HITLERS| SUCH DER AUSROTTUNG. DERJUDE PAS 1939, MS, „Die Endlösung der Judenfrage” war der Deckname für Hitlers Plan zur Ausrottung des europäischen Judentums. Wie nahe dieser Plan seiner Vollendung kam, ist allgemein bekannt, eine vollständige und objektive Übersicht über die Geschehnisse, die in ihrer Gesamtheit das dunkelste Kapitel der neueren Geschichte bilden, lag jedoch bisher in deutscher Sprache nicht vor. Gerald Reitlinger hat es unternommen, aus den Be- richten Überlebender, aus den Zeugenaussagen der an den Kriegsverbrecher-Prozessen Beteiligten und aus den zumeist geheimen Dokumenten der Archive des„Dritten Reiches” den tatsächlichen Ablauf der Ereignisse, die Verwaltungsmaschinerie der„End- lösung“ sowie das Leben und die Charaktere der- jenigen darzustellen, die an der Ermordung von Millionen jüdischer Menschen mitgewirkt haben. Es gibt kaum ein Land in Europa, auf das sich Hit- lers Pläne für die„Endlösung der Judenfrage” nicht ausgewirkt hätten, kaum eine Regierung, die sich nicht mit ihnen auseinanderzusetzen hatte. Inwie- weit die zumeist im Verborgenen sich abspielenden Intrigen innerhalb der einzelnen Regierungen und zwischen den deutschen Partei- und Staatsinstanzen Hitlers Absichten zur Ausführung verhalfen, inwie- weit sich unerwartete Schwierigkeiten in den einzel- nen Ländern der„Endlösung” entgegenstellten und die vollständige Ausführung von Hitlers Plan zu vereiteln vermochten— das aufzudecken, ist dem Verfasser ausgezeichnet gelungen. Das Buch, das hier im Vergleich mit dem englischen Original in einer erweiterten und ergänzten Aus- gabe vorgelegt wird, stützt sich vor allem auf die unzähligen, erhaltengebliebenen Dokumente und Schriftstücke, die eine direkte Mitwirkung der Ver- antwortlichen des„Dritten Reiches” an der„End- lösung“ unwiderleglich beweisen. Man kann Reitlingers Werk eine Studie der Tyran- nei nennen, man kann es als eine systematische Darstellung des vielleicht größten Verbrechens der Menschheitsgeschichte betrachten, man kann es als nüchterne Aufzeichnung des grauenhaften Schicksals auffassen, das über das europäische Judentum hereinbrach. Von welchem Gesichtspunkt immer man es betrachtet— es ist ein aufwühlendes Buch von dokumentarischem Wert, das mehr als ein Jahrzehnt nach Abschluß des grausigen Geschehens nichts von seiner Aktualität eingebüßt hat. Gerald Roberts Reitlinger wurde 1900 in London ge- boren. Nach dem Abschluß seiner Studien an der Universität Oxford war er eine Zeitlang Heraus- geber und Redakteur der Zeitschrift„Drawing and Design”. Seine Bücher„Ein Turm aus Schädeln“ und „Südlich der Wolken“ waren neben zahlreichen Auf- sätzen über archäologische Probleme das Ergebnis seiner ausgedehnten Reisen durch Westchina, Per- sien und den mittleren Osten. Das vorliegende Buch, zu dem ihm der erste Nürn- berger Prozeß die Anregung gab und an dem er mehrere Jahre gearbeitet hat, nennt der Verfasser „eine Studie über eine Episode der Geschichte, die als eines der größten Rätsel unserer Zeit betrachtet werden muß”. IIWIINM r 665 were P) RATE s RR He RE 7 UB GIESSEN INN 27 017.0 Gerald Reitlinger DIEENDLOSUNG Hitlers Versuch der Ausrottung der Juden Europas 1939— 1945 Ins Deutsche übertragen von J. W.Brügel BILL LOQUIUM VERLAGBERENEN Heike Duill arianne Cross Breidensteiner Weg 74 60489 Frankfurt Tel, 069/7893368 Die englische Originalausgabe erschien 1953 unter dem Titel The Final Solution— The Attempt to Exterminate the Jews of Europe 1939-1945 bei Vallentine, Mitchell& Co., Ltd., London Alle Rechte der deutschen Ausgabe beim Colloquium Verlag Otto H. Hess, Berlin-Dahlem Satz und Druck: H. Heenemann KG, Berlin-Wilmersdorf Einband: Schöneberger Buchbinderei, Berlin-Schöneberg Schrift: Linotype-Buchfutura Buchausstattung: Georg Goedecker Frühjahr 1956- Printed in Germany Für Venetia damit sie es eines Tages liest und so von der Tragödie ihres Volkes erfährt Jahlem Vorwor Vorben Zur dei Teil I Erstes Kapitel Zweite: Kapitel Drittes Kapite Vierte: Kapite Fünfte Kapite Vorwort von Rudolf Hagelstange xl Vorbemerkung des Verfassers XV Zur deutschen Ausgabe XV Teil I Vorbereitung und Beginn der Endlösung 1 Erstes Die erzwungene Auswanderung und die Pogrome vor Kapitel dem September 1939 1. Die Nürnberger Gesetze und die Auswirkungen von München 3 2. Die Kristallnacht 12 3. Der Schacht-Plan und sein Versagen 21 4. Heydrich und Eichmann 26 5. Auswanderung nach Kriegsausbruch 82 Zweites Die Deportationen- September 1939-Oktober 1941 Kapitel 1. Die Festigung des deutschen Volkstums 36 2. Die ersten Deportationen nach Polen 45 3. Deportationen innerhalb des Generalgouvernements 54 Drittes Die Ghettos- 1940-1942 Kapitel 1. Ausschaltung aus der Wirtschaft 59 2. Der„Judenstaat” 65 3. Jüdische Arbeit und Arbeitslager im Generalgouvernement 75 Viertes Die Deportationen nach Lodz und Rußland Kapitel Juni 1940-Januar 1942 1. Die Folgen des Sieges im Westen 80 2. Der Führerbefehl 89 3. Die Deportation der Juden aus dem Reich nach Lodz 94 4. Die Deportationen nach Rußland 101 Fünftes Die Wannsee-Besprechung und der Auschwitz-Plan Kapitel 1. Die Wannsee-Besprechung 105 2. Der Name Auschwitz taucht auf 110 3. Der Auschwitz-Plan 116 4. Auschwitz in Aktion 127 Inhalt Vi Sechstes Kapitel Siebentes Kapitel Teil II Achtes Kapitel Neuntes Kapitel Zehntes Kapitel Elftes Kapitel Zwölftes Kapitel Dreizehnies Kapitel Die Gaskammern 1.„Die Gemeinnützige Stiftung” 2. Die polnischen Todeslager und ihre Entwicklung 3. Zyklon B gegen Auspuffgase Das Schicksal der Juden aus dem Reich und der Kampf um Ausnahmebehandlung 1. Die Deportationen aus dem Großdeutschen Reich Januar 1942-Mai 1943 2. Theresienstadt, das privilegierte Ghetto 3. Sterilisierung Die Durchführung der Endlösung Die Sowjetunion I: Die Einsatzgruppen 1. Die Befehlshaber 2. Das Labyrinth der Kompetenzen 3. Die Mitschuld der Wehrmacht 4. Die Verantwortung der Zivilisten und die russischen Ghettos 5. Henker und ihre Methoden ie Sowjetunion Il: Die Massaker 1. Die baltischen Staaten 2. Weißrußland 3. Die Ukraine 4. Die Küste des Schwarzen Meeres, die Krim und der Kaukasus Aktion Reinhard: Die Ausrottung der Juden in Polen im Jahre 1942 1. Die Aktion beginnt- Chelmno 2. Die Aktion breitet sich aus- Belzec 3. Die Umsiedlung in Warschau 4. Der Plan wird geändert Die Liquidierung der russischen und polnischen Ghetios 1943-1944 1. Der Aufstand im Warschauer Ghetto 2. Die Liquidierung der übrigen Ghettos in Polen und Rußland 3. Die Ghettos werden durch Arbeitslager ersetzt 4. Die Russen dringen wieder in Polen ein Frankreich 1. Das Werben um Vichy 2. Die große Razzia vom Juli 1942 3. Die italienische Intervention 4. Die Endlösung scheitert Andere westeuropäische Länder 1. Holland 2. Belgien 3. Dänemark und Norwegen 4. Italien 137 148 162 173 185 194 203 205 215 220 225 230 239 248 256 269 274 28] 287 297 306 316 330 337 344 351 363 368 372 388 391 399 Vierzt Kapit Fünfz: Kapik Sechz Kapike Siebz Kapit Epiloc Anhaı Anhaı Zeitta Biblio Quell Regisi Regis 05 Vierzehntes Jugoslawien, Griechenland, Bulgarien Kapitel 1. Jugoslawien: Das Ghetto von Belgrad 2. Jugoslawien(Kroatien) 3. Griechenland 4. Bulgarien Fünfzehntes Die Slowakei und Rumänien Kapitel 1. Die Slowakei 2. Rumänien übernimmt die Endlösung 3. Rumänien verwirft die Endlösung Sechzehntes Ungarn Kapitel 1. Vor der deutschen Intervention 2. Die Deportierungen 3. Das Ende der Deportationen nach Auschwitz 4. Schachergeschäfte um Menschenleben 5. Die letzten Deportierungen und der Fall von Budapest Siebzehntes Das Judentum im Zusammenbruch des Dritten Reiches Kapitel 1. Das Ende von Auschwitz 2. Die Intervention des Roten Kreuzes 3. Himmler bricht sein Wort 4. Götterdämmerung Epilog Anhang I Statistische Zusammenfassung der Endlösung Anhang II Das Schicksal einiger der für die Endlösung Verantwortlichen Zeittafel der Endlösung Bibliographie Quellenverzeichnis Register der Personennamen Register der Ortsnamen Karten 1. Das Gebiet Vorkriegspolens nach der Zerstückelung(1941-1944) 2. Sowjetunion und die Grenzen der deutschen Besetzung (1941-1942) 3. Groß-Ungarn, die seit 1938-1944 angegliederten Gebiete und deren jüdische Einwohner 4. Die wichtigsten Konzentrationslager zu Kriegsende 509 524 534 541 549 557 574 595 610 624 678 692 47 211 471 513 UnVe dies Ein Vorwort Der Deutsche, der dieses Buch— das Buch eines Engländers— in die Hand nimmt, hat ein gewisses Recht darauf zu argwöhnen: die hier abgehandelte Frage werde erhoben und beantwortet, damit ein Schatten falle auf das, was man gemeinhin und sehr vage den deutschen Namen nennt. Wer den Mut hat— und jeder, dem das Deutsche mehr als eine unverbindliche Vokabel ist, sollte solchen Mut aufbringen—, dieses Buch zu lesen, wird es bald innewerden, daß es ge- schrieben wurde, damit ein Licht falle, ein Licht auf Vorgänge, die sich Jahre hindurch im Dunkel oder im Zwielicht abspielten und von denen die Welt früher sprach, als wir selbst hätten von ihnen sprechen können. Diese Vorgänge waren an sich so ungeheuerlich und im echten Sinn des Wortes unglaublich, daß jeder fühlende Mensch sich über sie entsetzen muß, und ihre Urheber und Akteure waren darum auch mit Fleiß bedacht gewesen, den Kreis der Wissen- den so eng wie nur möglich zu ziehen. Einige von ihnen haben, angesichts des Todes oder des Richters, das Furchtbare ihres Handelns eingesehen und sind von Reue gepackt worden. Die meisten von ihnen jedoch— soweit sie überhaupt irdischer Gerechtigkeit zugeführt werden konnten— haben versucht, ihre Verantwortung einzuschränken oder gar zu leugnen. Beide Re- aktionen freilich bestätigen ein und dasselbe: daß niemand verantworten kann, was an Millionen von Menschen geschah, deren einziges Vergehen es war, Jude zu sein. Es ist dem Menschen von der Natur her ein Maß gegeben für das, was er fassen und begreifen kann. Er nennt„unmensch- lich“, was über dieses Maß hinausgeht, und diese Vokabel wird von ihm schon angewandt, wenn es um das Verbrechen eines xl Menschen an einem anderen geht. Welche Vokabel aber soll der Mensch anwenden, wenn es um den bestialischen Mord an Millionen geht? Wie soll er ein Schicksal wägen, dessen Sum- mierung das Gegenständliche schon ins Abstrakte, das Indivi- duelle in die Arithmetik zu verweisen scheint? Niemand unter allen Zeitgenossen hat das Maß, Leid und Schuld zu messen, die mit der sogenannten Endlösung der Juden- frage verbunden sind. Und niemand kann ein Maß der Sühne für diejenigen setzen, die maßlos Verbrechen auf sich häuften. Niemand kann je„wiedergutmachen” und niemand kann je ver- gessen machen, was geschehen ist. Es ist in einem tragischen Sinne„Geschichte“ geworden, ein überindividuelles, die Gesell- schaft angehendes Faktum— und das heißt: es ist in erster Linie ein Komplex, mit dem sich das deutsche Volk zu befassen hätte. Das deutsche Volk aber— das ist die Summe der Indivi- duen, die es in ihrer Gesamtheit ausmachen. So sehr also diese Begebnisse auch das Maß des einzelnen übertreffen, so unausweichlich kehren sie doch immer wieder zum einzelnen zurück. Eine Regierung, ein Parlament mögen stellvertretend für„das Volk“ sprechen oder handeln— in mora- lischen Bereichen entscheidet der einzelne für sich selbst. Und wenn ihn das auch von der Schuld, die Regierende auf sich häufen, entbinden könnte— es belastet ihn mit der Verantwor- tung, die der Mensch für sich und seinen Nächsten trägt, wenn er im Besitze seiner Handlungsfreiheit ist. Wenn wir unterstellen, daß zwar viele Deutsche einem anti- semitischen Ressentiment, das ihnen sozusagen behördlich ver- schrieben wurde, erlegen waren, aber die meisten von diesen die praktischen Folgen dieses Ressentiments nicht billigen, so bestätigt das Verhalten der meisten Deutschen nach dem Kriege den Widerspruch, der hier obwaltet: Dem Ausweichen vor dem Zu-Ende-Denken der Dinge, als sie sich anbahnten, entspricht — bei sehr vielen zumindest— das Ausweichen vor dem Zurück- Denken. Jedermann versichert, daß er„anständig“ sei, aber nie- mand gesteht gern ein,„unlogisch“” gewesen zu sein oder ge- handelt zu haben. Und so ist denn, wenn wir ohne Schönfärberei und opportunistische Rücksichten dem Sachverhalt ins Auge sehen, das schreckliche Geschehen der Lager, Exekutionen, Gas- wagen und Verbrennungsöfen ein Tabu geworden: Weil man xl divi- und den- ühne ften. ver- chen bsell- erster hssen divi- elnen leder gen orQ- Und - sich fwor- wenn antı- ver- jesen n, so riege dem jricht rück- - nie- r ge- berei \uge Gas- man dies nicht gewollt hatte, rührt man es nicht an. Man will„damit nichts zu tun haben“. Es scheint, daß erst das Phänomen des Kommunismus der freien Welt allmählich den Sinn geschärft hat für die„Möglichkeiten“, die der Bürger einer totalitären Diktatur hat bzw. nicht hat. Als vor elf Jahren die fürchterliche Hinterlassenschaft Hitlers be- seitigt werden mußte, lebten viele unserer Richter und Umerzieher noch in der Vorstellung, es habe nur am„guten Willen“ der Deutschen gelegen, daß vieles geschehen konnte und manches unterblieb. Das war der„Aufarbeitung“ dieses Komplexes nicht eben zuträglich, um so weniger, als diese Vorstellung zu falschen Schlüssen führen mußte. Aber— die Welt hat hinzugelernt über manches, das die Zwischenzeit lehrte, und die Frage tritt auf: ob auch wir Deutschen zu wachen Sinnen gekommen sind in dieser Zeit, ob wir— ein jeder für sich selbst— das furchtbare Ge- schehen begriffen haben und ob wir, über die Geste einer rhe- torischen Verdammung hinaus, die Unerbittlichkeit der Fakten in unsere Existenz aufzunehmen, sie zu„verarbeiten“ bereit sind. Oder: ob wir, indem wir sozusagen geschlossenen Auges blind an diesen Vorgängen vorübergehen, den Verdacht mancher be- stätigen, die da meinen, das deutsche Volk„verdränge” das Lästige aus seinem Bewußtsein und gebe dadurch zu erkennen, daß es an dieser Frage versage. Wissen und Bewußtsein kommen aus der gleichen Wurzel, und wer sich einer Sache bewußt werden will, muß um sie wissen wollen. Der Anspruch eines Volkes, als Kulturvolk zu gelten, wird allein legitimiert durch die Teilnahme aller seiner Glieder an den sittlichen Fragen der Zeit, durch gemeinsame Verantwortung und durch verbindliches Urteil. Der tragische Stoff dieses Buches, seine erschütternden Fakten werfen diese drei genannten Fragen an uns auf: nach unserer Teilnahme, unserer Verantwortung, un- serem Urteil. Der Deutsche also, dem es ernst ist um die Würde und Ehre seines Volkes, kann dem in diesem Buche abgehandel- ten Komplex nicht ausweichen, wird ihm nicht ausweichen. Es sollte die Begierde seines Geistes, seiner Seele sein, sich für einige Stunden dem Soge täglicher Geschäfte zu entziehen und die düstere Fahrt anzutreten zu den toten Seelen von Millionen seinesgleichen, die unschuldig hingemordet wurden, weil ein Tyrann es befahl, der in unserem Namen zu handeln vorgab. So xıll düster diese Fahrt und so beklemmend auch die Begegnung mit diesen geopferten Seelen sein mag— unsere Seele, die Seele unseres Volkes wird ihren Frieden und die Gewißheit ihrer selbst nicht wiederfinden können ohne diesen Schattengang, der uns das Licht erst kostbar und rein machen wird, in dem wir gehen. Hier gilt das Wort vom Schaden an der Seele, vor dem der Ge- winn der ganzen Welt ein Nichts wäre. Rudolf Hagelstange Bei m Beleg ich vi mich geben Worte Herrn Librar für do hat m und ganz persö ich mi arbeit Frau| Nach viele manc Dank brifisd 199| Ständ PNung mit Ie Seele rer selbst u der uns T gehen, N der Ge- Belstange re en ir TTS TEE Te ae Vorbemerkung des Verfassers Bei meiner Suche nach dokumentarischem Material und nach Belegen für die in diesem Buch aufgestellten Behauptungen habe ich von vielen Seiten wertvollste Hilfe erhalten, und ich fühle mich verpflichtet, hier meiner Dankbarkeit dafür Ausdruck zu geben. Worte des Dankes muß ich in erster Linie an die Adresse von Herrn Dr. Alfred Wiener richten, der die Londoner„Wiener Library“ gegründet hat und leitet. Dieses einzigartige Zentrum für das Studium der zeitgenössischen Geschichte Mitteleuropas hat mich mit einer Riesenfülle von gedruckten Quellen versorgt und meine ungezählten Rückfragen geduldigst beantwortet— ganz abgesehen davon, daß ich ohne die Hilfe von Dr. Wieners persönlicher Erfahrung und ohne seinen Rat die Aufgabe, die ich mir gesetzt hatte, kaum hätte erfüllen können. Von den Mit- arbeiterinnen Dr. Wieners in der Bibliothek schulde ich vor allem Frau Dr. Eva G. Reichmann Dank. Sie hat für mich die deutsche Nachkriegspresse genau verfolgt und meine Aufmerksamkeit auf viele Berichte über Gerichtsverhandlungen gelenkt, die Licht auf manche in meinem Buch dargestellten Ereignisse werfen. Dank schulde ich weiter Mr. E. J. Passant, dem Bibliothekar des britischen Außenministeriums, für die Bewilligung, in den Jahren 1949 und 1950 die einzige, damals in England vorhandene, voll- ständige Sammlung der Protokolle und Beweisstücke der einzel- nen Nürnberger Prozesse studieren zu dürfen. In diesem Zu- sammenhang muß ich auch dem Abgeordneten F. Elwyn-Jones, der sowohl inNürnberg als auch im Hamburger Manstein-Prozeß der britischen Anklagebehörde angehörte, meinen Dank aus- XV sprechen. Er war so freundlich, mir eine fast vollständige Samm- lung der auf die Verfolgung der Juden Bezug habenden Beweis- stücke leihweise zur Verfügung zu stellen, die aus den riesigen Aktenbündeln des Wilhelmstraßen-Prozesses ausgewählt waren. Keines dieser Dokumente ist bisher im Druck erschienen. Während meines Studienaufenthaltes in Paris habe ich von den Mitarbeitern des„Centre de Documentation Juive Contempo- raine“ sehr ausgiebige Hilfe erhalten. Die ungezählten Originale und Photokopien, die sich im Besitz des Archivs befinden, haben mich in die Lage versetzt, manche Lücken zu füllen. Ganz beson- ders zu Dank verpflichtet bin ich dem Archivar des„Centre“, Leon Poliakov. Mir sind nicht nur seine persönlichen Ratschläge außerordentlich zugute gekommen; die von ihm besorgten doku- mentarischen Veröffentlichungen des„Centre“ waren für mich von unschätzbarem Wert, da ich mich auf das in den Büchern „L’'Etoile Jaune“ und„La Condition des Juifs en France sous l'Occupation Italienne“ und in der Monatsschrift„Le Monde Juif“ enthaltene Material weitgehend stützen konnte. Leon Poliakovs eigenes Buch„Breviaire de la Haine”, der erste syste- matische Versuch zur Schilderung der„Endlösung”, erschien, als etwa drei Viertel meines Werkes zu Papier gebracht waren. Beide Bücher behandeln die gleiche Materie, wenn auch, wie ich glaube, auf verschiedene Weise, so daß sie einander gewisser- maßen ergänzen. Leon Poliakov läßt vor allem die Dokumente sprechen, und zwar in sehr wirkungsvoller Weise. Bei mir bilden die Dokumente mehr den Hintergrund der Darstellung des Ge- schehens. Zu außerordentlichem Danke bin ich den Mitarbeitern des Amsterdamer„Rijksinstituut voor Oorlogsdocumentatie“ und vor allem dem Leiter des Instituts, Dr. Louis de Jong, für ihre Unter- stützung verpflichtet, weiter der Dänischen Botschaft in London für die Überlassung des Protokolls des Prozesses Best sowie einer Reihe von Einzelpersonen. Dr. Norbert Masur, Stockholm, war so freundlich, mir eine deutsche Übersetzung seines in schwedischer Sprache erschienenen Berichtes„En Jood talar med Himmler“ zu überlassen. Fräulein Helga Melchior(Stockholm) stellte mir eine englische Fassung der höchst wertvollen Dar- stellung zur Verfügung, die Majer Neuman aus Volove(Kar- patorußland) über seine Erlebnisse zu Papier gebracht hat. xVl Mr. Jo Ameri wahrs Gasko tionär Mitteil Dr. H. Ausch gewid Buche: Schliel Manu herau ausw‘ Mr. F dem| Beckle Ydige Samm- (den Beweis. en Fiesigen wählt Waren, nen, ich von den ' Contempo- en Originale inden, haben Ganz beson- es„Centre”, n Ratschläge orgten doku- ren für mich den Büchern France sous „Le Monde onnte. Leon r erste syste- ‚erschien, als racht waren. auch, wie ich der gewisser- e Dokumente ei mir bilden lung des Ge- ırbeitern des atie‘ und vor ör ihre Unter- „ft in London s Best sowie Jr, Stockholm, ng seines I ‚od talar med (Stockholm) rtvollen Dar- Volove(Kar- acht hat, Mr. Joseph Zigman aus der Informationsabteilung des Amtes des Amerikanischen Hohen Kommissars in Deutschland hat mir die wahrscheinlich einzigen vorhandenen Filmaufnahmen aus einer Gaskammer zugänglich gemacht. Dr. Gaddo Glass, ein Funk- tionär der Triester Jüdischen Kultusgemeinde, hat mir wichtige Mitteilungen über das Schicksal der Juden aus Triest gemacht. Dr. H. G. Adler, einem Überlebenden von Theresienstadt und Auschwitz, möchte ich dafür danken, daß er das Theresienstadt gewidmete Kapitel nach Erscheinen der englischen Ausgabe des Buches für die deutsche Ausgabe korrigiert hat. Schließlich möchte ich für die sachkundige Überprüfung des Manuskripts Mr. Barry Sullivan sowie Mr. Kenneth Duke, Mit- herausgeber der offiziellen Publikation„Akten zur deutschen auswärtigen Politik, 1918—1945” danken. Mein Dank gilt auch Mr. H. C. Stevens, der für mich dokumentorisches Material aus dem Polnischen übersetzt hat. Gerald Reitlinger Beckley, Sussex 2 XV Er N [ j | | B ! | EEE En Zur deutschen Ausgabe Mit der deutschen Ausgabe des vorliegenden Buches liegt eine gegenüber dem englischen Original wesentlich erweiterte und zeitlich sowie sachlich ergänzte Fassung vor. Die Hauptschwie- rigkeit des Übersetzers war, innerhalb der verhältnismäßig kurzen Zeit, die er zur Verfügung hatte, den ursprünglichen deutschen Wortlaut unzähliger, in dem Buch zitierter Aussagen, Briefe, Befehle und anderer Aktenstücke zu finden. Bei weitem nicht alles liegt gedruckt vor, und auch das ist oft schwer er- reichbar. Wenn es gelungen ist, die Zahl der unvermeidlichen Rücküber- setzungen auf ein Mindestmaß herabzudrücken, ist das der freundlichen Mithilfe einer Reihe von Institutionen zu danken. Der Übersetzer möchte sich hier dem Dank anschließen, den der Verfasser der Londoner„Wiener Library“ ausgesprochen hat. Sie ist nicht nur eine Fundgrube an Material, sondern auch ein Vorbild an Hilfsbereitschaft. Teils durch ihre Vermittlung, teils direkt war es möglich, Hilfe von anderen Instituten zu erhalten, von denen hier das„Rijksinstituut voor Oorlogsdocumentatie” in Amsterdam, das„Centre de Documentation Juive Contempo- raine“ in Paris und das„YIVO-Institut” in New York dankend erwähnt seien. Der Übersetzer ist der Bibliothek des„Institute for Advanced Legal Studies“ der Londoner Universität und der Studienbibliothek des britischen Außenministeriums zu beson- derem Dank verpflichtet. In der ersteren konnte er das(ge- druckte) deutsche Protokoll und Beweismaterial des Nürnberger Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher, in der letzteren die (ungedruckten) deutschen Protokolle und Beweisstücke der ande- xVill ren NÜ ren AU in Mün Frou L für ihr Durchfi Das nu Gerald land,| vom| Juden! halb I Wirku bekan lische\ heraus fassers zen,\ könne: Einzelı Materi Neue hes liegt eine Fweiterte und Hauptschwie- rhältnismäßlig rsprünglichen er Aussagen, 1. Bei weitem oft schwer er- en Rücküber- ist das der n zu danken. ßen, den der sprochen hat. Jern auch ein mittlung, teils 1 zu erhalten, umentatie” in e Contempo- /ork dankend des„Institute ‚sität und der ns zu beson- er das(ge s Nürnbergef - Jetzteren die ke der onde- ren Nürnberger Gerichtsverhandlungen studieren. Wo alle ande- ren Auskunftsmittel versagten, ist das„Institut für Zeitgeschichte” in München hilfreich in die Bresche gesprungen. Frau Löwenthal aus Dr. Wieners Mitarbeiterstab sei schließlich für ihre Mitarbeit beim Überprüfen des Materials und bei der Durchführung der Korrekturen herzlich gedankt. J. W. Brügel Das nunmehr in deutscher Übersetzung vorliegende Werk von Gerald Reitlinger„Die Endlösung” erschien bereits 1953 in Eng- land. Es enthält eine umfassende Darstellung der Vorgänge, die vom nationalsozialistischen Regime als„Die Endlösung der Judenfrage” bezeichnet wurden. Das Buch erzielte auch außer- halb Englands, vor allem in der angelsächsischen Welt, starke Wirkungen. In Deutschland war Reitlingers Arbeit bisher kaum bekannt. Ich hielt es daher für eine publizistische und eine mora- lische Verpflichtung, das Werk in einer ungekürzten Übersetzung herauszubringen, wenn auch manche Schlußfolgerungen des Ver- fassers, wie zum Beispiel die hinsichtlich der deutschen Ostgren- zen, von der deutschen Öffentlichkeit nicht geteilt werden können. Einzelne sachliche Richtigstellungen wurden auf Grund neuen Materials im Einvernehmen mit dem Verfasser vorgenommen. Neue Tatsachen wurden als Fußnoten hinzugefügt. O.H.Hess = XIX Teil I Vorbereitung und Beginn der Endlösung 1. Die „Endl | zur A | tenn Ausst stand inver offen wahr: druck Was Hitler gab, ständ rung gefüt zuzu! die B Gewi Zuge unhe riale die| "Esse Entdec Erstes Kapitel Die erzwungene Auswanderung und die Pogrome vor dem September 1939 1. Die Nürnberger Gesetze und die Auswirkungen von München „Endlösung der Judenfrage“ war ein Deckname für Hitlers Pläne zur Ausrottung der Juden Europas. Er wurde von deutschen Beam- ten nach dem Sommer des Jahres 1941 gebraucht, um das direkte Aussprechen der Tatsache zu vermeiden, daß solche Pläne be- standen; aber der Ausdruck war auch vorher schon ziemlich lose in verschiedenen Zusammenhängen verwendet worden, wobei man offenkundig immer Auswanderung im Sinne gehabt hatte. Es ist wahrscheinlich, aber keineswegs sicher, daß die Wahl des Aus- drucks von Adolf Hitler selbst getroffen worden war. Was verstand Hitler unter dem„jüdischen Problem“? Ein Blick in Hitlers Reden und Schriften zeigt, daß es zwei jüdische Probleme gab, die, wiewohl Hitler sie miteinander verknüpfte, ganz selb- ständige Behandlung verlangten. Da war zunächst die„Verschwö- rung des Weltjudentums”, unter der Hitler die Macht der jüdisch geführten internationalen Finanz verstand, Deutschland Schaden zuzufügen. Sie hätte die Kräfte der Welt gegen den Kaiser* auf die Beine gebracht, sie hätte das Diktat von Versailles auf dem Gewissen, sie hätte Deutschland zwischen den beiden Kriegen den Zugang zu seinen natürlichen Märkten versperrt und es durch eine unheilige Allianz mit dem Bolschewismus um berechtigte territo- riale Forderungen geprellt. Dann gäbe es die„jüdische Unterwelt”, die jüdischen proletarischen Massen, die aus den Reservoiren Ost- * Es sei hier vermerkt, daß Wilhelm Il., der im allgemeinen nicht als Antisemit galt, diese Entdeckung etwa zur gleichen Zeit wie Adolf Hitler machte. Dr. Friedrich Schmidt-Ott, ein früherer preußischer Kultusminister, hatte den Exkaiser 1921 in Doorn inter- viewt und berichtete darüber:„Er war davon überzeugt, daß der Weltkrieg durch die jüdischen Freimaurerlogen in Frankreich, England und Italien angezettelt worden sei, und er versah mich mit höchst fragwürdiger Literatur darüber”(Erlebtes und Erstrebtes, 1860-1950, Wiesbaden 1952, S. 195). m DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG europas westwärts drängten, deutsches Blut geschändet hätten und dies immer noch tun würden, wenn man ihnen nicht entgegenträte. Hitler war, wie wir sehen werden, der Meinung(Seite 26), daß der Sieg Deutschlands in einem zweiten Weltkrieg die Austilgung des Weltjudentums als eines politischen Faktors bedeuten würde. Er glaubte auch, daß ein solcher Sieg die physische Ausrottung der jüdischen Massen dort, wo man auf sie stoßen würde, zur Folge hätte. Die erstere Absicht könnte, meinte er, nur nach einem totalen Sieg auch über einen anderen Kontinent ausgeführt werden, weil die Wurzeln des„Weltjudentums“ sich in der westlichen Hemi- sphäre befänden, während die physische Ausrottung auch durch einen teilweisen oder vorübergehenden Sieg ermöglicht werden könnte, da das biologische Zentrum des europäischen Judentums nicht weit von Deutschland entfernt lag. Darum gab Hitler in einem verhältnismäßig frühen Stadium seiner Eroberungen alle seine Pläne, die kapitalistische Macht des Weltiudentums zu brechen, zugunsten eines Massakers jener europäischen Juden auf, die in seine Netze gerieten. Hitler ließ sich von seinem„Gefühl“ oder seiner Intuition leiten, der leichteren Beute, dem proletarischen Ju- den, nachzugehen und weitgehend gerade jene Art von Juden zu schonen, gegen die er seine schärfsten Angriffe richtete. Es war in jedem Stadium sowohl der Deportierung als auch des Massakers für Juden, die über geheime Kapitalien verfügten, möglich, sich ihr Leben zu erkaufen. Vor Hitlers eigenen Augen vollzogen sich die größten Geschäfte um das Entwischen vor dem den Juden bereite- ten Los. Je ärmer die Gemeinschaft der östlichen Juden war, um so grausamer und vollständiger erfolgte ihre Ausrottung, aber in Deutschland waren soziale Stellung und akademische Grade unter Umständen selbst im Konzentrationslager der Titel für das Über- leben eines Juden. Obwohl Hitler während des ganzen Krieges seine Schimpfkanonaden gegen das„Finanzjudentum“ fortsetzte, hat er trotzdem niemals ernstlich versucht, die Gestapo an dem Schacher um das Leben begüterter Juden zu hindern. Der Grund dafür war nicht nur, daß Hitler den Weg des gering- sten Widerstandes gehen wollte. Er ist auch darin zu suchen, daß Hitler, je mehr er in der Führung des„totalen Krieges” aufging, das Interesse an den teuflischen Dingen verlor, die er ins Werk ge- setzt hatte. Die Frage, ob es in Südosteuropa Gebiete gab, in denen die Ausrottung der Juden nicht vollständig vor sich gegangen war, 4 ERSTES I oder 0 die sich in der‘ zu seil und int überle anerke diktien setzt h die ihn allen( stände gange nicht Mitte der S/ in die Lands von d volufic desser waffne natürli die un der Po „Reich über« werde oder( Netz ı halb c parake eines Schluf gab, Üben elwas der rı Wund DER ENDIOSUNG det hätten und entgegenträte, te 26), daß der Austilgung des ten würde, Er \usroftung der rde, zur Folge | einem totalen ! werden, weil stlichen Hemi- ng auch durch öglicht werden hen Judentums Hitler in einem gen alle seine 15 zu brechen, Jen auf, die in „Gefühl” oder letarischen Ju- t von Juden zu tete. Es war in des Massakers nöglich, sich ihr Izogen sich die ‚ Juden bereite- den war, um so yttung, aber in he Grade unter | für das Über- yanzen Krieges tum“ fortsetzte, estapo an dem rm. /eg des gering: zu suchen, da jeges” aufgingı er ins Werk ge: ob,in denen war, fe g gegangen ERSTES KAPITEL 1. DIE NURNBERGER GESETZE oder ob es selbst in seiner Reichshauptstadt noch Volljuden gab, die sich auf freiem Fuß befanden, beschäftigte ihn kaum noch. Nur in der Zeit vor Kriegsende scheint er sich dessen bewußt geworden zu sein, inwieweit seine Befehle unausgeführt geblieben waren und inwieweit das Judentum Europas die Ausrottungsmaßnahmen überlebt hatte, eine Tatsache, die er in dem politischen Testament anerkannte, das er am 30. April 1945 im Bunker der Reichskanzlei diktierte(Seite 541). Da er nun einmal das Teufelswerk in Gang ge- setzt hatte, gab sich Hitler mit der Annahme zufrieden, daß dieses die ihm zugedachte Aufgabe auch wirklich voll erfülle— und nach allen Gesetzen der Logik hätte es das unter den gegebenen Um- ständen auch wirklich tun müssen. Ein kurzer Rückblick in die Ver- gangenheit scheint daher notwendig, um zu erklären, warum das nicht der Fall war. Mitte 1934 waren die zwei Millionen Braunhemden, die Mitglieder der SA(„Sturmabteilungen”), der Kampftruppe der Partei, waren, in die Hände einer von Hauptmann Röhm, einem Abenteurer und Landsknecht, geführten radikalen Gruppe geraten. Erschreckt von dem Gespenst einer wahren Revolution innerhalb seiner Re- volution, ließ sich Hitler von Göring dazu überreden, Röhm und dessen Gefolgschaft massakrieren zu lassen und die SA zu ent- waffnen. Die Kontrolle der Polizeikräfte des Reiches ging nun auf natürlichem Wege auf Hitlers Leibgarde, die„Schutzstaffeln“, über, die unter dem Namen„55“ besser bekannt sind. Diese Elitetruppe der Partei stand seit 1929 unter der Führung Heinrich Himmlers. Als „Reichsführer SS“ bemächtigte sich Himmler 1934 der Herrschaft über eine Organisation, die nur als„Staat im Staate” bezeichnet werden kann. Ihr war nicht nur Heydrichs politische Geheimpolizei oder Gestapo eingegliedert und damit das ganze weitverzweigte Netz des deutschen Polizeisystems, sondern Himmler baute inner- halb der nächsten fünf Jahre immer neue Abteilungen des SS-Ap- parates auf, von denen jede einen Aufgabenkreis hatte, der dem eines bestimmten Regierungsamtes entsprach. Das Netz war zum Schluß nahezu lückenlos, so daß es kaum eine Sphäre des Lebens gab, die bewaffnete Macht nicht ausgenommen, die frei von einer Überwachung durch die Polizei war. Dieser„Staat im Staate” war etwas, was Hitler niemals im Sinne gehabt hatte. Er konnte nur mit der russischen NKWD verglichen werden, für die Hitler keine Be- wunderung hegte. Hitler war sich der Gefahren bewußt, die dieser 5) T—— DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Organismus mit sich bringen konnte, weshalb er einen Mann an dessen Spitze behielt, der kein Mitglied seines engeren Kreises war und dessen Schritte ihm von eifersüchtigen Parteigenossen immer hinterbracht worden wären. 1929, als die SS noch ein Bestandteil der SA war, hatte die Funk- tion des Reichsführers keine allzu große Bedeutung, und sie fiel an Himmler, weil er der farbloseste aller Parteibonzen war. Willi Höttl, ein Mitarbeiter des ausländischen Nachrichtendienstes der Gestapo, hat die bemerkenswerte Theorie entwickelt, daß die un- geheuere Macht, über die Himmler zu einem späteren Zeitpunkt verfügte, für ihn von Heydrich— seinem Untergebenen— zur Tarnung seiner eigenen Tätigkeit erobert worden war und daß es Hitler beliebte, Himmler auch nach Heydrichs Tod beizubehalten, da er in Himmler eine bloße Puppe sah und ihn für leicht zu be- handeln hielt 1. Das ist wahrscheinlich eine halbe Wahrheit. Ob- wohl er keine starke Persönlichkeit und weniger skrupellos war, dürfte Himmler ein tüchtigerer Intrigant und Postenjäger als Hey- drich gewesen sein, der sich immer offen als der übelgelaunte und unbeherrschte Gewalimensch gab, der er war, und kaum je dazu gekommen wäre, Himmler ersetzen zu dürfen. Der Schlüssel zu der rätselhaften Rolle Heinrich Himmlers ist in seiner körperlichen Erscheinung zu finden. Während Heydrich wie ein Held der Nachtlokale aussah, vermittelte Himmler den Ein- druck, als habe man es mit einem untergeordneten Bankbeamten zu tun. Dazu kam, daß Himmler, obwohl er zweifellos beliebt war und über Organisationstalent verfügte, den Eindruck der Schüch- ternheit hervorrief. Er fühlte sich niemals wohl in der Gruppe der auserwählten nordischen Edelmenschen, die er instinktiv als seine Polizeisatrapen erkoren hatte**. In bezug auf Hitler litt Himmler an pathologischen Angstzuständen, und das allein machte ihn zu dem vollendeten Werkzeug zur Ausführung von Hitlers Plänen für die Behandlung der Juden, denn wenn er zögerte, und das kam * Quellenangaben finden sich kapitelweise auf den Seiten 624—677. ** Der offizielle kurze Lebenslauf Himmlers, der sich in der Veröffentlichung„Der Groß- deutsche Reichstag”(1943) findet, sagt, daß er während des ersten Weltkrieges im Alter von nur 17 Jahren ein Fahnenjunker war, der im 11. Bayrischen Infanterieregiment seine militärische Ausbildung genoß. Himmler selbst sagte Graf Bernadotte und Felix Kersten, daß er als Feldwebel in einer Schlacht mitgekämpft habe, aber Karl Gebhardt, der Leiter der Heilanstalt Hohenlychen, der Himmler seit dessen 12. Lebensjahr genau kannte _— Gebhardt war ein Schüler der Schule, an der Himmlers Vater Oberlehrer war—, stellt die Dinge wesentlich anders dar. Im Ärzteprozeß sagte er aus, daß Himmlers Vater, der ERSTES mehr‘ gandl lei, bt geben Abge: dessel Röhm: starke des el Jismus enterl der K desN lenke einer einer revoli werde halle. Banne niert, sein, Das 1934: sie un Einha späte: Gese die G erste daß 4 Sich Hausle leben Kerstei lers in von de Geners über j Spalte Caduc R ENDLOSUNG en Mann an Kreises war Ossen immer te die Funk- nd sie fiel an n war. Willi dienstes der ‚ daß die un- en Zeitpunkt enen— zur ir und daß es eizubehalten, leicht zu be- Yahrheit. Ob- rupellos war, iger als Hey- gelaunte und aum je dazu immlers ist in Heydrich wie nler den Ein- Bankbeamten os beliebt war 'k der Schüch- 3r Gruppe der nktiv als seine sr Jitt Himmler machte ihn zu Jers Plänen für ‚und das kam Hlichung„Der Groß- Yeltkrieges IM Alter ‚terigregimen e und Felix Kersten, bhardt, der t seine ERSTES KAPITEL 1. DIE NURNBERGER GESETZE mehr als einmal vor, dann brauchte Hitlers Hofstaat— der Propa- gandaminister Goebbels und Bormann, der Leiter der Parteikanz- lei, beide fanatische Judengegner— Hitler bloß einen Wink zu geben?. Abgesehen von seiner Bedeutung für den Aufstieg Himmlers und dessen Organisation hatte das Blutbad unter der Gefolgschaft Röhms vom 30. Juni 1934 noch einen anderen und nicht minder starken Einfluß auf die später einsetzende Politik der Ausrottung des europäischen Judentums. Der Machtantritt des Nationalsozia- liimus war eine politische Revolution ohne Vorhandensein einer enterbten Klasse, und die Juden bildeten nach dem Verschwinden der Kommunisten die einzige Zielscheibe, auf die die Anführer des Mobs, die„alten Kämpfer“ der SA, ihre animalischen Instinkte lenken konnten. In dieser Phase gab es jedoch keine Andeutung einer rassischen Ausrottung der Juden. Aber in der zweiten Phase einer Revolution, in der Phase der politischen Geheimpolizei, wird revolutionären Leidenschaften nicht mehr freier Lauf gelassen. Sie werden sozusagen rationiert. Es gibt keinen Krakeel in der Bier- halle mehr und kein willkürliches Paradieren von Uniformen und Bannern. Der Staatsfeind wird jetzt durch Polizeivorschriften defi- niert, und jedem Mann von echter Rasse und guter Gesinnung muß sein„Untermensch” als Opfer zugeteilt werden. Das war der Sinn des Sieges von Himmler und Heydrich im Juni 1934: Hermann Göring, der preußische Ministerpräsident, berief sie und gab ihnen den Auftrag, dem Treiben der„alten Kämpfer" Einhalt zu gebieten. Den Juden wurde das erst mehr als ein Jahr später klargemacht, als am 15. September 1935 die Nürnberger Gesetze veröffentlicht wurden, das teuflischste Gesetzeswerk, das die Geschichte Europas kennt. Aber selbst damals, als wohl zum erstenmal seit den Tagen des Feudalismus das Gesetz bestimmte, daß es zwei verschiedene Kategorien von Menschen gibt, waren sich wahrscheinlich die Juden in Deutschland kaum dessen bewußt, Hauslehrer in der bayrischen Königsfamilie gewesen war, seinen Sohn Heinrich für ein Leben als Landwirt vorbereitete. Ich halte das für sehr typisch für Himmler. Die von Kersten aufgezeichneten„Dschingis-Khan”-Tagträume, die durch Lektüre der Reden Himm- lers in Metz und Posen(siehe Seite 334) im Original studiert werden können, stammen von der Manier, sich der Gesellschaft, in der er sich bewegte, hauptsächlich der von Generälen der Polizei, anzupassen. Diejenigen, die Himmler gut kannten, sprachen sich über ihn im gleichen Sinne aus wie Dr. Gebhardt, der ihn„nicht originell, keine ge- spaltene Persönlichkeit, aber sehr fleißig” nannte(Frangois Bayle, Croix Gammee contre Caducee, Neustadt 1950, S. 219/220). DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG daß in den neuen Gesetzen von der Polizei veranstaltete Pogrome nach dem Muster des zaristischen Rußland vorgesehen waren. Die Nürnberger Gesetze hatten einen doppelten Charakter. Da gab es zunächst dasReichsbürgergesetz, das zwischen den„Reichs- bürgern“, die deutschen„oder artverwandten” Blutes sein muß- ten, und den„Staatsangehörigen“ unterschied, die Untertanen, aber keine Bürger waren. Ergänzt wurde es durch das„Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“, das sowohl ehelichen als auch außerehelichen Geschlechtsverkehr zwi- schen Angehörigen dieser beiden Menschenkategorien verbot. Das Reichsbürgergesetz war also das Grundgesetz. Die dreizehn Durchführungsverordnungen hierzu erlauben, die ganze Entwick- lung von Hitlers judenfeindlichen Maßnahmen zu verfolgen. Die dreizehnte und letzte von ihnen wurde erst am 1. Juli 1943 ver- öffentlicht, als das Reich theoretisch bereits„judenfrei“ war; sie machte die Juden vollkommen vogelfrei, lieferte sie der Gnade der Polizei aus und versagte ihnen ferner jeden Zutritt zu den Gerichten*. Kurz vor der Münchener Konferenz des Jahres 1938, nachdem die fünfte Durchführungsverordnung die Juden eben aus den letzten freien Berufen verdrängt hatte, schrieb Wilhelm Stuckart, der Mann, der nicht nur die Nürnberger Gesetze entworfen hatte, sondern in hohem Maße auch für ihre Durchführung verantwort- lich war, daß das Ziel der Rassengesetzgebung jetzt erreicht wor- den sei. Viele der auf den Nürnberger Gesetzen beruhenden Be- stimmungen würden„in dem gleichen Maße, in dem sich Deutsch- land der Erreichung des ‚endgültigen Zieles in der Judenfrage' nähert, an praktischer Bedeutung verlieren”5. Die Wendung„end- gültiges Ziel in der Judenfrage” wurde zwar noch nicht als Tarn- wort für Rassenmord* gebraucht, aber der Satz spricht deutlich aus, daß die Gesetze nicht dazu bestimmt waren, die Lage der Juden für immer zu regeln, sondern jede Notwendigkeit einer sol- chen Regelung aus der Welt zu schaffen. Die Juden sollten das Reich für immer verlassen. Aber in diesem Augenblick zeichnete * Ich habe absichtlich das Wort„Genocide”(Völkermord, Gruppenmord) vermieden, das im Nürnberger Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher 1945/46 geprägt worden war und von der Anklagebehörde in den folgenden Nürnberger Prozessen verwendet wurde. Es scheint mir, daß diese Bezeichnung, die teils lateinischen, teils griechischen Ursprungs ist, nichts ausdrückt, was nicht auch in gemeinverständlicher Sprache gesagt werden könnte. ERSTES sich n bruch hafte, Natio wurde Orgaı das$ ausbr Cham tembe eine bloß: ausg Ford würo seine hat il Juder zugu gen, ande Als o am 5 eine püssa gelte Inhal Vielld gebe rung4 * Die Schwei Justiz« Werne) erklär reisen Band Urspru Zurück! Bunde deutsq PR ENDLOSUNG tete Pogrome EN Waren, harakter. Da den ‚Reichs. tes sein muß- R Untertanen, dus„Gesetz en Ehre”, das tsverkehr ZWI- prien verbot? Die dreizehn ünze Entwick- erfolgen, Die Juli 1943 ver- frei” war; sie lie der Gnade Zutritt zu den 3, nachdem die us den letzten Stuckart, der tworfen hatte, 1g veranfwort- # erreicht wor- sruhenden Be- n sich Deutsch- sr Judenfrage' Jendung„end- nicht als Tarn- ;pricht deutlich ‚ die Lage der gkeit einer sol- len sollten dos hlick zeichnete ord) vermieden, dos eprägt worden war n verwendet wurde. zchischen Ursprund® che gesagt werden ne EEE ET EN EEE ERSTES KAPITEL 1. DIE NURNBERGER GESETZE sich noch eine andere Möglichkeit ab. Es konnte zum Kriegsaus- bruch kommen, ehe der letzte Jude das Reichsgebiet verlassen hatte, und was sollte das Schicksal von Heloten innerhalb einer Nation sein, die einen totalen Krieg führt? Die Antwort darauf wurde in einem Aufsatz erteilt, der im„Schwarzen Korps”, dem Organ der SS, am 24. November 1938 erschien und erklärte, daß das Schicksal der in Deutschland verbleibenden Juden bei Kriegs- ausbruch„restlose Vernichtung” sein müßte®. Chamberlains und Daladiers Kapitulation in München am 29. Sep- tember 1938 hatte also für die Juden des Großdeutschen Reiches eine ganz besondere Bedeutung. Von da ab waren sie nicht mehr bloße Gefangene der Nürnberger Gesetze, die darauf warteten, ausgelöst zu werden, sondern zukünftige Geiseln für politische Forderungen, die Hitler möglicherweise anderen Ländern stellen würde. Hitlers unerwarteter Erfolg muß ihn veranlaßt haben, seine Ansichten über jüdische Auswanderung zu überprüfen. Es hat ihm wohl gedämmert, daß die Kreise, die er„internationales Judentum“ nannte, weniger dazu neigen werden, ihren Einfluß zugunsten eines interventionistischen Krieges zur Geltung zu brin- gen, wenn er einige Hunderttausend Juden als Pfand behält und andeutet, was er gegebenenfalls mit ihnen zu machen bereit ist. Als ob diesem Gedanken Ausdruck gegeben werden sollte, wurde am 5. Oktober, eine Woche nach der Entscheidung von München, eine Verordnung veröffentlicht, durch die alle deutschen Reise- pässe von Juden ungültig erklärt wurden. Sie sollten nur wieder gelten, wenn sie mit„einem Merkmal” versehen waren,„das den Inhaber als Juden kennzeichnet” 7*. Vielleicht war es die mangelnde Bereitwilligkeit, Geiseln freizu- geben, die Hitler dazu veranlaßte, dem Schachtschen Auswande- rungsplan vom folgenden Dezember Hindernisse in den Weg zu * Die Pässe der Juden wurden mit einem„J“-Stempel versehen. In einer namens der Schweiz von Dr. Heinrich Rothmund, Chef der Polizeiabteilung beim Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement(bis Oktober 1954), und namens des Dritten Reiches von Werner Best von der Gestapo unterzeichneten Vereinbarung von Ende September 1938 erklärte sich die Schweiz bereit, Inhaber deutscher Pässe weiter ohne Sichtvermerk ein- reisen zu lassen, soweit sie nicht mit einem J-Stempel versehen waren. Eine Fußnote in Band V der von den Alliierten erbeuteten deutschen diplomatischen Dokumente führt den Ursprung des J-Stempels auf eine Anregung des schweizerischen Beamten Dr. Rothmund zurück. Eine darauf Bezug habende Interpellation im Schweizer Nationalrat wurde vom Bundesrat am 16. Juni 1954 dahin beantwortet, daß es sich um eine Initiative von deutscher Seite gehandelt habe®, f ‚ ' l DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG legen. Bestimmtes kann darüber kaum gesagt werden, da es selten möglich ist, einander widersprechende Aktionen verschie- dener Minister verläßlich mit einer Sinnesänderung Hitlers zu er- klären. Diese Verordnung des Innenministeriums war im Interesse einer„geordneten“ Auswanderungspolitik erlassen worden. Sie verwirklichte die Wünsche der Wirtschaftsressorts, so viel wie möglich aus den jüdischen Vermögenswerten zugunsten des Re- gimes nutzbar zu machen, wobei gleichzeitig eine Erleichterung in der Devisensituation erzielt und die Flucht des jüdischen geisti- gen Kapitals, für das sie immer noch einige Verwendung hatten, eingedämmt werden sollte. Die Verordnung stand in scharfem Gegensatz zum Standpunkt der Gestapo und ihres Chefs Rein- hard Heydrich. Die Ironie der Geschichte wollte es, daß gerade jene, die die Aufsätze im„Schwarzen Korps” inspiriert hatten, nämlich die künftigen Ausrotter, es waren, die durch die Erzwin- gung einer vollständigen Auswanderung ungewollt Tausende jüdische Leben retteten, während die Gemäßigten, wie Hjalmar Schacht, durch ihre langfristigen Projekte und durch ihre Ver- schleppungstaktik dazu beitrugen, daß den Gaskammern genug Opfer zugeführt wurden. Die in München bewiesene Unfähigkeit der Westmächte, eine kleine Nation zu unterstützen, brachte Heydrich und die Anwälte einer vollkommenen jüdischen Auswanderung auf die Idee, das Wohngebiet kleiner Nationen als Zwangsablagerungsstätte für in Deutschland lebende Juden zu benützen. Die polnische Regie- rung hatte bereits vor München erkannt, daß man ihr möglicher- weise die 60000 Juden polnischer Staatsbürgerschaft aufzwingen werde, die in Deutschland ansässig waren. Sie erließ daher am 6. Oktober eine Verordnung, die die Pässe jener Staatsbürger, die außerhalb Polens lebten, für ungültig erklärte, es sei denn, daß diese Pässe mit einem nur in Polen nach Vorlage entsprechender Dokumente erhältlichen Sonderstempel versehen wurden. Wer diese Bedingung bis zum 29. Oktober nicht erfüllte, wurde staatenlos. Moltke, der deutsche Botschafter in Warschau, verlangte eine Verlängerung der Frist”, aber Heydrich wachte in Deutschland darüber, daß sie nicht versäumt wurde. Am 28. Oktober erhielten mehr als 17. 000 Juden polnischer Staatsangehörigkeit, die um Mit- ternacht staatenlos werden sollten, polizeiliche Ausweisungsver- 10 ERSTES I fügunt polnist man d wurde zunehr der GI jagt". nicht, Comitt bringe hütet' Masse portal Die pı weisu! tatsäch war$ı zwisch der po den na liquidi Lösung noch& nehme fande nische Ihnen versuc wegsch nahmd Grenz einem tes, u Gesa bezüg fasse Veröfl Polen maßlid DER ENDLOSYNG verden, da es OnEn verschie. ) Hitlers ZU er. ar im Interesse N Worden, Sie $, so viel wie unsten des Re. 2 Erleichterung sdischen geisti- endung hatten, ıd in scharfem es Chefs Rein- ss, daß gerade spiriert hatten, rch die Erzwin- vollt Tausende n, wie Hialmar urch ihre Ver- cmmern genug sstmächte, eine nd die Anwälte f die Idee, das arungsstätte für yolnische Regie- 1 ihr möglicher- 1aft aufzwingen rließ daher am taatsbürger, die s sei denn, daß entsprechender ı) wurden. 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Die polnische Regierung griff zu Repressalien, indem sie die Aus- weisung deutscher Staatsbürger aus Polen androhte und auch tatsächlich einige deutsche Juden deportierte. Die Drohung war so wirkungsvoll, daß nach einigen Auseinandersetzungen zwischen Heydrich und dem Auswärtigen Amt eine Einigung mit der polnischen Regierung zustande kam, der zufolge die 17 000 Ju- den nach Deutschland zurückkehren konnten, um ihr Eigentum zu liquidieren. Das wurde vom Auswärtigen Amt als eine vorteilhafte Lösung betrachtet, weil sich die Polen verpflichtet hatten, auch noch 6000 Verwandte der ursprünglich Ausgewiesenen zu über- nehmen. Aber neben den 17 000, die zurückkommen durften, be- fanden sich im Februar 1939 in Deutschland weitere 8000 pol- nische Juden, die staatenlos geworden waren. Was sollte man mit ihnen machen? Dr. Karl Werner Best schlug Heydrich vor zu versuchen, sie mit Hilfe der Fremdenpolizei aus dem Reichsgebiet wegschoffen zu lassen'?, was nichts anderes als eine Wiederauf- nahme der Deportationen über die ostpreußische und schlesische Grenze im Mai und Juni 1939 bedeutete'*. Ein von Schumberg, einem Beamten des Deutschland-Referates des Auswärtigen Am- tes, unterzeichnetes und am 25. Januar 1939 an alle deutschen Gesandtschaften und Konsulate gesandtes Rundschreiben ist dies- bezüglich recht aufschlußreich'°. Ganz unumwunden gibt der Ver- fasser des Rundschreibens zu, daß Juden nach Polen nach der Veröffentlichung der polnischen Verordnung deportiert wurden. Polen wurde für diese Behandlung mit Rücksicht auf die zahlen- mäßig starke jüdische Bevölkerung des Landes und dessen Emp- 11 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG fänglichkeit für den Antisemitismus ausgesucht. Dann folgt fol- gender Satz: „Je ärmer und damit belastender für das Einwanderungsland der einwandernde Jude ist, desto stärker wird das Gastland reagieren und desto erwünschter ist dieWirkung im deutschen propagandistischen Interesse.” Dieser Satz umreißt die neue deutsche Politik gegenüber den Juden, die durch das Münchner Übereinkommen ausgelöst wurde, in treffender Weise. 2. Die Kristallnacht Die Deportationen vom 28. Oktober 1938 hatten eine doppelte Bedeutung. Sie zeigten den Juden, was sie zu erwarten hatten, falls Hitler Gebiete im Osten besetzen sollte, und sie waren der unmittelbare Anlaß des Attentats auf Ernst vom Rath, denn Her- schel Grynszpan, der die Schüsse auf Rath abgab, war der Sohn eines Juden, der über die schlesische Grenze bei Benschen ge- trieben worden war. Am 7. November wartete dieser 17jährige Junge, der einen Onkel in Paris besuchte, auf der Treppe der Deutschen Botschaft, um den Botschafter Graf Johannes von Welczek zu töten. Hat Herschel Grynszpan gehofft, durch seine Tat die Periode der Beschwich- tigungspolitik den Diktatoren gegenüber zu einem Abschluß zu bringen, indem er die französische Regierung in einen Konflikt mit Hitler verwickelte, oder war er selbst bloß ein Werkzeug anderer höherer Kräfte, wie die deutsche Propaganda behaup- tete? Wenn das letztere der Fall war, dann hatte man ihn für seine Aufgabe höchst mangelhaft geschult, denn nur ein Naivling oder ein Opfer von Halluzinationen konnte annehmen, daß Bot- schafter ins Treppenhaus zu kommen pflegen, um mit fremden Besuchern Rücksprache zu nehmen, oder daß sie normalerweise so jung sind wie der unglückliche dritte Sekretär, den man aus- gesandt hatte, um sich den Besucher anzusehen. Ungleich Wilhelm Gustloff, einem anderen deutschen Funktionär, der von einem Ju- den erschossen wurde, war vom Rath alles andere als ein be- geisterter Nationalsozialist; er wurde sogar von der Gestapo wegen abfälliger Bemerkungen über das nationalsozialistische Regime überwacht. Auch war Ernst vom Rath keineswegs ein Anti- semit. Die wahren Motive Herschel Grynszpans wird man wohl 12 [ann folgt fol. onderungsland | das Gastland 9 Im deutschen jegenüber den sgelöst wurde, eine doppelte varten hatten, | sie waren der tath, denn Her- , war der Sohn | Benschen ge- er einen Onkel 'tschaft, um den . Hat Herschel der Beschwich- m Abschluß zu einen Konflikt ein Werkzeug DER ENDIOSUNG ganda behaup-} #e man ihn für ur ein Naivling ‚hmen, daß Bot- m mit fremden ‚ normalerweise - den man aus ngleich Wilhelm ‚r von einem Ju-| iere als ein be- n der Gestapo nalsozialistische „swegs ein Antı- wird man WO ERSTES KAPITEL 2. DIE KRISTALLNACHT kaum je erfahren. Goebbels konnte jedenfalls am 7. November 1938, da er sicher war, daß die französische Regierung sich mit einer öffentlichen Gerichtsverhandlung nicht beeilen würde, Gryn- szpans Tat jede Auslegung geben, die ihm paßte, ohne Wider- spruch befürchten zu müssen. Am 9. November feierte Hitler, wie jedes Jahr, den Jahrestag seines sinnlosen Bierhallenputsches vom Jahre 1923 durch den tra- ditionellen Marsch der Parteiführer zur Münchner Feldherrnhalle. Vor einem anschließenden Abendessen im Rathaus wurde Hitler mitgeteilt, daß vom Rath seinen Verletzungen erlegen sei. Göring, der bei dem Abendessen nicht anwesend war, behauptete in seiner Aussage in Nürnberg, daß Hitler den Tisch frühzeitig verlassen hätte, ohne eine Ankündigung zu machen. Es war Goebbels, der der Versammlung die Nachricht überbrachte. Dem Vorsitzenden des Parteigerichtes, Major Walter Buch, zufolge hat Goebbels mitgeteilt, daß„spontane“ Repressalien gegen die Ju- den bereits eingesetzt hätten'*. Göring befand sich in diesem Augenblick in seinem Schlafwagen auf dem Wege nach Berlin. Er erfuhr von dem Pogrom, das sich in der Nacht ereignet hatte, am Morgen auf dem Anhalter Bahnhof und scheint sofort angenom- men zu haben, daß Goebbels hier seine Hand im Spiel gehabt hatte. Der Wirtschaftsminister Walter Funk stand unter dem glei- chen Eindruck. Als er am Morgen telephonisch mit Goebbels dar- über sprach, antwortete dieser mit dem Gegenvorwurf, daß die Pogrome Funks Schuld seien, weil er es versäumt hätte, die Juden aus dem Wirtschaftsleben auszuschalten, obwohl er zu Beginn des Jahres aufgefordert worden war, entsprechende Schritte vor- zubereiten. Hitler hätte nun, sagte Goebbels, neue Verordnungen herausgegeben, die dieses Ziel verwirklichen sollten’”. Göring sprach Hitler am Nachmittag des gleichen Tages und hielt ihm vor, daß die Pogrome im Ausland einen schlechten Eindruck machen würden, da sie so bald nach dem Übereinkommen von München erfolgten, und daß der Vierjahresplan gefährdet werden könnte, wenn sie weiter anhielten. Hitler schien all dem zuzustim- men. Erst am Abend, nachdem er mit Goebbels gesprochen hatte, beharrte Hitler darauf, daß seine Pläne für eine kollektive Bestrafung der Juden bis in die letzte Einzelheit durchgeführt würden'®, Diese Version läßt allerdings die unverkennbare Be- friedigung außer acht, mit der Göring Hitlers Maßnahmen am 3 13 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG 12. November verkündete. Was Goebbels betrifft, berichtet Prinz Schaumburg-Lippe, daß er ihn die Pogrome wütend verurteilen und für sie Ribbentrop„und seinen dämlichen Rathfall“ verant- wortlich machen hörte'?. Die Pläne für die gleichzeitigen Pogrome in ganz Deutschland sind offenkundig beim Eintreffen der ersten Nachrichten über die Schüsse auf vom Rath ausgearbeitet worden. Die Vorfälle in der Nacht des 9. konnten nicht in wenigen Stunden ins Werk gesetzt werden. Hitler nützte den Erfolg dieser Nacht aus, um sich des Zornes des deutschen Volkes als eines Vorwandes für Maßnahmen zu bedienen, die zur vollkommenen wirtschaftlichen Beraubung der Juden führen sollten und die er bereits im April des Jahres geplant hatte. Es ist also möglich, daß er die Pogrome auch selbst angeordnet hat. Andererseits hatten die Radikalen in der Partei einen Grund, ihn vorwärtszutreiben. Das Massaker unter Röhms Gefolgschaft am 30. Juni 1934 hatte den Aufstieg der SS zur ein- zigen bewaffneten Polizeiformation der Partei möglich gemacht. In den folgenden vier Jahren war die SS in alle Bereiche der Re- gierungstätigkeit eingedrungen, und das war nur auf Grund der immer wiederkehrenden Krisensituationen geduldet worden, die durch Hitlers Herausforderungen an die ausländischen Mächte entstanden. Dann hatte Neville Chamberlain am 29. September 1938 vom„Frieden in unserer Zeit” gesprochen. Wenn das die deutsche Entwaffnung bedeutete, was sollte aus der SS werden®* Wenn, wie Hans Gisevius meint, Hitler die Pogrome in Szene ge- setzt hat, um„die mühsam aufgeputschten revolutionären Leiden- schaften nicht zum Abflauen kommen zu lassen“?!, so hatte die SS und insbesondere der Reichsführer Heinrich Himmler alles von ihnen zu gewinnen; aber Ulrich von Hassell, der die besten pri- vaten Informationsquellen in Deutschland hatte, erfuhr von Gün- ther Schmitt, dem Kommandeur von Himmlers Leibgarde, daß * Wenn die Pogrome in Szene gesetzt worden wären, um die westliche öffentliche Mei- nung herauszufordern und Hitler daran zu hindern, sich dem Münchner Geist des „Appeasement” anzupassen, könnte das Ergebnis nicht besser gewesen sein. Dirksen, der deutsche Botschafter in London, berichtete am 17. November, daß keine weitere Aussicht dafür bestehe, daß Chamberlain in nächster Zeit Besprechungen auf der Grund- lage des in München zwischen ihm und Hitler unterzeichneten Protokolls vorschlagen werde, daß Chamberlain an Prestige verloren habe und daß sich der deutschfreund- lichen britischen Kreise Niedergeschlagenheit bemächtigt habe. Es muß nicht erst be- tont werden, wie nahe der Wahrheit dieser Bericht kam, der an Ribbentrop abging, einen Mann, der nichts so sehr haßte wie die Wahrheit). 14 Br AN 4 I| NN DER ENDLOSUNG!| N, berichtet Prinz E Ütend verurteilen Rathfall® verant. ERSTES KAPITEL 2. DIE KRISTALLNACHT - Himmler vor dem Abend des 9. überhaupt nicht informiert war, daß er die Aktion mißbilligte und deshalb der„Verfügungstruppe” seiner Leibgarde für zwei Tage Kasernenarrest befahl 22, Das hat - viel Wahrscheinlichkeit für sich, denn Himmler liebte keine Ver- schwörungen und hat sich während der Unterdrückung des soge- nannten Röhm-Putsches am 30. Juni 1934— das Ereignis, das ihn an die Macht gebracht hatte— im Hintergrund gehalten. Die ganz Deutschland [Chrichten über dig pie Vorfälle in der ” en gesetz Befehle, die erhalten geblieben sind, beweisen nur die Mitwir- S; um sich des" kung Heydrichs an der Aktion, und von Heydrich konnte man es für Maßnahmen ce ‚, ohne weiteres annehmen, daß er über den Kopf seines Vorgesetz- n Beraubung|" ten hinweg handelte. April des Jahres' Obwohl Reinhard Heydrich der wirkliche Architekt der Endlösung pgrome auch selbt 7 war, die die Spuren seines Geistes noch lange nach seinem Tode alen in der Parkei trug, war sein Name am 19. Oktober 1938 außerhalb des inneren saker unter Röhms Parteikreises wenig bekannt. Dieser fanatischste aller Rassisten eg der$$ zur ein- hatte wenig Züge eines nordischen Helden an sich, und das blieb möglich gemacht. nicht unbemerkt— er war damals 34 Jahre alt, hochgewachsen, e Bereiche der Re- hatte lange, scharf geschnittene Gesichtszüge, aber ein merkwür- ur auf Grund der dig feminines Gesicht. 1934 hatte ein Bäcker in Halle behauptet, Juldet worden, die daß Heydrichs Vater, der Dresdner Musiklehrer Bruno Heydrich, ländischen Mächte!' der Sohn einer Jüdin war. Daraufhin wurde erzählt, daß der Chef am 29. September" des Sicherheitsdienstes, um alle Spuren zu verwischen, seiner en. Wenn das die Großmutter einen neuen Grabstein setzen ließ, auf dem der ıs der 55 werden?* Name Sarah ausgelassen war??. ırome in$zene ge- Heydrich begann seine merkwürdige, sich zunächst im Verborge- lutionären Leiden- nen abspielende Karriere im Jahre 1931, als er plötzlich die 2, so hatte die$| Dienste der Marine und den Posten als Chef des Nachrichten- Himmler alles von dienstes der Ostseeflotte verließ. Angeblich hat Admiral Raeder ler die besten pr| ihn zu diesem Schritt wegen einer Affäre mit der Tochter eines , erfuhr von Gin-| Marinebaurates gezwungen. Wenige Monate später gewann er die Gunst von Erich Koch, dem Gauleiter der Partei für Ostpreu- ßen, und wurde von ihm an Himmler empfohlen— als Ergebnis von Heydrichs Beziehungen zu Frau Koch. Zunächst war Hey- drich ein bloßer Parteiangestellter in München, aber bald wurde er der Chef der Gestapo in Berlin. Hier fand er seinen Platz und "s Leibgarde, dal o- S zchungen auf der Gut- konnte seinen Blutdurst durch die Hinrichtung der angeblichen h rl Veran Führer des Putsches vom Juni 1934 stillen. ae "= nicht erst b* Der Stern der SS war im unaufhaltsamen Aufstieg im Vergleich ZU " m Ribbentrop obgird den„alten Kämpfern“ der SA, und Heydrich leitete jetzt den 3* 15 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Sicherheitsdienst(SD), die Gestapo und die Kriminalpolizei. Der Chef der deutschen Polizei war Himmler, und er war nominell Minister Frick unterstellt, aber soweit Heydrich in Betracht kam, stand die Unterordnung unter Himmler und Frick mindestens bis September 1939, als der SD und die Sicherheitspolizei zum Sicher- heitshauptamt(RSHA) verschmolzen wurden, nur auf dem Papier. Überdies konnten Hitler und Goebbels in der Nacht vom 9. No- vember 1938 nichts ohne Heydrich tun, dessen SD-Beamte allein in der Lage waren, mit den Veranstaltern der Pogrome Kontakt zu halten und die örtliche Polizei am Dazwischentreten zu hindern. Einer der Rundbriefe Heydrichs an die Staatspolizeibehörden ist erhalten geblieben. In ihm heißt es: „Auf Grund des Attentats gegen den Legationssekretär vom Rath in Paris sind im Laufe der heutigen Nacht— 9. auf 10. November— im ganzen Reich Demonstrationen gegen die Juden zu erwarten... Die Leiter der Staatspolizeistellen... haben sofort... mit den... zuständigen politischen Leitungen — Gauleitung oder Kreisleitung—... Verbindung aufzuneh- men und eine Besprechung über die Durchführung der De- monstrationen zu vereinbaren... In dieser Besprechung ist der politischen Leitung mitzuteilen, daß die Deutsche Polizei „.. die folgenden Weisungen erhalten hat, denen die Maß- nahmen der politischen Leitungen zweckmäßig anzupassen wären?*.” Heydrich setzt dann auseinander, wie Schäden an deutschem Eigentum zu verhindern sind. Geschäfte und Wohnungen dürfen nur zerstört werden, dürfen aber nicht geplündert werden. Syna- gogen sollen nicht in Brand gesteckt werden, wenn Brandgefahr für die Umgebung vorhanden ist. Ein weiteres, von Heinrich Mül- ler, Heydrichs Gestapochef, unterzeichnetes Rundschreiben erlegt den Polizeibeamten auf, 20000 bis 30000 Juden, vor allem be- güterte Personen, zu verhaften. Gegen jene, die sich mit der Waffe wehren, sind die„schärfsten Maßnahmen“ zu ergreifen. Die Ar- chive der Synagogen sind sicherzustellen und die der Kölner Syn- agoge an den SD zu senden. Heydrich bemühte sich sehr sorgfältig darum, sich ein Alibi zu beschaffen, und das deutet darauf hin, daß er mehr als nur ein ausführendes Organ Hitlers oder Goebbels’ war. Am Abend des 9. November war er nicht mit Hitler und den Parteiführern in Mün- 16 Cher. Nur auf dem Papier " Nacht vom 9. No- ; SD-Beamte allein Ogrome Kontakt zu ntreten zu hindern, polizeibehörden ist Jationssekrefär yom n Nacht— 9, auf onstrationen gegen aotspolizeistellen.. olitischen Leitungen bindung aufzuneh- rchführung der De- ser Besprechung ist Jie Deutsche Polizei it, denen die Maf}- mäßig anzupassen den an deutschem Wohnungen dürfen dert werden. Syno- wenn Brandgefahr ‚von Heinrich Mül-| indschreiben erlegt den, vor allem be- sich mitder Waffe| ergreifen. Die Ar- Jie der Kölner Syn sich ein Allbi zu| mehr als nur ei ar. Am Abend 3 #ejführern in Münr ERSTES KAPITEL 2. DIE KRISTALLNACHT ‚chen, sondern in einem Hotel in Nürnberg mit Werner Best, einem ‚seiner Gestapo-Chefs, dem zufolge Heydrich vollkommene Unwis- senheit vortäuschte, als eine benachbarte Synagoge in Flammen aufging, und Befehle an die Staatspolizei erst aufgab, nachdem er mit Himmler in Berlin telefonisch gesprochen hatte%, Am 11. November schickte Heydrich einen Bericht an Göring, wonach 19] Synagogen und 171 Wohnhäuser in Brand gesteckt und 815 Geschäfte geplündert worden waren?’. Nur 117 Plünderer waren in Haft genommen worden, aber über 20000 Juden wurde die„Schutzhaft“ verhängt, und die Hälfte von ihnen wurde nach Buchenwald gebracht*28, 36 Juden wurden getötet, und 36 wur- den schwer verwundet. Am Tage darauf gab Heydrich aller- dings schon zu, daß die Schätzungen viel zu niedrig gegriffen waren. In Wirklichkeit waren 7500 Geschäfte geplündert worden. Drei Monate später kam sogar ein Parteigericht nicht um das Ge- ständnis herum, daß die Ausschreitungen von weit höheren Stel- len organisiert worden waren als von einfachen Parteimitgliedern, deren Verhalten untersucht wurde. Das Gericht schloß daraufhin fünf Mitglieder aus der Partei wegen Vergewaltigung, Diebstahls und Mordes aus und suspendierte einige andere, aber ersuchte den Führer, die Verfahren vor den staatlichen Strafgerichten niederzuschlagen?°. Die Pogrome waren nur die inoffizielle Strafe für die Tötung vom Raths. Die offizielle wurde erst am 12. verkündet, als Göring seine interministerielle Besprechung im Luftfahrtministerium abhielt. Ob- wohl drei der sieben Teile des Protokolls fehlen, enthält das Pro- tokoll der Sitzung, die von 11 Uhr vormittags bis 2 Uhr 40 nach- mittags dauerte, 10000 Worte. Trotzdem hatte diese erlauchte Ge- sellschaft keine richtigen Beschlüsse zu fassen; sie hatte bloß das Recht, sich zu äußern und im übrigen der vollen Stimme desReichs- * Eugen Kogon zufolge betrug die genaue Zahl der nach der Kristallnacht nach Buchen- wald gebrachten Juden 9815. Das Konzentrationslager Buchenwald war damals kaum ein Jahr alt, doch befanden sich schon 2700 Juden, die im Juni und August hingebracht worden waren, im Lager. Die Nevankommenden wurden nicht in das halbwegs ordent- lich eingerichtete Hauptlager gebracht, sondern im„Kleinen Lager“ in der primitivsten Weise untergebracht. Dieses Lager wurde am 13. Februar 1939 aufgelöst, nachdem die meisten der„November-Juden“ freigekauft worden waren. Eine große Zahl von ihnen war in Buchenwald gestorben. Während des Krieges wurde das„Kleine Lager“ wieder in Betrieb genommen, sobald größere Transporte eintrafen, und es hatte eine noch schlimmere Rolle während der Ausrottung der Juden in der Zeit vom Januar bis April 1945 zu erfüllen(siehe Seite 521). 7 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG marschalls zu lauschen, der in bester Verfassung gewesen zu sein scheint, nachdem er kurz vorher vom Führer den Auftrag erhalten hatte,„wonach die Judenfrage jetzt einheitlich zusammengefaßt werden soll und so oder so zur Erledigung zu bringen ist“®, In dem angenehmen Gefühl, in einem totalitären Staat zu leben, wo alles über ihre Köpfe hinweg geregelt wird, mußten die Teilneh- mer der Konferenz ihre Aufgabe nicht allzu ernst nehmen. Den Ton gaben die Auseinandersetzungen zwischen Goebbels und Göring an. Goebbels verlangte besondere Eisenbahnabteile für Juden, aber nur für den Fall, daß der Zug nicht überfüllt sei, weil es sonst geschehen könnte, daß Juden gesicherte Sitzplätze hätten und Nichtjuden stehen müßten. Im Falle der Überfüllung sollten sie„draußen im Flur“ zu stehen haben. Göring war anderer Mei- nung: man brauche kein Gesetz für den Fall der Überfüllung eines Zuges.„Da wird er(der Jude) hinausgeschmissen, und wenn er allein auf dem Lokus sitzt während der ganzen Fahrt.” Die Be- rufsbeamten Stuckart, Funk, Woermann, von Krosigk und Fisch- böck waren nicht ganz so leichten Mutes. Aber die landläufige Entschuldigung, daß sie gegen den Strom zu schwimmen versuch- ten, ist kaum eine zureichende Rechtfertigung. Funk schlug z. B. vor, daß die Juden die Aktien ihrer eigenen Firmen behalten soll- ten, aber er begründete das mit Befürchtungen, es könnte einen „Run auf dem Kapitalmarkt geben“. Während Heydrich gegen die Schaffung von Ghettos war— aus genau den gleichen Gründen, aus denen er später die Ausrottung ihrer Bewohner vorschlug—, war Funk für Ghettos. Aber der Finanzminister Schwerin von Kro- sigk, der mit einem Rhodes-Stipendium in Oxford studiert hatte, hielt die„Aussicht, zum Ghetto kommen zu müssen”, für„keine angenehme”. Namens des Auswärtigen Amtes machte Woermann die Notwendigkeit des Schutzes ausländischer Juden geltend. Er fürchtete, daß die Vereinigten Staaten Vergeltungsmaßnahmen gegen deutsches Eigentum treffen würden. Das schwierigste Problem, das die Verordnungen des Führers auf- geworfen hatten, betraf die Versicherungen. Göring ging von der Ansicht aus, daß die Versicherungsgesellschaften nicht gehalten werden sollten, für die Schäden aufzukommen, aber Reichsgrup- penleiter Eduard Hilgard, der eingeladen worden war, namens der Versicherungsanstalten zu sprechen, machte darauf aufmerk- sam, daß die meisten betroffenen Grundstücke in„arischem” 18 erstes I Eigentt Markg nur af E Millior B| scheib eine V in das Hier st schädi minist entsch weil C maler sich( 200 J ol Geric Goeb mome schlac Teil d Mark den st Hilga glaub | Verdi N" braue | Massı | einmd I" len, korp zum direk merk Sieh Hilgg er sq gesc Gan ar anderer Mei. 3er Überfüllung Issen, und wenn Fahrt.” Die Be- sigk und Fisch- die landläufige immen versuch- unk schlug z. B. >n behalten soll- es könnte einen ydrich gegen die >ichen Gründen, er vorschlug—, hwerin von Kro- d studiert halte, sen“, für„keine ichte Woermann den geltend. Er ngsmaßnahmen des Führers auf- ng ging von der nicht gehalten ber Reichsgrup- ‚n war, namens Iorauf aufmerk in.„arischem ERSTES KAPITEL 2. DIE KRISTALLNACHT Eigentum seien, insbesondere das geplünderte Juweliergeschäft Markgraf Unter den Linden, daß die nichtjüdischen Eigentümer nur an zerbrochenen Auslagescheiben einen Verlust von sechs . Millionen Mark erlitten hätten und daß die Neuanschaffung dieser IE|.. en 3 A. - Scheiben Devisen kosten würde. Überdies, meinte Hilgard, würde eine Verweigerung der Zahlungen das Vertrauen von Ausländern in das deutsche Versicherungswesen untergraben. Hier schlug Heydrich eine einfache Lösung vor. Hilgard sollte Ent- schädigungen auszahlen, aber das Geld sollte an den Finanz- minister gehen, und die Opfer sollten von ihren jüdischen Mietern entschädigt werden. Das sei nicht möglich, antwortete Hilgard, weil die Entschädigungsansprüche die doppelte Höhe eines nor- malen Jahresschadens erreichten. In großer Verzweiflung wendete sich Göring an Heydrich:„Mir wäre lieber gewesen, Ihr hättet 200 Juden erschlagen und hättet nicht solche Werte vernichtet!” „35 Tote sind es”, erwiderte Heydrich. Aber vor dem Nürnberger Gericht bezeichnete Göring seinen Ausspruch als eine durch Goebbels’ Verhalten verschuldete„Äußerung des Unmuts und der momentanen Erregung”®'. Schließlich wurde ein Kompromißvor- schlag von Schwerin von Krosigk angenommen, dem zufolge ein Teil der den Juden aufzuerlegenden Strafe von einer Milliarde Mark zur Entlastung der Versicherungsanstalten verwendet wer- den sollte.„Herr Hilgard, Sie können schmunzeln!“ tönte Göring. Hilgard, der wahrscheinlich in ein Irrenhaus geraten zu sein glaubte, protestierte:„Ich habe gar keinen Grund, wenn das ein Verdienst genannt wird, daß wir einen Schaden nicht zu zahlen brauchen“, worauf sich der Reichsmarschall in seiner ganzen Masse vor dem Versicherungsbeamten aufpflanzte:„Erlauben Sie einmal! Wenn Sie juristisch verpflichtet sind, 5 Millionen zu zah- len, und auf einmal kommt Ihnen hier ein Engel in meiner etwas korpulenten Form und sagt Ihnen: ‚1 Million können Sie behalten‘, zum Donnerwetter noch einmal, ist das kein Verdienst? Ich müßte direkt Kippe mit Euch machen, oder wie nennt man das sonst. Ich merke am besten an Ihnen selbst. Ihr ganzer Körper schmunzelt. Sie haben einen großen Rebbes gemacht.” Hilgard machte dann noch einen Einwand und erhielt die Antwort, er solle selbst aufpassen, daß„nicht so viel Fensterscheiben ein- geschmissen werden”— denn die Pogrome waren immer noch im Gange. Dann zog er sich von der Sitzung zurück, und der Vorhang 19 Benin ehem “ te=“ ad B| Bl; ’ IK 19 Bi | ir 1 Be Dr [i DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG fiel über sein weiteres Werk. Eine von Woermann ausgearbeitete Denkschrift über die Konferenz zeigt, was Hitlers Auftrag an Gö- ring über„einheitliche, zusammenfassende Erledigung”?? bedeu- tete. Alle jüdischen Betriebe waren von Treuhändern zu überneh- men und an Nichtjuden zu verkaufen, wobei die Eigentümer nur eine buchmäßige Gutschrift zu einem festgesetzten Zinsfuß er- halten sollten. Einige wenige Ausnahmen könne man im Interesse der Förderung der Ausfuhr machen, aber Kunstwerte, Grundstücke, Wertpapiere und Juwelen wären alle unter den gleichen Bedin- gungen zu übernehmen. Die Fragen der Ausdehnung der Verord- nung über Zwangsarbeit auf Juden, ihrer Einweisung in Ghettos, ihrer Verbannung von allen Erholungs- und Vergnügungsstätten, über den Ausschluß ihrer Kinder von den deutschen Schulen soll- ten von besonderen Ausschüssen geprüft werden. Eine sofortige Kollektivstrafe von einer Milliarde Mark war aufzuerlegen. Ein verstärkter Druck in bezug auf die Auswanderung der Juden sollte einsetzen, und der durch die Pogrome zugefügte Schaden sollte von den Juden bezahlt werden, ohne daß sie selbst von Versiche- rungen schadlos gehalten werden durften. Drei dieser Anordnungen wurden an dem gleichen Tag als Ver- ordnungen im Reichsgesetzblatt verkündet, die Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben, die Verordnung über die Zahlung der Kontribution(„Sühneleistung“) von einer Milliarde Mark und die Verordnung über die Wieder- gutmachung des durch die Ausschreitungen angerichteten Scha- dens®. Der Ausschluß der jüdischen Kinder vom Schulunterricht erfolgte drei Tage später und der Ausschluß der Juden von den Erholungs- und Vergnügungsstätten am 28. November. Erst einige Monate später, am 4. März und 30. April 1939, wurden Bestim- mungen über die von Juden zu leistende Zwangsarbeit sowie über das Gesetz veröffentlicht, das jüdische Mietverhältnisse auf Be- ziehungen zwischen Juden beschränkte— der erste Schritt zu einem Ghetto. Bei der Verkündung der Strafe von einer Mil- liarde sagte Göring: „Das wird hinhauen. Die Schweine werden einen zweiten Mord so schnell nicht machen. Im übrigen möchte ich noch einmal feststellen: Ich möchte kein Jude in Deutschland sein. Das zweite ist folgendes: Wenn das Deutsche Reich in irgendeiner absehbaren Zeit in außenpolitischen Konflikt kommt, so ist es 20 ERSTE In sı Inter hob poln Fam yon wafl sten den erst auf erz zuf sich gen im. „Lö kom lich sie ebe wer 193 ring be de när Leh Deı tok de dia vig itten, soll- prtige . Ein kollte sollte siche- Ver- ) zur 1, die ung‘) eder- Scha- richt ı den inige sstim- über if Be- it zu -Mil- Mord nmal Das einer istes ERSTES KAPITEL 3. DER SCHACHT-PLAN UND SEIN VERSAGEN selbstverständlich, daß auch wir in Deutschland in allererster Linie daran denken werden, eine große Abrechnung an den Juden zu vollziehen.” In späteren Jahren kann man Göring ein gewisses Ausmaß von Interventionen zugunsten von Juden zugute halten. Im April 1940 hob er die angeordneten Ausweisungen aus den eingegliederten polnischen Gebieten auf, und im Herbst 1941 erzielte er für die Familien von jüdischen Rüstungsarbeitern im Reich einen Aufschub von mehr als einem Jahr. Görings Freund, der General der Luft- waffe Karl von Bodenschatz, sagte auch aus, daß Göring zugun- sten einzelner Juden intervenierte, deren Fälle ihm berichtet wor- den waren®. Von diesen drei Arten von Interventionen war die erste auf Görings Furcht vor Rückwirkungen im Ausland, die zweite auf sein Interesse an der Erfüllung des Programms der Waffen- erzeugung und die dritte auf seine persönliche Eitelkeit zurück- zuführen. Görings wahre Gefühle in bezug auf die Juden finden sich in seinen durch keine Rücksichtnahme beeinflußten Äußerun- gen vom 12. November 1938. Zweimal später, im Januar 1939 und im Juli 1941, hat Göring Heydrich den allgemeinen Auftrag zur „Lösung der Judenfrage“ gegeben. Göring war sich nicht nur voll- kommen im klaren über die Methoden, mit denen Heydrich diesen Auftrag ausführte, er behielt auch als Reichsmarschall die persön- liche Gewalt über Heydrich und war gelegentlich auch in derLage, sie auszuüben.(Siehe Seite 51 und 93.) Göring muß daher als ebenso verantwortlich für die Ausrottungen von 1942 angesehen werden, wie er es für die erzwungene Auswanderung des Jahres 1938 war. Auch darf man nicht vergessen, daß Heydrich, dem Gö- ring im Protokoll vom 12. November 1938 so deutliche Feindschaft bewiesen hat, von ihm selbst in die Höhe gebracht worden war, denn Görings Befürchtung, daß Röhms Pläne für eine revolutio- näre Wehrmacht im Jahr 1934 ein bolschewistisches System ins Leben rufen könnten, hatte dem SS-Staat den Weg gebahnt. 3. Der Schacht-Plan und sein Versagen Der Zusammenstoß zwischen Heydrich und Göring, der das Pro- tokoll vom 12. November 1938 belebt, bezog sich auf die Auswan- derung der Juden. Heydrich begnügte sich damit, die Juden über die„grüne Grenze” abzuschieben, nachdem die Gestapo ihnen so viel Lösegeld abgenommen hatte, wie es zu holen gab. Göring sah 2] DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG ebenso wie Heydrich und das„Schwarze Korps” eine endgültige Abrechnung mit den Juden für den Fall des Kriegsausbruches vor- aus, zog es aber vor, sie in der Zwischenzeit mehr methodisch und zu einem höheren, in fremder Währung zu entrichtenden Preise zu verkaufen. Diese Meinungsverschiedenheit trat klar hervor, als Heydrich sich dessen rühmte, daß er in den acht Monaten seit dem Anschluß 45 000 Juden zum Verlassen Österreichs gezwungen hatte, während nur 19000 aus dem Altreich die Bewilligung zur Auswanderung erhalten hatten. Seinen Erfolg führte er auf seine eigene Strategie zurück, die jüdische Gemeinde dazu zu zwingen, ausländische Vermögenswerte von reichen Juden zwecks Finan- zierung der Auswanderung der armen einzuziehen. Hier wandte Göring ein:„Aber Kinder, habt Ihr Euch das einmal überlegt? Es nützt Euch auch nichts, daß wir vom jüdischen Mob Hunderttau- sende herauskriegen. Habt Ihr Euch überlegt, ob dieser Weg nicht letzten Endes so viel Devisen kostet, daß er auf die Dauer nicht gangbar ist?” Mit zur Schau getragener Fügsamkeit stimmte Heydrich zu, daß man auf diese Weise höchstens 8—10 000 Juden jährlich zur Aus- wanderung zwingen könne; in Wirklichkeit hatte er aber ganz andere Absichten. Er hatte gerade 20000 Juden festgenommen, die seine Beauftragten auf Grund ihres Reichtums oder auf Grund ihrer sozialen Stellung für die Konzentrationslager ausgesucht hat- ten. Indem er diesen„November-Juden“ die Daumenschrauben anlegte, glaubte er, das Reisegeld für eine um vieles größere An- zahl von Juden herauspressen zu können— vorausgesetzt, daß ihm niemand ins Handwerk pfuschte. Aber in diesem Augenblick, nämlich am 12. November 1938, bestanden verschiedene Anzei- chen dafür, daß Heydrich und die Gestapo ihre unbestrittene Herr- schaft über die deutschen Juden verlieren könnten. Die Bemühungen, internationale Hilfe für deutsche Juden zu or- ganisieren, gipfelten im Juli 1938 in der Konferenz von Evian, aus der ein von Mr. Rublee in New York geleitetes Zwischenstaatliches Komitee für die Erleichterung der Auswanderung hervorging. Am 18. Oktober, nachdem sowohl der britische als auch der amerika- nische Botschafter verlangt hatten, daß mit Mr. Rublee in Berlin verhandelt werde, erhielt Ribbentrop den folgenden Bericht seines Staatssekretärs Ernst von Weizsäcker®: „Das Comite... wolle... um seine Lebensfähigkeit darzutun, naten seit FZWungen Qung zur auf seine Zwingen, ks Finan- er wandte erlegt? Es nderttau- eg nicht ver nicht h zu, daß zur Aus- ıber ganz Bnommen, uf Grund sucht hat- schrauben ößere An- setzt, daß ugenblick, ne Anzei- tene Herr- len zu 0r- Eyian, dUS staatliches rging, Am - amerika- n Berlin cht seines darzutun, ERSTES KAPITEL 3. DER SCHACHT-PLAN UND SEIN VERSAGEN mit der Deutschen Regierung reden. In Deutschland würde dann festgestellt, daß wir aus naheliegenden Gründen Juden keine Devisen mitgeben würden, und damit wäre dann der Zweck erreicht, nämlich zu beweisen, daß wiederum deutsche Wider- spenstigkeit das Judenelend verschulde. Nur um in Deutsch- land den Sündenbock zu finden, könnte ich die Reise von Herrn Rublee nicht befürworten.” Nach diesem Bericht des angeblich judenfreundlichen Weizsäcker ist es vielleicht nicht überraschend, daß Mr. Rublee bis zu dem Zeitpunkt, an dem der Botschafter der Vereinigten Staaten als Zei- chen des Protestes gegen die Pogrome Berlin verließ(10. Novem- ber), keinerlei Einladung nach Berlin erhalten hatte. Aber Göring, dem zwei Tage später Befürchtungen über die wirtschaftlichen Fol- gen einer weiteren Inanspruchnahme des Devisenschatzes durch Heydrichs 20000 neue Geiseln aufstiegen, legte einen eigenen Plan auf den Tisch, der in der Entsendung des österreichischen Wirtschaftsministers Fischböck nach London zur Vorlage von Aus- wanderungsvorschlägen bestand 7. Görings Vorschläge führten schließlich dazu, daß Hitler der Entsendung des Reichsbankpräsi- denten Schacht nach London zustimmte. Die Vorschläge, die Schacht in London im Dezember mit Lord Bearsted, Lord Winterton und Mr. Rublee erörterte, waren unge- fähr die folgenden: Die deutsche Regierung würde das Vermögen der Juden sperren, und dieses würde die Sicherheit für eine in zwanzig bis fünfundzwanzig Jahren rückzahlbare internationale Anleihe bilden. In der Annahme, daß die jüdischen Vermögens- werte 1500 Millionen Mark erreichten, wäre genug ausländische Währung zur Finanzierung einer geordneten Auswanderung der Juden aus dem Großdeutschen Reich innerhalb eines Zeitraums von drei bis fünf Jahren verfügbar gewesen®. Schacht kehrte nach Deutschland zurück und hatte am 2. Januar 1939 eine lange Unter- redung mit Hitler über die Aufnahme seiner Vorschläge in London. Hitler war offenkundig beeindruckt, denn drei Tage später er- nannte er Schacht zum Sonderbeauftragten für die Förderung der jüdischen Auswanderung. Hitler ist hier zum erstenmal offen gegen die brutalen Methoden Heydrichs und der Gestapo aufgetreten. Das Auswärtige Amt wurde angewiesen, den Widerstand gegen Rublees Besuch in Ber- lin aufzugeben”, und die Verhandlungen mit seinem Komitee 23 N Bi, kr Ip“’ Br hear! 5. F Ze RB E 14 B| 13 | F 2 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG wurden nach Berlin verlegt. Am 20. Januar kam Hitlers berühmter Streit mit Schacht dazwischen, der nach seiner Weigerung, der Er- höhung des Notenumlaufs zuzustimmen, aus dem Amt des Reichs- bankpräsidenten entlassen wurde. Dann wurden die Verhand- lungen zwischen Helmuth Wohltat, dem Vorstand der Kontroll- behörde für ausländische Kredite, einerseits und Pell und Rublee andererseits abgebrochen. Obwohl sie später auf Ersuchen des amerikanischen Generalkonsuls und des italienischen Botschaf- ters#° wieder aufgenommen wurden, erwiesen sie sich als ganz zwecklos, weil Hitler jetzt in seinem Zorn über Schacht es ablehnte, das Vermögen der Juden für diesen Zweck zur Verfügung zu stellen. Die gleichen Schwierigkeiten ergaben sich im April, als Wohltat gestattet wurde, zwecks Besprechung einer beschränkten jüdischen Auswanderung nach Rhodesien und Britisch-Guayana nach London zu fahren. Schacht behauptete sogar in seiner Schlußrede in Nürn- berg, daß die Westmächte im Dezember 1938 eine Gelegenheit versäumt hätten, als seine Absicht noch Hitlers Unterstützung be- saß.„Wäre sie durchgeführt worden, so wäre nicht ein einziger deutscher Jude ums Leben gekommen!'.“ Soll man wirklich glauben, daß Hitler die jüdische Auswanderung während des Krieges finanziert hätte, bloß um den Verpflichtun- gen aus der von Schacht vermittelten Anleihe Genüge zu leisten, oder daß die Alliierten während der Zeit der Kriegsblockade Ju- den aus dem Reich aufgenommen hätten? Und selbst wenn die Alliierten die etwa 300000 Juden aufgenommen hätten, die im Januar 1939 unter Hitlers Herrschaft standen, wie hätten sich die Dinge in den später besetzten Gebieten gestaltet, in denen mehr als vier Millionen umkamen? Hitler hat kaum sechs Wochen lang mit Schachts Plänen gelieb- äugelt. Am 24. Januar, vier Tage nach Schachts Entlassung, wurde die Allgewalt der Gestapo in Fragen der jüdischen Auswanderung durch die Herausgabe einer Verordnung untermauert. Göring hatte an Frick zu schreiben, daß eine Zentrale für die Auswanderung von Juden innerhalb seines Ministeriums, mit Heydrich als Chef, zu errichten sei. Zwei von Fricks Beamten sollten in diesem Amt Dienst leisten, aber das war nichts anderes als die Aufrechterhaltung des alten Scheins, daß die SS ein Teil des Innenministeriums sei. Gö- rings Auftrag an Frick— der ihm sehr gegen den Strich gegangen 24 ERSTE sein AusV sprei In dı nebe in M mit c brua konf mal: tete. b berühmter ng, der Er. des Reichs- F Verhand. er Kontroll. und Rublee Suchen des Botschaf. h als ganz 15 ablehnte, fügung ZU ns Wohltat In jüdischen achLondon ke in Nürn- elegenheit ützung be- in einziger anderung erpflichtun- zu leisten, Iockade Ju- t wenn die ten, die im en sich die lenen mehr en gelieb- ung, wurde wanderung ‚öring halte wanderung Is Chef, zu Amt Dienst ‚altung des 15 sei. O6 | gegangen ERSTES. KAPITEL 3. DER SCHACHT-PLAN UND SEIN VERSAGEN sein muß— ermächtigte Heydrich,„die Judenfrage in Form der Auswanderung oder Evakuierung einer den Zeitverhältnissen ent- sprechend möglichst günstigen Lösung zuzuführen”*#2. In der Besprechung vom 12. November erwähnte Göring ganz nebenbei, daß Hitler die Möglichkeit einer Ansiedlung der Juden in Madagaskar erwäge, und so wurde das Wort„Evakuierung” mit dem Wort„Auswanderung“ zusammengekoppelt. Am 7. Fe- bruar war die Auslandspresse in Berlin zu einer wichtigen Presse- konferenz eingeladen, in der Alfred Rosenberg sprach, der da- mals ein einigermaßen nebelhaftes„Außenpolitisches Amt” lei- tete. Der„Völkische Beobachter” zitierte ihn folgendermaßen*: „Da... Palästina... nicht in Frage kommt..., so bleibt eben als einzige Frage zu lösen übrig, ob und welches in sich ab- geschlossene große Territorium die Demokratien bereitstellen wollen, um die Juden als Gesamtheit umzusiedeln. Dieses Ter- ritorium müßte eine Kapazität von rund 15 Millionen Juden vorsehen. Zu diesem Zweck müßten die jüdischen Millionäre und Milliardäre aus aller Welt etwa dem Büro der Evian-Kon- ferenz in London ihre Mittel zur Verfügung stellen... Wenn sich Millionen von Juden ansiedeln, so gebietet die primitivste Menschenfreundlichkeit den Juden gegenüber, es nicht sich selbst zu überlassen, sondern jede größere Kolonie unter die Oberaufsicht einer polizeilich gut durchgebildeten Verwal- tung zu stellen... Bei einer solchen Ansiedlung kann nicht von der Errichtung eines Judenstaates die Rede sein, sondern von der Errichtung eines jüdischen Reservats.” Wo beabsichtigte Rosenberg diese Strafkolonie unter fremder Polizeiverwaltung zu errichten? In Madagaskar, wo Hitler keiner- lei territoriale Absichten hatte, oder in dem russischen Lebens- raum, für dessen Eroberung sich Rosenberg so beharrlich ein- setzte? Die Verwirklichung dieses Planes hatte Krieg und die Annexion von Gebiet als Voraussetzung. Aber über diese Even- tualität hatte Hitler in ganz unzweideutigen Worten erst kurz vor- *Es sei darauf hingewiesen, daß das Wort„Endlösung“, das in Görings erneutem Auftrag an Heydrich vom 31. Juli 1941 eine so große Rolle spielt, in diesem ersten Schreiben nicht verwendet wird. Nichtsdestoweniger schreibt Heydrich am 6. November 1941 an Generalquartiermeister Wagner(siehe S. 349):„.. zumal ich seit Jahren damit die Endlösung der Judenfrage in Europa vorzubereiten.” Heydrich beauftragt bin,- er nicht immer mit datierte seinen Auftrag wahrscheinlich vom 24. Januar 1939, war ab der gleichen Lösung beschäftigt. 25 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG her, am 30. Januar, in einer Reichstagsrede, die zwei Stunden und zweiundzwanzig Minuten dauerte, folgendes gesagt*: „Ich will heute wieder ein Prophet sein. Wenn es dem inter- nationalen Finanzjudentum in- und außerhalb Europas gelin- gen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stür- zen, dann würde das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Ver- nichtung der jüdischen Rasse in Europa.” Diese Worte waren in einer endlosen und weitschweifigen Rede enthalten, aber sie waren wohlüberlegt. In späteren Jahren hat Hitler seine Hörer oft an diese prophetischen Worte erinnert, und er hat sie mindestens fünfmal öffentlich wortwörtlich wiederholt#, 4. Heydrich und Eichmann Der nächste Akt in dem Drama der Endlösung begann fünf Wochen später, am 15. März 1939, als Hitler in Prag einmarschierte und das „Protektorat Böhmen und Mähren“ verkündete. Zum erstenmal herrschte Hitler über ein Land, das ihm vorwiegend feindlich im Gefühl und fremd in der Sprache gegenüberstand. Obwohl die Tschechoslowakei ohne einen Schuß abzugeben kapituliert hatte, bestand in dem Land praktisch für die nächsten sechs Jahre Stand- recht. Die Deutschen gaben ihre Aufträge, die Marionettenregie- rung Dr. Hachas hatte sie auszuführen. Auf diese Weise wurde eine ungeheure Zahl von Juden an die Gestapo auch ohne jenes Mindestmaß von Schutz ausgeliefert, das das Gesetz in Deutsch- land den Juden immer noch zuerkannte. Daraus folgte eine er- zwungene Auswanderung in einem Ausmaße, das nicht einmal in Österreich erreicht wurde. Etwa 35000 Juden verließen während der nächsten sechs Monate das Land*. Heydrich kam der historische Status der tschechischen Juden bei der Durchführung seiner Pläne zustatten, denn der von der Prager Kuliusgemeinde gewählte Vorstand hatte durch Generationen die Hilfeleistung für bedürftige Juden organisiert. Seine Leute mach- ten daher die Prager Kultusgemeinde, deren Amt zu einer vollen Bürokratie mit 32 Abteilungen ausgebaut wurde, zur einzigen Mit- * Im März 1939 war die jüdische Bevölkerung in Böhmen und Mähren durch Flüchtlinge aus Österreich und den nach München an Deutschland abgetretenen Gebieten verstärkt und dürfte 122 000 oder gar 129 000 betragen haben. Im Oktober 1939, am Vorabend der ersten Massendeportation nach Polen, war die Zahl auf 90 147 zurückgegangen#, 26 ENDIOSUNG nden und gem inter- [Pas gelin- “g ZU stür- [STung der n die Ver. Igen Rede ahren hat Nnert, und erholt#, fWochen eund das erstenmal indlich im bwohl die liert hatte, Ihre Stand- ettenregie- 2ise wurde ohne jenes n Deutsch- fe eine er- t einmal in n während Juden bei der Prager tionen die ute mach- iner vollen zigen Mit- A Flüchtlinge ten verstärkt Vorabend der ingen®. ERSTES KAPITEL 4. HEYDRICH UND EICHMANN telstelle, durch die sich ein Jude an deutsche Ämter wenden konnte. Im Altreich, wo die Schaffung der„Reichsvereinigung der deut- schen Juden” erst nach Jahren eines erzwungenen Zusammen- schlusses bestehender jüdischer Fürsorgeorganisationen erfolgte, hatte es viel länger gebraucht, ehe dieses Stadium erreicht werden konnte. Am 22. Juli 1939 wurde eine Zweigstelle des sechs Monate alten Zentralamtes für Jüdische Auswanderung vom SS-Untersturmführer Hans Günther eröffnet, der einem gewissen SS-Hauptsturmführer Eichmann unterstand. Trotz Görings Auftrag vom 24. Januar ge- hörte Eichmann zu Heydrichs Sicherheitsdienst. Ebenso wie in Wien, arbeitete auch in Prag die Gestapo direkt im Gebäude des Rats der Israelitischen Kultusgemeinde#7, und es war die Aufgabe des Rates, die Tagesquote jüdischer Auswanderer bereitzustellen. Wenn die Anzahl nicht erreicht war oder das Kopfgeld nicht ein- gezahlt wurde, dann konnten die dafür Verantwortlichen einer Verschickung ins Konzentrationslager gewärtig sein. Unter diesen Umständen kamen die ärmsten Juden zunächst mit der Auswan- derung dran, weil jene, von denen bekannt war, daß sie über Vermögen verfügten, selbst mit der Gestapo verhandeln mußten. Die von Eichmann verlangten„Quoten-Juden“ wurden mit ihren Ausreisebewilligungen in die Häfen und Grenzstationen abge- schoben. Tausende wurden mit zweifelhaften Sichtvermerken la- teinamerikanischer Staaten oder mit britischen Zulassungsscheinen für Palästina auf deutsche Schiffe verfrachtet, und viele mußten wochenlang auf hoher See hin- und herfahren, wie z.B. die jüdi- schen Passagiere des Hamburg-Amerika-Dampfers„St. Louis”, der im Mai 1939 nach Kuba in See stach. Anfangs verlangte Eichmann die Auswanderung von 70 000 Juden innerhalb eines Jahres. Dr. Kafka, der Vorsitzende des Rates der Prager Kultusgemeinde, machte den Einwand, daß das Eigentum des Rates gesperrt war. Eichmann drohte dann, jeden Tag 300 Ju- den straßenweise zu verhaften und nach Dachau und Merkelsgrün zu schicken,„wo sie ein großes Interesse für die Auswanderung bekommen werden“. Schließlich wurde das Geld irgendwie auf- gebracht. Wäre der Krieg nicht fünf Wochen später ausgebrochen, dann hätten Eichmanns Forderungen volle Erfüllung gefunden. In der Zwischenzeit hatten die Sperre der jüdischen Guthaben, die Wegnahme der jüdischen Geschäfte und die Entlassung jüdischer 27 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Angestellter einen Zustrom nach der Hauptstadt hervorgerufen. Obwohl bis Oktober 1939 35 000 Juden das Land verlassen haben mögen, war die Zahl der Juden in Prag von 35 425 auf 46 170 ge- stiegen*. 8000 wurden auf Grund einer Polizeiverordnung vom 11. August aus den kleineren Städten nach Prag abgeschoben®0. Auf diese Weise war der vom„Schwarzen Korps” vorausgesehene Zustand von Massenelend in nahe Sicht gebracht worden, und in Prag schien das historische geschlossene Judenviertel wieder zu erstehen. Aber Heydrich war, wie wir bereits gesehen haben, kein besonderer Freund von Ghettos. Man hatte ihm die entsprechen- den Hinweise auf Überfüllung und Epidemiegefahr an die Hand gegeben. Der nächste Schritt war Massendeportation, sobald ent- sprechendes Gebiet dafür verfügbar war, zunächst in Polen und später in der Sowjetunion. Aber wohin immer die Juden gehen sollten, sie mußten zum Werkzeug ihrer eigenen Vertreibung ge- macht werden. Der Rat der Prager Kultusgemeinde hatte das Vor- bild für die Judenräte zu bilden, die in den polnischen und russi- schen Städten von 1941 bis 1943 die Namen der dortigen Juden zu verzeichnen, sie zu Sammelplätzen zu bringen und ihnen später zur Hinrichtungsstätte oder ins Todeslager zu folgen hatten. Dieses System war zweifellos Heydrichs Erfindung, der etwas Ähnliches unmittelbar nach dem Anschluß im März 1938 bei den Wiener Juden in Anwendung gebracht hatte; und mit seinem Er- folge dabei hat er dann auf der von Göring am 12. November ab- gehaltenen Besprechung geprahlt. Eichmann hat sich zwar sieben Jahre später den in Nürnberg aussagenden Zeugen Willi Höttl und Dieter Wisliceny gegenüber damit gebrüstet, daß er den Tod von fünf Millionen Juden herbeigeführt habe, aber er war nichts als Heydrichs ausführendes Organ, das seine Lehrzeit im Zentralamt für jüdische Auswanderung durchgemacht hatte. Da Eichmann möglicherweise noch am Leben ist, kann vielleicht noch mehr über die Stellung bekannt werden, die er in der SS- Hierarchie schließlich einnahm, aber die Akten der Abteilung „Deutschland III” des Auswärtigen Amtes haben bereits gezeigt, daß die Tätigkeit des Juden-Inquisitors sich weder autokratisch noch im Geheimen abspielte(s. S. 81 ff. u. 106). Andere Eichmann- Legenden wurden durch die Entdeckung seiner vom SS-Personal- amt geführten Personalakten zerstört, so z.B. die, daß er in Pa- lästina in der deutschen Templer-Kolonie Sarona geboren sei®!, 28 Prgerufen, en haben 6 170 ge. Ung vom oben a gesehene en, und in ieder ZU iben, kein Sprechen- die Hand pbald ent- Polen und len gehen Hibung ge- k das Vor- und russi- Juden zu en später en. ler etwas 8 bei den seinem Er- ember ab- var sieben iHöftl und n Tod von nichts als /entralamt ‚vielleicht in der 5% Abteilung (3 gezeigt, tokratisch -chmann- Personal- er in Pa- ren sel?" i 5 14 ERSTES KAPITEL 4. HEYDRICH UND EICHMANN Die simple Wahrheit hat aber die Entstehung neuer Legenden nicht verhindert, so jener, daß Eichmann 1948 in Ägypten auf- getaucht sei, um entkommene deutsche Gefangene für den Kampf gegen die Juden anzuwerben 52, oder daß er nach dem Krieg als Jude nach Palästina zurückgekehrt sei 53, Eichmann wurde in Wirklichkeit im März 1906 in Solingen als Sohn einer Familie geboren, die früher in Elberfeld gelebt hatte, aber in Eichmanns Kinderjahren nach Linz in Österreich übersie- delte. Sein Vater war Direktor einer elektrotechnischen Firma®%. Er ist also in einer rein österreichischen Atmosphäre aufgewach- sen, wo er sich den österreichischen Dialekt und eine Leidenschaft fürs Reiten aneignete, die in seiner Budapester Blütezeit von 1944 auffiel, als Dr. Kastner Eichmanns krummbeinigen Gang be- merkte 55. Eichmann wurde ursprünglich dafür erzogen, dem Beruf seines Vaters zu folgen, und in allen seinen Dokumenten bezeich- nete er seinen Zivilberuf als„Maschineningenieur“. Er mußte aber sein Studium der Technik 1925 aufgeben, da sein Vater als Opfer der Inflation das Studium nicht länger finanzieren konnte. Im Jahre 1927 wurde Eichmann Agent der Vacuum Oil A.G., und 1931 fand er für sein Mißgeschick ein Ventil im Beitritt zur öster- reichischen Nationalsozialistischen Partei. Im Juli 1933 überschritt er die deutsche Grenze, und in den nächsten vierzehn Monaten war er im Ausbildungslager der Österreichischen Legion am Lech- feld bei Augsburg. Im September 1934 wurde der Unteroffizier Eich- mann in das Hauptamt des SD in Berlin versetzt, wo er zuerst damit beschäftigt war, eine Kartei der Freimaurer zusammenzu- stellen. Später war er Leiter des Museums des Amtes, wo er sich für zionistische Dokumente zu interessieren begann und einige jüdische und hebräische Brocken erlernte. Leon Poliakov glaubt, daß Eichmann im Jahre 1937 nach Palästina entsandt wurde, um mit den arabischen Aufständischen Fühlung zu nehmen, daß er aber nach 48 Stunden von den britischen Behörden ausgewiesen wurde 56 und daß er von dort nach Kairo ging, wo er sich mit einem Vertreter des Ex-Mufti von Jerusalem, Haji Amin Husseini, anfreundete. Zur Zeit seines angeblichen Palästina-Aufenthalts war Eichmann aber bloß ein Unteroffizier in der SS, der in dem damals noch nicht besetzten Wien als Gestapospitzel arbeitete. Eichmanns Besprechungen mit dem Mufti datierten wahrscheinlich aus den Jahren 1942—44, als der Letztgenannte als akkreditierter 4 23 | : 5 4 179 ! Bi k r IE! Er re ee DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG arabischer Bevollmächtigter in Berlin lebte und mit Eichmanns Amt Fühlung aufrechterhielt. Eichmanns richtige Laufbahn begann am 1. August 1938, einige Monate nach dem Anschluß, als er zum Vorstand des Wiener Am- tes für Jüdische Auswanderung gemacht wurde. Die Empfehlung für seine Beförderung zum Hauptsturmführer vom 30. 1. 1939 sagt: „Eichmann leitet die gesamte jüdische Auswanderung 7.” Von Wien wurde Eichmann nach Prag und von Prag nach Berlin ver- setzt, wo er am 30. Januar 1940 an Heydrichs großer Konferenz über die Umsiedlung der Juden und Polen teilnahm(siehe S. 51 u. 52). Einige Monate später leitete Eichmann die Auswanderungs- zentrale und die Abteilung der Gestapo für„Judenerhebungen“. Die beiden Ämter wurden als„Büro IV A, 4b” des Reichssicher- heitshauptamts miteinander verschmolzen. „IV A, 4b”, das sein eigenes vierstöckiges Gebäude in der Kur- fürstenstraße 116 hatte, wurde in den Jahren 1941—44 die Zentral- stelle der Endlösung, der Mittelpunkt des ganzen Spinnennetzes von Deportation und Massaker. In der Theorie war es eine sehr bescheidene Angelegenheit. Amt IV bedeutete Gestapo, Sektion A war die Bezeichnung für deren Abteilung für interne Tätigkeit, Nr. 4 war eine Unterabteilung davon, die sich mit der Erforschung religiöser Kulte beschäftigte, und IV A, 4b war eine weitere Unter- abteilung, die sich mit den Juden zu befassen hatte. So fand es seinen Platz unter hundert anderen obskuren Amitsstellen des RSHA*, und im Rahmen dieser Tarnung war es Eichmann bestimmt, daß er niemals über den Rang eines SS-Obersturmbannführers hinauskommen konnte. Diesen höchsten ihm offenstehenden Rang erreichte er am 29. Oktober 1941, kurz vor der Wiederaufnahme der Deportationen im Reichsgebiet. Während des folgenden Blut- bades war es Eichmanns Aufgabe, keinen zu wichtigen Eindruck hervorzurufen. Nur in Budapest gestattete er sich nach dem März 1944 den Luxus des öffentlichen Auftretens als wichtige Persönlich- keit, möglicherweise weil er die Unterstützung Kaltenbrunners ge- gen Himmler besaß. Das Bild, das Dr. Kastner von dem Eichmann dieser Periode ent- wirft, ist das eines zynischen, auftrumpfenden, dem Alkohol er- * Die Amtsstelle VIF, 4a, Leitung Sturmbannführer Krüger, beschäftigte sich z.B. mit der Erzeugung gefälschter ausländischer Banknoten im Lager Sachsenhausen für Zwecke der Gegenspionage, Ausland-Abwehr.(Prozeß XI NG 5508, und siehe S. 516.) 30 DLOSUNG ns Amt ‚ Einige ner Am- Nehlung 39 sagt: “ Von lin ver- Nferenz e 3.5] eTungs- ungen”, Ssicher- her Kur- /entral- nnetzes ne sehr 'ktion A itigkeit, schung > Unter- fand es len des stimmt, führers n Rang fnahme en Blut- indruck n März sönlich- ers ge- de ent- hol er- z.B. mit ir Zwecke ERSTES. KAPITEL 4. HEYDRICH UND EICHMANN gebenen SS-Satrapen, der sich eine elegante Maitresse hielt; aber das von L. Poliakov veröffentlichte Lichtbild, das möglicherweise zehn Jahre früher aufgenommen wurde, als Eichmann gerade in den SD eintrat, macht weniger den Eindruck eines Lebemannes 3. Von dem ernsten Gesichtsausdruck des Studenten dieser Jahre blieben nur die sonderbar glänzenden Augen in den Photogra- phien erhalten, die Eichmanns Personalakten aus dem Jahre 1944 angeschlossen sind. Man fragt sich, ob Eichmann sich seinen Beruf mit Rücksicht darauf gewählt hat, daß ihn seine Kollegen wegen seines jüdischen Aussehens hänselten. Psychologen wären sicher interessiert an der Erklärung, die Eichmann dafür gibt, daß er keine „Sportabzeichen der Partei“ besitzt— eine an sich völlig überflüs- sige Erklärung—, nämlich„wegen einer Verletzung an meiner Hand“%. Eichmanns Werdegang war der eines deutschen Staatsbeamten, der in seiner Arbeit aufgeht, die ihm keinen Ruhm bringt. Er hei- ratete eine unbedeutende Frau aus kleinbürgerlichem Milieu, die ihm drei Töchter schenkte— die Familie, die seiner Absicht zufolge mit ihm sterben sollte, wenn er Selbstmord beging, was er seinem Freund Wisliceny im Februar 1945 anvertraute. Aber Wisliceny sollte Eichmann ein oder zwei Tage vor der Kapitulation Deutsch- lands wieder zu Gesicht bekommen. Es war in Alt-Aussee im Salz- kammergut, dem letzten Hauptquartier von Kaltenbrunner und des RSHA. Eichmann sagte Wisliceny, daß er seiner Familie falsche Papiere besorgt hätte und daß er selbst sich in den Bergen„bis zum kommenden Konflikt zwischen Ost und West” verstecken werde(siehe S. 545). Zehn Jahre sind seither vergangen, und Eichmanns Leiche wurde nicht gefunden. Wir wissen nicht, ob er so gestorben ist, wie er es versprach, nämlich daß er„lachend in die Grube springen würde, denn das Gefühl, daß er fünf Millionen Menschen auf dem Gewissen hätte, wäre für ihn außerordentlich befriedigend”©, Jedenfalls betrafen die Morde, bei denen Eichmann seine Hand unmittelbar im Spiele hatte, weniger als eine Million Menschen; seine Verbindung mit den Massakern in Polen und Rußland scheint nur sehr lose gewesen zu sein. Er war ein Großinquisitor, dem keinerlei Zauber oder Romantik anhaftete, und ihn charakterisie- ren voll die Worte seines Freundes Dieter Wisliceny, der ihn für seine erste Aufgabe vorgeschlagen hatte®': 4* 31 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG „Er war in allen Dingen ein ausgesprochener Bürokrat. Über jede Unterredung, die er mit irgendeinem seiner Vorgesetzten hatte, fertigte er sofort eine Aktennotiz an. Er hat mich immer wieder darauf hingewiesen, daß dies das Wichtigste wäre, damit er jederzeit von oben gedeckt wäre. Er selbst scheute jede eigene Verantwortung und war sehr bemüht, für alle Maßnahmen, die er traf, eine Deckung seiner Verantwortlich- keit seinen Vorgesetzten gegenüber— in diesem Falle von Müller und Kaltenbrunner— zu erreichen.” 5. Auswanderung nach Kriegsausbruch Am 4. Juli 1939 war Heydrichs Todesreich vollständig. Die neueste Zugabe zu den Nürnberger Gesetzen, die„Zehnte Verordnung zum Reichsbürgergesetz”, hatte die Reichsvereinigung der jüdi- schen Hilfsorganisation des Altreiches in eine offizielle jüdische Bürokratie unter der Kontrolle des Befehlshabers der Sicherheits- polizei und des SD verwandelt®. Die Juden waren Gefangene des SS-Staates. Sie hatten zwar ihre eigenen Steuern einzuheben und ihre sozialen Einrichtungen zu verwalten, aber sie hatten die meisten der ohnehin schon eingeschränkten Rechte der Berufung auf das für alle geltende Recht des Landes verloren, die ihnen die ursprünglichen Nürnberger Gesetze gelassen hatten. Sie lebten in einem Ghetto ohne Mauern. Unter dem Deckmantel der„Zehnten Verordnung“ wurde die Ent- eignung jüdischer Firmen ohne Zahlung auch der nominellen Ent- schädigung in Staatspapieren, die in der Verordnung von 1938 vorgesehen war, durchgeführt, aber der Prozeß ging langsam vor sich, und bei Kriegsausbruch gab es immer noch einige jüdische Privatbanken und einige Firmen, die Pelze und Textilien ausführ- ten. Für die große Mehrheit der 375000 Juden des Großdeutschen Reiches einschließlich Österreichs und des Protektorates gab es keinen regelrechten Beruf, und vollkommene Verelendung wurde von ihnen nur durch die Anordnung über Zwangsarbeit vom März 1939 abgewendet. Aber auch im Rahmen dieser Maßnahme war die Zahl derjenigen, die Arbeit hatten, unverhältnismäßig gering. So waren nur 20000 Juden in Berlin beschäftigt, obwohl es bei Ausbruch des Krieges dort 95000 gegeben hatte. Die Juden waren zur Arbeit im Baugewerbe und in der Landwirtschaft ver- pflichtet, aber der Rüstungsindustrie war es gestattet, die fachlich 32 Orgesetzten Mich immer figste Wäre, Ibst scheyfe Iht, für alle ontwortlich- Falle von Die neueste erordnung 9 der jüdi- Ile jüdische Sicherheits- angene des heben und hatten die er Berufung ie ihnen die . Sie lebten rde die Ent- inellen Ent- g von 1938 angsam vor ge jüdische en ausführ- deutschen tes gab es Jung wurde t vom März N ENDLOSUNg| Okrat, Ober| nahme war Big gering. yohl es bei Die Juden tschaft ver- jie fachlich ERSTES KAPITEL 5. AUSWANDERUNG NACH KRIEGSAUSBRUCH geschulten Juden an sich zu ziehen, die so, besonders in Berlin und Breslau, bis zum Februar 1943 vor der Deportation bewahrt _ blieben(siehe$. 180). ‚ Der Kriegsausbruch am 1. September 1939 brachte keine Änderung in der Rechtslage der deutschen Juden. Auswanderung war bis zum 1. Oktober 1941 gestattet, also bis zu einem Zeitpunkt, da in den östlichen Ghettos die Ausrottung bereits seit Monaten im Gange war. Einige neutrale Länder standen immer noch offen, der Atlantische Ozean konnte überquert werden, auch Palästina war ‚ erreichbar. Bis zum 20. Juni 1940 konnten Flüchtlinge, die über die notwendigen Mittel verfügten, sich von italienischen Häfen aus einschiffen, und zwischen dem 20. Juni 1940 und 11. November 1942 konnten sie, auch wenn die Schwierigkeiten immer größer wurden, den Weg durch das unbesetzte Frankreich nach Lissabon oder Casablanca nehmen. Im Mai 1941 beschwerte sich die Ge- stapo, daß die französischen Juden diese beschränkten Möglich- keiten zum Nachteil der mit Erlaubnisscheinen versehenen jüdi- schen Auswanderer aus dem Reich benützten%. Auch Juden in Polen konnten im Anfang dem deutschen Terror entkommen. Ita- lien war auf dem Weg durch die Slowakei und Ungarn, die Häfen des Schwarzen Meeres durch Rumänien zu erreichen. Es gab eine stark benützte Route nach China und Japan über Lettland und die Sowjetunion. Es ist äußerst schwer, die Zahl der Juden zu schätzen, denen es nach Ausbruch des Krieges gelang, ihrem Schicksal zu entkommen. Aber es ist bekannt, daß während der zweieinhalb Jahre, in de- nen in dem unbesetzten Teil Frankreichs die Organisation HICEM und das„Joint Distribution Committee” bestanden, diese 10000 Ju- den durch Lissabon und 1200 durch Casablanca durchschleusten 6%. Der Ausbruch des Krieges mit Japan fand an die 20000 europäi- sche jüdische Flüchtlinge inSchanghai und 4000 inKobe, die meist erst nach Kriegsausbruch dort angekommen waren. Die Auswan- derung erreichte ihren Höhepunkt zwischen dem Zusammenbruch Frankreichs und vier bis acht Wochen vor Hitlers Einfall in die | Sowjetunion, als die Russen den Durchgangsverkehr einstellten. ‚ Es ist möglich, daß bis zu 13000 Juden vom Altreich allein frei- willig in den ersten zwei Kriegsjahren ausgewandert sind(siehe 5.560 f.), eine Zahl, die angesichts des großen Exodus aus Europa nach Palästina im Jahre 1947 nicht überraschen kann. In anderen 33 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Worten: einer von sechzehn konnte es sich erlauben, sich von der Gestapo loszukaufen*. Hitler mag von diesen Dingen nichts ge- wußt oder er mag sie stillschweigend geduldet haben, aber solche Zweifel bestehen bezüglich Himmlers und Heydrichs nicht, Der erstere, der während der ersten zwei Kriegsjahre die jüdische Aus- wanderung als eine Einnahmequelle für die SS betrachtete, machte wiederholt Versuche, Menschenhandel im großen zu betreiben, Jahre, nachdem Hitler die Endlösung angeordnet hatte. Die Hal- tung Heydrichs ist schwerer zu verstehen. Als er im Sommer 1941 mit dem Programm der erbarmungslosen Deportationen betraut wurde, führte er diese Aufgabe ohne Zögern und ohne das ge- ringste Mitleid durch, aber er scheint in keinem Zeitpunkt die Aus- wanderung der Juden zwecks Zurückhaltung für spätere Ausrot- tung behindert zu haben. Die Tat Herschel Grynszpans, die ihren Zweck als Vorwand für die Strafmaßnahmen des November 1938 erfüllt hatte, nahm nach Ausbruch des Krieges eine neue Bedeutung an. Grynszpan war dann nicht nur der jüdische Verschwörer, der Hitler in einen Kon- flikt mit Frankreich verwickeln wollte, er war das lebende Symbol des internationalen Juden, der den Krieg angezettelt hatte. Am 20. September 1939 veröffentlichte Goebbels eine Broschüre, die den Titel führte„Anschlag gegen den Frieden. Ein Gelbbuch über Grünspan und seine Helfershelfer”, Verfasser war Wolfgang Dier- wege, ein Beamter seines Ministeriums. Aber von da an scheint das Hitlerregime die Möglichkeiten der Grynszpan-Legende merk- würdig vernachlässigt zu haben; auch nach dem Zusammenbruch Frankreichs im Juni 1940, als Grynszpan in deutsche Hände fiel. Erst als man im Dezember 1941 die Juden des Reiches in das Massenmorden einbezog, hat man es zunächst für zweckmäßig erachtet, einen öffentlichen Schauprozeß zu inszenieren. Dier- wege, der von Goebbels nach Paris geschickt worden war, um Zeugen zu finden, hatte eine Unterredung mit Georges Bonnet, dem Außenminister der Zeit von München. Dierwege zufolge war * Die Statistik der offiziellen„Reichsvereinigung” für das Altreich weist 215 000 lebende Juden für September 1939 und 163 696 für den 1. Oktober 1941 aus, als das Verbot einer weiteren Auswanderung verlautbart wurde. Von dem Abgang von 51 000 Juden kann man 6500 auf das Konto der Deportationen nach Südfrankreich im Oktober 1940 und 1400 auf das der Deportation von Stettin nach Polen im Februar 1940 rechnen. Ein viel stärkerer Abgang ist in diesen zwei Jahren dem wachsenden Überschuß, der Todesfälle über die Geburtsfälle zuzuschreiben, den in Himmlers Statistik Dr. Korherr mit 85 per Tausend# für 1942 annimmt(siehe Anhang|) 34 DER ENDLOSUNG R Sich von der N Nichts ge. 1, über solche NS Nicht, Der lüdische Aus- tele, machte ZU betreiben, | ERSTES. KAPITEL 5. AUSWANDERUNG NACH KRIEGSAUSBRUCH Bonnet bereit, in dem Prozeß gegen Grynszpan auszusagen. Er war auch bereit,„zu erklären, daß er gegen die Kriegserklärung an Deutschland gewesen sei, daß die französische Regierung aber gewissermaßen vom Judentum so schwer unter Druck gesetzt wurde, daß sie nicht vorbeikam“‘®. In diesem Augenblick begann der ganze Plan für einen großen Schauprozeß, der sich vor den Augen der Welt abspielen sollte, Se Hal- zu zerbröckeln. Goebbels war mit der Bonnet zugedachten Rolle en h 1941 nicht einverstanden, und alle Parteiführer waren sich einig darüber, A Be daß der Prozeß die Heldenverehrung für vom Rath, der die Jun- "05 ge- ker-Opposition personifizierte, wieder aufleben lassen würde. An- unkt die Aus. fang April wurde Thierack, der zukünftige Justizminister, durch ütere Ausrot- Roland Freisler ersetzt, der Grynszpan im Berliner Volksgericht aburteilen sollte. Thierack beauftragte einen gewissen Weinmann’® Vorwand für damit, als Grynszpans Verteidiger aufzutreten, und gab Wein- >, nahm nach mann eine Waffe zur Zerstörung der vom-Rath-Legende in die /Nszpan war Hand; das Dokument wurde in der Anklageschrift abgedruckt. Es n einen Kon- war ein von einem jüdischen Flüchtling in Frankreich geschriebe- ende Symbol ner anonymer Brief, in dem vom Rath lang andauernder homo- | hatte. Am sexueller Beziehungen zu Grynszpan beschuldigt wurde. Goeb- roschüre, die bels, der sich hintergangen fühlte und darum wütend war, hatte 2/bbuch über Ribbentrop und Abetz davon zu überzeugen, daß der Plan mit olfgang Dier- dem Prozeß aufgegeben werden müsse. Am 11. Mai 1942 wurde Ja an scheint er auf unbestimmte Zeit vertagt. gende merk- Hier verschwindet die mysteriöse Figur Herschel Grynszpans von ammenbruch der Szene. Wenn es sich nur darum handelte, einen Juden zu be- Hände fiel. seitigen, war kein Prozeß notwendig. Die Deutschen mußten Gryn- iches in das szpan nur in einen der Züge nach Auschwitz stecken, die bald zweckmäßig nach einem regelmäßigen Fahrplan zu verkehren begannen. Merk- ieren. Dier- würdigerweise war Grynszpan im Mai 1940 in Frankreich auf Jen war, um freiem Fuß. Der Zug, der ihn mit anderen Gefängnisinsassen von Paris nach Toulouse bringen sollte, wurde in der Nähe von Li- rges Bonnet, 5; moges bombardiert. Grynszpan verlangte, ins Gefängnis gebracht e war a zu werden, obwohl ihn der Staatsanwalt in einem Hotel unter- das Verbot einer bringen wollte”'. Diese Geste des Fanatismus des jungen Mannes, 000 Juden en der über sein Volk so viel Unheil gebracht hatte, scheint irgendwie a a die Haltung der Ostjuden in dem Inferno, das ihnen bevorstand, 3 der Todesfälle zu symbolisieren, eine Haltung, für die es noch keine zureichende rherr mit 85 per Erklärung gibt. 35 Zweites Kapitel Die Deportationen- September 1939-Oktober 1941 1. Die Festigung des deutschen Volkstums Als am 1. September 1939 die ersten deutschen Truppen die pol- nische Grenze überschritten, gab es auf seiten von Hitlers Geg- nern viel unbegründeten Optimismus. Von den Polen nahm man an, daß sie lange genug aushalten würden, um etwas von der langsamen Mobilisierung des Westens zu haben. Wenigen war es bewußt, daß die achtzehn Tage des polnischen Widerstandes für eine Nation, die für einen motorisierten Krieg nicht gerüstet war, eine bemerkenswerte Leistung darstellten. Inden damaligen Erörte- rungen fand das Schicksal der größten kompakten Gruppe von Juden in Europa— 2732 600 im September 1931, vielleicht 3 250.000 im September 1939— wenig Aufmerksamkeit. Durch das zwischen Ribbentrop und Molotow am 23. August 1939 abgeschlossene Ge- heime Zusatzabkommen zum deutsch-sowjetischen Nichtangriffs- pakt wurden 1 170000 dieser Juden in russische Hände gegeben. Wenn man in Betracht zieht, daß eine größere Zahl von Juden geflohen sein dürfte, kann man immer noch annehmen, daß am 18. September 1939 fast zwei Millionen Juden in deutsche Hände gefallen sind. Den deutschen Panzerkolonnen folgten die Lastautos und Motor- räder der„Einsatzgruppen“ der Sicherheitspolizei und des SD, der Männer Heydrichs, die die Pogrome vom 9. November 1938 or- ganisiert hatten. Pogrome brachen denn auch in fast jeder Stadt mit jüdischen Einwohnern aus, und sie setzten gleich am Tage der Besetzung ein. Diesen erfahrenen„Agents provocateurs” war es nicht schwergefallen, die polnische Bevölkerung zu überreden, sich auf diese Weise über das Unglück der Niederlage zu trösten. Aber der„kleine Terror“ der Zeit vom September bis November 1939 war harmlos im Vergleich zu den methodischen Massakern 36 I zuases MAT | chrend des Ei w k {ungen VON I \U schränkten ai |" machtseinheite? ‚chluß der han haben; erst 4 schofte da Im Juni 1941 dar Eiappe der festgelegt. Im Andeutung de: Ieglere Selun Leute im Umg: Am 14. Septem meister und ei dem Standgeri zen Tag bei eit in eine Synag« kannte die Ar schuldig und v zu drei Jahren der Oberbefeh sprüngliche Ur daß die Tat ur Kanoniers Erns er„als SS-Maı die deutschfein In jugendliche habe, Tüchtige Der Fall war 6 . Zuerregen, Ar * Man kann dem U U) die von den polnis wenig Beweiskraft personen, die kaun U kein vollgültiger B: &genkeiligen Theo Ordentlich., Gra, der deutschen Arm in Polen Iebten, bi iderspruch zu de tober 194] pen die pol- Hitlers Geg- n nahm man as von der nigen war es erstandes für gerüstet war, igen Erörte- Gruppe von icht 3.250. 000 Jas zwischen lossene Ge- \ichtangriffs- de gegeben. | von Juden en, daß am tsche Hände und Motor-| | des SD, der er 1938 or- jeder Stadt ım Tage der urs” war 65 überreden, , zu trösten. November Massakern ZWEITES KAPITEL 1. DIE FESTIGUNG DES DEUTSCHEN VOLKSTUMS während des Einfalls nach Rußland im Jahre 1941. Den Ausschrei- | tungen von 1939 fehlte das Element der Koordinierung; sie be- schränkten sich auch nicht auf die SS und die Polizei, denn Wehr- machtseinheiten jeder Gattung nahmen an ihnen teil*'!. Nach Ab- schluß der Kämpfe scheint sich die Situation noch verschärft zu haben; erst die Errichtung einer Zivilverwaltung Mitte November schaffte da Wandel. Im Juni 1941 wurde die Unabhängigkeit der Polizeieinheiten in der Etappe der Armee nach langen Konferenzen höchst sorgfältig festgelegt. Im September 1939 hingegen scheint es nichts als eine Andeutung des Führers gegeben zu haben, daß die SS eine privi- legierte Stellung genieße und daß die animalischen Instinkte der Leute im Umgang mit den Juden nicht bekämpft werden sollten. Am 14. September zum Beispiel standen zwei SS-Leute, ein Wacht- meister und ein Kanonier, wegen Ermordung von 50 Juden vor dem Standgericht. Sie hatten die Juden, nachdem diese den gan- zen Tag bei einer Brückenausbesserung gearbeitet hatten, abends in eine Synagoge gesperrt und dort erschossen. Das Gericht er- kannte die Angeklagten nur des Totschlags, nicht des Mordes schuldig und verurteilte den einen zu neun Jahren, den anderen zu drei Jahren Gefängnis. Nach einigem Hin und Her bestätigte ' der Oberbefehlshaber des Heeres, von Brauchitsch, weder das ur- sprüngliche Urteil noch auch mildere Strafen mit der Begründung, daß die Tat unter die allgemeine Amnestie falle. Zugunsten des Kanoniers Ernst hatte der Offizialverteidiger geltend gemacht, daß er„als SS-Mann in besonderem Maße beim Anblick der Juden die deutschfeindliche Einstellung des Judentums empfunden, daher in jugendlichem Draufgängertum völlig unüberlegt gehandelt habe. Tüchtiger Soldat, unvorbestraft”?. Der Fall war öffentlich genug, um Aufmerksamkeit in Deutschland ' zu erregen. Am 19. Oktober trug der ehemalige Botschafter Ulrich j* Man kann dem Unterhausabgeordneten R. T. Paget nur zustimmen, wenn er sagt, daß die von den polnischen Kommissionen nach dem Krieg durchgeführten Untersuchungen wenig Beweiskraft besitzen. Sie bestehen meist aus isolierten Darstellungen von Einzel- personen, die kaum je durch andere Beweisquellen bestätigt wurden. Die Tatsache, daß kein vollgültiger Beweis vorhanden ist, berechtigt aber noch nicht zur Aufstellung einer gegenteiligen Theorie. Abgeordneter Paget schreibt:„Die deutsche Armee verhielt sich ordentlich... Grausamkeiten gab es wenige und sie blieben vereinzelt... Das Betragen der deutschen Armee war korrekt.” Gebildete Menschen, die während dieser Zeitspanne in Polen lebten, bestätigten keineswegs die Richtigkeit dieser Auffassung, die auch im Widerspruch zu den Ansichten deutscher Demokraten steht. 37 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG von Hassell eine genaue Beschreibung der ganzen Begebenheit in sein Tagebuch ein, wobei er sich besonders über die von Brau- chitsch dabei gespielte Rolle entrüstete*, aber andererseits zugab, daß die Generäle Reichenau* und Blaskowitz gegen andere SS- Bestialitäten protestiert hatten. Wenn es wahr sein sollte, daß alle gegen die Juden in Polen verübten Grausamkeiten auf das Konto der SS gehen, dann müssen die SS-Leute ein ganz besonderes Talent dafür entwickelt haben, allgegenwärtig zu sein. Damals besaß nämlich die SS alles in allem, mit Einschluß der Reserve- truppen und der Totenkopfverbände(die meistens mit der Be- wachung von Konzentrationslagern in Deutschland beschäftigt waren), eine Stärke von 26000 Mann; sie war nicht in der Lage, eine einzige Infanteriedivision aufzustellen®. Die völlige Ohn- macht der Wehrmachtgeneräle ist angesichts dieser Zahl ganz unverständlich. Im weiteren Verlauf des Krieges, als die Waffen- SS 500000 Mann zählte und 30 Felddivisionen aufzustellen in der Lage war, hatte ihre Hochachtung vor Himmler eine gewisse sachliche Berechtigung. Im Falle von Beschwerden raffte sich das Oberkommando der Wehrmacht zu kaum mehr als papierenen Schritten auf. So stürmte zum Beispiel Leni Riefenstahl, die von Hitler favorisierte Film- schauspielerin und Regisseurin— Hitler befand sich gerade im Hauptquartier der Heeresgruppe Süd auf einem alten Schloß in Konskie, zwischen Lodz und Kielce—, am Abend des 10. Septem- ber 1939 in das Büro des Chefs des Nachrichtendienstes General- major Langhauser. Sie habe, sagte sie, gesehen, wie man zwei- undzwanzig Juden abgeschossen habe, und sei nicht in der Lage, die Arbeit ihrer Filmeinheit weiterzuführen. Langhauser arbeitete einen Bericht an den Befehlshaber der Heeresgruppe Süd, von Manstein, aus, der„eine Erhebung und sofortiges Eingreifen in * Daß Reichenau, der den notorischen Tagesbefehl vom 10. Oktober 1941 über das„jü- dische Untermenschentum” unierschrieb, solche Proteste unterstützt haben sollte, ist be- merkenswert, aber Hassell hat dafür eine Erklärung. Reichenau, der Chef des Wehr- machtsbüros während der Weimarer Republik gewesen war, teilte die Hoffnung der nationalsozialistischen Führung auf einen Sieg über die Westmächte nicht, mit denen er Frieden haben wollte. Reichenau sah in den Greuelgeschichten eine Gefahr für eine Einigung(siehe Seite 260). Überdies hatte ihn Admiral Canaris im Oktober besucht und ihm seine Akten über Greueltaten gezeigt. Karl Abshagen zufolge äußerte Reichenaus Stabschef Paulus volle Zustimmung zu Hitlers Maßnahmen. Es sei daran erinnert, daß Paulus, bevor er vor den Russen kapitulierte, von der„Prawda“ als„Schlächter von Charkow” gebrandmarkt worden war. 38 zwei KAPITEL Mu ollen ee Gebiet det! Von Brauchits Isigkeit der Feldmarscha macht, vertolt Fall von War Canaris, wä Maßnahmen Adel und die zur Verteidie polizei einz nicht ausfüh auch ein en Die Furcht v deutschen Fe senmord zu rendorff get Krieg ausge ferenz auf d Rundstedt ur war, Notizer wollten?. Es nicht erwähr renz in Hit! Gelegenheit einen phan Ukrainer ge wiegeln soll Eine system: Erwägung eines große dem dem Rı Nürnberger wohin imm« vor dem Kr Heydrich a konferenz daraus her zustellen in der r eine gewisse kommando der auf, So stürmte vorisierte Film- sich gerade im alten Schloß in des 10. Septem- enstes General- wie man zwel- cht in der Lage, auser arbeitete uppe Süd, von s Eingreifen in sr 1941 über das„il haben sollte, ist be: Jer Chef des Wehr- & die Hoffnung der ite nicht, mit: denen ‚ine Gefahr für eine Oktober besucht und äußerte Reichenavs daran erinnert, daß ols„Schlächter von ZWEITES KAPITEL 1. DIE FESTIGUNG DES DEUTSCHEN VOLKSTUMS allen Fällen” anordnete, aber Vorfälle dieser Art spielten sich im Gebiet der Heeresgruppe Süd weitere zwei Monate hindurch ab. Von Brauchitschs zahme und passive Haltung sowie die Macht- losigkeit der Generäle— alles das hat seinen Ursprung in der von Feldmarschall Keitel, dem Chef des Oberkommandos der Wehr- macht, verfolgten Politik. Am 12. September, unmittelbar vor dem Fall von Warschau, hatte der Chef der Gegenspionage, Admiral Canaris, während einer Konferenz im„Führerzug” gegen die Maßnahmen protestiert, die gegen die polnische Intelligenz, den Adel und die Geistlichkeit ergriffen werden sollten. Keitel führte zur Verteidigung der Vorschläge an, daß Hitler die Sicherheits- polizei einzusetzen gedächte, wenn die Armee seine Befehle nicht ausführe; dann würde„neben jedem Militärbefehlshaber auch ein entsprechender ziviler Funktionär eingesetzt werden”. Die Furcht vor so schrecklichen Dingen war es offenbar, die einen deutschen Feldmarschall dazu bestimmte, die Verübung von Mas- senmord zu billigen’. Von Bock äußerte sich Fabian von Schlab- rendorff gegenüber, daß Hitler diese Drohung schon vor dem Krieg ausgestoßen habe8, wahrscheinlich gelegentlich der Kon- ferenz auf dem Obersalzberg vom 22. August 1939, die Manstein, Rundstedt und selbst Franz Halder, dem es damals nicht gestattet war, Notizen zu machen, nur ganz nebelhaft in Erinnerung haben wollten?. Es scheint jedoch, daß Hitler am 22. August die Juden nicht erwähnte, aber am 18. September hat eine weitere Konfe- renz in Hitlers Sonderzug in Polen stattgefunden, bei welcher Gelegenheit Ribbentrop— General Erwin Lahousen zufolge— einen phantastischen Vorschlag dafür vorlegte, wie man die Ukrainer gegen die„polnischen Landwirte und die Juden” auf- wiegeln solle'°. Eine systematische Ausrottung der Juden scheint damals nicht in Erwägung gestanden zu haben. Hitlers Pläne für eine Annexion eines großen Teiles von Polen, für die Verjagung aller Juden aus dem dem Reich einverleibten Gebiet und für die Anwendung der Nürnberger Gesetze auf die Juden, wo immer er sie finden oder wohin immer er sie treiben möge, waren wahrscheinlich bereits vor dem Krieg fertig. In diesem Zusammenhang scheint eine von Heydrich auf einer am 21. September stattgefundenen Geheim- konferenz gehaltene Rede von großer Bedeutung zu sein, was daraus hervorgeht, daß Heydrich ihren Wortlaut unter den füh- 39 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG renden Funktionären der Militärverwaltung in Polen zirkulieren ließ. Als erster Schritt zur Endlösung der Judenfrage müßten, er- klärte Heydrich, alle auf dem Lande wohnenden Juden in die Städte gebracht werden. In den für die Eingliederung ins Reich reifen Gebieten sollten die Juden leicht erreichbar in einigen wenigen Städten untergebracht werden. Abgesehen von den von Juden dichtbesiedelten Gebieten östlich von Krakau dürfe keine jüdische Gemeinschaft weniger als 500 Seelen zählen. Ihre Exi- stenz sei nur in Orten mit Eisenbahnverbindung gestattet. Jede habe einen„Judenrat” zu wählen, der mindestens 24 Mitglieder zu umfassen habe. Die Hauptaufgabe dieser Judenräte solle die Organisierung des Transportes oder des Empfanges der um- zusiedelnden Juden sein. Die Einstufung und Registrierung der Juden oblag den Einsatzgruppen der Sicherheitspolizei und des SD, Es handelt sich hier um ein außerordentlich prophetisches Doku- ment, aber Heydrich war gewöhnt, auf lange Sicht hinaus zu pla- nen. Auch als mehr als zwei Jahre später die Todeslager zu funktionieren begannen, war nur die Hälfte der Juden aus den ins Reich eingegliederten Gebieten vertrieben, und es hatte sich nicht als möglich erwiesen, alle Juden in Städten mit Eisenbahn- verbindung zusammenzufassen. Außerdem war es keineswegs vorgesehen, das Judenproblem der Sicherheitspolizei als private Domäne zu belassen: als in dem nicht ins Reich eingegliederten Teil Polens am 12. Oktober die Zivilverwaltung errichtet wurde, erstand für Heydrich in der Person des Generalgouverneurs Hans Frank ein Partner, mit dem er rechnen mußte. Nichtsdestoweniger setzte doch eine weitreichende Umsiedlungsaktion in bezug auf die Juden ein. Es war, wie Hitler in seiner„Friedensrede“ im Reichstag am 6. Oktober sagte!2, eines der sechs deutschen Haupt- ziele im Osten,„eine Ordnung des gesamten Lebensraumes nach Nationalitäten“ zu schaffen,„das heißt eine Lösung jener Minder- heitenfragen, die nicht nur diesen Raum berühren, sondern dar- über hinaus fast alle süd- und südosteuropäischen Staaten“. In diesem Zusammenhang werde der„Versuch einer Ordnung und Regelung des jüdischen Problems” unternommen werden. Im Augenblick war es nicht so sehr Hitlers Ziel, zu erreichen, daß die Juden oder die Polen alle zusammenwohnten, als daß Deut- sche nur mit Deutschen lebten. Am Tage der„Friedensrede“ erhielt 40 zweites KAPITE "Himmler ein des„Reichst tums(RKFD Reich in Bet land“ zurüc schalten und Seßhaftmach deutschen$“ Der nebelhc Inhalt des E Wesenszud seinen spät einen groß schen Sieg! die von Hi Kersten, at geburt des Umsiedlunc kum, von c von der Ab rung der Vi Schlössern ı und Miner Die Denksc von Zeit z kaum hinte machte zu beschränku sollte den sie sich nu DER ENDLOSUNG en Zirkuligren je Müßten, er- Auden in die ung ins Reich @T in einigen von den von U dürfe keine len. Ihre Exi. estattet, Jade 24 Mitglieder räte solle die ges der um- listrierung der plizei und des etisches Doku- inaus zu pla- odeslager zu den aus den | es hatte sich it Eisenbahn- :s keineswegs zei als private ngegliederten richtet wurde, serneurs Hans ‚destoweniger in bezug auf densrede” im tschen Haupf- sraumes nach jener Minder- sondern dar- ‚ Staaten”. In Ordnung und srden. rreichen, daß ‚ls daß Deut srede” erhielt ZWEITES KAPITEL 1. DIE FESTIGUNG DES DEUTSCHEN VOLKSTUMS Himmler einen neuen Titel und eine neue Aufgabe, nämlich die \ des„Reichskommissars für die Festigung des Deutschen Volks- \ tums”(RKFDV) 3. Er sollte alle„für die endgültige Heimkehr ins Reich in Betracht kommenden Reichs- und Volksdeutschen im Aus- land” zurückführen, alle fremden Einflüsse im Reichsgebiet aus- ‚ schalten und im besetzten Gebiet neue deutsche Siedlungen durch Seßhaftmachung der aus dem Ausland heimkehrenden Volks- deutschen schaffen. Der nebelhafte, unrealistische und fast sich selbst widersprechende Inhalt des Erlasses vom 6. Oktober schien auf Himmlers ganzen Wesenszug zugeschnitten zu sein. Er bildet den Schlüssel zu all seinen späteren drastischen Aktionen und Äußerungen, und er hat einen großen Teil seiner Energien in den drei Jahren des deut- schen Siegeslaufes gefangengenommen. An ihm entzündeten sich die von Himmlers Vertrautem, dem finnischen Medizinalrat Felix Kersten, aufgezeichneten Tagträume, Träume von der Wieder- geburt des burgundischen Königreiches der Karolinger, von der Umsiedlung der Holländer nach Rußland, der Engländer ins Balti- kum, von der Ausschaltung der Deutschen mit dunklen Haaren, von der Abschaffung der deutschen Städte und von der Legalisie- rung der Vielweiberei einer blonden Kriegerkaste, die in feudalen Schlössern im Ural lebte, die Milch wilder Stuten der Steppe trank und Mineralwässer zum Frühstück zu sich nahm"4. Die Denkschriften, die von Himmler-Schülern im Amt des RKFDV von Zeit zu Zeit verfaßt wurden, blieben an Phantasiereichtum kaum hinter den Hirnprodukten des Meisters zurück. Dr. Wetzel machte zum Beispiel den Vorschlag, die Polen zur Geburten- beschränkung zu zwingen. Nur eine vierklassige Volksschule sollte den Polen gestattet sein, deren Lehrziel lautete:„Einfaches Rechnen bis höchstens 500, Schreiben des Namens, eine Lehre, daß es ein göttliches Gebot ist, den Deutschen gehorsam sowie ehrlich, fleißig und brav zu sein. Lesen halte ich nicht für erforder- lich 5,” Im März 1940 legte Himmler diese Denkschrift Hitler vor, der sie„sehr gut und richtig“ fand, aber der Meinung war, daß sie sich nur zur Verbreitung im kleinen Kreis eigne. Im Mai 1942 arbeitete ein anderer Beamter von Himmlers Amt, ein gewisser Dr. Abel, einen Plan für die„fortschreitende Ausschaltung“ der russischen Rasse aus. Abel, ein dem Oberkommando zugeteilter Anthropologe, wollte alle nordischen russischen Typen germani- 41 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG sieren und den Rest nach Sibirien abschieben'%. Wetzel war mit Abel nicht ganz einer Meinung. Sein„Generalplan Ost des Reichs- führers SS“ vom 27. April 1942 sprach sich für eine selektive Geburtenkontrolle aus. Auch wenn sich diese beliebte deutsche Form professoralen Theo- retisierens in dem Amt des RKFDV breitmachte, verfolgte es doch vor allem praktische Ziele. Am 28. September 1939 hatte Ribben- trop zwei geheime Zusatzprotokolle zu dem berühmten Pakt mit Moskau unterzeichnet; sie sahen den Einschluß Litauens in die sowjetische Einflußsphäre vor. Die Russen hatten zugesagt, bei der Überführung der in den von ihnen besetzten Gebieten leben- den Deutschen ins Reich behilflich zu sein. Es sollten sogar Beauf- tragte der Reichsregierung zur Organisierung des Auszugs in diese Gebiete zugelassen werden 7. Man erwartete, daß 40 000 der 110000 Baltendeutschen und die meisten der 134267 Deut- schen, die in dem russisch besetzten Teil Polens lebten, sofort ins Reich umsiedeln würden. Eines Tages würden ihnen dann die 135000„Volksdeutschen“ folgen, die in dem bis dahin noch rumänischen Bessarabien angesiedelt waren. Zur Unterbringung dieser Menschen wurden die eingegliederten polnischen Gebiete, Österreich und das Protektorat Böhmen und Mähren'? bestimmt— die Aussiedlung der Juden aus diesen Gebieten sollte den be- nötigten Lebensraum schaffen. Durch einen Erlaß Hitlers vom 8. Oktober 19391? wurden die Pro- vinzen, die 1918 an Polen verlorengegangen waren, sowie die Provinz Lodz ins Reich„wiedereingegliedert”, das so einen Zu- wachs von etwa 650 000 Juden erfuhr 2°. Zwei Tage später kündigte Himmler an, daß 550 000 dieser Juden umgehend zusammen mit allen polnischen Intellektuellen und allen deutschfeindlicher Ge- sinnung verdächtigen Polen ins„nichteingegliederte Polen” de- portiert werden sollten. In Danzig und Posen sollte begonnen werden. Die Juden sollten in das Gebiet zwischen der Weichsel und dem Bug abgeschoben werden; die Zahl der Juden im„Ge- neralgouvernement”— die neue Bezeichnung für das nicht ein- gegliederte Gebiet— würde dadurch auf etwa zwei Millionen steigen?'!. Eine Rede, die Generalgouverneur Frank in seiner Eigenschaft als Präsident der Akademie für Deutsches Recht im Januar 1940 hielt, zeigt, daß er noch weitergehende Maßnahmen Himmlers fürchtete. Anderthalb Millionen polnischer Bauern und 42 zueiges KAPITEL alle Juden av sollten ins€ wendete ein, Arbeitskräften aus dem Fort normalerweist für den Zustro auch die von für ihn charc Menschlichke den Frank in Lösung, die vollständig. Während de In den Mon hatte er sich heit, die er bekannte sic indem er ein Goskammerr wußt haben v einbaren, die abzuwälzen von Deutschl Die Wirkun gen wieder Josef Bühler den waren. spielen, das blick der Ve umfassende len, die er j aufbewahrt daß die Am dazu, dure Selbstmord R ENDLOSUNg zel war mit des Reichs. © selektive pralen Theo- Igte es doch Ritte Ribben- en Pakt mit vens in die ‚gesagt, bei ıeten leben- bogar Beauf- Auszugs in ‚ daf 40.000 34267 Deut- Rn, sofort ins n dann die dahin noch terbringung en Gebiete, } bestimmt— Ile den be- den die Pro- n, sowie die so einen ZU- äter kündigte ‚sammen mit ndlicher Ge- Polen” de- te begonnen Jer Weichsel den im ‚Ge las nicht ein- ‚ei Millionen ak in seiner hes Recht im Maßnahmen - Bauern un ZWEITES KAPITEL 1. DIE FESTIGUNG DES DEUTSCHEN VOLKSTUMS alle Juden aus dem Großdeutschen Reich und dem Protektorat sollten ins Generalgouvernement umgesiedelt werden 2. Frank wendete ein, daß nur durch die Verbringung von polnischen Arbeitskräften nach Deutschland und„Ausschaltung der Polen aus dem Fortpflanzungsprozeß” im Generalgouvernement, das normalerweise eine Bevölkerung von 12 Millionen hatte, Raum für den Zustrom geschaffen werden könnte. Sowohl der Protest als auch die von Frank vorgeschlagenen Abhilfemaßnahmen waren für ihn charakteristisch: sie hatten nichts mit Erwägungen der Menschlichkeit zu tun. Was den Zustrom der Juden anbetraf, über den Frank immer wieder Beschwerde führte, entsprach ihm die Lösung, die sich später aus deren physischer Ausrottung ergab, vollständig. Während des Nürnberger Prozesses war Frank ein ganz anderer. In den Monaten der Haft, die der Verhandlung vorausgingen, hatte er sich zur katholischen Kirche bekehrt, und die Zerknirscht- heit, die er vor seinen Richtern zur Schau trug, schien echt. Er bekannte sich schuldig an der Ausrottung der polnischen Juden, indem er einen Anteil an der„kollektiven Verantwortung” für die Gaskammern zugab, von deren Existenz er allerdings nichts ge- wußt haben wollte.„Ich könnte es mit meinem Gewissen nicht ver- einbaren, die Verantwortung dafür allein auf diese kleinen Leute abzuwälzen... Tausend Jahre werden vergehen und die Schuld von Deutschland nicht wegnehmen?.” Die Wirkung dieser mutigen Worte wurde durch die Behauptun- gen wieder aufgehoben, die Frank und sein Entlastungszeuge Josef Bühler später aufstellten, daß nämlich das Judenmassaker in Polen nur den Polizeikommandeuren Krüger und Globocnik zuzuschreiben sei, die ihm, Frank, einem Mann, den sein ganzer Beruf zur Wahrung des Rechtes verpflichtete, aufgezwungen wor- den waren. Aber dann ließ Frank wieder das gespaltene Ich spielen, das in Hitlers Umgebung so oft auftrat. In einem Augen- blick der Verzückung weigerte er sich im Mai 1945, die 42 Bände umfassende Sammlung seiner Maßnahmen und Reden zu vernich- ten, die er in seinem Zimmer im Hotel Berghof in Neuhaus(Bay.) aufbewahrt hatte. Später veranlaßte die Kenntnis der Tatsache, daß die Amerikaner im Besitze dieses Dokumentes waren, Frank dazu, durch Aufschneiden der Puls- und Halsschlagadern einen Selbstmordversuch zu begehen**. 43 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG! Das Tagebuch Franks ist freilich ein grauenhaftes Dokument, das man angesichts der kalten Unmenschlichkeit, die daraus spricht, kaum für echt halten möchte. Aber es zeigt doch, daß Frank mit der SS und der Polizei im Kampfe lag. Zum erstenmal drohte er am 19. November 1939 mit dem Rücktritt 25, als Himmler Friedrich Krüger, einen früheren Straßburger Buchhändler, zum Polizeichef für das Generalgouvernement ernannte. Krüger hatte Himmlers Umsiedlungspläne in die Tat umzusetzen, was für Frank als dem verantwortlichen Gouverneur die Ankündigung eines wirtschaft- lichen Chaos bedeutete. Nur in bezug auf die Absicht, die Juden auszurotten, bestand zwischen Frank einerseits und Krüger und seinen Polizeigewaltigen andererseits keine Meinungsverschie- denheit. Sechs Wochen, bevor Heydrich den Sinn der„Endlösung” auf der Wannsee-Besprechung enthüllte, hat Frank die Dinge ganz offen mit seinem Kabinett besprochen.„Glauben Sie, man wird sie im Ostland in Siedlungsdörfern unterbringen? Liquidiert sie selber!”(Siehe 5. 58, 109 u. 277.) Zum vollkommenen Bruch zwischen Frank und der SS kam es im Sommer 1942, als Himmler vorschlug, im Zuge einer willkürlichen und versuchsweisen Ansiedlung von Volksdeutschen die.Polen aus dem rein polnischen Gebiet von Zamosc zu vertreiben— und das in einem Augenblick, als Frank von dieser Gegend sowohl einen Ernteüberschuß als auch die Bereitstellung von Arbeitskräften für Deutschland und für Dienste an der Ostfront erwartete. In diesem Juli 1942 stürmte Frank von einer deutschen Universität zur ande- ren und predigte den Studenten der Rechte überall die Notwen- digkeit einer Rückkehr zu verfassungsmäßigen Zuständen(s. S. 176). Fast wäre Frank damals eingesperrt worden. Er wurde der Parteiehren entkleidet, seiner Eigenschaft als Reichskommissar für Justiz enthoben, und Goebbels drang in Hitler, er möge Frank als Gouverneur den Abschied geben.„Er(Frank) genießt beim Führer gar kein Ansehen mehr”, schrieb er 7, Aber hier irrte Goebbels. Hitler hatte heimlichen Respekt vor einem Mann, der vier Jahre später seine drohende Stirn und seinen Nazischritt im Schatten des Galgens bewahren konnte. Frank blieb lange genug im Amte des Generalgouverneurs, um der Absetzung seiner Feinde Krüger und Globocnik zusehen zu können; lange genug, um die Russen in den Vororten Krakaus zu sehen, seiner Hauptstadt, die er zu einer deutschen Stadt zu machen geplant hatte. Frank hatte zwar 44 zweites KAPT seinen Krie‘ zwischen de Der merkwü dem Land& nische Stacl bürokratisc polnischen| «tem der Io — ein Drift Kreise eing der Leitunc meist zur( stürzten si Frank äuß ausreicher glücklich: Juden noc Die ersten Zeitspanne den die Ju Deportati sene Ghe schafft. Es der beste Weichsel DER ENDLOSUNG [okument, das [eTAUS spricht, Poß Frank mi Mal drohte er ler Friedrich m Polizeichef ette Himmlers rank als dem es wirtschaft- cht, die Juden d Krüger und Ungsverschie- er„Endlösung“ ink die Dinge uben Sie, man pen? Liquidiert SS kam es im br willkürlichen die Polen aus ben— und das | sowohl einen yeitskräften für ete. In diesem sität zur ande- || die Nofwen- uständen(s.$: 1. Er wurde der skommissar für nöge Frank als ‚t beim Führer rrte Goebbels. der vier Jahre i# im Schatten jenug im ‚Amte Feinde Krüger um die Russen tadt, die er m| ‚nk hafte zwaf| ZWEITES KAPITEL 2. DIE ERSTEN DEPORTATIONEN NACH POLEN seinen Krieg mit der SS gewonnen, aber die Russen hatten in- zwischen der Krieg mit Deutschland gewonnen. Der merkwürdige Regierungs- und Verwaltungsorganismus, der in dem Land aufgerichtet wurde, das nach Hitlers Absichten der pol- nische Staat der Zukunft sein sollte, entsprang großenteils dem bürokratischen und unschöpferischen Hirne Franks. Es gab keine polnischen Quisling-Minister. Das sehr entwickelte polnische Sy- stem der lokalen Verwaltung wurde fast ganz beseitigt. Das Land — ein Drittel Vorkriegspolens— wurde in vier Distrikte und vierzig Kreise eingeteilt. Nur die kleinste Einheit, der Bezirk, konnte unter der Leitung früherer polnischer Bürger sein, und auch die gehörten meist zur deutschen Minderheit. 40.000 deutsche Staatsangestellte stürzten sich auf ein Land, das halb so groß war wie Italien, und Frank äußerte sich in Nürnberg dahin, daß diese Zahl lange nicht ausreichend war®. Ein Pole konnte unter dieser Herrschaft nicht glücklich sein, aber dafür wußte Frank Abhilfe. Er machte die Juden noch unglücklicher als die Polen. 2. Die ersten Deportationen nach Polen Die ersten Verschleppungen von Juden nach Polen fielen in die Zeitspanne zwischen Oktober 1939 und März 1940. Damals wur- den die Juden nicht so wie während des zweiten Abschnittes des Deportationsdramas, der im Oktober 1941 einsetzte, in geschlos- sene Ghettos, Konzentrationslager oder in Gaskammern ge- schafft. Es wurde ihnen lediglich ein Zwangsaufenthalt in einer der bestehenden jüdischen Gemeinschaften im Gebiet zwischen Weichsel und Bug zugewiesen, wo viele Städte praktisch bereits Ghettos waren. Die damalige Absicht war, eine genügend große Zahl von Juden, Polen und Tschechen aus dem Großdeutschen Reich abzuschieben, um Raum für die ins Reich strömenden Volks- deutschen zu schaffen. Einer Reihe von Ursachen ist es zuzuschrei- ben, daß dieser Plan niemals voll zur Ausführung gelangen konnte: es gab eine Typhusepidemie, Informationen über das, was vor sich gehen sollte, sickerten durch und gelangten an die ausländische Presse, was im Augenblick höchst unwillkommen war, und schließlich haben sich auch dieVolksdeutschen, nachdem sie einmal von den hierzu geschaffenen Stellen RUSHA und VOMI auf Herz und Nieren überprüft worden waren, nicht an der ihnen vorbestimmten Stelle niedergelassen und sich nicht an dem 5 45 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG bereichert, was man die Juden zurückzulassen gezwungen hatte. Was damals vor sich ging, erfährt man aus einem offiziellen deutschen Bericht, der Ende 1941 abgefaßt worden ist, als die „Rückkehr“ der Deutschen aus den baltischen Staaten und Groß- rumänien die Zahl der Zuwanderer auf 497 000 ansteigen ließ?. Diese Menschen lebten in Aufnahmegebieten, aus denen man 12200 000 Polen und 300 000 Juden ins Generalgouvernement ab- geschoben hatte. Theoretisch konnte also ein Deutscher so viel Raum übernehmen, wie drei Polen und Juden innegehabt hatten. Aber 120.000 von ihnen lebten noch im Juli 1942 in Lagern. Ein Jahr später, im August 1943, als die Zahl der einströmenden Volksdeutschen 546.000 erreicht hatte, lebten 99 500 von ihnen in Lagern und hatten eine zeitweise Beschäftigung 3°, während 22 000 von ihnen in einem Lager bei Lodz im Elend und ohne jede Be- schäftigung vegetierten. Man könnte sagen, daß Juden getötet wurden, um diese Menschen am Leben zu erhalten, denn das Win- terhilfswerk der Partei hat die blutgetränkten Kleider der Opfer von der benachbarten Todeskammer in Chelmno angefordert?! (siehe S. 153 u. 280). Dem Rasse- und Siedlungsamt in Lodz wurde gleichfalls von Oswald Pohl im Februar 1943 ein Anteil an den Bergen von Kleidungsstücken aus jüdischem Besitz versprochen, der im Lager Auschwitz und in den Lubliner Depots des„Einsatz Reinhard” zusammengetragen worden war?. Bemerkenswerterweise ereignete sich das im Monat der deutschen Katastrophe von Stalingrad, als noch mehr Volksdeutsche nach dem Westen strömten. So hatten zum Beispiel gerade 2000 Deut- sche aus dem Kaukasus den Evakuierungshafen Jaisk am Schwar- zen Meer erreicht®?. Die deutsche Wirtschaft hatte damals noch nicht einmal die erste Wanderungsbewegung aus Wolhynien ver- daut, die den San und den Bug im Dezember 1939 unter schmet- ternden Fanfarenklängen überschritten hatte. Auf diese Weise wurde der Kern der späteren deutschen Flücht- lingsmassen geschaffen. Himmler, der Sohn des Geschichtslehrers eines bayrischen Prinzen, hatte eine neue Völkerwanderung in Einklang mit den Rassentheorien, die ihm eingeimpft worden waren, und in Verletzung der Gesetze der Biologie geplant. Himmlers Opfer, die slawischen Völker, taten nach dem Krieg nichts anderes, als das Werk, das Himmler begonnen hatte, fort- zuseizen. 46 NOLOsuNg pen hatte, Ptiziellen N als die nd Groß. en ließ? Nen man ment ab- Fr so viel bt hatten, gern. Ein Ömenden ihnen in end 22.000 } jede Be- en getötet dasWin- ter Opfer efordert?! dz wurde il an den sprochen, s„Einsatz deutschen sche nach 000 Deut- n Schwar- nals noch ‚nien Ver- sr schmet- on Flücht- htslehrers Jerung in - worden geplant. m Krieg atte, fort- Ne, ZZ DT ni In oo 5 I nn nn j u———) I EFZTTECTDFZ|>>> = FI EI | I I Fb;|CÜTCD—aea———„T ya Riga En ur Ze ne een F———————— nn— gg LETTLAND ES => OSTSEE 4 Schaulen Dünaoburg IT b2? NN LITÄUEN“ ZZ En —— ER Ten S =, um 7 ug Konigshdrg Yu=£ I Kowno& z T j sterburg SEINGEGITEDER Te DAS 2% audenz/ Allenstein F Grodno Nowogrodek& Dünzig Ta he Elbing OSTPREUSSEN?‘ INN& SE ES SacRasten) geSihelkir” Lies NE Minsk RB: 7: S PrL) ER= Tas N IREICHSKOMMISSA De en se\IN te 79 Bialystok Walker OSTLA No u„horn OSTPREUSSEN GENERAL Ye Z r Baranowicze ir Posen Wloclaw ‚eh, ZSLKOMMISSARIAT: Slonim en NZ Cieh Treblinka_BIALYSTOK i., N BESAU Re iechanowr:) $ s Kuno, U: IE F (Reichs N RUN pet= (ar\ Kelch” n Warschau Siediic‘— © LÜBLIN-LAN DeBrest- Low" message ENTE?Sobibor no ERS E Sale aan Dr en N en ch S EINGEGLIEDERT IN DASS N en Kowel Di SCHLESIEN EPEREER Sr ATTSEREICHSKOMMISSARIAT” Tschenstohaue 2, rg Hrubieszow UKRAINES F } Mi rn Ren SE fe oluzk R A f EINGEGLIEDERT= Iz Syn9% A Te Se Bd Sandomierz- ERS == Beuthen‘%®% Br; N S; IR Kr attowıtz 3„Mielge:"GENER FR \ v A BOHME? Auschwitz UND MAHREN"SCHLESIENEL „e CI\ 2 D en r ed FL N-- ’ SLOWAKEI 0 \ı£\ ) Per ü 0 EDS % m“ UNGARN Eanbahren— Kilometer 50 100 200 300|" bezeichnet Todeslager> Das Gebiet Vorkriegs-Polens nach der Zerstückelung(1941-1944) a Eee s* 47 VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG DIE ENDLOSUNG Es war allerdings leichter, Juden herumzustoßen, als Volks- deutsche umzusiedeln, da es den Juden nicht erlaubt war, viel von ihrem Vermögen mitzunehmen. Dazu kam, daß die Deportierung in andere polnische Städte von den Juden im Vergleich zur Ein- gliederung insReich als das kleinere Übel betrachtet wurde. Schon während des„achtzehntägigen Krieges” hatte man etwa 60.000 Juden nach dem Osten geschafft. Arthur Greiser, der Gouverneur des„Warthegaus“, d.h. des polnischen, ins Reich eingegliederten Gebietes, berichtete am 12. Februar 1940, daß 87000 Juden aus Danzig-Westpreußen abgeschoben worden seien®* und nur 1800 noch in diesem Gebiet lebten. Bromberg wurde am 14. November 1939 für„judenfrei” erklärt. Aus Thorn, Graudenz, Kalisch und Posen wurden die Juden gleichfalls bis zum Februar 1940 entfernt, aber im Gebiet von Lodz blieb eine starke jüdische Bevölkerung weiter bestehen. Allein in der Stadt Lodz lebten 180000, von denen 20.000, einschließlich eines großen Teiles der Intelligenz, im De- zember und Januar nach Warschau, Krakau und Lublin verschickt wurden. Diese Aktion blieb aber einmalig. Im Augenblick, in dem die Deportationen ins Generalgouvernement eingestellt wur- den— März 1940—, hatte Lodz immer noch 80% seiner jüdischen Vorkriegsbevölkerung. Die späteren Ghettos im Generalgouvernement bekamen diese Bevölkerungsbewegungen zu fühlen. Die zahlenmäßigen Lücken der Flucht während des„achtzehntägigen Krieges“ waren bald mehr als aufgefüllt. Warschau gewann seine Zahl von 360 000 jüdischen Einwohnern zurück, die Krakauer jüdische Gemeinschaft schwoll von 58000 auf 68000 an, Tschenstochau von 28000 auf 33000, Kielce von 19000 auf 25400 und Lublin von 37000 auf 42 000%. Zahlreiche Juden— die Schätzungen schwanken zwi- schen 25000 und 60000— wurden zwangsweise in den kleinen jüdischen Städten des Distriktes Lublin angesiedelt, aus denen die Menschen, im ganzen ungehindert von den Deutschen, dauernd nach Lublin strömten. Der Distrikt Lublin hatte auch Juden aus Böhmen, Wien und Stet- tin aufzunehmen. Es scheint einen ausgeklügelten Plan gegeben zu haben, in dessen Rahmen 40.000 der Baltendeutschen sich in Böhmen und Mähren niederlassen sollten 2®, um einen deutschen Keil zwischen das Siedlungsgebiet der Tschechen und das der Slowaken zu treiben. Nicht weniger als 70000 tschechische Bau- 48 Industrieang®* Den ursprüng der Tschecho londwirtschef telpunkt in d und südlich v risch-Ostrau fr Nisko alı nächst wurd wähnt, die a ganz wenige tober 1939 au halbtägige E mit, Er berich langen Mars von den sie bände nahez * Zu diesem Zei pen oder zu den Krieges aufgeste hatten). Die Mitg in der Leibgarde sah zu dieser Ze naue Unterschei Obhut nehmen N Br alionalsoziali | ENDLOSUNg als Volks. Ar, viel von FPortierung ch zur Ein. rde. Schon Ewa 60.000 Ouverneur egliederten Juden aus d nur 1800 November Kalisch und 140 entfernt, evölkerung von denen Enz, im De- n verschickt penblick, in estellt wur- er Jüdischen men diese gen Lücken waren bald son 360.000 ameinschaft 28000 auf 37000 auf anken zwi- len kleinen ‚ denen die n, dauernd ‚n und Stef- n gegeben hen sich in ‚ deutschen d das der jische Bau- ZWEITES KAPITEL 2. DIE ERSTEN DEPORTATIONEN NACH POLEN ern wollte man von ihrer Scholle vertreiben, abgesehen von 12000 bis 20000 Juden aus Teschen, Mährisch-Ostrau, Oderberg und Brünn. Die Zahl der Deutschen, die ihre Plätze einnehmen sollten, war klein und stand in keinem Verhältnis zu dem Aufwand. Es waren meistens Deutsche aus dem Altreich, die den Reihen der Industrieangestellten und Beamten entnommen waren®. Den ursprünglichen Absichten zufolge sollten die aus Wien und der Tschechoslowakei vertriebenen Juden in einem polnischen landwirtschaftlichen Reservat angesiedelt werden, das seinen Mit- telpunkt in der Nähe der kleinen Stadt Nisko, westlich des San und südlich von Lublin, hatte. Der erste Transport verließ Mäh- risch-Ostrau am 12. Oktober 1939. Er führte sowohl Baumaterial für Nisko als auch deutsche Bauingenieure sowie Ansiedler. Zu- nächst wurde der Ansiedlungsplan in der deutschen Presse er- wähnt, die aber das Thema bald fallen ließ“. Es gibt auch nur ganz wenige Berichte von Überlebenden. Ein Jude, der am 20. Ok- tober 1939 aus Wien deportiert worden war, machte eine zweiein- halbtägige Eisenbahnfahrt in einem normalen Personenwagen mit. Er berichtet, daß die Deportierten im Zuge des 15 Kilometer langen Marsches von der Eisenbahnstation Nisko nach Zarcze von den sie bewachenden Mitgliedern der SS-Totenkopf-Ver- bände nahezu völlig ausgeplündert wurden*. Nur einige Fach- * Zu diesem Zeitpunkt gehörten die Mitglieder der SS entweder zu den Verfügungstrup- pen oder zu den Totenkopfverbänden, die später den Kern der zahlreichen während des Krieges aufgestellten SS-Felddivisionen bildeten(die alle einen bestimmten Namen hatten). Die Mitgliedschaft in den Totenkopfverbänden bedeutete damals Mitgliedschaft in der Leibgarde der Partei, und der größte Teil der Angehörigen dieser Verbände ver- sah zu dieser Zeit Wachdienst in Konzentrationslagern. Später entwickelte sich eine ge- naue Unterscheidung zwischen den Totenkopfverbänden und der SS-Totenkopf-Division, die im Anfang aus„altbewährten“ PGs bestand, aber im weiteren Verlauf der Dinge eine gewöhnliche, durch Rekruten aufgefüllte Felddivision wurde. Die Anwesenheit der Toten- kopfverbände in Nisko im Oktober 1939 scheint ihre Erklärung in der Aussage Seyss- Inguarts in Nürnberg zu finden, der unmittelbar nach Kriegsausbruch Zivilkommissar beim Oberkommando in Polen war: Er hätte erfahren, daß die aus Wien deportierten Juden ohne jede Vorbereitung angekommen seien und sich in„ernsten Schwierigkeiten” befänden. Er hätte sich beschwerdeführend an den Wiener Gauleiter Bürckel gewendet und am 9. November an Himmler geschrieben, daß der SD die Deportierten in seine Obhut nehmen sollte. Er hielte das Ganze für„wilde Deportationen“, die von Wiener Nationalsozialisten mit Globocniks Hilfe in Szene gesetzt worden wären. Globocnik war zu diesem Zeitpunkt noch nicht Höherer SS- und Polizei-Führer in Lublin. Die Nennung Globocniks in diesem Zusammenhang— Globocnik war damals noch in Ungnade(siehe S. 275)— nimmt dieser Darstellung viel Glaubwürdigkeit. Sie war offenkundig dazu bestimmt, Seyss-Inquarts Mitangeklagtem Kaltenbrunner, der damals Kommandeur der Sicherheitspolizei in Wien war, zu einem Alibi zu verhelfen!'. 49 ER er a Een ge ee DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG arbeiter wurden für die sogenannte Siedlung ausgesucht, die nicht einmal über eine einzige Baracke mit einem richtigen Dach ver- fügte. Der Rest wurde an einer über den San führenden Brücke ausgesetzt und erhielt den Rat, sich„zu den Russen, Euren roten Brüdern”, durchzuschlagen— die nicht weniger als 75 Kilometer entfernt waren#2. Dem Verfasser dieses Berichtes gelang es, sich bei einer jüdischen Familie zu verstecken, aber die meisten jener für Nisko bestimm- ten Juden, die alle Strapazen des Marsches zu überdauern ver- mochten, fanden ihren Weg in das damals noch nicht eingefrie- dete Ghetto Lublin, wo sich, wie Max Freiherr Du Prel im März 1942 schrieb*,„die Juden in den schmutzstarrenden Löchern, Höhlen, Schlupfwinkeln und verborgenen Katakomben heimisch fühlen“ und wo man sie als pittoresk ansah, denn Veit Harlan fand sich dort im November 1939 ein, um Ghettoszenen für seinen „Jud-Süß”-Film zu drehen*. Diese Deportierungen aus Wien in den Distrikt Lublin zogen etwa ein Sechstel der Wiener Juden in Mitleidenschaft und stellten eine Fortsetzung der Zwangsevakuierung der armen Juden dar, die schon vor Kriegsausbruch eingesetzt hatte und auf Kosten der Kultusgemeinde durchgeführt wurde. Die zwei Aktionen— Okto- ber 1939 und Februar 1940— erfaßten insgesamt 11200 Men- schen“, die entweder in der Stadt Lublin selbst oder in den klei- neren und fast ganz jüdischen Städten des Distrikts in der Nähe der deutsch-sowjetischen Demarkationslinie angesiedelt wurden, die man dann im März 1942 zu Durchgangsstationen für das Ver- nichtungslager Belzec machte. Die Juden aus dem Reich paßten sich den Lebensbedingungen in den völlig verarmten jüdischen Gemeinschaften des östlichen Po- len nicht leicht an und wurden auch von den dort ansässigen Juden nicht sehr freundlich begrüßt. Der Mange! an ordentlicher Nah- rung, Kleidung und Wohnung und die primitiven sanitären Ver- hältnisse riefen eine Typhusepidemie hervor. Der Oberkomman- dierende Ost, von Blaskowitz, berichtete, daß Kinder aus den eingegliederten Gebieten in den Deportationszügen erfroren seien und daß die Menschen in den zur Aufnahme bestimmten Dörfern an Hunger stürben%. Ein von einem hohen SS-Offizier an Himmler geschickter Bericht, der von einer Sterblichkeit von 30v.H. unter den nach dem Distrikt Lublin deportierten Juden spricht, kam 50 zuge KAPITE der Schweiz‘ F nach einem C für den 30! hauptamts, C aufnahme d hauptamt er Deportierun Reich®. Dan hall“ bei Be die sich um aus dem D schaffen. Hi es besser V von jenseits Die unausc um Raum f des„Juden: schlossen,© zurücktrans deportiertei November ben(siehe. Gegend w« Himmler m bald einen Mittelpunk Himmler a wurde geg Distrikt sol vom Baltik Das Wied ters rief b Cht, die nicht n Dach Ver- nden Brücke Euren roten Kilometer er Jüdischen ko bestimm- dauern ver- ht eingefrie. rel im März en Löchern, pen heimisch Veit Harlan en für seinen zogen eiwa stellten eine en dar, die Kosten der en— Okto- 11200 Men- in den klei- ın der Nähe' delt wurden, für das Ver- ingungen in sstlichen Po- ssigen Juden tlicher Nah- nitären Ver- yerkomman- ler aus den an erfroren bestimmten „Offizier an yon 30v.H. spricht, kam R ENDIOSUNG ZWEITES KAPITEL 2. DIE ERSTEN DEPORTATIONEN NACH POLEN der Schweizer Presse in die Hand#. Nichtsdestoweniger wurden nach einem außerordentlich kalten Winter von einer von Heydrich für den 30. Januar einberufenen Konferenz des Reichssicherheits- hauptamts, an der auch Eichmann teilnahm, Befehle zur Wieder- aufnahme der Deportationen erteilt. Das Rasse- und Siedlungs- hauptamt erbat bei dieser Gelegenheit Himmlers Zustimmung zur Deportierung von 30000 Zigeunern aus dem Großdeutschen Reich“8. Dann folgte am 12. Februar in Görings Landhaus„Karin- hall“ bei Berlin eine Besprechung zwischen diesem und Himmler, die sich um die Aussiedlung von weiteren 30000 Volksdeutschen aus dem Distrikt Lublin drehte; sie sollten für die Juden Raum schaffen. Himmler ließ sich damals von Göring überzeugen, daß es besser wäre zu warten, bis der Zustrom der Volksdeutschen von jenseits der Demarkationslinie abgeschlossen sein würde®. Die unausgeführt gebliebene Drohung, Deutsche auszusiedeln, um Raum für Juden zu schaffen, war die letzte Lebensäußerung des„Judenstaates Nisko“. Das Lager wurde erst am 13. April ge- schlossen, als man die überlebenden Juden nach Mährisch-Ostrau zurücktransportierte. Ein großer Teil der etwa 4000 nach Nisko deportierten tschechischen und Wiener Juden wurde schon im November über die deutsch-sowjetische Demarkationslinie getrie- ben(siehe S. 56 u. Lederer,„Ghetto Theresienstadt”, S. 203). Die Gegend war Teil des Patronats der Grafen von Zamosc, von dem Himmler mit Hilfe seines Freundes Globocnik(siehe$. 177 u. 276) bald einen teutonischen Mythos entdecken sollte. Zamosc, der Mittelpunkt der 30000 bedrohten Volksdeutschen, wurde von Himmler am 21. Juli 1941 persönlich besucht. Ein„Führerhof” wurde gegründet und die Stadt in„Himmlerstadt” umbenannt. Der Distrikt sollte der Kern eines deutschen Korridors werden, der sich vom Baltikum bis zu den Karpathen erstreckte°". Das Wiederaufleben der Judendeportationen inmitten des Win- ters rief beim Auswärtigen Amt Befürchtungen wegen der Reak- tion in der Auslandspresse hervor. Am 15. Februar übersandte Weizsäcker einen in der„Neuen Zürcher Zeitung” erschienenen Bericht, dem zufolge die Vertreibung der Juden aus Stettin ange- ordnet worden sei, an Heydrichs Amt— in Wirklichkeit war diese Maßnahme in der von Heydrich für den 30. Januar einberufenen Besprechung gebilligt worden°'. Heydrich schenkte der Sache nicht die geringste Aufmerksamkeit, und Ende Februar erhielt der Re- 51 — ren pin DIE ENDLOSUNG zweites KA VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG gierungspräsident von Stettin vom Reichsinnenministerium den dem Gend“ Auftrag, die entsprechenden Vorbereitungsarbeiten fortzusetzen. die Iberne Nach der Entdeckung, daß man im Ministerium nichts davon der sich.# wußte und daß Heydrich seinen Befehl auf Papier mit dem Kopf nung ZU er. „Ministerium des Innern“ erteilt hatte, stellte der Regierungspräsi- 1) tion bis a dent die Aktion ein. Es war aber bereits zu spät, um Heydrich in Wolhynien den Arm fallen zu können 32, und in der ersten Märzwoche began- die Hälfte= nen 1200 Juden den Marterweg von Stettin nach Lublin anzutreten. ten Gebiete Von der Eisenbahnstation Lublin hatten sie vierzehn Stunden in Zwei Tage einem Schneesturm bis Piaski zu marschieren; auf dem Marsch die Lage AT starben 72 Personen den Erfrierungstod. Einem fünfjährigen Kind, menden se das die Strapazen überdauert hatte, mußte man nachher beide Generalgo: Hände und Füße amputieren. Am 12. März erreichte die Zahl der daß in Mac Todesopfer 230. Die Überlebenden lebten in Scheunen und Ställen werden wü ohne Gepäck, ohne Geld und ohne Mäntel. Am gleichen Tag gierungsche sollten außerdem noch 160 Juden aus Schneidemühl in Pommern Generalgot in der Nachbarschaft eintreffen*. Die örtlichen jüdischen Gemein- ziehen, unc den weigerten sich, die Neuankömmlinge aus dem Reich zu unter- Reich ins G stützen, und der Gouverneur des Distrikts Lublin, Zörner, ver- ler hatte zu suchte, die Verantwortung auf die Sicherheitspolizei abzuwälzen, teil gesagt, die die Aktion begonnen hatte. gab, ineine Der von Franks Amt an den Chef der Reichskanzlei Lammers und gebracht w« von diesem dann an Himmler geschickte Bericht über den Marsch Am 2. Okt nach Piaski behauptete, daß die Deportationen am 14. noch an- sprechen, W dauerten?, aber am 23. März untersagte Göring alle weiteren war. Der ı Evakuierungen®*. Nichtsdestoweniger mußte Helmuth Wohltat, gleichzeitic Görings Vertreter in Heydrichs Auswanderungsamt, am 29. März derten Bez das Auswärtige Amt darum ersuchen, ein aus der Botschaft der kochte vor Vereinigten Staaten kommendes Gerücht zu dementieren, dem ange Rede zufolge Berlin in die Deportationsaktion einbezogen werden Reichskanz sollte5®. Andererseits protestierte Arthur Greiser dagegen, daß sich ner Juden juli? Görings Anordnung nur auf Stettin bezog, wobei er sich darauf gelang es berief, daß Göring Himmler gelegentlich der Zusammenkunft in sie nicht ws Karinhall die Wiederaufnahme der Deportationen aus Lodz nach ins Reich e * Die Abfahrt der Juden aus Schneidemühl wurde hinausgezögert. Sechs Wochen später frank war H wurden sie nach Glowno bei Lodz geschickt, aber auf Grund der von Göring angeord- ten Gebie 1 neten Unterbrechung aller Deportationsmaßnahmen beinahe umgehend wieder nach Januar 19 Deutschland zurückgebracht. Hier wurden sie nicht freigelassen, sondern bis zur Wie- deraufnahme der Deportationen im Jahre 1942 in einem Lager 60 km östlich von Berlin interniert.(B. Brilling in„Mitteilungsblatt“, Tel Aviv, 10. 2. 1950.) 52 DER ENDLosy Ysferium den Fortzusetzen Nichts davon mit dem Kopf NEFUNGSpFAS;. N Heydrich in voche began- IN anzufreten, n Stunden in dem Marsch ährigen Kind, achher beide die Zahl der .n und Ställen gleichen Tag | in Pommern hen Gemein- eich zu unter- Zörner, ver- abzuwälzen, Lammers und r den Marsch 14, noch an- alle weiteren uth Wohltat, am 29. März Botschaft der ntieren, dem gen werden gen, doßsich r sich darauf nmenkunft in us Lodz nach hs Wochen späfer Göring angeord- end wieder nach lern bis zur Wie- östlich von Berlin ZWEITES KAPITEL 2. DIE ERSTEN DEPORTATIONEN NACH POLEN dem Generalgouvernement versprochen habe; selbst Frank habe die Übernahme der Juden ausdrücklich zugesagt. Aber Greiser, der sich vergebens bemüht hatte, von Göring eine neue Anord- nung zu erhalten, mußte am 8. Mai berichten, daß die ganze Ak- tion bis zum Eintreffen aller umzusiedelnden Volksdeutschen aus Wolhynien zurückgestellt worden sei. Bis zu diesem Zeitpunkt war die Hälfte der Juden und 10 v.H. der Polen aus den eingeglieder- ten Gebieten vertrieben worden”. Zwei Tage später begann die große Offensive im Westen, und die Lage änderte sich damit von Grund auf. Während der kom- menden sechzehn Monate waren die Deportationen nach dem Generalgouvernement durch den offiziellen Vorwand beeinflußt, daß in Madagaskar ein Reservat für europäische Juden errichtet werden würde(s. S. 86 u. 89). Am 12. Juli teilte Frank seinen Re- gierungschefs mit, daß er Hitler überredet habe, die Juden des Generalgouvernements in die Pläne für Madagaskar einzube- ziehen, und daß auf alle Fälle weitere Judentransporte aus dem Reich ins Generalgouvernement unterbleiben würden°®. Aber Hit- ler hatte zur gleichen Zeit Baldur von Schirach gerade das Gegen- teil gesagt, nämlich, daß die 50.000 Juden, die es in Wien noch gab, in eine„geschlossene Ansiedlung” im Generalgouvernement gebracht werden müßten”. Am 2. Oktober 1940 erinnerte Schirach Frank an dieses Ver- sprechen, während er dessen Tischnachbar im Führerhauptquartier war. Der ostpreußische Gauleiter, Erich Koch, schärfte Frank gleichzeitig ein, daß er auch die Juden des in das Reich eingeglie- derten Bezirks Ciechanow(Zichenau) übernehmen müsse*. Frank kochte vor Wut, aber Hitler machte der Diskussion durch eine lange Rede ein Ende. Zwei Monate später machte der Chef der Reichskanzlei, Lammers, Frank darauf aufmerksam, daß die Wie- ner Juden vor Kriegsende umgesiedelt werden müßten©!— doch gelang es Frank irgendwie, im Oktober 1941 durchzusetzen, daß sie nicht weiter östlich als nach Lodz gebracht wurden, das zu den ins Reich eingegliederten polnischen Gebieten gehörte. Frank war weniger erfolgreich mit Deportationen aus den besetz- ten Gebieten als mit solchen aus dem Altreich. Himmler hatte im Januar 1941 ursprünglich die Deportation von weiteren 83] 000 * Die Juden von Ciechanow wurden erst im Dezember 1942 deportiert, und zwar nach Auschwitz. 53 EEE EZ WEL VELGE LLORET EEE LET EGEWESTEE LET TDNT DIE ENDLOSUNG Polen und Juden nach dem Generalgouvernement geplant%2; diese Zahl mußte später auf 200000 Juden herabgesetzt werden. In der Zeitspanne zwischen Februar und Mai scheint man aber nicht mehr als 72000 dieser Unglücklichen verschleppt zu haben. Sie wurden aus den Städten westlich der Weichsel ins Warschauer Ghetto gezwängt, dessen Bevölkerung dadurch auf 430000 oder noch mehr stieg. Kein anderes städtisches Gebiet der Welt hatte eine Sterblichkeit, die der im Warschauer Ghetto auch nur nahekam (siehe S. 67, Fußnote). 3. Deportationen innerhalb des Generalgouvernements Heydrichs Pläne vom 21. September 1939 lassen darauf schlie- ßen, daß er von der Ansicht ausging, die bodenständige jü- dische Bevölkerung Polens könne man ununterbrochen hin- und herstoßen. Es gab denn auch dauernd Umsiedlungsaktionen bis zum Augenblick der ersten großen Massenausrottungen im März 1942. Man wollte so viele Juden wie möglich in die großen Ghettos schaffen. Wen man in den kleineren Gemeinden zurückzulassen ge- zwungen war, schleppte man von einem Ort zum anderen, um zu verhindern, daß diese Menschen irgendwo wieder Wurzel faß- ten. Die diesbezüglichen Pläne wurden aber immer wieder geän- dert. Am 14. April 1940 kündigte Frank seine Absicht an, seine Hauptstadt Krakau„judenfrei” zu machen, und ein Jahr darauf vertrieb man etwa 35000 Juden aus dieser Stadt. Aber im Sep- tember 1941 schaffte man wieder etwa 7000 Juden aus den klei- neren Orten nach Krakau ins Ghetto%. In Lublin, wo man 1940 40 000 bis 50 000 Menschen ins Ghetto trieb, dessen Gebiet früher nur einen Teil der 37 000 in der Stadt vor dem Krieg lebenden Ju- den beherbergt hatte, kamen zwischen dem 10. und 13. März 1941 unerwartet weitere 12000 Juden hinzu, die meist aus Krakau stammten. Gleichzeitig wurden aber 14000 Juden aus Lublin ein- schließlich einer zahlenmäßig starken illegalen Gemeinde in die„Judenreservate” Chodel, Lubartow und Belzyce% evakuiert. Doch am 17. Oktober 1941 mußte Frank zu seinem Ärger feststel- len, daß es im Lubliner Ghetto wieder mehr als 40 000 Insassen 6% gab. 1100 Juden wollte er daraufhin unmittelbar über den Bug ab- schieben. Später, und zwar bis zur Eröffnung des Ausrottungs- lagers Belzec im März 1942, sind Judentransporte vollkommen 54 VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG zugies KAPIT Ion. und | worden(sie! Die offizielle und manche heschwerte grikt Lublin bürdet hatte Inufete einf hätte, um( Markt besse Umsiedlung dung für di östlich von Malersitz", rungsaktior Der Wider: geordneten Frank aus würdiges C sachlichen sprangen,€ wachung e schaft werc Tatsache d schengrup kade noc hatte, Eine ande Deportati den, näm! den über insofern e der Jude nach dem deutsche einer Art Aver Ghetto P oder noch It hatte eine ur nahekam ts rauf schlie- Ständige jü- en hin- und aktionen bis pttungen im en Ghettos zulassen ge- leren, um zu urzel faß- ieder geän- cht an, seine Jahr darauf \ber im Sep- us den klei- ‚o man 1940 yebiet früher ebenden Ju- 3, März 1941 aus Krakau s Lublin ein- ‚emeinde in 64 eyakuiert. rger feststel- 0 Insassen® den Bug ab- Ausroftungs“ vollkommen| ZWEITES KAPITEL 3. DEPORTATIONEN INNERHALB DES GENERALGOUVERNEMENTS plan- und zwecklos nach Lublin und von Lublin weggeschafft worden(siehe 5. 281 u. 288, Fußnote). Die offiziellen Vorwände für die Umsiedlungsaktionen wechselten, und manche entbehrten nicht der Originalität. Am 28. Januar 1942 beschwerte sich der Judenrat der kleinen Stadt Wisznice im Di- strikt Lublin, daß man ihm 150 Juden„nackt und barfuß” aufge- bürdet hatte. Die Erklärung des deutschen Landkommissars dafür lautete einfach, daß er vier Judengemeinden zusammengelegt hätte, um die Betätigung ihrer Mitglieder auf dem schwarzen Markt besser überwachen zu können.„Todesfälle sind infolge der Umsiedlung nicht eingetreten 66.“ Eine besonders groteske Begrün- dung für die Aussiedlung wurde in Kazimierz an der Weichsel, östlich von Warschau, gebraucht. Der Ort sei ein„romantischer Malersitz”, und man habe die Juden im Zuge einer„Verschöne- rungsaktion” entfernt%. Der Widersinn der meisten dieser von Heydrich oder Krüger an- geordneten Umsiedlungsaktionen fand in den Experimenten, die Frank aus eigenen Stücken nach dieser Richtung anstellte, sein würdiges Gegenstück, aber manchmal hat sich Frank doch zu sachlichen Einwänden aufgerafft, die seinen Befürchtungen ent- sprangen, daß die überfüllten Ghettos trotz Umfriedung und Be- wachung eine Epidemiegefahr für ihre nichtjüdische Nachbar- schaft werden könnten. Darauf ist die gelegentliche bessere Ver- sorgung der Ghettos mit Lebensmitteln und Medikamenten und die gelegentlich erfolgte Entlastung von stark übervölkerten Ghet- tos zurückzuführen. Das erklärt wohl auch die bemerkenswerte Tatsache des Überlebens einer zum Aussterben bestimmten Men- schengruppe in den Ghettos, die auch nach zwei Jahren der Blok- kade noch nicht alle Annehmlichkeiten des Lebens eingebüßt hatte. Eine andere von den Deutschen in Polen praktizierte Form der Deportation muß in diesem Zusammenhang noch untersucht wer- den, nämlich der mehr oder weniger erzwungene Marsch der Ju- den über die neue deutsch-sowjetische Demarkationslinie. Das ist insofern ein unaufgeklärtes Kapitel, als die genaue Zahl sowohl der Juden, die in Vorkriegspolen wohnten, als auch jener, die nach dem 1. September 1939 sowie nach dem 22. Juni 1941 in deutsche Hände fielen, unbekannt ist. Die Entscheidung, Polen zu einer Art Ablagerungsstätte für Juden aus den westlichen Gebie- 55 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG ten zu machen, hatte wohl ihre logische Ergänzung in der erzwun- genen Marschbewegung ostwärts. Das erklärt jedenfalls die Un- lust der deutschen Behörden, Juden, die in der ersten Panik über die Demarkationslinie geflohen waren, wieder in das von ihnen verwaltete Gebiet zurückzulassen. Ein Befehl des Oberkommandos der Wehrmacht vom 20. Sep- tember 1939 erlegte den Kommandeuren der militärischen Ein- heiten auf, die Rückkehr von flüchtigen Juden über den San und den Bug zu verhindern%®. Am 25. wurden Hunderte von Juden, die versucht hatten, nach Hause zurückzukehren, gezwungen, die Stadt Jaroslaw eine halbe Stunde nach der erhaltenen Aufforde- rung zu verlassen. Man setzte sie am Ufer des San auf Flöße, auf denen sie dann von der Sicherheitspolizei beschossen wurden, die seelenruhig zusah, wie sie in den Fluten versanken. Manstein ver- kündete im Hauptquartier der Heeresgruppe Süd, daß die Juden „nach Oberschlesien zurückströmen”, aber die Russen hatten noch nicht damit begonnen, die Juden mit Gewalt in die Hände der Deutschen zurückzuführen. Als man am 14. Oktober den Russen einige Juden bei Sokal zugeschoben hatte, gab es keine Gegen- aktion. Aber als ein jüdischer Arzt an dieser Stelle am 5. Novem- ber über den Bug setzte, wurde er verhaftet und mit einer Gruppe von Juden über die Grenze zurückgeschafft,; nur mit knapper Not rettete sich die Gruppe vor der wilden Schießerei der deutschen Wachmannschaften%. Ein förmlicher Protest, den die Russen am 15. November eingelegt hatten, zwang die Deutschen dazu, an einigen Stellen die Demar- kationslinie für die Rückkehr von Juden zu öffnen; aber die Ab- schiebung der Juden nach der Sowjetseite hin hörte damit nicht auf. Am 5. Dezember wendete sich Keitel an Weizsäcker, um die an den Deportationen Verantwortlichen unter den Druck des Auswärtigen Amtes zu setzen’, Am 8. Dezember verzeichnete Frank in seinem Tagebuch, daß zahlreiche Juden in die Richtung der Demarka- tionslinie marschierten?!. An diesem Tag wurden 700 Juden aus Hrubieszow und 1200 aus Chelm über den Bug geschafft. Die Rus- sen zwangen sie zur Umkehr, und während des Marsches wurde eine Anzahl von ihnen von deutschen Wachen erschossen 72, Das Schießen der SS auf zurückkehrende Juden war offenbar eine tag- tägliche Erscheinung, und Ulrich von Hassell vermerkte am 11. Ja- nuar 1940, daß der Stellvertretende Außenkommissar der Sowijet- 56 zweit KapifEl union, Potemk ienburd, dara sch aber dos jogden über Djenach Ruß) in der Nähe hieszow, Jaro Die Zahl der kamen, war Z kriegszeit tät sie mit 300.00 En Teil von il N, Juni 194 Sowjetbehörd gen, die dure schaft erlang oefallenen G dem Ural un diese Flüchtli polnischer St nach Polen r 1946 und wu Flüchtlingen en”, Aber zeit über di zu denen ni besetzten T die von den biet deporti R ENDLOSUNg der Erzwun- alls die Un- Panik über S Von ihnen pm 20, Sep- rischen Ein. en San und N Juden, die Ungen, die n Aufforde- f Flöße, auf wurden, die anstein ver- ß die Juden hatten noch Hände der den Russen Bine Gegen- 5. Novem- ner Gruppe napper Not ar deutschen \ die Demar- ıber die Ab- mitnicht auf.| ndieanden| Auswärtigen| nk in seinem r Demarka- ) Juden aus ‚ft. Die Rus- sches wurde „ssen 72. Das ‚ar eine tag" o am 11.| der Sowie| | | er eingelegt| | | | ZWEITES KAPITEL 3. DEPORTATIONEN INNERHALB DES GENERALGOUVERNEMENTS union, Potemkin, den deutschen Botschafter in Moskau, Graf Schu- ienburg, darauf aufmerksam gemacht habe 3. Um diese Zeit hatte sich aber das Auswärtige Amt ins Mittel gelegt, und die Juden- jagden über die Demarkationslinie hörten auf. Die nach Rußland deportierten Juden stammten meist aus Städten in der Nähe der neugeschaffenen Grenzlinie, wie Chelm, Hru- bieszow, Jaroslaw, Lancut und der deutschen Seite von Przemysl. Die Zahl der freiwilligen Emigranten, die aus allen Teilen Polens kamen, war zweifellos um ein Vielfaches größer. Die in der Nach- kriegszeit tätig gewesene polnische Untersuchungskommission hat sie mit 300 000 beziffert*”*. Ein Teil von ihnen mag durch Hitlers Einfall in Rußland nach dem 22. Juni 1941 überrascht und dann getötet worden sein. Die Sowjetbehörden hatten nach 1939 nur jenen jüdischen Flüchtlin- gen, die durch die politischen Veränderungen die Sowjetbürger- schaft erlangt hatten, bewilligt, in den der Sowjetunion neu zu- gefallenen Gebieten zu bleiben; die anderen wurden meist nach dem Ural und Südsibirien deportiert. Im Januar 1943 hat man diese Flüchtlinge aufgefordert, zwischen Sowjetbürgerschaft und polnischer Staatszugehörigkeit zu wählen, um im letzteren Falle nach Polen repatriiert zu werden. Dieses Angebot galt bis Juni 1946 und wurde bis zu diesem Zeitpunkt von 157 400 jüdischen Flüchtlingen in Anspruch genommen, die nach Polen zurückkehr- ten’, Aber das war natürlich nur ein Bruchteil jener, die seiner- zeit über die sowjetische Demarkationslinie geflohen waren und zu denen nicht nur die 300000 Juden aus dem von Deutschland besetzten Teil von Polen, sondern auch jene Juden gehörten, die von den Sowjetbehörden aus dem von ihnen besetzten Ge- biet deportiert wurden, oder die von dort nach dem 22. Juni 1941 ostwärts geflohen waren. Wenn man bedenkt, daß mindestens 1170000 Juden im September 1939 in diesem Gebiet gelebt hatten und daß, abgesehen von den Deportationen, die Flucht eines Drittels dieser Zah! als möglich angenommen werden kann, dann beträgt die Zahl der jüdischen Flüchtlinge, die die Sowjet- * Ende 1942 berichtete Dr. Korherr an Himmler, daß das Generalgouvernement, ab- gesehen von den„nach Osten evakuierten” Juden, seit September 1939 infolge eines Überschusses der Sterblichkeit über die Natalität und freiwilliger Auswanderung 427 920 Juden verloren habe’5. Wenn wir für die Todesfälle 250000 einsetzen(s. S. 274, Fußnote), gelangen wir zu einer Zahl, die bei entsprechender Berücksichtigung der„ein- gegliederten Gebiete“ 300000 erreichen kann(siehe Anhang|). 57 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG union aus Vorkriegspolen übernommen hatte, nicht 300 000, son- dern mindestens 700 000.(Anhang I.) N Abgesehen von den 157 400, die nach Polen zurückkehrten, ist das Kir Schicksal dieser Flüchtlinge völlig im Dunkel. Die Bevölkerung der neu annektierten Gebiete, die man ins Landesinnere überführen Ei zu sollen glaubte, wurde nicht gerade sehr rücksichtsvoll behan- Bir! delt. Das beste, was man darüber sagen kann, ist, daß die Ju- MI! den keiner rassischen Diskriminierung unterworfen worden sind, | sondern zusammen mit Polen, Litauern, Rumänen und anderen ge- 1; zwungen waren, sich gegen ein hartes Klima, primitive Lager und eine chaotische Organisation zu behaupten. Solange sich die | | li), Sowjetinstanzen nicht bereiffinden, eine neue Zählung der Juden DieDeutscher IK anzuordnen, muß die Frage nach dem Schicksal der Überlebenden der Idee, dof Ei) ji aus dem früher polnischen Gebiet unbeantwortet bleiben. leiden würde Kl; Die Geschichte des ersten Kapitels der Judendeportation, nämlich überhaupt nic Bl des Kapitels, das im Oktober 1941 abgeschlossen war, zeigt, daß Außerdem w Bl! die Deutschen auf die amerikanische öffentliche Meinung und bis len. Im Jahre A| zum 22. Juni 1941 auch auf den russischen Standpunkt bis zu einem Deutschlands Bi gewissen Maße Rücksicht nahmen. Obwohl die Verhältnisse über-| slowakeiehw Bun all fürchterlich waren, gab es doch keinen planmäßig vorbereite- Zahlen gezo Be) ten Massenmord. Es ist kein Zufall, daß Frank die Worte:„Liqui- len des Jahre n i diert sie selber!“ neun Tage nach Pearl Harbour aussprach und machten; in ein daß die ersten Vergasungen in Polen Ende 1941 vorgenommen stens25v.H. El wurden. Man kann auch daran zweifeln, ob der„Führerbefehl“ Ansicht der Bi zur Ausrottung der russischen Juden westwärts der früheren De-| Juden Kaufle Bin: markationslinie Wirksamkeit erlangt hätte, wenn die Vereinigten system, In Staaten nicht am 7. Dezember 1941 in den Krieg eingetreten leute Juden, wären. werker und NhvH.d Sok und Log Die Volkswi fäuscht, Ob war der jüd worden, Ein) QS einer e der an eind Chens saf, Ofganisierk Berdem ste FUEL NE EEE ZT ne LE : an un en leiben, ation, nämlich ar, zeigt, daß einung und bis kt bis zu einem hältnisse über- ig vorbereite- Worte:„Liqui- aussprach und vorgenommen „Führerbefehl’ r früheren De- lie Vereinigten eg eingetreten| Drittes Kapitel Die Ghettos- 1940-1942 1. Ausschaltung aus der Wirtschaft Die Deutschen kamen im Jahre 1939 nach Osteuropa, besessen von der Idee, daß kein Land durch den Verlust seiner Juden Schaden leiden würde. Nach ihrer Meinung arbeiteten die Juden entweder überhaupt nicht, oder ihre Arbeit war nutzlos oder sogar schädlich. Außerdem waren sie nicht zahlreich genug, um ins Gewicht zu fal- len. Im Jahre 1933 hat der Anteil der Juden an der Bevölkerung Deutschlands weniger als] v.H., in Österreich und der Tschecho- slowakei etwa 2v.H. betragen. Die Schlüsse jedoch, die aus diesen Zahlen gezogen werden konnten, waren unanwendbar für das Po- len des Jahres 1939, wo die Juden 10 Prozent der Bevölkerung aus- machten; in allen großen Städten war der jüdische Anteil minde- stens 25 v.H. und in einigen kleinen Städten sogar 100 Prozent. Nach Ansicht der nationalsozialistischen Volkswirtschaftler waren alle Juden Kaufleute und Zwischenhändler, Parasiten am Produktions- system. In Wirklichkeit war kaum die Hälfte der polnischen Kauf- leute Juden, während die jüdische Bevölkerung 20 v.H. der Hand- werker und Fabrikarbeiter stellte, 12 Y v.H. der freien Berufe und 111% v.H. der Transportunternehmer!. In den Textilstädten Bialy- stok und Lodz wurden fast alle Fabriken von Juden geleitet. Die Volkswirtschaftler der Partei wurden in Polen vom Schein ge- täuscht. Obwohl es scheinbar keine jüdische Arbeiterklasse gab, war der jüdische Mittelstand deklassiert und zum Proletariat ge- worden. Ein gewerbliches Unternehmen in Ostgalizien bestand oft aus einer einzigen Familie oder sogar einem einzigen Arbeiter, der an einer Maschine am Fenster seines weiß getünchten Häus- chens saß. Oft mußten diese Arbeiter in Wettbewerb mit großen organisierten Konzernen treten, die keine Juden beschäftigten. Au- Berdem stellte die große Anzahl Personen, die von einem einzigen 59 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Arbeiter abhängig waren, eine Form versteckter Arbeitslosigkeit dar. Diese Arbeitslosen, die von den Deutschen als„arbeitsscheu” und„asozial” klassifiziert wurden, gingen verschiedenen, für die Struktur östlicher Länder typischen Beschäftigungen nach— sie bettelten, studierten, beteten, sie betrieben Schwarzhandel oder lebten einfach von der Hoffnung. Seibst in der Sowjetunion hatten sich alte Stammessitten nach einem Vierteljahrhundert Revolution kaum geändert. Das deutsche Programm war einfach: Die Juden müssen aus Han- del und Industrie ausgeschlossen und mit Handarbeit beschäftigt werden. Diejenigen, die für solche Arbeit untauglich sind, haben keine Lebensberechtigung. Wie wir gesehen haben, stimmte in diesem Punkt Gouverneur Frank mit den SS-Polizeigewaltigen völlig überein. Andere deutsche Organe jedoch, die direkt mit der Kriegsproduktion zu tun hatten, wendeten ein, daß selbst aus einem ungelernten Arbeiter nicht viel herauszuholen sei, wenn man seine Familie umbringe und ihn aller Vorteile beraube, die anderen ofrenständen. Diese Einwände hatten wenig Erfolg. Die Deutschen, die mit der Verwaltung zu tun hatten, folgten einfach dem Beispiel des geizigen Bauern im Märchen, der die Gans schlachtete, die die goldenen Eier legte. Max Frauendorfer, der Leiter des Arbeits- amtes in Franks Regierung in Krakau, erließ zum Beispiel am 21. Dezember 1940 eine Verordnung, die es untersagte, Juden Krankengeld, Urlaubsgeld, Überstunden oder Prämien zu bezah- len, und gleichzeitig alle Bestimmungen über Arbeitszeit widerrief, soweit es sich um jüdische Arbeiter handelte?. Und dies war der gleiche Frauendorfer, der Ulrich von Hassell über SS-Greueltaten auf dem laufenden hielt und schließlich angewidert sein Amt in Polen niederlegte und als Soldat an die Front ging! Ein systematisches Vorgehen in der Judenfrage nach der Invasion, zum Unterschied von bloßen Plünderungen und Pogromen, be- gann erst nach der Einführung des Judensterns. Dieser wurde am 24. Oktober 1939 in Wloclawek im einverleibten Gebiet in Aus- führung eines Einfalls eines deutschen Stadtkommissars versuchs- weise zur Pflicht gemacht. Am 18. November ordnete Gouverneur Wächter in Krakau das Tragen des Kennzeichens an, aber die allgemeine Verordnung für das ganze Gebiet des Generalgou- vernements wurde erst am 23. November von Frank erlassen. Der sechszackige Stern war auf einer weißen, zehn Zentimeter breiten 60 i $ rim KAPITE N Armbinde L Geschäfte, Dies war di wich; und€ ging, die Ju olterlichen\ Ehenso wie tum des Kör ur das Let er weder d benützen,€ Jassen, er( konnte ohn geschleppt schon viele Schritt gepl gebenen O des Judenre Geschlosse ZeitHeydri plant(siehe verschober und Unterr völligen A warenhänc terzubetrei fegern erla Zeit nachz süker dezi bleme ver in Warsch now und k stieg, wurd Inden ha im Juni 19 die Mögli die theora Ghetto j Familien 6 DER ENDLOSUyg Fheitslosinl.:: a Armbinde zu tragen. In ähnlicher Weise mußten alle jüdischen Chey” " Geschäfte, Kanzleien und Wohnungen gekennzeichnet werden‘. Dies war die erste Verordnung, die von der Praxis im Reich ab- wich; und es vergingen fast zwei Jahre, ehe die Gestapo daran- ging, die Juden in Deutschland und Westeuropa in dieser mittel- alterlichen Weise zu entwürdigen. Ebenso wie das mittelalterliche Vorbild, das die Juden zum Eigen- a tum des Königs machte, garantierte der Judenstern seinem Träger “ Be nur das Leben, sonst nichts. Ohne besondere Bewilligung durfte ee nantıgt er weder die Eisenbahn noch andere öffentliche Verkehrsmittel sind, haben benützen, er durfte den Ort, in dem er registriert war, nicht ver- nr stimmte in lassen, er durfte gewisse Straßen und Parks nicht betreten; er zeigewaltigen konnte ohne Haftbefehl verhaftet und zu jeder beliebigen Arbeit e direkt mit der geschleppt werden. Im November 1939 sehnten sich tatsächlich aß selbst aus schon viele Träger des Judensterns nach dem, was als weiterer seı, Wenn man Schritt geplant war, nämlich nach dem isolierten, von Mauern um- e die anderen gebenen Ghetto und der autonomen Verwaltung in den Händen Die Deutschen, des Judenrates. h dem Beispiel Geschlossene und bewachte Ghettos waren zweifellos schon zur ochtete, diedie| geheimer Empfehlungen vom 21.September 1939 ge- r des Arbeits- plant(siehe S. 39). Die Durchführung dieses Planes mußte jedoch m Beispiel am' verschoben werden, bis die Arisierung der jüdischen Geschäfte ersagte, Juden| und Unternehmen so gut wie abgeschlossen war. Selbst nach der nien zu bezah-" völligen Abschließung der Ghettos wurde es den jüdischen Alt- warenhändlern in Lodz gestattet, ihre Geschäfte in der Stadt wei- terzubetreiben. In Wilna mußte man den jüdischen Schornstein- DRITTES KAPITEL 1. AUSSCHALTUNG AUS DER WIRTSCHAFT ert Revolution 'szeit widerrief, d dies war der 55.Greueltoten"| fegern erlauben, ihrem Handwerk außerhalb der Ghettos zu einer rt sein Amt in| Zeit nachzugehen, da die jüdische Bevölkerung bereits durch Mas- |) dezimiert worden war$. Eine ganze Reihe unerwarteter Pro- h der Invasion, bleme verzögerte die Gründung des Ghettos in Lodz bis April und in Warschau bis November 1940. In Lublin, Radom, Krakau, Tar- now und Kielce, wo die jüdische Bevölkerung 25 000 Seelen über- stieg, wurden die Ghettos erst im März und April 1941 umfriedet’. In den halbjüdischen Städten Ostgaliziens, die die Deutschen erst im Juni 1941 besetzten, kam es bis 1943 nicht dazu. Es gab daher die Möglichkeit einer Flucht aus den gefängnisartigen Ghettos in die theoretisch freien jüdischen Gemeinden. A!s zum Beispiel das Ghetto in Lodz gegründet wurde, flohen die wohlhabenderen Familien nach Warschau®. Pogromen, be- sser wurde am Gebiet in Aus- ssars versuchs- te Gouverneuf ; an, aber die ; Generalgou- erlassen. Der !imeter breiten 61 SEE TEE BEE WEEZE GE ET >“ ir. DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Die Deutschen hatten kaum Ursache, beunruhigt zu sein. Die Juden von Warschau begannen bereits, ein freiwilliges Ghetto zu ihrem eigenen Schutz zu gründen. Die Deutschen konnten sich auf diesen Herdeninstinkt selbst noch zu einer Zeit verlassen, da die Todes- lager schon zwei Jahre in Tätigkeit waren. Eine Stadt wurde zum Beispiel durch ein Massaker aller jüdischen Einwohner beraubt, dann„judenfrei” erklärt und später wieder für Juden geöffnet— und die geflüchteten Juden kehrten trotz all dem zurück(siehe Seite 303). Die Geschichte der Ghettos zerfällt in vier Phasen. In der ersten war nur beabsichtigt, die Juden vom Handel auszuschließen, da bloße Enteignung nicht genug war, denn ein Jude, der Freizügig- keit genoß, konnte ja wieder ein Geschäft eröffnen. In der zweiten Phase sollten die Juden zum Hungertod verurteilt werden. Die füh- renden Nationalsozialisten machten daraus gar kein Hehl. Im Ok- tober 1942 verordnete Frank zum Beispiel eine Kürzung der Zu- teilungen für die Juden Warschaus und gebrauchte dabei folgende Worte:„Während der Wintermonate wird die Sterblichkeit zwei- fellos steigen, aber dieser Krieg bringt die völlige Vernichtung der Juden mit sich?.” Die dritte Phase begann im März 1942. Juden, die nicht direkt in kriegswichtigen Industrien arbeiteten, traten den Weg zu den Hinrichtungsgruben oder in die Gaskammern an. Die letzte Phase begann mit dem Warschauer Aufstand im April 1943. Außer in Lodz, wo die Lösung um 16 Monate verschoben wurde, hat man die Ghettos entvölkert und sogar niedergerissen. Im Jahre 1944 waren, abgesehen von Lodz, Arbeitslager die einzigen Stät- ten, wo die Juden noch das Recht hatten, am Leben zu bleiben. Daß der Plan für die zweite Phase, nämlich die Juden Polens durch Verhungern auszurotten, nicht in ein paar Monaten seinem erfolg- reichen Ende zugeführt werden konnte, ist menschlicher Fehlbar- keit zu verdanken. Eine jüdische Ärztekommission, die diese Frage während der Deportierungen studierte, kam zu dem Schluß, daß die Ausrottung des Ghettos durch Hunger bis zu fünf Jahre dau- ern würde'°; aber diese Schlußfolgerung rechnete mit gewissen Gegebenheiten, die teilweise mit der Angst der Deutschen vor Epidemien, teilweise mit deren Bestechlichkeit zusammenhingen*. * Der Bericht dieser Kommission kam nach dem Krieg zum Vorschein und wurde als „Choroba glodowa; badania kliniczne nad glodom wykonane w getto Warszawskim z roku 1942“(Die Hungerkrankheit. Klinische Studien über den Hunger im Warschauer Ghetto 1942) veröffentlicht. 62 priTtES Kan! Denn die( Bestechung nicht nur[ nachbarten musder SS Theoretisch rekten Ver bestimmte: und die„Er Stellen wur chen Han mandos ge Zuteilunge der Ghettc teilt, einem schau, bis; Der Judenr n der Pra entzogen, Handels m sich zu bei zu verhin. oder Mau offen vor sogar ZU war, Praktisch an vorhe bergs Ko heftig an Seraphim len antise Jahre 194 und im J biete ve arbeit wi Nicht ein sonders, Oder we 6 NN DER ENDlosyyg ZU sein. Die Juden Ielto zu ihrem "NSICh auf djegen En, da die Todes. Stadt Wurde zum Wohner beraubt been geöffnet M Zurück(siehe en. In der ersten szuschließen, da le, der Freizügig- Pn. In der zweiten werden. Die füh- ein Hehl, Im Ok- Kürzung der Zu- e dabei folgende ferblichkeit zwei- Vernichtung der ärz 1942. Juden, teten, traten den iz geflohen war, aufstand verwen- t worden waren? eizer Roten Kreu- :gleitung eines|Ü- s Massengrab. Er gestorben seien. neutralen Schweiz ‚ wurde, während ohl Hinrichtungen iieser Schmuggler e Gestapo selbst unfähig erachtet ie Gestapo eine hwarzhandel ZU Adresse in der genannt wurde, on, Einige Über: isierte Schieber- | DRITTES KAPITEL 2. DER„JUDENSTAAT” bande angeprangert, die durch ihren Leiter, Abraham Gancwaijch, und seine Mitarbeiter den Schutz der Deutschen genoß. Diese Zeugen weichen allerdings in einer Frage voneinander ab, und zwar in der, ob die„Dreizehn” von den Deutschen schon im Jahre 1942 abgebaut oder von den Kräften des Ghettoaufstands liquidiert wurde*. Beschuldigungen der Korruption dieser Art wurden, wenn auch in geringerem Ausmaß, gegen die Judenräte aller polnischen Ghettos erhoben. Wir stehen hier vor einem überaus schwierigen Problem. Die Theorien, denen zufolge die Deutschen die Mitglieder der Räte entweder aufs Geratewohl bestimmten oder bewußt Schurken ernannten, können außer acht gelassen werden. Ebenso wie im Westen bedienten sich Heydrichs Schergen auch hier der Hilfsorganisationen, die in den Gemeinden, in denen es immer viel Elend gab, über starken Einfluß verfügten. Diese Organisatio- nen, denen es unter Todesandrohung befohlen wurde, im Inter- esse der Deutschen zu handeln, wurden nun gleichzeitig Almosen- verteiler und Polizeiorgane. Es ist symbolisch für die Situation, daß der Warschauer Judenrat seinen Sitz in der„Kehillah”, der Gemeindehilfsorganisation, hatte. Die Bevölkerung auf das Ni- veau der Suppenküchen herabzudrücken und die Suppenküchen in einer von der Gestapo kontrollierten Bürokratie zusammen- zuschließen, war unter den Bedingungen der völligen Isolierung der Juden Polens im allgemeinen nicht schwer, außer in so un- geheuer komplizierten Gemeinden wie Warschau. Die Situation hier hatte eine gewisse Ähnlichkeit mit der in Frankreich, wo es den jüdischen Organisationen gelang, sich dem Aufgehen in eine „Reichsvereinigung” nach deutschem Muster zu widersetzen(siehe S. 345). Aus diesem Grunde hatte der Obmann des Judenrates oder der Judenälteste in Wahrheit niemals auch nur annähernd die Rolle eines Ghettodiktators, obwohl solche Diktatoren gar nichts Selte- nes waren; schließlich beruhte das ganze nationalsozialistische System auf Diktatoren aller Grade. Die Deutschen fanden es leich- ter, ihren Anteil an Arbeit oder Menschenleben zu bekommen, wenn sie die Verantwortlichkeit dafür einem einzigen Mann über- trugen. Die Judenältesten hatten allerdings nie viel Zeit, ihren Ehrgeiz zu befriedigen. Ihr Leben endete durch Selbstmord oder durch Hinrichtung. Dr. Adam Czerniakow vom Warschauer Juden- 71 mn m green Ber en nee a ER EEE EEE EEE 3 DIE ENDLOSUNG rat hatte die Bewilligung, einen Kraftwagen zu besitzen. Sein. geradezu fürstlicher Aufwand war die Zielscheibe der Ghetto- Kabareitisten. Dennoch beging er im Juli 1942 Selbstmord, um nichts mit der deutschen„Umsiedlung“ zu tun haben zu müssen! Czerniakows Nachfolger, Dr. Lichtenbaum, wurde von den Deut- schen am Vorabend des Ghettoaufstandes entfernt; er hatte aber niemals viel Einfluß#. Dr. Bieberstein in Krakau wurde schon im Sommer 1940 nach Auschwitz verschickt“. Dr. Landsberger aus Lemberg wurde mit zehn seiner Kollegen auf einem Balkon hin- gerichtet”. In Kolomea beging der Judenälteste Dr. Horowitz in Anwesenheit der deutschen Polizei während der Schlußaktion Selbstmord#. Dutzende solcher Schicksale könnten hier als Bei- spiele angeführt werden. In Lodz hingegen ernannten die Deutschen im Oktober 1939 einen Obmann, den sie fast fünf Jahre lang für ihre Zwecke benutzten. Mordechai Chaim Rumkowski, der Leiter eines jüdischen Waisen- hauses, war durch seine Geschicklichkeit im Sammeln von Bei- trägen bekannt*, Außer über dieses Talent, das auf die Deut- schen eine offensichtliche Anziehung ausübte, verfügte Rum- kowski noch über eine große Wendigkeit. Es wurde ihm befohlen, einen Judenrat zu ernennen, dessen Mitglieder dann als Geiseln verhaftet wurden. Er versuchte, ihre Freilassung zu erreichen, und wurde bei dieser Gelegenheit zusammengeschlagen und gezwun- gen, einen neuen Rat zu ernennen 5%, Nachher wurde er nie wieder geschlagen. Außerhalb des Ghettos wurde er wie ein Hund be- handelt, aber innerhalb des Stacheldrahtzaunes durfte er ein König sein. Er gab Banknoten mit seiner Unterschrift und Brief- marken mit seinem Porträt heraus— ein ältlicher, gemütlich aus- sehender Menschenfreund, mit einer fliegenden, weißen Mähne, der im Ghetto in einer uralten Kutsche umherfuhr. So marschierte er im September 1942 mit den Kindern, die die Gestapo verlangt hatte, zum Bahnhof— warum auch nicht, hatte die Gestapo denn nicht auch sein eigenes Waisenhaus verschont 512 Selbst im August 1944 noch, nachdem fast 100000 Lodzer Juden„umgesiedelt” worden waren, unterstützte er den hinterhältigen„Aufruf“ des Ghettoverwalters Hans Biebow 32, Als er jedoch erkannte, daß er mitgeholfen hatte, eine fürchterliche Falle zu stellen, bestieg er freiwillig den Zug nach Auschwitz und wurde zum letzten Mal gesehen, als er die Gaskammer betrat(siehe$. 341). 72 VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG 1\ games KA ‚Verteilung VC pie Vertel yon Lodz Rumk geht außer Zueil \rischaftsmins länger bestehen Form von Ghett der Ghettoverw‘ Jen Ordnungsdii Judenrat war UI Gestapo mac te Anzahl von Pe Arbeit oder wirk noch lange, nacl heit herausgefur Stellung und tru deutschen Unifoi zeugen, erzählt, in Warschau ei ein deutscher u von Kindern ver Leben. In Wilne gungsscheinen“ von Dr, Gringe dienstes wirklicl mer seine Roll Ende, Im Auge nicht mehr brau Anwendung vo: Nungsdienst un! weggelockt wu: Der Kommand Iude oder ein Oberst Szeryn. schau befehligt 199 das Komr sd, erschien j „Der jüdische} eine wirklic Beispiel, Jakob Oktober 1939 einen Zwecke benutzten, > Jüdischen Waisen- Sammeln von Bei. das auf die Deut. fe, verfügte Rum- urde ihm befohlen, } zu erreichen, und agen und gezwun- vurde er nie wieder wie ein Hund be- nes durfte er ein rschrift und Brief- 1er, gemütlich aus- n, weißen Mähne, hr. So marschierte Gestapo verlangt Jie Gestapo denn 2 Selbst im August sn„umgesiedelt" en„Aufruf“ des| erkannte, daßer| tellen, bestieg er zum letzten Mal 4). r dann als Geiseln| DRITTES KAPITEL 2. DER„JUDENSTAAT” Die Verteilung von Nahrungsmitteln und von Arbeit war im Ghetto von Lodz Rumkowskis persönliches Monopol. Seine Tüchtigkeit - steht außer Zweifel. Durch ihn wurde das Ghetto für die deutschen so wichtig, daß es um mindestens ein Jahr länger bestehen blieb als Warschau und Bialystok. Aber diese Form von Ghettodiktatur war ungewöhnlich. Die normale Form der Ghettoverwaltung war die eines Polizeistaates, gestützt auf den Ordnungsdienst, der in einigen Fällen völlig unabhängig vom Judenrat war und Befehle direkt von der Gestapo erhielt. Die Gestapo machte ihn dafür verantwortlich, daß die festgelegte Anzahl von Personen lebend abgeliefert wurde, anfangs für Arbeit oder wirkliche Umsiedlung, später für Hinrichtungen. Aber noch lange, nachdem die Männer vom Ordnungsdienst die Wahr- heit herausgefunden hatten,„verdienten” sie sich ihre privilegierte Stellung und trugen ihre blauen Uniformen nach dem Schnitt der deutschen Uniform. Dr. Michal Mazor, der objektivste aller Augen- zeugen, erzählt, daß während der großen„Umsiedlungsaktion” in Warschau ein jüdischer Polizist ebensoviel Furcht erregte wie ein deutscher und daß der Ordnungsdienst sogar das Versteck von Kindern verriet°®. Manchmal trieben sie Handel mit jüdischen Leben. In Wilna wurden sie durch den Verkauf von„Beschäfti- gungsscheinen” reich5*. In Kowno jedoch waren nach Aussage von Dr. Gringauz nur ganz wenige Mitglieder des Ordnungs- dienstes wirklich willfährige Werkzeuge der Gestapo. Was im- mer seine Rolle, der Ordnungsdienst nahm stets das gleiche Ende. Im Augenblick, in dem die Deutschen dessen Mitglieder nicht mehr brauchten, erschossen sie sie alle zusammen, oft unter Anwendung von Tricks, wie zum Beispiel in Minsk, wo der Ord- nungsdienst unter dem Vorwand, daß ein Feuer zu löschen sei, weggelockt wurde(siehe$. 324)®. Der Kommandeur des Ordnungsdienstes war oft ein getaufter Jude oder ein Offizier der polnischen Armee, wie zum Beispiel Oberst Szerynski, der bis zu 1650 Mann im Ghetto von War- schau befehligte. Das Bild seines Stellverireters Lejkin, der Anfang 1942 das Kommando innehatte, während Szerynski im Gefängnis saß, erschien im„Völkischen Beobachter” unter der Überschrift „Der jüdische Napoleon“. Diese Männer hatten in manchen Fäl- len eine wirkliche Macht°%. Ein anderer jüdischer Berufssoldat zum Beispiel, Jakob Genns, der Kommandeur des Ordnungsdienstes in 73 Bee era nn sense DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Wilna, machte sich vom Judenrat unabhängig. Im Herbst 1942 ernannten die Deutschen ihn zum Aufseher über alle Ghettos, die es noch in Litauen und Weißrußland gab, und die litauische Miliz hatte ihm die Ehrenbezeigung zu leisten”. Ebenso wie Rum- kowski gab sich Genns der Selbsttäuschung hin, daß seine Nütz- lichkeit für die Deutschen der Rettung von jüdischen Leben dienen könne— eine echte Selbsttäuschung, denn zum Schluß stellte er sich freiwillig der Hinrichtung, anstatt zu entfliehen und dadurch Massenrepressalien hervorzurufen. Während der„Umsiedlungsaktion“ wurde die Macht des Ord- nungsdienstes untragbar, denn oft war es diese Organisation allein, die bestimmte, wer den Deutschen, die nur die Gesamtzahl festlegten, ausgeliefert werden sollte. Leutnant Rosenblatt aus Lodz erzählte Dr. Friedrich Hielscher, einem Mitglied des deut- schen Widerstandskreises, daß es ihm gelungen sei, solche Per- sonen auszusuchen, die das Leben im Ghetto nicht länger ertragen konnten und daß er alte Ehepaare gemeinsam auf den Weg in die Gaskammer geschickt hätte; aber er habe trotzdem schreck- liche Gewissensbisse®®, Jakob Genns hingegen war in bezug auf seine Tätigkeit ganz unverschämt offen. Im Oktober 1941 erklärte er, daß er ein paar Wilnaer Juden den Deutschen übergeben hätte und dadurch Tausende vor den Totengruben in Paneriai gerettet habe. Die Rabbiner von Wilna antworteten ihm mit fol- gendem Zitat aus Maimonides: „Und wenn die Götzendiener Dir sagen: ‚Gib uns einen aus Deinem Volke, so daß wir ihn töten können, wenn Du Dich aber weigerst, dann werden wir Euch alle töten’, dann sollen alle zum Sterben bereit sein, aber keine einzige jüdische Seele soll freiwillig dem Götzendiener ausgeliefert werden®?.” Vielleicht wäre es die beste Antwort gewesen, den Rabbinern zu sagen, daß es im 12. Jahrhundert noch keine Maschinengewehre gegeben hat. Der jüdische Polizist, der sich eine Gnadenfrist von ein paar Wochen oder Tagen dadurch erkaufte, daß er einen Landsmann zum„Umschlagplatz” brachte, war nicht schuldiger als die Juden in den Todeslagern, die gezwungen waren, die Leichen der Vergasten nach allen nur möglichen Verstecken von Wertgegenständen zu durchsuchen, und deren Gnadenfrist nur in Stunden gemessen werden konnte. Ein brennender Haß verfolgt jedoch heute die Judenräte und den Ordnungsdienst über ihre 74 \cben die ersten N chen Zentralkor elften, das den I volte, Dje Jüdische Sozi organisafionen, g sonders in den 9 Vitgliedschaft wa „ekümmert hatte, lebenden Juden 1 Ausschuß das Sym versammlung" be sich erfreute®'. Tı Ausschüsse anzu nußte eine Besc Nisznice offiziel erledigt werden‘2 ütemehr undme vährend die inter wurde, insbeson. Suppenküchen. In os monatlich zı üchen, mit dem Alerdings gab es u, und das Prot terden, wo die güben, 3. Jüdische A, er mysteriösesk ng, denn die Z Sen Gheltos wed Zell kein Einkor 919. Im Herbst per alle read ie auische A, « Ebenso wie \n, daß seine Ni Ischen Leben dienen um Schluß stellte er liehen und dadurch pe Macht des Ord. diese Organisation Aur die Gesamtzahl ant Rosenblaft aus Mitglied des deyl gen sei, solche Per. icht länger ertragen m auf den Weg in je trotzdem schreck- En war in bezug auf ktober 1941 erklärte utschen übergeben ıgruben in Panerici 'orteten ihm mit fol- : ‚Gib uns einen aus ınen, wenn Du Dich > töten’, dann sollen ne einzige jüdische ‚geliefert werden”. , den Rabbinern zu Maschinengewehre ne Gnadenfrist von ufe, daß er einen ‚or nicht schuldiger yungen waren, die en Verstecken von Gnadenfrist nur nder Haß verfolg 1gsdienst über ihre | DE| ER DER ENDLOSUNG h DRITTES KAPITEL 3. JUDISCHE ARBEIT UND ARBEITSLAGER ‚namenlosen Gräber hinaus. In November 1949 verkündete das „Bulletin des Jüdischen Historischen Instituts Polens”, daß von nun an nach„streng marxistischen Gesichtspunkten“ studiert werden solle. Besondere Untersuchungen würden über die Mitglieder der Judenräte, ihre politische Gesinnung, Vermögen und Beziehungen zu den Deutschen angestellt werden. Bedauernswerterweise haben die ersten Nachkriegsforschungen der Jüdischen Geschicht- ichen Zentralkommission Polens meist an dem anderen Extrem gelitten, das den Mantel! des Vergessens über diese Dinge breiten wollte. Die Jüdische Soziale Selbsthilfe(JSS), die Vereinigung der Hilfs- organisationen, genoß einen besseren Ruf als die Judenräte, be- sonders in den größeren Ghettos, wo sie fast unabhängig war. Mitgliedschaft war freiwillig, und da die Gestapo sich kaum um sie gekümmert hatte, wurde sie auch nach dem Krieg von den über- lebenden Juden nicht in Acht und Bann getan. In Wilna war ihr Ausschuß das Symbol der Unabhängigkeit und war als„National- versammlung” bekannt, ein Zeichen der hohen Achtung, deren er sich erfreute®'. Trotzdem waren die Deutschen gezwungen, die Ausschüsse anzuerkennen. Am 10. Februar 1942 zum Beispiel mußte eine Beschwerde des Hilfskomitees der kleinen Stadt Wisznice offiziell vom Amt des Generalgouverneurs in Krakau erledigt werden2. Im Laufe der Zeit konzentrierten sich die Juden- räte mehr und mehr darauf, die Deutschen versöhnlich zu stimmen, während die interne Verwaltung immer mehr die Aufgabe der JSS wurde, insbesondere das Hauptproblem der Finanzierung der Suppenküchen. In Wilna zum Beispiel gaben die Arbeitskomman- dos monatlich zwei Tageslöhne oder zwei Mark den Suppen- küchen, mit dem Erfolg, daß hier niemand an Hunger starb#. Allerdings gab es selten mehr als 20. 000 Juden im Ghetto von Wil- na, und das Problem kann nicht mit dem Warschauer verglichen werden, wo die Suppenküchen täglich 100000 Mahlzeiten aus- gaben. 3. Jüdische Arbeit und Arbeitslager im Generalgouvernement Der mysteriöseste Teil des Ghettoapparates war die Finanzgeba- rung, denn die Zivilverwaltung der polnischen Städte konnte von den Ghettos weder Steuern noch Abgaben erheben, da diese offi- ziell kein Einkommen hatten. Die legal erzeugten Produkte des 75 Be BEE ehe Be nern Mer DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG| Gheitos mußten durch die Transferstelle gehen, die unter der Aufsicht der SS stand. Als Gegenleistung für die Güter gab die Transferstelle Zuteilungen und Material an das Ghetto aus, aller- dings erst, nachdem ihre Agenten ungeheure Profite eingesteckt hatten— Profite, die sie mit gewissen jüdischen Unternehmern, wie zum Beispiel den Autobesitzern Kohn und Heller, teilten. Der Erfolg dieser Schieberei war, daß die Ghettos ein Verlustposten für die Zivilverwaltung blieben. So beschwerte sich Regierungs- präsident Dr. Marder im Juli 1941, daß die Stadt Lodz die Kosten der besonderen Polizeiüberwachung und Verkehrsregelung im Ghetto zu tragen hätte. Im September erklärte Dr. Marders Nach- folger, ein farbloser, unbedeutender Reichstagsabgeordneter na- mens Dr. Uebelhör, daß diese Ausgaben durch die geplante Zu- wanderung der Juden von Wloclawek noch erhöht würden. In der Geschichte der Gemeindeverwaltung dürfte es noch nicht vorge- kommen sein, daß ein Drittel der Bewohner einer Stadt von der Größe Essens durch die Tätigkeit der Polizei wirtschaftlich völlig ruiniert wurde$%, Es wäre zu erwarten gewesen, daß bei einem festgelegten Tageslohn von zwei Mark das Ghetto wenigstens laufende Aus- gaben hätte tragen können, aber in Lodz scheint das nicht der Fall gewesen zu sein. Im gleichen Monat beschwerte sich Ober- bürgermeister Ventski, daß nur 80v.H. der Ausgaben für das Ghetto, das damals 140000 Bewohner hatte, durch Arbeit abge- zahlt werde‘. Und dennoch rühmten sich die SS-Führer, daß sie die Juden Polens zu produktiver Arbeit eingespannt hätten. So schrieb im Mai 1940 Brigadeführer Friedrich Krüger, Franks Höhe- rer SS- und Polizeiführer, der früher ein Buchhändler in Straßburg war und wie ein fetter Dorfpolizist aussah, folgende Sätze für Du Prels Werk„Das Generalgouvernement”: „Eine nicht minder große, wenn auch weniger dankbare Ar- beit der Menschenbetreuung mußte und muß auch jetzt noch von den Männern der SS und Polizei durchgeführt werden. Das arbeitsscheue jüdische Gesindel mußte an die vorgese- henen Arbeitsstellen gebracht werden. Wenn dabei auf dem Weg über polizeiliche Zwangsmaßnahmen so mancher Jude zum ersten Mal in seinem Leben einer fruchtbringenden und der Allgemeinheit dienenden Arbeit zugeführt werden konnte, so darf dabei vor allen Dingen nicht vergessen werden, daß 76 nes Kapitel eine solche: eine wesen der Polizei( Wie war es UM( Lodz starben doch deckte ihre die wesentliche tür den die Ghe gelten und der Weiterleben de! Nur einem kleir oenheit zur Ark nur zwei Sorter Ausrüstungsfabr ogern und Kom ‚om 26. Oktobei Jahre Dienst be oflichtige Alter Judenräten obla waren fast 500 C doch waren nur mehr als 100.00 fnden. Mehr a oder in Lagern i orbeiteten bis z Bug und am Sa gegen Rußland platz ercichtet, Ganz anders Arbeitskomma len, vier Zloty wohnten, Im J \ommandos in Nehmer Weiger) Jie Juden ind ter Zivilverwal Unternehmer y, hs Zu Begin “em SS-Wirtse 1 } Dr. Marders Nach. Bsabgeordneter na. h die geplante Zu. höht würden. In der [5 noch nicht vorge- einer Stadt von der wirtschaftlich völlig einem festgelegten tens laufende Aus-| heint das nicht der chwerte sich Ober:| Ausgaben für das durch Arbeit abge- -Führer, daß sie jespannt hätten. So üger, Franks Höhe: ändler in Straßburg gende Sätze für Du iger dankbare Ar- ‚uß auch jetzt nocı rchgeführt werden. te an die vorges® ann dabei auf den 1 so mancher Jude chtbringenden UN /hrtwerden konnt essen werden, CO ei Su aus, aller. E ofite eingesteckt N Unternehmern x 1 Heller, teilten, Der Is ein V seit erlustposten DRITTES KAPITEL 3. JUDISCHE ARBEIT UND ARBEITSLAGER eine solche Anleitung zur Arbeit für alle Juden indirekt auch eine wesentliche Entlastung auf einem Hauptaufgabengebiet der Polizei gebracht hat.” Wie war es um diese allgemeine Arbeitsverpflichtung bestellt? In Lodz starben 8 v. H. der Juden an Hunger in einem Jahr, und doch deckte ihre Arbeit nur 80 v.H. der Ghettokosten. So sah also die„wesentliche Entlastung” aus. Die Polizei unterstand Heydrich, für den die Ghettos keine dauernde Lösung der Judenfrage dar- stellten und der kein Interesse an jüdischer Arbeit, das heißt am Weiterleben der Juden, hatte. Nur einem kleinen Teil der jüdischen Bevölkerung wurde Gele- genheit zur Arbeit gegeben. Die deutsche Verwaltung erkannte nur zwei Sorten jüdischer Arbeit an: Arbeit in den Textil- und Ausrüstungsfabriken in den Ghettos und Arbeit in den Arbeits- lagern und Kommandos außerhalb der Ghettos Die Verordnung vom 26. Oktober 1939 bestimmte, daß alle männlichen Juden zwei Jahre Dienst bei öffentlichen Arbeiten zu tun hätten. Das dienst- pflichtige Alter wurde später auf 16 bis 60 ausgedehnt, und den Judenräten oblag die Stellung der Kontingente°. Auf diese Weise waren fast 500000 Juden zur schwersten Arbeit verpflichtet, und doch waren nur 80000 im Sommer 1941 und wahrscheinlich nie mehr als 100 000 beschäftigt. Es war nicht schwer, Freiwillige zu finden. Mehr als die Hälfte arbeitete in täglichen Kommandos oder in Lagern in der Nähe von Warschau und Lublin. Außerdem arbeiteten bis zum Oktober 1940 etwa 30 000 Juden in Lagern am Bug und am San, wo die sogenannte„Ottolinie” als Verteidigung gegen Rußland errichtet wurde. Dies wurde als der ärgste Arbeits- platz erachtet, und die Sterblichkeit war hier besonders hoch. Ganz anders war die Lage der 8000 Juden in den Warschauer Arbeitskommandos, die für deutsche Privatunternehmer arbeite- ten, vier Zloty oder zwei Mark Tageslohn erhielten und zu Hause wohnten. Im Juli 1942 wurden jedoch etwa 1580 Mann dieser Kommandos in das Ghetto zurückgeschickt, weil sich die Unter- nehmer weigerten, sie zu ernähren®. Die Juden in den Arbeitslagern wurden von der Sicherheitspolizei, der Zivilverwaltung oder den städtischen Verwaltungen an Privat- unternehmer verdungen. Überall kamen große Unterschlagungen vor. Zu Beginn waren die Höheren SS- und Polizeiführer nicht dem SS-Wirtschaftsamt unterstellt. Odilo Globocnik— später Lei- 7 77 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG| ter des Vernichtungsprogrammes— gründete in der Provinz Lub- lin genossenschaftliche Werkstätten und verwandelte sie dann in Arbeitslager— zu seinem eigenen Profit. Im Juli 1941 besuchte Himmler Globocnik, und seines Freundes Profite beunruhigten ihn derart, daß er den ersten Plan für ein zentral verwaltetes Konzen- trationslager in Lublin aufstellte, das alle diese Werkstätten über- nehmen sollte’°. Aber das Konzentrationslager Lublin oder Maj- danek war erst im Jahre 1942 fertiggestellt, und selbst dann ge- lang es dem SS-Wirtschaftsamt nicht, die jüdische Arbeit in Polen wirksam zu überwachen, bevor Globocnik entfernt und 1 500 000 Juden im Generalgouvernement ermordet worden waren. Die Deutschen waren mit ihren miteinander konkurrierenden Kontrollsystemen bis Herbst 1943 außerstande, die gesamte jüdische Bevölkerung des Generalgouvernements als Zwangs- arbeiter einzusetzen. Sie vermochten das also erst zu einer Zeit, als neun Zehntel der Ghettobevölkerung umgebracht und alle Ghettos ausgeschaltet waren. Denn solange es Ghettos gab, gab es doch zu einem gewissen Grad freie, miteinander im Wett- bewerb stehende jüdische Produktion. So arbeiteten im August 1941 3000 Juden in den genossenschaftlichen Werkstätten in War- schau. Sie verdienten bis zu 100 Zloty oder 50 Mark je Woche und erhielten eine freie Mahlzeit täglich”'. In den Genossenschaf- ten in Krakau konnten Schneidermeister bis zu 180 Zloty wöchent- lich verdienen. In Warschau unterstützte der Ghettoverwalter Auerswald die Gründung jüdischer technischer Schulen und Kurse. Diese Abweichungen von den strengen Judengesetzen hatten höchst unlautere Motive. Eine nicht lizenzierte Werkstatt konnte jederzeit von der Polizei verboten werden. Die Arbeiter konnten dann gezwungen werden, ihre Arbeitskräfte und Maschinen deut- schen Unternehmern zur Verfügung zu stellen, die den Schuiz der Verwaltung genossen. Der Aufstand des Warschauer Ghettos hat den Namen eines die- ser Unternehmer berüchtigt gemacht. Die Karriere von Walter Többens war wirklich sensationell. 25jährig hatte er 1934 die Bre- mer Firma der Brüder Leffer verlassen, wo er als Kaffeeröster an- gestellt war. In den nächsten vier Jahren erwarb Többens zu Spottpreisen sieben Geschäfte, die enteigneten Bremer Juden ge- hört hatten. Im Oktober 1939 wurde er von der Bremer Handels- kammer an Lautz, den neuernannten„Geschäftsführer“ für das 78 games AHIEL Gen po er Bezirks“ ‚Großhön Porner. Anfang ud» grwarben san jsche A sadlungsaktion” f ohanf tastischen D fast umsonst zU durch die SS dine seine Gewinne m Tübbens, den Hin Arbeit zum Milli Glück nicht im Sf hehende, und es geliefert werden Igendwo lebt er trotz. der Verurte mer Spruchkamrr verhängt hat’. den waren, er konkurrierenden ende, die gesamte ments als Zwangs- p erst zu einer Zeit, gebracht und alle 5 Ghettos gab, gab teinander im Wet. beiteten im August erkstätten in War- 50 Mark je Woche den Genossenschaf- ı 180 Zloty wöchent- er Ghettoverwalter r Schulen und Kurse, Jengesetzen hatten e Werkstatt konnte ie Arbeiter konnten nd Maschinen deut die den Schutz der \ Namen eines die- rriere von Walter He er 1934 die Bre- ıls Kaffeeröster an warb Többens ZU ‚Bremer Juden ge: + Bremer Handel‘ iftsführer für dos DRITTES. KAPITEL fernt und 1509 0 3. JÜDISCHE ARBEIT UND ARBEITSLAGER Generalgouvernement, empfohlen, dem 40 offiziell anerkannte Bezirks-Großhändler unterstanden. Lautz und Többens wurden Partner. Anfang 1941 zogen sie in das Warschauer Ghetto um und„erwarben“ fast ohne Kapital binnen kurzer Zeit 12.000 bis 15.000 jüdische Arbeiter. Nach dem 22. Juli, dem Beginn der„Um- siedlungsaktion“, war Többens imstande, seine Schutzscheine zu phantastischen Beträgen zu verkaufen und seine Arbeitskräfte fast umsonst zu bekommen bis zu dem Tage, von dem an er sie durch die SS dingen mußte, und selbst dann war es ihm möglich, seine Gewinne mit Globocnik zu teilen(siehe$. 331). Többens, den Himmler einmal beschuldigte, daß er durch jüdische Arbeit zum Millionär werde, wurde auch nach dem Krieg vom Glück nicht im Stich gelassen 72. Er war 37 Jahre alt und noch sehr behende, und es gelang ihm, aus dem Zug, in dem er anPolen aus- geliefert werden sollte, am 22. November 1946 zu entkommen. Irgendwo lebt er wahrscheinlich in Freiheit, vielleicht in Reichtum, trotz der Verurteilung zu zehn Jahren Arbeitslager, die die Bre- mer Spruchkammer in seiner Abwesenheit im Mai 1949 über ihn verhängt hat’°. Viertes Kapitel Die Deportationen nach Lodz und Rußland Juni 1940- Januar 1942 1. Die Folgen des Sieges im Westen In den sechs Wochen vom 10. Mai bis zum 25. Juni 1940 gerieten nicht weniger als 350000 westeuropäische Juden unter deutsche Herrschaft, von denen ein Drittel Flüchtlinge aus dem Großdeut- schen Reich waren, und weitere 130.000 Juden, die in Vichy-Frank- reich lebten, gerieten indirekt in deutsche Gewalt. Diese 500 000 Juden des Westens bildeten ein schwereres Problem für Hitlers Politik als die 2000000 Juden des besetzten Polen. Das Damokles- schwert hatte über den Köpfen der Ostjuden seit dem Beginn der Pogrome am Anfang der achtziger Jahre gehangen. Kompakte Chettos, besondere Personenstandsregister für Juden und organi- sierte antisemitische Kräfte standen den Deutschen hier zur Ver- fügung. Im Westen hingegen waren Juden, die eine andere Sprache als ihre Nachbarn sprachen und sich in leicht einschließ- baren Siedlungsplätzen zusammendrängten, in der Minderheit, selbst wenn man den weniger assimilationsfähigen Teil der Flücht- linge aus dem Reich dazuzählt, Was die bodenständigen Juden betraf, so konnten sie, da es keine getrennten Personenstands- register gab, oft von den Deutschen gar nicht identifiziert werden. Außerdem lebten sie, da sie ja nur einen kleinen Bruchteil der Bevölkerung bildeten, weit verstreut. Während Städte wie War- schau, Lodz, Odessa, Minsk und Kiew mindestens ein Drittel Juden hatten, war Amsterdam die einzige Großstadt westlich von Buda- pest, in der die jüdische Bevölkerung 10 v.H. der Gesamtbevölke- rung ausmachte. Heydrich zögerte, das Problem der Registrierung der westeuro- päischen Juden in Angriff zu nehmen. Obwohl ein„Statut des Juifs“ schon am 3. Oktober 1940 der Vichy-Regierung abgezwun- gen wurde, hat man erst im März 1941 ein besonderes französi- 80 ‚aschungsinvasIO Deutschen außer: idische Bevölke Deutschen glaub reich geflüchtet die Flucht in die N, Januar 1942 Wirklichkeit sich ten Zone befanı nach Besetzung schen Fachleutei richtigen Zahler Kapitulation küı Juden in der fr rungsstätte und berachteten, de wärtige Amt sti sonders Ribben Karlsruher Zeic Wilhelmstraßer inParis erklärte und ihre Absch sich um eine Fi dieser Maßnal hätte wohl die Erfolg geendet en wäre, Abelz sandte: die ganze Ar: Werden, denn engen Verbin Bland Juni 1940 gerieten len unter deutsche nus dem Großdeut- die in Vichy-Frank. walt. Diese 500.009 Problem für Hitlers en. DasDamokles- it dem Beginn der angen. Kompakte Juden und organi- chen hier zur Ver- die eine andere n leicht einschließ- n der Minderheit, yen Teil der Flücht- ständigen Juden n Personenstands- ontifiziert werden. nen Bruchteil der Städte wie War- s ein Drittel Juden ‚estlich von Buda- - Gesamtbevölke- 1g der westeuro- | ein„Statut des ‚rung abgezwun- ‚nderes französt 1. DIE FOLGEN DES SIEGES IM WESTEN VIERTES KAPITEL sches„Kommissariat für jüdische Fragen“ geschaffen und den Judenstempel für die Kennkarten von Juden eingeführt. Ein der Gestapo unterstehender Judenrat nach deutschem oder polni- schem Muster wurde erst im Sommer gegründet— mit welch küm- merlichem Erfolg, ist aus dem Zwölften Kapitel ersichtlich. Die Deutschen waren nicht imstande, eine verläßliche Zählung der Juden im Westen durchzuführen. Selbst in Holland, wo die Be- setzung aller wichtigen Städte binnen vier Tagen einer Über- raschungsinvasion die Flucht unmöglich gemacht hatte, waren die Deutschen außerstande festzustellen, inwieweit die bodenständige jüdische Bevölkerung durch Flüchtlinge angewachsen war. Die Deutschen glaubten, daß 30000 Juden aus Belgien nach Frank- reich geflüchtet waren und daß in Frankreich einer großen Zahl die Flucht in die freie Zone glückte. So erwähnte Heydrich am 20. Januar 1942 eine Gestapoziffer von 700.000, während sich in Wirklichkeit sicherlich weniger als 130 000 Juden in der unbesetz- ten Zone befanden!. Selbst nach dem 11. November 1942, also nach Besetzung der bis dahin freien Zone, gelang es den deut- schen Fachleuten in der Avenue Foch 72 nicht, in den Besitz der richtigen Zahlen zu kommen. In den ersten Monaten nach der Kapitulation kümmerten sich die Deutschen nicht darum, wieviel Juden in der freien Zone lebten, da sie diese als eine Ablage- rungsstätte und nicht als einen Teil des privilegierten Europa betrachteten, das„judenfrei” gemacht werden sollte. Das Aus- wärtige Amt stimmte hierin völlig mit der Gestapo überein, be- sonders Ribbentrops Bevollmächtigter in Frankreich, der frühere Karlsruher Zeichenlehrer Otto Abetz. In Verhören während des Wilhelmstraßen-Prozesses 1948-49 und in seinem eigenen Prozeß in Paris erklärte Abetz, er habe die Enteignung staatenloser Juden und ihre Abschiebung in die freie Zone unterstützt, doch habe es sich um eine Finte gehandelt, da er von der Undurchführbarkeit dieser Maßnahmen überzeugt gewesen wäre?. In Wirklichkeit hätte wohl die Aktion gegen die staatenlosen Juden mit einem Erfolg geendet, wenn Heydrich in der Sache nicht zu weit gegan- gen wäre. Abetz sandte seinen Vorschlag am 10. September an Heydrich?; die ganze Art seines Vorgehens verdient, hier näher dargelegt zu werden, denn es handelt sich um den Beginn einer neuen, sehr engen Verbindung zwischen dem Auswärtigen Amt und dem 8 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG| Sicherheitsamt des SS-Staates, Abetz' Vorschlag ging durch die Hände eines gewissen Martin Luther, Leiter des Referates „Deutschland“ des Auswärtigen Amtes, das normalerweise die Verbindungsstelle mit dem Ministerium des Innern bildete. Dieser unangenehme Herr war Ribbentrops Kreatur, zugleich aber ein wichtiger Agent von Heydrich und der Gestapo, eine Doppelrolle, die Luther später dazu brachte, gegen Ribbentrop persönlich zu intrigieren; er wurde dafür in das Konzentrationslager Sachsen- hausen geschickt, das er nicht mehr lebend verließ* Luther, ein Partner Ribbentrops aus der Zeit, da dieser mit Cham- pagner handelte, hatte im Jahre 1936 einen bescheidenen Posten im„Büro Ribbentrop” angetreten. Er machte sich nützlich, als Ribbentrop die Londoner Botschaft umbauen ließ5. Als Belohnung wurde er im Mai 1940 befördert und in das Referat„Deutschland“ des Auswärtigen Amtes versetzt. Ribbentrop wollte anscheinend vor allem die Diplomaten der alten Schule— wie Ernst von Weiz- säcker— ärgern, die von Luther als„alte Weiber und Weihnachts- männer” bezeichnet und in amtlicher Korrespondenz als„Lieber Parteigenosse” angesprochen wurden. Die entrüsteten Diploma- ten mußten sich mit dem Gedanken vertrösten, daß Luthers Stab — er hatte über 200 übelst beleumundete Subjekte unter sich— über eine ganze Reihe von Amtsgebäuden verstreut war, nicht einmal in der Wilhelmstraße, sondern in der Gegend des Tier- gartens; in dieses„Feindgebiet” sandten sie dann gelegentlich ihre Spione, wie etwa Hans von Haeften, den Neffen von Frau von Brauchitsch$, Drei Jahre lang genoß Luther Ribbentrops uneingeschränkte Un- terstützung. Im April 1941 gelang es diesem ehemaligen Spediteur * Die Umstände von Luthers Sturz im April 1943 sind noch immer nicht völlig geklärt. Die beste Darstellung wurde von Weizsäckers Amtsnachfolger Steengracht von Moyland im Wilhelmstraßen-Prozeß gegeben. Luthers Intrige gegen Ribbentrop wurde von zwel Privatpersonen, denen er mit der Gestapo gedroht hatte, verraten. Luther war gezwun- gen, Ribbentrop offen anzugreifen, nachdem dieser eine Untersuchung angeordnet hatte. Die SS verriet aber den Mann, der Heydrich zu dessen Lebzeiten so gute Dienste ge- leistet hatte. Himmlers Adjutant Karl Wolff sandte Ribbentrop eine Abschrift der An- schuldigungen, die Luther gegen ihn erhoben hatte. Hitler wollte Luther daraufhin auf- hängen lassen, wurde jedoch von Ribbentrop überredet, ihn nach Sachsenhausen zu schicken. Es wurde niemals bekannt, um was für Anschuldigungen es sich hier handelte, Ulrich von Hassell war der Meinung, daß es Luthers Ziel war, Ribbentrop zu stürzen und den SS-Mann Werner Best zu dessen Nachfolger zu machen‘. Auf Grund einer Unterredung mit Luthers Witwe sagt Paul Seabury in seinem Buch The Wilhelm- strasse(Los Angeles, 1954, S. 133 und 196), daß Luther bei Kriegsende in einem Berliner Krankenhaus gestorben ist. 82 aus KANTEL f Dahlem, ie er RibbentroP Ü aropäischen ü ert gy,führer ZU© keit war, ZU brü dab Ribbentrop Ale und seine ones Mannes M non, freien Lau ober während mafischen Poster stanfinopel bek wondtschaft mit Zwischen Ribbe olex und seiner menhang, und( \lartin Luther, c aufihn ausübte nun Luther der Judenfrage zu füglicher, fast Kurfürstenstraß im April 1940 b nit Rademach Luther, lohnt e trachten. Rademacher w 194, im Alter sekretär in Mi ärgerfe— nac 0 sehr, doße setzte. Es gelc nicht, die Abt: indie Tat um; Nührend die ülen möglich fon der Jude, von Juden(si macher hatte n wollte anscheinend Vie Ernst von Weiz. er und Weihnacht ondenz als„Lieber früsteten Diploma- ‚ daß Luthers Stab jekte unter sich— 'erstreut war, nicht Gegend des Tier- dann gelegentlich 1 Neffen von Frau ingeschränkte Un- maligen Spediteur| mer nicht völlig geklärt. teengracht von Moyland yentrop wurde von zwel 'en. Luther war gezwun- hung angeordnet hatte. en so gufe Dienste ge- eine Abschrift der An- > Luther daraufhin auf nach Sachsenhausen ZU 1 es sich hier handelte. Ribbentrop zu stürzen 1en‘. Auf Grund einer m Buch The Wilhelm- Kriegsende in einem VIERTES KAPITEL 1. DIE FOLGEN DES SIEGES IM WESTEN aus Dahlem, seinen alten politischen Freunden zu helfen, indem er Ribbentrop überredete, fünf neue Gesandte bei den südost- europäischen Regierungen aus der diskreditierten Gruppe der SA-Führer zu ernennen, deren einzige Qualifikation ihre Fähig- keit war, zu brüllen und Leute einzuschüchtern. Der Grund war, daß Ribbentrop sich in Luthers Gesellschaft als ein Revolutionär fühlte und seinem Haß gegen die Berufsdiplomaten, dem Haß eines Mannes mit einem sehr fragwürdigen„von“ vor dem Na- men, freien Lauf lassen konnte. Trotzdem brüstete sich Ribbentrop aber während des Nürnberger Prozesses mit dem kleinen diplo- matischen Posten, den er während des ersten Weltkrieges in Kon- stantinopel bekleidet hatte, sowie mit seiner angeblichen Ver- wandtschaft mit Botschafter Dieckhoff”. Zwischen Ribbentrops gesellschaftlichem Minderwertigkeitskom- plex und seinem Antisemitismus bestand ein erkennbarer Zusam- menhang, und dies war auch die Ursache für die Anziehung, die Martin Luther, der Antisemitismus als seinen Lebenszweck ansah, auf ihn ausübte. Als Chef der Abteilung„Deutschland III” wurde nun Luther der einzige hohe Beamte des Außenamtes, der für die Judenfrage zuständig war. Außerdem war seine Abteilung in täglicher, fast stündlicher Verbindung mit Eichmanns Amt in der Kurfürstenstraße. Leiter der Abteilung war von deren Gründung im April 1940 bis April 1943 Franz Rademacher. Da wir uns daher mit Rademacher fast ebensoviel beschäftigen werden wie mit Luther, lohnt es sich, dessen Laufbahn hier etwas näher zu be- trachten. Rademacher war erst Rechtsanwalt, dann Diplomat, aber im Jahre 1940, im Alter von 34 Jahren, gab er seinen Posten als Legations- sekretär in Montevideo auf, um in der Marine zu dienen. Dies ärgerte— nach Rademachers eigener Darstellung®— Ribbentrop so sehr, daß er ihn zur Strafe in das Referat„Deutschland“ ver- setzte. Es gelang ihm bis zum Sturz seines Chefs, Martin Luther, nicht, die Abteilung zu verlassen und seinen ursprünglichen Plan in die Tat umzusetzen. Während dieser drei Jahre erschien Rademachers Name auf allen möglichen belastenden Dokumenten, die mit der Deporta- tion der Juden und wenigstens in einem Falle mit der Ermordung von Juden(siehe S. 408 u. 413) in Verbindung standen; aber Rade- macher hatte nach dem Krieg unglaubliches Glück. Er entging der 83 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Anklage, weil er als Zeuge gebraucht wurde, wurde aber als Zeuge nicht verhört, weil sein Prozeß bevorstand. Anfang 1950 kam zutage, daß Rademacher in der Stellung eines Privatsekretärs des Hamburger Zigarettenfabrikanten Philip Reemtsma auf freiem Fuße war?. Rademacher wurde erst im Jahre 1952 vor das Nürn- berger Schwurgericht gebracht, das ihn am 17. März zu drei Jah- ren und sieben Monaten Gefängnis verurteilte. Die Anweisungen an die diplomatischen Vertretungen in den be- setzten Ländern und Satellitenstaaten, gleichgültig, ob sie von Luther oder von Rademacher gezeichnet waren, verraten eine große Geschicklichkeit im Abwälzen der Verantwortung auf die betreffende Regierung. Luther, dessen direkte diplomatische Ein- griffe die Finesse eines Dreschflegels zeigten(siehe S. 470), hatte diese Geschicklichkeit nicht. Der Urheber war Heydrich, und den ersten Beweis seiner Geschicklichkeit erbrachte er am 20. Septem- ber, als Abetz durch Luther die Zustimmung zu seinem Vorschlag betreffend die staatenlosen Juden in Frankreich erhielt. Heydrich bestand darauf, daß die Verhaftungen— man rechnete mit 40.000 in Paris allein— von der deutschen Sicherheitspolizei und nicht von den Franzosen durchgeführt würden. Nichtsdestoweniger wurde Abetz angewiesen, die Vichy-Regierung zu überreden, den ersten Schritt zu unternehmen. Sie würde„dann im Falle eines Mißerfolges die Verantwortung tragen”. Es war daher Abetz’ Aufgabe, der Vichy-Regierung einen rechtlichen Vorwand zu ge- ben. Er schlug vor, daß die jüdischen Flüchtlinge in Frankreich kol- lektiv ihrer Staatsbürgerschaft verlustig erklärt werden sollen. Und prompt reagierte am 4. Oktober 1940 die französische Regie- rung mit ihrem„Statut des Juifs”, das die berüchtigte„Elfte Ver- ordnung zum Reichsbürgergesetz“(siehe S. 97)" um ein ganzes Jahr vorwegnahm. Vor dem Ende des Jahres 1940 hatte dieses Statut 30000 Juden in der besetzten Zone und 20000 Juden in der freien Zone ihrer Freiheit beraubt. Abetz erklärte jedoch in Nürnberg'', er habe die Deportation in die freie Zone befürwortet, weil die jüdischen Flüchtlinge auf diese Weise unter den Schutz der französischen Gesetze gekommen seien. Tatsächlich verloren die Juden ihre Freiheit, in welcher Zone sie auch waren. Denn in der besetzten Zone wurden sie von den Deutschen in Drancy, Pithiviers oder Beaume la Rolande interniert, während die Vichy-Regierung die 84 | res KAPITEL Juden in der bi \es Milles oder Der Abetz-Plan u Fall, indem i aufJuden, die ı sogenannte 2 vor sich ging; Snorland„schlai n Minuten Vor den sie von de Die Mehrzahl- 4504 Juden— W Frankreich in Gurs und Rives der Aktion selb men”, erklärte Bürckel” einbe: Kinder, die vor verwendet wer Todesfälle wäh haften zuerst W übermittelte de Stülpnagel, den rol Doyen von halten hatte, schall Petain uı Starland. Ribk Sechs Tage spi Auswärtige Ar Die Juden wur: vember 1942, gefallen ware: geschickt*, Über Peteins P doch nicht ı durfte nicht m "Einen Monat nad Press der Vichy beiden Gauleiter den einleiten Wi relungen; had un den be. |» Ob sie yon Aren, verraten eine "anfwortung auf die 2 diplomatische Ein- (siehe 5, 470), halte " Heydrich, und den & er am 20, Septem- \ seinem Vorschlag ch erhielt, Heydrich rechnete mit 40.00) itspolizei und nicht Nichtsdestoweniger ) zu überreden, den ann im Falle eines war daher Abetz’ n Vorwand zu ge- e in Frankreich kol- ärt werden sollen. französische Regie- üchtigte„Elfte Ver- m um ein ganzes tut 30.000 Juden in freien Zone Ihrer rnberg"', er habe weil die jüdischen der französischen ‚n die Juden ihre in der besetzten cy, Pithiviers oder chy-Regierung die | VIERTES KAPITEL || Juden in der freien Zone unter viel ärgeren Bedingungen in Gurs, | Les Milles oder Rivesaltes festhielt. 1. DIE FOLGEN DES SIEGES IM WESTEN Der Abetz-Plan war nur von kurzer Dauer. Heydrich brachte ihn zu Fall, indem er die Deportationen in die freie Zone Frankreichs auf Juden, die im Deutschen Reich lebten, ausdehnte. Das war die sogenannte„Aktion Bürckel”, die in der Nacht zum 22. Oktober vor sich ging; damals wurden 7450 Juden aus Baden und dem Saarland„schlagartig“ verschickt. Manchen von ihnen wurden nur 90 Minuten Vorbereitungszeit gegeben. Auf Gestapo-Befehl wur- den sie von der örtlichen Polizei aus ihren Wohnungen geholt. Die Mehrzahl— nach amtlichen Angaben handelte es sich um 6504 Juden— wurde in neun Güterzüge gepfercht und quer durch Frankreich in die Lager Les Milles bei Aix en Provence sowie Gurs und Rivesaltes in den Pyrenäen geschleppt'?.„Der Vorgang der Aktion selbst wurde von der Bevölkerung kaum wahrgenom- men“, erklärte Eichmann Luther voll Stolz. Die in die„Aktion Bürckel” einbezogenen Juden waren meist ältere Leute sowie Kinder, die von den Deutschen nicht für kriegswichtige Arbeiten verwendet werden konnten. Viele waren krank, und die Zahl der Todesfälle während der Reise war groß. Die französischen Lager hatten zuerst weder Nahrung noch Wohnraum; am 29. Oktober übermittelte der Militärgouverneur von Frankreich, General von Stülpnagel, dem Auswärtigen Amt einen Protest, den er von Gene- ral Doyen von der französischen Waffenstillstandskommission er- halten hatte 3. Am 19. November folgte ein Ansuchen von Mar- schall Petain um die Rückführung der Juden aus Baden und dem Saarland. Ribbentrop wies Luther an, die Sache hinauszuziehen. Sechs Tage später erhielt von Stülpnagel die Nachricht, daß das Auswärtige Amt in der Angelegenheit nichts unternehmen werde. Die Juden wurden nicht aus den Lagern entlassen. Nach dem No- vember 1942, als die Vichy-Lager den Deutschen in die Hände gefallen waren, wurden die noch Überlebenden nach Auschwitz geschickt*. Über Petains Protest ging man hinweg; die Deportationen wurden jedoch nicht wiederholt, und die unbesetzte Zone Frankreichs durfte nicht mehr als Abladeplatz benutzt werden, nicht einmal * Einen Monat nach der„Aktion Bürckel” wurde Luther aufgefordert, eine Abschrift des Protestes der Vichy-Regierung an Innenminister Frick zu senden, der Schritte gegen die beiden Gauleiter Josef Bürckel von Lothringen-Saarland und Robert Wagner von Elsaß- Baden einleiten wollte. Es scheint daher, daß die beiden Gauleiter geheime Befehle von 85 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG für Juden, die in Frankreich lebten. Höhere Stellen, vor denen Heydrich seine Pläne geheimgehalten hatte, hatten eingegriffen. Normalerweise ließ Hitler nicht gern Menschen, die er als Geiseln benutzen konnte, aus seinen Händen; das mag die Erklärung für sein Veto gegen Heydrichs Pläne sein. Eine andere Erklärung ist, daß Heydrichs Aktion mit dem Madagaskar-Plan im Widerspruch stand. Göring hatte schon im November 1938 erklärt, daß Hitler an dieser Idee interessiert sei(siehe$. 25). Die Ansiedlung von Juden in Madagaskar war ein alter Vor- schlag. Die polnische Regierung war eine Zeitlang daran inter- essiert und entsandte im Jahre 1937 eine Studienkommission nach der Insel. Major Lepecki, eines der Mitglieder der Kommission, hielt dafür, daß man 15.000 jüdische Familien auf der Hochebene von Ankaisina ansiedeln könne, während die beiden anderen Mitglieder— beide Juden— erklärten, daß nur kleine Gruppen dort leben könnten und daß sie tropischen Seuchen ausgesetzt sein würden!*, Es wurde niemals behauptet, daß Madagaskar für Millionen Menschen Platz habe. Wir müssen daher sorgfältig er- wägen, ob Hitler zu irgendeiner Zeit ernstlich an den Madagas- kar-Plan glaubte, oder ob er ihn als Tarnung für die„Endlösung”, zu der derPlan in seinem Hirn langsam reifte, benutzen wollte. Der Bericht der polnischen Regierung aus dem Jahre 1937 wirkte sich in verschiedene Richtungen aus. Göring sprach am 12. November 1938 von dem Madagaskar-Plan, und am 7. Dezember erzählte der französische Außenminister Bonnet Ribbentrop in Paris, daß die französische Regierung erwäge, 10000 jüdische Flüchtlinge auf diese Insel zu schicken'5. Die Wilhelmstraße erfuhr jedoch von der Existenz eines Madagaskar-Planes erst nach dem Fall Frank- reichs. Die beiden Rundschreiben, die Luthers Abteilung aussandte, trugen die Daten 2. Juli und 15. August 1940 und waren von Rade- macher gezeichnet, aber es ist aus dem zweiten Rundschreiben ersichtlich, daß sie in Eichmanns Amt entworfen worden sind, da die Beilagen von Eichmanns Gehilfen Dannecker unterschrie- Heydrich erhalten und hinter Fricks Rücken gehandelt hatten, obwohl dieser auf dem Papier Heydrichs Vorgesetzter war. Die Akten des Prozesses gegen Wagner— er wurde von den Franzosen 1946 in Straßburg erschossen— könnten diese Angelegenheit ver- mutlich aufklären. Bürckel, der fast an Stelle seines alten Kameraden aus der Zeit des Anschlusses, Ernst Kaltenbrunner, Heydrichs Nachfolger geworden wäre, beging am 29. September 1944 Selbstmord. Gauleiter Robert Wagner darf weder mit Josef Wagner, dem Gauleiter von Schlesien, der 1940 entlassen wurde, noch mit Adolf Wagner, dem Gauleiter von Bayern, verwechselt werden, der im Jahre 1943 starb. 86 yıerteS KAPITEL en sind und geben". Es ‚ infimen Freun August beauftt daß Dannecker, organisierte, 0 französischen Frage Eichmanr Die ohantastise allzu genauen sches Schutzgel den. Eine eurof nen(1) Juden f fügung stehen, gaskar zu sche spätere Denks stimmung zu d auch Göring| Vermutlich hal Plan weiterzuv einer Zeit also, Flotte Europa gaskar-Plan bi Jahr seines Le! Es ist anzunel Rußland grünc sem ereignisre Himmler Mad; am 28. März| die Deportier Madagaskar ı für, daß Hitle zogen hat? Paul Otto Sch schreibt, daß} einen Israelis schrieb im Ja 1940 durch Al Juden aus Eı im Widerspruch lärt, daß Hitler ein alter Vor. ng daran inter. Ommission ncıch ter Kommission, der Hochebene beiden anderen kleine Gruppen Chen ausgesetzt adagaskar für er sorgfältig er- den Madagas- ie„Endlösung“, tzen wollte, Der 37 wirkte sich in 12. November ber erzählte der \ Paris, daß die Flüchtlinge auf uhr jedoch von em Fall Frank- lung aussandte, aren von Rade- Rundschreiben _ worden sind, ‚er unterschrie- ohl dieser auf dem Nagner— er wurde Angelegenheit ver- ‚n ous der Zeit des wäre, beging om mit Josef Wagner, \dolf Wagner, dem VIERTES KAPITEL 1. DIE FOLGEN DES SIEGES IM WESTEN ben sind und Kurfürstenstraße Nummer 116 als Absender an- geben'”. Es stimmt mit der Aussage Dieter Wislicenys— eines intimen Freundes und Kollegen— überein, daß Eichmann im August beauftragt wurde, einen Madagaskar-Plan auszuarbeiten, daß Dannecker, der später die Deportationszüge nach Auschwitz organisierte, damit beschäftigt war, das Madagaskar-Problem im französischen Kolonialministerium zu studieren!®, und daß diese Frage Eichmann das ganze nächste Jahr beschäftigte. Die phantastischen Vorschläge vom 15. August bedürfen keines allzu genauen Studiums. Die Kolonie sollte ein autonomes jüdi- sches Schutzgebiet unter einem deutschen Polizeigouverneur wer- den. Eine europäische Bank sollte die Umsiedlung von vier Millio- nen(!) Juden finanzieren, und genügend Schiffe sollten zur Ver- fügung stehen, um sie alle binnen weniger Jahre nach Mada- gaskar zu schaffen. All dies wurde ernst genommen, denn eine spätere Denkschrift Luthers!? sagt, daß Heydrich Himmlers Zu- stimmung zu diesem Plan noch im gleichen Monat erhielt und ihn auch Göring in dessen Funktion als Reichsmarschall vorlegte. Vermutlich haben diese beiden Eichmann angewiesen, seinen Plan weiterzuverfolgen, und er dürfte sich im folgenden Jahr, zu einer Zeit also, da kaum ein Schiff gegen den Willen der britischen Flotte Europa verließ, mit den„Vorbereitungen“ für den Mada- gaskar-Plan beschäftigt haben. Bestimmt hat Eichmann in keinem Jahr seines Lebens weniger Schaden angerichtet. Es ist anzunehmen, daß sich diese Lage durch den Angriff auf Rußland gründlich änderte. Es ist jedoch merkwürdig, daß in die- sem ereignisreichen Jahr weder Hitler noch Göring noch auch Himmler Madagaskar in ihren Reden erwähnten und daß selbst am 28. März 1941, als Rosenberg von„einem fernen Reservat für die Deportierung der europäischen Juden” sprach, der Name Madagaskar nicht genannt wurde 2°. Welche Beweise gibt es da- für, daß Hitler jemals den Madagaskar-Plan in Erwägung ge- zogen hat? Paul Otto Schmidt, der Chefdolmetscher des Auswärtigen Amtes, schreibt, daß Hitler am 17. Juni Mussolini gesagt habe,„man könnte einen israelischen Staat auf Madagaskar errichten”?!. Luther schrieb im Jahre 1941 an Ribbentrop, daß Hitler ihn im August 1940 durch Abetz von seiner Absicht in Kenntnis gesetzt habe, alle Juden aus Europa zu evakuieren??. Abetz selbst erinnerte sich 87 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG dieser Unterredung, die nach seiner Angabe am 3. August statt- gefunden hat, aber er erklärte, daß Hitler eine Verschickung in die Vereinigten Staaten im Sinn gehabt habe, die— so glaubte er— in der Lage wären, einige Millionen Juden aufzunehmen 2, Es gibt dagegen genügend Beweise dafür, daß Hitler nach wie vor an die Verschickung der Juden nach Polen gedacht hat und daß der Fall Frankreichs diese Pläne nicht im geringsten be- einflußte. Baldur von Schirach erklärte zum Beispiel, daß Hitler ihn Ende Juni 1940 in sein Feldhauptquartier gerufen und ihm gesagt habe, daß er beabsichtige, die Juden Wiens„im General- gouvernement” anzusiedeln— mit anderen Worten, daß er die nur wenige Monate vorher unterbrochenen Deportierungen wie- deraufnehmen werde 2**. Felix Kersten behauptet, Himmler habe ihm gesagt, daß er nach der Kapitulation Frankreichs in Hitlers Feldhauptquartier gerufen worden sei, wo ihm mitgeteilt wurde, daß er die systematische Ausrottung der europäischen Juden werde durchführen müssen. Himmler sagte Kersten, er habe den Madagaskar-Plan befürwortet und Hitler gegenüber Protest er- hoben, jedoch ohne Erfolg 2. Dieses zugegebenermaßen aus dritter Hand stammende Bild eines Hitler, der entschlossen ist, die„Endlösung“ durchzuführen, und dem man, um ihn zu beruhigen, den Madagaskar-Plan anbietet, wird durch eine weitere Zeugenaussage bestätigt, die aber ebenso fragwürdig ist. Viktor Brack aus der Führerkanzlei sagte 1947 als Angeklagter aus(siehe$. 92 u. 198), daß er und seine Kollegen aus der Führerkanzlei Ende März 1941,„als es in höheren Partei- kreisen ein ‚offenes Geheimnis’ war, daß die Machthaber beab- sichtigten, die gesamte jüdische Bevölkerung in Deutschland und den besetzten Gebieten auszurotten“, Hitler die Umsiedlung der Juden nach Madagaskar unter dem Chef der Kanzlei, Philipp Bouhler, als Gouverneur vorgeschlagen hätten 7°. * Nach Dr. Picker bemerkte Hitler während eines Essens in seinem Hauptquartier, er werde sich nach dem Krieg„rigoros auf den Standpunkt stellen, daß er Stadt für Stadt zusammenschlage, wenn nicht die Juden herauskämen und nach Madagaskar oder einem anderen jüdischen Nationalstaat abwanderten“. Daß diese Drohung am 24. Juli 1942 — am dritten Tage der großen Warschauer„Umsiedlungsaktion“— ausgesprochen wurde, scheint zu bestätigen, daß Hitlers Anspielungen auf Madagaskar eine Tarnung waren. Nach Dr. Picker— und auch nach einer nicht veröffentlichten Eintragung in Goebbels’ Tagebuch— hatte Hitler gesagt, daß es besser wäre, die Juden nach Mada- gaskar statt nach Sibirien zu senden, in ein Klima,„das jeden Menschen unserer Wider- standsfähigkeit beeinträchtige” 2, 88 lichkeit geg Verfügung. daß die Ju Osten abge hin nicht me Weizsäckers U dieses Rundschr der Entscheidun vierzehn Tage$ı persönliche Uni \Woermanns An eine für die Ak Luther an der dann Woerma die in den Pro 5.109). Feldmarschall zember 1940 Invasion Rußla März 1941 erfa sem Zeitraum den Deutschen del, Zwischen B: August statt erschickung ü 50 glaubte Nufzunehmen 2 ler nach a Pdacht hat und geringsten be. fiel, daß Hitler Tufen und ihm [5„im General. en, daß er die ierungen wie. Himmler habe eichs in Hitlers itgefeilt wurde, päischen Juden ‚ er habe den ber Protest er- ende Bild eines zuführen, und Plan anbietet, ie aber ebenso sagte 1947 als seine Kollegen nöheren Partei- -hthaber beab- sutschland und msiedlung der anzlei, Philipp _ Hauptquartier, er ‚er Stadt für Stadt ıgaskar oder einem , am 24. Juli 1942 _. ausgesprochen ‚skar eine Tarnung ten Eintragung IN Juden nach Mado- jen unserer Wider- DER ENDIOSUN N e 2. DER FÜHRERBEFEHL VIERTES KAPITEL Hätte sich Hitler wirklich während der letzten neun Monate mit einem derartigen Vorhaben beschäftigt, dann müßten die Beam- ten seiner Geheimkanzlei etwas davon gewußt haben. Die einzig mögliche Schlußfoigerung ist also, daß der Madagaskar-Plan hauptsächlich den Zweck hatte, dem Auswärtigen Amt die Ver- hinderung der freien Auswanderung von Juden aus den Achsen- ländern zu erleichtern. Die Fiktion wurde recht lange aufrecht- erhalten. Erst am 10. Februar 1942 sandte Rademacher den Abtei- lungen des Auswärtigen Amtes neue Anweisungen 2: „Der Krieg gegen die Sowjetunion hat inzwischen die Mög- lichkeit gegeben, andere Territorien für die Endlösung zur Verfügung zu stellen. Demgemäß hat der Führer entschieden, daß die Juden nicht nach Madagaskar, sondern nach dem Osten abgeschoben werden sollen. Madagaskar braucht mit- hin nicht mehr für die Endlösung vorgesehen werden.” Weizsäckers Unterstaatssekretär Woermann fragte nach Erhalt dieses Rundschreibens Rademacher in Anbetracht der Wichtigkeit der Entscheidung, woher er diese Information habe, und erfuhr vierzehn Tage später vonLuther,„daß der Madagaskar-Plan durch persönliche Unterredungen mit Heydrich überholt worden sei”. Woermanns Anfrage und Luthers Antwort waren jedoch lediglich eine für die Akten bestimmte Tarnung, denn am 20. Januar hatte Luther an der Wannsee-Besprechung teilgenommen und hatte dann Woermann eine Abschrift der Vorschläge für Massenmord, die in den Protokollen enthalten waren, zugehen lassen(siehe S. 109). 2. Der Führerbefehl Feldmarschall Keitels Angaben zufolge hatte Hitler Anfang De- zember 1940 den Befehl zur Ausarbeitung von Plänen für die Invasion Rußlands erteilt; der Generalstab habe jedoch erst im März 1941 erfahren, daß der Angriff wirklich bevorstand?. In die- sem Zeitraum erfuhr die Lage der Juden in allen Teilen der von den Deutschen besetzten Gebiete einen deutlich fühlbaren Wan- del. Zwischen Februar und Mai wurden die Deportierungen in das Generalgouvernement wiederaufgenommen, und im März wurden die noch verbliebenen‘großen Ghettos in Polen umfriedet. In Frankreich und den Niederlanden fand die wiederholt ver- schobene Registrierung statt, im Februar kam es zur Massendepor- 89 f j } ; F # u er a nee on DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG tierung holländischer jüdischer Geiseln in deutsche Konzentra- tionslager und im Mai zu den ersten Verhaftungen von Juden, die die französische Staatsbürgerschaft erworben hatten°°. Es be- steht kein Zweifel, daß diese auf Himmlers Befehl durchgeführten Maßnahmen mit der Ausführung von Hitlers erstem Ausrottungs- befehl im Zusammenhang standen. Es ist auch bemerkenswert, daß Rosenbergs Anspielung auf„ein fernes Reservat” am 28. März gemacht worden ist, fünf Tage, bevor er als Hitlers Berater für Rußland, als Vorspiel zu seiner Ernennung zum Reichsminister für die besetzten Ostgebiete, berufen wurde. Auch der Anlaß ist be- merkenswert! Rosenberg benützte für seine Anspielung die Eröff- nung einer Konferenz über die jüdische Frage, bei der die Vasallenstaaten durch Quisling, Mussert und andere von den Deutschen eingesetzte Funktionäre vertreten waren". Der eigentliche Führerbefehl über die Ausrottung von Juden, Zigeunern, rassisch Minderwertigen und asozialen Elementen und schließlich der russischen politischen Kommissare wurde den für seine Durchführung verantwortlichen Stellen stückweise be- kanntgegeben. Feldmarschall Keitel erwähnt eine Konferenz in Hitlers Hauptquartier in der ersten Märzhälfte, bei der Himmler weitgehende Vollmachten erhielt, die alle Polizeiaktionen ein- schlossen, welche sich in den besetzten Gebieten als notwendig erweisen sollten 3. Ein deutlicher Hinweis auf diese„Polizeiaktio- nen“ wurde von Keitel selbst in einer Weisung des Oberkomman- dos vom 13. März 1941 gegeben®: „Im Operationsgebiet des Heeres erhielt der Reichsführer SS zur Vorbereitung der politischen Verwaltung besondere Auf- gaben im Auftrage des Führers, die sich aus dem endgültig auszutragenden Kampf zweier entgegengesetzter politischer Systeme ergeben. Im Rahmen dieser Aufgaben handelt der Reichsführer SS selbständig und in eigener Verantwortung.“ Auf einer Konferenz am 30. März gab Keitel den Befehlshabern des Heeres bekannt, daß sie die in ihre Hände gefallenen politi- schen Kommissare hinrichten lassen oder der Gestapo übergeben müßten*%*. Daraufhin verlangten die Generäle Leeb, Bock und * Helmuth Greiner, der das Kriegstagebuch der Wehrmacht führte, stellte fest, daß Hitler Keitel schon von seiner Absicht erzählt habe, die russische herrschende Klasse aus- zurotten. Hitler gebrauchte damals etwas merkwürdige Argumente: die Deutschen könn- ten den Kapitalismus in Rußland nicht wiederherstellen, besonders aus dem Grunde, daß dies die russischen Nationalgefühle verstärken würde. Statt dessen sollten sie„sozia- 90 ee a = grhebe. Bro kauen auf seine Fhrerbefehls d| schreifungen an Wurde den Arm zuroften, Ben general, der davon gewu: nauesten Protok keine Eintragun. sprechungen ZW dich zugegen\ vonJuden nicht wenig wie von! Heydrichs wahr In zur Teilnah daraufhin zum| den, war Wagn ınd an der Jul roftungsgruppe Schellenberg u selbst— ein f hatten, solange Der Teil des Fü wurde jedenfal er mitgeteilt w« Zeit unterrichte Bruno Strecken andere Leiter\ Blome‘', im g Vortrags, den| nem Amt in de ünderer diesen August, als e af Grund des listische Sp Staatsgebil ingen” ı aufbauen, Und Politischen Kor der Anlaß ist be. ppielung die Eröff- Pge, bei der die andere von den ren?, tung von Juden, zialen Elementen issare wurde den en Stückweise be- ine Konferenz in bei der Himmler izeiaktionen ein- en als notwendig ese„Polizeiaktio- les Oberkomman- ar Reichsführer SS g besondere Auf- us dem endgültig setzter politischer "ben handelt der Verantwortung.“ an Befehlshabern gefallenen politi- stapo übergeben Leeb, Bock und ‚ stellte fest, daß Hitler ‚rrschende Klasse aus“ 3; die Deutschen könn- aus dem Grunde, daß sen sollten sie„sozia“ VIERTES KAPITEL 2. DER FÜHRERBEFEHL Rundstedt von ihrem Oberbefehlshaber Brauchitsch, daß er Pro- ' test erhebe. Brauchitsch gab in Nürnberg zu, daß er dies im Ver- trauen auf seine Fähigkeit unterlassen habe, die Durchführung des Führerbefehls durch die Erlassung strenger Verbote von Aus- schreitungen an seine Truppen vereiteln zu können. Wurde den Armeekommandeuren auch der Befehl, die Juden aus- zurotten, bekanntgegeben? Ohlendorf, ein angeklagter Polizei- general, der das Oberkommando haßte, behauptet, sie hätten davon gewußt. Aber General Halder, der als Stabschef die ge- nauesten Protokolle über Keitels Besprechungen führte, machte keine Eintragung darüber 7. Ohlendorf, der Ende Mai bei den Be- sprechungen zwischen Generalquartiermeister Wagner und Hey- drich zugegen war, sagte außerdem selbst, daß die Hinrichtung von Juden nicht besprochen worden sei®%. All dies beweist ebenso- wenig wie von Brauchitschs Argument, daß Wagner unmöglich an Heydrichs wahren Plänen teilhaben konnte, da seine Überzeugung ihn zur Teilnahme an der Juliverschwörung des Jahres 1944 und daraufhin zum Selbstmord getrieben hätte. Wie wir sehen wer- den, war Wagner mehr als einmal an Heydrichs Plänen beteiligt, und an der Juliverschwörung konnte auch ein Leiter einer Aus- rottungsgruppe wie Nebe teilhaben. Darüber hinaus steht fest, daß Schellenberg und Ohlendorf— und vielleicht sogar Himmler selbst— ein freundliches Lächeln für die Verschwörung übrig hatten, solange sie noch Aussicht auf Erfolg hatte. Der Teil des Führerbefehls, der die Hinrichtung der Juden betraf, wurde jedenfalls nie schriftlich ausgefertigt, und selbst die, denen er mitgeteilt worden ist, wurden über ihn nicht alle zur gleichen Zeit unterrichtet. Ohlendorf erhielt seine Aufträge im Juni von Bruno Streckenbach#° von Heydrichs Personalamt, während zwei andere Leiter von Ausrottungsgruppen, Erwin Schulz und Walter Blome‘', im gleichen Monat ihre Instruktionen während eines Vortrags, den Heydrich vor einem ausgesuchten Publikum in sei- nem Amt in der Albrechtstraße hielt, bekamen. Otto Rasch, ein anderer dieser Kumpane, sagte wieder aus, daß er erst im August#2, als er in Rußland diente, von der Rolle erfuhr, die ihm auf Grund des Führerbefehls zugedacht war, zu einer Zeit also, listische Staatsgebilde mit einem Minimum an militärischen Kräften, die vom Reich ab- hingen“, aufbauen. Aus diesem Grunde müßten die kommunistischen Organisatoren und politischen Kommissare erschossen werden®. 9 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG als das Morden der Juden schon an allen Abschnitten der Front begonnen hatte. Viktor Bracks Behauptung, daß diese Angelegenheit im März 1941 in höheren Parteikreisen kein Geheimnis war, büßt an Beweis- kraft ein, wenn man sich vergegenwärtigt, daß dies seine Verteidi- gung für sein Schreiben an Himmler war, in dem er Massensterili- sierung befürwortet hatte; es besteht jedoch ein starker Verdacht, daß bald nach der Konferenz, die sich mit dem Führerbefehl be- faßte, Göring sich über dessen vollen Charakter und alle Folgen im klaren war. Am 20. Mai sandte Eichmanns Amt— die Gestapo- abteilung für jüdische Angelegenheiten— ein Rundschreiben aus, in dem allen Konsulaten mitgeteilt wurde, daß Göring die frei- willige Auswanderung von Juden aus Frankreich und Belgien ver- boten habe, weil diese erstens eine ähnliche Auswanderung aus dem Reich behindere und weil zweitens„die Endlösung der Juden- frage” zweifellos unmittelbar bevorstehe#. Dieses Rundschreiben war überdies von Himmlers Nachrichtenchef, Brigadeführer Wal- ter Schellenberg, gezeichnet, der am gleichen Tag Heydrich in den Verhandlungen mit Wagner über den Führerbefehl vertrat— ein vielsagender Umstand. Wie wir gesehen haben, stand Göring seit Januar 1939 hinter Heydrichs Vollmacht, die Juden aus dem Reich zu evakuieren, eine Vollmacht, die er gelegentlich zurückzuziehen in der Lage war(siehe besonders S$. 25). Jede Erweiterung von Heydrichs Macht- befugnissen bedurfte einer neuen Bevollmächtigung durch Göring als Reichsmarschall. Was die geplante Massendeportation aller in deutschen Händen befindlichen Juden nach Rußland betrifft, liegt der volle Wortlaut des Schriftstücks vor. Es wird als Ergänzung zu Heydrichs Anweisung vom 24. Januar 1939 bezeichnet und trägt das merkwürdig späte Datum des 31. Juli 1941, als sich die Aus- rottungsgruppen schon seit sechs Wochen in Rußland auf- hielten“: „... beauftrage ich Sie hiermit, alle erforderlichen Vorberei- tungen in organisatorischer, sachlicher und materieller Hin- sicht zu treffen für eine Gesamtlösung der Judenfrage im deutschen Einflußgebiet in Europa. Sofern hierbei die Zuständigkeiten anderer Zentralinstanzen berührt werden, sind diese zu beteiligen. Ich beauftrage Sie weiter, mir in Bälde einen Gesamtentwurf 92 pres KAPITEL über die 0 „usmaßnah jösung der gejm Verhör weise nicht dor Iösung” in diese ringsagte, es Pe lösung", un Jackson bemer lüsung und Ent den waren Un die gleiche Erk war, daß er Ieı Auswanderung ersucht habe- bedingt wissen Rußland war u Schicksal treffe zu dieser Zeit eines Reichsmc mächtigten für Luftwaffe bekl Himmler und später, am 20. um Mord ha wände erhob, Industrie arbe diplomatische den weiter s Umfang der Industrie her ‚_gunsten von J Präsident vo e1H m März 194] UDH an Beweis. PS seine Verteigi. = Massensteril btarker Verdacht Führerbefeh,| bes und alle Folgen — die Gestapo. ndschreiben aus, Göring die frei. und Belgien ver. Swanderung aus Ösung der Juden- Es Rundschreiben hadeführer Wal- Heydrich in den hl vertrat— ein var 1939 hinter zu evakuieren, ren in der Lage deydrichsMacht- ng durch Göring yortation aller in ınd betrifft, liegt Is Ergänzung zu ichnet und trägt Is sich die Aus- Rußland auf- ichen Vorberei- naterieller Hin- Judenfrage ım ontralinstanzen Gesamtentwurf i N DER ENDLOSUNg'B Nitten der Front VIERTES KAPITEL 2. DER FUHRERBEFEHL über die organisatorischen, sachlichen und materiellen Vor- ausmaßnahmen zur Durchführung der angestrebten End- lösung der Judenfrage vorzulegen.” Beim Verhör in Nürnberg bestand Richter Jackson erstaunlicher- weise nicht darauf, daß Göring die Frage, was das Wort„End- lösung“ in diesem Dokument bedeute, eindeutig beantwortete. Gö- ring sagte, es bedeute nicht„endgültige Lösung”, sondern„Gesamt- lösung”, und diese Erklärung wurde für ausreichend erachtet. Jackson bemerkte offenbar nicht, daß beide Wörter— Gesamt- lösung und Endlösung— in diesem Schriftstück verwendet wor- den waren und daß Göring ihm für zwei verschiedene Wörter die gleiche Erklärung zu geben versuchte. Görings Verteidigung war, daß er lediglich Heydrich, die zuständige Stelle für jüdische Auswanderung, um einen Bericht über den erzielten Fortschritt ersucht habe— eine lächerliche Behauptung, denn er mußte un- bedingt wissen, daß Heydrich der Leiter des Massenmordens in Rußland war und daß alle dahin deportierten Juden das gleiche Schicksal treffen würde. Es ist kaum vorstellbar, daß Göring, der zu dieser Zeit auf dem Gipfel seiner Macht war und die Ämter eines Reichsmarschalls, Ministerpräsidenten von Preußen, Bevoll- mächtigten für den Vierjahresplan und Oberkommandierenden der Luftwaffe bekleidete, sich nicht dessen bewußt war, was Hitler von Himmler und Heydrich verlangte. Wir wissen jedenfalls, daß später, am 20. Januar 1942, als Heydrich offen zugab, daß es sich um Mord handle, Görings Staatssekretär Neumann keine Ein- wände erhob, sondern lediglich darum ersuchte, in der Rüstungs- industrie arbeitende Juden ungeschoren zu lassen. Wir haben gesehen(siehe$. 52), daß Göring die Deportierungen nach Rußland zwischen März und Mai 1940 aus Furcht vor diplomatischen Verwicklungen einstellen lassen konnte. Wir wer- den weiter sehen, daß er im Oktober 1941 imstande war, den Umfang der Deportationen aus Berlin im Interesse der Rüstungs- industrie herabzusetzen. Später waren seine Interventionen zu- gunsten von Juden auf private Protektion beschränkt. Als Minister- präsident von Preußen tat Göring 1943 also nichts zur Verhinde- rung der Massendeportierungen aus Berlin. Zu dieser Zeit war Göring allerdings schon so verkommen und Ausschweifungen ver- fallen, daß er kaum noch aktiv in irgend etwas eingriff, aber es gibt keinerlei Beweise dafür, daß er jemals grundsätzlich gegen 8 93 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG die Endlösung auftrat, und seine einzige Verteidigung in Nürn- berg war die dumme Ausrede, er habe nichts davon gewußt. 3. Die Deporiation der Juden aus dem Reich nach Lodz Die Bruchstücke aus Goebbels’ Tagebuch, die nach der Veröffent- lichung eines Teils dieses Tagebuchs gefunden worden sind, ent- halten Aufzeichnungen über zwei Unterredungen mit Hitler im August 1941. In der ersten sprach Hitler von den kommenden Deportierungen. Die Juden Berlins, so sagte er, müßten so bald wie möglich nach dem Osten gehen, soba!d Transportmittel zur Verfügung stünden.„Dann werden sie in einem viel härteren Klima leben müssen.“ Im zweiten Bruchstück macht Hitler eine An- spielung auf seine Prophezeiung vom 30. Januar 1939, daß ein neuer Weltkrieg die Vernichtung der Juden Europas bedeuten würde, und stellt fest, daß sie in den letzten Wochen„mit gerade- zu unheimlicher Genauigkeit” in Erfüllung gegangen sei. Hitler schloß mit den Worten: „Und was die Judenfrage beirifft, so kann man heute fest- stellen, daß ein Mann wie Antonescu in dieser Frage viel radikaler vorgeht, als wir es bisher getan haben, aber ich will nicht ruhen und rasten, bis die Juden die letzten Folgen erlitten haben.” In dieser Bemerkung, in der Hitler andeutet, daß die Deportie- rungen und Ermordungen der Juden in Rumänien seinem eigenen Programm voraus waren, liegt eine gewisse Schlauheit. Wir wer- den bei der Behandlung der Verfolgungen in Rumänien sehen (s. S.227 u. 453), daß die Befehlshaber der deutschen Sicherheits- polizei zu dieser Zeit in der grotesken Lage waren, die Rumänen von„unkontrollierten“ Hinrichtungen und Deportierungen abhal- ten zu müssen. Und doch führten nicht die Rumänen die Deutschen, sondern folgten ihnen. Antonescu wußte, daß die Sicherheits- polizei im Gefolge der Wehrmacht in Rußland die Juden ermor- dete, wo immer sie die Juden fand, und daß er die Juden von Bessarabien und der Bukowina nur in die deutsche Etappe abzu- schieben brauchte, wo sie den militärischen Führern peinliche Ver- legenheiten bereiten und der Sicherheitspolizei auf Grund des Führerbefehls zum Opfer fallen würden. Im gleichen Monat August schob die ungarische Regierung Läszlo Bardossy einen Teil der vor kurzem an Ungarn gefallenen Juden 94 virTES KapITEL Korpahorußt jerredung zwis Obergruppent Kmenetz-Pod Zeit vertrieben hasetzten Iu90: schen gegründ die serbische fer, und sO fiel wärtigen Amt wor, die Juden zu übergeben. unglaublich ro durch Radema eigene Faust€ aus Deutschlar oder inRußlan daher nur vor: zuerschießen. Das ist, wohlg ganze sechs\ Göring erhalte Transporte au bis Lodz, das gelegen war. simmt schon i Bürgermeister Entscheidung Die Räumung porte aus de Wortlaut sein Zuziehen,„d orien von Senge, die Fl ON gewußt, h Lodz h der Veröffen. Orden sind, ent. en mit Hitler jm den kommenden müßten so bald ensportmittel zur em viel härteren ht Hitler eine An. ar 1939, daß ein ropas bedeuten hen„mit gerade- engen sei. Hitler man heute fest- ieser Frage viel haben, aber ich e letzten Folgen ıß die Deportie- | seinem eigenen auheit. Wir wer- Rumänien sehen chen Sicherheits- >n, die Rumänen jerungen abhal- n die Deutschen, die Sicherheits- ie Juden ermor- die Juden von \e Etappe abzu- -n peinliche Ver- auf Grund des egierung Löszlo ‚fallenen Juden N DER ENDLOguNG j digung in Nümn. VIERTES KAPITEL 3. DIE DEPORTATION DER JUDEN AUS DEM REICH NACH LODZ Karpathorußlands nach Russisch-Podolien ab, wo nach einer Un- terredung zwischen Generalquartiermeister Wagner und dem SS- Obergruppenführer Franz Jäckeln etwa 11000 in der Nähe von Kamenetz-Podolsk umgebracht wurden(s. S. 468). Zur gleichen Zeit vertrieben die Ungarn etwa 16000 Juden aus der soeben besetzten jugoslawischen Provinz Batschka in das von den Deut- schen gegründete Belgrader Ghetto(s. S. 407). In Belgrad regierten die serbische Marionettenregierung und ein Reichsbevollmächtig- ter, und so fiel das Problem dieses überfüllten Ghettos dem Aus- wärtigen Amt zu. EinVorschlag, den Ribbentrop in Erwägung zog, war, die Juden die Donau abwärts zu schicken und den Rumänen zu übergeben. Es folgte der im Vierzehnten Kapitel beschriebene unglaublich rohe Briefwechsel, aus dem Ribbentrop von Heydrich durch Rademacher erfuhr, daß die Ungarn und Rumänen auf eigene Faust gehandelt hatten und daß„nicht einmal die Juden aus Deutschland in diesem Zeitpunkt im Generalgouvernement oder inRußland untergebracht werden könnten“. Eichmann konnte daher nur vorschlagen, die Juden von Belgrad an Ort und Stelle zu erschießen. Das ist, wohlgemerkt, am 12. September vorgeschlagen worden, ganze sechs Wochen, nachdem Heydrich seine Vollmacht von Göring erhalten hatte. Tatsächlich gab es vor Mitte Oktober keine Transporte aus dem Reich, und selbst dann gingen die Züge nur bis Lodz, das weder im Generalgouvernement noch in Rußland gelegen war. Der Beschluß, Lodz zu benutzen, wurde aber be- stimmt schon im September gefaßt, denn am 24. wußte der deutsche Bürgermeister genau, wie viele Juden er zu erwarten hatte”. Die Entscheidung zugunsten von Lodz hatte eine Reihe von Gründen. Die Räumung der russischen Ghettos in Vorbereitung der Trans- porte aus dem Reich hatte sich verzögert. Das Transporikommando der Wehrmacht hielt am Verbot der Benutzung des russischen Eisenbahnnetzes fest. Und schließlich war Heydrich nach dem Wortlaut seiner Vollmacht verpflichtet, andere Ministerien heran- zuziehen,„deren Zuständigkeiten berührt“ wurden. Er war tat- sächlich gezwungen, am 4. Oktober eine interministerielle Be- sprechung abzuhalten, bei der er sich darüber beschwerte, daß von allen Seiten die Nichteinbeziehung verschiedener Kate- gorien von Juden verlangt würde und daß sich niemand an- strenge, die Juden durch andere Arbeiter zu ersetzen. Heydrich 8* 95 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEG!NN DER ENDLOSUNG griff dann den Vertreter Rosenbergs, Georg Leibbrandt, an, weil das Ministerium für die Ostgebiete so geringe Neigung zeige, sich mit der Frage der Ansiedlung der Juden zu beschäftigen, und drohte mit einer anderen Konferenz, die den ganzen Fragenkom- plex der Sicherheitspolizei übertragen würde#. Heydrich war in der scheußlichen Stimmung eines Mannes, dessen Pläne durch- kreuzt worden waren. Das Haupthindernis für Heydrich war Berlin. Goebbels stellte in seinem Tagebuch fest, daß von den 77 000 in Berlin verbleibenden Juden nur 26000 arbeiteten*°, aber dies war in Wirklichkeit ein recht hoher Prozentsatz, da Goebbels nur Zwangsarbeit als Arbeit anerkannte. Nicht alle jüdischen Zwangsarbeiter waren Straßen- und Feldarbeiter, für die die Verordnung vom 4. März 1939(siehe S. 20 u. 32) 75 Pfennig als Stundenlohn vorgesehen hatte. Vielewaren Facharbeiter auf wichtigen Posten in derRüstungs- industrie. Heydrich bemühte sich daher, die Opfer erst zu depor- tieren und die Beschwerden nachher in Empfang zu nehmen. Auf diese Weise wurden Tausende Juden aus dem Reich verschickt, bevor ihre Nichteinbeziehung vom zuständigen Ministerium be- willigt werden konnte. Eine Denkschrift des Justizministeriums zum Beispiel, die Juden in kriegswichtiger Arbeit und solche, die in Mischehen lebten, von der Deportierung ausnahm, wurde den Behörden erst am 21. November zugestellt50,; ein Rundschreiben des Arbeitsamtes, das die Ausnahmebehandlung von Familien- angehörigen von Zwangsarbeitern vorsah, wurde erst einen Mo- nat später verschickt®!. Erst auf der Wannsee-Besprechung vom 20. Januar erkannte Heydrich die verschiedenen Entscheidungen, auf Grund derer deutsche Juden nicht in die Maßnahmen einbe- zogen wurden, voll an. Darauf sind die— im Gegensatz zu den sehr vorsichtigen Verschickungen aus dem Reich im Jahre 1942— chaotischen und wahllosen Deportierungen nach Lodz und Ruß- land zurückzuführen. Eine andere Schwierigkeit lag in der rechtlichen Stellung der De- portierten. Obwohl eine große Anzahl von Juden aus dem Groß- deutschen Reich in der Zeit von Oktober 1939 bis April 1940 in das Generalgouvernement verschickt worden war, war es nicht klar, ob sie ihre Stellung als Staatsangehörige im Sinne der Nürn- berger Gesetze, also als zweitrangige Bürger, beibehielten. Nach dem Reichsbürgergesetz verlor ein Jude, der auswanderte, sowohl 96 yes KAPITEL | sein Vermögen guf einen U worden hc ninisterium, 2 al unwesentl 75, November Aurchgeführt, land geschickt 90.000 nach Lo finden und da sonstigen Bezü eine Verordnu der das Verm finde” zu be wurde, Auf demeinzelnen Deportierten Finanzministe hallen versteic Der Deportatii sondern vom Gruppenführe überraschend, Heydrichs Sich dadurch in se: abwürdigte, D panien der C diert wurden, führern empf halten. Nicht Dokumenten Inder Frage befehle vom ı Reise nach N Heydrichs Ne und Mähren ı Ihm ganz ar durch den$ ühren, was pebbels stellte in IM verbleibenden Wirklichkeit ein Wangsarbeit als jsarbeiter waren ng vom 4. März ohn Vorgesehen nin derRüstungs- Fr erst zu depor- zu nehmen, Auf Reich verschickt, Ministerium be- inisteriums zum d solche, die in Ihm, wurde den n Rundschreiben 9 von Familien- > erst einen Mo- sprechung vom Entscheidungen, jnahmen einbe- gensatz zu den n Jahre 1942— Lodz und Ruß- tellung der De- aus dem Groß- s April 1940 in r, war es nicht inne der Nürn- ‚ehielten. Nach nderte, sowohl VIERTES KAPITEL 3. DIE DEPORTATION DER JUDEN AUS DEM REICH NACH LODZ sein Vermögen wie seine Staatsbürgerschaft; aber konnte sich das auf einen Juden beziehen, der gegen seinen Willen deportiert worden war? Am 7. Juli 1941 schlug der Staatssekretär im Innen- ministerium, Wilhelm Stuckart, vor, den„Willen des Betroffenen” als unwesentlich zu erklären 2. Dieser Vorschlag wurde erst am 25. November in der„Elften Verordnung zum Reichsbürgergesetz“ durchgeführt, als schon Zehntausende Juden nach Lodz und Ruß- land geschickt worden waren 5. Es wurde damals gesagt, daß die 20 000 nach Lodz deportierten Juden sich noch im Reichsgebiet be- fänden und daher selbst im Ghetto Anspruch auf ihre Renten und sonstigen Bezüge hätten. Stuckart umging dies durch Berufung auf eine Verordnung des Finanzministeriums vom 14. Juli 1933, nach der das Vermögen aller Personen, die als„Volks- und Staats- feinde” zu betrachten seien, zugunsten des Reiches eingezogen wurde®*, Auf Grund dieser Verordnung— auf die man sich in je- dem einzelnen Fall zu berufen hatte— wurden die Wohnungen der Deportierten von der Gestapo versiegelt und ihr Inhalt vom Finanzministerium in Lagerhäusern oder beschlagnahmten Hotel- hallen versteigert oder an Lager und Krankenhäuser verteilt®®. Der Deportationsbefehl vom 14. Oktober ist nicht von Heydrich, sondern vom Chef der regulären deutschen Ordnungspolizei, Gruppenführer Kurt Daluege, gezeichnet®s. Das ist nicht wirklich überraschend, denn obwohl die Ordnungspolizei theoretisch von Heydrichs Sicherheitsamt unabhängig war, hielt sich Daluege nur dadurch in seinem Amt, daß er sich zu Heydrichs Werkzeug her- abwürdigte. Das führte dazu, daß 1941 und 1942 zahlreiche Kom- panien der Ordnungspolizei nach Polen und Rußland komman- diert wurden, wo sie ihre Befehle von Höheren SS- und Polizei- führern empfingen und am Ausrotten der Juden teilzunehmen hatten. Nichtsdestoweniger finden sich unter den Nürnberger Dokumenten nur drei, die diesen etwas farblosen Polizeioffizier in der Frage der Endlösung belasten, nämlich zwei Deportations- befehle vom Oktober 1941 und der Bericht(siehe S. 364) über eine Reise nach Marseille im Jahre 1942. Daluege, der eine Zeitlang Heydrichs Nachfolger als Stellvertretender Protektor von Böhmen und Mähren war, wurde im Oktober 1946 nach einem Prozeß, der ihm ganz anderer Verbrechen wegen gemacht wurde, in Prag durch den Strang hingerichtet. Die Historiker hätten manches er- fahren, was sie vielleicht niemals mehr zu erfahren Gelegenheit 97 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG haben werden, wenn Daluege in Nürnberg angeklagt worden wäre. Die 19 287 Juden, die zwischen dem 16. Oktober und 13. Novem- ber nach Lodz geschickt wurden, kamen nicht nur aus Berlin, sondern auch aus Wien, Prag, Köln und anderen Städten des Großdeutschen Reiches*. Selbst bei einer Verteilung der Massen- transporte auf vier Wochen mußten sie den Eisenbahnverkehr in Unordnung bringen. Die Züge kamen mit Verspätungen an, die Nebengleise wurden verstopft, das Auswaggonieren der Tausende hilfloser Menschen und ihrer Bündel wurde durch die Bauart der Durchgangswagen behindert. Später zog die Gestapo daraus die Lehre und bestellte Viehwagen. Drei Wochen lang mußten zu- sätzliche Wachen nachts durch das Lodzer Ghetto patrouillieren, während die ganz benommenen Menschen auf der Suche nach einem Obdach von einem Platz zum andern geschickt wurden 58. In Polen zeigten sich die Deutschen selten von ihrer besten Seite. Andererseits ist es eine Tatsache, daß die Aktion am Ausgangs- punkt ohne Massenplünderungen vor sich ging, wie sie am Balkan bei solchen Gelegenheiten die Regel bildeten, und selbst ohne Einzelfälle von Raub, die im besetzten Gebiet so häufig waren. Die Opfer durften 50 kg Gepäck, 100 Mark und Nahrungsmittel für drei Tage mitnehmen. Sie erhielten zwei Stunden vor der Ab- fahrt endgültigen Bescheid von ihrer eigenen„Reichsvereinigung” und mußten in ihren Wohnungen die Ofen auslöschen, die Elek- trizität abschalten und die Schlüssel abgeben. Dann bestiegen sie einen Lastkraftwagen, der von einem einzigen Polizisten beglei- tet war. In kleineren Städten, wie Würzburg, bildeten sie, unter ihrem Gepäck schwankend, bemitleidenswerte Kolonnen, die zum Bahnhof marschierten, wurden aber von den Menschen in den Straßen kaum zur Kenntnis genommen°?, Eichmann riskierte es noch nicht, die ganze Operation dem jüdi- schen Ordnungsdienst anzuvertrauen, wie es nach den in Polen gesammelten Erfahrungen während der Deportierungen aus Ber- lin im Jahre 1943 geschah. Zu dieser Zeit hielt man dies angesichts der großen Zahl der Juden noch für riskant; in Berlin gab es unter * Einem Bericht der Schutzpolizei in Lodz vom 13. November 1941 zufolge war die Gruppe folgendermaßen zusammengesetzt: 4187 Juden aus Berlin in vier Zügen ab 19, Oktober, 5486 aus Wien in fünf Zügen, 5000 aus Prag, 2007 aus Köln, 1034 aus Hamburg, 1134 aus Frankfurt, 984 aus Düsseldorf und 512 aus Luxemburg, das damals ins Reich einge- gliedert war 7. 98 © yugpres KA ll letzten Reste d Gestapo Ist zur ‚Umsiedlur mord begange 194 von Berli Selbstmord bet ansportiert W Selbstmord de Dr. Ella Linge Frauenlagers verloren hat,| schen Juden se zur Erklär ein Teil desse „Man mu sten unter und 1939 ten prakt Bewegun: deren veı Sie hatter Und in it beit und sie sehr, " In Wien war es gelebt haben, wa Neben 2412 Kinde der gesamten jüdi Cavernswerten Mi Osten transportie: Ghettos zu gewä " Eine Zeitlang Elfte Verordnung sich der Oberfin Siehe Seite 85) Ihre Vermögen n| er Herausgabe keiten mehr, Per Gestapo 209 ihr Vollzug wurde N DER ENDLOSUNg Beklagt wor de und 13, Novem- Nur aus Berlin en Städten des ng der Massen. Ibahnverkehr in Pfungen an, die en der Tausende die Bauart der apo daraus die eing mußten zu. 0 patrouillieren, der Suche nach ickt wurden 5, rer besten Seite, am Ausgangs- le sie am Balkan nd selbst ohne ) häufig waren. Nahrungsmittel len vor der Ab- chsvereinigung” schen, die Elek- ın bestiegen sie Jlizisten beglei- deten sie, unter onnen, die zum snschen in den ation dem jüdı- h den in Polen ungen aus Ber- dies angesichts in gab es unter ‚Ige war die Gruppe gen ab 19, Oktober, Hamburg, 134 0% Is ins Reich einge“ VIERTES KAPITEL 3. DIE DEPORTATION DER JUDEN AUS DEM REICH NACH LODZ ihnen eine besonders große Anzahl junger und kräftiger Men- schen*. Eichmann unterschätzte jedoch die Verzweiflung der letzten Reste der deutschen Juden. An den Deportationslisten der Gestapo ist bemerkenswert, wie groß der Anteil derer war, die zur„Umsiedlung” nicht abgeholt werden konnten, weil sie Selbst- mord begangen hatten. Von 523 Berliner Juden, die am 3. April 1942 von Berlin nach Polen deportiert werden sollten, hatten 57 Selbstmord begangen**. Von 717, die am 3. Oktober nach Estland transportiert werden sollten, hatten sich nicht weniger als 208 durch Selbstmord den Schergen Himmlers entzogen®!, Dr. Ella Lingens-Reiner, eine Frau, die selbst in der Hölle des Frauenlagers Birkenau nicht ihren Sinn für menschliche Werte verloren hat, konnte nicht übersehen, daß die internierten deut- schen Juden weit mehr lebensmüde waren als die anderen. Was sie zur Erklärung dieser Erscheinung sagt, ist so treffend, daß ein Teil dessen hier zitiert sei%: „Man muß sich daran erinnern, daß die stärksten und aktiv- sten unter den deutschen Juden in den Jahren zwischen 1933 und 1939 ausgewandert waren. Die Zurückgebliebenen hat- ten praktisch keine Verbindung mit den antifaschistischen Bewegungen ihres Landes. Man hatte sie länger als alle an- deren versklavt und geprügelt, gedemütigt und ausgehungert. Sie hatten keine Energie mehr und waren zu Tode erschöpft. Und in ihrer Hartnäckigkeit, ihrer fanatischen Liebe zur Ar- beit und ihrem erschütternden Respekt für Uniformen waren sie sehr ‚deutsch‘.” * In Wien war es umgekehrt. Von den 43700 Juden, die noch im Sommer 1941 in Wien gelebt haben, waren nur 7000 im Alter von 18 bis 45, und davon waren nur 1953 Männer. Neben 2412 Kindern und Jugendlichen gab es 20.000 Personen über 60, und zwei Drittel der gesamten jüdischen Bevölkerung waren Frauen$°. Nicht weniger als 19 000 dieser be- dauernswerten Menschen wurden eine Woche und länger in ungeheizten Zügen nach dem Osten transportiert, wo sie den russischen Winter 1941/42 in dem furchtbaren Elend der Ghettos zu gewärtigen hatten— wenn man sie nicht sofort zur Hinrichtung schleppte. ** Eine Zeitlang bereiteten diese Selbstmorde dem Finanzministerivm Kummer. Als die Elfte Verordnung zum Reichsbürgergesetz am 25. November 1941 erlassen wurde, beklagte sich der Oberfinanzpräsident von Baden, daß einige Juden, die am 22. Oktober 1940 (siehe Seite 85) deportiert werden sollten, zu früh Selbstmord begangen hätten, so daß ihre Vermögen nicht auf Grund dieser Verordnung eingezogen werden konnten. Nach der Herausgabe der Verordnung bereitete die Frage der Selbstmorde keine Schwierig- keiten mehr. Personen, die sich das Leben genommen hatten, galten als Deportierte. Die Gestapo zog ihr Vermögen als Eigentum von„Volks- und Staatsfeinden” ein, und der Vollzug wurde amtlich im Deutschen Reichs- und Preußischen Staatsanzeiger veröffent- licht.(Die Abschrift der Original-Gestapoakten wurde von Dr. H. Tuch, Berlin-Dahlem, freundlicherweise zur Verfügung gestellt. Siehe auch$. 111 Fußnote.) 9 en iR I DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Im Jahre 1941 konnten Vertreter der neutralen Presse— und dazu gehörte damals die amerikanische Presse— den Beginn der De- portierungen aus Berlin beobachten. Am 6. Oktober erfuhr die „New York Times” von den Deportationsanweisungen. Zehn Tage später entdeckte die Zeitung, daß die Synagogen in der Levetzow- straße und der Münchener Straße geschlossen und mit Strohsäcken für die Aufnahme der zu Deportierenden gefüllt worden waren. Am 28., nachdem drei Züge innerhalb von zehn Tagen Berlin ver- lassen hatten, meldete der Berichterstatter der„New York Times” mit einiger Übertreibung, daß die Deportierungen„fast täglich” stattfänden. Es war ihm gelungen, sich einem der Züge auf einem Vorstadtgüterbahnhof bis auf 200 Meter zu nähern; er hatte ge- sehen, wie die Juden von Lastkraftwagen abgeladen wurden und daß Funktionäre der„Reichsvereinigung” bei der Abfahrt zu- gegen waren. Überraschenderweise erlaubte ihm der Zensor, zu erwähnen, daß die Wehrmacht eingriff, um ihre Munitionsarbeiter zu retten, und daß die Massen Sympathien für die Juden zeig- ten 63, Diese Sympathie blieb meist passiv, obwohl Ulrich von Hassell am 1. November in seinem Tagebuch vermerkte, die Bevölkerung sei so angewidert, daß sich die Parteiführer veranlaßt sahen, Flugblätter zu verteilen: die Juden seien an allem schuld, wer Mitleid habe, begehe Volksverrat$. Erst einen Monat vor den Deportationen waren die Juden Berlins gezwungen worden, den Judenstern zu tragen. Einige, die mit ihnen sympathisierten, trugen gleichfalls den Davidstern, aber die Polizei schritt schnell ein. Weit- aus eindrucksvoller noch war die Geste des ö5jährigen katholi- schen Geistlichen Propst Lichtenberg, der in einer Predigt in der Berliner St. Hedwigskirche sagte, er wünsche das Schicksal der nach dem Osten deportierten Juden zu teilen, um dort für sie zu beten, Wir haben bereits die Lebensbedingungen geschildert, die die Deportierten in Lodz erwarteten(siehe$. 68), wo 14000 Juden in 18 Monaten gestorben waren, wo ein Ansteigen der Wohndichte auf sieben Menschen je Raum erwartet wurde, wo die alten Holz- hütten zu verseucht waren, um überhaupt benutzt werden zu kön- nen, und wo die Menschen in Fabrikhallen leben mußten&. Lodz war wahrscheinlich nur als Durchgangsstation auf dem Wege nach Rußland gedacht, solange keine Beförderungsgelegenheiten zur 100 yes KAMIEL “ung Stan! | Verfügung 20 erade Lodz® Frank bei Hey gemeinte Zusid in das Generd 5109 u.). Enige der Dep einem Minimuf mungsort weite Amt vom 25. Arbeitsfähigen ier tauchten© machung der P lichen Kolonier ssien®, aber€ dem Reich dep später aus Anty einer Herabsel umkamen‘. An diese Persc schrift„abgere geschickt. Vor| ‚legalerweise drich deportie zurück, Sie er Rabbiner Leo mern von Che ‚Umsiedlung” Dalueges zw. 50000 Juden die Gegen daß die gesa " Aus den Statistik Juden von Lodz a herrs Bericht an H Juden im Lodzer ungen, gab es n, fober erfyhr die "Yen. Zehn Tage in der Levetzoy. mitStrohsäcken Worden Waren, gen Berlin ver. Ew York Times“ PN„fast fäglich” Üge auf einem ; er hatte ge- den wurden und per Abfahrt zu- der Zensor, zu unitionsarbeiter die Juden zeig- ich von Hassell lie Bevölkerung eranlaßt sahen, em schuld, wer Monat vor den en worden, den| hisierten,trugen' 'hnell ein. Weit- hrigen katholi- - Predigt in der° s Schicksal der dort für sie zu| ildert, die die 14.000 Juden in er Wohndichte j die alten Holz- erden zu kön- nußten®, Lodz| amWegenach 7 ;genheiten ZUF N DER ENDLOS NG i azu© Beginn der De 1 VIERTES KAPITEL 4. DIE DEPORTATIONEN NACH RUSSLAND Verfügung standen, aber es drängt sich die Frage auf: warum gerade Lodz? Die Erklärung dürfte sein, daß Generalgouverneur Frank bei Heydrich protestiert und von diesem die nicht aufrichtig gemeinte Zusicherung erhalten hatte, daß keine Deportierungen in das Generalgouvernement mehr stattfinden würden 7(siehe 2 109. u: 277): Einige der Deportierten wurden nach ihrer Ankunft in Lodz mit einem Minimum an Gepäck nach einem unbekannten Bestim- mungsort weitertransportiert®®. Aus einem Brief von Rosenbergs Amt vom 25. Oktober geht hervor, daß die Absicht bestand, die Arbeitsfähigen bei Arbeiten hinter der Ostfront einzusetzen. Spä- ter tauchten Gerüchte auf, daß die Juden aus Lodz zur Urbar- machung der Pripet-Sümpfe und in die jüdischen landwirtschaft- lichen Kolonien bei Kriwoi Rog in der Ukraine geschickt worden seien, aber es steht fest, daß der überwiegende Teil der aus dem Reich deportierten 19000 Juden und eine kleine Anzahl, die später aus Antwerpen gekommen war(siehe$. 389), 1942 während einer Herabsetzung der Zahl der Insassen des Lodzer Ghettos umkamen*. An diese Personen gerichtete Briefe wurden einfach mit der Auf- schrift„abgereist, Anschrift unbekannt” nach Deutschland zurück- geschickt. Vor Ende 1942 kehrte jedoch eine nichtjüdische Frau, die „Ilegalerweise” zusammen mit ihrem jüdischen Gatten von Hey- drich deportiert worden war, aus dem Lodzer Ghetto nach Berlin zurück. Sie erzählte dem Präsidenten der„Reichsvereinigung”, Rabbiner Leo Baeck, die Wahrheit über die fahrbaren Gaskam- mern von Chelmno und schilderte ihm, welche Rolle diese bei der „Umsiedlung“ gespielt hatten 72. 4. Die Deportationen nach Rußland Dalueges zweiter Befehl vom 24. Oktober’? bestimmte, daß 50.000 Juden aus dem Großdeutschen Reich und dem Protektorat in die Gegend um Minsk und um Riga zu verschicken seien und daß die gesamte Unternehmung vor Ende November 1941 abge- * Aus den Statistiken des früheren Lodzer Judenrates ergibt sich, daß 10 527 ausländische Juden von Lodz aus„umgesiedelt” wurden, während 6 247 im Ghetto starben. Dr. Kor- herrs Bericht an Himmler vom 23. März 1943 deutet an, daß nur mehr 4049 nichtpolnische Juden im Lodzer Ghetto übrig waren 0. Im Juni 1944, zu Beginn der letzten Deportie- rungen, gab es noch 1200 aus Prag stammende Überlebende— von 5000; 252 von ihnen erlebten noch das Ende des Krieges”. 101 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG schlossen sein müsse. In Wirklichkeit begannen die Transporte erst am 14. November, und die Gesamtzahl der Deportierten über- stieg kaum 30000. Außerdem wurde ein wichtiger Teil des Plans fallengelassen, nämlich Eichmanns Vorschlag, die ersten Ver- gasungszentren in der Nähe dieser beiden Städte einzurichten”%. Ein Telegramm vom Militärkommandanten in Riga, Generalmajor Brämer, an den Reichskommissar für die Ostgebiete, Hinrich Lohse, vom 20. November enthält die Erklärung dafür. Die Heeresgruppe Mitte habe, hieß es da, angeordnet, alle jüdischen Deportations- züge einzustellen, weil die Bahnen für die Versorgung der Front frei gemacht werden müßten.„Ich halte den Antransport von Ju- den aus dem Reich für völlig unmöglich 75.” Feldmarschall von Bock, der Befehlshaber der Heeresgruppe Mitte, war offensichtlich nicht imstande, die Deportationszüge zu unterbinden, denn neun Tage später traf ein Zug aus Berlin in Riga ein. Später hatten die Proteste der Wehrmacht Erfolg, und nach dem Januar kamen keine Judentransporte mehr nach dem besetzten Gebiet Rußlands, obwohl Dalueges Programm nur zu zwei Dritteln durchgeführt war. Das ist ein Rätsel, dessen Antwort wir noch nicht kennen, aber es war von einem noch viel rätselhafteren Umstand begleitet. Der Plan, die geleerten russischen Ghettos mit Juden aus dem Reich aufzufüllen, war nur ganz wenigen Menschen in Deutschland be- kannt und wurde nur in sorgfältig getarnten Ausdrücken erwähnt, war aber unter den Bewohnern der besetzten Gebiete eine allge- mein bekannte Tatsache, noch bevor Daluege den Deportations- befehl erlassen hatte. Denn am 20. Oktober erfuhr Generalmajor Erwin Lahousen von Canaris’„Ausland-Abwehr“ durch einen Nachrichten-Unteroffizier im Zusammenhang mit dem Blutbad in Borissow, daß„die Leute hier sagen, die Häuser der toten Juden würden bald von Juden aus dem Reich bewohnt werden“ 7$, Im zehnten Kapitel wird geschildert, wie die neugeschaffenen Ghettos in Riga, Kowno und Minsk systematisch entvölkert wur- den, um Platz für die Juden aus dem Reich zu schaffen, genau so, wie die Einwohner dieser entlegenen weißrussischen Stadt es vor- hergesagt hatten. Heydrichs Ausrottungsfachleute müssen schwatz- haft gewesen sein. Die größte Anzahl von Deportierten kam nach Riga, und zwar einem Einsatzgruppen-Bericht zufolge 20000, nach Angabe eines 102 games KARTE Operlebenden x . 180007. Jeal ‚ählteelf Transt a dem sie sn nd nach Ri tere Zugladung Wald bei RigO, ‚erließ und gef vehe 5.245 f.) 13 Januar, eiN ohnhof in Rig gewählt, offenk der Todeszüge eckers langem dos Rigaer Ch oger geschickt eh. Nur im Ft wurden, hat m ınddie andere Es ist schwierit den, die mit nc der Juden au: meisten wurde Toge später a Ein litauischer suchungskom ber 1941 zwe dem Reich sta aus, daß im J den vor ihrer Diseldorf(4. D "%, 19. und 25) N Personen, Es einschließlich de NN DER ENDLOSUNG Y "Cie Tranpong ePortierfen Über. ET Teil des Plng „© ersten Ver. © einzurichten 4 1, Generalmajor ke, Hinrich Lohse ie Heeresgrunpe a Deportations. Tgung der Front Tansport von Ju- 7 Heeresgruppe ortationszüge zu ug aus Berlin in jacht Erfolg, und mehr nach dem 'ogramm nur zu kennen, aber es d begleitet. Der ı aus dem Reich Deutschland be- rücken erwähnt, biete eine allge- an Deportations- ır Generalmajor ır“ durch einen dem Blutbad in der toten Juden verden"®. eugeschaffenen entvölkert wur- affen, genau SO en Stadt es vor- müssen schwalz- Riga, und zwaf h Angabe eine VIERTES KAPITEL 4. DIE DEPORTATIONEN NACH RUSSLAND Überlebenden aus dem Ghetto namens Dr. Max Kaufmann 15 000 bis 18 000”. Jeanette Wolff, die jetzt Mitglied des Bundestages ist, zählte elf Transporte, den außerordentlich großen eingeschlossen, in dem sie selbst am 25. Januar 1942 mit 1350 anderen von Dort- mund nach Riga geschickt wurde”®, Aber mindestens drei wei- tere Zugladungen gingen direkt zu den Hinrichtungsplätzen im Wald bei Riga, zum Beispiel ein Zug, der Berlin am 27. November verließ und gerade zum Massaker des„Blutsonntags” zurechtkam (siehe$. 245 f.). Ein zweiter Todeszug traf aus Theresienstadt am 13. Januar, ein dritter aus Wien am 19. ein??. Auf dem Schirotawa- Bahnhof in Riga wurde eine kleine Gruppe für Arbeitslager aus- gewählt, offenbar nicht mehr als 70 bis 80 junge Leute aus jedem der Todeszüge. Die Behauptung in Gruppenführer Franz Stahl- eckers langem Bericht an Heydrich, daß die Hälfte der Juden in das Rigaer Ghetto und die andere Hälfte in die beiden Arbeits- lager geschickt worden seien, scheint vollkommen irreführend zu sein. Nur im Falle jener Züge, deren Insassen nicht sofort getötet wurden, hat man die Hälfte der Juden ins Ghetto aufgenommen und die andere Hälfte in das Lager Salas-Pils geschafft*. Es ist schwieriger, Belege für die Transporte nach Kowno zu fin- den, die mit noch mehr Todesopfern endeten. Nur ein kleiner Teil der Juden aus dem Großdeutschen Reich kam ins Ghetto. Die meisten wurden direkt auf die„Festung Nr. 9" geschickt und einige Tage später auf einer Hinrichtungsstätte in der Nähe erschossen. Ein litauischer Wachsoldat bezeugte vor der sowjetischen Unter- suchungskommission des Jahres 1945, daß am 10. und 14. Dezem- ber 1941 zwei Massenhinrichtungen von 3000 bis 4000 Juden aus dem Reich stattfanden®'. Ein Überlebender aus dem Ghetto sagte aus, daß im Januar oder Februar 1942 die Prager und Wiener Ju- den vor ihrer Erschießung rebellierten. Dieser Zeuge hat angege- ben, daß die Zahl der Juden aus dem Reich, die Ende November aus Berlin, Hamburg und Düsseldorf einzutreffen begannen, etwa 15000 betrug, aber die wirkliche Zahl war offenbar durch die eren Quellen kann die Ankunft folgender Transporte im Rigaer Ghetto festgestellt werden: aus Nürnberg(Abfahrt am 29. November); aus Stutt- gart(4. Dezember); aus Hamburg(12. Dezember); aus Köln(13. Dezember) und aus Düsseldorf(14. Dezember). Im Januar: aus Wien(2.), aus Theresienstadt(9.), aus Berlin (13., 19. und 25.) und aus Dortmund(28.). Die Berliner Transporte im Januar umfaßten 2392 Personen. Es scheint daher, daß die Zahl von 15 000 für alle Transporte nach Riga einschließlich der„Todestransporte” vielleicht etwas zu hoch gegriffen ist®. * Aus Gestapoakten und and 103 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Zahl der Kownoer Juden, die erschossen worden waren, bestimmt — anscheinend 10000*%(siehe S. 244). Die Deportierungen nach Minsk waren offenbar so angesetzt, daß sie mit den zwei riesigen„Aktionen“ in den weißrussischen Ghet- tos vom 6. und 20. November zusammenfielen. Ein Transport ver- ließ Berlin am 14. November und einer Brünn am 16. Andere ka- men aus Hamburg, Bremen und Wien, aber am 16. Dezember schrieb der Generalkommissar Wilhelm Kube, daß anstatt der erwarteten 25.000 nur 6000 bis 7000 Juden eingetroffen seien. Dies scheint die endgültige Zahl gewesen zu sein. Kube beschwerte sich, daß sich unter ihnen zahlreiche Frontkämpfer und andere Juden befänden, die nicht einbezogen werden sollten, erhielt aber von Heydrich keine befriedigende Antwort 3, Viele der 25 000 Ju- den, die für Minsk bestimmt waren, wurden statt dessen nach Theresienstadt(s.$.185 ff.) gebracht. Zumindest einer der Front- soldaten, ein gewisser Hauptmann Löwenstein, wurde aus Minsk entlassen. Die Deutschen machten ihn für eine gewisse Zeit zum Wachkommandanten in Theresienstadt. Im elften Kapitel soll das besonders tragische Geschick der nach Minsk deportierten Ju- den dargestellt werden. Nur 2600 überlebten die„Umsiedlung” vom 28. bis 30. Juni 1942 und nur einige Hundert die Ereignisse des September 1943. Es ist nichtsdestoweniger eine erstaunliche Tatsache, daß die deut- schen Ghettos in Rußland noch zwei Jahre bestehen blieben. Das ist auf die ständigen Interventionen der Wehrmacht zurückzufüh- ren, die die Juden aus dem Reich als Arbeiter und Schreiber hoch schätzte, sowie auf die Atempause, die durch Heydrichs Tod im Juni 1942 hervorgerufen worden war. Darauf folgte im Juli und August 1942 eine Wiederaufnahme des Rußlandplanes, in deren Verlauf etwa 25000 Juden aus dem Großdeutschen Reich nach Riga, Estland und der Umgebung von Minsk deportiert worden sind®°. Die Ernennung Kaltenbrunners zum Nachfolger Heydrichs im Januar 1943— nachdem der Posten so lange unbesetzt ge- wesen war— brachte jedoch das Ende der Ghettos plötzlich viel näher. Kaltenbrunner war der Mann, der Himmler die Vorschläge eingab, die dann als Entscheidungen Himmlers galten.(Siehe Seite 317.) * Berichten der Gestapo an den Oberfinanzpräsidenten von Berlin-Brandenburg zu- folge ist am 17. November ein Transport von Berlin nach Kowno abgegangen. 104 Wir kommen| in Ietzten Kaı Deportationer ‚spontan bet folgten später nen aufeinand olan für die Jı Europa zu en! Reichsminister drich an die N am31. Juli 19 tages war( wurde für der Die Einladunc Empfang erh Popoft, Ribbe Behandlung« den europäis op, der die forderte, ein die Arbeit ur kung, daß nu gen die von| Sücker leitete lung des Aus einige Zeit k Verhandlun, Ponoff Spraı & angesetzt, daf) "VSsischen Gher. n Transport var 16. Andere ka. . Dezember OB anstatt der offen sejen, Dies ube beschwerte pfer und andere ten, erhielt ober le der 25009 Ju. oft dessen nach einer der Front. urde aus Minsk ewisse Zeit zum en Kapitel soll deportierten Ju- >„Umsiedlung” e Ereignisse des e, daß die deut- en blieben. Das ht zurückzufüh- Schreiber hoch ydrichs Tod im yte im Juli und lanes, in deren jen Reich nach ortiert worden Iger Heydrichs unbesetzt ge s plötzlich viel Jie Vorschläge galten.(Siehe Brandenburg ZU: gangen. N DER Nolosyy;| Wären, bestimm Fünftes Kapitel | Die Wannsee-Besprechung und der Auschwitz-Plan 1. Die Wannsee-Besprechung Wir kommen jetzt zu der sehr wichtigen Besprechung, zu der die im letzten Kapitel geschilderten Ereignisse unweigerlich führten. Deportationen aus Ungarn und Rumänien nach Rußland hatten „spontan“ begonnen, systematische Verschickungen aus dem Reich folgten später. Nun handelte es sich noch darum, die zwei Aktio- nen aufeinander abzustimmen, einen allumfassenden Deportations- plan für die Juden aus dem gesamten von der Achse beherrschten Europa zu entwerfen und die hierfür notwendige Mitwirkung der Reichsministerien sicherzustellen. Am 29. November schrieb Hey- drich an die Ministerien, indem er sich auf einen ihm von Göring am 31. Juli 1941 erteilten Auftrag berief; eine Abschrift dieses Auf- trages war den Einladungen angeschlossen. Die Besprechung wurde für den 8. Dezember einberufen. Die Einladung scheint das Auswärtige Amt zwei Tage nach einem Empfang erhalten zu haben, bei dem der bulgarische Gesandte, Popoff, Ribbentrop gefragt hatte, ob es nicht möglich sei,„die Behandlung der Juden europäischer Staatsangehörigkeit zwischen den europäischen Ländern gemeinsam zu regeln“, worauf Ribben- trop, der diese Anregung„nicht uninteressant“ fand, Luther auf- forderte, einen Bericht auszuarbeiten!. Luther machte sich an die Arbeit und schickte den Bericht an Weizsäcker mit der Bemer- kung, daß nur von Spanien, Italien und Ungarn Einwendungen ge- gen die von Popoff gemachte Anregung zu erwarten wären. Weiz- säcker leitete Luthers Bericht an Emil Albrecht von der Rechtsabtei- lung des Auswärtigen Amtes in der Erwartung weiter, daß er so für einige Zeit begraben werden könnte?— ein beliebter Ausweg für Verhandlungen mit der„Abteilung Deutschland”. Popoff sprach sicher nicht im Namen seiner eigenen Regierung, 105 BEÄIEEANEEEnen DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG die in der Durchführung judenfeindlicher Maßnahmen äußerste Zurückhaltung bewies. Es fragt sich, ob Luther diesen an sich ziem- lich unbedeutenden Vorfall nicht in sein Memorandum vom August 1942 bloß deshalb aufgenommen hat, um Ribbentrop zu über- zeugen, daß er keine Befehle von Heydrich entgegennahm. Es ist richtig, daß Heydrich die Einladungen zu der Konferenz zwei Tage nach dem Empfang versandte, den Ribbentrop veranstaltet hatte, aber Josef Bühler hat in Nürnberg ausgesagt, daß das nicht die erste Einladung war, die er erhalten hätte. Seit August hatte Ribbentrop versucht, die Verschickung von Juden aus Serbien nach dem Osten im eigenen Wirkungskreise durchführen zu lassen, und war auf Heydrichs Veto gestoßen. Am 6. Dezember beauftragte er Luther, die Sache bei der von Heydrich einberufenen Konferenz zur Sprache zu bringen®. Die Besprechung wurde dann neuerlich von Heydrich vom 8. De- zember auf den 20. Januar verlegt und fand schließlich im Büro der Internationalen Kriminalpolizei-Kommission, Am Großen Wannsee 56/58, statt*. Nach westlichen Begriffen war es eine Geheimkonferenz, aber in Deutschland, wo die Chefs der Ministe- rien zusammenkommen und Entscheidungen treffen konnten, ohne verpflichtet zu sein, im Parlament Anfragen zu beantworten, unter- schied sie sich nicht von irgendeiner anderen Regierungsbespre- chung. Das Protokoll wurde an dreißig verschiedene Stellen ver- schickt. Die unvollständige Ausfertigung, die von der Anklage- behörde im Wilhelmstraßen-Prozeß benützt worden ist, trägt die Nr. 16 und die Initialen Weizsäckers®*. Es erwähnt vierzehn Konferenzteilnehmer zuzüglich Heydrich. Fünf von ihnen vertra- ten die SS und die Polizei, der Rest die beteiligten Ministerien so- wie das Amt des Generalgouverneurs Frank. Für die SS und die * Im„Kleinen Wilhelmstraßen-Prozeß“, der Verhandlung gegen Franz Rademacher im Februar und März 1952, wurde geltend gemacht, daß Rademacher und der inzwischen verstorbene Weizsäcker nur ihre Unterschrift unter ein„Protokoll* gesetzt hatten, von dessen Inhalt sie keine Kenntnis nahmen. Diese bis zum Überdruß benützte alte Ausrede wurde durch die Aussage des früheren Leiters der Presse- und Nachrichten-Abteilung des Auswärtigen Amtes, Dr. Paul Otto Schmidt, einwandfrei widerlegt, der den Sinn des mit Weizsäckers braunem Bleistift an den Rand geschriebenen geheimnisvollen Satzes „Aber nicht an Presseschmidt“ aufklärte. Schmidt behauptete, daß er der einzige Ab- teilungsleiter gewesen sei, dem man das Protokoll vorenthalten habe, und zwar des- wegen, weil Goebbels zu dieser Zeit wegen einer anderen Sache auf die Presse-Abtei- lung„böse“ gewesen sei.(Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26. Februar 1952, Das Freie Wort, 8. März 1952.)(Schmidt ist übrigens nicht identisch mit dem gleichnamigen Dol- metscher Hitlers.) 106 Fon \annigegebene spruchnahme€ obwohl man€ \aufe mit der von ihnen, Ke Hinde zu fal Totsache, daß nohmen, die d ten, berechtigt die alle später unschuldige R sogte, schockie derdasInnenrr über das erwä Fachmann in|i niert worden, Neuigkeit gev nichts Neues dürfen(was il stenger Mien höchsten Befe der Stuckart Alternative de Heydrich erö gen Rückblick 9egenwärtige erklärte, wor Projekt über ‚N groß N DER ENDIoSy NG Ihmen Euer N ON Sich ziem. um vom August Nirop ZU über. gennahm, Es ist "Enz Zwei Tage (anstaltet hatte, das nicht die t August hatte Us Serbien ncich 1 zu lassen, und ser beauftragte nen Konferenz rich vom 8, De- ıeßlich im Büro Am Großen n war es eine fs der Ministe- konnten, ohne tworten, unter- ierungsbespre- ne Stellen ver- der Anklage- n ist, trägt die ‚ähnt vierzehn 1 ihnen vertra- Ministerien so- die SS und die ‚nz Rademacher im und der inzwischen gesetzt hatten, Von ‚nützte alte ‚Ausrede jchrichten-Abteilung jt, der den Sinn des eimnisvollen Satzes er der einzige Ab- be, und zwar des- uf die Presse-Abtei- var 1952, Das Freie gleichnamigen Dol- FONFTES KAPITEL 1. DIE WANNSEE-BESPRECHUNG Polizei waren Heinrich Müller und Adolf Eichmann von der Zen- trale der Gestapo, Schöngarth und Lange von der Gestapoabtei- lung für Polen und Lettland und Otto Hoffmann vom Rasse- und Siedlungshauptamt anwesend. Von diesen war Sturmbannführer Lange eine besonders wichtige Persönlichkeit, weil er am 29. No- vember in der Nähe von Riga den ersten Massenmord an eben aus dem Reich— in diesem Falle aus Berlin— angekommenen Ju- den geleitet hatte. Es war zweifellos Lange, auf den Heydrich am 8. Januar anspielte, als er Hoffmann schrieb, daß es sich als not- wendig erwiesen habe, die Konferenz„auf Grund plötzlich be- kanntgegebener Ereignisse und der damit verbundenen Inan- spruchnahme eines Teiles der geladenen Herren” zu verschieben, obwohl man annehmen kann, daß alle fünf eingeladenen SS- Leute mit der Planung des Massakers befaßt waren. Nur einer von ihnen, Karl Schöngarth, der das Pech hatte, in britische Hände zu fallen, wurde nach dem Krieg aufgehängt. Die Tatsache, daß die fünf SS-Funktionäre, die an der Konferenz teil- nahmen, die direkte Verantwortung für mehr als ein Blutbad hat- ten, berechtigt noch nicht zu der Annahme, daß die neun Zivilisten, die alle später beteuerten, sie hätten in Wannsee nur eine ganz unschuldige Rolle gespielt, durch irgend etwas, was Heydrich sagte, schockiert worden wären. Wilhelm Stuckart zum Beispiel, der das Innenministerium vertrat, war ungefähr einen Monat vorher über das erwähnte Massaker in der Gegend von Riga von seinem Fachmann in jüdischen Angelegenheiten, Bernhard Lösener, infor- miert worden, und wenn die Mitteilung aus Riga für Lösener eine Neuigkeit gewesen sein mag, so brachte sie sicherlich für Stuckart nichts Neues. Als Lösener darum bat, sein Amt niederlegen zu dürfen(was ihm schließlich auch gelang), sagte ihm Stuckart mit strenger Miene:„Herr Lösener, wissen Sie nicht, daß das alles auf höchsten Befehl geschieht?“ Das erklärt die Entschiedenheit, mit der Stuckart Heydrichs Vorschlag unterstützte, Halbjuden die Alternative der Sterilisierung zu gestatten. Heydrich eröffnete die Konferenz am 20. Januar mit einem lan- gen Rückblick auf die Auswanderung der Juden seit 1933 und die gegenwärtige Lage des Judentums in den Ländern der Achse. Er erklärte, warum durch den Krieg mit Rußland das Madagaskar- Projekt überholt sei, und kam dann zum Kern der Sache: „In großen Kolonnen(Arbeits-), unter Trennung der Geschlech- 107 a ee Bann en oe nn EEE. ae DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG ter, werden die arbeitsfähigen Juden straßenbauend in diese Gebiete(in die besetzten Ostgebiete) geführt, wobei zweifel- los ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird. Der allfällig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen, da die- ser, eine natürliche Auslese darstellend, bei Freilassung als Keimzelle eines neuen jüdischen Aufbaus anzusprechen ist.“ Auch wenn Heydrich die Dinge nicht voll beim Namen nannte, müßte die deutsche Sprache geradezu ihren Sinn verloren haben, wenn das von ihm Gesagte den Teilnehmern der Konferenz und jenen, die später die Niederschrift lasen, nicht klargemacht haben sollte, daß die langsame Ausrottung einer ganzen Rasse geplant war. Man kann auch sagen— aber das konnten die Konferenz- teilnehmer nicht wissen—, daß Heydrichs Worte genau das be- schrieben, was mit den„arbeitsfähigen Juden” damals bereits ge- macht wurde, was aber Heydrich diskreterweise verschwieg. Wenn man die Arbeitslager in Polen und Auschwitz an die Stelle der russischen Straßen setzt(ob es sich hier um eine bewußte Tarnung gehandelt hat, soll später erörtert werden), dann war Heydrichs Voraussage im Einklang mit den Tatsachen einer Zeitspanne, die weit über seinen Tod hinausreichte. Groteskerweise mußte Heydrich seiner Ankündigung eine lange Liste aller Arten von Ausnahmen folgen lassen, denen vorzubeu- gen er versucht hatte. Die von der Deportation ausgenommenen Juden, einschließlich jener über 65 Jahre, der schwerkriegs- beschädigten Juden und der Juden mit Kriegsauszeichnungen aus dem ersten Weltkrieg, sollten in ein besonderes Ghetto verschickt werden. Vorgesehen sei Theresienstadt in Böhmen, eine Stadt, die Heydrich in seiner Eigenschaft als Reichsprotektor eben requiriert hatte. Die Halbjuden würde man sterilisieren, aber nicht deportie- ren. Jene, die nur einen jüdischen Großelternteil hatten(Mischlinge zweiten Grades), würde man ungeschoren lassen, vorausgesetzt, daß sie nicht durch ein„rassisch besonders ungünstiges Erschei- nungsbild” schon„äußerlich“ zu den Juden zu rechnen seien oder daß nicht„eine besonders schlechte polizeiliche und politische Beurteilung erkennen ließe, daß sie sich wie Juden fühlen und be- nehmen“. Sollte irgend jemand gegen diese fürchterliche Hand- habe gegen zahllose Deutsche protestiert haben, die dann wirk- 108 || ponpres N ‚gm wurde, W° Jann ist kein sit zeigt© apiTEL rings Stock jischen Rd den Heydric doß er hier 9 9). Die Au ralgouvernem „umens des© örtert wurde. Mehrzahl der zeichnet. Wec norischwierig] Bihler war of kollierung dei geteilt, daß| werde, und gı ‚Glaube: unterbrin man die Reichsko sie selbe Angesichts d Jahre 1946< ferenz über: sichtigt, als v ZeitBühlers: bekannt war der Meinune Arbeitsunfäl se von Pole des Protoko) gouverneme Bericht Luth Tagesordnu heit für deı eingeleitet ürbeitsunfei 9 IN DER ENDLOSUNg |» ii bauend In diese i » Wobei zyeifgl erung ausfallen estand Wird, dh "standsfähigsten | Müssen, da die. Freilassung al IZusprechen ist" Namen nannte verloren haben, ' Konferenz und gemacht haben n Rasse gepları | die Konferenz- > genau das be- mals bereits ge- rschwieg. Wenn n die Stelle der ewußte Tarnung ı war Heydrichs Zeitspanne, die Jung eine lange lenen vorzubeu- Jusgenommenen r schwerkriegs- zeichnungen aus ;hetto verschickt ,, eine Stadt, die - eben requiriert r nicht deportie- ıtten(Mischlinge i vorausgesetzt; instiges Erschei- hnen seien oder , und politische \ fühlen und be: -hterliche Hand- die dann wirk FUNFTES KAPITEL 1. DIE WANNSEE-BESPRECHUNG sam wurde, wenn irgend jemand sie bei der Gestapo anzeigte, dann ist kein solcher Protest im Protokoll vermerkt. Anderer- seits zeigt es, daß Heydrich sich ohne weiteres der von Gö- rings Staatssekretär Neumann gestellten Forderung fügte, daß die jüdischen Rüstungsarbeiter von den Maßnahmen auszunehmen seien. Heydrich hatte allerdings schon am 4. Oktober eingesehen, daß er hier gezwungen sein werde, nachzugeben(siehe$. 21 u. 96). Die Ausnahmen galten natürlich nicht für Juden im Gene- ralgouvernement, deren Behandlung in einem, von Josef Bühler namens des Gouverneurs Frank erstatteten, besonderen Bericht er- örtert wurde. Sie wurden von ihm als Seuchenträger, als in der Mehrzahl der Fälle arbeitsunfähig und als Schleichhändler be- zeichnet. Weder„arbeitseinsatzmäßige Gründe“ noch auch Trans- portschwierigkeiten ständen hier ihrer Umsiedlung im Wege. Bühler war offenkundig beaufiragt worden, nicht auf der Proto- kollierung der Sache zu bestehen. Frank hat seiner Regierung mit- geteilt, daß Bühler an einer Umsiedlungskonferenz teilnehmen werde, und gebrauchte die folgenden Worte’: „Glauben Sie, man wird sie im Ostland in Siedlungsdörfern unterbringen? Man hat uns in Berlin gesagt: weshalb macht man diese Scherereien? Wir können im Ostland oder im Reichskommissariat auch nichts mit ihnen anfangen; liquidiert sie selber.” Angesichts der Worte Franks kann man Bühlers in Nürnberg im Jahre 1946 gemachte Aussage, daß Heydrich ihn vor der Kon- ferenz überzeugt habe, eine ordentliche Ansiedlung sei beab- sichtigt, als völlig lächerliche Ausrede abtun, auch wenn zu dieser Zeit Bühlers eigener Beitrag zur Diskussion in Wannsee noch nicht bekannt war. Niemand, der an dieser Konferenz teilnahm, konnte der Meinung sein, zwei Millionen angebliche Seuchenträger und Arbeitsunfähige würden diese Eigenschaften verlieren, falls man sie von Polen nach Rußland abschob. Daher die Zurückhaltung des Protokolls, das keinerlei Entscheidung bezüglich des General- gouvernements verzeichnet. Rademacher umschrieb, als er den Bericht Luthers an Weizsäcker sandte, den neunten Punkt der Tagesordnung geheimnisvoll mit den Worten:„eine Angelegen- heit für den Generalgouverneur, die im Generalgouvernement eingeleitet werden soll(Seuchenträger, Schleichhändler, Mehrzahl arbeitsunfähig)”®. 9 109 1 # ua | DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Als„Vorbereitung“ zu der Wannsee-Besprechung war von Rade- macher eine Liste„Wünsche und Ideen des Auswärtigen Amtes zur vorgesehenen Gesamtlösung der Judenfrage in Europa” aus- gearbeitet worden. Danach sollten im deutschbesetzten Gebiet deutsche, kroatische, Slowakische und rumänische Juden sowie alle staatenlosen Juden nach„dem Osten” abgeschoben werden. Das würde sich auch auf die von den Ungarn nach Belgrad deportier- ten Juden beziehen. Die Liste erwähnt die Juden aus Frankreich, Holland und Belgien nicht, sagt aber, daß die deutsche Regierung gegenüber den slowakischen, rumänischen, kroatischen, bulgari- schen und ungarischen Regierungen ihre Bereitwilligkeit erklären sollte,„die in diesen Ländern lebenden Juden ebenfalls nach dem Osten abzuschieben”. Es wurde allerdings nicht vorgeschlagen, diese Regierungen irgendwie zu drängen. Obwohl das Reich sich jetzt mit den Vereinigten Staaten im Krieg befand und die Wehr- macht noch einen recht weiten Weg bis nach Moskau hatte, hielt man das neue Europa dennoch für eine dauernde Einrichtung?. 2. Der Name Auschwitz taucht auf Die Wannsee-Besprechung war nicht mehr als ein kameradschaft- liches Mittagessen, das man für zwölf Uhr angesetzt hatte und das am Nachmittag des gleichen Tages zu Ende ging. Aber den dort ver- tretenen Behörden, nämlich dem Auswärtigen Amt und den Amts- stellen, die Verordnungen auszuarbeiten hatten, bot die Konfe- renz Arbeit für zwei Jahre sowie die Aussicht auf eine ganze Reihe weiterer Besprechungen mit Heydrichs RSHA(s. S. 194-197). Die Probleme der ausländischen Juden, der Juden in Mischehen und der Halbjuden wurden eigentlich niemals richtig gelöst. Die Dis- kussionen mit dem Sicherheitshauptamt gingen weiter, während dieses, nahezu ungehindert von der deutschen Bürokratie, sein Mordhandwerk betrieb— durch Heydrichs Tod wurde das Tempo nur beschleunigt. Seit Ende September 1941 hatte Reinhard Hey- drich seiner Stelle als Chef der Sicherheitspolizei und des SD — und nebenbei als Haupt des ganzen deutschen Sicherheits- systems— die Funktion des Stellvertretenden Reichsprotektors für Böhmen und Mähren hinzugefügt.(Da Neurath zu diesem Zeit- punkt nur beurlaubt und nicht verabschiedet war, hatten Heydrich und sein Nachfolger Daluege nur den Titel eines„Stellvertreten- den Reichsprotektors“.) Willi Höttl zufolge hatte Heydrich gehofft, 110 TEL jones KAP Jurch den Ne Verwalter un eines Innenm! söBefehle ert jnangenehme Geschmeidig haft, ob er; heim ersten» 9.Mai 1942 W hrezany bei in Prager V< insein Auto Ietzungen ef viees heißt, haben. Das 1339 Mensch dice hingeri wurde", Dre torat am 10. lich von Luk Goebbels’\ hingerichtet * Ein undatierte Dr. Henry Picke die folgende We liner Juden for! daß für jede jüc den, die in unse instituut voor Q Am 5. Juni, an lkitstelle Berlin Brandenburg gı Iin-Dahlem, fre „Betrifft: eine List und inzy mögense ten diese Innern g festzuste Ich kenne kein mente, von d gesehen von( Weis für diese Und von dem 9+ N DER END, WOr Von Race, Wörtigen Amtes IN Europa aus- setzten Gebiet "cen sowie alle EN werden, Das grad deportier- Aus Frankreich sche Regierung ischen, bulgari ligkeit erklären Nalls nach dem vorgeschlagen, | das Reich sich und die Wehr- kau hatte, hielt “inrichtung?. ameradschaft- t hatte und das ar den dortver- und den Amts- ot die Konfe- 1e ganzeReihe . 194-197). Die ischehen und elöst. Die Dis- iter, während jrokratie, sein de das Tempo Reinhard Hey- ; und des SD ‚n Sicherheits“ ‚protektors für \ diesem Zeit ıtten Heydrich Stellvertreten- ydrich gehofft, FUNFTES KAPITEL 2. DER NAME AUSCHWITZ TAUCHT AUF durch den Nachweis seiner Fähigkeit, gleichzeitig ein tüchtiger Verwalter und ein Polizeichef in einer Person zu sein, die Stelle eines Innenministers zu erhalten und so an Himmler und die ganze SS Befehle erteilen zu können”. Aber Heydrich besaß mit seinem unangenehmen und leicht aufbrausenden Temperament nicht die Geschmeidigkeit eines richtigen Intriganten, und es ist zweifel- haft, ob er sein Ziel je erreicht hätte, auch wenn er nicht schon beim ersten Schritt in diese Richtung getötet worden wäre. Am 99. Mai 1942 wurde, als er auf seinen neuen Landsitz nach Panenske Brezany bei Prag fuhr, von einer Gruppe tschechischer Partisanen im Prager Vorort Lieben eine Handgranate britischen Ursprungs in sein Auto geworfen. Es dauerte sechs Tage, ehe er seinen Ver- letzungen erlag, und während dieser martervollen Zeit soll er, wie es heißt, seiner tiefen Reue für seine Taten Ausdruck gegeben haben. Das aber verhinderte nicht Orgien an Menschenopfern. 1339 Menschen wurden in Prag und in Brünn, 199 in dem Dorf Li- dice hingerichtet, welch letzteres dem Erdboden gleichgemacht wurde!, Drei mit Juden voll besetzte Züge verließen das Protek- torat am 10. und 13. Juni und verschwanden spurlos irgendwo öst- lich von Lublin. In Berlin wurden 152 jüdische Geiseln, die auf Goebbels’ Verlangen am 29. Mai festgenommen worden waren, hingerichtet*, während in Polen die mit der Umsiedlung befaßten * Ein undatiertes, unveröffentlichtes Bruchstück aus Goebbels’ Tagebuch, das eine von Dr. Henry Picker am 29. Mai aufgezeichnete Äußerung von Hitler wiedergibt, enthält die folgende Wendung:„Ich werde mit den von mir geplanten Verhaftungen von 500 Ber- liner Juden fortfahren, und ich werde die Führer der jüdischen Gemeinschaft warnen, daß für jede jüdische Verschwörung und jeden jüdischen Aufstandsversuch 100 bis 150 Ju- den, die in unseren Händen sind, erschossen werden“(Dokument im Amsterdamer Rijks- instituut voor Oorlogsdokumentatie). Die Drohung wurde mehr als wörtlich durchgeführt. Am 5. Juni, an Heydrichs Todestag, wurde die folgende Mitteilung von der Staatspolizei- leitstelle Berlin der Gestapo, Grunerstraße 12, an den Oberfinanzpräsidenten von Berlin- Brandenburg geschickt(von Dr. H. Tuch, Jewish Restitution Successor Organization, Ber- lin-Dahlem, freundlicherweise zur Verfügung gestellt): „Betrifft: Einziehung von Vermögenswerten von Juden. Anliegend übersende ich eine Liste von Juden, die bei einer Sonderaktion am 27. Mai 1942 erfaßt wurden und inzwischen verstorben sind. Gleichzeitig füge ich die dazugehörigen Ver- mögenserklärungen bei. Soweit Vermögenserklärungen nicht vorhanden sind, konn- ten diese nicht mehr beschafft werden. Ich habe den Herrn Reichsminister des Innern gebeten, die Volks- und Staatsfeindlichkeit der in Frage stehenden Juden festzustellen und die Einziehung des Vermögens zu veranlassen.” Ich kenne kein besseres Bild für das Arbeiten eines Polizeistaates, als diese zwei Doku- mente, von denen eines zufälligerweise in einem Schutthaufen gefunden wurde. Ab- gesehen von diesen zwei lakonischen Hinweisen gibt es keinen dokumentarischen Nach- weis für dieses große Blutbad, das sich in der Verborgenheit eines Gefängnisses vollzog und von dem es keine Überlebenden gibt. R ım DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Beamten des SS-Brigadeführers Globocnik sich von nun an den Manen Heydrichs unter der Bezeichnung„Einsatz Reinhard” ver- schrieben. Durch mehr als sechs Monate blieb Heydrichs Posten unbesetzt, da Himmler offenkundig niemanden für vertrauenswürdig genug ansah, um ihn auszufüllen. Während dieser sechs Monate begann die große Massendeportation der Juden aus den westlichen Län- dern und erreichte ihren Höhepunkt. Wer nicht gleich nach der Ankunft ermordet wurde, fiel binnen weniger Monate durch„na- türliche Verminderung” aus, so wie es von Heydrich vorausgesagt worden war. Das trug sich nicht so sehr in Rußland als innerhalb des Reiches selbst zu, namentlich in Auschwitz. Einige Tage nach der Konferenz von Wannsee wurden die Depor- tationen nach Rußland eingestellt, und im März, als die Verschik- kungen der Juden aus dem Reich wieder aufgenommen wurden, gelangten die Opfer nicht weiter als bis zur russisch-polnischen Demarkationslinie, um in Polen das ihnen unter dem Mordpro- gramm„Einsatz Reinhard“ zugedachte Schicksal zu erleiden. Einige dieser Transporte, hauptsächlich solche aus Frankreich und der Slowakei, die Ende März eingesetzt hatten, wurden allerdings direkt nach Auschwitz geleitet. Es erhebt sich daher die Frage, ob der ungeheuerliche Plan, Auschwitz zu einem Ausrottungszentrum für alle europäischen Juden zu machen, nicht bereits vor der Be- sprechung von Wannsee gefaßt worden war und ob Hinweise auf die„besetzten Ostgebiete” nicht eine Tarnung gegenüber den von den Ministerien zur Konferenz entsandten Zivilisten waren, bei denen ein„Ausfall durch natürliche Verminderung” im Reichs- gebiet selbst doch einige Bedenken hätten erregen können. Es gibt ein Dokument, das andeutet, daß Himmler zur Zeit der Besprechung versucht hat, einen Plan ins Werk zu setzen, der dem Heydrichs vollkommen entgegengesetzt war. Am 26. Januar drah- tete er an SS-Gruppenführer Glücks, seinen Konzentrationslager- Inspekteur'?: „Richten Sie sich darauf ein, in den nächsten vier Wochen 100.000 männliche Juden und bis zu 50000 Jüdinnen in die KL aufzunehmen. Große wirtschaftliche Aufgaben und Auf- träge werden in den nächsten Tagen an die Konzentrations- lager herantreten. SS-Gruppenführer Pohl wird Sie im einzel- nen unterrichten.“ 112 soNFTES Kapitel Vor Gericht[ ols ein Bruch innerhalb der Inner eingeb! 1 Wohrhel jert hat, den? .inn eines ve {herbeschäft tfionslagen in Dezembe chaftsverwal send die Aul Glücks war, doch schuf F erteilt hatte, schaftsverwo jetzt zum Ch Konzentratic ‚Amt D", ei Berlin-Lichte ches im Krie Pohl wurde nes, aus de! Nerauszupre tionslager\ waren ihm daß sie die sollte. So fi wiederkehr * Es mog Himm nem anderen Oswald Pohl, bei einem Ban) Jahre 1947 so Naben, der ebı Coß Glücks, ol Unabhängigke Zuteilung vor diesem Befehl Verhältnisse verbrachte er 8. Juni 195]} DER ENDlogyy R"UN an den Einhard” ya. Dsten unbeserz} würdig genug Onate begann Westlichen Län- pleich nach der @fe durch„na. vorausgesagt als innerhalb den die Depor. Is die Verschik- jmmen wurden, isch-polnischen dem Mordpro- | zu erleiden, rankreich und den allerdings die Frage, ob fftungszentrum its vor der Be- | ob Hinweise jegenüber den vilisten waren, ng” im Reichs- können. - zur Zeit der tzen, der dem Januar drah- trationslager- vier Wochen Jinnen in die en und Auf- nzentrafions- je im einzel- 2. DER NAME AUSCHWITZ TAUCHT AUF FONFTES KAPITEL \ Vor Gericht leugnete Oswald Pohl im Sommer 1947, daß mehr ‚ als ein Bruchteil der von Himmler erwähnten Zahl von Juden innerhalb der in Frage kommenden Zeit in die Konzentrations- lager eingebracht worden war'?, und das entspricht tatsächlich der Wahrheit. Es mag sein, daß Heydrich Himmlers Plan sabo- tiert hat, denn Himmler scheint den ersten Transport als den Be- ginn eines Versuchs in Szene gesetzt zu haben, den jetzt in Prag überbeschäftigten Heydrich aus der Herrschaft über das Konzen- trationslagerwesen zu entfernen. Im Sinne einer Regelung, die im Dezember 1939 getroffen worden war, unterstand die Wirt- schaftsverwaltung der Lager durch Oswald Pohl Himmler, wäh- rend die Aufrechterhaltung der Disziplin Sache des Inspekteurs Glücks war, der Heydrich unterstand. Am 1. Februar 1942 je- doch schuf Himmler in Verfolgung des Auftrags, den er Glücks erteilt hatte, eine neue SS-Abteilung unter dem Namen„Wirt- schaftsverwaltungs-Hauptamt”(WVHA)!. Oswald Pohl wurde jetzt zum Chef aller Arbeitsabteilungen der SS gemacht. Glücks’ Konzentrationslager-Inspektorat war von nun an nichts mehr als „Amt D”, eine Unterabteilung in Pohls Reich, das vom Amt in Berlin-Lichterfelde, Unter den Eichen, aus gelenkt wurde und wel- ches im Krieg riesige Dimensionen angenommen hat*. Pohl wurde im Rahmen eines lange von Himmler gehegten Pla- nes, aus den Konzentrationslagern den größtmöglichen Nutzen herauszupressen, befördert. Himmler betrachtete die Konzentra- tionslager weniger als einen Beitrag zur Kriegsproduktion; sie waren ihm mehr ein Mittel zur Finanzierung der SS für den Fall, daß sie die Unterstützung des Staatsoberhauptes jemals verlieren sollte. So führte die Schaffung des WVHA zu einem der immer wiederkehrenden Versuche Himmlers, das System der Arbeits- * Es mag Himmler im Februar 1942 Spaß bereitet haben, einige der Aufgaben Heydrichs einem anderen Marineoffizier zu übertragen. Aber Himmler hatte die Fähigkeiten von Oswald Pohl, der damals Marineoffizier war, schon im Jahre 1933 erkannt, als er ihn bei einem Bankett in Kiel traf!5. In Pohl, der auch während des Prozesses gegen ihn im Jahre 1947 so aussah wie ein Schiffszahlmeister, mußte Himmler einen Mann erkannt haben, der ebenso pedantisch sparsam war wie er selbst. Pohl behauptete in Nürnberg, daß Glücks, obwohl Himmler seine Nachgiebigkeit kritisiert hatte, in der Lage war, die Unabhängigkeit seines Amtes, das in Oranienburg verblieb, in allem, mit Ausnahme der Zuteilung von Arbeitskräften, aufrechtzuerhalten, und daß er bis zu Heydrichs Tod von diesem Befehle erhielt!%. Das Gericht hat jedoch die volle Verantwortung Pohls für die Verhältnisse in den Konzentrationslagern angenommen. Als einer der sieben„Rotjacken“ verbrachte er dreieinhalb Jahre in den Todeszellen in Landsberg und wurde erst am 8. Juni 1951 hingerichtet. 113 Übungen tom Bars | | | a DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN. DER ENDLOSUNG lager zu reformieren. Die Natur dieses Systems selbst verhinderte von vornherein den Erfolg solcher Versuche, aber dieser Tatsache scheint sich Himmler niemals bewußt gewesen zu sein. Er muß sich wieder einmal in einem der Wirklichkeit fernen Zustand befunden haben, als er Heydrich am 5. Dezember 1941 vom Führerhaupt- quartier aus schrieb, daß Hitler 100000 m? Granit aus den Stein- brüchen für seine großen Pläne zum Umbau Berlins nach dem Krieg bestellt habe. Fünftausend Steinmetze und zehntausend Maurer sollten für diesen Einsatz geschult und bereitgehalten werden. Das Los der Insassen der Konzentrationslager müßte da- her erleichtert, ihre Lebensmittel- und Kleiderzuteilung müßte ver- bessert, die Disziplin gemildert und die Prämien für höhere Ar- beitsleistungen erhöht werden”, Wenn man Himmlers Weisun- gen vom 5. Dezember und 26. Januar zusammen betrachtet, kann man annehmen, daß er nicht nur im finanziellen Interesse der SS einer weiteren Vergeudung von Arbeitskräften in den Konzen- trationslagern vorbeugen, sondern auch die Juden, die zur Beute der SS in den besetzten Gebieten geworden waren, in gleicher Weise verwenden wollte. Das ist der Ursprung des Planes für das riesige Judenlager in Auschwitz. Hier haben wir uns mit der Aussage eines Mannes auseinanderzu- setzen, der in die Sache stark verwickelt war, nämlich des SS-Ober- sturmbannführers Höss, der dreieinhalb Jahre Kommandant von Auschwitz war und später gegen Ende des Krieges den Platz von Glücks als Konzentrationslager-Inspekteur übernommen hat. Höss sagte, daß er schon im Juni 1941 zu Himmler befohlen wurde, als Auschwitz noch ein sehr kleines Lager war, und daß ihm ge- sagt worden sei, die Ausrottung der Juden Europas würde in Auschwitz vor sich gehen,„weil es bahntechnisch am günstigsten liegt”. Im Juli erhielt Höss weitere Aufträge von Eichmann, der ihn im Lager besuchte, aber inzwischen war Höss bereits im polnischen Todeslager Treblinka gewesen, um die Methoden des Vergasens zu studieren. Er hielt nicht viel von den in Treblinka angewende- ten Methoden und beschloß, auf eigene Faust Versuche mit„Zy- klon B*(kristallisierter Blausäure) zu machen, die er bald nach Eichmanns Besuch in Anwendung brachte"?(Siehe S. 157). Hier sehen wir also, daß Himmler sich für Auschwitz mehr als sechs Mo- nate vor der Konferenz in Wannsee und zu einem Zeitpunkt ent- schlossen hatte, als Heydrich noch nicht im Besitze des Auftrags 114 Worschauer wesen, fast dung VON n Yy im Sommer! hasfimmte Au: nerverse OT schrihlichen E zweieinhalb| auch dazu, si geheimen Au Scheunen in aufzunehmen entweder im se gar nicht der Kranken ter kam ein geuner besch In Wirklichk Todeslagern nichts Beson früheren Pla von syntheti des Unterne 14 ziemli diesem Zeit Iudenlager: Himmler zı dungen de Fortdauer ı We es sei, Ausführun. 4, Juni 194 Stand befunden Ki Führerhaypt. Qus den Stein. rlins nach dem d zehntausend ereitgehalten “ger müßte da- ung müßte ver. für höhere Ar- mlers Weisun- petrachtet, kann nteresse der 55 n den Konzen- ‚ die zur Beute en, in gleicher b Planes für das nuseinanderzu- ch des$S-Ober- mmandant von :ges den Platz ernommen hat. efohlen wurde, ıd daß ihm ge- pas würde in m günstigsten ımann, der ihn ‚im polnischen des Vergasens a angewende- uche mit„2y: er bald nach 5, 157), Hier ‚als sechs Mo- Zeitpunkt ent- des Auftrags bst Verhindert 1eSer Tatsache 1 Ein, Er muß sich! FONFTES KAPITEL 2. DER NAME AUSCHWITZ TAUCHT AUF für die Endlösung war, der ihm von Göring erteilt wurde. Höss war zwar in seinen Aussagen sehr offenherzig, pflegte aber in seiner Erinnerung verschiedene Vorfälle miteinander zu verwech- seln, denn in einer anderen Aussage'? hatte er erklärt, daß er in Treblinka zu einem Zeitpunkt war, als dort 80000 Juden aus dem Warschauer Ghetto ausgerottet wurden. Das wäre im August 1942 gewesen, fast ein Jahr nach der ersten versuchsweisen Anwen- dung von„Zyklon B” durch ihn. Das würde bestätigen, was auch aus anderem Beweismaterial hervorzugehen scheint, daß Himm- ler sich im Sommer 1942, also erst nach Heydrichs Tod, und nicht im Sommer 1941 für Auschwitz als das den Juden Osteuropas bestimmte Ausrottungszentrum entschieden hat. Der merkwürdige perverse Größenwahn, der Höss dazu veranlaßt hat, in einer schriftlichen Erklärung die Verantwortung für die Ermordung von zweieinhalb Millionen Menschen auf sich zu nehmen, trieb ihn auch dazu, sich eines ihm von Himmler im Sommer 194] erteilten geheimen Auftrags zu rühmen. Aber die ersten zwei umgebauten Scheunen in Birkenwald vermochten nur 250 Vergasungsopfer aufzunehmen. Als sie gebrauchsfähig gemacht worden waren, was entweder im März 1942 oder etwas früher der Fall war, waren sie gar nicht besonders für Juden bestimmt, sondern dafür, sich der Kranken im Lager zu entledigen, und erst einige Monate spä- ter kam ein Befehl, der ihre Verwendung auf die Juden und Zi- geuner beschränkte. In Wirklichkeit zog Himmler Auschwitz den anderen polnischen Todeslagern nicht wegen des Eisenbahnknotenpunktes vor, der nichts Besonderes war, sondern wegen des Umstandes, daß die früheren Pläne, Auschwitz zum Zentrum einer großen Erzeugung von synthetischem Benzin und Gummi zu machen, der Tarnung des Unternehmens dienlich waren. Diese Pläne waren im Sommer 1941 ziemlich vorgeschritten, und es mag sein, daß Himmler zu diesem Zeitpunkt bereits Auschwitz als eine Alternative zu den Judenlagern in Rußland im Sinne hatte. Es ist auch möglich, daß Himmler zur Zeit der Besprechung von Wannsee den Einwen- dungen des Transportkommandos der Wehrmacht gegen die Fortdauer der Deportationen nach Rußland beipflichtete. Sei es, wie es sei, er kann Müller, Eichmann und Höss den Auftrag zur Ausführung der Pläne mit Auschwitz erst nach Heydrichs Tod am 4. Juni 1942 erteilt haben. 115 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG 3. Der Auschwitz-Plan Die Lager von Auschwitz(Oswiecim) hatten eine lange Ge- schichte hinter sich. Der Kern des Lagers, einschließlich des berüch- tigten Strafblocks 11, war eine österreichische Kavalleriekaserne, denn vor 1918 verlief die Grenze zwischen der Hohenzollern- und der Habsburgermonarchie wenige Hundert Meter von dort; es stand auf morastigem Grund am Zusammenfluß der Sola mit der Weichsel, ein gottverlassener Ort, von dem man bestenfalls, wenn die Winternebel aufstiegen, einen Wald von Fabrikschloten im Osten und die schneebedeckten Tatra-Gipfel 90 km weit im Süden sehen konnte. Von Naturschönheiten war keine Rede, und auch der Baedeker weiß wenig Rühmenswertes über den Ort zu sagen: „Die Bahn nach Krakau führt nordöstlich weiter über Ausch- witz(348 km von Wien), eine Industriestadt von 12.000 Ein- wohnern, ehemals Hauptort der Piastenfürstentümer von Auschwitz und Zator(Hotel Zator 20 Betten), von wo eine Nebenlinie über Skawina nach Krakau führt(69 km in drei Stunden).” Als ein im September 1943 veröffentlichter Reiseführer war Baede- kers„Generalgouvernement” vielleicht zu wortkarg. Der in Auschwitz stationiert gewesene SS-Rottenführer Perry Broad(ein Mann amerikanischer Abstammung) sagte aus, daß die Reisenden sich zu den Zugfenstern zu drängen pflegten, um den Anblick der Krematorienschlote zu erhaschen?°. Im Februar 1940 wurde die frühere österreichische Kaserne von einer Bauabteilung der Wehr- macht besetzt, aber Glücks schrieb an Himmler, daß sie sich zur Einrichtung eines Quarantänelagers eigne?'. Statt dessen wurde der Platz als Konzentrationslager für polnische politische Häft- linge als Lager nach deutschem Muster eingerichtet, war aber für besonders gefährliche Insassen, wie flüchtige polnische Offiziere und Mitglieder der Widerstandsbewegung bestimmt. Einige der historischen Figuren der Auschwitzer Szenen waren schon vor der offiziellen Eröffnung am 14. Juni gekommen. Höss, damals Ober- sturmführer, begleitet von seinem Adjutanten Kramer, der im Jahre 1945 als„Bestie von Belsen“ bekannt wurde. In ihrer Ge- sellschaft waren zwei der bestausgebildeten Massenmörder, die die Totenkopf-Verbände der SS hervorzubringen imstande waren, Untersturmführer Grabner, Chef der„politischen Abteilung”, und 116 R ont KapITEL der Rapporf nannten. Au shemalige zu tät als Aufseh Höss sagte IN das Ergebnis der Durchfühı lichkeit hatte: gen Zuchthät Teit vor der von Judentra schon den all ren an der T frchteten. di Opfer und( wüsten Terro Auschwitz,© woren, über zanski, WUFC bracht und\ die Verhältn es dort nur wenigen jüd der ‚Strafko zeug noch v melden dur konnte, Se ein einen n Mauer), die geschlossen wollte, polr Tag für Taı im Juli 194; dern in Au Muster bro Mordes eir fen, Das R Wink eine richtet Wo DER ENDIogyy Ne lange 65, Ich des berüc. Alleriekasem; enzollern- ung "von dort;& er Sol mit der Pstenfalls, wenn brikschlofen im weit im Süden Rede, und auch rt zu Sagen: er über Ausch- on 12000 Ein- Stenfümer von , Von wo eine (6%km in drei er war Baede- karg. Der in try Broad(ein die Reisenden en Anblick der 740 wurde die ung der Wehr- ıß sie sich zur dessen wurde olitische Häft- war aber für sche Offiziere 1t. Einige der schon vor der Jamals Ober- imer, der im In ihrer Ge- nmörder, die ande waren, eilung“, und FUNFTES KAPITEL 3. DER AUSCHWITZ-PLAN ' der Rapportführer Palitsch, den die Häftlinge„Wilhelm Tell” nannten. Außerdem kamen dreißig„Prominente“ an, deutsche ehemalige Zuchthäusler, die nach körperlicher Stärke und Brutali- tät als Aufseher für das Lager ausgesucht worden waren 2. Höss sagte in Nürnberg aus, daß die Grausamkeiten in Auschwitz das Ergebnis der dauernden Überfüllung und der Unmöglichkeit der Durchführung einer richtigen Aufsicht waren, aber in Wirk- lichkeit hatte es seinen guten Grund, daß man Höss, den ehemali- gen Zuchthäusler, für dieses Amt gewählt hatte. Während der Zeit vor der Errichtung des Lagers Birkenau und dem Eintreffen von Judentransporten, also vor dem März 1942, hatte Auschwitz schon den allerschlechtesten Ruf. Sadistische Ausschreitungen wa- ren an der Tagesordnung. Die deutschen Wachen und„Kapos“ fürchteten die polnischen Internierten mehr als ihre deutschen Opfer und glaubten, daß sie sich vor ihnen nur durch einen wüsten Terror schützen konnten. Es gibt wenige Überlebende aus Auschwitz, die zu einem so frühen Zeitpunkt dort festgehalten waren, aber einer von ihnen, der polnische Offizier Zenon Ro- zanski, wurde bereits zu Beginn des Jahres 1941 ins Lager ge- bracht und war unter der niedrigen Zahl 8214 registriert. Er hat die Verhältnisse in Auschwitz aus einer Zeit beschrieben, in der es dort nur ein einziges Lager ohne Gaskammern und mit sehr wenigen jüdischen Häftlingen gab. Er hat besonders das Leben in der„Strafkompanie” geschildert, in der die Häftlinge weder Bett- zeug noch warme Kleidung im Winter hatten und sich nicht krank melden durften und in der ein Jude höchstens zehn Tage leben konnte 2, Seine Beschreibung schließt auch die„Schwarze Wand“ ein(einen mit gestrichenen Holzfaserplatten ausgelegten Teil der Mauer), die dem Block 11, dem Sitz Grabners und Palitschs, an- geschlossen war, wo Gefangene der Gestapo, die man loswerden wollte, polnische Partisanen oder russische politische Kommissare, Tag für Tag umgebracht wurden. Zenon Rozanskis Bericht endet im Juli 1942, als die jüdischen Transporte aus den westlichen Län- dern in Auschwitz einzutreffen begannen. Nach dem bisherigen Muster brachte die Inangriffnahme des Programms des Massen- mordes eine Erleichterung des Loses der nichtjüdischen Internier- ten. Das Regime, unter dem Dutzende von Menschen auf den Wink eines bloßen Kapos oder eines Unteroffiziers der SS hinge- richtet worden waren, ging plötzlich zu Ende. Die Massaker wa- 117 en sugar } H is N et brennen ann DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG ren für die Juden vorbehalten. Als die Warschauer Intellektuellen im August 1944 im Frauenlager Birkenau ankamen, konnte ihnen Kristina Zywulska voller Überzeugung versichern:„Was für ein Einfall, sie verbrennen nur die Juden, habt keine Sorge.” Aber die Zigeuner in Auschwitz, die auch dieser Meinung waren, mußten daran glauben(siehe$. 510)**. In den meisten Berichten, die Überlebende des Todeslagers Auschwitz gegeben haben, kommt eine Person nicht vor— Rudolf Franz Höss. Es scheint, daß Höss keinen Gefallen an persönlicher Anwesenheit bei Massenexekutionen und bei der Auswahl der Kranken für die Todesspritze fand, die bereits im Herbst 1941 eine allwöchentliche, wenn nicht eine alltägliche Erscheinung des Le- bens in Auschwitz war. Höss blieb der ruhige Bürokrat im Hinter- grund, der solche Schauspiele dem damaligen Lagerführer, Sturm- führer Fritsch, überließ. Seine Rolle war eine besondere. Die Kri- minellen waren die Aristokratie der Konzentrationslager. Als Ka- pos und Vorarbeiter konnten sie die Arbeitsgruppen terrorisieren, als Blockälteste und Blockschreiber konnten sie das Leben in den Schlafstätten zur Hölle machen. Als Lagerälteste wurden sie zur Nachtzeit, wenn sich die SS zurückgezogen hatte, Herrscher in ihrem eigenen Königreich. Aber sie konnten so wie jeder andere Insasse des Lagers mit einem Federstrich liquidiert werden. Die Besonderheit von Höss bestand darin, daß er die Hürde über- sprang, die den Eintritt in die SS versperrte. Dieser Mann, der entweder als Häftling oder als Kerkermeister sein ganzes Berufs- leben in Gefängnissen verbrachte, wurde nicht nur der Komman- dant eines Lagers mit 60.000 Insassen, sondern verhandelte gegen Kriegsende sogar mit Vertretern der neutralen Länder als ein hoher Würdenträger der SS-Verwaltung. Schließlich verschwand Höss, um im März 1946 als Taglöhner in Schleswig aufzutauchen, wo er ohne weiteres seine Schuld an der Ermordung von zwei- einhalb Millionen Menschen eingestand. Höss wurde 1900 in Baden-Baden als Sohn eines kleinen Kaufmanns, eines frommen Katholiken, geboren, der seinen Sohn für die Prie- sterlaufbahn vorbereitete und ihn mit Gebeten zu strafen pflegte. Das Ergebnis dieser Erziehung war, daß Höss als Zweiundzwan- zigjähriger die Kirche verließ und der nationalsozialistischen Par- tei beitrat, die sich damals in ihren Anfängen befand#. Ende 1923 war Höss, der inzwischen Buchhalter geworden war, in den 118 rer,@ Gefängnis v®' Ein Mitverufe ter. der Parteik ges. Die Ge wirkte sich da ters Konrad N Höss„wie eil scheinlich, do der von Mor licherweise h danken, daß zentrationsla Höss aus der schaft Borma als bis zum. den Nationc stiegsmöglict Wachkompo Scharführer ı ‚alte Kämp! 55-Totenkop mando in A akte von H sondern auc Ideen und ı spätete Ane der Welt, zı deutete keit den größte, zum Beispie nach Ausch, lichen Schr Gatte keine erlangen v« Nach der| Höss und y ellektuellen en, mußten 'odeslagers Ir— Rudolf ersönlicher uswahl der st 1941 eine ing des Le- tim Hinter- hrer, Sturm- re, Die Kri- ger. Als Ka- rrorisieren, ben in den den sie zur lerrscher in der andere verden. Die lürde über- Mann, der zes Berufs- 'r Komman- delte gegen der als ein verschwand fzutauchen, , von zwei- Kaufmanns, für die Prie- fen pflegte. eiundzwan- tischen Par- , Ende 193 jar, in den FUNFTES KAPITEL 3. DER AUSCHWITZ-PLAN Fememord an dem Lehrer Walter Kalow verwickelt, der Leo Schlageter, das große Vorbild der nationalsozialistischen Märty- rer, an die Franzosen verraten hatte. Er wurde zu zehn Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er nur fünf abzubüßen hatte. Ein Mitverurteilter von Höss war Martin Bormann, der spätere Lei- ter der Parteikanzlei und Hitlers Vertrauter bis zum Ende des Krie- ges. Die Gefängnisfreundschaft zwischen Bormann und Höss wirkte sich dahin aus, daß Bormann der Zeugenschaft des SS-Rich- ters Konrad Morgen zufolge sich immer darum bekümmerte, daß Höss„wie ein rohes Ei” behandelt wurde. Es ist höchst wahr- scheinlich, daß der Schutz, den Bormann Höss angedeihen ließ, der von Morgen erhobenen Anklage den Erfolg versagte. Mög- licherweise hatte der unintelligente Höss es auch Bormann zu ver- danken, daß er Anfang 1945 zum Stellvertreter des Chefs des Kon- zentrationslager-Inspektorats ernannt wurde. 1928 jedoch, als Höss aus dem Gefängnis entlassen wurde, bedeutete die Freund- schaft Bormanns so gut wie nichts, und Höss konnte es nicht weiter als bis zum Landarbeiter bringen. Auch die Machtergreifung durch den Nationalsozialismus gab ihm anfangs nur begrenzte Auf- stiegsmöglichkeiten. 1934 trat er in Theodor Eickes Totenkopf- Wachkompanie in Dachau ein und wurde Ende des gleichen Jahres Scharführer und Aufseher über einen Block. Erst 1936 wurde dieser „alte Kämpfer” Untersturmführer. Als Obersturmführer in den SS-Totenkopfverbänden übernahm er vier Jahre später das Kom- mando in Auschwitz. Im Jahre 1944 verzeichnet die SS-Personal- akte von Höss, daß er nicht nur ein guter Lagerkommandant, sondern auch„ein wahrer Pionier auf diesem Gebiet dank neuer Ideen und neuer Erziehungsmethoden” war?”. Es war eine ver- spätete Anerkennung seiner Verdienste. Das neue Lager am Ende der Welt, zu dessen Leitung Höss im Mai 1940 berufen wurde, be- deutete kein leichtes Leben nach sechs Jahren Aufseherschaft in den größten Lagern Deutschlands, und dabei blieb es auch. Als zum Beispiel im Mai 1944 die„Bestie von Belsen” von Natzweiler nach Auschwitz versetzt wurde, erfuhr Frau Kramer zu ihrem töd- lichen Schrecken, daß dies darauf zurückzuführen war, daß ihr Gatte keinen höheren Rang als den eines Hauptsturmführers zu erlangen vermochte®. Nach der Lektüre der verwirrten und wortreichen Aussagen von Höss und von Dr. Gilberts Bericht über die endlosen Reden, die er 119 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG zu halten pflegte, kann man annehmen, daß die alliierten Unter- suchungsbehörden Höss als nützlich, aber unintelligent betrachtet haben müssen. Auf seinen Jugendbildern sieht der politische Enthu- siast, der schon im Jahre 1923 zum Mörder geworden war, wie ein Gefreiter aus, mit den ausdruckslosen, weit offenen Augen eines Menschen, der keine Beziehung zum Leben findet*. Die Karriere von Höss macht es äußerst unwahrscheinlich, daß ihm Himmler wirklich in einem frühen Stadium die Geheimnisse der Endlösung anvertraut hat. Es bestehen im Gegenteil Beweise dafür, daß Höss schrittweise in eine Verschwörung verwickelt wurde, die er nicht verstanden haben kann und für die der Schlüssel erst im Jahre 1948 gefunden wurde, als man die Beweisstücke für den Prozeß gegen die 1.G.- Farben- Direktion sammelte. Anfang 1941, als man 70.000 Polen und 4000 Juden aus der Stadt Auschwitz evakuieren wollte, begann man, das Lager auszu- bauen, das zu diesem Zeitpunkt 7000 Insassen hatte. Auf Grund einer Entscheidung Görings wurde beschlossen, nur die Juden auszusiedeln, die dann im April in die benachbarte Stadt Sosno- wiec geschafft wurden?. Der Grund war, daß die I. G.-Farben- industrie in Frankfurt soeben die Bewilligung zur Errichtung einer Fabrik für synthetisches Benzin und Gummi in Oberschlesien für eine Gegend erhalten hatte, in der Arbeitskräfte aus Konzen- trationslagern verfügbar waren. Ende April hörte Höss von Himm- ler persönlich, daß er die Arbeitskräfte für Schwerarbeit beim Bau bereitzustellen habe, eine Ankündigung, die Höss höchst un- angenehm war. Die Direktoren von|. G.-Farben beschwerten sich denn auch gelegentlich einer Baubesprechung im November, daß Höss nur 1300 der verlangten 2700 Arbeitskräfte geschickt und Einwendungen gegen die Beschäftigung polnischer und deutscher politischer Gefangener beim Bau in Neudachs, einige Kilometer vom Lager entfernt, erhoben hatte®". Gelegentlich der nächsten Baubesprechung zwischen den Direk- toren von I. G.-Farben und der SS-Bauabteilung am 16. November wurde beschlossen, ein neues Häftlingslager in Monowitz in der Nähe der Fabrik zu errichten und 12000 russische Kriegsgefan- gene beim Bau zu beschäftigen. Himmler hatte aber inzwischen * Prinz Schaumburg-Lippe hat Höss im Nürnberger Gefängnis gesehen und sagte:„Ich erkundigte mich.... wer dieser blumenpflückende Dorfschullehrertyp gewesen sei.” 120 rONFIES KAPITEL Höss ermächt! in der Nähe gefungenen efangenen April 1942 wı und es wurd dort unterge arbeiter, uM| zugrunde ge Auf diese W seriellen Ge für die Schaf Auch an zw‘ als Gaskam aber erst im Hilfe von Zu Kriegsgefan wurde, begc zu benützen der Vorwan aus der Rüst ihnen, währ eine Wiede abzugeben Obwohl de war Birken: nationales Frankreich, zwischen A auf Lastaut kau, Sosno mern gesch Der sehr glı im April 19 Iion für die dem Eintre 3.353) At verfügbar danach nc R ENDIosyyg erten Unter. t betrachte fische Enth,, PN War, wie nen Augen et*, einlich, daß Eheimnisse teil Beweise p verwickelt für die der Is man die n-Direktion us der Stadt iger auszu- Auf Grund die Juden Btadt Sosno- G.-Farben- 'htung einer chlesien für us Konzen- von Himm- arbeit beim s höchst un- werten sich ember, daß schickt und d deutscher Kilometer den Direk- November witz in der jegsgefan- inzwischen nd sagte:„Ich gewesen sel. FUNFTES KAPITEL 3. DER AUSCHWITZ-PLAN ‚ Höss ermächtigt, 5 km südlich der Stadt Auschwitz und keineswegs in der Nähe des Bunawerkes etwas aufzubauen, was als Kriegs- gefangenenlager Birkenau gelten sollte; die russischen Kriegs- gefangenen wurden dann bei diesem Bau beschäftigt?!. Mitte April 1942 waren die ersten zwei Steinbauten in Birkenau fertig, und es wurden 1350 Juden aus der Slowakei und aus Frankreich dort untergebracht, während der Großteil der russischen Bau- arbeiter, um die sich einfach niemand kümmerte, inzwischen schon zugrunde gegangen war. Nur 450 von ihnen blieben am Leben. Auf diese Weise diente das Projekt des Bunawerkes mit den mini- steriellen Genehmigungen und den Konferenzen als eine Tarnung für die Schaffung eines künftigen„Selektions-Lagers” in Birkenau. Auch an zwei nahegelegenen landwirtschaftlichen Gebäuden, die als Gaskammern ausersehen waren, wurde die Arbeit begonnen, aber erst im Januar 1943 war der ersie Teil des Bunawerkes mit Hilfe von Zwangsarbeitern aller Nationen, einschließlich britischer Kriegsgefangener, fertig geworden®. Als die Fabrik eröffnet wurde, begann Himmler sie wieder als Tarnung für die Endlösung zu benützen, und Aushebungen für das Bunawerk waren im März der Vorwand für das endgültige Auskämmen der Berliner Juden aus der Rüstungsindustrie und die Ausrottung von drei Vierteln von ihnen, während das Bunawerk im Mai wieder den Vorwand für eine Wiederaufnahme der jüdischen Deportationen aus Holland abzugeben hatte(siehe$. 181 u. 381). Obwohl der Betrieb dort im November 1941 aufgenommen wurde, war Birkenau erst in der zweiten Hälfte des Juli 1942 ein inter- nationales Ausrottungslager, als die täglichen Transporte aus Frankreich, Berlin und den Niederlanden einsetzten. Früher schon, zwischen April und Juni 1942, waren kleine Gruppen von Juden auf Lastautos während der ersten Umsiedlungsaktionen in Kra- kau, Sosnowiec, Dabrowa-Gornicza und Bielitz in die Gaskam- mern geschafft worden. Der sehr glaubwürdige Bericht des Birkenauer Blockschreibers, der im April 1944 nach Ungarn entkam®, erklärt, daß es eine Selek- tion für die Gaskammern vom 22. Juni 1942 an gab, nämlich seit dem Eintreffen eines Transports aus Frankreich(Drancy).(Siehe S. 353.) Aber die— zwar unzureichenden— Beweisstücke, die verfügbar sind, deuten darauf hin, daß dies in den ersten Wochen danach noch nicht die Regel war; selbst im August war es noch 12] DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG eine Ausnahme, wenn mehr als30% in die Gaskammern geschickt wurden. Es dauerte einige Zeit, bevor die Insassen des Lagers die volle Be- deutung des vom Birkenwald aufsteigenden Rauches verstanden. Das Gebäude befand sich außerhalb des Lagergebietes, und der Bau war unabhängig vom Lager vor sich gegangen. Erst im April 1944 brachten die Züge die Opfer zu einer Haltestelle in Sichtweite des Frauenlagers. Ursprünglich wurden sie in der Eisenbahnsta- tion Auschwitz oder in Cosel, 75 km davor, ausgewählt. Das ist der Grund für die merkwürdige Uninformiertheit in bezug auf den Umfang, den Zeitpunkt und den Ursprung der Todestransporte in den Erzählungen von an sich gut informierten Überlebenden. Die Neuankömmlinge, die die Selektion hinter sich hatten, waren zu sehr benommen und erschöpft, um sich an Einzelheiten erinnern zu können. Frau Dr. Lingens-Reiner, die in der Lage war zu be- obachten, daß nach ihrer Ankunft im Februar 1943 für einige Zeit keine Selektion aus dem Frauenlager stattfand, wußte offenkundig nichts über die Vergasung der Transporte deutscher Juden im fol- genden Monat. Erst im August sah sie die aus dem Schlot auf- steigenden Flammen und den endlosen Strom der Lastautos, die die eingezäunte Zone auf dem Weg zur neuen Kammer passier- ten, und hörte die Schreie der Internierten:„Es hat wieder be- gonnen®.” Selbst dann konnte sie den Ursprung des Transportes nicht feststellen. Die Zufälle des Krieges haben einiges— sehr wenig— über die bürokratische Seite der Angelegenheit enthüllt, aber es ist wahr- scheinlich, daß es niemals gelingen wird, die wahren Zusam- menhänge klarzulegen, die es möglich machten, daß gleichzeitig Hunderte von Männern, Frauen und Kindern, später Tausende ergriffen und einem gemeinsamen anonymen Tod überantwortet wurden, ohne daß man sich auch nur die Mühe nahm, die Namen zu notieren oder die Kennkarte abzustempeln— und das noch dazu im Deutschen Reich, das mit einer Bürokratie gesegnet war, von der man wußte, daß sie den größten Papierverbrauch in der ganzen Welt hatte. Höss, der immer äußerst unbestimmt in seinen Aussagen war, behauptete, daß er die Anweisungen für die Massenvergasung direkt vom Reichssicherheitshauptamt erhalten habe. Nach einigem Drängen gab er zu, daß sie eher von Eichmann aus der Judenabteilung der Gestapo als 122 ganpıes KAPITEL yon Müller© ppfehle für di Aber Standar daß schriftlich Transporte Ü ner, der Geste fionieren en) informiert geV Gewisse über „ve Zahlen bastätigen Mi Albert Schwaı Auschwitz, an Oranienburg ner Ausliefer olleSchuld an Außerdem er volle Aufsich und daher fü antwortlich w Pohl widerspr Glücks— ein Ihm untersta Glücks die ge hatte. Es war seiner Verwa auch niemals $tab haben, Quen verhind diese Aufklä PER ENDLOSUNG etes, und der Erst im April p In Sichtweite ählt, Das ist ezug auf den Biransporte in ebenden, Die en, waren zu Biten erinnern e war zu be- Ür einige Zeit e offenkundig Juden im fol- Schlot auf- astautos, die nmer passier- it wieder be- s Transportes g— über die r es ist wahr- hren Zusam- ß gleichzeitig 'er Tausende berantwortet 1, die Namen ind das noch tie gesegnet ierverbrauch + unbestimmt \nweisungen eitshauptam! u, daß sıe Gestapo als EN geschickt| j die volleße. ® verstanden, Isenbahnsto. FONFTES KAPITEL 3. DER AUSCHWITZ-PLAN von Müller oder Kaltenbrunner unterschrieben waren, die die Befehle für die Hinrichtungen in Auschwitz unterzeichnet hatten 3%, Aber Standartenführer Rudolf Mildner(s. S. 191 u. 394) glaubte, daß schriftliche oder mündliche Befehle zur Ausrottung jüdischer Transporte über Pohl und Glücks gegangen waren— und Mild- ner, der Gestapochef für ganz Oberschlesien war und das Funk- tionieren der Gaskammern gesehen hatte, mußte wohl genügend informiert gewesen sein?, Gewisse über den Fernschreiber geschickte Botschaften, die ge- naue Zahlen über die Auswahl für die Gaskammer enthalten, bestätigen Mildners Ansicht. Sie wurden von Hauptsturmführer Albert Schwarz, dem Sachbearbeiter für Arbeitsverpflichtung in Auschwitz, an Oberführer Gerhard Maurer in Glücks’„Amt D“ in Oranienburg gesandt(s. S. 181 f. u. 189). Schwarz machte vor sei- ner Auslieferung an Polen im Jahre 1947 eine Aussage®, in der er alle Schuld an der Auswahlprozedur auf Glücks und Maurer schob. Außerdem erklärte er, daß Glücks immer über sein„Amt D II” volle Aufsicht über den ärztlichen Dienst in Auschwitz hatte und daher für die SS-Ärzte, die die Selektion durchführten, ver- antwortlich war*. Pohl widersprach zwar dieser Aussage nicht, leugnete aber, daß Glücks— eine Schattengestalt, die vor Kriegsende verschwand— ihm unterstanden habe, weil Himmler auch nach Heydrichs Tod Glücks die geheimen Aufträge gab, die er früher von ihm erhalten hatte. Es war Himmlers Taktik, sagte Pohl, niemals zwei der Chefs seiner Verwaltungsstellen gleichzeitig anzuhören, und er wollte auch niemals einen Vertreter dieser Ämter in seinem persönlichen Stab haben. Himmler glaubte angeblich, so die Bildung von Cli- quen verhindern zu können“°. Den Nürnberger Gerichtshof scheint diese Aufklärung beeindruckt zu haben, denn er sprach Pohl der direkten Teilhaberschaft an den Gaskammermorden frei— was allerdings mit Rücksicht auf die anderen Anklagepunkte nur von akademischer Bedeutung war—, so daß die ganze Schuld an * Die Aussage von Sturmbannführer Karl Sommer, der Maurers Stellvertreter war, wider- spricht der Aussage von Schwarz, aber keiner dieser Zeugen wußte zur Zeit des Kon- zentrationslager-Prozesses in Nürnberg, daß die durch Fernschreiben übermittelten Bot- schaften erhalten geblieben waren— und beide sagten offenkundig die Unwahrheit. Maurer wurde leider erst im Februar 1947 nach Ausarbeitung der Anklageschrift er- griffen. Da beschlossen worden war, ihn an Polen auszuliefern, wurde er nicht als Zeuge gehört. Maurer wurde am 22. Dezember 1947 im Auschwitz-Prozeß in Krakau zum Tode verurteilt®. 123 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Glücks, Müller und Eichmann, die alle drei verschwunden sind, haften blieb. Meiner Meinung nach gibt es für die Botschaften von Schwarz an Maurer eine andere Erklärung. Das„Amt D II“ schickte Instruktionen nach Auschwitz darüber, wie die Juden aus den einzelnen Transporten beschäftigt werden sollten. Aber Schwarz scheint sich um diese Instruktionen überhaupt nicht gekümmert zu haben. Die endgültige Entscheidung fiel keinem dieser Leute zu, sondern den zwei SS-Ärzten, die durch bloße Bewegungen mit ihren Spazierstöcken ihre Entscheidung bekanntgaben und so die Gruppen auf dem Auschwitzer Bahnhof voneinander trennten. Die Ärzte wieder waren in ihrer Entscheidung nur geleitet durch den Anteil an arbeitsfähigen Menschen in den einzelnen Trans- porten und den von dem Lagerführer gemeldeten Bedarf. In den achtundzwanzig Monaten, in denen diese Selektion in Auschwitz vor sich ging, war sie immer eine Prozedur der Willkür und des Zufalls. Kinder unter 14, Männer über 50 und Frauen über 45 wur- den in die Gaskammern geschickt. Um der SS Schwierigkeiten zu ersparen, wurden alle Mütter, die kleine Kinder bei sich hatten, ohne Rücksicht auf ihr Alter den Gaskammern überantwortet. Zunächst wurde diese Vorschrift nicht allzu streng ausgelegt. Ein Vergleich zwischen den genauen Namenslisten der Züge, die vor dem 8. August 1942 Holland in der Richtung Auschwitz verlassen hatten®', und der nach dem Appell in Birkenau angelegten Liste zeigt, daß damals ältere Männer und Jungen ins Lager aufge- nommen wurden und Registrierungsnummern erhielten. Nach dem 8. August wurde das umgekehrte Verfahren geübt. Nach der Liste der Ankömmlinge aus den französischen Lagern scheint es, daß bereits 7/0v.H. sofort in die Gaskammern geschickt wurden. Die Zahlen für Holland vom September bis November 1942 deuten auf die sofortige Vergasung von fast 80 v.H. der Ankömmlinge hin. Von da an scheint es, daß die deutschen Bürokraten von der Vorstellung ausgingen, daß weniger als ein Drittel der jüdischen Deportierten arbeitsfähig war, aber deswegen wurde die Selektion doch weiter willkürlich ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht oder die Krankenliste getroffen, so daß sich sehr starke Schwan- kungen ergaben. Das ist besonders auffallend im Falle der Trans- porte aus Theresienstadt im Januar 1943 und der aus Berlin im März(siehe S. 18] u. 189). Nach dem Grundsatz des Überlebens 124 bracht wurde verläßlich ge Tohlen für di nur die schä Fällen wurde bestätigt—| Zahlen deukt zieht— darc 4Jv.H.aml für die Tran erscheinen* Solange bei eine Notwe Eichmann ur Glücks, Maı schriftlichen Nürnberger Botschaft ve schreiber gi Einklang m Ausnahmer und nur Eie nungen übe plichtung| zu yernicht zen, Die Sc Gericht ga ZU seinen€ Aber Eichr Himmler d Wirklichk Opfer de Gesamtze il) ben Und so die Rinder trennten, geleitet durch inzelnen Trans- Bedarf, In den pn in Auschwitz illkür und des en Über 45 wur. Wierigkeiten zu bei sich hatten, antwortet, } ausgelegt. Ein 'r Züge, die vor hwitz verlassen ıngelegten Liste 15 Lager aufge- ten. Nach dem Nach der Liste scheint es, daß| kt wurden. Die ar 1942 deuten Ankömmlinge raten von der | der jüdischen je die Selektion ind Geschlecht tarke Schwan alle der Trans aus Berlin im es Überlebens | FONFTES KAPITEL ‘ der Stärksten brachten die späteren Transporte nach Auschwitz 3. DER AUSCHWITZ-PLAN „besseres Menschenmaterial”. Genaue Zahlen für die Aufnahmen in das Männerlager von Birkenau gibt es wieder für die Zeit zwischen dem 21. Oktober 1943 und dem 30. Oktober 1944, als der Lagerschreiber, Dr. Otto Wolken, sechsundzwanzig Transporte verzeichnen konnte, die in die Quarantäne-Abteilung„B Ila“ ge- bracht wurden. Diese heimlich aufbewahrten Ziffern können als verläßlich gelten, aber Dr. Wolken war nicht in der Lage, die Zahlen für die Frauen-Quarantäne zu bekommen, und er kannte nur die schätzungsweise Zahl der Überlebenden— in einigen Fällen wurde sie durch andere Quellen als überraschend genau bestätigt— im Verhältnis zur vollen Stärke der Transporte. Seine Zahlen deuten— wenn man die Frauen entsprechend in Beiracht zieht— darauf hin, daß im letzten Jahr der Gaskammern mehr als 40 v.H. am Leben geblieben sein dürften. Das gilt allerdings nicht für die Transporte aus Ungarn, die in der Quarantäne-Liste nicht erscheinen*2. Solange bei der Selektion nackte Willkür entschied, bestand kaum eine Notwendigkeit für besondere Instruktionen, die Höss über Eichmann und die politische Abteilung von Auschwitz oder über Glücks, Maurer und Schwarz erreicht hätten. Höss sagte in einer schriftlichen Darstellung für Dr. Gilbert*, den Psychiater des Nürnberger Gerichtshofes, aus, daß jeder Transport durch eine Botschaft von Eichmann angekündigt wurde, die über den Fern- schreiber ging und die stereotype Formel trug„Zu behandeln im Einklang mit den Anweisungen für Sonderbehandlung”. Aber von Ausnahmen abgesehen kamen die Züge ohne Namenslisten an, und nur Eichmann hatte von Himmler die Bewilligung, Aufzeich- nungen über die Ausrottungsaktion zu führen. Höss, der die Ver- pflichtung hatte, Aufzeichnungen über Transporte, die er besaß, zu vernichten, konnte die Zahl der vergasten Personen nur schät- zen. Die Schätzung, die er Dr. Gilbert und später dem Warschauer Gericht gab und die, nebenbei gesagt, vollkommen im Gegensatz zu seinen ersten wortreichen Geständnissen stand, war 1135000#. Aber Eichmann sagte im April 1945, daß sein eigener Bericht an Himmler die Zahl mit zweieinhalb Millionen angegeben habe. In Wirklichkeit ist es unwahrscheinlich, daß die Gesamtzahl der Opfer der Auschwitzer Gaskammer, zum Unterschied von der Gesamtzahl der Opfer des Lagers, 750 000 erreichte(siehe$. 522). 10 125 DE EEE EEE TRIER BEER CHR 2 ur ee,—— DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Eichmann hat einfach gelogen, wie es bei ihm üblich war, um Himmler zu beeindrucken, der wahrscheinlich die Berichte über die Zahlen niemals sah, die sich während der ganzen Zeit im Amt Maurers in Oranienburg aufhäuften und später meistens vernich- tet wurden*. Die Vorgangsweise bei den Transporten nach Auschwitz war für die Endlösung als Ganzes typisch. Ihr Tempo war bestimmt durch die Dynamik, die sie selbst entwickelte. Laufende Aufträge waren nicht notwendig, um die Maschine in Gang zu halten; andererseits aber konnte sie nur ein Auftrag Hitlers zum Stillstand bringen. Die Erklärung des früheren Chefs von Hitlers persönlichem Stab, SS- Obergruppenführer Karl Wolffs, er sei„überzeugt, daß Hitler von der Vernichtung der Juden nichts wußte”, ist in dieser Form na- türlich falsch#5. Aber es ist wahrscheinlich, daß Hitler, wenn er nicht eine entscheidende Änderung in seiner Politik im Sinne hatte, nicht daran interessiert war, Berichte über den Fortgang der Ak- tion zu erhalten. Die automatische Art des Mordens auf Grund einer General- ermächtigung führte zu Ergebnissen, die auch vom Standpunkt der Mörder vollkommen sinnlos waren. Als im Juli 1944 die Juden aus den Ghettos von Lodz und Kowno und aus den polnischen und baltischen Arbeitslagern nach Deutschland geschafft wurden, hing es nur von der Richtung ab, die der Zug nahm, ob sie durch die Hölle einer Selektion für die Gaskammer in Birkenau zu gehen hatten. Frau Dr. Lingens-Reiner, eine nichtjüdische politische Gefangene, wurde im Februar 1943 zusammen mit elf Jüdinnen nach Birkenau gebracht, die keiner Selektion unterworfen wurden, weil sie Delinquentinnen aus einem Gefängnis waren, die, solange sie Strafgefangene waren, Anspruch auf eine gesetzliche Existenz hatten. Das führte Dr. Lingens-Reiner zu der einzig möglichen Schlußfolgerung*%: „Für einen Juden gab es nur zwei Möglichkeiten, der Gas- kammer mit Sicherheit zu entgehen. Er mußte entweder sil- * Als Himmler zu Beginn des Jahres 1943 eine Aufstellung über das Ergebnis der Depor- tierungen und Umsiedlungen haben wollte, beschäftigte er damit nicht Eichmann, son- dern Dr. Korherr, seinen eigenen Statistiker. Das geschah vielleicht, weil der Name Dr. Korherrs dem Bericht ein verläßlicheres Aussehen gab, aber wenn man Eich- manns prahlerische Unbestimmtheit und Höss’ nachdrückliche Erklärung in Betracht zieht, daß er über die in Auschwitz ankommenden Züge keine Aufzeichnungen füh- ren durfte, neigt man zu der Annahme, daß Eichmanns Amtsstelle die zahlenmäßigen Unterlagen einfach nicht besaß. 126 zanmıes KAPITEL herne LÖ gearbeite Aml. April 1 Einlieferund: chreiben an Juden nach ionslager LU ym ein nicht die ominöser Ersagte an Juden kamer «etz anerkar Storrheit der gasung bewi Mysteriöser tige Ausroffl das Motiv f neuen Zustr Fünftel schv zuzuführen. Transporte i zwischen 19 ivden, soll wurden nur meinen weı deren Tod kräftig und indie Gask Auschwitz sische Zeut Fa Die H mußte spielte trug," Nach der nach Aust 1 lic h h War, um Perichte über Zeit im Ant tens Vernich. witz War für Stimmt durch räge Waren Ondererseits bringen, Die em Stab, 55. RB Hitler von ber Form na- ler, wenn er Sinne hatte, ang der Ak- er General- Standpunkt 44 die Juden polnischen afft wurden, ob sie durch Birkenau zu he politische >|f Jüdinnen fen wurden, die, solange 'he Existenz möglichen 1, der Gas- ıtweder sil- nis der Depor- Eichmann, son- yeil der Name in man Eich- ng in Betracht chnungen füh- ahlenmäßigen 5 E£ RENDIOSUNg FONFTES KAPITEL 4. AUSCHWITZ IN AKTION berne Löffel gestohlen oder in einer Untergrundbewegung gearbeitet haben.” Am 1. April 1943, einige Wochen nach Frau Dr. Lingens-Reiners Einlieferung, sandte der Justizminister Otto Thierack ein Rund- schreiben an alle Gerichte, das ihnen ins Gedächtnis rief, daß Juden nach ihrer Entlassung aus dem Gefängnis„dem Konzentra- tionslager Lublin bzw. Auschwitz zuzuführen” seien. Da es sich um ein nicht geheimes Rundschreiben handelte, konnte Thierack die ominösen Worte„zur Sonderbehandlung” nicht hinzufügen. Er sagte an Stelle dessen„zur Schutzhaft auf Lebenszeit”. Diese Juden kamen in Auschwitz mit ihren Strafakten als eine vom Ge- setz anerkannte Menschenkategorie an und wurden durch die Starrheit der deutschen bürokratischen Etikette vor sofortiger Ver- gasung bewahrt*7, 4. Auschwitz in Aktion Mysteriöser noch als der administrative Vorgang, der die sofor- tige Ausrottung der Neuankömmlinge in Auschwitz einleitete, ist das Motiv für die Entscheidung, zunächst den größten Teil des neuen Zustroms und später einen zwischen einem Drittel und einem Fünftel schwankenden Hundertsatz der Gesamtheit dem Lager zuzuführen. In bestimmten Zeitabschnitten kamen die vollen Transporte insLager, und die Gesamtzahl der in den Lagerbüchern zwischen 1940 und 1945 verzeichneten Personen, Juden und Nicht- iuden, soll 363000 betragen haben“. Aber diese Menschen wurden nur für den Augenblick am Leben gelassen, um im allge- meinen wenige Wochen oder Monate später an einem viel elen- deren Tod zugrunde zu gehen. Junge Männer und Frauen, die kräftig und arbeitsfähig aussahen, wurden nur deshalb nicht gleich in die Gaskammer geschickt, um den Anschein hervorzurufen, daß Auschwitz ein Arbeitslager sei. In Nürnberg drückte die franzö- sische Zeugin Frau Vaillant-Couturier das folgendermaßen aus*: »... Um die Leistungsfähigkeit hat man sich nicht gekümmert. Die Häftlinge wurden ohne jeden Grund geschlagen. Man mußte nur den ganzen Tag auf den Beinen bleiben, und es spielte dabei keine Rolle, ob man einen oder zehn Backsteine trug.“ Nach der Meinung dieser Zeugin war es nicht beabsichtigt, den nach Auschwitz geschickten Juden während der größtenteils un- 10* 127 RER EREEEEEENECER . 4 . i \ H | | DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG produktiven Wintermonate die volle Lagerration zu geben, wes- wegen die Ankunft der Transporte meist für das Frühjahr und den Sommer vorgesehen war. Diejenigen, die bis zum Herbst über- lebten, wurden dann willkürlich aus der Krankenabteilung für die Gaskammern ausgewählt. Das scheint im großen und ganzen so gewesen zu sein. Der Zu- strom von Massentransporten führte zu einer ständigen Über- belegung im Lager von Birkenau und dessen Nebenlagern, auch wenn der größere Teil der Neuankömmlinge sofort vergast wurde. Die Zahl der Insassen des Männer- und Frauenlagers in Birkenau war selten unter 30000 und mag während der Depor- tationen aus Ungarn von Mai bis Juni 1944 70000 überschritten haben. Wie wir gesehen haben, war Birkenau als Lager für russi- sche Kriegsgefangene vorgesehen, die das nationalsozialistische Regime kaum als menschliche Wesen anerkannte, und Lager die- ser Art hatten keine Kanalisierung, keine Grundmauern und waren für einen längeren Aufenthalt nicht geeignet. Solche Baracken hatte die Wehrmacht früher als Ställe benutzt. Sie hatten keine Fenster und die Lüftung erfolgte durch den Lichtschacht. Wenn die Anlage auch für einen russischen Winter nicht allzu ungeeignet schien, hatte sie für den Rest des Jahres nur Nachteile. Die Ba- racken waren normalerweise für die Aufnahme von 52 Pferden oder dreihundert Mann, in drei Lagen untergebracht, vorgesehen, aber in der Zeit der Transporte gab es oft die doppelte oder dreifache Belegung. Die Wasserversorgung und die Latrinen erwiesen sich dann als hoffnungslos unzureichend, und innerhalb der Baracken wurden die Lehmböden wahre Krankheitsherde°°, Als Birkenau im März 1942 in Betrieb genommen wurde, sah man eine Überführung aus dem Hauptlager in Auschwitz dorthin all- gemein als ein fast sicheres Todesurteil an, und dabei war infolge der Überfüllung auch schon das Hauptlager das ärgste in ganz Deutschland und das erste, das mit der Ausrottung der Kranken begonnen hatte. Die Vergasungsexperimente, die Höss im Sep- tember 1941 anstellte, wurden an Invaliden vorgenommen. Die allwöchentlichen Selektionen begannen während des folgenden Winters. Von da an brachte die Ankunft jeder Gruppe von Trans- porten Epidemien mit, vor allem Flecktyphus. Die erste Gruppe von Transporten schuf ein gewisses Muster, dem dann immer ge- folgt wurde. Die Zahl der Insassen des Birkenauer Männerlagers 128 ien getroffen der Kranken fesor"(auf Ärzte" es Sl war imstand vorzunehme einer Masse Im Riiksinsti man das ein aus dem Bü hinausgesch scheine für ı ober es sind Hier kann m ursachen Dr * Die vorausge« Zeiträume als I der Inbetriebnc kann man eine bestehens anne fälle von einem Die Registrieru lüglichen Appe gang von 6377 gen ein Abwei Niederländisc Eine viel einfo |üger gemacht m Lager, das %08 war, mı ereignet habe Als die Regis Überschriften, lagern, auch bfort vergast puenlagers in ü der Depor- überschritten ger für russi- Isozialistische d Lager die- rn und waren he Baracken hatten keine ht. Wenn die U ungeeignet teile. Die Bo- n 52 Pferden ‚ vorgesehen, oppelte oder die Latrinen nd innerhalb itsherde®), rde, sah man - dorthin all- ; war infolge jste in ganz Jer Kranken löss im Sep- ommen. Die s folgenden yon Trans- ‚ste Gruppe } immer ge ännerlagers FONFTES KAPITEL 4. AUSCHWITZ IN AKTION stieg von 16 274 am 15. Juli 1942, als die täglichen Transporte aus dem Westen einsetzten, auf 23010 am 8. August. Damals hatte es sich schon als notwendig erwiesen, die Arbeit im Bunawerk ein- zustellen, und das ganze Gebiet von Auschwitz mußte für zwei Monate von der Umwelt abgeschlossen werden!. Dann begann, was man„Entlausungsaktion” nannte, eine systematische Auskäm- mung der Krankenabteilungen für die Gaskammer. Das war so- zusagen eine„humane“ Neuerung, denn bisher hatten die zwei aus Polen stammenden volksdeutschen Ärzte Entress und Zink- teller die Selektion nach anderen, viel wahlloseren Gesichtspunk- ten getroffen. Die nackten Invaliden erhielten im offenen Korridor der Krankenabteilungen Phenolinjektionen ins Herz. Der„Pro- fessor”(auf Seite 151 wird erklärt, um was für„Professoren und Ärzte“ es sich da handelte), nämlich der Krankenwärter Clair, war imstande, viele solcher Operationen innerhalb einer Stunde vorzunehmen, und im März 1942 wurde die Typhussaison mit einer Massenauskämmung dieser Art abgeschlossen°2. Im Rijksinstituut voor Oorlogsdocumentatie in Amsterdam kann man das einzige erhaltene Exemplar des Totenbuches sehen, das aus dem Büro des Auschwitzer Lagers während der Evakuierung hinausgeschmuggelt wurde. Dieser dicke Band enthält die Todes- scheine für nur fünf Tage, vom 28. September bis 2. Oktober 1942, aber es sind deren 1500°°*. Hier kann man sehen, daß die normalerweise festgestellten Todes- ursachen Dr. Kremer zu langweilen begannen und daß er neue er- * Die vorausgegangenen zwanzig Bände des Totenbuchs müssen sich jeder auf längere Zeiträume als fünf Tage bezogen haben, wenn sie die 33 000 Todesfälle, die sich seit der Inbetriebnahme des Lagers im März 1942 ereigneten, festhielten. Auf diese Weise kann man eine tägliche Zahl von 160 Todesfällen für die ersten sechs Monate des Lager- bestehens annehmen. Für die Zeit vom 16. Juli bis 19. August kann die Zahl der Todes- fälle von einem erhalten gebliebenen Fragment der täglichen Appelle abgeleitet werden. Die Registrierungszahlen der Neuankömmlinge stiegen von 47 087 auf 60 043, aber die täglichen Appelle zeigten nur einen Aufstieg von 16 346 auf 22 925. Es war also ein Ab- gang von 6377 oder 177 pro Tag zu verzeichnen. Die Zahlen für die einzelnen Tage zei- gen ein Abweichen von dieser Durchschnittszahl von mindestens 16 und höchstens 391. (Niederländisches Rotes Kreuz, Auschwitz, Deel I und II.) Eine viel einfachere Berechnung wurde von Frau Dr. Ella Lingens-Reiner für das Frauen- lager gemacht. Am Tag ihrer Ankunft, dem 20. Februar 1943, waren etwa 13000 Frauen im Lager, das seit dem März 1942 bestanden hatte. Da ihre eigene Registrierungszahl 36 088 war, mußten sich in 11 Monaten 23 000 Todesfälle, oder etwas mehr als 6? pro Tag, ereignet haben.(Prisoners of Fear, London 1948, Seite 52.) Als die Registrierungen im Männerlager von Birkenau im März 1944 die Zahl 180 000 überschritten, wurde eine neue Zählungsmethode eingeführt, um den Lagerinsassen die 129 “all DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG fand, wie zum Beispiel„Herzmuskelschwäche”. Aber diese Absur- ditäten hatten einen guten Grund. Offiziell gab es keinen Typhus in Auschwitz, obwohl die Sterblichkeit fast so hoch war wie in Bel- sen in der Zeit vom Februar bis April 1945. Kremer und seinesglei- chen, in der Befürchtung, einmal zur Rechenschaft gezogen zu werden, setzten in die Todesscheine die Phantasie-Diagnosen der internierten Ärzte ein, die ihre Patienten vor der„Transportliste” oder der Phenolinjektion bewahren wollten. Unter Kremers Vor- gänger, Ferdinand Entress, wurden die Totenscheine schon im vor- aus ausgestellt”. Aber die riesige Zahl dieser Scheine hatte dazu geführt, daß eine Anfrage aus Oranienburg eingelaufen war. Darauf wurden die Phenolinjektionen eingestellt, und Entress wurde nach Monowitz versetzt. Nichtsdestoweniger wurden auch weiter Totenscheine dieser Art ausgestellt, und erst im Juli 1943 begann man für die zum Tode Bestimmten„Entlassungen“ aus- zugeben, Während einer„Entlausungsaktion” wie der im September und Oktober 1942 hatten die Lagerärzte fast täglich bei Vergasungen zu assistieren, und darüber hat Dr. Kremer— ein Professor der Universität Münster, der im Dezember 1947 in Krakau hingerichtet wurde— ein geradezu unfaßbares Tagebuch geführt 5: „2.9.42.— Zum ersten Male draußen um 3 Uhr früh bei einer Sonderaktion zugegen. Im Vergleich hierzu erscheint mir die Hölle von Dante als eine Komödie... 5. 9. 42.— Heute nachmittag bei einer Sonderaktion aus dem Frauen-KZ(Muselmänner)— das Schrecklichste des Schreck- lichen. Truppenarzt Dr. Thilo hat recht, wenn er mir heute sagte, wir befänden uns hier im anus mundi. Abends ge- gen 8 Uhr wieder bei einer Sonderaktion aus Holland. Wegen der dabei anfallenden Sonderverpflegung, bestehend aus 5 Liter Schnaps, 5 Zigaretten, 100 Gramm Wurst und Brot drängen sich die Männer zu solchen Aktionen. 6. u. 7. 9. 42.— Heute hatten wir ein ausgezeichnetes Mittag- essen: Tomatensuppe, ein halbes Huhn mit Kartoffeln und Möglichkeit zu nehmen, unerwünschte Berechnungen anzustellen. Das einzige Ergebnis dessen war der feste Glaube, daß Millionen in dem Lager zugrunde gegangen waren. Erst nach dem Krieg war es möglich, die Zahl der Einlieferungen ins Lager zu über- prüfen: 253000 Männer und 110000 Frauen.(Friedman, This was Oswiecim, London 1946, Seite 14.) 130 vanres KARTE: "Rotkohl um 8 Uhr 9 9, D. (Amal) W Kremer gelor zehn Selektio fohrensweIs® Deportafione Herbst und Z icher?. Im| noch der„d Ende Juli 19 es im Fraue Deportierten hervor, SO d nen bis zum Nur die The Eoidemien| Neuankömr können. Zuf gab, brach| ter Winterf Mangels ar Thierack wı zu schlager daß er ihne Konzentrat Zeitpunkt- inden deu Auschwitz schrieb an von polnis in Auschw mehr Jude den hier d Dringends der Zeit\ schlesisch, zentratior N DER ENDIOSUNg ber diese Absur. bs keinen Typhus War wie in Bel. "und Seinesglei. S ‚gezogen zu J!agnosen der „Transporfliger er Kremers Yon Ne schon im var P Scheine hatte rg eingelaufen tellt, und Entress per wurden auch erst im Juli 1943 lassungen“ aus. September und ei Vergasungen n Professor der kau hingerichtet eführt 3: hr früh bei einer rscheint mir die aktion aus dem ste des Schreck- ın er mir heute di. Abends ge- 'olland. Wegen bestehend aus Wurst und Brot hnefes Mittag- Kartoffeln und as einzige Ergebnis e gegangen waren. ins Lager zu über- iecim, London 19%, 4. AUSCHWITZ IN AKTION . Abends FUNFTES KAPITEL Rotkohl, Süßspeise und herrliches Vanille-Eis.. um 8 Uhr draußen für eine Sonderaktion. 9. 9. 42.— Abends teilgenommen an einer Sonderaktion (4mal). Wie viele Doppelgänger habe ich in dieser Welt?“ Kremer gelang es am 18. Oktober, nach der Teilnahme an acht- zehn Selektionen, woandershin versetzt zu werden, aber die Ver- fahrensweise wurde durch weitere zwei Jahre beibehalten. Den Deportationen im Frühling 1943 folgten die Typhusepidemie im Herbst und zwei große Selektionen am 3. September und 22. Ok- tober 5”. Im Dezember wurde die Krankenabteilung für Frauen nach der„dritten Typhusepidemie”® vollkommen geleert, und Ende Juli 1944, nach Ankunft der Transporte aus Ungarn, gab es im Frauenlager eine„Scharlach-Selektion“. Die Ankunft der Deportierten aus Lodz? rief dann wieder eine Typhusepidemie hervor, so daß die Aufeinanderfolge von Epidemien und Selektio- nen bis zum Ende der Gaskammern nicht unterbrochen wurde. Nur die Theorie von Frau Vaillant-Couturier erklärt, warum den Epidemien nicht vorgebeugt wurde, was durch Aufteilung von Neuankömmlingen auf die anderen Lager hätte erzielt werden können. Zur Zeit, als es in Birkenau die erste„Entlausungsaktion” gab, brach in Deutschland angesichts der Tatsache, daß ein zwei- ter Winterfeldzug in Rußland unausweichlich schien, wegen des Mangels an Arbeitskräften eine wahre Panik aus. Justizminister Thierack war bereit, die ganze deutsche Rechtsordnung in Stücke zu schlagen, wenn es ihm dafür gelang, 35 000 Ost-Arbeiter, ohne daß er ihnen auch nur ein Polizeivergehen nachweisen mußte, in Konzentrationslager zu pressen(siehe$. 177). Gerade dieser Zeitpunkt— Anfang Oktober 1942— wurde dazu ausersehen, alle in den deutschen Konzentrationslagern überlebenden Juden nach Auschwitz und Lublin zu schaffen— und Höss begrüßte das. Er schrieb an Maurer, daß, obwohl der vorgeschlagene Abtransport von polnischen Häftlingen aus Auschwitz den ganzen Bahnbetrieb in Auschwitz lahmlegen würde, kein Bedenken dagegen bestehe, mehr Juden ins Lager zu schaffen.„Im Gegenteil, dieselben wer- den hier dringendst benötigt°°.” Dringendst benötigt— wofür? Erst im Sommer 1944, lange nach der Zeit von Rudolf Höss, wurde Birkenau ein Reservoir für die schlesischen Fabriken und für verschiedene andere deutsche Kon- zentrationslager, in die die Juden wieder zugelassen wurden. 131 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Durch zwei Jahre war nur ein Bruchteil der halbverhungerten und an den verschiedensten Krankheiten leidenden Insassen von Bir- kenau überhaupt beschäftigt gewesen. Eine Liste der Beschäftigten für den 11. Mai 1944, zu welcher Zeit das Männerlager in Birkenau die nicht abnorm hohe Zahl von 17 589 Insassen hatte®', zeigt, daß nur 6269 von ihnen arbeiteten, wobei die meisten von ihnen mit schweren Arbeiten im Lager selbst beschäftigt waren. 11311 ar- beiteten überhaupt nicht und waren im Verzeichnis als„arbeits- unfähig”,„nicht beschäftigbar“ und„nicht zugewiesen“ bezeich- net. Sie waren auf eine Reihe von Kranken- und Quarantäne- Blocks aufgeteilt; zu ihnen gehörten die 3027 Juden aus dem„Fa- milienlager“ Theresienstadt, deren Vergasung für den 20. Juni an- beraumt war(s. 5.191), und die 4500 im Zigeuner-Familienlager, von denen die Hälfte am 2. August vergast wurde(s. 5. 210). Das Wort Quarantäne hatte in Auschwitz eine unheilschwangere Bedeutung. Neuankömmlinge, die der Gaskammer entgangen waren, kamen in Quarantäne und ebenso Lagerinsassen, die in andere Lager geschickt werden sollten. Hössler, der Kommandant des Birkenauer Frauenlagers, sagte im Prozeß in Lüneburg aus, daß er Internierte auch in den Isolierblock geschickt habe, wenn sie andere Arbeit übernehmen sollten. Aber es gibt reichliche Be- weise dafür, daß das„Revier“ für diese Menschen nur ein Vor- raum des Krematoriums war. Die riesige Literatur, die sich mit Auschwitz beschäftigt, behandelt meist die letzten achtzehn Monate des Bestehens des Lagers, als die Aussichten des Überlebens sich gebessert hatten. Intelligente und gebildete Menschen, die Auschwitz überlebt haben und jetzt in der Lage sind, über ihre Erlebnisse auszusagen, verdanken das den geschützten Beschäftigungen in den Krankenabteilungen, dem Lagerbüro, dem Lager-Orchester und dem Auswahl-Kommando „Kanada“. Die erste Gruppe war die größte. Um den Tod von Lagerinsassen für wenige Wochen hinauszuschieben, entwickelte der ärztliche Dienst der Lagerleitung einen oft riesigen Bedarf an Ärzten und Pflegepersonal aus den Reihen der Lagerinsassen. Auch für die Gaskammern wurden Ärzte für die Autopsie benö- tigt, die Dr. Mengele in die Lage versetzen sollten, die der natio- nalsozialistischen Doktrin zufolge vorhandenen Eigenschaften der „Untermenschen” für das Institut für Rassenbiologie in Berlin auf- zuzeichnen°2. Diese geschützten Menschen waren immer noch der 132 ponFTES Kapitel | Gefohr des T ober ihnen J des Tages j alstot verze! Einige gerad dern der dei hen, Jeaneftt wurde im Je ianseits des/ Tod geschick Iebte zwei J Jeinden für den ungaris Gräben der Ausroftung f In gewählte Philip Auert Auschwitz U ols vier Jahr stand, Fast ı kellern in d Künste, die; zentrationslı Leiter des W nen, Der gı Selbstmord. erentronnei Das waren einen besor Das andere tellos, welte der in Mitt haben die| dieser„Mel sowohl Yaı als auch Pı Inder Eige ZU achten frinen verk DSUNG Mungerten und h; Sassen yon Bir- FUNFTES KAPITEL 4. AUSCHWITZ IN AKTION Gefahr des Typhus in den verseuchten Schlafbaracken ausgesetzt, aber ihnen drohte es wenigstens nicht, auf einem Handwagen nach er Beschäft: en: ger ren des Tages Arbeit ins Lager zurückgeschafft und beim Abendappell enau als tot verzeichnet zu werden. isten ie no Einige geradezu phantastische Fälle des Überlebens von Mitglie- arena dern der deutschen jüdischen Intelligenz seien hier hervorgeho- Is ls ‚arh al ben. Jeanette Wolff, eine frühere Stadtverordnete von Bocholt, Iesen“ h eils- wurde im Januar 1942 als Mutter einer zahlreichen Familie, die ezeich- jenseits des Alters war, bis zu dem weibliche Deportierte in den EHE Tod geschickt wurden, in das Ghetto von Riga gebracht. Sie über- hen 2.|„a lebte zwei Jahre Ghettoleben und weitere achtzehn Monate, die „. JUNI an- sie in den fürchterlichen Lagern Kaiserswald und Stutthof und unter "Fomilienlager, den ungarischen Jüdinnen der Abteilungen zum Ausheben von b. s.210) Gräben der Organisation Todt verbracht hatte. Jetzt, nach der eilschwangere Ausrottung fast aller ihrer Angehörigen, ist sie eines der für Ber- er entgangen lin gewählten Mitglieder des Bonner Bundestages. Nsassen, die in Philip Auerbach, ein Apotheker, überlebte nicht nur zwei Jahre r Kommandant Auschwitz und das„Kleine Lager” in Buchenwald, sondern mehr Lüneburg aus, als vier Jahre, in denen er unter Todesstrafe wegen Hochverrates kt habe, wenn stand. Fast die Hälfte dieser Zeit verbrachte er in den Gestapo- t reichliche Be- kellern in der Prinz-Albrecht-Straße. Leider hatte er sich an die n nur ein Vor- Künste, die zum Überleben in einer Todeszelle und in einem Kon- zentrationslager notwendig sind, zu sehr gewöhnt, um sie als tigt, behandelt Leiter des Wiedergutmachungsamtes in Bayern vergessen zu kön- des Lagers, als nen. Der gegen ihn im August 1952 geführte und von seinem en. Intelligente Selbstmord gefolgte Prozeß war tragischer als das Schicksal, dem aben und jetzt er entronnen war. verdanken das Das waren Fälle von Menschen, die auf ganz verschiedene Art teilungen, dem einen besonders stark entwickelten Selbsterhaltungstrieb besaßen. hl-Kommando Das andere Extrem sind die Talmudstudenten aus dem Osten, mit- den Tod von tellos, weltabgewandt, sprichwörtlich hilflos und in keiner Weise n, entwickelte der in Mitteleuropa üblichen Lebensweise angepaßt. Und doch gen Bedarf an haben die Launen der SS-Wachen hin und wieder das Leben eines .agerinsassen. dieser„Melameds” gerettet! Ein so merkwürdiges Schicksal erlebte utopsie benö- sowohl Yankiel Wiernik im Todeslager Treblinka 1942 bis 1943 die der natio- 1 als auch Primo Levi in Auschwitz im Jahre 1944; sie überlebten nschaffendr' nm der Eigenschaft als„Scheißmeister“ oder Aufseher, die darauf in Berlin ouf- zu achten hatten, daß die Juden nicht allzuviel Zeit auf den La- hder" verbrachten. Und sie überlebten, ohne von der traditionel- mer noc i 133 a j ’ Fi DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG len Kleidung der galizischen Orthodoxie abzuweichen, die die nationalsozialistische Jugend immer so überwältigend komisch gefunden hatte%, Alle Erzählungen über Auschwitz berichten immer wieder die gleichen Dinge: Hunger, Schmutz, die Tatsache, daß alle Men- schen durcheinandergewürfelt waren, die Mißhandlung durch die deutschen Kapos und die SS-Unteroffiziere, die völlig unsinnigen und mörderischen Lagerappelle und die von den deutschen Ärz- ten durchgeführten Experimente an Menschen. Es muß allerdings darauf hingewiesen werden, daß Auschwitz, obwohl die Sterblich- keit dort infolge Überfüllung viel größer war, sich in keiner dieser Beziehungen von anderen Konzentrationslagern in dem Augen- blick unterschied, in dem die Selektionen an die Stelle willkür- lichen Mordes im Lager getreten waren. Daß Gefangene um ihr Brot betrogen und gezwungen wurden, sich irgendwie selbst zu helfen, um zu überleben, daß sie während der Arbeit zu Tode ge- prügelt wurden, um ihre Aufseher in Übung zu halten, daß sie beim Abendappell infolge der Unfähigkeit dieser Aufseher, die Zählung durchzuführen, erschöpft zusammenbrachen, das alles waren angesichts der Natur ihrer Quäler unvermeidliche Dinge. Zu Beginn war das Konzentrationslager eine Stätte, an der angeb- liche„Staatsfeinde” entweder rasch zu dauernder Disziplin erzo- gen wurden oder ihren Tod fanden. Mit dem„Abschaum der Menschheit” umzugehen, war nur der Abschaum der Menschheit in der Lage, aus welchem Grunde Gewohnheitsverbrecher in deut- schen Gefängnissen für diese Arbeit ausgewählt wurden. Damals waren sie sicherlich für diese Zwecke geeignet, aber es scheint un- begreiflich, daß Himmler glaubte, er werde richtige Disziplin und wirkliche Bemühungen im Dienste des deutschen Kriegseinsatzes unter der Herrschaft der gleichen„Prominenten“ und ihrer Freunde, der alten Kämpfer aus den SS-Totenkopfverbänden, erzielen. Im allgemeinen wußte Himmler, was vorging, ohne jedoch die Ur- sachen zu verstehen, so z. B., als er am 28. Dezember 1942 anord- nete, die Zahl der Todesfälle in den Konzentrationslagern um jeden Preis herabzusetzen, oder im Juli 1943, als er Konrad Mor- gen beauftragte, Fälle von Unterschlagungen unter den Lager- kommandanten zu untersuchen$. Aber für gewöhnlich war Himm- ler in seinem Feldhauptquartier viel zu sehr beschäftigt, um sich 134 wegen der i Augenblick, den Alliierte\ Manchmal z der Tatsache älieren deuf zurückdatier Gegengift 2 danten muß Iingen, die| Hilfe dieser beherrschte Häftling zu eines beson ren, Im Hau für polnisch war, in dem heimorgani Auß und kc nahezu mei Aber in Bir sassen stän! gar die wic mal war es Ungarisch. um als Ge dienen, da den entnal Außerdem den Juden auch die| Adiutanter sef, ein Ha Im Jahr 19 Sterns entl olsLagerä lagers, da: Diese Zus ger Resigr DER ENDLOSUNG hen, die die jend komisch F Wieder die PB alle Men- Png durch die IQ unsinnigen Fulschen Arz. uß allerdings die Sterblich. keiner dieser dem Augen. ptelle willkir. ngene um ihr wie selbst zu t zu Tode ge- Iten, daß sie Aufseher, die en, das alles iche Dinge, n der angeb- isziplin erzo- bschaum der r Menschheit scher in deut- den. Damals >s scheint un- Disziplin und egseinsatzes "und ihrer ‚fverbänden, doch die Ur- 1942 anord- ‚lagern um 'onrad Mor- den Lager- ı war Himm- ig, um sic FUNFTES KAPITEL 4. AUSCHWITZ IN AKTION wegen der Konzentrationslager Sorgen zu machen— bis zu dem Augenblick, in dem er daran zu denken hatte, Verbindung mit den Alliierten zu finden. Manchmal zogen die Lagerinsassen einen gewissen Nutzen aus der Tatsache, daß es keinerlei verantwortliche Aufsicht gab. Die älteren deutschen Konzentrationslager, deren Bestand bis 1933 zurückdatierte, hatten nach und nach unter ihren Insassen ein Gegengift zum Heydrich-System entwickelt. Die Lagerkomman- danten mußten bis zu einem gewissen Ausmaß politischen Häft- lingen, die lange im Lager gewesen waren, vertrauen, und mit Hilfe dieser Leute bildeten sich geheime, oft von Kommunisten beherrschte Gruppen, die in der Lage waren, einen bestimmten Häftling zu schützen oder auch den Tod oder die Abschiebung eines besonders gewaltsamen deutschen Sträflings herbeizufüh- ren. Im Hauptlager von Auschwitz, das bis zum Schluß ein Lager für polnische und deutsche, nicht-jüdische politische Gefangene war, in dem die Juden in der Minderheit blieben, erlangte die Ge- heimorganisation ebenso wie in Buchenwald einen großen Ein- fluß und konnte ihren Schützlingen ein Leben sichern, das man nahezu menschlich zu nennen vermag®®. Aber in Birkenau gab es angesichts des Umstandes, daß die In- sassen ständig wechselten, niemals eine solche Organisation. So- gar die wichtigste Lagersprache war nicht immer die gleiche, ein- mal war es Slowakisch, dann wieder Holländisch, Griechisch oder Ungarisch. Die jüdischen Kapos konnten nicht organisiert werden, um als Gegengewicht zur Macht der deutschen Sträflinge zu dienen, da die Lagerverwaltung sie den Reihen der deutschen Ju- den entnahm, die für die Ostjuden wenig Zuneigung besaßen. Außerdem waren die höheren Ränge der Gefängnishierarchie den Juden nicht zugänglich, und nach dem Februar 1944 wurden auch die Stellen der jüdischen Block-Kommandanten und ihrer Adjutanten abgeschafft#7. Durch längere Zeit bildete Hermann Jo- sef, ein Halbjude und früherer Gemeindebeamter, eine Ausnahme. Im Jahr 1943 wurde er der Verpflichtung zum Tragen des Juden- sterns entbunden und zum Block-Ältesten gemacht. 1944 war er als Lagerältester der Vorgesetzte der Insassen des großen Arbeits- lagers, das den Fürstgraben-Kohlengruben angeschlossen war 88, Diese Zustände riefen bei den Opfern eine Stimmung vollständi- ger Resignation hervor. Ein Jude konnte nur in der Krankenabtei- 135 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG lung überleben und gleichzeitig seinen Leidensgenossen ein wenig helfen. Die Möglichkeit einer Organisation gab es nicht. In der Lagersprache verstand man unter Organisation nichts anderes als einen Versuch, für sich selbst auf Kosten anderer Vorteile heraus- zuschlagen. Dr. Marc Dvorjetski beschreibt einen Transport von Juden, die aus dem Ghetto in Wilna auf dem Wege in ein Kon- zentrationslager waren. Sie freuten sich darüber, daß sie nicht so- fort ermordet worden waren. Da wendet sich ein früherer Insasse eines solchen Lagers an sie und sagt:„Der eine nimmt dem an- deren nur das Brot vom Munde weg®.“ Unter diesen Umständen konnte die große Masse von Männern und Frauen, die 1942 und 1943 außerhalb der bevorzugten Ar- beitsgruppe beschäftigt waren, nur mit einer ganz kurzen Über- lebensdauer rechnen. Die 257 Eintragungen im Totenbuch, das vom Niederländischen Roten Kreuz gefunden werden konnte, be- zogen sich auf Menschen, die im Lager zwischen vier und zwei- undsiebzig Tagen gewesen waren’), Sie waren zwölf bis fünfzehn Stunden am Tag entweder bei der Arbeit oder beim Appell auf den Füßen und bekamen eine wäßrige Rübensuppe zu essen, bis aus ihnen„Muselmänner” wurden, die, in den Zipfel einer Decke gehüllt, auf ihre Todesspritze oder auf das Lastauto warteten, das sie zur Gaskammer bringen sollte. 136 Die Todeskc ten Tieren I Tousender\ technische| heber das. kann kein e wohl einer tun wollte. Juni 1944 ki !öteten, wa Gruppen ve von große zweitens di Die Euthan Hitlers Befe esse am Ve Möglichke! während d hebräische doß Hitler sessen wa war 1917( Der erste Nümberge 1946 wurd: für die SS Morgen,[ im Juli 19 mt dem an- tenbuch, das konnte, be- er und zwei- bis fünfzehn Appell auf zu essen, bis einer Decke warteten, das Sechstes Kapitel Die Gaskammern 1.„Die Gemeinnützige Stiftung” Die Todeskammer zum Töten von Verbrechern oder unerwünsch- ten Tieren ist ein alter Gedanke. Für die fast tägliche Vernichtung Tausender von Menschen verwendet, stellt sie eine bedeutsame technische Entwicklung dar— möglicherweise würden ihre Ur- heber das Wort„Fortschritt“ vorziehen. Für diese Entwicklung kann kein einzelner Mensch die Urheberschaft beanspruchen, ob- wohl einer der in Nürnberg vernommenen Zeugen dies offenbar tun wollte. Die Entwicklung der Gaskammern in Birkenau, die im Juni 1944 täglich 6000 und an einem Tag sogar 10000 Menschen töteten, war das Ergebnis von zwei voneinander unabhängigen Gruppen von Experimenten. Dies waren erstens die Desinfizierung von großen Lagern mit Zyanwasserstoff oder„Zyklon B” und zweitens die Euthanasie für Geistesgestörte mittels Kohlenoxyd. Die Euthanasie kam zuerst, denn sie wurde schon Ende 1939 auf Hitlers Befehl angewendet; Hitler zeigte jedoch schon früher Inter- esse am Vergasen. Schon 1924 hatte er in„Mein Kampf” von der Möglichkeit gesprochen, zu Beginn des ersten Weltkrieges oder während des Krieges„einmal zwölf- oder fünfzehntausend dieser hebräischen Volksverderber unter Giftgas zu halten“!. Es scheint, daß Hitler schon damals von der Vorstellung des Vergasens be- sessen war, und der Grund dafür liegt auf der Hand: er selbst war 1917 Opfer eines Gasangriffes geworden. Der erste Hinweis auf den Ursprung der Gaskammern kam im Nürnberger Prozeß erst spät ans Tageslicht. Am 7. und 8. August 1946 wurde SS-Sturmbannführer Georg Konrad Morgen als Zeuge für die SS als eine der angeklagten Organisationen vernommen. Morgen, ein ehemaliger Richter am Stettiner Landgericht, wurde im Juli 1943 auf Himmlers Verlangen vom SS-Militärgericht zur 137 1 ee re | Ij | 00a er ah See Bu DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Kriminalpolizei versetzt, um Unterschlagungen in Konzentrations- lagern zu untersuchen. Er erhielt Vollmacht, Verhaftungen vor- zunehmen, von der er in den Fällen Koch und Hoven in Buchen- wald, Göth in Plaszow und Grabner in Auschwitz Gebrauch machte. Er scheint ein prahlerischer und einigermaßen— wenn auch nicht genügend— redlicher Mann gewesen zu sein*. Ob- wohl er klug genug war, zu wissen, wann er schweigen sollte, er- warb er sich in SS-Kreisen den Ruf eines Schnüfflers, und diese mach- ten ihm seinLeben sehr unangenehm, als er von den Amerikanern in Dachau festgehalten wurde. Später überwanden Morgens Mit- gefangene ihre Abneigung gegen ihn, als sie in ihm einen Mann erkannten, den die Alliierten für achtbar halten könnten. Er wurde daher im Fall der Vernichtungslager von Auschwitz und Polen von der Verteidigung als Entlastungszeuge benannt. Morgen behauptete, daß die Vernichtungslager überhaupt nicht von der SS geleitet wurden, und erzählte eine merkwürdige Ge- schichte, um diese Behauptung zu beweisen. Im Spätsommer 1943 hätte er vom Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD im Bezirk Lublin in Polen erfahren, daß in einem jüdischen Arbeits- lager eine„Judenhochzeit” mit 1100 Gästen, darunter viele deut- sche SS-Männer, stattgefunden habe. Die Untersuchung dieser phantastischen Anschuldigung führte Morgen in ein anderes„un- durchsichtiges oder eigenartiges” Lager, das von einem gewissen Kriminalkommissar Wirth geleitet wurde. Wirth sagte Morgen, daß dieses Märchen aus„1001 Nacht” absolut wahr sei. Das jüdische Hochzeitsmahl sei Teil eines Planes gewesen, durch den Wirth die Juden veranlassen wollte, in vier geheimen Lagern zu arbeiten, in denen sie ihre eigenen Brüder auszurotten hätten. Der Nürnberger Gerichtshof hatte viel früher als im August 1946 * Versuche von deutschen Belastungszeugen, Morgens Redlichkeit anzugreifen, waren mangels dokumentarischer Beweise seiner Sache weniger abträglich als seine eigenen getüftelten Aussagen. Die Aussage seines Kollegen, des SS-Richters und Obersturmbann- führers Mittelstedt, zum Beispiel, daß Morgen im Sommer 1944 ein Flugblatt verfaßt habe, das von der SS in den Deportationszügen hätte verteilt werden sollen, läßt sich nicht nachprüfen. Dieses Flugblatt soll angeblich die Juden aufgefordert haben, ihre Wertgegenstände weder wegzuwerfen, noch der ungarischen Gendarmerie auszuliefern, sondern zu verbergen, da sie sie in Deutschland, wo normale Arbeitsplätze auf sie war- teten, brauchen würden.(Prozeß IV, NO- 1875, veröffentlicht in Le Monde Juif, April 1952.) (Siehe auch$. 480.) Eine weitere Beschuldigung gegen Morgen ist auch unaufgeklärt. Der Arzt Hoven in Buchenwald war beschuldigt, einen SS-Oberscharführer vergiftet zu haben. Eugen Kogon erklärt, daß Morgen kaltblütig die Wirkung alkalischer Gifte an russischen Kriegsgefangenen studierte, um dieses Geheimnis aufzuklären#. 138 gene KANTE ‚on den vier hör, aber M dere verstel der 5 gewe hoffe, kamer her Führerke Blankenber uote nach Bi hof schon ge hört. Ein Mo und den Blı Auschwitz 9 genommen keine Zeit 2 Maxwell-Fyl (reuzverhöt Nichtsdesto\ führte„Ärzl bestand we Wirth,„den gebenen na Brandenbur Geistesgest einem an( osten, eine Kommando ınd es war doß der Le zeiführer d nant der Pc \ Sokamesı "Die Verbindu gen erwähnte | 00 Wirth und Na "al in Straßer lite, Kalten! Nzentraion,. ! ungen Vor- Fnın Buchen. 12 Gebrauch en— wenn U sein*, Oh. pen sollte, er. iese mach- erikanern in Orgens Mit- einen Mann ten. Er wurde nd Polen von erhaupt nicht würdige Ge- sommer 1943 d des SD im hen Arbeits- er viele deut- hung dieser anderes„un- em gewissen gte Morgen, ahr sei. Das n, durch den n Lagern zu n hätten, August 1946 ugreifen, waren s seine eigenen Obersturmbann- |ugblatt verfaßt sollen, läßt sich iert haben, ihre ‚ie auszuliefern, tze auf sie War- Juif, April 1952.) h unaufgeklärt. rer vergiftet ZU ischer Gifte an= ' j A ENDLOSUNG| \ SECHSTES KAPITEL 1.„DIE GEMEINNÜTZIGE STIFTUNG” von den vier Lagern Treblinka, Belzec, Sobibor und Chelmno ge- hört, aber Morgen stellte sie in einem neuen Licht dar. Insbeson- dere versteifte er sich darauf, daß die Leitung nicht in den Händen der SS gewesen sei. Wirths Tagesbefehle, die Morgen gesehen hatte, kamen nicht vom Reichssicherheitshauptamt, sondern aus der Führerkanzlei in der Tiergartenstraße 4, und sie waren mit „Blankenberg“ unterzeichnet. Zu diesem Zeitpunkt, zehn Mo- nate nach Beginn des Nürnberger Prozesses, hatte der Gerichts- hof schon genug von Konzentrationslagern und Gaskammern ge- hört. Ein Mann, der von der wunderbaren Fernsicht, dem Rasen und den Blumen in Buchenwald sprach und keine SS-Leute in Auschwitz gesehen haben wollte, konnte vom Gericht nicht ernst genommen werden®. Den Verteidigern wurde daher gesagt, keine Zeit zu vergeuden, und der britische Ankläger Sir David Maxwell-Fyffe(jetzt Viscount Kilmuir) nahm Morgen nicht ins Kreuzverhör. Nichtsdestoweniger bewies der schon wenige Monate später ge- führte„Ärzteprozeß” die Wichtigkeit von Morgens Aussage. Es bestand weder ein Zweifel an der Existenz von Blankenberg und Wirth,„dem wilden Christian“, wie ihn seine unglücklichen Unter- gebenen nannten’, noch an der der„alten, geräumten Anstalt” in Brandenburg an der Havel, wo Wirth früher die Ausrottung von Geistesgestörten vorgenommen hatte. Morgen hatte jedoch in seinem an den Haaren herbeigezogenen Versuch, die SS zu ent- lasten, einen groben Fehler begangen. Er erwähnte, daß Wirths Kommando unter dem Decknamen„Einsatz Reinhard”® arbeitete, und es war zu diesem Zeitpunkt natürlich schon längst bewiesen, daß der Leiter des„Einsatzes Reinhard” der Höhere SS- und Poli- zeiführer der Provinz Lublin, SS-Brigadeführer und Generalleut- nant der Polizei Odilo Globocnik, war*. So kam es also zu Tage, daß die„Töter aus Barmherzigkeit” unter * Die Verbindung zwischen Wirth und Globocnik wurde dadurch nur noch klarer. Mor- gen erwähnte einen zweiten Besuch in Lublin Anfang 1944, in dessen Verlauf er erfuhr, daß Wirth und dessen Lagerwache nach Istrien versetzt worden waren. Wirth wurde im Mai in Straßenkämpfen von Titos Partisanen getötet, wie Morgen später erfahren haben wollte. Kaltenbrunners Verteidiger erzählte die gleiche Geschichte von Straßenkämpfen in Istrien, bei denen Globocnik, den Himmler im September 1943 zum Höheren SS- und Polizeiführer von Istrien und der adriatischen Küste ernannt hatte, den Tod gefunden haben sollte. Nach anderen Angaben soll Globocnik im Juni 1945 in Kärnten Selbstmord begangen haben, um nicht einer britischen Patroville in die Hände zu fallen.(Siehe Seite 405.) Der Fall Wirth wurde nie aufgeklärt. 139 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG dem Massenmörder Globocnik gedient hatten. Die gleichen Män- ner— Ärzte wie Polizeioffiziere—, denen angeblich die Wohl- fahrt der Menschen am Herzen lag, hatten eine Organisation ge- schaffen, die Millionen normaler Menschen folterte und ermor- dete. Warum das so einfach war, ist teilweise durch die Aussage des Reichskommissars für Gesundheitswesen, Dr. Karl Brandt, der am 28. August 1947 zum Tode verurteilt wurde, erklärt?: „Im Jahre 1935 sagte Hitler dem Reichsärzteführer Wagner*, daß, wenn ein Krieg sein soll, er diese Euthanasie-Frage auf- greifen und durchführen werde, weil er der Meinung war, daß ein solches Problem im Krieg zunächst glatter und leich- ter auszuführen ist, da offenbar Widerstände, die von kirch- licher Seite zu erwarten waren, in dem allgemeinen Kriegs- geschehen nicht diese Rolle spielen würden, wie sonst...” Die Verteidiger im„Ärzteprozeß“ zitierten zur Verteidigung ihrer Klienten alle verfügbaren liberalen Quellen, die Euthanasie be- fürwortet hatten, sowie Präzedenzfälle für die Gaskammer aus demokratischen Ländern. Töten aus Barmherzigkeit ist zweifellos eines der Probleme, die sich die moderne Gesellschaft dadurch geschaffen hat, daß sie mehr und mehr von öffentlichen Institutio- nen abhängig wurde— und einer der offenbarsten Fehler der im nationalsozialistischen Staat lebenden Deutschen war ihr blindes Vertrauen in öffentliche Institutionen. Ihnen wurde überlassen zu entscheiden, ob eine Person geistesgestört, unheilbar krank oder einfach ein asozialer Typ war, Definitionen, die die kleinste Welle echter oder künstlich herbeigeführter öffentlicher Panik ausdehnen konnte. Selbst in Friedenszeiten hatte der Nationalsozialismus mit seiner morbiden Betonung von Jugend und Gesundheit Krankheit fast zu einem Verbrechen gestempelt. Die Ausrede auf die„über- flüssigen Esser” hatte ihren Ursprung in wirtschaftlichen und sogar sozialen Erwägungen. Auf diese Weise schlich sich die Sprache der Wohlfahrtsbeamten in die Berichte der Sicherheitspolizei, die die jüdischen Siedlungen in Rußland im Herbst 1941 aus- kämmte!°: „In Janowitschi... war... in vielen Fällen eine ansteckende Krankheit mit fieberhaften Zuständen ausgebrochen... Da * Gerhard Wagner war ein öffentlicher Verfechter der Euthanasie zur Zeit der Nürn- berger Gesetze des Jahres 1935. Er war wie Leonardo Conti ein ehemaliger Freikorps- kämpfer und der Typus des nationalsozialistischen Arztes. Seine Stellung verdankte er der Tatsache, daß Hess sein Patient war. 140 gonsres M “ein U rung einer wurde führt“ „In e weibl hand tige| 1941) In Deutscl gestörten typischen öffentlich son imme Wenn di Rasse gel Minderw‘ daß man ‚minder Hitlers g schen ho Zeitpunk lipp Bou Ende O ber rück „Re Pag» DER ENDLOSUNg Yanisation ge- e und Eermor- die Aussage orl Brandt, der ärp, | rer Wagner*, PSte-Frage auf. Meinung war, piter und leich. die von kirch. neinen Kriegs- le sonst, ,” eidigung ihrer Euthanasie be- askammer aus it ist zweifellos schaft dadurch ichen Institutio- 1 Fehler der im war ihr blindes überlassen zu ar krank oder kleinste Welle ınik ausdehnen Sozialismus mit Jheit Krankheit auf die„über- hen und sogar h die Sprache erheitspolizei, -hst 1941 aus- . ansteckende rochen.... Da ‚ur Zeit der Nürn- maliger Freikorps- Ilung verdankte er SECHSTES KAPITEL Gleichen Man, lich die Wohl| 1.„DIE GEMEINNDTZIGE STIFTUNG” ein Übergreifen auf die Stadt(Minsk) und die Landbevölke- rung zu befürchten war, wurden die Insassen des Ghettos in einer Stärke von 1025 Juden sonderbehandelt. Die Aktion wurde lediglich von einem Führer und 12 Männern durchge- führt”(Ereignismeldung Nr. 92 vom 23. September 1941). „In einer weiteren Aktion wurden noch 812 männliche und weibliche Personen der Sonderbehandlung unterzogen. Es handelte sich durchweg um rassisch und geistig minderwer- tige Elemente“(Ereignismeldung Nr. 124 vom 25. Oktober 1941). In Deutschland hatte das systematische Hinschlachten der Geistes- gestörten und unheilbar Kranken zur Zeit dieser außerordentlich typischen Berichte von der russischen Front gerade aufgehört. Die öffentliche Meinung hatte Hitler gelehrt, daß eine asoziale Per- son immer noch deutsch sein kann, wenn sie auch eine Last ist. Wenn die asozialen Personen allerdings zu einer unterworfenen Rasse gehörten, dann war die öffentliche Meinung stumm. Hitlers Minderwertigkeitskomplex war sein größter Aktivposten. Er wußte, daß man Deutschen alles zumuten kann, vorausgesetzt, daß die „minderwertigen Rassen“ noch schlechter fahren. Hitlers gefährliches Hasardspiel mit den Empfindungen der Deut- schen hatte genau zu dem Wagner gegenüber vorausgesagten Zeitpunkt stattgefunden. Seine handschriftliche Bemerkung für Phi- lipp Bouhler trägt kein Datum, wurde aber Karl Brandt zufolge Ende Oktober als Geheimerlaß ausgegeben und zum 1. Septem- ber rückdatiert!!: „Reichsleiter Bouhler und Dr. med. Brandt sind unter Verant- wortung beauftragt, die Befugnisse namentlich zu bestimmen- der Ärzte so zu erweitern, daß nach menschlichem Ermessen unheilbar Kranken bei kritischster Beurteilung ihres Krank- heitszustandes der Gnadentod gewährt werden kann.“ Die nationalsozialistische Hierarchie hat keine unklarere Figur als diesen Philipp Bouhler hervorgebracht, der während der letzten Kämpfe um Berlin auf Görings Landsitz Karinhall Selbstmord be- gangen haben soll. Seit 1934 war er der Leiter der Führerkanzlei, die, getrennt von den Reichs- und Parteikanzleien, keine andere Aufgabe hatte als die Vorbereitung von Führer-Erlassen, die nie veröffentlicht wurden und unsichtbar blieben. Seinem Aussehen nach schien Bouhler nicht gerade der Typ für solche„graue Emi- 11 14] DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG nenz”. Er war 1939 vierzig Jahre alt und hatte ein merkwürdig weiches und jugendliches Gesicht. Mit seiner breitumrandeten Brille sah er eher wie ein amerikanischer Student als wie ein SS- Obergruppenführer aus. Im Jahre 1922 hatte er das Philosophie- studium in München aufgegeben, um bei der Gründung des„Völ- kischen Beobachters” mitzuhelfen. Er war Mitglied unzähliger Ausschüsse, die sich mit Fragen der parteipolitischen Erziehung beschäftigten, und war zur Zeit gerade mit der Säuberung der Schulbücher beschäftigt. Später, im März 1942, als andere Früchte seines pedantischen Geistes in Polen reiften, schrieb er„Napoleon — Kometenbahn eines Genies“ 12, Hitler las das Buch im Bett und war fasziniert von der Beschreibung eines europäischen Plans, der fast so gut wie sein eigener war und durch die Machenschaf- ten der Engländer ruiniert wurde"3, Laut Viktor Brack, der unter Bouhler diente, war es dessen Ruf als „milder“ Mann, der Göring, Himmler und Frick dazu veranlaßte, ihn für die Euthanasie-Organisation vorzuschlagen, obwohl die natürlichste Wahl die des Reichsärzteführers und Staatssekretärs für Gesundheitswesen im Reichsministerium des Innern, Dr. Leo- nardo Conti, gewesen wäre. Aber der blauäugige Schweizer Conti ausLugano unterstand neben dem Minister des Innern auch Martin Bormann, der sowohl Leiter der Parteikanzlei als auch Hitlers Geheimsekretär war. Bormann war einer der besessensten natio- nalsozialistischen Rassefanatiker und soll schon damals gesagt haben, daß das Euthanasieprogramm keinesfalls auf unheilbar Geisteskranke beschränkt bleiben würde. Wahrscheinlich sagte er damit die schließliche Hauptverwendung voraus. In diesem Konflikt mit den Größen der Regierung war Hitlers brauner Schat- ten nicht völlig der Verlierer, denn am Ende waren Bouhler und Conti gemeinsam Leiter der Organisation* 4, Es ist kaum möglich, sich im Labyrinth der Beziehungen zwischen den drei Kanzleien und Contis Amt zurechtzufinden, da sowohl Philipp Bouhler als auch Herbert Linden und Leonardo Conti * Hans Lammers, der Chef der Reichskanzlei, gab dem Internationalen Gerichtshof in Nürnberg eine ganz andere Darstellung. Er sagte, daß Hitler Conti zum leiter des Pro- gramms erwählt hatte. Darauf sei Conti zu Lammers, dem einzigen wirklichen Sach- verständigen für Rechtsfragen in allen drei Kanzleien Hitlers, gegangen, um seine Stel- lung rechtlich festlegen zu lassen, was Hitler in solche Wut versetzt habe, daß er auf der Stelle Conti durch Bouhler ersetzte.(„Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher” Bd. XI, S. 72.) 142 geansres KAP i nach dem| Labyrinth\ ohl Vikto konnte. DI Arztı sonc Geburtshe wurde dar Freund dı Bouhler B Contis an dem Narr gartenstrt sem Amt yon Hege Bracks N nische Se ausgefüh sen vierz ten, Nac Kranken zu. den. durchfüt Es gab ganz De sagen k über 50 oder be ten dies nur Tot Hadam * Margare son, derer Karl Geb gewesen, Unterstütz tat Felix| blieb, Ebı sondern kelt, wof schwestei Internier Himmler 1 merkwürdig | Humrandeten $ Wie ein 56, | Philosoph;e. Ng des„Vol. Unzähliger en Erziehung puberung der dere Früchte RN„Napoleon h im Bett und Ischen Plans, achenschaf. hessen Ruf als u veranlaßte, obwohl die hatssekretärs ern, Dr. Leo- weizer Conti auch Martin auch Hitlers ensten natio- mals gesagt uf unheilbar zinlich sagte ;. In diesem auner Schat- Bouhler und an zwischen da sowohl ardo Conti Gerichtshof in Leiter des Pro- ‚irklichen Sach- um seine Stel- he, daß er auf ER EN Doug } | i P jegsverbrecher SECHSTES KAPITEL 1.„DIE GEMEINNUTZIGE STIFTUNG” nach dem Krieg Selbstmord begangen zu haben scheinen. Dieses Labyrinth war 1947 noch genau so unübersichtlich wie 1939, ob- wohl Viktor Brack am Leben blieb und vor Gericht gestellt werden konnte. Dieser Mann von bescheidenen Geistesgaben war nicht Arzt, sondern Student der Volkswirtschaft. Sein Vater war 1929 Geburtshelfer bei Frau Himmler gewesen*, und Viktor Brack wurde daraufhin als Vierundzwanzigjähriger Fahrer und intimer Freund des zukünftigen Reichsführers SS’. Im Jahre 1936 bot Bouhler Brack die Leitung der Verbindungsstelle mit dem Amt Contis an, ein Büro, das während der„Euthanasieaktion” unter dem Namen T 4 bekannt wurde, worin eine Anspielung auf Tier- gartenstraße Nr. 4, die Adresse der Führerkanzlei, liegt. In die- sem Amt hatte Brack vier enge Mitarbeiter, Hevelmann, Vorberg, von Hegener und Werner Blankenberg. Der Letztgenannte wurde Bracks Nachfolger, als dieser 1942 nach Polen ging. Die medizi- nische Seite der Arbeit wurde aber nicht von Bracks Amtsstelle ausgeführt, sondern von Herbert Linden aus dem Stab Contis, des- sen vierzehn„Chefärzte“ Rundreisen zu den Irrenanstalten mach- ten. Nach diesen Besuchen sandte dann die„Gemeinnützige Krankentransportgesellschaft GmbH“ die ausgewählten Patienten zu den entlegenen und geheimen Instituten, die die Euthanasie durchführen sollten”. Es gab sicherlich nicht mehr als ein Dutzend dieser Anstalten in ganz Deutschland, aber laut Karl Brandts und Viktor Bracks Aus- sagen beseitigten sie zwischen Dezember 1939 und August 1941 über 50000 Menschen'®. Die Patienten wurden entweder vergast oder bekamen tödliche Injektionen; einem anderen Zweck dien- ten diese Anstalten nicht.„Bei uns gibt es keine Kranken, sondern nur Tote”, sagte Christian Wirth einem neuen Angestellten von Hadamar". * Margarethe Himmler, geboren 1894 und sechs Jahre älter als ihr Gatte, ist eine Per- son, deren Bedeutung möglicherweise unterschätzt wurde. Nach Himmlers Jugendfreund Karl Gebhardt war Frau Himmler Krankenschwester in einer eleganten Berliner Klinik gewesen, wo sie die Überzeugung gewonnen hatte, daß alle Ärzte schlecht seien. Sie unterstützte daher Himmlers Vertrauen in Hypnotismus, Homöopathie und den Medizinal- rat Felix Kersten. Gebhardt gab nicht zu, daß er dank Frau Himmler ihres Mannes Arzt blieb. Ebenso wie Sigmund Rascher war er nicht nur intimer Freund der Familie Himmler, sondern auch in Himmlers Experimente mit„menschlichen Versuchskaninchen“ verwik- kelt, wofür er 1947 gehängt wurde. Welche Rolle spielte die ehemalige Berliner Kranken- schwester in alldem? Als die Münchner Spruchkammer im August 1952 nach langer Internierung endlich ihren Fall erledigte, zögerte sie nicht zuzugeben, daß sie von Himmlers Befehl, die Juden auszurotten, gewußt hatte". 11* 143 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Brack war zugegen, als Wirth die erste Vergasung in Branden- burg durchführte, und nach seinen Angaben waren Bouhler und Conti auch anwesend. Es war Bouhlers Einfall, die Gaskammern als Brausebäder mit Duschen und Bänken zu tarnen. Das wurde dann auch in den Gaskammern von Auschwitz 1943 und 1944 ver- wirklicht. Die Verwendung von Kohlenoxyd in Stahlflaschen für Vergasungszwecke beschränkte die Anzahl der Personen, die auf einmal getötet werden konnten, auf dreißig 2°. Wirths Name erscheint in keinem der noch existierenden amt- lichen Schriftstücke über Euthanasie. Der Grund dafür ist, daß das letzte Stadium der Prozedur in der Tiergartenstraße 4 verleugnet und einer fiktiven Stelle, der„Gemeinnützigen Stiftung für An- staltspflege”, zugeschrieben wurde. Es ist besonders auffallend, daß zur Zeit der Todeslager in Polen Wirth und seine Mitarbeiter sich noch immer, wie Kurt Gerstein bemerkte, als„Stiftung“ be- zeichneten. Die damals verwendete Vergasungsmethode bestand in der Ein- führung von Auspuffgasen von Verbrennungsmotoren. Wirth brüstete sich Morgen gegenüber, daß er sie durch persönliche Ex- perimente entwickelt habe. Das dürfte kaum stimmen, denn Brack sagte aus, daß er einen Chemiker namens Kallmeyer als techni- schen Berater beschäftigt habe. Kallmeyer wird überdies in dem hier so oft erwähnten Brief genannt, den Dr. Wetzel von Rosen- bergs Amt am 25. Oktober 1941 an Reichskommissar Lohse in Riga schrieb?!*: „Unter Bezugnahme auf mein Schreiben vom 18. Okt. 1941 teile ich Ihnen mit, daß sich Herr Oberdienstleiter Brack von der Kanzlei des Führers bereit erklärt hat, bei der Herstellung der erforderlichen Unterkünfte sowie der Vergasungsappa- rate mitzuwirken. Zur Zeit sind die in Betracht kommenden Apparate in genügender Anzahl nicht vorhanden, sie müssen erst hergestellt werden. Da nach Auffassung Bracks die Her- stellung der Apparate im Reich viel größere Schwierigkeiten * Es ist aber möglich, daß Wirth bei der Entwicklung der Vergasung durch Motoren eine geringere Rolle gespielt hat. Als Kriminalkommissar war er ein Untergebener von Arthur Nebe, den Himmler während seines Besuches in Minsk im Juli oder August 194] beauftragt hatte, eine menschliche Methode für Massenhinrichtungen zu finden. (Siehe Seite 234.) Diese Aussage von dem Bach-Zelewskis wurde 1949 durch den Fund eines Amateurfilms in Nebes ehemaliger Berliner Wohnung einigermoßen bestätigt, der eine von den Auspuffgasen eines Personen- und eines Lastkraftwagens betriebene Gaskammer zeigte, 144 sschstes wi bereitet mäßigst nen Chi weitere hin, de hesond sen Um polizei um die terer F Sturmb gen im Eichme schaffe gebiet evaku! deren weit a Nach Juden mittelr die Ve inWil doß kaum Arbei Oster Mänr verstt Dies ist d gen Verg die Verb stellt Es Verfussen stellt wer den war Anfrage ein freie bs muß} Puhler und Dskammern as Wurde 0) 1944 ver- [eschen für en, die auf nden amt. St, daß das verleugnet g für An- auffallend, itarbeiter ftung” be. in der Ein- en. Wirth Önliche Ex- tenn Brack als techni- jes in dem 'on Rosen- * Lohse in Okt. 1941 Brack von erstellung Ingsappa- mmenden je müssen die Her- rigkeiten rch Motoren Intergebener oder August zu finden. h den Fund n bestätigt, betriebene Br anden.| SECHSTES KAPITEL 1.„DIE GEMEINNÜTZIGE STIFTUNG“ bereitet als an Ort und Stelle, hält es Brack für am zweck- mäßigsten, wenn er umgehend seine Leute, insbesondere sei- nen Chemiker Dr. Kallmeyer, nach Riga sendet, der dort alles weitere veranlassen wird. Oberdienstleiter Brack weist darauf hin, daß das... Verfahren nicht ungefährlich ist, so daß ins- besondere Schutzmaßnahmen erforderlich seien. Unter die- sen Umständen bitte ich Sie, sich über Ihren Höheren SS- und Polizeiführer an Oberdienstleiter Brack... zu wenden und um die Entsendung des Chemikers Dr. Kallmeyer sowie wei- terer Hilfskräfte zu bitten. Ich darf darauf hinweisen, daß Sturmbannführer Eichmann, der Sachbearbeiter für Judenfra- gen im RSHA.... einverstanden ist. Nach Mitteilung von... Eichmann sollen in Riga und in Minsk Lager für Juden ge- schaffen werden, in die evtl. auch Juden aus dem Altreich- gebiet kommen. Es werden zur Zeit aus dem Altreich Juden evakuiert, die nach Litzmannstadt(Lodz), aber auch nach an- deren Lagern kommen sollen, um dann später im Osten, so- weit arbeitsfähig, in Arbeitseinsatz zu kommen. Nach Sachlage bestehen keine Bedenken, wenn diejenigen Juden, die nicht arbeitsfähig sind, mit den Brackschen Hilfs- mitteln beseitigt werden. Auf diese Weise dürften dann auch die Vorgänge, wie sie sich bei den Erschießungen der Juden in Wilna.... ergeben haben, und die auch im Hinblick darauf, daß die Erschießungen öffentlich vorgenommen wurden, kaum gebilligt werden können, nicht mehr möglich sein. Die Arbeitsfähigen dagegen werden zum Arbeitseinsatz nach Osten abtransportiert. Daß bei den arbeitsfähigen Juden Männer und Frauen getrennt zu halten sind, dürfte selbst- verständlich sein.“ Dies ist das früheste bisher entdeckte Dokument, das von ständi- gen Vergasungslagern spricht, und es ist das wichtigste Glied, das die Verbindung zwischen„T4” und dem Euthanasiedienst her- stellt. Es ist bemerkenswert, daß, obwohl Brack gehenkt wurde, der Verfasser des Briefes, Dr. Ernst Wetzel, niemals vor Gericht ge- stellt werden konnte, weil er nach dem Kriege spurlos verschwun- den war, während Lohse, der am 4. Oktober die rätselhafte Anfrage gesandt hatte, auf die dieser Brief die Antwort ist, heute ein freier Mann ist(siehe S. 587). Es muß hier unterstrichen werden, daß Wetzel nicht vorschlug, die 145 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG einigermaßen primitiven Einrichtungen der Todesanstalten ein- fach nach dem Osten zu senden. Nicht die Anlagen wurden nach Osteuropa geschickt, sondern Wirth und seine Mitarbeiter, die „Krankenschwestern und Pfleger” der„Stiftung für Anstaltspflege”, denn die Ausbildung war das Wichtigste. Die grauenhaften pol- nischen Ausrottungslager waren für diese Leute nichts Neues. Wenn man das an Justizminister Gürtner im Dezember 1939 ge- sandte Schreiben des Oberlandesgerichtes Frankfurt am Main liest, könnte man glauben, man habe eine Beschreibung von Treblinka oder Auschwitz vor sich. Das Schreiben sagt, daß die Kinder von Hadamar den Omnibussen mit verhängten Fenstern nachriefen:„Da werden wieder welche vergast”, daß die Patien- ten, mit Papierhemden bekleidet, in den Gasraum geschickt wur- den, daß die Leichen auf einem laufenden Band in einen Verbren- nungsraum befördert wurden und daß der Rauch aus den Schlo- ten des Krematoriums kilometerweit sichtbar war. Abends betran- ken sich Wirths Fachleute, die von der Gestapo im Columbiahaus ausgesucht wurden, bis zur Bewußtlosigkeit in dem kleinen Gast- hof in Hadamar, wo die Stammgäste sie sorgfältig mieden 3*, Dieser und andere Proteste von Gerichten wurden durch öffent- lichere Proteste der Kirchen ergänzt— eine Möglichkeit, die Hit- ler unterschätzt hatte. Eine noch grauenhaftere Beschreibung der Vorgänge von Hadamar wurde am 16. August vom Bischof von Limburg an das Ministerium des Innern, das Justizministerium und das Ministerium für Kirchenangelegenheiten gesandt. Dieser Pro- test blieb ebenso wie frühere Proteste Kardinal Faulhabers und des evangelischen Landesbischofs von Württemberg, Theophil Wurm, zunächst unbeachtet%, hatte aber doch später eine gewisse Wirkung. Schon im Winter 1940 bat Gürtner Hitler um eine Ent- scheidung, erfuhr aber von Lammers, daß Hitler die Veröffent- lichung des Geheimerlasses nicht gestatten würde”. Es ist wahr- scheinlich, daß Hitlers persönliche Diktatur in keiner Frage deut- * Die Angestellten der Anstalten für Euthanasie wurden normalerweise durch Männer in der Uniform der Kriminalpolizei oder des SD ersetzt, aber einige wirkliche Pfleger wurden des Scheines wegen auch angestellt. So sagte die Krankenschwester Pauline Kneissler?4, daß sie am 4. Januar 1940 bei Werner Blankenberg im Gestapo-Büro im Columbiahaus vorsprechen mußte. Im März sei sie in die Anstalt in Grafeneck gesandt worden, von da in die häßliche, im„Jugendstil” erbaute Villa in Hadamar und schließ- lich nach Kaufbeuren bei Irrsee in Bayern versetzt worden, wo geistesgestörte Kinder selbst nach der Besetzung durch die Amerikaner getötet wurden, Es war die Aufgabe der Kneissler, die Patienten aus normalen Anstalten abzuholen. 146 ga jcher herat goßender Zum Schluß nitseinen; äffenliche Auschwitz Ayschwitz konnte noC obachtet W aogen Pers _|Ise Koc Ermordunc chung in( nicht sehr Wenn eS öffentliche Geltung 2 auch Hitle einem anı daß nicht dr. Fritz A Hof bei waggonie rufe auf i vir habe auf Hitler £uthanas Himmler, den, daf schrieb, dem Pro: Brack, di es besse zu erzie bis im$ !imental y Menneck Anstalt in vom Frank Mes ihm ENDLOSUNG spflege“ aften pol. ts Neues, 11 ge am Main bung von t, daß die N Fenstern pie Patien- hickt wur- Verbren- den Schlo- ds betran- mbiahaus inen Gast- den?*, rch öffent- it, die Hil- :ibung der ischof von erium und )ieser Pro- abers und Theophil je gewisse eine Ent- Veröffent- ist wahr- age deut- urch Männer ‚liche Pfleger ‚ster Pauline apo-Büro im neck gesandt und schließ- törte Kinder die Aufgabe alten ein. "den nach© eiter, die s| SECHSTES KAPITEL 1.„DIE GEMEINNÜTZIGE STIFTUNG” licher herausgefordert wurde als in dieser— in der er mit ab- stoßender Feigheit handelte. Zum Schluß siegte die öffentliche Meinung, und Hitler mußte sich mit seinen 50 000 bis 60 000 deutschen Opfern begnügen. Aber die öffentliche Meinung blieb stumm, als fast 1000000 Juden in Auschwitz vergast oder sonstwie umgebracht wurden— und Auschwitz gehörte damals zu Deutschland. Diese Erscheinung konnte noch während verspäteter Kriegsverbrecherprozesse be- obachtet werden. Die deutsche Presse schrieb viel über Prozesse gegen Personen, die angeklagt waren, Deutsche getötet zu haben — Ilse Koch zum Beispiel—, aber von den Tausenden, die an der Ermordung von Juden beteiligt waren, sind, seit die Rechtspre- chung in diesen Fällen deutschen Gerichten übertragen wurde, nicht sehr viele vor deutschen Gerichten angeklagt worden. Wenn es um die Ermordung von Deutschen ging, war das öffentliche Gewissen selbst im Jahre 1941 noch imstande, sich zur Geltung zu bringen. Himmler wurde wankend und schließlich auch Hitler. Anständigkeit und Vernunft siegten. Wenn das in einem anderen Bereich nicht der Fall war, lag der Grund darin, daß nicht genug Anständigkeit und Vernunft vorhanden waren. Dr. Fritz Mennecke berichtete, daß Hitlers Zug im Sommer 1941 in Hof bei Nürnberg aufgehalten worden sei, weil einige Irre ein- waggoniert wurden. Die Menge war so entrüstet, daß sie in Hohn- rufe auf ihren Führer ausbrach*. Ob das nun wahr ist oder nicht, wir haben die Aussage von Karl Brandt, daß er im August 1941 auf Hitlers Anordnung hin Bouhler anrief, um ihm mitzuteilen, die Euthanasieaktion sei„abzustoppen“?®, Himmler, der sich nicht immer bemühte, den Eindruck zu vermei- den, daß er ein Dutzendmensch war und der, wie Graf Ciano schrieb,„den Pulsschlag des deutschen Volkes fühlte”, war von dem Programm nie sehr begeistert. Im Dezember 1940 empfahl er Brack, die Anstalt in Grafeneck aufzulösen?, da, wie er schrieb, es besser sei, die Bevölkerung zuerst durch Filme zur Euthanasie zu erziehen. Daraufhin überredete Brack die Filmgesellschaft To- bis im Sommer 1941, den Film„Ich klage an“ zu drehen, die sen- timentale Geschichte eines Professors, der unter Anklage gestellt * Mennecke war einer der im Euthanasieplan beschäftigten„Chefärzte” und Direktor der Anstalt in Eichberg. Er starb im Mai 1947 im Gefängnis an Tuberkulose, nachdem die vom Frankfurter Schwurgericht über ihn verhängte Todesstrafe ausgesetzt worden war, um es ihm zu ermöglichen, als Zeuge im„Ärzteprozeß” zu erscheinen. 147 EEE sei DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG wird, weil er den Tod seiner jungen, unheilbar kranken Gattin beschleunigt hatte 3°, Es ist nicht klar, ob erwachsene deutsche Geisteskranke noch ge- tötet wurden, nachdem Bouhler die Aktion eingestellt hatte. Vik- tor Brack zufolge wurden nur noch geistesschwache Kinder in die Todesanstalten geschickt, wohingegen der Direktorstellvertreter von Hadamar, Alfons Klein, 1946 als Angeklagter aussagte, daß nach August 1941] noch 3000 Erwachsene getötet wurden?". 2. Die polnischen Todeslager und ihre Entwicklung Wir wissen jetzt, daß die Tätigkeit der„Gemeinnützigen Stiftung für Anstaltspflege” nach dem August 1941 keine Unterbrechung erfuhr. Die Opfer waren nicht mehr Geistesgestörte oder unheil- bar Kranke, sondern Juden. Obwohl Brack sich daran erinnerte, daß ihm Bouhler gesagt hatte, die Wohltat der Euthanasie stehe nur Deutschen zu, erscheinen jüdische Namen schon in den ersten Listen, die 1939 bei„T 4” hinterlegt worden sind. Brandt sagte aus, daß sie„für allfällige spätere Maßnahmen“ eingesandt worden wären®2, Tatsächlich wurden Juden— und einzig, weil sie Juden waren— kurz vor Hitlers Widerruf im August 1941 in die Eutha- nasieanstalten geschickt. Damals sagte der Kommandant von Buchenwald, Koch, dem Lagerarzt Waldemar Hoven, daß alle Ju- den des Lagers in die benachbarte Anstalt geschickt werden wür- den. Dr. Mennecke® traf die Auswahl, und einige Tage später wurden 300 Juden in die Anstalt in Bernburg geschafft. Hoven be- nutzte bei dieser Gelegenheit ein besonderes, als„14 F 13” be- kanntes Formular für die sachlich unbegründeten Bescheinigungen des Schwachsinns%, Der größte Teil der Aktion„14 F 13” vollzog sich im November 194] vor einer aus Dr. Mennecke, Professor Nitsche und Professor Heyde bestehenden Kommission. Am 25, November schrieb Men- necke seiner Frau aus dem Hotel„Zum Elefant“ in Weimar, daß er bei seinem zweiten Besuch in Buchenwald 1200 Juden untersucht habe®, Seine ganze Tätigkeit bestand darin, die bei der Fest- nahme dieser Juden aufgezeichneten Angaben auf die Frage- bogen zu übertragen. Die Formblätter, die Photographien und Menneckes Aufzeichnungen kamen beim Prozeß gegen ihn im November 1946 zum Vorschein. Diese Menschen wurden ledig- lich auf Grund ihrer Personalakten nach Bernburg geschickt, von 148 sense KAP der Prostitu Linken. Während d Alipp Bov keine Lage! sen VON ke in Novemk Psychiater Professor 1946 entflo! den währe: don wie NI oenheit„uf heim verge Injener Ze mondant c fuhr, daß trationslag ein Zwiscl Frage kon 1M Patien sen dorthi Der nächs und die\ Vergasunt diese We Gaskamm als schwie von den c spiel best Schwierig Versuchse dievon d Es ist wa der Anst Permane felen. Ir AITaRT Lagers z en Stiftung rbrechung ler unheil- erinnerte, asie stehe dien ersten sagte aus, pt worden sie Juden die Eutho- dant von ıB alle Ju- rden wür- ge später loven be- F 13” be- nigungen lovember Professor ieb Men- r, daß er ntersucht er Fest- - iien und ihn im n ledig- ckt, von | SECHSTES KAPITEL 2. DIE POLNISCHEN TODESLAGER UND IHRE ENTWICKLUNG der Prostituierten angefangen bis zum politischen Führer der Linken. Während des Sommers 1941 hatte Himmler nach Bracks Angaben Philipp Bouhler angewiesen, Psychiater und„neutrale Ärzte”(also keine Lagerärzte) zu beschaffen, um das Gefühlsleben von Insas- sen von Konzentrationslagern zu untersuchen%. Daraufhin kam im November eine merkwürdige Kommission nach Dachau. Die „Psychiater“ saßen an zwei Tischen im Freien. Den Vorsitz führte Professor Heyde, der nach seiner Verurteilung zum Tode im Jahre 1946 entflohen und seitdem verschollen ist. Auf diese Weise wur- den während des Besuches in Dachau Hunderte Gefangene, Ju- den wie Nichtjuden, lediglich auf Grund ihrer politischen Vergan- genheit„untersucht“. Im Januar 1942 wurden sie auf Schloß Hart- heim vergast”. In jener Zeit waren Besuche dieser Art so zahlreich, daß der Kom- mandant des Lagers Groß-Rosen von der Anstalt Bernburg er- fuhr, daß die Anstalt„in der Zwischenzeit von anderen Konzen- trationslagern beliefert werde“ und daß daher„arbeitstechnisch ein Zwischenraum notwendig” sei. Das früheste Datum, das in Frage komme, sei der 24. bzw. 26. März. Bernburg könne nur 100 Patienten auf einmal aufnehmen, und sie müßten in Omnibus- sen dorthin gebracht werden®®, Der nächste Schritt war daher, auf die falschen Bescheinigungen und die Wartelisten der Euthanasieanstalten zu verzichten und Vergasungseinrichtungen in den Lagern selbst zu schaffen. Auf diese Weise bekam schließlich jedes Konzentrationslager eine Gaskammer irgendeiner Art; deren Benutzung stellte sich jedoch als schwierig heraus. Die Dachauer Gaskammer zum Beispiel, die von den amerikanischen Besatzungsbehörden als warnendes Bei- spiel bestehen gelassen wurde, war schon beim Bau auf große Schwierigkeiten gestoßen, und ihre Verwendung war auf einige Versuchsopfer beschränkt, Juden oder russische Kriegsgefangene, die von der Münchner Gestapo dazu bestimmt worden waren?. Es ist wahrscheinlich nur ein Zufall, daß die Schwierigkeiten mit der Anstalt in Bernburg zeitlich mit der ersten Verwendung der permanenten Gaskammer in Birkenau bei Auschwitz zusammen- fielen. In Auschwitz gab es nie bürokratische Hemmnisse mit „l4F 13“. Unter der Leitung von Höss wurden die Kranken des Lagers zumindest seit dem Herbst 1941 umgebracht(siehe S. 129). 149 ar age. 4 1 f i 1 j if ru EEE TECH DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Soweit es sich um Juden handelte, war es nicht nötig, sie als geistesgestört oder unheilbar erklären zu lassen. Sie wurden 1940 und 1941 nach ihrer Ankunft in die Strafkompanie gesteckt, und wenn sie nach zehn Tagen noch am Leben waren, wurden sie in Gruppen von fünfzig in den Stacheldraht getrieben und„auf der Flucht“ erschossen. In anderen Lagern jedoch wurde das Formular„14 F 13” noch für Einzelfälle verwendet. Morgen stellte das im Juli 1943 und viel- leicht noch später fest, obwohl Himmler am 27. März angeordnet hatte, daß in Zukunft nur noch geisteskranke Häftlinge für„die Aktion ausgemustert” werden dürften%, Morgen fand, daß Heyde noch immer seine„psychiatrischen“ Kommissionen in Buchenwald leitete, aber die Spur führte schließlich zu Philipp Bouhler, einer „hochgestellten, mit dem Führer in direkter Verbindung stehenden Quelle”, der Morgen auf Anweisung auswich®'. Wenige Wochen darauf begegnete Morgen wieder BouhlersSpur, und zwar in Wirths Briefwechsel in Lublin#2. Es scheint, daß Bouh- ler noch immer die„Krankenschwestern und Pfleger” in Polen im Auge behielt. Sie blieben seine Angestellten— im Hinblick auf die mögliche Wiederaufnahme des Euthanasieprogramms nach dem Krieg. Zweimal ist Personal aus den Euthanasieanstalten nach Polen ver- setzt worden. Die erste Versetzung wurde in einem Brief von Fritz Mennecke an seine Frau am 12. Januar 1942 wie folgt be- schrieben: „Seit vorgestern ist eine große Abordnung unserer Aktion unter Führung von Herrn Brack im Kampfgebiet des Ostens, um an der Bergung von Verwundeten in Eis und Schnee zu helfen. Es sind Ärzte, Bürokräfte, Hadamar- und Sonnenstein- Pfleger und-Pflegerinnen dabei, ein ganzes Kommando von 20—30 Personen! Das ist streng geheim! Nur diejenigen, die zur Durchführung der dringendsten Arbeiten unserer Aktion nicht entbehrt werden können, sind nicht mitgenommen. Pro- fessor Nitsche... bedauerte ganz besonders, daß uns... da- durch Aushilfspfleger und-pflegerinnen so schnell wieder weggenommen worden seien#.“ Die zweite Versetzung wird in einem Brief von Viktor Brack an Himmler vom 23. Juni erwähnt, als er aus Polen auf Urlaub war, um an Heydrichs Begräbnis teilzunehmen*: 150 gone KAT |„Ich hat Reichsle gobe sc Verrügt habe ic Dies also W Sannenstein hafen“ Ilm of ein plur tn Anklage Columbiahe feigesprod demSchwur 1a von H order Fach yegen seir und seine uusgelader zu zertrüm auch von Gefreite J ter Schwur seiner Eut und das( Hirtreide suchung d Verschwe Viktor Bre merskis uı enthalten ‚m. prog) Werd habe die\ Tenz nach Glo fan tig, sie als urden 199 rden sie in Id ‚auf der P° noch für B und viel. Angeordnet de für„die| daß Heydı Juchenwald hler, einer stehenden hlers Spur, daß Bouh- n Polen im lick auf die nach dem Polen ver- Brief von e folgt be- rer Aktion les Ostens, Schnee zu nnenstein-|| ando von| nigen, die| rer Aktion| men. Pro- ins... da- || wieder Brack an Iaub war, ENDLOsy I ING|} SECHSTES KAPITEL 2. DIE POLNISCHEN TODESLAGER UND IHRE ENTWICKLUNG steckt, ung „Ich habe dem Brigadeführer Globocnik auf Anweisung von Reichsleiter Bouhler für die Durchführung seiner Sonderauf- gabe schon vor längerer Zeit einen Teil meiner Männer zur Verfügung gestellt. Auf Grund einer erneuten Bitte von ihm habe ich nun weiteres Personal abgestellt.” Dies also war die Art und Weise, wie die Männer von Hadamar, Sonnenstein und Eichberg„den Verwundeten in Eis und Schnee halfen”! Im deutschen Hadamar-Prozeß im Jahre 1947 in Frankfurt saß ein plumper Mann namens Hubert Gomerski auf der überfüll- ten Anklagebank. Als einfacher Heizer im Krematorium, der vom Columbiahaus an seinen Posten gestellt worden war, wurde er freigesprochen. Im August 1950 jedoch stand Gomerski wieder vor dem Schwurgericht, wo ihm nachgewiesen wurde, daß er im Januar 1942 von Hadamar nach Lublin gegangen war. Zum Schluß wurde er der Fachmann für Erschießungen im Todeslager Sobibor. Er war wegen seiner Erfahrung mit Kranken als„der Doktor” bekannt, und seine Spezialität war es, den Halbtoten, die aus den Zügen ausgeladen wurden, mit einer eisernen Wasserkanne die Schädel zu zertrümmern*. Ein anderer dieser„Ärzte” von Treblinka, der auch von Wirth in Hadamar ausgebildet worden war, war der Gefreite Josef Hirtreiter, dessen Verschulden 1950 vom Frankfur- ter Schwurgericht nachgewiesen worden ist. Auch er war wegen seiner Euthanasie-Tätigkeit im Jahre 1947 angeklagt gewesen, und das Gericht hatte nicht herausgefunden, daß er mit jenem „Hirtreider“ identisch war, der in der polnischen Treblinka-Unter- suchung des Jahres 1945 als Spezialist im Töten von Kindern ohne Verschwendung von Munition genannt worden war®. Viktor Bracks Erklärung der Funktion seiner verschiedenen Go- merskis und Hirtreiter ist in einer seiner eigenen Prozeßaussagen enthalten°: „Im Jahre 1941 erhielt ich mündlich Befehl, das Euthanasie- programm einzustellen... Um das durch die Einstellung frei werdende Personal! zu erhalten und um die Möglichkeit zu haben, nach dem Kriege ein neues Euthanasieprogramm in die Wege zu leiten, forderte mich Bouhler nach einer Konfe- renz mit Himmler— wie ich glaube— auf, dieses Personal nach Lublin abzustellen, zur Verfügung des Brigadeführers Globocnik... Später jedoch, Ende 1942 oder Anfang 1943, fand ich heraus, daß diese Leute bei der Massenvernichtung 151 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG der Juden mitverwendet wurden, die damals bereits in höhe- ren Parteikreisen allgemein bekannt war.” Auf Befragen seines Verteidigers in Nürnberg erklärte Brack*, daß weder er noch Bouhler eine Ahnung von der eigentlichen Auf- gabe Globocniks,„dieses Leiters der gesamten Judenvernichtung im Osten“, gehabt hätten. Erst zur Zeit seines zweiten Ersuchens habe Globocnik sich Bouhler anvertraut. Bouhler habe protestiert, daß, wenn seine Leute an einer so„unfaßlichen Aufgabe” arbei- teten, sie in Zukunft für die Durchführung der Euthanasie nicht ver- wendbar sein würden. Globocnik habe Bouhler mit der Versiche- rung beruhigt, seine Unschuldsengel würden„ausschließlich als Aufsichtspersonal in den Arbeitslagern” eingesetzt werden*. Trotzdem hatte Brack Monate vor der Versetzung seines Perso- nals zu Globocnik mit Vorschlägen für die Schaffung von Todes- lagern im Osten zu tun. Die Einrichtungen, die er laut Wetzels Brief vom 25. Oktober 1941 50 für Eichmann in Riga und Minsk zu installieren bereit war, waren wahrscheinlich fahrbare Gaskam- mern. Eine solche war einen Monat früher Blobels Ausrottungs- kommando in der Ukraine zugeteilt worden. Sie wurden nicht nach Riga und Minsk gesandt, weil sie woanders gebraucht wur- den. Es ist nicht sicher, ob die erste ständige Einrichtung dieser Art in der Nähe von Lodz geschaffen worden ist, wo die ersten Deportierten aus dem Reich angesiedelt worden waren, oder beim Lager Semlin, wohin man die Bewohner des Belgrader Ghettos evakuiert hatte(siehe S. 411). Alles deutet daraufhin, daß die fahr- baren Gaskammern sowohl in Chelmno als auch in Semlin vor Ende 1941 in Gebrauch gewesen sind. Wirth hatte jedenfalls mit der Gründung dieser Einrichtung in Chelmno zu tun, denn er war bereits in Polen. Laut Aussage des Dr. Gorgass, eines alten Kollegen aus Hadamar, war Wirth von der„Stiftung“ im Sommer jenes Jahres entsandt worden, um eine Anstalt bei Lublin zu gründen, ein Plan, dessen Ausführung zu- sammen mit der von Himmlers Plan für das Konzentrationslager Lublin verschoben wurde(siehe$. 330)”. * Ein Angestellter von Hadamor, der Heizer Klier, wurde 1950 von der Anklage des Mordes freigesprochen; er war als eine Art Aufseher im Sortierlager in Sobibor an- gestellt gewesen, wo er nichts mit den Vergasungen zu tun hatte. Eine gewisse Anzahl Euthanasiepersonal wurde zweifellos für diese— nur relativ gesehen— unschuldige Rolle ausgewählt, einfach, weil die Arbeit nicht Leuten anvertraut werden konnte, die nicht auf tägliche Ausrottungen geeicht waren*. 152 1 gcnsres KAP muß best geräumter Ennyölkerun haben, eine von dem e5 „Chelmno Berlin und nen. Wie «orünglich| Mai 1942 vor, 35000 Chelmno z & gab jed Futhanasie\ vöhlte, all lein. Die: onstalten- ichtet wer n den Kel behauptekt mandos, d eines Teile eingeäscht Gestapobı eine alte L Leben erw als seine| führer Blo der Masse Pharaonı Hobel be einen„au ober Hös dessen er 1amit ver diese Mel Stelle Eich erschwir enmüh | SECHSTES KAPITEL 2. DIE POLNISCHEN TODESLAGER UND IHRE ENTWICKLUNG |\ Es muß bestimmt eine gewisse Ähnlichkeit zwischen Wirths„alter, geräumter Anstalt“ in Brandenburg und dem Ort, der für die ENDLOSUNg in haha, R 'e Brack# Entvölkerung des Lodzer Ghettos erwählt worden war, bestanden tlichen Aut haben, einem alten, unter dem Namen„Palast“ bekannten Schloß, enichtung von dem es eine unglaublich schaurige Photographie gibt. Es war Ersuchens in Chelmno unweit der direkten Eisenbahnlinie Warschau-Posen- Protestiert Berlin und wurde im Dezember 1941 zuerst in Benutzung genom- be” arbei men. Wie die gleichen Anstalten in Deutschland war diese ur- nicht ver. sprünglich für die Tötung von unheilbar Kranken bestimmt. Am r Versiche. 1. Mai 1942 schlug Gauleiter Arthur Greiser zum Beispiel Himmler ließlich ok vor, 35000 tuberkulöse polnische Einwohner seines Gaues nach brden*. Chelmno zur„Sonderbehandlung” zu schicken 32. ines Perso- Es gab jedoch in Chelmno eine Neuerung, die man in den alten von Todes. Euthanasieonstalten nicht fand. Der aus der„Stiftung“ ausge- ut Wetzel wählte, als„Kommando Botmann” bekannte Stab, war ganz d Minsk zu klein. Die schwere Arbeit— viel schwerer als in den Euthanasie- b-Gaxkar anstalten— mußte von den Patienten selbst vor ihrem Tod ver- usroftungs- richtet werden, denn die stärkeren Juden durften einige Wochen rden hidn in den Kellern des„Palastes” leben 5?. Wie wir gesehen haben, ucht behauptete Wirth, daß der Gedanke eines jüdischen Sonderkom- ung dieser mandos, das, im Besitze der Geheimnisse der Toten— und auch dpa eines Teiles ihres Goldes—, von seinem Nachfolger vergast und oder beir eingeäschert wurde, ‚seinem Kopf entsprungen war. Aber der a Gestapobeamte Willi Höfttl sagte, Heydrich selbst habe damit ß die fahr. eine alte Legende aus der Zeit der Pharaonengräber wieder zum en Leben erweckt. Heydrich hielt jedenfalls mehr auf Heimlichkeit ä als seine Untergebenen. Kurz vor seinem Tode schuf er SS-Ober- r führer Blobels Organisation, die den Auftrag hatte, alle Spuren BR der Massengräber zu verwischen, und in Chelmno, dem ersten der en des„Pharaonengräber”, hat Blobel seine Arbeit begonnen°. Wirth I Blobel beschrieb im Verhör in Nürnberg diesen Ort voll Takt als " DiHOI einen„aufgelassenen jüdischen Friedhof in der Nähe von Lodz“, hrung ZU aber Höss besuchte Blobel in Chelmno am 17. September, um ionslager dessen erfolglose Versuche, die Massengräber mit Hilfe von Dy- namit verschwinden zu lassen, zu beobachten. Man hatte sich für Anklage des diese Methode entschieden, weil Himmler Blobel durch die Dienst- Sobibor an- stelle Eichmann den Befehl erteilt hatte, auch die Asche der Toten re verschwinden zu lassen. Blobel verwendete außerdem eine Kno- konnte, die chenmühle, und auf seinen fachmännischen Rat bestellte Höss für 153 Ta ER ne } } h ; x DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Auschwitz von der Firma Schriever A.G. in Hannover eine ähn- liche Einrichtung%. Nach seiner Rückkehr benutzte Höss weiter ein geschlossenes Krematorium in Birkenau, weil die Leichen im Freien nur langsam und unregelmäßig verbrannten und weil er den fürchterlichen Leichengeruch von der nächsten Gruppe von Opfern fernhalten wollte. Inzwischen hatte Blobel die Methode aufgegriffen, die er später im Todeslager Treblinka und für die ungeheuren Massen- gräber außerhalb der russischen Großstädte einführte, nämlich ungeheure Scheiterhaufen, die aus eisernen Schienen und hölzer- nen Eisenbahnschwellen bestanden. Höss hingegen verlangte noch größere und besser ausgestattete Krematorien, fand jedoch im Zuge des unbeschreiblichen Sommerprogramms des Jahres 1944, daß mit Benzin gefüllte Gräben die beste Methode seien, um sich Tausender Leichen schnell zu entledigen(s.$. 486). Diese Methode erwies sich als so erfolgreich, daß sie schließlich dazu verwendet wurde, um Hitlers Leiche verschwinden zu lassen. Blobels Verbindung mit Chelmno, dem ersten Todeslager, muß bis zu dessen Ursprung zurückgehen, denn eine fahrbare Gas- kammer der Sorte, wie sie in Chelmno verwendet wurde, wurde laut seinem eigenen Eingeständnis schon im September 1941 sei- nem Kommando in der Ukraine zugeteilt”. Blobel blieb bis zum Ende ein vertrauter Freund Eichmanns und seines Gehilfen Wisli- ceny, der Dr. Kastner erzählte, daß Eichmann Blobel im Herbst 1941 beauftragt habe, eine Gaskammer zu entwerfen. Diese Ge- schichte stammt zwar von dritter Hand, stimmt aber mit vielen bekannten Tatsachen überein. Es ist auch bemerkenswert, wie Höss Blobels Anweisungen nach seinem Besuch in Chelmno auf- zeichnete. Blobel war ein Architekt aus Düsseldorf, ein Trunken- bold, über den nicht einmal seine Mitangeklagten 1948 etwas Gutes zu sagen wußten. So saß er während des langen„Einsatz- gruppen-Prozesses”, ein blonder, bärtiger Irrer mit blutunterlau- fenen Augen. Er war einer der sieben Landsberger„Rotjacken“, die am 8. Juni 1951 hingerichtet wurden— so spät, daß sie für die Neonazis Helden und Märtyrer werden konnten®®. Diese fahrbaren Gaskammern von Chelmno wurden vom„Palast” zu den Massengräbern in den Wäldern gebracht und töteten ihre Menschenfracht mit den eigenen Auspuffgasen unterwegs. Es war einfach, aber nicht sehr wirksam. SS-Hauptsturmführer Botmann 154 } gchstB KAr sogle Höss sicht töfe ü in februct wurden di dalmatien gngeiner Shettoau wurde nac süfe in W Wir besitz mern AUS r cus den B hauptamte nutzt wOTC fihrer Dr. Firma Sauf haft warer ‚Die! über Trotz« man f linge ten, Die Um d rer d zu Ex sehe erget schne zerrig wurd Die Unw Grauen| Vergleid Yurde, nd Sündige Iestopft Belzer, ü ENDLOSUNG 4 : KAPITEL 2. DIE POLNISCHEN TODESLAGER UND IHRE ENTWICKLUNG Eine äh. N. sagte Höss, daß der Gasdruck unregelmäßig sei und manchmal nicht töte°?, was auch von einem Juden bestätigt worden ist, der im Februar 1942 dem Sonderkommando entflohen war. Und doch FChlosseng- | "longsen wurden die gleichen Wagen nach Botmanns Rückberufung aus Chterliche Dalmatien im Jahre 1944 noch verwendet°. In der Zwischenzeit fernhalke ging einer dieser„S-Wagen“(Spezialwagen), die den Spitznamen 'en, die er„Ghettoautobusse”“ trugen, höchst peinlicherweise verloren und = Massen wurde nach einem scharfen Briefwechsel in einer Reparaturwerk- ®, nämlich stätte in Warthebrücken wiedergefunden®', nd hölzer. Wir besitzen mehr Informationen über diese fahrbaren Gaskam- verlangte mern aus russischen Quellen, aus Otto Ohlendorfs Aussagen und nd jedoch aus den Briefen der Kraftwagenabteilung des Reichssicherheits- Res Jahres hauptamtes, da sie in Rußland nach dem Frühjahr 1942 viel be- Iode seien, nutzt worden sind. Es geht aus dem Bericht von SS-Untersturm- 486). Diese führer Dr. Becker aus Kiew vom 16. Mai hervor, daß die von der Blich dazu Firma Saurer in Berlin erzeugten Wagen noch immer sehr fehler- pissen. haft waren 2: ager, muß„Die Männer(des Sonderkommandos) beklagten sich bei mir bare Gos- über Kopfschmerzen, die nach jeder Ausladung auftreten. rde, wurde Trotzdem will man von der Anwendung nicht abgehen, weil er 1941 seı- man fürchtet, daß die für die Arbeit herangezogenen Häft- eb bis zum| linge einen günstigen Augenblick zur Flucht benützen könn- ilfen Wisli-| ten. im Herbst Die Vergasung wird durchweg nicht richtig vorgenommen. Diese Ge- Um die Aktion möglichst schnell zu beenden, geben die Fah- mit vielen rer durchweg Vollgas. Durch diese Maßnahme erleiden die swert, wie| zu Exekutierenden den Erstickungstod und nicht, wie vorge- elmno auf-| sehen, den Einschläferungstod. Meine Anleitungen haben nun 1 Trunken- ergeben, daß bei richtiger Einstellung der Hebel der Tod 948 etwas| schneller eintritt und die Häftlinge friedlich einschlafen. Ver- n„Einsatz-| zerrte Gesichter und Ausscheidungen, wie sie vorher gesehen ytunterlau- wurden, konnten nicht mehr bemerkt werden.” otiacken,_ Die Unwirksamkeit der fahrbaren Gaskammern rief genügend sie fürdie| Grauen hervor, aber es scheint ein Nichts gewesen zu sein im "Vergleich mit dem, was geschah, als der nächste Schritt versucht m ‚Palast' wurde, nämlich die Zuführung von Motorabgasen in eine Gruppe stefen ihre| ständiger Kammern, von denen jede mit Hunderten Menschen voll- gs, Es war" gestopft war. Die erste von ihnen, die Vergasungseinrichtung in " Bofmann Belzec, die für die Lubliner Umsiedlung am 16. März 1942(siehe 155 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG 5.283) fertig sein sollte, versagte ununterbrochen. Man ließ die Deportierten tagelang in den Transferstellen, wo sie im Freien hockten, nackt, ohne Nahrung und Wasser. Manchmal wurden sie in geschlossenen Güterwagen auf den Seitengleisen stehen- gelassen, wo sie erstickten. Der Bericht darüber, der im Februar 1943 von einem Kurier der polnischen Auslandsregierung nach London gebracht worden war, kann nicht mit einer Handbewegung abgetan werden. Er muß zumindest mit den Tatsachen, die von einem deutschen Gericht im August 1950 als erwiesen erachtet wurden, verglichen werden, daß nämlich in einem Fall der Ver- gasungsmotor in Sobibor drei Tage lang nicht funktionierte und daß ein ganzer Transport unter diesen Umständen warten mußte, bis die noch Überlebenden vergast werden konnten°%. Zwischen Mai und Juni 1942 war Belzec sechs Wochen außer Be- trieb 5, und im Juli wurden dort nur die Insassen von zwei Trans- porten wöchentlich umgebracht°. Im November— oder ein wenig später— wurde Belzec endgültig außer Betrieb gesetzt, aber das jüdische Sonderkommando war bis zum Juni des folgenden Jahres damit beschäftigt, die Spuren der Massengräber zu ver- wischen. Merkwürdigerweise geschah all dies wenige Meter entfernt von der Eisenbahnlinie von Lemberg nach Lublin, wo im April 1943 ein jüdischer Arzt, der später nach der Schweiz entfloh, den pene- tranten Leichengeruch, der durch die Exhumierungen hervor- gerufen worden war, bemerkte, als sein Zug an dieser Stelle vor- beifuhr 6. Trotzdem waren die wildesten Gerüchte über Belzec im Umlauf. Dr. Guerin hörte in einem nur 30 Kilometer entfernten Kriegsgefangenenlager die wenig wahrscheinliche Erklärung, daß die Juden mittels eines durch Wasser geleiteten elektrischen Stro- mes getötet würden, und dieser Bericht fand im November 1942 seinen Weg nach London®. Erst nach dem Krieg beschrieb ein Überlebender den elenden Dieselmotor, der das Kohlenmonoxyd lieferte. Es war Rudolf Reder, ehemaliger Direktor einer Seifen- fabrik in Lemberg, der als Sechzigjähriger seinLeben der Tatsache verdankte, daß er den Dampfbagger des Lagers bedienen konnte”. Reder sah in einem Falle, wie die Opfer stundenlang in der Gas- kammer eingesperrt waren, während Anstrengungen gemacht wurden, den Dieselmotor anzulassen. Die gleiche Szene wurde von dem deutschen Gasfachmann Kurt Gerstein beschrieben, der 156 Gaskamm Panzer UN ind diese nicht rech die sie be Eugen Ko Juli aus© war, daß heim We Wachen Goskamr drei ode: möglich 310000. deren G groß, in verließe dem ver * Dies wir die Ende ı szowski, de m März] bestätigte woren Unc Plon für d Andererse doß es eiı Es ist schı en, aber Geporlier ausgeroft (er neue Dompfkaı resiensta Bau des Im Juli 2 andbewe un pchen, En 'esen erachtet ' Fall der Ver. 'ktionierte und Ehen außer Be- on zwei Trans- oder ein wenig gesetzt”, aber des folgenden gräber zu ver- er enifernt von im April 1943 floh, den pene- ungen hervor- eser Stelle vor- über Belzec im ster entfernten Erklärung, daß ‚ktrischen Stro- lovember 1942 beschrieb ein Jhlenmonoxyd - einer Seifen- n der Tatsache enen konnte”, ıg in der Gas- ıgen gemacht Szene wurde schrieben, der R SECHSTES KAPITEL 2. DIE POLNISCHEN TODESLAGER UND IHRE ENTWICKLUNG Belzec am 20. August, wenige Tage nach Reders Ankunft, besuchte (siehe$. 170, 298). Es dauerte zwei und eine Dreiviertelstunde, ehe der Motor angelassen werden konnte, und während dieser gan- zen Zeit konnte man das Stöhnen aus den vier Gaskammern hören, in denen sich je 750 Menschen befanden’!. In dem 80 Kilometer von Warschau entfernten Todeslager Treb- linka ist eine andere Methode angewendet worden. Die kleinen Gaskammern wurden einzeln von Motoren eroberter russischer Panzer und Lastkraftwagen mit Gas gefüllt. Offenkundigerweise sind diese Gaskammern, deren Bau im Juni 1942 begonnen wurde, nicht rechtzeitig für die Liquidierung des Warschauer Ghettos, für die sie bestimmt waren, fertiggeworden*. Eugen Kogon erfuhr in Buchenwald von einem Mann, der Ende Juli aus dem Ghetto in Kielce nach Treblinka deportiert worden war, daß die Menschen beim Aussteigen aus den Zügen oder beim Warten in dem als Lazarett bekannten Lagerteil von den Wachen mit Maschinengewehren niedergemäht wurden’’. Die Gaskammern begannen anscheinend erst zu arbeiten, als er schon drei oder vier Wochen in Treblinka war. Es wäre ohnehin un- möglich gewesen, die Mehrzahl der aus Warschau deportierten 310000 Juden’® zusammen mit einer unbekannten Zahl aus an- deren Ghettos in drei Gaskammern, jede fünf mal fünf Meter groß, in nur 75 Arbeitstagen zu vergasen’?. An manchen Tagen verließen 10000 Menschen den Sammelpunkt in Warschau mit dem vermutlichen Bestimmungsort Treblinka. Es muß daher ein * Dies wird auch durch die Angaben von Yankiel Wiernik und Stanislaw Kon bestätigt, die Ende August nach Treblinka deportiert worden waren, sowie durch Sawek War- szawski, der im Massengrab lag und für tot gehalten wurde, aber am Leben blieb und im März 1951 bei einem Prozeß in Frankfurt Hirtreiter erkannte’2. Höss aus Auschwitz. bestätigte dies, als er sagte, daß der Tank und die Motoren oft nicht in Ordnung waren und daß„es unmöglich war, den Internierten die Behandlung zu geben, die im Plan für die Leerung des Warschauer Ghettos vorgesehen war”?, Andererseits liegt auch die Feststellung der polnischen Untersuchungskommission vor, daß es eine„Dampfausrottungskammer” gab, die schon Ende April fertiggestellt war’?®. Es ist schwer vorstellbar, daß Menschen mit Hilfe von Dampf ausgerottet werden konn- ten, aber es scheint, daß es zu dieser Zeit ein Barackenlager für aus der Slowakei deportierte jüdische Familien in Treblinka gab(siehe Seite 441), daß diese Gruppe ausgerottet wurde und daß Wiernik sah, wie Teile der Baracken 1942—43 für den Bau der neven Gaskammern verwendet wurden”. Am 28. April 1942, also zur Zeit der Dampfkammer, kam auch eine für Warschau bestimmte Zugladung von Juden aus The- resienstadt an. Die 300 jungen Leute aus diesem Transport wurden verschont, um am Bau des zukünftigen Todeslagers Treblinka zu arbeiten, und einige von ihnen wurden im Juli 1944, als die Russen Warschau erreichten, lebend in Rembartov aufgefunden’®. 12 157 N DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG erheblicher Anteil in den Zügen gestorben sein. Die Zeugen Wier- nik und Rajzman verließen Warschau unter gerade noch erträg- lichen Bedingungen, achtzig Personen in einem geschlossenen Güterwagen. Dies muß die Ausnahme gewesen sein, denn beide sahen Züge aus Orten ankommen, die nicht weiter als 150 Kilo- meter entfernt waren; achtzig oder neunzig v.H. der Insassen dieser Züge waren tot®°, Die Geschichten von Transporten nackter Menschen und Leichen- transporten scheinen mit dem neuerlichen Einsetzen der Ausrot- tungen in Treblinka im März 1943 zu enden, als einige Transporte aus Wien und Luxemburg in Personenwagen ankamen. Die Deut- schen stellten sogar ärztliche Hilfe für die Reise und— wenn man Baldur von Schirach Glauben schenken kann— Milch für die Kinder zur Verfügung®!. Der Hof, in dem die Kranken getötet wurden, hatte ein Gebäude, das als Wartezimmer eines Kranken- hauses getarnt war, und das Nebengleis beim Lager war mit einem„Potemkinschen“ Bahnhof mit Fahrplänen und Reklamen versehen. Da Treblinka zu dieser Zeit dreizehn Gaskammern hatte, dürften die Hinrichtungen etwas weniger unmenschlich vor sich gegangen sein?. Diese vier polnischen Lager waren nur als Ausrottungszentren ge- plant, aber zu Beginn des Jahres 1943 beschäftigten sie schon so viele Juden beim Aussortieren von Beute sowie beim Exhumieren oder Verbrennen von Leichen, daß sie von den anderen jüdischen Arbeitslagern der SS kaum zu unterscheiden waren. Auf diese Weise hörten sie auf,„Pharaonengräber” zu sein, und ihr Geheim- nis kam zu Tage. Denn da die Todestransporte abnahmen, mußte die Regel, daß außer den Zugführern Wirths und einigen gelern- ten Arbeitern, wie dem Tischler Wiernik, die Sonderkommandos nur wenige Wochen am Leben bleiben durften, gemildert werden. Als die Ausrottungen wieder einsetzten, hörte der Stab des Ein- satzes Reinhard auf, sich viel um Geheimhaltung zu kümmern. So begegnete Professor Robert Levy in Auschwitz einem dreizehn- jährigen Jungen aus Luxemburg, dem es, nachdem er monatelang die unaussprechlich furchtbarste Arbeit im Begräbniskommando in Treblinka geleistet hatte, gestattet wurde, sich in ein Bergarbei- terlager zu melden 8, Während des Warschauer Aufstandes und später wurden in Treblinka regelmäßige Selektionen für Arbeits- 158 echtes jager% Holland In Sobik er voF, zur Um den®. mußten daß frc obachtt Todeslı genaus Diese( der po soweit wurde setzun! daß„c Hirtrei Drohu Lagerl Neube keit d Erklär mand dieser die ei Ausch desse sehr uns® Glob ließe in di auf, hieri jüdis habı konı uneı 1% ENDLOSUNG 3 PEN erträg. Ehlossenen jenn beide B 150 Kilo. T Insassen dLeichen- er Ausrof- fansporte Die Deut Wenn man h für die en gefötet b Kranken- T war mit Reklamen skammern schlich vor entren ge- > schon so xhumieren jüdischen Auf diese r Geheim- en, mußte >n gelern- mmandos gemildert ‚ des Ein- mern. 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Als Gefreiter Hirtreiter um Ver- setzung aus Treblinka bat, sagte ihm Hauptsturmführer Stänge, daß„der Kreis der Wissenden nicht vergrößert werden solle”, und Hirtreiter verstand die in diesem Satz enthaltene Drohung®®, eine Drohung, die das völlige Verschwinden von Wirth und seinen vier Lagerkommandanten, der Hauptsturmführer Botmann, Stänge, Neubauer und Tomalla, vielleicht eher erklärt als die Notwendig- keit der Diskretion nach dem Kriege. Sie ist vielleicht auch die Erklärung für die Tatsache, daß nur fünf Leute aus Wirths Kom- mando identifiziert und vor Gericht gestellt werden konnten. In diesem Zusammenhang muß man sich an die Bemerkung erinnern, die einer dieser Verschwundenen, der Leiter des Krematoriums in Auschwitz, Mußfeld, zu Dr. Nyiszli und den anderen Sklaven in dessen Begleitung machte:„Guten Abend, Kinder, Ihr werdet alle sehr bald umgebracht werden, aber dann kommt die Reihe an Unser Globocnik, Wirth und die Offiziere vom Einsatz Reinhard ver- ließen sich auf die Verschwiegenheit ihrer Leute, und sie wurden in dieser Erwartung nicht enttäuscht. Sie verließen sich auch dar- auf, daß ihre jüdischen Sklaven nicht entkommen würden— aber hierin irrten sie. Von Anfang an hatte das System Lücken. Die jüdischen„Gruppenführer”, von denen Wirth Morgen sagte, er habe ihnen„ein finanzielles Interesse am Leichenraub“ gegeben, konnten nicht wie die anderen Sklaven erledigt werden. Sie waren unersetzlich geworden. Wenn auch Morgens Geschichte unwahr- 12* 159 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG scheinlich klingt, wird sie doch durch die Aussage von Samuel Gringauz, einem Richter aus Memel und Überlebenden aus dem Kownoer Ghetto, bestätigt. Er sagte aus, daß der jüdische Zug- führer Liptzy so viele Juwelen von den Hinrichtungen auf Fort Nr. 9 erbeutete, daß er in der Lage war, die Gestapo zwei Jahre lang zu bestechen”. Die Führer des Aufstandes in Treblinka und Sobibor konzentrierten sich darauf, die ukrainische Miliz zu be- stechen— ein viel einfacheres Problem, denn die Milizleute waren undiszipliniert, dem Trunk ergeben und bestechlich, eine wahre Achillesferse der Deutschen. Nach August 1943 gab es einen weiteren Umstand, der die Todes- lager für die Deutschen sehr gefährlich machte. Die Vergasungen hörten auf. Die Gruppen arbeitender Juden konnten nicht mehr aus neuen Transporten ergänzt werden, obwohl mehr Arbeits- kräfte für das ungeheure Exhumierungsprogramm nötig waren. Exhumierungen hatten in Treblinka schon im März 1943 begon- nen, dem Monat der„Katyn“-Enthüllungen, als Goebbels den politischen Wert eines Massengrabes polnischer Offiziere ent- deckte. Diese Inspiration— wie die meisten, die Goebbels hatte— kam im falschen Augenblick, da die Russen gerade in ein Gebiet voller Massengräber vorstießen. Am 29. September, zwei Tage, nachdem die Russen Katyn zurückerobert hatten, schrieb Goeb- bels in sein Tagebuch, er fürchte, die Russen würden„ihr Bestreben darein setzen, möglichst viele solcher Massengräber ausfindig zu machen, um sie uns in die Schuhe zu schieben“?!. Himmler war gezwungen, eine große Exhumierungs- und Verbrennungsaktion unter Leitung von SS-Oberführer Paul Blobel und„Kommando 1005“ von Charkow und Smolensk bis zur deutschen Grenze an- zuordnen??. Laut Wierniks Angaben mußten die Deutschen die rauchenden Scheiterhaufen in Treblinka vor niedrig fliegenden russischen Flugzeugen tarnen. Die Führer des Aufstandes in Treblinka am 2. September 1943 waren der ehemalige Hauptmann der polnischen Armee Dr. Lei- chert und der Bauingenieur Dr. Galewski, dem die Deutschen so vertraut hatten, daß sie ihn über ein Jahr am Leben ließen und zum Judenältesten des Lagers machten. Die Juden drangen in die Waffenkammer ein und kamen in den Besitz von Waffen, aber leider wurde der Alarm im falschen Augenblick gegeben. Es hätte losgehen sollen, als gerade ein Zug mit polnischen Gefangenen 160 jet, und Nam schauer im Nove wor, In ausgelö Gebiet In Sobik weißrus August tionsfab es, sele gewese Pieczer. der—, dreißig Stellver beschüt schen, tötet w in Ihre Im No\ löscht ı gabes Iagern diese aufzuc nach A lager daß m lager Ihren und v (siehe KOSUNG pamuel 5 dem . Zug. f Fort | Jahre ka und ZU be- Waren wahre Todes- Sungen t mehr Arbeits- waren. begon- s den re ent- atte— Gebiet | Tage, Goeb- treben dig zu er war ‚aktion mando ze an- en die enden r 1943 r. Lei- tschen ‚n und in die ‚ aber ‚ hätte genen SECHSTES KAPITEL 2. DIE POLNISCHEN TODESLAGER UND IHRE ENTWICKLUNG auf der Rückfahrt von den Steinbrüchen— einer von Himmlers geschäftlichen Unternehmungen— nach„Treblinka I” am Lager vorbeifuhr. Die meisten der Rebellen wurden daher abgeschlach- tet, und von denen, die entikamen, waren zu Kriegsende nur mehr 40 am Leben. Vierzehn von ihnen wurden 1945 vor einem War- schauer Gericht verhört*. Aber die Deutschen hatten genug”*, und im November wurde das Lager, oder was noch von ihm übrig war, in die Luft gesprengt, die Spuren der Massengräber wurden ausgelöscht, alles wurde dem Erdboden gleichgemacht, und das Gebiet wurde mit Kiefern bepflanzt°. In Sobibor brach die Meuterei am 14. Oktober 1943 aus. Einige weißrussische jüdische Partisanen hatten die Vergasungen des August überlebt— hier, in dem Lager, das Himmler in eine Muni- tionsfabrik umwandeln wollte. Ihr Führer Saszka Pieczerski, hieß es, sei ein„Politruk”, ein politischer Kommissar der Roten Armee, gewesen. An jenem Tag brachen etwa 150 der 600 Juden unter Pieczerskis Führung in Sobibor aus— Polen, Russen und Hollän- der—, aber nur wenige kamen durch das Minenfeld. Nur von dreißig wissen wir, daß sie den Krieg überlebt haben. Pieczerskis tellvertreter, Leon Feldhandler, wurde von russischen Partisanen beschützt, ist aber im April 1945 von einer Gruppe, die der polni- schen„Arma Krajowa“”(Heimatarmee) angeschlossen war, ge- tötet worden%. Einige wenige der holländischen Juden kehrten in ihre Heimat zurück(siehe$. 382). Im November 1943, als die letzten Spuren der Todeslager ausge- löscht und Wirths Leute an die adriatische Küste verbannt waren, gab es noch Hunderttausende Juden in Polen, entweder in Arbeits- lagern oder in Verstecken, aber die Aufstände bewogen Himmler, diese Hinrichtungsmethode zumindest im Generalgouvernement aufzugeben; Opfer aus Westpolen wurden allerdings noch immer nach Auschwitz geschickt, und im Februar 1944 wurde das Todes- lager Chelmno wieder geöffnet. Es ist trotzdem unwahrscheinlich, daß mehr als ein Viertel der Juden Vorkriegspolens in die Todes- lager geschickt worden ist. Mindestens ebenso viele wurden in ihren Heimatstädten oder in deren Nähe zusammengeschossen, und viel mehr gingen in den Ghettos und Lagern elend zugrunde (siehe Anhang|). * Zwei von ihnen waren tschechische Juden, ehemalige Insassen des„privilegierten” Ghettos Theresienstadt, die im Oktober 1942 nach Treblinka geschickt worden waren%, 161 a u 1 un ne enter DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG 3. Zyklon B gegen Auspuffgase In allen vier polnischen Todeslagern wurden die Auspuffgase von Motoren für Vergasungen verwendet. Nur in Majdanek, das unter der zentralen SS-Verwaltung stand, wurden„Zyklon B”-Kristalle verwendet, anscheinend aber nur in kleinem Maßstab. Obwohl die Kristalle als„menschlicher“ angesehen wurden, widersetzte sich Wirth jeder Änderung seiner in den grausigen Irrenanstalten des Dritten Reichs entwickelten Methoden. Wirth verachtete den Apostel des Zyanwasserstoffes oder„Zyklon B”, Höss, den er Morgen gegenüber als„seinen unbegabten Schüler” bezeich- nete?”. Höss andererseits verachtete die in Treblinka verwendeten Methoden, aber nicht aus menschlichen Gefühlen, sondern aus dem gekränkten Ordnungssinn des ehemaligen Buchhalters. Höss hatte außerdem eine Art Besitzerstolz auf Vergasung mit „Zyklon B”, weil er nach Eichmanns Besuch in Auschwitz 1941 den angeblich ersten Versuch damit gemacht hatte; laut Dr. Filip Friedman soll sich das am 15. September zugetragen haben”. Sechshundert verwundete russische Kriegsgefangene wurden zu- sammen mit 250 Patienten des Auschwitzer Krankenhauses im Keller von Nummer EIf, dem berühmten Strafblock des Haupt- lagers, eingesperrt. Die Fenster wurden mit Lehm hermetisch ver- schlossen, und die Kristalle wurden einfach durch die Türe hinein- geworfen. Als jedoch Truppführer Palitsch am folgenden Nach- mittag den Keller betrat, waren viele der Gefangenen noch nicht tot, und das Ganze mußte wiederholt werden. Der Schlußakt wurde von Zenon Rozanski, einem polnischen Offizier, der in der Straf- kompanie diente, die die Beerdigungskolonne stellte, beschrie- ben”: „Diejenigen, welche an der Tür angelehnt waren, neigen sich merkwürdig steif und fallen auf uns zu und schlagen mit ihren Gesichtern dicht vor unseren Füßen auf den Betonboden auf. Leichen... Ganz steif stehende Leichen.... Sie füllen den ganzen Korridor des Bunkers aus. Dabei sind sie so zusam- mengedrängt, daß sie gar nicht umfallen können.” Drei Tage vor diesem Geschehnis war der Strafblock von der Strafkompanie unter dem Vorwand, daß er desinfiziert werden solle, geräumt worden. Höss erklärte mehr als vier Jahre später in Nürnberg, daß die Ausräucherungen ihm die Eingebung für die 162 sgensres KA Vergasun! klon Be-Ki now dur durchgefü erste Vers März I srhalten© ndHeize zehn Kub wirbt, Dei Wer war Blobel un Untersturt einen de! 55-Haupt ler Vorsc suchskan in Dacho schwatzh ntimer Fı sie drei K olt war- 1944 wur widriger bemächt weis auf den Pro Dachau Best ge h Se yon 5 Unter Fistalle Dbwohl Tsetzte Stalten te den len er ezeich- ndeten rn aus 8. Höss g mit 4] den F. Filip ben®, len zU- ses im Haupt- ch ver- hinein- Nach- h nicht wurde - Straf- schrie- an sich tihren .n auf. 'n den usam- 'n der erden später ür die ) SECHSTES KAPITEL 3. ZYKLON B GEGEN AUSPUFFGASE ) Vergasungen gegeben hätten. Er hätte die Vergasung mit„Zy- klon B*-Kristallen, die nach einer von der Firma Tesch und Stabe- now durchgeführten Desinfizierung des Lagers übrig waren, durchgeführt. Es ist jedoch höchst unwahrscheinlich, daß dies der erste Versuch war, denn es sind Briefe von Karl Weinbacher, des im März 1946 zum Tode verurteilten Gesellschafters dieser Firma, erhalten geblieben, in denen er sich um den Auftrag für Lüftungs- und Heizanlagen für zwei kleine„Vertilgungskammern”, jede nur zehn Kubikmeter groß, im Konzentrationslager Groß-Rosen be- wirbt. Der erste dieser Briefe trägt das Datum 14. Juli 1941 1%, Wer war es, der diese Versuche parallel zu denen von Kallmeyer, Blobel und Wirth durchführte? Es wäre interessant, mehr über SS- Untersturmführer Ulmer zu wissen, der laut Filip Friedman 1940 einen detaillierten Plan für Gaskammern in Auschwitz vorlegte. SS-Hauptsturmführer Sigmund Rascher, der am 15. Mai 1941 Himm- ler Vorschläge für die ersten Experimente an menschlichen„Ver- suchskaninchen” unterbreitete, die er schließlich im Februar 1942 in Dachau ausführte, darf auch nicht vergessen werden. Dieser schwatzhafte Quacksalber und Mörder zugleich war Himmlers intimer Freund geworden. Himmler bewunderte Frau Rascher, weil sie drei Kinder zur Welt gebracht hatte, als sie schon über 48 Jahre alt war— eine Ehre für die deutsche Mutterschaft!. Im Frühjahr 1944 wurden die Eheleute Rascher verhaftet, weil sie sich gesetz- widrigerweise der drei Kinder, die sie als ihre eigenen ausgaben, bemächtigt haben sollten. Himmler intervenierte unter dem Hin- weis auf die Wichtigkeit von Raschers Versuchen. Aber obwohl er den Prozeß verhinderte, ließ er die Raschers doch nicht frei. Im Dachauer Konzentrationslager prahlte Rascher Hauptmann Payne- Best gegenüber, daß er die Gaskammer erfunden habe. Indiskre- tionen dieser Art haben wahrscheinlich Himmler dazu bestimmt, Rascher nicht zu entlassen und ihm in den letzten Tagen des Drit- ten Reichs einen Genickschuß geben zu lassen!%. Die Versuche konnten natürlich auch von einem Zivilisten ausge- führt worden sein, der für eine Privatfirma arbeitete. Höss zufolge mußten alle Einkäufe von„Zyklon B“ durch Dr. Mrugowsky vom SS-Gesundheitsamt gehen!%. Mrugowsky beschäftigte Kurt Ger- stein, der die Rechnungen für„Zyklon B” schrieb, die Beweismate- rial im Nürnberger Prozeß waren. Das Gas wurde von zwei Privatfirmen gekauft, die die Erzeugerrechte vor dem Krieg von 163 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG der I. G.-Farben erworben hatten. Diese Firmen waren Tesch und Stabenow in Hamburg und„Degesch“ in Dessau. Die erstgenannte lieferte Anfang 1944 monatlich zwei Tonnen nach Auschwitz 1%, aber Höss erinnerte sich nur der Lieferungen der Degesch, deren in Nürnberg vorgelegte Lieferscheine!%® monatliche Sendungen von je einer Dreivierteltonne zwischen dem 14. Februar und dem 31. Mai 1944 aufwiesen. Höss erhielt Sonderbewilligungen vom Inspektorat in Oranienburg und holte dann die Kristalle mit Last- kraftwagen aus Dessau*. Höss erinnerte sich, zehn Tonnen„Zyklon B” von der Degesch allein empfangen zu haben, aber im Prozeß im März 1946 in Hamburg verantworteten sich die Gesellschafter der Firma Tesch und Stabenow, Bruno Tesch und Karl Weinbacher, damit, daß zwei Tonnen per Monat nicht zu viel zur Desinfizierung einer so riesigen Gruppe von Lagern wie Auschwitz gewesen seien. Das britische Militärgericht entschied jedoch, daß solche Mengen nicht ohne Kenntnis ihres wahren Zweckes geliefert werden konnten. Der Einwand der Verteidigung, daß es unmöglich war, die Erfül- lung von Befehlen der SS zu verweigern, wurde auch verworfen, und die beiden wurden hingerichtet 7, Ganz anders war das Schicksal von Dr. Gerhard Peters, dem Di- rektor der Degesch. Die Direktoren der I. G.-Farben wurden 1948 auf Grund seiner Aussage von der Anklage des Rassenmordes freigesprochen, da er einen Eid geleistet hatte, die Kenntnis, die er im Sommer 1943 von Kurt Gerstein erworben hatte, geheim- zuhalten!®, Peters wurde wieder im März 1949 vom Frankfurter Schwurgericht und ein Jahr später vom Berufungsgericht über sein Verhältnis zu Gerstein verhört. In beiden Fällen sagte er unter Eid aus, daß Gerstein Massenmord nicht erwähnt hätte, aber er hätte Peters von den Qualen der Opfer erzählt, die sie durch die den Kristallen zur leichteren Entdeckung beigefügten„Reizstoffe” erlitten. Peters hätte den Eindruck gewonnen, daß das Gas für verurteilte Verbrecher und unheilbar Kranke bestimmt gewesen sei. Der Frankfurter Staatsanwalt Dr. Kosterlitz erinnerte Peters daran, daß er zugegeben hätte, Gerstein genügend Kristalle ver- kauft zu haben, um eine halbe Million Menschen umzubringen. * Es geht aus erhaltenen Briefen hervor, daß Generalinspekteur Glücks— einer der Ver- schwundenen—„Zyklon B” beim Namen nannte, während sein Adjutant Arthur Liebe- henschel, der einige Monate Kommandant in Auschwitz war, den Decknamen„Material für den Transfer von Juden“ gebrauchte!%, 164 gecnstes N | Sollten© Trotz de das Bert gegen P 1947 anc freier M Fachmar ler zur ı noch ein Vergasu Betriebs schreibl eines el funden mit der handelt rührung wenige forums Dieser Höss, d Anzahl erte. Rc ‚humat Mensch allen( Himmli lich ge besser: dem eı mono» Birken Opfer: „Zyklc Trotze „Zykli genet mW 7, Mai NDLOSUNg R x Esch und genannks i chwitz io Ch, deren Pndungen und dem 'gen vom mit Last. Degesch 2 1948 in ma Tesch mit, daß D einer so eien. Das gen nicht konnten. die Erfül- erworfen, ‚ dem Di- rden 1948 enmordes ntnis, die - ankfurter über sein er unter ‚ aber er Jurch die izstoffe"|) Gas für|) gewesen te Peters alle ver- bringen. er der Ver- +hur Liebe- 1„Material SECHSTES KAPITEL 3. ZYKLON B GEGEN AUSPUFFGASE Sollten das alles Verbrecher und Wahnsinnige gewesen sein? Trotz der Offenkundigkeit von Peters’ Ausflüchten entschloß sich das Berufungsgericht nicht, das auf fünf Jahre lautende Urteil gegen Peters zu ändern, wobei aber die Untersuchungshaft seit 1947 angerechnet worden ist!®, Peters ist infolgedessen heute ein freier Mann. Da er erst 57 Jahre alt ist und als ausgezeichneter Fachmann gilt, kann er eines Tages, wenn wieder Wissenschaft- ler zur Arbeit„hinter den Kulissen“ gebraucht werden sollten, noch einmal einen entsprechenden Posten finden*. Vergasung mit„Zyklon B* litt nicht unter den vielen mechanischen Betriebsstörungen, die Kohlenmonoxydvergasungen so unbe- schreiblich grauenhaft gemacht hatten. Höss erinnerte sich nicht eines einzigen Falles, daß jemand lebend in der Gaskammer ge- funden worden wäre; Dr. Nyiszli hatte jedoch einen solchen Fall mit der pedantischen Sorgfalt des Pathologen aufgezeichnet. Es handelte sich um ein fünfzehnjähriges Mädchen, das durch Be- rührung mit der Feuchtigkeit des Bodens gerettet wurde. Nur wenige Stunden später wurde sie vom Kommandanten des Krema- toriums, Mußfeld, durch Genickschuß getötet!!0. Dieser Fall ist eine vollkommene Bestätigung der Aussage von Höss, daß das Eintreten des Todes, je nach der Witterung und der Anzahl der Opfer in der Kammer, bis zu fünfzehn Minuten dau- erte. Rascher sagte Hauptmann Payne-Best, daß es trotz Himmlers „humanen“ Absichten(siehe$. 235) nötig gewesen sei, zu viele Menschen gleichzeitig zu vergasen, so daß es nicht möglich war, allen Opfern einen sofortigen Tod zu sichern!!!. Aber wenn Himmler wirklich Qualen vermeiden wollte, dann wäre ihm sicher- lich geraten worden, bei Kohlenmonoxyd zu bleiben, jedoch bessere Generatoren zu verwenden. Es scheint, daß Hitler nach dem ersten Versuch in Brandenburg beschlossen hatte, nur Kohlen- monoxyd zu verwenden, und die Tatsache, daß die Einrichtung in Birkenau erst im August 1942 imstande war, eine große Zahl von Opfern zu vergasen, deutet darauf hin, daß die Umstellung auf „Zyklon B” nicht mit Begeisterung aufgenommen worden ist. Trotzdem war es bestimmt Hitler selbst, der die verbesserte „Zyklon B“-Einrichtung in Birkenau, die 1943 zu arbeiten begann, genehmigte. In diesem Zusammenhang ist Pohls Aussage, er habe * Im Wiederaufnahmeverfahren wurde das Urteil vom Frankfurter Schwurgericht am 27. Mai 1955 aufgehoben und Peters„mangels an Beweisen” freigesprochen. 165 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG gehört, daß die Pläne ursprünglich von„Bouhlers Dienststelle” gekommen seien, von größter Bedeutung!!?. Der endgültige Bau- plan wurde jedoch in der technischen Abteilung des WVHA(Wirt- schafisverwaltungs-Hauptamt) entworfen. Der Leiter dieser Abtei- lung— Amt C genannt— war eine sehr ungewöhnliche Persönlich- keit, Obergruppenführer Heinz Kammler, der im Januar 1945 Bau- leiter sowohl der Wehrmacht als auch der Waffen-SS wurde, nachdem er die riesigen Raketenstützpunkte an der französischen Küste und die unterirdischen Flugzeugfabriken in Deutschland entworfen hatte. Kammler war ein Genie des Betonbaus und ist wahrscheinlich am Tod von mehr Sklaven im letzten Kriegsjahr schuld als alle Konzentrationslager während der gesamten Zeit ihres Bestehens zusammengenommen. Er war einer der ersten, denen die Geheimnisse der Endlösung an- vertraut wurden. Als Folge eines Besuches Kammlers in Auschwitz am 27. Februar 1942 wurde ein Auftrag auf zwei dreitorige Kre- matoriumsöfen auf fünf erhöht!!3, Von dieser Zeit an gab es einen riesigen Briefwechsel über den Bau von Krematorien in Auschwitz, in dem Kammler die wichtigste Rolle spielte. Aber Kammler konnte nicht vernommen werden, denn er verschwand während der letzten Schlacht um Berlin, wo er eine Division be- fehligte!1. Die zwei umgebauten Scheunen am Rande des Dorfes Birkenau waren von März bis August 1942 zureichend, denn zu der Zeit wurden nur sehr selten mehr als 300 Personen auf einmal vergast*. Im August jedoch kamen bereits Transporte aus Frankreich mit einem so geringen Anteil von Arbeitsfähigen, daß manchmal 700 Personen an einem Tag vergast wurden. Zu jener Zeit wurden die Pläne für eine Todesfabrik, die Tausende Menschen auf ein- mal vergasen konnte, vorbereitet. Die ersten Baupläne für die vier großen Krematorien tragen alle das Datum 3. August 1942 und die Bezeichnung:„Badeanstalt für Sonderaktion“'!5. Aber der Bau ging nicht schnell vor sich. Am 29. Januar 1943 schrieb Sturmbann- * Der wesentliche Unterschied zwischen den Nürnberger Aussagen von Rudolf Höss (D 749) und von Ferdinand Entress(NO 2368), dem schwer belasteten Arzt von Birkenau, deutet darauf hin, daß ursprünglich eine der beiden umgebauten Scheunen als Um- kleideraum verwendet wurde und daß während dieser Zeit die Vergasungen auf 200 bis 300 Personen beschränkt waren. Dies war zureichend, solange nur die Kranken vergast wurden. Etwa 500 bis 800 von ihnen wurden wöchentlich aus dem Krankenbau ausgesucht. 166 | genss KA führer Bisc on Kamml „Krem Oberi Erfurt, decke nicht der V‘ | anlag 20. Fe In Wirkli fertiggest (rematori mannsark vember 1 Tone zwi Yähnt nu waren all Auseinel geht her mechanis ofte, Al ammerr einem Sc gesehen kammert rdischer familien “ Aussagen nische| BERN at und der u honism 49 Z, mu sgehobe FOSUNG Stelle” € Bau. (Wirt. Abtei. Önlich- 9 Bau- Wurde, Sischen Chland 5 und gsjahr en Zeit ng an- Bchwitz he Kre- hab es rien in . Aber hwand on be- rkenau er Zeit rgast* ich mit al 700 ‚urden uf ein- je vier nd die r Bau 'bann- „lf Höss irkenav, ols Um- auf 200 Kranken ıkenbau SECHSTES KAPITEL 3. ZYKLON B GEGEN AUSPUFFGASE führer Bischoff von der Auschwitzer Bauabteilung folgenden Brief an Kammler: „Krematorium II... Die Öfen wurden im Beisein des Herrn Oberingenieur Prüfer der ausführenden Firma Töpf und Sohn, Erfurt, angefeuert und funktionierten tadellos. Die Eisenbeton- decke des Leichenkellers konnte infolge Frosteinwirkung noch nicht ausgeschalt werden. Dies ist jedoch unbedeutend, da der Vergasungskeller hierfür benützt werden kann. Die Firma ... konnte wegen Waggonsperre die Be- und Entlüftungs- anlage nicht... rechtzeitig anliefern... Voraussichtlich am 20. Februar 1943(ist) die Anlage vollständig betriebstähig!!®.“ In Wirklichkeit war das Krematorium Nr. 2 erst am 13. März fertiggestellt. Am 13. Juni war es noch immer das einzige der vier Krematorien, das tatsächlich im Betrieb war, und die Zimmer- mannsarbeiten waren immer noch nicht beendet. Ein vom 6. No- vember 1943 datierter Auftrag für junge Bäume, die eine grüne Zone zwischen den Krematorien und dem Lager bilden sollten, er- wähnt nur Nummer 1 und 2177. Erst im Mai des folgenden Jahres waren alle vier Krematorien in Tätigkeit. Aus einem Brief der Firma Töpf an Bischoff vom 12. Februar 1943 geht hervor, daß jedes Krematorium fünf dreitürige Ofen mit mechanischer Schüranlage, Aschengruben und Leichenaufzügen hatte. Aber in den beiden größeren Krematorien waren die Gas- kammern in gleicher Höhe wie die Ofen, in die die Leichen mit einem Schienenwagen befördert wurden, der von Dr. Ada Bimko esehen und beschrieben wurde*!2!. Die unterirdischen Gas- g kammern der kleineren Krematorien wurden durch einen unter- irdischen Gang mit leichtem Gefälle erreicht, und Dr. Nyiszli sah Familienväter ihre Kinderwagen dort hinunterschieben. * Aussagen über das Fassungsvermögen dieser Ofen weichen sehr voneinander ab. Die polnische Untersuchungskommission kam zu dem Schluß, daß die vier Krematorien zuammen 12000 Leichen täglich einäschern konnten, während Dr. Nyiszli von 20 000 spricht und Höss von 2000 per Krematorium in 12 Stunden, also 16.000 täglich. Wäh- rend der ungarischen Deportierungen im Mai und Juni 1944 jedoch reichte der ganze Mechanismus nicht einmal für 6000 Leichen täglich aus. Die alten Krematorien, Bunker] und 2, mußten wieder in Tätigkeit geseizt und außerdem riesige Verbrennungsgruben ausgehoben werden.(Siehe Seite 485.) Im Lüneburger Prozeß erklärte Dr. Bendel, das die fünf Ofen des Krematoriums Nr. 4, in dem er monatelang arbeitete, nur 1000 Leichen täglich einäscherten, wohingegen die offenen Gruben die gleiche Anzahl in einer Stunde erledigten!!9. Offenbar wurden die Krematorien nach August 1944 ganz außer Gebrauch gesetzt!2, da man sie im Vergleich zu den Verbrennungsgruben als unwirt- schaftlich betrachtete. 167 STETTEN RETTET nern BERSOPREEEEN u DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Das Äußere der Gebäude war Nyiszli zufolge, der sechs Monate in einem von ihnen lebte, nicht unfreundlich trotz der Rauchfänge, die für eine angebliche Badeanstalt auffallend groß waren. Der Boden über den Gaskellern war in einen wohlgepflegten Rasen verwandelt worden, auf dem sich pilzförmige Zementfiguren in regelmäßigen Abständen befanden!22, Diese Figuren, von denen der Neuankömmling nicht viel Notiz nahm, enthielten Offnungen, durch die der Sanitätsunteroffizier nach sorgfältigem Abschrauben der Deckel die amethystblauen Kristalle warf, sobald ein SS-Arzt den Befehl gab:„Na, gib ihnen schon zu fressen'3.” Das Gas entströmte langsam durch die Löcher in den Blechsäulen. Im allgemeinen waren die Opfer viel zu dicht aneinandergedrängt, um dies gleich zu bemerken, aber in anderen Fällen waren es so wenige, daß sie sich auf den Boden setzten und auf die Brausen, aus denen kein Wasser kam, und auf den Fußboden, der merk- würdigerweise keine Abflußrinnen hatte, blicken konnten'?. Dann spürten sie das Gas und drängten sich von den todbringenden Säulen weg und stürzten in wilder Panik zu dem riesigen Metalltor mit dem kleinen Fenster, wo sie sich zu einer einzigen, blauen, klebrigen, blutbesudelten Pyramide anhäuften, noch im Tode in- einander verkrallt und verkrampft. Fünfundzwanzig Minuten später entfernten die elektrischen Saug- pumpen die gasgesättigte Luft, das große Metalltor öffnete sich, und die Männer vom jüdischen Sonderkommandob traten, mit Gas- masken, Gummistiefeln und Wasserschläuchen ausgerüstet, ein. Ihre erste Aufgabe war es, Blut und Exkremente wegzuspülen und die aneinandergekrallten Leichen mit Schlingen und Haken von- einander zu zerren— als Vorspiel zu der grauenhaften Suche nach Gold und dem Entfernen von künstlichen Gebissen und Haaren, die von den Deutschen als kriegswichtige Stoffe betrach- tet wurden. Dann die Reise mit Aufzug oder Schienenwagen zu den Öfen, die Mühle, die den Klinker zu feiner Asche zermahlte, und der Lastkraftwagen, der die Asche in die Sola streute. Dies war der normale und ordnungsgemäße Verlauf im Fall, daß ein Krematorium nur mit zwei- oder dreihundert Opfern zu tun hatte, aber im Sommer 1944 arbeitete die Todesfabrik nicht so ordnungs- gemäß. Ich zitiere Dr. Bendels Aussage in Lüneburg'2: „Jetzt beginnt die wahre Hölle. Das Sonderkommando be- müht sich, so schnell wie möglich zu arbeiten. In wahnsinniger 168 Im Laufe genannt. Mission( oonzen| worden gasens r reden 1% Am 26. einen de wald. Es lige Dire stein. Er Erklärun rechnun: verschwi Nach st student: "Im Proze worden wi hängt hätt erwiesen| stellen 7, ngenomm dem Geri Beweismat folgreich der ın We Prozeß, pchs Monate Auchfänge Waren, De FYten Rasen Affiguren in von denen Nungen, bschrauben ein SS-Arzt Plechsäulen, ergedrängt, Yaren es so ie Brausen, ‚ der merk- ten! Dann bringenden En Metalltor en, blauen, im Tode in- schen Saug- ffnete sich, n, mit Gas- rüstet, ein. spülen und laken von- fen Suche bissen und fe betrach- wagen ZU zermahlte, eute. Dies |, daß ein tun hatte, ordnungs- iando be- Insinniger R ENDIOSyNG _\SECHSTES KAPITEL 3. ZYKLON B GEGEN AUSPUFFGASE Eile zerren sie die Leichen an den Handgelenken. Sie sehen wie Teufel aus. Männer, die vorher menschliche Gesichter hatten, kann ich nicht mehr erkennen. Ein Rechtsanwalt aus Saloniki, ein Elektroingenieur aus Budapest— sie sind keine Menschen mehr, denn sogar während sie arbeiten, sausen Stöcke und Gummiknüppel auf sie nieder. Und während die- ser ganzen Zeit werden Menschen vor den Gräbern erschos- sen, Menschen, die nicht mehr in die Gaskammern gepfercht werden konnten, weil diese überfüllt waren. Nach einer und einer halben Stunde ist die ganze Arbeit vorüber, und ein neuer Transport ist vom Krematorium Nr. 4 erledigt worden.” Im Laufe dieses Kapitels wurde der Name Kurt Gerstein häufig genannt. Ich möchte es daher mit einer kurzen Schilderung seiner Mission abschließen— vielleicht der erstaunlichsten Mission des ganzen Krieges—, die ihm vom SS-Gesundheitsamt übertragen worden ist, um Globocnik und Wirth zur Einführung des Ver- gasens mit„Zyklon B” in den polnischen Todeslagern zu über- reden!26, Am 26. April 1945 fand eine amerikanische Fahndungsgruppe einen deutschen Zivilisten in einem Hotel in Rottweil im Schwarz- wald. Es war der vierunddreißigjährige Bergassessor und ehema- lige Direktor der Düsseldorfer Firma De Limon Fluhme, Kurt Ger- stein. Er überreichte den Amerikanern eine französisch abgefaßte Erklärung auf sieben maschinengeschriebenen Seiten und die Gas- rechnungen, die später in Nürnberg eine Rolle spielten— und verschwand dann aus der Geschichte*. Nach seiner eigenen Darstellung war Gerstein ein Missions- student gewesen. Wegen Verteilens religiöser Flugblätter wurde * Im Prozeß gegen Peters wurde behauptet, daß Gerstein von den Franzosen verhaftet worden wäre und sich am 25. Juli 1945 in seiner Zelle im Gefängnis in Fresnes aufge- hängt hätte. Aber vier Jahre später erfuhr Gersteins Witwe, daß es sich als unmöglich erwiesen habe, die Umstände seines Todes oder auch nur seinen Begräbnisort festzu- stellen 177. Während des Nürnberger Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher wurde angenommen, daß er lebte, und die Verteidigung hatte das Recht zu verlangen, daß er dem Gericht vorgeführt werde. Seine unbeeidigte Erklärung konnte daher nicht als Beweismaterial zugelassen werden. Auch in einigen späteren Prozessen wurde sie er- folgreich von der Verteidigung angefochten, aber ein kleiner Teil daraus erschien in der in Washington veröffentlichten amtlichen Auswahl von Dokumenten aus dem Ärzte- prozeß 123, 169 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG er 1936 von der Gestapo verhaftet und aus der NSDAP ausge- schlossen. Nach einer zweiten Internierung im Jahre 1938 ver- suchte Gerstein, den Tod einer Verwandten in der Euthanasie- anstalt Hadamar zu erforschen, und meldete sich zu diesem Zweck 1941 zum SS-Gesundheitsamt. Und so wurde dieser Mann, den Pastor Niemöller im Prozeß gegen Peters als einen„eingefleisch- ten Saboteur” bezeichnete 2? und der zweimal der Gestapo in die Hände gefallen war, im Januar 1942 von Mrugowsky zum Leiter der Abteilung ernannt, die sich mit„giftigen Desinfektionsgasen” befaßte. Am 8. Juni 1942 kam Eichmanns Vertreter in Prag, Hans Günther, zu Gerstein und forderte ihn auf, 100 kg Blausäure vom Prager Kalkwerk abzuholen und zusammen mit Professor Pfannenstiel, SS-Sturmbannführer(in Wirklichkeit war er Obersturmbannführer) und„Ordinarius für Gesundheitswesen an der Universität Mar- burg an der Lahn”*, zu einem geheimen Bestimmungsort zu brin- gen. Gerstein und Pfannenstiel machten ihre Reise zwei Monate später und wurden am 17. August von Globocnik in Lublin emp- fangen. Sie erhielten den Befehl, die Berge angesammelter Klei- der zu desinfizieren und einen Plan auszuarbeiten, um die vor- handenen Vergasungseinrichtungen durch„Zyklon B" zu er- setzen. Es wurde ihnen gesagt, daß dies ein Befehl Hitlers sei, der Lublin am 15. besucht und mit Globocnik eine Mahlzeit eingenommen hätte. Dr. Herbert Linden(siehe S. 142) hätte Hitler bei dieser Ge- legenheit auf die Gefahr einer zukünftigen Entdeckung der Mas- sengräber aufmerksam gemacht, aber Globocnik habe Hitler sehr erfreut, als er erklärte, er„möchte Bronzetafeln vergraben, auf denen er als Urheber der Tat verkündet werde”. Dies war eine Erfindung Globocniks, denn Hitler hatte sein Hauptquartier gar nicht verlassen. Keine Erfindung ist hingegen Gersteins Beschrei- bung seines eigenen Besuches in Belzec, die völlig mit der Rudolf Reders übereinstimmt, seine Darstellung von Christian Wirth, der mit einer Konservenbüchse voller Goldplomben umherging. Be- * Diese Person ist keine Erfindung, sondern einer der zahlreichen Verschwundenen. Am 8. Oktober 1942 schrieb Sigmund Rascher an Himmler, er habe von Professor Pfannen- stiel die Erlaubnis erhalten, seine Dachauer„Höhenexperimente” an der Universität Marburg fortzusetzen. Ein Jahr später schrieb allerdings Pfannenstiel an Kurt Blome vom Amt des Reichsgesundheitsführers, daß er Rascher nicht aufnehmen könne, weil seine Tätigkeit geheimgehalten werden müsse'?. 170 sechsTES merken‘ Wirth,€ ein ehe des deu Cello v‘ Nachde gruppe empfeh Versuch Stoff se Gerstei Unterh« stiel da beit in nach V Gerstei Berlin, schaft, hysteri heiten Tatsac Aber c der An Außen Gerste Ihren| durch treten. Menge haben wollte 9.537) Erfolg keine steins größt "In Ge Von seir hält jec A saskan ENDLOSUNg 1938 Ver. uthanasie, em Zweck ann, den gefleisch. Apo in die um Leiter Pnsgasen” ß Günther, pm Prager Pnnenstiel, annführer) sität Mar- rt zu brin- ei Monate blin emp- elter Klei- n die vor- 3" zu er- der Lublin jenommen Jieser Ge- der Mas- Hitler sehr aben, auf war eine artier gar Beschrei- ler Rudolf Yirth, der ging. Be indenen. Am sor Pfannen- - Universität Kurt Blome könne, weil AP Ausge. # SECHSTES KAPITEL 3. ZYKLON B GEGEN AUSPUFFGASE merkenswert sind auch die beiden jüdischen„Zugführer” von Wirth, ein Goldprober des Berliner„Kaufhaus des Westens” und ein ehemaliger Hauptmann der österreichischen Armee, Träger des deutschen Eisernen Kreuzes Erster Klasse, der ihm auf dem Cello vorspielen mußte. Nachdem er wie ein Irrer wegen der Unfähigkeit der Vergasungs- gruppe gewütet hatte, bat Wirth Gerstein, keine Änderung zu empfehlen. Gerstein selbst entzog sich der Notwendigkeit, seinen Versuch mit„Zyklon B* auszuführen, indem er behauptete, der Stoff sei beim Transport beschädigt worden. Wirth nahm dann Gerstein in seinem Wagen nach Treblinka mit, wo ausgezeichnete Unterhaltung in Himmlers typischem„altdeutschem“ Stil Pfannen- stiel dazu veranlaßte, eine Tischrede über„die Schönheit der Ar- beit in unserer Anstalt” von sich zu geben*. Darauf fuhren sie nach Warschau. Gerstein verbrachte die Nacht im Gang des Schlafwagens nach Berlin, wo er zufällig den Attach& der schwedischen Gesandt- schaft, Baron von Otter, traf, dem er ein wortreiches und geradezu hysterisches Geständnis machte. Otter erinnerte sich vieler Einzel- heiten dieses Zwischenfalles sieben Jahre später und auch der Tatsache, daß Gerstein ihn im Februar 1943 nochmals aufsuchte'32, Aber die schwedische Regierung unternahm keinerlei Schritte in der Angelegenheit; erst nach dem Krieg sandte sie dem britischen Außenamt eine Denkschrift über den Fall. Gerstein machte schlechte Erfahrungen mit der Neutralität und ihren Methoden. Fast wäre er verhaftet worden, als er versuchte, durch den Bischof von Berlin mit dem Vatikan in Verbindung zu treten. Er behauptete, noch einmal— im Jahre 1944— eine große Menge„Zyklon B” an einen falschen Bestimmungsort gesandt zu haben, als Rolf Günther das Ghetto Theresienstadt liquidieren wollte, ein Plan, der von anderen Zeugen bestätigt wurde(siehe S.537). Selbst nach dem Krieg hatte Gersteins Geschichte keinen Erfolg, da eine unbeeidigte Erklärung einer entflohenen Person keine Beweiskraft besitzt. Und doch gibt es so viele Mittel, Ger- steins Aussage nachzuprüfen, daß der Geschichtsschreiber den größten Teil gelten lassen muß. Sie wirft einen Lichtstrahl auf die * In Gersteins zweiter, nicht französisch, sondern deutsch geschriebener Aussage, die von seiner Frau ein Jahr später entdeckt wurde, ist die Tischrede nicht erwähnt. Sie ent- hält jedoch eine merkwürdige Stelle, an der Gerstein ernstlich erwägt, selbst in die Gaskammer zu gehen, und zwar in der Uniform eines SS-Offiziers 131, 171 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG düstere Welt des Kommandos Eichmann, der„Anstalt“, der Leute um Globocnik, Wirth und Bouhler— eine Welt von Männern, die ohne Mitleid und ohne Verantwortung waren, weil ehrenhafte Deutsche in hohen Ämtern es für richtig hielten, sie zu decken und gleichzeitig ihre Existenz zu verleugnen. 172 Die Best stimmte dem Gr ler vor S nicht an Großde war die scheinlie der We 100.000 wo 400 Nur na nach Ru chung I aufgeg: Wehrm russisch on die fung sc den Be samme Siebentes Kapitel Das Schicksal der Juden aus dem Reich und der Kampf um Ausnahmebehandlung 1. Die Deportationen aus dem Großdeuischen Reich Januar 1942 bis Mai 1943 Die Besprechung in Wannsee im Januar 1942 hatte keine be- stimmte Frist für den Abschluß der„Umsiedlung” der Juden aus dem Großdeutschen Reich gesetzt, aber diese wäre sicher schnel- ler vor sich gegangen und vollständiger gewesen, wenn Heydrich nicht am 4. Juni gestorben wäre. Selbst Ende Mai 1943, als das Großdeutsche Reich offiziell als„judenfrei” betrachtet wurde, war die Zahl der Volljuden, die auf freiem Fuße waren, wahr- scheinlich größer als 40.000. Von den etwa 180 000 Juden, die nach der Wannsee-Besprechung deportiert wurden, kamen mehr als 100.000 in das privilegierte Ghetto von Theresienstadt in Böhmen, wo 40000 von ihnen überlebien*. Nur nach und nach wurde der Heydrich-Plan für Deportationen nach Rußland in der Form, in der er den Teilnehmern der Bespre- chung in Wannsee am 20. Januar 1942 vorgetragen worden war, aufgegeben. Da das Einschreiten des Transportkommandos der Wehrmacht Heydrich daran hinderte, noch mehr Juden in die russischen Ghettos zu schaffen, leitete Heydrich seine Transporte an die östliche Grenze des Generalgouvernements. Diese Ände- rung soilte offenkundig mit der Eröffnung des ersten für dauern- den Betrieb eingerichteten Vergasungslagers in Belzec zeitlich zu- sammenfallen. Die Bestimmung dieser Transporte wurde in der * Die Behauptung, daß das Großdeutsche Reich im Mai 1943„judenfrei” war, steht mit den Tatsachen noch mehr im Widerspruch, wenn man die Juden in Lagern und Ghettos innerhalb des Reichsgebietes in Betracht zieht. Dann muß man mit mehr als 90 000 Juden in der„Reichsstadt“ Lodz und dem Bezirk Lodz rechnen, mit mehr als 50000 in Ausch- witz und anderen oberschlesischen Arbeitslagern und mit 18 000 Juden, die Dr. Korherr zufolge in der Gegend von Königsberg arbeiteten?. Ich kann zwar keinen anderen Hinweis auf diese„ausländischen, d. h. fast ausschließlich sowjetrussischen Juden” in der Gegend von Königsberg finden, aber Dr. Korherr teilte mir mit, daß die Zahl vom Statistischen Reichsamt gestammt habe. 13 173 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Eintragung in Goebbels’ Tagebuch vom 27. März einigermaßen getarnt beschrieben. Die Eintragung ist auf Seite 282 ausführlich zitiert, und in diesem Zusammenhang sei nur ein einziger Satz daraus festgehalten: „Die in den Städten des Generalgouvernements frei werden- den Ghettos werden jetzt mit den aus dem Reich abgeschobe- nen Juden gefüllt, und hier soll sich dann nach einer gewissen Zeit der Prozeß erneuern.” Er wurde aber nicht vor dem Juni erneuert. Die Zusammenfassung von inneren und äußeren„Umsiedlungen” im Generalgouverne- ment und die dauernde Opposition des Generalgouverneurs Frank hatten ein völliges Chaos hervorgerufen und die weitere Durchführung der Pläne verhindert. Die den Juden vorbehaltenen Städte und die Umsiedlungslager waren in den Wochen, in denen die Deportierten, meist ohne zu arbeiten, darauf warteten, daß die Todesfabrik von Belzec zu arbeiten begänne(siehe S. 156 u. 170), völlig überfüllt. Ortliche Beamte beschwerten sich dar- über, daß die Juden aus dem Reich im Zustand völliger Verarmung ankamen; ihr Gepäck, die mitgenommene Verpflegung und die Wäsche waren ihnen in Lublin im Zug weggenommen worden“. Einige wenige wurden auf Verlangen der Bezirkshauptleute zur Landarbeit bestimmt, aber die überwiegende Mehrheit von ihnen ist aller Wahrscheinlichkeit nach während des Sommers und Herbstes in Belzec vergast worden. Rudolf Reder fand einige tsche- chische Juden noch im August im Sonderkommando Balzec°®*. Eine größere Zahl arbeitsfähiger Männer wurde in Lublin aus dem Zug herausgeholt und nach„Kl. Lublin” gebracht, dem Konzentra- tionslager, das dann unter dem Namen Majdanek bekannt wurde. Es wurde zunächst, und zwar bis Dezember 1941, als Lager für * Es ist sehr schwer, die Transporte in das Gebiet von Lublin zu identifizieren. Die von der Berliner Wiedergutmachungszentrale zusammengestellte Liste zeigt, daß sechs Sondertransporte aus Berlin, Potsdam und Frankfurt im März, April und Juni entweder nach dem„Osten“ oder nach„Twarnice”(wahrscheinlich das Transitlager Trawniki) ab- gingen. Es handelte sich um kleine Transporte, die zusammen nur 3420 Personen um- faßten. Einige Transporte aus Wien gingen nach Opole Wlodawa und Izbica®. Eine Anzahl von Transporten ging am 4. März und 28. April aus Theresienstadt” und im April aus Düsseldorf und Nürnberg? nach der„Transferstelle Izbica*. Ein Transport, der für Piaski bestimmt war, verließ Kassel am 11. April?. Izbica und Piaski sowie Zamosc, Majdanek und einige kleinere Städte in„Lublin-Land” waren auch die Bestimmungsorte von zwölf Transporten, die zwischen dem 13. März und 13. Juni aus Theresienstadt abgefertigt wurden. Mit den französischen und slowakischen Deportierten zusammen müssen weit über 50 000 Menschen nach Lublin-Land gebracht worden sein. 174 siegenTES | Juden bi nSHA,© 6300 Jı Jebt hatt Mensche kei und 194 dat ser Uhre 9407 bis aus Wie Am b aus der Eichmar reich U Ausmil des So werden gültige ungefä werder 1000 aı gen Pı Transp dern.dı ist die‘ zuführ ler no des R nach| eine\ richtui Verge ein bı sich r seine Hitle diese nung durc 13° worden‘, tleute zur von ihnen mers und ige tsche- ec?*, aus dem onzentra- nt wurde. .ager für en. Die von daß sechs dt” und im ınsport, der ie Zamosc, nmungsorte yresienstadt zusammen SIEBENTES KAPITEL 1. DIE DEPORTATIONEN AUS DEM GROSSDEUTSCHEN REICH ' Juden benützt, aber Ende 1942 zeigten die Aufzeichnungen des RSHA, die Dr. Korherr für Himmler bearbeitete, daß von den 26300 Juden, die im Lager gezählt worden waren, nur 7330 über- lebt hatten. Ein wesentlicher Teil dieser heimlich abgeschlachteten Menschen stammte aus dem Großdeutschen Reich, aus der Slowa- kei und aus Frankreich. Höchst aufschlußreich ist eine vom 6. Juni 1942 datierte Liste beschlagnahmter Uhren!°. Die 304 Besitzer die- ser Uhren gehörten zu den im Lagerverzeichnis unter den Zahlen 8607 bis 9579 Registrierten und stammten mit wenigen Ausnahmen aus Wien, dem Protektorat und der Slowakei. Am 15. Juni 1942, kurz vor dem Abgang der letzten Transporte aus dem Großdeutschen Reich nach dem Distrikt Lublin, sagte Eichmann seinen Abteilungsleitern, daß 40000 Juden aus Frank- reich und Rumänien nach Auschwitz gebracht werden würden. Aus militärischen Gründen würden deutsche Juden nicht„während des Sommers nach dem östlichen Operationsgebiet” geschafft werden!!. Aber es zeigte sich bald, daß das nicht Himmlers end- gültige Entscheidung war. Zwischen August und Oktober verließen ungefähr 1200 Juden Berlin, um ins Ghetto von Riga gebracht zu werden, und 2000 Berliner Juden kamen zusammen mit weiteren 1000 aus Theresienstadt in estnische Lager in der Nähe der dorti- gen Petroleumschürfstellen'?”. Nach Auschwitz ging der erste Transport erst im Oktober, obwohl solche aus den besetzten Län- dern des Westens bereits seit Juni dort eingetroffen waren. Worauf ist dieses Zögern in bezug auf die Juden aus dem Reich zurück- zuführen? Die Erklärung dafür scheint darin zu liegen, daß Himm- ler noch immer Bedenken hatte, Juden aus dem Reich innerhalb des Reichsgebietes zu vernichten. Am 4. Dezember 1941, bald nach Wiederaufnahme der Deportationen aus dem Reich, war eine Verordnung veröffentlicht worden, die die summarische Hin- richtung von Juden und Polen wegen irgendeines lächerlichen Vergehens vorsah; das wäre ein entsprechender Deckmaniel für ein beabsichtigtes Blutbad gewesen, aber die Verordnung bezog sich nur auf das besetzte Gebiet'3,. Infolgedessen hatte Himmler seine Schwierigkeiten dem Führer zur Kenntnis zu bringen, und Hitler berief für den 26. April 1942 den Reichstag ein, damit er von diesem die Legitimation erhielt, von der bestehenden Rechtsord- nung während der Dauer des Krieges abzuweichen. Das erfolgte durch einen der berühmten„einmütigen Beschlüsse“ 1%, von dem 13* 175 mm 0 27 zu nn 2 Zu ung DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG jedoch während der nächsten Wochen kein besonderer Gebrauch gemacht werden sollte. Im Juli 1942 wurde dann in Breslau eine Hinrichtung ohne vorausgegangenes Verfahren vorgenommen; das Opfer war Karl Lasch, der beschuldigt war, als Gouverneur des Distrikts Radom im Generalgouvernement Unterschleife be- gangen zu haben. Diese vereinzelte Hinrichtung erwies sich als das auslösende Moment für den vollen Gebrauch des jede Ge- walttat sanktionierenden Reichstagsbeschlusses, denn Laschs Chef und Freund war Hans Frank, und Frank war nicht nur General- gouverneur, sondern auch Reichskommissar für Justiz. Nach der Hinrichtung von Lasch unternahm Frank eine Reise von einer deutschen Universität zur andern und predigte dort die Rück- kehr zum Rechtsstaat(s. S. 44). Hitler war aus diesem Grund ge- zwungen zu handeln. Am 20. August, vier Tage, bevor er Frank vom Amt des Reichskommissars abberief, ersetzte er den einiger- maßen passiven geschäftsführenden Justizminister Franz Schlegel- berger durch einen brutalen Parteimann, den Richter des Volks- gerichtes Dr. Otto Thierack. Der neue Minister hatte das Recht, „vom bestehenden Recht abzuweichen“, um eine„starke national- sozialistische Rechtspflege” aufzubauen'°. Um den Plan von Auschwitz auf die Juden aus dem Reich aus- dehnen zu können, mußte man sie zunächst durch eine allgemeine Verfügung außer Recht stellen. Ein von Thierack unterschriebenes und vom 14. September 1942 datiertes Protokoll zeigt, daß Goeb- bels ihm vorgeschlagen hatte, die Juden als„bedingungslos aus- rottbar” zu erklären. Goebbels war der Ansicht, daß„der Ge- danke der Vernichtung durch Arbeit der beste sei”'°. Es ist sehr bemerkenswert, daß Thierack am 22. Juli, einen Monat vor seiner Beförderung, Goebbels eingeladen hatte, vor den Mitgliedern des Volksgerichishofs einen Vortrag zu halten. Goebbels weiterte damals gegen das Fortbestehen gewisser Möglichkeiten für Juden, sich an ein Gericht zu wenden, und sagte die Deportierung von 40.000 in Berlin wohnenden jüdischen„Staatsfeinden” voraus”. Ebenso bemerkenswert ist, daß Thierack, bevor er sich über die Sache mit Himmler unterhielt, zu Goebbels ging. Dieser Umstand verlieh den Erklärungen, die Himmler im April 1945 dem Grafen Bernadotte und Felix Kersten gegenüber machte, eine gewisse Glaubwürdigkeit'®; ihnen zufolge wäre ihm die Judenverfolgung durch Goebbels’ überragenden Einfluß auf Hitler aufgezwungen 176 sieBENTES worden. koll einV Infernier ongekla deutsche Am 18. Haupfgl Auslief die Gru Ukraine Iager ol Martin| we Thierac geben, ten übe Als Jus Asozio außer dig. In Höher: Verore ordent Juden Diese Er hat Ausro Nunme sen, U sierur folge Dem zemt auff ebrauch Fslau eine Nommen; PUverneyr leife be- $ sich als jede Ge. Schs Chef General. 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Thierack unterrichtete Martin Bormann am 13. Oktober folgendermaßen'?: „... daß die Justiz nur in kleinem Umfange dazu beitragen kann, Angehörige dieses Volksstamms auszuroiten. Es hat keinen Zweck, diese Menschen durch Jahre in deutschen Ge- fängnissen zu halten, auch wenn sie, wie das heute in gro- Bßem Maße geschieht, zur Arbeit für Kriegszwecke benützt werden.“ Thierack hielt es für besser, solche Personen der Polizei zu über- geben,„die die nötigen Maßnahmen ungehindert durch Vorschrif- ten über das strafrechtliche Beweisverfahren treffen kann“. Als Justizminister hatte Thierack nur sein Desinteressement an den Asozialen zu erklären. Zu ihrer Auslieferung an die Polizei war außer seiner privaten Zustimmung keinerlei Verordnung notwen- dig. Infolgedessen verständigte das Reichssicherheitshauptamt die Höheren SS- und Polizeiführer und durch sie die Gauleiter, daß die Verordnung vom 4. Dezember 1941 überholt sei und daß das ordentliche Strafverfahren nicht mehr auf Polen, östliche Völker, Juden und Zigeuner angewandt werden dürfe 2. Diese Instruktionen ermöglichten es Himmler, drei Dinge zu tun. Er hatte zum erstenmal einen„gesetzlichen“ Deckmantel für die Ausrottung von Juden aus dem Reich im Reichsgebiet. Er konnte nunmehr„Ostarbeiter” in seine Konzentrationslagerfabriken pres- sen, und er konnte seine irrsinnigen Pläne einer deutschen Koloni- sierung in der Kreishauptmannschaft Zamosc in Polen weiterver- folgen(siehe S. 51 u. 275). Dem Rundschreiben des Reichssicherheitshauptamtes vom 4. De- zember folgten sofortige Maßnahmen. Am 14. wurde eine Razzia auf Fremdarbeiter„unter Beachtung der notwendigsten Formali- 177 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG täten auf dem schnellsten Wege“ angeordnet?'. Das Justizministe- rium sollte vor dem 31. Januar 1943 die Überführung von 35 000 Personen in die Konzentrationslager durchführen. Am 31. Dezem- ber hatte man etwa 12.000 Menschen gefaßt. Aber Kaltenbrunner informierte Oswald Pohl, daß die Insassen der Lager— es waren ihrer mehr als 400 000— schneller stürben, als sie ersetzt werden könnten. Himmler schrieb dem Inspektorat, daß die Sterblichkeit um jeden Preis herabgesetzt werden müsse. In den letzten sechs Monaten waren 136700 Menschen in die Lager geschafft worden, und 80.000 von ihnen waren nicht mehr am Leben 2. Unter dem Deckmantel des„Reorganisierungsprogramms” begann dann in Auschwitz die Zusammenfassung der Juden aus den La- gern des Altreichs. Am 5. Oktober 1942 ordnete das Inspektorat in Oranienburg an, daß die Juden in den Lagern Buchenwald, Dachau, Sachsenhausen, Ravensbrück, Mauthausen und Groß-Ro- sen mit den in den Lagern in Auschwitz und Lublin befindlichen Polen und Ukrainern ausgetauscht werden sollten 2°, Diese Anordnung bezog sich auf eine verhältnismäßig kleine Zahl von Menschen. Von 40 600 Juden, die seit der Machtergrei- fung in die Konzentrationslager eingeliefert worden waren, wa- ren die meisten gestorben oder ausgewandert?*. Von den weni- gen Tausenden übriggebliebenen konnte man nur bei 1600 an- nehmen, daß sie für die Arbeit in Auschwitz geeignet seien. Außer- dem konnte man in Buchenwald die Verschickung nach Auschwitz umgehen, wenn man über entsprechenden„Einfluß” verfügte. Christopher Burney, ein britischer Offizier, der in Buchenwald in Haft war, berichtet, daß mehr als fünfhundert deutsche Juden, die schon seit der Vorkriegszeit in Buchenwald gewesen waren, dort bis 1945 überlebt hätten, während Eugen Kogon sagt, daß zwei- hundert von ihnen vor der Verschickung dadurch bewahrt worden wären, daß man sie als Maurer ausgebildet hatte®. Am 26. November erstreckte eine Anordnung von Fritz Sauckel, dem Reichsbevollmächtigten für Arbeit, den Austausch auf alle Juden in einer anerkannten Beschäftigung innerhalb des Reichs- gebietes. Sie sollten durch Polen ersetzt werden, die man aus dem Gebiet von Zamosc zu vertreiben beabsichtigte. Endlich schien es, daß der Widerstand der Wirtschaftsministerien gegen die SS überwunden war und daß auch die seit Oktober 1941 geschützten Juden, die in der Rüstungsindustrie arbeiteten, nunmehr deportiert 178 \sgENTES| werden gungsaf schub VO Vertreibt arbeiter Im Deze Berlin a Auswan Mai 1% reichste sich vor betätigt Charak orges N sonder! Augen selten€ Brunne! führte, rates d der Bru im fol u. 369 Resign zehnic inden mals f €$ Waren Zt werden Pblichkeit ten sechs aren, wa- den weni- | 1600 an- an. Außer- Auschwitz verfügte. enwald in Juden, die aren, dort Jaß zwei- rt worden ‚ Sauckel, ı auf alle ;s Reichs- ‚ aus dem ich schien sn die 55 schützten jeportiert SIEBENTES KAPITEL 1. DIE DEPORTATIONEN AUS DEM GROSSDEUTSCHEN REICH werden sollten. Nichtsdestoweniger konnten die jüdischen Rü- stungsarbeiter in Berlin und Breslau noch einen weiteren Auf- schub von drei Monaten genießen, da man ja durch die bloße Vertreibung polnischer Landwirte aus Zamosc noch keine Fach- arbeiter bekam. Im Dezember 1942 kam SS-Sturmbannführer Brunner aus Wien in Berlin an. Seine durch Eichmann vorgenommene Berufung ins Auswanderungsamt war ein unheilvolles Zeichen. Brunner, der im Mai 1946 hingerichtet wurde, war wahrscheinlich der erfolg- reichste von Eichmanns Fachleuten für Deportierung, denn er hatte sich vorher schon in Frankreich, Griechenland und der Slowakei betätigt. Er war ein Mann mit einem ziemlich undurchsichtigen Charakter. Dunand sagt, daß er wie ein Jude aussah, und Dr. Ge- orges Wellers bezeichnete ihn als„klein, schlecht gebaut, nicht sonderlich gesund, mit einem ausdruckslosen Gesicht und kleinen Augen mit bösartigem Blick, der mit monotoner Stimme, die er selten erhob, sprach” 7. Brunner war es, der den jüdischen Ordnungsdienst in Polen ein- führte, die Polizei mit der Armbinde, die im Auftrag des Juden- rates die eigenen Genossen verhaftete2, eine Einrichtung, von der Brunner auffallenderweise während seines Pariser Aufenthalts im folgenden Juli Gebrauch zu machen unterließ(siehe S. 346 u. 369). In Paris teilten nicht einmal die staatenlosen Juden die Resignation, an der die in Berlin verbliebenen Juden als Folge der zehnjährigen Unterdrückung litten. Diese Stimmung ist nur zu guf in den Worten des Rabbiners Leo Baeck wiedergegeben, der da- mals Präsident der„Reichsvereinigung” war?: „Später, als die Frage entstand, ob jüdische Ordonnanzen Juden für die Deportierung aussuchen sollten, habe ich die Ansicht vertreten, daß es besser wäre, wenn sie es tun, da sie wenigstens sanfter mit ihnen umgehen und ihnen eher helfen würden als die Gestapo und ihnen ihr Los leichter machen würden. Es war kaum in unserer Macht, dem Auf- trag wirksam Widerstand zu leisten.“ Die Eintragungen in Goebbels’ Tagebuch ziehen fast diesen letz- ten Satz in Zweifel. Drei Züge mit Deportierten gingen am 13. Ja- nuar sowie 19. und 25. Februar ab, ohne besonderes Aufsehen zu erregen®. Aber von der großen Razzia in den Munitions- fabriken in der Nacht des 27. Februar waren viele in der Berliner 179 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Gesellschaft bekannte Juden betroffen. Die Wehrmachtsfabriken wurden von Himmlers Prätorianer-Garde, der„Leibstandarte Adolf Hitler”, umzingelt, und die Juden wurden in den Werkstätten so lange gefangengehalten, bis die Transporte bereit waren®. In der Zwischenzeit durften ihre Familien die Wohnungen nicht ver- lassen. Am 2. März notierte Goebbels in seinem Tagebuch, daß die Razzia am Wochenende kein besonderer Erfolg gewesen sei. „Die besseren Kreise, insbesondere die Intellektuellen“ hatten die Juden gewarnt. Vier Tage später war Goebbels ebenso wütend auf die Gestapo, die die Razzia während der Nacht eines fürch- terlichen Angriffs der britischen Luftwaffe fortgesetzt hatte 2. Nachdem schließlich eine Menschenmenge gegen die Evakuierung eines jüdischen Altersheims demonstriert hatte, mußte Goebbels den ganzen Plan aufgeben.„Wir wollen uns das lieber noch einige Wochen aufsparen, dann können wir es um so gründlicher durchführen.“ Hitler aber wollte keinen Aufschub dulden. Am 9. März be- schwerte er sich Goebbels gegenüber darüber, daß es immer noch jüdische Intellektuelle in Berlin gebe. Die Verhaftung von in Misch- ehen lebenden Juden habe„besonders in Künstlerkreisen stark sensationell gewirkt”, so daß eine Anzahl von ihnen entlassen werden mußte 3. Diese Partner„privilegierter Mischehen” sollten lange nach dem 19. März, als die letzten 306 Berliner Juden nach Auschwitz gebracht wurden, und lange nach dem 19. Mai an Ort und Stelle bleiben, als Berlin nach der Verschickung von 109 Mit- gliedern der„Reichsvereinigung” nach Theresienstadt offiziell „judenfrei” wurde. Aber nicht nur die jüdischen Partner von Mischehen blieben von der Verschickung verschont. Am 28. Fe- bruar gab es offiziell 27281 Juden in Berlin, von denen man 6000 später nach Auschwitz und 3000 nach Theresienstadt ver- schleppt hat*. Von den ungefähr 18.000, die nach dem 19. Mai in Berlin verblieben, gehörten weniger als die Hälfte zu den privi- legierten Juden. Die anderen trieben sich während des Tages ohne Lebensmittel- oder Kennkarten auf den Straßen herum und wurden während der Nacht von nichtjüdischen Freunden notdürf- * Es ist bemerkenswert, wie schlecht informiert Oswald Pohl, der Leiter der gesamten Konzentrationslagerverwaltung, war. Als er sich Himmler gegenüber darüber äußerte, daß man nach Arbeitsschluß keine jüdischen Rüstungsarbeiter die Scheringwerke in Oranienburg verlassen sehe, sagte ihm dieser, daß sie nach Theresienstadt gebracht worden seien®, 180 sipeNTES tig hehe untersch daß Jud fon mit Qurch Z ten erho der Bes Kerkern nienbur TranspC Umstän diese M werden übliche Iaden v der Ein Am. l und sp einsatz über a sonen wurde! lung". schen vielen ich mi jüngeı Die p nächsl nur 48 arbeit den{ 38 Dası groß niktu um c ZU v Irefe Atsfabril en [Stätten so varen 3, In n Nicht Ver- ebuch, daf Ewesen sel, | hatten die SO wütend eines fürch- tzt hatte2 vakuierung E Goebbels ieber noch Qründlicher März be- mmer noch Dn in Misch- eisen stark entlassen ien” sollten Juden nach Mai an Ort 3n 109 Mit- dt offiziell ortner von \m 28. Fe- enen man stadt ver- 19. Mai in den privi- Jes Tages erum und n notdürf- ler gesamten ‚ber äußerte, ingwerke in „dt gebracht Idarte Adolf| SIEBENTES KAPITEL 1. DIE DEPORTATIONEN AUS DEM GROSSDEUTSCHEN REICH | tig beherbergt. Am 11. März hatte Goebbels ihre Zahl mit 4000 unterschätzt, während er sich am 18. April darüber beschwerte, daß Juden, die keinen Ausnahmeschein besaßen, immer noch of- fen„mit dem Judenstern in der Reichshauptstadt herumlaufen“%. Durch Zufall ist ein Bericht über das Schicksal von drei Transpor- ten erhalten geblieben, die Berlin am 4., 5. und 13. März 1943 mit der Bestimmung Auschwitz verließen. Zunächst hatte Höss, der Kerkermeister von Auschwitz, von Glücks’ Arbeitsamt D Il in Ora- nienburg(siehe S. 123) die Mitteilung erhalten, daß der erste Transport aus Rüstungsarbeitern bestehen werde, die unter allen Umständen als arbeitsfähig anzuerkennen wären, weil nur auf diese Weise die Leistungsfähigkeit des Bunawerks voll ausgenützt werden könnte(s. S. 120). Der Transport sollte aber nicht an der üblichen Stelle, sondern möglichst in der Nähe der Fabrik ausge- laden werden. Binnen weniger Tage sei eine fühlbare Erweiterung der Einrichtung des Bunawerks zu erwarten. Am 5. März traf in Oranienburg ein Bericht des Obersturmführers und späteren Hauptsturmführers Albert Schwarz, des Arbeits- einsatzführers für die Auschwitzer Außenlager, ein, der sich dar- über aufhielt, daß 1118 der im Transport befindlichen 1750 Per- sonen Frauen und Kinder waren. Alle Männer und 200 Frauen wurden zur Arbeit zugeteilt. Der Rest verfiel der„Sonderbehand- lung“. Das Durchschnittsalter der am Leben Belassenen war zwi- schen 50 und 60.„Wenn die Transporte aus Berlin weiter mit so vielen Frauen und Kindern nebst alten Juden anrollen, verspreche ich mir in Punkt Einsatz nicht viel. Buna braucht vor allen Dingen jüngere und kräftige Gestalten 7.“ Die pessimistische Voraussage von Schwarz war begründet. Der nächste Transport aus Berlin brachte 1128 Menschen, von denen nur 485 der Gaskammer entgingen, obwohl auch das ein Rüstungs- arbeiter-Transport gewesen war. Aus dem dritten Transport wur- den 365 von der Gesamtzahl von 964 nicht vergast. 1682 der 3842 Berliner Juden hat man zur Arbeit ins Bunawerk geschickt. Das war das äußerste, was man in der Zeit der seit Kriegsausbruch größten, durch den Mangel an Arbeitskräften hervorgerufenen Pa- niktun konnte. Es hatte erst der Katastrophe von Stalingrad bedurft, um das Tempo der Vergasungen auch in so geringfügigem Maße zu verlangsamen. EIf Tage später, am 16. März, trafen die Ver- treter von Krupp mit Karl Sommer von der Abteilung D II zusam- 181 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG men, um über die in Aussicht genommene Fabrik für Granatzünder in Auschwitz zu verhandeln. Sommer erklärte, daß ungefähr vier- zehn Tage vorher alle Berliner Juden nach Auschwitz verschickt worden seien und daß sie„Mitteilungen der SS zufolge“ sich zum großen Teil im Lager Auschwitz befänden®%. Am 5. März kam ein zweiter Transport aus Breslau in Auschwitz an. An diesem Tage wurden 1450 Menschen vergast, was zu diesem Zeitpunkt, als noch keines der vier neuen Krematorien zur Ver- fügung stand, eine sehr hohe Zahl war. Der Aufschub der Inbe- triebnahme des ersten Krematoriums(siehe Seite 166 und 167) bis 13, März trug zu der Verlangsamung der Deportationen bei, die in den Städten des Reichs bis Ende Mai vor sich gingen. Ausch- witz wurde mit Transporten aus Frankreich, Belgien, Griechenland, Bulgarien und Polen so überfüllt, daß die holländischen Trans- porte im März nach dem Todeslager inSobibor® und ein Transport aus Luxemburg nach Treblinka umgeleitet werden mußten. Phan- tastische Angaben über die Zahl der tschechischen und österreichi- schen Juden, die im Frühjahr 1943 in Treblinka vergast worden sein sollen, sind von Überlebenden dieses Todeslagers gemacht wor- den; sie sprachen auch von einer„Potemkinschen“ Eisenbahn- station und von Schlafwagenzügen“0. Aber die Zahl der in Prag und Wien Ende 1942 verbliebenen Juden schließt die Möglichkeit aus, daß mehr als zwei- bis dreitausend von ihnen nach Treb- linka geschickt wurden. Der Bericht der Untersuchungskommission, die nach dem Krieg vom Richter Lukazskiewicz aus Siedlice ge- leitet wurde, nennt nur zwei Transporte aus Wien, die am 23. März und 1. April 1943 in Treblinka ankamen— wahrscheinlich war einer von ihnen der Transport, von dem der in Nürnberg vernom- mene Zeuge Rajzman annahm, daß eine Schwester von Sigmund Freud in ihm umgekommen war“®!. Es ist möglich, daß in den sechs Monaten der letzten Umsiedlungs- aktion bis zu 25000 Juden aus dem Großdeutschen Reich nach Auschwitz verschickt wurden, während man gleichzeitig 8000 Ju- den aus Auschwitz nach Theresienstadt brachte. Auch wenn man das in Betracht zieht, ist der Anteil von aus dem Reich in die Todeslager verschickten Juden im Vergleich mit den Zahlen für Griechenland und Holland, zwei besetzten Ländern, klein*. „Nach dem augenblicklichen Stand der Endlösung der Juden- * Es ist äußerst schwer, die Zahl der tatsächlich in die Todeslager verschickten Juden 182 | gain! frage’, 5 den, ser Anden SI ischehe scher St Offiziere ntlaust. mit in 9 istiker| das Altr dauerte diesich Dr. Kor den mi halten von we nis geb sie als inBude Die me überle Sterilis binder Misch nach Zwiscl schen scheic komn licher Besch Viel| ob,| zu beı die D) gobe im Pr der) und deuks die? die 3 F verschickt Sich zum acht wor- Möglichkeit nach Treb- ommission, jedlice ge- m 23. März sinlich war 'g vernom- n Sigmund siedlungs- eich nach g 8000 Ju- wenn man ich in die /ahlen für ein*. or Juden- iickten Juden SIEBENTES KAPITEL 1. DIE DEPORTATIONEN AUS DEM GROSSDEUTSCHEN REICH frage”, schrieb Eichmann am 8. Juli 1943 an Eberhard von Thad- den, seinen neuen Verbindungsmann im Auswärtigen Amt,„be- finden sich im Reichsgebiet lediglich noch die in deutsch-jüdischen Mischehen lebenden Juden und einige wenige Juden ausländi- scher Staatsangehörigkeit“?.” Am 23. April sagte Himmler den Offizieren von drei SS-Divisionen in Charkow:„Wir sind bald entlaust. Wir haben nur noch 20000 Läuse, dann ist es vorbei da- mit in ganz Deutschland#.“ Aber Himmler, der durch seinen Sta- tistiker Dr. Korherr verläßliche Zahlen erhalten hatte, konnte nur das Altreich im Sinne gehabt haben, denn mindestens 33 000 über- dauerten den Krieg“, und das waren noch lange nicht alle Juden, die sich auf freiem Fuß befanden, von denen eine große Zahl, wie Dr. Korherr Himmler sagte,„als unauffindbar abgeschrieben wer- den müssen“. Alle drei Hauptstädte des Großdeutschen Reichs hatten ihre unterirdisch lebende jüdische Bevölkerung. In Wien, von welcher Stadt sich Baldur von Schirach bei Heydrichs Begräb- nis gebrüstet hatte, sie werde Ende 1942„judenfrei”“ sein, waren sie als„U-Boote“ bekannt und wurden von den Kultusgemeinden in Budapest und Preßburg, so gut es ging, heimlich unterstützt”. Die meisten der Halbjuden und der in Mischehen lebenden Juden überlebten den Krieg, weil Hitler sich nicht durch Bewilligung der Sterilisierung als einer Alternative zur Deportation die Hände binden wollte. Schließlich wurde auch die Deportierung der in Mischehen lebenden Juden angeordnet, aber nur die Verschickung nach Theresienstadt; diese Aktion begann aber erst 1945. In der Zwischenzeit führten die„privilegierten” Juden des Großdeut- schen Reichs ein Leben als Geiseln der Gestapo. Heydrichs Ent- scheidung in der Besprechung inWannsee und Thieracks Überein- kommen mit Himmler hatte sie des letzten Restes eines gesetz- lichen Schutzes beraubt. Jede bei den Haaren herbeigezogene Beschwerde bedeutete Deportierung. Viel hing von der Zusammenarbeit der Gauleiter mit der Gestapo ab. In Frankfurt wurde das Jahr 1943 mit einem wahren Terror- zu berechnen. Den Angaben zufolge, die Dr. Korherr Himmler gegenüber machte und die Dr. Simon von der„Reichsvereinigung deutscher Juden” für ihn vorbereitet hatte, gab es Ende 1942 74979 Juden im Großdeutschen Reich, davon 51 327 im Altreich, 15530 im Protektorat und 8112 in Osterreich. Der zweite Bericht Dr. Korherrs sagt, daß die Zahl der Juden im Altreich im April 31910 betrug, von denen 16668 in Mischehen lebten und daher privilegiert waren. Daraus kann man schließen, daß Ende Mai, als das Groß- deutsche Reich offiziell„judenfrei” war, sich mehr Juden auf freiem Fuß befanden als die 32000, die offiziell als in Mischehen lebend bezeichnet wurden#2. 183 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG regime eingeleitet, als Gauleiter Jakob Sprenger, ein früherer Post- beamter, die monatliche Festnahme von wenigstens hundert in Mischehen lebenden Juden mit ihrer Nachkommenschaft an- ordnete*®. Infolgedessen starben in den Gaskammern von Auschwitz die Frauen von Richtern und hohen Staatsbeamten, die Mütter die- nender Soldaten, ein Offizier des ersten Weltkrieges und sogar ein irrtümlich einbezogener Nichtjude.„Gründe“ für die Verschik- kung waren unter anderem, wenn man es verabsäumt hatte, ge- legentlich einer auf dem Postamt abgegebenen Unterschrift seinem Namen ein„Israel“ hinzuzufügen, wenn man eine Zigarette auf der Straße rauchte, eine Straßenbahn benützte, ein Lebensmittel- paket erhielt oder an einer Skatpartie teilnahm. Wenn ein Halb- iude geltend machte, daß diese Vorschriften ihn nicht beträfen, sagte ihm Kriminalkommissar Heinrich Baab oder seinesgleichen: „Die gehen uns einen Dreck an. Wir machen hier unsere eigenen Gesetze*?.” Aber Baab, der 1950 vor dem Frankfurter Schwur- gericht stand, war nur einer aus einem halben Dutzend Frankfurter Gestapobeamter und Frankfurt nur eine unter einem halben Dut- zend deutscher Städte, in denen„privilegierte” Juden verblieben waren. Kein Jude oder Halbjude konnte von 1943 an irgendeinen Zweifel an der Bedeutung der Deportierung haben. Baab selbst drohte ihnen mit„durch den Schornstein gehen“ und„Dünger aus ihnen machen“. Aber selbst nach 1943 gab es einen kleinen Rest einer Organisa- tion von jüdischen Gemeinden in Berlin und Wien. Als Eichmann im März 1943 die in Wien überlebenden Mitglieder der„Reichs- vereinigung” nach Theresienstadt verschicken wollte, stellte sich Sturmbannführer Gregor Ebner, der Bezirkskommandeur der Sicherheitspolizei, dem Befehl entgegen*. So wurden etwa 180 Angestellte verschont, die sich um die etwa 6000 in Misch- ehen lebenden Juden und deren Kinder kümmern sollten** 50 Der Beamtenstab schloß ein Hilfskomitee ein. Die meisten Mit- glieder dieses Komitees wurden im März 1945 getötet, als eine Diese Tatsache und viele private Interventionen zugunsten von Juden und katholi- schen Geistlichen retteten Ebner 1945 das Leben, aber er büßt gegenwärtig noch eine Sirafe von zwanzig Jahren Zuchthaus in Österreich ab. ** Nichtsdestoweniger wurden vierzig Angestellte der„Reichsvereinigung” aus Wien Anfang 1944 nach Auschwitz gebracht, wo dem Registerführer der Quarantäne-Abtei- lung Dr. Otto Wolken aus St. Pölten zufolge fast alle vergast wurden 51, 184 gygeNTES| sorgräli heitefen, suchte, fl großen| stünde h sah Dun siehe 5, Am20.: Konfere einem$ solche; worden entschie man Juc Schweir Polen u dings d die zu. Ledere ersten| Prager vom Jı tation seiner Heydr mende Aufga und B im Jar stadt Die\ Auar den c nicht auf) zugu ünge Üherer Post. undert in Schaft an. Schwitz die Mütter die. und Sogar je Verschik. ! hatte, ge. hrift seinem garette auf Ebensmittel. n ein Halb- t beträfen, esgleichen: Fre eigenen er Schwur- Frankfurter alben Dut- verblieben gendeinen aab selbst Dünger aus Organisa- ; Eichmann er„Reichs- stellte sich ndeur der Jen etwa in Misch- isten Mit- ‚ als eine und katholi- ig noch eine « aus Wien ntäne-Abfei- | Notosung I . SIEBENTES KAPITEL 2. THERESIENSTADT/ DAS PRIVILEGIERTE GHETTO sorgfältig gezielte Bombe das Gestapogebäude, in dem sie ar- beiteten, vernichtete. Georges Dunand, der Wien bald darauf be- suchte, fand dort ein jüdisches Spital vor, aber das Zuströmen von großen Mengen kranker Deportierter aus Ungarn hatte dort Zu- stände hervorgerufen, die an Belsen erinnerten. In diesem Spital sah Dunand die letzte Synagoge des Großdeutschen Reiches 32 (siehe$. 505). 2. Theresienstadt, das privilegierte Ghetto Am 20. Januar 1942 teilte Heydrich den in Wannsee versammelten Konferenzteilnehmern mit, daß man erwäge, Theresienstadt zu einem Sonder-Ghetto für Juden im Alter von über 65 Jahren und solche zu machen, die im ersten Weltkrieg schwer verwundet worden waren oder hohe Auszeichnungen erhalten hatten. Hier entschied man sich also für ein geändertes Vorgehen. Bisher hatte man Juden dieser Kategorie, von denen Hitler erklärt hatte,„diese Schweine haben sich die Dekorationen doch erschlichen“ 53, nach Polen und Rußland geschickt. Ursprünglich hatte Heydrich aller- dings die Absicht gehabt, Theresienstadt als ein Transitlager für die zu deportierenden Juden aus Böhmen zu verwenden. Zdenek Lederers Bericht sagt, daß Heydrich keinen Gefallen an dem ersten Plan für Theresienstadt gefunden hätie, der zwischen dem Prager Vertreter Eichmanns, Hans Günther, und Jakob Edelstein vom Judenrat zur Vermeidung der beabsichtigten Massendepor- tation nach Minsk vereinbart worden war°*. Acht Wochen nach seiner Ernennung zum Reichsprotektor im November 1941 hatte Heydrich die Umwandlung dieser aus dem 18. Jahrhundert stam- menden Festungsstadt an den steilen Ufern der Eger für die neue Aufgabe angeordnet. Transporte von jüdischen Familien aus Prag und Brünn begannen innerhalb weniger Tage einzutreffen, und im Januar 1942 lebten schon 7000 Neuankömmlinge in Theresien- stadt zusammen mit der ortsansässigen Bevölkerung. Die Wannsee-Besprechung hatte— allerdings nicht vor dem Ja- nuar 1942— den Beginn der Verschickung der privilegierten Ju- den aus Deutschland und Österreich im Gefolge. Das bezog sich nicht nur auf alte Menschen und Kriegsveteranen, sondern auch auf Juden, die mit Nichtjuden verheiratet waren, aber ihre Bevor- zugung verloren hatten, Halbjuden, die dem jüdischen Glauben angehörten, ehemalige höhere Staatsbeamte und Mitglieder der 185 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG „Reichsvereinigung“ 5. Dann folgte ein Strom solcher, die sich ihre privilegierte Stellung irgendwie erkauft hatten. Die von der „Reichsvereinigung” zusammengestellten Zahlenangaben sind vielsagend. Während des Jahres 1942 trafen in Theresienstadt 33200 Juden aus dem Altreich, 14222 aus Österreich und 39722 aus dem Protektorat ein. Das dürfte etwa das Vierfache der Zahl der im Frühling und Herbst 1942 direkt nach Polen und Rußland deportierten Menschen gewesen sein®. Nicht weniger als 87093 Menschen wurden also im Jahre 1942 in Theresienstadt zusammengepfercht. Man kann sich schwer vor- stellen, wie diese Menschenzahl in einer Stadt, die normalerweise von 7000 Zivilisten und Soldaten bewohnt worden war, unterge- bracht werden konnte. Bis zum Ende des Jahres 1942 hatten die Deutschen allerdings die Bevölkerung schon auf 49392 herab- gesetzt, was immer noch für diese kleine Stadt eine phantastische Zahl bedeutete. Ein wenig verschämt berichtete Dr. Korherr, der pedantische Rechnungsführer, an Himmler, daß der Verlust von 37000 Menschen„vor allem durch Sterbefälle eingetreten” sei 57. Dr. Korherr hat mir geschrieben, daß er diese erschütternde Zahl ruhig hinnahm, weil er der offiziellen Behauptung Glauben schenkte, daß Theresienstadt ein„Altersheim“ gewesen sei. Erst eine kürzlich erschienene Veröffentlichung habe das wahre Schick- sal der meisten dieser 37 000 Menschen enthüllt. Sie wurden nach dem mysteriösen„Osten“ der deutschen Amtskorrespondenz de- portiert. Etwa 30000 Menschen verließen damals Theresienstadt, und nur 250 von ihnen haben den Krieg überlebt. Sie wurden im Januar nach dem Ghetto Riga gebracht, in der Zeit vom März bis Juli in die Sammelbecken für die polnischen Todeslager, in den Monaten August bis September zu den fahrbaren Gaskammern des Waldes von Minsk* und im Oktober nach Treblinka und Auschwitz. Dieses Täuschungsmanöver hatte man Juden gegen- über verwendet, die in der Meinung lebten, sie wären privilegiert und von denen viele von der Gestapo überredet worden waren, sich einen Platz in Theresienstadt zu„kaufen“ und sogar ihre Fahrkarten dorthin selbst zu bezahlen®®. Man nannte es zwar * Die schrecklichsten waren wohl jene etwa zwölf Transporte, die im August und Sep- tember durch Minsk gingen. Aus jedem Transport wurden 20 bis 45 junge Männer ausgehoben und ins Arbeitslager Maly Trostinec geschafft. Der Rest kam vom Zug weg in die fahrbare Gaskammer. Nur zehn Menschen haben diese Schrecken überlebt. (Lederer, Theresienstadt, Seite 217—22] sowie Fußnoten$. 323 u. 462 ds. Buches.) 186 I" ggg! Schützha 65 kein Günther‘ Das einz sadt zeit das ‚Mu: jer war( über Ga nützte T zur Ehrt kongref ‚Ih tes, Ihn hal He\ ge\ Aber w schlosse man Th Iogern, den Kr Bevölk den lei der Gi von de Theres Iageru “192 v einigung minister Wurde€ bestimm dem Ju hotte#9 In wirt und wu ntersk Eichma Anton Vertret Mit Aı leitme fr, unterge- ngetreten” chütternde 9 Glauben en sei. Erst hre Schick. urden nach ndenz de- resienstadt, wurden im n März bis er, in den iskammern linka und en gegen- rivilegiert en waren, ogar ihre es zwar ust und Sep- en überlebt. uches.) SIEBENTES KAPITEL 2. THERESIENSTADT/ DAS PRIVILEGIERTE GHETTO Schutzhaft, aber wer einmal dort war, war in der Falle, aus der es kein Zurück gab, denn Theresienstadt war das Privatreich Hans Günthers, Eicnmanns„Referenten“ in Prag*. Das einzige Reichsministerium, das einiges Interesse an Theresien- stadt zeigte, war das Auswärtige Amt, das bei drei Gelegenheiten das„Muster-Ghetto“ diplomatischen Besuchern vorführte®°. Himm- ler war der Meinung, daß die im Ausland zirkulierenden Gerüchte über Gaskammern durch diese Besuche widerlegt würden, und be- nützte Theresienstadt im April 1945 sogar als einen Passierschein zur Ehrbarkeit, als er Dr. Norbert Masur vom Jüdischen Welt- kongreß folgendes sagte: „Theresienstadt ist kein Lager im eigentlichen Sinne des Wor- tes, sondern eine nur von Juden bewohnte Stadt, die von ihnen verwaltet wird und in der sie alle Arbeit zu verrichten haben. Diese Art von Lager ist von mir und meinem Freund Heydrich geschaffen worden, und so hatten wir alle Lager gewünscht©.” Aber wenn sich die Tore von Theresienstadt hinter jemandem ge- schlossen hatten, gab es für ihn kein Zurück. Verlassen konnte man Theresienstadt nur auf dem Wege zu den polnischen Todes- lagern, den fahrbaren Gaskammern Weißrußlands und später den Krematorien von Auschwitz. Auf diese Weise wurde der Bevölkerungsstand bis Oktober 1944 auf 11000 herabgesetzt. In den letzten drei Wochen des Krieges gab es eine dritte Phase in der Geschichte des Ghettos von Theresienstadt, eine Phase, die von den Schöpfern des Ghettos nicht vorausgesehen worden war. Theresienstadt wurde im wahrsten Sinne des Wortes zu einer Ab- lagerungsstätte für jüdische Überlebende aus Polen und Ungarn, * 1942 vollzog sich der„Kauf“ eines Platzes in Theresienstadt durch die„Reichsver- einigung deutscher Juden”, die unter Aufsicht der Gestapo stand. Zwischen dem Finanz- ministerium und Regierungsrat Suhr, dem juristischen Sachbearbeiter in Eichmanns Amt, wurde ein Übereinkommen erzielt, dem zufolge ein zum Transport nach Theresienstadt bestimmter Jude sein ganzes Vermögen der Reichsvereinigung überließ, die ihrerseits dem Juden-Ältesten in Theresienstadt eine entsprechende Entschädigung zu zahlen hatte 5. In wirtschaftlicher Beziehung unterstand Theresienstadt Oswald Pohl und dem WVHA und wurde in der Liste der Konzentrationslager geführt. In administrativer Beziehung unterstand es Eichmann, und die Kommandanten von Theresienstadt wurden dem Stab Eichmanns entnommen. Die drei einander folgenden Kommandanten Siegfried Seidl, Anton Burger und Karl Rahm standen in den Jahren 1946/47 zusammen mit dem stell- vertretenden Kommandanten Wilhelm Schmidt vor Gericht und wurden hingerichtet. Mit Ausnahme von Seidl, dessen Prozeß in Wien stattfand, wurden sie vom Gericht in Leitmeritz verurieilt. 187 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG die durch den Rückzug der Wehrmacht erst nach dem Westen und dann nach dem Süden geirieben worden waren. In dieser Zeitspanne entging Theresienstadt gerade noch einer Typhus- epidemie und einigen Drohungen mit der Liquidierung, und am 11. Mai 1945 wurde es mit 32000 Insassen den Russen übergeben (siehe$. 536 Ff.)62. Innerhalb des Achtecks, das von den Mauern von Theresienstadt gebildet wurde, gab es keine SS-Wachen und keine gewalttätigen deutschen Kriminellen, die in der offiziellen Funktion eines Kapos auftraten. Das war das Theresienstädter Privileg, das furchtbar teuer erkauft worden war. Aber als ein„Badeort” hatten die meisten deutschen Konzentrationslager vor dem Musterghetto einiges voraus, 1942 hatten nur 60 v.H. der Insassen, von denen die meisten den älteren Altersgruppen angehörten, eine richtige Schlafstäite. Arbeit war obligatorisch, und die Entschädigung dafür bestand in der notdürftigen Existenz. Junge Landarbeiter und Arbeiter in den Glimmer-Werken bekamen mehr als die nor- male Zuteilung von 225 Gramm Brot, 60 Gramm Kartoffeln und einer wässrigen Haferschleimsuppe pro Tag, einer Kost, die einen Augenzeugen hungriger ließ als die, die er in Auschwitz bekom- men hatte“. Aber in dem Altersheim, dem großen Dachgeschoß einer aus dem 18. Jahrhundert stammenden Kaserne, hatten die Insassen keine andere Aufgabe, als zu sterben. Im September 1942 gab es dort 130 Todesfälle am Tag, und die Schlote des Kremato- riums rauchten ununterbrochen 5. Die jüdische Selbstverwaltung in Theresienstadt, mit der sich Himmler brüstete, war eine Diktatur in den Händen dreier erfah- rener jüdischer Funktionäre, denen die Deutschen die fürchter- liche Aufgabe der Vorbereitung von„Umsiedlungslisten“ anver- traut hatten. 1942 hatten Edelstein und Zucker mehr als 30 000 Menschen für den Tod auszuwählen. Aber erst mit dem Beginn der Transporte nach Auschwitz wurde es möglich, das Schicksal der angeblich privilegierten Juden in Theresienstadt in den Einzel- heiten zu verfolgen. Am 16. Dezember 1942 verschickte der Ge- stapo-Chef Heinrich Müller eine Anordnung, der zufolge bis zum 31. Januar 1943 45000 Juden, darunter 2000 aus Holland, 3000 aus Berlin, 30000 aus dem Ghetto Bialystok(siehe S. 322 f.) und 10000 aus Theresienstadt, nach Auschwitz deportiert werden soll- ten. Man erwartete, daß nur ein Viertel davon arbeitsfähig sein 188 N gas A \ virde, und gant einen in dem Bel yats zu le ginsollten Die Aktion Ionen de asten drei onTheresi erlangte( on Höss, V verk oder wirden*. Wirbesitze für Arbeits Antwort di (rematoriu ersten Trar 19 des zı von den a Zahlen sor zu entschu gung“ erf Sterblichk meist um drei Züge Zwei weit Diese Jud as furchtbar hatten die Musterghetto ‚ Von denen eine richtige ntschädigung Landarbeiter r als die nor- toffeln und st, die einen witz bekom- achgeschoß e, hatten die otember 1942 Jes Kremato- mit der sich dreier erfah- die fürchter- sten“ anver- ir als 30.000 n Beginn der chicksal der den Einzel- kte der Ge- ge bis zum eines| Kapos ‚land, 3000| 392f) und werden soll tsfähig sein F I B KAPITEL 2. THERESIENSTADT/ DAS PRIVILEGIERTE GHETTO ‚ würde, und sah bei dem von Theresienstadt zu stellenden Kontin- gent einen noch niedrigeren Anteil von Arbeitsfähigen vor, denn in dem Befehl war davon die Rede, daß die Hälfte des Trans- ports zu leichter Arbeit Fähige und die andere Arbeitsunfähige sein sollten%, Die Aktion sollte am 11. Januar 1943 beginnen, sobald die Eisen- bahnen den Weihnachtsurlaubs-Ansturm bewältigt hatten. Die ersten drei Züge verließen aber Bauschowitz, die Eisenbahnstation von Theresienstadt, erst am 20., 23. und 26. Januar. Am 17. Februar verlangte Gerhard Maurer von der Abteilung D II einen Bericht von Höss, wobei er, wie üblich, sagte, daß die Juden nun im Buna- werk oder in der Bauabteilung des Auschwitzer Lagers arbeiten würden*. Wir besitzen in der im Namen von Höss von dem Sachbearbeiter für Arbeitsverpflichtung, SS-Hauptsturmführer Schwarz, erteilten Antwort die vollständigste Todesliste, die aus den Archiven des Krematoriums erhalten geblieben ist. Von den 2000 Insassen des ersten Transportes wurden 418 zur Arbeit ausgewählt, von den 2029 des zweiten 228, von den 993 des dritten 284. Der Rest wurde von den anderen getrennt und liquidiert, wobei die Daten und Zahlen sorgfältig vermerkt wurden. Schwarz versuchte sich dafür zu entschuldigen, daß bei 1400 Männern die„Sonderunterbrin- gung“ erfolgte; bei den Männern sei der Grund zu große Sterblichkeit gewesen, bei den Frauen die Tatsache, daß es sich meist um Kinder handelte 67. Nur 44 Menschen, die sich in diesen drei Zügen befanden, haben den Krieg überlebt. Zwei weitere Transporte gingen Anfang Februar nach Auschwitz, Diese Juden wurden angeblich zur Arbeit nach dem Osten ge- schickt, und dabei waren sie die am wenigsten arbeitsfähigen von allen. Die Monate vergingen, und in Theresienstadt hörte man nichts über das Schicksal der Verschickten, so daß die Beunruhi- gung immer mehr wuchs. Im August gelang es einem Verschlepp- ten, aus Auschwitz zu entkommen und den Weg nach Theresien- stadt zurückzufinden. Er erzählte die Geschichte der Selektionen * Leider wurde Maurer, der Hunderte solcher Berichte bekommen haben muß, nicht in Nürnberg vor Gericht gestellt. Die Anklage im Konzentrationslager-Prozeß war im Februar 1947, als Maurer entdeckt und verhaftet wurde, bereits fertig. Er wurde nicht als Zeuge geführt, sondern zusammen mit Arthur Liebehenschel und vielen anderen, die mit der Verwaltung von Auschwitz zu tun hatten, den Polen ausgeliefert und mit den anderen zusammen am 22. Dezember 1947 zum Tode verurteilt.(Siehe Seite 123.) 14 189 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG für die Gaskammer dem Rabbiner Leo Baeck, dem verehrungswür- digen früheren Präsidenten der„Reichsvereinigung“, der im Ja- nuar nach Theresienstadt gekommen war. Vorsichtshalber er- zählte er das Baeck nur unter vier Augen und ganz geheim, und Baeck hat berichtet, wie er zu dem Entschluß kam, nicht ein- mal seine Kollegen im Ältestenrat von Theresienstadt zu infor- mieren®, Ungefähr um diesen Zeitpunkt, nämlich im August 1943, brachte Eichmann Eberhard von Thadden von der Abteilung„Inland II”, seinen Verbindungsmann im Auswärtigen Amt(den Nachfolger Martin Luthers, der damals im Konzentrationslager Sachsenhausen saß), dazu, eine Delegation des Deutschen Roten Kreuzes nach Theresienstadt zu bringen’°. Die Besucher bemerkten offenbar die Unruhe im Lager. Auf jeden Fall änderte Eichmann am 6. Sep- tember seine Methode, als 5000 tschechische Juden von Theresien- stadt nach Auschwitz geschickt wurden*. Sie wurden familien- weise in den Transport eingereiht und konnten ihr Gepäck mit- nehmen. In Auschwitz bekamen sie sechs Monate Quarantäne in der Isolierstation des Lagers Birkenau. Sie wurden verhältnismäßig gut behandelt, und es wurde ihnen gesagt, daß sie Briefe schrei- ben könnten. Freddi Hirsch, einer der Lagerführer, bekam sogar die Bewilligung, für die Kinder eine Schule zu eröffnen. Die Information über das, was weiter vor sich ging, verdanken wir einem jüdischen Arzt aus der Slowakei, der im April 1944 nach Ungarn entkam. Dieser Mann, der die Aufzeichnungen in der Krankenabteilung von Birkenau leitete, machte Hirsch darauf auf- merksam, daß die Mitglieder seines Transports mit der Bezeich- nung„SB“ oder„Sonderbehandlung“ versehen worden waren. Das sei im ganzen Lager bekannt. Überdies hieß es, daß das jü- dische Arbeitskommando des Krematoriums bereit sei, zu meutern, falls die tschechischen Juden ihm Waffen geben könnten. Aber am 7. März 1944, dem Tage, an dem die Quarantäne zu Ende gehen sollte, beging Hirsch Selbstmord mittels Veronal, und 3791 Juden marschierten zu den Krematorien in voller Kenntnis dessen, was ihnen bevorstand. Der Rest wurde den Arbeitskommandos zu- geteilt. Nur 37 überlebten den Krieg’?. * Die Deportationen wurden wegen der Evakuierung von 6000 Menschen aus der Sude- tenkaserne in Theresienstadt wieder aufgenommen, die von da ab zur Aufbewahrung des RSHA-Archivs benutzt wurde’!. 190 sıgeNTES Ende 1% der Neu Todesfäl Transpo! die Gesc Die Narr Birkenal Theresie teilung| Transpo! sprache Vergasu der gro! kommer Es gab e witz", di schichte beging 400 Juc lerund. Ausland nicht n damit m würdig Im Aprı führer in Dän Kreuz- Beyölk reich, beete von T und a gauke Nicht Waren 1 Phrungsu. er im Io. tshalber er. peheim, und ‚ Nicht ein. dt zu infor. PB, brachte }„Inland Il" Nachfolger hsenhausen Feuzes nach en offenbor N am 6. Sep- n Theresien- en familien- epäck mit- arantäne in ältnismäßig 'riefe schrei- Jekam sogar N. rdanken wir il 1944 nach ngen in der ‚ darauf auf- Jer Bezeich- den waren. daß das jü- zu meutern, nnten. Aber ne zu Ende ıl, und 3791 ‚tnis dessen, mandos zu- ‚ aus der Sude- ‚Aufbewahrung R ENDlasug SIEBENTES KAPITEL 2. THERESIENSTADT/ DAS PRIVILEGIERTE GHETTO Ende 1943 lebten 35000 Juden in Theresienstadt, denn die Zahl der Neuankömmlinge war immer noch größer als die Zahl der Todesfälle. Um die Überfüllung zu verringern, wurden daher zwei Transporte mit 5007 Insassen nach Auschwitz geschickt, wo sich die Geschichte mit der sechsmonatigen Quarantäne wiederholte. Die Namen der Überlebenden sind in der Beschäftigungsliste des Birkenauer Lagers vom 11. Mai 1944 eingetragen. 1452 Juden aus Theresienstadt befanden sich immer noch in der Quarantäne-Ab- teilung IIb, aber bei 1575 war in der Liste„Vorbereitung zum Transport” eingetragen, und das hatte in der Auschwitzer Amts- sprache keine andere Bedeutung als unmittelbar bevorstehende Vergasung(siehe S. 132). Die meisten dieser 3027 Juden dürften in der großen„Selektion“, die um den 20. Juni stattfand, umge- kommen sein 3, Es gab einen weiteren Transport nach dem„Familienlager Ausch- witz“, der mit einem der merkwürdigsten Zwischenfälle in der Ge- schichte von Theresienstadt zusammenhängt. Am 2. Oktober 1943 beging Hitler den erstaunlichen Irrtum, die Deportation von 6000 Juden aus Dänemark zu versuchen. Dänemark war neutra- ler und souveräner Staat, der diplomatische Beziehungen mit dem Ausland unterhielt.(Siehe S. 391 ff.) Daraufhin unterrichteten be- sorgte deutsche Beamte die dänischen Diplomaten, mit denen sie in Verbindung waren, über diese Absichten, was zur Folge hatte, daß nur 360 Juden ins Netz gingen; man hielt es für ratsam, sie nicht nach Auschwitz, sondern nach Theresienstadt zu schicken, damit man dem dänischen König mit mehr Anspruch auf Glaub- würdigkeit versichern könne, daß ihnen nichts geschehen würde. Im April 1944 wurde der Gestapo-Chef Müller von SS-Standarten- führer Mildner, dem früheren Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Dänemark, überredet, den Dänen die Entsendung einer Rote- Kreuz-Delegation nach Theresienstadt zu gestatten’*. Aber eine Bevölkerung von 34000 war für ein Potemkinsches Dorf zu zahl- reich, so daß zwischen dem 15. und 18. Mai, während Blumen- beete angelegt und die Häuser angestrichen wurden, 2780 Juden von Theresienstadt nach Auschwitz zu gehen hatten. Die jungen und arbeitsfähigen wurden ausgesucht, um den Besuchern vorzu- gaukeln, daß Theresienstadt ein privilegiertes Altersheim und nicht ein Transitlager„für den Osten” sei. Mehr als die Hälfte waren eben angekommene holländische Juden(s. S. 386), aber 14* 19] a GH DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG die Anforderungen des„Jägerplans”(s. S. 478 f.) mußten befrie- digt werden, was viele dieser Juden vor dem Schicksal ihrer Vor- gänger bewahrte. Im Rahmen des„Jägerplans“ wurden 938 hol- ländische Juden Anfang Juli aus dem Birkenauer„Familienlager” ausgewählt und in das Verzeichnis des Lagers Sachsenhausen um- geschrieben. Sie wurden zur Arbeit in eine Flugzeugfabrik in Schwarzheide bei Senftenberg in der Lausitz geschickt. Eine wo- möglich noch größere Zahl von jüdischen Frauen wurde auf dem Wege über das Lager Ravensbrück auf die Fabriken verteilt, und nur einige Hundert erlitten den Gastod zur Feier der Auflösung des„Familienlagers”. 385 der im Mai Deportierten überlebten den Krieg. Die Odyssee eines kleinen Teiles dieser Gruppe aus Theresien- stadt kann dank der Forschungsarbeit des Niederländischen Ro- ten Kreuzes jetzt genauer verfolgt werden’°. Sie verließ das Lager Schwarzheide am 16. April 1945 und marschierte nach Leitmeritz. Dann wurden die Flüchtlinge auf einen Zug aufgeladen, der bom- bardiert wurde, worauf die SS-Wachen die Flucht ergriffen. Schließlich suchte die Gruppe Schutz in dem Lager, das sie ein Jahr vorher verlassen hatte, in Theresienstadt, das jetzt ein Rotes- Kreuz-Lager geworden war. Bald nach ihrer Abreise ein Jahr vorher war Potemkin-Theresien- stadt fertig und bereit, vom Roten Kreuz besichtigt zu werden. An- läßlich einer vorausgegangenen Überprüfung der Situation hatte Mildner gefunden, daß Theresienstadt zwar überfüllt sei, aber doch einen ordentlichen Eindruck mache. Da man annahm, daß die Delegation nicht in die höheren Stockwerke gehen werde, hielt man es für ausreichend, die Räume im Erdgeschoß der Kasernen freizumachen und herzurichten”s, Der Besuch am 23. Juni 1944 war ein Erfolg. Es gab Pakete für alle dänischen Juden und eine Botschaft vom dänischen König an den Rabbiner Friediger’’. Der dänische Botschafter, der erklärte, daß die Delegation vom Spital und dem jüdischen Theater den besten Eindruck erhalten hatte, sprach Steengracht von Moyland, der im April 1943 Weizsäckers Funktion im Auswärtigen Amt übernom- men hatte, seinen Dank aus”®. Jaques Sabile ist der Ansicht, daß Dr. Juel Heningsen, der Führer der Rote-Kreuz-Delegation, sehr wohl wußte, daß es sich hier um ein Potemkinsches Dorf handelte, obwohl der von ihm veröffentlichte Bericht sehr vorsichtig gehal- 192 segeNTES fon war’ inder W aufgefor nach The 4April] einen 90 den, UNC fnden(5 Für die| mann SC Fronten ler soge ssirk)) diennach Roten K Wirklich om 28.$ beitselit Fabriker Weg fül torien b rates AU Iektion, waren, gab?!, Nachde waren, und Kin villig f später Nyiszli Bewilli Ihren Icben, So ging "Die N Behaupt erzähle Männer Unter| en, der bom- cht ergriffen. ‚ das sie ein tzt ein Rotes- in-Theresien- ) werden. 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Zu einem Zeitpunkt, als die deutschen Fronten im Osten und im Westen durchbrochen wurden, als Himm- ler sogar daran war, den Führerbefehl zu widerrufen(siehe $.517 f.), ordneten sie eine Deportation in großem Ausmaße an, die nach den Informationen, die Eichmanns Amt Paul Dunand vom Roten Kreuz gab, 10000 Juden aus Theresienstadt erfaßte,; in Wirklichkeit wurden 18402 deportiert, Der erste Transport, der am 28. September 1944 abging, umfaßte 2300 Freiwillige, die Ar- beitselite des Lagers, die der Meinung war, daß sie in deutsche Fabriken gesandt würde. Dorthin gingen sie wirklich, aber der Weg führte über Birkenau, wo 872 Leidensgenossen in den Krema- torien blieben, darunter Dr. Zucker, der als Präsident des Juden- rates ausersehen war. Es war eine außerordentlich großzügige Se- lektion, aber es scheint, daß die Ärzte Thilo und Mengele bereit waren, jedem das Leben zu schenken, der die richtigen Antworten gab!. Nachdem von einigen der Deportierten Postkarten eingetroffen waren, wurde von der Witwe Dr. Zuckers ein Transport von Frauen und Kindern organisiert. Fünfhundert Frauen meldeten sich frei- willig für den Transport, der am 1. Oktober abging— drei Tage später hatten nur sechzig von ihnen die Selektion überlebt. Dr. Nyiszli fand den Auskleideraum im Krematorium übersät mit den Bewilligungsscheinen, die ihren Inhabern das Recht gaben, mit ihren Gatten und Vätern an deren Arbeitsplatz zusammenzu- leben. Das war einer von Eichmanns genialen Einfällen!®2* Und so ging das Täuschungsmanöver weiter. Selbst als die Prominenten * Die Nachforschungen des Niederländischen Roten Kreuzes haben jetzt einige der Behauptungen über die vollkommene Ausrottung, die so viele der Überlebenden zu erzählen pflegten, richtiggestellt. Es gab 26 ausgesuchte Transporte arbeitsfähiger Männer, die Ende September 1944 Theresienstadt verließen. Fast 90 v. H. der Holländer unter ihnen waren Männer unter 50 Jahren. Die ersten Frauen aus Theresienstadt 193 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG des Lagers, darunter der Präsident Dr. Epstein und der österreichi- sche General Friedländer, mitgehen mußten, glaubte man immer noch, daß das Gros der Lagerinsassen ihr Schicksal nicht teilen würde%, Der elfte und letzte Transport aus Theresienstadt— sicherlich der letzte aller Transporte nach Auschwitz— kam in Birkenau am 30. Oktober 1944 an. Die von Dr. Wolken, dem Lagersekretär der Quarantäne-Abteilung, verzeichneten Zahlen sagen, daß 216 Män- ner ins Lager kamen und 732 vergast wurden. Lederer zufolge kamen nur 140 der 1100 im Transport befindlichen Frauen® ins Frauenlager. Das„Altersheim“ in Theresienstadt beherbergte immer noch 11068 Juden, die aber rasch dahinsiechten. Anfang 1945 kamen 7000 tschechische und deutsche Juden, die in Mischehen lebten, neu im Lager an. Sie gaben Theresienstadt einen ganz veränder- ten Charakter, und als Paul Dunand am 6. April eintraf, fand er, daß sich mehr als ein Drittel der 17500 Lagerinsassen nicht zur jüdischen Religion bekannte®(siehe S. 536). 3. Sterilisierung Die Lösung, die Heydrich für das Problem der in Mischehen leben- den Juden im Sinne hatte, bestand weder darin, sie ungeschoren zu lassen, noch auch sie unter bevorzugten Bedingungen zu de- portieren. Sein Plan lautete darauf, sie unfruchtbar zu machen (siehe S. 108). Der erhalten gebliebene Teil des Wannsee-Proto- kolls verzeichnet keinen Protest, der der Ankündigung dieser Ab- sicht gefolgt wäre. Aber als die verschiedenen Referenten ihren Ämtern und Ministerien Bericht erstatteten, setzte eine Welle der Obstruktion mit allerdings sehr beschränkten Zielen ein. Der De- portierung der Juden ohne Bekanntgabe des Bestimmungsortes und ohne jede Garantie setzten die Herren Weizsäcker, Lammers, Stuckart und Schlegelberger auch nicht einen Augenblick Wider- kamen am 4. Oktober im dritten Transport an, in dem 60 v.H. Frauen und Kinder waren. Die Züge, die Auschwitz am 6. und 8. Oktober erreichten, brachten jeder mehr als tausend Menschen. Mit der Ausnahme von ein oder zwei Dutzend alter Männer waren es durchweg Frauen und Kinder; nichtsdestoweniger erfüllten mehr als 20v.H. die Vorbedingungen zur Aufnahme ins Lagerverzeichnis, und einige Namen der holländi- schen Frauen dieser beiden Transporte konnten in den Verzeichnissen der„Außen- kommandos” gefunden werden, die beweisen, daß eine Selektion tatsächlich stattgefun- den hat. Aus den holländischen Namenslisten ergibt sich, daß in den übrigen sechs Transporten der normale Hundertsatz von 20 bis 30 arbeitsfähig war 8. 194 gugeNTes N sand entt Netz. der eine pri hoffen, kamen. ist bei den Sterili Vorwaltuf fünf Entsc koll verm späteren| vorbehalt referentei nge erst zysamme rund 700 Anspruch weshalb gab es kı 5, die ı machen| sondern vorger der End Bewilli R ENDIosuyg Österreich. 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Es ist bemerkenswert, daß Stuckart namens des Innenministeriums den Sterilisierungsplan begrüßte, weil man so„einer unendlichen Verwaltungsarbeit” ledig würde; doch ist die Sterilisierung in den fünf Entschließungen der Wannsee-Besprechung, die das Proto- koll vermerkt, nicht enthalten. Die Angelegenheit wurde einer späteren Besprechung in Eichmanns Dienststelle am 6. März 1942 vorbehalten, bei der elf Ministerien und Ämter durch ihre„Juden- referenten” vertreten waren. Es wurde beschlossen, daß die Misch- linge ersten Grades in einem Sonderghetto(„Mischlingssiedlung”) zusammengefaßt werden sollten. Die Unfruchtbarmachung der rund 70000 Mischlinge würde einen Krankenhausbettenraum in Anspruch nehmen, der 700000 Krankenhaustagen entspräche, weshalb der Plan aufgeschoben werden müßte. In dieser Sache gab es keinen ernsteren Konflikt zwischen den Zivilisten und der SS, die gut wußte, was man alles mit einem„Sonderghetto” machen konnte, und wahrscheinlich niemals ernstlich an Sterilisie- rung dachte#7. Rademacher, der diesmal das Auswärtige Amt vertrat, berichtete, die Konferenz habe weiter beschlossen, daß„die Judeneigen- schaft in diesem Verfahren ausschließlich von der für den be- treffenden Juden zuständigen Staatspolizeistelle entschieden” werde®&®. Das scheint jedoch nicht der Beschluß der Besprechung, sondern die Ansicht gewesen zu sein, die im Namen von Heydrich vorgetragen wurde. Tatsächlich hat sich in diesem Allerheiligsten der Endlösung— wo nicht einmal die Gestapo ohne besondere Bewilligung Zutritt hatte— ein Zusammenstoß zwischen den Zivi- listen und der SS zugetragen. Gottfried Boley, der Hans Lammers und die Reichskanzlei vertrat, erklärte in Nürnberg, daß einige der Anwesenden dem Machtanspruch der Gestapo entgegen- traten, besonders als einer von Eichmanns Bluthunden ausgeplau- dert hatte, daß die Gestapo Verzeichnisse der Halbjuden führe, um sie des heimlichen Abhörens von feindlichen Rundfunksendun- gen und ähnlicher Dinge beschuldigen zu können®. Heydrichs Beharren auf der Zuständigkeit der Gestapo in diesen 195 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Fragen griff besonders in den Wirkungskreis von Rosenbergs „Ostministerium” ein, und am 6. März erhielten die Teilnehmer der Besprechung ein Rundschreiben von Georg Leibbrandt, einem Beamten von Rosenbergs politischem Referat, in dem darauf hin- gewiesen wurde, daß die Sicherheitspolizei in den Ostgebieten zwar ihre Fachleute für die Judenfrage aussuchen könne, daß diese aber nur unter der Vollmacht des Generalkommissars han- deln könnten. Am 27. April legte Rosenberg diesen Vorschlag in einer langatmigen Verordnung nieder, die Lammers offenkundig zur Zeit von Heydrichs Tod in eine Reichsverordnung einbauen wollte. Das häite den willkürlichen Methoden, mit deren Hilfe im letzten Jahr jeder Russe, der auch nur entfernt wie ein Jude aus- sah oder von irgend jemand als solcher bezeichnet worden war, in die Ausrottungsaktion eingereiht werden konnte, ein Ende ge- setzt. Aber Himmler, der am 29. Juli in Reval in Estland war, schrieb voll Wut an Gottlob Berger, seinen Verbindungsmann in Rosenbergs Ministerium”: „Ich lasse dringend bitten, daß keine Verordnung über den Begriff„Jude“ herauskommt. Mit all diesen törichten Fest- legungen binden wir uns ja nur selbst die Hände. Die be- setzten Ostgebiete werden judenfrei werden. Die Durchfüh- rung dieses sehr schweren Befehls hat der Führer auf meine Schultern gelegt. Die Verantwortung kann mir ohnedies nie- mand abnehmen. Also verbitte ich mir alles Mitreden. Akten- notiz Lammers erhalten Sie demnächst*.” Das ist eine Sprache, die sich vielleicht für Reval eignete. Sie war für Deutschland ungeeignet, wo nach Heydrichs Tod Himmler ver- suchte, den Komplikationen einer Deportierung von in Mischehen lebenden Juden sowie von Halbjuden zu entgehen. Die Sterilisie- rungspläne wurden nach der Besprechung vom 6. März 1942 still- * Zu irgendeinem Zeitpunkt— das genaue Datum ist nicht festzustellen— muß Himmler Wasser in seinen Wein geschüttet haben. Denn im Verlaufe der Begebenheiten— aller- dings zu einem Zeitpunkt, als im besetzten Rußland nur noch wenige Juden am Leben waren— hat man die privilegierten Kategorien anerkannt. Am 5. März 1943 sandte Kaltenbrunner persönlich ein Rundschreiben an die Polizeibefehlshaber in Rußland, dem zufolge Juden, die von diplomatischen Vertretungen, welche die Interessen von Feindesstaaten wahrnehmen, für Austauschzwecke namhaft gemacht wurden, von der Einreihung in Umsiedlungsaktionen auszunehmen seien.(Prozeß Xl, NG 2652 und S. 383 und 444f. dieses Buches.) Es ist möglich, daß eine gewisse Zahl getaufter oder in Mischehen lebender russischer Juden nach Theresienstadt gebracht wurde. Eva Mosse- Noack berichtet, daß das Lagerverzeichnis im April 1945 die Namen von Juden aus Kiew, Smolensk und der Krim enthalten habe%, 196 gen| cweige Jusfizmin geg-Besp! schlug, d Unfrucht zember| wurde— hoftte—, den Misc weise In schlag vi wurde d gericht weiterzU solche sc lehnte H doch de die Misc Himmler Schlegel an der‘ die Hilfe gesagt, billigen Juni die Madau Eigensc schrieb bieten. Vorschlag| s offenkundig| ng einbauen| eren Hilfe jm ein Jude aus:| worden war, ein Ende ge- Estland war, inde. Die be- Die Durchfüh- rer auf meine ohnedies nie- reden. Akten- inete. Sie war Himmler ver- in Mischehen Die Sterilisie- ärz 194 still- 2 ‚ber in Rußland, e Interessen von wurden, von der 5 2692 und 5.83 etaufter oder In ırde, Eva Mosse- , von Juden aus SIEBENTES KAPITEL 3. STERILISIERUNG schweigend auf die lange Bank geschoben. Der amtsführende Justizminister Schlegelberger sandte den Teilnehmern der Wann- see-Besprechung am 6. April” ein Rundschreiben, in dem er vor- schlug, den Betroffenen die Wahl zwischen Deportierung und Unfruchtbarmachung zu überlassen. Schlegelberger, der am 4. De- zember 1947 in Nürnberg zu lebenslänglichem Kerker verurteilt wurde— eine Strafe, die er krankheitshalber nicht abzubüßen hatte—, versuchte sich später damit zu rechtfertigen, daß er damit den Mischlingen das Schicksal ersparen wollte, das sie möglicher- weise in Heydrichs Sondergheitos erwartet hätte?*, wenn der Vor- schlag vom 6. März angenommen worden wäre. Schlegelberger wurde dann von Roland Freisler, dem Vorsitzenden des Volks- gerichtshofes, aufgesucht, der ihn davor warnte, diesen Vorschlag weiterzuverfolgen.„Der Führer ist im jetzigen Zeitpunkt gegen solche scharfe Maßnahmen der Reichsregierung.“ In Wirklichkeit lehnte Hitler nur ab, sich die Hände zu binden, weil ja schließlich doch der Augenblick für die Ausdehnung des Massenmordes auf die Mischlinge kommen könnte. Himmler war es, der versuchte, den Sterilisierungsplan nach Schlegelbergers Mißerfolg wieder aufzunehmen. Sein Interesse an der Sache war schon im März 1941 erwacht, als Viktor Brack die Hilfe seines Euthanasie-Instituts zur Sterilisierung oder, besser gesagt, zur Kastrierung von 3000 bis 4000 Juden am Tag mit der billigen und praktischen Röntgen-Methode angeboten hatte?°. Im Juni dieses Jahres schickte Himmler Oswald Pohl und Dr. Grawitz von der Konzentrationslager-Verwaltung zu einem gewissen Dr. Madaus, der eine Abhandlung über die unfruchtbarmachenden Eigenschaften der Pflanze Calladium Seguinem(Schweigrohr) ge- schrieben hatte, um ihm menschliche Versuchskaninchen anzu- bieten. Dr. Madaus lehnte ab, aber Dr. Adolf Pokorny vom RKFDV-Amt(siehe S. 41, 589) machte Himmler schriftlich den Vor- schlag, drei Millionen russischer Kriegsgefangener das Leben zu schenken und sie für die Deutschen arbeiten zu lassen, da Calla- dium Seguinem verwendet werden könnte, um sie„von der Fort- pflanzung auszuschließen”%*. ® In Nürnberg verantwortete sich Dr. Pokorny damit, daß er Himmler zum Narren gehalten habe— was keine Schwierigkeiten bereitete—, und das Gericht sprach Dr. Pokorny frei, obwohl es seiner Verantwortung keinen Glauben schenkte. Was Calladium Seguinem betrifft, könnte es in Deutschland nicht einmal in einem Treibhaus gedeihen. 197 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Himmler war an solche briefliche Vorschläge offenbar gewöhnt, denn genau ein Jahr später, am 23. Juni 1942, setzte ihm Viktor Brack auseinander, daß zwei bis drei Millionen Juden durch seinen ursprünglichen Röntgenstrahlen-Plan für die Arbeit zu- gunsten des Reichs erhalten werden könnten. Brack zufolge hätten sich die Verhältnisse so sehr geändert, daß es„im Augenblick sehr unerheblich geworden ist, ob die Betroffenen dann nach einigen Wochen bzw. Monaten merken, daß sie kastriert sind”%. Brack setzte in Nürnberg auseinander, daß er auf diese Weise Himmlers Sparsinn für Zwecke der Menschlichkeit auswerten wollte und daß Himmler als direkte Folge seines Vorschlags Dr. Horst Schumann vom Euthanasie-Institut Grafeneck für Experi- mente in Auschwitz auslieh. Schumann, einer derjenigen, die nach dem Krieg verschwanden, war durch Mißerfolge nicht abzu- schrecken. Erst am 29. April 1944 berichtete Bracks Nachfolger Blankenberg an Himmler, daß die Röntgenmethode sich für die Massensterilisierung als ungeeignet erwiesen habe%. Schon am 29. Mai 1941 hatte Professor Clauberg*, der Leiter einer schlesischen Frauenklinik, um die Erlaubnis gebeten, Frauen durch Injektionen zu sterilisieren. Himmler ließ ihn zunächst im Lager Ravensbrück im Juli 1942 arbeiten, um ausfindig zu machen, wie lange es dauern würde, tausend Jüdinnen zu sterilisieren. Nach einjähriger Arbeit berichtete Clauberg, daß er das inner- halb eines Tages machen könne'®. In Wirklichkeit erzielten weder Schumann noch Clauberg**, die die Tortur der armseligen Opfer im Block 10 des Hauptlagers Auschwitz während des gan- zen Jahres 1943 und des Großteils von 1944 fortsetzten, eine zu- friedenstellende Methode, obwohl Himmler im Anfang sehr opti- mistisch war. Darum wurde für den 27. Oktober 1942 neuerlich die Sterilisierungskonferenz in Eichmanns Amt einberufen; die Sach- * Clauberg hatte in Auschwitz eine große Zahl von internierten Ärzten zur Hand, die für ihn arbeiteten. Einer jener, die von Zeugen während des Ärzte-Prozesses im Jahre 1947 genannt wurden, war Dr. Wladislaw Dering, der damalsals Arzt für die polnischen Soldaten im Militärspital Huntingdon in England tätig war. Die Zeugen wurden dann nach England gebracht. Da sie aber nicht in der Lage waren, Dr. Dering im Londoner Brixton-Gefängnis zu identifizieren, wurde seine Auslieferung nach Polen verweigert, und er leitet jetzt ein Spital in Britisch Somaliland. Ich glaube, daß diese Tatsache angesichts einiger absolut irriger Berichte, die veröffentlicht wurden, festgehalten zu werden verdient®. ** Clauberg war bei Kriegsende verschwunden, kehrte aber im Oktober 1955 aus der Sowjetunion nach Deutschland zurück. 198 ygenres M ‚erständig ‚nzteilne dem Gebi lichen wer‘ yerkürzter Die Konfe gehoben solten; de anadenwe nafive Ak dauernde keit der F So wie ef einer Ver einem SPC inge im zum Febr fenz ZUM Protokoll Gottfried sagte, do trafionslc keiner d roltung Sitzung Entwick! m Janu ıhm Viktor den durch Arbeit ZU- Plge hüten Ugenblick nn nach ert sind" 9. ese Weise Auswerten schlags Dr. ür Experi- N, die nach icht abzu- Nachfolger ich für die der Leiter en, Frauen unächst im zu machen, terilisieren. das inner- t erzielten armseligen d des gan- n, eine ZU- ı sehr opfi- uerlich die . die Sach- zur Hand, die sses im Jahre die polnischen wurden dann im Londoner n verweigert, iese Tatsache stgehalten ZU 1955 aus der ENDIOsung [ gewöhnt,| SIEBENTES KAPITEL 3. STERILISIERUNG verständigen der SS für die Judenfrage versicherten den Konfe- renzteilnehmern, daß„neue Erkenntnisse und Erfahrungen auf dem Gebiete der Unfruchtbarmachung es wahrscheinlien ermög- lichen werden, die Sterilisation in vereinfachter Form und in einem verkürzten Verfahren schon während des Krieges durchzuführen“. Die Konferenz beschloß daraufhin, daß alle Mischehen als auf- gehoben erklärt und deren jüdische Partner deportiert werden sollten; den Kindern aus diesen Ehen sollte Sterilisierung als eine gnadenweise Vergünstigung angeboten werden, wobei die Alter- native Abschiebung in eine Sondersiedlung wäre, in der durch dauernde Trennung vom anderen Geschlecht jedwede Möglich- keit der Fortpflanzung entfällt!0'. So wie er es im April getan hatte, schob Hitler die Herausgabe einer Verordnung auf diesen Grundlagen hinaus, da sie ihm zu einem späteren Zeitpunkt bei der totalen Deportierung der Misch- linge im Wege gestanden hätte*. Die Angelegenheit blieb bis zum Februar oder März 1943 ruhen, als die Sterilisierungskonfe- renz zum dritten Mal in Kaltenbrunners Amt zusammentrat. Ein Protokoll dieser Konferenz konnte nicht gefunden werden, aber Gotifried Boley erinnert sich an eine Erklärung Eichmanns, der sagte, daß die Mischlinge entweder sterilisiert oder in Konzen- trationslager gebracht werden müßten. Boley berichtete, daß keiner der Anwesenden im Zweifel darüber war, daß die Aus- rottung der Mischlinge eine beschlossene Sache war!®. Aber die Sitzung brachte in keiner der angeführten Richtungen eine weitere Entwicklung. Selbst die in Mischehen lebenden Juden wurden erst im Januar 1945 nach Theresienstadt gebracht. Auf diese Weise überlebten 10000 Volljuden den Krieg in Deutschland, mit denen im„Großdeutschen Reich” und im Protektorat zusammen eiwa 33.000. In dieser Zahl sind jene, die aus der Deportierung zurück- kehrten, nicht eingeschlossen 1%. An die tausend mit Nichtjuden verheiratete Juden kamen um die Deportierung auf dem Wege über Sterilisierungsbestätigungen herum, aber das war nur in Holland der Fall. Am 20. März 1943, * Am 1. Juli 1942 sagte Hitler bei Tisch, das deutsche Volk„schade... sich selbst, wenn es Mischlinge zur Wehrmacht zulasse und ihnen auf diese Weise die Möglichkeiten für eine Gleichstellung mit Deutschblütigen eröffne... Ausnahmegenehmigungen für Misch- linge seien daher auf ein minimalstes Minimum zu beschränken.” Bormann schickte dar- aufhin eine Botschaft an Dr. Picker und wies ihn an, besonders genau und ausführlich aufzuzeichnen, was Hitler zu dieser Frage sage 1%. 199 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG also wenige Wochen nach der von Gottfried Boley erwähnten letzten Sterilisierungskonferenz in Berlin, wurde in der Juden- abteilung der Gestapo in Den Haag ein Memorandum ausgear- beitet, dem zufolge den 8000 inMischehen lebenden holländischen Juden die Wahl zwischen Unfruchtbarmachung und Deportierung gelassen werden sollte. Himmler sollte ersucht werden, eine Ent- scheidung bezüglich der 21 000 holländischen Mischlinge zu fäl- len, da„keinerlei Maßnahmen dieser Art im Reich getroffen worden waren” 05, Am 5. Mai erfuhr Dr. Zöpf, Eichmanns Ver- treter in Holland, vom Befehlshaber der Sicherheitspolizei, Bri- gadeführer Harster, daß man im Lager Vught mit der Zwangs- sterilisierung beginnen würde. In Westerbork, dem Transitlager für Auschwitz, wurde das bereits durchgeführt. Einigen der Juden mit Ausnahmescheinen wurde gesagt, daß sie, im Falle sie sich der Operation nicht unterzögen, mit dem Deportationszug am nächsten Dienstag weggeschafft werden würden,„und Sie wissen, was das bedeutet” 106, Zwei Zeugen, die unter diesen Umständen sterilisiert wurden, traten im Jahre 1949 beim Prozeß gegen Fer- dinand Aus der Fünten im Haag auf, aber normalerweise wurde die Sterilisierung von den eigenen Ärzten der Opfer vorgenom- men. Am 28. Juni 1943 existierte bereits eine ganze Sammlung von Richtlinien, die von dem Reichskommissar für Holland, Seyss- Inquart, genehmigt worden war. Jene, die von einem Gestapo- Arzt als unfruchtbar erklärt worden waren, bekamen eine beson- dere Kennkarte, brauchten den Judenstern nicht zu tragen und konnten eine beschränkte Zahl normaler Berufe ausüben!7, Am 9. Juli 1943 gab der niederländische Dienst des britischen Rundfunks„Radio Oranje“ den vollen Wortlaut dieser Richtlinien bekannt. Das wirkte wie eine Bombe. Rolf Günther, Eichmanns Stellvertreter, berief sofort Werner, einen Angestellten in Zöpfs Amt, nach Berlin und drückte das Erstaunen des Reichssicherheits- hauptamtes darüber aus, daß eine solche Aktion in Holland ohne dessen Kenntnis begonnen worden war. Diese holländischen Juden würde man deportieren,„ob sterilisiert oder nicht.” Aber während der Besprechung kam ans Tageslicht, daß Günther von Himmlers geheimen Verfügungen nichts wußte und daß zwischen Himmler und seinem österreichischen Freund Hans Rauter, dem Höheren SS- und Polizeiführer für Holland, in dieser Sache ein Einverständnis bestand. 200 I gas KA N Noch im) sicherheit in die sam Tapfs Amt dan Juden Raufer ON holländiscl aimmte ZU Osten vers gungen W feiem Fuf Während wurde, Ve Wohl hatt neue Befe von Harstt nit dem R chen leber wenige WI ober die B veller be der Freik Ösung“ Ynstig fürGeis AN Eine En. linge zu fäl. ch getroffen Per Zwangs. Transitlager oO 1) mo o 2 f=} =- fionszug am d Sie wissen,| Umständen u F vorgenom- e Sammlung land, Seyss- m Gestapo- eine beson- fragen und ben 17, ss britischen r Richtlinien , Eichmanns en in Zöpfs ssicherheits- olland ohne ‚lländischen \icht.” Aber ünther von ‚ß zwischen ‚auter, dem - Sache ein| | SIEBENTES KAPITEL 3. STERILISIERUNG Noch im Januar des folgenden Jahres bemühte sich das Reichs- sicherheitshauptamt darum, die sterilisierten holländischen Juden in die Sammellager zu bekommen. Um diese Zeit verzeichnete Zöpfs Amt mehr als tausend Inhaber von Bescheinigungen, die den Judenstern nicht zu tragen brauchten. Am 2. März schrieb Rauter an Himmler persönlich, daß 8610 in Mischehen lebende holländische Juden sich auf freiem Fuß befänden!®,. Rauter stimmte zu, daß die kinderlosen Frauen unter ihnen nach dem Osten verschickt werden sollten, aber die Besitzer von Bescheini- gungen wären keine Gefahr für Deutschland und sollten auf freiem Fuß belassen werden. Während des Prozesses, der gegen ihn im Jahre 1947 geführt wurde, verantwortete sich Rauter damit, daß er keine andere Wahl hatte, als diesen Brief zu schreiben, da Erich Naumann, der neue Befehlshaber der Sicherheitspolizei, nicht bereit war, den von Harster vor dessen Versetzung nach Rom begonnenen Kampf mit dem Reichssicherheitshauptamt weiterzuführen. Die in Misch- ehen lebenden holländischen Juden wurden daher interniert. Einige wenige wurden deportiert, und einige verschwanden in Auschwitz, aber die Besitzer von Sterilisierungsbescheinigungen wurden nicht weiter belästigt. Rauter, ein alter österreichischer Draufgänger der Freikorps-Tage und ein primitiver Mensch(siehe$. 374 u. 381), hatte offenbar nicht begriffen, daß die Sterilisierungen viel- fach ein Schwindel waren. Die gestempelten Bescheinigungen, deren Besitzer von der Pflicht zum Tragen des Judensterns befreit waren, wurden ihnen zum größten Teil von Agenten der Gestapo verkauft. Diese merkwürdige Geschichte wirft einiges Licht auf das Miß- fingen von Hitlers Versuch, das jüdische Blut durch die Ausdeh- nung der Endlösung auf die Partner von Mischehen und deren Kinder auszumerzen. Selbst am Ende des Krieges, als im Dritten Reich auch jeder Schein eines Bestehens von Bürgerrechten auf- gegeben worden war, war es nur möglich, einige wenige Tausend Juden in Mischehen, und diese nur unter bevorzugten Bedingun- gen, zu deportieren. Hätte Deutschland den Krieg gewonnen, dann wäre die Stimmung in bezug auf die Ausdehnung der„End- lösung“ auf die Partner von Mischehen und deren Kinder noch un- günstiger gewesen. Hierin lag, wie beim Euthanasie-Programm für Geisteskranke und Unheilbare, eine von Hitlers Niederlagen. 201 {er} = > a :o —O E Lu Im © " ker) z 5 LI = :> Gas = Q = 5 [a „- =) fin merk os Nürn nnehm« Angeklaı em Pro; Achtes Kapitel Die Sowjetunion I: Die Einsatzgruppen 1. Die Befehlshaber Ein merkwürdiger Zeuge erschien im Januar 1946 im Zeugenstand des Nürnberger Gerichtes. Er war damals 38 Jahre alt und von so einnehmender Erscheinung, daß ihm zwei Jahre später, als er als Angeklagter vor Gericht um sein Leben kämpfte, Frauen, die dem Prozeß im Zuhörerraum folgten, Blumensträuße in die Zelle sandten. Aber bei seinem ersten Verhör war es nicht das ange- nehme Äußere Otto Ohlendorfs, das die Aufmerksamkeit des Ge- richtes gefangennahm, sondern sein offenes und unverblümtes Geständnis, daß er die Tötung von 90000 Menschen angeordnet habe, von denen die meisten nur das Verbrechen begangen hatten, Juden zu sein. Später zog sich Ohlendorf auf die Erklärung zurück, daß die 90000 Fälle ihm von Untergebenen gemeldet worden seien. Er habe keinen Grund gehabt, an der Richtigkeit der von ihnen ge- machten zahlenmäßigen Angaben zu zweifeln. Es ist in diesem Fall unerheblich, ob sie stimmten oder nicht, da Ohlendorf seine Verteidigung auf Erwägungen sozusagen ethischer Natur stützte. Die Zukunft, sagte er voraus, würde keinen Unterschied zwischen seinen Mordkommandos und jenen machen, die durch einen Druck auf einen Knopf die erste Atombombe ausgelöst hatten!. Hatte nicht der gleiche Gott, der die Zehn Gebote gab, den Israeliten auferlegt, ihre Feinde auszurotten? Daraufhin las Ohlendorf dem Gericht zehn Seiten voll mit geschichtlichen Präzedenzfällen bis herunter zu„Schillers und Ricarda Huchs eingehenden Beschrei- bungen” des Zigeunermassakers während des Dreißigjährigen Krieges vor?. Ungleich den anderen sechs„Rotjacken”, die zusammen mit ihm am 8, Juni 1951 am Galgen des Landsberger Gefängnisses ende- 15 205 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG| ten, war Ohlendorf ein Intellektueller. Nachdem er die Rechte und Volkswirtschaft studiert hatte, wechselte er 1936 vom Institut für angewandte Wirtschaftswissenschaften zumSicherheitsdienstüber‘., Seine bürokratische Laufbahn, die ihn bis zur Leitung des„Amtes III” des Sicherheitshauptamtes brachte, unterbrach er plötzlich, um in der Zeitspanne von Juni 1941 bis Juni 1942 die in der Etappe der Ostfront tätige„Ausrottungseinheit” zu kommandieren, welche Funktion ihn dann auf die Nürnberger Angeklagtenbank bringen sollte. Dieses Tätigkeitsfeld vertauschte der 34jährige SS-Brigade- führer seelenruhig mit einem Schreibtisch im Wirtschaftsministe- rium, wo er Leiter eines Ausschusses für Außenhandel und Ver- treter des Ministeriums in der„Zentralen Planung“ wurde*. Der Wirtschaftsminister Funk wußte überhaupt nicht, daß Ohlendorf Generalmajor der Polizei war oder daß er zwei Jahre vorher als Massenschlächter aufgetreten war, mit dem auch nur zu reden, wenn er ihn nicht zufällig auf dem Gange traf, General Ritter von Schobert von der 11. Armee ablehnte. Im November 1943 hätte man Ohlendorf mit einem jungen, an einer altehrwürdigen Uni- versität wirkenden Wissenschaftler verwechseln können, den man im Krieg ins Wirtschaftsministerium berufen hatte. Noch während seines Prozesses fünf Jahre später machte er oft diesen Eindruck. Aber in den letzten Monaten des Krieges waren die Schrecken von Nikolajew und Simferopol ein ganz ferner Klang in Ohlen- dorfs Tagesarbeit. Er war damals eine der„liberalen“ Persönlich- keiten in Himmlers Stab, betrachtete die Juliverschwörer mit einem wohlwollenden Auge und wurde von Walter Schellenberg in eine Regierungsliste aufgenommen, die ein Kabinett Himmler den Alli- ierten respektabel erscheinen lassen sollte. Ohlendorf war immer voll der Kritik an seinen Vorgesetzten und behauptete in Nürn- berg, daß seine Entsendung nach Rußland in Wirklichkeit eine Be- strafung gewesen sei. Im August 1943 versicherte er Felix Kersten’, er habe auf der Krim durch seine Tätigkeit bewiesen, daß es„an- ders gehe”, und sei stolz darauf, die Tataren auf der Krim zu sei- nen Freunden zählen zu können. Das Nürnberger Urteil verglich Ohlendorf mit der doppelgesichti- gen Romanfigur des„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“, aber diese Doppel- gesichtigkeit® war eine alltägliche Angelegenheit im Dritten Reich, das von der Weimarer Republik die Krankheit geerbt hatte, Exe- 206 ars KA {five Un fen ZU Ki perte, nie Amt II 196„un! Sopfembe selten”. Auskunft das lebe wachend diese kl zuckertel richtigen dahin so Heydrich con der Das Nür zwischer verschie: RSHA)| diese Zv führung sprach rische N; KAPITEL 1. DIE BEFEHLSHABER und Rechtspflege, Feder und Schwert nicht auseinanderhal- ten zu können. Ohlendorf war zu dem Mr. Hyde, den er verkör- perte, nicht in den südrussischen Steppen, sondern schon in dem „Amt III“ in der Prinz-Albrecht-Straße geworden, wo die im Mai 1936„unter Professor Höhn arbeitenden 20 jungen Menschen“ im September 1939 bereits eine furchtgebietende Organisation dar- stellten?.„Amt Ill” war nicht mehr, wie im Anfang, eine Art von Auskunfts- und Informationsstelle für Staatsbürger, sondern ein das Leben jedes Einwohners des Großdeutschen Reiches über- wachender Nachrichtendienst. Gallup- Poll- artige Befragungen, diese kleinen Gesellschaftsspiele im Zeitalter einer leicht ver- zuckerten Reglementierung des Lebens, hatten sich hier zu einer richtigen Geheimpolizei-Inquisition ausgewachsen. Der SD— bis dahin sozusagen eine Angelegenheit für alte Weiber— war durch Heydrichs Hände hindurchgegangen und zum ausführenden Or- gan der Gestapo geworden. Das Nürnberger Gericht war nie in der Lage, die Unterschiede zwischen der Sicherheitspolizei und dem SD einerseits und den verschiedenen Verzweigungen des Reichssicherheitshauptamtes (RSHA) klar herauszuarbeiten. Sie verloren sich alle in dem für diese Zwecke unerläßlichen Labyrinth einer offiziell mit der Aus- führung von Massenmord betrauten Organisation. Das Gericht sprach aus, daß der SD ebenso wie die Gestapo eine verbreche- rische Organisation sei und daß nur kleine, wenige und unbedeu- tende Zweige von Heydrichs RSHA nicht unter diese Kategorie hre vorher als nur zu reden, 1eral Ritter von Iber 1943 hälfte ürdigen Uni- können, den n hatte, Noch e er oft diesen die Schrecken ang in Ohlen- n” Persönlich- örer mit einem fielen!®. Der sogenannte Nachrichtendienst des SD hatte unein- enberg in EI: geschränkte vollziehende Gewalt, und seine sogenannten For- mler den Ali schungsbeamten waren nichts anderes als Agenten der Geheim- orf war immer polizei. jtete in Nürn- Heydrich aber war weit mehr an Gegenspionage als an dem ihm ‚hkeit eine Be- erteilten Auftrag zur Ausführung der Endlösung interessiert. Gleich elix Kersten’, seinem ihm verhaßten Widersacher, dem berühmten Admiral Ca- 1, daß es„an- naris, war er Marine-Nachrichtenoffizier von Beruf. Heydrichs r Krim zu sei- Ehrgeiz, den dann erst sein Nachfolger Kaltenbrunner erfüllt hat, war es, die Gegenspionageabteilungen der Wehrmacht und des yppelgesichti- Auswärtigen Amtes mit der entsprechenden Abteilung des RSHA JieseDoppel-| zusammenzulegen. Das entsprang weniger einer Vorliebe für den Dritten Reich, militärischen Nachrichtendienst als der Eifersucht, mit der die SS ht hatte, Exee| Tagen des Röhmputsches die militärische Führung dauernd 15* 207 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG verfolgt hatte. Die„Einsatzgruppen” wurden in der doppelten Ab- sicht gebildet, daß sie sowohl das Verhalten der militärischen Führer in Rußland verfolgen als auch die Ausrottung der Juden, Zigeuner und politischen Kommissare in die Hand nehmen sollten. Ein junger Beamter der Gegenspionage vermochte Heydrichs Gunst am ehesten dadurch zu gewinnen, daß er sich freiwillig für seine Einsatzgruppen meldete. Die meisten der etwa 300 Beam- ten, die den im Mai 1941 beginnenden dreiwöchigen Schulungs- kurs in Pretzsch an der Elbe in der Nähe von Leipzig mitmachten, stammten denn auch aus den„Informations“-Abteilungen des RSHA. Es war kaum genug Zeit zur Verfügung, um ihnen ein mili- tärisches Aussehen zu verleihen, obwohl 24 von ihnen sofort zu SS-Sturmbannführern oder Standartenführern gemacht wurden. Ein früheres Mitglied einer Einsatzgruppe sagte vor Gericht aus, daß der Kurs in Pretzsch meistens aus„Geländeübungen, offen- barem Versteckspielen”“ bestand!!. Es war also ein seltsam zusammengewürfelter Haufen von Halb- intellektuellen, der in den kommenden Monaten in der russischen Etappe einherstapfte; obwohl man ihnen hohe Stiefel und den Waffengebrauch nach Gutdünken gestattet hatte, machten sie kaum einen sehr martialischen Eindruck. Keiner der vier Gruppen- kommandeure hatte mehr als 600 bis 900 Mann unter sich, aber ihr Betätigungsfeld erstreckte sich über so riesige Gebiete wie die baltischen Staaten, Weißrußland, die Ukraine und die Krim mit dem Kaukasus. Ohlendorf, der genau ein Jahr in Rußland war, befehligte die Gruppe D am äußersten südlichen Ende der Front. Nördlich da- von befand sich die Gruppe C, die im Juni 1941 dem ehemaligen Inspektor der Sicherheitspolizei in Königsberg, Otto Rasch, unter- stand. Rasch war ein älterer Mann, und sein Fall ist besonders be- merkenswert. Bevor man 1947 beschloß, ihn wegen seiner Par- kinson-Krankheit als vernehmungsunfähig nicht vor Gericht zu stellen, hatte er in einer schriftlichen Aussage'? erklärt, daß er die volle Bedeutung des Führerbefehls erst im August 1941 erfahren habe, als der Höhere SS- und Polizeiführer SS-Obergruppenführer Franz Jäckeln in Schitomir in der Ukraine eintraf. Er habe sich daraufhin sofort, behauptet Rasch, auf den Weg nach Berlin ge- macht, um bei Heydrich persönlich zu protestieren. In Krakau habe er es sich überlegt, daß er lieber telephonieren werde, aber 208 ) ones KAPTE do er keine in der Lage© wo er gerd Soptember€ ziilkommiss kegrenzten| Jes Krieges polizeiführer ‚ählte das| durg sowie Sein Beispiel onnte, ohne Finsatzgrup nddas Geb trdem Kom mehr Wider Weimarer R die Gestapo 199 vorgen« Abteilung de sctzgruppe E Tätigkeitsber vichtigen M fen machte. 4 in ein Schreibtisch einen wese ng der Juden ehmen sollten, hte Heydrichs freiwillig für va 300 Beam- pen Schulungs: I9 mitmachten, Neilungen des ihnen ein mil. nen sofort zu acht wurden. pr Gericht aus, Pungen, offen- Ifen von Halb- der russischen tiefel und den }, machten sie vier Gruppen- nter sich, aber ‚ebiete wie die ] die Krim mit befehligte die . Nördlich da- m ehemaligen » Rasch, unter- besonders be- an seiner Par- or Gericht zu ärt, daß er die 1941 erfahren jruppenführer Er habe sich „ch Berlin ge- ‚n. In Krakau 1 werde, aber| DER ENDLOSUNg 1 j Foppelten Ah.| Militärischen ACHTES KAPITEL 1. DIE BEFEHLSHABER da er keine Verbindung mit der Prinz-Albrecht-Straße zu erhalten in der Lage gewesen sei, hätte er nach Kiew zurückkehren müssen, wo er gerade noch rechtzeitig für das große Blutbad von Ende September eintraf. Kurz darauf überwarf sich Rasch mit dem Zivilkommissar Erich Koch, und es gelang ihm, einen zeitlich un- begrenzten Deutschland-Urlaub zu erhalten. Im weiteren Verlauf des Krieges lehnte er es ab, den Posten des Höheren SS- und Polizeiführers für Frankreich und Norditalien anzutreten und wählte das friedlichere Leben eines Bürgermeisters von Witten- burg sowie eines Direktors der„Kontinental-Petroleum A.G.”. Sein Beispiel hat bewiesen, daß man sich Heydrich widersetzen konnte, ohne dadurch seinen Kopf einbüßen zu müssen"3, „Einsatzgruppe B”, deren Tätigkeitsgebiet sich auf Weißrußland und das Gebiet der Moskauer Front erstreckte, stand zunächst un- ter dem Kommando von Arthur Nebe, dessen Persönlichkeit noch mehr Widersprüche als die Ohlendorfs aufweist. In der Zeit der Weimarer Republik war Nebe Kriminalbeamter und trat 1933 in die Gestapo ein. Im Zuge der Reorganisierung, die im September 1939 vorgenommen wurde, fiel ihm das Amt des Chefs der fünften Abteilung des RSHA, der Kriminalpolizei(Kripo), zu. Als die„Ein- satzgruppe B“ gebildet wurde, glaubte man, daß Moskau in ihren Tätigkeitsbereich fallen werde; das erklärt, warum man einen so wichtigen Mann wie Nebe zum Befehlshaber von nur etwa 700 Leu- ten machte. Als die Aussichten bezüglich Moskaus im November 1941 in eine ungewisse Ferne rückten, kehrte Nebe zu seinem Schreibtisch in Berlin zurück und wurde durch Erich Naumann, einen wesentlich unbedeutenderen Beamten aus Ohlendorfs Ab- teilung, ersetzt. Die fünf Monate, die Nebe in Rußland verbrachte, werden von seinem Freund Hans Bernd von Gisevius nicht er- wähnt, der in seinem Buch„Bis zum bitteren Ende“ seinen frühe- ren Chef geradezu als einen Heiligen darstellt. Fabian von Schlab- rendorff schrieb, daß die Judenmassaker in Nebes Arbeitsgebiet von anderen Befehlshabern organisiert worden seien, denn Nebe habe die ganze Zeit hindurch mit dem von Oberst Oster geleite- ten Widerstandskreis im Hauptquartier der Heeresgruppe Mitte inVerbindung gestanden. Aber der„Tätigkeitsbericht“ der Gruppe für die fünf Monate, da sie unter Nebes Kommando stand— er weist 45 476 Exekutionen aus—, wurde von Dr. Knobloch, einem seiner Kriminalpolizeibeamten, vorbereitet!*. Überdies stehen die 209 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG zugunsten Nebes gemachten Behauptungen in Nürnberg in voll- kommenem Widerspruch zu den Nürnberger Aussagen des SS- Obergruppenführers von dem Bach-Zelewski, der Höherer SS- und Polizeiführer für das Gebiet der Heeresgruppe Mitte gewesen war. Diesem zufolge war Nebe als direkter Vertreter Himmlers das Haupthindernis für das Gelingen seiner eigenen Interven- tionen. Bach-Zelewski war bei einer Hinrichtungsszene in der Nähe von Minsk anwesend, für die Himmler Nebe aufgetragen hatte, eine neue Methode des Massentötens zu finden!?, und wenn es ein Zufall sein sollte, daß der einzige Film, der das Funktionieren einer Gaskammer festhält, in Nebes früherer Berliner Wohnung gefun- den wurde, dann ist es ein recht merkwürdiger Zufall!16 Selbst Gisevius gibt zu, daß Nebe in diese Sache verwickelt war. Die Pläne für die Gaskammern wurden während der täglichen Mittag- essen in den Büros des RSHA zwischen Ohlendorf, Müller, Schel- lenberg und Nebe besprochen!”. Der grauenhaft zynische Ton, der bei diesen Besprechungen vorherrschte, nahm Nebe so sehr mit, daß er zweimal mit einem Nervenzusammenbruch einen Krankenurlaub antreten mußte. Im Juli 1943 war Nebe ein „menschliches Wrack”, das an Verfolgungswahn litt. Angesichts der Schilderung, die Gisevius von Nebes geistiger Verfassung im Juli 1943 gibt, ist es nicht uninteressant, der Tätigkeit des früheren Kommandanten einer Ausrottungsgruppe ein Jahr später nach- zugehen, drei Wochen vor der Verschwörung gegen Hitler, an der er teilgenommen hoben soll. Am 28. Juni 1944 bot Nebe dem ärztlichen Dienst der SS schriftlich„asoziale Zigeunermischlinge” aus dem Lager Auschwitz für Experimente zur Trinkbarmachung von Meerwasser an!®*, Der schicksalsschwere 20. Juli ging vorbei, und Nebe tauchte unter, um den Verfolgungen zu entgehen, denen der„Widerstandskreis” ausgesetzt war, doch sein großzügiges Angebot blieb in Kraft. In der Nacht des 2. August wurde fast die Hälfte der Insassen des Auschwitzer„Zigeunerlagers” vergast, aber 915 junge Männer wurden für Buchenwald ausgesucht, und * Ähnliche Aufträge Nebes hatte Eugen Kogon seinerzeit in dem Serumvorbereitungs- block in Buchenwald gesehen?. In der letzten englischen Ausgabe seines Buches zieht Kogon aber seine Behauptung, daß Nebes Verbindungen mit der Widerstandsgruppe nur auf opportunistische Erwägungen zurückzuführen waren, zurück. Ohne die Annahme des Kommandos einer Einsatzgruppe durch Nebe deswegen schon zu entschuldigen, ist Kogon jetzt bereit, anzuerkennen, daß Nebe von Anbeginn gute Absichten hatte. 210 500 600 700 800 Ribbentrop-Molotow-Linie Okt. 1939 mm mm un m n renze des deutschen Vormarsches 1941/42 mm Grenzen zwischen Heeresgruppen——————.. GS € ns A (Zr6i-LH6L1) Bunzissag uayasinap ı9p uszusı4g, aıp pun uoıungalmog IS, SS ren ——— 333W SIZUVMHDS asp HlhoIpEPJO w N3INYWNA\ :y9]Dy ıPsıoyoWR N| EN 5 nd BEZEN, ESS %«. x ENDE-.\ IIIW Z@Apom aAujosauy—g®{ N ——— nn jodosmoys K——Zuossayye z° N NAVONN’ ——— SI D=5B0,885 R i En I MelojoyiN®> d o j SsaHasiasvaf I odoyaw q oddn.bziosurg Ic 2. eeSaanen ——— S“ Bosunbo]| 2 01108 a>) ovam —— MOON uown er ou1Djg& N3JHYWAaNN . ysmoyjedo.dalug Dziuui>, ni. 2 N3WHO9 > ans 3ddny9s3433H euch a„ae STLVIOLNBLOAG >>. ysmowauy» Maupsııpıs! 10x08, Ya P= er moyıoy) DMDjj0g© wojilps« INAWaNY2ANOS RD 11S 3 eddns6zyosug I9MOY Nr IVEEINEIO ASMOJ1T-15219% - moßıusaups]! a2: WseuoJoy sn) 2o=---" 709 ysuld nopsıDM Fee re| sezalssucıng GaNYIHISINaQ ® 3111W 344NA9S3Y33H [10 R Asup1ug malıyoW S z en r ysuajows mossuuog a ER= % 7 oBnjoy 4>> Asspn AMT>— g addnsbzjosutg 7z0]04= 3 nDYSoW&=[< 4— Te— uauypquasız nn. uaddnıbsaiaay ualpsımz uazuaug m Zp/|pöl Saypsipwıoy ualpsjnap sap azusıg usenmnmms6£öl HNO Fluı]-Mmojojowy-donyuaggıy PosBuruo Wo} Be eg N303MHDS, N 008 002 009 005 00r ODE 00 0oL& rn== VW, | SEE GM= GEM mm—_-| > En eg Jejawolıy =.” anvınınNy N393MYON = ı—- .E 5 ETErTErRen een= er== o Ss 0 0 0.5 One eo 0 arm emeyarere on© I 92. ‚Sea o Bd DD ERS ec 55 = ET Teer een E55 2-0. 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Dieser Eindruck wird auch von einem anderen deut- schen Zeugen, dem SS-Untersuchungsrichter Konrad Morgen, bestätigt, der beschrieb, wie Nebe voll Schrecken aus einem Zim- mer ins andere lief, als Nebes Chef Kaltenbrunner das Ergebnis seiner Nachforschungen über die Auschwitzer Massenmorde schilderte??(siehe$. 514). Schließlich kann selbst Nebes Rolle als Held der Widerstands- bewegung nicht mehr als ein Versuch zu einem Alibi sein. Sein Freund Gisevius hat ihn zuletzt im Juli 1944 gesehen, aber er wurde erst im Februar 1945 verhaftet. Die Behauptung, daß Nebe ohne Prozeß hingerichtet wurde, stützt sich nur auf die Aussage seiner Freunde?!. Die zwei Mächtigsten im RSHA, Schellenberg und Ohlendorf, haben sich selbst als Widerstandskämpfer und als Unterhändler mit den Alliierten angepriesen. Nebes Freunde haben mehr getan: sie haben dessen Märtyrerkrone als Beweis- stück benützt*. Der vierte der Kommandeure einer Einsatzgruppe, Franz Stahl- ecker, dem die Gruppe A(Baltische Staaten und Leningrader Front- abschnitt) zugeteilt war, bewies weit weniger Zurückhaltung als Nebe: zumindest einer der Berichte über Massaker ist von ihm eigenhändig unterzeichnet worden. Ohlendorf zufolge, der Stahl- eckers Stil in den oft zitierten Nürnberger Dokumenten„L-180” und„2273-PS“ erkannte, pflegte Stahlecker aufzuschneiden. Er dürfte das in diesem Fall schon deshalb getan haben, um sich Heydrichs Gunst wiederzuerwerben, denn an sich war seine Er- nennung zum Befehlshaber einer Einsatzgruppe eine Degradie- rung. Vormals war er Chef des„Amtes Vla“, der Abteilung des RSHA für ausländischen Nachrichtendienst, gewesen, eine Stel- * J. W. Wheeler-Bennet behauptet, ohne die Quelle seiner Information anzugeben, daß Nebe am 16. März 1945 hingerichtet wurde. 212 Ing, die&7 auf obzielte dngsmann sing einige März 1942€ ii ‚Amt\\e Walter Sche der verbitte Rolleeines als Angeklc Gelegenhei seinen Vortt neisten hät fs ıst unwd Widerstand dem Finan; Liauidierun einDrittel ir res Machtb schlimmer c Der Grund falles von gruppe be siegsmögli zuBeginn geben hat, vn VENN er unter n als auch dor Ihm gegebene ihn nicht zu " Feigling ge. anderen deut. nrad Morgen, Rus einem Zim- r das Ergebnis Massenmorde Widerstands- Alibi sein, Sein ehen, aber er ng, daß Nebe ‚f die Aussage , Schellenberg Iskämpfer und \ebes Freunde ne als Beweis- Franz Stahl- ngrader Front- ückhaltung als or ist von ihm Ige, der Stahl- ienten„L-180" ‚schneiden. Er ‚ben, um sich war seine Er- ne Degradie- Abteilung des on, eine Stel ‚otion anzugeben, DER ENDLOSUNG 40] an das Meer mords Auspro.| ACHTES KAPITEL 1. DIE BEFEHLSHABER lung, die er vielleicht durch seine Intrigen verloren hatte, die dar- auf abzielten, der Nachfolger Martin Luthers, Heydrichs Verbin- dungsmannes im Auswärtigen Amt, zu werden 2. Stahlecker— eine einigermaßen nebelhafte Figur— wurde von Partisanen im März 1942 getötet und kehrte niemals mehr an seinen Schreibtisch im„Amt VI a“ zurück, wo ihn der einem Meteor gleich auftretende Walter Schellenberg ersetzte. Der verbitterte Ohlendorf, der Schellenberg in Nürnberg in der Rolle eines„weißen“ Zeugen gesehen hatte, erklärte, als er selbst als Angeklagter vor Gericht stand, daß„Schellenberg sich jede Gelegenheit genommen hätte, wenn er geglaubt hätte, es sei für seinen Vorteil, sich diese Einsatzgruppe auszusuchen, in der er am meisten hätte tun können, um Hitler zu gefallen” 2. Es ist unwahrscheinlich, daß Schellenberg den Massakern einen Widerstand entgegensetzte. Gegen Kriegsende äußerte er sich dem Finanzminister Schwerin von Krosigk gegenüber, daß die Liquidierung der Juden an sich wünschenswert sei,„aber da nur ein Drittel in unserer Hand war, die übrigen aber außerhalb unse- res Machtbereiches lebten, ist die Art der Behandlung der Juden schlimmer als ein Verbrechen, es ist eine Dummheit gewesen“?**. Der Grund dafür, daß Schellenberg, der Held des Entführungs- falles von Venlo, sich nicht um die Leitung einer Ausrofttungs- gruppe beworben hat, liegt einfach darin, daß er bessere Auf- stiegsmöglichkeiten für sich sah. Die Umorganisierung des RSHA zu Beginn des russischen Feldzuges brachte ihm dieLeitung zweier Gegenspionageabteilungen— IVaund Vla— ein. Als SS-Brigade- führer im Alter von 30 Jahren wurde er der faktische Chef des gesamten Auslands-Nachrichtendienstes in dem Augenblick, als Himmler und die SS ihn endgültig dem Auswärtigen Amt und der Wehrmacht entrissen. So kam es, daß Schellenberg im Februar 1945 als Himmlers„rechte Hand“ auftreten konnte. Damals wirkte er als Gegengewicht gegen Kaltenbrunner und suchte Himmler dazu zu überreden, Frieden mit den Alliierten zu machen. Er war * Es könnte eingewendet werden, daß diese Wertung der Haltung Schellenbergs auf dem Zeugnis eines einzigen Menschen beruht, aber diese Aussage wird durch eine Denkschrift des Auswärtigen Amtes vom 14. Mai 1943 voll bestätigt. Schellenberg hatte davon gehört, daß ein britisches Weißbuch über die deutschen Grausamkeiten in Polen veröffentlicht werden sollte und daß man den Vatikan um Material dazu ange- gangen habe. Er ersuchte daher von Thadden, eine einfache und wirksame Erklärung der Lösung des Judenproblems für den Fall vorzubereiten, daß eine italienische Gruppe Rußland oder Polen besuchen sollte25. 213 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG die einnehmende Erscheinung mit dem blütenweißen Kragen, die Himmlers Unterredungen mit dem Grafen Bernadotte bei Kriegs- ende% in die Wege leitete(siehe S. 525). Vielleicht wird es nie möglich sein, den Anteil der Schuld an der Ausrottung der russischen Juden verläßlich festzustellen, der die- sen geschniegeltsten aller Gestapoleute trifft. Schellenberg, der in Nürnberg unmittelbar nach Ohlendorf vernommen wurde, gab zu, im Mai 1941 an einer Besprechung mit Heydrich und dem Generalquartiermeister Wagner teilgenommen zu haben, die den örtlichen Wirkungskreis der einzelnen Einsatzgruppen festlegte. Später sagte er aus, daß der endgültige Entwurf für das Überein- kommen zwischen dem RSHA und der Wehrmacht sein Werk gewesen sei(siehe$. 91 f.). Selbst damals sei er noch nicht in der Lage gewesen, den wahren Sinn des die Juden und politischen Kommissare betreffenden Führerbefehls zu erkennen, der an die Befehlshaber der Vernichtungseinheiten nur mündlich weitergege- ben wurde. Nach dieser Erklärung vergingen mehr als drei Jahre, ehe Schel- lenberg bescheinigt wurde, daß er an der Verschwörung zur Aus- rottung der Juden keinen Teil hatte”. So wie er als Zeuge aus- gesagt hatte, verantwortete er sich auch als Angeklagter, daß er nämlich nie ein ausführender Beamter gewesen sei, sondern im- mer nur mit dem„Nachrichtendienst” zu tun gehabt habe. Nur in einem einzigen Falle war das Gericht in der Lage zu beweisen, daß„Nachrichtendienst“ nur ein Deckwort für Mord war. Aus dem die Einsatzgruppen betreffenden Beweismaterial erfuhr man Einzelheiten über ein fürchterliches, unter dem Namen„Aktion Zeppelin“ bekanntes Spiel, an dem sich die Beamten von Schellen- bergs„Amt VI” des RSHA belustigten 2. Gewisse gefangene russi- sche Offiziere brachte man dazu, ihre Leidensgenossen zu be- spitzeln, um so die Namen von politischen Kommissaren zu erhalten, die auf Grund von Hitlers Befehl ohne Gerichtsurteil hingerichtet werden konnten. Am eifrigsten wurden diese Hinrich- tungen nicht von einem SS-Mann betrieben, sondern von dem Chef des Allgemeinen Wehrmachtsamtes, Hermann Reinecke, der als„Oberpolitruk“ bekannt war und der heute noch die in Nürn- berg über ihn verhängte Strafe lebenslänglichen Kerkers abbüßt. War man der Ansicht, daß die russischen Angeber schon zuviel wußten, wurden sie von den Einsatzgruppen abgeschossen oder 214 „gas KANTE gr polisch mvor der‘ geschossen zeugung, 0° war, und ve fingnis, Die jnd so wur nilenhworfe des gemein zember 19 Gewissenhe Markt für Tokt" aus? inuns woh ImGegenst der Einsatz Beamten m gebracht h dere der z sein, der I sptzeln, h Verbren nd politischen En, der an die h weitergege- re, ehe Schel- Tung zur Aus- Is Zeuge aus- \agter, doß er , sondern im- habe. Nur in zu beweisen, ord war. Aus al erfuhr man imen.„Aktion von Schellen- 'angene russi- ossen zu be- nmissaren ZU Gerichtsurteil Jiese Hinrich- rn von dem Reinecke, der die in Nürn- ‚kers abbüßt. schon zuviel -hossen oder 2. DAS LABYRINTH DER KOMPETENZEN ACHTES KAPITEL der politischen Abteilung des Hauptlagers Auschwitz übergeben, um vor der dem Block 11 angeschlossenen„Schwarzen Wand" ab- geschossen zu werden. Das Nürnberger Gericht kam zu der Über- zeugung, daß Schellenberg über diese Dinge vollkommen im Bilde war, und verurteilte ihn darum im April 1949 zu sechs Jahren Ge- fängnis. Die Untersuchungshaft wurde ihm jedoch angerechnet, und so wurde dieser Mann, der die Pläne für die Gaskammern mitentworfen und täglich mit Kaltenbrunner und Müller während des gemeinsamen Mittagessens besprochen hatte, schon im De- zember 1950 auf freien Fuß gesetzt. Da Schellenberg mit großer Gewissenhaftigkeit sein Tagebuch führte, sollte es eigentlich einen Markt für seine Erinnerungen geben, die sich sicher durch den „Takt” auszeichnen, der, wie Himmler sagte,„eine Gott sei Dank in uns wohnende Selbstverständlichkeit ist”?°*. 2. Das Labyrinth der Kompetenzen Im Gegensatz zu den aktiven Ehrgeizlingen, die als Befehlshaber der Einsatzgruppen auftraten, waren die ihnen untergeordneten Beamten meistens Menschen, die es im normalen Leben zu nichts gebracht hatten. Erwin Schulz zum Beispiel hatte, wie sieben an- dere der zweiundzwanzig Angeklagten im Einsatzgruppen-Pro- zeß, Jura studiert; statt eine juristische Laufbahn zu ergreifen, war er aber, gleich seinem Vater, Polizist geworden. Ernst Bieber- stein, der in die Dienste der Gestapo trat, um den Klerus zu be- spitzeln, hatte eine protestantische Pfarre zugunsten eines von ihm gegründeten„Bruderbundes der Liebe” aufgegeben. Wladi- mir Klingelhöffer, ein Opernsänger aus Kassel, erhielt keinen wich- tigeren Auftrag als den,„kulturelle Betätigungen“ zu bespitzeln, ehe er auf Grund seiner Sprachkenntnisse als in Rußland gebore- ner Volksdeutscher in einer Einsatzgruppe Aufnahme fand. Lothar Fendler war ein arbeitsloser Militärzahnarzt und Voldemar Ra- detzky ein Baltendeutscher, der durch die Umsiedlung des Jahres 1940 aus der Bahn geworfen worden war. Strauch, der„Schlächter von Minsk“, war trotz seiner Rechtsstudien nur Bankangestellter geworden, und Blobel, der Fachmann für Exhumierungen und Verbrennungen, war ein Architekt, der das Opfer seiner Trunk- * Schellenberg ist im Sommer 1952 in Italien gestorben. Der äußerst mitteilsame Willi Höttl berichtet, daß Schellenbergs Memoiren bereits an einen Schweizer Verleger ver- kauft worden waren. Ein Teil daraus ist in einer anonymen und offenkundig„bearbeite- ten“ Version in dem deutschen illustrierten Wochenblatt„Quick“ erschienen. 215 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG sucht wurde. Er hatte sich zur Gestapo gemeldet,„als er nur mehr ein Hemd besaß“ 30, Diese verlorene Legion arbeitsloser Intellektueller hatte sich seit 1933 an die Schreibtische des SD gedrängt, mit keinem anderen Erfolg, als daß sie sich im Sommer 1941 in der Uniform der„Schwar- zen Krähen” auf den grundlosen Straßen Rußlandsfand. Es gab so- gar eine Degradierung als Folge ideologischen Übereifers. Pro- fessor Franz Six* gab die Auslandswissenschaftliche Fakultät der Berliner Universität, deren Dekan er war, auf, um Berichterstatter des SD in wissenschaftlichen Fragen und Chef eines Kommandos unter Nebe zu werden. Six wurde ausgeschickt, um die Kreml- Archive zu übernehmen und zu sichten, aber da er seinen Bestim- mungsort nicht zu erreichen in der Lage war, verbrachte er 25 Tage in Smolensk damit, kriegsgefangene und hinrichtungsreife poli- tische Kommissare aufzuspüren. Seine Verantwortung, daß er „immer ein‘Wissenschaftler blieb und niemals ein Polizist wurde“ 3, bewahrte Professor Six nicht davor, zu 20 Jahren Kerker verurteilt zu werden, die sich in der veränderten Atmosphäre des Jahres 1951 auf zehn Jahre verringerten. Ein Jahr darauf wurde er auf freien Fuß gesetzt... Das Merkwürdigste an der Laufbahn dieser Leute war die Leich- tigkeit, mit der sie sich von ihr absetzen konnten. Otto Rasch war es, wie wir gesehen haben, gelungen, viel länger auf Urlaub zu bleiben, als ihm ursprünglich bewilligt worden war. Heinz Jost, ein früherer Direktor des„Amtes VI” des RSHA, der im März 1942 den Posten des toten Stahlecker übernahm, verließ diese Stellung nach drei Monaten und wurde Rosenbergs Verbindungsmann zu Feldmarschall Kleist. Die einzige Strafe, die Himmler über Jost für dessen Vernachlässigung seiner Pflichten verhängte, war, daß Jost(der seinen Polizeirang als Generalmajor beibehielt) im Mai 1944 als Oberleutnant an die Front geschickt wurde 2. Auch SS- Brigadeführer Erwin Schulz, der im September 1941 sein Kom- mando verließ, als Franz Jäckeln mit Hitlers Befehl eintraf, wurde seiner Stelle ohne irgendwelche unangenehme Folgen für ihn ledig®. Dann gab es zum Beispiel den SS-Standartenführer Jäger in Riga, der einen Nervenzusammenbruch erlitt, als er Jäckelns Befehls für das Massaker des„blutigen Sonntags” ansichtig wurde; * Franz Six entzog sich wie der Befehlshaber seiner Gruppe, Erich Naumann, bis zum Sommer 1948, als Tagelöhner getarnt, seinen Richtern. 216 1} y, wurde ein jergleichen Ohlendorfs {nck hervo" der nussischel frauen— 9! hörten. Das f yon, meist au fon nahmen zetan hatte, norschälle v Jodie Eins die politisch nen”. Soba inderte sich Der Großte Front gesch heschäftiger ınter Beibe schiedenen fehlshaber der(örtlich voren sie Praktisch st von Himml Das verwic Ministerium oder gar z Die Massa erst nach c ausführend schutz"-Eir "Rudolf Diels Slungszeuge ermächtigte, d !üilderte er s 2 s dem Jahı vo leiters, Jı ostens als R duch den Fall N Polen abz ns er Nur mehr hatte sich sei 'Nem anderen er„Schwar. DER ‚r! ENDIOSUN, ACHTES KAPITEL 2. DAS LABYRINTH DER KOMPETENZEN Ind. Esgabso. i ereifers, Pro. © Fakultät der Perichterstafter N Kommandos m die Kreml. Seinen Bestim. he er 25 Tage| ngsreife poli- tung, daß er b ein Polizist Jahren Kerker mosphäre des darauf wurde war die Leich- to Rasch war auf Urlaub zu r. Heinz Jost, im März 1942 diese Stellung ungsmann zu - über Jost für te, war, daß hielt) im Mai 2, Auch$S- 1 sein Kom- introf, wurde Igen für ihn führer Jäger er Jäckelns ichtigwurde; ‚umann, bis zum er wurde einfach von Stahlecker zu einem anderen Kommando der gleichen Gruppe versetzt°**. Ohlendorfs ursprüngliche Aussage in Nürnberg hatte den Ein- druck hervorgerufen, daß das ganze Programm zur Ausrottung der russischen Juden von weniger als 3000 Mann— und einigen Frauen— durchgeführt wurde, die zu den Einsatzgruppen ge- hörten. Das ist aber keineswegs der Fall. Als Leiter einer ungeheu- ren, meist auf Grund lokaler Werbungen aufgefüllten Organisa- tion nahmen die Einsatzgruppen alles, was diese Organisation getan hatte, als ihr Verdienst in Anspruch. Aber die zwei Feld- marschälle von Brauchitsch und Manstein betonten in Nürnberg, daß die Einsatzgruppen zu dem Zweck geschaffen worden waren, die politische Verwaltung des besetzten Gebietes zu überneh- men%, Sobald dort eine Zivilverwaltung zu funktionieren begann, änderte sich ihre Natur von Grund auf. Der Großteil des ursprünglichen Stabes wurde in die Nähe der Front geschickt, wo er sich mit der Bekämpfung der Partisanen beschäftigen sollte, aber eine Anzahl von Kommandeuren wurde unter Beibehaltung des notwendigsten Beamtenstabs den ver- schiedenen Reichskommissaren und Landkommissaren als„Be- fehlshaber der Sicherheitspolizei”(BdS) oder als„Kommandeur der(örtlichen) Sicherheitspolizei”(KdS) zugeteilt. Theoretisch waren sie ein Bestandteil des Apparates der Zivilverwaltung. Praktisch stützte sich ihre Befehlsgewalt vor allem auf die ihnen von Himmler und Heydrich gegebenen Generalermächtigungen. Das verwickelte sie in endlose Kämpfe mit den von Rosenbergs Ministerium eingesetzten Beamten, die sie niemals zu überspielen oder gar zu beseitigen vermochten. Die Massaker an den russischen Juden ereigneten sich meistens erst nach der Einrichtung dieser regulären Polizeibshörden. Die ausführenden Organe setzten sich hauptsächlich aus den„Selbst- schutz“-Einheiten zusammen, einer von den Einsatzgruppen ge- * Rudolf Diels, der bis April 1934 Chef der Gestapo war, sagte in Nürnberg als Be- lastungszeuge aus, daß Artikel 47 des Militärstrafgesetzbuches einen Befehlshaber dazu ermächtigte, die Ausführung einer anbefohlenen Massenexekution zu verweigern. Dann schilderte er seinen eigenen Fall, vielleicht aus Stolz darauf, Heydrichs bösen Absichten aus dem Jahre 1934 entgangen zu sein. 194] haite er die Ausführung des Auftrages des Gauleiters, Juden in Hannover zu verhaften, verweigert. Daraufhin wurde er seines Postens als Regierungspräsident enthoben— das war aber auch alles. Er erwähnte auch den Fall eines gewissen Grafen Faber-Castell, der sich geweigert hatte, 500 Juden in Polen abzuschießen, und der nicht einmal von seinem Regiment versetzt wurde 3, 217 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG schulten nichtdeutschen Truppe, aber nach den ersten massiven Pogromen gegen die ansässige Bevölkerung hielt man es für ge- boten, nicht zu sehr aus dem örtlichen Reservoir zu schöpfen. Zahlreiche litauische Freiwillige wurden in das polnische, lettische und weißrussische Gebiet geschickt. Die Litauer eigneten sich für diese Arbeit besonders gut, aber im Sommer 1942 war man ge- zwungen, in Weißrußland andere Methoden in Anwendung zu bringen, da eine schlagkräftige Partisanenbewegung den über- lebenden arbeitsfähigen Juden gelegentlich Möglichkeiten des Entkommens gab. Die betrunkenen und unzuverlässigen Litauer wurden durch ganze Regimenter der deutschen Ordnungspolizei ersetzt, die manchmal, wie in der Aktion gegen das Ghetto Pinsk am 29. Oktober 1942, in starken Feldformationen mit der Unter- stützung regulärer Truppen auftraten”. Die Kommandeure der Sicherheitspolizei liehen sich solche Truppen von den„Korücks” oder Etappenkommandeuren aus, und einige Berichte von„Ko- rücks” zählen die Juden auf, die dem SD übergeben wurden. Manchmal hat ein„Korück” aus eigenem Antrieb eine Aktion ein- geleitet, wie im Falle der Abschlachtung der Juden aus Glebokie in Weißrußland im Juli 1942. Es scheint, daß um diese Zeit die ursprünglichen Einsatzgruppen, deren Zahl man von vier auf zwei herabgesetzt hatte und die weit im Osten als Kampftruppen auf- traten 3®, mit der Judenausrottung nicht mehr viel zu tun hatten. Eine Frage, die in den Nürnberger Prozessen bei weitem nicht genügend geklärt wurde, betrifft die Rolle, die die sogenannten „Höheren SS- und Polizeiführer” in dieser Sache spielten. In Deutschland waren sie das Gegenstück der SS zu den Gauleitern. Mit dem Fortschreiten des Krieges wurden mehr von diesen Trä- gern einer zweifelhaften Würde ernannt— für Krakau, Warschau und Lublin, für Oslo, Paris und Den Haag, für Belgrad und Athen. In Rußland gab es je einen„Höheren SS- und Polizeiführer” bei jeder der drei Heeresgruppen und überdies einen für„Sonder- aufgaben”. Ihre Stellung war durch einen schon vor dem russi- schen Feldzug— am 21. Mai 1941— ausgegebenen Erlaß Himm- lers geregelt®. Dieser Erlaß gab ihnen volle Macht in Polizei- angelegenheiten unter dem direkten Kommando Himmlers und Heydrichs. Die Kommandeure der Einsatzgruppen, die den Rang von„Befehlshabern der Sicherheitspolizei und des SD“(BdS) hat- ten, waren ihnen untergeordnet. 218 ms TEL sch yuppenkom yon dem öl nassaker AN Befehl zur 1dolsk, im vropefrowsk mach all vi der Ges \önnte man( xhichte eine: dem Bach-Ze his zum Ende fung der Paı war ein Beru Nimberg be \ollegen aus Jach-Zelews Wirkungskre sch nur„hin satzgruppen gegen die hıbe sowoh dorauf zurü hatte® ae Rauter und ind Frankr Lelewski ncch | Cings Zelle mit der Unter. mandeure der den„Korücks" richte von„Ko- geben wurden, eine Aktion ein- n aus Glebokie diese Zeit die on vier auf zwei mpftruppen auf- zu tun hatten. ei weitem nicht lie sogenannten ‘he spielten. In den Gauleitern. von diesen Trö- ıkau, Warschau ırad und Athen. lizeiführer” bei ‚n für„Sonder- vor dem russi- sn Erlaß Himm- ıcht in Polizei- Himmlers und| ‚ die den Rang| SD’(BdS) hak-| ACHTES KAPITEL 2. DAS LABYRINTH DER KOMPETENZEN ' Das geht schon aus der Schilderung hervor, die einige Einsatz- gruppenkommandeure von der Art und Weise gaben, mit der sie von dem Höheren SS- und Polizeiführer der Heeresgruppe Süd, SS-Obergruppenführer Franz Jäckeln, zur Ausführung der Juden- massaker angetrieben wurden. Jäckeln erteilte im August 1941 den Befehl zur Ermordung der ungarischen Juden in Kamenetz- Podolsk, im Oktober den Befehl für ein Judenmassaker in Dnje- propetrowsk und im November/Dezember für eines in Riga— das macht allein schon mehr als 50 000 Mordfälle aus*. Mit der Geschichte eines toten Höheren SS- und Polizeiführers könnte man die von dem Betreffenden selbst aufgezeichnete Ge- schichte eines noch am Leben befindlichen vergleichen. Erich von dem Bach-Zelewski versah dieses Amt bei der Heeresgruppe Mitte bis zum Ende des Jahres 1942, als er Chef aller mit der Bekämp- fung der Partisanen befaßten militärischen Einheiten wurde. Er war ein Berufssoldat aus einer militärischen Junkerfamilie, der in Nürnberg bereitwilligst gegen Himmler und seine eigenen Polizei- kollegen aussagte Was die Einsatzgruppen betrifft, behauptete Bach-Zelewski, daß er, obwohl die von Nebe befehligte in seinem Wirkungskreis tätig war, Nebe keine Aufträge geben konnte und sich nur„hintenherum“ in den Besitz eines der berüchtigten Ein- satzgruppenberichte setzen konnte#2. Er sei persönlich immer gegen die Hinschlachtung der Juden und Slawen gewesen und habe sowohl in Baranowicze als auch in Mogilew sein Quartier demonstrativ im jüdischen Teil der betreffenden Stadt genommen. Wenn die Juden aus Mogilew später ausgerottet wurden, sei das darauf zurückzuführen, daß er inzwischen die Stadt verlassen hatte*3**, Rauter und Oberg, die Höheren SS- und Polizeiführer für Holland und Frankreich, verantworteten sich gleichfalls dahin, daß ihnen * Jäckeln war einer von sechs deutschen Generalen— alle Ortskommandanten—, die von einem Volksgericht in Riga am 3. Februar 1946 abgeurteilt und am Nachmittag des gleichen Tages im früheren Ghetto hingerichtet wurden‘. Diese Art der Prozeß- führung ist der historischen Forschung nicht günstig. ** Der„Verteiler“ für die Einsatzgruppenberichte zeigt aber, daß von dem Bach- Zelewski noch am 19. November 1941 sein Hauptquartier in Mogilew hatte, einen vollen Monat nach der Liquidierung des Ghettos. Die Dienste, die Bach als Zeuge in Nürnberg und Warschau geleistet hatte, retteten ihn vor der Auslieferung an Ruß- land. Er wurde von einem Gericht in Ansbach im März 1951 zu zehn Jahren Arbeits- lager verurteilt, was praktisch bedeutet, daß er in seinem eigenen Haus wohnen konnte. Von dem Bach-Zelewski behauptete, daß er es war, der 1946 das Gift in Görings Zelle schmuggelte. 219 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG zu einem Eingreifen in antijüdische Maßnahmen die Zuständigkeit gefehlt habe, und in diesem Sinne verteidigte sich sogar Jürgen Stroop, der Mann, der den Aufstand im Warschauer Ghetto blutig unterdrückt hatte! Obwohl Stroop die täglichen Statistiken über die erfolgten Ausrottungsaktionen in einem eleganten Lederalbum gebunden aufbewahrte(siehe S. 309f.), sagte er in Nürnberg aus, daß die Mordtaten von einem Befehlshaber der Sicherheits- polizei ausgeführt worden wären, der ihm in keiner Weise unter- standen hätte*. Die offen zutage liegende Absurdität von Stroops Behauptung hatte die unbeabsichtigte Nebenwirkung, die Glaub- würdigkeit ähnlicher Aussagen zu zerstören, die seine in anderen Gegenden tätig gewesenen Kollegen gemacht hatten. 3. Die Mitschuld der Wehrmacht Wenn es den von Himmler ausgewählten Polizeigenerälen gelang, ihre Unschuld in bezug auf die Ausrottung der Juden er- folgreich zu beteuern, um wieviel leichter mußte das den Feld- marschällen und Generälen der Wehrmacht fallen, die sich darauf beriefen, daß ihre Hände durch die zwischen dem Oberkommando und dem RSHA im März-Juni 1941 getroffenen Abmachungen ge- bunden waren! Deutsche Generäle und deutsche Advokaten, die sich mit der Verteidigung des Oberkommandos der Wehrmacht befaßten, haben immer und immer wieder beteuert, daß die Leute mit den SD-Aufschlägen am Ärmel keine Soldaten waren, der Befehlsgewalt der Armee nicht unterstanden und sich so sehr des Schutzes Himmlers erfreuten, daß man sie aus dem von der Armee verwalteien Gebiet nicht entfernen konnte. Im Widerspruch dazu haben Befehlshaber von Einsatzgruppen Fälle beschrieben, in denen sie Befehle der Armee entgegenzunehmen gezwungen waren, während drei hohe SS-Offiziere, die als Entlastungszeugen der SS geführt wurden, die Befehlshaber von Heeresgruppen und Armeen der Feigheit beschuldigten, weil sie den Massenhinrich- tungen nicht Einhalt geboten*. Diese Kritik hat viel Berechtigung. Einige Kommandeure gaben zwar Befehle aus, die ihren Einheiten verboten, an vom SD aus- geführten Aktionen teilzunehmen, aber die Haltung der Mehrzahl von ihnen war weit weniger entschieden. Als am 5. August 1941 einige Hundert Juden in der Nähe von Rossitten von lettischen Frei- willigen ermordet wurden, ließ General Küchler von der 18. Armee 220 | james KANTE ih in nächste! ülanige Vet vogfe daral (onmandos erde ki Abe she negaf Ierals geger „itzumachen fnes der Ma \eit. daß es ruppe Mitte Yorissow kur oft, Ein Kot dorissow. ei undschlachte kerung ab®. Abwehrweg' Igenheit als hai dem sich geführten W betranken;€ ehr wohl b fonsplatz, d fonwaren d Als die Nacı lere seines Tränen der der Armee nit Waffen können, w Denkschrift arbeiten 50 Yon Auge, Bruchstücke B Zuständigkei Sogar Jürgen| Fr Ghetto blu, tatistiken über fen Lederalbyn| in Nürnben der Sicherheit. er Weise unter tät von Stroop ng, die Glauh. eine in anderen N, ee olizeigenerälen 9 der Juden er- das den Feld. ‚die sich darauf Dberkommando machungen ge- Advokaten, die der Wehrmacht t, daß die Leute ten waren, der sich so sehr des | von der Armee derspruch dazu beschrieben, in en gezwungen lastungszeugen resgruppen und Massenhinrich ‚ndeure gaben n vom SD aus- y der Mehrzahl| 5, August 1941| ‚lettischen frei ı der 18. Armee I | DER ENDlosyy ACHTES KAPITEL 3. DIE MITSCHULD DER WEHRMACHT den nächsten Divisionskommandeur wissen, daß der SD die alleinige Verantwortung hätte. Der Divisionskommandeur beauf- tragte daraufhin seinen Stab, darauf zu sehen, daß innerhalb des Kommandos keine Meinungsäußerung oder gar Kritik laut werde“. Aber den Etappen-Kommandeuren war nicht einmal eine solche negative Haltung gestattet, weil der SD seine Judenmassa- ker als gegen die Partisanen gerichtete Aktionen tarnte, bei denen mitzumachen die Wehrmacht verpflichtet war#7. Eines der Massaker vollzog sich so stark im Lichte der Öffentlich- keit, daß es die Aufmerksamkeit des Kommandos der Heeres- gruppe Mitte in Smolensk erregte. Es fand am 19. Oktober 1941 in Borissow kurz nach der Verlegung des Hauptquartiers von dort statt. Ein Kommando aus Stahleckers Einsatzgruppe A drang in Borissow ein, das eigentlich in Nebes Wirkungskreis gehörte, und schlachtete die gesamte 7620 Seelen zählende jüdische Bevöl- kerung ab“. Ein Geheimbericht eines Unteroffiziers, der„auf dem Abwehrweg” an Admiral Canaris gelangte, zeigt, daß die Ge- legenheit als ein„Festtag der deutschen Polizei” gefeiert wurde, bei dem sich der SD und die von einem wolgadeutschen Lehrer geführten weißrussischen Freiwilligen im Stadtcaf&® gemeinsam betranken; die Juden waren sich des ihnen bestimmten Schicksals sehr wohl bewußt. Das alte Armeehauptquartier war der Exeku- tionsplatz, deutsche Soldaten schauten zu, und Wehrmachtseinhei- ten waren damit beschäftigt, das Ghetto abzusperren. Als die Nachricht nach Smolensk* kam, wandten sich einige Offi- ziere seines Stabes an General von Bock und bestürmten ihn mit Tränen der Wut in den Augen, etwas zur Verteidigung der Ehre der Armee zu tun. Bock wendete ein, daß er nicht gegen die SS mit Waffengewalt vorgehen könne. Alles, was er glaubte tun zu können, war ein Auftrag an Fabian von Schlabrendorff, eine Denkschrift an Hitler über dieses„unerhörte Verbrechen” auszu- arbeiten 5%. Nichtsdestoweniger hatte Bocks Nachfolger, Günther von Kluge, im Mai des darauffolgenden Jahres keinerlei Schwie- * Bruchstücke eines Tagebuchs eines hohen Beamten der„Ausland-Abwehr” von Ad- miral Canaris, der in dessen Gesellschaft reiste, berichten über eine weitere Diskus- sion(25. Oktober) in Bocks Hauptquartier im Gefolge der Bluttat von Borissow. Die 7000 Juden, heißt es dort, seien wie„Olsardinen in der Büchse“ liquidiert worden, und auch der SD hätte seine Aufgabe nur„dank den Riesenmengen konsumierten Alko- hols” zu Ende führen können(NOKW 3146, teilweise abgedruckt in„Le Monde Juif“, Nr. 50, Dezember 1951; ein anderer Bezug auf dieses Tagebuch findet sich auf$. 263). 16 221 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG rigkeiten mit der Entfernung des SD aus seinem Frontabschnitt, wo dessen Benehmen eine Gefahr für die Sicherheit gewesen war". Manchmal entschlossen sich die Armeekommandeure dazu, lange Manifeste auszuarbeiten, die ihre Leute mit dem aussöhnen sollten, was sie zu Gesicht bekamen. Einen solchen Tagesbefehl veröffentlichte zum Beispiel Feldmarschall Walter von Reichenau am 10. Oktober 1941 für die Sechste Armee 2: „Der Soldat ist im Ostraum nicht nur ein Kämpfer nach den Regeln der Kriegskunst, sondern auch Träger einer unerbitt- lich völkischen Idee... Deshalb muß der Soldat für die Not- wendigkeit der harten, aber gerechten Sühne am jüdischen Untermenschentum volles Verständnis haben.” Der Sinn dieser Worte konnte kaum mißverstanden werden. Jeder unter Reichenau dienende Soldat wußte, daß Ende September als Sühne für die Unterminierung der Stadt durch die Russen(siehe S. 262 ff.) in Kiew unzählige Juden niedergemetzelt worden waren. Reichenaus Formulierung in seinem Armeebefehl wurde von Küch- ler, dem Befehlshaber der 18. Armee, von Hoth, dem Befehlshaber der 17. Armee, und von Manstein, dem Bsfshlshaber der 11. Ar- mee, übernommen°3. Mansteins Armeebefehl wurde am 20 No- vember in Simferopol ausgegeben— einige Tage vor dem ersten Massaker im Gheito°*. Das ist um so bemerkenswerter, als Man- stein, der sich viel darauf zugute tat, ein Berufsgeneral zu sein, ungleich Hoih und Küchler für die nationalsozialistischen Ziele und Theorien nichts übrig hatte und bei Himmler reichlich unbeliebt war. Himmler hat sogar nicht wenig Zeit dafür vergeudet,„sla- wische Versippung” in Mansteins Stammbaum nachzuweisen*55, Das britische Militärgericht in Hamburg sprach Manstein im De- zember 1949 von zwei Anklagepunkten, die die Judenmassaker betrafen, frei; gleichzeitig wurde er aber der Vernachlässigung des Schutzes des Lebens von Zivilisten schuldig gesprochen. Die Worte„absichtlich“ und„grob fahrlässig” wurden gestrichen 5. Ohlendorf, der sich zur Verantwortung für die meisten der 90.000 während seiner Zuteilung zur 11. Armee verübten Morde bekannt * Der Unterhausabgeordnete R. T. Paget(Manstein, His Campaigns and His Trial, London 1951, S. 166) hat zugunsten von Mansteins geltend gemacht, daß dieser Teile aus Reichenaus Armeebefehl ausließ und sie durch Instruktionen für das Verhalten der Truppen ersetzte, gegen die kein Einwand erhoben werden kann. Paget unterließ aber die Feststellung, daß Manstein an dem oben zitierten Satz Reichenaus nichts aus- zusetzen fand und ihn unverändert übernahm. 222 „cn Kapitel hof, wurde fe Ohlent ar Ohlene gegen ihn ge n gem„Ob zn noch a en hetracht ungen und er zuge‘ „olsseine EI Die Lage WC Chef des Sta sssich ange srhefahl Ol baren Umge Ohlendorf v nichtmit den ores, der( ıbzeichnete Aufeiner ni seins KXXst \lassakrieru erbeirief,| Leute zur V} sammenarb iber alles te, d Recht... nu Es gab auc führte, daß & möchte H üigung ve t Krim verld "ohnung endorf in “er von Sc Ohlendorf zu vd, das Y one in de m Nürnberg %esland, daß 0r, als Bela, Mtabschn; Wesen A re dazu, lange EM aussöhnen PN Tageshaftl! von Reichenu, pfer nach den Einer unerbit. |“» at für die Not: am jüdischen werden. Jeder } September als e Russen(siehe worden waren, furde von Küch. m Befehlshaber ber der 11. 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Die Lage war voll von Widersprüchen. Otto Wöhler, Mansteins Chef des Stabes, protestierte zum Beispiel dagegen, daß Offiziere es sich angelegen sein ließen, den Hinrichtungen zuzusehen, und er befahl Ohlendorf, sein Mordhandwerk abseits von der unmittel- baren Umgebung des Hauptquartiers der 11. Armee zu betreiben. Ohlendorf wieder führte Beschwerde darüber, daß Wöhler ihn nicht mit dem ihm zustehenden Rang tituliert hätte 57. Aber Wöhler war es, der Ohlendorf die Marschbefehle gab und dessen Berichte abzeichnete 5. Auf einer niedrigeren Ebene war es der Kommandeur von Man- steins XXXstem Korps, von Salmuth, der Ohlendorfs Bluthunde zur Massakrierung der Juden von Kodyma in Transnistrien(Podolien) herbeirief, ihnen für diesen Zweck dreihundert seiner eigenen Leute zur Verfügung stellte und Richtlinien für eine zukünftige Zu- sammenarbeit in diesen Dingen ausgab°?. Salmuth legte Manstein über alles das pflichtschuldigst Berichte vor, aber Manstein be- hauptete, diese Berichte niemals gesehen zu haben. Ihm sei„mit Recht... nur das Wesentliche... vorgetragen worden“ 60*, Es gab auch wieder Fälle, in denen der SD darüber Beschwerde führte, daß die Armee die dem SD vorbehaltenen Aufgaben durch- * Ich möchte hier— wenn auch nur als Fußnote— Ohlendorfs oft wiederholte Be- schuldigung verzeichnen, daß er, als Manstein sein Hauptquartier nach Simferopol auf der Krim verlegte, ersucht wurde, die Liquidierung der Juden zu beschleunigen,„um der Wohnungsnot abzuhelfen”®', und daß Manstein damals(Weihnachten 1941) zu Ohlendorf in so freundschaftlichen Beziehungen gestanden habe, daß er die ihm von Ritter von Schobert zugefügten Beleidigungen dadurch gutmachen wollte, daß er Ohlendorf zusammen mit dem Höheren SS- und Polizeiführer Udo von Alvensleben einlud, das Wochenende mit ihm auf seinem Schloß zu verbringen. Mansteins Antwort bestand in der strikten Erklärung, daß er Ohlendorf zum erstenmal in seinem Leben im Nürnberger Gefängnis gesehen habe. Die offenkundige Ungehörigkeit, die darin bestand, daß man Ohlendorf, nachdem er im April 1948 zum Tode verurteilt worden war, als Belastungszeugen gegen das Oberkommando der Wehrmacht vernahm, wieder- 162 223 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG führte. So verzeichnet der Einsatzgruppenbericht Nr. 119 eine zwei- tägige Aktion am 22. September 1941 im Ghetto Uman in der Ukraine. Es gab„nur“ 1412 Opfer statt der 8000, die man vor- gesehen hatte— die ukrainische Bevölkerung hatte nämlich zu- sammen mit den deutschen Soldaten den Juden ungewollt durch Plünderung ihrer Häuser bereits eine Warnung gegeben. Infolge- dessen war die Durchführung der vom Kommando Nr. 5 vorgenom- menen Aktion„ernstlich beeinträchtigt“, und der Bericht hält fest, daß Feldmarschall von Rundstedt, der Befehlshaber der Heeres- gruppe Süd, von der Mitwirkung von Einheiten des Heeres an den Ausschreitungen in Kenntnis gesetzt wurde®. Der Empfang der Beschwerde wurde am Tage darauf von Rund- stedt, dessen Hauptquartier sich jetzt direkt in der Stadt Uman* befand, in einem Armeebefehl an seine Truppen folgendermaßen bestätigt&: „Erforschung und Bekämpfung reichsfeindlicher Bestrebungen und Elemente(Kommunisten, Juden und dgl.)... ist in den besetzten Gebieten allein Aufgabe der Sonderkommandos der Sicherheitspolizei und des SD, die in eigener Verantwor- tung die notwendigen Maßnahmen treffen und durchführen. Eigenmächtiges Vorgehen einzelner Wehrmachtangehöriger oder Beteiligung von Wehrmachtangehörigen an Exzessen der ukrainischen Bevölkerung gegen die Juden ist verboten, ebenso das Zusehen oder Photographieren bei der Durchfüh- rung der Maßnahmen der Sonderkommandos. Dieses Verbot ist den Angehörigen aller Einheiten bekanntzugeben. Verant- wortlich für die Beachtung des Verbotes sind die Disziplinar- vorgesetzten aller Dienstgrade.” Feldmarschall von Rundstedt, der vor seinem Ableben seinen Glorienschein zurückbekam und in einem amerikanischen Film als holte sich bei dem absolut fair geführten Prozeß gegen Manstein nicht. Am 31. Januar 1951 wurde die über Salmuth verhängte Strafe von zwanzig Jahren Gefängnis auf zehn herabgesetzt, um sie der über Manstein verhängten Haftdaver anzupassen. Am 23. Juli 1953 wurde er entlassen. Manstein wurde praktisch schon im August 1952 auf freien Fuß gesetzt. Wöhlers Strafe(acht Jahre) gilt längst als abgebüßt. * Rundstedts Stabschef, General Günther Blumentritt, ist in bezug auf die Ereignisse in Uman von einer begreiflichen Zurückhaltung. Darum ist es um so merkwürdiger, daß er einen langen Absatz aus einer Schilderung zitiert, die Rundstedt selbst von den angeblich freundschaftlichen Beziehungen zwischen den Bewohnern der Stadt und der Wehrmacht gibt. Anlaß zu dieser Erinnerung bot eine romantische Intervention zu- gunsten eines ukrainischen Mädchens, das mit einem deutschen Unteroffizier davon- gelaufen war&. 224 „ans KApITE I un wer verdonkte© grwegen de wurden, NIC uldigung ahan ziert ‚ht einmal der öffentli suhigte, WAI geschmackv _ eine Mö yJuli1941 noch die Ve \önnten, die erfuhren, W hindern. Ro iher Beschv tnund die! $-Oberstur Charkow at für das Vor gefallen w 4,Die Ve Waren we Nürberge Srünglich die Verteil 00 Stück Orbeitete Est nich "eichhaltid “9 vorgenom- Bericht halt fest rauf von Rund. er Stadt Uman* olgendermaßen er Bestrebungen )... ist in den derkommandos ner Verantwor- nd durchführen, chtangehöriger en an Exzessen jen ist verboten, ei der Durchfüh- 5, Dieses Verbot ugeben. Verant- die Disziplinar- Ableben seinen nischen Film als nicht. Am 31. Januar ‚hren Gefängnis auf ver anzupassen. Am im August 1952 auf ebüßt. wa auf die Ereignisse In ‚ merkwürdiger, daß tedt selbst von den' ı der Stadt und der he Intervention ZU- Interoffizier davon- Unter: 4. DIE VERANTWORTUNG DER ZIVILISTEN ACHTES KAPITEL güfiger, wenn auch etwas mürrischer alter Herr dargestellt wurde, verdankte es seinem Alter und seinem Gesundheitszustand, daß er wegen der schwerwiegenden Anklagen, die gegen ihn erhoben wurden, nicht vor Gericht gestellt worden ist. Im Lichte dieser Be- schuldigungen kann man kaum etwas Überraschendes in dem oben zitierten Befehl finden, von dem man wohl sagen kann, daß nicht einmal Pontius Pilatus so sehr darauf bedacht gewesen ist, der öffentlichen Aufmerksamkeit zu entgehen. Was ihn beun- ruhigte, war nicht nur der Gedanke, daß Urlauber diese höchst geschmackvollen Schnappschüsse ihren Freunden zeigen könnten — eine Möglichkeit, auf die Otto Wöhler in dem Befehl vom 22. Juli 1941 aufmerksam gemacht hat 8—, sondern vielleicht mehr noch die Vorstellung, daß die Russen Soldaten gefangennehmen könnten, die derlei Dinge in der Tasche führten. Daß die Russen erfuhren, was vorging, konnte freilich nichts und niemand ver- hindern. Rosenbergs Vertreter in Bocks Hauptquartier führte dar- über Beschwerde, daß die Juden die Linien in Schlitten überschrei- ten und die Russen über die Ereignisse auf dem laufenden halten%. SS-Obersturmbannführer Heinisch sagte vor dem Volksgericht in Charkow aus, selbst Hitler habe davon gewußt, daß Beweisstücke für das Vorhandensein von Gaswagen in die Hände der Russen gefallen waren 2. 4. Die Verantwortung der Zivilisten und die russischen Ghettos Die Berichte der Einsatzgruppen bestehen aus täglichen Meldun- gen(Tätigkeitsberichte) und Monatsübersichten(Ereignismeldun- gen). Sie reichen bis Ende März 1942 und wurden dann von Wochenberichten abgelöst, die ganz Europa behandelten; diese waren wesentlich vorsichtiger abgefaßt und boten daher der Nürnberger Anklagebehörde wenig Anhaltspunkte. Von den ur- sprünglich ausgegebenen Berichten erschienen im ganzen fast 200; die Verteilerliste zeugt für eine Auflage, die zwischen 60 und 100 Stück schwankte. Die Veröffentlichung erfolgte durch ein obskures Büro der Gestapo, das SS-Standartenführer Kurt Lindow leitete und in dem ein gewisser Dr. Knobloch die täglichen chiffrierten Drahtmeldungen aus Rußland entgegennahm und be- arbeitete®. Es ist nicht leicht zu verstehen, warum die Mörder eigentlich so reichhaltige Beweise für ihre Taten hinterließen, denn trotz des 225 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG viele Namen umfassenden„Verteilers” scheinen Knoblochs Be- richte vor allem dazu bestimmt gewesen zu sein, Himmler und Heydrich zu beeindrucken*. Hier finden sich neben zahllosen Ver- suchen, die tägliche Ernte des Todes so zu präsentieren, daß sich höchst eindrucksvolle Gesamtzahlen ergeben, auch ziemlich ama- teurhafte Bemühungen um eine politisch wertende Berichterstat- tung. Sie sind für den Geschichtsforscher nicht uninteressant, weil sie die Entwicklung der Gestapomethoden einigermaßen be- leuchten. So hat man fast den Eindruck, als würde man Heydrichs eigene Worte lesen, wenn man den langen Sonderbericht in die Hand nimmt, den ihm Franz Stahlecker im Oktober 1941 zugehen ließ. Er beschreibt das Pogrom, das sich in Kowno drei Tage nach der Besetzung der Stadt abgespielt hat 2: „Es war aber nicht unerwünscht, wenn sie(die Sicherheits- polizei) zumindest nicht sofort bei den doch ungewöhnlich harten Maßnahmen, die auch in deutschen Kreisen Aufsehen erregen mußten, in Erscheinung trat. Es mußte nach außen ge- zeigt werden, daß die einheimische Bevölkerung selbst als natürliche Reaktion gegen jahrzehntelange Unterdrückung durch die Juden und gegen den Terror in der vergangenen Zeit die Maßnahmen von sich aus getroffen hat.” Es war die Absicht, zu zeigen, daß deutscherseits eine geordnete Lösung der Judenfrage vorbereitet werde. Am 25. Oktober 1941 empfahl z.B. Wetzel, der„Judensachbearbeiter” in Rosenbergs Ministerium für die Ostgebiete, die Einrichtung stabiler Gaskam- mern, da sich das Blutbad in Wilna öffentlich abgespielt hatte (s. S. 145). Die Rumänen gaben den Einsatzgruppen noch bessere Vorwände für ein Eingreifen. So heißt es im„Tätigkeitsbericht” Nr. 25 vom 25. Juli 19413: * Einer der Empfänger war Freiherr von Weizsäcker im Auswärtigen Amt. Es ist mög- lich, daß das Auswärtige Amt über die Offenherzigkeit der Berichte Beschwerde führte, denn die in Nürnberg vorgelegte Ausfertigung der elften„Ereignismeldung”, die den März 1942 behandelt, ist von einer an Ribbentrop gerichteten Zuschrift Heydrichs be- gleitet, die die Bemerkung trägt:„Vorgelegt aus Zuständigkeitsgründen”?®, Lindow, der auch Befehle zur Hinrichtung russischer Kriegsgefangener herausgab, ersparte sich die Auslieferung an die Sowjetunion durch sein Auftreten als Belastungszeuge in Nürnberg. Er wurde vom Frankfurter Schwurgericht im März 1950 unter der Beschuldi- gung der Ermordung von Kriegsgefangenen verhaftet, als er als Entlastungszeuge für Heinrich Baab auftrat(siehe$. 184). Gegenwärtig(März 1956) sieht er immer noch dem gegen ihn zu führenden Prozeß entgegen”. 226 „cuts KapıT! Ä ‚Gege nichts| Durchfi sen die Stelle| Ohlendorf ngssakriert dand die W onen, Ohı die Aussich veronlasser 94 vergli von itauisc opfern, die Efer der ei or Heydrich Eine„Verb Wege der fegistrierur nachdem Rı hung aufge mit, daß m besetzt RSHA schei jewesen Z die Meinun nur Frage selbst, Ros seine Jud würde, w DER ENDLOSUN: zahllosen Va " "'eren, daß sid| Ziemlich amn. [® Berichtergtg.| Nteressant, wei Igermaßen ha eydrichs eigen| }. ht in die Hand 1 zugehen lief,| Knoblochs| ‚ Himmler Mi| Tage nach der| die Sicherheit; ungewöhnlich eisen Aufsehen nach außen ge rung selbst als Unterdrückung er vergangenen at.” eine geordnete 5. Oktober 194] " in Rosenbergs obiler Gaskam- ıbgespielt hatte ‚n noch bessere jtigkeitsbericht‘ ‚en Amt, Es ist mög: e Beschwerde führte, smeldung”, die den schrift Heydrichs be- ‚gründen””. Lindow, usgab, ersparte sich Belastungszeuge i unter der Beschuldi Entlastungszeug® für er Immer noch dem | ACHTES KAPITEL 4. DIE VERANTWORTUNG DER ZIVILISTEN „Gegen die sehr zahlreichen Erschießungen von Juden wäre nichts einzuwenden, wenn die technische Vorbereitung und Durchführung nicht so unzulänglich wären. Die Rumänen las- sen die Hingerichteten meist ohne Beerdigung an Ort und Stelle liegen.” Ohlendorf zufolge’* haben die Rumänen die Juden nicht restlos massakriert und die reichen Juden entkommen lassen. Darin be- stand die wahre Einwendung gegen die örtlichen Mordorganisa- tionen. Ohne Disziplin oder„ideologischen“ Beweggrund würde die Aussicht darauf, plündern zu können, die Leute nicht dazu veranlassen, genügend viel Menschen zu ermorden. Am 3]. Januar 1942 verglich Stahlecker die Zahl von 5000 Juden, die in Litauen von litauischen Freiwilligen getötet wurden, mit den 136421 Todes- opfern, die seine eigenen Leute zur Strecke gebracht hatten.„Der Eifer der einheimischen Bevölkerung ließ alsbald nach”, jammerte er Heydrich vor”°. Eine„Verbesserung“ der Ausrottungsmethoden erwies sich im Wege der Schaffung von sich selbst verwaltenden Ghettos und der Registrierung der Bevölkerung durch einen Judenrat als möglich, nachdem Rosenbergs Ministerium in der Etappe eine Zivilverwal- tung aufgebaut hatte. In Nürnberg verantwortete sich Rosenberg damit, daß sein Ministerium keinen Anteil an Polizeimaßnahmen im besetzten Rußland gehabt hätte, und die Machtansprüche des RSHA scheinen tatsächlich eine ständige Sorge des Östministeriums gewesen zu sein. Aber soweit die Juden in Frage kamen, betrafen die Meinungsverschiedenheiten zwischen Ostministerium und RSHA nur Fragen untergeordneter Natur, niemals jedoch die Sache selbst. Rosenberg bewies schon drei Tage nach Amtsantritt, daß seine Judenpolitik sich voll mit Heydrichs Absichten decken würde, wofür die Herausgabe der„Braunen Mappe”’% ein voll- ständiger Beweis ist. Pogromen, die die Ortsbevölkerung beginnt, soll man, heißt es dort, ihren Lauf lassen, sofern nicht Fragen der militärischen Sicherheit dadurch berührt werden, denn die Juden, die während der russischen Besetzung in die Grenzprovinzen ge- kommen seien, müßten durch„drakonische Maßnahmen ausge- schaltet“ und der Rest in Ghettos eingewiesen werden. Für die Ghettos waren Rosenbergs Kommissare zuständig, deren Chef, Hinrich Lohse, Reichskommissar für die baltischen Staaten und Weißrußland war. Lohse kam Ende Juli nach Kowno, ließ sich 227 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG aber später in Riga nieder. Dieser ehemalige Gauleiter von Schles- wig-Holstein wirkte mit seiner lächerlichen walroßähnlichen Er- scheinung wie ein Parteibonze aus einer Kleinstadt, und als solcher trat er auch auf. Peter Kleist, ein Beamter des Auswärtigen Amtes, hat ein erschöpfendes Bild dieses komischen Satrapen entworfen, das ihm nur eine einzige Tugend zuerkennt: Widerstand gegen die Durchführung der Endlösung im Baltikum’’”. Aber in Kowno hielt Lohse am 27. Juli 1941 eine Ansprache an seine Beamten- schaft, die darauf hindeutete, daß man diese angebliche Tugend nicht allzu wörtlich auffassen sollte. Die Ghettos würden nur so viel Lebensmittel erhalten, sagte Lohse damals, wie die übrige Be- völkerung entbehren könne. Zwar seien die Richtlinien des Rosen- bergschen Ministeriums in der„Braunen Mappe” niedergelegt, doch sollten sie nur dann zur Anwendung kommen,„wenn weitere Maßnahmen in der Richtung der Endlösung der Judenfrage un- tunlich sind”; sie dürften der Ausführung seiner der Sicherheitspoli- zei erteilten mündlichen Aufträge nicht im Wege stehen’®, Diese Aufträge wurden so gründlich ausgeführt, daß Lohses Beamten in General von Roques' Stab in Kowno als„Kopfjäger“ bekannt wa- ren. Später machte Lohse einige Versuche, sich für wirtschaftlich wichtige jüdische Arbeiter einzusetzen, aber das Überleben der Ghettos im„Ostland” für weitere zwei Jahre ist keineswegs ihm zu danken. Diese unerwartete Entwicklung hatte vor allem ihren Grund in den Anforderungen, die das Rüstungsamt unter General- oberst Thomas in bezug auf jüdische Arbeitskräfte stellte*, und war teilweise auch die Folge des Zustroms der Juden aus dem Reich. Solange Heydrich und Himmler unter amtlichem Druck stan- den, die Überlebenden aus den Reihen der Juden aus dem Reich zu schonen, wurde den Ghettos eine zeitweilige Atempause auch zur Zeit des grauenhaften Blutbades zuteil, das sich im Sommer 1942 in Weißrußland abspielte. Ghettos, denen die unausweichliche Rücksichtnahme auf die Be- dürfnisse der Rüstungsindustrie einen gewissen Aufschub ein- brachte, wurden nicht so schablonenmäßig behandelt wie die übri- * Generaloberst Georg Thomas, der Freund Ulrich von Hassells und ein Mitglied des Widerstandskreises der Wehrmacht, wurde im Juli 1944 verhaftet, aber niemals ab- geurteilt. Nach dem Krieg war seine Position sicher, und er lehnte es ab, sich den Alliierten als Belastungszeuge für die Nürnberger Prozesse zur Verfügung zu stellen. Im Dezember 1945 veröffentlichte er in den„Schweizer Monatsheften“7? seine Memoi- ren, die aber nichts über seine intime Vertrautheit mit der Endlösung verraten. 228 de Ryssen d In, fanden xhaftmehr‘ \ den meis einzigen Zw srchtern, So zeichnis auf eine„neue gescgf, daß ur Stelle zı non, daß il nach Hause origen Au zur Abschla Anders als zum 25, Ju Kriegsende weise bei d durch„Enth bliche Tugend Würden nur so die Übrige Br. ien des Rosen. niedergeleg) „Wenn weitere “ bekannt wo: r wirtschaftlich Überleben der eineswegs ihm or allem ihren unter Generol- e stellte*, und uden aus dem em Druck stan- aus dem Reich| empause auch ch im Sommer 1e auf die Be- Aufschub ein- It wie die übri-|| } ein Mitglied des ober niemals ab- & es ab, sich den fügung ZU stellen. n’7 seine Memol- g verraten. ses Beamten in ACHTES KAPITEL 4. DIE VERANTWORTUNG DER ZIVILISTEN gen. Die Absicht, das Leben der arbeitsfähigen Juden für den Augenblick zu schützen, machte Geheimnistuerei notwendig, und überdies empfahl es sich, den Opfern den Schein einer Hoffnung vorzugaukeln. Das galt nicht für die Ukraine und den größten Teil von Weißrußland, wo oft eine einzige Aktion den ganzen Fragen- komplex aus der Welt schaffte. In der Ukraine war es nämlich den meisten arbeitsfähigen Juden gelungen zu entkommen, sofern sie nicht die Russen ohnehin evakuiert hatten; mit den zurückgeblie- benen Familienangehörigen wurde kurzer Prozeß gemacht. Als die Russen diese Städte in den Jahren 1943 und 1944 zurückerober- ten, fanden sie nicht die geringste Spur einer jüdischen Gemein- schaft mehr vor. In den meisten ukrainischen Städten wurde ein Judenrat zu dem einzigen Zweck eingesetzt, die geplante Ausrottungsaktion zu er- leichtern. Sobald der Judenrat seine Schutzbefohlenen in ein Ver- zeichnis aufgenommen und versammelt hatte, kam er selbst an die Reihe. So hatte z.B. das Kommando 4b in Winniza im August 1941 eine„neue Methode angenommen” 8, Dem Oberrabbiner wurde gesagt, daß er die gesamte jüdische Intelligenz binnen 24 Stunden zur Stelle zu schaffen hätte. Als die Juden sich einfanden, sagte man, daß ihrer nicht genug seien; sie wurden mit dem Auftrag nach Hause geschickt, weitere mitzubringen. Nach der dritten der- artigen Aufforderung hatte man 146 führende Juden aus Winniza zur Abschlachtung bereit in der Hand. Anders als in diesem Fall war es in Kowno, wo der Judenrat bis zum 25. Juli 1944 überlebte; drei seiner Mitglieder waren bei Kriegsende noch am Leben®!. Im Grunde war aber die Vorgangs- weise bei der„Umsiedlung“ immer die gleiche. Juden, die sich nicht durch„Enthebungsscheine” ausweisen konnten, wurden auf Markt- plätzen oder in großen Gebäuden gesammelt, in Eisenbahnzüge, Omnibusse oder Lastkraftwagen zusammengepfercht oder auf Schlitten aufgeladen, um in die Wälder oder Moore geschafft zu werden, wo die Leichengruben bereits vorbereitet waren. War das einmal nicht der Fall, dann hielt man sie einige Tage lang in irgendeinem der gerade verfügbaren Gefängnisse oder Lager ge- fangen, wie in dem„Zentralka“- oder dem„Laticheva“-Gefängnis in Riga, dem Lukischi-Gefängnis inWilna, der Turkczynski-Festung in Minsk, dem Fort Nr. 9 in der Nähe von Kowno oder dem „Traktorwerk Nr. 10“ außerhalb von Charkow. In kleineren Orten 229 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG ging man noch weit formloser vor. Oft gab es nicht einmal eine Registrierung oder die„Beschneidungsprobe”; jüdisches Aussehen oder die Denunziation eines Nachbarn genügten. Auf diese Weise wurden zahllose Tataren, Zigeuner und Menschen mit orientali- schem Aussehen in die Ausrottungsaktionen einbezogen. Erst am 27. April 1942 unternahm es Rosenberg, die von ihm herausgege- benen Richtlinien entsprechend zu ergänzen, aber auch dann fand sich Himmler nicht bereit, sich die von ihm vorgeschlagene äußerst unbestimmt gefaßte Liste von Überprüfungsmöglichkeiten zu eigen zu machen, und untersagte der Polizei, sie zu veröffentlichen 2%. (Siehe S. 196.) 5. Henker und ihre Methoden In den größeren Ghettos gab es eine genaue Aufteilung der Pflich- ten und Verantwortlichkeiten. Örtliche Milizleute hielten das Ghetto namens der deutschen Sicherheitspolizei umzingelt und bewachten den Versammlungsplatz innerhalb des Ghettos. Die Juden, deren Namen vom Judenrat in die Umsiedlungsverzeichnisse aufgenom- men worden waren oder die keine Schutzscheine besaßen, wurden vom jüdischen Ordnungsdienst aus ihren Wohnungen geholt. Per- sonen, die zunächst unauffindbar waren, wurden von der deut- schen Polizei mit Hilfe von Polizeihunden aus ihren Verstecken unter den Fußböden, den Öfen und den Dachsparren herausgeholt. Wen man auf diese Weise fand, der wurde sofort umgebracht, oft Tausende gleichzeitig. Die„umgesiedelten“ Juden wurden dann zu den Leichengruben getrieben, wo die deutschen Polizeitruppen, meist in Einheiten von zwölf auftretend, sie niederknallten. Die beliebtesten Waffen waren Maschinenpistolen, aber oft wurden gewöhnliche Infanteriegewehre benützt, wobei man Kleinkaliber- pistolen für den Gnadenschuß bereithielt. Die Hinrichtungsplätze lagen weit außerhalb der Städte und wa- ren sorgfältig von der Außenwelt abgeschlossen, obwohl man selten volle Geheimhaltung zu erzielen in der Lage war. So be- kam z.B. Bernhard Lösener, Referent des Ministeriums des Innern, einen Brief zu Gesicht, in dem das schreckliche Schicksal der im Wald bei Riga abgeknallten Juden aus dem Reich geschildert wurde(siehe$S. 107 u. 246). Eugen Kogon berichtet, daß diese Einzelheiten von den in der Nähe des Mordplatzes stationierten Angehörigen der deutschen Luftwaffe ganz offen besprochen wur- 230 ches Kapitel „8, Maior in General| ‚yß die Mas &ldoten VOT ergebroch ‚dstarrten? (en kämpf dien bei 50 R ocht hatten ängten Ph düse den nr Steiner( er Masse KIeidungssti ngen in ih (schossen oerin der C srumwühlt {en Gnade! Diese Bilde Zvil-Bauin htmehr, ren polnisc on Gräbe richtvor Sc Ankläger brachte, se all rige K 8. Do mit Tr einen Der Finge Ihm e Grub Pe Die| mich N DER EnDIay, Icht einmal eins! Sches Aussehe, Uf diese Wer en mit Orienh, P2ogen. Erst gr hm herausgen, auch dann Fan Nagene Außer: Nkeiten zu eigen eröffentlichent ung der Pfich| elten das het; und bewachten ie Juden, derer hisse aufgenon- esaßen, wurden gen geholt. Per. von der deut- ıren Verstecken :n herausgeholt ort umgebracht en wurden dam Polizeitruppen, lerknallten. Die ber oft wurden ın Kleinkaliber- Städte und wo- , obwohl man ge war. So be ıms des Innern, hicksal der im ich geschildert tet, daß diese .s stationierfen ;sprochen wur I ACHTES KAPITEL 5. HENKER UND IHRE METHODEN den®. Major Rössler vom 58. Infanterieregiment beschwerte sich bei General Schierwind, dem Befehlshaber der Neunten Armee, daß die Massaker von Schitomir im Juli 1941 vor den Augen von Soldaten vor sich gegangen seien, die in einem Urlauberheim untergebracht waren. Diese Leute Iungerten in Badehosen herum und starrten in die Massengräber, wo die noch Lebenden mit den Toten kämpften. Rundstedts Armeebefehl bestätigt, daß die Sol- daten bei solchen Gelegenheiten von ihren Leicas Gebrauch ge- macht hatten Trotz des von Himmler am 12. November 194] ver- hängten Photographierverbotes®® haben viele dieser Schnapp- schüsse den Krieg überdauert. Einige von ihnen wurden von Dr. Steiner aus Preßburg veröffentlicht®s. Sie zeigen alle Stadien einer Massenexekution: die tiefe Grube mit Menschen, die ihre Kleidungsstücke abwerfen, den Zug der nackten Frauen mit Säug- lingen in ihren Armen, der sich der Stelle zubewegte, wo sie ab- geschossen wurden, die einzelnen Lagen der menschlichen Kör- per in der Grube, unter denen die Männer vom Sonderkommando herumwühlten, um den noch Lebenden mit ihrer Maschinenpistole den Gnadenschuß zu geben. Diese Bilder könnten von den Szenen stammen, die der deutsche Zivil-Bauingenieur Hermann Gräbe am 5. Oktober 1942 auf dem nicht mehr in Benutzung befindlichen Flugplatz Dubno in der frühe- ren polnischen Provinz Wolhynien mitangesehen hat. Der Inhalt von Gräbes eidesstattlicher Versicherung, die das Nürnberger Ge- richt vor Schreck und Grauen erstarren machte, als sie der britische Ankläger Sir Hartley Shawcross am 27. Juli 1946 zur Verlesung brachte, sei an dieser Stelle unverkürzt wiedergegeben®: ... Eine alte Frau mit schneeweißen Haaren hielt das einjäh- rige Kind auf den Armen und sang ihm etwas vor und kitzelte es. Das Kind quietschte vor Vergnügen. Das Ehepaar schaute mit Tränen in den Augen zu. Der Vater hielt an der Hand einen Jungen von etwa zehn Jahren, sprach leise auf ihn ein. Der Junge kämpfte mit den Tränen. Der Vater zeigte mit dem Finger zum Himmel, streichelte ihn über den Kopf und schien ihm etwas zu erklären. Da rief schon der SS-Mann an der Grube seinem Kameraden etwas zu. Dieser teilte ungefähr 20 Personen ab und wies sie an, hinter den Erdhügel zu gehen. Die Familie, von der ich hier sprach, war dabei. Ich entsinne mich noch genau, wie ein Mädchen, schwarzhaarig und 231 a DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG 1 schlank, als sie nahe an mir vorbeiging, mit der Hand an sich herunterzeigte und sagie: ‚23 Jahre‘. Ich ging um den Erdhügel herum und stand vor dem riesigen Grabe. Dicht aneinandergepreßt, lagen die Menschen so auf- einander, daß nur die Köpfe zu sehen waren. Von fast allen Köpfen rann Blut über die Schultern. Ein Teil der Erschossenen bewegte sich noch. Einige hoben ihre Arme und hoben den Kopf, um zu zeigen, daß sie noch lebten*. Die Grube war be- reits dreiviertel voll. Nach meiner Schätzung lagen darin bereits ungefähr tausend Menschen. Ich schaute mich nach dem Schützen um. Dieser, ein SS-Mann, saß am Rand der Schmalseite der Grube auf dem Erdboden, ließ die Beine in die Grube herabhängen, hatte auf seinen Knien eine Ma- schinenpistole liegen und rauchte eine Zigarette. Die vollstän- dig nackten Menschen gingen auf einer Treppe, die in die Lehmwand der Grube gegraben war, hinab, rutschten über die Köpfe der Liegenden hinweg bis zu der Stelle, die der SS-Mann anwies. Sie legten sich vor die toten oder angeschos- senen Menschen, einige streichelten die noch Lebenden und sprachen leise auf sie ein. Dann hörte ich eine Reihe Schüsse. Ich schaute in die Grube und sah, wie die Körper zuckten oder die Köpfe schon still auf den vor ihnen liegenden Körpern la- gen. Von den Nacken rann Biut. Ich wunderte mich, daß ich nicht fortgewiesen wurde, aber ich sah, wie auch zwei oder drei Postbeamte in Uniform in der Nähe standen. Schon kam die nächste Gruppe heran, stieg in die Grube herab, reihte sich an die vorherigen Opfer an und wurde erschossen, Als ich nun um den Erdhügel zurück- ging, bemerkte ich wieder einen soeben angekommenen Transport von Menschen. Dieses Mal Kranke und Gebrech- liche dabei. Eine alte, sehr magere Frau mit fürchterlich dünnen Beinen wurde von einigen anderen schon nackten Menschen ausgezogen, während zwei Personen sie stützten. Die Frau war anscheinend gelähmt. Die nackten Menschen trugen die Frau um den Erdhügel herum. Ich entfernte mich mit Moennikes (einem Polier) und fuhr mit dem Auto nach Dubno zurück. * Sollte diese Geste der Sterbenden nicht etwas ausdrücken, was die Lebenden zu er- kennen nicht vermochten?„Tendebantque manus ripae ulterioris amore?*„Sehnlich die Händ’ ausstreckend zum jenseits liegenden Ufer.“(Vergil, Aeneis, Sechstes Buch, Zeile 314, in der Übersetzung von Wilhelm Binder.) 232 yore AT -Am Morg gelle bes der Grub |ebten NO weder die meiner fi sprach m Da vernd renden 1 var. Ich später hi Man haft Grube W legen, un Hermann Gr amand dar nond einen Yohel, der d srklärte das tichts galt:€ schon irgend Wert nicht‘® \eiltwert ha fumiliensinn inzelmensc hre Eltern o \lenschen o eıikommen, ird, Manch gnube ausge steckt, wo di erwartete,( Ghetto zuri fen. Der me Mens Basia on Dubne Deutschlan Die Geistes Deraubt, ei enschen so a . Von fast all er Erschogsen, und hoben de Grube war be. 19 lagen dar Pufe mich nad am Rand der eß die Beine ı nien eine Mi. te. Die vollstän- ppe, die in dk| rutschten über Stelle, die der der angeschos. Lebenden und Reihe Schüsse er zuckten oder Jen Körpern Io- wurde, aber ich Uniform in der pe heran, stieg 'igen Opfer on dhügel zurück ingekommenen und Gebrech- hterlich dünnen'' kten Menschen n. Die Frau war ugen die Frau nit Moennikes no zurück. ie Lebenden zu er pre?”„Sehnlich die is, Sechstes Buch, I ACHTES KAPITEL 5. HENKER UND IHRE METHODEN Am Morgen des nächsten Tages, als ich wiederum die Bau- stelle besuchte, sah ich etwa 30 nackte Menschen in der Nähe der Grube, 30-50 Meter von dieser entfernt, liegen. Einige lebten noch, sahen mit stierem Blick vor sich hin und schienen weder die Morgenkälte noch die da herumstehenden Arbeiter meiner Firma zu beachten. Ein Mädchen von etwa 20 Jahren sprach mich an und bat um Kleider und um Hilfe zur Flucht. Da vernahmen wir schon das Herannahen eines schnell fah- renden Autos, und ich bemerkte, daß es das SS-Kommando war. Ich entfernte mich zu meiner Baustelle. Zehn Minuten später hörten wir einige Schüsse aus der Nähe der Grube. Man hatte die Leichen durch die noch lebenden Juden in die Grube werfen lassen, sie selbst mußten sich daraufhin in diese legen, um den Genickschuß zu erhalten.” Hermann Gräbe hat darauf hingewiesen, daß niemand weinte, niemand darum flehte, am Leben gelassen zu werden, und nie- mand einen Fluchtversuch unternahm. SS-Standartenführer Paul Blobel, der das Kommando 4a in Kiew und Schitomir befehligte, erklärte das damit, daß„bei denen... eben ein Menschenleben nichts galt gewissermaßen. Entweder hatten die Leute an sich schon irgendwelche Erfahrungen, oder sie erkannten ihren inneren Wert nicht®®.” Eine Erklärung, die viel mehr Wahrscheinlich- keitswert hat, ist der bei den Ostjuden besonders entwickelte Familiensinn. Die Deutschen konnten immer darauf vertrauen, daß Einzelmenschen nicht fliehen würden, denn das bedeutete, daß sie ihre Eltern oder Kinder ihrem Schicksal überließen. Die kräftigen Menschen ohne Familienbindungen versuchten im allgemeinen zu entkommen, was durch viele Berichte von Einsatzgruppen bestätigt wird. Manchmal sind größere Gruppen direkt vom Rand der Mord- grube ausgebrochen und haben sich in den nahen Wäldern ver- steckt, wo die meisten von ihnen nur eine sehr schwache Hoffnung erwartete, daß sie ihr Leben retten konnten. Viele hat man ins Ghetto zurückgejagt, wo sie das nächste Pogrom abzuwarten hat- ten. Der merkwürdigste aller dieser Fälle betraf ein Mädchen na- mens Basia Beker, das der Mordgrube bei Kostopol, 45 Kilometer von Dubno, entkommen war, um dann als„arische Polin“ in Deutschland arbeiten zu müssen®. Die Geistesverfassung der Opfer, die, ihrer Habe und ihrer Kleider beraubt, eine Sandschicht über die noch zuckenden Körper ihrer 233 DIE ENDLOSUNG VORBEREITUNG UND BEGINN DER ENDLOSUNG Freunde und Verwandten zu werfen und dann, völlig nackt in einer Temperatur unterhalb des Gefrierpunkts in der Grube lie- gend, auf den Genickschuß zu warten hatten, war nichts als die normale Resigniertheit Verurteilter. Die Geistesverfassung, in der sich ihre Mörder befanden, wirft mehr Probleme auf. Ohlendorf schien der Auffassung zu sein, daß er die Massaker ihres Schrek- kens dadurch beraubt hatte, daß er sie weniger interessant ge- staltete”: „Das Ausziehen war verboten. Die Aneignung irgendwelcher Wertgegenstände oder sonstiger Gebrauchsartikel war ver- boten. Die Öffentlichkeit war ausgeschlossen und im selben Augenblick, wo in einem Kommando gemerkt wurde, daß ein Mann Freude an den Exekutionen empfand, war geboten, daß dieser Mann an keinen Exekutionen mehr teilnehmen dürfte. Die Leute konnten sich nicht freiwillig melden, sondern sie wurden befohlen.” Ohlendorfs Adiutant war Heinz Schubert, ein Abkömmling der Familie Franz Schuberts; er war direkt von der Hitlerjugend in den SD gekommen und im Alter von 25 Jahren nach Rußland geschickt worden. 1948 beschrieb er mit dem Eifer eines geschulten Ap- portierhundes die Verkehrspatrouillen und Straßenumleitungen, mit denen er das Blutbad von Simferopol getarnt hatte.„Es ist mir bekannt, daß es für Ohlendorf von größter Wichtigkeit war, daß die zu Erschießenden in möglichst humaner und militärischer Weise getötet wurden, im Falle anderer Tötungsarten die seelische Belastung für das Exekutionskommando zu stark gewesen wäre“?! — und Schubert wiederholte die Worte„seelische Belastung“ noch einmal*. Im Anfang machten solche Dinge ihnen noch Sorgen— sogar Himmler war von solchen Anwandlungen nicht frei. Von dem Bach- Zelewski berichtet, wie Himmler Nebe im August 1941 befohlen hat, in seiner Gegenwart hundert Insassen des Gefängnisses in Minsk hinzurichten 2. Bach-Zelewski beobachtete Himmler genau während der Aktion; er bemerkte, wie er bei der ersten Salve zu wanken begann und fast wie in einem Ohnmachtsanfall zu Boden fiel. Er sah, wie Himmler, als diese ungeschulten Scharfrichter zwei * Die über Schubert verhängte Todesstrafe wurde im Februar 1951 in eine Strafe von zehn Jahren Kerker verwandelt. Überdies kamen ihm die vollen Möglichkeiten des Strafnachlasses zugute, und er war einer der zwölf von den Amerikanern im Dezember 1951 aus Landsberg entlassenen Häftlinge(Le Monde Juif, Nr. 53). 234 „ones KAPITEL jüdische Frauen r und zu schreien Nebe,„humane dürfre zu dem I londorf erwähnt mehr in Gaswag Von dem Bach-Z inder Nähe von Die Mitglieder d ler auseinander entweder„Nerv wahrscheinlicher Angehörige der ser Zustand doc würdigen Ges Augsburger Ge Metzner war eir dem ersten We ein ziemlich but Matrose, dann v war er mit einer gen worden wa metscher und A $lonim in Weiß von 20.000 gab wagen voll Jud glieder des Hiı gerade die nacl nach Schmuck( Bauch schoß ur Tage darauf he fahren, die, alı Blut besudelter suchten, Während der} Metzner direkt Sonderkommaı 'en angehörten Metzner, der ü PSUNG ckt In pe lie. Is die n der ndorf hrek. t ge- elcher T ver- elben hB ein ‚ daf hürfte, rn sie 9 der n den schickt n Ap- ngen, ist mir r, daß ischer lische äre””) "noch sogar Bach- ohlen ses IN jenau ve ZU joden zwei fe von en des zember ri 21 | 1 ACHTES KAPITEL 5. HENKER UND IHRE METHODEN jüdische Frauen nicht sofort zu töten vermochten, den Kopf verlor und zu schreien begann. Nach diesem Erlebnis befahl Himmler Nebe,„humanere” Möglichkeiten des Massenmords zu finden. Das dürfie zu dem im folgenden Frühjahr ausgegebenen und von Oh- lendorf erwähnten Befehl geführt haben, Frauen und Kinder nur mehr in Gaswagen zu töten*. Von dem Bach-Zelewski behauptet, nach dieser Hinrichtungsszene in der Nähe von Minsk Himmler Vorhaltungen gemacht zu haben. Die Mitglieder des Hinrichtungspelotons seien nun, will er Himm- ler auseinandergesetzt haben, fürs Leben verloren und würden entweder„Nervenkranke oder Rohlinge” werden. Letzteres ist wahrscheinlicher, denn obwohl die„seelische Belastung” einige Angehörige der Sonderkommandos bedrückt haben mag, hat die- ser Zustand doch nicht allzu lange angedauert, wie wir der merk- würdigen Geschichte entnehmen können, die Alfred Metzner im Augsburger Gefängnis im Oktober 1947 erzählt hat%. Metzner war ein 1895 in Kiew geborener Volksdeutscher, der nach dem ersten Weltkrieg nach Deutschland gekommen war, um dort ein ziemlich buntes Leben zu führen: einige Zeit arbeitete er als Matrose, dann war er einmal Taxichauffeur in Berlin. Eine Zeitlang war er mit einer Halbjüdin verheiratet. Nachdem er 194] eingezo- gen worden war, hatte man ihn Rosenbergs Ministerium als Dol- metscher und Arbeitsaufseher zugeteilt. Ende Juli wurde er nach S!onim in Weißrußland geschickt, wo es eine jüdische Bevölkerung von 20000 gab. Fast seine erste Pflicht war es, einen Lastkraft- wagen voll Juden zur Exekutionsstätte zu fahren. Er fand die Mit- glieder des Hinrichtungspelotons betrunken vor; einige suchten gerade die nackten Leiber der noch Lebenden in obszönster Weise nach Schmuck ab. Er sah, wie man schwangeren Frauen in den Bauch schoß und wie man viele Menschen lebendig begrub. Am Tage darauf hatte Metzner eine weitere„Ladung“ von Juden zu fahren, die, als sie der vom Voriag liegengebliebenen und mit Blut besudelten Leichen ansichtig wurden, zu entfliehen ver- suchten. Während der Ausrottungsaktionen des kommenden Jahres diente Metzner direkt in einem Hinrichtungspeloton. Man hatte ihn dem Sonderkommando Amelung zugeteilt, dem 70 Deutsche und 130 Let- ten angehörten. Es ist unklar, warum man einen„Stabsleiter” wie Meizner, der überdies ein Zivilist war, dazu abordnete oder seine 235 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG Teilnahme an Hinrichtungen gestattete, aber die Antwort scheint in seiner eigenen Aussage zu liegen, daß sich Eisenbahner, Sol- daten und ein gewisser Herr Muck aus seiner eigenen Dienststelle freiwillig dazu meldeten,„weil hier etwas herauszuholen war”. Die erste„Aktion“, an der Metzner teilnahm, bestand in der„Um- siedlung” von 1200 Juden aus der Nachbargemeinde Schirowitz. Einige Tage vorher hatte man ein Versuchsschießen abgehalten, um feststellen zu können, ob die Schießerei im Ghetto zu hören sein würde. Die Hinrichtungsaktion nahm drei bis vier Stunden in Anspruch, und Metzner unterbrach das Mordhandwerk nur, um sein Gewehr zu laden. Angesichts des wilden Schießens konnte er die Zahl der Opfer nicht feststellen, wußte aber, daß 400 oder 500 Juden in sechs Lagen in einer einzigen Grube begraben wur- den.„Während dieser Zeit tranken wir eine Menge Schnaps, um uns bei gutem Mute zu erhalten.” Die halbtoten Juden in den un- teren Lagen wurden vom Gewicht der über ihnen liegenden Kör- per in ihrem eigenen Blut erstickt.„Niemand konnte das überle- ben.” Später wurden die Gräber von den Dorfleuten aus der Nach- barschaft zugeschüttet. In der Zeitspanne von September bis November 1943 lebten noch immer viele Juden in den Überresten der Ghettos von Slonim, Ba- ranowicze und Nowogrodek. Angesichts des unaufhaltsamen Vor- marsches der Russen ordnete Himmler die Entfernung aller solcher vielsagender Spuren an. Die Stadtbewohner halfen, die Juden aus ihren Verstecken zu vertreiben. Sie wurden dann mit Revolvern niedergeschossen, und Metzner sowie Muck warfen auch noch Handgranaten in die Keller. Die Toten in den Straßen und die Le- benden in den Bunkern hatten im Zuge der Säuberungsaktion aus dem Ghetto von Slonim zu verschwinden. InBaranowicze scharrten Hunde die zu hastig beerdigten Leichen aus. In Nowogrodek ar- beitete das Sonderkommando, dem Metzner zugeteilt war, ohne Schnaps zu erhalten, einfach„aus Idealismus”*. Das Gebiet von Slonim unterstand in den Jahren 1941 bis 1944 dem Gebietskommissar Errer, einem Untergebenen des berühm- * Es gab allerdings ein oder zwei Überlebende aus Nowogrodek, und wenn wir dem Bericht Josef Tenenbaums glauben können, hatte das ohne Schnapszuteilung und nur „aus Idealismus” arbeitende Sonderkommando Amelung keine leichte Aufgabe. Die 223 überlebenden Juden aus dem damals vollkommen umschlossenen Ghetto fanden am 23. September ihren Weg nach außen durch einen von ihnen gegrabenen Tunnel, und in den umliegenden Wäldern mußte dann auf sie Treibjagd gemacht werden®%, 236 acures KAPITEL ten Wilhelm‘ dem Sitz in MI yertreib, der! die ihre Wertg ten; dann scho gelang es Eret Er verließ dar wurde im Juni rium errichtete sammenbruch. zen Markt gelt gangenheit, al Metzners Ges auf Beute in c andere Vorte Front geschick zogen zumine Soldaten, und dem war es ni finden; andere ten zu haben, aus Kriminelle Sonderbrigad: dere Möglich auf die aus Soldaten. Wie man das Befehlshaber Kersten erzä „Sie vers men vor der Bestr komman DLOSUNG| Scheint| ner, Sol- enststelle war", per„Um- hirowitz, Behalten, U hören unden in Nur, um Onnte er 400 oder ben wur- haps, um den un- den Kör- 5 überle- ler Nach- ten noch onim, Ba- men Vor- sr solcher uden aus evolvern sch noch d die Le- ktion aus scharrten odek ar- ar, ohne bis 1944 berühm- nn wir dem ng und nur fgabe. Die stto fanden sen Tunnel, ‚erden®. ' ACHTES KAPITEL 5. HENKER UND IHRE METHODEN ten Wilhelm Kube,„Generalkommissar für Weißruthenien“ mit dem Sitz in Minsk(siehe S. 104 und 252). Errer hatte einen Zeit- vertreib, der ihn sehr ergötzte. Von Zeit zu Zeit lud er Juden vor, die ihre Wertgegenstände auf seinem Schreibtisch abgeben soll- ten; dann schoß er sie nieder. Metzner wußte alles das. Ende 1943 gelang es Errer, die Versetzung Metzners nach Berlin zu erwirken. Er verließ dann die Dienste von Rosenbergs Ministerium und wurde im Juni 1944 Dolmetscher für eine vom Propagandaministe- rium errichtete osteuropäische Varietetruppe. Dann kam der Zu- sammenbruch. Zweieinhalb Jahre lang hat Metzner vom Schwar- zen Markt gelebt, ein Mann unter vielen, ein Mann mit einer Ver- gangenheit, aber ohne legale Gegenwart. Metzners Geschichte zeigt, wie man Menschen durch die Aussicht auf Beute in die Sonderkommandos locken konnte. Es gab noch andere Vorteile. Die Sonderkommandos wurden nicht an die Front geschickt. Sie hatten alle drei Monate Heimaturlaub, sie be- zogen zumindest das Dreifache der Bezahlung eines normalen Soldaten, und sie hatten eine Sonderzuteilung von Schnaps. Trotz- dem war es nicht immer leicht, Freiwillige für die Kommandos zu finden; andererseits scheint man es nicht für wünschenswert gehal- ten zu haben, solche kleinen und isoliert auftretenden Einheiten aus Kriminellen zu bilden, wie man es im Falle von Dirlewangers Sonderbrigade zur„Bandenbekämpfung“ getan hatte. Eine an- dere Möglichkeit ergab sich daher von selbst: der Rückgriff auf die aus irgendeinem Grund in Schwierigkeiten geratenen Soldaten. Wie man das gemacht hat, hat Gruppenführer Georg Keppler, der Befehlshaber der SS-Division„Das Reich”, Medizinalrat Felix Kersten erzählt?”: „Sie verspäten sich oder schlafen im Wachdienst ein. Sie kom- men vor das Standgericht, aber man sagt ihnen, sie könnten der Bestrafung entgehen, indem sie sich freiwillig für Sonder- kommandos melden. Aus Angst vor Bestrafung und in der An- nahme, daß mit der militärischen Laufbahn jetzt ohnehin nichts mehr ist, melden sich diese jungen Leute zum Sonder- kommando. Na ja, diese Kommandos, die erst eine besondere Schulung durchmachen, sind Mordkommandos. Sobald diese jungen Leute sehen, was man von ihnen verlangt, und sich wei- gern, an einem Massenmord teilzuhaben, sagt man ihnen, 17 237 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG daß die ihnen erteilten Befehle eine Form der Bestrafung sind. Entweder sie können gehorchen und diese Art der Bestrafung auf sich nehmen, oder sie können den Gehorsam verweigern und werden erschossen. Auf jeden Fall ist ihre Laufbahn ab- geschlossen und vorbei. Auf diese Weise werden anständige junge Leute oft zu Verbrechern gemacht.“ Man kann annehmen, daß Georg Keppler nicht nur so daher- redete. Schließlich warees das von ihm befehligte Panzergrenadier- regiment Nr. 4, das später das Blutbad in Oradour-sur-Glane auf dem Gewissen hatte, während der 92. Tätigkeitsbericht der Einsatz- gruppen die am 9. September 1941 bei der Hinschlachtung von 920 Juden in Lachoisk bei Minsk geleistete Hilfe eines Kommandos der SS-Division„Das Reich“ mit Dank hervorhebt*%. Man wird den quälenden Gedanken nicht los, daß der Mann mit der Zigarette im Mund und der Maschinenpistole auf den Knien, der seine Füße über der Todesgrube baumeln ließ, unbehelligt von Behörden und Gerichten vielleicht wieder seinem bürgerlichen Beruf mit der größten Seelenruhe nachgeht. 238 Als Hitler am standen die d Gebiete von( Weltkrieg w« Koalitionen ri zwanzig Mon Für die Bewol Jahren Selbst war der Über‘ sen Ostpolen freiung von d Lage in den b ten nur jene, schlechtesten sen Kreis a Diejenigen, ZU skandina fen die Nach drangen— 17 DIOSUNG 1 Ng sind, Pstrafung eigern pahn ab Ständige () daher- enadier- plane auf rEinsatz- ung von mandos ann mit en Knien, behelligt gerlichen Neuntes Kapitel Die Sowjetunion Il: Die Massaker 1. Die baltischen Staaten Als Hitler am 22. Juni 1941 zum Angriff auf Rußland ansetzte, standen die deutschen Armeen vor einer Kette russisch besetzter Gebiete von der Ostsee bis zum Schwarzen Meer. Seit dem ersten Weltkrieg waren alle diese Gebiete von bürgerlich-bäuerlichen Koalitionen regiert worden und hatten gerade zwölf bis einund- zwanzig Monate Sowjetherrschaft hinter sich. Für die Bewohner der baltischen Staaten, die nach einundzwanzig Jahren Selbständigkeit in die Sowjetunion eingegliedert wurden, war der Übergang viel heftiger als für die Ukrainer und Weißrus- sen Ostpolens, von denen viele das Sowjetsystem als eine Be- freiung von dem halbfeudalen polnischen System begrüßten. Die Lage in den baltischen Staaten war völlig anders, denn hier konn- ten nur jene, die sich in die vorher bestandene Ordnung am schlechtesten einzufügen in der Lage gewesen waren, einen Vor- teil vom Regimewechsel haben. Aus diesem Grund und wegen der in den baltischen Staaten lebendigen westlichen Traditionen er- wartete man deutscherseits, daß die Bevölkerung durch ihre Er- fahrung zugunsten der nationalsozialistischen Ideen beeinflußt werden könne. Zumindest während der ersten Monate wurden diese Erwartungen nicht enttäuscht. Die Gewalttätigkeiten der li- tauischen und lettischen Pogrombanden und die Gleichgültigkeit fast der gesamten Bevölkerung gegenüber den„wissenschaftliche- ren“ deutschen Ausrottungsmethoden müssen bei Hitler und des- sen Kreis außerordentliche Befriedigung hervorgerufen haben. Diejenigen, die vor dem Krieg den baltischen Staaten eine gerade- zu skandinavische Rechtschaffenheit zugeschrieben hatten, konn- ten die Nachrichten von den Metzeleien— soweit sie ins Ausland drangen— kaum glauben. 17* 239 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG Nach dem hochtrabenden Bericht, den der Ausrottunggsleiter, Franz Stahlecker, an Heydrich sandte, hatten die litauischen und lettischen Juden mit den russischen Eindringlingen zusammengearbeitet, „nachdem sie jahrzehntelang das Land wirtschaftlich geknechtet hatten“!. In Wahrheit hatten die Russen jedoch in ihrer eigenen Deportationspolitik die Juden völlig mit der bodenständigen Mittel- klasse gleichgestellt. Von den während der„Volksabstimmung” vom 14. bis 21. Juli 1940 aus Litauen und Lettland deportierten 70000 Menschen sollen nicht weniger als 25000 Juden gewesen sein?*. Der politische Einfluß der Juden hatte sich durch die russische Be- setzung nicht verstärkt. Der in der„Volksabstimmung“ im Juli 1940 gewählte Seimas Litauens hatte 85 Mitglieder, von denen fünf Juden waren. Nur zwei Juden wurden Kommissare(Regie- rungsmitglieder). In Lettland gab es nur einen jüdischen Kommis- sar, den Leiter des Gesundheitswesens*. Andererseits erhielten die Russen die Beschränkungen für die jiddische Presse und für eine besondere jüdische Erziehung aufrecht. Juden, die in jüdi- schen politischen Parteien irgendeine Rolle gespielt hatten— der orthodoxen, der zionistischen, der sozialdemokratischen Partei und auch im„Bund“—, wurden unterschiedslos deportiert®. Die Juden wurden von den Russen in einem solchen Maße mit dem vor- hergegangenen System identifiziert, daß die Nationalsozialisten ihre Pogromhelden in der Gruppe suchen mußten, der zu ver- trauen sie am wenigsten Grund hatten: bei den radikalen Natio- nalisten. Es dauerte deshalb auch nicht lange, bis Stahlecker die Entwaffnung der Partisanenbanden, die den„Selbstreinigungs- aktionen” der ersten Tage ein Ende machte, begründen mußte®. Das Ergebnis war trotzdem erschütternd. In der Hauptstadt Li- tauens, Kowno, wurden 1500 Juden in der Nacht vom 25. zum * Trotz der geschichtlichen Rolle Litauens in der Entwicklung des osteuropäischen Ju- dentums hatten die baltischen Staaten einen geringeren jüdischen Bevölkerungsanteil als Polen, die Ukraine und Bessarabien, und dieser Anteil war im Sinken begriffen. Die jüdische Bevölkerung von Wilna verringerte sich in den ersten dreißig Jahren dieses Jahrhunderts um 10 000, und in der Zeitspanne von 1928 bis 1938 wanderten 11 795 Juden aus Litauen aus. Die Zahlen der Volkszählungen von 1935— 153743 Juden in Litauen und 94 479 in Lettland— waren zur Zeit der russischen Besetzung sicherlich nicht mehr maßgebend. Die Auswanderung war auf wirtschaftlichen Druck als Folge der Entwick- lung der eingeborenen Mittelklasse in der Atmosphäre nach dem Ende des Zarismus zurückzuführen. Die Juden verloren ihr Monopol im Handel, und zu Kriegsausbruch waren die jüdischen Geschäftsleute etwa ebenso zahlreich wie die nichtjüdischen, nach- dem das Verhältnis früher sechs zu eins gewesen war, 240 ‚gunses KAPT %, ‚Juni und sonders übe freut, aber© yon einer©) Ermordung molerweise der HeeresO ler von der nicht zuzule Morden sell Wir hören! dessen vier gezeichnet| satzgruppe Arbeiten be anvertraufe ten, daß in wie Deutsch menter der Weißrußlaı in Ausroftu wimmernde sie es tater unangeneh Art Arbeit als Flüchtlii Ehren aufg Wenige To Ausschuß d Deutschen lauern einz Stahlecker weil er nur verbunden der Juden Worenesn Stahlecker. mt nicht q füglich in€ ENDLOSUNG iter, Franz d lettischen gearbeitet, geknechtet °T eigenen gen Mittel. Stimmung“ portierten N gewesen ssische Be- 9" im Juli von denen are(Regie- n Kommis- "hielten die e und für lie in jüdi- tten— der 'hen Partei tiert. Die it. dem vor- Isozialisten ler zu ver- ılen Natio- hlecker die reinigungs- ı mußte®. yptstadt Li- m 25. zum ropäischen Ju- ölkerungsanteil ıken begriffen. y Jahren dieses >n 11795 Juden den in Litauen lich nicht mehr je der Entwick- , des Zarismus Kriegsausbruch üdischen, nach- NEUNTES KAPITEL 1. DIE BALTISCHEN STAATEN 26. Juni und weitere 2300 am 26. umgebracht. Stahlecker war be- sonders über die„verständnisvolle Haltung der Wehrmacht“ er- freut, aber das ist nur eine Seite des Bildes. Man kann wohl nicht von einer ordnungsgemäßen Besetzung sprechen, wenn man die Ermordung von 3800 Menschen in einer Stadt zuläßt, in der es nor- malerweise so friedlich zugeht wie in Stockholm. Der Befehlshaber der Heeresgruppe Nord, Feldmarschall von Leeb, befahl von Küch- ler von der 18. Armee, die Wiederholung solcher Zwischenfälle nicht zuzulassen. Stahlecker mußte nun die Verantwortung für das Morden selbst übernehmen”. Wir hören nichts mehr von dem litauischen Journalisten Klimaitis, dessen vier politische Gruppen sich am 25. und 26. Juni so aus- gezeichnet hatten, daß Stahlecker 300 dieser Bürger für seine Ein- satzgruppe auswählte. Von jetzt an mußten sich die Litauer mit Arbeiten begnügen, die man ihnen— unter deutscher Leitung— anvertraute, und sieben Monate später konnte Stahlecker berich- ten, daß in seinen Hinrichtungskommandos achtmal soviel Litauer wie Deutsche dienten 8. Im Sommer 1942 gab es schon ganze Regi- menter der litauischen Polizei und des Selbstschutzes in Polen, Weißrußland und Lettland, wo sie Lager und Ghettos bewachten, in Ausrottungslagern arbeiteten und während der„Aktionen“ wimmernde Kinder und Greise in den Straßen niedersäbelten. Daß sie es taten, hatte für sie keine politische Bedeutung. Es ist eine unangenehme Wahrheit, daß sich die litauischen Söldner dieser Art Arbeit anpaßten und daß manche von ihnen nach dem Kriege als Flüchtlinge vor der sowjetischen Unterdrückung im Westen in Ehren aufgenommen wurden. Wenige Tage nach dem Blutbad von Kowno berief Stahlecker den Ausschuß der jüdischen Gemeinde zu sich, erklärte ihm, daß„die Deutschen keine Ursache hätten, in ihre Streitigkeiten mit den Li- tauern einzugreifen“?, und empfahl ihr, in ein Ghetto zu ziehen. Stahlecker hielt den Stadtteil Viliampole für besonders geeignet, weil er nur durch eine einzige Brücke über die Neris mit der Stadt verbunden war. Aber obwohl Flucht und Deportierungen die Zahl der Juden in Kowno von 35000 auf 24000 hatten sinken lassen, waren es noch immer zu viele für Viliampole. Am 11. Juli ordnete Stahlecker eine„Reinigungsaktion” an. Alle Juden, die vom Arbeits- amt nicht gebraucht wurden, wurden ins Gefängnis geworfen und täglich in Gruppen von 50 bis 100 hingerichtet'°. 24] DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG Der erste Schritt in die Richtung auf Ghettos und„Umsiedlungs- aktionen“ war getan. Am 8. Juli wurde den noch übriggebliebenen 180000 Juden der baltischen Staaten das Tragen des Judensterns zur Pflicht gemacht. Aber obwohl die Juden vollkommen gefügig waren, waren ihrer doch zu viele, als daß die Einsatzgruppen hät- ten allein mit ihnen fertig werden können. Stahlecker hatte nur 990 Mann zur Verfügung, von denen über die Hälfte an die Lenin- grader Front geschickt worden war!!. Er war daher gezwungen, „die durchgeführten und eingeleiteten verwaltungspolizeilichen Maßnahmen gegen die Juden an die Dienststellen der Zivilver- waltung zu übergeben” 2. Die Rede des neuen Reichskommissars Hinrich Lohse am 27. Juli in Kowno(siehe S. 227) zeigt, daß dieser ganz genau wußte, daß die Ghettos dazu da waren, um zukünftige, durchgreifendere Maß- nahmen der Sicherheitspolizei zu erleichtern'?. Die„Reinigungs- aktion“ hatte in seinem Herrschaftsbereich schon zehn Tage früher begonnen. Am 17. Juli hatte ein Sonderkommando 700 aus Wilna stammende jüdische Geiseln aus dem Gefängnis Lukischkis ent- fernt und zehn Kilometer entlang der Eisenbahnlinie nach Lent- varis gebracht. Hier, bei einer Haltestelle namens Paneriai, hatten die Russen riesige Gruben für Benzintanks ausgehoben. Diese wurden das erste ständige Ausrottungslager'*. Ende August 1941 gab es schon Ghettos in Libau und Dünaburg (Dwinsk), und die jüdische Bevölkerung nicht nur Kownos, sondern auch Wilnas'5, wo zwei Ghettos in den Bezirken Strachun und Litzka ausgewählt worden waren, war im Begriff umzuziehen. Am 1. September wurde deutscherseits eine ganz offene„Aktion“ in Wilna veranstaltet. Der neue, unter Lohse dienende Stadtkommis- sar Hingst ließ Anschläge anbringen, in denen den Juden befohlen wurde, zu Hause zu bleiben, und zwar wegen einer„großen Pro- vokation”, der Erschießung zweier deutscher Soldaten. Ein Gebiet in der Stadtmitte wurde dann abgeriegelt, und einige Tausend Ju- den wurden zuerst ins Gefängnis und dann nach Paneriai ge- schleppt'%. Die Hinrichtungen der verbleibenden Juden wurden beschleunigt vorgenommen, und am 6. September war die eigent- liche Stadt Wilna, die früher zu einem Drittel jüdisch gewesen war, „\udenfrei”. Die Einrichtung von zwei umfriedeten und voneinander getrenn- ten Ghettos in Wilna wurde später in Riga und Minsk nachgeahmt. 242 gun KAP i h das kleir ohne Ausw® dieser Ausw in allen G® ausgestellt gegen„UM zu Zeit die. Vorwand fi wurden vor in einer an haben konr Weise wur Alten und his die Reit nen in Wil dem 28. Ok Am 12. Se hatten, unfe der Wehrn macht verk len. Wie sc ler und He Transportk für Heydti wohl aus c senen Kolı zwischen| Juden in. kommandı Ende Okte der Befehl den baltis drich eine len; aber führer Fra der Ukrai Stapo in\ Neuen, ge Ausgegeb Judensterns en gefügig Uppen hät- r hatte nur 1 die Lenin- |eZwungen, olizeilichen er Zivilver- n 27. Juli in te, daß die dere Maß- Reinigungs- Tage früher ) aus Wilna ischkis ent- nach Lent- riai, hatten )ben. Diese } Dünaburg os, sondern rachun und ıziehen. Am „Aktion“ in adikommis- en befohlen großen Pro- „Ein Gebiet Tausend Ju- ’aneriai ge- Jen wurden r die eigent- owesen WAT, Jer getrenn- yachgeahmt. NEUNTES KAPITEL 1. DIE BALTISCHEN STAATEN In das kleinere Ghetto Nummer 2 wurden alle Wilnaer Juden ohne Ausweise oder Arbeitsbescheinigungen gepfercht. Der Zweck dieser Ausweise, die ursprünglich von Lohses Stadtkommandanten in allen Gebieten der baltischen Republiken und Weißrußlands ausgestellt wurden, war, jüdische Facharbeiter und Handarbeiter gegen„Umsiedlung“ zu schützen, aber die Gestapo zog von Zeit zu Zeit die Ausweise ein, stellte dann neue aus und schuf so einen Vorwand für ständige Quälereien und Erpressungen. Die Ausweise wurden von einem Tag zum anderen für ungültig erklärt und neue in einer anderen Farbe ausgestellt, so daß kein Jude das Gefühl haben konnte, er habe Sicherheit erkauft oder errungen. Auf diese Weise wurde das Ghetto Nummer 2 ein Schlachthof, in dem die Alten und zu Jungen und die, die einfach Pech hatten, warteten, bis die Reihe an sie kam. So gab es zum Beispiel Reinigungsaktio- nen in Wilna in sieben Nächten zwischen dem 5. September und dem 28. Oktober'”. Am 12. September, als die Aktionen schon viel Aufsehen erregt hatten, unterzeichnete Feldmarschall Keitel für das Oberkommando der Wehrmacht einen Befehl, der es allen Dienststellen der Wehr- macht verbot, weitere Beschäftigungsscheine für Juden auszustel- len. Wie so oft, hatte der willfährige Keitel dem Druck von Himm- ler und Heydrich nachgegeben''®, denn zu jener Zeit waren das Transportkommando und das Rüstungsamt noch ernste Hindernisse für Heydrichs Pläne. So arbeiteten zum Beispiel viele Juden so- wohl aus den Ghettos wie aus den Landgemeinden in„geschlos- senen Kolonnen“ an der Änderung der Spurweite der Eisenbahn zwischen Riga und Minsk, und in Libau arbeiteten einige Hundert Juden in den Lagerhäusern und Büros des deutschen Marine- kommandos”. Ende Oktober, als, wie wir schon gesehen haben(siehe$. 102 1); der Befehl für die Deportierung der Juden aus dem Reich nach den baltischen Staaten bereits ausgegeben war, machte Hey- drich einen Großangriff auf die Opposition der Wehrmachtsstel- len; aber Himmler sandte nicht Heydrich, sondern SS-Gruppen- führer Franz Jäckeln, den früheren Höheren SS- und Polizeiführer der Ukraine, nach Riga. Kurz vor Jäckelns Ankunft zog die Ge- stapo in Wilna alle Ausweise ein und ersetzte sie durch einen neuen, gelben Schein, der aber nur an 3000 Familienoberhäupter ausgegeben wurde. Daraufhin wurde zwischen dem 21. und 243 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG 24. Oktober das bevorzugte Ghetto Nummer] ausgekämmt, aber dies erforderie eine neue Methode. Zu den 5000 bis 8000 Juden, die in Paneriai erschossen wurden, gehörten zum erstenmal Men- schen, die von Jakob Genns, dem Kommandanten des jüdischen Ordnungsdienstes, persönlich abgeliefert worden waren.(Siehe Seite 73f.). Eine Abschlußaktion in der Nacht vom 21. zum 22. Dezember ver- ringerte die Bevölkerung des Wilnaer Ghettos auf 12.000. Es wur- den also insgesamt 25. 000 bis 30000 Wilnaer Juden umgebracht. Das Schlachten dauerte einige Monate an und wurde von einem ständigen Hinrichtungskommando an einem ständigen, für das Töten bestimmten Ort ausgeführt. Es bildete auf diese Weise das Vorbild für die polnischen Todeslager und die langen„Umsied- lungsaktionen” von 1942 und 1943. Einer der beiden Kriminal- sekretäre des Sicherheitsdienstes, die die Unternehmung befeh- ligten, Martin Weiss, trat nach dem Krieg unter dramatischen Um- ständen nochmals an die Öffentlichkeit. Nachdem er sich vier Jahre lang als Krankenhausdiener in Ochsenfurt versteckt gehal- ten hatte, wurde er im Februar 1950 vom Schwurgericht Würzburg wegen Mordes in mindestens 30.000 Fällen zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Martin Weiss, ein gepflegter Mann mit schar- fen Gesichtszügen, in einem buntkarierten Anzug, mußte während der Verhandlung durch Polizei geschützt werden. Eine der vierzig Zeuginnen erlitt einen Nervenzusammenbruch acht Jahre nach den Ereignissen, die sie zu beschreiben versuchte. Eine andere Zeugin erzählte, wie Weiss persönlich ihre neunjährige Tochter von ihr weggezerrt hat. Aber die Entlastungszeugen erklärten, daß Weiss„ein Mensch mit Sinn für alles Gute und Schöne“ sei, der seiner Familie aus Adalbert Stifters„Nachsommer” vorlas 2. Am 28. Oktober wurde das Kownoer Ghetto vom Schicksal ereilt. Die Hälfte der Ghettobewohner, etwa 10.000 Menschen, wurde an einem einzigen Tag zur Hinrichtungsstätte auf Fort Nummer 9 ge- schleppt?!. Zehn Tage später kam Dünaburg(Dwinsk) an die Reihe, wo etwa die gleiche Anzahl verschleppt wurde. Nur einige Arbeitskommandos mit zusammen weniger als 1000 Menschen wurden verschont. Die Opfer wurden in die hügelige Gegend bei Zolotaya Gorka gebracht und in der üblichen Art erledigt 2. In Riga ging es nicht so schnell vor sich. Die beiden Ghettos wur- den erst Mitte Oktober geschaffen, da— wie Stahlecker Heydrich 244 NEUN es KAP grichtefe Ei Schv ocker auße waltung stand entge kleinen Ort derRigaer.- Am 30. No Maßnahme die jüdische eine lange stand vor( bahnhaltes richtungsgr Einsatzgru Opfer mit nen.) Ein noch in vc schießung: Juden aus aus dem R „Blutsonnt Ausmaß fi tungen im Lastkraftw von Masc fand nich! chen“, ste Rigaer G 12 Uhr, al * Es scheint, bevorstehend Zusammenbrı Bach-Zelewsk zeichnete,( hälte sich ge und er wäre Nach Königsl leien in Rige 5$-Sturmban Beide wurde jedoch entk. von einem en, für das Weise das n„Umsied- n Kriminal- ung befeh- tischen Um- er Sich vier teckt gehal- t Würzburg slänglichem n mit schar- te während der vierzig Jahre nach ine andere ige Tochter 1 erklärten, chöne” sei, vorlas?®, cksal ereilt. , wurde an mmer 9 ge- sk) an die Nur einige Menschen ‚egend bei igt2. ettos WUI- r Heydrich NEUNTES KAPITEL 1. DIE BALTISCHEN STAATEN berichtete— die lettischen Bewohner der betreffenden Stadt- viertel Schwierigkeiten machten. Am 15. Oktober schrieb Stahl- ecker außerdem, daß gewisse Dienststellen der neuen Zivilver- waltung Massenhinrichtungen stellenweise erheblichen Wider- stand entgegensetzten, weshalb er die einsatzunfähigen Juden in kleinen Gruppen werde hinrichten lassen müssen 2. Das Schicksal der Rigaer Juden wurde tatsächlich um sechs Wochen verzögert*. Am 30. November 1941 wurde eine Reihe sorgfältig vorbereiteter Maßnahmen in Riga durchgeführt. Die Ghettos wurden umstellt, die jüdischen Arbeitskommandos unter Bewachung abgeführt, und eine lange Reihe von modernen blauen Rigaer Omnibussen stand vor den Ghettotoren. Tief im Wald in der Nähe der Eisen- bahnhaltestelle Rumbuli hatten russische Kriegsgefangene Hin- richtungsgruben ausgehoben?”.(Der zusammenfassende Bericht der Einsatzgruppe für Januar 1942 gibt wieder die Gesamtzahl der Opfer mit 10.600 an 2?— offenbar die Leitzahl für derartige Aktio- nen.) Ein Tagesbericht, der abgefaßt wurde, als das Gemetzel noch in vollem Gange war, erklärte, daß Jäckeln mit einer„Er- schießungsaktion“ beschäftigt sei und daß am 30. November 4000 Juden aus dem Rigaer Ghetto und ein ganzer Transport von Juden aus dem Reich erledigt worden seien 2. Dies war der berüchtigte „Blutsonntag”“, aber eine zweite Rigaer Aktion von ähnlichem Ausmaß fand am 8. Dezember statt. Ein Zeuge sah die Vorberei- tungen im Wald, als er Holz für die Wehrmacht sammelte— zwei Lastkraftwagen voll deutscher Polizeitruppen und eine langeReihe von Maschinengewehren®°, Eine dritte Aktion am 8. November fand nicht in Rumbuli, sondern in Bikernieki, dem„Birkenwäld- chen”, statt, dem späteren ständigen Hinrichtungsplatz für das Rigaer Ghetto. Diese Aktion wurde nicht zu Ende geführt. Um 12 Uhr, als eine Kolonne der Verurteilten gerade aus dem Ghetto * Es scheint, daß SS-Standartenführer Jäger am 4. November von Stahlecker über die bevorstehende Massenausrottung informiert wurde. Jäger hatte jedoch einen Nerven- zusammenbruch und wurde von SS-Obersturmbannführer Eduard Strauch abgelöst?*, den Bach-Zelewski als„den übelsten Menschen, dem ich in meinem Leben begegnet bin“, be- zeichnete. Strauch, ein Epileptiker mit lichten Momenten, behauptete in Nürnberg, er hätte sich geweigert, Jäckelns Befehle ohne Rückfrage bei Heydrich entgegenzunehmen, und er wäre außerdem am 27. November heimlich von seinem Posten geflohen und nach Königsberg gegangen. Es wurde niemals geklärt, welche Rolle er bei den Metze- leien in Riga gespielt hat. Die Hauptanstifter scheinen Strauchs endgültiger Nachfolger, SS-Sturmbannführer Lange, und dessen lettischer Adjutant, Major Arajs, gewesen zu sein. Beide wurden 1949 deutschen Gerichten in der britischen Zone übergeben, man ließ sie jedoch entkommen#. 245 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG marschierte, zog der Polizeiwachtmeister seine Uhr aus der Tasche und sagte:„Ihr habt Glück, jetzt ist es eine Minute nach 12. Die Aktion ist beendet.” In Riga waren zumindest 24000 Menschen ermordet worden. Stahl- ecker schätzte die Zahl sogar auf 27 8003. Von der Rigaer jüdi- schen Gemeinde blieben nur 4500 Männer und 300 Frauen übrig, aber binnen einer Woche nach der letzten Aktion kam ein weite- rer Transport von Juden aus dem Reich an— der erste einer langen Reihe—, um die Zimmer im„kleinen Ghetto“, in denen noch Leichen herumlagen, zu besetzen. Wegen der Transporte aus dem Reich und der Anwesenheit von Luftwaffeneinheiten in der Nähe der Hinrichtungsstätte verur- sachte die Rigaer Aktion viel Gerede. Sie beeindruckte aber auch Heydrich, der ihren Organisator, SS-Sturmbannführer Lange von der Sicherheitspolizei, zur Wannsee-Besprechung einlud(s. S. 103 u. 107). Es ist bemerkenswert, daß Heydrich erklärte, die Verschie- bung der Besprechung vom 8. Dezember auf den 20. Januar sei „auf Grund plötzlich bekanntgegebener Ereignisse und der damit verbundenen Inanspruchnahme eines Teiles der geladenen Her- ren“ nötig; es ist ebenfalls bemerkenswert, daß Rosenberg am 14. Dezember Hitler sagte, er werde„mit Rücksicht auf die Ereig- nisse im Osten” dasWort„Ausrottung” aus seiner bevorstehenden Rede streichen 3*. Wir wissen einiges über„den Widerstand einiger Dienststellen der Zivilverwaltung“, der den zeitlichen Aufschub der Metzeleien von Riga verursachte und ihre Beendigung verhinderte. Schon im Oktober wurde Lohse bei Rosenbergs Amt denunziert, weil er das Massaker von Libau behindert hätte. Am 15. November bat er um eine Entscheidung, ob alle„Juden im Ostland“ ohne Rücksicht auf wirtschaftliche Interessen liquidiert werden sollten%#. Die Antwort von Rosenbergs Amt kam erst am 18. Dezember in Riga an. Sie war von Otto Bräutigam von der politischen Abteilung des Mini- steriums gezeichnet**. Bräutigam schrieb, daß in der Zwischenzeit *„Über die Judenfrage sagte ich, daß die Anmerkungen über die New Yorker Juden vielleicht jetzt nach der Entscheidung etwas geändert werden müßten. Ich stände auf dem Standpunkt, von der Ausrottung des Judentums nicht zu sprechen. Der Führer bejahte diese Haltung und sagte, sie hätten uns den Krieg aufgebürdet, und sie hätten die Zerstörungen gebracht, es sei kein Wunder, wenn die Folgen sie zuerst träfen.” ** Dieser ehemalige Generalkonsul in Batum wurde 1950 ausfindig gemacht. Er war in einem amerikanischen Kulturinstitut in München beschäftigt3, 246 Wilna unc Intendante 1. Dezem kommissa ersetzbart sandte Br eine Abst Novembe verhinder ren Gheft behielten 20.000 Se Lücken ir gefüllt wı Kriegswi tungsstät Kowno k nach der suchten\ des Ghe * Im Janua fängnis, do« 10, Oktober ersten Gask ein Ruhegel tionen im| wegen Loh: leiter von entschieden Schleswig-t ** Der Stre fragische A gesellschaft Verschie- Januar sei der damit enen Her- nberg am die Ereig- rstehenden ienststellen Metzeleien . Schon im weil er das "bat er um icksicht auf ie Antwort ga an. Sie ' des Mini- ischenzeit Yorker Juden ände auf dem ührer bejahte ie hätten die röfen.”: "ht, Er war in NEUNTES KAPITEL 1. DIE BALTISCHEN STAATEN in der Judenfrage„durch mündliche Besprechungen Klarheit ge- schaffen sein dürfte”, daß aber wirtschaftliche Belange grund- sätzlich unberücksichtigt bleiben sollten.„Auftauchende Fragen” seien unmittelbar mit dem Höheren SS- und Polizeiführer zu re- geln%. Lohse zeigte, während er auf die Antwort wartete, ein gewisses Ausmaß von Unabhängigkeit, und diese Tatsache bewahrte ihn vor den alliierten Militärgerichten und vielleicht vor dem Galgen*. Am 7. November telegraphierte er an Stadtkommissar Hingst in Wilna und machte ihn auf die Proteste von General Brämer, dem Intendanten des Armeekommandos Ostland, aufmerksam. Am 1. Dezember schickte Brämer ein Rundschreiben an die Zivil- kommissare, in dem er ihnen nahelegte, die Hinrichtungen von un- ersetzbaren jüdischen Arbeitern aufzugeben. Lohse selbst ver- sandte Brämers Aufforderung am 3. Dezember, darunter auch eine Abschrift für Jäckeln**. Brämer war nicht imstande, die Ende November einsetzenden Transporte von Juden aus dem Reich zu verhindern; andere Stellen bewogen Heydrich jedoch, die größe- ren Ghetios weiterbestehen zu lassen. Sowohl Wilna wie Kowno behielten bodenständige jüdische Gemeinden von 15000 bis 20.000 Seelen, während die durch die Metzeleien entstandenen Lücken in Riga und Minsk teilweise durch Juden aus dem Reich gefüllt wurden. Juden aus dem Reich, die keine Bedeutung für die Kriegswirtschaft hatten, wurden allerdings direkt zu den Hinrich- tungsstätten geschickt. Aktionen dieser Art wurden in Riga und Kowno bis Ende Januar 1942 fortgesetzt. In Wilna jedoch, wo es nach dem 21. Dezember“ keine Aktionen mehr gegeben hatte, suchten viele Juden, die in Verstecken gelebt hatten, die Sicherheit des Ghettos, dessen Einwohnerzahl im Januar auf 18000 stieg‘. * Im Januar 1948 verurteilte die Bielefelder Spruchkammer Lohse zu zehn Jahren Ge- fängnis, doch wurde ihm 1951 aus Gesundheitsgründen der Rest der Strafe erlassen. Am 10. Oktober wurde bekannt, daß dieser Mann, der im Oktober 1941 die Pläne für die ersten Gaskammern besprochen hatte, von der Landesregierung von Schleswig-Holstein ein Ruhegehalt von DM 263 monatlich erhalten sollie. Die darauffolgenden Interpella- tionen im Landtag waren bemerkenswert: sie kritisierten diese Zahlungen, aber nicht wegen Lohses Amtsführung in Rußland, sondern nur deshalb, weil er sich als Gau- leiter von Schleswig-Holstein als Feind der Demokratie erwiesen habe. Später wurde entschieden, daß Lohse keine Pension zustehe, weil er Oberpräsident der Provinz Schleswig-Holstein nicht als Beamter, sondern als Nationalsozialist geworden war%. ** Der Streit zwischen Brämer und dem Massenmörder Jäckeln war allerdings keine sehr tragische Angelegenheit, denn Bach-Zelewski behauptet, daß Brämer zu Jäckelns Abend- gesellschaften zu gehen pflegte und sich mit ihm duzte®., 247 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG Am 31. Januar 1942 beendete Stahlecker seinen zweiten langen Bericht an Heydrich, dem er eine an den entsprechenden Stellen geschmackvoll mit Särgen gekennzeichnete Landkarte beilegte. „Die möglichst restlose Beseitigung des Judentums aus den Ost- gebieten ist mit Ausnahme von Weißruthenien im wesentlichen durch die Exekution von bislang 229052 Juden bis zum heutigen Tage erreicht.” Die von Stahlecker angegebene Ziffer schließt 171.661 Juden aus Lettland und Litauen ein und ist vielleicht über- trieben, da es in diesen beiden Ländern zur Zeit, als Stahlecker seinen Bericht abfaßte, zumindest 50000 Überlebende gab*, und es ist zu bezweifeln, ob 190 000 von den 247 000 Juden der beiden Länder im deutschen Netz gefangen wurden. Die Überlebenden hat man bis zum Sommer 1943 einigermaßen in Frieden gelassen. 2. Weißrußland Weiter südlich fanden Heydrichs Männer eine weniger günstige geographische Lage und verzeichneten daher auch geringere Er- folge. Bis zum 27. Februar 1942 wurden im Bereich des Zivilkom- missariates von Weißruthenien erst 33210 Juden erschossen, und acht Monate nach der Invasion waren noch 139000 Juden am Leben#3. In diesem ärmsten Teil des besetzten Europa waren die Entfernungen groß, und es gab keine bei jedem Wetter befahr- baren Straßen. Nebes Nachfolger, Erich Naumann, zufolge hatte Einsatzgruppe B ein Arbeitsgebiet, das halb so groß wie West- europa war. Seine 24 Kommandanten konnten ihm nur alle zwei Wochen Bericht erstatten, und er selbst konnte erst im April 1942, als er ein eigenes Flugzeug erhielt, regelmäßige Inspektionen vor- nehmen“#4, In dem der Einsatzgruppe B unterstehenden Gebiete hatten rund 850000 Juden gelebt, fast eine halbe Million von ihnen in den ehemals polnischen Gebieten. Laut den Statistiken der Einsatz- * Die Anzahl der Überlebenden war zu diesem Zeitpunkt wohl noch wesentlich höher, wenn man die Gebiete mitrechnet, die früher zu Litauen gehörten— das Memelgebiet und das Suwalkigebiet—, die im März bzw. im September 1939 dem Reich eingeglie- dert wurden, sowie Grodno, das(als Teil des„Reichskommissariates Bialystok“) im Juli 1941 eingegliedert wurde. In Grodno wurden etwa 40.000 Juden in den beiden Ghettos zusammengezogen, wo sie bis zum Sommer 1942 von größeren„Umsiedlungsaktionen” verschont blieben.(Siehe Seite 322.) In Memel und Suwalki blieb ebenfalls ein Teil der bodenständigen jüdischen Bevölkerung erhalten. So berichtete Dr. Korherr Ende 1942 von der Anwesenheit von 18.435„sowjetrussischen Juden” im Bezirk Königsberg. Die Zahl wurde ihm vom Statistischen Reichsamt zur Verfügung gestellt. 248 \unnes AMT iel gruppe bl Gebiete, ab Fluchtmögli nischen Stä scheinen die oder drei T passiv gebli man sich€ ssischen Schicksal dı in der weiß Rosenbergs schen Jude gebung gel den, solang Ein andere! Juden zum Elemente d tum der jüc an Schärfe weder der noch die n Feindschaft fühle nach den Gebie! in der Zeit geführt un: des polnise genommen selzung ei gung aufk: keinesweg: Östlich de Juden hatt Die Juden Zweck der fatow zu von den E Wurde es F günstige ingere Er- Zivilkom- ssen, und uden am aren die ar befahr- olge hatte vie West- alle zwei \pril 1942, onen vor- ıtten rund n in den r Einsatz- ntlich höher, Memelgebiet h eingeglie- tok‘) im Juli den Ghettos 1gsaktionen“ lIs ein Teil orherr Ende Königsberg: NEUNTES KAPITEL 2. WEISSRUSSLAND gruppe blieb nicht ganz ein Drittel nach der Invasion in diesem Gebiete, aber selbst diese Zahl scheint für ein Land mit so großen Fluchtmöglichkeiten erstaunlich hoch. In den großen ehemals pol- nischen Städten, wie Pinsk, Slonim, Kobryn und Baranowicze, scheinen die zahlreichen jüdischen Gemeinden während der zwei oder drei Tage unmittelbar vor der deutschen Besetzung völlig passiv geblieben zu sein. Das wird allerdings verständlich, wenn man sich vergegenwärtigt, daß während der Zeit des deutsch- russischen Nichtangriffspaktes keinerlei Nachrichten über das Schicksal der Ghettos jenseits der deutschen Demarkationslinie in der weißrussischen Presse gedruckt werden durften. Einer von Rosenbergs Beamten berichtete im Juli 1941, daß die weißrussi- schen Juden nichts von der deutschen antisemitischen Gesetz- gebung gehört hatten und erwarteten, in Ruhe gelassen zu wer- den, solange sie arbeiteten*. Ein anderer Umstand, der die Tatenlosigkeit der weißrussischen Juden zum Teil erklärt, war die wütende Feindschaft gewisser Elemente der Bauernbevölkerung, die mit dem starken Wachs- tum der jüdischen Siedlungen gegen Ende des 19. Jahrhunderts an Schärfe zugenommen hatte. Auch nach der Revolution hatte weder der bürgerliche Republikanismus des polnischen Gebietes noch die marxistische Ideologie im sowjetischen Bereich diese Feindschaft überwunden, und auch die Welle prosowjetischer Ge- fühle nach der Besetzung hatte keinen großen Einfluß auf sie. In den Gebieten jenseits der Curzonlinie hatte die Sowjetregierung in der Zeit von 1939 bis 1941 eine gewisse Selbstverwaltung ein- geführt und wurde von der Bevölkerung nach zwanzig Jahren des polnischen halbfeudalen Systems verhältnismäßig wohl auf- genommen. Das hatte dazu geführt, daß unter der deutschen Be- setzung eine recht starke sowjetfreundliche Widerstandsbewe- gung aufkam; aber auch dort waren die Juden Weißrußlands keineswegs willkommen*. Östlich der Beresina lagen die Verhältnisse anders, denn die Juden hatten Wochen, ja Monate Zeit, ihre Flucht vorzubereiten. Die Juden von Witebsk und Bobruisk wurden geradezu zu dem Zweck deportiert, um die Wolgadeutschen des Gebietes um Sa- ratow zu ersetzen‘. Die wenigen Zurückgebliebenen wurden von den Einsatzgruppen schnell erledigt, und nur in Smolensk wurde es für nötig befunden, ein ständiges Ghetto einzurichten, 249 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG das im Mai 1943, kurz vor der Rückkehr der Roten Armee, aufge- löst wurde*®*. Westlich der Beresina bedeutete das vollkommene Fehlen von nichtjüdischen Handwerkern eine Gnadenfrist für die Ghettos, in denen die Juden wie in einer Mausefalle gefangen waren°°. Ger- bereien und Schneiderwerkstätten in den kleineren, ehemals pol- nischen Städten und Stellmacher in Minsk und Lida wurden von den Wirtschaftsstellen der Wehrmacht geschützt. Auf diese Weise überlebten einige jüdische Gemeinden bis zum Herbst 1943, aller- dings durch bis zu fünf„Umsiedlungsaktionen“ auf ein paar Hun- dert Seelen zusammengeschmolzen®". Außer diesen sozusagen amtlich genehmigten Überlebenden gab es Juden, die illegal in den von den Partisanen beherrschten Ge- bieten lebten. Anfangs paßte es den Verfassern der Einsatzgrup- penberichte, ihre hilflosen Opfer in bewaffnete Widerstands- kämpfer umzulügen, aber eine Eintragung in Goebbels’ Tagebuch vom 6. März 1942 zeigt, daß man auf deutscher Seite schon ernst- lich über die Teilnahme von Juden an den Aktionen der weiß- russischen Partisanen beunruhigt war2. Für die Juden, die zu keiner Partisanengruppe gehörten, bedeutete diese Beunruhigung der Deutschen nur, daß man gegen sie mit noch größerer Bruta- lität vorging. Am ärgsten betroffen waren die„Schtetl”, die zahl- reichen jüdischen Marktstädtchen, die für die deutsche Wirtschaft ohne Bedeutung waren, sowie die Gruppen, die in den unsicheren Schutz der Partisanengebiete geflohen waren. Nur in jenen * Das Ausmaß der Flucht der Juden aus dem sowjetischen Teil Weißrußlands kann aus den Berichten der Einsatzgruppen über die Liquidierung der deutscherseits in Witebsk, Bobruisk, Mogilew und Borissow geschaffenen Ghettos ermessen werden. Witebsk hatte 1926 eine jüdische Bevölkerung von 37 013, die, Solomon Schwarz zufolge, bis 1941 auf etwa 45000 angewachsen gewesen sein dürfte. Wenn man dem Tätigkeitsbericht der Einsatzgruppe vom 19. Dezember 1941(NO 2824) Glauben schenken kann, dann war die Liquidierung des Ghettos zu diesem Zeitpunkt abgeschlossen, aber nur 4090 Juden waren erschossen worden. Bobruisk hatte 1926 21556 Juden und 1941 nach Schwarz etwa 27 000. Als Bobruisk im Dezember 1941 für judenfrei erklärt wurde, waren 6179 Ju- den erschossen worden. Mogilew hatte zwischen 20 000 und 27 000 jüdische Einwohner, und die Gesamtzahl der Erschießungen betrug nach den Statistiken der Einsatzgruppe 4844. Allerdings ist erwiesen, daß es nach dem 19. Dezember 1941, also nach der offi- ziellen Liquidierung des Ghettos, ein Arbeitslager im alten Ghetto gab, und das war offenbar das Lager, in dem Himmler schon Anfang 1943 eine Gaskammer einrichten wollte#. In Borissow, das viel näher an der alten polnischen Grenze liegt, war die Lage anders. Die Berichte der Einsatzgruppe verzeichnen 8200 Erschießungen, darunter 7620 in einem einzigen Blutbad in der Nacht zum 19. Oktober 1941. Borissow hatte normalerweise nicht mehr als 20 000 jüdische Bewohner. 250 ygunmes KAP ‚Schtetin”© die Deutsch 6 überhauf geographis schen Einhe über die gr Partisaneng führer Jäck nehmung Juden in hingerichte 758 Juden den in der nung“ get Ein verhält jüdischer P Weißrußla die Wälde unter stren! Aber selb: Mosche Ko kruten unt Partisanen aus den G freiung, ur die Ausrot rußlands I wohntes( Die größk halb der« Juden waı Zwischen| zweier so\ den Tag| deutsche| HaldersT. 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Dies ist der Ursprung der Berichte über die große Anzahl von Juden, die vorgeblich in Kämpfen mit Partisanengruppen den Tod gefunden hatten. SS-Obergruppen- führer Jäckeln berichtete zum Beispiel, daß während der„Unter- nehmung Sumpffieber” im Februar 1942 nicht weniger als 8350 Juden in der Gegend von Miczajewice nordöstlich von Minsk hingerichtet worden seien. Ein Jahr später wurde berichtet, daß 2658 Juden im„Banditengebiet” bei Slonim und weitere 3300 Ju- den in den Pripet-Sümpfen während der„Unternehmung Hor- nung” getötet worden seien°. Ein verhältnismäßig großer Teil der Berichte über Operationen jüdischer Partisanen in Osteuropa betrifft das ehemals polnische Weißrußland, einfach weil hier die wehrfähigen Juden leichter in die Wälder fliehen konnten als in dem dichter bevölkerten und unter strengerer Polizeiaufsicht stehenden Generalgouvernement. Aber selbst ein so sowjetfreundlicher Geschichtsschreiber wie Mosche Kaganowitsch betont die Feindseligkeit, die jüdischen Re- kruten unter den mit der Roten Armee zusammenarbeitenden Partisanengruppen begegnete. Nur wenige Tausend Flüchtlinge aus den Ghettos überlebten in den„Familienlagern” bis zur Be- freiung, und von dieser geringen Ausnahme abgesehen konnten die Ausroitungsgruppen ihr Mordhandwerk in allen Teilen Weiß- rußlands beenden. Die Rote Armee fand nicht ein einziges be- wohntes Ghetto oder Arbeitslager vor**. Die größte jüdische Gemeinde war in Minsk, gerade noch inner- halb der sowjetischen Vorkriegsgrenzen, gelegen. Die Zahl der Juden war hier 1926 5368655 und im Jahre 1941 wahrscheinlich zwischen 80000 und 90.000. Solomon Schwarz(der die Angaben zweier sowjetischer Zeugen mit weniger Skepsis, als er sonst an den Tag legt, für wahr annimmt) ist der Meinung, daß 75000 in deutsche Hände fielen. Ich halte die Aufzeichnung in General Halders Tagebuch, er habe nach der dreitägigen Beschießung, die ihrer Eroberung am 28. Juni voranging, nur 100 000 der 233 000 Einwohner in der Stadt angetroffen, für glaubwürdiger°*. Das würde darauf hindeuten, daß weniger als 40000 Juden dort wa- 251 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG ren, aber selbst dies war eine größere Anzahl als in Riga, Kowno oder Wilna und mehr, als kurzerhand erledigt werden konnten. Die beiden Ghettos in Minsk waren erst Ende Juli fertig; zu die- sem Zeitpunkt wurden auch zwei der alten Festungen um die Stadt als Aufnahmestationen für die„Umsiedlung“ eingerichtet”. Ende September fand die erste Razzia statt. Unter dem Vorwand von„Sabotage und Terrorismus” wurden 2278 Juden°® aus dem Ghetto herausgerissen und von der Einsatzgruppe hingerichtet. Diese Beschuldigung war allerdings nicht völlig aus der Luft ge- griffen, denn man glaubte, daß sich ein ehemaliges Mitglied des Minsker Sowjet, ein gewisser Nat Weinhaus, der mit dem Führer der Minsker Widerstandsbewegung, Stolyarewitsch, zusammen- arbeitete, im Ghetto versteckt halte. Ohnehin setzten„Aktionen” am 6. und 20. November ein, in denen nach Angaben der russi- schen Untersuchungskommission 12000 bzw. 7000 Juden getötet wurden. Weinhaus wurde bei der zweiten Aktion aufgegriffen®. Stahlecker, der Minsk von der Einsatzgruppe B im Januar über- nahm, fand in Minsk nur 1800 weißrussische Juden mit Ausweisen; die Anzahl der Überlebenden war bestimmt viel größer©. Die erste Gruppe von Juden aus dem Reich, aus Berlin, Hamburg, Wien, Prag und Brünn, traf nach dem Pogrom des 6. und die zweite nach dem 20. November in Minsk ein. Sie wurden in Ghetto Nr. 2 gesperrt und von den bodenständigen Juden völlig isoliert, ein Beispiel, das später in Riga nachgeahmt wurde. Die Lebensbedin- gungen dieser 6500 an westliche Lebensverhältnisse gewöhnten Menschen waren katastrophal, aber niemand dachte ernstlich daran, daß sie den Winter überleben sollten. Aber in Minsk fan- den die Juden einen merkwürdigen und unvermuteten Freund. Generalkommissar Wilhelm Kube war einer der Mitgründer der NSDAP und hatte im Januar 1934 die Grabrede für Görings erste Frau in Karinhall gehalten. Im August 1936 war er jedoch seines Postens als Gauleiter von Brandenburg-Grenzmark enthoben worden, weil er die Frau von Major Walter Buch, dem Vorsitzen- den des Parteigerichtes, erpreßt hatte. Kube verbrachte einige Zeit in einem Konzentrationslager und wurde erst 1941 durch Himmlers Unterstützung und seine Freundschaft mit Rosenberg und Lohse wieder in Gnaden aufgenommen®'. Bei seiner ersten Inspektion des deutschen Ghettos in Minsk war Kube, dessen Lüsternheit der Gegenstand von in Einzelheiten ge- 252 ygunnes KAP henden Ber! gr Mädchen dem erzähl ner mit Krıe der Front di nen Freun „Die Ji scheinli ungehe gen de schen, Impfste Auf eie über d Forma scharf hat be aus de schlag mit lös kreis| digen hier a Absch mit Ri Partei mensc Mit versch dem Reich Nutznieße digen Juc lang so h graben. Ir ker, SS.Q Kube in A aus dem| durch, da 18 Riga, Kowno in konnten, Tg; zu die. um die Stadt chtet?7 m Vorwand N® aus dem hingerichtet. der Luft ge- Mitglied des - dem Führer Zusammen- „Aktionen“ en der russi- den getötet fgegriften 9. Januar über- t Ausweisen; er®0, n, Hamburg, ıd die zweite Ghetto Nr. 2 isoliert, ein ‚ebensbedin- . gewöhnten hte ernstlich n Minsk fan- sten Freund. tgründer der örings erste doch seines -k enthoben m Vorsitzen- achte einige 1941 durch + Rosenberg n Minsk war elheiten ge NEUNTES KAPITEL 2. WEISSRUSSLAND Berichten der Gestapo an Himmler war, tief bewegt, als er Mädchen sah, die wie nichtjüdische Deutsche aussahen. Außer- dem erzählte ihm der neue Judenälteste, daß es im Ghetto Män- ner mit Kriegsauszeichnungen gab und andere, deren Brüder an der Front dienten. Daraufhin schrieb Kube folgende Zeilen an sei- nen Freund Lohse in Riga%: „Die Juden selbst werden in den nächsten Wochen wahr- scheinlich verhungern oder erfrieren. Sie bilden für uns eine ungeheure Seuchengefahr, da sie naturgemäß den Ansteckun- gen der 22 Epidemien, die im gesamten Weißrußland herr- schen, genauso ausgesetzt sind wie wir Reichsdeutsche. Impfstoffe stehen für sie nicht zur Verfügung. Auf eigene Verantwortung gebe ich dem SD eine Anweisung über die Behandlung dieser Menschen nicht, obwohl gewisse Formationen der Wehrmacht und der Polizei schon jetzt scharf auf den Besitz der Juden aus dem Reich sind. Der SD hat bereits— ohne zu fragen— 400 Matratzen den Juden aus dem Reich abgenommen und auch sonst allerhand be- schlagnahmt. Ich bin gewiß hart und bereit, die Judenfrage mit lösen zu helfen, aber Menschen, die aus unserem Kultur- kreis kommen, sind doch etwas anderes als die bodenstän- digen vertierten Horden. Soll man die Litauer und Leiten, die hier auch von der Bevölkerung abgelehnt werden, mit der Abschlachtung betrauen? Ich könnte es nicht. Ich bitte Dich, mit Rücksicht auf das Ansehen unseres Reiches und unserer Partei hier eindeutige Anweisungen zu geben, die in der menschlichsten Form das Nötige veranlassen. Mit herzlichem Gruß und Heil Hitler Dein Wilhelm Kube.“ Mit verschiedenen Mitteln gelang es Kube, diese 6500 Juden aus dem Reich bis zum folgenden Juli zu schützen. Zuerst waren sie Nutznießer der gleichen natürlichen Ursache, die den bodenstän- digen Juden Weißrußlands half: der Boden war viele Monate lang so hart gefroren, daß es unmöglich war, Massengräber zu graben. Im Februar sandte Stahlecker den brutalsten seiner Hen- ker, SS-Obersturmbannführer Dr. jur. Eduard Strauch, aus, um Kube in Minsk zu überwachen, aber es gelang Kube, die Juden aus dem Reich vor der Aktion vom 2. März zu bewahren®. Da- durch, daß er die in seinem Amt beschäftigten Juden für einige 18 253 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG Tage vor der Aktion vom deutschen Ghetto fernhielt, warnte er überdies die Juden des russischen Ghettos, so daß nur 3412 statt der geplanten 5000 Menschen umgebracht wurden. Strauchs Beschwerden gegen Kube sind ein faszinierendes Doku- ment. Strauch erklärt, Kube hätte„die Gefühle eines Polizeioffi- ziers verletzt”, indem er ihn in Gegenwart von Juden beschimpft habe. Strauch hat sogar gehört, daß Kube jüdischen Kindern Bonbons gegeben habe. Kube habe auch den Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Weißrußland, SS-Brigadeführer Zenner, an- gegriffen, weil dieser Kubes drei jüdische Friseure nicht freigeben wollte. Und dennoch, schreibt Strauch, behaupte Kube ständig, ein großer Feind der Juden zu sein. Kurz nach dieser Aktion kam Heydrich nach Minsk. Er erteilte Kube einen strengen Verweis, weil er ihm eine Liste mit Namen von„gesetzwidrig” aus Deutschland deportierten Juden gesandt hatte. Von Strauch verlangte er die völlige Liquidierung aller Juden im Minsker Bezirk. Strauch sagte jedoch aus, es sei ihm gelungen, eine Verschiebung bis nach der Ernte zu erwirken®. Heydrichs Tod am 4. Juni bedeutete keine Gnadenfrist. Im Gegen- teil, die„Aktion Reinhard”, die seinen Manen gewidmet war, wurde von Polen auf ganz Weißrußland ausgedehnt. Am 28. und 29. Juli wurde im Zuge dieser Aktion die Bevölkerung der beiden Minsker Ghettos von 19000 auf 8794 reduziert. Am 31. Juli schrieb ein sehr veränderter Kube seinem Freund Lohse*, daß in Zusammenarbeit mit SS-Brigadeführer Zenner und SS-Obersturmbannführer Strauch, dem„hervorragend tüch- tigen Leiter des SD“, 55000 Juden in zehn Wochen in Weißruß- land liquidiert worden seien. In Minsk gebe es nur noch 6000 Juden mit Sonderbefreiung im russischen Ghetto und 2600 Juden aus dem Reich**. Im Gebiet von Lida waren 16000 und in Slonim 8000 Juden ermordet worden. Am 7. August erklärte Lohse bei * Eduard Strauch erklärte in Nürnberg während eines der„lichten Momente”, in denen er nicht Irrsinn simulierte, den ganz verschiedenen Ton des zweiten Briefes. Strauch war der Meinung, daß Kube ihn nur gelobt habe, um Himmler, den der Brief durch Rosenbergs Amt erreichen sollte, irrezuführen. Kube habe diesen Brief zusammen mit Polizeigeneral Gottberg verfaßt, der bei Himmler als„zu weich“ denunziert worden war68, ** Dies waren nicht die einzigen Juden aus dem Reich, die während jenes Sommers in Weißrußland umgebracht wurden. Zumindest zwölf Transporte vorn Juden aus There- sienstadt und anderen Orten wurden in den Gaswagen im Wald von Blahowstina öst- lich von Minsk ermordet.(Siehe Seite 186, Fußnote.) 254 Iereinen| führer Pri Oktober 3 seien—€ destowen! tober 194 Kompanie Kavallerie nahme, d 15 Juden waren". D einer neut gische Sch „Erfa hält: nen| sind hund gran unve 5Aı Ver hinge Im Nover tußland. bergs Mi noch 30( Hälfte ZU Weißruß bis zum| I, warnte er ur 342 statt Endes Doku. ß Polizeioff. f beschimpft en Kindern Rshaber der Enner, On- ht freigeben be ständig, . Er erteilte } mit Namen den gesandt lierung aller ', es sei ihm | erwirken 5, t. Im Gegen- idmet war, ‚ Am 28. und ı der beiden nem Freund hrer Zenner agend tüch- in Weißruß- r noch 6000 | 2600 Juden nd in Slonim je Lohse bei nente”, in denen Briefes. Strauch der Brief durch f zusammen mit nunziert worden ‚nes Sommers IN ıden aus There- Blahowstina Öst- RENDIOSUNG| N NEUNTES KAPITEL 2. WEISSRUSSLAND einer unter Görings Vorsitz im Generalrat für den Vierjahresplan abgehaltenen Konferenz in Zusammenhang mit Kubes Bericht ganz offen:„Ich kann das auch beantworten. Es gibt nur noch ein paar Juden, wohingegen wir schon Zehntausende erledigt haben%.“ Das Gemetzel in den ehemals polnischen Teilen Weißrußlands hielt Schritt mit dem fürchterlichen Blutbad im Generalgouverne- ment und ließ erst im November 1942 nach. Himmler sandte Hit- ler einen Bericht des Höheren SS- und Polizeiführers SS-Brigade- führer Prützmann, aus dem hervorging, daß vom August bis Oktober 363211 Juden in allen Teilen Rußlands getötet worden seien— eine offensichtliche Übertreibung’°, aber es gab nichts- destoweniger denkwürdige Geschehnisse. So wurden am 29. Ok- tober 1942 die 16200 überlebenden Juden von Pinsk von zwei Kompanien der Ordnungspolizei liquidiert. Eine Abteilung SS- Kavallerie bewachte die Hinrichtungsstätte,„eine Vorsichtsmaß- nahme, die sich wunderbar bewährte, wenn man bedenkt, daß 15 Juden gefangen wurden, die einige Kilometer weit entflohen waren”. Das Tagebuch des 15. Polizeiregimentes zeigt, daß außer einer neuartigen Verwendung von Kavallerie noch andere strate- gische Schlüsse gezogen worden waren’!: „Erfahrung: 3. Wenn auch keine Keller vorhanden sind, so hält sich doch eine große Anzahl von Personen in dem klei- nen Raum zwischen Erde und Fußboden auf. Diese Stellen sind von außen aufzubrechen und entweder durch Dienst- hunde nachstöbern zu lassen..., bzw. ist dort eine Hand- granate hineinzuwerfen, worauf in allen Fällen die Juden unverzüglich ins Freie kommen... 5. Auf die Hinzuziehung von halbwüchsigen Personen zum Verrat dieser Verstecke unter Zusicherung ihres Lebens wird hingewiesen. Diese Methode hat sich bewährt.” Im November 1942 gab es kaum mehr ein Judenproblem in Weiß- rußland. Am 23. schrieb Kube an Georg Leibbrandt von Rosen- bergs Ministerium, daß es im Bereich des Zivil-Kommissariats nur noch 30000 Juden gebe und daß geplant sei, diese Zahl auf die Hälfte zu vermindern 2. Trotzdem bestanden etwa 10 Ghettos in Weißrußland— darunter Minsk, Lida, Slonim und Baranowicze— bis zum Herbst 1943(siehe$. 235 f. u. 317). 18? 255 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG 3. Die Ukraine Erwa die Hälfte der drei Millionen Juden Vorkriegs-Rußlands lebte in der Ukrainischen Sowjetrepublik. Dazu kamen noch die 568.000 ostgalizischen Juden, die im September 1939 durch die Besetzung ehemals polnischer Gebiete der Ukraine angegliedert worden waren. Dies waren die wirklichen„Reserven des Ost- iudentums”, die eine so übertriebene Rolle in der nationalsozia- listischen Propaganda spielten. Offenbar glaubte man, die Ein- satzgruppen C und D würden für diesen größten aller Mordauf- träge ausreichen. Je tiefer sie jedoch nach Rußland vorstießen, desto mehr verringerten sich die Probleme für Heydrichs Männer. In Ostgalizien waren 80 v.H. der jüdischen Bevölkerung am Ort verblieben’3, und in Lemberg war die jüdische Einwohnerschaft seit Kriegsausbruch sogar angewachsen, aber in den historischen Städten der vorindustriellen russischen Ukraine— Winniza, Schi- tomir, Berditschew, Uman und Cherson— blieb nur ein Viertel oder ein Fünftel der jüdischen Bevölkerung zurück. Das gleiche gilt für die ungeheuren jüdischen Bevölkerungszentren weiter östlich, in den Städten am Dnjepr— Kiew, Charkow und Dnjepro- petrowsk. Noch weiter östlich— im Donetzbecken, am Kuban und nördlich des Kaukasus— wartete nur ein kleiner Teil der Juden, bis die Deutschen kamen. Ins Innere des Landes war nicht nur der größte Teil der drei Millio- nen Juden der Vorkriegs-Sowjetunion entflohen, sondern auch ein großer Teil der 1800000 Juden aus den 1939 an die Sowjet- union gefallenen früheren polnischen Gebieten. Obwohl wir wahrscheinlich nie erfahren werden, wie groß die Zahl derer war, die die Sicherheit von Südsibirien und des Wolga-Uralgebie- tes erreichten, müssen wir annehmen, daß drei Viertel der heuti- gen jüdischen Bevölkerung Europas in der Sowjetunion leben, während es vor dem Krieg weniger als ein Drittel war. Dies Ergebnis ist nicht einer besonderen Zuneigung der Sowijetregie- rung für die Juden zuzuschreiben. Es war einfach so, daß die Russen gleichzeitig mit dem deutschen Vormarsch in das indu- strielle Gebiet die arbeitende Bevölkerung evakuierten, damit die Städte dem Feind keinen Vorteil brachten. In den meisten der eroberten Städte verblieb weniger als die Hälfte der Bevölkerung. Eine Weigerung, sich evakuieren zu lassen, wurde als eine feind- 256 )unnes KAP liche Han nach sich/ Obwohl d nach Himn hatte, war Lemberg, In|ember EinsatzgrU Iebende 9 om%n. Jur sion völli Nationali hiefes in( obwohl m Schon im ‚National deportier eine groß ten zufole Am 25. 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In Lemberg, wo über 100000 Juden lebten, wurden nach einem Einsatzgruppenbericht über 7000 umgebracht, aber einige Über- lebende gaben wesentlich höhere Zahlen an’. Die Stadt wurde am 30. Juni erobert, nachdem sie in den acht Tagen seit der Inva- sion völliger Anarchie anheimgefallen war. Die ukrainischen Nationalisten von Lemberg waren von der Eingliederung des Ge- bietes in die ukrainische Sowjetrepublik nicht begeistert gewesen, obwohl man sie zu Beginn auf Kosten der Polen bevorzugt hatte. Schon im Mai 1940 waren ukrainische, polnische und jüdische „Nationalisten“ aus Lemberg ohne Unterschied nach Südsibirien deportiert worden, und unmittelbar nach dem 22. Juni gab es noch eine große Razzia gegen Ukrainer in Lemberg. Deutschen Berich- ten zufolge sollen 3—-4000 ins Gefängnis geworfen worden sein’’. Am 25. Juni, als die Russen offen ihren Rückzug aus Lemberg vor- bereiteten, wurde ein Versuch unternommen, diese Menschen in den Gefängnissen Kazimierzowka und Lackiego zuretten. Die Rus- sen töteten sie alle, hatten aber bei ihrem schnellen Rückzug keine Zeit mehr, die Leichen wegzuschaffen. * Solomon M. Schwarz hat in einem wohldokumentierten Werk die Anklage erhoben, daß das Sowjetregime verabsäumt habe, die bedrohte jüdische Bevölkerung zu evakuie- ren. Er hat auch Fälle von direkter Fluchtbehinderung entdeckt. Als Unterlage für seine These benutzt er Zahlenmaterial, das weder mit den Angaben des deutschen SD noch mit sowjetischen Schätzungen aus der Nachkriegszeit übereinstimmt. Er nimmt an, daß die durch Gebietsgewinne seit Kriegsausbruch vergrößerte Sowjetunion im Juni 1941 knapp unter fünf Millionen Juden hatte und daß nur 1 850 000 davon den Krieg über- lebten— ein Verlust von über drei Millionen’. Josef Schechtmann schätzte hingegen Ende 194375, daß 650.000 bis 850000 Juden in deut- sche Hände gefallen waren. Das schließt auch die ehemals polnischen Gebiete und die baltischen Staaten ein. Diese Schätzung wird überraschenderweise durch die geheimen Zahlen des RSHA bestätigt, die Dr. Korherr Himmler zu Beginn des gleichen Jahres übersandte. Die Zahlen zeigten, daß„ausschließlich der Juden, die sich noch in La- gern und Ghettos befinden”, etwa 633000 Juden aus den besetzten russischen Ge- bieten„umgesiedelt” worden waren. Er hatte diese Zahlen den oft übertriebenen Ein- satzgruppen- und SD-Berichten entnommen(NO-5194). Selbst wenn man Korherrs Zahlen als richtig annimmt, kann die Gesamtzahl bis zur russischen Wiederbesetzung kaum über 750000 gestiegen sein, und nicht mehr als eine halbe Million davon kann auf die sowjetischen Gebiete der Vorkriegszeit entfallen sein.(Für eine wei- tere Besprechung von Schwarz’ Ziffern siehe Anhang I.) 257 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜUHRUNG DER ENDLOSUNG Das erste, was der SD tat, war, große Photographien dieser„jüdi- schen Morde” in den Schaufenstern auszustellen’®. Eine ukrai- nische Miliz mit blau-gelben Armbinden wurde schnell aufge- stellt, und 1000 jüdische Geiseln wurden verhaftet. Am 2. und 3. Juli wurde mit Zustimmung des SD die„Aktion Petljura“ 7? orga- nisiert, die symbolische Rache für die Ermordung des ukrainischen Hetman durch einen Juden in Paris im Jahre 1926 nehmen sollte. Juden wurden in den Gefängnissen, in den Straßen und im Stadion umgebracht. Es war ein Racheakt, aber nachher wurde erklärt, daß 73 der Opfer Beamte des NKWD gewesen wären, und die Ukrainer behaupteten, daß weitere 40 Helfer des NKWD gewe- sen wären". Dieses Gemetzel von 7000 Menschen, das in der Hysterie der Befreiung durchgeführt wurde, hatte eine starke Ähnlichkeit mit den Pogromen in Kowno und Jassy, die sich wenige Tage vorher abgespielt hatten. Es war auch in Lemberg keine völlige Neue- rung. Das letzte Lemberger Pogrom hatte 1918 auf Anstiftung der einmarschierenden Polen stattgefunden. Damals hatte sich der Erzbischof der galizischen Unierten Kirche, Sczeptinski, als Freund der Juden erwiesen!®!. Der Oberrabbiner Ezekiel Levin wollte ihn daher am 2. Juli 1941 um Hilfe bitten, wurde aber auf dem Weg zum erzbischöflichen Palais verhaftet. DieVerwirrung wurde noch dadurch erhöht, daß auch die Russen Juden umgebracht hatten, und selbst der erste Einsatzgruppenbericht gibt zu, daß einige der in den Gefängnissen von den Russen zurückgelassenen Leichen solche von Juden gewesen waren 2. SS-Brigadeführer Erwin Schulz, der Führer von Kommando 5 der Einsatzgruppe C, behauptete als Angeklagter, er habe den mei- sten der Juden, die verhaftet und ins Stadion gebracht worden waren, zur Flucht verholfen®. Da Schulz dafür nicht bestraft wurde, muß angenommen werden, daß der SD sich von der „Aktion Petljura” zurückzog, als die ukrainische Miliz völlig außer Rand und Band geriet, obwohl der SD das Ganze selbst organisiert hatte. Dies kam in ÖOstgalizien sehr häufig vor; in Drohobycz soll es sogar zu Schießereien zwischen Deutschen und Ukrainern gekommen sein. Die Ansichten über den Wert der Ukrainer hatten sich seit dem 12. September 1939 geändert, als Ribbentrop im Führerzug in IInau seinen Plan zur Schaffung eines unabhängigen galizischen Staates(mit russischer Zustimmung) 258 yguntes KA znhwickelt jkrainisch Polen UN brauchte| Stalins GT galizien 7 einem für Gebiet, U Roques bi ibergebe Gnadenfr Einsatzgf' des„Eins des folge Trotzdem Generale Deportiei Rozanski schreibt, Stadt im den Rich Tage leb am Tage Anfang. zische G sten, Sc Ukraine, setzt. In dem Ko Architek im Mass Blobel v War unc grad ke Wurde, fehls üb Die erst 26, Juni zug Sieser„jüd, Ine ukrai- hnell aufge. 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August, als er General von Roques befahl, die Zivilverwaltung Generalgouverneur Frank zu übergeben. Durch diese Eingliederung gewannen die Juden eine Gnadenfrist, denn die unmittelbaren Greuel der Gemetzel der Einsatzgruppen blieben ihnen erspart; sie hatten die Massaker des„Einsatzes Reinhard“ abzuwarten, die in Lemberg im März des folgenden Jahres begannen(siehe$. 285 f.). Trotzdem muß der Plan für die Eingliederung Lembergs in das Generalgouvernement die Ursache für die erste, großangelegte Deportierung von Juden nach Auschwitz gewesen sein. Zenon Rozanski, ein dort interniert gewesener polnischer Offizier, schreibt, daß 500 Lemberger Juden kurz nach der Besetzung ihrer Stadt im Hauptlager von Auschwitz angekommen seien. Nach den Richtlinien des Lagerführers Fritsch ließ man sie nur wenige Tage leben. Die ersten 37 von ihnen wurden auf dem Appellplatz am Tage ihrer Ankunft umgebracht®*. Anfang Juli 1941 war Einsatzgruppe C schon weit über die gali- zische Grenze vorgedrungen. Vier Kommandos waren in Koro- sten, Schitomir, Berditschew und Winniza— quer durch die Ukraine, fast von den Pripet-Sümpfen bis zum Dnijestr— einge- setzt. In der Mitte der Linie stand das Kommando 4a, das unter dem Kommando des der Trunksucht verfallenen Düsseldorfer Architekten Paul Blobel später einzig dastehende Höchstleistungen im Massenmorden von Juden vollbrachte. Es war kein Zufall, daß Blobel vom Beginn des Feldzugs an der Sechsten Armee zugeteilt war und daß diese Armee, die später unter Paulus bei Stalin- grad kapitulierte, von Hitlers politischtem General befehligt wurde, Walter von Reichenau, dem Verfasser des berüchtigten Be- fehls über die„jüdischen Untermenschen“(siehe S. 33, Fußnote). Die erste Begegnung zwischen Blobel und Reichenau fand am 26. Juni in Sokal am Ufer des Bug statt. Reichenau ging im Bade- anzug in einem großen Park spazieren®® und gab Blobel die 259 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG genauesten Anweisungen, so zum Beispiel, daß die bei militäri- schen Hinrichtungen üblichen fünf Gewehre je Opfer bei Juden auf zwei herabzusetzen seien. Obwohl Blobel natürlich ein Inter- esse an Aussagen dieser Art hatte, erscheinen beide Angaben über Reichenau glaubwürdig. Reichenau hatte im Alter von 55 Jah- ren im September 1939 im Badeanzug an der Spitze einer ganzen Division die Weichsel durchschwommen. Es war diesem exzen- trischen Soldaten nicht bestimmt, im Nürnberger Prozeß gegen das Oberkommando der Wehrmacht zu erscheinen oder auch nur die letzte erfolgreiche Offensive der Wehrmacht zu befehli- gen, wozu Hitler ihn an Rundstedts Stelle im folgenden Dezember beorderte. Der Befehl über„das jüdische Untermenschentum” brachte ihm den Marschallstab ein, aber am 17. Dezember 1942 starb er infolge einer geheimnisvollen Ansteckung*. Nichtsdestoweniger ist Blobels Aussage unklar in der Frage, ob er den Befehl für die ersten Massenmorde von Reichenau oder vom Höheren SS- und Polizeiführer Jäckeln erhalten hatte, Das Massaker von 2531 Juden in Schitomir in der letzten Juliwoche, das in Major Rösslers Bericht an Generalleutnant Schierwind be- schrieben wurde(siehe S. 231 f.), schrieb Blobel Jäckeln zu. Blobels Vorgesetzter Otto Rasch, der Befehlshaber der Einsatzgruppe C, versuchte sich aus der Affäre zu ziehen, als Jäckeln den Befehl gab, auch Frauen und Kinder nicht zu schonen; Rasch verlegte daraufhin sein Hauptquartier von Schitomir nach Nowo Ukrainka. Diese Geste hatte keinen Einfluß auf die Hinrichtung von weiteren 407 Juden auf Blobels Befehl am 7. August®. Zu den Opfern die- ser Hinrichtung gehörte auch der jüdische Vorsitzende des Ge- richts von Schitomir**. Zu diesem Zeitpunkt erhielt jedoch die Einsatzgruppe den Befehl, daß die Überlebenden der jüdischen Gemeinde von Schitomir(die früher rund 35000 Seelen gezählt * Die Einsatzgruppenkommandeure verzeichneten persönlich ihre Dankbarkeit für Rei- chenaus Tagesbefehl. Der Tätigkeitsbericht vom 3. November 1941 hat zum Beispiel fol- genden Wortlaut(NO-3157): „Als besonders krasses Beispiel ist das Verhalten eines Lagerkommandanten zu erwähnen, der die durch seinen Vertreter erfolgte Überstellung von 362 jüdischen Kriegsgefangenen restlos mißbilligte und sogar gegen diesen sowie gegen zwei weitere Offiziere ein kriegsgerichtliches Verfahren eingeleitet hatte.... Hinzu kam ein weiterhin erschwerendes Moment, daß durch einen OKH-Erlaß das Betreten des Durchgangslagers dem SD überhaupt versagt war. Erst durch einen neuerlichen Erlaß des OKW dürfte diese Schwierigkeit behoben sein.... Die Zusammenarbeit mit der Geheimen Feldpolizei brachte keinerlei Schwierigkeiten mit sich.” ** Der fünfte vierzehntägliche Bericht der Einsatzgruppen bauschte die Hinrichtung Kie- 260 neunTes KA hafte) in€ daher hie weitere Ukraine$ sonders 11 Ein Lande es das G! Das von E seiner ‚h In Radom den 1668 je Zimme Schmutz daher au ihnen vo! berg war spielt hat Abteilunc seien dor um einig Schweine Kiew fest Die deut nen Ghe D.Septe der Gar Errichtun nicht bee kraftwac Kriegsge umstellt, dig, bis: Wurden| diert?", Am 19, zogen d pers, des„| scheinlich 7 Gerichtes,| War eine sı ichenau oder en hatte, Das In zu, Blobels atzgruppe C, n den Befehl sch verlegte wo Ukrainka. von weiteren Opfern die- nde des Ge- t jedoch die jer jüdischen elen gezählt kbarkeit für Rei- zum Beispiel fol- mmandonten ZU 3n 362 jüdischen wie gegen zwei „Hinzu kam Jas Betreten des nen neuerlichen Zusammenarbeit sich.” i Hinrichtung Kie- NEUNTES KAPITEL 3. DIE UKRAINE hatte) in ein Ghetto einzuschließen seien. Die Metzeleien wurden daher hier für die nächsten sechs Wochen unterbrochen, aber weitere Massaker fanden in einer Reihe wichtiger Städte der Ukraine statt, und zwar in Korosten, Berditschew, Uman und be- sonders in Winniza, wo sie in öffentlichen Gärten stattfanden. Ein Landesschützenregiment der 36. Division half hier mit, indem es das Gebiet abriegelte®, Das von Blobel am 6. September veranstaltete Massaker istwegen seiner„hochherzigen“ Beweggründe besonders bemerkenswert. In Radomysl, auf halbem Weg zwischen Schitomir und Kiew, wur- den 1668 Juden gefunden. Sie wohnten in einem Ghetto, fünfzehn je Zimmer, wo es unmöglich war, sie zu ernähren, und„wo ihr Schmutz eine ständige Seuchengefahr darstellte”. Sie wurden daher aus reiner Barmherzigkeit umgebracht®?, ein Drittel von ihnen von den zur Mitarbeit so sehr bereiten Ukrainern. In Nürn- berg war Blobel in bezug auf die Rolle, die er in Radomysl ge- spielt hat, weit bescheidener. Die Arbeit, sagte er, sei von Jäckelns Abteilungen geleistet worden, und nur vier seiner eigenen Leute seien dort gewesen; diese seien nach Radomysl gesandt worden, um einige Schweine zu betreuen. Außerdem hätte Jäckeln die Schweine gestohlen, so daß Kommando 4a auf dem Marsch nach Kiew feststellen mußte, daß ihm die Würste entgangen waren”. Die deutscherseits in Schitomir, Uman und Berditschew geschaffe- nen Ghettos blieben nicht lange bestehen. Sie wurden am 19. und 22. September sowie am 5. Oktober liquidiert. In Schitomir stimmte der Garnisonskommandant mit Blobel darin überein, daß die Errichtung des Ghettos„den Klatsch und die Bosheit der Juden nicht beendet hat”. Er gab daher Blobel zwölf Wehrmachtslast- kraftwagen und 60 ukrainische Helfer und ließ von 150 russischen Kriegsgefangenen Gräber graben. Am Abend wurde das Ghetto umstellt, und die noch dort lebenden 3145 Juden warteten gedul- dig, bis sie zur Hinrichtungsstätte geschleppt wurden. Im ganzen wurden im Laufe von zwei Monaten 7000 Juden in Schitomir liqui- diert?!. Am 19. September, dem Tag des letzten Gemetzels von Schitomir, zogen die deutschen Armeen in Kiew ein, dessen Verteidigung pers, des„jüdischen Richters von Schitomir”, auf dem Heumarkt sehr auf. Er war wahr- scheinlich nichts anderes als der Präsident der jüdischen Abteilung des sowjetischen Gerichtes. In einer Stadt wie Schitomir, in der die Hälfte der Bewohner jiddisch sprach, war eine solche Abteilung gesetzlich vorgeschrieben. 261 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG 45 Tage gedauert und die Russen eine ganze Armeegruppe ge- kostet hatte. Hitler hat diese Schlacht„die größte Schlacht der Geschichte“ genannt— Kriegshistoriker meinen allerdings, daß Hitler sie nie hätte ausfechten und statt dessen seine Stärke auf die Moskauer Front konzentrieren sollen. Es war den Deutschen nicht vergönnt, sich in dieser mit so viel Blut erkauften Stadt be- quem niederzulassen. Am 24. zerstörte eine gewaltige Explosion das Hotel Continental, in dem sich das Etappenkommando der Sechsten Armee befand. Feuer verbreitete sich schnell, und Blobel, der am 21. angekommen war, mußte sein Büro räumen. 25000 Menschen verloren ihr Obdach, und Hunderte deutscher Soldaten wurder, hauptsächlich bei Versuchen, die Flammen zu löschen, getötet?*. Die Entscheidung, an den Kiewer Juden für die Explosion Rache zu nehmen, wurde offenbar am 26. September gefällt, als die Feuer noch wüteten. Nach Blobels Angaben fand eine Besprechung zwischen Jäckeln, Otto Rasch von der Einsatzgruppe und dem Stadtkommandanten Eberhardt statt”*. Der Einsatzgruppenbericht rühmt Blobel als den Urheber des Massakers und schreibt Jäckelns zwei Polizeikompanien lediglich die Rolle von Gehilfen zu. Blo- bel behauptete jedoch in Nürnberg, gar nicht in Kiew gewesen zu sein; er erklärte ferner, daß nur 15 seiner 53 Mann zu den Hin- richtungen kommandiert werden konnten®**. Am 26. September wurden in den Straßen von Kiew Mauer- anschläge angebracht, denen zufolge sich alle Juden binnen drei Tagen an der Kreuzung der Melnik-Straße und der Doktorew- skaja-Straße zwecks„Umsiedlung” einzustellen hatten 7.„Zuerst erwartete man, daß höchstens 5000 Menschen in diese Falle gehen * In Nürnberg wurde die Theorie, daß diese und andere Landminen von jüdischen Agenten gelegt worden seien, von Generaloberst Jodl widerlegt, der sich an einen er- oberten Plan erinnerte, in dem 50 bis 60 zu demolierende Objekte verzeichnet waren und der lange vor dem russischen Rückzug ausgearbeitet worden war%. Es ist trotzdem klar, daß Jodl es zuließ, die Explosion den Juden in die Schuhe zu schieben, denn wäh- rend seiner Aussage entschlüpfte ihm eine Bemerkung, in der er Reichenaus Befehl über die„jüdischen Untermenschen” mit den„Ereignissen in Kiew“ in Verbindung brachte, ein Punkt, den der sowjetische Anklagevertreter merkwürdigerweise völlig übersah. ** Es gibt jedoch eine völlig unabhängige Zeugenaussage, die die von Dr. Knobloch in Berlin ausgearbeitete Darstellung bestätigt. Am 22. Oktober 1944 wurde dem Kor- respondenten der„New York Times”, W. H. Lawrence, vom Kiewer Stadtarchitekten, M. Aloschin, die Babi-Jar-Schlucht gezeigt. Aloschin erzählte dem amerikanischen Jour- nalisten, daß„ein deutscher Architekt” sich ihm gegenüber der Tat gerühmt habe. Wer anders kann dieser Architekt gewesen sein als die„Rotjacke” Blobel?% 262 An der| kyanowk Ein Zeuc Opfer in einem Br Gruppen muß jed schen zw dazu no gegeben ‚wußte k Erfahrun hätte.” D tung„K kleinen es ist zı hinters berichtet Koch all R ENDLOSUNg PYTURpe ge- Schlacht der Fräings, daß F Stärke auf N Deutschen en Stadt be- je Explosion mando der ı und Blobel, men. 25.000 er Soldaten ZU löschen, osion Rache ällt, als die Besprechung pe und dem ppenbericht eibtJäckelns Ifen zu. Blo- gewesen zu zu den Hin- iew Mauer- binnen drei r Doktorew- n?,„Zuerst ‚Falle gehen n von jüdischen ich an einen er- ‚rzeichnet waren - Es ist trotzdem ben, denn wäh- aus Befehl über iindung brachte, llig übersah. yn Dr. Knobloch ‚urde dem Kor- stadtarchitekten, ikanischen Jour- ;hmt habe. Wer NEUNTES KAPITEL 3. DIE UKRAINE würden, aber dank der außerordentlich geschickten Organisation meldeten sich über 30000, die bis zum letzten Augenblick vor ihrer Hinrichtung wirklich glaubten, daß sie umgesiedelt wür- den?®.” Der Tätigkeitsbericht Nr. 106 und die Ereignismeldung Nr. 6 enthalten gleichlautend die Zahl von 33771. Alle diese Menschen wurden an zwei Tagen— am 29. und 30. September— umgebracht, eine Höchstleistung, die nicht einmal von den Todes- fabriken Treblinka und Auschwitz in den grauenhaften Sommern 1942 und 1944 erreicht wurde. An der Kiewer Stadtgrenze, jenseits des jüdischen Friedhofs Lu- kyanowka, windet sich die Babi-Jar-Schlucht zwischen Sanddünen. Ein Zeuge sagte vor der staatlichen Kommission aus, daß die Opfer in dem Augenblick den Genickschuß erhielten, als sie von einem Brett in die Höhle stiegen. Es scheint, daß man sie in kleinen Gruppen mit ihren„Umsiedler“-Bündeln zur Höhle brachte; es muß jedoch viel Geschicklichkeit erfordert haben, 33771 Men- schen zwei Tage lang auf der Straße hocken zu lassen, wenn man dazu noch bedenkt, daß die Schüsse doch fast in Hörweite ab- gegeben werden mußten”.„Die Bevölkerung”, sagt der Bericht, „wußte kaum, daß die Juden liquidiert wurden, aber die jüngsten Erfahrungen deuten darauf hin, daß sie kaum Einwände erhoben hätte.” Die unter deutscher Aufsicht erscheinende ukrainische Zei- tung„Krakiwiski Visti” berichtete:„Die Juden marschierten in kleinen Gruppen nach einem unbekannten Bestimmungsort”, aber es ist zweifelhaft!%, ob irgend jemand durch derartige Berichte hinters Licht geführt wurde. Ein Offizier der Ausland-Abwehr berichtete Admiral Canaris, daß, obwohl Reichskommissar Erich Koch alle Anstrengungen gemacht habe, das Massaker vor den ausländischen Korrespondenten, denen man die Verwüstungen in Kiew zeigte, geheimzuhalten, diese ihm erzählt hätten, sie wüßten darüber genauestens Bescheid. Ende Oktober aber muß jedermann in Kiew die Wahrheit gewußt haben, denn der SD hatte einige der 139 Lastkraftwagenladungen mit Kleidung, die man den Juden abgenommen und für die Volksdeutschen der Ukraine bestimmt hatte, an Arme in der Stadt verteilt!". Im März fuhr Albert Hartel, ein Gestapo-Fachmann für Kirchen- fragen, mit Blobel zu einem Landhaus außerhalb Kiews, das vom Befehlshaber der Sicherheitspolizei, SS-Brigadeführer Thomas*, * Max Thomas, der ehemalige Höhere SS- und Polizeiführer von Nordfrankreich und 263 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG bewohnt war. Bei der Babi-Jar-Schlucht sah Hartel kleine Ex- plosionen, die Erdsäulen aufwarfen. Es war das Tauwetter, das die Gase der Tausende von Leichen freiließ, und Blobel erklärte: „Hier liegen meine Juden begraben!'%.” Aber Blobel war der Sache noch nicht ledig. Zwei Monate später wurde er von Hey- drich, der im Begriffe war, nach Prag— und in seinen Tod— zu gehen, nach Berlin berufen. Nach mehr als fünf Jahren waren die Worte dieses jungen Mannes mit den harten Zügen noch immer unauslöschlich im Gedächtnis des Nürnberger Angeklagten ein- geprägt'!®: „Na, einen Bauch haben Sie sich noch nicht angefressen. Sie sind ein Weichling und gegebenenfalls noch in der Porzellan- manufaktur zu verwenden... wenn ich überhaupt noch Rück- sicht nehme. Ich werde Sie aber mit der Nase noch tiefer hin- einstecken. Sie melden sich sofort bei dem Gruppenführer Müller.” Von diesem Zeitpunkt an hatte Blobel die einzigartige Beschäfti- gung, die Spuren der Massengräber in Polen und Rußland aus- zulöschen. Wir sind ihm in Chelmno im September 1942 begegnet (siehe S. 152 ff.). Im darauffolgenden Juni war er wieder bei der Babi-Jar-Schlucht, wo er durch seine Erfahrungen und Kenntnisse in der Lage war, die Arbeit der Exhumierungsgruppen anzu- leiten. In Nürnberg gab Blobel zu, den Inhalt eines 60 Meter lan- gen und 2) Meter tiefen Massengrabes entfernt zu haben!%*. Offenkundigerweise sind nicht alle Juden, die von Kiews nor- maler jüdischer Bevölkerung von 180000 Seelen in der Stadt ge- blieben waren, Ende September umgebracht worden, denn Ende Oktober wurden 7000 und im Januar 1942 8000 Juden im Gebiet von Kiew getötet. Und selbst dann gab es noch ein Gheito in Kiew. Im Dezember 1942 beschwerte sich Professor Seraphim, der jetzt dem Rüstungsamt zugeteilt war, daß Juden kein Anrecht auf Zuteilungen hätten!%, Bis kurz vor dem 6. November 1943, als die Russen Kiew zurückeroberten, gab es ein jüdisches Arbeits- Belgien, darf nicht mit dem leiter des Rüstungsamtes der Wehrmacht, Georg Thomas, verwechselt werden. Max Thomas scheint Anfang 1944 ums Leben gekommen zu sein. * Am 29. September 1943 rebellierten die jüdischen Sklaven des Kommandos 1005, das in der Nähe von Kiew arbeitete, und einige entkamen und wurden später von der russischen Untersuchungskommission vernommen. Am 6. November gab es noch immer einige Massengräber östlich und südlich der Stadt, die zu zerstören Blobel keine Zeit mehr haite'%, 264 nn B Inger in d Hundert J Ostlich de bevölkert Nr5 in( befahl Jü hafte, die Wochen\ Stadt ver von eine Polizeiko 11000 Gı Zufällige! Dnjeprop love im€ Ungarn i man— Achsenfri Marsch c wie sie It zwei Tac Maschine Stadt 19, Friedhof zum Mä Auf dem Einsatzg jetzt kol Juden w lassen. 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Jäckelns Polizeikompanien und das Sonderkommando waren imstande, 11.000 Greise und Kinder in einer einzigen Aktion zu erledigen. Zufälligerweise waren am 13. Oktober ungarische Truppen in Dnjepropetrowsk, unter ihnen ein jüdischer Kraftfahrer aus Vo- love im ehemals tschechoslowakischen Karpatorußland, das die Ungarn im April 1939 besetzt hatten. Dieser Mann— Majer Neu- man— hat den Krieg überlebt, ein Jude, der als Soldat der Achsentruppen das Abschlachten der Juden mit ansah! Er hat vom Marsch der„umgesiedelten” Dnjepropetrowsker Juden erzählt, wie sie in Achterreihen mit ihren Bündeln auszogen. Es dauerte zwei Tage, und während dieser ganzen Zeit hörte man das Maschinengewehrfeuer von den Panzergräben außerhalb der Stadt 10%, Weitere Massenhinrichtungen fanden auf dem jüdischen Friedhof von Dnjepropetrowsk in unregelmäßigen Abständen bis zum März 1942 statt. Auf dem Marsch von Kriwoi Rog nach Dnjepropetrowsk fand die Einsatzgruppe C eine große, in der Zarenzeit gegründete, aber jetzt kollektivierte jüdische landwirtschaftliche Siedlung. Diese Juden wurden, mit Ausnahme der Funktionäre, am Leben ge- lassen. Der amtliche Bericht erklärte diese Tatsache damit, daß diese Juden unintelligent und daher ungefährlich seien!!°, Ihre Zahl hat sich 1942 vermutlich noch vergrößert, als Juden aus der Warschauer und Lubliner„Umsiedlungsaktion” in das Dorf ge- sandt wurden, um die Ernte einbringen zu helfen; nachher sind sie allerdings verschwunden*. * Drei der jüdischen Kollektivfarmen zwischen Kriwoi Rog und Cherson waren groß genug, einen„National-Bezirk” der Sowjetunion zu bilden— Stalindorf, Kalinindorf und Nowo Zlatopolje. Laut dem von Solomon M. Schwarz gesammelten Beweismaterial wurde die gesamte noch überlebende jüdische Bevölkerung gegen Ende Mai 1942 liquidiert!10a, 265 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG Tschernigow, eine der berühmtesten ostjüdischen Gemeinden, war am 12. September besetzt worden, aber Blobels Kommando traf hier erst am 23. Oktober ein. Hier waren jedoch nur 260 der 10 000 jüdischen Einwohner zurückgeblieben. Es ist bemerkenswert, daß fünf Tage später 43 Juden, die nach Tschernigow zurückgekehrt waren, liquidiert wurden!!!. Offenbar wurde eine Stadt für gefahr- los gehalten, sobald der SD sich einige Wochen in der Gegend nicht sehen ließ. Laut Angaben von dem Bach-Zelewskis kehrten die Juden, alle Warnungen in den Wind schlagend, aus Heimat- liebe wieder in die Orte zurück!!2. In Poltawa zum Beispiel, das am 19. September eingenommen worden war, gab es zuerst nur sehr kleine Aktionen. Aber am 23. November machte Blobels Kom- mando 4a eine Razzia und fand 1538 Opfer. Es muß allerdings hinzugefügt werden, daß Poltawa vor dem Krieg über 35000 jüdische Bewohner hatte 113, Diese Methode einer plötzlichen Rückkehr war in Gebieten, viele Hundert Kilometer hinter der Front, am erfolgreichsten, in denen es keine Gelegenheit zur Massenflucht nach der Invasion gegeben hatte. In Rowno in der ehemals polnischen Ukraine schlug ein neuer Höherer SS- und Polizeiführer, SS-Brigadeführer Korsemann, am 6. November 1941 plötzlich sein Hauptquartier auf,„und die seit langem geplante Judenaktion wurde durchgeführt”. Einsatz- gruppe C stellte den eben eingetroffenen Polizeikompanien ein Reservekommando zur Verfügung, und 15000 Menschen wurden in zwei Tagen umgebracht. Etwa 6000 bis 7000 einsatzfähige Arbeiter erhielten jedoch„Ausweise“ und wurden bis zum 13. Juli 1942 verschont. An diesem Tag fand eine vom Kommandanten des SD, SS-Sturmbannführer Pütz, und vom Landkommissar Georg Marschall geplante Überraschungsaktion statt, die einen Teil der endgültigen Liquidierung der Juden dieser dichtbevölkerten Pro- vinz darstellte. Hermann Gräbe, Werksingenieur der Firma Jung A.G. und Autor der unvergeßlichen Schilderung der Geschehnisse auf dem Flughafen von Dubno, war auch bei dieser Aktion an- wesend. Besonders bemerkenswerte Einzelheiten seiner Darstel- lung betreffen die Einschaltung von Bogenlampen im Ghetto vor der Aktion und die Leuchtraketen, die das offene Gebiet jenseits des Bahnhofs beleuchteten, als die Juden einwaggoniert wurden, um zur Hinrichtungsstätte in Kostopol gebracht zu werden 114 (siehe$. 231 f.). 266 neunteS K/ pie östlic Gemeind besetzten geblieben nit der Sc zwischen hütten be meter auf ein verhä same Aus baltischen men wert gleichen Lager Ser und nach Traktoren waren die des Tage: ein große es verbot auf der$ bericht ve bereitung Nun folg roltung die inein sich bis y bis 300 verseuch hungert Waren 15, nn Molotows R ENDLOSUNg einden, War NMando traf PO der 10000 NSwert, daß rückgekehrt Hür gefahr. Der Gegend skis kehrten aus Heimat- ppiel, das am eTSt nur sehr lobels Kom- ß allerdings über 35.000 bieten, viele en, in denen ion gegeben 2 schlug ein Korsemann, uf,„und die rt”, Einsatz- mpanien ein hen wurden insatzfähige zum 13. Juli nmandanten issar Georg nen Teil der Ikerten Pro- - Firma Jung ;eschehnisse - Aktion an- ner Darstel- Ghetto vor biet jenseits iert wurden, ‚ werden" | | | NEUNTES KAPITEL 3. DIE UKRAINE Die östlichste ukrainische Stadt mit einer wirklich großen jüdischen Gemeinde war Charkow, das die Deutschen am 24. Oktober 1941 besetzten, aber anscheinend waren nur 20000 Juden zurück- geblieben*. Der Stadtkommandant beeilte sich nicht besonders mit der Schaffung eines Ghettos; schließlich befahl er den Juden, zwischen dem 14. und 16. Dezember in eine Anzahl von Arbeiter- hütten bei der verfallenen Traktorenfabrik Nr. 10, einige Kilo- meter außerhalb der Stadt, zu ziehen. Dieser Umzug der Juden in ein verhältnismäßig entlegenes Lager als Vorspiel für ihre lang- same Ausrottung war eine Verfeinerung der kurz vorher in den baltischen Staaten angewendeten Methode, und es muß angenom- men werden, daß Heydrich selbst die Eingebung hatte, da zur gleichen Zeit die Überlebenden des Belgrader Ghettos in die Lager Semlin und Tasmaidan geschickt wurden, wo sie dann nach und nach in Gaswagen umgebracht wurden(siehe S. 410). Die Traktorenfabrik Nr. 10 war jedoch kein Gefängnis, denn anfangs waren die Juden nicht dort eingesperrt, sondern durften während des Tages in den Straßen der Stadt betteln. Sie waren barfuß, und ein großer Teil ihrer Kleidung war ihnen geraubt worden, und da es verboten war, sie in Häuser zu lassen, erfroren viele von ihnen auf der Suche nach Nahrungsmitteln. Aus einem Einsatzgruppen- bericht vom 4. Februar 1942 geht hervor, daß schon damals Vor- bereitungen getroffen wurden, sie zu erschießen. Nun folgte die langsame und unbeschreiblich grauenhafte Aus- rottung dieser einst blühenden Gemeinde. Die Erschießungen, die in einer Schlucht unweit der Traktorenfabrik stattfanden, zogen sich bis weit in den März hinein und wurden in Gruppen von 200 bis 300 Opfern ausgeführt. Schließlich wurden im April 1942 die verseuchten Hütten, die voll waren mit den Leichen derer, die ver- hungert oder erfroren waren, niedergebrannt 116**, * Wie groß die jüdische Bevölkerung von Charkow war, läßt sich nur schätzen. Bei der letzten Volkszählung, in der die Juden gesondert gezählt wurden, waren ihrer 81 139; das war jedoch 1926, und die gesamte Einwohnerzahl von Charkow betrug damals 407 000. Laut„Whitaker's Almanak” war diese 1939 auf 833 400 angewachsen. Es ist zweifelhaft, ob dieser ungeheure Zuwachs der industriellen Bevölkerung einen ebenso großen Anteil Juden enthielt, denn eine bemerkenswerte Analyse der Ziffern von 1926 zeigte, daß 17.000 der 40000 Juden im arbeitsfähigen Alter Büroangestellte und 15 v. H. arbeitslos waren')5, ** Es muß aber doch eine Anzahl von Juden in Charkow übriggeblieben sein, denn Molotows Note an die Alliierten vom 16. April 1942 schätzte die Anzahl der Toten in der 267 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG Für die Zeit nach dem Februar 1942 haben wir keine Einsatz- gruppenberichte zur Verfügung. Wir sind daher viel mehr auf Mutmaßungen angewiesen, soweit es sich um das endgültige Schicksal der Reste der ukrainischen Juden handelt. Ein Zeuge im Charkower Prozeß, ein russischer Kraftfahrer des SD, sah wäh- rend der deutschen Offensive im Juni 1942 Massaker in Woro- nesch und Kursk!18, Ein deutscher Feldgendarmerie-Kommandeur schrieb ungefähr zur gleichen Zeit aus Kamenetz-Podolsk über die dortige jüdische Gemeinde, die einst 24000 Seelen stark war: „Hier schlafen wir nicht. Es gibt drei oder vier Aktionen wöchent- lich.“ Dies war allerdings in der westlichen Ukraine, wo es ge- ringere Fluchtmöglichkeiten gab. Das Schicksal der Überlebenden in der großen Stadt Rostow in der Nähe der Mündung des Don während der zwei kurzlebigen deutschen Besetzungen ist völlig unbekannt. Ein Bericht spricht von der Abschlachtung von 18 000 Juden* 120, Eines der letzten Massaker in der östlichen Ukraine scheint sich am 22. November 1942 abgespielt zu haben, als die Russen schon die Don-Front durchbrochen hatten. Es handelte sich um das zweite und letzte Massaker der jüdischen Gemeinde von Arte- mowsk am Donez'!2!. Einen Monat später unterrichtete Professor Seraphim(siehe S. 264) General Thomas vom Rüstungsamt der Wehrmacht, daß es noch immer Juden in den Großstädten der Ukraine gebe, daß sie aber keine amtlichen Zuteilungen erhiel- ten 122, Professor Seraphim schätzte die Zahl der Juden im Gebiet des Zivilkommissariats der Ukraine auf 150 000 bis 200 000. Es gibt noch einen Bericht vom 19. März 1943, das berüchtigte Kommando 4a(jetzt Sondergruppe genannt) betreffend, das Traktorenfabrik auf 14 000. Im Charkower Prozeß vom Dezember 1943— nachdem die Stadt viermal ihren Besitzer gewechselt hatte— gab es jüdische Zeugen. Einer der deutschen Zeugen, SS-Obersturmbannführer Georg Heinisch, Zivilkommissar für das Ge- biet von Melitopol, sagte aus, daß im Juni 3000 Juden in Charkow erschossen worden seien, weil sie die Russen während der kurzen Wiederbesetzung Charkows im April freudig begrüßt hatten 117, * Im Jahre 1926 hatte Rostow 26356 jüdische Einwohner. Professor Seraphims Schätzung für 1938 war 40000, aber das dürfte etwas zu hoch sein. Unter allen Umständen scheinen 18 000 Zurückgebliebene eine viel zu große Zahl zu sein, wenn man bedenkt, daß sie viele Monate hatten, um ihre Flucht vorzubereiten. Die einzigen Angaben über ein Massaker, die ich entdecken konnte, sind in der Aussage eines gefangenen deutschen Nachrichten-Unteroffiziers enthalten. Er sagte aus, daß er gesehen habe, wie eine bett- lägerige Greisin während einer„Großaktion“ im August 1942, nach der deutschen Wiederbesetzung, aus dem Haus geholt wurde, in dem er untergebracht war 119, 268 neunTes KP früher im enannt\ auftaucht Sturmbanı lich” wür von Kolle von Verg 4,Die Kü Der rumd im Fünfz: aber bes yerübten, waren ni schem G: Gemeind Wien, Le 5, Augusl Ärmee e kreist wa von Mosl Presse gen ist völlig ng von 18.000 € scheint sich Russen schon sich um das de von Arte- tete Professor tungsamt der oßstädten der lungen erhiel- Jen im Gebiet 200.000. 5 berüchtigte treffend, das 13— nachdem die Zeugen. Einer der missar für das Ge- arschossen worden harkows im April -aphims Schätzung mständen scheinen bedenkt, daß sie ingaben über ein ngenen deutschen be, wie eine bett- ch der deutschen acht war!®, 4. Die Küste des Schwarzen Meeres, die Krim und der Kaukasus NEUNTES KAPITEL 4. DIE KUSTE DES SCHWARZEN MEERES früher im Zusammenhang mit Blobel und dem Gemetzel von Kiew genannt wurde, aber jetzt beim Rückzug von Stalingrad wieder auftauchte. Die Umstände hatten sich so sehr geändert, daß SS- Sturmbannführer Christensen seine Männer anwies,„grundsätz- lich“ würden„keine Kinder mehr erschossen”, aber Funktionäre von Kollektivfarmen und Juden wurden noch immer als Objekt von Vergeltungsmaßnahmen ergriffen!2, Der rumänische Anteil an der„Endlösung“ ist bedeutend; er wird im Fünfzehnten Kapitel eingehend beschrieben. Vielleicht ist es aber besser, sich an dieser Stelle mit einem von den Rumänen verübten, unglaublichen Gemetzel zu beschäftigen. Die Opfer waren nicht rumänische Bürger, sondern russische Juden auf russi- schem Gebiet. Es handelt sich um die große Stadt Odessa, deren Gemeinde von 175000 Juden so bedeutend wie die von Berlin, Wien, Lodz oder Kiew war. Die Stadt wurde zwar schon am 5. August 1941 Kampfgebiet, wurde jedoch von der rumänischen Armee erst am 16. Oktober genommen. Bevor die Stadt einge- kreist war, wurde die arbeitsfähige Bevölkerung auf Anweisung von Moskau evakuiert, und es ist wahrscheinlich, daß zwei Drittel der Juden mit der Eisenbahn nach Ostrußland gebracht wur- den 124, Am 22. Oktober zerstörte eine Landmine mit Zeitzündung das ehemalige Gebäude des NKWD, das nun als Hauptquartier der Zehnten rumänischen Division und Amtsgebäude des Stadtkom- mandanten gedient hatte. Einige deutsche Offiziere, darunter der Hafenkommandant, waren unter den 220 Toten!25. Marschall Antonescu hat nun einfach nachgeahmt, was deutscherseits drei Wochen früher in Kiew getan worden war. Er gab den Befehl, daß für jeden toten Soldaten 100 und für jeden toten Offizier 200 Juden umgebracht werden sollten. DasErgebnis war, daß zwischen dem 23. und 25. Oktober 26000 Odessaer Juden abgeschlachtet wurden. Am Tag nach dem Massaker veröffentlichte die deutsche Presse Berichte, denen zufolge der Widerstand der„Banden” gegen die Rumänen noch immer anhalte und von der großen Synagoge aus gelenkt werde. Das deutet darauf hin, daß diese Angelegenheit eigentlich von deutscher Seite organisiert wurde; ein Einsatzgruppenbericht vom 9. Oktober sagt denn auch, daß 19 269 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG zwei von Öhlendorfs Kommandos bereitstanden, um in die Stadt einzuziehen!?*, Dies wurde durch die Eifersucht der Rumänen verhindert, aber die Vorbereitung der Hinrichtungsstätte in der Nähe eines leerstehenden Barackenlagers, das nach der Tat niedergebrannt werden konnte— die später in Charkow ange- wandte Methode—, verdankt ihre Eingebung sicher dem SD 177*, Es wurde nicht versucht, die übrigen Juden Odessas auszurotten, die üblichen Vorbereitungen für die Gründung eines Ghettos und eines Arbeitslagers wurden jedoch getroffen. Es scheint aber, daß man die Juden zusammen mit den aus Rumänien deportierten auf die Städte jenseits des Dnjestr aufgeteilt hat. Die Rückkehr wurde ihnen zwar verboten, aber eine Anzahl wurde im Mai 1942 vor- sätzlich nach Odessa zurückgeschafft(s. S. 456), und am 10. April 1944 begegnete die Rote Armee zum erstenmal auf ihrem großen Vormarsch, der sechzehn Monate vorher bei Stalingrad begon- nen halte, Juden, Die Tatsache, daß Ohlendorfs zwei Kommandos nicht an der Lösung der jüdischen Frage in Odessa teilnehmen konnten, trug wesentlich zu den zwischen Deutschland und Rumänien bestehen- den bedeutenden politischen Schwierigkeiten bei. Nachdem Ohlendorf erfolgreich gegen den Versuch der Rumänen, die deutschen Verbindungslinien durch die Deportierung von Juden durcheinanderzubringen, eingegriffen hatte, mußte er nach einer Besprechung der beiden Stäbe am 30. August sein Interesse an der Zone zwischen Dnjepr und Bug aufgeben. Er übergab das Gebiet der rumänischen Zivilverwaltung. Ohlendorf war gezwun- gen, sein Hauptquartier in Ananiew zu räumen, lange bevor die Liquidierung der Juden jenseits des Dnjestrs und in Podolien abgeschlossen war; er beklagte sich über Mangel an Zusammen- arbeit von seiten der ungarischen Truppen und der deutschen Siedler,„die die Juden für ganz unschuldige Menschen halten” und in einigen Siedlungen Juden zu politischen Führern gemacht hatten 1°, Nach der Vereinbarung vom 30. August benützten die Rumänen Transnistrien als ein Reservat für ihre eigenen Juden aus Bes- * Das sowjetische Gericht in Odessa erklärte im Mai 1945, daß Marschall Antonescu direkt verantwortlich sei, aber der Armeekommandant Trestorianu und der Stadtkom- mandant Dragalina lougneten, Antonescus Befehl an General Gazun und General Ma- ziel, die das Gemetzel ausgeführt hatten, weitergegeben zu haben. Da alle vier auf- gehängt wurden, ist die Frage nur mehr von theoretischem Interosso'2, 270 war— il blieben Is teil der\ wurde, VO nachdem Seine erst Iebenden gesiedelt” halte sich gert,\ landwirlsc verbot Hit welleren/ Nach ein Ohlendort der Krim,\ sand er s llonen seit Krimschak auf der auidierun Die Haup den zu se so wohlo Simferopd A A für Komm das jüclisd pol amtli denn am einige Ta Die Yanz Agegeh Iebten\% 9” ihrem großen grad begon- nicht an der konnten, trug ien bestehen- ei. Nachdem umänen, die ng von Juden er nach einer Interesse an übergab das war gezwun-| ıge bevor die| | in Podolien in Zusammen- Jer deutschen schen halten“ ırern gemacht die Rumänen den aus Bes- ‚rschall Antonescu ind der Stadtkom- und General Ma- Da alle vier auf- n | | | NEUNTES KAPITEL 4. DIE KÜSTE DES SCHWARZEN MEERES sarabien und der Bukowina. Auf diese Weise blieb Transni- strien bis zur Rückeroberung durch die Russen ein Teil der russi- schen Steppe, wo Juden— obwohl die Sterblichkeit sehr hoch war— leben konnten und wo tatsächlich über 50 000 am Leben blieben(siehe$. 456). Dies war die Ursache dafür, daß der Haupt- teil der Verbrechen, für die Ohlendorf in Nürnberg verurteilt wurde, von ihm und seiner Einsatzgruppe D erst begangen wurde, nachdem er sein Hauptquartier nach Nikolajew verlegt hatte. Seine erste Großaktion fand im September statt, als die über- lebenden jüdischen Einwohner von Nikolajew und Cherson„um- gesiedelt“ wurden. Die Einwohnerzahl dieser beiden Gemeinden hatte sich offensichtlich durch Flucht von 30.000 auf 5000 verrin- gert!2°. Während dieser Aktion ließ Ohlendorf die jüdischen landwirtschaftlichen Siedlungen in Ruhe, aber am 4. Oktober verbot Himmler während eines Essens in Ohlendorfs Messe alle weiteren Ausnahmen"3!(siehe$. 265, Fußnote). Nach einer Aktion gegen 2000 Juden in Melitopol 32 verlegte Ohlendorf sein Quartier Anfang November nach Simferopol auf der Krim, wo Mansteins Elfte Armee ihr Hauptquartier hatte. Hier stand er seiner größten Aufgabe gegenüber, denn laut Informa- tionen seiner Nachrichtenabteilung hatten 65 000 Juden und 8000 Krimschaken(eingeborene krimaische Juden) zu Kriegsbeginn auf der Krim gelebt'!%. Eine unbekannte Anzahl davon war zurückgeblieben, darunter 10000 im Ghetto von Simferopol. Ohlendorf behauptete, Manstein habe ihm aufgetragen, die Li- quidierung des Simferopoler Ghettos bis Weihnachten zu beenden. Die Hauptaktion scheint in Wahrheit früher zu Ende geführt wor- den zu sein. Am 15. Dezember— an dem Tag, als Heinz Schubert so wohlorganisierte Vorbereitungen für den Empfang von 700 Simferopoler Juden machte— erreichte die Zahl der Toten 9600 1%, Aus diesem Anlaß gab Ohlendorf ein Weihnachtsessen für Kommando 11 b und hielt eine Rede 35. Am 30. Dezember, als das jüdische Arbeitslager in Jankoi liquidiert war, wurde Simfero- pol amtlich als„judenfrei” erklärt 3. Dies war allerdings verfrüht, denn am 17. Februar wurden 300 und im Laufe des März noch einige Tausend Juden in Simferopol umgebracht'7, Die ganze Krim wurde am 16. April für„judenfrei” erklärt, wobei zugegeben wurde, daß noch einige Hundert Juden in Verstecken lebten 3%, Einer von Mansteins Zeugen sprach in Hamburg 1949 19* 271 ee DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜUHRUNG DER ENDLOSUNG von einem offenen und unbehelligten jüdischen Markt, der noch im Winter 1942 in Simferopol bestanden haben soll!3°. Am 15. Juli 1942 berichtete ein Etappenkommandeur, daß 1099 Juden an der Küste bei Baktschiserai ertrunken seien, obwohl am 13. Dezember von der gleichen Gegend gemeldet worden war, daß der SD alle Juden„umgesiedelt” habe!“, Irrtümer dieser Art waren im Innern Rußlands sehr häufig. Die Sekten der Krimschaken und Karaimen auf der Krim waren für den SD ein interessantes Problem. Ohlendorf entschied am 5. De- zember 1941, daß sie zu schonen seien, aber Heydrich beschloß, daß die Krimschaken, die„rassenmäßig Juden” seien, getötet werden sollten, während die Karaimen, die nur der Religion nach Juden seien, zu verschonen wären!*!. Für Heydrich war es von gleicher Wichtigkeit, Tataren vor„Verseuchung” durch jüdisches Blut zu bewahren, wie im Falle von„Ariern“. Außerdem entdeckte die Gestapo, daß„die Einbeziehung der Krimschaken und der Zigeuner in das Schicksal der Juden bei der Bevölkerung kein besonderes Aufsehen erregte” 12, Im Juni 1942 kehrte Ohlendorf nach Deutschland zurück; von die- sem Zeitpunkt an wird die Einsatzgruppe D kaum noch in den Be- richten erwähnt. In Nürnberg legte der sowjetische Ankläger einen vom Kommando 12 in Kislowodsk im Nordkaukasus— 3000 Kilometer von Deutschland entfernt— angeschlagenen Umsied- lungsbefehl vor. Die Juden hatten sich am 9. September 1942 zwecks„Umsiedlung” an einem bestimmten Platz einzufinden, und es scheint, daß 2000 Juden aus Kisiowodsk und einige Tausend aus Essentuki mit der Eisenbahn nach dem unweiten Mineralnye Wody gebracht und dort erschossen wurden'#. Da die deutsche Besetzung jetzt Asien erreicht hatte, sprach man nicht mehr da- von, daß die Opfer nach dem Osten gesandt würden. Den kauka- sischen Juden wurde gesagt, daß man sie in die„unentwickelten Gebiete der Ukraine” schicken würde*. Im Mai 1942 wird die Einsatzgruppe D in einem Bericht über Gas- wagen erwähnt, den ein beim RSHA angesiellter Techniker ein- sandte#5. Die Wagen wurde von Simferopol nach Taganrog, * Das Massengrab in Mineralnye Wody wurde im Beisein des Journalisten Alexej Tol- stoi geöffnet. Am 5. August 1943 veröffentlichte er in der„Prawda“ seinen Bericht, dem zufolge 6000 Leichen gefunden wurden. Unter ihnen wurden bekannte Leningrader Intellektuelle, die aus Sicherheitsgründen in den Nordkaukasus evakuiert worden waren, identifiziert. Hier, in diesem von den Deutschen nach Stalingrad eilig geräumten Ge- 272 NEUNTES M Stalin, N Becker be auch bei 65. 155). waren de Liquidiert russische sächliche der Insas: senhäuse xenhinrich der Ghet 1943, alsc Menscher waren et ‚Endlösur Invier ku Müller ur Untaten( so kurzei Polen un« für die u brechen' licht, der ner, die wollten sie für e gendes daß ihre die sie n biet, entde: Journalist, dleser Leni über die wI schweigen DER ENDIOSU NG ur, der noch I Am 18. ul f Juden an der Dezember oß der$p alle ren im Innern rim Waren für hied am 5, De- Rich beschloß, seien, getötet Religion nach h war es yon Rurch jüdisches dem entdeckte aken und der ölkerung kein rück; von die- och in den Be- sche Ankläger ukasus— 3000 jenen Umsied- »ptember 1942 z einzufinden, sinige Tausend an Mineralnye a die deutsche nicht mehr da- :n, Den kauka- unentwickelten icht über Gas- Techniker ein- ch Taganrog, nalisten Alexej Tol- ‚einen Bericht, dem cannte Leningrader iert worden waren, lig geräumten Ge NEUNTES KAPITEL 4. DIE KÜSTE DES SCHWARZEN MEERES Stalino, Maoriupol und Gorlowka gesandt. SS-Untersturmführer Becker berichtete, daß die Wagen nicht nur fehlerhaft, sondern auch bei den Mitgliedern des Kommandos sehr unbeliebt seien (s. S. 155). Ohlendorf bestätigte dies in Nürnberg'%. Die Wagen waren den Einsatzgruppen im Frühjahr 1942 hauptsächlich für die Liquidierung von Frauen und Kindern zugeteilt worden. Sowohl russische wie deutsche Berichte deuten darauf hin, daß ihre haupt- sächliche Verwendung in der täglichen Verminderung der Zahl der Insassen von Krankenhäusern, Nervenheilanstalten und Wai- senhäusern bestand. Es gab nie genügend dieser Wagen für Mas- senhinrichtungen; sie wurden zwar zur endgültigen Liquidierung der Ghettos von Minsk und Smolensk verwendet, aber das war 1943, also zu einer Zeit, als die Zahl der in Betracht kommenden Menschen schon sehr gering war(siehe Seite 325). Die Gaswagen waren etwas besonders Grauenhaftes, aber ihre Rolle bei der „Endlösung“ in Rußland ist überschätzt worden. In vier kurzen Monaten des Jahres 1941 haben Himmler, Heydrich, Müller und die„Fachleute“ der Gestapo eine der fürchterlichsten Untaten der Geschichte begangen. Die Zahl von 350 000 in einer so kurzen Zeit ermordeten Juden wurde zwar im Sommer 1942 in Polen und 1944 in Auschwitz noch übertroffen; das gilt aber nicht für die unbeschreibliche Brutalität der Durchführung. Diese Ver- brechen wurden durch die Eroberungen der Wehrmacht ermög- licht, deren Kommandeure— viele von ihnen heute freie Män- ner, die ungeduldig auf Beschäftigung in einer neuen Armee war- ten— sie tatenlos mit ansahen. Ihre Haltung war— wie immer— die einer militärischen Kaste mit einer strengen Berufsetikette. Sie wollten an sich nichts mit diesen Scheußlichkeiten zu tun haben, die sie für etwas außerhalb des Bereiches ihrer Offizierspflichten Lie- gendes hielten, für das ihnen die Zeit fehlte, aber sie ließen es zu, daß ihre Untergebenen Befehle von Menschen entgegennahmen, die sie nicht als den Soldaten ebenbürtig ansahen. biet, entdeckten die Russen das erste jüdische Massengrab!#. Erich Kern, ein Wiener Journalist, der in der SS-Division„Das Reich” diente, begegnete im Winter 1942 einigen dieser Leningrader Intellektuellen. Er muß das Schicksal der Juden gekannt haben, aber die wenigen SS-Leute, die Erinnerungen veröffentlicht haben, wissen, worüber sie schweigen sollen. 273 Zehntes Kapitel Aktion Reinhard: Die Ausrottung der Juden in Polen im Jahre 1942 1. Die Aktion beginnt— Chelmno Es ist nicht klar, wann der Beschluß zur Ausrottung der Juden in Polen gefaßt wurde. In Ostgalizien wurde der Massenmord im Juli 1941, kurz nach Eröffnung des russischen Feldzuges, eingestellt und setzte erst im März 1942 wieder ein. Es ist jedoch unwahr- scheinlich, daß Hitler sich in der Zwischenzeit entschlossen hätte, den polnischen Juden das Schicksal ihrer Rassegenossen in Ruß- land zu ersparen, denn die polnischen Untersuchungsausschüsse sind zu dem Schluß gekommen, daß man mit der Arbeit in den Todeslagern Chelmno und Belzec bereits im Oktober 1941 begonnen hat. Die Aufgabe, der sich die Mörder Anfang 1942 gegenübersahen, war gigantisch. Die jüdische Bevölkerung, die im ungeteilten Po- len im Jahre 1931 2732600 betragen hatte, zählte bei Kriegs- ausbruch nicht weniger als 3200000 Köpfe. Bis Januar 1942 hatte sich diese Bevölkerung durch Massenflucht nach dem Osten, das Gemetzel der„Einsatzgruppen” in Polnisch-Weißrußland und eine erschütternd hohe Sterblichkeit wahrscheinlich auf 2 Millio- nen verringert, von denen noch 1600000 im Generalgouverne- ment* lebten, während man erwartet hatte, daß sie dort Hungers sterben würden. Die Verschiebung des Massenmordes im Generalgouvernement von Juli 1941 bis März 1942 ergab sich in erster Linie aus Meinungs- * Dr. Korherr schätzte Ende 1942, daß sich die jüdische Bevölkerung im Generalgouver- nement durch freiwillige Auswanderung und erhöhte Sterblichkeit um 427 920 verringert habe, und zwar ohne die„Umsiediungs-Aktionen“. Diese Zahl stimmt überein mit einem Absinken der Bevölkerungszahl um 900 000 für das gesamte Vorkriegspolen, wo- von 250 000 sehr wohl auf eine erhöhte Sterblichkeit und der Rest auf Emigration oder Deportierung in den Osten der Sowjetunion zurückgeführt werden können!.(Siehe Seite 57 und Anhang|.) 274 zennBs N verschie Himmler: den, von deutsche wähnt 0 nik, dem schlagen Generale wendig" sen Land Bach-Zel wirkunge führung fisanen| möglich, erreicher Die Karrı tenMass sollte ma wurde 1° kleinen E krieg wo Jahre in wickelt; zur öste Söhne d fen eine wegen s liers in erschien österrei lichkeit, } der Juden in assenmord im bes, eingestellt doch unwahr- hlossen hätte, ossen in Ruß- ngsausschüsse dler Arbeit in Oktober 1941 genübersahen, ıngeteilten Po- te bei Kriegs- var 1942 hatte am Osten, das ßrußland und auf 2 Millio- eralgouverne- dort Hungers gouvernement aus Meinungs- im Generolgouver- \ 497 920 verringert ‚immt überein mit forkriegspolen, WO" ‚f Emigration oder ‚n können!.(Siehe ZEHNTES KAPITEL 1. DIE AKTION BEGINNT» CHELMNO verschiedenheiten zwischen Frank und Himmler. Frank war mit Himmlers Plan zur deutschen Kolonisation Polens nicht einverstan- den, von dem die jüdische Umsiedlung ja nur ein Teil war. Der deutsche ethnische„Korridor”, am 21. Juli 1941 zum erstenmal er- wähnt(siehe S. 51 u. 177), ist Himmler wahrscheinlich von Globoc- nik, dem Höheren SS- und Polizeiführer für Lublin-Land, vorge- schlagen worden, der„die allmähliche Säuberung des gesamten Generalgouvernements von Juden und auch Polen... für not- wendig“ hielt, aber wegen des Widerstandes von Frank und des- sen Landkommissaren nichts tun konnte 2. Nach Angabe von dem Bach-Zelewskis war es ihm nur auf Grund der unheilvollen Aus- wirkungen von Globocniks Drängen auf eine weitere Durch- führung dieses Planes— zu einer Zeit, in der russische Par- tisanen bereits im Generalgouvernement aufgetaucht waren!— möglich, die Abberufung Globocniks im September 1943 zu erreichen 3. Die Karriere des Mannes, dem Hitler die Durchführung des gesam- ten Massenmordplanes im Generalgouvernement anvertraut hatte, sollte man bis in ihre Anfänge zurückverfolgen. Odilo Globocnik wurde 1904 als Sohn einer österreichisch-kroatischen Familie von kleinen Beamten in Triest geboren. Zur Teilnahme am ersten Welt- krieg war er zu jung, war dann aber im Anfang der zwanziger Jahre in die österreichische Freikorpsbewegung in Kärnten ver- wickelt; von dort aus trieb es diesen halbgebildeten Maurerpolier zur österreichischen Nationalsozialistischen Partei, die auf die Söhne der ihrer Ämter und Würden beraubten kaiserlichen Beam- ten eine sehr starke Anziehung ausübte. 1933 wurde Globocnik wegen seiner Beteiligung an der Ermordung eines jüdischen Juwe- liers in Wien zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, aber im Juli 1936 erschien er dennoch als die für die Führung einer Abordnung der österreichischen Nationalsozialisten nach Berlin geeignete Persön- lichkeit. Damals wies Hitler diese Abordnung an, das Versprechen der politischen Nichteinmischung zu halten, das er dem Kanzler Dollfuß gegeben hatte. Von dieser Zeit an war Globocnik eines der Häupter der Anschlußverschwörung. Im März 1938 sandte er das Schwindeltelegramm aus Schuschniggs Büro, in dem die Bitte um den Einmarsch deutschen Militärs nach Österreich zur Verhin- derung von Blutvergießen ausgesprochen wurde. Globocnik flog auch nach Berlin, um Hitler eine Abschrift des Ultimatums zu brin- 275 ge DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG gen, das die Nationalsozialisten Schuschnigg stellten$*. Dienste dieser Art erforderten eine hohe Belohnung, und Globocnik, der Maurerpolier, wurde der zweite Gauleiter von Wien, verlor im Januar 1939 jedoch seinen Posten und seine Ehrenämter in der Par- fei wegen verbotener Devisenspekulationen. Immerhin war Glo- bocnik zu nützlich, als daß man ihn ganz hätte fallen lassen kön- nen, und nach einer kurzen Strafzeit in der Waffen-SS verzieh Himmler seinem alten Freund„Globus“ und machte ihn im No- vember 1939 zum Höheren SS- und Polizeiführer von Lublin- Land”. Globocnik war auf den ersten Blick eine gute Erscheinung, Augen und Mund waren jedoch unaufrichtig und brutal. Während seiner Amtszeit als Polizeikommandeur führte er ein Leben beständiger Trunkenheit und zügelloser Genußsucht. Er schrieb ein so verwor- renes und grammatikalisch falsches Deutsch, daß es manchmal un- verständlich war, und nach Aussage seines Mitverschwörers Fried- rich Rainer konnte er den österreichischen Dialekt so breit spre- chen, daß er diese Mundart am Telefon als Geheimsprache zu benutzen in der Lage war®. Sein Talent zum Verschwörertum war Globocniks einziges tatsächliches Verdienst.„Einsatz Reinhard” konnte von anständigen Menschen nicht durchgeführt werden. Dazu waren tatkräftige Verbrecher und Geheimagenten erforder- lich, und in Globocnik fand Himmler beides. Wie viele ungebildete Menschen, die ihr ganzes Leben lang einen einzigen Gedanken verfolgen, war dieser deutsche Rassenfanatiker— der wahrschein- lich ebensoviel slawisches wie deutsches Blut hatte— partiell un- zurechnungsfähig, obgleich dies seinen Mitarbeitern nicht immer klar wurde. Der bescheidene Beamte, der über Globocniks fehl- geschlagenen Plan zur Deportation sowohl von Polen wie Juden berichtete, fand ihn„sehr weitgehend, aber ausgezeichnet in seiner Tendenz”. Himmler scheint im Juli 1941 zum erstenmal die Entfernung der Juden aus Globocniks„Lublin-Land-Reservat” er- wogen zu haben. Der erste Schritt hierzu sollte die Schaffung eines * Zu den Teilnehmern der Anschlußverschwörung im März 1938, die ausnahmslos hohe Stellungen bekamen, gehörten einige der bemerkenswertesten Kriegsverbrecher des Hitler-Reiches. Außer Globocnik und Kaltenbrunner, dem würdigen Nachfolger von Heydrich, ist noch Josef Bürckel zu nennen, der die Deportierungen aus dem Elsaß und Saargebiet durchführte, sowie Gouverneur Wächter(Krakau), Seyss-Inquart, Reichs- kommissar für die Niederlande, und Friedrich Rainer, Gauleiter von Kärnten und Dalmatien. 276 zanıes riesigen- eines 9® ublin be ten?. Tot: hen, um porfierun des Lubli Am 17. C dem Reic Ghetto| daran VC gewiese! nem Kat diert sie „Die kön neh und spre muf wie ein! Ihn Aus die Vernich ren, da würden selbst,(Pi Erweiteru elliensx n. ii« Dienste | Globocnik, der [IN Verlor im @mter in der Bar. erhin war Glo- j) len lassen kön- offen-SS verzieh te ihn im No- "er von Lublin- heinung, Augen Während seiner en beständiger b ein so verwor. 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Oktober, eine Woche bevor mit den Deportierungen aus dem Reich begonnen wurde, erklärte Frank, daß das bisher offene Ghetto jetzt eingefriedet, die Verbindungsstraße zur Ostfront daran vorbeigeführt und 1100 Juden sofort bis hinter den Bug aus- gewiesen werden sollten'°. Am 16. Dezember hielt Frank vor sei- nem Kabinett die berüchtigte Rede, die die Worte enthielt:„Liqui- diert sie selber”"(siehe S. 109): „Diese 3,5 Millionen Juden können wir nicht erschießen, wir können sie nicht vergiften, werden aber doch Eingriffe vor- nehmen können, die irgendwie zu deren Vernichtung führen, und zwar im Zusammenhang mit den vom Reich her zu be- sprechenden großen Maßnahmen. Das Generalgouvernement muß genau so judenfrei werden, wie es das Reich ist. Wo und wie das geschieht, ist eine Sache der Instanzen, die wir hier einsetzen und einsetzen müssen und deren Wirksamkeit ich Ihnen rechtzeitig bekanntgeben werde.” Aus diesen Worten geht hervor, daß Frank annahm, er werde die Vernichtung des polnischen Judentums selbst leiten. Außerdem hatte sein Staatssekretär Josef Bühler soeben von Heydrich erfah- ren, daß keine Juden mehr im Generalgouvernement abgeladen würden. So kam es, daß Heydrichs doppelter Betrug— der ein- mal die Deportierungen aus dem Reich wieder aufnahm und zum * Die Pläne scheinen verschiedentlich geändert worden zu sein. In Himmlers Vorschlä- gen vom 21. Juli 1941 handelt es sich um ein vollständig neues Lager, zusätzlich zu der Erweiterung von Globocniks Arbeitslagern in Lipowo, im alten Flughafen und in Lublin selbst.(Prozeß IV, NO-3031.) Tatsächlich wurde das„KL Lublin“ oder„Majdanek” durch Erweiterung eines Kriegsgefangenenlagers für Polen und Russen neu geschaffen, das noch aus dem Jahr 1939 stammte. Das Lager befand sich in dem Vorort Majdan Ta- tarski, und die geheime Umstellung in der Verwaltung wurde vorgenommen, um den Einwendungen von Franks Zivilkommissar, Gouverneur Zörner, zu begegnen.(IMT XII, $. 80, Zeugenaussage Bühler.) Im Lager Lipowo befanden sich etwa 2000 polnisch-jü- dische Soldaten als Gefangene, die Anfang 1941 von Deutschland hierher verlegt wor- den waren. Gegen Ende des Jahres wurden diese Leute dazu verwendet, jüdische Arbeits- kräfte zur Bauarbeit zu pressen. Es scheint, daß die gleiche Gruppe auch die ersten jüdischen Kommandos für die späteren Todeslager zusammenstellte.(Siehe Seite 158.) 277 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG anderen Globocnik den Auftrag erteilte, die Vernichtungsaktionen im Generalgouvernement zu leiten— Franks Widerstand wach- rief. Wir wissen, daß seine„Hauptabteilung Innere Verwaltung” den Befehl zur Abfahrt von zwei Zügen mit Hamburger Juden auf- hob, die am 7. Oktober in Hrubieszow in der Provinz Lublin an- kommen sollten!?. Daraufhin verließen die Züge Hamburg erst am 26. und fuhren nicht weiter als bis Lodz, das dem Reich ange- gliedert war und außerhalb von Franks Machtbereich lag. Heydrich und Eichmann paßten sich ohne Schwierigkeiten der ver- änderten Lage an, die ebensosehr auf Grund von Franks Grau- samkeit wie auf Grund des Widerstandes seitens des Transport- kommandos der Wehrmacht entstanden war. Sie brauchten ledig- lich die Vergasungswagen, die für die Dauervernichtungslager in Minsk und Riga bestimmt waren, in die Gegend von Lodz umzu- leiten(siehe$. 152). Im Januar wurde ein Umsiedlungsbeauftragter der Gestapo, ein Kriminalkommissar Fuchs, nach Lodz entsandt, dessen erste Aufgabe es sein sollte, 30 000 Ghettobewohner zu beseitigen. Die Deportierten'3 aus dem Reich, von denen ein gro- Ber Teil drei Monate nach der Ankunft noch immer ohne Arbeit und völlig mittellos war, waren seine ersten Opfer. Mehrere Mo- nate hindurch wurde jedoch von der„besonderen Einrichtung” so diskret Gebrauch gemacht, daß Flüchtlinge, die von Lodz nach Warschau in das dortige Ghetto kamen, von ihrer Existenz nichts wußten!*, da die ersten Deportierungen, die am 8. Dezember 1941 durchgeführt wurden, nur kleine Gemeinden in der Umgebung tra- fen 5. Am 15. Januar 1942 wurden dann schließlich 650 Familien aus dem eigentlichen Ghetto in Lodz in das Durchgangslager in Pabianice und von da in kleinsten Gruppen nach Chelmno(Kulm- hof) gebracht. Das Todeslager in Chelmno konnte sich mit Treblinka in der Vernichtung von Tausenden von Menschen je Tag nicht messen. Der Gauleiter für das Wartheland, Arthur Greiser, teilte Himmler am 1. Mai mit, daß man mit der Umsiedlung von 100.000 Lodzer Juden innerhalb von 6 Monaten rechnen könne'®. Tatsächlich verringerte sich die Bevölkerungszahl im Ghetto in der Zeit von Januar bis September, in der die Aktionen durchgeführt wurden, um weniger als 72000, und auch dieses Sinken der Be- völkerungszahl war zum Teil auf die verheerende Wirkung von Hunger und Schwerstarbeit zurückzuführen*. Der Ghettoverwalter * Zahlenmäßige Aufzeichnungen, die angeblich der Lodzer Judenrat gemacht hat, sind 278 heitszustant Am 11. April ich nach Del g,yl]von HI 1, Septemb ziell zum Ak fen verwen zu dem Schl diesem Mor dngingen, d ten, und ein deutungsvol kam, um üb men in Chel die Arbeit z der„umges die geräum glaubt jedo &Transpor Opfer dort! Bem Rahm Zeitraum e ganisiert w im Ghetto Schluß der von Dr. Abrah m Ghetto im verringerte sie af folgte ein Im August stie, dischen ländli hatte aber die im noch nicht Als die Fabrik, die letzte Um: dz entsandt, ewohner zu nen ein gro- ohne Arbeit ehrere Mo- richtung” so n Lodz nach xistenz nichts :zember 1941 mgebung tra- 650 Familien \angslager in >Imno(Kulm- nte sich mit schen je Tag thur Greiser, siedlung von ren könne®, Shetto in der Jurchgeführt ken der Be- Virkung von Hoverwalter ‚macht hat, sind ZEHNTES KAPITEL 1. DIE AKTION BEGINNT» CHELMNO Hans Biebow machte den SD bereits zu Beginn der Aktion darauf aufmerksam, daß die Ansicht, die Ghettobevölkerung sei„besser ernährt als vertretbar”,„abwegig und irrig“ sei. Die Sterblichkeit hielt sich immer noch auf 14000 pro Jahr 2°, und im Juni war Biebow gezwungen, das Arbeitsamt zu bitten, Juden für schwere Arbeit nur aus den ländlichen Gemeinden zu wählen, weil der Gesund- heitszustand im Ghetto zu schlecht war". Am 11. April 1943 verließ das Kommando Botmann Chelmno, um sich nach Dalmatien zu begeben, von wo es im Februar 1944(siehe 5.341) von Himmler zurückgerufen wurde. Es scheint, daß nach dem 12. September 1942, als die Umsiedlung des Lodzer Ghettos offi- ziell zum Abschluß gebracht worden war, die Gaswagen nur sel- ten verwendet wurden. Der polnische Untersuchungsausschuß ist zu dem Schluß gekommen, daß die Transporte nach Chelmno in diesem Monat eingestellt worden waren, weil Berichte darüber eingingen, daß die Massengräber eine Typhusepidemie verursach- ten, und ein Krematorium eingerichtet werden mußte 22. Es ist be- deutungsvoll, daß am 17. September Höss von Auschwitz herüber- kam, um über SS-Standartenführer Blobels Exhumierungsmaßnah- men in Chelmno Bericht zu erstatten und um ihm Lagerinsassen für die Arbeit zur Verfügung zu stellen(siehe S. 154). Ein kleiner Teil der„umgesiedelten“ Juden aus Lodz wurde in Arbeitslager und in die geräumten Ghetios des Distrikts Lublin überführt. Dr. Kermisz glaubt jedoch, daß in der Zeit zwischen Januar und September 66 Transporte von Lodz nach Chelmno gegangen sind und 55 000 Opfer dorthin gebracht haben 2. Deportierungen, die in so gro- ßem Rahmen durchgeführt wurden und sich über einen so langen Zeitraum erstreckten, konnten ohne großen Zwang oder Panik or- ganisiert werden, um so mehr, da die Geschichten über Chelmno im Ghetto nicht allgemein Glauben fanden. Selbst ganz zum Schluß der Umsiedlung, im September 1942, begleitete der Präsi- von Dr. Abraham Melezin veröffentlicht worden 7. Sie zeigen, daß die Bevölkerungszahl im Ghetto im Januar 1942 162281 war und in diesem Monat um 12000 sank. Im Februar verringerte sie sich um weitere 10 000 und im März, dem Rekordmonat, um 25.000. Dar- auf folgte ein Sinken der Bevölkerungszahl um nur 14 000 insgesamt in 5 Monaten, und im August stieg sie sogar um 4700 Köpfe auf Grund der Einbeziehung von einigen jü- dischen ländlichen Gemeinden. Im September fiel die Bevölkerungszahl um 16500, es hatte aber die Absicht bestanden, 20.000 Juden umzusiedeln, einschließlich aller Kinder im noch nicht arbeitsfähigen Alter'8. Diese Aktion wurde am 12. September abgeblasen, als die Fabriken wieder aufgemacht und neue„Ausweise“ ausgegeben wurden. Dies war die letzte Umsiedlungsaktion, die bis zum März 1944 in Lodz durchgeführt wurde". 279 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG dent des Lodzer Judenrates, Chaim Rumkowski, die Kinder auf ihrem Marsch zum Bahnhof ohne Befürchtungen, weil sein eigenes Waisenhaus verschont worden war 2. Und die, die Bescheid wuß- ten, wollten der Verzweiflung keine Nahrung geben. So hat Leut- nant Rosenblatt, der Kommandeur des jüdischen Ordnungsdienstes, zugegeben, daß er die Alten und die Kranken ausgewählt hatte, da er sich vollkommen klar darüber war, daß sie vergast werden sollten 2. Außerhalb des Ghetios gingen die Deutschen nicht mit der im all- gemeinen üblichen Vorsicht vor, vielleicht weil es in dieser Ge- gend eine große Zahl volksdeutscher Einwohner gab, von denen noch weniger als von den Polen irgendein Widerstand zu erwar- ten war*. Ein Bauer, der nahe am„Palast“ wohnte, teilte 1945 dem Untersuchungsausschuß von Richter Bednarz mit, daß Botmanns Kommando im Dorf Chelmno in gutem Einvernehmen mit den Ein- wohnern gelebt und in der Kantine Mädchen aus dem Dorf selbst beschäftigt hatte. Im Jahre 1944 war es üblich, Mitglieder des jü- dischen„Waldkommandos“ unter Begleitung ins Dorf zu schicken, um Gemüse einzukaufen?7. So wußte auch eine gewisse Zahl zi- viler Stellen vom Bestehen des Todeslagers Chelmno und kannte seinen Zweck. Im Januar 1943 hat zum Beispiel das Winterhilfs- werk der Partei in Posen sich bei der Ghettoverwaltung in Lodz darüber beschwert, daß aus dem Lager Chelmno gelieferte Klei- dung nicht mit den zuvor gezeigten Musterstücken übereinstimme. Die Kleidung war von Schmutz und Blut befleckt, vielfach waren die Judensierne nicht entfernt worden. Es bestehe die Gefahr, daß über die in den Lagern arbeitenden polnischen Landarbeiter„die zur Beireuung im WHW vorgesehenen Rückwanderer von der Herkunft der Sachen Kenntnis erhalten und daß das WHW erneut in Mißkredit kommt“ 2, Am 19. Juni 1942 forderten die Sortierer der Beute aus Chelmno, die im Lager Pabianice arbeiteten, dieselbe„Gefahrenzulage“ von 15 Mark am Tag, wie sie das Vernichtungskommando wegen der * Obgleich die Eisenbahnstation von Radogocz innerhalb des Ghettos lag und die De- portationen ausnahmslos nachts stattfanden, konnten die Nichtjuden darüber unmög- lich in Unkenntnis bleiben. Pastor Schedler, ein Volksdeutscher aus Lodz, der jetzt in Würzburg lebt, hat in bewegenden Worten geschildert, wie Mitglieder seiner Gemeinde, die am Rande des Ghettos lebten, nachts von Rufen, Schreien und Schluchzen wach- gehalten wurden, wenn der jüdische Ordnungsdienst die zur Umsiedlung bestimmten Menschen aus den Häusern zerrte%, 280 El zuanıes KAP hastehenden Iungten aUC sedlungsakt! wurde ferner rung gericht „einzuteilun Lagers Che n zugeteilt erh in„äußerste schwerte sich hung immer I Branntwein| den sei. Die Ghetto durc värtigkeiten fertigten®". Wieweit sin tungsarbeit ersten Zeit t der ehemal neigt, diese späteren\ klärte er K Menschen B wendung dı und auch v sie mußten Ebenso mü Tungsminist so viel Schn zu können, Inder Zeit Österreichis kleinen St Raum für der alten Mungsort | PER ENDlogyng j j 8 ie Kinder auf ZEHNTES KAPITEL 2. DIE AKTION BREITET SICH AUS- BELZEC SEIN eigene, bestehenden Ansteckungsgefahr bekam.„Gefahrenzulage” ver- pescheid up, langten auch die polnischen Chauffeure, die im Zuge der Um- 0 hat Leyf. siedlungsaktionen in das Ghetto in Lodz fahren mußten”. Es ungsdienstes wurde ferner an das Landesernährungsamt in Posen die Aufforde- pewählt hatte rung gerichtet, den im Sortierbetrieb Arbeitenden Trinkbrannt- ergast werden weinzuteilung zu gewähren, da ja die Bewachungsmannschaft des Lagers Chelmno schon je Mann und Tag einen Viertelliter Schnaps it der im all. zugeteilt erhielte. Es wurde dabei angeführt, daß das Sortieren In dieser Ge. im„äußersten Grade ekelerregend” sei®®. Im Herbst 1943 be- b, von denen schwerte sich das Ernährungsamt darüber, daß die Ghettoverwal- ind zu erwor. tung immer noch Branntwein fordere, obgleich die Verteilung von lte 1945 dem Branntwein im Lager Chelmno schon vor Monaten eingestellt wor- aß Botmanns den sei. Die Antwort hierauf war, daß nach wie vor Kontrollen im mit den Ein. Ghetto durchzuführen seien und die damit verbundenen Wider- m Dorf selbst a die Zuteilung von Spirituosen ohne weiteres recht- lie nn ertigten”. le Wieweit sind die Einzelheiten der täglichen Büro- und Verwal- ae za E tungsarbeit in Deutschland allgemein bekannt geworden? In der Tandkanrie ersten Zeit nach seiner Verhaftung im Mai 1946 war Oswald Pohl, | Winterhilf. der ehemalige Beherrscher des Konzentrationslagersystems, ge- tung in.Lödz neigt, diese Frage zu beantworten. In Worten, die von seinen späteren Verteidigungsargumenten weitgehend abwichen, er- klärte er Kaltenbrunners Behauptung, daß„nur eine Handvoll Menschen Bescheid gewußt hätte“, für Unsinn.„Im Falle der Ver- wendung der Textilien und der Übergabe von Wertgegenständen, lieferte Klei- ereinstimme, elfach waren Gefahr, de und auch von Glücks und Lörner an bis zum kleinsten Beamten, arbeiter ‚die sie mußten alle gewußt haben, was sich in den KZs abspielte 32.” rer von der Ebenso müssen sich auch die untersten Angestellten im Ernäh- das WHW rungsministerium gefragt haben, warum bestimmte Lagerwachen Enrade so a Schnapszuteilungen brauchten, um sich jeden Tag betrinken ger von zu können. o wegen der 2. Die Aktion breitet sich aus— Belzec In der Zeit zwischen März und Juli 1942 trafen mindestens 50 000 herzen österreichische, deutsche und tschechoslowakische Juden in den ad, der jetzt in| kleinen Städten des Distrikts Lublin ein(siehe$. 174 u. 440 ff.). Um einer Gemeinde, Raum für sie zu schaffen, wurden die ortsansässigen Juden nach hen ve der alten russischen Grenze abgeschoben, ihr wahrer Bestim- lung bestimmten mungsort war jedoch das Todeslager Belzec, das am 16. März er- 281 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG s öffnet wurde. Am 27. März schrieb Goebbels die folgende Ein- tragung in sein Tagebuch 3: „Aus dem Generalgouvernement werden jetzt, bei Lublin be- ginnend, die Juden nach dem Osten abgeschoben. Es wird hier ein ziemlich barbarisches und nicht näher zu beschreiben- des Verfahren angewandt, und von den Juden selbst bleibt nicht mehr viel übrig. Im großen kann man wohl feststellen, daß 60 Prozent davon liquidiert werden müssen, während nur 40 Prozent bei der Arbeit eingesetzt werden können. Der ehemalige Gauleiter von Wien(Globocnik), der diese Aktion durchführt, tut das mit ziemlicher Umsicht und auch mit einem Verfahren, das nicht allzu auffällig wirkt... Die in den Städten des Generalgouvernements frei werdenden Ghettos werden jetzt mit den aus dem Reich abgeschobenen Juden ge- füllt, und hier soll sich dann nach einer gewissen Zeit der Pro- zeß erneuern.” Anfangs versuchte Globocnik, das Wesen dieser Maßnahmen der Hauptabteilung Innere Verwaltung des Gouverneurs Frank, mit der er zusammenarbeiten mußte, zu verheimlichen, und es existie- ren noch Aufzeichnungen, aus denen hervorgeht, welche Verwir- rung unter diesen Beamten Platz griff, die ja schon über eine zwei- jährige Erfahrung mit Globocnik und dessen„Zirkus” verfügten%, Die Lubliner Zweigstelle dieses Amtes erhielt am 6. Januar 1942 vom SD die Mitteilung, daß 2000 Juden aus Mielec 240 km weiter nach Osten abgeschoben werden sollten, in Ortschaften entlang der alten russischen Grenze, nahe am Bug. Die deutschen Kreis- hauptleute in Cholm und Hrubieszow sollten darauf achten, daß diese Juden sich nicht über das Aufnahmegebiet verstreuten(„Nicht, daß es so passiert wie in anderen Fällen“). Am 21. erhöhte sich die Zahl der zu Deportierenden durch einen neuen Befehl auf 4500, was ungefähr der Gesamtheit einer so kleinen jüdischen Ge- meinde wie Mielec entsprach 3. Dies war die erste Deportation einer ganzen jüdischen Gemeinde innerhalb des jüdischen Reservats, und diese unheilkündende Nachricht verbreitete sich rasch. Anscheinend hat das Jüdische Hilfskomitee für den Distrikt Lublin schon am 17. Januar davon gewußt. Irgend jemand hatte ein Ferngespräch im Korridor der Hauptabteilung Innere Verwaltung mit angehört%. Daraufhin wurde die Aktion auf den 16.-18. März verschoben. Am 7. März 232 zus KANTE arhel ss-HaL nt s$.Haupfs | ihlung zu bi varer nicht in dienst zu erte* am 16 März, war,; fürk, der ein hondem Schn dung hinterle Inden Distrik en aus dem eingestellt we diesen Durche ‚der äußerste Mielec sollten Belzec jedoch uunehmen k würden nie m Türk sollte sr wor, denn dr amt um die ı itgendwelche Siherheitspe Türk zurück ofizier von€ udenrat vor nave Angab nacht werde Am 16. Mär. begann die Öhelto eing geschlossen nicht nur eir Abteilungen dem Muster thend der h Aktion inde die keine A schreiben. selbst bleib} diese Aktion uch mit einem Die in den den Gheos en Juden ge- Zeit der Pro- Bnahmen der rs Frank, mit nd es existie- elche Verwir- “ verfügten%, . Januar 1942 40 km weiter aften entlang jtschen Kreis- f achten, daß euten(„Nicht, EN. Es wird| er eine zwei-| erhöhte sich.| n Befehl auf üdischen Ge- n Gemeinde seilkündende das Jüdische ınuar davon Korridor der , Daraufhin Am 7. März | feststellen, j en, Während 5 können. Der| ZEHNTES KAPITEL 2. DIE AKTION BREITET SICH AUS- BELZEC erhielt SS-Hauptsturmführer Türk im Lubliner Amt die Anweisung, mit SS-Hauptsturmführer Höfle, dem Adjutanten Globocniks, in Fühlung zu bleiben. Türk tat sein Möglichstes, aber drei Tage lang war er nicht in der Lage, auch nur Globocniks Offizier vom Tages- dienst zu erreichen, und Höfle selbst zu sprechen, gelang ihm erst am 16. März, dem Tag, an dem die Aktion in Mielec beendet war. Türk, der ein ziemlich farbloses Mitglied des Reichstages mit blondem Schnurrbart war, hat eine Aktennotiz über diese Bespre- chung hinterlassen 7. Höfle teilte ihm mit, daß noch mehr Juden in den Distrikt Lublin gebracht werden würden, darunter auch Ju- den aus dem Reich, die zur Arbeit in Piaski, Izbica und Trawniki eingestellt werden sollten(siehe S. 111 u. 173f., Fußnote). Neben diesen Durchgangslagern baute Höfle ein großes Lager in Belzec, „der äußersten Grenzstation im Kreis Zamosc”. Die Juden aus Mielec sollten sofort in dieses Lager gebracht werden, später würde Belzec jedoch täglich vier bis fünf Transporte zu tausend Juden aufnehmen können.„Diese Juden kämen über die Grenze und würden nie mehr in das Generalgouvernement zurückkommen.” Türk sollte später erfahren, wie endgültig dieser Satz auszulegen war, denn drei Monaie später wurde er von Franks Gesundheits- amt um die Adresse des Mielecer Judenrates gebeten, der noch irgendwelche Gelder schuldete. Am 28. Juli gab die Lubliner Sicherheitspolizei die Auskunft:„Adresse unbekannt” und verwies Türk zurück an das Büro von Globocnik, von wo aus ein Unter- offizier von der„Abteilung Reinhard” schriftlich mitteilte, daß der Judenrat von Mielec nach Rußland umgesiedelt worden sei:„Ge- naue Angaben über den jetzigen Aufenthaltsort können nicht ge- macht werden, da derselbe unbekannt ist?.” Am 16. März, am Tag der Zusammenkunft von Türk und Höfle, begann die Aktion in Lublin selbst. Am 24. März 1941 war ein Ghetto eingerichtet worden; es wurde aber erst am 17. Oktober geschlossen und bewacht??. Später wurde das Lubliner Ghetto nicht nur eingezäunt, sondern„merklich verkleinert” und in drei Abteilungen gegliedert. Diese unheilkündende Teilung wurde nach dem Muster von Riga, Minsk und Wilna vorgenommen. Entspre- chend der bisher vom SD in Rußland geübten Praxis begann die Aktion in dem Teil des Ghettos, der jenen Juden zugewiesen war, die keine Arbeitsbescheinigungen hatten, und Krankenhäuser so- 283 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG wie Waisenhäuser wurden als erste einbezogen“. Nach zehn Ta- gen wurde die Aktion für die Dauer fast eines Monats unter- brochen. In dieser Zeit erließ Krüger von Krakau aus einen Polizei- befehl, nach dem alle Juden ohne Arbeitsbescheinigungen in die Ghettos zurückkehren mußten. Die letzte Aktion in Lublin am 20. und 21. April hatte im wesentlichen den Zweck, Juden aufzu- stöbern, die sich in Bunkern versteckt hatten, und manchen Berich- ten zufolge sind annähernd 2500 Menschen im Ghetto selbst ge- tötet worden#2. Schließlich blieben nur 3857 Arbeiter verschont, die bis zum nächsten November in den Zigeunerhütten im Vorort Majdan Tatarski lebten®. Mindestens 26000 Juden wurden in den Monaten März und April 1942„umgesiedelt“. Der polnische Untersuchungsausschuß war der Ansicht, daß 15000 Menschen nach Belzec gekommen seien, die übrigen in die großen Arbeitslager Majdanek(KZ Lublin) und Trawniki*. Die Berichte, nach denen Juden aus dem Lager Belzec in Rußland angesiedelt worden sind, können als Teil der Tarn- maßnahmen betrachtet werden, die Heydrich seit der Wannsee- Besprechung getroffen hatte. Tatsächlich können die Hinweise auf die jüdischen Kolonien in Krivoi Rog und auf die Lager in Pinsk, wo Land urbar gemacht wurde, sehr wohl auf gefälschte Feldpost- karten zurückzuführen sein*. Immerhin erscheint die Zahl derer, die in das Vernichtungslager geschickt wurden, gering im Vergleich zu der„Umsiedlung“ in Warschau, jedoch muß man sich klar machen, daß die Industrie in Lublin ein Kuchen war, von dem Glo- bocnik sich einige Scheiben abschneiden wollte. Das angegebene Verhältnis entspricht übrigens genau den in Goebbels’ Tagebuch am 27. März gemachten Eintragungen. Selbst die abgeschlossenen und bewachten polnischen Ghettos erfuhren bald die Wahrheit. Von Lublin aus wandte man sich an den Präsidenten des Juden- rates in Zamosc mit der Bitte, er möge feststellen, was aus den Zügen mit Deportierten geworden sei. Vom Judenrat in Tomaszow- Lubelski wurde ihm ein klares Bild des Lagers Belzec gegeben, das von verschiedenen eniflohenen Juden bestätigt wurde 4. Das Warschauer Ghetto hatte von der am 15. April in Lublin durch- geführten Menschenjagd bereits Kenntnis, als sie noch im Gange war, und die Ankunft der Globocnikschen Mordkommandos wurde bereits erwartet“. Tatsächlich war aber Globocnik noch vollauf mit Lemberg und Lublin beschäftigt. 284 N zen KARTE .) Iemberg n here Mass in Lemberg noch nicht d fihrer, teilte aidemie SC jerein Gheft orlassene Be zum April,€ erden kon ngeordnet, Fraven, Arb das Arbeitsc ten Beschein gelang es Rüstungsamt die Gerber: galizischen Der Katzma den nach„d fihrung in gestellten Ju punkten vo Belzec zu Vernichtun EINE gewi Z Lublin) und Lager Belzec Teil der Tarn- der Wannsee- Hinweise auf ager in Pinsk, schte Feldpost- Jie Zahl derer, 1 im Vergleich man sich klar ‚von dem Glo- ıs angegebene| bels' Tagebuch geschlossenen| die Wahrheit. 'en des Juden-| ‚ was aus den in TomaszoW- Izec gegeben, + wurde“. Das ‚ Lublin durch- och im Gange| mandos wurde ZEHNTES KAPITEL 2. DIE AKTION BREITET SICH AUS» BELZEC Lemberg war ein viel schwererer Fall als Lublin. Im August 1941, als \ bereits Massenmorde stattgefunden hatten, waren beim Judenrat in Lemberg 119000 Juden registriert“. Zunächst unterstanden sie noch nicht der Gestapo. Katzmann, der Höhere SS- und Polizei- führer, teilte Krüger mit, daß die Zivilverwaltung an einer Typhus- epidemie schuld sei, weil sie es unterlassen hätte, im ersten Win- ter ein Ghetto einzurichten. Der von Krüger am 28. Februar 1942 erlassene Befehl holte das Versäumte nach, jedoch dauerte es bis zum April, ehe 100000 Juden in den Stadtteil Kleparow gebracht werden konnten“. Im März hatte Katzmann eine Registrierung angeordnet, auf Grund derer 70000 Menschen, davon 20000 Frauen, Arbeitsbescheinigungen erhielten°%. Obgleich Katzmann das Arbeitsamt unter sich hatte, das allen Inhabern von gefälsch- ten Bescheinigungen eine„Sonderbehandlung” zuteil werden ließ, gelang es dem Stadtkommandanten und dem Vertreter des Rüstungsamtes, diese erstaunlich hohe Zahl von Freistellungen für die Gerbereien, Sägemühlen und Schneiderwerkstätten in der galizischen Hauptstadt zu erreichen. Der Katzmann-Erlaß, mit dem die Umsiedlung der galizischen Ju- den nach„dem Osten“ befohlen wurde, fiel zeitlich mit der Über- führung in das Ghetto in Kleparow zusammen. Die nicht frei- gestellten Juden wurden erfaßt, sobald sie an bestimmten Kontroll- punkten vorbeikamen. In Katzmanns eigener Tarnsprache heißt es,„alle arbeitsscheuen und asozialen Juden wurden in der Zeit der Überprüfung festgenommen und der Sonderbehandlung unter- worfen”. Diese Worte bedeuten, daß im April 1942 ungefähr 15000 Menschen in das Lager Janowska eingeliefert und allmäh- lich nach Belzec abgeschoben wurden. Ihr Schicksal wurde erst einige Wochen später bekannt". Weitere Razzien fanden in Lemberg im Mai und Juni statt, wurden jedoch in kleinerem Maßstab durchgeführt, weil das Todeslager Belzec zu diesem Zeitpunkt überlastet war; schließlich konnte es sechs Wochen lang überhaupt keine Neuzugänge aufnehmen, so daß die Deportierungen aus Lemberg bis August ausgesetzt werden mußten 52. Die am 18. Mai erfolgte Eröffnung eines neuen Vernichtungslagers in Sobibor sorgte jedoch dafür, daß sich noch eine gewisse Anzahl von„Umsiedlungen” bis zur Fertigstellung des Lagers in Treblinka und dem Beginn der großen Aktion in Warschau vollzog. 20 285 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG Die meisten„Umsiedlungen“ wurden immer noch aus den Städten des„Jüdischen Reservats” im Distrikt Lublin vorgenommen, in de- nen man Platz für die aus dem Reich deportierten Juden brauchte, es wurden aber auch Umsiedlungen in Schlesien und Westgalizien durchgeführt. Im Mai und Juni fanden die ersten Aktionen in den großen Ghetios in Sosnowiec, Dabrowa-Gornicza, Krakau, Tar- now und Bielitz statt, Aktionen, die die ersten Opfer für die Gas- kammer in Birkenau lieferten(siehe S. 121). Gegen Ende Juni wurde das Lager Belzec wieder eröffnet, und ungefähr einen Monat später kamen dann die großen Aktionen in Przemysl, Rzeszow und Debica. In Rzeszow(Reichshof), wo es einmal 12000 Juden gegeben hatte, weihte der deutsche Kreis- hauptmann einen hölzernen Adler, der die folgende Inschrift trug: „Dieser Ad!er, das deutsche Zeichen der Erhebung und Größe, wurde anläßlich der Befreiung der Stadt Reichshof von allen Juden im Juli des Jahres 1942 hier angebracht. Die Anbrin- gung erfolgte während der Amtszeit des ersten Kreishaupt- manns und Kreisstandortführers der NSDAP der Kreishaupt- mannschaft Reichshof, SS-Sturmbannführers Dr. Heinz Ehaus 3.” Dieser großsprecherische Ton war typisch für die deutschen Kreis- hauptleute, die in Wirklichkeit in diesen Angelegenheiten keine Verfügungsgewalt hatten*. Im folgenden November und Dezem- ber sammelte nämlich die Gestapo die überlebenden Juden aus verschiedenen benachbarten Gemeinden und brachte sie in das Ghetto von Rzeszow, um sie dort in einer Werkstatt Sklavenarbeit leisten zu lassen. Sie mußten die Beute aus den Todeslagern und Umsiedlungsaktionen instandsetzen. Es war dies eine von Men- schen geschaffene Hölle, wie es deren so viele gab, und sie ist von Frau Hilde Huppert, die sie überlebt hat, und Arnold Zweig, * Es scheint zur Rolle der Kreishauptleute gehört zu haben, daß sie miteinander um die Wette Briefe an die Landkommissare oder Distriktsgouverneure schrieben, in denen sie die Hilfe der Sicherheitspolizei erbaten, um sich von den Juden zu befreien. So erbat am 19. Mai der Kreishauptmann von Lublin-Nord vom Gouverneur des Distrikts Lublin, Zörner, die Genehmigung, 19735 Juden aus sechs Gemeinden zu deportieren, von denen zwei, Lubartow und Piaski, durch Aufnahme von Deportierten aus dem Reich noch größer geworden waren. Aus Janow-Lubielski schrieb der Kreishauptmann unmittelbar an Globocniks Dienststelle und bat um Entfernung der Juden aus 8 kleinen Gemeinden. Der Kreishauptmann von Cholm war ehrgeizig; er verlangte die Entfer- nung von 15000 Juden, einschließlich der 5690 Juden aus Hrubieszow5. Damals konnten die Vernichtungslager von Belzec und Sobibor eine so große Zahl von Men- schen noch nicht aufnehmen. 286 zum KANTE der ihre A ng Defoe gesch! Aus Angabe Dokumenten sch der Sch Warschau€ Generalgou bereits hatte edlung wa Abtransport his zu dem nische Juder ling gefrieb Vernichtung Juni in dies Himmler in eran Heydı ..Be irgend mittend ein Ak Reichsf geäuße wie mö Brack schlu: Juden vor, Ierdas Tem halte und« als Himmle Iungspläne st—, soll Hälfte alle Müsse7, A bis zum Je delt sein m Zentration, ur > DER ENDLOSUNG; Us den Städten| !ommen, in de- uden brauchte, Yestgalizien Kfionen in den 1, Krakau, Tar- er für die Gas r eröffnet, und oßen Aktionen ichshof), wo es leutsche Kreis- e Inschrift trug: ‚ng und Größe, shof von allen 1t. Die Anbrin- en Kreishaupt- ler Kreishaupt- s Dr. Heinz eutschen Kreis- enheiten keine er und Dezem- den Juden aus chte sie in das t Sklavenarbeit ‚deslagern und ine von Men- ab, und sie ist Arnold Zweig, miteinander um die chrieben, in denen en zu befreien. So arneur des Distrikts Jen zu deportieren, ortierten aus dem er Kreishauptmann Iuden aus 8 kleinen e die Entfer- ws Damals rlangt bieszo oße Zahl von Men- ZEHNTES KAPITEL 3. DIE UMSIEDLUNG IN WARSCHAU der ihre Angaben redigierte, mit der ehrlichen Einfachheit eines Defoe geschildert worden®. 3. Die Umsiedlung in Warschau Aus Angaben über die Umsiedlungen, die Dr. Josef Kermisz im Dokumentenwerk„Dokumenty i Materialy“ gesammelt hat, läßt sich der Schluß ziehen, daß am 22. Juli 1942, als die Aktion in Warschau einsetzte, erst 250000 von den 1600000 Juden im Generalgouvernement das„Umsiedlung” genannte Verfahren bereits hatten durchmachen müssen. Aber die Warschauer Um- siedlung war schon gefährlich lange hinausgezögert worden. Der Abtransport von insgesamt 380.000 Ghettoinsassen konnte nicht bis zu dem Augenblick zurückgestellt werden, an dem das pol- nische Judentum als Ganzes durch die Erkenntnis zur Verzweif- lung getrieben werden mußte, daß man deutscherseits die totale Vernichtung beabsichtigte. Anscheinend hat Globocnik Anfang Juni in diesem Sinne mit Viktor Brack gesprochen, und Brack hat Himmler in Berlin am 23.56 davon Mitteilung gemacht, nachdem er an Heydrichs Beerdigung teilgenommen hatte: u... Bei dieser Gelegenheit vertrat Brigadeführer Globocnik die Auffassung, die ganze Judenaktion so schnell wie nur irgend möglich durchzuführen, damit man nicht eines Tages mittendrin steckenbliebe, wenn irgendwelche Schwierigkeiten ein Abstoppen der Aktion notwendig machen. Sie selbst, Reichsführer, haben mir gegenüber seinerzeit die Meinung geäußert, daß man schon aus Gründen der Tarnung so schnell wie möglich arbeiten müsse.” Brack schlug dann als Alternativmöglichkeit die Sterilisierung aller Juden vor, aber es konnte jetzt keine Rede davon sein, daß Himm- ler das Tempo einer Arbeit verlangsamte, die Heydrich begonnen hatte und die dessen Manen gewidmet war. Am 13. März 1942, als Himmler eine seiner schizophrenen Reden über seine Umsied- lungspläne hielt— von der nur ein kleiner Teil erhalten geblieben ist—, soll er gesagt haben, daß bis zum Ende des Jahres die Hälfte aller Juden im Generalgouvernement umgesiedelt sein müsse 57. Am 19. Juli drahtete er jedoch aus Lublin an Krüger, daß bis zum Jahresende die gesamte jüdische Bevölkerung umgesie- delt sein müsse. Im Generalgouvernement dürfe es außer in Kon- zentrationslagern keine Juden mehr geben, und solche Lager soll- 20* 287 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG ten nur in der Nähe der wichtigsten Städte errichtet werden, wie z.B. bei Warschau, Krakau, Tschenstochau, Radom und Lublin 5%. Die Tatsache, daß es nicht gelungen war, die Vergasungsanlage in Treblinka im April fertigzustellen(siehe$. 157, Fußnote), hatte den Beginn der Warschauer Umsiedlung verzögert, und außer- dem hatten sich auch noch Transportschwierigkeiten ergeben. Die deutsche Sommeroffensive begann an der Front von Charkow am 10. Juni. Am 18. teilte Krüger Josef Bühler mit, daß die Frage der Dezimierung der Ghettos im August geklärt würde. Der ge- samte nichtmilitärische Zugverkehr war für vierzehn Tage ein- gestellt, er hatte jedoch den Reichsbahnpräsidenten Gerteis dazu überredet,„hier und da ein paar Züge für die Juden durchzulas- sen“®, Es scheint jedoch, als habe Himmler auf das Verkehrs- ministerium* einen stärkeren Einfluß ausgeübt als das Oberkom- mando der Wehrmacht, denn Unterstaatssekretär Theodor Gan- zenmüller aus diesem Ministerium schrieb am 28. Juli 6° an Himm- lers Feldadjutanten, SS-Obergruppenführer Karl Wolff: „Seit dem 22.7. fährt täglich ein Zug mit je 5000 Juden von Warschau über Malkinia nach Treblinka, außerdem zweimal wöchentlich ein Zug mit 5000 Juden von Przemysl nach Belzec. Gedob steht in ständiger Fühlung mit dem Sicherheitsdienst in Krakau. Dieser ist damit einverstanden, daß die Transporte von Warschau über Lublin nach Sobibor(bei Lublin) so lange ruhen, wie die Umarbeiten auf dieser Strecke diese Trans- porte unmöglich machen(ungefähr Oktober 1942).” Karl Wolff antwortete am 13. August aus Winniza und sandte Durchschläge an Krüger und Globocnik: „Mit besonderer Freude habe ich von ihrer Mitteilung Kennt- * Dies ist ein Beispiel für die Macht, über die Himmler zur Abkürzung der umständ- lichen Wege der deutschen Bürokratie verfügte. Die übliche Methode zur Erlangung von Zügen zu Deportierungszwecken ist in Nürnberg von Eichmanns Assistenten, Dieter Wis- liceny, genau beschrieben worden. Eichmanns Transportreferent, SS-Sturmbannführer No- wak, mußte sich an einen der leitenden Beamten im Verkehrsministerium wenden. Dieser Amtsleiter mußte sich seinerseits mit dem Gebiets-Transportkommando der Wehrmacht auf dem betreffenden Kriegsschauplatz ins Benehmen setzen. Letzteres konnte— wie im Fall der Transportkommandos der Heeresgruppe Nord im Jahre 1941/42(siehe S. 102)— ein wirksames Veto einlegen. Es scheint aber nur dann möglich gewesen zu sein, der- artige Vetos einzulegen, wenn die Wehrmacht im Vormarsch war und daher von Hitler Unterstützung bekam. So wurde es zugelassen, daß 1944 die Judentransporte aus Polen, Ungarn, Griechenland und Italien die Verbindungswege einer verzweifelt einen Rückzug versuchenden Armee verstopften.(Siehe Wislicenys Affidavit C in„Nazi-Conspiracy and Aggression”, Band VIII.) 238 anne KARTE nis gen“ mit 1e Treblink Stellen Durchfü scheint. As Entlastu Karl Wolff nehr daran, hafte, Er wu gesetzt. Karl obgesandte ind hatte im ben, waS ih berg seine( «cheinend st zu fragen, geschehen inprovisiert Transportm wurde auch sen seiner/ zigen Güte schauer Gh Rußland. Im Inger in Ch zec®, Und Aktion ein: schiedenen "Es gelang Ri ten, eine Beha nit der obiger " Karl Wolff der in Zusamı Iedoch war da dafür 1946 vor die er über Ro Wurden, on H urteilt, Milch Der ‚Kleine\ februar-März (en Massenm: Et Werden, y; ndlubins IOSUNgsanlage LBnoke), hatte rt, und Außer- N ergeben, Die von Charkow daß die Frage Würde, Der ge- ehn Tage ein- n Gerteis dazu len durchzulas- das Verkehrs das Oberkom- Theodor Gan- uli® an Himm- 'olff: 000 Juden von rdem zweimal sl nach Belzec, cherheitsdienst die Transporte ublin) so lange e diese Trans- 2), za und sandte teilung Kennt- rzung der umständ- » zur Erlangung von stenten, Dieter Wis- turmbannführer No- ‚im wenden. Dieser ıdo der Wehrmacht es konnte— wie IM /42(siehe 5, 10)— wesen zu sein, der- ıd daher von Hitler onsporte aus Polen, eifelt einen Rückzug Iazi-Conspiracy ond Ber N ZEHNTES KAPITEL 3. DIE UMSIEDLUNG IN WARSCHAU nis genommen, daß nun schon seit 14 Tagen täglich ein Zug mit je 5000 Angehörigen des auserwählten Volkes nach Treblinka fährt... Ich habe von mir aus mit den beteiligten Stellen Fühlung aufgenommen, so daß eine reibungslose Durchführung der gesamten Maßnahmen gewährleistet er- scheint.“ Als Entlastungszeuge im Verfahren gegen Oswald Pohl hatte Karl Wolff am 5. Juni 1947„auch nicht die leiseste Erinnerung”* mehr daran, warum er ein so reges Interesse für die Züge gehabt hatte. Er wurde in dieser Sache nicht übermäßig scharf unter Druck gesetzt. Karl Wolff war ein„guter Deutscher”. Er war als Friedens- abgesandter von Kesselring im März 1945 nach Bern gegangen und hatte im Mai die Kapitulation der Armee in Italien unterschrie- ben, was ihm zu der Erlaubnis verhalf, vor dem Gericht in Nürn- berg seine Generalsabzeichen zu tragen. Dieser Anblick war an- scheinend so eindrucksvoll, daß niemand daran gedacht hat, ihn zu fragen, was seiner Vorstellung nach mit den 70.000 Menschen geschehen war, die im Verlauf von vierzehn Tagen in ein einziges improvisiertes Lager gebracht wurden, von wo aus keine weiteren Transportmöglichkeiten für sie vorgesehen waren. Karl Wolff wurde auch nicht gefragt, unter welchen hygienischen Verhältnis- sen seiner Ansicht nach 5000 alte Leute und Kinder in einem ein- zigen Güterzug reisen konnten**. Am 22. Juli wußte das War- schauer Ghetto bereits seit einem Jahr von den Massenmorden in Rußland. Im Februar waren Gerüchte aufgetaucht über das Todes- lager in Chelmno, und im April erfuhr man vom Todeslager in Bel- zec#. Und doch bestand an diesem Schicksalstag, an dem die 9, Aktion einsetzte, noch keinerlei Koordinierung zwischen den ver- schiedenen Widerstandsbewegungen. Das hielt an, bis im Okto- * Es gelang Richter Philips, Wolffs Behauptung„non mi ricordo” ad absurdum zu füh- ren, eine Behauptung, die die Anklage angenommen hatte. Anscheinend war er jedoch mit der obigen lächerlichen Erklärung zufrieden®!, ** Karl Wolff wurde von den Amerikanern an die Briten für einen Prozeß ausgeliefert, der in Zusammenhang mit dem Massenmord im Ardeatina-Tunnel durchgeführt wurde, jedoch war das ihn belastende Material nicht ausreichend zur Klageerhebung. Er wurde dafür 1946 von einem deutschen Gericht in der britischen Zone auf Grund der Berichte, die er über Raschers„Höhen-Versuche an Menschen”, die für die Luftwaffe durchgeführt wurden, an Himmler und Feldmarschall Milch schrieb, zu vier Jahren Gefängnis ver- urteilt. Milch scheint seine Briefe immer an das„Liebe Wölffchen“ gerichtet zu haben. Der„Kleine Wolff“ ist noch immer ein nützlicher Mann. Beim Rademacher-Prozeß im Februar-März 1952 hat er erklärt, daß er überzeugt sei, sogar Hitler habe nichts von den Massenmorden an Juden gewußt®. 289 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG ber die ersten zehn Wochen der Qual vorüber waren. Dieses seltsame Versagen der Warschauer Juden ergab sich daraus, daß man einmal auf Führung seitens des Judenrates wartete, und zum anderen daraus, daß man annahm, daß die ungeheure Größe des Warschauer Ghettos es gegen so drastische Maßnahmen gefeit machte. Auf deutscher Seite wurde wiederum übersehen, daß sich Fatalismus ausbreiten und den deutschen Absichten um so mehr in die Hände arbeiten würde, je mehr man das Ghetto in Ruhe ließ. Statt dessen führten sie innerhalb der Ghettomauern schon viele Monate vor der Umsiedlung ein Terrorregime ein. Die wahllosen Erschießungen durch deutsche Patrouillen setzten bereits im Sommer 1941 ein‘, Massenhinrichtungen, bei denen 50 Opfer gleichzeitig getötet wurden, fingen am 17. April 1942 an, zur Zeit der Lubliner Umsiedlung. Als nächstes kamen Anfang Juli die Razzien auf arbeitsfähige Männer, die mit der Begründung, daß sie keine Arbeitsbescheinigung besäßen, in unbekannte Lager verschickt wurden— ein Zeichen dafür, daß die Deutschen beab- sichtigten, die für ihr Vorgehen charakteristischen Methoden auch in Warschau anzuwenden. Von diesem Zeitpunkt an drängten sich die Intelligenz und die Bemittelten dazu, sich in die Listen der für „Kriegszwecke” arbeitenden Fabriken eintragen zu lassen 5. Zwi- schen April und Juli 1942 kündigten noch andere Vorzeichen die Entwicklung an. Am 14. April mußten sich alle amerikanischen Staatsbürger im Pawiak-Gefängnis registrieren lassen. Am 10. Juni meldeten sich Juden, die Verwandte in Palästina hatten, da man ihnen gesagt hatte, sie würden gegen deutsche Staatsangehörige in England ausgetauscht werden. Schließlich wurden am 17. Juli unge- fähr700 auf Grund echter oder gefälschter Dokumente als Ausländer anerkannte Juden im Pawiak-Gefängnis interniert*. All dies konnte nur bedeuten, daß für das Ghetto irgendein Vorgehen geplant * Die Registrierung der USA- und Palästina-Gruppen ging dem im Februar 1943 zum erstenmal erwähnten Plan voraus, durch den 30.000 Juden in besetzten Gebieten auf Grund ihrer ausländischen Staatsangehörigkeit zu Austauschzwecken zurückgestellt wer- den sollten, Falsche Papiere waren kein Hindernis für die Aufnahme in diese Kategorien, Es genügte, daß die betreffende ausländische Macht bereit war, die Juden aufzunehmen, die dann so lange am Leben gelassen wurden, wie Hoffnung bestand, sie brauchen zu können(siehe$. 384). Daher war auch das Schicksal der einzelnen„Pawiak-Juden“ sehr verschieden. Mary Berg reiste am 18. Januar 1943 von dort in das französische Austausch- lager Vittel, und bis zum Aufstand im Ghetto scheinen immer noch kleine Gruppen abgereist zu sein. Nach der Revolte wurden weitere 300 Juden aus Deportierungszügen herausgesucht und in Warschau im Hotel Polski untergebracht. Nach Auskunft Stroops 290 verhaftet y Polizeikom Ion, von U 66.Sturmba Transferst von Globo inLublin ve ter Auersw des Ghefte sung" bes dem Sortie nebenbei rad erst ar richt zum halte®, Die Berich Kurierdien ermöglich! nd seines Ac mandeur der m Juli nach ‚Austauschjuc und manche\ aus Globocni Berg, Seite 2 Nauschlager Bestimmtheit dos gleiche| blieben ware älle im Lebı Abstellgleis, Onscheinend war(Rilip| Auschwitz, 5 Ireffen des 7 New York] DER ENDLOSUNG|\ j| Waren, Dieser c daraus, def Irtete, und zum pure Größe des nahmen gefej Sehen, daß Sich PN um So mehr 0 nRuhe ließ, FM schon viele Ouillen setzten pen, bei denen „April 1949 on, en Anfang Juli er Begründung, bekannte Lager eutschen beab- Nethoden auch n drängten sich > Listen der für lassen, Zwi- orzeichen die amerikanischen ‚en. Am 10. Juni hatten, da man sangehörige in m 17. Juli unge- e.als Ausländer All dies konnte gehen geplant ı Februar 1943 zum tzten Gebieten auf zurückgestellt wer- in diese Kategorien. uden aufzunehmen, \d, sie brauchen zU Powiok-Juden” sehr 1zösische Austausch" ch kleine Gruppen Deportierungszügen -h Auskunft Stroops ZEHNTES KAPITEL 3. DIE UMSIEDLUNG IN WARSCHAU war, das zu diplomatischen Verwicklungen führen konnte, falls ausländische Staatsbürger davon betroffen würden. Es konnte kein deutlicheres Zeichen dafür geben, daß Warschau das gleiche Schicksal erleiden sollte wie Lublin und Lemberg*. Am 20. Juli ließ der Ghettoverwalter, Auerswald, Dr. Adam Czer- niakow, den Präsidenten des Judenrates, kommen. Am gleichen Tage wurde eine große Zahl prominenter Gemeindemitglieder verhaftet und als Geiseln festgehalten, während die deutschen Polizeikompanien, meist alte Soldaten, die das Ghetto bewach- ten, von ukrainischer und litauischer Miliz abgelöst wurden®°. $S-Sturmbannführer Höfle übernahm nun praktisch die deutsche „Transferstelle”, die das Ghetto verwaltete. Er hatte Vollmacht von Globocnik, der in einem Zustand fast dauernder Trunkenheit in Lublin verblieb. Mittlerweile verschwand der Wirtschaftsverwal- ter Auerswald, und SS-Sturmbannführer Franz Konrad, der„König des Ghettos”, trat an seine Stelle. Seine Dienststelle„Werterfas- sung“ beschäftigte schließlich nicht weniger als 2000 Juden mit dem Sortieren und Entfernen von Wertgegenständen und trieb nebenbei Schwarzhandel mit Arbeitsbescheinigungen, wofür Kon- rad erst am 8. September 1951, als er von einem Warschauer Ge- richt zum Tode verurteilt wurde, die Rechnung zu begleichen hatte®. Die Berichte, die im Dezember 1942 über den ausgezeichneten Kurierdienst zur polnischen Exilregierung in London gelangten, ermöglichten es, die Ankündigung Höfles vom 22. Juli zu rekon- und seines Adjutanten Karl Kaleske wurden sie auf Befehl von Kaltenbrunner vom Kom- mandeur der Sicherheitspolizei, Dr. Hahn, en masse abgeholt. Sie sind anscheinend im Juli nach Treblinka gebracht worden.(Yankiel Wiernik, Seite 41.) „Austauschjuden” wurden immer weiter aus der Menge der Deportierten herausgesucht, und manche wurden im Juli aus dem Pawiak-Gefängnis, aus dem Hotel Polski und sogar aus Globocniks Lager in Trawniki in das Austauschlager Bergen-Belsen geschickt.(Mary Berg, Seite 236.) Ende August wurden Kinder aus dem Ghetto in Bialystok in das Aus- tauschlager in der Nähe von Theresienstadt gebracht(siehe S. 323). Es muß jedoch mit Bestimmtheit angenommen werden, daß sie im Oktober in Auschwitz vergast wurden; das gleiche Schicksal erlitten die„Austauschjuden“, die in Warschau im Gefängnis ge- blieben waren, anscheinend am 25. Oktober, als sich einer der dramatischsten Zwischen- fälle im Leben dieses Lagers abspielte: die Erschießung eines SS-Rapportführers auf dem Abstellgleis, auf dem sich die Selektionen vollzogen, durch eine Warschauer Jüdin, die anscheinend Schauspielerin und nach ihren Angaben Bürgerin der Vereinigten Staaten war.(Filip Friedman, This was Oswiecim, Seite 75. War Refugee Board, Bericht über Auschwitz, Seite 14.) Dr. Albert Menasche bringt diesen Vorfall jedoch mit dem Ein- treffen des Transportes aus Rom am 22. Oktober in Verbindung.(Birkenau, Auschwitz II, New York 1947, Seite 61.) 291 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG struieren’®. Eine Sammelstelle oder ein„Umschlagplatz” sollte an der Stelle eingerichtet werden, an der die Stavki-Straße die Eisen- bahnschienen kreuzt. Hier sollte der jüdische Ordnungsdienst, der dem Judenrat unterstellt war, täglich 6000 Juden zur Umsiedlung nach„dem Osten” abliefern. Es bestand eine sehr umfangreiche Freistellungsliste, die Juden mit gültigen Arbeitsbescheinigungen von der Verwaltung, und zwar nicht nur vom Judenrat, sondern auch von den Wohlfahrts- verbänden beschäftigte Juden, sowie Juden umfaßte, die aus den Krankenhäusern nicht entlassen werden konnten. Der Umfang der Freistellungen betäubte den Willen zum Wider- stand, denn jeder einzelne versuchte, seinen schützenden Fetzen Papier zu behalten oder sich einen solchen zu verschaffen, als hätte er einen dauernden Wert. Man glaubte allgemein, daß der- artige Arbeitsbescheinigungen in Rowno, dem nächstgelegenen russischen Ghetto, seit der Zeit der Massenmorde im November sechs- bis siebentausend Juden das Leben gerettet hätten. Nie- mand wußte, daß auch sie am 14. Juli ermordet worden waren’. So verbreitete also die erste Razzia in Warschau nicht das ent- sprechende Grauen. Tausende von Bewohnern aus Sammelunter- künften wurden zur Deportation bereitgestellt; sie waren so her- untergekommen, so verzweifelt, daß kaum Zwang von seiten des jüdischen Ordnungsdienstes notwendig war, um sie in Marsch zu setzen.(Siehe$. 73 ff.) Viele meldeten sich auf den Sammelstellen freiwillig wegen des großen Brotlaibes und der Dose Marmelade, die das deutsche Umsiedlungsamt als Reiseproviant gewährte. Es war jedoch auf die Dauer nicht möglich, täglich 6000 Juden zu- sammenzubringen, ohne auf Inhaber von Bescheinigungen zurück- zugreifen, und diese hätten vom 24. Juli an, dem Tag, an dem der Präsident des Judenrates, Czerniakow, Selbstmord beging, ihre Lage klar erkennen müssen. Höfle hatte seine Tagesration an ab- zuliefernden Leben erhöht, und auf Czerniakows Schreibtisch fand sich, noch in seinen Fingern, ein Zettel, auf dem die Zahl„7000 stand’?. Czerniakows Leiche wurde auf einem Handwagen fort- gebracht, und deutscherseits hat man jegliches Trauergeleit unter- sagt’?. Vor Ende Juli hatte man aus den Wagennummern ersehen kön- nen, daß die Deportationszüge immer innerhalb von zwölf bis vierzehn Stunden zur Sammelstelle zurückkamen. Bald danach 292 zeHNTES Kar brachte ei ) fonverwaf Inka mit" Rangierm© fit word men des N antkam eir Vergasunc Iangte spd Derartige von Anfar Versprech Typhuskre ‚Umsiedlu der Straß Waisenho nen und c An der Sp zwei Kind beliebte( schen in Iaden wo erledigt Von eineı oültig erk beit ware selber mı marschier nungsdiei der Gesie Miliz auf venieren. 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August und ge- langte später im Lauf des Monats wieder ins Ghetto zurück. Derartige Tatsachen dienten nur zur Bestätigung eines im Wesen von Anfang an bekannten Tatbestandes. Im Gegensatz zu Höfles Versprechungen wurden Patienten aus Krankenhäusern und sogar Typhuskranke in Handwagen schon in den allerersten Tagen zur „Umsiedlung” abgeholt76. Am 28. Juli konnten alle Passanten auf der Straße den Abmarsch der Kinder aus dem Janusz-Korczak- Waisenhaus in der Dzielnastraße sehen, die sich mit den Pflegerin- nen und dem gesamten Anstaltspersonal auf den Weg machten. An der Spitze des Zuges ging der weißhaarige Dr. Korczak selbst, zwei Kinder auf seinen Armen tragend, eine malerische, allgemein beliebte Gestalt. Niemand konnte annehmen, daß sich die Deut- schen in den Arbeitslagern in Rußland eine derartige Last auf- laden wollten’7. Sobald die Bettler, die Armen und die Kranken erledigt waren, ging es gegen die Inhaber von Bescheinigungen. Von einem Tag zum andern wurden die Bescheinigungen für un- gültig erklärt. Während die Inhaber von Bescheinigungen auf Ar- beit waren, trieb man ihre Frauen und Kinder zusammen, und sie selber mußten in den Fabriken vor Gestapokommissionen auf- marschieren. Jetzt mußte die SS den schwächer werdenden Ord- nungsdienst unterstützen, und die Wohnhäuser in der Nalevki- und der Gesia-Straße mußten von litauischer, mit Äxten ausgerüsteter Miliz aufgebrochen werden 2. Es war nicht mehr leicht, zu inter- venieren. Weder das deutsche Rüstungsamt noch die deutschen Fabrikbesitzer waren in der Lage, ihre Leute zu schützen, es sei denn, deren Bescheinigungen trugen den neuen Stempel:„SS-Po- lizeiführer, Aktion Reinhard”. Die Geschichte der jüdischen Mitarbeit an der Umsiedlung vom 22. Juli bis zum 3. Oktober ist nicht sehr erfreulich. Die Bürokraten im Judenrat glaubten immer noch, daß sie bis in die Unendlich- keit um ihre eigene Sicherheit feilschen konnten. Und es gab 293 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG immer noch keine jüdische Widerstandsbewegung, die ihnen un- angenehme Warnungen zustellen konnte. In den ersten Wochen behielten Szerynski und Lejkin die Leitung des jüdischen Ord- nungsdienstes, und zwei jüdische Offiziere, Szmerling und Fursten- burg, leiteten die grauenhaften Geschehnisse an der Sammel- stelle”?. Ein polnischer nichtjüdischer Betriebsleiter in einer der in deutschem Besitz befindlichen Fabriken, der diese Hölle am 24. und 30. besuchte, hat eine außerordentlich lebendige Beschreibung davon gegeben®. Er beobachtete die aus Angst und Schrecken er- wachsende Brutalität des Ordnungsdienstes* und den Zustand der Deportierten, die bis zu 48 Stunden auf den Zug nach Treblinka gewartet hatten. Sie kauerten auf dem Stavki-Platz oder drängten hinüber bis in das ausgeräumte Czyste-Krankenhaus, eine neuzeit- liche Klinik in einer modernen Großstadt, die in einen Viehstall und einen Menschenschlachthof umgewandelt worden war, voller Kot und erfüllt vom Gestank der Verzweiflung. Vertreter der Fabriken hatten die Erlaubnis, die Sammelstelle zu besuchen. Plakate tragend, suchten sie nach ihren Leuten, und manchmal gelang es ihnen, den Klauen des SD ein Opfer zu ent- reißen. Häufig mußte sich das Opfer dann aber von seiner Familie trennen, die, auf den Zug wartend, dort bleiben mußte. Manchmal, wenn der Zug voll war, wurden die übrigen entlassen und nach Hause geschickt. Manchmal wurde an der Sammelstelle nochmals ausgesiebt, und die, die Glück hatten, konnten einen Zug nach dem großen Konzentrationslager Lublin-Majdanek besteigen oder einen nach dem Durchgangslager in Trawniki. Am 31. Juli ging ein Transport mit tausend Menschen nach Minsk ab, die dort unter dem Luftwaffenkommando arbeiten sollten— wenn auch nicht für lange. Nach dem Bericht, den SS-Gruppenführer Stroop Krü- ger gegeben hat, waren bis zum 3. Oktober 310 332 Warschauer Juden„umgesiedelt“ worden. Mindestens zwei Drittel von ihnen waren in das Todeslager Treblinka gekommen, vielleicht waren es sogar drei Viertel der ganzen Anzahl 82**, * Es gelang den Deutschen, selbst diesen Umstand so zu verdrehen, daß er ihrer Propa- ganda diente. So notierte am 29. Mai 1942 Bormanns Sekretär Henry Picker folgendes Tischgespräch im Hauptquartier:„Hitler erwähnte Berichte, nach denen in den Ghettos die jüdische Polizei in einem Maße einschlüge, wie es unsere Polizei selbst in der schwersten Kampfzeit den NSDAP-Parteigenossen gegenüber kaum gewagt habe. Es komme da so richtig die ganze Rohheit des jüdischen Wesens zum Ausdruck 81,” ** 5S-Sturmbannführer Hans Höfle, Globocniks Umsiedlungskommissar für Warschau, 294 games KAP Ein Todeszu on zusam und Vorräte a500, An me während mi hrechung Irc Transporte| gere Pause 1 Bis zum 13. Ins verschw Eingroßer T Straße, der Erwar mit c verbunden, nen Ghetto noch einige die südliche von Straße eren Etag mandos de: Am 16. Aut eingeführt. entkam Anfang erfohren hatte, richt gestellt wi Juif”(August] deportiert" ha 300M Juden gefähr 100. 000 viele Menschen bereits erwähn) der Transporte) freiverden de " Die Unterbre die Züge zu fü onden, um e elzt Archivar daß es Mitte A bewohnter Hal zia auf de bracht Werde, Umstand verd 'einen geglüc „Orischen Seit Schrecken er. en Zustand der nach Treblinka oder drängten 5, eine neuzeit- einen Viehstall den war, voller ammelstelle zu n Leuten, und Opfer zu ent- seiner Familie ste. Manchmal, ıssen und nach stelle nochmals inen Zug nach besteigen oder n 31. Juli ging , die dort unter ann auch nicht') er Stroop Krü- 3) Warschauer tel von ihnen ielleicht waren Jeß er ihrer Propa- ry Picker folgendes nen in den Ghettos izei selbst in der| i F gewagt habe. Es usdruck®.” ssor für Warschau, ZEHNTES KAPITEL 3. DIE UMSIEDLUNG IN WARSCHAU Ein Todeszug setzte sich in der Regel aus vierzig bis sechzig Wa- gen zusammen. Er konnte bis zu 6000 Menschen mit ihren Bündeln und Vorräten aufnehmen, manchmal waren es aber auch nur 3500. An manchen Tagen gingen zwei Züge ab, dann manchmal während mehrerer Tage überhaupt kein Zug. Solch eine Unter- brechung trat vom 20. bis 25. August ein, als Treblinka zahlreiche Transporte aus anderen Ghettos aufzunehmen hatte.* Eine län- gere Pause trat Ende September ein%. Bis zum 15. August war fast die Hälfte der Bevölkerung des Ghet- tos verschwunden, so daß die Fläche verringert werden konnte. Ein großer Teil des eingezäunten Ghettos lag südlich der Chlodna- Straße, der Hauptverbindungsstraße nach Posen und dem Reich. Er war mit dem anderen Teil des Ghettos durch hölzerne Brücken verbunden, die über die Straße führten. Mit Ausnahme des„klei- nen Ghettos”, einer Insel, auf der die Fabrik von Többens und noch einige andere Fabriken in der Prosta-Straße lagen, wurde die südliche Hälfte des Ghettos geräumt, und eine ganze Reihe von Straßen wurde der Stadt zurückgegeben. In einigen der leeren Etagenhäuser wurden jedoch jetzt die Beutesortier-Kom- mandos des Liquidationsamtes von Konrad untergebracht®. Am 16. August wurde eine neue Form der Arbeitsbescheinigung eingeführt. Die Bescheinigung wurde nur für 30000 Arbeiter aus- entkam Anfang des Jahres 1949 aus einem Internierungslager in Österreich, nachdem er erfahren hatte, daß er an Polen ausgeliefert und mit SS-Gruppenführer Stroop vor Ge- richt gestellt werden sollte. Man hat Höfle nie gefunden. Nach Angabe von„Le Monde Juif“(August 1949) wirft ihm die Anklage vor, daß er„über 200000 Juden nach Treblinka deportiert” habe. Da kein Zweifel darüber besteht, daß im Verlauf von 10 Wochen 310000 Juden deportiert worden sind, scheint aus dieser Zahl hervorzugehen, daß un- gefähr 100000 nach Majdanek, Trawniki und nach anderen Orten verschickt wurden. So viele Menschen konnten aber unmöglich in den Lagern untergebracht werden. Aus dem bereits erwähnten Brief von Ganzenmüller läßt sich der Schluß ziehen, daß die meisten der Transporte nach Lublin lediglich auf später verschobene Todeszüge waren, die auf Freiwerden der Gleise nach Sobibor warteten. * Die Unterbrechung war wohl darauf zurückzuführen, daß es sich als unmöglich erwies, die Züge zu füllen, ehe nicht ausreichende Polizeitruppen und Milizkräfte zur Verfügung standen, um eine Massenrazzia im ganzen Ghetto durchzuführen. Dr. Michal Mazor, der ietzt Archivar des Centre de Documentation Juive Contemporaine in Paris ist, schreibt, daß es Mitte August bereits kein ständig bewohntes Ghetto mehr gab, sondern nur Inseln bewohnter Häuser im Umkreis der Fabriken. Er selbst war bei einer überraschenden Razzia auf dem jüdischen Friedhof festgenommen und in einen Zug nach Treblinka ge- bracht worden, der irgendwann während der ruhigen Zeit halb leer abfuhr. Diesem Umstand verdankt er seine ans Wunderbare grenzende Rettung aus dem Todeszug und seinen geglückten Fußmarsch zurück nach Warschau, wo es ihm möglich war, auf der „arischen Seite” zu leben 8. 295 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG gegeben und schützte deren Familien nicht. Sie bildete den Auf- takt zu der großen Razzia vom 5. bis 12. September, bei der die letzten im Ghetto lebenden 100 000 Juden gruppenweise an einer neuen Sammelstelle in der Mila-Straße, die„der Kessel” genannt wurde, zusammengetrieben wurden. Die Arbeit in den Fabriken, aus denen theoretisch die gesamte Belegschaft herauszumarschie- ren hatte, wurde eingestellt. Ungefähr die Hälfte der Familien- mitglieder, die durch eine Bescheinigung nicht geschützt waren, erhielt anscheinend die Erlaubnis, den„Kessel“ wieder zu ver- lassen; viele von denjenigen, die sich in den Häusern versteckt hatten, wurden jedoch auf der Stelle getötet. Selbst die Angestell- ten des Judenrates mußten zum„Kessel“ gehen, wo ihre Zahl auf 3000 verringert wurde. Von den 3800 Polizisten des Ordnungs- dienstes blieben nur noch 380. Die anderen wurden in einem ein- zigen Wohnhaus zusammengetrieben und am 21. September nach Treblinka geschickt®. Am 29. September wurde das Ghetto schließlich auf eine einzige Ecke im Nordosten des alten Ghettos im Ausmaß von ungefähr 950 mal 280 Meter verringert. Die Juden arbeiteten weiter in Fa- briken außerhalb dieses Gebietes, und das kleine Ghetto in der Prosta-Straße bestand weiter in seiner Isolierung. Am 3. Oktober lebten noch 65.000 bis 70000 Juden. Weniger als die Hälfte hatten eine offizielle Existenzberechtigung, aber fast alle waren fähig, Waffen zu tragen, und nur wenige von ihnen waren durch versteckt lebende Eltern oder Kinder beschwert, die als Geiseln für ihre Taten hätten dienen können. Im Lichte der von Himmler am 19. Juli ausgesprochenen Absicht, das Warschauer und weitere vier Ghettos in Konzentrationslager umzuwandeln, erscheint das Vorgehen des SD nachlässig. An- scheinend betrachtete man nach der Kessel-Aktion das War- schauer Ghetto schon als Konzentrationslager. Am 12. September übertrugen die Hauptabteilung Innere Verwaltung und das Ar- beitsamt in Krakau ihre bisher gemeinsam gehandhabte Aufsicht über das Ghetto an die SS, Offiziell lebten die Juden jetzt in Blocks, die an die Fabriken angeschlossen waren, in denen sie arbeiteten; auf diejenigen, die sich auf der Straße sehen ließen, wurde geschossen. Zusammenkünfte von verschiedenen Arbeits- gruppen konnten nur heimlich stattfinden. Immerhin bestanden noch immer ein Judenrat und ein Ordnungsdienst und einige der äuße- 296 zumnnes KAP en Attribut wilden“ Ju gehörten. H des neuen\ kamen meh fionsamt nie neue Lage N fostalle jüd sandskomit gung des G Opfer sich dienstes, Lei Mit der U Wochen wi nicht erschö von der$o\ Wochen un von mehr q wenn man Vernichtun standen vi schen, die fn versteckt e Angestell. re Zahl auf Ordnungs- einem ein- Neniger als ), aber fast von ihnen schwert, die jen Absicht, ationslager lässig. An- das War- September ıd das Ar- te Aufsicht len jetzt in denen sie hen ließen, an Arbeits- ‚ndennoch ‚der äuße- ZEHNTES KAPITEL 4. DER PLAN WIRD GEÄNDERT ren Attribute einer Autonomie. Es gab ganze Blocks, die von „wilden“ Juden bewohnt wurden, die überhaupt zu keiner Fabrik gehörten. Hinter den lückenhaften und eilig aufgebauten Mauern des neuen Ghettos wurde mehr denn je geschmuggelt, und es ent- kamen mehr Menschen als je zuvor; auch hatte Konrads Liquida- tionsamt nicht alle Werte im Ghetto erfaßt. Anzeichen für diese neue Lage machten sich bald bemerkbar. Am 20. Oktober nahmen fast alle jüdischen politischen Gruppen Befehle von einem Wider- standskomitee entgegen. Es mag sein, daß die Widerstandsbewe- gung des Ghettos sich an diesem Tage ihr erstes hervorragendes Opfer sicherte: den Kommandeur des jüdischen Ordnungs- dienstes, Lejkin 8, 4. Der Plan wird geändert Mit der Umsiedlung von 310000 Warschauer Juden in zehn Wochen war die gesamte Kraft des SD und seiner Helfer noch nicht erschöpft. Im ganzen Vorkriegspolen, einschließlich der 1939 von der Sowjetunion annektierten Gebiete, mögen in diesen zehn Wochen ungefähr 500 000 Juden ermordet worden sein. Die Zahl von mehr als 7000 Morden je Tag erscheint weniger unglaublich, wenn man die Einfachheit der Methode kennt. Die besonderen Vernichtungskommandos der Sicherheitspolizei und des SD be- standen vielleicht aus nicht mehr als ein- bis zweitausend Deut- schen, die über das ganze Land verteilt waren. Ehe jedoch die Hinrichtungen stattfinden konnten, mußte von einer ungeheuren Vielzahl von Helfern schwierige Vorarbeit geleistet werden. Alte Reservisten— von denen die Mehrzahl Österreicher waren— bildeten die Kompanien der Ordnungspolizei, Schutzpolizei und Feldgendarmerie, die die Gheitos absperrten, während innerhalb der Ghettos die Sicherheitspolizei sich der litauischen, lettischen und ukrainischen Milizsoldaten bediente, die ihr die allerschmut- zigste Arbeit abnehmen sollten. In vielen Nebenfragen haite die örtliche polnische Polizei Aufgaben zu erfüllen, und auf die„Ju- naks” oder„Blaue Polizei”, die sich aus deutschsprechenden Polen zusammensetzte, konnte man sich vollkommen verlassen. Unter der Zivilbevölkerung gab es sogar Mitglieder der polnischen Widerstandsbewegung, die sich durch das Denunzieren ein paar Zlotys beschafften— und sie konnten sogar dazu gebracht wer- den, noch weiter zu gehen. Am 8. November 1942 beschwerte 297 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG sich der Fürsterzbischof, Kardinal Jan Sapieha, bei Gouverneur Frank nach einer Umsiedlungsaktion in Krakau, weil polnische Jugendliche aus dem Zwangsarbeitsdienst durch Alkoholgaben dazu aufgestachelt worden waren, an den Razzien teilzuneh- men®?. Am 24. August 1942 teilte Gouverneur Frank seiner Regie- rung in Krakau mit, daß noch 1 200.000 Juden im Generalgouver- nement lebten. Er hoffe, daß die„Möglichkeit, daß sie nicht Hun- gers stürben, die antijüdischen Maßnahmen beschleunigen werde” — eine Hoffnung, die gerechtfertigt wurde. Dr. Kermisz’ Liste der„Aktionen“ des Monats August 1942 umfaßt die Namen von 24 Städten des Generalgouvernements, außerdem von 13 Städten des dem Reich eingegliederten Gebietes und von sechs des Ge- bietes jenseits der Curzonlinie. Zu diesen Aktionen gehört auch die Umsiedlung von 40000 Juden aus Lemberg, d.h. von mehr als der Hälfte der noch im Lemberger Ghetto lebenden Juden. In der Zeit vom 10. bis zum 22. August ist von den von Staatssekre- tär Ganzenmüller vom Verkehrsministerium gestellten Zügen fast täglich einer von Lemberg nach Belzec abgegangen. Selbst für Franks Generalgouvernement war der Zustand, in dem sich diese Züge befanden, besonders empörend(siehe S. 156). Die aus Lem- berg stammenden Opfer wurden am Abend in die Züge gepfercht, damit die Vergasungen gleich am nächsten Morgen beginnen konnten. Am 20. sah Kurt Gerstein einen Zug in Belzec ankom- men, von dessen 6700 Passagieren 1450 tot waren. In Rawa-Ruska sah Paul Roser?2, ein französischer Kriegsgefangener, jeden Mor- gen Leichen auf den Gleisen liegen, ein Umstand, der in einem Bericht, den der Vertreter des Propagandaministeriums in Lem- berg an Goebbels sandte, bestätigt wird?: „Die Umsiedlung der Juden, die zum Teil Formen annimmt, die eines Kulturvolkes nicht würdig sind, fordert direkt dazu heraus, die Methoden der Gestapo mit denen der GPU zu vergleichen. Die Transportzüge sollen in einem so schlechten Zustand sein, daß es unmöglich sei, das Ausbrechen der Juden zu vermeiden. Die Folge davon ist, daß sich auf den Durchfahrtsstationen wilde Schießereien und Menschenjagden abspielen. Auch wird berichtet, daß die Leichen erschossener Juden tagelang auf den Straßen herumliegen. Trotzdem die reichsdeutsche und die fremdvölkische Bevölkerung von der Notwendigkeit der Liquidierung aller Juden überzeugt ist, 298 za KAP! wäre€ und Ani Emuß viel der passive! firnötig, di Aurchzuführ zwanzig Ge Juden aus T Piotrkow std wurden Akt fanden in di onen von Der Winter möglich, no Siefolgte ai nur 12000 A fragen, die oder„W“ f hisher gesc neuen Platz bracht. Die: gemacht wi einige wen ungefähr 2 sommenge| Die von Dr der die N Przemysl, deutscherse waren. In om Leben kommen nı mehr ein\ fehl in Bet bocnik un. sem Befehl beiter, die zwei groß Sammenzu men von 13 Städten hs des Ge- ehört auch von mehr Zügen fast . Selbst für sich diese e aus Lem- gepfercht, \ beginnen ec ankom- awa-Ruska jeden Mor- r in einem ns in Lem- ı annimmt, iirekt dazu r GPU zu schlechten echen der -h auf den henjagden schossener tzdem die g von der rzeugt ist, ZEHNTES KAPITEL 4. DER PLAN WIRD GEÄNDERT wäre es doch angebrachter, diese auf eine weniger Aufsehen und Anstoß erregende Art durchzuführen.“ Es muß viel Kritik dieser Art geführt worden sein, aber angesichts der passiven Haltung der Mehrzahl der Polen hielt man es nicht für nötig, die Aktion auch nur mit einem Mindestmaß von Umsicht durchzuführen. Im September fanden wieder Aktionen in vierund- zwanzig Gemeinden statt, einschließlich der Umsiedlung fast aller Juden aus Tschenstochau. Im Oktober fand die größte Aktion in Piotrkow statt, aber auch in Tarnow, Stryi, Kolomea und Krakau%* wurden Aktionen in großem Maßstab durchgeführt; gleichzeitig fanden in den als russisch angesehenen Provinzen die großen Ak- tionen von Pinsk und Dubno statt(siehe S. 231 ff. u. 255 f.). Der Winter setzte 1942 spät ein, und so war es am 18. November möglich, noch eine Drei-Tage-Aktion in Lemberg durchzuführen. Sie folgte auf die Ausgabe einer neuen Arbeitsbescheinigung, die nur 12.000 Arbeitern gegeben wurde. Diese mußten eine Armbinde tragen, die entweder mit dem Buchstaben„R” für„Rüstungsamt” oder„W“ für„Wehrmacht“ gekennzeichnet war. Einige Tausend bisher geschützte Juden wurden über das Lager Janowska an den neuen Platz für die Erschießungen,„Sandhügel“(Piaski Gora), ge- bracht. Dieser Ort ersetzte Belzec, von dem kaum noch Gebrauch gemacht wurde. Im Dezember wurde das Lemberger Ghetto auf einige wenige Straßen im Stadtteil Kleparow beschränkt, in die ungefähr 25 000„zugelassene“ und„nichtzugelassene” Juden zu- sammengepfercht wurden?. Die von Dr. Kermisz für November aufgestellte Liste enthält wie- der die Namen Lublin, Tschenstochau, Piotrkow, Rzeszow und Przemysl, dazu noch eine ganze Reihe galizischer Städte, die deutscherseits offiziell bereits als„judenfrei” bezeichnet worden waren. In manchen Fällen hatte man kleine Gruppen von Juden am Leben gelassen, in anderen hatte man die Bildung eines voll- kommen neuen Ghetios gestattet. Diese Situation erscheint um so mehr ein Widerspruch in sich selbst zu sein, wenn man den Be- fehl in Betracht zieht, den Himmler am 8. Oktober Krüger, Glo- bocnik und dem Generalquartiermeister Wagner gab”. In die- sem Befehl spricht Himmler davon, alle geschützten jüdischen Ar- beiter, die er als„sogenannte Rüstungsarbeiter“ bezeichnete, in zwei großen Konzentrationslagern in Warschau und Lublin zu- sammenzufassen. Er erklärt, daß von jetzt an alle Heeresverträge 297 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG für jüdische Arbeitskräfte durch die SS abgeschlossen werden sol- len. Schließlich werde es notwendig sein, die Juden durch Polen zu ersetzen, damit erstere„tunlichst im Osten des Generalgouver- nements“ zusammengefaßt werden können.„Jedoch auch dort sollen eines Tages dem Wunsche des Führers entsprechend die Juden verschwinden.” Der ganze Befehl wurde, einschließlich des deutlichen Hinweises auf die Vernichtungslager Treblinka, Sobibor und Belzec, am nächsten Tage an eine Reihe von Etappen-Kommandeuren in Polen und an das Wirtschaftsministerium gesandt”. Am 13. Ok- tober fand in Spala eine Besprechung zwischen Krüger und der Wehrmacht statt, bei der die jüdischen Arbeiter der SS unterstellt wurden, wobei jedoch für gewisse Spezialisten, z.B. Zahnärzte, Ausnahmen gemacht wurden. Von nun an wurden Juden von der SS zum Preise von 4,50 Zloty je Tag und Jude(etwa 1,50 DM) an private Unternehmer vermietet, und von dem obigen Betrag durfte nicht mehr als 1,60 Zloty für den Unterhalt des Arbeiters abgezo- gen werden. Juden konnten nur von den Arbeitslagern gestellt werden, obwohl für die Ghettos in Warschau, Krakau und Lodz Ausnahmen gemacht wurden. Offiziell hieß es, daß„der gesamte Arbeitseinsatz der Juden vom SS- und Polizeiführer übernommen” worden sei, Die Wirkung von Himmlers ursprünglichem Brief vom 8. Oktober und die Anordnungen vom 17. Oktober für Lemberg und andere Städte wurden durch eine vom 28. Oktober datierte Verordnung von Generalgouverneur Frank sowie durch eine von dem Gou- verneur des„Distrikts Galizien“, Dr. Wächter, erlassene Verord- nung vom 10. November völlig aufgehoben. Diese Verordnungen erlaubten es Juden, außer in den drei offiziellen Ghettos auch noch in fünf Städten im Distrikt Warschau, in acht Städten im Distrikt Lublin, in vier Orten in den Distrikten Krakau und Radom zu woh- nen, während es im„Distrikt Galizien“(Ostgalizien) nicht weniger als elf’ Ghettos und zweiundzwanzig genehmigte Wohnorte gab”. So haite Himmler, anstatt die Zahl der offiziellen Ghettos von fünf auf zwei zu verringern, seine Zustimmung dazu gegeben, daß siebenundfünfzig weit verstreut liegende jüdische Gemein- den von der SS übernommen und bewacht wurden. Himmler, der oft ein sehr realistisch denkender Mensch war, hatte beschlossen, aus den Erfahrungen des SD Nutzen zu ziehen, der wußte, daß 300 nis ul esdü5 beste N Möglichkeit 7U' voße Zahl ge" Und doch n ar häufig schlimm die Qual eines In einem klein nats Oktober facher Untero abteilung Inne! Sklaven bis Ins ineinem Arbe tieren zusamm Verantwortung über Rechensc der letzte Rest beschreibt Fra! sah: „Ich stand Gestalten, verstand r es mir ZU alle sechs Wochen in. das Rü von WO S den sol. h Polen gouver. ch dort end die Inweises ZEC, am euren in 13, Ok. und der nterstellt Ihnärzte, von der ) DM) an Pig durfte abgezo- gestellt nd Lodz gesamte ommen" Oktober ] andere ordnung m Gou- Verord- Inungen uch noch Distrikt zu woh- weniger e gab”. tos von geben, emein- ler, der losen, fe, daß ZEHNTES KAPITEL 4. DER PLAN WIRD GEÄNDERT es das beste Mittel zur Auffindung versteckter Juden war, ihnen die Möglichkeit zur Rückkehr nach Hause zu geben. Daher die sehr große Zahl genehmigter„Wohnorte”. Und doch war der Ort, an den die Entflohenen zurückkehrten, häufig schlimmer als jedes deutsche Konzentrationslager, weil er die Qual eines schon vom Tode gezeichneten Lebens verlängerte. In einem kleinen Ghetto, das nach den Verordnungen des Mo- nats Oktober 1942 direkt der SS unterstellt war, konnten ein ein- facher Unteroffizier und ein Arbeitsaufseher aus Franks Haupt- abteilung Innere Verwaltung gemeinsam ein- oder zweitausend Sklaven bis ins Leizte terrorisieren, Sklaven, die Tag und Nacht in einem Arbeitsschuppen und in wenigen verkommenen Quar- tieren zusammengepfercht hausten. Menschen, die niemals eine Verantwortung gekannt hatten, waren jetzt niemandem gegen- über Rechenschaft schuldig für das Leben von Juden, aus denen der letzte Rest von Arbeitskraft herausgepreßt werden sollte. So beschreibt Frau Hilde Huppert, was sie im Februar 1943 in Rzeszow sah: „Ich stand am Fenster und sah, wie etwa zwanzig jämmerliche Gestalten, in Lumpen gehüllt, aus dem Wagen krochen. Ich verstand nicht, was das bedeutete, und bat einen Rzeszower, es mir zu erklären. Das sei ein Vorgang, sagte er, der sich alle sechs Wochen wiederhole. Diese Leute hatten vor einigen Wochen das Ghetto frisch und munter verlassen. Sie kamen in das Rüstungswerk Stalowa Wola*, nicht weit von Rzeszow, von wo sie als lebende Leichname zurückkehrten. Dort muß- ten sie unter schweren Mißhandlungen achtzehn Stunden täg- lich arbeiten, bei einer Kost, von der niemand leben konnte. Als ich fragte, warum man solche kranken Menschen hierher brächte, erklärte er, die Fabrik bekomme gesunde Menschen nur im Austausch gegen das verbrauchte Menschenmaterial. Am Nachmittag spielte sich bei uns eine regelrechte Men- scheniagd ab, da niemand freiwillig dorthin mitfahren wollte.” Die zwanzig Leute aus Stalowa Wola wurden in einem Raum im Ghetto ins Bett gelegt, aber zwei Tage später: * Die zwei Sklavenarbeitslager Stalowa Wola und Rozwadow lagen am San-Fluß, unge- fähr 50 km nördlich von Rzeszow, und wurden erst bei dem russischen Vormarsch auf die Weichsel im Juli 1944 evakuiert. Nach Kriegsende befaßte sich die polnische Unter- suchungskommission mit ihnen.!® 21 301 | DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG- „Gegen 7 Uhr waren sechs Gestapoleute angekommen und hatten verlangt, die kranken Arbeiter zu sehen. An ihren fin- steren Mienen war zu erkennen, daß sie nichts Gutes im Schilde führten. Im Krankenzimmer befahlen sie den Bett- lägerigen, aufzustehen und auf den Platz zu laufen. Wer nicht laufen könnte, müßte sterben. ‚Zeigt, ob Ihr's noch könnt, aber los!’ Sie jagten die armen Opfer mit Peitschenhieben aus den Betten und zwangen die Kranken, die sich kaum auf den Beinen hielten, immer wieder zu laufen; die Henker hielten sich den Bauch vor Lachen, so spaßig war das für sie. Dann begannen sie, auf die Laufenden zu schießen... Als wir das Ghetto West betraten, tappten wir in Blutlachen; unsere Schritte klangen unheimlich in der finsteren Nacht, wir fühlten den Tod in der Nähe. Vor unseren Häusern sahen wir Men- schenleichen liegen; Männer mit kleinen Laternen waren do- mit beschäftigt, sie auf Karren zu laden. Es waren Menschen darunter, die noch nicht tot waren und stöhnten. Die Männer hatten jedoch den Auftrag, alle wegzuschaffen 101,“ Die Zahlen des RSHA, die Dr. Korherr Himmler Ende 1942 über- mittelte, zeigten, daß nicht weniger als 1274166 Juden aus dem Generalgouvernement„umgesiedelt” worden waren 102. trotzdem gab es in Ostgalizien noch sehr viele Juden, und hier waren die Bedingungen viel weniger scharf als in Rzeszow*. So sah Dr. Guerin von„Stalag323” in Rawa Ruska am Weihnachts- tag eine Menschenmenge in den engen, gewundenen Straßen im Ghetto in Stryi. Die jüdischen Mädchen hatten ihre besten Sachen an, und manche von ihnen gingen mit deutschen Soldaten aus 1%, Und doch waren 2000 Juden zwischen dem 13. November und dem 3. Dezember aus Stryi abgeholt worden! Kaum ein Viertel der jüdischen Vorkriegsbevölkerung von 11 000 Seelen war noch am Leben, und auch diese sollten in den Aktionen der Monate Februar und Mai 1943 verschwinden!%, Ich kann nichts Besseres tun, als Dr. Guerins eigene Erklärung hier wiederzugeben, denn er ist vielleicht der einzige Augenzeuge der Vorgänge in Polen, der weder Verfolger noch Opfer war!%; * Offiziell waren Ende des Jahres noch 297 914 Juden nicht umgesiedelt, einschließlich der 161 514 in den galizischen Ghettos. Zu diesen müßte man die 200 000 bis 250 000 Juden hinzuzählen, die in Arbeitslagern und weitere 100 000, die versteckt oder auf der Flucht waren; das macht im ganzen 500.000 bis 600.000. Diese Zahlen gelten nur für das Gene- ralgouvernement, wo noch im März 1 600.000 Juden lebten. 302 KApITEI an Was fü den Akt entkomi auf, dan Jassen,© andere I hatten, k aus. 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Diejenigen unter ihnen, die den Massakern entkommen waren, nahmen ihr gewöhnliches Leben wieder auf, dank einer erstaunlichen Fähigkeit, Wunden heilen zu lassen, einer Fähigkeit, die diese Rasse besaß, die so viele andere Massaker erlebt hatte. Diejenigen, die sich versteckt hatten, kamen nach und nach aus ihren Schlupfwinkeln her- aus. Sie bewegten sich frei in der Stadt, öffneten ihre kleinen Geschäfte wieder, befaßten sich mit Geldverleih und be- gannen, sich wieder ein kleines Vermögen anzulegen. Einige junge jüdische Mädchen zeigten sich in ihren besten Kleidern, wobei sie absichtlich vergaßen, die Armbinde anzulegen. Sie erregten die Eifersucht ihrer polnischen Altersgenossin- nen, weil sie oft schöner, graziöser und geschmackvoller ge- kleidet waren als jene. Der Einfall, in die Wälder zu fliehen und den Städten, in denen so viele Gefahren auf sie lauerten, für immer zu entgehen, kam ihnen nicht. Das war nicht Man- gel an Mut, sondern eher ein rassischer Fatalismus, der sie, einem alten Herdeninstinkte folgend, dazu zwang, sich in die Ghettos der Vorväter zu drängen. Da sie nun einmal sterben mußten, zogen sie es vor, ihr bitteres Schicksal gemeinsam zu erleiden, als daß es sie in der Einsamkeit der Felder und Wälder ereilt hätte, wo die im Dienste der Deutschen ste- hende ukrainische Polizei sie mit erbarmungslosem Haß ver- folgt hätte.” Drei weitere Beispiele werden genügen, um den blinden Fatalis- mus des polnischen Juden zu illustrieren, den Dr. Guerin so aus- gezeichnet beobachtet hat. Im Fall Sandomierz war das Ghetto Ende Oktober 1942 vollständig geräumt worden. Im November wurden jedoch wieder Juden aus verschiedenen Arbeitslagern in das Ghetto eingewiesen, und Tausende von Geflohenen kamen zu ihnen ins Ghetto, um so einen gesetzlichen Status zu erlangen. Fast alle wurden am 10. Januar 1943 nach Treblinka gebracht; einige wenige blieben zurück, die den Kern eines neuen Ghettos bildeten, das dann erst im Juni liquidiert wurde!%. Bochnia bei Krakau war bis zum 25. August 1942 unangetastet geblieben, weil der deutsche Landkommissar aus den jüdischen Werkstätten ungeheuren Gewinn erzielte. Nach der ersten Um- siedlung, die das Ghetto fast ganz entvölkerte, wurden die Werk- 21* 303 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG stätten vom SD wieder aufgemacht und mit Juden gefüllt, die sich als Sklaven anboten, und dann vom SD an deutsche Unternehmer vermietet. Nach der Verordnung vom 28. Oktober wurde Bochnia zum genehmigten Wohnort, aber am 11. November wurde durch eine zweite Aktion die Bevölkerung im Ghetto um die Hälfte ver- ringert. Die Überlebenden wurden bis zum 1. September 1943 unter Konzentrationslagerbedingungen gefangengehalten und dann im Zuge einer dritten Aktion auf andere Lager oder Hinrich- tungsplätze verteilt; immerhin bestand aber im Januar 1944 in Bochnia noch eine kleine Arbeitsgruppe!7. Im äußersten Osten von Galizien mußte die jüdische Gemeinde von Zbaraz im gleichen Zeitraum sechs Aktionen durchmachen. Dies war ein typisches galizisches Ghetto, weder bewacht, noch abgesperrt, aber die Grausamkeit der Ukrainer und der von ihnen geübte Verrat waren so arg, daß Hunger und Kälte die einmal Ent- flohenen immer wieder zwangen zurückzukehren. Selbst in dieser kleinen Gemeinde war der Judenrat, dessen Mitglieder am Leben bleiben wollten, gezwungen, sich Tyrannei und Korruption zu beugen, während der jüdische Ordnungsdienst, dem an Aktions- tagen reichliche Mengen von Alkohol zugeteilt wurden, ganz zu- verlässig den Deutschen die Arbeit bis zum Augenblick seiner eigenen Vernichtung abnahm. Wir verdanken Jakob Littner, einem Münchner Briefmarkenhändler, der die letzten Ermordun- gen in Zbaraz überlebt hat, eine außerordentlich sachliche und ungeschminkte Beschreibung dieser Hölle. Er blieb am Leben, nicht durch eine Flucht in die Wälder, sondern dadurch, daß er von Juni 1943 bis März 1944, als die Russen kamen, in einer Erd- höhle unter dem Keller eines polnischen Bauernhauses lebte— eine der wundersamsten Geschichten dieses Krieges'®, Sein Be- richt wirft ein noch schrecklicheres Licht auf den Fatalismus und die Hilflosigkeit der galizischen Juden. Die Warschauer Juden waren sehr viel stärker europäisiert. Als Himmler es unterließ, im Oktober 1942 aus dem Warschauer Ghetto ein wirkliches Konzen- trationslager zu machen, hatte er sich verrechnet. Es ist richtig, daß er, um dies zu tun, wahrscheinlich jedes Gebäude einzeln hätte auskämmen müssen, aber das wäre im Oktober leichter gewesen als im darauffolgenden April. Man kann nicht leicht eine Erklärung dafür finden, warum Himm- lers Anordnung vom 8. Oktober nicht durchgeführt wurde. Himm- 304 Am Vorabeı wizte er jen Aırch von$ uch sein, de sus Mangel Ieiglich, da Anfang 194 Warschau„i flsch durch ion, die das in Warsche xhworen he R ENDLOSYNG üll, die Sich; INternehme: 'rde Bochnia Wurde durch 3 Hälfte ver. ember 194 halten und der Hinrich. var 1944 in > Gemeinde orchmachen, wacht, noch er von ihnen einmal Ent- bst in dieser er am Leben rrupfion zu an Aktions- N, ganz ZU- blick seiner kob Littner, 1 Ermordun- ıchliche und am Leben, rch, daß er n einer Erd- ses lebte— 108, Sein Be- alismus und auer Juden ınterließ, im hes Konzern: s ist richtig, ude einzeln ber leichter „rum Himm- yrde. Himm- ZEHNTES KAPITEL 4. DER PLAN WIRD GEÄNDERT ler selbst beschrieb die Situation in Warschau folgendermaßen: „In Warschau half ein sehr netter und einen ausgezeichneten Eindruck machender Verwaltungsführer von der Kavallerie- brigade bei der Ordnung der Dinge. Er war aber in keiner Weise rechtmäßig eingesetzt, SS-Oberführer von Sammern (der Höhere SS- und Polizeiführer Ferdinand von Sammern- Frankenegg) hatte ihn sich vernünftig zur Hilfe heran- geholt!%.” Am Vorabend des Aufstandes von Warschau, im April 1943, setzte er jemanden anders an dessen Stelle. Himmler mag sich durch von Sammerns Rat haben irreführen lassen, es kann aber auch sein, daß von Sammern ganz einfach Himmlers Anweisungen aus Mangel an Hilfskräften nicht durchgeführt hat. Man weiß lediglich, daß Globocnik in einer Mitteilung an Himmler, die er Anfang 1944 schrieb, die versteckte Bemerkung machte, daß in Warschau„in Verkennung der Sachlage der Abschluß methodisch falsch durchgeführt wurde“ 110, Es ist tatsächlich so, daß die Situa- tion, die das außerordentliche, unter dem Namen des Aufstandes im Warschauer Ghetto bekannte historische Drama heraufbe- schworen hat, in Dunkel gehüllt bleibt. 305 Elftes Kapitel Die Liquidierung der russischen und polnischen Ghettos 1943- 1944 1. Der Aufstand im Warschauer Ghetto In den Monaten Dezember 1942 und Januar 1943 war„Einsatz Reinhard“ sehr viel weniger aktiv. Das waren die Monate, in denen sich die neuen Kampfgruppen in den Gheittos Waffen ver- schafften. In Warschau wurden Pistolen und Handgranaten, die außerhalb des Ghettos gekauft wurden, an der polnischen Polizei und den fremden Miliztruppen vorbeigeschmuggelt, die den jüdi- schen Friedhof zu bewachen hatten, oder durch die Kanalisation hereingebracht!. Aber die Waffen mußten trotz gewisser zu den polnischen Gruppen des linken Flügels bestehender Beziehungen bezahlt werden, und erst gegen Ende des Aufstandes im Ghetto wurde die Armia Krajowa oder Heimatarmee durch einen Aufruf von General Sikorski aus London dazu bewogen, einen Beitrag zu leisten. Was die Gruppen angeht, die mit Rußland Kontakt hatten, macht es heute wenig aus, daß Marschall Rola-Zymierski Josef Tenenbaum gesagt hat, er wünschte, er hätte helfen können?. Die italienischen Divisionen, die im Februar 1943 aus der Kampf- linie gezogen worden waren, aber im Mai noch in Galizien Dienst taten, waren die beste Bezugsquelle. Für einen gewissen Preis lie- ferien sie Waffen für Widerstandskämpfer und Fahrzeuge für Flüchtige. In Lemberg kosteten italienische Pistolen 2000 Zloty(etwa 600 DM). Aber Deckung war ebenso wichtig wie Waffen. Die deutschen Besitzer von Fabriken im Ghetto förderten im Oktober 1942 nach der Warschauer Umsiedlung den Bau von unterirdischen Bunkern, offiziell gegen Luftangriffe, aber in Wahrheit, weil sie inzwischen ein echtes Interesse daran hatten, die Liquidierung des Ghettos zu verhindern. Der SD versäumte es, Himmler laufend zu informieren, und es ist leicht zu sehen, warum. Selbst der Haupt- 306 am KANTE. unsenmörde ven, mit 16 in Geschäft in 14, Janut ‚hend einen ‚ide und Hnmler haft B Ifßvon den: 4 lonats„umG } jrbleibende würen, nur a ten in den| wurden. Frefi amt von Hir «ze noch e ın,den 15. 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Himmler hatte von Oberst Fretter aus dem Rüstungsamt erfahren, daß von den 40 000 im Ghetto lebenden Arbeitern 8000 am 18. des Monats„umgesiedelt” werden sollten. Er stellte fest, daß von den verbleibenden Juden 24000, die als Rüstungsarbeiter getarnt waren, nur als Schneider und Kürschner beschäftigt, und die mei- sten in den Büchern der Firma Walter C. Többens AG. geführt wurden. Fretter wurde angewiesen, General Schindler im Rüstungs- amt von Himmlers Verwunderung Mitteilung zu machen.„Ich setze noch einmal einen endgültigen Termin für die Umsiedlung an, den 15. Februar.“ Es bestand der Plan, die 16000 Arbeiter von Többens in das Lager nach Lublin zu schicken und die verbleiben- den Fabriken mit Arbeitern aus Gefängnisbaracken im War- schauer Ghetto zu betreiben. Hinsichtlich Többens, der„sich mit von uns gelieferter, billiger jüdischer Arbeitskraft zum Millionär gemacht hat”, wurde verfügt, daß das Sicherheitshauptamt seine Bücher prüfen sollte*. Über das Handgemenge vom 18. Januar schrieb SS-Brigadeführer Stroop später an Krüger:„Sowohl die Betriebsführer als auch die Juden haben sich dieser Verlagerung in jeder denkbaren Weise widersetzt.” Ein Betriebsleiter ist vielleicht sogar von der Gestapo erschossen worden. Ein immer noch unterwürfiger Judenrat machte den Versuch, Umsiedlungslisten aufzustellen, aber von den für die Lager Trawniki und Poniatowo angeforderten 5000 „Freiwilligen“ waren nur wenige Hundert aufzutreiben. Die Be- triebsleiter machten über ihre Juden falsche Angaben und ver- steckten einen Teil ihrer Leute in den vorbereiteten Bunkern. Nur Többens machte den Versuch, seine jüdischen Vorarbeiter zu überreden. Er„hatte direkt von Globocnik erfahren“, daß dies tatsächlich die letzte Umsiedlungsaktion sei und daß die Juden in Poniatowo unter Überwachung durch die Wehrmacht arbeiten würden, an„einem Kindergarten, Sportplätzen und einem Schwimmbad“. Tatsächlich glaubte Többens dadurch, daß er in Poniatowo eine Partnerschaft mit Globocnik einging, seine Ge- 307 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG winne auch weiterhin einstreichen zu können*. Többens war jedoch der Arbeitgeber, der am wenigsten Aussicht hatte, die Juden beruhigen zu können. Er war seit langer Zeit als„Umsied- lungskommissar“ bekannt, und seine im Kleinen Ghetto gelegene und von seinen Assistenten Bauch und Jahn geleitete Fabrik stand im Ruf, ein„Prügelregiment” zu sein‘. Am 18. Januar 1943 setzte sich ein trauriger Zug von Deportierten die Niska-Straße entlang in Marsch. An der Kreuzung mit der Zamenhova-Straße zogen jedoch mehrere der Deportierten Schußwaffen heraus und schossen auf die SS und die Miliz. Der jüdischen Kolonne gelang es unterzutauchen, allerdings um den Preis sehr hoher Verluste. Drei Tage lang wurde eine Razzia von Haus zu Haus durchgeführt. Vier von den fünfzig bestehenden jüdischen Kampfgruppen verbarrikadierten sich in der Nord-Ost- Ecke des Ghettos, und nach vier Tagen war von Sammern gezwun- gen, zwei Feldhaubitzen einzusetzen, um die Gebäude zusam- menzuschießen, ohne jedoch der Anführer habhaft zu werden. Oberst Fretters 8000 Juden konnten nicht zusammengebracht wer- den’. Die offiziellen deutschen Zahlen zeigen, daß in der Zeit vom 3. Oktober 1942 bis zum 31. Januar 1943 nur 6490 Juden„um- gesiedelt“ worden sind®. Trotzdem entschloß sich von Sammern, die Aktion abzubrechen. Die jüdischen Führer ließen sich aber ihrerseits durch diesen rela- tiven Erfolg nicht täuschen. Sie wußten, daß ihnen ein viel ver- zweifelterer Kampf noch bevorstand. Am 3.Februar befahl Himmler Oswald Pohl, ein Konzentrationslager innerhalb des Ghettos zu errichten, aber nur als eine vorläufige Maßnahme bis zur Ver- legung der Juden samt der Arbeitsstätten nach Lublin?. Am 16. Februar befahl Himmler Krüger, daß„das Ghetto Warschau nach der Herausverlegung des KZ abzureißen ist“ 10. Der bisher von„300000 Untermenschen“ benützte Wohnraum müsse ver- schwinden. Die Millionenstadt Warschau, die„immer ein gefähr- licher Herd der Zersetzung und des Aufstandes” ist, müsse auf jeden Fall verkleinert werden**. Krüger und von Sammern zögerten noch, und Globocnik soll ge- * Ein am 3]. Januar 1943 unterzeichneter Vertrag wurde im Mai 1950 beim Prozeß gegen Többens vorgelegt. ”* Was Himmler vorhatte, ist leicht zu erkennen. Ende Januar waren 40 000 Menschen aus dem Stadtteil Vieux Port von Marseille ausgewiesen worden, der dann vollkommen zerstört wurde. 308 | zupes KA pITEL sagt haben Kräfte in iu Am 13. Mö gobe: die| |ebten nod halb von Z Unterstützt urchgefüh in der Jer Ploszow, 9 geföfet, Ei zeitig zur| jidisches t zu sortiere Am gleich willige“ ai Trawniki o den„wild Juden von Die Deuts: beschaffer die Macht Nachdem oktion Hill oder von nicht meh jüdischen raden nac zien mehr fen, bis sie se als Ge Am 17. 2 und Gene von Samn und Wiel Verneur F Többens, Man kanı Sündig\ Deportierten die Miliz, Der dings um den ne Razzia yon bestehenden der Nord-Ost. mern gezwurn. bäude zusam. ft zu werden gebracht wer. ß in der Zei O Juden„um- on Sammern, h diesen relc- ein viel ver- efahl Himmler >s Ghettos zu bis zur Ver- Lublin?. Am Ho Warschau 10, Der bisher n müsse ver r ein gefähr: st, müsse auf ycnik soll ge: im Prozeß geg®! 40 000 Menschei Jann vollkomm?! ELFTES KAPITEL 1. DER AUFSTAND IM WARSCHAUER GHETTO sagt haben, daß eine Zusammenziehung aller jüdischen Arbeits- kräfte in Lublin vor Juni nicht zu erreichen sein würde". Am 13. März machte sich Krüger zunächst an die leichtere Auf- gabe: die Liquidierung des Krakauer Ghettos. Nur 14000 Juden lebten noch im Stadtteil Podgorze, und die Aktion wurde inner- halb von zwei Tagen von SS-Sturmbannführer Willi von Haas mit Unterstützung der SS-Hauptsturmführer Neumann und Amon Göth durchgeführt. Die Mehrzahl der Krakauer Juden kam in das Lager in der Jerozolimska-Straße und von dort in die Arbeitslager Plaszow, Szebnie und Prokocim, viele wurden jedoch im Ghetto getötet. Ein Transport ging nach Auschwitz und kam dort recht- zeitig zur Eröffnung der ersten neuen Vergasungskammer an. Ein jüdisches Kommando blieb noch im Ghetto zurück, um die Beute zu sortieren. Es war eine vorbildliche Umsiedlungsaktion!2. Am gleichen Tage, dem 13. März, forderte Krüger 2000„Frei- willige” aus dem Warschauer Ghetto für das Durchgangslager Trawniki an. Es gelang aber dem Judenrat nur, 200 Menschen aus den„wilden” Wohnhäusern aufzutreiben, während 400„wilde“ Juden von den Kampfgruppen in den Bunkern versteckt wurden. Die Deutschen waren gezwungen, sich die Leute mit Gewalt zu beschaffen, denn der Judenrat teilte ihnen ganz offen mit, daß die Macht jetzt in andere Hände übergegangen sei"3. Nachdem die jüdischen Beamten, die bei der großen Umsiedlungs- aktion Hilfe geleistet hatten, alle entweder von Juden erschossen, oder von Deutschen verschleppt worden waren, war der Judenrat nicht mehr gegen die Widerstandsbewegung. Die Mitglieder des jüdischen Ordnungsdienstes, die gesehen hatten, wie ihre Kame- raden nach Treblinka gebracht worden waren, machten keine Raz- zien mehr auf Juden, da es ihnen gleich war, ob sie darauf warte- ten, bis sie an der Reihe waren, nach Treblinka zu gehen, oder bis sie als Geiseln erschossen wurden. Am 17. April traf, vom Balkan kommend, der SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei Jürgen Stroop in Warschau ein, um von Sammern abzulösen. Lichtenbaum, der Präsident des Ghettos, und Wielikowski, der offizielle Vertreter des Ghettos beim Gou- verneur Frank, wurden sofort verhaftet, anscheinend im Büro von Többens. Am 19. fuhren Stroops Panzer in das Ghetto ein'*. Man kann die Ereignisse der nächsten fünf Wochen von drei voll- ständig verschiedenen Gesichtspunkten aus sehen. Den ersten, 309 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG den symbolischen Gesichtspunkt, wird das Urteil der Geschichte festlegen müssen. Unter diesem Blickwinkel war der Aufstand im Ghetto der erste nationale militärische Aufstand der Juden seit dem Aufstand von Bar Kochba unter der Regierung Hadrians. Er war der Vorläufer der Verteidigung der„Altstadt” von Jerusalem und der Eroberung des Sinai. Sogar Goebbels erwähnte die Be- richte des„Jüdischen Oberkommandos” in seinem Tagebuch. So ist der Ghetto-Aufstand in sich selbst zu einem Epos des Juden- tums geworden und wird es immer bleiben"5, Der zweite Gesichtspunkt ist der Himmlers und seiner Umsied- Iungsfachleute. Bei ihnen hat niemals irgendein Zweifel über den Ausgang einer Aktion bestanden, an der höchstens 60000 Men- schen beteiligt waren, und in diesem Licht ist dann auch in Nürn- berg der Aufstand des Ghettos geschildert worden. In Stroops ledergebundenem Album wurde dem Gericht ein Bericht in Bildern vorgelegt. Da sah man den schwarzen Rauch, der über den unvor- stellbar makabren Wohnhäusern im Viktorianischen Stil hing. Da sah man die von Angst verzerrten, vom Feuerschein erhellten Ge- sichter der zur Deportation kommenden Menschen und die kraft- losen, kaum noch menschlichen Leiber der aus den Bunkern her- vorgezerrten Verteidiger. Hier war statistisch genau niederge- legt, wieviel Juden verbrannt und wieviel andere aus den Kana- lisationsschächten herausgeräuchert wurden, um dann hingerich- tet zu werden. In Nürnberg war daher der Aufstand nur ein Mas- senmord'6. Der dritte Gesichtspunkt, der Gesichtspunkt des deutschen Ober- kommandos, wird durch das gekennzeichnet, was Generaloberst Alfred Jodi Dr. G.M. Gilbert darüber sagte: „Diese schmutzigen, arroganten SS-Schweine! Man stelle sich vor, daß jemand einen 75 Seiten langen, prahlerischen Bericht über eine kleine Mord-Expedition schreibt, wenn ein großer Feldzug, der von Soldaten gegen eine gut bewaffnete Armee durchgeführt wird, nur ein paar Seiten einnimmt'7*.” Von diesem Gesichtspunkt aus war die Angelegenheit eine Aktion * Himmler scheint jedoch, um allen möglichen Vorwürfen von seiten des Oberkom- mandos vorzubeugen, das Ausmaß des Widerstandes im Ghetto übertrieben zu haben. So erklärte Jodl in Nürnberg:„Ich glaubte nicht recht an diesen heroischen Kampf, aber Hitler legte daraufhin sofort Photographien vor über die Bunker, die dort gebaut waren; er sagte: ‚Ja, das sind auch nicht nur die Juden, da haben sich polnische Nationalisten hineingerettet, es ist ein erbitterter Widerstand‘ 18,” 310 | gms KAPITEL | gegen Part iede Verstä fisanen WAT Warschaue hiet von M yorzugeher In Warsche zu werden, blick: gefäh des Ghetto später fast nach. Es wi nis in War ‚Dad halte i bestar (Unter glaub: Der Aufste gische Übe Juden. Uni eine milite den stellv: tees gefar ein Gefar ten?!, Hot jetzt fast baum-Tar das Ghet und dem Er mag de die noch hat, Ein g Hechalut; Es versteh Presse sch ELFTES KAPITEL 1. DER AUFSTAND IM WARSCHAUER GHETTO gegen Partisanen, die von nur 1100 regulären Soldaten sogar ohne jede Verstärkung durchgeführt wurde. Der Kampf gegen die Par- tisanen war häufig viel schwieriger. Im Verlauf des Aufstandes im Warschauer Ghetto war man deutscherseits gezwungen, im Ge- biet von Minsk gegen die„Partisanen-Republik vom Palik-See” vorzugehen. Deutschen Behauptungen zufolge wurden dort 12000 Partisanen und Zivilisten liquidiert, zu welchem Zweck man 16622 Mann einsetzen mußte. 127 Deutsche waren getötet worden". In Warschau brauchten keine Truppen von der Front abgezogen zu werden, und die Verbindung mit der Front war keinen Augen- blick- gefährdet, da ja der Kampf sich nur innerhalb der Mauern des Ghettos abspielte. Die polnische Bevölkerung, die ein Jahr später fast wie eine Armee kämpfte, ging ruhig ihren Geschäften nach. Es war, wie es der verbitterte Stroop 1948 aus dem Gefäng- nis in Warschau beschrieb 2°: „Da die polnische Bevölkerung sich äußerst passiv verhielt, halte ich eine Hilfe von dieser Seite für bedeutungslos. Sicher bestand eine Verbindung mit der polnischen Widerstands- (Untergrund-)bewegung. Daß diese materiell geholfen hat, glaube ich nicht.” Der Aufstand im Ghetto war für die Deutschen eine psycholo- gische Überraschung, war aber kein strategischer Triumph für die Juden. Unter den Bedingungen, unter denen das Ghetto lebte, war eine militärische Führung unmöglich. Am 9. Mai glaubte Stroop, den stellvertretenden Führer und den Stab des Widerstandskomi- tees gefangengenommen zu haben. Zwei Tage später teilte ihm ein Gefangener mit, daß alle Führer Selbstmord begangen hät- ten?!. Hat es einen solchen Stab überhaupt jemals gegeben? Die jetzt fast sagenhaft gewordene Gestalt von Mordechai Tenen- baum-Tamarov kam wahrscheinlich im Juli 1942 aus Wilna in das Ghetto, wo es ihm gelang, aus dem zionistischen„Hechalutz”* und dem sozialistischen„Bund“ eine Kampfgruppe zu bilden 2. Er mag der Gründer der Bewegung gewesen sein, die im Oktober die noch vorhandenen politischen Gruppen im Ghetto geeinigt hat. Ein ganz junger Mann mit Namen Mordechai Anielewicz, ein Hechalutz-Mitglied, soll als Führer im Kampf gewählt worden sein. Es versteht sich von selbst, daß Überlebende, die in der Moskauer Presse schreiben, einen Kommunisten als Führer nennen 2, Jeden- 311 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG falls haben die Deutschen den Hechalutz für alles verantwortlich gemacht. Stroop hat die in den Schlüpfern der weiblichen„Cha- lutzim” verborgenen Handgranaten beschrieben, und Krüger hat ihre Ausdauer gelobt. Sogar Eichmann bezeichnete sie als„bio- logisch wertvolles Material”%. Es ist anzunehmen, daß die Juden wie in den Tagen von Josephus in unabhängigen Gruppen kämpften. Dreiunddreißig Tage lang konnte Stroop den Angriff nicht einstellen. Zu seinen 2090 Mann gehörten 363 polnische Polizisten und 166 polnische Feuerwehr- leute, die keineswegs als Frontkämpfer anzusehen waren. Er ver- fügte über 335 litauische Milizsoldaten und über 228 deutsche Sicherheitspolizisten— Fachleute auf dem Gebiet der Ausrottung, aber keine für den Kampf ausgebildeten Soldaten. Stroops Truppe bestand nur aus einem in der Ausbildung befindlichen Ersatzbatail- lon von Panzergrenadieren, das aus 38] Mann bestand, und einem SS-Kavallerie-Ersatzbataillon mit 440 Mann, dazu 78 Pionieren und 24 Mann mit leichten Fliegerabwehrgeschützen. Die beiden in Ausbildung befindlichen Bataillone trugen erst seit drei oder vier Wochen Uniform. Stroop hatte nicht die Absicht, mit einer solchen Truppe irgendein Risiko einzugehen. Seine Verluste beliefen sich auf sechzehn Tote und neunzig Verwundete; diese Zahl kann je- doch, um Himmler eine Freude zu machen, zu niedrig angegeben worden sein. Am 19. April drangen ein 10-cm-Geschütz, zwei leichte Flak- geschütze, ein eroberter französischer Tank und zwei Panzer- wagen in das Ghetto ein. In seinem Bericht äußert Stroop sich über diesen Tag sehr zurückhaltend; es scheint jedoch, als habe diese Auffahrt nicht den Zweck erreicht, Angst und Schrecken zu ver- breiten, so daß er am zweiten Tag gezwungen war, jeder Einheit bestimmte Sektoren zuzuweisen. Der Widerstand in den Wohn- häusern war ganz allgemein, und es konnten nur 505 Juden für das Lager in Poniatowo zusammengetrieben werden. Die deut- schen Fabrikbesitzer zeigten sich auch jetzt noch nicht hilfsbereit. Nur Többens machte den Versuch, 4000 Arbeiter dazu zu bewe- gen, sich freiwillig zu versammeln. Viele blieben in dem großen „Betriebs“bunker unter der Fabrik, und Többens’ Teilhaber Lautz, der mit einer weißen Fahne in der Hand erschien, wurde eine Unterhandlung verweigert 2. Am 21. April hatte Stroop mehr Erfolg. Die 5200 Insassen von Wehr- 312 \ arts KapiTEL „nchebetie nerkte, aber kerichtefe ON aferhalb d io bewaffr orden ware agenen We chrhaft veı ung an Krüo ‚Immer Feuersn‘ Feuer Z In 23. Apri mit größter \immen. So Fever und Sf begannen, 5 \ıden gefar Grund ihres fihig angesı fug den nc Kriegstageb „Ich we linka) z geführt wie vor ten Jud ine Woch Hindernisse durch die Jı "Ich bin leider zum Tode veru egsverbreche zeichnet, Wona führer Hahn, c say, durchge Sroops Bericht Unsiedlungsko für die Zusam Au) sichtbar, f Asfändig war Gebiet zu üheı R ENDLOSUNG Tantwontlich chen IX„Cha. „rüger hat SIe als„bio. on Josephur ) Tage lang 2090 Mann Feuerwehr. ren. Er ver. 28 deutsche Ausroftung, Oops Truppe Ersatzbatail ), und einen 78 Pionieren ie beiden in ei oder vier iner solchen jeliefen sich ahl kann je- angegeben eichte Flak- wei Panzer- op sich über habe diese ken zu ver- eder Einheil den Wohn- 5 Juden für 1. Die deut + hilfsberell ‚u zu bewe- Jem großen aber Lauiz, wurde eine von Wehr ELFTES KAPITEL 1. DER AUFSTAND IM WARSCHAUER GHETTO machtsbetrieben wurden widerstandslos herausgeführt. Stroop be- merkte aber, daß weibliche Chalutzim anwesend waren, und berichtete am nächsten Tage, daß 35 polnische Kommunisten von außerhalb des Ghettos geschossen hätten. Eswurde dann bekannt, daß bewaffnete Juden in Wehrmachtsbetrieben zurückgelassen worden waren. Sie hatten sich mit deutschen Uniformen aus ihren eigenen Werkstätten ausgerüstet. Jetzt begann der Widerstand wahrhaft verzweifelt zu werden. Stroop schrieb in seiner Mittei- lung an Krüger: „Immer wieder konnte man beobachten, daß trotz der großen Feuersnot Juden und Polen es vorzogen, lieber wieder ins Feuer zurückzugehen als in unsere Hände zu fallen.“ Am 23. April erhielt Krüger von Himmler den Befehl, das Ghetto „mit größter Härte und unnachsichtiger Hartnäckigkeit“ durchzu- kämmen. So entschloß sich Stroop, das Ghetto Block für Block mit Feuer und Sprengstoffen zu zerstören. Die nichtbewaffneten Juden begannen, sich leichter zu ergeben. Bis zum 25. hatte Stroop 25 500 Juden gefangengenommen, von denen einige Tausend, die auf Grund ihres Alters oder Gesundheitszustandes als nicht arbeits- fähig angesehen wurden, im Ghetto eingeschlossen blieben. Stroop trug den nachstehenden, unvorstellbar kaltblütigen Satz in sein Kriegstagebuch ein: „Ich werde versuchen, für morgen einen Zug nach T 2(Treb- linka) zu erhalten, andernfalls die Liquidierung morgen durch- geführt wird.”(Am nächsten Tage schrieb er, daß der Zug wie vorgesehen abgegangen sei.)„Z. Zt. sind von den erfaß- ten Juden keine mehr in Warschau*.” Eine Woche war vergangen, und noch immer bestanden große Hindernisse, im besonderen machten die Kanalisationsgänge, durch die Juden entflohen und bewaffnete Partisanen in das Ghetto * Ich bin leider über den Prozeß gegen Stroop, der am 8. September 1951 in Warschau zum Tode verurteilt wurde, nicht informiert; aber bei dem Prozeß gegen die Haupt- kriegsverbrecher in Nürnberg hatte Stroop eine eidesstattliche Versicherung unter- zeichnet, wonach die Deportierungen während der Ghettoaktion von Obersturmbann- führer Hahn, dem Kd$ oder Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD in War- schau, durchgeführt wurden, der ihm nicht unterstellt war2. Die obigen zwei Sätze aus Stroops Bericht an Krüger scheinen diese Behauptung zu widerlegen. In der Regel war Umsiedlungskommissar Hans Höfle, dessen unmittelbarer Vorgesetzter Globocnik war, für die Zusammenstellung der Deportationszüge verantwortlich. Es ist aber ganz deut- lich sichtbar, daß im April 1943 die„Abteilung Reinhard” für Warschau nicht mehr zuständig war und daß Himmler Stroop aufgefordert hatte, das Ghetto als Partisanen- gebiet zu übernehmen. 313 Ben u uk: alt DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG hineinkamen, Schwierigkeiten. Stroop versuchte, sie zu überfluten, aber die Juden sprengten die Absperrschieber. Ganz zum Ends der Aktion kam Stroop auf den Gedanken, Nebelkerzen zu ver- wenden, die durch die 183 Einsteigschächte heruntergelassen wur- den. So wurden die letzten Menschen, die sich in den Kanälen aufhielten, im Glauben, sie würden vergast, der Mitte des Ghettos zugetrieben. Am 28. April wurde ein riesiger Bunker genommen, in dem „274 der einflußreichsten und reichsten Juden“ seit Oktober 1942 gelebt hatten. Nach Stroops Aussage war dies der Ort, wo Offl- ziere der Wehrmacht bewirtet und Geschäfte mit Deutschen ab- geschlossen wurden. Stroop zögerte, die Fabriken zu zerstören, um an solche Bunker heranzukommen, weil er fürchtete, dabei die Werkzeugmaschinen zu zerstören; Krügers Anwesenheit im Ghetto am 2. Mai kann darin eine Änderung herbeigeführt haben. Am 4. Mai wurden die Fabrik von Schultz und die Hauptfabrik von Töb- bens zerstört. Nur 465 Juden„wurden zur Verlagerung erfaßt“. Die zweite Fabrik von Többens im Kleinen Ghetto, in der die Ju- den Sprengladungen hergestellt hatten, wurde erst am 11. Mai geräumt. Am 8. Mai glaubte Stroop, daß nur noch etwa 3—-4000 Juden ver- steckt seien, aber trotz der Eroberung des Bunkers, ihres angeb- lichen Hauptquartiers, hörte der Widerstand nicht auf. Da er er- kannt hatte, daß das Durchkämmen bis in die Unendlichkeit weiter- gehen konnte, beschloß Stroop am 13. Mai, die Aktion in drei Ta- gen einzustellen und nur die Sicherheitspolizei im Ghetto zurück- zulassen.„Die jetzt erfaßten Juden werden nur nach T 2 geleitet.” Stroops Pläne müssen zur anderen Seite durchgesickert sein. Jü- dische Gefangene teilten ihm mit, daß sie Anweisung erhalten hätten, ihn nicht zu erschießen. Sie glaubten, daß man ihnen nach dem Abzug von Stroop erlauben werde, weiter im Ghetto zu wohnen. Am 15. Mai war es Stroop möglich, 87 Juden zu töten und 67 ge- fangenzunehmen, während er am 16. sogar 160 tötete. Trotzdem blieb er bei seiner ursprünglichen Absicht. Die Synagoge in der Tlomackie-Straße und die Kapelle auf dem jüdischen Friedhof wurden als symbolischer Akt in die Luft gesprengt, obgleich sie beide außerhalb des Ghettos lagen. Unter dieser schwarzen, rau- chenden Wildnis lebten viele Hundert Juden. Manche hatten sich 314 ee ager in ihrer am Septemb elter ausgeg üdchen, hal fn waren an A JAziell 7000 ‚orden”. Die | ih auf 5608 " snde, war branntt, Himmlers Ret funk ableseı stztwünsche hs liquidiert hrunner zu in heschäftigt w \ Iakkabäer" > Hätten, daß FO NWOREEN anni Männer. General Sch Juni die r in die Arb ullte die Ze (tnommen' hterbringur sollte das Ge üler Kanäle ten, Am 9,( füudirektor its Gheltog Iiden ausg: tüchtigten 5° saßen 31, In Februar IM freie A PLokomoti Men üblich, ichen Bedir ben mußte REN Dlogyg ) Überfuken, 2 zum Ends zen ZU ver lassen yır. en Kanälen' des Gheto, en, in den 1 ktober 19 rt, wo Oft. utschen ab. U zerstören, ©, dabei die 3itim Gheto haben. An rik von Töb: ing erfaßt” der die Ju- am 11. Mai ) Juden ver: hres angeb- f. Da er er| keit weiter:| in drei To- etto zurüd- geleitet.“ ert sein. Jü: ng erhalten ‚ihnen nach Ghetto zu und 67 ge: e, Trotzdem zoge in der en Friedhof obgleich se yarzen, Tal ‚ haften sic ELFTES KAPITEL 1. DER AUFSTAND IM WARSCHAUER GHETTO sogar in ihren Bunkern eingemauert, und in der Zeit von Juni bis zum September hat SS-Hauptsturmführer Franz Konrad sie immer weiter ausgegraben. Eine Bunkerbewohnerin, ein fünfzehnjähriges Mädchen, hat man sogar erst am 13. September entdeckt 7. Immer- hin waren am 16. Mai, dem festgesetzten Schlußtag der Aktion, offiziell 7000 Juden im Ghetto getötet und 7000„nach T 2 geleitet worden”. Die Zahl der getöteten und„umgesiedelten” Juden belief sich auf 56.060, aber eine nicht feststellbare Zahl, vielleicht Tau- sende, war unter den Trümmern begraben oder zu Asche ver- brannt. Himmlers Reaktion läßt sich aus Krügers Bericht an Gouverneur Frank ablesen, dem er am 31. Mai 2 mitteilte, daß der Reichsführer jetzt wünsche, daß die jüdischen Arbeitslager ebenso wie die Ghet- tos liquidiert würden. General Schindler versuchte, bei Kalten- brunner zu intervenieren, weil die Juden, die noch in der Industrie beschäftigt waren,„die physisch besten Kräfte, die sogenannten Makkabäer” wären und weil die Warschauer Vorgänge gezeigt hätten, daß die Frauen noch widerstandsfähiger seien als die Männer. General Schindler hatte Erfolg. Obgleich Himmlers Erlaß vom 11. Juni die noch bestehenden Ghettos zum Tode verurteilte, soll- ten die Arbeitslager weiter beibehalten werden”. Allerdings sollte die Zerstörung des Warschauer Ghettos unverzüglich vor- genommen werden. Das Dzielna-Gefängnis sollte weiter zur Unterbringung der Abriß-Arbeiter verwendet werden, aber sonst sollte das Gelände des Ghettos eingeebnet und nach Zuschüttung aller Kanäle und Kelleröffnungen in einen Park verwandelt wer- den. Am 9. Oktober konnte SS-Obergruppenführer Kammler, der Baudirektor der SS 3°(s. S. 166, 482), Pohl mitteilen, daß ein Drittel des Ghettogebietes zerstört sei. Die Arbeit wurde zum Teil von Juden ausgeführt, die im Dzielna- Gefängnis unter dem be- rüchtigten SS-Standartenführer Göcke aus Mauthausen gefangen saßen®!, Im Februar 1944 waren 2040 Juden an der Arbeit und dazu noch 1304 freie Arbeiter. Eine Zweiglinie der Ostbahn fuhr jetzt mit 19 Lokomotiven in das Ghetto hinein, aber wie bei SS-Unterneh- men üblich, wurde der Fortgang der Arbeit durch die entsetz- lichen Bedingungen behindert, unter denen die Sklavenarbeiter leben mußten. Pohls Bericht vom 20. April 1944 zeigt, daß von den 315 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG! 4675 beschäftigten Arbeitern 2180 Gefangene waren, daß aber noch weitere 3000 Gefangene sich in Typhus-Quarantäne befan- den. Am 10. Juni arbeiteten fast keine Gefangenen mehr. Trotz- dem berichtete Kammler am 29. Juni, daß die Zerstörung voll- ständig durchgeführt sei, jedoch das Einebnen noch nicht. Krüger hatte Befehl gegeben, die Arbeit einzustellen und die jüdischen Gefangenen abzutransportieren. Die Russen waren auf 20 km herangekommen, und zwei Tage später brach der Warschauer Aufstand aus?. Die Überlebenden aus der Zahl von fünf- bis sechstausend jüdi- schen Arbeitern— hauptsächlich holländische und griechische Juden, die aus Auschwitz und Lublin überwiesen worden waren— wurden nach Kutno gebracht, nachdem einige Hundert Kranke an Ort und Stelle liquidiert worden waren. Von Kutno aus kamen sie in das Konzentrationslager Dachau. Was das bedeutet, läßt sich aus dem Fall der 1050 holländischen Juden erkennen, die am 7. Ok- tober 1943 von Auschwitz in das„KZ Warschau“ verlegt worden waren. Nur fünfzehn blieben lange genug am Leben, um im April 1945 in Dachau von den Alliierten befreit werden zu können°°*. Das Gebiet des Ghettos ist wieder aufgebaut worden, nur die Straßennamen gehören der Vergangenheit an. Im Januar 1946 gab es in Warschau 9000 Juden, von denen manche außerhalb der Ghettos versteckt gelebt und sogar am zweiten Aufstand teil- genommen hatten. Andere waren aus deutschen Lagern zurück- gekehrt. Heute ist die Zahl der in Warschau lebenden Juden be- stimmt geringer, und Warschau hat jetzt wahrscheinlich weniger jüdische Einwohner als irgendeine andere europäische Haupt- stadt. 2. Die Liquidierung der übrigen Ghettos in Polen und Rußland 300000 Juden mußten nach dem Warschauer Aufstand aus den Ghettos in Lager überführt werden, um die Durchführung von * Als erste kamen 300 nichtjüdische Lagerinsassen im KZ Warschau an, die am 23. Juli 1943 aus dem Lager Buchenwald abgeschickt worden waren, um Hütten zu bauen. Ende September kamen russische Juden und Juden aus dem Reich aus dem Ghetto in Minsk an, Außer dem am 7. Oktober eintreffenden holländischen Transport kamen noch Transporte von griechischen Juden am 8. und 12. Oktober aus Auschwitz, danach viel- leicht auch noch Transporte aus Majdanek. Zwei Zugladungen mit Überlebenden aus Kutno kamen am 6. August und am 12. September 1944 in Dachau an. Anscheinend waren es 3428 Menschen. So waren also mehr als 2000 im KZ Warschau bereits gestorben%. 316 am Kapitel | Hnmlers p pi in fc Lodz Bialysto SosnoW Lember jie vier FUS aufgenomm daß der Ve nisse, Die von Riga 91 \ommen un sine euphe die deutsch folge, in di wurden, be Schwierigke Lembe Sosnov Bialyst Minsk Wilna Riga Kownc Lodz Die Tatsac linger bes Dagegen ı lichen Teil Ich größe November im Generı beilslager. ‚Hier habı Ihnen sind andere ist Frank im ‚Wenigen sonen zäl N PER ENDLosy N ih def aber 1 Nfäne befan. mehr, Trotz." Störung voll. nicht. Krüger die jüdischen n auf 20km Warschauer tausend jüdi d griechische den waren— ‚ um im April können®*, rden, nur die Januar 194 he außerhalb Aufstand teil- agern zurück- len Juden be- inlich weniger jische Haupt d Rußland tand aus den führung von n, die am 23. Jul n zu bauen. Ende Ghetto in Minsk yort kamen nocı yitz, danach viel Jberlebenden al; nscheinend ware! reits gestorben" ELFTES KAPITEL 2. DIE LIQUIDIERUNG DER ÜBRIGEN GHETTOS Himmlers Plänen zu ermöglichen. Von diesen Juden lebten 220 000 in folgenden acht großen Städten: Lodz 85.000 Wilna 20 000 Bialystok 30000 Kowno 20000 Sosnowiec-Bedzin 25 000 Riga 15 000 Lemberg 20 000 Minsk 8500 Die vier russischen Ghettos wurden am 21. Juni 1943 in den Plan aufgenommen, als Himmler Glücks und Kaltenbrunner mitteilte, daß der Vorgang im„Ostland“ bis zum 1. August erledigt sein müsse. Die Wehrmachtsarbeiter sollten in ein Lager in der Nähe von Riga gebracht werden, die Arbeitsfähigen in die Steinbrüche kommen und die übrigen„nach dem Osten” evakuiert werden, eine euphemistische Redensart, die Himmler noch verwendete, als die deutschen Armeen schnell westwärts zogen‘! Die Reihen- folge, in der die letzten Aktionen in den Ghettos durchgeführt wurden, beleuchtet die dem Plan Himmlers entgegenstehenden Schwierigkeiten: Lemberg vom 21. bis 27. Juni 1943 Sosnowiec 4. bis 12. August 1943 Bialystok 21. August bis 15. September 1943 Minsk 14. September 1943 Wilna 23. September 1943 Riga 3.November 1943 Kowno 25. Juli 1944 Lodz 5. September 1944. Die Tatsache, daß die Ghettos in Lodz und Kowno fast ein Jahr länger bestanden haben, ist das Seltsamste an der obigen Liste. Dagegen wurden die kleinen offenen Ghettos, meistens im öst- lichen Teil von Galizien und Weißrußland, und die schon erheb- lich größeren Ghettos von Tarnow und Przemysl alle noch vor November 1943 aufgelöst 7. Zu diesem Zeitpunkt gab es offiziell im Generalgouvernement keine Juden mehr außerhalb der Ar- beitslager. Am 2. August hatte Frank seiner Regierung mitgeteilt: „Hier haben wir mit dreieinhalb Millionen Juden begonnen; von ihnen sind nur noch wenige Arbeitskompanien vorhanden, alles andere ist— sagen wir einmal— ausgewandert 3.” Trotzdem war Frank im kommenden Jahr gezwungen zuzugeben, daß diese „wenigen Arbeitskompanien“ immer noch ungefähr 100000 Per- sonen zählten. 22 317 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG Die letzte große Umsiedlungsaktion begann im Generalgouverne- ment am 21. Juni 1943 in Lemberg. Es gab 12.000 Juden mit Arbeits- bescheinigungen, die in ihren Fabriken eingeschlossen lebten, und 8000„wilde“ Juden. Seit dem Warschauer Aufstand waren durch die Nähe der ungarischen und slowakischen Grenze Versuche zur Organisierung einer Massenflucht sehr gefördert worden. Am 15. Mai erfuhr Katzmann durch die Verhaftung von zwanzig Ent- flohenen, daß der Fluchtweg in Richtung Brody ging, wo eine jü- dische Widerstandsgruppe im Wald verborgen lebte. Katzmann behauptete, bei diesem seinem ersten Zusammentreffen mit irgend- welchem Widerstand seitens des galizischen Judentums dreiund- dreißig Mitglieder der Gruppe gefangengenommen zu haben. Es besteht aber Grund anzunehmen, daß andere Mitglieder der Gruppe nach Ungarn entkommen sind%. Bei der letzten Aktion in Lemberg sahen sich die Deutschen jedoch einer viel gefürchteteren Waffe gegenüber, als es die wenigen jämmerlichen italienischen Pistolen der Ghettoverteidiger gewesen waren. Katzmanns Verluste beliefen sich auf acht Tote und zwölf Verwundete, 120 seiner Leute erkrankten jedoch an Fleckfieber, und einer davon starb. Er bekam jüdische Flugblätter zu lesen, in denen die Juden aufgefordert wurden, infizierte Läuse zu züchten, und man zeigte ihm sogar die Fläschchen, in denen sie enthalten sein sollten. Diese Geschichte kann sogar etwas mehr sein als bloße Gestapo-Propaganda, denn es gab in Lemberg eine Klinik — das Behring-Institut—, die von der Roten Armee als Typhus- abwehrzentralstelle benutzt worden war und die später von den Doktoren Eyer und Haas von 1.G.-Farben für die Wehrmacht weitergeführt wurde. Nach Angaben von Mary Berg soll Typhus- Schutzserum regelmäßig aus dem Behring-Institut in das War- schauer Gheito eingeschmuggelt worden sein®. Gleichzeitig weiß man auch, daß dieses Institut infizierte Läuse für die Experimente an Menschen in deutschen Konzentrationslagern lieferte*. Viel- leicht war das Lemberger Ghetto der einzige Ort, wo die Experi- mente der SS sich gegen sie selber kehrten. * Haas hat in Nürnberg ausgesagt, daß er nicht nur Serum in den Typhus-Schutzblock nach Buchenwald gebracht, sondern auch Ampullen mit infizierten Läusen an Waldemar Hoven, den Chefarzt in Buchenwald, geschickt hat. Hoven hat in dem gegen ihn ge- führten Verfahren zugegeben, daß er Ende 1942 gezwungen war, fünfzig beschädigte Ampullen zu vernichten, 318 ame KapITEL (ofzmann W m. bis 2 Ioja beim| nen, VON gebracht wo Arkem Selt mfür dos ı bis Janu den, die au 7, Juli 1944 orden war en, Unter \r, 10057,( ınd bei der \on ihnen s now", die C Yan darf a xhlimmer W idisches A \\ßstände Hinmler‘2* Am 30. Juni dns heißt ir gesiedelt“"} roch in Arl verrringert schien gera üesen Rest 9. Julitauch noiors Side das jüdisch "Wie z.B. do S abrik OST "um Prozeß gı M Dezember] "ereils gestorb Yll, 16. Dezeı Ri IM Juden ‚lodesberg",| M der Masch; N Rohenneue W ER ENDLOSUNG ralgouvern.. j N mit Arbeik, n lebten, und Waren durch ersuche zur Worden, Am Zwanzig Ent. WO eine jj e. Katzmann N mit irgend. ums dreiund. Zu haben, Es itglieder der schen jedoch die wenigen iger gewesen te und zwölf \ Fleckfieber, zu lesen, in 2 zu züchten, sie enthalten ehr sein als g eine Klinik als Typhus- iter von den Wehrmacht soll Typhus- n das War- ‚hzeitig weiß Experimente ferte*. Viel > die Experi- phus-Schutzblod|| on an Waldemar} n gegen ihn ge| fzig beschädigl: ELFTES KAPITEL 2. DIE LIQUIDIERUNG DER ÜBRIGEN GHETTOS Kotzmann war recht erstaunt, daß sich die Zahl der in der Zeit vom 21. bis 27. Juni 1943„umgesiedelten” Juden auf 20.000 belief, da ja beim Lemberger Judenrat nur 12000 überhaupt registriert waren. Von dieser Zahl sind etwa 3000 nicht auf den„Sandhügel“ gebracht worden, sondern es wurde angegeben, daß sie in den Bunkern Selbstmord verübt hätten. Einige weitere Tausende wur- den für das Arbeitslager in der Janowska-Straße zurückbehalten, wo bis Januar 1944 Lemberger Juden gelebt haben. Mehrere Ju- den, die aus diesem Lager entkommen waren, sind nach dem 27. Juli 1944, als Lemberg von der Roten Armee wiedererobert worden war, von einer russischen Kommission vernommen wor- den. Unter ihnen befanden sich Mitglieder des„Kommandos Nr. 1005”, die die Toten vom Sandhügel zu verbrennen hatten und bei der Meuterei am 20. November 1943 entkommen waren. Von ihnen stammen die unvorstellbaren Beschreibungen von„Ja- now”, die die sowjetische Anklage in Nürnberg vorgelegt hat. Man darf aber nicht annehmen, daß„Janow” als Folterkammer schlimmer war als Lublin und Auschwitz. Es war ein„Julag“” oder jüdisches Arbeitslager der SS, wie es deren viele gab. Seine Mißstände waren die Mißstände des gesamten Systems von Himmler#2*. Am 30. Juni 1943 schätzte Katzmann, daß er im„Distrikt Galizien”, das heißt in ganz Galizien östlich des San, 434329 Juden„um- gesiedelt” habe, womit er getötet meinte, denn 21 256 Juden, die noch in Arbeitslagern lebten und deren Zahl„von Zeit zu Zeit verrringert wurde”, führt er gesondert auf. Seltsamerweise er- schien gerade in diesem Augenblick eine schwache Hoffnung für diesen Rest der dichtesten jüdischen Bevölkerung Europas. Am 9. Juli tauchte die„Partisanen-Armee” des ukrainischen General- majors Sidor Kovpak an der galizischen Grenze auf und besetzte das jüdische Arbeitslager in Skalat. Sich durch die deutschen Li- * Wie z.B. das Arbeitslager in Dorohucza bei Radom, das die Arbeitskräfte für die SS Fabrik OSTI Nr. 2 lieferte, in der Torfbriketts und Teerprodukte hergestellt wurden. Beim Prozeß gegen den SS-Truppführer Konrad Buchmayer vor dem Wiener Volksgericht im Dezember 1950 wurde angenommen, daß 1500 Juden in diesem relativ kleinen Lager bereits gestorben waren, ehe es am 3. November 1943 liquidiert wurde(Wiener Volks- blatt, 16. Dezember 1950). Selbst ein kleines Fabrikkommando im Lager Plaszow, in dem nur 150 Juden und 200 politische Häftlinge beschäftigt wurden, hatte seinen eigenen „Todesberg”, auf dem ein Mann schon deshalb hingerichtet werden konnte, weil er an der Maschine eingeschlafen war.(Bericht über den Prozeß gegen Bernhard Fuchs in Hohenneuendorf, Der Tagesspiegel, Berlin, 11. Mai 1947.) 22* 319 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG nien bei Kursk hindurchschlängelnd, hatte diese Truppe einen phantastischen Marsch von 7000 Kilometern in westlicher Richtung gemacht, um die Olraffinerien in Boryslaw in den Karpaten zu zerstören, und war so in Gebiete eingedrungen, die die Haupt:' vortrupps der Roten Armee erst ein Jahr später erreichten. Nach Angaben von Josef Tenenbaum befreite Kovpak mehrere Hundert Juden aus dem Arbeitslager Skalat, und von dieser Zeit an schlossen sich ihm jüdische Freiwillige„aus jeder Stadt, jedem Lager und aus Unterschlupfen an”#3; Solomon M. Schwarz, der an- dere Quellen zitiert, weiß allerdings anderes zu berichten. Den Juden in Skalat wurde gesagt, daß Soldaten und gesunde, kräf- tige Leute gebraucht würden und keine Konzentrationslagerinsas- sen, die sich kaum auf den Füßen halten könnten, und den dreißig jungen Leuten, die dennoch Kovpak folgten, wurden zunächst Waffen versagt, und sie selbst wurden fortgetrieben. Es ist noch' gewichtiger, daß Kovpak in seinem eigenen Buch eine Juden- befreiung nicht erwähnt. Es wäre ja auch tatsächlich so etwas wie ein historisches Wunder, wenn ein in der Kosakentradition erzo- gener ukrainischer General zum Judenbefreier geworden sein sollte“. Das Schicksal der Juden in galizischen Lagern nach dem Angriff von Kovpak ist in Dunkel gehüllt. Ein Jahr später, als die Rote Armee wiederkam, lebien jedoch in dem gesamten Gebiet nur noch 9000 Juden in Verstecken, einschließlich der 827 in Lemberg lebenden Juden*#. Nach Lemberg kamen die Zwillingsstädte des schlesischen Industriegürtels Sosnowiec-Bedzin an die Reihe. Mit ihren 185000 Einwohnern, von denen 45000 Juden waren, waren sie im Jahre 1939 ins Reich„heimgekehrt” und hatten ihre deutschen Namen Sosnowitz und Bendzin wieder angenom- men. In den Monaten Mai, August und Oktober 1942 hatte man schon Aussonderungen vorgenommen, aber wegen der großen Zahl von Juden, die in der Industrie beschäftigt waren, hatten sie sich in kleinem Rahmen gehalten, und die Schätzung der Ärztin Dr. Ada Bimko, der zufolge in der letzten Aktion im August 1943 25000 Juden in einer Woche nach Auschwitz geschickt wurden, ist wahrscheinlich nicht übertrieben, Dr. Bimko glaubte, daß in ihrem eigenen Transport am 4. August 5000 Juden waren und daß von diesen nur 500 ins Lager aufgenommen wurden“. Die ganze Aktion dauerte zehn Tage und ist insofern bemerkenswert, als genaue Berichte über die eingesetzten Kräfte erhalten geblieben 320 Mi KapiEl und, Die gen \ihe station a der aufg Isanscheiner Br U Hilfe ‚enden bes ‚yein Verz Re. je Auswirku AL datiertei nsferium des ie Bevölkert mit 1847 Inden Hauf seifigt WOTt brßevölker: Iısnächste€ Diese Textils 10000 Seele krogen hat akim Septen IInssenmord: ssnach der( znächst bei Simpf und Inlystok” a . Es ist noch" eine Juden- So elwas wie ladition erzo- worden sein imten Gebiet 27 inLemberg 1gsstädte des die Reihe. uden waren, d hatten ihre 'r angenom- 42 hatte man der großen .n, hatten sie g der Ärztin August 1% iickt wurden, jbte, daß n ‚ren und del! 6 Die ganze 7 enswert, ab| n geblieber ELFTES KAPITEL 2. DIE LIQUIDIERUNG DER UBRIGEN GHETTOS sind. Die ganze Aktion wurde von regulärer Polizei, von in der Nähe stationierten Schutzpolizeiabteilungen, durchgeführt. Die Zahl der aufgebotenen Leute schwankt zwischen 250 und 690, und da anscheinend keine Sicherheitspolizei in militärischen Formatio- nen zu Hilfe gerufen worden ist, kann der von manchen Über- lebenden beschriebene Widerstand#° nicht mehr erreicht haben als ein Verzögern der geplanten Maßnahmen um ein paar Tage*. Die Auswirkungen dieser Aktion werden aus einer vom Oktober 1944 datierten Aktennotiz ersichtlich, die die Polizei an das Mi- nisterium des Innern gerichtet hat. Darin wird niedergelegt, daß die Bevölkerungszahl der beiden Städte vom Stand des Jahres 1939 mit 184739 auf 127 350 gesunken sei.„Das jüdische Element, das den Hauptteil der Verbrecher stellte,... ist ausgesiedelt bzw. beseitigt worden, so daß mit einer außerordentlichen Kriminalität der Bevölkerung nicht mehr zu rechnen ist#.” Das nächste große Ghetto auf der Umsiedlungsliste war Bialystok. Diese Textilstadt hatte vor dem Kriege eine Bevölkerung von 110000 Seelen, und die Zahl der jüdischen Einwohner, die 39 115 betragen hatte, war sicher durch Flüchtlinge noch erhöht worden, als im September 1939 die Russen die Stadt besetzten. Zu einem Massenmorden verhältnismäßig nicht sehr großen Umfanges kam es nach der deutschen Besetzung am 11. Juli 1941, doch blieb es zunächst bei diesem einen. Ungefähr 12000 Quadratkilometer Sumpf und Wald wurden vom Reich als„Reichskommissariat Bialystok“ annektiert, das ein Anhängsel des von Erich Koch re- gierten Gaues Ostpreußen wurde. In diesem Gebiet, in dem sich die großen jüdischen Gemeinden von Bialystok, Grodno und Lomza sowie viele kleinere Ghettos befanden, lebten mindestens 150000 Juden. Sie blieben seltsamerweise zunächst von dem Schicksal verschont, das ihre Nachbarn in Weißrußland und Li- tauen erdulden mußten. Selbst die 20000 Juden in Grodno, das litauisch gewesen war, entgingen den von Stahlecker organisier- ten Massakern. Die jüdischen Gemeinden in Bialystok und Grodno * Dr. Dvorjetski erwähnt eine Frau, die von den Chalutzim von Wilna nach Bedzin durchgeschmuggelt und dann am 3. August in einem Bunker getötet wurde4#. Jenny Spritzer sagt, daß der letzte Transport von Bedzin nach Auschwitz aus den An- gestellten des Judenrates und anderen besonders bevorrechtigten Juden bestand, von denen einige die Wachen auf dem Abstellgleis in Birkenau mit Schußwaffen an- griffen 48a, 32] DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG wurden durch die Schaffung von Zweigghettos in Jasinowka und Keilbasin für Juden, die aus kleineren Ortschaften dorthin gebracht wurden, vergrößert, vielleicht sogar verdoppelt!. Selbst die Fangarme von„Einsatz Reinhard” vermieden es 1942 meist, auf das„Reichskommissariat” hinüberzugreifen, obgleich ein großer Teil des Grodnoer Ghettos nach Majdanek verlegt wurde. Erst im Dezember 1942, als für das gesamte Reichsgebiet die allgemeine Räumung anbefohlen wurde, gab Müller von der Gestapo einen Erlaß heraus, durch den außer den Juden in Berlin und Theresienstadt auch 30000 Juden im Ghetto Bialystok erfaßt werden sollten. Die Verkleinerung des Hauptghettos in Grodno und die Verringerung der Zahl von„Landjuden“ in Bialystok be- gann in jenem Monat mit Deportierungen nach Treblinka und Auschwitz. Diese Deportierungen umfaßten sehr bald das ganze „Reichskommissariat” ebenso wie Makow, Mlava und Ciechanow, das dem Gau Ostpreußen angeschlossen worden war. Obwohl die Auschwitzer Krematorien im Dezember und Januar Rekord- leistungen vollbrachten, wurde Grodno erst am 12. März 1943 „ludenfrei” gemacht 2. Hinsichtlich des Ghettos in Bialystok mit seinen Textilfabriken, die für die deutsche Volkswirtschaft so wertvoll waren, wurde Müllers Erlaß vom 16. Dezember 1942(siehe$. 188) nur sehr langsam zur Ausführung gebracht. Für die nächsten zwei Monate war die Mordmaschinerie in Auschwitz voll beschäftigt. Zwischen dem 3. und 12. Februar gingen drei Züge mit 13000 Juden aus Bialystok nach Treblinka. Einige Juden wurden bei der Räumung der Bun- ker getötet, aber es gab keinen bewaffneten Widerstand, obgleich die lange Zeit der verhältnismäßigen Ruhe dazu geführt hatte, daß Bialystok eines der ersten Ghettos war, das Kampfgruppen organisierte°. In seinem Schriftwechsel mit Himmler von März und Juni 1943 be- sprach Globocnik die Frage der Verlagerung der Textilfabriken von Bialystok nach Lublin 5%, aber erst am 21. August kam es zur Absperrung des Ghettos und zur Besetzung der Fabriken durch die SS. Als die Bevölkerung auf den Jurowiecka-Platz getrieben wurde, versuchten 300 Juden, den Stacheldraht zu überklettern, aber diese von langer Hand vorbereitete Aktion Tenenbaum-Ta- marovs, auf die sich die letzten Hoffnungen des polnischen Juden- tums konzentriert hatten, schlug fehl. Die Kämpfenden suchten in 322 gas Kae ( inBunkern aber hinal! u$ Gpeflo zu SP jum-Tamart zufällig l 1 ‚lhenen Bei Im2l. und. feblinka ge Aufeiner sol Yınden daue Inden. So wa Ihgesehen V (8 Was nu ki einer Be on„Ost NM„umge (be, desser ierten im Ni ung zugeg nd Lida eiı Ierger, der( ars zu Rose an$-Lage drauf, daß ebenso gerc ung wurde tbenden Ju oger Lublin Set Aprıl v ıuden, die c "Nach Angabe Ntidonek, Bliz, Otüber die, Siolystoker Fat “ldso| der Obgleich alle; Ind Rajzman u Aufstandes. in iteilung, da d das ganze Ciechanow, ar. Obwohl var Rekord. . März 1943 fabriken, die urde Müllers langsam zur late war die wischen dem aus Bialystok ‚ng der Bun- nd, obgleich eführt hatte, ımpfgruppen Juni 1943 be- oxtilfabriken kam es zur yriken durch tz getrieben jberklettern, enbaum-Tc: chen Juden- n suchten in ELFTES KAPITEL 2. DIE LIQUIDIERUNG DER ÜBRIGEN GHETTOS den Bunkern Schutz, von denen sich einige bis über den 15. Sep- tember hinaus halten konnten, bis die Deutschen begannen, das Ghetto zu sprengen. In einem dieser Bunker fand auch Tenen- baum-Tamarov den Tod>>. Aus zufällig in der Königsberger Reichsbahndirektion erhalten ge- bliebenen Begleitpapieren geht hervor, daß in der Zeit zwischen dem 21. und dem 27. August fünf Sonderzüge von Bialystok nach Treblinka gegangen sind. 266 Waggons wurden abgefertigt. Auf einer solchen Fahrt, die im allgemeinen zwei bis zweieinhalb Stunden dauerte, konnten 80 bis 100 Juden in den Viehwagen Platz finden. So war also Raum genug für alle 25000 Überlebenden*. Abgesehen von Lodz waren damit alle polnischen Ghettos erle- digt. Was nun die russischen Ghettos angeht, so hat Rosenberg bei einer Besprechung in seinem Büro am 13. Juli erklärt, daß 50000„Ostland-Juden“ in Arbeitslager gebracht und weitere 22000„umgesiedelt“ werden müßten. Generalkommissar Wilhelm Kube, dessen Bemühungen zugunsten der aus dem Reich Depor- tierten im Neunten Kapitel erwähnt sind, war bei dieser Bespre- chung zugegen und legte ein guies Wort für die Juden in Minsk und Lida ein, die Schlitten für die Wehrmacht bauten. Gottlob Berger, der Chef desSS-Hauptamtes und Verbindungsmann Himm- lers zu Rosenberg, machte den Vorschlag, 4000 dieser Juden in ein SS-Lager zu überführen, jedoch erwiderte Gauleiter Meyer darauf, daß auf Befehl Himmlers die Arbeitslager im Gebiet Minsk ebenso geräumt werden müßten wie die Ghettos®®. Diese Erklä- rung wurde fünf Wochen später von Himmler bestätigt. Die über- lebenden Juden sollten von Weißrußland in das Konzentrations- lager Lublin oder„sonst irgendwohin” gebracht werden 5°. Seit April waren von den 6200 russischen und 2600 deutschen Juden, die das Massenmorden in Minsk im Juli 1942 überlebt hat- * Nach Angaben von Dr. Josef Kermisz wurden die Juden in die Lager Treblinka, Majdanek, Blizyn und Auschwitz gebracht. Aus einem an Oswald Pohl gerichteten Be- richt über die Abwicklung von Globocniks Unternehmen OSTI ist ersichtlich, daß drei Bialystoker Fabriken in Blizyn als Werk 6, 7 und 8 wieder aufgebaut wurden. Das Schicksal der großen Masse der Bialystoker Juden ist allerdings in Dunkel gehüllt. Obgleich alle zuerst nach Treblinka kamen, ist es im Licht der Aussagen von Wiernik und Rajzman unwahrscheinlich, daß dort manche wenige Tage vor dem Ausbruch des Aufstandes in Treblinka vergast wurden. Und doch erhielt Zdenek Lederer die Mitteilung, daß einige Kinder, die aus dem Ghetto in Bialystok nach Theresienstadt kamen(siehe Seite 462), gesehen hatten, wie ihre Eltern in ein„Badehaus“ geschleppt wurden 7. 323 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG F ten, nach und nach immer wieder welche in Gaswagen, die vom Gefängnis aus eingesetzt wurden, vergast worden. Wilhelm Kube machte immer noch den Versuch, deutsche Juden zu schützen, geriet aber dabei selbst in Schwierigkeiten. Am 10. Juli wurden Himmler die kritischen Äußerungen zugestellt, die Kube bezüglich des Kampfes gegen die„Partisanen-Republik am Palik-See” ge- macht hatte. Kube sprach in seinem Schreiben von angeblichen Partisanen, die in einer Scheune lebendig verbrannt und dann von Schweinen gefressen worden waren. Er sprach von Hingerich- teten, die, nachdem man sie als tot hatte liegen lassen, sich im Krankenhaus zur Behandlung einstellten. Er beschwerte sich über die Sicherheitspolizei in Minsk und über den Handel, den sie mit Goldzähnen ermordeter Juden trieb, ein Geschäft, für das ein deutsch-jüdischer Zahnarzt benutzt wurde®'. Kube hatte Eduard Strauch, dem Kommandeur der Schutzpolizei, gesagt, daß„diese Art unseres Vorgehens eines deutschen Menschen und eines Deutschlands Kants und Goeihes unwürdig sei“. Als Kube am 20. Juli aus Berlin wieder nach Minsk zurückgekehrt war, stellte er fest, daß sich Strauch inzwischen an das„deutsche Ghetto” gemacht hatte. Während der Aktion hatte man den Ord- nungsdienst der deutschen Juden unter dem Vorwand wegge- schickt, in der Stadt sei ein Brand ausgebrochen, und er hätte sich zur Löscharbeit zur Verfügung zu stellen. Die Juden wurden auf Lastkraftwagen verladen und, wie Strauch von dem Bach-Zelewski schrieb,„sonderbehandelt”. Die siebzig in Kubes Hauptquartier beschäftigten Juden waren ebenfalls getötet worden, wofür Strauch auch einen Grund angab#2. Er hatte entdeckt, daß Kube versäumt hatte, zwei weibliche Büroangestellte zu bestrafen, die „Handel mit falschen Pässen getrieben“ hätten. Er hatte es ferner unterlassen, den jüdischen Elektrotechniker verhaften zu lassen, der sich eine Abhörvorrichtung gebaut hatte, durch die er sämt- liche Gespräche, auch die Kubes, abhören konnte. Diese Beschwerden veranlaßten Kaltenbrunner zu dem Befehl, daß die in Büros beschäftigten Juden wieder zu körperlicher Arbeit zur Verfügung zu stellen seien, da die eingeborene Bevölkerung angefangen hätte, sich um ihre Gunst zu bemühen, in der Hoff- nung, daß sie sich bei der Rückkehr der Roten Armee ihrer erinnern würden. Hinsichtlich Kubes scheint Rosenberg die Absicht ge- habt zu haben, Gauleiter Meyer nach Minsk zu schicken, um ihm 324 | | Wohnung} Ind Kubes 1 1 guieso wie Iondesverrc Als nächste | fuhepause wesen WAr ‚Kowno-Ak August 1 von Jakob Nassenmor Die Grupp Boten in an dont, beiri sond mit rı " eingeschlo: U denTod ge "" kosmetisch Es hatte de mögen ve zur Verfüc Yeranstalte SE; "Dreizehn die Auden aus den Andere kamer Gottlob Berge die nicht erme Ida mit der Kaganowitsch Kamen, von« der sig yn haften sie sic ‚ den sie mit für das ein afte Eduard ‚ daß„diese und eines Tückgekehrt as„deutsche an den Ord. and wegge- er hätte sich wurden auf ıch-Zelewski| auptquartier! ‘den, wofür| t, daß Kube| sstrafen, die tte es ferner 1 zu lassen, lie er sämt-® Befehl, daß" cher Arbeil evölkerung n der Hof er erinneff Absicht ge: en, um ihm — ELFTES KAPITEL 2. DIE LIQUIDIERUNG DER ÜBRIGEN GHETTOS energische Vorhaltungen zu machen$*. Von da an griff Kube nicht mehr ein, und Kaltenbrunners Anweisungen waren schon bald überholt, da am 14. September die letzten Juden aus Minsk weg- kamen. Einige von ihnen wurden an Ort und Stelle in den„Dushe- gubky” oder Gaswagen getötet, und kaum eine Handvoll Juden aus dem Reich, die unter Kubes ganz besonderem Schutz gestan- den hatten, überlebten den Krieg®*. Am 22. September wurde dann schließlich Kube selbst von einer Bombe getötet, die sein Zimmermädchen, eine Partisanin, in seine Wohnung hineinwarf. Himmler sagte von dem Bach-Zelewski, daß Kubes Tod„für Deutschland ein Segen sei”, denn er hätte ihn sowieso wieder ins KZ stecken müssen,„da seine Judenpolitik an Landesverrat grenzte”®%, Als nächstes kam Wilna an die Reihe, nach einer viel längeren Ruhepause als diejenige, die dem Minsker Ghetto vergönnt ge- wesen war. Abgesehen von dem erschreckenden Verrat der „Kowno-Aktion” hatte zwischen dem 21. Dezember 1941 und dem 5. August 1943 keine„Umsiedlung” stattgefunden°. Die Führung von Jakob Genns hatte dem Ghetto in der Zeit der schlimmsten Massenmorde in Polen Ruhe und Sicherheit gegeben(siehe S. 73). Die Gruppe„FPO”(Fareinikte Partisanen Organizacie) konnte Boten in andere Ghettos schicken, Itzig Wittenberg, der Komman- dant, betrieb einen Radiosender, gab eine Zeitung heraus und stand mit russischen Fallschirmgruppen in Verbindung’”°. In diesem eingeschlossenen Ghetto, aus dem 30.000 Juden im Jahre 1941 in den Tod gegangen waren, bestand eine blühende Erzeugung von kosmetischen Artikeln, Mineralwasser und Vitamin B-Tableiten. Es hatte das Monopol im Schornsteinfegen in Wilna, womit Ver- mögen verdient wurden; ein Theater, ein Fußballplatz standen zur Verfügung, und im Jahre 1943 wurden„Olympische Spiele” veranstaltet. Die Ghettokinder wurden zur Erholung aufs Land * Dreizehn dieser Juden waren Deportierte aus Theresienstadt. Sie berichten, daß die Juden aus dem Reich von Minsk in das Lager im Warschauer Ghetto geschickt wurden. Andere kamen in das nahegelegene Lager in Maly Trostinec, wahrscheinlich das von Gottlob Berger erwähnte SS-Lager, das man erst gegen Ende Juni 1944 räumte, als die, die nicht ermordet wurden, in ein Lager bei Posen kamen®, Die letzten Juden verließen Lida mit der Bahn nach Lublin-Lager am 19. September. Nach Angaben von Mosche Kaganowitsch 9° wurde einigen, die in der Nähe von Nowogrodek aus dem Zug ent- kamen, von den Weißrussen ein schlechter Empfang bereitet. Durch die lange Zeit, in der sie unter dem Schutz von Kube und der Wehrmachtsstellen gestanden hatten, hatten sie sich den Vorwurf der Kollaboration mit den Deutschen zugezogen. 325 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG geschickt, und Kenner des Hebräischen waren mit Übersetzungen für die„Rosenberg-Stiftung” in Frankfurt a.M. beschäftigt*. Die Massenmorde des Sommers 1942 brandeten bis an die Mauern des Wilnaer Ghettos, ohne dort Schaden anzurichten, aber im März 1943 brachte man Juden aus weißrussischen Landgemeinden in das Ghetto. Derartige Aktionen seitens des SD waren im allge- meinen das Vorspiel für die Liquidierung von älteren Ghetto- insassen. Trotzdem ließen sich am 15. April mehrere Tausend Wil- naer Juden von dem deutschen Angebot einer Überführung in das Kownoer Ghetto täuschen. Der Zug nach Kowno hielt jedoch an den Todesgruben in Paneriai an. Der Kommandeur des SD wich von der von Heydrich niedergelegten Politik des„Pharaonischen Grabes” ab und ließ den jüdischen Ordnungsdienst aus Wilna kommen, die Opfer zu begraben. Als diese Menschen von ihrer unsagbar grauenhaften Arbeit zu ihren Familien zurückkehrten 72, erkannte jeder einzelne im Ghetto, daß ihr Wissen um die Vor- gänge und ihre Angst den Deutschen nichts mehr bedeuteten. Sie waren zum Tode verurteilt. Einige der jüngeren, bewaffneten Juden entflohen ein paar Tage später in die Wälder. Die meisten von ihnen beschlossen, im Ghetto zu kämpfen, jedoch hat die Tatsache, daß der Partisanen- führer Itzig Wittenberg sich im Juli freiwillig ergab, wahrschein- lich das Schicksal des Warschauer Ghettos von Wilna abgewen- det. Die Deportierungen begannen am 5. August mit einem leich- ten Gefecht am Bahnhof, aber die folgenden Transporte gingen in Ruhe vor sich, weil bekanntgeworden war, daß der erste in ein Arbeitslager in Vaivara in Estland gegangen war. Die zwei fol- genden Aktionen vom 1. bis 3., 23. und 24. September erfaßten alle noch verbliebenen Juden. In den Bunkern zeigte sich hier und da Widerstand, ein allgemeines Massaker wurde aber dadurch ver- mieden, daß Jakob Genns sich nun seinerseits freiwillig der Ge- stapo ergab’?(siehe S. 244). Dies war noch nicht das völlige Ende des Wilnaer Ghettos. Juden, die in zwei Fabriken, HKP und Vilna Kajlis, beschäftigt waren, in denen Pelzfutter gemacht wurden, * Man könnte die phantastische Möglichkeit nachprüfen, ob die Tatsache, daß die Ghettos in Wilna und Kowno noch weiterbestanden, Hitler verborgen geblieben sein sollte. Am 24. Juli 1942 bemerkte er— laut Dr. Picker—, daß es bezeichnend sei, „daß heute auch Litauen bereits judenfrei dastünde. Litauen hätte aus eigener Erfoh- rung gehandelt, es habe die Juden in der kurzen Zeit des Sowjetregimes zur Genüge kennengelernt” 7). 326 arts kant uhfen weiter jncriedene wurden aM 4 ahvos mehr( geckt waren Inden beide ‚ischen Fe ıngefähr 1 „t älteren snleben, dı sond ist üb | men, Die Ve | nddie Ger fhrten zur/ Io, die abe Eine ernster dienst aufge tungen drei Indenahen aliche vierz Gefängnis Die letzten der, Die ar ein Arbeits brechliche Gülerwage Ichinein, Iuten glau ınd her zu varen. 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In den beiden Ghettos der Stadt Riga hielt sich in dem Zeitraum zwischen Februar 1941 und August 1943 die Bevölkerungszahl auf ungefähr 15000, obgleich im Jahre 1942 zwei weitere Transporte mit älteren Leuten durch falsche Versprechungen zum Erschie- Bungsplatz nach Bikernieki gelockt worden waren, wahrscheinlich, um für 1200 Juden Raum zu schaffen, die aus Berlin kommen soll- ten 5. Weder Max Kaufmann, der für das lettische Ghetto, noch Jeanette Wolff, die für das deutsche Ghetto spricht, beschreiben ein Leben, das sich mit dem inWilna vergleichen ließe. Der Wider- stand ist über das Stadium des Plänemachens nie hinausgekom- men. Die Vergrößerung des Konzentrationslagers in Kaiserswald und die Gerüchte über Himmlers Befehl zur allgemeinen Räumung führten zur Ausarbeitung von Plänen für einen Aufstand des Ghet- tos, die aber von den Deutschen im Juni 1943 entdeckt wurden. Eine ernstere Verschwörung wurde im Oktober beim Ordnungs- dienst aufgedeckt, dessen Mitglieder nun, nachdem die Evakuie- rungen drei Monate lang durchgeführt worden waren, ihr eigenes Ende nahen sahen. Unter der Anklage des Waffenbesitzes wurden etliche vierzig auf dem Hauptplatz und weitere 350 im Zentralka- Gefängnis erschossen’®. Die letzten 4000 Juden verließen das Ghetto am 2. und 3. Novem- ber. Die arbeitsfähigen Überlebenden, meist Frauen, kamen in ein Arbeitslager, 2000 Kinder aber und einige Kranke und Ge- brechliche wurden mit sehr wenig Nahrungsmitteln auf offene Güterwagen verladen. Die Kinder unter 12 Jahren sollten angeb- lich in ein„Heim“ nach Deutschland gebracht werden, die Rigaer Juden glaubten aber, man beabsichtige nur, den Zug so lange hin und her zu rangieren, bis die Insassen erfroren und verhungert waren. Ein Überlebender hat jedoch berichtet, daß der Zug nach Auschwitz gegangen ist und daß von den 2216 Insassen 600 auf der zehntägigen Reise gestorben sind’’*. Daß man Juden aus * Nach Angaben von Dr. Wolken, der im Quarantäne-Lager die Listen führte, kam der Transport aus Riga am 4. November in Auschwitz-Birkenau an, brachte aber nur 596 Menschen mit’8, von denen 476 vergast wurden. 327 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG Riga bis nach Auschwitz transportierte, erscheint mehr als seltsam, aber es gab im Generalgouvernement keine Todeslager mehr, und die Russen waren schon zu nah, als daß man es deutscherseits hätte wagen können, noch Massengräber auf freiem Felde anzu- legen. Es ergab sich dann aber, daß die Russen Riga erst am 13. Oktober 1944 besetzten und Kaiserswald erst geräumt wurde, als die Landverbindung mit dem Reich bereits abgeschnitten war, so daß die Juden zu Wasser in das Konzentrationslager Stutthof bei Elbing gebracht wurden. Über das Schicksal des Ghettos in Kowno sind weniger Unter- lagen vorhanden. Es scheint jedoch, daß die Bevölkerung von 13.000 Seelen, die die Aktion vom 28. Oktober 1941 überlebt hatte, sich durch den Zustrom von deutschen und litauischen Deportierten bis auf 20000 erhöhte. Die Überzeugung, daß in Kowno bessere Lebensbedingungen herrschten, die im April die Wilnaer Juden lockte, wird durch eine trockene Tatsachenschilderung bestätigt, die Dr. Samuel Gringauz, ein ehemaliger Richter aus Memel, gege- ben hat. Die Deutschen griffen z.B. nur wenig ein, so daß Dr. EI- kes, der nach den Massenmorden des Jahres 1941 Präsident des Judenrates wurde, bis zum 25. Juli 1944 im Amt blieb und den Krieg überlebte”?. Das verhältnismäßig gute Aussehen der Kownoer Juden fiel wäh- rend der Deporiationen im September 1943 im Lager Kaiserswald tatsächlich auf. Nach diesen Deportationen wurde das Lager sechs Monate lang in Ruhe gelassen. Dann wurden die 140 Mitglieder des Ordnungsdienstes hinterlistig nach Fort 9 gebracht und dort erschossen, worauf das Ghetto auch im Inneren der SS unterstellt wurde". Es bestand jedoch immer noch ein Rest von Autonomie, und am 25. Juli 1944 bat Dr. Elkes den Ghettokommissar Gewecke, der Gemeinschaft von drei- oder viertausend Juden zu erlauben, das Eintreffen der Russen an Ort und Stelle zu erwarten; im letz- ten Augenblick wurden aber die Frauen in das Lager Stutthof und die Männer nach Dachau gebracht. Im November 1943 war Himmlers Befehl im großen und ganzen durchgeführt, und ungefähr 50000 Juden aus den baltischen Staa- ten waren in Arbeitslagern, entweder in Estland oder in der Ge- gend von Riga, untergebracht. Die Männer wurden hauptsächlich in Lagern beschäftigt, in denen sie die sehr schwere Arbeit des Holzfällens und Torfstechens zu verrichten hatten oder in denen 328 gms TE zieferölfeb ' P nicht nac sten arbeit Im. Juni 1 gegen Ende[ Iergehend; IsschlosseN, stieferöl-Lat Hinmler stre Opfer zurüc konnten. Die Istdes russ! eestnische nKloga wat \/.H.Lawre ı'ber besuch nfongenen | yden ersche Isarc Olaj; son, daß er indie Wäld undStelle lic den® Es hai Woche vor 15000 Lage üdischen A se von Dr. hiektion er! gewesen Un Gericht in L | Von den 50 Lagern lebt Lager in de Reiches übe den haltiscl Yon vornhe füssischen| Ihnen zurüc aan ec una daß Dr, El.| äsident des eb und den en fiel wäh- Kaiserswald Lager sechs ) Mitglieder ht und dort $ unterstellt' Autonomie, ır Gewecke, u erlauben, en; im letz- 'tutthof und ınd ganzen schen Stao- in der Ge- uptsächlich Arbeit des r in denen ELFTES KAPITEL 2. DIE LIQUIDIERUNG DER ÜBRIGEN GHETTOS Schieferölfabriken betrieben wurden. Die Frauen mußten, soweit sie nicht nach Auschwitz verschickt wurden, in Schneiderwerk- stätten arbeiten. Am 23. Juni 1944 brach die Rote Armee bei Witebsk durch, und gegen Ende des Monats Juli waren die baltischen Staaten vor- übergehend vom Reich abgeschnitten. Bereits am 5. Juli hatte man beschlossen, die 4000 Juden, die dicht hinter der Front in den Schieferöl-Lagern von Kivioeli®' arbeiteten, zu evakuieren, da Himmler strenge Vorschriften darüber erlassen hatte, daß keine Opfer zurückgelassen werden durften, die Aussagen machen konnten. Die deutschen Pläne konnten jedoch mit der Schnellig- keit des russischen Vormarsches nicht Schritt halten. So fiel Reval, die estnische Hauptstadt, am 23. September, und das Arbeitslager in Kloga war schon vier Tage zuvor eingekreist worden. W.H. Lawrence von der„New York Times”, der Kloga am 6. Ok- tober besucht hat, erfuhr dort, daß außer 800 russischen Kriegs- gefangenen und 700 estnischen Partisanen auch 1500 Wilnaer Juden erschossen worden waren. Der Wilnaer Rechtsanwalt Dr. Lasarc Olajski berichtete der russischen Untersuchungskommis- sion, daß er entkommen war, als man alle arbeitsfähigen Männer in die Wälder schaffte. Die übrigen Lagerinsassen waren an Ort und Stelle liquidiert und die Baracken dann in Brand gesteckt wor- den 82, Es hat sicher noch andere Vorfälle dieser Art gegeben. Eine Woche vor der am 6. August vorgenommenen Evakuierung der 15000 Lagerinsassen von Kaiserswald waren die Kranken der jüdischen Abteilung des Lagers herausgezogen worden, worauf sie von Dr. Krebsbach, einem Kinderarzt aus Köln, eine tödliche Injektion erhielten. Dr. Krebsbach war Lagerarzt in Mauthausen gewesen und wurde am 27. Mai 1947 von einem amerikanischen Gericht in Dachau zum Tode verurteilt®3, Von den 50000 Juden, die im November 1943 in den baltischen Lagern lebten, hat vielleicht ein Fünftel den Treck von Lager zu Lager in den letzten Monaten des zusammenbrechenden Dritten Reiches überlebt. 60-70 000 der ursprünglich vor dem Kriege in den baltischen Staaten lebenden Juden waren ihren Verfolgern von vornherein entkommen und verbrachten den Krieg hinter den russischen Linien. Es ist nicht bekannt, welcher Prozentsatz von ihnen zurückgekehrt ist. DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG 3. Die Ghettos werden durch Arbeitslager ersetzt Während die Evakuierung der Ghettos in Riga, Kowno, Wilna und Minsk vor sich ging, hing das Schicksal von mehr als 70.000 Juden, die die„Umsiedlungen“ des Warschauer Ghettos sowie an- derer polnischer Ghettos überlebt hatten, in der Schwebe. Sie wurden auf das Konzentrationslager Majdanek und auf eine Reihe von Globocnik unterstellten Arbeitslagern verteilt. Die Komplika- tionen, die sich in Himmlers Beziehungen zu seinem alten Freund „Globus“ ergaben— an dessen Unehrlichkeit er wohl keinen Augenblick hatte zweifeln können—, führten zu diesem plötz- lichen und verfrühten Verzicht auf diese Quelle von Arbeitskräf- ten. Das Konzentrationslager Majdanek, das Himmler selbst bei seinem Besuch in Lublin im Juli 1941 geplant hatte, war an sich schon das Ergebnis des Mißtrauens, das Himmler gegen Globoc- nik hegte, denn Himmler hatte gehofft, durch die Einschaltung von Pohls WVHA Globocniks Spekulationen in jüdischer Arbeitskraft einzudämmen®%. Mit dem Beginn der„Aktion Reinhard“ erhielt Globocnik jedoch wieder Verfügungsgewalt über das Konzentrationslager Majda- nek und dessen Zweigstellen. Außerdem hortete Globocnik in Majdanek und in dem ehemaligen Gebäude der„Action Catholi- que“ in der Chopin-Straße die Beute aus den liquidierten Ghettos. Er brauchte sich selbst nur Quittungen von der„Garnisonskasse Lublin“85 auszuschreiben, die nicht einmal SS-Standartenführer Schellin, der Wirtschaftsleiter der SS in Krakau, sehen durfte. SS- Sturmbannführer Wippern, Globocniks Schatzmeister, verteilte freigebig. Am 21. Oktober 1942 bat Himmler selbst um ein„Weih- nachtsgeschenk” für 240000 russische Volksdeutsche aus der in Lublin und Auschwitz aufgestapelten jüdischen Kleidung. Anschei- nend ist daraus jedoch nichts geworden. Obgleich bis zum Februar 1943 825 Waggonladungen jüdischen geraubten Besitzes ange- sammelt worden waren, gab es keine Möglichkeit eines Bahn- transportes nach der Ukraine®&, In Berlin jedoch war Oswald Pohl bemüht, die Hand auf die Gold- münzen, Goldplomben und die zusammengerollten Bündel aus- ländischer Noten zu legen, die aus jedem todeskalten Berg von Leichen herausgesucht und offiziell als„Besitz“ bezeichnet wur- den, der aus„Diebstählen oder Hehlerei oder der Hortung von 330 us TE jjoren sta! ‚u hatte er | urde: Gold Z gpootbesalz undheitsam (old wurde Yymbannführ shracht, WO© tar Graf Schv ft im Juni 1 vfer nach L GJobocnik ein um Ende des Trotzdem erhi | immer an Glo kocnik von Hi emannf word \yblin zu übe sn Versager zllich zusan Himmler darü \laven, die: Beispiel war| schaver Jude sagte, daran | then Geschc wären, das n &s vorzögen, inder Hoffnu sedlung” zu Außer den 4 den sich in( noch ungefäl inpassungsfi Nien, Wahrs 5 Zei,in der| 7 bellungen 7 tächlich 2 Himmlerdt m War an sich en Globor. haltung von Arbeitskraft durfte. 55: r, verteilte ein„Weih- aus der in g. Anschei um Februcr itzes ange: ines Bahn: f die Gold: ündel aus Berg von chnet wur rlung von | | ELFTES KAPITEL 3. DIE GHETTOS WERDEN DURCH ARBEITSLAGER ERSETZT Waren” stammte. Nach den Anweisungen vom 26. September 1942 hatte er dafür zu sorgen, daß die Beute ordentlich verteilt wurde: Gold zur Reichsbank, Uhren und Füllhalter an die Unter- seebootbesatzungen und SS-Divisionen und Brillen an das Reichs- gesundheitsamt. Aber irgendeine Kontrolle bestand nicht. Das Gold wurde beispielsweise gelegentlich von einem gewissen SS- Sturmbannführer Melmer in einem Handkoffer zur Reichsbank gebracht, wo es dann als„Konto Max Heiliger” dem Finanzmini- ster Graf Schwerin von Krosigk gutgeschrieben wurde%. Erst im Juni 1943 wurde Pohl dazu gebracht, seinen Wirtschafts- prüfer nach Lublin zu schicken, wo allein das Devisenkonto von Globocnik einen Kreditsaldo von 100 Millionen Mark aufwies. Bis zum Ende des Jahres war es bis auf 178 Millionen angewachsen. Trotzdem erhielt der Rechnungshof einen ungünstigen Bericht, der immer an Globocniks Namen haften blieb 8®. Außerdem war Glo- bocnik von Himmler zum Leiter einer, OSTI”genannten Gesellschaft ernannt worden, die alle jüdischen Arbeitskräfte in der Provinz Lublin zu übernehmen hatte, und es war ungünstig für ihn, daß sein Versagen als Geschäftsmann mit diesem ungünstigen Bericht zeitlich zusammenfiel. Globocnik hatte sich nämlich gerade bei Himmler darüber beschwert, daß OSTI trotz der 45000 jüdischen Sklaven, die zur Verfügung standen, keine Aufträge erhielt. Zum Beispiel war im Lager Poniatowo, wo Többens seine 18000 War- schauer Juden hatte, nur Arbeit für 60 v.H. der Belegschaft. Er sagte, daran seien ausschließlich die Wehrmacht und die deut- schen Geschäftsleute schuld, die auf ein SS-Unternehmen neidisch wären, das nicht zu Gewinnzwecken geführt wurde, und weil sie es vorzögen, das Lodzer Ghetto mit Aufträgen zu überschütten, in der Hoffnung, dadurch die dortigen 80000 Juden vor der„Um- siedlung” zu retten®. Außer den 45 000 in den OSTI-Lagern beschäftigten Juden befan- den sich in Globocniks Konzentrationslager Majdanek vielleicht noch ungefähr 12000 Juden, meistens die konstitutionell nicht so anpassungsfähigen Deportierten aus Griechenland und Mazedo- nien. Wahrscheinlich war das die von Oswald Pohl erwähnte Zeit, in der Majdanek°°, das mit all seinen komplizierten Unter- abteilungen zur Aufnahme von 15 000 Internierten bestimmt war, tatsächlich 25000 Insassen hatte. Am 21. Juni teilte Globocnik Himmler?! mit, daß nur die Hälfte der jüdischen Abteilung Beschäf- 331 DIE ENDLOSUNG Hgung habe und noch dazu nur leichte Arbeit. Globocnik wollte deshalb zehn v.H. der Juden„umsiedeln“. Himmlers Reaktion bestand anscheinend in einem Verlangen nach völliger Räumung. Ende des Monats wurden 5000 zur Arbeit untaugliche Juden in einem einzigen Eisenbahnzug in das Vernichtungslager Sobibor abtransportiert. Ein Viertel der Menschen starb auf dem Transport, und die übrigen mußten drei Tage in Sobibor auf den Beginn der Vergasungen warten(siehe$. 156). Die verbleibenden 5000 Juden sollten nach Auschwitz kommen, jedoch erfuhr Höss am 6. Juli, daß Globocnik 1700 Juden für die OSTI-Lager im Distrikt Radomı zurückgestellt hatte. Trotz eines ungünstigen ärztlichen Berichtes erreichten die 2800 verfügbaren Juden Auschwitz am 8. und am 11. Juli. Von den mit dem ersten Zug eintreffenden 1500 Juden wurden mehr als die Hälfte der Männer und vier Fünftel der Frauen auf Grund von: hochgradiger Körperschwäche, Phlegmonen, schwersten Leisten- brüchen und Ödemen arbeitsunfähig befunden. Sie erhielten ent- weder leichte Arbeit zugewiesen oder wurden ins„Revier“ oder ins Krankenhaus geschickt, von wo aus sie dann in die Gaskammernı kamen. Die Ankömmlinge aus dem zweiten Zug machten einen „besseren Eindruck”, so daß von 763 Juden nur 78 und von 568 Jüdinnen nur 49„Sonderbehandlung“ erfuhren?2*. Das jüdische Lager in Majdanek war immer noch nicht vollkom- men geräumt, und im September wurde es erneut zu einer Durch- gangsstelle für Juden aus dem Ghetto von Bialystok, die für Glo- bocniks Fabriken bestimmt waren. Jedoch ging es jetzt rasch auf den letzten Akt des Trauerspiels zu, in dem sowohl die Fabriken: wie das Stammlager zum Untergang bestimmt waren, weil Himm- ler von der Erklärung, mit der Globocnik seine geschäftlichen Mißerfolge begründete, nicht beeindruckt schien. Am 7. Septem- * Die Begleitumstände beim Transport nach Sobibor und die endgültige Räumungs- aktion im November 1943 beweisen, daß die nach Kurt Gersteins Besuch im August 1942(siehe Seite 170) in Majdanek eingerichteten Gaskammern für die Arbeit in einen Todeslager nicht geeignet gewesen sein können. Ein polnischer Angestellter in der Registratur teilte der von den Russen eingesetzten Untersuchungskommission mit, daß} im Juni 1943 3500 Juden vergast worden seien, aber die von der Kommission benutzteni Zahlen— nach denen anderthalb Millionen Menschen im Lager ermordet worden sein sollen— sind sehr unglaubwürdig®. Das imposante Krematorivum in Majdanek, dasi in der englischen Presse abgebildet worden ist, ist erst im Herbst 1943 fertiggestellt worden und wurde benutzt, um die vielen Massenbeerdigungen in der Umgebung dei Lagers zu ersetzen. Es war keine Todesfabrik in der Art von Auschwitz. 332 DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG: un Kal uhefahl er Ost f denen Genef' »,yinnlertum ee auften von Glo uf vor Pohl u jüe OSTI I" „rkjerjum miefe „ond entlasse M seine Versetz YoBlanz für„K ‚legt werden n retisch blieb Reinhard“, te nokstadt Tries Yizeführer für slienst hierfür injember das santsols eines„ sche Fallschirmti Yndenbekämpfu Ss fofische Umsiec | und hatte Kalten | Krüger abzuberu | As Triest bomb ihreiben: ‚Dos Besond nahmevoraul der Wertsa Sündigkeit eingesetzte listen kon wor und vol unter größt nd abgeli ‚Ih habe im Gener Meine Fes Generalgg YM einen der Rdumun iche Juden| ager Sohjk, fm Transppy| en Beginn de s SOOO Jude ersten Leisten erhielten on evier" oder Gaskamn: achten eine 3 und von X nicht vollkon u einer Dur <, die für Gb letzt rasch a | die Fabrike n, weil Hinn geschäftlich m 7, Sepfem yültige Räumunt Besuch im Aug e Arbeit ın® ngestellter in® mission mil, 0° mission benuiz® jrdet worden? n Majd 1943 fer! ELFTES KAPITEL 3. DIE GHETTOS WERDEN DURCH ARBEITSLAGER ERSETZT ber befahl er Oswald Pohl, die zehn OSTI-Lager zu übernehmen, bei denen General Schindler vom Rüstungsamt gegenüber dem Gewinnlertum der Herren Schultz und Többens und den Machen- schaften von Globocnik völlig blind gewesen war”. Globocnik mußte vor Pohl und Glücks erscheinen. Es wurde ihm mitgeteilt, daß die OSTI in Zukunft ihre Arbeitskräfte vom Reichsfinanz- ministerium mieten würde. Am 22. September wurde er aus dem Vorstand entlassen, und Himmler machte ihn darauf aufmerksam, daß seine Versetzung auch eine Regulierung der Konten bedinge. Die Bilanz für„Konto Reinhard I” müsse bis zum Ende des Jahres vorgelegt werden. Theoretisch blieb Globocnik bis zum 19. Oktober Leiter der„Ak- tion Reinhard”, tatsächlich war er aber Ende September in seine Heimatstadt Triest versetzt worden, wo er zum Höheren SS- und Polizeiführer für das adriatische Küstengebiet ernannt wurde. Das Verdienst hierfür beansprucht von dem Bach-Zelewski, der im September das militärische Kommando des Generalgouverne- ments als eines„Guerilla-Gebietes” übernommen hatte, weil rus- sische Fallschirmtruppen am Bug aufgetaucht waren. Als Chef der Bandenbekämpfungsverbände hatte er Beispiele für Globocniks idiotische Umsiedlung von Deutschen im Bezirk Zamosc gesehen und hatte Kaltenbrunner dazu überredet, sowohl Globocnik wie Krüger abzuberufen”. Aus Triest bombardierte Globocnik Himmler mit Rechtfertigungs- schreiben: „Das Besondere der Abrechnung ist, daß eine gebundene Ein- nahmevoraussetzung nicht gegeben war, da die Sammlung der Wertsachen auf Befehl erfolgte und nur durch die An- ständigkeit und Sauberkeit sowie die Überwachung der hier eingesetzten SS-Männer eine restlose Ablieferung gewähr- leisten konnte. Was allerdings dann erfaßt und gesammelt war und von der Abteilung Reinhard vereinnahmt wurde, ist unter größter Genauigkeit und ohne Verfehlung abgerechnet und abgeliefert worden%.” „Ich habe mit dem 19. 10. 1943 die Aktion Reinhard, die ich im Generalgouvernement geführt habe, abgeschlossen... Meine Feststellungen in Lublin haben ergeben, daß es sich im Generalgouvernement und besonders aber im Distrikt Lublin um einen besonderen Ansteckungsherd gehandelt hat, und 2 333 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG % versuchte ich daher diese Gefahrenmomente bildlich festzı- halten. Es wird vielleicht für die Zukunft sich zweckmäßiy erweisen, auf die Ausschaltung dieser Gefahren hinweisen zı können. Andererseits habe ich versucht, eine Darstellung übe- den Arbeitseinsatz zu geben, aus dem nicht nur die Arbeik. menge zu ersehen ist, sondern auch mit wie wenig Deutsche, dieser Großeinsatz ermöglicht wurde 77.” Globocnik bittet dann um einige Eiserne Kreuze für seine Leut: „für die besonderen Leistungen dieser harten Aufgabe”, von de* der„Warschauer Einsatz”(für den Himmler bereits Auszeichnun- gen verteilt hatte) nur einen kleinen Teil ausgemacht habe. Himn ler antwortete darauf, indem er Globocnik bestätigte, daß er ‚sic für das ganze deutsche Volk große und einmalige Verdienst! erworben habe. Für die zehn Arbeitslager des OSTI-Konzerns, die Oswald Pol am 7. September von Globocnik übernommen hatte, rückte de Tag der Katastrophe nun immer näher, an dem die jüdische: Arbeitskräfte nicht nur entlassen, sondern die Mehrzahl von ihne: ermordet werden sollte. Am 4. Oktober 1943 war Pohl mit nic weniger als zwölf Höheren SS- und Polizeiführern und über hun. dert anderen SS$-Chargen in einer muffigen Hotelhalle in Poser versammelt, wo Himmler eine grauenhaft unheilkündende Red: hielt, von der nicht nur eine lange Niederschrift, sondern teilweis sogar eine Grammophonaufnahme vorhanden ist®: „Ich will hier vor Ihnen in aller Offenheit auch ein gan: schweres Kapitel erwähnen. Unter uns soll es einmal gan: offen ausgesprochen werden, und trotzdem werden wir in dei Öffentlichkeit nie darüber reden... Ich meine jetzt die Juden. evakuierung, die Ausroftung des jüdischen Volkes. Es gehör zu den Dingen, die man leicht ausspricht: ‚Das jüdische Volk wird ausgerottet‘, sagt ein jeder Parteigenosse, ‚gan: klar, steht in unserem Programm, Ausschaltung der Juden Ausrottung, machen wir.’ Und dann kommen sie alle an, die braven 80 Millionen Deutschen, und jeder hat seinen anstän: digen Juden. Es ist ja klar, die anderen sind Schweine, aber dieser eine ist ein prima Jude. Von allen, die so reden, hei keiner zugesehen, keiner hat es durchgestanden. Von Eud werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammenliegen, wenn 500 daliegen oder wenn 1000 dalie- 334 freits Auszeichn acht habe, Him. Ätigte, daß er ‚Sn alige Verdieng: 1 die Oswald Pr! hatte, rückte er nem die jüdischh \ehrzahl von ihm var Pohl mit nitt ern und über hv- otelhalle in Posn eilkündende Re+ ‚ sondern teilwes ist®: sit auch ein gaz || es einmal gaz | werden wir inc ne jetzt die Jude Volkes. Es gehit "ht: ‚Das jüdisc® teigenosse, ‚ga altung der Judki on sie alle an,€ hat seinen anstÖ* 1d Schweine, a6’ die so reden, hf tanden. Von Eun wenn 100 Leiche wenn 1000 dalir 3. DIE GHETTOS WERDEN DURCH ARBEITSLAGER ERSETZT gen. Dies durchgehalten zu haben und dabei— abgesehen von Ausnahmen menschlicher Schwächen— anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht. Das ist ein niemals ge- schriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte...” Die meisten der illustren Zuhörer Himmlers haben hinsichtlich dieser Stelle vollkommen das Gedächtnis verloren. Nicht aber Oswald Pohl®: ‚Wir haben uns nach dieser Rede an dem Tisch, an dem ich saß, über die Rede unterhalten, und sie fand bei den Kame- raden, wir waren etwa 5Personen an dem Tisch, durchaus keine Zustimmung... Ich erinnere mich genau, daß dabei waren die Obergruppenführer Schmidt und von Herff und, ich glaube... der Obergruppenführer Hildebrandt.“ Waren sie überrascht? Himmler wußte ganz genau, zu wem er sprach, als er sagte:„Von Euch werden die meisten wissen, was es heißt”, und er wußte, daß das einzige, was sie überraschen konnte,Offenheitwar. Pohl sah ganz deutlich, daß eine neue Phase der Endlösung im Kommen sein mußte, denn er berichtet, daß er hinterher um eine Unterredung mit Himmler gebeten habe, um die Zuteilung von Arbeitskräften zu besprechen und ihn darauf auf- merksam zu machen, daß er„diesen Vernichtungsplan schon mit Rücksicht auf die Arbeitskräfte, die dadurch dem Reich genommen würden, nicht für richtig hielt“. Es wurde ihm jedoch bedeutet, er möge sich um seine eigenen Angelegenheiten kümmern. Der nächste Schritt wurde im November, einen Monat später, getan, als fünf von den zehn OSTI-Lagern zugemacht werden mußten. In Pohls Korrespondenz finden sich viele versteckte Hin- weise auf das, was an diesem Tage geschah!0, Außerdem haben zahlreiche deutsche und jüdische Überlebende aus den Arbeits- lagern einen so genau übereinstimmenden Bericht gegeben, daß man ihm Glauben schenken muß. In allen jüdischen Lagern des Distrikts Lublin fand eine Selektion großen Stils statt. Elftausend Männer und sechstausend Frauen wurden nach Lublin(Majdanek) ins Lager gebracht. Im Zug des größten Massakers des ganzen Krieges wurden sie in Todesgruben, die innerhalb des Lagers von russischen Kriegsgefangenen ausgeschachtet worden waren, mit Maschinengewehren erschossen. Dann wurden die Leichen ver- brannt. SS-Untersturmführer Mußfeld, der später eine der Ausch- 23% 335 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG witzer Gaskammern befehligte, erzählte Konrad Morgen, daß er 20.000 Leute hingerichtet habe. „Während der Verbrennung lag ein leichter Staub über der gan- zen Stadt Lublin und hing in der Luft wie Rauch 91.” Prinz Christoph Radziwill, einer der ursprünglich hier als Gefangene lebenden Offiziere, der seit 1939 in Majdanek gewesen war, gibt folgende Beschreibung'%: „Ich werde den Tag niemals vergessen, an dem die Nazis 17 000 Juden in Majdanek umgebracht haben, während ich in einem anderen Teil des Konzentrationslagers war. An jenem Abend haben sich viele meiner polnischen Mitgefan- genen zur Feier des Tages betrunken. Das ist schrecklich, aber wahr.” Konrad Morgen behauptet, die Befehle zur Liquidierung der jüdi- schen Arbeitskompanien gesehen zu haben, die die Überschrift „Auf Befehl des Reichsführers SS“ trugen. Er war der Meinung, daß Himmler auf Kaltenbrunners Rat hin gehandelt habe*, aber es ist ebensogut möglich, daß Himmler im Zorn über die geringe Lei- stung der OSTI-Fabriken die Aktion in einem Anfall von schlechter Laune befohlen hat— ohne irgend jemand davon in Kenntnis zu setzen. Globocnik schreibt z. B. am 5. Januar 1944 aus Triest!%; „Am 3.11.1943 wurden die Arbeitskräfte den Arbeitslagern entzogen und die Werke stillgelegt. Die Lagerführer waren von dieser Aktion nicht unterrichtet, obwohl bei ihnen die Ver- antwortung lag. Am Tage vor der Lagerräumung hat General Schindler, Rüstungsinspektion Krakau, auf Grund einer Zu- sage von SS-Obergruppenführer Krüger mit den Lagerfüh- rern vereinbart, daß... er am 2.11. die Zusicherung bekom- * Der Zeitpunkt von Himmlers Rede in Posen(4. Oktober) ist nicht weniger bemerkens- wert als die einzigartigen Indiskretionen, die er von sich gab. Er sprach, drei Tage nachdem er gezwungen worden war, den krassen diplomatischen Mißgriff der Depor- tierungen aus Dänemark zu begehen. Am Tage darauf(5. Oktober) wurden die Kinder des Ghettos Bialystok aus Theresienstadt nach Auschwitz geschafft. Das war das Ende von Himmlers ernstlichem Liebäugeln mit dem englischen Angebot, ostjüdische Kinder in Palästina aufzunehmen(siehe Seite 462). Am 18. Oktober wurden Juden aus Rom unter den Augen des Vatikans verschleppt. Am 25. wurden die letzten der„Austauschjuden” aus Warschau nach Auschwitz gebracht. Im Zusammenhang mit der Liquidierung von OSTI am 3. November zeigen diese Ereignisse deutlich, daß es für die Juden nirgends eine Gnade gab. War Himmler von seinem Meister zur Ordnung gerufen worden? Die Theorie, daß Kaltenbrunner hinter all dem steckte, hat viel für sich. Es war die Zeit von Kaltenbrunners Eindringen in die„Palastclique”, die aus Hitlers Freundin Eva Braun, ihrem Schwager Fegelein und dem„Majordomus” Martin Bormann bestand. 336 Ä ll B Kapitel men habeı Y zellen.” id g.Oberstuf 1, Abwicklung ; Trotz desb kräfte war© dischen Art wieder in \ndh Ansicht vC \lfion einen U suchte noch (öfen weiterz em WVHA de m, Lemberg ı 1A schäftlichen| I \ fngweitere ste I aolen vollzo | holen im Ju einige 70 | kuptsächlich i | Yorkow, Tsch \iger um Ausc \&n Juden da: | Seen Pole n Gegensatz Anweisungen De Firma Haı Muubeschäfti onden Russe schäffigte 8 ‚%Radom je | nzentration szow herrs Bohrlager beschäftigten Orgen, def N über der oo rınz Christo, ene lebender gibt folgend em die Nazi ı während fi gers war, Ay| hen Mitgefor. hrecklich, bs Fung der jüd ie Überschrt Meinung, dii e*, aber esii e geringe le von schlechte in Kenntnis z 5 Triest!®; Arbeitslagern rführer waren ihnen die Ver. g hat Genen ınd einer Zu Jen Lagerfüh- erung bekon: eniger bemerken sprach, drei Tage ißgriff der Depor wurden die Kinder Das war das Ende ostjüdische Kinder den aus Rom unlel „Austauschjuden" Liquidierung W ie Juden nirgend gerufen worden sich, Es war df Hitlers Freundin Bormann bestond DER ENDIne, ei "UnFll VELFTES KAPITEL 4. DIE RUSSEN DRINGEN WIEDER IN POLEN EIN men habe, weitere 10.000 Juden für die Rüstungsarbeit abzu- stellen.“ Und SS-Obersturmbannführer Horn schreibt in seinem Bericht über die Abwicklung der OSTI am 13. März 19441%: „Trotz des besten Willens der eingesetzten deutschen Arbeits- kräfte war es nicht zu vermeiden, daß... nach Entzug der jü- dischen Arbeitskräfte die Versuche, die Werke Il, III und V wieder in Gang zu bringen, aussichtslos waren.” Nach Ansicht von Globocnik hat Többens in Poniatowo durch die Aktion einen Umsatz von dreizehn Millionen Zloty verloren. Er versuchte noch einige Wochen mit bezahlten polnischen Arbeits- kräften weiterzuarbeiten'®, aber am 13. Januar 1944 gab Pohl dem WVHA den Befehl, alle Lager in den Distrikten Lublin, Ra- dom, Lemberg und Krakau zu übernehmen. Das war das Ende der geschäftlichen Laufbahn von Walter C. Többens(siehe S$. 77)*. 4. Die Russen dringen wieder in Polen ein Eine weitere starke Verringerung der Zahl von jüdischen Sklaven in Polen vollzog sich bis zum Zeitpunkt des russischen Einmarsches in Polen im Juli 1944 nicht mehr. In der Zwischenzeit befanden sich einige 70000 Juden in Lagern in den westlichen Provinzen, hauptsächlich in der Nähe von Krakau, Kielce, Radom, Tomaszow, Piotrkow, Tschenstochau und Lodz. Wenn man die Gruppe der Lager um Auschwitz, das Lodzer Ghetto und die versteckt leben- den Juden dazu rechnet, muß es damals in den deutschbesetzten Gebieten Polens noch eine Viertelmillion Juden gegeben haben. Im Gegensatz zu den von Heydrich im September 1939 erteilten Anweisungen waren manche dieser Ansammlungen sehr groß. Die Firma Hans Bauer und Karl Schranz(HASAG) in Tschensto- chau beschäftigte 13000 Juden, von denen 800 am 16. Januar 1945 von den Russen befreit wurden!%. Skarzysko-Kamienna bei Kielce beschäftigte 8000 Juden und die Lager Blizyn und Starachowice bei Radom jedes ungefähr 5000. Eine Zeitlang beherbergte das Konzentrationslager Plaszow bei Krakau 12000 Juden. Im Lager Plaszow herrschten die allerschlechtesten Bedingungen von allen * Gleichzeitig wurden auch die letzten Juden aus dem Lemberger Arbeitslager in der Janowskastraße entfernt!%, Im Februar wurden die jüdischen Arbeitslager östlich von Tarnow geräumt. Außer der Carpathicus-(Beskiden) Olraffinerie in Drohobycz und einem Bohrlager in Borislaw, die zusammen noch bis in den April 1944 hinein 2500 Ju- den beschäftigten, gab es östlich der Weichsel kein Judenlager mehr!@, 337 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG F Lagern. Hier regierte der berüchtigte SS-Sturmbannführer Amon Göth, der von den Deutschen im September 1944 wegen Uhnter- schlagung ins Gefängnis gesetzt und von den Polen 1946 hinge- richtet wurde* 1%, Die Lager, aus denen private Firmen sich von der SS Arbeitskräfte mieteten, waren ein wenig besser. Unterernährung war allerdings grundsätzlich vorgeschrieben, und von hier aus entwickelte sich die Typhusepidemie, die 1945 durch die deutschen Konzentrations- lager ging. Am 16. Juli 1944 machte die Rote Armee einen Angriff in Richtung auf Lemberg, überquerte am 18. den Bug, nahm am 27. Lemberg und erreichte die Weichsel am 3. August. Am 20. Juli hatte der Befehlshaber der Sicherheitspolizei im Generalgouvernement, SS- Oberführer Schöngarth, den Befehl gegeben, Gefängnisse und Arbeitslager zu sprengen, wenn sie nicht rechtzeitig geräumt wer- den konnten. Die Zahl der Opfer sollte durch Massenüberweisun- gen in Konzentrationslager in Deutschland niedrig gehalten werden.„Unter allen Umständen muß vermieden werden, daß Gefängnisinsassen oder Juden vom Gegner, sei esWB(polnischer Untergrund) oder Rote Armee, befreit werden, bzw. ihnen lebend in die Hände fallen!10,” Für die Juden bedeutete dieser Befehl im allgemeinen Auschwitz oder die Selektion für die Gaskammern. Es hat nicht den Anschein, als seien sie an Ort und Stelle liquidiert worden. Im Dezember 1944 hatte Dr. Rezsö Kastner, ein jüdischer Rechtsanwalt, der mit der SS um das Leben jüdischer Ungarn Verhandlungen führte, eine bedeutsame Unterredung mit Eichmanns Mitarbeiter Dieter Wis- liceny in dessen Wohnung in Wien!!!, Wisliceny teilte ihm mit, welche Anweisungen Eichmann den Lagerkommandanten in Polen gegeben hatte; obwohl jüdische Leben grundsätzlich geschont wer- den sollten, hatten sie den Auftrag, jeden Widerstand gegen die Evakuierung exemplarisch zu bestrafen. Wisliceny war der An- sicht, daß die SS diese Anweisung richtig ausgelegt hatte, als sie so viel Juden wie möglich auf dem Marsch erschoß. * Amon Leopold Göth, der Liquidator der Ghettos in Krakau und Tarnow, war wie fast alle leitenden Männer in Globocniks„Abteilung Reinhard” Österreicher und Grün- dungsmitglied der Österreichischen Nationalsozialistischen Partei. Ein Verwandter und Namensvetter, Amon Göth, wurde 1948 in Graz überführt, die Wiederherstellung des nationalsozialistischen Regimes geplant zu haben, und zu 15 Jahren Gefängnis ver- urteilt, jedoch im August 1952 begnadigt(THE TIMES, 23. August 1952). 338 | gms panel j Gegen Ende gern in den itbeinahe Ghetto. Da: röymt, UN Ins Liste" kammer. D Insassen dU( usRadom| dem Marsch re Transp rakauer A Woche wur indem beri haut zu wer hauptsächli vitz gebrac Üherlebenc wurden. Da Nitte Augu sowohl im| und gebrc dert, und i MR um ei den städti worden*, Weniger al von 60.200 " Glebocnik 3 lnvar 194 lodz nicht ler schwanke Versprochen, Absicht geüu "Or er Wiede, f in Richtung 2. Lembero uli hatte der ernement, 55. ngnisse und geräumt wer. Überweisun- Fig gehalten werden, daf B(polnischer Ihnen lebend en Auschwitz Jen Anschein, m Dezember walt, der mil|| n führte, eine * Dieter Wis: eilte ihm mil,}) nten in Polen yeschont wer:| 1d gegen die war der Ar hatte, als sie Tarnow, wor wie; eicher und Grü! Verwandter un? F erherstellung de Gefängnis . KAPITEL 4. DIE RUSSEN DRINGEN WIEDER IN POLEN EIN Gegen Ende Juli 1944 wurden ungefähr 27 000 Juden aus neun La- gern in den Gebieten von Radom und Krakau evakuiert, zusammen mit beinahe 4000 Juden aus dem Lager im ehemaligen Warschauer Ghetto. Das Lager Pustkowa bei Debica wurde am 28. Juli ge- räumt, und die Insassen kamen nach Auschwitz. Nach Dr. Wol- kens Liste!!?2 entgingen nur 463 von 1600 Männern der Gas- kammer. Das Lager Blizyn wurde ebenfalls geräumt und die Insassen auch nach Auschwitz gebracht. Der Arzt David Wajnapel aus Radom hat in Nürnberg erklärt, daß Hunderte der Insassen auf dem Marsch mit Maschinengewehren erschossen wurden 113, Wei- tere Transporte gingen aus dem Lager Plaszow und aus dem Xrakauer Aussonderungslager nach Auschwitz. In der gleichen Woche wurden auch viele der Hütten in Plaszow abgerissen, um in dem berüchtigten Lager Nr. 2 in Bergen-Belsen wieder aufge- baut zu werden(siehe$. 528 f.). Die letzten Insassen von Plaszow, hauptsächlich Frauen, wurden aber erst im Oktober nach Ausch- witz gebracht, wo nach Angaben von Mila Hornik— einer der Überlebenden— 600 nach einer der letzten Selektionen vergast wurden. Dann hat man die Krematorien gesprengt!14. Mitte August wurde der russische Vormarsch durch Widerstand sowohl im Gebiet um Warschau wie in den Karpaten zum Still- stand gebracht. Die Front blieb bis zum 11. Januar 1945 unverän- dert, und in dem Dreieck Warschau-Lodz-Krakau blieben mehr als dreißigtausend Juden in ihren Lagern. In diese Zwischenzeit fällt die Liquidierung des letzten Ghettos in Europa, der großen jüdischen Gemeinde von Lodz. „Umsiedlungen” aus Lodz hatten seit dem Aufstand in Warschau nicht mehr stattgefunden. Tatsächlich war das Ghetto im August 1943 um einige Hundert abgerissene und verhungerte Juden aus den städtischen Arbeitslagern des Posener Gebietes erweitert worden*. Daher befanden sich zu Beginn des Jahres 1944 nicht weniger als 80062 Juden im Ghetto, von denen die große Zahl von 60200 als Arbeiter registriert war. Am 22. Januar kam Eich- * Globocnik hatte sich am 21. Juni 1943 bei Himmler über Lodz beschwert, und am 5. Januar 1944 schrieb er ihm aus Triest, daß er wegen seiner Versetzung die Aktion in Lodz nicht habe durchführen können!Y5, Tatsächlich ist dieses Versäumnis auf Himm- lers schwankendes Verhalten zurückzuführen, denn er hatte im Juni Gauleiter Greiser versprochen, Lodz in ein Konzentrationslager umzuwandeln. Im September hatte er die Absicht geäußert, die Ghetto-Industrien nach Lublin zu evakuieren, und im Dezember war er wieder auf den Konzentrationslagerplan zurückgekommen 116, 339 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG mann nach Lodz, um mit dem Ghettoverwalter Hans Biebow, den örtlichen Behörden und den Vertretern des SS-Wirtschaftsamtes zusammenzukommen, wobei er eine höchst charakteristische Rolle spielte. Im Ghetto lebten 5365 Kinder unter zehn Jahren— dem Alter, in dem sie zur Arbeit gezwungen wurden. Eichmann gab die Anweisung, daß diese Kinder— mit Ausnahme der Kinder von Ordnungsdienstpolizisten und anderen Angestellten in bevorzug- ten Stellungen—„entlassen“ werden sollten 7”. Als drei Monate später das Auswärtige Amt auf der Suche nach 5000 jüdischen Kindern als Tauschobjekte für die Alliierten war, teilte Eichmann dem ehrenwerten Eberhard von Thadden mit, daß der einzige Ort im besetzten Gebiet, wo noch 5000 jüdische Kinder für eine Aus- wanderung in Betracht kämen, das Ghetto von Lodz sei; doch werde auch dieses in Kürze nach Himmlers Weisungen liquidiert werden 118, Nach der Zusammenkunft mit Eichmann in Lodz berichtete das SS- Wirtschaftsverwaltungs-Hauptamt Himmler, daß die Umwandlung des Ghettos in ein Konzentrationslager ein zu großes finanzielles Risiko bedeuten würde, und aus den trockenen statistischen An- gaben in diesem Bericht ergibt sich ein gespenstisches Bild mensch- lichen Elends!1?: „Unter den Betrieben befinden sich 14 mit 10 921 Beschäftig- ten, die mit der Herstellung von Teppichen... beschäftigt sind, keine kriegswichtige Arbeit leisten und sofort geschlos- sen werden können. Ebenso kann die Arbeit für den inneren Ghettobedarf von der Hälfte der eingesetzten Juden... ge- leistet werden... Die Gesamtleistungen... sind niedrig. Eine Zusammenfassung der Umsätze Februar/April, September/ Oktober 1943 ergibt für die angeblich produktiv eingesetzten Arbeitskräfte Umsatzleistungen von RM 2,— bis 2,50 je Ar- beitskraft und Tag. Ein Drittel der eingesetzten Arbeitskraft... geht... verloren... Die Betriebe im Ghetto werden aus- schließlich von Juden geführt. Arische Betriebsführer fehlen. Aus Sicherheitsgründen kommen nur 3 oder 4(Arier) ins Ghetto... Die Ghettoverwaltung gibt durchschnittlich je Ar- beitskraft und Tag RM 0,75 aus.” Trotz dieses Berichtes wurde Greiser am 9. Februar vom SS-Wirt- schaftsverwaltungs-Hauptamt mitgeteilt, daß Himmler den Kon- zentrationslagerplan beibehalten würde, weil es aus„technischen 340 ale) Kapitel n nich freude darül Joch gab es ober sank di Anfang Aug \,wurde de! die Rationer \anöver WO den Arbeitei chihre Rat \en 1 und 2 nußten alle fir Straße au ırbeitenden von dem eir aufhin, daf toßdieBese forben die HASAG-Fa Ich günstie über eine D Mer Junge, noßnahme geben 27 Am21. Au Ghetto, de 3.Septemb ELFTES KAPITEL 4. DIE RUSSEN DRINGEN WIEDER IN POLEN EIN Gründen nicht möglich sei, das Litzmannstädter Ghetto nach Lub- lin zu verlagern”. Damals besuchte Himmler persönlich Greiser, und am 14. teilte Greiser Pohl mit, daß Himmler eine direkte Liqui- IHN dierung beabsichtige.„Die Verringerung wird durch das im Gau UI schon früher tätig gewesene Sonderkommando des SS-Hauptsturm- l führers Botmann durchgeführt werden. Der Reichsführer wird Be- N fehl erteilen, daß... Botmann mit seinem Sonderkommando aus N DO jüdis... Kroatien herauszuziehen und dem Gau Wartheland wieder he Eich chen zur Verfügung zu stellen ist.” Am 16. Februar schrieb Pohl an Hl Se mann Greiser, Kaltenbrunner und(durch Rudi Brandt) an Himmler. Seine El „einzige Ort Freude darüber, daß sein Amt nicht mit dem Lodzer Ghetto be- ur eine Aus- lastet werden und die Lösung so einfach sein sollte, kannte keine nn doch Grenzen!'?. Das Botmann-Kommando kehrte nach Chelmno zu-| en liquidiert rück, wo das Krematorium im April 1943 gesprengt worden war. il Doch gab es bis zur russischen Juli-Offensive wenig Arbeit; dann III! tete das SS. aber sank die Bevölkerungszahl im Ghetto plötzlich um 770012". EIN mwandlung Anfang August wurde eine Massenevakuierung anbefohlen. Am Hi! finanzielles 4. wurde den Arbeitern der Fabriken Nr. 1 und 2 mitgeteilt, daß stischen An- die Rationen für sie am Bahnhof bereitgehalten würden. Dieses Bild mensch- Manöver war nicht ganz erfolgreich, denn drei Tage später wurde| den Arbeitern aus den Fabriken Nr. 3 und 4 mitgeteilt, sie sollten| | Beschäftig- sich ihre Rationen im Zentralgefängnis abholen. Die aus den Wer- . beschäftigt ken 1 und 2 könnten das, wenn sie wollten, auch tun. Schließlich ort geschlos- mußten alle„wilden“, zu keiner Fabrik gehörenden Juden Straße den inneren| für Straße ausgekämmt werden wie in Warschau; die meisten der uden... ge- arbeitenden Juden folgten jedoch Biebows Aufruf vom 7. August, t ıiedrig. Eine von dem eine Ausfertigung noch vorhanden ist. Biebow wies dar- N IN September/| auf hin, daß die deutsche Bevölkerung bereits Lodz verlasse und ı ingesetzten| daß die Beschießung begonnen habe. Er malte dann in leuchtenden| 2,50 je Ar- Farben die Vorteile aus, die die Juden genossen, die in den il heitskraft...| HASAG-Fabriken in Tschenstochau beschäftigt waren, und bot ähn- Il ‚erden aus| lich günstige Bedingungen in Lagern in Deutschland an, fügte I il! hrer fehlen. aber eine Drohung hinzu:„Ich stehe doch nicht hier wie ein dum- m) (Arier) ins mer Junge, halte Reden, und keiner kommt. Wenn sie zu Zwangs-| Hlich je Ar- maßnahmen zwingen, dann wird es eben Tote und Verwundete IM geben 122,” m 55-Wirt- Am 21. August waren 61 174 ausgehungerte, erschöpfte Juden im den Kon- Ghetto, deren Mut und Willen gebrochen waren. Am Abend des echnischen 5. September waren fast alle fort mit Ausnahme des Aufräumungs- 34] DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG kommandos, das am 15. Januar 1945, als die Rote Armee in die Stadt eindrang, noch immer 870 Juden zählte 123*, Die Deportatio- nen nach Auschwitz und nach anderen Lagern zogen sich über viele Wochen hin. Typhusfälle, die im Frauenkrankenhaus in Birkenau auftraten, wurden durch einen Transport aus Lodz hervorgerufen, der am 27. Juni eintraf 125, während Chaim Rumkowski, der an- geblich im Krematorium gesehen worden war, Lodz erst am 6. September verließ!%. Mehrere Insassen von Auschwitz, dar- unter auch Dr. Nyiszli, haben den durch Hunger verursachten Zustand der Lodzer Juden bemerkt'7, Kristina Zywulska sah viele Lodzer Jüdinnen auf den Feldern!28 im Umkreis des Lagers arbei- ten, die meisten„Tauglichen” wurden jedoch in andere Lager weitergeschickt, da ein Bericht vom 1. August zeigt, daß man noch 60.000 Juden aus Lodz erwartete 12, Es ist ganz klar, daß nicht annähernd eine solche Zahl von Men- schen bis nach Deutschland gekommen ist, aber die Schätzungen Überlebender in bezug auf Massenvergasungen von Lodzer Juden müssen mit der üblichen Vorsicht bewertet werden. Dr. Wolkens Liste erwähnt nur einen„Selektions”-Zug vom 21. August** 130,[m- merhin war die Sterblichkeit in den deutschen Lagern ungeheuer, und viele Tausend Lodzer Juden haben in der letzten Tragödie in Belsen ihren Untergang gefunden(siehe$. 530 f.). Einiges läßt sich über das Schicksal der letzten 70 000 Lodzer Juden aus den Zah- len der polnischen Volkszählung entnehmen, da diese zeigen, daß in der ganzen Provinz Lodz im Januar 1946 nur 17 500 Juden lebten'31, Der ehemalige Ghettoverwalter Hans Biebow ist in Lodz am 27. April 1947 gehängt worden'32. Dieser ehemalige Versicherungs- agent stammte ebenso wie Többens aus Bremen, und seine Lauf- * Außer dem Aufräumungskommando, das bis zur Eroberung durch die Russen in Lodz blieb, sind noch andere Menschen auf viel sonderbarere Weise am Leben geblieben. Mit Hilfe Biebows und seines Stellvertreters Seifert wurden etwa 500 Juden, meistens Arbeitsaufseher mit ihren Familien— sogar 30 Kinder waren dabei—, in einer Schnei- derwerkstatt unter dem Vorwand behalten, daß sie die Hütten auseinandernehmen und nach Deutschland verlagern müßten. Auf diese Weise blieben die 500 bis zum 22. Ok- tober 1944 in Lodz, dann wurden die Frauen nach Ravensbrück gebracht, und die Männer folgten den Hütten nach Königs Wusterhausen, einem Arbeitskommando des Konzentrationslagers Sachsenhausen 124, ** Die Liste enthält nur Transporte, die in der Quarantäne-Abteilung des Birkenauer Männerlagers registriert worden sind. Zu dieser Zeit war es üblich, Juden, die aus den Selektionen herauskamen, direkt zu Arbeitskommandos zu schicken oder sie, in Erwartung der Überführung, in einer besonderen Abteilung des Lagers zu halten. 342 rs at john hat I zwof wahr,( \ofeil ausbe ren diente, e \aufe ZU Toc Toisachen Be jöhre und\ ober Immer njiik der nitgeorbeite \ogenheit se! Hiebows Ber in, Die Tot seit gewesel gende und deutung de: me in die 5 Porta. L i Über viel,© sin Birkengı vor gerufen ski, der ar odz erst qm schwitz, dar- Verursachten Iska sah viele Lagers arbei Rhl von Men- Schätzungen Lodzer Juden Dr. Wolkens Qust** 130 m. ungeheuer, Tragödie in iges läßt sich us den Zah- : zeigen, daß 17500 Juden in Lodz am rsicherungs- | seine Lauf: Russen in Lodz} eben geblieben.| Juden, meistens in einer Schnei- dernehmen und bis zum 22, Ok- racht, und die kommando des | d des Birkenauer# Juden, die aus i n oder sie, n Ü zu halten. h ELFTES KAPITEL 4. DIE RUSSEN DRINGEN WIEDER IN POLEN EIN bahn hat in vieler Hinsicht Ähnlichkeit mit der von Többens. Es ist zwar wahr, daß der letztere das Ghetto zu seinem persönlichen Vorteil ausbeutete, während Biebow(theoretisch) nur seinen Her- ren diente, aber beide haben mit derselben Gleichgültigkeit ihre Leute zu Tode geschunden. Biebow war ein Mann, der über alle Tatsachen Bericht erstattet hat und der anscheinend anständig er- nährte und voll leistungsfähige Arbeitskräfte vorgezogen hätte, aber immerhin hat er in Kenntnis der Bedeutung von Heydrichs Politik der„natürlichen Verminderung durch Arbeit” bis zum Ende mitgearbeitet und seiner Arbeit durch die fast unglaubliche Ver- logenheit seines Aufrufes vom 7. August 1944 die Krone aufgesetzt. Biebows Berichte sind die eines vorbildlichen Verwaltungsbeam- ten. Die Tatsache, daß ein vorbildlicher Verwaltungsbeamter be- reit gewesen ist, diese Rolle zu spielen, ruft die sehr beunruhi- gende und nicht zu beantwortende Frage nach der wahren Be- deutung der Endlösung auf. 343 Zwölftes Kapitel Frankreich 1. Das Werben um Vichy Hitler, der niemals erwartet hatte, Frankreich, Belgien und die Niederlande in sechs Wochen niederzuwerfen, ging an die Lö- sung der Probleme, die sich aus der Besetzung ergaben, ohne vor- gefaßten Plan erst im Augenblick ihres Auftauchens heran. Es gab keine bevölkerungspolitischen Probleme mit Umsiedlungsgedan- ken wie für Polen, und eine Zeitlang wurde Frankreich im Zusam- menhang mit der nationalsozialistischen Auffassung des Juden- problems kaum in Betracht gezogen. So haben wir im Vierten Ka- pitel einen Versuch verzeichnet, das bis November 1942 unbesetzte Frankreich nicht als ein judenfrei zu machendes Gebiet zu behan- deln, sondern als ein Sammelbecken für in Deutschland uner- wünschte Juden. Nachdem Hitler diese Aktion, die wahrscheinlich ein Privatunternehmen Heydrichs war, eingestellt hatte, entschied sich das RSHA für den genau entgegengesetzten Vorgang. Von nun an wurde versucht, die Regierung P&tain auf die Linie der ge- gen die Juden innerhalb des Reiches ergriffenen Maßnahmen zu bringen. Mit der freudigen Unterstützung des„Botschafters” Abetz und der ihm zugeteilten Beamten des Auswärtigen Amtes, Schleier und Zeitschel, begann Heydrich den Apparat einer„Reichsvereini- gung“ und eines„Juden-Dezernats” aufzubauen, einer Körper- schaft zur Behandlung aller jüdischen Angelegenheiten, die einer besonderen Polizeiabteilung untergeordnet war, durch die allein man sich an die Regierung wenden konnte. Das war das von Heydrich und Eichmann in Wien und Prag aufgebaute klassische Muster. In Frankreich wurde niemals das gleiche Ergebnis erzielt, und infolgedessen wurden weniger als 65000 von den 300 000 in Betracht kommenden Juden während des Krieges deportiert. Das war nur die äußere Ursache für das Mißlingen des Planes. Der 344 | arts Kan! inparaf vers schspunkt© zopo verstol Zusammend' zinen In Frai fe franz05' zjnen Franz Regierung Pe bereit war,| Reich zU opf aus Frankre schaft besal urden. \eider ware «hiedliche Wohltätigke finkommen reichen frar var. der Ge ) fionen zusQ \ schaffen, al | Juden bescl finnahmeg) Freunde, ui . der Identif stapo entzi ols sie ein \ organisafic Sufe zu eii ern bestel Sändigen: Gegen En schüsse de kraglites d über nicht obwohl di bringung| fen mußte Benutzung ien und die p an die Lö. n, ohne vor. eran. Es gab lungsgedan- h im Zusam- des Juden- Vierten Ko- 2 unbesetzte | t zu behan- hland uner- Ihrscheinlich fe, entschied 'rgang. Von inie der ge- ah zu ters“ Abetz tes, Schleier ichsvereini- er Körper- n, die einer h die allein ır das von | klassische nis erzielt, 300.000 in tiert. lanes. Der ZWOLFTES KAPITEL 1. DAS WERBEN UM VICHY Apparat versagte vollkommen, weil er vom psychologischen Ge- sichtspunkt aus ungeeignet war. Es dauerte lange, bevor die Ge- stapo verstand, daß selbst jene französischen Beamten, die zur Zusammenarbeit weitestgehend bereit waren, darauf bestanden, einen in Frankreich geborenen Juden und auch einen Juden, dem die französische Staatsbürgerschaft verliehen worden war, als einen Franzosen zu betrachten. Es ist andererseits wahr, daß die Regierung Petain in dem ihraufgezwungenen Tauschhandel immer bereit war, die staatenlosen Juden und die Flüchtlinge aus dem Reich zu opfern. So kam es, daß zwar weniger als ein Zehntel der aus Frankreich deportierten Juden die französische Staatsbürger- schaft besaß, daß aber die meisten der Flüchtlinge ausgerottet wurden. Leider waren die Flüchtlinge ein geeignetes Opfer für diese unter- schiedliche Behandlung. Sie hatten sich meist mit Hilfe jüdischer Wohltätigkeitseinrichtungen am Leben erhalten und wurden ihrer Einkommensquelle durch die Flucht der begüterten und einfluß- reichen französischen Juden im Sommer 1940 vielfach beraubt. Es war der Gestapo leicht, die Überbleibsel der Wohlfahrtsorganisa- tionen zusammenzufassen, um eine neue„Reichsvereinigung” zu schaffen, aber ihre Wirksamkeit konnte sich nur auf staatenlose Juden beschränken. Die französischen Juden hatten noch gewisse Einnahmequellen, sie waren zu Hause, sie hatten nichtjüdische Freunde, und sie waren„Debrouillards”. Sie konnten sich sogar der Identifizierung durch die„Physiognomie-Brigade“ der Ge- stapo entziehen. Der Unterschied war so groß, daß die Gestapo, als sie einen gemeinsamen Ausschuß für jüdische Wohlfahrts- organisationen gründen wollte— traditionsgemäß die erste Stufe zu einem Judenrat—, zwei in Wien geborene Juden zu Lei- tern bestellen mußte, denn der Ausschuß wurde von den boden- ständigen französischen Juden boykottiert'. Gegen Ende des Jahres 1941 wurden die entsprechenden Aus- schüsse der zwei Zonen unter dem Namen„Union Generale des Israelites de France”(UGIF) zusammengeschlossen. Das bedeutete aber nicht, daß UGIF ein Judenrat im osteuropäischen Sinne war, obwohl die Pariser Zweigstelle im Dezember 1941 bei der Auf- bringung einer Kontribution von einer Milliarde Franken mithel- fen mußte und zur Zeit der Deportationen Unterstützungen unter Benutzung der deutscherseits beschlagnahmten jüdischen Gut- 345 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG haben verteilte. Aber UGIF hat niemals eine jüdische Polizei zur Verhaftung von Juden ins Leben gerufen, nicht einmal im Juli 1943, als Anton Brunner seine jüdischen„Ködergruppen“” aus dem Lager Drancy zur Verfügung stellte. Wenn es Himmler und Heydrich nicht gelang, ein wirksames Ghettosystem in Frankreich zu errichten, so waren sie auch nicht in der Lage, eine französische Inquisition einzusetzen, deren Wir- ken von irgendeiner praktischen Bedeutung war. Das„Com- missariat aux Questions Juives“ konnte sich nie voll auf die Unter- stützung durch die Vichy-Regierung verlassen, und die reguläre Gendarmerie leistete seiner Polizei immer weniger und weniger Hilfe. Aber es war für die Sieger von 1940 wesentlich, daß die Ju- den den Eindruck haben sollten, von Franzosen verhaftet und de- portiert worden zu sein, und im ersten Siegestaumel hatte man auf deutscher Seite wenig Grund, daran zu zweifeln, daß auf diese Gefälligkeit von seiten der Besiegten gerechnet werden könne. Das„Statut des Juifs“ vom 4. Oktober 1940, durch das jüdische Flüchtlinge, die ihrer ursprünglichen deutschen Staatsbürgerschaft verlustig gegangen waren, die elementarsten Menschenrechte ver- loren, wurde leicht durchgesetzt; es ermöglichte immerhin die Festhaltung von 40000 Juden aus beiden Zonen in Internierungs- lagern. Außerdem zwang es die französischen Behörden zur Internierung der deutschen Juden, die ihnen von Heydrich acht- zehn Tage vorher aufgenötigt worden waren. Aber im folgenden Februar kam ein Warnungssignal. In einer Besprechung vom 3. Fe- bruar 1941, an der auch Werner Best, damals Chef des Zivildien- stes beim Militärbefehlshaber, teilnahm, sagte der Vertreter des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD in Belgien und Frankreich, SS-Sturmbannführer Lischka, daß man die Schaffung einer Zen- tralstelle für die Judenfrage angesichts der„Reaktion des franzö- sischen Volkes gegenüber allem, was aus Deutschland komme”, den Franzosen überlassen müsse. Als in diesem Monat vorge- schlagen wurde, daß der Militärbefehlshaber, General Otto von Stülpnagel, die Internierung der verbleibenden Flüchtlinge sank- tionieren sollte, setzte Eichmanns Vertreter, Theodor Dannecker, Abetz auseinander, daß„eine juristische Ergänzung seitens Vichys notwendig wäre,°. Am 6. März unterrichtete Abetz Ribbentrop, daß Petain weit ent- fernt davon sei, die Begeisterung für die Admiral Darlan zuge- 346 jgung verul in Juden au Hauptsturmfi vom 1. Juli 1 Ile, Seine etzt nieman hformatione Geschwätz. ) bereit, einm \ inder Aven \ beraten—( \ amlen der€ . Der Soldat Dezember' Juden aus F | Vergeltung der russisch die Scherge bedurfte ei drich, bevo > handlung| bringen ko Dieser Zus Vorfall. In ‚fingen au ‚ erSynag Neispolize f die Unter. ternierungs- :hörden zur ydrich acht. n folgenden g vom 3. Fe- ss Zivildien- ertreter des Frankreich, einer Zen- des franzö- d komme‘, nat vorge- | Otto von inge sark- Jannecker, tens Vichys n weit ent- rlan zuge- Das„Com-| u ji ı KAPITEL 1. DAS WERBEN UM VICHY schriebenen Maßnahmen zu teilen. Nach Rücksprache mit Xavier Vallat, dem früheren Generalsekretär der Legion de Combattants, den die Regierung Petain zu ihrem ersten Kommissar für jüdische Angelegenheiten gemacht hatte, stellte Abetz fest, daß neue Ge- setze, die zur Auswanderung französischer Juden führen sollten, auf starken Widerstand stoßen würden. Später erklärte Dann- ecker, daß Vallat auch aus seiner Einstellung zugunsten„assimi- lierter” ausländischer Juden kein Hehl mache und daß die Fest- nahme von 3600 in Frankreich naturalisierten polnischen Juden am 14. Mai 1941 in den Kreisen der Vichy-Regierung mehr Auf- regung verursacht habe als die Festnahme von 30000 unerwünsch- ten Juden aus dem Reich Ende 19407. Hauptsturmführer Theodor Dannecker, der Verfasser des Berichtes vom 1. Juli 1941, war ein Jurist, der sich in kleinlichen Tricks aus- lebte. Seine Bedeutungslosigkeit geht daraus hervor, daß ihn bis jetzt niemand aufzuspüren in der Lage war. Der größte Teil der Informationen, die er für Heydrich gesammelt hatte, war kindisches Geschwätz. Trotzdem waren Stülpnagel, Rosenberg und Abetz bereit, einmal wöchentlich ihre Vertreter in Danneckers Büro in der Avenue Foch zu senden, um sich mit diesem Niemand zu beraten— ein Beweis für die heilige Scheu, die die höchsten Be- amten der Gestapo entgegenbrachten. Der Soldat Stülpnagel wehrte sich allerdings ein wenig. Erst im Dezember 1941 gab er seine Zustimmung zur Deportation von Juden aus Frankreich, und dann auch nur unter dem Vorwand von Vergeltungsmaßnahmen. Denn Frankreich unterschied sich von der russischen Etappe insofern, als die Wehrmacht ihre Rechte an die Schergen Himmlers und Heydrichs nicht ausgeliefert hatte. Es bedurfte eines offenen Zusammenstoßes zwischen Keitel und Hey- drich, bevor„Sipo und SD” ihre volle Zuständigkeit in der Be- handlung jüdischer Angelegenheiten in Frankreich zur Geltung bringen konnten. Dieser Zusammenstoß begann mit einem geradezu lächerlichen Vorfall. In der Nacht des 2. Oktober 1941 wurde von blutigen An- fängern auf diesem Gebiet ein Versuch unternommen, zwei Pari- ser Synagogen in die Luft zu sprengen. Befehlshaber der Sicher- heitspolizei und des SD im besetzten Teil Frankreichs war SS- Standartenführer(damals Sturmbannführer) Helmuth Knochen, ein früherer Gestapo-Spitzel, der, nachdem er mit der Überwachung 347 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG jüdischer Flüchtlinge in Holland beschäftigt gewesen war, bei der Entführung der britischen Offiziere Best und Stephens in Venlo im November 1939 mitgewirkt hatte. Knochen schickte einen Bericht an Stülpnagel, in dem die Sprengungen als das Werk französi- scher Faschisten beschrieben wurden; die französische Polizei hätte den Journalisten Eugene Deloncle in Verdacht. Aber als Knochen seinen Bericht absandte, war ihm bekannt, daß ein ge- wisser SS-Obersturmführer Sommer aus seinem Kommando in Haft war. Sommer hatte sich zwei französischen Gestapospitzeln gegenüber bei einem Trinkgelage im„Cabaret Chantilly“ mit den Explosionen gebrüstet. Das führte zu einer gerichtlichen Unter- suchung, die am 5. Oktober stattfand und bei der Sommer gestand, das Sprengmaterial Deloncle und seinen Helfern— alles Gestapo- spitzel— geliefert zu haben. Der Fall wurde an das RSHA nach Berlin gemeldet, und ein Bericht ging an Stülpnagel. Aber inoffi- ziell erfuhr Stülpnagel von einem Beisitzer des Untersuchungs- gerichts, daß Sommer sich darauf berufen hatte, entsprechende Befehle von Knochen erhalten zu haben. Am 6. beschwerte sich daher Stülpnagel bei Keitel als dem Oberkommandierenden der Wehrmacht, daß die SS seine Schwierigkeiten mit den Franzosen nur vergrößere, die schon angesichts des Erschießens von Geiseln groß genug waren. Heydrich lud sich Knochen vor, gegen den Stülpnagel abermals den Vorwurf erhob, einen Bericht gefälscht zu haben. Am 22. Oktober verlangte Keitel nicht nur die Abberu- fung Knochens, sondern auch die des SS-Brigadeführers Thomas, der der Höhere SS- und Polizeiführer für die besetzten westlichen Länder war. Am 6. November antwortete Heydrich Keitel auf dem Umweg über Generalquartiermeister Wagner: „Die politische Situation ließ zweckmäßig erscheinen, daß neben den verhängten Strafen der französischen Öffentlich- keit und der Weltöffentlichkeit gezeigt werden muß, es gibt im französischen Volk auch Kräfte, die bereit sind, nicht nur den Bolschewismus zu bekämpfen, sondern auch das früher in Paris so mächtige Judentum offen anzugreifen... Von meiner Dienststelle war in der Arbeit gegen das Internatio- nale Judentum auch Verbindung aufgenommen zu französi- schen antisemitischen Gruppen. Die Gruppe um Deloncle war dabei schon früher als die aktivste bekannt, wobei Deloncle — bei allem Vorbehalt wegen seiner sonstigen politischen Un- 348 I wars gurchsic promiß Besond tete dei tärbefe in der kaum M keiten( derselz konnte men W beaufit zubere Haydrich te «etzt habe, reich“ leite tußland ve lung der Ei Sülpnagel erinnerte} \ommandt Frankreich auffindba seine Bes Bereitscha Knochen zur Wied so war es zur Verfü als einen or, gegen den richt gefälscht jr die Abberu- hrers Thomas, ten westlichen' Keitel auf dem scheinen, daß en Öffentlich- muß, es gibt ind, nicht nur ch das früher eifen... Von as Internatio-| zu französl-| Deloncle war bei Deloncle Jlitischen Un- | ZWOLFTES KAPITEL 1. DAS WERBEN UM VICHY durchsichtigkeit— am meisten die Gewähr für einen kom- promißlosen Kampf gegen das Judentum gab... Wegen der Besonderheit der durchzuführenden Maßnahmen unterrich- tete der Leiter meiner Dienststelle Paris nicht den Herrn Mili- tärbefehlshaber, da auf Grund der bisherigen Erfahrungen in der Zusammenarbeit mit dem Herrn Militärbefehlshaber kaum mit dem erforderlichen Verständnis für die Notwendig- keiten der Durchführung dieser Maßnahmen in der Auseinan- dersetzung mit weltanschaulichen Gegnern gerechnet werden konnte. Der politischen Tragweite der getroffenen Maßnah- men war ich mir voll bewußt, zumal ich seit Jahren damit beauftragt bin, die Endlösung der Judenfrage in Europa vor- zubereiten.” Heydrich teilte Wagner dann mit, daß er Sommer nach Berlin ver- setzt habe, daß aber Knochen weiter die„Aktionsgruppe Frank- reich” leiten würde. Brigadeführer Thomas habe er bereits nach Rußland versetzt. Tatsächlich hatte Thomas Otto Rasch in der Lei- tung der Einsatzgruppe C in Kiew abgelöst(s. S. 263, Fußnote). Stülpnagel beharrte auf der Abberufung Knochens, und Wagner erinnerte Heydrich an ein Übereinkommen, demzufolge Sonder- kommandos des RSHA Befehle des Militärkommandanten in Frankreich entgegenzunehmen hatten. Heydrichs Antwort ist un- auffindbar, aber es ist bekannt, daß Stülpnagel am 5. Februar seine Beschwerde gegen Knochen zurückzog,„weil dieser seine Bereitschaft zur Zusammenarbeit bekundet hat”. Wenn aber Knochen sein Kommando der Sicherheitspolizei in Frankreich bis zur Wiedereroberung des Landes durch die Alliierten beibehielt, so war es gerade aus dem Grunde, daß er sich Stülpnagel nicht zur Verfügung stellte. Außerdem war der neue„Polizeiführer West”, SS-Brigadeführer Kurt Oberg, der am 7. Mai 1942 aus Radom in Polen in Paris eintraf, von Stülpnagel vollkommen un- abhängig und erhielt seine Aufträge direkt von Himmler. Am 28. Februar 1942 wurde Otto von Stülpnagel durch seinen Ver- wandten Heinrich von Stülpnagel ersetzt, den Knochen gleichfalls als einen Dorn im Auge empfand, zumal er ihm im Juli 1943 die Hilfe der Armee bei seinen Judenrazzien verweigerte. Aber Otto von Stülpnagel war ein schwacher Charakter; am 5. Dezember 1941 sandte er einen Vorschlag an Keitel, der Heydrich besänfti- gen sollte. Er verlangte die Hinrichtung von 100 Geiseln als Ver- 24 349 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG geltung für drei Angriffe auf deutsche Soldaten. Außerdem sollten die Pariser Juden eine Kollektivstrafe von einer Milliarde Francs zahlen, und 1000 Juden und 500 Kommunisten sollten zur Zwangs- arbeit nach dem Osten deportiert werden. Hitler, dem das berichtet wurde, gab schlauerweise den Auftrag, den Plan unter Mitwirkung von Abetz, der mit einer Französin verheiratet war, auszuführen. Abetz telephonierte sofort in gro- Ber Aufregung an das Auswärtige Amt, um sich zu vergewissern, daß die Geiseln nicht als Franzosen, sondern als„Sowjet- und Secret-Service-Agenten jüdisch-kommunistischer und gaullistischer Herkunft“ bezeichnet würden, welch schöne Formel an den Bot- schafter der Regierung Petain, De Brinon, von Otto von Stülpnagel am 21. Dezember'® mit der Mitteilung weitergeleitet wurde, daß die Deportationen bereits im Gange seien. In Wirklichkeit eilten Stülpnagels Mitteilungen den Tatsachen voraus. Obwohl 753 Juden am 12. in Paris festgenommen und mit 355 anderen Juden aus Drancy nach dem Lager Compi&gne gebracht worden waren, traf am 24. eine Mitteilung von Heydrich ein, daß das Transportkom- mando der Wehrmacht während der Weihnachts-Urlaubszeit keine Sondertransporte durch das Reich zulasse'!, Infolgedessen wurden die Pariser Juden, die sonst direkt nach Heydrichs Todes- gruben in Riga oder Kowno geschafft worden wären, teils auf freien Fuß gesetzt, teils für Auschwitz zurückbehalten. Dannecker versuchte am 28. Februar, von Eichmann ein bestimm- tes Datum für die Deportierung zugesichert zu erhalten, war aber damit nicht erfolgreich. Da der erste für Auschwitz bestimmte Transport erst am 28. März Compiegne verließ, hatte der Beam- tenstab der beiden Stülpnagel dreieinhalb Monate Zeit, die am 12. Dezember festgenommenen Juden zu befreien. Während die Gestapo auf reiche ausländische Juden und Intellektuelle aus war, schlug Heinrich von Stülpnagel vor, nur Juden im Alter zwischen 18 und 55 zu deportieren, soweit sie arbeitsfähig waren. Infolge- dessen wurde nur die Hälfte der 1098 nach Compiegne gebrach- ten Juden nach Auschwitz deportiert. Die verbleibenden 550 muß- ten aus dem Lager Drancy ausgesucht werden. In Compiegne waren aber 97 Opfer der Razzia im Laufe von 15 Wochen infolge der Entbehrungen gestorben, und 15 wurden früher entlassen"2. Diesmal waren Personenwagen für den Transport der Juden nach Auschwitz zur Verfügung. Dannecker hatte SS-Obersturmführer 350 ones AT Nowak, den nonns Amt, uch, Aber x Zuilarbeiter sich beliebt, Von den er5 9, März an yitz eingelt‘ yon sehr ge umerikanisc sagte, daß| ren. Die gestellten G ırbeiteten i {en wurden Zenon Roz« Inen jeden Donnecker, brüstete sic Deportierur Am9, Mär: dungsmann nit, daß. d gaullistische: lan den Bot. ransportkom- ts-Urlaubszei Infolgedessen drichs Todes. iren, teils auf N. ein bestimm:- ten, war aber tz bestimmte te der Bean: Zeit, die am Während die ‚elle aus war, ter zwischen ren, Infolge: ıne gebrach len 550 muß: Compiegne chen infolge entlassen" Juden nach -sturmführer ZWOLFTES KAPITEL 2. DIE GROSSE RAZZIA VOM JULI 1942 Nowak, den in Transportfragen zuständigen Beamten in Eich- manns Amt, ausdrücklich um Bereitstellung von Güterwagen er- sucht. Aber alle verfügbaren Güterwagen waren für die russischen Zivilarbeiter vorbehalten. Personenwagen waren bei der Gestapo nicht beliebt, weil sie die Überwachung erschwerten. Von den ersten 1100 Deportierten aus Frankreich hat man vom 30. März an nichts mehr gehört, dem Tag, an dem sie in Ausch- witz eingetroffen waren. Ein jüdischer Arzt aus der Slowakei, des- sen sehr genaue Berichte über Auschwitz im Jahre 1944 vom amerikanischen„War Refugee Board“ veröffentlicht wurden, sagte, daß nur 700 von ihnen 14 Tage später noch am Leben waren. Die französischen Juden waren in drei von den fünf fertig- gestellten Gebäuden im neuen Lager Birkenau untergebracht und arbeiteten in der DAW-Fabrik, 5km vom Lager entfernt'3. Invali- den wurden damals bereits für die Gaskammer ausgesucht und Zenon Rozanski sowie andere Zeugen berichteten, daß 500 von ihnen jeden Dienstag den Krankenbau verließen. 2. Die große Razzia vom Juli 1942 Dannecker, der am 3. März 1942 Eichmann in Berlin aufsuchte, brüstete sich damit, der erste gewesen zu sein, der fortlaufende Deportierungen von Juden aus Frankreich vorgeschlagen habe'*, Am 9. März teilte Eichmann seinem ihm blind ergebenen Verbin- dungsmann im Auswärtigen Amt, Franz Rademacher(siehe S$. 83), mit, daß die sofort zu erwartende Zahl von Deportierten 6000 betragen würde. Rademacher antwortete am 20., daß das Aus- wärtige Amt und die Deutsche Botschaft in Paris keinen Einwand gegen die Abschiebung von 6000 französischen oder staatenlosen Juden nach dem Konzentrationslager Auschwitz erhöben. Rade- machers Antwort wurde von Weizsäcker gegengezeichnet, der an den Rand die Worte„polizeilich näher charakterisierbare” ge- schrieben hatte, die offenbar zu seiner Deckung dienen sollten>. Als Zeuge im Wilhelmstraßen-Prozeß äußerte Abetz im Jahre 1948 seine Überraschung, daß Weizsäcker und Woermann an einer Sache mitgearbeitet haben sollten, die normalerweise„Mar- tin Luther und dessen aus alten Kämpfern der Partei rekrutierte Beamte“ beschäftigt hätte'6. Weizsäcker zitierte zu seiner Vertei- digung eine vom 13. September 1941 datierte und die Belgrader Juden betreffende Aufzeichnung Rademachers, die lautet:„Eich- La 351 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜUHRUNG DER ENDLOSUNG mann schlägt Erschießen vor”. Diese Aufzeichnung, von der er vorher geschworen hatte, sie niemals gesehen zu haben, zeigte Weizsäcker zufolge, daß die Juden in Frankreich als Geiseln in größerer Gefahr gewesen wären als in Auschwitz,„ein Name, der damals nichts bedeutete” 77, Der Name Auschwitz mag Weizsäcker bis zum 20. März 1942 unbekannt gewesen sein, aber Vorschläge, Juden an Heydrich auszuliefern, waren ihm sicher nichts Neues. Weizsäcker hatte Abschriften der Einsatzgruppenberichte abgezeichnet(s. S. 226), und im Prozeß hat er nicht nur nicht geleugnet, sie gelesen zu haben, sondern sich damit gebrüstet, daß er im Herbst 1941 Ribbentrop„zu einem allgemeinen Vorstoß gegen solche Greuel aufgerufen habe“ 2. Wie konnte unter diesen Umständen Weiz- säcker Heydrichs Beschreibung des wahren Charakters der Depor- tafionen unbekannt gewesen sein, die im Wannsee-Protokoll vom 22. Januar 1942 enthalten war!? Die an das Auswärtige Ami ge- schickte Ausfertigung der Niederschrift trägt Randbemerkungen in Weizsäckers Handschrift*. Die Zustimmung des Auswärtigen Amtes mit Weizsäckers Rand- bemerkung machte die Deportationszüge möglich, die am 29. April sowie am 1., 6., 22. und 28. Juni von Drancy nach Auschwitz gin- gen!. In diese Transporte hatte man mehr als 5000 Männer und Frauen gepfercht. Der schon erwähnte slowakische Arzt bemerkte die Ankunft zweier dieser Züge in Auschwitz-Birkenau 22, Die an- deren wurden wahrscheinlich in das Lubliner Konzentrationslager (Maidanek) dirigiert. Die Selektionen waren in Drancy vor sich gegangen, in den vier häßlichen Wolkenkratzern der Cit& Ouvri- ere, die den am Flugplatz Le Bourget ankommenden Passagie- ren aufzufallen pflegen. Von Danneckers Beamten ausgesuchte * Das Nürnberger Gericht entschied, daß der diesbezüglichen Verteidigung Weizsäckers kein Glauben zu schenken seil?, und zum großen Schmerz der Verfechter von Weiz- säckers Unschuld in England und Deutschland wurde dieser, der neben den anderen An- geklagten wie ein Bischof aussah, zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Achtzehn Monate später wurde Weizsäcker aus Landsberg entlassen, er starb aber schon am 9. August 1951 im Krankenhaus in Lindau. In seinen Erinnerungen, die er im Gefängnis schrieb, widmete er der Verfolgung der Juden eine einzige Bemerkung, und seine Worte hätten von fast allen Beamten Hitlers gebraucht werden können 2: „Im ganzen ging das Judenproblem für mich in dem größeren allgemeinen Problem auf: wie kommen wir am schnellsten zu einem Frieden ohne Hitler. Anders war dem Judentum so wenig zu helfen wie den Kirchen, den Resten an Rechtssicherheit, an menschlicher Freiheit und Gesittung im Dritten Reich. Man mußte gegen den Bazillus vorgehen, nicht gegen das Krankheitssymptom.” 352 Inge, vor de Iericht des 5 $elektion am N, Juni dort ner ausgew Iten aber d \uleren Dep! zisische Jude Ihren Wert a \,März 194; ierschiedene sem, den al Teich seit Se besetzten Eu aufhin Sturm den 14. Mär nung der M inden Nied) ober hier ni tergerade und den De Schutz der ‚U viel Q) II. Novem 6 ZWOLFTES KAPITEL 2. DIE GROSSE RAZZIA VOM JULI 1942 Herbst 1941| solche Greuel| Plänen Weiz. ers der Depor- ‚Protokoll yom frtige Amt ge- Bbemerkungen rsäckers Rand- Die am 29, April Auschwitz gin- 0 Männer und Arzt bemerkte nau2, Die an- :ntrationslager rancy vor sich ler Cit& Ouvri- den Passagie- n. ausgesuchte Jigung Weizsäckers Hechter von Weiz- n den anderen An- orurteilt. Achtzehn -b aber schon am e er im Gefängnis ‚ und seine Worte eren allgemeinen ‚den ohne Hitler. n, den Resten on ritten Reich. Mon itssymptom.” jüdische Lager-Ordonnanzen stellten die Listen zusammen, und Dannecker selbst war bei der Abfahrt zugegen—„mit nervösen Zuckungen und unbeherrschten Bewegungen, die von Ferne denen eines Betrunkenen glichen” 2. Zu dieser Zeit gab es in Drancy viele Gruppen Privilegierter, nicht nur französische Juden und solche, die mit französischen Frauen verheiratet waren, sondern auch Juden aus Ländern, auf die sich die Deportierungspläne noch nicht erstreckten; dann gab es dort die Alten, die Arbeitsunfähi- gen und die Kinder*, die noch für eine Zeit, wenn auch nicht für lange, vor den Krematorien in Auschwitz geschützt waren. Dem Bericht des slowakischen Arztes zufolge fand die erste direkte Selektion am Bahnhof Auschwitz statt, als der Zug aus Drancy am 20. Juni dort eintraf. Zweihundert Juden wurden für die Gaskam- mer ausgewählt, achthundert ins Lager geschickt2. Inzwischen hatten aber die Deutschen einen Schritt in Richtung einer viel radi- kaleren Deportierungspolitik gemacht, die bodenständige fran- zösische Juden ohne Rücksicht auf ihre politische Einstellung oder ihren Wert als Geiseln einschloß. In einer in Eichmanns Büro am 4. März 1942 abgehaltenen Tagung der„Judenreferenten“ aus verschiedenen Ministerien schlug Eichmann vor, daß der Juden- stern, den alle Juden in Polen seit 1939 und im Großdeutschen Reich seit September 1941 tragen mußten, den Juden im ganzen besetzten Europa aufgezwungen werden sollte. Himmler gab dar- aufhin Sturmbannführer Knochen entsprechende Aufträge, der für den 14. März eine Besprechung einberief, bei der er die Zustim- mung der Militärverwaltung in Belgien und des Zivilkommissariats in den Niederlanden erhielt2. Mit der Regierung Petain war es aber hier nicht so einfach. Das Haupthindernis war Xavier Vallat, der gerade den unbedeutenden Dannecker zurechtgewiesen hatte und den De Brinon Abetz gegenüber als den„Kommissar für den Schutz der Juden“ bezeichnete 77. Vallats Widerstand gegen die Einführung des Judensterns war so kräftig, daß Abetz am Ende des Monats seine Abberufung ver- langte. Abetz glaubte, daß der neue Kommissar D’Arquier de Pellepoix innerhalb weniger Wochen die Einführung des Juden- sterns in der unbesetzten Zone durchsetzen werde, aber Dan- necker schrieb an den Rand von Abetz’ Denkschrift die Worte: „zu viel Optimismus“ 2? und hatte recht damit. Selbst nach dem 11. November 1942, als die bis dahin unbesetzte Zone gleichfalls 353 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG besetzt wurde, konnte der Judenstern in dem von Vichy regierten Gebiet nie eingeführt werden. Am 17. April berichtete der neue Kommissar, daß die Regierung Petain ohne ausdrücklichen Auftrag von Heinrich von Stülpnagel wegen der Einführung des Judensterns nichts unternehmen werde, aber Abetz ließ nicht locker, und er versuchte alles, um die Vichy- Regierung dazu zu bringen, eine entsprechende Verordnung her- auszugeben, bevor die Deutschen sich gezwungen sähen, es zu tun. Am 4. Mai blieb Abetz nichts anderes übrig, als eine deutsche Verordnung für die besetzte Zone herauszugeben, die sich auf den Anteil berief,„den die Juden in den kommunistischen Un- ruhen in Argenteuil gespielt hatten“. Heydrich blieb hier seinem Grundsatz treu, sobald er eine Sache durchgesetzt hatte, gleich eine zweite zu verlangen. Er berief am 18. Mai Knochen nach Prag und teilte ihm mit, daß auch die französischen Halbjuden den Stern tragen müßten?. Aber bevor der neu angekommene Befehlshaber der Sicherheitspolizei, Oberg, sich in seine Aufgabe hineingefunden und die unglaublichen Schwierigkeiten studiert hatte, die die neue Verordnung aufwarf, war Heydrich ein Opfer des Attentats geworden, dem er am 4. Juni erlag. Am 1. Juni veröffentlichte SS-Gruppenführer Kurt Oberg die Ver- ordnung für das besetzte Frankreich, die das Tragen des Juden- sterns anordnete, zugleich aber eine lange Reihe von Ausnahme- bestimmungen enthielt, darunter auch solche für Briten und Ame- rikaner. Alle Juden vom sechsten Lebensjahr an hatten den Stern zu tragen, und ein entsprechender Teil der Kleiderkarte mußte dafür abgegeben werden®°. Anfangs wurde die Verordnung nicht tragisch genommen. Einige junge Franzosen und Französinnen trugen den Stern als Zeichen der Sympathie und in der Absicht, der Sicherheitspolizei Schwierigkeiten zu bereiten. Am 10. Juni beschwerte sich Knochen über Juden, die ihren Stern mit einem gewissen Stolz in Kaffeehäusern und Gaststätten zur Schau tru- gen, die von deutschen Offizieren besucht wurden, sowie über jüdische Kriegsteilnehmer, die den Stern unterhalb ihrer Kriegs- auszeichnungen anbrachten. Weitere Ansuchen um Ausnahmebehandlung gaben noch mehr Stoff für satirische Betrachtungen. So ersuchte P&tain De Brinon, für eine Marquise und zwei Gräfinnen zu intervenieren, und dieser Liste fügte er später den Namen des Gatten der Schriftstellerin 354 yes KAP (olefte und d gt mußte guch nehme je Bewilig jeiche Bewil ayers„Ant anberg$ Gel Nr wahre SI ar bald er! chwerte, da freiem Fuß bi ers nachge Iaher nicht 9 des Judenstte \okalen zu\ iste war SO hieben, als durften die J ten, Poliako ‚Es genügte, zu kaufen,| Auschwitz Die wahre zuerleichte Brüssel und sen drei 1 verde, die versproche Verfügung ein Depo nicht in Fr Tung von h ein Opfer rg die Ver. des Juden: Ausnahme- n und Ame- n den Stern arte mußte dnung nicht anzösinnen Jer Absicht, m 10. Juni mit einem Schau tru- sowie Über rer Kriegs- noch mehr Brinon, für| und dieser riftstellerin | ZWOLFTES KAPITEL 2. DIE GROSSE RAZZIA VOM JULI 1942 Colette und den derWitwe von Professor Bergson hinzu. De Brinon selbst mußte die Hilfe der Gestapo für seine eigene Frau in An- spruch nehmen; SS-Sturmbannführer Hagen erteilte ihr persönlich die Bewilligung, den Judenstern nicht tragen zu müssen®!. Die gleiche Bewilligung wurde sechs Juden erteilt, weil sie für D’Ar- auiers„Antijüdische Polizei” arbeiteten, und einem, der für Schel- lenbergs Geheimdienst tätig war. Der wahre Sinn, der hinter dieser Maßnahme steckte, wurde aber sehr bald erkannt, als sich Dannecker am 19. Juni darüber be- schwerte, daß nur 83000 der im besetzten Gebiet offiziell auf freiem Fuß befindlichen 110000 Juden um Ausfolgung eines Juden- sterns nachgesucht hatten. Stülpnagels Verordnung vom 8. Juli kam daher nicht ganz unerwartet. Sie ermächtigte die Gestapo, Trägern des Judensterns den Aufenthalt auf öffentlichen Plätzen und in Lokalen zu verbieten, und die am 15. Juli veröffentlichte Verbots- liste war so lang, daß einem Juden wenig andere Möglichkeiten blieben, als auf der Straße spazierenzugehen. Sogar Geschäfte durften die Juden nur am Nachmittag zwischen 3 und 4 Uhr betre- ten. Poliakov charakterisierte diesen Zustand folgendermaßen: „Es genügte, irgendwo um 12.05 Uhr eine Schachtel Streichhölzer zu kaufen, um auf dem Wege über Drancy ins Krematorium in Auschwitz gebracht zu werden 2.” Die wahre Absicht war natürlich, eine allgemeine Deportierung zu erleichtern. Am 11. Juni sagte Dannecker seinen Kollegen aus Brüssel und Den Haag, daß die französische Quote für die näch- sten drei Monate 100000 Juden aus beiden Zonen betragen werde, die alle nach Auschwitz kommen sollten. Eichmann hatte versprochen, nach dem 13. Juli drei Transportzüge wöchentlich zur Verfügung zu stellen 3. Fünf Tage später erfuhr Dannecker, daß ein Deportationsprogramm, das 120 Viehwagen beanspruchte*, nicht in Frage kommen konnte, weil Fritz Sauckel für die Beförde- rung von 350 000 französischen Arbeitern nach dem Reich Priori- * Das volle Programm hätte einen Zug mit zwanzig Viehwagen täglich notwendig gemacht. Die Wagen wären nach sechs Tagen an ihren Ursprungsort zurückgekommen. Die Beschränkung auf 20 Viehwagen oder ungefähr 1000 Insassen pro Zug war durch die Notwendigkeit, Kohle zu ersparen, bedingt. Die Züge aus Malines in Belgien, die 375 km weniger zurückzulegen hatten, waren zeitweise größer, und das gleiche gilt für Züge aus Westerbork in Holland. Deportationszüge aus Ungarn nach Auschwitz hatten gewöhnlich 2500 bis 3000 Insassen. Auf kurzen Strecken zwischen den Todes- lagern in Polen wurden Züge verwendet, die— was ganz unglaublich klingt— bis zu sechzig Viehwagen und mehr als 6000 Insassen führten. 355 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG tät besaß. Auf jeden Fall sei der Auftrag mißverstanden worden. Eichmann hätte Rademacher mitgeteilt, daß die französische Quote 40.000 Juden betrage%. Dannecker erlebte auch andere Enttäuschungen. Am 25. Juni teilte er Leguay, der in Paris das Polizeiministerium von Vichy vertrat, mit, daß für die Aufbringung von 22.000 Juden in Paris und 10 000 in der freien Zone eine Frist gesetzt werden müsse®, Leguay suchte nach Ausflüchten. Seine Regierung würde mehr als drei Wochen dazu brauchen, 10000„Unerwünschte“ zu finden, und man würde hierzu mindestens 2500 Polizisten benötigen. Der Lei- ter von D’Arquiers privater Polizei sagte Dannecker, daß Petains Polizeiminister, Ren& Bousquet, mit den Deportationen nichts zu tun haben wolle, aber durch Heinz Röthke erfuhr Dannecker (Röthke sollte gerade über Danneckers Kopf hinweg Karriere machen), daß Bousquets wirkliche Haltung erst zwei Tage später, nach Lavals Besuch bei SS-Gruppenführer Oberg, bekannt werden würde*. Laval sollte dann überredet werden, D’Arquier volle Ge- walt über Bousquet und die Gendarmerie zu erteilen 77. Nach der Unterredung beschwerte sich Eichmann, daß Vichy„in zunehmendem Maße Schwierigkeiten bereitet”, aber in Wirklich- keit war Laval weit mehr entgegenkommend als sonst, vielleicht weil Abetz seinen Legationsrat Rudolf Rahn* mitgeschickt hatte, der den Eindruck abschwächen sollte, den Obergs„geballte Faust” hervorrufen mußte. Obwohl Laval im Augenblick nur der Depor- tierung ausländischer und staatenloser Juden zugestimmt hatte, versprach er, die Einbürgerung von Juden seit dem Jahre 1927, und sogar seit 1919, zu überprüfen®. Laval war auch bereit, Kin- der im Alter von unter 16 Jahren aus der unbesetzten Zone depor- tieren zu lassen:„Judenkinder” in der besetzten Zone„interes- sierten ihn nicht“. Hier scheint es, daß sich Laval mit einer ge- wissen Absicht der Redeweise der Gestapo bediente**. * Rudolf Rahn, der sich in seinem Buch„Ruheloses Leben” rühmte, die Deportierung der Juden aus Tunis verhindert zu haben, schweigt sich über diese Unterredung dis- kreterweise aus. ** Man kann auch mit Georges Wellers annehmen(Le Monde Juif, Nr. 57, Juli 1952), daß Laval den Deutschen bewußt die„staatenlosen” Kinder angeboten hatte, um die französischen Juden zu reiten, und daß sich hierauf der ganze Schutz der französischen Juden, auf den sich Laval vor Gericht berufen hatte, beschränkt hat. Meiner Meinung nach ist die Angelegenheit nicht so einfach. Zugunsten der Kinder in der besetzten Zone konnte Laval auf keinen Fall etwas tun. Außerdem erscheint Lavals Vorschlag, über die Wünsche der Gestapo hinauszugehen und Kinder aus der unbesetzten Zone 356 of KM Die Gesta polizei Fre mann ndC zu besteht naverung ‚jeden Z gebiefes n aingmVer leiten In€ rung desR Dieser Sol nagel von yon Eichn Bürokrate teffend b Während ordentlich deaux, Ar aus Mars «haften D’Arauier war weni olerung unbesetzt Polizeimo auf den« schoben. eine neue Iassen. D benötigte Iügern de sich auf e Itssen mi Danneck Bericht a deportieren ©n Eichmar besetzten 7 Möglich yo Nicht im 7, 1 J R ENDIOgy N In Worden, FanZösischs 3 Juniteike| Chy verfrat| S und 100m 235, Leguny hr als dhei finden, und en. Der Lei. daß Petains n nichts zu Dannecker °g Karriere age später, ınnt werden r volle Ge- 7 ß Vichy„in n Wirklich. t, vielleicht hickt hatte, allte Faust" der Depor- immt hatte, Jahre 1927, bereit, Kir- one depor- je„interes: t einer ge- iterredung dis- 37, Juli 192) hatte, um die - französischen einer Meinung der besetzten als Vorschlag, jesetzten Zone ZWOLFTES KAPITEL 2. DIE GROSSE RAZZIA VOM JULI 1942 Die Gestapo war immer noch der Meinung, daß die französische Polizei Franzosen für sie festnehmen werde. Am 1. Juli kam Eich- mann nach Paris und beauftragte Knochen und Dannecker, darauf zu bestehen, daß die„allfällig notwendigen gesetzlichen Unter- mauerungen” geschaffen würden, die es möglich machten, daß „die den Zielstationen überstellten Juden” mit Betreten des Reichs- gebietes„als staatenlos anzusehen sind”(s. S. 377 u. 432).„Bei einem Versagen auf diesem Gebiet” wären größte Unannehmlich- keiten in außenpolitischer Hinsicht zu erwarten,„die in Durchfüh- rung des RFSS-Befehls auf jeden Fall vermieden werden müssen®." Dieser Satz in der Mitteilung, die sowohl Abetz als auch Stülp- nagel von Eichmann und Dannecker erhielten, stammt sicherlich von Eichmann persönlich; er zeigt den vorsichtigen deutschen Bürokraten, den Eichmanns Freund Wisliceny in Nürnberg so treffend beschrieben hat(siehe$. 32). Während Eichmanns Besuch beim„Kommando“ wurden außer- ordentlich weitreichende Pläne für Deportationszüge aus Bor- deaux, Angers, Rouen und Chälons entworfen, und sogar ein Zug aus Marseille war vorgesehen, der die aus Algier herüberge- schafften Juden befördern sollte. Aber die Vorsprache von D’Arquier und Bousquet in der Avenue Foch 72 drei Tage später war weniger zufriedenstellend. Petain und Laval hatten ihrer Re- gierung die sofortige Deportierung staatenloser Juden aus der unbesetzten Zone vorgeschlagen, aber Bousquet, der sonst den Polizeimann abgab, hatte hier die Verantwortung vollkommen auf den darob nicht wenig entsetzten Amateur D’Arquier abge- schoben. Dannecker wollte sich durch Bousquets Behauptung, daß eine neue Registrierung der Juden notwendig sei, nicht abfertigen lassen. Die für die große, auf den 13. Juli angesetzte Razzia benötigten 10000 Juden könnten, sagte er, aus den Internierungs- lagern der unbesetzten Zone genommen werden, ohne daß man sich auf die Schwierigkeiten einer allgemeinen Registrierung ein- lassen müsse. Bousquet stimmte, wenn auch sehr zögernd, zu, daß Dannecker diese Lager selbst besuchte*'. Dannecker schloß seinen Bericht an Knochen in triumphalem Ton. Er solle nicht glauben, deportieren zu lassen, nur in einem aus zweiter Hand stammenden Bericht Danneckers an Eichmann:„Laval hat vorgeschlagen“. Tatsächlich wurde die Razzia in der un- besetzten Zone für zwei Monate hinausgeschoben und dann so unsystematisch wie möglich vorgenommen; Kinder wurden nicht einbezogen. Die Gestapo war jedenfalls nicht im Zweifel darüber, daß Laval sie getäuscht hatte. 357 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG daß es für Deutschland leicht sei, eine so große Zahl von Juden aufzunehmen, aber„wir seien nun einmal entschlossen, dieses Pro- blem allen Schwierigkeiten zum Trotz zu lösen“#2, Als Dannecker sich die Dinge in den Lagern ansah, stellte er fest, daß die Berichte über die von der Vichy-Polizei 1940 vorgenom- menen Verhaftungen sehr übertrieben gewesen waren. In den drei Hauptlagern von Les Milles, Gurs und Rivesaltes befanden sich weniger als 6000 Juden, die Überlebenden der„Aktion Bürckel“(siehe$. 85) mit eingeschlossen. Anläßlich dieser uner- freulichen Besichtigungsfahrt, die vom 11. bis 19. Juli dauerte, stellte Dannecker fest, daß das Kasino in Monte Carlo voll von Juden sei. Außerdem hatte ihm ein Elsässer in Perigueux„sale Boche“ zugerufen; und schließlich wurde während seiner Ab- wesenheit Heinz Röthke, ein Berliner Rechtsanwalt und Neuan- kömmling in der Avenue Foch, zum Chef des Judenamies ge- macht*3*, Bevor er sich in die unbesetzte Zone begab, hatte Dannecker eine weitere Unterredung mit Bousquet und D’Arquier. Letzterer brachte sieben Polizeibeamte mit, die Dannecker versicherten, daß 28000 staatenlose Juden noch ihren polizeilich registrierten Wohnsitz in Paris hatten. In der Überzeugung, daß er mit der Festnahme von 22000 von ihnen rechnen könne, wählte Dan- necker das Velodrome d'Hiver, ein Sportstadion am Boulevard de Grenelle, das er für die Bedürfnisse eines Sammellagers für groß genug hielt“. Bei dieser Besprechung stimmten die Funktionäre der Regierung Petain zu, daß die Deportationszüge bis zur deutschen Grenze von französischer Gendarmerie gemeinsam mit deutscher Polizei bewacht werden sollten. Leider muß gesagt werden, daß die fran- zösischen Polizisten die Hauptarbeit bei der Razzia leisteten, die ohne ihre Mithilfe niemals hätte gelingen können. Vom Beginn des Jahres 1943 an änderte sich das allerdings. Das französische Volk begann damals, sich seiner Stärke wieder bewußt zu werden. * Dannecker wurde, wie Poliakov berichtete, im Oktober wegen der von ihm be- triebenen Nachtlokale nach Berlin zurückberufen. Im Januar darauf vertrat er Eich- manns Amt in Bulgarien(siehe S. 431 ff.); im Oktober 1943 wurde er nach Verona ver- setzt und im Sommer 1944 nach Ungarn. Er scheint bis zum letzten Augenblick in Eichmanns Kommando verblieben zu sein, aber es ist nicht bekannt, ob er mit den übrigen im Mai 1945 in Alt-Aussee auftauchte. Über sein weiteres Schicksal weiß man nichts. 358 ourres KA zw Auch vorhe übrig, obw Razzia auf menhang m meiden. Röf Hälfte der( Reyölkerunt gezeigt hab rechtzeitig© jener, die mi sondern 12 Alter, aber nach Dranc Velodrome Fünf Tage© den konnte Wasser zu: wendigkeit hatte die d und im letz. tos in Kiew zivilisiertes! für die bes kostete, Rö' wo Wasse nommen W zehn Lafrir den einige aber es ga von plötzli ten Tag wı wiederseh« Unter all gebracht} dHiver eir den Beam TagderR. aber die( Hionslager ENOKOSUNG von Juden !esesPro. Ite er fest, Yorgenom- N. In den befanden T„Aktion Eser Uner- li dauerte, 0) voll von JeUX„sale seiner Ab- 1d Neuan- Iamtes ge- jecker eine Letzterer sicherten, :gistrierten er mit der ihlte Dan- ulevard de 5 für groß Regierung :n Grenze ner Polizei ß die fran- steten, die m Beginn ‚nzösische werden. von ihm be- rtrot er Eich- h Verona ver- Augenblick in b er mit den chicksal weiß ZWOLFTES KAPITEL 2. DIE GROSSE RAZZIA VOM JULI 1942 Auch vorher schon ließ die Zusammenarbeit viel zu wünschen übrig, obwohl Röthke, der klüger als Dannecker war, die große Razzia auf den 16. Juli verschob, um Rückwirkungen im Zusam- menhang mit dem französischen Nationalfeiertag(14. Juli) zu ver- meiden. Röthke beschwerte sich Knochen gegenüber, daß nur die Hälfte der gewünschten Zahl aufgebracht worden war, daß die Bevölkerung ihre Sympathie für die in Haft genommenen Kinder gezeigt habe und daß die französische Polizei die reicheren Juden rechtzeitig gewarnt hatte. Die Zahl der Verhafteten, einschließlich jener, die man dann wieder laufen lassen mußte, betrug nicht 22000, sondern 12884, von denen nur 3000 Männer in arbeitsfähigem Alter, aber 4051 Kinder waren“. Ungefähr 6000 wurden direkt nach Drancy geschickt, während 6900, darunter alle Kinder, ins Velodrome d’Hiver gebracht wurden. Fünf Tage dauerte es, bevor das Velodrome d’Hiver geräumt wer- den konnte. Menschen wie Vieh tagelang ohne Nahrung oder Wasser zusammenzupferchen, ohne für die elementarsten Not- wendigkeiten zu sorgen und oftohneeinen Fetzen Kleidung— das hatte die deutsche Polizei in den letzten vier Monaten in Polen und im letzten Jahr in Rußland betrieben. Die Schrecken der Ghet- tos in Kiew, Lemberg und Lublin wiederholten sich jetzt in der zivilisiertesten Stadt derWelt. Andre Bauer, der Präsident der UGIF für die besetzte Zone, berichtete, daß es ihn 24 Stunden Arbeit kostete, Röthke ins Stadion zu bringen, wo es nur zwei Ärzte gab, wo Wasser nur einem einzigen Hydranten auf der Straße ent- nommen werden konnte und wo 7000 Menschen alles in allem zehn Latrinen zur Verfügung standen. Nach Röthkes Besuch wur- den einige schwangere Frauen und Kriegsinvaliden entlassen, aber es gab einige Geburten im Stadion nebst zahlreichen Fällen von plötzlich ausgebrochenen Irrsinn und dreißig Tote. Am letz- ten Tag wurden die Mütter von ihren Kindern getrennt, die sie nie wiedersehen sollten*°. Unter all den fürchterlichen Dingen, die der zweite Weltkrieg gebracht hat, ist die Geschichte der 4051 Kinder im Velodrome d’Hiver eine der ärgsten. Knochen und Röthke verhandelten mit den Beamten der Regierung Petain über die Kinder am zweiten Tag der Razzia. D’Arquier wollte sie in Waisenanstalten schicken, aber die Gestapo verlangte, daß sie ihre Eltern in die Deporta- tionslager von Pithiviers und Beaume la Rolande begleiten sollten, 359 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG bis eine Entscheidung vom RSHA in Berlin käme 7. Am vierten Tag des Infernos im Velodrome d’Hiver telephonierte Eichmann, das Vorbild eines deutschen Bürokraten und der Vater von drei klei- nen Mädchen, deren ältestes damals fünf Jahre alt war, an Röthke, daß Ende August genug Züge verfügbar sein würden, um die Kin- der„nach dem Generalgouvernement” zu bringen. Daraufhin wurden die Kinder ihren Eltern abgenommen und nach Drancy geschafft*#, Gelegentlich der nächsten Konferenz in der Avenue Foch am 13. August stimmte Leguay zu, daß 300 bis 500 Kinder jedem Transport nach Auschwitz beigegeben werden könnten; die mei- sten wurden auch tatsächlich vor dem 30. aus Drancy deportiert. Bis dahin hatten die weiblichen Internierten versucht, für die Kin- der zu sorgen, soweit sie dies in leeren und von Ungeziefer strot- zenden Räumen tun konnten. Keinerlei Begleitpersonal wurde den Kindern in den versiegelten Viehwagen beigegeben, die damals mit Alten, Kranken und Sterbenden angefüllt waren; aber irgend- wie mußten sie in die Züge hinein. Dr. Georges Wellers, ein Über- lebender von Drancy und Auschwitz, schildert das folgender- maßen®: „Manchmal kam es vor, daß ein Zimmer voll mit Hunderten von Kindern, die von unbeherrschbarer Panik und Entsetzen gepackt waren, dem Zureden der Erwachsenen nicht länger folgte. Diese waren nicht in der Lage, sie herunterzubringen; dann mußten sie Gendarme rufen, die die schreienden Kinder auf ihren Armen hinuntertrugen.” In Röthkes Deportationsakten wurde eine vom 11. November 1942 datierte Aufzeichnung gefunden. Sie berichtet, daß belgische Eisenbahner in den leeren, aus Auschwitz zurückkehrenden Vieh- wagen 25 Leichen von Kindern im Alter von zwei bis vier Jahren gefunden hatten®", die niemals bis zur Gaskammer gelangt waren. Die Rache beleidigter Menschlichkeit ist selten eindrucksvoll. Eich- mann und sein Chef Müller, Dannecker und Röthke wurden über- haupt nicht gefaßt, Oberg und Knochen sind in Paris erst im Okto- ber 1954 vor Gericht gestellt und zum Tode verurteilt worden. Nach der großen Razzia gingen die Züge nach Auschwitz fast so regelmäßig wie nach einem Fahrplan ab. Zwischen dem 19. und 31. Juli 1942 gab es acht Züge, im August dreizehn Transporte. 360 zwoLrteS KAP! Die Gestap‘ Qurchschnitt wobei e$ Sc nach der@ Fragmentes dem tragisc Transport© Juden reg!s dem Velodt waren. ZU( noch 80v.F rend aus de nicht mehr Ende Augu: keine aus d Am 14. Juli französisch mehr als 13 die er sich, mann über noch nicht bel‘." Er w« lung mache her überlec land fallen Im August: unbesetzfei Leguay Rö sie beganr führte, daß lungen an. wurden 711 wor die Za * Bei dem Tra 59 und 30 Ju die am 21, Jul die nach der, aber am 2, ur Zwischen dem Kinder enthje im Lager aufe | Vierten Tag Chmann, das On drei klei. ', an Röthke um die Kin. 1 Daraufhin ach Drancy Je Foch am nder jedem en; die mei. y deportiert, für die Kin. ziefer strof. | wurde den die damals ıber irgend. 's, ein Über- folgender- t Hunderten d Entsetzen nicht länger rzubringen; ıden Kinder 'ember 1942 3 belgische .nden Vieh- vier Jahren er gelangt ksvoll. Eich- ırden über- st im Okto- ‚orden. witz fast so em 19. und Transporte. ZWOLFTES KAPITEL 2. DIE GROSSE RAZZIA VOM JULI 1942 Die Gestapo-Statistiken sind erhalten geblieben; sie weisen eine Durchschnittszahl von tausend Personen für einen Transport aus, wobei es Schwankungen bis zu 149 nach der einen Seite und 1089 nach der anderen gab°!. Es ist daher möglich, mit Hilfe eines Fragmentes des Birkenauer Tagesappells für das Männerlager dem tragischen Ende der großen Razzia nachzuspüren. Aus dem Transport aus Pithiviers wurden am 20. Juli im Männerlager 76? Juden registriert und nur 115 am 16. August*, als die Kinder aus dem Velodrome d’Hiver bereits in die Deportierung einbezogen waren. Zu dieser Zeit brachten die Transporte aus Holland immer noch 80 v.H. ihrer Insassen lebend an den Bestimmungsort, wäh- rend aus den Transporten aus Frankreich gegen 70 v.H. überhaupt nicht mehr ins Lager kamen. Ende August waren 25000 Juden aus Frankreich deportiert°?, aber keine aus der unbesetzten Zone und sehr wenige aus der Provinz. Am 14. Juli sagte Röthke den Transport aus Bordeaux ab, weil die französische Polizei, die nur staatenlose Juden festnahm, nicht mehr als 150 aufzubringen in der Lage war. Nach all der Mühe, die er sich mit dem Verkehrsministerium gegeben hatte, war Eich- mann über diese Tatsache sehr entrüstet.„So etwas sei ihm bisher noch nicht vorgekommen. Die Angelegenheit sei sehr ‚blama- bel‘.“ Er wolle SS-Gruppenführer Müller noch nicht gleich Mittei- lung machen, da er„sich sonst selbst blamiere“. Er müsse sich da- her überlegen,„ob er Frankreich nicht überhaupt als Abschub- land fallen lassen müsse“$%. Im August 1942 wurden die Bemühungen verstärkt, Juden aus der unbesetzten Zone in die Gewalt zu bekommen. Am 13. teilte Leguay Röthke und Knochen mit, daß die Razzia im Gange sei; sie begann aber erst am 26., als Leguay darüber Beschwerde führte, daß der Amateur D’Arquier der Sache durch seine Mittei- lungen an die Pariser Presse geschadet habe. Nichtsdestoweniger wurden 7100 staatenlose Juden festgenommen. Am 3. September war die Zahl der aus der unbesetzten Zone nach Drancy gebrach- * Bei dem Transport, der am 20. Juli anlangte, wurde die Aufnahme von 475, bzw. 412, 599 und 370 Juden aus Frankreich im Birkenaver Männerlager verzeichnet. Jenny Spritzer, die am 21, Juli im Fravenlager ankam, bemerkte nichts von einer Selektion. Zwei Züge, die nach der großen Razzia Frankreich verließen, brachten nur 240, bzw. 270 Personen, aber am 2. und 8. August stieg die Zahl der registrierten Männer auf 693 bzw. 317 an. Zwischen dem 8. und 16. August kann man die Tatsache, daß die Transporte viele Kinder enthielten, daraus entnehmen, daß nur 128, bzw. 140, 152 und 115 Männer im Lager aufgenommen wurden 32, 361 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜUHRUNG DER ENDLOSUNG ten Juden nur 9000, aber Röthke schrieb, daß vom 15. an jeden Tag ein Zug nach Auschwitz abgehen werde. Er hoffe, vor dem 30. Oktober weitere 52000 Juden aus Frankreich zu deportieren, da später die Reichsbahn die Züge nicht mehr zur Verfügung stel- len könne. Man erwartete, daß die Regierung P&tain, um das zu ermöglichen, die seit 1933 vorgenommenen Einbürgerungen von Juden wider- rufen werde 5. Daß diese Erwartung nicht erfüllt wurde, kommt in den Statistiken zum Ausdruck: es gab 13 Deportationszüge im September und keinen einzigen im Oktober°®. Für Röthke gab es allerdings einen Trost. Am 23. September telegraphierte er an Eichmann, Glücks und namentlich an Rudolf Höss, den Schlächter von Auschwitz:„Der Bruder des ehemaligen französischen Mini- sterpräsidenten Leon Blum ist mit dem heutigen Transport mitab- geschoben worden 37.“ Röthke mußte nun energisch vorgehen, um den Widerruf der Einbürgerungen zu erreichen. Im August war er so weit gegangen, zu versprechen, daß er die bodenständigen Juden in der besetz- ten Zone ungeschoren lassen werde, wenn dafür die nach 1933 vorgenommenen Einbürgerungen widerrufen würden. D’Arquier bereitete den Entwurf einer diesbezüglichen Verordnung vor und legte sie— so wurde Röthke berichtet— Laval vor®. Im folgen- den Jahr drängte Röthke in regelmäßigen Abständen Knochen, eine Aktion einzuleiten, indem er ihm vorhielt, daß Laval dem Entwurf D’Arquiers seine Zustimmung gegeben hatte. Schließlich gelang es Röthke am 14. August 1943, eine Unterredung mit Laval selbst zu erlangen. In der Zwischenzeit hatten die deutschen Armeen die bis dahin freie Zone Frankreichs besetzt. Andrerseits waren sie aus Nord- afrika, Sizilien und dem größten Teil von Südrußland vertrieben worden. Überdies war Röthke in Lavals Augen kein Mann von irgendeiner Bedeutung. Alles das trug dazu bei, daß Laval weit weniger entgegenkommend war als zur Zeit, da er Rahn und Oberg sein Versprechen gegeben hatte. Er teilte Röthke mit, daß Petain über Bousquet und D’Arquier wütend sei, weil diese den Entwurf einer Verordnung ausgearbeitet hätten, durch die Frauen und Kinder ihrer Staatsbürgerschaft beraubt werden sollten. So von ungefähr erwähnte Laval dann Röthke gegenüber, daß er seine Ausfertigung des Entwurfs verloren habe. Bevor ein neuer 362 zwoLFTES KAF Entwurf de Monate ve! könnten, A! Ohne daß könnte die sützen. AU sehr peinli daß er mel Welche Sch Poliakov A dene Mögl der Einbürt gewendet, bar jeder U macht als o der Ausrot Mann, dem Vernunftgr beharrliche lähmt were Der Wider punkt errei Alliierten ı Admiral D war, die in hin besetzt nur im Eir konnte, üt Grenoble diese Wei Zone gefü Sicherheits enttäusche Auschwitz mit Berech setzte Gel Tunis, Gr ER ENDLOSUNG one €, Vor dem Ceportiern Mügung sel möglichen, Juden wider. de, kommt in lonszüge in Sthke gabs hierte er on °n Schlächter sischen Mini. Isport mitab- Viderruf der it gegangen, \ der besetz- e nach 1933 n. D’Arquier ung vor und >. Im folgen- en Knochen, ) Laval dem >. Schließlich ng mit Lavel ie bis dahin e aus Nord- d vertrieben n Mann von ß Laval weit r Rahn und hke mit, daß il diese den 1 die Fraven ‚ sollten. S0 ber, daß er yr ein neue! ZWOLFTES KAPITEL 3. DIE ITALIENISCHE INTERVENTION Entwurf dem Ministerrat vorgelegt werden könnte, müßten drei Monate vergehen, damit die Juden ihre Einwendungen machen könnten, auch wenn nur 30 Juden das Recht dazu haben sollten. Ohne daß alle diese Voraussetzungen erfüllt wären, sagte Laval, könnte die französische Polizei Knochen in keiner Weise unter- stützen. Außerdem müßte man die Italiener befragen. Nach dieser sehr peinlichen Unterredung mußte Röthke Knochen berichten, daß er mehr deutsche Polizisten brauchen würde”. Welche Schlüsse soll man aus diesem Dokument ziehen, das Leon Poliakov ans Tageslicht gebracht hat? Es muß fünfzig verschie- dene Möglichkeiten gegeben haben, um von Laval den Widerruf der Einbürgerungen zu erpressen. Aber keine davon wurde an- gewendet, und wir sehen die Gestapo plötzlich macht- und hilflos, bar jeder Unterstützung sowohl vom Oberkommando der Wehr- macht als auch vom Auswärtigen Amt. Hitler muß das Interesse an der Ausrottung der Juden in Frankreich verloren haben. Dieser Mann, dem nichts an der Meinung der Welt gelegen und der allen Vernunftgründen gegenüber unzugänglich war, konnte durch eine beharrliche, hinhaltende Obstruktion in seiner Entschlußkraft ge- lähmt werden. 3. Die italienische Intervention Der Widerstand hatte aber damit noch lange nicht seinen Höhe- punkt erreicht. In der Nacht des 7. November 1942 landeten die Alliierten in Französisch-Nordafrika. Am 11. November forderte Admiral Darlan, der in Algier zu den Alliierten übergegangen war, die in Toulon versammelte Flotte zum Auslaufen auf. Darauf- hin besetzten die deutschen Armeen die freie Zone. Aber da dies nur im Einvernehmen mit dem italienischen Alliierten erfolgen konnte, überließ man den Italienern die Besetzung von Nizza, Grenoble und des ganzen Departements Alpes Maritimes. Auf diese Weise wurde der gegen die Juden in der bisher unbesetzten Zone geführte Schlag etwas gemildert. Das Ergebnis der von der Sicherheitspolizei in dieser Zone durchgeführten Razzia war so enttäuschend, daß im November nur sechs Züge von Drancy nach Auschwitz abgehen konnten. Die Gestapo nahm an— und zwar mit Berechtigung—, daß die meisten Juden in das von Italien be- setzte Gebiet geflohen waren. Die Italiener hatten sich bereits in Tunis, Griechenland und Kroatien den Ruf menschlichen Beneh- 363 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG mens den Juden gegenüber erworben, und es gelang ihnen auch in Frankreich, der Deportierung von italienischen Juden Wider- stand entgegenzuseizen©°. Am 4. Dezember stimmte die italienische Regierung einer deut- schen Anordnung zu, die die Juden aus allen französischen Küsten- und Grenzgebieten vertrieb. Die italienischen Militär- kommandanten legten diese Anordnung dahin aus, daß sie sich auf französische, aber nicht auf italienische und andere fremde Juden bezog, von denen sie annahmen, daß sie sich unter ihrem Schutz befanden. Infolgedessen erhob die italienische Waffen- stillstandskommission am 29. Dezember formellen Protest bei der französischen Regierung bezüglich einer Verordnung des Präfek- ten des Departements Alpes Maritimes, der alle Juden in das deutschbesetzte Gebiet auswies. Die Antwort Lavals bestand in der Entsendung des Präfekten Ribiere zu General Vercelling mit dem Vorschlag, daß die französischen Juden in seinen Schutz ein- bezogen würden und daß er alle Juden aus der italienisch be- setzten Zone nach Italien bringen solle®. Vercelling lehnte ab, und Lavals unvorsichtige Korrespondenz fiel in die Hände von Joseph Antignac vom Amt D'Arquiers, der sie an Knochen weiter- leitete— gerade in dem Augenblick, als dieser von Müller erfuhr, daß Laval die Hilfe der Gestapo zur Entfernung der Juden aus dem Küstengebiet erbeten habe. Auf Grund dieses Ersuchens hatte Himmler bereits SS-Brigadeführer Kurt Daluege, den Chef der deutschen Polizei, zur Prüfung der Situation nach Marseille ent- sandt%2, Knochen, der nun nicht mehr wußte, woran er eigentlich war, gab beide Versionen über Lavals Verhalten an Müller weiter. Himmler war offenbar der Auffassung, daß das ganz Lavals Charakter ent- sprach und daß man da gar nichts tun könne. Aber das italienische Problem wurde den Diplomaten überantwortet, und D’Ajeta, der Kabinettschef des Grafen Ciano, versicherte dem deutschen Bot- schafter Mackensen bald darauf, daß die Juden nichtfranzösischer Abkunft im Einklang mit dem Übereinkommen vom 3. Dezember inzwischen interniert worden seien%. Am 19. Februar teilte Kno- chen Abetz mit, daß die Italiener alle Juden in ihrer Zone inter- niert hätten, aber Röthke, der wußte, daß den italienischen Juden die Abwanderung nach Italien bis zum 31. März bewilligt worden war, schrieb das Wort„Nein“ an den Rand“, 364 ZwoLFTES KA Es sollte n wieder an Zuständigk Präfekten Juden im schickung| worden se die Angele werde®. Mussolini€ nichtsdesto Judenfrag‘ „verschied solini beal Am 6. Mäi Italiener E daß die Vi gelassen h von Lyon‘ Am 18. Mi sandtschaf Präfekten dungsbear stapobean die vorher Das folgte während( seiner Ge Ambrosio schen Poli Vier Tage Mussolini überzeugt würde dat werden, d der frühe, sische Po Mackense Würden| 3 ER ENDLOgyNg 9 ihnen auch bden Wider. 9 Einer deu. Tanzösischen Chen Militär. daß sie sich dere fremde 1 unter ihrem che Waffen. rotest bei der 9 des Präfek. Juden in das Is bestand in 'ercelling mit an Schutz ein- talienisch be- ng lehnte ab, > Hände von ochen weiler- Müller erfuhr, er Juden aus suchens hatte len Chef der Marseille ent- lich war, gab siter. Himmler 'harakter ent- 15 italienische | D’Ajeta, der eutschen Bot- französischer 3, Dezember ar teilte Kno- ‚r Zone intel- \ischen Juden yilligt worden ZWOLFTES KAPITEL 3. DIE ITALIENISCHE INTERVENTION Es sollte noch ärger kommen. Am 22. Februar drahtete Knochen wieder an Müller— die Angelegenheit ging eben über Eichmanns Zuständigkeit hinaus—, daß die italienische Vierte Armee den Präfekten von Lyon daran gehindert habe, 2000-3000 polnische Juden im Gebiet von Grenoble festzunehmen, wodurch ihre Ver- schickung nach Auschwitz„für den Arbeitsdienst“ unmöglich ge- worden sei. Knochen wurde daraufhin mitgeteilt, daß Mussolini die Angelegenheit am 27. mit Ribbentrop persönlich besprechen werde 6. Mussolini gab Ribbentrop eine ausweichende Antwort. Er gab ihm nichtsdestoweniger darin recht, daß die Militärbefehlshaber die Judenfrage nicht richtig verstünden, was er in erster Linie ihrer „verschiedenen geistigen Vorbereitung” zuschrieb. Kurz, Mus- solini beabsichtigte nicht, seinen Generalen in den Arm zu fallen. Am 6. März faßte Röthke alle unerfüllten Zusicherungen, die die Italiener Eichmann gemacht hatten, zusammen und fügte hinzu, daß die Vierte Armee neuerlich zwei- oder dreihundert Juden frei- gelassen hätte, die von der französischen Polizei in der Gegend von Lyon festgenommen worden waren®. Am 18. März befahl D’Ajeta den Beamten der italienischen Ge- sandischaft in Vichy und Paris, in der Frage der französischen Präfekten weiter festzubleiben. Aber Marazzani, der Verbin- dungsbeamte zum deutschen Oberkommando, teilte dem Ge- stapobeamten Hagen mit, daß die Juden in der italienischen Zone, die vorher Hausarrest gehabt hatten, nunmehr interniert würden. Das folgte einer Unterredung zwischen Mussolini und Mackensen, während der Mussolini wegen der„falschen Humanitätsduselei” seiner Generale um Entschuldigung bat. Der Generalstabschef Ambrosio würde darauf sehen, daß sie nicht wieder der französi- schen Polizei Schwierigkeiten bereiteten®. Vier Tage später erhielt Mackensen einen Schock. Ambrosio hatte Mussolini von der Unzuverlässigkeit der französischen Polizei überzeugt. Die Registrierung der Juden in der italienischen Zone würde daher von nun an von der italienischen Polizei durchgeführt werden, die unter dem Kommando eines gewissen Lospinoso stand, der früher Polizeichef in Bari gewesen war, während die franzö- sische Polizei weiterhin die Deportationen durchführen werde. Mackensen sagte Bastianini, er fürchte, die italienischen Generale würden immer noch die französische Polizei behindern, aber 25 365 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG Bastianini erwiderte, daß die an Vercelling ergangenen Befehle Ambrosios„eindeutig und scharf” seien®. Dieses letzte Manöver setzte Himmler derartig in Aufregung, daß er Heinrich Müller, den hinter den Kulissen arbeitenden Groß- inquisitor der Gestapo, zu einem Besuch nach Rom schickte. Am 97. März erfuhr Müller, daß Lospinoso einige Tage vorher in die besetzte Zone gefahren sei, aber Knochens Nachfrage in Men- tone blieb ergebnislos. Am 6. April war Knochen so verzweifelt, daß er sich telegraphisch nicht nur an Eichmann, sondern auch an Schellenberg vom Nachrichtendienst wandte. Er habe von der Ge- stapo in Marseille erfahren, daß die Juden in die italienische Zone geradezu strömten. Diese Flucht war offenkundig von dem Direk- tor der Französisch-Italienischen Bank, Donati, finanziert.Lospinoso tauchte auf und verschwand je nach Bedarf, und Müller verlangte einfach, daß man ihn nach Berlin bringe. Aber Lospinoso konnte erst am 26. Mai aufgefunden werden, als Röthke von der Gestapo in Marseille erfuhr, daß der ehemalige Polizeichef von Bari in der Uniform eines Generals in der Villa Surany in Cimiez lebe. Er war der Vorstand eines„Kommissariats für Jüdische Angelegenheiten”, und sein Gehilfe war„Donati, Halbjude, wohnhaft Promenade des Anglais 37“«, Lospinoso hatte tatsächlich mit der Vertreibung der Juden aus Nizza und dem Küstengebiet begonnen. Mit Hilfe von Donatis Komitee hatte er sie in Hotels in Vence und Megeve untergebracht, also innerhalb der italienischen Zone. Als Bousquet geltend machte, daß die Hotels evakuierten Kindern vorbehalten seien, erklärte sich Lospinoso bereit, mit einem Vertreter von D’Arquiers Kommissariat zu sprechen. Die erste Frage, die er ihm stellte, war, ob er nicht zufällig ein Jude sei. Am 10. Juli benachrichtigte die Gestapo in Marseille Röthke, daß Lospinoso 22000 Juden unter diesen durchaus menschlichen Bedingungen umgesiedelt habe. Etwa tausend der ärmsten Juden lebten„in den besten Hotels in Isere und Savoie“. Röthke selbst war der Meinung, daß insgesamt 50.000 Juden in der italienischen Zone lebten”°. Auf die Dauer konnte man natürlich die Gestapo nicht zum besten halten. Mussolini hatte bereits die Zustimmung dazu gegeben, daß die Besetzungszone, mit Ausnahme von Nizza, den Deutschen übergeben werde. Am 22. Juli erfuhr Röthke, daß Donati nach Rom gefahren war, um für die bedrohten Juden zu intervenieren. 366 zwoiftes N Am 23. IV neue Reg! stapo In Regimewe zu überge Obwohl e ienen, die Die sehr! ministeriu schien, da Juden nat war Don: Alliierten die staate zu bringe gen für dı dessen di kam es zı Die Geskc Brunner Y Juden zu den, und zunächst in die ein tige Jude Obwohl setzte, ha zubringe hingesche Nichtsde: der Judeı hatten. A leere Dre französis gen, Che von den anderes: Als Eich kam, wa 25* NDLOSUNG \ Befehle ung, daß N Groß. ckte. Am ter in die in Men- "zweifelt, \ auch an N der Ge- che Zone m Direk- Ospinoso verlangte ;o konnte "Gestapo arı in der e. Er war nheiten”, omenade uden aus 1 Donatis ‚gebracht, t geltend ten seien, )'Arquiers ellte, war, htigte die den unter jelt habe. Hotels in insgesamt ym besten gegeben, Deutschen ‚nati nach ryenieren. ZWOLFTES KAPITEL 3. DIE ITALIENISCHE INTERVENTION Am 25. Juli wurde Mussolini verhaftet und Badoglio bildete eine neue Regierung. Am 19. August erschien Lospinoso bei der Ge- stapo in Marseille, um dort mitzuteilen, daß er sich nach dem Regimewechsel nicht mehr an das Übereinkommen, ihr sein Amt zu übergeben, gebunden fühle. Obwohl es gelungen war, eine Gnadenfrist zu erwirken, fehlte es jenen, die zugunsten der Juden tätig waren, an Entschlußkraft. Die sehr liberalen Instruktionen des neuen italienischen Außen- ministeriums wurden erst am 1. September veröffentlicht, als es schien, daß die italienischen Juden repatriiert und die staatenlosen Juden nach Nizza zurückgebracht würden. In der Zwischenzeit war Donati beim Vatikan gewesen, wo er mit Vertretern der Alliierten Fühlung nahm und ihnen den Vorschlag unterbreitete, die staatenlosen Juden in italienischen Schiffen nach Nordafrika zu bringen. Bis zum 8. September, als Eisenhower die Bedingun- gen für den italienischen Waffenstillstand verkündete und infolge- dessen die deutsche Armee in die italienische Zone einmarschierte, kam es zu keiner Entscheidung’'. Die Gestapo hatte sich für diesen Augenblick vorbereitet. Anton Brunner war nach Marseille gekommen, um eine große Razzia auf Juden zu leiten. Dabei sollten keinerlei Unterschiede gemacht wer- den, und die in Haft Genommenen sollten aus Marseille und Lyon zunächst nach Drancy gebracht werden. In Drancy wollte man sie in die einzelnen Kategorien einreihen, da die Italiener keine rich- tige Juden-Registratur besaßen 72. Obwohl die deutsche Armee erst am 11. September Nizza be- setzte, hatte der Plan, die Juden aus Megeve in diese Falle zurück- zubringen, keine großen Fortschritte gemacht. Nur 2000 hatte man hingeschafft, und der Rest konnte sich auf die Bergdörfer verteilen. Nichtsdestoweniger schien sich eine Tragödie für viele Tausende der Juden vorzubereiten, die die großen Städte niemals verlassen hatten. Aber Röthkes Erklärungen erwiesen sich doch meist als leere Drohungen. Brunner gelang es nicht, ohne volle Mithilfe der französischen Polizei eine richtige große Razzia in Gang zu brin- gen. Chaigneau, Ribieres Nachfolger, vernichtete in Nizza alle von den Italienern zurückgelassenen Listen. Brunner blieb nichts anderes übrig, als auf der Straße Jagd auf Juden zu machen 3. Als Eichmann bald darauf mit der deutschen Armee in Nizza an- kam, war er über das geringe Ausmaß der Beute sehr enttäuscht, 25* 367 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG aber er erkannte bald, wo die Erklärung dafür lag. Irgendwie er- fuhr er, daß sich 15000 Juden in den Bergen des Fürstentums Mo- nako versteckt hielten. Am 23. September erhielt der deutsche Konsul in Monako vom Auswärtigen Amt den Auftrag, der Sicher- heitspolizei den Zutritt in das Fürstentum zu erwirken. Aber der Konsul war nur in der Lage, 1000 Juden zu finden, die alle seit lan- ger Zeit dort ansässig gewesen waren. Eichmann gab aber nicht nach und verwies immer wieder darauf, daß es sich um 10.000 bis 15000 Juden handele. Die Sache wurde von Zeit zu Zeit immer wieder aufgegriffen. Im Juli 1944 teilte der Konsul von Thadden aus dem Auswärtigen Amt mit, daß die meisten der 1000 Juden, nachdem Eichmann auf den Plan getreten war, in die Schweiz, nach Spanien oder zu den Maquis entkommen waren. Nicht mehr als 45 waren zurückgeblieben, die alle unter entsprechendem Schutz standen. Nur einige wenige wurden der Sicherheitspolizei übergeben und nach Drancy gebracht”*. Das Ausmaß der deutschen Niederlage auf diesem Gebiet läßt sich an Hand der folgenden Zahlen erkennen. Die in Röthkes Büro’5 gefundene Liste weist aus, daß in den drei Monaten nach dem verhängnisvollen 8. September, als das ganze Gebäude des italienischen Schutzes zusammenbrach, nur drei Transporte aus Drancy nach Auschwitz gegangen sind. 4. Die Endlösung scheitert Ein Leitmotiv findet sich in allen Briefen Röthkes, die man in der Avenue Foche 72 aufgefunden hat: wenn nur Laval die seit 1933 — oder 1927— erfolgten Einbürgerungen widerrufen hätte, hät- ten wir jeden Tag Züge fahren lassen und sie auch füllen können! Am 21. Juli 1943 war Röthke der Ansicht, daß der Widerruf der seit 1927 erfolgten Einbürgerungen 50 000 Juden unmittelbar ver- fügbar machen würde. Was die bodenständigen französischen Ju- den betraf, waren sie für seine Zwecke nur verwendbar, wenn sie bereits als Geiseln für„jüdische Bolschewisten“ oder wegen Ver- gehens gegen eine der unzähligen neuen Vorschriften hinter Schloß und Riegel saßen. Von den 52000 Juden, die aus Frank- reich deportiert wurden, waren darum nur 6000 französische Staatsbürger, während der Anteil der ursprünglich unbesetzten Zone, die damals nur acht Monate Besetzung hinter sich hatte, nur 13000 betrug”*, 368 zwoLftES Wenn dem ital porte N. pause In genomf schränkt sehr alte ihrer pO sten Tag französl Juden,© gen, ver Stelle aı zur Dep SS-Stanc Sixın e „Fragen entwicke kaner h Rhein ar land au Angebo! Am 6. jede W im Aprı März fü vorbere rich von habe*, Polizei wiesen Brunner Saloniki bauen. H lassen, Presser] " Genau Gestapo j Falschmel und wurd NDLOSUNg Adwie er. Ifums No- deutsche ler Sicher. Aber der e seit lan- über nicht 10000 bis eit immer 00 Juden, : Schweiz, Jicht mehr echendem eitspolizei ebiet läßt 1 Röthkes aten nach äude des porte aus an in der > seit 1933 hätte, hät- n können! derruf der telbar ver- sischen Ju- , wenn sie egen Ver- ten hinter us Frank- ‚nzösische nbesetzten sich hatte, ZWOLFTES KAPITEL 4. DIE ENDLOSUNG SCHEITERT Wenn wir einige Monate zurückgreifen, und zwar in die Zeit vor dem italienischen Zusammenbruch, so finden wir, daß die Trans- porte von Drancy nach Auschwitz nach der unerläßlichen Winter- pause im Februar 1943 nur mit großen Schwierigkeiten wieder auf- genommen worden waren. Die Razzia vom 11. Februar be- schränkte sich nach dem Bericht von Dr. Wellers auf Kinder und sehr alte Leute, die einzigen ausländischen Juden, die man unter ihrer polizeilich gemeldeten Adresse finden konnte’”. Am näch- sten Tag berichtete Knochen an Müller, daß Bousquet die Hilfe der französischen Polizei bei der Deportierung von 1300 französischen Juden, die man verhaftet hatte, weil sie den Judenstern nicht tru- gen, verweigerte. Bousquet hatte 1300 staatenlose Juden an ihrer Stelle angeboten.„Es ist selbstverständlich, daß beide Gruppen zur Deportierung gelangen werden’’®.“ SS-Standartenführer Helmuth Knochen, der unter Professor Franz Six in einem sogenannten„Informationsdienst” der Gestapo für „Fragen der Wissenschaft” gedient hatte, besaß keinen übermäßig entwickelten Sinn für die Wirklichkeit. Er sagte Müller, die Ameri- kaner hätten Frankreich die italienischen Kolonien und den Rhein angeboten; Laval würde sicherlich mehr Juden an Deutsch- land ausliefern, wenn die Deutschen ein entsprechend höheres Angebot machten. Am 6. März schrieb Röthke an Eichmann, daß er hoffe, im April iede Woche 8000 bis 10000 Juden deportieren zu können; aber im April wurden überhaupt keine Juden deportiert, obwohl im März fünf Züge abgegangen waren’?. Im Juni mußte Röthke eine vorbereitete Razzia absagen. Am 21. Juli berichtete er, daß Hein- rich von Stülpnagel die Hilfe der Armee kategorisch verweigert habe*. Röthke war auf die Miliz Darnands, auf die antijüdische Polizei D’Arquiers und den Nachrichtendienst der Gestapo ange- wiesen. Zu diesem Zeitpunkt versuchte Sturmbannführer Anton Brunner, der Organisator der Deportationen aus Wien, Berlin und Saloniki, eine Art jüdischen Ordnungsdienst in Frankreich aufzu- bauen. Eine Anzahl Juden wurde aus Drancy mit dem Auftrag ent- lassen, durch verschiedene Appelle an das Gefühl oder durch er- presserische Drohungen mit Freunden und Verwandten dorthin * Genau ein Jahr später nahm Stülpnagel Oberg, Knochen und die ganze Pariser Gestapo in Haft, als er von General Olbricht den Befehl„Walküre“ auf Grund der Falschmeldung erhielt, daß Hitler getötet worden war; er mußte sie wieder freilassen und wurde nach einem erfolglosen Selbstmordversuch hingerichtet. 369 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG wieder zurückzukehren. Aber„les missionaires” waren kein Er- folg, und die Sache wurde nach einigen Wochen aufgegeben!!. In dem Jahr bis zur Befreiung von Paris dürften weitere zwanzig Deportationszüge Frankreich verlassen haben. Man brachte die Menschen hauptsächlich dadurch auf, daß man die bestehenden Lager und die der UGIF bewilligten Wohlfahrtseinrichtungen aus- kämmte. Dr. Wellers sagt, daß die Pariser Waisenhäuser und das Rothschild-Altersheim im Juli 1944 geleert wurden 32. Röthkes Ak- ten enthalten den Bericht über einen ähnlichen Fall, der sich schon früher zugetragen hatte. Am 6. April 1944 berichtete SS-Obersturm- führer Barbie von der Gestapo in Lyon über die Auflösung der jüdischen Kinderkolonie in Izieux(Ain).„Insgesamt wurde 41 Kin- der im Alter von 3 bis 13 Jahren festgenommen. Ferner gelang die Festnahme des gesamten jüdischen Personals, bestehend aus zehn Köpfen... Der Transport nach Drancy erfolgt am 7. April 1944.” In Drancy gab es eine kleine Schwierigkeit.„Dr. von B." sagte, daß Röthke besondere Maßnahmen bezüglich der Unterbringung von Kindern zu treffen pflege. SS-Sturmbannführer Brunner erwiderte, daß ihm derartige Weisungen und Pläne nicht bekannt seien und daß er„grundsätzlich“ solche Sondermaßnahmen nicht billige. „Dann wurde auch in diesem Falle mit dem normalen Modus be- treffend Abschub verfahren 83.” Im April 1944 gingen nur zwei Transporte nach Auschwitz, im Mai einer. Aber am 14. April machte Knochen noch einen letzten ver- zweifelten Versuch einer umfassenden Razzia, in die auch Halb- juden einbezogen werden sollten. Brunner erhielt den Auftrag, die Juden aus allen französischen Lagern und Gefängnissen zu ent- fernen, um die französischen Behörden daran zu hindern, sie durch Verschickung dem Zugriff der Gestapo zu entziehen®*— ein deutlicher Hinweis auf die veränderte Haltung der französi- schen Polizei. Nichtsdestoweniger brachte die Invasion des Kon- tinents den Juden in Frankreich neue große Gefahren. So gab es zwischen der Landung der Alliierten im Süden Frankreichs und dem Fall von Paris einen Zeitraum von einer Woche, in der die in Lyon konzentrierte Gestapo besinnungslos um sich schlug. Juden wurden wahllos aufgegriffen und ermordet, manchmal in Massen- exekutionen; aber Deportierungen waren zu diesem Zeitpunkt, an dem die französischen Bahnen durch die Bombardierungen fast lahmgelegt waren, kaum noch möglich. Darum mußte die für den 370 schen Ji Jassen I zeichnu zahl v< zurück Fast ur der Ge diesbe; noch di wohl n Abgese des be: lust vor men. 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September in die Hände der Alliierten gefallen war; wahrscheinlich waren einige Züge über Norditalien noch durchgekommen®°. Dr. Wellers, der Zutritt zu den Lagerverzeichnissen in Drancy hatte, schätzt, daß in der letzten Phase der Deportationen, zwi- schen Juni 1943 und August 1944, nur 17.000 Juden Frankreich ver- lassen haben. Wenn man diese Zahl zu den ursprünglichen Auf- zeichnungen der Gestapo hinzufügt, kommt man zu einer Gesamt- zahl von weniger als 65000, von denen 2800 nach dem Kriege zurückgekehrt sind 97*. Fast unmöglich ist abzuschätzen, wieviel Juden das Programm der Gestapo für Frankreich umfaßte; die Gestapo selbst scheint diesbezüglich vollkommen im Dunkeln gewesen zu sein. Wenn man noch diejenigen einbezieht, denen die Flucht gelang, hat es sich wohl nicht um viel weniger als um 300 000 Menschen gehandelt. Abgesehen von Italien und Dänemark ist in keinem andern Land des besetzten Europas die jüdische Gemeinschaft mit einem Ver- lust von weniger als einem Viertel ihres Bestandes davongekom- men. In Frankreich war das in einem großen Ausmaß der Taktik Lavals zu danken, eines Mannes, den seine Landsleute nach dem Krieg als Verräter erschossen haben. Aber es wäre falsch, das Überleben von drei Vierteln der Judenschaft in Frankreich allein auf das kluge Vorgehen eines einzelnen Menschen zurückzuführen. Die Endlösung, die in Mittel- und Osteuropa so erfolgreich zur Anwendung gelangte, mußte in Frankreich versagen angesichts der menschlichen Haltung des einfachen Mannes, der selbst zu- tiefst erniedrigt worden war und dadurch gelernt hatte, die Furcht zu überwinden. * Die in Röthkes Büro gefundene Liste vom 1. Juli 1944 sagte aus, daß es bis zu diesem Zeitpunkt 75 Deportationszüge gegeben habe. Gewöhnlich beförderte ein aus zwanzig Eisenbahnwagen bestehender Zug 1000 Juden, aber zahlreiche der späteren Transporte waren viel kleiner. Die oben angegebene Ziffer ist zwar nicht abschließend, dürfte jedoch eher nach unten als nach oben zu korrigieren sein. 371 Dreizehntes Kapitel Andere westeuropäische Länder 1. Holland In Holland vollzog sich nahezu die entgegengesetzte Entwick- lung wie in Frankreich. Am 2. August 1941 betrug die jüdische Be- völkerung 140 552 Köpfe!. 110000 wurden deportiert, weniger als 6000 kehrten zurück. Heute zählt die jüdische Gemeinschaft nur ungefähr 35.000 Mitglieder. Etwas weniger als ein Fünftel der De- portierten waren staatenlose Flüchtlinge. Von den Juden nieder- ländischer Staatsbürgerschaft sind fast zwei Drittel zugrunde ge- gangen. Das Ausmaß des Unglücks kann nicht durch irgendeinen Hinweis auf lokalen Antisemitismus erklärt werden, waren doch die Unruhen vom Februar 1941 wahrhaft würdig der Tradition rassischer und religiöser Toleranz, durch die sich das Land aus- zeichnet. Die unmittelbare Ursache des großen Aderlasses war die schwächere politische Situation Hollands unter deutscher Herr- schaft im Vergleich zu der Frankreichs. Selbst im November 1942 fühlten sich die Sieger von 1940 nicht stark genug, die zivile Ver- waltung von Frankreich zu übernehmen, aber Holland war ein kleines, im Laufe von fünf Tagen niedergeworfenes Land, das vom ersten Augenblick an von einem deutschen Zivilkommissar regiert wurde. Die von der Besatzungsmacht im Jahre 1942 bestellte niederländische Regierung wurde von niemandem ernst genommen. Nirgends befand sich die jüdische Bevölkerung so sehr in der deut- schen Umklammerung wie in Holland, da nur sehr wenige Juden außerhalb der drei großen Städte lebten und mehr als 60 v.H. von ihnen in Amsterdam zu Hause waren. Es gab auch keine offene Grenze, die man heimlich überschreiten konnte; erst nach Über- schreiten von drei schwerbewachten Grenzen hätte man einen sicheren neutralen Zufluchtsort erreichen können. Darum waren 372 ppeizeHNT! schon im Juden in ber wurd tung übe dienst e! und Kent osteurop und zu B entwedeı lager ge Gleich v passive hervor,( Am 9. Fı einiger| sammen in Amsfe denFens in dieseı Inseln K Hilfe*. 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Im Februar wurde nach dem osteuropäischen Muster ein Judenrat(Joodse Raad) geschaffen, und zu Beginn des Jahres 1942 wurden die Juden aus den Städten entweder in Amsterdam zusammengefaßt oder in die Torfstech- lager gebracht. Gleich von Anbeginn riefen diese Grausamkeiten mehr als bloß passive Sympathie von seiten der nichtjüdischen Bevölkerung hervor, deren Verhalten sich bis zu aktivem Widerstand steigerte. Am 9. Februar 1941 unternahm die deutsche Polizei in Begleitung einiger holländischer Polizeibeamten, die mit den Deutschen zu- sammenarbeiteten, in den Häusern des historischen Judenviertels in Amsterdam eine Razzia unter dem Vorwand, daß auf sie aus den Fenstern geschossen worden sei. Während der zweiten Razzia in diesem Stadtteil am 11. Februar kamen Dockarbeiter von den Inseln Kattenburg, Wittenburg und Oostenburg den Juden zur Hilfe*. Ein gewisser Hendrik Koot, ein holländischer Polizist, wurde verwundet und starb später. Obwohl das jüdische Wohnviertel während der folgenden Tage streng überwacht wurde, hatte das von deutscher Seite mit großem Pomp veranstaltete Begräbnis Koots am 17. weitere Unruhen hervorgerufen, die Himmler zu dem Befehl veranlaßten, vierhundert jüdische Geiseln festzunehmen*. Man kann sagen, daß der Zivilkommissar Arthur Seyss-Inquart und der Höhere SS- und Polizeiführer Hans Rauter— beides Öster- reicher— Himmler vor diesem Schritt warnten. Seyss-Inquart war als Nachfolger Schuschniggs einige Stunden lang österreichischer Bundeskanzler gewesen und hatte als solcher den Anschluß sozu- sagen per Telephon arrangiert. Er wurde dafür mit dem Posten des Reichsstatthalters von Wien belohnt, den er aber nicht lange inne- hatte. Die Stellen, die er später bekleidete, entsprachen nicht den * Die Tatsache, daß nichtjüdische Holländer den Juden geholfen hatten, versuchte das RSHA dadurch zu verheimlichen, daß es vorgab, die Arbeiter seien aus der jüdischen Regenmantelfabrik am Waterlooplein, dem Kattenburg-Hollandia-Konzern, gekommen. Von den Kattenburg-Arbeitern wurden 826 am 30. November 1942 aus dem Lager Wester- borg nach Auschwitz deportiert, unter ihnen solche, die als Kommunisten verdächtigt wurden und in Scheveningen verhaftet worden waren. 373 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG von ihm geleisteten Diensten, da er nur als ein Parteimann zweiter Güte galt. Nichtsdestoweniger war Seyss-Inquarts Anteil an der Verfolgung der holländischen Juden eine für die Nationalsozia- listen nützliche, wenn auch passive Mithilfe. Rauter war ein ganz anderer österreichischer Typ. Es ist bezeichnend für die Schicht, aus der Himmler die Polizeichefs auswählte, daß Rauter früher Führer eines Freikorps nach deutschem Muster, nämlich der steiri- schen Heimwehr, war. 1931 hatte er an dem österreichischen Heim- wehrputsch teilgenommen und war 1932 der Nationalsozialisti- schen Partei beigetreten. Die Unterredungen mit Rauter im Gefäng- nis, die Dr. De Jong und Professor Postumus veröffentlicht haben, weisen auf einen Mann mit einem stark betonten, aber beruflich beschränkten Ehrbegriff hin, der kein unangenehmes Wesen hatte, aber ausgesprochen dumm und ein Gewaltanbeter war 5. Rauter, der von seinem Krankenurlaub in Bad Gastein zurückeilen mußte, erfuhr am 19. Februar, daß eine deutsche Polizeipatrouille in der Amsterdamer van-Woustraße mit Vitriol übergossen worden war®. Er verhaftete darum 250 Juden am 22. und 140 am 23. Fe- bruar. Es handelte sich um junge Menschen, die in den Straßen von der Schutzpolizei aufgegriffen wurden und die man zwang, viele Stunden lang zu knien, ehe man sie in ein Lager brachte. An allen Straßenecken Amsterdams ließ Rauter am 25. einen Auf- ruf anschlagen, dem zufolge die Juden zuerst geschossen hatten und die Verhaftungen eine Vergeltungsmaßnahme waren’. Aber das verhinderte nicht, daß die Stadt von einem Generalstreik er- faßt wurde. Am Rokin, einer von Amsterdams Hauptstraßen, wo die Streikenden die Fahrgäste zwangen, die Straßenbahn zu ver- lassen, schoß die deutsche Polizei auf die Menge. Da der Krieg im Februar 1941 wenig militärische Anforderungen an Deutschland stellte, war es möglich, drei Polizeibataillone und ein Bataillon der Totenkopf-Verbände, das normalerweise Wachtdienst in Konzen- trationslagern versah, rasch nach Amsterdam zu entsenden. Diese Machtentfaltung brachte die gewünschte Wirkung, und obwohl der Sympathiestreik sich bereits auf Rotterdam ausgedehnt hatte, gab es in Amsterdam am nächsten Tage wieder Gas und Elek- trizität®, Der Amsterdamer Streik war die kühnste Aktion dieser Art vor den großen Streiks, die der Invasion des Kontinents durch die Alli- ierten folgten. Sechzig niederländische Arbeiter, die daran teilge- 374 preIZEHN nommel Jager ve Prestige erhielter gannen gehen, gestorb einer G der Ver denrat 0 dische( der Zut Tod vor ten Tac daß Mc verhaft Schutzr Mitteilu Todesfö Die Gei NDLOSUNg ın Zweiter | an der Nalsozig. | ein ganz © Schicht, ter früher der steir. hen Heim- Isozialisti N Gefäng. 'ht haben, * beruflich sen hatte, 5 urückeilen patrouille n worden m 23. Fe- aßen von ang, viele inen Auf- sen hatten en’. Aber ılstreik er- raßen, wo hn zu ver- r Krieg im autschland taillon der n Konzen- den. Diese d obwohl shnt hatte, und Elek- sr Art vor h die Alli- ran teilge- DREIZEHNTES KAPITEL 1. HOLLAND nommen hatten, wurden daraufhin in deutsche Konzentrations- lager verschickt, aber den vollen Zoll für den Verlust an deutschem Prestige mußten die 389 jüdischen Geiseln entrichten. Eine Zeitlang erhielten ihre Angehörigen Feldpostkarten, aber im Sommer be- gannen Mitteilungen vom„Standesamt II Mauthausen” einzu- gehen, die besagten, daß der oder jener an Lungenentzündung gestorben sei und daß die Urne von der Gestapo gegen Bezahlung einer Gebühr von75 Gulden abgeholt werden könne. Als die Zahl der Verständigungen ansiieg, wurden sie bündelweise an den Ju- denrat geschickt. Im Oktober 1941 beschwerte sich dann der schwe- dische Gesandte in Berlin, daß den Vertretern des Roten Kreuzes der Zutritt zu den Geiseln verweigert worden war und daß der Tod von 400 jungen und gesunden Männern„jeweils an bestimm- ten Tagen” eingetreten sei?. Das einzige Ergebnis dessen war, daß Martin Luther von der Abteilung„Deutschland“ den Rat gab, verhaftete holländische Bürger in Holland zu behalten, wo keine Schutzmacht(wie Schweden) eingreifen konnte, und daß„bei der Mitteilung der Todesfälle möglichst nicht der Eindruck entsteht, die Todesfälle ereigneten sich jeweils an bestimmten Tagen”'°. Die Geiseln wurden buchstäblich zu Tode gemartert. Am 22. Mai 1941, nachdem 59 gestorben waren, wurden die Überlebenden aus Buchenwald nach dem furchibaren Steinbruchlager in Mauthausen bei Linz in Österreich gebracht. Dort sind dann weitere 230 Juden aus Amsterdam zu ihnen gestoßen, die im Juni deportiert worden waren. Von der Gesamtzahl von 619 befanden sich Anfang 1942 nur mehr acht am Leben!!, und zu Kriegsende nur einer, Max Nebig, der Eugen Kogon in Buchenwald beschrieb, welcher besonderen Mauthausener Tortur sie unterworfen wurden. Sie wurden die 148 Stufen am Steinbruch mit Steinblöcken auf ihren Schultern hinauf- und hinuntergetrieben. Am dritten Tag bildeten die Über- lebenden dieser von Menschen geschaffenen Hölle Gruppen, die, sich gegenseitig an den Händen haltend, über die Felsenböschung sprangen. Ihre Verzweiflungstat war von Arbeitern gesehen wor- den, so daß es sich als notwendig erwies, die letzten Überleben- den in das Lager zurückzunehmen; dort trieb man sie an die Stark- stromleitung. Nebig rettete sein Leben, indem er sich für eine Ope- ration als menschliches Versuchskaninchen zur Verfügung stellte; nachher wurde er in der Tuberkulose-Abteilung von Buchenwald bis Kriegsende versteckt gehalten'?. 375 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG Dank der brutalen bürokratischen Stupidität, mit der die Verstän- digungen über Todesfälle erfolgten, und dem Handel mit Urnen wurde der Mord an den holländischen Juden bald allgemein be- kannt. Als Himmler 1941 holländische Kommunisten nach Buchen- wald verschicken wollte, überredete Harster, der Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Holland, den Gestapochef Müller in Berlin, den Befehl abzuändern, weil„sonst die politischen Auswirkungen solche Maßnahmen allgemein bekannt machen würden“. Rauter verantwortete sich während seines Prozesses dahin, daß er gegen die Verschickung von Holländern„in die Steinbruchlager” inter- veniert habe'3. Sie wurden statt dessen in das Konzentrationslager Sachsenhausen geschickt, das allerdings auch nicht als Erholungs- ort gelten konnte. Der Massenmord an holländischen Juden wiederholte sich erst wieder im Juli 1942. Es scheint sogar, daß die Verfolgung der hol- ländischen Juden verlangsamt wurde, um sie mit den Vorberei- tungen für Auschwitz in Übereinstimmung zu bringen. So wurde das Tragen des Judensterns, das für das Großdeutsche Reich und die Slowakei im September 1941 angeordnet worden war, von Rauier erst am 29. April 1942 zur Pflicht gemacht. Andererseits ist eine Zweigstelle der Zentralstelle für jüdische Auswanderung, der später die Vorbereitung der Deportierungen zufiel, in Amsterdam im September 1941 unter der Leitung des berüchtigten Hauptsturm- führers Aus der Fünten eingerichtet worden, gerade zu der Zeit, als die ersten Massenverschickungen aus dem Altreich er- folgten'%. Am 23. Juni 1942 unterrichtete Eichmann Rademacher, seinen Ver- bindungsmann im Auswärtigen Amt, daß von Mitte Juli an die Deportierten-Züge aus dem Westen täglich verkehren und 40 000 Juden aus den Niederlanden, 40 000 aus dem besetzten Frankreich und 10000 aus Belgien befördern würden"5. Es scheint, daß das Auswärtige Amt im Hinblick auf die psychologischen Auswirkun- gen zunächst die 25000 staatenlosen Flüchtlinge aus Holland zu deportieren wünschte. Nichtsdestoweniger wurden eingebürgerte und sogar in Holland geborene Juden in die erste, von Zöpf und Aus der Fünten in Szene gesetzte Verhaftungswelle eingeschlos- sen; wegen dieser Angelegenheit, über die das Auswärtige Amt nicht vorher informiert worden war, gab es eine längere Ausein- andersetzung. 376 ppeizeHNTE Das RSH/ folge die schriften, mischung der Recht darauf hi Interesse Guayand jedesmal sucht ha würde 9 keine Mi sige Zere fürwahr ı ten, von wurde k holländi: wurde d weiter br Die Jude willig ar helen, cc Grenze, „Drancy inmitten jüdische den vom vergebli Westerb Auschwi Mensche Iandfüh züge vie * Soweit m Vorgang n der Refere Westdeuts: keine Kenr der Haft fachlichen ENDLOSUNG ; Verstän. mit Urnen mein be. h Buchen. haber der in Berlin, Yirkungen 1". Rauter ) er gegen er“ inter- tionslager Tholungs- > Sich erst 9 der hol- Vorberei- So wurde Reich und war, von rerseits ist rung, der msterdam Juptsturm- der Zeit, treich er- inen Ver- uli an die ınd 40.000 "rankreich }, daß das \uswirkun- lolland zu jebürgerte Zöpf und ngeschlos- irtige Amt re Ausein- DREIZEHNTES KAPITEL 1. HOLLAND Das RSHA wünschte die Herausgabe einer Verordnung, der zu- folge die Juden in dem Augenblick, in dem sie die Grenze über- schritten, ihre holländische Staatsbürgerschaft verloren,„um Ein- mischung der Schutzmacht in Deutschland zu vermeiden“. Aber der Rechtsberater des Auswärtigen Amtes, Dr. Emil Albrecht, wies darauf hin, daß in diesem Fall Schweden aufhören werde, die Interessen deutscher Bürger in Curacao und Niederländisch- Guayana wahrzunehmen. Unter Hinweis darauf, daß dieSchweden jedesmal, wenn in Holland Totenscheine eintrafen, hartnäckig ver- sucht hatten, Mauthausen zu besichtigen, meinte Albrecht, es würde genügen, wenn die Polizei über den Unterbringungsort keine Mitteilungen nach außen gelangen ließe und die überflüs- sige Zeremonie der Versendung von Sterbeurkunden einstellte— fürwahr ein weiser Rat eines äußerst vorsichtigen deutschen Beam- ten, von dem die Gestapo natürlich gern Gebrauch machte. Es wurde keine Verordnung herausgegeben, die den deportierten holländischen Juden die Staatsbürgerschaft absprach, und man wurde durch keinerlei Dazwischentreten von seiten Schwedens weiter behelligt'6*. Die Juden, die sich zuerst auf Aufforderung des Judenrats frei- willig am Polderweg meldeten, wurden mit der Bahn nach Hoog- helen, ca. 150 km von Amsterdam entfernt, nahe der deutschen Grenze, gebracht. Sie mußten dann nach dem holländischen „Drancy” marschieren, dem weltverlassenen Lager Westerbork inmitten der Torfsümpfe. Westerbork war einmal ein Lager für jüdische Flüchtlinge gewesen, und dorthin hatte man auch die Ju- den vom deutschen Dampfschiff„St. Louis“ im Juni 1939 nach ihrer vergeblichen Reise nach Havanna gebracht. Logischerweise wurde Westerbork jetzt die Sammelstation für die Gaskammern von Auschwitz, wohin in der zweiten Hälfte Juli 1942 der erste, 5742 Menschen umfassende Transport abging. Für die durch Deutsch- land führende Strecke von 1200 km brauchten die sechs Eisenbahn- züge vierzig Stunden!7. Eichmann hatte die Wahrheit gesprochen; * Soweit mir bekannt ist, wurde die Schuld Dr. Emil Albrechts in bezug auf diesen Vorgang niemals zum Gegenstand einer Untersuchung gemacht. Dr. Conrad Roediger, der Referent für völkerrechtliche Fragen im A. A. war und jetzt ein hoher Richter in Westdeutschland ist, sagte im Rademacher-Prozeß, daß er von diesem Brief Albrechts keine Kenntnis hätte(Frankfurter Rundschau, 22. Februar 1952). Albrecht wurde 1949 aus der Haft entlassen, nachdem er der Anklagebehörde im Wilhelmstraßen-Prozeß seine fachlichen Kenntnisse zur Verfügung gestellt hatte. 377 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG jeden Tag ging ein Zug entweder aus Frankreich oder aus Hol- land ab. Die direkte Selektion für die Gaskammer beim Eintreffen in der Station Auschwitz war bereits die Regel, doch war die Zahl der so Ausgewählten noch verhältnismäßig gering. Ein Vergleich zwi- schen einem Bruchstück des Birkenauer Tagesappells und der Liste in Westerbork zeigt, daß höchstens 18 v.H. der männlichen De- portierten nicht bis ins Lager Birkenau kamen, während die In- sassen des zweiten Zuges vollzählig dort eingeliefert wurden. Bis zum 7. August wurden auch nicht arbeitsfähige Männer ins Lager aufgenommen. Am 7. August fehlten jedoch schon 35 v.H. der Neuankömmlinge, und von da an wurde weniger als die Zahl der theoretisch Beschäftigungsfähigen ins Lager aufgenommen"®. Ende August suchte der Joodse Raad immer noch hauptsächlich arbeits- fähige junge Menschen für die Züge aus, aber der Anteil jener, die zur Arbeit bestimmt wurden, war bereits auf 30 v.H. zurück- gegangen; er scheint bis zum 2. März 1943 weiter gesunken zu sein, zu welchem Zeitpunkt die Züge nach Sobibor umgeleitet wurden und die Gaskammer 9 v.H. aller Insassen schluckte. Der Fortschritt der Deportierungen wurde regelmäßig von dem Gesandten Otto Bene, dem früheren Generalkonsul in Mailand, der das Auswärtige Amt im Hofstaat von Seyss-Inquart vertrat, Luthers Abteilung im Auswärtigen Amt berichtet. Am 13. August war Bene höchst unzufrieden. Er hatte erfahren, daß nur 400 von den 2000 vom Judenrat einberufenen Juden sich am Polderweg gemeldet hatten, weil„die Judenschaft dahintergekommen ist und weiß, was bei dem Abtransport bzw. bei dem Arbeitseinsatz im Osten gespielt wird“ 1%. Wahrscheinlich hatte die Amsterdamer Jüdische Gemeinde herausgefunden, daß die Züge die Endstation Auschwitz hatten und daß Auschwitz ein Konzentrationslager war. Später sollte sie noch mehr erfahren. Am 9. Oktober schrieb Anne Frank, die mit ihrer Familie in einem Warenlager in Amsterdam versteckt war, in ihr Tagebuch:„Das englische Radio spricht da- von, daß sie vergast werden.“ Unwillkürlich denkt man da an ein anderes Tagebuch, das des Dr. Kremer, des Arztes im Birkenauer Lager, der am 18. schrieb(siehe$. 130) 2°: „In feuchtem, kaltem Wetter an 11. Sonderaktion(Holländer) am Sonntagmorgen teilgenommen. Schreckliche Szene mit drei Frauen, die uns um ihr nacktes Leben baten.“ 378 1 paeizenNies Bene haft! kannt, wie yier der: voll?'. Inf zei in Ar Dispositio ländische den wurd dischen T 10, Sepfei gleich nu waren ve Grenze€ mer noch auch die waren”. war Besc stieg vor wurde al 14500 un Am 10.5 sammenf macht“.| stecher ir ber sagt Züge prı erreicher dem 15. der Poli: von Part Diese Mi gut” bill men der schen, ui * Benes Aı fierungen Worden we der Sicher! dabei ged Qus Hol- en in der Ih der so eich zwi. der Liste ichen De. d die In- Irden. Bis ins Lager v.H. der Zahl der :n 8, Ende h arbeits- teil jener, 1. zurück- unken zu imgeleitet sckte. von dem Mailand, t vertrat, 3. August r 400 von olderweg en ist und insatz im sterdamer ndstation ager war. rieb Anne msterdam pricht da- da an ein irkenauer jolländer) zene mit DREIZEHNTES KAPITEL 1. HOLLAND Bene hatte seinem Bericht an Luther hinzugefügt:„Es ist nicht be- kannt, wie diese Züge gefüllt werden sollen*.“ Tatsächlich waren vier der Züge, die im August Westerbork verließen, nur halb- voll2?', Infolgedessen mußte der Befehlshaber der Sicherheitspoli- zei in Amsterdam, Sturmbannführer Willi Lages, die gesamten Dispositionen ändern. Eine besonders ausgewählte Abteilung hol- ländischer Polizei wurde in der Tulpkaserne gehalten, und die Ju- den wurden gewaltsam nach dem Schouwberg, einem früheren jü- dischen Theater, gebracht. Aber auch jetzt war, wie sich Rauter am 10. September beschwerte, die Mithilfe der holländischen Polizei gleich null 22. Etwa 15000 Juden hatte man deportiert, doch 25000 waren versteckt, 6000 waren, wie man annahm, über die belgische Grenze entkommen, und nicht weniger als 46000 unterlagen im- mer noch nicht den Deportierungsvorschriften; zu ihnen gehörten auch die Familien derjenigen, die im Lager mit Torfstechen befaßt waren. Eine andere Möglichkeit, der Deportation zu entgehen, war Beschäftigung beim Judenrat. Die Zahl der so Beschäftigten stieg von 8886 am 15. Oktober auf 17492 Anfang Dezember, wurde aber zu Jahresende unter dem Druck der Gestapo auf 14 500 und im März 1943 auf 13000 herabgesetzt**. Am 10. September schrieb Rauter direkt an Himmler, daß„das Zu- sammenfangen der Juden uns die allergrößten Kopfzerbrechen macht”. Er schätzte die Zahl der Familienangehörigen der Torf- stecher in den Arbeitslagern auf 30 000 Menschen. Am 24. Septem- ber sagte Rauter, daß ihre Inhaftierung und Deportierung drei Züge pro Woche notwendig machen würde. Um dieses Ziel zu erreichen, schlug er vor, die Juden für vogelfrei zu erklären. Nach dem 15. Oktober konnten die holländischen Juden nicht nur von der Polizei, sondern auch von Angehörigen der Wehrmacht und von Parteimitgliedern in Haft genommen werden*°. Diese Maßnahmen, die Himmler durch die Randbemerkung„sehr gut“ billigte, hatten nur einen beschränkten Erfolg. Das Auskäm- men der Arbeitslager ergab nicht 30.000, sondern nur 17.000 Men- schen, und Ende des Jahres betrug die Gesamtzahl der aus den * Benes Ausdrucksweise deutet darauf hin, daß er selbst einiges über die Depor- tierungen wußte, von denen er glaubte, daß sie vor den Juden geheimgehalten worden waren, Aber im Rademacher-Prozeß sagte er aus, daß er nur die Berichte der Sicherheitspolizei weitergeleitet habe und nie an Massenmord oder Massentötung dabei gedacht habe(Frankfurter Rundschau, 20. Februar 1952). 379 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG Niederlanden deportierten Juden 38 60626*. Nichtsdestoweniger rechnete der Reichskommissar Seyss-Inquart damit, daß die Depor- tationen bei einer wöchentlichen Zahl von 2000 bis 3500 Verschick- ten am 1. Mai 1943 abgeschlossen sein würden 7. Aber in Wirk- lichkeit wurden nur 12.000 in den ersten zwölf Wochen des Jahres 1943 deportiert, und auch um diese Zahl zu erreichen, mußte zu neuen Mitteln gegriffen werden. Rauter hatte an Himmler geschrieben, daß er es niemals zulassen würde, daß ein Deportationszug ausfiele:„Wer weg ist, istweg2.” Aber vor seinen Richtern behauptete Rauter??, daß ihm nichts von Hauptsturmführer Aus der Füntens Überfall auf das Jüdische Heim für Geisteskranke Appeldoornse Bos am 20. Januar 1943 bekannt war. Aus der Fünten kam dort in der Nacht in Begleitung von hun- dert jüdischen Ordnungsdienstangehörigen aus dem Lager Wester- bork und einigen SS-Leuten an. Neunhundert geisteskranke und zurückgebliebene Kinder wurden sofort mit Lastkraftwagen weg- geschafft und auf die Viehwagen aufgeladen, die an der Station Appeldoorn warteten. Die meisten waren in ihren Nachthemden, aber einige waren ganz nackt. Von denen, die auf Tragbahren gelegt werden mußten, wurden 40 in einen Wagen geworfen. Die Zugbegleiter konnten ihnen keinerlei Hilfe gewähren, weil sie selbst in einem Personenwagen eingeschlossen waren. Bevor die * Davon wurden 27 443 zwischen dem 28. August und dem 12. Dezember aus Westerbork in 29 Zügen deportiert; jede Woche gingen regelmäßig zwei Züge ab. Die jüngsten Nachforschungen des Niederländischen Roten Kreuzes(Auschwitz, Deel Ill, Oktober 1952) sagen mehr als andere Erhebungen über das Schicksal der Auschwitzer Trans- porte während der Zeit ihres Höhepunktes aus. Achtzehn der Züge wurden einer besonderen Selektionsmethode unterworfen. Von den 16311 Deportierten wurden 3540 Männer im Alter zwischen 15 und 50 Jahren bereits in Cosel, 75 km vor Auschwitz, ausgeladen. Von wenigen Hundert Ausnahmen abgesehen, wurde der gesamte Rest nach der Ankunft in Auschwitz vergast. Etwa ein Drittel der in Cosel ausgeladenen Deportierten kam nach dem Lager Blechhammer, dessen Insassen in der dortigen Stahlhütte arbeiteten und wo die Verhältnisse weniger kraß waren als in Birkenau; 126 aus der Gesamtzahl der 181 Überlebenden dieser Züge waren in Blechhammer gewesen. Das Schicksal der 11132 Menschen, die in den elf Zügen waren, die bis Auschwitz gingen, war noch erschütternder. Nur über 2539 konnten Eintragungen in den Lager- büchern gefunden werden, nur 26 überlebten den Krieg. Diese 29 Züge brachten nicht weniger als 20000 Frauen nach dem Osten, und nicht eine einzige von ihnen hat den Krieg überlebt. In den Aufzeichnungen der Evakuvierungslager vom Januar 1943 kann kein einziger Name von ihnen gefunden werden, und nur sehr wenige von ihnen sind in den Auschwitzer Lagerbüchern enthalten. Es scheint, daß zu diesem Zeitpunkt Frauen im allgemeinen durchweg vergast wurden. Im Fall von zwei Doppeltransporten scheint man das Selektionsalter für Männer auf 40 Jahre herabgesetzt zu haben. 380 ppeizeHNT! deutsche und Dev hermefist Deutschle schließlic den und hier abg schen Ber Einzelhei aber in d das bis in Welt, du bestätigt‘ Zwei Mo des Siche kehr eine die Rede „Ich: das, Bede kann ENDLOSUNG SfoWeniger ie Depor. 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Die grauenhaften Dinge, die sich hier abgespielt haben, haben höchstens noch in den phantasti- schen Berichten polnischer Überiebender oder den fürchterlichsten Einzelheiten in den Berichten der Einsatzgruppen ihresgleichen; aber in dem Prozeß Aus der Fünten im Dezember 1949 wurde alles das bis in die letzten Einzelheiten durch die stoischsten Zeugen der Welt, durch schwerfällige, ehrliche niederländische Eisenbahner, bestätigt°°, Zwei Monate später hielt Rauter eine Ansprache an die Offiziere des Sicherheitsdienstes in seinem Dienstsitz gelegentlich der Rück- kehr eines Kameraden aus Rußland, und zu seinem Pech wurde die Rede in einer SS-Zeitschrift abgedruckt: „Ich will gerne mit meiner Seele im Himmel dafür büßen für das, was ich hier gegen die Juden verbrochen habe. Wer die Bedeutung des Judentums als Volk und als Rasse erkannt hat, kann nicht anders handeln als wir?.” Im April 1943 erhielt Rauter durch die Aktion des Polizei-General- majors Stroop im Warschauer Ghetto einen neuen Ansporn. Am 27. berief er Sturmbannführer Zöpf, Eichmanns Vertreter in Den Haag, zu sich und teilte ihm mit, daß ein Viertel von Amster- dam nach dem andern entjudet werden müsse und daß die bisher in die Deportationen nicht einbezogenen Juden in ein neues Lager in Vught und die Halbjuden aufs Land kommen müßten. Das war keine einfache Aufgabe, denn Zöpf hatte gerade einen Bericht unter dem Titel„Die Entiudung der Niederlande” vorbereitet, der zeigte, daß die Hälfte der 71700 überlebenden Juden legal und offen in Amsterdam lebte und daß mindestens 27 000 von ihnen Bescheinigungen besaßen, denen zufolge die gegen die Juden gerichteten Maßnahmen sich auf sie nicht bezogen 2. Eine Woche später erhielt Zöpf vom Befehlshaber der Sicher- heitspolizei Harster neue Befehle. Die Mai-Quote wurde von 12000 auf 8000 Juden herabgesetzt, eine Zahl, die unter allen Umständen erreicht werden müsse, weil„eine Höchstzahl von Juden aus dem Westen“ für das neue Bunawerk in Auschwitz 26 381 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG benötigt werde, das sich nun der Vollendung nähere. Zöpf konnte im Anfang nur 5780 deportierbare Juden finden, aber nach der Durchkämmung der Liste der„Freigestellten” stieg die Zahl auf 8150; die Betroffenen wurden in vier Transporten im Mai depor- tiert, Die für Amsterdam vorgesehene letzte Aktion mußte bis zum 20. Juni verschoben werden. An diesem Tage wurde der Süd- teil Amsterdams einschließlich des Viertels„Transvaal” mit Hilfe von jüdischer Ordnungspolizei aus Westerbork umzingelt*. Bene berichtete dem Auswärtigen Amt, daß die Juden in Westerbork über die Verhaftung von Mitgliedern des Judenrats„unverhohlene Schadenfreude” gezeigt hätten. Aber in der Tat handelte es sich bei den 5550 Juden, die man bei dieser Gelegenheit fest- genommen hatte, meist um solche, die vor Deportierung geschützt waren®. Bis Ende Juli 1943 hatten die Deutschen 82000 Juden aus Holland deportiert. Von Anfang Mai an war die wöchentliche Anzahl der Deportierten wieder auf 2000 gestiegen. Diese Juden waren nicht für das Bunawerk in Auschwitz bestimmt. Sie wurden überhaupt nicht nach Auschwitz gebracht, wo die Krematorien in der Zeit von März bis Mai durch Transporte aus Berlin und Saloniki voll in Anspruch genommen waren, während im Juni und Juli die Typhusepidemie im Lager weitere Aufnahmen unmöglich machte. Vom 2. März an verließ jeden Dienstag ein Zug Westerbork und kam am Freitag in Polen an der abgelegenen Station Sobibor an, 110 km von Lublin und 1750 km von Westerbork entfernt. An man- chen Dienstagen gingen zwei Züge ab. Auf diese Weise erreich- ten insgesamt 34313 Juden aus Holland das geheime Todeslager am Ufer des Bug(siehe$. 151). Die Transporte nach Sobibor folgten einem furchtbaren Vorbild, nämlich den Transporten aus Theresienstadt nach Weißrußland im Jahre 1942(siehe S. 186), deren Insassen fast alle umgebracht wurden. Nur 16 Frauen und 3 Männer kamen nach dem Krieg aus Sobibor zurück, wo die Aussichten, dem unmittelbaren Tod in der Gas- kammer zu entgehen, schlechter als eins zu vierzig standen. Aus den meisten Zügen wurden etwa 40 bis 80 junge Männer für Arbeiten im Todeslager ausgesucht, die aber nur wenige Wochen * Die Berichte von Bene zeigen die jüdische Polizei absichtlich in einem ungünstigen Licht. Seit die erste Ausgabe dieses Buches erschien, hat mehr als ein Überlebender mir geschrieben, um ihre menschliche und hilfreiche Haltung zu beschreiben. 382 preIZEHN dauerte Schneid gewisse klärt sic von mel Nach di 99, Juli c noch me Tempo( die von wurden, thus von Fräulein Sekretär Seiten Ic rückstell jens 26 J riol aufz halten he drei Bild Jahre 18 Bibliothe Einige d Dr. Kall eine List Iudenfej über er Ur ENDLOSUNg Öpf konnte " nach der ° Zahl auf Mai depor- Mußte bis le der Süd. “ mit Hilfe gelt*, Bene Nesterbork verhohlene andelte es enheit fest- 9 geschützt us Holland Anzahl der waren nicht überhaupt in der Zeit loniki voll ıd Juli die ich machte. erbork und Sobibor an, nt. An man- ise erreich- Todeslager ich Sobibor sporten QUS she 5. 186), aus Sobibor in der Gas: tanden. Aus Männer für ge Wochen em ungünstigen n Überlebender ‚reiben. DREIZEHNTES KAPITEL 1. HOLLAND dauerten. Andrerseits hatten die wenigen Mädchen, die für die Schneiderwerkstätten im Außenlager ausgesucht wurden, eine gewisse Aussicht, in andere Arbeitslager zu kommen. Damit er- klärt sich der hohe Anteil von Mädchen unter den neunzehn, die von mehr als 800 überlebt haben%. Nach dem letzten für Sobibor bestimmten Transport, der am 20. Juli abging, trat eine Pause von einigen Wochen ein. Obwohl noch mehr als 25000 Juden Holland verlassen sollten, wurde das Tempo durch die anwachsende Zahl der Ausnahmen bestimmt, die von den verschiedenen deutschen Regierungsstellen verlangt wurden, Ausnahmen, die nebst vielen anderen Dingen den My- thus von der Allmacht der SS zerstörten. Am 20. März 1943 stellte Fräulein Slottke, Sturmbannführer Zöpfs intelligente und tüchtige Sekretärin, einen mit der Maschine geschriebenen, einunddreißig Seiten langen„Führer“ zusammen unter dem Titel„Abbau der rückstellenden Gruppen”. Hier kann man lesen, daß Oberst Velt- jens 26 Juden brauchte, um auf dem schwarzen Markt Kriegsmate- rial aufzukaufen, daß 13„alte Parteigenossen” die Erlaubnis er- halten hatten, den Judenstern nicht tragen zu müssen, ebenso wie drei Bildersachverständige, ein deutscher Olympiasieger aus dem Jahre 1896 und der Schwiegersohn eines früheren königlichen Bibliothekars%. Einige dieser Kategorien waren zahlenmäßig ziemlich stark. Dr. Kallmeyer vom Deutschen Kommissariat für Justiz verlangte, daß 370 Mitglieder der Amsterdamer Portugiesischen Jüdischen Gemeinschaft,„die keine Berührungspunkte mit Ostjuden hatten“, abgesondert interniert würden, und er hatte mit seinem Verlangen Erfolg, was um so überraschender ist, als zum gleichen Zeitpunkt die größte aller früheren spanisch-sephardischen Gemeinschaften, die von Saloniki, in den Auschwitzer Gaskammern vernichtet wurde. Eine weitere große Liste, in der Diamantenschneider und Kürschner enthalten waren, wurde vom Rüstungsamt der Wehr- macht aufgestellt. Die Wilhelmstraße wieder verlangte, daß Juden aus gewissen Ländern, die für Austauschgeschäfte mit den Alliier- ten Verwendung finden konnten, nicht in die Deportationsmaß- nahmen einbezogen werden sollten. Und schließlich gab es noch eine Liste von in Mischehen lebenden Juden, auf die sich keine der judenfeindlichen Maßnahmen bezog, falls sie eine Bescheinigung über erfolgte Unfruchtbarmachung beibringen konnten. Am 26° 383 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG 15. Juli 1944 besaßen 1146 Personen solche Bescheinigungen 37 (siehe S. 199 ff.). „Austauschiuden” gab es im Anfang nicht viele. Benes Liste vom 19. Februar 1943 enthält 289 auf britischem Boden geborene Juden, aber Fräulein Slotike stellte fest, daß 96 von ihnen, die die doppelte Staatsbürgerschaft besaßen, bereits nach Auschwitz ge- schickt worden waren. Das sind vielleicht die einzigen britischen Bürger, von denen es bekannt ist, daß man sie nach Auschwitz deportiert hat, und es muß angenommen werden, daß die meisten dieser 96 in den Gaskammern ihr Leben verloren haben®®. Im März wurde eine neue Liste angefertigt, die nicht weniger als 499 in Holland lebende Juden aufwies, welche einen gewissen An- spruch auf britischen Schutz besaßen. Diese Liste war einTeil eines ganz Europa umfassenden Planes. Ein von Rademacher unter- zeichnetes Rundschreiben des Auswärtigen Amtes vom 20. Februar stellte die Forderung, es müßten 30 000 Austauschjuden aus alliier- ten Ländern, die Sowjetunion eingeschlossen, gefunden werden. Dieser Plan wurde eine kurze Zeit lang ganz ernstlich behandelt und war wahrscheinlich das Ergebnis von Himmlers vorsichtiger Fühlungnahme mit dem Weltiudentum über das slowakische Zionistische Hilfskomitee(siehe$. 443 f.). Aber bald darauf gab es in der Sache einen Sturm. Kaltenbrunner war so weit gegangen, den Leitern der Sicherheitspolizei in Rußland zu befehlen, in den Ghettos passende Juden auszusuchen, als der Vertreter des Aus- wärtigen Amtes beim Reichskommissar Lohse in Riga, Windecker, am 5. April auf eine Kleinigkeit hinwies, die der Aufmerksamkeit der Bürokratie entgangen war”: „Da bekanntlich viele Tausende der hiesigen und reichsdeut- schen Juden im Bereich von Riga im Verlauf der Zeit erschos- sen wurden, scheint es sehr fraglich, ob irgendwelche Juden für Austauschzwecke in Frage kommen können, ohne daß auf diese Weise die hier erfolgten Exekutionen im Ausland gegen uns verwertet werden®°.” Einige Tage vor Eintreffen dieses Berichts war der berüchtigte Martin Luther in das Konzentrationslager Sachsenhausen einge- liefert worden. Es war also nicht mehr Martin Luther, sondern der neue Chef der Abteilung Inland Il, Eberhard von Thadden, der Windecker eine Rüge erteilte, indem er ihn am 10. Mai wissen ließ, daß das Auswärtige Amt sich„dieser praktischen Schwierigkeit” 384 ppeizeHNT durchaus fionen Ü wurde© äußere' jvden eir Vorschei Nichtsde wünsche! iuden-Al mit in de: wurde ei geteilt, d was dies waren V sehr wen daher be wenn au zenfratio Juden mi dorthin o Besitzer men war abgekop! Bergen-B Unterstur Juden, di in Paläst bracht w den 1037 nlangte Eisernen dischen Diese Ko * Die mer hin, daß J solche Aug besonders ° ENDLOSUNG NigUngen Benes Liste N geborene nen, die die 'schwitz ge. n britischen 1 Auschwitz die meisten haben 3 Im iger als 499 ewissen An- sinTeil eines cher unter- 1 20. Februar n aus alliier- Jen werden. 'h behandelt vorsichtiger slowakische darauf gab it gegangen, :hlen, in den ter des Aus- ‚Windecker, merksamkeit d reichsdeut- Zeit erschos- welche Juden ohne daß auf usland gegen r berüchtigte ausen einge- ‚sondern der Thadden, der i wissen Iieß, ‚chwierigkeit DREIZEHNTES KAPITEL 1. HOLLAND durchaus bewußt sei*. Der Zweck der Sache war,„mehr Informa- tionen über die Behandlung der Judenfrage zu erhalten“#. So wurde die Angelegenheit auch in Holland betrachtet. Rauter äußerte am 24. Juni die Meinung, daß ein Aufruf für Austausch- juden einige von den 20.000 Juden, die sich versteckt hielten, zum Vorschein bringen könnte 2. Nichtsdestoweniger fand die Gestapo immer noch andere und wünschenswertere Verwendungsmöglichkeiten für die Austausch- juden-Aktion, nämlich den Verkauf von Privilegien. Ein Handel mit in derSchweiz ausgegebenen Honduras- und Paraguay-Pässen wurde entdeckt. Den glücklichen Besitzern wurde daraufhin mit- geteilt, daß sie Austauschjuden seien, und es wurde ihnen erklärt, was dies bedeute. In den Vereinigten Staaten und Latein-Amerika waren viele Deutsche interniert, aber die Deutschen hatten nur sehr wenige Bürger der Neuen Welt in der Hand. Himmler ordnete daher bei Eichmann an, ein besonderes Lager für diese nützlichen, wenn auch nicnt echten„Ausländer“ zu finden“. Ein neues Kon- zentrationslager war in Bergen-Belsen seit April im Bau, und 367 Juden mit spanischen Pässen aus Saloniki wurden am 2. August dorthin gebracht“; am 15. September folgten ihnen weitere 305 Besitzer ausländischer Pässe, die in Eisenbahnwagen angekom- men waren, welche man vom Todeszug Westerbork-Auschwitz abgekoppelt hatte. Dreitausend Juden waren damals bereits in Bergen-Belsen, und in den nächsten zwölf Monaten folgten ihnen aus Holland allein weitere 3750#. Von Anbeginn an waren die Absichten, die man mit Bergen-Belsen hatte, verworren und unbestimmt. Am 9. September 1943 schrieb Untersturmführer Nowak aus Eichmanns Amt an Zöpf, daß nur Juden, die auf der„Austauschliste” wären, Juden mit Verwandten in Palästina und„Honduras- und Paraguay-Juden“ dorthin ge- bracht werden sollten. Aber ganz andere Kategorien kamen mit den 1037 Juden ins Lager, die am 11. Januar 1944 aus Westerbork anlangten. Hier waren Diamantenarbeiter, Träger des deutschen Eisernen Kreuzes und deren Familien, Halbjuden, die der hollän- dischen Bekenniniskirche angehörten— und Trotzkis Neffe“. Diese Konfusion in den Absichten äußerte sich in der Verschieden- * Die merkwürdige Geschichte der Kinder aus dem Ghetto Bialystok deutet darauf hin, daß es eher Ribbentrop und nicht Himmler war, der die Gefahr, die durch solche Augenzeugen von Massakern entstehen könnte, realistisch betrachtete.(Siehe besonders Fußnoten auf Seite 186, 323 und 462.) 385 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG heit der Bezeichnungen, die offiziell für Bergen-Belsen benutzt wurden. Einmal war es ein„Erholungslager“, dann wieder ein „Transitlager” oder ein„Austauschlager”. Es wurde in eine Zahl von streng voneinander getrennten Gruppen aufgeteilt, die alle ihre eigene Verwaltung hatten, wie das„Christbaum-Lager” für angeblich amerikanische Bürger*. Alle diese bildeten einen Teil dessen, was später als„Sternlager” oder„Lager Nr. 2“ bekannt wurde, in dem die britische Armee im April 1945 verhältnismäßig wenig Grauenhaftes vorfand(s. S. 530). Im September 1944 saßen aber bereits 15000 Menschen im Sternlager, und man tat einiges, um diesen hohen Bestand herabzusetzen. Die Juden, von denen man annahm, daß sie am wenigsten für Zwecke eines Schachers in Frage kamen, wurden nach Auschwitz abtransportiert. Dieses Schicksal ereilte die Amsterdamer Diamantenschneider und 112 der Juden mit doppelter Staatsbürgerschaft am 9. Oktober 1944. Die Juden in Bergen-Belsen, die im letzten Jahr des Krieges in einem Lager im Herzen Deutschlands festgehalten wurden, wuß- ten alles über die Selektionen in Auschwitz. Das wird durch die Aussage von Höss, dem Schlächter von Auschwitz, bestätigt, der berichtete, daß die Wachen an den Gaskammern verstärkt wer- den mußten, als diese kleine Gruppe von Deportierten eintraf. Höss schrieb von einem verzweifelten Widerstand im Vorraum des Todes. Einige der SS-Leute wurden sogar entwaffnet, und die- jenigen, die Widerstand leisteten— offenkundig die 300, die am 9. Oktober angekommen waren—, wurden nicht vergast, sondern draußen erschossen*7**. Es lag eine gewisse Ironie darin, daß Bergen-Belsen nach zwei- jährigem Bestehen als„bequemes“ Lager für die Privilegierten im April 1945 die einzige Gelegenheit bot, bei der britische Sol- daten einen unverhüllten Rassenmord zu Gesicht bekamen. Der Name Bergen-Belsen versinnbildlicht seither für das britische Volk mehr als alles andere die Mentalität und Handlungsweise Himm- lers und seiner SS. Im Jahre 1944 wurden 4969 Juden in sechs Zügen aus Holland nach dem„Mustergheito“ Theresienstadt gebracht. Das waren die pri- * Die Bezeichnung sollte nicht andeuten, daß dort ein besonderer Luxus herrschte, sondern war von dem merkwürdigen Namen des ersten jüdischen Lagerältesten abgeleitet. ** Diese Darstellung wird in dem Bericht des Niederländischen Roten Kreuzes(Ausch- witz, Deel VI, 1952) als richtig bestätigt. 386 preizeHNT yilegiert stellte de Oktober den, hatt zu den| den We zweiten 1944, be sogar üb dem Kri Birkenau im Jahre Am 2. N zehn Taı bork nat einzelte Bergen-B iuden ve die Deut: iuden ve Kopfgelc worden Die Dro änderte nach wu Holland "580 Jud Westerborkı " Die letzt 144 statt, Die 350| drück und schlossen, Philips-We Auschwitz in Deutsch nach Ausd Roles Kreu Den Haag R ENDLOSUNG sen benutzt | wieder ein N eine Zahl eilt, die alle Lager" für n einen Teil 2" bekannt Yältnismäßig "1944 saßen fat einiges, ‚ Von denen es Schachers rtiert, Dieses der und 112 ktober 1944, s Krieges in urden, wuß- rd durch die estätigt, der arstärkt wer- ten eintraf. im Vorraum inet, und die- > 300, die am gast, sondern n nach zwei- Privilegierten britische$ol- ‚ekamen. Der britische Volk ‚weise Himm- Holland nach ‚aren die pri- r Luxus herrschte, hen Lagerältesiet Rech an Kreuzes(Ausdı DREIZEHNTES KAPITEL 1. HOLLAND vilegierten Juden ohne Austauschwert, meistens frühere Ange- stellte des Judenrats. Aber da 2424 von ihnen im September und Oktober von Theresienstadt nach Auschwitz weiterdeportiert wur- den, hatten sie wenig Gewinn von ihren Privilegien im Vergleich zu den übrigen Deportierten, die nach dem 14. September 1943 den Weg nach Auschwitz antreten mußten. Am Vorabend der zweiten Welle von Verschickungen nach Auschwitz, am 27. Januar 1944, berichtete Zöpf über„eine Flut von Interventionen“ und sogar über Vorschläge, daß man den Juden gestatten sollte, nach dem Krieg nach Holland zurückzukehren#. Aber Dr. Wolkens Birkenauer Quarantäne-Statistiken zeigen, daß den Gaskammern im Jahre 1944 die„normale” Zahl an Opfern zugeführt wurde*. Am 2. März 1944 schrieb Rauter an Himmler:„In den nächsten zehn Tagen werden die letzten Volljiuden aus dem Lager Wester- bork nach dem Osten abtransportiert*.” Von da an gingen ver- einzelte Deportationszüge aus Holland nur nach Theresienstadt, Bergen-Belsen und Ravensbrück. 8610 in Mischehen lebende Voll- juden verblieben in Holland, von denen einige Tausend noch für die Deutschen arbeiteten, und mindestens 20 000 waren von Nicht- iuden versteckt worden— und das trotz der Tatsache, daß das Kopfgeld für jeden entdeckten Juden von 25 auf 40 Gulden erhöht worden war’), Die Drohung mit der Deportierung blieb bestehen, aber sonst änderte sich bis Kriegsende an diesem Zustand wenig**. Bald da- nach wurde bekannt, daß mindestens 104.000 Juden, die früher in Holland gelebt hatten, ermordet worden waren. Heute noch rufen * 5280 Juden wurden in der Zeitspanne vom September 1943 bis November 1943 von Westerbork nach Auschwitz gebracht, 2396 im Februar und März 1944. Im Zuge einer Razzia wurden am 28. und 29. September 3000 Juden, darunter 130 Angestellte des Judenrats, festgenommen. Das hat man irrtümlich die Liquidierung des Amster- damer Ghettos genannt. Ein Zug mit 1700 Opfern dieser Razzia ging drei Wochen später nach Auschwitz ab#a. ** Die letzten Deportierungen von Juden aus Holland fanden am 5. und 6. September 1944 statt, als alliierte Patrouillen bereits die holländische Grenze erreicht hatten. Die 3500 Insassen des Lagers Vught oder Hertogenbosch wurden damals nach Ravens- brück und Sachsenhausen gebracht, kleine Gruppen von privilegierten Juden einge- schlossen. Vorher schon, am 3. Juni, waren 496 Juden, die als Facharbeiter in den Philips-Werken in Eindhoven bisher ungeschoren geblieben waren, aus Vught nach Auschwitz geschickt worden. Fast 400 von ihnen überlebten, da man sie ihre Arbeit in Deutschland für die Telefunkengesellschaft fortsetzen ließ. Kein anderer Transport nach Auschwitz weist einen so hohen Anteil von Überlebenden auf.(Niederländisches Rotes Kreuz, Studienabteilung,„Etude sur le sort des prisonniers du Kl Herzogenbosch”, Den Haag, Februar 1952.) 387 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG manche Straßen im Stadtteil Joedenhoek in Amsterdam den An- schein hervor, als wären sie bombardiert worden. Aber das ist keineswegs der Fall. Es sind die jüdischen Häuser, die während der fürchterlichen Monate des Mangels leer standen und Stück für Stück abgetragen worden waren, um die Reparatur der Nach- barhäuser zu ermöglichen. SS-Gruppenführer Hans Albin Rauter stand in Den Haag im April und Mai 1948 vor Gericht und wurde zum Tode verurteilt, obwohl das Gericht seiner Darstellung Glauben schenkte, daß er die volle Wahrheit über Auschwitz nicht kannte. Rauters Berufung wurde im Januar 1949 abgewiesen, und er wurde am 25. März hingerichtet. Der Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Amsterdam, SS-Sturm- bannführer Lages, wurde im Juni 1949, Hauptsturmführer Aus der Fünten im Dezember des gleichen Jahres zum Tode verurteilt. Erst im Herbst 1952 wurden sie zu lebenslänglichem Kerker begnadigt. Sturmbannführer Zöpf und sein unentbehrliches Fräulein Slottke verschwanden spurlos gleich den meisten anderen Angestellten in Eichmanns Amt. 2. Belgien Die Geschichte der Deportationen der Juden aus Belgien kann verhältnismäßig kurz dargestellt werden, da sich die Ereignisse in das allgemeine Bild der Deportationen aus dem Westen fügen. Da Belgien vollkommen unter deutscher Militärverwaltung war, gab es fast gar keine politischen Auswirkungen der getroffenen Maßnahmen. Am 10. Mai 1940 lebten etwa 85 000 Juden in Belgien, mit wenigen Ausnahmen alle in Antwerpen oder Brüssel. Als die Besatzungs- behörden am 28. Oktober 1940 die polizeiliche Registrierung aller Juden anordneten, gelang es ihnen nicht, eine höhere Zahl als 42.000 festzustellen. Teilweise läßt sich das durch eine Massen- flucht über die französische Grenze erklären; in der Hauptsache ist es aber darauf zurückzuführen, daß es vielen gelang, sich der Registrierung zu entziehen. Die Deutschen waren niemals in der Lage, die stark assimilierte eingeborene jüdische Bevölkerung zu erfassen, und es war ihnen gar nicht allzuviel daran gelegen. Der Militärgouverneur, General von Falkenhausen, war ein aus- gesprochener Gegner des nationalsozialistischen Extremismus 388 preizeH und w‘ sich er ten‘. 3 om 14. Gener‘ einzuf Falken ausgin fen ab Flöchtli okkup! portier Familie größer bruar| Lodz k Die De nach/ von Ju Eichma beschw waren, dessen einen s wärtig * Erst na führer m schon zu Alliierten "* Gleich über die Amt wei Eigensch aus, Vo verwaltu Antworte deportie Ä Wie anwalt nı Bundestal gestellt, besteht, Dr, von ‚ S$-Sturm- rer Aus der erurteilt. Erst begnadigt. lein Slottke Angestellten :Igien kann -reignisse in ssten fügen. ‚altung war, getroffenen mit wenigen Besatzungs- rierung aller ‚re Zahl als ine Massen- Hauptsache ng, sich der mals in der ölkerung zU ın gelegen. vor ein aus" Extremismus DREIZEHNTES KAPITEL 2. BELGIEN und war bis zu seiner eigenen Verhaftung im Juli 1944 in der Lage, sich erfolgreich gegen Eingriffe der Sicherheitspolizei zu behaup- ten*. So hat sich z.B. nach der Besprechung, die Knochen in Paris am 14. März 1942 abhielt52, der Chef der Zivilverwaltung in Belgien, General Eggert Reeder, entschieden geweigert, den Judenstern einzuführen, und ist von seinem Widerstand nicht abgegangen. Falkenhausen und Reeder verfolgten zwar eine Politik, die darauf ausging, die belgische öffentliche Meinung zu gewinnen; sie hat- ten aber keinerlei Bedenken dagegen, jüdische Ausländer und Flüchtlinge preiszugeben. In der Tat war Belgien das erste der okkupierten westlichen Länder, aus dem jüdische Flüchtlinge de- portiert wurden. Am 5. Dezember 1941 wurden 83 polnisch-jüdische Familien aus Antwerpen nach Polen„repatriiert”, und eine weit größere Zahl aus Polen stammender Juden folgte ihnen im Fe- bruar und März 1942, um in der Textilindustrie im Ghetto von Lodz beschäftigt zu werden°%. Die Deportierungszüge, die vom 4. August 1942 an aus Malines nach Auschwitz abgingen, waren für eine Massenverschickung von Juden ohne Unterschied der Staatsbürgerschaft bestimmt. In Eichmanns Amt%, das sich später beim Auswärtigen Amt darüber beschwerte, daß seine Aufträge nicht richtig ausgeführt worden waren, wurde diesbezüglich kein Unterschied gemacht. Infolge- dessen paraphierten Luther und Rademacher am 2. Dezember einen scharfen, an Werner von Bargen**B, den Vertreter des Aus- wärtigen Amtes bei General Falkenhausen in Brüssel, gerichteten * Erst nach Falkenhausens Abberufung war es möglich, einen Höheren SS- und Polizei- führer mit entsprechenden Vollmachten nach Belgien zu entsenden, aber da war es schon zu spät. Anfang September 1944 war Belgien so gut wie in der Hand der Alliierten. ** Gleich Otto Bene in Den Haag hatte von Bargen die Berichte der Sicherheitspolizei über die Deportationen von Juden aus Belgien an Luthers Abteilung im Auswärtigen Amt weiterzuleiten. Im März 1952 sagte er im Rademacher-Prozeß in seiner damaligen Eigenschaft als Beamter der Rechtsabteilung des neuen Bonner Auswärtigen Amts aus. Von Bargen sagte damals, daß er die Berichte des Judenreferenten der Militär- verwaltung in Brüssel nur weitergeleitet habe und daß man ihn, wenn er in seinen Antworten auf die Aufträge aus Luthers Amt nicht sehr vorsichtig gewesen wäre, selbst deportiert hätte(Frankfurter Rundschau, 4. März 1952). R Wie aus der Bundestagsdrucksache Nr. 985 hervorgeht, hat der Bundesdisziplinar- anwalt nach einem Schreiben des Auswärtigen Amtes an den Präsidenten des Deutschen Bundestages vom 23. Oktober 1954 in dem Ermittlungsverfahren gegen von Bargen fest- gestellt, daß zu einem strof- oder disziplinarrechtlichen Vorgehen keine Veranlassung besteht. Der Bundesdisziplinaranwalt hebt ausdrücklich hervor, Gesandter z. Wv. Dr. von Bargen habe an der Durchführung der Deportationen der Juden aus Belgien 389 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜUHRUNG DER ENDLOSUNG Protest, der sich darauf bezog, daß die bodenständigen belgischen Juden bei den Deportationen nicht mit erfaßt worden waren 5. Zu diesem Zeitpunkt hatten schon dreizehn Transporte Malines ver- lassen, und kein einziger Jude meldete sich mehr freiwillig. Die Deportierungen wurden unter Zunilfenahme von Polizeirazzien vorbereitet. Der vom„War Refugee Board“ in Washington veröffentlichte, sehr glaubwürdige Bericht spricht davon, daß bodenständige bel- gische Juden im Lager Auschwitz zum ersten Mal nach dem am 3. August 1943 eingetroffenen Transport gesehen wurden°, Bis dahin hatte es nur eine einzige Massenrazzia gegeben. Am3.Sep- tember wurden einige Hundert bodenständige Juden aus Antwer- pen in Möbelwagen aus ihren Heimen nach der Kaserne Dossin in Malines geschafft. Bald darauf ordnete Reeder auf Grund einer Intervention der Königin Elisabeth und des Kardinals Van Roey ihre Freilassung an, und der Versuch wurde nicht wiederholt 7. Infolgedessen war es unmöglich, genügend staatenlose und aus- ländische Juden zu finden, um nach dem 20. September einen an- deren für Auschwitz bestimmten Transport zu füllen, obwohl etwa 1800 Juden, die verschiedenen privilegierten Gruppen angehör- ten, im Jahre 1944 nach Theresienstadt, Bergen-Belsen und ande- ren deutschen Lagern geschafft wurden. Die Aktion war von dem gleichen Gesichtspunkt beherrscht wie in Frankreich: durch verstärkten Einsatz am Anfang ihre Dauer ab- zukürzen. Fünf für Auschwitz bestimmte Transporte verließen die Kaserne Dossin im August 1942, fünf im September und drei im Oktober. Im Jahre 1943 ging je ein Transport im Januar, April, Juli und September nach Auschwitz*. Nach dem Oktober 1942 wurden kräftige, junge Leute aus den Zwangsarbeitslagern in die Transporte nach Auschwitz einbezogen; vielen gelang die Flucht. zweifellos keinen Anteil gehabt und in keiner Weise dabei mitgewirkt, sondern sei im Gegenieil ernstlich bemüht gewesen, sie zu verhindern. Auf Grund der vorhandenen Unterlagen wurde in der deutschen Ausgabe der Name Dr. von Bargens aus der im Anhang II befindlichen Liste gestrichen. * Die ersten fünf Transporte nach Auschwitz hatten Personenwagen und beförderten je tausend Menschen. Aber vom September 1942 an wurden die Juden in Viehwagen befördert. Im Durchschnitt transportierten die Züge 1500 Menschen, manchmal jedoch, wie z.B. am 31. Oktober 1942, wurde diese Zahl auf fast 2000 erhöht, indem man 70 Menschen in einen Wagen pferchte. 23000 der 25437 Juden, die aus Belgien deportiert wurden, befanden sich in den 17 für Auschwitz bestimmten Transporten. Von den 1276 Juden, die aus Deutschland nach dem Krieg nach Belgien zurückkehrten, waren nur 615 Überlebende von Auschwitz 58. 390 reizt Am| von N.A von zu la mont Hinte Feue hei a wied wurd neue zuer In de 9.Mi die$ erwie dung verhi derk wurd haus her Justi Män schl in E droh Willig, Die Zeirazzjen Van Roey iederholt57, e und aus- reinen an- wohl etwa angehör- und ande- rscht wie in : Dauer ab- srließen die ‚nd drei im nuar, April, ktober 1942 ıgern in die y die Flucht. sondern sei im jobe der Name nd beförderten in Viehwagen nchmal jedoch, ht, indem man ie aus Belgien on Transporten. ) zurückkehrten, DREIZEHNTES KAPITEL 3. DÄNEMARK UND NORWEGEN Am 15. Januar 1943 konnten sich 30 oder 40 Menschen mit Hilfe von mitgeschmuggelten Sägen aus dem Zuge befreien”. Am 22. April gelang es den belgischen Eisenbahnern, als ein Transport von 1586 Juden die Dossin-Kaserne verließ, einige Türen offen zu lassen. Andere Eisenbahner hielten einen Zug zwischen Tirle- mont und Vise auf, wo das„Comit& de Defense des Juifs“ einen Hinterhalt vorbereitet hatte. Das von der SS-Wache eröffnete Feuer wurde erwidert, was 150 Juden die Flucht ermöglichte, wo- bei allerdings 20 getötet und mehr als 100 verwundet wurden. Die wieder festgenommenen Juden einschließlich der Verwundeten wurden nach Malines zurückgebracht und am 31. Juli in einen neuen Transport gesteckt, von dem es abermals 39 Juden gelang zu entkommen®°. In dem gegen Falkenhausen und Reeder geführten und erst am 9. März 1951 abgeschlossenen Prozeß nahm das Brüsseler Gericht die Schuld der beiden an den Deportationen von 25000 Juden als erwiesen an, hielt sie aber für die späteren Torturen und Ermor- dungen nicht für verantwortlich. Die gegen die beiden Generale verhängte Strafe von je 12 Jahren Gefängnis wurde auf Grund der belgischen Strafprozeßordnung auf ein Drittel gekürzt, und sie wurden drei Wochen später auf freien Fuß gesetzt‘'*. Falken- hausen und Reeder wurden zunächst einmal eingesperrt und nach- her erst vor Gericht gestellt. Es war also eine recht merkwürdige Justiz. Aber das ändert nichts an der Tatsache, daß diese beiden Männer die Juden aus ihren Heimen rissen, ihr Vermögen be- schlagnahmten und keinen ernsten Versuch machten, das Schicksal in Erfahrung zu bringen, das diesen unschuldigen Menschen drohte, die durch ihre Hände gegangen waren. 3. Dänemark und Norwegen Anfang 1942 bestürmten Himmler und Heydrich das Auswärtige Amt, die Einführung der Nürnberger Judengesetzgebung in den besetzten westlichen Ländern zu erzwingen. In den Niederlanden, * Im September 1952 erregte die Umwandlung einer gegen De Bodt, einen belgischen Helfer der Gestapo und„Schlächter” des Breendouck-Lagers, zweimal ausgesprochenen Todesstrafe in eine Freiheitsstrafe so viel Entrüstung in der Öffentlichkeit, daß der Justizminister Pholien zurücktreten mußte. Nach einer Massendemonstration legte die Regierung am 14. September dem Parlament einen Gesetzentwurf vor, der das Recht verurteilter Kriegsverbrecher auf vorzeitige Entlassung aufhob, aus dem Falkenhausen und Reeder Nutzen gezogen hatten(siehe Anhang Il). 391 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG einem vollkommen besetzten Lande, konnte diesem Druck kein entsprechender Widerstand geleistet werden. In Frankreich, das nur zur Hälfte besetzt war, gab es einen gewissen Widerstand. Nun wäre der Fall einer Nation zu besprechen, die trotz deutscher Besetzung ihre Neutralität, ihre Monarchie und ihre Verfassung beibehielt. Hier war der Widerstand gegen den Druck Himmlers und der SS zu 90 v.H. erfolgreich. Es ist fast das einzige der hier dargestellten Geschehnisse, das mit einem befriedigenden Ab- schluß ausklingt. Im Januar 1942 wurde in der amerikanischen Presse berichtet, daß der König von Dänemark mit seinem Thronverzicht für den Fall gedroht habe, daß deutscherseits auf der Einführung der Nürnber- ger Gesetze bestanden würde. Infolgedessen gab Rademacher, der der SS als Spitzel für das diplomatische Korps diente, Cecil von Renthe-Fink, dem Reichsbevollmächtigten in Kopenhagen, den Rat,„eine passende Gelegenheit zu finden, um darauf hinzuwei- sen, daß es klug wäre, wenn Dänemark sich rechtzeitig darauf einstellt, daß spätestens am Kriegsende eine europäische Rege- lung der Judenfrage erfolgt“ 2. Aber Dänemark war nicht„klug“, und es wurde berichtet, daß König Christian im Juni 1942, als deutscherseits auf die Herausgabe einer dänischen Verordnung über den Judenstern nach deutschem Muster gedrängt wurde, geäußert habe, daß er als erster Däne diesen Stern tragen werde$, Himmler versuchte nun, gegen die Juden in Dänemark unter der Tarnung von Sicherheitsmaßnahmen vorzugehen. Am 24. Septem- ber 1942 befahl er dem Gestapochef Heinrich Müller, die Namen von Juden in eine Liste von dänischen Kommunisten und Wider- standsführern aufzunehmen, die er zu verhaften beabsichtigte%. Himmler glaubte zweifellos, auf die Mitwirkung von Renthe-Finks Nachfolger, Karl Werner Best, rechnen zu können, da dieser Rechtsberater der Gestapo gewesen war; aber Best, der die Ge- stapo verlassen hatte, um Heydrichs Fängen zu entgehen, war durch den Tod dieses alten Freundes von den ärgsten Befürchtun- gen für seine Laufbahn befreit. Außerdem wünschte Best als Reichs- bevollmächtigter in einem sozusagen halb neutralen Lande vor allem ein ruhiges Leben zu führen. Darum war der Bericht, den er Ribbentrop am 28. Januar 1943 zugehen ließ, recht tapfer. Best schlug vor, daß man sich, da die vorgesehenen Maßnahmen 392 man( yerleil ordnu! Flücht! dadur aus De Himm! Endlö: üblich keine aber c wärtig sprech dann ente, Cecil agen, den hinzuwei- itig darauf sche Rege- cht„klug“, 1942, als erordnung 1gt wurde, rn tragen < unter der 24. Septem- die Namen nd Wider- sichtigte®. snthe-Finks da dieser er die Ge- ıehen, war 3efürchtun- olsReichs- Lande vor cht, den er opfer. Best aßnahmen DREIZEHNTES KAPITEL 3. DANEMARK UND NORWEGEN sicherlich eine Verfassungskrise in Dänemark hervorrufen würden, darauf beschränken solle, von den Dänen die Entlassung der jüdischen Staatsangestellten zu verlangen 6. Unter Himmlers Druck drängte Ribbentrop nochmals auf ent- sprechende Schritte, und Best antwortete am 24. April, daß von den 6500 dänischen Juden nur 3] Staatsangestellte seien und nur 60 in irgendeiner Form mit deutschen Angelegenheiten zu tun hätten. Es gab zwar 1351 Flüchtlinge aus Deutschland in Däne- mark, die die dänische Regierung bisher geschützt hatte, aber Best meinte, daß die Dänen dies nicht länger tun könnten, wenn man den Flüchtlingen ihre deutsche Staatsangehörigkeit wieder verleihen würde. Einem solchen Schritt stand aber die Elfte Ver- ordnung zum Reichsbürgergesetz entgegen, die nicht für die Flüchtlinge in Dänemark widerrufen werden konnte, ohne daß dadurch die sozusagen gesetzliche Unterlage der Deportationen aus Deutschland untergraben worden wäre$(siehe S. 84 ff.). Himmler bestand immer noch auf der vollen Durchführung der Endlösung in Dänemark, und Ribbentrop gab, wie es bei ihm üblich war, nach. Am 22. Mai teilte er Best mit, daß dieser zwar keine Aufträge von Himmler entgegennehmen könne, daß man aber die nächsten zu ergreifenden Schritte mit Himmler im Aus- wärtigen Amt, notwendigenfalls in Ribbentrops Gegenwart, be- sprechen könnte%. Bis zum August geschah aber gar nichts, und dann gab ein Vorkommnis in Dänemark Himmler den gewünschten Vorwand. Am 5. August 1943 kündigte Schweden das im Jahre 1940 abgeschlossene Übereinkommen, das den in Norwegen sta- tionierten deutschen Soldaten das Recht zur Benutzung der schwe- dischen Bahnen gab. Dieser Schritt ermutigte die dänischen Hafenarbeiter in Odense dazu, Reparaturarbeiten an deutschen Schiffen abzulehnen. Es gab Unruhen und Verhaftungen, und am 9. August drohte der dänische Ministerpräsident Scavenius mit dem Rücktritt für den Fall, daß man die dänischen Gerichte zwin- gen wolle, gegen die Verhafteten ein Strafverfahren zu eröffnen. Infolgedessen wurde in Odense das Standrecht verkündet. Am 24. August, dem Tage, an dem Himmler Minister des Innern wurde, sprengte die dänische Widerstandsbewegung die deutschbesetzte Forum-Halle in Kopenhagen in die Luft, und am folgenden Tage streikten alle dänischen Schiffswerften. Am 28. trat die Regierung Scavenius zurück, am 29. verkündete General von Hannecken das 393 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG Standrecht in ganz Dänemark. Die kleine dänische Marine ver- senkte teils ihre eigenen Schiffe, teils liefen diese schwedische Häfen an. Aber selbst jetzt waren Best und von Hannecken nicht in der Lage, die dänischen Regierungsgeschäfte zu übernehmen; sie waren auf einen Ausschuß von Ministerialdirektoren angewiesen, die im Namen der nicht bestehenden dänischen Regierung handelten. Nichtsdestoweniger glaubte Best, daß dies eine günstige Gelegen- heit für die Deportationen bot, und verlangte am 8. September Polizeiverstärkung und Hilfe von der Wehrmacht, so daß das Judenproblem„noch während des gegenwärtigen Ausnahme- zustandes” und nicht erst später behandelt werden könne®, Aber als in Nürnberg vernommener Zeuge versuchte Best am 31. Juli 1946, die Dinge auf den Kopf zu stellen. Er habe, behauptete er, dem Standrecht in Dänemark erst zugestimmt, nachdem Himmler den Zeitpunkt für die Deportierungen festgesetzt hatte, von denen er fürchtete, daß sie Unruhen hervorrufen würden®. Gleichzeitig will er gewisse dänische Politiker auf Himmlers Pläne aufmerk- sam gemacht haben. Diese Darstellung steht im offenen Wider- spruch zu dem Bericht, den Best am 23. September 1943 an Ribben- trop erstattet hatte. Diesem Bericht zufolge hatte er Ministerial- direktor Svenningsen vom dänischen Auswärtigen Amt mitgeteilt, die Verhaftung von führenden Juden hätte„aber mit der Juden- frage gar nichts zu tun“ 7°, Wahrscheinlich lagen die Dinge so, daß Best zusammen mit von Hannecken und vielleicht auch den Befehlshabern der Sicherheits- polizei in Dänemark im letzten Augenblick Angst davor bekam, daß die von Himmler angeordnete Aktion die Aufmerksamkeit der ganzen Welt auf sich ziehen würde. Am 18. September kam Rolf Günther mit einer Abordnung von Beamten von Eichmanns Amt aus Berlin in Kopenhagen an. Der Befehlshaber der Sicher- heitspolizei in Kopenhagen, SS-Standartenführer Rudolf Mildner, erkannte sofort, was für Absichten bestanden, die dann ihm zur Last gelegt worden wären; er flog nach Berlin, um Kaltenbrunner zu bewegen, die Leute zurückzurufen, hatte aber damit keinen Erfolg’!. Best versuchte in der Zwischenzeit, sich nach beiden Sei- ten zu decken*. So versprach er Svennigsen am Abend, an dem ® Die dänische Regierungs-Untersuchungskommission, die nach dem Krieg eingesetzt wurde, gab sich mit der Erklärung von Georg Duckwitz, Bests Sachbearbeiter für 394 preIzeh die Ra die Ju‘ bereit‘ Vorsc völkeı Spitze Juden zeiger Juden jeden versic tionen land" daß ir Sicher! Fünen In Wii im Zu Er hati durchz Sache sollte, sagen folge Himm lehnte ENDLOSUNg Fine Ver. ehwedisch Ä N der Lage, Sie Waren sen, die jm handelten. e Gelegen- September 0 daß das Ausnahme- ne‘, Aber am 31. 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Schließlich versicherte Best Ribbentrop am 28. September, daß die Deporta- tionen sofort beginnen würden, sobald der Dampfer„Warthe- land“ in Kopenhagen einträfe, und er beschwerte sich darüber, daß infolge der mangelnden Hilfe seitens von Hanneckens die Sicherheitspolizei nicht in der Lage sei, die Razzia in Jütland und Fünen durchzuführen 7°. In Wirklichkeit hatte von Hannecken bloß den Versuch gemacht, im Zuge einer Intrige die Verantwortung auf Best abzuwälzen. Er hatte Keitel am 23. gebeten, die Razzia nicht während der Zeit durchzuführen, während der die Aufrechterhaltung der Ordnung Sache der Wehrmacht war, falls es nicht überhaupt möglich sein sollte, so unpopuläre Maßnahmen zu unterlassen, die das„Ver- sagen der Versorgung des Reiches mit Fleisch und Fett“ im Ge- folge haben müßten. Keitel antwortete, daß Gottlob Berger, Himmlers Personalchef, die Aktion leiten würde. Von Hannecken lehnte es daraufhin ab, der Sicherheitspolizei die Hilfe seiner Feldgendarmerie und Geheimen Feldpolizei zur Verfügung zu stellen— eine direkte Herausforderung an Keitel und das Ober- kommando’®. Am 29. September drahtete Ribbentrop an Best, daß er seine Be- Schiffahrtsfragen, zufrieden, daß er am 29. September, zwei Tage vor der Razzia, dem früheren Ministerpräsidenten Scavenius und dem Präsidenten der Jüdischen Kultus- gemeinde, Henriques, davon Mitteilung gemacht habe, was im Gange war. Aber die Kommission stellte fest, daß Duckwitz sich damals nicht darauf berufen hatte, im Namen von Best zu handeln. In Nürnberg sagte Karl Hoffmann allerdings aus, daß Best die Verhaftung von Juden durch ein Verbot an die Polizei, die Wohnungen von Juden mit Gewalt aufzubrechen, fast unmöglich gemacht habe. Diese Aussage wurde gelegentlich der Verhandlung gegen Best in Kopenhagen durch Vorlage eines Tele- gramms von Steengracht, Weizsäckers Nachfolger im Auswärtigen Amt, unterstützt, der Best am 4. Oktober benachrichtigte, daß das RSHA über seine Aktion Beschwerde geführt habe, durch die die Verhaftung nur jener Juden möglich geworden war, die „bei Klingeln oder Klopfen die Wohnung freiwillig öffneten“ 72. 395 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG schwerde in Gegenwart Keitels Hitler vorgelesen habe. Keitel leugnete, daß er die Verwendung der Wehrmachtspolizei ver- boten habe, und beteuerte, daß er von Hannecken eine Erklärung abverlangen werde. Aber letzterer sagte vor der Dänischen Kom- mission im Jahre 1945 aus, daß er selbst, nachdem er Keitels Donnerwetter über sich ergehen lassen mußte, nur 50 Mann eines Wachbataillons für Absperrungszwecke bei der Einschiffung auf dem Dampfer„Wartheland” zur Verfügung gestellt habe 7. In Nürnberg beharrte Generaloberst Alfred Jodl, der Chef der Operationsabteilung des Oberkommandos, darauf, daß diese fünfzig Mann Polizisten gewesen sein müßten; er habe von Han- necken telephoniert, seine Hände von dem Deportationsbefehl zu lassen, der Himmlers Angelegenheit sei”®. Das wurde Best von Oberst von Engelmann von der„Abwehr“ hinterbracht. Best tele- graphierte Ribbentrop am Vorabend der Aktion, daß Keitels Be- fehl, die Wehrmacht müsse mithelfen, widerrufen worden sei”? und daß„Keitel den Führer falsch unterrichtet habe“. Wenn man das alles hört, müßte man annehmen, daß, abgesehen von Himmler, der zu seinem Glück vor den Nürnberger Prozessen gestorben war, kein einziger Deutscher in Dänemark den Führer- befehl befolgt hat. In Wirklichkeit waren es weniger die Befürch- tungen der deutschen Bürokraten, die den Juden das Leben ge- rettet haben, als die geographische Lage Dänemarks und, wie hinzugefügt werden muß, die unzerstörbare Menschlichkeit des dänischen Volkes. Die Zahlen sprechen für sich selbst: 284 Juden wurden am Abend des 1. Oktober festgenommen, von denen 50 freigelassen und nur 202 auf den Dampfer„Wartheland“ gebracht wurden 8°. Es handelte sich meist um Menschen, die zu alt waren, um vor der Polizei versteckt werden zu können. Gelegentliche Festnahmen während der nächsten Tage erhöhten die Zahl auf 477, aber mehr als 6000 Volljuden und 1376 Halbjuden wurden zwischen dem 26. September und 12. Oktober in Fischerbooten nach Schweden geschmuggelt®!*, * Etwa ein Fünftel der Juden hielt sich in Jütland versteckt, von wo es angesichts der großen Entfernung von der schwedischen Küste schwer war, zu entkommen. Die Flucht wurde von den Widerstandsgruppen organisiert, die innerhalb des Landes in Lyngby bei Aarhus unter der Leitung von Aage Bertelsen, dem Rektor der Domschule in Aarhus, wirksam waren. Schließlich wurde dieser Fluchtweg an einen Gestapo- Agenten verraten. Bertelsen versteckte sich, aber am 9. November wurde seine Frau als Geisel festgenommen. Zehn Tage später wurde sie freigelassen. Sowohl Bertelsen als auch seine Frau konnten nach Schweden entkommen. 396 preIzeh Am Tc schen‘ söhne’ Hanne werde judet” fragen einige entreif beruhl einige! bracht Thaddı Chef\ billige, mache! gebrac In der zunehr hoffiz! vollkoı mark v interni 4, Okt Erlaub N ENDLOSUNG be, Kai! polizei ver. oJ Erklärung schen Kom- er Keitels Ünn eines inschiffung It habe n PT Chef der daß diese pe von Han- nsbefehl zu Ne Best von t. Best tele- 3 Keitels Be- Yorden sei”? ‚ abgesehen ar Prozessen den Führer- die Befürch- 5 Leben ge- ks und, wie lichkeit des t: 284 Juden on denen 50 d“ gebracht ru alt waren, elegentliche hie Zahl auf den wurden ischerbooten vo es angesichts entkommen. Die b des Landes in ir der Domschule einen Gestope- yurde seine Frau Sowohl Bertelsen DREIZEHNTES KAPITEL 3. DÄNEMARK UND NORWEGEN Am Tage nach der Razzia schlug Best vor, die internierten däni- schen Soldaten sofort freizulassen, damit diese„dänischen Bauern- söhne“ sahen, daß sie nicht wie Juden behandelt wurden. Von Hannecken verlangte gleichzeitig, daß das Standrecht aufgehoben werde. Es paßte Himmler zu glauben, daß Dänemark jetzt„ent- judet“ war, und so wurde beiden Wünschen rasch Rechnung ge- tragen®®. Weniger erfolgreich war Best in seinen Bemühungen, einige der dänischen Juden den Fängen von Eichmanns Amt zu entreißen. Er glaubte, daß es die dänische öffentliche Meinung beruhigen würde, wenn eine 102 Jahre alte Jüdin zusammen mit einigen anderen alten Menschen aus Theresienstadt zurückge- bracht werden könnte. Über diesen Vorschlag berichtete von Thadden, der Nachfolger von Luther und Rademacher, seinem Chef Wagner am 25. Oktober, daß das RSHA ihn absolut miß- billige,„weil es unter den Juden den Eindruck von Schwäche machen müßte, wenn einige von ihnen nach Kopenhagen zurück- gebracht würden“&, In der Zwischenzeit führte das Auswärtige Amt nicht sehr ernst- zunehmende Verhandlungen mit der schwedischen Regierung. Inoffiziell befanden sich die jüdischen Flüchtlinge in Schweden in vollkommener Freiheit. Offiziell waren sie immer noch in Däne- mark versteckt, und die schwedische Regierung erbot sich, sie zu internieren, wenn die Deutschen sie aushändigen wollten. Am 4. Oktober ersuchte der schwedische Gesandte in Berlin um die Erlaubnis, daß Schweden wenigstens die Kinder übernehme, ein Ersuchen, das Steengracht in aller Form ablehnte, wobei er dem schwedischen Gesandten in einer Weise die Leviten las, die er selbst folgendermaßen beschrieb: „Mit scharfen Worten habe ich sodann die heutige schwe- dische Morgenpresse kritisiert und ihm gesagt, daß ich mir nicht vorstellen könne, welche weitere Reaktionen in Schwe- den möglich seien, nachdem die Zeitungen derartige uner- hörte Töne angeschlagen hatten. Die Haltung werde uns gegebenenfalls zwingen, auf unmißverständliche Weise zu antworten. Es würde hier nicht verstanden werden, daß Schweden durch seine Presse eindeutig für die bolschewisti- sche Seite Stellung nehme, wohingegen augenblicklich unser Blut ebenso wie das unserer Verbündeten im stärksten Maße eingesetzt werde, um die bolschewistische Gefahr von Eu- 27 397 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG ropa und damit auch von den nordischen Ländern fernzu- halten*.“ Anfang September wurde beschlossen, die dänischen Juden nicht mehr nach Auschwitz, sondern nach Theresienstadt zu bringen. Etwa 360 von ihnen wurden über Swinemünde dorthin transpor- tiert, 20 starben während der Reise, 50 im Lager. Über die Tragi- komödie des Besuches der dänischen Rote-Kreuz-Delegation im Juni 1944 wurde im Siebenten Kapitel berichtet. Werner Best wurde im August 1946 in Kopenhagen zum Tode verurteilt, bald nachdem er als Zeuge in Nürnberg aufgetreten war. Seine Berufung beschäftigte den Obersten Gerichtshof erst am 20. Juli 1949, und angesichts neuen Beweismaterials wurde seine Strafe auf fünf Jahre Gefängnis herabgesetzt. Er wurde am 29. August 1951 entlassen®%. In Norwegen gab es leider keine der diplomatischen Verwicklun- gen, die die Ausführung der Endlösung in Dänemark so erfolg- reich erschwerten. So wie Holland unterstand Norwegen einem deutschen Reichskommissar, und die angeblich„norwegische” Regierung bestand aus diensteifrigen nationalsozialistischen Fa- natikern. Unter diesen Umständen ist es um so bemerkenswerter, daß zwei Drittel der zahlenmäßig geringen norwegischen Juden- schaft dem Netz entschlüpfen konnten, und dies, obwohl das übliche Programm— Registrierung, Ausschaltung aus der Wirt- schaft und schließlich Massenverhaftungen— genau eingehalten wurde. Söüdnorwegen war Anfang Mai 1940 bereits vollkommen besetzt, aber das Programm der antijüdischen Maßnahmen ging nur langsam vonstatten. Die Abstempelung der Kennkarten der Juden fand im Januar 1942 statt, doch folgten ihr keine Massen- verhaftungen der 1700 Juden, die in Oslo lebten und von denen der größte Teil Flüchtlinge aus Deutschland waren. Im folgenden Oktober wurde ein Aufnahmelager für Juden in Berg bei Tons- * Am 1. Oktober, drei Tage vor dieser Unterredung mit Steengracht, hatte der schwe- dische Gesandte mit Geheimrat Werner von Grundherr, dem Chef der Skandinavien- Abteilung des Deutschen Auswärtigen Amts, eine Unterredung. Grundherr sagte Steen- gracht, daß er sich zu den schwedischen Internierungsvorschlägen ausweichend geäußert habe. Gelegentlich des Prozesses gegen Franz Rademacher im Februar 1952 wurde bekannt, daß Grundherr, der diese für Ribbentrops Diplomaten so charakteristische Rolle gespielt hatte, Botschafter der Bundesrepublik in Athen war. Er trat im darauf- folgenden Jahr nach Erreichung der Altersgrenze in den Ruhestand.(Wilhelmstraßen- Prozeß, NO-4092, und„The Times“, 15. Juli 1952.) Steengracht hat weniger als vier der sieben Jahre Gefängnis abgebüßt, zu denen er verurteilt worden war. 398 preizel berg Regıst 1, eilt entde« sozial zufole tiert;: deufsc Bestim wurde Ausch Von c übersc Juden Oktot: Lager! rung V Norwt den V seinen mit se frage Dr. Ric dem lisieru r die Tragi- legation im zum Tode aufgetreten ichtshof erst rials wurde T wurde am Verwicklun- k so erfolg- istischen Fa- rkenswerter, chen Juden- obwohl das us der Wirt- ‚ eingehalten vollkommen nahmen ging nnkarten der eine Massen- d von denen Im folgenden rg bei Tons- hatte der schwe- jer Skandinavien- Iherr sagte Steen- jeichend geäußert yruar 1952 wurde | charakteristisch r trat im dorouf- (Wilhelmstraßen- weniger als vier en wor. DREIZEHNTES KAPITEL 4. ITALIEN berg eingerichtet, und am 17. November wurde eine allgemeine Registrierung angeordnet. In den wichtigsten Städten fand am 25. eine Razzia statt, bei der aber nur 725 Juden von der Polizei entdeckt wurden, der hierbei die„Hirden“, Quislings national- sozialistische Bürgerwehr, halfen. Dr. Korherrs Bericht an Himmler zufolge wurden nur 691 Juden— durchweg staatenlose— depor- tiert; 532 fuhren am 26. mit dem Dampfer„Donau“ des Nord- deutschen Lloyd von Bergen nach einem deutschen Hafen mit der Bestimmungsstation Auschwitz. Eine zweite Gruppe von 158 Juden wurde im März 1943 deportiert. Nur 13 der aus Norwegen nach Auschwitz gebrachten Juden haben den Krieg überlebt#7. Von den restlichen Juden konnten 900 die schwedische Grenze überschreiten; die übrigen blieben entweder als privilegierte Juden oder im Versteck in Norwegen. Offiziell gab es aber im Oktober 1944 nur 64 Juden, die alle in Mischehen lebten und in Lagern interniert waren®. Das Verhalten der schwedischen Regie- rung verdient ein besonderes Lob. Nach dem ersten Transport aus Norwegen machte der schwedische Gesandte in Berlin, Dr. Richert, den Vorschlag, daß die noch abzutransportierenden Juden von seinem Lande aufgenommen werden sollten. In Übereinstimmung mit seinem sonstigen Verhalten lehnte es Weizsäcker ab, die Frage überhaupt zu besprechen; er berichtete Ribbentrop, daß er Dr. Richert gesagt hätte, der Plan habe keinerlei Aussicht. Trotz- dem war das schwedische Konsulat bei der Ausgabe von Natura- lisierungspapieren sehr liberal, worüber sich der Reichskommissar Terboven im März 1943 beschwerte®. 4. Italien Die außerordentliche Rolle, die die Italiener als Retter der Juden in Südfrankreich spielten, wurde im vorigen Kapitel besprochen, und in den Griechenland und Kroatien gewidmeten Abschnitten werden wir wieder sehen, wie sich die italienischen Soldaten und Beamten auf die findigste Weise in den Dienst der Menschlichkeit und Anständigkeit stellten. Leider waren die Hilfsmöglichkeiten im September 1943 verschüttet, als ein Großteil Italiens selbst unter das Joch der Gestapo kam. Mussolinis Beamte und vielleicht so- gar Mussolini selber versuchten immer noch dadurch, daß sie halbe Maßnahmen ergriffen, der Deportation in die Gaskammer vorzubeugen. Aber nach seiner Gefangenschaft auf dem Gran 27° 399 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG Sasso war Mussolini ein politisches Wrack, und seine Regierung hatte keine Verhandlungsbasis. Außerdem kamen der Gestapo die Juden-Registrierungen zugute, die in der Zeit vorgenommen worden waren, als Mussolini seine antijüdischen Gesetze heraus- gab. Unglücklicherweise waren sowohl viele der bodenständigen Juden als auch der jüdischen Flüchtlinge, die nach der Landung der Alliierten in Kalabrien dem Süden zustrebten, in Rom geblie- ben. Als die Deutschen die Stadt am 10. September besetzten— ein Ereignis, das den meisten unerwartet kam—, fielen 8000 Juden in ihre Hand, das heißt ein Sechstel der jüdischen Bevölkerung Italiens. Ende des Monats war es den deutschen Botschaftern beim Quiri- nal und beim Vatikan bekannt, daß Himmler diese 8000 Juden nach Auschwitz zu schicken beabsichtigte. Am 30. machte Bischof Hudal, der Rektor der Deutschen Kirche in Rom, den Stadtkom- mandanten, General Stahel, darauf aufmerksam, daß sich der Papst möglicherweise gegen die Deportierungen aussprechen werde. Stahel beschloß, die Befehle Himmlers ohne ausdrückliche Zustimmung des Auswärtigen Amtes nicht auszuführen. Obwohl die deutsche Botschaft selbst Internierung in Italien statt Deportie- rung empfahl, wollte Ribbentrop nichts nach dieser Richtung hin unternehmen?. Im Oktober wurden zum ersten Mal Juden festge- nommen. Ernst Freiherr von Weizsäcker war jetzt Botschafter beim Heiligen Stuhl. Im Wilhelmstraßen-Prozeß wurde von der Bedeutung seiner Warnungen viel Wesens gemacht, die er vor der bevorstehenden Aktion dem Vatikan und der Jüdischen Gemeinde gegeben haben will. Sicher ist aber nur die Tatsache, daß er eine Abschrift des Protestes von Bischof Hudal an den Befehlshaber der Sicherheits- polizei, Obersturmbannführer Hubert Kappler, weitergeleitet hat, und auch das geschah erst am 22. Oktober nach der ersten Raz- zia”. Gerhard Gumpert, Weizsäckers Legationssekretär, sagte aus, daß Kappler überzeugt war, die Warnung komme vom Papst, und daß er Befürchtungen hatte, die Aktionen fortzusetzen?°, Wenn diese Geschichte wahr ist, dann war es der Triumph eines einfachen Bluffs, denn die Razzia vom 18. Oktober hatte stattge- funden, ohne daß der Vatikan in irgendeiner Weise eingegriffen hätte. Am 28. Oktober schrieb Weizsäcker an Ritter im Auswär- tigen Amt: 400 Weiz: habe. ist der mals© dos nc Iation mein, Sympo sache Tode c ber flo um Hi Viele I esetzten— n 800 Juden Bevölkerung beim Quiri- 8000 Juden achte Bischof en Stadtkom- doß sich der aussprechen ausdrückliche ren. Obwohl tat Deportie- Richtung hin Juden festge- heim Heiligen Jeutung seiner ‚vorstehenden geben haben Abschrift des er Sicherheits- ergeleitet hat, ar ersten Roz- akretär, sagte me vom Papst, ortzusetzen””. Triumph eines hatte stattge- e eingegriffen sr im Auswär- DREIZEHNTES KAPITEL 4. ITALIEN „Der Papst hat sich, obwohl dem Vernehmen nach von ver- schiedenen Seiten bestürmt, zu keiner demonstrativen Äuße- rung gegen den Abtransport der Juden aus Rom hinreißen lassen... Der ‚Osservatore Romano’ hat... am 25./26. Okto- ber an hervorragender Stelle ein offiziösses Kommunique über die Liebestätigkeit des Papstes veröffentlicht... Sein Wortlaut(wird) von den wenigsten als spezieller Hinweis auf die Judenfrage verstanden werden%.” Weizsäcker war der Meinung, daß der Papst weise gehandelt habe. Ein offener Protest hätte die SS herausgefordert”. Poliakov ist der Ansicht, daß diese negative Haltung für Pius XIl., der nie- mals das Konkordat mit Hitler aus dem Jahre 1933 gekündigt und das nationalsozialistische System erst nach der deutschen Kapitu- lation verurteilt hatte, typisch war%. Der Verfasser dieses Buches meint, daß weder übertriebene Zurückhaltung noch prodeutsche Sympathien den Papst dazu veranlaßten, die Augen vor der Tat- sache zu schließen, daß Juden fast von der Peterskirche weg zum Tode geschleppt wurden, sondern einfach Angst. Am 10. Septem- ber flog der Botschafter beim Quirinal, Rudolf Rahn, nach Berlin, um Hitler davon abzuhalten, die Vatikan-Stadt zu besetzen 7. Viele Monate hindurch hätte Hitler das ohne weiteres tun und da- mit die gewaltige Kraftquelle der diplomatischen Immunität des Papstes zerstören können. Die meisten Juden in Rom wurden rechtzeitig gewarnt und suchten Verstecke auf, vorwiegend in Klöstern. Weniger als tausend von ihnen wurden am 18. Oktober verhaftet, von denen 615 am 22. Oktober in Auschwitz ankamen. Wenn wir Dr. Wolken glau- ben wollen, wurden 468 von ihnen vergast®. Von da an bis zum 4. Juni 1944, an welchem Tage die Alliierten die Stadt besetzten, waren die Juden ein gehetztes Wild; täglich und stündlich konn- ten sie verhaftet werden. Max Vitale zufolge wurden im ganzen 1127 Juden von Rom nach Auschwitz gebracht, und nur 15 kehrten nach dem Krieg zurück. Dazu müssen noch die 57 Juden gerechnet werden, die am 24. März 1944 in Rom im Zusammenhang mit dem Vergeltungsakt im Ardeatina-Tunnei ermordet wurden. Diese Angelegenheit, die den Gegenstand eines heftig umstrittenen Kriegsverbrecherprozesses bildete, soll hier kurz beschrieben werden. Am 23. März wurde auf eine Kompanie deutscher Sicherheits- 401 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG polizei, die durch die Via Rosella marschierte, eine Bombe ge- worfen. Als Hitler erfuhr, daß diese Bombe 32 Opfer gefordert hatte, ordnete er an, daß für jeden Deutschen zehn Italiener ster- ben müßten. Der Befehl ging über Feldmarschall Kesselring, Ge- neral von Mackensen von der 14. Armee und den Stadtkomman- danten von Rom, General Mälzer; schließlich wurde er an den Scharfrichter weitergeleitet, den gleichen Obersturmbannführer Kappler von der SS, der die große Razzia im Oktober 1943 durch- geführt hatte. Die 335 Opfer wurden vor den Augen Kapplers im Ardeatina-Tunnel erschossen. Unter ihnen befanden sich Men- schen, die die italienische faschistische Polizei ganz willkürlich ausgesucht hatte. Die 57 Juden scheinen von Kappler als eine Selbstverständlichkeit dazugeschlagen worden zu sein”*. Am 10. September 1943, als die deutschen Armeen Rom besetzten, waren die meisten norditalienischen Städte bereits in ihren Hän- den. Deutsche Einheiten waren seit dem Juli des Jahres über die Pässe ins Land geströmt, was für die Juden ein deutliches War- nungssignal bedeutet hatte. Einige flohen nach dem Süden, wo sich die Alliierten befanden, andere nach der Schweizer Grenze, was alles jedoch der Aufmerksamkeit der Gestapo nicht entgangen war. Sobald der Waffenstillstand verkündet wurde, unternahm eine in Novara stationierte SS-Polizei-Abteilung eine Razzia beim Lago Maggiore und verhaftete zahlreiche Juden in Licino, Stresa, Baveno und Pallanza. Diese Juden verschwanden spurlos, doch heißt es, daß Fischer eine große Zahl von Leichen aus dem See geborgen hätten!0%, Vorkommnisse dieser Art waren häufig, aber nach einigen Wochen wurde das regellose Morden durch eine planmäßige Vernichtung der Opfer ersetzt. Anfang Oktober über- nahm Martin Sandberger, ein früherer Befehlshaber einer Einsatz- gruppe in Rußland, dieLeitung der Gestapo in Verona, das damals die Hauptstadt von Mussolinis faschistischer Republik war, wäh- rend der offenbar unentbehrliche Theodor Dannecker Judenkom- missar für Italien wurde. Die Aufgabe, vor die diese Fachleute gestellt waren, wurde durch * Die von den britischen Militärgerichten in Venedig über die drei Generale verhängten Strafen werden bis auf den heutigen Tag scharf kritisiert, aber das Schicksal Kapplers, von dem irregeführt worden zu sein, die Generale behaupteten, ist der Aufmerksamkeit fast entgangen. Er wurde von einem Gericht in Rom 1947 zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Seine Berufung wurde erst im November 1952 verworfen, einige Tage nach der endgültigen Freilassung Kesselrings und von Mackensens. 402 prelZE die Ti wenit der e gener war© zu en worde noch I stische Oppo deren Deutst Ewa| linge schen hielter faschi. men V pler als eine in?®*, m besetzten, in ihren Hän- hres über die utliches War- üden, wo sich Grenze, was ht entgangen e, unternahm > Razzia beim Licino, Stresa, spurlos, doch aus dem See n häufig, aber en durch eine ktober über- einer Einsatz- 1a, das damals ‚lik war, wäh- er Judenkom- , wurde durch ‚nerale verhängfen Schicksal Kapplers, jer ‚Aufmerksamkeit slänglichem Kerker ‚ einige Tage nadı DREIZEHNTES KAPITEL 4. ITALIEN die Tatsache, daß die jüdische Bevölkerung nicht bloß in einigen wenigen Städten lebte, erschwert, aber sie war andrerseits wie- der erleichtert dadurch, daß eine Reihe von leeren Kriegsgefan- genenlagern nördlich des Apennin zur Verfügung standen. Es war der Wehrmacht gelungen, die britischen Kriegsgefangenen zu entfernen, die von den Italienern zu einer Zeit festgehalten worden waren, als Badoglios Verhandlungen mit den Alliierten noch keinen sicheren Schluß zuließen. Nach Ausrufung der faschi- stischen Republik füllte der SD diese Lager mit der italienischen Opposition, mit jugoslawischen Partisanen und mit allen Juden, deren er habhaft werden konnte; sie alle sollten dann nach Deutschland deportiert werden!9'. Etwa ein Fünftel der in Italien lebenden Juden, teilweise Flücht- linge aus dem Ausland und teilweise Überbleibsel der einheimi- schen Judengemeinden, wurde, soweit sie sich nicht versteckt hielten oder ausgewandert waren, in den zwanzig Monaten der faschistischen Republik interniert. Insgesamt wurden 10271 Na- men von Deportierten von dem Komitee festgestellt, das sich mit Nachforschungen nach dem Schicksal der Juden befaßte 1%, 2824 von ihnen wurden 1944 aus einem einzigen Sammellager in Fos- soli di Carpi bei Modena nach Auschwitz gebracht. Da Fossoli di Carpi nur als Transitlager diente, wurden die Familien dort nicht auseinandergerissen und die Insassen nicht nach Geschlechtern getrennt. Obwohl das Lager nach dem Waffenstillstand dem SD übergeben worden war, blieb die Verwaltung in italienischen Händen und war verhältnismäßig milde. Primo Levi!% berichtet, daß man sich dort sogar betrinken konnte. Leider wurde dieser Vorteil dadurch weitgemacht, daß italienische Karabinieri die De- portierungen durchzuführen hatien. Die Selektion der Juden für Auschwitz erfolgte, sobald das Lager, das auch andere Gruppen von Internierten umfaßte, zu voll wurde. Ungefähr 600 Juden, einige von ihnen aus Tripolis, wurden am 22. Februar 1944 de- portiert*, und von diesen überlebten nur 126 Männer und Frauen die Selektion in Birkenau. Dr. Wolken verzeichnete jedoch am 1. Juli, daß 180 Mann von dem Transport aus Fossoli in Quaran- täne genommen worden waren, und das war, wie das oben er- wähnte italienische Nachforschungskomitee feststellte, ein ge- * Dieser Transport wurde möglicherweise von Eichmann selbst organisiert, der Zdenek Lederer zufolge damals in Norditalien war. 403 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG mischter Transport mit nur 517 Insassen. Die Quote für die Gas- kammer war also im Zunehmen!%, Im August 1944 verließ noch ein Deportationszug Fossoli di Carpi, und dann wurde das Lager als Sammelplatz aufgegeben. Die Alliierten näherten sich der Goten-Linie, und die Provinz Modena war Operationsgebiet geworden. Das wichtigste Transitlager war jetzt Gries bei Bozen, Wien und Auschwitz 270 km näher. Ein letzter kleiner Transport aus Gries kam am 28. Oktober in Bir- kenau an, knapp bevor die Gaskammern zu arbeiten aufhörten. Die meisten Transporte aus Gries wurden aber nach Mauthausen geleitet, wo der Prozentsatz der Todesopfer keineswegs geringer war als in Auschwitz. Max Vitale105 berichtet z.B., daß nur 605 jüdische Deportierte nach Italien zurückgekehrt sind, in welcher Zahl 140 Juden inbegriffen sind, die am 25. Februar 1945 nach dem Lager Gries zurückgeschickt worden waren, als der Zug nach Mauthausen wegen eines Angriffs der alliierten Luftwaffe den Brenner nicht passieren konnte*. Die Zahl schloß auch 146 Über- lebende aus den Judentransporten von der Insel Rhodos ein, die am 17. September 1944 in Auschwitz eintrafen(siehe S. 429 f.). Es ist bemerkenswert, daß die Deportationszüge aus Italien ver- hältnismäßig wenig Menschen enthielten und daß keiner der Transporte aus Fossoli und Gries mehr als 600 Menschen umfaßte. Diese Züge mußten ebenso über den Engpaß des Brenner wie die große Masse der Verstärkungen und des Nachschubs für Kessel- ring, und unter diesen Umständen ist es überraschend, daß Eich- manns Amt überhaupt Transportmöglichkeiten zugeteilt bekam. Die Reise nach Auschwitz dauerte vier bis fünf Tage, aber sie war so vielen Zwischenfällen ausgesetzt, daß Primo Levis Reisegefähr- ten gesagt wurde, sie sollten Lebensmittel für vierzehn Tage mit- nehmen. Ungefähr 5000 Juden wurden aus anderen italienischen Städten und Lagern nach Auschwitz und Deutschland deportiert. Ein Sammeltransport aus Rom, Triest und Fiume kam im Dezember 1943 in Auschwitz an, ein anderer, sehr kleiner Transport am 4. April 1944 aus Triest. Im Falle von Triest kam der besondere * Mussolini konnte erst im Oktober 1944 bei Hitler durchsetzen, daß die deutsche Jagd nach italienischen Arbeitskräften eingestellt wurde; damals wurde die Stellung der italienischen Arbeitskräfte in Deutschland durch eine Verordnung geregelt. Für die italienischen Juden galt diese aber nicht; sie wurden weiterhin nach Mauthausen deportiert. 404 preiZEl Umste 2.$ eines| Rainel den T aus Pı 65. un Vor dı ols die Razziı 1944 s verhaf wurde lang I löste( die Sy ständi neo OL port 9 nats, N messe der$c rend Mauthausen €gs geringer er Zug nach uftwaffe den Ich 148 Über- odos ein, die 5.49 f.), s Italien ver- keiner der ‘hen umfaßte. enner wie die bs für Kessel- nd, daß Eich- ieteilt bekam. ‚ aber sie war ; Reisegefähr- hn Tage mit- schen Städten eportiert. Ein im Dezember Transport am ler besondere die deutsche Jagd die Stellung der geregelt. Für die nach Mauthausen DREIZEHNTES KAPITEL 4. ITALIEN Umstand dazu, daß es als ehemals österreichische Stadt am 23. September 1943 ins Reich eingegliedert und zur Hauptstadt eines neuen Gaues„Triest-Küstenland“ gemacht wurde. Friedrich Rainer wurde Gauleiter, und Odilo Globocnik, sein Freund aus den Tagen des österreichischen Anschlusses, den Himmler gerade aus Polen entfernt hatte, kehrte in seine Vaterstadt als Höherer SS- und Polizeiführer zurück(siehe$. 333 f.). Vor dem Krieg gab es mehr als 5000 Juden in Triest, aber weniger als die Hälfte war bis zur deutschen Besetzung geblieben. Die erste Razzia fand am 9. Oktober 1943, die zweite am 19. Januar 1944 statt, als Dr. Mopurgo, Sekretär der Jüdischen Gemeinde, verhaftet und das Altersheim„Pia Casa Gentilomo” liquidiert wurde. Die 70 Insassen wurden vor der Deportierung sieben Tage lang im Lagerhaus für Reis„Santa Saba” festgehalten. Am 25. löste Globocnik den Rat der Jüdischen Gemeinde auf und schloß die Synagoge. Von da an lebten die Triester Juden im Versteck, ständig bedroht von der Einlieferung in das Gefängnis von Coro- neo oder in das Lagerhaus Santa Saba. Ein weiterer kleiner Trans- port ging Anfang April nach Auschwitz, während Ende des Mo- nats, nach der Explosion einer Bombe in einer deutschen Offiziers- messe in der Via Gegha, Juden, die bis dahin den Konsularschutz der Schweiz genossen hatten, gleichfalls deportiert wurden. Wäh- rend der ganzen Zeit der deutschen Besetzung wurden etwa 600 Juden aus Triest deportiert, und nur 400 bis 500, die in größtem Elend vegetiert hatten, wurden am7. Mai 1945 nach dem Einmarsch der britischen Armee entdeckt. Es war ein in einer britischen Ein- heit dienender Unteroffizier aus Palästina, der an diesem Tage die Tore der großen Synagoge öffnete!%, Rainer und Globocnik waren geflohen. Anfang Juni 1945 wurde eine britische Patrouille in den Bergen südlich von Klagenfurt auf ihre Spur gelenkt. Globocnik, der eineinhalb Millionen Morde auf seinem Gewissen hatte, nahm Gift. Rainer ergab sich und sagte ein Jahr später in Nürnberg zugunsten Seyss-Inquarts aus, der später zum Tode verurteilt wurde. Er wurde dann an Jugo- slawien ausgeliefert; ein Gericht in Ljubljana verhängte am 20. Juli 1947 über ihn die Todesstrafe 17. Vierzehntes Kapitel Jugoslawien, Griechenland, Bulgarien 1. Jugoslawien: Das Ghetto von Belgrad In keinem Lande Europas, das von den Achsenmächten besetzt war, ist es schwerer, dem Schicksal der Juden nachzugehen, als in Jugoslawien. In keinem andern Lande ist es schwerer, die Zahl der Opfer und der Überlebenden einigermaßen verläßlich zu schätzen. Vor dem Kriege lebten in Jugoslawien etwa 70.000 Ju- den in räumlich weit voneinander entfernten Gruppen. Sie waren unter verschiedenen Regimen aufgewachsen, die dann 1918 zu einem einheitlichen Staat zusammengeschmiedet wurden. Auch nach 22 Jahren politischen Zusammenlebens in einem gemein- samen Staat waren die jugoslawischen Juden keine einheitliche Gemeinschaft geworden, und die Aufspaltung des Landes im April 1941 vergrößerte noch die Kluft zwischen den einzelnen Gruppen: unter der Besetzung der Achsenmächte gab es auf dem Boden Jugoslawiens Regierungen verschiedenen Charakters, denen nur das eine gemeinsam war, daß sie eine leichte Beute von Anarchie und Bürgerkrieg wurden. Das beeinträchtigte die Bemühungen Heydrichs und Himmlers, die Endlösung zu erzwingen, und er- möglichte vielen Juden die Flucht. Obwohl die jugoslawische Volkszählung von 1947 nur 10460 Juden nachweist, kann man wohl annehmen, daß viele Tausende mehr entweder in Italien oder in Albanien oder dadurch den Krieg überlebten, daß sie vollkommen mit der nichtjüdischen Bevölkerung ihrer Heimat ver- schmolzen!. Nach dem Blitzkrieg vom 6. bis 17. April 194] war die Lage der jugoslawischen Juden etwa folgende: ungefähr 20000 Juden ge- rieten in der Batschka, dem Gebiet östlich des großen Bogens, den die Donau macht, unter ungarische Herrschaft. Im deutschen Be- satzungsgebiet, das mit dem alten Serbien aus der Zeit vor dem 406 yırrzeH Balkan in Bel Kroatie die He Saraje\ gorien Pirot UI Ibrig| schaft f zwischt Besetzt wenig: Die Un und zw Staatsst schem| und do Deportt stützen einer nı August werde, rläßlich zu 70.000 Ju- . Sie waren m gemein- inheitliche Jes im April n Gruppen: dem Boden ‚ denen nur yn Anarchie emühungen en, und er- goslawische ‚ kann man sr in Italien en, daß sie Heimat ver- ie Lage der 0 Juden ge- Bogens, den „utschen Be- it vor dem VIERZEHNTES KAPITEL 1. JUGOSLAWIEN: DAS GHETTO VON BELGRAD Balkankrieg(1913) identisch war, lebten 12.000 Juden, davon 8500 in Belgrad. 21000 Juden lebten in dem neugeschaffenen Staat Kroatien, 12315 davon in der Hauptstadt Agram. Bosnien und die Herzegowina mit 12.000 jüdischen Einwohnern(8000 davon in Sarajewo) wurden zwischen Kroatien und Serbien aufgeteilt. Bul- garien hatte mit den früheren serbischen Städten Skoplje(Usküp), Pirot und Bitolj(Monastir) 7000 bis 8000 Juden dazubekommen. Übrig blieben Montenegro, das die Italiener in Form einer Regent- schaft für ein späteres Königreich verwalteten, und Slowenien, das zwischen Deutschland und Italien zu einer als dauernd gemeinten Besetzung aufgeteilt worden war. Dort gab es allerdings nur wenig Juden. Die Ungarn waren die ersten, die mit Deportationen begannen, und zwar in der Batschka. Die Regierung Läszlo Bardossy hatte Staatssekretär Alajos Kovacz zu Rosenbergs großem anti-jüdi- schem Kongreß im Frankfurter Bürgersaal im März 1941 entsandt, und dort erfuhr man, daß die deutsche Regierung bereit war, die Deportation der Juden aus allen europäischen Staaten zu unter- stützen?. Einen Monat später waren die Ungarn bereits im Besitz einer neuerworbenen jüdischen Bevölkerungsschicht, und Anfang August wurde entschieden, daß man sie den Deutschen übergeben werde. Etwa 16000 Juden, zum großen Teil solche aus der Batsch- ka, aber auch ausländische Juden, die im ungarischen Banat lebten, wurden einfach über die Donau geschafft3. Deutscherseits wurden die Juden im Ghetto interniert, das für die Juden von Bel- grad eingerichtet worden war und das es im Laufe der Zeit auf einen Bevölkerungsstand von 25000 brachte. Im Einklang mit der deutschen Praxis wurden die Juden in die elendesten Hütten am Rande der Stadt gezwängt, die sonst nur gelegentlich von durch- wandernden Zigeunern bewohnt gewesen waren, so daß diese hilflose Menschenmasse vom Hunger- und Erfrierungstod im her- annahenden Winter bedroht war. Ihr Schicksal bildete darum den Gegenstand eines langen Berichtes an Ribbentrop, den Felix Benzler, der neuernannte Bevollmächtigte bei der ebenso neuen serbischen Marionetten-Regierung des Generals Milan Nedic, ab- sandte*. * Benzler war einer der früheren SA-Führer, die seit dem Juni 1934 ein Schattendasein geführt hatten, die aber jetzt, auf Empfehlung von Martin Luther, mit diplomatischen Posten auf dem Balkan betraut wurden. Benzler war im Januar 1941 Leiter der Umsied- 407 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG Benzler zufolge war das ernsteste Problem die Tatsache, daß 8000 Juden im Belgrader Ghetto Männer im militärpflichtigen Alter waren, also„potentielle Saboteure”, die man nicht in die bestehenden Internierungslager in Serbien schaffen könne. Er wies darauf hin, daß die slowakische Regierung hier ein Beispiel gesetzt habe, dem man folgen sollte: sie habe Juden in Booten donauabwärts auf eine Insel im rumänischen Delta geschafft. Aber diese Information war unrichtig, und Luther beantwortete Benzlers Bericht(offenkundig, ohne Ribbentrop zu befragen) am 8. Dezember dahin, daß eine Deportation nach Rumänien nicht in Frage komme und daß man für die Juden von Belgrad Lager in Serbien finden müsse*. Benzler antwortete zwei Tage später, daß das Lager in Schabatz sich bereits in den Händen der Partisanen befinde und daß, falls man die Juden nicht nach Rußland oder Polen schicken wolle, er nicht in der Lage sein würde, Ribbentrops Auftrag zur Ausscheidung der kräftigen und arbeitsfähigen Juden aus dem Ghetto durchzuführen. Die Bedeutung dieses Hinweises auf Polen und Rußland wurde bereits im Vierten Kapitel erörtert. Franz Rademacher(siehe S. 95) hatte an den Rand von Benzlers Fernschreiben die Bemer- kung geschrieben, Eichmann habe entschieden, daß„nicht einmal die Juden aus Deutschland“ zu diesem Zeitpunkt im General- gouvernement oder in Rußland untergebracht werden könnten... „Eichmann schlägt Erschießen vor“. Rademacher hatte das nicht als ein bloßer Postbote des Auswärtigen Amtes geschrieben. In einer Bemerkung für seinen Chef Luther schrieb er, daß die Ju- den, wenn sie in Serbien eine Gefahr seien, in Rußland eine noch viel größere wären; das Generalgouvernement sei bereits„mit Juden übersättigt“.„Ich kann mir nicht vorstellen, daß die Juden weiter konspirieren, wenn erst eine größere Zahl von Geiseln er- schossen ist.“ Aber Benzler erinnerte in seinem nächsten Schreiben Luther daran, daß ihm Ribbentrop in Fuschl Ende August versprochen habe, alle Juden, Freimaurer und„englandhörigen” Serben würden aus Bel- grad deportiert werden, entweder donauabwärts, oder nach dem Generalgouvernement oder deutschen Konzentrations- lungs-Kommission für Volksdeutsche in Lettland und Estland und wurde im April darauf Verbindungsmann zum Militärkommando in Belgrad. In dieser Eigenschaft hatte er einen wesentlichen Anteil an der Bildung einer Quisling-Regierung in Griechenland. 408 olles, wo ige Beseil dann die ‚In ai mit e den, könn! genut Juder Staat anzu Einfre in Rı die E drich nach Inder Zw sönlich di \rendiger warten W ten, Ulric zufolge| Spezialis fäumen" Dieser„S der Kurfı franz Ro Rademaı nach sei völkerun tal Böhr Angriffe Itbende Neven G den vor R ENDLOSUNG| !sache, daß Örpflichtigen nicht in die 1 könne, Er ein Beispiel n in Booten a geschafft eantwortete efragen) am nien nicht in ad Lager in später, daß T Partisanen uBland oder Ribbentrops higen Juden land wurde ıcher(siehe ‚ die Bemer- nicht einmal im General- 1 könnten... tte das nicht schrieben. In daß die Ju- nd eine noch bereits„mit ı die Juden 1 Geiseln er- uther daran, >n habe, alle den aus Bel- oder nach \zentrations- im April darauf inschaft hatte€" in Griechenland. VIERZEHNTES KAPITEL 1. JUGOSLAWIEN: DAS GHETTO VON BELGRAD lagern. Der Militärgouverneur, General Franz Böhme, schloß sich Benzler nunmehr an und erinnerte Ribbentrop an dieses Ver- sprechen. Luther antwortete am 2. Oktober— und es ist bemerkens- wert, daß die Akte am Rande Weizsäckers Zeichen trägt—, daß alles, was Böhme zu tun habe, darin bestehe, selbst„für die sofor- tige Beseitigung dieser 8000 Juden Sorge zu tragen”, Luther fügte dann die folgenden Worte hinzu: „In anderen Gebieten sind andere militärische Befehlshaber mit einer wesentlich größeren Zahl von Juden fertiggewor- den, ohne überhaupt darüber zu reden. Meiner Ansicht nach können wir dem rumänischen Staatsführer, welcher ohnehin genug Schwierigkeiten mit der Abschiebung seiner eigenen Juden hat, nicht zumuten, weitere 8000 Juden aus fremdem Staatsgebiet zu übernehmen. Im übrigen ist es wohl als sicher anzunehmen, daß diese 8000 Juden wenige Tage nach ihrem Eintreffen auf den Inseln im Donaudelta verschwinden und in Rumänien selbst auftauchen werden. Ich bitte daher um die Ermächtigung, diese Frage mit Obergruppenführer Hey- drich, welcher in den nächsten Tagen auf kurze Zeit aus Prag nach Berlin kommen wird, zu besprechen.” In der Zwischenzeit beauftragte Ribbentrop Luther, Heydrich per- sönlich darum zu ersuchen, daß er die für die Deportierung not- wendigen Vorkehrungen treffe, aber Heydrich nahm, wie zu er- warten war, die Partei Luthers und Rademachers. Hans von Haef- ten, Ulrich von Hassells Informationsquelle im Auswärtigen Amt, zufolge(siehe S. 82), bestand Heydrichs Aktion darin,„einen Spezialisten hinunterzuschicken”, um„mit den Ärmsten aufzu- räumen”®. Dieser„Spezialist“ war nicht einer von Eichmanns Bluthunden aus der Kurfürstenstraße, sondern niemand anders als der aalglatte Franz Rademacher, der frühere Legationssekretär in Montevideo. Rademacher kam am 18. Oktober in Belgrad an und teilte Luther nach seiner Rückkehr am 25. mit, daß die männliche jüdische Be- völkerung in Belgrad niemals stärker gewesen sei als 4000. Gene- ral Böhme hätte aber schon die Hälfte davon als Geiseln für Angriffe auf deutsche Soldaten erschießen lassen 6. Von den Über- lebenden wären 500 privilegiert, weil sie an dem Aufbau des neuen Ghetto-Lagers in Semlin arbeiteten. Die übrigen 1500 wür- den vor dem Ende der Woche erschossen werden, obwohl Benzler 409 en DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG und der Chef der Militärverwaltung beim Wehrmachtsbefehls- haber,„Staatsrat“ Dr. Harald Turner, immer noch die Deportie- rung vorzögen. Etwa 20000 ältere Juden, Frauen und Kinder könnte man zusammen mit 1200 Zigeunern über den Winter in Belgrad halten; sie würden später auf die benachbarte Mitrovica- Insel geschafft und dann von dort in die„Auffanglager im Osten” geschickt werden. Benzler kam am 8. Dezember nach Berlin und klagte darüber, daß die Insel Mitrovica unter Wasser stehe und im Belgrader Ghetto eine verzweifelte Lage herrsche. Rademacher lehnte es ab, ihn zu empfangen, und ließ ihn mit Zustimmung Luthers wissen, daß eine Deportierung der Juden aus Belgrad auch im Frühling nicht in Frage komme. Luther gab Rademacher gegenüber zu, daß Ribben- trop Heydrich ersucht hätte, die Belgrader Juden nach Ostpolen zu deportieren, aber„er glaube nicht, daß sich die beiden Anlie- gen widersprächen”. Die Angelegenheit sei somit abgeschlossen, und es bestehe keine Notwendigkeit, weitere schriftliche Weisun- gen an Benzler zu senden. Spätere Ereignisse bestätigen zur Genüge die Existenz von„zwei Anliegen”. Auf der Wannsee-Besprechung am 20. Januar stimmte Heydrich zu, daß die aus Ungarn nach Belgrad deportierten Ju- den nach Ostpolen gebracht werden sollten’. Die jugoslawische Untersuchungskommission, die nach dem Krieg am Werk war, kam zu dem Schluß, daß diese Deportierungen im Frühling tat- sächlich stattgefunden haben, und ein Bericht spricht von der Weg- schaffung von Frauen und Kindern aus dem Lager Zemun(Semlin) noch im Juli 19428. Aber weder in den Lageraufzeichnungen in Auschwitz und Majdanek noch in den Ghettos und Transitlagern des Distrikts Lublin, die zu dieser Zeit mit jüdischen Deportierten überfüllt waren, findet sich irgendein Hinweis auf das Eintreffen von Juden aus Serbien(siehe$. 173). Die serbischen Juden sind tatsächlich niemals bis nach Polen gekommen. Was wirklich ge- schehen ist, scheint in den lakonischen Worten des Berichtes fest- gehalten, den das Internationale Rote Kreuz über seine Tätigkeit in der Kriegszeit veröffentlicht hat?: „Es war bekannt, daß es in Serbien drei Lager gab. Die In- sassen, die dort vorübergehend untergebracht waren, wurden später an einen unbekannten Ort gebracht, und man hat nichts weiter von ihnen gehört.“ 410 yırrzeH Erst im jegen" sie ver hi, z noch ni 1iltel noch UI yerseUC mußte. seitSep ober Ur die nac ben wa erfahre Einsatz D.Nov frage Juden“ Anfang dung,| führer Leuten. geblich fäuscht Schäfer ın Köl belohn Stapob eines B feidigt vor se] nichts konnte — der) Schäfe Aber benac Berlin noch ENDLOSUNG, Atsbefehl,. Deportie. nd Kinder inter in Mitrovica. Im Osten“ eschlossen, he Weisun- von„zwei ar stimmte rtierten Ju- Joslawische Werk war, rühling tat- n der Weg- nun(Semlin) hnungen in ansitlagern Jeportierten s Eintreffen Juden sind wirklich ge- richtes fest- 1e Tätigkeit ‚ab, Die In- en, wurden ‚nhatnichts VIERZEHNTES KAPITEL 1. JUGOSLAWIEN: DAS GHETTO VON BELGRAD Erst im Oktober 1952 wurde es klar, warum Heydrichs zwei„An- liegen“ einander nicht widersprachen. Die gigantische Tarnung, die sie verbergen sollten, wurde zehn Jahre nach dem Zeitpunkt ent- hüllt, zu dem Serbien„judenfrei” erklärt wurde. Aber es ist immer noch nicht leicht, alle Einzelheiten festzustellen. Am 8. Dezember 1941 teilte Benzler Rademacher mit, daß die Insel Mitrovica immer noch unter Wasser stehe, so daß er die restlichen Juden aus dem verseuchten Zigeunerviertel in Belgrad nach Zemun schaffen mußte. Das war der für die„Weltmesse“ vorgesehene Platz, der seit September für die Bedürfnisse eines Ghettos umgebaut wurde, aber unmöglich die 8000 Frauen und Kinder aufnehmen konnte, die nach der Aufteilung auf andere serbische Lager übriggeblie- ben waren. Die männlichen Juden Serbiens starben rasch in den erfahrenen Händen des SS-Standartenführers Fuchs und seiner Einsatzgruppe. Weizsäcker hatte vorsichtigerweise Benzler am 22. November unterrichtet, daß er sich nur mit der Deportierungs- frage beschäftigen solle. Die„internen Maßnahmen gegen die Juden” gingen ihn nichts an. Anfang Februar, einige Tage nach Heydrichs Wannsee-Bespre- chung, wurde Fuchs als„Kds. Belgrad” durch SS-Obersturmbann- führer Emanuel Schäfer ersetzt, einen von Heydrichs verläßlichsten Leuten. Als Beamter der Staatspolizei in Oppeln hatte er den an- geblichen polnischen Angriff auf die Rundfunkstation vorge- täuscht, der ein Teil des„casus belli” gegen Polen gewesen war. Schäfer wurde durch rasche Beförderung zum Chef der Gestapo in Köln und zum Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Serbien belohnt. So wie die meisten erst spät vor Gericht gebrachten Ge- stapobeamten, machte Schäfer im Oktober 1952 den Eindruck eines Bankdirektors, und im Einklang mit diesem Eindruck ver- teidigte er sich damit, daß die Ausrottungen im Lager Zemun vor seiner Ankunft begonnen hätten, daß er mit den Gaswagen nichts zu tun hatte und daß er ihre Verwendung nicht verbieten konnte. Ihm kam der berufsmäßige Zeuge von dem Bach-Zelewski — der jetzt ein freier Mann ist— noch zu Hilfe und beschrieb Schäfer als„typischen preussischen Nur-Beamten“!. Aber es war Schäfer selbst, der das RSHA am 10. Juni 1942 benachrichtigt hatte, daß zwei Gaswagen zur Reparatur nach Berlin geschickt worden waren!!, ein Dokument, das Schäfer, noch sieben Jahre nachdem es in Nürnberg vorgelegt worden 411 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG war, als Angeklagten vor das Schwurgericht in Köln bringen sollte. Schäfer fand im Februar 1942 6280 Juden im Lager von Zemun vor. Im Mai berichtete er einigermaßen voreilig an das RSHA, daß Serbien„judenfrei” sei. Die Juden in Zemun— es waren durch- weg Frauen und Kinder— wurden in aller Ruhe Tag für Tag in die Gaswagen geschafft. Nach einiger Zeit wurde die wahre Auf- gabe dieser Fahrzeuge im Lager entdeckt, und einigen wenigen Frauen gelang es, die Wachen zu bestechen, die ihnen zur Flucht verhalfen!2. Aber mehr als 6000 aus diesem Lager allein wurden vergast. Das Auswärtige Amt wurde erst im letzten Augenblick zu Rate gezogen, und Kurt Heinburg, Leiter der Politischen Abtei- lung VII des Auswärtigen Amts(Balkan), erinnerte sich in Nürnberg daran, daß eine ganze Menge Berichte über die Ver- gasungen in Belgrad eingegangen waren'°, Ende Juli 1942 war Belgrad wirklich„judenfrei”, und im Oktober darauf wurde die Juden-Abteilung der Belgrader Gestapo ge- schlossen,„weil im Tätigkeitsbereich keine Juden mehr lebten“'%, Die„Berliner Börsenzeitung” bezeichnete Alt-Serbien und das ungarische Banat als die ersten Gebiete Europas, die die Bezeich- nung„judenfrei” verdienten. Ein bemerkenswerter Aspekt der Tragödie des Belgrader Ghettos ist das uneinheitliche Schicksal der an ihr Schuldigen. Martin Luther kam 1943 in den politischen Bunker des Lagers Sachsenhausen">, wo ihn Kapitän Payne-Best im Jahr 1944 zuletzt gesehen hatte, und starb kurz nach Kriegsende in einem Berliner Krankenhaus. General Franz Böhme, der das erste Massaker der serbischen Juden anordnete, hat am Vorabend des Geiselprozesses im Juni 1947 im Nürnberger Gefängnis Selbstmord begangen. SS-Stan- dartenführer Fuchs, der Befehlshaber der Sicherheitspolizei, der das zweite während Rademachers Aufenthalt geplante Massaker durchgeführt hatte, sowie Dr. Harald Turner wurden am 7. März 1947 in Belgrad hingerichtet'®. Felix Benzler war ein freier Mann, als er im Prozeß Schäfer als Zeuge aussagte; wegen der Massaker von Belgrad ist er niemals angeklagt worden’. Schäfer selbst, obwohl nun ein SS-Ober- führer, verbarg sich lange nach dem Krieg und kam um die Aus- lieferung an Jugoslawien herum; er wurde erst im April 1951 aus- findig gemacht und von der Strafkammer in Bielefeld als ehemali- 412 yıgrzehNTE ger Ges dauerte) gegen Sc den Fall: können. Tod von roschend 1954 wur Rademac hen(sieh zogenen wortefe schießun war, kei das untet tete, ließ leiten un Monaten unter Pre lung ebe Argentin Schon aı gigkeit ı * Die Ersch und Fuchs suchungsko spesenabre langen zu er auf der behoben h sich vor de ZU schützer ‚Iweck der das, sagte Belgrad zu Besuch hal 3 Jahren( Tatsache b Jungen fü Stützen de Freie Wor 2 OSUNG ngen emun \, daf durch- Tag in e Auf. :nigen Flucht 'urden ick zu Abtei- ich in e Ver- ktober 0 ge- en“ 14 d das zeich- hettos Luther ısen®, hatte, nhaus, ischen n Juni -Stan- |, der ssaker März rer als iemals Ober- a Aus- ] aus- emali- VIERZEHNTES KAPITEL 2. JUGOSLAWIEN(KROATIEN) ger Gestapo-Mann zu 21 Monaten Gefängnis verurteilt. Es dauerte weitere 18 Monate, ehe das Schwergewicht der Anklage gegen Schäfer bekannt wurde. Das Kölner Schwurgericht vertagte den Fall Schäfer zunächst, um neues Beweismaterial studieren zu können. Am 22. Juni 1953 erhielt er als Sühne für die Mitschuld am Tod von 6000 unschuldigen Menschen die einigermaßen über- raschende Strafe von sechseinhalb Jahren Zuchthaus. Am 9. Juli 1954 wurde sie auf 6 Jahre 9 Monate erhöht'®. Rademachers Nachkriegs-Abenteuer wurde hier bereits beschrie- ben(siehe S. 83). Während seines unglaublich lange hinausge- zogenen Prozesses in Nürnberg im Februar-März 1952 verant- wortete er sich dahin, daß sein Besuch in Belgrad auf die Er- schießung von 1500 Juden, die bereits von Böhme angeordnet war, keinerlei Einfluß hatte*. Bei der Verhängung eines Urteils, das unter den Umständen die fast unmittelbare Freilassung bedeu- tete, ließ sich das Gericht von dem Grundsatz„in dubio mitius” leiten und verurteilte ihn zu nicht mehr als drei Jahren und fünf Monaten Gefängnis!?. Rademacher legte Berufung ein und floh unter Preisgabe der erlegten Kaution vor der Berufungsverhand- lung ebenso wie sein Mitangeklagter Klingenfuß. Er ist jetzt in Argentinien. 2. Jugoslawien(Kroatien) Schon am 10. April 1941 wurde von deutscher Seite die Unabhän- gigkeit von Kroatien ausgerufen, jedoch die Italiener, die Ante * Die Erschießung der 1500 Juden wurde von Böhme nach einer Besprechung mit Turner und Fuchs am 19. Oktober angeordnet. Rademacher erklärte der amerikanischen Unter- suchungskommission, daß er am 18. von Belgrad abgereist sei, daß er aber seine Reise- spesenabrechnung geändert habe, um Entschädigung für einen längeren Aufenthalt ver- langen zu können. Während des Rademacher-Prozesses wurde aber nachgewiesen, daß er auf der Deutschen Botschaft in Belgrad noch am 21. Dezember bedeutende Summen behoben hatte. Rademacher gab dann zu, daß er die Amerikaner angelogen habe, um sich vor der Auslieferung an Jugoslawien wegen seines Anteils an dem Befehl vom 19. zu schützen. Nichtsdestoweniger hat Rademacher in seiner Spesenabrechnung die Frage „Zweck der Reise” mit den Worten„Liquidation von serbischen Juden” beantwortet, aber das, sagte er, war nur dazu bestimmt, Weizsäckers Aufmerksamkeit auf die Vorgänge in Belgrad zu lenken. Da das Gericht weit davon entfernt war, zu glauben, Rademachers Besuch habe keinen Einfluß auf Böhme, Turner und Fuchs gehabt, ist die Strafe von 3 Jahren Gefängnis lächerlich gering. Aber das Gericht war wahrscheinlich durch die Tatsache beeinflußt, daß wenigstens vier Zeugen, die ebenso wie Rademacher als Boten- iungen für Eichmanns Massaker-Anordnungen aufgetreten waren, in der Zwischenzeit Stützen des neuen Auswärtigen Amts in Bonn geworden waren.(Siehe besonders„Das Freie Wort”, 8. März 1952.) 28 413 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG Paveli&, den Führer der kroatischen nationalistischen Ustascha-Par- tei seit 1930 geschützt und unterstützt hatten, kamen den Deutschen zuvor. Obwohl deutsche Truppen im Lande blieben, gelang es Paveli& als Staatsoberhaupt, die Italiener gegen sie auszuspielen, indem er den Herzog Aimone von Spoleto, einen Neffen des italienischen Königs, als König von Kroatien anerkannte und italienische Wünsche nach dem Besitz der dalmatinischen Küste ermufigte 2°. Paveli&, der den Mord an König Alexander im Oktober 1934 auf dem Gewissen hatte, war ein rücksichtsloser Mann von großer Energie, den weder Deutsche noch Italiener unterkriegen konnten. Der Antisemitismus, den er predigte, war nicht viel mehr als ein Köder für die Nationalsozialisten, da er selbst mit einer Tochter des Juden Lorencevic verheiratet war?!. Ähnlich war es mit seinem Marschall Kvaternik, der den Ustascha-Terror organisierte. Kva- ternik hatte die Tochter eines früheren kroatisch-nationalistischen Führers aus der Habsburgermonarchie, des Juden Josip Frank, geheiratet. Wenn man Willi Höttl glauben kann, den Kalten- brunner mit der Auskundschaftung solcher Dinge beauftragt hatte, war die ganze Ustascha-Führung„jüdisch versippt“. Nichtsdesto- weniger ordnete Paveli& am 14. April, vier Tage nach der Bildung seiner Regierung, die Einziehung des gesamten jüdischen Vermö- gens an??. Die Dinge lagen einfach so, daß die schießfreudigen Ustascha-Leute ein wenig plündern wollten und der Reichtum der serbisch-orthodoxen Minderheit zu ihrer Befriedigung nicht aus- reichte. So erreichten die Leidenschaften ihren Höhepunkt nach dem Ber- liner Schiedsspruch vom 12. Juli 1941. Dieser folgte dem Wiener Schiedsspruch vom 29. April, der die deutschen und italienischen Besatzungszonen durch Ziehung einer Grenze zwischen den Ser- ben und Kroaten in Bosnien festgelegt hatte. Slavko Kvaterniks Usiascha-Leute mordeten und marterten die Serben, während die bosnischen Mohammedaner über die Juden herfielen. Selbst der Vertreter der Wehrmacht am Hofe Pavelids, der österreichische General und nationalsozialistische Führer Edmund Glaise-Horste- nau, konnte nicht umhin zu protestieren 2. Von der alten jüdisch- sephardischen Gemeinschaft in Sarajewo in Bosnien, die vor dem Krieg 8000 Köpfe umfaßte, waren im Januar 1946 nur noch 1140 am Leben. Was im Juli und August 1941 dort vorgegangen war, ist 414 yıerzeHNTES unaufgekl lang es' Eine Anz Iager in Septembe waren iM Juden au: schen De! sein. Im Oktob nach„de sklavung ganzen e scher Mi 21.000 rei Jasenova (Zara), int ein Asyl und Susa oder in‘ „Militärz« auf freien Rademac Kroatien reitwilligl teln“ geg so weit. E dazu, da der deut: der drei, Gegen d Militärve Widersp tele mit/ * Dieter W Auschwitz| RSHA, die Zahl der ai restlichen z Worden, 294 OSUNG Q-Par. 'schen ng es ielen, N des ® und Küste 34 auf Jroßer Nnten, ls ein ochter einem . Kva- ischen Frank, alten- hatte, desto- Idung ermö- ‚digen m der ıf aus- m Ber- Viener ischen .n Ser- terniks nd die st der hische lorste- jdisch- jr dem h 1140 var, Ist VIERZEHNTES KAPITEL 2. JUGOSLAWIEN(KROATIEN) unaufgeklärt geblieben. Aber etwa 2000 Juden aus Sarajewo ge- lang es, nach Cattaro(Kotor) und nach Albanien zu enifliehen. Eine Anzahl von ihnen wurde in Süditalien in einem Flüchtlings- lager in Ferramonte-Tarsia interniert und von den Alliierten im September 1943 befreit; einige flohen nach Triest. Die Massaker waren im Jahre 1941 nicht abgeschlossen, denn einige Hundert Juden aus Sarajewo sollen während der zweiten kroatisch-jüdi- schen Deportation im Mai 1943 nach Auschwitz gebracht worden sein. Im Oktober 1941, als die ersten Deportationen aus Deutschland nach„dem Osten“ organisiert wurden, hatte Paveli& die Ver- sklavung und Enteignung der kroatischen Juden im großen und ganzen erreicht, abgesehen von den Gebieten, die unter italieni- scher Militärregierung geblieben waren. Etwa ein Drittel der 21 000 registrierten kroatischen Juden wurde in Arbeitslagern in Jasenova&, Laborgrad und auf der Insel Pag, nördlich von Zadar (Zara), interniert2. Erwa die gleiche Anzahl hatte bei den Italienern ein Asyl gefunden, entweder in den Städten Laibach(Ljubljana) und SuSak(bei Fiume), die als Teile Italiens behandelt wurden, oder in Split(Spalato), Dubrovnik(Ragusa) und Mostar in der „Militärzone II”. 4000 Juden befanden sich noch in Agram(Zagreb) auf freiem Fuß%, Rademacher, der für eine Ausdehnung der Deportationen auf Kroatien eintrat, äußerte sich positiv über diese Beweise der Be- reitwilligkeit der kroatischen Regierung,„mit den schärfsten Mit- teln“ gegen die Juden vorzugehen 7. Aber Paveli& war noch nicht so weit. Erst im August und September 1942 gab er die Zustimmung dazu, daß Franz Abromeit, ein Beamter in Eichmanns Dienststelle, der deuisch-kroatischer Abstammung war, mit dem Auskämmen der drei Arbeitslager für Polen beginnen konnte*. Gegen diese Deportierungen, die nicht aus dem unter italienischer Militärverwaltung befindlichen Gebiet stammten, gab es keinen Widerspruch von italienischer Seite. Die Regierung Pavelic arbei- tete mit Abromeit und dessen Abteilung in Eichmanns Kommando * Dieter Wisliceny sagte in Nürnberg aus, daß Abromeit bloß zwei Transporte für Auschwitz aufbringen konnte, die 3000 Juden umfaßten, aber die Angaben des RSHA, die Dr. Korherr Himmler sandte, erscheinen glaubwürdiger. Sie beziffern die Zahl der aus Kroatien im Jahre 1942 Deportierten mit 49272, Wahrscheinlich sind die restlichen zweitausend zusammen mit slowakischen Juden in den Distrikt Lublin geschafft worden. 28* 415 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG über den Innenminister Andrija Artukovid. Letzterer wurde im Mai 1951 als Inhaber eines Buchladens in Surfside, Los Angeles, entdeckt; er war in die Vereinigten Staaten unter dem Namen Anic eingereist. Daß solche Dinge möglich waren, ist nicht über- raschend, wenn man sich vergegenwärtigt, daß selbst Ante Pavelie und Dido Kvaternik, der Sohn Slavko Kvaterniks, der Sicherheits- minister gewesen war, friedlich in Argentinien leben können?. Pavelie hielt sich bis Ende 1947 in Österreich und bis Ende 1949 in Italien versteckt. Nachdem er von Mussolini von 1930 bis 1940 unterstützt worden war, genoß er als möglicher Gegenspieler zu Tito neuerlich italienische Gastfreundschaft. 1951 bildete er in Süd- amerika eine kroatische Schattenregierung. Als von deutscher Seite die Deportierung der Juden in der italieni- schen Militärzone Il verlangt wurde, gab es italienische diploma- tische Opposition und später im Einklang mit seiner Politik, die Italiener gegen die Deutschen auszuspielen, Opposition auch von Pavelic. Das ist eines jener überraschenden Vorkommnisse, durch die die toten Papiermassen der im Wilhelmstraßen-Prozeß 1948/1949 verwendeten Beweisstücke hin und wieder Leben be- kamen. Zur Meisterung der diplomatischen Finessen im Verkehr mit Kroa- tien hatte Ribbentrop im April 1941 Siegfried Kasche ausersehen, einen grobschlächtigen Parteifanatiker mit buschigen Augen- brauen®. Wie seine Gesandtenkollegen auf dem Balkan, Killin- ger, Jagow, Beckerle und Ludin, war auch Kasche während des Röhmputsches im Juni 1934 nur knapp dem Tod entgangen 3!*. So wie die anderen wurde auch er von dem überehrgeizigen Martin Luther aus der Dunkelheit geholt. Wie sich dieser„alte Kämpfer” in dem Doppelberuf des Polizisten und Diplomaten bewährte, soll im folgenden geschildert werden. Kasches erster Bericht über Schwierigkeiten mit den Italienern stammt vom 24. Juli 1942. General Roatta, der Befehlshaber der Zone Il, hatte erklärt, die Ehre der italienischen Armee würde es nicht erlauben, 4000 bis 5000 Juden, die in Dubrovnik und Mostar Asyl gesucht hatten, zu deportieren. Roatta hatte sogar dem deut- schen Generalinspekteur der Organisation Todt verwehrt, über * Hans Gisevius hat an dem ereignisreichen 30. Juni Kasche als Gruppenführer der SA in Görings Haus auf dem Leipziger Platz gesehen. Er war ein Gefangener, der er- schossen werden sollte. Aus irgendeinem Grunde wurde er begnadigt und nach einigen Wochen Aufenthalt in einem Konzentrationslager freigelassen. 416 yIERZEHNTE: Wohnung Beschwert Grafen C Ergebnis schen dip wurde, di schen Ar könne”. wurde, Ve Einwendu In diesen durch Mu verhinder der Juden in der Zo ten, sollte den. Die 24, Septei die für H übergebe Divisione zone stal sollten®, Er empfin daß Pave schen Wi Am 14.( Kosak mi die Festn deportier erzählte ı andere C mit dem Juden ül jüdische Polen en fort an R seiundo Das italie LOSUNG rde im ngeles, amen t über. Pavelie Srheits- Inen?, le 1949 is 1940 eler ZU in Süd- talieni- ploma- ik, die ich von ‚ durch rozeß en be- - 'sehen, Äugen- Killin- nd des 3]* So Martin mpfer" te, soll lienern er der irde es Mostar n deut- }, über r der SA ‚ der er- h einigen VIERZEHNTES KAPITEL 2. JUGOSLAWIEN(KROATIEN) Wohnungen von Juden zu verfügen?2. Auf Grund von Kasches Beschwerde sprach Fürst Otto von Bismarck am 17. August beim Grafen Ciano im italienischen Außenministerium vor. Das einzige Ergebnis war, daß Kasche drei Tage später von seinem italieni- schen diplomatischen Kollegen Casertano in Agram unterrichtet wurde, daß die Angelegenheit den Wirkungskreis der italieni- schen Armee überschreite und nur in Rom geregelt werden könne®®. Als Kasches Vorschlag von Casertano weitergeleitet wurde, versah ihn Mussolini mit den ominösen Worten„keine Einwendung”%. In diesem kritischen Augenblick wurden alle weiteren Schritte durch Mussolinis Schwiegersohn und Außenminister Graf Ciano verhindert. Er wies General Roatta an, eine genaue Registrierung der Juden durchzuführen. Alle Juden, die irgendwelche Bindungen in der Zone hatten, die die Italiener zu annektieren beabsichtig- ten, sollten von der Deportierungsanordnung ausgenommen wer- den. Die Registrierung dauerte so lange, daß Ribbentrop am 24. September Kasche den Entwurf einer Denkschrift übersandte, die für Hitler bestimmt war und die dieser Mussolini persönlich übergeben sollte. Ribbentrops Vorschlag war, daß zwei deutsche Divisionen und eine SS-Standarte, die in der italienischen Militär- zone stationiert würden, bei den Deportationen behilflich sein sollten®. Aber Hitler kam damals nicht mit Mussolini zusammen. Er empfing am nächsten Tag Paveli& und war offenbar überzeugt, daß Paveli& in der Lage sein würde, die Juden trotz des italieni- schen Widerstandes festzunehmen. Am 14. Oktober berichtete Kasche, daß ihm der Finanzminister Kosak mitgeteilt habe, die kroatische Regierung würde nicht nur die Festnahmen durchführen, sondern den Deutschen für jeden deportierten Juden noch 30 Mark zahlen. Aber sechs Tage später erzählte der kroatische Außenminister Lorkovi& Kasche eine ganz andere Geschichte. Die Regierung habe sich an den Grafen Ciano mit dem Vorschlag gewendet, daß die italienische Regierung die Juden übernehmen solle, während dem kroatischen Staat das jüdische Eigentum zufallen sollte, so daß den Juden das sie in Polen erwartende Schicksal erspart bliebe%. Kasche drahtete so- fort an Ribbentrop, daß die Gesandtschaft hintergangen worden sei und offenbar der Vatikan am Werk gewesen wäre. Das italienische Außenministerium war nicht bereit, den Vorschlag 417 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG von Paveli& anzunehmen. Italien, wurde erwidert, sei nicht Pa- lästina. Fürst Otto von Bismarck wurde darum mitgeteilt, daß Ju- den mit einer Bindung an die„eingegliederten Gebiete“ dort interniert würden und daß man den Rest Paveli& übergeben werde, worauf sich die kroatische Regierung darüber beschwerte, daß sie so um das Vermögen der von den Italienern internierten Juden kommen würde. Die Verwirrung im deutschen Auswärtigen Amt wurde noch erhöht, als Kasche am 10. November erfuhr, daß die italienische Regierung, obwohl sie nach außen hin Pavelics Ange- bot abgelehnt hatte, einige Juden nach Italien gebracht hatte, und zwar nach Porto Re in Istrien 7. Zwei Tage später sah sich Kasche genötigt, mit Eichmann persönlich in Verbindung zu treten. Die Juden, die die Kroaten in Dubrovnik und Mostar für die Depor- tation nach Auschwitz festgenommen hatten, waren von den Ita- lienern auf Lopud, Kor&ula(Curzola) und anderen Inseln sowie in Hotels auf dem Festland interniert worden®. Aber weder die Internierung auf den Inseln noch in Porto Re war ein genügender Schutz. Fürst Bismarcks Vorschlag D’Ajeta gegenüber am 10. Dezember ging dahin, daß alle internierten Juden nach Triest gebracht werden sollten— wahrscheinlich, weil Triest eine direkte Eisenbahnverbindung mit Auschwitz und Polen besaß. Die italienische Antwort war, daß kein Schiffsraum für die Beförderung der Juden nach Triest verfügbar sei. Die vielfach auf Hörensagen beruhenden Quellen, die Jacques Sabile zitiert, führen das auf einen Einfall Mussolinis zurück*. Aber man darf nicht übersehen, um was für einen tragisch-kleinen Teil der Opfer der Endlösung es bei all diesen diplomatischen Auseinandersetzungen auf höchster Ebene ging! In der Militär- zone Il wurden insgesamt 2662 Juden festgenommen, und 863 von ihnen wurden als italienische Bürger wieder entlassen*". In den nächsten Monaten mußte Kasche alle Energie daransetzen, seinen Anteil an Juden für Eichmann zwar nicht von den Italienern, sondern von Paveli& zu erhalten. Ein gewisser SS-Sturmbann- führer Helm von der Gestapo wurde als Polizeiattache nach Agram geschickt, und am 4. März konnte Kasche an Rademacher berichten, daß innerhalb von zehn Tagen die Deportierung von 2000 kroatischen Juden in kleinen Gruppen möglich sein werde®'. Die Deportierungen hielten bis zum Mai an, in welchem Monat 400 Juden aus Agram verschickt wurden#2, Aber ebenso wie die 418 yıgrzehNTE Slowaken olsein H es dem ı Sendunge üüdische erfuhr Ko Kinder, d kroatische Pavelic h Hitler in I eines„B! schaftsge! tisanen S( jionen de unterschri interniert Arbeitsla sichtigen‘ Städten; Juden.. Kroatien kein Ersa Untersuch der Rest gebracht sie erhiel Sendung: in Agrar Kriege®, Das Schi den muß Monaten waren il Quarner. Rossi, de komman " Von allen Nigsten bek ind die du, lebendent, DSUNG ht Pa- aß Ju- “ dort Nerde, , daf Juden n Amt aß die Ange. €, und \asche n. Die Jepor- en Ita- sowie rto Re "Ajeta ierten h, weil | Polen für die ıch auf zitiert, kleinen tischen Militär- 63 von setzen, jenern, nbann- s nach macher ng von ‚erde‘. Monat wie die VIERZEHNTES KAPITEL 2. JUGOSLAWIEN(KROATIEN) Slowaken und Rumänen hatten auch die Kroaten jetzt die Juden als ein Handelsobjekt entdeckt*. Vom gleichen Monat an gelang es dem„American Joint Distribution Committee”, regelmäßige Sendungen von Lebensmitteln und ausländischem Geld an die jüdische Gemeinde in Agram gelangen zu lassen%, und im Juli erfuhr Kaltenbrunners Dienststelle, daß 800 jüdische Frauen und Kinder, die Paveli& hätte deportieren sollen, sich immer noch in kroatischen Lagern befanden*#. Paveli& hatte sich inzwischen sehr verändert. Am 27. April, als er Hitler in Klessheim besuchte, hatte er sich bereits den Spitznamen eines„Bürgermeisters von Agram” erworben, weil sein Herr- schaftsgebiet sich inzwischen durch die Tätigkeit von Titos Par- tisanen so verkleinert hatte%. Von da an verfolgte er die Reak- tionen der westlichen Alliierten sehr wachsam. Im Januar 1944 unterschrieb er die Konventionen des Roten Kreuzes über Zivil- internierte, und im Juli wurde es dem Roten Kreuz gestattet, Juden- Arbeitslager in Jasenova&, Stara-Gradiska und Gredjani zu be- sichtigen 7. Es gab immer noch Juden in Agram und anderen Städten; im April beschwerte sich Kasche, daß deutsche Ämter Juden„zu amtlichen und wirtschaftlichen Erledigungen” nach Kroatien geschickt hätten und daß für viele öffentliche Stellungen kein Ersatz für Juden zu finden sei*. Kaltenbrunner ordnete eine Untersuchung dieser Sache an, aber erst im Oktober 1944 wurde der Rest der Agramer jüdischen Gemeinde in Internierungslager gebracht. Auch dann mußten die Juden Agram nicht verlassen, und sie erhielten bis zum Ende des Krieges Lebensmittel und andere Sendungen aus dem Ausland. Im Januar 1946 gab es aber offiziell in Agram nur mehr 1647 Juden gegenüber 12315 vor dem Kriege*. Das Schicksal der von den Italienern geschützten kroatischen Ju- den muß auch noch erwähnt werden. Im Juni und Juli 1943, nach Monaten der Registrierung und Einstufung, wurden sie alle— es waren ihrer weniger als 2000— auf die Insel Arbe(Rab) im Quarnero bei Fiume gebracht. Am 19. August drahtete Augusto Rossi, der Außenminister der Badoglio-Regierung, dem Militär- kommandanten in Zone Il, daß diese Juden unter allen Umständen * Von allen nationalen Gruppen in Auschwitz ist über die kroatischen Juden am we- nigsten bekannt. Sie werden in der Schilderung von Dr. Ella Lingens-Reiner erwähnt, und die durch einen Geheimsender verbreitete Liste enthält die Namen von 550 Über- lebenden®, 419 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG vor der kroatischen Regierung geschützt werden müßten®®. Drei Wochen später hatte die Militärzone Il zu bestehen aufgehört. Die Deutschen hatten die ganze Küste besetzt, die Juden auf der Insel Arbe zerstreuten sich; einigen von ihnen gelang es, auf Fischer- booten nach Bari in Italien zu kommen, aber die meisten gingen in das von den Partisanen besetzte Gebiet. Im Januar 1944 depor- tierten die Deutschen 400 ältere Menschen, die in Arbe geblieben waren, und weitere Gruppen von älteren Menschen, die in Lika, in dem von Partisanen besetzten Gebiet, in ihre Hände gefallen waren. Die arbeitsfähigen unter ihnen wurden im Lager Banjica als Partisanen erschossen®!. 3. Griechenland In vielen Beziehungen gleicht die jüdische Tragödie in Griechen- land dem, was sich in Jugoslawien abgespielt hat. Im Jahre 1941 gab es wohl nicht viel mehr Juden in Griechenland, als gelegent- lich der Volkszählung von 1931 festgestellt worden waren, nämlich 67 200. Nach den offiziellen Zählungen von 1945 hatten wenig mehr als 10000 den Krieg überlebt52. In diesem Falle dürfte es sich— anders als im Falle Jugoslawiens— um wirklich endgültige Zahlen handeln, da die vollständige Zerstörung der großen jüdi- schen Gemeinde in Saloniki leider außer Zweifel steht. Wenn man deutscherseits im März 1943 der Ansicht gewesen sein sollte, daß die deutsche Besetzung Griechenland von der Gefahr einer jüdischen Umklammerung rettete, war das schon deshalb irrig, weil die jüdische Gemeinschaft in Griechenland ohnehin in raschem Rückgang begriffen war. Zwei Drittel der griechischen Juden lebten in Saloniki, der einzigen Niederlassung spanischer Juden aus der türkischen Zeit her, die seit der Gründung des grie- chischen Königreiches sich eines gewissen Wohlstandes erfreut hatte. Aber im 20. Jahrhundert setzte eine rückläufige Bewegung ein. Im Jahre 1900 bildeten die Juden mit 80000 noch die Hälfte der Bevölkerung der Stadt; am 9. April 1941 dürfte Saloniki 260.000 Einwohner gehabt haben, von denen nur 46000 Juden waren 3. Durch Armut und auch durch ein gewisses Ausmaß von Antisemitismus, der sich nach der Vertreibung der türkischen Be- völkerung in den Jahren 1923 und 1924 verstärkt hatte, war ein Teil der Juden zur Auswanderung gezwungen worden. Aber in Saloniki konnten die Nationalsozialisten nicht darauf rechnen, 420 rzenNTES doß die ei Darum WO gezögen Deportatii Ahgesehe schen Wü gemeinde gellter Jut iydenfeinc Juden von Hungergh ter beraul pflegte, U Sicht. Obv ter Zusich schen Bev geschickt gab einen die deutsc davon ak Juden im nisation T hungerten finden,$c verkauft, waltung,| ganzen G Drachmen Die Durch ebenso hi Spuren de schließlich der Meta ferntS, al eine vorlä Mann zu Rolf Günt durchgefi eintrat 56, OSUNG \ Drei rt. Die T Insel scher. gen in depor- lieben 1 Lika, fallen Janjica echen- e 194] egent- ämlich wenig rfte es Jültige n jüdi- n sein >efahr eshalb hin in ischen nischer s grie- arfreut egung Hälfte ıloniki Juden ı von en Be- ar ein ber in chnen, VIERZEHNTES KAPITEL 3. GRIECHENLAND daß die einheimische Bevölkerung für sie die Arbeit leisten werde. Darum wohl haben sie mit der Durchführung der Endlösung lange gezögert. Sie setzte erst ein Jahr nach dem Abgang der ersten Deportationszüge aus Frankreich und der Slowakei ein. Abgesehen von der zum Ritual gehörenden Festnahme von jüdi- schen Würdenträgern und der Verwandlung des Rates der Kultus- gemeinde in eine Körperschaft, die wie ein von deutscher Seite be- stellter Judenrat aussah, gab es bis Juli 1942 keine besonderen judenfeindlichen Maßnahmen. Aber im Winter 1941/42 hatten die Juden von Saloniki kaum ein besseres Los als ihre Brüder in den Hungerghettos Polens. Die Besetzung hatte Griechenland der Gü- ter beraubt, die es im normalen Warenaustausch zu erhalten pflegte, und im November 1941 war eine Hungersnot bereits in Sicht. Obwohl die britische Regierung im März 1942 nach erfolg- ter Zusicherung von Feindesseite, daß die Sendung der einheimi- schen Bevölkerung zugutekommen werde, Weizen nach Athen geschickt hatte, hungerten 20000 der Juden in Saloniki, und es gab einen Ausbruch von Flecktyphus*. Diese Situation hat aber die deutschen Beamten der„Militärverwaltung Ost-Ägäis” nicht davon abhalten können, im Juli Zwangsarbeit für männliche Juden im Alter von 18 bis 45 Jahren anzuordnen. Die Orga- nisation Todt hatte jedoch Schwierigkeiten, unter diesen halbver- hungerten Menschen 3000 bis 4000 Leute für Eisenbahnbauten zu finden. Schließlich wurden im Oktober Befreiungsscheine offen verkauft, und Dr. Merten, Kriegsverwaltungsrat in der Militärver- waltung, hob die Arbeitsverpflichtung gegen Zahlung einer der ganzen Gemeinschaft auferlegten Kontribution von 2,5 Millionen Drachmen auf. Die Durchführung der Endlösung in Saloniki wurde deutscherseits ebenso begonnen wie in Polen, nämlich durch Zerstörung aller Spuren der jüdischen Geschichte, der Archive, Gebetsrollen und schließlich der Grabsteine. Sie wurden am 6. Dezember zugunsten der Metallsammelaktion vom großen Friedhof in Saloniki ent- fernt55, als SS-Sturmbannführer Wulff von Eichmanns Dienststelle eine vorläufige Schätzung durchführte. Bald darauf erschien Eich- mann zu einem kurzen Besuch und brachte seinen Adjutanten Rolf Günther mit. Die Deportationen wurden von Dieter Wisliceny durchgeführt, der mit Anton Brunner am 6. Februar 1943 aus Wien eintraf®%, 42] DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG Nun kamen die einleitenden Schritte in rascher Folge: die Anord- nung zum Tragen des Judensterns am gleichen Tage und die Schaffung eines Ghettos drei Wochen später— tatsächlich wurden drei Ghettos geschaffen, wobei eines davon, das„Baron-Hirsch- Viertel“, in das man Juden aus dem mazedonischen Hinterland schaffte, umfriedet wurde 7. Es handelte sich um ein Baracken- lager, in der Nähe der Eisenbahnstation gelegen, das im Jahre 1903 für die jüdischen Flüchtlinge vor den Pogromen in Mohilew und Kischinew angelegt worden war und später 2000 der ärmsten Bewohner Salonikis als Behausung diente. Während man dort die notwendigen Änderungen durchführte, machten es sich Wisliceny und seine Helfer in zwei Villen aus jüdischem Besitz im Hodos Velissarion bequem, die sie nach eigenem Geschmack so ein- richteten, als ob es sich um Bordelle in Port Said gehandelt hätte®®. Michael Molho berichtet, daß Wisliceny den Eindruck eines kern- gesunden und wohlgenährten Genießers machte— ein ganz an- derer Wisliceny als der, der im Jahre 1948 beim Prozeß in Preßburg auftrat(siehe$. 439, Fußnote). Aber selbst zu dieser Zeit verstan- den die Juden von Saloniki nicht, was seine Anwesenheit für sie bedeutete, obwohl man am 14. März erfuhr, daß 2800 Juden aus der Provinz, die man in das Baron-Hirsch-Ghetto gezwungen hatte, nach Krakau geschickt werden sollten. Ein aus 40 Güter- wagen bestehender Zug brachte sie am nächsten Tag fort. Von da an wurde das Baron-Hirsch-Ghetto abwechselnd gefüllt, ge- leert und wieder gefüllt, und bis zum Ende des Monats hatte man 13435 Juden in 5 Zügen weggeschafft?. Mitte Mai, als man die für die Organisation Todt Verpflichteten deportierte, war der Großteil der Juden Salonikis bereits fort, 42830 Menschen in 16 Zügen©), Der 1500 km weite Weg nach Auschwitz oder der 1800 km weite Weg nach Lublin oder Treblinka nahm sieben bis neun Tage in Anspruch*. Die Deportierten bekamen Lebensmittel für zehn Tage, hauptsächlich Brot, Dörrobst und Oliven. Ein sehr bedeut- sames Detail kam in Nürnberg zutage, als Wisliceny erwähnte, * Nach dem Bericht der im Jahre 1945 vom Gericht in Siedlice abgehaltenen Untersu- chungskommission kam ein Transport aus Saloniki am 26. März im Todeslager Treblinka an. Es muß sich um den zweiten Transport gehandelt haben, der das Baron-Hirsch- Ghetto am 17. März verlassen hatte®!, 422 ıerzeHNTES daß der P der Wehr seit Oktol rots oder Wien zurü horateur 2 Monasteri Farben$t Polizeisch tauens Kı stand gegı ten ein be einige heil Krakau" 0 natürlich c überlebter zutellung Juden aus Vaillant-C namens W aus Salon! nachzufol bert Men Koretz, d seien, um rischen O nicht eins Baron-Hi festgehal schichte: SUNG ord. | die rden rsch- land ken- ahre ilew sten t die ceny odos ein- ndelt kern- z on- ‚burg stan- jr sie n aus ngen üter- ‚ Von t, ge- man n die r der en in weite ige in zehn :deut- ihnte, Intersu- ‚eblinka „Hirsch- VIERZEHNTES KAPITEL 3. GRIECHENLAND daß der Proviant und die Güterwagen vom Transportkommando der Wehrmacht zur Verfügung gestellt wurden®2. Seit Oktober 1942 war Rabbiner Koretz Vorsitzender des Juden- rats oder„Judenältester”; da er deutscherseits einige Monate in Wien zurückgehalten worden war, stand er im Verdacht, ein Kolla- borateur zu sein. Als er dann am 17. März in einer Rede in der Monasteriotes-Synagoge das neue Leben in Polen in den schönsten Farben schilderte, wurde das so übel aufgenommen, daß er Polizeischutz in Anspruch nehmen mußte. Aber trotz des Miß- trauens Koretz gegenüber gab es kaum einen wirklichen Wider- stand gegen die Deportationen. Man nahm an, daß die Deportier- ten ein besseres Los haben würden als die Zwangsarbeiter, und einige heirateten, um in die Deportationszüge nach dem„Ghetto Krakau” aufgenommen zu werden#. Von deutscher Seite wurden natürlich allerhand Tricks gebraucht. Einige Zeugen, die Auschwitz überlebten, behaupteten, daß ihnen Bescheinigungen über Land- zuteilung in der Ukraine gezeigt worden waren, die von den Juden aus Saloniki in das Todeslager mitgebracht wurden. Frau Vaillant-Couturier hat schwindelhafte Ansichtskarten eines Ortes namens Waldsee beschrieben, mit deren Hilfe man die Jüdinnen aus Saloniki veranlaßte, ihre Angehörigen dazu zu bringen, ihnen nachzufolgen 6. Ein anderes Schwindelmanöver wird von Dr. Al- bert Menasche beschrieben. Dr. Merten versicherte dem Rabbiner Koretz, daß die Deportationen nur eine Sicherheitsmaßnahme seien, um des Kommunismus Verdächtigte aus der Zone der militä- rischen Operationen zu enifernen; sie würden die Mittelschichten nicht einschließen. So wurden 900 Intellektuelle und Bemittelte im Baron-Hirsch-Ghetto nach dem Abtransport der Todt-Arbeiter festgehalten. Und dann erzählte man ihnen eine ganz andere Ge- schichte: als privilegierte Juden würde man sie nach dem„freien Ghetto” Theresienstadt bringen. Der Zug, der 820 von ihnen am 1. Juni fortbrachte, ging in Wirklichkeit nach Auschwitz©. Die Todt-Arbeiter gingen Mitte Mai weg. Die neutralen Vertreter des Roten Kreuzes, die nach ihnen sahen, versuchten, ihnen Milch an die Züge zu bringen, wurden aber daran gehindert— und noch mehr Hindernisse legte man den Rote-Kreuz-Vertretern in Deutsch- land in den Weg, die, wie im Falle der im Jahre 1941 nach Maut- hausen geschickten niederländischen Juden, versucht hatten, ihren Verbleib festzustellen. Im Endergebnis trug dieser Mißgriff dazu 423 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG bei, daß die Welt von diesen Vorgängen zunehmend Kenntnis erhielt, ein Ergebnis, das Eichmanns Dienststelle vielleicht nicht vorausgesehen hatte&, Die Überlebenden der Deportationen nach Auschwitz, Treblinka und Lublin kann man an den Fingern einer Hand abzählen. Die Reise allein, die etwa sieben bis zehn Tage dauerte, während der 60 bis 65 Menschen ohne Rücksicht auf Alter, Gesundheit oder Geschlecht in fast unlüftbaren Viehwagen befördert wurden, aus denen sie sich auch nicht für eine Minute entfernen konnten, muß an sich schon viele dahingerafft haben. Überdies befanden sich die meisten der Juden aus Saloniki schon bei Antritt der Reise in schlechtem Gesundheitszustand. Höss, der Kerkermeister von Auschwitz, sagte Wisliceny, daß sie alle in so schlechtem Zu- stand seien, daß man sie ausrotten müsse#7, wobei er offenbar nicht daran dachte, sie alle gleichzeitig zu vergasen. Es gab immer Selektionen für das Lager Birkenau, in das z. B. mehr als die Hälfte des„Intellektuellen-Transportes” vom 1. Juni aufgenommen wor- den war. Bei seiner Ankunft fand Dr. Menasche Birkenau voll mit Juden aus Saloniki, die an dem Bau einer neuen Abteilung des Lagers, die als D II bekannt war, arbeiteten 8. Aber die 4000 grie- chischen Juden, die man Ende Oktober zur Verstärkung der Juden aus Holland in das Arbeitslager im Warschauer Ghetto geschickt hatte, stammten aus den Transporten, die viel gesündere Men- schen enthielten und die von den Bulgaren in Thrazien und Maze- donien zusammengestellt worden waren. Eine andere Gruppe von Deportierten aus Saloniki, die man nicht in die Gaskammer schickte, bestand aus Jüdinnen, welche man den Sterilisierungs- experimenten der Ärzte Clauberg und Horst Schumann im Block 10 des Auschwitzer Hauptlagers vorbehielt(siehe S. 198). Aber die Juden aus Saloniki brachten Flecktyphus nach Auschwitz, der zu der ärgsten Seuche führte, an der das Lager je gelitten hatte. Birkenau kam im Juni unter Quarantäne, und drei Wochen lang trafen keine Transporte ein. Drei Monate später entschied Höss, daß alle Juden aus Saloniki liquidiert werden müßten, und diejenigen, die die Typhusepidemie überstanden hatten, fielen meistens den großen Selektionen im September und Oktober zum Opfer, die sowohl Kranke als auch Gesunde um- faßten 70*, * Die meisten der Transporte vom Juni 1943 wurden nach Sobibor und Lublin geleitet. 424 ERZEHNTES Wisliceny Ende der- ı0, März zirken VO! Tuberkulos durch Fern Preis vor 5 yentionen Rechtsanw Deportatio poulos eine einer griec | vom Metrc stützt, Er st nern besel; schen Vern solle. Aber setzten Zo sützung de Thrazien v diese Lösur ersucht hätt das Ghett werde. Nic deutschen ohne Befr Wesen war| VIERZEHNTES KAPITEL 3. GRIECHENLAND Wisliceny versuchte in Nürnberg, seine Schuld an dem tragischen Ende der Juden von Saloniki zu leugnen. Er habe, sagte er, am 10. März 1942 Eichmann unterrichtet, daß in den jüdischen Be- zirken von Saloniki Flecktyphus herrsche und viele Fälle von nfnis nicht li hi! Tuberkulose festgestellt worden seien. Aber Eichmann habe ihm rend durch Fernschreiben geantwortet, daß die Umsiedlung um jeden dhet IM Preis vor sich gehen müsse’?!. Es gab auch eine Reihe von Inter- rden. I ventionen seitens griechischer Persönlichkeiten. So hat z. B. die ne Rechtsanwaltskammer von Saloniki einige Tage nach der ersten nen Deportation dem griechischen Ministerpräsidenten Logotheto- hei poulos eine Petition überreicht, die die Internierung der Juden auf u einer griechischen Insel verlangte. Dieser Plan wurde in Athen 7 vom Meitropoliten Damaskinos, dem späteren Regenten, unter- ZU. n.& 5 stützt. Er schlug vor, daß man eine der größeren von den Italie- I. nern besetzten Inseln dazu verwenden und zugleich aus dem jüdi- älfe schen Vermögen einen Fonds zur Erhaltung der Juden schaffen FR solle. Aber der griechische Gouverneur der von Deutschland be- mit setzten Zone, Simeonides, wollte diese Summen für die Unter- Sn stützung der griechischen Flüchtlinge haben, die die Bulgaren aus EN Thrazien vertrieben hatten. Logothetopoulos war auch mehr für diese Lösung eingenommen. Er erklärte, daß Simeonides ihn nicht n 1 ersucht hätte, bei den deutschen Stellen zu intervenieren, und daß Er das Ghetto in Saloniki für die Flüchtlinge aus Thrazien benötigt 2 werde. Nichtsdestoweniger beschwerte sich Logothetopoulos beim ns deutschen Gesandten Altenburg, daß Simeonides jüdischen Besitz ohne Befragung der griechischen Regierung beschlagnahmt I habe 72. nos Rhallis, der Nachfolger von Logothetopoulos, kam im April nach «ll Saloniki, und Rabbiner Koretz bestürmte ihn wieder, sich für die | Unterbringung auf einer Insel einzusetzen. Er wurde deshalb von nach Merten aus seinem Amt entfernt und im Baron-Hirsch-Ghetto inter- ager| niert. Koretz, der vorher Rabbiner in Berlin-Charlottenburg ge- drei wesen war, ist während der Typhusepidemie in Belsen zugrunde säler gegangen. Seit der Ankunft von Eichmanns Deportationskommis- = sion war Merten nicht länger daran interessiert, mit dem Judenrat nden | Im Juli wurden etwa 2800 Juden von Lublin nach Auschwitz weitergeschickt. Die Epidemie und| hatte offenkundig die Zahl der Arbeitskräfte in Birkenau so sehr herabgesetzt, daß der um- zweite Transport fast vollzählig in die Lagerbücher aufgenommen wurde.(Siehe 5. 332). Die auf diesen besonderen Fall Bezug nehmenden Dokumente sind in dem Werk „Dokumenty i Materialy” enthalten 7%. leitet: 425 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜUHRUNG DER ENDLOSUNG zu einer Einigung zu kommen. Wisliceny führte das darauf zurück, daß Merten ein privates Interesse an den Deportationen besaß. Auf dem Wege über Saloniki bekam die Militärverwaltung die Aufsicht über die Häuser aus jüdischem Besitz, und auf dem Wege über die Sicherheitspolizei setzte sie sich in den Besitz der Geld- summen, die die Deportierten abzuliefern hatten. Wisliceny be- ziffert die Gesamtsumme mit 280 Millionen Drachmen, was einem Betrag von etwa 11 Millionen DM entspricht’?. Nachdem sich die Intervention der griechischen Quisling-Regie- rung als erfolglos erwiesen hatte, konnten die Juden aus Saloniki nur noch die Hilfe Italiens oder neutraler Staaten anrufen. Grie- chenland südlich von Larissa war von den Italienern besetzt, und dort gab es zumindest einen Schutz gegen Deportierungen. Schon im Oktober 1942 hatte sich Luther bei Ribbentrop beschwert, daß die Vorschriften über Arbeitspflicht, die Merten und Simeonides herausgegeben hatten, die reichen Juden aus Saloniki zur Flucht in das von den Italienern besetzte Gebiet veranlaßt hätten”*. Am 6. März 1943 beauftragte Kaltenbrunner Luther, dafür zu sorgen, daß die beim italienischen Konsulat registrierten Juden aus Salo- niki nicht als voll berechtigte italienische Bürger anerkannt wür- den,„da die Deportierungen in wenigen Wochen beginnen sol- len“ 75. In dieser Sache war weder Luther noch sein Amtsnachfolger von Thadden erfolgreich, und die deutschen Dienststellen waren in der Zeit vor dem Waffenstillstand vom 8. September 1943 niemals in der Lage, Juden mit italienischen Papieren aus den verschiede- nen deutschbesetzten Ländern zu deportieren. Dank italienischer Interventionen haben 551 Juden aus Saloniki die erste Deportie- rungswelle überlebt und erhielten Ende Juni die Bewilligung, nach Athen abzureisen®. Darunter befanden sich viele Frauen, die vom italienischen Konsul Castrucci im letzten Augenblick aus dem Baron-Hirsch-Ghetto befreit worden waren. Einer anderen, wahr- scheinlich noch größeren Gruppe gelang es, die italienische Demarkationslinie heimlich zu überschreiten*. * In Plati, wo die italienische Zone begann, erlaubte man Flüchtlingen aus Saloniki, die italienischen Militärzüge nach Athen zu benützen. General Carlo Geloso von der italienischen Xl. Armee sagte in einem Memorandum an das italienische Kriegsministe- rium, daß er beim Beginn der Deportationen von Generaloberst Alexander von Löhr, dem Befehlshaber des„Kommandos Ost-Agäis”, aufgefordert wurde, bei der Beseitigung der Juden aus Griechenland mitzuwirken, daß er aber geantwortet habe, daß er ohne Zustimmung seiner Regierung nichts tun könne. So wie im Falle von Kroatien wurde die Angelegenheit mit dem italienischen Außenministerium auf diplomatischem Wege 426 \ Nachdem da \ nzennmes N \ Wie Immer, Juden sich V mochten, die sofort auf de gen Ende Ar Saloniki nich Regierung, Iferesse Spc his zum Endı hewußfsein€ orstes Land F chm, Damal otomanische \onnten, die nöglichte. D schutz genos die spanische nische Staatsl unklarer Wei ine kleine Z nische Pässe« franco am 2 finer alten Ti frobleme de neistern. Für ehr" nach$ Angebot an dung von ih Jpanien ges behandeln,$ Iergen-Belse üischen Ang “handelt, Das age, und diese “porlierungen v einem Regie. 1loniki Grie. t, und Schon t, daß onides Flucht 4 An orgen, 5 Salo- 1 wür- en sol nfolger ren in iemal chiede- nischer portie- g, nach lie von js dem , wahr enische Salonik 0 von def gsminist“ von Löht eseitigung ß or ohne ion wurd em Wet nn VIERZEHNTES KAPITEL 3. GRIECHENLAND Wie immer, rief auch diesmal die Tatsache, daß einige wenige Juden sich vor Mißhandlung und langsamem Tod zu retten ver- mochten, die Berufsdiplomaten des Berliner Auswärtigen Amtes sofort auf den Plan. Von Thadden teilte den neutralen Regierun- gen Ende April 1943 mit, daß kürzlich erfolgte Einbürgerungen in Saloniki nicht anerkannt würden’; aber es gab eine neutrale Regierung, die man trotzdem mit Vorsicht behandeln mußte. Das Interesse Spaniens an den östlichen sephardischen Juden reichte bis zum Ende des 19. Jahrhunderts zurück, als eine von Schuld- bewußtsein genährte Gefühlswelle dazu führte, daß Spanien als erstes Land Flüchtlinge vor den russischen Pogromen bei sich auf- nahm. Damals kam es zur Erlassung eines Gesetzes, das Juden im ottomanischen Reich, die Abstammung von Spaniolen nachweisen konnten, die Wiedererlangung der spanischen Bürgerschaft er- möglichte. Darüber hinaus haben Juden spanischen Konsular- schutz genossen, auch ohne spanische Staatsbürger zu sein, bis die spanische Regierung sich 1924 bereit erklärte, ihnen die spa- nische Staatsbürgerschaft zu verleihen. Das alles wurde in recht unklarer Weise und mit viel Verspätung durchgeführt, so daß nur eine kleine Zahl von Juden in früheren türkischen Gebieten spa- nische Pässe erhielt. Immerhin wurde dieses Privileg von General Franco am 29. Dezember 1948 neu bestätigt’®. Einer alten Tradition getreu, suchte die spanische Regierung die Probleme des Jahres 1943 durch eine Politik des Hinzögerns zu meistern. Für ihre Schützlinge bestand die Alternative der„Heim- kehr“ nach Spanien oder der Deportierung nach„dem Osten“. Nachdem das deutsche Auswärtige Amt zweimal ein derartiges Angebot an General Franco gemacht hatte, ohne eine Entschei- dung von ihm zu erhalten?, entschied es sich dahin, die 367 von Spanien geschützten Juden in Saloniki als„Austauschjuden” zu behandeln. Sie wurden die ersten Insassen des Austauschlagers Bergen-Belsen, nachdem sie zusammen mit den privilegierten jü- dischen Angestellten des Baron-Hirsch-Ghettos und den zwei Vor- behandelt. Das Außenministerium erkundigte sich nach der Ansicht Gelosos in dieser Frage, und dieser sprach sich ablehnend aus. Löhr, der vielleicht an der Frage der Deportierungen von Juden einen größeren Anteil hatte als irgendein anderer Befehls- haber der Wehrmacht, ist dafür niemals vor Gericht gestellt worden. Er wurde von den Jugoslawen gefangengenommen und am 27. Februar 1947 wegen seiner Mit- schuld an der ohne Kriegserklärung erfolgten Bombardierung von Belgrad hingerichtet. Bezüglich der Rolle Gelosos siehe A. Nehama in„In Memoriam” und Jacques Sabile in„Le Monde Juif“, Nr. 49, November 1951. 427 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG sitzenden des Judenrates, Koretz und Albala, Saloniki am 2. August 1943 verlassen hatten®(siehe S. 385 f.). Es gibt keine bessere Beleuchtung der peinlichen Bemühungen des Auswärtigen Amtes, die Endlösung zu fördern und gleichzeitig zu tarnen, wie die Unterredung, die sich am 22. Dezember 1943 zwischen von Thadden und dem Sekretär der spanischen Botschaft in Berlin, Diaz, abspielte. Diaz erklärte, daß seine Regierung nun- mehr bereit sei, alle spanischen Juden aus den besetzten Gebie- ten in ihrem Lande aufzunehmen. Von Thadden antwortete, es sei dazu bereits zu spät. Die der spanischen Regierung zustehende Alternativmöglichkeit sei im November ungültig geworden, nach- dem man sie fünfmal erneuert hatte. Nur die noch nicht nach dem Osten geschickten Juden würde man nach Spanien zurückkehren lassen. Als Grund gab er an, daß die Papiere der Deportierten bei dem letzten Luftangriff auf Berlin verbrannt seien und diese„im Osten” Arbeit so geheimer Natur leisteten, daß man sie nicht dem feindlichen Nachrichtendienst preisgeben könne®'. Auch jetzt war die spanische Regierung noch nicht bereit, die Juden aus Saloniki, die sich in Bergen-Belsen befanden, aufzuneh- men, bot aber als Kompromiß an, daß man sie durch Spanien durchreisen lassen werde. Am 7. Februar 1944 wurden diese 367 Juden vom amerikanischen„Joint Distribution Committee“ über Barcelona und Casablanca nach Palästina gebracht* 22, Am 7. August 1943, fünf Tage nach dem Abtransport der„spani- schen“ Juden nach Bergen-Belsen, gab es in Saloniki die letzte Deportierung. Ungefähr 1800 in Lumpen gehüllte Flüchtlinge, die teilweise aus Mazedonien stammten, wurden aus dem Baron- Hirsch-Ghetto nach Auschwitz geschafft. Einige Hundert Juden verblieben in Saloniki; sie waren entweder versteckt oder befan- den sich im Auffanglager Pavlo Mela 83. Etwa 2000 hatten ein zeit- weiliges Asyl in Athen gefunden. Das dauerte allerdings nur bis zum deutschen Einmarsch am 10. Dezember. Aber Eichmanns Dienststelle und deren getreue Helfer, die örtlichen Befehlshaber der Sicherheitspolizei, zeigten einige Zeit lang keinen Eifer. Am 18. Dezember, als man annahm, daß es in der Stadt noch etwa 8000 Juden gebe, wurde ihre Internierung angeordnet. Nur 1200 meldeten sich jedoch beim Judenrat. Diese Nichtbeachtung von * Ein weiterer Transport mit 220 Juden aus Bergen-Belsen ging am 29. 6. 1944 in die Schweiz und gelangte von hier ohne Umwege nach Israel. 428 . rzennTeS N fefehlen W! fir die Besc Dje Juden a daß man M Auschwitz ff Registrierun Ion Stellunge fuhren; die| jr, als eini kuiert wurde hritischen TI Juden aus A sumpelte üb: Dritten Reich gelassenen Amerikanert Die Deportie fassung an Radiosendur als Überlebe April Deport halte, das di Menschen, Stloniki ein Ungarn, Lod orbeiten un m Septemb LOSUNG August j hungen zeitig er 194 ötschaft Ngnun- Gebie. 2, 65 se] ehende 1, nach- ich dem kehren rtierten jese„im cht dem reit, die ‚fzuneh- Spanien iese 367 e" über -„spani- ie letzte nge, die ı Baron- rt Juden r befan- ein zeit s nur bi chmanns hishaber fer. Am ch emo \ur 120 tung vo! 1944 in 0 VIERZEHNTES KAPITEL 3. GRIECHENLAND Befehlen wurde vom deutschen Militärgouverneur als Vorwand für die Beschlagnahme des jüdischen Vermögens benützt®%. Die Juden aus Athen waren in der großen Stadt so gut verborgen, daß man mit ihnen nicht mehr als zwei Deportierungszüge für Auschwitz füllen konnte*. Einige Hundert wurden nach der ersten Registrierung entdeckt, und es gab einige Hundert in privilegier- ten Stellungen, die am 2. April 1944 von Athen nach Bergen-Belsen fuhren; die Reise dauerte nicht weniger als 14 Tage. Ein Jahr spä- ter, als einige der privilegierten Juden aus Bergen-Belsen eva- kuiert wurden, um für lebende Skelette Platz zu machen, die die britischen Truppen dann später dort entdeckten, hat man 155 Juden aus Athen in einen wahren Geisterzug gesetzt. Dieser Zug rumpelte über das halbzerstörte Eisenbahnnetz des zerfallenden Dritten Reichs ohne bestimmtes Ziel. Schließlich fielen die im Stich gelassenen Viehwagen zwischen Magdeburg und Stendal den Amerikanern in die Hände°. Die Deportierten aus Athen kamen in Auschwitz in besserer Ver- fassung an als ihre Leidensgenossen aus Saloniki. Die illegale Radiosendung vom 21. August 1944 nannte 1838 griechische Juden als Überlebende von Birkenau®. Dazu gehörten 300 von den im April Deportierten, die man für das Sonderkommando ausgewählt hatte, das die Gaskammern und Krematorien bediente. Alle diese Menschen, einige wohlbekannte Mitglieder der Intelligenz von Saloniki eingeschlossen, hatten während der Deportierungen aus Ungarn, Lodz und dem Gebiet von Krakau in der Todesfabrik zu arbeiten und gingen während des Aufstands in den Krematorien im September und Oktober zugrunde(siehe$. 518.). Am 17. August 1944 kam der letzte griechische Transport in Bir- kenau an. Er umfaßte— und hier ist eine bedeutsame Überein- stimmung in den Schätzungen— die gesamte jüdische Bevölke- rung der Insel Rhodos, ungefähr 1200 Menschen®. Sie war am 16. September 1943 nach einem mißlungenen britischen Versuch, die Italiener zur Übergabe der Insel zu veranlassen, in deutsche Hände gefallen. Im Juni 1944 hatte Generalleutnant Kleemann, der Befehlshaber der deutschen Truppen auf Rhodos, den Besuch von zwei SS-Leuten, offenbar Beamten in Eichmanns Dienststelle. * Wisliceny erklärte, daß diese beiden Transporte im Juli 1944 während des Beginns des deutschen Rückzuges aus Griechenland abgingen®. Aber Dr. Wolkens Quarantäne- liste aus Birkenau weist die Ankunft von 1387 Juden aus Athen am 13. April und die Ankunft von 1869 aus Athen und Korfu am 30. Juni aus®. 29 429 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG Unmittelbar danach gab er einen Befehl aus, der allen Juden auf- erlegte, in eine bestimmte Gruppe von Dörfern umzusiedeln, von wo sie dann in ein Barackenlager gebracht wurden. Dann kam der Befehl des„Kommandos Ost-Ägäis”, daß sie bis zum 17. Juli die Insel verlassen müßten”. Aber erst Anfang August wurden die Juden auf einige alte Barken gebracht. Die deutschen Soldaten nahmen an, daß diese Barken einige Kilometer von Rhodos ent- fernt zum Sinken gebracht wurden, aber sie kamen doch bis zum griechischen Festland. Dann begannen diese armen Inselbewoh- ner, die, 3000 km von der deutschen Grenze entfernt, ein harm- loses Leben geführt hatten, ihre Reise in die schlesische Todes- fabrik. Das spielte sich zu einem Zeitpunkt ab, als die deutschen Truppen große Mengen ihrer Vorräte preisgeben mußten, die den griechischen Partisanen in die Hände fielen. Die Verstopfung ihrer Rückzugslinie durch einen Deportationszug war etwas vom Stand- punkt des Dritten Reichs aus völlig Sinnloses. Aber gleich einem Zug blinder Raupen unterwarf sich die Wehrmacht der Allgewalt des Führerbefehls, selbst wenn das für sie Schande und Unheil an allen Fronten bedeutete. 4. Bulgarien Bulgarien nimmt in der Geschichte der Judendeportationen aus den Hitler hörigen Ländern Europas insofern eine Sonderstellung ein, als keine in Bulgarien bodenständigen Juden deportiert wur- den, obwohl die bulgarische Regierung, unter schwerem Druck von deutscher Seite, im März 1943 bei der Abschiebung von 11 000 Juden aus den von Bulgarien besetzten griechischen und jugosla- wischen Gebieten geholfen hatte. Versuche, aus Vorkriegs-Bul- garien Juden zu deportieren, brachen sich an dem Widerstand der öffentlichen Meinung, und Hitler und Himmler waren hier völlig machtlos. Im November 1941 hatte der bulgarische Gesandte in Berlin, Po- poff, Ribbentrop gelegentlich eines Empfanges vorgeschlagen, die Juden von ganz Europa in die eben im Zuge befindlichen De- portierungen einzuschließen. Aber das war ein rein privater Vor- schlag(siehe$. 105 u. 110). Bis zum August 1942 wurden keine Maßnahmen gegen die 28000 in Bulgarien lebenden Juden getroffen*. * Rademacher machte vor Gericht geltend, daß Weizsäcker den Vorschlag Popoffs an 430 N zes | Auch dann W | sinsetzte. Ai ‚cher Siege IN wurde, daß\ ‚awisches Un aufhin kündie on, daß die‘ £nführung de In September nit den Dep: Arch die Abt m Sinne be hare Antwort her erfuhr die kndienst, da haften. Nur ei non hatte die ninister Gabr schen Abordr hindert, die E N In zu erwät 4 Radhitzi, den | Opposition z Auf Grund di \ top, vorsicht = © =) — < Ss fe} AA, beauftragt "iger, der jet ' Zeige gerufe "opofs Vorschlag [il LOSUNG© In, von n kam 17. Jul Yurden daten OS ent Is zum Jewoh- harm- Todes. ötschen Jie den g ihrer Stand. einem Igewall Unheil en aus tellung rt WUr- Druck 11.000 ugosla- gs-Bul erstand en hier” Jin, Po- hlagen, sen De- er Vor 1 keine Juden lopofts an | i VIERZEHNTES KAPITEL 4. BULGARIEN nauk I Auch dann war es nicht klar, wann und wie der deutsche Druck einsetzte. Aber es ist wahrscheinlich, daß in diesem Monat deut- scher Siege in Südrußland dem Ministerpräsidenten Filoff bedeutet wurde, daß die bulgarischen Ansprüche auf griechisches, jugo- slawisches und rumänisches Gebiet auf dem Spiele stünden. Dar- aufhin kündigte die bulgarische Regierung sofort ein Programm an, daß die Schaffung von Ghettos und Arbeitslagern sowie die Einführung des Judensterns vorsah. Im September drang der deutsche Gesandte Beckerle darauf, daß mit den Deportierungen begonnen werde. Er war, wie üblich, durch die Abteilung„Deutschland“ des Auswärtigen Amtes in die- sem Sinne beauftragt worden?2. Beckerle bekam keine unmittel- bare Antwort von der bulgarischen Regierung, und am 9. Novem- ber erfuhr die Abteilung„Deutschland“ von Himmlers Nachrich- tendienst, daß die Bulgaren nur halbe Maßnahmen getroffen hatien. Nur ein Fünftel der Juden in Sofia trug den Judenstern, und man hatte die Produktion von Judensternen eingestellt. Der Innen- minister Gabrowsky hatte nicht nur sehr freundlich mit einer jüdi- schen Abordnung gesprochen, sondern auch die Presse daran ge- hindert, die Ernennung eines Kommissars für Judenangelegenhei- ten zu erwähnen. Überdies gehörte der Kommissar Beleff den Radnitzi, den bulgarischen faschistischen Legionären, an, die in Opposition zur Regierung Filoff standen, während Filoff keines- wegs ein ausgesprochener Antisemit war. Er hatte auf Veranlas- sung des Metropoliten Stefan und des Sekretärs des Königs, Balan, viele Ausnahmebewilligungen erteilt. Auf Grund dieser Berichte entschieden sich Himmler und Ribben- trop, vorsichtig vorzugehen. Die Regierung Filoff war offenkundig an den Juden in den besetzten Gebieten nicht interessiert. Als Theodor Dannecker, der frühere Judenreferent der Gestapo in Paris, im Januar in Sofia eintraf, besaß er nur einen beschränkten Auftrag. Am 22. Februar 1943 kam man überein, daß Dannecker Beleff bei der Festnahme von 20000 Juden helfen solle. 10000 sollten in drei nahe der alten jugoslawischen Grenze liegenden Emil Albrecht von der Rechtsabteilung des Auswärtigen Amtes weitergeleitet habe; Albrecht habe Dr. Conrad Roediger, den Referenten für völkerrechtliche Fragen im A.A., beauftragt, ein Rechtsgutachten zu dem Popoffschen Vorschlag zu erstatten. Roediger, der jetzt ein Richter am Bundesverfassungsgericht ist, bestand dann darauf, als Zeuge gerufen zu werden, und behauptete, alles Mögliche getan zu haben, um Popoffs Vorschlag zu sabotieren?!. 29* 431 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG Städten— Radomir, Dubnitza und Juma— südlich von Sofia auf- gegriffen werden, während man die anderen 10000 aus Skoplje (Usküp), Bitolj(Monastir) und Pirot, auf früherem serbischem Boden, holen wollte. Die Juden, die die bulgarische Staatsbürgerschaft besaßen, sollten diese beim Überschreiten der Grenze verlieren”*. Deportiert wurden aber nur die Juden aus Jugoslawien. Die Juden aus Skoplje wurden in drei Zügen deportiert, die das in Kachanig eingerichtete Durchgangslager zwischen dem 22. und 29. März verließen*, während die Juden aus Pirot, zusammen mit den deut- scherseits auf griechischem Gebiet festgenommenen Juden, nach dem bulgarischen Donauhafen Lom Palanka gebracht wurden; von dort schaffte man sie auf der Donau nach Wien und dann weiter nach Polen%. Eine für Luther am 3. April gemachte Nieder- schrift zeigt, daß 7240 Juden aus dem von Bulgarien besetzten jugoslawischen und 4120 aus dem griechischen Gebiet deportiert worden waren. Diese Menschengruppen, die sich von den Bauern, unter denen sie lebten, kaum unterschieden und die friedlich mit ihrem Nachbarn, einem der tolerantesten Völker Osteuropas, gehaust hatten, muß- ten ihre stillen, entlegenen Gebirgstäler und Städtchen, die nicht viel mehr als Ilanggezogene Dörfer waren, verlassen. Mit ihren Mützen aus Schaffell und in bunte Tücher gehüllt, bestiegen sie die Viehwagen, erschreckt und ohne zu verstehen, was eigentlich vorging, um nach vielen Tagen ihre Reise auf einer einsamen Nebenstrecke in Ostpolen zu beenden, von wo sie die Peitschen der erbarmungslosen ukrainischen Wachen in die Gaskammern trieben. Weitere 6000 hätten aus den Städten auf der bulgarischen Seite der Grenze folgen sollen, aber sie wurden niemals deportiert. Was hier vorging, erfahren wir aus den Akten Adolf Beckerles, wieder eines von Luthers Emissären, die Polizisten und Diplomaten * Die in Siedlice im Jahr 1945 arbeitende Untersuchungskommission stellte fest, daß ein Transport aus Skoplje am 20. März im Durchgangslager Treblinka angekommen war. Es handelte sich wahrscheinlich um den ersten der drei Transporte aus dem Lager Kachanig. Aber Yankiel Wiernik und Samuel Rajzman, die in Nürnberg als Zeugen aussagten, behaupteten beide, daß es eine Anzahl von„bulgarischen“ Trans- porten nach Treblinka im März und April gegeben habe. Man kann jedoch mit Sicher- heit sagen, daß nicht alle von den bulgarischen Amtsstellen organisierten Transporte nach Treblinka gebracht wurden, denn die von den Bulgaren aus dem griechischen Gebiet deportierten Juden bildeten den größeren Teil des Arbeitslagers im ehemaligen Warschauer Ghetto im folgenden Oktober%.(Siehe Seite 316.) 432 yıerZEHNTES KA ineinerPersO „urechtgefun zufolge hatte dil, Plovaiv ı vom VizepfO fion aus Küst des Innern W Infolgedesse' nommenen Jı geordnete waren ihm€ gierung trotz geboteinerE 5,443), in Bul sucht und au! des schwedi: schen Hafen Was das all König Boris ı verdächtigen Immer reserV für die mäch auf Schloß K eine weitere bekanntgab, stecken, Rib sich aber au Im April un Boris durch SUNG auf oplie den, chaft ren” luden ranig März deut- nach rden, dann eder- tzten tiert an sie barn, muß nicht') ihren n sie ntlich amen schen mern Seite rtiert. erles, maten st, daß ommen us dem erg ols " Trons- - Sicher- ınsporte -hischen maligen VIERZEHNTES KAPITEL 4. BULGARIEN ineiner Person zu sein hatten. Beckerle scheint sich allerdings besser zurechtgefunden zu haben als die meisten anderen?”. Beckerle zufolge hatte Beleff Anfang März versucht, die Juden von Küsten- dil, Plovdiv und Varna zusammenzutreiben. Daraufhin war eine vom Vizepräsidenten des bulgarischen Senats geführte Deputa- tion aus Küstendil bei Gabrowsky erschienen. Aber der Minister des Innern war schon„von sehr hoher Stelle” gewarnt worden. Infolgedessen wurden am 10. März alle in Altbulgarien festge- nommenen Juden wieder freigelassen®. Gewisse bulgarische Ab- geordnete hatten den wahren Zweck des Planes entdeckt und waren ihm entgegengetreten. Überdies hatte die bulgarische Re- gierung trotz der Zusicherung an Beckerle, daß das britische An- gebot einer Einreise nach Palästina abgelehnt werden würde(siehe S. 463), in Bukarest um Durchreisevisa für jüdische Kinder nachge- sucht und außerdem darum gebeten, daß das Schiff„Oeresund“ des schwedischen Roten Kreuzes in Dedeagatsch, dem bulgari- schen Hafen am Ägäischen Meer, anlegte”. Was das alles bedeutete, wurde klarer, als Hitler am 4. April König Boris empfing. Dieser König, der bald darauf unter höchst verdächtigen Umständen starb, war der erste einer Reihe von immer reservierter werdenden Satellitenherrschern, die in diesem für die mächtige Wehrmacht so verhängnisvollen Monat Hitler auf Schloß Kleßheim aufsuchten. Selbst in der Zeit von Hitlers Tri- umphen hatte König Boris diese Unterredungen nicht gefürchtet, bei denen er, wie Dr. Paul Schmidt erzählt, Hitler in fließendem Deutsch Belehrungen gab. Bei dieser Gelegenheit hatte der König eine weitere Unterredung mit Ribbentrop, dem er seine Absicht bekanntgab, die 25000 Juden Altbulgariens in Arbeitslager zu stecken. Ribbentrop bemerkte, daß dies„unannehmbar” sei, ließ sich aber auf keine weitere Diskussion ein!%. Im April und Mai war die Durchführung des Planes von König Boris durch den Mangel an Lagern und Baracken behindert. Ga- browsky konnte Dannecker bloß die Juden aus der Hauptstadt anbieten, und auch das versuchte der König dadurch zu verhin- dern, daß er angesichts der drohenden Luftangriffe die voll- kommene Evakuierung Sofias durch die Zivilbevölkerung vor- schlug— das war zu einem Zeitpunkt, als amerikanische Flugzeuge von Nordafrika aus zum erstenmal die Ölfelder von Ploesti in Rumänien bombardierten'%'. Berlin reagierte darauf am 20. Mai 433 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG mit einer Rundfunknachricht, daß die Vertreibung der Juden aus Sofia binnen drei Tagen beginnen würde. Es handelte sich um mehr als 6000 Juden, aber 2000 von ihnen hat- ten Freischeine, und 90 v.H. der übrigen fanden sich freiwillig auf der Eisenbahnstation ein, wobei sich Demonstrationen abspielten, die klar bewiesen, wie wenig dieses Bauernvolk von der osteuro- päischen Pest des Rassenvorurteils angekränkelt war. Beckerle schreibt in seinem Bericht an das RSHA 1%; „Sie sind dabei an die Mentalität des bulgarischen Volkes ge- bunden, dem die ideologische Aufklärung fehlt, die bei uns vorhanden ist. Mit Armeniern, Griechen und Zigeunern groß geworden, findet der Bulgare an dem Juden keine Nachteile, die besondere Maßnahmen gegen ihn rechtfertigen.” Benadev berichtete, daß die Menschenmenge versuchte, den Ju- den den Weg zur Eisenbahnstation abzuschneiden!®, Aber Otto Hoffmann*, der Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Sofia, be- hauptet, daß dies geschehen sei, weil die Bevölkerung von Sofia geglaubt habe, die Aussiedlung der Juden würde die Alliierten dazu veranlassen, die Stadt zu bombardieren. Hoffmann schreibt auch, daß Beleff nur sehr kurzfristige Maßnahmen getroffen habe; die Juden seien in Schulen untergebracht worden, die man nach den Schulferien wieder brauchen würde, eine Menschenmenge habe vor dem Königspalast zugunsten der Juden demonstriert, und Metropolit Stefan habe den Oberrabbiner von Sofia in seinem eigenen Haus verborgen. Nach dem Mißerfolg vom 24. Mai wurde Beckerles Haltung nur noch schwankender**. Einerseits stimmte er Hoffmanns Gestapo- bericht zu, daß das Verhalten des Ministerpräsidenten Filoff in der Judenfrage einwandfrei sei und daß Beleff Dannecker ersucht habe, für den kommenden Monat Deportationen auf dem Fluß- wege vorzubereiten. Andererseits schreibt er wieder, daß Filoff die Juden in Bulgarien behalten wolle und daß Beleff und die Radhitzi ein Doppelspiel spielten, um die Regierung Filoff zu dis- kreditieren. Ende Juni wurde auch Hoffmann unsicher. Er schrieb, daß es falsch wäre, einen Druck auf die bulgarische Regierung * Nicht zu verwechseln mit Karl Hoffmann, der zum gleichen Zeitpunkt Chef der Ge- stapo in Kopenhagen war, oder SS-Obergruppenführer Otto Hoffmann, einem anderen SD-Mann, der das Rasse- und Siedlungshauptamt leitete. ** Von Beckerle hatte man seit 1944 nichts gehört, bis er im Oktober 1955 aus der Sowjetunion nach Deutschland repatriiert wurde. 434 yırrZEHNTES K „uszuüben- olsein Wun hulgarische zu haben, 5 mangel und Der einzige dadurch ert inunserem dieser Ansıi land”, wide nommen ha die Sympall Gefahr erw Bulgarien a Kaltenbrunn von König B Ihn umgebr auch die Rec gent war un nommen Wı Vermögens Aber die Tı Juden aus tischen G einziger zu Arbeitslage richtet, daß nen thrazis ziger Jude Sofia erten reibt Jabe; nach enge ‚und inem j nur fapo- ff in sucht Fluß- Filoff ] die ı dis rieb, rung or Ge ıderen us der VIERZEHNTES KAPITEL 4. BULGARIEN auszuüben. Die Deportierung der Juden nach dem Osten müßte als ein Wunsch der bulgarischen Regierung dargestellt werden. Die bulgarische Regierung bedauere jetzt, 20000 Juden ermöglicht zu haben, sich in der Provinz niederzulassen, was Lebensmittel- mangel und steigende Wohnungsmieten zur Folge gehabt habe. Der einzige Trost war, daß der Auftrieb, den der Antisemitismus dadurch erhalten könnte,„den Anstoß für weitere Entwicklungen in unserem Sinne“ geben könnte. Aber zwei Monate später wurde dieser Ansicht von Horst Wagner, dem Chef der Abteilung„In- land“, widersprochen, die Luthers Abteilung„Deutschland“ über- nommen hatte. Wagner schrieb, daß die vertriebenen Juden sich die Sympathien der Bauern erworben hätten und sich als eine Gefahr erweisen würden, falls die Alliierten Fallschirmtruppen in Bulgarien absetzen sollten!'%. Wagner berichtete außerdem an Kaltenbrunner, den Chef des RSHA, daß die Lage seit dem Tod von König Boris— man verdächtigte den deutschen Geheimdienst, ihn umgebracht zu haben— nicht klar sei. Tatsächlich bedeutete auch die Regierung des unmündigen Königs Simeon, daß Filoff Re- gent war und daß keine weiteren Schritte gegen die Juden unter- nommen wurden, die, nachdem man ihnen den Großteil ihres Vermögens genommen hatte, in die Städte zurückströmten. Aber die Tragödie der von Beleff und Dannecker deportierten Juden aus den von Bulgarien besetzten jugoslawischen und grie- chischen Gebieten war vollständig. Aus Treblinka kehrte nicht ein einziger zurück und aus Auschwitz, Lublin und dem Warschauer Arbeitslager nur ganz vereinzelte. Im Oktober 1945 wurde be- richtet, daß in den vorübergehend von Bulgarien besetzt gewese- nen thrazischen Städten Drama, Cavalla und Xanthia kein ein- ziger Jude mehr vorgefunden wurde 10*, Im Frühling 1943 hatten Himmler, Kaltenbrunner, Müller und Eich- mann einen konzentrischen und teilweise erfolgreichen Angriff auf die sephardischen Juden Osteuropas unternommen. Wenn er * Aus diesen drei Gemeinden stammten die meisten der 4210 griechischen Juden, die über Bulgarien und den Donauhafen Lom Palanka deportiert worden waren. Michael Molho hat einen Bericht veröffentlicht, dem zufolge die Bulgaren die Barken mit den Juden niemals den Deutschen übergeben hatten, sondern daß sie mit allen Insassen mitten im Fluß zum Sinken gebracht wurden!%. Es gab immer Berichte dieser Art, sobald Deportationen auf dem Wasserwege erfolgten, so wie im Falle der Juden aus Rhodos. Da es keine Bestätigung gibt, muß man die Möglichkeit annehmen, daß die Überlebenden dieser Transporte in der Flut der nach Auschwitz und Lublin geschafften griechischen Juden untertauchten. 435 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG nicht zu einem vollen Erfolg führte, so ist das darauf zurückzufüh- ren, daß die Niederlagen der Wehrmacht Hitler der Gefolgschaft der Satelliten-Regierungen beraubt hatten. Wie woanders auch, war die Endlösung hier voll von Widersprüchen. Während 90 000 sephardische Juden vom Balkan in den Tod geschickt wurden, ge- lang es, einige Hundert von ihnen in Amsterdam unter Berufung darauf zu retten, daß sie„keine Berührungspunkte mit Ostjuden” besäßen(siehe$. 338). 436 Über die SI diemeist Be werden, alı hafte staat! kam es nän und das zu beherrschte Die Slowak Lostrennunc unter deuts „Endlösung allererste J slowakisch Regierung deutschers nommen, u den Krieg* schen Jude 9700 slowaki IF in Betracht ENDLOSU NG Fückzufüh. efolgschaft ers auch, end 90.00 urden, ge- r Berufung Ostiuden“ Fünfzehntes Kapitel Die Slowakei und Rumänien 1. Die Slowakei Über die Slowakei, einen Vasallenstaat von 2 500 000 Einwohnern, die meist Bauern sind, muß in diesem Zusammenhang mehr gesagt werden, als eine nur sechs Jahre währende und höchst zweifel- hafte staatliche Selbständigkeit an sich rechtfertigen würde. Hier kam es nämlich zum ersten wirklichen Fehlschlag der„Endlösung”, und das zu einer Zeit, als die Juden in den übrigen von der Achse beherrschten Gebieten in einer völlig hoffnungslosen Lage waren. Die Slowakische Republik stand seit ihrer von Hitler erzwungenen Lostrennung von der Tschechoslowakei am 14. März 1939 völlig unter deutscher Schirmherrschaft. Jeder Schritt in die Richtung zur „Endlösung“ wurde in der Slowakei genau nachgeahmt, und der allererste Judentransport nach Auschwitz wurde freiwillig von der slowakischen Regierung gestellt. Und dennoch lehnte sich diese Regierung schon im Juli 1942 auf! Die Deportierungen wurden deutscherseits erst im September und Oktober 1944 wiederaufge- nommen, und so überlebten 28000 bis 35 000 slowakische Juden den Krieg*. Das war zwar nur ein kleiner Teil der 136739 slowaki- schen Juden, die bei der Volkszählung von 1930 gezählt worden waren, aber zu Kriegsbeginn war diese Zahl schon geringer ge- worden, erstens als Folge der Abtretung der östlichen und süd- lichen Slowakei an Ungarn im November 1938 und zweitens durch Auswanderung nach dem Abkommen von München. Man kann annehmen, daß kaum mehr als 89000 Juden in der Gewalt der * Eine Analyse dieser Schätzung ist im Anhang I enthalten. Gregory Frumkins sta- tistische Abhandlung! nennt eine viel größere Zahl. Unter Berufung auf eine„ziemlich verläßliche Schätzung”, die er leider nicht näher bezeichnet, nimmt Frumkin an, daß 67.000 slowakische Juden getötet wurden. Das würde, wenn man die Auswanderung mit in Betracht zieht, zu dem Schluß führen, daß über 60 000 den Krieg überlebt haben. 437 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG unter deutschem Einfluß stehenden Regierung Tisos verblieben waren. Es ist nicht leicht, die politische Atmosphäre des neuen Staates zu beschreiben. Eine streng katholische Oberschicht von Grundbesit- zern hatte sich von Prag und dem sozialistischen und freidenkeri- schen Einfluß der Tschechen emanzipiert. Diese traditionsgebun- dene Gesellschaft hatte— außer dem Antisemitismus— wenig mit dem Nationalsozialismus gemeinsam, und selbst der Antisemi- tismus war eine verhältnismäßig neue Erscheinung. Zu der Zeit, als die Juden fast die gesamte städtische Bevölkerung bildeten, gab es ihn kaum; auch stellten die Juden nirgends in der Slo- wakei eine konzentrierte Bevölkerungsmasse dar, denn innerhalb der Grenzen vom März 1939 bildeten sie nur 3,35 v.H. der Bevöl- kerung. Aus diesem Grunde bestanden innerhalb der Regierung, die am 18. April 1939 die slowakische antijüdische Gesetzgebung erließ, erhebliche Meinungsverschiedenheiten. Auf der einen Seite war der traditionelle Antisemitismus der klerikalen Politiker, des Präsidenten Mgr. Tiso und des Ministerpräsidenten Dr. Vojitech Tuka. Auf der anderen Seite gab es die aus Deutschland einge- führte und vom Innenminister Schano(Alexander) Mach befürwor- tete Abart. Mach hielt ein Referat auf Rosenbergs Frankfurter anti- jüdischer Konferenz vom März und April 1941 und war später bei den Deportierungen die treibende Kraft. Diese Deportationen wurden durch eine nach deutschem Muster aufgebaute Organisation erleichtert— ein„Zentrales Judenamt“ und eine„Judenzentrale”. Die letztgenannte,„Ustredna Zidov” genannt, war eine der„Reichsvereinigung” vergleichbare Sklaven- organisation. Schon 1940 war diesen Organisationen Dieter Wisli- ceny als Vertreter von Eichmanns Dienststelle zugeteilt worden. Diese schon mehrmals erwähnte, außerordentlich interessante Persönlichkeit war ursprünglich Eichmanns Vorgesetzter in der Ab- teilung für religiöse Sekten des SD gewesen; im Jahre 1937 hatte er Eichmann zur Beförderung vorgeschlagen. Er war das einzige Mitglied von Eichmanns Stab, das in Nürnberg als Zeuge erschien 4 — als Belastungszeuge, denn Dieter Wisliceny war nach dem Krieg ebenso bereit, seine Kameraden zu verraten, wie er in den Tagen seiner Machtstellung bereit gewesen war, mit seinen Opfern Geschäfte zu machen. Wisliceny muß eine Menge Geld aus der Arbeit herausgeschlagen haben, die er zu verabscheuen vorgab, 438 sonrZEHNTES eine Arbeit aus Griecht in den Tod Im August Propagandt nische und wurde der| dessen Bew schickt. Der 10. Septem! erließ, des: schen Jude: Bestimmung ren, den an man die Ol allemdem: ein katholi all das veı selbstversti Es dauerte dungsmann schlag war rungen mit war aber c der Courto den solle’. Der Schritt Koso war nationalso Herbst 194 scher Poliz " Wisliceny, g von Eichmann geradezu must auch große E ündere, Schil levai zeigen j Man llerding In Preßburg, i Im Abstieg, d Augen und a ° ENDLOSUNG verblieben Stantes zu Srundbesit. reidenkeri. onsgebun. S— wenig T Äntisemi- u der Zeit, 9 bildeten, in der Slo- N innerhalb . der Beyöl. Regierung, setzgebung einen Seite Jlitiker, des Dr. Voitech and einge- 1 befürwor- | und der ıngelegtes )pfer wur- Zug nach entfernten den näch- hwitz und ıtzfähigen ansporte” s Distrikts ossen. Hlinko yor, Präsident ogen. Nichts entschließen, die Tschecho- streng katho- sser bleiben n eine Rolle ‚ zum Wider- FUNFZEHNTES KAPITEL 1. DIE SLOWAKEI Lublin!, und zwar nach Lubartow, Izbica, Deblin, Opole und Treblinka. Dr. Steiner zufolge waren nicht weniger als 7000 Kinder darunter; eine allerdings indirekte Bestätigung dafür ist die Be- schwerde des deutschen Kreishauptmanns von Lubartow, daß nicht ein einziger der am 17. April eingetroffenen Juden arbeitsfähig sei 12, Die Mitglieder der slowakischen Regierung hatten— mit Aus- nahme von Mach und einigen anderen Extremisten— von allem Anfang an ernste Bedenken. Ministerpräsident Vojtech Tuka war wegen der Deportierung der getauften Juden ebenso besorgt wie wegen der Aussicht, daß der jüdische Besitz statt in slowakische in deutsche Hände fallen könnte!3. Heydrich, der damals in Prag war, hielt es für angebracht, Tuka einen persönlichen Besuch ab- zustatten; am 10. April kam er nach Preßburg. Aus Tukas Denk- schrift an seine Regierung geht hervor, daß Heydrich die geplante Ausdehnung der Aktion auf die westlichen Länder beschrieb und erklärte,„in diesem Augenblick würde eine halbe Million Juden verschickt“. Die slowakischen Juden würden im Distrikt Lublin als „Schutzbefohlene” des Reiches dauernd angesiedelt werden, während diejenigen, die vor der Erlassung des Judenstatuts vom 10. September 1941 getauft worden waren, in einer besonderen Siedlung leben würden'*. Heydrichs Betrugsmanöver war erfolgreich; Wislicenys Aussage zufolge bat die slowakische Regierung daraufhin, daß es den Familienangehörigen der nach Auschwitz und Majdanek ver- schickten 17000 jungen Männer und Frauen gestattet werde, mit ihnen dort vereinigt zu werden'5. Eichmann lehnte zuerst ab, später jedoch— Anfang Mai— hatte er eine Unterredung mit Tuka und Mach und erklärte sich einverstanden, die Zahl der Fa- milienangehörigen im Lubliner Gebiet auf 35 000 zu erhöhen, ein- schließlich derer, die schon dort waren. Auf Grund dieser Verein- barung wurden zwischen dem 15. Mai und 30. Juni 18000 Juden nach Lukow, Biala-Podlaska, Miedzyrzec, Cholm und anderen Städten geschickt. Dadurch sowie durch eine neue Welle von Deportierungen nach Auschwitz brachte man die Gesamtzahl der Deportierten bis Ende Juni auf 52.000'%. Was war das Schicksal dieser 52000 Menschen, von denen die slowakische Repatriierungskommission nach Kriegsende nur 284 am Leben gefunden hat!7? Es scheint, daß die ersten 17.000, die 441 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG nach Auschwitz und Majdanek geschickt wurden, nicht für die Gaskammern bestimmt waren. Höss, der Kerkermeister von Auschwitz, erzählte Wisliceny, daß sie seine besten Arbeiter seien!®. Aber nur Gefangene in besonders bevorzugter Stellung konnten mehr als drei Monate Birkenau oder Majdanek aushalten, und im Sommer 1944 waren einige Büroarbeiterinnen in den bei- den Lagern und eine kleine Zahl von Kapos und Krankenhaus- pflegern in Birkenau die einzigen Überlebenden der slowakischen Deportationen. Von den Familientransporten waren etwa 25v.H. für die Arbeitslager in„Lublin-Land“” ausgesucht worden. Die übrigen wurden„nutzlose Esser“ in den überfüllten Gheitos und Durchgangslagern, von wo sie sehr bald in die Vergasungsstätten von Belzec und Sobibor geschickt wurden. Yankiel Wiernik sah, daß Reste des slowakischen jüdischen Barackenlagers im Dorf Treblinka für den Bau der Gaskammern verwendet wurden; Ru- dolf Reder bemerkte, daß noch im August 1942 eine geringe Zahl slowakischer Juden im Todeslager Belzec arbeitete'?. Am 15. Mai, dem Tage, an dem die zweite Deportierungswelle be- gann, veröffentlichte die slowakische Regierung ein Verfassungs- gesetz über die„Aussiedlung der Juden”, das zwar die Einziehung des Vermögens der Deportierten festlegte, aber gleichzeitig eine Reihe von Gruppen von der Verschickung ausnahm, darunter alle Juden, die nachweislich vor dem 14. März 1939 getauft worden waren. Diese sollten nicht in einem Reservat in Polen, sondern in Arbeitslagern in der Slowakei untergebracht werden. In diesem streng katholischen Land bedeutete das, daß jeder, der sich zum Christentum bekannte, Schutz verlangen konnte 2°, Am 26. Juni, als das Tempo der Deportierungen nachließ, drahtete der deutsche Gesandte in Preßburg, Ludin, an Weizsäcker, Tuka ersuche um diplomatischen Druck, damit er die verbleibenden 35 000 slowa- kischen Juden deportieren könne, obwohl„die Judenaussiedlung in weiten Kreisen des slowakischen Volkes sehr unpopulär“ sei, welche Einstellung durch die„englische Gegenpropaganda noch verstärkt” werde’. Luther hingegen behauptete, Tukas Ansuchen sei Augenauswischerei und die slowakische Regierung habe allen 35000 Juden eine„Sonderlegitimation” erteilt 22. Wisliceny schilderte die darauffolgende Entwicklung folgender- maßen 2: Dr. Tuka bombardierte ihn mit Ansuchen, er möge eine amtliche slowakische Inspektion der Siedlungen in Polen in die 442 jonrzenNTES N Wege leiten ten. Ende u Juden im D Wisliceny Ei Ernst dieser ich, daß ein mehr am Le Hitler im Ap xamte jüdise es, daß unse deutschen V mental,” ant muß durchg Anfang Sep burg, als die hatte, hörter Wisliceny v digenden E iedoch wirkl sollte, diese und daß er nichts mach Rundfunkre« bliebenen Jı nur einige| 1943 verspre Veesenmayı men würder Eine Erklärı Dr. Rezsö( ‚Vaadat Er Kastner, von sein wird, D "Ein Bruchstüc daß die Transpe Naben, Am 18, m 25, 117 und Nach einer Red WW einem unbe Ob und Wurde ENDIOSUNG ht für die 2Ister von ' Arbeiter T Stellung aushalten, n den bei. nkenhaus- Wakischen va25y.H, rden. Die heitos und Ingsstätten iernik sah, s im Dorf urden; Ru- ringe Zahl swelle be- rfassungs- inziehung zeitig eine irunter alle ft worden „ sondern In diesem r sich zum 16. Juni, als r deutsche rsuche um )00 slowa- ussiedlung pulär“ sei, anda noch Ansuchen habe allen folgender- möge eine len in die FUNFZEHNTES KAPITEL 1. DIE SLOWAKEI Wege leiten, aber Eichmann erteilte nur ausweichende Antwor- ten. Ende Juli teilte der päpstliche Nuntius Mgr. Tiso mit, daß die Juden im Distrikt Lublin ermordet würden. Im August besuchte Wisliceny Eichmann in Berlin, um dessen Aufmerksamkeit auf den Ernst dieser Beschuldigungen zu lenken. Eichmann erklärte end- lich, daß eine Inspektion nicht in Frage komme, da die Juden nicht mehr am Leben seien. Eichmann zeigte Wisliceny dann einen von Hitler im April gezeichneten Geheimbefehl, dem zufolge die ge- samte jüdische Rasse nach und nach auszurotten sei.„Gott gebe es, daß unsere Feinde niemals Gelegenheit haben, Gleiches am deutschen Volk auszuführen“, rief Wisliceny aus.„Sei nicht senti- mental,” antwortete Eichmann,„das ist ein Führerbefehl, und der muß durchgeführt werden.” Anfang September, kurz nach Wislicenys Rückkehr nach Preß- burg, als die Gesamtzahl der Abgeschobenen 56 000 überschritten hatte, hörten die Deportationen fast gänzlich auf*%. Wisliceny war der Meinung, daß dies die Folge der unbefrie- digenden Erklärung war, die er mitgebracht hatte. Kann man jedoch wirklich glauben, daß Hitler nicht imstande gewesen sein sollte, diese Regierung von seinen Gnaden unter Druck zu setzen, und daß er bis zum September 1944, als er das Land besetzte, nichts machen konnte? Am 14. Februar erklärte Mach in einer Rundfunkrede über den Preßburger Sender, daß die noch ver- bliebenen Juden binnen zweier Monate deportiert würden 77, aber nur einige Hundert wurden tatsächlich verschickt. Im Dezember 1943 versprach Mgr. Tiso Himmlers Sonderbeauftragtem, Edmund Veesenmayer, daß die Deportierungen im April wiederaufgenom- men würden; es geschah jedoch nichts dergleichen 2. Eine Erklärung für dieses Rätsel wurde vom Nürnberger Zeugen Dr. Rezsö(Rudolf) Kastner vom Budapester Hilfskomitee, dem „Vaadat Ezra wa Hazalah”(Vaadah), geliefert, dem gleichen Kastner, von dem im Sechzehnten Kapitel noch so viel die Rede sein wird. Dr. Kastner nimmt eine einzigartige Stellung ein, denn * Ein Bruchstück des Tagesappells vom Birkenauer Männerlager deutet darauf hin, daß die Transporte nach Auschwitz nach dem Eingreifen des Nuntius bei Tiso aufgehört haben. Am 18. Juli wurden 326 slowakische Juden in das Männerlager aufgenommen, am 25. 117 und am 1. August 166, aber nicht ein einziger in den folgenden 18 Tagen. Nach einer Rede Machs im Rundfunk ging ein Transport von 854 slowakischen Juden zu einem unbekannten Zeitpunkt vor dem 31. März 1943 nach Lublin oder Treblinka ab und wurde in Korherrs zweitem Bericht an Himmler erwähnt?. 443 ss DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG als Jude hatte er viele Unterredungen mit Eichmann— und blieb dennoch am Leben. Es ist schade, daß sein außerordentlich inter- essanter und dabei im Ton bescheidener Bericht nur in wenigen vervielfältigten Ausfertigungen zur Verfügung steht, denn die Rolle, die Kastner gegen Kriegsende spielte, ist ganz außerordent- lich. Während dieser Zeit war Kastner in häufiger Verbindung mit Wisliceny und erfuhr von diesem, daß Eichmann bei einer Be- sprechung in seinem Amte im März 1942 die Pläne für die Gas- kammern dargelegt habe. Im Juli, als Mgr. Tiso und Dr. Tuka die Wahrheit erfahren hatten, war Wisliceny tatsächlich nach Berlin gefahren, um die Einstellung der Transporte zu erwirken— aller- dings hatte er das gegen gute Bezahlung unternommen?. Schon im März waren ihm 55 000 Dollar versprochen worden; während er auf den Rest der Summe wartete, hatte er 3000 Juden verschickt — als Ansporn für das Preßburger Hilfskomitee®". Gegen Ende des Jahres 1942 machte— Kastner zufolge— Wisli- ceny einweiteres Angebot, diesmal imNamen seiner Vorgesetzten*. Er werde gegen Bezahlung von 2 Millionen Dollar die Einstellung aller Deportierungen— außer in Polen— erwirken. Auf Grund dieses Angebotes— des sogenannten„Europa-Plans”— wurde tatsächlich im Lauf der nächsten drei Monate vom jüdischen Welt- kongreß ein Sonderfonds geschaffen; es dauerte jedoch ein ganzes Jahr, bis ein Teil davon transferiert werden konnte(siehe$. 463). Aber solange der Preßburger„Vaadah” Aussichten hatte, das Geld aufzutreiben, waren die Juden vor Deportierungen geschützt, und als im Mai 1944 die Endlösung auf Ungarn ausgedehnt wurde, eröffnete Wisliceny Verhandlungen mit dem Budapester „Vaadah”. Es gibt noch andere Beweise dafür, daß Himmlers Aufmerksamkeit auf den finanziellen Wert der slowakischen Juden gelenkt wurde. Am 24. November 1942 übermittelte ihm der Gestapochef Hein- rich Müller einen Vorschlag von Gottlob Berger, die Aufstellung einer SS-Division in Ungarn durch den Verkauf von Auswande- rungsbewilligungen an slowakische Juden zu finanzieren®'. Ber- ger sagte 1948 vor Gericht aus, daß dieser Plan zu spät gekommen * Es ist möglich, daß Himmler nach der Erklärung der Vereinten Nationen vom 17. Dezember 1942(siehe Seite 460) ein großangelegtes Geschäft mit dem Leben der Juden in Erwägung zu ziehen begann. In jedem Monat des Jahres 1943 kam ein neuer Austauschvorschlag, und alle diese Pläne wurden ernstlich in Erwägung gezogen. Das Bestehen des Austauschlagers in Bergen-Belsen war das erste Anzeichen dafür. 444 onrZeHNTE «ei, damit Regierung iber die€ Merkwürd: weitmaschi Auchtsort,| in die End wieder um denn damc zeichnete Banska By: sozialistisc großer Teil rungsmitgli schirmjägeı sich auf dı Es verging Innere der. wurde sehr Aufstandes Vertrauler, haber ein. $%-Führer 1948 von e gab in Nü von keiner Himmler se 9enügend iete der Lei % ENDIOSUNG “und blieb lich inter- N wenigen denn die ‚Berordent- sindung mit | einer Be- ur die Gas- r. 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An diesem Tag— ein denkwürdiges Datum, denn damals gaben die Deuischen Paris auf, und Rumänien unter- zeichnete einen Waffenstillstand mit den Alliierten— brach in Banska Bystrica(Neusohl) ein Aufstand gegen die unter national- sozialistischem Einfluß stehende slowakische Regierung aus. Ein großer Teil der slowakischen Armee und einige ehemalige Regie- rungsmitglieder, unterstützt von englischen und sowjetischen Fall- schirmjägern, nahmen daran teil. Die Aufständischen verließen sich auf den Vormarsch der kaum 150 km entfernten Russen. Es vergingen jedoch sieben Monate, ehe die Rote Armee das Innere der Slowakei erreichte, und die deutsche Sicherheitspolizei wurde sehr schnell Herr der Slowakei. Die Unterdrückung des Aufstandes lag von Anfang an in den Händen der SS. Himmlers Vertrauter, Goltiob Berger, traf am 31. August als Heeresbefehls- haber ein und wurde drei Wochen später von einem anderen SS-Führer namens Hermann Höfle abgelöst32. Dieser Mann, der 1948 von einem Preßburger Gericht zum Tode verurteilt wurde, gab in Nürnberg eine eidesstattliche Versicherung ab, die die von keiner anderen Quelle bestätigte Behauptung enthielt, daß Himmler selbst kurz nach seiner(Höfles) Ernennung in Preßburg eingelroffen sei und in Höfles, Mgr. Tisos und Ludins Gegenwart auf der restlosen Deportierung der Juden bestanden habe*? (siehe$. 497). Die Deportation wurde öffentlich als eine militärische Maßnahme angekündigt. Die arbeitsfähigen Juden, die von der„Umsiedlung” des Jahres 1942 ausgenommen waren und über zwei Jahre in Arbeitslagern verbracht hatten, waren sämtlich während des Auf- standes entflohen. Es scheint, daß die Lager ziemlich lax geleitet wurden. Ein Teil dieser 3000 bis 4000 jungen Leute schloß sich Widerstandsgruppen in den Bergen an®*. Jude zu sein war daher genügend Grund, verhaftet zu werden. Am 9. Dezember berich- tete der Leiter der fünf Sicherheitspolizei-Kommandos in der Slo- 30 445 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG wakei, SS-Standartenführer Witiska, daß 18937 Personen, dar- unter 9653 Juden, verhaftet und 8975 in deutsche Konzentrations- lager geschickt worden seien. Die übrigen hälten„Sonderbehand- lung” erhalten%, Nach einer Unterbrechung von zwei Jahren wurde also wieder die Ankunft slowakischer Juden in Auschwitz beobachtet, aber die meisten der 9000 im September und Oktober 1944 Deportier- ten wurden nach Sachsenhausen, Stutthof, Theresienstadt, Bergen- Belsen und anderen deutschen Lagern geschickt, so daß es nach dem Kriege einen verhältnismäßig großen Teil Überlebender gab. Man hatte jüdischerseits einen verzweifelten Versuch unternom- men, diese Wiederaufnahme der Deportationen durch Verhand- lungen zwischen dem Preßburger„Vaadah“ und Wisliceny, der damals mit Eichmann in Budapest war, zu verhindern.„Vaadah” schlug vor, Geldmittel vom amerikanischen„Joint Distribution Committee” durch die Schweiz zu erhalten; der Mittelsmann für Himmler hätte SS-Standartenführer Kurt Becher sein sollen, ein richtiger Pferdehändler, der schon heikle Verhandlungen dieser Art geführt hatte(siehe$. 493). Becher flog von Preßburg nach Berlin, erfuhr aber dort von Himmler, daß die von Berger und Kal- tenbrunner vorgeschobenen„militärischen Gründe” es unbedingt nötig machten, daß die Deportierung der Juden aus der Slowakei zu Ende geführt werde%. Am 25. September— also vor Himmlers angeblicher Unterhaltung mit Mgr. Tiso— kehrte Becher nach Preßburg zurück und fand, daß Witiska die Juden dem berüchtig- ten SS-Sturmbannführer Anton Brunner übergeben hatte, der nach dem Fall von Paris aus Frankreich dorthin versetzt worden war. Die Funktionäre des„Vaadah”, die früher die Flucht nach Ungarn organisiert hatten, waren im Lager Sered eingesperrt, und die tapfere Gisi Fleischmann, die die ersten Verhandlungen mit der SS geführt hatte, hatte man in einen Zug nach Auschwitz gesteckt und dort rasch in die Gaskammer gebracht. Brunner hatte all das in größter Eile unternommen, sobald er erfahren hatte, daß Wisliceny unterwegs war”. Nach Bechers Mißerfolg und Brunners Triumph kam Georges Du- nand vom Internationalen Roten Kreuz aus der Schweiz nach Preß- burg, um die deutschen und slowakischen Behörden dazu zu überreden, die Gesetze der Menschlichkeit Aufständischen und Juden gegenüber in Anwendung zu bringen. In seinem schreck- 446 oNrZEHNTE Ichen und beschreibt Witiska uf terlistigen «owie der steckt wal Zwischenft und nur d nands Mis Am 16. No Juden drei rung in di 5) folgten waren in| Mar. Tiso ı Kreuzes, P stellen. Tis mußte, wa Regierung chen, die s schont wor der Unterst Juden in ih organisiert die Schwei Organisier bruch des urteilt, Voj 17 zum bei den De 94 zu ki) iY ER ENDIOSUNg sonen, dar- Zentrations. Nderbehand. also Wieder achtet, aber Deportier- 'adt, Bergen- daß es nach bender gab, h unternom- ch Verhand- isliceny, der N.„Vaadah” Distribution telsmann für 1 sollen, ein ingen dieser burg nach ger und Kal- 5 unbedingt Jer Slowakei or Himmlers Becher nach im berüchtig- tte, der nach worden war. nach Ungarn srrt, und die ıgen mit der witz gesteckt hatte all das hatte, daß Georges Du- ;z nach Preß- en dazu zU ‚dischen und em schreck | | FUNFZEHNTES KAPITEL 1. DIE SLOWAKEI lichen und niederschmetternden Buch„Ne perdez pas leur trace” beschreibt Dunand seine ersten, aussichtslosen Unterredungen mit Witiska und Brunner und seine Machtlosigkeit gegenüber der hin- terlistigen Deportierung der„Austauschjuden“(siehe$. 384 f.) sowie der vielen getauften jüdischen Kinder, die in Klöstern ver- steckt waren; denn selbstverständlich sorgte der„Held“ des Zwischenfalls von Izieux dafür, daß die Kinder nach Auschwitz, und nur dorthin, geschafft wurden. Nichtsdestoweniger war Du- nands Mission nicht völlig zwecklos®. Am 16. November ordnete Witiska an, daß sich alle überlebenden Juden drei Tage später im Preßburger Rathaus zwecks Überfüh- rung in das Lager in Sered zu versammeln hätten, aber nur 50 folgten diesem Befehl 3. Mindestens 6000 Preßburger Juden waren in Bunkern versteckt. Am 2. Januar übermittelte Dunand Mgr. Tiso ein Ansuchen des unermüdlichen Präsidenten des Roten Kreuzes, Professor Burckhardts, er möge die Deportationen ein- stellen. Tisos Antwort, auf die Dunand über eine Woche warten mußte, war eine infame Lüge. Tiso erklärte, daß, obwohl seine Regierung gezwungen gewesen wäre, äußerem Druck zu wei- chen, die slowakischen Juden in der Zeit vor dem Aufstand ge- schont worden wären 0. Dem Roten Kreuz gelang es jedoch mit der Unterstützung der Geistlichen in den Dörfern, die Preßburger Juden in ihren Verstecken zu ernähren, und im Februar und März organisierte Dunand mit Kastners Hilfe die Flucht vieler Juden in die Schweiz. Im März endlich bot Witiska selbst seine Hilfe für die Organisierung des Entweichens an, aber im totalen Zusammen- bruch des Dritten Reiches konnte nichts mehr organisiert werden. Am 4. April waren die Russen in Preßburg‘'. Für die Ermordung von drei Vierteln der slowakischen Juden wur- den einige der Schuldigen bestraft. Anton Brunner wurde von einem Volksgericht in Wien am 21. Mai 1946 zum Tode verurteilt. Wisliceny wurde erst im Juli 1948 nach einem dreimonatigen Pro- zef3 gemeinsam mit dem deutschen Gesandten Hans Ludin und den slowakischen Ministerialräten Koso und Vasek zum Tode ver- urteilt. Vojtech Tuka wurde im August 1946, Mgr. Tiso im April 1947 zum Tode verurteilt und hingerichtet. Alexander Mach, der bei den Deportierungen eine so große Rolle gespielt hatte, wurde 1947 zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. 30* 447 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜUHRUNG DER ENDLOSUNG 2. Rumänien übernimmt die Endlösung Wir kommen jetzt zur Geschichte eines Volkes, dessen Regierung die Deportationen nach Rußland begann, bevor Hitler noch das Signal dazu gegeben hatte, aber schon nach einem Jahr einen weniger unmenschlichen Weg einschlug— nicht etwa aus mensch- lichen Gefühlen, sondern aus Eifersucht auf die Deutschen. Vor dem zweiten Weltkrieg dürfte Rumänien einen verhältnismäßig stärkeren jüdischen Bevölkerungsanteil gehabt haben als irgend- ein anderes Land mit Ausnahme Polens. Der niedrigsten Schätzung zufolge gab es 725000„Rassejuden” in einer Bevölkerung, die vor den Gebietsabtretungen an Ungarn und die Sowjetunion vom Juli und August 1940 etwa 19 Millionen betrug. Man kann aber auch sagen, daß kein Land seine Juden schlechter behandelt hat. 1878, zu Beginn der rumänischen Eigenstaatlichkeit, wurden den Juden in einer Bestimmung des Berliner Vertrages, die Disraelis Einfluß zugeschrieben wird, die vollen Bürgerrechte zugesichert. Nichtsdestoweniger hatten die rumänischen Juden nie eine bes- sere Stellung als die von„Schutzbürgern”. Ebensowenig wurden den Juden je die im Friedensvertrag vom Dezember 1919 fest- gelegten Minderheitenrechte in den neuerworbenen rumänischen Gebieten voll gewährt. In den ersten sechs Wochen der Regie- rung Octavian Goga, im Januar 1938, wurden rund 225000 Juden in den nach dem ersten Weltkrieg zu Rumänien gekommenen Ge- bieten(Siebenbürgen, Bukowina) ihrer Staatsbürgerschaft beraubt. Dies ist eine teilweise Erklärung für die Deportierungen von 1941 und 1942, von denen verhältnismäßig wenige der Juden auf dem Gebiet Altrumäniens betroffen wurden*. Noch bevor Hitler zur Macht kam, hatte Rumänien eine„Grün- hemden-Organisation”, die vom König gefördert wurde, nämlich Corneliu Codreanus„Eiserne Garde“, die seit 1933 fest im Sattel saß, 1938 löste König Carol Il. die politischen Parteien auf und rief eine persönliche Diktatur aus. Nachdem er auf Hitlers Befehl im Sommer 1940 Gebiete an Ungarn und Bulgarien abgetreten haite, stand er allein und ohne Hilfe auch von seiten seiner nähe- ren Umgebung da, die ihn bis dahin unterstützt hatte. Es blieb ihm nichts anderes übrig, als Marschall Antonescu zum Regierungs- chef zu ernennen, der ihn dann zur Abdankung zwang. Unter Marschall Ion Antonescu blieb Rumänien zwar auf dem Papier 448 FonFZEHNTE eine Mont Garde reg gezwunge rien geko Horia Sim« neine W ermordete \ ukarester nien schon gen worde erst zu die Kreuzzug( Während« ten die Jud nung vom gen wurde Schluß lief sephardisch welche Rec \uden Bessc entrechtet.| nur solche schon vor sen el’ Mo unter sowje aus diesem sen hatte, verfreiben, Die erste y, DER ENDLOSUNG|! en Regierung tler noch dos M Jahr einen Q aus mensch- eutschen, Vor "hältnismäßig en als irgend- ten Schätzung ölkerung, die vietunion vom an kann aber vehandelt hat. ', Wurden den ‚ die Disraelis e@ zugesichert, nie eine bes- wenig wurden ber 1919 fest- \ Tumänischen en der Regie- 225000 Juden ommenen Ge: schaft beraubt, ngen von 1941 Juden auf den n eine„Grün wurde, nämlich 3 fest im Sattel rteien auf und * Hitlers Befehl ‚en abgetreen ‚n seiner nähe te. Es blieb ihm m Regierung‘ i zwang. Un uf dem Popi FUNFZEHNTES KAPITEL 2. RUMÄNIEN ÜBERNIMMT DIE ENDLOSUNG eine Monarchie, wurde aber in Wahrheit ein von der Eisernen Garde regierter Ein-Parteien-Staat. Im Januar 1941 war Antonescu gezwungen, deutsche Truppen, die im Oktober 1940 nach Rumä- nien gekommen waren, zu Hilfe zu rufen, um den Putsch von Horia Simas Eiserner Garde zu unterdrücken. Die Kämpfe dauer- ten eine Woche, und 6000 Menschen wurden getötet. Beide Seiten ermordeten Juden, und Gerüchten zufolge wurden die Leichen in Bukarester jüdischen Fleischerläden ausgestellt“. Obwohl Rumä- nien schon am 23. November 1940 zum Beitritt zur Achse gezwun- gen worden war, war das verstümmelte und verzweifelte Land erst zu diesem Zeitpunkt dazu bereit, in einen antisowjetischen Kreuzzug an Hitlers Seite einzuwilligen. Während dreier Jahre eines bürgerkriegsähnlichen Zustands leb- ten die Juden unter ständigem Druck der Regierung. Die Verord- nung vom 21. Januar 1938 über die Aufhebung der Einbürgerun- gen wurde auf immer weitere Kreise der Juden ausgedehnt. Zum Schluß ließ man nur der seit der Zeit der Türken ansässigen sephardischen Gruppe und den Juden deutscher Herkunft irgend- welche Rechte. Die Juden polnischer Abstammung und die Ost- juden Bessarabiens, der Bukowina und der Moldau waren völlig entrechtet. Das Gesetz vom 9. August 1940 erkannte zum Beispiel nur solche Familien an, die die rumänische Staatsbürgerschaft schon vor Dezember 1918 besessen hatten#. Während der näch- sten elf Monate standen die Juden Bessarabiens und der Bukowina unter sowjetischer Herrschaft, und die falsche Annahme, sie hätten aus diesem politischen Umschwung Vorteile gezogen, machte sie nun zu„Staatsfeinden“. Es ist daher wahrscheinlich, daß Anto- nescu bereits schon vorher, noch vor dem 22. Juni 1941, beschlos- sen hatte, die Juden aus den zurückzuerobernden Gebieten zu vertreiben. Die erste von Rumänien verübte Metzelei— das erste große Mas- saker von Juden des Krieges— fand jedoch in einem Gebiet statt, das niemals in russischen Händen gewesen war. Die Russen ver- teidigten die Linie des Pruth— der im Juni 1940 festgelegten Grenze— mit äußerster Verbissenheit. Jassy, die Hauptstadt der Moldau, die etwa 20 Kilometer hinter der rumänischen Front lag, wurde von sowjetischen Fliegern bombardiert und von Fallschirm- jägern angegriffen. Diese Kämpfe dauerten vom 22. bis 29. Juni, bis ein blitzartiger deutscher Vorstoß am linken Flügel es den 449 men DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜUHRUNG DER ENDLOSUNG rumänischen Truppen ermöglichte, den Pruth ohne Widerstand zu überqueren. In der Zwischenzeit hatte das rumänische Heer seine Wut über den russischen Widerstand an den Juden von Jassy aus- gelassen. Nach dem schweren Luftangriff vom 24. Juni beschuldig- ten die Führer der Eisernen Garde die Juden, den russischen Flie- gern Signale gegeben zu haben. Daraufhin befahl die Polizei den Juden am 27. Juni, alle Ferngläser, Taschenlampen und photo- graphischen Apparate abzugeben. Am 28. täuschte die Eiserne Garde einen angeblich jüdischen Maschinengewehrangriff auf rumänische Soldaten von der Salchana-Synagoge aus vor. In der folgenden Nacht brach die Eiserne Garde in die Häuser der Juden ein und trieb diese unter dem Vorwand eines Fliegeralarms zu- sammen. Am frühen Morgen waren alle Juden von Jassy auf dem Platz vor der Präfektur versammelt. Die rumänische Polizei entließ die Frauen und Kinder, die Männer wurden jedoch zwecks Depor- tierung in den Hof der Präfektur getrieben. Der Befehlshaber der rumänischen Polizei, den die Deutschen beschuldigten,„verjudet” zu sein*, war allerdings bereit,„Freizetiel” zu verkaufen; als die so entlassenen Juden jedoch versuchten, den Hof zu verlassen, wurden sie„auf der Flucht” erschossen. Viele weitere Juden wur- den am Nachmittag erschossen, als die Kolonne der zu Deportie- renden— darunter hundert Frauen, die sich geweigert hatten, ihre Ehemänner zu verlassen— zum Bahnhof marschierte 7. Wir haben zwei Berichte über die darauffolgenden Ereignisse— einen sachlichen und nüchternen vom Sekretär der jüdischen Ge- meinde von Jassy, Boris Kelpner, und eine etwas phantastische Beschreibung aus der Feder Curzio Malapartes, der damals als Berichterstatter des„Corriere della Sera” beim italienischen Kon- sul in Jassy wohnte. Die in den beiden Berichten aufgezählten Tatsachen stimmen jedoch überein. Es scheint, daß die Eiserne Garde 5000 Juden in einen einzigen Zug pferchte— je 120 in einen plombierten Viehwagen— und daß der Zug nach dem etwa 500 Kilometer entfernten Bukarest gehen sollte; er wurde aber auf lange Umwege geschickt. Sechs Stunden später, als er kaum 40 Kilometer zurückgelegt hatte, wurde ein Teil abgekoppelt, und man befahl den jüdischen Funktionären von Podul Iloaje(auch Podioara genannt), die Insassen in Empfang zu nehmen. Als man die Wagentüren öffnete, fielen 1200 Leichen und einige wenige noch lebende Menschen heraus. Weitere 800 Leichen wurden in 450 zonzenNTES Tergu Frun den Judent fang nehm der Zug de meter von 10 Mens ner, der sic sich die Of viele sich© Nach amtlı weil sie an geschossen en, daß di gefordert h bot den wi vergingen Jassy aus il Inden mei: sich Metzel lebten 80 0( eine der gr große russ drei Jahre frei, nachdl schen Jude der von ‚om Juli u ER ENDIOSUNyG "iderstand zul \e Heer seine Ri Jassy aus. 1 beschuldig. ssischen Flie- e Polizei den ' und photo- ° die Eiserne Tangriff auf us vor, In der ser der Juden Jjeralarms ZU- Jassy auf dem ’olizei entließ wecks Depor- ehlshaber der >,„Verjudet" aufen; als die zu verlassen, 'e Juden wur- zu Deportie- eigert hatten, hierte*7. Ereignisse— jüdischen Ge- phantastische er damals als enischen Kon- aufgezählten ß die Eiserne — le 120 in \ach dem ehwo r wurde aber -, als er kaum ‚ekoppelt, und ‚I lloaje(av men. Als man einige wen® \en wurden In| FUNFZEHNTES KAPITEL 2. RUMÄNIEN ÜBERNIMMT DIE ENDLOSUNG Tergu Frumos, etwa 70 Kilometer von Jassy, ausgeladen, wo man den Judenrat fragte, ob er„einige jüdische Kommunisten” in Emp- fang nehmen wolle. Und so ging es volle zwei Tage weiter, bis der Zug den Bahnhof von Roman am Fuße der Karpaten, 150 Kilo- meter von Jassy, erreichte, wo man in einem Lager Platz für die 1000 Menschen, die noch am Leben waren, gefunden hatte. Kelp- ner, der sich mit vielen der Überlebenden unterhielt, erfuhr, daß sich die Opfer in der drückenden Hitze entkleidet hätten und daß viele sich an ihrem Gürtel erhängten*. Nach amtlichen Angaben wurden 500 Juden in Jassy erschossen, weil sie angeblich dem Feind Signale gegeben und auf Truppen geschossen hatten, aber die meisten Berichte stimmen darin über- ein, daß die Erschießungen und der Zug mindestens 7000 Opfer gefordert haben. Der rumänische Stadtkommandant Stawrescu ge- bot den willkürlichen Erschießungen erst am 1. Juli Einhalt, doch vergingen viele Wochen, ehe sich die überlebenden Juden von Jassy aus ihren Kellern hervorwagten*. In den meisten Städten Bessarabiens und der Bukowina spielten sich Metzeleien ab, wenn auch in kleinerem Maßstab. In Kischinew lebten 80. 000 Juden— die Mehrheit der Bevölkerung. Sie bildeten eine der größten jüdischen Gemeinden Osteuropas, die durch das große russische Pogrom des Jahres 1903 berühmt wurde. Als Ohlendorfs Kommandos Anfang Juli in die Stadt kamen, konnten sie nur 4000 Juden finden, von denen 551 unter dem gleichen Vor- wand wie in Jassy hingerichtet wurden. Später begannen die Juden zurückzukehren oder aus ihren Verstecken zu kommen, und am 2. August berichtete Ohlendorf, daß ein Ghetto für 9000 jü- dische Arbeiter und ihre Familien gegründet worden sei 5%. Genau drei Jahre später wurde dieses Ghetto von der Roten Armee be- freit, nachdem es die fast vollständige Evakuierung der bessarabi- schen Juden überstanden hatte!. In der von Juden dichtbesiedelten Bukowina nahm das Gemetzel vom Juli und August 1941 ein noch größeres Ausmaß an. Ohlen- dorf sagte, seine Leute hätten 3106 Personen hingerichtet. Czerno- witz, das eine jüdische Bevölkerung von 58000 Seelen hatte, * Die Moldau war als ein Teil Alt-Rumäniens nur teilweise von den folgenden Depor- tationen nach Transnistrien betroffen. Daher wuchs die jüdische Bevölkerung von Jassy, die von ihrer normalen Zahl von 35000 nach dem Blutbad auf 28000 zusam- mengeschrumpft war, bis zum Sommer 1942 wieder auf 32 000 an. Dies war die Folge 45] DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG wurde am 6. Juli genommen, und Kommando 10b begann sofort, den Rumänen durch Anlegen von Listen„jüdischer Kommunisten”:2 zu helfen— aber die Rumänen brauchten nicht viel Hilfe. Am 8. und 9. Juli erschoß das Kommando 100 ausgewählte Personen, aber rumänischerseits wurden in den Vorstädten 400 umgebracht, was Ohlendorf empörte, da diese Morde nicht„ordnungsgemäß” gewesen wären°(siehe$. 94 u. 227). Überlebende nannten jedoch viel höhere Zahlen. Da die Juden den Davidstern tragen mußten, war es für die Studenten der Czernowitzer Universität, von der aus Professor Alexianu— nun Gouverneur von Transnistrien— während Gogas kurzer Regierungszeit 1938 Pogrome geleitet hatte, nicht schwer, ihre Opfer zu finden 5%. In den kleineren Städten der Bukowina, besonders in Radautz und Czudin, wurden die Juden noch vor Ankunft der Deutschen von ukrainischen Banden aus dem von den Russen besetzten Teil Gali- ziens ermordet, ein Umstand, der es Antonescu ermöglichte, im Namen von„Ruhe und Ordnung“ zwei Konzentrationslager für die Juden der Bukowina zu schaffen. Aus diesen beiden Lagern, Edinet und Sekureni, und aus dem Ghetto von Sutschawa wurden am 12. August 12000 Juden zum Brückenkopf am Dniestr bei Mo- hilew-Podolsk getrieben; das war der Anfang der Deportierung jedes einzelnen jenseits des Pruth lebenden Juden. Aber das neu- besetzte ukrainische Gebiet jenseits des Dnjestr war noch unter deuischer Militärverwaltung, und in der zweiten Hälfte des August wurden 27 500 Juden zurückgeschickt. Die Rumänen brachten sie in improvisierien Lagern unter. Am 30. August vereinbarie der deutsche mit dem rumänischen Stab in einer Besprechung in Tighina, daß das Gebiet zwischen dem Dnijestr und dem Bug ru- mänische Zivilverwaltung erhalten solle. Antonescu stand nun das gesamte Gebiet links des Dnjestr, das an Rumänien angegliedert und„Transnistrien“ genannt wurde, als Ablagerungsstätte für Ju- den zur Verfügung(siehe S. 270 ff.). Die Bukowina und Bessarabien hatten 1930 277 949 jüdische Ein- wohner und im August 1940 schätzungsweise 300 000, aber vor der Rückeroberung dieser Gebiete durch Rumänien war die Anzahl der Juden zuerst durch Deportierungen ins Innere Rußlands und der gegen die Juden gerichteten Vorschriften, welche sie aus den Landstädten ver- trieben. In Jassy gab es kein umfriedetes Ghetto, aber die Juden wurden gezwungen, im ärmsten Teil der Stadt zu leben). 452 ‚oNrZeHNTES dann durd zahl der© kauptsächi ferungsmö Ansiedlung Deportatio hatte die „yorbeiten. und Bestec ‚ollveranh Disziplin sc ieder Unter Sie mußten wegen Ihre fnde der T einfach Lich hate nicht 18. Oktobe Antonescu der Vereinl den Bug sc fir Antone: aussichtlich digen wü von Heydi Richter, he plane, 110 summeln, u Zähl -ahlung aller “gern Unterge ER ENDLOSUNG -gann sofort, NMunisten“® el Hilfe, Am Ite Personen umgebracht Ungsgemäß” nnten jedoch gen mußten ität, von de Insnistrien— Ome geleitet Radautz und eutschen von ten Teil Gali- möglichte, im ionslager für den Lagern, ıawa wurden jestr bei Mo- Deportierung e des August rachten sie in einbarte der sprechung in dem Bug ru- tand nun das angegliedert® kstätte für Ju- jüdische Ei- aber vor der Landstädten ver ‚rden gezwungeN), - FONFZEHNTES KAPITEL 2. RUMÄNIEN ÜBERNIMMT DIE ENDLOSUNG dann durch Massenflucht sehr zusammengeschrumpft*. Die An- zahl der Geflohenen war sicher größer als die der Todesfälle, die hauptsächlich auf Erschöpfung und Hunger während der Depor- tierungsmärsche und auf die Typhusepidemie während des ersten Ansiedlungsversuches zurückzuführen waren. Zwischen den ersten Deportationen im August und ihrer Wiederaufnahme im Oktober hatte die rumänische Regierung jedoch Zeit, ihre Pläne aus- zuarbeiten. Sie ist daher für die Mischung von Roheit, Unfähigkeit und Bestechlichkeit, die die rumänische Führung kennzeichnete, voll verantwortlich. Disziplin scheint es überhaupt nicht gegeben zu haben, und bei ieder Unterbrechung des Marsches wurden die Opfer ausgeraubt. Sie mußten neben den Leichen ihrer Vorgänger übernachten, die wegen ihrer Habseligkeiten ermordet worden waren. Selbst am Ende der Transporte waren viele der sogenannten Sammelpunkte einfach Lichtungen im Wald ohne irgendein Obdach 7, denn man hatte nicht die Absicht, die Juden in Transnistrien zu lassen. Am 18. Oktober, eine Woche vor Beginn der Deportierungen, erklärte Antonescu die Angliederung dieses Gebiets an Rumänien. Trotz der Vereinbarung von Tighina hoffte Antonescu, die Juden über den Bug schicken zu können, wo Hitler, der seine Bewunderung für Antonescus Initiotive zum Ausdruck gebracht hatte, ihm vor- aussichtlich die Arbeit abnehmen und die rumänischen Juden er- ledigen würde(siehe S. 94 u. 409). So geht aus einem Bericht von Heydrichs Polizeiattache bei der Bukarester Gesandtschaft, Richter, hervor, daß man am 17. Oktober annahm, Antonescu plane, 110000 Juden„in zwei Wäldern jenseits des Bugs” anzu- sammeln, und daß der Zweck dieser Aktion„die Liquidierung der Juden” sei®®. Richter verhinderte vorerst die Ausführung dieses Plans, und die Juden blieben zwischen Dnijestr und Bug, hauptsächlich in den Lagern Pechora, Tulczin, Balta, Berschad und Trostyane. Nach und nach wurden sie aussortiert. Alle, die der Zusammenarbeit mit den Russen beschuldigt wurden, darunter die meisten Ärzte in Kran- * Kurz vor den Deportierungen, Anfang September 1941, veranstaltete das Heer eine Zählung aller Juden in Bessarabien(aber nicht in der Bukowina) einschließlich der in Lagern untergebrachten. Sie ergab eine Gesamtanzahl von 126 434 Juden. Diese Zahl — vorausgesetzt, daß sie verläßlich ist— deutet darauf hin, daß über 100 000 Juden Bessarabien verlassen haiten. Die meisten Schätzungen der Ausrottung der rumäni- schen Juden ziehen das nicht in Betracht.(Siehe Anhang|.) 453 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG kenhäusern, wurden für einige Zeit in Straflager geschickt°?. Die übrigen durften sich in den Städten niederlassen, vor allem in Tul- czin, Golta, Jampol, Mohilew-Podolsk, Ribniza und Tiraspol. Sie trugen dazu bei, die schon übervölkerten jüdischen Gemeinden noch zu verstärken. Über Czernowitz, von wo zwischen dem 12. Oktober und 2. No- vember 30000 Juden deportiert wurden, sind wir einigermaßen unterrichtet. Zuerst wurde die gesamte jüdische Bevölkerung— Schätzungen zufolge waren 50 000 in der Stadt geblieben— nach nur zwölfstündiger Warnung in das armseligste Stadtviertel um- esiedelt6°. Am nächsten Tag begannen die Deportierungen. Es gab keine Selektion, sondern es ging straßenweise. Die Juden durften einen Rucksack mitnehmen und ihr Geld behalten, das ihnen allerdings zu einem Kurs in Rubel gewechselt wurde, der einer Beschlagnahme gleichkam. Am 23. begann sich die will- kürliche Art der Deportierungen dadurch zu ändern, daß der Bür- germeister von Czernowitz, Traianu Popovicz, in guter rumänischer Tradition Freizettel zu verkaufen anfing. Auf diese Weise erhiel- ten 16000 Juden Aufenthaltsbewilligungen, und weitere 4000 leb- ten in Verstecken. Später durften die ausgenommenen Juden in ihre ausgeplünderten Wohnungen zurückkehren, wo sie den Win- ter in äußerster Not verbrachten. Es scheint, daß im Oktober und November etwa 100 000 Juden die Bukowina und Bessarabien verließen, keine jedoch im Dezember und Januar. Für diese Tatsache hat der Oberrabbiner von Buka- rest, Saffran, eine bemerkenswerte Erklärung geliefert$!. Am 16. Dezember löste Antonescu den Verband rumänisch-jüdischer Kultusgemeinden auf und ersetzte ihn durch eine unter Aufsicht der Regierung stehende„Zentrale” nach deutschem Muster. Alle Anzeichen deuteten daher darauf hin, daß die Deportierungen auf Altrumänien ausgedehnt würden. Der Oberrabbiner entschloß sich deshalb, einen verzweifelten persönlichen Appell an den orthodoxen Patriarchen Nikodemus zu richten. Der Patriarch sah sich veranlaßt, cın die Königin-Mutter Helene und den jungen Kö- nig Michael mit dem Ersuchen um eine gleichzeitige Einladung für sich und den deutschen Gesandten Manfred von Killinger in das Königsschloß heranzutreten. Killinger war ehemals als Korvetten- kapitän Kommandant eines Torpedobootes und Anfang der zwanziger Jahre Freikorpskämpfer; als hoher SA-Führer und per- 454 ponrzeHNTE sönlicher gruppe U" Luther ım die würdi ersetzen und benc ein brutal Iinger w einschüch gemäß in Eindruck der Könit mittelte( Mar. And Ministerp schalls),© anwies, A Oberrabl königlich: fescu, VO! der von€ obwohl© Cuzas ra fanden b Statt. Darı in Transr der Natic gesamme eine drin tierten il überweist scher Mil ausgezal Gebietes Deportie, Nische Be Diese Int dazu, sic halb rum DER ENDIOSUNG -Schickt® "allen in Tul. Iraspol, Sie N Gemeinden Die Er und 2 No- einigermaßen Völkerung— ieben— nach adiviertel um- ffierungen, Es se. Die Juden behalten, das lt wurde, der sich die will- ‚ daß der Bür- rrumänischer Weise erhiel- tere 4000 leb- nen Juden in sie den Win- 000 Juden die im Dezember ner von Buka- liefert. Am nisch-jüdischer unter Aufsicht n Muster. 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Königin Helene über- mittelre Oberrabbiner Saffrans Bitten dem päpstlichen Nuntius Mgr. Andrea Cassulo; dieser wandte sich an den stellvertretenden Ministerpräsidenten Mihai Antonescu(kein Verwandter des Mar- schalls), der den Kommissar für jüdische Angelegenheiten Lecca anwies, Arzneien in die transnistrischen Städte zu senden. Oberrabbiner Saffrans Bericht zufolge wurde die Auffassung des königlichen Hofes dem Gouverneur der Bukowina, Corneliu Kolo- tescu, vom Metropoliten von Czernowitz, Tit Samadrea, mitgeteilt, der von den Greueln der Oktoberdeportationen entsetzt war— obwohl Samadrea selbst eine Zeitlang Anhänger von Professor Cuzas radikal-antisemitischer Partei gewesen war‘. Tatsächlich fanden bis Juli 1942 keine Deportierungen aus Czernowitz mehr statt. Darüber hinaus gab es gewisse Erleichterungen für die Juden in Transnistrien. Der Gouverneur, Professor Alexianu, gestattete der Nationalbank, 25 Millionen Lei, die von den Juden Rumäniens gesammelt worden waren, nach Tiraspol zu überweisen. Dies war eine dringende Notwendigkeit, da kaum 30000 von den Depor- tierten ihren Lebensunterhalt erwerben konnten. Private Geld- überweisungen wurden auch gestattet, aber sie wurden in deut- scher Militärwährung zu einem Zehntel ihres wirklichen Wertes ausgezahlt. Auf diese Weise blieb bis zur Rückeroberung des Gebietes durch die Rote Armee Wohltätigkeit zugunsten der Deportierten eine recht ertragreiche Einkommensquelle für rumä- nische Beamte%. Diese Interventionen bewogen Marschall Antonescu jedoch nur dazu, sich noch mehr anzustrengen, die Juden in Gebiete außer- halb rumänischer Aufsicht zu schicken. Infolgedessen gingen die 455 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG Deportierungen im Februar 1942 direkt über den Bug. Alfred Rosenberg teilte in seiner Eigenschaft als Minister für die Ost- gebiete Luther am 11. Februar mit, daß Antonescu 10000 Juden bei Wosnoschensk über den Fluß geschickt habe und daß weitere 60000 unterwegs seien. Luther ersuchte Ribbentrop durch von Weizsäcker, diese„wilden Judenabschiebungen” zu unterbinden, da Rosenberg wegen der Gefahr von Typhus Einwände erhoben habe. Typhus könne auftreten, wenn die Rumänen die Kleidung toter Juden verkauften%, Am 13. März fand eine Besprechung zwischen Eichmann, Wetzel aus Rosenbergs Ministerium— dem Verfasser des Briefes über die Gaskammern(siehe S. 144 f. u. 226)— und Rademacher statt. Sie beschlossen, fürs erste an Antonescu nur eine Warnung zu senden. Die Deportierungen über den Bug wurden nichtsdesto- weniger fortgesetzt, und am 14. April teilte Eichmann Rade- macher mit, er behalte sich das Recht vor, Sicherheitsmaßnahmen zu treffen. Die Deportierungen hörten anscheinend vor dem 12. Mai auf. Rademacher erhielt nun von Rosenbergs Ministerium zwei Berichte über Eichmanns„Sicherheitsmaßnahmen“. Am 16. Mai erfuhr er, daß 28000 Juden in die volksdeutschen Siedlun- gen in Transnistrien zurückgeschickt worden seien,„wo sie liqui- diert wurden”. Der von Otto Bräutigam unterzeichnete Bericht vom 23. Mai sagte lediglich, daß ein großer Teil der Juden Transni- striens gestorben sei und daß andere nach Odessa transportiert worden seien. Zahl und Schicksal der Februar bis Mai 1942 über den Bug deportierten Juden sind daher nicht klar”. Wir wissen mehr über den dritten und letzten Versuch, die Juden der Bukowina und Bessarabiens den Deutschen in der Ukraine zuzuschieben. Am 28. Juni 1942 beschloß der Gouverneur der Bukowina, Kolotescu, plötzlich, alle Juden, die vom Czernowitzer Bürgermeister Traianu Popovicz Freizettel erhalten hatten, zu de- portieren. Daraufhin wurden 4530 Juden nach Tulczin, einem der überfülltesten transnistrischen Gheittos, geschleppt‘®. Unter ihnen waren einige Mitglieder des Czernowitzer Judenrats und Insassen von Krankenhäusern und Irrenanstalten. Die letztgenannten wur- den einfach auf dem Lande freigelassen, damit die Deutschen sie einfangen und erschießen konnten, wie es im letzten Jahr in die- sem Gebiet üblich gewesen war. Aus Tulczin wurde eine Anzahl als Teil der Massentransporte von 14000 Juden über den Bug de- 456 ir i N N ‚onFZeHNTE porfert 9 in der sÜC Uman, die yon Juder jede Spur AntonescU schieben,: Gebiet de: fs handelt ner Schied var, ein| empfindlic Zeitpunkt nach meh zur Aufga Schon am nitgeteilt, würden 72; Antonescu auf Grunc schvar uni Ribbentro) !ember ar deportiere eingesetzt Das ware Stücke, die hauptet h diesen sch ging an I Polizeiatt: weiterleife der Gene "Die Niedric sorabien der Besuch von( Antonescu, d “oren viellei Iebenden run Anhang 1) R ENDIOSUNG Bug, Alfred für die Ost 0000 Juden aß Weitere durch von Unterbinden, \de erhoben lie Kleidung ann, Wetzel Briefes über Macher statt, Namnung zu nichtsdesto- mann Rade- maßnahmen d vor dem Ministerium hmen”, Am hen Siedlun- wo sie liqui- Berichtvom Jen Transni- transportiert ai 1942 über h, die Juden der Ukraine verneur der zernowitzer ıtten, zu de- 1, einem der Unter ihnen ınd Insassen annten WUl- gutschen sie Jahr in die: sine Anzahl den Bug de. FUNFZEHNTES KAPITEL 2. RUMÄNIEN ÜBERNIMMT DIE ENDLOSUNG portiert. Bis zum Spätherbst wurden sie deutscherseits in Lagern in der südlichen Ukraine in der Nähe der Städte der Provinz Uman, die die Einsatzgruppen im September 1941 so gründlich von Juden geräumt hatten, festgehalten. Nachher verschwindet jede Spur der letzten aus Rumänien deportierten Juden*%. Antonescus wiederholte Versuche, die Juden über den Bug abzu- schieben, spornten Himmler dazu an, rumänische Juden aus einem Gebiet deportieren zu lassen, das bisher verschont geblieben war. Es handelt sich um jenen Teil Siebenbürgens, der nach dem Wie- ner Schiedsspruch vom September 1940 bei Rumänien verblieben war, ein Gebiet, auf dessen Schicksal die Rumänen besonders empfindlich reagierten. Es ist möglich, daß das in diesem kritischen Zeitpunkt ausgesprochene Verlangen des Auswärtigen Amtes nach mehr Juden der entscheidende Faktor war, der Antonescu zur Aufgabe der ganzen Deportierungspolitik veranlaßt hat. Schon am 11. Juni 1942 haite Eichmann seinem Stab vertraulich mitgeteilt, daß die rumänischen Juden nach Auschwitz geschickt würden 72; am 17. August schrieb Luther an Ribbentrop, daß Mihai Antonescu eine Vereinbarung mit dem Marschall getroffen habe, auf Grund deren deutsche Stellen sofort Juden aus Arad, Teme- schvar und Turda deportieren sollten. Zwei Tage später erfuhr Ribbentrop von Luther, daß Himmler beabsichtige, vom 10. Sep- tember an die rumänischen Juden nach der Lubliner Gegend zu deportieren 3.„Der arbeitsfähige Teil wird arbeitseinsatzmäßig eingesetzt, der Rest der Sonderbehandlung unterzogen.“ Das war ein weiteres dieser nackten Mord verzeichnenden Schrift- stücke, die Weizsäckers Zeichen tragen und von denen er be- hauptet hat, er habe grundsätzlich„nur als Briefträger in allen diesen scheußlichen Angelegenheiten“ gehandelt”. Eine Abschrift ging an Mihai Antonescu, der sie offenbar guthieß und an den Polizeiattach& der deutschen Gesandtschaft in Bukarest, Richter, weiterleitete. Am 20. September teilte Luther Eichmann mit, daß der Generalsekretär des rumänischen Außenministeriums, Davi- * Die niedrigste Schätzung der Zahl der 1941 und 1942 aus der Bukowina und Bes- sarabien deportierten Juden beläuft sich auf 140 0007. Im Dezember 1943, vor dem Besuch von Charles Kolb vom Schweizer Roten Kreuz in Transnistrien, erklärte Mihai Antonescu, daß es dort noch 78.000 Juden gebe. Kolb fand jedoch nur 54 30071. Einige waren vielleicht schon in ihre Heimat zurückgekehrt, aber die Schätzungen von über- lebenden rumänischen Juden deuten darauf hin, daß 60 000 umgekommen sind.(Siehe Anhang 1.) 457 LE-. er DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜUHRUNG DER ENDLOSUNG descu, seine Zustimmung erteilt habe und daß der Kommissar für jüdische Angelegenheiten, Lecca, auf dem Wege nach Berlin sei, um die wirtschaftlichen Einzelheiten des Deportationsplans zu be- sprechen. Offenbar war Himmlers Vorschlag der rumänischen Regierung durch Luthers„Deutschland“-Abteilung unter Umgehung des Ge- sandten von Killinger unterbreitet worden, der sich außerdem noch mit der Anwesenheit des in der Gesandtschaft eingesetzten Gestapospions Richter abfinden mußte. Am 27. August erhielt Luther ein Telegramm, in dem sich Killingers angestaute Wut Luft machte 5: „Ich bitte, wenn derart wichtige Persönlichkeiten wie Herr Ministerialdirektor Lecca nach Berlin kommen, dieselben nicht in einer Form abzuspeisen, daß das gute Verhältnis zwischen Deutschland und Rumänien getrübt werden könnte. Bemerken möchte ich noch, daß alle Schreiben an den SS-Obersturm- bannführer Eichmann über das Auswärtige Amt gegangen sind, so daß das Auswärtige Amt Kenntnis von den Vorgän- gen hatte. Daß natürlich Herr Eichmann es nicht für notwendig gefunden hat, mit dem Auswärtigen Amt Verbindung aufzu- nehmen, ist mir in keiner Weise verwunderlich, da mir ja die Methoden der Herren der SS zur Genüge bekannt sind. Im übrigen möchte ich bemerken, daß alle Dinge, die ich an Abteilung Deutschland berichte, in kürzester Zeit beim SD landen.“ Erklärungen und Anschuldigungen wurden ausgetauscht, bis am 12. September die Abteilung Deutschland Ill, die diesen Sturm entfesselt hatte, von der Bukarester Gesandtschaft erfuhr, Killin- ger wünsche zu diesem Zeitpunkt nicht, die Angelegenheit weiter- zuverfolgen*. Während die SS und die SA miteinander siritten, änderte Mar- schall Antonescu seine Pläne, nicht etwa, weil Lecca in Berlin be- leidigt worden wäre, sondern weil er von allem Anfang an über * Am 25. August 1942 hatte Luther auf Grund von Killingers Beschwerde einen strengen Verweis erhalten. Es wurde ihm verboten, weitere selbständige Schritte in der Frage der Deportierung von ungarischen, bulgarischen und kroatischen Juden in der italienisch besetzten Zone zu unternehmen. Es wurde ihm weiter mitgeteilt, daß„der Herr Reichs- außenminister bittet, in Zukunft vor der Aufnahme von Verhandlungen mit fremden Regierungen, die in den Geschäftsbereich Ihrer Abteilung fallen, ihm die betreffende Angelegenheit vorzutragen oder vorzulegen und seine Genehmigung abzuwarten”, 458 zanrzennTeS N j de jüngsten 1). Dezembe ortierungSP ung mach Pe Lier wird Wi ungefüllt. E itischen De Sellen geleit vergeblich V tılan in Her dung mit B egfe dem Re ın.den Tag, ascus. Es ist \cht geführt Ihr. Cassulo schwedischen (reuzes?®, Er dus deutsche 'rovinz Uma Herbst 19 Onlestr und Seppe, die &de Spur[Ü fen auf d sem Grun nsmaßı M und vielen is des Reich ENDIOSUNG Missar für Berlin sei, INS Zu be. Regierung 9 des Ge. außerdem gesetzten st erhielt > Wut Luft wie Herr ben nicht 5 zwischen Bemerken )bersturm- gegangen n Vorgän- 1otwendig ng aufzu- da mir ja annt sind, die ich an t beim SD 3 ht, bis am sen Sturm yhr, Killin- eit weiter- Jerte Mar- Berlin be- 1g on über ‚inen strengen in der Frage der italienisch r Herr Reichs- _ mit fremden = betreffende uwarten”®. FUNFZEHNTES KAPITEL 3. RUMÄNIEN VERWIRFT DIE ENDLOSUNG die jüngsten deutschen Einmischungsversuche entrüstet war. Am 12. Dezember berichtete von Killinger, Antonescu habe den De- portierungsplan aufgegeben und sei jetzt für jüdische Auswande- rung nach Palästina 77. Hier wird wieder eine Lücke durch Oberrabbiner Saffrans Bericht ausgefüllt. Er hatte Mitte August von einer siebenbürgischen jüdischen Delegation erfahren, daß die Pläne für von deutschen Stellen geleitete Deportierungen fertiggestellt seien, und er hatte vergeblich versucht, den siebenbürgischen Metropoliten Mgr. Balan in Hermannstadt zu erreichen. Später hatte er eine Unter- redung mit Balan in General Vatoianus Haus in Bukarest. Balan legte dem Rabbiner gegenüber eine korrekte und kühle Haltung an den Tag, wandte sich aber nichtsdestoweniger an die Anto- nescus. Es ist wahrscheinlich, daß Mihai Antonescu Richter hinters Licht geführt hat, denn er empfing nicht nur Balan, sondern auch Mar. Cassulo, der Tiraspol besucht hatte, den Schweizer und den schwedischen Gesandten und Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes’”®. Er ordnete sogar eine Untersuchung des Gemetzels an, das deutsche Einheiten unter den über den Bug in die Städte der Provinz Uman deportierten Juden angerichtet hatten*. 3. Rumänien verwirft die Endlösung Im Herbst 1942 gab es noch über 70000 Juden zwischen dem Dnjestr und dem Bug in einer Ecke der großen ukrainischen Steppe, die nun Hitlers„Lebensraum“ bildete und auf der sonst jede Spur jüdischen Lebens ausgelöscht worden war. Diese Juden lebten auf den Verbindungslinien zur deutschen Ostfront. Aus diesem Grunde konnte Endsieg oder endgültige Niederlage nur * Die Rolle, die Vertreter des Roten Kreuzes gespielt haben, um die Ausdehnung der Deportationsmaßnahmen gegen die Juden der Vasallenstaaten der Achse zu verhin- dern und vielen Metzeleien und Katastrophen während des endgültigen Zusammen- bruchs des Reichs vorzubeugen, ist nie voll gewürdigt worden. Der Grund liegt in der Politik der Zurückhaltung und Anonymität, die das Komitee des Internationalen Roten Kreuzes seit dem Krieg verfolgt. Der Verfasser dieses Buches, der hier seine Dankbarkeit für Material aus einigen Veröffentlichungen des Komitees des Internatio- nalen Roten Kreuzes Ausdruck geben möchte, kann nicht umhin, diese Geheimhaltung von Namen der Verfasser gewissser Berichte zutiefst zu bedauern. Die drei dicken Bände des Berichtes über die Tätigkeit des Internationalen Komitees im zweiten Weltkrieg scheinen jedesmal in die von der Zensur der Kriegszeit verlangte unbe- stimmte, lakonische Sprache zu verfallen, wenn von der den Juden geleisteten Hilfe die Rede ist. Nur Georges Dunand und Graf Bernadotte haben dieses Schweigen gebrochen und ihre persönlichen Erinnerungen veröffentlicht. 459 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG eines bedeuten: Ausrottung. Es gab nur einen sehr unsicheren und problematischen Weg der Flucht zum Hafen Konstanza am Schwarzen Meer, aber von dort waren es nur 250 Kilometer bis zu neutralen Gewässern, in denen kein deutsches Schiff das Recht hatte, andere Schiffe zu durchsuchen. Der erste Versuch endete tragisch. Am 16. Dezember 1941 blieb der erbärmliche kleine Dampfer„Struma“ von 180 Tonnen vor Konstantinopel stecken. Er war auf dem Weg von Konstanza nach Haifa und hatte 769 jüdische Flüchtlinge, darunter 70 Kinder, an Bord. Niemand hatte eine Einwanderungsbewilligung für Palä- stina. Infolgedessen weigerten sich die englischen Behörden, ein „Navicert“(eine Erlaubnis für neutrale Schiffe, unbehelligt auf hoher See zu fahren) auszustellen, und die türkischen Stellen er- teilten keine Landungsbewilligung. Die hilflose„Struma“ lag zehn Wochen lang im Bosporus, und ihre Passagiere wurden von der jüdischen Gemeinde von Konstantinopel ernährt. Am 24. Februar 1942 wurde die„Struma” von den Türken im Schlepptau in die See gezogen, wo sie zehn Kilometer vom Land sank. Nur zwei Menschen schwammen ans Land und konnten sich so retten. Nach diesem Zwischenfall gab es Anfragen im britischen Unterhaus, aber die Regierung bestand darauf, daß an der im Weißbuch des Jahres 1939 festgelegten Palästinapolitik festgehalten werden müsse. Ein Jahr der Massaker in Osteuropa hat diese Politik nicht ge- ändert. Am 17. Dezember 1942, nach dem Verlesen der Erklärung der Vereinten Nationen, daß die Schuldigen am Rassenmord be- straft würden, stand das Unterhaus in Schweigen. Als aber ein Abgeordneter vorschlug, die Alliierten sollten sofort allen, die in Gefahr sind, Zuflucht gewähren, gebrauchte der damalige Außen- minister Eden eine ganz andere Sprache.„Gewisse Sicherheits- maßnahmen müssen erwogen werden”, und es gebe„riesige geo- graphische Schwierigkeiten”. Es war dann leicht für den Freiherrn von Stumm von Ribbentrops Abteilung für die Auslandspresse, dieser zu erzählen, die feierliche Erklärung der Vereinten Natio- nen sei ein Greuelmärchen, das das Weihnachtsgeschäft jüdischer Warenhäuser in London und New York fördern solle”. Die offenkundig ausweichende Haltung des britischen Außenamtes wurde von den Vereinigten Staaten durch direkte Obstruktion von Seiten des unter Cordell Hulls Leitung stehenden State Departe- 460 sonFZEHNTES! ment noch| Wise vom gebung am iber die Me ikanische halten, weil sjnem neufr Priyatperso! die Erfolgsc sche Weltk« Departemen aufein deut ich genüge «umänischer \leiner Teil den verwen endete mit nische Finat \ dieser Verz Vorsicht de \ Klogevertre denen klar \ das Berliner \ aufdie SS zember 194 ‚Zentrale” ı Anträge au wollten. Kill gen mitein« aufbeguen Während c den dünner der„Jewish üngen. Am \inder aus "ürden unc Werden, ol a Killinge, Nandelt. I y Onstanza am E Kilometer bj; hiff das Recht| er 1941 blieh Tonnen vor nstanza nach 0 Kinder, an ung für Pala- Behörden, ein 1behelligt auf ien Stellen er- ma" lag zehn rden von der m 24, Februar epptau in die ınk. Nur zwei 0 retten. 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So hat im Januar 1943, als Dr. Stephen Wise vom Jüdischen Kongreß Amerikas bei einer Massenkund- gebung am New Yorker Madison Square viele neue Einzelheiten über die Massaker in Polen und Rumänien bekanntgab, der ame- rikanische Gesandtie in Bern, Leland Harrison, einen Verweis er- halten, weil er den Weiterbestand der diplomatischen Post in einem neutralen Land durch Übermittlung von Informationen an Privatpersonen gefährdet habe®®, Die Erfolgsaussichten schienen daher nicht sehr gut, als der Jüdi- sche Weltkongreß sich im März mit dem Ersuchen an das State Departement wandte, man möge die Überweisung einer Summe auf ein deutsches Sperrkonto in der Schweiz gestatten, die angeb- lich genügen würde, um die Flucht von 70.000 französischen und rumänischen Juden von der SS zu erkaufen. Am Ende wurde ein kleiner Teil dieser Summe als Lösegeld für einige ungarische Ju- den verwendet(siehe$. 493 ff. u. 503), aber der ursprüngliche Plan endete mit einem völligen Mißerfolg. Der ehemalige amerika- nische Finanzminister Henry Morgenthau hat die Hauptschuld an dieser Verzögerung— nicht ganz zu Recht— der übertriebenen Vorsicht der britischen Regierung zugeschoben. Aber die An- klagevertreter in Nürnberg entdeckten später Schriftstücke, aus denen klar hervorgeht, daß das Haupthindernis Ribbentrop und das Berliner Auswärtige Amt waren, die den Plan aus Eifersucht auf die SS untergruben®'. Marschall Antonescu wußte am 12. De- zember 1942 vom Plan des Jüdischen Weltkongresses. Er wies die „Zentrale“ der rumänischen Juden an, 75.000 Juden zu finden, die Anträge auf Erteilung von Sichtvermerken für Palästina stellen wollten. Killinger erfuhr von Lecca, daß der Marschall„zwei Flie- gen mit einem Schlag treffen und sich einer großen Anzahl Juden auf bequeme Weise entledigen wolle” 22, Während der nächsten Monate beobachtete die Wilhelmstraße den dünnen Strom von Juden, denen man gestattete, mit Hilfe der„Jewish Agency” von Konstantinopel nach Palästina zu ge- langen. Am 11. März 1943 hörte Rademacher, daß 72 jüdische Kinder aus Ungarn und Rumänien im Auffanglager Atlit erwartet würden und daß weitere 150 und vielleicht sogar 500 nachfolgen werden.„Tue, was Du kannst, um das zu verhindern“, schrieb er an Killinger 8, und der Herr Gesandte hat zweifellos danach ge- handelt. 31 46] DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG| Ende Mai hatte Killinger jedoch viel ernstere Dinge zu berichten. Antonescu hatte behauptet, daß Hitler versprochen habe, 70.000 jüdische Kinder aus Rumänien nach Palästina gehen zu lassen; die Ähnlichkeit dieser Ziffer mit der des Jüdischen Weltkongresses ist bemerkenswert. Hitler habe dieses Zugeständnis während eines Besuches Antonescus in seinem Feldquartier am 12. und 13. April gemacht, währenddessen die beiden die Frage besprachen, wie Rumänien den Krieg weiterführen könne. Rumänien hatte einen großen Teil seines Heeres bei Stalingrad verloren, und es war notwendig, Antonescu zu bestechen. Er war schon mit dem Schwei- zer Roten Kreuz in Verbindung getreten, um den nötigen Schiffs- raum zu beschaffen®**, Von Thadden, der„Judensachbearbeiter“ in der Abteilung„In- land II“, der eben Martin Luthers Funktionen übernommen hatte, da dieser ins Konzentrationslager Sachsenhausen geschickt wor- den war, hörte Ende Mai von einem zweiten Vorschlag. Die britische Regierung hatte durch den Schweizer Gesandten in Ber- lin angeboten, 5000 Juden aus Polen, Lettland und Litauen, dar- unter 85 v. H. Kinder**, als Einwanderer nach Palästina zuzu- lassen. Eichmann bestand darauf, daß sie gegen 20.000 Deutsche in militärfähigem Alter ausgetauscht würden, und der Rechtsbe- rater des Auswärtigen Amtes, Dr. Emil Albrecht, sandte an die Abteilung„Inland II” bis ins einzelne ausgearbeitete Anweisun- gen, wie diese Deutschen auszusuchen seien. Albrecht schrieb, daß dies Teil eines Planes sei, 30 000 bis 50000 Kinder„damit der ihnen angeblich drohenden Vernichtung zu entziehen“. Obwohl die bulgarische Regierung ihre Mitarbeit zugesagt habe, sei es sicher, daß sie Schwierigkeiten technischer Art machen würde * Wir werden nie erfahren, ob Hitler tatsächlich Antonescu dieses Versprechen ge- geben hat. Dr. Paul Schmidt schreibt, daß Antonescu während seines Besuches den Abschluß eines Sonderfriedens mit den westlichen Alliierten befürwortet habe. Es ist möglich, daß Hitler einige Zugeständnisse gemacht hat, um Antonescu bei der Stange zu halten. Obwohl Hitler von der Vorstellung der Macht des jüdischen internatio- nalen Finanzkapitals besessen war, ging seine Abneigung doch nicht so weit, daß er jüdische„Finanzkapitalisten“ daran hinderte, ihr Leben zu erkaufen. Der Fall der 70000 Kinder aus dem„Reservoir des Ostjudentums” lag allerdings anders, denn sie würden ja vermutlich am Leben bleiben und sich fortpflanzen. ** Zu einem bestimmten Zeitpunkt hat Himmler dieses Angebot ernstlich in Erwägung gezogen. Ende August wurden die 1500 Kinder des Bialystoker Ghettos in ein Lager in Kreta bei Theresienstadt gebracht. Man glaubte, daß sie tatsächlich in die Schweiz geschickt würden, aber Anfang Oktober verschwanden sie zusammen mit ihren Be- gleitern— fast sicher nach Auschwitz®, 462 ganrzehNTES kiehe 3. WB er Eichman! nußte: ‚Dies nicht m Auswal nisch n Jos englisc Auswärtige Schweizer( noch immer verlangte,© ind geher geben; auf habe ihm g der gebe,: (irze nad 5.340.) Sowohl die des Jüdisch scheiterten im Wilhelm ‚Alle v schläge traler ı Kindlei ten Sar listische Nebenbei s freiem Fuß Später, als Seppe zur daran, sich der, als die IEscy eine "Gegen von T Noben, aber di "Orb sich dach k evertretung enllass en. ° DER ENDIOSUNg ZU Berichten, N habe, 700 N ZU lassen; je A ONgTESSES ig| Während eines 2. und 13, April esprachen, wie ien hatte einen "N, Und es wor mit dem Schwei. nötigen Schifk. Abteilung„In. nommen hatte, geschickt wor.| Vorschlag. Die sandten in Ber ıd Litauen, dar- Palästina zuzu- 20.000 Deutsche ] der Rechtsbe- sandte an die tete Anweisun- Ibrecht schrieb, der„damit der ehen“. Obwohl gt habe, sei es machen würde ses Versprechen ge: seines Besuches den wortet habe. Es Is 1escu bei der Stange jüdischen internatio: nicht so weit, dod aufen. Der Fall der ‚dings anders, dem N. ‚nstlich in Erwägung ;hettos in ein Loge hlich in die Schweiz ft ihren Be© nmen MI FUNFZEHNTES KAPITEL 3. RUMÄNIEN VERWIRFT DIE ENDLOSUNG (siehe$. 433). Albrecht verwendete das Wort angeblich, obgleich er Eichmanns Anweisung an die Abteilung„Inland II” kennen mußte: „Dies muß schnell durchgeführt werden, denn die Zeit ist nicht mehr fern, wenn infolge unserer Judenmaßnahmen die Auswanderung von 5000 Kindern aus den Ostgebieten tech- nisch nicht zu bewerkstelligen sein wird&.” Das englische Angebot wurde von verschiedenen Fachleuten des Auswärtigen Amtes zerpflückt und hin und her beraten, bis der Schweizer Gesandte am 2. Mai 1944 neuerlich betonte”, daß es noch immer offen sei. Da änderte von Thadden seine Haltung und verlangte, daß die Kinder nicht nach Palästina, sondern nach Eng- land gehen sollen, um dort dem Antisemitismus Nahrung zu geben; außerdem müsse es sehr schnell gehen, denn Eichmann habe ihm gesagt, der einzige Ort, wo es noch 5000 jüdische Kin- der gebe, sei das Lodzer Ghetto,„doch werde auch dieses in Kürze nach Himmlers Weisungen liquidiert werden“.(Siehe $. 340.) Sowohl die von Präsident Roosevelt unterstützte Hilfsbereitschaft des Jüdischen Weltkongresses als auch Antonescus Habgier scheiterten an diesem Irrgarten der Obstruktion. Um das Urteil im Wilhelmstraßen-Prozeß zu zitieren®®: „Alle vom Außenamt unternommenen Schritte, alle seine Rat- schläge hatten das Ziel, die Bemühungen angesehener neu- traler und feindlicher Länder zunichte zu machen, die die Kindlein zu sich kommen lassen wollten; das Werk der gu- ten Samariter sollte vereitelt, ihr Angebot in nationalsozia- listische Propaganda verdreht werden.” Nebenbei sei bemerkt, daß sowohl Albrecht wie von Thadden auf freiem Fuß sind. Sie wurden nie vor Gericht gestellt...* Später, als 1943 die deutschen Armeen über die südukrainische Steppe zurückfluteten, gingen die beiden Antonescus ernstlich daran, sich die Gunst der Alliierten zu erkaufen. Anfang Dezem- ber, als die Russen den Bug erreicht hatten, hatte Mihai Anto- nescu eine Unterredung mit dem Vertreter des Schweizer Roten * Gegen von Thadden wurde im Mai 1952 Anklage vor dem Kölner Landgericht er- hoben, aber das Verfahren hat bisher(März 1956) noch nicht begonnen. Albrecht er- warb sich dadurch Straflosigkeit, daß er seine Fachkenntnisse in den Dienst der An- klagevertretung im Wilhelmstraßen-Prozeß stellte. Er wurde 1949 aus der Internierung entlassen. 31* 463 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG Kreuzes, Charles Kolb, und teilte ihm mit, daß die Deutschen nicht mehr in der Lage seien, ihren Plan,„die Juden in das Azow- sche Gebiet zu transferieren“, auszuführen. Die rumänische Regierung werde daher alle in Transnistrien noch überlebenden Juden zurückbringen. In der Zeit vom 11. bis zum 23. Dezember besuchte Kolb in Be- gleitung einer rumänischen Regierungsdelegation Transnistrien. Die Lage hatte sich so sehr verändert, daß nach Kolbs Rückkehr 1800 jüdische Waisenkinder in Jassy ankamen und sein Bericht in Bukarest veröffentlicht wurde. Kolbs wichtigste Empfehlung war, daß die ständigen Unterschlagungen der jüdischen Unter- stützungsgelder aufhören und daß Waren anstatt Geld zur Unterstützung der Juden gesandt werden sollten®. Der Bericht traf im richtigen Augenblick ein, denn Geld begann nun aus dem Ausland zu kommen. Am 22. Januar vereinfachte Präsident Roosevelt solche Überweisungen dadurch, daß er den „War Refugee Board“, die Kommission für Kriegsflüchtlinge, schuf. Der Rücktransport aus Transnistrien wurde vom Jüdischen Weltkongreß und der Bukarester jüdischen Gemeinde finanziert. Der russische Vormarsch war jedoch zu schnell. Vom 15. März bis 15. April besetzte die Rote Armee das ganze Gebiet und er- oberte sogar einen Brückenkopf in Bessarabien. Nur 14000 Juden konnten zurückgeführt werden”. Kolbs Bericht, daß es in Transnistrien 7000 Waisen gebe, er- innerte Mihai Antonescu an den gewinnversprechenden Palästina- Plan, dessen Durchführung vom deutschen Auswärtigen Amt durchkreuzt worden war. Im April 1944 bot Marschall Antonescu dem Roten Kreuz die Schiffe„Transylvanıa“ und„Bessarabia” zum Kauf an, die dann unter Schweizer Flagge die Kinder nach Palästina bringen sollten. Die kriegführenden Staaten, sagt der Bericht des Internationalen Roten Kreuzes,„verweigerten das nötige freie Geleit””'; es war jedoch möglich, täglich einen klei- nen Dampfer von Konstanza nach Konstantinopel mit einer An- zahl von Einwanderern unter der im„Weißbuch“ für Palästina festgelegten Quote zu senden. Eine Gruppe von 204 Juden ver- ließ Czernowitz am 21. März, neun Tage vor dem Einmarsch der Roten Armee. Sie machten der„Jewish Agency“?? gegenüber eine Anzahl interessanter Aussagen über das Leben in Czernowitz. Diese Gemeinde von 15000 Juden überlebte nicht nur an einem 464 arzenNTeS K ichigen Pr on einem UT Ioften Mass fanden 70| ner Gheftc Jer CzernoV 99, als Ko tem absche 400 in tiefs | in Wunder nungen nich ıden durfte und 13 U Kaufleute di Ioppelten P Verkehrsmit hnen nur Hi \urz vor de! Als die Rote chen würde n deutsche zeigte äuße ıhen Gem noch geschi Armee auf am, Es her teilen, die nd ukraini Die Lage c gefährlicher vares klar, würde, in d spiel Ungar Sehen konr ergeben, Te Sreckte— toffen, um de er im erledigen?5 DER ENDLOsyNg die Deutschen| Un das Azoy. © Tumänische| Überlebenden te Kolb in Be. 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Er gründete auch zwei Gemeindeküchen, die 3000 in tiefstem Elend lebende Juden ernährten; es war jedoch ein Wunder, daß unter den bestehenden Gesetzen und Verord- nungen nicht die gesamte Gemeinde völlig verelendet war. Die Juden durften die Stadt nicht verlassen, sie durften nur zwischen 10 und 13 Uhr auf die Straßen, und in diesen Stunden setzten die Kaufleute die Preise ihrer Waren herauf. Sie mußten daher den doppelten Preis für Brot bezahlen, sie durften keine öffentlichen Verkehrsmittel benützen, und außer dem Beruf des Arztes stand ihnen nur Handarbeit offen. Zu all dem wurde der Gemeinde noch kurz vor der Ankunft der Russen eine Kontribution auferlegt”*. Als die Rote Armee sich näherte, fürchteten die Juden, die Deut- schen würden sie entweder an Ort und Stelle umbringen oder aber in deutsche Konzentrationslager verschleppen. Von Killinger zeigte äußerste Wachsamkeit, denn es lag ihm daran, die jüdi- schen Gemeinden zu hindern, aufs Land zu fliehen. Und den- noch geschah keines der gefürchteten Dinge, als die deutsche Armee auf ihrem Rückzug am 30. März 1944 durch Czernowitz kam. Es herrschte offenbar Mangel an Polizei und anderen Ein- heiten, die solche Aufgaben sonst erfüllten, denn die litauische und ukrainische Miliz war nicht mehr verläßlich. Die Lage der rumänischen Juden wurde im August 1944 viel gefährlicher. Seit Fürst Stirbeys Reise nach Kairo am 13. März war es klar, daß Rumänien in dem Augenblick zusammenbrechen würde, in dem die Russen den Dnjestr überquerten— und das Bei- spiel Ungarns hatte soeben gezeigt, was den 400 000 Juden bevor- stehen konnte, wenn eine Vasallenregierung daran dachte, sich zu ergeben. Tatsächlich war am Tag, an dem Rumänien die Waffen streckte— am 23. August—, Eichmann schon in Budapest einge- troffen, um die Juden der Grenzstädte Arad und Temeschvar, die er im September 1942 hatte deportieren wollen, zu erledigen®. 465 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG Eichmann war sich der Zwecklosigkeit seiner Reise bewußt. Sein Freund Wisliceny berichtete, Eichmann hätte nach Bukarest fah- ren sollen. Schellenbergs Verbindungsmann in Budapest, Willi Höttl, sagte er, er erwarte nicht, lebend von seiner rumänischen Mission zurückzukehren%. Eichmann war jedoch nicht der Mann, sein Leben für die Sache des Rassenfanatismus aufs Spiel zu setzen, und wenige Tage später war er wieder im Hotel Majestic. Die Lage wäre anders gewesen, wäre von dem Bach-Zelewski mit seiner Sonderpanzerabteilung in Bukarest angekommen, so wie er am 15. Oktober in Budapest auftauchte,; aber zu jener Zeit kämpfte er in Warschau gegen die Aufständischen. Die Deutschen wurden in Bukarest am 23. August so völlig überrumpelt, daß es Freiherrn von Killinger nicht gelang, rechtzeitig das Weite zu suchen. Mit seiner Sekretärin Fräulein Petersen verbarrikadierte er sich bis zum 2. September in der Gesandtschaft; dann, unmittelbar bevor die rumänischen Kommunisten in das Gesandtschaftsge- bäude eindrangen, begingen die beiden gemeinsam Selbst- mord”*, Die Gefahr eines Massakers der rumänischen Juden war also ab- gewendet, für die an Ungarn abgetretenen siebenbürgischen Ge- biete war es jedoch zu spät. Vier Fünftel der jüdischen Bevölke- rung— zu Kriegsausbruch hatten hier 149000 Juden gelebt— waren bis Ende Juni nach Auschwitz geschickt worden. Was die Bukowina und Bessarabien betrifft, waren mit der Ausnahme von wenigen Tausenden alle Juden entweder bei den Deportierungen nach Transnistrien geiötet worden oder in der Sowjetunion ver- schwunden. Lediglich die Juden des Regat oder Altrumäniens waren unversehrt geblieben. Bukarest und Budapest waren jetzt die einzigen Städte westlich von Moskau mit einer jüdischen Be- völkerung von über 100 000%. Allerdings besaßen die Juden von Bukarest wie die von Czernowitz nur das, was sie verstecken konnten. Noch im November 1945 mußte das„American Joint Distribution Committee” die halbe Bevölkerung ernähren?. Selbst heute, nachdem die jüdische Bevölkerung Rumäniens durch Aus- wanderung nach Israel von 400000 auf 260000 zusammenge- schrumpft ist, ist der durch den Krieg verursachte Schaden noch nicht wiedergutgemacht. * Höttl war der Meinung, daß Killingers Stellung stark genug war, König Michael und den königlichen Hof zu bluffen, so wie es Rahn später mit Admiral Horthy tat. 466 Wir habe! die sich ge die Endlö Augenblic Kapitulafii wurde. De mal die c Pläne in c ungarisch energisch: programm gut geölte Die Regie inden Krii union ver\ Gebiete z wakei, Rı ehwa 300 Regierung dossy ab, schob sie Berlin die deportiere slowakisc * Gelegentlic ir Groß.Un: Zahl von 1 0% Aber diese 7 SM Juden > DER ENDIOSUNG[ ® bewußt Sein ' Bukarest fah. IM) Vdapest, Will T Tumänischen cht der Mann aufs Spiel H Hotel Majestic, 1-Zelewskj mit IMMEn, so wia ZU jener Zeit Die Deutschen umpelt, daß es das Weite zu arrikadierte er an, unmittelbar sandtschaftsge- sinsam Selbst- n war also ab- ürgischen Ge- chen Bevölke- den gelebt— rden. Was die Ausnahme von )eportierungen wjetunion ver- st waren jetzt - jüdischen Be- die Juden von sie verstecken \merican Join ähren®. Selbst ‚ns durch Aus zusammenge: Schaden nach König Michael und orthy fat. Sechzehntes Kapitel Ungarn 1. Vor der deutschen Intervention Wir haben im Falle der Slowakei gesehen, wie eine Regierung, die sich gegen nationalsozialistischen Druck zur Wehr setzte und die Endlösung verworfen hatte, gezwungen war, sie in dem Augenblick wieder aufzunehmen, als das Land am Vorabend der Kapitulation vor dem Feinde von deutschen Truppen besetzt wurde. Der Fall Ungarns ist noch weit dramatischer, da nicht ein- mal die deutschfreundliche Regierung Bardossy vorgab, Hitlers Pläne in der Judenfrage zu akzeptieren. Trotzdem waren es die ungarischen Juden, die mehr als zwei Jahre später die Opfer des energischsten und melhodischsten Deportations- und Massaker- programms des Krieges wurden. 46 Tage lang funktionierte die gut geölte, mechanisierte Schlächterei ohne Unterbrechung. Die Regierung Läszlo Bardossy, die im Jahre 1941 Ungarn zuerst in den Krieg mit den westlichen Alliierten und dann mit der Sowijet- union verwickelte, hatte nur im Sinne, die im Jahre 1918 verlorenen Gebiete zurückzugewinnen. In diesen Gebieten, die man der Slo- wakei, Rumänien und Jugoslawien abgenommen hatte, lebten etwa 300000 Juden*. In Übereinstimmung mit der Haltung der Regierung Antonescu in Rumänien lehnte es die Regierung Bar- dossy ab, diese Juden als ungarische Bürger anzuerkennen, und schob sie in vom deutschen Heer besetzte Gebiete ab, sobald Berlin die Absicht bekanntgegeben hatte, Juden nach Rußland zu deportieren. Von den 102000 Juden, die in der früheren tschecho- slowakischen Provinz Karpatorußland gelebt hatten, wurden * Gelegentlich der Wannsee-Besprechung erwähnte Heydrich die Zahl von 742 800 Juden für Groß-Ungarn, während Luther im Gespräch mit Sztojay im Januar 1943 von einer Zahl von 1 000.000 sprach!. In Wirklichkeit lag die Zahl etwa zwischen 680 000 und 720 000. Aber diese Zahl war zur Zeit der Wannsee-Konferenz infolge der Deportierung von 35000 Juden aus der Batschka und aus Rumänien bereits vermindert. 467 De= ne DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG 17—22000, die früher polnische oder russische Bürger gewesen waren, als staatenlos erklärt. Ihre Deportierung wurde durch eine polizeiliche Verfügung am 2. August angeordnet?. Bald darauf begannen unter ungarischer Militäreskorte die Märsche nach Kamenetz-Podolsk, das jenseits des Dnjestr in dem Ungarn am nächsten gelegenen Gebietsstreifen der Sowjetunion lag. Wenn das auch vielleicht nicht die Absicht der ungarischen Regie- rung war, hat sie doch damit den Weg zum ersten großen Massa- ker, das mehr als 10000 Menschen in Mitleidenschaft zog, ge- ebnet. Als das deutsche Oberkommando behauptete, daß diese Masse von Elendsgestalten die deutschen Verbindungslinien ge- fährde, lehnten es die ungarischen Amtsstellen ab, die Juden zurückzunehmen. Die Angelegenheit wurde dann bei einer Zivil- verwaltungskonferenz besprochen, die am 25. August im Haupt- quartier des Generalquartiermeisters Wagner in Winniza abge- halten wurde. Hier erklärte SS-Gruppenführer Franz Jäckeln— später derLeiter des Mordprogramms in den baltischen Staaten—, daß er bereit sei, die Liquidierung von 11 000 Juden bis 1. Septem- ber durchzuführen. Dies war offenbar die Zahl der verbleiben- den Juden, nachdem die Ungarn die arbeitsfähigen für den Arbeitsdienst in Ostgalizien abgesondert hatten. Einige Berichte bestätigen, daß das Massaker, wie vorgesehen, am Ufer des Dnjestr, einige Kilometer von der Stadt entfernt, stattfand#. Der Bericht eines jüdischen Kraftwagenfahrers, der in der ungari- schen Armee diente, behauptet, daß die ungarischen Truppen den deutschen Polizeieinheiten geholfen hätten, und obwohl dies nicht bestätigt ist, besteht kein Zweifel darüber, daß ungarische Truppen an einem späteren Massaker mitwirkten. In Novisad(Neu- satz oder Ujvidek) in der Batschka wurden die nach den Depor- tierungen ins Belgrader Ghetto im August des Vorjahres(s. S. 407) zurückgebliebenen Juden entweder auf den serbischen Friedhof oder an das Ufer der Donau gebracht, wo zwischen 700 und 1500 im Zuge einer Aktion erschossen wurden, die sich eng an das Vorgehen der deutschen Sicherheitspolizei anlehnte. Es ist richtig, daf3 der Reichsverweser Admiral Horthy das Massaker einstellen ließ und daß die verantwortlichen Offiziere vor Gericht gestellt wurden, aber sie wurden innerhalb eines Jahres freigelassen und erst nach dem Krieg zum Tode verurteilt. Diese Mordtaten waren nicht der Ausdruck einer offiziellen Regie- 468 ggcHZehNT rungspoli Regierun Iegenheit nen Geb griffen UI {uther Ü Wannsee Fachman schläge< ,.110) be den Deut Unter de 1942 folg Aber es\ zuüben, eine Strc Ungarn” unbestrif kommen kei und: dieBehöi stützten, fert. Ihne Souveräi tung kan istin der Als im$ lebten, o der unge Dome$; Einwend schen Ju hob jede Regierur schaft fü denn Ko „De ob Exis > DER ENDLOSUNg orger Yewesen N hr durch eing Bald darauf Orsche nach m Ungarn am On lag. arischen Regie. großen Massa. chaft zog, ge- ete, dafß diese lungslinien ge- ab, die Juden ei einer Zivil. gust im Haupt- Winniza abge- nz Jäckeln— hen Staaten_ bis 1. Septem- ler verbleiben- iigen für den Einige Berichte am Ufer des tattfand 4, in der ungari- n Truppen den } obwohl dies Jaß ungarische Novisad(Neu- ch den Depor- ıhres(s.$. 407) ‚chen Friedhof ‚chen 700 und ich eng an dos a, Es ist richtig,| oker einstellen sericht gestell sigelassen und zielen Regie: SECHZEHNTES KAPITEL 1. VOR DER DEUTSCHEN INTERVENTION rungspolitik. Gleich anderen Satellitenregierungen, erblickte die Regierung Bardossy in dem deutschen Deportierungsplan eine Ge- legenheit, sich der Juden zu entledigen, die in den neuerworbe- nen Gebieten lebten; es war jedoch nicht beabsichtigt, die unbe- stritten ungarischen Juden zu behelligen. Heydrich?”, den Martin Luther über diese Sachlage unterrichtet hatte, sprach auf der Wannsee-Konferenz davon, der ungarischen Regierung einen Fachmann für Judenangelegenheiten aufzuzwingen, aber Vor- schläge des Auswärtigen Amtes für diese Konferenz(siehe$. 95 u. 110) beschränkten sich auf die Deportierung der von den Ungarn den Deutschen bereits übergebenen Juden nach dem Osten®. Unter der Regierung Kallay, die der Regierung Bardossy im März 1942 folgte, gab es keine weiteren Pogrome oder Deportationen. Aber es war den Juden im allgemeinen verwehrt, ihren Beruf aus- zuüben, und sie konnten zum Arbeitsdienst an der Ostfront als eine Strafmaßnahme geschickt werden. Den Juden in„Trianon- Ungarn”, also dem Gebiet, das zwischen den zwei Weltkriegen unbestritten ungarisch gewesen war, wurde etwas mehr Entgegen- kommen gezeigt. Hier konnten Juden aus Österreich, der Slowa- kei und Polen nach dem März 1942 Zuflucht finden, und obwohl die Behörden sie weder willkommen hießen, noch irgendwie unter- stützten, hat man sie im allgemeinen nicht den Deutschen ausgelie- fert. Ihnen kam zugute, daß die Ungarn eifersüchtig über ihre Souveränitätsrechte wachten. Diese Eifersucht, die auch zur Gel- tung kam, als Ungarn bereits ein so gut wie besetztes Land war, ist in der folgenden Episode beleuchtet. Als im Sommer 1942 einige ungarische Juden, die in Frankreich lebten, gezwungen wurden, den Judenstern zu tragen, protestierte der ungarische Gesandte in Berlin(und spätere Ministerpräsident) Dome Sztojay bei Martin Luther; er ließ sich aber von weiteren Einwendungen abbringen, als man ihm mitteilte, daß die italieni- schen Juden auch den Stern zu tragen hätten. Am 5. Oktober er- hob jedoch Sztojay die zusätzliche Forderung, daß die ungarische Regierung in Fällen von Vermögenseinziehungen die Treuhänder- schaft für das Vermögen ihrer Juden erhalten müsse. Er beschrieb dann Kallays Haltung zur Frage der Deportierung: „Der Ministerpräsident ist besonders an der Frage interessiert, ob den Juden nach ihrer Evakuierung im Osten eine weitere Existenz ermöglicht würde. Es gingen manche Gerüchte in die- 469 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG ser Beziehung um, die er natürlich persönlich nicht glaube... Ministerpräsident Kallay wolle sich nicht den Vorwurf machen lassen, die ungarischen Juden und ihre Existenz dem Elend oder noch Schlimmerem überantwortet zu haben.” Luther versicherte Sztojay, daß die ungarischen Juden zuerst beim Straßenbau beschäftigt würden und später in ein jüdisches Reser- vat kommen sollten. Sztojay, der Luther gesagt hatte, daß er sich „direkt als einen Vorkämpfer des Antisemitismus bezeichnen könne”, habe„unsere Anregungen außerordentlich begrüßt”. Nichtsdestoweniger unterließ er es, nach einem Besuch bei Kallay wieder mit Luther Fühlung zu nehmen, und am 20. Oktober berich- tete Weizsäcker Ribbentrop, daß er gegen die Art und Weise, wie Ungarn das Judenproblem behandle, protestiert habe!%. Am 5. De- zember lehnte Kallay das Berliner Verlangen nach koordinierten Maßnahmen, z.B. Tragen des Judensterns und Deportierung nach Polen, ab. Wenn wir uns erinnern, daß die slowakische Regierung sich sechs Monate lang vergeblich bemüht hatte, die Bewilligung zur Entsen- dung eines Inspekteurs in das„Judenreservat” in Polen zu erhal- ten, und daß diese Dinge Kallay sicher nicht verborgen geblieben waren, ist es nicht überraschend, daß Sztojay am 14. Dezember den Auftrag erhielt, Luthers Vorschlag für das Judenreservat ab- zulehnen'!. Er verlangte im Gegenteil noch eine Verlängerung der Frist, innerhalb der ungarische Juden aus deutsch besetzten Gebieten repatriiert werden konnten. Am 16. Januar 1943 nahm sich Luther Sztojay vor, nachdem dieser das ungarische Juden- kommissariat aufgelöst hatte. „Es erfülle uns mit sehr großer Sorge, daß ein uns befreunde- tes Land mitten in Europa allein etwa eine Million Juden be- herberge. Wir könnten dieser Gefahr auf die Dauer nicht untätig zusehen!2.“ Aber gegen einen rebellischen Satellitenstaat Schritte zu ergreifen, erwies sich im folgenden Monat, im Monat der Katastrophe von Stalingrad, als unmöglich. Am 17. April besuchte Horthy Hitler auf Schloß Kleßheim, um die Bedingungen zu besprechen, unter denen Ungarn im Krieg ausharren könnte. Als Horthy Vorwürfe wegen seiner Judenpolitik gemacht wurden, erwiderte er, daß er, nach- dem die Juden fast aller Lebensmöglichkeit beraubt worden seien, „sie doch nicht erschlagen könne”. Darauf erwiderte Ribbentrop, 470 \ — 30 Kilometer 100 so Eisenbohnen | . GENERALGOUVERNEMENT F SE 5 Auschwitz u ; SCHLESIEN > =. . -» DEUTSCHLAND Möhrisch Ostrau ROITETORnT GE; BOHMEN UND MAHREN Ks Jauyomuız Sıpsıpni usıap pun Sjsıqasy usyapaıbaßun yysL-g£65L Has aıp"uınßun-go4g = 333W SIZUVMHDS 45204 S 7 f 2/0109 poıBjag! JINKWNA(2’ Pojsuosy N N3ILVOUM «, Jpoisuupwsay DssapQ E Br e jodsosıy n {vsıugwny nz) N3131SINSNYVAL| maunpsıy oyogl- N3INYWNY \& . . o Ä \ SS a: ut nt -"Zsjopog"Meiyoyy rd) ((PDmojsopaups] ep vo, ® Ä Ysj0oPOg-z12 2 WwDy QANVISSNA:OLYdA ’\% s\ u nojsıupjs oiäipsj. jap uoA) 133VMO1S IHINLSQ 3NIvarn "es(ljosnan) pans4g oysuog pauad® v AVIaVSSIWWON b R A H i_ Nas... BIYMOIS, == öıngepo a m uunJ y IR je je y Aıkınsn sau nen| >e—4-___- uauypquesız N n EN N3YHYW aNN . 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Weshalb sollte man die Bestien, die uns den Bolschewismus bringen wollen, mehr schonen? Völker, die sich der Juden nicht erwehrten, ver- kämen. Eins der berühmtesten Beispiele sei das Absinken des einst so stolzen Volkes der Perser, die jetzt als Armenier ein klägliches Dasein führten.” Diese unzweifelhaft glaubwürdigen Aufzeichnungen enthalten Hitlers einziges schriftlich festgehaltenes Geständnis der Massaker in Polen. Es ist um so überraschender, als es dem Oberhaupt eines souveränen Staates von unsicherer Loyalität gegenüber gemacht wurde. So wie immer überschätzte Hitler hier den Antisemitismus der ungarischen Staatsmänner. Zwei Tage später schrieb Gottlob Berger an Himmler, daß in ungarischen Regierungskreisen die „wohlbegründete Befürchtung” bestehe, daß„der Beitritt zu die- sem Bund mit dem Zwang zu einer Entjudung verbunden werden sollte”+. Sogar Dome Sztojay vergaß, als er einen Bericht über das Treffen in Kleßheim aus Berlin absandte, daß er„direkt ein Vorkämpfer des Antisemitismus” war, und schlug eine Lösung vor, die„die Möglichkeit einer Intervention von dritter Seite aus- schloß”">. *In Nürnberg bestätigte Dr. Paul Otto Schmidt nicht nur, die Aufzeichnung selbst geschrieben zu haben, sondern wiederholte auch seine persönlichen Erinnerungen an dieses Zusammentreffen, so z. B. die Tatsache, daß nach Horthys Bemerkung:„Ich kann sie doch nicht erschlagen”, eine Pause eintrat, bevor sich Ribbentrop einmengte. Ich kann daher nicht verstehen, warum Schmidt in seinem Buch„Statist auf diplomatischer Bühne” (S. 552/3) die Dinge so darstellt, daß Horthy, obwohl Hitler ihn(Schmidt) besonders aufgefordert hatte, anwesend zu sein(„Der Horthy dreht mir sonst hinterher das Wort im Mund herum”), darauf bestanden habe, daß Schmidt den Raum verließ, so daß er feststellte, er wisse über die Unterhaltungen mit Horthy nichts Genaues, da er nicht zu dolmetschen hatte. 472 gchZeHNT Edmund drückte S doß der‘ stehe, sel olle Maß genes Ve Regierun‘ das Land Derartige die Unge falsch da einer seh jüdische hauptefei Flüchtline 200.000 b nissen Un butionCo Aber Ve Regierun Wirklich mehr sah die Jude: bezog si Zionistisc kurz Vac Später hi Am 19./ digkeit o am Kriee sen mer, Furcht de doxerwe die deut 194 erp zu entla: Patrouill paßd, der dlich aufge. ten, Würden ‚ müßten sie behandeln, könne, Das gar unschul- Ötet werden sollte man vollen, mehr ehrten, ver- 'bsinken des rmenier ein n enthalten er Massaker rhaupt eines der gemacht ıfisemitismus rieb Gottlob skreisen die tritt zu die- ıden werden Bericht über r„direkt ein ‚ Lösung vor, r Seite aus- zeichnung selb:l Erinnerungen 0 rkung:„Ich kann mengte. Ich kann motischer Bühne” midt) besonders iterher das Wort rließ, 50 doß er ht ues, da er ni — SECHZEHNTES KAPITEL 1. VOR DER DEUTSCHEN INTERVENTION Edmund Veesenmayer, später Reichsbevollmächtigter in Ungarn, drückte sich noch pessimistischer aus, als er an Himmler schrieb, daß der einzige Punkt, in dem Horthy klar auf seiten des Reiches stehe, sein Haß gegen den Bolschewismus sei, während Kallay alle Maßnahmen gegen die Juden als ein an den Ungarn began- genes Verbrechen betrachte. Er schrieb auch, daß die ungarische Regierung jüdische Flüchtlinge in der Annahme beherberge, daß das Land so vor alliierten Luftangriffen geschützt sein werde'®. Derartige Berichte von Veesenmayer und anderen SS-Agenten, die Ungarn als ein Judenparadies schilderten, stellen die Dinge falsch dar; in Wirklichkeit befanden sich die Juden in Ungarn in einer sehr schlechten Lage. Es war keine Rede davon, daß die jüdische Bevölkerung in Ungarn, wie Ribbentrop und Luther be- haupteten, auf eine Million angeschwollen war, und die Zahl der Flüchtlinge betrug höchstens 1600017. Die Flüchtlinge und etwa 200 000 bodenständige Juden lebten in äußerst dürftigen Verhält- nissen und waren auf Unterstützungen vom„American Joint Distri- butionCommittee“ und von anderen Organisationen angewiesen'®. Aber Veesenmayer war bei der Beschreibung der Haltung der Regierung Kallay gegenüber den Flüchtlingen nicht weit von der Wirklichkeit entfernt. Je kriegsmüder die Regierung wurde, um so mehr sah sie in der Ermöglichung einer internationalen Hilfe für die Juden eine Brücke für Verhandlungen mit den Alliierten. Das bezog sich hauptsächlich auf die Verbindungen des Budapester Zionistischen Hilfskomitees, des„Vaadat Ezra wa Hazalah”— kurz Vaadah(Komitee)—, in der Schweiz und in Konstantinopel. Später hat auch Himmler diese Brücke benützt'?, Am 19. August 1943 sprach Kallay im Rundfunk über die Notwen- digkeit des Friedens für Ungarn. Das Land war damals kaum mehr am Kriege beteiligt. Der einzige Druck, den Deutschland auf die- sen merkwürdigen„neutralen“ Staat ausüben konnte, war die Furcht der ungarischen Machthaber vor dem Bolschewismus. Para- doxerweise konnte Berlin Budapest erst wieder diktieren, als sich die deutschen Armeen auf dem Rückzug befanden. Am 16. März 1944 erpreßte Hitler von Horthy die Zusage, die Regierung Kallay zu entlassen; drei Wochen später erreichten die ersten russischen Patrouillen den Fuß der Jablonica, den historischen Karpaten- paß, der in die ungarische Tiefebene führt. 473 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG 2. Die Deportierungen Gelegentlich seines zweiten Besuches auf Schloß Kleßheim wurde Horthy 24 Stunden gefangengehalten und hatte so genug Zeit, um sich Hitlers ultimative Forderungen zu überlegen*. Hitler teilte ihm mit, daß die Regierung Kallay mit den Engländern in Verbindung stehe. Die Flugplätze um die Hauptstadt Budapest würden daher von deutschen Truppen besetzt werden. Horthy selbst würde von einem Reichsbevollmächtigten Aufträge entgegenzunehmen haben, und überdies werde es in Ungarn deutsche Sicherheits- polizei unter einem Höheren SS- und Polizeiführer geben. Der Auftrag, den Hitler SS-Gruppenführer Winkelmann erteilte, der für dieses Amt ausersehen wurde, war eindeutig. Er hatte„für die mit deutschen Kräften in Ungarn durchzuführenden Aufgaben der SS und Polizei, insbesondere für die polizeilichen Aufgaben auf dem Gebiete der Judenfrage” vorzusorgen?'. In Nürnberg erklärte Edmund Veesenmayer**, der ehemalige Reichsbevollmächtigte, daß Winkelmann und dessen Chef Kalten- brunner bereits alles fest in der Hand gehabt hätten, als er am 23. März 1944 in der Gesandtschaft in Budapest ankam*. Aber die Behauptung Veesenmayers, daß Winkelmann ihm nicht unterstand, ist in bezug auf die Deportierungen ohne Bedeutung, da diese von Eichmann, der sich im Hotel Majestic niedergelassen hatte, persönlich geleitet wurden. Veesenmayer und Winkelmann *Dr. Paul Schmidt hat Hitlers Vorkehrungen zur Festhaltung Horthys beschrieben. Ein Fliegerangriff, einschließlich Vernebelung des Schlosses, wurde fingiert, die Telephon- verbindung mit Budapest wurde„schwer getroffen“ usw. Erforderlichenfalls wäre Horthy als Gefangener nach Budapest zurückgebracht worden. In Schmidts Darstellung ließ Horthy Festigkeit vermissen; Schmidt scheint der Meinung zu sein, daß Horthy durch entschiedenes Auftreten Hitler an die Wand gespielt hätte©, ** Veesenmayer, ein$S-Standartenführer in der allgemeinen SS, war für diese Aufgabe besonders geeignet. Als Beamter des„Büros Keppler”, Himmlers Verbindungsstelle zum Wirtschaftsministerium, war er in einem Sturmzentrum des nationalsozialistischen Expan- sionismus nach dem anderen tätig gewesen. 1943 hatte ihn Himmler ausgeschickt, um die slowakische sowie die ungarische Regierung zu veranlassen, die Judendeportationen wieder aufzunehmen. In der Zwischenzeit hatte Veesenmayer, obwohl er ein Beamter Himmlers war, im Auswärtigen Amt die Stellung eines„Bevollmächtigten für Irland“ 2. Kaltenbrun- ner nannte ihn im folgenden September in einem Brief an Ribbentrop abfällig einen „Stimmungsmenschen“”, bei dem sich eine tiefe Depression bemerkbar mache, die dazu führte,„daß er sich.... mit ernsten Absichten trug, gemeinsam mit seiner Frau aus dem Leben zu scheiden” 2. Obwohl er dem Massenmord die höchste diplomatische Sanktion gegeben hatte, wurden diese Umstände Veesenmayer schließlich zugute geschrieben, und am 31. Januar 195] wurde die über ihn in Nürnberg verhängte Strafe von 20 Jahren Gefängnis auf 10 Jahre herabgesetzt. Ein Jahr später wurde er freigelassen. 474 gecHZEHNT spielten träge für hafte on| aktiv am marsches Juden at wurde. E für Unge März mi melt war Die Vers heimabfe die die Z hatte. Zum erst ropäisch Budapes er mit de diger Zu Personal nicht zus Sicherhe anderen Bürokrat schen T Offentlic nen Reit! Am 20.| manns\ pester ji daß sie destowe schehen Budapes Am näd rat" bes geachtel gen der „alles sc ER ENDLOSUNg heim Wurde Nug Zeit, um ler teilte ihm Verbindung Ürden daher elbst Würde enzunehmen : Sicherheits- geben. Der erteilte, der ralte„für die \ufgaben der ufgaben auf r ehemalige Chef Kalten- n, als er am kam*, Aber 1 Ihm nicht > Bedeutung, >dergelassen Winkelmann beschrieben. 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Die Versetzung des ganzen Personals der geheimsten aller Ge- heimabteilungen für diesen Zweck zeigt die ungeheure Bedeutung, die die Zerstörung des ungarischen Judentums in Hitlers Plänen hatte. Zum erstenmal seit seiner Bestellung zum Großinquisitor des eu- ropäischen Judentums hatte Eichmann nach seiner Ankunft in Budapest im März sozusagen mit offenen Karten zu arbeiten, da er mit dem ungarischen Ministerium des Innern in enger und stän- diger Zusammenarbeit stehen mußte. Darum wird er in seiner Personalakte am 5. September 1944 mit dem— ihm sachlich gar nicht zustehenden— Titel„Bds. Ungarn“ oder Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Ungarn belegt 26. Hier sehen wir einen ganz anderen Eichmann am Werk als den vorsichtigen und schlauen Bürokraten, als den ihn Wisliceny beschrieben hatte: einen zyni- schen Trunkenbold und korrupten SS-Satrapen, der in aller Öffentlichkeit zusammen mit seiner eleganten Mätresse und sei- nen Reitpferden auftrat(siehe$. 30). Am 20. März versammelte SS-Sturmbannführer Krumey von Eich- manns Wiener Amtsstelle die leitenden Funktionäre der Buda- pester jüdischen Gemeinde. Sie erfaßten so gut, worum es ging, daß sie gleich ihre Familien und ihr Gepäck mitbrachten. Nichts- destoweniger wurde ihnen zugesichert, daß ihnen nichts ge- schehen und daß man auch die in der vorhergehenden Nacht am Budapester Hauptbahnhof verhafteten Juden freilassen würde. Am nächsten Tag, als Krumey und Wisliceny einen neuen„Juden- rat“ bestellten, an dessen Spitze Samuel Stern stand, ein allseits geachteter Mann, sprach alles dafür, daß man den Versprechun- gen der„Judensachbearbeiter” der Gestapo glauben würde, daß „alles so wie bisher weitergehen wird” 77. sgchZehNTES DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG en ;: jelfen, Den wahren Stand der Dinge erfuhren die ausersehenen Opfer En en nicht von der Gestapo, sondern von der ungarischen Regierung. Bere Der neuernannte Ministerpräsident Sztojay teilte seiner Regie- Mae rung mit, daß Kaltenbrunner auf der Einrichtung von Ghettos in r A könn den wichtigsten ungarischen Städten und der Einführung des| 5000 Judensterns bestehe. Horthy hatte Sztojay daraufhin gesagt, man| ea solle ihm solche Verordnungen nicht zur Unterschrift vorlegen®.| später m Kaltenbrunner verließ Budapest am 26. März, nachdem er noch u=: drei Ernennungen durchgesetzt hatte, die nichts Gutes für die| Szrojay W Juden verhießen. Zwei„Pfeilkreuzler“ oder ungarische National- für Arbeit sozialisten, Läszlo Baky und Läszlo Endre, übernahmen die Lei- gab einen tung eines„Judenkommissariats< beim Innenministerium, und| und Feren Major Ferenczy, der gleichfalls Pfeilkreuzler war, wurde Verbin-| erhielten, dungsmann zwischen dem SD und der ungarischen Gendarmerie. wlänglich Am 31. März hatte der Judenrat seine erste Unterredung mit Eich- Zivilverwe mann im Hotel Majestic.„Sie wissen nicht, wer ich bin? Ich bin ein| ode, in. Bluthund“, erklärte Eichmann bei dieser Gelegenheit??. Andere hat erzähl Ohrenzeugen hatten den Eindruck, daß sich Eichmann weit sagte, Dei vorsichtiger ausdrückte; insbesondere soll er darauf hinge- ungarisch wiesen haben, daß er nirgends den Anstoß zu Hinrichtungen nittelbar gegeben habe, außer wenn Juden mit Widerstandsbewegungen Es ist unw zusammenarbeiteten. Nachdem er den Mitgliedern des Juden- der in K rats die Versicherung gegeben hatte, daß sie ruhig in ihren Bet- land gab, ten schlafen könnten, äußerte er den Wunsch, das Jüdische Mu- hat, mit dı seum und die Bibliothek zu sehen, Dinge, die ihn seit 1934 inter- kam Fere essiert hätten(siehe$. 29). und besti In Wirklichkeit war sich Eichmann damals seiner Stellung nicht men; Wi: sicher. Einerseits schenkte Himmler Vorschlägen, die ihm von Nebenzin jüdischen Organisationen gemacht worden waren, Gehör— an- sofort de dererseits versuchte der ungarische Innenminister Jaross, Zeit zu Auschwit: gewinnen. Am 7. April gab Jaross die ersten Anordnungen für Ferenczy die massenweise Festnahme von Juden aus, ließ sie aber nur in richt so den Gebieten durchführen, die verhältnismäßig wenig ungarische zwischen Bevölkerung hatten. Vor Gericht erklärte er nach dem Krieg, daß Kaschau er angenommen habe, Horthy hätte gegen die Deportierung von An jedem „kommunistischen und galizischen Juden“ nichts einzuwenden®". den füre Diesem Grundsatz folgten die Razzien, die sich am 15. und gepferch! 16. April in Ungvar(Uzhorod) und Munkacz in Karpatorußland\ aber End und in Nagy-Kanizsa, in der Nähe der kroatischen Grenze, ab- mann hal 476 I 2 DER ENDLOSUNG henen Opfer °n Regierung, Seiner Regie. On Ghettos in Mührung des " gesagt, man tt vorlegen? em er noch Gutes für die che National- men die Lei- Isterium, und wurde Verbin- .ndarmerie, dung mit Eich- n? Ich bin ein 1eit?, Andere ichmann weit Jarauf hinge- Hinrichtungen sbewegungen n des Juden- ) in ihren Bet- Jüdische Mu- seit 1934 inter- Stellung nicht die ihm von Gehör— an- laross, Zeit zu Jrdnungen für ie aber nur in 1ig ungarische em Krieg, daß ortierung von nzuwenden®. am 15. und ‚rpatorußland | Grenze, ob- SECHZEHNTES KAPITEL 2. DIE DEPORTIERUNGEN spielten, durchweg in Gegenden, die Teil der Kampfzone ge- worden waren. Es dauerte einige Zeit, bevor die Regierung Sztojay mehr Energie aufbrachte. Am 15. April war Veesenmayer der Ansicht, man könne höchstens erwarten, daß man alle drei oder vier Tage etwa 5000 deportierbare Juden auftreiben werde. Zwei Tage später rechnete er damit, daß er im April 50000 Juden für Arbeit im Reich zur Verfügung haben würde und im Mai weitere 50.000. Sztojay war immer noch der Meinung, daß er 100000 bis 150 000 für Arbeiten im Lande werde zurückbehalten können®!. Aber es gab einen Weg zur Durchkreuzung seiner Pläne. Baky, Endre und Ferenczy, die ihre Aufträge direkt von Eichmanns Kommando erhielten, brachten die gefuangengenommenen Juden in so un- zulänglicher Weise unter, daß sie eine untragbare Last für die Zivilverwaltung wurden— das war Heydrichs klassische Me- thode, in der Eichmann geschult worden war. Dr. Rezsö Kastner hat erzählt, daß ihm Wisliceny am 5. April die warnenden Worte sagte, Deportation könnte angeordnet werden,„wenn man das ungarischerseits— noch dazu über unseren Kopf hinweg— un- mittelbar in Berlin fordern würde“ 22. Es ist unwahrscheinlich, daß Horthy den Auftrag zur Abschiebung der in Karpatorußland festgenommenen Juden nach Deutsch- land gab, da er ja, wie wir gesehen haben, Wert darauf gelegt hat, mit der ganzen Sache nichts zu tun zu haben. Laut Wisliceny kam Ferenczy schon am 20. April zu Eichmann in dessen Büro und bestürmte ihn, die Juden dem Innenministerium wegzuneh- men; Wisliceny sagte, daß die deutschen Verkehrsbeamten im Nebenzimmer auf Eichmann warteten und daß Rolf Günther sofort dem Konzentrationslagerinspekteur Glücks drahtete, in Auschwitz alles für die Aufnahme bereitzumachen 3. Ferenczy stellte die Sache nach dem Krieg(Januar 1946) vor Ge- richt so dar, daß Endre Eichmann und Wisliceny in der Zeit zwischen dem 24. und 28. April auf einer Inspektionsreise nach Kaschau, Ungvar, Munkacz und Marmaros-Sigeth begleitet habe. An jedem dieser Orte hatte man je 15000 bis 25000 Juden unter den fürchterlichsten Bedingungen in Ziegeleien zusammen- gepfercht. Wisliceny schlug vor, sie ins Landesinnere zu bringen, aber Endre wendete ein, daß für sie dort nirgends Platz sei. Eich- mann habe ihn dann dazu überredet, sie lieber nach Deutschland 32 477 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG schaffen zu lassen. Eichmann schob in einer Unterredung mit dem Judenrat später alle Schuld auf Endre,„der die Juden mit Paprika fressen wolle”%. Als Veesenmayer am 24. April an Ribbentrop über das Ergebnis der Razzia berichtete, schrieb er, daß vom 15. Mai an täglich tausend Juden nach Auschwitz geschafft werden würden®. Vom Verbleiben irgendwelcher Juden in Ungarn enthält sein Bericht nichts, außer daß er davon spricht, daß man mit den„50.000 Arbeitsjuden aus dem Raum um Budapest“, die Sztojay Berlin ver- sprochen hatte, etwas warten wolle. Diese Juden hatte Horthy offenbar im Sinn, als er am 28. April dem protestantischen Bischof Ravasz sagte, daß die nach Deutschland geschafften jüdischen Arbeitskompanien die Stellung, die sie in Ungarn hatten, bei- behalten würden®. Aber am Tage vorher hatte Kaltenbrunner Veesenmayer dahin unterrichtet, daß die von Horthy in bezug auf die Budapester Juden gestellten Bedingungen unannehmbar seien.„Ein offener Arbeitseinsatz” in Betrieben desReiches würde „die bereits abgeschlossene Entjudung des Reichsgebietes illuso- risch machen”. Die Budapester Juden müßten daher in Arbeits- lagern untergebracht werden, deren Verwaltung Himmler unter- stehe 7. Am 5. Mai, als die Zahl der Festgenommenen 200 000 erreicht hatte, berichtete Veesenmayer über eine in Wien abgehaltene „Fahrplankonferenz”, bei der die Vertreter der Reichsbahn der Sicherheitspolizei die Bereitstellung von Zügen zusagten, die den täglichen Transport von 12 000 Juden in vier Zügen nach Deutsch- land ermöglichen würden®. Das war viermal so viel, wie man am 24. April im Sinne gehabt hatte— eine Andeutung dafür, daß die Selektion für die Arbeit nunmehr in Deutschland vor sich gehen würde. Wahrscheinlich hat Hitler bald nach seiner erfolgreichen Erpres- sung an Horthy am 16. März Himmler entsprechende Aufträge gegeben. Man kann das schon daraus schließen, daß er am 9. April zu Feldmarschall Milch, dem Generalinspekteur der deutschen Luftwaffe, äußerte, daß Himmler 100000 ungarische Juden für den Bau von unterirdischen Flugzeugfabriken zu finden habe??. An sich war das angesichts der konzentrierten alliierten Bombenangriffe auf deutsche Flugzeugfabriken, die am 19. Fe- bruar eingesetzt hatten, eine ganz plausible Absicht, aber wie 478 gonzehNTE> ‚ir noch 5 \ Quna-Proje benützt. 0000 ur schleppen! Berichte VC m AprilV‘ etroffen\ us Preßbt den ausge sollen dan Salami ess die Verhaı auch niem fonszüge‘ Ein Transp 17 Tage\ Budapeste artigsten\ den ware! offenbar: Juni gab von der V das Leben als unter inden G wurde, Am 15. N Baky, daß konzenfrie Lager und getrieben In den sie Großwarı Züge ware richten, de Iodung ge 6) Viehw« einen Vie Er] i. 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Gleichzeitig erhielt der„Vaadah“” in Budapest aus Preßburg die Nachricht, die Krematorien in Auschwitz wür- den ausgebessert und renoviert. Die SS-Wachen in Auschwitz sollen damals geäußert haben, daß sie„bald feine ungarische Salami essen“ würden. Die jüdischen Vertreter in Budapest, die die Verhandlungen mit Eichmann zu führen hatten, waren denn auch niemals im Zweifel über den Bestimmungsort der Deporta- tionszüge*". Ein Transport war in Auschwitz schon am 28. April eingetroffen, 17 Tage vor der Hauptaktion. Die Opfer waren etwa tausend Budapester Juden, die seit dem 19. März unter den verschieden- artigsten Vorwänden in der Kistarcsa-Kaserne festgehalten wor- den waren. Im Falle dieser„politischen“ Deportierten kam es offenbar zu keiner Selektion für die Gaskammern‘!. Bis Ende Juni gab es in Budapest kaum Massenrazzien, und wenn man von der Verpflichtung zum Tragen des Judensterns absieht, war das Leben für die meisten Budapester Juden damals kaum ärger als unter Bardossy oder Kallay, obwohl die Lage der Juden in den Grenzgebieten an den Karpaten täglich verzweifelter wurde. Am 15. Mai, als die Hauptdeportationen einsetzten, berichtete Baky, daß 320 000 Juden in Lagern und Ghettos östlich der Theiß konzentriert seien“2. In Munkacz, wo man 30.000 Juden in einem Lager und einigen der schlechtesten Straßen der Stadt zusammen- getrieben hatte, war bereits eine Typhusepidemie ausgebrochen. In den siebenbürgischen Städten Klausenburg und Nagy Varad (Großwardein) war es kaum viel besser. Die ersten Deportations- züge waren deshalb zum Bersten voll; von Thadden konnte be- richten, daß man innerhalb von 9 Tagen 116000 Juden„zur Ver- ladung gebracht” habe. Täglich gingen vier Züge, deren jeder 45 Viehwagen führte, ab. Es wurden 80 und mehr Personen in einen Viehwagen gepfercht“. Eichmann sagte Dr. Kasiner, daß 32° 479 Be ang DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG die„Verladung“ von 90 Personen in einen Wagen einfach dar- auf zurückzuführen sei, daß die karpatorussischen Juden viele Kinder hätten, die wenig Platz beanspruchten;„auch wären die Juden in diesem Landesteil wenig anspruchsvoll”*, Auf diese Weise wurden bis zum 30. Juni 380 000 Juden depor- tiert. In Karpatorußland, das jetzt zur Sowjetukraine gehört, in der Ostslowakei, die wieder Bestandteil der Tschechoslowakei ist, und in den wieder an Rumänien abgetretenen Bezirken Sieben- bürgens blieb nur ein Viertel oder ein Fünftel der jüdischen Be- völkerung am Leben. Nicht viel anders war es in„Trianon- Ungarn“ östlich der Theiß. Die Razzien wurden von ungarischer Gendarmerie allein durchgeführt, die auch in obszönster Weise Leibesvisitationen bei Frauen vornahm, um versteckten Schmuck zu finden; darüber hat sich der Bischof von Szeged bei Horthy beschwert*5*. Sztojay hat nachher behauptet, daß er niemals solche Aufträge an Jaross und Baky gegeben habe und daß Ge- neral Faragho eine scharfe Rüge erhielt, weil er die Unabhängig- keit der ungarischen Gendarmerie geopfert hatte. Das ändert aber nichts an der Tatsache, daß es Ungarn waren, die diese schändlichen Dinge auf dem Gewissen haben und daß die Juden, die zu überleben vermochten, dies meist nur der Bestechlichkeit der ungarischen Organe danken*7. Eichmanns Gehilfen Wisliceny, Krumey, Nowak und Hünsche hatten keine deutsche Polizei zur Hand, als sie mit ihrem Mord- handwerk begannen. Willi Höttl, der in enger Verbindung mit Eichmann während dessen Wirksamkeit in Budapest stand, be- richtet weiter, daß auch nur sehr wenig ungarische Gendarmen zur Verfügung standen. Das Zusammentreiben der Juden für die einzelnen Transporte blieb so weitgehend Sache der Judenräte%. Es ist fast unglaublich, daß die jüdischen Gemeinden in Karpato- "Die Suche nach Schmuck spielte sich im Anfang allerdings recht oberflächlich ab. Der deutsche Gesandte in der Slowakei, Ludin, beschwerte sich bei von Thadden, daß drei Zugladungen mit Deportierten, die die slowakische Grenze am 24. Mai überschritten, auf der Bahnstation Kysak einige Stunden lang aufgehalten worden seien; inzwischen hätten die als Wachmannschaft mitfahrenden deutschen Soldaten den Juden den von diesen versteckten Schmuck abgenommen und den Erlös dazu benutzt, um sich in der Bahnhofswirtschaft einen Rausch anzutrinken. Als die Züge ihre Fahrt fortsetzten, hätten die Juden die Wertgegenstände, die sie bis dahin zu verbergen vermochten, auf die Strecke geworfen. Von Thadden befahl Hezinger, dem Verbindungsmann des Auswär- tigen Amtes zum Kommando Eichmann, eine Erhebung durchzuführen, und teilte dann Ludin am 6. Juni mit, daß die slowakische Beschwerde unbegründet sein müsse, da in Ungarn Leibesvisitationen vorgeschrieben seien%.(Siehe auch Fußnote Seite 138.) 480 gechzeHNTE „Blond, i ev) und und in ih Juden. Di die slowa assenen zu, Flucht ober nur\ die Zählu ferung an 81600 bi verläßlich schen G tiere zum zählte“®. heimatete wenigen| schen Koi große Ma Grenzver: Zahl der| werden, is Gaskamm von Thad üblranspo Richtung Am gleic zwischen Juden die Spee "Man muß Regierungen ger ungaris 'en durch Ja *hülternden s ın„Trianon- Von ungarischer ged bei Horthy daß er niemals tte. Das ändert 'aren, die diese daß die Juden, Bestechlichkeil k und Hünsche nit ihrem Mord- Verbindung mit ıpest stand, be- che Gendarmen ar Juden für die der Judenräte*, den in Karpato- oberflächlich ab. Der in Thodden, daß drei 4, Mai überschrilten, len seien; inzwischen den Juden den von nutzt, um sich in der hrt fortsetzten, hätten vermochten, auf die gsmann des ‚Auswöt: ‚ren, und teilte dan ef sein müsse, do in inote Seite 138.) SECHZEHNTES KAPITEL 2. DIE DEPORTIERUNGEN rußland, in deren Nähe sich die galizischen Massaker der Jahre 1942 und 1943 abgespielt hatten, noch 1944 genau so fatalistisch und in ihr Schicksal ergeben waren wie vorher die galizischen Juden. Die Deportationszüge überschritten bei Preschov(Eperies) die slowakische Grenze und rumpelten dann auf menschenver- lassenen Nebenlinien durch waldreiche Karpatentäler Auschwitz zu. Flucht aus dem Zug kann nicht allzu schwer gewesen sein, aber nur wenige Fluchtversuche wurden unternommen*. Die Zählung, die in den Transporten im Augenblick ihrer Auslie- ferung an die SS gemacht wurde, deutet auf eine Gesamtzahl von 381 600 bis zum 30. Juni deportierter Juden. Diese Zahl erscheint verläßlicher“? als die weithin schwankenden Angaben der unga- rischen Gendarmerie: 615378 von Endre„festgestellte” Depor- tierte zum 21. Juni und 434351 von Ferenczy zum 8. Juli„ge- zählte”50. Abgesehen von jenen 9000 westlich der Theiß be- heimateten Juden, die man nach Österreich schaffte, und den wenigen Tausenden, die direkt nach Stutthof oder anderen deut- schen Konzentrationslagern gegangen sein mögen, wurde die große Masse nach Auschwitz deportiert. Inzwischen eingetretene Grenzverschiebungen erschweren eine verläßlicheSchätzung der Zahl der Überlebenden. Soweit die Opfer als„vermißt” geführt werden, ist es unmöglich festzustellen, wie viele von ihnen in der Gaskammer den Tod gefunden haben. Aber eine Bemerkung in von Thaddens Denkschrift vom 26. Mai, daß„etwa ein Drittel der abtransportierten Juden arbeitseinsatzfähig” sei, ist nach dieser Richtung recht aufschlußreich S!. Am gleichen Tag— dem 26. Mai— fand eine Besprechung zwischen SS-Obergruppenführer Heinz Kammler und dem Rüstungsminister Albert Speer statt, bei der von der Ankunft der für die Projekte„Dorsch“ und„Jäger“ bestimmten ungarischen Juden die Rede war 2: Speer:„Was ist mit den ungarischen Juden?” *"Man muß hier vielleicht in Betracht ziehen, daß schon die Judengesetzgebung der Regierungen Bardossy und Kallay das Leben in den überfüllten jüdischen Gemeinden der ungarischen Landstädte zur Qual gemacht hat und daß die meisten der Deportier- ten durch Jahre unterernährt gewesen waren. Christopher Burney sagt in seiner er- schütternden Schilderung„The Dungeon Democracy”(„Die Demokratie des Kerkers”), daß die physische Widerstandskraft der ungarischen Juden in Buchenwald selbst im Vergleich mit der der Juden aus Polen und den baltischen Staaten niedrig war.„Auch moralisch scheinen sie dem nationalsozialistischen Prozeß der Entmenschlichung mehr verfollen gewesen zu sein als die anderen“(Burney, Seite 67). 48] DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG Kammler:„Die sind im Laufen. Ende des Monats kommen die ersten Transporte für die oberirdischen Bunkerwerke.” Speer fand das so enttäuschend, daß er gleich vorschlug, mit Hilfe einer Sonderaktion 90000 Ostarbeiter in„Schutzhaft“ zu nehmen. Schließlich machte Fritz Schmelter, ein Ministerialdirek- tor des Rüstungsministeriums, folgende Bemerkung: „Dazu darf ich folgendes sagen: Bisher sind zwei Transporte angekommen, die in das SS-Lager Auschwitz gekommen sind. Angeboten wurden für die Jägerbauten nur Kinder, Frauen und Greise, mit denen sehr wenig anzufangen ist. Wenn nicht die nächsten Transporte Männer im arbeitsfähi- gen Alter bringen, dürfte die ganze Sache nicht sehr erfolg- reich werden.” Kammler hielt es für unwahrscheinlich, daß man 100000 Juden aus Ungarn bekommen könne. Er wußte wohl, daß Pohl eben an Himmler berichtet hatte, die Hälfte jener ungarischen Juden, die die Selektion in Auschwitz überlebt hatten, seien weiblichen Ge- schlechts, und daß Pohl sie, da keine für Frauen geeignete Arbeit da war, einfach für von der Organisation Todt durchzuführende anstrengende Bauarbeiten zugeteilt hatte, die normalerweise Männern vorbehalten waren. Himmler war der Ansicht— und Pohl glaubte, daß er das ernst meinte—, die Frauen würden die Arbeit bei einer gesunden Ernährung mit„Rohkostgemüse“ lei- sten können.„Vergessen Sie ja nicht die Einfuhr von Knoblauch in ausreichender Menge aus Ungarn?.” Die Frauen fanden also keine Verwendung für den„Jägerplan”, sondern wurden nach Polen und Ostpreußen geschickt, wo sie unter den grauenhaftesten Verhältnissen Panzerfallen bauen mußten®%. Feldmarschall Milch bestätigte, daß es unmöglich war, die Juden aus Ungarn in größerem Umfang im Rahmen des„Jägerplans” zu beschäftigen. Ein Bericht vom 27. Juni zeigt, daß man 12000 Jüdinnen aus Ungarn angefordert hatte und daß die SS sie zu diesem Zeitpunkt erst in Gruppen von je 500 abzuliefern be- gann°®. Diese Frauen wurden offenbar den Kruppwerken in Westdeutschland zugeteilt. Alfried Krupp von Bohlen und Halbach erfreute sich besonderer Privilegien in bezug auf Arbeitskräfte aus Konzentrationslagern. Als 1943 die Firma Friedrich Krupp A.G. uneingeschränkt in seine Hände kam, baute er bereits Fabriken in den Lagern Auschwitz 482 und Wost aus Ausch gen— eil her 142 Arbeit aU Jidinnen Nürnberg InEssen W ıntergebr Wilhelm. ser gewe dem Geri ungarisch nach Boch Die mänı hebung d beschäftic Schmelter an, es Wü derttauseı Soldaten Sinne äuf schen Mit eines Bes ler, hätte Jagdflug: Es gab ta Schwarzt verhunge ghettos k "Obwohl Al verurteilt wc Milongeklag MeCloy begı und französi sche Industr wollte, Aus. gehoben, ur Orgenisatjon IB Monate, bekanntgab; 9 Millione werke,” yorschlug, mit Schutzhaft“ i Ninisterialdirek, g: Wei Transporte tz gekommen en nur Kinder, anzufangen ist Im arbeitsfähi. cht sehr erfolg. 100.000 Juden ß Pohl eben an 'hen Juden, die weiblichen Ge. eeignete Arbeit urchzuführende normalerweise Ansicht— und yen würden die stgemüse" lei- von Knoblaud en fanden also n wurden nadı jrauenhaftesten wor, die Juden s„Jägerplans‘ aß man 1200 die 55 sie zu „bzuliefern be ruppwerken i ich besonderer ‚trationslage. -hränkt in sein? gern Auschwitz SECHZEHNTES KAPITEL 2. DIE DEPORTIERUNGEN und Wustergiersdorf. Im Juli des Jahres gestattete man ihm, Juden aus Auschwitz für die Arbeit im Berthawerk nach Essen zu brin- gen— eine bemerkenswerte Ausnahme von der am 26. Novem- ber 1942 erlassenen Vorschrift, die alle von Juden zu leistende Arbeit auf Auschwitz und Lublin beschränkte. Die ungarischen Jüdinnen wurden dem Elmagwerk in Essen, den Südwerken in Nürnberg und einer Anzahl von Kruppschen Betrieben zugeteilt. In Essen waren 520 von ihnen in einem Keller unter Verhältnissen untergebracht, die nach der Beschreibung, die der Werkarzt Wilhelm Jäger in der Verhandlung in Nürnberg gab, kaum bes- ser gewesen sind als in einem polnischen Todeslager°. Es ist dem Gericht auch nicht gelungen, etwas über das Los der 1500 ungarischen Jüdinnen festzustellen, die im März 1945 von Essen nach Bochum evakuiert worden waren*. Die männlichen Juden wurden, soweit möglich, bei der Aus- hebung des Grundes für sechs riesenhafte, unterirdische Hangars beschäftigt?— das war der sogenannte„Dorschplan“. Fritz Schmelter, der im Prozeß Milch als Zeuge gehört wurde”, gab an, es wären trotz Milchs anderslautender Darstellung doch hun- derttausend gewesen, für deren Bewachung man zehntausend Soldaten von der Ostfront hätte abziehen müssen. Im gleichen Sinne äußerte sich Himmler im folgenden Dezember dem ungari- schen Minister des Innern Gabor Vajna gegenüber gelegentlich eines Besuches in Budapest. Die ungarischen Juden, sagte Himm- ler, hätten eine Ausweitung des„Jägerplans” für den Bau von Jagdflugzeugen um 40 v. H. möglich gemacht 5%. Es gab tatsächlich 1944 ungarische Juden in Mühldorf, Kauffering, Schwarzheide und anderen Flugzeugfabriken, aber diese völlig verhungerten und geschwächten Überlebenden der Karpaten- ghettos klappten unter den unmenschlichen Arbeitsverhältnissen * Obwohl Alfried Krupp zu zwölf Jahren Gefängnis mit Wirkung vom 11. April 1945 verurteilt worden war, wurde er bereits am 4. Februar 195] zusammen mit allen seinen Mitongeklag%en auf freien Fuß gesetzt. Der damalige amerikanische Hohe Kommissar McCloy begründete das seinerzeit damit, daß er im Einvernehmen mit seinem britischen und französischen Kollegen das Ausmaß der abgebüßten Strafen den über andere deut- sche Industrielle, die Sklavenarbeiter verwendet hatten, verhängten Strafen anpassen wollte. Aus dem gleichen Grund wurde die Einziehung des Kruppschen Vermögens auf- gehoben, und dieses nur den Beschränkungen des Kontrollratsgesetzes über die Neu- organisation der Ruhr-Kohlen- und Stahlindustrie unterworfen. Es dauerte weitere 18 Monate, ehe die alliierten Entflechtungsfachleute die Natur dieser Beschränkungen bekanntgaben. Krupp durfte nicht länger ein Konzernkönig sein, aber sein auf 450 bis 600 Millionen DM geschätztes Vermögen wurde ihm unvermindert zurückgegeben. 483 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG dieser unterirdischen Höllen einfach zusammen. Eine Gruppe von ihnen wurde, wie Christopher Burney berichtet, nach Buchenwald zurückgebracht und von dort nach Auschwitz zur Vergasung ge- schickt. Die meisten von ihnen wurden aber von Lager zu Lager gestoßen, um im April 1945 entweder in der Hölle von Belsen oder im„Kleinen Lager“ in Buchenwald ein grauenhaftes Ende zu finden*. Einiges ist über das Schicksal jener bekannt, die nicht über Birke- nau hinausgelangten. Die vorliegenden Angaben enthalten aller- dings eine Reihe von Widersprüchen. Im Februar löste SS-Sturm- bannführer Richard Bär den verhältnismäßig„milden“ Arthur Liebehenschel als Befehlshaber des Lagers Auschwitz ab. Im April erfuhr Dr. Lingens-Reiner vom„Lagerältesten” Heinrich Schuster, daß die ungarische Aktion in Vorbereitung war. Für den Lager- leiter von Birkenau, SS-Hauptsturmführer Hartjenstein, einen Österreicher, war das offenkundig zuviel 6°. Er wurde am 15. Mai mit dem Kommandanten von Natzweiler, Josef Kramer, der be- rüchtigten„Bestie von Belsen”, ausgetauscht— Kramer bereitete die Anwesenheit bei Selektionen weiter keine seelischen Be- schwerden**. Aber das Unternehmen war in so riesenhaften Aus- maßen geplant, daß diese Änderungen nicht genügten. Ende Juni kehrte Höss aus Oranienburg als„Platzkommandant” zurück. Obwohl er in den nächsten vier Monaten in Auschwitz stationiert war, fuhr er von dort immer wieder nach Budapest, um alle Einzelheiten mit Eichmann zu besprechen. Das Programm der Deportierungen aus Ungarn hatte den Decknamen„Aktion Höss“. Noch eine andere bedeutsame Änderung trat im April 1944 ein: eine Zweiglinie der Bahn wurde in den Raum zwischen den durch Stacheldraht voneinander abgeschlossenen Lagern für Männer und Frauen geführt. Das machte das Ausladen der Züge in einer Entfernung von etwa 200 Metern von den Krematorien möglich. Von der Schneiderei im Frauenlager konnte man alles genau ver- * Oberstleutnant Yeo-Thomas von der britischen Luftwaffe, der vom November 1944 bis April 1945 im Lager Rehmsdorf, einem Nebenlager von Buchenwald, arbeitete, nennt es ein„Judenausrottungslager“, obwohl es nach außenhin dazu bestimmt war, jüdische Arbeitskräfte für den„Jägerplan” bereitzustellen®. ** Hartjenstein wurde am 5. Juni 1946 in Wuppertal zum Tode verurteilt. Der gegen ihn von den Franzosen geführte zweite Prozeß in Metz bestätigte dieses Urteil, aber erst 8 Johre später— am 2. Juli 1954. 484 sechzeht folgen, zur Tau die Arb haften© mandos 4 Mar führt— mando’ und fası liches V ganze J Persone Regel w Nach d schen U torien f olaubw an eine als 10 die voll untersu 5, 167). zwei D Zuwach aus Une verzeic ger wa oder„A des alt heit hat lich 501 Nach u der zu "Der„To Xommling haben, Dr fen Wien Birkenau: der Wiese Vnterhalt Zug lang: ER ENDLOSUNG Gruppe von Buchenwald "gasung ge- er zu Lager Von Belsen haftes Ende t Über Birke. 'halten aller. ste SS-Sturm- den” Arthur ab, Im April ich Schuster, " den Lager- stein, einen > am 15. Mai mer, der be- ner bereitete elischen Be- haften Aus- n. Ende Juni ant“ zurück. tz stationiert est, um alle ogramm der ien„Aktion ril 1944 ein: sn den durch für Männer üge in einer ien möglich. s genau vel- „vember 1944 bis arbeitete, nennt mt war, jüdische Der gegen Ihn Urteil, aber er! SECHZEHNTES KAPITEL 2. DIE DEPORTIERUNGEN folgen, was zur Selektion gehörte, das„Mädchenorchester”*, die zur Täuschung der Ankömmlinge angelegten Blumenbeete und die Arbeitsgruppe älterer Frauen, die die Säuglinge zu entkleiden hatten©'(siehe S. 122 u. 168). Die beiden jüdischen Sonderkom- mandos, die die Gaskammern zu bedienen hatten, wurden von 224 Mann— so viele waren am 11. Mai im Lagerverzeichnis ge- führt— auf mindestens 860 Mann verstärkt 2. Das„Kanada-Kom- mando”, das die Beute zu sichten hatte, wurde gleichfalls verstärkt, und fast das ganze ehemalige Dorf Birkenau wurde als zusätz- liches Warenlager eingerichtet. Nichtsdestoweniger konnte der ganze Apparat einen täglichen Zuwachs von 12000 bis 14000 Personen, wie er in der Zeit zwischen dem 15. und 24. Mai die Regel war, nicht bewältigen. Nach der Aussage von Höss und den Feststellungen der polni- schen Untersuchungskommission konnten die vier neuen Krema- torien täglich 12000 Leichen verbrennen, aber das scheint wenig glaubwürdig“. Höss hat auch erklärt, daß die Gaskammern nur an einem einzigen Tag(offenbar nicht vor dem Juli 1944) mehr als 10000 Opfer zu bewältigen hatten‘. Bis dahin hatte man die volle Leistungsfähigkeit aller vier Krematorien noch gar nicht untersucht. Als man es tat, war man mit ihr nicht zufrieden(siehe S. 167). Es erwies sich als unmöglich, den üblichen Anteil von zwei Dritteln oder drei Vierteln eines zahlenmäßig so riesigen Zuwachses zu vergasen. Infolgedessen war zuerst Birkenau mit aus Ungarn verschleppten Juden überfüllt, die man nicht ins Lager- verzeichnis aufnahm, sondern auf die Überführung in andere La- ger warten ließ. Sie füllten die neue Abteilung für Frauen C|l oder„Mexiko“, die halbfertige Männerabteilung B Ill und Teile des alten Lagers, in dem die Ungarn bald die Zweidrittelmehr- heit hatten. Dr. Nyiszli zufolge hat es in„Mexiko” allein gewöhn- lich 50 000 Jüdinnen aus Ungarn gegeben®. Nach und nach, als die große Masse der Neuankömmlinge wie- der zusammenschmolz, begannen die Gaskammern ihre„nor- * Der„Totentanz“, der in der Erzählung so vieler Überlebender von Auschwitz die An- kömmlinge am Platz der Selektion begrüßte, mag eine wesentlich prosaischere Erklärung haben. Dr. Ella Lingens-Reiner berichtet, daß das„Mädchenorchester” von der bekann- ten Wiener Musikerin Alma Ros& geschaffen wurde, die im Winter 1943 im Frauenlager Birkenau starb. Zum Zeitpunkt der Deportierungen aus Ungarn pflegte das Orchester auf der Wiese vor der Krankenabteilung des Frauenlagers an zwei Nachmittagen der Woche Unterhaltungsmusik zu spielen. Oft sah Dr. Lingens-Reiner, wie die Deportierten, als der Zug langsam einfuhr, der Musik lauschten$0®. 485 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG male” Tagesquote zu fordern. Große zusätzliche Verbrennungs- gruben im Anschluß an die Krematoriumsgebäude wurden ausge- hoben. Das„Weiße Haus”, eines der beiden ursprünglich in Be- trieb genommenen Krematorien oder„Kleinen Häuser” aus der Zeit von 1942, wurde neu instand gesetzt; dort wurden jene, die man nachher zur Erschießung zu einem neuen Hinrichtungsplatz im Wald führte, zunächst einmal aller ihrer verbliebenen Hab- seligkeiten beraubt 7. Auf diese Weise gelang es, die Zahl der Morde noch über eine Tagesquote von 6000 zu steigern, aber es erwies sich als sehr schwer, die Verbrennungen im Freien irgend- wie zu tarnen, da die Flammen und der Rauch vom ganzen Lager durch Wochen gesehen werden konnten. Ein eben ankommender ungarischer Transport sah einmal eine Wagenladung mit halb- verbrannten Leichen%. Die Machthaber im Lager waren durch diese Dinge recht beunruhigt. Am 16. Juni besprachen Höss, Maurer und Oswald Pohl die Möglichkeiten für die Erbauung von drei weiteren Krematorien. In der Zwischenzeit wollte man die aus Baumstämmen bestehende Tarnwand rund um die Gaskam- mern auf die doppelte Stärke bringen‘. Aufnahmen, die ein Lagerinsasse machte und die die Leichengruben mit dem Sonder- kommando an der Arbeit zeigen, sind erhalten geblieben”°. Nach der Schätzung von Höss wurden im Sommer 1944 400 000 Juden aus Ungarn vergast, doch scheint diese Zahl viel zu hoch gegriffen zu sein. Man kann aber annehmen, daß innerhalb einer Zeitspanne von nicht mehr als 46 Tagen, als die Todesfabrik auf vollen Touren lief, 250000 Menschen entweder vergast oder er- schossen wurden. Manchmal drangen Nachrichten aus Auschwitz in die Außenwelt. So wurde am 19. März ein Kurier der polnischen Sozialisten(PPS) in Ungarn verhaftet; man fand bei ihm Berichte aus dem Lager Auschwitz. Am 7. April gelang den zwei slowaki- schen Verfassern des vom„War Refugee Board” herausgegebe- nen Berichtes die Flucht aus Birkenau nach Preßburg’!. Aber nur langsam sickerten die Nachrichten über die Vernichtung des un- garischen Judentums durch, und erst Anfang Juli, als mehr oder weniger alles vorüber war, konnte die alliierte und neutrale Presse über die Massenvergasungen berichten. Wäre das früher der Fall gewesen, hätten vielleicht 200000 oder noch mehr Juden Ungarn nicht verlassen müssen. 486 sechzeH! Die De jähes E gewick führen, dem D ten sell auch d gegen die Juc schach Der un Westui Es war zischer führter zurück nichts dadurc wunde ‚magy bringe! ihm ve Gegen 26. Mo er, dal auf e würde funger schieb Behanı alliiert dahin. wäre, solang widme "Von TI die Inva R ENDLOSUNg Pbrennungs. glich in Be. u\ er aus der| N jene, die htungsplatz benen Hab- ie Zahl der ern, aber es eien irgend. nzen Lager kommender 19 mit halb varen durch ıchen Höss bauung von Ite man die ie Gaskam- en, die ein lem Sonder- eben”, 944 400.000 siel zu hoch erhalb einer esfabrik auf ast oder er- ıs Auschwitz r polnischen ihm Berichte vei slowaki- rausgegebe- 71, Aber nur ung des un ; mehr oder jtrale Presse her der Fol den Ungarn SECHZEHNTES KAPITEL 3. DAS ENDE DER DEPORTATIONEN NACH AUSCHWITZ 3. Das Ende der Deporiationen nach Auschwitz Die Deportierung ungarischer Juden nach Auschwitz fand ein jähes Ende, bevor viel mehr als die Hälfte des Programms ab- gewickelt werden konnte. Zum Teil war das darauf zurückzu- führen, daß Horthy nun, bedroht von den Alliierten und unter dem Druck sowohl von seiten neutraler Staaten als auch von sei- ten seines eigenen Klerus, energischer auftrat. Teilweise war das auch die Auswirkung des unterirdischen Kampfes, den Himmler gegen Hitler und Kaltenbrunner im Zuge eines Versuches führte, die Juden, die zu töten man ihm befohlen hatte, einfach zu ver- schachern. Der ungarische Widerstand versteifte sich in dem Augenblick, als Westungarn und Budapest von Deportationen bedroht wurden. Es war immer wieder die alte, tieftraurige Geschichte. Die„gali- zischen Juden”, die in einer fremden Umgebung ihr Eigenleben führten, jiddisch sprachen und sich selbst instinktiv in Ghettos zurückzogen— für die hatte niemand etwas übrig. Sie waren nichts als ein Ballast, den man leichten Herzens opferte, um sich dadurch in Berlin lieb Kind zu machen. Aber selbst ungarische Be- wunderer Hitlers begannen zu zögern, sobald es daran ging, „magyarisierte“ Juden den Nationalsozialisten zum Opfer darzu- bringen. Eichmann hatte jedoch niemals die Absicht, sich mit den ihm von Horthy und Sztojay angebotenen 50000 Juden aus der Gegend von Budapest zufriedenzugeben. Als von Thadden am 26. Mai über seine Reise nach Budapest Bericht erstattete, schrieb er, daß die ganze jüdische Bevölkerung innerhalb eines Monats auf eine Donauinsel oberhalb Budapests gebracht werden würde 72, obwohl der Judenrat damals immer noch den Versiche- rungen glaubte, daß man nur die„Ostiuden“ aus Ungarn abzu- schieben beabsichtige. Von Thadden war mit der schleppenden Behandiung der Angelegenheit nicht zufrieden. Am Tage der alliierten Invasion des Kontinents, am 6. Juni 1944, sprach er sich dahin aus, daß es im Falle einer großangelegten Invasion besser wäre, die Frage der Budapester Juden„schlagartig“ zu regeln, solange die alliierte Presse keinen Raum hatte, den sie ihr hätte widmen können’?*. * Von Thadden war nicht der einzige, der sich darüber den Kopf zerbrach, wie sich die Invasion auf die Endlösung auswirken würde. Er hatte namens des Auswärtigen 487 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG Die Wilhelmstraße mag Bedenken gehabt haben, aber das un- garische Ministerium des Innern erhielt auf dem Umweg über Veesenmayer und Winkelmann immer noch Aufträge von Eich- manns Kommando. So wurde am 15. Juni angeordnet, daß alle Budapester Juden in 2681 besonders bezeichnete Häuser um- ziehen müßten— der vierzehnte Teil des Gesamtwohnraumes von Budapest für ein Fünftel der Bevölkerung. Die„Judenhäuser” bildeten kein zusammenhängendes Ghetto, da der Stadtrat sich durch Sendungen des britischen Rundfunks überzeugen ließ, daß eine solche Regelung zur Bombardierung bestimmter Bezirke der Stadt führen würde’5. Den nächsten Schritt bildete eine Reihe von Verfügungen und Straßenverboten, die dazu bestimmt waren, die Juden auf ihre neuen Behausungen zu beschränken. Das machte den Weg für die ersten Razzien frei, die in den ersten Julitagen in den Vororten westlich der Donau einsetzten und zur Internierung von 17500 Juden in den Budakalcz-Kasernen führ- ten. Aber nach all diesen Vorbereitungen ging am 8. Juli ein ein- ziger Deportationszug nach Auschwitz ab. Etwas Unerwartetes hatte sich zugetragen. Mit der Begründung, daß Baky versucht habe, den Reichsverweser zu stürzen, entwaffnete General Laka- tos an diesem Tage die ungarische Gendarmerie, und Baky und Endre hielten es für geboten, der Entscheidung Horthys, durch die sie auf unbefristeten Urlaub geschickt wurden, keinen Wider- stand entgegenzusetzen”s, Auf diese Weise hatte sich der passive und senile Horthy doch zu einem Eingreifen entschlossen, was wohl vor allem auf die Ini- tiative des päpstlichen Nuntius, Mgr. Angelo Rotta, zurückzufüh- ren war, der Sztojay am ersten Tag der Deportationen darauf Amtes einem phantastischen Projekt Rosenbergs Unterstützung geliehen, das auf die Einberufung eines antijüdischen Kongresses nach Krakau hinauslief. Vertreter der Ach- senländer und ihrer Vasallen sollten dort im historischen Wawel-Schloß einen feierlichen Eid leisten, alle Juden aus Europa zu entfernen. Am 12. Juni schrieb Martin Bormann aus dem Führerhauptquartier an Rosenberg: „Gestern habe ich Ihr Schreiben vom 7. d. M. dem Führer übergeben, der mich beauftragt hat, Ihnen mitzuteilen, daß alles dafür spricht, daß der Kongreß in die- sen Tagen, da sich das Schicksal der Nation entscheidet, unbemerkt bleibt. Der Führer wünscht daher, daß ich Sie ersuche, von der Einberufung des Kongresses bis zur Herausgabe neuer Weisungen abzusehen.” Nichtsdestoweniger ließ Rosenberg am 28. Juni Einladungen zum Kongreß verschicken, der für den 5. September einberufen wurde. Der Engländer John Amery und der Mufti von Jerusalem waren als Gäste gemeldet. Das Projekt wurde erst einen Monat später endgültig aufgegeben 74, 488 sech Zeh! oufmer!| würde, Horthy doch sC offenbo gen dei rungen testiertt recht| tionen öffentli auf Grı tionen Diese Materic ihren E sich um waren Mitwirl mals m heit de Seit de 24 Stun walten Gesetz dadure graben tos, de derung nehme tos sch am 2]. jüy ein hatte, den M Generı Endres Die Bo ten Ap ER ENDIOSUNG 'ber das un- Imweg über 3° von Eich. et, daß alle äuser um- Wohnraumes udenhäuser“ Stadtrat sich en ließ, dof ‚Bezirke der 1e Reihe von mmt Waren, ränken, Das 1 den ersten zten und zur sernen führ- Juli ein ein- Jnerwartetes aky versucht eneral Laka- ıd Baky und rihys, durch inen Wider- rthy doch zu auf die Inı- zurückzufüh- onen darauf ien, das auf die ertreter der Adı- einen feierlichen rtin Bormann aus geben, der mich Kongreß in die- jerkt. bleibt. De ‚s Kongresses bis greß verschicken, ny und der Mufti en Monat spöle! SECHZEHNTES KAPITEL 3. DAS ENDE DER DEPORTATIONEN NACH AUSCHWITZ aufmerksam gemacht hatte, daß die ganze Welt genau wissen würde, was sie zu bedeuten hätten. Am 25. Juni übergab Rotta Horthy einen Brief, der trotz aller vorsichtigen Formulierungen doch so etwas wie einen Protest des Papstes darstellte. Das hat offenbar auf Horthy mehr Eindruck gemacht als die Vorstellun- gen der ungarischen Bischöfe, die weniger gegen die Deportie- rungen selbst als gegen die sie begleitenden Grausamkeiten pro- testierten. So war der Hirtenbrief des Fürsterzbischofs Seredi eine recht langatmige Angelegenheit, die sich hütete, die Deporta- tionen beim richtigen Namen zu nennen. Erst hielt man die Ver- öffentlichung des Hirtenbriefes zurück, und am 8. Juli wurde er auf Grund der Zusicherung, daß es zu keinen weiteren Deporta- tionen aus Budapest kommen werde, überhaupt widerrufen 7. Diese Tatsache spricht ebenso wie Eugene Levais gesammeltes Material dafür, daß die Bischöfe höchstens dazu bereit waren, ihren Einfluß von der Kanzel herab geltend zu machen, falls es sich um„magyarisierte” Juden handelte, von denen viele getauft waren. Man darf auch nicht übersehen, daß die uneingeschränkte Mitwirkung der Gendarmerie bei der Aussiedlung der Juden nie- mals möglich gewesen wäre, wenn die Kirche in der Vergangen- heit den Antisemitismus klar und deutlich abgelehnt hätte. Seit den Vorgängen in Kleßheim im März, als Horthy praktisch 24 Stunden lang in Haft war, ließ er eine Regierung schalten und walten, die man ihm aufgezwungen hatte. Der von ihr erlassenen Gesetzgebung verweigerte er die Unterschrift in der Annahme, dadurch deren Gewicht in den Augen der Öffentlichkeit unter- graben zu können. Schon Mitte Juni hatte er dem General Laka- tos, dessen defaitistische Anwandlungen zu einer deutschen For- derung geführt hatten, ihm den Befehl über die Erste Armee abzu- nehmen, den Posten des Ministerpräsidenten angeboten’®. Laka- tos schien es, als ob der Augenblick dazu noch nicht reif sei, aber am 21. Juni kritisierten sogar die Mitglieder der Regierung Szto- jay einen Bericht über die Deportationen, den Endre unterbreitet hatte. Zusammen mit der Botschaft des Papstes gab das Horthy den Mut, in einer am 26. Juni abgehaltenen Regierungssitzung General Faragho anzugreifen und die Abberufung Bakys und Endres zu verlangen”°. Die Botschaft des Papstes war der Ausgangspunkt eines weltwei- ten Appells an das Gewissen des Reichsverwesers. Am 26. Juni 489 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG ließ der amerikanische Staatssekretär Cordell Hull durch die Schweizer Gesandtschaft eine Note zustellen, in der Repressalien gegen die für die Deportierungen Verantwortlichen angedroht wurden®, Sztojay versandte unmittelbar darauf ein Rundschrei- ben an alle Gesandtschaften, in dem behauptet wurde, die Deportationen würden sich durch nichts von dem normalen Ar- beitsdienst unterscheiden, den Fremdarbeiter im Reich leisteten. Angesichts der durch die amerikanische Note geschaffenen Lage drohte Jaross in der Kabinettssitzung am nächsten Tage zunächst mit dem Rücktritt und stimmte dann zu, daß getaufte Juden nicht in die Deportationen einbezogen werden sollten. Das wurde zwar an Mgr. Rotta, offenbar aber nicht an Veesenmayer weiter- gegeben!!. Der Note Cordell Hulls folgten die konkreten Vorschläge des Königs von Schweden, die den ungarischen Juden zur Auswan- derung verhelfen sollten(siehe S. 500). Diese Vorschläge wurden durch Raoul Wallenberg, einen ungeheuer mutigen und hilfsbe- reiten jungen Mann, überbracht, der seinen guten Willen mit einem bisher unaufgeklärt gebliebenen Martyrium bezahlen sollte. Das Anerbieten König Gustavs V. wurde am 5. Juli durch einen persönlichen Appeli unterstützt, den Professor Karl Burck- hardt, Präsident des Internationalen Roten Kreuzes, an Horthy ergehen ließ: „Die zu unserer Kenntnis gebrachten Dinge scheinen uns in so vollkommenem Widerspruch zu den Kavaliers-Traditio- nen des großen ungarischen Volkes zu stehen, daß es uns schwerfällt, auch nur einem Bruchteil der Informationen Glauben zu schenken, die wir erhalten. Im Namen des Inter- nationalen Roten Kreuzes wage ich es, Eure Hoheit zu bit- ten, Instruktionen zu erteilen, die es uns ermöglichen, diesen Gerüchten und Anklagen entgegenzutreten#2.“ Horthy beantwortete diesen Appell zunächst nicht, aber zwei Tage später berichteten Anthony Eden und der Informations- minister Brendan Bracken dem britischen Unterhaus, daß„700 000 bis eine Million ungarischer Juden“ ausgerottet würden. Diese Mitteilung folgte der verspäteten Freigabe von bisher von der Zensur unterdrückten Nachrichten durch die Schweizer Regierung auf dem Fuß. Es heißt, daß Horthy auch einen solchen Bericht in einer Schweizer Zeitung las, die ihm sein Sohn gegeben hatte®. 490 secHZeHNTE Am 14. J oressalier Unfer den schließlich ging abe! hindliche ‚ei Iunge urteili Ich h lung hoffe katio Die Zweic Ihy sich/ orotestier‘ I vom 8. Ju ‚ Sztojay u nn: ae an en ee wurde im! Eichmann csa bereit Juden aus gen. Hort auf dem\ in Hatvan sierte Tra durch und veitere z durch in e dem Fürs Transport Ihdieser© | Gellung 2 ZU sagen, \disch-an Schüchterr Kennmis; bevollmäi schriftene ENDIOSUNG durch die °pressalien Angedroht Rundschrai. wurde, die malen Ar- h leisteten, 'enen Lage Je zunächst Juden nicht Das wurde yer weiter- chläge des r Auswan- ige wurden ind hilfsbe- Willen mit bezahlen „Juli durch Carl Burck- an Horthy inen uns in rs-Traditio- daß es uns ormationen n des Inter- heit zu bit- hen, diesen aber zwei formations- „ß„700000 den. Diese or von der - Regierung 1 Bericht in ‚en hatte”. SECHZEHNTES KAPITEL 3. DAS ENDE DER DEPORTATIONEN NACH AUSCHWITZ Am 14. Juli wiederholte Hull schließlich seine Drohung mit Re- pressalien im Rundfunk%. Unter dem Eindruck dieser Kundgebungen entschloß sich Horthy schließlich doch zu einer Antwort an Professor Burckhardt. Sie ging aber erst am 14. August ab und war in erstaunlich unver- bindliche Wendungen gekleidet®: „Es ist leider nicht in unserer Macht, unmenschlichen Hand- lungen vorzubeugen, die niemand mehr als mein Volk ver- urteilt, das sich durch edles Denken und Fühlen auszeichnet. Ich habe die ungarische Regierung aufgefordert, die Rege- lung der Judenfrage in die Hand zu nehmen. Es steht zu hoffen, daß diese Lösung keinen Anlaß zu ernsten Kompli- kationen geben wird.” Die Zweideutigkeit dieser Antwort ist leicht erklärt. Obwohl Hor- thy sich Anfang Juli bewegen ließ, gegen den Führerbefehl zu protestieren, hat er doch nicht einmal nach Lakatos' Handstreich vom 8. Juli gewagt, Berlin auch noch durch die Entfernung von Sztojay und Jaross aus ihren Ämtern herauszufordern. Budapest wurde immer noch von der Einsatzgruppe der Polizei terrorisiert. Eichmann hatte 150 Mann in den Kasernen in Czepel und Kistar- csa bereit und brachte sie am 14. zum Einsatz, als es galt, 1450 Juden aus dem Lager Kistarcsa zum Zug nach Auschwitz zu brin- gen. Horthy war in diesem Falle erfreulicherweise in der Lage, auf dem Wege über Jaross Weisungen zu erlassen, daß der Zug in Hatvan aufgehalten werden solle. Zwei von Eichmann organi- sierte Transporte schlüpften aber trotzdem am 19., bzw. 24. Juli durch und gelangten bis Birkenau, wo sie die Zahl der Opfer um weitere zwei- bis dreitausend vermehrten 8. Sztojay geriet da- durch in eine schwierige Lage, da er dem Nuntius Mgr. Rotta und dem Fürsterzbischof Seredi am 8. verbindlich erklärt hatte, die Transporte aus Budapest seien abgesagt worden°. In dieser Situation fand es Ribbentrop geboten, seinen Einfluß zur Geltung zu bringen. Er gab Weisungen an Veesenmayer, Horthy zu sagen, er„möge sich nicht von irgendwelchen lächerlichen jüdisch-amerikanischen Drohungen, die uns bekannt seien, ein- schüchtern lassen”. Hitlers„äußerstes Befremden“ sei Horthy zur Kenntnis zu bringen, zusammen mit der Drohung, daß der Reichs- bevollmächtigte„bei jedem Abweichen von dem im März be- schrittenen Weg“ sofort abberufen werden würde. Auf jeden 491 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG Fall würden demnächst zwei weitere Panzerdivisionen nach Un- garn verlegt werden®. Veesenmayer drahtete zurück:„Instruktion am 17. Juli um 17 Uhr ausgeführt.” Die Regierung Sztojay blieb im Amt, und Horthy wagte es erst am 29. August, Lakatos zum Ministerpräsidenten zu ernennen, eine Woche nach der Kapitulation Rumäniens, als sowjetische Divisionen nach Siebenbürgen strömten. Nach Szto- iays Entlassung denunzierte Kaltenbrunner Veesenmayer bei Ribbentrop, daß dieser,„als er den Führerbefehl erhielt, die Ein- setzung einer unbedingt deutschfreundlichen Regierung durch- zusetzen, sich aus seiner inneren Haltung heraus zu keinem kraftvollen Schritt entschließen” konnte®. Für sein Versagen hätte Veesenmayer an sich eine sehr gute Ent- schuldigung gehabt. In den letzten sechs Wochen von Sztojays Amtsdauer haben nicht nur ungarische Politiker versucht, mit den Alliierten ins Gespräch zu kommen, sondern die SS selbst. Alle die Proteste der Außenwelt hatten statt des erwarteten Erfolgs bei Himmler die Überzeugung reifen lassen, daß man die Ge- fühle der Menschlichkeit in zwölfter Stunde in den Dienst der deutschen Kriegsmaschinerie stellen könne. Die Verwirklichung dieses Wunschtraums sollte auf deutscher Seite dem Kommando Eichmanns zufallen, das seit seiner Ankunft in Ungarn mit dem Leben der Juden Schacher trieb. 4. Schachergeschäfte um Menschenleben Es begann am 19. März, als gelegentlich des Einmarsches deut- scher Truppen in Ungarn Ferencz Chorin und Baron Moritz Korn- feld, Hauptaktionäre der großen„Manfred-Weiß-Werke”, in einem Kloster versteckt gefunden wurden. Man schleppte sie als Geiseln nach Wien, wo sie die Möglichkeit hatten, über die Aus- wanderung von 45 Mitgliedern der eigenen Familien und der Familien anderer Hauptaktionäre Verhandlungen zu führen. Da- für bekam das Wirtschaftsverwaltungs-Hauptamt der SS(WVHA) über den Kopf der ungarischen Regierung hinweg einen auf 25 Jahre geltenden Vertrag, der ihm alle Betriebe des Manfred- Weiß-Konzerns in die Hand spielte. Wie verlautete, war das eine Eingebung von Herbert Göring, dem Bruder des Reichsmar- schalls®,„Ich werde jetzt bei Jaross für diese Schweinerei her- halten müssen“?', beschwerte sich Eichmann bei Dr. Kastner. Es 492 gecHZeHNT N war tatsc ungarisch aus ande Vertreter allem be Yaadah 1A 49). ı Wenning rs’„Aus einerseif‘ Wislicen gabe vo! die Nied Jar. Ein I aber nu plötzlich solchen dah verl suchen,( Ivd Eichr erstaunli ren, um schen Jı fern*, Eiı tung” in Diese ve in den damals: dartenfi stabs de von hö zeichnet daran n lebende nen Ant "Ich bin| frauen, al Spanien, w Icı verkauf ind etwas 3 PER ENDIOSUNG ten nach Un- ol um 17 Ur| ‚ und Horthy rüsidenten a| Mäniens, als| 1. Nach Szto- enmayer hei hielt, die Ein- ierung durch. 's zu keinem sehr gute Ent. von Sztojays sucht, mit den 5$ selbst. Alle| rteten Erfolgs| man die Ge. en Dienst der|| 'erwirklichung|| m Kommando garn mit dem narsches deut 1 Moritz Korn- iß-Werke”, in hleppte sie al über die Aus: ıilien und der zu führen. Do: ler SS(WVHA yeg einen auf ‚ des Manfred ,, war das eine Ies Reichsmar- hweinerei her| Dr. Kastner BJ SECHZEHNTES KAPITEL 4. SCHACHERGESCHAFTE UM MENSCHENLEBEN war tatsächlich schwerer, sich vor den eifersüchtigen Augen der ungarischen Regierung jüdisches Eigentum anzueignen, als es sich aus anderen Ländern zu holen— selbst aus Feindesland. Die Vertreter der Budapester Juden wandten sich an den immer zu allem bereiten Wisliceny, über dessen Transaktionen mit dem Vaadah in Preßburg hier schon berichtet wurde(siehe S. 443, 473 u. 479). Am 5. April kam es in der Wohnung eines gewissen Wenninger, eines Beamten des Geheimdienstes in Admiral Cana- ris'„Ausland-Abwehr“”, zu einer Unterredung zwischen Wisliceny einerseits und Joel Brand sowie Dr. Rezsö Kastner andererseits. Wisliceny erklärte, daß es nur einen Sinn habe, über die Frei- gabe von mindestens 100000 Juden zu verhandeln, und verlangte die Niederlegung einer Kaution in der Höhe von 2 Millionen Dol- lar. Ein Teil dieses Betrages wurde aufgebracht und abgeliefert, aber nun begannen die Vertreifer von Eichmanns Kommando plötzlich eine ganz andere Sprache zu führen und gaben zu, zu solchen Verhandlungen gar nicht ermächtigt zu sein??. Der Vaa- dah verlor einen ganzen Monat damit, Wisliceny und Krumey zu suchen, die in den Karpaten„an der Arbeit“ waren. Schließlich lud Eichmann Joel Brand am 5. Mai vor und machte ihm einen erstaunlichen Vorschlag. Brand sollte nach Konstantinopel fah- ren, um den Alliierten den Antrag zu unterbreiten, die ungari- schen Juden zu übernehmen und dafür Lastkraftwagen zu lie- fern*. Eine Woche lang sollten die ungarischen Juden„in Erwar- tung“ in Deutschland am Leben gelassen werden?°. Diese verrückte Mission verließ tatsächlich Wien am 19. Mai— in den Verbrennungsgruben in Birkenau brannten die Leichen damals lichterloh bei Tag und Nacht. Brand wurde von SS-Stan- dartenführer Kurt Becher begleitet, dem„Chef des Wirtschafts- stabs der Waffen-SS, Budapest“. Dieser Mann, der eine Reihe von höchst wertvollen eidesstattlichen Versicherungen unter- zeichnet hat, die in Nürnberg eine Rolle spielten, hat nicht nur daran mitgewirkt, Himmler dazu zu überreden, mit den über- lebenden Juden Schachergeschäfte zu beginnen. Er hat auch sei- nen Anteil daran, daß der Führerbefehl widerrufen und die *„Ich bin bereit, Ihnen eine Million Juden zu verkaufen. Wen wollen Sie reiten, Kinder, Frauen, alte Leute, wen? Sprechen Sie. Fahren Sie in die Schweiz, in die Türkei, nach Spanien, wohin immer Sie wollen. Aber bringen Sie mir Waren! Ich will Lastkraftwagen. Ich verkaufe Ihnen eine Million Juden für 10 000 Lastkraftwagen, tausend Tonnen Kaffee und etwas Seife.”(Aussage Joel Brands in Tel Aviv, 1. April 1954) 33 493 ä ke '@ 1 DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG DIE ENDLOSUNG Insassen der Konzentrationslager bei Kriegsende vor der Ermor- dung durch die SS gerettet wurden. Becher, von dem im folgen- den noch wiederholt die Rede sein wird, besaß schon Erfahrung im Erwerben jüdischen Eigentums für die SS. Als Angestellter einer Hamburger Weizenhandelsfirma wurde er im Sommer 1942 im Alter von 33 Jahren Haupteinkäufer für Pferde, die für die Personalabteilung der SS bestimmt waren, die SS-Gruppenführer Fegelein, dem Schwager Eva Brauns, unterstand. Es war Becher, der die Verhandlungen um die Übernahme der berühmten Zucht- farm Schlenderhan mit Freiherrn von Oppenheim führte, dem er dafür die Auswanderung ermöglichte”*. Es war Becher, der die Verhandlungen wegen der Übernahme des Manfred-Weiß-Kon- zerns führte und in der Verkleidung eines Pferdeeinkäufers der Waffen-SS dieVerhandlungen zwischen Eichmann und Joel Brand verfolgte, um über deren Fortschreiten an Himmler berichten zu können. Kastner glaubt, daß Becher als Schützling Schellenbergs direkten Zutritt zu Himmler erwirkte— damals hatte Himmler gerade begonnen, an Schellenbergs bizarrem Einfall, die Alliier- ten würden Friedensvorschläge von Himmler entgegennehmen, Gefallen zu finden. Becher hat sich zwar als Zeuge in Nürnberg— wohl nicht ganz ohne Grund— dessen gebrüstet, daß ihm die amerikanische Zeit- schrift„Time“ das Verdienst an der Rettung von 200000 Juden zuschreibe 5. Nichtsdestoweniger hat die Tatsache, daß Becher, ein SS-Standartenführer aus dem obersten Stab der SS, Brand be- gleitete, diese Mission um alle Erfolgsaussichten gebracht. Brand reiste ziellos im Nahen Osten umher. Er versuchte, in Konstan- tinopel Verbindung mit dem amerikanischen„War Refugee Board” und in Ankara Verbindung mit der britischen Botschaft aufzunehmen. Schließlich wollte er nach Palästina fahren, um die Sache der„Jewish Agency” vorzutragen, wurde aber an der türkisch-syrischen Grenze vom britischen Geheimdienst verhaftet und ein halbes Jahr lang in einer Villa in der Nähe von Kairo interniert. Immerhin wurde es ihm ermöglicht, mit Moshe Shertok von der Jewish Agency(dem gegenwärtigen israelitischen Außenminister Sharett) zusammenzukommen, der seine Vor- schläge nach London weiterleitete*. Sie wurden natürlich zurück- ® Brand wurde auch von Lord Moyne empfangen, der damals britischer Staatsminister für den Mittleren Osten war und im November 1944 von zionistischen Extremisten er- 494 genzenNTE* gewiesen zur Vero de Versch \ervendu Obwohl\ hehauptet heißend W die Russer Eichmann hen, als er Antwort d er wußte Nichtsdest Jıden soll \en freig Himmlers ıngarn, dl Sraßhof, gen". A der Unter worfen ur soviel G« stammten Debreczir Iuden hat Eichmann nach Ause da auch€ 3. Juni: gesetzten | esten 12 lenbrunne chehen? „Die| sämt| Morde} wurd Nongen?\ ‚Die Zahl y 300), Levaj " Blaschke Er) ER ENDIOSUNG T der Ermor. m im folgen. on Erfahrung Angestellker Sommer 194 , die für die Tuppenführer War Becher, Ihmten Zucht. ührte, dem er cher, der die d-Weiß-Kon- inkäufers der nd Joel Brand berichten zu Schellenbergs atte Himmler II, die Alliier- egennehmen, hl nicht ganz kanische Zeit- 00.000 Juden ‚ daß Becher, SS, Brand be- bracht. Brand ‚In Konstan- Nar Refugee hen Botschaft ı fahren, um , aber an der anst verhaftet he von Kairo loshe Shertok israelitischen seine Vor- örlich zurüd- her Statsministel an Extremisten er SECHZEHNTES KAPITEL 4. SCHACHERGESCHÄFTE UM MENSCHENLEBEN gewiesen, aber aus Propagandagründen am 18. Juli der Presse zur Veröffentlichung bekanntgegeben, als es hieß, daß Himmler die Verschiffung von 10000 Lastkraftwagen nach Saloniki„zur Verwendung ausschließlich in Ungarn“ verlangt habe%. Obwohl Veesenmayer auch nach dieser Veröffentlichung noch behauptete, die Verhandlungen gingen immer noch erfolgver- heißend weiter und die Engländer hätten die Geschichte nur, um die Russen zu täuschen, an die Öffentlichkeit gebracht”, hatte Eichmann die ganze Angelegenheit schon am 9. Juni abgeschrie- ben, als er Kastner sagte, er werde, falls binnen drei Tagen keine Antwort da sei,„die Mühlen in Auschwitz arbeiten“ lassen. Kast- ner wußte sehr wohl, daß sie seit dem 15. Mai bereits arbeiteten. Nichtsdestoweniger legte er einen neuen Vorschlag vor: 100 000 Juden sollten gegen Bezahlung von 5 Millionen Schweizer Fran- ken freigegeben werden. 5 Tage später teilte ihm Eichmann Himmlers Bedingungen mit. 30.000 arbeitsfähige Juden aus West- ungarn, das man bisher in Ruhe gelassen hatte, würde man in Straßhof, einem niederösterreichischen Arbeitslager,„auf Eis legen”. Als Gegenleistung wurden 200 Dollar je Kopf zuzüglich der Unterhaltskosten verlangt?. Krumey hatte den Plan ent- worfen und Becher ihn zu Himmler gebracht. Es wurde aber nur so viel Geld aufgebracht, um 9000 Juden„auf Eis zu legen”; sie stammten meistens aus Städten westlich der Theiß, wie Szeged, Debreczin, Keczkemet, Györ(Raab) und Komorn*. Diese 9000 Juden hatten sich mit ihrem Geld kaum ein Privileg erkauft, denn Eichmann belustigte sich, wie Kastner erzählt, damit, die Züge nach Auschwitz mit denen nach Straßhof auszutauschen”. Es gibt da auch einen recht bezeichnenden Brief, den Kaltenbrunner am 30. Juni seinem Freund Karl Blaschke, dem von Schirach ein- gesetzten Wiener Bürgermeister**, geschrieben hat. Nur 3600 der ersten 12000 Neuankömmlinge in Straßhof dürften, schrieb Kal- tenbrunner, arbeitsfähig sein. Aber was sollte mit dem Rest ge- schehen? „Die nicht arbeitsfähigen Frauen und Kinder dieser Juden, die sämtlich für eine Sonderaktion bereit gehalten und deshalb mordet wurde. Brand zufolge sagte ihm Moyne:„Was soll ich mit einer Million Juden anfangen? Wo soll ich sie hinschaffen?s?” * Die Zahl von 9000 stammt von Wisliceny(eidesstattliche Versicherung C). Kastner gibt 18.000, Levai 15 000 Menschen an. ** Blaschke wurde auf Grund eines Urteils des Wiener Volksgerichtes 1945 hingerichtet. 33% 495 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG| eines Tages wieder abgezogen werden, müssen auch tags- über in dem bewachten Lager verbleiben!0.* Es ist nicht uninteressant, daß Kaltenbrunner in dem Brief weiter sagt, die Einzelheiten seien mit Krumey von Eichmanns Sonder- einsatzkommando zu besprechen, der sich gerade in Wien auf- halte— es war der gleiche Krumey, von dem angeblich der Plan zur Rettung der Juden stammte. Ein Transport von 1684 Juden, der am 29. Juni angeblich nach Straßhof abgehen sollte, hatte ein weniger unklares Geschick. Er tauchte 9 Tage später im„Austauschlager“ Bergen-Belsen auf. Die Insassen stammten meistens aus Klausenburg und anderen siebenbürgischen Städten, und man hatte sie im letzten Augen- blick als Träger von Einreisebewilligungen für Palästina aus dem Zug nach Auschwitz herausgeholt. InBudapest hatte man sie dann in bewachten Häusern in der Kolumbus-Straße untergebracht, wo man sie zwang, nicht nur auf ihr ganzes Vermögen zu„verzich- ten”, sondern auch noch je Kopf tausend Dollar aufzubringen. Da die ungarische Regierung ebenso eifersüchtig wie ihre deutschen Rivalen über den Profit aus den Himmlerschen Schachergeschäf- ten wachte, mußte Eichmann alles das sowohl vor Kaltenbrunners „Ausland-Abwehr” als auch vor Baky und Endre verbergen. Er erfand daher eine phantastische Geschichte von einer gefährli- chen zionistischen Verschwörung, um die Internierung deporta- tionsreifer siebenbürgischer Juden in Budapest irgendwie zu be- gründen!9'. Das Schicksal dieser 1684 Juden bekam nun für die 250 000 Juden, die es noch in Ungarn gab, eine ganz besondere Bedeutung. So- bald diese Gruppe einmal in einem alliierten oder neutralen Land Aufnahme gefunden hatte, wäre eine Wiederaufnahme der De- portationen kaum noch in Frage gekommen. Aber Anfang August brachte Becher den Unterhändlern in Budapest den Bericht, daß Himmler bedingungslos entschlossen sei, keinen einzigen Juden in Europa zu belassen. Außerhalb Europas, so deutete er an, würde man vielleicht den Juden von Bergen-Belsen die Ansied- lung in kleinen Gruppen in neutralen Ländern gestatten'%. Die politische Entwicklung in Ungarn war allerdings schon so weit gediehen, daß Himmler sich zu Konzessionen bequemen mußte. Die Züge nach Auschwitz konnten einfach nicht mehr gefüllt wer- den, und nachdem Jaross aus der Regierung entfernt worden war, 496 yerweige Deportief Indieser‘ gaß Himr auf eine fen!— mon glau Becher SC durch Ve Comittee‘ 71, Augu Juden au bracht— Becher m diente, m schweize \ gen und weitere© hänge. N verhande Am 1. Se gleichen 15 Millic schlag, d der Slow stellen sı zeitig di drahtete mit Himr Inferessie besiegeli und Bull schen Gr die Feue Die Wie Arbeit m Bericht vom 1,/ erwartet DER ENDIOsung 2; auch tags- N Brief Werte, N I: 'anns Sonder.| n Wien auf. blich der Plan Ngeblich nach 5 Geschick, Er .n-Belsen auf und anderen tzten Augen. stina aus dem man sie dann rgebracht, wo 1 ZU„verzich- zubringen, Da hre deutschen achergeschäf- altenbrunners verbergen. Er iner gefährli- rung deporto- ndwie zu be- 250.000 Juden, jedeutung. So: neutralen Land ahme der De'' Anfang August| n Bericht, daß'' inzigen Juden Jeutete er af n die Ansied statten!" Die schon so well| uemen mußte:'" hr gefüllt wer| {worden wat:"7 SECHZEHNTES KAPITEL 4. SCHACHERGESCHÄFTE UM MENSCHENLEBEN verweigerte das ungarische Innenministerium die Zustimmung zur Deportierung von 8000 jüdischen Zwangsarbeitern aus Budapest. In dieser Situation erfuhr der Vaadah Mitte August von Wisliceny, daß Himmler daran denke, die überlebenden ungarischen Juden auf eine„Brücke zwischen Ungarn und Deutschland” zu schaf- fen'®— eine gemilderte Form der Massendeportierung, von der man glaubte, die Ungarn würden ihr eher zustimmen. Becher scheint Himmler überredet zu haben, die Aktion Brand durch Vermittlung von Saly Meyer, der das„Joint Distribution Comittee” in der Schweiz vertrat, wieder aufzunehmen. Am 21. August wurde darum als erster Fühler ein Transport von 318 Juden aus Bergen-Belsen in Basel über die Schweizer Grenze ge- bracht— alle ohne Papiere!%. Gleichzeitig verhandelte Kurt Becher mit drei SS-Leuten und Dr. Kastner, der ihm als Geisel diente, mit Saly Meyer in St. Margarethen an der österreichisch- schweizerischen Grenze. Becher bot Einstellung der Deportierun- gen und der Vergasungen an, bestand aber darauf, daß das weitere Schicksal der Juden von der Lieferung von Waren ab- hänge. Meyer hatte kein Mandat, über solche Lieferungen zu verhandeln, und die Besprechung verlief daher ergebnislos. Am 1. September gab es eine weitere Zusammenkunft mit dem gleichen negativen Ergebnis. Am 28. September bot Meyer dann 15 Millionen Schweizer Franken an. Kastner machte den Vor- schlag, daß die Gegenseite dafür die Aktion gegen die Juden in der Slowakei sowie die Deportierung der Budapester Juden ein- stellen solle; dem Rest der Juden in Bergen-Belsen wäre gleich- zeitig die Ausreise in die Schweiz zu ermöglichen'®. Aber jetzt drahtete Becher aus Berlin, wo er wegen der slowakischen Juden mit Himmler direkt verhandelte(siehe$. 446), daß letzterer nicht interessiert sei. Damit war das Schicksal der slowakischen Juden besiegelt— und das in einem Augenblick, als Finnland, Rumänien und Bulgarien kapitulierten! Die Alliierten standen an der deut- schen Grenze, aber Hitler, der wie ein gefangenes Tier raste, ließ die Feuer in den Krematorien weiterbrennen... Die Wiederaufnahme der Aktion Brand hatte Eichmann mehr Arbeit mit Deportationsvorbereitungen bereitet als je zuvor. Ein Bericht über die„Iststärke” in deutschen Konzentrationslagern vom 1. August zeigt, daß man damals 90000 Juden aus Ungarn erwartete!%, Am nächsten Tage, als Himmler Eichmann zu sich 497 ‘ H DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG bestellte, wurde die Ziegelei in Bekäsmegyer wieder zur Auf- nahme von Juden aus Budapest bereitgestellt. Man nahm an, daß die Razzien am 27. beginnen würden!7, doch am 21. legte das wieder von Mgr. Angelo Rotta geführte diplomatische Corps einen entschiedenen Protest bei Horthy ein. Horthy wagte immer noch nicht, Berlin kategorisch„Nein“ zu sagen, aber Veesen- mayer kam, vielleicht weil er selbst recht pessimistisch war, viel- leicht, weil Himmler in seinem Kampf mit Hitler und Kaltenbrunner Zeit gewinnen wollte, mit dem neuen Innenminister Remenyi- Schneller zu einer Einigung. Am 25. wurde beschlossen, daß das Ministerium des Innern wieder die Gewalt über die in Arbeits- lagern befindlichen Juden übernehmen werde!®. Am nächsten Tag verließ die Einsatzgruppe Ungarn, wenn auch nicht für im- mer. Eichmann verschwand am 23. im Zustand tiefer Depression. Er wandte sich wahrscheinlich nach Rumänien(siehe S. 466 f.), wo die Lage bereits so zugespitzt war, daß eine deutsche Interven- tion überhaupt nicht mehr in Frage kam, am wenigsten in der Eichmann gemäßen Form von Judendeportationen. Am 29. August entschloß sich Horthy endlich zur Entlassung Szto- jays und zur Berufung von General Lakatos als Regierungschef. Der Reichsverweser sicherte sofort dem Präsidenten des Juden- rates Samuel Stern zu, daß es keine Deportierungen aus Buda- pest und keine allgemeine Konzentrierung in Arbeitslagern ge- ben werde!®. Am 22. September ging die Waffenstillstands- mission unter Führung von General Faragho nach Moskau ab. Am 9. Oktober wurden Molotows Waffenstillstandsbedingungen angenommen, und die Sowjetarmee blieb an einer vereinbarten Linie stehen, die bei Keczkemet, ungefähr 75 Kilometer von Buda- pest, verlief. Die Bedrohung des Lebens der ungarischen Juden schien vorüber zu sein wie in Rumänien— aber Berlin hatte im- mer noch eine Karte auszuspielen. 5. Die letzten Deportierungen und der Fall von Budapest Die Vorgänge in Ungarn Mitte Oktober 1944 waren sicher drama- tisch, aber das Überraschungselement ging ihnen ab, da auf deutscher Seite gut bekannt war, daß Horthy die Kapitulation vor den Sowjettruppen ankündigen würde; dem Reichsverweser wie- der war es bewußt, daß er in deutschen Händen war. Schon am 7. September hatte General Lakatos beschlossen, fünf deutsche 498 secHZEHN pivision! halten U fon hab kamen| schon ZE die Umg sche Strc dessen/ eine nic deutsche sich nur noch üb oder„Pf Auf dre Kaum H Rundfun vollmäc Horthy\ Geisel i Falle ge gebliche war als Horthy lichen rı schafft. weiter ı über di zern* q und Ra dem Fü " Skorzeny !ung gepr die Burg q Horthy die feden kön Die deuts: var strate befand si Plan mit f über die desbezüg DER ENDIOSy N, der zur Auf an nahm on ' am AI. log fische Corp wagte immer über Veesen isch WAT, viel. 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Aber vier von den verlangten fünf Divisionen kamen und hielten nicht Siebenbürgen besetzt, wo die Front schon zerfallen war, sondern das Gebiet westlich der Theiß und die Umgebung von Budapest!!°, Trotzdem war es für die deut- sche Strategie eine Lebensfrage, sichHorthys zu bemächtigen und dessen Zustimmung— die Zustimmung eines Reichsverwesers für eine nicht bestehende Monarchie— für die Einsetzung einer pro- deutschen Regierung zu erhalten. Eine solche Regierung konnte sich nur auf eine einzige Gruppe stützen, auf die weder beliebten noch über einen nennenswerten Anhang verfügenden„Nyilas” oder„Pfeilkreuzler”. Auf drei Wegen versuchte man Horthy unter Druck zu setzen. Kaum hatte er an einem Sonntagmorgen die Kapitulation im Rundfunk verkündet, als Veesenmayer mit Rahn, dem Reichsbe- vollmächtigten in Mussolinis Faschistenrepublik, bei ihm erschien. Horthy wurde mitgeteilt, daß sein Sohn Miklös(Nikolaus) sich als Geisel in Händen der Gestapo befinde. Man hatte ihn in eine Falle gelockt, indem man ihm ein Zusammentreffen mit einem an- geblichen Agenten Titos versprach, der aber niemand anders war als Himmlers Fachmann für Entführungen, Otto Skorzeny; Horthy junior wurde von Skorzeny zusammen mit zwei angeb- lichen russischen Agenten in einen Teppich eingerollt und wegge- schafft. Horthy wurde von den zwei sogenannten Diplomaten weiter mitgeteilt, daß sich von dem Bach-Zelewski, der Sieger über die Warschauer Ghettorevolte, mit seinen 42 Tigerpan- zern* auf dem Weg zur Budapester Burg befinde. Veesenmayer und Rahn wären überdies inzwischen schon mit Major Szälasi, dem Führer der Pfeilkreuzler, übereingekommen, daß dieser eine *Skorzeny, der jetzt in Spanien lebt, hat in einem Interview mit einer englischen Zei- tung geprahlt, daß er nicht nur Horthy junior entführt, sondern auch den Angriff auf die Burg geleitet habe, der eine Million deutscher Leben gerettet hätte. Aber selbst wenn Horthy die ungarischen Generäle zur Kapitulation vor der deutschen Armee hätte über- reden können, wären die vier deutschen Divisionen sicher nach Österreich entkommen. Die deutsche Gegenoffensive, die die Sowjetarmee zeitweise von Budapest abdrängte, war strategisch verfehlt und eine nutzlose Vergeudung von Menschenleben. Skorzeny befand sich mit Ribbentrop, Himmler, Keitel und JodI in Hitlers Hauptquartier, als der Plan mit dem Handstreich in Budapest ausgeheckt wurde. Sicherlich wurde damals auch über die Wiederaufnahme der Deportierungen ungarischer Juden gesprochen, aber diesbezüglich ist der Prahler Skorzeny die Diskretion in Person!. 499 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG neue, aus Mitgliedern seiner Partei zusammengesetzte National- versammlung nach Estergom(Gran) einberufen werde. Rahn zeigte dann unvermittelt wieder ein gewisses Entgegenkommen, indem er Horthy eine Frist von 24 Stunden zur Beantwortung des Ultimatums einräumte, und bot sich sogar an, die Wehrmacht zum Rückzug aus Ungarn zu überreden 112, Schließlich war Horthy be- reit, Szälasi zum Ministerpräsidenten zu ernennen, vorausgesetzt, daß man ihm seinen Sohn zurückgebe. Horthy und Lakatos wur- den dann in einem Auto zur Internierung nach Deutschland ge- schafft. Am 2. November, bevor sich die ungarischen Ereignisse auf dem Schlachtfeld auswirken konnten, errangen die Russen vorüber- gehend eine Position in den Vorstädten von Pest, was eine kleine Anzahl von Juden aus unmittelbarer Gefahr rettete. Etwa 200 000 blieben aber in Budapest oder westlich der Donau im Macht- bereich der deutschen Armeen und der Pfeilkreuzler. Überdies hatte Gabor Vajna, der Innenminister Szälasis, geschworen, die Deportationen ausnahmslos und ohne Rücksicht auf ausländische Interventionen durchzuführen 3. Die Aktion stand jetzt unter Leitung Ferenczys; Hünsche vom Kommando Eichmann kam Ende des Monats nach Budapest zurück. Selbst Ende Juni hatte dieLage für die Juden nicht so hoffnungslos ausgesehen wie jetzt— aber es bestand doch ein wesentlicher Unterschied. Die Regierung Szälasi war die schwächste, die man sich vorstellen konnte. Die Deutschen verachteten Szälasi und seine Regierung, die das Aus- land nicht anerkannte. Im Lande selbst genoß sie nicht die ge- ringste Achtung und war nicht einmal in der Lage, auf die„Grün- hemden“, die Knüppelgarde der Pfeilkreuzlerpartei, Einfluß aus- zuüben. Infolgedessen waren dieWorte der Regierung weit ärger als ihre Taten. Schon am 26. April hatte die Schweizer Gesandtschaft einen Plan offiziell unterstützt, der den Juden bei der Auswanderung nach Palästina helfen sollte. Nach der Intervention des Königs von Schweden bei Horthy wurde die Ausführung des Plans vom Roten Kreuz übernommen, das am 18. Juli in Genf die Erklärung abgab, von deutscher Seite seien 40. 000 Ausreisebewilligungen zugesagt worden. Veesenmayer beeilte sich, Ribbentrop zu beruhigen, daß es sich nur um 7000 Fälle handle. Die Judenevakuierung werde von Eichmann„möglichst schlagartig und so beschleunigt” durch- 500 gecHzeH! geführt Juden| sind”. I heren| aber Ei Jungen den Ju handle, ge, Inmerh Konsule sonen,( so unter ar der halte na dern, di zugesak Kreuz,( Exterritc Als Hor 1500„ zu annu weil Ve die deu 400 Be Berlin AN zte National. Werde, Rahn genkommen !Wortung des Shrmancht zum ar Horthy be. (Orausgesetzt, akatos wur. ufschland ge- nisse auf dem ssen vorüber- as eine kleine . Etwa 200. 000 au im Macht- ler. Überdies schworen, die * ausländische d jetzt unter ınn kam Ende rate dieLage jetzt— aber )ie Regierung n konnte. 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Nach der rumänischen Kapitulation war der Weg nach Palästina nicht mehr offen, aber Cordell Hull hatte namens der amerikanischen Regierung allen neutralen Län- dern, die zur Aufnahme von Auswanderern bereit waren, Hilfe zugesagt. Inzwischen erkannte Horthy dem Internationalen Roten Kreuz, das die den Juden zugewiesenen Häuser in Obhut nahm, Exterritorialität zu''5. Als Horthy nach Deutschland geschafft wurde, gab es in Ungarn 15000„Schutzpaßinhaber“, deren Bescheinigungen Gabor Vajna zu annullieren drohte. Schließlich mußte er aber davon absehen, weil Veesenmayer Szälasi davon in Kenntnis gesetzt hatte, daß die deutsche Regierung die von der Regierung Sztojay bewilligten 8400 Befreiungen von der Deportation anzuerkennen gedenke. Berlin wollte so die neue ungarische Regierung vor Angriffen in der Auslandspresse schützen!!6. Aber als die Schweizer Regie- rung Eisenbahnzüge anbot, verschanzte sich Veesenmayer hinter einer Anordnung der Sicherheitspolizei, die Eisenbahnverkehr durch das Reichsgebiet untersagte!””. Auch später fand Veesen- mayer immer neue Vorwände, um die Abreise der unter dem Schutze der Schweiz stehenden Juden zu hintertreiben, bis die Sache dadurch gegenstandslos wurde, daß die Sowjetitruppen Budapest vom Westen abschnitten. Das Projekt scheiterte einfach daran, daß man versäumt hatte, der SS, ohne deren Zustimmung eine Ausreise der Juden nicht in Frage kam, deren Eigentum an- zubieten. Immerhin hat die Schweizer Aktion Tausende Juden davor be- wahrt, in den Strudel der chaotischen Deportationen zu geraten, 501 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG denn die Regierung Szälasi wagte es niemals, die Zustimmung zur Auswanderung in aller Form zurückzuziehen, nicht einmal, als das deutsche Eingreifen die Ausführung des Plans ohnehin illusorisch machte. Da man aber in der Verwirrung zwischen echten und gefälschten„Schutzpässen” nicht mehr zu unterschei- den vermochte, stieg die Zahl der geschützten Juden von 15.000 auf 33000; sie wohnten alle in den vom Roten Kreuz verwalteten Häusern 118, Als sowjetische Truppen am 2. November in die Budapester Vor- städte eindrangen, zog man die jüdischen Arbeitsabteilungen westlich der Donau als Sicherheitsmaßnahme zurück. Diesem un- schuldig aussehenden Manöver folgte am 8. die unterschiedslose Austreibung der Budapester Juden, die ohne Rücksicht auf Alter und Geschlecht zum Marsch in das 180 Kilometer entfernte und nunmehr weithin berüchtigte Auffanglager Straßhof in Nieder- österreich gezwungen wurden. Damit setzte die letzte Massen- deportierung von Juden in Hitlers Europa ein; dieses traurige Kapitel spiegelt deutlich den nunmehr offenen Kampf zwischen Himmler, Schellenberg und Becher einerseits und Kaltenbrunner, Müller und Eichmann andererseits wider. Drei Tage vor dem Marschbefehl hatte Becher in Zürich eine Unterredung mit Roswell Maclelland vom amerikanischen„War Refugee Board”, von dem er erfuhr, daß Cordell Hull die Über- weisung des Gegenwerts von 5 der vom„Joint Distribution Com- mittee” aufgebrachten 20 Millionen Schweizer Franken in die Schweiz bewilligt hatte. Becher gab daraufhin Saly Meyer die Zusicherung, daß Männer unter 16 und über 50 Jahren nicht aus Budapest deportiert würden, daß die jüdischen Insassen der Kon- zentrationslager unter den Schutz des Völkerrechts gestellt wer- den würden und daß man, obwohl alle waffenfähigen Juden Budapest verlassen müßten, die individuelle Auswahl dem Roten Kreuz überlassen werde!"?, Alle diese Zusagen wurden schnöde gebrochen. Man schleppte Männer bis zu einem Alter von 60 Jahren sowie 15000 Frauen nach Straßhof, obwohl die Hälfte der nach Straßhof gejagten Zivilisten„Schutzpaßinhaber” waren. Wisliceny sagte Kastner, daß während des siebentägigen Marsches von Budapest nach Straßhof 1200 Menschen, darunter achtzigjährige Frauen, umge- kommen seien'?%, und daß Eichmann die Deportierung kleiner 502 secHZeH Kinder war, U! Himmlk oberHi Jüttner damals lager\ den Mi bericht drücke „E Ko un nic ER ENDLOgU NG | Zustimmung nicht einmal ans ohnehin ing Zwischen “U Unterschei. N von 150 Z verwalteten Japester Vor. tsabteilungen K. Diesem ur. terschiedslos: icht auf Alter entfernte und of in Nieder. tzte Massen. ieses traurige mpf zwischen altenbrunner 1 Zürich eine nischen„War Jull die Über ribution Com- anken in die Iy Meyer die hren nicht aus ssen der Kon s gestellt wer ähigen Juden hl dem Roten Wan schleppt 15.000 Frauen hof gejagten sagte Kastne Judapest nat! Frauen, umge ierung kleine SECHZEHNTES KAPITEL 5. DIE LETZTEN DEPORTIERUNGEN Kinder erst eingestellt habe, nachdem Becher zu Himmler geflogen war, um dort zu protestieren. Becher gelang es offenbar nicht, Himmler zu überreden, daß er die Deportierungen untersage, aber Himmler stimmte schließlich zu, SS-Obergruppenführer Hans Jüttner vom Führungsamt der SS zusammen mit Rudolf Höss, der damals Stellvertreter des Generalinspekteurs der Konzentrations- lager war, nach Ungarn zu entsenden. Sie hatten den Auftrag, den Marsch zu überwachen und über ihre Wahrnehmungen zu berichten. Viele Jahre später hat Jüttner in Nürnberg seine Ein- drücke geschildert!?': „Etwa zwei Drittel auf dem Weg nach Budapest sahen wir Kolonnen jüdischer Frauen, die bis zu 60 Jahre alt waren und von Honvedwachen begleitet wurden. Viele konnten nicht mehr mit und blieben auf der Straße im Zwischenraum zwischen den Kolonnen liegen. Winkelmann sagte mir, er sei in der Sache machtlos und wäre dankbar, wenn ich etwas unternehmen könnte. Man sagte mir, daß Eichmann der Ver- antwortliche sei. Ich war mir dessen bewußt, daß ich mir Unannehmlichkeiten zuziehen könnte, wenn ich ihn kommen ließe, aber da er nicht in Budapest war, sprach ich mit einem SS-Sturmbannführer, dessen Namen ich vergessen habe und dem ich meine Meinung sagte. Er sagte, daß er mir nicht unterstehe, und ich drohte ihm, Himmler zu unterrichten, da- mit dieses zum Himmel schreiende Übel in Ordnung gebracht werde. Drei Tage später schickte ich einen kräftigen Bericht an Himmler— offenkundig ohne jedes Ergebnis.” Leider kam Jüttners Bericht gleichzeitig mit der Nachricht an Himmler, daß Cordell Hulls Amtsnachfolger Stettinius die Zu- stimmung zur Überweisung des Gegenwerts von 5 Millionen Schweizer Franken in die Schweiz widerrufen habe. Himmler ver- schob daraufhin eine Entscheidung darüber, ob das Deportie- rungsprogramm aufgegeben werden solle, bis zum Eintreffen einer Mitteilung von Saly Meyer!22. Das erklärt, wieso es Eich- mann möglich war, am 23. November im Vollgenuß seiner Macht und wütend„über gewisse Herren, die nicht zu beurteilen ver- mögen, ob Leute, die 7 oder 8 Tage auf der Straße waren, als arbeitsfähig betrachtet werden sollen oder nicht“, nach Budapest zurückzukehren. Nur 38000 jüdische Arbeiter seien statt der von Szälasi versprochenen 70 000 für den„Südostwall” zurVerfügung 503 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG gestellt worden. Nichtsdestoweniger würde er aufhören, die In- haber gefälschter„Schutzpässe“ unter ständigem Druck zu hal- ten, wenn sich 20000 Juden freiwillig zur Arbeit melden wollten. Wisliceny, der eine große Zahl Kranker nach Budapest hatte zurückschaffen lassen, werde er vor ein Standgericht bringen 23, Am 29. November verlangte der Befehlshaber der deutschen Sicherheitspolizei in Budapest, Geschke, weitere 17 000 jüdische Arbeiter. Sie durften bis zur österreichischen Grenze die Bahn benutzen!%, aber Eichmann drohte jetzt, alle Juden aus Budapest zu deportieren, falls die 20 Millionen Franken nicht ausgehändigt würden. Becher mußte daher zu einem Trick greifen. Er drahtete Eichmann aus der Schweiz, daß die ersten 5 Millionen hinterlegt worden seien, daß die Alliierten aber auf der Freigabe der rest- lichen 1368 Juden aus Bergen-Belsen bestünden. Der Effekt blieb nicht aus. Am 6. Dezember kam ein Zug mit 1368 Juden, unter denen sich die Familienangehörigen Dr. Kastners befanden, in Bregenz an, Obwohl Himmler seine 5 Millionen Franken erst im Februar er- hielt, gab es keine Deportierungen mehr. Raoul Wallenberg, der Sonderbeauftragte des Königs von Schweden, berichtete am 8. Dezember, daß 40.000 Menschen deportiert worden waren, da- von nur 15000 als Mitglieder von Arbeitsformationen!26*, Wei- tere 15000 verdanken ihre Rettung den Vertretern neutraler Mächte, dem Roten Kreuz und dem Nuntius. Sie waren nach Bu- dapest zurückgekommen, was Eichmann nicht verhindern konnte, da er nur wenig deutsches Wachpersonal zur Verfügung hatte und auf die ungarische Miliz angewiesen war, die die Dinge nicht sehr genau nahm. Vor dem 28. Dezember, dem Tage, an dem sich der russische Ring um Budapest schloß, unternahmen Kaltenbrunner und Eichmann einen weiteren Versuch, Himmlers Absichten zu durchkreuzen. Einige Zeit vor dem 15. Dezember wurde Vajna von Kaltenbrunner empfangen, der ihm mitteilte, Züge zur Wiederaufnahme der De- portierungen würden zur Verfügung stehen. Volle vierzehn Tage lang lag dann Eichmann Vajna dauernd in den Ohren. Eichmann sei, erzählte Vajna, immer unverschämt aufgetreten und habe * Während Eichmann eine Zahl von 38000 und Wallenberg eine von 40000 nannte, sprach Wisliceny als Zeuge im Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher in Nürnberg von 30 000 Deportierten, die meistens weiblichen Geschlechts gewesen seien 1268, 504 \ ENDLOSUNg en, die In- sck zu hal. en wollten, üpest hate ingen!2 “ deutschen 00 jüdische e die Bahn Js Budapest 'sgehändigt Er drahtete n hinterlegt be der rest- Effekt blieb uden, unter efanden, in Februar er- enberg, der 'ichtete am waren, da- n13*, Wei- n neutraler en nach Bu- ern konnte, jgung hatte Dinge nicht ssische Ring d Eichmann irchkreuzen. ‚Itenbrunner me der De- ‚rzehn Tage n. Eichmann , und habe 40.00 nannte, er in Nürnbere sien'#R, Te EEE UT SEE SECHZEHNTES KAPITEL 5. DIE LETZTEN DEPORTIERUNGEN darauf gepocht, daß die deutsche Macht und besonders Kalten- brunner hinter ihm stünden. Aber seine Drohungen, die Kinder und die Alten zu verschleppen, konnte man jetzt auf die leichte Schulter nehmen, ohne die„unangenehmen Folgen” zu riskieren, mit deren Andeutung kurz vorher SS-Generale noch Himmlers nächste Umgebung in Schach gehalten hatten!7. Von den 30000 bis 40.000 nach Österreich verschleppten ungari- schen Juden ist ein großer Teil nicht zurückgekehrt. Wisliceny sagte, daß sie nach dem Marsch vollständig erschöpft und abge- zehrt gewesen wären. Ihn selbst habe man im Januar 1945 straf- weise in eine andere Abteilung der Gestapo versetzt, weil er in den ärgsten Fällen die Rückkehr nach Budapest veranlaßt hätte!?®. Zwei Drittel der Juden, die bis Straßhof gelangten— meistens Frauen—, wurden sofort auf die deutschen Konzentrationslager aufgeteilt. Frau Vaillant-Couturier hat in Nürnberg das nächste Kapitel beschrieben, soweit es sich in Ravensbrück abspielte'?: „Es war in den Blocks kein Platz mehr. Die Häftlinge schlie- fen schon zu viert in einem Bett. Es wurde dann mitten im Lager ein großes Zelt errichtet. In dieses Zelt wurde Stroh gelegt, und die ungarischen Häftlinge wurden in dieses Zelt geführt. Sie befanden sich in einem fürchterlichen Zustand. Sehr viele hatten erfrorene Füße, da sie aus Budapest evaku- iert wurden und einen großen Teil der Reise zu Fuß im Schnee zurückzulegen hatten. Eine große Anzahl starb unter- wegs... Als ich... eines Tages an dem Zelt vorbeiging, als es gerade saubergemacht wurde, sah ich einen großen dampfenden Misthaufen; plötzlich wurde es mir klar, daß es menschlicher Mist war, da viele unter diesen armen Frauen nicht mehr die Kraft hatten, sich zu den Latrinen fortzu- bewegen...” Nicht besser erging es den 10.000 ungarischen Juden, die an der österreichischen Grenze den„Südostwall” zu bauen hatten, der Wien vor dem Vordringen der Russen schützen sollte. Gleich den ungarischen Jüdinnen, die in Ostpreußen und Polen den „Ostwall“ zu errichten gezwungen wurden, waren sie„abge- schrieben”, und die Arbeitsbedingungen waren dementsprechend. Als Georges Dunand im März nach Wien kam, fand er im Jüdi- schen Krankenhaus infolge des Zustroms von Invaliden vom Süd- ostwall Verhältnisse vor, die denen in Belsen entsprachen 1?°, 505 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG Ende des Monats hatte Becher versucht, Himmler zu überreden, die überlebenden Juden einfach den Russen in die Hände fallen zu lassen, aber Himmler war in diesem Augenblick in Schwierig- keiten, da Hitler inzwischen von der Freigabe der Juden aus Ber- gen-Belsen erfahren hatte. Er entschied daher, daß die Juden nach Mauthausen zu marschieren hätten(siehe S. 525). Baldur von Schirach erinnerte sich in Nürnberg, daß Himmler ihm auferlegt habe, sie gut zu behandeln.„Das ist mein bestes Kapital!37,“ Kastner sah etwa 3000 junge jüdische Arbeiter aus den Stein- brüchen auf dem Fußmarsch durchWien— es handelte sich wahr- scheinlich um die einzigen Überlebenden'32, Das Schicksal der Juden, die während der Belagerung durch die Sowjettruppen zwischen dem 28. Dezember und dem 17. Januar in Budapest verblieben waren, muß noch kurz beschrieben wer- den. Wenn man die Juden, die untertauchten, sowie die Depor- tierten in Abzug bringt, gab es immer noch über 95000 Juden in der Stadt. 63000 von ihnen, die keinerlei schützende Papiere be- saßen, wurden nach dem 29. November in ein geschlossenes Ghetto umgesiedelt, das aus nur 162 Wohnhäusern bestand 133. Nichtsdestoweniger versuchte Vajna einen Monat später, auch noch die Kinder aus den Waisenhäusern in diesen grauenhaften Bienenstock des Elends zu schaffen. Mit Unterstützung des Nun- tivs und des diplomatischen Corps gelang es dem Roten Kreuz, ihm hier in den Arm zu fallen. Den Bemühungen Raoul Wallen- bergs war es ferner zu danken, daß Vajnas Versuch, Anfang Januar auch noch die Juden aus den„geschützten” Häusern dort- hin zu verpflanzen, mißlang. Die Einwohner des Ghettos hatten damals buchstäblich von einer einzigen Wassersuppe am Tag ge- lebt, aber die Bewohner der„geschützten“ Häuser waren in man- cher Beziehung noch ärger daran, weil die Plünderer aus den Reihen der Pfeilkreuzler die Einwohner dieser Häuser für reich hielten!%, Die Russen drangen am 16. und 17. Januar in Pest ein, in Buda aber erst vier Wochen später. Dem Hunger und den Bombardie- rungen während der Belagerung gesellten sich dann noch die Schrecken der Anarchie zu, die sich am ärgsten an jenen auswirk- ten, die immer als Sündenböcke herhalten mußten. Tausende ver- loren so ihr Leben. Einige Tage vor dem Beginn der Belagerung zeigte sich Eichmann kurz und versuchte, den Judenrat zu finden, 506 gecHZEHN in der/ zwar ni genug 3 heiden und Jan tet, ja 9 zwischel Liquidie daß die vonder Mit der Juden k Gesand Juden: Oberbe zu verlc wiesene verwan! om 17, ins Hau kam er Schutzh minister den, De hauptet Die Veı Kommu politiscl büßen, und$z« fung$2 oder ai auch di Meisten sie von "Dem sch Wallenbeı schwedisch Beteverun Weder yo) ER ENDIOSUNG J überreden fände fallen n Schwierig. EN aus Ber. ß die Juden "Baldur yon hm Quferlegt Kapital 13« s den Stein. te sich wahr. ng durch die n 17. Januar hrieben wer- J die Depor- 000 Juden in Papiere be- eschlossenes bestand 8, später, auch jrauenhaften ng des Nun- toten Kreuz, ıoul Wallen- uch, Anfang läusern dort- nettos hatten » om Tag ge- aren in man- rer aus den ser für reich ein, in Budo Bombardie- an noch die nen auswirk- „usende ver- - Belagerung at zu finden, SECHZEHNTES KAPITEL 5. DIE LETZTEN DEPORTIERUNGEN in der Absicht, dessen Mitglieder zu verhaften. Das gelang ihm zwar nicht'35, aber auch während der Belagerung blieben noch genug SS-Leute in der Stadt und trieben ihr Mordhandwerk. Die beiden tatkräftigsten Mitglieder des Judenrates, Otto Komoly und Janos Gabor, wurden noch im letzten Augenblick hingerich- tet, ja geradezu am Vorabend des Falles von Pest wurde noch zwischen dem deutschen SD und den Pfeilkreuzlern ein Plan zur Liquidierung des Ghettos ausgeheckt. Eugene Levai behauptet, daß die Ausführung dieser Absicht von General Schmidthuber von der Panzerdivision Feldherrnhalle verhindert worden sei!%, Mit der erfolgten Kapitulation gingen die Leiden der Budapester Juden keineswegs zu Ende. Die Beamtenschaft der ausländischen Gesandtschaften und die Vertreter des Roten Kreuzes, die den Juden so viel geholfen hatten, erhielten von dem sowjetischen Oberbefehlshaber Marschall Malinowski die Weisung, das Land zu verlassen. Auch die vom„Joint Distribution Committee” über- wiesenen Gelder konnten nicht mehr zu Unterstützungszwecken verwandt werden'7. Aus diesem Grund begab sich Wallenberg am 17. Januar mit zwei russischen Offizieren zu Verhandlungen ins Hauptquartier Malinowskis in Hegyeshalom. Drei Tage später kam er in sein Büro zurück und sagte, daß er sich in sowjetische Schutzhaft begeben müsse. Das wurde vom Moskauer Außen- ministerium bestätigt. Wallenberg ist seit diesem Tag verschwun- den. Deportierte, die 1954 aus der Sowjetunion heimkehrten, be- haupteten, ihm in Sibirien begegnet zu sein*. Die Verfolger der ungarischen Juden haiten unter der von den Kommunisten beherrschten Nachkriegsregierung mehr für ihre politischen Handlungen als für ihre gemeinen Verbrechen zu büßen. Vier Ministerpräsidenten— Imredy, Bardossy, Sztojay und Szälasi— wurden ebenso wie fast alle Mitglieder der Regie- rung Szälasi, Gabor Vajna eingeschlossen, entweder erschossen oder aufgehängt. Unter den 122 Hingerichteten befanden sich auch die Judenverfolger Jaross, Baky, Endre und Ferenczy. Die meisten von ihnen standen Anfang 1946 vor Gericht, nachdem sie von den Amerikanern reichlich spät aus Deutschland ausge- * Dem schwedischen Außenministerium wurde nach einigen Monaten mitgeteilt, daß Wallenberg„unter russischem Schutze gesund” sei. Noch 1946 versprach Stalin dem schwedischen Gesandten eine gründliche Untersuchung. Trotz der vorangegangenen Beteuerungen behauptete die Moskauer„Neue Zeit” 1948 aber, Wallenberg müsse ent- weder von fliehenden SS-Leuten oder Pfeilkreuzlern getötet worden sein 13, 507 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG liefert worden waren. Die Auslieferung des früheren Reichsver- wesers Horthy wurde nicht verlangt!®, und er lebt heute(1956) als 87jähriger auf freiem Fuße in Estoril in Portugal. In seinen Lebenserinnerungen!° behauptet Horthy, den Juden soweit ge- holfen zu haben, wie in seinen Kräften stand, aber es gibt viel- leicht keine andere Einzelperson in der Geschichte, die so viele Menschenleben durch bloße Schwäche und Entschlußunfähigkeit geopfert hat. 508 Das Ju Die deu deportie wurde© yitz ein ch vers \litglied Einwänc Das Wi der grür ionslag April oc so ging DER ENDLOS en Reichsyer. ’t heute(1959) yal, In seinen EN soweit ge- ES gibt viel. °, die so viele Iußunfähigkeit Siebzehntes Kapitel Das Judentum im Zusammenbruch des Dritten Reiches 1. Das Ende von Auschwitz Die deutschen Versuche im Juli 1944, die Juden aus Budapest zu deportieren, brachten nicht den gewünschten Erfolg. Gleichzeitig wurde auch den Massenmorden an ungarischen Juden in Ausch- witz ein Ende gesetzt. Obwohl dies hauptsächlich auf die reich- lich verspätete Revolte des Reichsverwesers Horthy und gewisser Mitglieder der Regierung Sztojay zurückzuführen war, mögen Einwände von deutscher Seite auch ihre Rolle gespielt haben. Das Wirtschaftsverwaltungs-Hauptamt der SS wußte, daß trotz der gründlichen Selektion in Birkenau die deutschen Konzentra- tionslager bald zum Bersten voll sein würden. Dies wurde Anfang April oder noch früher unvermeidlich, als Hitler entschied, daß die neuen unterirdischen Flugzeugwerke des„Jägerplans” mit Juden aus Ungarn besetzt werden sollten. Dies war eine Ent- scheidung von größter Tragweite, denn sie hob den Erlaß vom 5. Oktober 1942, welcher alle Juden aus dem Netz der deutschen Konzentrationslager beseitigt und sie auf Auschwitz oder Lublin beschränkt hatte, vollkommen auf. Die ungarischen Juden wur- den nicht nur von der Selektionsstelle auf dem Nebengeleise in Auschwitz weitergeschickt, ohne in den Lagerverzeichnissen von Auschwitz überhaupt registriert zu werden; es begann auch eine Verschiebung von Juden aus dem Lager selbst nach Deutschland; so ging z.B. das Personal des Krankenreviers am 15. Mai nach Wustergiersdorf ab, um die erste ausgewählte Gruppe von Juden aus Ungarn zu begleiten. Die„Philips“-Gruppe von Radioröhren- arbeitern ging am 6. Juli nach Reichenbach ab, und die Überleben- den des Theresienstädter Familienlagers(siehe S. 192) wurden am 3. Juli nach Schwarzheide und Ravensbrück geschickt. Sogar die Zigeuner, die während der letzten drei Jahre kaum weniger 34 509 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG erbarmungslos als die Juden ausgerottet worden waren, wurden nun für würdig befunden, für das Reich zu arbeiten. Am 1. August wurden die letzten Insassen des Zigeunerlagers in Birkenau nach Buchenwald und Ravensbrück verschickt". Diese Zigeuner waren während der„Umsiedlung“ der Juden im Januar 1942 aus dem Bialystoker Gebiet nach Birkenau gebracht worden. Nach einer drastischen Verminderung ihrer Zahl verblie- ben 4500 von ihnen dort, zahlreiche Kinder miteingeschlossen, die 18 Monate lang in Frieden gelassen wurden. Nicht einmal die Männer, die dessen fähig waren, leisteten irgendeine Arbeit, und Nebe, der Leiter der Kriminalpolizei, empfahl, diese„asozialen Mischlinge“ als menschliche Versuchskaninchen zu verwenden (siehe S. 212). Einige dieser Zigeuner spielten in der Birkenauer Zigeunerkapelle. Als die endgültige Selektion für Buchenwald und Ravensbrück gemacht wurde, hielt man es für notwendig, 2000 der älteren Zigeuner sowie die Kinder gleichfalls in die Gas- kammern zu schicken. Bis zum letzten Augenblick ahnten die Zigeuner nicht, welches Schicksal man ihnen bereitet hatte, ob- wohl Tausende von ihnen in Rußland und Polen erschossen oder vergast worden waren. Es scheint, daß sie während ihres Aufent- haltes in Birkenau oft ihrer Zustimmung zu den gegen die Juden ergriffenen Maßnahmen Ausdruck gaben?. Das gewaltige Anschwellen der Zahl der Insassen deutscher Kon- zentrationslager wurde Anfang Juli 1944 durch den Abbruch der Deportierungen aus Ungarn aufgehalten. Doch die Entscheidung, die Hitler im April hinsichtlich der ungarischen Juden getroffen hatte, wurde nun auf die Juden aus Polen ausgedehnt, einem Lande, das militärisch nicht mehr gehalten werden konnte. In die- sem Monat erreichte nämlich die Rote Armee die Weichsel, und Zehntausende von Juden aus polnischen und russischen Arbeits- lagern wurden nunmehr den nach Deutschland abgeschobenen ungarischen Juden beigegeben. In Stutthof bei Elbing zum Bei- spiel, wo 70v.H. der Insassen ungarische Juden waren, kamen noch mehr Juden aus den in aller Eile evakuierten Arbeitslagern in Estland und Lettland sowie Jüdinnen aus dem Ghetto von Kowno(siehe$. 327) an. Auf ähnliche Art wurden die Juden aus Kowno und dem Arbeitslager im Warschauer Ghetto nach Da- chau und jene aus dem Distrikt Radom teilweise nach Auschwitz, teilweise nach Buchenwald verschickt, wo es bereits 5500 ungari- 510 gppzenNT ‚che Ju .yieder 1 Beabsich ), Augu: nienburt mehr als den aus schau,€ Kriegsge 15000 N folge V werden. pest UnC Deutsch den Kor haben, ı dieser und das Arbeitsl Hion in wären( aufgete ländisch diese— lösung Himmle mit pri auch ni ja bere brunneı gegebe Alles d und Sch Man at keine/ Erzverf ZU eine Rauchy kamme u ne Arbeit, und se„asozialen Zu verwenden ler Birkenauer r Buchenwald ür notwendig, ls in die Gas- ck ahnten die itet hatte, ob- schossen oder | ihres Aufent- gen die Juden Jeutscher Kon- 1 Abbruch der Entscheidung, ‚den getroffen adehnt, einem konnte. In die- Weichsel, und schen Arbeits- bgeschobenen hing zum Bei- waren, kamen Arbeitslagern 1 Ghetto von die Juden aus ofto nach Da- ıch Auschwitz, ; 5500 ungari- SIEBZEHNTES KAPITEL 1. DAS ENDE VON AUSCHWITZ sche Juden gab®. Das berüchtigte„Kleine Lager” wurde nun wieder in Benutzung genommen. Beabsichtigt? war aber eine weit größere Verschiebung. Am 2. August nahm die Verwaltung der Konzentrationslager in Ora- nienburg an, daß die Anzahl von 524 286 Insassen aller Lager auf mehr als das Doppelte steigen würde. Weitere 90 000 Juden wur- den aus Ungarn erwartet, 400 000 aufrührerische Polen aus War- schau, 60000 Juden aus dem Ghetto in Lodz, 17000 aus den Kriegsgefangenenlagern überführte polnische Offiziere und 15000 Mitglieder der französischen Widerstandsbewegung‘#. In- folge von Pohls Einwendungen mußten diese Pläne geändert werden. Weniger als ein Viertel der Juden aus Lodz und Buda- pest und nur ein Siebentel der nichtjüdischen Polen wurden nach Deutschland gebracht. Dessenungeachtet muß die Insassenzahl in den Konzentrationslagern in diesem Winter 600.000 überschritten haben, und das war offenkundig nicht die obere Grenze, denn zu dieser Zeit bedrohte die sowjetische Offensive Oberschlesien und das Gebiet von Tschenstochau, wo weitere 100000 Juden in Arbeitslagern lebten. Das waren meistens Juden, die die Selek- tion in Birkenau überlebt hatten. Typhus- und andere Epidemien wären ausgebrochen, wenn man sie auf die westdeutschen Lager aufgeteilt hätte. Hätte man sie in Deutschland mit anderen aus- ländischen Zwangsarbeitern zusammen arbeiten lassen, würden diese— und damit die Alliierten— erfahren haben, was die End- lösung wirklich bedeutete. Aus dem gleichen Grund konnte Himmler nicht hoffen, sie ins Ausland zu verschachern, wie er es mit privilegierten ungarischen Juden getan hatte. Man durfte auch nicht zulassen, daß sie in russische Hände fielen; wir haben ja bereits gesehen, welche unmißverständlichen Befehle Kalten- brunner während der Evakuierung der polnischen Lager aus- gegeben hatte(siehe$. 338). Alles deutete darauf hin, daß die verbleibenden Juden in Polen und Schlesien einfach ausgerottet werden würden, und das scheint man auch in Auschwitz angenommen zu haben, wo die Juden keine Ahnung davon haben konnten, daß die Gemütsruhe des Erzverfolgers unter ernsten Zweifeln litt und daß Himmler selbst zu einer Zeit, da die Schornsteine der Krematorien die größten Rauchwolken ausstießen, mit dem Gedanken umging, die Gas- kammern zu zerstören. Denn es war am 24. Juli, auf dem Höhe- 34* 511 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFÜHRUNG DER ENDLOSUNG punkt einer neuen Vernichtungsperiode in Auschwitz, daß die russischen Entdeckungen im Lubliner Konzentrationslager die alliierte Presse füllten. Die deutschen Aufseher hatten zwar ver- sucht, die Insassen zu evakuieren— es befanden sich unter ihnen keine Juden mehr—, aber ein polnisches Widerstandskomitee brachte die letzten 6000 zusammen, die das Lager besetzten und es der Roten Armee übergaben— mit den deutschen Kapos, die sie gefangengenommen hatten®. Es gelang ihnen auch, sechs kleine Zellen, die als Gaskammern bezeichnet wurden, das eindrucksvolle Lagerkrematorium mit seinen fünf Ofen und mit geschmackvoll im Vordergrund ausgestellten menschlichen Ge- beinen, 535 Trommeln mit Zyklon-B-Gas und einige Stahlretorten mit kohlensaurem Gas für die Besichtigung durch alliierte Presse- berichterstatter zu erhalten. Im November folgte dann ein Massenprozeß, in dessen Verlauf unter anderem der deutsche Rapportführer und der Krematoriumsdirektor zum Tode verurteilt wurden, Es ist bemerkenswert, wie viele Deutsche in gehobenen Stellungen bezeugten, daß sie von der Wahrheit der Geschichten über die Gaskammern erst dann überzeugt waren, als sie von den alliier- ten Enthüllungen über Lublin oder Majdanek— übrigens niemals ein Vernichtungslager im wahren Sinn des Wortes— hörten oder lasen. Die Enthüllungen kamen überdies vier Tage nach dem Attentat auf Hitler, als Himmler zu glauben begann, daß er die für Verhandlungen mit den Alliierten geeignete Persönlichkeit sein könnte. Denn von diesem Augenblick an begann Himmler jene Art von Ruf aufzubauen, zu dem er sich zur Zeit seiner Ge- spräche mit dem Grafen Bernadotte und Dr. Norbert Masur be- rechtigt wähnte. In Auschwitz wurde aber Himmlers Bußfertigkeit kaum bemerkt, es sei denn, daß es in diesem Mittelpunkt von Widersprüchen damals mehr Widersprüche als je zuvor gab. Einerseits gingen die Selektionen und Vergasungen bis Ende Oktober weiter, weil es auf den alten, ausgefahrenen Geleisen der deutschen Büro- kratie ganz einfach keine andere Methode zur Beseitigung un- produktiver menschlicher Körper gab. Andererseits wurde Mord jetzt gelegentlich bestraft, und Kranke hatten einige Aussicht, ge- heilt zu werden. Außerdem stieg die Zahl der Arbeitskomman- dos. Bis zum Herbst 1944 entstanden wenigstens 50 Nebenlager, 512 4121j9q sjpWDP Us1DM PjpMmusıpng ypou ussjag Jopam’Gpal[I ıdy gl WE usddn4jgoss usyaıı]jo Jap Bunjja4s a1ypjoßun aıp uaßıaz 2jlajd apussßauy nz seßbpjsuoynauszuoy usjsbyysm aıq BEZ ZERREN u BRETT, Bingzjos SQ uspoßssnpssg Bisgspun] zu popjyaw VW— > os apunw uasnpyinpwy_ OS : Dp>sDa woßunis 9/2 Bınayaus 5 a 6 6- u”, ngsuaße. L.n.- a aqua le ee aa.m.n! en. 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April 1944 auf 25000 am 21. August und mehr als 40000 im Oktober anwuchs, als der Rückzug begann. Die Gesamtstärke von Auschwitz— Juden und Nichtiuden— stieg von 55000 am 21. August auf 90000 oder mehr®* und fiel am Vorabend der Evakuierung im Januar 1945 auf 64.000. Der Wert der 40000 Juden in den ausgebildeten Rüstungskom- mandos, für deren Gesundheit besser Sorge getragen worden war als für die Insassen in den Hauptlagern, gab den Ausschlag, denn Himmler entschied, sie nicht auszurotten, wie die Lubliner Kommandos am 3. November 1943(siehe$. 336) ausgerottet wor- den waren. Abgesehen davon waren die treibenden Persönlich- keiten, die Hitlers Sinn mit der Endlösung beschäftigt hielten, ent- weder nicht mehr vorhanden oder in dieser Richtung weniger aktiv. Heydrich war tot, Goebbels seit dem 25. Juli als Reichs- bevollmächtigter für den totalen Krieg voll beschäftigt, Kalten- brunner, obwohl genau so grausam wie Himmler, versuchte gleich Himmler seine ersten Schritte auf dem trügerischen Boden des Verhandlungsfriedens. Unter diesen Umständen konnte sich Himmler von seinen ökonomischen Instinkten offener und mit we- niger Furcht vor Denunzierung bei Hitler treiben lassen— wenn- gleich nicht immer. Die Selektionen für die Auschwitzer Gaskammern endeten im Oktober 1944, doch ihr Schicksal war schon im Herbst 1943 zwei- felhaft geworden, als Georg Konrad Morgen(siehe S. 138) hin- geschickt wurde, um den Goldschmuggel, dessen Spuren nach dem Lager führten, zu untersuchen. Morgen fand, daß das Gold von der Selektion für die Gaskammern stammte. Er glaubte, daß das ganze offizielle System des Massenmords in den Gaskam- mern ans Tageslicht kommen müßte, falls er eine Anklage gegen * Im Widerspruch zu dieser ununterbrochenen Ausdehnung und der statischen Natur des alten Lagers Auschwitz I zeigte die Belegung von Birkenau oder Auschwitz Il unter der Einwirkung der Deportationszüge die wildesten Schwankungen: 35 000 Männer und Frauen am 5. April, 31 000 am 11. Mai, bloße 19 200 am 21. August und wiederum 30 000 am 18. Oktober. Für die Zeit zwischen dem 11. Mai und dem 21. August fehlen Auf- zeichnungen, doch ist es wahrscheinlich, daß die Belegung während der Deportationen aus Ungarn auf 60000 bis 70000 anstieg(siehe Seite 486). 514 sıepzeH gewiss daher| Haupt sie N geblich konnte: Manne hreche brunne wissen, August falleng vorein Das R Morge Am. und de hensch tauscht witz bl telliges setzte der m Diszipl Über Schlesien 1| Streyt Waren? 1es Benzin und Strieb, der vn u und &Kzug be Nihuten H nehr* f 64 Und | Rüstungskon. ragen worden den Ausschlan, ie die Lubliner usgeroftet wor. den Persönlic. igt hielten, ent 'htung weniger Juli als Reich; häftigt, Kalten. 'ersuchte gleich ıen Boden de; 1 konnte sic er und mit we- assen— went: rn endeten in rbst 1943 zwei she 5. 138) hin- n Spuren nad ‚daß das Golt Er glaubte, dad ı den Gaskan- Anklage gegen statischen Natur di - Auschwitz|| unker „ 35.000 Männer UN und wiederum Kl) ‚August fehlen A: ‚d der Deportation! nn SIEBZEHNTES KAPITEL 1. DAS ENDE VON AUSCHWITZ gewisse einzelne Mörder im Lager erhob. Morgen verhaftete daher Ernst Grabner, den politischen Referenten im Auschwitzer Hauptlager und berüchtigtsten unter den SS-Henkern. Danach stieß Morgen auf Schwierigkeiten, doch scheint er mit seinem an- geblichen Plan weiter gekommen zu sein, als erwartet werden konnte. Es mußte Himmler bekannt sein, daß die Entsendung eines Mannes wie Morgen, dessen Aufgabe die Aufdeckung von Ver- brechen war, nach Auschwitz auf den Widerstand von Kalten- brunner, Nebe und Müller stoßen würde. Es wäre interessant zu wissen, was Himmlers Motiv war. Grabner wurde erst im Juli oder August 1944 unter Anklage gestellt, und der Prozeß wurde später fallengelassen. Dieser manische Sadist erlebte seinen Prozeß erst vor einem Volksgericht in Wien im April 1946°. Das Reichssicherheitshauptamt war nichtsdestoweniger durch Morgens Reise nach Auschwitz in seinen Grundfesten erschüttert. Am 1. November 1943 wurde Grabner seiner Stelle enthoben, und der Pflichtenkreis von Höss wurde mit dem von Arthur Liebe- henschel, dem Leiter der Gruppe D| in Pohls Dienststelle, ausge- tauscht!°, Obwohl Liebehenschel nur bis zum Februar in Ausch- witz blieb, führte er doch viele Reformen ein, darunter ein drei- teiliges Verwaltungssystem für die große Gruppe von Lagern. Er setzte den willkürlichen Hinrichtungen ein Ende, bestrafte manche der mörderischen Kapos und Blockführer und überprüfte alle Disziplinarstrafen persönlich. Die Selektionen in Birkenau waren außerhalb seines Machtbereiches, doch ist es unwahrscheinlich, daß mehr als 3 oder ATransporte während Liebehenschels Dienst- zeit das Lager erreichten. Im ganzen besetzten Europa verlang- samte sich das Tempo der Deportationen, und wenn im folgenden Monat nicht Hitlers Handstreich in Ungarn gekommen wäre, würde Auschwitz schon damals aufgehört haben, ein Vernich- tungszentrum zu sein". Während Liebehenschels Zeit ereignete sich in Auschwitz ein Zwischenfall mit weitreichenden Folgen. Am 26. Januar 1944 ging eine Gruppe von 212 jüdischen Zeichnern, Graveuren und Buch- druckern, Überlebende der holländischen und deutschen Depor- tierungen, in das Konzentrationslager Sachsenhausen ab, wo sie in einer geheimen Abteilung gehalten wurden, deren Leiter SS- Sturmbannführer Bernhard Krüger, Chef des„Amtes VI, Fa“ des RSHA, war. Diese Abteilung hatte seit 1940 britische Banknoten 515 ie DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG gefälscht, doch erst von dem Augenblick an, da die Werkstätte in Sachsenhausen den vollen Betrieb aufnahm, sah sich die britische Regierung den verwickelten Problemen einer wirklich hervor- ragenden Fälschung von Fünfpfundnoten gegenüber. Dieses seltsame Nebenprodukt der Endlösung überlebte den Krieg, denn im April 1945 wurde der„Einsatz Bernhard“ in eine unterirdische Fabrik in Redl-Zipf in Österreich verlegt. Zum Schluß wurde Krüger angewiesen, seine 140 überlebenden Banknoten- fälscher hinzurichten. Sie wurden in ein Arbeitslager in Ebensee gebracht, ein Kommando des Konzentrationslagers Mauthau- sen. Krüger hielt sich nicht an seine Befehle und flüchtete mit dem von ihm angehäuften Vermögen in die Schweiz. Er ist seitdem nicht entdeckt worden. Als Ebensee Anfang Mai befreit wurde, enikamen die Fälscher, gut ausgestattet mit zahlreichen ihrer Meisterwerke. Ungefähr 40 von ihnen kam man später auf die Spur, darunter Krügers Buchhalter, dem seinerzeitigen Internier- ten Oskar Skala, der genaue Auskünfte gab. Die Banknoten von Sachsenhausen tauchen immer noch hie und da in der ganzen Welt auf, doch die echten Fünfpfundnoten enthalten jetzt einen Metallfaden!?. Vor einiger Zeit gab es Gerüchte, daß die Über- lebenden des„Einsatzes Bernhard” in Rußland am Werke seien. Am 18. Juli 1944 gab die britische Zensur den Bericht über die Mission Joel Brands frei(siehe S. 493), und die Welt erfuhr, daß Himmler versucht hatte, die übriggebliebenen Juden Ungarns zu verschachern. Von diesem Augenblick an konnte die Abschaf- fung der Gaskammerselektionen jederzeit erwartet werden. Tat- sächlich wurde sie um mehr als drei Monate aufgehalten. Dr. Kastner berichtet, daß Kurt Becher am 1. August 1944 in seinen Verhandlungen mit Saly Meyer zum erstenmal das Angebot machte,„mit den Vergasungen aufzuhören“ 13. Etwas war davon sogar im Lager bekannt. Die Internierten unter den Angestellten im Büro glaubten, daß am 2. September eine entsprechende Wei- sung gegeben werde, weil das Propagandaministerium eine inter- nationale Delegation durch das Lager führen wollte, um die alli- ierten Anschuldigungen über Lublin zu widerlegen'*. Dazu kam es zwar nicht, aber später im September wurde einer Mission des Internationalen Roten Kreuzes die Bewilligung zu einer Unter- redung mit Bär, dem Nachfolger Liebehenschels, in dessen Büro gegeben.„Von dem Lager selbst(Auschwitz I) sahen wir nur 516 ggzenNT gechs od mission| glieder© Ren traf Kriegsg® hochmot Grupper cher ver‘ zusamme ober die Nach de Auschwi zu über! iene, die nicht vo Fußballs waren| nit Zyk drohte fı Am 28. daß er gasunge Gaskam ten, sollt fer’ erhe Befehl i senden, wurden, Vernich welche DER ENDLOSUNG Werkstäng ÄIe britische “N heryor. berlebte den hard“ in eine t. Zum Schluß n Banknoten. er ın Ebensee 7 Mauthau- htete mit dem Er ist Seitdem 3efreit wurde, Ireichen ihrer päter auf die gen Internier- anknoten von 1 der ganzen >n jetzt einen Ioß die Über- rkeseien. icht über die It erfuhr, daß ıden Ungarns die Abschof- werden. Tot- halten. 1944 in seinen das Angebot 1s war davon Angestellten chende Wei- m eine Infer- , um die all , Dazu kam r Mission des einer Unter- ‚ dessen Büro hen wir nuf SIEBZEHNTES KAPITEL 1. DAS ENDE VON AUSCHWITZ sechs oder acht Baracken aus rotem Backstein 5.“ Aber der Kom- mission konnte weder die bleiche, aschige Gesichtsfarbe der Mit- glieder des Arbeitskommandos, die sie auf den schlesischen Stra- ßen traf, noch die Frage des Sprechers im Lager für britische Kriegsgefangene in Monowitz entgehen,„ob wir etwas von den hochmodernen Schauerbädern wüßten, wo die Internierten in Gruppen vergast wurden”. Es hatte den Anschein, daß der Spre- cher versucht hatte, durch englische Soldaten, die mit Internierten zusammengearbeitet hatten, Informationen zu bekommen, daß aber die letzteren nicht bereit gewesen waren, etwas zu sagen. Nach dem Besuch des Roten Kreuzes wurden die Verhältnisse in Auschwitz und sogar in Birkenau wieder besser, wo die Aussicht, zu überleben, einst nach Wochen berechnet worden war. Für jene, die nach einer Arbeitswoche von 70 bis 80 Stunden noch nicht vollkommen gebrochen waren, gab es sogar am Sonntag Fußballspiele, Konzerte und Filmvorführungen. Die Selektionen waren jetzt als„Kinobesuche“ bekannt, da die grünen Kannen mit Zyklon B im Kino aufgehoben wurden!®. Dieser Schatten drohte fast bis zum letzten Augenblick. Am 28. November berichtete Becher Dr. Kastner triumphierend, daß er bei Himmler„auf allen Linien gesiegt” habe.„Die Ver- gasungen in Auschwitz sollten unverzüglich aufhören und die Gaskammern demontiert werden. Juden, die im Reiche arbeite- ten, sollten in Zukunft gleiche Lebensmittelrationen wie ‚Ostarbei- ter’ erhalten. Wo es an jüdischen Krankenhäusern fehlen sollte, bestehe kein Einwand, kranke Juden mit Ariern zusammenzu- legen 7.“ Becher zufolge hatte Himmler aber den Führerbefehl schon viel früher widerrufen.„Etwa zwischen Mitte September und Mitte Oktober 1944” hatte Becher Himmler überredet, einen Befehl in zwei Ausfertigungen an Pohl und Kaltenbrunner zu senden, in welchem sie dafür persönlich verantwortlich gemacht wurden, wenn untergeordnete Dienststellen es unterließen, der Vernichtung der Juden ein Ende zu bereiten'®. Die Mitteilung, welche am 26. November an Becher geschickt wurde, war daher nur eine Bestätigung der Weisung, die an Müller und Eichmann gesandt worden war und die sie unbeachtet gelassen hatten— denn im Oktober wurden in Birkenau ausgedehnte Selektionen von Juden aus Theresienstadt, Italien und dem Gebiet von Krakau vorgenommen. Abgesehen davon erklärt Dr. Nyiszli— obwohl 517 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG es nicht möglich ist, Selektionen nach dem 30. Oktober nachzu- weisen(siehe$. 194)—, daß der Befehl die Krematorien erst am 17. November erreichte'. Für eine Gruppe von Internierten in Birkenau waren die Gerüchte über die Beendigung der Vergasungen keine gute Nachricht. Die Sonderkommandos, die besonders robusten Juden, die in den Krematorien arbeiteten, wußten, daß das ihren Tod bedeutete. Erfahrungen in Treblinka und Sobibor hatten die Deutschen ge- lehrt, daß dies der wahrscheinlichste Augenblick für eine Rebel- lion der Sklaven war. Eine Meuterei gab es schon am 17. Dezem- ber 1942, in den Tagen der kleinen Gaskammern in Birkenau. Das aus 200 slowakischen Juden bestehende Sonderkommando hatte einen Anteil an der Beute erworben, und es wurde beschlos- sen, sie zu töten, damit sie sich nicht durch Bestechung den Weg in die Freiheit erkaufen könnten. Offenbar sickerte die Kenntnis des Bevorstehenden bis zu den Opfern durch 2°. Späterhin wurde das Kommando jedesmal nach einigen Monaten ausgerottet und durch ein neues ersetzt. Im August 1944 wurde es um 170 Mann reduziert, die nach Auschwitz| geschickt und heimlich hingerichtet wurden. Der Rest, meist Juden von den Deportationen aus Athen und Korfu, mußte in der Einzäunung der Krematorien leben?'. In Auschwitz| bestand aber ein geheimes Komitee unter der Lei- tung des späteren polnischen Ministerpräsidenten Jozef Cyran- kiewicz, das nicht nur das Sonderkommando über das Schicksal der 170 unterrichtete, sondern auch einige automatische Pistolen und Handgranaten ins Lager schmuggelte. Diese letzteren wur- den von Frauen in den Kruppschen Union-Werken, die sich inner- halb der Lagereinzäunung befanden, hergestellt. Am 21. Septem- ber gab das Komitee an das Sonderkommando die Nachricht weiter, es möge sich für eine Selektion bereit halten. Unglück- licherweise war der Mann, der die Revolte hätte führen sollen, ein jüdischer Offizier der griechischen Armee, während eines Fluchtversuches getötet worden, so daß die Pläne schlecht koor- diniert waren und zur Kenntnis eines Denunzianten gelangten. So kam es, daß die 150 bis 200 Mann vom Krematorium IV festge- nommen und vergast wurden 22, Das Geheimkomitee entwickelte nun einen kühnen Plan für die drei anderen Krematorien. Die polnische Widerstandsbewegung sollte Waffen in einen jüdischen Deportationszug schmuggeln. 518 spgzeHNTE Fotalerw nach Bir torium Il inBrand besaßen bemerkt. Weg du fihrer N 6.Wach meter W Nichtsde ganzen Charles orbeitet zu begel ten Ärzt borgen. hafte Ge gegen d Dos letz Iebende: matorieı auf geh: räumt w Heydric aus Gro fand zu Mußfelc seinen\ ZU erzä die Reil Dr. Nyi Die Eve russisch, gedehn Es ist m nach Rc Novem! geschic PER ENDLOSUNG Ober nachzu. Orien erst am die Gerüchte Nachricht Die \, die in den 4 bedeute, 'eutschen ge- "eine Rebel. n 17. Dezen. in Birkenau, erkommando rde beschlo;- ng den Weg die Kenntnis iterhin wurde sgerottet und ‚m 170 Mann h hingerichtet en aus Athen n leben?!, unter der Lei- Jozef Cyran- das Schicksal ische Pistolen etzteren wur- Jie sich inner- n 21. Septem- Jie Nachrici en. Unglüc- ühren sollen, ährend eines ‚chlecht koor- gelangten. 50 um IV festge: Plan für die „dsbewegung schmuggeln SIEBZEHNTES KAPITEL 1. DAS ENDE VON AUSCHWITZ Fatalerweise ging der Zug früher als geplant und ohne Waffen nach Birkenau ab. Infolgedessen mußten die Männer im Krema- torium Ill, die sich verraten sahen, am 6. Oktober ihre Todesfabrik in Brand setzen, um ihre Genossen im Krematorium I, die Waffen besaßen, zu warnen; das Feuer wurde jedoch nicht rechtzeitig bemerkt. Als die Leute vom Krematorium III versuchten, einen Weg durch den Drahtverhau zu hacken, wurden sie von Schar- führer Moll, dem Genickschußfachmann des Lagers, und seinen SS-Wachen niedergeschossen. Einigen gelang es, ungefähr 6Kilo- meter weit zu fliehen, bevor sie wieder festgenommen wurden., Nichtsdestoweniger brannte Krematorium Ill vor den Augen des ganzen Lagers vollständig aus. Ein Mann überlebte alles das, Charles Bendel aus Paris, ein Arzt, der als solcher im Lager ge- orbeitet hatte. Er versuchte durch Einnehmen von Gift Selbstmord zu begehen, wurde aber wie durch ein Wunder von mitinternier- ten Ärzten wieder zum Bewußtsein gebracht und im Spital ver- borgen. So blieb Dr. Bendel am Leben und konnte seine grauen- hafte Geschichte im Jahre 1945 während des Lüneburger Prozesses gegen die Belsener Wachen und Kapos erzählen*. Das letzte Gemetzel gab es spät im November, als die Über- lebenden des Sonderkommandos aus den übriggebliebenen Kre- matorien, die bereits niedergerissen wurden, weggeschafft und auf geheimnisvolle Weise in den Wäldern aus dem Wege ge- räumt wurden. Man hielt sich eben bis zum letzten Augenblick an Heydrichs Legende von den Pharaonengräbern, aber Dr. Nyiszli aus Großwardein, der Arzt und Pathologe im Krematorium| war, fand zu seiner Überraschung, daß er immer noch am Leben war. Mußfeld, der Massenmörder von Majdanek, verbrachte jetzt mit seinen Wachen die Zeit damit, sich zu betrinken und Dr. Nyiszli zu erzählen, daß er bald getötet werden würde und daß dann die Reihe an sie selbst kommen würde. Nicht einmal jetzt weiß Dr. Nyiszli, ob er es war, der zuletzt gelacht hat”. Die Evakuierung der Auschwitzer Lager wartete nicht auf den russischen Vormarsch. Sie wurde über drei oder vier Monate aus- gedehnt. Birkenau, überfüllt wie immer, kam zuerst an die Reihe. Es ist möglich, daß ein Teil des Frauenlagers schon im September nach Ravensbrück verlegt wurde. Die kranken Frauen wurden im November und Dezember in drei Gruppen nach Bergen-Belsen geschickt, das damals offiziell ein Erholungslager war. Die Ab- 519 f= siegzeHNTES KA DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG teilung D Il des Männerlagers wurde Ende Oktober im Zuge der Das„Kleine # Massenüberführung von körperlich tauglichen Juden in die deut- Massenvernd i schen Rüstungsfabriken nach Dachau evakuiert. 2096 Juden aus Ergebnis, da Auschwitz wurden in Dachau registriert, 1023 in Buchenwald, 2045 chenwald 13 in Flossenbürg, 494 in Mauthausen, 2592 in Sachsenhausen und Jahren 192] einige Hundert in Stutthof°. typhusepider Im Anfang wurden nur wenige Frauen nach Belsen geschickt. Erst„Muselmänn: als Ende Januar ein großer Evakuierungstransport aus Birkenau den Gerippe eintraf, mußte Kramer ein neues Frauenlager eröffnen, aus dem witz, zuerst sich später das berüchtigte Lager| entwickelte. Kramer selbst, der SS im Rücker während der Massenmordzeit von 1944 Kommandant von Birke- Ende, frieren nau war, traf am 1. Dezember in Belsen ein, um die Leitung zu zum„Museli übernehmen. Josef Kramer, der in den Anfängen von Auschwitz Dr. Georg$ im Jahre 1940 dort die Funktion von Höss’Adjutanten innegehabt versität, ein hatte, war nicht ganz das Halbtier, als das ihn die alliierte Presse im Winter 1° darstellte. Er war jedoch ein stumpfer, beschränkter Rohling, der ‚Getriel aus dem sogenannten privilegierten Lager Bergen-Belsen bald vorwärt ein zweites Birkenau machte 28. stoßend In der Gruppe der Auschwitzer Lager waren am 18. Januar 1945 zubekor immer noch wenigstens 64000 Menschen, als in Hörweite der sie zum. russischen Geschütze die allgemeine Evakuierung angeordnet loser Bli wurde. Die Verhältnisse, unter denen Transporte möglich waren, worten| hatten sich inzwischen wesentlich verschlechtert. Die Internierten einen Te fuhren quer durch Deutschland in ihren Gefängnisschlafanzügen Atems q — im tiefsten Winter in offenen Güterwagen. Manche, die nach atch einem Aufenthalt in Gleiwitz und Wloclawek nach Flossenbürg len und Greiffenberg geschickt wurden, legten den ganzen Weg zu ae, Fuß zurück, wozu sie einen vollen Monat brauchten, nn Ein Großteil dieser Völkerwanderung konnte durch eine Über- forderte prüfung der Registrierungsnummern in den Lagern verfolgt wer- Doch schon den?. Auf diese Weise wurden 18886 Auschwitzer Internierte in wirzgegeh Buchenwald festgestellt, 1879 in Dachau, 8860 in Dora, 8865 in Mauthausen, 4782 in Ravensbrück und 2907 in Sachsenhausen. 2 Die Ziffer, die den stärksten Eindruck hinterläßt, ist die aus uf en Buchenwald und seinen Außenkommandos. Der größere Teil hr I IEte hatte keine Arbeit zu leisten, sondern wurde einfach im„Kleinen ma ar Lager” gelassen, von dessen Insassen niemals wirklich erwartet an Manc wurde, daß sie am Leben bleiben würden und wo es keine Ein- i San chwand*, A richtungen gab, die auch nur eine nackte Existenz ermöglichten. en ach Bruce Mo 520 SIEBZEHNTES KAPITEL 1. DAS ENDE VON AUSCHWITZ Das„Kleine Lager” wurde sogar mehr überfüllt als nach den Massenverhaftungen des November 1938(siehe$. 17), mit dem Ergebnis, daß in den letzten drei Monaten der Existenz von Bu- chenwald 13066 Todesfälle verzeichnet wurden, mehr als in den Jahren 1942/43 zusammengenommen®®. Zwar gab es eine Fleck- typhusepidemie, doch die meisten der Toten waren einfach „Muselmänner”, wie man die in eine Decke gehüllten wandern- den Gerippe in der Lagersprache nannte. Die Reise von Ausch- witz, zuerst zu Fuß durch den Schnee— mit den Revolvern der SS im Rücken— und dann im offenen Wagen, Tag um Tag ohne Ende, frierend und ohne Nahrung, genügte schon, um jemanden zum„Muselmann“ zu machen. Hier ist die Beschreibung, die Dr. Georg Straka, Dozent der Phonetik an der Straßburger Uni- versität, ein gebürtiger Tscheche, von den Menschen gibt, die im Winter 1944 von Auschwitz ankamen®': „Getrieben von Hieben, begannen sie manchmal plötzlich vorwärtszugehen wie eine Herde Vieh, einer den anderen stoßend. Es war unmöglich, ihren Namen aus ihnen heraus- zubekommen. Das freundlichste Wort hatte nicht die Kraft, sie zum Sprechen zu bewegen. Ein langer, starrer, ausdrucks- loser Blick war alles. Wenn sie den Versuch machten zu ant- worten, konnten ihre Zungen den Gaumen nicht erreichen, um einen Ton hervorzubringen. Man wurde nur ihres vergifteten Atems gewahr, der aus Eingeweiden zu kommen schien, die sich schon in einem Zustand der Zersetzung befanden. So sahen die Transporte im Winter 1944/45 aus, in dem Winter, in welchem der Tod die ungeheure Zahl von 13 000 Internier- ten in den letzten drei Monaten vor unserer Befreiung forderte.“ Doch schon vor der Evakuierung hat es viele Insassen von Ausch- witz gegeben, die Muselmänner geworden waren und nicht durch Schneegestöber getrieben oder in offene Güterwagen gepreßt werden konnten. Ebensowenig war es möglich, sie auf der Stelle zu liquidieren, da es keine Gaskammern mehr gab; die Einrich- tung war erst nach dem Lager Groß-Rosen, 220 Kilometer west- lich— manche Optimisten glaubten, sie hätten Zeit, sie dort zu benutzen—, gesandt worden, von wo sie später spurlos ver- schwand*. Am 18. Januar wurden daher die Kranken in den Kran- *Nach Bruce Marshalls Darstellung der Erfahrungen von Oberstleutnant F. F. E. Yeo- 521 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG kenrevieren der drei Hauptlager mit einigen Helfern und Vor- räten zurückgelassen, um auf die Russen zu warten®. Warum dies geschah, ist unaufgeklärt, denn Himmler hätte nach der Maj- danek-Affäre damit nicht einverstanden sein können, und Kalten- brunner, der durch die Auschwitzer„Politische Abteilung” erfahren haben mußte, was vorging, wäre vor nichts zurückgeschreckt, um es zu verhindern. Jemand muß hier seine eigene Initiative gel- tend gemacht haben— so etwas war sogar in Hitlers Reich möglich. Die Rote Armee kam erst am 26. Januar an. Sie fand 2819 Invaliden in den drei Lagern und unterließ nichts, um sie wieder gesund zu pflegen. Eine sowjetische Kommission erschien später, und am 12. Mai wurden die Ergebnisse ihrer Erhebungen der Welt be- kanntgegeben*%: „Unter Berücksichtigung der Tatsache, daß die Kapazität der Krematorien teilweise nicht erschöpft war, hat die technische Sachverständigenkommission festgestellt, daß während der Dauer des Bestehens des Auschwitzer Lagers die deutschen Henker nicht weniger als 4 Millionen Bürger aus UdSSR, Po- len, Frankreich, Jugoslawien, Tschechoslowakei, Rumänien, Ungarn, Bulgarien, Holland, Belgien und anderen Ländern umgebracht haben.” Die Welt ist gegen derartige„Schätzungen“ mißtrauisch gewor- den, und die runde Ziffer von 4Millionen kann einer ernsten Nachprüfung nicht standhalten. Unglückseligerweise hat die sowjetische Arithmetik die nackte und unleugbare Tatsache ver- schleiert, daß nicht viel weniger als eine Million Menschen in Auschwitz, seinen Gaskammern und Lagern umkamen. Das Vor- handensein zu vieler unberechenbarer Faktoren macht es wohl unmöglich, die Zahl der Auschwitzer Opfer genauer abzuschät- zen. Die Zahl der Eintragungen ins Lagerverzeichnis ist nur ein Anhaltspunkt für die Zahl der Juden, die dorthin gebracht wur- den, weil mehr als 100000 von den 363000 bekannten Registrie- rungen nichtjüdische Internierte aus Polen, Rußland und Deutsch- land betreffen. Außerdem waren im Jahre 1944 sehr große Thomas, der Anfang Januar 1945 in eine Zweigstelle von Buchenwald, das Fabriklager Rehmsdorf, geschickt worden war, wurden damals Juden immer noch aus dem Kranken- revier geholt, um nach dem Osten zur Ausrottung geschickt zu werden. Dies kann nicht mehr in Auschwitz vor sich gegangen sein, doch ist es möglich, daß das Lager Groß- Rosen immer noch für diesen Zweck benutzt wurde 2, 522 sıeßzeHNTES Gruppen anderen genomme um einer bis zum| nicht meh war die V Was die Auschwitz westlicher ziemlich gibt keine gasten. D August 19 50 gesun! Die nach: ten aus I schickt w gingen, 5 sen und R Belgi Kroa Fran! Grof Konz nur c Grof (via Grie Nied Ung« Italie Luxe Non Poleı Slow Von dies destens; SIEBZEHNTES KAPITEL 1. DAS ENDE VON AUSCHWITZ Gruppen von Juden im Lager, die dort auf die Überführung nach anderen Lagern warteten. Man hatte sich gar nicht die Mühe genommen, sie zu registrieren, aber sie waren lange genug dort, um einer Epidemie zum Opfer zu fallen. Obwohl nach den Listen bis zum 18. Januar 1945, dem Tag der endgültigen Evakuierung, nicht mehr als 300 000 Lagerinsassen ihren Tod gefunden hatten, war die wirkliche Zahl zweifellos weit höher. Was die Gesamtzahl der Juden, die zu dem Selektionsplatz Auschwitz gebracht wurden, betrifft, ist es möglich, sie für die westlichen und mitteleuropäischen Länder sowie für den Balkan ziemlich genau abzuschätzen; das gilt aber nicht für Polen. Es gibt keinen richtigen Anhaltspunkt für den Prozentsatz der Ver- gasten. Dieser war vor dem August 1942 und wiederum nach dem August 1944 niedrig, doch in der Zwischenzeit mag er einmal auf 50 gesunken und dann wieder bis auf 100 emporgeschnellt sein. Die nachstehende Liste berücksichtigt eine Anzahl von Transpor- ten aus Frankreich und Griechenland, die nach Majdanek ge- schickt wurden, 34000 holländische Juden, die nach Sobibor gingen, sowie verschiedene Transporte nach Theresienstadt, Bel- sen und Ravensbrück: Belgien 22 600 Kroatien 4500 Frankreich 55 000 Großdeuitsches Reich(einschließlich Konzentrationslager und Protektorat, nur direkte Transporte) 20000(ungewiß) Großdeutsches Reich und Protektorat (via Theresienstadt) 41 500 Griechenland 50 000 Niederlande 62 000 Ungarn(Grenzen während des Krieges) 380 000 Italien 5000 Luxemburg 2.000 Norwegen 700 Polen und baltische Staaten 180 000(ungewiß) Slowakei(Grenzen von 1939) 20 000 843 300 Von dieser Riesenzahl sind heute nur wenige am Leben, und min- destens 770000 müssen in den Lagern von Auschwitz vor der 523 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG Evakuierung ım Januar 1945 zugrunde gegangen sein. In den Gas- kammern von Auschwitz starben etwa 550 000 bis 600 000 sofort nach ihrer Ankunft, aber auch von den mindestens 300000, die erst nach ihrer Einlieferung in eines der Lager starben, müssen viele den Tod in der Gaskammer gefunden haben. 2. Die Intervention des Roten Kreuzes Während der folgenden zwei Monate blieb Deutschland zwischen Rhein und Oder invasionsfrei; auf diesem Gebiet gab es ein Netz von einem Dutzend Konzentrationslagern und mehr als hundert dazugehörigen Nebenlagern. In ihnen wurden ungefähr 200 000 Juden® und 500.000 nichtjüdische politische Gefangene festgehal- ten, welche unter Verhältnissen lebten, die im besten Fall nicht mehr erträglich und im schlimmsten Fall solche von Beinhäusern von lebenden Toten waren. Ihre Zukunft hing in der Luft zwischen dem Willen eines Hitler, der sie gern mit sich und allen anderen Deutschen zusammen sterben gesehen hätte, den Intrigen eines Himmler, dessen Hoffnung es war, sie als Preis für seine eigene Rettung lebend an die Alliierten zu verschachern, und dem Wü- ten eines Kaltenbrunner, der fanatisch genug war, um diesen Plan der Vereitelung für wert zu halten. Wenn man versucht, der Verwirrung und den Widersprüchen in diesem Geschehen zu folgen, muß man sich stets des Konfliktes dieser drei Willen be- wußt bleiben. Dies erklärt den verhältnismäßigen Mißerfolg der Rote-Kreuz-Missionen und die ungeheuerlich hohe Anzahl der Toten. Wenigstens 80 000 Insassen der Konzentrationslager— die Hälfte davon allein in Belsen— starben in den letzten drei Mo- naten des Krieges. So sahen die Truppen der westlichen Verbün- deten mit ihren eigenen Augen das, was in ihren Ländern vielfach bis dahin als Gerüchte, entstellte Zeugenaussagen oder bewußte Propaganda betrachtet wurde. Ende Januar 1945, während die Züge mit offenen Güterwagen ihre Fracht an miteinander vermischten Lebenden und erfrorenen Toten von Schlesien nach Westdeutschland schleppten, trat Pro- fessor Karl Burckhardt, der Präsident des Internationalen Roten Kreuzes, mit dem Berliner Auswärtigen Amt in Verbindung. Es wurde ihm gesagt, daß Hilfe in Kraftwagen für die Lager erlaubt werden würde, vorausgesetzt, daß diese vom Roten Kreuz be- reitgestellt und von verläßlichen Kriegsgefangenen gelenkt wer- 524 SIEBZEHNTE den wün Schweize der Kon Dr. Lollin Berndorf suchten. Augen| könnte( Aussprat unmöglit Bahnen| Himmler Katastro aus Berg daß Him ten Jear hatte, W Schweiz Schweiz Becher I welchen —., Hitle Szene Ü alles wi Kommar Insassen deshänc Trotzde ler hera grenzte Folke Bı und Viz 17. 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Angesichts des Bombenschadens auf den deutschen Bahnen könnten sie nicht nach Oranienburg gebracht werden%. Himmler blieb unzugänglich— und dann ereignete sich eine Katastrophe. Am 6. Februar trafen weitere 1100 ungarische Juden aus Bergen-Belsen in der Schweiz ein. Das war das Zeichen dafür, daß Himmler schließlich doch— durch den Schweizer Präsiden- ten Jean-Marie Musy— seine fünf Millionen Franken erhalten hatte. Wie Becher sagt, wies Himmler das Geld großzügig dem Schweizer Rote-Kreuz-Plan zu, aber der Bericht wurde in den Schweizer Zeitungen veröffentlicht und kam zu Hitlers Kenntnis. Becher beschuldigt überraschenderweise Walter Schellenberg— welchen Himmler sicherlich in dieser Angelegenheit benützt hatte —, Hitler diese Berichte gezeigt zu haben. Himmler mußte eine Szene über sich ergehen lassen, die so fürchterlich war, daß er alles widerrief. Becher berichtet, daß er Pfister, den damaligen Kommandanten von Buchenwald, beauftragte,„keinen Lager- insassen in der südlichen Hälfte von Deutschland lebend in Fein- deshände fallen zu lassen”%. Trotzdem trat das Schwedische Rote Kreuz von neuem an Himm- ler heran, und da der Versuch wohlweislich außerordentlich be- grenzte Ziele verfolgte, brachte er wichtige Ergebnisse. Graf Folke Bernadotte, ein Neffe des damaligen Königs von Schweden und Vizepräsident des Schwedischen Roten Kreuzes, erreichte am 17. Februar durch Vermittlung Schellenbergs eine Unterredung mit Himmler. Bernadotte ersuchte nur um die Entlassung der dänischen und norwegischen Gefangenen, aber im Verlaufe der Unterhaltung erfuhr er, daß die ganze Masse der im Reich inter- nierten Juden unter gewissen Umständen den Alliierten über- geben würde. Trotzdem war während der nächsten zwei Wochen kein Zeichen davon zu sehen, daß wenigstens Bernadottes be- 35 525 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG scheidener Vorschlag an die Inspektion der Konzentrationslager weitergeleitet worden wäre. Statt dessen erhielt Graf Bernadotie durch Schellenberg eine Mitteilung, daß Kaltenbrunner jeden Zu- tritt zu den Lagern verhindern würde; dies wurde ihm von Kalten- brunner selbst am 5. März bestätigt.„Ich habe nicht die Absicht, Sie in der Angelegenheit, die Sie vorgetragen haben, zu unter- stützen®.” Nach der Sabotage der schwedischen Verhandlungen benützte Kaltenbrunner jetzt Himmlers Abwesenheit, die Verhandlungen mit den Schweizer Stellen in der Absicht wieder aufzunehmen, daraus für sich Gewinn zu schlagen.(Himmler kommandierte vom 23. Januar bis zum 4. März 1945 die„Heeresgruppe Weichsel”, war aber häufig nicht in seinem Hauptquartier.) Er empfing Pro- fessor Burckhardt am 12. und informierte ihn, daß je ein Vertreter des Roten Kreuzes in jedem Lager seinen Sitz aufschlagen könne, um die Hilfe zu verteilen; die französischen und belgischen Inter- nierten würden gegen Deutsche ausgetauscht werden. Was die Juden betraf, wurde Professor Burckhardt versichert, daß die Kin- der, die alten Leute und die gesamte Gemeinschaft von Theresien- stadt in ihre Heimat zurückgeschickt werden würden®. Obwohl sich die Unterhändler dessen wahrscheinlich nicht be- wußt waren, war das Chaos in den Konzentrationslagern jetzt zu groß, um die Durchführung von mehr als einem kleinen Teil des Projekts möglich zu machen. Am 1. März hatte Kramer von Belsen an Glücks geschrieben, daß 42000 Menschen im Lager wären, von welchen 250-300 täglich von Flecktyphus hinweg- gerafft würden*%*. Eine Woche später benützte Eichmann diese Epidemien wieder als einen Vorwand, um die Evakuierung der 7500 überlebenden„Austauschjuden” von Belsen nach Theresien- stadt und Landsberg zu verbieten“?. Am 19., als die Belegschaft von Belsen die Zahl von 60 000 überschritten hatte, kam Oswald Pohl mit Lolling und Höss, der den angeblich kranken Glücks ver- trat, im Lager an. Sie brachten Kramer einen Befehl Himmlers, daß „nicht einer mehr von den Juden“ getötet werden dürfe und die Sterblichkeitsziffer um jeden Preis herabgedrückt werden müsse#3, Höss, der seine neue Rolle anfangs schwierig finden * Brigadegeneral Glyn-Hughes stellte fest, daß die Typhusepidemie in Belsen am 5. Fe- bruar in einem Transport von„Ungarn“ ausbrach. Es ist nicht klar, ob diese unga- rischen Juden aus anderen deutschen Konzentrationslagern oder vom„Südostwall” kamen!, 526 sjegzEHNTES mußte, sd er mit all tausende Nürnberg später du! kongreß Ausbruch habe“. Am 23. N mit, daß Deutschla werden V könnten, des Roter betreten, zurückzuf war alles in den nö zulassen, zu bereite Eine Wo Lager Ne dies war Himmler mittlung€ gerichtet artiges Er laubt, mit in Anwe: burg vor ten, den Buchenw. kaner de gutem G wald eine 20gen,\ Zwängt v besonder Meritz, g 35 OSUNG Slager Odotte N Zu- alten- bsicht, Unter- nützte ungen hmen, e vom hsel”, g Pro- rtreter Önne, Inter- as die e Kin- esien- ıt be- \ jetzt n Teil r von Lager nweg- diese ıg der esien- schaft swald (Ss Ver- s, daß e und ‚erden finden m 5. Fe- e unga- lostwall” SIEBZEHNTES KAPITEL 2. DIE INTERVENTION DES ROTEN KREUZES mußte, sagte seinem alten Adjutanten Kramer, daß nicht einmal er mit all seiner Erfahrung je derartiges gesehen hätte.„Zehn- tausende Leichen lagen überall herum“, äußerte er sich später in Nürnberg. Das hinderte aber Himmler nicht daran, zwei Tage später durch Felix Kersten Dr. Hillel Storch vom Jüdischen Welt- kongreß wissen zu lassen, daß er„Vorkehrungen“ gegen den Ausbruch einer Typhusepidemie in Bergen-Belsen getroffen habe#, Am 23. März teilte der Gestapochef Müller Professor Burckhardt mit, daß Belsen aufgegeben werden würde und daß alle in Deutschland befindlichen Juden an einen einzigen Ort gebracht werden würden, wo Hilfsmittel aus dem Ausland sie erreichen könnten. Doch nicht einmal jetzt war es einem einzigen Vertreter des Roten Kreuzes gelungen, eines der Konzentrationslager zu betreten. Müller erklärte, daß dies auf den Mangel an Zensoren zurückzuführen wäre, die anwesend sein müßten. Die Delegation war alles andere als beeindruckt, als Müller das Angebot machte, in den nächsten Tagen einen Delegierten nach Theresienstadt zu- zulassen,„um der lügenhaften feindlichen Propaganda ein Ende zu bereiten“*. Eine Woche später gelang es dem Grafen Bernadotte, in das Lager Neuengamme in einem Vorort von Hamburg einzudringen; dies war aber mehr eine Art von persönlicher Gefälligkeit, da Himmler am 3. April sein erstes Ersuchen an Bernadotte um Ver- mittlung einer Aussprache zwischen ihm und General Eisenhower gerichtet hatte*. Den Schweizer Delegierten wurde kein der- artiges Entgegenkommen bewiesen. Am 3. April wurde ihnen er- laubt, mit den Wortführern der Lager zu sprechen, doch wäre das in Anwesenheit des gesamten Mördergeneralstabs in Oranien- burg vor sich gegangen, wo die armen Teufel kaum gewagt hät- ten, den Mund aufzumachen. Es fiel auf, daß Höss in bezug auf Buchenwald besonders zurückhaltend war— von wo die Ameri- kaner damals nur 60 Kilometer entfernt waren—, und das mit gutem Grunde“. Zwischen dem 3. und 10. April wurde Buchen- wald einer gewaltigen und völlig chaotischen Evakuierung unter- zogen. Von den 48.000 Menschen, die jetzt in das Hauptlager ge- zwängt waren, wurden 28 285 in Zügen nach Süddeutschland, ins- besondere den Lagern Ohrdruf, Dachau, Flossenbürg und Leit- meritz, gebracht. Die Hälfte der Deportierten waren Juden, die im 35* 527 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG „Kleinen Lager” gelebt hatten und in keiner Weise von dem be- rüchtigten„Lagerkomitee“ geschützt worden waren.Von diesen wurden 4500 in einen Zug nach Dachau geschafft, der dort erst viele Tage später mit 1500 Toten eintraf, nachdem er auf der Suche nach einem nicht bombardierten Geleise in der Tschechoslowakei umhergeirrt war. Die Passagiere waren nur mit Lebensmitteln für einen Tag versehen worden**. In Nürnberg gab Schellenberg folgende Darstellung der Vor- gänge: Himmler hatte eine für Eisenhower bestimmte Botschaft an den Schweizer Bundespräsidenten Musy geschickt, der zufolge Buchenwald intakt übergeben werden würde. Als jedoch Musys Sohn in Buchenwald eintraf, fand er die Evakuierung in vollem Gange. Er beschwerte sich bei Schellenberg, der mit Himmler telephonierte, worauf die Evakuierung am gleichen Tage einge- stellt wurde. Müller sagte Schellenberg, daß Kaltenbrunner die Anordnungen über Himmlers Kopf hinweg erteilt hätte; und in diesem Falle wenigstens bestätigte Becher die Aussagen Schellen- bergs 5. Man sollte dieser Darstellung trotzdem mit starken Vor- behalten begegnen. Der letzte Transport von Evakuierten verließ Buchenwald am 9., und Himmlers Intervention erfolgte offenbar cm 10., als sich die SS-Wachen selbst schon für den Abgang vor- bereiteten. Zwischen dem 11. und dem 13. war das Lager in den Händen des„illegalen Komitees”, welches selbst die Wachtürme bemannte. Man ist sicherlich zu dem Verdacht berechtigt, daß die SS einfach nicht mehr imstande war, mehr Leute zu evakuieren, und die Erinnerung an Lublin taucht in diesem Zusammenhang auf®!. Der von Hungersnot getriebene Ausbruch aus Buchenwald bei der Ankunft der Amerikaner, die Wagenladungen von unbeerdigten Leichen im„Kleinen Lager” und Frau Kochs Lampenschirm aus Menschenhaut wurden von dem, was die britischen Truppen in Belsen fanden, bei weitem übertroffen. Heute besteht die Gefahr, * Das„illegale Komitee“ in Buchenwald hatte Waffen zur Verfügung, aber nicht genug, um gegen 3000 SS-Wachen kämpfen zu können. Es entschied sich daher, das Leben der- ienigen zu opfern, die seiner Ansicht nach den geringsten Wert hatten. Christopher Burney gibt offen zu, daß die am 2. April von der SS angeforderten 6000 Juden keines Kampfes für wert gehalten wurden. Als es sich am 6. April darum handelte, 8000 Leute für Transporte nach Theresienstadt aufzutreiben, jätete das Komitee die- jenigen aus— Juden oder Nichtjuden—, die es als„Kretins” betrachtete. Das ist keine Sache, die sich in für Knaben geschriebenen Abenteverbüchern zu ereignen pflegt, aber es gehört zum Charakter des SS-Staates, und Burney verdient Lob für seine Offenheit. 528 siegZEHNTE daß dies anderes© wird. Un Mannes© tisch“ VO! 56-Haupf: tauschjud den Gen schaffen weil die 1 zu jener Typhuser Eichmann damit er kämpften geflohen 19. März weitere| wahrsche „lachend fünf Milli ordentlicl Es war W kommissı mann au! in der K Kastner, er Krame Überrede führer He der Waf wollte zu Stillstand Lagerwaı gebiet ZU dem 15,, " Nachforse drej Transpı kamen, SW; DLIOSUNG dem be. ' diesen lort erst er Suche lowake; teln für er Vor- 'otschaft zufolge 1 Musys | vollem Himmler 2 einge- ner die und in chellen- en Vor- ‚ verließ ffenbar ing vor- in den chtürme daß die kuieren, ıenhang | bei der ardigten iirm aus ppen in Gefahr, icht genug, Leben der- 'hristopher ‚000 Juden handelte, mitee die- ıs ist keine ‚legt, ober Offenheit," SIEBZEHNTES KAPITEL 2. DIE INTERVENTION DES ROTEN KREUZES daß diese unaussprechliche Tragödie nach und nach als nichts anderes als ein Zusammentreffen von Zufällen betrachtet werden wird. Und doch kann es das bewußte Werk eines einzigen Mannes gewesen sein! So wie Theresienstadt, wurde Beisen„poli- tisch” von„IVA 4b“ verwaltet— Eichmanns Dienststelle, in der SS-Hauptsturmführer Mös alle Angelegenheiten, die sich auf„Aus- tauschjuden“ bezogen, führte. Am 1. März berichtefe Kramer an den Generalinspekteur Glücks, daß Mös diese Juden nicht weg- schaffen würde, um mehr Raum im„Musterlager” zu schaffen 2, weil die Typhusepidemie jeden Transport unmöglich machte. Doch zu jener Zeit war das„Musterlager“ gar nicht im Bereich der Typhusepidemie. War das Eichmanns Hand? Am 6. April versprach Eichmann M. Paul Dunand vom Roten Kreuz, ihm Belsen zu zeigen, damit er sehen könne, wie die Behörden die Typhusepidemie be- kämpften. Als aber Dunand nach Berlin kam, war Eichmann schon geflohen 53. Wie kam es, daß trotz Pohls Besuch in Belsen am 19. März und seines Berichtes an Himmler drei Wochen lang weitere Transporte nach Belsen strömten*? Ist es nicht mehr als wahrscheinlich, daß dies die letzte Grimasse des Mannes war, der „lachend in die Grube springen würde”, weil„das Gefühl, daß er fünf Millionen Menschen auf dem Gewissen hätte, für ihn außer- ordentlich befriedigend wäre“?(Siehe S. 31.) Es war wieder einmal Kurt Becher, jetzt von Himmler zum Sonder- kommissar für die Konzentrationslager ernannt, der nach Eich- mann aufzuräumen hatte. Am 10. April verließ er Eichmanns Büro in der Kurfürstenstraße, um nach Bergen-Belsen zu gehen; Dr. Kastner, mit einer SS-Uniform verkleidet, begleitete ihn. Nachdem er Kramer aufgesucht hatte, telephonierte Becher an Himmler und überredete ihn, das Lager, so wie es war, zu übergeben. Ober- führer Harries, der die zumeist aus Ungarn bestehenden Verbände der Waffen-SS in der benachbarten Panzerschule kommandierte, wollte zuerst nicht kapitulieren%, doch am 12. wurde ein Waffen- stillstand vereinbart; der britische Kommandant gewährte den Lagerwachen 8 Tage Gnadenfrist, um einen Kordon um dasTyphus- gebiet zu ziehen. Keine britische Abteilung betrat das Lager vor dem 15., als die Front Belsen weit hinter sich gelassen hatte. * Nachforschungen des Holländischen Roten Kreuzes zeigten, daß— im Vergleich zu nur drei Transporten nach Belsen im Januar 1945— zehn im Februar und acht im März an- kamen, sowie zwei weitere in den ersten Apriltagen(Auschwitz, Deel VI, Haag 1952). 529 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG Belsen bestand aus Lager Nr. 2, dem ursprünglichen Musterlager für privilegierte Juden, welches ordentlich geplant war und einige gute, dauerhafte Gebäude besaß, und aus Lager Nr. 1, das in einiger Entfernung lag. Letzteres war ein Barackenlager, das ur- sprünglich für russische Kriegsgefangene benützt worden war, aber durch Baracken, die während der Evakuierungen im Winter 1944 aus dem Judenlager in Plaszow in Polen geholt worden waren, erweitert wurde°®. Bis zum letzten Augenblick versuchte man, die Flut der Neuankömmlinge vom Lager Nr. 2 fernzuhalten. So kam es, daß es keinen Typhus und nur Ansätze zu einer Hun- gersnot in dieser Abteilung gab, obwohl zum Schluß 15 133 Men- schen in einem Lager lebten, das nur zur Aufnahme von 7000 bestimmt war. Ganz anders war es im Lager Nr. 1, dem„Häftlingslager“. In diesem Rechteck, nur ungefähr 1600xX360 m groß, fanden die bri- tischen Truppen 28000 Frauen, 12000 Männer und 13000 unbe- erdigte Leichen. Weitere 13. 000 starben binnen weniger Tage nach der Befreiung. Es ist absolut unmöglich, zu errechnen, wie groß die Zahl derjenigen ist, die seit Anfang Februar— als der Typhus ausbrach— begraben worden waren; es ist jedoch einwandfrei festgestellt, daß 40 000 Menschen, zum größten Teil polnische und ungarische Juden, in dieser verseuchten Einzäunung, von der jeder Fetzen und jedes Stückchen Holz verbrannt werden mußte, ums Leben kamen. Es gibt in diesem Zusammenhang aber eine Sache, die ganz un- verständlich ist. Drei Kilometer entfernt, in den Vorratsräumen der Panzertruppenschule, lagerten fast 800 Tonnen Lebensmittel 5%, und die dortige Bäckerei konnte 60.000 Laib Brot täglich herstellen. Als Kramers zivile Lieferquellen abgeschnitten wurden, hatte ihm die Wehrmacht bloße 10000 Laib wöchentlich zukommen lassen. Kramer hatte seiner eigenen Aussage zufolge gar nicht versucht, mehr zu erhalten. Das hätte bedeutet,„Sonderanforderungen” zu stellen 5’! Der Mann, der gewöhnt war, im Birkenauer Kranken- revier und in den Gaskammern Menschen zu Tausenden sterben zu sehen, war nicht gewöhnt, einen Schritt zu machen, ohne ein Formblatt auszufüllen. Höss, der damals oberster Inspekteur der Konzentrationslager war, sah die Zustände in Belsen am 19. März und gab ein Jahr später die folgende Erklärung®®: 530 Diese| sollen in eine weil di lassen. 230.00 tel deı Art be von M bis zu Nachc von B Kreise von de sollte letzter Tragö Arme: zwei Werde Fraue NDLOSUNG Sterlager nd Einige I, das in , das ur- den War, n Winter ' worden versuchte zuhalten, ner Hun- 133 Men- von 7000 üger", In n die brı- 00 unbe- age nach wie groß r Typhus wandfrei sche und von der 'n mußte, ganz un- umen der smittel®, erstellen, hatte ihm n lassen. versucht, ngen" zu Kranken- n sterben ohne ein ionslager ein Jahr SIEBZEHNTES KAPITEL 2. DIE INTERVENTION DES ROTEN KREUZES „Später.... standen fast keinerlei Baumaterialien mehr zur Verfügung. Des weiteren wurden immer wieder und sehr einschneidend die Lebensmittelrationen für die Häftlinge von den Landeswirtschaftsämtern erheblich gekürzt. So trat dann der Zustand ein, daß immer mehr Häftlinge nicht mehr genug widerstandsfähig waren, den nun allmählich entstehenden Seuchen Widerstand zu leisten. Der Hauptgrund, weswegen die Häftlinge später am Ende des Krieges so schlecht instand waren und so viele Tausende krank und abgemagert in den Lagern vorgefunden wurden, liegt darin, daß der Reichsführer bei jeder Gelegenheit und immer wieder sein Ziel vor Augen führte... und erklärte...., daß jeder Häftling unbedingt bis zum Äußersten seiner Kräfte in den Rüstungsbetrieb eingeschaltet werden müßte. Es war nicht so, daß man darauf ausging, möglichst viele Tote zu haben oder Häftlinge zu vernichten, sondern dem Reichs- führer kam es immer wieder darauf an, möglichst jede Hand für die Rüstung einsetzen zu können.” Diese Erklärung und die Begründung, die für sie gegeben wurde, sollen den Eindruck hervorrufen, daß 600 000-700 000 Menschen in einem Lager nach dem anderen zusammengepfercht wurden, weil die ernstliche Absicht bestand, sie Kriegsmaterial erzeugen zu lassen. Doch Oswald Pohls stolzeste Prahlerei war es, daß 230.000 Konzentrationslagerinsassen— kaum mehr als ein Drit- tel der Gesamtzahl in den letzten Kriegsmonaten— auf diese Art beschäftigt wurden 5°. Das System der zwecklosen Vergeudung von Menschen und Material in den Konzentrationslagern hat sich bis zum letzten Augenblick nicht geändert. Nachdem die erste Welle des Abscheues nach den Enthüllungen von Belsen vorübergegangen war, zeigten manche englische Kreise eine Neigung, eine„wirtschaftliche“ Erklärung, wie die von dem Massenmörder Höss vorgebrachte, zu finden. Diese Lüge sollte für immer aus der Welt geschafft werden. Weder waren die letzten tragischen Tage von Belsen unvermeidlich, noch war die Tragödie in Himmlers SS-Staat etwas Neues. Was die britische Armee im Lager Nr.1 sah, hätte jederzeit während der letzten zwei Jahre im Block 25 des Frauenlagers in Birkenau gesehen werden können, wo die zur Vernichtung verdammten kranken Frauen Tag für Tag auf den Lastwagen warteten, der sie zur Gas- 531 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG kammer schaffen sollte. Die nüchternsten aller Zeugen, wie zum Beispiel die österreichische Ärztin Dr. Lingens-Reiner, stimmen in der Art, wie sie ihre Qualen beschreiben, überein; sie berichten von lebenden Frauen, die ohne Lebensmittel und Kleidung auf dem Haufen der bereits gestorbenen liegengelassen wurden und dann bettelten, vergast zu werden. Diese Szene— und wie oft muß sie sich in den Todeslagern Treblinka, Belzec und Sobibor in der Zeit der häufigen Transporte wiederholt haben!— war nicht die Frucht des Sadismus von einzelnen, sondern das folge- richtige Ergebnis der Wirkung endloser Reden und Aufsätze, die menschliche Wesen mit Bazillen und Ungeziefer verglichen. Himmler war vielleicht aufrichtig, als er Dr. Hillel Storch wissen ließ, er habe Maßnahmen gegen den Typhus in Belsen getroffen, doch diese Maßnahmen wurden Männern wie Pohl und Höss überlassen, die er jahrelang gelehrt hatte, ihre Gefangenen zu Tode zu schinden oder sie auf andere Weise loszuwerden. Was für eine Art von Hilfe erwartete Himmler von ihnen? Während der Typhus in Belsen wütete, Iungerten 1500 von Himmlers unga- rischen SS-Leuten unbeschäftigt in der benachbarten Panzerschule herum. Als die Briten die Sache in die Hand nahmen, wurde die Epidemie in zwei Wochen durch sanitäre Maßnahmen von 360 Mann bewältigt 60. Es erscheint noch unfaßbarer, daß die privilegierten Kapos unter den Insassen dieses Golgatha ihre Peitschen und Gummiknüppel immer noch arbeiten ließen, als die Briten ankamen und daß die SS-Wachen, besonders die Ungarn, ihre Gewehre benützten, wenn sie Gefangene auch nur verdächtigten, eine Kartoffel auf- gelesen zu haben. Brigadegeneral Glyn-Hughes, Stellvertreter des Direktors des Gesundheitsdienstes der britischen Zweiten Armee, sah selbst, wie Menschen verwundet und getötet wurden, und mußte deshalb Befehle an Kramer geben‘; man muß jedoch, wenn man verstehen will, was in den letzten zehn Tagen in Bel- sen vorging, die Aussage von Harold Osmond Le Druillenec lesen, einem Lehrer von der Kanalinsel Jersey, welcher mit seiner gan- zen Familie deportiert worden war, weil er einem entsprungenen Kriegsgefangenen Obdach gegeben hatte#2: „Ich kann nicht gut erklären, was ich fühlte, als ich zum erstenmal eine der Gruben sah, welche schon viele Leichen enthielten und als ich die Leiche, die ich trug, auf jene, die 532 sießzeHNT sche schl Rüc dac Näl tere Gel esse ich Stür sch wel stel den sch Später( lich Sch Anklage von ein urteilt,| deren v Geschle Gefang drei Of ger als Dieser€ siert, Di Länderr Die Urt sches R Zweifel Belsen| daß es solchen daß es: Am, und Ka Anteil c lebende LOSUNG SIEBZEHNTES KAPITEL 2. DIE INTERVENTION DES ROTEN KREUZES aa, schon dort waren, werfen mußte. Während ich Leichen Yk schleppte, bemerkte ich häufig sonderbare Wunden auf der h en Rückseite der Schenkel von vielen dieser Toten. Anfangs ke auf dachte ich einfach, daß dies Wunden von aus unmittelbarer N und Nähe abgegebenen Schüssen waren, als ich aber einige wei- wie oft tere sah, fragte ich einen Freund, und er sagte mir, daß viele Obibor Gefangene Stücke aus diesen Körpern schnitten, um sie zu Ft essen. Als ich das nächste Mal in die Leichenhalle ging, sah Tolge- ich tatsächlich einen Gefangenen ein Messer ziehen, ein ze, die Stück aus dem Bein eines toten Körpers schneiden und es ur schnell in den Mund stecken, zitternd, daß er dabei gesehen wissen werden könnte. Ich überlassse es Ihrer Phantasie, sich vorzu- roffen,| stellen, in welche Verfassung die Gefangenen gebracht wer- d Hös I den mußten, damit Männer es wagten, diese Stückchen aus nen zu| schwarzen Leichen zu essen.“ 1. Was Später gab es einen Prozeß um Belsen, aber nicht gegen die wirk- ährend lich Schuldigen. Vierundvierzig Personen wurden schließlich unter ; Unga-| Anklage gestellt und zwischen September und November 1945 rschule| von einem britischen militärischen Gerichtshof in Lüneburg abge- de die urteilt. Drei, einschließlich Kramer, waren Offiziere; von den an- n von| deren waren die meisten SS-Wachen und Unteroffiziere beider | Geschlechter, und der Rest waren Kapos, die aus der Mitte der sunter Gefangenen ausgesucht worden waren. Obwohl acht, außer den nüppel| drei Offizieren, zum Tode verurteilt wurden, wurden nicht weni- dd ger als neunzehn freigesprochen. ützten, Dieser erste Kriegsverbrecherprozeß wurde von allen Seiten kriti- el auf- siert. Die Freisprüche gaben der antibritischen Propaganda in den ter des Ländern, die von Sowjetrußland befreit worden waren, Auftrieb. Ärmee, Die Urteile, die unter Verhältnissen ganz anderer Art, als briti- n, und sches Recht es sonst gewöhnt ist, gefällt wurden, riefen ernste edoch, Zweifel in englischen juristischen Kreisen hervor. Die Opfer von in Bel- Belsen konnten sich in der Stunde ihrer Befreiung nicht vorstellen, lesen, daß es kein System von menschlicher Gerechtigkeit gab, das r gan- solchen ungeheuverlichen Massenverbrechen angepaßt war und genen daß es vielleicht nie eines geben wird. Am 22. Dezember 1951 wurden fünf von den weiblichen Aufsehern h zum und Kapos von Belsen, die Strafen von zehn Jahren für ihren eichen| Anteil an der Mißhandlung und Folterung der Halbtoten und der AN de Mi lebenden Gerippe unter ihrer Aufsicht erhalten hatten, aus dem 533 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG Gefängnis in Werl plötzlich entlassen. Diese Maßnahme folgte einer ähnlichen Weihnachtsamnestie, welche die Amerikaner im Landsberger Gefängnis gewährt hatten. Sollte die Freigabe dieser finsteren und unerwünschten Harpyien in dieser Stunde der hohen Politik die deutsche öffentliche Meinung besänftigen, und wenn es so war, welchen Teil der deutschen öffentlichen Meinung? 3. Himmler bricht sein Wort Eine gewisse Voraussicht auf seiten der Alliierten hätte vielleicht die Veröffentlichung der Berichte über die Entdeckungen in Buchen- wald und Belsen aufgehalten, denn es war klar, daß die national- sozialistischen Machthaber zögern würden, ehe sie weitere Gruppen von Internierten in Feindeshand fallen ließen. Die Ret- tung der Skandinavier, welche dem Grafen Bernadotte verspro- chen worden war, wurde bis nach dem Zusammentreffen von Himmler und Dr. Masur am 19. April aufgehalten. Sogar dann hielt Himmler nicht sein Versprechen, obwohl er sich verpflichtet hatte, kein weiteres Lager zu evakuieren. Laut Höss’ Aussage in Nürnberg wurde Himmler durch einen Führerbefehl gehindert. Als er hörte, daß die Insassen von Buchenwald ausgebrochen seien und die Stadt Weimar geplündert hätten, entschied Hitler, daß keine marschfähigen Häftlinge in den Lagern zurückgelassen werden dürften 3. Diese Erklärung wurde offenbar von Himmler selbst nicht bestätigt, denn Dr. Masur gegenüber unterließ er es, Hitler oder Kaltenbrunner zu beschuldigen: „Es war meine Absicht, die Lager unverteidigt zu übergeben, wie ich es versprochen hatte. Ich hatte Bergen-Belsen und Buchenwald übergeben lassen, aber keinen Dank dafür ge- erntet. In Bergen-Belsen hat man einen Wachtposten ge- fesselt und ihn zusammen mit einigen gerade gestorbenen Gefangenen photographiert. Und diese Bilder wurden dann in der ganzen Welt veröffentlicht. Auch Buchenwald ließ ich unverteidigt übergeben. Von den heranrückenden amerika- nischen Panzerwagen wurde jedoch plötzlich geschossen, das Krankenhaus fing Feuer, und die verkohlten Leichen wurden photographiert.... Aber die Veröffentlichungen über die Konzentrationslager als Hetze gegen uns ermutigt mich nicht, meine Politik der Übergabe der Lager ohne Verteidigung fortzusetzen. Deshalb habe ich vor einigen Tagenein Lager 534 SIEBZEHN in ter Dr. Mo nicht z seine ı Lande unerWi sich Hi groß 9 gen zu wenn I einem Bunker aufein rat Feli zukom In Nür Kalten gend- Mauth konnte len de oder$ stätigt Eingel bayerı gewes Testan stimmt glaubt schen deutsc diert\ einer Diese merky * Giesle stattliche schriften A” bei elleicht Juchen- ıtional- weitere ie Ret- ErSPrO- en von r dann sflichtet sage in indert. rochen Hitler, alassen limmler jer es, geben, en und für ge- en ge- rbenen n dann ließ ich meriko- en, das wurden ber die h nicht, ‚digung 1 Lager SIEBZEHNTES KAPITEL 3. HIMMLER BRICHT SEIN WORT in Sachsen, als die amerikanischen Panzerspitzen sich näher- ten, ausräumen lassen. Warum sollte ich anders handeln 62” Dr. Masur mußte Himmler jetzt erklären, daß die alliierte Presse nicht zum Stillschweigen gezwungen werden konnte, um ihn für seine„Zugeständnisse” zu belohnen. In einem demokratischen Lande kann auch die Regierung die Presse nicht daran hindern, unerwünschte Nachrichten zu veröffentlichen. Trotzdem ließ es sich Himmler nicht ausreden, daß die Macht des Weltjudentums groß genug sei, um die Presse jederzeit zum Stillschweigen brin- gen zu können. Das Groteske der Situation erkennt man erst voll, wenn man sich vergegenwärtigt, daß Himmler sich damals von einem Abendessen, das am Vorabend von Hitlers Geburtstag im Bunker der Reichskanzlei gegeben wurde, wegstehlen mußte, um auf einLandgut zu fahren, das(dem ihn behandelnden) Medizinal- rat Felix Kersten gehörte— um dort mit einem Juden zusammen- zukommen, der den Jüdischen Weltkongreß vertrat! In Nürnberg wurde die weit ernstere Anschuldigung erhoben, daß Kaltenbrunner— Himmlers Weisungen von Anfang Februar fol- gend— befohlen hatte, die Insassen der südlichen Lager Dachau, Mauthausen und Theresienstadt, die nicht mehr evakuiert werden konnten, samt und sonders zu liquidieren. Die verfügbaren Quel- len deuten darauf hin, daß es sich um Pläne vereinzelter ziviler oder SS-Amtsträger handelte, die schließlich vom RSHA nicht be- stätigt wurden. So scheint der Plan, Dachau zu zerstören, eine Eingebung Paul Gieslers, des Gauleiters von München und Ober- bayern, eines Sohnes von Hitlers bevorzugtem Architekten, gewesen zu sein— nebenbei gesagt, des Mannes, der in Hitlers Testament zum Nachfolger Himmlers als Minister des Innern be- stimmt wurde. Dieser Ehrenmann— einer jener, von denen man glaubt, daß sie Selbstmord begangen haben— wollte die jüdi- schen Häftlinge der Lager Landsberg und Mühldorf durch die deutsche Luftwaffe vernichten lassen. Auch Dachau sollte liqui- diert werden*, wurde aber am 24. April den Amerikanern nach einer teilweisen Evakuierung übergeben. Diese Widersprüche sind im Falle von Theresienstadt besonders merkwürdig. Dies war das erste Konzentrationslager, welches * Gieslers Gaustabsamtsleiter Bertus Gerdes unterschrieb jedoch in Nürnberg eine eides- stattliche Versicherung, der zufolge er zahlreiche von Kaltenbrunner gezeichnete Zu- schriften betreffend den Plan, Dachau zu bombardieren— der als„Operation Wolke A-1” bekannt war—, erhalten hatte. Der Höhere SS- und Polizeiführer Karl Freiherr von 535 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG Himmler als Eintrittskarte für die Gesellschaft anständiger Men- schen zu benutzen bereit war, und am 6. April zeigte Eichmann selbst, in Begleitung von SS-Standartenführer Weinmann, einem früheren Einsatzgruppenführer in Rußland, das„Musterghetto” dem Vertreter des Schweizer Roten Kreuzes Paul Dunand. Es war eine sehr steife Angelegenheit, und am Abend gab SS-Ober- gruppenführer Karl Hermann Frank, der deutsche Staatsminister für Böhmen und Mähren, einen Empfang für die Delegation auf dem Prager Hradschin. Genauso wie wir Himmler und Kalten- brunner bemüht sahen, sich von der besten Seite zu zeigen, kön- nen wir nun Eichmann beobachten, wie er Dunand in eine Ecke des großen Saales zieht und— seine seltsamen Augen glitzern— auf ihn einspricht, um ihn zu überzeugen, daß die Juden in Theresienstadt besser daran seien als viele Deutsche. Eichmann sagte dann etwas, was zwei Wochen später Himmler fast wort- wörtlich Dr. Masur gegenüber wiederholte. Himmler, sagte er, „hatte gewollt, daß die Juden durch Ausübung einer fast vollkom- menen Autonomie das Gefühl einer rassischen Gemeinschaft er- werben sollten“. Später sollten sie in irgendeine Gegend trans- portiert werden, wo sie abgeschieden von der deutschen Bevölkerung leben könnten. Eichmann fügte hinzu, daß er nicht mit allen den menschlicheren Maßnahmen, die Himmler für die Juden einzuführen gedachte, einverstanden sei, aber„en tant que bon soldat” gehorche er blind jedem Befehle Himmlers*%. „En tant que bon soldat“, es war an dem gleichen Morgen, daß Eichmann den Rabbiner Leo Baeck, den früheren Präsidenten der „Reichsvereinigung“, lebend in Theresienstadt antraf(siehe S. 180).„Herr Baeck, Sie leben immer noch? Ich dachte, Sie wären tot.“ Und als Eichmann diesen Fehler in seinen Listen über- prüft hatte, sagte er in seiner herzlichen Art:„Ich verstehe jetzt. Ein Mann, der sich als tot eintragen läßt, lebt länger*.“ Eichmann hatte Dunand versprochen, daß nicht ein einziger Jude aus Theresienstadt deportiert werden würde, doch am 12. April erfuhr Dunand, daß die SS die Listen, die in der Magdeburger Kaserne im Ghetto verwahrt waren, vernichtet hatte, und dies be- trachtete er als Anzeichen, daß eine Massenhinrichtung in der Eberstein wußte ebenfalls von„Operation Wolke A-1“, betrachtete sie jedoch als Gies- lers Einfall. Er erhielt jedenfalls ohne Schwierigkeit von Himmler die Weisung, Dachau den Amerikanern zu übergeben®%. 536 3 siepzehN | letzten lin, um Darauf Eichma hatten Grenze eine V stellen, hatte n überlel Becher die Scl 2. Mai Flagge Ghetto nur en gerate schen, dorf ui dem drei Zu umher Fünfte! Die N andere gefahr licherv verhau diese "Nach« schon im Darstellı um die ı aufein| ** Das y Marienb Zweigste giere, ni über zur während 500 kamı sem Zug LOSUNG T Men- hmann ‚ einem Ghetto” Es war -Ober- Minister ion auf Kalten- n, kön- ne Ecke zern— den in chmann st wort- igte er, ollkom- haft er- ] trans- ufschen er nicht für die en tant rs, en, daß ten der [siehe hte, Sie .n über- 1e jetzt. er Jude 2. April eburger Jies be- in der als Gies- g, Dachau Br SIEBZEHNTES KAPITEL 3. HIMMLER BRICHT SEIN WORT letzten Minute beabsichtigt sein könnte*. Er fuhr daher nach Ber- lin, um von Heinrich Müller eine Zusicherung zu bekommen®. Daraufhin kam Becher, der neue Kommissar, mit Dr. Kastner und Eichmanns Gehilfen Hünsche am 16. nach Theresienstadt. Sie hatten das Glück, in einem Reich, dessen zusammengepreßte Grenzen jetzt die Form von Hanteln angenommen hatten, noch eine Verkehrslinie zu finden; sie hatten auch das Glück, festzu- stellen, daß im„Musterghetto” nichts fehlgegangen war. Am 15. hatte man das Abkommen mit Graf Bernadotte erfüllt und die überlebenden 423 dänischen Juden nach Hause geschickt 7°. Becher fuhr weiter nach Mauthausen, und Dr. Kastner konnte in die Schweiz entkommen. Zum Schluß, und zwar zwischen dem 2. Mai und der Ankunft der Russen am 12. Mai, durfte Dunand die Flagge des Roten Kreuzes über Theresienstadt hissen’', doch das Ghetto war der Gefahr der Evakuierung und sogar Liquidierung nur entgangen, um durch Überfüllung in neue, große Gefahr zu geraten. Seit dem 20. April waren nicht weniger als 12863 Men- schen, meistens Juden, aus Buchenwald, Dachau, Ohrdruf, Rehms- dorf und anderen Lagern dorthin evakuiert worden. Wie viele auf dem Weg umkamen, ist unbekannt**. Dunand reitete zum Beispiel drei Zugladungen, die wochenlang auf der zerstörten Reichsbahn umhergeirrt waren, doch nur 1980 von den 3000 Passagieren, ein Fünftel davon Kinder, blieben am Leben’*. Die Neuankömmlinge, meistens Juden aus Ungarn, Polen und anderen osteuropäischen Ländern, mußten wegen der Typhus- gefahr von den 21000 Lagerinsassen isoliert werden. Unglück- licherweise wurden nur zwei Kasernenblöcke durch einen Draht- verhau als Isolierungslager abgegrenzt, und die Folge war, daß diese Leute die Überzeugung gewannen, daß die bevorzugten, *Nach den eidesstattlichen Aussagen von Wisliceny und Dr. Kastner hatte Eichmann schon im Februar die Liquidierung von Theresienstadt vorgeschlagen. Kurt Gersteins Darstellung, daß er von Hans Günther gefragt wurde, wieviel Zyklon B notwendig wäre, um die ganze Belegschaft im offenen Burggraben der Festung zu vergasen, scheint sich auf ein Datum im Jahre 1944 zu beziehen%. ** Das vielleicht letzte SS-Blutbad ereignete sich Ende April 1945 auf dem Bahnhof in Marienbad, als ein Zug, der ursprünglich 2775 Insassen des Rehmsdorfer Lagers, einer Zweigstelle von Buchenwald, enthalten hatte, bombardiert wurde. Ungefähr 1000 Passa- giere, nichtjüdische politische Gefangene und Juden, flüchteten in die Wälder, wurden aber zur Station zurückgebracht und durch Genickschuß ermordet. Viele andere wurden während des Marsches von Marienbad nach Theresienstadt erschossen, und nur ungefähr 500 kamen schließlich an 2. Die Flucht von Oberstleutnant F. F. E. Yeo-Thomas aus die- sem Zug ist von Bruce Marshall in„The White Rabbit“(London 1952) beschrieben worden. 33% DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG getauften und aus Mischehen kommenden Juden aus der Tsche- choslowakei und dem Reich ihre eigenen Rassenunterschiede machten. Das war der Eindruck, den Meyer Levin hatte, der als Kriegsberichterstatter beide Lager gesehen hatte und den There- sienstädter isolierungsblock nicht besser als das„Kleine Lager“ in Buchenwald beurteilte”*. Wir kommen nun zum Fall Mauthausen, wo der erste Rote-Kreuz- Delegierte am 23. April zugelassen wurde. Mit seiner durch jüdi- sche Deportierte vom„Südostwall” vermehrten Belegschaft war dies immer noch das Schreckenslager par excellence, geleitet von dem Lagerschreck Ziereis mit dem Kindergesicht, der seit 1939 eine Tyrannenherrschaft über sein Königreich ausgeübt hatte. Der Delegierte konnte noch die Arbeitskommandos mit ihren Toten ins Lager zurückkehren und die Schornsteine des Krematoriums Tag und Nacht rauchen sehen. Dies waren seine eigenen Worte: „Quelque chose de mysterieux et d’horrible planait sur tout.” Die 134 französischen Internierten wurden jedoch auf sein Ansuchen freigegeben”°. Der zweite Delegierte— wie sehr ist die Anonymität dieser Rote- Kreuz-Berichte zu bedauern*!— mußte mehrere Tage in St. Geor- gen verbringen, bevor er sich einen Weg ins Lager erzwingen und einen SS-Untersturmführer überreden konnte, ein Zimmer mit ihm zu teilen. Von diesem Mann erfuhr er von Ziereis' Plan, die Insassen in der unterirdischen Flugzeugfabrik in Gusen zu ver- sammeln und dort in die Luft zu sprengen. Ziereis wurde schließ- lich davon abgebracht und verließ den Ort ruhig, nachdem er den Schlüssel zu seinem Prachthaus in den Händen des Delegier- ten zurückgelassen hatte. Am 8. Mai, als Pattons Truppen das Lager betraten, wurde Ziereis innerhalb des Lagers gefunden und durch einen Bauchschuß verwundet. Das Geständnis, das er vor seinem Tode machte und das von einem Lagerinsassen in An- wesenheit eines amerikanischen Offiziers, der nicht Deutsch ver- stand, niedergeschrieben wurde, ist nicht sehr verläßlich. Es be- zeichnete Kaltenbrunner als den Urheber des Gusen-Plans”*. Außerdem sagte Becher aus, daß Ziereis ihm am 27. April gesagt hätte, er hätte Befehl, wenigstens 1000 Internierte täglich zu töten”. Kaltenbrunner vergalt dies mit der Aussage seines eige- * F. von Gagern zufolge(„Der Retter von Mauthausen”, Wien 1950) war der Name die- ses Delegierten Haeflinger. 538 sjegzeHNT nen„Bü Mauthat Diese Br allzu We hausen, 35. Apri wurden, die in d Dieser L Legende Himmle lend im daß die sein We halten. I für die| testierte stand, o wo unfe Am 20. mit der ihm zuc Kreuzes spreche: sen übe kein De reichen Ein Delk erfuhr außerh: Wisto: Waren, schen F brachte Höss we lich, ge sichtigt, einen A gleicher LOSUNG SIEBZEHNTES KAPITEL 3. HIMMLER BRICHT SEIN WORT I nen„Bürowerkzeugs” Willi Höttl, daß er Ziereis befohlen hätte, i Ss Mauthausen den Amerikanern so zu übergeben, wie es stand’®. er als T Diese Beschuldigungen und Gegenbeschuldigungen führen nicht here. allzu weit. Wichtiger ist, daß Theresienstadt, Dachau und Maut- Lager" hausen, die in dem Teil des Reiches lagen, welcher nach dem I) 25. April von Berlin abgeschnitten war, unangetastet übergeben Kreuz. wurden, während Ravensbrück, Oranienburg und Sachsenhausen, h jüdi- die in der Berliner Zone lagen, zum Großteil evakuiert wurden. t war Dieser Umstand untergräbt sicherlich die Himmler-Kaltenbrunner- tet von Legende, wie sie von Schellenberg und Becher aufgebaut wurde. 11939 Himmler hatte zu große Angst vor Hitler— sogar als dieser brül- te. Der lend im Reichskanzlei-Bunker raste— und auch zu große Angst, ten ins daß die Russen eine neue Belsen-Sensation schaffen könnten, um ms Tag sein Wort an das Rote Kreuz und den Jüdischen Weltkongreß zu Worte: halten. Höss, der während dieser letzten Tage Generalinspekteur Jr." Die für die Lager war, sagte aus, daß sogar, als er und Müller pro- suchen testierten, Himmler auf der Evakuierung von Sachsenhausen be- stand, obwohl man keine Möglichkeit hatte, die Insassen anders- 'r Rote- wo unterzubringen— es sei denn in den Wäldern”°. Geor- Am 20. versuchte ein Vertreter der Mission Prof. Burckhardts, Müller wingen mit der Aussicht in Versuchung zu bringen, daß die Alliierten es ner mit ihm zugute halten würden, wenn er— unter Aufsicht des Roten Ion, die Kreuzes— Sachsenhausen, Oranienburg und Ravensbrück ent- ZU ver- sprechend dem Burckhardt-Kaltenbrunner-Abkommen den Rus- schließ- sen übergeben würde. Müller widersprach mit dem Hinweis, daß dem er kein Delegierter des Roten Kreuzes Oranienburg rechtzeitig er- legier- reichen könnte, da die Russen nur 10 Kilometer entfernt seien®. en das Ein Delegierter begab sich trotzdem am folgenden Morgen hin, Jen und erfuhr jedoch nach stundenlangem Warten in Höss’ Kanzlei er vor außerhalb des Lagers, daß die Internierten in die Richtung nach in An- Witistock, ungefähr 90 Kilometer nordwestlich, getrieben worden ch ver- waren. Es war nicht zu spät für die Lastkraftwagen des schwedi- be schen Roten Kreuzes, die der Kolonne einige Nahrungsmittel lans®. brachten und die Kranken zu den alliierten Linien schafften.| Höss war inzwischen nach Ravensbrück, 45 Kilometer weiter nörd- N ag lich, gegangen, und hier war offensichtlich eine Teufelei beab- ich z sichtigt. Doch der Delegierte, der am 23. ankam, erfuhr, daß Höss ee einen Autounfall gehabt hatte— sehr zur rechten Zeit, denn am Name die: gleichen Tage drangen die Russen in Ost-Berlin ein. Höss wurde 539 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG erst am 12. März 1946 wiedergefunden, als er in der Verkleidung eines landwirtschaftlichen Arbeiters namens Franz Lange in Schleswig verhaftet wurde. An Stelle von Höss sprach der Dele- gierte mit dem berüchtigten Suhren, dem Kommandanten von Ravensbrück, von dem er erfuhr, daß es sich insgesamt um 17000 Frauen handle. Nach dem letzten Versprechen, das Graf Bernadotie von Himmler erhalten hatte®', wären die 1500 Kran- ken unter dem Schutz des Roten Kreuzes an Ort und Stelle ge- blieben; die Skandinavier sollten in Kraftwagen des Schwedischen Roten Kreuzes weggeschafft und der Rest mit der Eisenbahn nach Malchow evakuiert werden. Die Ostjüdinnen aber, das heißt mei- stens polnische und ungarische Jüdinnen, würden die 60 Kilometer zu Fuß zurücklegen%., Im letzten Augenblick erhielten die schwedischen Lastkraftwagen Erlaubnis, 7000 polnische Jüdinnen nach Flensburg zu bringen. Es scheint, daß Karl Gebhardt, der Direktor der Anstalt in Hohen- Iychen, den Himmler an die Spitze des Deutschen Roten Kreuzes gestellt hatte, dies möglich machen konnte, nachdem Dr. Grawitz, der„Reichsarzt SS”, Selbstmord begangen hatte®?. Nun begannen drei vollkommen sinnlose Märsche von hungern- den Männern und Frauen in die Richtung des letzten Zipfels des schrumpfenden Reiches, wo die Gefangenenwärter Sicherheit vor den Russen zu finden glaubten. Die Geschichte von Suhrens Auto- fahrt mit Odette Churchill, die ihm als Geisel diente, ist nach dem Krieg in der ganzen Welt bekanntgeworden. Weniger bekannt ist seine Bemerkung zu dem Rote-Kreuz-Delegierten, der dem Kommandanten von Sachsenhausen, Kaindl, Vorwürfe wegen der Leichen machte, die überall liegen blieben, wohin ihn der Marsch geführt hatte:„Bei mir passiert nichts.“ Es scheint, daß Höss am 24.,knapp vor Toresschluß, Weisungen gab, daß Frauen, die zurückblieben, nicht erschossen werden sollten. Die Versuchung muß groß gewesen sein. Einer der Aufseher wäh- rend des Oranienburger Marsches glaubte, den Kranken durch Erschießen einen Dienst zu erweisen. Ein anderer konnte nur mit Mühe davon abgehalten werden, neun Männer, die unter einer Decke lagen, aus der Welt zu schaffen.„Ich kann sie nicht nur so im Graben liegen lassen.” Als die Helfer des Roten Kreuzes die Nachzügler auflasen, baten diese, wie sie es gewöhnt waren, flehentlich darum, nicht getötet zu werden. Gewohnheit stirbt im 540 siepzeHNT 55-Staat ger deu! eines 5 wurde,' jitt an€ gegesse Am 30. Straßen tot, und 4. Uhr a auf ihre schem T hafteste „VG Der„N hatten ı am 30. jüdische vier bis die Rea Jahre lc hatte, v hängig: * Aussage darauf hii und Raveı der Überl von Höss die man| dem 26. ı Kreuz ein konnte, ir reichte,( fogenbos: von der‘ einschließ Nach Bere 36 NDLOSUNG "kleidung Ange in der Dale. Inten von samt um das Graf 500 Kran- Stelle ge- Wedischen ahn nach heißt mei- Kilometer raftwagen ringen. Es in Hohen- n Kreuzes . Grawitz, - ipfels des jerheit vor rens Auto- nach dem 'r bekannt der dem wegen der ler Marsch ıngengab, en sollten. ‚eher wäh- ken durch ıte nur mit ınter einer , nicht nur n Kreuzes hnt waren, it stirbt im SIEBZEHNTES KAPITEL 4. GOTTERDÄMMERUNG SS-Staate langsam... Vielleicht die denkwürdigste Szene in die- ser deutschen Bilderreihe bot sich jedoch am 28., als die Frau eines SS-Offiziers von Ravensbrück in einem Wagen gesehen wurde, der von sechs weiblichen Skeletten gezogen wurde. Sie litt an einer Magenverstimmung, nachdem sie zu viele Rosinen gegessen hatte*®%. 4. Götterdämmerung Am 30. April, als die letzten Opfer der Endlösung noch in den Straßengräben von Mecklenburg im Todeskrampf lagen, war Hitler tot, und die Russen hatten fast ganz Berlin in ihren Händen. Um 4 Uhr am Nachmittag zuvor hatte Hitlers Sekretärin Frau Junge auf ihrer Schreibmaschine die letzten Worte von Hitlers politi- schem Testament getippt— und damit das endgültige und grauen- hafteste Eingeständnis seiner Niederlage®: „Vor allem verpflichte ich die Führung der Nation und deren Gefolgschaft zur peinlichen Einhaltung der Rassengesetze und zum unbarmherzigen Widerstand gegen den Weltver- gifter aller Völker, das internationale Judentum.“ Der„Weltvergifter“ hat Hitler überlebt, und die Rassengesetze hatten ihr Ziel nicht erreicht. Der Krieg hatte nicht— wie Hitler am 30. Januar 1939 vorausgesagt hatte—„die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa“ gebracht(siehe$. 26). Der Tod von vier bis fünf Millionen Juden hatte nicht einmal vor Hitler selbst die Realität seiner Niederlage verborgen, und wenn er noch drei Jahre länger gelebt hätte, hätte er erfahren, daß er das ermöglicht hatte, was ihm am stärksten gegen den Strich ging: einen unab- hängigen jüdischen Staat. * Aussagen während des von den Russen abgehaltenen Sachsenhausen-Prozesses weisen darauf hin, daß Himmler befohlen hatte, die Insassen von Sachsenhausen, Oranienburg und Ravensbrück von Lübeck nach Norwegen einzuschiffen— wie es tatsächlich im Falle der Überlebenden von Neuvengamme getan wurde. Trotz des angeblichen Widerspruches von Höss wurden am 20. und 21. April die 650 Überlebenden von Sachsenhausen, die man für marschunfähig hielt, in die Richtung nach Lübeck fortgetrieben. Zwischen dem 26. und 29. wurden sie im Belower Wald aufgehalten, wo das Schwedische Rote Kreuz einige Hundert Invaliden retten und den Mord an den anderen verhindern konnte, indem es der Gruppe folgte, die am 3. Mai die Linien der Verbündeten er- reichte.(Niederländisches Rotes Kreuz:„Etude sur le sort des prisonniers du Kl. Her- togenbosch 1952.) Ungefähr hundert starben auf dem Marsche, die meisten, weil sie von der SS als Nachzügler erschossen wurden. Der größere Teil von Sachsenhausen, einschließlich aller Juden, war jedoch an andere Orte evakuiert worden, besonders nach Bergen-Belsen. 36 541 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG Eines bleibt jetzt übrig: zu verfolgen, welches Schicksal einige der Baumeister der Endlösung inmitten der zusammenkrachenden Trümmer des Tausendjährigen Reiches erwartete. Der erste von ihnen, bis zum letzten Atemzuge die Karikatur eines Mannes, ist der„Reichsführer“” und zweite Mann im Staat, Heinrich Himmler. Am Morgen des 28. April veröffentlichte die englische Presse eine Reuter-Meldung aus San Francisco, wonach Himmler durch Ver- mittlung des Grafen Bernadotte den westlichen Verbündeten die bedingungslose Übergabe angeboten hatte. Das Angebot war tatsächlich am 24. April im Keller des schwedischen Konsulats in Lübeck gemacht worden®&. Die Enthüllung war für Himmler des- halb besonders unglückselig, weil sie seine unvorsichtigen Reden ans Tageslicht brachte. Es wurde von ihm behauptet, daß er ge- sagt hätte, Hitler läge infolge einer Gehirnblutung im Sterben, und der Widerstand Deutschlands würde seinen Tod nicht um 48 Stunden überdauern. Hitler hatte bereits beschlossen, seinem Leben ein Ende zu setzen, als der Bericht in den Bunker gebracht wurde. Er strich daher un- verzüglich Himmler aus der Liste seiner Nachfolger, genauso wie er es fünf Tage zuvor mit Göring getan hatte. Bevor er aber sein Testament machte, gab Hitler dem neuen Oberbefehlshaber der Luftwaffe, Ritter von Greim, Befehl, Himmler zu verhaften und hinzurichten 7. Von all dem war Himmler nichts bekannt; in der Zuversicht, daß nur er Hitlers Nachfolger sein könne, hatte er eben sein Hauptquartier nach Plön in Schleswig verlegt, wo Groß- admiral Dönitz ihm seine Unterstützung versprochen hatte. Am 30. erfuhr Dönitz, daß der nun tote Hitler ihn zum Reichs- präsidenten und Oberbefehlshaber der Wehrmachternannt hatte— mit einer Regierungsliste, die Himmler ausschloß. Dönitz verlegte daraufhin sein Hauptquartier nach Flensburg, von wo aus er bin- nen zwei Tagen Friedensverhandlungen begann. Himmler selbst war immer noch von einem Stab von 150 Mitgliedern der SS-Ver- waltungsdienste umgeben, darunter berüchtigten Polizeigenerä- len, die nicht ins Versteck gegangen waren, weil sie sich merk- würdigerweise nicht dessen bewußt waren, daß sie als Verbrecher gesucht wurden. Otto Ohlendorf war dort, der die Massenmorde in Podolien und auf der Krim organisiert hatte, Maximilian von Herff, der an der Vernichtung des Warschauer Ghettos mitbe- teiligt war, Udo von Woyrsch, der die ersten Polizei-Einsatzgrup- 542 siggzeHNTE pen bei im Jahre und weil macht wi Inmitten schein VO len und in aller lautlos V nach der Dönitz V alter SS-I rannte k Heide, ni der britis Währen« kannt, dı nicht vei kapsel z daß eine in Aussic Leiter de gener in der SS e schied, c würde, Die Tokk wurde u aussieht, samen, Worfene Weniger kleinlich freundlis stellung, hinstellt Himmleı War Hir irrbarer 36* esse eine Urch Ver- Jeten die 2bot war nsulats in mler des- en Reden ıB er ge- Sterben, nicht um U setzen, Jaher un- auso wie aber sein aber der fen und 1t; in der hatte er vo Groß- itte, n Reichs- ıthatte— verlegte ys er bin- ler selbst r 5S-Ver- aigenerö- ch merk- arbrecher enmorde ilian von 5 mitbe- satzgrup- SIEBZEHNTES KAPITEL 4. GOTTERDAMMERUNG pen bei der Invasion von Polen geführt hatte, und Prützmann, der im Jahre 1942 Himmler mit unglaublichen Listen von ukrainischen und weißrussischen Juden, die zu Hunderttausenden niederge- macht wurden, ergötzt hatte®. Inmitten dieser greulichen Gespenster hielt Himmler allen An- schein von Macht aufrecht— mit Stabsbesprechungen, Tagesbefeh- len und amtlichen Berichten. Am 6. Mai enthob ihn Dönitz dann in aller Form seiner Ämter, und die Gespenster verschwanden lautlos von der Bühne®?. Am 23. Mai schließlich, zwei Wochen nach der Kapitulation des Reiches, wurde die ganze Regierung Dönitz von den Alliierten verhaftet, und ein schäbiger, 44 Jahre alter SS-Mann ohne Rang, mit einem Verband über einem Auge, rannte blindlings in einen Kontrollposten auf der Lüneburger Heide, nicht weiter als ein paar hundert Meter vom Hauptquartier der britischen Zweiten Armee entfernt. Während der üblichen Untersuchung wurde Himmler schnell er- kannt, doch die Soldaten, denen das gelungen war, konnten es nicht verhindern, daß des Reichsführers Zähne die Blausäure- kapsel zerbissen, die in seinem Munde verborgen war. Es scheint, daß eines von Himmlers Gespenstern ein edleres Ende für ihn in Aussicht gehabt hatte. Am 9. Mai hatte Ohlendorf, der frühere Leiter der Massenausrottungen, Himmler gebeten, sich als Gefan- gener in die Hände der Alliierten zu begeben, damit er die Rolle der SS erklären und verteidigen könnte”; Himmler jedoch ent- schied, daß nicht er die Person sein sollte, der diese Ehre zufallen würde. Die Totenmaske, die auf der Lüneburger Heide abgenommen wurde und die wie ein grinsender, mittelalterlicher Wasserspeier aussieht, gab all jenen Genugtuung, die das Bild eines unbeug- samen, hartherzigen Mörders von Millionen von Juden und unter- worfenen Völkern suchten. Spätere Einschätzungen haben ein weniger übereinstimmendes Bild ergeben. War Himmler der kleinliche Sparmeister, wie ihn Oswald Pohl beschrieben hat, der freundliche Irrsinnige und Berufsinvalide in Felix Kerstens Dar- stellung, das bedeutungslose Werkzeug, als das ihn Willi Höftl hinstellt, oder der wiedergeborene Dschingis-Khan, als den sich Himmler selbst in seiner Posener Rede im Oktober 1943 schilderte? War Himmler eine einfachere Natur, ein beispielhafter und unbe- irrbarer Gefolgsmann, der zusammenbrach, als das Band, das ihn 543 36* DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG hielt, zerstört wurde— wie Trevor-Roper ihn sah? Man muß an- nehmen, daß Himmler keiner dieser Personen gleichkam, doch ein wenig von jeder von ihnen gehabt haben mag. In Graf Cianos Augen war er„der einzige Mann, der wirklich den Puls des deut- schen Volkes fühlte”?!— und dies könnte sowohl die Beliebtheit als auch die Lächerlichkeit des körperlich nicht anziehenden „Reichsheini” erklären. Denn Himmler war so durch und durch deutsch und Mittelklasse, daß er all die Fehler und die Vorzüge eines Deutschen aus der Mittelklasse in sich vereinigte. Weit mehr als Hitler verkörperte er den Durchschnittsmann, von dem immer noch angenommen wird, daß er der Herrscher dieses unglück- seligen Jahrhunderts sei. Himmler konnte daher weder lügen noch seiner Einbildungskraft freien Lauf lassen, ohne sich lächerlich zu machen. Selbst fähig, die meisten Dinge, die er glauben wollte, zu glauben, erwartete er nicht, daß sie die Leichtgläubigkeit an- derer auf die Probe stellen könnten— und dies ist eine Schwäche, an welcher die Deutschen vielleicht mehr leiden als andere Völker. Hier— als Beispiel— ist die Art, in welcher Himmler Dr. Masur auseinandersetzte, warum man Krematorien und Ghettos ge- braucht hatte: „Dann brachte uns der Krieg in Berührung mit den proletari- sierten jüdischen Massen des Ostens, und dadurch entstanden ganz neue Probleme. Wir konnten einen solchen Feind nicht in unserem Rücken dulden. Die jüdischen Massen waren durch schwere Seuchen infiziert, besonders Flecktyphus herrschte. Ich selbst habe Tausende von meinen besten SS-Leuten durch diese Epidemien verloren. Und die Juden halfen den Parti- sanen.” Auf Masurs Frage:„Wie konnten die Juden den Partisanen helfen, wenn die Deutschen sie in großen Ghettos konzentriert hatten?”, antwortete Himmler: „Sie leiteten Nachrichten an die Partisanen weiter. Außerdem schossen sie auf unsere Truppen im Ghetto. Um den Seuchen ein Ende zu bereiten, waren wir gezwungen, die Leichen einer nicht festzustellenden Anzahl von Menschen, die der Krankheit erlegen waren, zu verbrennen. Wir mußten daher die Krematorien bauen, und deshalb wird für uns die Henkers- schlinge vorbereitet 2.” Mehr im Dunkeln liegen die letzten Abenteuer Ernst Kaltenbrun- 544 sggzeHNT! ners, der war. W. dem Na ober GE Himmler sein Lag hauptefe und bea stadt zu sache, d heitsdier noch be sollte. Dulles ir zu setze verlegte einem€ Vorstelli abschlie schätze borgen InAlt-A schaft vi mierung dos, die kompro, wurde z Sich ans ceny ZU Septem! heimat Ob das immer ı bergen ner nich Schneid Aussee ders Fr. Nachw- In muß an- kam, doch Taf Cianos S des deut Beliebtheit IZiehenden und durch e Vorzüge Weit mehr dem immer °S Unglück- lügen noch cherlich zu ven wollte, bigkeit an- ‚Schwäche, ere Völker, Dr. Masur hettos ge- - entstanden Feind nicht 'aren durch herrschte. uten durch den Partı- nen helfen, + hatten?” Außerdem an Seuchen lie Leichen N, die der ten daher eHenkers- altenbrun- SIEBZEHNTES KAPITEL 4. GOTTERDAMMERUNG ners, der im letzten Amtsjahr des„Reichsführers SS“ dessen Rivale war. War nicht dieser wollüstige und reizbare Österreicher mit dem Narbengesicht, dessen Geschäft Mord, dessen Leidenschaft aber Geheimdiplomatie war, eine geheimnisvollere Person als Himmler? Kaltenbrunner scheint Berlin am 19. April verlassen und sein Lager in Innsbruck in Tirol aufgeschlagen zu haben. Er be- hauptete, er hätte einen Vertreter Prof. Burckhardts treffen sollen und beabsichtigt, auf seinem Wege die Insassen von Theresien- stadt zu befreien— alles das ändert jedoch nichts an der Tat- sache, daß er von Berlin geschickt worden war, um den Sicher- heitsdienst im Süden zu übernehmen, wo, wie zu jener Zeit immer noch beabsichtigt war, der letzte Widerstand geleistet werden sollte?. Nach Willi Höttls Darstellung wollte Kaltenbrunner Allan Dulles in Zürich treffen, um dem unnützen Blutvergießen ein Ende zu setzen”%. Wie immer dem sei, Kaltenbrunner blieb in Tirol und verlegte nach Hitlers Tod sein Hauptquartier nach Alt-Aussee in einem einsamen Tale des Salzkammergutes. Er scheint eine wirre Vorstellung gehabt zu haben, daß er mit den Briten ein Geschäft abschließen könnte, wenn er ihnen verraten würde, daß Kunst- schätze und andere große Werte in einem Salzbergwerk ver- borgen waren”®. In Alt-Aussee war Kaltenbrunner in der unangenehmen Nachbar- schaft von SS-Standartenführer Blobel, dem Fachmann für Exhu- mierungen”, und der meisten Mitglieder des Eichmann-Komman- dos, die sich von Prag nach hier durchgeschlagen hatten. Diese kompromittierenden Gefährten wies er alle von sich. Eichmann wurde zum letzten Mal von Wisliceny am 5. Mai gesehen, als er sich anschickte, mit seinen Leuten„den Maquis zu folgen“. Wisli- ceny zufolge hatte Eichmann diesen Plan mit Blobel schon im September besprochen und ihm die Berge im Süden seiner Jugend- heimat Linz beschrieben, die er so gut zu kennen behauptete”. Ob das Salzkammergut Eichmann und ein halbes Dutzend seiner immer noch spurlos verschwundenen Gehilfen für immer ver- bergen kann, muß sehr bezweifelt werden. Es konnte Kaltenbrun- ner nicht verbergen, der einige Tage später mit seinem Adjutanten Schneider von einer amerikanischen Patrouille ganz nahe bei Alt- Aussee aufgelesen wurde, nachdem ihr Aufenthaltsort von Schnei- ders Frau verraten worden war. In einem„Mai 1953“ datierten Nachwort zu der englischen Übersetzung seines Buches behauptet 545 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG der geschwätzige Willi Höttl, er wisse von einigen späteren Aben- teuern Eichmanns, welcher, wie er sagt, Alt-Aussee in Gesellschaft des Führers der rumänischen„Eisernen Garde”, Horia Simas, ver- ließ. Einige Wochen später sei Eichmann von einer amerikani- schen Patrouille aufgelesen und als SS-Untersturmführer Otto Eckmann interniert worden. Nachdem Wisliceny im November 1945 in Nürnberg gegen ihn ausgesagt hatte, sei dieser aus dem Lager geflüchtet und seither nie wieder aufgefunden worden. Wie gewöhnlich unterläßt Hött! jede Quellenangabe. Angesichts sei- ner ganzen Vergangenheit kann man ihm keine Glaubwürdigkeit zubilligen. Als der Krieg zu Ende ging, wußten die Untersuchungsgruppen der Alliierten nur wenig von den Einzelheiten und Methoden des Endlösungs-Programms. Müller, Pohl, Eichmann und Globocnik waren bloße Namen, mitwelchen man nichtviel anfangen konnte. Und gerade weil der erste Alarm so laut war, vermochten die Schuldigen sich zu verbergen. Deshalb konnten— abgesehen von Höss, der bis zum März 1946 verborgen war— Oswald Pohl und sein Gehilfe Gerhard Maurer, der die Aufzeichnungen über die Auschwitzer Selektionen führte, erst im Frühjahr 1947 gefunden werden. Diese Männer verschafften sich falsche Ausweispapiere und konnten eine lange Zeit dadurch der Aufmerksamkeit ent- gehen, daß sie als Hilfsarbeiter Beschäftigung fanden. Diese Me- thode ist unzweifelhaft besser als die Flucht in die Berge, obwohl sie weniger romantisch ist. Was diese betrifft, waren die Kara- wanken, südlich von Klagenfurt, die beliebteste unter diesen ver- meintlichen Zufluchtsstätten. Noch einige Wochen nach der Kapi- tulation trieben sich dort bewaffnete Banden jeder Art von Achsen- Kollaborateuren herum, doch schließlich gaben sie auf, als bri- tische Patrouillen erschienen. Es war eine von diesen, die Anfang Juni Odilo Globocnik entdeckte, der jedoch den gleichen Ausweg aus der Situation fand wie sein Meister Himmler(siehe S. 405). Das Schicksal Heinrich Müllers, des Leiters der Gestapo, ist Ge- genstand der allermerkwürdigsten Spekulationen. Am 28. April war er in Hitlers Bunker, wo er General Fegelein?®, Eva Brauns Schwager, den Hitler hinrichten ließ, vernahm. Willi Hött! zufolge verließ Müller den Bunker in Begleitung eines gewissen Kriminal- rates Scholz, den er verwendet hatte, um gefälschte Berichte auf von russischen Spionen erbeuteten Kurzwellensendern zu senden. 546 sjepzeHNT Man gla hatte, g Gerücht same ar ist der| wurde.| gewesel des russ Nach d sozialis! schwärz ren, Uni yoneinc von Au: trations gen be: bar zur konnter blieben und unt blieb, ii Sklaver waren( schen$ Rumäni des An und Pal Großd: Für sie Karlshe wahr, s den au zufällic tel, ohr — wie jedes N Als füd DLOSUNg N Aben. ellschaf Nas, Ver. nerikani- er OHo Ovember aus den Jen. Wie ichts sei- ürdigkeit Oruppen den des lobocnik 1 konnte, hten die hen von Pohl und über die jefunden spapiere keit ent- iese Me- ‚ obwohl ie Kara- ssen VEr- ler Kapı- Achsen- ‚ als bri- Anfang Ausweg 405). , ist Ge: 98. April a Brauns | zufolge Kriminal- ichte auf ı senden. SIEBZEHNTES KAPITEL 4. GOTTERDAMMERUNG Man glaubte, daß Müller diese Sender seit Monaten dazu benützt hatte, gute Verbindungen in Moskau herzustellen. Hartnäckige Gerüchte sagen heute, daß er für die Russen tätig sei. Das Selt- same an dieser rücksichtslosesten unter allen SS-Persönlichkeiten ist der Umstand, daß er erst im Jahre 1939 ein Nationalsozialist wurde. Er war ein Berufsbeamter in der bayrischen Staatspolizei gewesen und hatte Heydrichs Aufmerksamkeit durch sein Studium des russischen Polizeisystems erregt”. Nach dem 8. Mai 1945 ähnelte das ganze System der national- sozialistischen Herrschaft einem Gewirr von verkohlten, ge- schwärzten, durchnäßten und übelriechenden verbrannten Spar- ren, unter welchen Verfolger und Verfolgte, nicht mehr deutlich voneinander unterscheidbar, wimmelten. In dieser Riesenhorde von Ausländern, die aus Kriegsgefangenen, Insassen der Konzen- trationslager, Freiwilligen und Zwangsarbeitern sowie Flüchtlin- gen bestand, war ein allen gemeinsamer Trieb, aus diesem offen- bar zur Vernichtung verurteilten Hause zu fliehen; doch nicht alle konnten diesem Trieb folgen. Da waren diejenigen, die zurück- blieben, weil es für sie keinen Platz gab, wohin sie gehen konnten, und unter diesen war eine Gruppe, die Monate und sogar Jahre blieb, in manchen Fällen in den gleichen Lagern, in welchen sie Sklaven gewesen und wo ihre Familien gestorben waren. Dies waren die Überlebenden der Endlösung aus Polen und den balti- schen Staaten und in einem geringeren Ausmaß aus Ungarn und Rumänien. Noch im April 1946 befanden sich nach der Schätzung des Anglo-Amerikanischen Komitees für die europäischen Juden und Palästina 87 000 von ihnen auf dem Gebiete des ehemaligen Großdeutschen Reiches!%. Für sie hatten die Waffenstillstandsabkommen von Reims und Karlshorst nicht die Türe zu einem neuen Leben geöffnet. Es ist wahr, sie starben nicht mehr an Hunger und Typhus, und sie wur- den auch nicht mehr ins Krematorium geschickt, wenn ihre Nase zufällig nicht gefiel. Doch sie waren ohne Angehörige, ohne Mit- tel, ohne Land. Sie lebten unter den Besiegten, welche die Rasse — wie es sie vierzehn Jahre lang gelehrt worden war— für jedes Mißgeschick verantwortlich machten, das sie befallen hatte. Als jüdische Heimatvertriebene wurden sie außerdem verwünscht, 547 DIE ENDLOSUNG DIE DURCHFUHRUNG DER ENDLOSUNG weil sie Vorzugsrationen erhielten und weil sie Schmuggel und Schwarzhandel betrieben, woran sie sich hatten gewöhnen müs- sen, um in den Ghettos am Leben bleiben zu können. Für die jüdischen Vertriebenen war die Lehre der Jahre 194548 die gleiche, die vor den Überlebenden des Warschauer Ghettos im Jahre 1943 stand. Es war nicht länger möglich, der Zukunft mit der uralten Resignation des Ostens entgegenzusehen. Nur wenn Entbehrungen und Zugehörigkeitsgefühl als Mittel zu einem neuen Zweck benützt wurden, konnte das Leben ertragen werden. In den Prüfungen einer neuerschaffenen Nation, und nicht in den tech- nisch vollendetsten Einrichtungen von Birkenau liegt die Endlösung des jüdischen Problems. 548 Die Lei der sie über sie auch nt Dutzen sproche können Wievie chem GC Wie we schwer leien di senmor istesm mit alle niemal: sowenik dino— Ihre Sp Protest gische| diese q hielt? Andere len. Sin ist, das Zurückz zes, da Quserle NDLOSUNg 9gel und nen müs- 195g Epilog " Ghettos 'kunft mit \ur Wenn -M neuen n. In den den tech- ndlösung Die Leichenschau ist vorbei, aber es ist nicht die Aufgabe dessen, der sie durchgeführt hat, die Schuldigen zu finden oder ein Urteil über sie zu fällen. Trotzdem wird der Leser, der die Geduld hatte, auch nur einem Bruchteil dieses düsteren Berichtes zu folgen, sich Dutzende Fragen gestellt haben, und einige davon müssen be- sprochen werden, auch wenn sie nicht beantwortet werden können. Wieviel wußte der einfache Mann in Deutschland, und bis zu wel- chem Grade fühlte er, daß dies auch seine Angelegenheit war? Wie war es möglich, daß so viele Hunderte und sogar Tausende schwerarbeitender Beamter allerDienststufen täglich in ihren Kanz- leien den nicht mißzuverstehenden Schriftwechsel über den Ras- senmord vorbereiteten, abschrieben oder weiterleiteten® Und wie ist es möglich gewesen, da wir doch sahen, daß jedes Ministerium mit allen andern Ministerien ständig im Kampf lag und daß Hitler niemals wirklich wußte, was dort eigentlich vorging— eben- sowenig wie Tolstois Generäle während der Schlacht von Boro- dino—, daß nicht ein einziger der rechtschaffenen Männer, die ihre Sprüchlein in Nürnberg aufsagten, einen einzigen aktiven Protest wagte? Wie kam es, daß nichts anderes als der patholo- gische Haß von Hitler und einigen wenigen seiner Spießgesellen diese große Maschinerie mehr als drei Jahre lang in Bewegung hielt? Andere werden noch gewichtigere Fragen über die Zukunft stel- len. Sind die Deutschen das einzige Volk in der Welt, das fähig ist, das Rad der Geschichte zu den Uranfängen der Menschheit zurückzudrehen? Ist es nicht im Gegenteil das Zeitalter als Gan- zes, das sich in diese Richtung bewegt? Ist die Beseitigung von auserlesenen Opfern etwas, das geradezu in der Natur des über- 549 DIE ENDLOSUNG mächtigen modernen„demokratischen“ Staates verborgen liegt? Kann es wieder geschehen, und kann es in andern Ländern ge- schehen? Es mag lange dauern, bevor wir die Antwort auf diese Fragen kennen, die wie ein roter Faden durch dieses„Postmortem“ über die Endlösung laufen. Es ist schwer, zu glauben, daß es in Deutschland oder im deutsch- besetzten Teil Europas einen Menschen gab, der im Vollbesitz seiner geistigen Kräfte war und während der letzten zwei Jahre des Krieges nicht wußte, daß die meisten Juden verschwunden waren, oder der nicht irgendwo gehört hätte, daß sie erschossen oder vergast worden sind. Ebensowenig nehme ich an, daß es einen Menschen gab, der nicht einen Freund hatte, der jemanden kannte, der ein Massaker gesehen hatte. Mehr als hundert Millio- nen Menschen müssen von diesen Dingen gewußt und über sie im Flüsterton mit andern gesprochen haben, und doch konnten sie nicht den paar Tausenden das Leben sauer machen, die sie aus- führten. Das darf jedoch niemanden überraschen. Hundert Millio- nen Menschen können vor der Geheimpolizei genauso in Angst leben wie ein einzelner Mann. Verhältnisse in einem Polizeistaat dürfen nicht mit den Maßstäben eines Rechtsstaates gemessen werden— aber selbst England hat während des Krieges einige Elemente eines Polizeistaates ent- wickelt. Der Innenminister konnte tatsächlich Personen, deren poli- tische Tätigkeit Verdacht erregte, ohne Anklage oder das Urteil eines Gerichtes in Haft festhalten, und es lag auch in seinem Machtbereich, Zeitungen zu verbieten. Trotz alledem: als ein einzelner Soldat infolge von Mißhandlungen in einem Militär- gefängnis starb, konnte niemand die Sonntagsblätter daran hin- dern, diese Sensation in die Welt zu schreien. Es ist klar, daß die Macht, die die britische Regierung während des Krieges besaß, von der des Reichssicherheitshauptamtes himmelweit entfernt war. Was wäre geschehen, wenn etwa die Presse erfahren hätte, daß Hunderttausende von Menschen, die auf der Isle of Man interniert worden waren, ihr Leben verloren hätten? „Ignoramus“, die Entschuldigung, welche die Kriegsverbrecher und die mitbeschuldigten Zeugen in Nürnberg vorbrachten, hatte das Ergebnis, daß ein Schleier über eine sehr klare Tatsache ge- zogen wurde. In einem Polizeistaat, ob nun nach dem deutschen oder dem russischen Muster, besteht nie ein Zweifel daran, daß 550 es Kon Bestan‘ niemat streckt unbek« Nach© An die von D schicke generc sönlich auslän als er Mense hatte v Vorste rissen Gerich und sy abgeu nicht e Die At tötet d deln, ı kein\ Volk v größe: Himm! zeistai behiel undei digun: Unauf Einer ı geben Wenn tionsla Wir de von N) N liegt? lern ge. uf diese Nortem“ Jeutsch- ollbesitz &i Jahre Wunden chossen daß es manden t Millio- er sie im nten sie sie aus- t Millio- in Angst Bstäben and hat tes ent- ren poli- s Urteil seinem als ein Militär- ran hin- doß die s besaß), entfernt N hätte, of Man rbrecher N, hatte ıche ge- aufschen on, daß EPILOG es Konzentrationslager gibt. Im Gegenteil, sie werden zu einem Bestandteil des täglichen Lebens eines jeden Menschen— aber niemand zeigt Neugierde. Und dieses Fehlen von Neugierde er- streckt sich auf manche der mächtigsten Männer im Staate, die so unbekannt bleiben, weil niemand etwas von ihnen wissen will. Nach außen hin bietet jetzt die Polizei ein sehr anziehendes Bild. An die Stelle der komischen Helme und litzenbedeckten Jacken von Dorfmusikanten sind polierte Stiefel, weiße Hemdkragen, schicke Kappen, viel zu viele Motorräder und viel zu viele Polizei- generäle getreten. All dies bleibt jedoch unerreichbar und unper- sönlich. In all den sieben Jahren seiner Polizeidiktatur wußte die ausländische Presse nichts von Heydrich. Sie entdeckte ihn erst, als er Protektor von Böhmen und Mähren wurde. In der Zeit der Menschenopfer, die sein Prunkbegräbnis im Juni 1942 begleiteten, hatte wahrscheinlich nicht einmal die deutsche Öffentlichkeit eine Vorstellung davon, welche Sorte von Mensch aus ihrer Mitte ge- rissen worden war. Und nach dem Kriege glaubte der Nürnberger Gerichtshof, daß der verachtungswerte Streicher eine bedeutende und symbolische Figur war, die vor den Augen der ganzen Welt abgeurteilt werden sollte, während nach Müller und Eichmann nicht einmal Ausschau gehalten worden war. Die Atmosphäre der Anonymität ist das Schrecklichste dabei. Sie tötet das Vermögen, vernünftig zu denken und anständig zu han- deln, und seizt Furcht an seine Stelle. Es ist wahrscheinlich, daß kein Volk jemals in solcher Angst gelebt hat wie das deutsche Volk während des Krieges. Und je höher der Deutsche stieg, desto größer wurde seine Angst, bis wir schließlich den Fall Heinrich Himmler vor uns haben, der fast durch Zufall zum Haupt des Poli- zeistaates gemacht wurde und den Hitler gerade deshalb bei- behielt, weil er ein von Angst verfolgter Mann war, der denunziert und eingeschüchtert werden konnte. Die kennzeichnende Entschul- digung der Nürnberger Angeklagten zeigt trotz ihrer inneren Unaufrichtigkeit, welche Geistesverfassung unter ihnen herrschte. Einer nach dem andern sagte aus, daß er seinen Posten nicht auf- geben oder sich an einen andern Posten versetzen lassen konnte. Wenn er den Versuch gemacht hätte, wäre er in ein Konzentra- tionslager geschickt oder erschossen worden. Zum Schluß erreichen wir den Gipfel des Widersinns in der Geschichte, die Steengracht von Moyland in Nürnberg vorbrachte. Er erzählte, wie Walter 531 DIE ENDLOSUNG Hewel, Ribbentrops persönlicher Verbindungsoffizier zu Hitler, einen anderen Standpunkt als Goebbels eingenommen hatte. „Wenn Goebbels Hitler von meinen Ansichten erzählt hätte”, sagte Hewel Steengracht,„hätte Hitler nur auf einen Knopf gedrückt, Rattenhuber, das Haupt seines persönlichen Sicherheitsdienstes, gerufen und mich abführen und erschießen lassen.“ Doch vor der Verschwörung gegen Hitler im Juli 1944 war nicht einmal ein einziger der unbedeutendsten Beamten aus der Kriegs- zeit abgeführt und erschossen worden— weder von Rattenhuber noch einem andern der Henker des Kalifen—, und der einzige Staatssekretär, der seinen Weg in ein Konzentrationslager fand, war Martin Luther. Auch dieser wurde nicht durch die SS abser- viert, sondern trotz der Unterstützung, die er von ihr erhielt, da er in ihren Diensten Verrat an seinem Vorgesetzten Ribbentrop ge- plant hatte. Und was Hewel und Rattenhuber betrifft: diese beiden waren an Hitlers muffigem Hofe bis zum letzten Augenblick und wurden von den Russen im gleichen Berliner Keller gefangen. Konnte man von diesen Männern erwarten, daß sie für die Men- schenrechte eintreten würden? Wahrscheinlich waren sie nicht grausamer oder gewissenloser als das ganze deutsche Volk oder, genau genommen, die menschliche Rasse überhaupt; sie schwebten aber in größerer Angst und wußten noch weniger, wie sie sich aus der Schlinge ziehen sollten. Grausamkeit und Sinn- losigkeit waren der Grund, auf dem das System, das ihnen Amt und Würden gebracht hatte, aufgebaut war, und beiden mußten sie ihre Opfer bringen. Nachdem sie einige Jahre an ihren Tischen gesessen hatten, mußten sie eine eigene Sprache voll sinnloser Phrasen erfinden— von„biologisch wertvollem Menschenmate- rial“,„minderwertigem Blut“,„asozialen und arbeitsunwürdigen Typen“ und so weiter—, um ihre Taten vor sich selbst zu ver- bergen. Ebensowenig wie der Bomberpilot sieht der Bürokrat sein Opfer. Es ist möglich, daß Eichmann niemals eine einzige der Millionen jüdischer Leichen sah, von welchen er so prahlerisch sprach und daß Himmler nach dem Erlebnis, das er in Minsk hatte und das von dem Bach-Zelewski beschrieben hat(siehe S. 234), nie wie- der eine Hinrichtung sehen wollte. Der durchschnittliche Deutsche konnte mehr sehen. Besonders gegen Ende des Krieges muß es schwer gewesen sein, jeden Anblick der Leiden zu vermeiden, 532 welche Konzel Leiden: Klein I auf de als de! lange lebend duckt\ Kapos. daß di ten, VO Schuld, Haupt! Esistf ders| menscl schen, und fri dig od Gestal schlag schein! breche sollte ı stützte wurde, er von des Sy Der D Ziyilis Wurde Der D, gen ar Staat, die Re daßdi ten, di bliebe J Hitler, N hatte, "sagte edrückt, Jienstes, ar nicht i Kriegs- enhuber einzige er fand, S abser- It, da er top ge- > beiden ick und gen. lie Men- sie nicht 1e Volk iupt, sie ger, wie nd Sinn- nen Amt mußten ı Tischen innloser jenmate- yürdigen zu ver- n Opfer. Aillionen ach und und das nie wie- Jeutsche muß es rmeiden, EPILOG welchen die in den letzten Rest des Reiches strömenden Opfer der Konzentrationslager ausgesetzt waren. Die Gipfel menschlichen Leidens standen da vor aller Augen. Trotzdem hat Professor Marc Klein beschrieben, wie im Februar 1945 Massen von Deutschen auf den Bahnhöfen mit vollkommener Gleichgültigkeit zusahen, als der Zug von Groß-Rosen nach Buchenwald durchfuhr, eine lange Prozession von offenen Güterwagen, in jedem Hunderte lebender Skelette in verschlissenen Gefängnisschlafanzügen, ge- duckt vor den Gewehren und Gummiknüppeln der SS und der Kapos. Genauso sagte ein norwegischer Zeuge, Hans Capellen, daß die Dachauer Häftlinge, die in München den Schutt abräum- ten, von der Menge verflucht und beschimpft wurden:„Es ist eure Schuld, daß wir bombardiert werden”(Der Prozeß gegen die Haupikriegsverbrecher, Band VI, S. 319, Nürnberg 1947). Es ist falsch, anzunehmen, daß solche Zwischenfälle etwas beson- ders Unnatürliches darstellen. Je näher das Elend von Mit- menschen, desto weniger wird es wahrscheinlich anerkannt. Men- schen, die geprügelt werden, ausgehungert und überarbeitet sind und frieren, bieten keinen erfreulichen Anblick. Ob sie nun schul- dig oder unschuldig sind, es sind schlotternde und finster blickende Gestalten, und sie werden einander einer Kartoffel wegen er- schlagen. Der ehrenhafte Bürger, der sie sah, dachte sich wahr- scheinlich, wie weise Hitler gewesen wäre, als er solche Ver- brecher und Untermenschen einsperrte. Der Durchschnittsdeutsche sollte nicht dafür verurteilt werden, daß er dieses System unter- stützte(denn je mehr er bombardiert und im Felde geschlagen wurde, desto mehr mußte er es unterstützen), sondern dafür, daß er von Anfang an auf die törichten Versprechungen der Urheber des Systems gehört hatte. Der Deutsche von 1933 war eine Art Karikatur der europäischen Zivilisation, die um so leichtfertiger, habgieriger und unkritischer wurde, je mehr materieller Fortschritt die alten Werte untergrub. Der Deutsche von 1933 nahm die Bestechungen und die Bedingun- gen an, doch alles, was er erhielt, war der„Kanonen-statt-Butter”- Staat. Als dies zum Kriege führte, erwartete er immer noch, daß die Rechnung beglichen werden würde. Er glaubte immer noch, daß die kapitalistischen Mächte von billigen Nahrungsmitteln leb- ten, die sie durch die Ausbeutung der Eingeborenen in zurückge- bliebenen Erdteilen erhielten, während das arme Deutschland ein- 553 DIE ENDLOSUNG gekreist und blockiert war. So kam es, daß die gefährlichen Män- ner, die keinen Gedanken zu Ende denken, wirklich glaubten, daß sie die Einschränkungen, die der Krieg mit sich brachte, gutmachen könnten, indem sie die Besiegten ausplünderten und versklavten und indem sie einen Teil von ihnen ermordeten, so daß es schließ- lich die Toten von Auschwitz waren, von welchen die Perücken, Augengläser und falschen Zähne kamen, die man heute vom Wohlfahrtsstaat erwartet. Das Verhalten des durchschnittlichen Deutschen in der Vergangen- heit bietet keinen Grund für die Annahme, daß solche Dinge sich nicht wieder ereignen können oder daß es in der gegenwärtigen Politik der Westmächte gegenüber Deutschland nichts gibt, was einem neuen Diktat-Märchen, einem neuen Kreuzzug von Rache und Rassenhaß Nahrung geben könnte. Und doch, in einem Zeit- alter, das jede moralische und wirtschaftliche Überzeugung in lächerlichen Unsinn verwandelt sah, glauben wir immer noch an die Macht der Vernunft, als ob es die Französische Revolution niemals gegeben hätte. Die Stimmung von Nürnberg ist verflogen. Männer, deren Ver- halten oft weit schlimmer war als das der meisten, die schuldig befunden und gehängt wurden, sind am Leben und in Freiheit; andere wurden nach und nach aus dem Gefängnis entlassen— in der unklaren Vorstellung, daß damit etwas gewonnen werden könnte. Das Reuegefühl, das einst unter den deutschen Führern in Mode war, ist weniger und weniger zu sehen und wird noch weni- ger zu merken sein, wenn Deutschland wieder geeinigt und auf- gerüstet ist. Der Prozeß Remer hat eine neue Art von Helden und Patrioten enthüllt, jene nämlich, die Hitlers Reich mit Begeisterung dienten, aber nachweisen können, daß sie Mitglieder der Ver- schwörung waren, die Hitler eine Minute vor zwölf beseitigen wollte. Und die möglichen Opfer? Auf dem Gebiete, das die Deutschen in früheren Kriegen erreichten, gibt es immer noch fast eine Mil- lion Juden, und einige weitere Millionen leben in dem tiefen Hin- terland der Sowjetunion, im Nahen Osten und in Nordafrika. Die nächsten Opfer des Rassedünkels müssen aber nicht die Juden sein. Unter den Rassenproblemen, von welchen sich das Dritte Reich umgeben glaubte, war es offenbar nur das jüdische, das eine Endlösung erforderte; es gab jedoch immer auch solche, die eine 554 Endlöst missarl ihnen.| ten Be: Denn e die ein sonder jetzt v° Dies is! gen; ei Schlüss eine fe gien, d Welt v ihnen: Polizei von Ze Hiob w schreib nichts, habe f habe i funden jede Re keit. E Satellit oder ji halten. gert.\ nicht u eifersü selbst r sein, d Ameis vollen sein, Ien Män- bien, daß ötmachen rsklavten S schließ. Perücken, -ule vom Tgangen- Inge sich wärtigen gibt, was on Rache nem Zeit- ugung in “noch an evolution ren Ver- schuldig Freiheit; sen— in 1 werden ührern in och weni- und auf- den und ‚eisterung der Ver- yeseitigen Jeutschen eine Mil- efen Hin- yrdafrika: die Juden las Dritte ‚das eine ‚die eine EPILOG Endlösung für die Slawen befürworteten. Himmlers„Reichskom- missariat zur Festigung des deutschen Volkstums” war voll von ihnen. Die meisten sind heute am Leben, obwohl in untergeordne- ten Beschäftigungen, doch ihr Blick ist auf hohe Ziele gerichtet. Denn es sind nicht nur ein Danziger Korridor und ein Sudetenland, die ein Dorn im Fleische des neuen Nationalismus sein werden, sondern es ist auch ein Viertel des Gebietes des Altreichs, das letzt von sieben Millionen Polen bewohnt ist. Dies ist leider ein Buch mit vielen Belegen und wenigen Folgerun- gen; ein Buch von Tatsachen, aus welchen vorläufig nur wenige Schlüsse gezogen werden können. Doch soweit diese Tatsachen in eine feste Ordnung gebracht werden können, bieten sie Analo- gien, die für die Gegenwart von Nutzen sein könnten. Denn in der Welt von Polizeistaaten, in welcher wir leben, läßt keiner von ihnen seine Amtskorrespondenz herumliegen. Hier aber war ein Polizeistaat, der Hunderte von Tonnen Urkunden und Tausende von Zeugen zurückließ. Hiob wünschte in seinem Elend, sein Widersacher möge ein Buch schreiben, und sein Gebet wurde erhört, denn es gibt in Wahrheit nichts, das dieser Widersacher nicht zu Papier gebracht hätte. Ich habe fast volle vier Jahre unter diesen Urkunden verbracht und habe ihre Gesellschaft nicht nur düster oder niederdrückend ge- funden. Denn auf vielen Seiten huscht und glimmt etwas, ohne das jede Regierung eine Hölle auf Erden wäre— menschliche Fehlbar- keit. Eichmann kann seine Totenzüge nicht füllen, Minister der Satelliten-Regierungen weigern sich, Briefe zu beantworten, dieser oder jener macht einen Rechenfehler oder kann den Mund nicht halten. Und so wurde das ungeheure Unglück ein wenig verrin- gert. Wieviel schlimmer wäre es gewesen, wenn die Franzosen nicht unbeständig, die Italiener nicht nachlässig, die Ungarn nicht eifersüchtig, die Rumänen nicht bestechlich und die Deutschen selbst nicht solche Sklaven des Protokolls gewesen wären! Es kann sein, daß mörderisches Rassegefühl unausrottbar in der Natur von Ameisen und Menschen liegt; der Roboterstaat jedoch, der ihm vollen Ausdruck geben würde, kann und wird niemals von Bestand sein. 559 Seit die/ Novembe mit 570 den meis Opfer an mir jedor deren Be geschloss st nicht ı gen besc glaube|e des Buch Jüdischer wenige\ holung d sonders Geschich Meiner| sich die kann eir gung de holung: umgebre immer n schichte, Morde| innewoh drückt: fung de Im April ausschuf Analyse 37000 wende als Ausı sogar ül 7 Anhang| Statistische Zusammenfassung der Endlösung Seit die Anklageschrift im Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher im November 1945 die Zahl der jüdischen Opfer des Nationalsozialismus mit 5700000 angegeben hat, ist die runde Ziffer von 6 Millionen von den meisten an dieser Frage Interessierten als vermutliche Zahl der Opfer angenommen worden. Während ich dieses Buch schrieb, hat sich mir jedoch die Schlußfolgerung aufgedrängt, daß die wahre Zahl, bei deren Bestimmung Fehlerquellen bis zu einer halben Million nicht aus- geschlossen werden können, wahrscheinlich wesentlich niedriger ist. Es ist nicht unmöglich, daß man mich wegen der nachfolgenden Schätzun- gen beschuldigen wird, die Leiden der Verfolgten zu verkleinern. Ich glaube jedoch, daß mein guter Wille in dieser Hinsicht durch den Inhalt des Buches bewiesen ist. Die in Nürnberg angegebene Zahl wurde vom Jüdischen Weltkongreß zu einer Zeit zur Verfügung gestellt, als noch wenige verläßliche Unterlagen vorhanden waren. Die ständige Wieder- holung dieser Ziffer hat schon antisemitischen Kreisen in Europa und be- sonders in Deutschland den Vorwand geliefert, die ganze grauenhafte Geschichte und die Lehren daraus als unglaubwürdig hinzustellen. Meiner Meinung nach wird niemandes Schuld dadurch verringert, daß sich die Schätzung von 6 Millionen als zu hoch erweist; ebensowenig kann eine genaue Ziffer, sollte sie jemals erhältlich sein, die Berechti- gung des jüdischen Verlangens nach Sicherungen gegen eine Wieder- holung solcher Geschehnisse abschwächen. Ob 6 Millionen Menschen umgebracht wurden oder 5 Millionen oder weniger: es handelt sich hier immer noch um den konsequentesten Rassenmord der Menschheitsge- schichte. Es sei noch hinzugefügt, daß, wenn einmal die Tatsache dieser Morde bewiesen ist, zusätzlichen Millionen kein besonderer Zauber innewohnt. Der deutsche Schriftsteller Walter Dirks hat es so ausge- drückt:„Es ist schimpflich, daß es Deutsche gibt, die in einer Verkleine- rung der Zahl von 6 auf 2 Millionen eine Entlastung sehen!.” Im April 1946 veröffentlichte der„Anglo-Amerikanische Untersuchungs- ausschuß für Fragen des europäischen Judentums und Palästinas” eine Analyse der in der Nürnberger Anklageschrift enthaltenen Zahl von 5700. 000— genauer: 5721 800— vermißten europäischen Juden?. Ich ver- wende dieses in die kleinsten Einzelheiten gehende Zahlenmaterial nur als Ausgangspunkt. Manche dieser Angaben erscheinen mir zuverlässig, sogar übervorsichtig, andere nachweislich irrig. Zuerst möchte ich jedoch 37 557 DIE ENDLOSUNG ANHANG I betonen, daß die Anklagevertretung in Nürnberg keineswegs dessen sicher war, daß alle Juden tatsächlich umgekommen sind. Die von Syd- ney Alderman am 20. November verlesene Anklageschrift enthielt folgende Stelle: „Von den 9600000 Juden, die in Gebieten Europas unter Nazi- herrschaft lebten, sind nach vorsichtiger Schätzung 5700000 ver- schwunden, von denen die meisten von den Nazi-Verschwörern vor- sätzlich ums Leben gebracht worden sind?.” Als Richter Jackson jedoch am nächsten Tag seine Rede zur Begrün- dung der Anklage hielt, sagte er: „5,7 Millionen Juden werden in den Ländern, in denen sie früher lebten, vermißt. Über 4,5 Millionen dieser lassen sich weder durch normale Sterblichkeit oder Auswanderung erklären, noch sind sie unter den Verschleppten#.” Die höhere meiner beiden Schätzungen ist etwas größer als Jacksons Mindestzahl, aber wesentlich geringer als die in so weiten Kreisen für richtig gehaltene Ziffer von 6 Millionen. Der Unterschied von 1 500 000 kann auf die nur auf Mutmaßungen begründeten Schätzungen der Ver- luste in Gebieten, die jetzt zur Sowjetunion gehören, zurückgeführt werden und auf die Rumänien betreffenden Angaben, die in Wider- spruch zu den bekannten Tatsachen stehen. Ich habe einen großen Teil meines Beweismaterials aus den vom Sicherheitsdienst oder SD(im allgemeinen Gestapo genannt) für Hey- drich und Himmler zusammengestellten Zahlen geschöpft. Diese„Buch- führung” bildete das grausige Beweismaterial der späteren Nürnberger Prozesse. Es sei hier bemerkt, daß in diesen Berichten enthaltene Unge- nauigkeiten im allgemeinen auf Übertreibungen zurückzuführen sind. Sie mögen nur von beschränktem Wert sein, aber sie sind sicher besser als Schätzungen, die auf angeblichen Vorkriegs- und Nachkriegsbe- völkerungsziffern beruhen, wobei diese dadurch errechnet wurden, daß man einfach die zu beweisende Zahl von jenen abzog. Schon vor dem Krieg gab es sehr verschiedene Schätzungen der jüdi- schen Bevölkerung Rußlands, Polens, Ungarns, Rumäniens und der Bal- kanländer, obwohl in vielen dieser Staaten besondere Personenstands- register für Juden bestanden. Selbst in Westeuropa, wo Statistiken wesentlich verläßlicher sind, sind die Schätzungen der jüdischen Be- völkerung weder übereinstimmender noch genauer. Seit dem Krieg haben nur wenige europäische Regierungen Volkszählungen durchge- führt und ins einzelne gehende Ergebnisse veröffentlicht. Besonders im Fall der Sowjetunion, in der die größte Gruppe von Juden Zuflucht fand, haben wir gegenwärtig keine amtlichen Angaben, auf Grund derer wir die Zahl der Überlebenden errechnen könnten. Im April 1946 nahm der Anglo-Amerikanische Palästinaausschuß die Zahl von 2 665 000 für richtig an. Im Januar 1947 nannte das„American Jewish Joint Distri- bution Committee” eine Ziffer von 2255000. Solomon Schwarz ent- schied sich für 1850000 für das wesentlich vergrößerte Gebiet der Sowjetunion der Nachkriegszeit. Das New Yorker„Institute of Jewish Affairs“ errechnete 1950 sogar nur 1 6000005. Es besteht also ein Un- 558 tersched den Schät zu sein. ES Juden, die Zohl der! wäre die die jüdisc Millionen. Für diese ‚cätzend 1943 unter Zahlenanc men, daß spiel im\ motiker,( Jung der zeichnete aber er\ Ministeriu angaben worden V stützt sich auf Ango der Judei lagern ut Dr. Korhe vom RSH Nichtsde: einem ge Dr. Korhi Sonderbe sich auf Grenzbe; Fast die vorher€ gouverne Belzec vı versehen aus Himr Der erst die Über sammen; Zahlen e Juden- Unterzog europdis sozialisti loren ha 37 ANHANG N gs dessen von Syd. 'T enthielt Nter Nazi. 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Für diese umstrittenen Ziffern gibt es eine Quelle von nicht zu unter- schätzendem Wert— den„Korherr-Bericht” 6, der Himmler im März 1943 unterbreitet wurde. Wenn immer die in diesem Bericht enthaltenen Zahlenangaben überprüfbar sind, stimmen sie; man darf daher anneh- men, daß auch die nicht nachprüfbaren Zahlen richtig sind, zum Bei- spiel im wichtigen Fall Polen. Dr. Korherr war ein Versicherungsmathe- matiker, den Himmler beschäftigte. 1943 hatte er eine Zusammenstel- lung der vom RSHA geführten Umsiedlungslisten zu machen. Korherr zeichnete seinen Bericht als„Inspektor für Statistik beim Reichsführer SS”, aber er war kein SS-Mitglied. Himmler hatte 1940 seine Dienste vom Ministerium des Innern angefordert, um die oft zweifelhaften Zahlen- angaben zu überprüfen, die ihm von seinen Ressortleitern unterpreitet worden waren. Insofern ist Korherrs Bericht vollkommen objektiv und stützt sich vielfach auf statistische Arbeiten aus der Zeit vor 1933 sowie auf Angaben aus jüdischen Quellen. Nur in dem Kapitel„E vakuierung der Juden” und den folgenden Kapiteln, die sich mit Konzentrations- lagern und Ghettos befassen, ist ein anderer Ton zu entdecken Dr. Korherr führt das auf die Tatsache zurück, daß diese Kapitel ihm vom RSHA„fix und fertig” geliefert wurden. Nichtsdestoweniger gab es in den Angaben des RSHA viele Dinge, die einem gewissenhaften Statistiker hätten zu denken geben müssen. Dr. Korherr versuchte herauszufinden, was die Worte„einschließlich Sonderbehandlung” bedeuteten, und es wurde ihm gesagt, sie bezögen sich auf Juden, die man in die Gegend von Lublin und die russischen Grenzbezirke geschickt hätte, die nicht mehr als Teil Europas gälten. Fast die gleichen Worte hatten die Beamten Globocniks einige Monate vorher gebraucht(siehe S. 283), um den Vertretern von General- gouverneur Frank auseinanderzusetzen, was in dem Vernichtungslager Belzec vorgegangen war. Das Wort„Sonderbehandlung” war offenbar versehentlich einem Außenseiter bekanntgegeben worden, wie wir gleich aus Himmlers Reaktion darauf sehen werden. Der erste Bericht Korherrs umfaßt 16 hektographierte Seiten und trägt die Überschrift:„Die Endlösung der europäischen Judenfrage“. Eine Zu- sammenzählung der verschiedenen in diesem Schriftstück enthaltenen Zahlen ergibt außer Rußland und Serbien eine Gesamtzahl von 1 873549 Juden— deportiert, ausgewandert oder der„Sonderbehandlung” unterzogen. Korherr schloß folgendermaßen:„Insgesamt dürfte das europäische Judentum seit 1933, also im ersten Jahrzehnt der national- sozialistischen Machtentfaltung, bald die Hälfte seines Bestandes ver- loren haben. Davon ist wieder nur etwa die Hälfte, also ein Viertel des 37* 557 DIE ENDLOSUNG ANHANG I europäischen Gesamtbestandes vor 1933, den anderen Erdteilen zuge- flossen.” Am 10. April schrieb Himmler Korherr durch Brandt, die Worte„ein- schließlich Sonderbehandlung“ auf Seite 9 sollten durch„Transportie- rung von Juden aus den Ostprovinzen nach dem russischen Osten” er- setzt werden. Zur gleichen Zeit schrieb Himmler Kaltenbrunner: „Ich halte diesen Bericht als allenfalsiges Material für spätere Zeiten, und zwar zu Tarnungszwecken, für recht gut. Im Augenblick darf er weder veröffentlicht noch weitergegeben werden... In den kurzen Monatsmeldungen der Sicherheitspolizei will ich lediglich mitgeteilt bekommen, was monatlich abgefahren worden ist und was zu diesem Zeitpunkt an Juden übrigblieb.” In der Zwischenzeit hatte Kaltenbrunner Korherr angewiesen, eine ge- kürzte Fassung von sechseinhalb Seiten auszuarbeiten, die Hitler vor- gelegt werden sollte. Korherr sandte diese Brandt am 19. April, und mit pedantischer Genauigkeit fügte er die ihm vom RSHA beigestellten Zahlen für Transporte aus Frankreich, Holland, Belgien, Norwegen, der Slowakei, Griechenland und Bulgarien während der ersten drei Monate des Jahres hinzu. „Altreich und Ostmark hatten bis zum Kriege weit über die Hälfte ihres— zivilisierten und sterilen— Judenbestandes bereits abge- geben, vor allem durch Auswanderung, während im Osten der Zu- sammenbruch der für die Zukunft gefährlichen fruchtbaren Juden- massen überwiegend erst im Kriege und besonders seit den Eva- kuierungsmaßnahmen von 1942 deutlich wird.” Seit dem 17. Mai 1939, erklärte Korherr, seien 2500000 aus dem Reich und aus Polen abgegangen.„Der Bestand der Juden im alten Reichs- gebiet(ohne Ostgebiete) nähert sich seinem Ende*.” Deutschland(„Altreich”) Im Juni 1933, kurz nach Hitlers Machtergreifung, wurde eine Zählung der„Volljuden” in Deutschland vorgenommen; sie ergab 499 682. Bis zu Kriegsausbruch hatte sich diese Zahl, der„Reichsvereinigung” zu- folge, durch Auswanderung auf 215.000 verringert— eine etwas zweifel- hafte Ziffer, die uns als Ausgangspunkt dienen muß’, Eine zweite Zäh- lung der„Reichsvereinigung” vom 1. Oktober 1941 ergab eine Gesamt- zahl von 163696 angemeldeten Juden— ein Verlust von über 50.000 Seelen, von denen nur 8000 den Deportierungen zuzuschreiben sind. Es steht dahin, wie viele der übrigen 43.000 sich durch freiwillige Aus- wanderung retteten. Dr. Korherr bemerkte, daß selbst im Jahr der großen Deportationen, 1942, 7659 natürliche Todesfälle unter den Juden * Dr. Richard Korherr wurde im April 1946 aus der Internierung entlassen und im Zusammenhang mit der Endlösung niemals angeklagt. In einem an den Verfasser im August 1955 gerichteten Schreiben sagte er, er hätte die Bedeutung der Zahlen, die er zusammenzustellen hatte, niemals verstanden. Der Sinn von Himmlers Anordnung, das Wort„Sonderbehandlung” durch„Transportierung nach dem russischen Osten“ zu ersetzen, scheint ihm überhaupt nicht aufgegangen zu sein. 960 des Altre lichkeit siebenm Sterblich 39000 Ji kiehe 9. auf die E Grundlaı Korherr Altreich Anzahl müssen”. weniger schied b inMische bracht, V Amerika! lebender waren,( Untersch kommt n men sind Die Schä liegt, mu Ansicht, Er geht v und mac eilen Zuge- Orte„ein- "ansportie. Osten” er. er: für Spätere Augenblick N... Inden ch lediglich den ist und en, eine ge- Hitler vor- pril, und mit peigestellten wegen, der rei Monate r die Hälfte ereits abge- sten der Zu- arren Juden- it den Eva- ; dem Reich ten Reichs- ine Zählung 499.682. Bis nigung" ZU- vas zweifel- zweite Zäh- ne Gesamt- über 50.09 reiben sind, willige Aus- n Jahr der r den Juden ‚ntlassen und den Verfasser ; der Zahlen, rs Anordnung, en Osten” ZU STATISTISCHE ZUSAMMENFASSUNG DER ENDLOSUNG des Altreiches zu verzeichnen waren!, und schloß daraus, daß die Sterb- lichkeit unter den Juden des Alireiches 8,5 v.H. sei, also sechs- bis siebenmal so hoch wie für das gesamte Europa. Auf Grund dieser Sterblichkeitsziffern muß man annehmen, daß seit September 1939 etwa 30000 Juden gestorben und nur 13000 freiwillig ausgewandert sind (siehe S. 33 f.). Diese 30.000 Todesfälle müssen meines Erachtens direkt auf die Endlösung zurückgeführt werden, und für den Augenblick ist die Grundlage unserer Berechnung daher 215.000 weniger 13000= 202 000. Korherr schätzte am 1. April 1943, daß gegen 120000 Juden aus dem Altreich deportiert worden waren und daß 31 910 neben einer großen Anzahl übrigblieben,„die als unauffindbar abgeschrieben werden müssen”. Diese Zahl deutet darauf hin, daß es zu Kriegsausbruch weit weniger als 215000 Juden im Altreich gegeben hat, denn der Unter- schied beträgt über 20000. Dr. Korherr berichtete, daß 16668 Juden in Mischehen lebten. Ein Teil von diesen wurde nach Theresienstadt ge- bracht, von wo die meisten nach Kriegsende zurückkehrten. Das„Anglo- Amerikanische Komitee” schätzt die Zahl der deutsch-jüdischen Über- lebenden einschließlich der Juden, die illegal in Deutschland geblieben waren, auf 20000. Wenn man die Zahl von 22000 annimmt und den Unterschied zwischen den beiden Ziffern Korherrs in Rechnung zieht, kommt man zu dem Schluß, daß 160.000 bis 180000 Juden umgekom- men sind. Die Schätzung eines sorgfältigen Statistikers, die wesentlich niedriger liegt, muß hier auch noch erwähnt werden. Dr. Bruno Blau vertritt die Ansicht, daß nur 123000 Juden aus dem Altreich umgebracht wurden. Er geht von der Ziffer der„Reichsvereinigung” von 1941] von 164.000 aus und macht folgende Abzüge: 19000 Überlebende, die auf freiem Fuß geblieben waren, 8200, die aus Theresienstadt und anderen Lagern zurückgekehrt sind, und 13800 natürliche Todesfälle. Meiner Meinung nach muß ein Großteil der letztgenannten und ein noch größerer Teil der durch Not vor dem Oktober 1941 herbeigeführten Todesfälle der Endlösung zugeschrieben werden?, Österreich Zur Zeit des Anschlusses im März 1938 betrug die jüdische Bevölkerung Österreichs 185 246. Ein Bericht vom Amt des Gauleiters vom Dezember 1939 enthält die Schätzung von 70.000 Juden'°, die fast ausschließlich in Wien lebten. Diese Ziffer ist sicherlich zu hoch, da 4000 bereits nach Nisko in Polen deportiert worden waren(siehe S. 50). Das„Anglo- Amerikanische Komitee” zieht die Zahl 60000 als Ausgangspunkt vor. Dr. Korherr schätzte, daß bis zum Ende des Jahres 1942 47 555 Ju- den aus Österreich deportiert worden waren und daß 8102 im Lande verblieben. Wenn man 7000„natürliche“ Todesfälle(die Hälfte der von Korherr geschätzten 14509 Todesfälle seit März 1938) sowie 4000 seit Kriegsausbruch freiwillig Ausgewanderte dazuzählt, erreicht man die Zahl von 66 600 Juden am 1. September 1939. Am 24. Oktober 1947 gab es 8552 in Österreich geborene Juden in Wien sowie einige Hundert in Linz und anderen Städten, Wenn man die freiwilligen Auswanderer 561 DIE ENDLOSUNG ANHANG I abzieht, kommt man zu einer Verlustziffer von 58000. Vielleicht muß man jedoch einen Teil von Korherrs„natürlichen Todesfällen” auf Kosten der Endlösung verbuchen. Die österreichischen Kultusgemein- den nehmen eine Zahl von 60000 ermordeten österreichischen Juden an 12, Die Tschechoslowakei Die Volkszählung von 1930 ergab eine jüdische Bevölkerung von 356 830 in der Republik. Davon lebten 117551 in Böhmen und Mähren, 136737 in der Slowakei und 102542 in Karpatorußland. Die ersten beiden Gruppen verringerten sich Jahr für Jahr, während die dritte einen starken Zuwachs verzeichnete. Nach dem Münchener Abkommen setzte vor allem aus Böhmen und Mähren eine starke Auswanderung ein, und das„Anglo-Amerikanische Komitee” schätzt, daß die jüdische Bevölkerung auf dem Gebiet der früheren Tschechoslowakischen Republik zu Kriegsbeginn 315 000 betrug, davon 90 000 im Protektorat. (Korherrs Ziffer ist 92 000.) Nehmen wir die Protektoratsziffern zuerst. Dr. Korherr zufolge waren Ende 1942 69779 Juden umgesiedelt worden, von denen allerdings über 50000 zuerst nur nach Theresienstadt innerhalb des Protektorats verschickt worden waren. Es gab noch 15 530 Juden auf freiem Fuß, und fast 7000 waren durch natürliche Sterblichkeit sowie durch freiwillige Auswanderung während des Krieges verschwunden. Im Gegensatz zu den 15530 Überlebenden des Jahres 1943 sollen 1946 32.000 Juden in dem Gebiete des ehemaligen Protektorats gelebt haben'3; diese Zahl schloß jedoch 15000 Juden, die infolge von Mischehen und anderen bevorzugten Stellungen am Leben geblieben waren, 8000 Überlebende aus Theresienstadt, 6000 bis 8000 karpatorussische Juden und einige Tausend zurückgekehrte Soldaten und Emigranten ein. Es ist daher nicht leicht, zu einer verläßlichen Schätzung der unter deutscher Herrschaft umgebrachten Juden zu kommen. Ich meine, daß man 15000+ 8000 von 90.000 ebenso wie weitere 4000 Auswanderer seit Kriegsbeginn abzu- ziehen hat. Das ergibt einen Verlust von 63000 Juden, von denen fast die Hälfte in Auschwitz umgebracht worden ist. Diese Zahl ist nicht viel niedriger als Korherrs Schätzung für Umsiedlungen aus einer Zeit, als die Umsiedlungsaktionen so gut wie abgeschlossen waren. Die 135000 Juden der Slowakei hatten verhältnismäßig geringere Ver- luste durch Auswanderung, da sich die 40000 Juden in den im Novem- ber 1938 an Ungarn abgetretenen Gebieten für sicher hielten. Von den 95000 Juden des neuen slowakischen Staates wanderten jedoch etwa 5000 vor Beginn der Deportierungen freiwillig aus(siehe S. 437). Andererseits wurden laut Korherrs Liste 1942 56691 Juden deportiert, Wisliceny schätzte ihre Zahl jedoch nur auf 52.000. 1944 gab es weitere 9000 Deportierungen und eine ziemliche Anzahl von Hinrichtungen. Wir haben keine Unterlagen für die in der an Ungarn abgetretenen Ostslowakei lebenden 40.000 Juden, aber E. Levai 4 ist der Meinung, daß 65.000 Juden oder 20 v. H. den Krieg in den„verlorenen Gebieten” Ungarns überlebt haben, Auf dieser Grundlage scheint die Schätzung 962 des„A ganzen Dr. Frie 1947, d rückkai tierten den, v( von el wäre 50.000 Ninde: 85.000 umgeb ausseti Die Zo en VC na p einer\ Zurück des„A ebene nach c aus, A denen russisc bliebe elleicht muß fällen" auf Iusgemein. schen Juden kerung von nd Mähren, Die ersten Id die dritte bkommen ISwanderung die jüdische Howakischen Protektorat, folge waren n allerdings Protektorats lem Fuß, und h freiwillige egensatz zu 200 Juden in ; diese Zahl ind anderen Überlebende | und einige t daher nicht 'r Herrschaft )+ 8000 von jeginn abzu- 1 denen fast \ahl ist nicht ‚s einer Zeit, N. ringere Ver- im Novem- en, Von den jedoch etwa she 5. 437). ‚ deportiert, yes weitere nrichtungen. pgetretenen r Meinung, \ Gebieten" » Schätzung STATISTISCHE ZUSAMMENFASSUNG DER ENDLOSUNG des„Anglo-Amerikanischen Komitees” auf 30000 Überlebende in der ganzen Slowakei viel zu niedrig. Dr. Friedrich Steiner aus Preßburg schätzte in einem Vortrag in Paris 1947, daß, während nur 284 der 1942 deportierten 52000 Juden zu- rückkamen, die Mehrzahl der 1944 aus dem slowakischen Staat Depor- tierten überlebte, abgesehen von einem Teil der ostslowakischen Ju- den, von denen seiner Schätzung zufolge die Ungarn 1944 nur 30.000 (von einer Gesamtzahl von 46.000) deportierten 5. Auf dieser Grundlage wäre die Zahl der in der ganzen Slowakei überlebenden Juden sogar 50000. Ich würde diese Ziffer als die Höchstzahl und 40.000 als die Mindestzahl annehmen und daher die Zahl der Umgekommenen auf 85000 bis 95000 schätzen. Gregory Frumkins Schätzung, daß 67 000 umgebracht wurden, würde eine viel höhere Zahl Überlebender vor- aussetzen, etwa 60 000'6. Die Zahl der Juden in Karpatorußland wurde 1941 durch Deportierun- gen von 102000 auf 17.000 bis 20.000 vermindert. Die übrigen wurden nach Podolien und Ostgalizien verschickt, und es ist möglich, daß nicht einer von ihnen mit dem Leben davonkam(siehe S. 467). Ein Teil der Zurückgebliebenen wurde nach Auschwitz deportiert. Nach Angaben des„Anglo-Amerikanischen Komitees“ wählten 6000 bis 8000 der Über- lebenden die tschechoslowakische Staatsbürgerschaft und wanderten nach der Besetzung des Gebietes durch die Sowjetunion nach Böhmen aus. Auf der Grundlage von E.Levais Ziffern für Großungarn, laut denen 20 v. H. am Leben blieben, sollte es etwa 17000 karpato- russische Juden geben, von denen die meisten wohl in ihrer Heimat ge- blieben sind. Das ergibt eine Gesamtzahl von 85000 Umgekommenen. Wenn man diese etwas verwickelten Berechnungen zugrunde legt, kommt man zum Ergebnis, daß etwa 233000 bis 243000 der Juden der Tschechoslowakei(innerhalb der Grenzen vor München) umgebracht worden sind. Frankreich Die vom„Anglo-Amerikanischen Komitee” im April 1946 verwendeten Zahlen geben den Verlust von 140000 Juden an und beruhen auf der Schätzung, daß 180 000 der 320 000 Juden am Leben geblieben sind. Das „American Joint Distribution Committee” schätzte andererseits im Ja- nuar 1947, daß 195000 von 300 000 den Krieg überlebten, während das „Institute of Jewish Affairs”(New York) 1950 die jüdische Bevölkerung auf 225.000 schätzte'7”. Diese Endziffern sind reine Mutmaßungen. Die Zahl von 320000 mag im September 1939 gestimmt haben, sie trägt aber nicht der Auswanderung während des Zusammenbruchs Frank- reichs und nach ihm Rechnung. Dem SD gelang es überdies nie, den Aufenthalt auch nur von 300 000 Juden ausfindig zu machen. Dr. Georges Wellers schrieb 1952'8, daß die Hälfte der aus Frankreich Deportierten, nämlich 110000, Juden waren. Diese Zahl steht in einem merkwürdigen Widerspruch zu dem 1946 veröffentlichten Ergebnis von Dr. Wellers’ eigenen Forschungen, die auf den Drancy-Listen beruhten. Diesen zufolge wurden 68000 Juden zwischen der großen Razzia am 563 | u 4 DIE ENDLOSUNG ANHANG I 19. Juli 1942 und der Befreiung deportiert, im ganzen also unter 75 000, wenn man die nicht sehr zahlreichen Deportationen in der vorhergegan- genen Zeit mitrechnet'?, Die Listen der Gestapo deuten auf noch niedrigere Ziffern hin. Eine genaue Angabe vom 27. März 1943 spricht von 49 902 und eine unge- fähre Schätzung vom 21. Juli 1943 von 52000 Deportierten. Aus einer dritten Liste in Röthkes Akten geht hervor, daß weitere 16 Züge Frank- reich vor dem 1. Juli 1944 verließen; es ist jedoch bekannt, daß einige davon nur„halbe Transporte” mit weniger als je 500 Personen waren. Diese Züge und vielleicht noch der eine oder der andere Transport während des deutschen Rückzugs aus Frankreich hatten sicherlich weniger als die 17 000 jüdischen Insassen, die Dr. Wellers für die letzten zwölf Monate der Besetzung Frankreichs annimmt 20, Außerdem sollen nach dem Krieg 2800 Juden aus Deutschland nach Frankreich zurück- gekehrt sein. Ich nehme daher an, daß die wahre Zahl— einschließlich einiger Hundert von der Gestapo verübter Morde— zwischen 60 000 und 65 000 liegt. Belgien Die vom„Anglo-Amerikanischen Komitee” angegebenen Zahlen sind nicht überzeugend. Die jüdische Bevölkerung Belgiens im Jahre 1939 wird auf 90000 geschätzt, die Zahl der Überlebenden auf 33.000, dar- unter 8000 Flüchtlinge. Das ist also ein Verlust von 57 000. Aber die bel- gischen Regierungslisten sprechen von nur 25437 aus Malines nach Auschwitz Deportierten, von denen 1276 zurückkehrten(s. 5. 388 u. 390). Dazu kommen noch einige Tausend polnische Juden, die Anfang 1942 aus Antwerpen in das Lodzer Gheito„repatriiert” wurden. Als die deut- schen Behörden 1941 die Listen der Juden anlegten, konnten sie nicht mehr als 42000 finden. Man hat angenommen, daß die übrigen 48 000 nach Frankreich geflohen sind, wo sie später als staatenlose Juden auf- gegriffen und deportiert wurden. Wenn dem so ist, können sie nicht zu den belgischen Verlusten gerechnet werden, da sie ja schon auf den französischen Deportationslisten in Erscheinung getreten sind. Es ist jedoch höchst wahrscheinlich, daß die Mehrzahl der fehlenden 48.000 sich einfach der Registrierung entzogen hat— ein Umstand, der es ebenso unmöglich macht, ihren Aufenthalt nach dem Krieg ausfindig zu machen. Wenn man die Deportierungen sowohl nach Auschwitz wie nach Lodz in Betracht zieht, kommt man zu dem Schluß, daß die Zahl der Opfer zwischen 25.000 und 28 000 liegt, aber die einzige bestimmte Zahl ist die für die Deportationen aus Malines, nämlich 24 161. Luxemburg Laut Angabe des„Anglo-Amerikanischen Komitees” haben 500 der 3500 Juden Luxemburgs den Krieg überlebt— eine überzeugende Ziffer. Luxemburg wurde in das Reich eingegliedert, und 512 Juden wurden im Zuge der allgemeinen Deportierungen aus dem Reich im Oktober und November 1941 nach Lodz verschickt. Ein anderer Transport traf im 964 März 194 tere Trans Unter Bei Dr. Korhei weniger( (siehe$.3 Wege na zu gering, Im Falle v listen eine nis, daß© dert wurd und 1040 Listen des zu bezwe Zahl von Die vom, im April] von 20.00 italienisch und vom Adolf Vit zitierten 7 dig, daß; zuführen Juden unc die nach« die Endzc daß nur i 2304 Pers die Mehr Nur eine/ Die Zusar 4500 verli ten nach hausen yı melpunkt vermutlic diesen gi nur 272 q italienisch den von| NHANG| 75 0, Tgegan- IN. Eine e Unge- US einer ° Frank- einige | Waren, ansport icherlich letzten n sollen Zurück- 1ließlich 1 60.000 en sind re 1939 N, dar- Jie bel- s nach u. 30). 19 1942 e deut- ie nicht 1 48.000 en auf- nicht zu ‚uf den ih 00 sich ebenso dig zu h Lodz Opfer ist die 90 der Ziffer. Jen im er und rof im ur STATISTISCHE ZUSAMMENFASSUNG DER ENDLOSUNG März 1943 in Treblinka ein(siehe$. 158). Wahrscheinlich gingen wei- tere Transporte nach Auschwitz. Skandinavien Unter Benutzung der ihm vom RSHA gegebenen Ziffern schätzte Dr.Korherr die beiden Deportationen aus Norwegen auf 690, etwas weniger als die von der norwegischen Regierung angegebene Zahl (siehe S. 398 f.). Von den aus Dänemark Deportierten starben 70 auf dem Wege nach Theresienstadt oder in Theresienstadt, aber diese Zahl ist zu gering, um die Gesamtziffer zu beeinflussen, und wurde ausgelassen. Holland Im Falle von Holland hat das Niederländische Rote Kreuz die Verlust- listen einer sehr sorgfältigen Überprüfung unterzogen, mit dem Ergeb- nis, daß die ursprüngliche Schätzung von 115.000 Vermißten?! abgeän- dert wurde. Die Schätzung vom Mai 1949 lautet 22: 6000 zurückgekehrt und 104000 vermißt. Diese Zahlen stimmen ziemlich genau mit den Listen des Lagers Westerbork und den Berichten des SD überein. Es ist zu bezweifeln, ob weitere Überprüfungen möglich sein werden, und die Zahl von 104.000 Toten ist wohl die genaueste in diesem Überblick. Italien Die vom„Anglo-Amerikanischen Komitee” verwendeten Zahlen zeigen im April 1946 einen Verlust der bodenständigen jüdischen Bevölkerung von 20000. Die vom stellvertretenden Präsidenten der Vereinigung italienisch-jüdischer Gemeinden im folgenden September angegebenen und vom Präsidenten des„Suchkomitees für deportierte Juden”, Max Adolf Vitale, auf der Pariser Historiker-Konferenz zu Ende des Jahres zitierten Zahlen geben die Verluste mit 22 000 an. Es ist jedoch offenkun- dig, daß zumindest 60 v.H. dieser Verluste auf Auswanderung zurück- zuführen sind, denn die Gesamtsumme der vermißten bodenständigen Juden und Flüchtlinge beträgt nach beiden Quellen 3 10 271 weniger 605, die nach dem Krieg zurückgekehrt sind. Dies ist jedoch noch keineswegs die Endzahl. Aus einer Erklärung vom 10. September 1946 geht hervor, daß nur in 1126 Fällen„eine sichere Todesnachricht” vorliege und daß 2304 Personen nach ihrer Deportierung Nachricht gegeben hätten. Daß die Mehrzahl von ihnen zugrunde gegangen war, war zu dieser Zeit nur eine Annahme. Die Zusammensetzung der Ziffer von 10 271 ist etwas merkwürdig. Etwa 4500 verließen Fossoli di Carpi und Bozen-Gries in bekannten Transpor- ten nach Auschwitz; von weiteren 600 wissen wir, daß sie nach Maut- hausen verschickt wurden, aber weitere 5000 sollen von anderen Sam- melpunkten als Rom, Fossoli und Bozen aus nach Deutschland und Polen (vermutlich Auschwitz und Mauthausen) deportiert worden sein, und von diesen gibt es vermutlich keine Transportlisten. Darüber hinaus waren nur 272 der 605 Juden, die nach dem Krieg nach Italien zurückkehrten, italienischen Ursprungs, und 146 waren die Überlebenden der 1200 Ju- den von Rhodos, die im September 1944 nach Auschwitz deportiert wor- 565 DIE ENDLOSUNG ANHANG I den waren. Diese Juden waren italienische Staatsbürger, aber es ist nicht klar, ob die Deportierungen aus Rhodos in der Gesamtzahl der Vermißten enthalten sind. Wenn man all das in Rechnung zieht, kommt man zu dem Schluß, daß die Zahl der Opfer unter den aus Italien De- portierten zwischen 8500 und 9500 liegen dürfte. Jugoslawien Die jugoslawische Volkszählung des Jahres 1931 ergab eine jüdische Bevölkerung von 68405. Das„Anglo-Amerikanische Komitee” scheint anzunehmen, daß ihre Zahl sich in den nächsten zehn Jahren um 7000 vermehrt hat; man sollte jedoch die Möglichkeit, daß sie unverändert geblieben ist oder durch Auswanderung sogar verringert wurde, nicht außer acht lassen. Die Volkszählung von 1946 ergab eine jüdische Be- völkerung von nur 104462. Zwei Umstände müssen jedoch hier in Betracht gezogen werden: erstens die Zahl derer, die nach Italien ge- flohen waren, besonders aus Bosnien; zweitens die Zahl derer, die, nachdem sie sich jahrelang als Nichtjuden ausgegeben hatten, es vor- zogen, nach dem Krieg in dieser Rolle fortzufahren. Ich würde es daher für richtig halten, die scheinbaren Verluste von 58000 nur als Höchst- ziffer anzunehmen, da sie etwas höher als die neuesten Schätzungen ist. Das„Office of Jewish Information” in New York nimmt eine Gesamt- zahl von 55000 und Gregory Frumkin sogar nur 50 000 an. Griechenland Den Ziffern des„Anglo-Amerikanischen Komitees” zufolge haben 10 000 der 75000 griechischen Juden den Krieg überlebt. Die Zahl der Über- lebenden(5000 in Athen, 2000 in Saloniki, die übrigen hauptsächlich in Thrazien und auf den Inseln) ist wahrscheinlich richtig. Die Vorkriegs- ziffer scheint etwas zweifelhaft, da die jüdische Bevölkerung Griechen- lands seit Beginn des Jahrhunderts ständig abgenommen hat und die Verluste durch Auswanderung seit 1931 vermutlich ebensowenig wettge- macht wurden wie in früheren Jahrzehnten. Auf der Pariser Konferenz der Geschichtskommissionen im Jahre 1947 schätzte Asscher Moissis die Zahl der deportierten griechischen Juden auf 60000. Diese Zahl ist nur um ein Geringes größer als die amtlichen Angaben für Judentransporte. Es ist daher anzunehmen, daß man die beste Schätzung erhält, wenn man die Zahl der Überlebenden— 10000— von der in der Volkszäh- lung von 1931 erhaltenen Ziffer von 67 200 abzieht?$, Rumänien Die Unterschiede zwischen den einzelnen Schätzungen für Rumänien sind sehr groß. Das„Anglo-Amerikanische Komitee” beziffert die jüdi- sche Bevölkerung im Jahre 1939 mit 850 000 und die Überlebenden mit 335 000 plus 40000 bis 45000 in dem der Sowjetunion eingegliederten Bessarabien— also ein Verlust von 470.000. Matatias Carp hingegen schätzt die Gesamtverluste auf 400 000, aber selbst diese Zahl scheint auf Grund des vorhandenen Materials noch zu hoch zu sein”. 566 Was die 1930 kei Jahres 1 auf die 778 094° Grund d niens Ih! 417.396 c nicht erf waren.| scheinlic Was die lust die der Bukc der Wie der Sow 1941 in. sich hier Es gibt| durch Ve Ergebnis eignisse untersuc gen übe zweiten! Juni 194 verringe 170812 Schätzur annehm Juden| Schweiz 54300 J Tung ZU zunehm kommer grupper Im nörd wurde, nischen Deporti Juden ii 20.000 c gelunge 120.000 nehmen man die entflohe NHANG| T es ist 20h] der ‚ kommt lien De. jüdische - scheint um 7000 eründert de, nicht Sche Be- hier in lien ge- rer, die, ‚$ VOr- es daher Höchst- ngen ist, Gesamt- n 10.000 Sr Über- tsächlich orkriegs- ‚riechen- und die wettge- onferenz Jissis die ıl ist nur insporte. t, wenn olkszäh- umänien die jüdi- nden mit iederten ingegen | scheint STATISTISCHE ZUSAMMENFASSUNG DER ENDLOSUNG Was die Zahl für 1939 betrifft, muß hier bemerkt werden, daß es seit 1930 keine Volkszählung gegeben hat. Von der Volkszählung des Jahres 1930 gibt es drei verschiedene Ziffern, die alle vorgeben, bis auf die letzte Stelle genau zu sein, nämlich 725 31828, 756 9302 und 778094°°. Es gibt sogar noch eine vierte, angeblich amtliche Ziffer. Auf Grund des Gesetzes vom 21. Januar 1938 mußten alle Juden Rumä- niens ihre Staatsbürgerschaft nachweisen. Es wurde berechnet, daß 617 396 dieser Aufforderung nachkamen, daß 44 848 ihre Anmeldepflicht nicht erfüllten und daß weitere 30000 von dem Gesetz nicht betroffen waren. Die Summe von rund 6920003! ist eine nicht weniger wahr- scheinliche Ziffer als die oben genannten. Was die Zahlen für 1945 betrifft, so muß man vom Bevölkerungsver- lust die Zahl derer abziehen, die von den Russen 1940 und 1941 aus der Bukowina und Bessarabien deportiert wurden, sowie derer, die bei der Wiederbesetzung dieser Provinzen durch die Rumänen ins Innere der Sowjetunion flohen. Eine von der Armee im August und September 1941 in Bessarabien durchgeführte Zählung deutet darauf hin, daß es sich hier um bis zu 120000 Menschen handelt(siehe S. 453, Fußnote). Es gibt hier offenkundigerweise zu viele Unstimmigkeiten, als daß man durch Vergleichen von Vorkriegs- und Nachkriegsschätzungen zu einem Ergebnis kommen könnte. Eine verläßlichere Methode ist es, die Er- eignisse der Kriegszeit, soweit Unterlagen dafür vorhanden sind, zu untersuchen. Es gab zwei Ausrottungswellen: erstens die Deportierun- gen über Dnjestr und Bug zwischen August 1941 und Juli 1942 und zweitens die von den Ungarn im nördlichen Siebenbürgen im Mai und Juni 1944 ausgeführten Deportationen. Durch die ersten Deportierungen verringerte sich die jüdische Bevölkerung Bessarabiens von 126 434 auf 17 08132; außerdem wurden 35000 aus Czernowitz deportiert. Levais Schätzung, daß 140000 Juden deportiert wurden, ist meines Erachtens annehmbar?. Eine Zählung vom März 1943 ergab, daß damals 72 412 Juden jenseits des Dnjestr noch am Leben waren. Charles Kolb vom Schweizer Roten Kreuz konnte zwar im folgenden Dezember nur 54 300 Juden finden, aber der Unterschied ist vielleicht auf Rückwande- rung zurückzuführen(siehe S. 457, Fußnote, und 464). Es ist daher an- zunehmen, daß etwa 70000 der 140000 Deportierten umkamen; dazu kommen noch 12.000, die im Sommer 1941 unter Anleitung der Einsatz- gruppen ermordet wurden. Im nördlichen Siebenbürgen, das im August 1940 an Ungarn abgetreten wurde, lebten laut einer ungarischen Zählung 148 649, laut einer rumä- nischen 151 125 Juden®%*. Levai, der sich eingehend mit den ungarischen Deportierungen des Jahres 1944 beschäftigt hat, erklärt, daß nur 6000 Juden in ihrer Heimat bleiben durften, daß aber nach dem Krieg etwa 20000 aus Deutschland zurückkehrten 3. Einigen Tausenden ist es sicher gelungen, nach Altrumänien zu entfliehen. Man kann die Ziffer von 120 000 Opfern in Nordsiebenbürgen wenigstens als Höchstzahl an- nehmen. Die Gesamiverluste der rumänischen Juden liegen daher, wenn man die etwas zweifelhafte Lage derer, die nach Rußland und Sibirien entflohen sind, außer acht läßt, zwischen 200 000 und 220 000. 967 DIE ENDLOSUNG ANHANG I Ungarn Die Ungarn betreffenden Tatsachen sind weniger strittig als im Falle der anderen osteuropäischen Länder, und die Schätzung des Komitees, daß im April 1946 220000 der 400000 Juden von„Trianon-Ungarn” (Ungarn innerhalb der Grenzen der Zeit vor München) am Leben waren, dürfte zu hoch gegriffen sein. In dieser Zahl waren 15000 Juden, die aus Rußland repatriiert werden sollten, sowie 5000 Flüchtlinge in Deutschland, Österreich und Italien enthalten. M. E. Namenyi schätzte jedoch im Dezember 1945 die Zahl der Überlebenden auf 190 000, dar- unter 144 000 in Budapest— das heißt etwas über 40.000 weniger, als vor dem Krieg in der Hauptstadt gelebt hatten%. Namenyi ist der Mei- nung, daß nicht weniger als 60 000 der in Ungarn überlebenden Juden von der Deportation nach Deutschland zurückgekehrt waren. Diese Ziffer scheint zu hoch gegriffen zu sein. Meiner Meinung nach sollte die vom„Anglo-Amerikanischen Komitee” genannte Zahl von 180 000 Opfern in Ungarn als untere und 200000 als obere Ziffer verwendet werden. Polen Es wurde allgemein angenommen, daß 3 Millionen polnische Juden zugrunde gegangen sind— eine Annahme, die einige im Dritten Kapitel besprochene Umstände außer acht läßt. Da es keine Möglichkeit gibt herauszufinden, wie viele von ihnen sich für das Verbleiben in der Sowjetunion entschieden haben— außer den 157 400, die 1946 nach Polen zurückkehrten—, wird man wahrscheinlich niemals die Opfer der Juden Polens auch nur mit einer Genauigkeit bis auf eine Viertelmillion bestimmen können, Die Berechnungen des„Anglo-Amerikanischen Komitees” gehen von einer jüdischen Vorkriegsbevölkerung von 3351 000 aus. Diese Zahl ist nicht einer Volkszählung entnommen, sondern beruht auf einer angeb- lich amtlichen Schätzung. Die letzte Volkszählung vom 9. Dezember 193] ergab eine Gesamtzahl von 2732 600 Juden(der„Rasse“ nach)— 622000 mehr als zehn Jahre vorher”. Vorausgesetzt, daß die gleiche hohe Geburtenziffer beibehalten wurde, ist die Zahl von 3250000 für September 1939 glaubwürdig, aber es ist anzunehmen, daß hierbei der Auswanderung nicht genügend Rechnung getragen wird. Dieser mutmaßlichen Ziffer stehen 240 489 Ende Juni 1948(als die Frist für die Rückkehr aus der Sowjetunion ablief) gemeldete jüdische Überlebende in Polen gegenüber®. Dazu kommen die in vielen Ländern— von Schweden bis Italien und Rumänien— verstreut lebenden Flüchtlinge, deren Zahl das Komitee im April 1946 auf 110 000 schätzte. Zu diesen 350 000 Überlebenden muß man noch die mutmaßliche Ziffer derer rechnen, die in der Sowjetunion geblieben sind, entweder in ihrer alten, nun zur Sowjetunion gehörigen Heimat oder in Sibirien, dem Wolga-Ural-Gebiet und Biro-Bidschan. Ob sie heute noch am Leben sind oder nicht, es muß sich um eine sehr große Zahl gehandelt haben, die das Innere der Sowjetunion entweder durch Flucht oder durch Depor- 568 tierung| 1945 und zungen( willigen gliederte Dr. Korh Flüchtlin einschlie galizien genügen und Poli völkerun polnisch dem Kr land au) schätzt, von 861 ruthenie aktioner den Jah entkame schränkt Flucht in zu entzi Polnisch teil der Not zug beute” werden, in der FH konnte ı zu.den ı Es kann polnisch kommt der ehe schen T dest um man zu Rußlanc Daraus der Rer in der© des Vo Hände und De ANHANG| m Falle Omitees, Ungarn” NWaren, ‚den, die inge in Schätzte 000, dar- iger, als der Mei- en Juden n. Diese ch sollte 1 180.000 wendet je Juden n Kapitel keit gibt n in der 46 nach pfer der elmillion hen von Zahl ist r angeb- ezember nach)— > gleiche 3.250.000 3 hierbei |. Dieser # für die rlebende |— von ichtlinge, he Ziffer - in ihrer en, dem m Leben + haben, hDepor- nen en STATISTISCHE ZUSAMMENFASSUNG DER ENDLOSUNG tierung erreicht hat, sicherlich ein Mehrfaches der 157 420, die sich 1945 und 1946 entschlossen, in das neue Polen zurückzukehren. Schät- zungen der polnischen Regierung zufolge3? betrug die Zahl der frei- willigen Auswanderer aus dem Generalgouvernement und den einge- gliederten Gebieten 1939 bis 1941 etwa 300000, eine Zahl, die mit Dr. Korherrs Bericht in Einklang steht(siehe$. 56 f.). Dazu kommen die Flüchtlinge und Deportierten aus den sowjetisch besetzten Gebieten, einschließlich der Massenflucht nach der Invasion im Juni 1941. In Ost- galizien blieb der zahlenmäßig starken jüdischen Bevölkerung nicht genügend Zeit zur Flucht. Im Winter 1941 entdeckte SS-Brigadeführer und Polizeigeneral Katzmann 450.000 der ursprünglichen jüdischen Be- völkerung von 573.000 Seelen“0, Dies traf jedoch nicht auf das ehemals polnische Weißrußland mit seinen riesigen Zufluchtsgebieten zu. Vor dem Krieg wurde die jüdische Bevölkerung des polnischen Weißruß- land auf 486000, die des sowjetischen Weißrußland auf 375000 ge- schätzt, aber die deutschen Behörden fanden von dieser Gesamtzahl von 861 000 im Jahre 1941 nur 172000 Juden im„Kommissariat Weiß- ruthenien”. Selbst die deutschen Berichte über riesige Ausrottungs- aktionen in den Städten des ehemaligen polnischen Weißrußland in den Jahren 1941, 1942 und 1943 enthalten eine Gesamtzahl von unter 130 000. Das bedeutet natürlich nicht, daß vier Fünftel der weißrussischen Juden entkamen oder daß die Metzeleien im polnischen Teil auf 130000 be- schränkt waren. Zweifellos gelang es vielen, sich durch wiederholte Flucht in kleine Dörfer oder in Lager in den Wäldern der Meldepflicht zu entziehen. Der von der Gestapo angegebenen Zahl von 130.000 in Polnisch-Weißrußland umgebrachten Juden muß man noch den Groß- teil der Flüchtlinge zuzählen, deren Schicksal es war, an Hunger und Not zugrunde zu gehen oder von antisemitischen Banden, deren„Jagd- beute” in den Gestapoberichten keine Erwähnung findet, umgebracht zu werden. Die Zahl jener, die den Krieg als Partisanen mit der Waffe in der Hand oder durch Überschreiten der russischen Linien überlebten, konnte nur ganz klein sein. Man muß wahrscheinlich noch volle 100 000 zu den amtlich gemeldeten Totenziffern hinzufügen. Es kann daher angenommen werden, daß 250 000 Juden aus(dem früher polnischen) Weißrußland und 120.000 aus Ostgalizien entkamen. Dazu kommt noch eine nennenswerte Verringerung der jüdischen Bevölkerung der ehemaligen polnischen Provinz Wilna vor dem Einmarsch der deut- schen Truppen im Jahre 1941(siehe S. 240f.). Es handelt sich zumin- dest um 30.000. Wenn man alle diese Quellen in Betracht zieht, kommt man zu dem Schluß, daß rund 700.000 Juden aus Vorkriegspolen nach Rußland eniflohen sind. Daraus darf man jedoch nicht die Schlußfolgerung ziehen, daß zur Zeit der Repatriierung des Jahres 1946 700000 Juden aus Vorkriegspolen in der Sowjetunion am Leben waren. Ein Teil von ihnen muß während des Vormarsches der deutschen Armeen durch Rußland in deutsche Hände gefallen sein. Eine noch größere Zahl ging im Laufe der Flucht und Deportierung zugrunde. Im südlichen Sibirien war die Sterblichkeit 569 DIE ENDLOSUNG ANHANG I der Polen, Litauer, Rumänen und Juden sehr groß, aber es ist zweifel- haft, ob man diese Verluste auf Rechnung der Endlösung schreiben kann. Von dieser unbekannten Größe abgesehen, komme ich zu dem Schluß, daß die Zahl der im alten Polen zugrunde gegangenen Juden zwischen 2 350 000 und 2 600 000 liegt. Die Sowjetunion (Einschließlich der baltischen Staaten, aber ausschließlich der früher zu Polen, Rumänien und der Tschechoslowakei ge- hörigen und jetzt in die Sowjetunion eingegliederten Gebiete.) Die erstaunliche Unterschiedlichkeit der Schätzungen der in der Nach- kriegs-Sowjetunion überlebenden Juden wurde schon erwähnt. Auch die Schätzungen der Metzeleien, die die Anklagevertretung im Einsatz- gruppenprozeß vorbrachte, weichen stark voneinander ab. Die Einsatz- gruppenberichte selbst sind zu unübersichtlich und enden zu früh, als daß man aus ihnen einen einigermaßen verläßlichen Schluß ziehen könnte. Aber es hat zumindest einen Versuch gegeben, deutscherseits eine allgemeine Bestandsaufnahme vorzunehmen: Dr. Korherr schrieb am 23. März 1943 in seinem Bericht an Himmler, daß in Rußland und den früheren baltischen Staaten 633300 Juden„umgesiedelt” worden seien. Da diese Ziffer die Juden, die in Ghettos oder Arbeitslager ver- schickt worden waren, ausschloß, bedeuteten die Zahlen des RSHA offen- kundigerweise, daß sie getötet worden sind. Korherr hatte diese Ziffer vom RSHA; sie war vermutlich Einsatzgrup- pen- und anderen Polizeiberichten entnommen und enthält daher wahr- scheinlich Übertreibungen. In Ermangelung anderer Angaben muß sie uns als Grundlage dienen, doch man muß die Zahl derer, die bis Ende 1942 in ehemals polnischen Gebieten, in Weißrußland und der Provinz Wilna getötet worden waren, in Abzug bringen— etwa 150.000. Da- gegen muß man die auf sowjetischem Gebiet und in den baltischen Staaten 1943 und 1944 auf dem Rückzug von Stalingrad bis zur polni- schen Grenze Ermordeten dazuzählen. Ein ziemlich großer Teil der jüdischen Bevölkerung überlebte sogar diesen Zeitabschnitt, aber es handelt sich vor allem um nicht gemeldete Personen, die sich in den be- treffenden Gebieten illegal aufhielten. Die Juden, die bestimmt in deut- sche Hände fielen, lebten hauptsächlich in den Ghettos von Riga, Minsk und Kowno und in Arbeitslagern vor allem in Estland, dem Gebiet um Riga und dem dem Reich eingegliederten Teil Litauens. Es handelt sich hier um etwa 100000 Menschen, und nur sehr wenige von ihnen über- lebten den Krieg. Auf Grund dieser Berechnung ergibt sich eine Gesamtzahl von etwa 580 000 Opfern, aber hier, wie im ehemals polni- schen Weißrußland, gab es unter der flüchtigen jüdischen Bevölke- rung eine sehr große Sterblichkeit, die sich der Kenntnis der Gestapo entzog. Diese Sterblichkeit dürfte die Gesamtzahl der Opfer auf dem Gebiet der Vorkriegs-Sowjetunion und der baltischen Staaten auf 700.000 bis 750.000 bringen; meines Erachtens sollten diese Zahlen an- statt der im Bericht des„Anglo-Amerikanischen Komitees” enthaltenen Ziffer von 1 050 000 verwendet werden. 570 Josef Sch EinsatzgT von 1 Mi 450.000 u fern, die erscheine Heutzuta tische Prı der Jude fassung, einigerm der Jude der gesa Juni 194 überlebt den bese 1.000.000 Schwarz Ergebnis tung, Er Dnjepro] Bevölker und beh rußlands und die auch die Schätzur jedoch ı zitieren, lichten Z daß sie auch sch Mehrhei Diese Z Wander: Eine Ar ein Drit mordun. runde( verschie Tschech. NHANG| Zweifel. Chreiben ZU dem n Juden lich der ikei ge- Sebiete.) :r Nach- Auch die Einsatz- -Einsatz- früh, als ) ziehen cherseits " schrieb and und worden iger ver- IA offen- afzgrup- ar wahr- muß sie bis Ende Provinz 000. Da- altischen ur polni- Teil der aber es den be- in deut- a, Minsk biet um delt sich en über- ich eine Is polni- Bevölke- Gestapo „uf dem ten auf hlen an- haltenen STATISTISCHE ZUSAMMENFASSUNG DER ENDLOSUNG Josef Schechtmann schätzte Ende 1943— also vor der Entdeckung der Einsatzgruppenberichte und bevor die Anklagevertretung in Nürnberg von] Million und sogar 2 Millionen gesprochen hatte—, daß zwischen 650 000 und 850000 Juden in deutsche Hände gefallen seien. Diese Zif- fern, die auf den vorhandenen sowjetischen Berichten begründet waren, erscheinen innerhalb ihrer großen Spanne erstaunlich zutreffend*'. Heutzutage betrachten jedoch weite Kreise solche Zahlen als sowje- tische Propaganda, die beweisen soll, daß die Behörden der Mehrzahl der Juden das Leben gerettet haben. Solomon Schwarz vertritt die Auf- fassung, daß die Politik der Sowjetregierung während des Krieges ein einigermaßen getarnter Antisemitismus war und daß man die Flucht der Juden auf jede nur mögliche Art behindert habe. Er meint, daß von der gesamten jüdischen Bevölkerung der vergrößerten Sowjetunion des Juni 1941, das heißt also von fast 5 Millionen, nur 1850000 den Krieg überlebt haben und daß nicht weniger als 4 Millionen in Rußland und den besetzten Gebieten in deutsche Hände gefallen sind, von denen nur 1.000 000 mit dem Leben davonkamen 2. Schwarz kommt mit Hilfe einer völlig willkürlichen Methode zu diesem Ergebnis und schenkt den deutschen Polizeiberichten keinerlei Beach- tung. Er verwirft die amtlichen Berichte über die Metzeleien in Kiew, Dnjepropetrowsk, Charkow und anderen Städten mit großer jüdischer Bevölkerung, die darauf hindeuten, daß zumindest ein Drittel entkam, und behauptet, daß nur ein Fünftel der jüdischen Bevölkerung Weiß- rußlands, ein Drittel in der Ukraine(wo 1500000 Juden gelebt hatten) und die Hälfte in der russischen Republik entflohen sind. Schwarz lehnt auch die in der Moskauer jiddischen Zeitung„Ainikeit” veröffentlichten Schätzungen der jüdischen Nachkriegsbevölkerung ab. Da sich Schwarz jedoch manchmal nicht scheut,„Ainikeit” als verläßliche Quelle zu zitieren, ist es vielleicht nützlich, einige der in dieser Zeitung veröffent- lichten Zahlen wiederzugeben. Man muß sich dabei vor Augen halten, daß sie aus einer jüdischen Quelle stammen und daß sie ein— wenn auch schwaches— Licht auf die heutige Lage der überwältigenden Mehrheit der überlebenden Juden Europas werfen®%. Kiew AugustalgAo) 7277772100099 Odessa(April 1946).. 2801000, Dnjepropetrowsk(Juni 1946). 2250000 Winniza(September 1946)..... 14000 Schitomir(März 1946)> ea 56000 Diese Zahlen wurden zu einer Zeit veröffentlicht, als die große Rück- wanderung aus dem Inneren des Landes erst begonnen hatte. Schlußfolgerung Eine Analyse der Art dieser Vernichtung würde ergeben, daß über ein Drittel der verschwundenen Juden Europas nicht durch direkte Er- mordung, sondern an Überarbeitung, Seuchen, Hunger und Elend zu- grunde gegangen ist. Dieser Anteil ist jedoch in den einzelnen Ländern verschieden. In Deutschland, Österreich und im westlichen Teil der Tschechoslowakei beträgt er vielleicht bis zu 80 v. H., während er in 571 DIE ENDLOSUNG ANHANG I Rußland infolge der Natur der dort getroffenen Massenausrottungs- maßnahmen sehr niedrig ist. Was die Deportierten aus den westlichen Ländern und Griechenland und einen Großteil der aus Ungarn Ver- schleppten betrifft, war der Anteil derer, die nicht eines gewalttätigen Todes starben, von der Selektion in Auschwitz abhängig und lag wahr- scheinlich um 25 v. H. In Rumänien wird der Anteil derer, die langsam zugrunde gingen, durch das eigenartige Schicksal der nach Trans- nistrien Deportierten auf fast 50 v.H. gebracht. In Polen, wo Hunger und Seuchen noch vor Beginn der Ausrottungsmaßnahmen sehr viele Menschen hingerafft haben, beträgt der Anteil wahrscheinlich über ein Drittel. Außer den Vergasungen in Auschwitz und den polnischen Vernichtungs- lagern müssen über 1 Million Juden von den Hinrichtungskommandos erschossen oder während der Razzien in den Ghettos umgebracht wor- den sein. Auschwitz hat wahrscheinlich trotz seiner ungeheuren sym- bolischen Bedeutung weniger als ein Fünftel der Opfer gefordert (siehe$. 523). 572 Schätzung Deutschla (Grenzen Osterreic Tschechos Grenzen Dünemar Frankreic Belgien Holland Luxembu Norwege Italien Jugoslaw Griechen Bulgarie (Vorkrie INHANG ı "Offungs- estlichen arn Ver- tätigen 19 wahr- langsam h Trans- ) Hunger ehr viele über ein ichtungs- Nmandos icht wor- ren sym- jefordert STATISTISCHE ZUSAMMENFASSUNG DER ENDLOSUNG Schätzungen über den zahlenmäßigen Umfang der Ausrottungen Mindest- Höchst- zahl zahl Deutschland 160 000 180 000 (Grenzen von 1937) Österreich 58 000 60 000 Tschechoslowakei 233 000 243 000 (Grenzen von 1937) Dänemark(weniger als 100) Frankreich 60 000 65 000 Belgien 25 000 23 000 Holland 104 000 104 000 Luxemburg 3000 3000 Norwegen 700 70 Italien 8 500 9500 Jugoslawien 55 000 58 000 Griechenland 57 000 60 000 Bulgarien—_—_ (Vorkriegsgrenzen) Rumänien 200 000* 220 000* (Vorkriegsgrenzen) Ungarn 180 000 200 000 (Grenzen vor Erstem Wiener Schiedsspruch) Polen 2 350 000* 2 600 000* (Vorkriegsgrenzen) Sowjetunion 700 000* 750 000* (Vorkriegsgrenzen plus baltische Staaten) Schätzungen des Anglo-Amerikan. Komitees, April 1946 195 000 53.000 255 000 1500 (meist Flüchtlinge in Schweden) 140 000 57 000 120 000 3000 1.000 20 000 64 000 64 000 5000 530 000 200 000 3271 000 1.050.000 6 029 500 Abzüglich DPs 308.000 4 194 200* 4.851 200* 5721 500 * Verläßliche Zahlenangaben liegen in diesem Fall nicht vor. Es handelt sich also nur um annähernde Schätzungen. Anhang Il Das Schicksal einiger der für die Endlösung Verantwortlichen Die nachstehende Liste ist dazu angetan, höchst beunruhigende Be- trachtungen auszulösen. Zunächst einmal zeigt es sich, daß eine un- verhältnismäßig große Anzahl von Menschen trotz ihrer notorischen Tätigkeit in der Lage war, unterzutauchen und zehn Jahre lang unent- deckt zu bleiben. Von 32 der 208 in der Liste angeführten Personen wurde keine Spur gefunden, während weitere 17, deren Aufenthalt be- kannt ist, bisher(März 1956) nicht vor Gericht gestellt wurden. Unter jenen, die spurlos verschwunden sind, befinden sich Heinrich Müller und Adolf Eichmann, die beiden größten Massenmörder nach Himmler. Der Zufall hat überreichlich dazu beigetragen, daß sie unentdeckt blie- ben. Mit jenen, die durch das vereinfachte Verfahren, das bis November 1947 eingehalten wurde, an diejenigen Staaten ausgeliefert wurden, die jetzt als„Länder hinter dem Eisernen Vorhang” betrachtet werden, wurde im allgemeinen kurzer Prozeß gemacht. Während die polnische Regierung in die Länge gezogene und auf Publikumswirkung abge- stellte Prozesse bevorzugte, haben die Russen z.B. in Riga am 3. Februar 1946 eine ganze Gruppe von Generälen am Morgen vor Gericht ge- stellt und am Nachmittag hingerichtet. Ganz anders war das Schicksal jener, die nach der Auflösung der Kommission der Vereinten Nationen für Kriegsverbrechen im Jahre 1948 der Rechtsprechung deutscher Ge- richte übergeben wurden. Namen wie die von Horst Wagner, Eberhard von Thadden, Georg Leibbrandt*, Otto Bräutigam* und Ernst Wetzel kom- men ziemlich häufig in diesem Buch vor, das die Einzelheiten des Massen- mordes darstellt. Aber nicht einer von ihnen ist in Haft. Einer ihrer weniger glücklichen Kollegen, Franz Rademacher(siehe S.413), stand im Februar und März 1952 vor Gericht, als sein Verteidiger den glück- lichen Einfall hatte, einige seiner Mitarbeiter als Zeugen zu laden, die gleich Rademacher Akten unterschrieben hatten, die mit der Massen- deportierung der Juden„nach dem Osten” in Verbindung standen. Einige dieser Herren hatten inzwischen in Bonn in der Koblenzer Straße, der Nachfolgerin der Wilhelmstraße, im Auswärtigen Amt der Bundes- republik festen Fuß gefaßt. Dementsprechend ging das Urteil über Rade- macher davon aus, daß er in den meisten Fällen nur ein Postbote ge- wesen sei— wie Freiherr von Weizsäcker seine eigene Rolle beschrieben hatte. In zwei Fällen kam das Gericht zu der Ansicht, daß Rademacher * Georg Leibbrandt und Otto Bräutigam siehe Fußnote$. 580. 574 DAS zrsönlich mi fünf M er sich unfe nicht auf I großen Te fängnisstra Strafnachle gewährt. wurde ohn sich nur d rufen, die verurteilt\ Jahren ver Jassen, Alt Jahre erhe Unverfrore kleines Zin erlaubt hal schichte, di aus Belsen von zehn. entlassen. Frauen die Die Bestim Zeit, die q gefangene haltung vo gesetzt, al klagte wu Iegien, die gewähren, eine Beurl igende Be- hi eine UN- notorischen lang unent- en Personen fenthalt be- den. Unter Müller und immler, tdeckt blie- ; November urden, die et werden, e polnische ung abge- n 3, Februar Gericht ge- as Schicksal ın Nationen utscher Ge- r, Eberhard Vetzel kom- Jes Massen- Einer ihrer 413), stand - den glück- ı laden, die 'er Massen- 1g standen. ızer Straße, jer Bundes- über Rade- „stbote ge: eschrieben 'ademacher DAS SCHICKSAL EINIGER DER FÜR DIE„ENDLOSUNG“ VERANTWORTLICHEN persönlich Druck ausgeübt habe, und dafür wurde er zu drei Jahren und fünf Monaten Gefängnis verurteilt— ein Urteil, dessen Vollstreckung er sich unter Preisgabe der hinterlegten Kaution durch die Flucht entzog. Die Milde der Justiz gegenüber Kriegsverbrechern beschränkte sich richt auf jene, die vor deutsche Gerichte gestellt wurden. Auch einem großen Teil der von britischen oder amerikanischen Gerichten zu Ge- fängnisstrafen verurteilten Angeklagten wurde bei guter Führung ein Strafnachlaß in Höhe von einem Drittel oder sogar der Hälfte der Haft gewährt. Strafnachlaß als Folge eines gefügigen Benehmens in der Haft wurde ohne Rücksicht auf die Natur des Verbrechens gewährt. Man muß sich nur den Fall der Aufseherinnen von Ravensbrück in Erinnerung rufen, die von einem britischen Gericht in Hamburg im Februar 1947 verurteilt wurden. Margarete Mewes, die zu einer Strafe von zehn Jahren verurteilt worden war, wurde Weihnachten 1951 aus Werl ent- lassen, Alfrede Mönneke und Ilse Vettermann, die zehn bzw. zwölf Jahre erhalten hatten, am 14. Juni 1952. Margarete Mewes hatte die Unverfrorenheit, sich dessen zu rühmen, daß man ihr ein hübsches, kleines Zimmer im Hause des Gefängnisdirektors zugewiesen und ihr erlaubt habe auszugehen, um ihre Einkäufe zu besorgen— eine Ge- schichte, die offiziell dementiert werden mußte. Fünf der Aufseherinnen aus Belsen, die in Lüneburg am 15. November 1945 Gefängnisstrafen von zehn Jahren erhielten, wurden kaum sechs Jahre später aus Werl entlassen. Liest man ihre Aussagen in Lüneburg, sieht man, wie diese Frauen die Funktion eines Gefängnisses im SS-Staat auslegten. Die Bestimmungen über den Strafnachlaß beziehen sich auch auf die Zeit, die der oder die Beireffende in der Internierung oder im Kriegs- gefangenenlager verbracht hat. In manchen Fällen wurde eine Fest- haltung vor dem Prozeß einer Gefängnisstrafe von sechs Jahren gleich- gesetzt, abgesehen von dem Recht auf Strafnachlaß, und der Ange- klagte wurde nach angeblicher Verbüßung seiner Strafe mit allen Privi- legien, die die Haager Konventionen einem kriegsgefangenen Offizier gewähren, freigelassen. Die deutsche Strafprozeßordnung sieht auch eine Beurlaubung aus dem Gefängnis vor, und diese Vergünstigung wurde den Insassen von Werl und Landsberg mit langen Gefängnis- strafen, einschließlich den Feldmarschällen Manstein und Kesselring und dem SS-General Kurt Meyer, zuerkannt. Ihnen ist inzwischen auch diese Beschränkung erlassen worden: sie sind auf freiem Fuß. Einige Urteile, die von den deutschen Spruchkammern gefällt wurden, müssen als geradezu grotesk angesehen werden. Der Begriff„Arbeits- lager“ kann als Zwangsarbeit verstanden werden, die der Schuldige auf Grund einer gerichtlichen Anordnung an seinem Wohnort ableisten kann— oder auch nicht; ein Ausweg, den man in Fällen von älteren SS-Polizeigenerälen und anderen anzuwenden für gut befand, die sich in Nürnberg den Alliierten als Zeugen zur Verfügung stellten. Auch das Schicksal der zum Tode Verurteilten war nicht einheitlich. Im Nürnberger Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher(1945/46) wur- den 11 der 21 Angeklagten zum Tode verurteilt, und die Urteile wurden 14 Tage später vollstreckt. Aber die 7 Angeklagten, die am 27. August 38* 375 DIE ENDLOSUNG ANHANG Il 1947 im Ärzteprozeß zum Tode verurteilt wurden, sind dank der Ver- zögerungstaktik ihrer Anwälte erst im Juni 1948 hingerichtet worden. Innerhalb dieser zehn Monate gab es jedoch unter dem Einfluß der Ver- öffentlichungen über das amerikanische Gericht in Dachau eine deut- liche Schwenkung in der öffentlichen Meinung, die sich jetzt gegen die als rachsüchtig bezeichneten Urteile wandte. Das Dachauer Gericht, das im Dezember 1947 aufgelöst wurde, hatte über 1500 deutsche An- geklagte zu richten, von denen 420 zum Tode verurteilt wurden. Im Herbst 1947 wurde seine Rechtsprechung von einer Untersuchungskom- mission überprüft, die unter Leitung des Richters Gordon Simpson vom Obersten Gericht des Staates Texas stand. Die Kommission empfahl die Begnadigung von 29 zum Tode verurteilten Angeklagten und gab der Meinung Ausdruck, daß man Aussagen sowohl von Angeklagten als auch von Zeugen auf höchst fragwürdige Weise erlangt habe. Am 3. November 1947, als diese Angelegenheit im Mittelpunkt der Er- örterung stand, wurde der sogenannte Konzentrationslager-Prozeß in Nürnberg abgeschlossen. Nur 4 der 15 Angeklagten wurden zum Tode verurteilt, und nur einer von ihnen, Oswald Pohl, wurde hingerichtet, und zwar erst am 8. Juni 1951, als sich gezeigt hatte, daß das Gewicht der ihm zur Last gelegten Taten eine Begnadigung ausschloß. Weitere neun Nürnberger Prozesse folgten diesem Fall, aber nur in einem von ihnen, dem Prozeß der Einsatzgruppen, der im April 1948 abgeschlossen wurde, gab es Todesurteile. Die Anklage lautete auf offenen und un- verhüllten Massenmord, und 14 der 21 Angeklagten wurden zum Tode verurteilt. Aber nur 4 wurden tatsächlich hingerichtet. Einer der vier- zehn, die die rote Jacke der zum Tode Verurteilten trugen, ist bereits auf freiem Fuß. Die Befehlshaber der Einsatzgruppen, Ohlendorf, Braune, Naumann und Blobel, wurden am 8. Juni 1951 im Gefängnis von Lands- berg gehängt. Am gleichen Tage endeten Oswald Pohl, Schallmair, der Kommandant des Lagers Mühldorf, und Hans Schmidt, der Adjutant von Buchenwald, am Galgen. Es waren die letzten Todesurteile, die auf An- ordnung der Westmächte vollstreckt wurden. Während der drei bis dreieinhalb Jahre, die diese Leute auf die Voll- streckung des über sie verhängten Urteiles zu warten hatten, war genügend Zeit, um gemeinen Mördern die Aura des Patriotismus und Märtyrertums zu verleihen. Als die Bundesregierung im Juli 1952 eine gerichtliche Entscheidung gegen Remers Sozialistische Reichspartei(SRP) anstrebte, führte die Anklage aus, daß die Partei die Landsberger„Rot- jacken“ als die„sieben großen Deutschen” verehre und sie in eine Reihe mit den Toten der zwei Weltkriege stelle. Dann gab es Todesurteile, die zwar nicht in Gefängnisstrafen umgewan- delt, aber trotzdem nicht vollstreckt wurden. So wurden SS-Ober- gruppenführer Kurt Oberg, der Höhere SS- und Polizeiführer, und SS- Standartenführer Helmuth Knochen, der Befehlshaber der Sicherheits- polizei in Nordfrankreich und Belgien, im Jahre 1946 von britischen Gerichten zum Tode verurteilt, aber sie wurden nach Paris überführt, wo sie sich gegen weitere Anklagen verantworten sollten. Die Verhand- lung gegen sie fand in Paris erst im Juli 1954 statt, als ihre Namen 576 DAS längst v® Tode ve! vollstreck Eduard SI zwar in N um sich W siye im Di haus in Bi In vielen kommen, die mit| verschickt sie sich von Kriet pflichtet 1 Abmachur der Vereii abschließe Wirkung. Tschechos wurden. Die letzte 1950, und mals hanc das Krakc ierten ver dete, anf wirkung der sich geliefert Justizmini brechern, waren.] geliefert in dieser Globocni Zwischen der früh 1950 an stellt, Sa blutig ni In Frankr verfolgt ANHANG|| nk der Ver. 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SS-Obergruppenführer Eduard Strauch, der Mcssenmörder aus dem Ghetto von Minsk, wurde zwar in Nürnberg zum Tode verurteilt, aber dann nach Brüssel gebracht, um sich wegen brutaler Ausschreitungen während der Ardennenoffen- sive im Dezember 1944 zu verantworten. Er starb 1955 in einem Kranken- haus in Brüssel. In vielen Fällen ist der Zeitfaktor den Kriegsverbrechern zugute ge- kommen, denn die öffentliche Meinung sträubt sich gegen Anklagen, die mit jahrelanger Verspätung erhoben werden. Im Dezember 1950 verschickte die britische Regierung eine Note, in der sie erklärte, daß sie sich auch in ganz eindeutigen Fällen nicht mehr zur Auslieferung von Kriegsverbrechern aus der britischen Zone in Deutschland ver- pflichtet fühle. Die Begründung dafür lautete, daß die ursprüngliche Abmachung von der Annahme ausgegangen sei, daß die Regierungen der Vereinten Nationen die Prozesse gegen die Kriegsverbrecher rasch abschließen würden. Dieser Schritt hatte eine einigermaßen unerwartete Wirkung. Die Russen lieferten sofort fünf deutsche Generäle an die Tschechoslowakei aus, die alle am 25. August 1951 in Prag hingerichtet wurden. Die letzte Auslieferung aus der britischen Zone erfolgte am 29. Oktober 1950, und der deutsche Aufschrei, der diesem Fall gefolgt war— da- mals handelte es sich um den SS-Sturmbannführer Willi von Haas, der das Krakauer Ghetto liquidiert hatte—, scheint die britische Note ver- anlaßt zu haben. Am 14. November 1950 wurde von allen Parteien mit Ausnahme der Kommunisten im Bundestag eine Interpellation einge- bracht, die die Beendigung aller Auslieferungsverfahren durch die Alli- ierten verlangte. Als der Abgeordnete, der die Interpellation begrün- dete, anführte, daß die Regierung von Württemberg-Baden ihre Mit- wirkung bei Verhaftungen verweigert habe, gab es anhaltenden Beifall, der sich noch steigerte, als der Redner fortfuhr:„Wer nach Polen aus- geliefert wird, tritt den Marsch zum Galgen an.” Solche Verallgemeinerungen werden gern geglaubt, aber sie müssen nicht unbedingt richtig sein. Am 15. November 1947 hatte das polnische Justizministerium bekanntgegeben, daß von 296 deutschen Kriegsver- brechern, die vor Gericht gestellt wurden, 48 freigesprochen worden waren. 1602 Deutsche waren bis dahin an die polnischen Behörden aus- geliefert worden. Es scheint, daß das polnische Justizministerium sich in dieser Sache nicht sehr beeilt hat, und selbst dort, wo Frank und Globocnik ihre Verbrechen begingen, hat sich das politische Klima in- zwischen gründlich geändert. Weder Willi von Haas noch Erich Koch, der frühere Gauleiter von Ostpreußen und Bialystok, der im Februar 1950 an Polen ausgeliefert worden war, wurde bisher vor Gericht ge- stellt. Selbst Jürgen Stroop, der den Aufstand im Warschauer Ghetto blutig niedergeschlagen haite, wurde erst im September 1951 gehängt. In Frankreich wurden die Gestapomörder offenkundig mit weniger Eifer verfolgt als ihre wirklichen oder angeblichen französischen Kollabora- 577 DIE ENDLOSUNG ANHANG II teure. Ende 1951 wurde während der Verhandlung gegen einen ob- skuren Denunzianten bekannt, daß man überhaupt keinen Versuch ge- macht hatte, den SS-Sturmbannführer Barbie von der Gestapo in Lyon, den Helden der Expedition gegen das Kinderheim in Izieux(siehe Seite 370), vor Gericht zu stellen. Die Zahl der von französischen Ge- richten zum Tode verurteilten Kriegsverbrecher liegt bestimmt unter 100. Aber der französische Justizminister erklärte am 11. April 1952, daß seit der Befreiung 10 519 Franzosen hingerichtet worden seien; davon waren nur 846 von ordentlichen Gerichten verurteilt worden. Damals, 7Y, Jahre nach der Befreiung, saßen immer noch 2400 Kollaborateure im Gefäng- nis. Aber im Gefängnis für deutsche Kriegsverbrecher in Wittlich, in der französischen Zone Deutschlands, waren nur mehr 185 Häftlinge übriggeblieben, und 18 von ihnen wurden zur Feier des 14. Juli im gleichen Jahr freigelassen. Ende 1951 befanden sich insgesamt 855 deutsche Kriegsverbrecher in den drei alliierten Gefängnissen Landsberg, Werl und Wittlich. Die letzten verfügbaren Zahlen(Juli 1955) für die drei Gefängnisse lauten: Landsberg 43, Werl 27 und Wittlich 18 Häftlinge; insgesamt 88. Im Dezember 1951 forderte das Bulletin des Informationsamtes der Bundes- regierung eine Wiederaufnahme der Verfahren gegen alle Häftlinge in Werl, wobei das Wort„Kriegsverbrecher“” in Anführungszeichen gesetzt wurde. Selbst wenn man von der Ansicht ausgeht, daß Dr. Adenauer und seine Regierungskollegen nicht anders handeln können, ergibt sich die folgende groteske und beunruhigende Situation: wenn irgendeiner von den Hauptkriegsverbrechern sich außerhalb Deutschlands verbergen sollte, ist die Bundesregierung in Bonn die einzige, die heute seine Aus- lieferung verlangen kann. Nahezu überall in der Welt wären Eichmann, der Mann, der sich rühmte, 5000 000 Menschen auf dem Gewissen zu haben, und Heinrich Müller, der sich mit diesem Verbrechen mit mehr Recht brüsten könnte, heute in der Lage, aus der Verborgenheit hervor- zutreten, ohne irgend etwas befürchten zu müssen. (Die Namen der Hauptbeteiligten sind in Großbuchstaben gedruckt.) ABETZ, Otto. 1940—44 Botschafter bei der Regierung Petain. Vom Militärgericht in Paris am 22. Juli 1949 zu 20 Jahren Zwangsarbeit ver- urteilt. Freigelassen im April 1954. Albrecht, Emil. Chef der Rechtsabteilung des Auswärtigen Amtes bis 1945. Wurde nicht angeklagt. Vom Ankläger im Wilhelmstraßen-Prozeß zur Mitarbeit herangezogen. ANTIGNAC, Hauptmann Joseph. Chef der„Antijüdischen Polizei” der Vichy-Regierung. In Paris am 9. Juli 1949 zum Tode verurteilt. Zu lebenslänglichem Kerker begnadigt. ANTONESCU, Marschall Ion, Ministerpräsident von Rumänien, und ANTONESCU, Mihai, Stellvertretender Ministerpräsident. In Buka- rest am 18. September 1944 verhaftet. Am 1. Juni 1946 auf Grund eines Urteils des Bukarester Volksgerichtes hingerichtet. 578 in Rigd. 1941 mit. men, abe BAA Frankfur! yerurteil Bac Polizeifü 31. Mär: verurteilt nau, Frai BAK rischen I Volksgei Bene für die tierungei Ben regierun Wurde ı BER Himmler einem c Gefäng: gesetzt. BES der Juc Tode vı Am 29, BIE 1947 in BL/ folger Mannse unauffir BLC mando: Leiter( verurte BC scher( vor er Selbstn lung"< Tode h7 ANHANG|| Einen ob- 'ersuch ge- ’0 in Lyon, IEUX(siehe ISchen Ge. t unter 100. 32, daß seit Ivon waren , 7% Jahre m Gefäng- Wittlich, in ) Häftlinge 14. Juli im rbrecher in 'itlich. Die sse lauten: amt 88. Im ler Bundes- e Häftlinge hen gesetzt . Adenauer ergibt sich rgendeiner ; verbergen seine Aus- n Eichmann, ‚ewissen ZU 'n mit mehr heit hervor- \ gedruckt.) etain. Vom sarbeit ver- n Amtes bis Ben-Prozeß ıen Polizei" rurteilt. Zu nänien, und ıt. In Buka- zrund eines PS — DAS SCHICKSAL EINIGER DER FÜR DIE„ENDLOSUNG” VERANTWORTLICHEN ARAJS, Major Viktor. Chef der lettischen„Perkonkrust”-Gruppe in Riga. Arbeitete an der Vorbereitung der Massenmorde des Jahres 1941 mit. Im Juli 1949 in der britischen Zone in Deutschland festgenom- men, aber später aus der Haft entflohen. BAAB, Heinrich. Kriminalsekretär der Gestapo in Frankfurt. Vom Frankfurter Schwurgericht im März 1950 zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Bach-Zelewski, Generalleutnant Erich von dem. Höherer SS- und Polizeiführer in Rußland. Von der Münchener Hauptspruchkammer am 31. März 1951 zu 10 Jahren Arbeitslager und Vermögenseinziehung verurteilt. Lebte im Oktober 1952 unter nominellem Hausarrest in Laffe- nau, Franken. BAKY, Läszlo. Kommissar für jüdische Angelegenheiten im unga- rischen Ministerium des Innern. Auf Grund eines Urteils des Budapester Volksgerichtes im Januar 1946 hingerichtet. Bene, Otto. Generalkonsul. Vertreter des A. A. beim Zivilkommissar für die Niederlande. Führte genaue Aufzeichnungen über die Depor- tierungen von Juden aus den Niederlanden(1942/43). Nicht angeklagt. Benzler, Felix. 1941 Gesandter bei der serbischen Marionetten- regierung Nedic. Verlangte totale Deportation der Belgrader Juden. Wurde nicht angeklagt. BERGER, SS-General Gottlob. Chef des Hauptamtes der SS und Himmlers persönlicher Vertreter im Ostministerium Rosenbergs. Von einem amerikanischen Gericht in Nürnberg im April 1949 zu 25 Jahren Gefängnis verurteilt. Strafe am 31. Januar 1951 auf 10 Jahre herab- gesetzt. Ein Jahr später auf freien Fuß gesetzt. BEST, Karl Werner. Reichsbevollmächtigter in Dänemark und Leiter der Judendeportationen im Oktober 1943. 1946 in Kopenhagen zum Tode verurteilt. Am 20. Juli 1949 zu 12 Jahren Gefängnis begnadigt. Am 29. August 1951 auf freien Fuß gesetzt. BIEBOW, Hans. 1940—44 Ghettoverwalter in Lodz. Am 24. April 1947 in Lodz hingerichtet. BLANKENBERG, Werner. Amtschef in der Kanzlei des Führers. Nach- folger Bracks in der Leitung der Euthanasie-Aktion. Stellte 1942/43 Mannschaften für die polnischen Todeslager zur Verfügung. Absolut unauffindbar. BLOBEL, SS-Standartenführer Paul. Befehlshaber des Sonderkom- mandos 4a in Rußland. Organisierte das Massaker in Kiew. 1942—44 Leiter der Exhumierungsaktion. Im April 1948 in Nürnberg zum Tode verurteilt, aber erst am 8. Juni 1951 in Landsberg hingerichtet. BOHME, General Franz. Verantwortlich für die Erschießung jüdi- scher Geiseln in Serbien im Oktober 1941. Verübte im Juni 1947, be- vor er vor Gericht gestellt werden konnte, im Nürnberger Gefängnis Selbstmord. BOEPPLE, Dr. Ernst. Staatssekretär in der Regierung des General- gouvernements in Krakau. Arbeitete mit Globocnik bei der„Umsied- lung” der polnischen Ghettos zusammen. Im Februar 1950 in Krakau zum Tode verurteilt. 579 i | DIE ENDLOSUNG ANHANG II BORMANN, Martin. Chef der Parteikanzlei und Privatsekretär Hit- lers. Vom Nürnberger Internationalen Militärgerichtshof am 30. Sep- tember 1946 in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Man nimmt an, daß er beim Verlassen von Hitlers Bunker in Berlin am 30, April 1945 von einer russischen Granate getötet worden ist. BOTMANN, SS-Hauptsturmführer. 1942—44 Befehlshaber des To- deslagers Chelmno. Nicht auffindbar. BOUHLER, Philipp. Chef der Kanzlei des Führers und Leiter der Euthanasie-Aktion. Hat am 10. Mai 1945 in Görings Haus in Fischhausen bei Zell am See Selbstmord begangen. Bousquet, Rene. Polizeiminister der Regierung Petain. In die große Pariser Judenrazzia vom Juli 1942 verwickelt. Im Juni 1949 zum Verlust der Bürgerrechte auf die Dauer von fünf Jahren verurteilt. BRACK, Viktor. Oberdienstleiter in der Kanzlei des Führers. Leitete die Aufstellung von Gaskammern in Polen. Im Ärzteprozeß zum Tode verurteilt und am 2. Juni 1948 in Landsberg hingerichtet. BRANDT, SS-Hauptsturmführer. 1942/43 Umsiedlungskommissar in Warschau. Wurde angeblich im Sommer 1947 in Österreich verhaftet. BRANDT, Dr. Rudolf. SS-Obergruppenführer und persönlicher Re- ferent Himmlers. Im Ärzteprozeß zum Tode verurteilt, aber auch ver- antwortlich für viele andere, von Himmler im Zusammenhang mit der Endlösung ergangene Befehle. Am 2. Juni 1948 in Landsberg hinge- richtet. Brauchitsch, Generalfeldmarschall Walther von. Hätte zusammen mit Rundstedt vor ein britisches Militärgericht gestellt werden sollen, wurde aber krankheits- und altershalber entlassen. Ist 1948 gestorben. Es konnte niemals festgestellt werden, ob ihm Hitlers Befehl zur Judenaus- rottung auf der der Invasion der Sowjetunion vorangegangenen Be- sprechung mitgeteilt worden war. BRÄUTIGAM, Otto*. Verbindungsbeamter von Rosenbergs Ost- ministerium zum Oberkommando der Wehrmacht. Vom Landgericht Nürnberg wegen behaupteter Teilnahme an der Ausrottung der russi- schen Juden im Januar 1950 in Untersuchung gezogen. Bis jetzt nicht vor Gericht gestellt. * In einem Urteil des Landgerichtes Nürnberg-Fürth, Il. Strafkammer, vom 10. 8. 1950 (A. Z.: 72 Ks. 3/50) ist in dem Strafverfahren gegen 1. Dr. Leibbrandt 2. Dr. Bräutigam folgender Beschluß erlassen worden: 1. Die Anordnung der Hauptverhandlung ist abgelehnt 2. Die Angeschuldigten werden außer Verfolgung gesetzt 3. Die Verfahrenskosten trägt die Staatskasse. In der Begründung erklärt das Landgericht Nürnberg-Fürth u. ao. folgendes „Zusammengefaßt ergibt sich, daß die bisherigen Ermittlungen keinen Beweis dafür erbracht haben, daß die Angeschuldigten zur Ausrottung der Juden in den besetzten Ostgebieten durch Rat oder Tat wissentlich Beihilfe geleistet oder als Amtsvorgesetzte strafbare Handlungen ihrer Untergebenen wissentlich geduldet haben und daß der Angeschuldigte Leibbrandt daneben den Tatbestand des Abs. 2$ 357 STGB verwirklicht habe.”(Anm. d. Verl.) 580 D BRL reichste nikiı," erichts . Buc Begnad des Pro Selbstm BÜI rung in rottung verurfel BÜ) Lothrinc Gebiete Co lager A wjetunii Co) rium. de nicht b tatione spurlos D' Judenfr De mission ANHANG|) kretär Hi 9. Sep- t an, daß 1945 yon PT des To- leiter der Ischhausen die große um Verlust ETS, Leitete zum Tode missar in verhaftet, Nlicher Re- auch ver- g mit der erg hinge- mmen mit len, wurde orben. Es Judenaus- genen Be- jergs Ost- andgericht der russi- jetzt nicht n 10. 8. 1950 eweis dafür an besetzten tsvorgeselzit nd daß der verwirklicht E | | | DAS SCHICKSAL EINIGER DER FÜR DIE„ENDLOSUNG” VERANTWORTLICHEN BRUNNER, SS-Sturmbannführer Anton Alois. Eichmanns erfolg- reichster Fachmann für Judendeportationen. War in Wien, Berlin, Salo- niki, Paris und Preßburg tätig. Auf Grund eines Todesurteils des Volks- gerichts in Wien am 10. Mai 1946 hingerichtet. Buch, Major Walter. Vorsitzender des Parteigerichtes. Empfahl die Begnadigung der Mörder vom 9. November 1933. Beging vor Eröffnung des Prozesses gegen ihn in einem alliierten Internierungslager 1949 Selbstmord. BÜHLER, Josef. Staatssekretär in Generaigouverneur Franks Regie- rung in Krakau. Drängte bei der Wannsee-Besprechung auf die Aus- roitung der polnischen Juden. Am 20. Juli 1948 in Warschau zum Tode verurteilt. BÜRCKEL, Josef. Gauleiter von Wien und später von Saarland- Lothringen. Verantwortlich für die Deportation von Juden aus diesen Gebieten(1939/40). Beging im September 1944 Selbstmord. Clauberg, Professor Dr. Führte Sterilisierungsexperimente im Haupt- lager Auschwitz durch(1942—-44). Kehrte im Oktober 1955 aus der So- wjetunion nach Deutschland zurück. Conti, Leonardo. Staatssekretär für Gesundheitswesen im Ministe- rium des Innern. Seine Teilnahme an der Einrichtung von Gaskammern nicht bewiesen. Beging im Oktober 1945 im Nürnberger Gefängnis Selbstmord. Cukurs, Herbert. Vertreter von Arajs(siehe diesen) während der Massoker in Riga. Soll im Jahre 1949 Inhaber eines Vergnügungsbootes in Rio de Janeiro gewesen sein. DALUEGE, SS-Hauptsturmführer Kurt. Chef der Ordnungspolizei. Unterschrieb im Oktober 1941 den Befehl zur Deportierung der Juden aus dem Reich. Am 20. Oktober 1946 in Prag hingerichtet. DANNECKER, SS-Haupitsturmführer Theodor. Leiter der Judendepor- tationen aus Frankreich(1942), Bulgarien(1943) und Italien(1944). Ist spurlos verschwunden. D’ARQUIER de Pellepoix. Nachfolger Vallats als Kommissar für die Judenfrage der Regierung Petain. 1947 zum Tode verurteilt. Dering, Dr. Wladislaw. Von der sowjetischen Untersuchungskom- mission als Mitarbeiter von Dr. Schumann bei dessen Experimenten in Auschwitz bezeichnet. In England 1947 verhaftet, aber aus Mangel an Beweisen wieder freigelassen. Leitet gegenwärtig ein Krankenhaus in Britisch-Somaliland. EICHMANN, SS-Obersturmbannführer Karl Adolf. 1940—45 Leiter der Judenabteilung der Gestapo. Wurde zuletzt am 3. Mai 1945 in Alt- Aussee gesehen. W. Höttl zufolge soll Eichmann im November 1945 aus einem amerikanischen Internierungslager geflohen sein. ENDRE, Läszlo. Kommissar für Judenfragen im ungarischen Ministe- rim des Innern. Auf Grund eines Urteils des Budapester Volksgerichts im Januar 1946 hingerichtet. ENTRESS, SS-Hauptsturmführer Dr. Ferdinand. Volksdeutscher Arzt aus Polen, der an der Ausrottung der Kranken in Auschwitz mitwirkte. Am 22. November 1947 in Krakau zum Tode verurteilt. 581 DIE ENDLOSUNG ANHANG II Falkenhausen, General Alexander von. Am 7. März 1951 in Brüssel zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt, aber wenige Wochen darauf frei- gelassen. FERENCZY, Major Läszlo. Leiter des Verbindungsdienstes zwischen Eichmann und der ungarischen Miliz. Im Januar 1946 vom Budapester Volksgericht zum Tode verurteilt. FISCHER, Dr. Ludwig. Landkommissar für Warschau. Am 8. März 1947 in Warschau wegen seiner Mitwirkung an der Liquidierung des Warschauer Ghettos hingerichtet. Förster, Albrecht. Gauleiter von Danzig-Westpreußen. Am 29. April 1948 in Danzig zum Tode verurteilt. Die gegen ihn erhobene Anklage bezog sich auch auf die Deportation von Juden. Wurde möglicherweise begnadigt. FRANK, Hans. 1939—45 Generalgouverneur von Polen. Im Nürn- berger Gefängnis am 16. Oktober 1946 hingerichtet. Frank, Karl Hermann. Deutscher Staatsminister und Stellvertreten- der Reichsprotektor in Böhmen und Mähren. In Prag am 22. Mai 1946 hingerichtet. Freisler, Roland. Vorsitzender des Volksgerichtshofes. Durch eine alliierte Bombe in Berlin im Oktober 1944 getötet. FRIEDL, SS-Sturmbannführer Gustav. Befehlshaber der Sicherheits- polizei in Bialystok. Leitete im September 1943 die Liquidierung des Ghettos in Bialystok. Unter dieser Anklage im Januar 1950 in Bialystok zum Tode verurteilt und hingerichtet. FUCHS, SS-Obersturmbannführer. 1941/42 Befehlshaber der Sicher- heitspolizei in Belgrad. Am 22. November 1946 in Belgrad zum Tode verurteilt. FUNTEN, SS-Hauptsturmführer Ferdinand Aus der. Leitete die Ab- teilung Amsterdam von Eichmanns Dienststelle und führte die Deportie- rungen der Jahre 1942—44 durch. Im Haag am 27. Dezember 1949 zum Tode verurteilt; im Oktober 1952 zu lebenslänglichem Kerker begnadigt. Funk, Walter. Reichswirtschaftsminister. In Nürnberg am 1. Oktober 1946 zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Ganzenmüller, Theodor. Staatssekretär im Reichsverkehrsministe- rium. Stellte die Züge für die Deportierungen aus Warschau ins Todes- lager Treblinka zur Verfügung. Wurde nicht angeklagt. GERSTEIN, SS-Obersturmführer Kurt. Leiter der Abteilung für Des- infektionsgase des SS-Gesundheitsamtes. Hat die Bereitstellung von Zyklon B-Gas für die Todeslager eingestanden. Die Berichte über seinen Selbstmord im Pariser Gefängnis Fresnes im Juli 1945 scheinen nicht voll bestätigt. GIESLER, Paul. Seit 1943 Gauleiter von München und Oberbayern. Hat die Ausrottung der Juden in Dachau zu Kriegsende geplant. Hat am 3. Mai 1945 bei Berchtesgaden Selbstmord begangen. GLOBOCNIK, SS-Obergruppenführer und Generalleutnant der Polizei Odilo. Höherer SS- und Polizeiführer in Lublin bzw. Triest. Lei- tete 1942/43 das Massaker„Einsatz Reinhard”. Widerspruchsvolle An- gaben über sein Schicksal: a) von Partisanen in Istrien im Mai 1944 ge- 582 Co R er esit GLÜ 55.Wirts trafionsl Kreuz im 60l vollmäch Berlin di Helfer b dierung Judenlaı urteilt, GR vember lager A urteilt. GR Liquidie tuberku Tode ve Gru für Ska Vertret obwohl getötet INHANG f N Brüsse] auf frei. Zwischen ‚dapester 18. März Tung des 2%, April Anklage cherweise Im Nürn- vertreten- Mai 1946 lurch eine cherheits- rung des Bialystok er Sicher- zum Tode e die Ab- Deportie- 1949 zum jegnadigt. „Oktober ırsministe- ins Todes- y für Des- lung von ber seinen ‚nicht voll erbayern, plant, Hat nant der Triest, Lel- ‚volle An- DAS SCHICKSAL EINIGER DER FÜR DIE„ENDLOSUNG” VERANTWORTLICHEN tötet; b) Selbstmord durch Gift in den Karawanken im Juni 1945, um der Festnahme durch eine britische Patrouille zu entgehen. GLÜCKS, SS-Obergruppenführer Richard. Chef des Amtes D des SS-Wirtschaftsverwaltungs-Hauptamtes. Generalinspekteur der Konzen- trationslager. Verschwand während der Verhandlungen mit dem Roten Kreuz im April 1945 und ist nicht wieder aufgetaucht. GOEBBELS, Dr. Josef. Propagandaminister und seit Juli 1944 Be- vollmächtigter für den totalen Kriegseinsatz. Leitete als Gauleiter von Berlin die wichtigsten Deportationsaktionen und war Hitlers wichtigster Helfer bei der Vorbereitung der Endlösung. Verübte mit seiner Familie am 1. Mai 1945 in Hitlers Bunker Selbstmord. GORING, Hermann. Reichsmarschall, Preußischer Ministerpräsident, Bevollmächtigter für den Vierjahresplan und Reichsluftfahrtminister. Ver- übte in seiner Zelle im Nürnberger Gefängnis am 16. Oktober 1946 Selbstmord. GOTH, SS-Hauptsturmführer Amon Leopold. Leitete 1943 die Liqui- dierung der Ghettos in Krakau und Tarnow. 1943/44 Befehlshaber des Judenlagers Plaszow. In Krakau am 5. September 1946 zum Tode ver- urteilt. GRABNER, SS-Obersturmführer Ernst. Kriminalsekretär. Bis No- vember 1943 Leiter der politischen Abteilung der Gestapo im Haupt- lager Auschwitz. Vom Volksgericht in Wien im Mai 1946 zum Tode ver- urteilt. GREISER, Arthur. Gauleiter von Wartheland und Lodz. An den Liquidierungen im Todeslager Chelmno beteiligt. Schlug die Liquidierung tuberkulöser Polen sowie von Juden vor. Am 20. Juli 1946 in Posen zum Tode verurteilt und hingerichtet. Grundherr, Geheimrat Werner von. Referent des Auswärtigen Amtes für Skandinavien. War damit beschäftigt, während der Deportationen der Juden aus Norwegen und Dänemark Interventionen der schwe- dischen Regierung abzuwehren. 1951/52 Botschafter der Bundesrepublik in Athen. GÜNTHER, SS-Sturmbannführer Rolf, und GÜNTHER, SS-Hauptsturmführer Hans. Eichmanns Stellvertreter und Vertreter in Prag. Beide offenkundig noch unentdeckt auf freiem Fuß, obwohl behauptet wird, daß Hans Günther am 10. Mai 1945 in Prag getötet wurde. HAAS, SS-Sturmbannführer Willi von. Leitete als Globocniks Umsiedlungskommissar am 13. März 1943 die Liquidierung des Krakauer Ghettos. Im November 1950 aus der britischen Zone Deutsch- lands an Polen ausgeliefert. Soweit bekannt, bisher nicht vor Gericht gestellt. HAHN, SS-Obersturmbannführer. Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Warschau. Leitete die Deportierungen während des Ghettoaufstan- des. Nicht auffindbar. Hannecken, Generalleutnant Hermann von. Militärbefehlshaber in Dänemark. Im August 1951 aus dem Gefängnis in Kopenhagen ent- lassen. 583 DIE ENDLOSUNG ANHANG II HARSTER, SS-Brigadeführer Hermann. Befehlshaber der Sicherheits- polizei in den Niederlanden bis 1943, dann in Rom. Im Juni 1947 im Haag zu 12 Jahren Gefängnis verurteilt. 1953 freigelassen. HARTJENSTEIN, SS-Hauptsturmführer Fritz. Kommandant in Birke- nau und Natzweiler. Von einem britischen Gericht in Wuppertal am 5. Juni 1946 zum Tode verurteilt. Am 2. Juli 1954 in Metz neuerdings zum Tode verurteilt. Das Urteil wurde bisher nicht vollstreckt. Heinburg, Kurt. Chef der politischen Abteilung des Auswärtigen Amtes für den Balkan. Hat eingestanden, an der Herausgabe von Be- fehlen für die Ausrottung der serbischen Juden miibeteiligt gewesen zu sein. Im Mai 1952 aus dem Auswärtigen Amt in Bonn entfernt. Herff, SS-Obergruppenführer Maximilian von. Höherer SS- und Po- lizeiführer bei der Heeresgruppe Mitte in Rußland. Am 6. Februar 1948 in Minsk hingerichtet. HEYDRICH, Reinhard. Chef der Sicherheitspolizei und des SD. Stell- vertretender Reichsprotektor in Böhmen und Mähren. Starb an den Fol- gen eines Attentats am 5. Juni 1942. Da angenommen wird, daß er im aktiven Dienst gefallen ist, wurde seiner Witwe 1953 eine Pension zu- erkannt. Hildebrandt, SS-Obergruppenführer Richard, und Hoffmann, SS- Obergruppenführer Otto. Folgten einander in der Leitung des Rasse- und Siedlungs-Hauptamtes(RUSHA). Am 10. März 1948 wegen ihrer Verantwortung für Deportationsmaßnahmen zu je 25 Jahren Zuchthaus verurteilt. Am 21. Januar 1951 wurde Hoffmanns Strafe auf 15 Jahre herabgesetzt. Hildebrandt wurde Anfang 1955 aus der Haft entlassen. HIMMLER, Heinrich. Reichsführer SS. Chef der deutschen Polizei, Reichsminister des Innern und Generalbevollmächtigter für die Reichs- verwaltung. Beging am 23. Mai 1945 nach der Festnahme durch einen britischen Posten in der Lüneburger Heide Selbstmord. HITLER, Adolf. Führer und Reichskanzler. Beging am 30. April 1945 im Bunker der Reichskanzlei Selbstmord. HOFLE, SS-Hauptsturmführer Hans. Adjutant Globocniks und Um- siedlungskommissar für das Warschauer Ghetto. Entwich aus einem Internierungslager in Österreich im Jahre 1947 vor der Auslieferung an Polen. HOFLE, SS-Obergruppenführer Hermann. Höherer SS- und Polizei- führer in der Slowakei nach dem slowakischen Aufstand im August 1944. Im Juli 1948 in Preßburg zum Tode verurteilt HOSS, SS-Obersturmführer Rudolf Franz. Kommandant in Auschwitz und später Stellvertreter von Glücks als Inspekteur der Konzentrations- lager. Am 29. März 1947 in Warschau zum Tode verurteilt. Einige Tage später im Lager Auschwitz hingerichtet. HORTHY, Admiral Niklos von Nagybania. Reichsverweser von Ungarn. Auslieferung von den Vereinigten Staaten 1946 abgelehnt. Lebt jetzt(März 1956) 87jährig in Lissabon(Estoril). Hoven, SS-Hauptsturmführer Waldemar. Lagerarzt im Konzentra- tionslager Buchenwald. Am 20. August 1947 in Nürnberg zum Tode ver- urteilt. Im Juni 1948 hingerichtet. 584 HÜ 1944 in JA führer! Gericht Tages| JA ments. durch d abteilu worden ING|ı heits- 17 im Birke. | am dings tigen n Be- vesen d Po- 1948 Stell- 1 Fol- er im N ZU- SS: asse- ihrer thaus Jahre issen. lizei, eichs- einen 1945 | Um- sinem 1g an lizei- 1944, hwitz tions- Tage - von ‚Lebt sntro- > Vel- DAS SCHICKSAL EINIGER DER FÜR DIE„ENDLOSUNG” VERANTWORTLICHEN HÜNSCHE, SS-Hauptsturmführer. Beamter in Eichmanns Dienststelle. 1944 in Ungarn tätig. Zuletzt am 3. Mai 1945 in Alt-Aussee gesehen. JACKELN, SS-Obergruppenführer Franz. Höherer SS- und Polizei- führer Heeresgruppe Nord. Am 3. Februar 1946 von einem sowjetischen Gericht in Riga zum Tode verurteilt und am Nachmittag des gleichen Tages im Ghetto hingerichtet. JAROSS, Andor. Bis 1938 Mitglied des tschechoslowakischen Parla- ments. Während des Krieges ungarischer Innenminister. Hinrichtung durch den Strang auf Grund eines Urteils des Budapester Volksgerichtes im Januar 1946. JUTTNER, SS-Obergruppenführer Hans. Chef des Führungshaupt- amtes der SS und einer von Himmlers Adjutanten. Denazifiziert und auf freiem Fuße. KALTENBRUNNER, SS-Brigadeführer Ernst. Chef der Sicherheits- polizei und des SD als Nachfolger Heydrichs. Am 16. Oktober 1946 im Nürnberger Gefängnis hingerichtet. KAMMLER, SS-Obergruppenführer Heinz. Chef des Amtes C(Bau- abteilung) der SS und später auch der Wehrmacht. Angeblich als Be- fehlshaber einer Division in der Schlacht um Berlin im April 1945 getötet worden. Bestätigung der Nachricht steht aus. KAPPLER, SS-Obergruppenführer Hubert. Organisierte als Befehls- haber'der Sicherheitspolizei die Deportierung der Juden aus Rom nach Auschwitz. 1947 in Rom zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Bestäti- gung der Strafe durch das Berufungsgericht im November 1952. Kasche, Siegfried. Gesandter in Kroatien. Im Juni 1947 in Agram zum Tode verurteilt. KATZMANN, SS-Gruppenführer Fritz. Höherer SS- und Polizeifüh- rer im Kommissariat Lemberg. Hat das Massaker von mehr als 400 000 Juden in Ostgalizien organisiert. Ist entkommen und soll sich im Som- mer 1952 in Ägypten aufgehalten haben. KILLINGER, Manfred von. 1941—44 Gesandter in Bukarest. Beging am 3. September 1944 im Gesandtschaftsgebäude Selbstmord. KNOCHEN, SS-Standartenführer Helmuth. Befehlshaber der Sicher- heitspolizei in Nordfrankreich-Belgien. In der britischen Zone Deutsch- lands zum Tode verurteilt, aber am 10. Oktober 1946 für einen weiteren Prozeß an Frankreich ausgeliefert. Nach wiederholter Vertagung fand der Prozeß im Oktober 1954 in Paris statt und endete am 9. Oktober mit der Verurteilung Knochens zum Tode. Das Urteil wurde bisher nicht vollstreckt. KOCH, Erich. Gauleiter von Ostpreußen. Generalkommissar von Bialystok und der Ukraine. An den Massakern von Kiew im September 1941 beteiligt. Aus der britischen Zone Deutschlands 1950 an Polen aus- geliefert. Soweit bis jetzt(März 1956) bekannt, ist Koch im Warschauer Mokotow-Gefängnis und wurde noch nicht vor Gericht gestellt. KONRAD, SS-Hauptsturmführer Franz. Wegen seines Anteils an der Liquidierung des Warschauer Ghettos zum Tode verurteilt und in War- schau am 8. September 1951 hingerichtet. KORSEMANN, SS-Obergruppenführer. Höherer SS- und Polizei- 585 DIE ENDLOSUNG ANHANG II führer Rowno(November 1941) und Krim-Kaukasus(1942/43). Wurde angeblich in Rußland hingerichtet. KRAMER, SS-Hauptsturmführer Josef. Kommandant der Lager Bir- kenau und Bergen-Belsen. Von einem britischen Gericht in Lüneburg am 17. November 1945 zum Tode verurteilt und hingerichtet. Krebsbach, SS-Hauptsturmführer. Lagerarzt in Kaiserswald. Führte die Selektionen zur Liquidierung des Lagers im Juli 1944 durch. In Dachau im Mauthausen-Prozeß am 27.Mai 1947 zum Tode verurteilt und hingerichtet. KREMER, SS-Hauptsturmführer Professor Hans Hermann. Führte die Selektionen im Krematorium Birkenau(September/Oktober 1942) durch. Am 22. November 1947 in Krakau zum Tode verurteilt. KRÜGER, SS-Obergruppenführer Friedrich. Höherer SS- und Polizei- führer im Generalgouvernement. Beging am 9. Mai 1945 in Libau Selbstmord. KRUMEY, SS-Sturmbannführer. Vertreter Eichmanns in Wien und Ungarn. Soll in Italien gefangengenommen worden sein. Keine weiteren Informationen verfügbar. KUBE, Gauleiter Wilhelm. Juli 1941 bis September 1943 General- kommissar von Weißrußland. Von einer weißrussischen Hausangestell- ten am 22. September 1943 getötet. KUTSCHERA, SS-Sturmbannführer Fritz. Befehlshaber der Sicher- heitspolizei in Serbien(1941), Mogilew(1942/43) und Warschau(1943 bis 1944). Ende Januar 1944 von polnischen Widerstandskämpfern getötet. LAGES, SS-Sturmbannführer Willi. Befehlshaber der Sicherheitspoli- zei in Amsterdam. Leitete die Deportationen von Juden. Im Haag im Juni 1949 zum Tode verurteilt, im Oktober 1952 zu lebenslänglichem Kerker begnadigt. Lammers, Hans. Chef der Reichskanzlei. Im April 1949 in Nürnberg zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt, hauptsächlich wegen seiner Mitwir- kung bei der Herausgabe judenfeindlicher Vorschriften. Herabsetzung der Strafe auf 10 Jahre am 31. Januar 1951. Am 16. Dezember 1951 aus dem Gefängnis Landsberg entlassen. LANGE, SS-Sturmbannführer Fritz. 1941/42 Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Lettland. Organisierte die Massaker in Riga und nahm an der Wannsee-Besprechung teil. Soll im Juli 1949 der deutschen Gerichtsbarkeit in der britischen Zone zur Aburteilung übergeben wor- den sein, ist aber später aus der Haft geflüchtet. LAVAL, Pierre Philippe. Französischer Ministerpräsident von April 1942 bis September 1944. Wurde im Pariser Fresnes-Gefängnis am 15. Oktober 1945 hingerichtet. Leibbrandt, Georg*. Leiter der politischen Abteilung in Rosenbergs Ministerium. Wurde im Mai 1949 aus der alliierten Internierung ent- lassen und vom Landgericht Nürnberg im Januar 1950 wegen Teilnahme an der Durchführung der Endlösung angeklagt. Die Verhandlung hat noch nicht stattgefunden. * Siehe Anmerkung S. 580. 586 LIEB entratic Mi 14 hingerid Lino wesen( Selbstm( wurde n Line der Eins fangeng rend de ter Schi nicht sta Löh Ost-Ägt mit, An gerichte Löst Ende 19 denazifi LO! Januar halber 1 Lud burg zu LU „Deutsc Bunker: Best im starb be urteilt,| Minister Hat im Mil Bereitst meisten 1947 in Januar Haft en Mil Wurde er Bir. rg am Führte rch. In Turteilt te die durch, olizei- Libay n und eiteren eneral- Jestell- Sicher- (198 mpfern itspoli- Jag im Jlichem rnberg Mitwir- etzung 51 aus r der ja und ytschen n WOr- n April is am nbergs 1g ent- Inahme ng hat DAS SCHICKSAL EINIGER DER FÜR DIE„ENDLOSUNG“ VERANTWORTLICHEN LIEBEHENSCHEL, Arthur. Abteilungsleiter in der Inspektion der Kon- zentrationslager und Kommandant in Auschwitz(November 1943 bis Mai 1944). Am 22. November 1947 in Krakau zum Tode verurteilt und hingerichtet. Linden, Dr. Herbert. Ministerialrat in der Abteilung Gesundheits- wesen des Reichsministeriums des Innern. Beging gegen Kriegsende Selbstmord. Seine Rolle bei der Schaffung der Todeslager in Polen wurde nicht klargestellt. Lindow, SS-Standartenführer. Gestapobeamter. Hatte die Berichte der Einsatzgruppen zu bearbeiten und die Befehle zur Hinrichtung ge- fangengenommener politischer Kommissare auszugeben. Wurde wäh- rend des Baab-Prozesses im März 1950 auf Veranlassung des Frankfur- ter Schwurgerichtes verhaftet. Bisher hat die Verhandlung gegen ihn nicht stattgefunden. Löhr, General der Luftwaffe Alexander von. Chef des Kommandos Ost-Ägäis. Wirkte bei den Deportationen von Juden aus Griechenland mit. Am 27. Februar 1947 in Belgrad zum Tode verurteilt und hin- gerichtet. Lösener, Bernhard. Judenreferent im Ministerium des Innern bis Ende 1941. 1949 aus der alliierten Internierung entlassen und daraufhin denazifiziert. LOHSE, Hinrich. Reichskommissar für die besetzten Ostgebiete. Im Januar 1948 in Bielefeld zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Krankheits- halber 1951 aus der Haft entlassen. Ludin, Hans Elard. Gesandter in der Slowakei. Im Juli 1948 in Preß- burg zum Tode verurteilt. LUTHER, Martin. Mai 1940 bis April 1943 Chef der Abteilung „Deutschland” des Auswärtigen Amtes. Wurde dann im politischen Bunker im Lager Sachsenhausen gefangengehalten, wo ihn Major Payne- Best im Jahre 1944 gesehen hat. Wurde bei Kriegsende entlassen und starb bald nach der Kapitulation in einem Berliner Krankenhaus. MACH, Alexander. Innenminister der Slowakei. 1947 in Preßburg zu 30 Jahren Gefängnis verurteilt. MANSTEIN, Generalfeldmarschall Erich von. Am 19. Dezember 1949 von einem britischen Gericht in Hamburg zu 18 Jahren Gefängnis ver- urteilt. Im August 1952 aus Gesundheitsgründen freigelassen. MENGELE, SS-Untersturmführer. Hat die Selektionen für die Gas- kammern im Lager Auschwitz durchgeführt. Wurde nicht gefunden. MEYER, Alfred. Gauleiter von Nord-Westfalen. Staatssekretär im Ministerium für die besetzten Ostgebiete und Stellvertreter Rosenbergs. Hat im Mai 1945 Selbstmord begangen. Milch, Generalfeldmarschall Erhard. Stabschef der Luftwaffe. Wegen Bereitstellung menschlicher Versuchskaninchen und Zwangsarbeiter— meistens Juden— für die unterirdischen Flugzeugfabriken im November 1947 in Nürnberg zu lebenslänglichem Kerker verurteilt. Strafe im Januar 1951 auf 15 Jahre herabgesetzt. Am 4. September 1954 aus der Haft entlassen. Mildner, SS-Standartenführer Dr. Rudolf. Chef der Gestapo in Ober- 587 DIE ENDLOSUNG ANHANG II schlesien und Dänemark. Belastungszeuge in Nürnberg. 1949 entlassen und offenkundig seither nicht vor Gericht gestellt. MRUGOWSKY, SS-Brigadeführer Dr. Joachim. Leiter des SS-Gesund- heitsamtes. Am 27. August 1947 in Nürnberg zum Tode verurteilt, aber erst am 2. Juni 1948 hingerichtet. Seine sehr wichtige Rolle bei den Ver- gasungen in Auschwitz wurde nicht vollkommen klargestellt. MÜLLER, SS-Obergruppenführer Heinrich. Chef des„Amtes IV” des RSHA(Gestapo). Verschwand am 29. April 1945 aus Hitlers Bunker. Seit- her sind viele Gerüchte über ihn im Umlauf. MÜRER, SS-Obergruppenführer. Ghettokommissar in Wilna. Wurde angeblich im Sommer 1947 in Österreich verhaftet. Möglicherweise an Rußland ausgeliefert. MUSSFELD, SS-Untersturmführer. Führte das Massaker von Majda- nek vom 3. November 1943 durch und leitete 1944 das Krematorium|| in Auschwitz. Nicht auffindbar. NAUMANN, SS-Brigadeführer Erich. Befehlshaber der Einsatz- gruppe B in Rußland von November 1941 bis 1943, dann Befehlshaber der Sicherheitspolizei in den Niederlanden. Am 8. April 1948 in Nürn- berg zum Tode verurteilt. Einer der sieben„Rotjacken”, die am 8. Juni 1951 im Gefängnis Landsberg hingerichtet wurden. NEBE, SS-Gruppenführer Arthur. Leiter der Kriminalpolizei. Bis No- vember 1941 Befehlshaber der Einsatzgruppe B in Rußland. Soll im März 1945 wegen Teilnahme an der Juliverschwörung hingerichtet wor- den sein, doch liegt dafür keine einwandfreie Bestätigung vor. NOWAK, SS-Hauptsturmführer. Eichmanns Transportreferent und Verbindungsmann zum Reichsverkehrsministerium. Nicht auffindbar. OBERG, SS-Obergruppenführer Kurt. Höherer SS- und Polizeiführer in Nordfrankreich und Belgien. Von einem britischen Gericht in Deutsch- land zum Tode verurteilt, aber am 10. Oktober 1946 an Frankreich aus- geliefert. Nach wiederholter Verschiebung des Prozesses am 9. Oktober 1954 in Paris zum Tode verurteilt. Urteil bisher nicht vollstreckt. OHLENDORF, SS-Gruppenführer Otto. Befehlshaber der Einsatz- gruppe D. Im April 1948 in Nürnberg zum Tode verurteilt und am 8. Juni 1951 im Gefängnis Landsberg hingerichtet. PAVELIG, Ante. 1941—45„Poglavnik“ oder„Führer” des Staates Kroatien. Lebt angeblich seit 1949 in Argentinien. Petain, Philippe. Französischer Marschall und Staatsoberhaupt von 1940—44. 1945 zum Tode verurteilt und zu lebenslänglichem Kerker be- gnadigt. Ist im Juli 1951 im Alter von 95 Jahren in einer Art Internierung auf der Ile d’Yeu gestorben. PETERS, Gerhard. Direktor der Firma DEGESCH. Lieferte Zyklon B- Gas an das SS-Gesundheitsamt. Von der Frankfurter Spruchkammer am 23.März 1949 zu 5 Jahren Gefängnis verurteilt. Im Wiederaufnahme- verfahren vom Schwurgericht Frankfurt am 27.Mai 1955 wegen Mangels an Beweisen freigesprochen. POHL, SS-Obergruppenführer Oswald. Chef des SS-Wirtschafts- verwaltungs-Hauptamtes(WVHA). Am 3. November 1947 in Nürnberg zum Tode verurteilt, aber erst am 8. Juni 1951 hingerichtet. 588 DAS Poko des Kom! eines Ste sprocht an tember 1 Kiew. Ho PUTZ polizei in findbar. RAD ‚Deutsch Nürnber‘ den Hin Juden at erlegte I Septemb sich in D RAS im russit am 5.Fe RAS Experimi damit, d im Febrı RAL zeiführe gericht gerichte Ree Wehrmc hauptsä fängnis freigela REI Sechstei und anc einer gi RIB 14. Juni gerichte RO von Eic RO gebiete Rü Am 16, Zuchthe EV) IANG f lassen Esund. , aber N Ver- V" des r. Seit- Wurde :ise an Maido- rium|| insatz- Ishaber Nürn- 8. Juni 3is No- soll im af wor- nt und Ir. führer Jeutsch- ch aus- )ktober Zinsatz- nd am Staates ypt von ker be- nierung /klonB- mer am 'nahme- Nangels schafts- jrnberg DAS SCHICKSAL EINIGER DER FÜR DIE„ENDLOSUNG” VERANTWORTLICHEN Pokorny, SS-Obersturmbannführer Dr. Adolf. Mitarbeiter des Amtes des Kommissars für die Festigung des deutschen Volkstums. Verfasser eines Sterilisierungsvorschlags. In Nürnberg am 27. August 1947 frei- gesprochen. PRUTZMANN, SS-Obergruppenführer Hans. Oktober 1941 bis Sep- tember 1943 Höherer SS- und Polizeiführer bei der Heeresgruppe Süd, Kiew. Hat im Mai 1945 in Lüneburg Selbstmord begangen. PUTZ, SS-Sturmbannführer. 1942/43 Befehlshaber der Sicherheits- polizei in Rowno und Leiter des zweiten Massakers in Rowno. Nicht auf- findbar. RADEMACHER, Franz. Mai 1940 bis April 1943 Leiter der Abteilung „Deutschland Ill” des Auswärtigen Amtes unter Martin Luther. Vom Nürnberger Schwurgericht am 17. März 1952 wegen Teilhaberschaft an den Hinrichtungen im Belgrader Ghetto und den Deportationen von Juden aus Belgien zu 3 Jahren 5 Monaten Gefängnis verurteilt. Ließ die erlegte Kaution im Stich und entfloh vor der Berufungsverhandlung im September 1952 nach Argentinien. Anderen Berichten zufolge soll er sich in Deutschland aufhalten. RASCH, SS-Brigadeführer Otto. Befehlshaber der Einsatzgruppe C im russischen Feldzug(Massaker in Kiew). Im Einsatzgruppen-Prozef am 5. Februar 1948 als verhandlungsunfähig erklärt. RASCHER, SS-Sturmbannführer Dr. Sigmund. Leiter der ärztlichen Experimente der Luftwaffe. Brüstete sich Major Payne-Best gegenüber damit, die Gaskammern erfunden zu haben. Wurde auf Befehl Himmlers im Februar 1945 im Lager Reichenau hingerichtet. RAUTER, SS-Obergruppenführer Hans Albin. Höherer SS- und Poli- zeiführer in den Niederlanden. Am 3. April 1948 von einem Sonder- gericht im Haag zum Tode verurteilt und im November darauf hin- gerichtet. Reeder, General Eggert. 1940—44 Chef der Zivilverwaltung der Wehrmacht in Belgien. Am 9. März 1951 von einem Gericht in Brüssel, hauptsächlich wegen der Deportierung von Juden, zu 12 Jahren Ge- fängnis verurteilt, aber drei Wochen später nach fast sechsjähriger Haft freigelassen. REICHENAU, Generalfeldmarschall Walter von. Befehlshaber der Sechsten Armee und der Heeresgruppe Süd. In Judenmassaker in Kiew und anderen ukrainischen Städten mitverwickelt. Am 17. Januar 1942 an einer geheimnisvollen Vergiftung gestorben. RIBBENTROP, Joachim von. Reichsaußenminister. In Hamburg am 14. Juni 1945 festgenommen und am 16. Oktober 1946 in Nürnberg hin- gerichtet. ROTHKE, SS-Hauptsturmführer Heinz. Chef der Pariser Dienststelle von Eichmanns Amt seit Juli 1942. Wurde nicht gefunden. ROSENBERG, Alfred. 1941—45 Reichsminister für die besetzten Ost- gebiete. In Nürnberg am 16. Oktober 1946 hingerichtet. Rübe, SS-Scharführer Adolf. Kriminalsekretär der Gestapo in Minsk. Am 16. Dezember 1949 vom Schwurgericht Karlsruhe zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. 39 589 DIE ENDLOSUNG ANHANG II RUNDSTEDT, Feldmarschall Gerd von. Sollte wegen seines Befehls vom 21. Juni 1942, kriegsgefangene britische Kommandotruppen der Gestapo zu übergeben, vor ein britisches Gericht gestellt werden. Im Sommer 1949 wurde diese Absicht wegen Rundstedts Gesundheitszustand aufgegeben. Ist 1953 gestorben. Seine Mitwirkung an der Ausrotfung von Juden im Gebiet der Heeresgruppe Süd von Juli—Dezember 1941 wurde nicht geklärt. SALMUTH, Generalleutnant Hans von. In Nürnberg am 28. Oktober 1948 wegen seiner Mitwirkung an den Judenmassakern in Kolyma Transnistrien zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Am 31. Januar 1951 wurde die Strafe auf 12 Jahre herabgesetzt. Wurde am 23. Juli 1953 aus der Haft entlassen. SANDBERGER, SS-Standartenführer Martin. Befehlshaber der Sicher- heitspolizei in Estland und Norditalien. Mitwirkung am Judenmassaker in Pskow als Befehlshaber eines Einsatzkommandos. Am 8. April 1948 zum Tode verurteilt, am 31. Januar 1951 zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. Sauckel, Fritz. 1942—45 Reichsbevollmächtigter für den Arbeitsein- satz. Mitwirkung am Mißbrauch jüdischer Insassen von Konzentrations lagern. Am 16. Oktober 1946 in Nürnberg hingerichtet. SCHÄFER, SS-Brigadeführer Emanuel. Befehlshaber der Sicherheits- polizei in Belgrad und Triest. Konnte seine Identität bis April 1951 ver- hüllen, als er von einer Spruchkammer als Angehöriger der Gestapo zu 21 Monaten Arbeitslager verurteilt wurde. Der Vergasung von 6000 Juden im Lager Semlin beschuldigt und am 22. Juni 1953 vom Schwur- gericht Köln zu 6), Jahren Gefängnis verurteilt. Strafe am 9. Juli 1954 auf 6 Jahre 9 Monate erhöht. SCHELLENBERG, SS-Gruppenführer Walter. Von der Anklage, an den Judenmorden der Einsatzgruppen teilgehabt zu haben, freigespro- chen, aber der Teilnahme an der Ermordung russischer Kriegsgefangener schuldig erkannt und in Nürnberg im April 1949 zu 6 Jahren Gefängnis verurteilt. Im Dezember 1950 freigelassen. Im Sommer 1952 in Italien gestorben. Schirach, Baldur von. Gauleiter von Wien. An der Deportierung von Juden von Oktober 1941 bis März 1942 und zu Beginn des Jahres 1943 mitbeteiligt. Am 1. Oktober 1946 in Nürnberg zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Schlegelberger, Dr. Franz. April 1941 bis September 1942 Ge- schäftsführender Reichsminister für Justiz. Hat an den Sterilisierungsvor- schlägen mitgearbeitet. Am 4. Dezember 1947 in Nürnberg zu lebens- länglichem Zuchthaus verurteilt. Am 4. Februar 1951 als unheilbar krank auf Ehrenwort entlassen. SCHONGARTH, SS-Brigadeführer Karl. 1941—44 Befehlshaber der Sicherheitspolizei in der Provinz Krakau, dann bis Kriegsende in Hol- land. Am 11. Februar 1946 vom britischen Militärgericht in Enschede zum Tode verurteilt und hingerichtet. SCHUBERT, SS-Hauptsturmführer Heinz. Adjutant Ohlendorfs. Organisierte die Massaker in Simferopol. In Nürnberg im April 1948 590 DAS zum Tode Januar "sch Kommand 90 Jahren ermößigt. SCHL on jüdisch mente du SCH\ ‚Auschwitz kammern. Schw in Nürnb« gelassen. SEIBE April 194 Gefängni SEID Komman( Am 4.0I hingerich SEYS lande. Aı SIX, gruppen Kriegsge gesehene zu 20 Ja herabge: SON DI, des lager. Fi 3, Noven Sicherhe in Majd verurteil SPRI eigene F menen J STÄ blinka, schwund STA gruppe estnische 39 YANG ıı Befehl, N der en. 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November 1947 in Krakau zum Tode verurteilt. Schwerin von Krosigk, Graf Lutz. Reichsfinanzminister. Im April 1949 in Nürnberg zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Am 4. Februar 1951 frei- gelassen. 1952 gestorben. SEIBERT, SS-Standartenführer Walter. Stellvertreter Ohlendorfs. Im April 1948 in Nürnberg zum Tode verurteilt. Im Januar 1951 zu 15 Jahren Gefängnis begnadigt. Im Jahre 1955 freigelassen. SEIDL, SS-Hauptsturmführer Siegfried. Angehöriger von Eichmanns Kommando. Befehlshaber in Theresienstadt, Straßhof und Bergen-Belsen. Am 4. Oktober 1946 vom Volksgericht in Wien zum Tode verurteilt und hingerichtet. SEYSS-INQUART, Arthur. 1940—45 Reichskommissar für die Nieder- lande. Am 16. Oktober 1946 in Nürnberg hingerichtet. SIX, SS-Standartenführer Professor Franz. Kurze Zeit in den Einsatz- gruppen mit der Eruierung politischer Kommissare unter den russischen Kriegsgefangenen beschäftigt. Schlug die Abhaltung des für 1944 vor- gesehenen internationalen antijüdischen Kongresses vor. Im April 1948 zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. Strafe im Januar 1951 auf 10 Jahre herabgesetzt. Am 30. September 1952 freigelassen. SOMMER, SS-Hauptsturmführer Karl. Stellvertretender Leiter von D Il, des Amtes für Zuteilung von Arbeitskräften für die Konzentrations- lager. Führte Aufzeichnungen über die Selektionen in Auschwitz. Am 3. November 1947 in Nürnberg zum Tode verurteilt, am 31. Januar 1951 zu lebenslänglichem Zuchthaus begnadigt. SPORRENBERG, SS-Brigadeführer Jakob. Hat als Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Lublin von August 1943 bis Juli 1944 das Massaker in Majdanek geleitet. Am 22. September 1950 in Warschau zum Tode verurteilt. SPRENGER, Jakob. Gauleiter von Hessen-Nassau. Terrorisierte auf eigene Faust in den Jahren 1943/44 die von der Deportierung ausgenom- menen Juden. Hat bei Kriegsende Selbstmord begangen. STANGE, SS-Hauptsturmführer. Kommandant des Todeslagers Tre- blinka. Diente vom November 1943 an in Dalmatien. Spurlos ver- schwunden. STAHLECKER, SS-Brigadeführer Franz. Befehlshaber der Einsotz- gruppe A im Baltikum und in Weißrußland. Wurde im März 1942 von estnischen Portisanen in Krasnowardeisk getötet. 39* 591 DIE ENDLOSUNG ANHANG Il Steengracht von Moyland, Adolf. Weizsäckers Nachfolger als Staatssekretär im Auswärtigen Amt. Mitschuldig an den Deportierungen aus Dänemark und Norwegen. Im April 1949 in Nürnberg zu 7 Jahren Gefängnis verurteilt, im Februar 1950 freigelasssen. STRAUCH, SS-Obergruppenführer Eduard. 1942/43 Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Weißrußland. Im April 1948 in Nürnberg zum Tode verurteilt, aber zur Durchführung eines zweiten Prozesses wegen seiner Tätigkeit als Polizeibefehlshaber während der Gegenoffensive in den Ardennen an Belgien ausgeliefert. Am 19. Juli 1952 zu lebensläng- lichem Zuchthaus begnadigt. Am 16. September 1955 in einem Kranken- haus in Brüssel gestorben. Streckenbach, SS-Obergruppenführer. 1939—41 Inspektor der Sicher- heitspolizei in Polen und später Leiter vom Amt|(Personalabteilung) des RSHA. Spielte eine unaufgeklärt gebliebene Rolle bei der Organisierung der Einsatzgruppen. Als Kriegsgefangener in der Sowjetunion zu lebens- länglichem Zuchthaus verurteilt. Bis März 1956 nicht zurückgekehrt. STREICHER, Julius. Herausgeber des„Stürmer” und Gauleiter von Franken. Wurde am 16. Oktober 1946 in Nürnberg hingerichtet. STROOP, SS-Brigadeführer und Generalleutnant der Polizei Jürgen. Hat von April bis Mai 1943 das Warschauer Ghetto liquidiert. Später Höherer SS-und Polizeiführer in Griechenland. Am 22. März 1947 von einem amerikanischen Gericht in Dachau wegen der Erschießung von Geiseln in Griechenland zum Tode verurteilt. 1948 an Polen ausgeliefert. In einem zweiten Prozeß in Warschau neuerlich zum Tode verurteilt und am 8. September 1951 hingerichtet. STUCKART, Wilhelm. Staatssekretär im Reichsministerium des Innern. Autor der Nürnberger Gesetze und der Durchführungsverord- nungen dazu. Im April 1949 zu einer durch die Untersuchungshaft ver- büßten Gefängnisstrafe verurteilt und sofort freigelassen. 1952 in Han- nover gestorben. Stülpnagel, Heinrich von. 1942—44 Militärbefehlshaber in Frankreich. Unterstützte ursprünglich die Deportierungen von Juden aus Frankreich, leistete ihnen aber später Widerstand. Nach einem erfolglosen Selbst- mordversuch in Verdun im August 1944 im Zusammenhang mit der Juli- verschwörung hingerichtet. SZALASI, Major Andor. Führer der„Pfeilkreuzler”-Bewegung und von Oktober 1944 bis Februar 1945 ungarischer Ministerpräsident. 1946 in Budapest zum Tode verurteilt und hingerichtet. SZTOJAY, Döme. März— August 1944 ungarischer Ministerpräsident. Im Januar 1946 in Budapest zum Tode verurteilt und hingerichtet. TESCH, Bruno. Miteigentümer der Firma Tesch und Stabenow. Wegen der Lieferung von„Zyklon B”-Gas nach Auschwitz im März 1946 von einem britischen Gericht in Hamburg zum Tode verurteilt und hin- gerichtet. THADDEN, Eberhard von. Seit Mai 1943„Judenreferent” in der Ab- teilung„Inland Il” des Auswärtigen Amtes. 1949 aus der Internierung durch die Alliierten freigelassen, aber im Dezember 1950 vom Nürn- berger Schwurgericht unter Anklage gestellt. In der britischen Zone ver- 592 steckt 0! geklagt. THIE 1946 in Nürnber THIl 1944 gefundeı C Höherer Ukraine. in Serbi 9, März Vaj bis Febr Val März 19 ber 194 gelasseı VEI mächtig nis vert später I Wi Soll als ben seit Auswär richt ge Wı zösisch auch w NHANG ll Iger als ETungen ] Jahren hishaber erg zum $ wegen NSive in ensläng- takan r Sicher- ung) des sierung J lebens- ehrt. :iter von | Jürgen, t. Später 1947 von ung von Jeliefert, teilt und ium des isverord- haft ver- in Han- ankreich. ankreich, n Selbst- der Juli- ung und ent. 1946 räsident. tet. ‚ Wegen 1946 von und hin- ‚ der Ab- srnierung m Nürn- one vel- DAS SCHICKSAL EINIGER DER FÜR DIE„ENDLOSUNG” VERANTWORTLICHEN steckt aufgefunden, verhaftet und vom Kölner Gericht neuerlich an- geklagt. THIERACK, Otto. 1942—45 Reichsjustizminister. Beging im Oktober 1946 in einem Internierungslager Selbstmord, als er erfuhr, daß er in Nürnberg vor Gericht gestellt werden sollte. THILO, SS-Hauptsturmführer Dr. Leitete zusammen mit Mengele 1942—44 die Selektionen für die Gaskammern in Auschwitz. Wurde nicht gefunden. THOMAS, SS-Obergruppenführer Max. Juli 1940 bis September 1941 Höherer SS- und Polizeiführer in Frankreich-Belgien, dann in der Ukraine. Soll 1944 getötet worden sein. TISO, Monsignore Jozef. 1939—45 Präsident der slowakischen Re- publik. Wurde am 18. April 1947 in Preßburg hingerichtet. TOBBENS, Walter. War mit der Aufbringung von Arbeitskräften im Warschauer Ghetto und in der Provinz Lublin beschäftigt. Entkam am 22. November 1946 aus einem Zug vor der Auslieferung an Polen. Wurde vom Schwurgericht Bremen im Mai 1949 in Abwesenheit zu 10 Jahren Arbeitslager verurteilt, aber bisher nicht aufgefunden. TUKA, Dr. Vojtech. 1939—44 Ministerpräsident der Slowakei. Wurde im August 1946 in Preßburg hingerichtet. TURNER, SS-Standartenführer Harald. Leiter der Militärverwaltung in Serbien. Hat an den Massakern im Belgrader Ghetto mitgewirkt. Am 9. März 1947 in Belgrad zum Tode verurteilt und hingerichtet. Vajna, Gabor. Ungarischer Minister des Innern von Oktober 1944 bis Februar 1945. Im Januar 1946 in Budapest hingerichtet. Vallat, Xavier. Kommissar der Regierung Petain für Judenfragen März 1941 bis März 1942. An den Deportationen unbeteiligt. Im Dezem- ber 1947 zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt, im Dezember 1949 frei- gelassen. VEESENMAYER, Edmund. März bis November 1944 Reichsbevoll- mächtigter für Ungarn. Im April 1949 in Nürnberg zu 20 Jahren Gefäng- nis verurteilt, im Januar 1951 Erlaß der Hälfte der Strafe, ein Jahr später freigelassen. Wächter, Freiherr Gustav von. Landkommissar der Provinz Krakau. Soll als Mönch am 10. September 1949 in einem Kloster in Rom gestor- ben sein. WAGNER, Generalleutnant Eduard. Generalquartiermeister der Wehrmacht. Seine Zusammenarbeit mit Himmlers Polizei in Rußland wurde nicht bewiesen. Hat nach dem 20. Juli 1944 Selbstmord begangen. WAGNER, Horst. 1943—45 Amtsleiter der Abteilung„Inland” des Auswärtigen Amtes. Nachfolger Martin Luthers. Wurde nicht vor Ge- richt gestellt. WAGNER, Robert. Gauleiter von Elsaß-Baden. 1946 von einem fran- zösischen Militärgericht in Straßburg zum Tode verurieilt, unter anderem auch wegen Mitschuld an der Deportierung von Juden im Oktober 1940. WEINMANN, SS-Standartenführer. 1943—45 Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Böhmen. Vorher Leiter eines Ausrottungskomman- dos in Rußland. Wurde nicht gefunden. 593 f l DIE ENDLOSUNG ANHANG II WEISS, SS-Hauptsturmführer Martin. Kriminalsekretär der Gestapo in Wilna. Im Februar 1950 vom Schwurgericht Würzburg zu lebensläng- lichem Zuchthaus verurteilt. Weizsäcker, Ernst Freiherr von. Staatssekretär im Auswärtigen Amt bis April 1943. Im April 1949 in Nürnberg zu 7 Jahren Gefängnis ver- urteilt. Strafumwandlung auf 5 Jahre gefolgt von Haftentlassung am 15. Oktober 1950 nach Abbüßung von nicht einmal 3 Jahren. Am 6. August 1951 in Lindau gestorben. WETZEL, Dr. Ernst. Leiter des Rassenpolitischen Amtes der Partei. 1941 in Rosenbergs Ministerium versetzt. Verfasser des berühmten Gas- kammerbriefes an Lohse. Wurde nicht gefunden. WIRTH, SS-Sturmbannführer Christian. Kriminalkommissar. 1942/43 Leiter der Todeslagerorganisation in Polen, dann unter Globocniks Kommando in Dalmatien. Der Bericht über seine angebliche Tötung durch Partisanen in Istrien im Mai 1944 bedarf der Überprüfung. WISLICENY, Dieter. SS-Hauptsturmführer. Vertreter Eichmanns in der Slowakei. Im Juli 1948 in Preßburg zum Tode verurteilt. WITISKA, SS-Obersturmbannführer. Seit August 1944 Befehlshaber der Sicherheitspolizei in der Slowakei, von wo er 9000 Juden deportierte. Wurde nicht gefunden. Wöhler, Generalmajor Otto. 1941 Stabschef Mansteins auf der Krim. An Ohlendorfs Judenmassakern beteiligt. Am 8. Oktober 1948 zu 8 Jah- ren Zuchthaus verurteilt. Im Herbst 1950 freigelassen. Woermann, Ernst. Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt bis 1945. Im April 1949 in Nürnberg zu 7 Jahren Gefängnis verurteilt. Im Februar 1950 freigelassen. WOLFF, SS-Obergruppenführer Karl. Stellvertreter Himmlers und Verbindungsmann zu Hitler. Im Zusammenhang mit der Endlösung nicht unter Anklage gestellt, aber 1946 von einem deutschen Gericht wegen seiner Teilnahme an den Unterdruckversuchen in Dachau zu 4 Jahren Arbeitslager verurteilt. Im August 1949 freigelassen. ZOPF, SS-Hauptsturmführer. Leiter von Eichmanns Dienststelle in Den Haag. Wurde nicht gefunden. ZORNER. 1939—44 Landkommissar im Distrikt Lublin. Soll in Polen hingerichtet worden sein. 594 Die Endlc 1938 2%. Oktob Juden im 9, Novem 12. Nover maßnahn 199 24. Januc für jüdis 18. April. antıjüdis 4, Juli. L vereinig! 2%. Juli. Stelle de 1-21.$ı zahlreic 21. Sepke 6. Oktok und Isol HANG I estapo Nsläng. en Amt NIS ver- Ing am August Partei, N Gas- 1942/43 bocniks Tötung anns in Ishaber rtierte, r Krim. y 8Jah- mt bis eilt. Im ers und 19 nicht wegen Jahren telle in n Polen Die Endlösung 1938 Zeittafel der Endlösung 28. Oktober. Erster Deportierungsbefehl betrifft polnische Juden im Reich. 9. November. vom Raths Tod. Kristallnacht. 12. November. Görings Besprechung über Vergeltungs- maßnahmen gegen die Juden. 1939 24. Januar. Göring entsendet für jüdische Auswanderung. Heydrich ins Zentralamt 18. April. Der slowakische Marionettenstaat erläßt antijüdische Gesetze. 4. Juli. Die deutschen Juden werden der Reichs vereinigung unterstellt. 26. Juli. Eichmann übernimmt die Leitung der Prager Stelle des Auswanderungsamtes. 1.—21. September. SS und Wehrmacht organisieren zahlreiche Pogrome in Polen. 21. September. Heydrichs Pläne für Ghettos in Polen. 6. Oktober. Hitler verkündet Umsiedlungspolitik für Polen und Isolierung der Juden. Gleichzeitige politische und militärische Ereignisse 1938 29. September. Münchner Abkommen. 1939 15. März. Böhmen und Mähren besetzt. 21. August. Moskauer Nicht- angriffspakt. l. September. Angriff auf Polen. 3. September. Großbritannien und Frankreich erklären Krieg an Deutschland. 17. September. Sowjetische Besetzung Ostpolens. 27. September. Warschau genommen. 8. Oktober. Evakuierung der Volksdeutschen aus Litauen beginnt. 595 DIE ENDLOSUNG Die Endlösung 12. Oktober. Erste Deportierung von Juden aus Wien und Böhmen nach Nisko in Polen. 25. Oktober. Vertreibung der Juden aus Jaroslaw über den San in sowjetisches Gebiet. 28. Oktober. Der Judenstern in Wloclawek eingeführt. 8. November. Hans Frank zum Generalgouverneur ernannt. 15. November. Deutsche Behörden müssen vertriebene Juden aus Sowjetgebiet zurücknehmen. 23. November. Judenstern im ganzen General- gouvernement. Osteuropa Westeuropa 1940 1940 30. Januar. Heydrichs Besprechung über Um- siedlung von Juden und Volksdeutschen. 12. Februar. Göring gegen Wiederaufnahme der Judenverschickung ins Generalgouvernement außer aus Lodz. 23. März. Göring ordnet Ein- stellung der Deportierungen an. 29. März. Auswärtiges Amt dementiert Gerüchte über bevorstehende Deportierung der Berliner Juden. 14. April. Frank erklärt, Krakau müsse judenfrei gemacht werden. 30. April. Das erste umfriedete und bewachte Ghetto in Lodz eingerichtet. 10. Mai. Luther ins Referat „Deutschland“ des Außen- amtes ernannt. 20. Juni. Hitler erwähnt Madagaskar Mussolini gegenüber. 596 Gleichzeitige politische und militärische Ereignisse 8. November. Attentat auf Hitler in München. 30. November. Sowjetunion greift Finnland an. Gleichzeitige Kriegsereignisse 1940 22. Januar. Radio Vatikan greift deutsches Verhalten in Polen an. 12. März. Sowjetisch- Finnischer Frieden. 9. April. Deutsche Invasion Dänemarks und Norwegens. 10. Mai. Deutsche Invasion Westeuropas. 15. Mai. Holland kapituliert. 28. Mai. Evakuierung aus Dünkirchen. 10. Juni. Italien im Krieg. Osteurop@ 12, Juli. Fre Hitler über Judendepo! Generalgo! beenden. 9, August.| Juden aus ten Gebie rechte. 16. Oktobe Gründung Ghettos eı 15. Novem Ghetto he obgeschlo 1941 N. Januar Aufschub Deportati 2.8. Jaı der Eiserr Rumänien gemetzel tat auf Wlelunion 'atikan halten in nvasion orwegens. nvasion apituliert. ng aus ı Krieg. Osteuropa 12. Juli. Frank sagt, er habe Hitler überredet, die Judendeportierungen in das Generalgouvernement zu beenden. 9. August. Rumänien entzieht Juden aus sowjetisch besetz- ten Gebieten die Bürger- rechte. 16. Oktober. Befehl zur Gründung des Warschauer Ghettos erlassen. 15. November. Warschauer Ghetto hermetisch abgeschlossen. 1941 11. Januar. Frank erreicht Aufschub von Himmlers Deportationsplan. 22.723. Januar. Aufstand der Eisernen Garde in Rumänien. Erstes Juden- gemeizel des Krieges. Westeuropa 2. Juli. Rundschreiben von Luthers Referat über Depor- tierungen nach Madagaskar. 15. August. Eichmanns Madagaskarplan. 19. August. Abetz schlägt die Deportierung staatenloser Juden nach Vichy-Frankreich vor. 4. Oktober. Vichys„Statut des Juifs“ beraubt jüdische Flüchtlinge ihrer bürger- lichen Rechte. 1941 31. Januar. Erster Versuch, einen„Judenrat” in Frank- reich zu gründen. ZEITTAFEL DER ENDLOSUNG Gleichzeitige Kriegsereignisse 21. Juni. Frankreich unter- schreibt Waffenstillstand. 28. Juni. Rumänien tritt Bessarabien und Bukowina an Sowjetunion ab. 19. Juli. Hitlers Rede im Reichstag bietet England Frieden on. 15. September. Ion Antonescu wird Diktator von Rumänien. 7. Oktober. Deutsche Truppen in Rumänien. 28. Oktober. Italien greift Griechenland on. 1941 17. Februar. Rumänien tritt in den Krieg ein. 597 DIE ENDLOSUNG Osteuropa Februar—April. 72000 Juden ins Warschauer Ghetto deportiert. 30. März. Hitlers „Führerbefehl*-Besprechung. Möglichkeit der Ausrottung der Juden erwähnt. Ende Mai. Bildung der Einsatzgruppen in Pretzsch in Sachsen. 25. Juni. Pogrom in Jassy (Rumänien). 238. Juni. Von Deutschen angestiftetes Pogrom in Kowno(Litauen). 2. Juli.„Unternehmung Petljura“-Pogrom in Lemberg. 8. Juli. Judenstern muß in den baltischen Staaten getragen werden. 21. Juli. Himmler plant Konzentrationslager in Majdanek. 2. August. Austreibung der staatenlosen Juden aus K.arpatorußland angeordnet. 598 Westeuropa 22./23. Februar. 400 jüdische Geiseln aus Amsterdam deportiert. 4. März. Bau der Bunafabrik in Auschwitz genehmigt. 30. März. Vichy-Regierung ernennt„Commissaire aux Questions Juives”. 14. Mai. Deutsche verhaften 3600 eingebürgerte Pariser Juden. 31. Juli. Göring beauftragt Heydrich, die völlige Evakuierung der europäischen Juden durchzuführen. Gleichzeitige Kriegsereignisse 1. März. Bulgarien im Krieg. 2. März. Hitler erläutert seine Pläne für die Besetzung der Sowjetunion. Ende März. Britische Truppen in Griechenland, 6. April. Deutscher Einfall in Jugoslawien und Griechenland. 10. April. Unabhängigkeit Kroatiens erklärt. 24. April. Bulgarien besetzt Thrazien. 15. Mai. Petain verspricht H Zusammenarbeit mit i Deutschland in einer Rundfunkrede 22. Juni. Angriff auf die Sowjetunion. 21. Juli. Ganz Bessarabien von Rumänien zurück- erobert. 14. August. Smolensk von deutschen Truppen besetzt. Osteurop@ 15, August. deportiert+ Batschka nG 18. August: versuchen, J Dnjestr obz! 1. Septembe yon den nen Juden| Podolsk. 19. Septemt des Ghetto Ukraine. 2. Septemb vergasunge 28.129. Sept Massaker v ın Kiew. 12./13. Okt in Dnjepro) 19, Oktobe Amt unters im Belgrad 28. Oktobe schlägt Ver Riga und A Ende Okto) Riga, Wilı Dwinsk(D 6. Novemt 15000 Me Uumgebracd en m Krieg, erläutert ie Besetzung sche Truppen ter Einfall in | hängigkeit . rien besetzt verspricht tmit inkrede auf die jessarabien zurück- ‚lensk von ‚en besetzt. Osteuropa 15. August. Ungarn deportiert Juden aus der Batschka nach Serbien. 18. August. Rumänen versuchen, Juden über den Dnjestr abzuschieben. 1. September. Massaker der von den Ungarn vertriebe- nen Juden bei Kamenetz- Podolsk. 19. September. Liquidierung des Ghettos von Schitomir, Ukraine. 23. September. Versuchs- vergasungen in Auschwitz. 28./29. September Massaker von 34 000 Juden in Kiew. 12./13. Oktober. Massaker in Dnjepropetrowsk. 19. Oktober. Auswärtiges Amt unterstützt Massaker im Belgrader Ghetto. 28. Oktober. Wetzels Brief schlägt Vergasungslager in Riga und Minsk vor. Ende Oktober. Metzeleien in Riga, Wilna, Kowno und Dwinsk(Dünaburg). 6. November. 15000 Menschen in Rowno umgebracht. ZEITTAFEL DER ENDLOSUNG Westeuropa Gleichzeitige Kriegsereignisse Mitte August. Slowakische Regierung löst das Preßburger Ghetto auf. Ende August. Hitler verspricht Goebbels, daß die Berliner Juden nach Osten deportiert werden 15. September. Slowakei übernimmt Nürnberger Gesetze. Judenstern muß im ganzen Reich getragen werden. 19. September. Kiew besetzt. 27. September. Heydrich wird Reichsprotektor von Böhmen und Mähren. 2. Oktober. Pariser Synagogen in Gestapo- Geheimaktion gesprengt. 4. Oktober. Heydrichs Besprechung über die kommenden Deportierungen aus dem Reich. 12. Oktober. Teilweise Evakuierung Moskaus. 20. Oktober. Erste Deportierungen aus dem Reich angeordnet. (Nach Lodz.) 4. November. Deportierungen nach Lodz abgeschlossen. DIE ENDLOSUNG Osteuropa Ende November. Erstes Blutbad in Rostow. 8. Dezember. Blutbad von Riga beendet(27 000 Opfer). 22. Dezember. Blutbad von Wilna beendet(32 000). 30. Dezember. Blutbad von Simferopol(Krim) beendei (10 000). Ende Dezember. Ständiges Vergasungslager in Chelmno bei Posen. 1942 15. Januar.„Umsiedlungs- aktion“ in Lodz beginnt. 3]. Januar. Stahlecker berichtet, daß 229 052 Juden in den baltischen Staaten getötet worden sind. Februar/März. Ausrottung von 14 000 Charkower Juden in der Traktorenfabrik Nr. 9 600 Gleichzeitige Kriegsereignisse Westeuropa Erste Hälfte November. Die ersten Juden aus dem Reich treffen in Riga, Minsk und Kowno ein. 27. November. Ribbentrop greift Vorschlag auf, die Deportierungen auf alle europäischen Juden auszudehnen. Ende November. Gefährdung Moskaus vorüber. 5. Dezember. Stülpnagel schlägt die Deportierung von 1000 Pariser Juden vor, die am 12. verhaftet werden. 7. Dezember. Japan greift die Alliierten und USA on. 11. Dezember. Deutschland erklärt Krieg an USA. 19. Dezember. Brauchitsch als Befehlshaber in Rußland entlassen. 1942 1942 6. Januar. Molotows erste Note über deutsche Verbrechen in der UdSSR. 15. Januar. Die Alliierten versichern, daß Kriegs- verbrecher bestraft werden 20. Januar. Heydrich gibt auf der Wannsee- Besprechung Ausrottungs- pläne zu. 26. Januar. Die ersten amerikanischen Truppen überqueren den atlantischen Ozeon. Ende Januar. Die ersten Deportierungen nach Theresienstadt. 3. Februar. Oswald Pohl Leiter der Konzentrations- lager. Osteurop@ 16. März. errichtet:| „Einsatz Re in Mielec, 7, 21.M Lubliner€ umgesiede April—Jul ganz Pole 15. Mai— „Familien der Slow« Lublin. 18. Juni. Fahrzeug) durch Of bedroht| Programı Reinhard skaus ıpan greift ind USA an. Jeutschland n USA, Brauchitsch r in Rußland jtows erste tsche der UdSSR. Alliierten ‚ Kriegs- traft werden ersten Truppen ı atlantischen Osteuropa 16. März. Todeslager Belzec errichtet. Die Massaker des „Einsatz Reinhard” beginnen in Mielec, Polen. 17.—21. März. Großteil des Lubliner Ghettos umgesiedelt. April—Juli. Umsiedlung auf ganz Polen ausgedehnt. 15. Mai— 30. Juni. „Familientransporte” aus der Slowakei in den Distrikt Lublin. 18. Juni. Fahrzeugbeanspruchung durch Offensive in Rußland bedroht Umsiedlungs- programm des„Einsatz Reinhard”. Westeuropa 20. März. Weizsäcker bestätigt die Zustimmung des Außenamtes zur Depor- tierung von 6000 Pariser Juden nach Auschwitz. 28. März. Die ersten slowakischen Juden im Lager Birkenau, Auschwitz. 28. März. Der erste Zug Paris-Auschwitz. 2. April. Sauckels totaler Arbeitseinsatz durchkreuzt Auschwitz-Programm. April—Juni. Juden aus dem Großdeutschen Reich in die polnischen Todeslager verschickt. l. Juni. Judenstern muß in Frankreich und Holland getragen werden. 15. Juni. Eichmann erklärt, daß militärische Gründe die Deportierungen aus dem Reich verhindern. 23. Juni. Erste Selektion für die Gaskammern in Auschwitz.(Paris.) ZEITTAFEL DER ENDLOSUNG Gleichzeitige Kriegsereignisse 15. Februar. Fall von Singapur. 15. März. Hitler verspricht, Rußland im Sommer vernichtend zu schlagen 26. April. Reichstag bestätigt Hitlers Aufhebung der Rechtsordnung. 13. Mai. Russischer Versuch, Charkow zurückzuerobern, schlägt fehl. 31. Mai. Erster großer Luftangriff auf Deutschland (Köln.) 5. Juni. Heydrichs Tod. 10. Juni. Von Bock eröffnet die Offensive an der Don- Front. 22. Juni. Laval verhandelt über die Rückkehr der französ. Kriegsgefangenen. DIE ENDLOSUNG Osteuropa ij Juli. Metzeleien auf Minsk, sl Lida, Slonim und Rowno | ausgedehnt. 22. Juli. Warschauer | Umsiedlung beginnt.(Bis i 3. Oktober 310 000 Ä umgesiedelt.) | 10.—22. August. 40000 Juden | aus Lemberg umgesiedelt. August/September Deportierungen aus Agram nach Auschwitz. 9. September. Das„östlichste“* Massaker von Juden in Kislowodsk, Kaukasus. 16. September.„Umsiedlung” in Lodz beendet. 3. Oktober.„Umsiedlung” in Warschau beendet. 602 Westeuropa 16. Juli. Die große Razzia in Paris. Erster Deportations- zug aus Holland. 4. August. Erster Deportationszug Belgien- Auschwitz. 26.—28. August. 7000 staatenlose Juden im unbesetzten Frankreich verhaftet. August/September. Zahlreiche aus Theresien- stadt deportierte Juden in der Nähe von Minsk vergast. 4. Oktober. Alle Juden in Konzentrationslagern gehen nach Auschwitz. 14. Oktober. Juden in Holland so gut wie vogel- frei. 18. Oktober. Justizministerium überträgt Verantwortung für Juden und Ostbürger im Reich on die Gestapo. Osteurop@ Gleichzeitige Kriegsereignisse 7. Oktober. Einsatz Reit Über 50 Ghe gesetzlich an 1. Juli. Deutsche Armeen 9, Oktober. erreichen EI Alamein in Pinsk umgeb Ägypten und den Don in Rußland. 1 18. Novembe Ghetto wird ein Arbeitsla Mitte August. Deutsche Truppen erreichen den Nordkaukasus. 19. August. Angriff auf Dieppe. 1943 16. September. Deutsche Armee erreicht Stalingrad. 30. September. Hitler wiederholt die Voraussage 18. Januar. der Vernichtung des Welt- Widerstand judentums Ghetto, 7. Oktober. Inter-Alliierte Kommission für Kriegs- verbrechen gegründet. 3.—]2, Febr Umsiedlung \rmeen !ein in Don in 'tsche | den ff auf 2ufsche alingrad. tler jraussage jes Welt- Alliierte (riegs- ndet. Osteuropa 28. Oktober. Erster Teil von „Einsatz Reinhard” beendet. Über 50 Ghettos in Polen gesetzlich anerkannt. 29. Oktober. 16 000 Juden in Pinsk umgebracht. 18. November. Lemberger Ghetto wird auf dem Papier ein Arbeitslager. 1943 18. Januar. Erster Widerstand im Warschauer Ghetto. 5.—12. Februar. Erste Umsiedlung in Bialystok. Westeuropa 25. November. Deportierung aus Bergen(Norwegen) nach Auschwitz. 26. November. Jüdische Arbeiter in Rüstungsfabriken im Reich sollen durch Polen ersetzt werden. Dezember/Janvar. Italienische Bemühungen, die Juden in ihrem Sektor Frankreichs zu schützen. 1943 20.—26. Januar. Deportationen Theresienstadt-Auschwitz. 27. Februar. Jüdische Rüstungsarbeiter aus Berlin nach Auschwitz verschickt. ZEITTAFEL DER ENDLOSUNG Gleichzeitige Kriegsereignisse 7. November. Alliierte Landung in Nordafrika. 11. November. Vichy-Frankreich von Deut- schen, Nizza von Italienern besetzt. 22. November. Beginn der russischen Gegenoffensive. 17. Dezember. Die Alliierten erklären feierlich, daß die Judenausrottung gesühnt werden wird. 1943 14. Januar.„Bedingungslose Kapitulation“ in Casablanca vereinbart. 28. Januar. Sauckel ordnet allgemeine Arbeits- mobilisierung an. 2. Februar. Sechste deutsche Armee ergibt sich bei Stalingrad. 15. Februar. Russen erobern Charkow zurück. DIE ENDLOSUNG Osteuropa März—Mai. Zweite Umsiedlung aus Kroatien. 13. März. Krakauer Ghetto liquidiert. 15. März. Deportierungen aus Saloniki und Thrazien beginnen. 22.—29. März. Bulgaren helfen bei Deportierungen aus Thrazien und Mazedonien. 19. April— 16. Mai. Liquidierung des Warschauer Ghettos. 24. Mai. Bulgarische Regierung zerstreut die Juden von Sofia entgegen deutschen Befehlen. 11.Juni. Himmler ordnet die Liquidierung aller polnischen Ghettos an; Erlaß am 21. auf Rußland ausgedehnt. 21.—27. Juni. Liquidierung des Lemberger Ghettos. 4.—12. August. Deportierungen aus Sosnowiec-Bedzyn nach Auschwitz. 604 Gleichzeitige Kriegsereignisse Westeuropa März. Transporte aus Holland gehen ins Todes- lager Sobibor, aus Wien, Luxemburg, Prag und Mazedonien nach Treblinka. 13. März. Das erste der neuen Kremotorien in Auschwitz eröffnet. 16. März. Russen verlieren Charkow wieder. 16. April. Hitler gibt Admiral Horthy gegenüber die Ausrottung zu. 27. April. Totale Umsiedlung der Amsterdamer Juden als undurchführbar aufgegeben. Ende April. Martin Luthers Sturz. Goebbels veröffent- licht Katyn-Enthüllungen. 9. Mai. Deutsche Armee in Tunis kapituliert. 19. Mai. Berlin„judenfrei“ erklärt. 5.—15. Juli. Deutsche Offensive in Rußland schlägt fehl. 9, Juli. Alliierte Landung auf Sizilien. 25. Juli. Mussolini verhaftet Ende Juli. Russische Partisaneneinheit unter Kowpak dringt bis in die Karpaten vor— 800 km hinter der Front Osteurop@ august. Exhl in Kiew Un Jogern na Russen. 19.27. Aug Liquidierung Bialystok. 11.—14. Sep! Liquidierunc von Minsk ı 2. Septemb des Wilnaeı September- Völlige Ligı weißrussisch dem Fall v 14. Oktober in Posen< programm; ei) en verlieren er, er gibt hy gegenüber g zu, Martin Luthers els veröffent- ıthüllungen, sche Armee in ert. Jeutsche ä Rußland schlägt rte Landung ‚olini verhaftet ıssische ‚heit unter gt bis in die pr— 80 km ont. Osteuropa August. Exhumierungsaktion in Kiew und den Todes- lagern nach Vormarsch der Russen. 19.—27. August. Liquidierung des Ghettos Bialystok. 11.—14. September. Liquidierung der Ghettos von Minsk und Lida. 23. September. Liquidierung des Wilnaer Ghettos. September—November. Völlige Liquidierung aller weißrussischen Ghettos nach dem Fall von Smolensk. 14. Oktober. Himmlers Rede in Posen gibt Ausrottungs- programm zu. Westeuropa 14. August. Laval weigert sich, an den Juden- deportierungen aus Frankreich teilzunehmen. 24. August. Himmler wird Reichsminister des Innern. 11. September. Beginn der deutschen Razzia auf Juden in Nizza. 11.—18. September. „Familientransporte” aus Theresienstadt nach Auschwitz. 1. Oktober. Deutsche Deportierung der Juden Dänemarks im großen und ganzen umgangen. 18. Oktober. Erste Deportation Rom- Auschwitz. ZEITTAFEL DER ENDLOSUNG Gleichzeitige Kriegsereignisse 5. August. Schweden verweigert Deutschland Durchfahrt. Aufruhr in dänischen Werften. 17. August. Kallay spricht sich für Frieden aus. 8. September. Alliierte veröffentlichen italienische Waffenstillstands- bedingungen. Rom und Norditalien am 10. in deutscher Gewalt. 25. September. Russen erobern Smolensk zurück. 13. Oktober. Italien erklärt Krieg an Deutschland. 20. Oktober. Moskauer Außenministerkonferenz (Hull, Eden, Molotow) verkündet„Entschlossenheit, Kriegsverbrecher zu bestrafen”. DIE ENDLOSUNG Osteuropa 3. November. Liquidierung des Rigaer Ghettos. Ermordung der im Konzen- trationslager Lublin verbliebenen Juden. 11.—23. Dezember. Vertreter des Schweizer Roten Kreuzes besuchen von Rumänien nach der Südukraine deportierte Juden. 1944 14. Februar. Himmler ordnet an, das Lodzer Ghetto zu verkleinern. März/April. Die Juden in Transnistrien, Bessarabien und der Bukowina in russischen Händen. 14. April. Erster Transport Athen-Auschwitz. 606 Westeuropa 1. November. Höss aus Auschwitz entfernt. Lange Pause im Ausrottungs- programm, mit Ausnahme einiger Züge aus Holland 1944 18. März. Horthy stimmt deutscher Polizeiaufsicht in Ungarn und der Deportierung der Juden zu. 3, April. Besprechung von „Judenreferenten“ in Krummhübel. 15. Mai bis 27. Juni, 380 000 Juden aus Groß- ungarn deportiert, haupt- sächlich nach Auschwitz, wo mindestens 250 000 vergast wurden. Gleichzeitige Kriegsereignisse 6. November. Russen erobern Kiew zurück. 15.—19. Dezember. Erster Prozeß gegen deutsche Kriegsverbrecher in Charkow. 1944 6. Januar. Rote Armee dringt in das ehemals polnische Weißrußland ein. Jüdische Partisanen on den Kämpfen beteiligt. 26. Januar. Russen veröffentlichen Bericht über Katyn. 15. März. Rote Armee über- quert den Bug. 28. März. Rote Armee dringt in Galizien ein. 10. April. Bukowina, Bessarabien und Odessa zurückerobert. Osteurop@ 74, Juli. Rus Konzentratio Das jüdische Warschauer evakuiert. 95, Juli. Kow evakuiert. 4. August. LC Riga) evaku 7% Juden östlich der\ Deutschland 2. August. versucht, die der Juden a organisieren kapituliert, 5, Septembeı evakuiert. 2, Septemb: Lager Kluga Revals Einn Russen. Wie der Deporti der Slowake Aufstand ve Bystrica, Ende Oktok !ebenden dı Konzentratir 0szow) nı !Fansportier 40% Russen Zurück, ıber. Erster deutsche er in 'e Armee ehemals ißrußland ein, sanen on den ‚ligt. Issen 1 Bericht über > Armee über- |. e Armee dringt N. owina, ind Odessa ren ee Osteuropa 24. Juli. Russen befreien Konzentrationslager Lublin. Das jüdische Lager im Warschauer Ghetto evakuiert. 25. Juli. Kownoer Ghetto evakuiert. 6. August. Lager Kaiserswald (Riga) evakuiert. 27 000 Juden aus Lagern östlich der Weichsel nach Deutschland transportiert. 23. August. Eichmann versucht, die Deportierung der Juden aus Rumänien zu organisieren, da Rumänien kapituliert. 5. September. Lodzer Ghetto evakuiert. 23. September. Blutbad im Lager Kluga, Estland, nach Revals Einnahme durch die Russen. Wiederaufnahme der Deportierungen aus der Slowakei nach dem Aufstand von Banska Bystrica. Ende Oktober. Die Über- lebenden des Krakaver Konzentrationslagers (Plaszow) nach Auschwitz transportiert. 40% ZEITTAFEL DER ENDLOSUNG Westeuropa 6. Juli. Unter alliiertem Druck stellt Horthy die Deportotionen zeitweilig ein. 23. August. Lager Drancy (Paris) befreit. September. Juden aus holländischen Lagern nach Deutschland transportiert. Deportierungen Theresien- stadt— Auschwitz. Letzter Transport Frankreich— Auschwitz. Rotes Kreuz besucht Leitung des Lagers Auschwitz. Ende Oktober. Letzte Selektion für die Gas- kammern in Auschwitz. Gleichzeitige Kriegsereignisse 4. Juni. Alliierte in Rom. 6. Juni. Invasion West- europas, 23. Juni. Russische Offensive beginnt. Eroberung von Minsk am 3. Juli, Wilna am 8. Juli, Lemberg am 27. Juli; an den Toren von Warschau am 31. Juli. 20. Juli. Attentat auf Hitler. 23. August. Rumänien kapituliert. Paris befreit 5. September. Schweden verweigert Kriegsver- brechern Asyl. 11. September. Britische Truppen erreichen Holland. 13. September. Russen erreichen slowakische Grenze. 14. September. Amerikanische Truppen an der deutschen Grenze. 15. Oktober. Horthy von den Deutschen verhaftet, nachdem er die Kapitula- tion bekanntgegeben hat. 607 DIE ENDLOSUNG Osteuropa November. Prozeß gegen den Stab des Lagers Mojdanek in Lublin. 1945 16. Januar. Russen befreien 800 Juden in Tschenstochau und 870 in Lodz. März. Polen, die Slowakei und Ungarn von Deutschen geräumt. 608 Westeuropa 8. November bis 8. Dezem- ber. Etwa 35 000 Budapester Juden in die Gegend von Wien und in deutsche Konzentrationslager deportiert. 26. November. Himmler ordnet die Zerstörung der Auschwitzer Krematorien an. 6. Dezember. Ungarische Juden aus Belsen treffen in Bregenz ein. 1945 17. Januar. Über 80 000 Juden in Budapest von den Russen befreit. 26. Januar. Russen befreien 2819 kranke Überlebende in Auschwitz. 2. Februar. Vertreter des Roten Kreuzes beraten mit SS über Hilfe für Konzentrationslager. 12. März. Kaltenbrunner empfängt Prof. Burckhardt. Gleichzeitige Kriegsereignisse 3. November. Russen erobern zwei Drittel Ungarns und erreichen Budapest. 5. November. Britische Truppen in Saloniki. 7. November. Russen am Plattensee. 16. Dezember. Rundstedt eröffnet die letzte deutsche Offensive in den Ardennen 28. Dezember. Budapest belagert. 1945 11. Januar. Russen erobern Warschau; am 18. Krakau und erreichen die Oder am 22. Januar. 4. Februar. Krim-Konferenz. 14. Februar. Ganz Budopest in russischen Händen. 5. März. Amerikanische Truppen erobern Köln und überqueren am 7. den Rhein bei Remagen. 23. März. Britische Truppen überqueren den Rhein bei Wesel Westeurop@ 1. April: guchenwald 15, April. Br 13000 Tote waren gesto 9. April, M gemacht. 2. April—! Oranienburt evakuiert. 1 verübt. 2. Mai. Das 3, Mai. Eich Aussee im 10. Mai. Th se Russen Dritte erreichen Britische Jloniki, Russen am . Rundstedt letzte deutsche den Ardennen . Budapest ussen erobern m 18. Krakau ı die Oder am (rim-Konferenz. Ganz Budapest Händen. erikanische ern Köln und ım 7. den ‚magen. tische Truppen Jen Rhein Westeuropa 23. April. Mauthausen dem Roten Kreuz zugänglich gemacht. 23. April— 4. Mai. Häftlinge aus Sachsenhausen, Oranienburg und Ravensbrück zu Fuß nach Schleswig evakuiert. Letzte Massaker von der SS-Wachmannschaft verübt. 2. Mai. Das Rote Kreuz übernimmt Theresienstadt. 3. Mai. Eichmanns Kommando zum letzten Mal in Alt- Aussee im Salzkammergut gesehen. 10. Mai. Theresienstadt befreit. ZEITTAFEL DER ENDLOSUNG Gleichzeitige Kriegsereignisse 6.—10. April. 15000 Juden aus dem„Kleinen Lager” in Buchenwald evakuiert. 11. April. Amerikanische Truppen an der Elbe. 15. April. Britische Armee findet etwa 40.000 Lebende und 15. April. Russen besetzen 13000 Tote in Belsen(hauptsächlich Juden); etwa 30000 Wien. waren gestorben. 20. April. Amerikanische Truppen in Nürnberg. 23. April. Die Russen in den Vororten von Berlin. 24. April. Himmlers Friedensangebot durch Graf Bernadotte übermittelt. 30. April. Hitlers Selbstmord im Bunker der Reichs- kanzlei. 2. Mai. Berlin ergibt sich den Russen. 7. Mai. General Jodl unter- zeichnet die bedingungslose Kapitulation in Eisenhowers Hauptquartier. 23. Mai. Himmler nimmt Gift bei seiner Verhaftung. 14. Juni. Ribbentrop in Hamburg verhaftet. 1% 1} Bibliographie Das zur Vorbereitung dieses Buches verwendete Material zerfällt in die folgenden Gruppen: 1. Dokumente und Beweisstücke aus den Nürnberger Prozessen. 2. Von jüdischen und anderen Untersuchungskommissionen gesam- melte Beweisstücke zur Verwendung in diesen und anderen Prozessen. 3. Historische und statistische Berichte, 4. Memoirenwerke von Nichtjuden, die die mit der Ausrottung der Juden in Zusammenhang stehenden Vorgänge erhellen. 5. Berichte von Überlebenden. Bei der Wertung und Auswertung dieses Materials und insbesondere der letztgenannten Gruppe von Berichten ist eine gewisse Zurückhal- tung geboten. So wurden zum Beispiel die die polnischen Todeslager betreffenden Beweise nach dem Krieg entweder von der polnischen staatlichen Untersuchungskommission oder von der Zentralkommission für polnisch-jüdische Geschichte zusammengetragen. Die körperlich widerstandsfähigen Überlebenden, die man vernommen hatte, waren in den seltensten Fällen Menschen mit höherer Bildung. Außerdem sind die Ostjuden von Natur aus Meister der Rhetorik, die sich gerne einer blumigen Ausdrucksweise bedienen. Wenn ein Zeuge erzählte, daß die aus dem Westen herangeschleppten Opfer in„Wagon-lit”- Wagen in den Todeslagern anlangten, wollte er offenbar zum Aus- druck bringen, daß Personenwagen an Stelle der sonst üblichen Vieh- wagen verwendet worden waren. Manchmal klafft eine weite Lücke zwischen der erlaubten Phantasie und den Grenzen der Glaubwürdig- keit, so z. B., wenn eine Gruppe von Lebensmittelschmugglern in einem Ghetto aus außerordentlich großen Männern bestehend beschrieben wird, die Taschen der ganzen Länge ihrer Körper entlang besaßen. Leser, die an sich weit davon entfernt sind, irgendwelche antisemiti- sche Vorurteile zu haben, die aber die Einzelheiten von Mordtaten in so gigantischen Ausmaßen als zu kraß empfinden, als daß man sie glauben könnte, mögen dazu neigen, Credat Judaeus Apella auszu- rufen und alle diese. Schilderungen ins Reich der Fabel zu verweisen. Die Zeugen, werden sie vielleicht sagen, sind Orientalen, die ziffern- mäßige Angaben nur zur Ausschmückung ihrer Erzählungen verwenden 610 und derel balsam U Aber die schrieben fehle un es nach L mehreren höchsten heraussch aus dem Bürokrati Sie bildei Hinweise hofes in| den Jahr zahlen b kes„Der zitierten Zahl) be den Buch Dokumet sind— f XXV bis Viele, in in diese Übersetz spiracy der wur kleiner| in Nürn! zösische aber in Docume Fällen o Viele Hi ren, vor abgehal War Cı brechert Govern aus den den au deren\ ein Zeh 2: können 'OZessen, en gesam- d anderen Ausrottung hellen. besondere Zurückhal- Todeslager polnischen ommission körperlich ıtte, waren Außerdem sich gerne e erzählte, Nagon-lit"- zum Aus- chen Vieh- eite Lücke ‚ubwürdig- n in einem ‚eschrieben j besaßen. antisemiti- Mordtaten ß man sie la auszu- verweisen. Jie ziffern- verwenden BIBLIOGRAPHIE und deren Namen allein schon— Sunschein und Zylberdukaten, Roth- balsam und Salamander— Ausgeburten der Phantasie sind. Aber die fürchterlichsten Schrecken, die diese einfachen Menschen be- schrieben haben, werden immer und immer wieder durch Berichte, Be- fehle und andere Äußerungen deutscher Amisstellen bestätigt. So wird es nach und nach möglich, Zugaben der Phantasie auszuscheiden. Aus mehreren Berichten über die gleiche Begebenheit kann man dann den höchsten gemeinsamen Nenner an unanfechtbarem Tatsachenmaterial herausschälen. Dabei darf.man nicht übersehen, daß Schilderungen aus dem Munde der Opfer der oft zweideutigen Sprache der deutschen Bürokratie manchmal die Klarheit einhauchen, die ihr selber abgeht. Sie bilden daher eine unumgängliche Ergänzung. 1. Die Nürnberger Prozesse Hinweise auf die Verhandlungen des Internationalen Militärgerichts- hofes in Nürnberg— des Prozesses gegen die Hauptkriegsverbrecher in den Jahren 1945/1946— sind mit IMT bezeichnet. Bände- und Seiten- zahlen beziehen sich auf die Nürnberger deutsche Ausgabe des Wer- kes„Der Prozeß gegen die Haupikriegsverbrecher"(42 Bände). Die zitierten Beweisstücke sind meist durch die Buchstaben PS(sowie eine Zahl) bezeichnet, es kommen aber auch Dokumente vor, die unter den Buchstaben L, EC, R, M, RF und USSR geführt werden. Die zitierten Dokumente— abgesehen von jenen, die mit RF oder USSR bezeichnet sind— finden sich meistens auch, zumindest teilweise, in den Bänden XXV bis XLII der obenerwähnten(amerikanischen) Veröffentlichung. Viele, in der zweiundvierzigbändigen Ausgabe nicht enthaltene, aber in diesem Buch herangezogene Beweisstücke finden sich in englischer Übersetzung in dem elfbändigen dokumentarischen Werk Nazi Con- spiracy and Aggression, Washington, State Department, 1946—48. Lei- der wurde in der zweiundvierzigbändigen Veröffentlichung nur ein kleiner Bruchteil der von Frankreich(RF) oder der Sowjetunion(USSR) in Nürnberg vorgelegten Beweisstücke mitgedruckt. Die für den fran- zösischen Ankläger in Nürnberg zusammengestellten Dokumente sind aber in französischer Sprache in den Veröffentlichungen des Centre de Documentation Juive Contemporaine enthalten, wobei sich in manchen Fällen auch der deutsche Urtext in Faksimile vorfindet. Viele Hinweise in diesem Buch beziehen sich aber auf die zwölf späte- ren, vor einem ausschließlich amerikanischen Militärgericht in Nürnberg abgehaltenen Prozesse. In der amtlichen Veröffentlichung Trials of War Criminals before the Nuremberg Military Tribunals(Kriegsver- brecherprozesse vor den Nürnberger Militärgerichten), Washington, Government Printing Office, 1951/52, finden sich wenigstens Auszüge aus den dort gemachten Aussagen und verwendeten Beweisstücken. In den außerordentlich umfangreichen Bänden dieser Veröffentlichung, deren Verwendungsfähigkeit leider beschränkt ist, ist aber weniger als ein Zehntel des ganzen Materials enthalten. In der Mehrzahl der Fälle können die im Buch zitierten Beweisstücke aus diesen Prozessen nur aus 611 Wera an Si DIE ENDLOSUNG Photokopien studiert werden, die in verschiedenen Bibliotheken, wie z.B. im„Institut für Zeitgeschichte” in München, hinterlegt sind. Soweit das betreffende Beweisstück ganz oder teilweise, entweder in Trials of War Criminals oder anderswo, gedruckt vorliegt, ist das in den Quellennach- weisen(3. 624—677) angegeben, wobei immer besonders angeführt wird, wenn in einer nichtdeutschen Veröffentlichung der deutsche Urtext ent- halten ist. Soweit kein gedrucktes Protokoll vorliegt, muß bei den mündlich gemach- ten Aussagen auf die im Gericht verteilte vervielfältigte Niederschrift hingewiesen werden. Die einzelnen Beweisstücke erscheinen unter der Ordnungszahl, die sie während des gerichtlichen Verfahrens gehabt haben; ihr gehen die Buchstaben NO oder NG, NI oder NOKW voraus. Die einzelnen Verfahren werden durchgehend als„Prozeß...“ bezeich- net. Es handelt sich um die folgenden(die römische Zahl in Klammern deutet auf den einschlägigen Band der Veröffentlichung Trials of War Criminals hin): Prozeß Il: Karl Brandt und Genossen„Ärzteprozeß”(1-11) Prozeß Il: Erhard Milch„Prozeß Milch”(Il) Prozeß Ill: Altstötter und Genossen„Juristenprozeß”(II) Prozeß IV: Oswald Pohl und Genossen „Konzentrationslager-Prozeß”(V-VI) Prozeß V: Friedrich Flick und Genossen ‚Prozeß Flick”(VI) Prozeß VI: Karl Krauch und Genossen „\. G.-Farben-Prozeß”(VII-VII) Prozeß VlIl: Wilhelm List und Genossen „Geiselprozeß”(X) Prozeß VIll: Ulrich Greifelt und Genossen „RUSHA-Prozeß”(IV-V) Prozeß IX: Otto Ohlendorf und Genossen „Einsatzgruppen-Prozeß”(IX) Prozeß X: Alfried Krupp und Genossen „Prozeß Krupp”(IX) Prozeß XI: Ernst von Weizsäcker und Genossen „Wilhelmstraßen-Prozeß”(XII-XIV) Prozeß Xll: Wilhelm von Leeb und Genossen „Oberkommando-Prozeß”(X-X|) Gute Zusammenfassungen des Verlaufs der zwölf Verfahren finden sich in der viel kürzeren Serie Law Reports of Trials of War Criminals, Select- ed by the United Nations War Crimes Commission(Von der Kriegs- verbrechenkommission der Vereinten Nationen ausgesuchte und vorbe- reitete juristische Berichte über Kriegsverbrecherprozesse), London 1947 bis 1949, 14 Bände. Prozeß Il wird in Band VII, Prozeß III in Band VI, Pro- zeß VI in Band X, Prozeß VII in Band VIII, Prozeß VIII in Band XIII, Pro- zeß X in Band X und Prozeß XII in Band XII besprochen. Der deutsche Wortlaut des Urteils im Prozeß XI, in dem viele in diesem Buch ver- wendete Beweisstücke zitiert werden, ist in der Veröffentlichung Das Ur- teil im Wilhelmstraßen-Prozeß, Schwäbisch-Gmünd 1950, enthalten. Auszüge aus den mit den Anfangsbuchstaben NO, NG, NI und NOKW 612 hezeichn druckt: Baylı Äskulaps ten Ausz in den B Alex Menschli 1949 in| le N Documel 60 Ausg‘ berger\ mentare! usw. Ver minals d La ı ['Ouest, den in Fi in Nürnk Paris 1% nehmlich ten und La f Juden ir die Pro; Rou 1950, C Himmlei Poli 1951. Viele Rl tet warı tion de: gungen Eine of Wuppe richten| durchge englisch den in Betrach Maße y N, Wie z, ß, SOWeit das al of War vellennach. führt Wird Urtext ent. ch gemach- lederschrift Unter der NS gehabt \W voraus. «" bezeich- Klammern als of War VI-YIN) A) (IV-V) (X) N) [KII-XIV) KA) finden sich als, Select- ler Kriegs- ınd vorbe- ındon 1947 nd VI, Pro- d XIII, Pro- r deutsche Buch ver- ng Das Ur- ılten. ‚d NOKW BIBLIOGRAPHIE ee Beweisstücken sind auch in den folgenden Büchern abge- ruckt: Bayle, Francois, Croix Gammee contre Caducee(Hakenkreuz gegen Askulapstab), Neustadt in der Pfalz 1950.(Enthält auf mehr als 1500 Sei- ten Auszüge aus dem„Ärzteprozeß” mit wertvollem Material, das sich in den Bänden| und Il der Trials of War Criminals nicht vorfindet.) Alexander Mitscherlich und Friedrich Mielke, Wissenschaft ohne Menschlichkeit, Heidelberg 1949.(Behandelt den„Ärzteprozeß” und ist 1949 in New York auch englisch erschienen.) Le Monde Juif(Die jüdische Welt), Mitteilungsblatt des Centre de Documentation Juive Contemporaine in Paris, 1946—52. In mehr als 60 Ausgaben dieser Monatsschrift sind viele der in den späteren Nürn- berger Verfahren vorgelegten Beweisstücke mit entsprechenden Kom- mentaren von Leon Poliakov, Jacques Sabile, Jules Billig, Michal Mazor usw. veröffentlicht worden— sie stellen neben den Trials of War Cri- minals die umfangreichste Quelle dar. La Persecution des Juifs en France et dans les autres Pays de l’Ouest, presentee par la France ü Nuremberg(Die Verfolgung der Ju- den in Frankreich und den anderen westlichen Ländern— von Frankreich in Nürnberg vorgelegtes Material), herausgegeben von Henri Monneray, Paris 1947, Centre de Documentation Juive Contemporaine.(Enthält vor- nehmlich die von Frankreich dem Internationalen Militärgericht vorgeleg- ten und mit RF bezeichneten Beweisstücke.) La Persecution des Juifs dans les Pays de l’Est(Die Verfolgung der Juden in den Ostländern), Paris 1949, ebenda.(Behandelt hauptsächlich die Prozesse Ill, IV, IX und XI.) Rousset, Henri, Le Pitre ne rit pas(Der Hanswurst lacht nicht), Paris 1950, CDJC.(Enthält hauptsächlich Beweisstücke, die den Charakter Himmlers beleuchten.) Poliakov, Leon, Breviaire de la Haine(Brevier des Hasses), Paris IS. Viele RF-Beweisstücke, die für das Internationale Militärgericht vorberei- tet waren, wurden dort niemals vorgelegt und erhielten daher keine Ordnungszahlen. Einige von ihnen bilden die Grundlage zweier weiterer vom CDJC veröffentlichter Arbeiten: L. Poliakov, L’Etoile Jaune(Der Gelbe Stern), Paris 1949. La Condi- tion des Juifs en France sous l’occupation italienne(Die Lebensbedin- gungen der Juden im italienisch besetzten Frankreich), Paris 1950. 2. Andere Prozesse Eine offizielle Veröffentlichung über die von britischen Gerichten in Wuppertal, Hamburg und Lüneburg sowie die von amerikanischen Ge- richten in Dachau im Rahmen des„Londoner Statuts”” vom 8. August 1945 durchgeführten Verfahren gibt es nicht. Privater Initiative entspringt die englische Serie War Crimes Trials; einer ihrer Bände The Belsen Trial gibt den in Lüneburg 1945 abgehaltenen Prozeß wieder und ist für unsere Betrachtungen außerordentlich wichtig. Das gilt in weit geringerem Maße von den Bänden The Natzweiler Trial(Wuppertal) und The Hada- 613 DIE ENDLOSUNG mar Trial(Dachau). Im folgenden bezeichnet die römische Zahl den Band der Sammlung Law Reports of Trials of War Criminals, der eine zusam- menfassende Darstellung der hier erwähnten Prozesse enthält: Tesch und Stabenow(Prozeß Zyklon B), Hamburg, Juni 1945| Belsen-Prozeß, Lüneburg, September-November 1945 ıl Rudolf Franz Höss, Krakau, März 1947 vl Amon Göth, Krakau, August/September 1946 Yı Arthur Greiser, Posen, Juni/Juli 1946 xl Josef Bühler, Warschau, Juni/Juli 1948 XIV Hans Albin Rauter, Haag, April 1948 XIV Dachauer Konzentrationslager-Prozeß, Dezember 1945 xl Das letzte der von britischer Seite geführten Verfahren war der Prozeß des Feldmarschalls von Manstein(Hamburg, August-Dezember 1949). Manches darüber findet sich in den Büchern von R. T. Paget Manstein, His Campaigns and Trial(Manstein, seine Feldzüge und sein Prozeß), London 1951, und Paul Leverkühn, Verteidigung Manstein, Hamburg 1952. Nach diesem sehr umstrittenen Prozeß spielten sich die meisten der übri- gen Kriegsverbrecherprozesse vor polnischen oder deutschen Gerichten ab. Über letztere wurde in der deutschen Presse ziemlich ausführlich be- richtet, und dem Verfasser standen überdies noch die Anklageschriften in den Fällen Rademacher und Schäfer sowie eine kurze Zusammenfas- sung des Falles Többens zur Verfügung. Die Protokolle dieser und an- derer Verhandlungen, die auf die Endlösung ein Licht werfen, liegen aber bisher nicht gedruckt vor und dürften auch in Zukunft nicht in Druck erscheinen. Eine Ausnahme bildet der Prozeß gegen den Beamten der Gestapo in Frankfurt Heinrich Baab im März 1950, über den Miss K.Boyle im New Yorker vom 9. September 1950(„The People with Names”, Die Menschen mit Namen) einen ausgezeichneten Bericht veröffentlicht hat, der später auch in ihr Buch The Smoking Mountain(Der rauchende Berg), London 1952, Eingang fand. Was die unter dem Gesichtspunkt der Endlösung sehr wichtigen hollän- dischen Prozesse gegen SS-Gruppenführer Hans Albin Rauter und SS- Hauptsturmführer Aus der Fünten betrifft, war der Verfasser seinerzeit auf das vom Gericht ausgegebene Material und das Mitteilungsblatt des Amsterdamer Instituts für Kriegsdokumentation Nederland in Oorlogs- tiid(Die Niederlande im Krieg) vom März 1951 angewiesen, das eine sehr gute Zusammenfassung des Prozesses Rauter mit einigen in Faksi- mile wiedergegebenen Beweisstücken enthält. Inzwischen ist die ausge- zeichnete Publikation Het Proces Rauter(Der Prozeß Rauter), Haag 1952, in Druck erschienen, in der die Aussagen des Angeklagten deutsch wie- dergegeben sind; sie konnte für die vorliegende deutsche Ausgabe her- angezogen werden. Einiges von dem in den polnischen Prozessen verwendeten Material ist von der Zentralkommission für polnisch-jüdische Geschichte gesammelt und von ihr im deutschen Urtext in der ausgezeichneten dreibändigen Sammlung Dokumenty i Materialy, Lodz 1946, veröffentlicht worden (Herausgeber: Nachman Blumental, Michal Borwicz, Filip Friedman, 614 Josef Re wertvolle Weitere Blumental er Teil Vernichtu suchung\ Gern Bände, V Polis gegen de Einige de vielleicht den Fors mit dem Existenzt Werke,© den und ten oft v Ame [Das Schi frühen Er dort zus Angl Europeaı schen Jui gehende viel erör Belg Persecufi Lüttich 19 The against| gen das weitig n kommiss Bloc York, Fel Con mentatic Paris 194 Doc nus dans Tätigkeii trationslı dazu au der Prozef} nber 1949) t Monstein, in Prozefj), ‚ Hamburg >n der übri- 1 Gerichten führlich be- ıgeschriften sammenfas- ser und an- Ten, liegen cht in Druck eomten der \iss K.Boyle Iames”, Die entlicht hat, ende Berg), ‚gen hollän- ter und SS- ‚r seinerzeit ngsblatt des in Oorlogs- n, das eine en in Faksi- ' die ausge- Haag 1952, Jeutsch wie- usgabe her- Material is ‚ gesammelt reibändigen cht worden ) Friedman, ä i BIBLIOGRAPHIE Josef Kermisz und Josef Wulf). Die drei Bände enthalten auch wertvolle Berichte von jüdischen Überlebenden(in polnischer Sprache). Weitere dokumentarische Belege finden sich in dem Buch von Nachman Blumental Slowa Niewinne(Unschuldige Worte), Krakau 1947. Ein gro- Ber Teil der Ergebnisse der Untersuchungen über Auschwitz und die Vernichtungslager wurde von der polnischen Kommission für die Unter- suchung von Kriegsverbrechen englisch veröffentlicht: German Crimes in Poland(Deutsche Verbrechen in Polen), zwei Bände, Warschau 1946/47. Polish Charges against Germain War Criminals(Polnische Anklagen gegen deutsche Kriegsverbrecher), Warschau 1948. 3. Historische und statistische Berichte Einige der im folgenden genannten Bücher sind in der Gestalt einer— vielleicht vorzeitig begonnenen— Geschichtsschreibung abgefaßt. Für den Forscher am ergiebigsten sind sie dort, wo sie im Zusammenhang mit dem Problem der Hilfeleistung, der Wiedergutmachung und der Existenzgründung gesammeltes Zahlenmaterial enthalten. Aber auch Werke, die mit wenig Abstand von den Geschehnissen geschrieben wur- den und nicht frei von Tendenzen der Kriegspropaganda sind, enthal- ten oft wertvolles Beweismaterial. American Federation of Polish Jews: The Black Book of Polish Jewry (Das Schwarzbuch des polnischen Judentums), New York 1943.(Trotz des frühen Erscheinungsdatums ist dieses Sammelwerk vor allem wegen der dort zusammengetragenen Zitate aus der Presse von Wert.) Anglo-American Committee of Inquiry: Report on the Problems of European Jewry and Palestine(Bericht über die Probleme des europäi- schen Judentums und Palästinas), London 1946.(Enthält in Einzelheiten gehende Angaben zu der vom Jüdischen Weltkongreß behaupteten und viel erörterten Ziffer von 5,7 Millionen jüdischer Opfer.) Belgisches Justizministerium, Kommission für Kriegsverbrechen: La Persecution antisemitique en Belgique(Die Judenverfolgung in Belgien), Lüttich 1947. The Jewish Black Book Committee: The Black Book. The Nazi Crime against the Jewish People(Das Schwarzbuch. Das Naziverbrechen ge- gen das jüdische Volk), New York 1946.(Enthält Auszüge aus— ander- weitig nicht erhältlichen— Berichten der sowjetischen Untersuchungs- kommission.) Bloom, Solomon F., Dictator of the Lodz Ghetto, Commentary, New York, Februar 1949. Conference des Commissions Historiques et des Centres de Docu- mentation Juifs: Les Juifs en Europe, 1939—45(Die Juden in Europa), Paris 1947. Documents sur l’activite de la Croix Rouge en faveur des civils-döte- nus dans les camps de concentration en Allemagne(Dokumente über die Tätigkeit des Roten Kreuzes zugunsten der Zivilhättlinge in den Konzen- trationslagern in Deutschland), Serie Il, Genf 1946. Siehe Bemerkung dazu auf$. 459, Fußnote. 615 DIE ENDLOSUNG Dunand, Georges, Ne perdez pas leur Trace!(Verliert ihre Spur nicht!), Neuchätel 1950(Geschichte der Mission des Roten Kreuzes in der Slowakei, 1944/45). Du Prel, Max Freiherr von, Das deutsche Generalgouvernement Po- len, Würzburg 1940(erste Auflage) und 1942(zweite Auflage unter dem Titel„Das Generalgouvernement”; ein Handbuch„für den Gebrauch der im Generalgouvernement eingesetzten Deutschen”, das von Franks Be- amten zusammengetragene Angaben über die Lage der Juden enthält). Dvorjetski, Marc, Ghetto ä l’Est(Ghetto im Osten), Paris 1950(Über- setzung eines 1948 zuerst in New York jiddisch erschienenen Buches, das eine gut dokumentierte Geschichte des Wilnaer Ghettos für die Jahre 1941—44 darstellt). Friedman, Dr. Filip, This was Oswiecim(Das war Auschwitz), aus dem Jiddischen übersetzt von Joseph Leftwich, London 1946.(Eine Ge- schichte von Auschwitz mit einigen wichtigen Zeugenaussagen, heraus- gegeben von dem früheren Leiter der polnisch-jüdischen historischen Kommission.) Frumkin, Dr. Gregory, Population Changes in Europe since 1939(Än- derungen in der Bevölkerungszusammensetzung Europas seit 1939), New York 1951. Herzberg, Abel J., Kroniek der Jodenvervolging(Chronik der Juden- verfolgung), Haag 1951(Geschichte des holländischen Judentums. Ent- hält eine wertvolle Beschreibung des Lagers Bergen-Belsen). Institute of Jewish Affairs, Hitler's Ten Year War on the Jews. (Hitlers zehnjähriger Krieg gegen die Juden), New York 1943.(Enthält wichtige Beiträge von Joseph Schechtmann, Boris Shub und anderen über die Lage der Juden zur Zeit der deutschen Eroberungen.) Jews in Nazi Europe(Juden in Nazi-Europa. Für die interamerikanische jüdische Kon- ferenz vorbereitetes Zahlenmaterial), Baltimore 1941(vervielfältigt). International Tracing Service, Catalogue of Camps and Prisons(In- ternationaler Suchdienst, Liste der Lager und Gefängnisse), Arolsen 1949, Nachtrag 1951.(Enthält wichtige Informationen besonders über die polni- schen Arbeitslager.) Kastner, Dr. Rezsö, Der Bericht des jüdischen Rettungskomitees aus Budapest, 1942/43(Vaadat Ezra wa Hazaalaı), Genf 1946(siehe Bemer- kungen auf$. 443). Kulischer, Eugene M., The Displacement of Population in Europe (Die Entwurzelung von Bevölkerungsgruppen in Europa), Internationales Arbeitsamt, Montreal 1943.(Enthält wichtige Angaben über Himmlers Umsiedlungsaktionen.) Lederer, Zdenek, Ghetto Theresienstadt, London 1953.(Enthält ge- naue Informationen über Transporte nach Auschwitz, Polen und Rußland.) Levai, Eugene(Herausgeber Lawrence P. Davies), The Black Book on the Martyrdom of Hungarian Jewry(Das Schwarzbuch des Marty- riums der ungarischen Juden), Zürich 1948. Melezin, Abraham, Demographic Processes among the Jewish Popu- lation of Poland, 1935—45(Demographische Entwicklungen bei der jüdi- schen Bevölkerung Polens), Lodz 1948(englisch und polnisch). 616 einer; Sc der Sc Werk $t slowal hält m t ihre Spur zes in der nement Po. - Unter dem ebrauch der Franks Be- en enthält), 1950(Über- Buches, das r die Jahre chwitz), aus 3.(Eine Ge- jen, heraus- historischen ce 1939(An- 1939), New k.der Juden- ntums. Ent- n the Jews. 43,(Enthält nderen über ews in Nazi ‚dische Kon- fältigt). _Prisons(In- rolsen 1949, er die polni- omitees aus iehe Bemer- n in Europe ornotionales r Himmlers [Enthält ge- nd Rußland.) Black Book des Marty- ewish Popu- hei der jüdi ). INES BIBLIOGRAPHIE Molho, Rabbiner Michael(Herausgeber), In Memoriam, Hommage aux Victimes juives des Nazis en Grece(Zum ehrenvollen Gedenken der jüdischen Naziopfer in Griechenland), Saloniki 1948. Niederländisches Rotes Kreuz, Auschwitz Deel(Teil) I, Het Doden- boek van Auschwitz(Das Totenbuch von Auschwitz), Haag 1947; Deel Il, De Deportationstransporten 28. Augustus— 12. Dezember 1942, Haag 1943; Deel VI, De Afvoertransporten vit Auschwitz en Omgeving naar het Noorden en het Westen em de grote Evacuatietransporten(Die Rück- transporte aus Auschwitz und Umgebung nach dem Norden und Westen im Zuge der großen Evakuierung), Haag 1952; Sobibor, Haag 1947; Etude sur le sort des prisonniers, evacues de Kl. Herzogensbosch(Studie über das Schicksal der aus dem Lager Hertogenbosch evakuierten Häft- linge), Haag 1952. Zwei weitere Berichte sollen noch veröffentlicht werden. Poliakov, Leon, Breviaire de la Haine, Paris 1951.(Der erste Versuch einer zusammenfassenden Darstellung der Endlösung.) Schwarz, Solomon M., The Jews in the Soviet Union(Die Juden in der Sowjetunion), Syracuse 1951.(Siehe die Bemerkungen zu diesem Werk im Anhang|.) Steiner, Frederic, The Tragedy of Slovak Jewry(Die Tragödie des slowakischen Judentums), Preßburg 1949(englisch und slowakisch, ent- hält meist photographisches Material). Starr, Joshua und Shapiro, Leon, Recent Population Data(Neuere Bevölkerungszahlen), Jewish Social Studies, New York, Januar, April und Juni 1949.(Enthält Abhandlungen über die Zahl der jüdischen Über- lebenden in Deutschland, Polen, auf dem Balkan usw.) Szajkowski, Zosa(Szako Friedman), The Organisation of UGIF in Nazi-occupied France(Die Organisation der Union Generale Israelite Francaise im nazibesetzten Frankreich), Jewish Social Studies, New York, Juli 1947. Tenenbaum, Josef, In Search of a Lost People(Auf der Suche nach einem untergegangenen Volk), New York 1949; Underground, the Story of a People(Im Versteck, die Geschichte eines Volkes), New York 1952 (behandelt Polen und Rußland). Trevor-Roper, H. R., Hitlers letzte Tage, Zürich 1948. Weinreich, Max, Hitler's Professors, New York, YIVO, 1946(enthält lange Auszüge— manche in der Ursprache— aus 70 die Judenfrage betreffenden und von Szako Friedman, einem Angestellten des Yivo- Instituts, in den Ruinen des Rosenbergschen Ministeriums gefundenen Aktenstücken. Einige von ihnen wurden in Nürnberg als Beweisstücke vorgelegt). Wielek, H., De Oorlog die Hitler won(Der Krieg, den Hitler ge- wonnen hat), Amsterdam 1947. Wischnitzer, Mark, To Dwell in Safety(Um in Sicherheit zu leben), Philadelphia 1948.(Eine Studie der Massendeportierungen während des Krieges und nachher.) 617 DIE ENDLOSUNG 4. Erinnerungen von Deutschen und Nichtdeutschen, die Licht auf die Endlösung werfen Bach-Zelewski, Erich von dem, Leben eines SS-Generals(eine Reihe von für das Nürnberger Internationale Militärgericht vorbereiteten, aber dort nicht vorgelegten eidesstattlichen Versicherungen, die im Aufbau, New York, Nr. 34—36, 1946, veröffentlicht wurden). Bernadotte, Graf Folke, The Curtain Falls(Der Vorhang fällt), New York 1945. Blättler, Franz, Warschau 1942, Tatsachenbericht eines Motorfahrers, Zürich 1945. Gilbert, Dr. G. M., Nuremberg Diary(Nürnberger Tagebuch), New York 1947(Betrachtungen eines Gerichtspsychiaters über einige der Nürnberger Angeklagten und Zeugen, Rudolf Höss eingeschlossen). Gisevius, Hans Bernd, Bis zum bittern Ende, Zürich 1954. Goebbels-Tagebücher, Zürich 1948. Guerin, Dr. J., Ruwa Ruska, Camp de Represailles(Stalag 325), Mar- seille 1945. Hagen, Walter(Willi Höttl), Die geheime Front, Linz-Wien 1950 (Memoiren eines Vertrauten Kaltenbrunners und Beamten der Ausland- Abwehr. Geschwätzig, aber sehr zurückhaltend, wo sich Zurückhaltung empfiehlt). Vom anderen Deutschland, Aus den nachgelassenen Tagebüchern 1938—1944 von Ulrich von Hassell, Zürich 1946.(Enthält viele Hinweise auf die Ausrottung der Juden.) Kersten, Felix, Totenkopf und Treue, Hamburg 1952(Erinnerungen eines finnischen Medizinalrates, der Himmler behandelt hat. Zuerst hol- ländisch und dann englisch erschienen). Kienast, E., Der Großdeutsche Reichstag, Berlin 1943(enthält einige Hundert Kurzbiographien und Photographien in Paßformat, darunter auch von Leuten wie Philipp Bouhler und Odilo Globocnik, die im all- gemeinen das Licht der Öffentlichkeit gescheut haben). Kleist, Peter, Zwischen Hitler und Stalin, Bonn 1950.(Bericht eines Rosenbergs Ministerium zugeteilten ursprünglichen Beamten des Aus- wärtigen Amtes u.a. über die„Reichskommissare” in Rußland.) Malaparte, Curzio, Kaputt, New York 1946. Masur, Norbert, En Jood Talar med Himmler(Ein Jude spricht mit Himmler), Stockholm 1946.(Bericht über die dramatische Unterredung eines Vertreters des Jüdischen Weltkongresses mit Himmler im April 1945.) Morgenthau, Henry jr., The Morgenthau Diaries, VI, Colliers Maga- zine, November 1947.(Die Geschichte eines Planes zur Rettung von 70000 Juden.) Payne-Best, Hauptmann S., The Venlo Incident, London 1950.(Per- sönliche Erinnerungen eines englischen Offiziers an Himmler, Heydrich, Müller, Schellenberg, Martin Luther und Sigmund Rascher.) Picker, Dr. Henry, Hitlers Tischgespräche, Bonn 1951.(Stenographi- sche Aufzeichnung einiger auf die Endlösung bezugnehmender Äuße- 618 rungen t arbeitun Schl handelt- Wei Eine An? überlebt mit ihr| Sie wer! unter Be Autoren, sind keii lösung© Werke: vorhebe mit eine Al Mit Ausı ten Aus: meisten: union ei The lands. N Kaisers Pec richtsve 19B),L Sch ht auf die eine Reihe teten, aber m Aufbau, fällt), New tor fahrers, uch), New einige der ossen), 325), Mar- Wien 1950 r Ausland- ückhaltung igebüchern : Hinweise nnerungen Zuerst hol- hält einige ‚ darunter die im all- richt eines des Aus- d.) spricht mit ıterredung - im April ers Mago- von 70.000 1950.(Per- Heydrich, nographi- jer Äuße- BIBLIOGRAPHIE rungen Hitlers. Eine ausführlichere Fassung des Buches ist in der Be- arbeitung von H.R. Trevor-Roper 1953 englisch erschienen.) Schlabrendorff, Fabian von, Offiziere gegen Hitler, Zürich 1946.(Be- handelt u.a. das Massaker von Borrisow.) Weizsäcker, Freiherr Ernst von, Erinnerungen, München 1950. 5. Berichte von Überlebenden Eine Anzahl von Büchern von Juden, die die Haft im Konzentrationslager überlebt haben, wurde in diese Liste nicht aufgenommen, ohne daß da- mit ihr literarischer oder sonstiger Wert in Frage gestellt werden soll. Sie werfen aber kein neues Licht auf die Dinge, die in diesem Buche unter Benutzung anderer Quellen behandelt wurden. Einige der zitierten Autoren, z.B. Christopher Burney, Zenon Rozanski und Eugen Kogon, sind keine Juden, waren aber in der außerordentlichen Lage, die End- lösung aus der Nähe beobachten zu können. Nicht alle der zitierten Werke sind gleichmäßig verläßlich. Aber einzelne Bücher, die mit her- vorhebenswerter Objektivität geschrieben sind, wurden im folgenden mit einem Stern versehen. A. Die Sowjetunion Mit Ausnahme von einigen von der Untersuchungskommission gesammel- ten Aussagen bezieht sich das in westliche Sprachen übersetzte Material meistens auf die baltischen Staaten und das im Jahre 1939 in die Sowjet- union einverleibte frühere polnische Gebiet. The Black Book, New York 1946.(Siehe insbesondere Berichte über Minsk.) * Dvorjetski, Marc. Ghetto& I’Est, Paris 1950(Wilna). * Gringauz, Samuel. The Ghetto as an Experiment of Jewish Social Organisation(Das Ghetto, ein Experiment jüdischer Sozialorganisation), Jewish Social Studies, New York, Januar 1949(Beschreibung des Ghettos von Kowno von einem früheren Richter aus Memel!). Kaufmann, Max. Churb’n Lettland; die Vernichtung der Juden Leit- lands. München 1947.(Das Ghetto von Riga und die Konzentrationslager Kaiserswald und Stutthof.) People's Verdict, The(Der Spruch des Volkes).(Protokolle der Ge- richtsverhandlungen in Krasnodar, Juli 1943, und Charkow, Dezember 1943), London 1944. Schwarz, Solomon M. The Jews of the Soviet Union. Syracuse 1951. Tenenbaum, Josef. In Search of a Lost People, New York 1949.— Underground, the Story of a People. 1932. * Wolff, Jeanette. Sadismus oder Wahnsinn, Erlebnisse in den deut- schen Konzentrationslagern im Osten. Greiz 1946.(Das Ghetto von Riga.) B. Polen Die Mehrzahl der in Jiddisch— besonders in Buenos Aires und New York— veröffentlichten Werke wurde nicht in die Liste aufgenommen, da sie dem Verfasser sprachlich nicht zugänglich sind. Von der verhält- nismäßig kurzen Liste, die hier folgt, scheint, abgesehen von gewissen 619 .' i 4| 0 | H ng aa Enns Bananen: DIE ENDLOSUNG individuellen Berichten, die Sammlung von Berichten von Überlebenden, die Rabbiner Silberschein in Genf und Rabbiner Guttmann in Jerusalem veröffentlicht haben, die wertvollste zu sein. Berg, Mary. Warsaw Ghetto. A Diary(Warschauer Ghetto. Ein Tagebuch). Übersetzt von Norbert Guttermann, New York 1945.(Obwohl die Verfasserin erst 15 Jahre alt war, als sie Warschau verließ, ist diese Zeugin objektiver als die meisten, aber sie sah die Dinge von einem verhältnismäßig geschützten Beobachtungsposten aus.) Beth-Ammi, Marian. Le Droit& la Patrie(Das Recht auf das Vater- land). Temoignages traduits du Yiddisch, Paris 1946. The Black Book. American Jewish Black Book Committee, New York, 1946.(Zahlreiche Berichte über Warschau, Lemberg, Bialystock, Bochnia USW.) The Black Book of Polish Jewry. New York 1943.(Ausführliche Be- richte von Kurieren der polnischen Exilregierung sowie von überleben- den Flüchtlingen.) Bloom, Salomon F. Dictator of the Lodz Ghetto, erschienen in Com- mentary, New York, Februar 1949. Blumental, Nachman. Slowa Niewinne, Krakau 1947.(Deutsche Dokumente und Berichte von Überlebenden in polnischer Sprache.) * Dokumenty i Materialy, veröffentlicht von der Zentralkommission für polnisch-jüdische Geschichte, Lodz 19456(Dokumente in deutscher Sprache). Bd. I, Obozy(Konzentrationslager); Bd. Il, Akcje i Wysiedlenia (Aussiedlungsaktionen); Bd. III, Ghetto Lodzkie.(Die Bände| und Il enthalten auch Berichte von Überlebenden in polnischer Sprache.) German Crimes in Poland. Herausgegeben in englischer Sprache von der polnischen Kommission für Kriegsverbrechen, Warschau, zwei Bände, 1946/47.(Berichte von Überlebenden über die Vernichtungs- lager.) Guttmann, Rabbiner T.(Herausgeber). Dokumentenwerk. Jerusalem 1945. Bd. 1. 62 Briefe über die Siedlung in Nisko;* Bd. 2, Massaker in Bochnia-Jasienica, Bericht von Israel Weitz. Goldstein, Bernhard. Die Sterne sind Zeugen. Frankfurt 1950. Hersey, John. The Wall(Die Mauer). New York 1951.(Obwohl in Form eines Romans geschrieben, ist dieses Werk eine sehr verläßliche Zusammenstellung einer großen Zahl von Berichten Überlebender aus dem Warschauer Ghetto.) * Hershkovitch, Bendet. The Ghetto in Litzmannstadt(Lodz). Yivo Annual of Jewish Social Science, New York, Bd. V. 1950. * Littner, Jakob. Aufzeichnungen aus einem Erdloch, München 1948. (Die Erlebnisse eines Briefmarkenhändlers aus München im Ghetto von Zbaraz, Galizien.) * Mazor, Michal. La cit& engloutie(Die versunkene Stadt). Paris 1955.(Ein von einem früheren Angestellten des ‚Inter-aid'-Hilfskomitees, dem es im Jahre 1942 gelang, aus einem Todeszug zu entkommen, mit bemerkenswerter Mäßigung geschriebener Bericht über die ökonomi- schen Schwierigkeiten des Warschauer Ghettos.) Muszkat, Dr. Marian. Polish Charges against German War Criminals. 620 Warschet hauptsöcl Infor Haag 1% Silbe Polen. VE 1. Re ” Fe 3. Fe 4 Fe 5, Tene Undergr ausgewö Wie York, 19 EN von Frau anderen Gh The suchung: Cor Saffran: Gut in der Z Jassy ur DA Dies ist es werd Buch erı Bau ist die v lung in Vergası 7 Juli bourge« Ley Einleitu 4 lebenden Jerusalem Shetto, Ein 5.(Obwohl D, Ist diese von einem das Voter- New York, ck, Bochnia Ihrliche Be- überleben- en in Com- (Deutsche ache.) kommission ı deutscher Vysiedlenia le I und Il che.) er Sprache schau, zwei srnichtungs- , Jerusalem Nassaker in 1950. (Obwohl in verläßliche bender aus Lodz). Yivo inchen 1948. Ghetto von tadt). Paris IfskomiteeS, ommen, mit e ökonoml- 7 Criminals. BIBLIOGRAPHIE Warschau 1948.(Aussagen vor staatlichen Untersuchungskommissionen, hauptsächlich über die Vernichtungslager.) Informationsbüro des Niederländischen Roten Kreuzes. Sobibor, Haag 1946.(Holländische Überlebende aus den Vernichtungslagern.) Silberschein, Rabbiner A.(Herausgeber). Die Judenausrottungen in Polen. Vervielfältigte Berichte. Genf 1944—46. 1. Folge. Berichte aus Hrubieszow, Sanok, Radom, Drohobycz. *2. Folge. Das Martyrium des Warschauer Ghettos. 3. Folge. Die Vernichtungslager.(Siehe Auschwitz.) 4. Folge. Der Aufstand in Warschau. 5. Folge. Berichte aus Lwow, Sniatyn, Sandomierz,*Kossow. Tenenbaum, Josef. In Search of a Lost People. New York 1949. Underground, the Story of a People. New York 1952.(Eine Anzahl von ausgewählten Erzählungen. Die Auswahl ist nicht sehr charakteristisch.) Wiernik, Yankiel. A Year in Treblinka(Ein Jahr in Treblinka). New York, 1945. * Zweig, Arnold. Fahrt zum Acheron. Potsdam 1951.(Die Erlebnisse von Frau Hilde Huppert aus Teschen im Ghetto von Rzeszow und an anderen Orten.) C. Rumänien The Black Book. New York 1946.(Einige Aussagen vor der Unter- suchungskommission in den staatlichen Gerichtsverhandlungen.) Carp, Matatias. Bericht(welcher die Erlebnisse des Oberrabbiners Saffran einschließt), veröffentlicht in Les Juifs en Europe, Paris 1947. Guttmann, Rabbi T. Dokumentenwerk über die jüdische Geschichte in der Zeit des Nazismus. Bd. I. Jerusalem 1945.(Wichtige Berichte aus Jassy und Czernowitz.) D. Auschwitz Dies ist keine vollständige Liste der über Auschwitz erschienenen Werke; es werden bloß jene Veröffentlichungen angeführt, die im vorliegenden Buch erwähnt sind. Baum, Bruno. Widerstand in Auschwitz. Potsdam 1951. * Dokumenty i Materialy, Lodz 1946. Bd. I. Obozy(Konzentrations- lager).(Zahlreiche Dokumente und Berichte über Auschwitz.) Friedman, Filip. This was Oswiecim. London 1946.(In diesem Werk ist die von Dr. Otto Wolken, dem Lagerschreiber der Quarantäne-Abtei- lung in Birkenau, aufbewahrte Originalliste über die Selektionen und Vergasungen in der Zeit von Oktober 1943 bis Oktober 1944 abgedruckt.) * German Crimes in Poland. Warschau 1946. Bd. I. Jules Hofstein, Marc Klein, Robert Levy. Siehe Temoignages Stras- bourgeois.(Straßburger Zeugenaussagen.) Levi, Primo. Se questo& un vomo(Wenn das ein Mensch ist). Turin 1947.(Der Autor wurde im Februar 1944 aus Norditalien nach Ausch- witz Ill deportiert.) * Lingens-Reiner, Dr. Ella. Prisoners of Fear(Gefangene der Furcht). Einleitung von Arturo Barea, London 1948. 41 621 DIE ENDLOSUNG * Nyiszli, Dr. Miklos. Le SS-Obersturmführer Docteur Mengele, ab- gedruckt in Les Temps Modernes, Paris, April/Mai 1951. Das ist nicht eine Charakterstudie Mengeles, sondern ein einzigartiger Bericht aus der Feder eines Mannes, der fünf Monate in einem Krematorium von Auschwitz überlebt hat. Der Autor wurde im Mai 1944 aus Großwardein oder Oradea Mare in Rumänien deportiert.) Menasche, Dr. Albert. Birkenau, Auschwitz Il. New York 1947. Philips, Raymond(Herausgeber). The Belsen Trial. London 1949. * Rozanski, Zenon. Mützen ab. Eine Reportage aus der Strafkom- panie des KZ Auschwitz. Hannover 1948.(Einer der bemerkenswertesten Berichte über das Leben in Auschwitz, der bis 1941 zurückgeht.) * Spritzer, Jenny. Ich war Nr. 10291. Tatsachenbericht einer Schrei- berin der politischen Abteilung aus dem Konzentrationslager Auschwitz. Zürich 1947. * T&moignages Strasbourgeois. De l’universit@ aux camps de con- centration(Von der Universität ins Konzentrationslager). Paris 1947. (Gesammelte Berichte von deportierten Professoren und Dozenten der Universität Straßburg, einschließlich der Berichte über die Erfahrungen, die die Professoren Marc Klein, Robert Levy, Jules Hofstein und Robert Waitz in Auschwitz machten.) Vaillant-Couturier, Mme. Aussage in IMT, Band VI, S. 227-257. (Birkenauer ‚Frauenlager‘, 1943/44.) Waitz, Robert. Siehe Temoignages Strasbourgeois. * War Refugee Board. German Extermination Camps, Auschwitz and Birkenau(Deutsche Vernichtungslager, Auschwitz und Birkenau). Vervielfältigt, Washington, Office of the President, November 1944. Vier Berichte von polnischen und slowakischen Internierten, die ent- kamen. Das wichtigste dieser Dokumente ist der Bericht des anonymen jüdischen Doktors aus der Slowakei, der im April 1944 nach Ungarn flüchtete. Es gibt eine gedruckte französische Ausgabe in ‚Camps de Concentration‘(Service d’information des Crimes de Gu&rre, Paris. 1945. — Informationsdienst über Kriegsverbrechen). Die vollkommene Aus- gabe existiert nur vervielfältigt in„Judenausrottung in Polen‘ von Silber- schein, Genf 1944, Ill. Teil. Der Autor, der die Registratur in einer der Krankenabteilungen von Birkenau führte, war bemerkenswert genau in seiner Beschreibung. Er überreichte seinen Bericht dem Schweizer Roten Kreuz schon im Juni 1944, wodurch er besonderen Wert erlangte.(Siehe S. 486.) Wellers, Dr. Georges. De Drancy& Auschwitz(Von Drancy nach Auschwitz). Paris 1946.(Ausführlicher Bericht über die Deportationen aus Frankreich.) Zywulska, Kristina. I Came Back(Ich kam zurück). New York 1948. E. Theresienstadt Adler, H. G. Theresienstadt 1941—1945, Das Antlitz einer Zwangs- gemeinschaft. Tübingen 1956. Baeck, Rabbiner Leo. Im Sammelwerk ‚We Survived‘(Wir überleb- ten). Herausgegeben von Eric H. Böhm, Yale 1949. 622 * Ja [eben in März 1% #ler * Mc tral Infor F. Di Burn des Gefä (& vite de| über die Serie Il,( Herz Belsen.) Kauf Kogı tionslage dem Tite London| Mar schichte Phili Rou: “je centratio ugs Mengele, ob. QS ist nicht " Bericht aus Yatorium vo n Großwardein k 1947. \don 1949, ler Strafkom- enSwertesten Jeht.) einer Schrei- er Auschwitz, mps de con- . Paris 1947. Jozenten der Erfahrungen, n und Robert ‚3. 227-257, s, Auschwitz 1d Birkenau), vember 1944. ten, die ent- es anonymen nach Ungarn n ‚Camps de e, Paris. 1945, immene Aus- n' von Silber- in einer der yert genau in weizer Roten langte.(Siehe Drancy nach rtationen aus w York 1948. iner Zwangs- Wir überleb- BIBLIOGRAPHIE * Jacobson, Jacob. Terezin, the Daily Life 1943-45(Das tägliche Leben in Theresienstadt). Jewish Central Information Office, London, März 1946. Bericht Nr. 6.(Vervielfältigt.) * Lederer, Zdenek, Ghetto Theresienstadt, London 1953. * Mannheimer, Max. From Theresienstadt to Auschwitz. Jewish Cen- tral Information Office, London, Juli 1945. Bericht Nr. 3. F. Deutsche Konzentrationslager am Ende des Krieges Burney, Christopher. The Dungeon Democracy(Die Demokratie des Gefängnisses). London 1946. * Committee of the International Red Cross. Dokuments sur l’acti- vite de la Croix Rouge en faveur des civils-detenus etc.(Dokumente über die Tätigkeit des Roten Kreuzes zugunsten der Zivilhäftlinge usw.). Serie Il, Genf 1946. Herzberg, Abel. Kroniek der Jodenvervolging. Haag 1951.(Bergen- Belsen.) Kautsky, Benedikt. Teufel und Verdammte. Zürich 1946. Kogon, Eugen. Der SS-Staat. Das System der deutschen Konzentra- tionslager. Frankfurt 1947. In englischer Übersetzung erschienen unter dem Titel The Theory and Practice of Hell(Theorie und Praxis der Hölle). London 1951. Marshall, Bruce. The White Rabbit(Das weiße Kaninchen).(Die Ge- schichte des Oberstleuinants F.F.E. Yeo-Thomas.) London 1952. Philips, Raymond. The Belsen Trial. London 1949. Rousset, David. L’Univers Concentrationnaire. Paris 1946. * Temoignages Strasbourgeois. De l’Universite aux Camps de Con- centration. Paris 1947. Quellenverzeichnis Erstes Kapitel 1 2 O0 2w 624 Walter Hagen(Willi Höttl), Die geheime Front, Wien-Linz 1950. Daß Goebbels zu Hitler in jüdischen Angelegenheiten direkten Zutritt hatte, geht aus den Goebbels-Tagebüchern(Herausgeber Louis Lochner, Zürich 1948, S. 262/263) hervor. Ein Beleg für die Rolle, die Bormann spielte, findet sich in Hitlers Tischgesprächen (Herausgeber Dr. Henry Picker, Bonn 1951, S. 313, Fußnote). Reichsgesetzblatt(RGBI) I, S. 1146/1147, 1935. RGBI I, S. 372, 1943. Das Urteil im Wilhelmstraßen-Prozeß, Schwäbisch-Gmünd 1950, S:.167. Schwarzes Korps, 24. November 1938. RGBI I, S. 1342, 1938. Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik, 1918—1945, Serie D (1937— 1945), Band V, Baden-Baden 1953, S. 755, Fußnote. Prozeß XI, NG-2174, eidesstattliche Versicherung(Affidavit) Albrecht. Jakob Littner, Aufzeichnungen aus einem Erdloch, München 1948, 5. 18 Jews of Nazi Europe, Baltimore 1941(vervielfältigt), Ger. 4. The Black Book, The Nazi Crime against the Jewish People(Schwarz- buch, Das Naziverbrechen gegen das jüdische Volk), New York, 1946, 5. 120.(Im folgenden zitiert als The Black Book, 1946.) Eugen Kulischer, The Displacement of Population in Europe(Entwurze- lung von Bevölkerungsgruppen in Europa), Montreal 1943, S. 9% Mark Wischnitzer, To Dwell in Safety(Um in Sicherheit zu leben), New York 1948, S. 196. Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik, 1918—1945, Serie D (1937—1945), Band V, Baden-Baden 1953, Nr. 897. The Black Book(1946), S. 128. Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internatio- nalen Militärgerichtshof(im folgenden: IMT), Nürnberg 1948, Band XXXII, S. 245, PS-3358. IMT IX, S. 312(Aussage Göring), Walter Buchs Bericht in PS-3063, IMT XXXII, S. 20 ff. n-Linz 1950, :iten direkten (Herausgeber Beleg für die schgesprächen ußnote), Gmünd 1950, 1945, Serie D Anote. 19(Affidavit) München 1948, t), Ger. 4. The pie(Schwarz- k), New York, e, 1946.) Eugen pe(Entwurze- a1 1948, 5. 9. heit zu leben), 1945, Serie D /em Internatio- ürnberg 194 cht in PS-3069, QUELLENVERZEICHNIS IMT XIll, S. 131(Aussage Funk). IMT IX, S. 313(Aussage Göring). Friedrich Christian Prinz zu Schaumburg-Lippe, Zwischen Krone und Kerker, Wiesbaden 1952, S. 257. Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik, 1918—1945, Serie D (1937—1945), Band IV, Baden-Baden 1951, Nr. 269. Hans Bernd Gisevius, Bis zum bittern Ende, Zürich 1954, S. 367. Ulrich von Hassell, Vom anderen Deutschland, Zürich 1946, S. 31. Walter Hagen, Die geheime Front, S. 20. IMT XXXl, S. 516-9, PS-3051. IMT, PS-274(ungedruckt). IMT XX, S. 151(Aussage Werner Best). IMT IX, S. 577(Aussage Göring). IMT XXXIl, S. 1/2, PS-3058, Eugen Kogon, Der SS-Staat, Frankfurt 1947252215: IMT XXXII, S. 20 ff, PS-3063. IMT XXVIll, S. 499—540, PS-1816(unvollständiges Protokoll der Besprechung im Luftfahrtministerium). IMT IX, S. 597(Aussage Göring). Prozeß XI, NG-3565. RGBI I, S. 1579—81, S. 1676, 1938. Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden vom 30. April 1939, RGBI I, S. 864, 1939. IMT IX, S. 21(Aussage Bodenschatz). Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik, 1918—1945, Serie D (1937—1945), Bd. V, Baden-Baden 1953, Nr. 645. Prozeß XI, NG-1522/23. Hjalmar Schacht, Abrechnung mit Hitler, Hamburg 1948, 5. 24. Prozeß XI, NG-1522/23. Prozeß XI, NO-4586(eidesstattliche Versicherung Wohltat). IMT XXII, S. 442(Schlußrede Schacht). IMT XXVI, S. 267, PS-710. Völkischer Beobachter, 8. Februar 1939. Dokumente der Deutschen Politik und Geschichte, Bd. V, Berlin 1953,58 Am 30. Januar 1942(Heldengedenktag); 30. September 1942; 24. Februar 1943; 21. März 1943 und 9. November 1943. Jews in Nazi Europe(Juden in Nazi-Europa), New York 1941, Cz. 2(vervielfältigt). Hitler's Ten Year War on the Jews(Hitlers zehnjähriger Krieg gegen die Juden), New York 1943, S. 55. Hitler's Ten Year War..., S. 53; The Black Book(1946), S. 153; Jews in Nazi Europe, Cz. 5. Mitteilung von Dr. Emil Kafka an das Jewish Information Centre, London 1945. Hitler's Ten Year War..., 5. 55. The Black Book(1946), S. 137. Jews of Nazi Europe, Baltimore 1941. Alfred J. Fischer, Zionist Review, London, Oktober 1946. 625 DIE ENDLOSUNG 53 54 55 nn a ca 1 El 626 Jüdische Telegraphen-Agentur, Wien, 17. Oktober 1948. Die folgenden Einzelheiten sind den im SS-Hauptamt gefundenen und in Nürnberg unter NO-2259 geführten Personalakten Eich- manns entnommen. Eine vollständige Photokopie befindet sich im Centre de Documentation Juive Contemporaine in Paris zusammen mit Lichtbildern, die Eichmann zeigen(leider nur in der Größe eines Paßbildes). Rezsö Kastner, Bericht des Jüdischen Rettungskomitees aus Buda- pest(vervielfältigt), Genf 1945. Eugene Levai, Black Book on the Martyrdom of Hungarian Jewry(Schwarzbuch des Martyriums des ungarischen Judentums), Zürich 1948(ungarische Originalaus- gabe Budapest 1946). Leon Poliakov, Adolf Eichmann ou le reve de Caligula(Adolf Eichmann oder Caligulas Traum), Le Monde Juif, Juni 1949, Polia- kov, Breviaire de la Haine(Brevier des Hasses), Paris 1951. Prozeß IV, NO-2259. Poliakov(siehe oben). Prozeß IV, NO-2259. IMT IV, S. 412(Aussage Wisliceny) und Affidavit C(Wisliceny), abgedruckt in Nazi Conspiracy and Aggression, Washington 1946, Band VIII, S. 587—59%6. Poliakov in Le Monde Juif, Juni 1949, und IMT IV, S. 400(Aussage Wisliceny). RGBI I, S. 1097, 1939. Erlaß des Präsidenten der Reichsanstalt für Arbeitsvermittlung (Hamburger Fremdenblatt, 4. März 1939), abgedruckt in The Black Book(1946), S. 506. Prozeß XI, NG-4934.(Siehe auch S. 92 dieses Buches.) Mark Wischnitzer, To Dwell in Safety, 1948. Bruno Blau, Jewish Social Studies, New York, April 1950. Selbst in den fünf Monaten von Mai 1941 an, als die Ausreisemöglichkeit über Rußland wegfiel, ist die jüdische Bevölkerung des Altreichs um 6276 zurückgegangen.(Siehe S. 561.) Prozeß IV, NO-5194. Prozeß XI, NG-3973. Goebbels-Tagebücher, S. 80/81, 151/152. Prozeß XI, NG-971(Be- richt Dierwege). Ebenda, S. 200. Louis Frey, Surrender on Demand(Übergabe auf Verlangen), zitiert in Le Monde Juif, November 1948. Zweites Kapitel R. T. Paget, K. C., M. P., Manstein, His Campaigns and Trial, Lon- don 1951, S. 20, 128 und 133. German Crimes in Poland(Deutsche Verbrechen in Polen). Heraus- gegeben von der polnischen Regierung. Warschau 1946, Band|, S. 137—43. IMT XX, S. 419 und XXXV, S. 93. 348, It gefunde ne 'alakten Eh findet sich im is Zusammen n der Größe ses aus Buda- lack Book on es Martyriums = Originalaus- aligula(Adolf ni 1949, Polia- s 195], C(Wisliceny), Shington 1946, . 400(Aussage 3itsvermittlung t in The Black es.) I 1950. Selbst isemöglichkeit ‚ des Altreichs ‚N6971 Be- langen), zitiert nd Trial, Lon- 'olen). Heraus- 1946, Band|, QUELLENVERZEICHNIS Ulrich von Hassell, Vom anderen Deutschland, Zürich 1946, S. 92 und 112. IMT X%, S. 372(Aussage Robert Brill). er Manstein, The Times, The Daily Telegraph, 4. November IMT II, S. 492/3(Aussage General Erwin Lahousen). Fabian von Schlabrendorff, Offiziere gegen Hitler, Zürich 1946, S. 34/35. R. T. Paget(siehe oben), S. 18, 90. IMT II, S. 494(Lahousen). IMT, PS-3363(ungedruckt). Die Authentizität des Dokumentes wurde im Prozeß IX erörtert. Dokumente der Deutschen Politik und Geschichte von 1848 bis zur Gegenwart, Band V, S. 139, Berlin 1953. Erlaß Hitlers, PS-686, IMT XXVI, S. 255—57. Felix Kersten, Totenkopf und Treue, Hamburg 1952, Himmlers Posener Rede vom 9. Oktober 1943, IMT XXIX, S. 110—173 (PS-1919). IMT, PS-660(ungedruckt), Prozeß VIll, NO-1880, in Übersetzung abgedruckt in Law Reports of Trials of War Criminals(Juristische Berichte über Kriegsverbrecherprozesse), XIII, S. 7, London 1948. Prozeß VIII, NG-2325(Auszug in französischer Übersetzung in Billig, L’Allemagne et le Genocide, Paris 1950, S. 36/37). Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion, 1939 bis 1941, Tübingen 1949, S. 125/6. Eugene Kulischer, Displacement of Population in Europe(Entwurze- lung von Bevölkerungsgruppen in Europa), Montreal 1943(Inter- nationale Arbeitsorganisation), S. 47. RGBI I, S. 2042. Kulischer(siehe oben), S. 52. Himmler an alle Gauleiter und Gruppenführer des RKFDV, Pro- zeß VIII, NO-4059. IMT III, S. 650 und XXVI, S. 206 ff.(PS-661). Aussage Hans Frank(IMT XII, S. 19). G.M. Gilbert, Nuremberg Diary(Nürnberger Tagebuch), New York 1l91725=156: IMIEXU) S2 13. IMS 33: Goebbels-Tagebücher, Zürich 1948, S. 257. Aussage Hans Frank, IMT XII, S. 12. Archiv für Wanderungswesen und Auslandskunde, 1942(zitiert bei Kulischer,$. 22). Zitiert im Urteil im Prozeß VIII, S. 96 der(englischen) Nieder- schrift. Dokumenty i Materialy, Lodz 1946, Band I, S. 222—231. Prozeß IV, NO-1257, abgedruckt in La Persecution des Juifs dans les Pays de l’Est(Die Verfolgung der Juden in den Oststaaten), Paris 1949, S. 163—66. 627 DIE ENDLOSUNG 33 34 35 36 37 Urteil im Prozeß VIII, S. 82. Protokoll der unter Görings Vorsitz in Karinhall abgehaltenen Be- sprechung, IMT III, S. 648, EC-305. Von Polen erbeuteter Bericht des„Einsatzkommandos Bromberg”, veröffentlicht in German Crimes in Poland,|, S. 143. Black Book of Polish Jewry(Schwarzbuch des polnischen Juden- tums), 1943, S. 73.(Im folgenden zitiert als Black Book, 1943.) German Crimes in Poland,|, S. 130. Du Prel, Das Deutsche Gene- ralgouvernement Polen, erste Auflage, Würzburg 1940, 5. 101. Abraham Melezin, Demographic Processes among the Jewish Population of Poland(Demographische Entwicklungen innerhalb der jüdischen Bevölkerung Polens), Warschau 1947(Statistiken des Judenrats). Prozeß VIII, NO-5322(Protokoll der RUSHA-Besprechung unter Heydrichs Vorsitz vom 30. Januar 1940). Kulischer(siehe oben), S. 47. Mitteilung von Dr. Emil Kafka an das Londoner„Jewish Informa- tion Centre”(1945). IMT XVI, S. 115/116, und XXXIl, S. 256, PS-3398. Von Rabbiner T. Guttmann veröffentlichter Brief in: Dokumenten- werk über die jüdische Geschichte in der Zeit des Nazismus, Jerusalem 1943, Band|, S. 67. Du Prel, Das Generalgouvernement, zweite Auflage, Würzburg 1942, S. 314. Urteil des Hamburger Schwurgerichts I im Veit-Harlan-Prozeß vom 15. Juli 1950. Les Juifs en Europe 1939—1945, Paris 1947, 5. 192(Beitrag von Wilhelm Krell mit Zahlenmaterial der Wiener Kultusgemeinde), Black Book, 1946, S. 133. Law Reports of Trials of War Criminals, XIll, S. 20(der RUSHA- Prozeß) und NO-3011. Hitler's Ten Year War on the Jews, New York 1943. Law Reports..., XIII, S. 20, Prozeß VIll, NO-5322. Trials of War Criminals(Kriegsverbrecherprozesse), Band IV, S. 855(Heydrichs RUSHA-Besprechung vom 30. Januar 1940). IMT III, S. 648, EC-305(Görings Karinhall-Besprechung). Prozeß VIII, NO-3031, Du Prel(siehe oben), zweite Auflage, S. 322. (Bezüglich Globocniks Anteil siehe Prozeß VIII, NO-5875, Trials of War Criminals, IV, S. 865.) Prozeß XI, NG-1530, und Prozeß VIII, NG-5322(Trials..., IV, S: 855). Ulrich von Hassell(siehe oben), S. 137. Prozeß XI, NO-2480. Protokoll der Besprechung vom 1. April 1940, veröffentlicht in Dokumenty i Materialy, Ill, S. 167. Prozeß XI, NG-3175. Dokumenty i Materialy, Ill, S. 167. Ebenda, S. 168. =—- Ar Pr ee nn Krater haltenen Be- $ Bromberg". schen Juden- 1983) ufsche Gene. 1940, 5. 101. the Jewish jen innerhalb tatistiken des schung unter yish Informo- Dokumenten- s Nazismus, e, Würzburg 1-Prozefß vom (Beitrag von usgemeinde), (der RUSHA- 'riols of War 55(Heydrichs 9). uflage, 5.323. 875, Trials of rials..., IV) öffentlicht in N Fi I} QUELLENVERZEICHNIS 58 Eintragung in Franks Tagebuch, 12. Juli 1940, IMT XXIX, S. 404, PS-2233. 59 IMT XIV, S. 467(Aussage Baldur von Schirach). 60 IMT XIV, S. 560/61, und IMT XXXIX, S. 425-9, USSR 172. 61 IMT XXIX, S. 176, PS-1950, und XXIX, PS-2233(Tagebuch Frank). 62 IMT, EC-344, veröffentlicht in: L. Poliakov, Breviaire de la Haine, Paris 1951, S. 461, sowie IMT XXIX, PS-2233(Tagebuch Frank). 63 Melezin(siehe oben). 64 Gazeta Zydowska(Jüdische Zeitung), zitiert in Jews in Nazi Europe, 1941, Pol. 15(vervielfältigt). 65 Frank-Tagebuch, IMT XXIX, PS-2233. 66 Dokumenty i Materialy, Il, S. 6. 67 Du Prel(siehe oben), 1942, S. 322. 68 Prozeß Manstein, The Times, 30. August 1949. 69 Silberschein, Die Judenausrottung in Polen, Genf 1944, Serie|, S. 6(vervielfältigt). 70 Nazi-Soviet Relations, Washington 1948, S. 128.(In der deutschen Ausgabe des Buches: Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Sowjetunion, Tübingen 1949, nicht enthalten.) 71 Tagebuch Franks, PS-2233(IMT XXIX). 72 Silberschein(siehe oben). 73 Ulrich von Hassell(siehe oben), S. 117. 74 Jews in Nazi Europe, Pol. 10. German Crimes in Poland, I., S. 127. 75 Prozeß IV, NO-5194(Korherrs Bericht an Himmler, 23. März 1942). 76 The Wiener Library Bulletin, London, September 1947. Drittes Kapitel 1 Hitler's Ten Year Wor...., S. 132. 2 Mitteilung des Londoner„Jewish Information Centre”. Analoge Verordnung für das Reich: Prozeß XI, NG-1143. 3 Ulrich von Hassell, Vom anderen Deutschland, Zürich 1946, S. 207, 289 und 314. 4 L. Poliakov, L’Etoile Jaune(Der gelbe Stern), Paris 1949. Dokumenty i Materialy, III, S. 22/23. 5 Anordnung vom 10. Mai 1940, Dokumenty i Materialy, Ill, S. 83. 6 Dvorjetski, Ghetto& I’Est(Ghetto im Osten), Paris 1950, 5. 128. 7 Black Book of Polish Jewry(1943), S. 206—10. 8 Mary Berg, Warsaw Ghetto, A Diary(Das Warschauer Ghetto. Ein Tagebuch), New York 1945, S. 29. 9 Franks Tagebuch(IMT, PS-2233), zitiert in German Crimes in Poland, Bd. II(rückübersetzt). 10 Aufzeichnungen von Dr. Israel Rothbalsam(zitiert in L. Poliakov, Breviaire de la Haine, Paris 1951, S. 112). 11 Du Prel, Das Generalgouvernemeni, 1942, 5. 349. 12 Dokumenty i Materialy, Ill, S. 75. 13 Zitiert bei Max Weinreich, Hitler's Professors, New York 1947, S. 107—110. 14 Franks Tagebuch, IMT XXIX, PS-2233. 629 DIE ENDLOSUNG Dokumenty i Materialy, Ill, S. 74 und 83. Ebenda, Ill, S. 95, 176. Nachman Blumental, Slowa Niewinne(Unschuldige Worte), War- schau 1947, S. 99(Zitat aus dem Archiv der Ghettoverwaltung). Dokumenty i Materialy, Ill, S. 219. Ebenda, Ill, S. 178. Kulischer, Displacement of Population in Europe, Montreal 1943, S.52 Black Book of Polish Jewry(1943), S. 38. A. Silberschein, Die Judenausrottung in Polen, Genf 1944, IV, S. 8. Ebenda, IV, S. 5(Bericht eines Flüchtlings in der Schweiz). Mary Berg(siehe oben), S. 82. Silberschein, IV, S.15(Zitat aus der Warschauer Gazeta Zydowska). Ebenda, IV, S. 11. Melezin, Demographic Processes Among the Jewish Population of Poland. IMT XXVI, S. 628 ff, PS-1061, Bericht des SS-Brigadeführers Jürgen Stroop an den Höheren SS- und Polizeiführer in Krakau:„Es gibt keinen jüdischen Wohnbezirk in Warschau mehr!” Bericht der Organisationen TOZ-OSE, veröffentlicht im Black Book of Polish Jewry(1943). M. Mazor, La Cite Engloutie(Die versunkene Stadt), Paris 1955, 5723 Du Prel(siehe oben), S. 349. Mazor(siehe oben), S. 49. Curzio Malaparte, Kaputt, New York 1946, Kapitel V. Zitiert in Le Monde Juif, Nr. 27, Januar 1950. Black Book of Polish Jewry(1943), S. 50. Laut Gazeta Zydowska, zitiert in Jews of Nazi Europe, Pol. 21. Dokumenty i Materialy, Ill, 177—79, 184, 190—22. Dokumenty i Materialy, Ill, S. 197. Mary Berg(siehe oben), S. 152. Franks Tagebuch, IMT XXIX, PS-2233(zitiert in German Crimes in Poland, Il). Ebenda. Mary Berg(siehe oben), S. 110. Silberschein(siehe oben), IV, S. 16. Ebenda, Il, S. 7, IV, S. 49. Franz Blättler, Warschau 1942. Tatsachenbericht eines Motor- fahrers, Zürich 1945, S. 20. Silberschein(siehe oben), IV, S. 49. Mary Berg(siehe oben). Silberschein, IV, S. 8. Black Book of Polish Jewry(1943), S. 86. Silberschein(siehe oben),|, S. 59 und 84. Black Book of Polish Jewry(1943), S. 103. Salomon Bloom. Dictator of the Lodz Ghetto, Commentary, New York, Februar 1949, S. 110—122. Black Book of Polish Jewry(1943), S. 67. | i \ ! H i Norte), War- "waltung) Ontreal 1943, 1944, IV, 58 Weiz). Mary a Zydowska), h Population Ihrers Jürgen kau:„Es gibt m Black Book ), Paris 1955, pe, Pol. 21. rman Crimes eines Motor- oben). ventary, New QUELLENVERZEICHNIS Bloom(siehe oben), S. 116. Josef Tenenbaum, In Search of a Lost People, New York 1949, S. 106. Voller Wortlaut in Dokumenty i Materialy, Ill, S. 264. Mozor(siehe oben), S. 149. Dvorjetski(siehe oben). Samuel Gringauz in Jewish Social Studies, New York, January 1949. Prozeß IX, NO-2262(Beschwerde von SS-Obergruppen- führer Strauch an SS-Obergruppenführer von dem Bach-Zelewski über Reichskommissar Kube). Mary Berg(siehe oben), S. 40. The Black Book(1946).(Enthält Zitat aus dem„Völkischen Beobachter”) Dvorjetski(siehe oben), S. 109—111. Prozeß|(Aussage von Hielscher, veröffentlicht in Trials of War Criminals, II, S. 40). Dvorjetski(siehe oben), S. 156. The Wiener Library Bulletin, Januar 1950. Dvorjetski(siehe oben), S. 131. Dokumenty i Materialy, Il, S. 4—7. Dvorjetski(siehe oben), S. 130. Dokumenty i Materialy, Ill, S. 178, 190. Ebendo, Ill, S. 199. Du Prel(siehe oben), S. 65. The Black Book(1946), S. 206—10. Ebenda, S. 321. The Black Book(1946), S. 194. Jews of Nazi Europe, Pol. 25. Ebenda, Pol. 23. Prozeß IV, NO-1811. Jews of Nazi Europe, Pol. 25. Prozeß IV, NO-3031. Urteilsbegründung des Vorsitzenden des Bremer Schwurgerichts (Niederschrift im Centre de Documentation Juive Contemporaine in Paris). Viertes Kapitel 1 2 3 4 oa 0 “no S Prozeß XI, NG-2586(Wannsee-Protokoll, siehe nächstes Kapitel). Prozeß Xl, NG-1838, Affidavit Otto Abetz. Prozeß XI, NG-4893. Prozeß XI, Aussage Steengracht. Ferner Dokumentenband Nr. 1, 5/6, und Nr. Il b, 45/46. Peter Kleist, Zwischen Hitler und Stalin, Bonn 1950, S. 12. Ernst von Weizsäcker, Erinnerungen, München 1950, S. 339. Im gleichen Sinne hat Weizsäcker im Wilhelmstraßen-Prozeß aus- gesagt(S. 8213—16 des deutschen Protokolls). IMT X, S. 256. Die Neue Zeitung, 6. Februar 1952. Anklage gegen Rademacher, Landgericht Nürnberg-Fürth, 19. Ja- nuar 1950. Prozeß XI, NG-489. DIE ENDLOSUNG 11 12 13 14 632 Prozeß XI, NG-1838. Prozeß XI, NG-4933. Prozeß XI, NG-4934. Eugene Hevesi in Contemporary Jewish Review, August 1941. Mark Wischnitzer, To Dwell in Safety, S. 206. Akten zur Deutschen Auswärtigen Politik, 1918—1945, Serie D Band IV, Nr. 372, S. 420/21. Prozeß XI, NG-2596 b. Prozeß XI, NG-2886-J. Aussage von Dieter Wisliceny im Preßburger Prozeß, teilweise enthalten in: L. Poliakov, Breviaire de la Haine, S. 53, sowie Le Monde Juif, Juni 1949. Prozeß XI, NG-2586-J. Max Weinreich, Hitler'’s Professors, S. 98/99. Paul Schmidt, Statist auf diplomatischer Bühne, Bonn 1949, S. 485. Prozeß XI, NG-2586-J(Luthers Bericht für Ribbentrop, 19. August 1942). Prozeß XI, NG-1838. IMT XV, S. 560/1, Aussage Baldur von Schirach. Henry Picker, Hitlers Tischgespräche, Bonn 1951, S. 118 und 311. Felix Kersten, Totenkopf und Treue, S. 201. Prozeß|, NO-426(Affidavit Viktor Brack, englische Übersetzung in: Trials of War Criminals, Washington 1950, I, S. 842). Rademacher an Bielefeld und Schmieden, Prozeß Xl, NG-3933 (französische Übersetzung in Le Monde Juif, Mai 1949). IMIE X, S: 593: IMT VII, S. 39, RF-1207. Weinreich(siehe oben), S. 100, 106—13, 116—18. IMT X, S. 595, Aussage Keitel. IMT VII, S. 889. IMT XX, S. 639 und 647, Aussage Brauchitsch, Prozeß Xll, NOKW 3140(Tagebuch Halder). Englischer Auszug in Law Reports of Trials of War Criminals, Xll, S. 23, London 1949. Helmuth Greiner, Die deutsche Wehrmachtsführung, 1939—1943. Wiesbaden 1952. Prozeß IX, Aussage Ohlendorf. Prozeß XII, NOKW 3140(Tagebuch Halder). IMT IV, S. 351 und 377, Aussage Ohlendorf. IMT XX, S. 646, Aussage Brauchitsch. Aussage Ohlendorf vor dem IMT(Band IV). Prozeß IX, Aussage Erwin Schulz. NO-4145, Affidavit Blome. Prozeß IX, Aussage Otto Rasch. Prozeß XI, NG-4934. IMT XXVI, S. 267, PS-710. IMT IX, S. 576/7, Aussage Göring. Bruchstück aus Goebbels’ Tagebuch, das erst nach der Veröffent- lichung der anderen Teile aufgefunden wurde. In Verwahrung des amerikanischen Staatsdepartements(rückübersetzt). TESTER TE 8] 8 August 1941. 1945, Serie D zeß, teilweise Mn| sowie le n 1949, 5, 485, op, 19. August 118 und 311. Jbersetzung in: 2). xl, NG-3933 729), ß XII, NOKW ıw Reports of 9, 199-198, ıvit Blome. der Veröffent- arwahrung des IN ul l 80 8 82 QUELLENVERZEICHNIS Dokumenty i Materialy, Ill, S. 197. Prozeß VIII, NG-1020. Goebbels’ Tagebuch(siehe 46). Prozeß VIII, NG-839. IMT XXXVII, S. 490, L-61. Sa im Wilhelmstraßen-Prozeß, Schwäbisch-Gmünd 1950, Prozeß XI, NG-2499. Prozeß XI, NG-4905, Das Urteil im Wilhelmstraßen-Prozeß, S. 168. Prozeß XI, NG-4903. IMT, PS-3914(ungedruckt). Dokumenty i Materialy, Ill, S. 203(Schutzpolizeibericht, Lodz, 13. November 1941). Ebendo. Prozeß XI, NG-2421(Photographien von Gestapo-Akten, Hessen- Mainfranken). W. Krell in Les Juifs en Europe, 1939—1945, Paris 1947. Jüdisches Nachrichtenblatt, zitiert in Jews of Nazi Europe, Ger 3/4. Mitteilung von Dr. H. Tuch, Berlin. Ella Lingens-Reiner, Prisoners of Fear, London 1948, S. 117. Jews of Nazi Europe, Ger 15/16. Ulrich von Hassell, Vom anderen Deutschland, S. 226. Prozeß XI, NG-4447. Dokumenty i Materialy, Ill, S. 201. IMT XII, S. 141, Aussage Josef Bühler. Sol Bloom, Dictator of the Lodz Ghetto, Commentary, Februar 1949. Hitler's Ten Year War...,S. 30. Prozeß IV, NO-5194, Bericht Korherrs an Himmler. Zdenek Lederer, Ghetto Theresienstadt, London 1953, S. 206. Rabbiner Leo Baeck im Sammelwerk We Survived(Wir überlebten), Yale 1949, S. 290. IMT XXXIll, S. 534, PS-3921. Prozeß|, NO-365(siehe Sechstes Kapitel, S. 144 RR): IMT XXXII, S. 435/36, PS-3663. IMT II, S. 517, PS-3047, Tagebuch Lahousen(ungedruckt). IMT XXX, S. 72-80, PS-2273(Stahlecker an Heydrich). Max Kauf- mann, Churbn Lettland, München 1947, 5:26. Jeanette Wolff, Sadismus oder Wahnsinn, Greiz 1946, S. 126. Prozeß IX, NO-3257. Max Kaufmann(siehe oben). Prozeß IX, NO-5548(Affidavit Karl Winter, teilweise veröffentlicht in Le Monde Juif, Nr. 50, Dezember 1951). Prozeß IV, NO-4072(erbeuteie Gestapo-Akte). Kaufmann(siehe oben). Mitteilung von Dr. H. Tuch, Berlin-Dahlem, mit Gestapo- berichten an den Oberfinanzpräsidenten Berlin-Brandenburg. IMT VII, S. 626. The Black Book(1946), S. 324(Aussage vor der sowjetischen Unter- suchungskommission). 633 DIE ENDLOSUNG 83 84 85 IMT XXXll, S. 280 ff., PS-3428, sowie PS-3665(letzteres ungedruckt). In Rosenbergs Ministerium gefundene Beweisstücke. Lederer(siehe oben), S. 60. Mitteilung von Dr. Tuch. Fünftes Kapitel QP>w@nN— 634 Prozeß Xl, NG-2586-J(Denkschrift Luthers für Ribbentrop). Prozeß Xl, NG-4766-c. Prozeß XI, NG-2586-F. Prozeß XI, NG-2586-). Prozeß XI, NG-2586-G(veröffentlicht unter dem Titel Das Wann- see-Protokoll zur Endlösung der Judenfrage und einige Fragen an die, die es angeht, Düsseldorf 1952). Das Urteil im Wilhelmstraßen-Prozeß, S. 166. NG-1949-a. IMT XXIx, S. 503, PS-2233, Tagebuch Franks, und IMT III, S. 599/600. Prozeß XI, NG-2586-J. Prozeß XI, NG-2586-G. Walter Hagen(Willi Höttl), Die geheime Front, Linz-Wien 1950, SDR The Wiener Library Bulletin, Januar 1951(zitiert die in der YIVO- Bibliothek in New York befindlichen Originalakten des RSHA). Prozeß VI(l. G. Farben), NI-500. Prozeß IV, Aussage Pohl. Abschrift(vervielfältigt), S. 1798(engl.). Prozeß IV. Abschrift, S. 8080. Prozeß IV. Abschrift, S. 1280. Prozeß IV. Abschrift, S. 8080. Prozeß IV, NO-385. IMT XI, S. 420, Aussage Höss. IMT XI, S. 460, D-749(a), Affidavit Rudolf Höss(ungedruckt). Prozeß VI, NI-11.984(Affidavit Perry Broad). IMT, PS-034(ungedruckt). Affidavit Kramer in: The Belsen Trial(Der Prozeß von Belsen), London 1949, S. 732. Zenon Rozanski, Mützen ab, Eine Reportage aus der Straf- kompanie des KZ Auschwitz, Hannover 1948, S. 37. Kristina Zywulska, I came back(Ich kam zurück), New York 1949, SY179. G. M. Gilbert, Nuremberg Diary, New York 1948, 5. 269. L. Polia- kov, Breviaire de la Haine, Paris 1951, S. 226. IMT, SS-67, Affidavit Morgen(ungedruckt). Prozeß IV, NO-2124(rückübersetzt). The Belsen Trial, S. 183. Prozeß IV, NG-2587. Black Book of Polish Jewry(1943), S. 87. Urteil im I. G. Farben-Prozeß, Offenbach 1949, S. 124 und 134. IMT, D-749(a), Affidavit Höss(ungedruckt). Bericht des War Refugee Board über Auschwitz-Birkenau, Washing- ton, Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten, 1944(verviel- fältigt). Germ Berich Proze es"ngedruckt), pentrop), tel Das Wann- ge Fragen an 949.0, III, 5. 599/600, inz-Wien 1950, e in der YIYO- des RSHA). 5. 1798(engl.). ‚ngedruckt). ß von Belsen), ıus der Straf- jew York 1949, „269. L. Polia- 1949), 5. 87. 4 und 134. nau, Washing- 1944(verviel- QUELLENVERZEICHNIS Urteil im I. G. Farben-Prozeß, S. 125. Bericht des War Refugee Board(siehe oben). Ella Lingens-Reiner, Prisoners of Fear, London 1948, S. 69/70. IMT XI, S. 449, Aussage Rudolf Höss. IMT XI, S. 253 und 283, ferner PS-2376(IMT XXX, S. 290) und KR (Kaltenbrunner) 1, XI, S. 252—54. Prozeß IV, NO-2125, Affidavit Schwarz. Trials of War Criminals, V, S. 676 ff. Prozeß IV, Aussage Pohl. Abschrift, S. 1273. Auschwitz, Deel Il, Niederländisches Rotes Kreuz, Haag 1948. Filip Friedman, This was Oswiecim, London 1946, S. 24/25. Brief vom 24. April 1946(Abschrift im Rijksinstituut voor Oorlogs- documentatie, Amsterdam). Ebenda. Ferner Friedman(siehe oben). Prozef3 Rademacher, Das Freie Wort, 1. März 1952. Lingens-Reiner(siehe oben),$. 74. IMT IV, 296 und XXVI, S. 259, PS-701. Filip Friedman(siehe oben). IMT V, S. 247. German Crimes in Poland,|, S. 61/2. Bericht des War Refugee Board(siehe oben). Urteil im I. G. Farben- Prozeß, S. 126. Auschwitz, Deel Il. Rozanski(siehe oben), S. 53, und WRB-Bericht. Het Dodenboek van Auschwitz, Auschwitz, Deel I. Niederländisches Rotes Kreuz. Haag, 1947. Rozanski, S. 79. WRB-Bericht, S. 10, 16 und 18. Lingens-Reiner, S. 67. Prozeß IV, NO-3403(S. 1927/1928 des deutschen Protokolls). Dr. Albert Menasche, Birkenau(Auschwitz Il), New York 1947, SE84 Dr. Miklos Nyiszli in Les Temps Modernes, Mai 1951, S. 1858, Dr. Ada Bimko in The Belsen Trial, London 1949, S. 67. The Belsen Trial, S. 73. Dokumenty i Materialy,|, S. 74. Ebenda, I, S. 100-105. Dr. M. Nyiszli in Les Temps Modernes, April 1951. Jeanette Wolff, Sadismus oder Wahnsinn, Greiz 1946. Primo Levi, Se questo& un uvomo(Wenn das ein Mensch ist...), Turin 1947. Yankiel Wiernik, A Year in Treblinka(Ein Jahr in Treblinka), New York 1947. IMT X%, S. 533, Aussage Morgen, PS-2172, Anlage II(ungedruckt). Bruno Baum, Widerstand in Auschwitz, Potsdam 1949. WRB-Bericht(siehe oben),$. 25. Abendpost, Frankfurt, 17. April 1953. Marc Dvorjetski, Ghetto ä l’Est, Paris 1950, S. 288. Het Dodenbook van Auschwitz(siehe oben). 635 DIE ENDLOSUNG Sechstes Kapitel SAU BA@QN— Adolf Hitler, Mein Kampf, München 1936, S. 772. IMT Xx, S. 553 ff. IMT XX, S. 533 ff., Affıidavit Morgen, SS-65. Kogon, Der SS-Staat,$. 360. IMT XX, S. 560. IMT XX, S. 534. Verhandlung gegen Josef Hirtreiter, Frankfurter Rundschau, 11. No- vember 1950. IMT, Affidavit Morgen, SS-67(ungedruckt). Aussage Karl Brandt in Prozeß I, abgedruckt in: Alexander Mit- scherlich und Fred Mielke, Wissenschaft ohne Menschlichkeit, Hei- delberg 1949, S. 176. Prozeß IX, NO-3143 und NO-3160. IMT XXVI, S. 169, PS-630. Kienast, Der Großdeutsche Reichstag, November 1943, S. 168 u 449. Dr. Henry Picker, Hitlers Tischgespräche, Bonn 1951, S. 418. IMT XI, S. 72, Prozeß I. Abschrift, S. 7658(engl.). Aussage Karl Gebhardts im Prozeß I, abgedruckt(französisch) in Francois Bayle, Croix Gammee contre Caducee, Neustadt 1950, Daily Express, 23. August 1952. Prozeß I, NO-426(Affidavit Viktor Brack), abgedruckt(englisch) in Trials of War Criminals,|, S. 842. Prozeß|, Aussage Viktor Brack. Abschrift, S. 1879(engl.). Prozeß|, Affidavit Viktor Brack, NO-426, Trials of War Crimi- nals,|, S. 810. Verhandlung gegen Josef Hirtreiter(siehe oben). Prozeß I, Aussage Brack, Trials..., I, S. 876—89. Prozeß I, NO-365, abgedruckt(englisch) in: Trials..., I, S. 870 u. 888. Brief an den Verfasser(mit Photographien) von Joseph Zigman, Informationsabteilung im Amt des Hohen Kommissars der Ver- einigten Staaten. Prozeß I, NO-844, abgedruckt in: Mitscherlich-Mielke(siehe oben), Ss: 190: Prozeß I, NO-470, eidesstattliche Erklärung Pauline Kneissler, Mit- scherlich-Mielke, S. 180. The Times, 3. Juli 1945. Prozeß I, NO-846(Mitscherlich, S. 192), IMT XXVI, S. 166/167, PS-615. Prozeß I, NO-233(Mitscherlich, S. 194). Prozeß I, NO-2635(protokollarische Einvernahme Dr. Meneckes vor dem Landgericht Frankfurt), weiterhin Einvernahme Karl Brandts (Mitscherlich, S. 198). Prozeß|, NO-0138(Bayle, S. 758). Ebenda,$. 843. ndschau, 11. No- Alexander Mit. Ischlichkeit, Hei. 198, 5.168 u 1,5. 418, '(Französisch) in Neustadt 1950, druckt(englisch) (engl). of War Crimi- ) Ks Joseph Zigman, ıissars der Ver- Ike(siehe oben) e Kneissler, Mit- xVı, 5. 166/167, e Dr. Meneckes me Karl Brands QUELLENVERZEICHNIS The Hadamar Trial, London 1948, S. 20. Prozeß|(Trials..., I, S. 810). Prozeß I, NO-2634(Auszug aus dem Urteil des Landgerichts Frankfurt). Prozeß I, NO-429, Affidavit Waldemar Hoven(Trials...,|, S. 847). Prozeß I, NO-907 und NO-3060(Mitscherlich, S. 210) Prozeß I(Mitscherlich, S. 207). Prozeß I, NO-2799, Affidavit Dr. Muthig(Mitscherlich, S. 210). Prozeß|, Protokoll S. 1740(Mitscherlich, S. 211). Konzentrationslager Dachau. Geschildert von Dachauer Häft- lingen. Wien 1946, S. 39. IMT XXIX, S. 174, PS-1933. Prozeß|, NO-1007(Mitscherlich, 5. 212). Prozeß|, Affidavit Morgen(Dokument Karl Brandt 20, Mitscherlich, SY213): IMT XX, S. 541. Prozeß|, NO-907. Prozeß|, NO-205(übersetzt in Trials of War Criminals, I, S. 721). Prozeß Sobibor, Frankfurter Rundschau, 22. August 1950. Frankfurter Rundschau, 11. November 1950. German Crimes in Poland,|, S. 105. Prozeß I, NO-426(übersetzt in: Trials..., I, S. 822). Prozeß|, Protokoll S. 7163(Mitscherlich, S. 214/15). Prozeß Sobibor, Frankfurter Rundschau, 26. August 1950. Prozeß|, NO-365(siehe S. 144 f. dieses Buches). Prozeß|, NO-470 und NO-3010, Affidavit Dr. Gorgass(Trials..., I, S. 803). Prozeß I, NO-246(Mitscherlich, S. 223/4). German Crimes in Poland,|, S. 109—118. Marian Muszkat, Polish Charges against German War Criminals(Polnische Anklagen gegen deutsche Kriegsverbrecher), Warschau 1948, S. 206—212, Walter Hagen(Willi Höttl), Die geheime Front, S. 38. Prozeß IX, NO-3197, Affidavit Paul Blobel. Prozeß IV, NO-4467(Höss’ Bericht über die Reise) sowie NO-4498-b, letzteres eine eidesstattliche Erklärung von Höss, die bei der Ver- handlung in Krakau 1947 verlesen wurde und Aufschluß über Einzelheiten des Berichtes gibt. Prozeß IX, NO-3824, Affidavit Blobel(abgedruckt in: Trials.. ST2]2) IMT XXX, S. 1—15, PS-2605, Affidavit Rezsö Kastner. Prozeß IV, NO-4467 und NO-4498-a(Protokoll der Verhandlung in Krakau). Muszkat(siehe oben), S. 208(Aussage Michal Pod- chlebnik). Prozeß IV, NO-519 und NO-534. IMT XXVI, S. 103—110, PS-501. Dokumenty i Materialy, Ill, S. 279. Black Book of Polish Jewry(1943), S. 135—38. Prozeß Sobibor, Frankfurter Rundschau, 24. August 1950. IMT VI, S. 327, Aussage Paul Roser. U 637 DIE ENDLOSUNG 66 67 Prozeß IV, Einvernahme Karl Wolff, Trials of War Criminals, V, SEN: Josef Tenenbaum, In Search of a Lost People, S. 123. Aussage Leon Weliczer. Silberschein, Die Judenverfolgung in Polen, Genf 1944, V, S. 224 Dr. J. Guerin, Rawa Ruska, Camp de Repressailes, Marseille 1945. Muszkat(siehe oben), S. 229. Dokumenty i Materialy,|, S. 2214. Rudolf Reder, Belzec, Krakau 1945(in polnischer Sprache). IMT XXVII, S. 341/42, PS-1553. Trials of War Criminals,|, S. 865 (beide gedruckten Fassungen unvollständig). Frankfurter Rundschau, 2. März 1951. IMT, D-749-a, Affidavit Rudolf Höss(ungedruckt). IMT, XXXII, S. 153 ff., PS-3311(Anklage der polnischen Regierung gegen Hans Frank). Wiernik, Year in Treblinka. Muszkat(siehe oben), 5. 192. Lederer, Ghetto Theresienstadt, London 1953, S. 212. Kogon, Der SS-Staat, S. 223/4. IMT XXVI, S. 628 ff., PS-1061(von SS-Brigadeführer Jürgen Stroop angegebene Ziffern). Wiernik(siehe oben). Ebenda, und Dokumenty i Materialy,|, S. 183. IMT XIV, S. 646. IMT VIII, S. 357 ff.(Aussage Rajzman). Temoignages Strasbourgeois, Paris 1947, S. 497. Poliakov, Breviaire de la Haine, S. 225(Aussage Rothbalsam). Sobibor, Niederländisches Rotes Kreuz, Februar 1947. Prozeß IV, NO-482. Prozeß Sobibor, Frankfurter Rundschau, 22. August 1950. Prozeß Hirtreiter, Frankfurter Rundschau, 11. November 1950. Dr. Miklos Nyiszli in Les Temps Modernes, April 1951, S. 1885. Samuel Gringauz in Jewish Social Studies, New York, Juli 1947. Goebbels-Tagebücher, S. 454. Wiernik(siehe oben), S. 28. IMT VII, S, 651(Aussage Gerhard Adametz). Lederer, Ghetto Theresienstadt, S. 222. Wiernik(siehe oben). Dokumenty i Materialy,|, S. 281—90, IMT vill, S. 357 ff.(Aussage Samuel Rajzman). German Crimes in Poland,|, S. 96. Josef Tenenbaum(siehe oben), S. 286, Sobibor(Niederländisches Rotes Kreuz). German Crimes in Poland, I, S. 374(Erhebungen Ilja Ehrenburgs). IMT XX, S. 549. IMT, D-749—a, Affidavit Rudolf Höss. Filip Friedman, This was Oswiecim, London 1946, S. 16. Zenon Rozanski, Mützen ab, S. 43. Prozeß IV, NO-4344(Trials..., V, S. 362—64). IMT XXVIl, S. 381—3, und Prozeß I, Aussage Karl Wolff(franzö- sisch in Bayle, Croix Gammee contre Caducee, S. 358-9), IMT 126. IMT, 127 Viert (Apri Kurt 128 Franl 19 Eben 130 Proz Gam (3% stiel War 131 Viert 132 Mitte Juive 428 Criminals, y, Aussage Leon 4, V, 3,2. Morseille 1945, 25.201 ‘ache), inals, 1,$. 865 hen Regierung 5.19, ) Jürgen Stroop sthbalsam). u, 1950. mber 1950. 1951, 5.1885. yrk, Juli 1947. ıssage Gerhard 5, 21-90, IMT liederländisches 74,(Erhebungen dman, This was Wolff(franzö- | 5, 3599), IMI de ae sn ee EEE. an a in u een QUELLENVERZEICHNIS (Aussage Eberstein), XX, S. 33] sowie IMT XXVII, S. 381, PS-1602. Kapitän Payne-Best, The Venlo Incident, London 1950, S. 186, 227. Prozeß IV, NI-034, Affidavit Rudolf Höss. Law Reports of Trials of War Criminals, London 1946, I, S. 28. IMT VI, S. 370, 400 und 467, XXVII, S. 341/2, PS-1553, Prozeß IV, NO-2360 und NO-2382. Law Reports of Trials..., I, S. 28. Ebenda, X, S. 24. Prozeß VI, NI-1211, Affidavit Dr. Peters, Frank- furt, August 1947. Frankfurter Rundschau, 29. April 1950. Neue Zeitung, 22. und 29. März 1949. Dr. Miklos Nyiszli in Les Temps Modernes, April 1951, S. 1865. Kapitän Payne-Best(siehe oben), S. 186. Unveröffentlichte Erklä- rung von Höss für Dr. G. M. Gilbert(Rijksinstituut voor Oorlogs- dokumentatie, Amsterdam). Prozeß IV(Aussage Pohl). Abschrift, S. 1590(engl.). Prozeß IV, NO-4472(Bischoff an Wirtz, 30. März 1942). Prozeß IV. Abschrift, S. 1281(engl.) German Crimes in Poland,|, S. 32. Prozeß IV, NO-4473(Trials..., V, S. 619). Prozeß IV, NO-4466(Trials..., V, S. 624). German Crimes in Poland, I, S. 88. Nyiszli(siehe oben), S. 1665. IMT, D-749-a, Affidavit Rudolf Höss(ungedruckt) The Belsen Trial, S. 68. German Crimes in Poland,|, S. 89. The Belsen Trial, S. 68. Nyiszli(siehe oben),$. 1665. Ebenda, und Filip Friedman, This was Oswiecim,$. 54. Dr. Ada Bimko in: The Belsen Trial, S. 68. Ebenda,$. 132/133. IMT, PS-1553(siehe Fußnote 115). Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, München, 1. Jahrgang, Heft 2 (April 1953), S. 185 ff. Siehe auch den Aufsatz von Andreas Donath, Kurt Gerstein, Frankfurter Hefte, August 1955, S. 568 ff. Frankfurter Rundschau, 29. April 1950. Ebenda. Prozeß I. Französischer Text einiger Schriftstücke in: Bayle, Croix Gammee contre Caducee, Rascher an Himmler, 8. Oktober 1942, (S. 361), Sievers an Karl Brandt, September 1943(S. 90), Pfannen- stiel an Kurt Blome, 18. November 1943(S. 129), NO-290, Trials of War Criminals,|, S. 213. Vierteljahrshefte(siehe oben), S. 187. Mitteilung von Baron von Otter an das Centre de Documentation Juive Contemporaine, 10. November 1949. DIE ENDLOSUNG Siebentes Kapitel 1 NUIPRwWN no 10 11 640 Bruno Blau, Jewish Population in Nazi Germany(Die jüdische Be- völkerung in Nazi-Deutschland), Jewish Social Studies, New York 1950, S. 172. Prozeß IV, NO-5193(Statistischer Bericht Dr. Korherrs für Himmler). Goebbels-Tagebücher, Zürich 1948, S. 143. Dokumenty i Materialy, Lodz 1946, II, S. 49 und 194. Ebenda,|, S. 224. Wilhelm Krell in The Black Book, 1746, 5. 132, und Les Juifs in Europe(Die Juden in Europa), Paris 1949, S. 192(Konferenz der jüdischen historischen Kommissionen). Dokumenty i Materialy, Il, S. 33. Ebenda, Il, S. 194. NO-4072(Gestapo-Akten). International Tracing Service(Inter- nationaler Suchdienst), Arolsen 1949(Liste der Lager und Gefäng- nisse). Ein die für Majdanek im Dezember 1941 bestimmten Juden betref- fender Briefwechsel ist in Dokumenty i Materialy,|, S. 129—137, abgedruckt, die Namensliste der Uhrenbesitzer ebenda, S, 15457. Prozeß XI, NG-183. IMT, RF-1217, abgedruckt(französisch) in La Persecution des Juifs en France(Die Verfolgung der Juden in Frankreich), Paris 1947, S. 126/7. Mitteilung von Dr. H. Tuch, Berlin-Dahlem. Prozeß III(Richter) in: Law Reports of Trials of War Criminals, London 1947, VI, S. 11/12. IMT IV, S. 54. Ulrich von Hassell, Vom anderen Deutschland, 5. 273. Aussagen von Hans Frank, IMT XII, Prozeß Ill(Law Reports..., VI, Se 2% IMT V, S. 497. PS-687(ungedruckt). Prozeß XI, KG-417. Felix Kersten, Memoirs, New York 1947, S. 234(Unterhaltung vom 19. April 1945, in der deutschen Ausgabe des Buches nicht ent- halten). Folke Bernadotte, The Curtain Falls, S. 2. Prozeß Ill, NG-558(Thierack an Bormann). IMT IV, S. 66. IMT XXVI, S. 701 ff, PS-1063(d). Prozeß IV, NO-1523(Trials..., V, Ss 378): IMT, PS-2171, Anhang Il(ungedruckt). Kogon, Der SS-Staat,$.163/4. Dokumenty i Materialy,|, S. 53. Prozeß IV, NO-5194(Korherr an Himmler, 23. März 1943). Christopher Burney, The Dungeon Democracy, London 1945, 5. 63. Kogon(siehe oben), S. 220. IMT XXXVII, S. 489 ff, L-61, XV, S. 52(Aussage Fritz Sauckel). Georges Wellers, De Drancy& Auschwitz(Von Drancy nach Ausch- witz), S. 110. Mitteilung früherer Mitglieder der Reichsvereinigung an die Wiener Library, London 1945. 2 e\ 9 32 3 4 3 36 37 38 39 Li) A 2 [N) 44 [6 46 47 48 Lv) 50 5] 32 53 54 55 56 57 58 59 0 6] 2 Rabb lebte Mitte Siehe Goel Eben Mitte Proz Goel Doku Proz. 191, Sobil IMT rialy, 194. Polni Polar Proz: Prozı IMT Brunc IMT Rezsi pest, Fran! Eben Kastr Filip Geor Prozı Zden Beric Proz« Eben Beric (Die 5.50 Proz 14 I öffer Eides zeß) Nork Himn licher Bericl tsche, ie jüdische Be- Qles, New York Ts für Himmler), Zi ind Les Juifs in Konferenz der Service(Inter- er und Gefäng- en Juden betref- 15.189197, nda, 5. 15457. anzösisch) in La ı der Juden in War Criminals, 5. 273. Aussagen ts... VI, 5.7) Interhaltung vom uches nicht ent- I. 593(Trials..» V, 5$-Staat,$- 163/A. rz 193). a 1945, 8. 63. itz Souckel) “e nach Ausch- ‚inigung an die 59 60 61 62 QUELLENVERZEICHNIS Rabbiner Leo Baeck in dem Sammelwerk We survived(Wir über- lebten), Yale 1949, S. 288. Mitteilung von H. Tuch, Berlin-Dahlem. Siehe unter 28. Goebbels-Tagebücher, 5. 238 und 251/52. Ebenda, S. 267. Mitteilung von Dr. Jacob Jacobson an die Wiener Library, 1945. Prozeß IV(Aussage Oswald Pohl). Goebbels-Tagebücher, S. 305. Dokumenty i Materialy,|, S. 108—110, 117. Prozeß X(Direktoren von Krupp), NIK-6565, Trials.. ISRESTA Sobibor, Niederländisches Rotes Kreuz, Haag 1947. IMT VIII, S. 357 ff, Aussage Samuel Rajzman. Dokumenty i Mate- rialy, I, S. 187. Yankiel Wiernik, A Year in Treblinka, New York 1945. Polnische Kommission für Kriegsverbrechen, German Crimes in Poland, Warschau 1946, I, S. 104. IMT VII!. Prozeß IV, NO-5193(Korherr-Bericht), Prozeß Xl, NG-2652—E. IMT XIX, S. 566, PS-1919. Bruno Blau in Jewish Social Studies, New York I9A9RSE 1/2 IMT XXXIIl, S. 530/31, PS-3886. Rezsö Kastner, Bericht des jüdischen Rettungskomitees aus Buda- pest, Genf 1946, S. 9(vervielfältigt). Frankfurter Rundschau, 7. März 1950. Ebenda, 10. März 1950. Kastner(siehe oben), S. 154. Filip Friedman, This was Oswiecim, S. 24. Georges Dunand(siehe oben), S. 203. Prozeß XI, NG-2586. Ulrich von Hassell(siehe oben), S. 236. Zdenek Lederer, Ghetto Theresienstadt, London 1953, S. 13. Bericht Jacobson(siehe oben). Prozeß IV, NO-5194(Korherr-Bericht). Ebenda. Bericht über den Fall Baab: Kaye Boyle, The People with Names (Die Menschen mit Namen), The New Yorker, 9. September 1950, SS50! Prozeß XI, NG-4583, Denkschrift des Reichsfinanzministeriums vom 14. Dezember 1942, gezeichnet von Ministerialrat Maedel, ver- öffentlicht in Le Monde Juif, Nr. 51. Eidesstattliche Versicherungen Eberhard von Thaddens im Pro- zeß XI: NG-2007(11. April 1947) und NG-2512(18. Juni 1947). Norbert Masur, En Jud Talar med Himmler(Ein Jude spricht mit Himmler), Stockholm 1945(deutscher Text vom Verfasser freund- licherweise zur Verfügung gestellt). Bericht Jacobson(siehe oben) und offizielle Veröffentlichung der tschechoslowakischen Regierung Theresienstadt(1946). ., Washington 641 DIE ENDLOSUNG 64 642 Bericht Jacobson. Max Mannheimer, Beamter des Amsterdamer„Joodse Raad”, Be- richt an die Wiener Library, 1945. Bericht Jacobson. IMT XXVII, S. 252/3, PS-1472. Beweisstücke aus den Archiven von Auschwitz, die im Prozeß Höss Verwendung fanden, Dokumenty i Materialy,|, S. 116. Prozeß IV, NO-5193(Korherr-Bericht). Rabbiner Leo Baeck in dem Sammelwerk We Survived, Yale 1949, 5298. Prozeß IV, NO-2007 und NO-2512. Zdenek Lederer(siehe oben), S. 92. IMT XXxXVIl, S. 433, L-22. Abgedruckt bei: Silberschein, Judenaus- rottung in Polen, IV.(Fall Hirsch und Familientransport auf S. 19.) Siehe auch Lederer, Ghetto Theresienstadt, S. 227. Dokumenty i Materialy, I, S. 105. IMT, PS-2377, Affidavit Mildner(ungedruckt). Bericht des War Refugee Board. Silberschein(siehe oben), IV, 5. 37. Professor Marc Klein in Temoignages Strasbourgeois, 5. 432. Rabbiner Leo Baeck(siehe oben), S. 294. Bericht Jacobson, S. 15. IMT X, S. 165(Aussage Steengracht von Moyland). Jacques Sabile in Le Monde Juif, November 1949. Documents sur l’activit& du CIRC en faveur des detenus civils, efc., Genf, Juni 1946, S. 100. Bericht Max Mannheimer(siehe oben). Miklos Nyiszli in Les Temps Modernes, April 1951, S. 1881. Auschwitz, Deel VI, Niederländisches Rotes Kreuz, Haag 1952. Bericht Jacobson(siehe oben). Dr. Otto Wolken, Lagerschreiber, zitiert in: Filip Friedman, This was Oswiecim, 5. 23, Lederer(siehe oben), S. 242. Report of Activities of CIRC in Second World War(Bericht über die Tätigkeit des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes im zweiten Weltkrieg), Genf 1947, Il, S. 648. Prozeß XI, NG-2586—J und NO-2419(Affidavit Gottfried Boley). Prozeß XI, NG-2586—). Prozeß XI, NO-2419. Prozeß XI, NG-4848(Definition des Judenbegriffs in den besetzten Ostgebieten im Sinne des Führererlasses vom 17. Juli 1941). Das Urteil im Wilhelmstraßen-Prozeß, S. 113. Frankfurter Hefte, März 1952, S. 164. Prozeß XI, NG-2586—. IMT XX, S. 296/7(Aussage Schlegelberger). Prozeß I, NO-203 und NO-205(Mitscherlich-Mielke, Wissenschaft ohne Menschlichkeit, Heidelberg 1949, S. 233 ff). Prozeß I, NO-035. IMT, SS-035(Affıdavit Dr. Pokorny, XXXVII, S. 222/3). IMT XX, S. 599/600. Photokopie in: Bayle, Croix Gammee contre Caducee, S. 670. INREREHRNEN. 8 106 107 108 Pro dse Rand", Be. im Prozeß Hg 116 öss| ved, Yaleı99, 1 hein, Judenaus- port auf$. 19) oben), IV, 5,97. ois, 9, 432. tenus civils, efc,, 1, 5. 1881. z, Haag 1952. ) Friedman, This . /ar(Bericht über oten Kreuzes Im ottfried Boley). in den besetzten Juli 1941). Ike, Wissenschaft okornyı KK, ei 0. ‚duce QUELLENVERZEICHNIS 98 Prozeß I, NO-819(Mitscherlich-Mielke, S. 235). Eugen Kogon, Theory and Practice of Hell(Die Theorie und Praxis der Hölle), London 1950, S. 159(in der deutschen Ausgabe von Kogons Buch nicht enthalten). 99% Frangois Bayle(siehe oben), S. 705(Aussage Dr. Dora Klein). Daily Telegraph, 23. Februar 1951. Eine irrige Darstellung findet sich bei Josef Tenenbaum, In Search of a Lost People, New York, S. 292, sowie Underground, the Story of a People, New York 1952: 100 Prozeß I, NO-819. 101 Prozeß XI, NG-2598—M. 102 Henry Picker, Hitlers Tischgespräche, Bonn 1951, S. 313. 103 Prozeß XI, PS-2645, Affidavit Gottfried Boley, abgedruckt in La Persecution des Juifs dans les Pays de I’Est(Die Verfolgung der Juden in den Ostländern), Paris 1949, S. 93/94. 104 Bruno Blau, Jewish Population in Germany, Jewish Social Studies, New York 1950, S. 172. 105 Gestapo-Akte Abbau der rückstellenden Gruppen(sogenannte Slottke-Mappe, gegenwärtig im Rijksinstituut voor Oorlogsdocu- mentatie, Amsterdam). 106 Urteil in Sachen Aus der Fünten, Haag, 27. Dezember 1949, S. 55 (Rijksinstituut). 107 Slottke-Mappe. Besprechung Seyss-Inguart—Rauter. 108 Het Proces Rauter(Der Prozeß Rauter), Haag 1952, S. 33. Achtes Kapitel 1 Prozeß IX, Aussage Ohlendorf, abgedruckt in Trials of War Cri- minals, IV, S. 272/3. 2 Ebenda, S. 386. 3 IMT IV, S. 344/5. 4 IMT XIII, S. 147/8. 5 Prozeß IX. Abschrift(vervielflt.), S. 555—8(engl.). 6 H.R. Trevor-Roper, Hitlers letzte Tage, Zürich 1948, S. 156. 7 Felix Kersten, Totenkopf und Treue, 1952, S. 247. 8 Prozeß IX, Aussage Ohlendorf, Trials..., IV, S. 242 und 510. 9 Prozeß IX. Abschrift, S. 473, 477. 10 IMT XXI, S. 575—582 und 583—589. 11 Prozeß IX. Abschrift, S. 312 f. 12 Prozeß IX, NO-2830. 13 Prozeß IX. Abschrift, S. 313. 14 Fabian von Schlabrendorff, Offiziere gegen Hitler, Zürich 1946, S. 49. Prozeß IX, NO-4327, Affıdavit Kurt Lindow. 15 Affidavit von dem Bach-Zelewski(in Nürnberg nicht vorgelegt), auszugsweise abgedruckt in Aufbau, New York, Nr. 34/1946. 16 Die Photographien wurden dem Verfasser von Mr. Joseph Zigman, Informationsabteilung im Amt des Hohen Kommissars der Ver- einigten Staaten, freundlicherweise zur Verfügung gestellt. 17. IMT XII, S. 383/4(Aussage Gisevius). 643 DIE ENDLOSUNG 18 644 Prozeß|, NO-179, Mitscherlich-Mielke, Wissenschaft ohne Mensch- lichkeit, S. 71. Eugen Kogon, The Theory and Practice of Hell, London 1950, S. 144. IMT XX, S. 558. Hans Bernd von Gisevius, To the bitter End, London 1946, S. 579 (in der deutschen Ausgabe des Buches nicht enthalten). IMT XXXVII, S. 1—24, L-185(RSHA-Liste, Januar 1939). Ulrich von Hassell, Vom anderen Deutschland, S. 206. Prozeß IX(Aussage Ohlendorf), S. 649 des deutschen Protokolls. Trevor-Roper(siehe oben), S. 35(Zitat aus dem erbeuteten Tage- buch von Schwerin-Krosigk). Prozeß XI, NG-4943, veröffentlicht in Le Monde Juif, Nr. 52, Februar 1932. Graf Folke Bernadotte, The Curtain Falls(Der ‚Vorhang fällt), New York 1945, S. 105 und 117. Das Urteil im Wilhelmstraßen-Prozeß, S. 179. Prozeß IX. Abschrift, S. 891. Das Urteil im Wilhelmstraßen-Prozeß, S. 114. Prozeß IX, NO-3197, Affıdavit Blobel. Prozeß IX, NO-4546, Affidavit Franz Six. Prozeß IX und XI, NO-5884(Gottlob Berger an Rudi Brandt in Sachen Jost, 4. Mai 1944). Prozeß IX, NO-3644. Prozeß IX, Aussage Eduard Strauch. Abschrift, S. 5244. Prozeß IX, Aussage Diels, abgedruckt in Le Monde Juif, Nr. 52, Februar 1952. IMT XX, S. 643 und 683. IMT VIII, S. 328, USSR-119(a). IMT IV, S. 373(Aussage Ohlendorf). Prozeß XII, NOKW-2079, Trials of War Criminals, X, S. 1243. Prozeß IX, NO-3257. IMT, PS-197(ungedruckt). Max Kaufmann, Churbn Lettland, Die Vernichtung der Juden Lett- lands, München 1947, S. 67. IMT IV, S. 534(Aussage von dem Bach-Zelewski). Aufbau, New York 1946, Nr. 36(Affidavit von dem Bach-Zelewski). IMT XI, S. 392, und XXXIIl, S. 201, PS-3841, Affıdavit Stroop. IMT IV, S. 524, Affıdavit SS-Brigadeführer Ernst Rhode. Prozeß XII, NOKW-2150, Tagebuch der 10. Infanteriedivision. IMT IV, S. 523/4. IMT XXXVII, S. 670 ff, L-180(Stahlecker an Heydrich). IMT, PS-3047(Sönicken an Lahousen, abgedruckt in Nazi Con- spiracy and Aggression, V, S. 772—776). Schlabrendorff, Offiziere gegen Hitler, S. 31. IMT IV, S. 520(Aussage Panzergeneral Hans Röttiger). IMT XXXV, S. 81 ff, D-411. Law Reports of Trials of War Criminals, XII, S. 53. Prozeß XII, NOKW-3411, abgedruckt in Trials of War Criminals, X, S. 1214. IMT XX, S. 698-701, PS-4064(Tagesbefehl, 11. Armee). Ohne Mensch. on 1950, 5.144, n 1946, 5. 579 en). 1989). Ulrich n Protokolls, euteten Tage- Juif, Nr. 52 'orhang fallt), Rudi Brandt in 324. e Juif, Nr. 32, X, 5.128. der Juden Left- Bach-Zelewski). Stroop. de. riedivision. ) in Nazi Con- er). 3, Prozeß All Is, X, 3 1. ee). QUELLENVERZEICHNIS Aufbau, 1946, Nr. 36. Paul Leverkühn, Verteidigung Manstein, Hamburg 1950, Se12} The Times, 15. Dezember 1949(Manstein-Prozeß). Prozeß XII, NOKW-2523, in Trials..., X, S. 1236. IMT IV, S. 384(Aussage Ohlendorf). Law Reports..., Xll, S. 55. NOKW-650, 568, 579 und 2963. Trials..., X, S. 1215—20. IMT XX, S. 674(Aussage Manstein). IMT IV, S. 350(Aussage Ohlendort). IMT XX, 5.673. Prozeß IX, Aussage Ohlendorf(Trials...., IV, S. 294). Prozeß IX, NO-3403(Tätigkeitsbericht Nr. 119, 20. Oktober 1941, Inialser> INES 424). Günther Blumentritt, Manstein, the Soldier and the Man(Manstein, der Soldat und der Mensch), London 1952, S. 115. Prozeß XII, NOKW-541. Prozeß Xil, NOKW-2523(Le Monde Juif, Februar 1932). IMT, PS-1682(ungedruckt). The People’s Verdict(Der Spruch des Volkes), London 1945, S. 90. IMT IV, S. 288/9, und XXX, S. 598/9, PS-2542(Affidavit Kurt Lindow). Prozeß IX, NO-4327(Trials..., IV, S. 99). Kaye Boyle, The People with Names, New Yorker, 9. Septemb. 1950. IMT XXXVII, S. 670 ff., L-180(Bericht der Einsatzgruppe A, 15. Okto- ber 1941). Prozeß IX, NO-2651. Prozeß IX(Aussage Ohlendorf). Abschrift, S. 724(engl.). IMT XXX, S. 72-80, PS-2273(Bericht der Einsatzgruppe A, 31. Januar 1942, von der Roten Armee in Riga erbeutet. Siehe auch IMT VIII, S. 285, USSR-357—a). IMT, PS-702(ungedruckt). Peter Kleist, Zwischen Hitler und Stalin, Bonn 1950, S. 166. IMT XXVII, S. 19—24, PS-1133. Georg Thomas, Gedanken und Ereignisse, Schweizer Monatshefte, Dezember 1945, S. 537—58. Prozeß IX, NO-2947(9. August 1941) und NO-2652(1.—15. August 1941). Samuel Gringauz in Jewish Social Studies, New York, Januar 1949. Prozeß XI, NO-4848. Eugen Kogon, Der SS-Staat, S23TR IMT VII, S. 588, USSR-2. IMT VIII, S. 590, USSR-297. Dr. F. Steiner, The Tragedy of Slovak Jewry(Die Tragödie des slowakischen Judentums), Preßburg 1949, 5. 112/3. IMT XXXI, S. 446—448, PS-2992. Prozeß IX(Aussage Blobel), S. 1723 des deutschen Protokolls. Marian Beih-Ammi, Le Droit ä la Patrie(Das Recht auf das Vater- land), Paris 1946, S. 106—110). Prozeß IX, Aussage Ohlendorf(Trials..., IV, S. 249). Ferner 5. 533 des deutschen Protokolls. 645 DIE ENDLOSUNG 98 Prozeß IX, NO-3055(Affidavit Schubert). Prozeß IX, NO-2653. Aufbau, New York, 1946, Nr. 34. IMT IV, S. 356 und 367/8(Aussage Ohlendorf). Prozeß IX, NO-5530 und NO-5538, eidesstattliche Versicherungen Metzner. Josef Tenenbaum, Underground, the Story of a People, New York 193279 370: Memoirs of Felix Kersten, New York 1947, S. 154(in der deutschen Ausgabe des Buches nicht enthalten). Prozeß IX, NG-3143. Neuntes Kapitel 1 IMT XXXVII, S. 670 ff, L-180 vom 31. Januar 1942, Bericht der Ein- satzgruppe A vom 15. Oktober 1941(Nr. 23 der 40 versendeten Ausfertigungen, von Stahlecker unterschrieben). Kulischer, The Displacement of Population in Europe, 5. 68. Joseph Schechtmann in Hitler's Ten Year War on the Jews, 5. 173 bis 177. Max Kaufmann, Churbn Lettland, Die Vernichtung der Juden Lett- lands, S. 41. Schechtmann(siehe oben), S. 169. IMT, L-180(siehe oben). Law Report of Trials of War Criminals, XII, S.31(Prozeß Oberkom- mando, Zusammenfassung des Beweismaterials gegen von Küchler). IMT XXX, S. 72—80, PS-2273(zweiter Bericht Stahleckers für die Zeit vom 16. Oktober 1941 bis 31. Januar 1942. Undatiert und be- ginnt auf S. 56). Prozeß IX, NO-2934(Tätigkeitsbericht Nr. 19, 11. Juli 1941). IMT, L-180(siehe oben). Ebenda, Anlage A, Gesamtpersonalbestand der Einsatzgruppe A. Prozeß IX, NO-2655(Ereignismeldung Nr. 5, 30. September 1941). Peter Kleist, Zwischen Hitler und Stalin, S. 159. Marc Dvorjetski, Ghetto ä I’Est, Paris 1949, S. 25, Aussage von Abraham Susskever, IMT VIII, S. 333—340. Dvorjetski(siehe oben), S. 46. Ebenda, S. 38. Ebenda, S. 62—79. Prozeß XII, NOKW-1686(Trials of War Criminals, X, S. 832). Joseph Schechtmann(siehe oben), S. 191. IMT XIV, S. 237, Affıdavit Marine-Verwaltungsinspektor Walter Kurt Dietmann. Nürnberger Nachrichten, 4. Februar 1950. IMT XXI, S. 183, und XXVI, S. 97—99, D-968. IMT, PS-2273(siehe oben) und Kaufmann(siehe oben), S. 280. IMT, L-180(siehe oben). Prozeß IX(Aussage Eduard Strauch). Affidavit von dem Bach-Zelewski, Aufbau, New York 1946, Nr. 36. Vom Komitee der baltischen Überlebenden in London zur Ver- fügun( 7 7 Kauft Hl} Proze % Proze 30 Kaufn 9] Ebenc 29 MT,| 33. MT) 34 IMT? 35 Anklc anwd de D 36 IMT 37 Franl 38 MT, 39 Aufb 40 Dvor 41 Eben 2 MT, 43 MT 44 Proz 45 Solo 46 Hug (Ost Schy 47 Jose 48 MT 49 Aufl 50 IMT 5I Lel 52 Go 53 IMT 54 Jos Sch 55 Am 56 Pro vor 57. Pro Versicherungen °ople, New York in der deutschen Bericht der Ein. 40 versendeten pe, 5. 68, the Jews,$, 173 ' der Juden Let rozeß Oberkom- gen von Küchler), Ihleckers für die ndatiert und be- li 1941) insafzgruppe A. jeptember 194) 5, Aussage von X, 5. 832). 5,237, Afidavit nn, ben), 5: 280. ork 1946, Nr. 3. ondon zur Ver 60 61 QUELLENVERZEICHNIS N gestellte Information(9. Juli 1949), Kogon, Der SS-Staat, . 228. Kaufmann(siehe oben), S. 103. Prozeß IX, NO-3405(Ereignismeldung Nr. 9). Prozeß IX, NO-2259. Kaufmann(siehe oben), S. 111/12. Ebenda,$. 116. IMT, PS-2273(siehe oben), Stahlecker an Heydrich. IMT XI, S. 606(Aussage Rosenberg) und XXVIl, S. 270, PS-1517. IMT XI, S. 609, und XXXII, S. 435/6, PS-3663. Anklage gegen Leibbrandt und Bräutigam(Mitteilung des Staats- anwalts Paul Dohmann, Landgericht Nürnberg-Fürth, an das Centre de Documentation Juive Contemporaine, Paris, 18. Januar 1950). IMT X, S. 611, und XXXII, S. 437, PS-3666. Frankfurter Rundschau, 27. März 1952. IMT, PS-3664(ungedruckt). Aufbau, New York 1946, Nr. 35(Affidavit von dem Bach-Zelewski). Dvorjetski(siehe oben), S. 107. Ebenda, S. 108. IMT, PS-2273(siehe oben). IMT XXXIll, S. 287 ff., PS-3876. Prozeß IX, Aussage Naumann. Abschrift, S. 860(engl.). Solomon M. Schwarz, Jews in the Soviet Union, 5310 Hugh Seton-Woatson, Eastern Europe between the Wars, 1918—1941 (Osteuropa zwischen den Kriegen, 1918—1941), London 1945, S. 329. Schwarz(siehe oben), S. 322—26. Joseph Schechtmann in Hitler's Ten Year War on the Jews, S. 1%. IMT VII, S. 513. Aufbau, New York 1946, Nr. 36(von dem Bach-Zelewski). IMT, PS-2273(siehe oben). Le Monde Juif, April 1949. Goebbels-Tagebücher, S. 113. IMT, PS-3743(ungedruckt). Josef Tenenbaum, Underground, the Story of a People, und Schwarz(siehe oben), S. 322—25. American-Jewish Yearbook(Amerikanisch-Jüdisch. Jahrbuch), 1938. Prozeß XII, NOKW-3140(Tagebuch General Halders, Eintragung vom 12. November 1941), abgedruckt in Trials..., X, S. 1196. Prozeß IX, NO-2651(Ereignismeldung Nr. 1, 31. Juli 1941). Prozeß IX, NO-2655(Ereignismeldung Nr. 5, 30. September 1941). Aussage des Zeugen J. S. Machiz vor der sowjetischen Unter- suchungskommission in Minsk, 1944(ein außerordentlich wertvoller Bericht, der auszugsweise abgedruckt ist in: The Black Book..., New York 1946, S. 453—464). IMT, PS-2273(siehe oben). NO-2262(Kubes Besuch im Ghetto wurde später in einem sehr ausführlichen Bericht geschildert, den Strauch am 25. Juli 1943 an von dem Bach-Zelewski sandte. Er ist Teil der umfangreichen Kube- 647 DIE ENDLOSUNG Mappe, die in den Ruinen des Rosenbergschen Ministeriums in Berlin gefunden wurde. Über Kubes Entlassung sind wider- sprechende Berichte veröffentlicht worden. Die hier gegebene Schil- derung wird durch ein von Hess unterzeichnetes Rundschreiben bestätigt, von dem sich eine Ausfertigung im Pariser CDJC be- findet). IMT XXXIl, S. 437, PS-3666(aus der Kube-Mappe. Im Faksimile veröffentlicht in Weinreich, Hitler's Professors, S. 153/54). NO-2262(Strauch an von dem Bach-Zelewski). Prozeß IX, NO-3241(Tätigkeitsbericht Nr. 128). Prozeß IX, Aussage Strauch. Abschrift, S. 5264(engl.). PS-3428(zitiert in IMT XII, S. 613), Prozeß IX. Abschrift, S. 142. IMT XXxIl, S. 280, PS-3428(Kube an Lohse, 31. Juli 1942, aus der Kube-Mappe). The Black Book...(1946), S. 453—464(der dort ab- gedruckte Bericht eines Überlebenden stimmt weitgehend mit den Angaben im Brief überein). Prozeß IX, Kreuzverhör Strauch. Abschrift, S. 5267(engl.). IMT XXXIX, S. 385 ff., USSR-170, Auszug in IMT, VII, S. 58. Prozeß IX, NO-511(Bericht über Bandenbekämpfung Nr. 5 vom 20. Dezember 1942). USSR-119-a, zitiert in IMT VIII, S. 328/29. Andere Auszüge in The Black Book...(1946), S. 3499—52, und David Rousset, Le Pitre ne rit pas, Paris 1947 PS-3428(aus der Kube-Mappe). „Lösung der Judenfrage in Galizien“, gebundene Ausfertigung des Berichtes von SS-Gruppenführer Dr. Fritz Katzmann an den Höheren SS- und Polizeiführer Krüger im Generalgouvernement, 30. Juni 1943. IMT XXXVIl, S. 391—431, L-18. Solomon M. Schwarz(siehe oben), S. 237. Schechtmann in Hitler's Ten Year War..., New York 1943. Prozeß IX, NO-2651(siehe oben), Tenenbaum, In Search of a Lost People, S. 115. Dr. A. Silberschein, L’extermination des Juifs en Pologne(Judenausrottung in Polen), Band 8, S. 8, Genf 1945(ver- vielfältigt). Prozeß IX, NO-2651. Silberschein(siehe oben), S. 8. Tenenbaum(siehe oben), S. 1 Prozeß IX, NO-2651. Tenenbaum, ebenda. Prozeß IX, NO-2651. Prozeß IX, Aussage Erwin Schulz. Zenon Rozanski, Mützen ab, 5. 19. Prozeß IX, Aussage Blobel. Prozeß IX, Affidavit Otto Rasch. Prozeß IX, NO-2653(Ereignismeldung Nr. 8, 31. August 1941). Prozesse Xl und XIl, NO-5301, Affidavit Erwin Bingel. Prozeß IX, NO-2665(Ereignismeldung Nr. 5, 30. September 1941) und NO-3149(Tätigkeitsbericht Nr. 88, 9. September 1941) 1D. m Prozeß g1 Prozeß abgedrt (7) IMT II, 94 Prozeß 95 Prozeß 96 The Bla 97 Ebenda 08 Prozeß 99 The Bla 100 Schecht 01 R-102| 3147, a 102 Prozeß Hartel) 103 Prozeß 104 Prozeß 105 New Y 1946, 106 MT, P 107 The Bl 108. Prozef abged 109 Bericht Stockh 110 Proze! 110a Solom 111 Prozei abgeo 112 Aufba 113 Proze völkeı Year NSteriums in Sınd Wider. jebene Schil. Ndschreiben TCDIC ha. m Faksimi I 1,5. 142. 742, aus der der dort ab- nd mit den gl.) . 58, Nr. 5 vom zuge in The Le Pitre ne rtigung des en Höheren nt, 30, Juni 1923. "hof a Lost les Juifs en f 1945(ver- 194). mber 141) N), ESTER QUELLENVERZEICHNIS 90 Prozeß IX, Aussage Blobel. Abschrift, 5. 1547—51(engl.). 91 Prozeß IX, NO-3140(Tätigkeitsbericht Nr. 106, 7. Oktober 1941, abgedruckt in Trials..., IV, S.127): 92 MT II, S. 147, R-102(Ereignismeldung Nr. 6, 31. Oktober 1941). 93 IMT XV, S. 362 und 457(Aussage Generaloberst Alfred Jod!). 94 Prozeß IX, Aussage Blobel. Abschrift, S. 1571(engl.). 95 Prozeß IX, R-102 und NO-3140. 96 The Black Book...(1946), S. 360. 97 Ebenda, und IMT VII, S. 594(Aussage Michael Tanklevski). 98 Prozeß IX, NO-3159(Tätigkeitsbericht Nr. 128, 3. November 1941). 99 The Black Book...(1946), S. 363. 100 Schechimann in Hitler’s Ten Year War, 52195} 101 R-102(siehe oben, zitiert in IMT XX, S. 696). Prozeß XII, NOKW- 3147, abgedruckt in Le Monde Juif, Nr. 56, Juni 1932. 102 Prozeß IX, Kreuzverhör Albert Hartel und NO-5384(Affidavit Hartel). Abschrift, S. 2898—2900(engl.). 103 Prozeß IX, Aussage Blobel. Abschrift, S. 1618(engl.). 104 Prozeß IX, NO-3197(Affidavit Blobel). 105 New York Times, 22. Oktober 1944(zitiert in The Black Book..., 1946, S. 360). IMT VII, S. 612. Urteil im Prozeß IX. 106 IMT, PS-3259(Bericht an General Thomas). 107 The Black Book...(1946), S. 362. 108 Prozeß IX, NO-2832(Tätigkeitsbericht Nr. 135, 19. November 1941, abgedruckt in Trials...., IV, S. 180. The Black Book, 1946, S. 353). 109 Bericht von Majer Neuman aus Volove, von Frl. Helga Melchior, Stockholm, freundlicherweise zur Verfügung gestellt. 110 Prozeß IX, NO-3153(Tätigkeitsbericht Nr. 108, 10. Oktober 1941). 110a Solomon M. Schwarz(siehe oben), S. 1972 111 Prozeß IX, NO-2832(Tätigkeitsbericht Nr. 135, 19. November 1941, abgedruckt in Trials...., IV, S. 180). 112 Aufbau, New York 1946, Nr. 36(von dem Bach-Zelewski). 113 Prozeß IX, NO-2827(Tätigkeitsbericht Nr. 156, 6. Januar 1942). Be- völkerungszahlen können gefunden werden in: American-Jewish Year Book, 1931, sowie Joseph Schechtmann in Hitler's Ten Year Wear, S. 185. 114 Prozeß IX, NO-2827(Tätigkeitsbericht Nr. 143, 8. Dezember 1941, abgedruckt in Trials..., IV, S. 185). Das zweite Massaker von Rowno ist im Affidavit Gräbe beschrieben(IMT XXXl, S. AA2—A, PS-2992). Angaben von Überlebenden, die sich mit den Berichten der Einsatzgruppe decken, finden sich in German Crimes in Poland, ir S2 15], und Ihe Black Book...(1946), S. 18 115 Siehe Jüdisches Lexikon, unter Charkow. 116 Bericht über den Prozeß von Charkow in The People's Verdict, London 1945, S. 122, und The Black Book...(1946), S. 368. 117 The People's Verdict, S. 89. 118 Ebenda, S. 100. 119 The Black Book...(1946), S. 360. 120 Schwarz(siehe oben), S. 231. DIE ENDLOSUNG 121 IMT VII, S. 617. 122 IMT III, S. 628—30, PS-2357. 123 IMT XXXI, S. 494, PS-3012(Bericht der Sondergruppe 4a). 124 Schechtmann in Hitler's Ten Year War..., S. 202. 125 Prozeß IX, NO-3403(Tätigkeitsbericht Nr. 125, 26. Oktober 1941). 126 Prozeß XII, NOKW-629, abgedruckt in Trials sie X, 9.112378 127 Hitler’s Ten Year War..., S. 202. 128 Einige aus dem Moskauer Blatt Ainikeit stammende Informationen über den Prozeß von Charkow sind enthalten in The Black Book a (1946), S. 303. 129 IMT und Prozeß IX, R-102(Ereignismeldung Nr. 6, Oktober 1941, siehe oben), 130 Prozeß IX, NO-3148(Tätigkeitsbericht Nr. 95, 15. September 1941). 131 Prozeß IX, Aussage Ohlendorf. Abschrift, S. 526(engl.) 132 Prozeß XII, NOKW-1677 und 1678. 133 IMT, PS-3843. 134 Prozeß IX, NO-2834(Tätigkeitsbericht Nr. 150, 2. Januar 1942). 135 Prozeß IX, Urteil. Abschrift, S. 6775(engl.). 136 Prozeß Xll, NOKW-2281(Bericht des Platzkommandanten in Jankoi), 137 Prozeß IX, NO-3339(Tätigkeitsbericht Nr. 170, 18. Februar 1942. NO-2662, 11. März 1942). 138 Prozeß IX, NO-6842(Bericht über die Tätigkeit des SD im Osten), 139 Paul Leverkühn, Verteidigung Manstein, Hamburg 1950, S. 35, 140 Prozeß XII, NOKW-1698 und 1690. 141 Prozeß IX, Aussage Ohlendorf. Abschrift, S. 517£.(engl.). 142 IMT, PS-3843. 143 IMT VIII, S. 330. 144 Schwarz(siehe oben), S. 339. 145 IMT XXVI, S. 103—5, PS-501(Becker an Rauff, Kiew, 16, Mai 1942). 146 IMT IV, S. 355(Aussage Ohlendorf). Zehntes Kapitel 1 Prozeß IV, NO-5194(Korherr-Bericht an Rudi Brandt, 23. März 1943); „Die Lösung der europäischen Judenfrage”; von Himmler para- phiert(ungedruckt). 2 Prozeß VIII, NO-5875(Müller an Hoffmann, Trials of War Crimi- nals, IV, S. 864). 3 IMT XII, S. 148. 4 Eugen Kogon, Der SS-Staat, S. 226, sowie Neve Volkszeitung, New York, 27. April 1943. 5 IMT XVII, S. 110. 6 IMT XVI, S. 137. 7 IMT XVI, S. 115/6(Aussage Seyss-Inquart). 8 IMT XVI, S. 154(Aussage Friedrich Rainer). 9 Prozeß IV, NO-470(Trials..., 1, S. 803). 10 IMT, PS-2233(Tagebuch Frank), German Crimes in Poland, Il(1946). 11. IMTII, S. 600. 650 Nachmo ir 5,80(A 13 Marian“ 14 Mary B der AN schau 9 15 Germar ges ag° % Prozeß 17 Abraha Populoi 18 Josef T Dictato 1949, 19 Dokum 70 Ebende 71 Blumen bis 247 ” Muszke 73 Dr. Jos 94 Tenent % Prozef Hilsche %6 Friede 97 Muszk 28 Dokun 29 Ebend 30 Ebend 31 Ebend 32 Prozei 33 Goebl 34 Dokur 35 Ebend 36 Ebend 37 Ebene Der( 38 Doku 39 DuPi 40 Musz 41 Blume 4 d), Kiober 19 5. 1237, h) Mormationen lack Book, ktober 1, tie 194), var 1942), indanten in ebruar 194, ) im Osten), 0,5. 35, 1gl.). . Mai 1922). März 198); ımler para- War Crimi- olkszeitung, nd, 1(194) QUELLENVERZEICHNIS Nachman Blumental, Slowa Niewinne, Warschau 1947. IMT XII, S. 80(Aussage Buehler). Marian Beth-Ammi, Le Droit& la Patrie, Paris 1947, 5. 147. Mary Berg, Warsaw Ghetto, New York 1945, S, 135. Rumkowski, der„Judenälteste” aus Lodz, wurde am 27. Februar 1942 in War- schau gesehen. German Crimes in Poland, I, S. 109. Marian Muszkat, Polish Char- ges against German War Criminals, Warschau 1948, S. 204. Prozeß|, NO-246, abgedruckt in Trials..., I, S. 118: Abraham Melezin, Demographic Processes among the Jewish Population of Poland, Lodz 1947. Josef Tenenbaum, In Search of a Lost People, S. 106. Sol Bloom, Dictator of the Lodz Ghetto, Commentary, New York, Februar 1949, S. 111—22. Dokumenty i Materialy, Lodz 1946, Ill, 53203: Ebenda, Ill, S. 243—45(Biebow an Fuchs). Blumental(siehe oben), S. 150. Dokumenty i Materialy, II, S. 245 bis 247(Biebow an Ventski). Muszkat(siehe oben), S. 206. Dr. Josef Kermisz in Dokumenty i Materialy, II, S. XVII. Tenenbaum(siehe oben), S. 106, Sol Bloom(siehe oben). Prozeß I, abgedruckt in Trials..., II, S. 40(Aussage Dr. Friedrich Hilscher). Friede über Israel, München, Nr. 3, Juli 19512 Muszkat(siehe oben), S. 208. Dokumenty i Materialy, I, S. 229—23]. Ebenda, Il, S. 74—81. Ebenda, Ill, S. 223—31. Ebenda, Ill, S. 238. Prozeß IV(Aussage Oswald Pohl), 5. 1939 des deutschen Protokolls. Goebbels-Tagebücher, S. 142/43. Dokumenty i Materialy,|, S. 220, Bericht Dr. Fohls(Krakau). Ebenda, II, S. 10—14. Ebenda, II, S. 12. Ebenda, Il, S. 32/33. Photographie von Richard Türk in Kienast, Der Großdeutsche Reichstag, Berlin 1943. Dokumenty i Materialy, Il, S. 39. Du Prel, Das Generalgouvernement, 1942, S. 315. Muszkat(siehe oben), S. 184. Mariam Bath Ammi(siehe oben), S.12. Blumental(siehe oben),$. 86. German Crimes in Poland, I, S. 153. IMT XX, S. 419/20(Aussage Israel Eisenberg). Pressekonferenz von Vizepremier Mikolajczyk in London, zitiert in The Black Book(1943), S. 96. German Crimes in Poland, Il, S. 94. The Black Book(1943), S. 136. Muszkat(siehe oben), S. 227. Mary Berg, Warsaw Ghetto, New York 1945, S. 140/41. Tenenbaum(siehe oben), S. 118. 651 et i DIE ENDLOSUNG 49 IMT III, S. 592ff und XXXVII, S. 391 ff. L-18(Katzmanns Bericht „Lösung der Judenfrage in Galizien“) Ebenda. The Black Book(1943), S. 197. Silberschein, Judenausrottung in Polen, Band 5, Genf 1944. German Crimes in Poland, Il, S. 95. Dokumenty i Materialy, Il, S. XVI, XXVII und 116. Der hölzerne Adler befindet sich im städtischen Museum in Rzeszow. Ebenda, Il, S. 53—55. Arnold Zweig, Fahrt zum Acheron, Potsdam 195](Bericht von Hilde Huppert). Prozeß I, NO-205(Brack an Himmler. Veröffentlicht in Trials Be: 2S-z2l): IMT XXVI, S. 408—410, PS-910(die Rede ist in der Note der pol- nischen Auslandsregierung an die Alliierten erwähnt, The Black Book of Polish Jewry, 1943, S. 120). Prozeß VIII, NO-4464(abgedruckt bei Poliakov, Breviaire de la Haine). IMT, PS-2233, Tagebuch Frank, in German Crimes in Poland, II. Prozeß IV, Aussage Karl Wolff, abgedruckt in Trials.. NS AT (S. 2184/5 des deutschen Protokolls). Trials of War Criminals, V, S. 779 und 782. Bayle, Croix Gamm&e contre Caducee, 5.21. Das Freie Wort, Düsseldorf, 3. Februar 1952. Michal Mazor, La Cit& Engloutie, Paris 1955, S. 125, Mary Berg, Warsaw Ghetto, New York 193575. 95. Ebenda S. 159, Silberschein(siehe oben), Band IV, S. 10. IMT XI, S. 389 und 392 sowie XXXIIl, S. 199, PS-3841. Mary Berg(siehe oben), S. 139 und 163. Note der polnischen Auslandsregierung in The Black Book of Polish Jewry(1943), S. 120. Tagesspiegel, 20. Juli 1951; Die Welt, 26. Juli 1951. Berichte des damaligen polnischen Botschafters in London, Graf Raczynski, und der Mitglieder des polnischen Nationalrats, Zygiel- bojm und Schwarzbart, wiedergegeben in The Black Book... MAR,- Mazor(siehe oben), S. 128. Affidavit Graebe, IMT XXXI, S. 442—44, PS-2992. Tenenbaum(siehe oben), S. 33. Silberschein(siehe oben), Band IV, S. 19. Mazor(siehe oben), S. 128. Silberschein(siehe oben), Band IV, S. 28, Ebenda, S. 15. Ebenda, S. 21, Mary Berg, S. 174. Bericht von Ignazy Schwarzbart in The Black Book...(1943), S. 119. Silberschein(siehe oben), IV, S. 8. Veröffentlicht in Wiadomosci Polskie, London, 7. Dezember 1943. Deutsch bei Silberschein(siehe oben), IV, S. 24. 91 Picker 92 Siehe 8 Micho g4 The B g5 Ebene g6 Silber Tener 97. Blume 88 Tenel the$ yonel 89 MT, 1950. 90 IMT, 91 Doku 9 IMT\ 93. Zitier (Urte fügur 94 Doku 95 Teneı (Aus: 96 Proz: 9 Proz 102 Proz 103 Dr.. Sal 104 Dok 105 Gue 106 Silbe 107 The 1, teny 108 Jak 109 Pro; 110 IMT Elftes Ko Manns Berich "ausroffung N Der hölzerne W. Ficht yon Hilde tin Trials ,,, Note der pol. nt, The Black revigire de Io Poland, II, 2. V,3.77 15 Freie Wort, lack Book of London, Graf alrats, Zygiel- lack Book... X, 5. 424, 11943), 5.11. ‚zember 198. 109 110 QUELLENVERZEICHNIS Picker, Hitlers Tischreden, Bonn 1951, S. 311. Siehe die Zahlenangaben Stroops in IMT XXVI, S. 628 ff, PS-1061. Michal Mazor(siehe oben),$. 166 ff. The Black Book(1946), S. 129. Ebenda,$. 130—33. Silberschein, IV, S. 33. Mary Berg(siehe oben)$. 183 und 188. Tenenbaum, S. 33. Blumental in Dokumenty i Materialy, I, S. 8. Tenenbaum, In Search of a Lost People, S. 39, und Underground, the Story of a People, S. 91/92(die beiden Darstellungen weichen voneinander ab), Mary Berg, S. 196. IMT, PS-2233, Tagebuch Frank, zitiert in Le Monde Juif, Dezember 1950. IMT, PS-2233, zitiert in German Crimes in Poland, II(1946). Dokumenty i Materialy, Il, Einführung. IMT VI, S. 240, Aussage Paul Roser. Zitiert in Max Weinreich, Hitler's Professors, New York 1946, S. 168 (Urtext vom New Yorker YIVO-Institut freundlicherweise zur Ver- fügung gestellt). Dokumenty i Materialy, Il, S. XXXIV—XXXVI(Kermisz). Tenenbaum, In Search...., S. 118. The Black Book(1946), S. 434 (Aussage von Israel Herz). Silberschein(siehe oben), V, S. 17. Prozeß IV, NO-1611(Trials..., V, S. 616). Prozeß XII, NOKW-134. Der Befehl für Lemberg ist im Bericht Katzmanns enthalten(IMT III, S. 596 ff. sowie XXXVI, S. 991 ff., L-13). Beide Anordnungen in The Black Book of Polish Jewry(1943), $. 138—40. Dokumenty i Materialy, I, S. 280—290. Arnold Zweig, Fahrt zum Acheron, Potsdam 1951, S. 59—61. Prozeß IV, NO-5194(Korherr-Bericht, 23. März 1943). Dr. J. Guerin, Rawa Ruska, Camp de Represailles, Marseille 1945, S. 178. Dokumenty i Materialy, Il, Einführung(Kermisz). Guerin(siehe oben), S. 155/56. Silberschein(siehe oben), V, S. 40—44. The Black Book of Polish Jewry(1943), S. 87. Dokumenty i Materialy, 1, S. 47(Bericht von Mila Hornik). Rabbiner T. Guttmann, Dokumen- tenwerk, II, S. 47—65(Bericht von Dov Weitz). Jakob Littner, Aufzeichnungen aus einem Erdloch. München 1948. Prozeß IV, NO-1257(Himmler an Pohl und Krüger, 15. Januar 1943). IMT XX, S. 350, und XXXIV, S. 58 ff., PS-4024. Elftes Kapitel 1 Silberschein, Judenausrottung in Polen, IV, 5. 48. 2 Tenenbaum, In Search af a Lost People, S. 88/89. 3 IMT XXXVII, S. 391 ff, L-18(Bericht Katzmann). 4A Prozeß IV, NO-1882(Himmler an Krüger und Pohl). 43 653 ii i8 j ' \ a, | j # 4 4 i A DIE ENDLOSUNG 5 6 IMT XXVI, S. 628 ff., PS-1061. Silberschein(siehe oben), IV, S. 57. Begründung der Anklage gegen Többens, unterzeichnet von Asses- sor Schneider von der Bremer Spruchkammer, 1. Juni 1949(im Centre de Documentation Juive Contemporaine in Paris). Tenenbaum(siehe oben), S. 40. The Black Book of Polish Jewry (1943), S. 148. Silberschein(siehe oben), IV, S. 67. Michal Mazor(La Cite Engloutie, S. 130) gibt die offiziellen deut- schen Endziffern der Deportationen bis Ende Januar 1943 wieder. Prozeß IV, NO-2514. Prozeß IV, NO-2494. Prozeß IV, NO-1263. Law Reports of Trials of War Criminals, London 1948, VII, Trial of Amon Göth. Tenenbaum(siehe oben), S. 41. Mary Berg, Warsaw Ghetto, S. 229, Silberschein(siehe oben), IV, 5.58. The Black Book...(1943), S. 158. Von da ab folgt die Darstellung des Aufstandes im Warschauer Ghetto dem Bericht Jürgen Stroops(IMT XXVI, S. 628 ff., PS-1061), soweit nichts anderes angeführt ist. Goebbels-Tagebücher, 5. 313 und 318. Die Photographien wurden am 14. Dezember 1945 dem Nürnberger Gericht gezeigt(IMT Ill, S. 622/3). Einige finden sich in dem von David Knout herausgegebenen Buch La Bataille du Ghetto de Varsovie(Die Schlacht im Warschauer Ghetto), Paris 1946, sowie in German Crimes in Poland, Il. G. M. Gilbert, Nuremberg Diary, S. 69. IMT XV, S. 365, Aussage Jodl. Prozeß IV, NO-2608, IMT XXI, S. 188, PS-1475. Faksimile in Bleter far Geszichte, August-Oktober 1948, veröffent- licht vom Polnisch-jüdischen historischen Institut. Bericht Stroop(PS-1061). Marc Dvorjetski, Ghetto& l’Est, Paris 1950, S. 157, Tenenbaum (siehe oben), S. 100. Siehe besonders den Bericht im jiddischen Blatt Ainikeit(Moskau), abgedruckt in The Black Book...(1946), S. A36—444, Krüger an Frank(Tagebuch Frank), IMT, PS-2233. Veesenmayer an von Thadden, 25. Juli 1944, in Prozeß XI, NO-1806. Tenenbaum(siehe oben), S. 51. IMT XXXIII, S. 199/200, PS-3841. Tenenbaum(siehe oben), S. 73. Tagebuch Frank, IMT, PS-2233. Prozeß IV, NO-519(Pohl an Himmler, 9. Februar 1944). Prozeß IV, NO-2496(Himmler an Glücks und Kaltenbrunner, 11. Juni 1943). Prozeß IV, NO-2516. Prozeß IV, NO-2515. R. Stern in Die Oorlog die Hitler won, Amsterdam 1947, S. 331. Auschwitz, Deel VI, Niederländisches Rotes Kreuz, 1952, S. 123/4. Jewish Social Studies, New York, April 1948. 43% Prozel Juifs« Dokur IMT X IMT X 11946) Mary Prozel Croix The Bl IMT V Tenen Solom Tenen The B Dokur der Sc Marc Jenny Proze Germ The B Unter IMT\ des\ (vervi Doku Searc Proze Tener Germ Proze 13.M Zden. Proze Proze Proze IMT| Proze Proze Proze The E Lede Schw Aufb, Dvor Eben Sussk VS 57. En ON Assey, ul 1949(im is), | olish Jenry ziellen deut. 1943 Wieder, VII, Trial of hetto,$, 2 1943), 5.158, Warschauer #., PS), Nürnberger in dem von Ghetto de 46, sowie in 8, veröffent- Tenenbaum it(Moskau), ‚enmayer on ‚itenbrunner, 5.38. 5.123). QUELLENVERZEICHNIS Prozeß IV, NO-2403, abgedruckt(französisch) in La Persecution des Juifs dans les Pays de I’Est, Paris 1948, S. 118. Dokumenty i Materialy, Il, Einführung(Kermisz). IMT XXIX, S. 608, PS-2233(Tagebuch Frank). IMT XXXVII, S. 391 ff, L-18(Bericht Katzmann), The Black Book (1946), S. 445. Mary Berg(siehe oben), S. 85. Prozeß I, Aussagen von Haas und Hoven, abgedruckt in Bayle, Croix Gamm&e contre Caducee, S. 132/33, 182 und 258. The Black Book(1946), S. 307—10. Tenenbaum(siehe oben), S. 123. IMT VIll, Verhandlung vom 19. Februar 1946. Tenenbaum, Underground, the Story of a People, S. 421. Solomon M. Schwarz, Jews in the Soviet Union, 5. 334. Tenenbaum, In Search..., S. 120. Underground..., S. 434. The Belsen Trial(Herausgeber: R. Philips), London 1948, S. 66. Dokumenty i Materialy, Il, S. 61—72(Sammlung von Berichten der Schutzpolizei). Tenenbaum, Underground..., 5. 378—3831. Marc Dvorjetski(siehe oben), S. 218. Jenny Spritzer, Ich war Nr. 10.291, S. 78. Prozeß Ill, NG-2660. German Crimes in Poland, I, S. 150. The Black Book(1946), S. 346—48(Aussagen vor der sowjetischen Untersuchungskommission in Grodno). IMT VI, S. 366, R-9], German Crimes in Poland, I, S. 157. Bericht des War Refugee Board über Auschwitz, November 1944, S. 13 (vervielfältigt). Dokumenty i Materialy, Il, Einführung(Kermisz). Tenenbaum, In Seakchl. 2251.95: Prozeß IV, NO-2187(Globocnik an Rudi Brandt). Tenenbaum, In Search..., S. 100. German Crimes in Poland,|, S. 102. Prozeß IV, NO-2187(Bericht des SS-Obersturmbannführers Horn, 13. März 1944). Dokumenty i Materialy, II, Einführung,$. LXII. Zdenek Lederer, Ghetto Theresienstadt,$. 95. Prozeß XI, NO-3304(Anklage gegen Gottlob Berger). Prozeß XI, NO-1809(Anklage Gottlob Berger). Prozeß IX, NO-3020. IMT Ill, S. 627, und Prozeß IX, NO-4317. Prozeß IV, NO-2262(Strauch an von dem Bach-Zelewski). Prozeß IV, NO-1247(Kaltenbrunner an Himmler). Prozeß XI, NO-4315. The Black Book(1946), S. 464. Lederer(siehe oben), S. 207/8. Schwarz, Jews in the Soviet Union, S. 323. Aufbau, New York 1946, Nr. 36(von dem Bach-Zelewski). Dvorjetski(siehe oben), S. 245—251. Ebenda,$. 254—56. Aussage des Nürnberger Zeugen Abraham Susskever in The Black Book(1946), S. 445—7. 655 DIE ENDLOSUNG Picker, Hitlers Tischgespräche, Bonn 1951, S. 118. Dvorjetski(siehe oben), S. 210. Ebenda,$. 292. Ebenda,$. 29830. Max Kaufmann, Churbn Lettland, München 1948, S. 141. Jeanette Wolff, Sadismus oder Wahnsinn, Greiz 1947, S. 11. Kaufmann, S. 196&—210. Wolff, S. 31. Wolff, S. 28—32. Herman Voosen, Bericht an das Jewish Infor- mation Centre, London 1945. Filip Friedman, This was Oswiecim, London 1948. S. Gringauz in Jewish Social Studies, New York, Januar 1949. Jeanette Wolff(siehe oben), S. 29. Prozeß IV, NO-3040(Aufzeichnungen über eine Besprechung im Amt Rosenbergs, 5. Juli 1944). New York Times, zitiert in The Black Book(1946), IMT VII, S. 623, USSR-39. Kaufmann(siehe oben), S. 357. Voosen(siehe oben). History of the United Nations War Crimes Commission(Geschichte der Kom- mission der Vereinten Nationen für Kriegsverbrechen), London 1948, Appendix V, S. 535. Prozeß IV, NO-3031(Denkschrift Himmlers, 21. Juni 1941). Prozeß IV(Aussage Josef Vogt), abgedruckt in Trials of War Cri- minals, V, Washington 1950, S. 789. Prozeß IV, NO-606 und NO-1257. IMT XX, S. 345 ff. und XXXIV, S. 110 ff., PS-4045, Prozeß IV, NO-724. Prozeß IV, NO-082. Prozeß IV, NO-1270. Prozeß IV, Aussage Pohl. Abschrift, S. 1340(engl.). Prozeß IV, NO-485. Dokumenty i Materialy, I, S. 138—41. The Black Book(1946), S. 381—90. Prozeß IV, Aussage Oswald Pohl. Abschrift, S. 1320(engl.). IMT XII, S. 146. Verteidigungsdokument Frank Nr. 8, IMT XL, S. 113—118. Prozeß IV, NO-059(Globocnik an Himmler, Triest, 9. Dezember 1943). IMT XXXIV, S. 58/59, PS-4024(Globocnik an Himmler, Triest, 4. No- vember 1943). Das Urteil im Wilhelmstraßen-Prozeß, S. 114. Prozeß IV, Aussage Oswald Pohl, S. 1805 des deutschen Protokolls. Prozeß IV, NO-2187. Die angegebene Zahl stammt aus dem Bericht des War Refugee Board über Auschwitz, der sich wieder auf die Angaben der aus Majdanek nach Auschwitz geschickten weiblichen Bürokräfte stützt. Sie ist beträchtlich niedriger als die Schätzungen der meisten anderen Überlebenden. Die Darstellung Morgens ist abgedruckt in Nazi Conspiracy and Aggression, Supplement B, S. 1309 in Form eines mit Kaltenbrunner aufgenommenen Protokolls. tere 122 124 125 19 130 31 132 Sam V Prozefi Prozef Prozel Prozeß Catalo Arolse Dokun Law R menty IMT X Sicher Kastne Filip Fi IMT X Dokun IMT X Prozel Juifs< Ebend Das L Prozel Ebend Abrah pulati Dokur Melez Bende Jewist Aussa Dr. Al Miklo Kristin IMT X Liste( Filip| Starr 14132 Histo 1948, Zwölftes K 1 2 The( kowsl Ebene $, 106 3 Proze Abet; 1. Jeanette ewish Infor. var 1949, prechung im T VII, 5. 028, story ofthe e der Kom- en), London 194). of War Cri- IV, NO-724. engl.) 8, IMT XL, ), Dezember Triest, 4. No- n Protokolls. Var Refugee ben der aus kräfte stützt. der meisten abgedruckt 1309 in Form a en ee = ET 132 QUELLENVERZEICHNIS Sam Welles in Time, 14. Juli 1947. Prozeß IV, NO-57(Globocnik an Himmler, Triest, 5. Januar 1944). Prozeß IV, NO-2187, abgedruckt in Trials..., V, S. 536. Prozeß IV, NO-063, abgedruckt in Trials..., V, S. 714. Prozeß IV, NO-1036, Trials..., V, S. 545—48. Catalogue of Camps and Prisons, British Control Commission, Arolsen 1949. Dokumenty i Materialy,|, S. 36. Law Reports of Trials of War Criminals, London 1948, VIII. Doku- menty i Materialy, I, S. 45—50. IMT XXXVII, S. 487, L-53(Ausfertigung für den Befehlshaber der Sicherheitspolizei in Tomaszow, 21. Juli 1944). Kastner, Bericht..., Genf 1946, S. 148. Filip Friedman(siehe oben), London 1948. IMT XX, S. 421. Dokumenty i Materialy, I, S. 45—31. IMT X%X, S. 349, und XXXIV, S. 58/9, PS-4024. Prozeß IV, NO-519, teilweise veröffentlicht in La Persecution des Juifs dans les pays de I’Est, S. 120—123. Ebenda. Das Urteil im Wilhelmstraßen-Prozeß, S. 104. Prozeß IV, NO-519(siehe 117 und 118). Ebenda. Abraham Melezin, Demographic Processes among the Jewish Po- pulation of Poland, Lodz 1946(Zahlen des Judenrats von Lodz). Dokumenty i Materialy, Ill, S. 267. Melezin(siehe oben) und German Crimes in Poland, I, S. 157. Bendet Hershkovitch, The Ghetto in Litzmannstadt, Yivo Annual of Jewish Social Science, New York 1950, S. 121. Aussage Dr. Ada Bimko in The Belsen Trial, London 1950. Dr. Albert Menasche, Birkenau(Auschwitz Il), New York 1947. Miklos Nyiszli in Les Temps Modernes, April 1951. Kristina Zywulska, I Came Back, New York 1950. IMT XXVII, 5. 46, PS-1166(SS-Sturmbannführer Burger vom WVHA, Liste der Kleidungsstücke). Filip Friedman(siehe oben), London 1948. Starr und Shapiro in Jewish Social Studies, New York, April 1946. 14152 lebten in Lodz(Tenenbaum, Underground..., S. 182). History of the United Nations War Crimes Commission, London 1948, Appendix V, S. 536. Zwölftes Kapitel The Organisation of UGIF in Nazi-controlled France, Zosa Szaj- kowski in Jewish Social Studies, New York, Juli 1947. Ebenda. Georges Wellers, De Drancy ä Auschwitz, Paris 1946, S. 106. Prozeß XI, NG-4895(Konferenzbericht von Ernst Achenbach für Abetz). 1 2 3 657 1 it 4 ‘ ' | Sao DIE ENDLOSUNG IMT XXXII, S. 432, PS-3614, Il(Konferenzbericht von Mahnke für Werner Best). Prozeß XI, NG-4895. Prozeß XI, NG-2442 und NG-2432(Abetz an Ribbentrop). IMT VII, S. 40 ff., RF-1207(Bericht von Dannecker an Knochen ‚Die Judenfrage in Frankreich und ihre Behandlung‘). Die Schilderung folgt hier einigen von der französischen Anklage für Nürnberg vorbereiteten, aber dort nicht vorgelegten Beweis- stücken, die später unter Nr. 65—78 in dem Werk La Persecution des Juifs en France et dans les autres pays de l’Ouest, Paris 1947, S. 342 ff., veröffentlicht wurden. Prozeß XI, NG-3571(Stülpnagel an Wagner). IMT, RF-1211. Abgedruckt in La Persecution des Juifs en France..., S. 178. Knochen an Heydrich, 18. Dezember 1941.(Le Monde Juif, Nr. 14, Dezember 1948.) Georges Wellers in Le Monde Juif, Nr. 15, Januar 1949. Bericht des War Refugee Board über Auschwitz, November 1944 (vervielfältigt). Ausführlicher in: Rabbiner S. Silberschein, Judenaus- rottung in Polen, Ill, Zürich 1944(vervielfältigt). IMT XXXVIII, S. 746, RF-1216, Dannecker an Knochen, 10. März 1942, Faksimile in Persecution des Juifs en France. Prozeß XI, NG-4594-C. Faksimile mit Weizsäckers handschrift- licher Bemerkung in Le Monde Juif, September 1947. Prozeß XI, NG-1838, Affidavit Otto Abetz. Rademachers Aufzeichnung, Prozeß XI, NG-3358(siehe 5. 95 u. 408 dieses Buches). Siehe ferner Weizsäckers Aussage im Wilhelm- straßen-Prozeß. Weizsäcker, Erinnerungen, München 1950, S. 338. Aussage Weiz- säcker im Prozeß XI. Das Urteil im Wilhelmstraßen-Prozeß, S. 89 und 94. Weizsäcker, Erinnerungen, S. 338. In Röthkes Aktenmappen gefundenes handschriftliches Verzeich- nis. Original im Pariser CDJC(XXVI-C, 254). War Refugee Board, Bericht über Auschwitz. Wellers, De Drancy& Auschwitz, S. 34. Ebenda und IMT XXXVIIl, S. 746, RF-1216, Dokument 13(Best an Stülpnagel), abgedruckt in Persecution des Juifs en France. S 1248: War Refugee Board, Bericht über Auschwitz. Leon Poliakov, L’&toile jaune(Der gelbe Stern), Paris 1949, S.22—24. IMT, RF-1207(Bericht Danneckers vom 1. Juli 1942, veröffentlicht in La Persecution des Juifs en France..., S. 84 ff.) Poliakov(siehe oben),$. 30. Knochen an Lischka, bei Poliakov(siehe oben), S. 35. Ebenda, S. 40. Ebenda,$. 64. Ebenda, S. 52. u Mahnke für trop). Knochen Die hen Anklage gten Beweis. 1 Pers6cufion vest, Paris N France Bi Juif, Nr. 14, 49, vember 1944 in, Judenaus- 0. März 199, handschrift- e 5.95 u. 408 im Wilhelm- ıssage Weirz- es Verzeich- t 13(Best on ı France..., 949 5,22. veröffentlicht QUELLENVERZEICHNIS on RF-1217, veröffentlicht in La Persecution des Juifs en France, 126: 34 Prozeß XI, NG-183. 35 IMT XXXIX, S. 2—4, RF-1221. 36 IMT, RF-1219, veröffentlicht in Le Monde Juif, Juli 1949. 37 IMT VII, S. 49, RF-1220. 38 La Persecution des Juifs en France, Dokument 16, S. 141/42. 39 RF-1223, faksimiliert in La Persecution... 40 RF-1222, abgedruckt(französisch) in La Persecution..., S. 362. 41 RF-1222. 42 RF-1225, abgedruckt in La Persecution..., S. 141. 43 RF-1226, ebenda, S. 131. 44 Ebenda, Dokument 23, S. 162. 45 Ebenda, Dokument 19, S. 148 ff. 46 Georges Wellers in Le Monde Juif, Nr. 22, August/September 1949. 47 La Persecution..., Dokument 19, S. 150. 48 RF-1233, ebenda,$. 197. 49 Wellers, De Drancy& Auschwitz, S. 58. 50 Wellers in Le Monde Juif, Nr. 22, August/September 1949. 51 Handschriftliches Verzeichnis aus Röthkes Akten(siehe 21). 52 Auschwitz, Deel Il, Niederländisches Rotes Kreuz, Haag 1948. 53 La Persecution..., Dokument 22, 5. 155. 54 IMT VII, S. 51, RF-1226. 55 IMT VII, S. 52/53, RF-1234, und RF-1227, abgedruckt in La Per- secution..., 5. 192. 56 Handschriftliches Verzeichnis aus Röthkes Akten(siehe 21). 57 Faksimile in La Persecution... 58 Leon Poliakov, Breviaire de la Haine,$. 203. 59 Undatierte Aufzeichnung, übersetzt bei Poliakov, Breviaire..., S. 203—6, Fußnote. 60 Prozeß XI, NG-2586-J, Denkschrift Martin Luthers für Ribbentrop, 19. August 1922. 61 Prozeß XI, NG-2268. Leon Poliakov, La Condition des Juifs en France sous l’occupation italienne(Die Lebensbedingungen der Juden in Frankreich unter der italienischen Besetzung), Paris 1946, S. 23 und&2. 62 Ebenda, S. 54. 63 Ebenda,$.63, und Prozeß XI, NG-4890(Abetz an Röthke). 64 Poliakov, La Condition des Juifs..., S. 73. 65 Ebenda, S. 77(Faksimile auf$S. 153). 66 IMT, D-734(Aufzeichnung einer Besprechung zwischen dem Reichs- außenminister und dem Duce, 25. Februar 1943). 67 RF-1230, abgedruckt in La Persecution..., S. 194. 68 Poliakov, La Condition des Juifs..., S. 78, Prozeß XI, NG-2242. 69 Prozeß XI, NG-2242(Bericht Mackensens an Ribbentrop). 69a Poliakov, La Condition des Juifs..., Document 28 XII/3(Bericht von SS-Obersturmführer Moritz aus Marseille an Röthke, 26. Mai 1943), S. 98(Faksimile S. 159/60). 659 DIE ENDLOSUNG Ebenda, S. 108—14. Ebenda, Documents 37—42, S. 126—135. Ebenda, Document 42. Ebenda, Einführung$. 38—40. Prozeß XI, NG-4964. Handschriftliches Verzeichnis aus Röthkes Akten(siehe 21). Document CDJC,|, S. 54, teilweise abgedruckt in Poliakov, La Condition des Juifs..., Document 34, S. 115. Wellers, De Drancy& Auschwitz, S. 49. Prozeß Xl, NG-4956. RF-1230, abgedruckt in La Persecution..., S. 194-7. Handschrift- liches Verzeichnis aus Röthkes Akten(siehe 21). Poliakov, La Condition des Juifs..., S. 115. Wellers, De Drancy& Auschwitz, S. 100. Ebenda, S. 106. IMT VII, S. 53/4, RF-1235. Prozeß IV, NO-1411(Knochen an Brunner). Wellers, De Drancy& Auschwitz, S. 121. Friedman, This was Oswiecim, S. 23(von Dr. Otto Wolken aus St. Pölten, Lagerschreiber im Lager B Il a, aufbewahrte Liste). Wellers, De Drancy ä Auschwitz, S. 108, sowie handschriftliches Verzeichnis aus Röthkes Akten(siehe 21). Dreizehntes Kapitel 1 2 3 4 N o0ı1 Auschwitz, Deel I, Niederländisches Rotes Kreuz, Haag 1947. IMT XXVII, S. 502 ff., PS-1726(Bericht der niederländischen Repatri- ierungskommission). Auschwitz, Deel Ill, Niederländisches Rotes Kreuz, Haag 1953. Le Monde Juif, Nr. 29, März 1950(Zitat aus Nederland in Oorlogs- tiid), und Wielek, De Oorlog die Hitler won, Amsterdam 1947, S. 30—35. Nederland in Oorlogstijd, März 1950. Ebenda, Rauter an Christiansen. Prozeß XI, NG-2285, abgedruckt in Le Monde Juif, Nr. 29, März 1950. Prozeß Xl, NG-2805(Mohr an Woermann), ebenda. Prozeß XI, NG-2710(Denkschrift Albrecht), ebenda. Prozeß XI, NG-3709(Luther an Albrecht, 4. November 1941). Wochenbericht des Befehlshabers der Sicherheitspolizei und des SD in den Niederlanden, abgedruckt in Nederland in Oorlogstijd, März 1950. Eugen Kogon, Der SS-Staat, S. 157. Het Proces Rauter, Haag 1952, S. 36 und 47. Protokoll des Prozesses Aus der Fünten(Haag, 13. März 1949) im Rijksinstituut voor Oorlogsdocumentatie, Amsterdam. Prozeß XI, NG-183. Prozeß XI, NG-2333(Albrecht an Rademacher). | IE j ’E 49 1 { j ‚Ausch “ 192. 18. Eben« 19 Proze 70 Proze Proto 7] Ausch 7 Raute 93 Proze Proce 74 Abba institu 5 Het P 96 Slottk 77 Proze 78 Het F 79 Ebenc 30 Urteil 31 Het F 3% Zöpf 3% Het f 34 Proze 35 Sobib oben! 3% Slot 37 Zöpf 38 Slottl 39 Proze 4) Proze Al Proze 2 Proto XIII 83 Affid Nr. 1 44 Der| Glüc 5.2 45 Ausc Molh verv 46 Herz 47 MT, Deel 48 Slott Aa Urte, (ung: (zitie 49 Her 2), oliakoy, la Tandschrift to Wolken ohrte Liste), schriftliches g 1947, ıen Repatri- ag 195. in Oorlogs- rdam 1947, r. 29, März r 1941), ‚ei und des Horlogstiid, vz 1949) im 47 48 48a 49 QUELLENVERZEICHNIS Auschwitz, Deel Il, De Deportatietransporten 15. Juli—24. Augustus 1942. Niederländisches Rotes Kreuz, Haag 1948. Ebenda. Prozeß XI, NG-2631(Bericht des Gesandten Bene, 13. August 1942). Prozeß IV, NO-3408(Tagebuch Kremer; S. 1928 des deutschen Protokolls). Auschwitz, Deel Il. Rauter an Wimmer, 10. September 1942. Het Proces Rauter, S. 27. Prozeß IV, NO-1339, Rauter an Himmler, 24. September 1942. Het Proces Rauter, S. 29/30. Abbau der rückstellenden Gruppen, Slottke-Mappe, S. 37.(Im Rijks- instituut voor Oorlogsdocumentatie.) Het Proces Rauter, S. 29/30. Slottke-Mappe, S. 37—45. Prozeß XI, NG-2631(Bene an Woermann). Het Proces Rauter, S. 27. Ebenda. Urteil des Haager Gerichtes vom 27. Dezember 1949, S. 17—23. Het Proces Rauter, S. 43. Zöpf an Harster(Faksimile im Rijksinstituut). Slottke-Mappe, S. 111. Het Proces Rauter, S. 32. Slottke-Mappe,$. 112 und 114. Prozeß XI, NG-2631(Bene an Woermann, 25. Juni 1943). Sobibor. Niederländisches Rotes Kreuz, Haag 1947. Wielek(siehe oben). Slottke-Mappe,$. 8—39. Zöpf an Schöngarth, 15. Juni 1944, Slottke-Mappe, 5. 176—86. Slottke-Mappe, S. 45. Prozeß XI, NG-2586-O. Prozeß XI, NG-2652-A. Prozeß XI, NG-2652-G. Protokoll über eine Unterredung zwischen Rauter und Zöpf, Xıll/2, 24. Juni 1943(Slottke-Mappe, S. 127). Affidavit Eberhard von Thadden, veröffentlicht in Le Monde Juif, Nr. 17, März 1949. Der Name Bergen-Belsen findet sich auf dem Verteiler einer von Glücks am 27. April 1943 ausgegebenen Anordnung. Siehe IMT IV, S. 224, PS-1933. Auschwitz, Deel Il, Haag 1949. Slottke-Mappe, S. 144. Michael Molho, In Memoriam, S. 96/7. Abel Herzberg, Kroniek der Joden- vervolging, Haag 1951, S. 228. Herzberg(siehe oben), S. 220—28. IMT, D-749-b(Affidavit Rudolf Höss, ungedruckt). Auschwitz, Deel VI, Haag 1932. Slottke-Mappe, S. 169. Urteil im Prozeß Aus der Fünten, S. 17—25 des Prozeßprotokolls (ungedruckt). Filip Friedman, This was Oswiecim, London 1946 (zitiert Angaben Dr. Wolkens). Het Proces Rauter,$. 33. 661 DIE ENDLOSUNG 50 51 Slottke-Mappe, S. 169. La Persecution des Juifs en France...., Paris 1947, S. 206. Prozeß Xl, NG-2380, Bericht des Militärgouverneurs von Belgien und Nord- frankreich Nr. 10 vom 19. November 1940. Poliakov, L’&toile jaune, Paris 1949, S. 24. Black Book of Polish Jewry(1943), S. 319. The Black Book, New York(1946), S. 144(Ziffernangaben unverläßlich). Prozeß XI, NG-183. Prozeß XI, NG-5219. Bericht des War Refugee Board über Auschwitz, 1944, S. 18. Les crimes de guerre, commis sous l’occupation de la Belgique, Persecution anti-semitique(Die während der Besetzung Belgiens begangenen Kriegsverbrechen. Antisemitische Verfolgungen), Lüt- tich 1947, S. 28. Ebenda, S. 36. IMT, GB-75(Bericht der belgischen Regierung). La Persecution des Juifs en France..., S. 223. La Resistance juife en Belgique(Der jüdische Widerstand in Bel- gien), Le Monde Juif, Nr. 19, April 1947. Ebenda, und Les crimes de guerre..., Lüttich 1947, S. 34. The Times, 10. März 1951. Prozeß XI, NG-3931. Poliakov, L’&toile jaune, S. 70. Prozeß XI, NG-4275. Prozeß XI, NG-5121(veröffentlicht in Le Monde Juif, Nr. 24, Ok- tober 1949). Prozeß XI, NG-5121, ebenda. Prozeß XI, NG-4807(Sonnenleitner an Wagner). Prozeß XI, NG-3923. IMT X%, S. 154, Aussage Best. Prozeß XI, NG-5208(Le Monde Juif, Nr. 24, Oktober 1949). IMT XI, S. 284, Affidavit Kaltenbrunner. IMT XX, S. 183(Aussage Karl-Heinz Hoffmann). Jacques Sabile in Le Monde Juif, Nr. 25, November 1949. Material über den Prozeß Best von der dänischen Botschaft in London freundlicher- weise zur Verfügung gestellt. Prozeß XI, NG-5208, und Le Monde Juif, Oktober 1949, und 75 Beweisstücke vom Prozeß Best(siehe 73). Prozeß XI, NG-3923, und Prozeß XII, NOKW-356. Prozeß XI, NG-5206(Affidavit von Hannecken) und Jacques Sabile in Le Monde Juif, Nr. 25, November 1949. IMT XV, S. 364 und 539(Aussage Alfred Jod|). Beweisstück vom Prozeß Best(siehe 73). IMT XV, S. 539 und XXXV, S. 157/8, D-547. Prozeß XI, NG-3907. Nella Rost(Stockholm) in Les Juifs en Europe, 1939—1945, Paris 1947. Aage Bertelsen, Oktober'43, London 1955. Prozeß XI, NG-3921. Prozeß XII, NOKW-355. Prozeß Werner Best(siehe 73). Proz! Mon: The‘ Zahle Himn Rost) Proz Proz! Proz! Proz 1949 Proz Proz Gum Proz Proz le N Auss IT! Filip Law Mal: Mün schu Cat Arol Mitt disc Prim Filip (siel Ma» Relc des (vor Hist 194: Vierzehn 1 2 3 4 } Prozeß XI, und Nord. Book, New .18, a Belgique, ng Belgiens ungen), Lüt- gierung).[a tand in Bel- . 34, Nr. 24, Ok- 1999), :ques Sabile al über den Freundlicher- 9. cques Sabile _NG-307. _1945, Paris 107 QUELLENVERZEICHNIS Prozeß XI, NG-4093. Veröffentlicht von Jacques Sabile in Le Monde Juif, Nr. 26, Dezember 1949. The Times, 30. August 1951. Zahlenangaben über Deportationen nach Korherrs Bericht an er NO-5194, ferner Les Juifs en Europe, 1939—1945(Nella ost). Prozeß XI, NG-5217(Le Monde Juif, Nr. 27, Janvar 1950). Prozeß XI, NG-2461(ebenda). Prozeß XI, NG-5217(ebenda). Xl, NG-5027 und NG-5088(Le Monde Juif, Nr. 20, Juni 1949). Prozeß XI, NG-5027. Prozeß XI, Dokument Weizsäcker Nr. 241(Affidavit Gerhard Gumpert). Prozeß XI, NG-5027(Le Monde Juif, Nr. 20, Juni 1949). Prozeß Xl, Dokument Weizsäcker Nr. 241. Le Monde Juif, Nr. 20, Juni 1949, und 34, Dezember 1950. Aussage Rudolf Rahn vor dem Schwurgericht München, The Times, 17. Februar 1950. Filip Friedman, This was Oswiecim, 5. 24. Law Reports of Trials of War Criminals(Kesselring, Mackensen, Mälzer), VIII, London 1949. Mündliche Mitteilung von Dr. Gaddo Glass, Mitglied des Aus- schusses der Jüdischen Gemeinde in Triest. Catalogue of Camps and Prisons. International Tracing Service, Arolsen 1949. Mitteilung des Vizepräsidenten der Union der italienischen jü- dischen Gemeinden an die Wiener-Library, 10. September 1946. Primo Levi, Se questo€ un uomo, Turin 1947. Filip Friedman(siehe oben,$S. 25), Catalogue of Camps and Prisons (siehe oben). Max Adolf Vitale in Les Juifs en Europe, 1939—1945. Relazione del Comitato della Communita al Consiglio(Bericht des Gemeindeausschusses an die Regierung), Triest, 23. Juni 1946 (von Dr. Glass freundlicherweise zur Verfügung gestellt). History of the United Nations War Crimes Commission, London 1948, Appendix V, S. 523. Vierzehntes Kapitel Starr und Shapiro in Jewish Social Studies, New York, April 1946. Max Weinreich, Hitler’s Professors, New York 1946, S. 116—19. The Black Book(1946), S. 158. Eugene Levai, Black Book on the Martyrdom of Hungarian Jewry, Zürich 1948, S. 39. Prozeß XI, NG-3354. Die folgende Darstellung stützt sich auf den unter dieser Zahl in Nürnberg geführten Briefwechsel. Ulrich von Hassell, Vom anderen Deutschland, S. 237. Law Reports of Trials of War Criminals, VIII, S. 39(Prozeß VII, Der Geiselprozeß), London 1948. 663 DIE ENDLOSUNG 7 Prozeß XI, NG-2586—C. 8 The Black Book(1946), 5. 158. IMT XXXIX, S. 273ff, USSR-36. 9 Report of Activities of CIRC in Second World War(Bericht über die Tätigkeit des Internationalen Komitees des Roten Kreuzes im zweiten Weltkrieg), Band Il, S. 251, Genf 1948. 10 Kölnische Rundschau, 9. Oktober 1952. 11 IMT, PS-510, Schäfer an Widderhausen im Amt II D, 3a, des RSHA (ungedruckt). 12 Kölnische Rundschau, 10. Oktober 1952. 13 Prozeß Xl, NG-2570, Affidavit Kurt Heinburg. 14 Boris Shub in Hitler's Ten Year War on the Jews, New York 1943. 15 Major 5. Payne-Best, The Venlo Incident, London 1950, S. 126. 16 History of the United Nations War Crimes Commission, London 1948, Appendix V. 17 Mitteilung des Landgerichts Nürnberg-Fürth an das Centre de Documentation Juive Contemporaine in Paris, Januar 1950. 18 Kölnische Rundschau, 10. Juli 1954. 19 Nürnberger Nachrichten, 8. Februar 1952. The Times, 18. März 1952. 20 The Ciano Diaries(Cianos Tagebücher), London 1947, S. 336. 21 Walter Hagen(Willi Höttl), Die geheime Front, Wien-Linz 1950. 22 Hitler's Ten Year War..., S. 105. 23 Ulrich von Hassell(siehe oben), S. 230. IMT XVI, S. 128/9(Aussage Glaise-Horstenau). 24 Supplementary List of Camps and Prisons(Ergänzungsliste der Lager und Gefängnisse). International Tracing Service, Arolsen 1991. 25 Hitler's Ten Year War..., S. 106. 26 The Black Book(1946), S. 158. 27 Prozeß XI, NG-182, Rademacher an Weizsäcker. 28 IMT IV, S. 411. Prozeß XI, NO-5094(Korherr-Bericht). Wisliceny, Affidavit C, Appendix 2, abgedruckt in Nazi Conspiracy and Aggression, Band VIII, S. 609—619, Washington 1947. 29 Aufbau, New York, 18. Mai 1951. Walter Hagen(siehe oben). 30 Photographie und Lebensbeschreibung in Der Großdeutsche Reichs- tag, Berlin 1943. 31 Hans Bernd Gisevius, Bis zum bittern Ende, Zürich 1954, S. 134. 32 Prozeß XI, NG-2560, abgedruckt in La Persecution des Juifs dans les Pays de I’Est, S. 241. 33 Prozeß XI, NG-2368. 34 Prozeß XI, NG-2346, abgedruckt in Le Monde Juif, August/Sep- tember 195]. 35 Prozeß Xl, NG-3165. 36 Prozeß XI, NG-2367(Le Monde Juif, Oktober 1951). 37 Prozeß XI, NG-3457. 38 Prozeß Xl, NG-2345. 39 Jacques Sabile in Le Monde Juif, Oktober 1951. 40 Ebenda. 41 Prozeß XI, NG-2348. SSR, Bericht übar TEuzes jm 2, des RSHA v York 1943, 32126, ion, London Centre de 1950, . März 1952, 5, 3%, n-Linz 1950, 3/9(Aussage ngsliste der ice, Arolsen . Wisliceny, spiracy and > oben). tsche Reichs- 54, 5. 134. ss Juifs dans August/Sep- QUELLENVERZEICHNIS Hitler’s Ten Year War..., S. 105. Dokumenty i Materialy, I, S. 120. Report of Activities of CIRC in Second World War, I, S. 647. Prozeß XI, NG-2413. Dr. Paul Schmidt, Statist auf diplomatischer Bühne, S. 552. Report of Activities of CIRC..., Ill, S. 76, Genf 1950. Prozeß XI, NG-2349, Helm an das RSHA. Starr und Shapiro in Jewish Social Studies, New York, April 1946. Jacques Sabile in Le Monde Juif, Oktober 1951. Mitteilungen eines Überlebenden(Theodor Herzl, New York). Report of Anglo-American Committee on the Problems of European Jewry and Palestine, London 1946. Rabbiner Michael Molho, In Memoriam, Hommage aux Victimes juives en Gröce(Zur Ehrung des Andenkens der jüdischen Nazi- opfer in Griechenland), Saloniki 1948, S. 1. Ebenda, S. 40 und 48. Report of Activities of CIRC..., Ill, S. 524. Joshua Starr in Jewish Social Studies, Januar 1950. IMT IV, S. 403(Aussage Dieter Wisliceny). Molho(siehe oben), S. 61. IMT, Affidavit C(Wisliceny, Nazi Con- spiracy and Aggression, Band VIII, S. 609—619) sowie CDJC, Paris, LXXXVII, S. 65. Molho, S. 80. Prozeß IV, NO-5193(zweiter statistischer Bericht Korherrs). Molho, S. 94(zitiert Statistiken des Judenrats). German Crimes in Poland, I, S. 104. IMT IV, S. 405. Molho, S. 87. German Crimes in Poland,|, S. 41. IMT VI, S. 244(Aussage Vail- lant-Couturier). Molho, S. 94. Dr. Albert Menasche, Birkenau, New York, 1947, 5.13 bis 15. Report of Activities of CIRC..., 1, S. 645, und Ill, S. 524. IMT, Affidavit C(Wisliceny, siehe oben). Dr. Albert Menasche(siehe oben). Bericht des War Refugee Board über Auschwitz, Washington 1944. Eine Anzahl von Schriftstücken, aus denen hervorgeht, daß die Kranken in Quarantäne kamen oder leichtere Arbeit erhielten, ist enthalten in Dokumenty i Materialy, I, S. 113/4 und 139—41. Siehe besonders Menosche, Birkenau, S. 60, und IMT VI, S. 244 (Aussage Vaillant-Couturier). IMT IV, S. 402(Aussage Wisliceny). Die Darstellung stützt sich auf den Beitrag von Levy Tazartes in In Memoriam, Saloniki 1948. IMT IV, S. 405. Prozeß XI, NG-4960. Prozeß XI, NG-4957. Molho, In Memoriam..., S. 94. Prozeß XI, NG-4958. 665 DIE ENDLOSUNG The Wiener Library Bulletin, London, September-November 1949. Prozeß XI, NG-2586—0 und NG-2652—f. Molho(siehe oben), S. 96. Prozeß XI, NG-5262. Molho, S. 95. Molho, S. 100. Prozeß XII, NOKW-1754. IMT, Affıdavit C(Wisliceny, siehe oben). Filip Friedman, This was Oswiecim, London 1946, S. 25. Molho, S. 97. Abel Herzberg, Kroniek der Jodenvervolging, Amsterdam 1951, S. 220—38. Dokumenty i Materialy,|, S. 120. Otto Wolken in Friedman, This was Oswiecim, S. 25, und Pro- zeß XII, NOKW-1715(Affıdavit Erwin Lenz). Prozeß XII, NOKW-1801/02. Frankfurter Rundschau, 8. Februar 1952; Nürnberger Nachrichten, 22. Februar 1952. Prozeß XI, NG-2582(abgedruckt in La Persecution des Juifs dans les Pays de I’Est, Paris 1949, S. 249/50). Prozeß XI, NG-5351(Le Monde Juif, April 1950). Prozeß XI, NG-2582—B(ebenda). German Crimes in Poland,|, S. 104. Wiernik, A Year in Treblinka, S. 30, und Dokumenty i Materialy,|, S. 187. Chaim Benadev in Les Juifs en Europe, 1939—45, Paris 1947, S. 124. Prozeß XI, NG-4180. Prozeß XI, NG-4144(Le Monde Juif, April 1950). Ebenda. Prozeß XI, NG-062(Le Monde Juif, April 1950). Prozeß XI, NG-2357(La Persecution des Juifs dans les Pays de l’Est, S. 251 ff.; Hoffmann an RSHA). Ebenda. Ebenda und Benadev in Les Juifs en Europe. Prozeß XI, NG-2753(La Persecution... Pays de!’Est, S. 257) und NG-3302(Le Monde Juif, April 1950). Starr und Shapiro in Jewish Social Studies, New York, April 1946. Molho(siehe oben), S. 101/2. Fünfzehntes Kapitel 1 666 Gregory Frumkin, Population Changes in Europe since 1939(Ände- rungen in der Bevölkerungszusammensetzung Europas), New York Cal: Die Zahlenangaben sind meist entnommen: Hitler's Ten Year War on the Jews, New York 1943. Les Juifs en Europe, 1939—45, Paris 1947, 5. 217(Beitrag von Dr. F. Steiner). The Black Book, New York 1946, S. 137. Max Weinreich, Hitler’s Professors, S. 117. Les Juifs en Europe, S. 217. Hitler's Ten Year War..., S. 62. Photographie in dem Werk von Dr. Friedrich Steiner, The Tragedy of sl waki: Hitle Proz: (Den! IMT, The| Proze Faksi The Doku 1939- Proz: Stein IMT Boris Stein IMT| Yank i Mai Boris Proz Proz IMT Proz Ausc IMT The Proz Vees Affie Kastı Gent Proz Proz Proz Repe 5. 64 Faks Kast Kast frac Dun: Dun Eber Dun Jew. (Ver ember 199, Mvervolging, 25, und Pro- Nachrichten, 5 Juifs dans in Treblinka, 1947, 5.124, les Pays de ‚5. 257) und , April 1946. ‚1939(Ände- ), New York .n Year War 9-45, Paris Book, New ‚5.62. The Tragedy QUELLENVERZEICHNIS of Slovak Jewry(Die Tragödie des slowakischen Judentums, slo- wakisch und englisch), Preßburg 1949, S. 50. Hitler's Ten Year War..., S. 62. Prozeß XI, NG-4409(Endroes an Weizsäcker) und NG-2586-J (Denkschrift Rademacher). IMT, Affidavit C(Wisliceny). The Black Book(1946), S. 138. Prozeß XI, NG-2586-J(Luther an Ribbentrop). Faksimile der deutschen Anweisungen für freie Fahrt bei Steiner, The Tragedy of Slovak Jewry. Dokumenty i Materialy, II, S. 47—50, Steiner in Les Juifs en Europe, 1939—45, S. 219. Prozeß XI, NG-4404, Ludin an Luther, 18. April 1942. Steiner(siehe oben), S. 6. IMT IV, S. 396(Aussage Wisliceny). Boris Shub in Hitler'’s Ten Year War..., S. 66. Steiner in Les Juifs en Europe, 1939—1945, S. 219. IMT IV, S. 402(Aussage Wisliceny). Yankiel Wiernik, A Year in Treblinka. Rudolf Reder in Dokumenty i Materialy, I. S. 221—224. Boris Shub in Hitler’s Ten Year War..., S. 64. Prozeß XI, NG-4407(Ludin an Weizsäcker). Prozeß XI, NG-2586-J(Luther an Ribbentrop, 17. August 1942). IMT IV, S. 398. Prozeß IV, NO-5193(Bericht Korherr). Auschwitz, Deel Il, Niederländisches Rotes Kreuz, Haag 1948. IMT IV, S. 402. The Black Book, 1946, S. 140. Prozeß XI, NG-2867, NG-4749 und NG-1823—24(Anklage gegen Veesenmayer). Affidavit Rezsö Kastner, IMT XXXI, S. 1—15, PS-2605. Kastner, Bericht des Jüdischen Rettungskomitees aus Budapest, Genf 1946(Einleitung). Prozeß XI, NG-2550(Müller an Brandt). Prozeß XI, NG-5921. Prozeß XI, NG-2866(Affidavit Höfle). Report of Activities of CIRC in Second World War, Genf 1948,|, S7645: Faksimile bei Steiner, The Tragedy of Slovak Jewry. Kastner, Bericht..., S. 97, und Prozeß XI, NG-4824. Kastner, Bericht..., und Georges Dunand, Ne perdez pas leur trace!, Neuchätel 1950, S. 79. Dunand(siehe oben),$. 110 und 148. Dunand,$. 110, Report of Activities of CIRC..., I, S. 645—7. Ebenda. Dunand, S. 212. Jews of Nazi Europe, Sektion Ru3, Baltimore, November 1941. (Vervielfältigter Bericht des Jüdischen Weltkongresses.) 667 DIE ENDLOSUNG 43 Hugh Seton-Watson, Eastern Europe between the Wars(Osteuropa zwischen den Kriegen 1918—1941), London 1944, 5. 207. Hitler's Ten Year War..., S. 88. Ebenda. Matatias Carp, Cartea Negra, Bukarest 1947, Band II, besprochen von Joshua Starr in Jewish Social Studies, New York, Januar 1950. Boris Kelpner in Dokumentenwerk über die Jüdische Geschichte in der Zeit des Nazismus, herausgegeben von Rabbiner T. Guttmann, Jerusalem 1945, Band Il, S. 40/41. Kelpner(siehe oben), S. 41. Curzio Malaparte, Kaputt, New York 1946. Starr und Shapiro in Jewish Social Studies, New York, April 1946. Prozeß IX, NO-2952 und NO-4858. Starr und Shapiro(siehe 49). Prozeß IX, NO-2653(Tätigkeitsbericht der Einsatzgruppen, 31. August 1941). Prozeß IX, Aussage Ohlendorf. Hitler's Ten Year War..., 5. 85. Manfred Reifers Bericht in Dokumentenwerk...(Herausgeber Guttmann), Jerusalem 1945, II, S. 19. Starr und Shapiro(siehe 49). Siehe besonders die Aussage von Meyer Sternberg vor der jüdisch- antifaschistischen Kommission in der Sowjetunion, The Black Book (1946), S. 306. Prozeß XI und IMT XXXII, S. 183, PS-3319. Bericht von Hermann Scherf aus Czernowitz in Dokumentenwerk..., 11,5, 227 Ebenda, S. 32. Matatias Carp in Les Juifs en Europe, 1939—1945, 5. 199—207(Zi- tat aus Bericht des Oberrabbiners Saffran). Ulrich von Hassell, Vom anderen Deutschland, S. 234. Les Juifs en Europe, 1939—1945, 5. 199—207. Dokumentenwerk..., Il, S. 25. Prozeß XI, NG-3990 und NG-4817. Prozeß XI, NG-4817. Prozeß XI, NG-4817. und 69 Dokumentenwerk..., Il, S. 26. Eugene Levai, Black Book of Hungarian Jewry, S. 68. Report of Activities of CIRC..., 1, 5.094 IMT, RF-1217, abgedruckt in La Persecution des Juifs en France et dans les autres Pays de l’Ouest, Paris 1947, S. 126. Prozeß XI, NG-3358 und NG-3559. Prozeß XI, Aussage Weizsäcker. S. 8656 des deutschen Protokolls. Prozeß XI, NG-2195. Prozeß XI, NG-2586, Mappe la. Prozeß XI, NG-3986. Matatias Carp in Les Juifs en Europe, 1939—1945. The Times, 18. Dezember 1942. 9 The M Magaz Ebendt Prozef Prozef Prozef Ledere Das U Ebend Das U Repor! 1,8: Repor! Ebend Dokun Silber: Dokur Prozei IMT II Walte Starr| Repor Jewry Sechzehnte 1 2 3 4 Proze IMT) IMT, Band Hitler 5. 15/ Berict Stock IMT) des J Levai Zöricl Proze Proze Proze des J Proze Leyai Proze IMT| Das| Leyai Proze n Oseuropg ‚ besprochen Januar 1990, Geschichte in « Guftmann, t, New York G, April 1946, ppen, Herausgeber r. der jüdisch- e Black Book ntenwerk..., 19-07(i h 8. ‚en France et en Protokolls QUELLENVERZEICHNIS The Morgenthau Diaries, by Henry Morgenthau, Junior, in Collier's Magazine, November 1947. Ebenda. Prozeß Xl, NG-3986(Richter an Killinger). Prozeß XI, NG-178 und NG-2184. Prozeß XI, NG-3987. Das Urteil im Wilhelmstraßen-Prozeß, S. 102. Lederer, Ghetto Theresienstadt, S. 97 und 228. Das Urteil im Wilhelmstraßen-Prozeß, S. 102. Ebenda,$. 104, Prozeß XI, NG-1794. Das Urteil im Wilhelmstraßen-Prozeß, S. 104. Report of Activities of the CICR....,|, 653. Dokumentenwerk...., 1S2 30! Report of Activities of the CICR...., Ill, S. 522(Genf 1950). Ebenda, I, S. 654. Dokumentenwerk..., Il, S. 28. Silberschein, Judenausrottung in Polen, Zürich 1945, V, S. 30. Dokumentenwerk..., Il, S. 28. Prozeß XI, NO-2817, Affidavit Rezsö Kastner. IMT III, S. 635, PS-2738, Affidavit Willi Höttl. Walter Hagen(Willi Höttl), Die geheime Front, S. 307. Starr und Shapiro(siehe 49). Report of Anglo-American Committee on Problems of European Jewry and Palestine, London 1946, S. 54. Sechzehntes Kapitel 1 2 3 4 Prozeß XI, NG-2586. IMT XxXxX1, S. 1—15, PS-2605(Affidavit Kastner). IMT, PS-197, abgedruckt in Nazi Conspiracy and Aggression, Band Ill, Washington 1946, S. 211. Hitler's Ten Year War on the Jews, S. 68. The Black Book(1946), Ss 154. Bericht von Majer Neuman aus Volove; von Frl. Helga Melchior, Stockholm, freundlicherweise zur Verfügung gestellt. IMT XXXI, S. 1—15, PS-2605(Affidavit Kastner). Kastner, Bericht des Jüdischen Rettungskomitees..., Genf 1946(Einführung). Eugene Levai, The Black Book on the Martyrdom of Hungarian Jewry, Zürich 1948, S. 25/26. Prozeß XI, NG-4667. Prozeß XI, NG-2586. Prozeß XI, NG-1800 und NG-1856, abgedruckt in La Persecution des Juifs dans les Pays de I’Est, S. 228. Prozeß XI, NG-1800. Levai, The Black Book... Hungarian Jewry, S. 29. Prozeß Xl, NG-1798. IMT IX, S. 681/2, X, S. 155 und XXXV, S. 426 ff., D-736. Das Urteil im Wilhelmstraßen-Prozeß, S. 416. Levai(siehe oben), S. 33—36(Wiedergabe von Sztojays Bericht). Prozeß XI, NG-2192(Veesenmayer an Himmler, 19. Mai 1943). 669 DIE ENDLOSUNG 17 Kastner, Bericht..., 5. 6(nimmt Bezug auf den Bericht des Rettungs- komitees vom 22. November 1943). Levai(siehe oben),$. 36. Eine sehr wichtige Aufzeichnung über diese Verbindungen findet sich bei Kastner, Bericht..., S. 91—96. Paul Schmidt, Statist auf diplomatischer Bühne,$. 576/7. Prozeß XI, NG-2947. Prozeß XI, Dokumentenbuch, Veesenmayer, V b, Dokument Nr. 207. Ebenda, Dokument Nr. 213. Ebenda, Dokument Nr. 211. IMT IV, S. 407(Aussage Wisliceny). Prozeß IV, NO-2259(Personalakte Eichmann). Levai(siehe oben), S. 80—83. Ebenda, S. 89. Ebenda, 5. 108, 86/7. Ebenda, S. 113. Prozeß XI, NG-2191 und NG-1815. Kastner, Bericht..., S. 24. IMT, Affidavit C(Wisliceny), Nazi Conspiracy and Aggression, Washington 1947, Band VIII, S. 609—619 Levai(siehe oben), S. 134. Prozeß XI, NG-2233. Levai, S. 117. Prozeß XI, NG-2196. Prozeß XI, NG-2262. IMT, R-134(ungedruckt). Kastner, Bericht..., 5. 30. IMT XXxI, S. 1—15, PS-2605(Affidavit Kastner). Levai, S. 254. Bericht des War Refugee Board über Auschwitz, 588 Levai,$. 138. Prozeß XI, NG-2190. Kastner, Bericht..., S. 39. Levai, S. 150. Prozeß XI, NG-5569, teilweise abgedruckt in Le Monde Juif, Nr. 51, Janvar 1952. Levai, S. 146. Walter Hagen(Willi Höttl), Die geheime Front, S. 39. Prozeß XI, NG-2263. Levai, S. 238. Kastner, Bericht..., S. 63. Prozeß XI, NG-2190. Prozeß Il, NOKW-336(Trials of War Criminals, Il, S. 555). Prozeß IV, NO-030. Siehe besonders Jeanette Wolff, Sadismus oder Wahnsinn, Greiz 1946. Prozeß Il, NOKW-359(Trials..., II, S. 558). Law Reports of Trials of War Criminals, London 1949, X, S. 100 bis 102. Proze Proze Bruce 1952, Ella L Eben IMT| This v Doku Mode Kristir IMT) Crime IMT,| Nyisz Ebene Zywu Proze Germ Proze Proze Le Mı Max\ $.51- Levai, Ebenc Ebene Proze Leval, Ebene Ebenc Docui CICR $, 64 Levai The T Docu! Leyai Ebene Proze zug\ Proze Levai Kastn Eben: Leyai Proze (abge des Rettungs. dungen finde! 6. ment Nr. 207, J Aggression, 1605(Affidavit er Auschwitz, Je Juif, Nr. Sl, 9. 5. 555). ahnsinn, Grelz 949, X, 5. m QUELLENVERZEICHNIS Prozeß II(Milch), Aussage Fritz Schmelter, Trials..., II, S. 582. Prozeß XI, NO-1874(Affidavit Gabor Vaina). Bruce Marshall, The White Rabbit(Das weiße Kaninchen), London 193275: 2311: Ella Lingens-Reiner, Prisoners of Fear, London 1948, S. 71. Ebenda,$. 72. IMT VI, S. 240/41(Aussage Vaillant-Couturier). Filip Friedman, This was Oswiecim, London 1946, S. 53. Dokumenty i Materialy, Ill, S. 103—5. Miklos Nyiszli in Les Temps Modernes, April 1951, S. 1661. Kristina Zywulska, I Came Back, New York 1950, 5. 110. IMT XXXIll, S. 275 ff., PS-3868(Affidavit Rudolf Höss). German Crimes in Poland, I, S. 88. IMT, D-749-a(Affidavit Rudolf Höss, ungedruckt). Nyiszli in Les Temps Modernes, April 1951. Ebenda, und Zywulska(siehe oben), S. 163. Zywulska, S. 190. Prozeß IV, NO-2359. German Crimes in Poland,|, S. 88. Prozeß XI, NG-2061. Levai(siehe oben), S. 227. Prozeß XI, NG-2190. Le Monde Juif, Februar 1950. Max Weinreich, Hitler’s Professors, S. 223—233. IMT XXVIII, S. 51—55, PS-1752. IMT XXXII, S. 159 ff., PS-3319(rückübersetzt). Levai,$. 184. Ebenda,$. 250. Ebenda,$. 197. Prozeß XI, NG-1848(Affidavit Lakatos). Levai,$. 235 und 243. Ebenda,$. 229. Ebenda,$. 201 und 244. Documents sur l’activite du CICR..., 1946, S. 60. Report of the CICR on its Activities in the Second World War, Genf 1948, 1, S. 648. Levai, S. 230. The Times, 8. und 15. Juli 1944. Documents sur l’activit& du CICR.... Levai,$. 255—7. Ebenda,$. 213. Prozeß XI, NG-2739(Ribbentrop an Veesenmayer, vom Sonder- zug Westfalen). Prozeß XI, Dokumentenbuch, Veesenmayer, V b, Dokument Nr. 213. Levai, S. 290. IMT XI, S. 372(Aussage Kaltenbrunner). Kastner, Bericht..., S. 41. Ebenda, S. 24—8. Levai, S. 266. Kastner, Bericht..., S. 3—37. Prozeß IV, Dokumentenbuch August Frank, Affidavit Becher, S. 19 ff. (abgedruckt in Trials..., Washington 1951, V, S. 682). 671 DIE ENDLOSUNG 95 95a Ebenda, S. 684. Aussage Joel Brand in Tel-Aviv, 1. April 1954, Jewish Observer, London, 9. April 1954. The Times, 18. Juli 1944. Prozeß XI, NG-2379. Kastner, Bericht..., S. 47/48. Ebenda, S. 55. IMT XI, S. 381/82, und XXXIIl, S. 168, PS-3803 Kastner, Bericht..., S. 61—63. Ebenda, S. 76. Ebenda, S. 79 und 87. Prozeß XI, NG-2994, Wagner an Veesenmayer. Kastner, Bericht..., S. 98. IMT IV, S. 224, und XXVIl, S. 46—49, PS-1166. Levai, S. 314. Ebenda, S. 321. Ebenda, S. 325. Levai, S. 326. Prozeß XI, NG-1848(Affidavit Lakatos). Interview mit Charles Foley, Daily Express, London, 17. April 1952. Geheimkommando Skorzeny, Hamburg 1950, S. 230. Paul Schmidt, Statist auf diplomatischer Bühne, Bonn 1949, S. 577. Levai(siehe oben), S. 336. Prozeß XI, Dokumentenbuch Veesenmayer V c, Dokument Nr. 133 (Affidavit Rudolf Rahn). Levai, S. 352. Ebenda, S. 278, Prozeß XI, NG-1806. Report of Activities, CICR...,|, S. 649—50. Prozeß XI, NG-3157. Kastner, Bericht..., S. 125. Ebenda, 5. 117/18. Levai(siehe oben), S. 381. Kastner, Bericht..., S. 115. Ebenda, S. 149. Prozeß XI, NG-5218(Affidavit Jüttner, rückübersetzt). Kastner, Bericht..., S. 127. Ebenda, S. 128. Ebenda,$. 148. Ebenda, S. 132. Levai, S. 381. IMT IV, S. 410(Aussage Wisliceny). Prozeß XI, NG-1874(Affidavit Gabor Vajna). IMT IV, S. 410(Aussage Wisliceny). IMT VI, S. 248(Aussage Vaillant-Couturier). Georges Dunand, Ne perdez pas leur Tracel, S. 203. IMT XIV, S. 484(Aussage Baldur von Schirach). Kastner, Bericht..., S. 171. Levai, S. 375 Ebenda, S. 378. Report of Activities, CICR,|, S. 652. Levai, S. 392. 19 17 138 19 140 Eben! RepO Le M Leval Niko Siebzehnte 1 Einze trans vielf Jenn back IMT Banc psyc Staa IMT vom Kog IMT Kom bis Sieh 136 137 138 139 140 ish Observer, 1 S). 4 17. April 1952, Paul Schmidt, 5 (siehe 6 ument Nr. 133 EEE TEE IE EN oO QUELLENVERZEICHNIS Ebenda, S. 411. Report of Activities, CICR...,|, S. 653. Le Monde Juif, Januar 1950. Levai, S. 475. Nikolaus von Horthy, Ein Leben für Ungarn, Bonn 1953. Siebzehntes Kapitel Einzelheiten darüber siehe in Auschwitz, Deel VI, Die Afvoer- transporten etc., Niederländisches Rotes Kreuz, Haag 1952(ver- vielfältigt). Jenny Spritzer, Ich war Nr. 10.291, S. 77. Kristina Zywulska, I came back, S. 193. IMT, PS-2171, abgedruckt in Nazi Conspiracy and Aggression, Band IV, S. 800-835, Washington 1946. Bericht der Abteilung für psychologische Kriegführung: Buchenwald. Eugen Kogon, Der SS- Staat SP 221: IMT IV, S. 224, PS-1166(Bericht von SS-Sturmbannführer Burger vom Amt D des WHVA). Kogon(siehe oben), S. 347. IMT VII, S. 649, USSR-29(Bericht der russisch-polnischen Majdanek- Kommission). Weitere Einzelheiten in The Black Book(1946), S. 381 bis 390. Siehe Supplementary List of Camps and Prisons(Zusätzliche Liste der Lager und Gefängnisse), International Tracing Service, Arolsen Bl. Ziffern für den 5. April 1944 aus NO-021(Pohl an Himmler), ab- gedruckt in Trials of War Criminals, Washington 1951, Bd. V., S. 384/5. Für den 11. Mai: Dokumenty i Materialy,|., S. 100—105. Für den 21. August: ebenda, S. 120. Für den 18. Oktober: ebenda, S. 118. Aussage von Konrad Georg Morgen, IMT XX, S. 550 und 554/35. German Crimes in Poland,|, S. 79. Aussage Höss, IMT XI, S. 548. Jenny Spritzer(siehe oben), S. 96. Dokumenty i Materialy,|, S. 77. Auschwitz, Deel VI, S. 14. Prozeß XI, NG-5508. Major George MeNally, The Great Nazi Counterfeit Plot, Readers Digest, Juni 19522 Kastner, Bericht des jüdischen Rettungskomitees..., Genf 1946, Sal. Filip Friedman, This was Oswiecim, S. 77. Jenny Spritzer(siehe oben), S. 77. Documents sur l’activit&e du CIRC en faveur des detenus civils efc. Genf 1946, S. 91. Kristina Zywulska(siehe oben), S. 232. Prozeß IV, in Trials of War Criminals, V,(Aussage Bielsky), S. 650—54. Kastner, Bericht...., S. 132. IMT XI, S. 370, und Affidavit Becher(IMT XXXIll, S. 68/0, PS-3762). 673 DIE ENDLOSUNG 19 20 21 22 Miklos Nyiszli in Les Temps Modernes, Paris Mai 1951, S. 1885. War Refugee Board Report on Auschwitz and Birkenau, 1944(ver- vielfältigt), S. 13. Albert Menasche, Birkenau, New York 1947, S. 91. Bruno Baum, Widerstand in Auschwitz, Potsdam 1949, S. 20. Ebenda und Filip Friedman(siehe oben), S. 76. George Wellers in Le Monde Juif, April 1949. Wellers(siehe oben). The Belsen Trial, London 1949, S. 133 und 180. Robert Levy in Temoignages Strasbourgeois, Paris 1947, S. 464. Miklos Nyiszli(siehe oben) S. 1885. Kristina Zywulska(siehe oben), S. 209. Menasche(siehe oben), S. 102. Auschwitz, Deel VI. The Belsen Trial, 5. 160—65, 732. Auschwitz, Deel VI. Kogon, The Theory and Practice of Hell, London 1950, S. 142, 168 und 223(in der deutschen Ausgabe des Buches Der SS-Staat nicht enthalten). Temoignages Strasbourgeois, S. 90. Bruce Marshall, The White Rabbit, London 1952, S. 223. Temoignages usw., S. 499. German Crimes in Poland,|, S. 70. IMT VII, S. 647. Kastner(Bericht/..., S. 161) zitiert Dieter Wislicenys Schätzung von 250.000 für Anfang Februar 1945. Documents sur s’activit& du CIRC..., S. 22/23 und 94. Prozeß XI, NG-2675(Affıdavit Kurt Becher). Graf Bernadotte, The Curtain Falls, New York 1945, S. 43—47, 65/66. Documents@EiR@G.: 522/23: The Belsen Trial, S. 166. Ebenda,$S. 33. Kastner, Bericht..., S. 164. IMT, D-749-a, Affıdavit Rudolf Höss(ungedruckt). Himmler an Felix Kersten, Faksimile in Kerstens Buch Totenkopf und Treue, S. 358/59. Documents.: EIR@E72,5 97 Bernadotte(siehe oben), S. 81 und 87. Documents. ECIR@ 2,393 Kogon, Der SS-Staat, S. 351 ff. Christopher Burney, The Dungeon Democracy, London 1946, S. 74 bis 80. Prozeß XI, NG-2675(Affıdavit Kurt Becher). Kogon(siehe oben), S. 357. The Belsen Trial, S. 166. Documents“>@IR€E: 5:99 Kastner, Bericht..., S. 176. H. Wielek, De Oorlog die Hitler won, Amsterdam 1947, S. 410. The Belsen Trial, S. 53. nee 57 Eben 58 IMT) 59 Proze 0 The B 41 Ebene 49 Ebenc ag MT,| 44 Norb Himrr freun 65 IMT| ‚Antw 66 Docu 67 leol 68 Docu Beric Gers 69 Docu 70 Kastt 71 Docu 72 Auss Baro 73 Docı 74 Mey 75 Docı 76 IMT 1,5. 1885, 2u, 1944(ver- Bruno Baym , Je Wellers jn 133 und] 1,5, Pi 0,5. 142, 168 >-Staat nicht 23, DS70; ys Schätzung 5, 5,47, ch Totenkopf ın 1946, 5. 74 QUELLENVERZEICHNIS Ebenda, S. 446. IMT XI, S. 446. Prozeß IV, Aussage Oswald Pohl. The Belsen Trial, S. 40. Ebenda, S. 34. Ebenda, S. 61. IMT, D-749-a, Affıdavit Höss(ungedruckt). Norbert Masur, En Jood talar med Himmler(Ein Jude spricht mit Himmler), Stockholm 1946(deutsche Übersetzung vom Verfasser freundlicherweise zur Verfügung gestellt). IMT Ill, S. 399.(Aussage Gerdes). IMT XI, S. 31(Kaltenbrunners Antwort). IMT XX, S. 336(Aussage Eberstein). Documents...@IR@24,5.9% Leo Baeck in We survived, Yale 1949, S. 296. Documents... CIRC..., 5. 100. Wisliceny(Affidavit C). Kastner, Bericht..., S. 161. IMT XXVIl, S. 341—47, PS-1553(Affidavit Gerstein). Documents... CIRC..., S. 100. Kastner, Bericht..., S. 179. Documents... CIRC...., S. 130. Aussagen der holländischen Internierten Peter Langhorst und Baron von Lamsweerd, IMT XX, S. 503. Documents... EIRE...,52132/3. Meyer Levin, In Search(Auf der Suche), London 1951, S. 271. Documents... CIRC..., S. 134. IMT XI, 5.366 und XXXIll, S. 280 ff., PS-3870. IMT XI, S.320 und XXXIll, S.68—70, PS-3762. IMT XI, 5.290. IMT XI, S. 450, Aussage Höss. Documents... CIRC..., S. 102. Ebenda. Ebenda, S. 112. Aussage Gebhardt im Prozeß|, abgedruckt in Francois Bayle, Croix Gammee contre Caducee,$. 224. Documents... CIRC...., S. 126. Trevor-Roper, Hitlers letzte Tage, Zürich 1948, S. 167(Photokopie). Bernadotte(siehe oben), S. 113—8. Trevor-Roper(siehe oben), S. 159. Prozeß IX, NO-1128(Prützmann an Himmler). IMT, PS-3046, Tage- buch Lahousen, abgedruckt in Nazi Conspiracy and Aggression, V, S. 776—778, Washington 1946. Trevor-Roper(siehe oben), S. 210. Prozeß IX, Aussage Ohlendorf. Ciano's Diary(Tagebuch Cianos), 193943, London 1947, S. 472. Norbert Masur(siehe oben). IMT XI, S. 319, Aussage Kaltenbrunner. IMT XI, 5.289, Affidavit Höttl. DIE ENDLOSUNG 95 Beverley Baxter(Bericht aus Alt-Aussee), Sunday Express, London, 9. September 1951. 96 Prozeß XI, NO-3197(Affıdavit Paul Blobel). 97 Affidavit Wisliceny im Preßburger Prozeß(1948), zitiert von L. Poliakov in Le reve de Caligula, Le Monde Juif, Juni 1949. 98 Trevor-Roper(siehe oben), S. 158. 99 Walter Hagen(Willi Höttl), Die geheime Front, Wien—Linz 1950, 13: 100 Report of Anglo-American Committee of Inquiry regarding the Problems of European Jewry and Palestine(Bericht des anglo- amerikanischen Untersuchungsausschusses für die Fragen des euro- päischen Judentums und Palästinas), London 1946, S. 58/59. Anhang I 1 Frankfurter Hefte, März 1952. 2 Report of Anglo-American Committee of Inquiry regarding the Problems of European Jewry and Palestine, London 1946. 3 MEI STA7 4 IMT II, S. 140. 5 Die Schätzungen des Instituts sind in den Frankfurter Heften, März 1952(S. 161—163), in den Einzelheiten wiedergegeben, die des Joint Distribution Committee in The Jewish Chronicle(London), 17. März 1947. 6 Prozeß IV, NO-5193, 5194, 5195, 5196(ungedruckt). 7 Bruno Blau in Jewish Social Studies, New York, April 1950. 8 Prozeß IV, NO-5194. 9 The Wiener Library Bulletin, VI, 3/4, August 1952, S. 25. 10 IMT, PS-1949, abgedruckt in Nazi Conspiracy and Aggression, Bd. IV, Washington 1946, S. 586 ff. 11. Wilhelm Krell in Les Juifs en Europe, 1939—1945, Paris 1947, S. 190. 12 Arbeiter-Zeitung, Wien, 1. Februar 1945. 13 Bruno Blau in Jewish Social Studies, April 1950. 14 Eugene Levai, Black Book on the Martyrdom of Hungarian Jewry, Zürich 1948, S. 434. 15 Les Juifs en Europa, 1939—1945, S. 220. 16 Gregory Frumkin, Population Changes in Europe since 1939, New York 1951, S. 50. 17 The Jewish Chronicle, 17. März 1947. Frankfurter Hefte, März 1952. 18 Le Monde Juif, Paris, März 1952. 19 Georges Wellers, De Drancy ü Auschwitz, Paris 1946, S. 45 u. 108. 20 Originaldokumente im Centre de Documentation Juive Contempo- raine in Paris, Nr.|, 54, und Nr. XXVI, 73. 21 IMT XXVIl, S. 502ff, PS-1726(Bericht der niederländischen Regie- rung). 22 Bulletin van het Central Bureau voor Statistiek, Mai 1949. 23 Les Juifs en Europe, 1939—1945, S. 45. 676 BEL ee en ss, London N zitiert von 11 1949, —Linz 1950, garding the des anglo- en des euro- 8/59. garding the Z leften, März en, die des le(London), 1950. 3. Aggression, 1947, 5. 1%. yrian Jewry, 1939, New ‚ März 1952. 5,45 0.10. - chen Regie- 2. QUELLENVERZEICHNIS Joshua Starr und Leon Shapiro in Jewish Social Studies, New York, April 1946. Frumkin(siehe oben), S. 155. Les Juifs en Europe, 1939—1945, S. 48 und 52. Ebenda,$. 207. The Statesman’s Year Book, London 1944. Hitler's Ten Year War on the Jews, New York 1943, S. 78. Statistisches Handbuch der Europäischen Nationalitäten, 1939. S7 228: Hitler's Ten Year War.....,S. 83. Starr und Shapiro in Jewish Social Studies, April 1946. Levai(siehe oben), S. 59 ff. Starr und Shapiro(siehe oben). Levai, S. 59 ff. E. Namenyi in Le Monde Juif, Juli 1950. Hugh Seton-Watson, Eastern Europe between the Wars(Ost- europa in der Zwischenkriegszeit), London 1945, S. 430. The Wiener Library Bulletin, September 1947. German Crimes in Poland, Warschau 1946,|, S. 126. IMT XXXVIl, S. 391 ff, L-18(Katzmanns Bericht„Die Lösung der Judenfrage in Galizien”). Hitler’s Ten Year War...., New York 1943, S. 187. Solomon M. Schwarz, The Jews in the Soviet Union, Syracuse (USA), 1951, S. 220. Ebenda,$. 229/230. Register der Personennamen Abel 41, 42 Abetz, Otto 35, 81, 82, 84, 85, 87, 344, 346, 347, 350, 351, 353, 354, 356, 357, 364, 578 Abromeit, Franz 415 Abshagen, Karl 38 Adenauer, Konrad 578 Albala 428 Albrecht, Emil 105, 377, 431, 463, 578 Alderman, Sydney 558 Alexander, König von Jugo- slawien 414 Alexianu 452, 455 Aloschin, M. 262 Altenburg 425 Alvensleben, Udo von 223 Ambrosio, Vittorio 365, 366 Amery, John 488 Anielewicz, Mordechai 311 Antignac, Joseph 364, 578 Antonescu, lon 94, 269, 270, A449, 452, 453, A454, 455, 457, 458, 459, 461, 462, 464, 467, 578 Antonescu, Mihai 455, 457, 463, 464, 578 Arajs, Viktor 245, 579, 581 Artukovie, Andrija 416 Auerbach, Philip 133 Auerswald 67, 78, 291 Baab, Heinrich 184, 226, 579 462, 448, 456, 463, 459, Bach-Zelewski, Erich von dem 144, 673 210, 219, 234, 2357 220, 266, 275, 824, 325, 338 A466, 499, 552, 529 Badoglio 367, 403 Baeck, Leo 101, 179, 190, 536 Bär, Richard 484, 516 Baky, Läszlo 476, 477, 479, 488, 489, 496, 507, 579 Balan 431 Balan 459 Barbie 370, 578 Bardossy, Läszlo 94, 407, 445, 469, 479, 481, 507 Bargen, Werner von 389 Bastianini 365, 366 Bauch 308 Bauer, Andr& 359 Bayle, Francois 7 Bearsted, Lord 23 Becher, Kurt 446, 493, 494, 496, 497, 502, 503, 504, 516, 5iZ, 525, 528, 529 588; 5839 Becker 155, 273 Beckerle, Adolf 416, 431, 432, 433, 434 Bednarz 280 Beker, Basia 233 Beleff 431, 433, 434, 435 Benadev, Chaim 434 Bendel, Charles 167, 168, 519 Bene, Otto 378, 379, 381, 384, 387, 579 Benzler, Felix 407, 408, 409, A411, Al2; 592 247, 411, 480, 467, 495, 506, 537, 410, Berg, Ma Berger,= BergsoN, Bernadoti 24, 54, Berndorf Bertelsen, Best, Kar 346, 397, Bieberstei Bieberste Biebow,| u, Bimko, A Bischoff 1 Bismarck, Blättler,| Blankenb 146, Blaschke, Blaskowi Blau, Bru Blobel, I 163, 262, 545, Blome, K Blome,\ Blum, Le Blumentr Bock, Fe: 225 Bodensch 1 Bormanr 19, Botmann 280, Bouhler, 3, 245, 247, 5, 333, 41, 9 20, 536 6 7, 479, 480, 7, 579 07, 445, 467, 3, 494, 495, 13, 504, 506, 8, 529, 537, 131,492, 43, Berg, Mary 67, 69, 290, 291, 318 Berger, Gottlob 196, 323, 325, 395, 444, 445, 446, 472, 579 Bergson, Henri 355 Bernadotte, Graf Folke 6, 176, DIA 4595112, 525, 526, 527, 584,537, 540) 542 Berndorf 525 Bertelsen, Aage 396 Best, Karl Werner 9, 11, 17, 82, 9209392) 393,894 395% 396, 207.398,.979. Bieberstein, Ernst 215 Bieberstein 72 Biebow, Hans 64, 68, 72, 279, 340, 8417, 342, 343, 579 Bimko, Ada 167, 320 Bischoff 167 Bismarck, Fürst Otto von 417, Blättler, Franz 70 Blankenberg, Werner 139, 186, 198, 579 Blaschke, Karl 495 Blaskowitz, Johannes von 38, Blau, Bruno 561 Blobel, Paul, 152, 153, 154, 1685.2115, 233, 2597260, 262, 263, 264, 266, 269, 345), 97.6,,979 Blome, Kurt 170 Blome, Walter 91 Blum, Leon 362 Blumentritt, Günther 224 Bock, Fedor von 39, 90, 102, 225 Bodenschatz, Karl von 21 Bodt, De 391 Böhme, Franz 409, 412, 413, 579 Boepple, Ernst 579 Boley, Gottfried 195, 199, 200 Bonnet, Georges 34, 35, 86 Boris Ill, König von Bulgarien 433, 435 Bormann, Martin 7, 119, 142, 177, 199, 294, 336, 488, 580 Botmann 153, 154, 155, 159, 279, 280, 341, 580 Bouhler, Philipp 88, 141, 142, 143, REGISTER DER PERSONENNAMEN 144, 147, 148, 149, 150, 151, 152, 166, 172, 580 Bousquet, Ren& 356, 357, 358, 362, 366, 369, 580 Brack, Viktor 88, 92, 142, 143, 144, 145, 147, 148, 149, 150, 15% 152, 197,198, 287, 579° 580 Bracken, Brendan 490 Brämer 102, 247 Bräutigam, Otto 246, 456, 574, 580 Brand, Joel 493, 494, 495, 497, 516 Brandt, Karl 140, 141, 143, 147, 148 Brandt, Rudolf(Rudi) 341, 560, 580 Brandt 580 Brauchitsch, Walther von 37, 38, 39,910.2175 380 Brauchitsch,(Frau) von 82 Braun, Eva 336, 494, 546 Braune 576 Brilling, B. 52 Brinon, de 350, 353, 354, 355 Broad, Perry 116 Brunner, Anton Alois 179, 346, 367, 369, 370, 421, 446, 447, 581 Buch, Walter 13, 252, 581 Buchmayer, Konrad 319 Bühler, Josef 43, 106, 109, 277, 288, 581 Bürckel, Josef 49, 85, 86, 276, 581 Burckhardt, Karl 447, 490, 491, 524, 526; 527.539, 545 Burger, Anton 187 Burney, Christopher 178, 481, 484, 528 Canaris, Wilhelm 38, 39, 102, 207, 221, 263, 493 Capellen, Hans 553 Carol Il., König von Rumänien 448 Carp, Matatias 566 Casertano 417 Cassulo, Andrea 455, 459 Castrucci 426 Chaigneau 367 Chamkerlain, Neville 9, 14 Chorin, Ferencz 492 j n DIE ENDLOSUNG Christensen 269 Christian IX., König von Däne- mark 392 Churchill, Odette 540 Ciano, Graf Galeazzo 147, 364, 417, 544 Clair 129 Clauberg, Karl 198, 424, 581 Codreanu, Corneliu 448 Colette 355 Conti, Leonardo 140, 142, 143, 144, 581 Cukurs, Herbert 581 Cuza 455 Cyrankiewicz, Jozef 518 Czerniakow, Adam 71, 291, 292 D’Ajeta 364, 365, 418 Daladier 9 Daluege, Kurt 97, 101, 102, 110, 364, 581 Damaskinos 425 Dannecker, Theodor 86, 87, 346, 8477350, 351, 8527 3537 353, 356. 3571 3585 3595 360, 402) 431, 433, 434, 435, 581 Darlan 346, 363 Darnand 369 D’Arquier de Pellepoix 353, 355, 356, 357, 358, 359, 361, 362, 364, 366, 369, 581 Davidescu 457 Deloncie, Eugene 348 Dering, Wladislaw 198, 581 Diaz 428 Dieckhoff, Hans 83 Diels, Rudolf 217 Dierwege, Wolfgang 34 Dirlewanger, Oskar 237 Dirks, Walter 557 Dirksen, Herbert von 14 Disraeli, Benjamin 448 Dönitz, Karl 542, 543 Dollfuß, Engelbert 275 Donati, Angelo 366, 367 Doyen 85 Dragalina 270, 465 680 Duckwitz, Georg 394, 395 Dulles, Allan 545 Dunand, Georges 179, 185, 446, 447, 459, 505 Dunand, Paul 193, 194, 529, 536, 53% Du Prel, Max Freiherr von 50, 67, 76 Dvorjetski, Marc 136, 321 Eberhardt, 262 Eberstein, Karl Freiherr von 535 Ebner, Gregor 184 Eckmann, Otto(siehe Eichmann) Eden, Anthony 460, 490 Edelstein, Jakob 185, 188 Ehaus, Heinz 286 Eichmann, Karl Adolf 26, 27, 28, 29 30, 31, 51, 83, 85, 86,8% 92, 95, 98, 99, 102, 107, 114, 115, 122, 124,2125, 125 149 152 153, 154162, 120, 12 175, 179, 183, 184, 185, 187, 190, 193, 195, 198, 199, 200; 278, 288, 312, 338, 339, 340, 344 346, 350, 35], 893, 309) 356, 357, 358, 360, 361, 362, 365, 366, 367, 368, 369, 376, 377, 381, 385, 388, 389, 394, 397, 403, 404, 408, 409, 413, 415, 418, 421, 424, 425, 428, 429, 435, 438, 439, 440, 441, 443, 444, 446, 456, 457, 458, 462, 463, 465, 466, 474, 475, 476, 477, 478, 479, 480, 484, 487, 488, 491, 492, 493, 494, 495, 496, 497, 498, 500, 501, 502, 503, 504, 506, 517, 526, 529, 536, 537, 545, 546, 551, 552, 555, 574, 578, 581, 982 583, 585, 586, 588, 589, 591, Eisenhower, Dwight D. 223, 367, 527, 528 Eicke, Theodor 119 Elisabeth, Königinmutter von Bel- gien 390 Elkes 38 Endre, I Engelmar Entres$, 581 Epstein 1 Ernst 7° Errer, Wi Eyer 318 Faber-Co Falkenho 39, Faragho Faulhabe Fegelein Feldhanc Fendler, Ferenczy 507, Filoff, Bi Fischböc Fischer, Fleischm Förster, Franco, Frank, A Frank, F Sch 69, 29, 298, 559 Frank, J Frank,# Fraueno Freisler, Fretter: Freud,© Frick, M Friedig: Friedl, Friedlär Friedm: Fritsch. Frumkir 395 ), 185, 446, 4, 529, 596, von 50, 67 3 'r von 535 Eichmann) 70 188 26,27, 8, , 85, 86, 87, 7%, 107, 114, 5, 126, 148, 2, 170, 172, 4, 185, 187, 8, 199, 20), 8, 339, 340, 1, 353, 35, 0, 361, 362, 8, 389, 376, 8, 309, 394, 18, 409, 413, 4, 425, 428, 9, 40, MN, 56, 457, 458, 6, 474, 475, 79, 480, 484, 22, 493, 494, , 500, 501, 36, 517, 526 15, 546, 551, 7, 581, 582, 3, 589, 591, D. 293, 30, ter von Bel- Elkes 328 Endre, Läszlo 476, 477, 478, 481, 488, 489, 496, 507, 581 Engelmann, von 396 Entress, Ferdinand 129, 130, 166, 581 Epstein 194 Ernst 37 Errer, Wilhelm 236, 237 Eyer 318 Faber-Castell, Graf 217 Falkenhausen, Alexander von 388, 389, 391, 582 Faragho 480, 489, 498 Faulhaber, Michael von 146 Fegelein, Hermann 336, 494, 546 Feldhandler, Leon 16] Fendler, Lothar 215 Ferenczy, Läszlo 476, 477, 481, 500, 507, 582 Filoff, Bogdan 431, 434, 435 Fischböck, Hans 18, 23 Fischer, Ludwig 582 Fleischmann, Gisi 446 Förster, Albrecht 582 Franco, Francisco 427 Frank, Anne 378 Frank, Hans 40, 42, 43, 44, 45, 52, 53,54, 55, 56, 58, 60, 62, 64, 68, 69, 76, 101, 106, 109, 1749176; 259, 275, 277, 278, 282, 283, 298, 300, 301, 309, 315, 3177 559, 577, 581, 582 Frank, Josip 414 Frank, Karl Hermann 536, 582 Frauendorfer, Max 60 Freisler, Roland 35, 197, 582 Fretter 307, 308 Freud, Sigmund 182 Frick, Wilhelm 16, 24, 85, 86, 142 Friediger 192 Friedl, Gustav 582 Friedländer 194 Friedman, Filip 130, 162, 163, 291 Fritsch 118, 259 Frumkin, Gregory 437, 563, 966 REGISTER DER PERSONENNAMEN Fuchs, Bernhard 319 Fuchs 278 Fuchs 411, 412, 413, 582 Fünten, Ferdinand Aus der, 200, 376, 380, 381, 388, 582 Furstenburg 294 Funk, Walter 13, 18, 206, 582 Gabor, Janos 507 Gabrowsky 431, 433 Gagern, F. von 538 Galewski 160 Gancwajch, Abraham 71 Ganzenmüller, Theodor 288, 295, 298, 582 Gazun 270 Gebhardt, Karl 6, 7, 143, 540 Gedob 2883 Geioso, Carlo 426, 427 Genns, Jakob 73, 74, 244, 325, 326 Gerdes, Bertus 535 Gerstein, Kurt 144, 156, 163, 164, 169, 170, 171, 298, 332, 537, 582 Gerteis 288 Geschke 504 Gewecke 328 Giesler, Paul 535, 536, 582 Gilbert, G. M. 119, 125, 310 Gisevius, Hans Bernd 14, 209, 210, 212, 416 Glaise-Horstenau, Edmund 414 Globocnik, Odilo 43, 44, 49, 51, 77, 78, 79, 112, 139, 140, 151,152, 159, 169, 170, 172, 275, 270; 277, 278, 282, 283, 284, 286, 2877288,.2917.292, 3957 307, 308, 313, 322, 323, 330, 33] 332, 333, 334, 336, 337, 339, 405, 546, 559, 577, 579, 582, 583, 594 Glücks, Richard 112, 113, 114, 116, 123) 12471257 164, 181772817 317. 333, 362, A775257.520) 529, 583, 584 Glyn-Hughes 526, 532 Goebbels, Josef 7, 13, 14, 16, 18, 19, 34, 35, 44, 88, 94, 96, 106, 681 DIE ENDLOSUNG 111, 160, 174, 176, 172, 180, 181, 250, 282, 284, 298, 310, 514 552.585 Göcke 315 Göring, Herbert 492 Göring, Hermann 5, 7, 13, 17, 18, 19.20, 21, 22,23, 24725, 27, 28.51.52. 53. 86, 37,.92,.93, 95, 105, 109, 115, 120, 141, 142, 219, 252, 254, 416, 542, 580, 583 Göth, Amon 338 Göth, Amon Leopold 138, 309, 338, 583 Goga, Octavian 448, 452 Gomerski, Hubert 151 Gorgass 152, 277 Gottberg 254 Grabner, Ernst 116, 117 138, 515, 583 Gräbe, Hermann 231, 233, 266 Grawitz 197, 540 Greim, Ritter von 542 Greiner, Helmuth 90 Greiser, Arthur 48, 52, 53, 153, 278, 339, 340, 341, 583 Gringauz, Samuel 73, 160, 328 Grünspan(siehe Grynszpan) Grundherr, Werner von 398, 583 Grynszpan, Herschel 12, 13, 34, 35 Günther, Hans 27, 170, 185, 187, 537, 583 Günther, Rolf 171, 200 394, 421, 477, 583 Guerin, Louis 156, 302, 303 Gürtner, Franz 146 Gumpert, Gerhard 400 Gustav V., König von Schweden 490, 500, 504 Gustloff, Wilhelm 12 Haas 318 Haas, Willi von 309, 577, 583 Hacha, Emil 26 Haeflinger 538 Haeften, Hans von 82, 409 Hagen 355, 365 Hagen, Walter(siehe Höttl, Willi) 682 Hahn 291, 313, 583 Halder, Franz 39, 91, 251 Hannecken, Hermann von 393,394, 395, 396, 397, 583 Harlan, Veit 50 Harries 529 Harrison, Leland 461 Harster, Hermann 200, 201, 376, 381, 584 Hartel, Albert 263, 264 Hartjenstein, Fritz 484, 584 Hassell, Ulrich von 14, 38, 56, 60, 82, 100, 228, 409, 455 Hegener, von 143 Heinburg, Kurt 412, 584 Heinisch, Georg 225, 268 Helene, Königinmutter von Rumö- nien 454, 455 Heller 76 Helm 418 Heningsen, Juel 192 Henlein, Konrad 440 Henriques 395 Herff, Maximilian von 335, 542, 584 Hess, Rudolf 140 Hevelmann 143 Hewel, Walter 552 Heyde 148, 149, 150 Heydrich, Bruno 15 Heydrich, Reinhard 5, 6, 7, 10, 11, 14, 15, 16, 17, 18, 19, 21, 22723} 24, 25, 26, 27, 28, 30, 32, 34, 36, 39) 40, 44.51, 52, 54,,55,.60, Al5 77, 80, 81, 82, 84, 85, 86, 87, 89, 91, 92, 93,9%, 96, 77, 191,102 103, 104, 106, 107, 108, 109, 110, 1171, 112, 113, 024242 150, 153, 173, 183, 185, 182 194, 195, 196, 197, 207, 208; 209, 212, 218, 214, 217, 218 226, 227,. 228, 240, 243) 2490 245, 246, 247, 248, 254, 256, 264, 267, 272, 273, 276, 200 278, 284, 287, 326, 337, 34% 344, 346, 347, 348, 349, 350, 352, 354, 391, 392, 408, 02 410, 411, 441, 453, 467, 469, | | | | | \ \ | uw. vo ee es A, 584, Hezingel Hielschef Hildebrai Hilgardı Himmler, 16,1 49,5 97, 104, 115, 126, 144, 153, 5 Himmle 5] KURS RRYT ), 20, 3%, 584 ‚38, 56, 0, 155 4 68 von Rumö- n 335, 542, A713914,.319,. 547: 5517-358, 584, 585, Hezinger, Adolf 480 Hielscher, Friedrich 74 Hildebrandt, Richard 335, 584 Hilgard, Eduard 18, 19 Himmler, Heinrich 5, 6, 7, 14, 15, 16, 17, 30, 34, 38, 41, 42, 44, 46, 494505517. 52,53) 57,78, 79, 82, 872.88) 90, 91,92, 93, 99, 10], 10451057 1112: 112,118 114, 10197..1116, 1202 121: 123,125, 1287 1844.187, 139.142 143; 1A421477.149% 150, 151,152, 153, 159% 160,161, 163, 1163, 1702 17121757 176% 1777178, 180, 183 186, 187, 188, 193, 195, 196, 197, 198, 200; 201, 206 2105 21272.213, 214,215, 21er 217, 218, 2197 220, 222, 226, 228, 230,.231,. 234, 235, 236) 243, 250,:252, 253, 254, 255% 2575271, 278, 279, 216, 277, 278, 279, 287, 288, 289, 296, 299, 300, 302, 304, 305, 306, 307, 308, 310, 312, 313, 315% 317.319. 322,7323,, 324, 325.327. 328% 329,330, 331, 332) 393)..334,'355,, 336, 339, 340, 341, 346, 347, 349, 353, 364,366, 373, 374, 316, 379, 380, 384, 385, 386, 387, 391, 392.2937.394,.395, 396) 397, 399, 400, 405, 406, 415, 430, 431, 440, 443, 444, 445, 446, 457, 458, 462, 463, 472, 473, 474, 475, 476, 478, 482, 483, 487, 492, 493, 494, 495, 496, 497, 498, 499, 501, 502, 503, 504, 505, 506, 511, 512, 514, 515,516, 5117,2522) 524,525, 526, 527, 528, 529,531, 332, 534, 535, 536, 539, 540, 541, 542, 543, 544, 545, 546, 551, 5520555, 558), 559) 560) 570; 574, 579, 580, 584, 585, 589, 593, 594 Himmler, Margarethe 143 REGISTER DER PERSONENNAMEN Hingst 242, 247 Hirsch, Freddi 190 Hirtreiter, Josef 151, 157, 159 Hitler, Adolf 3, 4, 5, 6, 7, 8, 9, 10, 12,13; 14416, 20) 23, 2425).283 33, 34, 36, 38, 39, 40, Al, 42, 43, 44, 53, 57, 68, 80, 82, 86, 87, 88, 89, 90, 93, 94, 106, 111, 114, 119, 123, 126, 137, 1492 12% 142, 146, 147, 148, 154, 165, 170, 175, 178, 180, 183.185 191, 197, 129). 201, 2107218 214, 216, 220, 221, 2259.232 246, 255, 259): 260, 262, 2%Ay 275,288, 289, 294, 3107338 344, 350, 352, 363, 369, 326; 401, 402, 404, 417, 419, 430, 431, 433, 435, 436, 437, 443, 448, 449, 453, 459, 462, 467, 470, 472, 473, 474, 475, 478, 487, 491, 497, 498, 499, 502, 506, 509, 510, 512, 514, 515, 522) 524,525, 5347595533 541, 542, 544, 545, 546, 549, 551, 552, 5537 554, 560, 580, 583, 584, 588, 594 Hlinka, Andrej 440 Höfle, Hans 283, 291, 292, 293, 294, 295, 313, 584 Höfle, Hermann 445, 584 Höhn 207 Höss, Rudolf Franz 114, 115, 116, zes, 11921207 1727927 125, 126°. 1237.1817 1222532 154, 155, 157, 162, 1163, 1164; 165, 166, 167, 181, 189, 279, 332, 361, 386, 424, 442, 484, 485, 486, 503, 513, 5202325) 524,527, 530,53], 332,534 539, 540, 541, 546, 584 Hössler, Franz 132 Höttl, Willi(Walter Hagen) 6, 28, 110, 153, 215, 414, 466, 480, 539, 543, 545, 546, 581 Hoffmann, Karl 395, 434 Hoffmann, Otto 107, 584 Hoffmann, Otto 434 Horn, Josef 337 683 DIE ENDLOSUNG Hornik, Mila 339 Horowitz 72 Horthy, Niklos von Nagybania 466, 468, 470, 472, 473, 474, 475, 476, 477, 478, 480, 487, 488, 489, 490, 491, 492, 498, 499, 500, 501, 508, 509, 584 Horthy, jr. 499 Hoth 222 Hoven, Waldemar 138, 148, 318, 584 Hudal 400 Hünsche 480, 500, 537, 585 Hull, Cordell 460, 490, 491, 501, 502, 503 Huppert, Hilde 286, 301 Husseini, Haji Amin 29 Imredy 507 Jackson, Robert 93, 558 Jäckeln, Franz 95, 208, 216, 219, DAg 245, 247, 251, 280201, 262, 265, 468, 585 Jäger, Wilhelm 483 Jäger 216, 245 Jagow 416 Jahn 308 Jaross, Andor 476, 480, 490, 491, 492, 496, 507, 585 Jodl, Alfred 262, 310, 396, 499 Jong, Louis De 374 Josef, Hermann 135 Jost, Heinz 216 Jüttner, Hans 503, 585 Junge(Frau) 541 Kafka 27 Kaganowitsch, Mosche 251, 325 Kaindl 540 Kaleske, Karl 291 Kallay, Nicholas 469, 470, 473, 474, 479, 481 Kallmeyer 144, 145, 163, 383 Kalow, Walter 119 684 Kaltenbrunner, Ernst 30, 31, 32, 49, 86, 104, 123, 139, 178, 196, 199, 207, 212, 218, 215, 276, 28% 291, 315, 317, 324, 325, 938, 336, 341, 384, 394, 414, 419, 426, 435, 446, 474, 476, 478, 487, 492, 495, 496, 498, 502, 504, 505, 511, 514, 3157.92 522, 524, 526, 528, 584, as) 536, 538, 539, 544, 545, 560, Kammler, Heinz 166, 167, 315, 316, 481, 482, 585 Kappler, Hubert 400, 402, 585 Kasche, Siegfried 416, 417, 418, 419, 585 Kastner, Rezsö(Rudolf) 29, 30, 154, 338, 439, 443, 444, 447, 477, 479, 492, 493, 494, 495, 497, 502, 504, 506, 516, 517, 529, 537 Katzmann, Fritz 285, 318, 319, 569, 585 Kaufmann, Max 103, 327 Keitel, Wilhelm 39, 56, 89, 90, 91, 243, 347, 348, 349, 395, 396, 499 Kelpner, Boris 450, 451 Keppler, Georg 237, 238 Kermisz, Josef 279, 287, 298, 299, 323 Kern, Erich 273 Kersten, Felix 6, 7, 41, 88, 143, 176, 206, 237,:527, 535, 543 Kesselring, Albert 289, 402, 404, 575 Kieper 260, 261 Killinger, Manfred Freiherr von 416, 454, 455, 458, 459, 461, 462, 465, 466, 585 Klein, Alfons 148 Klein, Marc 553 Kleemann 429 Kleist, von 216 Kleist, Peter 228 Klier 152 Klimaitis 241 Klingenfuß, Karl 413 Klingelhöffer, Wladimir 215 Kluge, Günther von 221 Kneissler, Pr Knobloch Ni Knochen,| Koch(Frau) Koch 138, 1. Koch, Ilse 1 Kogon, Eug 910, 230 Kohn 76 Kolb, Charl Kolotescu,| Komoly, O1 Kon, Stanis! Konrad, Fre 585 Koot, Hend \ Korezak, Ja Koretz 423, Korherr, Ri 173, 17 274,& 560, 56 Kornfeld, B Korsemann Kosak 417 Kosterlitz 1 Kovacz, Alı Kovpak, Si Kramer, Jo | Koso, Isido | 527, 52 Kramer(Fr Krebsbach Kremer, Hı 131, 37 Krüger, Be Krüger, Fr 284, 2 300, 3 314, 3 Krumey 47: Krupp von Alfriec 45 528, 534, 535, 54, 545, 540, ‚167,315, 316, ), 402, 585 416, 417, 418, olf) 29, 30, 154, 444, 447, 477, 494, 495, 497, 516, 517, 599, , 318, 319, 569, ), 327 56, 89, 90, 91, 9, 395, 396, 499 45] ‚238 287, 298, 299, 41,88, 143, 176, 35, 543 99, 402, 404, 575 Freiherr von 458, 459, 461, 585 RB: dimir 215 n 2 Kneissler, Pauline 146 Knobloch 209, 225, 226, 262 Knochen, Helmuth 347, 348, 349, 8937 354,337, 359, 360,:361, 362, 363, 364, 365, 366, 369, 27073895576; 577, 585 Koch, Erich 15, 53, 209, 263, 321, 577, 585 Koch(Frau) 15 Koch 138, 148 Koch, Ilse 147, 528 Kogon, Eugen 17, 138, 157, 178, 2107230375 Kohn 76 Kolb, Charles 457, 464, 567 Kolotescu, Corneliu 455, 456, 465 Komoly, Otto 507 Kon, Stanislaw 157 Konrad, Franz 291, 295, 297, 315, 585 Koot, Hendrik 373 Korczak, Janusz 293 Koretz 423, 425, 428 Korherr, Richard 34, 57, 101, 126, 7a 75, 183, 186, 248,257, 274, 302, 399, 415, 443, 559, 560, 561, 562, 565, 569, 570 Kornfeld, Baron Moritz von 492 Korsemann 266, 585 Kosak 417 Koso, Isidor 439, 447 Kosterlitz 164 Kovacz, Alajos 407 Kovpak, Sidor 319, 320 Kramer, Josef 116, 484, 520, 526, 527, 529, 530, 532, 533, 586 Kramer(Frau) 119 Krebsbach 329, 586 Kremer, Hans Hermann 129, 130, 131, 378, 586 Krüger, Bernhard 30, 515, 516 Krüger, Friedrich 43, 44, 55, 76, 284, 285, 287, 288, 294, 299, 300, 307, 308, 309, 312, 313, 314, 315, 316, 333, 336, 586 Krumey 475, 480, 493, 495, 496, 586 Krupp von Bohlen und Halbach, Alfried 482, 483 45 REGISTER DER PERSONENNAMEN Kube, Wilhelm 104, 236, 252, 253, 254,.255, 823, 324192311980 Küchler, Georg von 220, 222, 241 Kutschera, Fritz 586 Kvaternik, Dido 416 Kvaternik, Slavko 414, 416 Lages, Willi 379, 388, 586 Lahousen, Erwin 39, 102 Lakatos 488, 489, 491, 492, 498, 500, 501 Lammers, Hans 52, 53, 142, 146, 194, 195, 196, 586 Landsberger 72 Lange, Franz(siehe Rudolf Franz Höss) Lange, Fritz 107, 245, 246, 586 Langhauser 38 Lasch, Karl 176 Lautz 78, 79, 312 Laval, Pierre 356, 357, 362, 363, 364, 368, 369, 371, 586 Lawrence, W.H. 262, 329 Lecca 455, 458, 461 Lederer, Zdenek 51, 185, 186, 194, 323, 403 Le Druillenec, Harold Osmond 532 Leeb, Wilhelm von 90, 241 Leffer 78 Leguay 356, 360, 361 Leibbrandt, Georg 9%, 196, 255, 574, 580, 586 Leichert. 160 Lejkin 73, 294, 297 Lepecki 86 Levai, Eugene 439, 489, 495, 507, 562, 563, 567 Levi, Primo 133, 403, 404 Levin, Ezekiel 258 Levin, Meyer 538 Levy, Robert 158 Lichtenbaum 72, 309 Lichtenberg, Bernhard 100 Liebehenschel, Arthur 164, 189, 484, 515, 516, 587 Linden, Herbert 142, 143, 179, 587 Lindow, Kurt 225, 226, 587 685 a" ua eehanrngeig abe nn een ETUI NEERRLTE ENT Eon DIE ENDLOSUNG Lingens-Reiner, Ella 99, 122, 126, 127, 129, 419, 484, 485, 532 Liptzy 160 Lischka 346 Littner, Jakob 304 Löhr, Alexander von 426, 427, 587 Lörner 281 Lösener, Bernhard 107, 230, 587 Loewenstein, Karl 104 Logothetopoulos 425 Lohse, Hinrich 102, 144, 145, 227, 223. 242, 243, 2A6, 247, 252; 253, 254, 384, 537, D94 Lolling 525, 526 Lorencevic 414 Lorkovie 417 Lospinoso 365, 366, 367 Ludin, Hans Elard 416, 442, 445, 447, 480, 587 Lukazskiewicz 182 Luther, Martin 82, 83, 84, 85, 86, 87, 89, 105, 106, 109, 190, 213, 351, 325# 318, 379, 384, 389, 397, 407, 408, 409, 410, 412, 416, 426, 432, 435, 439, 440, 442, 455, 456, 457, 458, 462, 467, 469, 470, 473, 552, 587, 589, 593 Mach, Alexander(Schano) 438, 439, 440, 441, 443, 447, 587 Mackensen, von 402 Mackensen, Graf von 364, 365 Maclelland, Roswell 502 Madaus 197 Mälzer 402 Malaparte, Curzio 68, 450 Malinowski 507 Manstein, Erich von 38, 39, 56, 217, 2227 223° 224, 271,519, 58709594 Marazzani 365 Marder 68, 76 Marschall, Georg 266 Marshall, Bruce 521, 537 Masaryk 440 Masur, Norbert 187, 512, 534, 535, 536, 544 686 Maurer, Gerhard 123, 124, 125, 126, 131, 189, 486, 546 Maxwell-Fyffe, Sir David(Viscount Kilmuir) 139 Maziel 270 Mazor, Michal 67, 73, 295 McCloy, John 483 Melezin, Abraham 279 Melmer 33] Menasche, Albert 291, 423, 424 Mengele 132, 193, 587 Mennecke, Fritz 147, 148, 150 Merten, Alfred 423, 425, 426 Metzner, Alfred 235, 236, 237 Mewes, Margarete 575 Meyer, Alfred 323, 324, 587 Meyer, Kurt 575 Meyer, Saly 497, 502, 503, 516 Michael Il., König von Rumänien 454, 466 Milch, Erhard 289, 478, 482, 483, 587 Mildner, Rudolf 123, 191, 192, 394, 587 Mittelstedt, Kurt 138 Mönneke, Alfrede 575 Moennikes 232 Mös 529 Moissis, Asscher 566 Molho, Michael 422, 435, 439 Moll 519 Molotow, Wyatscheslaw M. 36, 267, 498 Moltke, von 10 Mopurgo 405 Morgen, Georg Konrad 119, 134, 137, 138; 139, 144 150, 152 162, 210, 336, 514, 313 Morgenthau, Henry 461 Mosse-Noack, Eva 196 Moyne, Lord 494, 495 Mrugowsky, Joachim 163, 170, 588 Muck 236 Müller, Heinrich 16, 32, 107, 115, 123, 124, 1887 191, 198, 21% 215, 264, 273, 322) 360; 303 364, 365, 366, 369, 376, 392, 435, AA4, 502,515, 317 52% PER NEE- Mussolini, 399, 4 418, 4 Musy, Jeaı Namenyl, Naumann, 576, 3 Nebe, Artl 216, 2 510, 5 Nebig, Mc Nedic, Mi Nehama,. Neubauer Neuman,| Neumann, Neumann Neurath, 110 Niemöller Nikodemı nien- Nitsche 1 Nowak 2 Nyiszli, N 193,| Oberg, K 362,| Oster 209 Otter, Baı 45% 1,423, 494 7 148, 150 25,4% 236, 237 75 24, 587 2, 503, 516 on Rumänien 178, 482, 483, 191, 192, 394, > 435, 439 slaw M. 36, rad 119, 134, 144, 150, 159, 314, 515 461 6 5 ‚163, 170, 588 39, 107, 115, 91,193, 210, 22, 360, 36, 149, 376, N 15, 517, 527, nn 328)..937, 539,546, 547, 551, 574, 578, 588 Mürer 588 Mussert 90 Mußfeld 159, 165, 335, 519, 588 Mussolini, Benito 87, 365, 366, 367, 399, 400, 402, 404, 416, 417, 418, 499 Musy, Jean-Marie 525, 528 Namenyi, M.E. 568 Naumann, Erich 201, 209, 216, 248, 576, 588 Nebe, Arthur 91, 144, 209, 210, 212, DIE 219, 2217284235, 248, 510, 515, 588 Nebig, Max 375 Nedie, Milan 407, 579 Nehama, A. 427 Neubauer 159 Neuman, Majer 265 Neumann, Ernst 93, 109 Neumann 309 Neurath, Konstantin Freiherr von 110 Niemöller, Martin 170 Nikodemus, Patriarch von Rumöä- nien 454 Nitsche 148, 150 Nowak 288, 351, 385, 480, 588 Nyiszli, Miklos 159, 165, 167, 168, 193, 342, 485, 517, 519 Oberg, Kurt 219, 349, 354, 356, 360, 362, 369, 576, 577, 588 Ohlendorf, Otto 91, 155, 205, 206, 2072..208) 20922107 2127218; DIA 217722221 223772277 234, 2357 270 21: 27242787 25, 452, 542, 543, 576, 588, 590, 891, 594 Olajski, Lasarc 329 Olbricht 369 Oppenheim, Freiherr von 494 Oster 209 Otter, Baron von 171 45* REGISTER DER PERSONENNAMEN Paget, R.T. 37, 222 Palitsch 117, 162 Patton 538 Paulus, Friedrich 38, 259 Paveli6, Ante 413, 414, 415, 416, 417, 418, 419, 588 Payne-Best 163, 165, 348, 412, 587, 589 Pell 24 Petain, Henri Philippe 85, 344, 345, 346, 347, 350, 393, 3547 356, 357,358, 359) 362), 57.8) 580) 881.588, 593 Peters, Gerhard 164, 165, 169, 170, 588 Petersen 466 Pfannenstiel 170, 171 Philipp 289 Pholien, M. 391 Picker, Henry 88, 111, 199, 294 Pieczerski, Saszka 161 Pister 525 Pius XIl. 401, 489 Pohl, Oswald 46, 112, 113, 123, 159, 165, 178% 1180@187,119772281% 2897 308) 315) 8323, 330=331R 33937 334,335, 337, 34174829 486, 511, 515, 517, 526, 529, 531, 332, 543, 546, 57.6, 588 Pokorny, Adolf 197, 589 Poliakov, Leon 29, 31, 355, 358, 363, 401 Popoff 105, 430, 431 Popovicz, Traianu 454, 456 Postumus 374 Potemkin, M. 57 Prüfer 167 Prützmann, Hans 255, 543, 589 Pütz 266, 589 Quisling, Vidkun 90, 399 Rademacher, Franz 83, 84, 86, 89, 95, 108,.109,110721957835173598; 687 DIE ENDLOSUNG 376, 384, 389, 392, 397, 398, 408, 409, 410, 411, 412, 413, 415, 418, 430, 439, 456, 461, 564, 589 Radetzky, Voldemar 215 Radziwill, Prinz Christoph 336 Raeder, Erich 15 Rahm, Karl 187 Rahn, Rudolf 356, 362, 401, 466, 499, 500 Reiner, Friedrich 276, 405 Rajzman, Samuel 158, 182, 323, 432 Rasch, Otto 91, 208, 209, 216, 260, 262, 349, 589 Rascher, Sigmund 143,163,165,170, 289, 589 Rascher(Frau) 163 Rath, Ernst vom 12, 13, 14, 16, 177 35 Rattenhuber, Johann 552 Rauter, Hans Albin 200, 201, 219, 373, 374, 376, 379, 380, 381, 385, 387, 388, 589 Ravasz 478 Reder, Rudolf 156, 157, 170, 174, 442 Reeder, Eggert 389, 390, 391, 589 Reemtsma, Philip 84 Reichenau, Walter von 38, 222, 259 260, 262, 289 Reinecke, Hermann 214 Remenyi-Schneller 498 Remer, Otto 554, 576 Renthe-Fink, Cecil von 392 Rhallis 425 Ribbentrop, Joachim von 14, 22 35,36, 39, 42, 81, 82, 83, 85, 86, 87, 95, 105, 106, 226, 258, 257, 346, 352, 365, 385, 392, 393, 394, 395, 396, 398, 399, 400, 407, 408, 409, 413, 416, 417, 426, 430, 431, 433, 440, 455, 456, 457, 460, 461, 470, 472, 473, 474, 478, 491, 492, 499, 500, 552, 582 Ribiere 364, 367 Richert 399 Richter 453, 457, 458, 459 688 Riefenstahl, Leni 38 Ringelblum, Emanuel 68 Ritter 400 Roatta 416, 417 Roediger, Conrad 377, 431 Röhm, Ernst 5, 7, 14, 21, 455 Rössler 231, 260 Röthke, Heinz 356, 358, 359, 360, 361, 362, 363, 364, 365, 366, 367, 368, 369, 370, 371, 564, 589 Roey, van 390 Rola-Zymierski 306 Roosevelt, Franklin D. 463, 464 Roques, Karl von 228, 259 Rose, Alma 485 Rosenberg, Alfred 25, 63, 87, 90, 96, 101, 144, 196, 216, 217, 225, 227, 230, 235, 237, 246, 249 252, 254, 255, 323, 324, 347, 407, 438, 456, 488, 579, 580, 586, 587, 589, 594 Rosenblatt 74, 280 Roser, Paul 298 Rossi, Augusto 419 Rostig, Helmer 395 Rothmund, Heinrich 9 Rotta, Angelo 488, 489, 490, 491, 498 Rozanski, Zenon 117, 162, 259, 351 Rublee, George 22, 23, 24 Rübe, Adolf 589 Rumkowski, Mordechai Chaim 72, 73, 74, 280, 342 Rundstedt, Gerd von 39, 91, 224, 231, 260, 580, 590 Sabile, Jacques 192, 418, 427 Saffran, Alexander 454, 455, 459 Salmuth, Hans von 223, 224, 590 Samodrea, Tit 455 Sammern-Frankenegg, Ferdinand von 305, 308, 309 Sandberger, Martin 402, 590 Sapieha, Jan Prinz 298 Sauckel, Fritz 178, 355, 590 Scavenius 393, 395 | | N ' | i Schacht, F Schäfer‘ 5 Schallmalı Schaumbu Schechtmo Schedler 2 Schellenbe 10,? Schellin 3 Schierwin! Schindler Schirach, 183, 4 Schlabren 209, 2 Schlagete Schlegelb 17: Schleier« Schmelter Schmidt, Schmidt, Schmidt, Schmidt, 4m, Schmidt, Schmidth Schmidt- Schmitt, Schneide Schobert, Schöngaı Scholz 5. Schuschn 276, Schuster, Schwarz 18, 259 83, 87,9, 16, 217, 2%, 7,46, 249, 3, 324, 347, 3, 579, 580, N 9, 490, 41, 162, 259, 351 , 24 i Chaim 72, 39,91, 224, 18, 427 4, 455, 459 3, 224, 590 ‚Ferdinand 22,590 8 , 590 Schacht, Hjalmar 10, 23, 24 Schäfer, Emanuel 411, 413, 590 Schallmair 576 Schaumburg-Lippe, Prinz 14, 120 Schechtmann, Josef 257, 571 Schedler 280 Schellenberg, Walter 91, 92, 206, 21107212, 213; 214, 215,855, 366, 466, 494, 502, 525, 526, 528" 539, 590 Schellin 330 Schierwind 231, 260 Schindler 307, 315, 333, 336 Schirach, Baldur von 53, 88, 158, 183, 495, 506, 590 Schlabrendorff, Fabian von 39, 209, 221 Schlageter, Leo 120 Schlegelberger, Franz 176, 194, 197, 590 Schleier 344 Schmelter, Fritz 482, 483 Schmidt, Günther 335 Schmidt, Hans 576 Schmidt, Paul Otto 106 Schmidt, Paul Otto 87, 433, 462, 472, 474 Schmidt, Wilhelm 187 Schmidthuber 507 Schmidt-Ott, Friedrich 3 Schmitt, Günther 14 Schneider 545 Schobert, Ritter von 206, 223 Schöngarth, Kar! 107, 338, 590 Scholz 546 Schubert, Franz 234 “Schubert, Heinz 234, 271, 590 Schulenburg, Graf von 57 Schultz 314, 333 Schulz, Erwin 91, 215, 216, 258, 591 591 Schumann, Horst 198, 424, 581, 591 Schumberg 11 Schuschnigg, Kurt Edler von 275, 276, 373 Schuster, Heinrich 484 Schwarz, Albert 123, 124, 125, 181, 189, 591 REGISTER DER PERSONENNAMEN Schwarz, Solomon 250, 251, 257, 269, 320, 358, 97.1 Schwerin von Krosigk, Graf Lutz 1819,.218, 331,391 Sczeptinski 258 Seabury, Paul 82 Seibert, Walter 591 Seidl, Siegfried 187, 591 Seifert 342 Seraphim, Peter Heinz 63, 264, 268 Seredi 489, 491 Seyss-Inquart, Arthur 200, 276, 373, 374, 378, 380, 405, 591 Shawcross, Sir Hartley 231 Shertok, Moshe 494 Sikorski 306 Sima, Horia 449, 546 Simeon, König von Bulgarien 435 Simeonides 425, 426 Simon 183 Simpson, Gordon 576 Six, Franz 216, 369, 591 Skala, Oskar 516 Skorzeny, Otto 499 Slottke(Frl.) 383, 384, 388 Sommer, Karl 123, 181, 182, 591 Sommer 348, 349 Speer, Albert 481, 482 Spoleto, Herzog Aimone von 414 Sporrenberg, Jakob 184, 571 Spritzer, Jenny 321, 361 Stänge 159, 591 Stahel 400 Stahlecker, Franz 103, 212, 213, 216, 217,:221,.228,..2277 240) 241, 242, 244, 245, 246, 248, 252.253, 321% 321 Stalin, Josef W. 259, 507 Stawrescu 451 Steengracht von Moyland, Adolf 82, 192, 395, 397, 398, 551, 552, 592 Stefan 431, 434 Steiner, Friedrich 231, 441, 563 Stephens 348 Stern, Samuel 475, 498 Stettinius 503 Stirbey, Fürst 465 DIE ENDLOSUNG Stolyarewitsch 252 Storch, Hillel 527, 532 Straka, Georg 521 Strauch, Eduard 215, 245, 253, 254, 324, 371,992 Streckenbach, Bruno 91, 592 Streicher, Julius 551, 592 Stroop, Jürgen 220, 290, 294, 295, 3077 309, 3107 311, 3127 318; 314, 38], 377 392 Stuckart, Wilhelm 8, 18, 97, 107, 1947 1957.592 Stülpnagel, Heinrich von 349, 350, 354,355) 357, 369, 392. Stülpnagel, Otto von 85, 346, 347, 348, 349, 350 Stumm, Freiherr von 460 Suhr 187 Suhren, Fritz 540 Svenningsen 394 Szälasi, Andor 499, 500, 501, 502, 503, 507, 592 Szerynski 73, 294 Szmerling 294 Sztojay, Dome 467, 469, 470, 472, 476, 477, 478, 480, 487, 488, 489, 490, A491, 492, 498, 501, 50705097592 Tenenbaum, Josef 236, 306, 320 Tenenbaum-Tamarov, Mordechai Sl, 3227 323 Terboven 399 Tesch, Bruno 164, 592 Thadden, Eberhard von 183, 190, 213, 340, 368, 384, 397, 426, 427, 428, 462, 463, 479, 480, 481, 487, 574, 592 iihierack,©tto 35, 127, 131, 176, 177, 183, 593 Thilo 130, 193, 593 Thomas, Georg 228, 264, 268 Thomas, Max 263, 264, 348, 349, 593 Tiso, Jozef 438, 440, 443, 444, 445, 446, 447, 593 Tito, Josip 139, 416, 419, 499 690 Többens, Walter 78, 79, 295, 307, 308, 309, 312; 314, 3317 3380 337, 342, 343, 598 Tolstoi, Alexej 272 Tolstoi, Leo 549 Tomalla 159 Trestorianu 270 Trevor-Roper, H.E. 544 Trotzki, Leo 385 TIöch, HI 111 Türk, Richard 283 Tuka, Vojtech 438, 441, 442, 444, 447, 593 Turner, Harald 410, 412, 413, 593 Uebelhöer 76 Ulmer 163 Vaillant-Couturier 127,131, 423,505 Vajna, Gabor 483, 500, 501, 504, 506, 507, 593 Vallat, Xavier 347, 353, 581, 593 Vasek 447 Vatoianu 459 Veesenmayer, Edmund 443, 473, 474, 477, 478, 488, 490, 491, 492, 495, 498, 499, 500, 501, 593 Veltjens 383 Ventski 76 Vercelling 364, 366 Vettermann, Ilse 575 Vitale, Max Adolf 401, 404, 565 Vorberg 143 Wächter, Karl Gustav 60, 276, 300, 593 Wagner, Adolf 86 Wagner, Eduard 25, 91, 92, 95, 214, 299, 348, 349, 468, 593 Wagner, Gerhard 140, 14] Wagner, Horst 397, 435, 574, 593 Wagner, Josef 86 Wagner, Robert 85, 86, 593 Wainapel, David 339 Wallenbe 507 WarszaW Weinbad Weinhau Weinmar Weiss, M Weizsäck 56, 8 1%, 400, 499, 59, Welczek Wellers, 369, Wenning Werner Wetzel, 26, Wielikov Wiernik, 29, Wilhelm land Windeck Winkelm Winterte Wipperr Wirth, C 146, 159, 11, Wise,$t Wislicen 288, 131,423,505 0, 501, 504, 581, 593 J 443, 473, 3, 490, 491, 7, 500, 501, 404, 569 0,276,30, ‚92,95, 214 7 593 be) 14 al 35, 574,59© 593 ‚ Wallenberg, Raoul 490, 504, 506, 507 Warszawski, Sawek 157 Weinbacher, Karl 163, 164 Weinhaus, Nat 252 Weinmann 35, 536, 593 Weiss, Martin 244, 594 Weizsäcker, Ernst von 22, 23, 51, 567.825897.105, 1108, 110971927 19412267351, 3525 395, 399} 400, 401, 409, A411, 413, 430, 439, 442, 456, 457, 470, 574, BI2 5A Welczek, Graf Johannes von 12 Wellers, Georges 179, 356, 360, 369, 370, 371, 563, 564 Wenninger 493 Werner 200 Wetzel, Ernst 41, 42, 144, 145, 152, 226, 456, 574, 594 Wielikowski 309 Wiernik, Yankiel 133, 157, 158, 160, 291, 323, 432, 442 Wilhelm Il., Exkaiser von Deutsch- land 3 Windecker 384 Winkelmann 474, 488, 501, 503 Winterton, Lord 23 Wippern 330 Wirth, Christian 138, 139, 143, 144, 175815021515 1522 1532158; 1592181 162 1637. 169, 170: 172 172727075 594 Wise, Stephen 461 Wisliceny, Dieter 28, 31, 87, 154, 2883) 338, 357, Als, AD], 422, REGISTER DER PERSONENNAMEN 424, 425, 426, 429, 438, 439, 440, 441, 442, 443, 444, 446, 447, 466, 475, 477, 480, 493, 495, 4977 502,504 5055337 545, 546, 562, 594 Witiska 446, 447, 594 Wittenberg, Itzig 325, 326 Wheeler-Bennet 212 Wöhler, Otto 223, 224, 225, 594 Woermann, Ernst 18, 20, 89, 351, 594 Wohltat, Helmuth 24, 52 Wolff, Jeanette 103, 133, 327 Wolff, Karl 82, 126, 288, 289, 594 Wolken, Otto 125, 184, 194, 327, 339.342 37.5 887, A017 4033 429 Woyrsch, Udo von 542 Wulff 421 Wurm, Theophil 146 Yeo-Thomas, F. F. E. 484, 521, 537 Zamosc, Graf von 51 Zeitschel 344 Zenner 254 Ziereis 538, 539 Zinkteller, Roman 129 Zöpf 200, 201, 376, 381, 382, 383, 385, 387, 388, 594 Zörner 52, 277, 286, 594 Zucker 188, 193 Zweig, Arnold 286 Zywulska, Kristina 118, 342 Register der Ortsnamen Aarhus 396 Agram 407, 415, 418, 419 Algier 357 Alt-Aussee 31, 545, 546 Amsterdam 80, 372, 373, 374, 375, 316, 31 313% 319, 38, 382) 383, 387, 388, 436 Ananiew 270 Angers 357 Ankara 494 Antwerpen 101, 388, 389, 390, 564 Arad 457, 465 Arbe 419, 420 Artemowsk 268 Athen 425, 426, 428, 429, 518, 566 Atlit 461 Auschwitz(siehe auch Birkenau) 111,46, 53, 72,85, 108, 110, 112 12 195% 116; 1175 118, 11212073120, 1227 1232194, 125, 128, 127, 128 129,130, 1831, 1327 133,134, 71357 138, 139144771477 1497 71577158) 692 447, 457, 462, 466, 478, 479, 481, 482, 483, 484, 485, 486, 487, 491, 495, 496, 509, 510, all, 512, 514, 515, 316, 52 318,:319, 920, 521,522) 529 324, 562, 569, 564, 269, 302 Baktschiserai 272 Balta 453 Banjica 420 Banska Bystrica 445 Baranowicze 219, 236, 249, 255 Baveno 402 Beaume la Rolande 84, 359 Bedzin(siehe Sosnowiec-Bedzin) Bekäsmegyer 498 Belgrad 95, 110, 267, 406, 407, 408, 409, 410, 411, 412, 413 Belsen(siehe Bergen-Belsen) Belzec 54, 139, 155, 156, 157, 170, 173, 174, 274, 28], 2837 282 285, 286, 288, 298, 299, 442 Belzyce 54 Benschen 11 Berditschew 256, 259, 261 Berg 398 Bergen 399 Bergen-Belsen 130, 291, 342, 385, 386, 387, 390, 427, 428, 429, 444, 446, 484, 496, 497, 504, 506, 519, 520, 523, 524,529 526, 527, 528, 529) 590, Sam 532, 533, 534, 341, 999 Berlin 25, 32, 33, 937 26, 98703 100, 102, 103, 104, 107, 1e 114, 180, 322 Bernburg Berschad Biala-Po Bialystok 321, 577 Bielitz 12 Bikerniek Birkenau 118, 519, Bitolj 407 Blahowst Blechharr Blizyn 32 Bobruisk Bochnia Bochum Bordeau, Borislaw Borissow Bozen 5 Branden! Bregenz Bremen Breslau( Bromber Brünn 4 Brüssel 2 Buchenw 511, Bukarest 478, 47, 485, 486, 509, 510, 516, 517, 522, 5%, 565, 572 49, 255 359 -Bedzin) , 407, 408, 413 Isen) ‚157, 170, 283, 284, 29, 4 342, 385, 498, 49, 497, 504, 504, 525, 530, 531 575 6,8, 9 107, 111 1125 1244 7174; 175, 180, 181, 184, 188, 322 Bernburg 148, 149 Berschad 453 Biala-Podlaska 441 Bialystok 59, 73, 188, 3214322, 323.332, 577 Bielitz 121, 286 Bikernieki 245, 327 Birkenau(Auschwitz Il) 99, ker 121,124 125) 191,182) 176, 200, 172} 252, 317, 462, zz 128, 149, 193, 378, 429, 491, 518, 519, 520, Bitolj 407, 432 Blahowstina 254 Blechhammer 380 Blizyn 323, 337, 339 Bobruisk 249, 250 Bochnia 303, 304 Bochum 483 Bordeaux 357, 361 Borislaw 337 Borissow 102, 221, 250 Bozen 565 Brandenburg 139, 144, 153, 165 Bregenz 504 Bremen 104 Breslau 33, 176, 179, 182 Bromberg 48 Brünn 49, 104, 111, 186, 252 Brüssel 388 Buchenwald 17, 132, 135, 138, 139, 148, 150, 157, 128, 2107316, 318, 375, 481, 484, 510, 520, 521, 578 Budapest 183, 466, 474, 478, 479, 487, 488, 496, 497, 498, 499, 503, 504, 505, 506, 511, 568 Bukarest 464, 466 475, 491, 500, 507, 476, 493, 502, 509, REGISTER DER ORTSNAMEN Casablanca 33 Cattaro 415 Cavalla 435 Chälons 357 Charkow 183, 229, 256, 267, 268, 571 Chelm 56, 57 Chelmno 46, 101, 139, 152, 153, 154, 161, 264, 274, 278, 213, 280, 281, 341 Cherson 256, 265, 271 Chodel 54 Cholm 286, 441 Ciechanow 53, 322 Compiegne 350 Cosel 122, 380 Curzola(siehe Kor£ula) Czepel 491 Czernowitz 451, 452, 454, 455, 456, 464, 465, 466, 567 Czudin 452 Dabrowa-Gornicza 121, 286 Dachau 27, 149, 178, 316, 328, 510, 520, 527 528, 535,536) 5874539, 57.6 Danzig 42 Debica 286, 339 Deblin 441 Debreczin 495 Den Haag 200 Dnjepropetrowsk 219, 256, 265, 571 Dora 520 Dorohucza 319 Dortmund 103 Drama 435 Drancy 84, 121, 350, 352, 353, 359, 360, 361, 363, 367, 368, 369, 370, 371 Drohobycz 257, 258, 337 Dubnitza 432 Dubno 231, 299 Dubrovnik 415, 416, 418 Dünaburg 242, 244 693 a Sem nei een DIE ENDLOSUNG Düsseldorf 98, 103, 174 Dwinsk(siehe Dünaburg) Ebensee 516 Edinet 452 Eichberg 147, 151 Eindhoven 387 Essen 482 Essentuki 227 Ferramonte-Tarsia 415 Fiume 404 Flensburg 540, 542 Flossenbürg 520, 527 Fossoli di Carpi 403, 404, 565 Frankfurt/M. 98, 174, 183, 184 Glebokie 218 Glowno 502 Golta 454 Gorlowka 273 Grafeneck 146, 147 Graudenz 48 Gredjani 419 Greiffenberg 520 Grenoble 365 Gries 404, 565 Grodno 248, 321, 322 Groß-Rosen 149, 163, 178, 521, 522 Großwardein(siehe Nagy Varad) Hadamar 143, 146, 148, 151, 152, 170 Haifa 460 Hamburg 98, 103, 104, 252, 278 Hannover 217 Hartheim 149 Hertogenbosch(siehe Vught) Himmlerstadt(siehe Zamosc) Hof 147 Hooghelen 377 Hrubieszow 56, 57, 286 694 Isere 366 Izbica 174, 283, 441 Izieux 370, 447, 578 Jaisk 46 Jampol 454 Jankoi 271 Janow 319 Janow-Lubielski 286 Janowitschi 140 Janowska 285, 299 Jarosiaw 56, 57 Jasinovac 415, 419 Jasinowka 322 Jassy 258, 449, 450, 451, 452, 464 Juma 432 Kaiserswald 133, 327, 328, 329 Kalinindorf 265 Kalisch 48 Kamenetz-Podolsk 95, 219, 268, 468 Kaschanig 432 Kaschau 477 Kassel 174 Katyn 160 Kaufbeuren 146 Kauffering 483 Kazimierz 55 Keczkemet 495 Keilbasin 322 Kielce 48, 61, 337 Kiew: 80, 155, 196, 209, 22277283) 256. 261, 262) 263, 264, 269 571 Kischinew 451 Kislowodsk 272 Kistarcsa 491 Kivioeli 329 Klausenburg 479, 496 Klessheim 419, 433, 470, 472, 474, 489 Kloga 329 Kobe 33 Kobryn 249 Kodyma 223 TEE Köln 98, Königsb Königs Kolomet Komorn Konstan) 494 Konstan: Kopenht Korcula Korfu 42 Koroster Kostopo Kowno/ 226, DAk, 38, Krakau 68, 298, 42, Kreta 4t Kriwoi I Küstend Kursk 2 Kutno 2 Kysak Laborg: Lachois Laibact Lancut Landsb Larissa Leitmer Lembe 28: 315 Leningı Lentvar Les Mil Libau 7 Licino 1 Lida 25 Lidice Lieben Lika 49 1, 452, 464 28, 329 219, 268, 1,222, 233, ‚24, 209, ), 472, ATA, Köln 98, 103 Königsberg 173, 248 Königs Wusterhausen 342 Kolomea 72, 299 Komorn 495 Konstantinopel 460, 461, 464, 493, 494 Konstanza 460, 464 Kopenhagen 393, 394, 395 Korcula 418 Korfu 429, 518 Korosten 259, 261 Kostopol 233, 266 Kowno 73, 102, 103, 104, 126, 160, 22072287, 229%° 24095 2A 5242) DAAR 2A7R 2527258, 317, 326, 323% 510,570 Krakau 40, 44, 48, 54, 60, 61, 66, 687.725, 18, 121,288, 288: 2937 2995300) 309, 337,339; MOD A237 517,577, Kreta 462 Kriwoi Rog 101, 265, 234 Küstendil 433 Kursk 268 Kutno 316 Kysak 480 Laborgrad 415 Lachoisk 238 Laibach(siehe Ljubljana) Lancut 57 Landsberg 535 Larissa 426 Leitmeritz 527 Lemberg 72, 256, 257, 258, 259, 285, 298, 299, 300, 317, 318, 3197 320, 3377 338 Leningrad 212, 272 Lentvaris 242 Les Milles 85, 358 Libau 242, 243, 246 Licino 402 Lida 250, 254, 255, 323 Lidice 111 Lieben 111 Lika 420 REGISTER DER ORTSNAMEN Linz 561 Lipowo 277 Litzmannstadt(siehe Lodz) Ljubljana 415 Lodz A6, 48, 5253, 59, 61, 62268} 64, 65, 66, 68, 69, 12 IS TA, 76, 7, 80,.94,95, 96, 977.98 100, 1017 128, 131, 14577152 173, 273, 279, 2807 2815309 317, 323, 331, 337, 3327 240 341, 342, 389, 463, 511, 564 Lom Palanka 432, 435 Lomza 32] London 23, 24, 70, 291 Lopud 418 Lubartow 54, 286, 441 Lublin 48, 49, 50, 51, 52, 54, 55, 61, 77.18, 1277. 1317 189,151, 152 170, 1747 1757 1782°°27708.208% 282, 283, 284, 285, 286, 288, 299, 300) 3037 30973167823} 330, 331, 335, 337, 4152227 424, 425, 435, 440, 441, 443, 483, 509, 512 Lübeck 542 Lukow 441 Luxemburg 98, 158, 182 Lyon 365, 367, 371 Mährisch-Ostrau 49, 51 Majdanek(KZ Lublin) 78, 162, 174, 2710 284, 294, 295, 316,822 3237..330) 331, 33273350338) 352, 441, 442, 512, 523 Makow 322 Malchow 540 Malines 355, 389, 390, 391, 564 Malkinia 293 Maly Trostinec 186, 325 Marienbad 537 Mariupol 273 Marmaros-Sigeth 477 Marseille 308, 357, 366, 367 Mauthausen 178, 375, 377, 404, 423, 475, 506, 516, 520, 5357 5377 5334 5339, 565 Megeve 366, 367 DIE ENDLOSUNG Melitopol 271 Memel 248 Merkelsgrün 27 Miczajewice 251 Miedzyrzec 441 Mielec 282, 283 Mineralnye Wody 272 Minsk 73, 80, 101, 102, 104, 141, 44,145, 152, 188, 210,227, 234,235, 242% 247, 250,231, 2524 2533 2542 25395. 218: 294, 311, 3116, 317, 823, 3247 325, 310, 377. Mitrovica 410, 411 Mlava 322 Mogilew 219, 250 Mohilew-Podolsk 452, 454 Monastir(siehe Bitolj) Monowitz 120, 130, 517 Monte Carlo 358 Moskau 209 Mostar 415, 416, 418 Mühldorf 483, 535, 576 München 9, 10, 13 Munkacz 476, 477, 479 Nagy-Kanizsa 476 Nagy Varad 479 Neudachs 120 Neuengamme 527, 541 Neusatz(siehe Novisad) Neusohl(siehe Banska Bystrica) Nikolajew 271 Nisko 49, 50, 51, 561 Nizza 366, 367 Novisad 468 Nowogrodek 236, 325 Nowo Ukrainka 260 Nowo Zlatopolje 265 Nürnberg 103, 174 Odense 393 Oderberg 49 Odessa 80, 269, 270, 456, 571 Ohrdruf 527, 537 Opole Wlodawa 174, 441 696 Oradour-sur-Glane 238 Oranienburg 525, 527, 539, 541 Oslo 398 Pabianice 278, 280 Pag 415 Pallanza 402 Panenske Brezany 111 Paneriai 242, 244, 326 Paris 12, 81, 86, 179, 347, 349, 350, 351, 356, 357, 358, 359, 360, 370 Pavlo Mela 428 Pearl Harbour 70 Pechora 453 Piaski 52, 174, 283, 286 Piaski-Gora 299 Pinsk 218, 249, 255, 284, 299 Piotrkow 299, 337 Pirot 407, 432 Pithiviers 84, 359, 361 Plaszow 138, 309, 319, 337, 339, Plön 542 Plovdiv 433 Podul Iloaje 450 Poltawa 266 Poniatowo 307, 312, 331, 337 Porto Re 418 Posen 42, 48, 280, 281, 334, 336 Potsdam 174 Brag 26, 27, 28, 98, 101, 111,182 185, 252 Preschov 481 Preßburg 183, 439, 440, 445, 446, 447 Pretzsch 208 Prokocim 309 Przemysl 57, 286, 288, 299, 317 Pustkowa 339 Rab(siehe Arbe) Radautz 452 Radogocz 280 Radom 61, 176, 288, 293, 300, 337, 3397310 Radomiı Radomy Ragusd Ravensb 505, 599, Rawa-Rı Redl-Zip Rehmsd! Reichen! Reichshc Rembar! Reval 1° Rhodos Ribniza Riga 10 132, 230, 247, 574 Rivesalt Rom 33 Roman Rossitte Rostow Rotterd Rouen: Rowno Rozwac Rumbu! Rzeszo: 39, 541 ‚349, 350, I, 360, 370 299 337, 39, ‚337 34, 336 111, 182, 445, 446, 9,317 300, 337, —— ETRIEBELT GE EEE ET NE LNE WELZEETT EEE- E Ben nern nen Radomir 432 Radomysl 261 Ragusa(siehe Dubrovnik) Ravensbrück 178, 192, 198, 342, 387, 805,509, 510, 519, 520, 523; 839 540, 941, 578 Rawa-Ruska 298, 302 Redl-Zipf 516 Rehmsdorf 484, 537 Reichenbach 509 Reichshof(siehe Rzeszow) Rembartov 157 Reval 196, 329 Rhodos 429, 430, 565, 566 Ribniza 454 Riga 101, 102, 103, 104, 11525175, 1186, 216, 230, 242, 243, 244, DA 252% 3, 327, 574 Rivesaltes 85, 358 Rom 336, 400, 401, 402, 404, 565 Roman 451 Rossitten 220 Rostow 268 Rotterdam 374 Rouen 357 Rowno 266, 292 Rozwadow 301 Rumbuli 245 Rzeszow 286, 299, 301, 302 107, 21% 245, 328, 145, 229, 246, 570, Sachsenhausen 82, 178, 192, 342, 3762 887,.AA6, 515, 516) 520; 539, 541 Salas-Pils 103 Saloniki 383, 385, 420, 421, 422, 423, 424, 425, 426, 427, 428, 429, 566 Sandomierz 303 Sarajewo 407, 414, 415 Savoie 366 Schabatz 408 Schanghai 33 Schirowitz 236 Schitomir 231, 233, 256, 259, 260, 261, 571 REGISTER DER ORTSNAMEN Schneidemühl 52 Schwarzheide 192, 483, 509 Sekureni 452 Semlin(siehe auch Zemun) 152, 267, 409 Sered 440, 446, 447 Simferopol 222, 223, 234, 271, 272 Skalat 319, 320 Skarzysko-Kamienna 337 Skoplje 407, 432 Slonim 235, 236, 249, 251, 254, 255 Smolensk 196, 216, 221, 249, 273 Sniatyn 465 Sobibor 139, 151, 152, 156, 159, 160, 161, 182,285, 288, 295.332 378, 382, 383, 424, 442, 523 Sofia 431, 433, 434 Sokal 56, 259 Sonnenstein 151 Sosnowiec(-Bedzin) 120, 121, 286, 3172.320532] Spala 300 Split 415 Stalindorf 265 Stalino 273 Stalowa Wola 301 Starachowice 337 Stara-Gradiska 419 Stettin 34, 48, 51, 52 Straßhof 495, 502, 505 Stresa 402 Stryi 299, 302 Stuttgart 103 Stutthof 133, 328, 446, 481, 510, 520 Susak 415 Sutschawa 452 Suwalki 248 Szebnie 309 Szeged 495 Taganrog 272 Tarnopol 257 Tarnow 61, 286, 299, 317, 337 Tasmaidan 267 Temeschvar 457, 465 Tergu Frumos 451 Teschen 49 697 DIE ENDLOSUNG Theresienstadt 103, 104, 108, 124, 132, 102, 17, 179, 1747 175, 180, 182, 183, 184, 185, 186, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 193: 194 1968, 199, 252729), 322, 323, 336, 382) 386, 387, 3217 423, AA6, 517 523, 526, 927,528, 9291 535, 536. 58% 338, 339, 56 562) 565 Thorn 48 Tiraspol 454 Tirlemont 391 Tomaszow-Lubelski 284, 337 Trawniki 174, 283, 284, 291, 294, 295, 307% 309 Treblinka 67, 114, 115, 133, 139, 15, 154, 157, 158° 11607161, 1625 1717 182° 186, 278, 235) 288, 289, 293, 294, 295, 296, 303, 30973227 323, A227 224, 432, 441, 442, 443, 565 Triest 404, 405, 415, 418 Tripolis 403 Trostyane 453 Tschenstochau 48, 288, 299, 337, 511 Tschernigow 266 Tulczin 453, 454, 456 Turda 457 Usküp(siehe Skoplije) Uman 224, 256, 261, 457, 459 Ungvar 476, 477 Uzhorod(siehe Ungvar) Vaivara 326 Varna 433 Vence 366 Verona 402 Vise 39] Vught 200, 381, 387 Wannsee(Berlin-) 105, 106, 107, 698 102, 110, 112,114 110, 1798 185 Warschau 48, 54, 61, 62, 63, 64, 65, 67, 68, 69, 70,71, 73 720: 288 79, 80, 157, 158, 284, 285, 287, 288, 289, 290; 291, 292) 2935 294, 295, 296, 297, 292° 300, 304, 305, 306, 307, 308, 309, 310, Sl, 312, 313, 314 319 316, 336, 339, 424, 432, 435, 510, 311,577 Weimar 534 Westerbork 200, 355, 377, 378, 379, 380, 382, 385, 387, 565 Wien 48, 49, 50, 53, 88, 98, 99, 103, 104, 153, 174, 175, 1827 133 184, 185, 252, 505, 506, 561 Wilna 61, 73, 74, 75, 226, 240, 242, 243, 244, 247. 252, 312. 325 326, 569, 570 Winniza 229, 256, 259, 261, 571 Wisznice 55, 75 Witebsk 249, 250 Wloclawek 60, 76 Woronesch 268 Wosnoschensk 456 Würzburg 98 Wustergiersdorf 483, 509 Xanthia 435 Zadar 415 Zagreb(siehe Agram) Zamosc 44, 51, 174, 177, 178, 179, 284 Zarcze 49 Zbaraz 304 Zborow 257 Zemum(siehe auch Semlin) 410, 411, 412 Zichenau(siehe Ciechanow) Zloczow 257 Zolotaya Gorka 244 37,38, 61, 571 DAS DRITTE REICH UND DIE JUDEN Herausgegeben von Leon Poliakov und Josef Wulf Zweite durchgesehene Auflage Aus den Dokumenten der geheimen Staats-Archive des„Dritten Reiches“ wurde dieses Werk zusammengestellt. Damit treten die Untaten dieses Regimes aus dem Halbdunkel der mündlichen Be- richte in das helle Licht einer historischen Darstellung. „Das Buch ‚Das Dritte Reich und die Juden‘ gehört in alle Bibliotheken. Es gehört vor allem in die Hände der Lehrer und Erzieher, nicht zuletzt auf die Pulte unserer Abgeordneten und Politiker.” Bayerischer Rundfunk „Dieses Buch zu lesen ist schmerzhaft aber heilsam, wenn es unseren Willen stärkt, dem alten Ungeist, wo er sich auch regt, entschlossen die Stirn zu bieten und ohne Wenn und Aber dagegen aufzutreten, wo es notwendig ist.” D. Dr. Eugen Gerstenmaier, Präsident des Deutschen Bundestages „Das Buch gibt die Handhabe zur Analyse eines Phänomens, das Bun- despräsident Theodor Heuss den ‚Durchbruch des biologischen Natura- lismus der Halbbildung‘ nannte, mit der Konsequenz eines ‚Mordens als schier automatischem Vorgang.” Der Tagesspiegel, Berlin 400 Seiten und 72 Seiten Faksimiles und Bilder, Format 17,2 x 23 cm, Ganzleinen 39,50 DM araniı VERLAGS-GMBH- BERLIN-GRUNEWALD JDEN > Wulf 1e Auflage ;„Dritten treten die ichen Be- Jliotheken. icht zuletzt r Rundfunk es unseren lossen die ten, wo 65 ındestages ,, das Bun- an Natura- Iordens als gel, Berlin und Bilder, 1 39,50 DM 'EWALD Im gleichen Verlag erschienen STUDIEN ZUR EUROPÄISCHEN GESCHICHTE AUS DEM FRIEDRICH-MEINECKE- INSTITUT DER FREIEN UNIVERSITAT BERLIN- BAND I Gilbert Ziebura Die deutsche Frage in der öffentlichen Meinung Frankreichs von 1911- 1914 224 Seiten, engl. brosch. DM 16,— Veritas- lustitia- Libertas Festschrift zur 200-Jahrfeier der Columbia University New York überreicht von der Freien Universität und der Deutschen Hochschule für Politik Berlin 348 Seiten, Ganzl. DM 7,— M. und E.E. Müller „...stürmt die Festung Wissenschaft!“ Die Sowjetisierung der mitteldeutschen Universitäten seit 1945 416 Seiten, 48 Bildseiten, Ganzl. DM 7,30 SCHRIFTENREIHE DER DEUTSCHEN HOCHSCHULE FÜR POLITIK BERLIN Paul Tillich Die Philosophie der Macht 36 Seiten, brosch. DM 1,50 Otto-Heinrich von der Gablentz Kants politische Philosophie 24 Seiten, brosch. DM 1,50 In Vorbereitung Hermann Ehlers+ Das Problem des Führers und des Funktionärs Walther Hofer Westliches und östliches Geschichtsdenken Hans Reif Politik und Moral Franz Böhm Revolution und Widerstand Colloquium Verlag- Berlin-Dahlem kuum 8 ah ; » 1 Tag: 1.9.[So DEE Ike[BE 110 79>) 9 eg "Colour[N ae un| Blue Cyan Green Yellow Red Magenta