F.W. Eoerster. Die jüdische Frage es h Y[6 Sl 'F Fi rn IE#1 I 1 Br:| 1. 5 | | UB GIESSEN | SREINIEINIE HENRI NEN HN NIMM NN 27 O1>78 Fran Tho August Reinholk | Werner B Si I. Pieper- Joachi Wilhelm HERDER Douglas Hyde Romano Guardini Frangois Mauriac Thomas Urban August Strindberg Reinhold Schneider Pius XIl. J. P. Michael Karl Schütte Karl Färber Werner Bergengruen Sigrid Undset Max Picard C.S. Lewis J. Pieper—H. Raskop Joachim Bodamer Wilhelm Hausenstein G.K. Chesterton Dr. med. Georg Volk Joseph Roth Wladimir Solowjew Johannes Urzidil Karl Rahner Peter Dörfler Alfred Delp d Graham Greene Edward J. Flanagan Lothar Schreyer BÜUCHEREI Anders als ich glaubte Vom Geist der Liturgie Edith Stein— eine große Frau unseres Jahrhunderts Natterngezücht, Roman Herders Kleine Weltgeschichte Die Leute auf Hemsö, Roman Die Rose des Königs, Erzählungen Von der Einheit der Welt Herausgegeben von Karlheinz Schmidthüs Christen suchen Eine Kirche Die Weltraumfahrt hat begonnen Heilige sind anders Römisches Erinnerungsbuch Herders Kleines philosophischesWörterbuch Frau Hjelde, Roman Die Flucht vor Gott Dienstanweisung für einen Unterteufel Christenfibel Der Mensch ohne Ich Die Masken des Komikers Karl Valentin Skandal um Pater Brown Arznei für Leib und Seele Hiob, Roman Übermensch und Antichrist Die verlorene Geliebte Von der Not und dem Segen des Gebetes Die Lampe der törichten Jungfrau, Roman Im Angesicht des Todes Vom Paradox des Christentums Verstehe ich meinen Jungen und erziehe ich ihn richtig? Agnes und die Söhne der Wölfin, Roman R. N. Carew Hunt “ Helmut Berve Werner Pank Evelyn Waugh Heinrich Scharp Alfred Döblin Reinhold Schneider Josef Reding Gunnar Gunnarsson Josef Leitgeb G.K. Chesterion Fr. Wilh. Foerster k Demnächst erscheinen: \ Georg Bernanos Hubert Jedin C.S. Lewis Bruce Marshall Karlheinz Schmidthüs Herausgeber C.S. Lewis Dünndruckausgaben Volks-Schott Neues Testament Nachfolge Christi BL ERRE-DIE.URS CB 35 36 37 38 39 40 4 42 43 uu 46 47 55 48 51 49 50 45 52 D1 D2 D3 AS-EE Wörterbuch des kommunistischen Jargons Aufrichtige Erzählungen eines russischen Pilgers Griechische Frühzeit Der Hunger in der Welt Helena, Roman| Wie die Kirche regiert wird Der unsterbliche Mensch Verhüllter Tag Friedland Die Leute auf Borg, Roman Kinderlegende, Roman Der heilige Franziskus von Assisi Die jüdische Frage Die begnadete Angst Kleine Konziliengeschichte Christentum schlechthin Die rote Donau, Roman Lob der Schöpfung und Ärgernis der Zeit Moderne christliche Dichtung Perelandra oder Der Sündenfall findet nicht stait, Roman der„Herder-Bücherei‘‘ bieten wesentliches Gebets- und Glaubensgut der Kirche. Flexibler Kunststoffeinband, Taschenbuchpreis. (Für Österreich: Verlag Herder, Wien) 272 Seiten. Enthält alle Messen für Sonn- und| Feiertage in Deutsch und einen Gebetsanhang. 340 Seiten. 3., verbesserte und in den Anmerkungen erweiterte Auflage mit neugestalteten Einleitungen und einem Evangelienschlüssel. von Thomas von Kempen, ca. 280 Seiten, in der Übersetzung von Bischof Joh. Michael Sailer, neu- bearbeitet von Hubert Schiel. Erscheint im Herbst 1959 FRELEBURG WIEN EIEIR: DER BUÜCHFREI Jargons BAND 55 der Zeit - und nhang- imerkungen sel. ten, in der ;ailer, neV* Herbst 195? LEN Der Weg des jüdischen Volkes steht in der Geschichte einmalig da. In diesem Band will Friedrich Wilhelm Foerster die großen geistigen Hintergründe der jüdischen Geschichte darstellen und die weltweite Bedeutung des geheimnisvollen Eingreifens der Vorsehung in den Ab- lauf seiner Geschichte begreiflich machen. In einer gründ- lichen Auseinandersetzung mit dem jüdischen Problem werden die einzigartige Sendung und die kulturellen Leistungen des jüdischen Volkes in der Weltgeschichte aufgezeigt. Seine Sendung hat dieses ganz auf ein„Leben von oben“ ausgerichtete Volk in unüberwindbare Gegensätze zu weltlicher Politik getrieben, unter denen es seit Jahr- tausenden zu leiden hat. Dennoch ist es unter un- sagbaren Existenz- und Blutopfern seiner religiösen Be- rufung und seinem Genius treu geblieben. Hier liegt die Größe seines Schicksals. Dieser Band ist der Aufruf eines Ethikers an die gesamte Kulturwelt, diesem Volk die gebührende Stellung einzu- räumen, die ihm auf Grund seiner Sendung seit jeher zukam und auf Grund der Bewährung seiner Sendung’ heute noch zukommt. D! ERTEDRITEHENZILEHEEM EOEFRSTER BHETUDISCHE FRAGE (D FIRR DER BÜ@ELE RET Heike Duill Marianne Gross Breidensteiner Weg 74 60489 Frankfurt Tel. 069/7893368 Originalausgabe erstmals veröffentlicht als Herder-Taschenbuch Li.‘ PR Dr} ı Univ.-Di | Giessen “ — Alle Rechte vorbehalten— Printed in Germany © Verlag Herder KG, Freiburg im Breisgau 1959 HERDER BASEL FREIBURG WIEN Herder Druck Freiburg im Breisgau 1959 (Satz bei Konkordia AG, Bühl/Baden) Der falsch schichte ge Weltkriege zu kulmin; falsche, ve Volk diese volle Polit lich einen geistig-sitt Haltung,: Erfolg ode Gehalt. Sc strophe de aus ihnen Der gei: Nierte nich brechen, d em natio den und d halb in se, dem Ausn guthieß x Einsicht jr gleichsam setzung, d erwächst, Es ist( Geburtstag Iteweg se Der und a Mit der\ Frage chr die, Noch VORWORT DES VERLAGES Der falsche Weg, den das deutsche Volk in seiner neuesten Ge- schichte gegangen ist und der es in die Katastrophe des zweiten Weltkrieges hineingeführt hat, scheint in eben dieser Katastrophe zu kulminieren. Aber er war nicht nur deshalb falsch, weil eine falsche, vermessene, die Realitäten nicht achtende Politik das Volk diesen Weg geführt hätte; diese falsche und verhängnis- volle Politik war nur deswegen möglich, weil es geistig und sitt- lich einen Irrweg eingeschlagen hatte. Jedem Handeln liegen geistig-sittliche Entscheidungen voraus; sie formen die innere Haltung, aus der das Handeln kommt, über dessen Wert nicht Erfolg oderMißerfolg entscheidet, sondern sein innerer sittlicher Gehalt. So kann das Scheitern des falschen Handelns, die Kata- strophe der Politik eine Gnade sein, wenn Einsicht und Umkehr aus ihnen hervorgehen. Der geistig-sittliche Irrweg des deutschen Volkes aber kulmi- nierte nicht in der Katastrophe der Politik, sondern in den Ver- brechen, die in seinem Namen und von seinen Gliedern unter dem nationalsozialistischen Regime an den Juden verübt wur- den und die es, von falschen Idolen in Bann geschlagen und des- halb in seiner Einsicht und seinem Willen gelähmt,—ob nun von dem Ausmaß ihrer Abscheulichkeit wissend oder unwissend— guthieß oder zuließ. Die Einsicht in diesen Zusammenhang, die Einsicht in seine Schuld, die sich in seiner Schuld an den Juden gleichsam grausig zusammengeballt hat, ist auch die Voraus- setzung, daß ihm aus der Katastrophe die Gnade der Umkehr erwächst. Es ist deshalb angemessen, daß der Verlag den neunzigsten Geburtstag des Mannes, der ein ganzes Menschenleben lang den Irrweg seines Volkes als Lehrer, als Mahner, als eifernder War- ner und als unerbittlicher Kämpfer bekämpft und gegeißelt hat, mit der Veröffentlichung dieses seines Buches über die jüdische Frage ehrt. Es handelt von dem Herzstück der deutschen Tragö- die. Noch einmal nimmt Friedrich Wilhelm Foerster darin seine 7 lebenslange Mission wahr, Einsicht und Umkehr in den tieferen Schichten des deutschen Geistes zu wecken. Der geschichtliche Schwerpunkt der jüdischen Frage besteht darin, daß dieses Volk der Juden von Gott auserwählt und be- rufen war, inmitten der Völkerwelt die Absolutheit der Herr- schaft Gottes über seine Schöpfung zu bezeugen, damit in ihm einmal das Wunder seiner Erlösungstat geschehen könne. Diese Auserwähltheit und die mit ihr verbundene Verheißung bleiben ihm, nach den Worten des Apostels Paulus, bis ans Ende der Welt, wenn es heimgeholt werden wird. Es ist das einzige Volk der Welt, dem verheißen wurde, daß es bis zum Ende von den Stürmen der Geschichte nicht vernichtet werden wird(nur die Kirche, das Neue Israel, ist noch im Besitz derselben Verheißung). Das hat nichts mit seinem Charakter, seiner Begabung, seiner Größe, seinem Adel zu tun, es beruht auf einer freien Gnaden- wahl Gottes, so wie ja auch die Kirche nicht ehrwürdig und liebenswert ist, weil ihre Glieder, die Christen, besonders edel und liebenswert wären, sondern weil der Herr sie gestiftet hat und in ihr lebt, damit durch sie die Menschen seiner Gnaden teil- haftig werden bis ans Ende der Welt. Man darf freilich auch die Freiheit der Gnadenwahl Gottes nicht so ins Absurde übertrei- ben, als ob sie keinerlei Voraussetzungen in der Natur habe— nur weil sie ihrer nicht bedürfe— und ebenso keine Wirkungen auf die Natur; als ob Gott die Juden erwählt habe, weil sie die- serErwählung am wenigsten wert seien,und als ob seinHandeln mit ihnen sie nicht in besonderer Weise geformt hätte. Foersters Buch mag auch dazu dienen, eine solche Übertreibung zurückzu- weisen, die sich nicht selten bei Christen findet, die damit dem instinktiven Haß des natürlichen Menschen gegen eine aus Got- tes freier Gnadenwahl erfolgte übernatürliche Berufung, die ob- jektiv zweifellos ohne natürlichen Grund ist, nur ein zusätzliches Motiv geben. Auf jeden Fall aber ist das geschichtliche Schicksal der Juden dadurch bestimmt, daß sie bis ans Ende der Welt schon durch ihre Existenz Zeugnis geben von dem Absolutheitsanspruch der Herrschaft Gottes über seine Geschöpfe und schon in ihrer Exi- stenz einen Widerspruch bilden gegen alle Versuche, irdische Werte, Güter, Gebilde zu verabsolutieren, einen Widerspruch gegen alle fremden„Götter“. Wo immer in der Geschichte der Versuch gemacht wird, den Menschen solche Verabsolutierungen als Gestaltungsprinzipien ihrer Gemeinschaften aufzunötigen, wenden sich die Machthaber in kurzer Zeit gegen die in ihrem 8 Bereich Jeb totalitäres verfolgung die ihre W rigeren W jüdische E: über toler: theoretisch Wesen nac tiefsten G! lichen, nid die unend| die nur du den kann, verbunden folgung u Abgrund, des schred Es ist de Foerster, oben“, vo, stenz- und der Gesch; einer solch der dem, nis nicht z eröffnet wy logen, die ner Form) der jüdise stellungen Angreifba darauf ge ten Ausb; 5 Ist viel ethischer, Stehen Jer Welt und ÜUrzer 7, sehr böse ieferen besteht nd be- Herr- in ihm . Diese pleiben de der e Volk on den nur die ißung). , seiner ‚naden- ig und rs edel tet hat len teil- ‚uch die bertrei- habe— ‚kungen sie die- Jandeln oersters rückzu- nit dem us Got- ‚die ob- irzliches r Juden n durch uch der rer Exi- irdische ersprÜ chre der jerunge! ‚nötigeh, in ihrem Bereich lebenden Juden. Kein Nationalismus, kein totales oder totalitäres System kann auf die Dauer ohne gewaltsame Juden- verfolgungen bleiben. Keine Ideologie mit Glaubenscharakter, die ihre Werte absolut setzt und das Höhere und Höchste nied- rigeren Werten und Zwecken unterwirft, kann dem durch die jüdische Existenz bezeugten Absolutheitsanspruch Gottes gegen- über tolerant sein. Aber auch die diffusen Ideologien eines nicht theoretischen, sondern praktischen Materialismus stecken ihrem Wesen nach voll eines geheimen Judenhasses. Hier ist einer der tiefsten Gründe für die Fremdheit des Juden in jeder natür- lichen, nicht religiös durchformten Gemeinschaft, eine Fremdheit, die unendliche Leiden über das jüdische Volk gebracht hat und die nur durch die brüderliche Liebe derjenigen aufgehoben wer- den kann, die sich mit ihnen als die Kinder des einen Vaters verbunden wissen. Aber auch die Abgründigkeit der Judenver- folgung und des Judenhasses wird von hier aus klar— jener Abgrund, der sich für das deutsche Volk unter der Herrschaft des schrecklichen Dritten Reiches geöffnet hatte. Es ist der leitende Gedanke dieses Buches von Friedrich Wilhelm Foerster, diese einzigartige jüdische Sendung, ein„Leben von oben“, vorzuleben als die eigentümliche, immer wieder mit Exi- stenz- und Blutopfern erkaufle Leistung des jüdischen Volkes in der Geschichte der Kulturen aufzuzeigen und die Bedingungen einer solchen Existenz zu erhellen, und zwar so, daß auch dem, der dem„Mysterium Israels“ in seinem theologischen Verständ- nis nicht zu folgen bereit ist, ein Verständnis des jüdischen Genius eröffnet wird. Foerster spricht nicht als Theologe, und die Theo- logen, die katholischen wie die evangelischen, werden einige sei- ner Formulierungen, etwa die in dem Kapitel über„die Größe der jüdischen Geschichte“, wenig genau und einige seiner Auf- stellungen, vor allem die in der Schlußbetrachtung des Buches, angreifbar finden. Der katholische wie evangelische Leser möge darauf gefaßt sein. Das Buch ist aber auch trotz der ausgedehn- ten Ausbreitung historischen Materials kein historisches Werk, es ist vielmehr das Buch eines Ethikers, und sein Anruf ist ein ethischer, daß wir dem jüdischen Volke etwas schulden und ver- stehen lernen müssen, was wir ihm schulden— die ganze Kultur- welt und vor allem die Deutschen, die ihm gegenüber vor so kurzer Zeit noch nicht nur durch Unterlassung, sondern durch sehr böse Taten schuldig geworden sind. Vorwort Einleitung Was verda) Die jüdisch, Die geistige Das Volk Der Einb Der Sinn Cäsaren Der Dra: Das unge Solowiew i Die geist Ein pers Die Schrect Die Ausein ba tschafl Der deutsc DasVolkg Weltges: Störung| Vielseir, Jüdische Zwei T, Der Jud Ärierty Stimmt e INHALT Vorwort Einleitung. Was verdankt die menschliche Kultur dem jüdischen Volke?. Die jüdische Tragödie. Die geistige Größe der jüdischen Geschichte Das Volk Gottes. Der Einbruch des Eöhtlichen Bee in Sie a Der Sinn des jüdischen ie gegen die Vergöttlichung der Cäsaren. 2 A Der Drang der Köpfung zum Schöpfer. Das eve Mißverständnis. Solowiew über Körper und Geist in der jüdischen Religion Die geistige Bedeutung körperlicher Übungen. Ein persönliches Erlebnis. Die Schrecken der„Heiligen Geschichte“ Die Auseinandersetzung Jerusalems mit seiner heidnischen Nach- barschafl; Judentum und a;;; „Griechischer Reichtum“ und de I, Rom und Jerusalem. Der deutsche Jude und der deutsche Nationalismus. Das Volk Gottes und seine Rolle in unserer materiellen Zivilisation Weltgeschichtliche und weltwirtschaftlihe Folgen der Zer- störung Jerusalems;, Mielseitigkeit des laden Becalelebens:} Jüdisches Bankgeschäft und jüdischer Wucher. Zwei Typen des modernen ökonomischen Judentums Der Jude Shylock und sein christlicher Schuldner. Ariertum und Semitentum sind zu gegenseitiger Ergänzung be- stimmt Seite 13 15 17 20 24 24 25 31 33 35 41 4 42 44 46 46 48 49 51 54 54 55 57 64 67 69 11 Antisemitismus und Christentum Die Märtyrergeschichte des jüdischen Volkes Vorbemerkung: Allgemeine Übersicht Was die Juden während der ae zu Krkıden Me Die asiatische Pest und das europäische Judentum Das jüdische Schicksal in Spanien und Portugal Die maurisch-jüdische Kulturepoche ß Die Epoche des jüdischen Martyriums in a Das furchtbare Schicksal der Marranen k Das Schicksal der Juden in Portugal; Das spanische Judentum muß nach dem a Achten: Neuorientierung des geflüchteten Judentums Zurück zum europäischen Schicksal des We Einleitung. Die wachsende Vertoleuns ne Tone: in Eine Kaiser, Könige und Fürsten entrechten das jüdische Volk. Judenverfolgung unter dem Vorwand der Hostienschändung. MD enverfoleune; im slawischen Osten Wesen und Wirksamkeit des jüdischen„Ghetto“ Rassenwahn und ee Vorbemerkung Die Massenv ie in eh Ein einzig dastehendes see in Rulland Jüdische Fehler und ihre weltgeschichtlichen Ursachen Jüdisches Gesetz und jüdische Frömmigkeit. Zur Einführung; Der Talmud und das füdische Sirtengesetz; Das„Buch der Frommen“ und der Ohzeidiane Eine psychologische Feststellung. Schlußbetrachtung und Schlußfolgerung. el Zum weltgeschichtlichen Rätsel der a Ver- feindung Machiavellis Ne Höhnins den ch Airlellichent Erhik. 78 78 73 80 83 85 85 87 89 90 92 92 93 93 93 96 99 101 104 107 107 109 111 114 118 118 119 127 153 134 134 Das vorlieg zahlreichen| treten, die s fasser könnt oder auch ei leicht noch« der großen| einerseits di Geschichte b materielle ı Eintritts un. Prozeß real fasser die b: von zahlrei. exakt-histor St, einmal ı tatsachen dı N seinem gi ‘ucht hat, modernen] allein von. nommen Dieses Bı net, weil d unlteng Seite 74 78 78 79 80 83 85 85 97 9 2 2 92 9 9 95 9% 99 101 104 , 2307 nd 109 111 1 uam 118 119 127 133 134 134 137 VORWORT Das vorliegende Buch will in keinerlei Wettbewerb mit den zahlreichen historischen, theologischen oder politischen Schriften treten, die sich mit der jüdischen Frage beschäftigen. Der Ver- fasser könnte sein Buch eine„Philosophie der jüdischen Frage“ oder auch eine„Metaphysik des Alten Testamentes“, besser viel- leicht noch eine„Biologie des hebräischen Mysteriums inmitten der großen politischen Völkergeschichte“ nennen. Es werden hier einerseits die erhabenen geistigen Hintergründe der jüdischen Geschichte beleuchtet, andererseits wird die nicht weniger große materielle und anthropologische Bedeutung jenes rätselhaften Eintritts und Eingriffs der oberen Welt in den irdischen Lebens- prozeß realistisch begreiflich gemacht. Hat sich doch der Ver- fasser die besondere Aufgabe gestellt, jenes große Phänomen, das von zahlreichen hochgelehrten Männern vom theologischen oder exakt-historischen Standpunkt behandelt und gedeutet worden ist, einmal von der Lebenswirklichkeit her und von den Grund- tatsachen der Menschennatur aus zu beleuchten, so wie er dies ın seinem gesamten Schrifttum als seine besondere Methode ver- sucht hat, wobei er der Notwendigkeit gehorchte, mit dem modernen Menschen in der realistischen Sprache zu reden, die allein von einem entwurzelten Geschlecht angehört und ernst genommen wird. Dieses Buch ist gerade deshalb dem deutschen Volke gewid- met, weil dasselbe länger und intimer mit dem jüdischen Volke zusammengelebt und zusammengearbeitet hat als alle anderen Völker und ihm gegenüber in schwerere Schuld gefallen ist als irgendein anderes Volk. Doch ist die gründliche Auseinander- setzung mit dem jüdischen Problem eine unabweisbare Aufgabe für alle Völker. Sie alle haben sich zu fragen: Welches Geheim- nis der Vorsehung steht hinter der Tatsache, daß hier ein Volk immer aufs neue durch den rätselhaften und unentrinnbaren An- spruch einer höheren Welt aus der Gewöhnlichkeit des geschicht- lichen Prozesses herausgerissen wird, als sei dieses Geschehen, in 13 dem die anderen Völker restlos und fraglos aufgehen, eine voll- lkommene Nebensache und habe hier hinter einer übergeschicht- lichen Wirklichkeit und Verpflichtung zurückzutreten? Das vorliegende kleine Buch ist nichts als ein bescheidenes Zeugnis persönlichen Dankes für alles, was die Christenheit vom Judentum her erhalten hat, und es ist zugleich der Ausdruck eines Protestes gegen die geradezu fabelhafte Undankbarkeit, mit der ein nur zu großer Teil der nichtjüdischen Menschheit das Judentum behandelt hat. Möge also die vorliegende Schrift als ein Versuch einer geistigen Reparation des dem jüdischen Volke zugefügten unbeschreiblichen Unrechtes(das aber doch einmal beschrieben werden muß) betrachtet werden. Am Schluß dieses Vorwortes gebührt mein aufrichtiger Dank meiner Sekretärin, Frau Helen Mayer, für all die sachverstän- dige und gewissenhafte Durchsicht und Korrektur, die sie seit Jahren meinen Manuskripten hat zuteil werden lassen, was nicht ohne eine ganz besondere Kenntnis der deutschen Sprache und ihrer Stilgesetze möglich gewesen wäre. New York, im Februar 1959 Friedrich Wilhelm Foerster Der Verfa besonders slawischen Freundsch meinschaft Jahrhunde dann in sc Verfasser derung, di kes empfa Volke nid gesamten Wart sein Genius ur hat zwar Priesen, 7 Widerstar oft nur F Und gena teligiöses Tradition sierten W kommt ih te mehr; Ping "res poli allein fa} serecht zı öpfer hen Tes ir alle Y ie Unye durch die ne voll- eschicht- heidenes 1eit vom \usdruck barkeit, heit das hrift als n Volke \ einmal er Dank \verstän- > sie seit was nicht ache und EINLEITUNG Der Verfasser dieser Schrift hat während eines langen Lebens besonders reiche Gelegenheit gehabt, mit dem deutschen, dem slawischen und dem amerikanischen Judentum in persönlicher Freundschaft verbunden zu sein und in kultureller Arbeitsge- meinschaft zusammenzuwirken. Der gegen Ende des letzten Jahrhunderts immer stärker ausbrechende Antisemitismus trat dann in so grellen Widerspruch zu all der Freundschaft, die den Verfasser mit dem Judentum verband, und zu all der Bewun- derung, die er für die ethische Lebensleistung des jüdischen Vol- kes empfand, daß er das nationalistische Verbrechen am jüdischen Volke nicht miterleben konnte, ohne den Vorsatz zu fassen, dem gesamten antisemitischen Treiben in Vergangenheit und Gegen- wart sein Bekenntnis zum unvergleichlichen Werte des jüdischen Genius unzweideutig und anschaulich gegenüberzustellen. Man hat zwar mit Recht gewisse tapfere Christen in Deutschland ge- priesen, weil sie der nationalsozialistischen Diktatur offenen Widerstand zu leisten wagten. Doch das, was sie angriffen, war oft nur Hitlers Kirchenpolitik, aber selten seine Außenpolitik. Und genauso meinen viele heutige Juden, sie hätten zwar ein religiöses Erbgut zu verteidigen, aber das sei nur eine geistige Tradition und sei daher nur dazu da, inmitten einer materiali- sierten Welt der tröstenden Wirklichkeit Gottes zu gedenken. Es kommt ihnen nicht zum Bewußtsein, daß gerade sie— und heu- te mehr als je— dazu berufen sind, ein beiseite geschobenes Patrimonium von neuem in den Mittelpunkt ihres Lebens und ihres politischen Strebens zu stellen, ein Patrimonium, das sie allein fähig machen kann, ihrer gesamten Weltmission wirklich gerecht zu werden— nämlich die von der Gesetzgebung ihres Schöpfers abgefallene Menschheit zu dem ewig gültigen ethi- schen Testament zurückzurufen, in dem die Grundbedingungen für alle wirkliche Ordnung der weltlichen Dinge gegeben sind. Wie unvergleichlich ernst das jüdische Volk Jahrtausende hin- durch diese göttliche Verpflichtung genommen hat, das wird durch 15 die ergreifenden Beispiele veranschaulicht, die in dem Kapitel dieses Buches gesammelt sind, das wir dem jüdischen Märtyrer- tum gewidmet haben. Dieses Märtyrertum, das schon mit dem Kampfe der Makkabäer gegen die griechische Invasion begann, fand dann seine Fortsetzung in dem heroischen Widerstand, den die Juden dem Anspruche der Cäsaren auf religiöse Verehrung entgegensetzten, bis dann etwa im achten Jahrhundert nach Christi Geburt die eigentliche Epoche des jüdischen Märtyrer- tums einsetzte, die bis zum Ende des achtzehnten Jahrhunderts dauerte— mit dem Nazi-Nachtrag von 1935—1945. Ist es nicht ergreifend, zu sehen, wie dem jüdischen Volke durch all seine Schicksale hindurch seine aus der höchsten Wirk- lichkeit kommende Mission durch seine geistigen Führer immer aufs neue verständlich gemacht und ins Gewissen gebrannt wur- de— richtend, strafend und erhebend? Immer wieder wurde ihm klargemacht: Du bist von Gott zu einer bestimmten Auf- gabe berufen und hast darum andere Existenzbedingungen und Existenzverpflichtungen, als es diejenigen der anderen Völker sind. Du mußt die tiefsten geistigen Bedingungen deiner physi- schen Gesundheit, deines Ackerbaus und deiner Fortpflanzung verstehen— du mußt von oben her leben, oder du kannst über- haupt nicht mehr leben. Nur in solchem Sinne kann eine wirk- liche Einleitung in eine grundlegende Betrachtung über das ewige Problem des jüdischen Volkes geschrieben werden. Was ve Großes tektur d dungsm Zweifel lage uns schen G irdische: der vor Frage v entfern: um han Gesamt! im Anfı Inne sten auf tigkeit um die schaft a des Juc ganzen Sie Sapr Mein Sanzen den Erl Staubg: Jüdisch: durch$ für die Es hatı Verdun begriff ı “ Fonrs, Kapitel Irtyrer- it dem A begann, nd, den rehrung rt nach ärtyrer- underts ı Volke n Wirk- ' Immer nt wur- - wurde en Auf- gen und Völker r physi- lanzung st über- 1e wirk- as ewige i Was verdankt die menschliche Kultur dem jüdischen Volke? Großes verdankt die menschliche Kultur der universalen Archi- tektur des römischen Rechtes und nicht weniger Großes der Bil- dungsmacht der griechischen Humanität; aber es kann kein Zweifel darüber bestehen, daß wir die wesentliche geistigeGrund- lage unserer christlichen Zivilisation einzig und allein dem jüdi- schen Genius in allen Auswirkungen und Konsequenzen seiner irdischen Erscheinung verdanken. Das, was wir hier am Eingang der vorliegenden Arbeit zur Beantwortung der oben gestellten Frage vorbringen, kann gewiß dem großen Thema auch nicht entfernt gerecht werden. Es kann sich aber hier für uns nur dar- um handeln, das Allerwesentlichste zu formulieren, damit die Gesamtrichtung unserer Behandlung der jüdischen Frage gleich im Anfang unzweideutig ins Licht gesetzt werde. In neuerer Zeit sind gewiß nicht wenige wohlmeinende Chri- sten aufgestanden, um ihre Glaubensgenossen zu wahrer Gerech- tigkeit gegenüber den unschätzbaren Verdiensten des Judentums um die ethische und geistige Vorbereitung der christlichen Bot- schaft aufzurufen. Nur zu oft aber machen sich solche Verteidiger des Judentums die Aufgabe allzu leicht und scheinen sich der ganzen Schwere des Problems nicht genügend bewußt zu sein. Sie sagen z.B.:„War nicht Christus ein Jude und seine Mutter Maria eine Jüdin?“ Mit solcher Antwort aber wird man der ganzen Größe desGeheimnisses nicht gerecht. Die Vorsehung hat den Erlöser und seine vom Heiligen Geiste gesegnete Mutter im Staubgewand der Menschheit erscheinen lassen und hat dazu die jüdische Rasse erwählt, weil kein anderes Volk in der Welt durch seine Geschichte eine so hochverfeinerte Empfangsstation für die göttliche Wirklichkeit geworden ist wie das jüdische Volk. Es hatte es tausendmal verdient, der Schauplatz der Mensch- werdung Gottes zu werden, auch wenn es das Mysterium nicht begriff und nicht annahm, als dasselbe lebendig in die Geschichte 2 Foerster, Jüdische Frage 17 eintrat. Aber wir dürfen nicht vergessen: Christus war unend- lich mehr als nur der Mensch Jesus, und auch Maria darf nicht einfach nur als„Jüdin“ bezeichnet werden. Solches wird dem Wesentlichen nicht gerecht, denn die Jungfrau Maria war nur die irdische Hülle eines Geheimnisses, das unendlich weit über alles Völkische hinausging, was aber die Bedeutung der Tatsache nicht verhindert, daß Gott das jüdische Volk erwählt hat, um Persönlichkeiten irdische Gestalt zu verleihen, die von der Vor- sehung berufen waren, einem übergeschichtlichen und übernatür- lichen Auftrage zu dienen. So war nichts begreiflicher, als daß die jüdische Geschichte in die übernatürliche Welt einmündete und daß den Psalmen des Königs David und der Weisheit Salo- mons sowie den Propheten derjenige folgte, der da verkündigte: „Mein Reich ist nicht von dieser Welt“, und der doch gekommen war, die sichtbare Welt eben jener unsichtbaren Welt zu unter- werfen, was nur zu viele Christen aller Jahrhunderte vergaßen, als sie dem Wahn verfielen, man dürfe sich Christ nennen und könne dennoch das Irdische getrost der Unterwelt überlassen. In diesem Sinne ist doch die jüdische Geschichte, auch wenn sie, wie die Geschichte aller Völker, von der ganzen Macht des Unhei- ligen erschreckend Zeugnis ablegt, dennoch eine„heilige Ge- schichte“, in der sich die ganze Wirklichkeit der überirdischen Welt überzeugender offenbart hat, als es irgendwoanders geschehen ist. Dieser Tatsache mußte doch selbst die christliche Kunst des Mittelalters immer wieder ergreifenden Ausdruck geben— oder kann man etwa in eine der alten Kathedralen eintreten, ohne am Portal von den berühmtesten Persönlichkeiten jüdischen Stammes„begrüßt“ zu werden? Sie alle blicken den Eintreten- den mit erhabenem Ernste an, als die Siegelbewahrer eines Wun- ders, das sie berührt, erweckt und in eine Welt erhoben hat, in der es nicht mehr Juden noch Griechen, noch Römer gibt, son- dern wo nur noch die Botschaft der Ewigkeit zum Menschen redet.„Unum est necessarium— eines nur ist notwendig.“ Schon Samuel sagte den Juden:„Gehorsam ist besser als Brandopfer.“ Zu solchem Brandopfer aber gehört auch alles das, was man Kultur nennt und was wohlgefällig in Rauchwölkchen zum Himmel steigt— sei es Literatur, Musik, Kunst, Höflichkeit und all das, was zur äußeren Zivilisation gehört und was sicher- lich schon eine erste Überwindung der bloßen Natur bedeutet. All das kann dem wahren Aufstieg des Menschen förderlich sein, vorausgesetzt daß das„unum necessarium“ darüber wacht, denn sonst entartet die Musik, die Literatur wird zu wertloser 18 Unterhal Unterwel stehen dit sehen wit andern ir Darum st ste Gehei trieb unc hat nur ı Wunder: dern wol die Wun ist der so der„Na zu faller hobenen daß ihr r lichen Fü aus den wurde nı sicher geı ment nıc Wunderr nicht vo strahlung Gotteshe Dies j menschli rend- nicht dem r nur über tsache t, um Vor- atür- s daß indete Salo- digte: mmen unter- raßen, n und treten- s Wun- hat, in t, son ;nschen ‘Schon opfer.“ 1s man pn zum lichkeit sicher“ ‚deutet: ch sein, wacht, ertlose! Unterhaltung und die Wissenschaft zu einer Propaganda für die Unterwelt. Über dem Portal der großen Universität in Kairo stehen die Worte:„Chemie ist wichtig, Gott ist wichtiger.“ Und sehen wir nicht etwa heute schon, wie eine Wissenschaft nach der andern in den Dienst einer planmäßigen Selbstzerstörung tritt? Darum steht die erhabene Botschaft der Propheten und das höch- ste Geheimnis, auf das sie hinweist, hoch über allem Bildungs- trieb und allem Bildungsschwindel. Alle künstlerische Kultur hat nur mit den Wundern der Kreatur zu tun und bringt diese Wunder zum höchsten Ausdruck. Aber dicht neben diesen Wun- dern wohnen die Schrecken der Kreatur und warten nur darauf, die Wunder in den Dienst der Schrecken zu stellen. Überhaupt ist der sogenannte„Kulturmensch“ in weit größerer Gefahr als der„Naturmensch“, dem furchtbarsten Mißbrauch zum Opfer zu fallen. Auch für diese besondere Gefahr des kulturell ge- hobenen Menschen ist das Wort gesagt:„Wachet und betet, auf daß ihr nicht in Anfechtung fallet.“ Die Kultur bedarf der gött- lichen Führung noch mehr als die bloße Natur, die unmittelbar aus den Händen des Schöpfers kommt. Denn diese„Natur“ wurde noch nicht durch„Selbstveredelung“ trunken und selbst- sicher gemacht. Und eben darum beschäftigt sich das Alte Testa- ment nicht mit den Wundern der Kreatur, sondern mit den Wundern des Kreators und erwartet den Aufstieg des Menschen nicht von der Selbstbestrahlung, sondern von der Höhenbe- strahlung. Hier liegt der ganze Unterschied zwischen Kultur und Gottesherrschaft. Dies ist unsere Antwort auf die Frage: Was verdankt die menschliche Kultur dem jüdischen Volke? Die jüdische Tragödie Was ist eigentlich das Wesen einer Tragödie? Es besteht nicht etwa nur in einem tödlichen Fehlschlag lauterer Absichten, in furchtbaren Konflikten ohne Lösung und in jeder anderen Art von Unglück und Zusammenbruch. Nein, das wahrhaft Tragische tritt dort in Erscheinung, wo menschliche Größe und aufbauen- der Hochsinn, durch berauschende Erfolge zum Größenwahn, zu rücksichtsloser Ungeduld und zur Zusammenarbeit mit den Mächten der Unterwelt verführt, den ewigen Gerichten verfallen, die dem Geiste bestimmt sind, der von seinem Urquell abfällt und sich selbst verliert, um in der Welt des Scheins und des Augenblickserfolges zu triumphieren. So bestand zum Beispiel die deutsche Tragödie nicht etwa bloß darin, daß das deutsche Volk in beinahe tödliche Katastrophen gerissen wurde als Folge eines organisierten Verbrechens, das aus blindem Machtwahn naturnotwendig ausbrechen mußte. Das Tragische lag vielmehr gerade darin, daß geistige Größe und ein Streben nach Universalität den Kompaß desEwigen verloren und sich den dunkelsten Leidenschaften zur Verfügung stellten, so wie Wotan mit Alberich ging und das Größte dem Kleinsten aus- lieferte. Dies ist gewiß allgemein menschliches Los, zu allen Zei- ten und in allen Völkern, aber es gibt weltgeschichtliche Gipfel- punkte, wo— genauso wie im Leben der Einzelperson— das menschliche Los mit solcher Willenskraft und Logik und mit so bewußter Auflehnung gegen die sittlichen Mächte in Kraft ge- setzt wird, daß der Abfall des Großen in das Kleine, des fausti- schen Strebens in blutige Schuld und schließlich in die Gemein- schaft mit dem kältesten Frevel so erschütternde Gestalt an- nimmt, daß von dorther eine ganz neue Aufklärung über das Rätsel der menschlichen Geschichte ausgeht. Um die Mitte des vorigen Jahrhunderts kündigte der Franzose Edgar Quinet in der„Revue des deux mondes“ jenen deutschen 20 j Absturz ai ‚Abgrund ı "halten.., Beschreibu und Schick Wesen deı den furcht rend sein wurde, so Schuld, nä plan, den waren, die Abfall vo Abfall in: Welt, Das es wünsch nachzuahı immer wi eine solch Unheil fü schaffen ı 'remden] Zielsetzur den, son und verse Die Jude Dienste& ergriffen Misse ab; Meinen d Immer Sc Mus fehlı Politik in Können$ Welt von Verstehen Indien si ind dar den Erfo „jede chen Y Ciner rei ıt nicht ıten, in ren Art ragische fbauen- nwahn, nit den fallen, abfällt ind des wa bloß trophen das aus te, Das und ein ‚ren und 1,50 wie ten aus“ len Zei- | Gipfel- eds d mit 50 araft ge 5 fausti” Gemein“ talt an jber das Franzose jeutschen| Absturz an:„... Dann wird dieses himmlische Jerusalem in den Abgrund rollen, und niemand wird imstande sein, es zurückzu- halten...“ Was ist nun im Lichte einer solchen psychologischen Beschreibung eines weltgeschichtlichen Zusammenspiels von Schuld und Schicksal, von Weite und Enge, von Himmel und Erde das Wesen der jüdischen Tragödie? Sie besteht keineswegs allein in den furchtbaren Schicksalen, von denen das jüdische Volk wäh- rend seines ganzen geschichtlichen Lebensweges heimgesucht wurde, sondern vor allem in einer tiefverborgenen rätselhaften Schuld, nämlich in der Auflehnung gegen einen göttlichen Heils- plan, dem alle Gaben und Schickungen zu dienen bestimmt waren, die dem jüdischen Volke verliehen worden sind, also im Abfall von seiner geistigen Berufung und Mission— in einem Abfall in alle Blindheiten und Gewöhnlichkeiten der ungeistigen Welt. Das jüdische Volk ging immer wieder einen falschen Weg: es wünschte das verführerische Beispiel der umgebenden Völker nachzuahmen, es berief sich gegenüber seinen religiösen Führern immer wieder auf jene Beispiele und wollte nicht erkennen, daß eine solche Nachahmung fremder Vorbilder die Juden stets zu Unheil führen mußte, eben weil sie für etwas ganz anderes ge- schaffen waren als die beneideten Nachbarvölker. Wenn jene fremden Institutionen und Prinzipien, also jene rein politischen Zielsetzungen, in die jüdische Lebensatmosphäre verpflanzt wur- den, so nahmen sie dort sofort eine überhitzte Temperatur an und versetzten die ganze jüdische Nation in politische Rotglut. Die Juden erlagen immer von neuem der Versuchung, sich im Dienste äußerer Lebenserfolge auszugeben. Wer vom Absoluten ergriffen ist, der hat es schwer, sich mit der Welt der Kompro- ‚ misse abzufinden, und hier liegt der Grund, warum im allge- meinen die Völker, die eine geistige Mission haben, politisch immer Schiffbruch erleiden, eben weil ihnen der nötige Realis- mus fehlt, um den falschen Weg rechtzeitig zu erkennen, statt Politik im gewöhnlichen, subalternen Sinne zu machen. Gerettet können sie nur werden, wenn sie ihre Beziehungen zur übrigen Welt von den höchsten sittlichen Gesichtspunkten aus zu regeln verstehen, so wie es Gandhi anstrebte, dem es zu danken ist, daß Indien sich nicht durch terroristische Akte zu befreien versuchte und darum dieser Befreiung einen unbestreitbaren und dauern- den Erfolg zu sichern verstand. In jedem Falle: solchen Völkern sind höhere Geistesgaben ver- liehen worden, nicht etwa nur, um abseits der Wirklichkeit in einer reineren Sphäre zu leben, sondern vor allem, um ihre 2 realen Probleme auf eine höhere Art zu lösen und dadurch auch die anderen Völker auf solche Lösungen hinzulenken. Aber statt auf diese Weise ihre höhere Begabung als einen Ruf von oben aufzufassen und die Fragen der unteren Welt von der oberen Welt her zu lösen, fallen sie alle immer wieder in die Versuchung, ihre höheren Kräfte für elementare und kurzsichtige Lösungen zu mißbrauchen. Eben darum war es natürlich und providentiell, daß ein theokratisches Volk wie die Juden nur einer religiösen und nicht einer politischen Führung unterstellt war. Die reli- giösen Führer wußten das ganz genau, und dies war auch die historische Größe Samuels. Es war diesem Führer von Grund aus klar, daß jede bloße Politisierung eines religiösen Volkes sich zu einer tödlichen Gefahr für das politische und geistige Gleichgewicht des betreffenden Volkes auswirken müsse. Ist es etwa nicht wahr, daß Völkern von hoher geistiger Anlage nicht nur der nötige Realismus fehlt, um in der Politik die Menschen und Dinge so zu sehen, wie sie wirklich sind, sondern daß diese Völker auch in Gefahr sind— infolge der Hochspannung ihrer Seele—, in jeden weltlichen Konflikt eine erhabene Leidenschaft und eine überweltliche Phantasie hineinzutragen? Man kennt das wunderbare indische Liebesgedicht„Kalidasa und Sakuntala“. Wenn Kalidasa und Sakuntala einmal„Realpolitik“ machen wollten, so würde die ganze Welt aus den Fugen gehen. Ein erfahrener Beobachter Deutschlands sagte einmal:„Das Auf- regendste im neuen Deutschland ist der Handlungsreisende mit den Gebärden Wotans.“ Das jüdische Volk hat jenes geistige Patrimonium hervor- gebracht, von dem die ganze menschliche Zivilisation lebt. Jerusa- lem hat via Rom das Abendland gegründet. Es hat auch Amerika' gegründet. Oder kamen jene Sekten, die die ethischen Grund- lagen des amerikanischen Commonwealth schufen, nicht letzten Endes aus Jerusalem? Ein Volk, das für eine solche Leistung be- rufen war, die alles in den Schatten stellte, was sonst auf Erden gedichtet, gedacht und vollbracht wurde, ein solches Volk ist un- fähig, im gewöhnlichen Sinne Politik zu machen. Wohl könnte es vom Geiste her Politik machen, aber das wäre dann etwas völlig anderes als das, was die Heiden machten. Kein Wunder, daß die Begründer der jüdischen Theokratie dem Volke keine Könige, sondern Richter gaben, also geistige und moralische Führer, wie es Samuel war. Diese Richter beurteilten die politi- schen Notwendigkeiten von oben her, mußten aber schließlich nach stärkstem Widerstande dem stürmischen Verlangen des Vol- 22 nach de ıll das vo! Klageliede Diese unbe Geschichte tur die nü hierzu Mo äiner polit ind Realı Römer, dis dastehende ind die Ju diese erst ind Verfo Zu unternc Hoffen zleich ural viederhol rreführen Korrektur Neuer tra tragisch, w tuflich let Widerspr jüdischen. rch auch ber statt| on oben - oberen suchung, Ösungen dentiell, eligiösen Jie reli- auch die ı Grund ı Volkes geistige se, Ist es age nicht Nenschen Jaß diese ıng ihrer denschaft ın kennt untala“, machen hen. 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Diese unbezwingbare Tragik wurde dann im Laufe der jüdischen Geschichte immer klarer, denn die Juden machten nicht etwa nur die nüchterne und realistische Politik der Heiden mit(vgl. hierzu Mommsens„Römische Geschichte“), sondern sie folgten äiner politischen Leidenschaft, der jeder Sinn für Proportionen und Realitäten fehlte, so daß dann endlich die besonnenen Römer, die sich selten zu Racheakten hinreißen ließen, in einzig dastehender Erbitterung Jerusalem so durchgreifend vernichteten und die Juden so in alle Windrichtungen auseinanderjagten, daß diese erst nach zweitausend Jahren immer erneuter Wanderung und Verfolgung es wagten, die Rückkehr in ihre erste Heimat zu unternehmen. Hoffen wir, daß in der Entwicklung dieser neuen und zu- gleich uralten Heimat nicht die oben geschilderten alten Fehler wiederholt werden und daß nicht ein ewig falsches und ewig irreführendes Vertrauen auf die bloße politische Macht, ohne Korrektur durch höchste geistige Zielsetzungen, altes Unheil zu neuer tragischer Verwirklichung bringt. Es wäre mehr als tragisch, wenn wunderbare Gaben und Leistungen zum unwider- tuflich letzten Male durch eine Politik annulliert würden, die im Widerspruch zu dem allein realpolitischen religiösen Erbgut des jüdischen Volkes steht. Die geistige Größe der jüdischen Geschichte Das Volk Gottes Worin besteht eigentlich die unvergleichliche geistige Größe des jüdischen Volkes? Sie besteht ganz einfach darin, daß die anderen Völkermitder Schöpfung, die Juden aber vorallemmit dem Schöp- fer beschäftigt waren. Wo hat die Geschichtsschreibung irgend- eines anderen Volkes das Beispiel des Alten Testaments befolgt, nämlich, am Ende ihrer Berichterstattung über das Tatsächliche, den Propheten das Wort zu geben, damit sie voraussagen, wie die Geschichte des eigenen Volkes, ja die Geschichte der ganzen Welt, statt die Beute jeder Art von Ziellosigkeit und Abfall zu werden, sich konsequent der allein rettenden göttlichen Weg- weisung unterstellen könne? Kein Wunder daher, daß der hoch- bewußte und immer neu begründete Gehorsam gegenüber dem Gottesgesetz alle Texte des Alten Testaments theokratisch be- herrscht und daß hier das Dasein Gottes nicht wie irgendeine, weltferne Wirklichkeit, sondern wie eine oberste Bürgschaft für die Gesundheit des ganzen Menschenlebens und für die Festig- keit all seiner Ordnungen betrachtet wird. Es ist schwer, der Macht der religiösen Gesamtauffassung ge- recht zu werden, aus der heraus die Zehn Gebote zum jüdischen Menschen sprechen, wobei der Sinai nur ein Symbol für die Tat- sache ist, daß hier nicht etwa nur ein Mensch zu seinen Mitmen- schen redet, um die einfachen Regeln der gesellschaftlichen Ko- operation bei Namen zu nennen— nein, hinter der irdischen Ordnung steht die Ordnung aller Ordnungen, die Himmel und Erde zusammenhält. Die Kreatur unterwirft sich dem Kreator und sucht in seinem Namen die geistige Herrschaft des Menschen über sich selbst und über das natürliche Triebleben zu ver- wirklichen. 24 Der| Nur zu Vi Bethlehem schaft nich dunklen Er jährigen G barem Rin Verlangen gensatz Zu und einzig für sein ir heißt es in Und eb: der Religi das Beker vielmehr menschlich Befolgung Christu einer andı Geiste die Logik der 6tSagt hal ihrer welt ans Kreu; Seiner Ge leimnis ge \zı enthüll Zu voller Alle V; Stgeben,( Ikbens auf Immer m Wicht; ji. iger ISsensch Streithz MUS In di ;röße des > anderen mSchöp- 5 irgend- s befolgt, sachliche, agen, wie or ganzen Abfall zu nen Wez- der hodı über den atisch be rgendeint, schaft für lie Festig- assung BF ‚ jüdischer ir die Tat|| ‘|| ichen Br|| £ irdischet mmel u „ Kreats el ‚Mensch n zu ver . I Der Einbruch des göttlichen Geistes in die Geschichte Nur zu viele gläubige Christen, die ihre Augen zum Stern von Bethlehem erheben, sind sich nicht bewußt, daß die frohe Bot- schaft nicht nur von der Sternenwelt kam, sondern auch von der dunklen Erde, vom blutgetränkten Boden einer mehr als tausend- jährigen Geschichte, in deren Verlauf ein ganzes Volk in furcht- barem Ringen mit ererbter Sünde und voll von leidenschaftlichem Verlangen nach den Gütern dieser Welt sowie in tödlichem Ge- gensatz zu seiner ganzen Umgebung sich der Anbetung des einen und einzigen Gottes weihte und seine Gebote als oberste Regel für sein irdisches Dasein zu befolgen entschlossen war. Darum heißt es in dem bekannten jüdischen Gebete: Schaffe, Gott, deinen Tempel auf Erden, Ewiger Gott, schaffe ihn bald, Schaffe ihn jetzt... Und eben dies ist vielleicht das Größte und Vorbildlichste in der Religion des Alten Testaments: Wir finden dort nicht nur das Bekenntnis zur Wirklichkeit einer anderen Welt, sondern vielmehr und vor allem den Einbruch der Gotteswelt in die menschliche Geschichte und das leidenschaftliche Verlangen nach Befolgung des göttlichen Willens mitten im irdischen Leben. Christus fiel nicht in die hebräische Welt wie ein Meteor aus tiner anderen Wirklichkeit und ohne Zusammenhang mit dem Geiste dieser Geschichte. Nein, er war und ist doch die höchste Logik der ganzen jüdischen Entwicklung. Er war, wie Aristoteles gesagt haben würde, deren Entelechie, also die letzte Erfüllung ihrer weltgeschichtlichen Botschaft, auch wenn diese Logik ihn ans Kreuz brachte. So fiel das Judentum in die größte Krisis seiner Geschichte nicht aus Übermut, sondern aus einem Ge- heimnis seiner eigenen Tradition heraus, das sich erst in Jesaias zu enthüllen begann und dann unerwartet in dem Juden Paulus zu voller Klarheit durchbrach. Alle Völker haben ihre besonderen Gaben; den Juden war es gegeben, die geistig-sittlihen Grundbedingungen des Menschen- lebens auf Erden zu erfassen. Sie haben das Erdenschicksal für immer mit dem göttlichen Geiste verknüpft, was tausendmal wichtiger war als griechische Kunst, römisches Gesetz, deutsche Wissenschaft und französischer Geist. Das Judentum ist un- bestreitbar das am höchsten bewußte Zentrum des Monotheis- mus in der ganzen Welt gewesen. Es wurde dadurch das reli- 25 giöse Fundament der ganzen christlichen Kultur; es hat diesen Monotheismus vor der Zerstörung Jerusalems mit einzig da- stehendem Heroismus gegen die gesamte polytheistische Nachbar- schaft verteidigt und dabei eine Glaubenskraft und Charakter- stärke bewiesen, die sich auch dem gesamten sittlichen Erbgut mitgeteilt hat, um das sich die Juden Jahrtausende hindurch immer aufs neue gesammelt haben. Was in diesem Sinne durch die jüdische Geschichte begründet und vorbereitet worden ist, das erkennt man am klarsten aus einem sehr wichtigen Bericht des jüdischen Geschichtsschreibers Josephus Flavius über zwei der großartigsten Szenen der ganzen menschlichen Geschichte, die mit größter Klarheit zeigen, welches die wesentliche Natur und Bestimmung des jüdischen Volkes war und warum für die Erscheinung des Christentums in dieser verworrenen Welt das Wirken des Heiligen Geistes in der jüdi- schen Geschichte ebenso von Bedeutung war wie seine Herab- kunft auf die Jungfrau, die der Mittelpunkt des christlichen Mysteriums wurde. Beginnen wir mit dem folgenden Ereignis: Unter der Regierung des Kaisers Tiberius wurde Pilatus zum Statthalter von Judäa ernannt. Über die ersten Erlebnisse des Pilatus in Judäa sagt der Bericht des Josephus Flavius: „Pilatus brachte in der Nacht verhüllte Bilder des Kaisers' nach Jerusalem. Sobald der Tag anbrach, entstand hierüber großer Lärm unter den Juden. Wer die Fahnen sah, erschrak, weil man eine Verletzung des geheiligten Gesetzes darin erblicken mußte, denn dieses verbot aufs strengste, irgendein Bild in der Stadt aufzustellen?. Während in Jerusalem sich allgemeiner Unwille aussprach, strömte das Landvolk in Mengen herbei. Man eilte 1 Kleine goldene Büsten des Kaisers, die oben auf den Fahnenstangen angebracht wurden. ? Durch die Apotheose der Kaiser, die damals schon anfing, wurden jene Bilder zu Götzenbildern und erschienen den Juden als die trau- rigste Verirrung aller Abgötterei. Sie waren ohne Zweifel vor dem römischen Hauptquartier aufgestellt, das in der Nähe des Tempels in der Burg sich befand. Da sich bekanntlich Herodes bei seinen Bauten zwar erlaubte, einen fremden Stil, Inschriften, sogar das Bild eines goldenen Adlers im Tempel anzubringen, aber es doch nie bis zur Aufstellung von Bildsäulen trieb, während er in Cäsarea und anderen halb heidnischen Städten solche errichtete, so mußte die Überschreitung dieser Grenze der Achtung vor den alten volkstümlichen Institutionen und dem Gesetz gerade von einem Römer und in der Zeit einer neuen, streng theokratischen Reaktion in Judäa desto größere Bitterkeiterregen. 26 \ zu Pilatus setze des| zu lassen. schlug, wa Nächte, 0 Zeit setzt Richterstu eine Antw abredetes umzingelh eingeschlo. die größte lassen, we wollten;: Alsbald fı Erde nied den Tod Standhafl den Befeh Der Ni Glücksfail Petronins, Säule des widersetz, töten und doch die Antiochia Iudäa ei Nachricht Juden ve Ebene yo Leben, auf den( Bitten Ei Stehen, u Angesehe Und die] Renheit; Pnteryoy Jötter d | Pücht Yer esser als - diesen zig da- achbar- rakter- Erbgut indurch gründet sten aus hreibers "ganzen welches Volkes n dieser ler jüdi- Herab- istlichen Freignis: tus zum nisse des 1stnadı r großer yeil man ) mußte, er Stadt Unwilk fan eilte enstangen , wurden die trau‘ yor dem Tempel en Bautel Bild ein® ie bis zuf d andere! schreitung ‚girurioneN ner ne iterregen I wen,"| zu Pilatus nach Cäsarea und bat ihn, aus Achtung für die Ge- setze des Landes seine Fahnenbilder aus Jerusalem wegbringen zu lassen. Als Pilatus die dringende Bitte der Abgesandten ab- schlug, warfen sie sich zu Boden und blieben fünf Tage und fünf Nächte, ohne Nahrung zu nehmen, liegen. Nach Ablauf dieser Zeit setzte sich Pilatus in der großen Rennbahn auf seinen Richterstuhl, ließ das Volk herbeirufen, als wollte er ihm jetzt eine Antwort erteilen, gab aber seinen Soldaten vorher ein ver- abredetes Zeichen, mit den Waffen in der Hand die Juden zu umzingeln. Plötzlich von einer dreifachen Linie Bewaffneter eingeschlossen, gerieten diese über den unerwarteten Anblick in die größte Bestürzung. Pilatus drohte, sie nun niederhauen zu lassen, wenn sie sich die Bilder des Kaisers nicht gefallen lassen wollten; zugleich mußten die Soldaten ihre Schwerter ziehen. Alsbald fielen die Juden, als wäre es verabredet gewesen, auf die Erde nieder, beugten das Haupt und riefen: ‚Lieber wollen wir den Tod erleiden als das Gesetz übertreten.‘ Diese fromme Standhafligkeit setzte den Pilatus in Erstaunen, so daß er nun den Befehl gab, die Fahnenbilder aus Jerusalem wegzubringen. Der Nachfolger des Kaisers Tiberius war durch verschiedene Glücksfälle so übermütig geworden, daß er seinen Feldherrn, Petronius, mit einem Heere nach Jerusalem sandte, um die Bild- säule des Kaisers im Tempel aufzustellen. Falls die Juden sich widersetzen sollten, beabsichtigte man, die Widerspenstigen zu töten und alle übrigen zu Sklaven zu machen. Gott wendete je- doch die Ausführung dieser Befehle ab. Petronius rückte von Antiochia her mit drei Legionen und vielen Hilfsvölkern in Judäa ein. Schrecken verbreitete sich über das Land, als die Nachricht kam, das Heer stehe schon bei Ptolemais.— Die Juden versammelten sich mit Weibern und Kindern auf der Ebene von Ptolemais und flehten Petronius an, er möchte ihr Leben, vor allem aber ihre heimischen Sitten schonen. Der Legat, auf den die Menge der Flehenden und die Lebhafligkeit ihrer Bitten Eindruck machte, brachte sein Heer in Ptolemais zum Stehen, während er selbst nach Galiläa reiste, das Volk und die Angesehensten nach Tiberias berief, ihnen die Macht der Römer und die Drohungen des Cajus vorhielt und ihnen die Unbeson- nenheit ihres Verlangens auseinandersetzte: ‚Alle dem Reiche unterworfenen Völker hätten neben den Bildern der übrigen Götter die des Kaisers aufgestellt; wenn sie allein hiezu sich nicht verstehen wollten, so sei ihre Widersetzlichkeit nicht viel besser als offene Empörung.“ 27, Die Juden beriefen sich auf ihr Gesetz und die Sitte ihrer Väter, die ihnen verböten, daß irgendein Bild Gottes, geschweige eines Menschen, im Tempel oder auch nur an einem gewöhnlichen Platz irgendwo im Lande aufgestellt werde. Petronius erwiderte: ‚Ich muß dem Gebot meines Herrn nachkommen; wenn ich aus Schonung gegen euch dasselbe hintansetze, so ziehe ich mir das Verderben zu, und nicht ich, sondern der mich gesandt hat und unter dessen Befehle ich stehe, genauso wie ihr, wird euch den Krieg erklären.‘ Hierauf schrie der ganze Volkshaufe: ‚Wir sind bereit, alles für das Gesetz zu erleiden.‘ Nachdem er sie zum Schweigen gebracht, fragte Petronius weiter: ‚Ihr wollt also wider den Kaiser streiten?‘, worauf die Juden antworteten: ‚Für den Kaiser und das römische Volk bringen wir zweimal des Tages Opfer dar, wolle er aber die Bildsäulen aufstellen, so müsse er vorher das ganze Judenvolk schlachten; gerne böten sie sich mit ihren Weibern und Kindern zum Opfer dar.‘ Diese un- erschütterliche Frömmigkeit und Todesverachtung flößte dem Petronius Staunen und Mitleid zugleich ein. Man ging unver- richteterdinge auseinander. An den folgenden Tagen berief er zuerst die Vornehmeren zu sich, dann versammelte er das Volk und drang mit Ermah- nungen, Gründen und Drohungen auf sie ein, stellte ihnen die Macht der Römer, den Zorn des Kaisers und die peinliche Ver- legenheit vor, in welche er selbst dadurch versetzt werde. Als keine Vorstellung fruchten wollte und Petronius sehen mußte, wie das Land in Gefahr stehe, unbesät zu bleiben, weil das Volk fünfzig Tage lang zur Zeit der Aussaat müßig in der Stadt ver- harrte, berief er sie noch einmal zu sich: ‚So will ich denn‘, sagte er, ‚das Wagnis auf mich nehmen; gelingt es mir, den Kai- ser zu besänfligen, so werden wir uns gemeinschaftlich der Ret- tung freuen— triffl mich seine Ungnade, so will ich für so viele Menschen gern mein Leben zum Opfer bringen.‘ Unter dieser Versicherung entließ er die Menge, die ihn mit Segenswünschen überhäufle. Er brach mit seinem Heere auf und zog sich nach Antiochia zurück. Dort schrieb er sofort an Kaiser Cajus, be- richtete über seinen Zug ins jüdische Land, brachte die flehent- lichen Bitten der Juden zur Sprache und gab zu bedenken, daß man, um nicht Land und Leute zugrunde zu richten, ihr her- kömmliches Gesetz unangetastet lassen und von den Befehlen abstehen müsse. Auf diesen Bericht gab der Kaiser keine gnädige Antwort, vielmehr bedrohte er den Petronius— als säumigen Vollstrecker kaiserlicher Befehle— mit dem Tode. Allein es traf 28 sich, daß Monate+ von Cajı die letzte bedrohen Zu die Autor di druck zu Größe de der geist der jüdis keiner an kraft, Ta scheinung richteten, gehören Erden p: Haltung ewige D) derbare© von jehe bringt ei land zun halten, Alsid hatte, d: in diesen Völkern, Liegt do lung des inweg Pheten| Volk Sid lösen 7 Babe die Zweifel der jüd, reifen. Geschich Mitten u Yon Ges "sich, daß die Überbringer dieser Antwort durch Seestürme drei Sue Monate aufgehalten wurden, während andere mit der Nachricht une von Cajus’ Tod glückliche Schiffahrt hatten; so erhielt Petronius vauler die letztere Nachricht siebenundzwanzig Tage früher als die ihn redrohende Todesbotschaft.“ Zu diesen beiden Berichten sei Folgendes bemerkt: Wenn der Autor dieses Buches gebeten würde, in wenigen Worten zum Aus- Iruck zu bringen, was seiner Ansicht nach die unvergleichliche Größe des jüdischen Volkes, sein Verdienst um die Verteidigung ler geistigen Güter der Menschheit ist und in welchem Sinne in ler jüdischen Geschichte etwas durchgebrochen ist, was wir in ceiner anderen Volksgeschichte finden, wieviel erhebende Opfer- craft, Tapferkeit und vorbildliche Charaktergröße dort in Er- cheinung kam, so würde er zunächst einmal die beiden hier be- tichteten, innerlich zusammenhängenden Vorfälle erzählen. Sie ‚ehören zum Erschütterndsten und Erhabensten, was je auf Erden passiert ist, und der Geist, der hinter dieser heroischen Haltung des damaligen jüdischen Volkes stand, hat wahrlich das :wige Drama der menschlichen Nichtigkeiten durch dieses wun- \erbare Schauspiel tief beschämt. Gewaltige Heldentaten wurden on jeher für das irdische Vaterland vollbracht— hier aber »ringt ein ganzes Volk sich selbst, seine Jugend und sein Vater- and zum Opfer dar, um dem unsichtbaren Gotte die Treue zu Yalten. Als ich die oben zitierten Berichte des Josephus Flavius gelesen \atte, da verstand ich von einer ganz neuen Seite her, daß nur n diesem Volke, in weltweitem Unterschied zu allen anderen Völkern, der Erlöser der Menschheit geboren werden konnte. Liegt doch eine ungeheuere, unbeugsame Logik in der Entwick- lung des jüdischen Geistes: von der Opferbereitschaft Abrahams hinweg über die Psalmen Davids und das Bekenntnis der Pro- ?heten bis zu der oben geschilderten Szene, in der ein ganzes Yolk sich bereit erklärt, die Achtung des Siegers vor seiner reli- üösen Tradition durch den Tod zu erkaufen.— Die Wieder- (abe dieser Berichte ist wohl auch die beste Antwort auf die Zweifel derjenigen, die sich allzu einseitig von den Schrecken “er jüdischen Geschichte beeindrucken lassen und die nicht be- weifen wollen, daß das ganze Wunder und Geheimnis dieser Geschichte eben darin liegt, daß hier die heilige Geschichte mitten in die unheilige Geschichte eingebettet ist, also in jene Art ‚son Geschehen, die wir zu allen Zeiten und in allen Völkern vor 29 sich gehen sehen. Die ganze übrige Weltgeschichte steht unter dem Zeichen der reinlichsten Trennung von Gott und Welt. Allein in der jüdischen Geschichte ringt das göttliche Leben un- ablässig und unbeugsam um seine Verkörperung mitten in der menschlichen Wirklichkeit, was doch auch schon als eine Mensch- werdung Gottes bezeichnet werden darf. Und doch treffen wir immer wieder Menschen, die es nicht begreifen, daß gerade eine Geschichte, in der das furchtbare Treiben des gottverlassenen Menschen ohne jede Beschönigung dargestellt wird, zum Gefäß der Menschwerdung Gottes erwählt wurde. Aber ist es wirklich so erstaunlich, daß das„Wort“ gerade dort„Fleisch annahm“, wo menschliche Leidenschaft am wildesten tobte? Die Größe des Alten Testamentes besteht doch gerade darin, daß keine Ver- wirrung der gefallenen Menschennatur imstande war, das ge- waltige Thema aus dem Gewissen des Volkes und seiner Führer zu verdrängen und die unablässige Auseinandersetzung mit dem göttlichen Anspruch zum Schweigen zu bringen. In keinem anderen Volke hat die Geschichte immer aufs neue sozusagen mit Gott diskutiert— weder bei Herodot noch bei Thukydides und Livius gibt es Psalmen und Propheten. Kalt und lichtlos vollzieht sich dort das ewige Drama des mensch- lichen Kampfes um Macht, Geltung und Reichtum. Das Alte Testament aber bleibt, wie wir oben gesagt haben, der Einbruch Gottes in die menschliche Geschichte, deren Träger und Bericht- erstatter sich sonst nirgends in der Welt mit der unsichtbaren Wirklichkeit auseinandergesetzt haben. Alle großen geschicht- lichen Völker haben ihre besonderen Gaben und Bestimmungen im Ganzen der menschlichen Kultur— das jüdische Volk aber scheint geschaffen, um hoch über alle bloße Kultur hinauszu- gehen und die Wirklichkeit Gottes über alle anderen Wirklich- keiten zu erheben und Gottes Willen zu erforschen und zu er- füllen. Ihm galt kein Gehorsam, der nicht von diesem Gehorsam her geweiht worden wäre. Dies wurde dann Theokratie* ge- nannt, und der Tag wird kommen, wo man verstehen wird, daß es auf die Dauer keine Demokratie ohne Theokratie in dem oben definierten Sinne geben kann— was übrigens auch in der amerikanischen Verfassung angedeutet wird— und daß die Welt, wie sie wirklich ist, nur von der Überwelt her regiert werden kann. 3 Das Wort„Theokratie“ wird hier nicht im theologischen Sinne ge- braucht, sondern nur ganz allgemein als die Unterwerfung aller irdischen Ordnungen unter die Gotteswahrheit. 30 Der Sınr Alles, w: verkennt und nich der Krıti die Phar sohn ent: aus der g das jüdie Verehrur eın Gese priesters Volke, F hätte da wortet:, sind.“ U kommen siedemT Gottesso und trag heutigen hat, Der den him Erhebun dem erh Ichre als weite U} formulie zum Go und He; schen ab zwei Di; Schon he dernen), der Gar lich schy, VOr sich Gottmer Einen NY theistiget Der Sinn des jüdischen Kampfes gegen die Vergöttlichung der unter Cäsaren Welt. nun' Alles, was im Vorangehenden dargelegt wurde, zeigt ganz un- n der verkennbar, daß der Hohepriester Kaiphas nicht allein stand .nsch- und nicht etwa im Widerspruch zur Volksstimmung Rache an n wir der Kritik nehmen wollte, die Jesus zu wiederholten Malen gegen e eine die Pharisäer gerichtet hatte. Nein, der Prozeß gegen den Gottes- senen sohn entsprang einem mehralstragischen Mißverständnis; erkam Gefäß aus der gleichen gewaltigen religiösen Treue und Leidenschaft, die rklich das jüdische Volk zum äußersten Widerstand gegen die göttliche ahm“, Verehrung der Cäsaren in Bewegung gesetzt hatte.„Wir haben ße des ein Gesetz, nach dem muß er sterben.“ Dieses Wort des Hohe- - priesters fand ein überwältigendes Echo im ganzen jüdischen as ge- Volke. Hätte der Prozeß gegen Christus eine Liturgie gehabt, so “ührer hätte das Volk auf die Worte des Kaiphas einstimmig geant- it dem wortet:„Ja, wir haben ein Gesetz, für das wir zu sterben bereit sind.“ Und sie waren dazu nicht nur damals, sondern in allen s neue kommenden Jahrhunderten bereit. Es war also verständlich, daß ch bei sie dem Todesurteil gegen denjenigen beistimmten, der sich offen.als ‚ Kalt Gottessohn bekannt hatte. Und eben hier liegt das ungeheure iensch- und tragische Mißverständnis, das von jener Stunde an bis zum s Alte heutigen Tage Judentum und Christentum voneinander getrennt abruch hat. Der monotheistische Jude war von sich aus außerstande, ericht- den himmelweiten Unterschied zu verstehen, der zwischen der tbaren Erhebung eines sterblichen Menschen zu göttlichen Ehren und dichr- dem erhabenen Geheimnis besteht, das die christliche Glaubens- Jungen lehre als die„Menschwerdung Gottes“ bezeichnet. Dieser himmel- k aber weite Unterschied läßt sich aufs einfachste etwa folgendermaßen auszu- formulieren: Auf der einen Seite wird ein sterblicher Mensch rklich-| zum Gott erhoben, auf der anderen Seite nimmt das Höchste zue-| und Heiligste Menschengestalt an. Vergöttlichung eines Men- jorsam| schen aber und die Menschwerdung des göttlichen Geistes sind ge zwei Dinge, die himmelweit voneinander geschieden sind. Es ist 4, daß schon heute für den naturwissenschaftlich-technisch erzogenen mo- „dem dernen Menschen schwer genug, den geistigenZugang zurLehrevon in der der Gottheit Christi zu gewinnen. Es war aber noch unvergleich- aß die, lich schwieriger für einen jüdischen Rabbi, der Jesus als Mensch vor sich sah und sogar von dessen Familie wußte, die Lehre vom jert regiet: ee Gottmenschen auch nur von ferne zu begreifen und sie nicht als einen Wahn. zu verurteilen, der im Widerspruch zum mono- inne@‘ theistischen Geiste der ganzen jüdischen Geschichte stand. Dieses g zu ungeheuere Ärgernis begriff in tiefster Seele der heilige Augu- stinus, der aus der Kultur der griechischen Vielgötterei herkam und der darum ein ganzes großes Kapitel seines Lebenswerkes der Darstellung des Mysteriums der Heiligen Dreifaltigkeit ge- widmet hat. Erst in diesem Mysterium ist die Wahrheit des jüdi- schen Monotheismus mit der Wahrheit von der Macht des Heiligen Geistes in der Geburt Christi und in der Person Christi psychologisch und theologisch versöhnt. Bevor dieses Geheimnis dargelegt und klargestellt worden war, war es einem Juden nur durch besondere himmlische Erleuchtung möglich, Wesen und Natur des gottgesandten Erlösers zu erfassen. Wie und wann wird die Kluft überbrückt werden, die dieses weltgeschichtliche Mißverständnis zwischen Judentum und Chri- stentum aufgerissen und die beiden Hälften der einen großen Wahrheit voneinander getrennt, ja auf Jahrhunderte hinaus in tödliche Feindschaft gedrängt hat? Ist nicht Christus der end- gültige Vollstrecker jener gewaltigen jüdischen Entschlossenheit, Gott zum obersten und alleinigen Herrn des menschlichen Le- bens zu machen? Ist nicht die Lehre von der Dreifaltigkeit, weit davon entfernt, den Monotheismus zu verleugnen, vielmehr die einzig mögliche Vollendung seines Sinnes und seiner Logik, also der Versuch zur Verwirklichung des Göttlichen auf dieser Erde? Sie ist doch die ewig gültige Rangordnung und Zusammenord- nung von Materie und Geist, die Heilung aller tödlichen Spal- tungen und die Antwort auf die ewige Ratlosigkeit aller ab- strakten Philosophie, die zwar den Geist im Menschenleben zur Herrschaft bringen will, die aber keine realen Möglichkeiten zur Verfügung hat, um diese Menschwerdung praktisch durchzu- setzen. Daher kommt die praktische Ohnmacht von Kants„Prak- tischer Vernunft“ und der ratlose Pessimismus Schopenhauers gegenüber der Diktatur der Triebwelt. Da doch im Grunde auch das Alte Testament mit solchem Pessimismus schließt, zitiert Schopenhauer das biblische Buch Kohelet als eine Bestätigung seiner eigenen psychologischen Feststellungen betreffend dieOhn- macht des Geistes gegenüber dem Triebleben. Diese Feststellun- gen sind ja dann auch von der Freudschen Psychoanalyse aufge- nommen und experimentell erweitert worden. Es mag viel zu denken geben, daß eine wachsende neue Richtung gerade mitten in der modernsten Psychoanalyse mehr und mehr dahin gelangt, durch eine Synthese jüdischer Ethik und christlicher Geistigkeit einen ganz neuen praktischen Versuch zu unternehmen, um das Alte und das Neue Testament zunächst einmal medizinisch- 42 psychothe theologisc Dem Verf durchaus Bemerkur vom Got: istischen] daß in de unabhäng Sich imm« der dreiei den groß, etwa von zugehen, spanische, damit de: Nannte„| Gottesleh In der Spanien, weit übe Gabirol- und Welt schen We und Wese hinab bis Wie das( von der dringen, Schaffene Ordnung dens“), 7 kräfte ni N Viktor| (Wien 19, (ng für le erstk], 3 Porrstr Ängu- rkam verkes Bit ge- s jüdi- ıt des Shristi eimnis en nur n und dieses | Chri- großen aus in r end- enheit, en Le- it, weit ehr die ik, also f Erde? 1enord- nhaners de auch zitiert ätigung jieOhn- ‚srellun“ e aufge: viel ZU e mitte eJangh seigkeit izinisch psychotherapeutisch zu versöhnen und damit auch eine neue theologische Ausgleichung vorzubereiten*. Der Drang der Schöpfung zum Schöpfer Dem Verfasser der vorliegenden Schrift wurde einmal von einem durchaus ernst zu nehmenden liberalen jüdischen Freunde die Bemerkung entgegengehalten: das Christentum mit seiner Lehre vom Gottmenschen gehöre doch unbestreitbar zu den polythe- istischen Religionen, welche Kritik doch völlig außer acht läßt, daß in der christlichen Theologie nirgends von zwei voneinander unabhängigen Göttern gesprochen wird. Vielmehr handelt es sich immer nur um die Menschwerdung der zweiten Person in der dreieinigen Gottheit. Für das Verständnis des hier vorliegen- den großen Mysteriums erscheint es dem Verfasser nützlich, nicht etwa von der Theologie der Trinität und ihrer Psychologie aus- zugehen, sondern einen jüdischen Religionsphilosophen aus der spanischen Epoche des Judentums zu Wort kommen zu lassen, damit dem Leser von dorther klargemacht werde, daß die soge- nannte„Fleischwerdung des Wortes“ zweifellos in der jüdischen Gotteslehre ihre gewichtigen Hinweise besitzt. In der Blütezeit der arabisch-jüdischen Zusammenarbeit in Spanien, also etwa zu Beginn des elften Jahrhunderts, hat der weit über Spanien hinaus berühmte Philosoph Salomon ibn Gabirol— im tiefsten Sinne des Alten Testaments— über Gott und Welt, d. h. über die geheimnisvolle Untrennbarkeit der irdi- schen Welt und der Gotteswelt, das Folgende, Allereinfachste und Wesentlichste gesagt:„Die Kraft des göttlichen Willens wirkt hinab bis zum äußersten Saum der niedersten Kreatur.“ Und so, wie das Göttliche unablässig Kraft aus sich entläßt, um alles— von der Urmaterie bis zum kleinsten Lebewesen— zu durch- dringen, so erzeugt es andererseits ebdnso unablässig in der ge- schaffenen Welt den Drang nach jener höchsten Ordnung aller Ordnungen, also nach der„Fons vitae“(der„Quelle des Le- bens“), womit schon angedeutet ist, daß das Wirken der Lebens- kräfte nicht nur ein bloß triebhaftes Geschehen ist, sondern unter * Viktor E. Frankl, Die Existenzanalyse und die Probleme der Zeit (Wien 1947).— Paul Polak, Frankls Existenzanalyse in ihrer Bedeu- tung für Anthropologie und Psychotherapie.— Hierher gehören auch die erstklassigen Schriften des Wiener Psycho-Pathologen Caruso. 3 Foerster, Jüdische Frage 33 geheimnisvoller geistiger Führung steht?. Ist es nicht interessant, zu sehen, daß solche Feststellungen nicht nur vom spanischen Judentum gemacht wurden, das ja in besonderer Weise vom Wirken Gottes in der Geschichte ergriffen war, sondern von neuem in unserer Zeit, nämlich in der geistigen Entwicklung des aus dem Judentum stammenden französischen Biologen und Phi- losophen Bergson durchgebrochen ist. In Bergsons Erkenntnis vom Wesen der vitalen Lebenskraft spielt die Realität der gei- stigen Kräfte bekanntlich eine so große Rolle, daß sich Bergson von dort aus unerwartet vor die Tore der katholischen Kirche gerückt sah. Wir erwähnen dies hier, eben weil wir immer wieder auf die erhabene Logik des jüdischen Gottesgedankens und seiner alles durchdringenden Besitzergreifung der irdischen Wirklichkeit stoßen. Gabirols oben zitierte, überaus kondensierte Philosophie der jüdischen Geschichte wurde von uns unterstrichen auch des- halb, weil sie die beste Antwort gibt auf den irrtümlichen Vor- wurf, daß das Christentum doch eine unverkennbare„Vielgöt- terei“ sei, da es der Welt doch zwei Götter präsentiere. In Wahr- heit aber ist der Messias des Neuen Testamentes keineswegs ein zweiter Gott, nein es ist der konsequente Ausdruck jener durch- dringenden Gegenwart Gottes in seiner Schöpfung, wie sie in den oben zitierten Worten des spanisch-jüdischen Philosophen dem Gläubigen zum klarsten Bewußtsein gebracht wird, daß er sich nicht scheut, ihr„Fleisch“ anzunehmen. Das christliche Mysterium von der„Heiligen Dreifaltigkeit“ bemüht sich, der Einheit und Einzigkeit Gottes dadurch ge- recht zu werden, daß dort der Gottmensch nicht etwa als ein zweiter Gott verkündet wird— nein, die Menschwerdung Got- tes vollzieht sich dort durch die Vermittlung des Heiligen Geistes sowie durch die Geburt des Erlösers im Schoße einer geheiligten Jungfrau aus einem erwählten Volke. So wurde also die Gott- heit nicht etwa verdoppelt, sondern sie trat durch ihren Heiligen Geist mitten in das Menschenleben hinein und ward Mensch, wahrer Gott und wahrer Mensch. Die Verknüpfung beider Wel- ten, so wie sie in allen vier Evangelien physiologisch-geistig ge- schildert wird, ist ein wahrhaft erhabenes Zeugnis für jenes Zu- 5 Bekanntlich haben die Ausblicke Gabirols auf eine Reihe christlicher Zeitgenossen(so auf Albertus Magnus, Duns Scotus und Thomas von Aquin) einen großen Eindruck gemacht; dieselben wußten allerdings nicht, daß der Verfasser dieser Ausblicke jüdischen Ursprungs war. 34 sammenw ten Testar hinweist. Überblick Jahren ge größte un sich das( habt das] keit nicht lität leugı Entscheid der jüdisc wußten, 0 delte, kar gemäß de bereitung Nicht ann dem Heil dichtete P der Anbeı hoben hal Jahrhund und von Nis wiede jenige Vo Verfolgen keit Gott dieses Fu &herne St höchsten Virklich} Mensch v Unerschür Wuchs, st; Üas Liche viel Größ Eines meh Inderte, j ssant, ischen vom ı von ng des dPhi- nntnis Tr gei- ergson Kirche uf die r alles ichkeit sophie h des- ı Vor- ielgöt- Wahr- >95 ein durc- sie in ;ophen daß er gkeit“ ch ge ls ein 8 Got- Geistes jligten - eiligen fensch, 34 Wel- ig ge ‚es Zu- istlicher nas von jerdings wal. von Geist und Natur, wie es die beiden geheilig- ten Testamente durchdringt und auf die Lösung aller Lösungen hinweist. Das ungeheure Mißverständnis Überblickt man die Anklagen, die in den letzten zweitausend Jahren gegen das jüdische Volk gerichtet worden sind, so ist die größte und schwerste diejenige, die immer lauter ertönte, je mehr sich das Christentum als kirchliche Macht konsolidierte:„Ihr habt das Heil der Welt gekreuzigt— das kann euch in alleEwig- keit nicht verziehen werden.“ Natürlich kann niemand die Rea- lität leugnen, die hinter dieser Anklage steht, und doch ist dazu Entscheidendes zu sagen. Daß in einem bestimmten Augenblick der jüdischen Geschichte die religiösen Führer sich durchzusetzen wußten, ohne daß das Volk auch nur begriff, worum es sich han- delte, kann doch nicht im geringsten alles das annullieren, was gemäß dem göttlichen Heilsplan im Alten Testament zur Vor- bereitung des Christentums geleistet worden war. Es kann auch nicht annullieren, daß die Vorsehung eine Jüdin erwählte, um dem Heiland der Welt das Leben zu geben. Ein jüdischer König dichtete Psalmen, die nicht nur die jüdische Welt auf die Höhe der Anbetung der alles durchdringenden göttlichen Wahrheit er- hoben haben, sondern die auch die christliche Kirche durch alle Jahrhunderte hindurch wie eine himmlische Musik durchdrangen und von den Gläubigen aller Zeiten als ein erhabenes Bekennt- nis wiederholt worden sind. Wie war es daher nur möglich, das- jenige Volk zu ächten und wie eine Bande von Unmenschen zu verfolgen, dem wir so unerreichte Zeugnisse von der Wirklich- keit Gottes verdanken? Wo bleibt der Dank der Christen für dieses Fundament, auf dessen mächtigen Quadern die ganze eherne Stärke ihres Glaubens ruht und von dem aus sie zu ihren höchsten geistigen Gewißheiten emporgestiegen ist? War es wirklich nur ein Zufall, oder war es Gottes Wille, daß der Gott- mensch von einer jüdischen Mutter geboren wurde und in der unerschütterlichen Sicherheit des jüdischen Monotheismus empor- wuchs, statt daß er etwa in der Sphäre der homerischen Odyssee das Licht der Welt erblickt hätte? Aber hier kommt noch etwas viel Größeres in Frage, nämlich die unabweisbare Richtigstellung eines mehr als tragischen Mißverständnisses, das die Juden ver- hinderte, Wesen und Sinn dieses göttlichen Geheimnisses zu be- 3* 35 greifen und anzuerkennen, jenes christliche Mysterium, das zur ganzen Welt gesprochen hat. Die Zeit, in der Jesus auftrat, war, wie wir oben im Anschluß an Josephus Flavius gezeigt haben, die Zeit, in der die römischen Cäsaren begannen, von den unterworfenen Völkern göttliche Verehrung zu verlangen und solches nicht zuletzt für den Tem- pel in Jerusalem zu fordern. Gegen diese römische Vergötterung eines bloßen Menschen stand die ganze Tradition des einigen und einzigen Gottes auf, in deren Namen das Judentum sich schon seit mehr als tausend Jahren gegen jeden Einbruch frem- der Götter gewehrt hatte.„Du sollst keine anderen Götter haben neben mir“, so lautete doch das mosaische Gebot. Aber was war nun jenes furchtbare Mißverständnis? Es bestand darin, wie wir weiter oben im Anschluß an unseren Bericht über den ersten großen religiösen Konflikt zwischen Rom und Jerusalem gezeigt haben, daß man zwei grundverschiedene Dinge miteinander ver- wechselte, nämlich: die Vergötterung eines sterblichen Menschen, wie es der römische Cäsar war, und die Menschwerdung Gottes in der Erscheinung Christi. Sind es doch zwei gänzlich verschie- dene Dinge, wenn der Mensch sich zum Gott aufbläht, oder wenn der Heilige Geist zur Erde herniedersteigt und der Sohn durch ihn aus der Jungfrau„Fleisch annimmt“. Dieses Geheimnis zu erfassen und den weltweiten Unterschied zwischen der Vergött- lichung eines Menschen und der Menschwerdung des göttlichen Geistes zu verstehen, das ging natürlich nicht nur weit über die Fassungskraft des Volkes, sondern auch über diejenige eines Kaiphas und eines Pilatus hinaus, ja es ging sogar weit über die- jenige vieler Christen hinaus, die sich keine Mühe gaben, jenes ungeheuere Mißverständnis als solches zu verstehen und aufzu- klären und dadurch die jüdische Schuld durch eine ganz neue Deutung ihrer Entstehung verständlich zu machen. In dem rät- selhaften Zusammenspiel weltgeschichtlicher Kräfte aber brach die unerbittliche Strenge durch, mit der das Judentum die über- weltliche und übermenschliche Majestät des unsichtbaren Gottes von aller Vermischung mit der Welt der Kreatur reinzuhalten bestrebt war. Die unumgängliche Bedingung für die Überwin- dung jener unseligen Verwechslung des vergötterten Cäsars mit der menschgewordenen Gottheit war aber, daß das Geheimnis der Trinität langsam verstanden und dogmatisch formuliert wurde, ohne daß die erstePerson dieser Trinität durch die zweite verdunkelt und ihrer Einzigkeit beraubt wurde. Mit größtem Recht spricht man immer wieder von der Zusammengehörigkeit 36 des Alten| dieser Zu: daß die theistische bleibt, um Nebel zu Gregor vo ‚Wer aus folge das! erfassen u in die So daran— blinden. Also:. Wort von ter und$ Macht veı ins Zeitlie zianz aus des christ Frage: W Lehre vo, hatte es| Christi„ menschlid ses Gleich Angewenc eine eben m Nam. Zweiten dieses Pr Wegs so| eimnisy einführt doch dar. Aufrichei Außer]ich Und Lass ‘einen Ai Vel. Ey ) das zur Anschluß ömischen göttliche len Tem- ‚ötterung s einigen itum sich ıch frem- ter haben was war ‚ wie wir >n ersten n gezeigt nder ver- fenschen, 1g Gottes verschie- iht, oder der Sohn ‚eheimnis Vergött- öttlichen über die ige eines über die- jen, jenes d aufzu- anz neue dem rät- ‚er brach die über- ;n Gottes ‚zuhalten Jberwin- äsars mit ‚eheimnis gmuliert liezweitt rößtem hörigkeil ' des Alten und des Neuen Testamentes. Der allerwichtigsteGrund dieser Zusammengehörigkeit liegt aber vielleicht gerade darin, daß die erhabene Strenge und Unzweideutigkeit des mono- theistischen Prinzips im Alten Testament unentbehrlich war und bleibt, um das Mysterium der Trinität gegen jeden Abfall in den Nebel zu schützen, eine Gefahr, deren Größe und Realität schon Gregor von Nazianz in folgenden Worten geschildert hat: „Wer aus dem bloßen Naturvorgang der zeitlichen Geschlechter- folge das Verhältnis der drei Personen in einem Gotte ergrübeln, erfassen und verstehen will, der versucht, mit sterblichen Augen in die Sonne der göttlichen Herrlichkeit zu schauen. Er muß daran— wie Arius— für das Verständnis der Wahrheit er- blinden...“ Also: Arius hat den Gottmenschen geleugnet, weil ihn das Wort vom Sohne Gottes verwirrt hatte, so daß er nur noch Va- ter und Sohn im Sinne irdischer Zweiheit sah und die dritte Macht vergaß, nämlich den Heiligen Geist, durch den das Ewige ins Zeitliche übertragen worden war. Die von Gregor von Na- zianz ausgesprochene Warnung hat mit dem tiefsten Mysterium des christlichen Glaubens zu tun und eben darum auch mit der Frage: Wie ist der Monotheismus des Alten Testamentes mit der Lehre vom Gottmenschen zu versöhnen? Gregor von Nazianz hatte es leicht, davor zu warnen, daß man die göttliche Natur Christi„allzu einfach“ durch das Gleichnis beschreibe, das dem menschlichen Familienleben entnommen ist. Wird nicht aber die- ses Gleichnis unablässig im Neuen Testament, ja von Jesus selbst angewendet, speziell dort,wo er auf die direkte Frage des Kaiphas® eine ebenso direkte Antwort gibt? Die Juden aber wehrten sich im Namen ihres Monotheismus gegen die Anerkennung einer zweiten göttlichen Person. So dürfen wir nicht vergessen, daß dieses Problem gerade vom jüdischen Standpunkte aus keines- wegs so einfach ist. Gibt es doch im Alten Testament eine ge- heimnisvolle Logik, die unabweisbar in dasNeue Testament hin- einführt— und zwar schon im Buche Hiob. Man erinnere sich doch daran, wie Hiob in seiner Antwort an seine Freunde sein aufrichtiges Bestreben schildert, die Gebote des Herrn nicht nur äußerlich zu halten, sondern sie folgerichtig im gesamten Tun und Lassen zu verwirklichen. Ja er hat sogar, wie er selber sagt, seinen Augen befohlen, sich aller begehrlichen Blicke zu enthal- 8 Vgl. Evangelium Lukas Kap. 22. 37. ten, um auf diese Weise dahin zu kommen, daß der Mensch von der Triebherrschaft zur Gottesherrschaft übergehe. Es ist ja auch bekannt, wie weit die Sekte der Chassidim in solcher Zielsetzung ging, so daß es nur ein Zufall ist, wenn dort das oberste Ziel des Menschen noch nicht in der Nachfolge des Gottmenschen gesucht wird. Man kann aber auch nicht einen Bund mit Gott schließen und sich dabei auf Tod und Leben dem Gehorsam gegenüber diesen Geboten verschreiben, ohne daß die Konsequenz dieses Austritts aus der Diktatur der Naturtriebe immer weiter zur Vergöttlichung des Menschen führt. Darum ist ja auch das im- mer erneute Bekenntnis zum kommenden Messias keineswegs eine bloße Phantasie, sondern zwingend aus dem religiösen Ver- langen nach restloser Übergabe des Menschen an das Gesetz aller Gesetze hervorgewachsen. Um dem Verständnis solcher Logik zu dienen, sei hier an eine merkwürdige Betrachtung in dem Werke des Stoikers Epiktet erinnert, die der Verfasser in seinem Buche„Christus und das menschliche Leben“ zitiert hat. Man höre folgende beschwörende Worte, die der Stoiker Epiktet der Sehnsucht nach dem fleischgewordenen Gott widmet. Dann wird man verstehen, wie tief die Lehre vom Gottmenschen der gan- zen geistigen Entwicklung der vorchristlichen Welt entgegenkam und ihr das erlösende Wort brachte. Epiktet sagte: „Zeigt mir doch, ich möchte bei den Göttern einmal einen wirk- lichen Stoiker sehen. Aber ihr könnt mir keinen zeigen, der fer- tig ausgeprägt wäre. So zeigt mir wenigstens einen in der Bil- dung begriffenen, der sich ernstlich dieser Richtung zugeneigt hat. Tut mir dieWohltat,mißgönnt mir altem Manne nicht ein Schau- spiel, das ich bis jetzt noch nie gesehen habe. Zeigt mir doch eine Menschenseele, die vom göttlichen Sinne sich wirklich durch- dringen lassen will, die nicht mehr schelten will— weder auf Gott noch auf Menschen, die in keinem Stücke fehlt, keinen Fall tut, nicht zürnt, nicht neidisch, nicht eifersüchtig ist. Zeigt mir einen, der begehrt, aus einem Menschen Gott zu werden, und der sich in diesem toten Körper mit dem Gedanken der Gottes- gemeinschaft trägt. Zeigt mir den— aber ihr könnt es nicht....“ Sind diese Worte nicht schon die Morgendämmerung des Chri- stentums in der heidnischen Seele? Die christliche Religion be- antwortet eben jene beschwörende Frage mit der Lehre vom Gottmenschen. In den anderen Religionen thront Gott hoch über dem Leben, der Geist über der Natur, der Himmel über der 38 Erde. Da: eingehend widerlegli den und Vergöttlic der Mens die vollkc irdischen] Vereinigu menschen die das A aber klaff den Testa wendbare: auf die D; zu Immer den beitr; aber kanr einmal de liche Cha, Gottes we verderben haben wiı bedingt d nämlich d alttestame Menschw Vergess Geistesheı mehr als| ‘en Sprac Mensch; o ın Schwan Gedanker “ne Aufg 0 haotis Zur Äner] „Am An Völker si Geist abe tllgenz, Nabe ihm sch von ja auch Isetzung Ziel des | gesucht chließen genüber ız dieses iter zur das im- ineswegs sen Ver- etz aller r Logik in dem n seinem at, Man ktet der inn wird der gan- :genkam on wirk- der fer- der Bil- ‚eigt hat. inSchan- Joch eine , durch- oder auf nen F all ‚ige mit n und - Gottes icht jes Chri- gjon be hre voR!| ‚och über| iber der) | Erde... Das Christentum aber ist die Lehre von der ins Fleisch eingehenden Gotteskraft. Also schon bei Epiktet ist die un- widerlegliche Konsequenz dargelegt, die den zu Gott drängen- den und von Gott erfüllten Menschen zu der Idee von der Vergöttlichung des Menschen bringt und ebenso zu der Idee von der Menschwerdung Gottes, also auch zu jenem Glauben an die vollkommene Verwirklichung des Göttlichen inmitten aller irdischen Halbheiten. Natürlich entsteht dann aus solcher letzter Vereinigung von Gott und Mensch die ganze Realität des Gott- menschen und führt unbestreitbar zu jener moralischen Logik, die das Alte mit dem Neuen Testament verbindet. Trotzdem aber klafft scheinbar ein schwerer Widerspruch zwischen den bei- den Testamenten, der dann zum Kreuze Christi und zur unab- wendbaren Verfolgung der Juden führen mußte. Es kann doch auf die Dauer nicht so einfach all das hingenommen werden, was zu immer neuen Verfolgungen und zu der Mißachtung der Ju- den beiträgt. Dies muß doch endlich restlos geklärt werden. Das aber kann doch nur in folgendem Sinne geschehen: Wir haben einmal dem Judentum zuzugeben, daß seine fast übermensch- liche Charakterkraft in der Verteidigung des einen und einzigen Gottes weltgeschichtlich unbedingt nötig war, um der charakter- verderbenden Gefahr der Vielgötterei zu entrinnen. Hier aber haben wir andererseits unser Gewissen und unsere Vernunft un- bedingt der Wahrheit des vielsagenden Geheimnisses zu öffnen, nämlich daß es gar nicht anders sein konnte, als daß aus dem alttestamentlichen Bunde von Gott und Mensch logisch die Menschwerdung Gottes hervorgehen mußte. Vergessen wir doch nicht, daß es die zentrale Aufgabe der Geistesherrschaft ist,mit der wir hier zu tun haben und die heute mehr als je im Mittelpunkt aller Probleme steht. In der religiö- sen Sprache ausgedrückt, ist es die Vereinigung von Gott und Mensch; oder in der Goetheschen Sprache ausgedrückt:„Und was in schwankender Erscheinung schwebt, befestiget mit dauernden Gedanken...“ Bei allem Unterschied handelt es sich um die eine Aufgabe, in einer chaotischen Innenwelt und in einer eben- so chaotischen Außenwelt die wahre Rangordnung aller Dinge zur Anerkennung zu bringen. Am Anfang dieses Buches sagten wir, daß die nichtjüdischen Völker sich mit der Schöpfung beschäftigt haben, der jüdische Geist aber, wo er wirklich Geist war und nicht etwa bloße In- telligenz, habe sich vor allem mit dem Schöpfer beschäftigt und habe ihm inmitten unerhörter Prüfungen eine unvergleichliche 39 Treue bewahrt. Es ist aber von christlicher Seite noch nicht ent- fernt genug gewürdigt worden, was diese elementare und zum letzten Opfer bereite Treue auch für den Durchbruch des Chri- stentums, also für den letzten Sieg des Geistes über die materielle Welt, bedeutet hat, obwohl dies der Gegenwart noch gar nicht zu vollem Bewußtsein gekommen ist. Die beiden Testamente dienen dieser Aufgabe, aber in grundverschiedener Weise: ım Alten Testament durch den einfachen, aber bedingungslosen Ge- horsam gegenüber dem Gesetze Gottes— im Neuen Testament durch die Botschaft von der fleischgewordenen Gottheit, zu der es kam und kommen mußte, wenn auch diese Menschwerdung Gottes auf Erden in scheinbar schwersten Widerspruch zu der Lehre vom Glauben an den einen und einzigen Gott treten muß- te. Im Schlußkapitel dieses Buches werden wir diesem Wider- spruch und seiner Lösung noch einige grundsätzliche Betrach- tungen widmen. Solowiew D Der große hebräische tatte, hat ı tellt, daß. Vorbereitu dern daß Welt ahnu: Weg bereit {ums zur n Jöchst wid Caß die jü ind Geist materielle Itrachter, veihten H Weisen ver Anfang an erkannt, A ME einst( Wurde, de Ommend. Sestigung pfung ‚Solowie (er Beistip ennbar u Madimi Inst Keud cht ent- nd zum 5 Chri- aterielle ar nicht tamente eise: im sen Ge- stament ‚zu der verdung zu der on muß- Wider- Betrach- über Körper und Geist in der jüdischen Religion Die geistige Bedeutung körperlicher Übungen Der große russische Philosoph Wladimir Solowiew*, der die hebräische Sprache, Literatur und Geschichte gründlich studiert hatte, hat in seiner Schrift„Judentum und Christentum“ festge- stellt, daß es in der jüdischen Entwicklung nicht nur eine geistige Vorbereitung auf die Menschwerdung des Göttlichen gibt, son- dern daß dort auch die gesamte Behandlung der körperlichen Welt ahnungsvoll dem Wunder der Menschwerdung Gottes den Weg bereitet habe. Solowiew hat über die Haltung des Juden- tums zur materiellen Welt und zu deren geistiger Durchdringung höchst wichtige Feststellungen gemacht. So betont er mit Recht, daß die jüdische Religion keinerlei Dualismus zwischen Körper und Geist anerkennt, auch nicht, wie der Buddhismus es tut, die materielle Welt als ein Hemmnis der menschlichen Vergeistigung betrachtet, sondern der körperlichen Welt als der göttlich ge- weihten Hülle und Übungsstätte des Geistes alle Ehren zu er- weisen verpflichtet ist. So sagt er:„... Die Juden haben von Anfang an der materiellen Natur ihre Existenzberechtigung zu- erkannt, aber ohne sich ihrer blinden Gewalt zu unterwerfen, so wie einst die höchste Blüte des Judentums als würdig befunden wurde, der Verkörperung der Gottheit zu dienen. So wird das kommende Judentum zum werktätigen Vermittler für die Ver- geistigung des materiellen Lebens werden und der Natur für die Schöpfung einer neuenErde, auf der die Wahrheit wohnen wird.“ Solowiew findet diese dienende Hülle des Körpers zu Ehren der geistigen Welt in allen Gebräuchen des Judentums unver- kennbar und zielbewußt zum Ausdruck gebracht. Er sagt in be- ! Wladimir Solowiew, Judentum und Christentum(übersetzt von Ernst Keuchel, Dresdner Druckindustrie Paul Tietz, 1911). 41 zug auf die unvollkommen gebliebene körperliche Hülle des Geistes: „Während der praktische und theoretische Materialismus sich der Materie als einer unabänderlichen Tatsache unterwirfl und wäh- rend der Dualist sich von der Materie als vom Bösen abwendet, widmet in klar bewußtem Gegensatz dazu der religiöse Realis- mus der Juden der materiellen Natur die größte Aufmerksam- keit— zwar nicht, um sich ihr zu verknechten, sondern um in ihr und durch sie dem höchsten Gotte zu dienen. So mußten sie in ihr das Reine vom Unreinen, das Heilige vom Lasterhaften scheiden, um sie zum würdigen Tempel des höchsten Wesens zu machen.“ Nach Solowiews Ansicht spielt die Idee der geheiligten Kör- perlichkeit und die Sorge um die Verwirklichung dieser Idee im Leben Israels eine weit wichtigere Rolle als bei irgendeinem an- deren Volke. Hierher gehöre auch ein bedeutender Teil der Ge- setzgebung des Moses über die Unterscheidung des Reinen vom Unreinen und über die Regelung der körperlichen Reinigung. Ja man könne sagen, daß die ganze religiöse Geschichte der Ju- den darauf gerichtet sei, für den Gott Israels nicht nur heilige Seelen, sondern auch geheiligte Körper bereitzustellen. Wenn wir beobachten, wie die Juden darnach streben, das Göttliche zu verkörpern und das Körperliche zu läutern und zu heiligen, so werden wir von einer neuen Seite her verstehen, daß gerade das Judentum die am meisten entsprechende geschichtliche Vorberei- tung für die Verkörperung des göttlichen Wortes war, denn Ver- nunft sowohl wie Frömmigkeit müssen einsehen, daß zur Mensch- werdung der Gottheit nicht nur eine heilige jungfräuliche Seele, sondern auch eine reine und geheiligte Körperlichkeit nötig ge- wesen war. Ein persönliches Erlebnis Eine moderne Jüdin, die im liberalen Judentum erzogen worden war, dann aber auf der Höhe ihres Lebens nicht ohne große Schwierigkeiten zu den alten Traditionen zurückkehrte, erzählte dem Verfasser, daß der Rabbi, der ihr diese Rückkehr ermög- lichte, dazu folgende Ermutigung gab:„Denken Sie an das, was dahinter steht und was sich der äußeren Formen und Gebärden bedient, auf daß dadurch eine geistige Leistung vorbereitet werde.“ 42 Was in von den tion fort: den eleu gelten lie Übung in ditionelle liches Ele Gegenwa eben wei nach jene aller Ent sich selbs lichkeit.] des Jude haben, ur Tülle des s sich der ınd wäh- bwendet, € Realis- nerksam- m um ın ußten sie terhaflen Vesens zu ten Kör- r Idee im nem an- | der Ge- inen vom einigung. e der Ju- ur heilige n, Wenn etliche zu jligen, 50 erade das Vorberei- Jenn Ver- rMensc- che Seele, nötig ge" n worden ‚ne gro? } erzählte Ir ermöß‘ | das, wa Gebärden orbereite!" Was im vorstehenden Kapitel berichtet ist, wurde gewiß auch von den christlichen Asketen erlebt, welche die jüdische Tradi- tion fortsetzten. Ja es wurde in einem gewissen Sinne schon in den eleusischen Mysterien erfahren, die keinen Philosophen gelten ließen, der nicht durch die Askese, also durch schwere Übung in der Geistesherrschaft, hindurchgegangen war. Im tra- ditionellen Judentum aber ist außerdem noch ein unvergleich- liches Element lebendig, nämlich der tiefernste Wunsch nach der Gegenwart Gottes in unserem gesamten Tun und Lassen. Und eben weil der wahrhaft gläubige Mensch von dem Verlangen nach jener Gegenwart Gottes erfüllt ist, so offenbart er auch in aller Entsagung, die ihm auferlegt ist, um die Herrschaft über sich selbst in Kraft zu setzen, eine wahrhaft gottergebene Feier- lichkeit. Diese Feierlichkeit gehört auch zu jener geistigen Größe des Judentums, der wir das vorangehende Kapitel gewidmet haben, und ist ihr naturgemäßer Ausdruck. 43 Die Schrecken der„Heiligen Geschichte“ Von&ristlicher Seite wurde nicht selten geltend gemacht, daß die jüdische Geschichte doch unbestreitbar ein erschreckendes Dokument menschlicher Sündhaftigkeit sei, so daß, von hier aus gesehen, das„Wunder der jüdischen Geschichte“ darin zu be- stehen scheine, daß man eine solche Geschichte mit dem Titel „Heilige Schrift“ geehrt hat. Hierauf sei nun zunächst grund- sätzlich Folgendes geantwortet: Gewiß unterscheidet sich das Alte Testament vom Neuen Testament dadurch, daß das Alte Testament mit dem Naturmenschen, das Neue Testament aber mit dem Gottmenschen zu tun hat. Der Bericht über den Erlöser ist die Antwort auf den Bericht über den unerlösten Menschen und dessen immer wiederholte Versuche, sich durch den unbe- dingten Gehorsam gegenüber Gottes ewigen Gesetzen aus der Gewalt der Natur zu erretten. Eben darum konnte das Alte Testament, also das Testament vom Bunde Gottes mit dem Men- schen, nicht nur von der Wahrheit Gottes reden, sondern mußte diesem göttlichen Aufruf die ganze Wirklichkeit des Menschen in der vollen Größe ihrer Sündhaftigkeit gegenüberstellen. Dar- um also besteht das„Wunder der jüdischen Geschichte“ nicht etwa nur in der geistigen Hoheit der Psalmen und der Prophe- wen, sondern ebensosehr darin, daß dort die Niedrigkeit und Falschheit der sogenannten königlichen Hoheiten nicht— wie in der übrigen Geschichtsschreibung— verhüllt und beschönigt, sondern ohne jede Scheu in ihrer ganzen Realität zur Darstel- lung gebracht wird, so wie dies zum Beispiel in der Geschichte Sauls mit wunderbarer Dramatik geschildert ist. Hierzu gehört auch die Art, wie der Prophet Nathan dem König David, ohne Scheu vor der irdischen Majestät, ja gerade mit Berufung auf diese Majestät, seine Sünden vorhält, und daß diese offene Aus- sprache obendrein noch durch die Aufnahme in das Alte Testa- ment geehrt und verewigt worden ist. So lese man auch die erste 44 | Hälfte des Jos geschil wenn das. licher Sch hochmütig losigkeit ı Ein aul darauf, d: Lektüre z daß alles, anderes is deren Tes Neue Tes aufgebaut zieht, Oh ihkeit a schritte ge ht, daß .cdkendes hier aus zu be- m Titel - grund- sich das Jas Alte ent aber ı Erlöser fenschen ;n unbe- aus der Jas Alte om Men- N mußte Nenschen en. Dar- e“ nicht Prophe- keit un me schönigt, Darstel- ‚eschichte u gehört yid, ohne fung au! ’ene Aus“ te Testa- die erste| Hälfte des Kapitels Jesajas, wo der wirkliche Mensch schonungs- los geschildert wird, so daß es dann schließlich nur logisch ist, wenn das Alte Testament mit dem demütigen Bekenntnis mensch- licher Schwäche und Nichtigkeit schließt und gegenüber aller hochmütigen Sündhaftigkeit das Bewußtsein menschlicher Hilf- losigkeit in immer neuen Wendungen zum Ausdruck bringt. Ein aufrichtiger moderner Christ sagte,einmal, er verzichte darauf, das Alte Testament zu lesen, weil er fürchte, durch diese Lektüre zum Antisemiten zu werden... Dieser Christ sah nicht, daß alles, was im Alten Testament geschildert wird, doch nichts anderes ist als der wirkliche Mensch, dessen Treiben in allen an- deren Testamenten vernebelt wird, ausgenommen natürlich das Neue Testament, das ganz und gar auf dem Alten Testament aufgebaut ist und die letzten Folgerungen aus dessen Realismus zieht. Ohne jene furchtlose Erkenntnis der menschlichen Wirk- lichkeit aber kann es doch keine sittlichen und geistigen Fort- schritte geben. 45 Die Auseinandersetzung Jerusalems mit seiner heidnischen Nachbarschaft Judentum und Griechentum In seiner„Geschichte der Juden“ bemerkt Josef Kastein zu dem großen Thema, das wir in der Überschrift zu dem Kapitel for- muliert haben: n... Es setzt nun ein Vorgang ein, von dessen gewaltiger Er- schütterung auch Judäa ins Schwanken gerät: der Zusammen- stoß des Morgenlandes mit dem Abendland. Griechenland bricht in den Orient ein. Bis zu diesem Punkte seiner Geschichte sind dem Judentum schon viele Völker begegnet. Bei jeder Begegnung gab es diese oder jene Gemeinsamkeit, sei es in der semitischen Abstammung, der Sprachverwandtschafl, der Gewöhnung an das nachbarliche Zusammenwohnen. Diese letzte Spur von Ge- meinsamkeit hört auf, als Juden und Griechen einander begeg- nen... Zunächst konstatieren die Juden ohne besondere Er- regung, daß sie wieder einmal unter eine neue politische Ober- hoheit gekommen sind. Sie erfahren, daß Alexander, Sohn des Mazedoniers Philipp, im Begriffe sei, den Traum eines Europa, Asien und Afrika umfassenden Weltreiches unter der Hegemonie der Griechen und des griechischen Geistes zu verwirklichen.“ Zum Schrecken der Juden beginnt unter den Seleukiden, also denjenigen Nachfolgern Alexanders des Großen, denen Judäa zugeteilt worden war, eine systematische Unterdrückung des jüdischen Volkes und seiner Religion, wodurch ebenso uner- wartet ein leidenschaftlicher Widerstand des jüdischen Volkes einsetzte, der seine Höhe erreichte, als die Unterdrücker eine Zeusstatue im Tempel von Jerusalem aufstellten und dort dem griechischen Gotte ein Schwein opferten. Gewiß waren auch im 46 jüdische denen d Grund: heit der jeden Pı zu den Minorit Ausbild oberer d der grie Juden sı dazu fü fällen aı beschlof Auftrag Schlupfi geschich wickelte Stärke, Unter Epiphaı Kinder Stadtm; Festung Denn E Ihrem\ machen. des Jud Blonsge schneidı vorschr; für die den Jüd {um der Sondere zum le Aktive aus. In Opfer t eamte amilie ieder zu dem itel for- iger Er- ammen- ‚d bricht te sind gegnung nitischen ung A von Ge- r begeg- dere Er- Je Ober- Sohn des jüdischen Volke selber Gruppen von Hellenisten entstanden, denen das genußreiche Leben und Treiben der Griechen von Grund aus zusagte. Um so größer aber wurde die Entschlossen- heit der Majorität des jüdischen Volkes, mit dieser Invasion um jeden Preis aufzuräumen. Obwohl diese Majorität im Vergleich zu den Machtmitteln der griechischen Eroberer eine winzige Minorität darstellte, gelang es dieser Minorität dennoch, durch Ausbildung von zahllosen kleinen bewaffneten Gruppen die Er- oberer derartig zu verstören und zu verängstigen, daß Epiphanes, der griechische Statthalter in Jerusalem, den Beschluß faßte, die Juden systematisch auszurotten. Diese Drohung konnte aber nur dazu führen, die jüdische Taktik in ununterbrochenen Über- fällen auf die Unterdrücker auf die Höhe zu bringen. Epiphanes beschloß darauf, eine besondere Armee zu organisieren, die den Auftrag hatte, die jüdischen Verteidiger bis in die letzten Schlupfwinkel zu verfolgen und zu vernichten. Unter der welt- geschichtlich berühmt gewordenen Führung der Makkabäer ent- wickelte sich die jüdische Gegenaktion schließlich zu solcher Stärke, daß Epiphanes eine zweite Armee ins Feld führen mußte. Unter der Führung seines Feldherrn Apollonius organisierte Epiphanes ein erneutes Massenmorden in Jerusalem. Frauen und Kinder wurden in Haufen auf die Sklavenmärkte geschickt. Die Stadtmauern wurden eingerissen. Mitten in der Stadt wurde ein Festungsbau für die griechischen Truppen geschaffen, die Akra. Denn Epiphanes hatte beschlossen, jetzt mit den Judäern und ihrem Widerstand gegen die Hellenisierung endgültig Schluß zu machen. Von der Verfolgung der Judäer ging er zur Verfolgung des Judaismus über. Er verbot die Befolgung des jüdischen Reli- gionsgesetzes, besonders nachdrücklich die Vornahme der Be- schneidung, die Feier des Sabbats und die Einhaltung der Speise- vorschriften. Als er dann auch dazu überging, den Opferdienst für die griechischen Götter zu organisieren, trieb er natürlich den jüdischen Widerstand auf die Spitze. Das religiöse Märtyrer- tum der Juden hat durch diesen Angriff Griechenlands seine be- sondere Form erhalten und mußte das jüdische Volk immer mehr zum letzten und verzweifelten Entscheidungskampf treiben. Aktive und passive Gegenwehr breitet sich über das ganze Land aus. Immer wieder brechen aus den Verstecken zum letzten Opfer bereite Scharen hervor, die die fremden Altäre einreißen, Beamte verjagen und griechische Soldatentrupps überfallen. Die Familie der Hasmonäer macht sich zum Mittelpunkt des auf Wiedererlangung der religiösen Unabhängigkeit gerichteten 47 Kampfes gegen Epiphanes und die von ihm vertretene griechische Kultur. Es wird sogar am Sabbat gekämpft und zum„heiligen Kriege“ aufgerufen. Ein zweites und drittes Heer, das zur völ- ligen Vernichtung der Juden bestimmt war, wird unter Führung des Juda Makkabäus geschlagen, der Weg nach Jerusalem wird frei gemacht. Endlich im Jahre 165 wird Jerusalem wieder- erobert und der geschändete Tempel entsühnt und in feierlicher Neueinweihung den Juden zurückgegeben. Auch die Akra kommt nun wieder in den Besitz der Juden; Epiphanes stirbt im Wahnsinn, und ein gewaltiger Triumph einer ihrer geheiligten Tradition bis in den Tod getreuen Minorität hat eine übermütige Majorität, die noch dazu die Nachfolger Alexanders des Großen repräsentierte, endgültig aus dem Lande verjagt. Hier endet ein ganz großes Kapitel der jüdischen Geschichte, ein Kapitel, das für alle Zeiten ein lebendiger Beweis für die schließliche Überlegenheit einer wahrhaft getreuen Elite über jede Art von bloßer äußerer Macht gewesen ist. „Griechischer Reichtum“ und„jüdische Armut“ Es wäre sehr wünschenswert, daß in den oberen Klassen der für die intellektuellen Eliten bestimmten Schulen nicht nur die be- kannten griechischen und römischen Klassiker gelesen würden, sondern auch die Schriften des heiligen Augustinus und anderer Autoren, die vom Heidentum zum Christentum übertraten und dann ihren Zeitgenossen darlegten, warum die Antike nicht im- stande war, mit eigenen Mitteln das Problem der geistigen und sittlichen Befreiung des Menschen zu lösen.„Platos Ideen sind erhebend“, sagte Justinus Martyr,„aber sie werfen uns nicht auf die Knie.“ Und Augustin, der durch die ganze griechische Bil- dung hindurchgegangen war, fand in den Psalmen des Alten Testaments eine Klarheit und Strenge der geistig-sittlichen Ziel- setzung, die er in der ganzen reichen Weisheit der Antike ver- geblich gesucht hatte.„Du riefst mich aus dem Vielen, in das ich verirrt war, zurück zu dem Einen.“ Wie wir im vorstehenden Kapitel zeigten, versuchten die Nachfolger Alexanders des Großen die Juden zu hellenisieren. Sie glaubten, damit die hebräische Armut durch den griechischen Reichtum zu ersetzen. Sie sahen nicht, daß aus den Tiefen des jüdischen Gottesglaubens das Heil der Welt hervorgehen werde. Der heilige Hieronymus sagte:„Solange der Mensch noch Grieche 48 ist, kann - einen Ku Schönheit werden, und umg liche Beg Untersch disch-chr: reine Me geht er c zehnten die sich r gedachte: überließe griechen, menschli Ohne G- immer m je reicher Werke eı bis selbs keit dies Fatum d das uns| darf, Wir hab der jüdi om un Anlaß d Widerst; sen Ca alems er durch an Reiches; Erste pr shilden, Sche Geg dann um ereiten. f Foerste, ;riechische „heiligen s zur völ- ' Führung ‚lem wird 1 wieder- feierlicher die Akra ; stirbt im eheiligten bermütige s Großen seschichte, is für die lite über .n der für Ir die be- _ würden, d anderer ‚aten und nicht im- tigen und deen sind nicht auf ische Bil- des Alten chen Ziel- tike ver- in das ich chten die enisiereN. iechischen iefen des en werde. h Grieche| ist, kann er nicht Christ werden.“ Die griechische Antike machte ‚ einen Kult aus der Kreatur und brachte deren ganze natürliche Schönheit zutage. Aber der Mensch muß eine neue Kreatur werden, er muß nach seinem Falle von oben her neugeschaffen und umgeschaffen werden— erst dann kommt seine ganze gött- liche Begabung und Schönheit zutage. Hier liegt der ganze Unterschied zwischen der antiken Menschlichkeit und der jü- disch-christlichen Geistigkeit.„Alle irdischen Gebrechen sühnet reine Menschlichkeit“, heißt es bei Goethe. Gewiß,„aber zuerst geht er durch den Tod hindurch“, sagt Kierkegaard. Im neun- zehnten Jahrhundert gab es zu viele„Griechen“ in Deutschland, die sich mit der alten Kreatur und deren Schönheit zu begnügen gedachten und die die wiedergeborene Kreatur den Theologen überließen. Wer aber beschreibt das Erstaunen all dieser Neu- griechen, als sie eines Tages aus dem rein Menschlichen den allzu- menschlichen, ja den entmenschten Menschen herausgrinsen sahen? Ohne Gott und den Gottmenschen fällt der Mensch schließlich immer mehr den Dämonen zur Beute— und dies um so sicherer, je reicher seine Intelligenz, seine Phantasie und all seine geistigen Werke emporgewachsen sind. Es wird nicht mehr lange dauern, bis selbst den blindesten Anbetern gottloser Menschenherrlich- keit dies klar geworden sein wird. Es ist eben das unabwendbare Fatum des sich selbst überlassenen Menschen, ein Fatum, über das uns keine flüchtige Blüte wurzelloser Kultur hinwegtäuschen darf. Rom und Jerusalem Wir haben bereits in unserem Kapitel über„Die geistige Größe der jüdischen Geschichte“ den ersten großen Zusammenstoß von Rom und Jerusalem geschildert, einen Zusammenstoß, dessen Anlaß die unwiderrufliche Entschließung der Cäsaren war, den Widerstand der Juden gegen die göttliche Verehrung der römi- schen Cäsaren im jüdischen Tempel und auf den Straßen Jeru- salems endgültig zu brechen. Da die römischen Cäsaren zeitweise durch anderweitige Aufgaben inmitten des gewaltigen Römischen Reiches in Beschlag genommen waren, so erklärt es sich, daß die erste große Revolte, die wir in dem genannten Kapitel ge- schildert haben, zunächst scheinbar ohne Folgen blieb. Die römi- sche Gegenwirkung gegen den jüdischen Widerstand setzte aber dann um so stärker und zielbewußter ein— zunächst durch vor- bereitende Eroberung von Stützpunkten, die in der Nachbar- 4 Foerster, Jüdische Frage 49 schaft Jerusalems lagen. Sodann gab Kaiser Vespasian seinem Sohne Titus den Auftrag, Jerusalem als die einzige noch dem römischen Weltreich widerstrebende Macht endgültig zu ver- nichten. Vorbereitet wurde der letzte Schlag durch planmäßige Aushungerung der Stadt. In Jerusalem war nichts mehr als ein Massensterben und ein Pestgeruch von verwesenden Leichen. Der Rest der Bevölkerung leistete gleichwohl Widerstand bis zum äußersten. Die von den Römern eingeschlossenen Juden lockten die Römer in eine Falle, bei der sie in vorbereitete Schei- terhaufen stürzten. Todesmutige Frauen gossen von den Wällen heißes Ol auf die römischen Soldaten. Alles das erzeugte schließ- lich unter den römischen Belagerern eine solche Erbitterung, daß ganz Jerusalem bis auf den letzten Stein zerstört und die Be- völkerung, soweit sie nicht erschlagen wurde, in alle Winde zu flüchten genötigt war. Bezeichnend für die Gründlichkeit der Vernichtung selbst der letzten Zufluchtsstätten in der Umgebung Jerusalems war die Erstürmung einer Festung, wo ein Kreis übriggebliebener Verteidiger einen Eid geschworen hatte, sich um keinen Preis zu ergeben. Bei der Erstürmung der Festung zeigte sich, daß nur zwei Frauen und fünf Kinder lebendig ge- blieben waren— der Rest hatte sich selbst getötet. Hoch über dem Heroismus der Juden thronte in Rom die folgende Inschrift auf dem Triumphbogen, der dem siegreichen Titus von der römischen Weltmacht errichtet worden war: „Der Senat und das römische Volk dem Imperator Titus zum Dank dafür, daß er das jüdische Volk unterwarf und die Stadt Jerusalem zerstört hat, die zu bezwingen alle Feldherren, Könige und Völker früherer Zeiten vergeblich versucht haben.“ 4 Der Wer einn der hat s jüdischer uralter E und man schen Lei ganze W es damal Hier ent zwei Vol Menschh salsgeme hunderts Familie, „Nichts ihren Da lierte au. damals; denen Sie gedachte Menschli, Unermef Intellige, tigkeitsk, Ung sein bi dahj, Teilhabe Schen Vi Biber de alles gew Nicht nur ın seinem noch dem 2 ZU ver- anmäßige hr als ein ı Leichen, stand bis ien Juden tete Schei- en Wällen te schließ- rung, daß 1d die Be- Winde zu chkeit der Umgebung ein Kreis hatte, sich or Festung bendig ge: \ Rom die siegreichen war: Titus zum ] die Stadt ‚en, Könige « N. Der deutsche Jude und der deutsche Nationalismus Wer einmal den alten jüdischen Friedhof in Worms besucht hat, der hat sicher nicht ohne tiefe Bewegung dieses älteste Denkmal jüdischer Ansiedlung im deutschen Westen betrachtet. Da breitet uralter Efeu seine dunkelgrünen Zweige über verwitterte Steine, und man versteht an diesem Orte, wo sechs Jahrhunderte jüdi- schen Lebens im ewigen Schlafe vereint sind, was der über die ganze Welt wandernde Jude empfand, als er endlich— wie er es damals glaubte— hier eine dauernde Heimat gefunden hatte. Hier entfaltete sich zuerst die Schicksalsgemeinschaft zwischen zwei Völkern, die in besonderer Weise den geistigen Gütern der Menschheit ergeben waren. Ein erhebendes Symbol jener Schick- salsgemeinschaft war in der ersten Hälfte des neunzehnten Jahr- hunderts die Verbindung der jüdischen Eliten mit der Humboldt- Familie. Wenn damals Rachel von Varnhagen das Wort prägte: „Nichts bindet so wie freilassen“, so sprach sie damit nicht nur ihren Dank für die Emanzipation der Juden aus, sondern formu- lierte auch das Gegenprinzip gegen die preußische Autorität, die damals schon die geistigen Waffen zu schmieden begann, mit denen sie den Kampf gegen das westliche Europa aufzunehmen gedachte. Zu dieser Zeit ging dem deutschen Juden die Sonne menschlicher Gleichberechtigung auf. Er stieg empor aus dem unermeßlichen Weh degradierter Geburt und richtete seine ganze Intelligenz und Energie darauf, seinen säkularen Minderwer- tigkeitskomplex zu überwinden. Endlich schien ihm die Erfül- lung seiner Sehnsucht gekommen zu sein. Er eroberte ein ihm bis dahin verschlossenes Gebiet nach dem anderen, er wurde Teilhaber und Mitarbeiter aller großen Entdeckungen der deut- schen Wissenschaft und stieg schließlich zum sachkundigsten Rat- geber des deutschen Welthandels empor. Aber gerade als endlich alles gewonnen schien, kam Hitler, und der deutsche Jude wurde nicht nur von neuem in die letzte Erniedrigung hinuntergetreten, ir 51 sondern letzten Endes wie Ungeziefer dem chemischen Massen- tode überantwortet. Welches Volksschicksal, welches Drama, das zum Himmel schreit! - Als ich am Ende des zweiten Weltkrieges die entscheidenden Nachrichten über Hitlers Ausrottungskrieg gegen die Juden ge- lesen hatte, kam mir die Erinnerung an jene alte Prophezeiung des Klosters Lehnin, worin am Ende des Mittelalters ein Abt voraussagte, es werde im deutschen Lande ein so großes Ver- brechen begangen werden, daß es nur durch den Tod gesühnt werden könne(„infandum nefas— morte piandum“). Es war gewiß ein tragischer Wendepunkt, als der deutsche Jude, der seiner geistigen Tradition so tief verpflichtet war und der zugleich seinem deutschen Vaterlande dienen wollte, sich vor die Wahl gestellt sah, ob er sich mit dem neudeutschen Macht- wahn verbinden oder seiner eigenen geheiligten Tradition die Treue halten solle, also jener wunderbaren und geheimnisvollen Kooperation zwischen Göttlichem und Menschlichem, die man das Alte Testament nennt. Daß nur zu viele Juden diese Treue nicht gehalten haben, sondern begeistert in den Dienst jenes neu- deutschen Nationalismus traten, der doch alle großen deutschen Traditionen verraten hat, das ist, wie es heute selbst viele bisher Verblendete einzusehen begonnen haben, schließlich den Juden nicht weniger zum Unheil geworden wie den Neudeutschen selber, die dem unseligen Irrtum verfallen waren, sie könnten die Herren der Welt werden, wenn sie es fertig brächten, um eines solchen Wahnes willen ihr größtes geistiges Erbgut zu verraten. Wie erschreckend weit übrigens viele führende deutsche Juden dem schlimmsten neudeutschen Nationalismus verfallen waren, das möge dem Leser durch folgende zwei Beispiele zu klarem Bewußtsein gebracht werden. Kein Geringerer als Maximilian Harden hat, wie aus Romain Rollands Tagebüchern hervorgeht (S. 163), während des ersten Weltkrieges Folgendes erklärt: „Weg mit der Heuchelei, wir wollen Macht und die Weltherr- schaft, und unsere Macht ist unser Recht. Wir wollen nicht länger von unserer Friedfertigkeit lügen, wir sind streitbar und wollen Kampf und Macht.“ Ferner hat der ebenfalls dem Judentum angehörende bekannte liberale Abgeordnete Heilmann in einem Brief an Kurt Eisner, datiert vom 7. August 1914, Folgendes erklärt': 1 Abgedruckt in„Die Zeit“, Organ für grundsätzliche Orientierung, 1. Februarheft 1933. 52 „Ich glau Frankreis ‚Franzose dann wir angefalle England| land hof} kunfl nic Wir kı Wählern ihren An sagen, da Wer st nalismus nur den| seiner jü allen ern damit sie kenntnis Traditior den gewa 50 würde, und daue Verirrun n Massen- )rama, das heidenden Juden ge- ‚phezeiung rs ein Abt :oßes Ver- d gesühnt ). r deutsche t war und te, sich vor ıen Macht- ‚dition die mnisvollen© 1, die man Jiese Treue ‚ jenes NEU- 1 deutschen viele bisher den Juden ‚udeutschen je könnten ‚n, um eines u verraten. ische Juden |len waren, zu klarem Maximilian hervorgeht erklärt: , Weltherr nicht länge 2 wollen de bekann!* unt Eisne" prientierund „Ich glaube, Sie sehen diesmal ein wenig zu schwarz. Wenn erst Frankreich niedergeworfen ist— und wir können jetzt den Franzosen wirklich nicht mit Friedensangeboten nachlaufen—, dann wird Rußland von Schweden, Rumänien und der Türkei angefallen und mit der größten Leichtigkeit zu Boden gerungen. England kommt natürlich diesmal noch gut fort, aber da Deutsch- land hoffentlich in Antwerpen sitzenbleibt, hat es für die Zu- kunft nichts zu lachen. Wir können jetzt nur nationalistisch schreiben. Von unseren Wählern steht mindestens eine Million im Felde. Sollen wir ihren Angehörigen das Herz schwer machen, indem wir ihnen sagen, daß die Leute unnütz geopfert werden?“ Wer spürt hinter dem gänzlich naiven neudeutschen Natio- nalismus dieses mit Recht geachteten jüdischen Politikers auch nur den leisesten Rest von Treue gegenüber dem ethischen Geist seiner jüdischen Tradition? Mögen die zitierten Verirrungen allen ernsthaften Juden unserer Zeit gründlich zu denken geben, damit sie neuen Versuchungen mit wahrhaft charaktervollem Be- kenntnis zum Besten und Heiligsten ihrer eigenen geschichtlichen Tradition gegenübertreten können. Hätten sie dies gegenüber den gewaltigen Versuchungen der neudeutschen Kriegsära getan, so würden sie damit auch ihren deutschen Freunden einen wahren und dauernden Dienst erwiesen haben, statt sie in einer tödlichen Verirrung kopflos zu bestärken. Das Volk Gottes und seine Rolle in unserer materiellen Zivilisation Weltgeschichtliche und weltwirtschaftliche Folgen der Zerstörung Jerusalems Die jüdische Geschichte zeigt eine gewaltige Spannweite ihrer Gegensätze. Das gleiche Volk, das in der Welt die größte gei- stige Rolle gespielt hat, ist nach seiner Vertreibung aus Jeru- salem und dem Heiligen Lande langsam im Laufe der Jahr- hunderte ein so entscheidender Faktor der wirtschaftlichen Ent- wicklung Europas und der ganzen Welt geworden, daß der Eindruck entstehen konnte, die Juden seien zwar einst ein Volk der religiösen Leidenschaft gewesen, sie seien aber dann das eigentliche Volk der finanziellen Technik und die Sachverstän- digen des Kapitalismus und seiner weltweiten Operationen ge- worden. Zu dieser Rolle hat natürlich vor allem die Austreibung der Juden aus ihrer Heimat und ihre Zerstreuung in alle Länder entscheidend beigetragen. Das entwurzelte Volk wurde der ge- gebene Träger des internationalen Handels. Der gewaltige Hori- zont der religiösen Urkunden des jüdischen Volkes, in denen alle nächsten und fernsten Interessen der Menschheit von oben her betrachtet wurden, hatte der jüdischen Intelligenz eine bis dahin unerreichteBeweglichkeit in der Anpassung an immer wechselnde Aufgaben und Schwierigkeiten verliehen. So wenig wie gewisse Pflanzen ohne Insektenbefruchtung zur Reife kommen können, so wenig hätte die europäische Wirtschaft sich ohne die ver- mittelnde Funktion des jüdischen Weltkenners und Welthändlers entwickeln können. (V Die Jude mit aller Sinne sag „Die Jnd eigenen| Handwe den war barsten Gesetz fi sowie au Audi Jahrhun: Wirtscha; Landwir zum Jah An dies Cesare] für Bauc agegeb, Steinige daß zwe vollende ehemali; Stige bri über die Auch ist ın Unga Scher Be Zeit Al sche An an die| Seelen, Cherson Ektar Sich ber sation Zerstörung weite ihrer größte gei- aus Jeru- der Jahr- lichen Ent- 1, daß der st. ein Volk dann das „chverstän- tionen ge \ustreibung ılle Länder rde der ge tige Horı- denen alle n oben her 1e bis dahin wechselnde ie gewisse en können; 1E die ver elchändler Vielseitigkeit des jüdischen Berufslebens (Vom kleinasiatischen Ackerbauer zum europäischen Handelsmann) Die Juden waren, wie allbekannt, ursprünglich ein Bauernvolk mit allen dazugehörigen Sitten und Gewohnheiten. In diesem Sinne sagt Ignaz Döllinger: „Die Juden waren immer ein arbeitsames Volk. Solange sie einen eigenen Staat bildeten, waren Feld- und Gartenarbeit und das Handwerk ihre vorherrschende Beschäftigung. Unter ihren Hän- den war Palästina zu einem der am besten bebauten und frucht- barsten Länder der Erde geworden. War doch auch das mosaische Gesetz ganz und gar auf die Bodenkultur und die Viehzucht sowie auf die Förderung von Getreide, Wein und Öl gerichtet.“ Auch in der späteren Zeit— der Diaspora— betrieben sie noch Jahrhunderte hindurch neben Handel und Gewerbe auch Land- wirtschaft und Weinbau. Unter Kaiser Justinian waren sie als Landwirte bekannt und konnten dann auch späterhin, bis etwa zum Jahre 1000, in unbeschränkter Weise Grundbesitz erwerben. An diese lange zurückliegenden Tatsachen dachte wohl auch Cesare Lombroso, als er im Jahre 1893 die Frage stellte:„Was für Bauern würden diese Makler, Juweliere und Weinhändler abgegeben haben? Was für jüdische Bauernhöfe würde der steinige Boden Palästinas hergeben?“— Wir Heutigen wissen, daß zwei Generationen genügt haben, um aus den Juden wieder vollendete Farmer zu machen. Der französische Senator und ehemalige Minister Godart sowie Sir Herbert Samuel, der ein- stige britische Gouverneur von Palästina, waren voll des Lobes über die heutigen jüdischen Landwirte im„Heiligen Lande“. Auch ist bekannt, daß in Österreich, in Böhmen und Mähren, in Ungarn und Galizien mustergültige Bauerngüter unter jüdi- scher Bewirtschaftung zu finden waren. In Rußland gab es zur Zeit Alexanders I. in dreizehn Gouvernements über 300 jüdi- sche Ansiedlungen, und auch noch im Jahre 1893 zählte man an die 11 000 solcher jüdischer Bauernfamilien mit über 70 000 Seelen. Aber nachdem im Jahre 1807 in den Gouvernements von Cherson und Jekaterinoslav auf einer Landfläche von 39 000 Hektar 38 jüdische Siedlungen gezählt worden waren, zeigten sich bereits Bestrebungen’ der russischen Regierung, den Juden 55 alle ihre Siedlungen wegzunehmen. Ein Sachkenner russischer Verhältnisse glaubt, daß die Judenfrage in Rußland zum größ- ten Teil hätte gelöst werden können, wenn die drei auf Niko- laus I. folgenden Zaren den von diesem betretenen Weg weiter- gegangen wären, statt vom Jahre 1865 an die jüdische Koloni- sation zum Stillstand zu bringen und dann, acht Jahre darauf, den Juden jeden neuen Landerwerb zu verbieten. Der Umstand, daß die Juden, wie wir immer wieder gesehen haben, gezwungen waren, auszuwandern und die Landwirtschaft zu verlassen, brachte sie dann dazu, im Gewerbe und im Handel ihren Lebensunterhalt zu suchen, und so finden wir im Mittel- meerbecken durch Jahrhunderte hindurch die Juden als Seiden- züchter und Seidenhändler und zur Zeit des Dreißigjährigen Krieges vor allem im Norden im Tuchgewerbe tätig. Vom 16. bis zum 18. Jahrhundert waren sie die einflußreichsten Heeres- lieferanten, und zu Beginn der neuen Zeit galten Samt, Seide und Wolle geradezu als„Judenware“. Sie, die sich den Anforde- rungen des Städtelebens so gut angepaßt hatten, daß sie da und dort als„Förderer der Städtekultur“ besondere Anerkennung gefunden hatten, mußten daher alle jene Rückschläge um so schmerzlicher empfinden, welche den immer wieder aufflammen- den Antisemitismus und den Konkurrenzneid zur Ursache hatten. Es gab bekanntlich Zeiten, da niemand ein Handwerk ausüben durfte, der nicht einer Zunft angehörte; aber eben diese Zünfte schlossen sich streng gegen die Juden ab. Andererseits wurde in der Welt der Hansa und in vielen westdeutschen und süddeut- schen Städten das Bestreben sichtbar, die Juden vom Weltmarkt zu verdrängen, so daß ihnen schließlich nichts anderes belassen wurde als der Kleinhandel und der Geldwucher. Allbekannt ist ja auch, wie dann die Juden in Ghettos eingeschlossen waren und so von den christlichen Teilen der Stadtbevölkerung abge- sondert wurden, eine Absonderung, die sie dann immer mehr zu jenem einseitigen Geschäftssinn und jener besonderen Mentalität führte, die man ihnen bis heute zum Vorwurf macht. Auch hier zeigt sich wiederum, wie schon so oft, eine plötzliche tragische Wendung im Schicksal des jüdischen Volkes. Darf man doch nicht vergessen, daß die Juden im Römischen Reiche den Groß- handel zwischen Westen und Osten, zwischen Süden und Nor- den, ja bis hinüber nach den Britischen Inseln vermittelt hatten und daß sie dann später in den Hafenstädten und in allen be- deutenden Punkten des Inlandverkehrs tätig gewesen waren. So finden wir jüdische Großkaufleute in Genua, Marseille, in 56 Neapel, F in Pisa, je den wir b gewissenh wurden; händler, arbeiter I täten blie die bereit So wand viele ver und trug des nord. und Tab; wieder A zu einem Ostjuden schr gesd ihnen di gungen g Juden in folgende ‚Bei nah heit die j entscheid derten, ı beiführt, russischer ım größ- uf Niko- g weiter- - e darauf, r gesehen wirtschaft n Handel n Mittel- s Seiden- gjährigen Vom 16. ı Heeres- mt, Seide Anforde- ie da und rkennung je um SO flammen- he hatten. < ausüben se Zünfte wurde ın süddeut- Tejtmarkt s belassen kannt ist en waren ung abge- r mehr zu entalität Auch hier , gragische man do jen Groß- und Nor- oje hatten | allen be- warel. 50 seille, ın ' Neapel, Palermo, Amalfi, Arles und Narbonne, in Venedig und in Pisa, ja selbst am Kaspischen Meer und in China. Ebenso fin- den wir bis in die Neuzeit hinein jüdische Handwerker, die ihrer gewissenhaften Arbeitsleistung wegen vielerorts sehr geschätzt wurden; in Sizilien wurden sie die besten Seiden- und Purpur- händler, in Arabien waren sie lange als vorzügliche Schmiede- arbeiter bekannt. Aber trotz all: dieser hochgeschätzten Quali- täten blieb es das tragische Geschick des jüdischen Volkes, daß die bereits Eingewurzelten plötzlich wieder vertrieben wurden. So wanderten z.B. im Laufe des neunzehnten Jahrhunderts viele vertriebene Ostjuden nach den Vereinigten Staaten aus und trugen dort nicht wenig zu der aufsteigenden Entwicklung des nordamerikanischen Pelzgewerbes und der dortigen Kleider- und Tabakindustrie bei. Hier wurde ihnen dann auch erlaubt, wieder Ackerbau zu treiben und diese neugewonnene Tätigkeit zu einem eigenen Farmerbund auszubauen. Diese vertriebenen Ostjuden wurden dann auch in Amerika als Qualitätsarbeiter sehr geschätzt, die durch ihre Leistungen all das belohnten, was ihnen dieses Land an besseren und günstigeren Lebensbedin- gungen geboten hat. Werner Sombart faßte den Anteil, den die Juden in neuerer Zeit am Wirtschaftsleben hatten, einmal in folgenden Worten zusammen: „Bei näherem Zusehen ergab sich mir mit unzweifelhafter Sicher- heit die Erkenntnis, daß in der Tat die Juden es waren, die an entscheidenden Punkten den wirtschaftlichen Aufschwung för- derten, wo immer sie erschienen, und den Niedergang dort her- beiführten, wo sie sich wegwandten.“ Jüdisches Bankgeschäft und jüdischer Wucher Im Mittelalter wurde der jüdische Kaufmann der erste moderne Mensch, der den gesicherten lokalen Markt mit dessen tradi- tionell gebundenen Preissätzen durchbrach und dadurch alle die- jenigen verstörte und erbitterte, die von dieser lokalen Sicherheit und Wertbeständigkeit gelebt hatten. Als man dann mit der Steigerung des Weltverkehrs notgedrungen zum internationalen Tauschmittel des Geldes vorschritt, wurden natürlich die Juden die ersten großen Geldbesitzer, die dank dieser Machtquelle zu wachsendem Einfluß aufstiegen und dadurch naturgemäß Neid - und Feindschaft erregten, und dies um so mehr, als sie durch ihre 57 religiösen Traditionen von jeder geistigen Gemeinschaft mit ihrer Umgebung zurückgehalten waren. Je mehr sich nach den Stürmen der Völkerwanderung das materielle Leben in Europa entwickelte, desto rascher traten dann auch nichtjüdische Kreise in den Welthandel und in das Geldgeschäft ein und suchten immer entschiedener, die Immi- granten aus dem Morgenlande nicht nur durch erfolgreiche Kon- kurrenz auszuschalten, sondern taten auch alles, um dieselben mehr und mehr aus der gesamten Wirtschaft herauszudrängen. So blieb schließlich nur ein einziges Gebiet übrig, in dem sie den Juden freie Hand ließen, ja ihnen sogar ein Monopol bewilligten, und das war das von der Kirche verbotene„Zinsnehmen“ für ausgeliehenes Geld. So wurde der Jude, dem die erstaunlich rasche Entwicklung der europäischen Wirtschaft so entscheidend zu danken war, langsam in die moralisch erniedrigendste wirt- schaftliche Funktion hinuntergestoßen und so lange darin fest- gehalten, bis die allgemeine, Entwicklung des Bankwesens die Juden dahin brachte, diese ihnen überlassene Winkelmission zu einer überall anerkannten und mächtigen Finanzinstitution zu erheben. Werner Sombart sagt in seinem Buche„Die Juden und das Wirtschaftsleben“(S. 429): „... Haben die Juden die Geheimnisse des Geldes selbst erschlos- sen? Haben sie die Technik des Leihverkehrs aus sich heraus ent- wickelt, oder haben sie sie von den Babyloniern gelernt? Daß hier in Babylon in vorjüdischer Zeit ein reger Geldverkehr be- standen hat, scheint jetzt fast erwiesen, obwohl wir über seine Art und Gestaltung wenig Zuverlässiges wissen. Das, was die bisher übersetzten Quellenstellen erkennen lassen, gibt gar keinen sicheren Anhalt, um festzustellen, wie hoch die Entwick- lung des Geld- und Geldleihgeschäftes gediehen war. Immerhin mögen die Keime der jüdischen Geldkunst hier bei ihren Vettern von Babylon liegen. Die Frage, ob dieser oder jener Stamm jenes Volkes, die ja doch alle aus gleicher Wurzel kommen, die ersten goldenen Früchte hervorbrachten, ist im Grunde ziemlich nebensächlich. Bedeutsamer— und in seinen Wurzeln durchaus klar— ist der Umstand, daß das spätere Schicksal den Juden die Geldliebe aufnötigte und die Geldkunst aufzüchtete. Ihre Landflüchtigkeit zwang sie ja seit dem Auszug aus Ägypten, ihrem Hab und Gut immer beweglichere Formen zu geben, und unter diesen bot sich das Geld— neben Schmucksachen— als die geeignetste dar. Es wurde ihr einziger Begleiter, wenn sie 58 nackt a schützer, es nicht| Erde sid — und. zu üben Geldges: ganz un, die Lili} Es w: Augenbl wurden, des Gel: verfalle waren, heißt es nahme y den bet. Was hie von zal aufs ne schrieb ist ein ı Was er y das Par Vater} Hoffnu; Seines| dor.“\ und Ha ihr Ges daß im Dicht mı ft mit ihrer lerung. das her traten ind in das die Immi- eiche Kon- ı dieselben zudrängen, lem sie den ewilligten, hmen“ für erstaunlich ıtscheidend ndste wirt- darin fest- wesens die mission zu titution ZU Juden und st erschlos- heraus ent- lernt? Da} yerkehr be- - über seine gs, was die „gibt gar ie Entwick“ Immerhin ven Vettern ner Stamm ommeh, die de ziemlich In durchaus den Juden chtete. Ihre s Agpbte® geben, un chen— al J y, wenn sei nackt auf die Straße geworfen wurden, und ihr einziger Be- schützer, wenn man sie verfolgte und mißhandelte. Sollten sie es nicht lieben lernen, wenn sie mit seiner Hilfe die Großen dieser Erde sich unterwürfig machen konnten? Das Geld wurde ihnen — und durch sie der ganzen Menschheit— zum Mittel, Macht zu üben, ohne selbst stark zu sein. Mit den feinen Fäden des Geldgeschäftes fesselte ein Volk von kleinen, in sozialem Sinne ganz unscheinbaren Menschen den feudal-bäurischen Riesen, wie die Liliputaner den Gulliver banden...“ Es war aber doch nur natürlich, daß die Juden von dem Augenblick an, in dem sie durch die übrige Welt gezwungen wurden, sich aufs engste mit der ganzen geheimnisvollen Macht des Geldes zu vermähler, auch all den moralischen Gefahren verfallen mußten, die von solcher Entwicklung untrennbar waren.„Quid non mortalia pectora cogis auri sacra fames“ heißt es schon bei Vergil, und Kaiser Hadrian sagte nach der Ein- nahme von Alexandrien:„Sie allehaben nur einen Gott, das Geld, den beten sie alle an, die Heiden? die Juden und die Christen.“ Was hier der römische Dichter sagte, ist in den folgenden Zeiten von zahlreichen Lebenskennern und Menschenkennern immer aufs neue festgestellt worden. Etwa ein Jahrtausend später schrieb dann Columbus aus dem neuentdeckten Amerika:„Gold ist ein wunderbares Ding; wer es besitzt, ist Herr von allem, was er wünscht. Mit Hilfe von Gold kann man sogar den Seelen das Paradies erschließen.“ Cosima Wagner berichtet, daß ihr Vater Franz Liszt— wohl in einem Anfall von Unmut und Hoffnungslosigkeit gegenüber dem Geiste der Zeit— am Ende seines Lebens gesagt haben soll:„Je ne crois plus qu’au veau d’or.“ Wenn wir übrigens in der Bibel von jüdischen Wechslern und Händlern hören, die im Vorhof des Tempels in Jerusalem ihr Geschäft betrieben, so dürfen wir auch hier nicht vergessen, daß im Altertum die Tempel, sowohl im Orient wie im Westen, nicht nur die Stätten der Anbetung des Heiligen waren, sondern auch als Bank- und Pfandleihhäuser dienten. Das gilt auch für die griechischen Tempel in Delphi und in Samos und an vielen anderen Orten. Die religiösen Führer des jüdischen Volkes hatten schon früh die Gefahren, in welche das Geldgeschäft die Menschen bringt, erkannt und ließen daher immer wieder ernsteste Warnungen und Mahnungen an ihre Volksgenossen ergehen. Solche War- nungen vor dem Zinsnehmen als einer sündhaften Übertrerung 59 des biblischen Gesetzes finden sich an verschiedenen Stellen in den Büchern Moses, in den Psalmen und bei Ezechiel. Bei Sirach finden wir das Wort:„Ein Kaufmann kann sich schwerlich vor Unrecht und ein Krämer vor Sünden hüten.“ Im christlichen Europa sehen wir dann, daß die Kirche sich schon früh genötigt sah, Stellung zu nehmen zu einem sich bis zum Wucher steigern- den Gebaren geldgeschäftstreibender Christen. Bereits auf dem Konzil von Nicäa werden Klagen gegen den Wucher betreiben- de Christen laut, und der heilige Bernhard von Clairvaux ist in dieser Hinsicht so pessimistisch, daß er sagt:„Wenn die Juden nicht wären, würden es die christlichen Wucherer noch schlimmer machen.“ Und ähnlich äußerte sich auch der den Juden durchaus nicht freundlich gesinnte Lambert von Hersberg. Auch Dante hatte in seinem„Inferno“ Plätze geschildert, wo die Einwohner um ihrer Wuchergeschäfte und manche hochgestellte Christen um ihrer Habgier oder ihres Geizes wegen büßen müssen. Nach kirchlich-mittelalterlicher Auffassung war das Geldver- leihen mit dem Odium der Unfruchtbarkeit und der Wider- natürlichkeit behaftet, und während alle anderen Beschäftigungen als notwendig und daher als rechtschaffen galten, durften nur die Juden dieses unsittliche Gewerbe des Geldverleihens betreiben, während für die Christen, um ihnen das Wuchern in seinen vielen und oft halbbedeckten Formen zu verbieten,„Zinsver- bote“ erlassen wurden, welche aber, da in damaliger Zeit die Festlegung eines stabilen Zinsfußes nicht möglich war, die ver- wirrendsten Folgen hatten. Durch diese Zinsverbote wurde den Juden das Geldverleihen auf Faustpfand und Zins geradezu auferlegt, und die Kirche erklärte: Das sündhafte Zinsnehmen sei Sache der Juden, die doch schon von Hause aus Sünder seien, wogegen die Christen, dieGeld von den Juden auf Zins entlehnten, doch nur„der überwältigenden Not“ gehorchten. In diese„Not- lage“ kamen nicht nur die niedere und hohe Geistlichkeit, son- dern selbst die Päpste, die ihre Zuflucht zum Geldentleihen bei den Juden nehmen mußten, und diese überwältigende Wirklich- keit zwang dann die Kirche zu kasuistischen Auslegungen. Man bestand auf der strengsten Beibehaltung der Zinsverbote, auf deren Übertretung durch die Christen geradezu die Todesstrafe bestand, und man erklärte, daß der Christ zwar kein Geld auf Zinsen ausleihen, wohl aber von den Juden Geld auf Zinsen ent- lehnen dürfte. Diese Brandmarkung des Zinsnehmens durch die Kirche half dazu, in dem unter ständigem Geldmangel leidenden Volke den 60 Haß ge; doch nic gang vo! Wirtsche bracht} Trotz d lungen| Haß geg auf jene dem Vo erhellt, Zinsen ı werflich geschütz die häul luste sch Besitz il leicht ge Juden; Mensche Verpflic keines] „Jude“ in der ı kommer schen h. 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Andererseits trat den kirchlichen Verboten zum Trotz der christliche Wucher immer mehr aus seinen Verhül- lungen heraus, und in Norditalien zum Beispiel hatte sich der Haß gegen die Juden auch auf die Langobarden übertragen, also auf jene christlichen Bankhalter, welche, wie dies nicht nur aus dem Volksmund, sondern aus manchen Dokumenten jener Zeit erhellt, ihre Schuldner sehr hart behandelten und noch höhere Zinsen nahmen als die jüdischen Wechsler. Dies war um so ver- werflicher, alssievordenmeistenderGefahrenundRechtlosigkeiten geschützt blieben, denen die Juden ausgesetzt waren, die sich für die häufigen durch Erpressung und Beraubung erlittenen Ver- luste schadlos zu halten versuchten, schon auch deshalb, weil ihr Besitz ihnen oft nur nominell gehörte und bei jeder Gelegenheit leicht genommen werden konnte. Für die Behörden waren die Juden ja sozusagen sächlichen Geschlechtes. Sie wurden nicht als Menschen, sondern als Sachen betrachtet, denen gegenüber weder Verpflichtung noch Eid irgendwelche Geltung hatten und die keines Mitgefühls bedurften. Der Grund, warum der Name „Jude“ oft zu einem Synonym für den„Wucherer“ wurde, lag in der mittelalterlichen Struktur der Gesellschaft und im Auf- kommen des Frühkapitalismus begründet, an den, wie wir ge- sehen haben, die Menschen sich langsam gewöhnen mußten. Er- wünscht und verwünscht, herbeigerufen und gehaßt, das waren die sich widersprechenden Reaktionen der Christen gegenüber der Geldwirtschaft und den untrennbar damit verbundenen jüdischen Geldverleihern. Das war ja eben das tragische Schick- sal der Juden im Abendlande, daß man einerseits in Geldnöten zu ihnen Zuflucht nahm und andererseits sich für diese Not- wendigkeit an ihnen zu rächen suchte. Darüber klagten auch die geistigen Führer der Juden. Schon im 12. Jahrhundert hatte der Rabbi Jakob Tam den Umstand beklagt, daß sich die Juden genötigt sähen, Nichtjuden Geld auf Zins zu leihen, und er fügte hinzu:„Man hat uns keinen anderen Erwerbszweig ge- lassen, unser Leben zu erhalten und die hohen Abgaben zu er- schwingen, die Könige und Fürsten uns auferlegen.“— Und drei Jahrhunderte später sagte Rabbi Isserles:„Wir ernähren uns allerdings hauptsächlich vom Wucher, aber alles, was die Gewalt- 61 haber von uns verlangen, das verlangen sie nur unter dem Vor- wand und unter der Billigung des Wuchers.“ Da nun speziell seit dem hohen Mittelalter und beim Über- gang zur Neuzeit Kaiser und Landesherren, Adel und Städte, Zünfte und Klerus sich genötigt sahen, bei den Juden Dar- lehen auf Pfänder aufzunehmen, so konnten einzelne Juden- familien im Laufe verschiedener Generationen sich zu bedeuten- dem Reichtum aufschwingen und Gläubiger aller Stände werden. Doch lagen die scheinbaren Vorrechte, welche den Juden bei ihren Geldgeschäften oft gewährt wurden, in Wirklichkeit weit mehr im Interesse derer, die diese Vorrechte gewährt hatten, also beim Kaiser, bei den Fürsten und Regierungen, trugen aber anderer- seits nicht wenig zur Erregung von Haß und Neid von seiten der christlichen Bevölkerung bei. Es ereignete sich also im christlichen Abendlande etwas Ähnliches wie zur Zeit Jesu in Palästina, wo die Zöllner, welche für die römischen Behörden von den Juden die Steuern einzutreiben hatten, für diese Beitreibungen von der jüdischen Bevölkerung gehaßt wurden. Das bisher Gesagte sowie die noch folgenden Beispiele und historischen Fakten und speziell das Faktum, daß auch Christen Wucher getrieben haben, sollen durchaus nicht die Tatsache in Abrede stellen oder auch nur verschleiern, daß es unter den das Geldgewerbe treibenden Juden immer wieder unbarmherzige Gläubiger gegeben hat, die bei der Eintreibung von Anleihen und Pfändern Härten und Methoden aller Art anwendeten, welche die ganze Judenschaft in Verruf brachten. Doch erscheint es wichtig, daß jeder, der sich mit dem jüdischen Problem ernst- lich beschäftigt, sich von oberflächlicher Verallgemeinerung frei- mache und den wahren Sachverhalt und die nur zu oft im Hintergrund bleibenden sachlichen Zusammenhänge kenne, welche die Juden weit mehr als die sich frei bewegenden Christen zu diesen Wucherpraktiken gebracht haben. Da die Rechte der Juden sozusagen„auf Sand gebaut“ waren, war für sie das Risiko beim Geldausleihen so groß, daß sie diese ihre Darlehen in besonderer Weise sicherstellen mußten und auf Pfändern be- standen, welche mannigfacher Art waren: Grundstücke, Zölle, Gerichtseinkünfte, kirchliche Zehnten, ja sogar ganze Städte wurden verpfändet. Allbekannt ist die führende Rolle, welche die Medici ın Florenz, die Fugger in Augsburg, die Welser und viele andere christliche Bankiers in der Lombardei und in Holland zur Zeit des Frühkapitalismus gespielt haben. Das Vermögen des Hauses 62 Fugger ein Kap Hand, Europa daß die Konzer: schen E sammen jüdische des Altı Spiele s verteidi für ein| und do« kaum n wo die wiß hal Anteil: deutenc unter d der Da Köln zı Paris y Es ist ihreBer Stände; sind, de Minori Dienst Major under Rumän Galizie Sich di Manchr hätten, Tolsto; die Arı St, wa, Es y “pen, bier: dem Vor- im Über- 1d Städte, ‚den Dar- ne Juden- bedeuten- je werden. n bei ihren weit mehr ‚also beim r anderer- ‚seiten der hristlichen ästina, WO den Juden on von der spiele und h Christen "atsache ın er.den das ırmherzige ı Anleihen wendeten, h erscheint lem ernst“ erung frei- zu oft im oe kenne, pn Christen Rechte der für sie das e Darlehen ändern be ‚de, zölle, nze Städte Medici nn jele andere ‚d zur Zeit des Hause| Fugger z.B. belief sich im Jahre 1546 auf 63 Millionen Gulden, ein Kapital, wie ein Sachkenner sagt,„von einer Größe in einer Hand, dem verhältnismäßig keines in der heutigen Zeit in Europa gleichgestellt werden kann“. Auch ist allgemein bekannt, daß die Fugger und die Welser durch ihre durch Monopole und Konzerne auf dem Weltmarkt eroberten Reichtümer die politi- schen Ereignisse ihrer Zeit stark beeinflußt haben. Dieser Zu- sammenhang zwischen Politik und Kapitalismus in der nicht- jüdischen Geschäftswelt erhellt auch schon aus einem Ausspruch des Älteren Pitt, der einst sagte:„Dort, wo der Handel auf dem Spiele steht, geht es um unsere letzte Schanze, wir müssen sie verteidigen oder untergehen.“ Oft wurde das Haus Rothschild für ein Symbol des unermeßlichen jüdischen Reichtums angeführt, und doch kann das Vermögen und der Einfluß der Rothschilds kaum mit der Hochfinanz der Wall Street verglichen werden, wo die allermeisten der leitenden Männer Nichtjuden sind. Ge- wiß haben die Juden seit dem 17. Jahrhundert einen bedeutenden Anteil am Ausbau des Bankwesens und an der Entwicklung be- deutender europäischer Banken genommen. So waren die meisten unter den Gründern der Deutschen Bank Juden. Die Gründung der Darmstädter Bank ist auf die Initiative von Oppenheim in Köln zurückzuführen, und die Gründer der Credit Mobilier in Paris waren Isaak und Emile Pereire. Es ist eine Tatsache, daß jüdische Wechsler und Bankiers durch ihre Betriebsamkeit und durch das Zusammentreffen günstiger Um- stände immer wieder in den Besitz großer Vermögen gekommen sind, doch darf dabei nicht übersehen werden, daß neben dieser Minorität reicher Juden, welche der Kapitalismus in seinen Dienst genommen hat, immer— und speziell im Osten— eine Majorität ärmster jüdischer Proletarier einherging. Durch Jahr- hunderte hindurch führten solche arme Juden in Rußland, in Rumänien, in der Bukowina, in den übrigen Balkanländern, in Galizien und in Polen einen traurigen Daseinskampf, ohne daß sich die betreffenden Regierungen um die Verbesserung dieser manchmal fast unerträglichen Lebensbedingungen gekümmert hätten. Der einstige russische Unterrichtsminister, Graf Ivan Tolstoi, sagte, daß zu seiner Zeit„nicht der Reichtum, sondern die Armut der ungeheueren Mehrzahl der russischen Juden das ist, was jedem Kenner der Verhältnisse in die Augen springt“. Es wird gut sein, an dieser Stelle auch einiges von dem zu ‚sagen, was die Juden Positives und Anerkennenswertes auf dem Gebiete des Geldwesens geschaffen haben. Sie haben, stark von 63 der Mittelmeerkultur beeinflußt, eine geistige Beweglichkeit, ein reges Kombinationsvermögen, einen Scharfblick im Überschauen gegebener Verhältnisse und Beziehungen bewiesen, und damit kamen sie zu ihren Erfolgen im freien Wettbewerb, im Ge- schäftsindividualismus, im Reklamewesen und vielem anderen. Einst war es ihnen zum Vorwurf gemacht worden, daß sie die Waren billiger auf den Markt bringen als nichtjüdische Geschäfts- leute, bis dann später dieses Prinzip, durch größeren Umsatz einen billigeren Verkauf zu ermöglichen, seine allgemeine An- wendung in der Geschäftswelt fand. Die Juden haben den Wechselverkehr erfunden und damit— nach der Meinung des Nationalökonomen Wilhelm Roscher— etwas geschaffen, das seiner Bedeutung nach dem Eisenbahnverkehr und dem tele- graphischen Nachrichtendienst gleichkomme. Werner Sombart glaubt,„daß an dem winzigen Ladentischchen eines jüdischen Händlers in Galizien mehr kaufmännischer Geist verbraucht werde als in Westeuropa, wenn es gilt, eine Aktiengesellschaft mit 30 Millionen Mark aufzubauen und zu leiten“. Zwei Typen des modernen ökonomischen Judentums Die Tragik des neudeutschen Juden ist in gewisser Beziehung mit derjenigen nur zu vieler deutscher Christen zu vergleichen: beide sind nicht ohne tragische Schuld an ihrem Schicksal. Sie haben sich beide verführen lassen— die Moraltheologie spricht hier von einer„ungeordneten Liebe“, d.h. einer Liebe ohne feste und klare Rangordnung der Zielsetzungen— aus lauter Sympathie für den Machtaufstieg des deutschen Volkes und für die großen Eigenschaften, die sich bei diesem Aufstieg betätigten, die neu- deutsche„Realpolitik“ allzu kritiklos zu begünstigen und mit- zumachen. Sie haben viel zu spät mit Schrecken gesehen, welchen Mächten sie ihren Segen gaben, welche Tore sie öffneten und welche letzten Hemmungen sie durch ihren Verzicht auf jeden ernsten moralischen Widerstand beseitigten. Sie haben keinen Dank dafür gehabt— im Gegenteil, alle ihre Dienste, alle ibre Preisgabe eigener besserer Traditionen, all ihr blindes Werben im Ausland um Vertrauen für ein Deutschland, dessen letzte Ab- sichten nur wenigen tiefblickenden Kennern des neudeutschen Geisteszustandes bekannt waren, hat sie nicht vor ihrer Aus- stoßung gerettet, sondern konnte nur diejenige Art von deut- 64 schen I unrettb Wir Rathen moralis sich fas oder aı besserer der Au wo off Deutsc sittliche desten schleud Gan: scher n Los deı Auch N Ihrem} tade d zu sein krieg ı sich so erkann und nı genanr eigener das, W hatten, Ohrists, Ausery schen Sache, Grund und d. Volke: braud, Deudeı Diens: Moral, den D Aufla: 5 Fon hkeit, ein berschauen und damit b, im Ge- n anderen. Jaß sie die Geschäfts- en Umsatz meine An- haben den einung des haffen, das dem tele- r Sombart s jüdischen verbraucht gesellschaft ntums ziehung mit ichen: beide ‚ Sie haben spricht hier ne feste un | Sympathit die großen schem Nationalismus stärken und ermutigen, dem sie schließlich unrettbar selber zum Opfer fielen. Wir sehen diese Tragik im Leben eines Ballin und eines Rathenau: beide waren Männer, die in bezug auf Preisgabe des moralischen Urteils gegenüber der deutschen Machtentwicklung sich fast gänzlich entjudet hatten. Beide mußten in der einen oder anderen Weise erleben, daß ihr Verrat an ihrer eigenen besseren Überzeugung gänzlich vergeblich war und daß dann der Augenblick kam, wo sie den letzten Fußtritt erhielten und wo offenbar wurde, daß sie ihre Kraft und Intelligenz einem Deutschland geweiht hatten, das nichts tat, als ein riesiges geistig- sittliches Erbe und eine Unsumme von Idealismus für den elen- desten Ungeist und für die kurzsichtigste Machtpolitik zu ver- schleudern. Ganz ähnlich war übrigens das Schicksal nur zu vieler deut- scher national-politischer Christen, und es wird vielleicht dem Los der Juden noch weit ähnlicher werden, als es heute schon ist. Auch sie haben dem deutschen Nationalismus weit mehr von ihrem Patrimonium preisgegeben, als sie durften. Ja sie sind ge- rade durch ihre Zustimmung zu seinen schlimmsten Akten und zu seinen wildesten Konsequenzen im ersten und zweiten Welt- krieg mitschuldig daran geworden, daß jener Nationalismus sich so restlos des deutschen Volkes bemächtigen konnte. Zu spät erkannten sie das innerste Wesen der von ihnen verhätschelten und nur allzuoft bejubelten Entwicklung Deutschlands zur so- genannten„nationalen Größe“, und nur jetzt, wo es ihrer eigenen Sache an die Wurzel ging, sahen sie mit Schauder, daß das, was sie als„Aufstieg des christlichen Deutschlands“ verehrt hatten, nichts war als der wohlverhüllte Triumph jenes Anti- christs, von dem es im Evangelium heißt:„Er wird selbst die Auserwählten täuschen.“ Was fast alle deutschen und ausländi- schen Juden und Christen getäuscht hat, das ist eben die Tat- sache, daß so viele deutsche und christliche Tugenden einer von Grund aus undeutschen und antichristlichen Entwicklung dienten und daß hier so viele hohe Eigenschaften eines großangelegten Volkes für eine immer erbärmlicher gewordene Zielsetzung miß- braucht worden war. Denn das ist ja gerade das Tragische der neudeutschen Entwicklung, daß hier das Christentum in den Dienst des Antichrists, die Moral in den Dienst der tiefsten Un- moral, der Geist in den Dienst des Ungeistes, die Ordnung in den Dienst der Anarchie und die Organisation in den Dienst der Auflösung Europas getreten war. Das aber entspricht durchaus 5 Foerster, Jüdische Frage 65 den Visionen der Apokalypse, nach denen die Herrschaft des kollektiven Tieres auch die höheren seelischen Kräfte, ja sogar die christlichen und jüdischen Tugenden selber zu betören und gottlosen Zielen dienstbar zu machen vermag. Nur durch einen solchen Riesenbetrug wurde der vorübergehende Triumph der niederen Gewalten möglich, und die weltgeschichtliche Schuld so vieler deutscher Christen und Juden lag eben gerade darin, daß sie sich zu Mitmachern solcher Verirrungen auf Grund einer ungeordneten und ungetauften Liebe zum eigenen Volke machen ließen und so die Opfer eines kurzsichtigen Patriotismus wur- den, der die moralischen Grundlagen des Staates verkannte. Da- durch verloren sie die Kraft der Unterscheidung der von oben und der von unten her wirkenden Gewalten.„Ihr wisset nicht, wes Geistes ihr seid.“ Denn wer das höchste Gut klar vor Augen hat, der wird sich niemals über jene Umkehrung aller wahren Rangordnungen täuschen. Das aber war eben der„Verrat der Geistigen“, daß sie gar nicht mehr zu wissen schienen, daß ge- rade ihnen und nur ihnen die Wahrung jener Rangordnung an- vertraut wurde. Werden sie nun endlich verstehen, welche Repa- ration sie zu leisten haben— sie beide, die abgefallenen deut- schen Juden und die abgefallenen deutschen Christen? Dem im Vorangehenden geschilderten Typus des weltwirt- schaftlichen Judentums(verkörpert in Ballin und Rathenau) diametral entgegengesetzt war der gleichzeitig in Hamburg wir- kende Großhandelsmann R.E. May, ein orthodoxer Jude, der regelmäßig den Jahresbericht der Firma Jahn& Co. herausgab, der mindestens ebenso ein alljährliches Handbuch der Ethik wie ein Welthandelsbericht war, also ein Organ, in dem ein erfahre- ner und hellsichtiger Vertreter des Welthandels alle großen Vor- gänge auf dem Weltmarkt vom ethischen Standpunkt aus be- urteilte und wertete, eben weil er tief davon überzeugt war, daß das Ethische letzten Endes und auf die Dauer auch das allen Okonomische sei. Von diesem Gesichtspunkt aus interessierte er sich auch für meine von den gleichen Prinzipien aus geleitete Wochenschrift„Ethische Kultur“ und lieferte mir für dieses Blatt einen mir unvergeßlichen Artikel, in welchem er unter dem Titel „Die Kanone als Industriehebel“(1897) an Hand einer Fülle von Beispielen aus der Sphäre des internationalen Handels den damals propagierten ersten Nationalsozialismus vernichtend widerlegte. Es ist wichtig, die beiden genannten weltwirtschaftlichen Typen miteinander zu konfrontieren, um zu zeigen, wie nur zu oft die 66 . religiöse Fundam lichen L Der Judı schildert Juden b besteht: sagen:€ zusteht, sten, di ohne de Christer trag ent keine g pflichtus lassen s täuscher Christer Nicht d. setzen, an Red verstär] der sich den Mi wel di weil er seines} Der jüdisch Christe doch u Stehen Steht, y dabei\ die sid Ohne ei sten ni Wenn s in tschaft des e, ja sogar etören und lurch einen iumph der che Schuld ade darin, rund einer Ike machen Iismus wur- annte, Da- * von oben risset nicht, vor Augen ler wahren Verrat der on, daß ge- rdnung an- elche Repa- enen deut- 1? s weltwirt- Rathenau) mburg wir- r Jude, der herausgab, r Ethik wie ein erfahre- roßen Vor- akt aus be- t wat, da h das allen eressierte EI us geleitete dieses Blatt ‚x dem Tirel einer Fülle Jandels den yernichten ichen Type?| e: ir zu oft die religiöse Entwurzelung auch den klaren Sinn für die geistigen "Fundamente und Bedingungen des politischen und wirtschaft- ‚lichen Lebens vernichtet. Der Jude Shylock und sein christlicher Schuldner Der Jude Shylock, wie ihn Shakespeares„Kaufmann von Venedig“ schildert, wird oft als der eigentliche Typus derjenigen Art von Juden betrachtet, der den Antisemitismus erzeugt hat.„Der Jude besteht auf seinem Schein“, heißt es bei Shakespeare, das will sagen: er besteht auf dem Pfund Fleisch, das ihm vertragsmäßig zusteht, wenn der Gläubiger nicht zahlen kann. Diejenigen Chri- sten, die gewohnt sind, über das jüdische Gesetz zu schelten, ohne dessen ganze Majestät und Geistigkeit zu würdigen, diese Christen, die sich gerne dem Gehorsam gegen Gesetz und Ver- trag entziehen, weil sie die christliche Freiheit mißverstehen, die keine geringere, sondern eine noch größere Bindung an Ver- pflichtungen bedeutet als das jüdische Gesetz— diese Christen lassen sich durch die blutige Außenseite des Vertrages dessen täuschen, was Shylock verteidigt. Die sogenannte„Freiheit des Christenmenschen“, von der Luther sprach, besteht aber doch nicht darin, die Verpflichtung durch Pflichtvergessenheit zu er- setzen, sondern sie besteht ganz im Gegenteil darin, die Bindung an Recht und Gerechtigkeit von einer ganz neuen Seite her zu verstärken. Diese Verstärkung ist so aufzufassen, daß der Mensch, der sich durch Christus erneuern ließ, gar nicht mehr fähig ist, den Mitmenschen um das Seine zu bringen; nicht etwa bloß, weil dies gegen das siebente Gebot verstoßen würde, sondern weil er nicht mehr von sich selbst, sondern von den Rechten seines Mitmenschen besessen ist. Der Kaufmann von Venedig nimmt das federleicht, was das jüdische Gesetz gewaltig schwernimmt. So schauen nur zu viele Christen geringschätzig auf das Alte Testament herunter, das doch unleugbar die Vorstufe zum Christentum ist, und sie ver- stehen nicht einmal die moralische Macht, die hinter Shylock steht, wenn er sein Vertragsrecht nicht preisgeben will und sich dabei verzweifelt an einen unmöglichen Pakt klammert. Viele, die sich paulinische Christen nennen, haben vergessen, daß es ohne einen Saulus keinen Paulus gegeben hätte. Wenn die Chri- sten nicht durch die Schule der Ehrfurcht vor dem Gesetz gehen, wenn sie nicht den Geist der göttlichen Gerechtigkeit erfassen, 5° 67 der im Alten Testament redet, so können sie auch den wahren Sinn des Neuen Testamentes nicht verstehen und werden durch Paulus und Johannes vielleicht geistig belebt, aber moralisch ent- wurzelt und verwirrt, so wie es nach Hölderlins„Hyperion“ den abstrakten deutschen Idealisten passiert ist. In Shakespeares„Kaufmann von Venedig“ prallt der ab- strakte Typus des Juden mit dem völlig unbekehrten Typus des sogenannten„Christen“ zusammen. Sie widerlegen sich gegen- seitig und bringen wechselseitig ihre Einseitigkeit zutage— das ist der tiefste Sinn des Shakespeareschen Dramas. Man darf sagen: Shylock will nicht nur sein eigenes Testa- ment vollstreckt sehen, sondern vor allem das Alte Testament, das heißt das Testament der göttlichen Gerechtigkeit, des un- beugsamen Rechtes. Und es ist die Majestät des Rechtsgedankens, der hinter der Wucht und Leidenschaft seines Vorgehens in seiner eigenen Sache steht. Freilich überspannt er sein Prinzip und ist blind dagegen, daß auch die Anwendung von Recht und Gesetz durch eine höhere Macht getauft sein muß, die es verhindert, daß der fehlbare Mensch blindlings durch Recht und Gesetz zer- malmt wird. Kein Zweifel: das Recht des Rechtsbrechers ist die größte Errungenschaft des Rechtsgedankens überhaupt, denn das Recht selber bricht moralisch zusammen, wenn es über den leben- digen Menschen, sei er auch noch so fehlbar, erbarmungslos hin- wegschreiten will. Doch diese Erkenntnis bricht erst im Christen- tum durch. Das richtig verstandene Christentum überwindet die Vergötzung des Rechtsgesetzes, ohne doch die Majestät des Sit- tengesetzes herabzumindern, die hinter allem Rechte steht. Im Gegenteil: die Rettung des Sünders, sein Schutz gegen zer- malmende Vernichtung ist die höchste Konsequenz des fünften Gebotes des Dekalogs. Aber diese Konsequenz kam erst im Chri- stentum zum vollen Bewußtsein, eben weil das Christentum vom lebendigen Menschen und von den Bedingungen seiner Regene- ration ausgeht und nicht vom bloßen Gesetz und seiner sum- marischen Gerechtigkeit. Andererseits aber vergißt der Christ, der die Verpflichtung verhöhnt, weil ihr Exekutor die Rechts- forderung abstrakt überspannt hat, daß das Christentum das Gesetz nicht nur nicht auflösen, sondern es vielmehr von ganz neuen Motiven aus vertiefen und erfüllen will. Mit diesen Feststellungen mag das vorliegende Kapitel ge- schlossen werden, dessen Zweck darin bestand, in Sachen des großen Geldproblems und all seiner dunklen Gefahren, Juden und Christen volle Gerechtigkeit zuteil werden zu lassen. 68 HASEI@E tügende Aber er| arischen Ärtertum angewies und in ei lieren 0x in der b] Metaphy Iragık< Kräfte d den Grir Naben le tische N Lebens ı ters den gro Jeiten d ihichte Deutsch] Nast un fealen N tade im Arische at erst MChri !en kon Sulturel ı wahren en durch lisch ent- yperion“ der ab- 'ypus des h gegen- e— das es Testa- >stament, ‚ des un- .dankens, in seiner p und ist d Gesetz dert, daß setz ZEI- rs ist die denn das len Jeben- 3slos hin- Christen- inder die t des Sit- steht. Im gen zei“ s fünften im Chri- tum vom - Regene- iner SUM- sg Christ, e Redts- ntum das Ariertum und Semitentum sind zu gegenseitiger Ergänzung bestimmt H.St.Chamberlain hat die arische Rasse als die sich selbst ge- nügende Schöpferin aller wirklich wertvollen Kultur gefeiert, aber er hat dabei ganz die Gefahren und Einseitigkeiten der arischen Begabung übersehen. Worin bestehen nun diese? Das Ariertum neigt zweifellos dazu, dort, wo es ganz auf sich selbst angewiesen ist, sich entweder in weltferne Spekulation(Indien) und in einen Schönheitskult, wie ihn Griechenland hatte, zu ver- lieren oder das Leben ganz ohne ideale Ziele anzupacken und in der bloßen Machttechnik unterzugehen. Diese Trennung der metaphysischen, übersinnlichen Welt von der Physis ist die Tragik der arischen Begabung. Die hochgesteigerten geistigen Kräfte der arischen Rasse, wie sie besonders bei den Indern, bei den Griechen und in der deutschen Philosophie hervortraten, haben leicht etwas Weltflüchtiges an sich. Daher scheut sich der arische Mensch instinktiv, die konkreten Angelegenheiten seines Lebens von seinem Idealismus aus zu behandeln, vielmehr über- läßt er sich in der Bemeisterung der Wirklichkeit nur zu leicht den gröbsten Triebkräften des Daseinskampfes. Diese beiden Seiten der hier beleuchteten Gefahr können öfters in der Ge- schichte eines Volkes in Erscheinung treten. So haben wir in Deutschland eine Zeit des weltfremden Idealismus gehabt und fast unmittelbar darauf eine ganz gottlose Vergötterung der realen Machtinteressen. Es ist nun höchst merkwürdig, wie ge- rade im jüdischen Genius das stärkste Gegengewicht gegen diese arische Spaltung zwischen Geist und Leben liegt, so daß in der Tat erst durch die Vereinigung von Semitischem und Arischem im Christentum das vollkommen Menschliche in Erscheinung tre- ten konnte. Wir sprechen hier natürlich nur von den irdisch- kulturellen Lebensgrundlagen des Christentums. 69 Die große Gabe des hebräischen Volkes ist das alles durch- dringende Bewußtsein von.der Gegenwart Gottes im mensch- lichen Leben. Hier beginnt das Herabkommen der Gotteswelt aus metaphysischer Ferne, jenes Feuer und jene Qual des himm- lischen Anspruches an den sterblichen Willen, jene Hölle des Schuldgefühles und jene Zerknirschung über den Abfall, durcı welche die Gottheit den Menschen unablässig aus der Gesetz- gebung der Tierheit herauspeitscht. Man denke etwa an den Psalm:„Und hätte ich Flügel der Morgenröte...“ Gibt es einen stärkeren Gegensatz zu arischer Gottesferne als diese Allgegen- wart des den Menschen suchenden Gottes im jüdischen Volke? Was die ägyptische Sphinx rein statisch darstellt, nämlich das Doppelwesen des Menschen: unten dämonische Natur, oben majestätischer Götterblick— das führt die Bibel dynamisch vor. Hier ringt Jakob mit Gott, hier wird die Himmelsleiter aufge- stellt, hier ruft König Saul abwechselnd nach dem Speer und nach der Harfe. Hier bricht der Erwählte Gottes die Ehe und ruft seine Not und seine Reue in Psalmen zum Himmel, die mit nichts zu vergleichen sind, was die religiöse Literatur der um- wohnenden Völker hervorgebracht hatte. Am stärksten ist wohl der Unterschied der hebräischen Gottesvorstellung von der religiös-philosophischen Spekulation der arischen Völker. Der hebräische Geist sucht die Wirklichkeit Gottes nicht etwa nur jenseits aller Dinge, sondern er entdeckt sie überall in der geschichtlichen Führung des eigenen Volkes, in dem geheimnisvollen Zusammenhang von Volksschuld und Volks- unglück. Hier ist der Schlüssel zur Wahrheit und Wirklichkeit einer anderen Welt, hier finden wir den geschichtlichen Gang als einen Heilsplan aufgefaßt, welcher der Verwirklichung der Got- tesherrschaft auf Erden geweiht ist und dessen Verleugnung durch den Abfall von den göttlichen Gesetzen gestraft wird bis ins dritte und vierte Glied. Man vergleiche damit etwa die Ge- schichtsschreibung eines Thukydides, wo jede metaphysische Auf- fassung des geschichtlichen Geschehens fehlt, wie denn überhaupt für die Hellenen die Gottheit in die Mythologie und nicht in die Geschichte gehörte, und wo die Welt der Götter und die Weltdes irdischen Geschehenszwei ganz getrennteGebiete waren. Das hebräische Volk erlebt in seinen größten Vertretern seine eigene geschichtliche Erfahrung in einer ganz anderen Spann- weite als die anderen Völker. Es erlebt die verborgensten Ver- kettungen zwischen Schuld und Schicksal und erkennt die poli- tische Realität der geistig-sittlichen Mächte. Es dringt von der 70 Beobach gründe| " gegenwa größte\ dies abe jüdische: net und delt sich mus“, st lichen G sind ihr hier voi wurzelti die geis vergleic Josephu wie erst wesen s Tempel om Se worden ethaben Fundan dem Ve lung zu seits In Glaube keistige Acht aufn, Ienseit zus, t Ges Hendel les durch- n mensch- Sotteswelt des himm- Hölle des fall, durch er Gesetz- ra an den bt es einen Allgegen- en Volke?! ämlich das! tur, oben misch vor. iter aufge:" Speer und e Ehe und ‚el, die mit! ır der um- jebräischen pekulation Tirklichkeit >r entdeckt Volkes, in und Volks- Tirklichkeit n Gang als ıg der Got nung dur ird bis ns ra die Ge sische Auf ‚überhaupt Beobachtung der Geschichte aus in die verborgensten Hinter- gründe des Lebens. Und eben diese Hinwendung auf die All- | gegenwart Gottes im konkreten Menschenschicksal ist wohl die \ größte Seite der hebräischen metaphysischen Begabung. Gerade dies aber verkennt Chamberlain ganz und gar, wenn er den jüdischen Sinn für das Geschichtliche als Materialismus bezeich- net und ihn in Gegensatz zur arischen Geistigkeit rückt. Es han- delt sich doch in Wirklichkeit keineswegs um einen„Materialis- mus“, sondern nur um eine andere Art, das Wirken des gött- lichen Geistes im Leben zu begreifen und zu fördern. Die Juden sind ihrer tiefsten geschichtlichen Begabung nach— ich spreche hier vom Wesen des jüdischen Geistes und nicht von den ent- wurzelten modernen Juden— überhaupt ein Missionsvolk, das die geistigen Grundlagen des Lebens und der Gesellschaft un- vergleichlich stärker empfunden hat als irgendein anderes Volk. Josephus Flavius' erzählte in seiner„Geschichte des Judentums“, wie erstaunt und ergriffen Pompejus und seine Feldherren ge- wesen seien, als sie nach der Eroberung Jerusalems den jüdischen Tempel betraten und nirgends Götzenbilder sahen. Da seien sie vom Schauer der Verehrung eines unsichtbaren Gottes erfaßt worden. In seinen großen Zeiten war der jüdische Genius der erhabenste Träger prophetischer Einsicht in die unsichtbaren Fundamente des Lebens, und zugleich war er tief bewegt von dem Verlangen, diese Fundamente im wirklichen Leben zur Gel- tung zu bringen und die Gotteswahrheit aus der Welt des Jen- seits in das Diesseits hineinzutragen. Das Judentum hat diesen Glauben an die Abhängigkeit all unseres Lebens und Tuns von geistigen Ordnungen zu unvergleichlicher Erhabenheit und Folge- richtigkeit ausgebildet, so wie es der Prophet Hosea ausspricht: „Ich will mich mit dir verloben in Gericht und Gerechtigkeit, in Gnade und Barmherzigkeit.“ In welcher anderen Volksgeschichte gab es ein solches Verlöbnis des Völkischen mit dem höchsten Gesetz alles menschlichen Lebens? Das traditionelle Judentum zeigt uns den ganzen Unterschied der bloßen Theologie von der Theokratie, das heißt den Unter- schied einer bloßen Lehre von Gott und dem Anspruch Gottes auf Herrschaft über das wirkliche Leben. Hier drängt sich das Jenseits machtvoll in das menschliche Willensleben ein. Es ist sozusagen die Gewalt der„Innervation“, der das ganze Leben 1 Geschichte des jüdischen Krieges, deutsche Übersetzung von Otto Hendel(Halle a. d. S.). 71 ergreifenden Anwendung, was die hebräische Religiosität in eine ganz persönliche Beziehung zu Gott bringt und sich dadurch grundlegend von der arischen Spekulation, Mythologie und Philosophie unterscheidet. Die jüdische Gottesgefolgschaft ist auch in christlicher Zeit im talmudischen Ausbau der jüdischen Religiosität nicht verlorengegangen. In den orthodox jüdischen Gemeinden des europäischen Ostens hatte sich die Überordnung Jehovas über das ganze Leben und die dementsprechende Stel- lung der Rabbis und der Schriftgelehrten in der Gemeinde ganz im alten Sinne erhalten. Ja bei den edleren Elementen des ent- wurzelten westeuropäischen Judentums wirkte dieser alte Ge- danke der Gottesherrschaft noch nach, und zwar in der leiden- schaftlichen Hingabe an die Idee der sozialen Gerechtigkeit und in der Empfänglichkeit für völkerverbindende Bestrebungen und Ideale. Es ist also nicht wahr, daß die semitische Rasse gleichsam ein störendes und lähmendes Element darstellt, durch das die arische Rasse an der reinen Verwirklichung ihrer besonderen geistigen Aufgabe gehindert wird. Vielmehr ist gerade das welt- geschichtliche Zusammenwirken von arischem und semitischem Genius von gottgewollter Bedeutung. Das verkannte Chamber- lain ganz besonders in all seinen Bemerkungen über die Rolle des Rassenelements in der Entstehung und Entwicklung des Chri- stentums. Das Christentum, wenn wir es nach seiner historisch- psychologischen Seite hin betrachten, ist nichts weniger als eine bloß arische Schöpfung, sondern vielmehr das Ergebnis eines Ausgleiches zwischen arischer und semitischer Geistesrichtung. Man vergleiche im Gegensatz dazu aber einen Denker wie Fichte, bei dem sich der abstrakte Kultus des Geistes mit der völligen Preisgabe des politischen Lebens an den Machiavellis- mus vereinigte, etwa mit dem Propheten Jesaja, und man wird unschwer erkennen, wieviel der semitische Geist dem arischen Geist zu geben hat. Ist doch auch das gottmenschliche Ideal nur die Fortsetzung der hebräischen Gottesherrschaft, die darauf aus- geht, das Göttliche und Übersinnliche ins wirkliche Leben hin- einzutragen und damit die„sapientia“ mit der„virtus“ zu ver- binden. Die ganze Geschichte der christlichen Dogmen ist darum keines- wegs, wie Chamberlain es darzustellen versucht, eine beständige Verfälschung des arischen Idealismus durch den semitischen Ma- terialismus, sondern vielmehr eine ununterbrochene gegenseitige Ausgleichung zweier weltgeschichtlicher Einseitigkeiten. Gewiß liegt im Semitismus die Gefahr, das Übersinnliche allzusehr in 72 "das Ge übersin wendig und in der jen losoph das ın factun In ı ununt« mer W „Reis: deres kennt ber ist außer kennb ist un ität in eine h dad Geschichtlich-Menschli logie und übersinnliche Schwung i iche herabzuziehen, und d Igschaft ist ee Ausgleich a Yale ist ee r jüdische nd in anderen Ri 4 srerseits aber sehe Ku in not- X idischen ja Ge arische ge re en Kan: Jeror. osophie zu m A as Christentu& mer wie- ee das in den wa ihm damit das Werenzlich PIODER un einde ganz a zum Ausdruck gekommen Be N en des ent- n den Schriften des heili 5 m caro r alte Ge- ununterbrochene heiligen Augustinus S\ der: leiden Tr, ‚wieder a zu Re oe sich der tigkeit Ah„Fleischwerdung“ I= e Zurückscheuen des a das im- ne deres als der A ale en Sinne war die SSH NH der ngen nl ennenivze usdruck einer mangelnd ie Gnosis nichts an- a ba en Bau den wi= Verbindung der Er- os ee realen N sel- > das welt- kennbar zusammenhä saatzung der bloßen pl Al a auch N e as welt De ermenl; enhängt. Vergesse Aa hilosophie unver- ‚emitischem meßlich viel mehr als d n wir nie:„Es ist vollb« - Chamber- als das bloße„Es ist gedacht“ Be : gedacht r die Rolle' g des Chri- -historisch- ser als eine ebnis eines richtung. Jenker wie ces mit der achiavellis- | man wir ‚m arıschen e Ideal nur darauf aus- Leben hin- us“ zu ver“ rum keines“ ‚beständig gischen Ma- yogenseitibt cen. Gewil ‚Iizusehr n Antisemitismus und Christentum Für den wahrhaft gläubigen Christen, ob Katholik oder Prote- stant, der sich selber nicht betrügen will, ist ein feindliches Ver- halten gegenüber dem Judentum ein unerträglicher Widerspruch. Aber Hand in Hand mit der Konsolidierung der christlichen Kirche entwickelte sich eine stetig wachsende Feindseligkeit ge- gen das im ganzen Abendland verbreitete Judentum, so daß selbst ein so heiliger und hervorragender Mann wie Ambrosius das Einäschern der Synagoge in Rom durch den Pöbel als eine „gottselige Tat“ gutheißen konnte und den Kaiser Maximus, der den Wiederaufbau befohlen hatte, einen„Juden“ nannte. Eben- so sagte der heilige Bernhard im Jahre 1135 in einem Briefe an den Kaiser Lothar, daß es ihm schwerfiele, sich damit abzufin- den, daß in der Person des Papstes Anaklet II.„zur Schande Christi“ ein jüdischer Sproß den Stuhl Petri eingenommen habe, als wenn nicht Petrus selber ein„jüdischer Sproß“ gewesen wäre. Aber ın einem eigenartigen Widerspruch zu sich selbst tritt dann derselbe Bernhard gegen den Mönch Radulf auf, als dieser am Rhein das Volk zu einem Kreuzzug gegen die Juden aufstachel- te. Bis zum heutigen Tage wird noch da und dort in Predigten und Schriften christlicher Theologen das Schicksal der Juden und ihr„Herumirren unter den sie verachtenden Völkern“ als die angemessene Strafe dafür gedeutet, daß sie, die Juden, Christus gekreuzigt haben. Es ist, als wenn der Apostel Paulus niemals den Brief an die Römer geschrieben hätte, in welchem er doch in so klaren und bedeutungsvollen Worten seine Auffassung von der Vergangenheit und der Zukunft des Judentums zum Aus- druck brachte, wenn er sagte:„Könnte ich doch sogar den Wunsch haben, von Christus verbannt zu sein, zum Besten meiner stam- mesverwandten Brüder nach dem Fleische— nämlich der Israe- liten—, denen doch die Gotteskindschaft und deren ganze Herr- lichkeit gehört— die Bündnisse, die Gesetzgebung, der Gottes- 74 dienst und au 3). 1 sten da doch ni Wie wir die ıls„Ge der für verhän sprüche den„I dem B stets v meiner 2eugun techt> Augus von N Religis und U aber d ‘o müs gewin; hen y In bez Auffa entgep Verfo tiven der j Steph Nachf Zu ne Juden wollt Zur$| sellu !en F Vorst Qtalı Predi der Prote- |liches Ver- iderspruch. christlichen eligkeit ge- im, so daß Ambrosius bel als eine aximus, der ne, Eben- n Briefe an it abzufin- ur Schande nmen habe, vesen wält, t trier dann s dieser am aufstachel- ı Predigten | Juden un un“ als die n, Christus Jus niemals | er doch in assung VON zum Aus“ den Wunsch einer sam“ ‚ der Israe“ anze Her der Gottes‘ A dienst und die Verheißungen, welche die Väter für sich haben "und aus welchem Christus dem Fleische nach stammt“(Röm. 9, 3 ff.). Und im gleichen Briefe warnt der Völkerapostel die Chri- sten davor, sich über die Juden zu erheben, und sagt:„Du trägst doch nicht die Wurzel, sondern die Wurzel trägt dich.“ Wie leicht kommen wir in unserer Kurzsichtigkeit, bei welcher wir die tieferen Zusammenhänge nicht sehen, dazu, die Juden als„Gottesmörder“ hinzustellen.und zu brandmarken, ohne uns der für unser christliches Gewissen und Bekennen doch höchst verhängnisvollen Oberflächlichkeit solcher Urteile und Aus- sprüche bewußt zu werden. So waren z.B. für Origenes die Ju- den„Brüder der Christen“, so daß ihr Verschmelzen nur von dem Beispiel der Christen abhänge. Wir sollten uns überhaupt stets vor Augen halten, daß die ersten Kirchenväter im allge- meinen mit großem Ernste und aus wahrer christlicher Über- zeugung heraus bemüht waren, den Juden von Grund aus ge- recht zu werden. Diese Auffassung teilte ja auch der heilige Augustinus; und Papst Gregor der Große schrieb an den Bischof von Neapel: man müsse diejenigen, die sich von der christlichen Religion unterscheiden, durch Sanftmut, Wohlwollen, Mahnung und Unterredung für den Glauben zu gewinnen suchen, nicht aber durch Drohungen abschrecken. Und was die Juden betreffe, so müsse man darnach trachten, sie durch sanfte Behandlung zu gewinnen, damit„sie zu uns kommen, statt uns zu fliehen“. Sol- chen wirklich aus dem Geiste Christi geborenen Formulierungen in bezug auf die Missionsaufgaben der Kirche stehen allerdings Auffassungen und Aussprüche hoher und höchster Würdenträger entgegen, in denen eine fast nicht zu glaubende Gehässigkeit und Verfolgungssucht zum Ausdruck kommt, was bei einer objek- tiven Darstellung des christlichen„pro“ und„contra“ in Sachen der jüdischen Frage nicht verschwiegen werden kann. Papst Stephan, der im letzten Viertel des neunten Jahrhunderts die Nachfolge Petri innehatte, stand nicht an, die Juden„Hunde“ zu nennen, und selbst Papst Innozenz II. warf durch seinen Judenhaß einen tiefen Schatten auf sein großes Lebenswerk. Er wollte die Juden wegen der Kreuzigung Christi von Gott selbst zur Sklaverei verdammt wissen. Im Widerspruch zu diesen Fest- stellungen steht allerdings die Tatsache, daß Luther in der zwei- ten Hälfte seines Lebens ganz im Banne der mittelalterlichen Vorstellung stand, daß die Juden unbekehrbar seien und alle Qualen verdienen, die sie erleiden müssen. Dennoch: In einer Predigt gegen den Wucher zielt er nicht gegen die Juden, son- 75 dern gegen die Christen:„Die Schinderei der Juden“, so eifert er,„ist Jauter Kinderspiel gewesen gegen den Geiz und Wucher, der jetzt nicht allein regieret im geistlichen Stande, sondern auch in den weltlichen Ständen.“ Möchte es aber den außerhalb und auch den innerhalb der Kirche Stehenden immer wieder zum Bewußtsein gebracht wer- den, daß sich die Universalität der Kirche Christi doch darin manifestiert, daß jenen unchristlichen Angriffen und Ausfällen gegen die Juden stets Bekenntnisse aufrichtiger Sühne für solche Sünden folgten, was auch meistens zu sichtbaren Erfolgen und zur Wiederherstellung der Gerechtigkeit führte. So hatte auch das vorurteilslose Verhalten des Bischofs Adalbert von Metz im zehnten Jahrhundert gegenüber den Juden zur Folge, daß ein Zeitgenosse von ihm sagen konnte:„Judaeis etiam dilectissimus erat“, was besagen will, daß die Juden ihm eine große und auf- richtige Dankbarkeit bezeigten. Und in der gleichen Stadt ließ sich im elften Jahrhundert der Benediktiner Siegbert von den Juden das Alte Testament interpretieren und gewann durch sein duldsames und verständnisvolles Verhalten deren größte Ach- tung. Daß die Juden selbst im dreizehnten Jahrhundert sicht- baren Einfluß auf ihre christliche Umgebung hatten, beweist die Entstehung verschiedener judaisierender Sekten in damaliger Zeit, vor allem in Südfrankreich, in Norditalien und auch ander- wärts, so daß die katholische Kirche sich genötigt sah, mit größ- ter Entschiedenheit gegen solche Häresien aufzutreten. In diesem Zusammenhange mögen Worte aus Luthers Schrift „Daß Jesus ein geborener Jude sei“ stehen, wo er sagt, daß, wenn die Apostel, die ja selbst Juden waren, mit den Heiden so gehandelt hätten wie die Christen mit den Juden, so würden diese Heiden wohl niemals Christen geworden sein:„Haben sie einst an uns Heiden so brüderlich gehandelt, so sollen wir wie- derum brüderlich an den Juden handeln, wenn wir etliche be- kehren können. Und wenngleich wir uns auch noch so sehr rüh- men, so sind wir doch geborene Heiden, die Juden aber sind vom Geblüt Christi. Wir sind Schwäger und Fremdlinge, sie sind Blutsverwandte, Vettern und Brüder unseres Herrn. Drum wenn man sich schon des Blutes und Fleisches rühmen soll, so gehören die Juden Christo näher an denn wir. Auch hat es Gott wohl durch die Tat bewiesen, daß solche große Ehre er keinem anderen Volke unter den Heiden getan hat als den Juden.“ Auch nach der Reformation hing in der Beziehung zwischen Juden und Christen das meiste von der Charakterbeschaffenheit 76 dris! Spen beso! und Rech auch uns ı ten den «“. 1, so eifert nd Wucher, 'ndern auch ıerhalb der bracht wer- doch darin | Ausfällen e für solche folgen und hatte auch on Metz im ge, daß ein ilectissimus ße und auf- ı Stadt lieh rt von den ı durch sein rößte Ach- ndert sicht- beweist die damaliger auch ander- ,, mit größ- N. hers Schrift j sagt, daß, 1 Heiden so so würden „Haben sie en wir wie: - etliche be- ‚o sehr rüh. 1 aber sin ndlinge, S!* grrn. Drum nen soll, so hat es Gott e ef keinem juden.“ 1 zwischen| schaffenheit christlicher Einzelpersonen und Gruppen ab. Philipp Jakob Spener hebt in der zweiten Hälfte des siebzehnten Jahrhunderts besonders hervor, daß die Veräußerlichung des Christentums und das Nichtbefolgen der Gebote Jesu seitens der Christen mit Recht höchst abstoßend auf die Juden gewirkt habe. Hier liege auch der eigentliche Grund für das Ärgernis,„das die Juden an uns nehmen“. Dieser Mann fand den Juden gegenüber den rech- ten Ton. In seiner Schrift„Unmaßgebliche Gedanken, wie es mit den Juden ihrer Bekehrung wegen zu halten sei“, tritt Spener gegen jede Art von Gewaltanwendung gegenüber den Juden auf, speziell gegen die verwerflichen Methoden, mit denen man sie damals zu bekehren suchte. Er stellte das Gebet und das Beispiel — gemäß dem Römerbrief des Apostels— als die des Christen einzig würdige und zulässige Art des Verhaltens gegenüber den Juden hin, und so wird in seinen„Theologischen Bedenken“ eine Besserung auch der wirtschaftlichen Stellung der Juden gefordert, z.B. durch Gründung jüdischer Bauernkolonien. Aber auch auf katholischer Seite fehlt es nicht an Kundgebun- gen der gleichen Vorurteilslosigkeit den Juden gegenüber— von den weitsichtigeren Päpsten seit der Zeit des Tridentinischen Konzils bis in die Gegenwart. So schärfte z. B. Papst Leo XIII. in seiner Enzyklika vom 15. Februar 1882 sowohl den katho- lischen Geistlichen wie auch den Laien ein, alles generalisierende Aburteilen über die Juden als eine verwerfliche Erscheinung zu betrachten und den Antisemitismus als dem Geiste des Christen- tums zuwider energisch von sich zu weisen. Ja es kann gesagt werden, daß gerade in neuerer Zeit die katholische Kirche eine immer eindeutigere Stellung einnimmt und daß sie hinsichtlich des Antisemitismus dem Geiste des Christentums oft treuer bleibt als gewisse Kreise des deutschen Protestantismus, deren Ab- hängigkeit vom Staate und von dem um sich greifenden Natio- nalismus oft nur allzu deutlich zutage getreten ist. Papst Pius XI. kam bei einem Empfang der Vertreter einer katholischen Vereinigung aus Belgien im September 1938 auf den Antisemitismus zu sprechen. Er las einige Abschnitte aus der Heiligen Schrift vor und sagte dann mit Tränen in den Augen: „Besseres als diese wunderbaren Worte kann es gar nicht geben. Wie kann überhaupt ein Christ Judengegner sein? Kein Christ darf irgendeine Beziehung zum Antisemitismus haben, denn wir sind doch alle im geistigen Sinne Semiten.“ Die Märtyrergeschichte des jüdischen Volkes Vorbemerkung Unter dem Titel„Die Romantik des Martyriums bei den Juden im Mittelalter“ hat der protestantische Schriftsteller M. J. Schleiden eine Broschüre herausgegeben, aus der wir gerade an dieser Stelle Folgendes zitieren möchten, weil dadurch die Wünschbarkeit einer solchen Aufklärung, wie es diejenige des nachstehenden Kapitels ist, besonders einleuchtend begründet wird: „Was die Romantik des jüdischen Martyriums betrifft, so haben die Christen ein so vortrefflich schlechtes Gedächtnis für ihre eigenen Sünden, daß man im allgemeinen historischen Unterricht die furchtbare Leidensgeschichte der Juden im Mittelalter kaum erwähnen hört, und ich halte es daher für zweckmäßig, einen kurzen Überblick über dieses ungeheuere Trauerspiel zu geben, wogegen alles, was wir vom Martyrium der Christen unter den Heiden wirklich wissen, fast wie Kinderspiel erscheint. Ich konn- te die wissenschaftliche Entwicklung der Juden im Mittelalter nicht verfolgen, ohne auch mit dieser Kehrseite ihrer Schicksale bekannt zu werden, und ich glaube, eine entsprechende Auf- klärung wird immerhin für denkende und fühlende Menschen von Interesse sein. Ich kann diese Skizze nicht besser einleiten als mit den Worten von Zunz: ‚Wenn es eine Stufenleiter der Leiden gibt, so hat Israel die höchste Staffel erstiegen; wenn die Dauer der Schmerzen und die Geduld, mit welcher sie ertragen wurden, adeln, so nehmen es die Juden mit den Hochgeborenen aller Länder auf. Wenn eine Literatur schon reich genannt wird, die einige klassische Trauerspiele besitzt, welcher Platz gebührt dann einer Tragödie, die eineinhalb Jahrtausende währt, gedich- tet und dargestellt von den Helden selber?‘“ 78 Spricht istes kl Juden a keinesw treibung Jahrhur mehr V zum Ch Einfluß Jahrhur Traditic „Mittelı fall,daf über de, begann, ten röm für die Mitten( gerade ı allmähl die Bew Natten, gab es; wissen| Nur vor dern zu einem hristlic Wer Juden| füchte, Sucht n. Massen, Techtig] Ind. Stamm Noch in Christe Anzuhß Itdent Allgemeine Übersicht Spricht man von der Märtyrergeschichte des jüdischen Volkes, so ist es klar, daß diese Geschichte erst nach der Austreibung der Juden aus Jerusalem begonnen hat. Sie hat ihren Anfang aber keineswegs schon in den ersten Jahrhunderten nach dieser Aus- treibung genommen, sondern erst nach dem siebenten und achten Jahrhundert, was sich zweifellos dadurch erklärt, daß immer mehr Völkerelemente aus dem erst vor wenigen Jahrzehnten zum Christentum bekehrten Teile der Menschheit zu Macht und Einfluß in der kirchlichen Welt gelangten— Elemente, die noch Jahrhunderte brauchten, bevor sie sich in die großen sittlichen Traditionen einzuleben vermochten, welche durch die sogenannte n Juden„Mittelmeerkultur“ repräsentiert wurden. Ist es doch kein Zu- chleiden die Verschärfung aller gesetzlichen Bestimmungen gegen- über dem Judentum ursprünglich nicht in Rom, sondern in Toledo en begann, also im äußersten Westen des zum Christentum bekehr- Kapitel ten römischen Weltreiches. Zu den oben geschilderten Gründen für die unverkennbare Verschlechterung der Lage der Juden in- mitten der abendländischen Gesellschaft wäre hinzuzufügen, daß gerade das engere Zusammenleben der Juden mit den Christen so haben allmählich eine ganze Reihe von tragischen Konflikten erzeugte, für ihre die gewiß ihre Ursache in der grundlegenden Verschiedenheit nterricht hatten, durch die beide Teile voneinander getrennt waren; dabei er kaum gab es auch wachsende Zusammenstöße, die das christliche Ge- ig, em"| wissen schwer belasten müssen. Man muß also zweifellos nicht m gebe,| nur von einer jüdischen Tragödie und einem Martyrolog, son- inter den dern zuletzt auch von einer christlichen Tragödie, nämlich von kom| einem Abfall nur zu vieler Christen vom tiefsten Sinne der ittelaltet christlichen Wahrheit, reden. chicksalt Wer vermag all die Grausamkeiten aufzuzählen, denen die ‚de Auf- Juden im christlichen Europa in Massen zum Opfer fielen? Ge- Menschen, Aberglauben, Verleumdungen aller Art sowie die Hab- einleiten sucht nach jüdischem Gut hatten Verfolgung, Plünderung und jeiter dr Massenmord zur Folge, und es ist kaum eine Roheit und Unge- wenn die rechtigkeit auszudenken, die hier nicht begangen worden wäre. ertrage) In den ersten christlichen Jahrhunderten lebten die aus ihrem ‚borenen vertriebenen und ins Abendland geflüchteten Juden nt wird noch in guten Beziehungen mit ihrer christlichen Umgebung; bir Christen besuchten damals Synagogen, um jüdische Predigten 28 did. anzuhören, ja es kam sogar vor, daß christliche Geistliche zum 18 Judentum übertraten. Damals standen Ausnahmsgesetze gegen 1) den freien Handel und Wandel der Juden noch nirgends auf der Tagesordnung. Erst seit dem Konzil von Toledo im Jahre 681 begann die Kirche damit, Maßregeln gegen die jüdische Bevölke- rung zu verhängen, was dann begreiflicherweise in den Juden Haß gegen ihre Verfolger wachzurufen begann. Man fing nun an, ihnen immer mehr Beschränkungen aller Art aufzuerlegen, so daß ihnen schließlich nur der Kleinhandel und der Wucher alseigentliche Erwerbsquelleblieben. Von der geschichtlichen Wen- dung an, wo die verschiedenen Rassen und Völkerschaften im europäischen Lebensraum seßhaft wurden und auf einen geregel- ten Erwerb ausgehen konnten, wurden die Juden immer mehr aus allen Berufen ausgeschlossen, speziell aber aus Ackerbau und Handwerk. Aberglaube und unchristlicher Geist sowie die ganze noch bestehende Unordnung, ja Verwirrung des wirtschaftlichen Lebens im frühen Mittelalter taten dann noch ein übriges. /gnaz Döllinger meint mit Recht, daß eine peinlichere Existenz als die der Juden im Mittelalter kaum vorstellbar sei. Im folgenden seien einige charakteristische Beispiele gegeben, welche zeigen sollen, woraus sich das jüdische Matyrolog zusammensetzt, wie weitreichend und wie erschreckend in den angewendeten Mitteln die Judenverfolgungen waren und wie entwürdigend und un- glücklich die Lage war, in die sie immer tiefer hinuntergestoßen wurden. Was die Juden während der Kreuzzüge zu erleiden hatten Im Jahre 1096 wurde in Clermont(Frankreich) der Krieg des Kreuzes gegen den Halbmond, der Christen gegen die Moham- medaner beschlossen, weil diese Jerusalem erobert und den Chri- sten den Besuch jener Stätte erschwert hatten, die als Grab des Stifters der christlichen Religion verehrt wurde. In frommer Be- geisterung gelobten Tausende, Haus und Hof zu verlassen, ge- waffnet den Feinden ihres Glaubens entgegenzutreten und nicht eher zu ruhen, bis Jerusalem wieder eine christliche Stadt sei. Zum Zeugnis ihres Gelöbnisses ließen sie sich ein rotes Kreuz auf ihre Schulter heften. Eine große Schar dieser Kreuzritter, unter der Führung des Franzosen Wilhelm der Zimmermann, wollte den Abmarsch des Hauptzuges nicht abwarten. Sie sagten:„Weshalb sollen wir den Krieg gegen die Ungläubigen im Morgenlande führen, da doch in unserer Mitte die Nachkommen derer leben, die den Erlöser 80 > gekreuzig tilgt wer‘ Zuerst fi fanden$ jüdischen Heinrich ver Zeit a an, Die€ sche Gen trieb viel nen, Fra‘ bewahre, gelegten den Bisch Ihnen:„, so gebe i Ihr aber intergeh an, Ein( dem Tod tötete er sich in d zahl Juc Tapfereı mit dem nen Beisı den entg dem Sch Peinde,| Entse Sich die faubt u; Wie in Kinder, Süchten Eine Sq nigen Schützen Jüden e Sttichen ind Le; Wählten b Roerst, auf der re 681 völke- Juden ng nun rlegen, Wucher nWen- ften im eregel- r mehr au und e ganze ftlichen . Ignaz als die Igenden ‚zeigen tzt, wie Mitteln ınd un- ‚estoßen atten rieg, des Moham- on Chri- rab des mer Be ssen, BE nd nicht gadt sei. s Kreuz| rung des arsch des wir den} da doch Erlöse! gekreuzigt haben? Erst müssen die Juden im Abendlande ver- 'tilgt werden, dann erst wollen wir gegen die Türken ziehen.“ Zuerst fielen sie über die Juden in Frankreich her, aber diese fanden Schutz bei der Obrigkeit. Wehrlos hingegen waren die jüdischen Gemeinden in den rheinischen Bischofssitzen. Kaiser Heinrich IV., den Juden ein gerechter Herr, befand sich zu die- ser Zeit außer Landes; kein weltlicher Arm nahm sich der Juden an. Die erste Wucht der anstürmenden Horden fühlte die jüdi- sche Gemeinde in Trier. Die Angst vor der zügellosen Menge trieb viele zu verzweifelten Taten. Männer töteten ihre Gattin- nen, Frauen ihre Kinder, um sie vor martervollerem Tode zu bewahren. Viele Familien verbrannten gemeinsam in selbst- gelegten Flammen. Diejenigen, die weniger Mut hatten, baten den Bischof Egilbert um Schutz. Der Gottesmann aber sprach zu ihnen:„Jetzt kommen euere Sünden über euch! Bekehret euch, so gebe ich euch Frieden und ruhigen Genuß euerer Güter. Bleibt ihr aber verstockt, so wird mit euerem Leibe auch euere Seele untergehen.“ Die Geängstigten nahmen zum Scheine die Taufe an. Ein Greis war der Versuchung verfallen und zog die Taufe dem Tode vor. Noch am gleichen Abend aber, von Reue erfaßt, tötete er seine beiden Töchter, zündete sein Haus an und warf sich in die Flammen... In Speyer schleppte die Menge eine An- zahl Juden in eine Kirche, wo sie getauft werden sollten. Die Tapferen widerstanden und besiegelten ihre Treue zu ihrem Gott mit dem Tode. Den andern lieh der edle Bischof Johannsen sei- nen Beistand; er nahm sie in seine Burg auf, trat den Anstürmen- den entgegen und ließ sogar einige von ihnen hinrichten. Unter dem Schutze des Bischofs verteidigten sich die Juden gegen ihre Feinde, bis diese abzogen. Entsetzlich war das Schicksal der Juden in Worms, gegen die sich die Wut der Mordbande jetzt richtete. Viele wurden be- raubt und hingewürgt. Die Thora-Rollen wurden geschändet. Wie in Trier, so legten auch hier Mütter selbst Hand an ihre Kinder, und es spielten sich jammervolle Szenen ab. Andere ver- suchten sich zur Wehr zu setzen, erlagen aber der Überzahl. Eine Schar hatte sich in den Palast des Bischofs geflüchtet; nach einigen Tagen ließ dieser ihnen sagen, daß er sie nicht länger schützen könne, wenn sie nicht in die Taufe einwilligten. Die Juden erbaten sich eine Frist zur Überlegung. Als die Zeit ver- strichen war, ließ der Bischof die Türe öffnen und sah nur Blut und Leichen vor sich. Vor die Wahl„Taufe oder Tod“ gestellt, wählten die Unglücklichen lieber den Tod durch eigene oder 6 Foerster, Jüdische Frage 81 Freundeshand als die Glaubensgemeinschaft solcher Männer, die das Ebenbild Gottes in sich und anderen durch tierische Raub- und Mordlust entwürdigten. Achthundert Juden starben damals in Worms als Märtyrer ihres Glaubens, achthundert frommer Seelen gedenkt man dort noch heute in fürbittendem Gebet. Mit gesteigertem Blutdurst trafen die„Wallbrüder“ in der Stadt Mainz ein, geführt von dem Grafen Emicha von Leiningen, einem Verwandten des Mainzer Erzbischofs Rudhard. Diesem Kirchenfürsten hatten die jüdischen Einwohner, 1300 an der Zahl, ihre Güter und Schätze anvertraut, damit er sie und ihr Leben in seinem Palaste vor den Kreuzfahrern schütze. Aber Emichas Leute fanden leichten Eingang in die bischöfliche Re- sidenz und begannen ein grausiges Hinschlachten. Dreizehn- hundert Glaubenshelden starben durch ihre Feinde oder durch eigene Hand und stimmten, wie Zeitgenossen berichteten, vor dem Tode den Lobgesang an, der dem einen und einzigen Gott gewidmet war. Es war Bischof Hermann von Köln, der eingriff, um Mord und Selbstmord zu beendigen. Er gewährte vielen seiner jüdi- schen Mitbürger eine Zuflucht in den benachbarten Dörfern und brachte sogar viele Bürger der alten deutschen Stadt Köln dazu, den Juden in ihren eigenen Häusern Unterkunft zu gewähren. Auf ihrem Weitermarsch nach dem Osten wurden die Mord- brenner von der Strafe ereilt: die christlichen Bauern in Ungarn erschlugen sie bis auf den letzten Mann. Der Hauptzug der Kreuzfahrer, unter Führung des deutschen Fürsten Gottfried von Bouillon, hielt sich natürlich von solchen Ausschreitungen fern. Gleichwohl richteten die Kreuzfahrer nach der Eroberung Jerusalems ein furchtbares Blutbad unter den Mohammedanern an. Schrecklich war wiederum das Los der Ju- den, die sich in. die Synagoge geflüchtet hatten. Die Christen zündeten das Gotteshaus an, und die Beter starben den Feuertod. Im zweiten und dritten Kreuzzug wiederholten sich alle im vorstehenden Berichte erwähnten Schrecken. In dem bereits zitier- ten Buche von Josef Kastein findet sich darüber ein längerer Be- richt, dem wir entnehmen, daß die Vorbereitung der Teilnahme des Königs Richard Löwenherz(anläßlich seiner Krönung im Jahre 1189) den ersten Anlaß zum Beginn der Judenver- folgungen und planmäßigen Massaker in England gegeben hat. Der genannte Bericht sagt:„Damit ist das Niveau der übrigen Länder auch in England erreicht.“ Was das sogenannte Heilige Römische Reich angeht, so muß hier ausdrücklich festgestellt 82 werden haft re sonder die sich Nicht| Rheinl sicherer folgen. anrühr auf dei zeitig| den zu Prokla Verhäl Kreuz: wissen „Es ist gebilli Getres dern 0 den vc Ihnen Gewo) währe In der die P Ufern Euro Wohr Es ist deweg Blaub inner, die he Raub- n damals, frommer ebet. ‚einingen, |. 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Endlich erließ er auch die folgende allgemeine Proklamation, die den Geist charakterisierte, in welchem er das Verhältnis der Christen und ganz besonders derer, die an den Kreuzzügen teilnahmen, zur jüdischen Bevölkerung behandelt wissen wollte: „Es ist die Pflicht der kaiserlichen Majestät, vom Recht wird es gebilligt und von der Vernunft gefordert, daß wir jedem unserer Getreuen, nicht nur dem Verehrer der christlichen Religion, son- dern auch denen, die, von unserem Glauben abweichend, nach den von ihren Vätern überlieferten Gebräuchen leben, alles, was ihnen zukommt, nach Maßgabe der Billigkeit zusichern, ihren Gewohnheiten Dauer, ihren Personen und Gütern Frieden ge- währen.“ Die asiatische Pest und das europäische Judentum In den unseligen Jahren 1340—1350 drang der„Schwarze Tod“, die Pest, furchtbare Ernte haltend, in breiter Front von den Ufern des Schwarzen Meeres über Südfrankreich in alle Länder Europas ein. Jeder dritte Mensch wurde vom Tode getroffen. Woher kam das Unglück? Und was konnte man dagegen tun? Es ist selbstverständlich, daß diese Fragen jedermann angstvoll bewegten. Sofort stellte der anti-jüdische Komplex den Aber- glauben zur Verfügung, der als ein willkommenes Mittel schien, um das Judentum zu vernichten. Der Aberglaube wußte natür- lich genau, wie und aus welchem Grunde die Juden das Unheil herbeigeschleppt hätten: sie hätten Brunnen und Quellen und Flüsse vergiftet, um alle Christen auszurotten. Was also mußte geschehen? Der Aberglaube gab über das ganze Land einmütige Antwort: Zur Besänftigung des göttlichen Zornes müssen die B* 83 Juden vernichter werden! Papst Clemens VI. verbürgte sich für die Unschuld der Juden und gebot Einhalt. Er versuchte im Volke den gesunden Menschenverstand wiederzuerwecken, als er laut verkünden ließ, daß die Juden an der Pest ja selbst genauso wie die Christen hinstürben— und daß umgekehrt auch dort, wo weit und breit kein Jude zu finden sei, die Pest genauso wütete. Vergebens. Der Aberglaube war stärker als die Vernunft. Und nun nahm das Unheil freien Lauf. In mehr als dreihundert- fünfzig Gemeinden wurden die Juden für ihre„Schuld“ an dem Siegeszug des Schwarzen Todes erschlagen, ertränkt, verbrannt, gehenkt, erwürgt oder lebendig begraben. In vielen Orten war- teten die Bedrohten die Schmach gar nicht ab, sondern starben durch eigene Hand. Alles, was sie besaßen, wurde geplündert oder vernichtet. Charakteristisch für die geistige und moralische Verwirrung, die während der Pestperiode herrschte, ist die Tat- sache, daß der Herzog Amadeus von Savoyen einen der berühm- testen jüdischen Ärzte so lange folterte, bis dieser die Vergiftung des Wassers zugab und darüber hinaus auch die Zusammen- setzung des Giftes. Es bestand— seiner Behauptung nach— aus einer Mischung von Schlangen, Fröschen, Skorpionen, Hostien- oblaten und Christenherzen. Nach dieser sogenannten Aufklärung wurden Juden massenweise verbrannt.— Als nächstes Land rächte die Schweiz das jüdische Verbrechen: in Zürich, Konstanz, Schaffhausen, Überlingen und anderen Städten am Bodensee wurden Juden verbrannt, gerädert, gehenkt. Von da aus griff die Verleumdung der Juden nach Deutschland über. Es gab nur wenige Städte, die sich gegen dieses Morden wehrten. Eine Ver- sammlung der Magistrate, des Adels und der Geistlichkeit be- schloß im Jahre 1349: Die Juden sind vogelfrei— sie sind aus den elsässischen und rheinischen Städten zu vertreiben. Das ge- schah auch. In Straßburg wurden zweitausend Juden in einen Holzverschlag getrieben und verbrannt. Das jüdische Vermögen wurde unter die christlichen Bürger verteilt. Wir können uns nicht wundern, wenn nach dem Abklingen des unsinnigen Massenaffektes sich wieder die Erkenntnis Bahn brach, daß die Mörder sich zugleich selbst geschlagen hatten und die Toten bald wieder unersetzlich erschienen. Am drastischsten bezeugt das eine Urkunde aus dem Jahre 1352, durch dieLudwig der Brandenburger eine Einladung an die Juden ergehen ließ, sich vollkommen steuerfrei in seinem Lande niederzulassen mit der ausdrücklichen Begründung, daß nach dem großen Juden- mord in den Pestjahren überall in seinem Lande Geldmangel 84 herrsch worder die Üb nun ve Geldw Eine ahristli datiert strano, machen Juden offener gen w. zwisch: wechse ım La städter Ehren Der der Fr mißve: ste Au: tefster Das jü Herrs. Füchtig Mauris Bing, ı Nac Spanic der B und Y digen gleich Zusam 'on d e sich für uchte im ven, als er t genauso uch dort, ; genauso Vernunft, ihundert- “ an dem erbrannt, rten war- n starben eplündert moralische t die Tat- r berühn- Jergiftung usammen- ich— aul - ufklärung stes Land Konstanz, Bodense? , aus gif is gab nut Eine Ver- hkeit be e sind aus n. Das ge pin eine! Vermöge! Abklinge! nenis Baht harten un! „gstischstel A eyit die Ludoi yehen lieh > it jlassen M en Juder e| ‚eldmans“| | herrsche. Und ebenso suchte man überall, auch wo beschlossen worden war, Juden„in alle Ewigkeit“ nicht wieder zu dulden, die Überlebenden zur Rückkehr zu bewegen. Aber diese waren nun verarmt und konnten nur noch in geringem Umfange der Geldwirtschaft helfen. Eine charakteristische Folge der unbeschreiblichen jüdisch- christlichen Verfeindung, die aus der Epoche der Schwarzen Pest datiert, war die Erklärung des Predigers Johannes von Capi- strano, durch die gefordert wurde, daß man endlich reinen Tisch machen müsse. Er propagierte auch das beste Mittel dazu: alle Juden als Feinde des Glaubens auf Schiffe zu laden und sie auf offener See zu ertränken. Es gab in der Tat seit den Verfolgun- gen während des Schwarzen Todes nichts Gemeinsames mehr zwischen Christen und Juden, es gab nichts als die bitterste wechselseitige Feindschaft. Und so erklärt es sich, daß die Juden im Laufe des 15. Jahrhunderts aus allen wichtigen Handels- städten des Reiches vertrieben wurden— 1426 aus Köln—„zu Ehren Gottes und der Heiligen Jungfrau“. Der ganze Leidensweg der Juden ist eine einzige Bestätigung der Erkenntnis des großen Seelenkenners Balzac, daß der aus mißverstandener Religion ausgebrochene Aberglaube der schlimm- ste Ausdruck des Fanatismus ist und außerdem derjenige, der am tiefsten und nachhaltigsten im Gemüt Wurzel faßt. Das jüdische Schicksal in Spanien und Portugal Die maurisch-jüdische Kulturepoche Das jüdische Martyrium in Spanien und Portugal während der Herrschaft der Inquisition ist weltgeschichtlich bekannt und be- rüchtigt, dagegen ist die mehr als zweihundert Jahre dauernde maurisch-jüdische Kulturepoche, die jenem Martyrium voran- ging, weniger allgemein bekannt. Nach schweren Kämpfen gegen die christlichen Westgoten in Spanien war es bekanntlich den Arabern gelungen, mit Hilfe der Berber und der in Nordafrika angesiedelten Juden Süd- und Mittelspanien zu erobern. Den Juden wurden alle notwen- digen Freiheiten gelassen, viele von ihnen bekehrten sich, zu- gleich mit den unterworfenen Christen, zum Islam. Aus solchem Zusammenwirken der Juden mit den arabischen Eroberern, die von da an„Mauren“ genannt wurden, entwickelte sich für die 85 Juden nach jahrhundertelanger Verfolgung eine wahre Lichtzeit der politischen und geistigen Freiheit. Wie gestaltete sich nun diese einzig dastehende fruchtbare Kulturepoche? Die staatliche Konsolidierung, die der maurischen Eroberung folgte, sicherte den Juden nicht nur weitgehende Freiheiten, sondern nicht selten sogar leitende Stellungen. Diese etwa zweihundert Jahre lang ge- gebenen Möglichkeiten benutzten die Juden, um sich dem Aus- bau ihrer kulturellen Gaben und Traditionen zu widmen, und so kam es zu jener Blütezeit, während der sich die hebräische Kul- tur sowohl auf künstlerischen wie auf wissenschaftlichen Ge- bieten entwickeln konnte und entwickelt hat. Unter den Trägern dieser Kulturepoche waren der Dichter Jehuda Halevy und der Philosoph Maimonides, dessen universale Philosophie bekannt- lich tiefen Eindruck auf die ganze damalige Kulturwelt machte. Wir nennen hier noch den tiefgläubigen Philosophen Salomon Ibn Gabirol, dessen religiöse Metaphysik dem jüdischen Glauben an dieweltdurchdringende Gewalt der göttlichen Wahrheit in der ersten Hälfte des elften Jahrhunderts einen so ergreifenden Aus- druck gab, daß sie eine tiefe Wirkung auf die christlichen Scho- lastiker ausübte, die nicht ahnten, daß hinter diesem spanischen Namen ein religiös erleuchteter Jude stand. Unter dem Titel „Der Quell des Lebens“, wo er nicht etwa nur ein oberstes ord- nendes Prinzip hoch über der Fülle des Lebens die Welt beherr- schen läßt, sondern dasselbe von dorther die ganze Stufenleiter der Schöpfung bis hinunter zur niedersten Kreatur durchdringen läßt, schildert er eine gottgeordnete Welt, die in die letzte Tiefe der Schöpfung hinunterdringt und ebenso unwiderstehlich das menschliche Leben zur Welt der ewigen Werte emportreibt. Wohl selten ist die geistige Größe des Alten Testaments so einfach for- muliert worden, wie es in dieser Schilderung der unwidersteh- lichen weltdurchdringenden Kraft des göttlichen Geistes veran- schaulicht wurde. Wenn auf diese Weise— ähnlich wie in Babylon nach der Zerstörung Jerusalems— nunmehr in Spanien für die geflüchte- ten Juden ein geistiges Zentrum und auch eine politische Heimat entstanden war, so entwickelte sich im Zeichen dieser äußeren Sicherstellung und Beruhigung eine Blüte der hebräischen Sprach- kultur, von deren Schönheit und Geistigkeit die Juden bis in unsere Zeit hinein zehren. Es war aber vorauszusehen, daß unter der Erstarkung der abendländischen Christenheit diesem ara- bisch-jüdischen Zentrum in Spanien kein langes Leben erlaubt werden würde. Langsam, aber stetig setzte ein Gegenstoß ein, 86 | der sid jene ma richtete. DieEp Etwa ui planvol Kreise ı solidier‘ bewußt zunächs den An Sammel ın Sevil der ga, Ferraba Apitati spanisch sandte ı stören ı bringen Uhtern Stadtbe der Ve, meinde 4000 7 Verkaul fetten, Order: Zuschla Nach A Morde, {um(@ Domin durch| den( Säcke {ums( Juden Lichtzeit sich nun|| jene maurisch-jüdische Besetzung von Mittel- und Südspanien | richtete. taatliche ‚sicherte ht selten lang ge- lem Aus- n, und so ‚che Kul- hen Ge- Trägern und der bekannt- t machte. Salomon Glauben jeit in der ıden Aus- hen Scho- panischen em Titel rstes ord- It beherr- ufenleiter dringen rzte Tiefe >hlich das bt. Wohl nfach for- vidersteh- ges veran- nach der geflüchte je Heima! g äußere! on Spradh den bis daß untel| een a9| on erlaudt nstoß ei der sich von dem christlich gebliebenen Nordspanien gegen Die Epoche desjüdischen MartyriumsinSpanien Etwa um die Mitte des 14. Jahrhunderts begann sich ein immer planvollerer und rücksichtsloserer Widerstand der christlichen Kreise in Spanien gegenüber den Mauren und den Juden zu kon- solidieren, ein Widerstand, der sich immer mehr zu einer ziel- bewußteren Aggression verschärfte. Man hatte viele Gründe, zunächst noch die Mauren zu schonen, und konzentrierte daher den Angriff auf die gesamte jüdische Bevölkerung in Spanien. Sammelpunkt dieses Angriffes wurde der spanische Klerus, der in Sevilla unter der Parole„Tod oder Taufe“ den Kampf auf der ganzen Linie eröffnete. Der Archidiakon von Sevilla, Ferrabd Martinez, predigte den Terror. Rom verbot ihm diese Agitation. Er wurde sogar strafweise seines Amtes entsetzt. Die spanischen geistlichen Behörden ernannten ihn daraufhin zum stellvertretenden Erzbischof von Sevilla. In dieser Eigenschaft sandte er Rundschreiben an seine Diözese, die Synagogen zu zer- stören und ihm die kultischen Geräte als Zeichen des Sieges zu bringen; das geschah an vielen Orten! Für Sevilla leitete er das Unternehmen selbst(1391). Es mißlang, weil die Juden und die Stadtbehörden Widerstand leisteten. Drei Monate später wurde der Versuch wiederholt— diesmal mit vollem Erfolg. Eine Ge- meinde von rund 30000 Menschen wurde vernichtet; es gab 4000 Tote, der Rest bestand aus„Gefangenen“, die als Sklaven verkauft wurden. Einige wenige konnten sich durch die Flucht retten. Nach diesem vollen„Sieg“ gab Martinez seine Kriegs- order:„Die Juden, die nicht Christen werden wollen, sind tot- zuschlagen.“ So wurde es auch gehalten. Dann griff die Agitation nach Aragonien über: Barcelona, Valencia bis nach Mallorca. Auch da mit dem gleichen Ergebnis: Tote, neue Christen, Selbst- morde, Plünderungen. Die Zahl der in diesem„heiligen Krieg“ zum Christentum„Bekehrten“ betrug einige Zehntausend. Der Dominikaner Vicente Ferrer zog mit einer Schar Flagellanten durch Kastilien und Aragonien, predigte den„heiligen Haß“ gegen die Andersgläubigen und zwang die Juden in zahlreichen Städten durch den brutalsten Terror zur Annahme des Christen- tums(1412—1413). In dieser Zeit wurden an zwanzigtausend Juden getauft. 87 stenz der Juden in Spanien mußte sich aber unerwartet auf wirt- schaftlihem Gebiete aufs schwerste rächen. Der Krieg gegen das jüdische Volk führte zunächst zu einer immer größeren Flucht der Juden aus Spanien, und diese Flucht hatte dann wirtschaft- liche Konsequenzen für die ganze spanische Nation, die den Schuldigen mit Schrecken zum Bewußtsein kamen. So war es be- greiflich, daß weiterblickende Verantwortliche jener Flucht ent- gegenzutreten versuchten, so wie es Maria, die Reichsverweserin von Aragonien, tat— aber natürlich ohne jeden dauernden Er- folg. Eine interessante Folge des oben geschilderten Zustandes war die überraschende Zunahme der sogenannten conversos, d.h. der zum Christentum bekehrten Juden, die nun, damit solche Bekehrung weiter ermutigt werde, sogar in die leitenden wirtschaftlichen und politischen Schichten Spaniens aufgenom- men wurden. Über die Folgen des Eintritts hochbegabter und hochgelehrter Juden in die leitenden Kreise der spanischen Ge- sellschaft hatte man sich vorher keine Rechenschaft gegeben. Die jüdische Konkurrenz, die früher nur von außen her gewirkt hatte, arbeitete nun plötzlich im Innern der spanischen Gesell- schaft, worüber ein spanischer Autor damals Folgendes sagte:„In drei Fällen ist das Wasser unnütz vergeudet: das Wasser bei einer Judentaufe, das Flußwasser im Meer und das Wasser im Wein.“ Die Entrechteten von gestern waren plötzlich die Ein- flußreichen von heute. Das erfüllte alle Kreise der Gesellschaft mit geheimer Unruhe. Mit Recht bemerkt der von uns bereits zitierte Historiker Josef Kastein in seinem Buche„Eine Geschichte der Juden“ über- aus treffend, daß den bekehrten Juden die gewaltigen geschicht- lichen und persönlichen Folgen der Verleugnung ihres Glaubens erst ganz allmählich mit Erschütterung zum Bewußtsein kamen. Aus unlösbarer Verbundenheit mit Jahrtausenden religiöser Ent- wicklung trugen sie ihr Judentum— trotz ihrer äußerlichen Be- kehrung— heimlich, aber unzerstörbar tief weiter mit sich. Sorgsam verborgen vor den Augen der neuen Glaubensgenossen hielten sie die Riten und Gesetze, die Feiertage und Bräuche ihres Glaubens, erkämpften sich täglich in Furcht und Heimlich- keit das Recht dazu, lebten ein doppeltes Leben— jedes eine doppelte Last. Der Augenblick mußte kommen, wo dieser Zwie- spalt zwischen innerem und äußerem Leben nicht nur den Juden, sondern auch den Christen'zu klarem Bewußtsein kam. Das wurde der Beginn jener für die Juden so furchtbaren Epoche, in 88 Der ganze hier geschilderte Eingriff in Leben, Beruf und Exi- ‚ velder “ ranen“, unzweic satoren Politik Es hieß fahr eb N; keit abe schen G D Es war Nerigen wiesene daß die Inquisit illes ve die Treı der chri der Au sing, di maskier ziehen, Kreisen Juden 2 ind Be Xannt| Granad Verhöh äufgest aufen Halb We '0r der 1 Alsspra NUrgt Hchte Reine |"Anstig te Ab dopgg und Exi- auf wirt- gegen das en Flucht rirtschaft- ‚ die den var es be- lucht ent- erweserin rnden Er- Zustandes -ONVELSOS, ın, damit leitenden ufgenom- ıbter und schen Ge- eben. Die r gewirkt on Gesell- sagte:„In Tasser bei Wasser im ı die Ein- esellschaft Historiker len“ über- geshicht- Glaubens in kamen: öser Ent Jichen Be mit sich jsgenossen d Bräudt Heimlid“ jedes eit oser ZWIE len Juden kam. D* Epoche welcher der Kampf gegen die„conversos“, die nunmehr„Mar- ranen“, d.h.„Verdammte“,„Schweine“, genannt wurden, zu unzweideutigem Ausdruck kam und von den kirchlichen Organi- satoren des Antisemitismus als Losungswort für eine ganz neue Politik gegenüber den Juden gebraucht und mißbraucht wurde. Es hieß nunmehr:„Die Kirche ist in Gefahr“, mit welcher Ge- fahr eben jener Einbruch der scheinbar Bekehrten, in Wirklich- keit aber unbekehrt gebliebenen Juden in die Zentren der spani- schen Gesellschaft gemeint war. Das furchtbare Schicksal der Marranen Es war vorauszusehen, und zwar auf Grund der ganzen bis- herigen Geschichte des jüdischen Martyriums und der dabei be- wiesenen Treue der Juden gegenüber ihrer religiösen Tradition, daß die durch den Schrecken vor den Methoden der spanischen Inquisition bekehrten Juden auch nach ihrer äußeren Bekehrung alles versuchen würden, um ihrem Glauben wenigsten heimlich die Treue zu halten, und es war ebenso vorauszusehen, daß dies der christlichen Spionage nicht verborgen bleiben würde und daß der Augenblick kommen mußte, wo die Inquisition dazu über- ging, die heimliche Religionsübung der bekehrten Juden zu de- maskieren und alle Folgerungen aus solcher Demaskierung zu ziehen. Wie eine Panik verbreitete sich damals in den christlichen Kreisen Spaniens die Kunde von jener heimlichen Treue der Juden gegenüber ihrer Religion. Und nun setzte eine Verfolgung und Bestrafung ein, wie sie die Geschichte niemals vorher ge- kannt hat. So wurden auf einem großen öffentlichen Platze in Granada, der dem Vollzug jener Bestrafung gewidmet war, zur Verhöhnung der Juden überall Statuen der jüdischen Propheten aufgestellt; dann nahm das Schicksal seinen Lauf.„Die Kirche will kein Blutvergießen“, so hieß es, darum wurden Scheiter- haufen errichtet. In Toledo allein wurden an drei Tagen inner- halb weniger Wochen 2400 Menschen verbrannt. Diejenigen, die vor der Verbrennung ihre Reue über die gefälschte Bekehrung aussprachen, wurden dazu begnadigt, vor der Verbrennung er- würgt zu werden. Josef Kastein bemerkt dazu in seiner„Ge- schichte der Juden“: „Keine Zeit, kein Volk, keine Kirche hat je Derartiges an blut- rünstiger Menschenquälerei vollbracht, es sei denn man denke an die Abschlachtung der Inkas durch die spanischen Conquista- dores.“ 89 Schrecken und Abscheu vor jenen Methoden verbreitete sich in ganz Europa und blieb nicht ohne Eindruck auf die leitenden kirchlichen Kreise in Spanien. Als Papst Sixtus III. den Bericht erhielt, daß diejenigen Angeklagten, die begnadigt werden woll- ten, als Gegenleistung für diese Begnadigung ihre Verwandten und Freunde denunzieren mußten, sprach er seine Empörung offen aus, und Rom verlangte das Recht zur Kontrolle der durch die Inquisition angewandten Methoden. König Ferdinand der Katholische aber bezeichnete eine solche Kontrolle als einen Ein- griff in seine königlichen Rechte und verweigerte ihre Annahme. Als spanische Demonstration gegenüber all jenen Versuchen zur Milderung der Inquisitionsmethoden wurde Torguemada zum unbeschränkten Organisator der ganzen Aktion gegen das spani- sche Judentum ernannt. Er verfügte u. a., daß die Verurteilten ihr ganzes Vermögen abzuliefern hätten. Als die denkbar grau- samste und durch keine christliche Hemmung gemilderte Fort- setzung des Kampfes gegen die Marranen dennoch zu keinem Erfolge wirklicher Bekehrung führte, entschloß sich Torquemada, trotz des lauten Protestes aller an der wirtschaftlichen Leistung der Juden interessierten Kreise, schließlich zur radikalen Aus- treibung des gesamten Judentums aus Spanien, was bekanntlich nicht nur zur Zerstörung des Mittelstandes, sondern auch zu einer derartigen Krisis der gesamten spanischen Wirtschaft führte, daß die Folgen dieser Austreibung selbst heute noch nicht über- wunden sind. Das Schicksalder Juden in Portugal Ein nicht geringer Teil der aus Spanien flüchtenden Marranen ersuchte die portugiesische Regierung um das Recht der Nieder- lassung. Dieses Recht wurde zunächst für acht Monate gewährt, aber unter der Bedingung, daß pro Kopf eine Gebühr von 8 bis 100 Goldcruzados erlegt werde. Über die weitere und abschlie- ßende Behandlung der Juden in Portugal finden wir in dem schon zitierten Buche Kasteins folgende zusammenfassende An- gaben: „Unter den 100 000 Flüchtlingen, die nach Portugal kommen, brechen Epidemien aus. König Juan zwingt sie daher zu vor- zeitiger Abreise. Die Bestialität, mit der die Flüchtlinge auf den Schiffen behandelt werden, ist nicht wiederzugeben. Diejenigen, die infolge der überstürzten Abreise den Anschluß versäumen, 90 werden > schenkt dhristlid Sankt T Mutter warf,] Inden« Königst treibun; ber 149 Hoffnu lassen, 1 Kinder weise ge stärkt e Zwangs töten si Szenen Im F Sammer Sie zwa ersie; fission eelen nd an nicht 9 Schlecht Christe Angew Auf Ahisityo dort, 5. Mt de des sch] dieng,| Die Mi 06} Zum P Rena; Vber 7 Bemnih eine Ng ) S tesichin| werden zu Leibeigenen des Königs erklärt und von ihm ver- leitenden| schenkt oder verkauft. Die Kinder dieser Sklaven werden zwecks n Bericht' christlicher Erziehung nach der jüngst entdeckten Verbrecherinsel len woll-' Sankt Thomas verschickt, wo die meisten krepieren, soweit die wandten' Mutter sich nicht vorher mit ihren Kindern zusammen ins Meer mpörung* warf. Juans Nachfolger, Manuel, stellt zwar die Freiheit der der durh' Juden wieder her, beschließt aber auf Verlangen des spanischen nand der, dessen Tochter Isabella er heiraten will, die Ver- inen Ein-' treibung aller Juden aus Portugal. Das Edikt vom 25. Septem- \nnahme,° ber 1496 befiehlt die Auswanderung binnen zehn Monaten. Seine ıchen zur| Hoffnung war, die meisten Juden würden sich vorher taufen ada zum| lassen, was aber nicht geschieht. Er ordnet an, daß alle jüdischen Jasspani-' Kinder zwischen dem 14. und 20. Jahre zu Ostern 1497 zwangs- rurteilten| weise getauft werden sollen. Sofort setzt die Auswanderung ver- bar grau- stärkt ein. Die Beute an Seelen ist in Gefahr. Darum wird die ‚rte Fort- schon am 19. März ausgeführt. Zahlreiche Eltern u keinem töten sich samt ihren Kindern. Der Rest wird unter grauenhaflen quemada,| Szenen getauft. ‚ Leistung Im Hafen von Lissabon drängen sich über 20 000 Juden zu- len Aus-| sammen, um auszuwandern. Manuel stellt keine Schiffe und halt ‚kanntlih| sie zwangsweise fest, bis ihre Frist abgelaufen ist. Dann erklärt auch zu| er sie als seine persönlichen Sklaven, setzt sie gefangen, läßt „Aführte,| Missionare auf sie los, unterwirfl sie der Aushungerung, um icht über- Seelen für das Christentum zu gewinnen, läßt sie mit Stricken und an den Haaren zum Taufbecken schleifen, soweit sie sich nicht vorher selber umbrachten... und züchtet ein neues Ge- schlecht von Marranen. Den Rest, den er mit keinen Mitteln zu Christen machen konnte, ließ er im folgenden Jahre, 1498, in ein Marranen| ungewisses Schicksal hineinziehen. ‚r Nieder- Auf Verlangen Ferdinands des Katholischen bekommt die In-. , gewährt quisition das Recht, auch in Portugal zu wirken. Sie arbeitet von 8 bis dort, solange sie noch keine nationale Institution ist, zusammen } abschlie mit der portugiesischen Geistlichkeit, die wieder ihrerseits sich ir in dem des schlichten Volkes als Vollstreckers ihrer religiösen Politik be- sende Ar dient. Das Ergebnis steht hinter dem der Tribunale nicht zurück. Die Mönche rufen zur Ausrottung der Juden auf. Als zu Ostern 1506 bei verschiedenen Marranen in Lissabon Vorbereitungen | kommen|| Zum Passahfest entdeckt werden, veranstalten die Mönche die | sogenannte ‚Bluthochzeit zu Lissabon‘, wobei in zwei Tagen 2 uf de über zweitausend Juden erschlagen werden. Daneben geht das g Bemühen ständig dahin, gleich dem bevorzugten Spanien auch eine nationale Inquisition zu bekommen. Das Papsttum ist dazu 91 J Verfahren. Portugal lehnt das ab, denn Rechtsgarantien würden den Zweck der Inquisition gefährden. Karl V., der Gesinnung nach der erste wirkliche Habsburger, legt sich ins Mittel. Im Mai 1536 kann die autonome Inquisition ihre Tätigkeit begin- nen. Sie haust gleich zu Beginn derartig barbarisch und mit einer so exzessiven Anwendung der Tortur, daß selbst Papst Paul III. Protest einlegt und das Tridentiner Konzil sich mit den portu- giesischen Greneln beschäfligen muß.“ So enden die fast dreihundert Jahre jüdischen Schicksals in Spanien und Portugal. Wofür haben sich nun die aus der iberi- schen Halbinsel vertriebenen Juden entschieden? Ein geringer Teil der zur Auswanderung gezwungenen Juden wandte sich nach London und Holland, wo er eine tolerante Aufnahme fand und langsam zu immer wachsender wirtschaftlicher Bedeutung emporstieg. Das spanische Judentum muß nach dem Osten Llüchren Die Majorität der aus Spanien vertriebenen Juden beschloß, nach dem Osten zurückzukehren, was teils via Afrika, teils durch das Donautal bewerkstelligt wurde. Der größte Teil dieser ostwärts gehenden Auswanderer gelangte, vielfach dezimiert durch jede Art von Not und Verlassenheit, endlich in die neue osmanische Welt, die dem Judentum immerhin die notwendige Freiheit er- öffnete, um sich, wie stets im Rahmen solcher Krisen, von neuem um ihre alten geistigen Zentren zu sammeln. Jene Flucht nach mehr als zweihundert Jahren sorgloser und geistig überaus inhaltsreicher Zeit war für die Betroffenen von neuem ein sehr schweres Erlebnis, dem eine nicht weniger müh- selige Epoche neuer Ansiedlung folgte. Neuorientierung des geflüchteten Judentums Diese Neuorientierung wurde beherrscht durch die Frage, ob nicht dieses neue schwere Geschick der Vertreibung aus Europa eine Strafe Gottes dafür sei, daß die Juden sich in den zwei Jahrhunderten ihres kulturellen Zusammenwirkens mit den Arabern nicht allzusehr in die weltliche Wissenschaft verloren 92 bereit, verlangt aber Einhaltung von Rechtsgarantien bei dem| | und ihı Überle Osten, Thora boten finden furchtl dazu| wurde Weiter größer Die E Gesetz diese 7 Aruch breitu sammı befaßı Wir neuen blik: geistig neuen undr mäß;; Unse Ihrer | konn dern söhnı soph; hatte diese Ren ‚ bei dem n würden Jesinnung fittel, Im eit begin- mit einer Paul II. en portu- icksals in der iberi- \ geringer andte sich ıIhme fand Bedeutung Osten hloß, nadı durch das gr ostwärts durch jede Jsmanische 'rejheit ef- von neue gloser und Fenen vol iger müh- ‚und ihr geheiligtes religiöses Erbe preisgegeben hätten. Alle diese ‚Überlegungen führten dazu, daß sich das Judentum im Nahen Osten, nicht fern von der alten Heimat, wieder wie einst um die Thora scharte und im Gehorsam gegenüber den göttlichen Ge- boten die einzig mögliche Grundlage einer neuen Existenz zu finden suchte. Allerdings mußten das schwere Leid und die furchtbaren Enttäuschungen, die die Juden hinter sich hatten, dazu führen, daß die neue Sammlung um die Thora ergänzt wurde durch das, was man„Kabbala“ nannte und was sich in Weiterentwicklung der alten jüdischen Messiasidee mit immer größerer Leidenschaft dem Gedanken der Erlösung zuwandte. Die Erlösung aber wurde immerhin als höchstes Ergebnis der Gesetzestreue betrachtet. Und so war es kein Wunder, daß um diese Zeit das Buch eines großen jüdischen Gelehrten, Schulchan Aruch, erschien, das in der ganzen jüdischen Welt weiteste Ver- breitung fand, gerade weil es sich mit einer ganz neuen Zu- sammenfassung und geistigen Deutung des jüdischen Gesetzes befaßte._ Wir werden auf die Entwicklung des Judentums in dieser neuen Sphäre zurückkommen, wenn der geschichtliche Augen-, blick da ist, wo das Judentum im Osten wirtschaftlich und als geistige Macht eine solche neue Bedeutung erlangt, daß von neuem Neid, Eifersucht und Haß einer gänzlich anders gearteten und religiös völlig anders fundamentierten Umgebung zu plan- mäßiger Verfolgung aufsteht. Zurück zum europäischen Schicksal des Judentums Einleitung Unsere vorangehenden Texte haben die spanischen Juden auf ihrer Flucht nach dem Osten begleitet, wobei wir feststellen konnten, daß es sich hier nicht nur um eine äußere Flucht, son- dern auch um eine geistige Abkehr von jener weitgehenden Aus- söhnung des spanischen Judentums mit der nichtjüdischen Philo- sophie handelte, die in den berühmten Werken des jüdischen Philosophen Maimonides ihren kühnsten Ausdruck gefunden hatte. Was Wesen und Sinn jener Aussöhnung betrifft, so war dieselbe sicherlich weitgehend durch die Lehre von den zwei Wahrheiten ermutigt worden, die schon vor der italienischen Renaissance in den europäischen Bildungsschichten Raum ge- 93 wonnen hatte. Wir haben aber weiter oben gezeigt, wie viele denkende Juden gerade auf der Flucht nach dem Osten sich einem immer stärkeren Zweifel ergaben, ob die wachsende Sym- bolisierung ihrer geheiligten Tradition nicht verantwortlich da- für zu machen sei, daß die Vorsehung sich unverkennbar von solchem modernisierten Judentum abgewandt habe. Wir zitieren hier folgende Worte Kasteins über den Beginn der liberalen Epoche aus seinem mehrfach erwähnten Werke„Geschichte der Juden“: „Es entsteht hier die zwiespaltigste aller geistigen Haltungen: die liberale. Liberalismus im religiösen Bezirk ist ein Freiheits- begriff, der aus der Unfähigkeit kommt, sich für das Ja oder für das Nein zu entscheiden.— Die Konsequenz eines solchen Liberalismus war die wachsende Vernachlässigung der Ritual- gesetze, ein allmähliches Abstreifen aller Bindungen und die viel- fache Schließung von Mischehen. Aber es hätte nicht einmal sol- cher Vorgänge bedurfl, um eine ständig wachsende Opposition in Erscheinung treten zu lassen. Den Anruf, das von Maimonides aufgeworfene Problem zu lösen, vernahm die ganze Judenheit, sofern ihr damals die Zeit und der Ort ihres Aufenthaltes über- haupt eine geistige Existenz ermöglichten. Aber schon die Vor- aussetzung, von der Maimonides ausgegangen war, nämlich die Notwendigkeit, Religion und Philosophie zu versöhnen, wurde von einem großen Teil der Juden überhaupt nicht anerkannt. Ihnen genügte es, daß sie glaubten. Mehr noch: ihnen war nur wichtig, daß einer glaube. Es waren insbesondere die Juden in Deutschland und Frankreich, die diesen Standpunkt vertraten. Ein Doppeltes ließ sie diesen Standpunkt einnehmen: das Schick- sal, das ihnen bereitet wurde— und die Sorge um das Schicksal des ganzen Volkes.“ Was dieses grundlegende und scheinbar unabwendbare jüdi- sche Schicksal angeht, so war dasselbe den spanischen Juden im Laufe von zweitausend Jahren friedlicher Entwicklung weit- gehend aus dem Bewußtsein geschwunden, wurde ihnen aber dann durch die plötzlich ausbrechende neue Achtung und Ver- folgung von neuem eine erschreckende Gegenwart und entfrem- dete sie all den Anpassungen, denen sie sich in einer glücklicheren Epoche ausgeliefert hatten. | | Die Wir ha jüdisch. mäßige achten Jahrhu senann Mittelf | Es waı \ ‚Schws | mit de folgte, dung( deutig« mer er arausa wurde, Unt verfol, dende Beweg Mar | wie viele Osten sich cnde Sym-"| örtlich da- ınbar von ir zitieren - liberalen hichte der Taltungen: Freiheits- ıs Ja oder 1es solchen ler Ritnal- .d die viel- inmal sol- Ipposition [amonides Jndenheit, altes über- n die Vor- ämlich die en, wurde anerkannt, n war nu! e Juden in vertraten. das Sci 15 Schicksal jbare jüdh Juden in Jung weit| ihnen aber und Ver- d entfrem icklichere Die wachsende Verfolgung des Judentums in Europa Wir haben in der Einleitung des vorliegenden Kapitels über das jüdische Martyrium hervorgehoben, daß die bewußte und plan- mäßige Verfolgung des Judentums in Europa nicht vor Ende des achten Jahrhunderts begonnen hat. Was die dann folgenden Jahrhunderte betrifft, so haben wir die Hauptanlässe bei Namen senannt, die in jenen Jahrhunderten den geistigen und politischen Mittelpunkt und Ausgangspunkt des Antisemitismus bildeten. Es waren zunächst die Kreuzzüge, sodann der Einbruch der „Schwarzen Pest“ in Europa und endlich, im Zusammenhang mit der ganzen furchtbaren Verhetzung, die aus jenen Anlässen folgte, die systematische und immer wieder erneute Verleum- dung der Juden wegen Hostienschändung, die, trotz unzwei- deutiger Widerlegung und Verurteilung seitens der Päpste, im- mer erneut von den verhetzten Massen aufgegriffen und zu grausamer Verfolgung und Mißhandlung der Juden verwertet wurde. Unter den modernsten Motiven und Vorwänden zur Juden- verfolgung hat dann bekanntlich der Rassenwahn eine entschei- dende Rolle gespielt, der schließlich in der nationalsozialistischen Bewegung seinen erschreckendsten Ausdruck gefunden hat. Man hätte annehmen dürfen, daß die große protestantische Bewegung Führer in den Vordergrund gebracht hätte, die das, was schon die großen Päpste des Mittelalters unzweideutig und autoritativ erklärt hatten, mit ganz neuem Nachdruck gegen Judenverfolgung und gegen jede Art von Antisemitismus zur Geltung gebracht haben würden. Leider aber blieb die prote- stantische Bewegung in dieser Beziehung in so schweren Wider- sprüchen stecken, daß ein wirklich erhebender und moralisch klärender Einfluß auf die öffentliche Meinung von dorther nicht erwartet werden konnte. Ja es muß sogar festgestellt werden, daß selbst ein so machthabender Führer, wie es Martin Luther gewesen ist, in dieser großen Angelegenheit in verwirrende Wi- dersprüche verfiel. Er hat bekanntlich im Jahre 1523 ausdrück- lich die Tatsache unterstrichen, daß Jesus Christus ein geborener Jude war. Er hielt es für notwendig, diese Wahrheit seinen Freunden ins Gedächtnis zu rufen und sie daran zu mahnen, daß die Juden Blutsfreunde, Vettern und Brüder des Heilands seien und daß Gott diesem Volke dieHeiligeSchrift anvertraut habe.— Leider stehen diesen judenfreundlichen Bekenntnissen und An- 95 weisungen Luthers auch völlig entgegengesetzte Ratschläge und Urteile gegenüber. Der große Reformator verfaßte gegen die| „Vettern und Brüder des Heilands“ auch eine Reihe von Schrif- ten—„Brief wider den Sabbather“,„Von den Juden und ihren Lügen“, die kaum ein Argument ausließen, dessen sich bisher christliche Kreise bedient hatten— von der Brunnenvergiftung bis zum Ritualmord. Sie sind sogar in einem derart rüden Ton gehalten, daß der Schweizer Reformator Bullinger meinte, sie seien von einem„Schweinehirten, aber nicht von einem berühm- ten Seelenhirten“ verfaßt. Kaiser, Könige und Fürsten entrechten das jüdische Volk Es gibt ein schönes und würdiges französisches Sprichwort: „Noblesse oblige— Vornehmheit verpflichtet.“ Wenn man zur Erkenntnis kommt, daß wohl die niederträchtigste Mißhandlung eines wehrlosen Judentums von sehr großen und weithin be- rühmten Königen ausgegangen ist, so kommt man zweifellos zum Bewußtsein, daß jene Großen von der genannten Verpflich- tung so gut wie nichts in Seele und Gewissen trugen und ein weithin wirkendes Beispiel von gewissenloser Roheit und Selbst- sucht gegeben haben. Man braucht nur den folgenden Bericht über König Philipp den Schönen von Frankreich anzuhören, um über das Beispiel zu erschrecken, das von dorther dem Volke ge- geben wurde. Im folgenden eine sehr einfache Charakterisierung jenes königlichen Vorbildes: „Als der König im Jahre 1306 die völlige Entleerung seiner königlichen Kasse festgestellt hatte, ließ er mit der Begründung, daß der Wucher der Juden sein liebes Volk schandbar schädige, plötzlich alle Juden einkerkern. Ihr gesamtes Eigentum samt ihren Handelsbüchern, aus denen ihre Schuldner ersichtlich waren, beschlagnahmte er— und zwar ausschließlich für seine eigene notleidende Kasse. Die öffentliche Meinung war selbstverständlich zuerst einmütig und begeistert auf seiner Seite, wie immer, wenn es gegen die Juden ging. Dann befahl er bei Todesstrafe, daß alle Juden bin-' nen Monatsfrist unter Zurücklassung ihres gesamten beweglichen und unbeweglichen Eigentums das Land zu verlassen hätten, bettelarm also. Ihre Häuser, ihre Synagogen, ihre Schulen, selbst ihre Leichenäcker, ließ er meistbietend versteigern, und den Er- 96 Is zog kiniglid befreit.“ Ganz Gründer zroßen ı vernicht Volk sıc ım vom berufun; erließ in I ha Barone zn Vol Solch Nur zu. mals d: chen\ Immer kompet daß die unbarm von Br: \ den das ten Beg Ümme N sein. Hamar „De Ern Dur. sich bisher, vergiftung rüden Tor meinte, sit n berühm- 'e Volk prichwort n man zut] ßhandlung! yeithin be! zweifelloi! ‚ Verpflich" on und ei und Selbst! len Bericht ıhören, un 1 Volke ger) cterisierung | zung seine! egründung| 1 schädige ntum Bi lich waren eine eigen) inmihgt st eınM ii s gegen 9 uden bin heweglich" ‚con, hattell sen DE ulen, sen ‚nd den Er lös zog er wiederum für sich persönlich ein. So war also die it) königliche Kasse wieder gefüllt und das Land von den Juden ‘I befreit.“ Ganz unerwartet aber zeigte es sich damals, daß aus vielen Gründen die Austreibung der Juden, also die Vernichtung eines großen und unentbehrlichen Zentrums von Kreditgewährung, so vernichtende Konsequenzen hatte, daß Adel, Geistlichkeit und Volk sich schon neun Jahre nach der Austreibung vereinigten, um vom Nachfolger Philipps des Schönen dringend die Rück- berufung der Juden zu fordern. Dieser Nachfolger, Ludwig X., erließ im Jahre 1315 ein Dekret, in dem es hieß: „Ich habe die Juden mit Zustimmung der Bevölkerung und der Barone ins Land zurückgerufen, da dies dem Wunsche des gan- zen Volkes entspricht.“ Solche Austreibung und Rückberufung hat sich in jenen Zeiten nur zu häufig wiederholt und hat deutlich gezeigt, wie sehr da- mals das europäische Judentum mit dem Ganzen der europä- ischen Wirtschaft verwachsen war. Sehr interessant ist es, daß es immer wieder nach der Austreibung der jüdischen Geldverleiher kompetente und einflußreiche Christen gab, welche feststellten, daß die zum Ersatz herbeigeholten christlichen Kreditgeber weit unbarmherziger seien als die Juden. Haben doch die Einwohner von Brindisi im Jahre 1409 geradezu darum gebettelt, den Ju- den das Geldverleihen wieder zu gestatten mit der ungeschmink- ten Begründung:„Um die Gier der christlichen Wucherer einzu- dämmen.“ Hierzu möge man sich an das erinnern, was Goethe in seinem„Jahrmarktsfest zu Plundersweilen“ den Judenfeind Hamann sagen läßt: „Der Jude liebt das Geld und fürchtet die Gefahr, Er weiß mit leichter Müh’ und ohne viel zu wagen Durch Handel und durch Zins Geld aus dem Land zu tragen.“ Aber Goethe läßt den König antworten: „Ich weiß das nur zu gut, mein Freund, ich bin nicht blind, Doch das tun andre noch weit mehr, die unbeschnitten sind!“ Zur weiteren fürstlichen Praxis gegenüber dem Judentum sei noch folgendes berichtet: Rupprecht von Bayern hatte in Magdeburg zum Laubhütten- fest die reichsten Juden gefangengenommen und sie gezwungen, 7 Foerster, Jüdische Frage 97 ihre Freiheit durch ein gewaltiges Lösegeld zu erkaufen. Dazu bemächtigte er sich alles Goldes und Silbers, das in ihren Häu- sern gefunden wurde. Am unvornehmsten aber verfuhr Karl IV., und zwar in den für die Juden folgenschwersten und blutigsten Zeiten— denen der„Schwarzen Pest“. Im Juni 1349 überließ er der Stadt Frankfurt gegen Zahlung eines hohen Betrages ihre Juden zu beliebiger Ausbeutung— ihren Leib und ihr Gut, ihre Höfe und Häuser und sicherte allen denjenigen Straflosigkeit zu, die sich nunmehr hemmungslos gegen die Juden vergingen. Im folgenden noch einige weitere Beispiele: Ludwig der Bayer hat im Jahre 1343 seine Gesinnung auf die handfeste Formel gebracht:„Alle Juden gehören uns mit ihrem| Leib und ihrem Besitz, und wir können mit ihnen alles tun, was wir wollen und wie es uns beliebt.“ Und Kaiser Karl IV. er- klärte im Jahre 1347 ganz im gleichen Sinne, daß die Juden Geg Akten, Fürstei werdei die in shend leistet] der au der Ju alle Bi Befehl Hilfe \ Friedr mit Leib und Habe in seiner Gewalt seien und daß er aus seiner' Macht heraus mit ihnen tun und lassen könne, was er wolle. So also haben sich die Gesinnungen gewandelt. Die Linie von Friedrich I., der es für seine Pflicht gehalten hatte, auch den An- dersgläubigen Frieden für ihre Person und Rechtssicherheit für ihr Eigentum zu gewähren, wurde nun verlassen. Es wurde direkt als Pflicht betrachtet, die„Feinde Christi“ so tief zu beugen und zu ächten, daß sie zu Sklaven herabsinken, die man wie eine Ware kaufen und verkaufen kann. So konnte der Jude nicht mehr ohne Gefahr für sein Leben seine düstere Ghetto-Gasse ver- lassen. Die Intoleranz galt als Glaubenspflicht und wurde in die- sem Sinne der öffentlichen Meinung eingebrannt. Wie weit sich die Gewalt der Fürsten über die Versklavten erstreckte, drückt mit aller brutalen Deutlichkeit eine Urkunde des Markgrafen Albrecht von Brandenburg aus, in der es hieß: „So ein römischer König oder Kaiser gekrönt wird, kann er den Juden überall im Reiche alle ihre Habe nehmen, auch kann er sie töten, bis auf einen kleinen Rest, damit ihr Gedächtnis nicht untergehe...“ So kam es, daß die Fälle immer zahlreicher wurden, in denen den Juden ohne jede Begründung jedes beliebige Verbrechen zur Last gelegt werden konnte; und die Bevölkerung war dann so- fort dabei, diese schuldlosen Juden ohne jede weitere Prüfung der Tatbestände reihenweise lebendig zu verbrennen. Ja es kam vor, daß ganze Gemeinden ohne jede Untersuchung zu solchem Tode verurteilt wurden. 98 durch | war, si der& derer, einer| ‚Wer vd Todes Gle selige Dringe pen un noch 5 fung Unters durch vorbe mehr dräng Iepale Ind Was die|, toleu, ts N 1 fen. Dazu ıren Häu-' Karl IV,, blutigsten 9 überließ trages ihre Gut, ihre! aflosigkeit| vergingen.| ng auf del mit ihrem| s tun, was rl IV. er- die Juden aus seiner wolle. 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In ähnlicher Weise hat übrigens Kaiser Friedrich I. in Erinnerung an alles, was im ersten Kreuzzuge durch zuchtlose Banden gegen die Juden verbrochen worden war, strenge Verordnungen erlassen, um jede Wiederholung sol- cher Schandtaten zu verhüten. Er befahl strengste Bestrafung all derer, die sich rechtlose Akte gegenüber den Juden erlaubten; in einer betreffenden Verfügung hieß es: „Wer einen Juden anrührt und ihn verwundet, dessen Hand wird abgehauen, und auf dem Mord an einem Juden steht die Todesstrafe.“ Gleichzeitig verbat er den Mönchen, in ihren Predigten feind- selige Gesinnungen gegenüber dem Judentum zum Ausdruck zu bringen, und sorgte wachsam dafür, daß man seinen Anordnun- gen unbedingt nachkam. Sein Nachfolger, Friedrich II., konnte noch seine persönlichen Ideen von der wirtschaftlichen Eingliede- rung der Juden in sein Reich realisieren. Papst Innozenz III. unterstützte diese Tendenzen, indem er darauf hinwies, daß durch die Juden doch die Wahrheit des christlichen Glaubens vorbereitet worden sei. Dennoch wurde das Papsttum mehr und mehr von revoltierenden Gruppen innerhalb der Kirche be- drängt und wagte nicht mehr, seine volle Autorität für eine legale Behandlung der Juden einzusetzen. Judenverfolgung unter dem Vorwand der Hostienschändung Was nun das nichtspanische Judentum betrifft, so war es durch die im dreizehnten Jahrhundert einsetzende verstärkte Ver- folgung vor allen Illusionen bewahrt geblieben. Was war das entscheidende Argument jener neuen Aufhetzung der christ- 99 lichen Welt gegen das Judentum? Es war die plötzlich an zahl- reichen Orten auftauchende Beschuldigung, daß die Juden sich im geheimen einer immer weiter um sich greifenden Hostien- schändung ergeben hätten. Zur Einleitung in die Schilderung jener ganzen Agitation und des Geistes, der sie erfüllte, sei hier der folgende überaus typische Vorfall erwähnt: Am Weihnachtsabend des Jahres 1235 brannte in Fulda das Haus eines Müllers ab. Die Eltern waren fortgegangen und hat- ten die Kinder allein gelassen. Alle kamen bei dem Brand um. An Stelle jeder Erwägung, wie dieses Unglück geschehen sein konnte, trat sofort die Behauptung, die Juden hätten den Kin- dern das Blut abgezapft und dann das Haus angezündet. 32 Ju- den wurden daraufhin verhaftet, so lange gefoltert, bis sie ein- gestanden, was von ihnen gewünscht wurde; dann wurden sie von gerade anwesenden Kreuzfahrern totgeschlagen.— Von diesem Tage an mehrten sich die Anklagen und Verfolgungen wegen Hostienschändungsobeunruhigend, daß Papst/nnozenzIV. (1247) sich veranlaßt sah, in einer Bulle an die Bischöfe von Frankreich und Deutschland mit allem Nachdruck Folgendes zu erklären: „Wir haben die flehentliche Klage der Juden wahrgenommen, daß manche kirchlichen und weltlichen Würdenträger wie auch sonstige Edelleute und Amtspersonen in Euren Städten und Di- özesen gottlose Anklagen gegen die Juden erfänden, um sie aus diesem Anlaß auszuplündern und ihr Hab und Gut an sich zu raffen. Diese Männer scheinen vergessen zu haben, daß es gerade die alten Schriften der Juden sind, die für die christliche Religion Zeugnis ablegen. Während die Heilige Schrift das Gebot aunf- stellt: Du sollst nicht töten!, erhebt man gegen die Juden die falsche Beschuldigung, daß sie an ihrem höchsten Festtage, dem Passahfeste,das Herz eines ermordeten Kindes äßen. Wird irgend- wo die Leiche eines von unbekannter Hand getöteten Menschen gefunden, so wirfl man dies in böser Absicht den Juden vor. Es ist dies alles nur ein Vorwand, um sie in grausamster Weise zu verfolgen. Ohne gerichtliche Untersuchung, ohne Überführung der Angeklagten und deren Geständnis, ja in Mißachtung der den Juden vom ApostolischenStuhl gnädig gewährten Privilegien beraubt man sie in gottloser und ungerechter Weise ihres Be- sitzes, gibt sie den Hungerqualen, der Kerkerhaft und anderen Torturen preis und verdammt sie zu einem schmachvollen Tode. Solcher Verfolgungen wegen sahen sich die Unglückseligen ge- 100 zung! her ans Abeı Christ versagt Zeit de Im. Bayer ser ZEI reichen Rache \ alle Ju Land, ständi; N biszui den ve Unser slawis diese te star dem} komm volle; einer -u Selbst {en, y fegter weit Nicht Utier: von| Veran Segen Ei Verge an zahl- uden sich Hostien- hilderung e, sei hier ulda das und hat- rand um. ehen sein den Kin- et. 32 Ju- is sie ein- rurden sie ‚— Vo folgungen ozenzIV. chöfe von gendes zu enommen, - wie anch n und Di- ym sie a5 an sich zW es gerade e Religion sebot auf- Juden die trage, dem ind irgend” | Menscher en vor. B „ Weise 2# perführuns chtung der Privileg" ‚ ihres Br ‚d ander?" ollen Tode seligen gr zwungen, jene Orte zu verlassen, wo ihre Vorfahren von alters- her ansässig waren. Eine restlose Ausrottung befürchtend, rufen sie nun den Apostolischen Stuhl an...“ Aber auch diese Bulle, ausklingend in die Forderung an die Christen, den Juden„freundlich und wohlwollend“ zu begegnen, versagte in der allgemeinen moralischen Auflösung, die für die Zeit des Interregnums bezeichnend war. Im Jahre 1298 wurde den Juden des Städtchens Röttingen ın Bayern zur Last gelegt, eine Hostie gefunden und in einem Mör- ser zerstoßen zu haben. Ein Edelmann mit dem beziehungs- reichen Namen Rindfleisch erklärte sich vom Himmel berufen, Rache dafür zu nehmen. Er sammelte eine Bande um sich, schlug alle Juden der Stadt tot, zog mordend und plündernd durch das Land, vernichtete die jüdische Gemeinde Würzburg fast voll- ständig, überfiel dreimal die Gemeinde Rothenburg und konnte bis zum Herbst 1298 fast 140 jüdische Siedlungen und Gemein- den vernichten. Judenverfolgung im slawischen Osten Unser Bericht über die Ankunft der aus Spanien Geflüchreten im slawischen Osten und über die geistige Neuorientierung, welche diese aus einer der glücklichsten Epochen der jüdischen Geschich- te stammenden Flüchtlinge für unentbehrlich hielten, schloß mit dem Hinweis, daß wir auf das Schicksal dieser im Osten ange- kommenen Juden noch weiteres zu erzählen haben würden. Wir wollen nunmehr darauf hinweisen, daß diese Ankömmlinge nach einer kurzen Periode der Ruhe und der Duldung, in welcher sie — und zwar ganz besonders auf polnischen Gebiete— ihre Selbstverwaltung und Selbstregierung in großem Stile entwickel- ten, von neuem die feindselige Aufmerksamkeit der Völker er- regten, unter denen sie sich niedergelassen hatten. Es würde zu weit führen, hier auf Einzelheiten einzugehen; wir möchten aber nicht unterlassen, die folgende ausgezeichnete Formulierung zu zitieren, durch welche in dem schon mehrmals genannten Buche von Kastein die ganze Größe und Vielseitigkeit der Feindschaft veranschaulicht wird, die sich allmählich in der östlichen Welt gegenüber dem Judentum entwickelte. Es heißt dort: „Es wiederholt sich der alte Zustand, daß der Adel den Bürger verachtet, der Bürger den Adeligen haßt, beide zusammen den 101 Bauern verachten und den Russisch-Orthodoxen hassen, daß der Bauer und der Russisch-Orthodoxe den„Panen“ und den Katho- liken hassen und verachten— daß aber alle zusammen in brü- derlicher Eintracht den Juden hassen und verachten, es sei denn er bringe ihnen Geld ein oder bekehre sich zum allein wahren Glauben.“ Über die Auswirkungen des hier geschilderten Zustandes ist zusammenfassend Folgendes zu sagen: Die grauenhaftesten Met- zeleien, das Zerhacken und Verstümmeln und Aufschlitzen und Lebendig-Verbrennen von ungezählten Tausenden geschah un- ter der Parole des Glaubens. Wie von einer magischen Zauber- formel sind diese Horden betrunken von ihrer Losung: Taufe oder Tod. Folgt ihnen ein Jude, erklärt er, er sei von dieser Stunde an ein Christ, so vergaßen sie sogar, ihn auszuplündern. Weigerte er sich aber, diesen Glaubensaposteln zu folgen, so wurde er Marterungen unterworfen, vor denen selbst die spani- sche Inquisition beschämt ihre Stümperhaftigkeit eingestehen müßte. Es liegen chronistische Berichte aus jener Zeit vor, zu deren Lektüre es starker Nerven bedarf. Denn es versteht sich, daß bis auf einige wenige Ausnahmen die Juden die Aufforderung zur Taufe ablehnten. Sie wollten, wie es einer ihrer Historiker formulierte, noch angesichts der Zerstörung von Hunderten jüdischer Gemein- den, angesichts der Niedermetzelung ihrer Kinder, der Schän- dung und Ermordung ihrer Frauen, nicht Christen werden, son- dern ihrem Gotte und ihrer großen Erbschaft die Treue halten. Sie nahmen in Massen und zu Tausenden den Märtyrertod auf sich. Das alles spielte sich in dem kurzen Zeitraum von April bis November 1648 ab. Die Zahl der erschlagenen Juden mag da- mals 200 000 überschritten haben. Es wäre nunmehr noch ein Wort über die Zeit der Pogrome zu sagen, die ein neuer Ausdruck für eine Verhetzung war, die schon Jahrhunderte gedauert und deren Verleumdungen tief in den christlichen Völkern eingewurzelt waren. Die sogenannten Pogrome setzten mit besonderer Heftigkeit im russischen Süden im Frühjahr des Jahres 1881 ein. Die betreffenden Mordpläne waren schon lange vor ihrem Ausbruch angekündigt worden, und Militär und Polizei taten nichts, um diesem Ausbruch vor- zubeugen. Zur Rechtfertigung wurde gesagt, die Juden hätten Alexander II. ermordet, und der Zar habe befohlen, mit den Juden abzurechnen. Das geschah durch Verwüstung und Plün- derung jüdischer Häuser, Mißhandlung und Totschlag von Juden 102 7 und$ Dörfer gleiche Strafe, forma kennb Pogro! aus de allgem misten durch wurde die je Millie ein Pı der B dabei Entse ) land: setz April Reakı schaff unde derer Kisch grüne 1903, für d Stätte das] Mit e voll , daß. der enKatho-| ı n in bri- ; sei denn N wahren tandes ist sten Met- itzen und schah un- ı Zauber- 1g: Taufe on dieser plündern. 'olgen, so die spani- ngestehen -, zu deren laß bis auf zur Taufe rmulierte, r Gemein- er Schän- den, son- ue halten. ertod auf ‚April bi ı mag dar Pogromt , war, di en tjet IN zenanntel yon Süden fordplän® + worden, jruch vol“ len hatte" mir den ind plin- Juden von) und Schändung von Frauen. Die Pogrome wurden in fünfzig Dörfern des Kiewer Gebietes fortgesetzt; dann folgt Odessa mit gleichen Vorgängen und unter den gleichen Bedingungen. Die Strafe, die die Pogromhelden von den russischen Gerichten pro forma bekamen, waren so milde und verrieten eine so unver- kennbare Unschlüssigkeit, daß bald wieder eine neue Welle. von Pogromen einsetzte. Diesmal wurden sie schneller unterdrückt, aus der Erwägung heraus, daß sie möglicherweise ein Teil der allgemeinen revolutionären Bewegung sein könnten. Die Pogro- misten setzten aber ihre Tätigkeit unterirdisch fort, vor allem durch eine ganze Reihe von Brandstiftungen. Im gleichen Jahre wurden in der Ukraine und in Warschau Pogrome veranstaltet, die jeweils unzählige Tote und einen Sachschaden von vielen Millionen Rubel zur Folge hatten. Im Jahre 1882 wurde in Balta ein Pogrom lange vorher für die Ostertage angesagt und von der Behörde wohlwollend gefördert. 15 000 Existenzen wurden dabei vernichtet, Tausende getötet, verwundet und durch das Entsetzen in den Irrsinn getrieben.— Da die Pogrome im Aus- land zuviel Aufsehen erregten, wurden sie verboten und durch gesetzliche Maßnahmen der Regierung ersetzt. Im Februar und April des Jahres 1897 traten unter Nikolaus II., dem bigotten Reaktionär, wieder erneut Pogrome auf. In der von ihm ge- schaffenen Atmosphäre der revolutionären Bereitschaft einerseits und einem hemmungslosen Kultus mit dem„Väterchen Zar“ an- dererseits waren wieder Pogrome in größerem Stil möglich. In Kischinew, wo die sachliche und geistige Vorbereitung sehr gründlich betrieben wurde, verkündeten Flugblätter vor Ostern 1903, daß derZar durch einen Ukas die Abhaltung einesPogroms für die ersten drei Tage der griechisch-orthodoxzen Ostern ge- stattet habe. Das Zeichen zum Beginn wurde am 6. April durch das Läuten der Kirchenglocken gegeben. Es wurde geplündert— mit einbrechender Dunkelheit gemordet. Juden, die sich wehren wollten, wurden von der Polizei entwaffnet. Am nächsten Tage wurde das Programm fortgesetzt. Taten von ungewöhnlicher Bestialität geschahen. Als die Juden darangingen, eine Selbst- wehr zu bilden, wurde diese von der Polizei verboten. Von der Mitte des 17. bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts wur- den fortgesetzt Anklagen wegen Hostienschändung und Ritual- mord gegen die Juden erhoben. Gedungene Zeugen und auf der Folter erpreßte Geständnisse waren die einzigen Grundlagen. Daß man aufgefundenen Toten, gleich ob sie erfroren oder er- trunken waren, nachträglich Wunden beibrachte, um ein Indiz 103 für den Ritualmord zu haben, ist erwiesen. Ein wesentlicher, auf das Gemüt des Volkes berechneter Beweis wurde auch dadurch geliefert, daß die Wunden ermordeter oder verunglückter Men- schen programmgemäß zu bluten begannen, wenn man sie in die Nähe desjenigen jüdischen Hauses brachte, dessen Inhaber von dem vorgesehenen Prozeß betroffen werden sollte. Diese Technik, zu der im wesentlichen Taubenblut verwendet wurde, war sehr vervollkommnet. Hunderte von Juden wurden verbrannt, ge- rädert, gevierteilt. Die polnische Geistlichkeit kannte zwar den abweichenden Standpunkt Roms über solche Anklagen, aber sie kehrte sich nicht daran. Im Jahre 1756 entschloß sich Papst Benedikt XIV. auf eine dringende Beschwerde der Juden, von dem Kardinal Ganganelli ein Gutachten ausarbeiten zu lassen, um von neuem— es war ja nicht das erstemal in der Geschichte der Juden— eine grundsätzliche und für die Christenheit ver- bindliche Klärung der Frage herbeizuführen. Das sehr lange und gründlich vorbereitete Gutachten sagte:„Der Ritualmord ist ge- nau die gleiche Erfindung, die im Altertum von der heidnischen Welt gegen die Christen benützt wurde.“ Aber dieses Gutachten wurde nicht veröffentlicht. Der Papst machte sich folglich an den unbekümmert fortgesetzten Judenverfolgungen mitschuldig. Großes Aufsehen in den Vereinigten Staaten erregte um die Wende des Jahrhunderts ein kleines Buch, das unter dem Titel „Vom Ghetto in das Land der Verheißung“ erschien und ein junges Mädchen zur Verfasserin hatte, das rechtzeitig durch die Flucht ins Ausland den Pogromen entronnen war und das nun von den Schrecken all des Erlebten berichtete, wobei es erwähn- te, daß es durch nichts so sehr erschüttert gewesen sei wie durch die Tatsache, daß an der Spitze der mordlustigen Massen ein Priester marschierte, der eine Fahne mit dem Kreuze Christi in den Händen trug. Man darf wohl sagen, daß die hier geschil- derte Szene symbolisch für die erschreckende Verirrung war, in welche die christlichen Kreise Rußlands hineingehetzt worden waren und die zweifellos ein wahrer Schandfleck in der Ge- schichte der russischen Kirche bleiben werden. Wesen und Wirksamkeit des jüdischen„Ghetto“ Das Wort vom jüdischen„Ghetto“ bezeichnet eine überall be- kannte Phase der Ausschaltung des Judentums aus der abend- ländischen Gemeinschaft. Nur wenige aber haben eine klare Vor- 104 ellung ve materieller 1sLeben 3 schen Ber‘ fnden wit nund May Wesentlich sıht, hier Das Ghe Instertyp en, aber on der] konnte 1 uyrden, r Gesetz ke ihr fünfı Raum mu 2 tur gearb | soll Sorge Un: | j . J krkeit um Is wurd. "A ttachtet« uf allen ne Gefs Die Grun Tor, We {m seit innung‘ te Res tehen|, Nur wer Mitgelite ‘n Zyn, Karl Ma ic alle hält "nd kei linie Igment cher, auf dadurch ter Men- sie in die ıber von Technik, war sehr Int, ge- ‚war den ‚ aber sie ch Papst den, von u lassen, seschichte heit ver- ange und| rd ist ger| idnischen jutachten ch an den uldig. -e um die em Titel | und ein durch die | das nun ‚ erwähn- ie durch fassen ein Christi in r geshil: g wat, nn x worden der Ge stellung vom Wesen eines solchen Ghettos und von der ganzen | materiellen und geistigen Not der Menschen, die darin ihr gan- zes Leben zu verbringen gezwungen waren. Einen geradezu klas- sischen Bericht über das Wesen dieser weitverbreiteten Institution finden wir in dem Buche„Ein jüdischer Kaufmann“ von Sig- mund Mayer(Leipzig 1911). Wir möchten nicht unterlassen, das Wesentliche dieses Berichtes, das auf persönlicher Erfahrung be- ruht, hier zum Abdruck zu bringen: „Das Ghetto von Preßburg(um die Zeit von 1840) war eine Mustertype für alle Ghettos; es bestand aus einer einzigen lan- gen, aber sehr schmalen Gasse. Diese Gasse wurde jeden Abend von der Polizei durch schwere, eiserne Gitter abgesperrt und konnte nachts, ohne daß letztere durch die Wächter geöffnet wurden, nicht verlassen werden. In dieser Gassenenge, der das Gesetz keine Erweiterung gestattete, waren zu dieser Zeit unge- fähr fünftausend Menschen zusammengepfercht; in diesem engen Raum mußten sie leben, wohnen, sterben. In dieser Gasse wurde nur gearbeitet und gesorgt, man kannte nicht das, was eın Leben voll Sorge und Arbeit allein erträglich macht, nämlichdie stellen- weise Unterbrechung des grauen Daseins durch zeitweilige Hei- terkeit und Frohsinn. Im Raume zwischen den Gittern des Ghet- tos wurde nicht gelacht— selbst die Kinder lachten nicht. Un- geachtet der Beweglichkeit im Sprechen und im Mienenspiel lag auf allen Gesichtern eine gewisse Scheu, wie bei Menschen, die eine Gefahr fürchten oder einer solchen eben entgangen waren. Die Grundstimmung des ganzen Ghettos war Resignation. Jenes Wort, womit der Jude über alle Demütigungen und Bedrückun- gen seit Jahrhunderten hinweggleitet: ‚Wir sind in der Ver- bannung‘, ist imGhetto geprägt worden. Der Zwang jedoch, den diese Resignation auferlegt, hat im Ghetto eine Bevölkerung ent- stehen lassen, in welcher die naiven Volksschichten ganz fehlten. Nur wer mit diesen Gefangenen der Judengasse mitgelebt und mitgelitten hat, versteht den grimmen Hohn Ludwig Börnes, den Zynismus Heines, begreifl, warum Ferdinand Lassalle und Karl Marx gerade Juden waren. Und in diesem Charakter sind sich alle Ghettos gleich gewesen. Diese Atmosphäre schufen die Verhältnisse, in denen sich diese 5000 Seelen befanden. Damit sind keineswegs nur die materiellen und wirtschaftlichen Ver- hältnisse gemeint, sondern noch viel mehr die imponderabilen Momente, die Kultur- und politischen Zustände. 105 Das Wohnungsbedürfnis, das erste und notwendigste des Da- Was da seins, konnte in diesem Ghetto nur schwer befriedigt werden. ft, so Auf der einen, der älteren Seite der Gasse lehnten die Häuser an uerker i einem Berg. Die Höfe in ihnen verdienen kaum diesen Namen, Ichen Tä sie waren jämmerliche Schächte; hölzerne, wacklige, vollständig st dadurc finstere Treppen führten zu den Wohnungen, deren rückwärtige, N tdlter b an den Berg stoßende Hälften nicht anders als feucht und voll- 9-5 wa kommen finster sein konnten. Die Kanalisierung war elend, der Tesen na Luflzutritt durch den winzigen Hofraum vollständig unge- N) tnnte b nügend, die Atmosphäre schwer und dumpf. Kein einziges Haus kein Jude besaß einen Brunnen. Die ganze Bevölkerung mußte aus zwei Iister 9 Gemeindebrunnen schlechtes, kaum genießbares Wasser schöp- Nichtsdes fen. Je stärker sich die jüdische Bevölkerung vermehrte, desto\\ ir, Kürs drückender wurden die Zinse, desto mehr mußten sich die Men-|(dicht u schen zusammendrängen. Man war der Willkür der wenigen Ghetto a Hausherren des Ghettos— meist christlichen— vollkommen|\N wg: den ausgeliefert; am gefährlichsten zeigte sich dieses Mißverhaltnis inander; bei der Vermietung der Kaufläden, aus denen sämtliche Erdge- teils Text schosse der Häuser ausnahmslos bestanden.— Unter diesenWoh- tehen kc nungszuständen litten die Wohlhabenderen nicht weniger als die Geschäfte Armen, denn der Ankauf eines Hauses war für einen Juden im Inswahl Ghetto sehr schwer— die Erwerbung eines Hauses durch einen des Ghet Juden gehörte zu den größten formalen Schwierigkeiten. Ge- Das$; setzlich war den Juden nämlich der Besitz von Realitäten nicht| kr sh. gestattet. Kaufle er ein Haus, so mußte er einen Christen als\} üule fi Käufer fungieren lassen. Alle diese Scheinpakte und Scheinver- Prechen träge versagten aber ihre Kraft, wenn das Haus einem adeligen Schule, ı Christen gehörte. Dieser hatte nämlich das merkwürdige Recht, 1 man ein, nach fünfzig Jahren das Haus mit Gewalt zurückzuerobern—|) Gymnas wenn es ihm der gegenwärtige Besitzer nicht gegen den seiner-| mfte zeit gezahlten Preis zurückgeben wollte. Die Behörde mischte| inholen sich in diese Angelegenheiten nicht ein. In der Judengasse waren tr, mehrere solcher ‚Edelsitze‘. Interne) Man kann sich leicht eine Vorstellung machen, welche Folgen| Ion die Zusammenpferchung der Menschen in diesen unhygienischen Wohnungen haben mußte, wie Geist und Gemüt dieser Ghetto- bewohner von solch ständiger, jeden Moment fühlbarer Be- engung, von der ständigen Angst um den Platz, auf den er sein Haupt in Ruhe niederlegen, seinem Erwerb nachgehen konnte, beeinflußt wurden. Das war eine Last, die schon für sich allein keine Fröhlichkeit, ja nicht einmal ein ruhiges Behagen auf-| der an kommen ließ. Kranke 106 des Da- werden, länser an Namen, ständig ewärtige,| ınd voll:' lend, des ig unge ges Haw| aus zwa er schöp-| rte, desto die Men- wenigen Ikommen verhältnis he Erdge: senWoh- ver als di Juden ın rch einen iten. Ge iten nich ‚risten al Scheinver: , adeliget ige Red robern= en seiner: Je mischt! ‚sse ware! he Folge' gienischt! or Ghetto harer Be Jen er sei ‚m konnte sich alle agen auf | Was das Erwerbsleben der im Ghetto wohnenden Juden be- trifft, so muß vor allem konstatiert werden, daß die Hand- werker in dieser Gasse weder der Zahl noch ihrer wirtschaft- lichen Tätigkeit nach von irgendwelcher Bedeutung waren. Das ist dadurch zu erklären, daß aus historischen Gründen vom Mit- telalter her das Handwerk unter den Juden kaum vertreten war — es war und blieb christlich und mußte auch in Preßburg dem Wesen nach diesen Charakter behalten. Kein jüdischer Knabe konnte bei einem christlichen Meister in die Lehre gehen, und kein Jude wäre, wenn er auch durch ganz besondere Verhältnisse Meister geworden wäre, in eine Zunfl aufgenommen worden. Nichtsdestoweniger gab es im Ghetto einige Leute, die als Schnei- der, Kürschner und Zimmermaler fungierten; sie ernährten sich schlecht und recht, waren sie doch lediglich auf die Kunden im Ghetto angewiesen. Die Juden im Ghetto gehörten fast durch- wegs dem Handelsstande an; beide Gassenfronten zeigten an- einandergereiht Laden an Laden. Ihre Besitzer waren größten- teils Textilhändler. Daß diese kleinen Kaufläden überhaupt be- stehen konnten, kam daher, daß die Bewohner Preßburgs diese Geschäfle im Ghetto frequentierten, weil sie ihnen eine größere Auswahl und ein reicheres Warenlager boten als die außerhalb des Ghettos gelegenen Geschäfte. Das Studium der Kinder war für die Juden des Ghettos eine sehr schwierige Angelegenheit; es befand sich dort eine Unter- schule für Knaben, in die man die Kinder sandte, sobald sie sprechen konnten. Für Mädchen hingegen gab es überhaupt keine Schule, man war auf privaten Unterricht angewiesen. Wollte man einen Knaben nach Beendigung dieser Unterschule in ein Gymnasium schicken(wofür meist Wien in Betracht kam), so mußte man, wie in meinem Falle, eine spezielle Erlaubnis dafür einholen, die jedoch nur in den seltensten Fällen gegeben wurde — war es doch keinem Juden im Ghetto erlaubt, eine Reise zu unternehmen oder sich beliebig lange außerhalb der Ghetto- Mauern aufzuhalten.“ Rassenwahn und Antisemitismus Vorbemerkung Der europäische Nationalismus, der aus dem revolutionären Frankreich stammte, hat sich in der zweiten Hälfte des neun- 107 zehnten Jahrhunderts in Deutschland zum Rassenwahn und von dort aus zu einer ganz neuen Art von Antisemitismus entwickelt, für dessen Begründung und politische Zielsetzung das bekannte Werk von Houston Stuart Chamberlain über„Die Grundlagen des neunzehnten Jahrhunderts“ besonders maßgebend wurde. Es ist hier nicht der Ort, auf alle diese Rassentheorien einzu- gehen. Es genügt, daran zu erinnern, daß die nationalsozialisti- sche Judenhetze und alle ihre Wertungen und Entwertungen auf jene Rassentheorien gegründet waren. Es muß aber hier auch darauf aufmerksam gemacht werden, daß jene Anwendung der nationalsozialistischen Rassenlehre auf die Judenfrage schon durch den modernen österreichischen Antisemitismus vorbereitet worden war, der nach dem Einbruch der aus dem slawischen Osten geflüchteten Juden in die österreichische Monarchie mehr und mehr eine führende Macht wurde. Dies kam unverkennbar nach der Eroberung der leitenden österreichischen Presse durch jüdische Intellektuelle immer deutlicher zum Ausdruck. Es war begreiflich, daß diese Entwicklung zu einem Konflikt zwischen Judentum und Christentum führen mußte. Und hier waren es vor allem die Christlichsozialen, die sich in dieser Angelegenheit zu einer höchst bedauerlichen Verhetzung hinreißen ließen.(Hit- ler war eine unmittelbare Ausgeburt dieses„christlichen“ Anti- semitismus.) Der im Vorstehenden geschilderte österreichische Antisemitis- mus traf in Wien mit demjenigen deutschen Antisemitismus zu- sammen, der aus der neudeutschen Rassenverhetzung hervorging und in Deutschland immer weitere Kreise eroberte. Was in die- ser Richtung weit hinein in protestantische Kreise(man braucht nur den Namen des Hofpredigers Stöcker zu nennen) an anti- semitischer Volksverhetzung geleistet worden ist, ist weithin be- kannt und braucht in diesem Buche nicht näher geschildert zu werden. Das oben erwähnte Werk von Chamberlain hat leider viel dazu beigetragen, daß auch weite intellektuelle Kreise von grundsätzlicher Feindschaft gegen das Judentum ergriffen wur- den, so daß dann die nationalsozialistische Agitation alle Türen offen fand— womit jedoch keineswegs gesagt werden soll, daß es in Deutschland nicht immerhin eine beachtenswerte Minder- heit gegeben hat, die für diese Agitation nicht zu gewinnen war und die auch ihre Empörung über die beginnende nationalsozia- listische Gewaltaktion gegen das Judentum unverhohlen zum Ausdruck gebracht hat. Dieser Widerstand trug sogar dazu bei, den offenen Krieg gegen das Judentum eine Zeitlang zurückzu- 108 halten, bis Ausrottung Die Die Masser letzten Ja ss hier nid geben. Lor Geißel der Schandtate ‚Die Ermi den durch Daß nic let wurde, die Nazis Irage‘ zum Wir mo anschaulid vie die au ten Juden dort: „Nachdem Uyrden sic der und$ Haare ab, ler, wurd Irieben, H bocherhob Ih hinein Oben dara; | En SS-M j Kinder an dem Kopf "der Ka “alle Pitskomy "er für d } Ypl, hier m Buche nd von yickelt, kannte dlagen wurde. einzu- alisti- zen auf r auch ing der schon bereitet wischen e mehr ennbar e durch Es war wischen aren&5 genheit n.(Hit: “ Anti- semitis- mus ZU“ vorging ‚in die- braucht an antı- thin be Idert zu ‚r Jeider ejse VON en wult je Türe ol, dab Minder- nen wa" ‚alsozia“ len zu lazu bei, yrückzt" halten, bis dann der nationalsozialistische Plan zur radikalen ‘ Ausrottung des Judentums zur Ausführung gereift war. Die Massenvernichtung in Auschwitz! Die Massenvernichtung von Juden in Auschwitz ist im Laufe der letzten Jahre in so weiten Kreisen bekannt geworden, daß wir es hier nicht nötig haben, darüber eingehende Informationen zu geben. Lord B. Russell von Liverpool hat in seinem Buche„Die Geißel der Menschheit“(S. 359) Folgendes über die betreffenden Schandtaten gesagt: „Die Ermordung von mehr als fünf Millionen europäischer]u- den durch die Nazis ist das größte Verbrechen der Weltgeschich- te. Daß nicht die gesamte jüdische Bevölkerung Europas vernich- tet wurde, ist einzig und allein der Tatsache zu verdanken, daß die Nazis den Krieg verloren, ehe sie ihre ‚Endlösung der Juden- frage‘ zum Abschluß bringen konnten.“ Wir möchten nicht verfehlen, aus demselben Buche folgenden anschaulichen Bericht zu zitieren, der ein Bild von der Art gibt, wie die aus allen Ländern Europas nach Auschwitz transportier- ten Juden ihrem grauenhaften Ende zugeführt wurden. Es heißt dort: „Nachdem man die Opfer auf dem Nebengleis ausgeladen hatte, wurden sie alle an einer Stelle zusammengefaßt, wo sie ihre Klei- der und Schuhe ausziehen mußten. Den Frauen schnitt man die Haare ab, und der ganze Transport: Männer, Frauen und Kin- der, wurde nackt die Straße entlang zu den Gaskammern ge- trieben. Hatten sie die Todeskammern erreicht, wurden sie mit hocherhobenen Armen hineingetrieben, damit so viele wie mög- lich hineingequetscht werden konnten. Die Kinder schichtete man oben darauf. Manchmal wurden die Kinder auch zuerst getötet... Ein SS-Mann war Spezialist auf diesem Gebiete: er faßte die Kinder an den Beinen und tötete sie, indem er sie einmal mit dem Kopf gegen die Wand schlug... Die eigentliche Vergasung in der Kammer dauerte 15 Minuten, und wenn man annahm, daß alle tot waren, wurden die Türen geöffnet. Das jüdische Ar- beitskommando holte alle Leichen heraus und richtete die Kam- mer für den nächsten Schub her.“ I Vgl. hierzu das Kapitel„Das Verbrechen am jüdischen Volke“ in dem Buche des Verfassers: Deutsche Geschichte und politische Ethik. 109 Weiters sei in diesem Zusammenhange eine überaus eindrucks- volle Beschreibung zitiert, die Müller-Claudius in seinem Buche „Deutsche und jüdische Tragik“ von der Art gibt, wie die letzte Auslese der bedauernswerten Opfer in Auschwitz betrieben wur- de. Es heißt dort: „Mit einem unbeirrbaren Lächeln saß der KZ-Arzt Dr. Mengele auf seinem Sessel in Auschwitz, wenn die neu eingetroffenen Häftlinge zu Tausenden an ihm vorübergeführt wurden und er mit einer kleinen Bewegung seiner Tabakspfeife nach links oder rechts über jeden entschied, ob er den einen oder den anderen Weg, nämlich den in den Feuertod oder den in den Arbeitsblock, zu gehen hatte. Wer seinen Wink nicht verstand, dem wiesen die Peitschen der ‚Elite‘ den befohlenen Weg... Es war kein Haß mehr, sondern weniger— nämlich überhaupt nichts Menschliches mehr, was die Henker fühlten, wenn sie vor dem Verbrennungsofen in Birkenau die in Fünferreihen anmarschierenden Kolonnen der zur Vernichtung Bestimmten sachlich und exakt dirigierten und abteilten, so daß immer ge- nan zehn von ihnen aus zwei einander gegenüber aufgestellten Tanks mit Benzin überspült wurden, um dann ohne Verzöge- rung ins Feuer zu marschieren— wenn die Flammen sie nicht vorher von selbst ansprangen. Bluthunde und Maschinengewehre standen bereit, um ein Zögern zwischen Leben und Todesqual auf der Stelle zu beenden... Unbewegt standen die Aufseher vor dem Laufband, auf das die aus dem Leben Gestrichenen vor dem Krematorium in Gleiwitz lebend geworfen wurden, um schnell und rationell— präzise in die Glut transportiert zu werden. Es gab Leute, die sich in der Todesnot aufbäumten. Ein Schuß in die Beine setzte dieser Dis- ziplinlosigkeit sofort ein Ende. Die Pistolen schußbereit, streif- ten die Blicke der Aufseher wie gelangweilt über die Todesopfer hinweg zu den Bluthunden, die an ihrer Seite ungeduldig bereit- standen, um ihnen, wenn die Todesdisziplin nicht ganz in Ord- nung blieb, die unzumutbare Bemühung abzunehmen, einen ‚Minderwertigen‘ zu berühren— und auf die Juden, die dazu befohlen waren, die Opfer auf das Laufband zu werfen. Sie mußten den seelenzermarternden Befehl ausführen, bis sievonden Anstrengungen und den Gewissensqualen so ruiniert waren, daß sie nur noch reif erschienen, selbst in die Glut geworfen zu wer- den. Sie aber, die Männer der Weltanschauungsauslese, konnten ihren Henkersdienst im Zustande vollkommener ‚Seelenruhe‘ 110 "run, mit d die Sticklu Das Her Räumung bewegt sid Nacht wir Schlafen h ist lästig u einem Gru wollen, et lästig? Das ständlich« gleichviel, Es ist g« den sind, f man auf a So Wnange) Im Lag pen ihr blanen Au cheln were auf dem I Blick, Abe Dann, zu ı Morgen m Und mı Raum, Al im Angesı Nicht meh Haß bere ans, daß' nd vol]. Vacht ,,\ de Yon einer semacht| thisch--po Donay), | Shlächte, rucks-) Buche letzte 1 wur- engele ‚ffenen und er s oder nderen sblock, sen die rhaupt nn sie reihen mmten ner ge- stellten orzöge- e nicht ewehre Jesqual das die Jeiwitz ijzise in in der er Dis- ‚streil esopfer bereit- n Ord- „einen je dazu fen. Sit yonden en, da) zu wel zonniel|| ( onrube' tun, mit dem unbewegten Gezüge der Totenmaske, hinter der die Stickluft eines abgestorbenen Gewissens reglos lag... Das Herannahen der russischen Armeen zwingt u.a. auch zur Räumung von Buna-Auschwitz. Ein riesiger Marschtransport bewegt sich in Richtung Gleiwitz. Nach einer durchmarschierten Nacht wird Pause befohlen. Die Erschöpften werfen sich zum Schlafen hin. Es ist eine weite Fläche, die sie bedecken, und es ist lästig und unbequem, wenn die SS-Männer, die aus irgend- einem Grunde auf die andere Seite der Ruhefläche gelangen wollen, etwa die ganze Lagerstätte umgehen müßten. Es ist lästig? Das wäre es, wenn ihnen der andere Weg nicht selbstver- ständlich wäre: über die Schlafenden hinweg, mit den Stiefeln, gleichviel, wohin sie und wie sie dabei auf die Körper treten... Es ist geschehen, daß ihnen die Menschen zu Dingen gewor- den sind, fortgeworfenen Dingen, nicht mehr wert als solche, die man auf den Müllhaufen kehrt. Man geht nun über Menschen, so unangefochten wie über einen Bahnkörper... Im Lager Bergen-Belsen besichtigt die Lagerführerin Grieser, wegen ihrer vollkommenen Schönheit und ihrer leuchtenden blauen Augen berühmt, von denen kaum je ein strahlendes Lä- cheln weicht, den Krankenbau. Die Verstorbenen liegen noch auf dem Fußboden. Für die Kranken hat sie weder Wort noch Blick. Aber ihr strahlendes Lächeln überfliegt die Verstorbenen. Dann, zu dem Pflegepersonal gewandt: ‚Wie, nur so wenige Tote? Morgen will ich mehr sehen.“ Und mit unverändertem Glanz in den Augen verläßt sie den Raum. Aber dieses ganz gewiß nicht mehr menschliche Lächeln im Angesicht des Todes und ihre dem normalen Verstehen gar nicht mehr zugängliche Forderung nach mehr Toten sind dem Haß bereits ganz fern. Sie drücken nur noch den Stolz darüber aus, daß das Vernichtungswerk, in dessen Dienst sie steht, gut und voll erfüllt wird, weil sie immer und zuverlässig darüber WAND... Ein einzig dastehendes deutsches Judenmassaker in Rußland Von einem österreichischen Offizier, der beide Weltkriege mit- gemacht hat und stets ein unerschütterlicher Bekenner meiner ethisch-politischen Prinzipien gewesen ist, Hanns H. Pilz, Linz (Donau), erhielt ich den folgenden Bericht über die unerhörten Schlächtereien, denen mehr als 100 000 Juden zum Opfer fielen, 111 und zwar in der russischen Stadt Rowno. Die betreffenden Er- innerungen haben siebzehn Jahre lang in seinem Gewissen ge- wühlt, bis er endlich beschloß, sich von jenem moralischen Alp- druck dadurch zu befreien, daß er sie mir in einem langen Bericht mitteilte. Es heißt darin: „Mit den Meldungen über die Lage in Kiew kam an uns auch ein Privatbrief, in dem uns ein Quartiermeister unseres Regiments vertraulich mitteilte, daß 96 000 Juden der hungernden und ver- lotterten Stadt von SD und Sonderpolizei erschossen und die Leichenmassen durch Geländesprengungen überdeckt worden seien.“ Was meinen Berichterstatter in ganz besonderer Weise er- schüttert hat, passierte in dem russischen Städtchen Rowno, wo der Besuch des Gauleiters von Ostpreußen, Erich Koch, erwartet wurde(November 1941), wobei angedeutet wurde, daß der Betreffende erst kommen werde, wenn die mehr als 15 000 dort ansässigen Juden vernichtet worden seien. „Man begann daher sofort mit den Maßnahmen gegen die Ju- den. Am 5. November wurde bekanntgegeben, daß alle Juden der Stadt am frühen Morgen des nächsten Tages sich an einem bestimmten Platz außerhalb des Ortes zu versammeln hätten. Männer, Frauen, Kinder, Greise und Kranke zogen bei Morgen- grauen zu dem bekanntgegebenen Platz, eskortiert von Sonder- polizei und der ukrainischen Freiwilligenmiliz. Mehr als 15 000 Opfer eines Schicksals, das schon durch die Mitfahrt eines Muni- tionswagens vorgezeichnet war, marschierten zu einer Mulde im freien Gelände, nördlich der Rollbahn Rowno—Kiew, wo sie ‚auf weitere Weisungen‘ zu warten hatten. Bewaffnetes Militär zog dann um sie einen sperrenden Ring, aus dem es kein Ent- rinnen mehr gab. Als an den Massengräbern das Schießverfahren mit Maschinenpistolen begann, wußten alle, daß für sie die Todesfalle geschlossen war. Unter unbeschreiblichem Wehklagen der Opfer liefen die Erschießungen unaufhörlich den ganzen Tag. Während des Tages wurden noch Nachzügler sowie aus Verstecken aufgestöberte Juden an die Stätte des Grauens ge- bracht, die dann einzeln durch Genickschuß getötet wurden. Es soll nicht unerwähnt bleiben, daß vereinzelt beherzte Leute imWehrmachtsdienst,erschüttert durch das Geschehene, Rettungs- versuche für einzelne Juden unternahmen und sie aus der Stadt zu schmuggeln versuchten. Die fast durchwegs jungen Angehöri- gen der Sonderpolizei, der das blutige Handwerk der Juden- 112 anchießun! fi hult und Einig ır ganzen Le fast alle B Goethes,© cine infan ende ran werden, SC Eın ents wohl der Sie, sehr g ersten We leuten, sor ‚Ein da; Naturgew ın Angrif greift, daß Interessen Seelenkrä, Zeit der( machen so Diese\ Wüste, im Wege, w, und Gew, zu Irinmt Unsere, üristliche Verden a] zeigt un, rausaml CET ganze teipert h “ategoris 3tgenübe: Wann Teise er; Such kor den sein, \ Beben wi e. Poprstar ıden Er- issen ge- en Alp- 1 Bericht auch ein egiments und ver- und die worden| Teise er- wno, Wo erwartet daß der 000 dort n die Ju\ | | | F F j | le Juden| an einem| n hatten. Morgen- , Sonder- Is 15.000 es Munı- Mulde ın| v, WO sit os Mihtäl kein Ent verfahren ir sie di I | Tehklage'| m ganze!| sowie an ‚anens$E aurden zte Leukt Rettung” i der Stat!| Angebö"| gr Juden erschießungen oblag, waren auf dem Wege über die SS-Standarte für dieses von Unmenschlichkeit gezeichnete Metier ge- schult und vorbereitet worden. Einig im Bewußtsein, daß wir das Schauderhafteste unseres ganzen Lebens gesehen hatten, verheizten wir an diesem Abend fast alle Bücher, die wir mitgenommen hatten, sogar die Werke Goethes, weil uns das ganze Menschheitsgerede von Kultur wie eine infame Lüge vorkam, und wir gelobten uns, nach Kriegs- ende franziskanisch zu leben und Apostel der Menschlichkeit zu werden, sonst nichts! Ein entscheidender Grund für das ganze obige Bekenntnis war wohl der Umstand, daß ich mich an die Worte erinnerte, die Sie, sehr geehrter Herr Professor Foerster, in einem am Ende des ersten Weltkrieges erschienenen Buche nicht nur Ihren Lands- leuten, sondern allen Kriegführenden zuriefen: ‚Ein dauernder Völkerfriede setzt voraus, daß die Zähmung der Naturgewalten im menschlichen Innern mit ganz anderem Ernst in Angriff genommen wird als bisher und daß man endlich be- greift, daß eine menschliche Kultur auf Technik und egoistischem Interessenstreit allein nicht erstehen kann, daß vielmehr höhere Seelenkräfte gerufen werden müssen, wenn nicht von Zeit zu Zeit der Geist wütender Zerstörung alles dem Erdboden gleich- machen soll.‘ Diese Worte verwehten, gleich den Worten vieler Rufer in der Wüste, im Wind. Sieger und Besiegte von 1918 gingen andere Wege. Was dann kam, haben wir selbst erlebt: eine von Haß und Gewalt zerrissene Menschheit, in der schließlich das Grauen zu triumphieren begann.“ Unserem Kapitel über das jüdische Mysterium inmitten der christlichen Welt konnte wohl kein besserer Abschluß gegeben werden als der vorstehende erschütternde Bericht. Dieser Bericht zeigt unverkennbar, wie sich die kalte und fast mechanische Grausamkeit in der Massenvernichtung jüdischen Lebens während der ganzen von den Nazis beherrschten Epoche immer mehr ge- steigert hat und wie wehrlos selbst edelgeartete Menschen dem kategorischen Imperativ all dieser großangelegten Verbrechen gegenüberstanden. Wann wird endlich in der Christenheit eine die weitesten Kreise ergreifende Scham über alle diese Schandtaten zum Durch- bruch kommen? Unsere Berichte werden nicht umsonst geschrie- ben sein, wenn sie den Anstoß zu einem solchen Durchbruch geben würden! 8 Foerster, Jüdische Frage 113 Jüdische Fehler und ihre weltgeschichtlichen Ursachen Wir haben weiter oben Wladimir Solowiews Deutungen des jüdischen Problems sowie die Beziehung der Christenheit zu diesem Problem mehrfach in unseren Darlegungen verwertet. Zur Einführung in die folgenden Betrachtungen erinnern wir hier an das, was Solowiew in seiner weltbekannten Schrift„Die jüdische Frage— eine christliche Frage“ den Christen ans Herz gelegt hat. Für ihn gibt es keinen Zweifel daran, daß aus den verborgenen Kräften des jüdischen Volkes und gerade aus seinem auf Gottesherrschaft gerichteten Willen noch Großes für die christliche Kultur kommen wird, wenn es gelingt, das Judentum über alle seine furchtbaren Erinnerungen und über die Konse- quenzen einer nahezu zweitausendjährigen Unterdrückung her- auszuheben. Dazu aber sei es nötig, daß die Christen wirklich Christen werden und daß sie die Liebe Christi— vor allem auch in der Auseinandersetzung mit dem Judentum— bewahrheiten und betätigen. In diesem Sinne sei die„jüdische Frage“ vor allem eine„christliche Frage“, und es ist in erster Linie nötig, daß die Christen die schweren Fehler einsehen, die sie den Juden gegenüber begangen haben und in Wort und Schrift weiter be- gehen, statt daß sie den Juden immer wieder Fehler vorwerfen, für die gerade sie die entscheidende Verantwortlichkeit tragen. Worin bestehen diese Fehler? Vor allem ist festzustellen, daß es meistens Fehler sind, die eng mit großen positiven Seiten zusammenhängen und die durch die geschichtlichen schweren Schicksale des in alle Welt zerstreuten Volkes— und in beson- derem Sinne auch durch die Lage des Judentums innerhalb der modernen Wirtschaft— begründet sind. Es sind also im Grunde Fehler, an denen die christlichen Völker schwereSchuld mittragen. ! Übersetzt von E. Keuchel(Dresden 1911). 114 Schon darı Fehlern sp verade die tum mit Si „Nostra CU rücksichtsv Wir möt „Der nerv: zeigt wird den Makel den ander haftes Best entwickelt Bemühung erwerben ı sene ZU Ste sam mache \) Selbstachtı Natur spi voll zu be it, das gil dei Ihnen \) ans Kran! I Hakel den |' Um nu ‚| verstehen, Zung und | iı eine gr Nerumsch|. Tradition Steht, Im Östersonn AN eine ei 'tthen, D; Se Stellt “er Jude “men di daran Ind Gef Wie recht Bergman 1} gen des heit zu wertet, ern wit rift„Die ıns Herz aus den s seinem für die ıdentum - ung her- wirklich lem audı hrheiten ge“ vor je nötig, Sn Juden eiter be rwerfen, r tragen. fen, da n Seiten F schwere n beson| halb der| | Grunde irtrageN. Schon darum ist die Art, wie viele Christen gerade von diesen Fehlern sprechen, in ganz besonderem Sinne unchristlich, denn gerade die Verfeinerung des Gewissenslebens, die das Christen- tum mit sich bringen soll, müßte unserem Urteil hier durch das „nostra culpa, nostra maxima culpa“ eine sehr gedämpfte und rücksichtsvolle Tonart verleihen. Wir möchten in dieser Angelegenheit auf Alfred Adlers Buch „Der nervöse Charakter“? aufmerksam machen, in welchem ge- zeigt wird, wie sich bei Menschen, die aus irgendeinem Grunde den Makel einer„Minderwertigkeit“ an sich tragen— bzw. von den anderen als minderwertig beurteilt werden, ein krampf- haftes Bestreben nach Kompensation dieses Depressionsgefühles entwickelt; sie versuchen durch alle möglichen, oft krankhaften Bemühungen, sich wichtig zu machen, Macht über andere zu erwerben und die Bedeutung der eigenen Person ins Ungemes- sene zu steigern. Diese Beobachtung kann uns darauf aufmerk- sam machen, welche außerordentliche Rolle das Bedürfnis nach Selbstachtung und nach fremder Achtung in der menschlichen Natur spielt und wie wichtig es ist, dieses Bedürfnis einsichts- voll zu behandeln.— Was hier vom einzelnen Menschen gesagt ist, das gilt nun auch für getretene und mißachtete Völker. Auch bei ihnen entsteht eine Erkrankung des Selbstgefühles, ein oft ans Krankhafte grenzendes Bestreben, den ihnen angehängten Makel der Minderwertigkeit künstlich auszugleichen. Um nun aber alle jene Erkrankungen des Selbstgefühles zu verstehen, muß man sich die mehr als barbarische Geringschät- zung und Mißhandlung vor Augen halten, die die Judenschaft als eine große Geschichte von Schmach und Entehrung mit sich herumschleppt und die in so starkem Gegensatz zu ihrer hohen Tradition und Begabung und ihrem dementsprechenden Stolze steht. Im Mittelalter wurde in vielen Städten regelmäßig am Ostersonntag ein Jude öffentlich geohrfeigt. Man braucht nur an eine einzige solche Schmach zu denken, um vieles zu ver- stehen. Diejenigen, die dem modernen Juden seine ehrfurchts- lose Stellung zum Christentum verübeln, vergessen ganz, was der Jude viele Jahrhunderte hindurch von Christen und im Namen des Christentums erlitten hat und wie sich das Gedächt- nis daran in ganze Generationen eingebrannt und ihre Gedanken und Gefühle vergiftet hat. Es ist noch lange nicht genug bekannt, wie rechtlos die Juden bis weit ins 19. Jahrhundert hinein ge- ? Bergmanns Verlag, Wiesbaden. gr blieben sind®. Sie waren so wehrlos wie die Pinguine auf irgend- einer wüsten Insel, die von den Seefahrern in einer bösen Laune zu Tausenden erschlagen wurden. Angesichts solcher Geschichte von Schmach und Elend ist es gewiß kein Wunder, daß es im 19. Jahrhundert wie ein Rausch über viele Juden kam, als sie aus dem Ghetto und all seinen Erinnerungen heraustraten und mittels aller der Gaben, die sie dort in der Schule des Talmud und des Gelderwerbes erworben hatten, nun in der Mathematik des Bankwesens und des Handels und im modernsten Schriftgelehrtentum die ersten Plätze er- rangen und zu gesellschaftlicher Macht und bürgerlicher Gleich- berechtigung emporstiegen. Kein Wunder, wenn infolge einer merkwürdigen Mischung von berauschendem Machtgefühl und dem brennenden Verlangen, in die Kulturgesellschaft auf- genommen zu werden, sich jenes unsichere Selbstgefühl entwik- kelte, das leider heute noch für einen Teil des emanzipierten Judentums charakteristisch ist. Wir müssen uns in diesem Zusammenhang noch mit einem weiteren Charakterzug des heutigen Judentums auseinander- setzen, der ebenfalls als eine Ursache antisemitischer Reaktion beurteilt wird— dessen Ankläger allerdings ganz vergessen, wie sehr die dem Juden jahrhundertelang widerfahrene Behandlung an dem Auswuchern dieses Charakterzuges schuld ist. Ich habe hier den alles durchdringenden Erwerbsgeist im Auge, der bei dem oben definierten Typus des Judentums alle menschlichen Beziehungen durchdringt. Moses wußte nur zu genau, daß eine das ganze Leben erfassende Ablenkung vom weltlichen Vorteil, eine Erziehung zu ununterbrochenen Opfern für Gott nötig sei, um der großen, auf das Greifbare gerichteten Lebensenergie des Juden ein Gegengewicht zu schaffen. Moses hat seine Absicht großartig erreicht. Josephus Flavius erzählt uns, daß die Juden bei der Belagerung Jerusalems durch die Römer trotz der Nähe des Feindes ihren Sabbat hielten, obwohl sie dadurch viele mili- tärische Vorteile einbüßten. Nach der Eroberung flüchteten die Priester nicht, sondern vollbrachten ruhig die heiligen Opfer. Will man die jüdische Geschichte seit der Zerstörung Jerusa- lems verstehen, so vergegenwärtige man sich das von Gustav Freytag zu dieser Angelegenheit Gesagte, der die Geschichte des Judentums mit dichterischer Intuition erfaßt hat. Er sagt: ® Vgl. hierzu R. Saitschick, Die rechtliche Stellung der Juden im Mit- telalter. 116 „Vom K enthehrli täglicher stille He unnatürl terner 7 Christen trennt— Blutes, h holde wı Familie, geduldig sendjähr Man ı jüdischer an Kultı und wie und zug] ten, Der Verfolgu gewinne, strömen« mit dem hat danı weniger solche B: Man vo gegenüb, '„Vom Kaiserrecht privilegiert, vor dem Landrecht hilflos, un- entbehrlich und zugleich tief verhaßt, begehrt und verflucht, in täglicher Gefahr des Feuers, Raubes, Mordes, und wieder der irgend- n Laune distes stille Herr über die Habe und Wohlfahrt von Hunderten, in Raush unnatürlich abentenerlicher Stellung und doch in durchaus nüch- | seinen terner Tätigkeit, mitten unter dem dichtesten Schwarm der ‚diesie Christen— und doch durch eherne Schranken von ihnen ge- -worben trennt— lebten sie ein zweifaches Leben. Aller Stolz edlen Handels. Blutes, hoher Talente, die volle Glut südlicher Empfindung, jede itzee- holde und jede dunkle Leidenschaft umschloß das Haus, die Gleic- Familie, die Gemeinde; vor dem Christen waren sie kalt, zäh, pe einer geduldig, furchtsam, kriechend und lauernd, gebeugt unter tau- ihl und sendjährigem Druck.“ ft auf- entwik- Man muß sich vorstellen, wie im Mittelalter die zerstreuten ipierten jüdischen Gemeinden in eine Umgebung eingekapselt waren, die an Kultur und geistiger Tradition oft weit unter ihnen stand, teinem, und wie sie sich begreiflicherweise ihrer Umgebung überlegen nander- und zugleich als Todfeinde gehaßt, verachtet und bedroht fühl- aktion ten. Der Jude hat sich dementsprechend in Jahrhunderten der sen, wie Verfolgung geübt, seinem Gegner soviel wie möglich abzu- andlung gewinnen und ihm so wenig wie möglich zu geben— eine frei aus- [ch habe strömende Gegenseitigkeit, eine wirklich sittliche Gemeinschaft der bei mit dem Nichtjuden hat er erst viel später kennengelernt und ‚chlichen hat dann auf dem Gebiete solcher wahren Gegenseitigkeit nicht Jaß eine weniger Vorbildliches geleistet wie die anderen Völker. Ist eine Vorteil, solche Betrachtungsweise nicht die einzig würdige Haltung, die jörg seh man vom Standpunkte christlicher Kultur aus dem Judentum ‚gie des gegenüber einnehmen muß? Absicht e Juden er Nähe ele mili- eten die pfer. ‚ jerus| Gustat| ichte des gt: im Mit diejenigei Jüdisches Gesetz und jüdische Frömmigkeit neh (il liche Tatı von den Theologit zung ges] ' sen, daß besteht ı | Katholik | streben Zur Einführung| wurde. E | auf dem In der Geschichte der christlichen Religion finden sich in allen Jahrhunderten zwei entgegengesetzte Tendenzen, die aber zu gegenseitiger Ergänzung bestimmt sind: die eine Seite der christ- lichen Religion ist der Dogmatik gewidmet und dient der Prä- zisierung und der Begründung des Gesetzes und der obersten|) DerTalı Wahrheit— die andere, ebenso unentbehrliche und ergänzende Nat, war Seite besteht in dem lebendigen Ausdruck der Frömmigkeit des|} vollstänc Herzens. Genau die gleiche wechselseitige Ergänzung von reli-|) jidishe giöser Lehre und religiösem Leben hat sich im Judentum ent-|} inen w wickelt. Das Alte Testament ist das maßgebende Dokument|) nd Ch: dieser Zweiseitigkeit. Wir begegnen ihr im„Talmud“ und in den breitete, Kundgebungen der„Chassidim“-Bewegung, die einen klassischen|} Beurteily Ausdruck in dem wohlbekannten„Buch der Frommen“ gefun-' und wuı den hat. Es handelt sich hier um zwei scheinbar grundverschie-' stets ein, dene Auffassungen der religiösen Wirklichkeit, die aber von|) Talmuds gleichwertiger Bedeutung sind und sich notwendigerweise er-| herauszu gänzen, wenn sie auch leider immer wieder tragisch auseinander-' din’ fielen, so daß sich die„Talmudisten“ und die„Chassidim“ nicht|| der und selten geradezu feindlich gegenübertraten, statt sich bewußt ihrer| In, nin gegenseitigen Ergänzung zu weihen. deren V Der Verfasser behandelt im folgenden die wichtigsten Aus- Vort ‚C wirkungen, welche die genannten Gegensätze im Rahmen der der Jud jüdischen Geschichte gefunden haben. In diesem Sinn widmen druck, e wir ein Kapitel dem Thema„Der Talmud und das jüdische leiten 5 Sittengesetz“ und ein zweites Kapitel dem Thema„Das Buch liche" der Frommen und der Chassidismus“. Er betont aber ausdrück- i fssener lich, daß er in der großen Diskussion zwischen den beiden ge- Aungen| nannten Gegensätzen keinerlei Partei nimmt, sondern nur ver- doch Ber sucht, jeder der beiden Richtungen gerecht zu werden, wofür er Mehr a] 118 in allen aber zu r christ- er Prä- obersten änzende ‚keit des ‚on reli- um ent- „kument din den assischen “ gefun- verschie- ber von yejse eI- inander- m“ nicht aßr ihrer ‚en Aus men der widmen jüdische )as Buch usdrüc- den BE nur ver” wofür& diejenigen Zeugnisse ausgewählt hat, die ihm besonders geeignet schienen, der großen Verschiedenheit seines Leserpublikums zu entsprechen— ist doch sein Buch der Aufgabe gewidmet, wesent- liche Tatsachen zu klarstem Bewußtsein zu bringen. Wenn hier von den zwei entgegengesetzten Richtungen in der jüdischen Theologie und der Notwendigkeit ihrer gegenseitigen Ergän- zung gesprochen wird, so möchten wir nochmals darauf hinwei- sen, daß in der christlichen Theologie ein ähnlicher Gegensatz besteht und daß immer aufs neue von universal denkenden Katholiken ein Ausgleich zwischen der Richtung und dem Be- streben der Dominikaner und der Franziskaner angestrebt wurde. Ein Zeugnis hierfür ist das bekannte Gemälde von Fiesole, auf dem Dominikus und Franziskus sich brüderlich umarmen. Der Talmud und das jüdische Sittengesetz Der Talmud, dessen Inhalt nur zu viele Kontroversen veranlaßt hat, war ein Versuch, die jüdische Theologie kasuistisch zu ver- vollständigen. Er ist eine Sammlung von Betrachtungen über das jüdische Gesetz und über die Folgerungen daraus. Er wurde in seinen wesentlichen Teilen bekanntlich bereits im 6. Jahrhundert nach Christi Geburt abgeschlossen. Die leider nur allzu weit ver- breitete, aber unpsychologische, ja oft geradezu absichtlich falsche Beurteilung der talmudischen Lehre stammt von Judengegnern und wurde von erprobten Talmudkennern aller Konfessionen stets einmütig abgelehnt. Ist es doch gänzlich unwissenschaftlich, Talmudstellen in tendenziöser Weise aus ihrem Zusammenhang herauszureißen und sie dann für ein Ganzes auszugeben, während doch in Wirklichkeit jeder solcher Stellen ein anderer, ergänzen- der und erklärender Text gegenübersteht. Nur an wenigen Stel- len, nämlich dort, wo die Beziehungen der Juden zu den an- deren Völkern erwähnt werden, sind diese„Heiden“ mit dem Wort„Goim“ bezeichnet. Es kommt eine begreifliche Abneigung der Juden gegen ihre Unterdrücker und Verfolger zum Aus- druck, eine Abneigung, die auf einer langen und in entfernte Zeiten zurückgehende Vergangenheit beruht. Das Ungeschicht- liche in der Beurteilung einzelner aus dem Zusammenhang ge- rissener Stellen des Talmuds ist aber so auffällig, daß die Mei- nungen hierüber gar nicht auseinandergehen sollten. Auch ist es doch geradezu absurd, den heutigen Juden vorzuhalten, was vor mehr als 1500 Jahren gesagt wurde und was im wesentlichen 129 kasuistishen Zwecken dienen sollte. Welche alte Gesetzgebun; irgendeines Volkes kann im Licht des Unbedingten sich jeder Kritik entziehen? "Trotz einzelner Sätze im Talmud, in denen unverkennbar ein Ressentiment und ein Mangel an Objektivität zum Ausdrud kommen, ruft die Humanität der talmudischen Gesetzeslehr: und Lebensauffassung nicht selten geradezu Bewunderung her- ilmahıren vor, und so müssen wir doch wohl Beurteilungen des Talmuds denz, dhe wie z.B. die durch Rohling und durch andere Antisemiten, ak-insi einen„Schandflek“ auf dem christlichen Gewissen bezeichnen a darauf ba Bekanntlich kann Voreingenommenheit den Menschen so ver- Ira, so z. B blenden, daß er— auch bei persönlich ehrenwerter Lebens n ganz| führung— durch fanatische Reaktion bis zu offener Unwahr yatlh auch haftigkeit getrieben werden kann. Wer daher im Bann solche kedabei an Einflüsse die Sprache des Talmuds nicht versteht bzw. nicht ver- n Iilam gar stehen will, der erdichtet dann manches, mißdeutet vieles und der übern braut schließlich Pamphlete zusammen, deren Widerlegung j* Are kan dem gewissenhaften Sachkenner nicht schwerfällt. So wies den m Diten auch der bekannte Theologe Franz Delitzsch, ein gründlicher ade Kenner des Hebräischen und Aramäischen und Übersetzer der Evangelien in die hebräische Sprache, dem obenerwähnten Pro udn fessor Rohling, dessen„Talmudjude“ in antisemitischen Kreisen f großes Aufsehen erregt hatte, seine völlige Unkenntnis des Tal: pe Cha muds nach und seine gewollten Verunstaltungen und falscıa Deutungen von Talmudtexten.. Wir müssen im Talmud eine Enzyklopädie von Meinunge BL. und Ansichten der verschiedensten jüdischen Geister aus fat zehn Jahrhunderten sehen, und es gehört daher ein langwierige Studium dazu, sich in diesem Talmud auch nur einigerma.a zurechtzufinden. Es würde daher ganz und gar auf Unwahrhat N beruhen, wollten wir die Morallehre der Juden mit all den Ti kasuistischen Abschnitten des Talmuds identifizieren. Selbst en. so gewissenhafter Geist wie Pascal beging ein Unrecht, als er: die Moral der Jesuiten und deren Kasuistik in den Foliobänden eins Molina oder Escobar allzu generalisierend an den Pranger stell- te. In jedem Volk sind Kasuisten vorhanden, die in nichts dan spitzfindigen Halachisten im Talmud nachstehen. Die„Halachi“ bildet bekanntlich den juristischen Teil des Talmuds im Gegtr satz zur„Haggada“, welche tiefe sittliche Weisheit und«ie reiche Sammlung von Legenden enthält. Als intellektuelle Er scheinung steht der Talmud daher nicht anders da als die chrit- liche Scholastik und die sich daran anschließende Kasuistik, al 120 ar ja auch einzelne törichte und moralisch abstoßende Stellen mrausgegriffen werden können, wie dies denn auch manche pro- stantische und altkatholische Theologen getan haben, um für ‚che Entgleisungen dann— in durchaus unberechtiger Weise— an Katholizismus verantwortlich zu machen. IBei allen Kulturvölkern behauptet sich neben einer einseitig “fühlsmäßigen Richtung auch eine übertriebene rationalistische s Ind U indenz, die sich gegenseitig provozieren. Wenn dem Talmud Antsenidi N- übrigens fälschlicherweise— Intoleranz nachgesagt wird, so cn baiina I" muß darauf hingewiesen werden, daß auch in anderen religiösen enscen ww I Hhren, so z.B. in der des Zarathustra, sich eine solche Intole- e*\) mz in ganz besonderer Schärfe zeigt. Solches findet man ge- fener Unyale Iı wentlich auch im Protestantismus und im Katholizismus; man fl: nnke dabei an die Ausdrucksweise eines Luther und einesCalvin, «It um Islam gar nicht zu sprechen. Der Talmud selbst gibt zu, ı{ß der übermäßige Scharfsinn in der Kasuistik zum Irrtum |!hren kann. Auch ist es wahr, daß es Talmudisten gab, beson- l; rs im späteren Ghetto, die sich einer Rabulistik ergaben, die \: ann auf den Charakter derjenigen zurückwirken mußte, die k k 4 von früh bis spät mit den Talmudtexten beschäftigten und | | te Gesetz Ih ingten sic pi Dr wunchmal so sehr auf Spitzfindigkeiten versessen waren, daß ihr ıtellekt so von dieser Kasuistik verschlungen wurde, daß die »eilige Schrift, die Propheten und die Psalmen dabei ganz in on Hintergrund gedrängt wurden. So konnte es kommen, daß ibst ein bei seinen Glaubensgenossen so hochangesehener und 5 rehrter Denker und Ausleger des jüdischen Gesetzes wie Mai- ı bei seinen orthodoxen Glaubensgenossen geradezu als etzer galt und daß die Judengemeinde in Montpellier ihren itgliedern verbot, Maimonides’ Werke zu lesen. Dieses Über- undnehmen der spitzfindigenDialektik führte dann dahin, daß reits im 15. Jahrhundert Klagen darüber laut wurden, daß urch den Kult solcher Spitzfindigkeiten das Studium der Hei- zen Schrift sowie der Haggada und des Midrasch allzusehr in ‚en Hintergrund gedrängt worden sei. Salomon Maimonides, er in der Talmud-Atmosphäre aufgewachsen und dann in alle "nessen der jüdischen Kasuistik eingeweiht worden war,charak- | snsiert die Haggada als ein Werk, in welchem„die seltsamsten “sillen mit der feinsten Dialektik und die abgeschmacktesten "tersuchungen mit der höchsten Anstrengung der Geisteskräfte ‚ Aur zu vielen Bänden“ durchgeführt seien. Wenn er aber nun sststellt, daß die abstrakten Prinzipien an sich nur eine einge- ıldete Realität haben, welche eine wißbegierige Seele keines- 121 wegs befriedigen kann, so erklärt er doch andererseits:„Ich müßte ein Buch schreiben, wenn ich alle die ungerechten Beschul- digungen und Verspottungen widerlegen wollte, die sowohl von christlichen Autoren als auch von aufgeklärt sein wollenden Ju- den gegen die Talmudisten vorgebracht worden sind.“ Wir müssen uns wohl bewußt sein, daß das Studium des Tal- muds eine große Konzentration des Denkvermögens von uns fordert, eine Ablösung von aller Weltlichkeit in den Stunden dieses Studiums und eine religiöse Hingabe an die Tradition, ähnlich wie bei gewissen Scholastikern des Mittelalters das Den- ken Selbstzweck geworden zu sein schien. Manche Talmudisten verwenden ihren Scharfsinn, um alle möglichen Kombinationen — ohne jede Rücksicht auf die Wirklichkeit— ausfindig zu machen, was dann zu Luftgebilden führen kann, wie sie von einem von der Lebenswirklichkeit abgelösten Verstand errichtet werden. Diese jüdische Kasuistik im Talmud wird nun aber durch eine Theosophie der„Kabbala“ ergänzt und korrigiert, in der manches zum Ausdruck gebracht wird, was wegen seiner metaphysischen Bedeutung tiefer angelegte Köpfe unter den Juden anzulocken geeignet war. Im Talmud sind die moralischen Lehren oft von hoher Gesinnung durchdrungen, manchmal sind sie wie in Stroh eingewickelte Kleinodien, manchmal leuchten sie blitzartig durch den Nebel hindurch, der über ihnen lagert. Gleich der Moral des Thomas von Aquin zeigt auch die tal- mudische Moral eine Abneigung gegen die Handelswelt und eine besondere Vorliebe für den Ackerbau. So sagte z.B. Rabbi Papas: „Treibe keinen Handel, sondern bearbeite den Boden. Obgleich beide Beschäftigungen gut sind, so segnet doch nur die letztere die Menschen, die sich ihr ergeben.“ Und ein anderer Rabbi lehrt:„Lieber ein kleines Maß vom Felde als ein großes vom Söller“(Warenlager). Solche weise Voraussicht der mit dem Handeltreiben verbundenen Gefahren und diese aus der Mitte der Glaubensgenossen kommende Warnung lassen den Talmud als eine Erkenntnis erscheinen, die wir an anderer Stelle dieses Buches bereits besprochen haben. Aber die moralischen Lehren des Talmuds erreichen stellenweise eine Höhe, die dem christ- lichen Leser als eine überraschende Annäherung an die christ- lichen Lehren des Verzeihens und der Feindesliebe erscheinen, z.B. dort, wo von denen gesprochen wird, die beleidigt werden und doch nicht wieder beleidigen, die willig leiden und nicht murren, denn sie werden als„Gottesfreunde wie die Morgen- sonne strahlen“. So erzählt auch der Talmud vom Rabbi Mar 122 ,© habe:„I Und Ra wort:„) schafft.“ deiner F der böse Anteil a Herzen in Israe „Sanhec ken, wo Gott zu ihr woll lich ine \) rade an ter, die genug a orange Zusamn zeugenc den alle und vo; ständlic Schicks; ] den Tri und ge} das„M deren Merkm, ker unt ahme, Freilich lichen ji Üerung Zupasse ‚ kn aus der Fo fein un BR Nicht | \ | | Über se seits:„Ic n Beschul- wohl von lenden Ju- 5 n des Tal- s von uns n Stunden Tradition, s das Den- ılmudisten binationen sfindig zu je sie von ıd errichtet nun aber rrigiert, in gen seiner unter den noralischen chmal sind al leuchten nen lagert. ch die tl- It und eine abbi Papas: n. Obgleich die letztere erer Rabbi roßes von g mit dem s der Mitte len Talmud stelle dies“ hen Lehren dem hrist die ahrist grscheined: digt werden und nicht jie More" Rabbi Mat Zutra, daß dieser allabendlich, wenn er zur Ruhe ging, gesagt habe:„Ich verzeihe all denen, die mir Schlechtes zugefügt haben.“ Und Rabbi Nathan gab auf die Frage, wer stark sei, die Ant- wort:„Derjenige ist stark, der den Feind zum Freunde um- schafft.“ Und noch ein anderer Rabbi lehrte:„Bedarf ein Freund deiner Hilfe zum Aufladen, so hilf zuerst dem Feinde, damit der böse Trieb überwunden werde.“ An einer anderen Stelle des Talmuds lesen wir:„Die Rechtschaffenen aller Völker haben Anteil an der kommenden Welt.“ Ferner:„Ein Heide, der von Herzen das Gute tut, ist ebensoviel wert wie der Hohepriester in Israel.“— Bezwingend ist geradezu das, was im Traktat „Sanhedrin“ steht:„Am Tage, da die Ägypter im Meer ertran- ken, wollten die Engel vor Gott ihr Lied anstimmen. Da sprach Gott zu ihnen: ‚Das Werk meiner Hände ertrinkt im Meer, und ihr wollt euer Lied anstimmen?‘...“ So fällt ja auch bekannt- lich in der jüdischen Liturgie der tägliche große Lobgesang ge- rade an dem Tage aus, an dem nach der Überlieferung die Ägyp- ter, die Todfeinde der Juden, ertranken. Der Leser kann nicht genug auf die hohe Bedeutung und Einzigartigkeit der beiden vorangehenden Zitate aufmerksam gemacht werden. Die innerste Zusammengehörigkeit der beiden Testamente tritt hier über- zeugend hervor. Ja, das Zitierte könnte geradezu dazu dienen, den allertiefsten Sinn der Bergpredigt vom Alten Testament her und von der nachchristlichen Literatur des Judentums her ver- ständlich zu machen. Die Art, wie der oben zitierte Text sich des Schicksals der vom Meer verschlungenen Ägypter annimmt und den Triumph der geretteten Juden untersagt, ist einzig dastehend und gehört zu allem, was in dem Untertitel unseres Buches als das„Mysterium Israels“ bezeichnet wird. Wieder an einer an- deren Stelle im Talmud heißt es, die Propheten hätten das als Merkmal, was sie von den leitenden Männern der anderen Völ- ker unterscheidet, nämlich, daß sie gegen alle Völker, ohne Aus- nahme, barmherzig zu denken und zu handeln verpflichtet seien. Freilich verfällt auch die Kasuistik gelegentlich in einen sitt- lichen Relativismus, um die Unbedingtheit der moralischen For- derungen allzu gewagt der widerspruchsvollen Wirklichkeit an- zupassen. So werden z. B. gegenüber den Gottlosen, den Gerech- ten ausdrücklich besondere Vorrechte eingeräumt, was dann zu der Formulierung führte, man solle sich gegen den„Reinen“ rein und gegen den„Verkehrten“ verkehrt benehmen. Aber hieß es nicht auch im christlichen Mittelalter, daß man Ketzern gegen- über sein Wort nicht zu halten brauche? Auch darf nicht ver- 123 gessen werden, daß im Talmud nirgends Stellung gegen die Christen oder das Christentum genommen wird, sondern nur gegen die„Abtrünnigen“. So wären für die Talmudisten pole- mische Ausfälle wie diejenigen Luthers gegen den Katholizismus eine Unmöglichkeit gewesen. Die Gesinnung der jüdischen Sit- tenlehrer im Mittelalter ist vielerorts und weitgehend frei von allem kasuistischen Nebel und hat ausdrücklich versucht, den Christen gegenüber gerecht zu sein.— Rabbi Hai, einer der Lehrer aus der Schule von Pumbadita im elften Jahrhundert, be- hauptete, daß nach dem Talmud jeder Jude verpflichtet sei, die Wahrheit von jedermann anzunehmen. Im dreizehnten Jahrhundert lehrte Salomon ben Moses ben Jekutiel, man dürfe ja nicht über die Trinität oder über das Meß- opfer noch über andere Dinge des Christentums, auch nicht über die angeblich schlechten Sitten der Geistlichkeit verächtliche Ur- teile fällen, schon deshalb nicht, weil auch die Juden den christ- lichen Geistlichen Achtung schuldig seien. In diesem Sinne sagte dann auch Mose Isserles aus Krakau, einer der orthodoxesten Ritualisten des sechzehnten Jahrhunderts, er gedenke des Bun- des der Väter, mit dem nicht nur unsere Väter gemeint seien, sondern in den alle ehrlich strebenden Menschen eingeschlossen werden können. Spinoza geht dann noch viel weiter, wenn er 1675 an Oldenburg schreibt:„Der Sohn Gottes, d.h. die ewige Weisheit Gottes, hat sich am mächtigsten in Jesus Christus offen- bart.“ Was jüdische Literaten hie und da gegen das Christentum vor- bringen, wird in den meisten Fällen von ernsten Juden zurück- gewiesen. Ihnen gelten diese Literaten, die die vergifteten Waf- fen ihres Atheismus aus dem Arsenal abendländischer Materia- listen bezogen haben, als Auswüchse, gegen die man ebensowenig ausrichten könne, wie dies die christlich Gesinnten gegen die Wirkung des modernen Zeitgeistes und im 18. Jahrhundert ge- gen Voltaires Spottsucht und gegen die Angriffe der Enzyklopä- disten auf das Christentum vermochten. Es seien hier noch einige weitere Proben von der hohen Ge- sinnung, wie sie bei orthodoxen Juden zum Ausdruck kam, ge- geben: Jechiel ben Jekutiel ben Benjamin lehrte in der 2. Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts:„Liebet den Fremdling gleich dem Nächsten, gedenket seiner stets zum Guten, sprechet wohlwol- lend über ihn und spähet nicht seine Fehler aus.— Seid wohl- tätig gegen jedermann, mag er dessen würdig sein oder nicht, 124 I I} denn ges os doch( die Mitn sie bezei derverge \ Frieden uden ei den Isra tragen,© \ großen] ' ein Nid Treue uı \ auch gel | des Rabl „Sei auf uden, C erzürne sittliche zeigt Sic | das Ges " Essen ur solcher| "sich die "betrieb ı Salon wo er d ) dnrege N Mannes war“ as eine ) Verfass Hei der slauen {tn Ver! Die/ Religiöse slenzt, Yoran u j Einen 1 ‚Men, gal ah ma, gegen die ndern nur sten pole- holizismus ischen Sit- d frei von sucht, den einer der ındert, be- tet sei, die Moses ben r das Mel- nicht über htliche Ur- den christ- Sinne sagte hodoxesten e des Bun- jeint seien, geschlossen r, wenn Ef ‚ die ewige istus offen- entum vOI- Ien zurüc- teren Wal- or Materia- hensowenig gegen di ‚undert Enzyklopi- hohen Ge k kam, ge Hälfte de gleich dem t yohlwol Seid wohl oder nich denn gesetzt auch, daß er die Wohltat nicht verdient, so seid ihr es doch Gott schuldig, sie zu üben. Wie der Mensch will, daß sich ' die Mitmenschen gegen ihn benehmen, so soll er sich auch gegen sie bezeigen. Die Demut erfordert, Unrecht zu leiden ohne Wie- dervergeltung, den Zorn zu bändigen und mit dem Nächsten in Frieden zu leben. Solches Betragen soll man auch gegen Nicht- juden einhalten. Solltet ihr meinen, ihr wäret Ehrlichkeit nur den Israeliten schuldig, weil diese sich brüderlich gegen euch be- tragen, so haben gegen eine solche Meinung bereits alle unsere großen Lehrer die Mahnung ausgesprochen, daß es verboten sei, Nichtjuden zu hintergehen.“ An anderer Stelle heißt es:„Baut ein Nichtjude auf euer Wort und eueren Handel, so müßt ihr Treue und Ehre gegen ihn betätigen, damit Gottes Name durch euch geheiligt werde.“— So heißt es dann auch im Testament des Rabbi Ascher aus der 1.Hälfte des vierzehnten Jahrhunderts: „Sei aufrichtig und wahr gegen jedermann, auch gegen Nicht- juden. Grüße jeden zuerst ohne Unterschied des Glaubens, und erzürne keinen Bekenner eines fremden Glaubens.“ Solch hohe sittliche Gesinnung und Forderung bei den orthodoxen Juden zeigt sich auch in den Ermahnungen und Geboten, die sich auf das Geschlechtsleben sowie auf die Hygiene und Mäßigkeit im Essen und Trinken beziehen. Werner Sombart erklärt, daß aus solcher bei den orthodoxen Juden weitgehender Enthaltsamkeit sich die angehäufte Energie erkläre, welche sich im Erwerbs- betrieb und auch in anderer Richtung kundgibt. Salomon Maimonides sagt in seiner Lebensgeschichte, dort, wo er die vielen Verbote erwähnt, die das Sexualleben der Ju- den regeln sollen:„Die Frau bleibt beständig in den Augen ihres Mannes das, was sie als Mädchen in den Augen des Liebhabers war.“ Und in dem wohlbekannten Buch„Maier Jesofowicz“, das einem jüdischen Schicksal gewidmet ist, sagt die christliche Verfasserin auf Grund eindringlicher Beobachtung:„Die Rein- heit der Sitten war bei diesen Leuten so groß, daß sie trotz ihrer grauen Haare vor Scham erröteten, wenn von einem unerlaub- ten Verhältnis zwischen Mann und Weib die Rede war.“ Die Achtung vor religiösen Menschen und vor Vertretern der religiösen Wissenschaft war von jeher im jüdischen Ghetto unbe- grenzt. Da ging talmudische Gelehrsamkeit dem Reichtum weit voran und verlieh ihren Vertretern das Gepräge höchsten Adels. Einen Talmudgelehrten unter den Vorfahren aufweisen zu kön- nen, gab einer jüdischen Familie ganz besonderen Glanz. Daher sah man in wohlhabenden Familien stets darauf, daß sich die 125 widmeten. Denn jeder Rabbi flößte Ehrfurcht ein, weil er sich mit geistigen und nicht mit weltlichen Dingen abgab, weil er ein Fackelträger der religiösen Wahrheit war. So schreibt Maimoni- des in seiner obenerwähnten Lebensgeschichte:„Reichtum, kör- perliche Vorzüge und Talente aller Art haben bei den Juden zwar ihren Wert und werden verhältnismäßig hochgeschätzt, nichts aber geht bei ihnen über die Würde eines guten Talmudi- sten, der den ersten Anspruch auf alle Amter und Ehrenstellen der Gemeinde hat.“ Von welchem Alter und von welchem Stamme er auch sein mag, alle stehen ehrerbietigst vor ihm auf, und es wird ihm überall der beste Platz eingeräumt. Er ist Gewissens- rat, Gesetzgeber und Richter für den gemeinen Mann. Wer da- her einem solchen Gelehrten nicht ehrerbietig genug begegnet, der ist nach dem Ausspruch der Talmudisten„in alle Ewigkeit verdammt“. Hieß es doch schon immer bei den alten Juden, daß man sich beim Anblick eines Weisen erheben und sich nicht eher niedersetzen solle, als bis er aus dem Gesichtskreis entschwun- den sei. Die gleiche jüdische Tendenz, in der Rangordnung aller Dinge stets dem Geistigen den obersten Platz zu reservieren, erinnert uns auch an die Wegweisung, die Maimonides von seinem Vater erhielt, als dieser den Kommentar des Talmuds zur Geschichte von Jakob und Esau dahin erklärt hat, daß Esau die Güter des irdischen Daseins, Jakob aber die eines Gott geweihten Lebens erwählt habe, weshalb denn auch die Juden, die von Jakob ab- stammen, zeitliche Güter nicht überschätzen dürften. Ein jüdi- scher Kaufmann des neunzehnten Jahrhunderts sagte in diesem Sinn, daß für ihn derjenige, der nichts gelernt und nichts studiert habe, nur ein gewöhnlicher Mann sei, mag er auch sonst der beste Mensch sein. Dies kommt auch schon im„Nizzaachom“ des Rabbi Lipman aus dem Jahre 1410 zum Ausdruck, wo es heißt, daß Gottesliebe und Gottesfurcht doch in einem tief- begründeten Verhältnis zur Gotteserkenntnis stünden. Solche Ehrfurcht vor dem Ganzen der Religion wird mit tie- fem Recht auch auf den äußeren Umgang mit religiösen Büchern übertragen. Ja man darf sagen, daß ein solches Zusammenwirken des Äußeren und des Inneren dem tiefsten Wesen des jüdischen Glaubenslebens entspricht. Von solcher Feststellung aus dürfte wohl nichts einleuchtender sein, als daß wir im folgenden das Talmudische durch ein Dokument ergänzen, das zwar scheinbar aus einer dem Talmud entgegengesetzten Welt stammt, in Wahr- 126 Söhne dem religiösen Wissen, d.h. der rabbinischen Theologie, heit aber "nichts an stigen O durchzuc sche Fest dazu üb Chassidi dharakte der Fror wollen ı mals bet Anwend Ehrfurd haft ehr] wir uns zu veral einen so D Bsistni rischen] Kundgel zweifell der Ver Nur im Stellung Inda H Nimmt ı !rontier Lösung Wir g Einleitu N Dieses die, die Theologie, reil er sich weil er ein Maimoni- ıtum, kör- den Juden hgeschätzt, ı Talmudi- hrenstellen m Stamme uf, und es Gewissens- n. Wer da- 7 begegnet, e Ewigkeit Juden, dal \ nicht eher entschwun- aller Dinge .n, erinnert inem Vater Geschichte > Güter des ıten Lebens ‚ Jakob ab- . Ein jüdr e in diesem hrs studiert h sonst der iyzaachom” ruck, wo© einem tiel- N. ei. ed mit I sen Büchern menwirken os jüdischen , aus dürfe [genden di yy scheinbar nt, In Wahr heit aber dessen notwendiger Ergänzung dient und das im Grund nichts anderes tut, als im Gehorsam gegenüber den obersten gei- stigen Orientierungen des Talmuds die innerlichste Anwendung durchzudenken und durchzuführen. Diese einfache psychologi- sche Feststellung soll uns nun begleiten, wenn wir im folgenden dazu übergehen— ohne jede Stellungnahme zum Ganzen der Chassidim-Bewegung—, dem Leser eine Reihe von besonders charakteristischen Aussprüchen vorzuführen, die wir im„Buch der Frommen“ des Jehuda ben Samuel gefunden haben. Doch wollen wir, rückblickend auf das vorangehend Gesagte, noch- mals betonen, daß im Talmud in seiner Eigenart und in seiner Anwendung auf das jüdische Leben doch zweifellos eine hohe Ehrfurcht der Juden vor der unsichtbaren Welt und ein wahr- haft ehrliches metaphysisches Bedürfnis erkennbar wird, woran wir uns stets erinnern wollen, wenn etwa christliche Kritiker in zu verallgemeinernder Weise die„christliche Geistigkeit“ gegen einen sogenannten„jüdischen Materialismus“ ausspielen wollen. Das„Buch der Frommen“ und der„Chassidismus“ Es ist nicht unsere Aufgabe, hier auf die so wohlbekannten histo- rischen Fakten der Chassidim-Bewegung und ihre theologischen Kundgebungen einzugehen und auch nicht im einzelnen auf die zweifellos hochstehenden literarischen Erzeugnisse hervorragen- der Vertreter dieser Bewegung zurückzukommen. Es sei daher nur im Sinne des oben Gesagten kurz auf die hervorragende Stellung hingewiesen, welche das„Buch der Frommen“ des Je- huda Hachassid unter den sogenannten„Mussarschriften“ ein- nimmt und wo, wie es dem Verfasser erscheinen will, eine Kon- frontierung mit den Texten des Talmuds einen Beitrag zur Lösung der jüdischen Frage leisten kann. Wir geben zunächst die folgenden Auszüge: Einleitung des Jehuda Hachassid zu seinem„Buch der Frommen“! „Dieses Buch heißt ‚Buch der Frommen‘. Es ist geschrieben für die, die Gott fürchten und seinen Namen ehren. Denn der I Die Zitate aus dem„Buch der Frommen“ sind zwei in deutscher Sprache herausgegebenen Schriften entnommen: 1. Sulzbach, Die Ethik des Judentums(Frankfurt 1923); 2. Zunz, Geschichte der poetischen, kabbalistischen und neuzeitlichen Literatur der Juden, hrsg. von J. Winter und A. Wünsche(Trier 1896), S. 631 ff. 127 Fromme, dessen Herz von der Liebe zu Gott erfüllt ist und der danach trachtet, seinen Willen zu tun, aber nicht weiß, was alles zu beachten ist, wovor er sich hüten soll und wie er bis auf den letzten Punkt den Willen Gottes betätigen kann— da das Wis- sen hierüber weithin abgenommen hat—, soll in diesem Buche lesen. Da er ja schon fromm ist, so wird er sich die Lehren, die er aus dem Buche empfängt, zu Herzen nehmen. Nicht für Frevler ist es geschrieben, die, wenn sie in dieses Buch einsehen, den Inhalt für unwahr halten und darüber spotten. Sagt doch schon Salomon: Vor den Ohren der Toren sprich nichts, die wür- den deine verständigen Worte schmähen...“? Mussarschriften® Bei den Mussarschriften handelt es sich um jüdische Handbücher über Ethik, Umgang mit Menschen, Erziehung, Familienleben, Gesundheitspflege, Behandlung der Tiere, Reinheit usw. Das eigentlich religiöse Element in diesen Schriften ist durch- setzt mit Aussprüchen griechischer Philosophen, indischer Fabel- dichter und später auch mit Stellen aus der arabischen Literatur. Der Zweck der„Mussarschriften“ ist nicht die Ausbildung des Verstandes, sondern die Veredelung des Gemütes und die Bil- dung des Herzens. Im folgenden bringen wir eine Auswahl von Zitaten aus denı „Buch der Frommen“ „Genauso, wie du dem Juden gegenüber ehrlich sein mußt, so sei es auch gegenüber dem Christen.“ „Einen Christen betrügen oder bestehlen ist eine noch größere Sünde, als wenn man sich gegen einen Juden vergeht. Immer ist Unredlichkeit gegen jeden, wer es auch sei, ein Vergehen. Aber an einem Christen Betrug üben, zieht die ganze Judenschaft in 2 Sulzbach sagt in der Einleitung zu seinem Buch„Die Ethik des Judentums“ Folgendes:„Was hier Jehuda Hachassid in oft lose an- einandergereihten Sätzen lehrt, ist eine Ethik des Judentums, die herausgewachsen ist aus der Thora und den sie erläuternden tal- mudisch-rabbinischen Schriften— unter Benützung der ‚Mussar- schriften‘“. Nach Sulzbach sind nur Bruchstücke dieses„Buches der Frommen“ auf uns gekommen. Jehuda Hachassid hatte zwei Bücher verfaßt: 1. Sefer Hakabod,„Das Buch der himmlischen Glorie“; 2. Sefer Hachassid,„Das Buch der Frommen“. 3 Herlitz, Mussarschriften: Deutschsprachige jüdische Encyklopaedia. 128 2 Mitleide nur eine um ist de yanzen] ‚Wenn z ] seitigem Beistand kommen ‚Wille so musse | ‚Im Ver keit wie aufmerk Schmach dem Ge „Holt s Orte, w ver eın ‚siehst. J het Jo Wer b Gesinny schaft= Yale, ın N; „Nimm ‚ lem ın; ch Ihm, je Veranlı Lohe 4 er vor ’ewerb !sfürd M ans Teden( h) aber { j Foers ist und der \, was alles bis auf den ja das Wis- sem Buche Lehren, die Nicht für h einsehen, Sagt doch ts, die wür- Jandbücher nilienleben, ISW. n ist durch- ‚cher Fabel- n Literatur. bildung des nd die Bil- ‚en aus den in mußt, so och größer t. Immer gehen. Abe denschafl je Exhik de oft Jose at dentums, dt jternden 1" der Musa" Buches de zwei Bid“ hen Glorie; cyklopaed Mitleidenschaft. Es ist einmal so, daß man das Verbrechen auch nur eines Juden zu einem Verbrechen aller Juden macht. Dar- um ist der Betrug gegen einen Nichtjuden ein Verbrechen an der ganzen Judenschafl.“ „Wenn zwischen Juden und Nichtjuden ein Vertrag zu gegen- seitigem Beistand abgeschlossen worden ist, so müssen erstere Beistand leisten, wenn letztere wirklich ihrer Verpflichtung nach- kommen.“ „Will ein Jude einen Nichtjuden töten, dieser aber nicht jenen, so müssen wir dem Nichtjuden beistehen.“ „Im Verkehr mit Nichtjuden befleißige dich derselben Redlich- keit wie mit Juden. Mache den Nichtjuden auf sein Versehen aufmerksam. Besser, du lebst von Almosen, als daß du— zur Schmach des Judentums und des jüdischen Namens— mit frem- dem Gelde davonläufst.“ „Holt sich ein Nichtjude bei dir Rat, so sage ihm, wer an dem Orte, wo er Hilfe erwartet, redlich redet und handelt— und wer ein Betrüger ıst.“ „Siehst du einen fremden Glaubensgenossen eine Sünde begehen, so bintertreibe sie, wenn du die Macht dazu hast, und der Pro- phet Jona sei hierin dein Vorbild.“ „Wer brav ist, der heirate lieber eine Proselytin, die so guter Gesinnung ist wie er: bescheiden, wohltätig und ehrlich im Ge- schäft— als daß er ein Mädchen aus einer jüdischen Familie hei- rate, in der diese Tugenden nicht heimisch sind.“ „Nimm keine Verleumdung willig auf, sondern suche vielmehr, dem ins Gewissen zu reden, der sich bei dir über einen Dritten beschwert. Sprichst du von jemandem, so erzähle Gutes von ihm, jedoch nicht in Gegenwart seiner Feinde, die hieraus eine Veranlassung nehmen würden, sich über seine Fehler auszulassen. Lobe auch nicht einen Reichen vor einem Reichen, einen Schrei- ber vor einem Schreiber, überhaupt niemanden vor dessen Mit- bewerbern. Nur den Gottesfürchtigen magst du vor einem Got- tesfürchtigen loben.“ „Man solle sich davor hüten, verächtlich von einem Menschen zu reden oder ihn zu verspotten, wer immer er auch sein möge. Ist es aber geschehen, so soll man sich beeilen, ihn zu versöhnen.“ 129 9 Foerster, Jüdische Frage „Antworte nicht mit überlauter, frecher Stimme, sondern be- scheiden, und von müßigen Spöttern entferne dich schweigend, denn das Spotten führt zu Unanständigkeiten und diese zur Un- zucht. Stelle auch niemanden zur Rede, von dem du überzeugt bist, daß er dir nicht wirklich Gehör gibt oder daß er dadurch zu Haß und Rache verleitet werden könnte.“ „Sei still, wenn man dich schmäht, und dulde nicht, daß deine Schüler und Hausgenossen mit Schimpf und Schlägen dem- jenigen begegnen, der dich beleidigt hat.“ „Wer beleidigt und geschmäht ist, aber gleichwohl taub und stumm bleibt, Anwürfe nicht anhört und nicht mit Beleidigun- gen antwortet, der ist ein Frommer, und einst werden seine Au- gen strahlen, und er wird im Jenseits unter denen weilen, die der Gottesnähe würdig sind.“ „Sei nicht überfromm, denn gerade das verführt zu ungesetz- lichem Handeln.“ „Merke dir besonders dies: Man soll seinem Schöpfer nicht in der Absicht dienen, einst des Paradieses teilhaflig zu werden, son- dern rein nur aus Liebe zu ihm und zu der Pflichterfüllung, die er geboten hat.“ „Die Wurzel der Frömmigkeit ist die Gottesfurcht. Nicht etwa in dem Sinne, daß die Furcht vor der göttlichen Strafe den Men- schen zur Frömmigkeit anhalte oder die Furcht vor dem etwaigen Verlust der Freuden des Diesseits und des Jenseits, sondern die Furcht, man könne an seinem sittlichen Sein Schaden nehmen, indem man nicht mit ganzer Hingebung im göttlichen Willen aufgeht, und zwar gemäß dem Worte: ‚Ganz sollst du sein mit Gott‘, nämlich in der liebenden Hingabe an ihn. Der so fürch- tet, der allein darf ‚gottesfürchtig‘ genannt werden.“ „Ist ein Reicher und ein Armer krank und du siehst, daß die Leute den Reichen besuchen, so gehe zu dem Armen, selbst wenn er kein Gelehrter ist. Dort aber, wo ein Gelehrter Almosen und wo ein Armer Ehre bedarf, geht jener vor, es sei denn, daß der arme Ungelehrte wirklich gottesfürchtig ist, jener aber nicht. Dann gib der Gottesfurcht die Ehre. Auch verbinde dich lieber mit einem freigebigen Ungelehrten als mit einem geizigen Ge- lehrten.“ „An dem Vermögen derer, welche ihre Arbeiter drücken, gestoh- lene Sachen kaufen und überflüssige Verzierungen als Hausgerät 130 | wählen, Jieren.“ „Kanns so nımr sien vo Geld vi Maß m ist kein dern m darum Worten kann, ı komme Vögel, Mensch aber gl bleibt.‘ ‚Sei k der G, deines Ireten. „Vor| daß dı v Mi bo Ngen, schlech E lend[: barme Laster "nd m „shric uG ndern be- hweigend, se zur Un- überzeugt er dadurch daß deine igen dem- taub und Beleidigun- 1 seine Au- weilen, die ı ungesetz- nicht in der erden, son- Hüllung, die Nicht etwa e den Mer- m etwaigen ‚ondern die on nehmen, hen Willen Au sein mil so fürdr ? st, daß die selbst wen" Imosen WM zn, daß der aber mic dich Jieber sjzigen Ge ben, gestolr . Hausgeni! wählen, ist kein Segen— sie oder ihre Kinder werden es ver- lieren.“ „Kannst du mit dem wenigen, was du besitzest, dich ernähren, so nimm nicht von anderen, um reich zu werden, denn die mei- sten von denen, die von anderen nehmen, haben kein Glück. Am Geld von Leuten, die Wuchergeschäfte machen, die unredlich mit Maß und Gewicht umgehen und im Handel nicht ehrlich sind, ist kein Segen, ihre Kinder und Helfershelfer müssen auswan- dern und kommen an den Bettelstab. Mancher wird aber auch darum arm, weil er Arme verächtlich behandelt, sie mit harten Worten zurückstößt oder Bittstellern antwortet: ‚Wer arbeiten kann, dem gebe ich nichts.‘ Er sollte lieber den Armen das zu- kommen lassen, was er sonst für unnütze Dinge, so z.B. für Vögel, die er sich hält, verschwendet. Wer Erbarmen mit dem Menschen hat, dessen erbarmt sich Gott. Ein Unbarmberziger aber gleicht dem Vieh, das bei den Leiden der Seinen gleichgültig bleibt.“ „Sei keusch, selbst im geheimen, wie auf dem Markt und auf der Gasse, denn selbst das Holz und der Stein in den Wänden deines Gemaches sind die beiden Zeugen, die wider dich auf- treten.“ „Vor jeder unkeuschen Aufwallung schütze dich der Gedanke, daß du Staub bist und zum Staub zurückkehrst.“ „Mit dreien muß man besonders Mitleid haben: mit dem Sin- nigen, den ein Toller beherrscht, mit dem Guten, der einem schlechten Menschen untertan ist, mit dem Edlen, der von einem Elenden abhängig ist. Aber mit drei anderen soll man kein Er- Larmen haben: mit dem Grausamen, der selbst erbarmungslos Laster verübt, mit dem, der kopflos in sein Verderben rennt, und mit dem Undankbaren.“ „Sprich nicht: ‚Ich werde das Böse vergelten‘, sondern hoffe auf Gott, er wird dir helfen.“ „Der größte Fehler ist Undankbarkeit. Sie ist selbst den Tieren gegenüber nicht gestattet. Auch ist derjenige strafwürdig, der dem Vieh über Gebühr Lasten auferlegt, es schlägt, es quält, der eine Katze an den Ohren zerrt oder einem Pferd die Sporen gibt. Ein krankes oder ein trächtiges Tier soll geschont werden. Läuft ein nicht gefährlicher Hund dir in dein Hans, so jage ihn mit einer kleinen Peitsche hinaus, aber hüte dich, ihn mit einem 9“ 131 Stock zuschlagen. Noch größere Verantwortung übernimmt der- jenige, der Knechte und Mägde hart behandelt.“ „Bedarfst du eines Genossen zum Lernen und du findest einen guten und schweigsamen, aber von den Übermütigen verspotte- ten Jüngling, so erwähle ihn, wenn er will, zu deinem Freund und Schüler, denn die unverdient Zurückgesetzten werden er- höht werden.“ „Wenn dir jemand ein Amulett anrät— als nutzbringend für Gunst und Reichtum—, so trage es nicht, sondern habe dein un- geteiltes Vertrauen in Gott. Denn es wäre Abfall, wolltest du, wenn deine Pläne mißlingen, dir einen anderen Herrn aussuchen als den Ewigen, deinen Gott.“ „Hat man dich mit unrichtigem Gewicht betrogen, dich be- stohlen oder falsches Zeugnis gegen dich abgelegt, so laß dich nicht verleiten, aus Rache das gleiche zu tun.“ „Es gibt manches, das nicht Diebstahl, das aber ärger als Dieb- stahl ist.“ „Enthalte dich aller lauten und hefligen Rede, vor allem ent- halte dich aller Lügen und Schwüre, allem Spott und aller zügel- losen Begierde. Rachsucht ist mit demütiger Gesinnung vollkom- men unverträglich.“ „Hüte dich vor dem Hochmut und befleißige dich der Demut. Halte dich für nichts, verkleinere dich und sei in allen Stücken der Letzte. Auch sage und schreibe nicht: ‚Ich und er‘, sondern: ‚Er und ich‘...“ „Lerne von der Schwelle: sie wird getreten, aber sie bleibt, auch wenn das ganze Haus zusammenstürzt.“ Im„Buch der Frommen“ wird für den Umgang mit religiösen Büchern gefordert, daß man heilige Schriften nicht für persönliche Niederschriften benützen dürfe; auch dürfe man eine heilige Schrift weder auf die Fußbank noch auf das Bett legen, man dürfe sich, solange sie aufgeschlagen liege, nicht vor ihr ent- blößen oder sich in unbeherrschten Reden gehen lassen.— Dazu steht in dem ergänzenden Text der Rat, man verwende sein Geld besser, wenn man Kleider für die Armen kauft, statt Thora- rollen abschreiben zu lassen. Damit kommt das„Buch der From- men“ doch sehr der Gesinnung des heiligen Franziskus nahe, der von einem seiner Jünger verlangte, das einzige Evangelium, das 132 vie besaß hesser sel Vergleid also mit ven Geri dene De sungen 2 "speziell ind Wic IN derErlä ) obersten konkret \ vo wir ar auf Yir nich den Ver soldhen Größe j In die ni Fromme Löser de immt der- dest einen verspotte- em Freund werden er- ingend für be dein un- yolltest du, 1 aussuchen 1, dich be- 0 laß dich r als Dieb- allem ent- aller zügel- g vollkom- ler Demut. Jen Stücken Be sondern: bleibt, auch ir religiösen | persönli; cine heilige man Jegen, sie besaßen, an eine Frau, die darum bat, zu verschenken, da es besser sei, nach dem Evangelium zu leben, als darin zu lesen. Eine psychologische Feststellung Vergleicht man das„Buch der Frommen“ mit den Büchern Moses, also mit den Büchern des Gesetzes des jüdischen Volkes und des- sen Gerichten, so haben wir im Vorangehenden nur eine beschei- dene Deutung und Anwendung der dort gegebenen Wegwei- sungen zu einem solchen Vergleich gegeben. Wir möchten aber speziell darauf hinweisen, daß es sich hier um etwas ganz Großes und Wichtiges handelt, nämlich um eine geradezu geniale Kunst der Erläuterung des tiefsten persönlichen Segens und Sinnes jener obersten Ordnungen und Gesetze, und zwar gerade dort, wo die konkreten Schwierigkeiten menschlicher Konflikte beginnen und wo wir in einer Welt des unberechenbaren Wechsels ganz und gar auf Charakter und Beständigkeit angewiesen sind, damit wir nicht der Diktatur des Augenblicks und ihrer überwältigen- den Verführung zum Opfer fallen. Nur wenn man sich in alle solchen konkreten Lösungen vertieft, versteht man die ganze Größe jener obersten Ordnungen. In diesem Sinn haben wir unseren Bericht über das„Buch der Frommen“ an alle die weiten Ausblicke angeschlossen, die dem Leser des Kapitels über den Talmud geöffnet werden sollen. feindur || Schlußbetrachtung und Schlußfolgerung| Aa überwu Darf ganzen Christe unyerst überau. einem ı mengel Zum weltgeschichtlichen Rätsel der jüdisch-christlichen u Verfeindung Mradin Zum Schluß soll hier eine Frage von großer Tragweite gestellt ne werden: Wie ist es wohl zu erklären, daß so viele Jahrhunderte& N hindurch die Juden sich selbst, ihre Frauen und ihre Kinder, Er ohne sich zu besinnen, lieber dem Tode weihten als zum Christen- ck tum überzutreten, obwohl dieses doch in so enger Verbindung En:. mit dem Alten Testamente steht und obwohl dessen größter En Apostel aus dem Zentrum der jüdischen Geschichte kam? Zu Wir stehen hier zweifellos vor einem der schwersten Rätsel= hei der ganzen Religionsgeschichte. Aber nur zu viele Christen emp- at finden die Größe dieses Rätsels einfach deshalb nicht, weil ihnen der die die ganze Furchtbarkeit des jüdischen Martyriums nicht bekannt je Au ist— eines Martyriums von mehr als fünfzehn Jahrhunderten. Ich Se wage es nun— und zwar gerade als ein moderner Mensch, der reich] weder aus dem Judentum noch aus dem Christentum kam—, die gri auf jene schwere Frage eine sehr einfache Antwort zu geben: 1 den Nicht das Neue Testament im Ganzen und Tiefsten seiner Texte, Haus wohl aber die christliche Verkündigung aller Jahrhunderte hat nicht a allzu ausschließlich vom Gottmenschen geredet und allzuwenig End von dem, was den Juden ihre teuerste geistige Heimat und das Fehler Zentrum ihres Glaubens und ihres ganzen Gewissenslebens war,\ Ind er nämlich von dem einen und einzigen Gott, dem Schöpfer Him- Ihrer& mels und der Erden, und von: der Allgegenwart seines ewigen Währer Gesetzes im menschlichen Gewissen. So stellt sich also die Frage, Sinn dı ob es wirklich allein die Verstocktheit und Verschlossenheit der herrsch Juden gewesen ist, der man die ungeheuere, weltgeschichtliche begreif und noch lange nicht erschöpfte Tragik der Verfeindung zwischen Nun Judentum und Christentum zurechnen muß, oder ob man nicht, Sering: angesichts all der in unserer Zeit erfolgten Ausbrüche jener Ver- Untersg 134 stlichen yeite gestellt 'ahrhundertt ihre Kinder, ım Christen- Verbindung ssen größter kam? srsten Rätsel hristen emp: t, weil ihnen \icht bekannt underten. Ih Mensch, der um kam=; u geben: ‚seiner Texte hunderte hat d allzuwenig mat und das jslebens Ah höpfer Hım eines ewige" so die Frak ossenheit der geschichlidt ung zwischen ob man nicht ne jener Ve feindung genötigt ist, das ganze Problem einmal von einer völ- " lig neuen Seite zu betrachten. Und dies um so mehr, als dieser | jüdisch-christliche Krieg doch nur scheinbar und vorübergehend überwunden und vertagt wurde. Darf man es nicht wagen, das weltgeschichtliche Resultat jener ganzen Entfremdung dahin zu definieren, daß man sagt: Den Christen wurde das Judentum, und den Juden das Christentum unverständlich, und zwar durch die folgenden ganz großen und überaus verhängnisvollen Fehler, die alle ihre letzte Ursache in einem unbegreiflichen Leichtnehmen der untrennbaren Zusam- mengehörigkeit des Alten und des Neuen Testamentes haben: Erstens sind die aus dem Judentum gekommenen Apostel des Christentums in ihrer Auseinandersetzung mit der jüdischen Tradition begreiflicherweise zumeist von der Opposition des Neuen gegen das Alte und von dem Widerstand des Alten gegen das Neue beherrscht gewesen, so daß der Krieg zwischen den Gegensätzen zunächst die erste Entwicklungsphase beherrschte, statt daß ein Ausgleich zwischen zwei zu gegenseitiger Ergän- zung bestimmten Geistesrichtungen vorsichtig und pietätvoll in die Wege geleitet worden wäre. Zweitens waren die Heiden— mit der einzigen Ausnahme des heiligen Augustinus, der darum auch von den Vertretern der griechischen Kirche ganz und gar nicht verstanden wurde und der die fundamentale Bedeutung der jüdischen Entwicklung für den Aufbau der christlichen Glaubenswelt von Grund aus wür- digte— scheinbar nicht imstande, dies zu verstehen. Die„folgen- reiche Folge“ dieser Verkennung zeigte sich ja auch darin, daß die griechische Kirche nicht nur den Kanon des Alten Testamen- tes demonstrativ beiseite ließ, sondern auch den heiligen Augu- stinus, der eben diesem Kanon aufs tiefste gerecht geworden war, nicht als„Heiligen“ anerkennen wollte. Endlich drittens— und hier liegt wohl der folgenreichste Fehler— hat die große Mehrzahl der Christen die ganze geistige und ethische Bedeutung des Judentums auch nicht entfernt in ihrer allgemeinen religiösen Tragweite zu würdigen vermocht, während sie doch gerade von dort aus den ganzen universalen Sinn der christlichen Wahrheit und deren Anspruch auf die Be- herrschung auch des politischen und wirtschaftlichen Lebens hätte begreifen sollen. Nun kann man aber all dies feststellen, ohne auch nur im geringsten den hohen und dauernden Wert von all dem zu unterschätzen, was die christliche Wissenschaft für die Erfor- 135 schung des Alten Testamentes geleistet hat. Handelt es sich doch hier um etwas ganz anderes, das man etwa folgendermaßen defi- nieren kann: Nur zu viele Christen haben das Judentum allzu- sehr nur als eine Vorstufe zum Evangelium gewürdigt. Sie haben, obwohl sie doch die Psalmen und die Propheten immer dankbar zitierten, in ihrer begreiflichen Hochwertung des Evangeliums und des gottmenschlihen Wunders, das Allerwichtigste ver- hängnisvoll im Hintergrund gelassen, nämlich die alles beherr- schende Wirklichkeit des einen und einzigen Gottes und die dringende Notwendigkeit der konsequenten Verwirklichung seiner ewigen Gesetze innerhalb der menschlichen Geschichte. Man durfte doch den„Gottmenschen“ nicht einseitig in den Mit- telpunkt des Glaubens stellen. Ich wage es zu sagen: Es gibt auch eine Heilige Zweifaltigkeit, durch die allein die Heilige Drei- faltigkeit richtig verstanden und in der Rangordnung ihrer Ele- mente sinngemäß erfaßt werden kann. Jene Heilige Zweifaltig- keit aber besteht eben in der absoluten Untrennbarkeit des Alten und des Neuen Testamentes. Die Menschwerdung Got- tes hat sich religionsgeschichtlich und weltgeschichtlich allzu einseitig auf die Wirklichkeit Christi konzentriert und dabei die Wirklichkeit Gottes unleugbar zu sehr im metaphysischen Hin- tergrund versinken lassen. Dies sagt aus tiefster innerer Er- fahrung ein moderner Mensch, der selber nur mit Hilfe der reli- giösen Wahrheit des Judentums zum Christentum vorzudringen vermochte und dem das allzu isolierte„Gottmenschentum“ lange Zeit große religiöse Schwierigkeiten bereitete. Ausdrücklich sei nochmals unterstrichen, daß die vorstehende Kritik nur die Christen trifft, aber nicht die Kirche, die grund- sätzlich und bei jeder gegebenen Gelegenheit die untrennbare Zusammengehörigkeit der beiden Testamente nicht nur betont, sondern auch in all ihren dogmatischen Kundgebungen immer aufs neue bekannt hat. Der Zeitgeist aber mit seiner Über- bewertung der technischen Wirklichkeit und mit seiner Unter- bewertung der geistigen Bedingungen aller menschlichen Zivili- sation stand dagegen und trägt die letzte Verantwortung für die ganze moderne Ausschaltung der Realität Gottes aus der Wirk- lichkeit des Tages. Die kommende Religionspädagogik darf nicht müde werden, im engen Anschluß an die augustinische Theologie die oben beleuchtete verhängnisvolle und höchst folgenreiche Einseitigkeit gründlich auszugleichen. Wer die im Vorangehenden festgestellten Versäumnisse und Einseitigkeiten gründlich durchdenkt, der wird sich darüber 136 ' klarwer zisierun im Meı stehen ı oberster der mer stand I lichen F sie im/ zutage immer sich da Testamı liche sit giösen in klar Christi Dämon von deı Im$ trachtu: Zeit un gegenül Ma Der be hat ein einer hristlic Theorie Nicht nu des Altı velli al »Wolfs und gel 2u dem lage, Wi Schen Al Nur Noc führen. es sich do maßen deh- ntum allzu: t. Sıe haben, 1er dankbar ‚vangeliums htigste ver- ‚les beherr- tes und die wirklichung Geschichte, in den Mit- Es gibt auch| eilige Drei- g ihrer Ele- Zweifaltig- barkeit des dung Got- htlich allzu nd dabei die sischen Hin- innerer Er- ilfe der reli- orzudringen otum“ lange vorstehende , die grund- untrennbar nur betont, ngen immer einer Über- siner Unter‘ ichen Zivili ‚tung für die ıs. der Wirk- ik.darf nich he Theolop! folgenrei® e umnisse und ‚ich darüber - klarwerden, daß doch hinter der wunderbaren christlichen Prä- zisierung des erlösten Seelenzustandes und seiner Auswirkung im Menschen immer wieder die Übermacht Gottes steht und stehen muß, so daß ohne die geistige Macht und Realität dieser obersten Ordnung selbst die höchste und feinste Entwicklung der menschlichen Person keine sichere Führung und keinen Be- stand haben kann. Und eben diese Abhängigkeit der persön- lichen Heiligung von jener realen Macht des Gottesglaubens, wie sie im Alten Testament und in der jüdischen Märtyrergeschichte zutage tritt, ist in der religiösen Entwicklung des Abendlandes immer wieder verhängnisvoll unterschätzt worden. Dies zeigte sich dann zuletzt in der Art, wie das Quäkertum das Neue Testament vom Alten Testament trennte und eine unvergleich- liche sittliche Feinheit und Opferstärke vom Ganzen des reli- giösen Bewußtseins loslöste und dabei irrtümlich glaubte— in klarem Widerspruch zu den wiederholten Versicherungen Christi—, allein von der Bergpredigt aus der menschlichen Dämonie gewachsen zu sein.(Man denke z.B. an das Kapitel von den Wechslern im Tempel!) Im Sinne dieser Feststellung wäre zum Abschluß dieser Be- trachtungen noch Folgendes über den geistigen Zustand unserer Zeit und über die Ursache der Schwäche der modernen Christen gegenüber diesem Zustande zu sagen: Machiavellis Verhöhnung der jüdisch-christlichen Ethik Der berühmte florentinische Staatsmann Niccolo Machiavelli hat einmal gesagt:„Das Christentum ist eine Lehre für Schafe in einer Welt voll Wölfen.“ Seitdem dies gesagt wurde, haben die christlichen Völker reichste Gelegenheit gehabt, ihre politische Theorie und Praxis in Machiavellis Sinn immer konsequenter nicht nur vom Neuen Testament, sondern auch vom Gottesgesetz, des Alten Testamentes loszulösen. Sie ersetzten das, was Machia- velli als„Schafspolitik“ betrachtete, durch eine immer tollere »„Wolfspolitik“, ja sie setzten sogar den Schafen Wolfszähne ein und gelangten durch diese verblendete Praxis schließlich genau zu dem Resultat, das zu erwarten war, nämlich zu einer Sach- lage, wo sich die Wolfspolitik konsequenterweise mit der atomi- schen Technik verband und wo der Selbstmord der Menschheit nur noch zu verhindern ist, wenn ein Wunder geschieht und den führenden Kreisen der Menschheit im letzten Augenblick die 137, werden drohen. In welchem Zusammenhang steht nun dieser Ausblick mit all dem, was wir im Vorangehenden über die Trennung des Alten vom Neuen Testamente gesagt haben? Die Antwort ist sehr ein- fach: Das vom Alten Testament losgelöste Neue Testament war nicht imstande, der menschlichen Dämonie den Meister zu zeigen. Oder sind viele Christen nicht immer ohnmächtiger vor jener Dämonie zurückgewichen? Ja, wagen sie es überhaupt noch, in das ganze sinnlose Treiben autoritativ einzugreifen? Haben sie sich nicht vielmehr auf den„Sonntag“ zurückgezogen, um von dort aus den gottverlassenen Menschen mit den Segnungen der unsichtbaren Welt zu trösten und die sichtbare Welt ratlos dem Teufel zu überlassen? Man muß doch mit größter Offenheit fragen: Wer wagt noch daran zu glauben, daß der tödliche West-Ost-Konflikt durch bloße diplomatische Konferenzen ge- klärt und gelöst werden könne? Die ganze geistige Not dieser weltpolitischen Ratlosigkeit kann nur durch etwas scheinbar gänzlich Unpolitisches gelöst werden, das aber in Wirklichkeit das reale Fundament der ganzen Völkerpolitik ist— nämlich durch die vereinte Weisheit und Lebenskenntnis des Alten und des Neuen Testamentes. Wir brauchen einmal statt der ganzen hilflosen Kurzsichtigkeit in der Menschenbehandlung, wie sie heute ihre politische Ohnmacht zum letzten erschreckenden Aus- druck bringt, die ganze Logik der Liebe, wie sie im Neuen Testa- ment zu uns redet und uns gründlich anweist, uns in die Schwie- rigkeiten und Notwendigkeiten der Gegenseite hineinzudenken, statt uns immer nur um unser eigenes Selbst im Kreise zu dre- hen— wir brauchen aber ebenso notwendig die unerschütterliche Gewißheit des Alten Testamentes, das uns lehrt, das moralische Gottesgesetz nicht nur als ein himmlisches Licht zu verehren, sondern es als das allein realpolitische Fundament der ganzen menschlichen Gesellschaft zu betrachten. In der„Politischen Ethik“ des Verfassers wurde ein Wort Gladstones zitiert:„Was moralisch falsch ist, das kann niemals politisch richtig sein.“ Der moderne Nationalist meint statt dessen:„Was moralisch richtig ist, das muß immer politisch falsch sein.“ Alles, was in den letzten Jahrzehnten weltpolitisch geschehen ist, hat den tödlichen Irrtum solcher Rede und die unbedingte Wahrheit der zitierten Worte Gladstones bewiesen. Wir unterstreichen in diesem Sinne diejenigen Ausführungen dieses Schlußkapitels, in denen betont wurde, daß die Liebesbotschaft des Neuen Testamentes und der 138 ganze Größe des Wahnes enthüllt, dessen Opfer wir alle zu müsse) sam d Wei Aktua der N schen ständi voran eines wir alle zu blick mit all ng des Alten ist sehr ein- stament war er zu zeigen, er vor jener haupt noch, ıfen? Haben gezogen, um n Segnungen » Welt ratlos ter Offenheit der tödliche ıferenzen ge- e Not dieser| ras scheinbar Wirklichkeit t— nämlid es Alten und t der ganzen lung, wie si ckenden Aus- Neuen Testa- n die Schwie- einzudenken, reise ZU dre- ‚rschütterlich as moralisct Ah verehren, it der ganze| „Politischen| Wa| zitiert:» N gig sein. a rich as in den den gödlichen ’ der ziert! diesem Sıntt denen beront entes UN ] moralische Realismus des Alten Testamentes mit der ganzen Größe ihrer religiösen Gewißheit unbedingt zusammenwirken müssen, um der ganzen Macht der menschlichen Unterwelt wirk- sam die Spitze zu bieten. Wer sich dies gründlich klarmacht, der wird die politische Aktualität der Betrachtungen begreifen, die wir in dieser Schrift der Notwendigkeit einer grundsätzlichen Verständigung zwi- schen Judentum und Christentum gewidmet haben, einer Ver- ständigung, die allen anderen Verständigungen und Aussöhnungen vorangehen muß, weil in ihr allein die geistige Grundbedingung eines dauerhaften Friedens in der Welt gesichert ist. „Ohne Zweifel das beste Buch, das wir über Foerster besitzen‘, urteilte Prof. Dr. Walter Rest, Münster/Westf., über FRANZ PÖGGELER Die Pädagogik Friedrich Wilhelm Foersters Eine systematische Darstellung Großoktav, 342 Seiten, Leinwand 21.— DM Das Werk bietet erstmalig eine Gesamtdarstellung der Pädagogik Foersiters, den der Verfasser als einen Sachkenner von internatio- nalem Rang neben Kerschensteiner, Spranger, Montessori und Dewey zu den größten Erzieherpersönlichkeiten des 20. Jahr- hunderts rechnet. Pöggeler, Dozent am Deutschen Institut für Wissenschaftliche Pädagogik in Münster, hat in Zusammenarbeit mit dem Altmeister der Pädagogik sein umfangreiches Gesamt- werk im Sinne der wissenschaftlichen Pädagogik systematisch geordnet und umfassend und kritisch interpretiert. So ergibt sich eine christlich fundierte„summa paedagogica‘“, wie sie heute wohl einmalig ist, mit einer Fülle von Anregungen für jeden Pädagogen. „Leben und Lehre des großen ‚Außenseiters‘ der Pädagogik erscheinen hier wie aus einem Guß und wirken einsichtig und überzeugend. Die Lektüre dieses Werkes zwingt zur Besinnung auf die eigenen geistigen Grundlagen angesichts der fest um- rissenen Position Foersters. Sie schärft den Blick für die vielfach verflochtienen und verworrenen Anliegen moderner Erziehung.‘ „Der Lehrerrundbrief‘‘, Frankfurt am Main Durch alle Buchhandlungen erhältlich VERLAG HERDER FREIBURG FRIEDRICH WILHELM FOERSTER Die Hauptaufgaben der Erziehung Großoktav, 184 Seiten, Leinwand 11.50 DM Reihe: Schriften des Willmann-Instituts Freiburg— Wien Der international bekannte Pädagoge gibt in diesem Werk eine Zusammenfassung seiner gesamten Erziehungslehre. Seinem Wesen nach ist es ein Dialog mit den Erziehern, der die päd- agogischen Hauptaufgaben umreißt und die innere Struktur des erzieherischen Vorganges deutlich macht. Foersters pädagogi- sches Konzept isi eine spannungsreiche Synthese. Er lehnt jede Einseitigkeit ab und tritt bewußt in die Spannungsfelder der großen Pole erzieherischen Verhaltens ein. Er wendet sich ge- gen den pädagogischen Laxismus unserer Zeit, der in allen menschlichen Schwächen nur noch Ausfallserscheinungen der seelischen Gesundheit, aber keine moralischen Verfehlungen mehr sehen will. Er fordert eine entschiedene, eindeutige Er- ziehung, die einen ungebrochenen Begriff der Autorität festhält, und sieht in einer klaren und korrekten Ethik eine der Grund- lagen des Erziehens. In Vorbereitung: Politische Erziehung ca. 204 Seiten, Leinwand Grundsätzliche Erwägungen über die Prinzipien der politischen Erziehung, die Fragen des politischen Handelns selbst, Staats- bürgerkunde und Gegenwartskunde machen den wesentlichen Inhalt des Werkes aus. Der Verfasser sieht seine Aufgabe nicht nur in der Formung einer positiven staatsbürgerlichen Gesin- nung, sondern auch in der Überwindung bloßer nationalpoliti- scher Gesichtspunkte und in der Anbahnung einer internationalen Zusammenarbeit mit ethischer Zielsetzung. Für alle Pädagogen und politisch aktiven Menschen ein grundlegendes Werk. Durch alle Buchhandlungen erhältlich VERLAG HERDER FREIBURG I -Wien Werk eine e. Seinem * die päd- ruktur des pädagogi- lehnt jede felder dr| et sich ge-| r in allen ungen der rfehlungen leutige Er- jätfesthält,| ler Grund- politischen hst, Staats“ esentlichen fgabe nicht hen Gesin- ionalpoliti- ‚nationalen Pädagogen ork. FRIEDRICH WILHELM FOERSTER ist am 2. Juni 1869 in Berlin geboren. Er studierte und promo- vierte an der Universität Freiburg im Breisgau. Von 1900 bis 1908 war er Privatdozent an der Universität Zürich. 1913 Professor der Philosophie und Päd- agogik in Wien, 1914-1920 Professor in den gleichen Fakultäten an der Universität München, 1920—1926 in Zürich und Genf, sodann bis 1936 in Paris. Im Juli 1940 wanderte er nach den USA aus, Heute lebt der weitbekannte Pädagoge in New York. Am Grabe Theodor Herzls Ar Weit über das Land bis zu den Bergen von Judäa geht der Blick vom Herzl-Berg in Jerusalem. Umgeben von Gefallenen des Unabhängigkeits- krieges ruht hier seit 1949 Theodor Herzl, der Begründer des politischen Zionismus. Herzl, am 3. Mai vor hundert Jahren in Budapest geboren, starb 1904, als sein Projekt eines jüdischen Staates noch als Illusion erschien. Der Feuilletonredakteur Herzl war von der„Neuen Freien Presse“ in Wien zum Dreyfus-Prozeß nach Paris geschickt worden. Unter dem Eindruck des dort Erlebten verfaßte er 1896 die Schrift„Der Judenstaat“, in der er den Hoffnungen der über die Welt verstreut lebenden Juden auf eine Rückkehr in die biblische Heimat Ausdruck gab. Aus der uralten Zionssehnsucht formte er eine politische Ideologie. Ein Jahr später übernahm der Basler Zionistenkongreß Herzls Ge- danken als Programm. Herzl war um die Jahr- hundertwende einmal in Palästina und schrieb — außer Theaterstücken und einem Buch über den französischen Parlamentarismus seiner Zeit— einen utopischen Roman„Alt-Neuland“. Unter dem Motto„Wenn Ihr wollt, ist es kein. Märchen“ nahm er darin die Existenz des jüdischen Staates vorweg. Als er ein Jahr nach der Staatsgründung im Angesicht Zions zur endgültigen Ruhe gebettet wurde, erfüllten seine politischen Schüler und Erben den im Testament geäußerten Wunsch, nur so lange in österreichischer Erde zu liegen,„bis das jüdische Volk meinen Leichnam nach Jerusalem überführt“. Foto: F. A. Wagner a ge EL Inn ur So our Hrnam! wor mm 2 a9 Wie Dr. Bodmer einmal selbst verriet, wäre es sein sehnlicher Wunsch gewesen, seine schrankenlose Bewunderung und Verehrung für Ludwig van Beethoven schon zu Lebzeiten des Meisters als dessen selbstloser Freund— wie etwa Ignaz von Gleichenstein, der„Freund ohnegleichen*— beweisen zukönnen. Daßsein Geburtstag auf den vermutlichen Geburtstag Beethovens fiel, betrachtete er als einen Wink des Schicksals. Seinen Freundschaftsdienst für Beethoven erkannte er immer mehr im Zu- sammentragen der in aller Welt verstreuten ‘Handschriften und Erinnerungsgegenstände des Komponisten, der sich selbst einmal ge- wünscht hatte, alle seine Niederschriften möchten an einem einzigen Ort vereint werden. Schon in früher Jugend entzündete sich die Begeisterung H. C. Bodmers an der idealen Gestalt Beethovens, und neben dem Studium der Musik, insbesondere des Geigenspiels und der Komposition, begann er bald mit dem Sam- meln von Beethoven-Autographen. Jenseits aller Spekulation, in der besten Tradition der . Schweizer Sammlerfamilien und Mäzene ste- hend, galt schon Dr. Bodmers Vater als Lieb- haber von Gemälden alter italienischer und deutscher Meister, während sein Bruder Mar- tin Bodmer die heute in Genf befindliche be- rühmte„Bibliothek der Weltliteratur“ im Sinne Goethes aufbaute. H. C. Bodmer selbst konzentrierte sich ausschließlich auf Beetho- ven-Dokumente. Im alten Patrizierhause„Zur. Arch“. in Zürich hütete er in drei eigens dafür ‚bestimmten Räumen sorgsam seine Schätze und bewahrte sie streng vor neugierigen Augen und derben Händen. Sogar wißbegierigen Beethoven-Forschern blieben sie unzugänglich. Nur wenige große Künstler und enge Freunde durften sie betrachten. Der Katalog, den Max Unger 1939 von die- ser Sammlung herausgegeben hat, nennt H. C. Bodmers Namen nicht, er trägt nur den Titel „Eine Schweizer Beethoven-Sammlung“, worin gleichermaßen die tiefe Liebe zur Schweizer . Heimat wie zu Beethoven ausgedrückt ist. Die- ser Katalog müßte beträchtlich erweitert wer- den, sollte er vollständig sein, denn auch in der folgenden Zeit war H. C. Bodmer stets auf dem internationalen Autographenmarkt vertreten. und konnte seiner Sammlung zahlreiche wert- volle Re hinzufügen. Noch in seiner letz- Meg Eliot Roman von Angus Wilson Ins Deutsche übertragen von Helmut Lindemann Copyright by Insel-Verlag, Wiesbaden. 40 Es lag Meg auf der Zunge, etwas spitz zu sagen: ‚Ihre Schüchternheit haben Sie aber ganz verloren, nicht wahr?‘, doch hielt sie noch rechtzeitig inne.„Ich habe mich oft dar- über gewundert, daß Sie einen Posten bei einer freiwilligen. Organisation übernommen ‚haben, Mr. Darlington‘“, sagte sie,„Ich bin ziemlich sicher, daß ich mich an Ihrer Stelle im Innenministerium oder bei einer Kommu- nalbehörde wohler fühlen würde.“ Er blickte sie belustigt an.„Sie reden wie mein Vater“, sagte er.„Ich vermag beim ‘besten Willen nicht einzusehen, worin der Unterschied liegen soll, ob etwas zur privaten Wohltätigkeit zählt oder nicht. Lediglich manche sehr großen Sachen klappen besser, wenn der Staat sie betreibt. Aber für wen man nun arbeitet— vermutlich sind Inspekteure des Innenministeriums und dergleichen bes- ser, sie haben eine Ausbildung hinter sich; aber genau wie Gewerkschaftsfunktionäre verlieren sie den Kontakt zu der eigentlichen Arbeit. Und warum sollten Gemeinderäte bes- ser sein als ein freiwilliger Ausschuß? Außer- dem ist es besser, daß freiwillige Wohltätig- keitsvereine, solange es sie überhaupt gibt, richtig ausgebildete Angestellte haben.“ Meg sagte:„Obwohl ich für die ‚Alters- hilfe‘ gearbeitet habe, muß ich sagen, daß ich stets gefunden habe, sie sollte eine staat- r& Grey Control Chart Green Yellow Red Magenta