimar. Allmählich machten sich aber in seinem politischen Verhalten sein hohes Alter, seine politische Unerfahrenheit und sein konservativ-militärisches Denken immer mehr bemerkbar. Als Hitler 1926 mit dem Neuaufbau der NSDAP begann, fand er verän- derte Verhältnisse vor. Wirtschaftlich war das Leben in Deutschland normal geworden. Aber nach wie vor waren die Grundlagen der parla- mentarischen Demokratie nicht gefestigt. Hitler nach der Entlassung aus der Festung Landsberg. # Einer der ersten Parteitage in Nürnberg. 1926 Die NSDAP wuchs nach ihrer Neugründung rasch. Sie zählte 1926 17 000, 1927 40000, 1928 bereits 80 000 Mitglieder. Die Parteitage in Nürnberg wurden zu Demonstrationen ihrer halbmilitärischen Organisationen. Der erste Nürnberger Parteitag fand 1927 statt. 30 000 SA-Männer waren aufmarschiert. Im Rahmen der Partei entstanden neue Formationen. Eine da- von war die“Schutzstaffel”(SS), die zunächst aus 200 ausgewählten Mit- gliedern bestand. Fahnenweihen, 1926‘ Hitlers starke Seite war die Propaganda. Er verstand es, an die Instinkte der Massen zu appellieren. Mit antidemokratischen Reden fanati- sierte Hitler seine Anhänger. Die geschickt inszenierten Fahnenweihen verfehlten nicht ihren Eindruck auf dıe Massen. An den Fahnenweihen nah- men auch Angehörige der Reichswehr in Uniform teil. 1926 fand Hitler den Mann, der die“Eroberung Berlins” or- ganisierte und die Propaganda der Par- tei in seine Hände nahm: Dr. Joseph Goebbels. . ® «| a © Go Der Rotfrontkämpferbund. Thälmann. 1926-1930 Auch die grossen Par- teien gründeten halbmilitärische Orga- nisationen. Die Sozialdemokraten hat- ten ihr”Reichsbanner,” die Kommu- nisten ihren”Rotfrontkämpferbund.” Unter Ernst Thälmanns leitung waren die Kommunisten noch bei Hitlers Machtübernahme 1933 die stärkste Partei in Berlin. Die deutsche Schwer- industrie begann Hitler bereits ab 1928 finanziell zu unterstützen, da er die Wiederaufrüstung und die Ver- nichtung der sozialistischen Parteien ankündigte. Durch die grosse Weltwirt- schaftskrise war die Zahl der Erwerbs- losen in Deutschland 1930 auf drei Millionen gestiegen. Hitler versprach den verzweifelten Massen Arbeit und Brot und mobilisierte sie gegen den Kommunismus. Das“Reichsbanner” der Sozialdemokraten. ”... Wenn wir heute unter unseren verschiedenen Waffen von der Waffe des Parlamentarismus Gebrauch machen, so heisst das nicht, dass parlamentarische Parteien nur für parlamentarische Zwecke da sind. Für uns ist ein Parlament nicht ein Selbstzweck, sondern ein Mittel zum Zweck... Im Prinzip sind wir keine parlamentarische Partei, denn damit stünden wir im Widerspruch zu unserer ganzen Auffassung; wir sind nur zwangsweise eine parlamentarische Partei, und was uns zwingt, ist die Verfassung. Die Verfassung zwingt uns, solche Mittel änzuwenden... Und so ist der Sieg, den wir gerade errungen haben, nichts anderes als der Gewinn einer neuen Waffe für unseren Kampf. Wir kämpfen nicht um Parlamentssitze der Parlamentssitze willen, sondern um eines Tages das deutsche Volk befreien zu können...” ä Adolf Hitler in einer Rede 1930. 1930 Weder die Reichsregierung noch die Regierungen der Länder machten dem öster- reichischen Staatsbürger Hitler, einem erwie- senen Feind der demokratischen Ordnung, Schwierigkeiten in seiner eindeutig auf den Sturz der Republik gerichteten politischen Betätigung. Heinrich Brüning, der zu dieser Zeit Reichskanzler war, hatte keine verfas- sungsrechtlichen Möglichkeiten zu Massnah- men, mit denen er die durch die Weltwirt- schaftskrise ständig zunehmende Notlage be- kämpfen konnte. Er sah sich daher genötigt, gegen den Reichstag zu regieren und eine Reihe von wirtschaftlichen Notverordnungen zu erlassen. Adolf Hitlers NSDAP ging aus der Wahl von 1930 bereits mit 107 Reichs- tagsmandaten von insgesamt 602 hervor. ch die öster- erwie- dnung, yf den tischen dieser verfas- 3ssnah- altwirt- ge be- nötigt, d eine jungen 19 aus Reichs- Brüning. Hitler(Mitte), Brüning(rechts). 57 Hitler und Frank. 1930 Die NSDAP war 1930 zur zweitstärksten Partei geworden. Nur noch die SPD lag in der Gunst der deutschen Wähler vor ihr. Damit war Hitler gezwungen, seine Partei stärker als bisher in die parlamentarische Ar- beit des Reiches und der Länder ein- zuschalten. Ihm war klar geworden, dass die Macht nicht durch einen of- fenen Staatsstreich erreicht werden konnte. Diese Entwicklung führte zu einer Änderung seiner politischen Tak- tik. Er versuchte jetzt, durch versöhn- liche Reden und eine straffe Disziplin seiner Organisationen die im Partei- programm von 1920 niedergelegte Absicht der Errichtung einer Diktatur weitgehend zu vertuschen. Wer Hitler undemokratischer Ziele bezichtigte, wurde von ihm verklagt. In diesen politischen Prozessen beschwor er vor Gericht, dass er nie an einen gewalt- samen Staatsstreich gedacht habe, son- dern immer auf dem Boden der Ver- fassung von Weimar stehen werde. Sein juristischer Berater war der An- walt der Partei, Hans Frank Kirdorf. 1930 Trotz aller Versuche der Na- tionalsozialisten, ihre antidemokrati- schen Absichten zu tarnen, rissen die Zusammenstösse zwischen der SA und den halbmilitärischen Organisationen der SPD und KPD nicht ab. Eine Folge davon war das vorübergehende Uni- formverbot für die SA. Immer mehr Arbeitslose stiessen zu Hitlers Partei. Gleichz fer de, ationen e folge de Un’ y mehr ‚ Partel. Gleichzeitig überzeugte Hitler Vertre- ter der Schwerindustrie davon, dass seine Partei das einzige Bollwerk ge- gen soziale Umwälzungen sei. Er erhielt ihre direkte finanzielle Unterstützung. Die Industriellen Kirdorf und Thyssen stellten sich hinter ihn und finanzierten die wichtigsten Wahlfeldzüge der NSDAP. Thyssen. N | | nn 1932 Gestützt auf die finanziellen Mittel der In- dustrie versuchte Hitler auf legalem Wege Reichs- präsident zu werden. Er kandidierte am 10.4.1932 gegen Paul von Hinden- burg, der sowohl von den Sozialdemokraten als auch von der Zentrums- partei und den liberalen Gruppen im Reichstag gestützt wurde Erst jet deutsche indem d ter einer Frick, ih rat ver burg wählt. F neuen$ Erst jetzt wurde Hitler deutscher Staatsbürger— indem der erste NS-Minis- ter einer Landesregierung, Frick, ihn als Regierungs- rat vereidigte. Hinden- burg wurde wiederge- wählt. Hitler war in einer neuen Sackgasse. Wil Papen und Schleicher, 1932 Hitlers Retter aus dieser politischen Notlage wurde General von Schleicher, der, auf die Reichswehr gestützt, Einfluss auf die Politik des Reiches gewonnen hatte. Er ver- sprach Hitler, die Regierung Brüning zu stür- zen und Neuwahlen auszuschreiben. Hitler sollte vorerst eine Regierung unter Franz von Papen anerkennen. Papen war konservativ- katholischer Politiker ohne massgeblichen po- litischen Anhang im Reichstag. In dieses Ka- binett Papen trat General von Schleicher ein. Dem neuen Reichskabinett von 1932 gehörten (bei einer politischen Zusammensetzung des Reichstages aus 121 Sozialdemokraten, 196 Nationalsozialisten, 100 Kommunisten und 167 bürgerlichen Abgeordneten) sieben Ba- rone, zwei Industrielle und ein Jurist an. Rund sechs Millionen Arbeitslose gab es 1932 in Deutschland. = ® £ [5] © -- > hleicher. 4 1932 Die deutsche Politik wurde jetzt nicht mehr vdün Sozialde den Abgeordneten des Reichstages bestimmt. Reich&nien von präsident von Hindenburg war politisch nicht melts;, erhob handlungsfähig. Er unterlag in zunehmendem Mas Simmenbr den Einflüssen bürgerlicher Rechtsgruppen. Als lung schritt Reichsregierung gegen jede rechtsstaatliche Ordnur Pe imarer Re, hr, ‚gen sozialdemokratischen Ministerpräsi- Reicdenten von Preussen, Braun, verhaften icht mehr immt, R miss, erhob sich kein Widerstand. Der Fukap: Zusammenbruch der demokratischen. Ord- N Fl Nung schritt unaufhaltsam vorwärts. Die 2 OrdnWleimarer Republik geriet ins Wanken. che 67 "Mit dem heutigen Tag hat in ganz Deutschland die nationale Regierung die vollziehende Gewalt in den Händen. Damit wird der weitere Vollzug der nationalen Erhebung ein von oben geleiteter planmässiger sein. Nur dort, wo diesen Anordnungen Widerstand entgegengesetzt wird, oder wo aus dem Hinterhalt, wie früher, Angriffe auf einzelne Männer oder marschierende Kolonnen erfolgen, ist dieser Widerstand sofort und gründlich zu brechen. Ihr müsst, meine Kameraden, dafür sorgen, dass die nationale Revolution 1933 nicht in der Geschichte verglichen werden kann mit der Revolution der Rucksack-Spartakisten im November 1918. Im übrigen lasst euch in keiner Sekunde von unserer Parole abbringen: sie heisst: Vernichtung des Marxismus!” Aufruf Hitlers an die NSDAP vom 10. März 1933. 1933. Die Reichsregierung unter Franz: von. Paper #onnte sich gegen den ‚Reichstäg und.die Intrigen.Ses Generals von Schleicher und. Hitlers nicht halten. Sie wurde am 8.12:1932 gesfürzt. General von Schleicher. und die Militärs glaubten, Hitler fest-an sich gebunden zu haben’ und. ihn als.Instrument benutzer zu können. ‘Schleicher ‚übernahm. die Bildung einer neuen Regie- rung. Die NSDAP, stützte. ihn aber nicht.‘.Franz-von Papen-schlug” daraufhin Reichspräsident- von Hinden- "burg vor,. Schleicher abzuberufen und Hitler mit der .Bildung einer‘ neuen Regierung zu beauftragen. Am 30. Januar 1933 berief Hindenburg. Adolf Hitler..zum neuen Reichskanzler. gr Tr.» i; Benin einem d Mann U Der neu u PER RE Prinz August Wilhelm von Preussen(x). 1933 In der neuen Reichsregierung waren die NSDAP und die Deutschna- tionale Partei vertreten. In der Nacht nach Hitlers Berufung zum Reichskanz- ler zog die NSDAP alle ihre Formatio- nen zusammen. Es kam zur ersten grossen, von einer Reichsregierung un- terstützten Massendemonstration einer Partei. egierung eutschna- er Nach! ichskanz- Formatio- r ersten rung UN on einer Aber immer noch gab es schwere Aus- einandersetzungen mit den Sozialde- mokraten und den Kommunisten. Bei einem dieser Kämpfe kamen ein SA- Mann und ein Polizist ums. Leben. Der neue Kanzler ordnete ein Staats- begräbnis an. Das war die erste Ver- mischung von Staats- und Partei-Inte- ressen. Auch der ehemalige Prinz Au- gust Wilhelm von Preussen nahm an den Feierlichkeiten teil. So zog Hitler auch die Monarchisten auf seine Seite. 1933 Noch immer war Hitlers Re- gierung auf die Unterstützung der Deutschnationalen Partei des Grossver- legers Alfred Hugenberg angewiesen. Hitlers Vorschlag, den Reichstag auf- wulösen und Neuwahlen auszuschrei- ben, wurde vom Reichspräsidenten angenommen, Die NSDAP war ent- schlossen, den Wahlkampf mit aller Härte zu führen tlers Re- ung der Grossver- mit aller+ Hermann Göring, Ministerpräsident von Preussen, machte 40 000 Mitglie- der der SA und SS zu Hilfspolizisten. Damit wurde der Terror der national- sozialistischen Organisationen legali- siert. Die ersten Verhaftungen der Gegner Hitlers setzten ein. leer 1933 Propaganda-Aufwand und Ter- ror genügten Hitler nicht. Er wollte ganz sicher gehen, nach der Reichs- tagswahl die Macht uneingeschränkt ausüben zu können. Sechs Tage vor der Neuwahl brannte das Reichstagsgebäu- de in Berlin(27.2.1933). Reichskanzler Hitler beschuldigte die Kommunistische Partei der Brandstiftung. Der einzige unbewachte Zugang zum Reichstagsge- bäude war ein unterirdischer Gang, der zum Amtssitz des Reichstagspräsiden- ten Hermann Göring führte. 1933 In dem Prozess gegen führende Kom-| munisten, die der Brandstiftung des Reichsta- ges beschuldigt wurden, verurteilte das Reichsgericht in Leipzig einen politisch un- bedeutenden Holländer namens var der Lub- be zum Tode. Die anderen Angeklagten mussten freigesprochen werden. In der Ver- handlung beschuldigte einer der Hauptan- geklagten, der bulgarische Staatsangehörige Dimitroff(nach 1945 bulgarischer Minister- präsident) die Nationalsozialisten, den Reichs- tag aus politischen Gründen angezündet zu haben. Sachlich blieb diese Anschuldigung unwiderlegt. Reichstagspräsident Hermann Gö- ring konnte als Zeuge im Prozess zu den schweren Anklagen Dimitroffs nur sagen: “ich bin nicht hierhergekommen, um mich von Ihnen anklagen zu lassen. Sie sind in meinen Augen ein Gauner, der längst an den Galgen gehört.” Göring(stehend) iA “rrtt- nde Kom- Reichsta- eilte das itisch UN- der Lub- geklagten der Ver- Hauptan- ngehörige Minister- en Reichs- Dimitroff. tigungsgesetzes. m rd Krepei> Sr Nas Reichstag bei der Verkündung des Ermächkt Der esetzes: 1933 Der Reichstagsbrand nützte Hitler nur indirekt. Bei der Reichstagswahl am 5. März 1933 wurde die NSDAP zwar die stärkste Partei mit 43,9 Prozent aller Stimmen. Die absolute Mehrheit er- reichte sie nicht. Die Behaup- tung, dass die Kommunisten den Reichstag angezündet hätten, benutzte Hitler zur gewaltsamen Ausschaltung der 81 rechtmässig gewähl- ten kommunistischen Ab- geordneten. Er beantragte, der Reichstag solle seine Re- gierung zu besonderen Mass- nahmen zur“Behebung der Not von Volk und Staat”(Er- mächtigungsgesetz) ermächti- gen. Tagungsort dieser denk- würdigen Sitzung am 23. März 1933 war die Berliner Krolloper. Sie wurde am Sit- zungstag auf Anweisung von Hitler durch SA und SS um- stellt. Die Reichsregierung, unterstützt vom Zentrum, den Deutschnationalen und Ab- geordneten anderer politi- scher Parteien, wurde zum Er- lass von Gesetzen ohne Par- lamentsbeschluss ermächtigt. Nur die Sozialdemokraten stimmten dagegen. Am 14. Juli 1933 wurden alle de- mokratischen Parteien in Deutschland verboten. Die NSDAP wurde zur alleinigen und staatstragenden Partei erklärt. 81 1933 Reichskanzler Adolf Hitler nutzte die Möglichkeiten des Ermächtigungsgesetzes rücksichtslos aus. Jugendverbände wurden verboten, am 2. Mai 1933 die Gewerkschaf- ten aufgelöst. Sie gingen in einer parteieige- nen Organisation, der"Deutschen Arbeits-| frong" j detenbi Minikter Führer Auch de Waren IN We% $ N ’ >35 a KB fi ws Tin I- TR DR u‘ front” auf. Die NSDAP Pr Per suchngdie Sol- datenbünde. Im Juni 1933 trat Reichsarbei minister: Seldte zur NSDAP über. Er wa Führer‘Ger Soldatenorganisation Stahlhelm. Auch der Stahlhelm ging’ in der SA auf. Damit waren viele Gegner ausgeschaltet. 84 1933 Nister{ Joseph das fre dem} Die St, gleiche Prüfyn, Schrift Nunger Nicht! Konzer den e, 1933 Der am 13. März 1933 von Hitler zum Reichsmi- nister für Propaganda und Volksaufklärung ernannte Dr. Joseph Goebbels begann den organisierten Kampf gegen das freie Wort. Sein Ministerium bestimmte fortan, wer dem Nationalsozialismus genehm war und wer nicht. Die Studentenschaft an den deutschen Universitäten wurde gleichgeschaltet. Goebbels ordnete eine allgemeine Über- prüfung aller Bibliotheken nach"staatsgefährdendem Schrifttum” an. Es kam zu umfangreichen Bücherverbren- nungen. Viele deutsche Schriftsteller und Dichter durften nicht mehr schreiben oder ‚gelesen werden. Die ersten Konzentrationslager zur Aufnahme politischer Gegner wur- den errichtet. 85 cc c—ceu— mE \ | 1933 Was Adolf Hitler in“Mein Kampf” verkündet hatte, begann er jetzt zu verwirklichen. Bereits am|]. April 1933 kam es zu den ersten Boykottmassnahmen gegen jüdische Geschäfte, Ärzte und Anwälte im gesamten Reichsgebiet. SA und SS verhinderten den Zutritt zu jüdischen Läden und Büros. Erste Verhaftungen wurden vorgenommen. Julius Streicher organisierte die Rassenhetze. Die erste grosse Auswanderungswelle aus Deutsch- land setzte ein. Wissenschaftler, Dichter, Gelehrte und Politiker verliessen das Land. Immer breiter aber wurden die Schatten der nationalsozialisti- schen Diktatur. Und Europa musste sich langsam an den Anblick von Menschen gewöhnen, die wie Pa- kete von Land zu Land verfrachtet wurden. 1933 Der Reichskanzler(Adolf Hitler- Red.) sah im Abschluss des Reichskonkordats drei grosse Vorteile: 1. dass der Vatikan überhaupt verhandelt habe, obwohl besonders in Österreich damit operiert wurde, dass der Nationalsozialismus unchristlich und kirchenfeindlich wäre; 2. dass der Vatikan zur Herstellung eines guten Verhält- nisses zu diesem einen nationalen deutschen Staat bewo- gen werden konnte. Er, der Reichskanzler, hätte es noch vor kurzer Zeit nicht für möglich gehalten, dass die Kirche bereit sein würde, die Bischöfe auf diesen Staat zu ver- pflichten. Dass das nunmehr geschehen wäre, wäre zwei- fellos eine rückhaltlose Anerkennung des derzeitigen Regi- mes; 3. dass mit dem Konkordat sich die Kirche aus dem Vereins- und Parteileben herauszöge, z. B. auch die christ- lichen Gev der Reichsl möglich ge erst mit A zeichnen, Entfernung hätte. Dass Ziel einer | erreicht Wi das sei ei über alle (Aus dem 4, Septem! I sah im lichen Gewerkschaften fallen liesse. Auch das hätte er, le: der Reichskanzler, noch vor einigen Monaten nicht für ‚ obwohl möglich gehalten. Auch die Auflösung des Zentrums wäre dass der erst mit Abschluss des Konkordats als endgültig zu be- ich wäre, zeichnen, nachdem nunmehr der Vatikan die dauernde _ Verhält. Entfernung der Priester aus der Parteipolitik angeordnet hätte. Dass das von ihm, dem Reichskanzler, stets erstrebte ät bewo- es noch Ziel einer Vereinbarung mit der Kurie so viel schneller lie Kirche erreicht wurde, als er noch am 30. Januar gedacht habe, t zu ver- das sei ein so unbeschreiblicher Erfolg, dass demgegen- äre zwei. Über alle kritischen Bedenken zurücktreten müssten...” gen Regi-(Aus dem Protokoll über eine Sitzung der Reichsregierung am aus dem a chikr 14. September 1933). staatssekretär Pacelli(2), der spätere Papst fünz von Papen(1) und Kardinal des Konkordats am 20.7.1933 im Vatiken.| Plus Xtl, bei der Unterzeichnung 91 Röhm(1), Himmler, Führer der SS(2). 1934 Noch war Hitlers Position nicht end- gültig gefestigt, denn die Reichswehr unter- stand nach wie vor der obersten Befehlsge- walt des Reichspräsidenten. Die SA unter Führung des Weltkriegsoffiziers Ernst Röhm|, begann sich zu einer Macht im Staate neben| der Reichswehr zu entwickeln. Um Ausein-| andersetzungen zwischen den beiden Macht- faktoren zu verhindern, liess Hitler 1934 Röhm und viele andere seiner Parteifreunde erschiessen. Auch General von Schleicher wurde ermordet. Die SS wurde als selbstän- dige Organisation auf Hitler vereidigt. Se 8 2-7 o.-0O 58 IP— = den tnst Röhm jate neben m Ausein- = ne) oa 3 =© emo ge} e Li}— =& = BES © 2 Befehlsge- SA unter nicht end- ehr unter- Y aarsastdı, \ 1934 Am 2. August 1934 starb der greise Reichspräsident Paul von Hindenburg. Noch am gleichen Tag erliess die Reichs- regierung ein Gesetz, das die Funktionen des Reichskanzlers und des Reichspräsidenten in Hitlers Person vereinte. Die Reichswehr leistete einen neuen Treueid. Aber nicht mehr auf die Verfassung oder das Vater- land wurde jetzt vereidigt, son- dern nur noch auf die Person Hitlers als Führer und Oberster Befehlshaber. Hindenburg. Niemand war mehr bereit, sich Hitler in den Weg zu stellen. Vor allem die Industrie zeigte jetzt unverhüllt, dass sie ihn anerkannte und unterstützte. Dr. Albert Vögler, Generaldi- rektor des Bochumer Vereins, Dr. A. von Renteln, Präsident des Deutschen Industrie- und Handelstages, und Gustav Krupp von Bohlen und Halbach(von links nach rechts) bekannten sich ab 1933 offen zu Hitler. Ihr Ziel war die Aufrüstung. Nur mit Hitler konn- te sie es erreichen. ler in den trie zeigte annte und Generaldi- . A. von Industrie- Upp von ch rechts) Hitler. Ihr itler konn- r-] 1 < "Erstens muss unser Volk von dem hoffnungslos wirren IIESHELICLEIE UNE befreit und bewusst und systematisch zum fanatischen Nationalismus erzogen werden... Zweitens werden wir unser Volk, indem wir es dazu erziehen, gegen den Irrsinn der Demokratie zu kämpfen und wieder die Notwendigkeit von Autorität und Führertum einzusehen, von dem Unsinn des Parlamentarismus fortreissen. Drittens werden wir, indem wir das Volk von dem jämmerlichen Glauben an Völkerversöhnung, Weltfrieden, Völkerbund und Internationale Solidarität befreien, diese Ideen zerstören. Es gibt nur ein Recht in der Welt, und dieses Recht liegt in der eigenen Stärke...” Adolf Hitler in einer seiner Reden aus dem Jahre 1928. Am 19.10.1933 trat Deutschland aus dem Völkerbund aus. Hitlers unmittelbares Ziel nach der Macht- übernahme war es, das ganze deutsche Volk in eine einzige Marschkolonne zu verwan deln. Das Dritte Reich sollte ein Staat sein, in dem der einzelne in der Masse ver- schwand und sich völlig dem Willen des Füh- . f X fl), >, AH« ‚> IB r 1% % g Br v JE%& HA 7} lic 1 4 er > E£ 1 / f 5, « „. 7 N( AP « {3 3-7 n ‚ : en? [>% B 4 x B.* ” x 7 .. A 2 Ef x an 4:. Fi“ur .. > N Id f t. fe . Dr ad te zn Die erfasst. Jugend zu ge- Pflicht. BDM) der NS-Frauenschaft und ( Arbeitsdienst wurde dem“Bund Deutscher Mädel” © yo oc 0 za & A ST ae ee] Er ul] D» 25 eo aa nr od o__ ve 0» c IR 023 sE So 2© eN Besonders wichtig war es, die Frauen wurden in winnen. ver Füh- asse des \onzentrahmsiuger Uramenburg 2651 Mühsam. 1934 Wer gegen das Dritte Reich opponierte, riskierte es, in einem Konzentrationslager zu verschwin- den. Die Verbände der SS hatten die Aufgabe, jeden Widerstand ge- gen das NS-Regime rigoros zu bre- chen. Bereits die Verweigerung des Nazigrusses“Heil Hitler“ konnte zur Verhaftung und Einweisung in ein KZ führen. Zu den ersten Op- fern des KZ-Terrors gehörte unter vielen anderen der Dichter Erich Mühsam. Er wurde 1934 im Lager Oranienburg bei Berlin ermordet. 102 c f=i ® je} © [7 c o° = © . c kJ N c o “ c kJ o c ce ® = © a Ei o L2) 1935 Hit ein, Eine und orgar entstand. minderte arbeitsbes« ) Autobahne Jegungen. testen, Hit 1935 Hitler führte 1935 die Allgemeine Wehrpflicht ein. Eine hochmoderne Wehrmacht mit einer technisch } und organisatprisch gleichfalls hochmodernen Luftwaffe | entstand. Die Aufrüstung verschlang riesige Mittel, ver- " minderte jedoch die Arbeitslosigkeit. Diese und andere } arbeitsbeschaffende Massnahmen, wie z. B. der Bau von = Autobahnen, entsprangen: vornehmlich militärischen Über-: } legungen. Das Ausland begnügte sich mit zahmen Pro- testen. Hitler schläferte die europäischen Diplomaten mit " Friedensgesten ein. Schon am 26.1.1934 hatte er einen © Freundschaftsvertrag mit Polen geschlossen. Dieser Ver- "trag sollte einen Keil in das französische Bündnissystem 1936 Die französischen Regierungen hatten sich seit Mitte der Zwanziger Jahre um eine Beendigung der“Erbfeindschaft” zwischen Frankreich und Deutschland bemüht. Diese Versöhnungsbereitschaft nutzte Hitler aus. Im März 1936 marschierte er in das auf Grund des Versailler Vertrages entmilitarisierte Rheinland ein. Frankreich konnte sich nicht entschliessen, diesem offenen Vertragsbruch zu begegnen. Hitler triumphierte. Er bot Frankreich und Belgien sogar einen auf 25 Jahre befristeten Nichtangriffspakt an. 107 u A Bad 7 an TR er he a Sn Spanischer Bürgerkrieg. Mussolini. Bürgerkrieg. ‚lin. Franco. 1936 Nach dem italienischen Überfall auf Abessinien im Oktober 1936 nutzte Hitler die zwischen Italien und dem Völkerbund entstandene Spannung zu seinen Gunsten aus. Hitler lieferte Rohstoffe an Italien und gewann es damit für seine Politik. Die gegen Italien verhängten Völkerbundssanktionen blieben halbe Massnahmen; sie konnten Mus- solini nicht wirksam treffen. Im Juli 1936 begann der Angriff General Francos gegen die rechtmässig gewählte spanische Regie- rung. Dieser Krieg war die Generalprobe zum Zweiten Weltkrieg. Hitler und Mussolini un- terstützten Franco mit allen Mitteln. Die Ini- tiative in Europa ging mehr und mehr auf die Diktatoren über. Die anderen Mächte hofften allerdings immer noch auf eine Ver- ständigung mit den faschistischen Kräften. 1937 Im September 1937 trafen Hit- mit Jap: ler und Mussolini in München zusam-| geschlos men. Der faschistische Diktator Italiens| dass er war von der militärischen Machtent-| der ös faltung Deutschlands tief beeindruckt. interess| Er trat am 6.11.37 dem Antikomintern- der We Pakt bei, den Hitler ein Jahr zuvor|\nerwa trafen Hit- en zusam- or Italiens Machtent- eindruckt, komintern- ahr zuvor mit Japan gegen die Sowjetunion ab- geschlossen hatte. Mussolini erklärte, dass er nicht mehr an der Wahrung der österreichischen Unabhängigkeit interessiert sei. Damit wurde für Hitler der Weg nach Österreich frei. Durch Unterwanderung war er längst geebnet. 1938 Im März 1938 hielt der ehemalige arbeitslose Maler aus dem Männerheim in der Meldemannstrasse in Wien seinen Einzug in die alte Kaiserstadt. In der Nacht zuvor hatte Heinrich Himmler 67 000 Österreicher"aus Sicherheitsgründen” verhaften lassen. Hitler in Wien. =hemalige :im in der Einzug in ‚vor hatte cher"aus n. er in Wien, F 1 Volk£in Reich Strasse in Wien beim Einmarsch. Da die Westmächte, vor allem England, die Verständigung mit Hitler noch immer anstreb- ten, wurde der Anschluss Österreichs allge- mein anerkannt— und das ungeachtet des Terrors, mit dem alle Gegner des National- sozialismus unterdrückt wurden. Der siegrei- che Eroberer begnügte sich jedoch nicht mit diesem Triumph. Sein Blick richtete sich be- reits auf die nächste Etappe: die Tschecho- slowakei. Wien,am 18.Märs 1938 “ Der Erzbilchof von Wien Sehr geehrter Herr Gauleiter, Beigeschlossene Erklärung der Bischöfe übersende ich! mit.Sie ersehen daraus,dass wir Bischöfe freiwillig und Zwang unsere nationale Pflicht erfüllt haben.Ich En dieser Erklärung eine gute. Zusammenarbeit folgen wird. Mit dem Ausdruck ausgezeichneter Hochachtung 1938 Die katholische Geistlichkeit Österreichs stellte sich sofort auf die neue Lage ein. Nach Verhandlungen mit der Reichsregierung gab sie eine Loyalitätserklärung ab. Sie wurde von weiten Teilen der Bevölkerung als eine Anerkennung der Nationalsozialisten und des vollzogenen Anschlusses an das Reich angesehen.(Den Text der"Feier- lichen Erklärung” finden Sie auf der folgenden Seite). In Aus inn erklären thischen schichtli Wir erk stische und wi politik f lich für gendes Überzeu sozialist störend: de. Die kunft m auch di Am Tac fe selb: sche zu erwarte Sie wis: ersende ich illig und d ch weise, ds en wird, wung Feierliche Erklärung! Aus innersier Überzeugung und mit freiem Willen erklären wir unterzeichneten Bischöfe der österrei- chischen Kirchenprovinz anlässlich der grossen ge- schichtlichen Geschehnisse in Deutsch-Österreich: Wir erkennen freudig an, dass die nationalsoziali- stische Bewegung auf dem Gebiet des völkischen und wirtschaftlichen Aufbaues sowie der Sozial- politik für das Deutsche Reich und Volk und nament- lich für die ärmsten Schichten des Volkes Hervorra- gendes geleistet hat und leistet. Wir sind auch der Überzeugung, dass durch das Wirken der national- sozialistischen Bewegung die Gefahr des alles zer- störenden gottlosen Bolschewismus abgewehrt wur- de. Die Bischöfe begleiten dieses Wirken für die Zu- kunft mit ihren besten Segenswünschen und werden auch die Gläubigen in diesem Sinne ermahnen. Am Tage der Volksabstimmung ist es für uns Bischö- fe selbstverständliche nationale Pflicht, uns als Deut- sche zum Deutschen Reich zu bekennen, und wir erwarten auch von allen gläubigen Christen, dass sie wissen, was sie ihrem Volke schuldig sind. Wien, am 18. Märs 1938, 1998 Hi sident Be erdem hi choslowak nispflichte chen stark Durch nat and zu Regierung Nestmäch klärten sie chische Fr Benesch. Terror sudetendeutscher Freikorps in der (24. September 1938). Tschechoslowakei 1938 Hitlers Gegenspieler in der Tschechoslowakei, Prä- sident Beneschh war mit Frankreich verbündet. Aus- serdem hatte er die Zusage der Sowjetunion, der Tsche- choslowakei beizustehen, sofern die Franzosen ihre Bünd- nispflichten erfüllen würden. Militärisch wären die Tsche- chen stark genug gewesen, einen ersten Stoss aufzuhalten. Durch nationalsozialistische Aktionen kam es im Sudeten- land zu einer ernsten Krise. Sie veranlasste die Prager Regierung zu einer Teilmobilisierung ihrer Streitkräfte. Die Westmächte befürchteten einen neuen Weltkrieg. Sie er- klärten sich zu Verhandlungen mit Hitler über die tsche- chische Frage bereit. Daladie Chamberlain, links: Hitler und Mussolini nach Unterzeic c ° > nung des Münchner Abkommens. ki Chamberlain bei seiner Ankunft in London:“Friede in unserer Zeit!” 1938 Der westliche Friedenswille kam Hitler zur Hilfe. Überzeugt davon, dass man mit dem Diktator verhan- deln könne, flog der britische Premierminister Neville Chamberlain nach Berchtesgaden. Chamberlain vertrat in dieser Mission auch Frankreich, dessen Aussenminister Georges Bonnet den Krieg unter allen Umständen verhin- dern wollte. Die Aktion Chamberlains führte zu dem Münchner Abkommen vom 29. September 1938 zwischen Deutschland, Frankreich, England und Italien. Das Sude- tenland wurde Deutschland zugesprochen und besetzt. Be- nesch musste sich diesem Zwang fügen. Die durch diese Politik isolierte Sowjetunion zog daraus die Konsequenzen und änderte ihre Aussenpolitik. Heydrich. 1938 Nach dem Münchner Abkom- men verschlechterte sich die Lage der Juden in Deutschland zusehends. Alle jüdischen Mitbürger bekamen ein"J” in ihre Papiere gestempelt. Reinhard Heydrich, Himmlers rechte Hand, liess 17000 in Deutschland lebende pol- nische Juden nach Polen ausweisen. Die Ermordung eines deutschen Diplo- maten in Paris wurde als Vorwand für einen vorbereiteten Pogrom(genannt “Reichskristallnacht‘‘) benutzt, der ganz Deutschland umfasste. Hunderte von Synagogen wurden angezündet, 7 500 jüdische Geschäfte geplündert, 20 000 Juden verhaftet, 10 000 in das Konzentrationslager Buchenwald ge- bracht. Ausserdem wurden die deut- schen Juden mit einer Kollektivstrafe von einer Milliarde Mark belegt. it sein vers Elle! il) die zuri vers - Ist terr Tscl das ihre EIN frie [ER nich ihm Tscl al dem Mün: = ae= ”...Ich habe weniges zu erklären: Ich bin Herrn Chamberlain dankbar für alle seine Bemühungen. Ich habe ihm versichert, dass das deutsche Volk nichts anderes will als Frieden. Allein, ich habe ihm auch erklärt, dass ich nicht hinter die Grenzen unserer Geduld zurückgehen kann. Ich habe ihm weiter ‚versichert und wiederhole es hier, dass “ es— wenn dieses Problem gelöst ist— für Deutschland in Europa kein territoriales Problem mehr gibt! : Und ich habe ihm weiter versichert, dass 7 in dem Augenblick, in dem die Tschechoslowakei ihre Probleme löst, das heisst, in dem die Tschechen mit ihren anderen Minderheiten sich auseinandergesetzt haben, und zwar friedlich und nicht durch Unterdrückung, dass ich dann am tschechischen Staat nicht mehr interessiert bin. Das wird ihm garantiert! Wir wollen gar keine Tschechen!” Adolf Hitler in seiner Rede vom 26.9.1938 nach dem Münchner Abkommen. 1939 Das Abkommen von München schien die tsche- chische Frage gelöst zu haben. Jedenfalls glaubten die Westmächte daran, dass die deutsche Reichsregierung ihre vertraglichen Zusicherungen einhalten werde. Als jedoch am 15. März 1939 deutsche Truppen auch die Rest-Tsche- chei besetzten, erkannten die Westmächte, dass Hitler sein In"Mei Pfograr Mächte bereits sah in Wake; in“Mein Kampf” verkündetes aussenpolitisches Eroberungs- programm durchaus ernstnahm. Darauf begannen die West- mächte mit einer intensiven Aufrüstung. Hitler hatte damit bereits 1934 begonnen. Die deutsche Reichsregierung aber sah in der gelungenen Überrumpelung der Tschechoslo- wake: die Bestätigung ihrer Politik der Stärke. 1939 Im Deutschen Reich wurden die Kriegsvorbereitungen immer effensichtlicher betrieben. Jede freie Meinungsäusserung war unmöglich geworden. Die Organisationen der Partei erfassten alle Volksschichten und Al- tersgruppen. Die SS unter dem Befehl von Himmler hatte Sonderrechte erhalten. Hitler und Himmler. Himmler. Auch wirtschaftlich stellte sich nun das Reich offen auf einen baldigen Krieg ein. Mit der Rationierung von Lebensmitteln war bereits 1936 unter dem Motto:“Kanonen statt But- ter” begonnen worden. Diese Massnahmen wurden jetzt verschärft. Zu diesem Zweck wurden Sammlungen organisiert, die Geld- und Sachwerte für den künftigen Krieg ein- bringen sollten. Die Industrieproduktion lief auf Hochtouren. Der Bau des"Westwalls” war nahezu abgeschlossen. Im Sommer 1939 hatten zwischen der Sowjetunion und den Westmächten Verhandlungen mit dem Ziel stattgefunden, ein Verteidigungsbündnis ge- gen die nach allen Seiten bedrohliche Expansions- politik Hitlerdeutschlands zustande zu bringen. Die- se Verhandlungen waren ergebnislos verlaufen. Am 25.8.39 wurde die Welt von der Nachricht über- rascht, dass das national- sozialistische Deutschland mit dem kommunistischen Russland einen Nichtan- griffs- und Freundschafts- pakt in Moskau abge- schlossen hatte. | lin und| |"Abschluss di nach = {= © B« 2 & [= ° > = T= 1) © ° o S © N u E £ = © 172 a > < ” e © = se Oo £ 5 E 2 {7} e) © EL o 2 a= [7] J > x © 0. un ® ne) ” » e= Ri- {e] a 02 < September 1939 morgens 4 ö & = . = U o E = dc = ® < Le] 0 2 5 ® Oo .o = ® zZ nn x „= {S > 1939 Am|]. von dem die Es war ein Angriff, Welt erst erfuhr, nachdem die Truppen schon len ein. einige Kilometer in polnisches Gebiet ein- gedrungen waren. orgens 4 ht in Po- dem die en schon :biet ein- Hitler hatte zu diesem Zeitpunkt nicht damit gerechnet, dass die Westmächte ihr an Polen gegebenes Bündnisversprechen einhalten Iı) würden. Er war daher überrascht, als am 3. ı September Frankreich und England offiziell in| den Krieg eintraten. Er hatte geglaubt, auch Polen so behandeln zu können, wie es ihm mit der Tschechoslowakei geglückt war. Soldaten nehmen Verhaftungen vor. 1939 Noch war der Kampf um War- schau nicht beendet, und schon began- nen im ganzen besetzten Polen die ersten Verhaftungen. Dabei wurde rücksichtslos vorgegangen. Jeder Po- le, der irgendwie verdächtig erschien, Das polnische Volk verzweifelt. wurde ter die den St lager, N Polen L der Hei pf um War- chon began- Polen die bei wurde Jeder Po- tig erschien, Fast täglich gab es Razzien. wurde erschossen oder wanderte hin- ter die Mauern der Gefängnisse und den Stacheldraht der Konzentrations- lager. Nach Hitlers Meinung waren die Polen Untermenschen und nur dazu da, der Herrenrasse zu dienen. Kurz vor der Erschiessung. 1939 Noch immer ergab sich die polnische Hauptstadt nicht. Hitler entschloss sich daher, alle militärischen Mittel gegen sie einzusetzen. Es kam zum ersten Mal in einem Krieg zu schweren Luftbombardements auf Stadtge- biete. Dabei wurden grosse Tei- le Warschaus zerstört. Die Stadt ergab sich am 1.10.1939. 1939 In der leidgeprüften Stadt Warschau hielt Hitler die Siegesparade ab. Während die deutschen Truppen durch die Strassen Warschaus paradierten, zogen die endlosen Kolonnen besiegter polnischer Soldaten nach Deutschland in die Gefan- genschaft. Sie sollten im Deut- schen Reich in die Kriegsmaschi- nerie eingespannt werden. Hitler aber triumphierte. Er hatte die erste Schlacht in einem moder- nen Krieg gewonnen. 136 = Pr E E ANGIER Tragödi zum let Jahre I am mei steht in besetzte Tschech Norweg luxemb Grieche Was Hitlers Programm einer Neuordnung Europas bedeutete, zeigte die polnische Tragödie. Sie daverte vom ersten bis zum letzten Kriegstag— über fünf Jahre lang. Das Schicksal der in Europa- am meisten heimgesuckten Nation, Polen, steht in diesem Buch für alle. von Hitler besetzten Gebiete: für die Tschechoslowakei, für Dänemark, Norwegen, Holland, Belgien, Luxemburg, Frankreich, Jugoslawien, Italien, Griechenland und die Republiken der Sowjetunion. Frank(Mitte) 1939 Hans Frank wurde zum Generalgouverneur von Polen ernannt. In einem In- terview mit dem Korrespon- denten des Parteiorgans “Völkischer Beobachter” Kleiss, sagte Hans Frank am 6. Februar 1940 über seine neue Aufgabe:"Wenn ich für je sieben erschossene Po- len ein Plakat aushängen las- sen wollte, dann würden die Wälder Polens nicht ausrei- chen, das Papier herzustellen für solche Plakate.” In einer Regierungssitzung zur Juden- frage am 16. Dezember 1941 in Krakau erklärte Hans Frank:“Die Juden sind auch für uns aussergewöhnlich schädliche Fresser. Wir haben im Generalgouvernement schätzungsweise 2,5, viel- leicht mit den jüdisch ver- sippten und dem, was alles daran hängt, jetzt 3,5 Mil- lionen Juden. Diese 3,5 Mil- lionen Juden können wir nicht erschiessen, wir kön- nen sie nicht vergiften, wer- den aber doch Eingriffe vor- nehmen können, die irgend- wie zu einem Vernichtungs- erfolg führen, und zwar im Zusammenhang mit den vom Reich her zu besprechenden grossen Massnahmen. Das Generalgouvernement muss genauso judenfrei werden, wie es das Reich ist.” . nk=: Paliaa Pe an 5 N In Polen begann die grosse Lei- denszeit der Juden. Sie wurden gezwungen, einen Stern zu tra- gen. Sie durften nur in bestimm- ten Geschäften einkaufen, nur mit einer für sie reservierten Strassenbahn fahren und waren dauernden Razzien und Schika- nen durch die SS unterworfen. Wer sich nicht beugen wollte, wurde verhaftet. ö > o E oO © e= (0) - o = ö | > fe) © 172} ni Ghettomaue" Kontrolle durch die Ghettowache Durch die Beschiessung im Oktober 1939 war Warschau schwer zerstört worden. Trotzdem wurde am 2. Novem- ber 1940 ein Gebiet von 10 qkm zum jüdischen Ghetto erklärt. Die 80 000 Nichtiuden dieses Gebietes mussten umsiedeln. 240 000 Juden wurden in diesen Wohnungen zusammengedrängt— je 6 Personen in einem Zimmer. 145 Ohne besondere Genehmigung durfte nie- mand das Ghetto betreten oder verlassen. Um diese Kontrolle zu erleichtern, wurde zu- nächst um das gesamte Gebiet ein Stachel- drahtverhau gezogen. Indessen reichte diese Massnahme nicht aus, denn vor allem Kinder konnten dieses Hindernis leicht überwinden und Lebensmittel in das Ghetto bringen. Un- ter den jüdischen Kindern ging damals der Satz:“Ich wollt, ich wär ein Hund. Deutsche haben Hunde gern.” Um die Bewachung lückenlos zu machen, liess die SS schliesslich eine grosse Mauer um das Gebiet des Ghetto errichten. Die Kosten dafür mussten die Juden selbst tragen. 500 000 jüdische Männer, Frauen und Kinder waren inzwischen im Ghetto zu- sammengepfercht worden und mussten euf engstem Raum leben. Es gab keine l"eidung. Überall fehlten die lebens- notwendigen Dinge. Um die Sterblich- keitsziffern schneller in die Höhe zu treiben, ordnete Generalgouverneur Frank die Herabsetzung der Lebensmit- tel-Rationen(200 Kalorien täglich) an. © ® Oo E > = [8] [77 I o E ce = > = Oo © E ® r£ Warschauer ım Kinder Ghetto. Mit alten Augen sahen sie ternlosen ie nur Leid und Tod d “Was ni in eine Welt, kannte. ist hatte gute Rasse t ch Spreu,” Welt, ist auf dieser seinem Buch S 1925 in Hitler schon Kapitel 11, nd|, Ba verkündet. "Mein Kampf,” 324, Seite Die Entbehrungen der Ghettobe- wohner entsprachen dem Ausrot- tungsprogramm, wie es von Gene- ralgouverneur Frank im Einver- ständnis mit der Reichsregierung ausgearbeitet worden war. Ihr Hun- gertod war lange vorbereitet. Helfern eingesammelt und zu den Mas- jüdischen sengräbern gebracht wurden. ec oo «0 co =) E Ir ° m. »2 Oo» Ne c oO je, ET) He IE ov — 0 ou o 0° o+ 77) freiwilligen Dennoch versuchten die erschöpften und verzweifelten Menschen, sich gegen ihre Tyrannen zu wehren. Die Wider- standskämpfer verfertigten sich selbst ihre Waffen, obgleich sie wussten, dass darauf die Todesstrafe stand 1941 Sofort nach der Kapitulation Frankreichs(22.6.1940) hatte Hitler die strategischen Vorbereitungen zu ei- nem Krieg gegen die Sowjetunion ein- geleitet— trotz des 1939 zwischen Deutschland und der Sowjetunion abgeschlossenen Paktes. Nachdem im Frünjahr 1941 der Balkan besetzt wor- den und Rommel in Nordafrika ein- gedrungen war, begann, am 22.6.1941 auf breiter Front der Angriff auf die UdSSR. Auf diesen Angriff unge- nügend vorbereitet, zogen sich die sowjetischen Armeen erbittert käm- pfend in das Innere ihres Landes zu- rück. Hitlers Ziel, die Rote Armee schnell zu vernichten, misslang. Der rasche Vormarsch der deutschen Trup- pen wurde durch den Einbruch des | 2] Winters 1941/42 gestoppt 156 1942 Im Sommer 1942 unternahm Hitler den Versuch, die Ölquellen am Kaukasus und die Kornkammern am Don und an der Wolga zu erreichen Dafür wurden 80 Divisionen einge- setzt. In der im November 1942 be ginnenden Schlacht um Stalingrad ent riss die Sowjetunion Hitler die militä- rische Initiative. Das einst hklühende Stalingrad wurde in einen Trümmer haufen verwandelt. Deutscher Soldat in Stalingrad. Unter die Rı Haus den Osten ka zel Anfanı tische El Ala Unter furchtbaren Kämpfen eroberte die Rote Armee die Stadt Haus um Haus zurück. Hitlers Divisionen hatten den Traum vom“Lebensraum” im Osten zu bezahlen. Auch in Nordafri- ka zeigte sich die Wende des Krieges. Anfang November 1942 war der bri- tischen 8. Armee der Durchbruch bei El Alamein gelungen. Stalingrad. Deutsche Kriegsgefangene in Moskau. 1943 Am 30. Januar 1943 feierte das Dritte Reich sein zehnjähriges Bestehen. Am Tage da- B tauf kapitulierte Feldmar- schall Paulus in Stalingrad. Mit 91 000 Mann ging er in die sowjetische Gefan- genschaft. Der Kampf um Stalingrad kostete allein auf deutsche Seite 142 000 Tote. Diese Schlacht wur- de zum Wendepunkt des Zweiten Weltkrieges. Der örosse Rückmarsch an al- len Fronten begann. Der krieg war praktisch be- feits verloren. Trotzdem wurden ungeheure Men- Schenmassen weiterhin Sinnnlos geopfert. Während der Kriegsjahre wurden im-[ mer mehr Sklavenarbeiter aus allen be- i setzten Ländern nach Deutschland ge- bracht, um in der Kriegsindustrie zu ar- beiten. Bis Ende 1944 waren es 4 795 000 Männer und Frauen. Sie ka- men u.a. aus der Sowjetunion, Polen, Frankreich, Belgien, Holland, Jugosla- wien und aus Italien. Sie wurden viel- fach auf der Strasse aufgegriffen oder aus ihren Wohnungen geholt und in Güterwagen abtransportiert. Wehrlos waren sie Misshandlungen, Hunger und Seuchen ausgesetzt. Viele überstanden den Transport nicht. Auch in Osteuropa hatte Himmler rie- sige Konzentrationslager eingerichtet. Die meisten davon in Polen. Millionen von Menschen aus ganz Europa wur- den in diese Lager transportiert. Die körperlich Tauglichen wurden Sklaven- arbeiter,> übrigen vergast und ver- brannt. grösste Vernichtungslager war Auschwitz-Birkenau in Polen. Die Zahl der in Auschwitz umgekommenen Menschen wird heute auf vier Millio- nen geschätzt. Der erste Lagerkom mandant, Höss, hatte in seinem Prozess nach dem Krieg selbst 2,5 Millionen zugegeben. Prozess Millionen \ N ll ii Das hafuns hart gemacht)! 164 "Ein Grundsatz muss für den SS-Mann absolut gelten: ehrlich, anständig, treu und kamerad- schaftlich haben wir zu Angehörigen unseres eigenen Blutes zu sein und zu sonst nieman- dem. Wie es den Russen geht, wie es den Tschechen geht, ist mir total gleichgültig. Das, was in den Völkern an gutem Blut unserer Art vorhanden ist, werden wir uns holen, in- dem wir ihnen, wenn notwendig, die Kinder rauben und sie bei uns grossziehen. Ob die anderen Völker in Wohlstand leben oder ob sie verrecken vor Hunger, das interessiert mich nur soweit, als wir sie als Sklaven für unsere Kultur brauchen, anders interessiert mich das nicht. Ob bei dem Bau eines Panzergrabens 10 000 russische Weiber an Entkräftung um- fallen oder nicht, interessiert mich nur inso- weit, als der Panzergraben für Deutschland fertig wird. Wir werden niemals roh und herzlos sein, wo es nicht sein muss; das ist klar. Wir Deutschen, die wir als einzige auf der Welt eine anständige Einsteilung zum Tier haben, werden ja auch zu diesen Menschentie- ren eine anständige Einstellung einnehmen, aber es ist ein Verbrechen gegen unser eige- nes Blut, uns um sie Sorge zu machen und ihnen Ideale zu bringen, damit unsere Söhne und Enkel es noch schwerer haben mit ihnen. Wenn mir einer kommt und sagt::‘Ich kann mit den Kindern oder den Frauen den Panzer- solut erad- seres man- den Das, Iserer n, in inder b die er ob mich insere h das abens ) um inso -hland ) und las ist je auf m Tier hentie- ‚hmen! r eige“ n und Söhne ihnen. \ kann Panzel” graben nicht bauen. Das ist unmenschlich, denn dann sterben die.daran,’— dann muss ich sagen:‘Du bist ein Mörder an deinem eigenem Blut, denn wenn der Panzergraben nicht gebaut wird, dann sterben deutsche Sol- daten und das sind Söhne deutscher Mütter...’ Ich meine jetzt die Judenevakuierung, die Ausrottung des jüdischen Volkes. Es gehört zu den Dingen, die man leicht ausspricht. ‘Das jüdische Volk wird ausgerottet,‘ sagt ein jeder Parteigenosse,‘ganz klar, steht in unserem Programm, Ausschaltung der Juden, Ausrottung, machen wir.‘ Und dann kommen sie alle an, die braven 80 Millionen Deutschen, und jeder hat seinen anständigen Juden. Es ist ja klar, die anderen sind Schweine, aber die- ser eine ist ein prima Jude. Von allen, die so reden, hat keiner zugesehen, keiner es durch- gestanden. Von euch werden die meisten wis- sen, was es heisst, wenn 100 Leichen bei- sammen liegen, wenn 500 da liegen oder wenn 1 000 da liegen. Dies durchgehalten zu haben und dabei—- abgesehen von Ausnah- men menschlicher Schwächen—- anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht. Dies ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Ge- schichte...” (Aus einer Rede Heinrich Himmlers bei der SS-Füh rertagung in Posen am 4. Oktober 1943). 165 Die Gaskammern in den Vernichtungs- lagern waren als Baderäume getarnt. Das einströmende Blausäurepräparat Zyklon B tötete die dicht gedrängt ste- henden Opfer nach spätestens zwan zig Minuten. Anschliessend fledderten Sonderkommandos die Leichen nach Goldzähnen und versteckten Wertsa- chen. Den weiblichen Leichen wurden die Haare abgeschnitten. Die Beute wurde registriert. Sie diente der Fort- setzung des Krieges. Dann wurden die Leichen verbrannt. RP. 3/32 Q Innerhalb von 24 Stunden wurden in den Krematorien| und Il des Lagers Auschwitz bis 2 000 Leichen verbrannt. Die Höchstzahl der Verbrennungen pro Tag wurde im Som- mer 1944 erreicht. Sie liegt bei etwa 9 000. Innerhalb von zwei Monaten wurde um diese Zeit der grösste Teil von 100 000 ungari- schen Juden vergast und verbrannt. Auf diese Art führten die Totenkopfverbände der SS auf Weisungen Himmlers und seines Beauf- tragten für die“Endlösung der Judenfrage,” Adolf Eichmann, die systematische Ausrottung der Juden durch. Es war der erste Schritt zu der von Hitler verfügten“Neuordnung Europas auf rassischer Grundlage.” Eichmann während des Krieges. Eichmann 1960. $# ; 33 "Nein, es gibt nur ein heiligstes Menschenrecht, und dieses Recht ist zugleich die heiligste Verpflichtung nämlich: dafür zu sorgen, dass das Blut rein erhalten bleibt, um durch die Bewahrung des besten Menschentums die Möglichkeit einer edleren Entwicklung dieser Wesen zu geben. Ein völkischer Staat wird damit in erster Linie die Ehe aus dem Niveau einer BG ENTTT E WERTTEIHLE TTS herauszuheben haben, um ihr die Weihe jener Institution zu geben, die berufen ist, Ebenbilder des Herrn zu zeugen und nicht Missgeburten zwischen Mensch R und Affe. ... es ist im übrigen die Aufgabe eines völkischen Staates, dafür zu sorgen, dass = endlich eine Weltgeschichte geschrieben. wird, in der die Rassenfrage zur e dominierenden Stellung erhoben wird...” Adolf Hitler,“Mein Kampf,” Band Il, Kapitel 1, Seite 444/445. 1943 Hunger, Mangel an sanitären Einrichtun- gen und jeglicher medizinischer Betreuung führ- ten im Warschauer Ghetto zu Krankheiten epi- demischen Ausmasses. Im Februar 1943 gab Himmler aus“Sicherheitsgründen’” den Befehl zur Vernichtung des Warschauer Ghettos. Im April, als der Befehl ausgeführt werden sollte, kam es zum Aufstand. Zweimal trieben die Juden die SS aus dem Ghetto, dann schlug SS-General Stroop den Widerstand brutal nieder. Die Häuser wurden verbrannt, die überlebenden Juden in Vernichtungslager verschleppt. inrichtun- ung führ- ziten epi- 943 gab .n Befehl ettos. Im en sollte, eben die n schlug al nieder rlebenden pt. 1944 In den ersten Monaten des Jahres 1944° drang die Rote Armee bis in die Nähe der polni- schen Grenze vor. Im Nord- und Südteil der breiten Front gelang dieser Vormarsch nur zögernd. In der ungeduldigen Erwartung ihrer Befreiung von fünf Jahren Gewaltherrschaft gab die Führung der er- starkten polnischen Widerstandsbewegung am 1. Au- gust 1944 den Befehl zum offenen Aufstand gegen die Deutschen. Er misslang. Allein in Warschau dauerten die Kämpfe 63 Tage. Sie kosteten 200 000 Polen das Leben. Systematisch wurde Warschau dem Erdboden gleichgemacht Piz 194° Am 6. Juni 1944 kanadische und..amenikanische„ Truppen_ar der. fränzösischen. ‚Atlantikküste. Diese inya, sion war das grösste Lande- Unternehmen der Kriegsgeschichte und Teiteter.die”Schlacht eg im Westen Europas ein: Im Östen war glei zeitig die Rote" Armee auf,breiter, From zur. Offensive übergegangen. Die Verteidigungs?„..e »gürtel._.der. Deutschent Wehrmacht wurde Zune Bez durchbrochen?” Die verlustreichen Rückzüge Duggmdesideötsehen Heeres,setzten ein,. . s® rechts): nach von Witzleben. lınks (von Feldmarschall r} n v N ° = Q =) o 7 u (72) E © - Io) En E” © je} £ < © K= 7 2 t = [= © > [} a} ° = E = N Graf Helldorf, Graf Schwerin von Schwanenfeld, 1944 Nach der erfolgreichen Invasion der westlichen Alliierten in Frankreich und den gelungenen Offensiven der Roten Armee ver- suchten deutsche Offiziere, Hitler zu beseiti- gen. Ihr Ziel war die Bildung einer Anti- Hitler-Regierung. Sie wollten einen Krieg beenden, der ihnen aussichtsios erschien. Am 20. Juli 1944 legte Oberst Graf Klaus von Stauffenberg eine Bombe in Hitlers Karten- zimmer im Hauptquartier in Ostpreussen und reiste nach Berlin. Der Aufstand scheiterte Hitler wurde nur unwesentlich verletzt. Die am Attentat beteiligten Offiziere konnten in Berlin verhaftet werden. 4980 Personen wurden in den folgenden Monaten hinge- richtet, teilweise ohne ordentliches Urteil. Mitte: Freisler. 1944 Nach dem missglückten Attentat auf Hitler setzte ausser- dem im gesamten Reichsgebiet eine neue Terror- und Verhaf- tungswelle ein. Anfang des Krieges war in Berlin ein sogenann- ter Volksgerichtshof errichtet worden. Sein Präsident Roland Freisler urteilte nicht nach den Grundsätzen des allgemeinen Rechts sondern willkürlich nach Parteiinteressen. Von einem Teil der deutschen Juristen wurde die Rechtsprechung und einseitige Verhandlungsführung dieses fanatischen Hitler-Anhängers ge- billigt und nachgeahmt. Zu seinen Prozessen wurden nur ausge- wählte Nationalsozialisten als Zuhörer zugelassen. Das Volk sollte nur erfahren, was die Partei für richtig hielt. 180 tzte ausser nd Verhaf- sogenann” nt Roland ‚IIgemeinen Teil 1944 Auch die Wehrmacht wurde von Hitler tief gedemü- tigt. Die Waffen-SS wurde zum gleichberechtigten Waffenträ- ger gemacht und ihr Chef Heinrich Himmler zum Oberbe- fehlshaber des Ersatzheeres ernannt. Als“Zeichen der un- verbrüchlichen Treue zum Führer und engster Verbundenheit zwischen Wehrmacht und Partei” wurde der Hitlergruss in der Wehrmacht eingeführt. Die Generale, bisher die ausführenden Organe der Politik Hitlers, wurden jetzt von ihm missachtet. 183 dkich, Jenen 3 - "Wenn der Krieg verloren geht, wird auch das Volk verloren sein. Dieses Schicksal ist unabwendbar. Es ist nicht notwendig, auf die Grundlagen, die das (deutsche- Red.) Volk zu seinem primitivsten Weiterleben braucht, Rücksicht zu nehmen..In Gegenteil, es ist besser, selbst diese Dinge zu zerstören, uns selbst zu zerstören._ Denn das Volk hat sich dann als das Schwächere erwiesen, und dem stärkeren Ostvolk gehört ausschliesslich die Zukunft. Was nach dem Kampf übrig bleibt, sind ohnehin nur die Minderwertigen, denn die Guten sind gefallen.” Hitler am 19. März 1945 zur Erläuterung seines am gleichen Tage für das Gebiet Deutschland ergan- genen Zerstörungsbefehls(”’Verbrannte Erde”). 1945 Nachdem der Krieg die deutschen Grenzen erreicht hatte, startete Hitler seinen letzten Versuch. Er gründete den Volkssturm, in dem Kinder und alte Männer zusam- mengezogen wurden. Noch immer wollte Hitler nicht zuge- ben, dass der Krieg verloren war. Er, der sich von der sogenannten Vorsehung zur Rettung des Abendlandes vor dem Bolschewismus erkoren fühlte. klammerte sich an jede PA EN Goebbels in seiner letzten Durchhalterede am 19. April in Berlin. Möglichkeit, das Kriegsglück zu wenden. Weitere deutscne Städte sanken in Schutt und Asche. Der Krieg wurde jetzt auf beiden Seiten mit allen Mit- teln geführt. Auch das war ein Ergebnis jenes to- talen Krieges, den Dr. Joseph Goebbels bereits 1943 unter Zustimmung von Partei und Wehrmacht ver- kündet hatte. 1945 Das ist das letzte Bild von Adolf Hitler. Noch we- nige Tage, bevor er am 30. April 1945 in Berlin Selbst- mord beging, verkündete er den Endsieg. 1945 Die an allen Fron- ten zurückweichenden deutschen Truppen hatten den Befehl, dem Gegner nichts als“verbrannte Er- de” zu überlassen. Auch die Wachmannschaften der. Konzentrationslager versuchten, alles Leben auszulöschen, bevor sie flohen. 735 Deutsche wurden im La- ger Sonnenburg unmittel- bar vor Einrücken der Al- liierten mit Maschinenge- wehren niedergemäht. 191 * e EOERTZ 6 Ess zu nn masse »un% Ungefähr 25 Millionen Soldaten fielen im Hitlerkrieg an allen Fronten, davon allein 6 Millionen sowjetische und 3,5 Millionen deutsche Soldaten. Etwa 24 Millionen Opfer zählte die Zivilbevölkerung in Europa. Unbezifferbar bleiben die materiellen und kulturellen Verluste, unaussprechbar das menschliche Leid. Für Adolf Hitler und das Unglück, das er und die Kräfte, die hinter ihm standen, über die Menschheit brachten, gibt es kein Beispiel in der Geschichte. Nachwort Mit diesem Bildbuch— nach dem Film"Mein Kampf” von Erwin Leiser— ist der Versuch unter- nommen worden, ein düsteres Kapitel deutscher Geschichte überschaubar darzustellen. Die meisten der Fotos entstammen dem Film. Einige sind, der besseren Bildwiedergabe wegen, gegen entsprechende Fotos aus Archiven ausgewechselt worden. In der stofflichen Gliederung wie im Text lehnt sich das Buch an das Drehbuch des Films an. Die Absicht des Buches ist es, die Geschehnisse der Jahre 1933 bis 1945 und ihrer Vorgeschichte nicht allein aus der Person Adolf Hitlers und einiger seiner Mitverschwörer heraus zu erklären. Zwar trifft das verhängnisvolle Wort“Männer machen Geschichte” äusserlich kaum auf eine andere Figur der politischen Weltbühne zu wie auf Adolf Hitler. Jedoch würden wir uns mit dieser Methode einer ungenügenden, leichtfertigen, ja gefährlichen Geschichtsbetrachtung schuldig machen. Den Masstab“Männer machen Geschichte” an Hitler anlegen zu wollen, würde die Hintergründe unaufgedeckt lassen, die Hitler die Möglichkeit gaben, die Geschicke der halben Welt eine grausame Zeit lang zu bestimmen. Es ist in diesem Buch vielmehr versucht worden, die 195 vielfältigen geschichtlichen und ökonomischen Wur- die zeln blosszulegen, die im damaligen Deutschland ger und Europa einem Mann wie Adolf Hitler den Weg jed zur Macht bahnten. Es wurde also versucht, die po- Ay litische Krankheit der Zeit anzudeuten, die diesen 2g krankhaften Mann gebar und gross machte— krank- Ge haft, gemessen an den Trümmen jeglicher Art, die Zu er hinterliess. die ma Eine solche Betrachtungsweise der Hitlerschen Ära# bedeutet keinen Freispruch— für niemanden. We- der für die Mehrzahl der Deutschen, die in ihrer po- Mn litischen Unwissenheit und Kritiklosigkeit diesem he dämonischen Mann jubelnd nachmarschierten, noch n für die Mächte und Kräfte ausserhalb Deutschlands, die Hitler nicht rechtzeitig in ihre Schranken ver- wiesen, die ihn teils duldeten, ja teils mit ihm koo- perierten und damit den inneren und äusseren Wi- derstand gegen Hitler lähmten. Dabei hatte es Hitler der ganzen Welt bereits in seinem 1925 erschiene- nen Buch“Mein Kampf” schriftlich gegeben, was er anrichten würde, wenn er erst zur Macht gelangt wäre. un Zurück bleibt die Frage, die den ganzen Leiserschen Film durchzieht und in der auch unser Büchlein ausklingt: Wie können wir verhindern, dass so etwas wiedergeschieht? Haben die Mächte, die Hitler schliesslich vernichteten, die politischen Verhält- nisse so geordnet, dass eine Wiederholung Hitlers unmöglich gemacht ist? "Nichts, was zu diesem Krieg geführt hat, ist durch diesen Krieg überwunden worden.” An dieses Wort des antifaschistischen deutschen Schriftstellers und Friedensnobelpreis-Trägers Carl von Ossietzky(1938 an den Folgen seiner Haft in einem Nazi-Konzentra- tionslager gestorben) sei erinnert, wenn wir heute 196 hen Wur- utschland den Weg }, die po- ie diesen — krank- Art, die chen Ara den. We- ihrer po: t diesem ten, noch tschlands, nken ver- ihm koo- seren Wi- es Hitler arschiene- ben, was ıt gelangt siserschen Büchlein so etwas jie Hitler Verhält- ng Hitlers ist durch eses Wort Jlors UN a(1998 Konzenträ” wir heute | die weltpolitische Lage überblicken. Es wurde 1919 geschrieben und galt dem ersten Weltkrieg. Möge jeder einzelne von uns dieses Wort Ossietzkys in seiner täglichen politischen Entscheidung beher- zigen. Dazu gehört die Beschäftigung mit der Geschichte. Diese Beschäftigung bringt Einsicht in die Zusammenhänge unseres gemeinsamen Lebens auf dieser gemeinsamen Erde. Mag solche Einsicht manchmal auch bitter und unbequem sein. Es sagt nichts gegen ihre Notwendigkeit. Politiker oder Wähler— an jedem einzelnen liegt es, dass sich das Ungeheuer Hitler und seine unge- heverliche Zeit nicht wiederholen. Erst wenn jeder einzelne das begriffen hat, werden die Opfer, die unsäglichen, nicht umsonst gebracht worden sein. .1889 -1913 -1914 -1918 191 .1920 .1920 .1921 .1923 .1923 .1924 .1924 1925 1925 .1929 .9.1930 2.1992 Zeittafel des Nationalsozialismus Adolf Hitler in Braunau am Inn geboren Hitler in Wien Hitler in München Hitler nimmt am ersten Weltkrieg teil Hitler tritt der Deutschen Arbeiterpartei bei Verkündung des 25- Punkte- Programms der NSDAP Gründung der NSDAP Gründung der Sturm-Abteilung(SA) Missglückter Putsch in München Verbot der NSDAP Verurteilung Hitlers zu 5 Jahren Fe- stungshaft Vorzeitige Entlassung Hitlers Wiedergründung der NSDAP- Ausbau der Organisationen Gründung der Schutz-Staffeln(SS) Heinrich Himmler Reichsführer SS- Dr. Joseph Goebbels Reichspropagandaleiter. Anstieg der NSDAP von 12 auf 107 Man- date bei den Reichstagswahlen Hitler wird deutscher Staatsbürger ER > BER n geboren eg teil rpartei bei Programms (SA) 1 Jahren fe- ausbau der 55) 2 Dr. jandaleier ‚ 107 Mat ger 13.3. und 10.4.1932 13.4.1932 14.6.1932 31.7.1932 13.8.1932 6.11.1932 1.6.1932 8.121932 4.1.1933 30.1.1933 27.2.1933 5.3.1933 24.3.1933 1.4.1933 10.5.1933 2.5.1933 14.7.1933 20.7.1933 22.9.1933 4.10.1933 19.10.1933 30.6.1934 Hitler unterliegt Hindenburg in zwei Wahlgängen als Kandidat für die Reichs- präsidentschaft Verbot von SA und SS Aufhebung des Verbots NSDAP erringt in den Reichstagswahlen 230 Mandate von insgesamt 608 Sitzen Hindenburg lehnt Hitler als Reichskanz- ler ab Rückgang der NSDAP bei den Reichs- tagswahlen auf 196 Mandate Franz von Papen löst Heinrich Brüning als Reichskanzler ab General von Schleicher wird neuer Reichs- kanzler Franz von Papen und Hitler führen im Haus von Bankier Schröder in Köln Be- sprechungen über eine neue Regierung, die Unterstützung durch die Industrie findet Hindenburg beruft Hitler zum Reichskanz- ler Brand des Reichstagsgebäudes Letzte Reichstagswahlen mit mehreren Par- teien, NSDAP 288 Sitze oder 44 Prozent Ermächtigungsgesetz, KPD von der Ab- stimmung im Reichstag ausgeschlossen, So- zialdemokraten stimmen dagegen, alle an- deren Parteien unterstützen den Antrag Boykott jüdischer Geschäfte in Deutschland Öffentliche Bücherverbrennungen Verbot der Gewerkschaften Gesetz gegen die Neubildung von Par- teien, NSDAP wird zur alleinigen Partei erklärt Abschluss des Reichskonkordats mit dem Vatikan, erster und wichtiger AEUReL tischer Erfolg Hitlers Reichskulturkammergesetz Schriftleitergesetz, Hitler bestimmt, wer schreiben darf Deutschland tritt aus dem Völkerbund aus Mordaktion gegen politische Gegner durch die SS und die Geheime Staatspolizei 20.7.1934 2.8.1934 24.10.1934 16.3.1935 15.9.1935 7.3.1936 25.11.1936 6.11.1937 4.2.1938 13.3.1938 29.9.1938 9.11.1938 15.3.1939 1IE19S9, 3.9.1939 1.10.1939 9.4.1940 30.4.1940 10.5.1940 22.6.1940 22.6.1941 31.7.1941 11.12.1941 200 Die SS wird eine selbständige Organi- sation Reichspräsident Hindenburg stirbt. Hitler Nachfolger als“Führer und Reichskanz- ler.” Vereidigung der Wehrmacht auf die Person Hitlers Reichsverordnung über die Bildung der "Deutschen Arbeitsfront” Wiedereinführung der allgemeinen Wehr- pflicht Verkündung der"Nürnberger Rassenge- setze‘ auf dem Reichsparteitag der Frei- heit in Nürnberg Besetzung der entmilitarisierten Rhein- landzone Antikominternpakt zwischen Deutschland und Japan Italien tritt dem Antikominternpakt bei Hitler übernimmt die Führung des Ober- kommandos der Wehrmacht Anschluss Österreichs Konferenz in München, Anschluss des Su- detenlandes Grosser Judenpogrom in Deutschland (“Reichskristallnacht”) Einmarsch deutscher Truppen in der Tsche- choslowakei. Beginn des deutschen Angriffs auf Polen Kriegserklärung der Westmächte an Deutschland Ende des polnischen Widerstandes Deutscher Überfall auf Dänemark und Nor- wegen Erstes polnisches Ghetto in Lodz einge- richtet Deutscher Angriff auf Holland, Belgien, Frankreich und Luxemburg Abschluss des deutsch-französischen Waf- fenstillstandes Beginn des deutschen Angriffs auf die Sowjetunion Göring beauftragt Heydrich mit der Eva- kuierung aller europäischen Juden Kriegserklärung Deutschlands an die USA BUL sel DIE FRA fing HAN don HEI: Hirt \ HOr 193 MEI: Hitlı PoL Jud und Reıy Ros 195 ge Organi- tirbt, Hitler Reichskanz- acht auf die ildung der 3inen Wehr- r Rassenge- ag der Frei- rten Rhein- Deutschland pakt bei 7 des Ober- ıluss des SU- Deutschland in der Tsche- fs auf Polen Imächte an andes ark und Nor- Lodz einge" ınd, Belgien, gischen Wat- is auf die mit der Ev? Juden ‚an die iu 20.1.1942 Konferenz über die Endlösung der Juden- frage in Berlin-Wannsee 31.1.1943 Ende der Schlacht um Stalingrad- Wende des Krieges 16.2.1943 Himmler ordnet die Liquidierung des War- schauer Ghettos an 6.6.1944 Invasion der Alliierten in Frankreich 20.7.1944 Attentats- und Staatsstreichversuch gegen Hitler 30.4.1945 Selbstmord Hitlers in Berlin 9.5.1945 Bedingungslose Kapitulation Deutschlands Als Quellen wurden u. a. benutzt BULLOCK, Alan: Hitler- Eine Studie über Tyrannei(Düs- seldorf 1960) DIETRICH, Otto: 12 Jahre mit Hitler(München 1955) FRANK, Hans: Im Angesicht des Galgens(München-Gräfel- fing 1953) HANFSTAENGL, Ernst: Hitler, The Missing Years(Lon- don 1957) HEIBER, Helmut: Adolf Hitler(Berlin 1960) HITLER, Adolf: Mein Kampf(München 1925) HOFER, Walther: Der Nationalsozialismus- Dokumente 1933-1945(Frankfurt 1957) MEISSNER, Otto: Staatssekretär unter Ebert, Hindenburg, Hitler(Hamburg 1950) POLIAKOV, Leo, und WULF, Josef: Das Dritte Reich und die Juden, Das Dritte Reich und seine Denker(Berlin 1955 und 1959) REITLINGER, Gerald: Die Endlösung(Berlin 1956) ROSENBERG, Alfred: Letzte Aufzeichnungen(Göttingen 1955) 201 > x» EN 202 Bücher zur Geschichte Fischer Bücherei Geschichte Das Fischer Lexikon Band 24 Herausgegeben von Waldemar Besson Das Geschichtsbuch Von den Anfängen bis zur Gegenwart Von Johannes Hartmann. Band 73 Die Geschichte unserer Welt Von H.G. Wells. Herausgegeben von Otto Mandl. Band 294(Gbd.) Die Gestaltung des Abendlandes Von Christopher Dawson. Band 381 Die Griechen Von H.D.F.Kitto. Band 356 Zarathustra und Alexander Von Franz Altheim. Band 329 Plutarch Auswahl und Einleitung von Konrat Ziegler. Band 165 Alexis de Tocqueville Über die Demokratie in Amerika Eingeleitet und herausgegeben von J.P. Mayer Band 138 Krieg und Kultur Der Militarismus im Leben der Völker Von Arnold J. Toynbee. Band 235 Bilder aus der Vergangenheit Von Carl J. Burckhardt. Band 122 Große Zeitgenossen Von Winston S. Churchill. Übersetzung und Nach- x wort von Peter de Mendelssohn. Band 272 X» Otto Mandl. Jler. Band 165 2, Mayer Zeitgeschichte und Politik Deutschland und die Weltpolitik im 20. Jahrhundert Von Ludwig Dehio. Band 352 Deutsche Geschichte 1919-1945 Von Golo Mann. Band 387 Der Nationalsozialismus Dokumente 1933-1945. Herausgegeben und kom- mentiert von Walther Hofer. Band 172(Gbd.) Die Entfesselung des zweiten Weltkrieges Eine Studie über die internationalen Beziehungen im Sommer 1939. Mit Dokumenten. Von Walther Hofer. Band 323(Gbd.) Medizin ohne Menschlichkeit Dokumente des Nürnberger Ärzteprozesses. Herausgegeben und kommentiert von Alexander Mitscherlich und Fred Mielke. Band 332(Gbd.) Die Zerstörung der deutschen Politik Dokumente 1871-1933. Herausgegeben, eingeleitet und kommentiert von Harry Pross. Band 264(Gbd.) Proklamationen der Freiheit Dokumente von der Magna Charta bis zum ungari- schen Volksaufstand. Herausgegeben und kommen- tiert von Janko Musulin. Band 283 Die deutsche Opposition gegen Hitler Von Hans Rothfels. Band 198 Offiziere gegen Hitler Von Fabian von Schlabrendorff. Band 305 Nürnberger Tagebuch Gespräche mit den Angeklagten. Von G.M. Gilbert. Band 447/448 Mein Kampf Bilddokumentation nach Erwin Leisers Film. Band 411 Fischer Bücherei 203 Fischer Bücherei Louis Bromfield Wilhelm Treue Stefan Zweig Primo Levi Sigmund Freud Carl Zuckmayer Reinhold Schneider William Faulkner J. v. Guenther(Hrsg.) Martin Buber Sigmund Freud Kathryn Hulme Jean Cayrol Arthur Miller Arthur Schnitzler Adolph von Knigge Daphne du Maurier Joseph Hayes Hugo von Hofmannsthal Ivo Andrid . Achim von Borries 440 Willa Cather 24 Stunden Roman Kulturgeschichte des Alltags Drei Dichter ihres Lebens Casanova, Stendhal, Tolstoi Ist das ein Mensch? Erlebnisbericht Drei Abhandlungen zur Sexualtheorie Der Hauptmann von Köpenick Komödie Die silberne Ampel- Roman Der Strom Roman Russische Gespenstergeschichten Das Buch der Preisungen Die Traumdeutung Geschichte einer Nonne Roman Der Umzug Roman Blick von der Brücke. Erinnerung an zwei Montage Zwei Dramen Therese Roman Über den Umgang mit Menschen Das Alibi Novellen Die Stunden nach Mitternacht Roman Der Rosenkavalier Die Brücke über die Drina Roman Selbstzeugnisse des deutschen Juden- tums 1870-1945 Originalausgabe Die Frau, die sich verlor Roman 447/8. G.M. Gilbert 449. Hermann Broch WA 62 G. Fochler-Hauke(Hrsg.) Nürnberger Tagebuch. Dtsch. Erstausgabe Die Heimkehr. Prosa und Lyrik Der Fischer Weltalmanach 1962 Demnächst erscheinen Blumen für Shiner Roman Mrs. Stone und ihr römischer Frühling Roman Italien erzählt Originalausgabe Amerikafahrt Erasmus von Rotterdam— Auswahl Originalausgabe Narziß und Goldmund Erzählung Treffpunkt Jüngstes Gericht Roman Der Gehilfe Roman Katharina Knie Die Welt der Slawen Il Russen. Weißrussen. Das Atelier Liebe unter Kannibalen Roman Der kleine Herr Friedemann Der Hof Theotime Roman Die Etrusker 442. Richard Liewellyn 443. Tennessee Williams 444. Hanna Kiel(Hrsg.) 445. Wolfgang Koeppen 446. Friedrich Heer(Hrsg.) 450. Hermann Hesse 451. Petru Dumitriu 452. Martin Walser 453. Carl Zuckmayer 454. Hans Kohn(Hrsg.) Ukrainer 455. Klaus Wagenbach(Hrsg.) 456. Wright Morris 457. Thomas Mann 458. Henri Bosco 459. Massimo Pallottino Jeder Band DM 2.40/ Großbände(x) DM 3.60/ Doppelbände DM 4.80 Zu beziehen durch jede Buchhandlung an Erstausgabe k 2 Frühling Romel e wahl ıng oman Das gute Buch für jedermann Dieses Buch dokumentiert in authentischen Bildern das Leben Adolf Hitlers, seinen Weg vom Weimarer Parteipolitiker zum Diktator Deutschlands und Vernichter Europas den äußeren Glanz und den infernalischen Terror Hitlerscher Macht die Scheinblüte und den Untergang des»Großdeutschen Reiches: FISCHER BUCHER --— nm Te———— Colour& Grey Control Chart Green Yellow Red Magenta