Gerhard Ritter: Carl Goerdeler und die deutsche Widerstands- E bewegung UB GIESSEN ANLNMINNN 27 013 880 Lieselotte Thümser-Weil Lagerge Freun meinschaft Au schwitz deskreis Auschwitz Tornowstraße 9 6000 Frankfurt/M. 90 Telefon 069/ 77 7492 Gerhard Ritter: Carl Goerdeler und die deutsche Widerstandsbewegung Deutscher Taschenbuch Verlag Heike Duill Marianne Gross Bereidensteiner Weg 7a 60489 Frankfurt Tel. 069/7893368 Die Veröffentlichung von Ausarbeitungen und Briefen C. Goerdelers erfolgt im Einverständnis mit seinen Erben, die den Abdruck gestattet haben. Das ihnen zu- stehende Urheberrecht bleibt unberührt. Jede weitere Verwendung ist daher nur mit. ihrer Zustimmung zulässig. Inhaltsverzeichnis Bee a ER 7. Peretnheuno. u u: ve te 15 Erstes Buch: Das Werden des Politikers Erstes Kapitel: Jugend und Mannesteife....... 19 Zweites Kapitel: Bürgermeisterund Kommunalpolitiker. 29 Drittes Kapitel: Berater des Reichspräsidenten..... 46 Viertes Kapitel: In den ersten Jahren des Hitler-Reiches. 66 Zweites Buch: Deutsche Widerstandsgruppen Fünftes Kapitel: Geschichtliche Voraussetzungen für den Autstieo des Nationalsozialismus........ 91 Sechstes Kapitel: Die sozialistische Opposition..... 99 Siebentes Kapitel: Kirchliche Opposition....... 111 Achtes Kapitel: Bürgerliche Opposition....... 124 Neuntes Kapitel: Die Haltung der Soldaten...... 132 Drittes Buch: Die Verschwörung I. Abschnitt: Um die Rettung des Friedens( 1937- 1940) Zehntes Kapitel: Goerdelers Auslandsreisen 1937/1938. BU BESchechenkrise 1938."...,...... vo... Senn 158 Elftes Kapitel: Vom Münchner Abkommen bis zum Po- uereet1938 1939).......... 0 209 Zwölftes Kapitel: Letzte Versuche zur Löschung des Welt- Beaudes(Winter 4939141040):.......... 0 245 II. Abschnitt: Um die Abwendung der Katastrophe( 1940- 1944) Dreizehntes Kapitel: Wider den Siegestaumel. Zukunfts- BanetenDentschland.....;„ou. 2.=».% 282 Vierzehntes Kapitel: Friedens- und Zukunftspläne Für Eimemae 2 ee ee 331 Fünfzehntes Kapitel: Umsturzversuche 1942-1944 ee Stalnptad 2. 4.002: SEN !9f Nach Stalingrad..n“ en RS.93105 III. Vorbereitung im Becbet 1985 en 7) IN2 Ost oder West. 8.492 V. Das Ende der od örung. Die Julikatastrophe 408 Sechzehntes Kapitel: Das Ende............430 Quellennachweis und Ergänzungen... 469 Anhang I. Aus der Niederschrift Goerdelers:»Gedanken eines zum Tode Verurteilten- September 1944 im Gefäng- nis«: Über den künftigen inneren Zustand Deutsch- lands 2> 2539 II. Goerdeler las pol Astra een esen nel Ms: die Schaffung von»Reichsgauen«....545 III. Zum Aufbau der deutschen Gew ser aft Ben Aus sagen W. Leuschners vor der Gestapo.....546 IV. Aus dem Entwurf eines Aufrufs, den der die Kronprinz an Armee und Volk erlassen sollte... 550 V. Friedensplan Goerdelers, zur Übermittlung an die bri- tische Regierung bestimmt, vom 30. Mai 1941... 551 VI. Friedensplan Goerdelers, vermutlich für britische Le- ser bestimmt. Wahrscheinlich vom ee oder Bienbstiggs 0 0: 551 VII. Geheime Derlchit: Sana, für ehe Eererlie bestimmt, über die Notw eines Staatsstreichs. 20. März 1943.: 55,7] VII. Goerdelers Entw ver eines Brusfese an Ve alakler schallsvon Kluge 25.7. 1942..,. 2... 0 20. 202 3072 IX. Ministerlisten Goerdelers.... E77) X. Liste der von den Verschwörern des 20. mike elle ten»Politischen Beauftragten« und»Verbindungsofhi- ziere« der Wehrkteise..... RS7aT XT. Aufruf an die Wehrmacht. Eee Bar Als sten I, Beck.»". air. 7) XI. Gestapobericht über angebliche Verbindnnpen Se, fenbergs nach England im Frühsommer 1944.... 581 Bersohenrepister u... ar an oz Vorr: Derä schie« Goer bald: und/ verw. malig Fühn 1944: carita Verte blieb: erster im A beten dem’ Ichb; gabe Vorrede Der äußere Anstoß zur Ausarbeitung dieses Buches kam von ver- schiedenen Seiten. Einmal von der mir befreundeten Familie Carl Goerdelers, die dessen überaus reichen schriftlichen Nachlaß, der bald nach Kriegsende aus den verschiedensten Verstecken im In- und Ausland zusammengebracht worden war, in einer Biographie verwertet zu sehen wünschte. Sodann von einem Kreise ehe- maliger Angehöriger der Widerstandsbewegung, der sich unter Führung des Ehepaares Graf Hardenberg zum»Hilfswerk 20. Juli 1944« zusammenschloß— einer Stiftung, die im wesentlichen caritativen Zwecken gewidmet ist, nämlich der Beschaffung und Verteilung von Mitteln zur Unterstützung notleidender Hinter- bliebener nd Überlebender der Widerstandsbewegung. Aufeiner ersten Zusammenkunft dieses Hilfswerks in Hindelang(Allgäu) im August 1947, zu der auch ich eingeladen war, wurde ich ge- beten, mich um die Sammlung sen Orkan mit dem Ziel einer späteren geschichtlichen Darstellung zu bemühen. Ich bin beiden Anregungen gefolgt, weilich die Lösung der Auf- gabe für politisch notwendig hielt. Die Materialsammlung erwies sich als überaus schwierig und zeitraubend. Wie vorauszusehen, waren schriftliche Dokumente außerhalb des Goerdeler-Nachlasses nur noch sehr spärlich vor- handen. Das meiste war entweder der Gestapo in die Hände ge- fallen oder aus Furcht vor ihrem Zugriff vernichtet, manches auch in seinen Verstecken unauffindbar geworden. Überdies hat über- haupt nur ein verhältnismäßig kleiner Kreis von Mitgliedern der Opposition seine Pläne, Verabtedungen und Erlebnisse zu Papier gebracht. So war ich zunächst in der Hauptsache auf die Samm- lung mündlicher und brieflicher Auskünfte von Überlebenden und Angehörigen angewiesen: ein Quellenmaterial von sehr un- terschiedlicher Ergiebigkeit und Zuverlässigkeit, meist nur mit kritischer Vorsicht zu gebrauchen. Von den nächsten Angehö- tigen und Freunden war in sehr vielen Fällen nicht mehr zu erfah- ten als eine allgemeine Charakteristik der betreffenden Persönlich- keitund ihrer politischen Grundhaltung. Briefe politischen Inhalts sind nur in Ausnahmefällen erhalten. Die wichtigste Unterstüt- zung bei dieser Sammelarbeit fand ich durch meinen ehemaligen Schüler, Dr. Heinrich von zur Mühlen in Berlin. Er hatte im Auf- trag und mit finanzieller Unterstützung eines Berliner Kreises (von Zastrow, von Zitzewitz-Muttrin, Frau Leber, Heinz, Dr. - ‚Reuter u. a.) schon vorher eine Materialsammlung begonnen, die - ‚durch ausführliche, genau präzisierte Befragung von Überleben- 8 Vorrede den getördert wurde. Leider setzte die Geldabwertung von 1948 dieser fruchtbaren Tätigkeit ein Ende. Ich habe sie indessen auf andere Weise fortsetzen können: durch eine sehr ausgedehnte Korrespondenz, zahlreiche Besuche und persönliche Aussprachen, nicht zuletzt auch durch eine Archivreise, die ich im Herbst 1950 nach dem Staatsarchiv Nürnberg und den Berliner Archiven un- ternahm, Ihr wichtigster Ertrag war eine Reihe von Funden im amerikanischen Document Center in Berlin-Zehlendorf, das mir (wohlals erstem deutschem Forscher) durch die Besatzungsbehör- den zugänglich gemacht wurde, und eine vorläufige Übersicht über den Verbleib der amtlichen deutschen Dokumente der Hit- lerzeit, über denich in der Zeitschrift»Der Archivar«, Jahrgang IVs5 Heft 2, Mai 195 1, berichtet habe. Für die Durcharbeitung der(ge- druckten und ungedruckten) sogenannten Nürnberger Prozeß- materialien standen mir Freiburger studentische Hilfskräfte zur Verfügung, deren Besoldung dankenswerterweisezum Teil diean Goerdelers Schicksal so stark interessierte Firma Robert Bosch übernahm. Bei der Vervollständigung der Materialien aus dem Nachlaß Goerdelers waren mir unter anderen Bundesminister Jakob Kaiser und Dr. Strölin-Stuttgart behilflich. Letzterer er- schloß mir den ersten Zugang zu wichtigen Dokumenten, die Verlagsdirektor Gotthold Müller, einer der Leipziger Freunde Goerdelers, aufbewahrt hatte. Nach und nach kam so doch eine ganze Menge zerstreuten Quellenstoffes zusammen. Allmählich erschien aber auch immer weiteres wichtiges Quellenmaterial im Druck: Presseartikel der verschiedensten Art, größere und kleinere Memoirenwerke und Spezialstudien, nicht zuletzt eine Reihe amtlicher Aktenpublika- tionen zur Außenpolitik der Hitlerzeit. Ich bin dankbar dafür, daß ich nicht gedrängt war, mein Buch vorzeitig abzuschließen, son- dern die jetzt vorliegende Fülle solcher Publikationen abwarten konnte. Den wichtigsten Quellenfund machte ich erstim Frühjahr 1953, als es mir mit liebenswürdiger Unterstützung des State De- partmentin Washington(Dr. Kellermann, Dr. Noble, Dr. Sweet) gelang, nicht nur Zugang zu finden zu den der Forschung bereits freigegebenen deutschen Beutedokumenten des War Dept.(De- partmentalRecordsBranch, Alexandria-Virginia), sondern schließ- lich auch zu gewissen, bisher sekretierten Beständen, die sich mit der Verschwörung des 2o. Juli 1944 beschäftigten: den täglichen Berichten, die der Gestapochef Kaltenbrunner vom 21. Juli bis 15. Dezember 1944 über das Ergebnis der Vernehmung von Häft- lingen des zo. Juli an Bormann für Hitler erstatten ließ. Ihr Ver- fasser ist(nach dem bekannten Kiesel-Bericht) nicht Kaltenbrun- Vorrede 9 ner selbst, sondern der Obersturmbannführer von Kielpinski. Sie sind, wie alle für Hitlers eigene Lektüre bestimmten Berichte, mit einer abnorm großen Schreibmaschinentype geschrieben, um ohne Brille lesbar zu sein, und mit zahlreichen dokumentarischen Beilagen versehen, die ihren Quellenwert außerordentlich erhö- hen. Den Wortlaut der Gefangenenaussagen geben sie nur in we- nigen Einzelfällen wieder, bemühen sich aber sichtlich um exakte Formulierung der Einzelheiten. Leider findet man sehr oft nur Andeutungen, wo man genauere Information wünschte, bloße Auszüge statt eines volien Berichts. Trotzdem sind diese Polizei- rapporte, die Hitler(nach Kiesels Bericht) täglich gierig ver- schlang und die ihm als Ganzes ein erschütterndes Bild von der inneren Zersetzung seines Staatswesens geben mußten, für den Historiker der Widerstandsbewegung von unschätzbarem Wert. Mit kritischer Vorsicht gelesen, geben sie ein recht genaues Bild der verschiedenen Verschwörergruppen und ihrer inneren Ge- gensätze, aber auch Gemeinsamkeiten. Ich habe sie im folgenden abgekürzt mit der Sigle KB.(Kaltenbrunner-Berichte) zitiert, Goerdelers verschiedene Aufzeichnungen im Gefängnis(sie sind im Schlußkapitel einzeln besprochen) zusammenfassend mit der Sigle Mem.(Memoiren). Mancherlei weitere Aufschlüsse verdanke ich meinem Studium deutscher Dokumente in der Congress Library und den National Archives Washington D. C. sowie in der Hoover Library, Stan- ford/Calif.- ein Studium, zu dem mir eine dreimonatige Vortrags- reise durch die USA auf Einladung amerikanischer Universitäten 1953 die Möglichkeit bot. Die liebenswürdige Hilfsbereitschaft aller amerikanischen Dienststellen, die ich aufsuchte, verdient jedes Lob. Besonders dankbar bin ich dafür, daß man mir ermög- lichte, diejenigen Dokumente, die ich infolge verzögerter Frei- gabe nicht mehr selbst abschreiben konnte, kopieren zu lassen, und einzelne Quellenstücke noch nachträglich in Filmkopie zu- gehen ließ. Es würde mehrere Seiten füllen, wollte ich die Namen aller der- jenigen Persönlichkeiten aufzählen, die mich durch Auskünfte (oft sehr ausführliche) und Hergabe von Quellenstücken bei mei- ner Arbeit unterstützt haben. Ich darf sagen, daß sich so gut wie niemand, den ich um Auskunft bat, meiner Bitte versagt hat, und bitte um die Erlaubnis, meinen lebhaft empfundenen Dank allen freundlichen Helfern generaliter aussprechen zu dürfen; die Na- men sind jeweils an der betreffenden Stelle im Quellennachweis genannt. Ich bedaure nur, daß es mir unmöglich ist, alle mir er- \ teilten Auskünfte im Rahmen dieses Buches auszuwerten, dessen 10 Vorrede Ziel ia nicht sein darf, eine möglichst vollständige Aufzählung von»Widerstandskämpfern« unter Abwägung ihres jeweiligen Anteils an der Verschwörung zu bieten, sondern eine Geschichte der Widerstandsbewegung als Ganzes, gruppiert um eine füh- rende Gestalt und auf dem Hintergrund der Geschichte des Hit- ler-Reiches. Ganz verzichtet habe ich auf eine Darstellung des Ablaufs der Ereignisse am 2o. Juli 1944— und nicht nur deshalb, weil Goerdeler nichts mehr damit zu tun hatte. Sie hätte den Rah- men des recht umfänglich ee Buches gesprengt. Das über diese Ereignisse gesammelte Quellenmaterial hoffe ich später andernorts zu verwerten. Kein Fachhistoriker, der sich mit Fragen der allerjüngsten, noch selbst erlebten Vergangenheit beschäftigt, wird dies leichten Herzens tun. Es ist schwer, bei so geringem zeitlichem Abstand einen Gesamtaspektzu gewinnen, der das einzelne in seinem Wert und Unwert, in seiner wahren geschichtlichen Bedeutung abzu- schätzen gestattet; esist qualvoll und oft enttäuschend, mit einem Quellenstoff zu hantieren, der sich gleichsam noch in flüssigem Aggregatzustand befindet, während der Arbeit fortlaufend noch anschwillt, aber auch oft unter den Händen zerrinnt. Man lernt dabei sehr eindringlich, wie aus den Ereignissen»Geschichte« wird: durch fortlaufend zur Legende erstarrende Mißverständ- nisse, Mißdeutungen, Halbwahrheiten der politischen Publizistik, der es so selten auf die reine Wahrheit, so überwiegend auf den politischen Effekt ankommt; durch Anklage und SelBsiverfeide sung der Kämpfenden, die ea beiden Seiten zu übertreiben und zu verzerren pflegen; mit einem Wort: in dicken Staubwolken, die das wirkliche Geschehen halb verschleiern. Dieses Geschehen klar zu erkennen in seinen wahren Zusammenhängen, aus tausend Mosaiksteinchen sich ein Bild zusammenzusetzen, das wenigstens in seinen Grundlinien den Tag überdauern kann, ist ein sehr müh- sames Geschäft; ich hatte oft die Empfindung bei der Arbeit, sie sei die mühsamste meines literarischen Lebenswerkes überhaupt. Aber sicherlich war es auch die bewegendste, die den ganzen Menschen in Anspruch nahm, nicht selten bis zu zitternder Er- regung. Denn wie könnte ein solches Buch ohne Leidenschaft geschrieben werden! Ob die Leidenschaft des Erkennens und persönlichen Miterlebens das nüchtern-kritische Urteil getrübt hat, mag der Leser selbst beurteilen. Meine Hoffnung“ ist, es möchte dadurch nur um so wachsamer geworden sein. Aufalle Fälle: der Historiker darf nicht warten, bis die Legende sich verfestigt hat. Er muß selbst mit Hand anlegen am Formeii des Bechichebildes unserer Zeit- auch wenn er Gefahr läuft, dadur gezert und e auch( nis, b) Freibı Vorrede 11 dadurch in den politischen Tageskampf unversehens mit hinein- gezerrt zu werden, an manche kaum vernarbte Wunde zu rühren und erregte Proteste von mehr als einer Seite zu wecken; denn auch die politisch-moralische Stellungnahme, das offene Bekennt- nis, bleibt ihm nicht erspart. Freiburg, Dezember 1954 Gerhard Ritter Zar dritten Auflage Seit dem Erscheinen der zweiten Auflage, die zwei Monate nach Erscheinen der ersten nötig wurde und in der nur wenige Berich- tigungen und Ergänzungen vorgenommen werden konnten, hat mich ein Strom von Zuschriften aus dem Leserkreis überflutet, die vielerlei Korrekturen und Ergänzungen meiner Darstellung boten, darunter manches recht Wichtige. Ich habe alles sorgsam überprüft und eine nicht geringe Anzahl von Stellen geändert und ergänzt, hauptsächlich in den Anmerkungen, aber auch im Haupt- text. An meiner Grundauffassung hat sich indessen nichts ge- ändert, sie hat sich vielmehr teilweise durch neue Nachrichten be- stätigt; alle Korrekturen betreffen nur Einzelheiten. Leider war auch daran nichts zu ändern, daß innerhalb einer geschlossenen Darstellung, die sich um eine Zentralfigur gruppiert, nicht alle an dem Geschehen beteiligten Persönlichkeiten mit gleicher Aus- führlichkeit gewürdigt werden können, manche stark zurück- treten müssen. Das hat die Angehörigen mancher Widerstands- kämpfer enttäuscht. Ohne perspektivische»Verkürzung« gewis- ser Teile entsteht aber nun einmal kein plastisches Bild der histori- schen Wirklichkeit. Mein Buch hat auch in der politischen Publizistik ein unge- wöhnlich starkes Echo gefunden, das über die deutschen Grenzen weit hinausgeht. Übersetzungen ins Italienische, Französische und Englische werden von führenden ausländischen Verlagen vorbereitet. In Deutschland ist, soviel ich sehe, weniger die Leistung und Methode meiner Darstellung als die politische Ge- stalt Goerdelers lebhaft umstritten worden. Diese Debatte hat immer mehr eine Wendung genommen, die mich nötigt, öffent- lich dazu Stellung zu nehmen, um Mißverständnisse meiner Auf- fassung abzuwehren. Ich habe weder mit meinen Sympathien für die Persönlichkeit Goerdelers und für die Widerstandsbewegung noch mit meiner Kritik an ihrer politischen Leistung hinter dem Berge gehalten. Das»Stellung nehmen« gehört nach meiner Auffassung zu den unabdingbaren Pflichten des Historikers, der ja nicht eine irgend- wie fertig vor ihm stehende Vergangenheit bloß zu photographie- ren, sondern Geschichte überhaupt erst lebendig zu gestalten und womöglich auch für die Gegenwart fruchtbar zu machen hat. Daran sollen mich auch diejenigen Kritiker nicht irre machen, die mir ein allzu starkes Hervortreten mit dem eigenen Urteil vor- werfen. Man hat aber meine kritische Stellungnahme offenbar vielfach mißverstanden. Sie dreht sich in der Hauptsache immer nur ur wahre Kamp wiede: Goerd Resig! 3.471 Wille: Kräft Die werde schrifi politis näte«, Nicht »Reyr Hitler Denn wenn ihmir tet, al wiß y gung, teyol, Schlev geset: Vorrede 13 nur um einen Punkt: um jenen moralischen Optimismus, der das wahre Wesen des Menschen verkennt und darum im politischen Kampf allzu leicht Illusionen verfällt- anderseits freilich auch wieder als beflügelnder Antrieb wirken kann(was gerade bei Goerdeler der Fall war) und selbst in verzweifelten Lagen vor Resignation bewahrt. Dem Helden dieses Buches wird schon auf S. 47 vorgeworfen, daß er die Macht der Vernunft und des guten Willens überschätzt und darum die Dämonie der politischen Kräfte nicht klar erkannt habe, mit denen er zu ringen hatte. Dieser Einwand scheint nun vielfach so mißverstanden zu werden(so z. B. in dem Aufsatz von Franz Böhm in der Zeit- schrift»Monat«, Juni 1955), als wollte ich Goerdeler und seinen politischen Freunden vorwerfen, daß sie nicht echte»Revolutio- näre«, sondern allzu bürgerliche Moralisten gewesen wären. Nichts liegt mir in Wahrheit ferner als der Wunsch, sie möchten »Revolutionäre« gewesen sein, dämonische Naturen von der Art Hitlers, denen jedes Mittel recht war im Kampf um die Macht. Denn was hätte Deutschland und die Welt damit gewonnen, wenn das Hitlerregiment durch Kräfte gestürzt worden wäre, die ihm irgendwie wesensgleich waren? Es hätte nichts weiter bedeu- tet, als daß der Satan von Beelzebub verdrängt wurde. Ganz ge- wiß war es nicht die Aufgabe der deutschen Widerstandsbewe- gung,»Revolution« zu machen, sondern im Gegenteil: einem revolutionären Treiben, das die ganze Welt ins Unheil stürzte, schleunigst ein Ende zu machen. Man kann auch sagen: streng gesetzliche, meinetwegen»bürgerliche« Ordnung an die Stelle von mörderischer Willkür und ewig gärendem Chaos zu setzen. Was Deutschland nach dem Zusammenbruch der Hitlerherrschaft brauchte, waren nicht neue Machtmenschen, sondern Männer, die allgemeines Vertrauen verdienten- Vertrauen im Inland wie im Ausland. Die Träger des Widerstandes durften also nicht Ehr- geizige sein, denen es primär auf die Erringung der Machtankam, sondern Patrioten, in denen das sittliche Gewissen alle anderen Stimmen übertönte: gewissenhafte, rechtlich gesinnte Idealisten, die bewußt ihr Leben für Freiheit und Ordnung aufs Spiel setzten. Andernfalls hätten sie ihre historische Mission verfehlt. Sie hätten sie freilich auch dann verfehlt, wenn sie auf eine Restauration veralteter Zustände hingestrebt hätten. Aber das wollten sie ja gar nicht- auch Goerdeler nicht; ja er vielleicht am wenigsten von allen. Wenn diese seine Biographie irgend etwas neu ans Licht gebracht hat, so ist es der exakte Nachweis, daß er so ziemlich das Gegenteil eines»Restaurators« war, und es über- rascht mich nicht, aber es betrübt mich sehr, daß die meisten K 14 Vorrede Rezensenten meines Buches gerade diesen zentralen Punkt nicht erfaßt haben oder sich dagegen sträuben, offenbar befangen in zähe gewordenen Vorurteilen. Noch einmal: nicht darin seheich den entscheidenden Einwand gegen die Politik Goerdelers, daß er nicht»Revolutionär« und hemmungsloser Machtpolitiker gewesen ist, sondern darin, daß er die Dämonie seiner Gegner und wahrscheinlich auch die poli- tische Blindheit der Massen des deutschen Volkes unterschätzt, überdies die politische Weitsicht und Handlungsfreiheit auslän- discher Staatsmänner erheblich überschätzt hat. Praktisch bedeu- tet dies vor allem: daß er nicht rechtzeitig die eiserne Notwendig- keit erkannt hat, den Tyrannen gewaltsam aus dem Wege zu räu- men, sondern fast bis zum letzten Augenblick sich dagegen sträubte. Indessen: wer eine solche Kritik ausspricht, wäre selbst ein Illusionär, wenn er das Attentat auf Hitler für eine unfehlbar wirksame Patentlösung hielte. Nicht nur sehr ernste moralische Erwägungen sprachen dagegen(ich habe sie mehrfach, besonders auf S. 436 gewürdigt), sondern auch sehr gewichtige politische Bedenken(über die der Leser u. a. die jetzt neu hinzugefügte An- merkung 130 zum ı5. Kapitel vergleichen möge). Vor allem: so- wohl die äußere Möglichkeit zueiner solchen Mordtat wie ihr poli- tischer Erfolg blieben äußerst zweifelhaft. Es gab aber— wie der Mißerfolg Popitz’ und Langbehns gezeigt hat- auch keine ernst- hafte Möglichkeit, die Front der nationalsozialistischen Macht- haber von innen her aufzubrechen. Und da es vollends unmöglich war, gegen die»revolutionäre« Hitlerbewegung eine»antirevolu- tionäre« Volksbewegung in Gang zu bringen, bleibt nur der Schluß übrig: es gab überhaupt keine irgendwie sichere Erfolgs- chance für den deutschen Widerstand. Was er auch tat und ver- suchen mochte: es blieb immer ein Sprung ins völlig Dunkle. Kann man da noch von»Versagen«, muß man nicht vielmehr von echter Tragik reden? Die deutsche Widerstandsbewegung ist niemals ein echter Machtkampf gewesen— einfach deshalb nicht, weil sie zwangs- läufig machtlos war. Ihre politische Leistung kann darum auch nicht mit den üblichen Maßstäben politischer Historie gemessen werden. Sie war ein reiner Aufstand des Gewissens, und eben darin liegt ihre geschichtliche Bedeutung. Freiburg, im Februar 1956 Gerhard Ritter Zur. Die( ein h gehö der ı unse; schic däch! nur- baue opfei schw mehr derF wenr Peric kom, gerät Macl die\ die) Unte einfa Schaf geht, ande das; dem Natic und Zur Einführung Die Geschichte der deutschen Widerstandsbewegung ist ebenso ein historisches wie ein politisches Problem. Ihre Betrachtung gehört ganz unmittelbar zu jener politischen Selbstbesinnung, zu der wir Deutschen durch die furchtbarste aller Katastrophen unserer bisherigen(an Katastrophen ja wahrlich reichen) Ge- schichte aufgerufen sind. Warum ist es nötig und wichtig, ihr Ge- dächtnis immer wieder zu erneuern? Es wäre bedenklich, wenn es nur- oder in erster Linie- deshalb geschähe, um uns daran zu er- bauen, daß bei weitem nicht alle Deutschen dem großen Baal ge- opfert haben; denn das liefe in allzu vielen Fällen auf eine Be- schwichtigung des bösen Gewissens hinaus und würde im ganzen mehr der Verstockung nationaler Selbstgerechtigkeit dienen als der Festigung eines gesunden nationalen Selbstbewußtseins. Aber wenn schon dieses Selbstbewußtsein heute beginnt, nach einer Periode totaler Verwirrung und Unsicherheit neu zu erwachen, so kommt alles darauf an, daß es nicht wieder auf die alten Bahnen gerät, d. h. daß es sich nicht wieder auf falsche Ehrbegriffe und Machtziele verbeißt. Es ist einfach nicht wahr- das bezeugt uns die Widerstandsbewegung gegen Hitler mit lauter Stimme-, daß die Machtinteressen der Nation imstande sind, den fundamentalen Unterschied zwischen Recht und Unrecht zu überdecken. Es ist einfach nicht wahr, daß die Solidarität der nationalen Gemein- schaft über alle anderen menschlich-sittlichen Verpflichtungen geht, daß sie einen sittlichen Höchstwert darstellt, vor dern alle anderen zu verblassen hätten.»Right or wrong, my countty«— das gilt nicht einmal im Kriege, wenn das Leben des Staates auf dem Spiele steht, als höchstes Gesetz schlechthin. Es gibt keine nationale Ehre, losgelöst von der Unterscheidung zwischen Gut und Böse; nationale Ehre ist nur da, wo ein Volk und Staat sich auch durch sittliche Leistungen bewährt. Wenn wir heute auf den Trümmern des Hitlerreiches uns bemühen, eine neue politische Volksgemeinschaft aufzubauen, so kommt.alles darauf an, daß sie nicht wieder eineGemeinschaft des brutalen nationalen Egoismus, des hemmungslosen, nackten Machtinteresses wird, sondern daß sie den Charakter einer sittlichen Gemeinschaft gewinnt, die sich im Innern aufbaut auf der Achtung vor der Würde und den Frei- heitsrechten der menschlichen Persönlichkeit und die im Verkehr mit fremden Nationen auch das Lebensrecht der anderen zu respektieren weiß. Von dieser Einsicht wird auch die historische Betrachtung der deutschen Widerstandsbewegung heute auszu- gehen haben. 16 Einführung Gewiß, es gab eine Zeit unmittelbar nach der großen Kata- strophe, in der es als vordringlich erschien, der von Haß- und Rachegefühlen erfüllten öffentlichen Meinung des Auslands mit dem Nachweis entgegenzutreten, daß nicht das ganze deutsche Volk solchen Haß verdiene, auch nicht den Vorwurf feiger Servili- tätschlechthin, daß man vielmehr zu unterscheiden habe zwischen der blinden Gefolgschaft Hitlers und einem anderen, besseren Deutschland, dessen führende Köpfe den Schergen Hitlers zum Opfer gefallen sind. Die bekannten Bücher von Hans Rothfels und Eberhard Zeller haben diesen Nachweis mit einer Eindring- lichkeit geführt, die allmählich auch im Ausland einen gewissen Eindruck zu machen beginnt. Heute erscheint es indessen als wichtiger, vor allem die politischen Ideen und die dahinter stehen- den sittlich-religiösen Überzeugungen ans Licht zu stellen, von denen die Opposition der deutschen Widerstandsbewegung ge- tragen war. Denn in der Tat: hier erscheinen Ideale eines neuen, besseren Deutschland und eines neuen, besseren Europa, deren innerer Wert den Tod ihrer Träger überdauert. Der Geist dieser Männer, die moralisch-politische Gesinnung, die sie zur Opposi- tion trieb, muß auch unter uns lebendig bleiben und immer neu er- weckt werden, soll unsere eigene Aufbauarbeit gelingen. Die Zeugnisse dieses Geistes sind sehr vielgestaltig und von sehr verschiedenem Wert je nach der Tiefe und Echtheit der Mo- tive, die den einzelnen zur Opposition trieben. Die Verführungs- kraft des Nationalsozialismus war deshalb so groß, weil seine Predigt auf eine Selbstvergötterung der Nation und eine ideo- logische Verklärung natürlicher Vitalität hinauslief. Dieser Pseu- doreligion war letztlich nur eine echte Religion geistig gewach- sen, oder doch eine sittlich-politische Überzeugung, die in der Überlieferung echter Religion wurzelte. Nicht alles, was aus irgendeinem Grunde unzufrieden war mit dem Hitlerregiment, daran Kritik übte und sich irgendwie zur Wehr setzte, kann zur »deutschen Widerstandsbewegung« in dem hier gemeinten Sinn gerechnet werden. Diese Widerstandsbewegung war schließlich keine Sache unbefriedigten Ehrgeizes, sondern eines reinen Patriotismus, der unser Volk vom Abgrund des Verderbens zu- rückreißen wollte: eines Verderbens ebensowohl sittlich-geistiger als politischer Art. f Wird ihre Geschichte so verstanden, so rückt die Gestalt des Oberbürgermeisters Dr. Carl Goerdeler ganz von selbst in den Mittelpunkt der Betrachtung. Denn die moralische Empörung als Kern der Opposition, der leidenschaftliche Wille zum Aufbau einer neuen, echten, von ssittlichen Grundsätzen getragenen Volks- Einführung 17 gemeinschaft und schließlich zur Begründung einer neuen, von gegenseitiger Achtung getragenen Gemeinschaft der Völker wird hier als Leitmotiv alles politischen Handelns besonders deutlich erkennbar. In Goerdeler lebt das geistige Erbe jenes spezifisch deutschen Liberalismus, der in der klassischen Epoche des deut- schen Idealismus von Kant, Humboldt und Stein bis zu den Dahl- mann, Droysen und anderen Charakterköpfen der Paulskirche sich ausgebildet hatte, lebendig fort. Es gibt aber auch äußere Gründe, die es ratsam erscheinen ließen, eine historische Darstel- lung der deutschen Widerstandsbewegung um seine Biographie zu gruppieren. Von keinem anderen Politiker der deutschen Op- position sind auch nur entfernt so zahlreiche Quellenzeugnisse über sein Wirken, und zwar auf fast allen Stufen seiner Entwick- lung, überliefert wie von ihm. Das ist kein Zufall. Kein anderer besaß eine so große Freudigkeit zu schriftlichem Niederschlag seiner Gedanken und Pläne wie er. Bis in die letzten Tage seines Lebens hat seine rastlose Feder immer neue Denkschriften, Auf- rufe, Bekenntnisse seines Glaubens an Deutschlands Zukunft und Aufbaupläne dafür entworfen. Dank der Fürsorge und Klugheit treuer Freunde im In- und Ausland ist erstaunlich viel davon er- halten geblieben; das meiste ist der Geheimen Staatspolizei Hitlers gar nicht bekannt geworden, aber auch das Beschlagnahmte ist im wesentlichen noch greifbar. Wichtiger noch: Carl Goerdeler stand lange Zeit mehr als ir- gendein anderer im Mittelpunkt der Verschwörung gegen die Tyrannei; mit fast allen ihren Gruppen und Parteirichtungen trat er in unmittelbare persönliche Verbindung— und nicht nur als rastlos tätiger Motor und Werber der Bewegung, sondern zu- gleich als ihr produktivster Kopf, sofern es dabei auf die Aus- arbeitung allseitig durchdachter, Äußeres und Inneres zugleich umfassender Pläneankam. Von seiner Biographie her läßt sich das Ganze der Bewegung besonders gut überblicken. Andererseits hat seine Biographie überhaupt nur im Rahmen eines solchen Ge- samtaspektes historische Bedeutung. Nur im beständigen Ver- gleich mit seinen Mitkämpfern läßt sich der rechte Maßstab zur Beurteilung seines Wirkens gewinnen. Damit ist die Gefahr einseitiger Betrachtung bereits angedeu- tet, der unsere um eine Zentralfigur gruppierte Darstellung der deutschen Widerstandsbewegung zu begegnen hat. Jeder Bio- graph ist in Versuchung, die persönliche Leistung und Bedeu- tung seines Helden zu überschätzen. Das gilt doppelt dann, wenn er mit ihm zu Lebzeiten in näherer persönlicher Verbindung ge- ' standen hat. Der Verfasser ist sich aber nicht nur dieser Gefahr 18 Einführung von Anfang an sehr deutlich bewußt gewesen, sondern glaubt sich dagegen geschützt zu haben, indem er das Biographische nicht als Seibstzw eck betrachtete, sondern nur als Hilfsmittelzum Verständnis überindividueller Erscheinungen der jüngsten Ver- gangenheit. Die Geschichte der deutschen W iderstandsbewegung ist bisher ganz überwiegend als Rechtfertigung und Verteidigung gegen ihre Kritiker, Ankläger und Leugner geschrieben worden. Sie hat dabei nicht selten etwas vom Stil der Heldengalerie, wohl gar der Heiligenvita angenommen. Was hier versucht wird, ist etwas anderes: durch kritisch-nüchterne Betrachtung zur ers sung der historischen Wirklichkeit und damit zu a Selbst- besinnung zu gelangen. Dazu war es unerläßlich, die deutsche Widerstandsbewegung auf dem Hintergrund der internationalen Politik zu zeichnen, soweit diese heute schon quellenmäßig erfaß- bar ist. Zugleich mußte die Entwicklung ihrer Freiheitsideale und Reformpläne bis in die Weimarer Republik zurückverfolgt wer- den. Und schließlich galt es, ihre Entwicklung und die politische Haltung ihrer Träger aus dem Zusammenhang der inneren und äußeren Geschichte des Hitlerreiches zu begreifen. Brstes} der, in insbesc fangen samen sonnig Die Ju nieder: und ga erind fortleb Sicht ii Monat Preuß; deler 2 sein V heit de in den Meins, Art, V tet, Au barsch West Musis doch, aubt Erstes Buch: Das Werden des Politikers sche zum Ver- ‚ung ug Erstes Kapitel: Jugend und Mannesreife den. vohl Carl Goerdelers geistige Entwicklung ist fortdauernd von den |, ist Eindrücken seines Elternhauses bestimmt geblieben. Immer wie- Has der, in allen Stadien seines Lebens, kommt er auf das geistige, bst- insbesondere das moralische Erbe zu sprechen, das er hier emp- sche fangen habe, und noch zuletzt im Kerker, angesichts eines grau- len samen Todes, hat er voll tiefen Heimwehs zurückgeblickt auf die rab- sonnige bürgerliche Welt.des 19. Jahrhunderts, der er entstammte. und| Die Jugenderinnerungen, die er auf der Flucht vor der Gestapo wer niederschrieb(aber nicht mehr vollenden konnte), atmen ganz ie: und gar den Geist altpreußisch-konservativen Beamtentums, wie un er in der Spätzeit Bismarcks noch in ungebrochener Kontinuität fortlebte: voll Stolz auf die friderizianische Tradition, voll Zuver- sicht im Blick auf die gefestigte Macht der preußisch-deutschen Monarchie. Höchst anschaulich schildern sie das Leben der west- preußischen Kleinstädte Schneidemühl, wo Carl Friedrich Goer- deler am 31. Juli 1884 geboren wurde, und Marienwerder, wohin sein Vater 1890 als Amtsrichter versetzt wurde. In aller Einfach- heit des Lebensstils waren es doch behäbige äußere Verhältnisse, in denen der Knabe aufwuchs: ein sehr großer, in intensiver Ge- meinschaft erlebter Verwandtenkreis, heitere Geselligkeit aller Art, von der geistvoll-lebendigen Mutter mit Geschmack gestal- tet, auch mancherlei Verkehr mitadligen Gutsbesitzern der Nach- barschaft, den schon der Nebenberuf des Vaters als Syndikus der » Westpreußischen Landschaft« bedingte. Es fehlte auch nicht an musischen Interessen; aber die politisch-historische Bildung stand doch, dem Stil dieses Lebenskreises entsprechend, weitaus im Vordergrund. Die Mutter las gern Biographien, Memoiren, ge- schichtliche Werke, und abends im Familienkreise gab es immer viel politische Debatten, vollends seit der Vater 1899 freikonser- vativer Landtagsabgeordneter geworden war. Ihre Richtung läßt sich darnach vermuten: die Freikonservativen waren die Partei »Bismarck sans phrase«.! Es entsprach einer Modeströmung deutscher Jugend um die Jahrhundertwende, wenn der junge Goerdeler nach Abschluß des Gymnasiums 1901 sich zur Berufsausbildung als Marineoffizier | meldete. Nach wenigen Monaten bereute er diesen Entschluß und 20 Erstes Kapitel veranlaßte seinen Vater, ihn von Kiel wieder fortzuholen— aus einem für seine Wesensart sehr charakteristischen Motiv: er be- fürchtete, die reine Männergesellschaft des Seemanns, ohne Aus- sicht auf das innige Behagen eines regulären Familienlebens, auf die Dauer nicht zu ertragen. Carl Goerdeler war ein sehr männ- licher Charakter; aber zu dieser Männlichkeit gehörten eine Ge- mnütsart von großer Wärmebedürftigkeit und ein stark ausgepräg- ter patriarchalischer Familiensinn; in seinem Nachlaß klingt das immer wieder durch— am stärksten in den leidenschaftlichen Selbstanklagen des zum Tode Verurteilten, die schönste Kraft seiner Mannesjahre verschwendet zu haben auf den rastlosen Um- trieb in beruflichen und politischen Geschäften, in Überschätzung der politischen Aufgaben, in Verkennung seiner nächsten Pflich- ten als Mensch und Familienvater. Sosehr er besessen schien von Beruf und Politik: seine Seele hat er ihnen doch niemals ganz ver- kauft. Das Rechtsstudium, das er 1902, den Spuren des Vaters fol- gend, in Tübingen begann, hat er schon 1905 in Königsberg ab- geschlossen— drei kurze Tübinger Semester umschlossen alles, was für ihn die Studienzeit an Erinnerungen unbeschwerter Ju- gend barg. Nach seinen späteren Erinnerungen hat er nur»wenige Vorlesungen, meist allgemein bildender Art, vornehmlich histo- tische, gehört«- also das juristische Studium nicht allzu wichtig genommen. Die frühe Verlobung mit Anneliese Ulrich, einer Königsberger Cousine(1903), trug zur Beschleunigung des Ex- amensabschlusses sicherlich bei. Militärdienst(beim Königsber- ger Feldartillerieregiment 16) und Referendarausbildung bei ver- schiedenen ostpreußischen Justizstellen folgten— eine arbeits- reiche Zeit, in der auch die juristische Doktordissertation ent- stand. Sie wurde in Göttingen bei Robert von Hippel eingereicht und behandelt den strafrechtlichen Schuldbegriff- ein Thema, das mit seiner engen Verbindung moralphilosophischer und juristi- scher Erwägungen dem Verfasser viel Mühe gemacht hat, aber doch auch wieder für Goerdelers Geistesart charakteristisch ist.? Freilich mag ihm gerade bei dieser Arbeit bewußt geworden sein, daß ihm der Beruf des Richters nicht lag: schon bei der Ablegung der Assessorprüfung in Berlin(März 1911), der die Heirat rasch folgte, war er sich darüber klar, daß ihn die Betätigung in Ver- waltung und Wirtschaft am meisten befriedigen würde. Vorallem die städtische Verwaltung, mit ihrer Fülle organisatorischer Auf- gaben, ihren höchst modernen Problemen und ihrer engen Berührung mit dem Wirtschaftsleben reizte seinen lebhaften Geist. Nicht "und OL solche F außerha Winter tes, Lut Gründe Bismate bedeute und gi Verwali licher I Gemeir zwische Sammer Ständlic Valtuny für par Weg st Städtes Hier dı Zalpoli en; h tade a Folge, Schlap Auryor klaren, Desitze Sachke Suten( Anpsiı Ihe fasch ü Tages Sonst| mg, Ücksi dena Sch da Ider, | Üben. Aldi Jugend und Mannesreife 21 Nicht zufällig hat die Tätigkeit eines großstädtischen Syndikus ‚und Oberbürgermeisters schon seit dem 19. Jahrhundert eine solche Fülle politischer Talente in Deutschland angezogen, auch außerhalb der Hansestädte: von den Stüve und Miquel, den Winter und Forckenbeck, den Hobrecht und Adickes bis zu Jar- res, Luther und Adenauer. Das hatte auch nicht bloß politische Gründe wie etwa den, daß nicht-konservative Politiker im Reiche Bismarcks fast nur auf dem Wege großstädtischer Bürokratie in bedeutende Verwaltungsposten gelangen konnten. Vor allem gab und gibt es kaum einen zweiten Posten in der ganzen deutschen Verwaltung, der so viel Gelegenheit zur Entfaltung freier persön- licher Initiative bietet, wie den an der Spitze großer städtischer Gemeinwesen. Hier war die enge praktische Zusammenarbeit zwischen Regierten und Regierenden schon lange vor dem Zu- sammenbruch des monarchischen Beamtenstaates eine Selbstver- ständlichkeit; und da sie sich im Raum nüchtern-praktischer Ver- waltungsaufgaben vollzog, bot sich hier weniger freier Spielraum für parteipolitische Demagogie, die der sachlichen Arbeit im Weg steht, als in den Volksvertretungen des Staates. Die großen \ Städte sind gleichsam die Nervenzentren des öffentlichen Lebens. \ Hier drängt sich die Entwicklung aller wirtschaftlichen und so- zialpolitischen Probleme der Gegenwart am dichtesten zusam- men; hier gibt es immer neue Gestaltungsaufgaben zu lösen, ge- rade auch rein technisch-ökonomische, in rasch wechselnder Folge, über alles schematisch-bürokratische Herkommen und alle Schlagworte parteipolitischer Propaganda hinweg. Sie können nur von Männern gemeistert werden, die einen hellen Blick, einen klaren, von Vorurteilen freien Kopf und schnelle Entschlußkraft besitzen, das alles verbunden mit solider ökonomisch-juristischer Sachkenntnis. Vielleicht darf man sagen, daß der Typus eines guten Oberbürgermeisters zwischen dem des staatlichen Verwal- tungsjuristen und dem des modernen großindustriellen Betriebs- führers mitteninne steht. Träger Schlendrian pflegt sich hier sehr rasch und sehr handgreiflich zu rächen, Korruption sehr bald ans Tageslicht zu kommen. Andererseits bietet die in Deutschland sonst unbekannte Form des zeitlich begrenzten Wahlbeamten- tums, der freien Berufung in städtische Ämter ohne Anciennitäts- rücksichten, der großstädtischen Verwaltung Chancen der Per- sonenauswahl, die keine staatliche Behörde besitzt. Wie günstig sich das bis in die unteren Beamtenstellen auswirken konnte, weiß - jeder, der die alte preußische Staats- und städtische Verwaltung | nebeneinander erlebt hat. Goerdeler ist immer sehr stolz gewesen | auf die persönliche Initiative in der Auswahl und Erziehung des 22 Erstes Kapitel städtischen Personals, aber auch in der Durchführung großer technischer Aufgaben, die er als Verwaltungschef bedeutender Städte hat entfalten können. Alle geistigen Anlagen und mensch- lichen Eigenschaften, die ein solcher Chef besitzen sollte, waren ihm in besonders hohem Maße eigen. Auf dem Gebiet der Kom- munalverwaltung und Kommunalpolitik lag seine eigentliche Begabung; von ihr ist er nicht nur ausgegangen, sondern bis zu einem gewissen Grade in seinem Denken überhaupt bestimmt ge- blieben. Vorzüge, aber auch Grenzen und Schwächen seiner We- sensart lassen sich von daher am einfachsten verständlich machen. Sehr zielbewußt hat er sich auf das Amt eines künftigen Stadt- oberhauptes vorbereitet. Auf Rat des Königsberger Oberbürger- meisters Körte begann er mit einer regelrechten Banklehrzeit: informatorisch in der Bank der Ostpreußischen Landschaft und später inder Preußischen Seehandlung in Berlin arbeitend, wo er besonders mit dem kommunalen Anleihewesen vertraut wurde. Seine kommunale Verwaltungsarbeit nahm er(ebenfalls auf Kör- tes Rat) im Westen auf, um auch die rheinische Stadtverwaltung und die allgemeinen Verhältnisse des Industriereviers kennen- zulernen. Am 1. Oktober 1911 ging er nach Solingen und wurde dort zunächst als unbesoldeter Hilfsarbeiter, aber schon bald als besoldeter Assessor tätig. Ende 1912 wurde er(aus Anlaß einer Berufung nach Halberstadt, die er ausschlug) einstimmig zum Beigeordneten gewählt, d.h. zum einzigen juristisch vorgebil- deten Mitglied der Solinger Stadtverwaltung und wichtigsten Gehilfen, zeitweise Vertreter des Oberbürgermeisters. Als sol- cher ist er vom ı. April 1913 bis(formell) Anfang 1920 tätig ge- wesen und hat so reiche Gelegenheit gehabt, mit den Menschen und den sozialen Problemen der rheinischen Industriegesellschaft bekannt zu werden. Dem konservativen Beamtensohn aus dem Osten traten hier die sozialdemokratischen Stadtverordneten, die selbständigen»Rottenmeister«, die Groß- und Kleinindustriellen als Vertreter einer ihm völlig fremden Welt gegenüber. Darf man die Zeugnisse des Oberbürgermeisters Dicke wörtlich nehmen, so muß es ihm aber gelungen sein, sich rasch große Achtung und menschliche Sympathie zu erwerben- auch bei dem gestrengen Stadtoberhaupt selbst, das ihm anfangs eher kühl gegenüber- getreten war. Die Zeugnisse von 1920 rühmen ihn als ein»ganz bedeutendes Organisationstalent«,»den größten Aufgaben auf allen Gebieten der Verwaltung vollkommen gewachsen«, heben aber noch besonders hervor, daß er Klarheit und Festigkeit im Auftreten mit gewinnender Liebenswürdigkeit zu verbinden wisse; sie loben sein großes Geschick in allen Verhandlungen, | Scha Jugend und Mannesreife 23 seine»sehr verständigen sozialen Anschauungen«, sein»feines Gefühl für die Stimmung des Volkes« und besonders seine all- gemeine Beliebtheit in der Bürgerschaft und ihrer Vertretung. Es scheint also, daß die ihm eigene, geradezu faszinierende Gabe, in persönlicher Begegnung Vertrauen zu gewinnen und Miß- trauen zu zerstreuen, schon sehr früh hervorgetreten ist. Auch der Krieg, der ihn 1914 nach dem Osten rief und dort bis zum Ende festhielt, bot ihm Gelegenheit, sein Verwaltungstalent zu bewähren: im Stabe der X. Armee erhielt er 1918(als Haupt- mann der Reserve) den Auftrag, die Finanzverwaltung des von ihr seit Brest-Litowsk besetzten gewaltigen Gebietes von Weiß- rußland und Litauen zu organisieren. Wie er ihn erfüllt hat, davon liegt ein von ihm selbst geschriebener Bericht vor, der mitfolgen- den Worten schließt:»Was dem Lande in Zukunft beschieden sein wird, steht dahin. Die Deutschen, die nicht in feindlicher Absicht kamen und trotz aller von ihnen selbst hart empfundenen Kriegsnotwendigkeiten mit friedlicher Gesinnung hier geweilt haben, wünschen dem Lande Minsk Segen auf seine Arbeit.«3 Daß die so bezeugte humane Gesinnung nichtbloßin Worten sich kundtat, zeigen die Einzelheiten des Berichts: unter sorgsamer Restauration des russischen Verwaltungsapparates und Steuer- wesens gelang es, die beim Abzug der Bolschewisten völlig ent- leerten Landeskassen rasch wieder zu füllen, eine rational geord- nete Finanzverwaltung herzustellen und damit die materiellen und kulturellen Bedürfnisse des Landes in erstaunlichem Umfang zu befriedigen. General von Falkenhayn, Goerdelers Kommandeur, versichert, die ganze Landesbevölkerung habe seine glänzende Leistung und seine große Humanität anerkannt,»was viel heißen will«.* Die leidenschaftliche Empörung, mit der später dieser ge- rechte Verwalter die brutale Mißhandlung des russischen Volkes durch Hitlers Schwarze Schergen verfolgt hat, wird durch seine eigenen Rußlanderinnerungen noch verschärft worden sein. Das Jahr 1918 brachte aber auch den Sturz der Monarchie und die Revolution. Wer so an den alten monarchischen Ordnungen hing wie Goerdeler, mußte schwer davon getroffen werden. Erst im Frühjahr 1919 von seinem militärischen Posten am Dnjepr heimkehrend, hat er längere Zeit geschwankt, ob er in diesem neuen republikanischen Deutschland noch weiter die Beamten- laufbahn verfolgen oder sich eine völlig ungebundene Existenz schaffen sollte: etwa als Anwalt, aber auf einem eigenen ostpreu- Bischen Siedlungshof sitzend. Sein Schwiegervater, leidenschaft- -| licher Monarchist, unterstützte diese Pläne auch finanziell, so daß || sie zeitweise der Verwirklichung nahekamen. Die Vorliebe Goer- 24 Erstes Kapitel delers für ländliches Siedlungswesen, die Überzeugung, daß der Landflucht mit allen Mitteln gewehrt, ein möglichst großer Teil der Stadtbevölkerung durch eigenen Grundbesitz(etwa in der Form von Stadtrandsiedlungen) der freien Natur zurückgegeben und seßhaft gemacht werden müsse, kehrt in seinem Schrifttum immer wieder. Es konnte keinen eifrigeren Siedlungspolitiker geben als diesen Stadtbürgermeister aus dem agrarischen Osten; noch in seinen letzten Lebensjahren hat er mit Hilfe der Stutt- garter Firma Robert Bosch für seine Familie einen kleinen schwä- bischen Gutshof erworben(Katharinenpläsir im Landkreis Heil- bronn), auf den er große Hoffnungen setzte. Man begreift, daß er in dem revolutionär gewordenen Deutsch- land zögerte, nach Solingen zurückzukehren, wo die radikalen Elemente stark zugenommen hatten und wo er den Druck der englischen Besatzung schwer empfand. Schließlich hat er aber sein Amt doch noch einmal aufgenommen(April 1919), nicht ohne gutes Zureden seines Vaters, und mit dem gewohnten Eifer sogleich mancherlei Reformen durchgesetzt.® Aber schon im Juni ließ er sich in seine westpreußische Heimat beurlauben- um dort ein politisches Abenteuer zu versuchen, das zum ersten Male ge- wisse typische Charakterzüge des späteren Verschwörers Goerde- ler erkennen läßt.® Die Unterzeichnung des Versailler Vertrages stand unmittelbar bevor. In Ost- und Westpreußen herrschte größte Aufregung; Volkskundgebungen gegen die Abtretung deutscher Gebiete wurden veranstaltet, überparteiliche»Volksräte« und»parlamen- tarische Aktionsausschüsse« gebildet, letztere im Auftrag eines sogenannten»OÖstparlaments«, zu dem sich die Reichs- und Land- tagsabgeordneten aller bedrohten Ostprovinzen am 20. Mai ver- einigt hatten. Sogar der Gedanke tauchte auf, schlimmstenfalls sich vom Reich zu trennen, wenn dieses außerstande sein sollte, sich dem Versailler Diktat aktiv zu widersetzen. Man wollte dann einen eigenen Öststaat bilden und dessen ganze Bevölkerung zum Kampf gegen Polen mobilisieren. Besonders die Vertreter des »Heimatdienstes und Volksrates«, am 28. Mai zu einem»Fünf- zehnerausschuß« zusammengeschlossen, proklamierten solche Pläne, die auf eine Art von Bürgerkrieg mit den Polen hinaus- liefen. Warnungen der Reichsregierung vor unbedachten Sonder- aktionen(am ı. Juni verkündet) blieben nicht ohne Eindruck, hinderten aber doch nicht, daß selbst August Winnig, der neu- ernannte sozialdemokratische Reichskommissar für den Osten, noch am 15. Juni die Bevölkerung aufrief, sich keinesfalls dem Versailler Diktat zu beugen, zur Abwehr nötigenfalls»die Waffen zu eig damit trächt! Sieger Deckı entbel Schut‘ aber e wünse meekc einges demn pen d kamp Die West; (dems melde aber nerall beruf dieer cken Qeten der, deuts Schor dem| densı Std; Preis ! Jugend und Mannesreife 25 zu ergreifen« und so»wenigstens die Ehre zu retten«. Er wird damit gerechnet haben, daß sich im Osten immerhin noch be- trächtliche Truppenbestände vorfanden, die auf Verlangen der Siegermächte noch nicht demobilisiert waren, weil man sie als Deckung Europas gegen die rote Flut des Bolschewismus nicht 'entbehren mochte. Von den Alliierten waren sie vor allem zum Schutz des eben sich bildenden neuen polnischen Staates gedacht; aber es gab Patrioten genug, die sie gegen Polen zu verwenden wünschten. Im Stabe des in Westpreußen stehenden XVII. Ar- meekorps und bei den Freiwilligentruppen, die als»Grenzschutz« eingesetzt waren, herrschte ein schr kriegerischer Geist. Außer dem nationalgesinnten Bürgertum waren aber auch gewisse Grup- pen der rechtssozialistischen Gewerkschaften für den Abwehr- kampf gewonnen. Diese nationale Abwehrbewegung war es, die Goerdeler nach Westpreußen gerufen hat. Zusammen mit seinem Bruder Fritz (demselben, der später sein Todesschicksal hat teilen müssen) meldete er sich zum Dienst im Feldartillerieregiment 71, wurde aber gleich darauf als politischer Verbindungsmann in das Ge- neralkommando des XVII. A. K. in Danzig(General von Below) berufen. Die eigenhändigen Aufzeichnungen in Tagebuchform, die er über seine dortige Tätigkeit hinterlassen hat, lassen deutlich erkennen, daß er gemeinsam mit dem rührigen Zentrumsabgeord- neten Dr. Fleischer die schärfste Tonart vertreten hat. Kein Wun- der, daß hier seine ganze Seele in Wallung war: gehörte doch das deutsch-polnische Verhältnis zu den meisterörterten Themen schon der väterlichen Tafelrunde! Marienwerder lag gerade in dem Gebiet, über dessen Deutschtum nach dem Versailler Frie- densvertrag erst noch abgestimmt werden sollte. Und nirgends ist die künstliche Schöpfung des polnischen Korridors und des Freistaates Danzig so schwer ertragen, so sehr als Unnatur emp- funden worden wie in diesem Streifen Westpreußens hart hinter der Weichsel. Aber was Goerdeler jetzt von den Offizieren des Danziger Generalstabes forderte- und wie er estat—, das erinnert doch schon stark an die Denkschriften, in denen er später immer wieder zu einer»Aktion« gegen Hitler aufgerufen hat. Die politische Leidenschaft tritt in der Form einer scheinbar eiskalten Logik und Aufzählung nüchterner Tatsachen auf. »I. Der Friede wird nach mir bekannten Stimmungen im "Westen unterzeichnet werden. II. Die einzige Möglichkeit, das Deutschtum im Osten und die - Ostmark dem Reiche zu retten, ist die militärische Niederwerfung Polens. 26 Erstes Kapitel ir. Aus I und II ergibt sich die Notwendigkeit für den Osten, selbständig zu ra IV. Dies Handeln wird, wenn rechtzeitig und militärisch erfolg- reich, die Bevölkerung mitreißen, selbst wenn die Parteiführer sich jetzt abwartend verhalten.« Es geht also nicht bloß um Abwehr eines Einmarsches der Bin sondern um ihre»Niederwerfung«. Ob diese mit den isolierten Kräften der im Osten stehenden"Armeekorps ohne Un- terstützung der Reichsbehörden möglich und ob die Bevölkerung Ost- und Westpreußens nach beinahe 5 Jahren Weltkrieg noch imstande und ernstlich bereit sein würde, einen neuen Krieg mit- zumachen und zu nähren, das wird von unserem Patrioten gar nicht erst diskutiert. Sehr viel mehr interessiert ihn die Frage, ob das Armeekommando und das parlamentarische Aktionskomitee so viel»Mut«,»Energie«,»klare Entschlossenheit« besitzen wer- den, um aufjede Gefahr zu»handeln«- auch gegen den Befehl der OHL und der republikanischen Reichsregierung. Die Entschei- dung eilt im höchsten Grade— und Shee diese" drängende Eile wären seine Pläne unbegreiflich! Am 16. Juni kommt Gocrde nach Danzig; genau eine Woche später wird die Entscheidung über den Versailler Vertrag in Weimar fallen. Aber noch vorher hofft er,»vollendete Tatsachen« zu schaffen. Als eine Danziger \rheiterversammlung unter linksradikaler Führung den General- streik beschließt für den Fall, daß die Militärs zum Grenzkrieg übergehen sollten, rät Goerdeler dringend zur Verhaftung der Wortführer und ebenso derjenigen Persönlichkeiten, die jetzt einen Freistaat Danzig ausrufen wollen. Es soll dazu der»Be- lagerungszustand« erklärt werden. Generalkommando und Ober- präsident lehnen das ebenso ab wie den von ihm entworfenen Aufrufan die Bevölkerung. Gleichwohl verhandelternocham 21. mit einem Leutnant vom Posenschen Grenzschutz, der ihm ver- spricht, spätestens in der Nacht vom Sonntag zum Montag(22. auf 23.)»die Front auf mehrere Kilometer zum Kampf zu brin- gen«. Tatsächlich trifft am 23. früh ein Telegramm vom Unter- abschnitt Kreutz ein:»Von zwei Seiten durch polnische Angriffe schwer bedroht. Feindlicher starker Angriff steht unmittelbar bevor. Unterstützung erbeten. Wir kämpfen bis zum letzten Blutstropfen und halten Front bis zum Äußersten.« Sofort berei- tet Goerdeler gemeinsam mit dem Abgeordneten Dr. Fleischer einen fammenden Aufruf an die Bevölkerung vor:»Noch ist der Friede nicht unterzeichnet, und schon matschiert der Pole!«? Aber bald stellt sich heraus, daß in Wahrheit kein Schuß gefallen, kein polnischer Angriff oder Vormarsch erfolgt ist. So bricht die ganze polnis Itiker nicht, Batoc) offizie sich vı daß si läßt, die eb Go sehr| ranis: sie»p Klarh wird urtejl Pläne jedem wie s; Uner: hindu auf d Öffen! ten s( politi lichk Schw Dede: tegu: Mmoch Alliie Verlu Loy auf Stell, Sich. Pan Hille ders: die( Jugend und Mannesteife 27 ganze»Aktion« zusammen, noch ehesie begonnen hat; denn ohne polnische Provokation ist kein verantwortlicher Soldat oder Po- litiker zum»Handeln« zu bringen. Das hindert unseren Patrioten nicht, noch am 25. zu versuchen, ob sich der Oberpräsident von Batocki nicht durch die»Volksräte« zu einer Lossage von der offiziellen Reichspolitik bewegen lasse, und schließlich, als dieser sich versagt, die Generäle noch einmal aufzuputschen; vielleicht, daß sich von Loßberg, Kommandant in Oberschlesien, bereden läßt, gemeinsam mit von Below loszuschlagen? Eine Hoffnung, die ebenfalls rasch scheitert. Goerdeler hat in einer Schlußbetrachtung zu diesen Ereignissen sehr kritisch über seine Mitspieler(nicht zuletzt über den Or- ganisator der Volksräte, den Schriftsteller G. Cleinow) geurteilt, sie»politische Kinder« genannt, den Verantwortlichen Mangelan Klarheit, Mut, Entschlossenheit vorgeworfen. Aber ihm selbst wird man vorwerfen müssen, daß er hier ausschließlich als Patriot urteilt, nicht als Politiker, der die Realitäten kennen muß. Seine Pläne setzten als erstes voraus, daß die deutsche Bevölkerung zu jedem Opfer im Kampf mit Polen entschlossen war— eine Illusion, wie sich bald herausstellte. Seine Haltung zeigt jene prachtvolle Unerschrockenheitund Unbedingtheit, dieihm sein ganzes Leben hindurch eigen war— aber auch schon jenes fast blinde Vertrauen auf die Macht politischer Ideale und moralischer Grundsätze im öffentlichen Leben, das ihn später zu so mancher Illusion verfüh- ren sollte. Nachträglich wird man geneigt sein, von Mangel an politisch-militärischem Augenmaß in der Einschätzung der Mög- lichkeiten zu sprechen; doch wiegt dieser Vorwurf nicht allzu schwer, wenn man die völlige Unsicherheit der damaligen Lage bedenkt, gerade auch auf polnischer Seite, und die allgemeine Er- regung, in der auch das Unmöglichste als möglich erscheinen mochte. Wir wissen heute, wie groß der Zwiespalt im Lager der Alliierten in der Frage war, was man den Deutschen an Gebiets- verlusten im Osten zumuten könnte, wie entschieden vor allem Lloyd George noch nach der Überreichung des Vertragsentwurfs auf deutschen Widerstand rechnete, innerlich bereit, ihm an dieser Stelle gerecht zu werden. Als General von Hammerstein im März sich geweigert hatte, die Durchfuhr polnischer Hilfstruppen aus Frankreich über Danzig-Thorn zuzulassen, hatte er damit in Ver- sailles vollen Erfolg gehabt.® Ganz aussichtslos war also der Wi- derstand wohl doch nicht? Der Oberpräsident von Batocki, der die Grenzmark schon im Herbst 1918 gern verselbständigt hätte und der die patriotischen Erhebungspläne noch bis zuletzt |(a5. Juni) zu fördern sich mühte, hatte dabei einen»Freiheits- 28 Erstes Kapitel kampf des ostmärkischen Deutschtums« im Auge, der selbst dann, wenn er scheiterte, die moralische Position des Reiches im Protest gegen Versailles wesentlich stützen könnte. Goerdeler hat ganz ähnlich gedacht.? Übrigens ließ er dem Wagnis die praktische Arbeit unmittelbar folgen. Am 8. Juli wurde(offenbar unter seiner Mitberatung) in Marienburg eine Arbeitsgemeinschaft der politischen Parteien zur gemeinsamen Vorbereitung der Volksabstimmung in den west- preußischen Abstimmungsgebieten begründet; daran schloß sich eine große Denkschrift über die politische Organisation des Deutschtums in den abzutretenden Gebietsteilen an, die Goer- deler in Gemeinschaft mit anderen verfaßt hat.10 Bemerkenswert an ihr ist vor allem die Forderung, keine nationale Einheitspartei künstlich zu gründen, sondern alle bisherigen Parteiorganisatio- nen einschließlich der Sozialisten als Ausdruck natürlicher Grup- penbildung fortbestehen zu lassen, aber in einer überparteilichen Arbeitsgemeinschaft zu vereinigen; dazu die dringende Empfeh- lung, die Klassengegensätze zu mildern, auch den Unterschied zwischen Gebildeten und Ungebildeten nicht zum Kastengegen- satz werden zu lassen. Der Wunsch nach echter»Volksgemein- schaft« ist in Goerdeler immer lebendig gewesen. Im Spätjahr 1919 wurde er, zwischendurch nach Solingen zu- rückgekehrt, zur Verwirklichung dieses Programms noch einmal nach dem Osten berufen. Es liegen Zeugnisse darüber vor, daß er mit großem Geschick und Erfolg an der Einigung der Parteien in den Abtretungsgebieten gearbeitet hat; allerhand Quertreibereien der sogenannten»Deutschen Partei« wurden ausgeräumt und eine Grundlage für die Arbeitsgemeinschaft geschaffen, an der sich sogar die»Unabhängigen«, d. h. der linke Flügel der Sozia- listen, beteiligen konnten.!! Zum Zweck dieser Bemühungen hatte sich Goerdeler für zwei Monate(November-Dezember) in Solingen beurlauben lassen. Aber er gedachte nicht mehr dorthin zurückzukehren, trotz nach wie vor günstiger Verhältnisse. Wie die Gattin berichtet, war das ostpreußische Heimatgefühl in ihm jetzt so mächtig geworden, daßersich in der rheinischen Industriestadt wiein der Fremde vor- kam. So bewarb er sich um eine Anstellung in Königsberg: zuerst (erfolglos) um den Posten des Stadtkämmerers, dann um den des zweiten Bürgermeisters. Seine Wahl stieß auf Widerstand bei den Sozialdemokraten, die den Posten für einen Sozialisten bean- spruchten und denen er als Konservativer und Nationalist ver-|? dächtig war— zweifellos nicht ohne Grund. Er selbst hat später| bekannt, er sei»in einem Nationalismus enger Art« erzogen und aufge bürge tühru dann: persöi auch: ist, Je bei se 1920) schlo: gewin haben ständ noch druck veror listen Zweit Diese Goer als gr sie be Nierte vona Oder einbe stellt: 2er 7 Üücht Richt jähre des ı Niede gearl selbst esim er hat telbar g) in nzut west- ß sich n des Soer- swert partei satio- Stup- lichen ıpfeh- ‚chied gen mein- on ZU- inmal daß er ‚jen if ereien. t und ın der Sozia- f zwei lassen. z nach jar das orden, Jevof zuesst jen des zei den bean" st ver Jugend und Mannesteife 29 aufgewachsen. Erst seit 1930, d. h. seit er als Leipziger Ober- bürgermeister vielins Ausland und mit vielen Ausländern in Be- rührung kam, habe er diesen Nationalismus nach und nach— dann aber gründlich!— abgestreift.!? Es scheint aber, daß seine persönliche Vorstellung vor den Königsberger Stadtverordneten auch auf die Opposition nicht ohne starken Eindruck geblieben ist. Jedenfalls gewann er eine Mehrheit, und wenn die Sozialisten bei seiner Einführung demonstrativ den Saal verließen(11. Febr. 1920), so hatte er zehn Jahre später die Genugtuung, daß sie ge- schlossen und freudig zu seiner Abschiedsehrung erschienen. Die gewinnende Kraft der Persönlichkeit und seine sachliche Leistung haben in Königsberg ebenso wie in Solingen rasch alle Wider- stände überwunden. Später in Leipzig hat sich derselbe Vorgang noch einmal wiederholt: auch hier gewann er durch sein ein- drucksvolles persönliches Auftreten die Mehrheit der Stadt- verordneten für sich, trotz geschlossenen Widerstands der Sozia- listen gegen seine Wahl.!? Zweites Kapitel: Bürgermeister und Kommunalpolitiker Diese biographische Skizze, in der es vor allem um den Politiker Goerdeler geht, darf sich bei der Schilderung seiner Leistungen als großstädtischer Bürgermeister nicht allzulange aufhalten. Daß sie bedeutend waren und über das Durchschnittsmaß eines routi- nierten Verwaltungsfachmannes wesentlich hinausragten, wird von allen Seiten anerkannt. Die Stadt Königsberg hat seine außer- ordentliche Arbeitsleistung dadurch gewürdigt, daß sie ihm 1928 ein behagliches Stadthaus(gegen billigen Mietzins) zurVerfügung stellte. Aus Leipzig wird berichtet, man sei dort schon nach kur- zer Zeit seines Wirkens allgemein überzeugt gewesen: einen so tüchtigen Oberbürgermeister habe die Stadt seit fünfzig Jahren nicht gehabt.! Er selbst schreibt beim Rückblick auf die Anfangs- jahre der Weimarer Republik, es sei höchst ungerecht, sie einfach des»Versagens« anzuklagen:»Wer hat denn die Revolution niedergeschlagen?.... Und dann haben wir gearbeitet, gearbeitet, gearbeitet, die Familie vergessen, geschuftet, um der Verwirrung Herr zu werden, die Verwaltung zu reinigen, zu ordnen, zu mo- dernisieren, die Finanzen zu ordnen, Recht, Anstand und Pflicht wieder zur Geltung zu bringen, die Wohnungslosigkeit zu beseiti- gen, die Verkehrs- und Versorgungsbetriebe wieder instand zu bringen, die der Arbeit Entwöhnten wieder zu steter Arbeit zu gewöhnen, das Diktat von Versailles zu beseitigen. Wie unrecht 30 Zweites Kapitel ist es, gerade die letztere Arbeit und ihre von Stresemann erreich- ten Erfolge zu übersehen! Mit Gewalt ließ sich doch nichts an- fangen, ohne Heer, also blieb nur die Klugheit! Die einzige heroi- sche Tat, der Ruhrkampf, kostete uns den Rest der Währung. Aber wir hatten Willen und Verstand. Wie klug war die Propa- ganda, die mein damaliger(Königsberger) Oberbürgermeister Lohmey er gegen den Korridor entfaltete! Sie erreichte, daß selbst die Franzosen seit 1930 seine Unsinnigkeit anerkannten. Wie war die Währung anders als durch Sparsamkeit in Ordnung zu bringen?«? Ra der nationalen Propaganda gegen den»Korridor« hat sich auch Goerdeler eifrig beteiligt: durch viele Vorträge, in denen zwei Landkarten der Grenzprovinz»Einst« und»Jetzt« eine große Rolle spielten. Die Abschnürung Ostpreußens und seinet Hauptstadt vom Reich bereitete den Königsbergern besonders viele Nöte und Sorgen. Je schwieriger dadurch die Aufgaben der Stadtverwaltung w mırden, um so w Jichtiger wurden sie zugleich. Goerdeler hat sie mit einem wahren Feuereifer angepackt. Aber bald erweiterte sich sein Wirkungskreis: er wurde Mitglied des Personal- und Verkehrsausschusses im Deutschen und Preußi- schen Städtetag sowie stellvertretender Vorsitzender des Arbeit- geberverbandes deutscher Gemeinde- und Kommunalverbände? und war auch literarisch in deren Interesse vielfach tätig. Seine Ehrenämter zwangen ihn, beständig zwischen Berlin und Königs- berg hin und her zu reisen, bei wichtigen Tarifverhandlungen oft wochenlang angespannt, zuweilen vom Schlafwagen direkt aufs Rathaus und abends wieder nach Berlin zu jagen. Er hat aber, bei unerschöpflicher Arbeitskraft, gerade diese Aufgaben besonders hoch geschätzt. Sie brachten ihn mit der Arbeiterschaft und ihren Gewerkschaftsvertretungen in immer neue Berührung und ver- schafften ihm eine sehr konkrete Vorstellung von ihren sozialen Problemen. Da auch sein Oberbürgermeister sehr viel abwesend war, hatte er ihn oft in Königsberg zu vertreten. Lohmeyer ge hörte zu jener Gruppe höchst FL er Kommunalpolitiker, die damals(in Fortführung der Ideen von Hugo Preuß) eine große Reform der preußisch-deutschen Verwa altungsorganisation er- strebten. Der Deutsche Städtetag war das Hauptorgan ihres Wir- kens. Goerdeler war an dieser Reformbewegung beteiligt; er hat in ihr bald eine bedeutende Rolle gespielt. Seinem Einsatz auf die- sem weiteren Tätigkeitsfeld verdankte er es wohl in erster Linie, daß sich der Ruf des begabten Mannes bald weithin verbreitete, Im Frühjahr 1930 wurde er zum Oberbürgermeister von Leipzig gewählt. So an die Spitze einer der größten und wirtschaftlich! n, wichtig preußis Komm Haupts noch ze zubeg: Län; alten,| denen ı sregun beschei Eine st Bemein Ein bes ander g Nrußter ih Betr Sche B Sorall Eir die Enchr i Denn zublof I; Stitige beya ah Die G Clie zur Sonder Steme en RB Bolitis, Ka, B Fihrte teich- ts an- neroi- tung, ropa- eistet selbst je wat 1g zu ıt sich denen « eine seinel ynders en det gleich, ‚ Abet ed des reußi: \rbeit: hände! ‚ Seint önigs‘ gend kt auls er, DE onders dihret Bürgermeister und Kommunalpolitiker 31 wichtigsten Städte des Reiches gestellt, herausgelöst aus der ost- preußischen Exklave, wuchs er rasch zu einem der führenden Kommunalpolitiker Deutschlands heran. Wir müssen ihn auf den Hauptstationen dieses Weges begleiten, weil nur so— wie sich noch zeigen wird- seine spätere Rolle als Oppositionsführer ganz zu begreifen ist. Längst waren die deutschen Großstädte aus dem Rahmen der alten, leicht übersehbaren Bürgergemeinden herausgewachsen, denen einst die Steinsche Reform in Altpreußen, die liberale Be- wegung in Süddeutschland und am Rhein die Selbstverwaltung beschert hatten. Aus der Gemeinschaft angesehener Bürger war tine städtische Massenbevölkerung geworden, aus der Bürger- gemeinde die Einwohnergemeinde, von deren Mitgliedern nur tin beschränkter Teil noch seßhaft war, die weitaus meisten ein- ander gar nicht kannten, von echter»Nachbarschaft« nichts mehr wußten und als Träger städtischer»Ehrenämter« überhaupt nicht in Betracht kamen. Immer kräftiger hatte sich die besoldete städti- sche Bürokratie entwickelt, während der Grundgedanke Steins, vor allem das Patriziat der»großen Eigentümer« in Ehrenämtern für die Geschäfte des Gemeinwesens mobil zu machen, immer mehr im Nebel einer romantischen Vergangenheit entschwand. Dennoch waren die deutschen Gemeindeverwaltungen niemals zu bloßen Organen der Staatsgewalt herabgesunken wie in Frank- teich; sie hatten sich eine sehr kräftige, grundsätzlich sogar all- seitige Wirksamkeit ihrer selbstgewählten Verwaltungsorgane bewahrt, von der Staatsaufsicht bis 1918 nicht allzu stark beengt. Die Gemeindewahlen fanden unter der Monarchie nirgends— wie die zum Reichstag- auf Grund des allgemeinen Wahlrechts statt, sondern auf Grund des Dreiklassenwahlrechts oder anderer Sy- " steme mit Steuerzensus, die das Proletariat und alle fluktuieren- ' den Elemente fernhielten und eine weniger partei- als lokal- politische Auswahl der Bürgervertreter und Stadträte begünstig- - ten. Eben damit machte die Revolution von 1918 ein Ende: sie führte den vollen Gleichklang zwischen Staats- und Gemeinde- wahlen herbei. Aber die Folge war, daß nun auch das Gemeinde- * leben politisiert wurde; denn wie hätten diese städtischen Massen " änders mobilisiert werden sollen als durch die politischen Par- teien? Man erlebte jetzt, daß die Gemeindevertretungen zu kleinen i& Abbildern der staatlichen Parlamente wurden, daß parteipoliti- © sche Debatten, mit allem doktrinären Eigensinn deutscher Kirch- je turmspolitiker durchgefochten, die sachliche Diskussion lokaler _ Verwaltungsfragen störten und verwirrten, daß Partei-Egoismus 32 Zweites Kapitel bei der Besetzung städtischer Ämter sich vordrängte und mehr nach dem Parteibuch und der»Gesinnung«als nach der sachlichen ähigkeit fragte. Über das Ausmaß der so entstehenden Korrup- tion lauten die Urteile sehr verschieden.? Sicherlich hat sie sich nicht überall in gleichem Maße gezeigt. Daß in dem engen Raum städtischer Gemeinwesen, in täglicher Arbeitsgemeinschaft der verschiedenen Parteivertreter angesichts ganz konkreter Verwal- tungsaufgaben sich die politischen Gegensätze auch wohl ab- schleifen konnten, so daß eine besonders tüchtige, imponierende Persönlichkeit Raum zu freiem Wirken behielt, zeigt nicht nur das Beispiel Goerdelers, sondern die nicht unbeträchtliche Zahl be- deutender und sehr populärer Oberbürgermeister gerade in der Weimarer Republik. Aber natürlich gab es da große Unterschiede, sehr viele unnötige Hemmungen und zähe Kämpfe, die ein so rüstiger Arbeiter wie Goerdeler nur schwer ertrug. Er hat sich, auch in der Tagespresse, sehr scharf über dieses Dreschen von leerem Stroh und die ewige Wiederholung immer der gleichen Parteiphrasen geäußert.»Von programmatischen Erklärungen und Beschlüssen wird weder ein Fürsorgeempfänger satt, noch ein Kind erzogen, noch eine Straße unterhalten, noch die Straßen- bahn in Bewegung gesetzt, noch ein Konzert intoniert, sondern hier heißt es Kopf und Muskeln zu unmittelbar fruchtbarer Arbeit anspannen.«5 Abhilfe erwartete er nicht von einer Änderung des Wahlrechtes, etwa von Personalwahlen in städtischen Bezirkenan Stelle der Verhältniswahl; das würde, so meinte er, nur die Ver- treter allerengster Lokalinteressen in das Rathaus bringen.® Auch von erneuter Einführung des älteren Zensuswahlrechtes, wie sie die Konservativen(Deutschnationalen) wünschten, ist bei ihm keine Rede. Statt dessen verlangte er eine starke Beschränkung der Plenarsitzungen des Stadtparlaments: nur ein- oder zweimal im Jahr sollte man das Plenum zusammenrufen, zu Sitzungen über grundsätzliche Fragen, die dann auch allgemeines Interesse wek- ken würden. Alle laufenden Geschäfte sollten indessen mit einem »Hauptausschuß«(oder mehreren Ausschüssen) der Versamm- lung beraten werden, in dem die sachliche Debatte von selbst an die Stelle politischer Rhetorik treten würde. Seine zweite Reformforderung betrifft die Stellung des Ober- bürgermeisters: sie sollin der Weise gestärkt werden, daß er nach außen wie nach innen ganz klar als verantwortlicher Leiter des städtischen Gemeinwesens hervortritt, nicht etwa als bloßer Funktionär der städtischen Körperschaften, der dann»zerrieben würde zwischen der Notwendigkeit, die ihm seine Einsicht diktiert, dem Wettlauf von Parteien in vielen Gemeindevertre- tunge Recht den N derisc licher, gegen selbst sehr€ erken denG walte; Ma vom der\ undr vertr traue, Gem sung, schlü setz, drän, mein deut: einer Meis Goe: der 100° Do Stejr zen] älter Sung der Und Städ Sto[ Verf Gen the; kon Bürgermeister und Kommunalpolitiker 33 tungen und dem Eingriffsrecht des Staates«. Er muß also das Recht haben,»allein zu handeln, wo die Gemeindevertretung sich den Notwendigkeiten der Zeit versagt«(z. B. durch verschwen- derische Ausgabenwirtschaft); und zwar»mit voller strafrecht- licher, zivilrechtlicher und disziplinarrechtlicher Verantwortung, gegenüber der Gemeinde, dem Staat und dem Reich«. Für sich selbst hat Goerdeler die Rolle eines politischen Parteifunktionärs sehr entschieden abgelehnt: er wollte keine andere Bindung an- erkennen als die von»Eid und Gewissen«; er berief sich dafür auf den Grundsatzaltpreußischen Beamtentums,»ausschließlichSach- walter der Interessen der Allgemeinheit« zu sein. Man wird sich hüten müssen, auf diese Haltung das Schlagwort vom»politischen Reaktionär« anzuwenden. Die Städteordnung der Weimarer Zeit hat nur in Ausnahmefällen(Thüringen 1922) und nur vorübergehend die Parlamentarisierung der Gemeinde- vertretung so weit getrieben, daß der Bürgermeister vom Ver- trauensvotum seiner Stadtverordneten abhängig wurde. In vielen Gemeindeordnungen, besonders in denen mit Magistratsverfas- sung, war der Bürgermeister ausdrücklich berechtigt, solche Be- schlüsse des Gemeindeparlaments zu beanstanden, die gegen Ge- setz, Gemeindewohl oder Staatsinteresse verstießen.? Überdies drängten die technischen Notwendigkeiten der modernen Ge- meindeverwaltung ganz allgemein dahin, das schwerfällige alt- deutsche Kollegialsystem der städtischen Verwaltungen im Sinn einer verstärkten, bürokratisch organisierten(d. h. dem Bürger- meister unterstellten) Exekutive zu reformieren. Den Grund hat Goerdeler knapp und schlagkräftig formuliert:»Die Aufgaben der Gemeinden sind heute wesentlich verwickelter als vor 5o und 100 Jahren. Die Technik zwingt zu einem viel schnelleren Tem- po.« Eben deshalb erschien auch das Zweikammersystem der Steinschen Magistratsverfassung, wie es in den östlichen Provin- zen Preußens und den sächsischen Großstädten fortlebte, als ver- altet, das Einkörpersystem der rheinischen Bürgermeisterverfas- sung(das vom französischen Mairie-System beeinflußt war) und der radikal-demokratischen Stadtratsverfassungen von Bayern und Württemberg(seit 1919) als moderner. Auch der Deutsche Städtetag hat auf Reformen in dieser Richtung gedrängt; sein großer Entwurf für eine einheitliche gesamtdeutsche Gemeinde- verfassung von 1930 lief auf eine Empfehlung der süddeutschen Gemeinderatsverfassung, aber mit verstärkter Exekutive, nach theinischem Muster hinaus.® Einen ganz besonders breiten Raum nimmt in der Erörterung kommunalpolitischer Fragen bei Goerdeler die städtische Wirt- 34 Zweites Kapitel schafts- und Finanzpolitik ein. Schon sehr früh hat er Bedenken geäußert gegen die Haltung der Kommunen- aber auch des Staa- tes- gegenüber diesen Problemen, wie sie in den Jahren des kur- zen Wirtschaftsaufschwungs seit der Stabilisierung der Mark (1924-1929) üblich wurde. Immer wieder klagte er in seinen Auf- sätzen über den unverantwortlichen Leichtsinn, mit dem man in Staat und Kommunen damals üppige öffentliche Bauten, Kultur- unternehmungen aller Art, Lohn- und Gehaltserhöhungen ins Werk setzte, ohne Rücksicht auf die bittere Verarmung Deutsch- lands durch den Weltkrieg und mit Hilfe einer leichtfertigen An- leihewirtschaft(besonders mit ausländischem Kapital). Dem- gegenüber vertrat er sehr puritanische Grundsätze:»Mut zur Sparsamkeit«, auch wenn sie noch so unpopulär ist— keine Aus- gaben ohne Deckung, keine Anleihe ohne dringende Notwendig- keit, kein Jahresetat ohne Ausgleich der Bilanz, keine neuen Ex- perimente mit der Währung! Nur so ist das Vertrauen der Regier- ten für die öffentliche Verwaltung nach der Inflation wieder zu gewinnen, nur so die Währung vor neuem Verfall zu sichern- ein Thema, das in unendlichen Variationen immer wiederkehrt. Nie- mand kann mehr besitzen, als er selbst erarbeitet, keine Anleihe nimmt uns die Lasten ab, die wir uns selbst aufpacken! Goerdeler beobachtete kritisch die Neigung vieler Stadtoberhäupter, sich billigen Ruhm zu verschaffen durch großartige, aber finanziell unsolide fundierte Bauten, die der Menge in die Augen fallen. Für sich selbst nahm er das Verdienst in Anspruch, als Oberbürger- meister von Leipzig eine zerrüttete Finanzwirtschaft durch eiserne Sparsamkeit in Ordnung gebracht zu haben. Beim Abschied von seinen dortigen Mitarbeitern 1937 setzte er ihnen auseinander, daß die Stadt in den sieben Jahren seiner Leitung eine Mehrlast von insgesamt 100 Millionen Mark habe einsparen müssen(infol- ge erhöhter Soziallasten, verminderter Steuereingänge und hoher Schuldentilgungspflichten) und daß es trotzdem gelungen sei, noch einen Überschuß anzusammeln und die Schuldenlast zu ver- mindern.? Das war sein größter Stolz, und von diesen Erfahrun- gen waren auch alle seine Reformprogramme für die Wirtschafts- und Finanzpolitik des Reiches bestimmt, wie wir noch sehen werden. Es versteht sich, daß später seine Kritik am Hitler-Regi- me von hierher immer neue Nahrung empfing. Ohne Zweifel ver- dankte er dieser soliden Finanzwirtschaft einen großen Teil seiner Popularität in Leipzig, besonders beim kleinen Mann; dies um so mehr, als er selbst mit seiner Familie in großer Einfachheit lebte. Auch publizistisch hat er seine Grundsätze kommunaler Fi- nanz- und Wirtschaftspolitik verfochten, am ausführlichsten "wohl schiei gesch (insb örter dens erört che. Bode aber jenig schaf len} Wirt Risil scha Kon säckı Gen poli also öko: im( Obe dure pers die Stim aucl Kor zent öffe Ger fun, geb übe Unt \ i Bürgermeister und Kommunalpolitiker 35 wohl in einer Artikelreihe, die vom Januar bis März 1937 er- .!0 In der Form eines Kommentars zu der von ihm mit- rk geschaffenen deutschen Gemeindeordnung vom 30. Januar1935 (insbesondere zu den$$ 67-75) wurde hier vor allem die Frage er- a örtert, ob, in welchem Umfang und in welcher Form die Gemein- e den sich wirtschaftlich betätigen sollten. Sie gehörte zu den meist- in erörterten Problemen deutscher Kommunalpolitik in jener Epo-| ie che. Goerdeler gibt eine Antwort, die grundsätzlich auf dem| “ Bodenliberaler, d.h. nichtsozialistischer Wirtschaftspolitik bleibt,| En| aber die wirtschaftliche Betätigung der Gemeinden auf den- N zur_ jenigen Gebieten fordert, wo der Natur der Sache nach die wirt- N ": schaftliche Aufgabe am besten(oder nur) durch einen kommuna- die len Monopolbetrieb gelöst werden kann. Grundsätzlich ist das n Wirtschaften Sache des Privatunternehmers, der sein eigenes ed Risiko trägt; kameralistische Verwaltung kommunaler Wirt- i schaftsbetriebe ist zu verwerfen, weil sie ohne den Stachel echter ie Konkurrenz bleibt, mangelhafte Leistungen auf Kosten des Stadt- Nie. säckels ausgleichen kann und in einem von Parteien regierten ine 0 Gemeinwesen allzu leicht in Gefahren der Korruption und des ei| politischen Mißbrauchs gerät. Die Wirtschaftsbetriebe müssen also in der Form selbständiger Unternehmungen nach streng .o © - sich ökonomischen Gesichtspunkten geführt werden; aber sie sollen, ziel im Gesamtinteresse der Gemeinde, unter der verantwortlichen 1 Oberleitung des Bürgermeisters stehen— auch wenn sie(was en durchaus ratsam sein kann) die Form einer selbständigen Rechts- de persönlichkeit(AG. oder GmbH.) annehmen. Mit Rücksicht auf 2 die Steuerzahler muß die Haftung der Gemeinde auf einen be- der, stimmten Höchstbetrag beschränkt bleiben. Eben deshalb sollen cast" auch keine Bankunternehmungen mit großem Risiko von der fol: Kommune oder vom Staat betrieben werden; nur Sparkassen und ober zentrale Währungsbanken(Notenbanken) eignen sich für die sel, öffentliche Hand. Spekulation mit Vermögensteilen wird der I Gemeinde aus demselben Grund verboten, Vermögensveräuße- 2 rung nur in dem Umfang gestattet, als dadurch keine bald wieder afts- gebrauchten Vermögensteile verlorengehen; nur der Staat darf ehen über das Volksvermögen in größerem Umfang frei verfügen, regt", unter Umständen sogar in sehr hohem Maße; er soll davon aber au nur in ganz besonderen Notzeiten(wie im Krieg) Gebrauch nel machen. Das entspricht»dem Naturgesetz und der sittlichen mso Ordnung«. Der Leistungswille der Bürger hängt immer ab vom ebit: Vertrauen auf die Solidität der öffentlichen Finanzverwaltung. ‚Fi Diese muß immer dessen eingedenk sein, daß sie mit fremden, ihr | anvertrauten Geldern zum allgemeinen Besten zu wirtschaften 36 Zweites Kapitel hat. Theoretisch ist eine Etataufstellung mit Ausgleich der Bilanz|) lichen auch für längere Zeiträume als für ein Jahr möglich; praktisch ist| der Se indessen das Jahr als der natürliche Zyklus alles Lebens zu be- genw trachten, und wer öffentliche Gelder verwaltet, hat vor allem für Staat Sicherheit zu sorgen, wie sie schließlich doch nur ein ausgegliche-| kraftt ner Jahresetat verbürgt.(Das würde Goerdeler wohl auch heute|| trauen wieder gegen neuere finanzpolitische Theorien einwenden.)| hörtz Schließlich darf die Steuerkraft der Bürger nicht über ein be-\ sichir stimmtes Maß hinaus beansprucht werden: ihre dauernde Lei-| halten stungsfähigkeit darf darunter nicht leiden. milien Goetdeler hat die hier aufgestellten Grundsätze der Organisa-| utteile tion kommunaler Wirtschaftsbetriebe als Ergebnis der neueren| watir Erfahrungen deutscher Städte und vieler kommunalpolitischer\ nicht: Debatten seit dem ersten Weltkrieg betrachtet. Er war aber stolz| witd) darauf, zu ihrer Klärung wesentlich beigetragen zu haben. Daß es ihm gelungen war, als Leipziger Oberbürgermeister die städti-| ktatie schen Regiebetriebe, seinen Prinzipien entsprechend, gegen wid-| nativ rige Strömungen des Stadtparlaments zu erhalten, erschien ihm War,| (in einer für sein ganzes politisches Denken bezeichnenden Wen-| t«,so dung) als Beweis dafür,»daß selbst in bewegten Zeiten eine mit traue: dem Willen zum Guten vorgetragene vernünftige Erkenntnis freilie schließlich sich durchsetzt«.!! wenn Fine wichtige Rolle spielte in diesen Erörterungen die Frage Geda nach den Grenzen des staatlichen Aufsichts- und Einspruchs- ichy rechts gegenüber den Gemeinden. Im Gegensatz zur Durch- ter Z, schnittsmeinung der konservativen Partei vertrat Goerdeler mit die] Entschiedenheit den Grundsatz möglichst großer Freiheitder brauc kommunalen Selbstverwaltung. Die staatliche Aufsicht, meint er, pe; solle sich nur auf die Gesetzlichkeit, nicht aber auf die Zweck- Sich mäßigkeit der städtischen Verwaltung erstrecken; denn diese Defre könne von den unmittelbar Beteiligten viel besser als von einem hört Ministerialbeamten beurteilt werden. Übrigens könne und solle Voru der Staat eine Gemeinde so wenig wie einen einzelnen hindern, der Dummheiten zu machen, auch nicht in der Vermögensverwal- Schaf tung; denn nur da wird wirklich verantwortlich gehandelt, wo bare, jeder sein eigenes Risiko trägt und es ihm nicht von anderen abge- Schal nommen wird.!? i erha Mit Recht hat sich Goerdeler für solche Grundsätze auf den und Freiherrn vom Stein berufen. Die Wirkung freier selbstverant- Kam wortlicher Initiative als obersten Grundsatzes aller Wirtschafts- Ohne politik und Verwaltungsorganisation; die Überzeugung, daß miß wahre Gemeinschaft nur von freien, selbstverantwortlichen Per- Ü sönlichkeiten gebildet werden kann, nicht aber durch obrigkeit-| Bürgermeister und Kommunalpolitiker 37 lichen Zwang, der nur Masse erzeugt; der Glaube, daß das Prinzip der Selbstverantwortung auch in die Arbeiterschaft hineingetra- gen werden muß und kann und daß ebenso die Wirtschaft wie der Staat dann am besten gedeihen, wenn sie auf die freie Schaffens- kraft rüstiger, für ihr Handeln selbstverantwortlicher Bürger ver- trauen, statt ewig zu gängeln und zu kommandieren— das alles ge- hört zum echten Erbe des älteren deutschen Liberalismus, wie er sich im Kreise städtischer Selbstverwaltung noch am ehesten er- halten hatte. Die Tatsache, daß Goerdeler aus Heimat- und Fa- milientradition, zunächst wohl auch aus nationalistischen Vor- urteilen zur konservativen(»Deutschnationalen«) Partei gehörte, war im wesentlichen eine Äußerlichkeit, die unserer Feststellung nicht im Wege steht.13 Unleugbar neigte er(wie sich noch zeigen wird) zu einer autoritären Staatsauffassung, mißtraute der par- lamentarischen Verfassungsform im Sinne der westlichen Demo- kratien und vertrat kulturpolitisch einen ausgesprochen konser- vativen Standpunkt, wie er in deutschnationalen Kreisen üblich war. Aber die Autorität der Reichsleitung, die er verstärken woll- te, sollte nicht auf rohem Zwang, sondern auf allgemeinem Ver- trauen beruhen und streng an die Gesetze gebunden sein— nur freilich imstande, auch unpopuläre Maßnahmen durchzusetzen, wenn es das höhere Staatsinteresse erforderte. Das alles waren Gedanken, wie sie im deutschen Rechtsliberalismus von jeher erb- lich waren und im sogenannten Jungkonservatismus der Weima- rer Zeit wieder auflebten- nicht ohne tragische Verstrickung in die Dämonie einer politischen Bewegung, die ihre Ideen miß- brauchte. Mit den Standesinteressen der Junker und Schlotbarone dagegen hatte Goerdeler nichts zu tun. Von Hugenberg hat er sich im entscheidenden Augenblick, wie wir noch sehen werden, getrennt, und dem Vorstand der Deutschnationalen Partei ge- hörte er schon lange vor 1931 nur noch dem Namen nach an. Die Vorurteile der echten»Kapitalisten« gegen soziale Bestrebungen der Arbeiterschaft hat er nie geteilt. Wohl aber war seine wirt- schaftspolitische Grundanschauung durch einen unüberbrück- baren Abgrund vom sozialistischen Denken getrennt. Alles Wirt- schaftsleben ist für ihn Kampf- Kampf zunächst um die Selbst- erhaltung des Menschen, der aber zum»lauteren Wettbewerb« und durch soziale Hilfsbereitschaft, durch»edle und freiwillige Kameradschaft« gemildert werden muß- eine Hilfsbereitschaft, ohne die freilich»das Gemeinschaftsleben unerträglich werden müßte«.1? Übrigens stand Goerdeler mit seinem Kampf für die Freiheit " kommunaler Selbstverwaltung in einer Front mit den meisten 38 Zweites Kapitel seiner Berufsgenossen. Allgemein war die Enttäuschung darüber, daß die Weimarer Republik, entgegen den Versprechungen ihrer Verfassung, diese Freiheit nicht gefördert, sondern in praxi stark verminderthatte. Hugo Preuß, der Urheber desVerfassungswerks, hat diese Enttäuschung selbst geteilt. Schuld daran war vor allem (wie auch Goerdeler feststellte) die streng unitarische Finanz- reform Erzbergers, die mit der Schaffung eigener Steuerbehörden des Reichs bis zur Lokalinstanz hinunter und mit der Entziehung der Einkommensteuer die Kommunen als Träger eigener Steuer- hoheit ausgeschaltet und sie mit Hilfe des sogenannten Reichs- finanzausgleichs zu Kostgängern des Reichs gemacht hatte. Dazu kam die Zentralisation der Sozialfürsorge, des Wohnungs- und Arbeitsnachweises und anderer ehemals kommunaler Verwal- tungszweige. Schwere Soziallasten wurden den Gemeinden von Reichs wegen aufgebürdet ohne entsprechende Verstärkung eigener Einnahmequellen. Aber auch die Länder, ihrer ehemaligen Machtstellung im Bundesrat beraubt, suchten sich vielfach schad- los zu halten durch eine verschärfte Zentralisierung ihrer inneren Verwaltung, besonders im Schulwesen und der Polizei, so daß der Kampf um die Zuständigkeit zwischen Reich und Ländern, wie sich der Präsident des Deutschen Städtetages, Dr. Mulert, aus- drückte,!5 auf dem Rücken der Kommunen ausgefochten wurde. Man hat berechnet, daß 1929 durchschnittlich nur noch 3% der Gemeindeausgaben freigestellt, 97%, durch staatliche Pflichtauf- gaben festgelegt waren!®— das lähmte notwendig die Verant- wortungsfreudigkeit der kommunalen Organe. Die ungeheure Last der Arbeitslosenfürsorge seit 1930 hat schließlich die Finan- zen vieler Gemeinden ganz erdrückt, besonders da, wo vorher mit ausländischen Anleihen leichtsinnig gewirtschaftet worden war. Wo sie zusammenbrachen, wurde ein Staatskommissar eingesetzt - ein Schicksal, das allein in Preußen 600 Gemeinden erfuhren. Aus der Opposition gegen diese Zustände ist in der Weimarer Republik eine Reformbewegung deutscher Kommunalpolitiker erwachsen, die sich von Anfang an nicht auf die besonderen An- liegen der Gemeinden beschränkte, sondern sogleich aufs Ganze ging: auf die gesamte Verwaltungsstruktur des neuen Staates. Denn nur im Rahmen einer allgemeinen Reichs- und Länder- reform konnten die besonderen Nöte der Gemeindeverwaltungen wirklich durchgreifend behoben werden.»Zentralismus oder Selbstverwaltung« lautete der Titel einer Reformschrift, die der' Königsberger Kollege Goerdelers, Oberbürgermeister Loh- meyer, 1928 veröffentlichte.17 Sielegte sorgsam dar, was die Folge des ungeklärten Nebeneinanders von zentralistischen Tendenzen der neı der alt eins, Y staatlic erschie liche, ı der Be scher| ganze) alsmit noch; zahl, a aunme (der h; genan gen Z War bi Forde, neuer der un wohl; kalste Dloße AUWar Verha AUVer desP| aussch Setzte Lohr Erst | Geme dern Abgei Üsche Radik Volk, ber, hrer tark Ks, lem anz- rden ung Uer- chs- )azu und wal- von ung igen had- eren d. det ‚wie aus- ırde. ‚ der tauf- rant- yeufe inan- mit wat. setzt ‚ed. narel tiket An anıze ates ndet- nged odet N ed 7 Lob’ Rolge N .nzed Bürgermeister und Kommunalpolitiker 39 der neuen Reichsverwaltung mit fortdauernder Selbstherrlichkeit der alten Länderverwaltungen, insbesondere Preußens und Bay- erns, war: eine behördliche Überorganisation, insbesondere der staatlichen Mittelinstanzen, die ebenso kostspielig wie irrational erschien— das alles verschleiert durch eine vielfach unübersicht- liche, veraltete Gebietsgliederung und Zuständigkeitsverteilung der Behörden. Statt dessen forderte er- als radikaler, demokrati- scher Unitarier- durchgreifenden Neubau, einheitlich für das ganze Reichsgebiet: als unterste Instanz dieStadt-undLandkreise, als mittlere die bisherigen Länder, neu geordnet zu 13(oder lieber noch: 9) Reichsprovinzen von annähernd gleicher Bevölkerungs- zahl, als oberste das Reich, das seinen bundesstaatlichen Charakter nunmehr völlig abstreifen sollte. Die Einzelheiten dieses Planes (der hier nicht näher zu entwickeln ist) erinnern in so vielen Zü- gen an spätere Reformschriften Goerdelers, daß an einem geisti- gen Zusammenhang nicht gezweifelt werden kann. Gemeinsam war beiden zunächst die Kritik an Erzbergers Finanzreform, die Forderung nach steuerlicher Selbständigkeit der Gemeinden und neuer Verteilung der verschiedenen Steuerarten auf Reich, Län- der und Kommunalverwaltungen. Das war ein Programmpunkt wohl aller kommunalpolitischen Reformer. Aber selbst die radi- kalste der Forderungen Lohmeyers: die Länderparlamente in bloße Provinziallandtage, die Länder in bloße»Reichsgaue« um- zuwandeln, kehrt bei Goerdeler mehrfach wieder; er möchte ihre Verhandlungen entpolitisieren und schlägt vor, mitihnen ähnlich zu verfahren wie mitden Stadtparlamenten: nur seltene Tagungen des Plenums, Erledigung der meisten Geschäfte in einem Haupt- ausschuß der Versammlung.!® Eine solche Entpolitisierung setzte nun freilich auch eine Entmachtung der Parteien voraus; Lohmeyer wollte zu diesem Zweck alle Reichstagsabgeordneten zuerst durch die Schulung der Selbstverwaltung laufen lassen: in Gemeinde-, Kreis- und Provinzialkörperschaften- ein Gedanke, der noch in den letzten Denkschriften Goerdelers(wenn auch in abgeänderter Form) wiederkehrt. Beide Männer waren aus prak- tischer Erfahrung vonSorge erfüllt vor dem verantwortungslosen Radikalismus und der Popularitätssucht demokratisch gewählter Volksvertreter, besonders in Finanzfragen. Beide sannen auf Ab- hilfe ohne reaktionäre Beschränkung des Wahlrechts. Sie ver- langten ein Vetorecht der Exekutive(in allen Instanzen) gegen verfehlte Finanzbeschlüsse der Kammern nach angelsächsischem Muster, insbesondere gegen Ausgaben ohne Deckung, weiter: Heraufsetzung des Wahlalters auf 24 Jahre!® und Ersatz der (Proporz) durch den englischen Wahlmodus der 40 Zweites Kapitel Persunalwahl mit einfacher Mehrheit, um die Parteizersplitterung einzuschränken. Vor allem wollten sie die Stellung des Reichs- präsidenten gegenüber dem Reichstag verstärken. An diesem Punkt ist Goerdeler sehr weit gegangen: der Reichspräsident sollte bei der Berufung der Reichsminister nicht an das Vertrau- ensvotum des Reichstags gebunden sein— also reine Präsidial- kabinette berufen können!?° Er erklärte es für einen Vorzug sol- cher Kabinette, daß sie durch einen längeren Zeitraum(unter Um- ständen bis zu 7 Jahren) im Amte bleiben und auch unpopuläre Maßnahmen durchsetzen könnten— ohne längere Bewährungs- fristen ließen sich große Reformen nun einmal nicht durchführen. Wit werden noch sehen, wie er vor allem die Arbeitslosigkeit mit Hilfe solcher halbdiktatorischen Methoden zu überwinden hoffte. Ein weiteres Anliegen, das Goerdeler mit Lohmeyer teilte, war die Vereinfachung und Verbilligung der Verwaltung, besonders in Preußen. Die preußischen Regierungsbezirke und Bezirks- regierungen sollten verschwinden, die Zahl der Reichsministerien sollte durch teilweise Zusammenlegung vermindert werden; ins- besondere wollte Goerdeler die Reichsministerien für Wirtschaft und Arbeit zusammenlegen(eine immer wiederkehrende Haupt- forderung!), ebenso die Ministerien für Verkehr(Post, Eisen- bahn, Straßenwesen). Darüber hinaus wünschte er, daß die preu- Rischen Ministerien möglichst weitgehend mit den Reichsmini- sterien verschmolzen würden, zunächst die für Landwirtschaft und Handel; nur das Kultus- und das Finanzministerium Preu- Bens sollten vorläufig selbständig bleiben.?! Damit war das heikelste aller Verfassungsprobleme ange- rührt: das Verhältnis Preußens zum Reich. Es hatte bekanntlich von jeher, schon in der Reichsgründungszeit, viel Not bereitet, wurde aber in den späteren Jahren der Weimarer Republik immer mehr als lastendes Problem empfunden: nicht nur von seiten der Rechtsparteien, die in Preußen eine sozialdemokratische Mehr- heitsregierung vor sich sahen, sondern auch von den Verwal- tungsreformern, die das Nebeneinander einer hochentwickelten preußischen Verwaltung neben der sich immer mehr ausdehnen- den des Reiches als Luxus empfanden. Nicht alle Reformer waren radikale Unitarier; viele bevorzugten eine mittlere Lösung, wie sie der frühere Reichskanzler(und ehemalige Essener Oberbür- germeister) Dr. Hans Luther vorschlug: die Umgestaltung Preußens zumReichsland, in das auch die kleineren norddeutschen Länder aufgehen sollten, doch so, daß die preußischen Provinzen als»Länder neuer Ordnung« ein erhöhtes Maß von Selbständig- keit erhielten. Goerdeler hat diese Pläne sehr achtungsvoll be-| / handel bezeug seine\ eine\ Preuß Weste gehen Vinzer mitsar wohl: das er rungs So strebt auch: verbä Repul faktot Wicke Glied und| eifrig Meye: Städt Reich War i muß ganz so we ch; Sich, Date. et mi Vere am 7 lch, len\ Siche ung cchs- sem dent FraU- dial- sol- Un- aläre 1ng5- ren. t mit offte, , wat ders irks- erien ‚ins chaft aupt- ‚isen- preu- minl-|| ‚chalt Preu- ange atlich reitel,| mmel| n dei Viehr- ‚wol keiten hnet‘ ward n, wie spbüf tung sche! IF zinze indie‘ I be Bürgermeister und Kommunalpolitiker 41 handelt und der Persönlichkeit Luthers mehrfach seinen Respekt bezeugt als dem»besten Reichskanzler der Nachkriegszeit«. Aber seine Vorschläge betrachtete er mit Kritik: er fürchtete als Folge eine Vertiefung der Mainlinie, eine zu starke Auflockerung Preußens, das doch den agrarischen Osten mit dem industriellen Westen verbinden sollte. Entweder, meinte er, müsse man weiter- gehen und auch die süddeutschen Länder zu bloßen Reichspro- Vinzen machen oder man müsse auch Preußen seine Staatlichkeit mitsamt seinem Landtag belassen. Nicht dieser sei gefährlich, wohl aber das System der parlamentarischen Regierungsbildung, das er durch seine(uns schon bekannte) mehr präsidiale Regie- rungsform zu ersetzen wünschte.?° So sieht man immer wieder die kommunalpolitischen Be- strebungen unversehens ins Staatspolitische übergehen. Das war auch auf den Tagungen der sogenannten kommunalen Spitzen- verbände23 nicht anders, die in den Spätjahren der Weimarer Republik sich mehr und mehr zu bedeutsamen politischen Macht- faktoren und Organen der öffentlichen Meinungsbildung ent- wickelten. Sie beruhten auf freiwilligem Zusammenschluß ihrer Glieder, erreichten aber, daß praktisch die meisten Gemeinden und höheren Kommunalverbände sich ihnen anschlossen. Die eifrigsten Unitarier unter ihren Vorstandsmitgliedern, wie Loh- meyer und Mulert, drängten auf unmittelbare Vertretung der Städte in den obersten Reichsorganen, dem Reichstag, Reichsrat, Reichswirtschaftsrat, Reichsministerium des Innern; das Reich, war ihre Theorie, das den Kommunen so hohe Lasten auflegt, muß ihnen auch eine unmittelbare Vertretung gewähren. Es ist ganz unwahrscheinlich, daß der konservativ gesinnte Goerdeler so weit gegangen ist, die Länder als staatliche Mittelinstanz ein- fach ausschalten zu wollen zugunsten einer Reichsbürokratie, die sich zu einem» Wasserkopf« hätte auswachsen müssen. Unmittel- bare Äußerungen darüber liegen mir nicht vor.2* Wohl aber war er mitbeteiligt an anderen Reformplänen der Städtetage: an der Vereinheitlichung des deutschen Städteverfassungsrechtes und am Zusammenschluß aller kommunalen Spitzenverbände. Frei- lich wird es ihm dabei weniger auf Uniformierung der kommuna- len Verfassungen?® als auf die organisatorische und gesetzliche Sicherung kommunaler Freiheit und Selbstverwaltung angekom- men sein. Dafür fühlte er sich doppelt mitverantwortlich, seit er (als Leipziger Oberbürgermeister) in den Vorstand des Deutschen Städtetages eingetreten war. Die Vereinigung aller Spitzenverbände war theoretisch schon ‚vor dem Umsturz von 1933 vorbereitet; der Berliner Kommunal- 42 Zweites Kapitel wissenschaftler Dr. Jeserich hat Entwürfe dafür-in vorsichtiger Form- schon 1932 veröffentlicht. Im Frühjahr 1933 wurden seine Pläne bereits zur Wirklichkeit, nachdem im Zuge der national- sozialistischen»Gleichschaltung« die meisten Oberbürger- meister-, Bürgermeister- und Landratsposten neu besetzt worden waren. Eine führende Rolle spielte dabei der Oberbürgermeister Fiehler von München, der denGedanken des Zusammenschlusses der kommunalen Spitzenverbände Hitler selbst vortrug, und zwar gemeinsam mit Goerdeler und Jeserich.?® Er fand den Beifall des Diktators und wurde von ihm mit der Durchführung beauftragt. Da er sich auf einen Wunsch des»Führers« berufen konnte, ge- lang es ihm schon im Mai, die Vorstände aller kommunalen Spit- zenverbände zur Zustimmung zu bewegen- natürlich nicht ohne einen gewissen moralischen Druck der Partei. Fiehler wurde Vor- sitzender, Jeserich geschäftsführender Präsident des neuen Deut- schen Gemeindetages, Goerdeler(wie Jeserich berichtet)»kraft seiner überragenden Persönlichkeit, seiner Sachkunde und seiner großen kommunalen Erfahrungen« das einflußreichste Mitglied des zwanzigköpfigen Vorstandes; diesem gehörte er bis 1937, d.h. bis zu seinem Ausscheiden aus dem Leipziger Oberbürgermeister- amt an; aber auch nachher hat er noch mehrfach an den Arbeiten des Gemeindetages teilgenommen und seinen Aufgaben stets großes Interesse bewahrt. Begutachtung von Gesetzen und Verordnungen war neben der Auskunftserteilung an Gemeinden und Gemeindeverbände die Hauptaufgabe der neuen Organisation. Das wichtigste der hier beratenen Gesetze war die neue, einheitliche deutsche Gemeinde- ordnung, die für alle Gemeinden schlechthin galt und am 30. 1. 1935 als Reichsgesetz verkündet worden ist. An ihrer Vorberei- tung hat Goerdeler einen entscheidenden Anteil gehabt. Bevor der Entwurf(der in vielen Bestimmungen auf die Vorschläge des Städtetages von 1930 zurückging) ins Hitler-Kabinett gelangte, wurde er in einem kleinen Kreise beraten und formuliert, dem auch der Leipziger Oberbürgermeister angehörte.?? Nach seiner eigenen Darstellung stammte einer der beiden ersten Entwürfe von ihm, der andere von Fiehler. Das Ergebnis der gesetzgebe- rischen Arbeit hat Goerdeler mehrfach als»vorzüglich« gerühmt - ein Urteil, das auf den ersten Blick verwundern muß angesichts einer Ordnung, die das sogenannte Führerprinzip ebenso kon- sequent durchführte wie das Einparteiensystem und die Selbst- verwaltung durch staatliche Aufsicht sehr stark einengte— trotz aller phrasenhaften Versicherungen des Prologs und der Kom- mentare, der Geist des Freiherrn vom Stein solle neu belebt,»eine wahre gesch: daß er nunge dann gewo! wurfe Fülle’ ethalt Grun die G öffer eigen deler menti blickt überh eigen Repir Sich< des( Mein, Staat, des R Schic W Deue aktio dar d Mein Viel Alzu liche, das t Würd Wurf esta form iger, eine| nal-| ger- den ister isses wat| | des agt. m; I TE ın u = = Bürgermeister und Kommunalpolitiker 43 wahre Volksgemeinschaft« von der»Zelle« der Gemeinde her geschaffen werden. Aber Goerdelers Urteil erklärt sich wohl so, daß er auf das Zustandekommen dieses Gesetzes sehr große Hofl- nungen gesetzt hatte und daß er von diesen Hoffnungen auch dann nicht lassen wollte, als schließlich eine Enttäuschung daraus geworden war. Trotz aller Korruption des ursprünglichen Ent- wurfes durch nationalsozialistische Einflüsse war doch eine große Fülle wohldurchdachter und zweckmäßiger Einzelbestimmungen erhalten geblieben, im ersten, allgemeinen Teil auch gewisse Grundsätze, die altdeutscher Tradition entsprangen. Hier wurden die Gemeinden nicht als Staatsanstalten bezeichnet, sondern als »öffentliche Gebietskörperschaften«, Rechtspersönlichkeiten aus eigener geschichtlicher Wurzel. Besonders wichtig waren Goer- deler die Abschnitte über Finanzen und Wirtschaft, deren Kom- mentierung in seinen Aufsätzen wir schon kennen. In ihnen er- blickte er geradezu ein»Grundgesetz der öffentlichen Wirtschaft überhaupt«2® und versuchte, gestützt auf diese Bestimmung, seine eigene Kritik an der Wirtschafts- und Finanzpolitik des Hitler- Regiments als gesetzlich wohlbegründet zu erweisen— wobei er sich darauf berufen konnte, daß Hitler persönlich in den Prolog des Gesetzes einen Satz eingefügt hatte:??»Die deutsche Ge- meindeordnung ist ein Grundgesetz des nationalsozialistischen Staates. Auf dem von ihr bereiteten Boden wird sich der Neubau des Reiches vollenden.« Überhaupt bietet die Entstehungsge- schichte dieser Ordnung des Merkwürdigen genug. Wie Goerdeler erzählt, hatte er sich vor allem deshalb um die neue Gemeindeordnung bemüht,»um möglichst schnell die re- aktionäre von Popitz für Preußen abzulösen«.(Gemeint ist offen- bar das preußische, auf Göring bzw. Grauert zurückgehende Ge- meindegesetz vom 15. 12. 1933.)»Reaktionär« fand er daran die viel zu weit getriebene Staatsaufsicht über die Gemeinden und die allzu starke Beschränkung der Bürgerschaft bei der gemeind- lichen Willensbildung.?° Daß gerade an diesen beiden Punkten das neue Gesetz in denselben, ja noch ärgeren Fehler verfallen würde, war nicht sogleich vorauszuschen. Jeserichs erster Ent- wurf hatte ihn zu vermeiden versucht. Und Hitler zeigte sich in erstaunlichem Maße zugänglich für die Vorschläge unseres Re- formers. Dieser nahm Anstoß vor allem an zwei Punkten, die die Nationalsozialisten in den Entwurf hineingebracht hatten: an der . Ernennung der Ratsherren und Gemeindeverordneten durch die ‚Partei(statt des von ihm selbst vorgeschlagenen einfachen Wahl- ‚verfahrens) und an der allzu eng gefaßten Staatsaufsicht.®! Er er- j||-..”. "zählt nun in seinen Niederschriften von 1944, Anfang Januar 44 Zweites Kapitel 19352 habe ihn Hitler zu sich befohlen, um seine Meinung über das dicht vor der Verabschiedung stehende Gesetz zu hören. Er habe eben diese Einwände vorgetragen und stark betont, daß gerade in einem autoritären Staat die Verwaltung»nach unten elastisch abgefedert sein müsse« durch eine echte Selbstverwal- tung, in der die Staatsbürger an der öffentlichen Verantwortung sich beteiligten; andernfalls gäbe es nur ein stumpfes Befehlen und Abwarten, ein gefährliches Abschieben der Verantwortung nach oben. Diese letzte Vorhaltung mag Hitler für den Augenblick eingeleuchtet haben. Er selbst hatte sich(wie Jeserich berichtet) in den ersten Vorbesprechungen durchaus geneigt gezeigt, dem Gemeinderat ein Beschlußrecht einzuräumen. Jetzt meinte er, »man könne dem Bürgermeister Auseinandersetzungen mit den Stadtverordneten nicht zumuten, dazu verstünden die neuen Leute zu wenig«. Im übrigen suchte er, seinem Partner grundsätz- lich zustimmend, ihn zugleich durch eine Schmeichelei zu gewin- nen: Leider habe er zur Zeit nicht genügend zur Selbständigkeit erzogene Männer, dieihm(Goerdeler) gleichwertige Oberbürger- meister sein könnten.» Also müsse er die Ratsherren von der Par- tei auslesen lassen und müsse auch dem Staat einen starken Ein- fluß bei der Bestallung der Oberbürgermeister vorbehalten.« Im- merhin sollte die Staatsaufsicht eingeschränkt werden. Sogleich wurde Frick zitiert und erhielt, ohne daß seine Einwendungen beachtet wurden, strikte Weisung, den Entwurfentsprechend den Wünschen Goerdelers umzuarbeiten. Dieser selbst wurde zum Frühstück geladen und konnte in den am Nachmittag durch- geführten Kommissionsberatungen seine Wünsche zu Gehörbrin- gen. Dabei stieß er freilich auf zähen Widerstand des Innenmini- steriums, das dann auch eine wesentliche Abschwächung seiner Forderungen(nach Neufassung der Artikel über Staatsaufsicht) durchsetzte. Immerhin hat Hitler(wie Dr. Jeserich und Graf Schwerin-Krosigk sich erinnern) in der entscheidenden Kabinett- sitzung(damals wurden solche noch abgehalten!) verlangt, daß zu Gemeinderäten nicht etwa nur Parteimitglieder oder Mitglieder von Parteiorganisationen, sondern auch»gewöhnliche Volks- genossen« bestellt werden könnten, ja sogar sollten. Wenn das alles richtig ist, dann hätte Hitler damals noch.ein Gefühl dafür gehabt, daß seine Parteigefolgschaft nicht für alle Verwaltungsposten sich eignete, am wenigsten in dertechnisch so komplizierten Verwaltung moderner Großstädte. Vielleicht hat er sich gescheut, seine Partei mit allzuviel Verantwortung auch in dieser(politisch relativ belanglosen) Sphäre zu beladen? Goer- deler aber konnte den Eindruck haben, daß auf diesem Gebiet sein\ Gesel in Or Inc zentr stelle fehle, verw Bürg, Verb er19 nale drucl Staat hatte lebt, tages parte die$ Staat: berej lich( erwi Bürgermeister und Kommunalpolitiker 45 sein Wort etwas galt.°® Und er hat noch bis zuletzt gemeint, das Gesetz von 1935 würde sich durch wenige einfache Änderungen in Ordnung bringen lassen. Indessen: die von ihm gerügten Mängel betrafen gerade den zentralen Punkt, und so hat er schließlich 1944 rückblickend fest- stellen müssen, daß die Gemeindeordnung von 1935 vollkommen fehlgeschlagen sei:»Das Gemeindeleben ist verödet, die Selbst- verwaltung tot, die Bürger kennen kaum noch die Namen ihres Bürgermeisters, geschweige denn die von der Parteiernannten, im Verborgenen blühenden Gemeinderäte.«®? So pessimistisch hatte er 1936/37 noch nicht geurteilt, als er seine Artikel über kommu- nale Wirtschaft schrieb. Gleichwohl waren auch sie schon Aus- druck seiner Opposition: sie waren als indirekte Kritik an der Staatswirtschaft Hitlers gemeint, und zur Zeit ihres Erscheinens hatten die Kommunalpolitiker schon manche Enttäuschung er- lebt. Schon seit 1935 war der Vorstand des Deutschen Gemeinde- tages mehr und mehr in Gegensatz zur Herrschaft der Staats- partei geraten— einfach aus dem Zwang seiner Aufgabe heraus, die Selbstverwaltung durch das System des totalitären Zwangs- staates hindurchzuretten. Die neue Gemeindeordnung als Weg- bereiterin einer neuen politischen Ordnung— das war ursprüng- lich die Hoffnung ihrer Begründer gewesen; aber diese Hoffnung erwies sich nur allzubald als eine Illusion. Gescheiterte Hoffnungen, eine Fülle von Reformbestrebungen, die zuletzt alle Papier blieben— so könnte man überhaupt die Summe des hier Berichteten zusammenfassen. Für unser General- thema, die Geschichte der deutschen Widerstandsbewegung, ist ihre Betrachtung gleichwohl unentbehrlich. Denn es zeigt sich, daß die Opposition des Goerdeler-Kreises gegen Hitler nicht iso- liert betrachtet werden darf: sie stand in unmittelbarem Zusam- menhang mit einer älteren, schon in der Weimarer Epoche ent- standenen Reformbewegung und lebte zum großen Teilaus deren Ideen. Nur so erklärt sich, daß so große Teile gerade der höheren Beamtenschaft daran beteiligt waren, nur so auch, daß sie sich so intensiv und hartnäckig mit detaillierten Plänen einer neuen Ver- waltungsorganisation beschäftigten, die nach dem Sturz Hitlers durchgeführt werden sollten, obwohl doch dieser selbst nichts weniger als gesichert war. Es gab Männer unter den Opponenten, die viel ernstlicher als Goerdeler gehofft haben, ein neues autoritä- res System werde jene organisatorischen Reformen durchführen, dieder Weimarer Republik nicht gelungen waren- hier wäre etwa Fritz von der Schulenburg als Beispiel zu nennen. Ihre Hoffnun- \ gen mußten noch steigen, als tatsächlich die Präsidialkabinette 46 Drittes Kapitel Brüning und Schleicher einiges davon durchzusetzen begannen: insbesondere die finanzielle Belastung der Gemeinden zu erleich- tern, den Gegensatz zwischen dem Reich und Preußen gewalt- sam zu beseitigen und den preußischen Verwaltungsaufbau er- heblich zu vereinfachen. Erst allmählich ist ihnen klargeworden, daß unter dem autoritären Regime Hitlers und seiner Partei von wahrer Selbstverwaltung keine Rede mehr sein konnte. Um so heftiger war dann der Rückschlag in ihrer politischen Gesinnung. Nicht so natürlich, als ob sich ihre Opposition allein und we- sentlich aus ihren kommunalpolitischen Bestrebungen oder aus ihren Plänen für eine organische Fortbildung der Reichsverfas- sung erklären ließe. Weit stärker als alle anderen Motive war ihre moralische Empörung, die Erbitterung eines tief gekränkten Rechtsbewußtseins gegen das Gewaltregiment des Tyrannen— davon wird noch ausführlich zu reden sein. Aber der besondere Charakter ihrer Opposition ist doch wesentlich mitbestimmt durch die Tatsache, daß so viele ihrer Träger aus der kommunalen und höheren staatlichen Verwaltung stammten. Sie war kein vages Ressentiment utopischer Idealisten oder doktrinärer Demokraten. Sie wurzelte in den Idealen freier Selbstverantwortung, die sich im Rahmen kommunaler Selbstverwaltung hatte praktisch bestä- tigen können. Es war darin ein Stück echter. Sachlichkeitlebendig: Kritik erfahrener Sachkenner der öffentlichen Verwaltung, nüch- terner Realisten des politischen Alltags am Dilettantismus fana- tischer Demagogen. Das hat diesen Männern einen großen Teil ihrer inneren Sicherheit gegeben. Die Polemik der Nationalsozia- listen gegen die»liberalistischen Doktrinäre und Egoisten« zielte an ihnen völlig vorbei. Drittes Kapitel: Berater des Reichspräsidenten Seit seiner Ernennung zum Oberbürgermeister von Leipzig(22.5. 1930) wurde Carl Goerdeler mehr und mehr zu einer politischen Figur- und zwar allein kraft seiner Persönlichkeit, nicht seiner Parteizugehörigkeit. Es ist nicht ganz leicht zu verdeutlichen, was eigentlich die starke Suggestivwirkung ausmachte, die von ihm ausging und auf jeden ausstrahlte, der mit ihm zu tun hatte. Theodor Litt hat in einer schönen Charakteristik des Menschen! gemeint, es habe etwas Herrscherliches in seinem Wesen gelegen. Aber er fügte gleich mit Recht hinzu, daß ihm trotz alles leiden- schaftlichen politischen Wollens jede Spur von Dämonie des Machtwillens, von Verschlagenheit und Herzenskälte gefehlt "habe, lebtei keine] in die persö! auch ı dem s den w beste« und P wisse, eindrı zuüb: Imme Bing, menst Schw schät; lich ı oder trug, Richt Ihnen Sittlic fück; heim Zwei dene: Zxyie dies} In lau Aunf nyi bil, Ser u Berater des Reichspräsidenten 47 B ‚habe, die man so oft bei geborenen Politikern findet. Natürlich Akt lebte in ihm jener Ehrgeiz, etwas Großes zu vollbringen, ohneden en keine bedeutende politische Tat gelingt. Aber sicher ist doch, daß en in diesem Ehrgeiz sehr viel mehr moralisches Pflichtgefühl als Be persönliches Machtstreben steckte. Das macht die Stärke, aber u auch die Schwäche seines Wesens aus. Die Stärke, weil er von je- 7 dem sofort als höchst vertrauenswürdige Persönlichkeit empfun- 5 den wurde: gerade, tapfer, aufrecht, männlich in jedem Zuge, von °"bestechender Klarheit und Einfachheit seiner Gedankengänge a und Prägungen, mit verblüffender Sicherheit des konkreten Sach- h wissens. Ich selbst habe wenige Menschen kennengelernt, die so Ihre| sindrucksvoll und doch so schlicht zu reden und eben dadurch ten| zuüberzeugen wußten-überauslebhaftund doch stets gebändigt. Dr ‚ Immer hatte man die Empfindung, daß es ihm nur um die Sache = ‚ging, die er verfocht, nicht um die eigene Person. Das machte ihn menschlich sympathisch; es war aber seine Gefahr, daß er das und Schwergewicht sachlicher Argumenteim politischen Kampfüber- 18% schätzte.» Wie er selbst«, schreibt Litt,»ein klar denkender, recht- tel. ich urteilender, geradlinig wollender Mensch war, der wenig sich oder nichts an Dunklem, Unerlöstem, Hintergründigem in sich a trug, so nahm er auch von seinen Mitmenschen an, daß, soweit nicht Selbstsucht oder böser Wille im Wege stehe, es auch bei | ihnen nur der verständigen Aufklärung und der wohlmeinenden Aa sittlichen Belehrung bedürfe, um sie von etwaigen Irrtümern zu- Tel rückzubringen und auf den rechten Weg zu führen... Die un- 2 heimliche Verschlingung von Gut und Böse, die verführerische lt geistigerMächte, dieMachtder uneingestan- denen Vorurteile und der geheimen Begehrungen- dieses ganze Zwielicht, in dem das seelische Leben so vieler sich abspielt: alles dieshatteimGrundein seinem Bilde vom Menschen keinen Platz.« In der Tat besaß Goerdeler in erstaunlich hohem Maße den Glauben des humanitären Rationalisten an die Macht der Ver- 2\nunft, gerade auch der sittlichen Vernunft. Er erinnert darin, wie hit in vielen Zügen(sogar in den Gesichtszügen!) an sein großes Vor- int bild, den Freiherrn vom Stein. Schreibfreudig wie dieser, Verfas- ws ser unzähliger Denkschriften und Aufsätze über Politik, Verwal- ihm tung und Wirtschaft, hat er mit ihm auch gemeinsam, daß sein jtte. Schrifttum allein den starken, lebendigen Eindruck der Persönlich- hen keit nicht ganz verständlich macht. Es wirkt, ähnlich wie die gez TE Denkschriften Steins, oft etwas altfränkisch-lehrhaft mit seinem der unbedingten Glauben an die Macht»wirtschaftlicher Natur- | gesetze« und seinen puritanischen Moralgrundsätzen. In den letz- ten, im Gefängnis geschriebenen und für die Nachwelt bestimm- 48 Drittes Kapitel ten Aufzeichnungen klingen manche Wendungen seltsam genau an die Sprache des ausgehenden,»empfindsam« gewordenen 18. Jahrhunderts an: so als ob man einen Zeitgenossen Steins selber reden hörte. So lehrhaft wirkte Goerdeler im Leben keines- wegs— dafür war er ein viel zu temperamentvoller und moderner Mensch. Andererseits zeigen seine Schriften auch die Vorzüge seines Wesens. Sie sind ebenso mutig wie klar. Den Hauptanstoß für seine Schriftstellerei bildetein den Jahren seit 1929 die mit unheimlicher Stetigkeit anwachsende Arbeits- losigkeit der Massen:? das schwerste Problem aller öffentlichen Verwaltungen. Schon auf der Königsberger Ostmesse im August 1927 will er ihr Kommen prophezeit und vor unbegründetem Optimismus gewarnt haben. Die Weltwirtschaftskrise von 1929 erschien ihm nicht als eine der industriellen Konjunkturkrisen, wie sie die Welt seit 80 Jahren kannte, sondern als Auswirkung gewaltiger Strukturveränderungen infolge des Ersten Weltkrie- ges, des Diktates von Versailles, aber auch der Zerstörung deut- schen Vermögens durch die Inflation. Das Verhängnisvollste seien die gegenseitige Abschließung der Industrieländer als Folge allgemeiner Überproduktion bei überhöhten Produktionskosten und die Störung der normalen Welthandelsbeziehungen durch das System der Reparationen und durch das ewige Schwanken der Währungsrelationen. Auch die Überproduktion hänge mit dem Überdruck der Kriegsschulden in aller Welt zusammen. Wieder- herstellung eines freien Güteraustausches mit aller Welt ist gerade für Deutschland, meint er, mit seinem beengten Wirtschaftsraum ein vordringliches Bedürfnis; zu einer autarken Wirtschaft sind gerade wir am allerwenigsten imstande. Aber wie kann der stok- kende Güterumlauf wieder in Gang gebracht werden? Als ent- scheidendes Heilmittel erscheint Goerdeler die Senkung der Preise, ermöglicht durch Verminderung der Produktionskosten. Nur so läßt sich der Absatz dauerhaft steigern, insbesondere der Auslandsexport neu beleben. Die Verminderung der Produk- tionskosten will er vor allem durch zwei Mittel erreichen: durch Senkung der Steuerlasten und durch Verringerung des Lohn- kostenanteils. Die Minderung der Steuerlasten soll ermöglicht werden durch äußerste Sparsamkeit der Verwaltung; das wird dann zum Ansatzpunkt für jene organisatorischen Reformforde- rungen, die wir schon kennen, aber auch zu mancherlei Anklagen gegen die kommunale und staatliche Finanzpolitik, gegen über- flüssige Neuerungen und Bauten im Schulwesen u. dgl. mehr.? Unmittelbar wichtiger sind seine Vorschläge zur Verbilligung der Produktion. Sie] hinaus ken: d keit ui billige iinzeli hat er und d Iasse, dadur nicht wiede eine V Lohn. gen)\ viel w Stund komn die L, der ve ist, v; bring kümn muß, berej au nen eins nes- ner züge hren eits- hen gust stem 1929 isen, ung krie- leut- liste oolge sten urch n.det dem -det- race au| sind stok- ‚enl- det sten: e det duk- husch ‚oh ‚licht wird orde- Jage? übel“ ht."| g der E N Berater des Reichspräsidenten 49 Sie laufen auf ein ganz entschieden deflatorisches Programm hinaus. Das Schlagwort Deflation, meint er, darf uns nicht schrek- ken: der richtige»preußisch-deutsche Begriff« dafür ist Sparsam- keit und Einfachheit. Mehr arbeiten ohne Lohnerhöhung, also billigere Waren schaffen ohne Verminderung der Kaufkraft des einzelnen Arbeiters, das ist der Kern seiner Vorschläge. Mehrfach hat er es für unverständlich erklärt, daß man die Löhne steigere und dabei die Zahl der Arbeitslosen sich beständig vermehren lasse. Was nützen etwa den Bauarbeitern hohe Baulöhne, wenn dadurch das Bauen so teuer wird, daß das Mietshäuserbauen sich nicht mehr rentiert und darum unterbleiben muß?(Ein häufig wiederkehrendes Lieblingsbeispiel unseres Reformers.)Er glaubte, eine Verlängerung der Arbeitszeit vonacht aufzehn Stunden ohne Lohnerhöhung würde sich(wenn auch nicht von heute auf mor- gen) wohl durchsetzen lassen. Sie wäre volkswirtschaftlich sehr viel wirksamer als die übliche Kurzarbeit(von sechs bis sieben Stunden) mit vermehrter Einstellung von Arbeitskräften. Alles kommt also darauf an, daß die Preisbindungen der Kartelle und die Lohntarife der Gewerkschaften aufgelockert werden. Auch der verständige Arbeiter muß schließlich einsehen, daß es besser ist, viele Menschen in Arbeit mit bescheidener Entlohnung zu bringen als wenige mit hohen Löhnen, während die Masse sich kümmerlich mit bloßer Arbeitslosenunterstützung durchschlagen muß. Natürlich wird der Arbeiter zu solcher Einsicht nur dann bereit sein, wenn er sieht, daß auch Beamte und Angestellte er- hebliche materielle Opfer bringen, und daß auch die Bezüge des Betriebsleiters und die Gewinne des Fabrikanten sich in mäßigen Grenzen halten(er wollte sie von Staats wegen beschränken!), und daß schließlich auch der Staat sich in seinen Ausgaben die här- teste Selbstbeschränkung auferlegt. Goerdeler war sich völlig klar darüber, daß ein solches Pro- gramm höchst unpopulär sein mußte. Er bewunderte aber gerade den Mut zur Unpopularität an dem Reichskanzler Brüning, der damals mit so großer Energie die Staatsausgaben beschränkte, und war überzeugt, daß diese Politik, längere Zeit und mit Zä- higkeit durchgehalten, schließlich zum Erfolg führen müsse. Auch das fortwährende Ansteigen der Arbeitslosenziffern(von 1,9 Mil- lionen 1929 auf 5,5 Millionen 1932) beirrte ihn darin nicht. Eben dies war einer der wichtigsten Gründe dafür, daß er immer wieder | das reine Präsidialkabinett forderte; denn nur mit Hilfe präsidialer »Notverordnungen« nach Art. 48 der Reichsverfassung würden die nötigen Maßnahmen durchzusetzen sein. Er bedauerte sogar, ) daß man nicht die politische und wirtschaftliche Krise von 1923 50 Drittes Kapitel benutzt habe, um die Führerstellung des Reichspräsidenten noch mehr zu verstärken. Weder das Mitlaufen der Regierung auf dem »Trampelweg der Masse« noch der mühsame, langsame und kost- spielige»Mittelweg« einer Demokratie, die immer erst die Masse zu gewinnen sucht, ehe sie einen Schritt vorwärts wagt, könne in Notzeiten genügen.? Bald hatte er Gelegenheit, diese seine Grundsätze unmittelbar in der Reichsregierung zur Geltung zu bringen. Am 18. 12. 1931 wurde er von Hindenburg zum Reichskommissar für Preisüber- wachung ernannt und zur Ausübung dieses Amtes mitallen Voll- machten versehen, die er verlangte. Aus den Verhandlungen, die dahin führten, geht deutlich hervor, wie hohen Wert der Kanzler darauflegte, gerade diesen Mann zur Unterstützung seiner Politik zu gewinnen. Um den Widerstand der Wirtschaft gegen eine so unpopuläre Maßnahme wie die zwangsweise Senkung der Preise zu überwinden(die Notverordnung vom 8. Dezember hatte Her- absetzung aller gebundenen Preise um 10%, angeordnet), be- durfte es schon einer Persönlichkeit, die ebenso als antisoziali- stisch wie als unbedingt vertrauenswürdig bekannt war und ge- rade auch im nationalen Bürgertum hohes Ansehen genoß. Goer- delers Name wurde aus der Oppositionsfront Hugenbergs gleich- sam herausgebrochen, und er selbst hat den Bruch mit seinen Parteifreunden auch nicht gescheut; deren verbohrte Opposition gegen den Vertrauensmann Hindenburgs und gegen das angeb- lich in ihm verkörperte»schwarzrote System« war ihm teils un- verständlich, teils als bloße Parteikabale verächtlich. Es empörte ihn, daß man die Erfolge Brünings in der Reparationsfrage nicht anerkennen wollte. So führte eine Aussprache mit Hugenberg zur öffentlichen Erklärung seines Austritts aus der Deutschnationalen Partei. Ohne sich der»Jungkonservativen« Gruppe unter West- arp, Schlange-Schöningen und Treviranus förmlich anzuschlie- Ben, ging er doch mit ihr denselben Weg. Die neue, präsidiale Re- gierungsform hielt er für kein Monopol der Konservativen Partei. Gleich die erste nähere Berührung mit Brüning ließ ihn eine»tiefe menschliche Zuneigung« zu diesem tapferen und gewissenhaften Mann fassen, und sie hielt dauernd an.® Nicht parteipolitische, aber sachliche Bedenken haben.ihn gleichwohl anfangs zögern lassen, das neue Amt zu übernehmen. Grundsätzlicher Gegner jeder sogenannten Planwirtschaft, ent- schiedener Verfechter der freien Initiative und Selbstverantwotr-' tung des Privatunternehmers, empfand er bei dem Gedanken staatlicher Eingriffe in das Preisgefüge, den natürlichen Regulator der Wirtschaft, Unbehagen.® Aber die neuartige, durch keine voralle Bindur mer Dr. Lu deutscl keichs ichtig Ösung 931) C das we © gro besaß Staates würde tinaus iche} ımlau tankeı Mittel unktı ttobeı ichaft Verbi Kürzu 1930] Popul Ulsyu Schaf Darteı fätde Weltt Arbeit Preise Dlanl Geld, dem] Arbe, Besch Ee| ) ander F Mieist ‚bey, u \ samer geltend machen zu können als in irgendeinem Ministerium. Berater des Reichspräsidenten 51 Tradition beengte Aufgabe reizte auch wieder seine Tatkraft, und vor allem hoffte er, in diesem Ehrenamt ohne jede parteipolitische Bindung seine eigenen wirtschaftspolitischen Ideen noch wirk- Dr. Luthers und Brünings Bemühen, unter allen Umständen die deutsche Währung vor neuer Inflation zu schützen und darum den Reichshaushalt im Gleichgewicht zu halten, schien ihm unbedingt richtig. Eine Nachahmung des englischen Verfahrens, durch Ab- lösung vom Goldstandard und Devalvation des Pfundes(21. 9. 1931) den eigenen Export zu steigern, schien ihm für Deutschland, das weder große Goldreservenzum Abbremsen der Inflation noch so große sichere Rohstoffmärkte auf der gleichen Währungsbasis besaß wie das Empire, unmöglich; nur wenn die Vereinigten Staaten sich dem englischen Vorgehen anschlössen, meinte er, würden wir gezwungen sein, denselben Weg zu gehen.” Darüber hinaus war er grundsätzlicher Gegner aller Versuche, durch staat- liche Kreditausweitung, künstliche Schaffung vermehrten Geld- umlaufs die stockende Wirtschaft wieder anzukurbeln. Den Ge- danken von Keynes, die staatliche Finanzpolitik als wichtigstes Mittel zur Steuerung der Wirtschaft, zur Überwindung von Kon- junkturkrisen einzusetzen- ein Gedanke, der sich damals die Welt eroberte—, lehnte er ebenso schroff ab wie später alle planwirt- schaftlichen Experimente eines Roosevelt(seit 1933) oder gar die Verbindung von Geldabwertung mit Lohnsteigerungen und Ver- kürzung der Arbeitszeit, wie sie die französische Regierung seit 1936 betrieben hat- für ihn das Musterbeispiel schwächlicher Popularitätshascherei in einer radikalen Demokratie. Ihm galt es als»unabänderliches Naturgesetz«, daß Geld sich nicht künstlich schaffen lasse, sondern immer nur das Ergebnis wertschaffender, harter Arbeit sei, daß nur ein ausgeglichener Haushalt die Stabili- tätder Währung sichere; daß ohne diese auch keine Belebung des Welthandels möglich sei; daß je größer die Not, um so härter ge- arbeitet werden müsse, Mangel an Absatz nur durch Senkung der Preise überwunden werden könne. Kein staatlicher Wirtschafts- plan könne an diesen Naturgesetzen etwas ändern, keine staatliche Geldausweitung echtes, die Wirtschaft befruchtendes Kapital aus dem Boden stampfen; Kapital bilde sich immer nur aus ersparten Arbeitserträgnissen, nicht aus Notendruck oder Bankwechsel- geschäften. Staatliche Subventionen für notleidende Wirtschafts- zweige verschieben nur die Steuerlast von einer Schulter auf die andere, verteilen die Gelder unter hohen Verwaltungskosten meist an die falschen Stellen und schwächen das Verantwortungs- ‚bewußtsein des Einzelunternehmers, d.h. seinen Drang, sich 52 Drittes Kapitel durch bessere Wirtschaft selber zu helfen. Staatliche Arbeits- beschaffung lehnt Goerdeler nicht gänzlich ab, sieht aber sehr deutlich die Gefahren der Fehlinvestitionen und des Abgleitens in die Zwangs- und Planwirtschaft. Goerdeler ist nicht müde geworden, diese»Naturlehren« der Wirtschaft in immer neuen Wendungen, in unzähligen Aufsätzen, Vorträgen, Denkschriften zu wiederholen. Er war felsenfest da- von überzeugt, in diesen Lehren ein theoretisches Werkzeug zu besitzen, mit dessen Hilfe sich die große Wirtschaftskrisis würde überwinden lassen, wenn man ihm nur die genügenden Voll- machten dazu gäbe. Heute wird kaum jemand zweifeln, daß dieser Glaube ein Irrglaube war. Angesichts einer Arbeitslosenziffer von annähernd fünf Millionen, wie sie Ende 1931 schon bestand, gab es schlechterdings keinen anderen Ausweg mehr als den mög- lichst baldigen Übergang von der Deflation zur Politik der Voll- beschäftigung mit staatlicher Nachhilfe. Brünings Sparpolitik war notwendig, um die öffentlichen Haushalte in Ordnung zu bringen und so die Beständigkeit der Währung zu sichern; die Warenpreise mußten gesenkt werden, um die Lebenshaltung ent- sprechend der Einkommensminderung zu verbilligen und vor allem: um den deutschen Export nach der Abwertung des eng- lischen Pfundes auf dem Weltmarkt konkurrenzfähig zu erhalten. Aher ein Allheilmittel war die Deflation der Preise ganz gewiß nicht. Man konnte sie nicht fortsetzen, ohne erst recht eine Stok- kung des Absatzes hervorzurufen: durch Zurückhaltung der Käu- fer, die dann auf weiteres Absinken der Preise warten, und durch Schrumpfung der allgemeinen Kaufkraft. Brüning selbst hat seine Sparpolitik, wenn ich ihn recht verstehe,? auch gar nicht so ge- meint. Er betont jedenfalls, daß seine Preissenkungsaktion nur als einmaliger, in seinem Ausmaß genau kalkulierter Eingriff und nur im Zusammenhang mit ganz bestimmten steuertechnischen Maß- nahmen!® sinnvoll war, aber nicht beliebig wiederholt werden konnte. Er ging ausschließlich von praktischen Erwägungen, nicht von ökonomischer Theorie aus und behielt deshalb(so ver- sichert er heute) auch die Notwendigkeit im Auge, neben der Preissenkungsaktion eine Politik der»Ankurbelung« zu betrei- ben: durch staatliche Arbeitsbeschaffung und Ausweitung, des Kredits. Seine Kritiker haben ihm vorgeworfen, er habe die »Deflationspolitik« zu lange fortgesetzt; schon im Herbst 1931 hätte er sie auf Kreditausweitung und Arbeitsbeschaffung um- schalten müssen.!! Nun gehörte aber die staatliche Arbeitsbe- schafftung(wie Brüning betont) schon seit langem zur festen Tradition der Weimarer Republik; es sei darin mehr getan worden zum Ä Land: fur vol 1.a.m neue$t tuch p schied; zur Ei schafft Treyir: heiten komm; schon bereite Mai 16 Ningen Memo hoffnu Kredit kredit. über d Verme forma! (Anne nahme durch komm den R Aber| ferent Kredi ie in, Berater des Reichspräsidenten 53 its:(zum Ärger der Reparationsgläubiger) als in irgendeinem anderen ehr Sin der zen, da- zu irde ol eser von gab 1Ög- | | Land: vor allem durch Modernisierung der technischen Appara- tur von Post und Eisenbahn, der großen Durchgangsstraßen u.a. m. Er selbst habe diese Politik zielbewußt fortgesetzt, große neue Straßenbauten technisch weitgehend vorbereiten lassen und auch praktisch schon in Gang gebracht, ehe er aus dem Amt schied; der Reichsbahn sei eine Devisenanleihe von 175 Millionen zur Einführung eines neuen Lokomotiv- und Wagentyps ver- oll- jitik m ‚die ent- vol eng:| ten. wid tok- schafft worden; Pläne der großstädtischen Randsiedlung, von Treviranus und seinen Freunden betrieben, wären bis in Einzel- heiten schon in Bearbeitung gewesen, ehe Goerdeler Regierungs- kommissar wurde. Ein Gesetz über freiwilligen Arbeitsdienst war schon für die Notverordnung vom Dezember 1931 fertig vor- bereitet, aber aus Rücksichten der Innen- und Außenpolitik bis Mai 1932 vertagt. Im übrigen schlossen die von Schlange-Schö- ningen vorbereiteten Gesetze zur»Osthilfe«(wie man aus dessen Memoiren weiß) ein Programm großzügiger Ostsiedlung auf hoffnungslos verschuldeten Güterkomplexen ein. Auch für die Kreditausweitung—»bis zur Höhe der uns entzogenen Auslands- kredite«— ist nach Brünings Ansicht alles geschehen(besonders über die 1931 gegründete Akzept- und Garantiebank und durch vermehrte Silberprägungen), was damals möglich war, ohne in formalen Widerspruch zu den Bestimmungen des Young-Plans (Annex V) zu geraten. Eine wesentliche Erweiterung dieser Maß- nahmen war allerdings(nach seiner Überzeugung) so lange nicht durchführbar, als die starren Bindungen dieses Reparationsab- kommens noch fortdauerten: Jede neue Geldschöpfung wäre von den Reparationsgläubigern sofort wieder abgeschöpft worden.!? Aber schon 1931 wurden im Reichswirtschaftsministerium(Re- ferent Dr. Lautenbach) Pläne einer höchst modernen staatlichen Kreditausweitung ausgearbeitet. Brüning hoffte im Frühjahr 1932 sie ins Werk setzen zu können, sobald die Lausanner Verhand- lungen über das Reparationsproblem die Hindernisse des Young- Plans aus der Welt geschafft hätten.!? Seine Nachfolger, auch die Hitler-Regierung, haben davon nachträglich reichen Nutzen ge- zogen. Es scheint nach alledem, daß die heute gangbaren, schnellfer- tigen Urteile über Brünings sogenannte Deflationspolitik einer Revision bedürfen- eine Aufgabe, die bisher durch das Fehlen fast allen Aktenmaterials sehr erschwert ist. So viel ist aber jetzt schon sicher, daß der Kanzler mit dem Dogmatismus der Denk- schriften Goerdelers nichts zu tun hatte und daß dieser den letzten Sinn seiner Wirtschaftspolitik mißverstanden hat. Der Leipziger 54 Drittes Kapitel Oberbürgermeister sah immer nur die Gefahren staatlicher Ein- griffe in das freie Spiel der Wirtschaftskräfte: Minderung der echten Selbstverantwortung des Einzelunternehmers, Korrup- tion, Verschwendung und Fehlleitung von Steuergeldern, über- mäßige Verschuldung, Verfall der Währung, Lähmung des inter- nationalen Güteraustausches durch staatliche Preisregulierung und Devisenbewirtschaftung usw. Sein Drängen auf absolute Sauberkeit, spartanische Einfachheit und Sparsamkeit der öffent- lichen Verwaltung, auf nüchternste Selbstbeschränkung staat- licher Wirtschaftspolitik und Weckung der privaten Initiative war verständlich aus den Erfahrungen der Inflationsperiode, berech- tigt gegenüber manchen Entartungserscheinungen der Hoch- konjunkturzeit zwischen 1927 und 1929(vor allem in der Wirt- schaftspolitik der Kommunen), mehr noch gegenüber der gewis- senlos leichtfertigen Finanzpolitik der Hitler-Regierung seit 1936, die seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt hat. Für die Ge- genwart, die Regierung Brüning, waren seine Ratschläge unzu- länglich, ja verfehlt, und dieser erinnert sich, daß er zuweilen Mühe hatte, den Preiskommissar»in freundschaftlichen Unter- haltungen Schritt für Schritt von seinen dogmatischen Auffassun- gen auf den Boden der Wirklichkeit und der praktischen Möglich- keiten zurückzubringen«. Die Aufgabe, zu deren Lösung er Goer- deler berufen hatte, war klar umgrenzt: er sollte, nachdem die ver- traglich gebundenen Preise durch Notverordnung um 10% her- abgesetzt waren, die Durchführung übernehmen und durch Ver- handlungen mit den Unternehmern(bzw. ihren Verbänden) er- reichen, daßsauch die übrigen Preise entsprechend heruntergin- gen— was ihm auch in vortrefflicher Weise gelang. Die Geschick- lichkeit seiner Verhandlungsmethoden wurde allgemein aner- kannt. Entsprechend seinen streng liberalen Grundsätzen betrach- tete er seine Tätigkeit selbst als bloße Notstandsmaßnahme. Er beschränkte sie grundsätzlich auf die»Preise für lebenswichtige Gegenstände des täglichen Bedarfs« und suchte mehr durch Zu- reden, Mahnung, Warnungen als durch Zwang zu wirken; nur ein einziges Geschäft hat er vorübergehend geschlossen. Die Öffentlichkeit suchte er zu gewinnen, indem er die Preissenkungs- aktion als Teil eines nationalen Erholungs- und Aufstiegspro- gramms schilderte- mit gutem Erfolg; denn jedermann spürte, daß hier ein Mann am Werk war, der Zwangswirtschaft gerade vermeiden, Privatinitiative wecken, nicht lähmen wollte. Die. Tatsache, daß er sich mit einem minimalen Behördenapparat be- gnügte(fünf höhere Beamte, sieben Schreibhilfen), bestätigte| diese gute Absicht. Er selbst hatte den Eindruck, allgemeines Ver- trauen wesen! Linie u Hinde bleibe: samtla viele 1 würdi, nur ge haften Einflu Zu formp Uns sc Sungs verori sen, A Schon Staatli holte 25000 mitde Vorb: ähnlic fallen von L lichen zahlu Unte, forst, Schläg Nee: un der F losen aup Prakt Siche ee es= SS = = SB Berater des Reichspräsidenten 55 ‚trauen zu finden, und hielt seine Aufgabe bereits im März 1932 im wesentlichen für erfüllt, nachdem sich die Preise auf der ganzen Linie um ein Zehntel gesenkt hatten. Auf mündlichen Vortrag bei Hindenburg wurde er aber(wie er berichtet) gebeten, noch zu bleiben und Vorschläge für die Meisterung der politischen Ge- samtlage auszuarbeiten. So hat er formell sein Ehrenamt noch viele Monate beibehalten(bis 16. Dezember) in einer sehr merk- würdigen Stellung: als Berater des Reichspräsidenten, der doch nur gelegentlich beigezogen wurde und auf die großen schicksal- haften Entscheidungen dieses Krisenjahres ohne wesentlichen Einfluß blieb. Zunächst legte er Hindenburg ein großes innerpolitisches Re- . formprogramm vor(April 1932). Es enthält im wesentlichen die uns schon bekannten Vorschläge zur Wirtschaftspolitik, Verfas- sungs- und Verwaltungsreform des Reiches. Mit Hilfe des Not- verordnungsrechts nach Art. 48 sollte sich alles durchsetzen las- sen. Außer der Senkung von Löhnen und Preisen hatte Goerdeler schon in früheren Denkschriften auch gewisse Maßnahmen zu staatlicher Arbeitsbeschaffung vorgeschlagen, die er jetzt wieder- holte und ergänzte. Vor allem wollte er einen Arbeitsdienst für 250000 Jugendliche einrichten, zunächst aus Freiwilligen, doch mit dem Ziele einer späteren Arbeitsdienstpflicht, die zugleich als Vorbereitung zum Wehrdienst nützlich werden könnte(ältere, ähnliche, aber etwas phantastisch anmutende Pläne ließ er jetzt fallen).1* Ergänzend sollten 500000 Arbeitslose, die schon lange von Unterstützung lebten,(insbesondere Kinderreiche) mit staat- lichen Notstandsarbeiten beschäftigt werden ohne erhöhte Geld- zahlung, aber mit freier Kleidung, Verpflegung, unter Umständen Unterbringung für den Mann. Dabei war hauptsächlich an Auf- forstungs- und Meliorationsarbeiten gedacht.15 Weitere Vor- schläge betrafen die städtische Randsiedelung für Industriearbei- ter, größere Siedlungspläne für den Osten, Maßnahmen zur Be- kämpfung der Landflucht(nicht ohne eine gewisse Beschränkung der Freizügigkeit) und eine völlige Umgestaltung der Arbeits- losenversicherung, ja des sozialen Versicherungswesens über- haupt. Die Einzelheiten dieses Programms, das sich wohl als eine praktische Utopie erwiesen haben würde(Abwälzung der Ver- sicherungslast in möglichst weitem Unfang auf die Betriebe und die Arbeiter selbst, Ausscheiden aller weiblichen Versicherten . u. a. m.), dürfen uns hier nicht aufhalten. Wichtig ist aber, daß er das Versicherungswerk- in direktem Gegensatz zu Bismarck!— möglichst weitgehend aus der Hand des Staates nehmen und ent- .. ‚weder der gewerkschaftlichen Selbstverwaltung anvertrauen oder h, 56 Drittes Kapitel mit dem gemeindlichen Sparkassenwesen(als»Sparversicherung«) in enge Verbindung bringen wollte. Alles kam nach seiner Mei- nung darauf an, auch an dieser Stelle»die Einzelverantwortlich- keit des einzelnen Menschen oder seiner Berufsvertretung« wie- der lebendig zu machen, die bisher(besonders in der Kranken- versicherung)»durch den bürokratischen Apparat und die uni- forme Regelung vollkommen erstickt« worden sei.»Die Aufgabe, die auf diesem Gebiet zu lösen ist, ist die gleiche, wie sie Stein; 1807 auf dem Gebiete der öffentlichen Verwaltung vorfand.«»Die Ein- schaltung der Arbeiter in das Staatsleben ist eine unabweisbare Folgewirkung der sozialen und wirtschaftlichen Entwickelung wie zu Anfang des 19. Jahrhunderts die Heranziehung des Bür- gertums. Möge sie ebenso weise wie rechtzeitig erfolgen!« Er beklagt Se Zersplitterung der deutschen Gewerkschaften, dieihren praktischen Einsatz fir öffentliche Aufgaben erschwere, empfiehlt aber, ihnen solche Aufgaben zu stellen und sie dadurch zur Bildung von Arbeitsgemeinschaften anzuregen.»Sie werden schon kraft der hervorragenden Schulung, die viele ihrer Führer haben, zu dem richtigen Ausgleich kommen. Sollten sie es nicht können, so muß der Staat, wie er es auch bei anderen Berufen getanhat, Arbeiter-Berufskammern mitSelbstverwaltung bilden.« Später, als das Hitler-Regiment die deutschen Gewerkschaften ver- nichtethatte, kehrtein den DenkschriftenGoerdelers derPlaneiner deutschen Einheitsgewerkschaft der Zukunft regelmäßig wieder. Die Vorlage dieser großen Denkschrift unmittelbar an den Reichspräsidenten, ohne jede Rücksprache mit dem Kanzler oder dem Finanzminister, scheint einen Sturm im Kabinett hervor- gerufen zu haben. Der Wirtschaftsminister Warmbold, der eben damals mit Schleicher seinen Rücktritt verabredete, begründete ihn unter anderem mit der Vermutung, daß Brüning selbst diese Ausarbeitung veranlaßt habe; er hat sie also wohlals eine Art von Programm eines Ministerkandidaten betrachtet; auch Schleicher war über Goerdelers Schritt schwer verärgert. Aber auch Brüning hat ihn als ein Überschreiten der Befugnisse des Preiskommissars betrachtet und dessen sachliche Zielsetzung abgelehnt.!% Trotz- dem scheint das gute Verhältnis zwischen beiden Männern durch diese Differenz nicht gestört worden zu sein. Es war nicht Brü- nings Art, andere als seine engsten Vertrauten(Dietrich, Steger- EN Pünder) in das Innerste seiner Pläne hineinschauen zu Tas- sen, fr er- nach Anhören vieler sachverständiger Persönlich- Feiven- sich in der Stille seines Kabinetts allein bilde nicht ein- mal an allen seinen Überlegungen über die Preissenkungsaktion hat er Goerdeler tehchknen Be So ist es auch zu einer förm- chen. nen, W Einzell arsin. rollzo neseig jen Ti Goerd häufig, zusblie gen ve Höher \ heren] Ihn;al auf; ei Scheid Beruf hinter undF; höchs dem/ Verha Kerns Dehai Mache Stünd: dieser lohn, Stünd gesen Lebe; dann re SD, © Na Berater des Reichspräsidenten 57 lichen Aussprache über Goerdelers Gesamtprogramm nie gekom- men, wohl aber zu vielen freundschaftlichen Aussprachen über Einzelheiten- wie denn überhaupt die Arbeit des Preiskommis- sars in engster, fast täglicher Fühlungnahme mit dem Kanzler sich vollzog. Dieser selbst erzählt, er habe Goerdeler für den Fall sei- nes eigenen Sturzes als Nachfolger»anleiten« wollen, da ihm des- sen Tüchtigkeit als Preiskommissar deutlich geworden sei.!? Goerdeler seinerseits berichtet, er sei seit Februar 1932 immer häufiger zu den Kabinettsitzungen eingeladen worden; wenn er ausblieb, so habe man wichtige ihn interessierende Entscheidun- gen vertagt.»Ich fühlte«, schreibt er 1937,»daß ich mich dem Höhepunkt meiner Wirkungsmöglichkeiten näherte.« Seine frü- heren konservativen Parteifreunde bemühten sich jetzt wieder um ihn;aber auch mit Vertretern der Linken nahm er engere Fühlung auf; er lernte dabei»mögliche und unmögliche Personen unter- scheiden«. Jeden Augenblick erwartete er(wie es scheint) seine Berufung in ein Ministeramt- obwohl er wußte, daß keine Partei hinter ihm stand, sondern nichts als seine persönliche Leistung und Fähigkeit, dieihn emportrug. Seine Erwartungen stiegen aufs höchste, als er kurz nach Pfingsten(etwa zo. Mai) gemeinsam mit dem Arbeitsminister Stegerwald zu einer wichtigen abendlichen Verhandlung mit den Gewerkschaften gebeten wurde, auf der das Kernstück seines Programms, die Änderung der Lohntarife, zur Debatte stand. Er schlug vor, im Baugewerbe einen Versuch zu machen und die Tariflöhne aufzuheben, später auch die acht- stündige Arbeitszeit; da jeder dritte Maurer arbeitslos sei, wäre diesem Gewerbe nur zu helfen durch einen verbilligten Normal- lohn.18 Als Bürgermeister in Königsberg habe er 1924-1927 zehn- stündige Arbeitszeit mit dem Erfolg eingeführt, daß die Preise gesenkt und der Absatz vermehrt werden konnten, während die Lebenshaltung der Arbeiter sich besserte. Diese Maßnahme war dann freilich durch die politischen Parteien rückgängig gemacht worden.»Jetzt in den Nachtstunden in Berlin wurden die Ge- werkschaften allmählich weich. Wir trennten uns gegen 4 Uhr mit ihrer Zusage, meine Vorschläge zu überdenken. Fortsetzung Ende Mai.« So glaubte er dicht vor Erreichen seines Ziels zu stehen; bis zuletzt hat er diese nächtliche Szene überaus wichtig genommen. Aber wenige Tage darauf war plötzlich alles zu Ende: die Prä- . sidialregierung Brünings wurde unversehens gestürzt- in einer dramatischen Wendung, die als eine der verhängnisvollsten un- serer neueren Geschichte längst allgemein anerkannt ist. Goer- deler selbst erzählt, er sei Ende Mai(es muß der 30. gewesen sein) 58 Drittes Kapitel telefonisch nach Berlin gerufen worden.»Bleich und seine Er- regung nur mühsam verbergend, teilte der Kanzler mir mit, der Reichspräsident verlange den sofortigen Rücktritt des Kabinetts. Er bat mich, zum Reichspräsidenten zu gehen und das zu verhin- dern.« Es sei aber zu spät gewesen. Hindenburg habe ihn»wegen Unwohlseins« abweisen lassen; übrigens sei er selbst auch nur un- genügend über die Gesamtlage, insbesondere über die außen- politische Situation, unterrichtet gewesen. Brüning selbst bestreitet(brieflich) entschieden die Richtigkeit dieser Darstellung: er habe Goerdeler nicht nach Berlin berufen und ihn erst gesprochen, als Papen schon zum Nachfolger er- nannt war. Er habeauch keinen Versuch gemacht(wie es Meißner ihm nahegelegt zu haben scheint), im Amt zu bleiben, nachdem sich Hindenburg den Einflüssen Schleichers willfährig gezeigt hatte.19 Wohl aber hat er dem Reichspräsidenten in jener unheil- vollen Unterredung, die zum Bruch führte, Goerdeler als seinen Nachfolger vorgeschlagen und hat auch, wie er berichtet,?° noch während der Kabinettsitzung, die den Rücktritt der Regierung formell beschloß, auf Annahme dieses Vorschlags durch Hinden- burg gehofft. Dieser offenen, klaren und energischen Persönlich- keit, dem Ostpreußen, Protestanten und Konservativen, wird er es noch am ehesten zugetraut haben, daß er den Geist des alten Soldaten noch einmal aus dem Gewölk politischer Intrigen be- freien könnte, mit dem man ihn umnebelt hatte. Wenn schon eine »Rechtsregierung« mit Einschluß der Hitler-Partei gebildet wer- den sollte, wie es Schleicher und Hindenburg wünschten, so konnte Goerdeler als der relativ beste unter den dann möglichen Nachfolgern des Reichskanzlers erscheinen— als der Mann, der sich von Hugenberg, dem blinden Nationalisten, bewußt getrennt hatte und von dessen strenger Rechtlichkeit am wenigsten zu be- fürchten war, daß er totalitären Herrschaftsansprüchen der Na- tionalsozialisten nachgeben würde. Aber die Umgebung Hinden- burgs wußte sehr genau, weshalb sie Goerdelers Empfang verhin- derte und die zweite Audienz Brünings künstlich auf drei Minuten verkürzte, so daß er die bedeutenden neueren Erfolge seiner Außen- und Innenpolitik nicht einmal zur Sprache bringen konnte. Der Widerstand gegen Goerdelers Ernennung ging vor allem von Schleicher aus,?1 der(wie der Bericht von Papen miter- schütternder Deutlichkeit zeigt) in dieser entscheidenden Stunde alle Fäden fast allein in der Hand hielt- ein politisierender Ge- neral ohne alle politische Gefolgschaft, wie Goethes Zauberlehr- lingzwarfähig, die Geisterzu rufen, abernichtsiezubeschwören.??] Eben dies, daß eine so reine Hofintrige zum Erfolg führen | ‚ konnte janzen | gierung jolitisc Immer Ichkeit tie No tiemalt tatfhe der We gesetze Sein mer ki Schwer inks u Iatente Politik Sagung Immer Hetze: Dicht ı Dolitis allem fremer die eip vollen Abzusc Dings Wesen Betan, Von je Luft& Dahmı R un Berater des Reichspräsidenten 59 7 ir konnte, war nun freilich nicht bloßer Zufall. Es war die Folge der dt ganzen Künstlichkeit dieser Präsidialregierung mit einem zur Re- ts. längst unfähig gewordenen(und im Grunde wohl nie in-| politisch befähigten) Greise an der Spitze. Brüning selbst hat sie en immer nur als Notmaßnahme betrachtet, zu der ihn die Unmög- ın- lichkeit, in der normalen Form parlamentarischer Gesetzgebung c- die Notlage Deutschlands zu meistern, gezwungen habe. Er hat niemals daran gedacht, daraus ein Dauersystem zu machen, und dt darfheute mit Recht darauf verweisen, daß es keine Verfassung in fen der Welt gibt, die ohne Notstandsmaßnahmen und Ausnahme- er.) gesetze auskommt. net Sein tragisches Mißgeschick war, daß seine Notregierung im- em mer künstlicher werden mußte, je länger sie dauerte, weil in so pt| schweren Krisenzeiten der Radikalismus extremer Parteien von ei. links und von rechts immer größere Spannungen, ja eine Art von nen Bürgerkrieg erzeugte und die Wählermassen gegen eine och Politik der zähen Geduld, der vernünftigen Mäßigung, der Ent- ıng und der materiellen Opfer immer mehr aufbrachte, sie ler. immer ungeduldiger und unvernünftiger machte. Gegen diese ch Hetze war seine Stütze durch den Reichspräsidenten zu schwach— jet) nicht nur deshalb, weil es dem»alten Herrn« an ausreichender Ita\ politischer Einsicht und menschlicher Treue fehlte, sondern vor be., allem deshalb, weil seine engere Umgebung selbst von der ex- ine| tremen Rechten abhängig war. Bei dieser extremen Rechten liegt die eigentliche und die schwerste Verantwortung für den unheil- «u, vollen Gang der Dinge. Vergeblich hat Hugenberg sie von sich hen\ abzuschütteln versucht, indem er betont, er sei beim Sturz Brü- der, nings und der Berufung des Papen-Kabinetts nicht beteiligt ge- wesen;?3 er hat dafür zusammen mit seinen Parteifreunden alles getan, um eine Lage zu schaffen, in der die Politik des Kanzlers N., yon jedem Intriganten gefährdet werden konnte. Vergeblich be- tuft er sich auf die parlamentarischen Spielregeln, die eine Auf- hin., nahme Hitlers in das Kabinett unvermeidlich gemacht hätten, seit er zum Führer der zahlenmäßig stärksten Partei geworden war; =} Dei Ir o@ en va. denn spätestens seit Harzburg(11. Oktober 1931) hat er gewußt, gen daß mit Hitler ein parlamentarisches Regiment überhaupt un- vor Möglich war. Wenn er sich trotz des Scheiterns der»Harzburger ter| Front« nicht in die Kampfstellung gegen den Nationalsozialismus ınde tinreihte, so deshalb nicht, weil ihm die parlamentarische Verfas- Ge sung viel gleichgültiger war als der militante, ungeduldige Natio- - nalismus, den er mit den Hitlerleuten teilte. Denn im Kern seines Wesens war er ein»Alldeutscher«, kein altpreußischer Konser- Yyativer. 60 Drittes Kapitel Mil Eıst nach dem Sturz Brünings ist deutlich geworden, daß sein ‚jedem hi Präsidialregime in Wahrheit gar keine»Diktatur« gewesen war, Auge se ak sondern trotz allem ein parlamentarisches Kabinett der gemäßig- ichaffen, Ih ten Mitte, das nur in neuer Form regierte: durch Notverordnun-)tndpu gen, die erst nachträglich der parlamentarischen Kritik ausgesetzt Posten c wurden, im Reichstag aber auf Duldung selbst der gemäßigten las Kab Linken zählen durften; denn auch dort empfand man diese Re- lürften. gierung als letzten Damm gegen die drohende Sintflut von rechts| Soscl und links, in der die Weimarer Republik unterzugehen drohte. Eine Be Es war der Grundfehler der Intriganten des 30. Mai 1932, vor|beneral allem Schleichers, daß sie dies verkannten und eine Präsidial- ach de regierung gänzlich ohne Stützung durch irgendeine Partei glaub-} pen,! ten einrichten zu können. Goerdeler hat sich dieses Fehlers nicht| indwar schuldig gemacht. Er war ehrlich entsetzt über das Versagen Hin- order denburgs, über seinen Verratan Brüning, empört über die Hinter- nem K männer der Regierung Papen und über die Berufung dieses ge-| laß Pay scheiterten Diplomaten, wie er später sagte, ohne Anhang, Sach-|iveifell kenntnis und politische Verdienste. Schleicher hatte schon einige| Alsdı Wochen vorher mit ihm Fühlung genommen in einer Unter-|itter be redung, die»im Sande verlief«,?* aber Goerdeler den General Eines T hai nachträglich als Gegner Brünings erkennen ließ. Schleicher war es laß es 5 auch, der bei den Verhandlungen über die Ministerauswahl von}Nirtsch Anfang an die Führung übernahm. Goerdeler wurde von Papen|vilha: \ und Hindenburg dringend zum Eintritt aufgefordert. Er sollte| Üh, \ das Wirtschafts- und Arbeitsministerium übernehmen, die er, wie| Danny 2...... 4| “ schon in seinen Denkschriften, zu vereinigen riet und zuerst an| lonalso i Minister Warmbold zu übertragen empfahl. Er wollte sich nicht|\älzı: entscheiden, ohne zu wissen, wer Finanzminister würde, riet|}tnein. außerdem dringend, Verhandlungen mit Hitleraufzunehmen, um Vinnen, die parlamentarische Grundlage der neuen Regierung zu klären. Io Papı Man solle der Hitler-Partei zwei bis drei Ministerposten anbieten.|lilte, Mache sie mit, so sei es um so besser. Er hat sich also(ähnlich wie|itıt«;, Graf Westarp und Treviranus) gegen den Gedanken Schleichers| ss, zur Wehr gesetzt, zunächst ein»Übergangskabinett« zu bilden, Ihe Pr f das von der Hitler-Partei bloß toleriert würde, ohne sie zur Mit- Dern ' verantwortung zu zwingen; ebensowenig wollte er ihr Gelegen- frech; heit geben, sich nochmals durch Neuwahlen zu verstärken, Auf be nf, jeden Fall müsse klargestellt werden, daß der Reichstag, sobald et||| der»Rettung« des Vaterlandes Schwierigkeiten mache, aufgelöst tn;ı werde und Neuwahlen erst nach zwei Jahren stattfinden würden.|| Die Arbeit des neuen Kabinettes müsse zunächst gegen dauernde Wahlkampagnen gesichert werden. Antwort Schleichers: er habe ja schon alles mit Hitler besprochen. 25»Ich erwiderte, das genüge| Berater des Reichspräsidenten 61 ein bei dem Ernst der Lage nicht; man müsse sich untereinander ins a, Auge sehen und vor der Bildung des Kabinetts volle Klarheit ig: un- etzt schaffen.« Frhr. von Gayl und von Braun schlossen sich diesem Standpunkt an, nahmen aber bald darauf die ihnen angebotenen Posten ohne Vorbehalt an, weil»Hindenburg befohlen habe, daß das Kabinett morgen steht«, und sie ihn nicht im Stich lassen dürften. So schnell war Goerdeler nicht zu gewinnen. Er trug zunächst seine Bedenken»gegen diese Art von Kabinettsbildung« dem General Schleicher unter vier Augen vor, erkundigte sich näher ‚ nach der Persönlichkeit des ihm ganz unbekannten Herrn von Papen, beriet sich mit seinen Freunden, besonders mit Brüning, | und warnte am nächsten Morgen den Reichspräsidenten dringend ‚ vor der Berufung dieses Mannes.?® Für seine Person könne er an änem Kabinett Papen sich nicht beteiligen. Er rechnete damit, daß Papen sich nicht lange werde halten können, und glaubte zweifellos, daß seine eigene Stunde doch noch kommen würde. Als dannalles ganzanders kam, hater seineablehnende Haltung bitter bereut. Noch im Gefängnis 1944, ja fast bis in die Stunde seines Todes hat er sich mit Gewissensvorwürfen schwer gequält, daß es seine Pflicht gewesen wäre, damals zuzupacken, um seine Virtschaftspläne an leitender Stelle durchführen zu können. Nie- \ mals hateer daran gezweifelt, daß sie zu einem raschen Erfolg, d.h. ‚zır Überwindung der Arbeitslosigkeit geführt haben würden. Dann wäre es auch gelungen, die Welle abzustoppen, die den Na- tionalsozialismus emportrug, und Deutschland unendliches Un- heil zu ersparen. Er selbst glaubte die Gabe zu besitzen, sich all- gemeines Vertrauen, ja große Popularität als Minister rasch zu ge- vwinnen. An Verwaltungskenntnis fühlte er sich allen Ministern des Papenkabinetts überlegen. Wie anders wäre alles gelaufen(so hielt er sich oft grübelnd vor), wenn eine Regierung Goerdeler statt einer Hitler-Diktatur die Befreiung Deutschlands aus den Fesseln von Versailles gebracht, sozialen Frieden und wirtschaft- liche Erholung gesichert hätte! Der nachträgliche Betrachter wird weder diese Selbstvorwürfe gerechtfertigt finden noch Goerdelers beinahe naiven Glauben an die Unfehlbarkeit seiner Konzeption teilen. Überdies hat er seine Vertrauensstellung bei Hindenburg zweifellos überschätzt. Man kann aber daraus die Erkenntnis entnehmen, daß die politische ‚Ieenwelt unseres Reformers von der Brünings doch sehr ver- . "schieden war. Wir hörten früher schon, daß er(abweichend von diesem!) an eine Verfassungsänderung mit Hilfe des Artikels 48 ‚dechte, welche die Präsidialkabinette unabhängig von Vertrauens- all Hi % f re 62 Drittes Kapitel voten des Reichstags machen sollte- ein für Brüning ganz un- möglicher Gedanke! So ist wohl als sicher anzunehmen, daß auch er den Grundfehler der Politik Schleichers nicht erkannt hat: die parlamentarische Wurzellosigkeit. Was Bismarck 1890 erlebt hatte, das haben die Papen und Schleicher in rascher Folge auch erleben müssen: wie gefährlich es ist, von der Gunsteines einzigen Mannes abzuhängen- kaum minder gefährlich, als auf die Gunst der Parteien angewiesen zu sein, sofern nicht dieser eine über alle Hof- und Parteiintrigen erhaben ist. Auf eine parlamentarische Stütze hat Brüning nie ganz verzichten wollen,?? und es war nicht das geringste Stück seiner politischen Kunst, daß er esimmer wie- der verstand, durch vertrauliche Verhandlungen mit den Partei- führern, in einem ebenso geduldigen wie zähen Spiel der Kom- promisse, die Duldung seiner Notverordnungen und seines Ka- binetts zu erreichen. Goerdeler seinerseits wäre bereit gewesen, die parlamentarische Basis des Kabinetts unter Umständen ganz preiszugeben und jahrelang ohne den Reichstag zu regieren- ein höchst gefährlicher Weg, der unmittelbar in die Diktatur hinein- führte, ähnlich dem, den Papen im November, Schleicher im Januar gehen wollte, auf dem ihnen aber dann Hindenburg nicht mehr folgte. Wie gefährlich er war, das hat Goerdeler damals na- türlich nicht geahnt. Ihm fehlte eben— das war die Kehrseite seiner kommunalpolitischen Vorbildung- die praktische Erfah- rung als Parlamentarier, die sichere Witterung für das partei- politisch Mögliche; dafür hatte sich das»Herrscherliche seines Wesens«(wie Litt es nennt) in der Regierung großstädtischer Gemeinwesen kräftig(und wohl etwas einseitig) entwickelt. Er hatdarumauch dastotalitäre, aller parlamentarischen Regierungs- form hohnsprechende Machtstreben der Gefolgschaft Hitlers nicht mit demselben Instinkt gewittert wie Brüning; der hatte am 11. Mai öffentlich im Reichstag erklärt, er werde nie mit national- sozialistischen Ministern zusammen in einem Kabinett sitzen; er wußte eben, daß sie sich in ein so rein sachliches Arbeitsprogramm wie das seine um ihrer Propaganda- und Machtziele willen niemals einfügen würden.?® Statt des Papen-Kabinetts, dessen Führer er mißtraute und grollte, hätte Goerdeler ein reorganisiertes Kabinett Brüning oder r ein neues Kabinett mit Brüning als Außenminister gewünscht.|\ Den Bitten Papens, eine konservative Regierungspartei, nötigen-|" falls in Opposition gegen Hugenberg, zu begründen, versagte et}, sich. Der bekannte Industrieführer Reusch wollte Hugenberg d4 mals veranlassen, die Führung der Deutschnationalen an Goet- deler abzutreten, erreichte es aber nicht. Auf Brünings Wunsch fi a I tatsich d Rligel de ım dieser Deutschn zubeweg &etichtet, irım abg Aungen, chen, zu zernübe: möplichs Im gar Imers Verbindı le Aufg: ichlugih, Eitsichli Sillstand Peeiskon “lungen Wut prakt Ichrift Ve alt nur »litik u Khrüber| &ebun; is zu€ Tehrsiye; Kt Vorsi Ich auf Üitse hin Mktoris -mdu; Fn Arb "t Taril "nd de: Berater des Reichspräsidenten 63 hatsich dann Goerdeler mehrfach bemüht, zwischen dem rechten Mi flügel des Zentrums(Prälat Kaas) und Hugenberg zu vermitteln, , yın diesen zur Bildung einer preußischen Koalitionsregierung der Ich Deutschnationalen mit den Nationalsozialisten und dem Zentrum uch a bewegen. Der Versuch mißlang- hauptsächlich, wie er selbst | berichtet, weil Hugenberg sich einer Verständigung mit dem Zen- „, um abgeneigt zeigte.?® Ebensowenig führten gewisse Bemü- all ungen, Goerdeler zum preußischen Ministerpräsidenten zu ma- chen, zu einem praktischen Ergebnis; er selbst hätte die Aufgabe gern übernommen- aber in der Absicht, dem Dualismus im Reich J möglichst bald ein Ende zu machen.?® . Im ganzen scheint es, daß Goerdeler mit dem Kabinett Papen, “ dem er seine Mitarbeit versagt hatte, nur noch wenig politische Verbindung besaß. Papen erklärte ihm schon am 16. Juli, er halte die Aufgabe des Preiskommissars im wesentlichen für gelöst, und - schlugihm vor, das Amtschon mit Ablauf des Monats abzubauen. Tatsächlich kam mit diesem Zeitpunkt die Preisüberwachung zum 4 Stillstand; aber formell blieb Goerdeler vorläufig noch weiter Preiskommissar. Nur wurde er zu den wirtschaftspolitischen Be- ‚ ktungen des Kabinetts nicht mehr hinzugezogen und besaß dar- | auf praktisch kaum noch einen Einfluß. Eine neue Programm- - schrift vom 5. Juni,1 die er als Preiskommissar entwarf, wieder- “ holt nur seine, uns schon bekannten Vorschläge zur Wirtschafts- ! politik und Verwaltungsreform; die Regierung Papen aber ging tet darüber hinaus: sie setzte recht beträchtliche Finanzmittel zur si Belebung der Wirtschaft ein. Die von ihr in größerem Umfang che!(bis zu 600 Millionen) finanzierten Notstandsarbeiten im Ver- I B kehrswesen(Post, Eisenbahn, Flurregulierungen, Straßenbau), in 10° der vorstädtischen Kleinsiedlung und in Hausreparaturen lagen iX och auf der Linie von Goerdelers früherem Programm. Über ei diese hinaus machte sie aber jetzt auch einen Anfang mit leicht 0| inlatorischen Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft, vor 1° lem durch Ausgabe von Steuergutscheinen bei Mehreinstellung M9 Yon Arbeitern, sehr sinnreich kombiniert mit einer Lockerung mil der Tariflöhne. Der Bericht, den Goerdeler darüber dem Vor- ‚stand des Deutschen Städtetags erstattete(23. September), über- ‚U nscht durch seine mehr zustimmende als kritische Stellung- ‚00@ Jahme. Er betont zwar nach wie vor, daß jede Form»künstlicher« sche Virtschaftsbelebung unvermeidlicherweise in Planung, Regulie- Is tung, Steuerung der Wirtschaft hineinführe, erkennt aber an, daß te“ die Absicht der Regierung nicht auf Bevormundung, sondern auf 54 Anregung der freien Unternehmerinitiative hinziele, und warnt 50% ogar vor doktrinärer Kritik: nicht auf systematische Eindeutig- ynstt 64 Drittes Kapitel keit, sondern auf praktische Nützlichkeit komme es jetzt an. Seine Sorge istnur, daß die Preise rascher steigen könnten als die Kauf- kraft, daß die Steuergutscheine in neuen, überflüssigen Investitio- nen angelegt werden und daß die ausländischen Rohstoffpreise zu rasch in die Höhe gehen könnten. Im ganzen ist er jedoch ziemlich optimistisch gestimmt: etwa eine halbe Million Arbeitslose könnten, wie er hofft, bis Frühjahr 1933 wieder in Arbeit ge- bracht werden. Aber ein Dauererfolg ist nur dann gesichert, wenn bis September 1933»der Anschluß an eine echte Belebung der Wirtschaft erreicht ist, hervorgerufen durch erhöhte, nicht auf künstlichem Kredit beruhende Nachfrage, vermehrte Waren- erzeugung zu angemessenen Preisen und durch Belebung der Weltwirtschaft«. Bis nächsten Herbst sollten 2 Millionen in Arbeit kommen.»Jede Wirtschaftspolitik, die auf Opfern aufgebaut ist, kann nur dann zum Ziele führen, wenn sie sehr schnell Erfolge zeitigt oder wenn sie von einer inneren Bereitwilligkeit der Volks- gemeinschaft getragen wird.« Die Stabilität der deutschen Innen- politik wird also die wichtigste Voraussetzung für das Gelingen des neuen,»kühnen und durchaus nicht von der Hand zu weisen: den Planes« sein. Man sieht: die politische Enttäuschung vom 30. Mai und das Mißtrauen gegen Papens»leichten Reitersinn« haben Goerdelet durchaus nicht gehindert, die wirtschaftlichen Pläne der neuen Regierung streng sachlich und ohne doktrinäres Vorurteil zu prüfen, ja ihnen besten Erfolg zu wünschen— obwohl sie im Grunde seinen eigenen zuwiderliefen.3? Tatsächlich blieben sie ja auch nicht ohne Erfolg: zum erstenmal seit Beginn der Krise fing die Zahl der Erwerbslosen zu sinken, Produktion und Ausfuht zu steigen an: die Krisis der Weltwirtschaft überschritt eben jetzt — auch in andern Ländern- ihren Höhepunkt. Die Tatsache, daß gleichzeitig infolge der nationalsozialistischen und kommunisti- schen Hetze die innerpolitische Spannung noch wuchs, scheint Goerdeler nicht allzusehr beunruhigt zu haben. In einer Nieder- schrift von Mitte oder Ende Dezember»Zur Lage« äußert er sich recht zuversichtlich. Es sei durchaus möglich, daß der Tiefpunkt der Wirtschaftskrise nun erreicht sei. Befriedigt stellt er fest, daß Deutschland durch die vernünftige, sparsame Finanz- und Wirt- schaftspolitik der letzten Jahre sich»aus den Gefahren der In- flation und aus dem Sumpf fortschreitender Verschuldung her: ausgearbeitet hat und heute nicht mehr darauf angewiesen ist, um das tägliche Geld beim Ausland zu betteln«. Wir hätten sogar if unserer finanziellen Ordnung vor manchen anderen Länder einen Vorsprung gewonnen, auch außenpolitisch sei die Lage wesentlicl Gleichber wenigster an, daß i abe der politische Sen Glau] Volkes si scheidenc die Nerye ten, nicht sind, daß ‚nben, ur gen, danı sicht in c vieder F; Wie w {er deut: \assen y Nealitäte 17.Noye Verhand Näheres, Merster TWartefe üelt sich "tiona], Nationa] Politik]z Ütterte| Nizze ei üsblieh, Goerdel Ormelle das ers c dahm er 1. Seine e Kauf- restitio- reise zu iemlich eitslose beit ge- sichert, eJebung e, nicht Waren- ıng det n Arbeit baut ist, Erfolge e Volks- a Innen: selingen weisen und das oerdelct L neuel yrteil zu ] sie iM yen sie a (rise fing Ausfuht benjetAl ‚che, di munist“ scheißt "Nieder ters jefpunit fest,© nd W jgt n det I ung 97 nit RT s oga Länder die uE Berater des Reichspräsidenten 65 wesentlich gebessert: die Reparationsverpflichtung erledigt, die Gleichberechtigunginder Rüstungsfrageam 10.Dezemberin Genf wenigstens grundsätzlich zugestanden. Nun komme alles darauf an, daß im Innern Stetigkeit der Entwicklung eintrete. Leider habe der plötzliche politische Wechsel im Mai noch ungelöste politische Spannungen hervorgerufen. Aber»ich habe den gro- Ben Glauben, daß die überwiegende Mehrheit unseres deutschen Volkes sich nach Anstand und Einigkeit sehnt. Wie in den ent- scheidenden Tagen des Krieges kommt auch jetzt alles daraufan, die Nerven zu behalten«.»Wenn wir die Wirtschaftsgesetze ach- ten, nicht törichten Illusionen nachjagen, aber davon überzeugt sind, daß wir die sittlichen, geistigen und körperlichen Kräfte haben, um unsere Leistungsfähigkeit wieder zur Geltung zu brin- gen, dann setzt sie sich auch durch. Wir dürfen mit fester Zuver- sicht in die Zukunft sehen. Ernste Arbeit wird uns allmählich wieder Freiheit und Wohlfahrt erringen.« Wie weit war dieser Mann entfernt von den verzerrten Bildern der deutschen Lage, die eben damals die Hitler-Propaganda den Massen vorgaukelte! Aber wie weit war er auch entfernt von den Realitäten der politischen Lage in Berlin! Vom Sturz Papens am 17. November hatte er erst nachträglich erfahren, von den langen Verhandlungen über die Nachfolge offenbar überhaupt nichts Näheres. Auf Grund von Zeitungsnachrichten glaubte er selbst an erster Stelle für den Kanzlerposten in Betracht zukommen und erwartete nicht ohne Ungeduld seine Berufung nach Berlin. Er hielt sich für fähig, ebensowohl auf der Linken, bei jüngeren, nationalgesinnten Sozialdemokraten, wie in den Reihen der Nationalsozialisten sich einen Anhang zu schaffen; die Außen- politik lag ihm damals noch recht fern— wie fern, zeigt jene oben zitierte Aufzeichnung»Zur Lage«, die wohl so etwas wie die Skizze eines Regierungsprogramms darstellen mag. Als der Ruf ausblieb, auch jedes Angebot eines Ministerpostens, schob es Goerdeler auf die»unselige Nachtragerei« Schleichers. Seine formelle Entlassung aus dem Amt des Preiskommissars(16. 12.), das er schon mehrfach bereitwillig zur Verfügung gestellt hatte, nahm er nun doch nicht ohne eine Warnung vor den Gefahren der neuen Wirtschaftspolitik hin.®? Von dem verworrenen Intrigen- spiel, das bald darauf zum Sturz des Kabinetts Schleicher und zur Berufung Hitlers in das Kanzleramt führte, hat er wiederum erst nachträglich erfahren. Am Tage nach der»Machtergreifung« scheint Hugenberg bereits die Aussichtslosigkeit seiner eigenen ‚Stellung begriffen zu haben. Wie Goerdeler berichtet, bat er die- sen dringend um Hilfe mit der Begründung:»Ich habe gestern‘ 66° Viertes Kapitel die größte Dummheit meines Lebens gemacht: ich habe mich mit dem größten Demagogen der Weltgeschichte verbündet.«®! Goerdeler hat damals nicht gänzlich abgelehnt, aber Sondervoll- machten verlangt, die natürlich nicht zu haben waren; übrigens war auch kein Ministerposten mehr frei. Ob er damals noch geglaubt hat, auch unter Hitler seine eige- nen Pläne durchsetzen zu können? Viertes Kapitel: In den ersten Jahren des Hitler-Reiches So wenig wie die meisten anderen Deutschen hat Carl Goerdeler die ganze Dämonie der nationalsozialistischen Bewegung von Anfang an erfaßt. Seiner konservativen, durchaus bürgerlichen Natur war ihr lärmendes Wesen, seinem streng rechtlichen Emp- finden die Gewalttätigkeit ihres Auftretens, seinem Wahrheits- sinn ihre hemmungslos-verleumderische Propaganda natürlich von jeher zuwider; sonsthätte er sichnicht auf die Seite Brünings gegen die sogenannte»Harzburger Front« gestellt und im Herbst 1933, als ihn Hitler zum Eintritt in die Partei auffordern ließ, dies verweigert.! Aber es gab doch auch Gemeinsamkeiten des politi- schen Programms, zum mindesten der politischen Kritik: vor allem an dem Friedensdiktat von Versailles und seinen wirtschaft- lichen Folgen, an der 1919 geschaffenen Ostgrenze, bis zu einem gewissen Grade auch an den Mängeln der Weimarer Verfassung. Auch Goerdeler hat ja die Herrschaft der Parteiinteressenim Wei- marer Staat bekämpft, eine Umwandlung der Länder in bloße Reichsprovinzen gewünscht und eine Stärkung der Reichs- exekutive gefordert. Mehr noch: auch er teilte die allgemeine Sehnsucht der Deutschen jener Epoche, die Hitler so unzählige Idealisten in die Arme getrieben hat: der im Weltkrieg so uner- träglich gewordene innere Zwiespalt der Nation, der unversöhn- liche Gegensatz zwischen dem Nationalismus der Rechten und den antinationalistischen und antimilitaristischen Ressentiments der Linken möchte überwunden werden durch eine neue Kame- radschaft aller Stände und Parteigruppen, wie man sie zuerst in den Schützengräben des Krieges erlebt hatte. Dieser Zwiespalt vergiftete fortdauernd das Leben der Republik, in der man sich gegenseitig als»Novemberputschisten« und»wannektionistische Kriegsverlängerer« beschimpfte. Goerdelers Parteigenossen von: 1922, die Deutschnationalen, hatten alles getan, um diesen Gegen- satz wach zu halten, das alte Mißtrauen der»bürgerlichen Partei- en« gegen die»Roten«, in dem sich Klassenselbstsucht und mili- Fl } tinter N: schen, ut Pırtei län seiner nat uch ihre Adolf Hi vültig mi Nun v trauen SC Tägliche inder Sta trauen ül aSympz widert w ungen N den Kön kehrt, w Ihrer ya gerade a die natiı gute Stü gebrach Vergüt, liche Re Erkenn; -das ist einer]; Stand; a Veredel: Von Mus ist finden e Nnerem !rüher z Solchen en au Reform Ind R. i Üritte]n | 1 Mi ich mit det.«! lervoll- In den ersten Jahren des Hitler-Reiches 67 { tanter Nationalismus trübe vermischten, immer neu aufzufri- schen, ungeachtet der Tatsache, daß die Sozialdemokratische beige Partei längst zum Hauptträger des neuen Staates und damit auch seiner nationalen Geltungsansprüche geworden war- ungeachtet en! auch ihrer vaterländischen Verdienste während des Weltkrieges. Adolf Hitler aber versprach, Sozialismus und Nationalismus end- oültig miteinander zu versöhnen. Nun war Goerdeler weit entfernt davon, das gehässige Miß- trauen so vieler Deutschnationaler gegen die»Roten« zu teilen. Tägliche Zusammenarbeit mit sozialdemokratischen Vertretern in der Stadtverwaltung, zuerst in Solingen, haben ihn dieses Miß- jerdelit auen überwinden lassen; in vielen Fällen war Hochschätzung, ng VON ia Sympathie an die Stelle getreten und von der anderen Seite er- rlichen\idert worden; er erzählt mit tiefer Befriedigung, wie es ihm ge- a Enp- lungen sei, auch bei seinen anfänglich schärfsten Gegnern unter hrheits den Königsberger Sozialisten Vertrauen zu erwerben, und umge- atürlich kehrt, wie er sich in gemeinsamer Arbeit an der»Ostfrage« von rn ihrer vaterländischen Haltung habe überzeugen können. Aber gerade aus dieser versöhnlichen Gesinnung heraus machte ihm eb, dies die nationalsozialistische Parole auch wieder Eindruck.»Zwei|| B politi gute Stücke«, meinte er noch 1944, habe der Nationalsozialismus h ik:\%| gebracht. Das erste sei»die Lehre, daß wir einander helfen und die Mr tschal'"| Vergütung so machen müssen, daß nicht das Kapital ungebühr-‘7 weine Jiche Renten abwirft«- also die soziale Parole; das andere sei»die 8 fassung: Erkenntnis, daß Leben Kampf ist, Arbeit und Leistung erfordert« imWe-_das ist die militante Parole, die Goetrdeler offensichtlich im Sinn n bloß| seiner liberalen Theorie vom freien Wettkampf der Kräfte ver-"ii Reich“| stand; aber, setzte er sogleich hinzu,»es muß ein Kampf werden, N yemeif®| Yeredelt durch die Beachtung der Gebote Gottes«.? i nzähliß‘ Von direkter Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialis- H so UNE| mus ist in seinen Papieren aus der Zeit vor 1933 nichts weiter zu; ‚ersöb" finden als gelegentliche Äußerungen der Sorge vor drohendem ten und| innerem Umsturz infolge der großen Wirtschaftskrise. Die schon N jtimen®| früher zitierte„Wirtschaftsdenkschrift« von 1929 begründete aus » Kate| solchen Sorgen heraus geradezu den Vorschlag einer Diktatur;{ west?|| dennaufrein parlamentarischem Wegewürdeeine durchgreifende j wiespal® Reform nicht durchzusetzen sein:»alle Parteien leiden unter der N man sich Angst vor den Wählern.« Es sollte also ein»Ermächtigungs- 4 „istisch® gesetz« geschaffen werden, wie es schon in der Notstandszeit'| ‚sen"| Ende 1923 geschehen war ‚um wirksam zu sein, müßte aber auch| j ‚Geg® das damals bestehengebliebene Einspruchsrecht des Reichstags! „Part| und Reichsrats beseitigt werden: etwa durch einen mit Zwei- ‚nd mil j drittelmehrheit zu fassenden Beschluß, der»der ermächtigten in u 68 Viertes Kapitel Stelle« die Befugnis zu verfassungsändernden Notverordnungen erteilt. Da auf eine solche Mehrheit kaum zu rechnen ist, bleibt praktisch nur das Notverordnungsrecht nach Art. 48 Absatz II übrig. Zu seiner erfolgreichen Anwendung gehört aber, daß Reichspräsident und Reichsregierung vollkommen übereinstim- men und entschlossen sind, nötigenfalls auch das Einspruchsrecht des Reichstags gegen Notverordnungen praktisch auszuschalten durch Auflösungsdekrete nach Art. 24, unter Umständen auch mit Hilfe des Reichsrats, der nach Art. 74 Reichstagsbeschlüsse durch seinen Einspruch durchkreuzen bezw. hinausschieben kann. Verweigert der Reichskanzler die Unterschrift unter ein Auflösungsdekret, so darf der Reichspräsident sich nicht scheuen, notfalls einen anderen zum Zwecke der Gegenzeichnung zu be- rufen. Ein sehr geschickter Staatsmann— der allerdings wird be- nötigt!—- kann so, meint Goerdeler, eine durch schwierige Zeit hindurchführende, zielbewußte Politik auf Jahre hinaus treiben, selbst dann, wenn das Kapital sich versagt. Eine»Mobilmachung aller Volkskräfte« zur Rettung der Nation muß das Ziel seiner Reformpolitik sein. »Auf Jahre hinaus«- also eine immerhin vorübergehende, wenn auch langfristige Notstandsdiktatur wird hier geplant. Wie ernst der Vorschlag gemeint war, wissen wir schon: das jahre- lange Regieren ohne Reichstag, wenn es nicht anders ginge, hat Goerdeler auch dem 193 2 sich bildenden Kabinett Papen empfoh- len. Kein Zweifel: auch er trieb in seinem Eifer, die große Wirt- schaftskrise zu überwinden, mit dem Verfassungsrecht ein ge- fährliches Spiel. An der Entwicklung, die von Brünings Not- verordnungen über das Papen-Kabinett bis zu Hitlers»Ermäch- tigungsgesetz« vom 24. 3. 1933 führte, hat auch er seinen ein- deutig erkennbaren Anteil gehabt. Wohin sie führen würde, hat er natürlich ebensowenig wie die anderen geahnt. Ein Diktator, schrieb er 1937, kann in Notzeiten seine Berechtigung haben- was Hitler brachte, war die Diktatur einer Partei. Und wenn es der Fluch des» Weimarer Systems« gewesen war, daß Parteiinteressen über dem Staatswohl standen, so hat sich dieser Fluch jetzt noch hundertfach verschlimmert, weil nun vollends»die Partei dem Staat befiehlt«.»Einer kann befehlen, eine Partei kann und darfes nicht.« So also suchte er seine eigene Politik zu rechtfertigen, und so begründete er seine Opposition gegen das Hitler-Regiment. Das Staatsinteresse, das Gemeinwohl gegen die Parteiinteressen zu suchen, war der Sinn der von ihm vorgeschlagenen diktatorischen Präsidialgewalt. Eben dieses Staatsinteresse wollte er nun gegen die Hitler Beamtent fort,»hat beitskame machen; innerlich moralisch übernehn und Rect außenpol der Dikta Nacht m sie die n tienschli lösbaten unddaei gesetz eb an zerbre Indies Yasihn y äst moral ton wur Versichtl Techtsyo zndie M setzt sie Sen stärl N Chunge, Die er bte er] Ing deı yete, so ter zı Chlosse nungen , bleibt bsatz 1] er, dal instim- hsrecht -haltenı 2 auch ‚chlüsse chieben ıter ein cheuen, , zu be- vird be- ge Zeit treiben, achung | seinet ehende, nt. Wie s jahre: ge, hat mpfoh- e Witt: ein ge 5 Not- cmäch- en ein- cde, hat iktatof, naben= nesdet teresseh zt not tej dem| I darfes und 0 nt. Dss sen a ‚gischel ge In den ersten Jahren des Hitler-Reiches 69 die Hitler-Partei schützen; er verstand es im Sinn altpreußischen Beamtentums. Die Nationalsozialistische Partei, fährt er 1937 fort,»hatte die Möglichkeit, das hohe Ideal der Lebens- und Ar- heitskameradschaft zur Grundlage des Lebens der Nation zu machen; sie hatte die Möglichkeit, Deutschlands Staaten auch innerlich zu einen. Sie hatte die Möglichkeit, so tatsächlich die moralische Führung in einer sich sozial neu ordnenden Welt zu übernehmen, wenn sie Leistung und Kameradschaft, Anstand und Recht auf ihre Fahnen schrieb. Sie konnte Deutschlands zußenpolitische Lebensrechte sichern. Sie hatals Partei den Fehler er Diktatoren gemacht; sie hat Macht... zusammengerafft und Macht mißbraucht.« In ihrem totalitären Machtanspruch»tastet \ie die natürlichen Wurzeln und die moralischen Grundlagen menschlichen Zusammenlebens an; zu ihnen muß siein einen un- lösbaren Widerspruch geraten. Da aber die Natur immer siegt ind da ein menschliches Zusammenleben ermöglichendes Moral- gesetz ebenfalls eine Naturnotwendigkeit ist, muß die Partei hier- ın zerbrechen«. In diesen Sätzen haben wir den ganzen Goerdeler vor uns: alles, was ihn von der Partei trennte und was er von ihr erhofft hatte. Es ist moralische Enttäuschung, in der zuletzt seine ganze Opposi- tion wurzelt; diese aber ist getragen von einem erstaunlich zu- versichtlichen, an den moralischen Optimismus und an die Natur- rechtsvorstellungen des 18. Jahrhunderts erinnernden Glauben ın die Macht der sittlichen Vernunft: mit»Naturnotwendigkeit« setzt sie sich zuletzt immer im Leben durch. Dieser Glaube war sein stärkster Halt; aber durch wie viele Illusionen und Enttäu- schungen mußte er ihn führen! Die ersten Konflikte mit dem Totalitätsanspruch der Partei er- lebte er bald nach der»Machtergreifung« Hitlers, als er die His- sung der Hakenkreuzfahne auf dem Leipziger Rathaus verwei- verte, solange sie noch nicht zur Reichsflagge erklärt war. Damals hat er zusammen mit Bürgermeister Dr. Löser das Rathaus ver- schlossen, von der Stadtpolizei besetzen lassen, auch wohl bis nach Mitternacht persönlich Wache gehalten, um das Eindringen von SA-Leuten zu verhindern. Beide Männer sind auch auf den Leipziger Brühl gezogen, in die Pelzhändlerstraße, und haben persönlich die jüdischen Ladenbesitzer gegen plündernde SA- Leute geschützt. Aber sie erlebten mit Schrecken und Ohnmacht, daß im Frühjahr 1933 die Gewerkschaftshäuser besetzt und be- schlagnahmt, die Gewerkschaften aufgelöst wurden, und zwar inter dem stürmischen Beifall eines politisch blinden Großbür- gertums. Trotz solcher Erlebnisse bekennt Goerdeler, er habe»in 70 Viertes Kapitel den ersten Jahren nach 1933 mit der NSDAP vollkommen ver- trauensvoll zusammengearbeitet«, was ihm durch die menschlich anständige und einsichtige Haltung des Leipziger Kreisleiters Dönicke sehr erleichtert worden sei. Er beruft sich auf das Erbe seiner Familie: altpreußische Beamte in der fünften Generation, die immer nur ihre Dienstpflicht getan und sich auch nach der Revolution von 1918 dem neuen Staat nicht versagt hätten. Noch unmittelbarer wirksam war wohl sein unbändiger Schaffensdrang, der resigniertes Beiseitestehen einfach nicht ertrug.»Den Lauf der Ereignisse zum Besten unseres Volkes zu beeinflussen und die guten Kräfte in der Partei(ohne ihr selbst anzugehören!) zu stär- ken«-das war seine gute Absicht; er hatsie damals mit unzähligen Gutwilligen geteilt. Wie aussichtslos sie war, hat er zunächst um so weniger gemerkt, als seine starke Persönlichkeit im engeren Lebenskreis auch diesmal wieder- ähnlich wie schon in Solingen und Königsberg- sich durchzusetzen verstand über alle partei- politischen Gegensätze hinweg. Mit Feuereifer, wie immer, hat er sich auf seine kommunalen Aufgaben gestürzt: die städtischen Finanzen saniert, die Verwal- tung vereinfacht und straffer in seiner Hand zusammengefaßt, für Modernisierung der teilweise noch sehr rückständigen techni- schen Einrichtungen der großen Messestadt(wie Müllabfuhr, Kanalisation, Regulierung der Wasserläufe u. dgl.) gesorgt, man- cherlei größere Bauaufgaben durchgeführt, der Organisation der Messe große Reichszuschüsse verschafft, sein Hauptinteresse aber den sozialen Einrichtungen zugewandt. Die Stadtrand- und Kleinsiedlung war sein Lieblingsfeld,* auf dem er seine Ideen weithin durchsetzen konnte: in möglichst intensiver, aber auch möglichst billiger Bauweise, entgegen den Luxuswünschen man- cher Parteistellen.»Fast jedes Wochenende«, schreibt er,»fuhr ich mit Frau und Kindern, die Fortschritte der Bauten der Klein- wohnungen zu besichtigen: meine glücklichsten Stunden!« Über- all freundlich begrüßt in den Siedlungshäuschen und Schreber- gärten, glaubte er deutlich das Wachsen seiner Popularität zu spüren. In Zusammenarbeit mit Dönicke,»einem prächtigen Mann«, richtete er 1934 Morgenkurse mit einer Elite von Arbei- tern ein, in denen er diese an Hand von Stadthaushalt und Jahres- abschlüssen der städtischen Betriebe die»Naturgesetze der Wirt- schaft« lehrte: sie sollten zu denkender Mitarbeit in der Betriebs- führung erzogen werden, sollten Bilanzen und Jahresabschlüsse lesen können, die Funktion des Geldes, das Verhältnis von Kapi- tal und Arbeit verstehen und so von eingerosteten Vorurteilen venn ihr oesellsch National gegen de politisch: müsse er er die pc schlug et einzuset; def ersch Arbeiter Seine aufgegel derung\ der Wirt dies zu e ing ein im Win oder: y) pers. bels Auf empfahl und Bill der Ver Werden Währen Wirtse Üer Fre und Ad lcher$ fetische Vechsel zten Nealge ber zu Düre Toßen "Sichne ot Schafe, Sichtlie Yon, frei werden. Radikale Demokratie, meinte er, sei nur sinnvoll, N Gemei In den ersten Jahren des Hitler-Reiches 71 Wähler von den Grundgesetzen der Wirtschaft und des 1 ver-; gesellschaftlichen Zusammenlebens etwas verstehen, und der en Nationalsozialismus sei»auch politisch eine gesunde Reaktion Fe gegen demokratische Einrichtungen, die der Grundlage(in der RE politisch-ökonomischen Bildung der Massen) entbehren.« Nun h a müsse er aber auch zeigen, daß er seine Aufgabe verstehe, indem Noch die politische Volksbildung ernsthaft in die Hand nähme. So ai schlug er Dr. Ley 1935 vor, die Arbeitsfront in großem Stil dafür Fi einzusetzen. Er wurde aber mit einer Antwortabgewiesen, dieihn uf:»Das wollen wir lieber lassen, dann würden die d de Arbeiter zu klug werden.« Hi 'stär| Seine Ideale ökonomischer Volksbildung hat er darum nicht j ligen aufgegeben: in fast allen seinen Programmschriften kehrt die Fot- ı j tum derung wieder, in allen Schulen müßten künftig die Grundgesetze 4 Berl der Wirtschaft gelehrt werden, schon vom 10. Lebensjahr an. Um ji ingel dies zu erleichtern, hat er sich schließlich selbst an die Ausarbei-| arte" tung eines ökonomischen populären Lehrbuchs gemacht. Eine| im Winter 1935/36 verfaßte Broschüre»Im Lichte der Preise« nalen(oder:»Durch Preise zur Klarheit«) legte er auf Wunsch des Ver- rwal legers dem Propagandaministerium und Hitler selber vor. Goeb- ro fü nels äußerte sich nicht ungünstig, wenn auch skeptisch, und chn- empfahl eine viel primitivere Form, womöglich mit Zeichnungen 8 fühl, und Bildern;5 zwei Monate später verbot er ihre Publikation, als =. ‚der Verfasser inzwischen offiziell in Ungnade gefallen war(davon on det. werden wir noch hören). Aber dieser ließ sich nicht abschrecken. eabet| Während des Krieges(etwa 1942/43) hat er eine umfangreiche und|„Wirtschaftsfibel« geschrieben, z. T. gestützt auf Ausarbeitungen Ideen der Freiburger Nationalökonomen von Dietze, Walter Eucken auch! und Ad. Lampe. Sie faßt in volkstümlich schlichter, oft anschau- ‚mal‘| licher Sprache die Summe seiner wirtschaftspolitischen und theo- pfuht\ retischen Ansichten zusammen und solltenach einem Regierungs- Kleit| wechsel veröffentlicht werden. Noch im Gefängnis, bis in seine Über"| Jetzten Tage hinein, hat sie Goerdeler beschäftigt: er betrachtete rebet-| sie als eine Art von Vermächtnis an das deutsche Volk, wollte sie tät ZU|| aber zugleich»in alle Sprachen« übersetzen lassen.® tigen Durch Volksaufklärung politisch zu wirken— das ist eine der Arbe'|| großen Hoffnungen Goerdelers gewesen, die sein Wesen kenn- shte®| Zeichnen. Offenbar hat er längere Zeit gehofft, die große Volks- Wir|| bewegung des Nationalsozialismus werde ihm dafür Raum ver- rieb*©| schaffen. Aber es gab noch andere Erfahrungen, die ihn zuver- plis®©| sichtlich stimmen mochten. Wir hörten schon früher(Kap. 2) Kap|| davon, wie lebhaft sich Hitler um seine Mitarbeit an der neuen tele?"| Gemeindeordnung bemühte und wie weitgehend er seine For- uauch| 72 Viertes Kapitel derungen nach echter Selbstverwaltung unterstützte. Das war im Januar 1935. Schon zwei Monate vorher hatte er Goerdeler»in liebenswürdigster Weise« gebeten, von neuem das Amt des Preis- kommissars zu übernehmen, ihm Erfüllung aller seiner Wünsche zugesagt und sogar sein Privatflugzeug zur Verfügung gestellt.’ Derselben Einladung war Goerdeler 1931 deshalb gefolgt, weil er seine allgemeinen Reformideen durchzusetzen hoffte und mit der Gesamtpolitik des Kabinetts Brüning sich eng verbunden fühlte. Von solcher Verbundenheit konnte diesmal natürlich keine Rede sein. Was hatte sich nicht alles ereignet, das den Übergang vom Rechtsstaat zur nackten Tyrannei deutlich erkennen ließ! Unser Memoirenschreiber berichtet von ungeheuerlichen Kor- ruptionsfällen und Übergriffen der Gestapo, zuletzt alle auf Gö- ring zurückgehend, die er in seinem Amtsbereich erlebte, und von der Antwort, die er beim Justizminister Gürtner erhielt, als er dort um Abhilfe bat:»Sie scheinen sehr erschüttert zu sein? Das sollten Sie nicht. Da erlebe ich ganz andere Sachen. Die Korruptionsfälle häufen sich bei mir zu Bergen. Die Korruption ist noch niemals so hoch gestiegen wie heute. Ich kann nichts mehr machen. Es ist furchtbar.«® Was in demselben Augenblick durch einen Telefon- anruf Görings bestätigt wurde, der vom Justizminister Deckung eines als Großschieber entlarvten»verdienstvollen PGs« ver- langte. Aber noch viel Schlimmeres war geschehen: vor allem die Massenmorde des 30. Juni 1934. Deren wahren Umfang hat Goerdeler, wie er berichtet,»erst nach Jahren« kennengelernt; aufdem Reichswehrministerium, das er auf Wunsch des Leipziger Standortältestenam 30. Juni aufgesucht hatte, war ihm von Blom- berg das Ganze nur als»gerechte Strafe an Bobmk und Nieder- schlagung einer echten Putschgefahr dargestellt worden. Immer- hin: auch so muß ihn aufs tiefste angeekelt und empörthaben, was dahinter Gefängnis-und Br geschehen war. Lad so müßte man an wundern, daß er im November ein Reichsamt aus den blutbefleckten Händen Hitlers entgegennahm— wenn er nicht eben Goerdeler gewesen wäre: mit seinem unbegrenzten Tätigkeitsdrang, seiner Blindheit für dämonische Gewalten der Tiefe und seinem optimistischen Glauben an die eigene Fähigkeit, durch vernünftiges Zureden immer noch Gutes wirken zu kön- nen.»Den Entartungserscheinungeng, schreibt er 1944,»standen auch Lichtblicke entgegen; die Wehrmacht schien der Träger alter bester Überlieferung zu bleiben.« Bei ihr suchte er Rückhalt, als er sich zur Annahme seines zwei- ten Preiskommissariates entschloß. Er fragte Blomberg, den Oberbefehlshaber und Kriegsminister, und General von Reiche- qau, den wenn es Parteiins Reichen; stützung deln wür Führer: hat. Dasn ten Lag zögernd: der Def März 19 hatte du ten Mefı zu Staat sung zu iesigen zum Sch serung( che Ex Deyisen Schuld. behrlich ernsten mals na Ständig, Oak Ministe Sfstemn Rohsto Visenta, Verfah, ung\ gewalt: j In den ersten Jahren des Hitler-Reiches 73 nau, den Chef des Ministeramtes, ob sie hinter ihm stehen würden, wenn es gälte, in dem neuen Amt die Autorität des Staates gegen Parteiinstanzen durchzusetzen.»Na endlich!« war die Antwort Reichenaus, und beide versprachen ihm höchst erfreut Unter- stützung— beide nicht ahnend, wie bald sich ihre Rolle verwan- deln würde, beide aber auch befangen in devoter Gefolgschaft des „Führers«, deren Blindheit Goerdeler offenbar nicht durchschaut hat.? Das neue Preiskommissariat hing mit der schwierig geworde- nen Lage der deutschen Wirtschaft zusammen. Dem vorsichtig zögernden Dr. Luther, der sich aus den Zielen und Vorstellungen der Deflationsepoche noch nicht losmachen konnte,10 war im März 1933 Hjalmar Schacht als Reichsbankpräsident gefolgt und hatte durch seine neue Kreditpolitik(insbesondere der sogenann- ten Mefo-Wechsel mit Laufzeit bis zu 5 Jahren) reichliche Mittel zu staatlicher Arbeitsbeschaffung, aber auch zur Wiederaufrü- stung zur Verfügung gestellt. Mit ihrer Hilfe war es gelungen, den riesigen Eisblock der Arbeitslosigkeitin überraschend kurzer Zeit zum Schmelzen zu bringen; nicht gelungen war dagegen die Bes- serung der Lage des deutschen Außenhandels, der auf ausländi- sche Exporthindernisse aller Art stieß. Der dadurch eingetretene Devisenmangel, noch verschlimmert durch große ausländische Schuld- und Zinsverpflichtungen, machte den Einkauf der unent- behrlichen Industrierohstoffe und Lebensmittel zu einem sehr ernsten Problem. Zu seiner Bewältigung glaubte sich Hitler da- mals noch auf die Ratschläge und die Hilfe wirklicher Sachver- ständiger angewiesen; am 2. August 1934 hatte er den Reichs- bankpräsidenten Schacht zusätzlich zum Reichswirtschafts- minister ernannt, der dann mit Hilfe seines»neuen Planes« das System zweiseitiger Warenlieferungsverträge mit Agrar- und Rohstoffländern auf Verrechnungskonto ohne eigentlichen De- visentausch einführte: ein genial erdachtes und durchgeführtes Verfahren der Aushilfe, das erst durch die spätere maßlose Rü- stung und Kriegspolitik Hitlers übersteigert bzw. zum System gewaltsamer Ausbeutung besetzter Länder entartet ist. Knappheit der Rohstoffe führt im Spiel des freien Marktes zu ihrer Verteuerung, damit auch der Industrieprodukte- was neue Exportschwierigkeiten, Verteuerung der Lebenshaltung und im Zusammenhang damit eine Stockung des eben begonnenen Wirt- schaftsaufschwungs zur Folge haben konnte. Um sie zu verhin- dern, waren 1934 schon vor der Wiedereinsetzung des Preis- . kommissars!! mehrere Verordnungen ergangen, die auf eine Zu- \ teilung knapper Rohstoffe(bzw. Ersatzstoffe) zu festen Preisen an 74 Viertes Kapitel die Betriebe hinausliefen. Es scheint, daß Goerdeler im Zusam-| menhang mit diesen Maßnahmen um seinen Rat befragt worden war. Er hatte ihn in einem ausführlichen Gutachten»An den Reichskanzler Adolf Hitler« vom Spätsommer oder Herbst 1934 geliefert, das die willkommene Gelegenheit benutzte, zwischen die ökonomischen Erörterungen eine Fülle von kritischen Bemer- kungen zur allgemeinen Politik der Hitler-Regierung einzustreu- en. Die Hoffnung, mittels solcher Memoranda seine Kritik bis unmittelbar an den Führer herantragen zu können, war für Goer- deler eines der Hauptmotive zur Übernahme des Preiskommis- sariats gewesen. Material zur Beurteilung der ökonomischen Lage hatte man ihm aus dem Wirtschaftsministerium geliefert.!? Die Denkschrift»An den Reichskanzler« stellt einen ersten, noch ganz offen geführten Vorstoß gegen die Parteiherrschaft im »Dritten Reiche« dar. Die Tendenz des Ganzen ist sehr massiv er- kennbar. Goerdeler sucht die Rohstoff- und DevisennöteDeutsch- lands als überaus bedrohlich hinzustellen, um in so»ernster Lage« mit gesteigertem Nachdruck seine Warnungen zu Gehör zu bringen. Gleich in den ersten Sätzen werden große Gestalten preußischer Geschichte als Vorbilder heraufbeschworen: Fried- rich Wilhelm I., Friedrich der Große, der Freiherr vom Stein und Scharnhorst.» Wir müssen die Souveränität des Staates wie einen Fels von Erz stabilisieren(gemeint ist natürlich: gegen die Partei- wirtschaft). Wir müssen die innere Verwaltung vereinfachen und verbilligen, wir müssen in der gesamten Wirtschaft zu größerer Klarheit und Sparsamkeit übergehen, wir müssen die im Volke schlummernden Kräfte(gemeint ist: auch außerhalb der Partei) zur Mitarbeit und damit zum verantwortlichen Mittragen heran- ziehen und sie damit auch bereit machen, Rückschläge und Ent- täuschungen zu ertragen; wir müssen endlich das deutsche Volk zu seinem endgültigen Befreiungskampf rüsten.« Was es mit diesem»Befreiungskampf« auf sich hat, wird erst im weiteren Verlauf deutlich. Zunächst ist nur von wirtschaftlichenProblemen die Rede. Die Erfolge des bisherigen Arbeitsbeschaffungsprogramms sind groß, aber doch beschränkt. Der Verfasser reduziert ihre nationalsozialistische Übertreibung: von 4,9(nicht 6,5) Millionen echter Arbeitsloser des Juni 19321 sind bisher nur 2,5 Millionen wieder in Arbeit gekommen- d. h. nur so viele, wie»dem Ein- wurf öffentlicher Mittel entspricht«. Es handelt sich also noch nicht um eine organische Neubelebung der Privatwirtschaft; die läßt sich mit der bisherigen Methode überhaupt nicht erreichen. Diese Methode kann, ohne die Währung zu gefährden, auch gar nicht bel schen Rc Esisteit dutchH zu bewe mitteln i noch erl Jichen A zur Verf stehende handels: sie aufn nächst y btingen seine fri gelegt h früher} Nicht gi licher A lands w „park: meln.$ etwas Million fenzuk und so Dauer zufuhr hinderr Ausrejc Plan knappı Nittel, Bibt.de Wirtse damals Sande, “ändi; großer Ind, durch, \dıL nic | In den ersten Jahren des Hitler-Reiches 75 nicht beliebig fortgesetzt werden. Dies um so weniger, als inzwi- schen Rohstoffknappheit infolge Devisenmangels eingetreten ist. Es ist eine Illusion zu glauben, wir könnten sie in großem Umfang durch Herstellung von Ersatz beseitigen(wie der Gutachter näher zu beweisen versucht). Die Versorgung des Volkes mit Lebens- mitteln ist noch nicht ernstlich bedroht, auch die Industrie besitzt noch erhebliche Warenvorräte. Da aber»Reichsmittel zur öffent- lichen Arbeitsbeschaffung in nennenswertem Umfang nicht mehr zur Verfügung gestellt werden können«(dies betrachteter als fest- stehende Tatsache!), droht aus den Schwierigkeiten des Außen- handels eine neue Vermehrung der Arbeitslosigkeit. Er berechnet sie auf nicht weniger als 2 Millionen Menschen. So werden dem- nächst wieder insgesamt 4,3 Millionen in der Wirtschaft unterzu- bringen sein, und der Gutachter sieht sich somit berechtigt, alle seine früheren Vorschläge(die er Hitler schon im Juli 1933 vor- gelegt hatte)!? ausführlich zu wiederholen. Noch eingehender als früher behandelt er dieses Mal das Siedlungswerk, für das längst nicht genug geschehen sei, besonders die Ansiedelung gewerb- licher Arbeiter auf dem Lande. Da der Auslandsabsatz Deutsch- lands wohl dauernd beschränkt bleiben werde, müßten wir ein »Sparkapital« durch Mehrbestellung nutzbaren Bodens ansam- meln. Schon in vier Jahren glaubt Goerdeler(auf Grund einer etwas phantastisch anmutenden Kostenrechnung)!? für mehrere Millionen gewerblicher Arbeiter»N ebenberufssiedlungen« schaf- fen zu können-ein nach seiner Meinung»politisch, wirtschaftlich und sozialpolitisch entscheidendes Hilfsmittel«. Denn auf die Dauer würden Preissteigerungen bei Verknappung der Auslands- zufuhr doch unvermeidlich und durch keine Verordnung zu ver- hindern sein. Dem Arbeiter müsse also aufandere Weise zu einem ausreichenden Realeinkommen verholfen werden. Planwirtschaftliche Maßnahmen, wie sie jetzt die Rohstoffver- knappung erzwungen hat, sind immer ein bedenkliches Aushilfs- mittel, das man möglichst vermeiden sollte. Diese Betrachtung gibt dem Gutachter Gelegenheit, gegen die Überorganisation der Wirtschaft zu polemisieren, wie sie der Nationalsozialismus eben damals durchführte, besonders in der Schaffung des»Reichsnähr- standes« mit seinen tausend Bindungen des Landwirts. Der selb- ständigen Initiative des Einzelu nternehmers sollte man möglichst großen Spielraum lassen, statt sie durch anmaßliche Einmischung und Ermahnung betriebsfremder»politischer Leiter« zu lähmen, durch unnütze staatliche Vorschriften zu erschweren, durch Preis- und Lohnbindungen der großen Wirtschaftsverbände(Kartelle und Gewerkschaften) einengen zu lassen. Aber auch das System 76 Viertes Kapitel der Exportzuschüsse und der staatlichen Regulierung des Außen- handels wird kritisch beleuchtet, vor leichtfertigem Schulden- machen und Währungsexperimentenaller Art gewarnt. Kernstück aller Förderung desExportesistihmnach wie vor dieVerbilligung der deutschen Ware, die jetzt für den Weltmarkt zu teuer sei. Jeder Versuch, sich vom Weltmarkt loszulösen, führt in den Wirtschaftskrieg;; dieser aber»kann jederzeit in den militärischen übergehen«. Also Sparsamkeit der öffentlichen Verwaltung, nach dem Vorbild Friedrich Wilhelms I., der durch sie»den preu- Bischen Staat vor dem Untergang gerettet hat«! Große Staats- bauten, aber selbst die Reichsautobahn erscheinen als un- rentable Kapitalanlage, nicht passend für Notzeiten. Der Staats- haushalt muß unbedingt im Gleichgewicht gehalten werden, aber lieber durch Sparsamkeit als durch neue Erhöhung der Steuerlast. Freilich: heute reichen diese oft empfohlenen Mittel allein nicht mehr aus. Die lebensnotwendige Steigerung des deutschen Ex- ports setzt sogleich voraus, daß die deutsche Politik Vertrauen im Ausland genießt; denn die Politik geht der Wirtschaft immer vor- aus! Mit Hilfe dieses Gedankensprungs gelangt Goerdeler zu einer recht deutlichen Kritik der Außen- und Innenpolitik Hit- lers. Stärkste Zweifel werden gegen die neue Polenpolitik ange- meldet, wie sie der»Freundschaftsvertrag« vom 26. Januar ge- schaffen hatte. Goerdeler glaubt als geborener Westpreuße die Polen zu kennen: mit ihnen ist auf die Dauer kaum Friede mög- lich, Danzigs Zukunft nach wie vor aufs schwerste bedroht; die Polen werden aus dem neuen Vertrag nur für sich Vorteil ziehen. »An der Spitze der politischen Betrachtung muß die Erkenntnis stehen, daß das deutsche Volk um die Sicherung seiner Existenz kämpfen muß. Das von seiner Ostmark getrennte Deutschland kann überhaupt unter vernünftigen Bedingungen nicht leben; der Korridor ist ein Pfahl im Fleisch seiner Wirtschaft und seiner Ehre.« Hier also— das sieht man deutlich!- erwartet und erhofft Goerdeler den künftigen»Befreiungskampf«. Sicherlich, meint er, ist ja der neue Freundschaftsvertrag nur als zeitweise Ent- lastung gedacht, um die Aufrüstung Deutschlands zu erleichtern. Aber die kommende antipolnische Wendung bedarf der»Rück- sicherung durch entsprechende Verständigung mit anderen für uns wichtigen und verläßlichen Völkern«— offenbar ist dabei an die Westmächte, vor allem an England, gedacht. Aber dazu muß mancherlei in der deutschen Außenpolitik anders werden. Man muß z. B. darauf verzichten, das Auslands- deutschtum in nationalsozialistischen Parteigruppen organisieren zu wollt fährdun werden, ziel ein stürmist scheide Nebene besond gandan Spannu alles au chenpo chen w als Mu Reihe ı genug Taktere mit Hi des de ftemde heit ur Grund ichen Ügung töchst tenall der Re &inma] . ‚Pfopr. ein N soplei a kn Doliti: . ‚ende ıBen- |den- stück| sung In den ersten Jahren des Hitler-Reiches 77 zu wollen; das führt nur zu seiner Spaltung und politischen Ge- fihrdung, gerade auch in Danzig. Überhaupt muß alles vermieden werden, was die Außenwelt gegen uns zusammenführt. Das End- yiel einer besseren deutschen Zukunft darf man nicht in allzu r sei, den ‚chen nach Dreu- taats- un taats- rden, der nicht ı Ex en im vor- er ZU . Hit- ange ir ge ie die mög (5 die ehen. ntnis istenZ hland p% der seine choft meint Ent htefß. Rück“ .n für hei a0 ojitik|) lands sjerel | | N } stürmischem Tempo erreichen wollen- der Zeitraum ist nicht ent- scheidend, sondern nur der Enderfolg. Höchst gefährlich ist das Nebeneinander verschiedener Stellen, die Außenpolitik betreiben, besonders die Konkurrenz von Auswärtigem Amt und Propa- gandaministerium. Die neue Rassenpolitik droht gefährliche Spannungen im Ausland zu erzeugen; gerade hier kommt deshalb ılles auf strengste Selbstdisziplin an. Dasselbe gilt von der Kir- chenpolitik: Zwangsmittel zur Einigung der evangelischen Kir- chen wecken draußen Verstimmung, ja verderben unseren Ruf ıls Mutterland der Reformation. Hier schließt sich eine ganze Reihe von Beschwerden an, in vorsichtiger Form, aber deutlich genug vorgetragen: über das Eindringen minderwertiger Cha- raktere und gesinnungsloser Mitläufer in hohe Machtstellungen init Hilfe der Partei, über die prahlerische Selbstverhimmelung des deutschen Wesens vor der Welt und die Einmischung in fremde Verhältnisse, vor allem über die mangelnde Rechtssicher- heit und Freiheit der Meinungsäußerung.»Sicherung gewisser Grundrechte wie des Eigentums, der Wohnung und der persön- lichen Freiheit gegen jede nicht richterlich gedeckte Beeinträch- tigung ist für die deutsche Art ein unerläßliches Erfordernis, um höchste Hingabe an Staat und Volk zu erzielen.« Schließlich wer- den alle uns schon wohlbekannten Vorschläge zur Neugestaltung der Reichsverfassung, Verwaltung und Gemeindeordnung noch einmal ausführlich entwickelt, und zwar in Form eines Reform- programms, dessen Verwirklichung in kürzester Frist möglich sein sollte: Goerdeler erbietet sich, detaillierte Gesetzentwürfe sogleich zu liefern. Die alten Wünsche des Kommunalpolitikers und Unitariers erhalten hier eine besonders radikale Form. Größ- ten Wert legt er auf klare Begrenzung der Zuständigkeit der Par- tei: nicht in den Behörden, sondern nur in»Beiräten« und in der politischen Volkserziehung soll sie sich betätigen. Aus der Ju- genderzichung will er sie grundsätzlich ausschalten: Elternhaus und Schule, nicht unreife» Jugendführer« sollen die Jugend aus- bilden. Die Unerträglichkeit des Neben- und Gegeneinanders von staatlichen und Parteibehörden, die Verwischung klarer Verant- wortlichkeit, die Nutzlosigkeit der neuen»Kulturkammern«— das alles wird an praktischen Beispielen demonstriert. Alles in allem: ein sehr energischer und überaus mutiger Ver- such, dem Führer der Nationalsozialisten ein bürgerliches Re- 78 Viertes Kapitel formprogramm altpreußischen Stils aufzudrängen. Ob Hitler es wirklich gelesen hat? Es ist kaum zu glauben, daß er in voller Kenntnis dieser Gedankengänge den Verfasser in so betont lie- benswürdiger Form in das Amt des Preiskommissars berufen haben würde, wie es Anfang November geschah. Hat er nur flüchtig hineingeblickt, so konnte er immerhin Stellen finden, deren preußisch-soldatischer Grundton ihn ansprach. Die Berufung Goerdelers zum Reichskommissar für Preisüber- wachung erfolgte durch ein Edikt vom 5. November 1934, das seine Befugnisse bis zum ı. Juli 1935 datierte und ausdrücklich auch auf die Preise von kommunalen und staatlichen Wirtschafts- betrieben(Körperschaften des öffentlichen Rechts) erstreckte, Er selbst bezeichnet als seine Aufgabe, Preisüberhöhungen ent- gegenzuwirken, um die belebenden Wirkungen der neuen Mittel für Arbeitsbeschaffung nicht abschwächen zu lassen und um »Mengenkonjunktur«(durch Massenabsatz) zu sichern. Es sollten aber auch Schleuderverkäufe verhindert werden, die bei der noch immer bedrängten Lage mancher Wirtschaftszweige drohten und die Wettbewerbsverhältnisse verfälschen konnten. Es ergingen also Verordnungen über Preiskontrolle(11. Dezember) und freien Wettbewerb(21. 12. 1934). Der letztere sollte als sicherster Re- gulator des Preissystems erhalten bleiben.!% Auch die Ausschei- dung volkswirtschaftlich entbehrlicher Zwischeninstanzen des Handels zwischen Erzeuger und Verbraucher wurde erstrebt, so- fern sie den Absatz nur erschwerten, verteuerten oder verlang- samten. Alle Preisfestsetzungen und-abreden bedurften der An- meldung und der Bewilligung bei der Preisbehörde. Als solche ließ Goerdeler die Landesbehörden, in Preußen die Regierungs- präsidenten tätig werden. Sein eigener Mitarbeiterstab blieb auch diesmal sehr klein(zehn höhere Angestellte nebst dem nötigen Büropersonal). Allen unterstellten Behörden überließ er ein mög- lichst weites Feld selbständiger Verantwortung. Seine Befürchtung, mit den Wünschen der Partei in Konflikt zu kommen, schien sich aber gleich zu Anfang seines Amtes zu bestätigen. Schon am zweiten Tag suchte ihn der»Reichsorgani- sationsleiter« Ley auf und ersuchte ihn, seine Vollmachten auf die Partei zu übertragen.»Sie würde einige große Demonstrationen gegen Wucher veranstalten, einige Wucherer und Hamsterer auf- hängen, und der Spuk sei vorüber.« Goerdelers Erklärung, solche terroristische Willkür würde alle Initiative der Geschäftsleute lähmen und die Wirtschaft rasch zum Erliegen bringen, blieb ohne Eindruck. Er ließ sich aber nichtabschrecken und übertrug»noch am selben Tage« seine Vollmachten auf die ordentlichen Landes-| jehörde lieser ra ingihn ind suc irseine üge, E eeits in, Brkläru jiesich er. noc ich«, sı daß es }Wisser erledigt Serade dreifacl Sagen dung z fen-n hatted bekanr heranz Sein die Pr. tichtet tasch\ nen zu hoffen entfalt Schaft (Prei Orden lemse AN Sta. Ibera Stoße schaft Missa, Und I Nen,i Ah Schaf, dicht tler& vollı nt lie rufen aut) inden,| süber- 4, di) cklich "hafts- eckte, n ent) Mitte\) d un ollten noch) .n und ingel freien er Re: ‚sche .n des bt, 50: rlang- or At solcht rungs‘ b auch ötigel ı moß" onflikt ‚tes ZU gadl uf die gioneN ef qul- solche| tsjeute hohit „noch ande“| | Hi In den ersten Jahren des Hitler-Reiches 79 behörden. Am nächsten Tage bat ihn Hitler, noch ohne Kenntnis dieser raschen Entscheidung, zu einer Art Audienz zu sich, emp- fing ihn gemeinsam mit dem Chef der Parteizentrale, Rudolf Heß, und suchte ihm(mit dem üblichen Redefluß) klarzumachen, daß er seine Vollmachten besser auf Partei- als auf Staatsorgane über- trüge. Er war nicht wenig überrascht zu hören, die Frage sei be- reits in gegenteiligem Sinn entschieden, erhielt aber sogleich die Erklärung, die Partei würde sich schr unpopulär machen, wenn sie sich mit einer Aufgabe belüde, bei der man es weder dem Käu- fer noch dem Verkäufer recht machen könne.»Ich fühlte förm- lich«, schreibt Goerdeler,!?»wie ihm ein Stein vom Herzen fiel, daß es keiner Entscheidung mehr bedürfe. Zu Heß sagte er: ‚Wissen Sie, eigentlich die beste Lösung!« Damit war die Sache erledigt. Ich hatte die klare Erfahrung gewonnen, daß die Minister gerade im Führerstab und gerade Hitler gegenüber doppelt und dreifach die Pflicht hätten, dem Führer stets die Wahrheit zu sagen und sich nicht in schwierigen Lagen hinter seine Entschei- dung zurückzuziehen.«— Hätten sie- wird man hinzufügen dür- fen— nur immer nach dieser Maxime gehandelt! Goerdeler selbst hatte die Genugtuung, daß ihn Hitler bald darauf(in der uns schon bekannten Weise) zur Schlußredaktion des Gemeindegesetzes heranzog und gegen das Ministerium Frick unterstützte. Seine Stellung beidem Diktator schien also gut gesichert. Auch die Presse unterstützte ihn als Preiskommissar(wie er selbst be- tichtet)»großartig«, und da er es auch diesmal verstand, sich rasch Vertrauen bei allen beteiligten Behörden und Organisatio- nen zu erwerben, mochte er auf guten Erfolg seiner Amtstätigkeit hoffen. Bine erstaunlich ausgedehnte Reisetätigkeit hat er damals entfaltet, um durch Vorträge in der Öffentlichkeit für seine wirt- schaftspolitischen Ideen zu werben und den Sinn seines Amtes (»Preisdisziplin, nicht Preisdiktat!«) zu erläutern: Eine außer- ordentliche Fülle von Zeitungs- und Zeitschriftenaufsätzen diente demselben Zweck. Da er immer mit großer Offenheit der Tendenz zu staatlicher Planwirtschaft entgegentrat und seine entschieden liberalen Ideen ganz unverblümt verfocht, erregte sein Auftreten großes Aufsehen und hat seinen Namen(besonders in Wirt- schaftskreisen) erst recht populär gemacht. Dieser Reichskom- missar, dessen Rede so weit abstach vom üblichen Stil der Staats- und Parteigrößen, konnte fast immer auf überfüllte Säle rech- .18 Aber der praktische Erfolg seiner Einwirkung auf die Wirt- schaft des Reiches blieb doch sehr beschränkt. Die Preise stiegen nicht, aber sie fielen auch nicht, und die Warenausfuhr ging weiter 80 Viertes Kapitel zurück. Um sie zu heben, plante Schacht im Frühjahr 1935 das Hilfsmittel staatlicher Exportvergütungen, für das die Mittel durch eine allgemeine»Exportumlage« der Wirtschaft beschaftt werden sollten. Goerdeler widersprach. Er war schon seit langem nicht mehr mit der kühnen Kreditpolitik Schachts einverstanden, diejanun freilich in schärfstem Gegensatz stand zu seinem eigenen Deflationsprogramm. Besonders die künstliche Einschaltung ei- ner halb fiktiven»Metallurgischen ForschungsgesellschaftmbH.« (Mefo), deren Wechsel die Reichsbank zu Rüstungszwecken fi- nanzierte, erschien ihm als ein fiskalisches Schwindelgeschäft nach Art italienischer und türkischer Finanzkünstler. Aber seine Pro- teste bei Schacht blieben vergeblich.»Als ich ihm den Unsinn nachwies«, berichten die Memoiren,»deutete er auf das Bild Hit- lers und sagte:»Sie irren, das ist ein großer Mann, er wird das Volk in sein Glück führen.«« Es war ganz deutlich, daß zwischen diesen Gegensätzen kein Ausgleich möglich war und eine Ent- scheidung getroffen werden mußte. Goerdelers Forderung ent- sprechend fand am 27. oder 28. Juni, also kurz vor Ablauf seiner amtlichen Vollmachten, eine Aussprache zu dritt mit Hitler statt, an der kein weiterer Zeuge teilnahm. Eine einzigartige Gelegen- heit für Schacht, hat sein Widerpart später gemeint, sich den Be- denken des Preiskommissars anzuschließen»und von seiner im Frühjahr 1933 gegebenen Zusage, Kredite in jeder Höhe zur Ver- fügung zu stellen, sich loszumachen«. Aber der große Finanz- künstler glaubte sich noch nicht am Ende seiner Mittel und war noch längst nicht erschüttert in seinem Vertrauen, daß Hitler »für das deutsche Volk das Beste wollte, daß er Friede und Ar- beitsmöglichkeiten erhalten wollte«.1? Die finanztechnischen Ar- gumente Goerdelers werden ihm wenig eingeleuchtet haben- jedenfalls hielt er an seinen Plänen fest. Man sollte meinen, daß sich Hitler ohne weiteres auf die Seite Schachts geschlagen hätte, der ihm so viele bequeme Mösglich- keiten zur Finanzierung seiner Politik bot. Aber in finanztech- nischen Fragen war der Diktator damals offensichtlich noch ganz machte entwur beweist Persön] wurf bi sein Ve und le Preiskc Amt aı scheidı Hitler von ihı schickt Leipzi, ein he erbetei Reichs an, der Vollm ber tra Oktob Es] Stabsc tesleit hatzt Goerd Inhalt große umde segen des W ichen luga; and: unsicher, und so scheinen ihm Goerdelers Warnungen vor einer neuen Teuerung und Inflation doch starken Eindruck gemacht zu haben. Er erklärte sich außerstande, zwischen zwei so bedeuten- den Experten zu entscheiden:»Dazu verstehe ich zu wenig von der Wirtschaft.« Er müsse also beide bitten, im Amt zu bleiben. Aber Goerdeler lehnte das ab, falls ihm nicht stark erweiterte Voll- machten gegeben würden, auch zu Eingriffen in die Verwaltung: doch wohl im Sinn des Reformprogramms. Erstaunlicherweise erklärte sich Hitler sofort dazu bereit:»Sie erhalten alle Voll- sd Mitte chafl ngen nden, sent ng ei: ıbH.ı en ft nach! Pro nsing 1 Hit: .d. das schen! - 7 ent: seinet!| statt!) egen- .n Be er im - nanz- d wat Hitler dAr nAr- ben- Seite glich- jtech- | ganz einet chtzu utel“ von >jbei Vol- tung: weist vol: 5 T In den ersten Jahren des Hitler-Reiches 81 machten, die Sie haben wollen. Legen Sie mir gleich einen Gesetz- entwurf vor!« Das sah aus wie ein voller Erfolg- und sicherlich beweist es mehr als vieles andere die starke Suggestivkraft dieser Persönlichkeit. Zwei Stunden später war der gewünschte Ent- wurf bereits fertiggestellt(übrigens mit Beihilfe Schachts). Aber sein Verfasser zweifelte selbst daran, daß er Gesetz werden würde, und legte deshalb gleich einen Alternativentwurf bei, der sein Preiskommissariat für beendet erklärte. Tatsächlich wurde das Amt auch zunächst nicht verlängert. Aber eine endgültige Ent- scheidung war damit noch längst nicht gefallen. Im August ließ Hitler dem Preiskommissar sagen, er könne seinen Ministern die von ihm erbetenen Vollmachten nicht abgewinnen. Bald darauf? schickte er aber Lammers, den Chef seiner Reichskanzlei, nach Leipzig mit dem Auftrag, Goerdeler doch noch zur Rückkehr in ein»hohes Reichsamt« zu bewegen. Aber dieser bestand auf den erbetenen Vollmachten und erklärte: Entweder erkennten die Reichsminister die Tatsache eines außerordentlichen Notstandes an, der die Einsetzung eines Kommissars mit sehr weitgehenden Vollmachten erfordere, oder sie müßten die Verantwortung sel- ber tragen.?! Darauf wurde er um ein neues Gutachten bis Ende Oktober(1935) gebeten, das er auch erstattet hat. Es liegt mir in einem Exemplar aus dem Nachlaß des General- stabschefs Ludwig Beck vor, der es ebenso wie der Chef der Hee- resleitung Fritsch Anfang November als gelesen abgezeichnet hat??— das erste greifbare Dokument einer Zusammenarbeit Goerdelers mit dem späteren Führer der militärischen Opposition! Inhaltlich bietet dieses Memoire wenig Neues gegenüber dem großen Reformprogramm vom August 1934: es geht auch hier um den Kampf gegen jede Form der Plan- und Zwangswirtschaft, gegen das Übermaß von Abgaben, Organisationen, Gängelung des Wirtschaftslebens, für freie Selbstverantwortung des gewerb- lichen Unternehmers und Landwirts, für die Eröffnung freien Zugangs zu den Weltmärkten, für eine Politik des Rechts, des An- stands, der Sparsamkeit, des friedlichen Völkerausgleichs statt der Selbstisolierung. Aber die Kritik am Wirtschaftssystem der Regierung kann sich jetzt stützen auf die ersten Mangelerschei- nungen in der Lebensmittel-, besonders der Fettversorgung; der Verfasser versäumt auch nicht, nachdrücklich auf die verhängnis- vollen wirtschaftlichen Folgen der neuen Judengesetzgebung hin- "zuweisen. Vor allem betont er, daß mit Preisüberwachung nichts Wesentliches mehr auszurichten ist- im Gegenteil: auf manchen Gebieten kann nur durch Freilassen der Preise die Mangellage ge- bessert werden.»Die entscheidenden Maßnahmen liegen auf einer 82 Viertes Kapitel anderen Ebene oder bedürfen sehr viel umfassenderer Vollmach- ten, als ich sie im Juli vorgeschlagen habe. Daß ich zu jedem Dienst für Volk und Vaterland genau so wie jeder andere zur Ver- fügung stehe, bedarf keines Wortes.« Man sieht: der Verfasser will nicht mehr als Preiskommissar, sondern nur noch als Reorganisator der ganzen inneren Reichs- verwaltung, nicht zuletzt auch der Finanzen, tätig werden. Dafür gab es natürlich gar keine Aussicht. Praktischen Erfolg hat seine Denkschrift nicht gehabt; aber sie hat doch auch seine Berufungs- aussichten nicht vermindert. Im Juli 1936 erfuhr er, Hitler plane seine Berufung»in ein hohes Reichsamt«, und wandte sich wieder an die Wehrmachtsleitung, um sich Rat und Unterstützung zu er- bitten. General Keitel, der Chef des Wehrmachtamts, an den er in Berlin geriet, besprach sich mit Blomberg, dem Wehrminister, und riet dann ab, das Amt anzunehmen, das man ihm zugedacht habe:»Es sei eines Dr. Goerdeler nicht würdig, unter den gegen- wärtigen Verhältnissen wieder ein Reichsamt zu übernehmen.« Was nun eigentlich geplant war, scheint Goerdeler selbst nicht genau erfahren zu haben. Zu vermuten ist aber, daß er in irgend- einer Form zur Behebung des Devisenmangels mithelfen sollte, der eben damals, bei rasch gesteigertem Tempo der Aufrüstung mit ihrem gewaltigen Rohstoffbedarf, mehr und mehr zum Alp- druck der Hitler-Regierung wurde. Seit Anfang April 1936 war Göring an Stelle Schachts mit der Kontrolle der Devisen und Roh- stoffe beauftragt. Es hätte sich also wohl um eine Tätigkeit als Hilfsorgan dieses korruptesten aller Parteibonzen gehandelt- und damit wäre denn auch jene Warnung der Generale erklärt. Tat- sächlich erhielt der ehemalige Preiskommissar ein Schreiben Gö- rings(vom 7. 8.), das ihn zu einer gutachtlichen Äußerung über die Devisen-, Rohstoff- und Währungslage aufforderte; bereits vorliegende Denkschriften des Staatssekretärs Trendelenburg und des Oberstleutnants Thomas, Stabschefs im Heereswaffen- amt, über diese Frage waren beigefügt. Das große Gutachten, das Goerdeler daraufhin erstattete, nach sorgfältiger Beratung mit früheren Mitarbeitern, hat er selbst im- mer als eine seiner wichtigsten Arbeiten betrachtet. Es war die letzte Ausarbeitung, die er im Auftrag der Hitler-Regierung an- gefertigt hat. Da sie ihm die Ungnade der Machthaber zuzog, be- deutete sie in seinem Schaffen” einen Wendepunkt. Eine erste kürzere und vorläufige Fassung wurde Ende August dem Staats- rat Neumann im preußischen Staatsministerium persönlich über- geben. Dieser versprach, sie Göring sofort auszuhändigen, dersie noch am gleichen Abend zu Hitler mitnehmen wollte, Sie soll, mit Randglı unerreil Fassun; Berlin; Goerde Wirtscl Die] fassera lichen der Re versich alles aı Göring macht vorliep Einen ihre F Iastun; dem A derRe heren abgew unnatı Iteien, Goerc Tausc Nur fü chen} tie Is en, U geglic gewis Vore Prog: Es illen. Kred las; Satzrı der n genü der\ Ay nach: edem ‚Ver: issat, ichs: Jafür seine ungs- plane ‚jeder zu ef- ern 1ister, dacht egen- nen. nicht gend- ;ollte, stung Alp- 6 wat Roh: sit als „> und i Fl ‚Tao n Gö- über ‚ereits nburg „flen- j st im af die 18 af“ 8, be erste taats“ über Jet sie I), m| In den ersten Jahren des Hitler-Reiches 83 Randglossen Görings versehen, noch existieren, blieb mir aber unerreichbar. Statt dessen liegt mir die sehr ausführliche zweite Fassung vor, die das Datum 17. 9. trägt und durch die Post nach Berlin gelangt ist.?° Etwa gleichzeitig mit der ersten Fassung hat Goerdeler dem Reichskanzler seine(schon früher besprochene) Wirtschaftsbroschüre»Im Lichte der Preise« übersandt. Die Denkschrift zur Devisenfrage bietet alles auf, was dem Ver- fasseran Argumenten zur Verfügung steht, um in einem eindring- lichen Appell eine Änderung des wirtschaftspolitischen Kurses der Reichsregierung zu erreichen. Dessen Überkühnheit, wird versichert, mißachtet die wirtschaftlichen Naturgesetze.»Es steht alles auf dem Spiell« Unser Autor hat diesmal auf Anordnung Görings beste amtliche Informationsquellen zur Verfügung und macht sich das zunutze,. Der erste Teil bringt eine Kritik schon vorliegender Reformvorschläge, der zweiteein eigenes Programm. Zinen neuen Vorschlag, die Exportzuschüsse fortzusetzen, aber ihre Finanzierungsmethode zu verbessern(durch indirekte Be- lastung der Importeure) lehnt er ab,?* stimmt dagegen mit Wärme dem Antrag des»Trendelenburg-Ausschusses« auf Abwertung der Reichsmark zu. Das steht nicht im Widerspruch zu seiner frü- heren Haltung. Denn inzwischen(1. 2. 1934) war auch der Dollar abgewertet worden und dadurch die deutsche Währung in eine unnatürliche Lage auf dem Weltmarkt geraten. Zu diesem den freien, ungehinderten Zugang zu eröffnen, war aber von jeher Goerdelers Hauptanliegen. Das Schachtsche System zweiseitiger Tauschverträge erklärte er für technisch ausgezeichnet, aber doch nur für eine Notmaßnahme, deren Wirkung sich bald abschwä- chen müßte. Ohne Markabwertung sei der eigentliche Schaden, die Isolierung der deutschen Wirtschaft, jetzt nicht mehr zu hei- len. Um so dringender aber werde nun die Sicherung eines aus- geglichenen Reichshaushaltes, dazu noch die Beschaffung eines gewissen Gold- und Devisenvorrates, um die deutsche Währung vor einem Absinken ins Bodenlose zu schützen. Das alte Spar- programm Goerdelers erhält also von daher eine neue Stütze. Es wird mit großer Ausführlichkeit noch einmal entwickelt, mit allen seinen Warnungen vor Schuldenwirtschaft und übermäßiger Kreditexpansion, vor falschen Autarkiebestrebungen und vor Illusionen über die wirtschaftliche Chance der sogenannten Er- satzrohstoffe, die der Verfasser im einzelnen diskutiert. Dem Ideal der nationalen Autarkie stellt er die»grandiose Möglichkeit« ge- genüber, von Deutschland ausgehend dem Währungswirrwarr der Weltein Ende zu machen, eine allgemeine Wirtschaftsverstän- \ digung herbeizuführen, mit Hilfe von Auslandskrediten das De- 84 Viertes Kapitel visengleichgewicht wiederherzustellen und so endlich aus der Verkrampfung der Nachkriegssituation herauszukommen. Sogar die Frage einer Beteiligung Deutschlands an den Übersee-Kolo- nien erschiene dann nicht mehr aussichtslos.(Schacht hatte sie schon in Paris im Frühjahr 1936 mit Leon Blum erörtert und war auf wohlwollende Aufnahme gestoßen.) Natürlich gehört zu einer so versöhnlichen Weltpolitik ein großer deutscher Entschluß; denn sie setzt voraus, daß manches anders wird, nicht zuletzt auch die Behandlung der Juden, der Freimaurer, der Kirchen. Wir brauchen unbedingte Rechtssicherheit und Freiheit, wenn das deutsche Volk Vertrauen in die Zukunft fassen soll. Unser Autor rührt diese heiklen Punkte aber diesmal nur mit großer Vorsicht an— man spürt, daß er den Empfänger seiner Denkschrift über- zeugen, gewinnen, nicht durch allzu negative Kritik abstoßen will. Es gibt, meint er, nach sorgsamster Prüfung aller Möglich- keiten, keinen anderen Weg, der zum Heil Deutschlands und der Welt führen kann, als den Entschluß zur Selbstbeschränkung, zur Mäßigung in den Zielen, nicht zuletzt zur eisernen Sparsamkeit nach dem Vorbild Friedrichs des Großen. Auch die Aufrüstung muß verlangsamt werden. Sie könnte auch ohne Schaden»in ein- facherer Form der ortsfesten Anlagen«(also der Kasernen) erfol- gen. An Stelle allgemeiner Mahnungen werden konkrete zahlen- mäßige Vorschläge gemacht: jährlich können außer den Mitteln aus laufenden Reichseinnahmen 1-2 Milliarden Schulden ohne Gefahr für Rüstungszwecke aufgewandt werden.(Der tatsäch- liche Aufwand betrug 1936 rund 10,3 Milliarden!)25 Daran ist ja kein Zweifel, daß die deutsche Armee in allen Teilen schlagkräftig gemacht werden muß, weil gewisse Fragen der deutschen Zu- kunft»nur mit dem Einsatz der Armee gelöst werden können«, insbesondere die Rückgewinnung des polnischen Korridors und die Revision der Ostgrenze überhaupt. Die Trennung Ostpreu- Bens vom Reich ist schlechthin unerträglich.»Im übrigen will kein Volk in Europa ernstlich den Krieg, der ja für lange Zeit einen Wiederaufstieg zur gewohnten Lebenshaltung verhindern und wesentliche Kulturerrungenschaften vernichten würde.« Deutschlands Ziel muß also sein, an der Sicherung des Welt- friedens und an der Neubelebung der Weltwirtschaft mitzuhelfen. Gelingt ihm das, so wird es»für lange Zeit eine führende Stelle unter den Völkern der Welt einnehmen«. Freilich bedarf es, um aus den gegenwärtigen Schwierigkeiten herauszukommen, har- ter, unpopulärer Maßnahmen im Sinn der uns wohlbekannten Deflationspolitik. Goerdeler, der die Lebensmitteleinfuhr keines- falls beschränken will, rechnet mit starken Einschränkungen der Lohstof araus€ his 2,25 gemeine Jekannt ind ta Laufein Stdie A Entwick Wurf ei Sparung zusamn Es is Denksc der unt Cieser; Unbrau Votsch Das w: reise g Alcme: Sinden: stlie De Ahaten: Setzter Desetzt Schrift Nitget Andm schen] WUtzus jendi. Naben Hinte, ärisch ücht: aub: Abwi ien,« Ketste terlo; he] Uch In den ersten Jahren des Hitler-Reiches 85 Rohstoffeinfuhren für die Industrie(um 500 Millionen) und einer daraus erwachsenden vorübergehenden Arbeitslosigkeit von 2 bis 2,25 Millionen Menschen. Er will sie mit Verkürzung der all- gemeinen Arbeitszeit auf sechs Stunden und anderen(uns schon u bekannten) Mitteln bekämpfen. Aber er glaubt, daß dieser Not- ıeine) stand rasch vorübergehen und der deutsche Export schon im 'hluß, Lauf eines halben Jahres bedeutend ansteigen wird. Grundsätzlich taud ist die Aufnahmefähigkeit des Weltmarktes— bezieht man alle un- Wi, entwickelten Weltteile mit ein- unbegrenzt. Der beigefügte Ent- in da, wurf eines Jahresetats für den Reichshaushalt, der große Ein- Auto: sparungen enthält, faßt die Summe der Vorschläge zahlenmäßig sich, zusammen und soll sie als ausführbar erweisen. über,| Es ist kein Zweifel, daß Hitler selbst die kurze Fassung dieser toßeı, Denkschrift ebenso wie Göring gelesen hat. In einem Ministerrat, glich der unter Görings Vorsitz am 2. September stattfand, erwähnte ndde| dieser auch Goerdelers Denkschrift. Er nannte sie»vollständig g, zu Inbrauchbar«, da sie außer vielen anderen verfehlten Ideen den mket Vorschlag einer wesentlichen Rüstungsbeschränkung enthalte.?® stun Das war also der springende Punkt. Vielleicht hatte Hitler zeit- ‚nein weise gehofft, in diesem deutschnationalen Bürgermeister ein be- erfo' quemeres Werkzeug seiner hemmungslosen Rüstungspolitik zu ‚hle- finden als in dem immer eigenwilligen Schacht, dessen Sorgen um fitteln tie Devisenbeschaffung seit Ende 1935 immer größer geworden waren? Nun sah er sich schwer enttäucht; mehr noch: er wird jetzterst erkannt haben, daß dieser Berater einem völlig entgegen- igenen geheimen Denk- ‚ ohne tsäch- ‚ist, gesetzten Lager angehörte. In einer e ‚ig schrift, die den nächstbeteiligten Ministern als strikte Weisung „Zu mitgeteilt wurde, hater eben damals die Idee entwickelt, Deutsch- land müsse sich zum Entscheidungskampf mit dem bolschewisti- en“, r und schen Rußland rüsten und könne dabei in keiner Weise auf Unter- tprei stützung durch die Westmächte rechnen.»Gegenüber der Not- „will der Abwehr dieser(der bolschewistischen) Gefahr .Zdt haben alle anderen Erwägungen als gänzlich belanglos in den indes Hintergrund zu treten... Das Ausmaß und das Tempo der mili- eu tärischen Auswertung unserer Kräfte können nicht groß und we nicht schnell genug gewählt werden. Es ist ein Kapitalirrtum zu ‚elfen glauben, daß über diese Punkte irgendein Verhandeln oder ein ‚Stell Abwägen stattfinden könnte mit anderen Lebensnotwendigkei- , ul ten.« Wenn die deutsche Armee nicht»in kürzester Frist« zur \ har" yersten Armee der Welt« entwickelt würde, wäre Deutschland ‚ontel verloren.»Es haben sich daher dieser Aufgabe alleanderen Wün- ines N sche bedingungslos unterzuordnen.« Die Nachwelt wird nicht ."nach den Methoden fragen, mit denen wir dieses Ziel erreicht Viertes Kapitel haben, sondern ausschließlich danach, ob wir es erreicht haben oder ob wir mit Hilfe unserer angeblich unfehlbaren Wirtschafts- methoden zugrunde gegangen sind. Was nützt es, immer und immer wieder festzustellen, daß es uns an Rohstoffen und Lebens- mitteln fehlt? Es kommt nur darauf an, daß wir diesen Mangel eines Tages endgültig beseitigen durch Ausdehnung unseres Le- bensraumes. So lange, bis das eines Tages erreicht ist, müssen Er- leichterungen unserer Versorgungslage geschaffen werden. Dazu wird die deutsche Wirtschaft eingespannt werden ohne alle Rück- sicht auf Privatinteressen, Rentabilität oder was sonst. Das Wirt- schaftsministerium hat nur die Aufgaben zu stellen, die private Unternehmerschaft mag sich die Köpfe zerbrechen über die Mög- lichkeit der Durchführung. Zeigt sie sich unfähig, ihre Aufgabe zu erfüllen, so wird der nationalsozialistische Staat schon selbst die Probleme zu lösen wissen. Versteht die deutsche Privatwirt- schaft ihre Aufgabe nicht, so beweist sie damit nur ihre Existenz- unfähigkeitin unserer modernen Weltangesichts des gigantischen Aufbaus der Wirtschaft im Sowjetstaat. Dann wird aber nicht Deutschland ruiniert werden, sondern nur gewisse Wirtschaftler! Binnen vier Jahren muß die deutsche Armee kampfbereit und die deutsche Wirtschaft fertig sein zur Mobilisation für den Krieg. Fast vier kostbare Jahre sind schon für die Aufrüstung verloren- gegangen; kein weiterer Augenblick darf mehr ungenutzt ver- streichen!?? Man sieht: hier gab es keine Möglichkeit der Zusammenarbeit mehr. Goerdelers Denkschrift wird auf Hitler ähnlich gewirkt haben wie später die Ausarbeitungen des Generalstabschefs Beck: als Bestätigung seines Entschlusses, fortan keine Bedenken der Experten mehr ernst zu nehmen und sich in wirtschaftlichen eben- so wie in militärischen Fragen künftig ganz auf die eigene Ein- gebung zu verlassen. Der große Umschwung, den diese Denkschrift ankündigte, wurde bald darauf vor aller Welt sichtbar: auf dem Nürnberger »Parteitag der Ehre«(8. bis 14. 9. 1936), wo der neue»Vierjahres- plan« der Wirtschaft proklamiert und in einer langen Führerrede begründet wurde. Goerdeler erfuhr, er habe dabei auch ihn und seine Denkschrift sehr abfällig kritisiert, allerdings ohne seinen Namen zu nennen.2® Aus den Tagungsberichten läßt sich das nicht bestätigen. Aber wenige Tage danach kam ein Telegramm des Propagandaministeriums, das die Veröffentlichung seiner Wirt-. schaftsbroschüre verbot. feit, du was at Vatur,< Tor alle Aber di Opposi Opposi Kritik. Ange ständig Überm: Ibsperr er jetzt übergel dem Sir fes, für DanG über G die ÖR Dur$ lichen Kontr. Pegens Richt y Clesol Kchmu Wurde Unsoli Sttiert Scher ' Ansoli atntlic ‘chen \usle, upt lem or\ .ebli leer Chau Er selbst hat das später als die große Wende seiner öffentlichen Wirksamkeit betrachtet, als das Ende jeder praktischen Möglich- une] V Olkı ch, i habe chafıs keit, durch direkte Einwirkung auf die obersten Machthaber etwas am Lauf der Dinge zu ändern. Es entsprach seiner aktiven Natur, daß er trotzdem nicht aufhörte, für seine Ideen zu werben. Vor allem setzte er seine publizistische Tätigkeit mit Eifer fort. rest Aber die Publizistik wurde jetzt notgedrungen zur politischen en Opposition, und da es im Zwangsstaat Adolf Hitlers keine offene ‚Dan Opposition geben konnte, blieb ihm nur das Mittel der indirekten ‚Rück Kritik. ‚Wirt Angesichts des Göringschen Vierjahresplans, den er für voll- ia ständig verfehlt hielt,2® kam es ihm vor allem darauf an, vor einem -Mön Übermaß staatlicher Wirtschaftsregulierung und vor jeder Selbst- \, absperrung von der Weltwirtschaft zu warnen. Mehrfach betonte er jetzt, daß seine eigene Tätigkeit als Preiskommissar nur vor- übergehend habe Nutzen stiften können, und eigentlich nur in isteon dem Sinn, daß sie für die Lauterkeit des freien Konkurrenzkamp- ischet fes, für die Innehaltung eines fair play zu sorgen bemüht war.?® ea Den Gedanken eines wirtschaftlichen Weltfriedens, den er gegen- aftle! über Göring entwickelt hatte, trug er jetzt- etwas verändert-in ind die die Öffentlichkeit. Er schlug eine internationale Organisation vor Krieg, zur Sicherung der Währungsgrundlagen und der wirtschaft- ‚lorenn lichen Schuldverpflichtungen« durch freiwillige gegenseitige | Kontrolle- also eine Art von europäischer Zahlungsunion. Ohne gegenseitiges Vertrauen der Völker könne die Weltwirtschaft nicht wieder in Gang kommen, ohne Vertrauen der Regierten auf ewirie die solide Finanzwirtschaft ihrer Regierung aber auch kein unter- Beck nehmungsfreudiger Geist in den Betrieben aufkommen. Das en de wurde dann etwa an Roosevelts New Deal und vor allem an der eben unsoliden Finanzpolitik Frankreichs unter Leon Blum demon- in striert, nicht ohne viele Seitenblicke auf die Leichtfertigkeit deut- eEt ‚cher Staatsmänner der Weimarer Epoche- vor Brüning. Solchen all unsoliden Finanzgebarungen wurden die soliden Grundsätze öf- ndig' fentlichen Wirtschaftens gegenübergestellt, die sich in der»Deut- berg“ chen Gemeindeordnung« von 1935 fanden- nach Goerdelers Ihe Auslegung dem»Grundgesetz öffentlicher Wirtschaft über- ag haupt«.3! Ohne Vertrauen auf die Redlichkeit des Staates, vor an un! allem ohne gesicherte Rechtsordnung und Schutz der einzelnen sen© vor Willkür kann die Wirtschaft nicht gedeihen— das war ein a Lieblingsthema seiner Aufsätze. Besonders charakteristisch ist m 1 dieser Gedanke am Schluß eines Artikels der»Deutschen Rund- ‚Wit© chau« formuliert, der zwar erst im März 1938 erschien, aber ö mancherlei Vorläufer hatte:„Freiheit des einzelnen, Freiheit des dich! Volkes ist die entscheidende Voraussetzung für stolzen Mut und ge"höchste Leistung. Willkür ist ihr Tod, Recht ihr Gott; Verant- In den ersten Jahren des Hitler-Reiches 87 er unl ‚ebens ange ufgabt ‚ selbst atwitt- narbeit & 88 Viertes Kapitel wortungsbewußtsein erhebt sie zur Opferbereitschaft, adelt sie zur Güte. Nur auf dieser Grundlage kann jenes moralische und materielle Gleichgewicht wiedergefunden werden, dessen die Welt bedarf.«°2 Goerdeler wäre nicht er selbst gewesen, wenn er nicht trotz allem auch versucht hätte, wenigstens auf die ihm persönlich näherstehenden Reichsminister einzuwirken. Zuerst auf Schacht, der sich aber(nach Goerdelers späterem Bericht) zunächst wenig zugänglich zeigte und die Hoffnung äußerte, am Ende doch noch mit seinen eigenen Plänen durchzudringen. Aber schon wenige Monate später, Anfang Januar 1937, sei er in recht verzweifelte: Stimmung in Leipzig erschienen und habe sich selbst angeklagt, er hätte 1933 dem»Führer« nicht unbegrenzte Rüstungskredite versprechen dürfen, sondernhöchstens 10-12 Milliarden; jetzt sei die Reichsbank in schwerer Verlegenheit.3® Goerdeler riet, eine entsprechende Denkschrift an Hitler zu senden; fruchte sie nichts, so möge er seinen Abschied fordern— was dann, nach schwierigen Auseinandersetzungen seit März, Ende Juli geschah. Auch auf den Finanzminister Schwerin-Krosigk und den Wirtschaftsmini- ster Funk, den Nachfolger Schachts, hat der Unermüdliche mehr- fach einzuwirken gesucht—- immer im Kampf gegen die Ver- schwendung von Reichsgeldern und gegen künstliche Neu- schöpfung von Kredit.?* Aber diese Männer besaßen ja keine echte Entscheidungsgewalt: seit 1936 gab es nur noch Werk- zeuge. Und so sah sich Goerdeler unaufhaltsam in eine neue Stel- lung hinübergedrängt: aus der des Warners und Ratgebers in die des entschlossenen Opponenten. Auf die Dauer mußte sich die Ungnade Hitlers auch auf die Stellung Goerdelers in Leipzig auswirken. Solange er in Gunst bei den obersten Machthabern stand, war er allen Anfechtungen von seiten lokaler Parteigrößen enthoben- dies um so mehr, als er sich (wir hörten es schon) mit dem Kreisleiter Dönicke persönlich gut zu stellen wußte. Ihm und einigen nationalsozialistischen Häup- tern der Verwaltung®® hat er auch die große Denkschrift für Göring gezeigt. Sie beeiferten sich, zuzustimmen und seinen Mut zu bewundern. Daß die Stadträte glücklich waren, einen Ober- bürgermeister mit so ausgezeichneten Verbindungen»nach oben« zu besitzen, begreift sich leicht. Der Mut, mit dem er es wagte, seine Kritik am herrschenden Wirtschaftssystem gelegentlich auch öffentlich auszusprechen(so z. B. bei der Eröffnung der Leipziger‘ Frühjahrsmesse 1935), konnte sein Ansehen nur noch steigern. Als seine Amtszeit im Sommer 1936 ablief, wurde er auf zwölf ‚eine W. glied die Tertretei Optimis ler gest Selbstve dahnen« mer bes glugen Großst; Uns geg: Persönl Herbst. bestand Seit Frü besond Söhn-D kungss sermei Sttztur Zum g Fangen eutsc] Schaft, ISteej ung 1 Und& Chwe, npfo kai aulse; Bürge igte, neh; Partei u Iass Jahre wiedergewählt, und die Parteivertreter versicherten ihm, i a In den ersten Jahren des Hitler-Reiches 89 eltsi seine Wahl sei gerade deshalb erfolgt, weil er als Nichtparteimit- 1e un glied die Interessen der Stadt mit um so größerer Unabhängigkeit sn di vertreten könne. Er selbst faßte das— mit charakteristischem Optimismus- als einen Beweis dafür auf,»daß schließlich immer Etron der gesunde Menschenverstand siegt und daß gerade die örtliche snlih Selbstverwaltung in Deutschland berufen ist, ihm den Weg zu hacht bahnen«. Er versichert, mit seinen Stadträten sei er dadurch im- wenig her besser ausgekommen, daß er van das logische Denken dieser ınod klugen Sachsen appellierte«. Besichtigungsfahrten in andere venigt Großstädte, die er mit einer Elite alljährlich unternahm, hätten felteı das gegenseitige Vertrauen noch verstärkt. Das gute menschlich- ‚klagt, persönliche Verhältnis scheint auch durch die Wandlungen des ‚redite Herbstes 1936 nicht erschüttert worden zu sein. Aber die Partei ‚tz se bestand jetzt entschiedener als früher aufihrem Programm. Schon t, eine seit Frühjahr 1936 drängten die nationalsozialistischen Stadträte, nicht, besonders Bürgermeister Haake, auf Entfernung des Mendels- erigen\ohn-Denkmals vor dem Gewandhaus, der weltbekannten Wir- ch auf kungsstätte des größten jüdischen Komponisten. Der Oberbür- smin- Kermeister hatte sich diesem antisemitischen Verlangen wider- meh Setzt und nicht ohne Erfolg Unterstützung im Goebbels-Ministe- , Ye Hum gesucht. Der Streit darüber war bis in den Spätherbst ge- Neu gangen. Anfang November reiste Goerdeler auf Einladung der keine deutsch-finnischen Handelskammer zu einem Vortrag über Wirt- Wer- schaft, Währung und Verwaltung nach Helsingfors— es war die erste einer langen Reihe von Auslandsreisen, auf denen er Verbin- dung mit führenden Politikern außerdeutscher Länder gesucht und gefunden hat. In Stockholm(wo er unter anderem mit dem uf die schwedischen Bankier Jakob Wallenberg, von Schacht brieflich „sth empfohlen, eine sehr folgenreiche, freundschaftliche Verbindung anknüpfte) erreichte ihn die Nachricht, das Mendelssohn-Denk- mal sei trotz seines Verbotes entfernt worden. Sein Stellvertreter, chgul Bürgermeister Haake, hatte seine Abwesenheit benutzt, um, wieer Hiup sagte, dem Oberbürgermeister»einen schweren Entschluß ab- ife für zunehmen«. Aber Goerdeler dachte nicht daran, sich so von der Mit Partei- und am wenigsten von einem Untergebenen- überfahren zu lassen.36 Sofort nach der Rückkehr forderte er Wiederherstel- e Stel- ‚in die on) VOR er sich r Bi lung des Denkmals von der Partei; andernfalls werde er seinen age Abschied nehmen. Natürlich war die Antwort negativ, und schon Audi jan nächsten Tage übergab Gocerdeler, kurz entschlossen wie im- ni mer, sein Abschiedsgesuch. Auf Weihnachten ging erin Urlaub, gern| am ı. April in den Ruhestand_ nicht ohne feierlichen Abschied zwöl und Rechenschaftsbericht. 5 „ho Daß es Goerdeler ungeheuer schwer gefallen ist, als 52jähriger & Viertes Kapitel 5 gerade auf dieses Amt zu verzichten, das ihm so gemäß war wie kein zweites, bedarf nach allem, was wir von ihm hörten, keiner Versicherung; essprichtaber auch aus jeder Zeile seiner Abschieds- rede vor Mitarbeitern und Beamten der Stadtverwaltung(31. 3. 1937). Dennoch war es kein übereilter Entschluß»ab irato«: es ging ihm um eine Prinzipienfrage; und da kannte er kein Aus- weichen. Es ging um seine freie, auch der Partei gegenüber unab- hängige Selbstverantwortung als Bürgermeister, zugleich— und nicht zuletzt- um seine Befehlsgewalt im engeren Machtbereich. Es ging aber vor allem um eine Gewissensfrage, um seine Ver- antwortung als Mitträger deutscher Kultur, deutschen Rechts- sinnes und Anstands vor aller Welt. Das ist ihm von Anfang an klar gewesen. Nicht bewußt war ihm, wie er später bekennt, daß dies»das vollkommene Ende öffentlicher Tätigkeit sein würde«, In gewissem Sinne war es aber auch erst der Auftakt dazu. Keine seiner früheren Leistungen hat den Namen des Leipziger Ober- bürgermeisters so mit einem Schlage in ganz Deutschland bekannt und populär gemacht wie dieser Be und mutige Protest gegen die deutsche Kulturschande. Jedermann spürte: hier war endlich ein ganzer Mann: einer, der sein Amt fahren ließ, um nicht mit seinem guten Namen, wenn auch nur scheinbar und indirekt, eine schandbare Tat zu decken. Mit dem Ausscheiden aus dem Leip- ziger Amt wurde er endgültig frei für eine neue Mission. weites fünftes tieg de jeit 193 reitere än, Seit\ Tyrann tann d listoris jozialis Die jentlic] lie Me lerKa Auropä Iesonc {rieber deutsc Malen Undd ükter, liche Eine s diese| Ma, Plätze Übera) Een A, bie, Ihre\ Je Eensä & liche ing, isch Kong rat WI keine chieds, | "Zweites Buch: Deutsche Widerstandsgruppen 31-3, to«:& n Au $ ‚— und ereich, 1e Ver- Techts- ang a0 nt, daß rürde«, ‚Keine Ober- ekannt gegen -ndlich -ht mit kt, eine ı Leif: | Fünftes Kapitel: Geschichtliche Voraussetzungen für den Auf- stieg des Nationalsozialismus Seit 1937 fügt sich die Lebensgeschichte Carl Goerdelers in den weiteren Zusammenhang der deutschen Widerstandsbewegung din. Seit wann gab es einen deutschen Widerstand gegen die Hitler- Tyrannei? Wie und aus welchen Quellen formte er sich? Man kann diese Fragen nicht beantworten, ohne einen Blick auf die historischen Voraussetzungen für den Aufstieg des National- sozialismus zur Alleinherrschaft zu werfen. Die Kernfrage einer solchen Betrachtung ist, ob man ihn we- sentlich aus spezifisch deutschen Wurzeln abzuleiten hat(wozu die Mehrzahl seiner Kritiker, besonders der ausländischen, nach der Katastrophe von 1945 neigte) oder wesentlich aus allgemein europäischen Lebenserscheinungen, die in Deutschland nur ihre besondere Gestalt empfingen. Die zweite Deutungsart wird über- trieben, wenn man das Hitlertum als eine Art von Überfremdung deutschen Wesens ansieht, als bloßen Gegensatz zu unseren natio- nalen Traditionen, zuletzt als bloße Episode deutscher Geschichte. Und doch ist kein Zweifel, daß überall da, wo ein tiefer begrün- deter, grundsätzlicher Widerstand sich regte, die leidenschaft- liche Überzeugung dahinterstand, der Nationalsozialismus sei eine satanische Verfälschung echter deutscher Tradition. War diese Überzeugung berechtigt? Man sollte sich hüten, auf solche Fragen mit jenen Gemein- plätzen sogenannter Völkerpsychologie zu antworten, die heute überall im Schwange sind und diedoch historisch gar nichts erklä- ten, weil sie sich anmaßen, das komplexeste aller historischen Ge- bilde, die moderne Nation, auf einen einzigen Nenner zu bringen, ihre Wesensart mit einem bloßen Schlagwort zu charakterisieren. Jede Nation setzt sich in Wahrheit aus unzählbaren inneren Ge- kensätzen zusammen. In jeder liegen(zum mindesten innerhalb des europäisch-abendländischen Kulturkreises) annähernd ähn- liche Möglichkeiten menschlicher, seelisch-geistiger Entwick- lung verborgen. Es ist deshalb ziemlich sinnlos, etwa den»roman- !isch veranlagten und eroberungssüchtigen« Deutschen dem»ra- Honalen und friedliebenden« Franzosen oder die angebliche { N = - | 11 re' | ae Ba 92 Fünftes Kapitel Knechtsgesinnung unserer Landsleute der natürlichen Freiheits- liebe der Engländer gegenüberzustellen, wenn man damit be- stimmte historische Erscheinungen erklären will. An politischer Romantik, an Abenteurern des Geistes und der Politik hat es in Frankreich wahrlich ebensowenig gefehlt wie bei uns, auch nicht anausschweifenden Machtträumen, und esistnoch nicht 100 Jahre her, daß manin Europa gewohnt war, nicht Deutschland, sondern Frankreich als einen ewig brodelnden Kessel voll revolutionärer Unruhe und kriegerischen Ehrgeizes zu betrachten. Wer aber die Gewöhnung der Deutschen an Untertanentreue und pünktlichen militärischen Gehorsam für den Triumph des Nationalsozialis- mus verantwortlich machen will, der sei daran erinnert, daß Deutschland nicht das erste, sondern das letzte in der langen Reihe europäischer Länder gewesen ist, in denen das System des Ein- parteienstaates und Br totalitären Tyrannei seit 1917 zur Herrt- schaft kam, und daß Hitler, der geborene Österreicher, sein un- a äipars Vorbild nicht im Staate Bismarcks, sondern im Italien Mussolinis gefunden hat— einem Lande, Ass Bürgern gewiß niemand ein Übermaß von braver Untertänigkeit un Disziplin nachsagen wird. Etwas ganz anderes ist das Aufsuchen bestimmter politischer Traditionen und konkreter geschichtlicher Situationen, die Hitler seinen Aufstieg zur Machtund die Anwendung seiner Herrschafts- methoden erleichtert haben. Ganz gewiß war es für seinen Erfolg nicht gleichgültig, daß das politische Nationalbewußtsein der Deutschen, viel später als in Westeuropa erwacht, von seinem Ursprung in den Freiheitskriegen 1813-1815 her einen betont kämpferischen Charakter trug und daß seine militanten Züge durch die Erlebnisse der Einigungskriege 1864-1871, ja selbst des Ersten Weltkrieges noch verschärft wurden. Noch unmittel- barer bedeutsam war die Tatsache, daß der katastrophale Ausgang des Ersten Weltkrieges zwar den rapiden politischen und wirt- schaftlichen Aufstieg Deutschlands, den Bismarcks Reichsgrün- dung entfesselt hatte, jäh unterbrechen, aber die enorme Vitalität der deutschen Nation, ihre wirtschaftliche Kraft und ihr politi- sches Selbstvertrauen nicht wirklich zerbrechen konnte. Daraus entstanden Spannungen, die einen Demagogen geradezu ein- luden, sich ihrer zu bemächtigen und das Gefühl der Unzufrieden- heit mit einer europäischen Machtverteilung, die man in Deutsch- land ganz allgemein als unnatürlich empfand, zu Kampfparolen für die Masse auszumünzen. Nichts ist leichter im Zeitalter der modernen Massendemokratie, als in Notzeiten Mißtrauen gegen die Regierenden, Haß gegen die Fremden zu predigen, Geduld Toraussı ind ver parken. taler Ur aus, ist ührt wı In It: Militari: Aezepte teeione ion vo! Etziehu Tatsach Durchs taiserlii Diterie ren, c Alstaatı ‘leicht Eberal; Nesteur Eimpfe Keitske Bautsg Ktiona Andda Sührun Eh ütger; KG: JEonstit Wachts mer Kite n Mtkes Q rg! Äurch« |ort "Ereise "Voraussetzungen für den Aufstieg des Nationalsozialismus ‚heit und vernünftige Taktik als Schwäche, ja Landesverrat zu brand- nit be marken. Mit ganzähnlichen Methoden, durch Aufpeitschen natio- tische naler Unzufriedenheit zu nationalistischem Ehrgeiz und Aktivis- itesir mus, ist auch die faschistische Bewegung in Italien zum Sieg ge- hnicht führt worden. oJahre In Italien war freilich der Versuch, eine ganze Nation durch ‚ndern Militarisierung des Denkens und der Volkserziehung(nach den onäreı Rezepten Machiavellis) zu heroischer virtü zu bringen und zum her.die geeigneten Werkzeug waghalsiger Eroberungspolitik zu machen, {lichen von vornherein aussichtslos- in Deutschland nicht, infolge der yziali. Erziehungsarbeit der preußisch-deutschen Armee und dank der t, dal Tatsache, daß der Klang preußischer Militärmärsche für den ‚Reihe Durchschnittsdeutschen nun einmal mit der Erinnerung an die s Ein: Biserliche Zeit— die Epoche politischen Glanzes und höchster Her- Materieller Wohlfahrt- eng verbunden war. Insofern kann man in un gen, daß die besondere Tradition des preußisch-deutschen Mili- Italien ürstaates den großen Machterfolg Hitlers in entscheidender Weise &leichtert habe. Man kann darauf hinweisen, daß der deutsche Liberalismus von Anfang an ein anderes Gesicht trug als der vesteuropäische: nicht wie dieser aus innerpolitischen Macht- kimpfen entsprungen, sondern wurzelnd in der Epoche der Frei- heitskriege, lebte er nicht aus dem Mißtrauen gegen eine starke chafts- Staatsgewalt, sondern suchte sie gerade erst zu begründen als eine Erfolg Wtionale, von der Zustimmung aller Volksgenossen getragene ei de ind darum dem Machtkampf mit anderen Nationen gewachsene seinem Führungsgewalt. Liberale Freiheitsideen und machtpolitischer betont Ehrgeiz wirkten hier von Anfang an ganz eng zusammen, und seit ‚Züge der Gründung des Bismarck-Reiches mit seiner monarchisch- bstde konstitutionellen Verfassung und seiner großen europäischen mittel Machtstellung trat der Liberalismus hinter dem Nationalismus jsgang mer mehr zurück. In der Masse des deutschen Bürgertums | wirt ktbte nicht Mißtrauen gegen den»Racker Staat«, sondern ein . starkes, seit 1866 neu gefestigtes und verstärktes Vertrauen zur >. Obrigkeit, das sich zwar seit Wilhelm II. verminderte und dann durch die Revolution von 1918 tief erschüttert wurde, aber 1933 Sara sofort wieder auflebte: in einem blinden Vertrauen weitester ei Kreise des deutschen Bürgertums auf die guten Absichten Hit- ode lers, dessen erstes Regierungsprogramm ja von schönen, friedlich ae} Slingenden Versprechungen geradezu triefte. Die Vorstellung, 6 man könnte einem gewissenlosen Abenteurer als Regierungschef in die Hände gefallen sein- dazu noch unter dem Segen des alten "Hindenburg!-, wäre der Masse des deutschen Bürgertums da- mals geradezu als grotesk erschienen. Die wenigen, die(wie der ewid sziplin tischet ‚Hitlet Norauss 94 Fünftes Kapitel fird, W !erMei Adol vie nut jeine\ Mißtean Dat zu ichen, einer\ ‘t nicht tander ie Zal inschw wollte Verfasser) es schon damals wußten, erinnern sich heute noc deutlich der tiefen Verzweiflung, die sie angesichts dieser Blind heit überfiel: in qualvoller Voraussicht einer unaufhaltsam kom: menden Kulturkatastrophe. Trotzdem wäre es grundfalsch, und die spätere Entwicklung der deutschen Widerstandsbewegung wäre gar nicht zu begreifen wenn man den Nationalsozialismus selbst aus den hier genannter Voraussetzungen deutscher Geschichte ableiten wollte, die seiner Machterfolg erleichterten: als letzte Konsequenz etwa und Über: steigerung eigentümlich deutscher Traditionen. Gerade da, wo die Überlieferung des altpreußischen Militärstaates am lebendig: sten war, in der Armee, wurde er von Anfang an als fremdartig empfunden, und niemand ist bitterer von ihm enttäuscht worden als jene Idealisten, die zunächst gutgläubig von ihm eine Erneue| rung politischer Gemeinschaftsideale im Sinne des staatsfreudigen dofn älteren Liberalismus der deutschen Erhebungszeit erwarteten. Im|*' Kern seines Wesens ist der Nationalsozialismus gar kein original""l deutsches Gewächs, sondern die deutsche Form einer europät-|“MM schen Erscheinung: des Einparteien- und Führerstaates. Diese entlc aber läßt sich nicht aus älteren Traditionen erklären, sondern nut Auftiec aus einer spezifisch modernen Krisis, aus der Krisis der liberalen ler deı Gesellschaft und Staatsform. äitler Wir haben ihre tieferen Ursachen hier nicht zu verfolgen. Das vorde Entscheidende ist doch wohl die Tatsache, daß die moderne In.)"%t dustriegesellschaft mit ihrem uniformen Massenmenschentum für Ley das liberale Ideal der freien, geistig und wirtschaftlich unabhän- ‚chen! gigen, selbsttätigen Persönlichkeit nur noch sehr wenig Raum eben. bietet, um so mehr aber für die demokratischen Ideen der Gleich.|"so heit der Lebensansprüche und der Volkssouveränität. Das Volk, Garne d. h. die Masse schlechthin als Souverän läßt sich mit Hilfe det Vor modernen technischen Hilfsmittel ganz anders als früher mobili- 3\nd sieren. Die Massenkundgebung, die sogenannte»direkte Aktion Ude tritt mehr und mehr an die Stelle der ernsthaften parlamentarischen]“st Diskussion. Die Masse verlangt nicht nach Diskussion, sondert Nchr nach eindrucksvollen Taten; sie folgt nicht vernünftigen Erwä alte, gungen, sondern ihren Gefühlen; sie hört nicht auf den Rat kluger|"ve Sachkenner, sondern auf den leidenschaftlichen Appell der De schen magogen; sie will Führung, nicht kluges Abwägen von Fragen Schaft und Möglichkeiten, nicht Freiheit des Selbstentscheidens. In einet dA, solchen Gesellschaft bieten sich ungeheure Möglichkeiten füt ‚Behör einen Demagogen, der es versteht, sich selbst als den Repräsen- uk tanten und Träger des Volkswillens glaubhaft zu machen- zumal]®V, dann, wenn eine parlamentarische Regierung innerlich unsiche Yolk 9 Be für den Aufstieg des Nationalsozialismus 05 Bi wird, wenn sich die Parteien, stets in Sorge um ihre Popularität, r Meisterung schwieriger Aufgaben nicht gewachsen zeigen. Adolf Hitler war Meister in der Kunst der Massenbeherrschung wie nur ganz wenige. Diese Kunst scheute keine Übertreibung, keine Verleumdung und Verdächtigung, um Unzufriedenheit, Mißtrauen, Enrüstung über das sogenannte»System« von Wei- mar zu erregen und sie zur lodernden Flamme des Hasses anzu- fichen. Aber die Verhetzung der Masse war nur die eine Seite seiner Volkspredigt; ihr Erfolg wäre ein halber geblieben, hätte er nicht zugleich ein neues, positives Zukunftsideal zu zeigen ver- standen. Richtig ist, daß erst die Massenarbeitslosigkeit von 1930 die Zahl seiner Anhänger jäh und unerwartet zu vielen Millionen inschwellen ließ; aber es wäre eine Mißdeutung dieses Erfolges, wollte man glauben, daß wesentlich materielle Wünsche und Boffnungen ihm die Massen zugetrieben hätten. Natürlich spiel- Ha ten sie eine große Rolle, waren aber letztlich nicht entscheidend, original zumal die Hitler-Partei überhaupt kein klares Wirtschaftspro- „ gramm besaß. Die Krise der Weimarer Republik 1930-33 war we- euzopll"ntlich eine Vertrauenskrise. Nicht nur die wirtschaftliche Un- . Die Friedenheit der Massen, sondern ganz allgemein die Ungeduld dern fl der deutschen Nation, die Kehrseite ihrer starken Vitalität, wußte Iibera Witjer auszunutzen. Die schwere Krise von 1923 war überstanden D) worden, weil die Wehrmacht und die rechtsstehenden sogenann- gen. Di en nationalen Verbände der Republik zu Hilfe gekommen waren; Ierne ı diesmal rief alles, was sich zur Rechten zählte, nach einer deut- tum ‚chen Wiedergeburt, einer totalen Erneuerung deutschen Lebens. abi Eben diese innere Erneuerung versprach Hitler zu schaffen. Und & Me mit solchen Versprechungen hat er unzählige Idealisten in seine rn Garne gelockt. n vo Vorallem verhieß er, eine neue, vertiefte Volksgemeinschaft zu hilfe gründen- nicht nur durch Überwindung des Parteienhaders(mit e mobi! Al den Unerfreulichkeiten des vielzersplitterten deutschen Pat- Aktiof teisystems und seinen ewig schwankenden Koalitionen), sondern tarisch" Mehr noch: der Klassengegensätze und des unheilvollen Zwie- sonder spaltes von Rechts und Links. Man kann im Ausland wohl nur .n EN schwer nachfühlen, was diese Verheißung gerade für die Deut- at klug“ schen bedeutet hat. Gewiß: das Streben nach»Volksgemein- | der 29 schaft«, nach der Bildung eines einheitlichen Volkswillens und N Fragt der Aus- und Gleichschaltung widerstrebender Sonderinteressen „Inc gehört zum Wesen aller modernen Demokratie seit Rousseau eiten"ind der großen Französischen Revolution. Die Einheitlichkeit epräse des Volkswillens gehört zum Begriff einer radikal durchgeführten an Yolkssouveränität(im Sinne Rousscaus) notwendig hinzu. Im unsie i te nocd t Blind de m kon icklun greifet nannte je seine 1d Über da, W -bendig mdarti worde Erneut ‚eudige ee ER sn Summit Man: Fi lg ee en ie 96 Fünftes Kapitel Föderationsfest von 1791 haben die Franzosen das Erlebnis diese neuen, politischen Volksgemeinschaft zum ersten Male enthusia stisch gefeiert. Die Massenversammlungen Hitlers— zumal de Reichsparteitage- stellten eine Art von Wiederholung solchei oraus Übe Bolsch wandt: deauft: Feiern dar. Aber für die Deutschen hatte die neue Volkseinheillerkei noch einen besonderen Sinn. Als böses Erbe aus dem Bismarck: reich war der Klassengegensatz zwischen Besitzbürgertum und sozialistischer Arbeiterschaft weltanschaulich-politisch noch viel. fach verschärft: vor allem durch den Gegensatz in Fragen det Rüstung und Außenpolitik. Während des Ersten Weltkrieges hatte der Streit um die Kriegsziele(wir sprachen schon davon) zu einer förmlichen Zerreißung der Nation geführt. Das politische Leben der Weimarer Republik war durch seine Fortsetzung(den Zank um die Dolchstoßlegende) fortdauernd vergiftet worden. Weil nun Hitler die Aussicht eröffnete, Nationalismus und Sozia- lismus miteinander zu versöhnen in seiner national-sozialistischen Partei, erschien er unzähligen patriotisch empfindenden Deut- schen wie ein Erlöser aus altem unseligem Zwist. Die Monarchie Wilhelms I. hatte vor der Aufgabe versagt, deren Meisterung den demokratischen Staatsmännern des Westens so glänzend gelun- gen war: dafür zu sorgen, daß die Nation im Feuer des Krieges zu einer wirklichen Einheit zusammenschmolz. Der unbekannte Ge- freite des Weltkrieges versprach sie jetzt zu lösen; er gelobte, die Kameradschaft der Schützengräben zum Muster des politischen Alltags zu machen. Ohne Zweifel war das die weitaus zugkräf- tigste aller seiner Parolen— nicht nur bei den früheren Kriegsteil- nehmern. Sicherlich war das neue Programm eines»nationalen Sozialismus« verschwommen, nebelhaft, romantisch. Aber es wurde mit großem Schwung vorgetragen und wirkte ebenso auf das patriotische Gefühl wie auf das soziale Geltungsbedürfnis der breiten Massen, besonders des Kleinbürgertums, der Angestell- tenschicht und gewisser Teile der Arbeiterschaft, die vor det Kameradschaft mit dem eigentlichen Proletariat und dem Kom- munismus zurückscheuten. Hier blieben die Lehren des strengen Marxismus unverstanden, erschien die Predigt vom Klassen- kampf als veraltet, der Nationalsozialismus moderner, zukunfts- freudiger. So viel meinte jeder zu sehen, daß es dem»Führer«, der selbst aus der Tiefe des Proletariats aufgestiegen war, ganz gewiß nicht um eine Verteidigung kapitalistischer Interessen ging, auch nicht, wie den Kommunisten, um eine»Diktatur des Proletariats« und Ausrottung der Bourgeoisie, sondern um eine echte Volks- versöhnung, um ein Gewinnen der Masse für die»nationale tsalso Gleich diese 7 für der luszua Stile« einer] griffen (genau l berg die eir Italien früher Deuts (um deutli berüh Liefen dem Deuts politi: Wurd Da Vrenig Schic Flstet haber Bing, an po Ürise Einig Eiht! Idee«. is diese nthusiı ımal de - solche seinhei ismarck um un! och viel gen de tkriege von) z olitisch ing(de wordet d Sozih istischei ;n Deu! onarchi ung de d gelun rieges 2 ante Ge obte, di Jitischel zug kräl rjegstel tionale! Aber© enso au {fnis de ngeste vor de m Kom strengel Klassen: ukunft ret®, du 2 ge n ‚au erarla‘ a Volk ‚ationl® oraussetzungen für den Aufstieg des Nationalsozialismus 97 Über seinem so stark betonten Gegensatz zu den Zielen des Bolschewismus hat man in Deutschland lange Zeit die innere Ver- wandtschaft seines Führertums mit dem der russischen»Volks- beauftragten« übersehen. Beide beriefen sich auf den Volkswillen, der kein höheres Recht über sich anerkennt; in beiden Fällen gab es also keine Hemmungen, diesen Volkswillen durch gewaltsame Gleichschaltung mit allen Mitteln des Terrors herzustellen. Aber diese Züge roher Gewaltsamkeit waren am 30. Januar 1933 nur für den tiefer Blickenden bereits erkennbar- oder vielleicht: vor- auszuahnen. Denn zunächst ging ja alles höchst ehrbar zu: im Stile einer echt parlamentarischen Regierungsbildung— sogar einer Koalitionsregierung! Sehr wenige haben damals schon be- griffen, daß diese Regierungsbildung ein bloßes Provisorium war (genau so wie die Mussolinis 11 Jahre vorher), nämlich ein bloßer Übergang zur Diktatur, und daß Hitler ganz ebenso beanspruchte, die einzig wahre Inkarnation des Volkswillens zu sein wie der italienische Duce, wie Lenin in Rußland und wie schon 150 Jahre früher die Robespierre und Danton. Aber Hitler kannte seine Deutschen: er hütete sich, den trotz aller Legalität revolutionären (um nicht zu sagen illegitimen) Charakter seiner Führerstellung deutlich hervortreten zu lassen. Eben darum veranstaltete er die berühmte Schaustellung von Potsdam(21. März 1933) mit der tiefen Reverenz vor Friedrich dem Großen und vor Hindenburg, dem Traditionsträger- mit dem Erfolg, daß er nicht nur in Deutschland, sondern weit nachhaltiger noch im Ausland als ein politischer Nachfahr der preußischen Soldatenkönige betrachtet wurde. Daß diese Szene überhaupt nötig wurde, zeigt deutlich, wie wenig die Masse der Deutschen, und gerade auch der gebildeten Schicht, auf eine echte Revolution gefaßt und geistig für sie ge- tüstet war. Man kann wohl sagen, daß sie ihre Freiheit verloren haben, ohne überhaupt recht zu merken, was eigentlich vor sich ging. War das nun die Folge eines besonderen deutschen Mangels an politischer Begabung, unzulänglicher Erziehung in parlamen- tarischen Regierungsformen, allzu lange und eifrig geübter Unter- tänigkeit? Fragen, auf die es schwerlich eine sichere Antwort gibt! Auch andere Nationen sind unversehens in den Einparteien- staat hineingeraten. Richtiger ist es darum, nach der geistigen Situation der Zeit zu fragen, die das Phänomen der widerstands- losen Hinnahme diktatorischer Staatsformen erklären hilft. Hier wäre nun vieles zu sagen über die innere Auflösung des liberalen Geistes in Europa: über die Zersetzung idealistischen Denkens und humanistischer Persönlichkeitsideale durch das Auf- 98 Fünftes Kapitel kommen neuer weltanschaulicher Modeströmungen im Zeitalter des Positivismus und Materialismus; über die Anwendung biolo! gischer Lehren vom ewigen Daseinskampf aller Lebewesen aul die menschliche Gesellschaft und die Geschichte, über die bedenk. liche Auswirkung der popularisierten und trivialisierten Lebens- philosophie Nietzsches mit ihrer Predigt vom Übermenschen, vom Willen zur Macht und zum»gefährlichen Leben«, von der feigen Intelligenz und der Herrlichkeit einer starken Vitalität: über den Kampf der revolutionären Syndikalisten gegen die satte Bürgerlichkeit, ihr Lob der militanten Elite und ihren politischen Mythos, der die Massen in Bewegung bringt. Überall drängte die Entwicklung zu einseitiger Wertschätzung des starken Willens, der natürlichen Vitalität an Stelle rein geistiger Werte— ja zum Abenteuer an Stelle der bürgerlichen Sekurität. Aufeinen Teil der deutschen Jugend hat der Aufruf Hitlers zu»opferfreudiger Ein- satzbereitschaft« wie ein romantischer Rausch gewirkt(ganz anders als der Bolschewismus auf die russische Jugend, die in ihm wohl vor allem die Technisierung, die rationale Entzauberung der russischen Welt erlebte). Weitesten Kreisen der modernen Bil- dung hat die robuste Willensenergie, dierasche Entschlußfreudig- keit des faschistischen Systems, im Gegensatz zu den endlosen (und oft so fruchtlosen) Debatten der Parlamente, gewaltig im- poniert. Jedenfalls fand sich zunächst niemand— und das war zu- letzt entscheidend!-, der bereit gewesen wäre, für die Erhaltung der parlamentarischen Freiheiten sein Leben einzusetzen. Wie hohl das Pathos der liberalen Freiheitsparolen nachgerade gewor- den war, wie hoffnungslos jeder Versuch, unter diesem Banner ernsthaft zu fechten, das wurde mir in privaten Debatten mit libe- ralen Politikern klar, an dieich mich aus dem Frühjahr 1933(z. Zt. des ominösen Reichstagsbrandes) noch deutlich erinnere. Wie isoliert stand der tapfere Sozialdemokrat Wels vor der Öffentlich- keit, als er am 22. März 1933 im Reichstag als einziger Opposi- tionsredner aufstand, um gegen die Selbstpreisgabe des Parlaments im sogenannten Ermächtigungsgesetz, für die Grundsätze des Rechtsstaats, für freie Kritik, für Gleichberechtigung aller Par- teien, für Menschlichkeit, echten Sozialismus und für die Freiheit schlechthin zu kämpfen! In alledem kam aber noch mehr zutage als ein Verblassen libe- raler Freiheitsideale im Zeitalter moderner Massendemokratie, Wie man weiß, hätten auch die holländischen Stände des 16. Jahr- hunderts und die englischen des 17., denen das moderne Europa Voraus: ich ge vireil im me Steuer jens, 2 tand; Inmitt olgen Rücks Ehre ı itands hres} densül eistet Iclte, Ton» Hie Glaub ativis Inbed Verdi ernst Dloße ung, In sic Stisch über\ Narer schen den Ursprung liberalerVerfassungsgrundsätzeverdankt,imKampf mit dem fürstlichen Absolutismus niemals das ganze Volk hinter| Voraussetzungen für den Aufstieg des Nationalsozialismus 99 Zeit It ‚ich gebracht und niemals einen Bürgerkrieg entfesseln können, gbiolo are ihnen nicht eine Volksbewegung zu Hilfe gekommen, der es SEN AU m mehr ging als um die Erhaltung halb feudaler Freiheits- und bedenk Steuerprivilegien- nämlich um die Freiheit des religiösen Glau- Lebens bens, zuletzt um die ewige Seligkeit oder Verdammnis. Wider- schen and gegen die Tyrannei, wenn es ganz ernsthaft wird, wenn der I de unmittelbare Einsatz des Lebens gefordert wird, kann nur da er- talicät folgen, wo ein echter Glaube dazu zwingt: ein Glaube, der keine die satt! Rücksicht auf privates Wohlergehen, ja auf das Leben und äußere itischeı Ehre mehr kennt. Das hat uns auch die Geschichte der Wider- ngtedii andsbewegung gegen Hitler sehr eindringlich gelehrt. Das Maß Willens jhres Heroismus war ganz eindeutig von der Echtheit der Glau- -aZU0 hensüberzeugungen bestimmt, aus denen jeweils Widerstand ge- Teil de kistet wurde. Wo es sich um bloße Unzufriedenheit derer han- ger Ein Jelte, die irgendwie im Schatten standen, ist es besser, nicht erst t(ga0l yon»Widerstand« zu reden. einihm| Hier nun enthüllt sich die tiefste Schwäche unserer Zeit: ihre ungdei Glaubensarmut, die Unsicherheit der Überzeugungen, der Re- 167 Bil htivismus sittlicher Werte, die Skepsis gegenüber allem, was als freudig: Ynbedingte Forderung vor den Menschen tritt. Das nihilistische ndloset Yerdämmern echter Ideale zur bloßenIdeologie, das Nicht-mehr- Itig im eenst-Nehmen sittlich-geistiger Entscheidungen als solcher, das warzu: bloße Gerede an Stelle klaren Wissens um die eigene Verantwor- haltung tung. Die Tatsache, daß er einen fanatisch verfochtenen Glauben >. Wie an sich selber besaß, an seine Mission und an den nationalsoziali- ‚gewol- stischen Religionsersatz, gab Hitler die stärkste Überlegenheit Bann über so viele kluge, aber skeptisch unsichere Politiker der Wei- nit be marer Republik; denn die Masse verlangt darnach, an einen Men- 3(2 2 schen und an eine Sache zu glauben. Derselbe Fanatismus, derihn re. Wt emportrug, hat ihn dann freilich zur Selbstvergötzung und zu entlich wahnwitzigen Abenteuern getrieben, die mit seinem Sturz ge- Oppos‘ endet haben. Aber die skeptische Unsicherheit ihrer Freiheits- Jamen! gesinnung ist auch heute noch die eigentliche Gefahr der west- ize d® europäischen Welt. Ihr gegenüber steht heute die fanatische er Pat Selbstsicherheit der bolschewistischen Ersatzreligion. Freibel| en Iibe| Sechstes Kapitel: Die sozialistische Opposition okratlt 6. jahr"Was die Widerstandsbewegung in Deutschland von der aller an- Euro? deren Länder grundlegend unterschied, war der Umstand, daß sie | sich gegen die Regierung des eigenen Landes richten mußte. Und die fast zehn Jahre lang von einem ( ‚Kamp k hint!|| Ä zwar gegen eine Regierung, ' 100 Sechstes Kapitel Machterfolg zum anderen aufstieg, zuletzt fast über den ganzen Kontinent triumphierte! Für die von Hitler unterjochten Völker war es der natürliche Ausfluß der Vaterlandsliebe, gegen seine Herrschaft sich zur Wehr zu setzen- für die deutsche Opposition dagegen wurde es immer wieder von neuem zur Gewissensqual, sich der innen- und außenpolitischen Erfolge dieser Regierung nicht freuen zu können, sondern sie geradezu fürchten zu müssen, weil sie ein zutiefst verruchtes System nur noch mehr befestigten. Welch eine Lage! Wer sie miterlebt hat, kann sich nur mit Grauen daran erinnern, und mancher Überlebende aus den Kreisen der Opponenten möchte am liebsten das Gedächtnis dieser Erlebnisse wie einen bösen Alptraum von sich abschütteln. Man mußte schon sehr fest gegründete Überzeugungen vom Wesen wahrer deut- scher Ehre und Größe haben, um dem patriotischen Rausch nicht zu erliegen und sich nicht täuschen zu lassen über die dämonische Natur dieses Regiments. An moralischem Widerwillen gegen die hemmungslose Haß- predigt Hitlers und auch gegen die höchst fragwürdigen Gestalten seiner nächsten Umgebung hat es schon vor 1933 nicht ganz ge- fehlt.! Helle Empörung riefim Herbst 1932 in weiten Kreisen sein Telegramm an die Mörder von Potempa hervor: an fünf ober- schlesische SA-Männer, die einen kommunistischen Arbeits- kameraden auf viehische Weise zu T'ode gemartert hatten und die nun Hitler als seine Kameraden begrüßte.? Seine Wahlerfolge hat das freilich nicht ernstlich behindert; denn die Masse vergißt schnell, läßt sich von äußeren Erfolgen umgarnen und hat, wenn man sie zu täuschen versteht, einen moralischen Pferdemagen. In den ersten Wochen, von der Bildung des Koalitionskabinetts bis zum Tag von Potsdam(21. März), überschwemmte eine Welle von illusionären Hoffnungen das ganze Land. Auch viele Gegner der Hitler-Partei klammerten sich an die Hoffnung, es möchte der konservativen Mehrheit des neuen Ministeriums gelingen, die revolutionäre Welle abzudämmen. Die erste Ernüchterung brachten freilich schon die Exzesse der SA nach dem Reichstags- brand: brutale Mißhandlung ihrer alten kommunistischen Geg- ner, Bildung der ersten Konzentrationslager, die große Juden- hetze vom ı. April, bald darauf die Besetzung der Gewerkschafts- häuser und die Auflösung der Gewerkschaften, später die Auf- lösung aller Parteien außer der alleinseligmachenden Staatspartei. Den ersten Übergriffen der SA(beim Hissen der Hakenkreuz- flagge, Plünderung jüdischer Läden u. dgl.) haben viele einzelne ähnlichmannhaft widerstanden wieGoerdelerin Leipzig(s. Kap.4). Aber von den schlimmsten Exzessen der SA erfuhr die Öffentlich- teit wi roch\ en da; Org timen im fri nunis n jene den. I nder Natw: den, c Preuß fung ebnen Müsse Somn jamm Schon Pıtte Wie d die Ai Deant Ihrer Besch Di Im M für d kläre Pefäl jetzt Kım Reic] Leuts Sozja Iosch Cara, V elau Saml hat\ letzt, i Troy ganzen Völket n seine )osition nsqual, rierung nüssen, stigten. Grauen sen der ebnisse eschon r deut- "hnich! nische e Hal: sstalten anz ge sen seit!) f ober:| \rbeits- und die y]ge hal vergil t, wen! ‚Indet his zuf| Jle vol net det hte de! ed, di terung hstags‘ n 6 uden- ;chafts| ie Aut| spart| kreuf| inzeli‘ Kapı) gtlich|| h Die sozialistische Opposition 101 keit wenig oder gar nichts; und der zähe Widerstand, den die alte, noch von Severing organisierte preußische Polizei an vielen Stel- len dagegen leistete, blieb erst recht vor der Welt verborgen.? Organisierter systematischer Widerstand gegen das neue Re- giment war am ersten von denen zu erwarten, die seinen Druck am frühesten und härtesten zu spüren bekamen: von den Kom- hunisten und Sozialdemokraten. Die Kommunistische Partei ist in jenen Jahren mit bemerkenswertem Ungeschick geführt wor- den. Ihr ständiges Zusammengehen mit den Nationalsozialisten in der unbedingten Opposition gegen die Regierungen der Mitte hat während der großen Krise 1930-1933 sehr viel dazu beigetra- gen, den Bestand der Weimarer Republik zu erschüttern, hat in Preußen die Bildung einer nicht-nationalsozialistischen Regie- tung geradezu unmöglich gemacht und somit den Weg für Hitler ebnen helfen. Die Partei hat diesen Fehler fürchterlich büßen müssen. Rund 20000 ihrer Anhänger soll die SA im Lauf des Sommers 1933 in Gefängnissen und Konzentrationslagern zu- sammengetrieben haben,? nachdem die Elite ihrer Führerschaft schon unmittelbar nach dem Reichstagsbrand verhaftet war. Die Partei wehrte sich nicht, aber sie ging in die Illegalität- ebenso wie die Sozialdemokratie; denn auch diese sah sich außerstande, die Auflösung ihrer Gewerkschaften durch einen Generalstreik zu beantworten— genau so wie sie 1932 die gewaltsame Absetzung ihrer Minister in Preußen durch die Papen-Regierung passiv hatte geschehen lassen. Die Tatsache dieses Versagens aller revolutionären Programme im Moment des großen Umsturzes ist von höchster Bedeutung für die Geschichte des deutschen Widerstands. Wie ist es zu er- klären? Genau zehn Jahre vorher hatten die Kommunisten die gefährlichsten Aufstände entfesseln können— warum wurde es jetzt nicht einmal versucht? Warum stellte sich Torgler, statt zum Kampf aufzurufen, freiwillig der Polizei, um seine Unschuld am Reichstagsbrand zu beteuern? War die revolutionäre Kraft der deutschen Kommunisten, von deren Gefährlichkeit die national- sozialistische Propaganda so viel Wesens machte, in Wahrheit er- loschen? Oder waren etwa bestimmte Weisungen aus Moskau daran schuld?® Wäre das letztere wirklich der Fall gewesen, so müßte man glauben, daß die Leitung der Komintern die Kraft und Gewalt- samkeit der nationalsozialistischen Bewegung ebenso unterschätzt hat wie jener sozialdemokratische Parteivorsitzende, der bei der letzten Massenversammlung seiner Partei in Berlin(März 1933) Hröstend erklärte:»Gestrenge Herren regieren nicht lange.« Of- 1 Sechstes Kapitel fenbar hat auf der radikalen Linken dieselbe Illusion eine Rolle prok gespielt, die auch so viele bürgerliche Politiker narrte: diese fe Partei von bloßen Radaumachern werde sich nichtlangeam Ruder; halten. Bei den Kommunisten kam noch das Dogma von der un-|,° ingst: aufhaltsamen Selbstzersetzung der bürgerlich-„kapitalistischen Ge- Beiheit I sellschaft hinzu; so konnte denn der Umbruch von 1933 als eine. ahrt g sehr erwünschte»revolutionäre Krise« erscheinen.® Die Selbst- Def täuschung wurde bei den sozialdemokratischen Führern noch ver- för stärkt durch die Tatsache, daß ihre Wählerschaft bei den Reichs- leichs tagswahlen vom 5. März 1933 sich erstaunlich geschlossen be- rem hauptete. Sie waren vielfach geneigt, die»Machtergreifung« Hit- Ile a lers als eine bloße Episode im ewig wechselnden Spiel der deut- I| schen Koalitionsregierungen zu betrachten; es konnte dann auch isch i wohl als nächste Aufgabe der Partei erscheinen, mit Hilfe for- I maler Anpassung an die neuen Verhältnisse sich selbst mit ihrer|> i riesigen Organisation durch den Sturm hindurch zu retten. Um- n gekehrt mag die revolutionäre Energie der Kommunisten nicht bir E nur durch die plötzliche Verhaftung ihrer Führer gelähmt worden| a sein, sondern auch durch die Beobachtung, daß bei denselben eig Wahlen ein großer Teil ihrer Anhänger offensichtlich ins feind- in liche Lager überging. Mehr noch: massenhaft füllten sich die SA- Ir Stürme mit plötzlich»bekehrten« Kommunisten auf- in Berlin L ü ; angeblich(nach Diels) bis zu 70%. Selten hat sich so deutlich ge- h ER zeigt, wie wenig bei der nicht bodenständigen Masse der Groß- nn ® städte die bloße Wahlziffer bedeutet. Wie rapide waren die Zahlen m\ Bi der kommunistischen Stimmen während der großen Arbeitslosig-|‘ Wi keit gestiegen: in Berlin 1932 bis auf beinahe 38%! Wie viele Fin 5 blutige Prügeleien und Schießereien hatte es zwischen roten und I braunen Aktivisten in den Dschungelkämpfen der letzten Jahre[ol gegeben! Jetzt, da die Waagschale der Macht sich eindeutig zu- ka gunsten der Braunhemden senkte, fand offenbar ein Großteil poli-|“U tischer Raufhelden die besseren Erfolgschancen auf ihrer Seite Sin und schlug nun mit der alten Energie auf die früheren Genossen Ehe ein. Ihr Gelt tungs- und Machtbedürfnis fand in der Aussicht, als Sche, »Hilfspolizei« tätig zu werden, ja selbst in die Geheime Staats- EN polizei einzudringen, ein überaus lockendes neues Ziel. Wü | Das alles sind bloße Teilerklärungen, die noch nicht das We-|"st sentliche berühren: die Tatsache nämlich, daß man eine Revolu- ‚'en, tion nicht gegen den Strom der Zeit machen kann. Es war doch gi in wohl so, daß die marxistischen Parolen nach allem, was man seit ha \ 1914 erlebt hatte, nicht mehr die alte Zauberkraft besaßen- nicht r[A mehr jenen unbedingten Glauben weckten, ohne den kein Bürger- I?! krieg zum Aufflammen kommt. Jedenfalls nicht bei der sozial-' dies \Rude der un! renGe, als ei Selbst ch vet Reichs sen bt o« Hit! r deut) In aud Ife for it ihre n. Um n nich vorde! ‚selbet ‚ feind die SA: ‚Berlis! e“a Die sozialistische Opposition 103 E x demokratischen Führerschicht, die seit 1919 die Hauptlast poli- iischer Verantwortung getragen hatte, darüber oft müde und skeptisch geworden war und nun den Strom der öffentlichen Mei- nung gegen sich andrängen spürte. Ihre Anhängerschaft war lingst aus einer Partei des proletarischen Klassenkampfes zu einer fteiheitsliebenden, antimilitaristischen Partei der Arbeiterwohl- fihrt geworden. An der Echtheit ihrer Freiheitsliebe kann kein Zweifel sein; aber um sich der Demagogie Hitlers an der Spitze aufständischer Arbeiterbatillone entgegenzuwerfen- gegen Reichswehr, bewaffnete SA, nationalsozialistisches Bürgertum, nit den kommunistischen Todfeinden im Rücken-, dazu fehlten ılle politischen Voraussetzungen.” So trösteten sie sich zunächst mit der Möglichkeit einer immer noch wirksamen parlamenta- tischen Oppositionsbildung. Als diese ihnen durch das Ermäch- igungsgesetz aus der Hand geschlagen wurde, gingen sie in die llegalität. Die Geschichte der sozialistischen Untergrundbewegung ist fir das Thema dieses Buches höchst bedeutsam. Sie hat den ein- deutigen Beweis dafür erbracht, daß es schlechthin unmöglich ist, unter einem totalitären Regiment eine politisch-revolutionäre Volksbewegung in Gang und zu praktischem Erfolg zu bringen. Es bedarf zu seinem Sturz einer äußeren Katastrophe- falls nicht noch rechtzeitig ein»Staatsstreich«, also eine»Revolution von lich ge Groß Zahleı tslosig: ie vie en unl 1 Jaht tig ZU | pol: g Seit nosse! cht, ab Staats 5 We evolt" /f doch a0 sel _ nicht oben her« gelingt. Eine Hauptschwäche der sozialistischen Oppositionsfront war, daß Sozialdemokratie und Kommunismus auch in der Illegalität nicht wirklich zusammenfinden konnten. Der große Riß zwischen West und Ost, der heute die Welt spaltet, ist zuerst in der sozial- demokratischen Emigration als unheilbar erlebt worden. Unter vielen Schmerzen hat sie sich zu der Einsicht durchgerungen, daß &s keinen echten Ausgleich gibt zwischen demokratischer Freiheit im Sinn des Westens und Staatssklaverei im Sinn des Ostens. Zu- nächst gab es Oppositionsgruppen innerhalb der sozialdemokra- ischen Bewegung, die dem alten, nach Prag emigrierten Partei- vorstand vorwarfen, durch schwächlichen»Reformismus«, durch Mangel an revolutionärem Aktionswillen das Unheil von 1933 | verschuldet zu haben.(»Neubeginner.«»Revolutionäre Sozia- ‚listen.«)® Sie traten der Illusion entgegen, als ob das Hitler- _ Regiment rasch zerfallen würde, forderten die heimliche Organi- "sation einer schlagkräftigen»revolutionären Avantgarde« und das Zusammengehen mit allen»antifaschistischen« Oppositions- gruppen, vor allem mit den Kommunisten. Solche Tendenzen jürge finden neuen Auftrieb, als unter dem Druck der nationalsozia- sozar 4 104 Sechstes Kapitel listischen Bedrohung Sowjetrußland sich den westlichen Demo- kratien annäherte, im September 1934 in den Völkerbund eintrat, mit Frankreich einen Beistandspakt abschloß, sich eine schein- demokratische neue Verfassung gab, die Komintern einen ent- sprechenden Kurswechsel vornehmen ließ und als nun in Frank- reich die kommunistische Bewegung rapide zunahm. Im Zeichen der seit 1935 sich bildenden»Volksfronten« in Frankreich und Spanien drängte auch die Linke der deutschen Sozialdemokratie auf eine gemeinsame Plattform mit den Kommunisten. Aber lie- Ben sich»Diktatur des Proletariats« und»Rätesystem« im Ernst mit Freiheitsidealen im Sinne des Westens, d. h. mit der Sicherung persönlicher Freiheitsrechte, vereinigen? Die erste schwere Er- nüchterung brachte der große Schauprozeß um Sinowjew und Genossen(seit April 1936); drei Jahre später zerstörten die Freundschaftsverträge Stalins mit Hitler vollends die Front- gemeinschaft der»Antifaschisten«; auch der deutsch-russische Krieg seit 1941 hat sie nicht mehr wiederhergestellt. Die»re- volutionären Sozialisten« haben sich 1937 wieder mit dem alten Stamm der Partei vereinigt, die»Neubeginner« erst 1939 end- gültig vom russisch orientierten Kommunismus abgewandt. Die Tatsache, daß die Zentrale der sozialdemokratischen Emigration 1938 von Prag nach dem Westen(zuerst nach Paris und Brüssel, später nach London) fliehen mußte, hat sie vollends ins Lager des Westens und seiner Freiheitsideale getrieben; sie näherte sich schließlich am meisten den Idealen der englischen»Labout Party«. Wie alle Emigration, so war auch die sozialdemokratische in Gefahr, die lebendige Fühlung mit den innerdeutschen Verhält- nissen zu verlieren. Was ihnen an Helfern, Freunden und Gesin- nungsgenossen im Machtbereich Hitlers zur Verfügung stand, war naturgemäß nur eine kleine Elite. Denn die Masse der Ar- beiterschaft hat ebenso wie die des Bürgertums— daran kann kein Zweifel sein— zunächst ihren Frieden mit den neuen Herren ge- macht.1° Untergrundkämpfer zu werden, ist nicht jedermanns Sache, und überdies sind die sozialen Versprechungen Hitlers, wie man weiß, beileibe nicht bloße Redensarten geblieben. Vor allem wurde die Arbeitslosigkeit überraschend schnell überwun- den- wenn auch mit bedenklichen Mitteln-, ohne daß eine Sen- kung der Reallöhne, wie Goerdeler sie gefordert hatte, nötig ge- wesen wäre. Man sollte auch nicht länger abstreiten, daß die so- ziale Gesetzgebung und Arbeitsordnung des»Dritten Reiches« manchen wirklichen Fortschritt gebracht hat- trotz aller Verfäl- Korruj hrer\ inds Zwang tebrac Imn lemok liebe: Chafte och i ende Bereit! toch< joziali itark Arbeii jeit N tentra eratisı andi denal Ermu Schw schaft illen schung guter Absichten durch Parteiterror, Großmannssucht und Deme: Sintrat schein: Sn ent Frank" ‚eichet ch und” okratit ber lie 1 Ernst herunt re Er: w un en die Front ssischt je Dre m alte! ) end dt. Di! gratiot) zrüssel get de) ‚te sich Laboul sche il Terhält ‚Ges Die sozialistische Opposition 105 Korruption. Erst die seit 1936 einsetzende Großaufrüstung mit ihrer Warenverknappung und Arbeitsanspannung und dann vol- lends der Krieg, mit seiner immer unerträglicher werdenden Zwangswirtschaft, haben die Massen allmählich wiederin Gärung gebracht. Immerhin gab es dauernd eine ziemlich breite Schicht sozial- demokratischer Funktionäre, die ihren alten Parteiidealen treu blieben, besonders unter den Gewerkschaftsleuten. Alte Freund- schaften und Verbindungen blieben erhalten, wenn auch oft nur noch in der Form unpolitischer Sport- oder Spielklubs und Ju- gendgruppen(»Packs«)- im ganzen war es eine Taktik mehr des Bereithaltens als des aktiven Kämpfertums. Immerhin zeigten noch die Betriebsratswahlen von 1935 mit ihren für die national- sozialistischen Funktionäre höchst ungünstigen Ergebnissen, wie stark das Ressentiment der Gewerkschaften von 1933 unter der Arbeiterschaft noch fortwirkte. Aber eine neue Verhaftungswelle seit Mai 1935 brachte viele alte Gewerkschaftsführer ins Kon- \ zentrationslager. Noch stärker als vorher wurde die sozialdemo- kratische Opposition jetzt zur Emigration gedrängt. Vom Aus- hınd ist dauernd ein sehr reger Nachrichtenaustausch zwischen den alten Parteigenossen unterhalten worden- zur gegenseitigen Ermutigung, Schulung, Unterstützung, zum Erspähen jeder Schwäche und Lücke im System der nationalsozialistischen Herr- schaft, in ständiger Erwartung eines kommenden Krieges. In fast allen Grenzländern wurden Auslandsbüros und»Grenzsekre- tariate« für Flüchtlingshilfe, Schriftenschmuggelu. dgl.errichtet— nicht ohne daß viele Reibungen, Eifersüchteleien, Gefährdungen durch Verräter und Unvorsichtige entstanden. Zeitweise haben die regelmäßig eingehenden»Grünen Berichte« dieser Organi- sation vielen Auslandsregierungen zur Information über innere Zustände in Deutschland gedient. Aber seit 1939 fand dieses Trei- ben mit der Unterwerfung fast aller Nachbarländer unter Hitlers Herrschaft(nur Schweden und die Schweiz blieben noch offen) ein rasches Ende, und in Deutschland griff die Geheime Staats- polizei immer wirksamer zu. Immerhin hat sie die persönlichen Verbindungen zwischen alten Parteigenossen und Gewerkschaft- lern nicht völlig zerstören können. Wir werden sehen, daß in den . letzten Kriegsjahren führende Köpfe der sozialdemokratischen Opposition sich mit den bürgerlich-adligen Widerstandskreisen " m Goerdeler und Graf Moltke und sogar mit Vertretern beider - thristlicher Kirchen ganz eng zusammenfanden und daß zuletzt die alten Verbindungen der Gewerkschaftler dazu benutzt wur- den, ein Netz der Verschwörung über das ganze Land zu spannen. u 106 Sechstes Kapitel Es wird berichtet, daß die sozialdemokratischen Führer sic immer wieder wehren mußten gegen Stimmungen der Verzweif- lung: ob die Sache der demokratischen Freiheit nicht am Endet doch verloren sei in unserer tief veränderten Welt. Für die Kom: munisten gab es keine solchen Zweifel; da gab es zwar viele Über.) hterE läufer, aber bei den Aktiven um so mehr Fanatismus und hel- 4 x disches Martyrium. Wir haben in den Gefängnissen der Gestapo li.® 1944 Kommunisten getroffen, die seit 11 Jahren in Haft, aber in I ihren Überzeugungen unerschüttert waren. Man kann die Zeug- Hey nisse dieses kommunistischen Widerstands nicht lesen, ohne von I h En augus sehr zwiespältigen Empfindungen bewegt zu werden.»Zehn- nd tausende unbekannter Helden«, schrieb der Manchester Guardian en 1943-aber für welche Ziele opferten sie sich? Gewiß nicht für die I E Freiheit im Sinn des Westens. Diktatur des Proletariats stand hier gr gegen die Diktatur des»unbekannten Gefreiten«, ein Fanatismus ia gegen den anderen. Und nicht die Freiheit Deutschlands, sondern bs h seine Einordnung in das östliche Weltsystem war das letzte Ziel. L.& Unzählige und unbeschreibliche Martyrien sind erlitten worden a zur Durchführung von Einzelaktionen, die als solche gänzlich|,’s ä E; 5 atın aussichtslos(und darum sinnlos) erschienen, die aber alle dem I I Dogma des revolutionären Marxismus entsprachen: sie sollten ir N einer ohnedies wankenden, eines Tages unfehlbar einstürzenden| ch »kapitalistischen« Gesellschaftsordnung und Staatsordnung durch hot E innere Zersetzung den letzten Stoß geben. Da das»Proletariat« De der berufene Träger der Revolution ist, bewegt sich die geheime I al Agitation auch fast ausschließlich in seiner Sphäre. Es werden“ d 4 kleinste kommunistische Betriebszellen gebildet, Dreier-, Fünfer- Ytau i und Achtergruppen, die einander nicht kennen sollen(um die Ver- du folgung zu erschweren), aber durch einen Kurierdienst mit Hilfe Sat kunstvoll organisierter»Treffen« in Verbindung miteinander und Kal mit gewissen Zentralstellen gehalten werden. Ihre Tätigkeit be- 6: steht z. T. in der Einübung und Diskussion marxistischer Lehren, Ph vor allem aber in der geheimen Herstellung und Verbreitung von|“ e Flugblättern, gedruckten, geschriebenen und hektographierten 1 Z.eitschriften,!! Handzetteln, Kettenbriefen, dievon Hand zu Hand Fch gehen, im Ankleben von Mauerplakaten, Bemalen von Wänden Al mit Schlagworten, Schmuggel und Verstecken von Waffen und Net von Sprengstoff für Bombenanschläge, schließlich in der gegen- veR seitigen Geldhilfe, Unterstützung von Verfolgten auf der Flucht, Sn Herstellung laufender Verbindung mit dem Ausland, vor allem& leutscl ‚atime ) mit Rußland, Anfertigung gefälschter Pässe in kunstvoll getarn- Kine ten Paßfälscherzentralen u. dgl. mehr. Es war die Fortsetzung. I einer alten, schon immer geübten, ursprünglich auf den Erfah- Itde Die sozialistische Opposition 107 tungen russischer Anarchisten und Emigranten in der Zarenzeit aufgebauten Illegalität; auch viel elementare Rauflust und Ro- mantik der Geheimbündelei war dabei mit im Spiel. Aber die ieKon deutsche Kriminalpolizei hatte schon lange vor 1933 eine sehr Jelipe Pme Kenntnis dieser Methoden und eigene Spezialorgane zu E ihrer Erfassung entwickelt. Seither hatte sich die Zahl ihrer Spitzel G und»Verbindungsleute« durch Überläufer und bestochene Hel- sup} fer noch erheblich vermehrt.1? Um so aussichtsloser war diese aber ganze Betriebsamkeit. Und in welche Verwirrung mußten nun e Zeu dieseVerschwörer stürzen, als der Ribbentrop-Molotow-Paktvom kuei August 1939 plötzlich eine deutsch-sowjetische Kriegsallianz be- nz gründete, als dieMoskauer Zentrale völlig umschwenkte und nun yuardi miteinem Maleihren Gefolgsleuten eine nazifreundliche Haltung tfürd) ZYmutete! Es konnte nicht anders sein, als daß viele Untergrund- and hi kimpfer jetzt der Kommunistischen Partei den Rücken kehrten. tim) Aber kaum zwei Jahre später war schon wieder eine neue Lage sond} A, Seit dem Überfall Hitlers auf Rußland gab es für die deutschen zte ZX) Kommunisten neue und diesmal sehr klare Kampfziele. Die Sa- worde botage des Krieges wurde jetztihre Hauptaufgabe, und sie haben gänzl} drin großen Eifer entwickelt. Ausländische Radiomeldungen led yurden abgehört und heimlich verbreitet, eigene Empfangs- und soll] auch Sendegeräte gebaut oder aus Rußland hereingeschmuggelt, rzend@| Yerbotene Nachrichten mündlich und schriftlich weitergegeben, ng dur kriegsfeindliche Stimmung durch Heimaturlauber bis an die letatil| Rront getragen, Versuche zur Verzögerung oder direkten Sabo- gehe| oe der Kriegsproduktion unternommen, oft in Gemeinschaft werd| mitausländischen Rüstungsarbeitern, mit denen man in enge Ver- ‚Fün®| jindung kam; auch an Waffen- und Munitionsdiebstählen fehlte ‚die Ve! ss nicht. Wie das alles sich praktisch auswirkte im Leben der klei- nit HE] nen Leute, die schließlich zumeist als Hoch- und Landesverräter nderufl am Galgen endeten, kann man aus mancherlei Lebensläufen sich ykeit| anschaulich machen.13 Man sieht mit Erschrecken, wie leicht sich ‘Leh®| di echter Idealismus mit bloßem Raufheldentum verbinden ung‘| konnte, politische Tapferkeit und Fanatismus mit soldatischer phieft“| Drückebergerei(bis zur Selbstverstümmelung), endlos verlänger- zuH&®| ten Lazarettaufenthalten und Durchstechereien jeder Art- höchst wWänd®| inerfreuliche Auswirkungen der allgemeinen Dienstpflicht auf fen! sine Bevölkerung, die dem Krieg mit Leidenschaft widerstrebt, 1 geg®‘| aihn sogar für ein Verbrechen hält. „Fludt|| Es blieb aber nicht bei den mühsamen Sabotageversuchen der rer si) erzwei m Ent oral@\| einen Leute. Es gab auch eine groß angelegte Unternehmung, | gen) die von hochgebildeten Akteuren organisiert und durchgeführt „setz Warde und die mit ihrer Spitze bis in die zentralen Dienststellen n Ei Ei = se ar a man REEL. 108 Sechstes Kapitel des Dritten Reichs eindrang: die von Schulze-Boysen und Arvid Harnack seit 1940 organisierte Verschwörung der sogenannten »Roten Kapelle«. Schulze-Boysen war Oberleutnant im Luft- fahrtministerium, Harnack(ein Neffe des großen Theologen) Oberregierungsrat im Wirtschaftsministerium; andere Mitver- schworene saßen im Oberkommando der Wehrmacht und Aus- wärtigen Amt. Die Organisation der ganzen Gruppe reichte bis nach Paris, Belgien und Holland; sie wurde von Moskau aus in verschlüsselten Radiosendungen über Paris und Brüssel gesteu- ert. Ihre geistigen Führer(zu denen auch der Schriftsteller Kuck- hoff, der Romanist Prof. Krauss und eine Anzahl akademisch Ge- bildeter und Künstler zählten) gehörten zu jenen Edelkommu- nisten, die nicht nur der Haß gegen Hitler, sondern auch eine höchst individuelle geistige Entwicklung in das kommunistische Lager geführt hatte; der Reiz des geistigen Abenteuers mag dabei ebenso eine große Rolle gespielt haben(besonders bei dem ro- mantisch veranlagten Schulze-Boysen) wie ein unklarer sozialer Enthusiasmus oder(wie bei Harnack) die Bewunderung der tech- nisch-ökonomischen Leistung des bolschewistischen Systems. Was auch immer die Motive waren: praktisch haben sie sich be- dingungslos dem Landesfeind als höchst gefährliche Werkzeuge zur Verfügung gestellt. Schulze-Boysen hatte enge Verbindung mit den kommunistischen Schulungs- und Propagandegruppen, von denen wir schon hörten und die er und Harnack mit geistiger Nahrung versorgten. Die wichtigste(und gefährlichste) Arbeit der»Roten Kapelle« bestand indessen in der laufenden Versor- gung der russischen Heeresleitung mit wichtigen militärischen Nachrichten, und zwar nicht nur über den Stand der Rüstungs- produktion, sondern sogar über Angriffspläne und Unterneh- mungen hinter der feindlichen Front unter hemmungsloser Aus- nutzung amtlich erworbener Spezialkenntnisse. Russische Sender und Codes, mit Fallschirm abgesetzte russische Funktionäre sowie deutsche Emigranten und Kriegsgefangene, die nun Agenten- dienste übernahmen, wurden für diesen Spionagebetrieb ein- gesetzt. Erst im August 1942 gelang es der Kriminalpolizei, die Hauptanstifter zu fassen und das ganze Komplott aufzudecken. Der Prozeß vor dem Reichskriegsgericht, in einwandfreier Form durchgeführt, konnte nicht anders als mit einer Massenhinrich- tung enden.!* Die Verschworenen der»Roten Kapelle« sind nach 1945 in der russisch besetzten Zone Deutschlands als Helden des Widerstands gefeiert worden— mit gutem Grund. Aber mit»deutschem Wider- stand« hatte diese Gruppe offenbar nichts zu tun; man sollte dar- ber ke | eindli \latenz ärisch lazu al Tod, I Lande: Nun sc Grund gen gi neinsc ichen icheK Lisse ji üicht| Recht Preisg Dnere ups.] dochs delt- Inper dder j dem j ands Munis einen Aur hi einer Werde Vond Hese Die sozialistische Opposition 109 über keinen Zweifel lassen. Sie stand ganz eindeutig im Dienst des fiindlichen Auslandes. Sie bemühte sich nicht nur, deutsche Sol- \ diten zum Überlaufen zu bewegen, sondern verriet wichtige mili- \ frische Geheimnisse zum Verderben deutscher Truppen. Wer ‚dazu als Deutscher imstande ist, mitten im Kampf auf Leben und dAu| Tod, hat sich von der Sache seines Vaterlandes losgelöst, er ist htebi' Landesverräter— nicht nur nach dem Buchstaben des Gesetzes. ‚ausi" Nun soll nicht geleugnet werden- im Gegenteil, es gehört zu den gesteu) Grundproblemen dieses Buches-, daß es sittliche Verpflichtun- Kuck) gen gibt, die unter Umständen sogar die Bande nationaler Ge- schGe| meinschaft sprengen. Formeller Landesverrat kann sogar zur sitt- ommu lichen Verpflichtung werden- eine paradoxe, aber unausweich- ch ein!) liche Konsequenz der Verkehrung allernatürlichen Rechtsverhält- istisch nisse im Totalstaat. Aber das gilt nur dann, wenn ernstliche Aus- gdab) scht besteht, durch einen solchen Verstoß gegen das formelle lemro) Recht das eigene Land zu retten— militärisch vor der hilflosen sozial) Preisgabe an fremden Willen, vor dem Verlust aller äußeren und ertech, Inneren Freiheit, moralisch vor dem Triumph eines bösen Prin- ysteim äps. Die nationale Opposition um Carl Goerdeler hat(wie wir ich be) noch sehen werden) auch ihrerseits viel mit dem Ausland verhan- ‚kzeug) delt— aber immer nur in dem Sinn, entweder den Beginn eines ‚indun) ungerechten und schließlich aussichtslosen Kriegs zu verhindern puppel oder ihn auf eine Weise beenden zu helfen, die Deutschland vor eistige) dem Allerschlimmsten bewahrte. Die»Rote Kapelle« wollte Ruß- \ Arbe lands Sieg, um mit russischer Hilfe in Deutschland einen kom- Verso', nunistischen Staat nach sowjetrussischem Muster zu errichten— einen Staat, den die überwältigende Mehrheit der Deutschen sich irische Mi.\ fur mit Gewalt hätte aufzwingen lassen und der schon diesem iterndh, Seinem Ursprung nach ein sowjetrussischer Vasallenstaat hätte er Au werden müssen, so gut wie heute Polen und die Tschechoslowakei. ‚Sendd, Von deutscher Freiheit war dann keine Rede mehr, und so bleibt (esow diese kommunistische Opposition von dem Kreise Goerdelers, ‚gentet aber auch der deutschen Sozialdemokratie durch Welten ge- ieb ir trennt— auch wenn ihnen das allernächste Ziel, der Sturz Hitlers, zei, gemeinsam war. decken}. Seit der Vernichtung der»Roten Kapelle« besaß der russische ex Po Kommunismus keine ernstlich wirksamen Werkzeuge in Deutsch- hinddt und mehr. Wir werden später sehen, wie er Ersatz bei den deut- schen Kriegsgefangenen suchte, aus denen er mit Hilfe der deut- ind! schen Emigration(unter Führung von W. Pieck und W. Ul- sb bricht) kommunistisch geschulte, yantifaschistische« Stoßtrupps - der Propaganda bildete. Dieser Versuch, gleichsam von außen her \ tine innerdeutsche Widerstandsbewegung zunächst in der Front- 110 Sechstes Kapitel 4 truppe, aber auch in der Heimat ins Leben zu rufen, zu ermutigen und zu fördern, wird uns deshalb noch näher beschäftigen müssen, weil die Russen seit Stalingrad ganz bewußt die Grenze der kom- munistischen Agitation überschritten und gerade auch die»natio- nal gesinnten« Elemente in der deutschen Armee und Zivilbevöl- kerung für sich zu gewinnen suchten. In diesem Zusammenhang war die Bildung bürgerlicher Widerstandskreise(um Goerdeler und seine Freunde) ebenso interessant wie die Opposition vieler jüngerer Generalstabsoffiziere gegen die Hitlerhörigkeit ihrer Kommandeure. Vielleicht hängt es mit dieser veränderten all- gemeinen Marschrichtung kommunistischer Propaganda zusam- men, daß wir aus dem Dezember 1942 von einer Konferenz deut- scher Kommunisten»für den sofortigen Frieden« hören, die ir- gendwo im Rheinland stattgefunden habe. Das dort entwickelte »Zehnpunkteprogramm«klingt durchaus liberal und läßt von den typisch kommunistischen Kampfzielen so gut wie nichts erken- nen.!5 Inhaltlich stimmt es ziemlich genau überein mit dem »Manifest«, das die im Moskauer»Nationalkomitee Freies Deutschland« vereinigten deutschen Emigranten und Kriegs- gefangenen ein halbes Jahr später als ersten Aufruf zum»natio- nalen Widerstand« verkündeten. In dieselbe Richtung weist das wenige, das man bisher von der Tätigkeit der kommunistischen Untergrundbewegung in den letzten Kriegsjahren weiß. Ihre Führer, der Berliner Kraftfahrer Anton Saefkow, der Hamburger Schlosser Franz Jakob und der Feinmechaniker Bernhard Bäst- lein(ebenfalls aus Hamburg) sollen ein großes»konstruktives Aufbauprogramm« zur Bildung einer»nationalen Einheitsfront« entwickelt haben, in dem freilich viel die Rede war(wie es scheint) von einer»Volksmiliz«, von»Betriebsräten«,»Volksausschüs- sen« und» Wehrgruppen«— was irgendwie an die Arbeiter- und Soldatenräte von 1918/19 erinnerte. Wir hören aber auch von Verbindungen, die man zu sozialdemokratischen und bürger- lichen Widerstandskämpfern suchte, zum Teil vermittelt durch die Gattin des damals im Konzentrationslager sitzenden bekann- ten Herausgebers der»Deutschen Rundschau« Dr. Rudolf Pechel. »Um der Einheit willen«, soll Saefkow seinen Parteigenossen einmal geschrieben haben,»müssen wir bewußt manche For- derung zurückstellen«; es wird sogar berichtet, daß schon gewisse »Vereinbarungen« mit anderen Oppositionsgruppen getroffen wären, und zwar über die ersten Schritte zur Bildung einer neuen deutschen Republik.!® Näheres darüber ist mir, wenigstens bis- her, nur aus dem Konzentrationslager Buchenwald bekanntge- worden, wo unter der Leitung von Hermann Brill seit Anfang 944€ \ ebild Demo tunei nühte r | Die sozialistische Opposition 111[Hin utigeä 1944 eine förmliche Vereinigung»antifaschistischer Elemente« Use" gebildet wurde, bestehend aus Kommunisten,»sozialistischen tkom Demokraten« und politischen Katholiken, deren Vorstand sich »MRtO gun eifrig um ein Programm deutscher und europäischer Zukunft Ibevöl mühte, und zwar in betonter Anlehnung an Sowjetrußland.!? enhanı Ergab das alles nun eine tragbare Brücke zur bürgerlichen Oppo- erdek: stion? Zwei sozialdemokratische Mitglieder des nationalen Wi- ı viele derstandskreises, der Pädagoge Adolf Reichwein und der Jour- t ihre nalist Dr. Leber, wagten am 22. Juni 1944 eine erste Zusammen- ten al) kunft mit Saefkow und Jakob, um eben dies vorsichtig zu erkun- zus" den, Leber war verblüfft, die Kommunisten in ihren Zukunfts- 12 deut zielennichtnur gemäßigter, sondernnoch»bourgeoiser«zu finden ‚dieit" als sich selbst, den Rechtssozialisten; nicht einmal die Aufteilung ickelt‘ der Großgüter hätten sie gefordert.!® Aber als man sich zum zwei- ond&i ten Male treffen wollte, stellte sich heraus, daß ein Polizeispitzel ‚erket" sich eingeschlichen hatte. Alle Gesprächsteilnehmer wurden ver- it der haftet und die ganze weitausgedehnte Saefkow-Gruppe in einem Frei| großen Hochverratsprozeß vernichtet.!? So hat diese erste un- a es teen- a Kriegs ‚ mittelbare Berührung mit dem Kommunismus der nationalen ynatie Widerstandsbewegung nur Unheil gebracht.| eist di| tische!|| ß. It! Siebentes Kapitel: Kirchliche Opposition'B burgti dBist| Was die kommunistische Untergrundbewegung zusammen- uktir@| hielt und durch viele Jahre hindurch die unerhörtesten Blutopfer sro| bringen ließ, war ein verbissener, fanatischer Glaube an ihre Par- ;cheifl}') teiideale, ihre kommunistische»Weltanschauung«. Man kann sschis) sie als eine Art von Ersatzreligion betrachten. Das Unheimliche er-ul| daran ist, daß sie, im Gegensatz zur echten Religion, den mensch- ch vd) lichen Egoismus, den irdischen Geltungsdrang, den kämpferi- bürge) schen Machtwillen nicht zähmt durch Unterwerfung unter einen + durch| göttlichen Willen, unter ein absolutes Sittengebot, sondern aufs ‚ekan'| äußerste steigert: die Diktatur des Proletariats, für die hier ge- Pech| kämpft wird, schafft keine echte Gemeinschaft, sondern zerstört post sie durch erbarmungslose Ausrottung ihrer Gegner, setzt eine he For) neue Gewaltherrschaft an Stelle der alten und sät eben deshalb zu- eyist| letzt mehr Haß als Liebe. Die innere Verwandtschaft beider tota- ztofet| ltärer Systeme, des nationalsozialistischen und des bolschewisti- R neye!| schen, hat ihre Todfeindschaft nicht gehindert, aber sie hat ihr ons bi) Zeitweises Zusammengehen in der Sphäre großer Politik ebenso anntge! erleichtert wie das Überlaufen von einer Partei zur anderen in der Anfasg Sphäre des kleinen Mannes, der Untergrundbewegung. | 1 i um | H “ x an 112 Siebentes Kapitel Aus ganz anderer Tiefe echter Glaubensüberzeugung ent- sprang der Widerstand gegen das Hitler-Reich, zu dem sich christ- liche Persönlichkeiten beider großer Kirchen in schweren inneren Kämpfen durchrangen. Gerade weil ihre Opposition so weit ent- fernt blieb von allem Mitschwingen weltlicher Motive, gerade weil sie so rein grundsätzlichen Charakter trug, mußte der Ent- schluß dazu gegen tausend innere Hemmungen- der geschicht- lichen Tradition, der weltlichen Klugheit, der äußeren»kirchen- politischen« Rücksichten- erkämpft werden. Wo er aber aus echter Glaubensnot gefunden wurde, da wagte die Opposition auch offener ans Licht zu treten, kühner und freier zu reden, ge- troster ins Martyrium zu gehen als an irgendeinem anderen Ab- schnitt der Widerstandsfront. Es ist bemerkenswert, daß dieses offene Bekenntnis ein so breites Echo im Volke gefunden hat, und zwar inallen seinen Schichten vom einfachen Bauern und Arbeiter bis zu den Höchstgebildeten der Nation. Das war für viele Zeit- genossen sehr überraschend; aber es war doch wohl sehr deutsch. Tatsächlich haben nur die Kirchen in der Hitlerzeitso etwas wie eine wirkliche Volksbewegung gegen den Nationalsozialismus in Gang gebracht. Wer, wie der Verfasser, an den großen»Bekennt- nissynoden« der evangelischen Kirchen 1934-36 teilgenommen hat, wird niemals wieder den tiefen Eindruck dieser Tage verges- sen. Vorallem nicht den der Synode von Barmen(29.-31. 5. 1934): die klare, ja freudige Entschlossenheit der Versammelten, offen Zeugnis abzulegen wider den Ungeist des neuen Regiments, auf jede Gefahr hin(die deutlich sichtbar vor den Kirchentüren lauerte), und die große öffentliche Schlußkundgebung im Freien: wie das Kirchenvolk da zu Zehntausenden zusammenströmte aus dem ganzen bergisch-märkischen Lande: mit der Bahn, auf Fahr- rädern, mit Omnibussen, Bauernwagen, Fahrzeugen jeder nur denkbaren Art: Bergleute, Bauern, Bürger, Industriearbeiter, Gebildete und Ungebildete, alles vereint im Drang des Bekennens und in offenem, lautem Gebet um die Freiheit des Glaubens. In Berlin-Dahlem war es vor allem das höhere Bürgertum der süd- westlichen Villenvorstädte, das sich um die Kanzel des streitbaren Pastors Niemöller drängte und ihn das Ideal des Glaubenskämp- fers predigen hörte, der dem Herrn seiner Kirche die Treue-hält, auch wenn»die Klauen des Satans«, der Geheimen Staatspolizei, nach ihm packen. In Süddeutschland waren es vor allem die Groß- städte: Stuttgart, München, Nürnberg, in denen sich wirkliche‘ Massen in Bewegung setzten, um ihre Treue zur Kirche öffentlich zu bezeugen, gegen Gewaltakte der Nationalsozialisten laut zu protestieren, den unter Hausarrest gesetzten Landesbischöfen furm vn, in Ienstei ich du erttau: lern»] 10000 hen] zit di Beker Jen T er m ürche« Terkz füller Jiktat Ihlte, Titler- at. D Ne e inen Iberu, Ende Chaft Lasch Kamp um lege Dähli Veige Vuch Gtho Ichaft Steig, talen Qus g Ioxie Dirk ken gen, eraı {\ San ; A g en Wurm und Meiser Kirchliche Opposition 113 durch Großkundgebungen zu Hilfe zu kom- chritt men, in der Form riesiger Straßenaufläufe, die mit Bittgottes- nneret eit ent gerad er Ent chicht irchen- yer Auf ositioN len, gt en Ab , diese‘ yat, und \rbeite! le Zeit eutsch was wi smusil ekennt omme! diensten im Freien vor den Häusern der Bedrohten endeten, aber auch durch Sammlung von Unterschriften, die im Nu in die Hun- derttausende gingen.! Ein Flugblatt des Nürnberger Pfarrers Kern»Mein Deutschland, wohin?« erreichtein kürzester Zeit mit 750000 Exemplaren wohl die höchste Auflagenziffer einer kirch- lichen Broschüre seit den Tagen Luthers. Durch Jahre hindurch gif diese Bewegung immer weiter um sich, sammelte auf ihren ‚Bekenntnistagen« und Volksmissionen immer neue Massen in allen Teilen des Landes um ihre Fahnen- mit der Wirkung, daß der nationalsozialistische Plan einer evangelischen»National- kirche« sehr rasch scheiterte. Schon die Tatsache, daß Hitler sein Werkzeug, den kirchlich unmöglichen»Reichsbischof« Ludwig Müller, so rasch fallen ließ, zeigt deutlich, wie unsicher sich der verge| 1934) n, oflet nts, AU entütel Freie! imte al! f Fahr der nul ‚rbeite‘ kennel! ben. h| Jer sul ejtbaft! Diktator dieser unerwartet starken Volksbewegung gegenüber fühlte. Der Widerstand beider christlicher Kirchen gegen das Hitler-Regiment ist der einzige, der praktischen Erfolg gehabt ht. Der Führer scheute, bei allem Haß gegen das Christentum (vie er in den»Tischgesprächen« am nacktesten zutage tritt), einen offenen»Kulturkampf«, so lange wenigstens, bis sein Er- oberungskrieg ihm die Allmacht beschert haben würde.? Wäh- rend des Krieges fühlte er sich genötigt, um der»Volksgemein- schaft« willen den Streit um die»Nationalkirche« zunächst wieder iinschlafen zu lassen. So blieb es bei den indirekten und getarnten Kampfmitteln: massenhafter Einziehung unbequemer Geistlicher nm Militärdienst, Verbot oder Beschränkung kirchlicher J ugend- pflege, Entziehung der Druckerlaubnis für religiöse Literatur, all- mähliche Austrocknung der theologischen Fakultäten durch Ver- weigerung der Lehrerlaubnis für den wissenschaftlichen Nach- wuchs u. dgl. Für die evangelische Kirche, die noch nicht wie die katholische in einem offenen Konflikt mit dem Staat ihre Laien- schaft hatte mobilisieren müssen, hat dieser Kampf eine gewaltige Steigerung ihrer Popularität und die Verdrängung fast aller»libe- talen«,d. h. zu Kompromissen mit der»Welt« bereiten Elemente aıs den Kirchenregierungen zugunsten der strengsten Ortho- doxie zur Folge gehabt. Wie stark diese Popularität bis heute nach- virkt, zeigen in den letzten Jahren die in Nachahmung der Katho- likentage neu veranstalteten»Kirchentage«: Massenversammlun- “gen, deren Besucherzahlen an Hitlers Reichsparteitage weit näher heranrücken als die Volkstage irgendeiner politischen Partei. Wie erklärt sich dieser starke Erfolg des kirchlichen Wider- ul "stands? Vor allem besaßen die Kirchen, im Gegensatz zu den 114 Siebentes Kapitel politischen Oppositionsgruppen, ein eigenes Forum: Stätten öf! fentlicher Verkündigung, in die der Staat mit seinen Polizeiorga: nen nur zögernd einzudringen und die er auch nicht ganz zu schließen wagte. Es gab auch eine kirchliche»Untergrundbewe: gung«, mit heimlichen Sitzungen der»Bruderräte« und Freundes kreise, an unscheinbaren, wechselnden, der Polizei nicht leicht zugänglichen Orten,* mit kunstvoll ausgebautem Kurierdienst, Vervielfältigung von Handzetteln und Nachrichtenblättern au! Kopiermaschinen, diedann immer wieder beschlagnahmt wurden, Eis gab(unter Führung Niemöllers) einen»Pfarrernotbund«, det schon Weihnachten 1933 etwa 6000 Mitglieder, d. h. rund ein Drittel aller evangelischen Geistlichen, umfaßte, die sich nun dauernd große Gehaltsentzüge auferlegten, um abgesetzten oder sonst in Not befindlichen Amtsbrüdern zu helfen; es gab illegale Ausbildungsstätten für junge Theologen, ein kirchliches Hilß- werk für verfolgte Judenchristen, dessen Leiter(Pfarrer Grüber und Sylten) zuletzt ins KZ wandern mußten, es gab nicht zuletzt einen ausgedehnten Reise- und Kurierdienst zur Verbindung mit ausländischen Glaubensgenossen in der»Ökumene«, Aber die Bruderräte konnten es doch wagen, auch öffentlich hervorzu- treten; auf ihr Betreiben wurden die»Bekenntnissynoden« be- rufen, von diesen eine»Vorläufige Kirchenleitung« eingesetzt, die sich nur auf den Grundsatz eines kirchlichen»Notrechts« stützen konnte, aber gleichwohl ihre praktische Anerkennung an Stelle der offiziellen Reichskirchenbehörde erzwang. Es ist et- staunlich, in welchem Umfang die deutschen Gerichte mit ihren Entscheidungen sich auf die Seite der Bekenntniskirche zu stellen wagten und den von ihr berufenen Behörden die Legalität ver- schafften.»Mein Führer«, sagte der Reichsminister Frick zu Hit- ler, bei Besprechungen mit evangelischen Kirchenführern am 30. Oktober 1934,»die Bischöfe haben eine sehr starke Waffe in der Hand, es wird jeder Prozeß gegen sie verloren.« Dem ent- sprach weithin die Haltung der Justizbeamtenschaft in den Ge- fängnissen: unzählige verhaftete Pfarrer haben es(oft in erschüt- ternder Form) erlebt, daß ihre Kerkermeister innerlich auf ihrer Seite standen und nur noch mit schlechtem Gewissen ihren Dienst verrichteten. Das alles hing nun freilich damit zusammen, daß die evange- lische Geistlichkeit ihren Widerstand ursprünglich sehr betont auf die Verteidigung rein religiöser Anliegen beschränkte, Der Landesobrigkeit widerstehen zu müssen, war für das deutsche Luthertum ein völlig neues Erlebnis und stand in Widerspruch zu allen seinen Traditionen, Auch die Weimarer Republik, in der leLan ‚ne G ten, Am or Its Bel üment s«)d' t dies erschi nters inerh. laudeı henre romil dente, leichs niks\ dtalen emäß at se] ischo selol, a) i Chen. Inpte Dinist elbst Kide, KT, Dime, Rh Jositi ( ‚tern al wurdet nd«,d rund ei ich nu 1 ten ol illegalt) es Hill { Grük it zuletz| lung Aber di ervorzt den« k ngeset jrrechts nung? is ist& Kirchliche Opposition 115 kes«)5 zum äußersten Mißtrauen und zur Illegalität. Bekanntlich ist dieser Schritt von den verschiedenen Kirchenführern in sehr verschiedenem Zeit- und Ausmaß vollzogen worden, und dieser Unterschied hat seit 1935 zu ziemlich tiefgehenden Spaltungen innerhalb der»Bekenntnisfront« geführt. Es gab vorsichtige ‚Zauderer, zumal in den Landeskirchen mit»unzerstörten« Kir- ‚chenregierungen, und radikale Kämpfernaturen, die jeden Kom- pomiß verabscheuten. Es gab gemäßigte und maßlose Tempera- mente, Vermittlungstheologen und strenge Orthodoxe. Die Aus- ‚geichsversuche des Kirchenministers Kerr! zwischen rechtsund 'Inks und die Bemühungen einer Theologengruppe, die den totalen Bruch mit der Reichsregierung zu vermeiden und diesen gemäßigten Minister irgendwie zu stützen suchte(Frühjahr 1939), hat selbst ein so tapferer Mann wie der Württemberger Landes- bischof Wurm nicht gänzlich abgewiesen, während die engere Gefolgschaft Niemöllers(der selbst seit dem 1. 7. 1937 in Haft #ß) immer mehr zu einer radikalen Ablehnung des»dämoni- schen« Hitler-Staates in allen seinen Erscheinungsformen ge- längte und zuletzt schon jede Verhandlung mit dem Kirchen- Ministerium als halben Verrat betrachtete. Aber Hitler sorgte nit” selbst dafür, daß solche Spannungen die Einheit der kirchlichen ustel@|| Widerstandsfront nicht wirklich zerrissen. Seit dem Überfall auf tät ve! zu die Tschechoslowakei und dann vollends im Kriege enthüllte sich inmer deutlicher die wahre Dämonie seiner Macht. en] a Eben deshalb war es praktisch auch gar nicht möglich, die Op- waße! position dauernd auf rein religiöse und kirchenpolitische An- )em ei! den& ersch! zuf Iht „Die evand‘ g bet! kre, D’ geutsei erspiv! in 1 liegen zu beschränken. Zuerst war es der Einbruch kirchenfrem- der Elemente und nationalsozialistischer Irrlehren in das Heilig- || tum gewesen, was die Theologen zur Abwehr aufrief: zum Kampf | gegen die»deutschen Christen«, die eifrigsten Anhänger Hitlers hiteiner vielfach stark säkularisierten Theologie. Inden Kirchen- wahlen des Juli 1933 hatten sie, von der Partei(auch von Hitler persönlich) unterstützt, die Mehrheit in den Landeskirchen und ‚Synoden gewonnen. Die Folge war, daß man nun sogleich mit der - Einführung des»Arierparagraphen«, d.h. mit der Absetzung von Geistlichen mit jüdischer und halbjüdischer Abstammung, be- - tann. Seit einer großen Kundgebung im Berliner Sportpalast } | () '’E 'E Een. EEE E ss u I : 116 Siebentes Kapitel ar(13. November 1933), in der sie einen ganz radikalen Redner vo | schickten, galten die»deutschen Christen« als Ketzer schlechthin, so daß der Streit der Kirchenparteien nunmehr als reiner Glawlangeli benskampf erschien. Aber mehr und mehr griff er darüber hin] aus. Unter dem Einfluß der»deutschen Christen« drangen welt]! lich-politische Ideen in die evangelische Theologie und Predigt|n; IHREN ein, beginnend mit einer Verklärung rein weltlicher Ordnungen) \ vor allem der Herrschaftsordnung des»Dritten Reichs« als gött| eühr licher»Schöpfungsordnung«. Gewollt oder ungewollt drohtt| ice: diese Richtung dem Totalitätsanspruch des modernen Einpat|eiies teienstaats dienstbar zu werden, und es ist das unvergänglicht al die Verdienst der altgläubigen Theologen, daß sie(unter geistigetr|oc w Führung des Basler Theologen Karl Barth) diese Gefahr recht|icnrec zeitig erkannt und unbeirrt dagegen angekämpft haben. Es gablıchr a natürlich auch liberale und Vermittlungstheologen, die Hitlerslleiche, Gewaltregiment widerstrebten. Aber im ganzen war es doch so,| hen( daß die Gefahr des Erliegens gegenüber der nationalsozialisti-Je\cr, schen Propaganda um so größer war, je weiter sich die protestan-Järhst tische Glaubensüberzeugung von der biblischen Grundlage ent:| Instre fernte. Nur um die Kerntruppe der theologischen Orthodoxie]esen. - sammelte sich ein wirklich entschlossener Widerstand; nur hiet|iede, Bu gab es ja auch mehr als bloße Gruppen von»Kirchenbesucherng|Fih; nämlich wirkliche»Gemeinden«.® Wer einen Mangel darin findet,| rs. f daß diese Gemeinden und ihre geistlichen Führer nicht von An- Atınt Be N fang an politische statt»bloß« kirchlich-religiöser Ziele verfolgt] e,.;; = Wi hätten und nichtaufeine offene politische Revolution losgesteuert|fide; Bi wären, zeigt damit nur, daß er vom Wesen und der grundsätz- Nitger i I: lichen Bedeutung dieses Widerstands nicht das geringste begrif-| Yun, fen hat. Hier ging es nicht mehr bloß um einen Streittheologischet Innos Mr und kirchenpolitischer Parteirichtungen oder um eine Abweht Ükten i einzelner Übergriffe der Staatsgewalt in die kirchliche Rechts- Rech t sphäre, wie sie schon immer geleistet worden war. Es ging um eine grundsätzliche Neubesinnung auf die Grenzen der weltlichen| Staatsgewalt, um eine grundsätzliche Bestreitung ihres An- sche spruchs auf Beherrschung alles Lebens, auch des geistigen und BEN des religiösen- und damit um die Sicherung der Grundlagen un-|}. d. serer abendländischen Kultur, die ohne solche Begrenzung staat-|] licher Gewalt überhaupt nicht denkbar ist. Die katholische Kir- Tr] 2 che, die an diesem Kampf sich eifrig beteiligte, hatte es insofern \ leichter, als sie über eine hierarchische Organisation verfügte, die Ei keine Abweichung einzelner Persönlichkeiten oder Gruppen von der Generallinie duldete, ihren festen Rückhalt am Papsttum und weitreichende internationale Verbindungen besaß und sich auf En Kirchliche Opposition 117 Inerylhr traditionelles, dogmatisch festgelegtes»Naturrecht« stützen lechtiiikonnte, das auch die weltlichen Ordnungen mit einbegriff. Die 1er Gllevangelischen Theologen mußten ihren Kampf ohne solchen iber HRickhalt führen, zunächst als lauter einzelne, von deren persön- gen wellicher Einsicht, Überzeugungskraft und Tapferkeit es allein ab- 1 Predi/hing, ob sie sich einen Anhang in den Gemeinden, der Pfarrer- Inungelschaft und auf den Synoden schaffen konnten— nicht ohne die als gölGefahr und Not immer neuer Spaltungen und Gegensätze ver- It drohschiedener Gruppen. Vor allem: sie entdeckten jetzt erst, wie Ein wenig sie geistig auf einen solchen Kampf gerüstet waren, und yänglid daß die herkömmlichen, dem Luthertum des 19. Jahrhunderts geistig noch weithin selbstverständlichen Begriffe evangelischen Kir- hr red\chenrechts und evangelischer Sozialethik schlechterdings nicht . Esglmehr ausreichten. Die alte lutherische Lehre von den»zwei e Hit\Rtichen«, dem Reich Gottes und der Welt, und von der»christ- dochs ‚lichen Oberkeit« bedurfte einer wesentlichen Fortbildung, Er- sozialist neuerung und Vertiefung. Nicht ohne innere Nöte, aber in einer rotest!. höchst fruchtbaren, heute noch immer fortdauernden, geistigen lage en Anstrengung ist diese neue Grundlage praktischen Kämpfertums thodor| gegen den Totalstaat erarbeitet, schließlich sogar auflutherischem ‚nur hi Boden eine Lehre vom Widerstandsrecht, ja der Widerstands- uchern| pficht des Christen gegen gottlose Tyrannei geschaffen worden.’ infind‘| Nur so’ war es möglich, daß ganz bewußt evangelische Christen, runter einzelne Berufstheologen von Rang(wie der hoch- ‚yerfol, begabte Dietrich Bonhoeffer) sich auch in dieFront des politischen sesteu‘, Widerstands mit gutem Gewissen einreihen und an den Plänen bürgerlicher Politiker für den Neuaufbau des Staates nach dem mitarbeiten konnten. Die deutsche Jogisch| Oppositionsbewegung erhielt dadurch eine geistige Vertiefung, Abwe deren Bedeutung nicht leicht überschätzt werden kann: die , Recht ‚Rechenschaft an der Wende zum Jahr 1943, die Dietrich Bon- hbeffer unter dem Titel»Nach zehn Jahren« für seinen engeren Breundeskreis niederschrieb(nicht lange vor seiner Verhaftung), “scheint heute als das Schönste, Tiefsinnigste und bleibend Wert- vollste, was zu einer Analyse der geistigen Situation jener Zeitund von A cundsät te begd, Nurz Hitlers unmittelbar ing! seitlich“ ‚res A n nu “> us des deutschen Widerstandes je geäußert worden ist. ng, sta Im Grunde war schon die»theologische Erklärung« der Bar- sche Ki) mer Reichssynode vom Mai 1934 die als grundlegende»Be- insofeN kenntnisschrift« der kämpfenden Kirche galt, mit ihrer scharfen a leich ein poli- fügte, j; Zurückweisung staatlicher Totalitätsansprüche zug ‚u sches Ereignis. Auf derselben Linie lagen die verschiedenen ll Kundgebungen kirchlicher Stellen, die den Treueid für Hitler sich„@uch den Fahneneid!) nur„innerhalb der Gebote Gottes« für 2: 118__ Siebentes Kapitel gültig erklärten und die sich sehr energisch gegen das Überma | eidlicher Verpflichtungen, schon von Jugendlichen und Kindern, Eutsch wandten. Man kann das allmähliche Hinübergreifen auf das poli- Uhr tische Gebiet am deutlichsten an den Kundgebungen der preußi- En schen Bekenntnissynode und der»Vorläufigen Kirchenleitung« Bike verfolgen, solange diese noch unter dem starken Einfluß Nie- Onhi ' möllers stand. Eine Kanzelabkündigung, die in Dahlem am Aller 5. März 1935 beschlossen wurde, wandte sich gegen die»rassisch- Bir völkische Weltanschauung«, die Vergötterung eines»ewigen ns Deutschland«, die»religiöse Verklärung« der weltlichen Obrig- Ende keit und den Mißbrauch des Eides. Ihre Verlesung in den Kirchen Bed führte zur Verhaftung von 700 Pfarrern. Noch weiter ging eine Daspr für den Reichskanzler bestimmte Denkschrift der zweiten»Vor- Eitun läufigen Kirchenleitung«(Mai 1936), die das Unglück hatte, nicht Auffas in die Hände Hitlers, wohl aber der ausländischen Presse zu ge- Bııbe langen. Sie protestierte nicht nur gegen die Entchristlichung der I; Jugend und die Verfolgung des Christentums durch die Partei, hit sondern zugleich gegen die Zerstörung des Rechtsstaates, Ver- En gewaltigung der Presse, Verfälschung der Wahlergebnisse bei En: den Reichstagswahlen, gegen die Konzentrationslager und die u; Willkür der Geheimen Staatspolizei. Als im Herbst 1938 zum Wk ersten Male ernste Kriegsgefahr drohte, entwarf die Kirchen- li leitung der altpreußischen Unionskirche eine Liturgie für einen One] Bittgottesdienst, die so schwere Anklagen gegen die öffentlichen Chen] ve Zustände in das Bußgebet einschloß, daß die lutherischen Bi- Mt hy schöfe davon abrückten und eine schwere Krise der Bekenntnis- Mi f front daraus entstand. Bald darauf brachten aber die Judenverfol- hit; \ gungen des November 1938 zum allgemeinen Bewußtsein, daß N er angesichts dieser Staatsgewalt kein Bußruf zu ernst, keine An- ta, klage zu schwer sein konnte. Es hat damals an tapferen Pfarrern wi nicht gefehlt, die ungeachtet schwerster Folgen für sie selbst hie diese Schande Deutschlands in ihren Bußpredigten anzuprangern Sick wagten.? Während des Krieges wurde dann der württembergische|. eh Bischof Wurm mehr und mehr zum Wortführer der Bekenntnis- iu kirche, die er zugleich in einem neuen Einigungswerk zu sammeln x sich bemühte— der Grundlage des heutigen protestantischen IB Kirchenverbandes. Seine Rundschreiben an die Gemeinden und 1 seine Eingaben an die Reichsregierung brachten nicht bloß Not- he stände des kirchlichen Lebens zur Sprache. Seinem Eintreten, ge-|„. meinsam mit dem katholischenEpiskopat, verdankten es dieHalb- Rs juden und Mischehenpartner, daß wenigstens sie einstweilen ver- 18 h schont blieben. Und sein mutiger Protest gegen den Mord an 9.» Cene Geisteskranken und Schwachsinnigen(an Minister Frick am He helt Kirchliche Opposition 1 9. Juli 1940 gerichtet) gehört zu den schönsten Zeugnissen dutschen Widerstandes überhaupt. Unverkennbat ist allerdings, daß Wurm und die anderen luthe- tell schen Bischöfe nur sehr ungern und nur in äußersten Notfällen leitun) nit ihren Protesten über die kirchlich-religiöse Sphäre im engeren u N jan hinaus griffen— darin zurückhaltender als Niemöller, in dem lem“| Hitler mit sicherem Instinkt seinen politisch entschlossensten ask] Gegner erkannte und den er deshalb nicht mehr aus der Haft Dewilt| herausließ. Sie fürchteten nicht ohne Grund, daß die»beken- ı Obri| 1ende Kirche« sich zu einem Sammelbecken aller möglichen un- Kirche mfriedenen Elemente ohne wahres inneres Verhältnis zur Glau- inge| henspredigt entwickeln könnte— wie es von der»Vorläufigen aVa) Teitung« schon 1934 ausgesprochen war.!® Das hätte nach ihrer te,al)) Auffassung bedeutet, daß die»Sache des Evangeliums« durch ezußl gaubensfremde Elemente verunreinigt und verfälscht wurde. ung&| Aber der Einsicht haben auch sie sich nicht verschlossen, daß eine J Patt dhristliche Kirche, die sich vom Einfluß auf das öffentliche Leben ss, Ve ih einen stillen Winkel privater Erbaulichkeit abdrängen läßt, 1Isse b dem Auftrag ihres Stifters untreu wird,»das Salz der Erde« zu und&|| ein, und daß sie ihrer Mitverantwortung für die politisch-soziale 38 20 Wirklichkeit dadurch nicht entgeht. Ihre Aufgabe, ohne alle Sicchet weltlichen Machtansprüche dennoch in das Leben von Weltund ir di Gesellschaft kräftig hineinzuwirken, ist den evangelischen Kir- ntlic® chen Deutschlands erst im Kampf mit dem Hitler-Staat klar be- hend: wußt geworden. enntl®| Auch auf katholischer Seite hat es nicht an Bedenken vor einer nyeti' Politisierung des Kirchenkampfes gefehlt, aber sie waren- soviel ein, der Außenstehende zu erkennen vermag— weniger grundsätz- ineAt licher Art. Ihren mittelalterlichen Weltherrschaftsanspruch und Pfarre! dessen Verfechtung mit weltlichen Machtmitteln hatte die römi- e söb!" sche Papstkirche ja längst aufgeben müssen, und ihre innere Ent- ange! wicklung seit dem Tridentinum war auf eine immer stärkere Ent- ergiseh vweltlichung zugunsten einer Steigerung und Vertiefung ihrer pnt® geistlichen Wirksamkeit hinausgelaufen. Der deutsche Episkopat mm“ war zu einer Gemeinschaft eifriger und pflichttreuer Seelenhirten tisch! geworden, gründlich geschult in theologischen Studien, geist- jenw lichen Exerzitien und pfarramtlicher Seelsorge— politischem „N Treiben im allgemeinen fremd und daran nur in dem Maße in- teressiert, als es um die zähe Behauptung des in Konkordaten tell, 5 u E jeHalb|" festgelegten Rechts- und Besitzstandes der Kirche ging. Gegen Jen vet| keinen Vorwurf haben sich die Bischöfe der Hitlerzeit entschie- ford a IT dener gewehrtals gegen den des»politischen Katholizismus«, d.h. Machtansprüche, der seit den Tagen des Kulturkampfes Ar Turn u 120 Siebentes Kapitel aus dem liberalen Lager und nun auch von den Anhängern Hit], lers immer wieder gegen sie geschleudert wurde. Wenn sie vor]; 1933 mit Warnungen und Verboten die nationalsozialistische Bea. wegung zu bekämpfen suchten, so leitete sie dabei ein rein geist: licher Eifer: es ging um die Abwehr des»neuen Heidentums\ und des Rassenmythos. Dieser geistliche Eifer wurde nun frei; lich stark abgedämpft, als es Hitler in einem seiner geschicktesten Tarnungsmanöver gelang, durch seinen Vizekanzler von Papen das Reichskonkordat vom 2o. Juli 1933 mit dem päpstlichen Stuhl abzuschließen- den ersten Vertrag, der seine internationale An- erkennung als legitime Regierung bestätigte. In ungewöhnlich gründlichen Einzelbestimmungen erhielt darin die Kirche ihren rechtlichen und materiellen Besitzstand zugesichert— aber gegen das Versprechen, die neue Regierung anzuerkennen und auf po- litische Betätigung des Klerus zu verzichten. Dem politischen Priestertum, das in der alten Zentrumspartei eine so große Rolle gespielt hatte, war damit der Abschied gegeben; die deutschen Bischöfe haben auch diese Bestimmung durchaus ernst genom- men: ihren Priestern wurde jetzt jede parteipolitische Betätigung verboten. Aber bald mußten sie erleben, daß ihr Vertragspartner sich durch das Konkordat in keiner Weise davon abhalten ließ, den Rechtsstand der Kirche zu schmälern, wo immer es der Partei nützlich erschien; noch weniger davon, den weltanschaulichen Kampf gegen sie fortzusetzen. In dieser Lage war ihnen das Kon- kordat einerseits von Vorteil, weil es der Gegenwehr eine recht- liche Unterlage bot, anderseits aber doch eine Hemmung, weil sie fürchten mußten, durch allzu öffentliche und allzu laute Proteste die Weitergeltung seiner Bestimmungen erst recht zu gefährden. Die Folge war, daß die katholische Kirche in den ersten Jahren des Hitler-Regiments einen offenen Kampf vermied, während ihn die evangelische schon seit Ende 1933 aufnahm. Immerhin hat der Episkopat schon im Sommer 1933 Hirtenbriefe an seine Gläubi- gen gerichtet, in denen er die Anerkennung der neuen Regierung als legitimer Obrigkeit mit sehr deutlichen Warnungen verband: Warnungen vor einer Überspannung staatlicher Autorität, voT »unchristlicher Rachepolitik« gegenüber andern Völkern, vor einseitigen Übertreibungen der Blut- und Rasselehre, vor Unter- drückung der Vereins- und Pressefreiheit durch staatliche Gleich- schaltungsmaßnahmen u. a. m.!! Diesen Mahnungen ging seit März 1934 eine sehr intensive literarische Gegenpropaganda zur Seite, organisiert in einer Kölner Abwehrstelle, die in Millionen- auflagen Flugblätter, Broschüren und»Katechismuswahrheiten« ern 1 sie ischel ein gei entum nun fr ickteste ın Por: en St nale At vöhnlit -he ihre et gef d auf itisch ‚Be Ro. eutscht Ä genot tätigul tnet Sl Jieß,& er Pat aulich® das Ko! ne sec , weis ‚Prote‘ »fährde n Jh vendid jnhatt 6 Gläub egjettt verbal!| +. Gewerkschaften. Das Kettelerhaus in B u; Kirchliche Opposition 121 ‚nt Bekämpfung der»rassischen« Weltanschauung verbreitete and damit ein erstaunlich starkes Echo fand. Niemals ist der Zu- dung zum Priesterberuf stärker gewesen als eben damals. Seit 195 wird mit wachsendem Etnstin Hirtenbriefen, Eingaben und Denkschriften an die Reichsregierung gegen die Schmähung und Herabwürdigung katholischer Glaubensgrundsätze und kirch- liher Einrichtungen durch Parteiorgane, gegen die Beschrän- kung kirchlichen Vereinswesens u. dgl. angekämpft, 1936 schon von»Unbegreiflichkeiten« der nationalsozialistischen Bewegung gesprochen. Die bedeutendste Leistung in diesem Abwehrkampf vir wohl die wissenschaftliche Entlarvung des Rosenbergschen »Mythos«, die zuerst im Oktober 1934 als amtliche Beilage zum »Kirchlichen Amtsblatt für die Diözese Münster« mit einem V or- spruch des Bischofs Graf Galen erschien- eine ebenso mutige wie slide Theologenarbeit, die damals in allen Lagern des geistigen Deutschlands aufatmend begrüßt wurde.!? Der offene Kampf brıch aber erst seit dem Erscheinen der großen päpstlichen Enzy- kika»Mit brennender Sorge« vom 14. März 1937 herein. Sie fißte die vom deutschen Episkopat schon lange vorgetragenen Beschwerden in einer großen Anklage gegen das völkische Neu- hidentum zusammen und wirkte mit ihren Mahnungen an Prie- ster, Ordensleute, Laien und katholische Jugend zur Kirchen- teue wie ein offener Kampfruf wider das Dritte Reich. Die Staatspolizei konnte zwar ihre Verbreitung im Druck, nicht aber Ihre Verlesung von den Kanzeln verhindern. So antwortete die rtei, unter der Leitung von Goebbels, mit dem großen Ver- kumdungsfeldzug gegen die Klostergeistlichkeit, die jetzt eine Inge Serie von Strafprozessen wegen angeblicher Devisen- und Sittlichkeitsvergehen über sich ergehen lassen mußte— zuletzt doch ohne Schädigung ihres öffentlichen Ansehens. Aber der Kampf nahm nun von beiden Seiten immer schärfere Formen an, ind auch im Krieg gab es keine Versöhnung, im Gegenteil: er bot den nationalsozialistischen Kulturkämpfern mit seinen»militäri- schen Notwendigkeiten« erst recht Gelegenheit, durch Wegnah- me von Klostergebäuden, Beschränkung des Ordensnach- wuchses, Einschränkung oder Verbot der kirchlichen Prozessio- gen, der Presse, Jugendarbeit und Vereinstätigkeit der Kirche an len Ecken und Enden Abbruch zu tun. Bine besonders bedeutsame Rolle spielte im Widerstand katho- ischer Volkskreise gegen das totalitäre System die katholische Arbeiterbewegung mit ihren Arbeitervereinen und christlichen Köln und das Berliner \ Generalsekretariat der Arbeitervereine, das erst 19 36 aufgelöst Ei Siebentes Kapitel wurde, haben auch nach 1933 noch als Zentralen gegenseitiger Informationen und Bestärkung im Widerstand gegen das Hitler- Regiment gedient, und zwischen den alten Genossen und Mit: arbeitern der katholischen Arbeiterbewegung scheint sich eine ähnliche stille Gemeinschaft erhalten zu haben wie zwischen den tungbra ind die ter Ki Ireslau a Jischof( alten sozialdemokratischen Gewerkschaftsleuten. Die Führer det|,,...}; katholischen Verbände wie Dr. Otto Müller und Josef Joos, der|;„nisch Redakteur Nikolaus Groß und die Verbandssekretäre Bernhard Letterhaus und Jakob Kaiser hielten nicht nur Fühlung unter- einander und mit den Vertretern anderer Sozialverbände(Haber- mann, Leuschner), sondern beteiligten sich mehr oder weniget aktiv an der Militärverschwörung der Gruppe Beck-Goercdeler, Prälat Dr. Müller, Letterhaus und Groß sind denn auch 1944 Blut- zeugen ihres Bekenntnisses geworden.!? Neben den Oppositionsgruppen katholischer Arbeiter gab es aber auch eine ziemlich ausgebreitete Widerstandsbewegung im katholischen Bürgertum aus wesentlich kirchlich-religiösen Mo- tiven. Im Rheinland sammelte sie sich besonders um den Kölner Verleger Dr. Theodor Scharmitzel und besaß in dem Ober- regierungsrat Dr. Becker(Oberpräsidium Koblenz) einen sehr aktiven Vertreter ihrer Ideen im höheren Beamtentum. Man hielt Verbindung mit Gesinnungsgenossen in Berlin(Rechtsanwalt Dr. Wirmer, J. Kaiser, Letterhaus u. a.), in München(Dr. Josef Müller, P. Rösch, P. Delp u. a.) sowie andernorts und bediente sich dabei vielfach der Vermittlung von Ordensgeistlichen. Auch Goerdeler ist mit dem Kölner Widerstandskreis gelegentlich in Verbindung getreten und hat seine Mitwirkung am Aufbau einer neuen Reichs- und Staatsverwaltung erbeten und zugesagt er- halten. Im ganzen scheint es aber, daß diese rheinischen Kreise sich mit einer geistigen Vorbereitung des kommenden Umsturzes begnügten und auf den politischen Aktivismus der»ostelbischen Junker und Militärs«, in deren Mittelpunktseitetwa 1938 Goerde- ler stand, nicht ohne Mißtrauen blickten. Nach einem eingehen- den(mir vorliegenden) Bericht des Dominikanerprovinzials P. Laurentius Siemer von 1945 hat Wirmer kurz vor dem 2o. Juli 1944 mit einiger Bestürzung feststellen müssen, daß sich bei die- sen rheinischen Katholiken»eine starke Abneigung gegen das ostelbische Preußen bemerkbar machte und man eine Lostren- nung des alten westelbischen Deutschland vom ostelbischen Preußen für wünschenswert hielt«. Diese Gegensätzlichkeit hat die gemeinsame Arbeit an Aufbauplänen sehr erschwert, aber die Gemeinsamkeit der Kampffront nicht zerstört. In weitere Einzelheiten der katholischen Widerstandsbewe- ler kirc sraf Cle estkund as Auslı An vert L Prop: achin F ler Nati O1 kirch Asen;a Hüubige Einen C lricklic [chen E |Etinsch Ietviele Eichlict % ft offe Ren „Esgil chen\ Rltherr nen) Ran ES dung al sen, h ihrer e Kirchliche Opposition 123 ge;\ ung brauchen wir uns hier nicht zu vertiefen. Allgemein bekannt s Hitkf] sind die Namen der deutschen Bischöfe, die sich als Vorkämpfer ad Air ihrer Kirche am meisten hervortaten: Kardinal Bertram von ich&}| Breslau als Sprecher der Fuldaer Bischofskonferenz, der Berliner 2de) Bischof Graf Preysing, Helfer vieler Verfolgter, Kardinal Faul- ‘}aber-München, der gelehrte Verteidiger des Alten Testaments, u ‚Erzbischof Conrad Gröber von Freiburg, der unermüdlichste ernat ‚ler kirchlichen Publizisten und Volksschriftsteller, nicht zuletzt 5 MH Graf Clemens August von Galen von Münster. Von dessen Pro- (Babe jestkundgebungen im Sommer 1941 drang die Kunde sehr rasch % ins Ausland. Sie wurden dort- zum schweren Schaden der von &| ihm vertretenen Sache!- sogleich in zahllosen Radiosendungen Bl Js Propagandamittel benutzt. Er hatte aber schon seit 1934 meht- ‚\ fich in Hirtenbriefen und Predigten gegen das»Neuheidentum« t gabe der Nationalsozialisten gesprochen- Kundgebungen, die einen in kirchlichen Schrifttum sonst ungewohnten Ton erklingen sent Iassen; aus ihnen sprach nicht nur der katholische Priester und Kö gläubige Christ, sondern zugleich der westfälische Edelmann, der n Ob sinen Gegnern offen den Fehdehandschuh hinwirft, unter aus- Y dücklicher Berufung auf die adelige Standessitte und die ritter- ithen Ehrbegriffe seiner Familie, ihnen jede menschliche Ge- neinschaft aufkündigt, wenngleich er als Christ für sie betet. Es htviele unerschrockene, zum Martyrium bereite Kundgebungen bediel® kirchlichen Widerstands in beiden Kirchen gegeben. So mann- Au ft offen, so volkstümlich und darum so unmittelbar wirksam 13 Nie Graf Galen hat kein zweiter gesprochen. audi Es gibt keinen stärkeren Beweis für die Popularität des kirch- sagt© lichen Widerstands in Deutschland als die Tatsache, daß die Ge- „ Kr! Yaltherrscher schließlich an keinen der Bischöfe(beider Konfes- „su onen) Hand anzulegen wagten und ihre Rache bis ans Ende des jbisch®"Krieges hinausschieben mußten. Als man in der engsten Um- Goe®' bung Hitlers erwog, Graf Galen schleunigst aufhängen zu ungeh® Assen, meinte Goebbels: dann könne man ruhig ganz Westfalen azials? während des Krieges abschreiben«. Er kannte seine Rheinländer »o.|! Ind Westfalen und hatte wohl auch jenen Aufstand katholischer | ‚bid*' Oldenburger vor Augen, die 1936 ihren Gauleiter gezwungen sed&' ktten, die aus den Schulen entfernten Kruzifixe wieder aufzu- Lost|| stellen. In der Tat nahm die Popularität Graf Galens mit jeder his“|" tiner Kundgebungen noch zu; heimliche Abschriften seiner ‚Kampfpredigten wanderten von Hand zu Hand, und nicht nur bei den Katholiken. Da man die Bischöfe nicht zu fassen wagte, hielt tan sich um so eifriger an die Pfarrer und Kapläne, von denen ‚dsben* thließlich Hunderte in den Konzentrationslagern saßen,!* sehr n 5 jet „bei dr & 124 Achtes Kapitel zahlreiche von den»Volksgerichtshöfen« verurteilt wurden, Politischer und kirchlicher Widerstand war schließlich auf katho- lischer Seite ebensowenig mehr klar zu trennen wie auf evangeli- scher- ja in gewissem Se noch weniger. Denn niemals ist& den katholischen Bischöfen zweifelhaft gewesen, daß aus dem »christlichen Naturrecht«, das die katholische Kirche zur Norm ihrer Sozialethik macht, auch ganz bestimmte Freiheitsforderur- gen für die weltliche Ordnung erfließen. In ihren Hirtenbriefen von 1942 haben sie ausdrücklich erklärt, sie seien verpflichtet, »nicht nur für religiöse und kirchliche Rechte einzutreten, son- dern auch für menschliche Rechte schlechthin«, ohne die der ganz: Bau der Kultur zusammenfallen müsse.1? Und so haben sie sich seit 1941 auch nicht gescheut, noch über die Kundgebungen evan- gelischer Bischöfe hinaus gegen die Unmenschlichkeiten des nationalsozialistischen Herrschaftssystems zu protestieren: gegei die willkürliche Beschlagnahme privaten Eigentums, das Systen der Konzentrationslager, das Spitzelwesen, die Erschießung von unschuldigen Geiseln, Kriegs- und Strafgefangenen, Verschlep- pung ausländischer Arbeiter- und natürlich auch gegen die Er- mordung der Geisteskranken.!8 Vergebliche Bemühungen! Aber die katholische Kirche selbst hat durch das mutige Zeugnis ihrer Bekenner ebenso wie die evangelische neue Achtung auch in längst ihr entfremdeten Volkskreisen gewonnen. Wer es in den Gefängnissen und Konzentrationslagern miterlebt hat, wird es so leicht nicht vergessen, wie die seelische Kraft christlicher Glau- benshaltung wärmende Strahlen aussenden konnte in eine längst gottlos gewordene Welt des Hasses und der Verzweiflung hinein. Die konfessionellen Gegensätze aber traten erstaunlich weit zu- rück hinter dem neuen Erlebnis einer Glaubens- und Kampf- gemeinschaft beider Kirchen. Achtes Kapitel: Bürgerliche Opposition Die Kraft des Widerstandes gegen die Hitler-Tyrannei hing we- sentlich von der Echtheit, Klarheit und Tiefe des Freiheitsglau- bens ab, den seine Gegner ihm entgegenzusetzen hatten. Außer- halb der Kirchen war dieser Freiheitsglaube nicht rein moralisch- religiöser Natur, sondern mitgespeist durch weltlich-politische Motive derv erschiedensten Art und Herkunft. Will man die Op- positionsgruppen des deutschen Bürgertums, die sich in den ver- schiedensten Parteilagern bildeten, auf einen Nenner bringen, so läßt sich vielleicht eines sagen: daß ihre Mitglieder alle, in ge- hicht Krpfli gen. ingen ißbra azeln irübe adalt ıb au inden, \önie ‘schie sung Amer] ie w: en, Se en de Jeutsc 'hrlel Bürgerliche Opposition 125 wurde schichtlicher Bildung erzogen, das Bewußtsein einer sittlichen ufkatı Verpflichtung gegenüber der deutschen Vergangenheit in sich evangditrugen. Sie wollten— ganz einfach gesagt— die besten Überliefe- nals istaltingen deutscher und preußischer Geschichte nicht verfälschen, aus delmißbrauchen, schänden oder gar zerstören lassen. Was man im urNorleinzelnen als»edelste Werte deutscher Geschichte« empfand, forden? darüber herrschte freilich keine Einigkeit. Es gab altpreußische tenbriel und altbayrische Monarchisten, Romantiker der Restauration; es epflicht gab auch enttäuschte Republikaner, die es immer noch besser eten, on fanden, einem gewissenhaften, an feste Traditionen gebundenen -dergan König als einem gewissenlosen Demagogen zu gehorchen; ihnen nsiesc,etschien also die Monarchie als eine Art provisorischer Not- genen lösung. Viel wichtiger als die— seit der Katastrophe von 1918 immerhin sehr fragwürdig gewordene— Staatsform der Monar- chie war das Ethos preußischer Staatsgesinnung, das zu den gro- ßen, seit vielen Generationen sorgsam gepflegten Überlieferun- gen deutscher Bildung gehörte. Dieses Erbe war in sehr vielen . Deutschen- bis in die Führerschaft der Sozialdemokratie hinein!- en dieb"&hrlebendig;; denn die menschenprägende Kraft des preußischen ven! Abt Shates war nun einmal die stärkste in Deutschland gewesen; "nicht ohne Grund hat man sie mit der des Puritanertums ver- glichen. Es gab aber noch andere Werte deutscher Geschichte, je dieim Bewußtsein vieler Deutscher fortlebten: vor allem die Viel- seiten di ren: gegt las Systei 7 — © 3 > Ola == (6 Ei estaltigkeit ihres Staats- und Kulturlebens; eine der wichtigsten her Gh Voraussetzungen für den Reichtum deutscher Geistigkeit, jetzt ine Jäng ichwer bedroht durch Uniformierung und Zentralisierung mit ne hin Hilfe der allmächtigen, in alle Lebenssphären eindringenden h weit„. Staatspartei. Der ältere deutsche Liberalismus hatte das Volk nie 4 Kan) ıls uniforme Masse, sondern als vielfältig gegliederte politische "| Gemeinschaft betrachtet, deren innere Lebendigkeit, sich aus- ‚pägend in freien, schöpferischen, selbstbewußten Persönlich- keiten, als Höchstwert schlechthin erschien. Auch diese Ideale waren in der deutschen Bildungswelt nicht einfach erstorben, so ıchwer sie es auch hatten, sich im Rahmen der modernen Indu- Be. ttriegesellschaft zu behaupten. Wer in ihnen lebte, der sträubte 2 hing Mu ich, einen absolut einheitlichen, mit allen Künsten der Massen- ea ptopaganda und des Terrors»gleichgeschalteten« Volkswillen 0.”., Als unfehlbar anzuerkennen. Fr verlangte zurück nach dem festen alisch:= mo Dach jenes»Rechtsstaates«, an dessen Ausbau so viele Genera- poll onen deutscher Männer mit Erfolg gearbeitet hatten. Und je 1: i.; nd„„ hließlich gab es auch immer noch ein Deutschbewußtsein, das in Ä R„ nen besonderen Vorzug deutschen Wesens in seinem»reichen ee) Besitz an Seelentum«(Edgar J. Jung) erblicken wollte, in seiner al Oi 1. ! 126 Achtes Kapitel | Offenheit für metaphysische Fragen und der Innigkeit seind] religiösen Empfindens; hier sah man die größte Gefahr d& Nationalsozialismus in der geistigen Vergiftung der Massen, be), sonders der Jugend, durch eine politisch bestimmte, letztlich" satanische» Weltanschauung.« Nun ist keine Frage, daß jede dieser Geisteshaltungen Aus-und Umdeutungen erfahren konnte, die es ermöglichten, sie aus d& Front des Widerstandes auszuschalten, ja wohl gar in das Fahr wasser der Hitler-Bewegung zu ziehen. Es gehört nun einmi zum Wesen unserer Spätzeit, daß die sittlichen und politischen Ideale verschwimmen, prinzipielle Gegensätze sich abschleifen, relativieren oder neutralisieren. Und überall sind eilfertige Publi zisten am Werk, die im Bemühen, ihre Leserschaft durch kühnt M d Zeitdiagnosen zu verblüffen, politische Begriffe durcheinander Jadern wirbeln, wenn nicht gar auf den Kopf stellen; denn das»Epatet Pa le bourgeois« gilt nun einmal den Literaten unseres Kontineni|., seit Nietzsche als das sicherste Kennzeichen von Esprit. Zeitei des Chaos und der allgemeinen Gärung, wie sie der jähe Zusam:|. menbruch des Kaiserreiches und der bürgerlichen Gesellschaft| des 19. Jahrhunderts am Ende des ersten Weltkriegs hinterließ (und wie wir sie heute zum zweitenmal erleben), sind der frucht barste Nährboden für ein solches literarisches Treiben. Andersals in den ersten Jahren nach 1945 ließen sich in der Weimarer Zeit“ = vor allem solche Stimmen hören, die sich auf das»Fronterlebnist, h beriefen und im Namen der»Frontgeneration« alle mögliches ge Projekte zur Erneuerung deutschen Lebens vorbrachten- in oft h recht unklarer Mischung von konservativen mit liberalen Ideen, altpreußischen Mannesidealen mit romantischen Vorstellungen vom altdeutschen»Reich«, bürgerlichen Freiheitsbegriffen mit” sozialistischen Projekten, vielfach noch vermengt mit»völki-"" schen« Postulaten und mit der verschwommenen, oft abenteuer-" lichen Romantik einer»bündischen« Jugend.! Wer heute dies ganze chaotische Publizistik zur Hand nimmt, erschrickt vot r so viel Zerfahrenheit und innerer Wehrlosigkeit gegenüber dei Schlagworten des aufsteigenden Nationalsozialismus. Wieviel ist doch schon vor 1933 geschehen, um die altpreußi: schen Traditionen für die Propaganda der Nationalsozialistei"* gleichsam gebrauchsfertig zu machen! Was wurde nicht alles ge: redet von»preußischem Sozialismus«, der auf grenzenlose Eir- satz- und Opferbereitschaft hinauslaufen sollte, von kommendei » Jahren der Entscheidung«, einem neuen Weltalter gnadenloset Härte und des»heroischen Realismus«(O. Spengler), von det »totalen Mobilmachung« als Kennzeichen einer neuen Zeit, von 3. Jüng Dritter &tnich inden den, trade ı Ihrlich er. Al in die Bürgerliche Opposition 127 ct sei heilsamen»Einbruch elementarer Kräfte«(aus der Welt des Fahr Arbeiters) in den bürgerlichen Raum, von Ersatz des Individu- assen, RS durch die typisierte Normalgestalt des Arbeitsmenschen ai(E. Jünger), vom Ideal des»preußischen Stils«, vom kommenden ET Dritten Reich« und von der Jämmerlichkeit des Liberalismus, Ans der nichtsals die Freiheitsei,»keine Gesinnungzuhaben«(Moeller aus den Bruck)! Ohne es zu wissen und zu wollen, hat man so ge- dns Tal holfen, einem neuen Gewaltregiment den Weg zu ebnen und ei erade diejenigen Züge altpreußischer Tradition, von deren Ge- olitisch fihrlichkeit schon oben die Rede war, ins Krampf hafte überstei- schlcife gert. Aber das Preußentum hatte auch noch andere Seiten. So wie ‚oe Publ ihn die wirkliche Geschichte zeigt, war der Geist des Preußen- a kühre tuns dem des Nationalsozialismus nicht innerlich verwandt, ni sondern entgegengesetzt— das Gegenteil von nationalistischer u“ Volksverhetzung, von Kult der Masse und rechtloser Gewalt- . Sa kerrschaft.»Wir Frontkämpfer von 1914 waren stolz darauf«, ont schrieb ich selbst 1936(in Abwehr der Theaterszene von Pots- it, Zeit dam),»Söhne eines Volkes zu sein, in dem altpreußische Zucht, h Zus nüchterne Sachlichkeit und wortlos schweigende Pflichterfüllung sellchit noch immer in höchsten Ehren standen, Soldaten einer Armee, hintetl® de... kein anderes Verdienst anerkannte als das der sachlichen en mei leistung im Dienst- im Kriege genau wie im Frieden!« Eben Anders lies war einer der Ansatzpunkte für eine Opposition aus alt- naser Ze teußischem Geist. Aber auch die überlieferten Ehrbegriffe und terlebait Tıgendideale des preußischen, ehemals adligen Offizierkorps: möglich? Ritterlichkeit, strenge Rechtlichkeit und phrasenlose Sachlichkeit aM im Dienst- einem Dienst, der trotz kärglicher Entlohnung als len ld Ihe Ehre empfunden wird-, männliche Selbstachtung ohne ve Kriecherei, stetes Bewußtsein der Verantwortung für das Schick- sien© sl der Untergebenen, gerieten mit den brutalen Herrschafts- it WON methoden des Nationalsozialismus in Konflikt. beat| Von Selbsttäuschungen und Mißverständnissen war auch das eute dien Erbe des deutschen Liberalismus bedroht. Zu diesem Erbe ge- ‚richt“hörte von jeher das Bewußtsein, einen ganz anderen und— wie „über* man überzeugt war- tieferen Begriff politischer Gemeinschaft zu besitzen als die Liberalen Westeuropas. Sie sollte mehr sein als altpreu#” ine bloße Summe einander gleichberechtigter Individuen, ihr ‚oral Staat nicht das Produkt eines fiktiven»Gesellschaftsvertrages« talls®" Ar Sicherung individueller Freiheitsrechte, nicht bloßes»Not- Jose E’ch« und notwendiges Übel, sondern Verwirklichung einer sitt- ende chen Idee. Deutsche Romantik und deutscher Historismus hat- tneine eigene, scharf geprägte Staats- und Gesellschaftslehre ent- jickelt, in der das Ideal einer organischen, vielfältig gegliederten ee ee 128 Achtes Kapitel Gemeinschaft(an Stelle mechanischer Summierung unzähligä ügendbe Einzelwillen zum»Gemeinwillen«) eine große Rate spielte, dien undh Freiheit nicht mehr als individuelle Willkür erschien, sondertssihren (im Sinne Kants) als Freiheit der sittlichen Selbstbestimmung, die endung. sich nur im Dienst an der Gemeinschaft vollenden kann. Vor\sioner allem hatten sie dem westeuropäischen Begriff der»Nation« al/pritte R politischer Willensgemeinschaft freier Staatsbürger den des»Vok'esilde,: kes« gegenübergestellt, das nicht durch irgendwelche politischet|yrello: Entschließungen entsteht, sondern historisch erwächst und sich\erade 8: formt: aus Gemeinschaft des Blutes, der Sprache, der Lebensfeyachse formen und Sitten, der geistigen Überlieferungen, nicht zuletäleistiour der geschichtlichen Schicksalei in Glück und Blend. Das deutscht Ne Nationalbewußtsein des 19. Jahrhunderts stammte nicht, wie das r,nzösis französische, aus dem Erlebnis einer großen demokratischen Re'jjin du volution, sondern war zuerst als Bewußtsein rein geistiger GE} yusgen, meinschaft wach geworden und hatte sich dann im Kampf geges Nidersp die französische Demokratie und ihren Erben Napoleon politisch mei geformt, mit dem Nahzieleiner Restauration althistorischer Auto: Wo der( ritäten. So fehlte in Deutschland nicht nur die enge Verbindung lawurd des bürgerlichen Freiheits- und Nationalbewußtseins mit des Inder R, Ideen der Demokratie, die in Westeuropa selbstverständlich was], Pub sondern im Gegenteil: es gehörte beinahe zu den festen Traditio-\ch,r 4 nen deutscher bürg erlicher Bild ung, sichauch als Liberaler irgend. wie im Gegensatz en zu wissen; jedenfalls bildeten die Bewun: derer und Anhänger note ee Lebens-und Verfassungsformen auch nach 1918 im höheren deutschen Bür,.,,, il gertum nur eine Minderheit.® Buben; Von hier aus wird deutlich, warum die nationalsozialistische, E N Propaganda in der deutschen Bildungswelt eine so erstaunlich”, oh verführerische Wirkung haben konnte. Wenn sie die demokta-”; tische Ideologie des Westens verächtlich machte, von»völ- kischen« Idealen sprach, von einer»Neugeburt deutschen We- sens«, von»Treue« und»Gefolgschaft« statt von blindem Gehor: Eiche sam und Kommando, von deutscher»Volksgemeinschaft«, vol un n organischer Gliederung des Volkes in seine Stände, Berufe, Gau, ib 5 heimatlichen Landschaften, von Gebundensein des wahren Volkes ot an Blut und Boden im Gegensatz zu den entwurzelten, heimat-Y 7, aa losen Massen der Großstädte und Industriezentren, und wenn sh schließlich immer wieder erklärte, der neue Staat solle nur ein Werkzeug des deutschen Volkstums sein, dieses aber bilde eint große Einheit in Europa über alle staatlichen Grenzen hinweg- so klang das alles wie eine Erfüllung alter deutscher romantischet Sehnsuchtsträume, Unzählige Deutsche, vor allem die aus det sn»fur Iccht frz Ans, d Darals| üisch un Feng re a5 Träg Bürgerliche Opposition 129 nzähliy il Jugendbewegung stammenden, haben sich dadurch täuschen las- pielt, U sen und hörten aus so viel schillernden Worten eben das heraus, 2 sondc was ihrem Begriff von deutscher Wesensart, deutscher politischer mung,(@ Sendung entsprach. Es hat nicht lange gedauert, bis sie aus ihren an\t[lusionen erwachten und tief ernüchtert bemerkten, was dieses ationdt Dritte Reich« in Wirklichkeit war: ein rein politisches Macht- des»V0r xbilde, zustande gebracht durch die Mobilisierung eben jener olitisch" yurzellosen Massen der Großstädte, die von»Blut und Boden« tundsi) gerade gar nichts wußten, ein»totalitärer« Staat, der alles eigen- t Lebtt- gewachsene Volkstum rücksichtslos in seinen Dienst zwang, ht zuktl geistig uniformierte, durch Terror alles Eigenleben erstickte- mit s deutst' anderen Worten: ein revolutionäres Gebilde durchaus im Stil der ıt, wie&i ftanzösischen, russischen, italienischen Terroristen, legitimiert schen" allein durch die Berufung auf jenen egalitären»Gemeinwillen« stiger 6" Rousseaus, der kein Recht der Minderheiten kennt und keinen npf ge! Widerspruch, keinen Sondergeist duldet. poll‘!| Immerhin: es gab die Möglichkeit einer solchen Einsicht, und 'herAut" yo der Glaube an Freiheit und Recht als Lebensideale echt war, srbindu) da wurde sieschon bald erreicht. Man kann das besonders deutlich ; mit#1 an der Erscheinung des hochbegabten Münchner Rechtsanwaltes dlichwÜ, und Publizisten Edgar J. Jung verfolgen. Sein Buch»Die Herr- 'Tradi* schaft der Minderwertigen«(1927) gehört zu jenen Erscheinun- lerirge® gen»jungkonservativer« Publizistik, deren politische Wirkung ieBem® techt fragwürdig bleibt: romantische Ideale deutschen Volks- -bens-W! tums, deutschen»Selbstopfers«, deutschen Seelenlebens, deut- chen 3" scher übernationaler Führungsansprüche in Osteuropa unter )Überwindung des westlichen Nationalstaatsgedankens«, vor jalistis" Allem Herrschaft einer»hochwertigen Elite« im Staat— das alles ‚staunl®" war als geistiges Rüstzeug gegen den Nationalsozialismus prak- demok!" fisch unbrauchbar. Dennoch hat er, wie uns bezeugt wird,? als yon WI streng rechtlich und humanitär denkender Mensch, als Christund ‚chen"als Träger europäischer Bildung das Hitlertum von Anfang an ‚me Nicht nur abgelehnt, sondern praktisch bekämpft und als Gehilfe naft,@" von Papens dessen oppositionelle Haltung versteifen helfen, fe, insbesondere an jener Marburger Rede Papens(17. Juni 1934) ‚enVol mitgearbeitet, die wie ein erster Trompetenstoß des offenen e: heim?‘ 1 Widerstands wirkte. Bald darauf fiel er als einer der ersten gwen“” CE der bürgerlichen Opposition unter den Opfern des nur© 30. Juni. ri) Man hat im Kreise jenes»deutschen Herrenklubs«, dem Edgar hinweg” Jung gemeinsam mit Papen, Schleicher und den Jungkonser- U Yativen Heinrich v. Gleichen, Treviranus u. a. angehörte, viel- leicht zuviel und zu geistreich über allerhand Reformideen und 130 Achtes Kapitel taktische Probleme der Kulissenpolitik diskutiert und darübe den nüchternen politischen Instinkt verloren. Im Grund bedurfte es aber nur dieses Instinktes und eines unbeirrbaren humanitären Rechtssinns, um das Dämonische der nationalsozialistischen Haß: predigt und Massenverführung zu durchschauen. Männer, die sich nicht täuschen ließen, die schon vor der»Machtergreifung( Hitlers dessen Bewegung mit Entsetzen anwachsen sahen und denen die Judenhetze des ı. April 1933, die Greueltaten der SA, der falsche Lätm um den Reichtagsbrand und viele ähnliche Er: scheinungen nur bestätigten, was sie immer befürchtet hatten, waren gar nicht so selten im deutschen Bürgertum. Jeder Mit: lebende könnte sie aus seinem Bekanntenkreis aufzählen. Aber dit wenigsten hatten Mut oder Möglichkeit, mit ihrer Opposition offen hervorzutreten. Wer in Berlin saß und persönliche Verbin- dungen zu den Zentralen der Reichsverwaltung hatte, erfuhr am meisten und wurde dann auch wohl in Einzelaktionen zur Ab- dämmung oder Abschwächung des Unheils verstrickt. Wir hören von mancherlei Berliner Kreisen, die sich schon 1933 gegen das Hitler-Regiment förmlich verschworen, Verfolgte schützten ode! ihnen zur Flucht verhalfen, in dieser oder jener Form auf Männer der neuen Regierung einzuwirken suchten, schon damals über alle Möglichkeiten zum Sturz des neuen Regimes nachsannen. Brü- ning, der zeitweise im Mittelpunkt solcher Bestrebungen gestan- den zu haben scheint, spricht sogar von»weit verbreiteten Ver- suchen zu offenem Widerstand«, von ihrer Verbindung mit»star- ken Gruppen in der Reichswehr« und»mit der wachsenden Zahl prominenter Nazis«, die mit Hitlers Regime unzufrieden waren,’ begnügt sich aber leider mit ziemlich vagen Andeutungen. Nur so viel wird deutlich, daß er selbst sofort nach dem 30. Januar 1933 Verbindung mit Schleicher aufgenommen hat und daß dieser bald aufein Eingreifen Hindenburgs, bald auf das des Generals v.Ham- merstein rechnete, der als Chef der Heeresleitung(bis Januar 1934) zur Opposition hielt.® Rudolf Pechel, der Herausgeber der»Deut- schen Rundschau«, weiß von Verbindungen zwischen Brüning, Treviranus und Edgar Jung, der genaue Pläne für einen Umsturz und sogar schon eine neue Ministerliste ausgearbeitet habe.? War etwa die Marburger Rede Papens als eine Art von Signal für diese »Erhebungspläne« gedacht? Sicherlich ist Jung, der ein Mann von großem politischem Ehrgeiz war und(nach Papen) kein Ge- heimnis daraus machte, daß er die»Seele des Widerstands« sei, nicht bloß um der Marburger Rede willen ermordet worden;- /uch Br Xhleunig Man si en das] ind erst inde ge Jännert ach Kı or, da itig, be Herbert reunde ie sich ollen k tahm, u Ahrsch les 20,| ttoße 7 liesen( cher An Blut. B: AM anz itands o Ien Ad | ıdwic “ner M Ichau«| getarnt Nöplic Nelnde Berline Diplor er) UN Einen f Prof. 7 Colf$; lie E; Dihle, Schwg Als Be, unge freilich scheinen seine Verabredungen recht vager Natur gewesen zu sein, und sie wurden mit großer Unvorsichtigkeit betrieben. Sonde Da: Bürgerliche Opposition Auch Brüning und Treviranus mußten in diesen Mordtagen schleunigst ins Ausland entfliehen. haniti, Man sieht: es hat offenbar eine bürgerliche Verschwörung ge- ‘hen Hal!) gen das Hitler-Regiment schon in dessen ersten Jahren gegeben, Hi inner, d/und erst die Schreckenstaten des 30. Juni haben ihr zunächst ein| oreifung)) Ende gemacht. Überdies fehlte es nicht an einzelnen mutigen ahen un, Männern, die sich dem Terror(ähnlich wie Goerdeler in Leipzig) nder$lll nnch Kräften widersetzten. Der Jurist Fabian von Schlabren- liche" dorff, damals als Hilfsarbeiter im preußischen Innenministerium et hatte!) tätig, berichtet von der tapferen Haltung seines Staatssekretärs eder Mi) Herbert von Bismarck und seiner eigenen altkonservativen ‚Aberd' Freunde, wie Ewald von Kleist, Landrat v. d. Osten und anderer, die sich schon vor 1933 vergeblich bemühten, den verhängnis- ppositio e Verbi) vollen Kurs, den die Deutschnationale Partei unter Hugenberg erfuhral! nahm, umzusteuern, und die sich auch nachher durch keine Ge- 1 zur AN hhr schrecken ließen.® Ewald von Rleist ist später eines der Opfer Wirhöre' des zo. Juli geworden, unter denen sich überhaupt eine auffallend| gegen di große Zahl preußischer Adeliger findet— nicht zufällig; denn in{ tzten ode! diesen Gestalten wurden eben jene heilsamen Kräfte altpreußi-‘ ıfMinnt| scher Tradition, von denen wir früher sprachen, zu Fleisch und Blut. Es wäre aber sehr einseitig und ungerecht, nur sie als wirk- süber al nen, Bil) am anzuerkennen. Unter den frühesten Vorkämpfern des Wider- on gestl stands gegen Hitler gab es auch Süddeutsche und Katholiken wie! jeten Ve den Adjutanten Papens, Graf Ketteler, oder den Freiherrn Karl I mit»stl Ludwig von Guttenberg, Herausgeber der» Weißen Blätter«— den Zul einer Monatsschrift, die es sich ähnlich wie die»Deutsche Rund- .g watel) schau« zur Aufgabe machte, die literarische Opposition, oflen und er Nurg getarnt, bis an die äußerste Grenze des Möglichen zu treiben. Alle nuat 19} möglichen Berufsstände waren im K reise der sich langsam sam- jieser bil melnden bürgerlichen Opposition vertreten. So finden wir im jsw. Hat Berliner Kreis(um nur ein paar Beispiele zu nennen) die früheren ua 1 Diplomaten Mumm von Schwarzenstein und(einige Jahre spä- fl jer„Del ter) Ulrich von I lassell, den Großkaufmann Nikolaus von Halem, hi i Brüninl einen der aktivsten Widerstandskämpfer, den Arzt Brünings, N \ Umstuß Prof. Zanter, einzelne Gelehrte wie Eduard Spranger oder Ru- be dolf Smend und viele andere mehr. Seit Ende 1933 wurden auch | für dies ‚die Einflüsse der kirchlichen Opposition immer stärker; das in Man Dahlemer Pfarrhaus Niemöllers hat manchen politischen Ver- h kein 3 schwörer unter seinem Dach geschen, und Dietrich Bonhoefler,| ands««. Als Berliner Professorensohn in weiten gesellschaftlichen Verbin- iM den(lungen stehend, hat die Berührung mit der Politik nicht gescheut, ir vor vs sondern als Pflicht betrachtet.| ger Darin freilich unterschied sich diese bürgerliche Opposition petriebe' 132 Neuntes Kapitel von der kirchlichen, und ebenso von der proletarisch-sozialisti- schen, daß sie immer nur einzelne zu Gruppen sammeln, nicht aber daran denken konnte, eine Volksbewegung gegen Hitler in Gang zu bringen. Soweit sie konkrete Umsturzpläne entwickelte, konnte sie diese nur in der Form des Staatsstreichs, der Revolution von oben her, zu verwirklichen hoffen. Ein Staatsstreich war aber nicht denkbar ohne Unterstützung durch die bewaffnete Macht. Und so wurde das Verhältnis der Politiker zu den Militärs von Anfang an, schon lange vor dem Eintritt Goerdelers in die poli- tische Aktion, zum zentralen Problem der bürgerlich-nationalen Widerstandsbewegung. Neuntes Kapitel: Die Haltung der Soldaten Wer die politische Haltung der Soldaten im Reiche Hitlers ver- stehen will, muß zurückgreifen auf die Traditionen der Reichs- wehr, des Freiwilligenheeres der Weimarer Republik. Ihr Ver- hältnis zum Staate ist gekennzeichnet durch eine tiefe Zwiespäl- tigkeit. Die älteren Offiziere, die jetzt in höherem Dienstrang standen und noch aus der An kaiserlichen Armee stammten, tru- gen deren Berufsethos noch ganz lebendig in sich. Aber das ganz persönliche Treueverhältnis zum Staatsoberhaupt war durch die Ereignisse von 1918 nun doch zerstört. Für die Autorität des Staatsoberhauptes alles einzusetzen, war ihnen vor 1918 nicht nur dienstliche Pflicht, sondern zugleich Herzenssache gewesen. Mit dem Reichspräsidenten Ebert verband sie nichts, mit Hindenburg wohl die gemeinsame Erinnerung an die Kaiserzeit und die per- sönliche Achtung seines Feldherrnruhms-— beides aber doch ge- brochen durch schmerzliche, ja peinliche Erinnerungen an die Novembertage von 1918, in denen auch Hindenburg den Kaiser hatte fallen lassen, sich von Ludendorff getrennt, Groener an seine Stelle gesetzt und das geschlagene Heer den neuen Machthabern zur Verfügung gestellt hatte. Die beiden Männer, die bei dieser Wendung entscheidend mitgewirkt hatten, Groener und Schlei- cher, waren in der neuen Reichswehr nicht beliebt- gerade weil sie dem neuen Staat sich enger verbunden fühlten als die meisten ihrer Kameraden. Die betrachteten sich wohlals Waffenträger der Republik- einzige Waffenträger zu sein gehörte zu ihrem Berufs- stolz-, aber in einem ganz äußerlichen Dienstverhältnis, kühl bis ans Herz hinan. Ihr Offiziersideal verkörperte am vollkommen- sten der Organisator und Chef der Wehrmacht: General von \oldaten st das nı jeiz, nOC äyenen| lem Prä Liele sic Außenpe trise 192 ang mit hurchgri Präsidial hmdam dben sc Fortbest Ruhe de zıb er. Werkte, Seeckt. Es war lange üblich, ihn das Urbild eines»unpolitischen« IN Die Haltung der Soldaten 133 ozialst, Soldaten zu nennen. Wie sein Nachlaß inzwischen gezeigt hat, In, nich!, ist das nur bedingt richtig. Es hatihm weder an politischem Ehr- Hitlerit'\ geiz, noch an einer gewissen politischen Verschlagenheit, noch an wickelt, dgenen politischen Zielen gefehlt. Er hat mehr als einmal nach vol, dem Präsidentenposten gestrebt und zur Durchsetzung eigener warabe) Ziele sich nicht gescheut, sehr nachdrücklich in die deutsche e Macht Außenpolitik hineinzureden.! Als ihm Ebert während der Staats- itärs vn krise 1923 die»vollziehende Gewalt« übertrug, hat er eine Zeit- die pol ng mit dem Gedanken eigener»Machtergreifung« und einer ıtionakt durchgreifenden Reichsreform(mit dem Ziele einer Stärkung der Präsidialgewalt) gespielt- Gedanken, in denen ihn Goerdeler, der Ihm damals eine Reformdenkschrift übersandte, noch bestärkt zu haben scheint.? Schließlich war er aber doch zu klug, um den Fortbestand der Reichswehr und die mühsam erkämpfte innere Ruhe der Republik durch politische Abenteuer zu gefährden. So tlesve gab er seine Vollmachten in dem Augenblick zurück, als er e Reichs merkte, daß sich seine Autorität durch unpopuläre Maßnahmen Ihr Ver(wie die Auflösung der extremen Rechts- und Linksparteien) Zwiespil tnsch verbrauchte. Innerpolitische»Querverbindungen« auch mit ienstrad der Linken und mit den Gewerkschaften zu suchen wie Schlei- nten,t her, lag ihm gänzlich fern, parteipolitisches Treiben war ihm dasgau fremd und wenig interessant. Im Grunde interessierte ihn wohl Jurch de tur die eine politische Frage, diejeden Soldaten bewegte: dienach yrität ds der Möglichkeit für Deutschland, wieder»aktive Macht« zu wer- nicht nu den.»Aktive Politik« treiben aber hieß für Seeckt nichts anderes „sen. Mi\ ls»den Kampf vorbereiten«: den Kampf gegen Frankreich und ‚denbug Polen zur Zerstörung des Vertragswerkes von Versailles, und | dieper Zwar mit Hilfe Rußlands, dessen Rote Armee er sich als Verbün- doch gt deten dachte und zu verstärken eifrig bemüht war. Dieser Kampf, ‚nandt Meinte er, würde»uns nicht erspart bleiben«, falls wir uns nicht An Kaise bereit fänden, fortdauernd»den Franzosen und Polen aus der e anseit Hand zu fressen«. Bekanntlich hat er sehr viel Geld und Kraft an hthaber den heimlichen Aufbau einer hochmodernen Rüstungsindustrie ” dies gewandt, die beiden Armeen, der bolschewistischen und der ‚dSchle teutschen, nutzbar werden sollte. Innerpolitische Bedenken ge- vade yd gen eine solche Bundesgenossenschaft schob er als»politischen e meiste! Kinderschreck« verächtlich beiseite. Das war auch Politik— aber vägerd!| fine rein militante. Die große Denkschrift, in der Seeckt das alles Benf® in September 1922 dem Reichskanzler Wirth vortrug, muß man | hl bi"schon eine klassische Formulierung»militaristischen Geistes« Ko tennen. i | In diesem Geist, nicht aber in dem einer reinen Schutz- und al B. ne: 3- el 1 ohne politischen Ehrgeiz hat Seeckt seine Generali- 1 ‚8 nn are ss: nen. een et une mer 134 Neuntes Kapitel tät erzogen. So wie er selbst(nach der Formulierung seines Bio- graphen)»auf seine Stunde wartete«, so taten sie es im Grunde alle. Natürlich nicht auf einen neuen Zweifronten- oder gar Welt- krieg(wir werden noch sehen, daß sie den wie das Feuer scheu- ten), überhaupt nicht blindlings auf einen neuen Krieg— beileibe nicht; wohl aber darauf, daß eine veränderte Weltkonstellation Deutschland die Möglichkeit geben würde, so stark aufzurüsten, daß es keine französisch-polnischen Angriffe mehr zu fürchten brauchte und damit in die Lage käme, wieder»aktive Politik« (mit Machtgewicht) zu treiben. Sie hätten keine Soldaten sein müssen, wenn sie nicht bereit gewesen wären, jedem zu folgen, derihnen das versprach. Der Gedanke, daß Rußland dabeiirgend- wie hilfreich werden könnte, war schon so fest verwurzelt, daß der Wehrminister von 1937, General v. Blomberg, die freund- schaftlichen Beziehungen zur Roten Armee noch jahrelang nach Hitlers Machtergreifung weitergepflegt hat— trotz aller anti- bolschewistischen Proklamationen der Nationalsozialistischen Partei. Seeckt wurde 1926 gestürzt, aus einem an sich höchst unbedeu- tenden Anlaß; dahinter steckte aber das Mißtrauen der Republik gegen seine Eigenmächtigkeit. Es folgten dann unter Gessler und Groener viele Anstrengungen, das Offizierkorps politisch im Sinne der Weimarer Demokratie zu erziehen, in Vortragskursen und Belehrungen jeder Art, um die sich vor allem auch Schleicher als Chef des neugeschaffenen, rein politischen»Ministeramtes« eifrig bemüht hat. Das alles glitt aber(nach dem Zeugnis von Miterlebenden) von der Mehrzahl ab wie Wasser vom Regen-|| mantel. Ja, es erschütterte in nicht wenigen Fällen das Vertrauen zu der neuen Heeresleitung. Unter dem zweiten Nachfolger Seeckts, General Freiherrn von Hammerstein-Equordt, einem Grandseigneur von ebenso großer Lässigkeit im Dienst wie Frei- heit von politischen Vorurteilen(er galtim Ministerium als»roter General«, und eine seiner Töchter war Kommunistin), scheint diese Erschütterung noch zugenommen zu haben. Jedenfalls be- hauptet von Fritsch, der ihn im Februar 1934 ablöste, er habe bei seinem Amtsantritt nur noch ein»Trümmerfeld« vorgefunden.? Nun waren es aber gerade die Hammerstein, Groener und Schlei- cher, die dem Nationalsozialismus am entschiedensten wider- strebten. Aus ihrem Mißerfolg zu schließen, die Mehrzahl der deutschen Offiziere wäre dem Nationalsozialismus wohlgesinnt gewesen, würde ein Kurzschluß sein. Für den deutschen Durch- schnittsoffizier verkörperte sich die Republik von Weimar haupt- sächlich in der Sozialdemokratie. Gegen diese herrschte stärkstes Vißtrauc jergesse Weltkrie Noske n Generäle tanche: itellung nufparla Brbitten ichen Pı Yolitiker politik u bich imr Frankre; &ine pol and dam Zungen jede Beı Lich, d tändsb: Bepime And Sch firden| Eifer Ein eir 0 Bilten 2 [1 ch gg Er Hit Werstärk je Mi "ülksle Nitd; d kat tisch Lil 100 Kschier "ichs, Die Haltung der Soldaten 135 Fi} it Mißtrauen. Ihre wehrfeindliche Haltung vor 1914 war noch un- vergessen und ebenso ihr Kampf gegen Ludendorff während des (dt, Weltkriegs. Auch das Bündnis, das ihre Führer wie Ebert und Noske nach 1918, im Kampf gegen die extreme Linke, mit den -beileik Generälen geschlossen hatten, änderte daran nicht allzuviel, und stellation manche späteren Ereignisse wie Scheidemanns öffentliche Bloß- urüste. stellung der Rußlandgeschäfte Seeckts(1926) oder Löbes Antrag fürchtet. auf parlamentarische Kontrolle des Offizierersatzes weckten neue Politik Erbitterung. Wehrfeindliche Äußerungen der sozialdemokrati- aten set, schen Presse verstärkten sie noch. Man traute den»Erfüllungs- u folgen. politikern« von der Linken keine rechte Tatkraft in der Außen- :jirgen, politik und keine echte» Wehrfreudigkeit« zu. Man fürchtete aber zelt, dl) auch immer, es könnten beiunsähnliche Zustände eintreten wiein > freund Frankreich nach dem Dreyfus-Prozeß: daß die»Zivilminister« angmd', eine politische Gesinnungsschnüffelei in der Armee einführten Iler an und damit das streng sachliche Leistungsprinzip bei Stellenbeset- listischt zungen und Beförderungen zerstörten. Dagegen hat sich noch jede Berufsarmee zur Wehr gesetzt, und so erklärt es sich wohl ınbeder Auch, daß der Oberst Beck, der später zum Führer der Wider- Republi standsbewegung gegen Hitler geworden ist, sich 1929 als Ulmer sjleru Regimentskommandeur schützend vor seine Leutnants Ludin itisch 0 und Scheringer stellte, als sie wegen verbotener Werbetätigkeit gskust! fir den Nationalsozialismus vor Gericht gestellt wurden. chleich“| Eifersüchtige Wahrung der politischen Unabhängigkeit, Siche- teramtel' fung einer Sonderstellung der Armee als»Staat im Staate«, Fest- gnis vo halten am strengen Leistungsprinzip— das richtete sich nun frei- n Reg| lich gegen jeden Parteieinfluß, grundsätzlich also auch gegen den Jertrautt der Hitler-Partei. Hier kam noch vieles dazu, das die Abwehr „chfolg!“ verstärkte: die natürliche Abneigung des Berufssoldaten gegen je, einen tine Militarisierung breiter demokratischer Massen, ja des ganzen wiefe, durch die das Militärische als solches entwertet „loro®_ Wird; die Geringschätzung der Fachleute gegenüber dem dilet- schät Treiben des politischen Soldatentums und eines Füh- falls k, das jedem Berufsoffizier wie ein Zerrbild seiner selbst ‚habe teschien; die Sorge vor einer Konkurrenz der Parteiarmee mit der efunden: Reichswehr, die Erfahrung, daß der vormilitärische Drill der ia Schle!- Braunhemden die Brauchbarkeit der Rekruten mehr schädigte als ,n wide förderte. Schließlich und nicht zuletzt der Widerwille des in ritter- ; lichen Standestraditionen und adlig-bürgerlichen Lebensformen trzogenen Offizierskorps gegen das Proletarische und Markt- schreierische der Hitler--Bewegung, zumal gegen die Roheit ihrer Saalschlachten und Straßenkämpfe. So erklärtes sich, daß bis 1933 die Haltung der älteren, noch aus der alten Armee stammenden 136 Neuntes Kapitel Offiziere gegenüber dem Nationalsozialismus fast durchweg zu. rückhaltend, vielfach skeptisch oder scharf ablehnend war. Eine Ausnahme machte nur Oberst von Reichenau, der als intriganter Streber galt.* Aber war die Wirkung solcher Standestraditionen stark genug, um ihre Träger zum aktiven Widerstand gegen das national: sozialistische Regiment anzutreiben? Als Reichskanzler hat Hitler sich um keinen Stand mehr bemüht als um das Offizierkorps, und schon seine ersten Schritte in die Politik hatte er ja mit Unterstüt- zung von Reichswehrorganen getan. Schließlich gab es keinen zweiten Politikerin Deutschland, der die Wiederherstellung deut- scher Wehrhoheit mit solcher Energie förderte wie er: eine für jeden Offizier bestechende Aussicht! Wie verführerisch sie wirkte, kann man am Beispiel Seeckts sehr deutlich verfolgen. Es wird schon richtig sein, daß er niezum überzeugten Nationalsozialisten geworden ist, sondern im Grunde der Hitler-Partei mit derselben Kühle gegenüberstand wie allem Parteitreiben. Gleichwohl be- antworteteer Ende 1930 eine Anfrage der Deutschen Allgemeinen Zeitung, ob er eine Regierungsbeteiligung der Hitler-Partei für wünschenswert halte, mit einem»uneingeschränkten Ja. Sie ist mehr als das, sie ist notwendig.... Das, was in dieser Bewegung den Kern bildet, das nationale Empfinden, der Wehrwille, das so- ziale Verständnis, alles getragen von einem jugendlichen, reform- bestrebten Auftrieb, alle diese Elemente sind ein notwendiger Bestandteil der Regierung der Zukunft. Diese Regierung muß die Form eines Keils haben, dessen stählerne Spitze die Vernunft ist, die von der Macht vorwärtsgetrieben wird gegen die Wand wirt- schaftlicher Hemmnisse und äußerer Feindschaft... Bei dem Stoß dieses Keils werden Späne fliegen, das ist unvermeidlich. Die Formalisten und Bürokraten werden beiseite geschoben, und es wird nicht schade um sie sein.«5® Im Frühjahr 1931 hatte er eine persönliche Aussprache mit Hitler, die ihm einen»außerordent- lich tiefen« Eindruck machte, wenn er auch dem»Führer« er- klärte, seinen eigenen Stil nicht mehr ändern zu können. Ein Jaht später riet er seiner Schwester, Hitler statt Hindenburg zu wählen, wobei er eigene Präsidentschaftshoffnungen begrub. Bald darauf hielt er zur Sonnwendfeier des oberbayrischen Stahlhelms eine Rede, die kaum noch etwas von seinem»eigenen Stil« erkennen läßt, vielmehr die bis dahin sorgsam gepflegte Prägnanz Moltke- scher Redeweise durch Wagnerische Redensarten ersetzte:»Nut wer das Fürchten nie gelernt, schmiedet Notung neu!« ehrzah uch in v ten auf. {ie unter len ober Stahlhe 0 große bier Hi teschrie! (uszuscl icbung. Jerfür ı vieihn| fen.’ Er ırch ei hen, Sir Titsäch) Reichsta dtacht y ts entw Reichst; Ltr ein Duuten| fplich Awirse dr Hec Als Seeckt so redete, war er schon lange nicht mehr im Amt, aber noch immer vornehmster Repräsentant des Geistes, der die hweg.zul vat. Ein teigante! | rk zer ö u national hat Hlitle' orps, un Interstül es keine| ung deul » eine I je wirkt ‚Es witt ozialistei derselbt wohl bt gemein! Partei fü Ja. Sie‘ jeweguff| je, dasst n, refort! wendigt enunft N N Tand wit Bei di dlich.D’ fl, un& te er ei erordel' Die Haltung der Soldaten 137 Mehrzahl seiner Standesgenossen beherrschte. Als solcher trat er auch in vielen Vorträgen, in- und ausländischen Veröffentlichun- gen auf. Inzwischen waren nationalsozialistische Ideen längst in die unteren Ränge der Armee eingedrungen, hatten aber auch in den oberen zu wirken begonnen, teilweise auf dem Weg über den ‚Stahlhelm« und die»Harzburger Front«. Schon 1932 stand ein w großer Teil der wehrfähigen und wehrfreudigen Jugend im Lager Hitlers,® daß die Reichswehrleitung nicht mehr wagte, ein- geschriebene Parteimitglieder von der Aufnahme in ihre Reihen auszuschließen, daß Schleicher im Juni gegen Groener die Auf- hebung des Verbotes der SA durchsetzte und es Anfang Dezem- ber für unmöglich erklärte, den offenen Kampf gegen die Partei, vie ihn Papen damals forderte, mit Hilfe der Armee durchzufüh- ten.” Er suchte damals noch nach Mitteln, die Hitler--Bewegung durch eine innere Spaltung zu lähmen und ungefährlich zu ma- chen. Sieben Wochen später war auch er am Ende seiner Künste. Tatsächlich war jetzt Hindenburg durch das Widerstreben der Reichstagsparteien gegen sein Präsidialkabinett in eine Lage ge- bracht worden, in der ihm faktisch gar nichts anderes übrigblieb, is entweder die Verfassung offen zu brechen und ohne den Reichstag zu regieren, allein auf die Reichswehr gestützt, oder ıber ein Hitler-Kabinett zu berufen- mit den von Papen einge- bauten Sicherungen gegen eine Hitler-Diktatur(die sich nach- träglich als unwirksam erwiesen haben). Man begreift, daß er sehr unwirsch wurde, als in diesem allerletzten Augenblick der Chef der Heeresleitung vor ihm erschien und die Entlassung Schlei- chers als»untragbar« für die Reichswehr bezeichnete. Nach einer $ut überlieferten Erzählung hat er den General v. Hammerstein höchst ungnädig angebrummt: er wünsche keine politische Be- lehrung durch seine Generäle, sie sollten sich lieber mehr um ihre Herbstmanöver kümmern und die Politik anderen Leuten über- hissen. Es war die natürliche Reaktion des alten Soldaten auf eine Handlung, die er im altpreußischen Stil als»Insubordination« empfinden mußte. Was Hammerstein nun eigentlich vorgetragen hat, ist nicht mehr mit voller Sicherheit zu erkennen. Nach einem "Bericht des mitanwesenden Generals v.d. Bussche hätte er _ schwere Sorge vor einer»inneren Zersetzung« der Truppe durch - tationalsozialistische Propaganda und vor der politischen»Maß- losigkeit« Hitlers geäußert. Ein Bericht, den Hammerstein selbst 1935 niedergeschrieben hat(zur Abwehr nationalsozialistischer Angriffe auf sein Verhalten in der Junikrise) versichert statt des- sen, erhabe gegen die Bildung eines Präsidialkabinetts Papen-Hu- tenberg ohne Mitwirkung Hitlers protestiert, weil die Reichs- emnnarn che wien i iM ‘ Ab 2 138 Neuntes Kapitel wehr außerstande sei, dieses Kabinett gegen 93 Prozent des deut: schen Volkes zu stützen. Dazu stimmt aber schlecht, was er selbst (in voller Übereinstimmung mit v. d. Bussche) von Hindenburg Antwort berichtet: die Herren würden ihm, dem Präsidenten, doch wohlnichtzutrauen, daß er den»österreichischen Gefreiten« zum Wehrminister oder gar zum Reichskanzler berufen würdel Der Generaloberst muß also doch in irgendeiner Form auch vot Hitler gewarnt haben, nicht bloß vor einem Kabinett Papen-Hu- genberg ohne Mitwirkung Schleichers oder Hitlers. So oder so; zu einem offenen Kampf, einem Bürgerkrieg gegen die Hitler- Bewegung war er jedenfalls nicht bereit; in erster Linie kam es ihm doch wohl darauf an, seinen Freund Schleicher im Amt zu erhalten. Jedenfalls hat er sich eifrig darum bemüht, in der illusio- nären Hoffnung, dieser könnte als Wehrminister ein wirksames Gegengewicht gegen Hitler im Kabinett bilden und die»Maß: losigkeit« des großen Demagogen mit Hilfe der Reichswehr ab- dämmen. Solche Vorhaltungen waren nicht sehr eindrucksvoll und kamen in jedem Fall bereits zu spät. Wie wenig man sich überdies auf das Wort eines Hindenburg verlassen konnte, wurde wieder einmal klar, als der Präsident bereits am nächsten Tag in aller Form das Kabinett Schleicher entließ und Herrn von Papen'p den Auftrag gab, mit Hitler zu verhandeln.® An Hammersteins Protestschritt hat sich nun sogleich die Le: gende angeknüpft, er habe Schleicher veranlaßt, noch im letzten Augenblick seiner Amtstätigkeit als Wehrminister die Potsdamet nison zu mobilisieren, um durch einen Putsch in Berlin die Ernennung Hitlers gewaltsam zu verhindern, diesen zu verhaften, einen»Reichsnotstand« zu erklären und Hindenburg nötigenfalls gewaltsam nach Ostpreußen abzuschieben. Das Gerücht geht auf eine offenbar sehr aufgeregte Unterhaltung zurück, die am Vor- mittag des 29. Januarim Freundeskreise Schleichers, vielleichtauf Veranlassung Hammersteins, jedenfalls mit dessen Teilnahme stattgefunden hat. Ohne jede nähere Orientierung über das, was jetzt im Präsidentenpalais vor sich ging, beriet man, was die Reichswehr jetzt noch tun könnte, um ihren politischen Einfluß|. auf die neue Regierung zu sichern. Man hielt Schleicher noch immer für unentbehrlich als politisches Organ der Armee. Von einem auswärtigen Ratgeber(Otto Wolff, Köln) soll telefonisch der Ratschlag gekommen sein, mit militärischer Gewalt gegen den Reichspräsidenten vorzugehen, der jetzt wohl nicht mehr voll zu: rechnungsfähig und in Gefahr sei, politischen Abenteurern in die Hände zu fallen. Sicher ist, daß Schleicher diesen absurden Ge; danken keinen Augenblick ernst genommen hat. Statt dessen vurde H nit Hitle nerkun Beibehal Inlaßt w: Schleich. ron Blo: Genf he Völkerb: über ber Achmen, wenig gı Im let Hiper ir Politisch Kominte zum. AsVerm Sozialist; jr erift, di $ teiche: Ster Auf Eiten Pı Eicken Hinden! Bitda. Baden Fi Hinden! Pehrmi „sneu ‚de N "enden Mjutgr ad no, "ter ‚“elera Die Haltung der Soldaten 139 - yurde Hammerstein veranlaßt, am Nachmittag sich persönlich hit Hitler zu treffen, Näheres über die laufenden Verhandlungen "erkunden und(wie ich vermuten möchte) auf alle Fälle für die sidenten, Beibehaltung Schleichers als Kriegsminister sich einzusetzen. Ver- efreitena anlaßt war dieser Besuch durch die Nachricht, Hindenburg habe n würd Schleicher völlig fallen lassen und bereits telegrafisch den General auch vi: on Blomberg, der ihm von Ostpreußen her vertraut war, aus apen-Hi- Genf herbeigerufen, wo er in der Abrüstungskommission des ‚odersit Yölkerbunds tätig war.? Hitler zeigte sich Hammerstein gegen- ie Hitlt- über bereit, Schleicher als Wehrminister in sein Kabinett aufzu- ie kam# nehmen: offenbar hat er die Ränke des großen Intriganten ebenso- 1 Amtzi yenig gefürchtet wie die Vizekanzlerschaft eines Papen. erillust-' Im letzten Augenblick schaltete sich aber nun ein Zwischen- virksami träger in die Verhandlungen ein: Werner von Alvensleben, ein lie»Mal- politischer Geschäftemacher, der als Leiter eines obskuren Anti- swehrab: komintern-Büros sich zwischen Regierung und Hitler-Partei wich- rucksvol ig zu machen suchte und bald der einen, bald der andern Seite sich man sid! Als Vermittler anbot. Am Abend des 29. alarmierte er die national- te, wurd! sozialistische Führerclique, die im Kaiserhof auf die Ernennung en Tag! Hitlers wartete, mit der Nachricht, Schleicher sei soeben im Be- ‚on Pap&! griff, die Potsdamer Garnison zur Durchführung eines Staats- streiches nach Berlin marschieren zu lassen." Das führte zu stärk- ch die?" ster Aufregung, Alarmierung der Berliner SA und eines befreun- imletzt. deten Polizeimajors, der die Wilhelmstraße durch Schutzpolizei Jotsdamt" decken sollte, vor allem zur Meldung an Papen und durch ihn an Berlin d“ Hindenburg. Der»Alte Herr« selbst blieb ziemlich unberührt: er verhaftet. hielt das Ganze für bloßen Wind. Sein Sohn Oskar dagegen und - Papen zeigten sich sehr besorgt. Praktisch war das Ergebnis, daß stigenfl jr geht. Hindenburg nun beschloß, die Ernennung des neuen Reichs- o am Vor wehrministers beschleunigt durchzuführen, noch vor der Bildung ‚Jleichtat' des neuen Reichskabinetts, um allen Schleicherschen Intrigen ein Teilnabt| Ende zu machen. Hammersteins Versuch, den von Genf kom- „das,| menden Blombergamfrühen Morgen des 30. Januar durch seinen was k| Adjutanten am Anhalter Bahnhof abzufangen, zu sich zu bestellen » Einf"| und noch in allerletzter Minute zur Ablehnung zu bestimmen, 5 scheiterte. Am Zuge stand auch Oskar von Hindenburg, der den not| . hl General unmittelbar zu seinem Vater geleitete, wo er sogleich Jefonis® seine Ernennung als W ehrminister empfing. Zwei Stunden später egend®- war das Hitler-Kabinett gebildet. So dramatisch, in einer Artvon hr volla Wettlauf zwischen Militärs und Politikern, vollzog sich der letzte Akt des Dramas, mit dem Deutschlands Unheil begann. " Hitler hat mit der Berufung General Blombergs, den er vorher tar nicht kannte und den sich Hindenburg gerade als einen ver- 140 Neuntes Kapitel meintlich unpolitischen Soldaten im Sinne der Reichswehrtradi- tion und als persönlichen Vertrauensmann ausgesucht hatte," ein unwahrscheinlich großes Glück gehabt. Keine Persönlichkeit konnte besser geeignet sein, denäußeren Anschein ugveränderter Selbständigkeit der Reichswehr aufrechtzuerhalten und diese doch in kaum merklichen Stufengraden zum willenlosen Werkzeug zu machen, als gerade dieser Wehrminister aus der Schule des alten kaiserlichen Generalstabs: kein Parteimann, nicht ohne Anhäng- lichkeit an die Tradition, aber impressionabel, ein Kavalier und liebenswürdiger Vermittler ohne gefestigte sittliche Grundsätze, nicht ohne phantastische Züge in seiner Weltanschauung- mit einem Wort: nichts weniger als ein Charakter. Weil er empfäng- lich war für die Suggestivwirkung des großen Rhetors und De- magogen— im Gegensatz zu den meisten seiner Kameraden, nüchtern-sachlichen Technikern des Kriegshandwerks-, gewann er bald das volle Vertrauen Hitlers, mehr als irgendein anderer General. Niemals hat ein deutscher Kriegsminister formal eine solche Fülle der Macht besessen wie er als Minister für Heer und Marine zugleich, nach Hindenburgs Tod(seit 1. 6. 1935) auch noch als»Oberbefehlshaber der Wehrmacht«, d. h. Inhaber der Kommandogewalt über alle drei Wehrmachtteile. Aber niemals ist auch deutlicher geworden, wie wenig die äußere Organisation der Militärbehörden für das wirkliche Machtverhältnis militä- rischer und politischer Instanzen bedeutet, wie sehr hier alles ab- hängt von den Persönlichkeiten und von den allgemeinen poli- tischen Verhältnissen. Blomberg hätte(trotz seines Rückhalts an Hindenburg) nie daran denken können, in ähnlichem Sinn eine »politische Figur« zu machen wie die Seeckt, Groener und Schlei- cher. Er hat es aber auch gar nicht gewollt. In das Ministerbüro, dasfrüher Schleicher als Machtposition gedient hatte, berief er den einzigen überzeugten Nationalsozialisten der höheren Stäbe, Oberst von Reichenau. So konnte Hitler ohne Sorge sein und Hammerstein, dessen Mißtrauen und Abneigung er genau kann- te,1?2 zunächst an der Spitze der Reichswehr belassen, ja sogar in dessen Hause, unmittelbar nach der Regierungsbildung, einen Empfang der Generalität veranstalten, mit einer Programmrede, von der er selbst später meinte, es sei eine seiner schwierigsten Reden gewesen angesichts der Eiseskühle, mit der man hier seine Worte aufnahm.!3 Übrigens scheint es, daß Hammerstein, wie in allen seinen Dienstgeschäften, so auch in der Vertretung der Wehrmachtinteressen gegen die Partei sich recht lässig erwie- sen hat.!4 Mit vollendeter Klugheit hat Hitler überhaupt, solange Hin- enburg erReicl en; der im Zwi erichte‘ 1 Frage linzelhe leschwe bzuwei Tich er] äts gew Dartei us ich in| Tagung Sepens: jebung Jefehlst dezeup: Zulet Cheide: Rat ode lie Wie Rheinla deraucl Ton de; Ind de tickun Einsprı Nchrn. !Nger dedeut, das Of anatisc Slpener Damm Ur da: Capt.) Die Haltung der Soldaten 141 vehrtnd 4 denburg noch lebte und darüber hinaus, die Empfindlichkeiten t hatte} der Reichswehr geschont, ja förmlich um ihre Sympathie gewor- snlichkil ben; der Tag von Potsdam(21. März 1933) diente vor allem die- ändere) sem Zweck. Den Generälen trat er, wie sein Adjutant Hoßbach liesedod) berichtet, bis 1937 mit betonter Achtung gegenüber, mischte sich tkzeuga in Fragen der Ausbildung, der Taktik und Strategie, aber auch in ‚desale| Einzelheiten der Personalbesetzung niemals ein und vermied es, ‚Anhin| Beschwerden über seine Partei, die man ihm persönlich vortrug, "| abzuweisen. Unangenehmen Entscheidungen in solchen Fragen yalier un undsitz!\ wich er lieber durch einen Redeschwall aus, dem keiner der Mili- ung- m] ts gewachsen war. Gegen politische Verleumdungen aus der empfänz Partei und gegen die Rivalität der SA hat er die Reichswehr mehr- sundDi] Ach in Schutz genommen, in Godesberg 1933 eine gemeinsame ‚meradel Tagung von Wehrmacht- und SA-Führern zum Ausgleich der _, gewat Gegensätze veranstaltet, am 7. Januar 1935 eine förmliche Kund- in andere gebung in Berlin abgehalten, die sein volles Vertrauen zum Ober- ‚mal ir) befehlshaber(damals Fritsch) gegen alle Verleumdungen der SS Heer ut! bezeugen sollte. Zuletzt war das alles bloße Taktik und äußere Form. In den ent- aud 3) scheidenden Fragen seiner Wehrpolitik hat sich Hitler um keinen er di je Rat oder Einspruch militärischer Fachleute gekümmert. Sowohl gan die Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht 1935 wie die nis mil Rheinlandbesetzung 1936 hat er selbstherrlich verfügt, ohne vor- alles! her auch nur einen der Militärs zu befragen. Als Blomberg zuerst inen juli) von der bevorstehenden Verkündung des neuen Wehrgesetzes ckhaltse und dem großen Umfang der von Hitler geplanten Heeresver- Sinn ei stärkung hörte, war er entsetzt, weil er sofort den bewaffneten nd Sch Einspruch des Auslands befürchtete. Die Generäle der Reichs- ' erbüft wehr nahmen das Gesetz überhaupt mit sehr gemischten Empfin- erde dungen auf; denn die Einführung der allgemeinen Wehrpflicht N Sräh bedeutete ja, daß nun die letzten Dämme zerbrachen, die bisher en>| das Offizierkorps und die Truppe vor der Überflutung durch | gejn U| 3 E”= ae - kat! fanatische Parteianhänger geschützt, der Armee so etwas wieeinen ne\ eigenen Korpsgeist hatten bewahren helfen. In der Tat ist dieser R hy 1, ji Dammbruch an erster Stelle zu nennen, wenn man nach Gründen ung"„u, für das Versagen des militärischen Widerstands gegen Hitler N fragt. Man hat dafür immer wieder die»preußische Disziplin« und wie|| die mangelnde politische Erziehung des Offizierkorps, die Ein- .(g ‚hier ‚ seitigkeit seines militärischen Denkens verantwortlich gemacht. ein,”|| Aber ohne strengste Disziplin gibt es überhaupt keine leistungs- tun i, fähige Armee, und politische Bildung schützt nicht vor politischen sg er\ Torheiten und Leidenschaften. Denn die Politik ist in erster Linie u gi\ nicht eine Sache des Wissens, sondern des Instinkts, des Willens aD Ib: 142 Neuntes Kapitel und des Charakters; der aber läßt sich durch keine Erziehung ga rantieren. Schließlich war der deutsche Durchschnittsoffizier poli tisch nicht schlechter gebildetals der Durchschnittsdeutsche über- haupt. Wenn er vorzüglich zum Gehorsam erzogen war, so kanı auch das Gehorchenkönnen eine politische Tugend sein, und poli- tisierende Soldaten haben nach aller geschichtlichen Erfahrung (gerade auch in Preußen und Deutschland)? viel häufiger Unheil als Nutzen gestiftet. Zur Tradition der altpreußischen Armee ge- hörte nun freilich auch, daß die Spitzen der militärischen Hierar- chie eine gewisse Freiheit der Entschließung besaßen. Moltke hat größtes Gewicht darauf gelegt, der obersten Truppenführung nur Weisungen und Aufträge zu selbständiger Ausführung, nicht etwa Kommandos zu Arielen. erst Hitler hat dieser Tradition, auf der die größten Erfolge deutscher Heerführung beruhten, als Oberbefehlshaber ein Ende gemacht. Zum Tragen einer selbstän- digen Verantwortung bedarf es innerlich freier Persönlichkeiten, und die an der obersten Spitze des Heeres stehenden Persönlich: keiten haben auch ein großes Stück politischer Mitverantwortung zu tragen. Denn die großen Fragen der Rüstung und militärischen Volkserziehung, von Krieg und Frieden und vollends die Pro- bleme der modernen Kriegfährung sind zugleich politische Pro- bleme erster Ordnung. Eben deshalb hatte sich Clausewitz das Ideal der»Feldherrnnatur« ausgedacht, der die oberste Kriegs- und Heeresleitung anvertraut werden sollte: des kriegerischen Genius, in dem sich militärische und politische Begabung ver- einigen, der also weit mehr als ein bloßer Fachmann, ein bloßer Kriegstechniker ist. Nur sind leider solche Genies in der ge schichtlichen Wirklichkeit das Allerseltenste, und es mag wohl sein, daß der stark technisierte Ausbildungsgang des modernen General stabs wenig geeignet ist, sie zu fördern, daß er mehr die tüchtigen Kriegstechniker als die genialen Köpfe an die Spitze bringt. Eine wirklich geniale, überragende Führernatur- zu der immer auch ein sicherer politischer Instinkt gehört— scheint der deutschen Generalität des Zweiten Weltkrieges gefehlt zu haben, trotz überaus tüchtiger Fachleistungen und großer Bravour im einzelnen, und eben dies erleichterte Hitler, dem genialischen Dilettanten, seine spätere Mißhandlung des Generalstabs und sein gewissenloses Spiel mit Menschenleben und Material. Geniale Köpfe konnten aber auch deshalb nicht in Erscheinung treten, weil es der große Abenteurer von Anfang an verstand, selbstän- dige Charaktere von den allerobersten Kommandostellen fern- zuhalten und sie durch willfährige Werkzeuge zu ersetzen. Da- kit, Ar plitisch leichswe erteidig der ges tehen.] arteilicl \an, M: jemilit: ber Hit! nGeg: Iarteipe er NSI rausige jolstellu einstär til der rerden Dauer) sten au lunein: Rr kenr talität, Dit Hit Uh.ih, ein mi Üem: Meuern Mit Kirklie Ser Mi Seit die Nann-ı Eischer Fonstr‘ Schnell Ossen Eehild. durch war alle militärische Opposition gelähmt. An der Dienst:' | Y Shen Cltch\ F Die Haltung der Soldaten helissenheit eines Keitel sind im Zweiten Weltkrieg unzählige Proteste der Truppenführer gescheitert. Aber es gab von Anfang an eine noch tiefer liegende Schwierig- \ keit. Armeen sind Machtmittel in der Hand der Politik, aber ohne politische Kraft aus eigener Wurzel. Was war es denn, was die Reichswehr im Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu verteidigen hatte? Ihre Tradition war: überparteilich zu sein, um | jeder gesetzmäßigen Regierung gleichermaßen zur Verfügung zu en Hieru'| stehen. Die Hitler-Regierung war gesetzmäßig, und die Über- Woltkeh'| parteilichkeit verlor im Einparteienstaat ihren ursprünglichen ‚nführu| Sinn. Man konnte sich nach wie vor wehren gegenalle Versuche, ung, nid) die militärische Leistung durch politische Gesinnung zu ersetzen; Traditio)) aber Hitler war viel zu klug, um seinen Generälen das zuzumuten; in Gegenteil, er schützte sie gegen solche A@mutungen seiner ruhten, t selbst Parteigenossen, löste aufihr Verlangen das»W ehrpolitische Amt lichkeitei| der NSDAP« schließlich auf und veranstaltete sogar 1934 ein ersönlich|| grausiges Blutbad unter seinen SA-Führern, als diese die Mono- twortun!| polstellung der Wehrmacht bedrohten. Denn er wußte, daß er litärischel| Win stärkstes Machtinstrument zerstört hätte, wenn er es(etwa im 5 die pe) Stil der Polen unter Pilsudski) zu einer bloßen Parteiarmee hätte ischePe| werden lassen. Um so weniger konnte die Armee sich auf die sewitz d Dauer»überparteilich« gebärden, d.h. überzeugte Nationalsozia- te Kriegs sten aus ihren Reihen fernhalten. Denn im Einparteienstaat gilt ogerische) Mann einmal das Gesetz: Wer nicht für mich ist, der ist wider mich. bung gell Br kennt kein Ausweichen in die(angeblich) unpolitische Neu- ein blokk alität. Da die Masse des deutschen Volkes bis 1937 unzweifelhaft in der fl) mit Hitler ging, hätte die Reichswehr sich nicht nur völlig isoliert, mag wo d.h. ihres eigenen Nachwuchses beraubt, sondern geradezu meu- moderne) tern müssen, wenn sie gegen das Staatsoberhaupt und gegen die „mehr di) Algemeine Volksstimmung einen eigenen politischen Kurs hätte 1} die gpia| Feuern wollen.!® M Mit andern Worten: die Tradition der Reichswehr bot kein e-2| yirklich tragfähiges Fundament für einen politischen Widerstand der Militärs gegen Hitler. Sie war überdies in voller Auflösung, ) Seit die große Aufrüstung begann und das Personal des 100000- a je, Mann-Heeresnun als Führungs-und Instruktionspersonalfür den a taschen Aufbau eines Volksheeres gebraucht wurde. Den Tradi- | sand tionsträgern ging dieser Aufbau(wir hörten es schon) vielfach zu 1.&«a, Schnell vor sich; sie fürchteten eine Qualitätsminderung von dem ng en Einströmen reaktivierter alter oder nur flüchtig aus- , a„u.$ebildeter neuer Offiziere. Aber sie konnten es nicht hindern und ‘ahen mit Schmerz, aber ohnmächtig mit an, wie die frühere, urch viele Traditionen zusammengebundene Kameradschaft des 144 Neuntes Kapitel Offizierkorps sich lockerte und das politische Strebertum auch in die Kasinos und Kasernen eindrang. Gab es also überhaupt keine Ansatzpunkte für militärischen Widerstand? Nichtin der Reichs- wehrtradition als solcher, wohl aber auf der rein moralischen Ebene: in der persönlichen Gewissensentscheidung von einzel- nen, denen die Schreckenstaten des neuen Regiments nach und nach die Augen öffneten, sie dessen wahren Charakter kennen lehrten und die nun moralische Empörung in den Widerstand zwang— über alle dienstliche Gehorsamspflichten hinweg. In sol- cher Empörung konnte viel von dem überlieferten Standesethos des deutschen Offizierkorps fortleben- grundsätzlich unterschied sie sich jedoch nicht von der Haltung der bürgerlichen Oppo- sition. Wir brauchen nun nicht im einzelnen zu verfolgen, was alles von der deutschen Wehrmachtsführung bis 1937 unternommen worden ist, um Einspruch zu erheben gegen die brutale Juden- und Kirchenverfolgung, gegen Übergriffe der Polizei und SA, gegen die Ausdehnung der Hitlerjugend auf das zarteste Kindes- alter, für die Erhaltung der Militärseelsorge, für den Schutz ein- zelner Verfolgter und dergleichen mehr.!? Man muß anerkennen, daß auch Blomberg sich an solchen Bemühungen beteiligt hat, wenn auch ohne starken Nachdruck und im ganzen ohne viel Er- folg. Trotzdem gab es dauernde Spannungen zwischen ihm und seinem Gchilfen Reichenau auf der einen, dem Oberbefehlshaber des Heeres und dem Generalstabschef Beck auf der anderen Seite, die ihm zu große Nachgiebigkeit gegen die Parteiwünsche vor- warfen. Als Hammerstein Anfang 1934 abgehen mußte, verhin- derte Hindenburg nicht ohne Mühe, daß Reichenau sein Nach- folger wurde. Statt dessen ernannte er den Freiherrn von Fritsch, das Urbild eines Nur-Soldaten und konservativen Reichswehr- generals, auf den sich nun alle Hoffnungen der Unzufriedenen richteten- im Grunde doch mit Unrecht, wie sich nachträglich gezeigt hat. Gewiß, er war kein Natiotalsözialist. schon seiner streng christlichen Erziehung nach der Geistesart dieser Leute innerlich fremd, und er hat die Interessen der Reichswehr tra- ditionsgemäß mit Würde und Energie vertreten, völlig unzu- gänglich der persönlichen Suggestion des»Führers«, der ht bei- he fürchtete. Dieser behielt ihn trotzdem bei, weil er sein Kön- nen und die große militärische Autorität, die er bei der Generalität genoß, zunächst noch brauchte, solange das neue Volksheer noch im Aufbau war. Aber politisch war Fritsch hilflos wie ein Kind, wie seine Briefe und Aufzeichnungen deutlich zeigen, und ge- radezu ängstlich besorgt, mit politischen Problemen nicht in ir- endwelc sidere: & gewist isnach ım Ein enn ich tarschal ir kö 11.«9 Daß d hne dal ron Scl chütter: Ister h; O4 erk Male sc Der 30 äner R Wische Is Sieg Legime teit ano Aitler s Ind da| Yeite( Wasne Kiniste ItYo Die Haltung der Soldaten 145 mauchi] gendwelche Berührung zu geraten— auch Goerdeler hat das schon pt kein.) bei der ersten persönlichen Begegnung(wohl 1934) erfahren, als er Reich) et gewisse Warnungen anbringen wollte.'? Am krassesten trat yralische‘l das nach den Bluttaten des 30. Juni 1934 zutage, als er, von Papen on eine) zum Eingreifen aufgefordert, erklärte:»Ich kann nur handeln, nach m] wenn ich einen Befehl des Ministers Blomberg oder des Feld- :r kenne marschalls von Hindenburg erhalte«, und seine Offiziere mahnte: 'idersan.,»Wir können die Politik nicht ändern, müssen still unsere Pflicht eg. Inso}) tun.«'? ndesete| Daß die Massenmorde des 30. Juni vor sich gehen konnten, \terscht!|) ohne daß die Wehrmacht sich rührte, obwohl zwei ihrer Generäle en Oppl|(von Schleicher und von Bredow) Blutopfer wurden, zeigt er- vchütternd die Schwäche ihrer Stellung im Dritten Reich. General wasalk) Oster hat bei seinen Vernehmungen vor der Gestapo Oktober nommel) 1944 erklärt, daß der 30. Juni 1934 im Offizierkorps zum ersten le Judet Male scharfe Opposition, ja Erbitterung hervorgerufen hätte. und Si")»Der 30. Juni 1934 war die erste Gelegenheit, um die Methoden 'e Kinds| einer Räuberbande im Keim zu ersticken. Aus diesem Kampf hutzeei| zwischen Wehrmacht und SS sind aber Himmler und Heydrich erkennil| Als Sieger hervorgegangen.«20 Sicherlich: zu einem Sturz des eiligt It Regimentes aus diesem Anlaß gab es keine praktische Möglich- jevielEr\| keit angesichts der hilflosen Schwäche des kaum noch aktions- ihm ut) fähigen, uralten Reichspräsidenten, angesichts der Tatsache, daß fehlshabt\| Hitler sich eben jetzt als Retter der Wehrmacht aufspielen konnte und daß über den grausigen Vorgängen der Mordtage für die ren Sei wand dab k OT, i a ‚sche vo’ breite Öffentlichkeit ein dicker Nebel lag. Wenn es richtig ist e, verht(was neuerdings wahrscheinlich gemacht wurde),?! daß das Wehr- u) cin Nach! ninisterium selbst, durch den Nationalsozialisten Reichenau, an }\\ der Vorbereitung des 30. Juni mitbeteiligt war, so erklärt sich die tsch ee Haltung Blombergs vielleicht von daher. Jener Mahnrede Fritschs ıfriedene|) an seine Offiziere war, wie wir neuerdings wissen,?? ein Versuch chträgl®| des Oberbefehlshabers und des Generalstabschefs Beck voran- on seit gegangen, eine ehren- oder kriegsgerichtliche Klärung der Fälle ‚ger Leit Schleicher und Bredow zu erreichen. Blomberg hatte das ab- "ehr w| gelehnt unter Berufung auf schwer belastende Dokumente, von 2 ze denen ihm Hitler selbst gesprochen habe und die beide Generäle Be| als Hoch- und Landesverräter erweisen sollten. Das mag die Pro- 7 Kör| testierenden zunächst verblüfft und ihnen die Sprache verschlagen N ı,, haben- um so mehr, als Schleicher, der politische Aktivist, ja von \ galt) I} z 3 2 a 2„ud jeher den Soldaten unheimlich und undurchsichtig gewesen war. hee Kind\ Aber warum hat Blomberg nicht die Vorlage dieser»Dokumente« da”(wahrscheinlich bloße Angebereien irgendwelcher Spitzel) ver- di i 5: a E h\ hngt und nicht auf einem kriegsgerichtlichen V erfahren bestan- . 146 Neuntes Kapitel den? Und warum hat sich die Generalität damit begnügt, im’ Privatkreis der»Vereinigung Graf Schlieffen« eine inoffizielle, ehrengerichtliche Untersuchung zu veranstalten und deren Er- gebnis, das die beiden Offiziere für unschuldig erklärte, nur unter Ausschluß der Öffentlichkeit verkünden zu lassen??? Wie man es auch erklären oder entschuldigen mag: politisch gesehen hat die Wehrmacht in diesen Tagen eine Entscheidungsschlacht ver- loren, ohne es auch nur recht zu merken. Für den Klarblickenden war es seitdem 30. Juni ganz deutlich, daß Deutschland von einer Verbrecherbande regiert wurde und aufgehört hatte, ein Rechts- staat zu sein. In weiten Kreisen des höheren deutschen Bürger- tums setzte damals ein erstes tiefes Erschrecken ein. Die Reichs- wehr aber sah man es hinnehmen, daß ihr Kamerad und früherer Wehrminister nebst seinem Gehilfen niedergeschossen wurde wie ein toller Hund?- ohne daß kriegsgerichtliche Untersuchung und Urteil wenigstens nachträglich erfolgten. Das bleibt(wie es schon damals mancher im Lande empfand) ein dunkler Flecken auf ihrer Ehre. Auch die(gewiß schwerwiegende) Tatsache, daß das Reichskabinett bereits am 3. Juli beschlossen hat, die gesamte Röhm-Aktion in Bausch und Bogen als»rechtens« zu erklären, wischt diesen Flecken nicht hinweg; denn es wäre Sache des Wehrministers gewesen, diesen Beschluß unter allen Umständen zu verhindern. Die Tatsache, daß er überhaupt gefaßt werden konnte, und noch dazu einstimmig, zeigte eine tiefe Erschütterung des Rechtssinnes in Deutschland überhaupt an, die sehr trübe Aussichten für die Zukunft eröffnete. Die hilflose und unwürdige Abhängigkeit der Wehrmacht vom Willen Hitlers wurde bald darauf noch besiegelt durch den neuen Fahneneid, den Blomberg gleich nach Hindenburgs Tod und der Übernahme seines Amtes durch HitleralleSoldaten schwören ließ. Er verpflichtete sie nicht, wie der bisherige, zu treuem Dienst für »Volk und Vaterland«, sondern zu»unbedingtem Gehorsam« gegenüber der Person Adolf Hitlers als»Führers des Deutschen Reiches und Volkes«. Sollte es richtig sein, daß der Reichswehr- minister sich bei der Abfassung der neuen Formel»keine beson- deren Gedanken gemacht«25 und auch keinen juristischen Sach- verständigen zu Rate gezogen hat, so wäre das ein erschreckender Beweis für die Leichtfertigkeit, mit der man damals, ohne par- lamentarische Kontrolle, die Geschäfte führte. Wie vorsichtig und wohlüberlegt hatte die Weimarer Republik nach den Erfah- rungen von 1918 die Gehorsamspflicht ihres Freiwilligenheeres begrenzt! Damals schwor der Soldat einfachen, nicht»unbeding- ten« Gehorsam»dem Reichspräsidenten und den Vorgesetzten“ A \ aßerder Alte ma Jomber km per: ierr in d ichem( Yindung atihrer prach( Dies wa Isiaba rurde u form w Fahner Landskı temach Verwirı Kirchen {aß ein £onne, äsche F Terhind Achen| Nichtu Nerfül Nand g entzieh Fasein Anter F 'tgefi Aneid \ 4 Die Haltung der Soldaten 147 u nügt,| a Berdem aber»Treue der Reichsverfassung«. Von dieser Treue 1ofkzielkt) hatte man die Soldaten schon 1933 wohlweislich entbunden; was deren Ei Blomberg jetzt anstrebte, war offensichtlich eine Rückkehr zu nur unteff dem persönlichen Verhältnis zwischen Offizierkorps und Kriegs- Temanel herr in der kaiserlichen Zeit. Aber auch diese hatte nur von ein- en hatd| chem Gehorsam gegenüber dem Staatsoberhaupt, nicht von der lacht ve] Bindung an eine bestimmte Person gewußt; die neue Formel lickende'\ mit ihrer krampfhaften Übersteigerung der Gehorsamspflicht ent- vonei]| sprach durchaus dem Stil des nationalsozialistischen Systems. inRecht'| Dies war um so bedenklicher(um nicht zu sagen gewissenloser), n Bürgt}| als ja bald darauf die allgemeine Wehrpflicht wieder eingeführt ie Reich*| wurde und nun die»Freiwilligkeit« der Eidesleistung zur leeren 4 frihert'| Form wurde— ein Umstand, der schon im 19. Jahrhundert den wurdewl] WFahneneid«, ein Produkt des alten Werbewesens in der Zeit der rsuchu!) Landsknechte, moralisch entwertet und im Grunde widersinnig bt(wie!) gemacht hatte.?® Was jetzt verlangt wurde, mußte zu einer totalen ‚r Fleckt| Verwirrung der Gewissen führen. Vergeblich haben evangelische ache, dl Kirchenbehörden in ihren Kundgebungen darauf hingewiesen, egesant|| daß ein bei Gott geschworener Eid niemals dazu verpflichten ‚ erklären!) könne,»gegen Gottes Gebot« zu handeln.?” Es gab viele militä- Sache&&\| tische Führer, die durch den Wortlaut des neuen Fahneneids sich imständd verhindert fühlten, einem gewissenlosen Tyrannen und tausend- t werdäl| chen Rechtsbrecher in den Arm zu fallen und ihre höhere Ver- hütterut!'\ Pflichtung dem Vaterland gegenüber durchformalen Ungehorsam ° oO sehr tl zı erfüllen. Anderen mag der Fahneneid als willkommener Vor- wand gedient haben, um sich unbequemen Pflichtenkonflikten zu nacht vo! entziehen; denn wer vermag schon selbständig zu entscheiden, denneu®\| was eine Ausnahmesituation(wie die des rechtsliebenden Mannes ‚dund&|| unter Hitler) an Ausnahmepflichten mit sich bringt- auch in der IN Armee! Jedenfalls war dieser Fah- yörenli festgefügten Hierarchie einer Dienstl! heneid eines der schwersten Hindernisse, die der Bildung einer ;chorsat! nilitärischen Fronde im Wege standen. General Beck, das spätere Deutsch“ Haupt der Verschwörung, hat die Folgen dieser Eidesleistung ichsweit offenbar sofort geahnt, als er beim Nachhausegehen einem Kame- ine besot| taden sagte:»Dies ist der schwärzeste Tag meines Lebens.« Nach- hen Sad, träglich bekam er Gewissensbisse, ob er die Eidesleistung, von rocken der er sich überrumpelt fühlte, nicht hätte verweigern müssen.?® Allzu viele Gesinnungsgenossen wird er damals noch nicht ge- "habt haben. Nur eine Rliteschicht besinnlicher Naturen konnte damals innerlich beiseite stehen, während die Masse der Durch- schnittsoffiziere sich der gewaltigen Heeresverstärkung, des ra- schen Aufstiegs zu höheren Posten und größeren Dienstaufgaben freute oder auch einfach in den schwierigen Tagesaufgaben ver- Ei F 148 Neuntes Kapitel sank, vor die sie der Neuaufbau eines Volksheeres stellte. Mit tschlul geradezu raffinierter Kunst und mit immer neuen Gunst- undIgichtet Treuebezeugungen hat es Hitler verstanden, in den Jahren 1934/35\gım no um das Vertrauen der Generäle zu werben, deren technische Hilfe\wung d. er gerade jetzt so dringend brauchte, und den Schock zu überwin- pa 1914 den, den die plötzliche Entlarvung seines wahren Gesichts des'Siitik v Besten unter ihnen versetzt haben mochte. Vielleicht war es auch inner w wirklich so, daß ihm die schmucken, wohldisziplinierten, sach- Mntinu kundigen und intelligenten Generäle der alten Reichswehr, seit sitRaus er sie näher kennengelernt hatte, besser gefielen als die primitiven\Aurtier: Bandenführer seiner SS und SA. Jedenfalls hatte man im Heer das EM iede Gefühl, jetzt in besonderer Gunst zu stehen. Wer sich über das Anredul neue Regiment ärgerte, mochte auch wohl hoffen, die ins Heet air’, eintretende Hitlerjugend samt ihren Führern in einem anderen ihn] Geist erziehen zu können; und sicher hat die Wehrmacht unzäh-'yisem\ ligen Unzufriedenen, die sich politischer Verfolgung oder lästige hit dem Zumutungen der Pace entziehen wollten, lange Zeit, bis in dei ttena Weltkrieg. hinein, als eine Art von Zufluchtsstätte gedient. Dend itnheh, das Leistungsprinzip der alten Reichswehr hielt man hier zähe ix ano fest. Freilich mehrten sich bald die Reibungen mit der Partei, gung Überwachungen und Bespitzelungen der Offiziere selbst in den Ylbst Kasinos, Bezeugungen der Eifersucht und des Mißtrauens allet AUCS 7 Art. Die SS wurde immer mehr zu einer Prätorianergarde aus- Ei gebaut, die Luftwaffe durch ihren Oberbefehlshaber Göring, ohne) yygn daß Blomberg als Wehrmachtsbefehlshaber viel Widerstand ge- ttlor« leistet hätte, in eine Sonderstellung gebracht und zur Domäne rein uße nationalsozialistischen Geistes gemacht, der auch in die Marine Ohat. immer tiefer eindrang. Immerhin durfte sich die Generalität bis) Ger; 1937 noch in dem Bewußtsein sonnen, nicht nur die Gunst, son- Unte dern auch die besondere Achtung des Diktators zu besitzen. Erst lost, seine neue außenpolitische Wendung, seit 1936 sich vorbereitend, kickte hat auch das geändert. 1 ken. Mit Friedensbeteuerungen hat Hitler von Anfang an nicht ge- eler spart. Als er 1934 mit der(zunächst heimlichen) Aufrüstung be- ten. gann, waralles überzeugt, sie solle nur der militärischen Sicherung de = damit einer außenpolitischen Machtverstärkung des Reiches dhve, dienen. Überall hingen die Wahlplakate aus:»Wer Adolf Hitler Kt, wählt, wählt den Frieden.« Noch am 30. Januar 1937, fastein Jaht ken, nach der Rheinlandbesetzung, verkündete er in seiner Reichstags- Rh rede:»Die Epoche der Überraschungen ist abgeschlossen. Der is Friede ist unser höchstes Gut.« Später, im Kriege, hat er sich os zynisch geäußert, er habe sich die neue Wehrmacht niemals als dd, Friedensinstrument gedacht. Wann er in Wahrheit zuerst den Kong t Die Haltung der Soldaten 149 tellte. Mä Bntschluß gefaßt hat, zur Expansionspolitik überzugehen, un- unst- ul wachtet aller kriegerischen Gefahren, wird sich eindeutig wohl en 19343) um noch feststellen lassen. Sicher ist nur, daß ihm die Erwei- ischeHilk rung des deutschen Lebensraums, noch weit über die Grenzen yübernis fon 1914 hinaus, von Anfang an als Höchstziel seiner Außen- sichts d@ politik vor Augen geschwebt hat und daß seine Wunschträume Jar esau inmer wesentlich nach Osten und Südosten gerichtet waren. Ihre rten, ıd- Kontinuität, von seinem Kampfbuch an über die Unterhaltungen ‚wehr,&t mit Rauschning 1932-34 bis zu den Tischgesprächen im Haupt- primitived Quartier von 1941/42, istwahrhaft erstaunlich. Sicheristaber auch, nHeer&& daß jedes neue außenpolitische Abenteuer, das ihm glückte, die h über&i Ungeduldin ihm verstärkte, möglichst baldan dieVerwirklichung e ins Het&iner Träume zu gehen. Der Austritt aus dem Völkerbund 1933, m andert der ihn keineswegs in der Welt isolierte, war der erste Schritt auf chtunzii- diesem Wege, die Verkündung der allgemeinen Wehrpflicht 1935, lerlästigt! hit dem Erfolg, daß England, statt den Krieg zu erklären, ein bisin dt Fottenabkommen schloß, der zweite. Die entscheidende Kraft- ient, Da!!}robe brachte dann das Frühjahr 1936, als die neue Rüstung kaum ‚ hier zäh! erst angelaufen war: die Besetzung des Rheinlandes und Kün- er Part, ligung des Locarno-Vertrags- eine Aktion, deren Ausgang bstin di selbst Hitler mit größter Spannung und Unruhe erwartete. Als uens alt! alles gut, ja mehr als gut ging, kannte sein Selbstvertrauen keine garde Grenzen mehr. Auf die Londoner Militärattaches, die dringend ing, bt; gewarnt hatten, und auf Blomberg, der zeitweise»die Nerven ‚standt Verlor«, und wohl auch auf Fritsch, der sich jedenfalls bedenklich ymänene. geäußert hatte, blickte er nun mit Überlegenheit herab. Von hier lie Mad‘ an hat er selbst später den Beginn seines Mißtrauens gegen die cralität b' Generäle datiert.”® Unter ihnen befand sich in der Tat mindestens einer, der schon unsh ne itzen. ER längst voller Sorgen auf die Entwicklung deutscher Außenpolitik ereite blickte: der Generalstabschef Beck. Ursprünglich hatte auch er zu denen gehört, die Hitlers Berufung zum Reichskanzler begrüßten, ". weiler davon die Wiederherstellung der Rüstungsgleichheit und sinen neuen Machtaufstieg Deutschlands erwartete. Aber schon Sicheruf® I LuS dem Sommer 1934 sind von ihm Äußerungen überliefert, die | schwere Sorgen vor einem leichtfertigen Heraufbeschwören der ejcht ei. Kriegsgefahr, insbesondere auch durch überstürzte Aufrüstung, ‚stein. erkennen lassen. Nach dem 30. Juniund dem mißglückten Wiener | Putsch vom 25. Juli 1934, bei dem der Bundeskanzler Dollfuß sen. DE ns Leben kam, fand er die außenpolitische Situation geradezu 4 ee»trostlos«.2° Die deutsche Regierung habe durch ihre»Politik © mit doppeltem Boden«allen moralischen Kredit verloren. Daraus ge) könnten Spannungen erwachsen, die zu einem»hoffnungslosen Neuntes Kapitel Endkampf« führen würden. Als er im Mai 1935 von Blombet er de zur Abfassung einer operativen Studie aufgefordert wurde, di B'ieden (zunächst rein theoretisch) den schlagartigen Überfall auf ein@\%yeund Südoststaat(gemeint war die Tschechoslowakei) behandeln sollt, Intell nahm er die Gelegenheit wahr, dringend vor solchen Abenteuett|g}histo zu warnen; ja, ererbat seinen Abschied für den Fall, daß die Studie\geer als ernsthafte Kriegsvorbereitung gemeint wäre. In demselbei\g.sudi Sinn, als Warner und Mahner zum Frieden, war er fortdauernl weiter tätig. Aber er blieb ungehört, und die Ereignisse schienen ihn zu widerlegen. Statt jener moralischen Verfemung, die Beck Berals so fürchtete, erlebte Hitler den Triumph, daß Staatsmänner aller sch; Welt ihn aufsuchten, dazu den glanzvollen Verlauf der Olym-\, di pischen Spiele in Berlin und das Zustandekommen der Pakte mit sein Italien und Japan. Nicht einmal seine Beteiligung an dem spani-f,,; ih schen Abenteuer Mussolinis schien ihn ernstlich in Gefahr zu bringen. Trotzdem versteifte sich die Oppositionshaltung de Generalstabschefs immer mehr. Als er Anfang 1937 sich zu de Möglichkeit eines militärischen Eingreifens in Österreich äußert sollte- für den Fall, daß dort eine monarchische Restaurations bewegung Erfolg hätte-, erklärte er rundheraus:»Deutschland hen) ist in bezug auf sein Heer nicht in der Lage, das Risiko eines mit ad ser teleuropäischen Krieges herauszufordern.« Dazu gab er untet de Ade anderem eine sehr düstere Schilderung der Engpässe, unter dene anihn eben jetzt die deutsche Ernährung leide; sie beruhte auf den uns Mitoef, schon bekannten Ausarbeitungen Goerdelers, mit dem er längst Oben in dauernder Verbindung stand: erste Keimzelle der späteren Ver- Idee, schwörung! Beide Männer haben sich durch zahlreiche Denk- Inch] schriften in ihren Überzeugungen gegenseitig bestärkt. Wir wer-|]. den später sehen, daß Goerdeler seit 1937 großen Eifer daran- setzte, Verbindungen mit politischen Persönlichkeiten des Aus- lands zu finden. Auch darin hat Beck es ihm gleichgetan. Eines privaten Besuch der Pariser Weltausstellung im Sommer 1937|... benutzte er, um nicht nur den französischen Generalstabschef| ‚,® Gamelin, sondern auch den Marschall Petain und Ministerprä- sident Daladier zu besuchen; man tauschte Versicherungen fried- licher Gesinnung aus, die beiderseits sicherlich ehrlich gemeint waren, und traf sich in der Überzeugung, daß der an verantwort- licher Stelle stehende Soldat.alles aufzubieten habe, den Krieg ver- meidbar zu machen. Man darf wohl vermuten, daß die Erschei- nung dieses ehrlichen Friedensfreundes in Paris dazu beigetragen hat, das Mißtrauen der Franzosen gegen das Hitler-Reich abzu- schwächen. Beck war ein Soldat sehr eigentümlicher Art: das gerade Ge- . Dorzüge: abenm: Ilräng: Dit dem Wichnicl 6 große @tunter 14 Die Haltung der Soldaten 151 Blonbägenteil des nationalsozialistischen Ideals. Der stärkste Eindruck wurde, Unpf jeden, der ihm begegnete,®! war der von großer Vornehmheit, || auf en Güte und menschlicher Lauterkeit, dazu einer klaren, disziplinier- ıdelnsolt jen Intelligenz und einer gepflegten, vorwiegend militärischen benteict yd historischen Bildung. Trotz straffer soldatischer Haltung ge- BdieSud Hure er zu dem Typus des»gelehrten Offiziers«, mehr ein Mann ‚demselbe der Studierstube als der Front, ein Geistesmensch, der neben den ortdauen Vorzügen auch die Schwächen eines solchen Charakters besessen se schiet@ yben mag: sehr gewissenhaft, unbegrenzt fleißig(man berichtet, & dieBel Ber als Generalstabschef meist auf das Mittagessen verzichtete, ränner al® m sich nicht vom Schreibtisch zu trennen, und oft bis tief in die der Oljtw Nacht das Büro nicht verließ), jeden Schritt sorgsam erwägend, rPakterä jedes einzelne in großen Zusammenhängen bedenkend, aber zau- dem spatli dernd in seinen Entschlüssen, von vielen Zweifeln und Sorgen Gefahr# drängt. Vom Titanischen des kriegerischen Genius, der lieber altung d& nit dem Schwert zuhaut als allzulange erwägt, hatte er nichts, sich zu&® dich nichts vom Dämonischen des echten Verschwörers. Wasihm eich äußtt y große Autorität verschaffte, sowohl im Offizierkorps wie spä- tauratiot® runter den Frondeuren, war neben seinem(offenbar ungewöhn- ‚eutschlaik ichen) fachlichen Können seine ruhig-überlegene Geistigkeit eines m® und seine unbedingte Vertrauenswürdigkeit; mit einem Wort: ber un! der Adel seiner Seele. Mit seinem großen Vorbild Moltke darf Inter det? Man ihn schon deshalb nicht vergleichen, weiler niemals Gelegen- ‚uf denu® heit gefunden hat, sich als Heerführer zu bewähren und zu zeigen, merläns! ob ein Funken jenes Genius in ihm steckte, der auch die verwik- iterenV&“ keltste militärische Lage rasch zu entwirren und mit einfachsten iche Den Entschlüssen zu meistern weiß.3?2 Aber der Edelsinn und die ı Wirwe lauterkeit seines Charakters vertragen jeden Vergleich. ifer dat Was ihn in die politische Opposition trieb, war ganz eindeutig .n des Au das Bewußtsein moralischer Verantwortung: als Träger seines ‚tan. Ei“! Amtes, aber auch als Staatsbürger. Ähnlich wie bei Goerdeler ent- nmer 49)". springt sein Widerstand gegen das Regime aus der Tiefe sittlich- „jstabse" teligiöser Überzeugung. Alles, was er von militärischen Beden- finisterpf ken vorträgt, ist demgegenüber beinahe sekundär, oder vielmehr: ts erhält erst von daher Gewicht— genau sO wie die ewig wieder- ngen fi| ch gene holten(und immer übertriebenen) wirtschaftlichen Bedenken ‚erantwot Goerdelers.3® Angesichts der Gefahr, daß der moderne Krieg zur Beck ausdrücklich»eine sittlich fun- ‚Krieg F ‚Totalität« entartet, fordert ie Ersch® dierte Politik, die sich in jeder Beziehung den Primat wahrt, auf Jeigetradf ter Grundlage eines neuen sittlichen Idealismus ım Staat und in eich„ba;" seinem Verhältnis zu den anderen Völkern«. Zuletzt hängt alles, meint er,»davon ab, daß der Leiter der Politik ein moralischer grade| ‚Mensch ist, der in letzter Instanz dem eigenen inneren Moral- | | 152 Neuntes Kapitel gesetz, seinem Gewissen, unterworfen bleibt«. Eben dies war es, was er bei Hitler vermißte. Dessen Pläne sind ihm(auch wenn et das so natürlich nicht ausspricht) deshalb verwerflich, weil sein ganzes Regiment sittlich verwerflich ist; sie können darum auch militärisch nur ins Unheil führen. Dagegen anzukämpfen ist ihm aber auch darum Gewissenspflicht, weil er mit Zähigkeit an dem alten, Moltkeschen Ideal des Generalstäblers festhält: er soll nicht nur ausführender Techniker, sondern mitverantwortlicher Be- rater des Oberbefehlshabers sein. Ja, Beck ging noch darüber hin- aus. Mit dem Auswärtigen Amt(Staatssekretär von Bülow) stand er in laufender Verbindung, um über die außenpolitische Lagt jederzeit orientiert zu sein— so lange, bis es ihm von Blomberg verboten wurde.°4 Militärtechnische und politische Erwägungen findet man in seinen Denkschriften fortwährend vermischt, In einer militärischen Niederschrift vom Dezember 1935 forderte er Beteiligung des Oberbefehlshabers des Heeres(von Fritsch) an allen politischen Beratungen, auch des Kabinetts und des Führers, die den Krieg und die Landesverteidigung betrafen. Er selbst al; Chef des Generalstabes hätte dann, als Berater seines Oberbefehls- habers, in die politischen Entschlüsse mit hineinwirken können, während jetzt der Generalstab, als rein technisches Büro eines ein- zelnen Wehrmachtteiles, nur noch eine Nebenrolle spielte. Füt Beck hing aber geradezu das Vertrauen des Volkes in die Wehr- macht daran, daß diese sich nicht als Werkzeug einer abenteuer- lichen Außenpolitik mißbrauchen ließe. Die Kriegsfurcht be- unruhige bereits die Massen, hieß es in einer(vielleicht von Goer- deler stammenden?) Denkschrift, die er am 11. Januar 1937 sei- nem Oberbefehlshaber Fritsch mitteilte.35 Alles blicke vertrauens- vollauf die Militärs.»Die Wehrmacht«, so tröste man sich,»wird kein Abenteuer zulassen, da stehen Kluge und Könner an der Spitze.« Dieses Vertrauen dürfe nicht enttäuscht werden, sonst werde die ganze moralische Verantwortung auf die Wehrmacht fallen.»Auf der Armee liegt ganz ausschließlich die Verantwor- tung für die kommenden Dinge. Vor dieser Feststellung gibt es kein Ausweichen. In- und Ausland sind darin einer Meinung, und diese entspricht der Wahrheit.« Man sieht: dieser General trieb seine eigene Politik gegen Hit- ler in der Form einer Opposition gegen den Krieg. Hatte er damit jemals Aussicht auf Erfolg? Die Ereignisse des Winters 1937/33; bekannt als»Fritsch- Krise«, gaben bald die Antwort darauf. Ihre Vorgeschichte und is Verlauf sind heute ziemlich genau bekannt.3® Es fing wahrscheinlich schon 1937 an mit dem Besuch der deutschen Herbstmanöver durchMussolini,der dem deutschen Jiktator eistärke eichlsha ee er Pichech« Dicht ut Ficdigei Orenanı Scist, de Lend, wi Achkein Bomber Aisch: Karte ı pe ta Dichter! Der} ui BY eh an hma kcheint; AmBlo Eilzus Kheinli ren] Kpeirg Die Haltung der Soldaten 153 lies ware Diktator zum Bewußtsein brachte, wie sehr es seine Autorität verstärken würde, wenn er ähnlich wie der Duce selbst Ober- , weil sel) befehlshaber der Wehrmacht würde. Zum ersten Male entwik- arumau) kelte er jetzt ganz oflen seine Kriegspläne zur Eroberung der fenistir Tschechoslowakei und Österreichs vor den Spitzen der Wehr- eitander, macht und dem Außenminister Baron Neurath: in jener denk- solid, würdigen Besprechung vom 5. November 1937, die durch das licher} genannte Hoßbach-Protokoll bekanntgeworden ist. Für den rüberht., Geist, der in der Wehrmacht damals herrschte, ist es kennzeich- ch wenne! low)stit, And, wie die Hörer reagierten. Von Kriegsbegeisterung zeigte ische Lat| iich keine Spur, nur Göring stimmte vorbehaltlos zu, Fritsch und Blomber, Blomberg erhoben ernste Bedenken, besonders der letztere, und wägung| wwischen ihnen und dem Luftwaffenminister gab es eine sehr mischt, stharfe Auseinandersetzung. Man sieht, daß Beck in der Kriegs- fordertee') Hage tatsächlich Verbündete hatte.3” Aber Hitler, schwer er- Rritsch) tüchtert, sann nun aufneue Wege, umzu seinem Zielzu kommen. es Führen| Der Heiratsskandal,der den General Blomberg im Januar 1938 selbstal), ds Wehrminister und Oberbefehlshaber der Wehrmacht unmög- berbefehl Ich machte, ist Hitler wohl sicher überraschend gekommen; er scheint ihn zunächst auch menschlich tief erschüttert zu haben, da > könntt.*|- oeinesel im Blomberg besonders nahestand. Görings Absicht, den Gene- pielte. fi hl zu stürzen, um sich an seine Stelle zu setzen, ist recht wahr- die Wehr scheinlich, das Hervorziehen alter, beiseite gelegter Polizeiakten gegen Fritsch in diesem Augenblick wohl sicher als gemeine In- euct a hy tige irgendwelcher nationalsozialistischer Hintermänner zu deu- vonGer/HFR- Es scheint nicht, als ob Hitler vom ersten Augenblick an ent- MATıE: schlossen gewesen wäre, diese(anscheinend doppelte) moralische jertrauent Katastrophe der obersten Wehrmachtführung zu einem völligen seh, wi] Kurswechsel zu benutzen; hat er doch sogar Beck einmal die ner an del} Nachfolge Blombergs angeboten, vorübergehend auch an Fritsch ‚den, sol!" ıls neuen Wehrminister gedacht, gegen Reichenau selbst Beden- hend ken gehabt und einen so ausgesprochen konservativen Vertreter Terantwo! der alten Reichswehrtradition wie von Rundstedt um seinen Rat jung gB wegen der Neubesetzung gefragt. Es mag wohl sein, daß er durch M inunt tenFallBlomberg tief mißtrauisch geworden war gegen die mora- Me lische Integrität der hohen Generalität, die er bis dahin heimlich akt bewundert hatte, und daß er zunächst wirklich an homosexuelle 5 m_ Verfehlungen Fritschs, dieses seltsamen Junggesellen, geglaubt tee, hat; sicher wurde er darin bestärkt durch gewisse kritische Äuße- 15491 iF rungen Blombergs und durch das ungeschickt-hilflose, ihm un- Jaraul:|" Verständliche Auftreten des steif-korrekten Fritsch in seiner ersten Da Audienz, als er ihm die Anklage vorhielt. Später mag er ehrlich em”,„|, bedauert haben, daß die Unschuld des Generals erst so spät und Neuntes Kapitel erst nach langen peinlichen Verhandlungen an den Tag ka Wächen Sicheres läßt sich darüber nicht ausmachen. Man kann auch nut Vermutungen darüber anstellen, ob bei Hitler die Enttäuschung über seine höchsten Generäle überwog oder die Genugtuung, vier Jahre nach den für seineSA so demütigenden Ereignissen d& 30. Juni nun umgekehrt die Wehrmacht vor der Partei blof- gestellt zu sehen. Glaubte er sich gezwungen, den Fall Fritsch unter allen Umständen zunächst aufzuklären, um spätere nett Skandale zu vermeiden? Oder war esihm willkommen, das Selbst bewußtsein dieses, auf seine Ehre so stolzen Offizierkorps einmäl demütigen zu können? Hätte er nicht Fritsch, wenn er ihn los werden wollte, auch ohne Prozeß, einfach aus Gesundheitsgrün- den, entlassen können? Wie dem auch sei: auf alle Fälle hat er dit Gelegenheit benutzt, sich nicht nur Blombergs, sondern auch des unbequemen Fritsch sehr rasch- noch vor dem Kriegsgerichts- urteil— zu entledigen. Er selbst hat damals angedeutet, daß ihn beide auch durch ihre militärische Haltung enttäuscht hätten! beide hatten sich ja am 5. November seinen kriegerischen Plänei unzugänglich gezeigt, Fritsch hatte sich überdies in Fragen des Einsatzes der Panzerwaffe als sehr konservativ erwiesen und|r; einem allzu raschen Tempo der Aufrüstung widerstrebt. Dit Hauptsache war für Hitler doch, unbehindert durch Bedenken der Fachleute seine neigen Kriegspläne nun durchführen zu können. So griff er mit Freuden jetzt die von Blomberg selbst (wohl aus Ressentiment gegen seine Kameraden) ihm angeratent Lösung der Kommandofrage auf: er übernahm selbst die mili- tärische Führung der Wehrmacht, nur von Keitel als»Chef des|e;; Oberkommandos« gestützt, einem Durchschnittskopf und kom-|) promißbereiten, ja charakterlosen Menschen, der bald zu völliger|i: Hörigkeit herabsinken sollte. General von Brauchitsch, den et zum Nachfolger Fritschs ernannte, da Reichenaus Ernennung|, einen allgemeinen Protest der Generalität und wohl auch den Rücktritt: führender Köpfe zur Folge gehabt hätte, hatte größeres geistiges Format. Daß er sich aber g gleich bei Antritt seines Amtes von Hitler mit einer erheblichen Geldsumme beschenken ließ, um seine Ehescheidung durchführen zu können, wirft ein sehr be- denkliches Lichtauf die moralische Haltung der höheren Generali- tät. Wo sollte der Widerstand herkommen, wenn der Ober- befehlshaber des Heeres selbst sich gleichsam so verkaufte? Man hat ein sittliches.und politisches Versagen der Generäle darin gesehen, daß»niemand aufstand, den Schmerz tödlicher wiesen {ben m her die] Hentlic berdies nGer eleine cherlic fänner( ing ger derdies Fentlic tasaber erpein aktns tät zu Bendw iedenu Eump Onden Krhun @? Reit Nr eit Steleh Cheut, Verletzung(der Ehre des Offizierstandes durch Hitler) in die Welt Ip; zu schreien«.®® Es ist aber schwer vorzustellen, wie das hätte ge Die Haltung der Soldaten 155 ı Tag kı N. sollen, nachdem der Prozeß die Unschuld Fritschs klar in auch iueryiesen hatte und dieses Ergebnis von Hitler in aller Form dem- ıttäuschuifgelben militärischen Führerkreis mitgeteilt war, den er vorher enugtungüber die Beschuldigung Fritschs unterrichtet hatte,®® während die jgnissenditÖfentlichkeit überhaupt niemals von dieser Affäre gehört hatte. ’artei blilherdies wurde der falsche Zeuge durch Erschießen bestraft und Fall Fitil dem General selbst durch Verleihung eines Regiments als Ehren- pätere nuttitel eine öffentliche, wenn auch bescheidene Genugtuung zuteil. ‚dasSelbii$iherlich: man hätte darauf bestehen sollen, daß auch die Hinter- orps einm/ minner des Prozesses, die Göring und Himmler, zur Verantwor- ‚erihnliting gezogen wurden; Brauchitsch hat das vergeblich verlangt, dheitsgrüberdies die Ernennung Fritschs zum Feldmarschall und seine llehaterd: öfentliche Ehrenrettung im Reichstag durchzusetzen versucht, ‚nauch&ii ms aber wohl kaum möglich gewesen wäre ohne eine Erörterung egsgerich‘“ der peinlichen Affäre in der breitesten Öffentlichkeit. War es aber tet, daß! in Ernste denkbar, um dieser Forderung willen die ganze Genera- ‚cht hätte]iit zu einem Protestschritt zu bewegen? Und hatte der noch chen Plin‘! ittendwelche Aussicht, nachdem inzwischen die gewaltsame An- Fragen&i glederung Österreichs dem Führer denjenigen außenpolitischen wiesen«| Triumph eingetragen hatte, der fast von allen Deutschen, auch ‚strebt, D'* von den am meisten kritisch gestimmten, als die Endlösung eines h Bedenkil jhrhundertealten Problems deutscher Geschichte begrüßt wur- Jurchführl! de? Fritsch selbst hat sich zwar bitter über sein Schicksal beklagt, „bergsd“ ber eine öffentliche Demonstration zu seinen Gunsten ebenso '" ibgelehnt wie seine Rückkehr ins Amt; er hat sich auch nicht ge- ‚st die nl Icheut, in großer Paradeuniform hoch zu Roß das ihm verliehene ;„chefd Regiment zu übernehmen- wie er auch vorher schon durch sein ‚fund hof Ungeschick und dadurch, daß er sich auf Vernehmungen durch |zuvöllg‘ de Gestapo überhaupt einließ, ja sogar deren Vorladung in ihr isch, den} Hauptquartier in der Prinz-Albrecht-Straße folgte, seine Sache ind die des Heeres wesentlich verschlimmert hatte. Daß die Ernent! M u,-..” ‚] auch ix Fritsch-Krise« als Anlaß zu einem Aufstand der Generäle völlig de größer ingeeignet war, muß damals auch der Eindruck erbitterter Geg- eines Ant er Hitlers gewesen sein. Goerdeler hat damals die verschieden- ken ließ, ten Generäle zum Eingreifen für die Ehrenrettung des Ober- sin seht 1 iefehlshabers aufgefordert und mit allen möglichen Dienststellen Ga! die Möglichkeit eines Putsches(etwa durch militärische Beset- “., 0b zung des Hauptquartiers der Gestapo) erörtert.* Aber die Un- der“TI=. 5} 3 Re m,. möglichkeit solcher Gewaltschritte wurde ihm schon bei einer 4 m Gent Leipziger Besprechung mit Generalstabsoffizieren des Dresdener er yödbit Generalkommandos dargelegt, unter denen sichGeneralOlbricht, y djeWe äter eines der Häupter im Komplott des 20. Juli, befand.*! Der „a De erabschef Beck, von seinem Oberquartiermeister Halder Is hätte ! Tr BE Be ad 2 a I 156 Neuntes Kapitel & aus Anlaß eines Vortrages nach den näheren Umständen deajihon ar »Fritsch-Krise« befragt, lehnte jede Diskussion als unpassend ab und erklärte sogar:»Meuterei und Revolution sind Worte, die& im Lexikon eines deutschen Soldaten nicht gibt.« Eine für da spätere Haupt der Verschwörung sehr merkwirdiee Äußerung! Aber der Generalstabschef hatte damals der Hoffnung noch nicht entsagt, seinen Kampf gegen den Krieg»ohne Meuterei«, auf den Wege legaler dienstlicher Vorstellungen zu gewinnen. Noch in: mer glaubte er(nach Halders Zeugnis) an gewisse»Entwicklungs möglichkeiten« des Nationalsozialismus.*? Von der wahren Di monie des Kampf- und Machtwillens, die Hitler beseelte, hatteet also noch immer keine klare Vorstellung. So schwer war es füt einen Mann militärischen Denkens, das politische Spiel des gro- Ben Zauberers zu durchschauen! Will man zu einem Gesamturteil über die Blomberg- und Fritsch-Krise kommen, so wird man es nicht bedauern dürfen, daß damals eine Demonstration der Generäle unterblieb(sie hätte nur Schaden angerichtet), wohl aber dies: daß es in der höchsten Generalität des Heeres Männer gegeben hat, die es durch ihr rei persönliches Versagen dem Diktator so leicht machten, den letz- ten Rest von Selbständigkeit der Armee zu beseitigen. Diese be- kam es sehr bald zu spüren, was die Übernahme der Obersten Führung durch Hitler selbst, des formalen»Oberkommandos« durch seine Kreatur Keitel, später der generalstabstechnischen Gesamtleitung durch seinen Be wunderer Jodl und was schließlich der Ersatz des alten Routiniers von Neurath durch v. Ribbentrop, den diplomatischen Dilettanten und eitlen Fant, bedeutete. Der erste Schritt zur offenen Machtexpansion, die Annexion Öster- reichs, wurdefast ohne Mitwirkung des Auswärtigen Amtes, allein durch Parteiinstanzen politisch-diplomatisch vorbereitet, die militärische Besetzung angeordnet, ohne daß der Generalstabs- chef mehr als ein paar Stunden Zeit behielt, die nötigsten Anord- nungen zu treffen. Das System der reinen Diktatur war jetzt auch auf die Wehrmacht übertragen, von irgendwelcher Mitverant- wortung des Generalstabs keine Rede mehr. Statt dessen wurdt von seiten der Partei(vor allem durch Göring) ein Keim der Spal- tung in das Offizierkorps hineingetragen, indem man geflissent- lich« den»Frontgeist« der jungen, aus der Hitler- Bewegung stam- menden Offiziere in Gegensatz brachte zum»reaktionären« Geist der»Generalstäbler« und derälteren Generation. Der neue Wehr- machtsadjutant, Major Schmundt, der im Januar an die Stell lehrmac rat vo drder al erorücl »,Maiz (Atschlul Altätisc sven die & militi Dn legal Des Sta; Diese' Ein wit Erriffen &ischw &r des( Hoßbachs trat, hat später als Personalchef dafür gesorgt, daf eifrige Nationalsozialisten in alle höheren Stäbe eindrangen. 4 Die Haltung der Soldaten 157 tänden&/Schon am 17. August wurde die SS als eine Art von viertem apassendi) Wehrmachtsteil im Mobilmachungsfall neben das Heer gestellt; Torte, deo\eswar vorauszusehen, daß sie im Ernstfall mancherlei Privilegien line für d) Außerun ‚noch nid; ei«, aufdt 1. Nochit twicklun wahren D |te, hatte e war est: el des gt nberg- ut ‚ern dürfe) eb(siehät! er höchst ırch ihr fl -n, den kt n. Diesed| >r Obenst ‚mmando! technisch“ 5 schliehlt Ribbenttt! Jeutete.D! sion Öst \mtes, alt reitet, Hi eneralst" sten Anor! a jetzt" Mitver' vorder alten Armee genießen würde. Daß aber der Ernstfall rasch heanrückte, war schon seit der Weisung an die Wehrmacht vom 30, Mai zu erkennen, in der es hieß:»Es ist mein unabänderlicher Eitschluß, die Tschechoslowakei in absehbarer Zeit durch eine militärische Aktion zu zerschlagen.« Im vergeblichen Kampf gexen diesen»unabänderlichen Entschluß« hat sich der erste Akt ds militärischen Widerstands entwickelt: schon jetzt sehr rasch von legaler Form zur illegalen Opposition, ja zur Vorbereitung \eites Staatsstreichs und Attentats fortschreitend. Diese Vorgänge zu schildern wird indessen erst möglich sein, venn wir zuvor den Faden der Biographie Goerdelers wieder auf- gtoriffen haben. Denn inzwischen war auch dieser längst zum \Verschwörer geworden, und seine politische Entwicklung läuft der des Generalstabschefs Beck genau parallel. TIERERETTE: La; Drittes Buch: Die Verschwörung J. Abschnitt: Um die Rettung des Friedens(1937-1940) Zehntes Kapitel: Goerdelers Auslandsreisen 1937/1938. Die Tschechenktise 1938 Nach seinem Ausscheiden aus dem Leipziger Amt hat sich Goet deler zunächst einen neuen unpolitischen Wirkungskreis gesucht; als»Wirtschaftsführer« in der Schwerindustrie. Gustav Krupd von Bohlen und Halbach hatte ihn schon im Herbst 1935, also nach dem Ende seines zweiten Preiskommissariats, eingeladen, in das Direktorium der Krupp AG. in Essen einzutreten; ein mehr tägiger Besuch in Essen war gefolgt, die Entscheidung aber noch often geblieben.! Ende 1936, während Goerdelers Auseinander setzung mit den Leipziger Nationalsozialisten, schwebte sie noch. Es ist aber nicht anzunehmen, daß ihm die Aussicht auf eines hochbezahlten Posten in der Großindustrie den Verzicht auf seit Bürgermeisteramt erleichtert hat. Denn Krupp, mit dem er sich]? in Berlin traf, wagte jetzt, nach dem offenen Konflikt mit der Par- tei, seine Berufung nicht mehr ohne Rücksprache mit Hitler und ließ ihm Anfang März mitteilen, der Führer möchte einen Mann von den wirtschaftlichen Ansichten Goerdelers nicht in det Schwerindustrie sehen. Bald darauf erschien der Schwaget Krupps, Freiherr von Wilmowsky, in Leipzig und bot dem Ent täuschten eine hohe Entschädigungssumme an, die er aber sofott ablehnte,»da Herr von Krupp freie Hand gehabt hätte und ich selbst«(so schrieb Goerdeler 1944)»nicht seines Angebotes hal- ber in Leipzig aus dem Amt geschieden sei. Diesen Tatbestand wollte ich nicht verdunkeln lassen«. Inzwischen hatten sich bereits andere Anknüpfungen ergeben. Schon seit dem Sommer 1936 hatte der Kreis oppositionell ge‘ stimmter Demokraten, der sich um Robert Bosch in Stuttgart sammelte, durch Theodor Bäuerle, den Leiter des Volksbildungs- werks, mit Goerdeler persönlich Fühlung bekommen. Der alte Bosch war ein völlig anderer Typ von»Industriefüh- rer« als die Mehrzahl seiner Standesgenossen in Rheinland-West In groß ther D then T dene fitler-R ummei Itverft Beken: Eiinnte tbeiter ekretät es Vol &rObe Esucht üschof Rtister Acht; 1 üpft, Tetlag rau, {el ur adun Aus zu ge er V Aropa Et war Iemüh Cilser zung mp I Dac I Stem Serd any ü Ver Kler falen: Kein bloßer Geschäftsmann und Techniker ohne politi- schen Instinkt und politisch-historische Bildung, noch wenigeff Goerdelers Auslandsreisen 1937/1938 159 ein großindustrieller»Herrenmensch«, sondern ein echt schwäbi- scher Demokrat und Volksmann, fest verwurzelt in den politi- schen Traditionen seiner engeren Heimat. Er gehörte nicht nur n den erbitterten Feinden, sondern zu den aktiven Gegnern des Hitler-Regiments. Als solcher begnügte er sich nicht damit, große Summen für die Opfer dieses Regiments zu stiften(besonders z.B. für verfolgte jüdische Landsleute und für Theologiestudenten der ‚Bekennenden Kirche«), sondern er sammelte einen Kreis Gleich- 38. Die um sich. Zu ihm gehörten zunächst seine engsten Mit- ıtbeiter(der Geschäftsführer seiner Firma Hans Walz, sein Privat- ‚sekretär Willy Schloßstein, Baurat Albrecht Fischer, der Leiter tsich Go des Volksbildungswerkes Theodor Bäuerle u. a.); nach und nach reisgesuch Wurden aber auch andere Stuttgarter Freunde zugezogen(darun- stav Kal) ter Oberpolizeidirektor a. D. Hahn) und schon bald Verbindung 1939, AN g&sucht mit führenden Persönlichkeiten des Landes wie Landes- ngeladen,* bischof Theophil Wurm, Staatspräsident aa. D. Bolz, Oberbürger- n; ein mel teister Dr. Karl Strölin u. a. Mit führenden Vertretern der Wehr- gaber 00) macht in Württemberg wurden ebenfalls Verbindungen ange- useinand‘ knüpft, dieallerdings bei Kriegsausbruch abbrachen. Auch die im ‚Verlag Ph. Reclam jun. Leipzig erschienene»Deutsche Rund- bte sie not» ht auf ei? xthau«, Dr. Pechels tapfere Monatsschrift,wurde von Bosch finan- ichtaufsel dell unterstützt in ihrem Bemühen, unter tausend kunstvollen ‚1 Tarnungen Opposition gegen den Ungeist des Nationalsozialis- B ee mus zu wecken und lebendig zu erhalten. Bosch hatte schon frü- Hitler her gewisse internationale Vereinigungen zur Herbeiführung einen May. ner Verständigung mit Frankreich unterstützt, ebenso die Pan- jicht in€ wmropa-Bewegung des Grafen Coudenhove-Calergi. Mit Goerde- c Schmp‘ tr waren Bosch und die Männer um ihn zunächst einig in ihrem ot dem! Bemühen, das drohende Unheil zu verhüten. Diese gemeinsame r aber soll‘ lielsetzung führte sehr häufig, zeitweise allmonatlich oder 14- are undit gig, zu tiefgeheimen Beratungen bei Walz über die für eine Be- n tesb kimpfung des Regiments gegebenen Möglichkeiten. Späterhin, & est als nach allgemeiner Überzeugung nur noch die Beseitigung des Talas Systems in Frage kommen konnte, stimmte man den Absichten roch Goerdelers zu, der vor allem seine Verbindungen zu hohen Mili- enel hrs wie Beck und Fritsch zu aktivieren versprach. Bosch benutzte sone it Verfolg der gemeinsamen Ziele die Auslandsverbindungen x) siner Firma, besonders in Holland und Frankreich, dazu, den _ Vesteuropäischen Staatsmännern Warnungen vor der Gefährlich- "keit des Nationalsozialismus zu übermitteln- immer in der Hof- ung, Hitlers Kriegspläne würden vom Ausland her durchkreuzt "verden.? Goerdeler war bei diesen Bemühungen der politische, inmer gut informierte Berater, der sein Ohr überall hatte und 160 Zehntes Kapitel den Berliner Behörden, doch ohne scharf abgegrenzte Verpflich tungen. Seine ausgedehnte politische Reisetätigkeit erhielt so eit legales Aussehen. Der Firmenchef aber war sehr großzügig in det Gewährung finanzieller Hilfe aller Art für die Oppositionsgrup- pen, zumeist aus seinen Privatmitteln, und stellte auch währen! des Krieges seine Auslandsverbindungen den Verschwörern zu Verfügung. Es ist schwer vorstellbar, wie Goerdeler ohne dies Hilfe seine politische Rolle als lebendiger Mittelpunkt der Oppe: sitionsbewegung überhaupt hätte durchführen können, und dit Verdienste Boschs(und des Direktors Hans Walz) um seine Sacht sind um so höher anzuschlagen, als zwischen den innerpolitischei Idealen des einstigen ostpreußischen Konservativen und dene Robert Boschs anfänglich ein deutlich empfundener Gegensatz bestand, der aber allmählich verschwand, da Goerdeler sich det süddeutschen Auffassung weitgehend anpaßte. Ehe indessen diese Stuttgarter Verbindung sich praktisch aus wirkte, hat Goerdeler noch das Kruppsche Angebot politisch aus: genützt. Schacht brachte ihn auf den Gedanken, er müsse jetz schleunigst mit den führenden Männern des Auslands, Politiket und Wirtschaftlern, Fühlung gewinnen, seinen eigenen Horizon# erweitern und vor allem dem Ausland deutlich machen, daß&/# noch ein anderes, besseres Deutschland gebe als das der Hitler Gefolgschaft. Das lief auf eine Art von praktischer Ausbildung zum Oppositionsführer hinaus und scheint zu beweisen, daß de Reichsbankpräsident schon damals von Hitler innerlich abgefal len war. Sein Vorschlag, das Kruppsche Angebot zur Finanzie rung dieser Auslandsreisen zu benutzen, hatte guten Erfolg: ohit weiteres wurden dem Reisenden die nötigen Mittel zur Bestrei/# tung seiner Reisekosten zur Verfügung gestellt. Schwierigkeit“ Baches anfangs die Beschaffung der Baar da der sächsischt Gauleiter Nische den Reisepaß Era N ı ließ. Es gelang diesem aber, durch einen persönlichen Besuch beä Göring de rasche Freigabe zu erwirken und diesen Parteigewalti gen von der Nützlichkeit der geplanten Weltreisen zu überzeugen. Offenbar hat er ihm als ihren eigentlichen Zweck hingestellt, aul nicht offiziellem Wege und in vertraulicher Fühlung mit Ang# hörigen der verschiedensten Stände zu ermitteln, ob und in we); en Grade Deutschland von Kriegsgefahren La sei: GE fahren, die Göring bekanntlich immer geängstigt haben. ler wurde Berater der Firma in Finanzfragen nd ihr Seren ball Anposit lavon e «tin\ terni zug Und: Wsition Eisnäc Riateu Dunn, Evendei Dolitisc] tee ad(bi Sup u; Toron Ringto Iher Pa Wir dus teund ankre April) Ärsch h aus os]; hı Inac Rt n M Pte hal eig; In an De ers Shi Kin Ühke Goerdelers Auslandsreisen 1937/1938 161 önlicher B’zigte sich aufs stärkste interessiertan Nachrichten dieser Artund sch 1937 aut Goerdeler, vor seiner Abreise nach Amerika noch einmal nach let: Goerd Berlin zu kommen und ihm seine Eindrücke aus England zu be- Vertreter tichten. Daß der frühere Preiskommissar jetzt im Ausland als te Verpfid Oppositioneller galt, störte ihn nicht; im Gegenteil: er erwartete ‚thieltsoa kvon erst recht offene Türen und zuverlässige Auskünfte. Wie zügigind tef in Wahrheit die Opposition seines Gesprächspartners ging, sitionsgnu} at er nicht geahnt; sonst hätte er ihn nicht mit bloßen Mahnun- ıch währet gen zu patriotischer Haltung entlassen. hwörernzi Und so begann denn die Weltreise des späteren deutschen Op- t ohne die psitionsführers unter der Protektion des mächtigsten Nazifüh- Gegensl ste Reise führte ihn über Brüssel(4.-16. Juni 1937) nach Eng- eler sich& land(bis 15. Juli), zurück nach Berlin, von da Ende Julinach dem Haag und Amsterdam, im August über Frankreich nach Kanada raktisch au!("oronto), von dort nach den Vereinigten Staaten, wo erin Wa- olitischav Nington für einige Wochen erkrankte; im Dezember kehrte er - müsse| iber Paris zurück. Eine zweite Reise nach London im März 1938 1, Politiker War durch eine Vortragseinladung veranlaßt, die seine englischen ‚en Horiztß Freunde vermittelt hatten, und war mit einem neuen Besuch cheb5 daß« Frankreichs verbunden.(Gesamtdauer Mitte März bis Mitte s der Hit April.) Im August 1938 brach er zu seiner dritten Reise auf: über _ Ausbildutt lie Schweiz(wo er bis 20. Oktober verweilte und sich mit Freun- on. dat den aus England traf), über Italien(Rom, Neapel, Florenz) nach Jugoslawien, Rumänien und Bulgarien. Eine vierte Reise führte an Finanz ihn nach Frankreich und Algier(März bis April 193 9), eine fünfte Krfolg: 9 von Mai bis Juli(oder August?)? 1939 nach England, Libyen, zur Best!“ Ägypten, Palästina, Syrien, der Türkei und der Schweiz. Über alle | ‚jerigkeit Reiseeindrücke wurden ausführliche Reiseberichte angefertigt 3a schsisc® indan Krupp, Bosch, Göring, Schacht gesandt, außerdem an die a nahor“ Generäle von Fritsch, Beck, Halder und Thomas, mit denen Goer- chlab deler 1937 schon längst in Verbindung stand;* anfangs gingen sie jsen, daR ‚lich abge" wird (# Abhänge. Angriffsabsichten wären im Ausland nirgends zu ent- decken, vielmehr wären die westlichen Demokratien zu einer 162 Zehntes Kapitel wirtschaftlichen und politischen Verständigung durchaus bereit] In Be Bin, Aber freilich gäbe es eine ganz bestimmte Grenze der NachgiebigJhiftle Ei keit gegenüber deutschen Machtansprüchen und Eroberungsfinten plänen; deren Überschreitung würde für Deutschland lebenslin sta gefährlich sein. nundsö Diese sehr eindeutig vorgetragene Grundthese wird, wie immeljt den Dar bei Goerdeler, mit vorwiegend wirtschaftlichen Argumentajirein ı begründet; er will zeigen, daß, jenseits aller Willkür der Regiertt haft b a5 ökonomische Bedürfnisse und Notwendigkeiten die Staats ustrie räson der Mächte bestimmen. Im einzelnen ve er das mit ein&lhnFR erstaunlich eindringlichen Analyse ausländischer WirtschaftsJen de und Verfassungszustände zu begründen, meist in sehr lebendigetrkelt ja fesselnder Darstellung. Manche dieser Reiseberichte gehöre Dng| zu den eindrucksvollsten Produkten seiner emsigen Eie ZeugJoneo nisse eines höchst lebendigen, rasch aukkasenden Geistes. Belenisc sonders die Berichte aus dem nahen Orient und der Türkei, ilinus denen das schlichte Sachinteresse an der fremden Welt überwiegt; und die politische Tendenz zurücktritt, erscheinen mir als waht]hirse, Li Meisterstücke politisch-ökonomischer Landesbeschreibung. Mal ziyen en spürt, daß er recht gute Informationsquellen besaß: nicht nur dit]. K Diplomaten, Wirtschafts- und Militärattaches der deutschen Aus Eipun landsvertretungen, sondern führende Staatsmänner, Wirtschaftsenjg Fa leiter und Sachkenner des Auslandes selbst.? Das alles hindetz; x. a, nicht, daß der Berichterstatter die Welt so sieht, wie er sie als Po- 5. Jul R% litiker sehen»zJ/: optimistisch i im Blick auf die Möglichkeit, det Ya x: Frieden zu erhalten und eine dauerhafte Neuordnung Europasllick, ! i Bi aufzubauen, äußerst kritisch überall da, wo er seine eigenen libet2| ip, s len Wirtschaftsprinzipien durch staatliche Lenkungsmanöveilg, y, & durchkreuzt sieht. Neben treffenden, oft scharfsichtigen Beob:- kch achtungen fehlt es auch nicht an Illusionen: Außerungen jenen... | vernunftgläubigen Optimismus, den wir schon kennen. Er istlie; ı auch hier geneigt, als wahrscheinlich, wohl gar als sicher zu a: i; a 3 Marsa Ir prophezeien, was die natürliche Vernunft nach seiner Meinung]; 3 ä Uonen Br empfiehlt. Inter iM. Wir müssen auf den Inhalt dieser Berichte schon deshalb etwas], on fl näher eingehen, weil ihr Verfasser fast nur durch sie versuchen Een: i| konnte, auf die politische Entwicklung in Deutschland während M; der entscheidungsv ollen Jahre 1937-39 einzuwirken. Denn wie alte sein Reiseplan zeigt, war er von Juni1937 bis zum Kriegsausbruch m überhaupt nur wenige Monate daheim.® Gerade in den Krisen-]-., monatendes Jahres 1938 und des Sommers 1939, in denen sich die], ersten politisch-militärischen Verschwörungen zusammenballter, hat er seinen Freunden und Gesinnungsgenossen gefehlt. chaus ber Goerdelers Auslandsreisen 1937/1938 163 " In Belgien traf er nicht nur mit führenden Politikern und Wirt- Nachgiehöschaftlern zusammen, sondern wurde auch vom Ministerpräsi- Eroberund denten van Zeeland und dem König empfangen. Beide machten land lebet ihm starken Eindruck mit ihrer politischen Klugheit und ihrer grundsätzlichen Verständigungsbereitschaft. Die Verbindung d, wieimn: mit dem belgischen König hat Goerdeler noch bis in den Krieg Argumen! ler Regiertt n die Staus das mit eit Wirtschaft r lebendig -hte gehöt Reder: Zeil Geistes. 3 e Türkei, >|t überwitl‘ nit als wab A(% reibung. I nicht nutt utschen dt Wirtschat alles hind er sieals! lichkeit, d ung Euro? genenlibt ‚ngsmandt htigen Be rungen|| "hinein weiter verfolgt. Sein Bericht hebt vor allem die Bereit- schaft belgischer Wirtschaftsführer hervor, mit der deutschen In- distrie zusammenzuarbeiten, zugleich ihre Furcht vor sozialisti- schen Experimenten in Frankreich. Gestützt auf gewisse Äußerun- gen des früheren Kolonialgouverneurs Maurice Lippens, ent- wickelt er das glänzende Phantasiebild einer künftigen Beteili- gung Deutschlands an der ökonomischen Erschließung des Kongogebietes mit seinen riesigen Rohstoffquellen, in der Form gtmischter belgisch-deutscher Kolonialgesellschaften, darüber hinaus wirtschaftlicher»Heranziehung der ganzen Oslogruppe« über Belgien und Holland, zuletzt der Bildung großer europäisch- iberseeischer Wirtschaftsräume überhaupt.” Was im Wege stehe, si weniger die Behandlung der Juden als der Kirchen in Deutsch- "nd: sie allerdings habe ein hohes Maß von Mißtrauen und Ab- tigung gegen die deutsche Politik erzeugt. Dasselbe versichert etbald darauf aus Zingland, dessen Studium ihm ebensoviel Anlaß nr Kritik wie zur Bewunderung bot.(Erster Bericht vom % 1. Juli 1937.) Kritisch betrachtet er die unsicher experimentie- U ınde Sozialpolitik des Landes, gewisse Mängel und technische ; Rickständigkeiten der Industrie, die Einseitigkeit des Landwirt- - ithaftsbetriebes, mancherlei Symptome nachlassender Energie “ des Wirtschaftslebens, die er zu beobgchten meint, insbesondere "uch das Schwinden des alten Kolonialgeistes und Auswande- tingsdranges. Bewundernd schildert er die prunklose Einfach- fr heit des Lebensstils, die Höflichkeit der Verkehrsformen, die ‚nnen. BI| . Sparsamkeit der Verwaltung, die immer noch lebendigen Tradi- tionen des»selfgovernment«. Im ganzen warnter entschieden vor Unterschätzung der Lebenskraft des britischen Volkes und Em- Bires. Die Außenpolitik sei durchaus friedlich, aber nicht gewillt, itrendeine ihrer Machtpositionen kampflos preiszugeben, auch in Mittelmeer nicht. Darauf weise auch die starke britische Auf- tistung hin. Deutschland gegenüber meint Goerdeler in der ge- x bildeten Gesellschaft überwiegend auf wohlwollende, Frankreich gegenüber mehr auf kritische und sorgenvolle Urteile gestoßen zu sein- nur daß die Juden- und noch mehr die Kirchenverfol- N je. gang des Hitler-Regiments viel Antipathien geweckt habe. Prak- "tisch, meinter, wird England»zu jedem Abkommen mit Deutsch- 164 Zehntes Kapitel land bereit sein, bei dem es seinen Besitzstand halten und seine Zı kunftsrisiken verringern kann. Für die Aufrechterhaltung daNhm Versailler Diktats gibt man keinen Schuß Pulver mehr. Man wit ardErbi so bin ich überzeugt, bereit sein, entsprechenden Wünschen Mu et Deutschlands insoweit Rechnung zu tragen, als Änderungen mit Neer$ den Mitteln friedlicher Entwicklung zu erreichen sind. Man wird Kttra auch dem deutschen Wunsch nach Kolonien, allerdings nur in Ültische Westen Afrikas, entgegenkommen, aber nicht vorleistend, sor- dick, um dern im Rahmen eines alle Streitfragen regelnden langdauernden!ızehli Abkommens. Dies kann im Zusammenhang mit Plänen van Ze ln, un lands die Flottmachung unserer Währung ohne politische Ver!nz schuldung umfassen, womit wir die Rohstoffschwierigkeitti lin: spielend überwinden werden«. Ein so großes, die Erde umfassen FirC des Weltreich wie das Britische Empire könne seiner Natur nach It cr immer nur schwerfällige und langsame Entschließungen fassen, Nur‘ immer nur auf lange Sicht voraus disponieren; es könne sich auch!thof wohl gegen Deutschland entscheiden und werde dann ebenso zäh|tden in seiner Gegnerschaft bleiben. Es könne für den Versuch einkt Norres Verständigung auch wohl zu spät werden, der Zeitpunktlassesich| Zuni nicht einseitig von Deutschland her bestimmen.»Dauernde Un‘fat gewißheiten wird England trotz seiner bewunderungswürdigen,"uich manchmal zur Verzweiflung treibenden Ruhe aus politisch& Blog Gründen nicht durchhalten können und dürfen, ohne den Be“nte; * stand des Empire zu gefährden.«| ch d ie Das waren sehr deutliche Warnungen. Was stand an echte lat} \ politischer Information dahinter? Was bisher von der Haltung’ fit( der britischen Diplomatie im Sommer und Herbst 1937 bekanit'‘te geworden ist, läßt sich mit den Eindrücken Goerdelers recht woll Nongr vereinigen.® Das ganze Jahr 1937 über war man in London eben in; wie in Paris eifrig bemüht, durch weites Entgegenkommen In Deuts. j Handels- und Kolonialfragen den deutschen Diktator zu eine hy { allgemeinen Friedensabkommen zu bewegen, das ihn verpflich' ten sollte, die Lösung seiner wohlbekannten Forderungen if|&nn Osten und Südosten(Danzig, polnischer Korridor, sudetet'\%)} ee deutsche Frage, Verhältnis zu Österreich) nur auf demWeg pr Be. friedlicher Verständigung, nicht mit kriegerischer Gewalt zu sw| tl, Be chen. Mit Ribbentrop, dem deutschen Botschafter in Londo%'!\efi, solche Dinge zu erörtern, mochte aussichtslos erscheinen, s&t|\ey; dieser in einer Unterredung mit Churchill ebenso offen wie plum) die letzten Sehnsuchtsträume seines Herrn und Meisters ausg# 7 nn Be plaudert hatte: freie Hand für Deutschland im Osten zur Er Au oberung nicht nur Danzigs und Polens, sondern selbst Well}: tußlands und der Ukraine als»deutscher Lebenstäume«— dafü Hl \ f Goerdelers Auslandsteisen 1937/1938 165 indseinm Garantie der Erhaltung des britischen Empire durch die deutsche 'haltung de) ehrmacht.? Jetzt botsich Goerdeler an, die britischen Wünsche r. Manvin Ind Erbietungen auf dem Wege über Göring, von dessen Kriegs- \ Wünsche theu er in London berichtet haben wird, zu Gehör zu bringen. lerungenm Vie er selbst erzählt, wurden sie ihm von Sir Robert Vansittart .d. Many Avertraut, der damals noch permanenter Unterstaatssekretär im lings nurk) britischen Außenministerium war. Er eilte eigens nach Berlin zu- eistend, u fick, um sie Göring auch mündlich vorzutragen- natürlich völlig je vergeblich. Als im November Lord Halifax nach Berchtesgaden nen van Zain kam, um Hitler erneut zur Verständigung zu drängen, hatte dieser litische Va’hon zwei Wochen vorher seinen obersten Wehrmachtsbefehls- bern seinen Entschluß zum baldigen Losschlagen verkündet. deumfasn| Für Goerdeler scheint aber diese seine»diplomatische Mission« + Natur ok(vie er sie auffaßte) sehr viel bedeutet zu haben. Der Gedanke ıngen fası) net friedlichen Generalverständigung der Großmächte über alle ne sichar toch offenen Probleme europäischer Ordnung zur Erhaltung des nebensozä Teiedens hat ihn seither nicht mehr losgelassen. Er kehrt in seinen Korrespondenzen und Denkschriften unablässig wieder. 7 ini Tersuch ei? h 5 " Zunächst setzte er seine Auslandsreisen fort. Nach kurzem | sesit a[x Aufenthalt in Brüssel, Haag und Amsterdam(Ende Juli) plante er gewürdigt? zunächst eine längere Reise nach Südamerika, dieam ı. Augustin h politische Boulogne beginnen sollte,!% zog es aber dann doch vor(aus unbe- hne den Mt) kannten Gründen), schon im August nach Kanada(Toronto) und nach den Vereinigten Staaten zu fahren. Ein kurzer Zwischen- - aufenthalt in Frankreich wurde zu einem neuen Reisebericht be- hr d an CENT 5 2„nutzt(Paris 5. August), der vermutlich auf Informationen des mil der Fa- deutschen Botschafters, Grafen Welczek, zurückgeht.!!Er spricht eat!.’ » Ton großer Verständigungsbereitschaft der Franzosen, aber auch ndonebei® von schwerer Enttäuschung über die abweisende Haltung ndoned”, und warnt vor einer Überschätzung der inneren | ‚ng? Schwäche Frankreichs, insbesondere der Kommunistengefahr. tor zu in(Der französische Kommunismus sei keineswegs identisch mit ha 7 iv dem russischen und entwickle entschieden patriotische Tenden- dere ten.) Man sei sehr empfindlich wegen der Beteiligung deutscher los, 5° ve Truppen an dem faschistischen Abenteuer in Spanien, schätze die uf dem.# militärische Leistungsfähigkeit der Italiener gering ein und halte zevalt? I ie für unzuverlässige Freunde Deutschlands. Wollten wir eine rin Da| Verständigung mit Frankreich, so sollten wir uns aus dem spani- scheine 1 schen Unternehmen möglichst bald lösen; der gute Wille in Paris en wie?„= könne seht leicht eines Tages in neue Feindschaft umschlagen. eiste$ ri Auf diese Tonart waren auch die Reisebriefe aus Nordamerika )sten zu gestimmt. Goerdeler gab sich viel Mühe, die großen Zukunfts- selbst Mi möglichkeiten auszumalen, die der deutschen Wirtschaft aus ume«=|| N ngdauern wierigkeit£) 166 Zehntes Kapitel einer engen Verbindung mit dem rohstoffreichen Kanada erwach-ad der sen könnten,(Bericht vom 27.-28. September.)1? Auf die Dauerulnerik: könne dieses Land der unbegrenzten Naturschätze seinen Außen-Ikkann handel unmöglich im Rahmen des Ottawa-Abkommens mit Eng-/Ihmner land halten. Es werde verstärkten Absatz auch auf dem euro- si:cinfa päischen Kontinent suchen müssen, und gerade die deutsche'lNeu Wirtschaft sei zur Partnerschaft besonders wohl geeignet. Die\!\ition wirtschaftliche Bindung Kanadas an das Britische Empire könne hr bal sich also sehr wohl lockern. Leider sei die gegenwärtige deutsche iher Politik aber geeignet, die inneren Spannungen des Empire zu ver.\\icntd. mindern, indem sie die ganze Welt gegen uns in Harnisch bringe,'\terh In Kanada weckten sowohl die Juden- wie die Kirchenverfolgun-'(histe gen starke Antipathien(wie in einem Sonderbericht noch stark unterstrichen wurde); und doch habe man auch hier sehr viel Ver- ständnis für eine Revision der Versailler Vertragsbestimmungen- jedoch nur auf friedliichem Wege. ken,\ Sehr ausführlich ist dann der Bericht aus den Vereinigten Staat\ıhen, gehalten(vom 2. Januar 1938), eine in mehr als einer Hinsicht\nhtf interessante Lektüre. Er schildert den ungeheuren Reichtum des sich Landes an Bodenschätzen und natürlichen Kraftquellen, auch die'n-; imponierende Entwicklung seiner Industrie, sieht aber ebenso tenk deutlich die vorläufigen Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit und die| iu dı schwierig zulösenden inneren Probleme der amerikanischen Wirt| id t schaft, vor allem auf dem agrarischen Sektor. Politisch betont er ten,fa - im bewußten Gegensatz zur Goebbels-Propaganda— die orga- Autse nische Verwurzelung der amerikanischen Demokratie im Boden' chn des Koloniallandes und erkennt ohne jedes Vorurteil ihre großen aufp historischen Leistungen an. Das hindert ihn aber nicht an det\ nüchternen Einsicht in gewisse Schwächen des amerikanischen Verwaltungssystems und des allgemeinen Staatsaufbaus im Rah- Di men der Föderativ-Verfassung. Sehr ausführlich kritisiert er, wie| zu erwarten, die New Deal-Politik Roosevelts und glaubt, daß!\i, eine»Vertrauenskrise« gegenüber diesem Präsidenten bald herein- brechen werde. Gleichzeitig aber warnt er dringend davor, die xx, außenpolitische Bedeutung aller dieser inneren Schwierigkeiten||}. zu überschätzen.»Ich bin zu der Überzeugung gekommen, daß ul die Vereinigten Staaten sehr schweren Zeiten in ihrer Volks- Fi Qpı wirtschaft entgegengehen, aber ich bin ebenso überzeugt, daß r sie dieser Schwierigkeiten Herr werden, und zwar eines Tages Tchn sehr überraschend.«Das natürliche Kräftepotential des Landes ist Le unerschöpflich, und überdies sind gewisse Reformbestrebungen id. bereits im Gange. Das wichtigste Ergebnis seiner Betrachtungen|}, ist die Einsicht, daß die Epoche des politischen Isolationismus Goerdelers Auslandsreisen 1937/1938 167 ind der wirtschaftlichen Selbstabsperrung vom Welthandel für \merika vorüber ist. Ohne Erschließung eines freien Weltmark- ts kann die amerikanische Wirtschaft gar nicht wieder in Blüte kommen, und der japanische Expansionsdrang in Ostasien zwingt "ie einfach zu einer verstärkten weltpolitischen Aktivität. Trotz ie deutsch der Neutralitätsakte ist die Regierung seit Herbst 1937 dabei, die eignet. DI Nation in einen solchen neuen Kurs hineinzusteuern; das kann npire kön sehr bald auch zu verstärkter Rüstung führen. Von grundsätz- ige deutsch” cher Deutschfeindlichkeit des amerikanischen Volkes ist nichts ;pirezuvei za entdecken- trotz aller Erbitterung über die mangelnde Rechts- isch bring scherheit im Deutschen Reich und die Verfolgung von Juden und nverfolgut‘ Christen. Aber ohne konkrete Gegenleistung werden die Ver- - noch stad. finigten Staaten für eine Unterstützung deutscher wirtschaftlicher 'hrvielVes ind politischer Wünsche nicht zu haben sein. Statt dessen wird mmunget- han streben, mit England zusammenzugehen: zunächst in Ost- sien, wo beide Mächte gemeinsame Interessen zu verteidigen igten Staald haben. Da aber England auch im Mittelmeer seine Stellung be- Iroht fühlt und sie mit Einsatz aller Kräfte zu erhalten strebt, wird ‚er Hinsich eichtumds ts sich bemühen, die englisch-amerikanische Entente zu erwei- en, auch di} tern— selbst unter wirtschaftlichen Opfern. Goerdeler prophezeit ber eben tinenkommenden amerikanisch-englischen Handelsvertrag,durch keitunddi" den das System der Ottawa-Konferenz durchbrochen wird; er schen Wie" Wird trotz aller noch bestehenden Hemmungen zustande kom- nen, falls England einsehen muß, daß auf eine Verständigung mit -h betont© - die org Deutschland nicht zu rechnen ist. Nach Lage der Dinge ist aber e im Bode?" such nicht daran zu zweifeln, daß»England den vollen politischen ihre große“ Kaufpreis für einen ihm an sich(um des Empire willen) un- icht an ıngenehmen Handelsvertrag wird einkassieren können«.(Eine Prophezeiung, die sich bald bestätigt hat.)!? Die politische Schlußfolgerung, die Goerdeler aus alledem tieht, ist sehr eindeutig: will die deutsche Politik eine Verstän- olaubt, dl digung mit den Vereinigten Staaten, so wird sie diese nur auf dem ji" Wege über eine Generalbereinigung europäischer Probleme er- ! teichen, vor allem durch friedliche Vereinbarung mit England. orjgkeite: Hier eröffnet sich eine großartige Möglichkeit: ist Deutschland I i} Ehrlich bereit, den europäischen Frieden zu garantieren und so den ui Yolkt- angelsächsischen Mächten die Durchführung ihres Kampfes um rikanischt® zus im Aal“ , 4)" Ostasien zu ermöglichen, so darf es auf große Gegenleistungen N" rechnen. Über die Kolonialfrage, den Danziger Korridor, den eines desit“ Anschluß Österreichs und die Zukunft des Sudetendeutschtums de wird sich dann wohl ebenso eine Vereinbarung erzielen lassen wie Ai„ge) Aber die Wirtschaftsfragen. Der freie Zugang zum Weltmarkt tut acht" ‚sich auf, und auch die Währungsnöte werden sich dann durch men RT ner 168 Zehntes Kapitel Dollaranleihen überwinden lassen. Sollte es aber zum kriegeti-.. schen Konflikt kommen, insbesondere wegen der Tschechoslo wakei, so werden die Vereinigten Staaten zwar nicht wieder Trup- pen nach Europa schicken(das hält Goerdeler damals noch füt ausgeschlossen!), aber sie werden England auf jede Weise in Krieg unterstützen. Noch steht der Weg zur Verständigung ofla ln. — aber nicht lange mehr.!*? Merken Auf welchem Wege Goerdeler sich seine politischen Infor. 5 M mationen verschafft hat, läßt sich noch einigermaßen erkennei, MN e Nach England hatte ihm Schacht Empfehlungsbriefe an seineaus ländischen Bekannten mitgegeben, vor allem an den Gouverneur un der Bank von England, Montagu Norman. Er besuchte aber auch\ die deutsche Botschaft in London, ärgerte sich über das luxuriöse Auftreten Ribbentrops und ließ sich von dessen Mitarbeitern in- formieren. Eigene Verbindungen besaß er zu einzelnen englischen Industriellen und Bankleuten von Wirtschaftskongressen und von der Leipziger Messe her. Sie wurden vor allem durch den Industriellen A. P. Young erweitert, der zu den Vertrauensleuten Edens gehörte und der ihn een, in seinen Club einlud. 50 I: entstand ziemlich rasch ein großer Bekanntenkreis: von Bank; leuten, Industriellen, aber auch Politikern aller Parteien.!5 Das° führte zu Besichtigungsreisen im ganzen Land: durch Fabriken,' Arbeitersiedlungen, Bauernhöfe und Schrebergärten. Eine prak tisch sehr wichtige Vermittlerrolle spielte der seit 1933 in London I lebende deutsche Pädagoge Dr. Reinhold Schairer, ehemals Lei- B;- ter des Deutschen Studentenwerkes- eine etwas romantisch ver-||, anlagte Persönlichkeit, erfüllt von dem Enthusiasmus der deut-|| schen Jugendbewegung; er war Goerdeler schon in Königsberg" nähergetreten und stand ihm nun als treu ergebener Helfer zut" Seite. Auch sprachliche Hilfen hat er ihm geleistet und seine eng-|" lische Korrespondenz jahrelang vermittelt, ihn auch mehrfach in" Frankreich und der Schweiz zu geheimen Treffen aufgesucht, Durch Young und seine Freunde kam Goerdeler auch mit führen- den Persönlichkeiten des Foreign Office in Verbindung; vorallem mit dem Staatssekretär Anthony Eden, Unterstaatssekretär Sit Robert Vansittart und dem Counsellor Frank Ashton-Gwatkip, Chef der Wirtschaftsabteilung. Auch mit Viscount Halifax, dem Gegenspieler Edens und Vansittarts, ist er bekannt geworden und schließlich 1939 noch mit Winston Churchill, wobei ihm vot allem Dr. Brüning behilflich war.!® Aufähnlichen Wegen gelang es ihm, auch in Kanada und den Vereinigten Staaten mit führenden Männern des öffentlichen Le- bens ins Gespräch zu kommen: mit dem kanadischen Minister- Goerdelers Auslandsreisen 1937/1938 169 "näsidenten Mackenzie King, dem amerikanischen Staatssekretär Ördell Hull, dem früheren Ackerbauminister Wallace, den Diplo- Enten Sumner Wells und Messerschmidt, mit dem Sohn Prä- e Weiseih ilent Tafts, dem Expräsidenten Hoover, Kriegsminister Stim- igungof£n, Finanzminister Morgenthau, dem Finanzmann und Indu- tiellen Owen Young und vielen anderen.” Während dieser chen Inh inerikanischen Reise erkrankte er ernstlich an einer Herzattacke h erkennt lag darum wochenlang als Gast des Schriftstellers John W. --Bennett, den er schon seit 1932 kannte, in dessen Hause An seines Charlottesville-Virginia.18 Weniger zahlreich scheinen die Be- ouverk ihrungen mit französischen Politikern gewesen zu sein, von teaberaud itnen Goerdeler selbst nur Daladier und Reynaud nennt, um so as luxucof Telseitiger dagegen seine belgischen Bekanntschaften.!’Im gan- ırbeiten il. ist es erstaunlich, wie rasch es ihm gelungen ist, Zugang zu nenglischt! plitisch wichtigen Persönlichkeiten des Auslandes zu finden, und zressen UF x wird mir versichert,2° daß die lebhafte Intelligenz und die klare ı durch u Intschlossenheit dieses Sendboten eines»anderen Deutschland« auenslutf N; seinen Gesprächspartnern einen starken Eindruck hinterlassen .- ganz besonders bei Eden und Hull. Sie werden die große ol Baal Sorge, mit der sie schon 1937 die Politik Hitlers verfolgten, durch teien.” ine Mitteilungen bestätigt gefunden haben. h Fabrkei Sicherlich hat er schon 1937 mit ihnen nicht nur politische und „Eine pt!" irtschaftliche Verständigungsmöglichkeiten erörtert. Wie er ‚inLond dbst seine Auslandsmission damals auffaßte, davon gibt eine hemals Le enkschrift vom 1. Dezember 1937 Zeugnis, die er in New York antisch*rerfaßte und einem amerikanischen Vertrauensmann?! mit dem us der dat! Auftrag übergab, sie erst dann zu veröffentlichen, wenn er das Königebtti} sichen dazu geben würde oder ihm etwas zustieße. Diese Nieder- ‚ Helfer#" schrift faßt offensichtlich den Sinn vieler politischen Aussprachen d seine et" usammen. mehrfach”" Erist beunruhigt über den Gleichmut, mit dem viele Ausländer zufgesud!"lie Nachricht von Greueltaten des Hitler-Regiments aufnehmen, ‚mitfüht®"lie oft wenig beachten und geneigt sind, im Nationalsozialismus a;,vot ale“ oß eine Deckung gegen die Gefahr einer kommunistischen n solution zu sehen. Auf solche Stimmungen war Goerdeler sekretäl „wa Tichon in England gestoßen; später sollten sie ihm noch mehr be- 1alifas, den ftgnen: bei jenen Vertretern der Politik des vappeasement«, die worden!\ich von den sichtbaren Erfolgen Hitlers imponieren ließen. Ihnen ‚ei ihm" Äiicht er nun klarzumachen, daß Hitlers Machtstellung auf einer tngeheuren Täuschung beruht- einer Täuschung, der leider auch fast zu 80%. Das 170 Zehntes Kapitel benshaltung zerstörte, hat dem gefährlichen Agitator den Bodeı bereitet. Die Revision des Vertrags kam zu spät; sie begann näm- lich erst in einem Augenblick, als Deutschlands Wirtschaft unter der Deflationskrise zusammenbrach und nun das deutsche Volk die Geduld verlor, eine langsame Besserung, wie sie sich dank Brünings kluger Politik 1932 allmählich vorbereitete, in Ruhe ab- zuwarten. Der Radikalismus von links war in diesem Augenblick keine ernste Gefahr mehr, wohlaber der von rechts. Man hätte ihn vielleicht abfangen können durch rechtzeitige Beteiligung an det Verantwortung der Regierung, aber nicht in der geradezu kopt- losen Form, in der es die Schleicher und Papen und ihre deutsch- cheint eirejuf echner den z rundl Denksc artelis ang, d Ol: ar Ferfass nationalen Hintermänner versuchten. Diesen, den Gefolgsleuten\esg Hugenbergs, fällt die schwere Verantwortung zu, daß sie durch|} eine bloße Scheinkoalition mit Hitler diesen zur Macht gebracht Jig: haben, statt im Widerstand gegen ihn mit der»sich regenerieren- den Sozialdemokratie« oder dem Zentrum zusammenzugehen. (Auch der hochbegabte Dr. Schacht hat leider diesen Fehler mit-|; gemacht.) Sie haben es rasch mit dem Verlust aller politischen Be- deutung büßen müssen, und seitdem entwickelte sich die Alleir- herrschaft Hitlers und seiner Partei zu einem Schreckensregiment, Anschließend werden die Schäden des neuen Systems dargelegt, beginnend mit den Massenmorden des 30. Juni 1934. Goerdelct schildert die allgemeine Rechtlosigkeit und das Spitzelwesen, das Chaos der Verwaltung, die so oft von ihm erörterten Fehler det Per; Wirtschafts- und Finanzpolitik, den»Verfall der Moral in Staat und Partei«, den Totalitätsanspruch des Staates, seine Verfolgung|# der Kirchen und den allgemeinen Gesinnungszwang.?? Über die] Gefahr eines neuen, von Hitler entfesselten Krieges ist noch nichts|7 gesagt- sie wird Goerdeler wohl erst nach seiner Rückkehr klar- Ti, geworden sein; die seit 1936 laufende Aufrüstung findet er sach- Iind. lich gerechtfertigt- noch hält er sie offenbar für rein defensiv; aber ihre Finanzierung erfolgt mit leichtfertigen Methoden, und die»politische Blindheit« der Armee, die das nicht sehen will, hängt mit der völlig unpolitischen Tradition des preußisch-deut- schen Heeres zusammen. Sie hat dem Nationalsozialismus bishet keinen Widerstand entgegengesetzt. Trotzdem: eines Tages wird»ein furchtbares Aufbäumen der gequälten und in ihrer tiefsten Würde verletzten Natur« des Men- schen unausbleiblich sein.»Niemand als das deutsche Volk selbst kann es aus diesem Zustand(der Rechtlosigkeit und moralischen Zersetzung) retten.« Es hat bis dahin noch»einen schweren Lei: densweg« vor sich; denn die Gewalthaber werden keine Schreck: lichkeit scheuen, um sich an der Macht zu erhalten. Dennoch || Goerdelers Auslandsreisen 1937/1938 171 scheint Goerdeler, der unbeugsame Optimist, mit der Selbst- befreiung Deutschlands durch einen inneren Umsturz fest zu tchnen. Seinem Gastgeber Wheeler-Bennett hat er damals schon j Ideen zu einer künftigen Restauration der Monarchie auf der je sich di‘| Grundlage verfassungsmäßiger Freiheit anvertraut. Auch seine ‚inRuhed| Denkschrift schließt mit dem Ausblick auf eine künftige»un- Augenblil| pirteiische, der Zukunft sich verantwortlich fühlende Staatsfüh- fanhättel"| ing, die an die beste Tradition des deutschen Volkes anknüpfen« ‚gung and vll: an die Überlieferungen des liberalen Rechtsstaats. Und der :adezu kop! Verfasser Heht die ausländischen Staatsmänner geradezu an, einem hredeuts'| selchen wiederhergestellten Deutschland das Vertrauen nicht zu efolgsleut versagen, die Fehler des Diktats von Versailles nicht zu wieder- aß sie dur| hulen, vielmehr dessen»entehrende Bestimmungen« zu besei- cht gebrul iiren und jeder Versuchung zu einem zweiten Diktat zu wider- egeneriett stehen.»Ein beruhigtes Europa, in organischer Entwicklung zu nenzugehel| Inmer größer werdender wirtschaftlicher Einheit fortschreitend, \ Fehlernil| bedeutet die Sicherung des Friedens und der Wohlfahrt der Jitischen®'| Welt.« Man erkennt aus alledem ziemlich deutlich, daß Goerdeler auf r den Bode jegann nit 'schaft unt utsche Vol h die Allet| oc a nsregimet| Kiner ersten großen Auslandsreise ein doppeltes politisches Ziel nsdargelt! wrfolgt hat. Zunächst sollten seine Berichte, über Göring lau- 4. Goerdek) ad, die Hitler-Regierung vor einer drohenden Isolierung ‚elwesen, 0 Deutschlands warnen und ihr die Möglichkeit einer friedlichen 1 Fehler Verständigung vor Augen stellen. Für den Fall, daß sie nicht dar- oral inb üfeinging(was der Reisende kaum anders erwartet haben kann), ‚Verfolgut wollte er sich selbst ausländische Verbindungen schaften, die einer afiberd), Auen, nach dem inneren Umsturz gebildeten Regierung eine och ih\ ginstige Aufnahme bei den Westmächten sichern sollten.(Eben Iekehr itshalb rückt er wohl auch so scharf von der Politik Hugenbergs 1; ger ind sogar von seinem Freunde Schacht ab.) Die Staatsmänner des 1 def| Westens sollten ebenso von der Notwendigkeit eines Umsturzes hoden! vie von der einer Revision des Versailler Vertragswerks über- tugt werden; denn nur durch eine solche friedliche Revision, ehen WI| i RS ER F t i hie| dh. durch einen großen außenpolitischen Erfolg, konnte die i HN y)), tue Regierung sich eines Tages vor der Nation legitimieren und su iine bessere innerpolitische Autorität gewinnen, als sie die Ka- binette der Weimarer Republik besessen hatten. P Mitte Januar 1938 hatte Goerdeler ein langes Gespräch mit den Generälen Beck und Fritsch über seine Reiseeindrücke, auch über die militärischen, nach Auskunft der deutschen Militärattaches in den besuchten Ländern. Er wird von ihnen wohl erfahren haben, £ x,&B seine politischen Verständigungspläne praktisch aussichtslos en ee ee 172 Zehntes Kapitel waren: wußten sie doch vom 5. November her von Hitle Kriegsplänen aus dessen eigenem Mund! Goerdeler will Fritsch schon damals gewarnt haben: die nächste Aktion der Gestapo)" würde sich nun wohl gegen die Armee richten! Vierzehn Tage pericht später brach die sogenannte Fritsch-Krise aus, und Goerdeler be|"? mühte sich vergebens, die ihm bekannten Generäle zu einen Aıtonc Putsch gegen die Gestapo aufzustacheln- vermutlich auf Anstik Seblet ten des Regierungsrats Gisevius, mit dem er damals zuerst in Vet dich bindung kam und der in seinem bekannten Buch ausführlich dat|"®2 über berichtet.23 Inst Diese Bemühungen scheiterten bekanntlich schon daran, dal vor der Entscheidung über den Fall Fritsch die nationalsozialisti Cord R sche Regierung ihren triumphalen Einzug in Wien halten konnte.]&usich Unmittelbar darnach, Mitte März, brach Goerdeler zu seiner zwel Um ten Reise nach Frankreich und England auf, die bis Mitte April Acht dauerte. Den äußeren Anlaß bot ein Vortrag, zu dem ihn auf Be|"tne treiben seiner englischen Freunde das Londoner Institute of Publi|", d Administration(in der berühmten London School of Economics)#1 eingeladen hatte, über» Wirtschaft und öffentliche Verwaltung«* Bitde Was er hier vortrug, war eine besonders radikale Formulierung&iensi seines uns wohlbekannten liberalen Wirtschaftsprogramms, mit«Ltotze scharfer Polemik gegen alle staatliche Planwirtschaft, Lohnregw fh lierung und übertriebene Sozialfürsorge. Der Redner war küht Bittio genug, auch gegen Keynes, den damals größten und populärsten auch ı Wirtschaftstheoretiker Englands, recht munter zu polemisieren. bad Vielleicht hat er seine Ausführungen letztlich nur als indirektt/i*lis Attacke gegen das Hitlersche Wirtschaftssystem gemeint, ähnlich/!ltt se wiein den Aufsätzen, die er damals in der englisch-amerikanischen?ire Publizistik zu verbreiten suchte. Seine englischen Hörer werden das aber schwerlich verstanden haben, und so begreift man, dal der Vorsitzende der Veranstaltung, Lord Stamp, den Vortrag mi! Enttäuschung, ja Verstimmung aufnahm.2® Goerdeler seinerseit‘|! hat in seinem Reisebericht vom 30. April seine schon früher ge Deu äußerte Kritik an der englischen Wirtschafts- und Sozialpolitik iber noch wesentlich verschärft— vielleicht ein Nachklang der un te: harmonisch verlaufenen Debatten? Urd Auch politisch scheint diese Reise nicht sehr glücklich aus’%ı? gegangen zu sein. Ein Zusammentreffen mit Winston Churchill, tut, das Brüning arrangiert hatte, scheiterte im letzten Augenblick Oppr infolge seltsamer Mißverständnisse.?? Die neue Unterredung mit] de Sir Robert Vansittart nahm, wie es scheint, eine sehr unglücklicht che Wendung. Man sprach über die Sudetenfrage, die ja schon unmit Nn telbar nach der Besetzung Österreichs als neues Gewölk am pol: A Die Tschechenkrise 1938 173 von Hits tischen Horizont aufstieg und die wenige Tage darauf zu höchst - will Feitsdh ürgenvollen Beratungen in einer gemeinsamen Sitzung britischer der Cailnd. französischer Minister in London führte.?® Goerdeler selbst erzehn Tun berichtet über seine Unterredung in seinem Lebensbericht von Yoerdelerhs 944:»Er(Vansittart) sagte, England würde äußerst gewisse le zu ein Jutonomie(der Sudetendeutschen) bewilligen. Ich legte dar, das h auf Ansı! Gebiet sei deutsch, grenze an Deutschland, müsse also an das „ Reich und nicht an die Tschechei gegliedert werden. Er lehnte ab. uerstin\ti | Ih sagte, machen Sie vor allem klare, gleichbleibende Politik, Ionst fördern Sie die Begierde auch nach unberechtigtem Besitz. n daran, dl$ein Mitarbeiter, der treffliche Ashton-Gwatkin, der später(mit ‚nalsozialitl Lord Runciman) nach Prag ging, war in jeder Beziehung meiner ken konnt: Ansicht.« 1seiner zw) Um dieser Haltung Goerdelers gerecht zu werden, darf man ‚ Mitte Ar ticht übersehen, daß die Abtretung des sudetendeutschen Landes ihn ae een Wochen sogar von dem tschechischen Vertreter in Lon- eute ofPubil ton, dem jüngeren Masaryk, als praktische Möglichkeit zur Ent- FEconomil pannung des deutsch-tschechischen Verhältnisses im Gespräch walkung N hit dem Staatssekretär Halifax erwähnt worden ist— allerdings in ormulien? öffensichtlichem Gegensatz zum Kurs der Prager Regierung.” uns, ol Trotzdem wird man urteilen müssen, daß Goerdeler in seiner be- BE deutungsvollen Unterredung mit Vansittart wohl als deutscher t, u„Patriot gesprochen hat, aber ganz und gar nicht als Diplomat und ii hi„. uch nicht im Sinne jener innerdeutschen Opposition, die Eng- I pop nd jetzt eben den Rücken steifen wollte gegen die Expansions- 2 gelüste Hitlers, um so angesichts einer schweren, durch den Füh- ab gi ter selbst verschuldeten Kriegsgefahr den verhaßten Tyrannen meint,?„M stürzen zu können. Goerdeler geriet in bedenkliche Nähe jener nerikanl. Politik des»appeasement um jeden Preis«, die schließlich Cham- Hörer W} berlain nach München geführt hat. Einfache Abtretung des Sude- ef enlandes an Deutschland, das hieß zugleich Auslieferung des MN m Vortib 7 tesamten tschechischen Befestigungssystems. Auslieferung an Jet seine Deutschland bedeutete praktisch Auslieferung an Hitler. Wenn on frühe ıber die Friedensmacher von München später dessen vertrag- | Sozial lichen Zusagen trauten, daß er die Resttschechei in Frieden lassen Jang würde: konnte ein Mann wie Goerdeler dasselbe Vertrauen ha- ben? Merkte er nicht, in welches Zwielicht er durch seine Zu- . mutung an die englische Diplomatie sich selbst und die ganze „. Oppositionsbewegung rückte: als handle es sich nur um eine Spielart desselben deutschen Imperialismus und unersätt- lichen Machtdrangs, den Hitler im Extrem verkörperte? Als wünsche man dessen außenpolitische Erfolge einzuheimsen, um ihn dann zu stürzen und bald darauf im wesentlichen dasselbe 174 Zehntes Kapitel! außenpolitische Spiel von neuem anzufangen? Tatsächlich ist da der Verdacht gewesen, der im Laufe des Sommers sich im brı tischen Foreign Office mehr und mehr festgesetzt hat.3% Goet delers heftige Klagen über den verbrecherischen Wahnsinn ds Hitler-Systems haben ihn offenbar ebensowenig zu zerstören ver mocht wie seine Versicherung(die er auch in Frankreich wieder holte), niemand außer Hitler wünsche in Deutschland den Krieg, und es gebe eine starke Oppositionsgruppe unter den Generälen der Wehrmacht. Über den Eindruck dieser Äußerungen hat et bald darauf seinen Stuttgarter Freunden erzählt, Vansittart habt ihn schroff abgewiesen mit der Bemerkung, solche Reden wären ja Landesverrat!?! Um die Ernsthaftigkeit seiner Opposition zu erweisen, scheint dann Goerdeler in kleinerem Kreise(und zwat bei der Bank von England) in irgendeiner Form davon gespro- chen zu haben, er erwarte einen baldigen Gewaltstreich gegen das verruchte System der Hitler-Partei und habe auch schon Fühlung genommen mit dem Oberbefehlshaber des Heeres, Generaloberst von Brauchitsch(was während der Fritsch-Krise tatsächlich ge: schehen war). Unglücklicherweise sickerte eine Nachricht davon über allerhand Mittelsleute bis zu Brauchitsch durch, der, über solche Unvorsichtigkeit entsetzt, Hitler selbst davon Meldung gemacht haben soll. So folgte auf die englische Reise ein recht übles Nachspiel: eine durch Monate fortgesetzte Untersuchung durch Staatsanwälte des Reichsjustizministeriums, die nur durch ein geschicktes Eingreifen Schachts abgebogen werden konnte.? In seiner Grundhaltung ließ sich Goerdeler durch diese Erfah- tungen nicht beirren. Sein Reisebericht vom 30. April meldet zwar, in England sei dieallgemeineStimmung gegenüber Deutsch- land seit dem Einmarsch in Österreich vollkommen umgeschla- gen: alles sei entsetzt über die Rücksichtslosigkeit des deutschen Vorgehens, auch die friedfertigsten Menschen hielten jetzt eine kriegerische Auseinandersetzung für unvermeidlich, da man ja offenbar in Berlin auf Erhaltung des Friedens keinen Wert meht lege; England müsse also nun wohl oder übel seine Aufrüstung beschleunigen. Gleichwohl ist er überzeugt, daß die britische Re- gierung auch jetzt noch eine friedliche Verständigung dem Krieg weit vorziehen würde, in der richtigen Erkenntnis, daß unbe-” grenzte Aufrüstung die britischen Finanzen ruinieren, der Krieg die Wohlfahrt des Landes völlig zerstören und seinen Lebens- standard wesentlich senken müßte.»Und so habe ich wieder die Überzeugung gewonnen,«(fährt der Bericht fort)»daß es mög- lich ist, alle nationalen Lebensrechte Deutschlands, selbst den Gebietsanschluß Sudetendeutschlands, im Verhandlungswege zu reiche Mfhinz nei keit Inlösba Ander{ verußt Io ti Mi einer Basin Nas Mittlun Arhton A offte Bıltau Siena Srlinge Erole ö Die Tschechenkrise 1938 175 Chlich ist Bichen. Ich selbst habe jede Gelegenheit wahrgenommen, dar- sich im ii afhinzuweisen, daß die bloße Autonomie in der Tschechoslowa- hat,3° Got. ki keine Ruhe für Europa bringen kann.« Sie würde nur neue "ahnsinn dt inlösbare Probleme schaffen.»Ich habe gefunden, daß die Eng- >rstörenn« Inder für diese klare, kalte Logik, die gleichzeitig vaterlands- eich wiedt« bewußt ist, jedes Verständnis aufbrachten. Sicherlich werden sie ddenKıi, den Frieden an diesem Punkt nicht scheitern lassen, wenn man n Generikit it einer allgemeinen Verständigung um die Erhaltung des Frie- ıngen hatt! dens in der Welt überhaupt ringt.« nsittarthaht Was hat Goerdeler mit diesem Bericht, der den späteren Ver- eden wär! mittlungsbemühungen Chamberlains, Lord Runcimans und pposition Ashton-Gwatkins geradezu in den Rücken fiel, beabsichtigt? Hoffte er im Ernst, den Diktator jetzt noch vom Wege der Ge- yalt auf den eigenen Weg, den des friedlichen allgemeinen Inter- Und wenn es ihm hätte ene außenpolitische se(und zw! von gespt' ch gegend’&senausgleichs, abdrängen zu können? ‚on Fühlut' gelingen können: mußte nicht jeder so errung eneralober' Erfolg die innerpolitische Autorität des Tyrannen ebenso, ja noch tsächlich?' hehr verstärken, als es eben erst durch die friedliche Eroberung hricht davc Österreichs geschehen war? Es scheint doch wohl, als hätte unser -h, der, ib, ganz besessen von seiner Idee einer allgemeinen on Meldut! Iriedenssicherung durch ein»agreement« der großen Mächte, fach taktischen Rücksichten überhaupt nicht mehr gefragt und ise ein tel! tersuchä(wie auch sonst) die Überzeugungskraft ruhiger Vernunft weit ie nur duft überschätzt— auch da, wo längst keine nüchterne Staatsvernunft en konnte. mehr am Werke war(wie er doch eigentlich selbst wußte). Dieser diese Erhl Lindruck verstärkt sich noch, wenn man hinzunimmt, was er(in \pril meld" temselben Bericht) über Frankreich sagt. Man fange dort an, her Deuts! schreibt er, einzusehen, daß die Politik fester Bündnisverpflich- umgeseh) tungen für die Tschechoslowakei ein Fehler war, und habe ge- es deutsche" Lnge Neigung, schwere Opfer dafür zu bringen. Darum sei hier en jetzt eniinie Stimmung auch nicht so gereizt wie in England. Immerhin sei da man! tiese Einsicht einstweilen noch auf kleine Kreise beschränkt; sie Wert me werde sich aber gewiß weiter ausbreiten. Aber mit Sicherheit sei Aufröstuf u sagen, daß die große Mehrheit des französischen Volkes und Hritischeß! seine Armee jedenfalls dieses Jahr noch fest entschlossen sei, die dem Kit Bündnispflicht gegenüber den Tschechen zu erfüllen. Aus alle- b ß uabe) dem zieht der Berichterstatter den Schluß, daß die Welt vor einem » 1 Kit ‚Kulminationspunkt« der Entwicklung stehe. Jetzt- aber nicht I» Teen lange mehr- sei eine ernsthafte Möglichkeit gegeben, den Welt- nen del itieden auflange zu sichern.„Ich bin überzeugt, daß eine deutsche 1 ör I Initiative für eine Politik der Zusammenarbeit, für eine Besei- “ jbse& ligung aller politischen Reibungsflächen und für eine konstruk- fe ive Arbeit auf dem Gebiet der Handels-, Wirtschafts- und Sozial- Be Ba RE 176 Zehntes Kapitel politik die Welt mit sich reißen würde.« Geschieht nichts der gleichen, so wird der Krieg nicht lange mehr aufzuhalten sein.| England wird seine Rüstungslast und die beständige Unsicherheit nicht lange mehr ertragen. In Frankreich gibt es gewiß noch viele innere Schwierigkeiten zu überwinden, die einstweilen die poli- tische Aktivität nach außen lähmen. Aber unter Führung von Chautemps hatihre Bereinigung begonnen, und im Moment einer äußeren Krisis werden sie sofort zurücktreten. Die französische Nation scheut den Krieg und ist bereit, den Versailler Vertragzu| revidieren, wird aber um die Erhaltung ihrer Großmachtstellung erbittert kämpfen. Als Goerdeler diesen Bericht Ende Mai in der Reichskanzleibä hi Hauptmann Wiedemann abgab, weigerte sich dieser, ihn und etwa folgende noch weiterzuleiten: das würde lebensgefährlich für ihn selbst und für den Berichterstatter sein. Der Krieg sei jetzt beschlossene Sache, und zwar mit dem Ziel, ein deutsches Im- perium zu errichten, das außer Großdeutschland Polen, die Ukraine, das Baltikum, Skandinavien, Holland, das fämische Kernland von Belgien, Luxemburg, Burgund, Elsaß-Lothringen und die Schweiz umfassen sollte. Auf Goerdelers erregte Ent gegnung»Das ist ja der Weltkrieg!« war die Antwort:» Jawohl, das ist der Weltkrieg!« Und als er rief:» Aber das ist die Katastro- phe!« hieß es:»Jawohl, das ist die Katastrophe! Aber daran ist nichts mehr zu ändern.« Ribbentrop habe sich durchgesetzt mit seiner Ansicht, das dekadente England würde letzten Endes kei-| nen Krieg erklären, jedenfalls aber nicht mehr kämpfen. Ei,' Wiedemann, sei entschlossen, dieses Spiel nicht mehr länger mit- zumachen und seinen Abschied zu nehmen.33 So weitgehende Eroberungspläne sind aus dieser Zeit in ande- ren Quellen nicht bezeugt; wenn sie nicht Wiedemanns aufgereg- ter Phantasie entstammen, könnten sie nur auf vertrauliche Äuße- rungen Hitlersim Kreise seiner nächsten Vertrauten zurückgehen, von denen wir nichts Näheres wissen.3* Fest steht aber, daß det Diktator damals wütend war über die sogenannte»Maikrise«, ausgelöst durch tschechische Gerüchte über einen bevorstehen- den deutschen Überfall auf Böhmen, die von der westlichen und russischen Diplomatie mit drohenden Gesten beantwortet wur- den; daß er in einer»Führerbesprechung« am 28. Mai(an der außer dem Generalstabschef Beck auch Wiedemann teilnahm) ganz unverhüllt von großen Eroberungsplänen zur Behebung det deutschen Raumnot gesprochen hat, von Erweiterung der deut- schen Küstenbasis durch Annexion Belgiens und Hollands und von Beseitigung der Tschechei; schließlich: daß er am 30. Mai | Litdur \isofo! Alles fen n sitsein zte q pposi uber t nichts de ıhalten sei Unsicherhe ‚B noch viel len die pol ührung vol [omenteine französisch t Vertrag achtstellun hskanzleibt er, ihn un! nsgefährlic ‚rieg seijetz utsches Im Polen, di a5 Hämisch! „Lothringdt erregte Erf st:»Javohl lie Katasttr her daran Is hgesetzt al n Endes ke ämpfen. Bi ‚länger m Zeit in and ns aufgert” „liche Au" urückgehs bet, dab i „Maikti* ur Die Tschechenkrise 1938 177 as Oberkommando der Wehrmacht wissen ließ, es sei sein»un- ‘bänderlicher Entschluß, die Tschechoslowakei in absehbarer Jeit durch eine militärische Aktion zu zerschlagen«. Diese Aktion ei sofort militärisch vorzubereiten. Alles dies wird Goerdeler sofort durch Beck erfahren haben. Jinen noch handgreiflicheren Beweis für die völlige Nutzlosig- eit seiner Friedensbemühungen konnte es nicht geben. Aber nun etzte auch die erste Gegenaktion der militärisch-politischen Oppositionsgruppen ein. Sie ging aus von dem Generalstabschef, ten bereits ein ganzer Kreis von Gesinnungsgenossen in militä- tschen Führungsstellen umgab. Es ist deutlich zu sehen, daß zu- est in den Frühjahrsmonaten 1938 sich aus der bürgerlichen Widerstandsbewegung so etwas wie eine Aufstandsbewegung, änerichtige Verschwörung zu bilden beginnt. Die Fritsch-Krise, (. h. die Umbildung der Wehrmacht zu einem völlig unselbstän- ligen Werkzeug Hitlers, die Berufung Ribbentrops, des gefähr- “ Ichen Höflings und Dilettanten, zum Außenminister und dienun- nehr deutlich am Horizont auftauchende Gefahr kriegerischer \benteuer— das alles hat die Gegner Hitlers gedrängt, zur Ret- tung des Friedens durch aktiven Widerstand, womöglich zum \turz des verhaßten Regiments sich zusammenzuschließen.*5 Gegen den Gedanken eines»schlagartigen« Überfalls auf die Tschechoslowakei hatte Beck schon seit Jahren protestiert- wir haben davon bereits früher gehört. Von einer Verwendung der teu aufgebauten Wehrmacht zu Angriffs- und Eroberungszwek- len wollte er überhaupt nichts wissen.°® Sie bedeutete für ihn teradezu Verrat an der eigentlichen Aufgabe des Heeres: den Boden der Heimat zu schützen. Natürlich begründete er in seinen Denkschriften diese Ablehnung nicht moralisch(wie heute man- the seiner ausländischen Kritiker zu erwarten scheinen), sondern nit dem Hinweis auf die europäischen Bündnissysteme, die auto- matisch(wie er meinte) jede isolierte Angriffsaktion sofort zu finer europäischen Krisis, zuletzt zu einem neuen Weltkrieg er- weitern würden: eine für Deutschland schlechthin tödliche Aus- icht! Bis 1937 waren die unter seiner Leitung bearbeiteten Auf- narschpläne reine Verteidigungspläne gewesen. Er befürchtete \ T | m$ 5 RT +) Treubruchs« eines Tages in außenpolitis ber schon seit 1934, daß Hitlers»Politik der Gewalt und des che Abenteuer hinein- ihren könnte. Seit November 1937 wußte er, wer das erste Opfer {er Angriffspolitik sein sollte: nach Österreich die Tschecho- lowakei. Die von Hitler damals(in der Besprechung mit den Spitzen der Wehrmacht) entwickelten Phantasien über eine ge- waltsame Behebung der deutschen„Raumnot« hatten ihn tief ent- 178 Zehntes Kapitel setzt; er selbst glaubte, ähnlich wie Goerdeler, an die Möglich! keit, die Mängel des Versailler Vertrages nach und nach auf friec. lichem Wege zu bereinigen. Nun kam, am 30. Mai, die direkte Weisung, den Überfallauf die Tschechoslowakei schleunigst vor: zubereiten. Dagegen mündlich bei Hitler selbst zu protestieren, 3 gab es für ihn keine praktische Möglichkeit.?? Als Generalstabs- chef konnte er nur bei seinem Oberbefehlshaber von Brauchitsch vorstellig werden und allenfalls durch diesen auf Hitler einzuwir- ken versuchen. Diesem Zweck dienten wiederum eine Reihe aus: führlicher Denkschriften, erfüllt von politischer und militärischet Kritik.38 Ihre politischen Ausführungen sind ganz deutlich durch Goer- delers Reiseberichte und seine pessimistische Beurteilung det wirtschaftlichen Lage Deutschlands mitbestimmt. Zweifellos hat fän we Exgnei Menge Iroßa; Alsteic aber auch General Georg Thomas, der erfahrene Chef des Wehr: nik wirtschafts- und Rüstungsamtes im OKW, darauf eingewirkt, I der schon lange schwerste Bedenken gegen Tempo und Ausma) der Rüstung hegte und als Kenner der amerikanischen und rus- ll, sischen Rüstungsindustrien überzeugt war, das wirtschaftliche Kriegspotential Deutschlands könne niemals zum Durchhalten eines Weltkrieges ausreichen.3® Schon seit 1937 hatte Thomas in dienstlichen Schreiben und öffentlichen Vorträgen die Hitlerisch@ Idee des»Blitzkrieges« und die Göringsche der wirtschaftlichen »Autarkie« kritisch beleuchtet. Seine statistischen Auskünfte und ökonomischen Berechnungen haben in den folgenden Jahren dauernd eine der wichtigsten Grundlagen für die Denkschriften Goerdelers und Becks gebildet. Der Generalstabschef bestreitet nicht, daß die Verhältnisse in Böhmen-Mähren auf die Dauer für Deutschland unerträglich I sind. Indessen glaubt er(in seiner ersten, mehr politischen Denk- schrift vom 5. Mai), daß eine friedliche Einigung mit England‘; darüber möglich ist, falls die deutsche Regierung»einer für Eng- land noch tragbaren Lösung zustimmt«— freie Hand wird man uns in London niemals zugestehen. In einer späteren, mehr militä- rischen Denkschrift würde er»notfalls« sogar einen Krieg mit der Tschechei ins Auge fassen, erklärt ihn aber für aussichtslos,»sO- lange die Tschechen mit der Waffenhilfe Englands und Frank- reichs rechnen können«. Eben dies hält er nun für absolut sicher. Frankreich kann die Tschechen nicht im Stich lassen(vollends nicht nach dem Triumph Hitlers über Österreich!), ohne sein® Ehre und seine europäische Machtstellung preiszugeben. Gerät’ aber Deutschland mit den Westmächten erst einmal in Konflikt, so wird ein zweiter Weltkrieg daraus. Auch die Vereinigten Staa- Die Tschechenkrise 1938 lie Möglid- tn werden ihm nicht fernbleiben, zumindest werden sie unsere ıchauffti« Gegner wirtschaftlich unterstützen mit Hilfe ihrer gewaltig an- ‚ die did gewachsenen Rüstungsindustrie. Deutschlands Lage wird dann eunigstyo-" aus vielen Gründen noch hoffnungsloser sein als 1914-18— un- protestierel, geachtet großer Anfangserfolge gegen die Tschechoslowakei, an 'eneralsub- tenen Beck nicht zweifelt. Er rechnet(ähnlich wie die Militärs der ‚Brauchiti" Westmächte)*0 mit einem tschechischen Widerstand von nur ler einzui- Yenigen Wochen. Aber das würde genügen, um Frankreich einen 1e Reihesi- Großangriff im Westen zu ermöglichen, dem Deutschland keine militärisch ausreichende Abwehr entgegenzusetzen vermöchte. Es kann frei- Ich sein, daß es der französischen Regierung nicht gelingt, ihr durchGot- Volk, das den Krieg heftig scheut, nicht»von vornherein zu teilung di nem Angriffskrieg mitzureißen«. Vielleicht werden die West- weifelloshit: nächte sich zunächst auf den See- und den Luftkrieg beschränken, ef des Wei\ielleicht werden sie die Tschechei zunächst preisgeben und ihre Wiederherstellung dem Ende eines langen Krieges überlassen. und Aus! Indessen am Schicksal Deutschlands ändert das alles nichts.»Der hen und Feldzug gegen die Tschechei kann an sich erfolgreich verlaufen. irtschafti!" Den Krieg wird Deutschland verlieren. Treten England und Durchhalt“! Irankreich in den Krieg ein, so wird die Tschechei nur noch die ‚e Thoms!l kolle des Kriegsanlasses spielen, im übrigen es sich dann aber um ‚e Hitlerisc"&ine Auseinandersetzung auf ganz anderer Ebene handeln. Es tschaftlich“! vird zu einem europäischen, unter Umständen zu einem Welt- ıskünfte u] ktieg kommen.«- Oder(wie es an anderer Stelle heißt)»zu einem nden Jahr Krieg auf Leben und Tod«. enkschrift‘ Der Verfasser dieser Denkschriften hat sich nicht damit be- gnügt, sie seinem Oberbefehlshaber Brauchitsch vorzutragen und nisse hl durch ihn Hitler vorlegen zu lassen. Er bemühte sich, die obersten äl var N Spitzen der gesamten Wehrmacht oder- als das aussichtslos er- ‚schen DE! schien— wenigstens die des Heeres für seine Ansichten zu gewin- opit Engl a nen und sie zu einem offenen Protest gegen den Krieg fortzurei- „pn Sen. Wirklich setzte er durch, daß Brauchitsch am 4. August die mn‘. Heeresgruppenbefehlshaber und Kommandierenden Generäle mehr mil zasammenberief und Beck eine seiner Denkschriften vortragen Krieg ‚mitdk le, Die Versammelten, um ihre Meinung befragt, stimmten der ichtsos I militärischen Lagebeurteilung ohne Ausnahme zu; nur daß einige E u Mitlergetreue(von Reichenau und Busch) ein paar Worte über die Hsolat jchel Notwendigkeit, dem Führer Vertrauen zu schenken, zu äußern h i Yagten. Das ist bemerkenswert, weil es deutlich zeigt, daß in der ea a Wehrmachtführung 1938 nicht die geringste Kriegsneigung, ) eh ge vohl aber allgemeine Besorgnis vor einem zweiten Weltkrieg ge- ge ggf lerrscht hat. Brauchitsch mahnte denn auch die Generäle, ihre Bedenken dem Führer gegenüber offen auszusprechen und damit 180 Zehntes Kapitel seine eigenen Warnungen vor einem Abenteuer zu unterstützen, Diese Mahnung blieb nicht ganz ohne Erfolg. In einer Versamm- lung der künftigen Stabschefs der Feldarmeen, die Hitler bald darauf nach Berchtesgaden einberief(10. August), wagten ein- zelne der Offiziere auf die Unfertigkeit der Rüstung und auf die Unzulänglichkeit der Befestigung an der Westfront hinzuweisen. Sie erregten dadurch Hitlers Zorn— was den Befehlshaber der Westfront, General Adam, nicht gehindert hat, ein paar Wochen später dieselben Bedenken nochmals vorzutragen und sich da- durch erneut die Ungnade des Staatschefs auf den Hals zu ziehen.‘ Auch von Brauchitsch selber weiß man, daß er mehrfach die Sor- gen des Generalstabs dem Führer vorgetragen hat, was dann wie- derholt zu stürmischen Szenen führte.?? Bei solchen Warnungen aber verblieb es- zu Becks Enttäu- schung. Er hatte von Brauchitsch noch mehr gefordert: eine förmliche Gehorsamsverweigerung der Generalität für den Fall, daß der Diktator sich nicht überzeugen ließe. Der Oberbefehls- haber sollte(in einem vom Generalstabschef entworfenen Appell) die Generäle auffordern,»auf Gedeih und Verderb« sich hinter ihn zu stellen, d. h. mit ihm gemeinsam den Führer vor eine Art von Ultimatum zu stellen: verweigerte er die Zusage, den Frieden in jedem Fall zu erhalten, so sollten sie alle gemeinsam den Ab- schied fordern und dadurch- so hoffte Beck— die Durchführung des Überfalls auf Böhmen praktisch unmöglich machen. Das hieß also: eine Art von Generalsstreik mit politisch sehr weittragenden Konsequenzen. Brauchitsch hat ihn verweigert, und diese Weige- rung ist ihm von Beck ebenso wie von dessen politischen Freun- den als Charakterschwäche ausgelegt worden- ein Urteil, dem sich die bisherige Literatur über die Hitler-Opposition ziemlich einmütig angeschlossen hat. Aber ist es gerecht? Gab es eine praktische Möglichkeit, in dieser Form und in diesem Augen- blick, d. h. vor der letzten Entscheidung über Krieg und Frieden, dem Staatschef eine Festlegung auf den Frieden aufzuzwingen? Und gab es eine sittliche und politische Pflicht der Generalität dazu? Die zweite dieser Fragen hat Beck mit großer Entschieden- heit bejaht- in einer Vortragsnotiz, die zu den eindrucksvollsten Zeugnissen seines Charakters und zu den schönsten Dokumenten der deutschen Oppositionsbewegung überhaupt gehört.»Es ste- hen hier letzte Entscheidungen über den Bestand der Nation auf dem Spiele. Die Geschichte wird die(militärischen) Führer mit einer Blutschuld belasten, wenn sie nicht nach ihrem fachlichen und staatspolitischen Wissen und Gewissen handeln. Ihr solda- tischer Gehorsam hat eine Grenze, wo ihr Wissen und ihr Gewis-| | en und ih feten.«») {abe, wen! Michten ı allitärisch Dng vor C iche Zeite Deutlic inderes al Verantwo tieb, Abe Tongroße N Ortung| deräle der &inen Mil Luch aus ünter See der Politi den Lebt Bitte sich Bilden, h; ige Gef; überwind keit der Eronde g Schaulich Erchset Beräle au Eunderts Nordnu Schen un E 1 Die Tschechenkrise 1938 181 { rstützen:: N b era und ihre Verantwortung die Ausführung eines Befehls ver- \ bieten.«»Es ist ein Mangel an Größe und Erkenntnis der Auf- BER.] mbe, wenn ein Soldat in höchster Stellung in solchen Zeiten seine 1 auf Pflichten und Aufgaben nur in dem begrenzten Rahmen seiner Be militärischen Aufträge sieht, ohne sich der höchsten Verantwor- aber kl ing vor dem gesamten Volk bewußt zu werden. Außergewöhn- Woche liche Zeiten verlangen außergewöhnliche Handlungen.« Wor©) Deutlicher läßt sich kaum zum Ausdruck bringen, daß nichts Sch& nderes als ein fast erdrückend schwer genommenes sittliches ziehe Verantwortungsbewußtsein diesen edlen Mann zur Opposition die s ‚trieb. Aber was er hier anrührt, ist ein grundsätzliches Problem mm) Ton großer Bedeutung: die Frage nach der politischen Mitverant- .. vortung des Soldaten. Man macht sich das Urteil über die Ge- ; Ent Jeräle der Hitlerzeit viel zu leicht, wenn man ihr Sträuben gegen ert: 0 dinen Militärputsch einfach aus Charakterschwäche erklärt oder def! Zuch aus der bewußt»unpolitischen« Erziehung der Reichswehr bei! Inter Seeckt. Der Grundsatz, daß die Armee bloßes Werkzeug nApÜ| der Politik sein soll, auch in ihrer obersten Führung, gehört zu ch bit den Lebensprinzipien der modernen Staatsbildung; ohne ihn ‚eine A ‚ hätte sich überhaupt keine gesicherte staatliche Autorität heraus- nFrie@®| bilden, hätte sich das wüste Landsknechtswesen und die bestän- den AP dige Gefahr eines Bürgerkrieges, die aus ihm erwächst, niemals hfühnut! überwinden lassen; es genügt, an die soldatische Selbstherrlich- ‚Dasit! keit der Wallenstein, Cromwell und der französischen Adels- ragen fronde gegen Mazarin zu erinnern, um diese Gefahr zu veran- ‚eWet!!| schaulichen. Überall da, wo sich eine gestraffte staatliche Autorität pre} durchsetzen konnte, hat auch das politische Putschieren der Ge- teil, dal neräle aufgehört; da, wo es auch nach dem Beginn des 18. Jahr- ziel") hunderts noch fortdauert, ist es ein sicheres Zeichen für politische bes@| Unordnung und verfallende staatliche Autorität: so in der iberi- „ Aug®|| schen und ibero-amerikanischen Staatenwelt, so auch in der Zeit 1 Fried® des französischen Direktoriums, des 18. Brumaire und der Nach- zwing®|| ahmung dieses Staatsstreichs durch Napoleon III. Die Armee muß ‚enenl®|>unpolitisches Werkzeug« sein, sonst wird sie zur tödlichen Ge- schied“ fahr für jede Staatsleitung, weil sie allein über materiellen Waffen- ksvolb® besitz größeren Umfangs verfügt. Das ist ganz und gar keine kumel®|»militaristische« Besonderheit des preußisch-deutschen Staatswe- „Es"l| sens, sondern genau so ein Lebensgesetz der westlichen Demo- \ation|. kratien bis heute. Im friderizianischen Staat war das»unbedingt / hl”, ebenso für den Freiheitskämpfer Clausewitz, der bekanntlich den Ihr söl] Satz, das Kriegführen sei nur eine Fortsetzung der Politik mit hr Ge] anderen Mitteln und es sei deshalb widersinnig, Feldzugspläne F hret| Ordre parieren« der Generäle eine Selbstverständlichkeit; das galt 182 Zehntes Kapitel durch militärische Fachleute entwerfen zu lassen, zu einem Kern- stück seiner berühmten Kriegsphilosophie gemacht hat; von ihrem Geist hat der deutsche Generalstab ein ganzes Jahrhundert lang gezehrt. Bismarck schrieb in den»Gedanken und Erinnerun- gen«:»Aufgabe der Heeresleitung ist die Vernichtung der feind- lichen Streitkräfte... die Feststellung und Begrenzung der Ziele, die durch den Krieg erreicht werden sollen... ist und bleibt während des Krieges wie vor demselben eine politische Auf- gabe«- also Sache des Staatsmannes, nicht des Soldaten. Nun wohl:»Außergewöhnliche Zeiten verlangen außerge- wöhnliche Mittel«, hat Beck sehr mit Recht festgestellt. Es war schon mehr als außergewöhnlich, daß diesmal nicht der Staats- mann, sondern der Soldat ein»Element der Mäßigung«(wie Clausewitz das nannte) in die Politik hineinzutragen sich berufen fühlte. Und zwar mit Hilfe militärtechnischer Argumente, die sonstinaller Welt gerade umgekehrt zu wirken pflegen: als Hin- weis auf(angebliche oder wirkliche)»Zwangsläufigkeiten« der Kriegstechnik, die alle Bemühungen ruhiger Staatsvernunft, der Kriegsfurie Einhalt zu gebieten, zur Ohnmacht verdammen. Einem Bismarck schien es»natürlich, daß in dem Generalstab der Armee nicht nur jüngere strebsame Offiziere, sondern auch er- fahrene Strategen das Bedürfnis haben, die Tüchtigkeit der von ihnen geleiteten Truppen und die eigene Befähigung zu dieser Leitung zu verwerten und in der Geschichte zur Anschauung zu bringen«. Dem Staatsmann fiel demgegenüber die Aufgabe zu, »die Wirkung kriegerischen Geistes in der Armee in den Schran- ken zu halten, auf welche das Friedensbedürfnis der Völker be- rechtigten Anspruch hat«. Hitler hat mehrfach seine Verwun- derung darüber geäußert, daß der Generalstab nicht wie ein Ket- tenhund sei, den man in seinem Blutdurst kaum zügeln könne, sondern ewig nur den Bremsklotz am Wagen seiner Kriegspolitik bilde. In der Tat: eben in der Umkehrung des normalen Verhält- nisses zwischen Staatskunst und Kriegshandwerk kommt die ganze Unvernunftdes Hitler-Regiments sinnfällig zum Ausdruck: die Tatsache nämlich, daß an der Spitze des Staates kein echter Staatsmann mehr stand, sondern ein verantwortungsloser Aben- teurer. In einer solchen Lage fiel dem Generalstab eine weit grö- Bere, sittliche und politische Verantwortung zu als in normalen Zeiten. Grundsätzlich hatte also Beck gegen Hitler tausendmal recht mit seinen Bemühungen um die Rettung des Friedens. Es ist aber nichts weniger als verwunderlich, daß er auf starke Hemmungen bei seinen Kameraden und seinem Oberbefehlshaber stieß. Eine dalte und ichnicht fe ihm fe Seneralsta loben drit {riegspläi jeVerant je dafür( ener Ank! ine verbr ersErobe Ssheißt ätzlich ur laß keine ende Ge laben, trc Kapitel 9 Stdas Pre Vepserlei Mitte] erf ntwortu; Tielen de: Momente teichte[0] Konnte d ftätke ge And welc Eis geha] &utlich f Überall d Leiten y Die Tschechenkrise 1938 183 \ alte und so wohlbegründete Tradition wie die des Heeres läßt sich nicht ohne weiteres ins Gegenteil verkehren. Brauchitsch und | die ihm folgenden Generäle taten genau das, was der deutsche einen, Generalstabsoffizier von jeher in solcher Lage getan hat: sie er- derfil hoben dringende, sachlich begründete Einwendungen gegen die derZii ihres obersten Befehlshabers, überließen aber ihm nd bl| dieVerantwortung,oberihren Ratbefolgen wollte oder nicht. Wer che Al| de dafür ohne weiteres verdammt, nähert sich dem Standpunkt n. iner Ankläger von Nürnberg, die den deutschen Generalstab für außer| ine verbrecherische Organisation erklären wollten, weil er Hit- t. Es Eroberungspläne technisch vorbereitet und durchgeführthat. er Sat, Es heißt den Soldaten überfordern, wenn man von ihm grund- ing«(m)| Stzlich und ganz allgemein verlangt, auch noch dafür zu sorgen, hbenit dB keine falsche Kriegspolitik gemacht werde. Daß politisie- vente, Generäle in den meisten Fällen nur Unheil angerichtet :alsHe ben, trotz besten Willens, wurde schon früher bemerkt(oben iten«& 9 Anm. 15). Freilich: mit der Berufung auf die Tradition aunft,&"| iscdas Problem einer soldatischen Widerstandspflichtnoch keines- vegserledigt. Wenn außergewöhnliche Zeiten außergewöhnliche damma| alstab«t ‚Nittel erfordern, so gibt es keinen Freibrief für mangelnde Ver- auch el intwortungsfreudigkeit aus dem bloßen Herkommen. Daß es itderve| Welen der»Goldbetreßten« an echter Zivilcourage in kritischen zu de‘| Momenten gefehlt hat, daß oft ihre politische Einsicht nicht zu- auunga]| Richte oder durch privaten Ehrgeiz verdunkelt wurde—, wer ‚foabe könnte das leugnen? Ihr Durchschnitt überragte an Charakter- Schre)| Märke gewiß nicht den Durchschnitt der höheren Zivilbeamten, rölker ind welche Folgen das für die Stellung der Armee im Staate Hit- Vermit! trs gehabt hat, ist uns im Laufe unserer Darstellung schon längst ee Kel!eutlich geworden. Aber ist nicht der starke Charakter immer und In könnt! überall das Seltenste unter den Menschen? Außergewöhnlichen cospol leiten wie denen des Hitler-Reiches gewachsen zu sein, erfordert „ Verhi schon ein übernormales Maß von sittlich-geistiger Kraft, aber ommt© aıch von politischer Einsicht. Daß Brauchitsch solchen höchsten usdad Ansprüchen nicht gewachsen war, wird sich noch zeigen. Urteilen ein ech? darüber darf nur, wer die ganze Schwierigkeit seiner Lage wirk- „‚e|| lich verstanden hat. = ab Was Beck ihm vortrug, war zunächst ein kräftiger Appell an 2 vos dıs Gewissen der militärischen Führer, ihrer Mitverantwortung für das Schicksal Deutschlands bewußt zu sein. Das war ohne ‚nal ge Zweifel ein tief berechtigtes Anliegen. Sicherlich gibt es eine be- Es isral Simmte Grenze militärischer Gehorsamspflicht. Kein Soldat in ung? N}öherer Führerstellung kann sittlich verpflichtet sein, das militä- My) tisch Unsinnige zu tun, wenn es ihm befohlen wird, und seine | tieß- 184 Zehntes Kapitel Mitwirkung zu leihen, wenn er deutlich sieht, daß die Staatsfüh- rung Armee und Volk ins Verderben reißt. Auch er ist schließlich Patriot, genau so wie der Zivilist, ist ein lebendiger Mensch mit sittlicher Verantwortung, nicht Maschinenteil, nicht bloßer Mili- tärtechniker. Die Tatsache, daß Hitler seine Generäle in unzäh- ligen Fällen gezwungen hat, gegen ihr Gewissen und gegen ihre bessere Einsicht zu handeln, daß er ihr Widerstreben mit dem Kriegsgericht verfolgte, ihnen während des Krieges sogar das Abschiednehmen verbot, daß er Truppenführer von höchstem Rang ohne kriegsgerichtliche Untersuchung schimpflich entließ oder gar aus der Armee ausstieß— das alles gehört zu den schlimm- sten Mißbräuchen seiner Tyrannis und hat den»Militärputsch« geradezu herausgefordert. Die Tat des 2o. Juli 1944 findet ihre Rechtfertigung in der unzweideutigen Pflicht jedes Militärs, der dazu in der Lage war, dem schauerlichen Spuk eines längst ver- lorenen Krieges so rasch wie möglich ein Ende zu machen- auf jede Gefahr hin und ohne Scheu selbst vor den gewaltsamsten Mitteln. Genau ebenso hat es nun General Beck 1938 als militä- rische Pflicht empfunden, den Ausbruch eines von vornherein aussichtslosen Krieges zu verhindern. Aber war dieser Ausbruch 1938 ebenso sicher wie 1944 die Niederlage? Und waren die Mittel, die Beck empfahl, wirklich geeignet, Hitler zu friedlicher Haltung zu zwingen? Über den Gewissensappell ging der Generalstabschef schon hinaus, wenn er eine gemeinsame Amtsniederlegung der gesam- ten höheren Generalität forderte. Weil das gar nicht ohne gemein- same Verabredung und ohne ein förmliches Ultimatum an die Staatsleitung möglich war, mußte es als eine Art von Meuterei erscheinen, jedenfalls als revolutionärer Akt mit weittragenden politischen Konsequenzen.»Ein Diktator kann sich nicht zwin- gen lassen«, am wenigsten durch Gehorsamsverweigerung, hat General von Manstein mit Recht vor dem Nürnberger Tribunal gesagt.»Mit dem Moment, wo er einem solchen Zwang auch nur einmalnachgibt, ist seine Diktatur ja erledigt.«*? Es ist mindestens unwahrscheinlich, daß sich Hitler durch Abschiedsforderungen seiner Generäle zur Friedenspolitik hätte zwingen lassen. Um so wahrscheinlicher ist, daß er mit schärfsten Terrormaßnahmen darauf reagiert hätte; strebsame jüngere Offiziere hätten sich ganz gewiß bald gefunden, Bewunderer Hitlers(wie der hochbegabte Jodl), die man auf die verwaisten Posten hätte befördern können. Beck selbst sah voraus, daß es zu»wesentlichen inneren Spannun- Heer di eralle ienn er Iweifel( eführt y Önnen: thlüsser öffte, au rieden. fürckel i 2 könne Wa ein. role Ia Ionzokr ehluß n ang alle Anpsbar chheit! och kei Man s Ahr, Ä] Nogram Auptsac Eier A Sralstah ätte es Andezu Testen\ Een) W “= Öffer ei Krals m Rin W Arustı u Wär gen« und zu einer»klärenden Auseinandersetzung zwischen ft Wehrmacht und SS« kommen müsse. Es bleibt aber ganz unklar, Die Tschechenkrise 1938 185 taatsfüih) wie er diese Auseinandersetzung durchführen wollte, wenn vor- hließlid" her alle oberen Führer der Wehrmacht abdanken sollten, und nschni) wenn er im selben Atem verlangte:»Es kann und darf kein BerMil' Zweifel darüber aufkommen, daß dieser Kampf für den Führer n unzäh| geführt wird.« Glaubte er ernstlich, die Fiktion durchhalten zu :geniht können: Hitler sei nur durch radikale Kriegshetzer zu seinen Ent- mit der schlüssen getrieben? Es scheint fast so, wenn man hört, daß er ogar di hoffte, auch einzelne»aufrechte und tüchtige Männer der Partei« Jöchster(wie den schlesischen Gauleiter Wagner und den Reichsstatthalter hentlid Bürckel in Wien) und einzelne Generäle der Luftwaffe gewinnen ‚chlimm zu können. Allerdings dürfe»auch nur die leiseste Vermutung rputsch// etwa eines Komplotts nicht aufkommen«. Vielmehr müsse die ndet ihr Parole lauten:»Für den Führer, gegen den Krieg, gegen die itärs, d&! Bonzokratie, Friede mit den Kirchen, freie Meinungsäußerung, ngst vet ‚Schluß mit den Tschekamethoden, wieder Recht im Reich, Sen- en-al kung aller Beiträge um die Hälfte, kein Bau von Palästen, Woh- ksamsti müngsbau für Volksgenossen, preußische Sauberkeit und Ein- Is mil: fachheit!« Also ein ganzes Programm der Gegenrevolution-und ‚rnherei doch kein Komplott, kein politischer Aufstand? \usbrud!| jeMittl'),"Man sieht: General Beck war ganz und gar keine Wallenstein- "Haltunt)|tatur. Ähnlich wie Goerdeler(dessen Ideen aus seinem Reform- piogramm deutlich hervorblicken) hoffte er noch immer, in der ef sch| Hauptsache durch Appell an die Vernunft zu wirken. Dabei sollte f deser Appell selbst Brauchitsch überlassen werden- er, der Ge- Ineralstabschef, lieferte nur die schriftlichen Entwürfe dazu. Wie litte es gelingen sollen, auf diesem Wege eine Revolution zu- Sande zu bringen- zunächst einen Aufstand der Generäle, der der vagende| ältesten Tradition der Armee(und nicht nur der preußisch-deut- ht zwi| schen) widersprach und der es Hitler so leicht gemacht hätte, vor nung, Bi der Öffentlichkeit an eben diese Traditionen zu appellieren und Teibunl)|Sine militärischen Gegner als pflichtvergessene Meuterer, ja wohl .Igar als mutlose Versager und Memmen hinzustellen! | Ein weiteres Bedenken kommt hinzu. Hätte es wirklich im ‚,\August 1938 so eindeutig, wie Beck sich das dachte, festgestanden und wäre es ebenso eindeutig für die Generalität erkennbar ge- wesen, daß Deutschland unter Hitler in einen zweiten Weltkrieg ohne Hoffnung auf glücklichen Ausgang hineintrieb, so hätte sich x|ganz gewiß ein Militärputsch mit anschließender Gegenrevolu- ton vor der Nation rechtfertigen lassen- allerdings nicht auf dem nur Wege, den Beck damals vorschlug, sondern mit sehr viel hand- Spar„ol\geiflicheren Methoden, und nicht mit der Parole»Für den Füh- zu ‚Ultt«, sondern ganz offen gegen ihn. Tatsächlich ist ein solcher ges > gemell m af de Meute! 186 Zehntes Kapitel Putsch auch versucht worden- aber nicht mehr von Beck selbst fexion Ö der am 18. August resigniert seinen Abschied nahm,** sonderifitung b von seinem Nachfolger General Halder, in Verbindung mit einenfj. April Verschwörerkreis, der sich inzwischen um die Abteilung»AbsJitchied wehr« des Oberkommandos der Wehrmacht gebildet hatte. Esfinden I war die erste Aktion, in der sich zeitweise der Widerstand zumfüüten v Aufstand zu verdichten schien. Aber von Anfang an kämpfte sitfreanExp mit der Schwierigkeit, daß die außenpolitische Lage keineswegs icht, so so eindeutig war, wie sie Beck und seine Freunde zu sehen glaub-Jess hin ten. ärktwe Es gehört nämlich zu den wahrhaft dämonischen Zügen detjerkin u Politik Hitlers, daß er trotz aller Waghalsigkeit seines Drauf-Jis Biiti: gängertums vielzu verschlagen und viel zu instinktsicher war, umjtrTsch. seinen Gegnern die offene Flanke, d.h. die Möglichkeit zu bieten JdcrHitl ihn vor aller Welt ganz eindeutig als leichtfertigen Abenteurer zufiriche entlarven. Erhatsich ebenso eifrig wie erfolgreich darum bemüht list, da seine Generäle für das geplante Kriegsunternehmen gegen die Jich T'schechei auch innerlich zu gewinnen, indem er es als ebenso not|Ite wendig im nationalen Interesse wie als praktisch gefahrlos hir: stellte- in stundenlangen Vorträgen am ıo. und 15. August, diejeh sicherlich unvergleichlich eindrucksvoller waren als alles, was Beck in seinen Denkschriften vorbringen konnte. Er hatte näm-fit} lich recht damit, daß er die hilflose Schwäche der westlichen De mokratie der geballten Willenskraft des Dritten Reichs gegen-Jats überstellte. Die Gefahr war gar nicht so groß, wie Beck und Goet-fi tı deler glaubten, daß dieFranzosen gegen Deutschland marschierenfa: und die Engländer ihnen dabei Hilfe leisten würden. Wir können heute ziemlich genau das Chaos schwankendet]ik: Erwägungen verfolgen, in das die Kabinette von London uni! Paris durch Hitlers brutales Vorgehen gestürzt wurden.* Dit) Regierung Daladier war sich im Frühjahr 1938 völlig klar dar-Jı über, daß Hitler durch keinerlei tschechische Konzessionen da-Itt: von abzuhalten sein würde, die Tschechoslowakei eines Tage mit Gewalteinfach»von der Landkarte auszulöschen«. Auch ohftfity:,. Kenntnis der geheimen militärischen Weisungen, die der DikJi tator schon 1937 gegeben hatte mit dem Ziel, diesen Staat als Hin-Ir dernis späterer Eroberungskriege, als russische Flugzeugbasis und Alliierten Frankreichs für immer auszuschalten, sah Daladieifi ganz deutlich, was kommen würde: daß Hitler Schritt für Schalt) eine deutsche Hegemonie über Mitteleuropa, später über garzli, Europa errichten würde und daß er bei seinem Vorgehen auf jerf,; hilflose Schwäche der Westmächte rechnete, die ihm schon diely Rheinlandbesetzung, die hemmungslose Aufrüstung und die And ck selb; 2 sonder mit einer ung»Ah hatte, E) stand zun ämpftes' eineswel nen glaul Zügen& es Drau er wat, - zu bietel) nteurer mbemil gegen| benson' ıhrlos I) \ugust,© alles, W hatte nif JichenD) chs gE° undGE yarschie® Die Tschechenkrise 1938 187 nexion Österreichs ermöglicht hatte. Auf einer gemeinsamen Be- titung beider westeuropäischer Regierungen in London am 29. April hat er das ganz offen ausgesprochen und damit auch die entschiedene Unterstützung seines Außenministers Bonnet ge- finden bei seiner Forderung: beide Westmächte gemeinsam müßten von jetzt ab eine ganz feste Haltung zeigen und jeder wei- teren Expansion der deutschen Macht widerstreben. Täten sie das ticht, so würde der Krieg nicht etwa vermieden, sondern höch- stens hinausgeschoben und Hitlers Anmaßung nur noch ver- särkt werden. Aber die französischen Minister stießen bei Cham- berlain und Halifax auf zähen Widerstand. Beide weigerten sich, dis Britische Reich mit irgendeiner Garantie für die Erhaltung der Tschecho-Slowakei zu belasten— beide nicht ohne Illusionen über Hitler, der sich vielleicht doch noch zur Mäßigung seiner An- sprüche würde bewegen lassen, beide aber vor allem davon über- zeugt, daß im Konfliktsfall die Tschechei sich militärisch doch nicht würde retten lassen.*6 Ihre Argumente konnten die französi- schen Minister um so weniger widerlegen, als ihr eigener General- stabschef Gamelin kurz zuvor ungefähr dasselbe erklärt hatte: mehr als eine(nicht allzu wirksame) Diversion zum Festhalten eines Teils der deutschen Armee an der Westfront würde Frank- tich nicht leisten können.*? Das Ergebnis der Beratung vom April war also ein halber und lahmer Entschluß gewesen: diplo- mitische Vorstellungen in Prag und Berlin, die aufeine Mahnung zu friedlichem Interessenausgleich hinausliefen, verbunden mit nem vorsichtigen Hinweis darauf, daß ein gewaltsames Vor- gehen von deutscher Seite unabsehbare Verwicklungen herbei- } fihren müßte, von denen sich wohl auch Großbritannien schließ- ‚Ich nicht würde fernhalten können(Erklärung Chamberlains j|vom 24.März, etwas kräftiger wiederholt anläßlich der»Maikrise« „lan 21. Mai). Hitler hatte das nur dazu angetrieben, seine militäri- }\stten Vorbereitungen zu beschleunigen, vor allem aber unter un- &heurem Propagandalärm die Errichtung des»Westwails« zu fitcieren. Immerhin hatte er sich gehütet, die Tschechei direkt militärisch zu bedrohen, solange er sich militärisch noch nicht }\gtichert glaubte. Den ganzen Sommer über ließ er die Sudeten- deutsche Partei für völkische Autonomie kämpfen und ihren Füh- ttt Konrad Henlein sogar nach London gehen, um Chamberlain von der moralischen Berechtigung dieser Forderung zu über- zugen. Der Erfolg war, daß eine britische Delegation unter Lord Runciman nach Böhmen entsandt wurde, die dort für eine fried- ihe Revision des Versailler Vertragswerkes(im Sinn der deut- ySthen Patrioten) wirken sollte. Um Benesch zu Konzessionen zu 188 Zehntes Kapitel drängen, trat man in Prag weit drohender auf als in Berlin. Liestf,,Datı man heute die Berichte der britischen Mittelsmänner aus Pra Inglück dazu die diplomatischen Meldungen und Eingaben des Berlinefrilr ni Botschafters Sir Neville Henderson, so kann man nur erschreckefll„nen; angesichts so vieler Illusionen. Insbesondere die Rolle Hender. entrop sons kann man heute nurals verhängnisvoll empfinden: in seinen ensollt übergroßen, mit heimlicher Bewunderung gemischten Respektig;;-}, vor der Willensenergie und der praktischen Leistung Hitlers ball ,hen er schlechterdings alles getan, um seine Regierung vor kräftigen Ähhare] Entschlüssen zu warnen und selbst dann, wenn sich diese einmal Edent zu drohenden Gesten auch in Berlin entschloß, deren Wirkung Btnde I auf Hitler wieder abzuschwächen. Tonpiel In dieser Lage mußte die deutsche Opposition dringend wütl;..], schen, die britische Regierung über die wahren Absichten Hitless),..,( die man im Generalstab ja kannte, rechtzeitig aufzuklären.(Sie Erisch. ahnte natürlich nicht, daß Daladier schon längst ganz ähnliche Dekor Warnungen in London vorgetragen hatte und daß man in beide Balldes: westlichen Hauptstädten auch über das Widerstreben der deut: len, schen Generalität gegen Hitlers Kriegspolitik recht wohl infor Die| miert war.) Die erste Warnung der deutschen Opposition brachte, so viel sich erkennen läßt, der Gutsbesitzer Ewald von Kleist einer der konservativen Gegner Hitlers, der schon mehrfach i Yrktise Haft gesessen hatte, nach London. Und zwar schon am 18. Au],.;" gust, während die Prager Ausgleichsverhandlungen Runcimaß 4 3% noch in vollem Gange waren.“ Als seine Auftraggeber nannte&» selbst»seine Freunde« im Generalstab, fügte aber hinzu, daß& dan überhaupt keinen General in höheren Kommandostellen kennt andih der nicht gegen den Krieg wäre, selbst Reichenau nichtausgenom] men. Kleists Auftreten war ebenso mutig wie geschickt, und di br mannhaft aufrechte Persönlichkeit dieses Edelmanns machte au h. r seine Gesprächspartner den stärksten Eindruck. Er beschränkt] E| sich auf einen Besuch bei Vansittart, Winston Churchill und Lot: Lloyd und vermied alle unnützen Gespräche mit politisch@],, Nebenfiguren, klar bewußt der Lebensgefahr, der er sich selbil und seine Auftraggeber aussetzte.(Er komme»mit einem Strid]; um den Hals«, wie er sich ausdrückte.) Rundheraus berichtete&] 5 der Krieg gegen die Tschechei sei nicht eine bloße Gefahr, so® dern fest beschlossene Sache, auch nicht das Werk irgendwelch Extremisten in der Parteiführung, sondern Hitlers ganz persÖ licher und alleiniger Entschluß, und war höchst verwundert dä], über, daß manin London nicht schon längst durch den britisch Geheimdienst über das festgesetzte Datum des Angriffs orienti sei.(Tatsächlich kannte Lord Lloyd schon aus anderen Quell r Etistisc} Stgner ä Gene, kur| % Die Tschechenkrise 1938 189 | lin. Les Datum des 28. September.) Es gäbe nur noch ein Mittel, das aus Prg Unglück jetzt noch abzuwenden: die britische Regierung dürfe es Berlin Yitfer nicht im Zweifel darüber lassen, daß die bisherigen War- schreckt mıngen aus London und Paris nicht bloßer Bluff wären(wie Rib- e Head! yentrop fortwährend versicherte), sondern ernst gemeint; außer- :inseitt dem sollte einer der britischen Staatsmänner in einer Rede voraller au Resprl Welt- besonders auch vor der deutschen Öffentlichkeit- deutlich Hitlers nachen, daß der Angriff auf die Tschechei Europa in das unab- N kräftige ehbare Elend eineszweiten Weltkrieges stürzen würde. Das würde iese ein der deutschen Opposition, die längst mit Entsetzen auf das kom- ı Wirk mende Unheil starre, den stärksten Auftrieb geben und so das Vorspiel sein zum Ende dieses Schreckensregiments, mit dem sich gend vl niemals eine vernünftige Ordnung der Welt würde herstellen ten HitleO Jassen. Ohne indirekte Unterstützung durch die Festigkeit des slären.(N britischen Auftretens könnten aber seine Freunde nicht zum Br- 1z ähnli folg kommen. Churchill gegenüber deutete er an, daß es sich im ninbeid® Rıll des inneren Umsturzes wahrscheinlich um eine monarchische n der dell Regierung handeln würde. wohl int!"Die Reaktion der britischen Gesprächspartner war charak- onbrach# fristischerweise verschieden. Vansittart, der als entschiedener von Klö# Gegner Hitlers bereits seit Januar 1938 im Auswärtigen Amt nehrfachl praktisch kaltgestellt war(auf einem bloßen Ehrenposten), be- am 18.2" gnügte sich mit einer ausführlichen Wiedergabe seines Gesprächs Rundm@ an den Staatssekretär, bemerkte aber, daß ihm die politischen „rnannttX Pläne Kleists einen sehr vernünftigen Eindruck gemacht hätten nzu, diß® und daß seine Mitteilungen mitanderen Nachrichten aus Deutsch- ‚]len ken land übereinstimmten. Churchill, als unabhängiger Politiker, ging ausgene viel weiter. Er bemühte sich, alles zu tun, was er nur konnte, um ckt, und® die Zuversicht der deutschen Oppositionspartei zu stärken. So machte! sprach er von starken Strömungen der englischen öffentlichen beschräß" Meinung, die einen neuen Gewaltstreich Hitlers nicht mehr ruhig lundl"” hinnehmen würde, verwies auf die Erklärung Chamberlains vom olitisö” 24. März, die auch heute noch gelte(wie er durch Rückfrage bei g sich sch Lord Halifax gleich feststellte), bezeugte seine lebhafte Sympathie ‚inem SW für eine neu zu bildende deutsche Regierung und meinte, sowohl ‚richtet? Großbritannien wie Frankreich würden sich großzügig erweisen, "ihr entgegenzukommen, z. B. in der Frage der Rückgabe von d® Kolonien oder im Abschluß von Handelsverträgen. Selbst eine Klärung der Frage des Polnischen Korridors, auf die Kleist dräng- tt, wollte er nicht gänzlich abweisen, wenn es auch jetzt nicht der W Zeitpunkt sei, sie anzuschneiden, um Polen nicht ins Lager der Gegner zu treiben. Schließlich gab er Kleist noch einen Brief mit, „)* der auf die Ermutigung seiner Freunde berechnet war.“ Übrigens 190 Zehntes Kapitel begnügte er sich keineswegs mit solchen Ermunterungen det deutschen Opposition. Er drängte den Außenminister Halifax, durch gemeinsame diplomatische Drohungen Englands, Ruß lands und Frankreichs, womöglich mit Unterstützung Amerikas, dem Diktator rechtzeitig in den Arm zu fallen. In einer Rede vor seinen Wählern(am 27. August) erklärte er die drohende Invasion in Böhmen für einen»Frevel gegen die Zivilisation und die Frei- heit der ganzen Welt«, dem Großbritannien ebensowenig untätig zusehen dürfe wie 1914 dem Überfall auf Belgien.?° Ganz anders war die Reaktion des entscheidenden Mannes: de Premierministers Chamberlain. Er erklärte(in einem Brief an Halifax) den deutschen Abgesandten für einen blind-rabiaten Hitlergegner, der ihn an die jakobinischen Emigranten in der Zeit König Wilhelms IH. erinnere und dem es nur darauf ankämg, seine deutschen Freunde zu einem Putsch aufzustacheln. Vo seinen Behauptungen müsse man gewiß vieles abstreichen. Mat habe neuerdings auch andere Stimmen aus Deutschland gehört, die behaupteten, daß Hitler es ernst meine mitseinen kriegerisched Gesten; diese rieten aber um so mehr zum Entgegenkommen, Eine verschärfte öffentliche Erklärung abzugeben, lehne er ab, jedenfalls für den Augenblick(weil er Hitler dadurch noch meht zu reizen fürchtete); vielleicht könne man aber die Berliner Re gierung auf diplomatischem Wege noch einmal auf die Erklärung vom 21. Mai verweisen— das müsse mit Henderson besprochet werden; den wolle er nach London kommen lassen— schon dies sei eine warnende Geste!- und ihn über die Mitteilungen Kleist informieren. In der Tat hatte die geheime Mission Kleists eigentlich keint Neuigkeit nach London gebracht. Schon am 17. August hatte det britische Militärattach& aus Berlin gemeldet, Hitler habe in seine Ansprache an die Generäle in Döberitz(am 135. August) einet Überfall auf Böhmen für Ende September angekündigt. Am 2t, wurde diese Nachricht von derselben Stelle bestätigt und hinzu-|\, gefügt, daß man im deutschen Generalstab schwer beunruhigt sd über die passive Haltung des Auslands. Sollte Hitler sein neuet Coup gelingen, so würde sein Regiment für weitere zehn Jahrt gefestigt sein. Sollte er dagegen durch die feste Haltung der West mächte gezwungen werden, seine Kriegspläne aufzugeben, odet in einen aussichtslosen Krieg verstrickt werden, so könnte seint Herrschaft sehr rasch zusammenbrechen. Beide Meldungei stammten von einem deutschen Offizier, der genau informiert was|ü Henderson, der sie nach London weitergab, erklärte aber det! Mittelsmann, dessen antihitlerische Haltung er kenne, für ein! 1 eitig pa ropaga enddie: ürchtet iarten W Lutoritä Liegsyi Ring ge alt die inpünst ind wen Dischin Folk du Etzen,| Onehe Im eine Killen«, Man Deutsch Loch nie Le Su Ähyake lem her Dilein Inder. ‘eizsic ste\ Die Tschechenkrise 1938 191 Ingen da siitig parteiisch und seine Meldung im wesentlichen für bloße x Halifıs Propaganda.5! Am 25. schilderte sein Militärattache sehr zutref- nds, Ruß fend die Stimmung im Lande und besonders im Generalstab: alles Amerikıs fürchtet und verabscheut den Krieg, alle Gemäßigten hoffen auf Rede vo Inrten Widerstand der Westmächte gegen Hitlers Pläne, was seine elnvasiot Autorität schwer erschüttern würde; schon jetzt haben die ddie Fri Kriegsvorbereitungen das Wirtschaftsleben in schwere Unord- ig untätij ung gebracht, der Wehrwirtschaftsstab(des Generals Thomas) hilt die wirtschaftlichen Kriegsaussichten Deutschlands für sehr annes: da Ungünstig. Das alles aber wird Hitlers Entschlüsse nicht beirren, 1 Brief 5 Und wenn er erst einmal im Kriege ist, wird es seiner Propaganda- d-rabiats maschine nicht schwer fallen, das jetzt sich sträubende deutsche inderZi Volk durch militärische Erfolge in Kriegsbegeisterung zu ver- £ankäne*tzen. So muß die englische Politik sich jetzt entscheiden, ob sie heln. Vor Ihm eher diese Erfolge gönnen als sich in den Krieg stürzen will— chen. Mit"Um einer»vielleicht unvernünftigen Sache, der Sudetenfrage nd gehött villen«. Man sieht, die britische Regierung war über die Lage in „komme Deutschland sehr gut informiert. Gleichwohl begriff sie auch jetzt hne er toch nicht, daß es gar nicht mehr um die»vielleicht unvernünf- noch mei! Üige« Sudetenfrage ging, sondern um den Bestand der Tschecho- erliner Re lowakei überhaupt und darüber hinaus um die Notwendigkeit, Erklärufg dem hemmungslosen Eroberungsdrang des Diktators ein für alle- jesprocht? mal ein Ziel zu setzen. Man blieb bei lauter halben Maßnahmen. schon di Henderson wurde nach London berufen und erhielt dort(wie en Kleist Weizsäcker vertraulich geraten hatte) Auftrag, dem Führer eine > üinste Warnung zukommen zu lassen- aber gleichzeitig die Wei- ung, einen persönlichen Besuch Chamberlains bei Hitler vorzu- bereiten. Die Warnung unterblieb, als er Bedenken dagegen er- hob. Als der Schatzkanzler John Simon am 27. August eine zust) el Ötentliche Rede hielt(gleichzeitig mit Churchill und mit Einver- > Ami! ständnis des Kabinetts), die Chamberlains Andeutungen vom gt. 2. März wiederholte, beeilte sich Halifax sogleich, ihre Wirkung higts! in Berlin und Prag wieder abzuschwächen. nel.ı Warum dieses unsichere Schwanken? Zunächst deshalb, weil ph? man der Dynamik der Hitler-Revolution und der Persönlichkeit zehn.„. dieses Hypermilitaristen ebenso fremd und verständnislos gegen- „gi\berstand wie einst die konservativen Regierungen Europas dem eb",.. Erzmilitaristen Napoleon. Dazu kam, daß man sich längst von oe den schweren Mängeln des tschechoslowakischen Staatswesens Meldı e ‚ überzeugt hatte, die Berechtigung der sudetendeutschen Be- mie" schwerden anerkannte und nicht die geringste Neigung ver- di : E j. Pürte, für die Erhaltung dieser künstlichsten aller Schöpfungen 16, T egerischtl lich keit st hatte di he in self‘ 192 Zehntes Kapitel von Versailles die Opfer eines neuen Kriegs auf sich zu nehmeüfs frei Man wollte also die Hoffnung nicht aufgeben, daß sich ein frie ipchrlic liches»agreement« müsse finden lassen, und fürchtete, durchf In den schroffes Auftreten die Haltung der Tschechen zu versteifedliyerd Hitler aber erst recht zur Gewaltsamkeit zu reizen. Diese Sorgtfiyyand wurde durch starke Zweifel an der eigenen Kampffähigkeit nochfiymat verstärkt. Vor allem die Furcht vor der überlegenen deutscheffiysche, Luftwaffe spielte in London und Paris eine sehr große Rolle. Mat ae di sah hier, mangels fast aller Luftschutzmaßnahmen, den Schreckeifirsidje eines Luftbombardements mit wahrhaft panischer Angst enkfjsch] gegen- es war, auf dem Höhepunkt der Krisis, dieselbe halb verfyy;„u, zweifelte Stimmung, wie sie uns Deutschen aus den schwüleafn, end August-und Septembertagen 1938 noch in deutlicher Erinnerung En ist.52 Schließlich und vor allem: man traute in London der fral;Ji. zösischen Bereitschaft und Fähigkeit nicht, ernsthaft und wirk Äptsche sam einzugreifen. In der Tat weckt die Passivität, mit der ne, französische Politik sich bisin den September hinein der britischet]$;,}, Führung überließ, das Erstaunen des Betrachters: war es doch ehtet.] eigentlich, den Verträgen nach, ausschließlich ein französische‘, ke Ober nicht ein britisches Anliegen, die Tschechoslowakei vor den KO2 der Untergang zu retten. Ganz klar sah hier wohl nur der Ministe£\,.,‘ präsident Daladier, was für Frankreich und Europa auf den Mkupe, Spiele stand; er hat denn auch im Juli eine sehr entschlossen klin- Küschl, gende Rede gehalten. Aber das waren nur Worte; die Stimmunffi,, des Landes war ausgesprochen kriegsfeindlich, der politischtf,. a Ehrgeiz, oder doch der Wille, die 1918 mit fremder Hilfe errunl; gene Hegemonie auf dem Kontinent aus eigener Kraft zu bel. haupten, in der Nation so gut wie völlig erloschen. Der Außen IS der? minister Georges Bonnet war der typische Vertreter dieser restJi.. gniert-skeptischen Stimmung: im Grunde überzeugt vonder mili de 0 tärischen Wertlosigkeit des tschechischen und polnischen Bünd|,,, nisses für Frankreich, hat er(trotz späterer Ableugnungsversucht kei, und einzelner Ansätze zu mannhafterer Haltung) viel dazu beif,, 5 getragen, mutige Entschlüsse in Paris zu verhindern. Hier wieill; London hat man 1938 kaum etwas getan, um die bereitwillig und]; immer von neuem angebotene militärische Hilfe Rußlands zul). aktivieren: teils aus Mißtrauen gegen die Leistungsfähigkeit del Mei Roten Armee(seit den großen Tuchatschewski-Prozessen), teilsh,,©° aus Abneigung und Furcht vor dem bolschewistischen System, Ken teils deshalb, weil Polen und Rumänien sich gegen einen Durch, E marsch der Roten Armee, ja selbst gegen das Überfliegen ihre‘ di Gebiets durch russische Flieger sträubten. Die Furcht vor denf},, en Bolschewiken hat schließlich auch die Haltung Polens bestimmt] Mi j q a 1 Die Tschechenktrise 1938 193 u nehme nehr freilich noch, wie es scheint, der blinde Nationalismus: die hein fieiBepehrlichkeit nach Anteil an der tschechischen Beute. ie, durd In den ersten Tagen des September hätte es allen Beteiligten versteif klarwerden können, daß für Hitler die»Sudetenfrage« nur ein Jiese Son Vorwand war. Als am 6. September Präsident Benesch dem igkeit nodgiplomatischen Druck der Westmächte nachgab und den Sudeten- . deutschfgentschen alle ihre Forderungen nach Autonomie bewilligte, Rolle. Niyurde dieses Opfer damit beantwortet, daß die Sudetendeutsche Schreckfpxrtei die Verhandlungen plötzlich abbrach, daß ihre Führer nach Angst Deutschland gingen und daß von dort die Parole zur offenen Re- je halb W*yolte ausgegeben wurde. War dies nicht der Moment, in dem es 1 schwilfzum endgültigen Bruch zwischen Hitler und den Westmächten Erinnerufkommen mußte? Der nahe bevorstehende Parteitag der National- n der ftzlsopialisten erhöhte die allgemeine Spannung aufs äußerste. Die und wi'dentsche Opposition erwartete dort Erklärungen des Führers, die mit der einen neuen Weltkrieg unvermeidlich machen würden. ebritisch" Sie hatte sich inzwischen zu einem förmlichen Komplott ver- var es düfdichtet. Die zentrale Figur, die alles in Bewegung brachte, scheint ‚nzösisc"der Oberst Hans Oster gewesen zu sein, Leiter der Zentralabtei- :j vor ddlung der sogenannten»Abwehr« im OKW. Er wird von allen af MinistSeiten als eine überaus frische, tapfere, ja verwegene Soldaten- 3a auf Knaur geschildert, ein Aktivist von rascher, zuweilen leichtfertiger Jossen k}Eatschlußfreudigkeit. Mit seiner Neigung zu salopper militäri- ‚Stimmi'scher Ausdrucksweise konnte er wie ein Zyniker erscheinen, ‚ politit' Würzelte aber doch in echten religiösen Überzeugungen und war Hilfe er eiällt von grenzenloser moralischer Empörung über den Natio- yaft zu B nilsozialismus. Diese leidenschaftliche Abneigung stammte schon Jer Außt aus der Zeit vor 1933 und hatte nie geschwankt. Bis zu seiner Ent- dieser© fitnung aus dem Amt im April 1943 ist er die Seele der militäri- ‚ondern! Isthen Opposition gewesen, unendlich regsam und verschlagen chen Bit\und dank seiner Stellung im Abwehrbüro von außen her fast un- gsversüf greifbar für die Organe der Himmlerschen Geheimpolizei, so- e| dazu I) lage sein Chef, Admiral Canaris, ihn deckte. General Beck hatte Hier we ihn seinem Nachfolger empfohlen, dem General Franz Halder, irwillig‘ dr vom ersten Tag seiner Amtsführung an sich entschlossen ßlands’ zigte, die Opposition seines Vorgängers gegen den Krieg weiter- ;higkeit® zitreiben, und seinem Oberbefehlshaber Brauchitsch dies auch ‚gssen), MIaAnz offen bei der Übernahme seines Amtes erklärte. Sehr zu Un- hen Syst! Kcht ist Halder immer wieder als eine halbe und weiche Natur, als PDS In) gemütvoller Mensch von schwankender Entschlußkraft ge- n.nj\thildert und in Gegensatz zu der charaktervollen Persönlichkeit Be[Becks gestellt worden. Dieser selbst hat ihn ganz anders beurteilt, N e vol;;: ch ing Nand nicht nur die hervorragenden dienstlichen Leistungen Hal- ; best! TI=) =, - 1 194 Zehntes Kapitel ders als Generalstabschef, sondern auch seine politische Aktivitälfesener lassen einen ganzen Mann und höchst achtbaren Charakter efJüheren kennen. Während seiner Münchener Dienstjahre(um 1923) hattifäne eig er die Erfolge der prahlerischen und verlogenen Demagogie HitlInUm lers auch im jüngeren Offizierkorps der Reichswehr beobachtäfindern- können; er hatte sie mit höchster Besorgnis und Abneigung vet] Zunäc folgt. Seit den Massenmorden des 30. Juni und vollends seit deilıngerk Fritsch-Krise nährte er gegen den»Verbrecher« und»Blutsäufetllision einen ganz urtümlichen Haß, der sich im vertrauten Kreis audländric wohlin bayrischen Kraftworten entladen konnte. Dieser Haß ent/ch Hal sprang durchaus nicht nur aus jener Empfindlichkeit des militätduit Staa schen Fachmanns gegen das anmaßende Hineinreden eines Diletand se; tanten in sein Fach, die in den Desikschriften Becks so deutlich milfefrder anklingt, sondern unzweifelhaft aus echter sittlicher EmpörunßJiesich} Halder war aber kein blinder Draufgänger, sondern eher(wi Agespe auch seine äußere Erscheinung ausdrückt) eine bürgerlich-koflinismu rekte Natur, die in allen Dingen ihre Ordnung haben wollte, al&ln:Gel sorgsam vorbedachte und ein bloßes»Putschieren« ohne klar&ftı.x; Ziel und sauberen technischen Operationsplan verabscheute. Bf Ehkeit konnte nicht anders sein, als daß ein solcher Mann seelisch schw@lgsen d, litt unter dem Zwiespalt zwischen seiner Dienstpflicht und sein@fn4ye,] patriotischen und moralischen Überzeugung. So empfand er d&fonn,. »Zwang zum Widerstand als ein fürchterliches und qualvollöli-.,( Erleben«, spürte sehr genau, daß auch den Berufsgenossen, die Cr. am meisten verehrte, wie Fritsch und Beck, der»revolutionäff\esch, Schwung« völlig fehlte und daß es ein fast aussichtsloses BegitfC;.;, nen war, gegen den Dämon Hitler anzukämpfen, den ihm Fritsd Ehre schon 1937 resigniert als»Deutschlands Schicksal« bezeichn® etc hatte. Das alles hat ihn aber nicht abgehalten, durch qualvold;. Gef Jahre hindurch zu tun, was er in seiner Stellung ohne eigen Bilkri Kommandogewalt tun konnte, um das Unheil für Deutschlant ihr nicht allzu groß werden zu lassen. Daß er damit scheiterte, wat] tdse wie sich noch zeigen wird, nicht seine Schuld.53 such Im Vergleich mit Fritsch und Beck war er ohne Zweifel nich! arsch] der schwächere, sondern der stärkere Aktivist.5% Von der Not Senke wendigkeit einer Beseitigung des Hitler-Regiments schon sel Reh dem 30. Juni 1934 überzeugt, hatte er 1937 und 1938 mehrfad Enden vergeblich sich bemüht, diese seine beiden Vorgesetzten 3; schrofferem Auftreten gegen den Diktator zu bewegen. Bei sc‘ nem Amtsantritt als Generalstabschef empfahl ihm Beck, sich mil.) Goerdeler in Verbindung zu setzen. Das war aber zunächst nic} 4; möglich, da dieser sich im August wieder auf Auslandsreisen DJ) geben hatte, von denen er erst im Dezember zurückkehrte. Stz Die Tschechenktrise 1938 195 1e Aktiviä dessen entwickelteHalder im Zusammenwirken mitÖster(seinem arakteräffiheren Untergebenen im Generalkommando von Münster) 1923) seine eigenen Widerstandspläne. Sie liefen darauf hinaus, unter agogiehifallen Umständen den Ausbruch eines zweiten Weltkriegs zu ver- beobacht hindern— nötigenfalls durch einen militärischen Gewaltstreich. eigungr!!"Zunächst sollte noch einmal die Haltung der Londoner Regie- nds seitl! ing erkundet werden, von der ja Herr von Kleist(hinter dessen Blutsäuft! Mission wohl auch schon Oster gesteckt hatte) keine eindeutigen Kreis a Eindrücke hatte mitbringen können.5° Zu diesem Zweck setzte ‚erHaßel sich Halder mit dem deutschen Auswärtigen Amt, insbesondere desmilitiä mit Staatssekretär von Weizsäcker, in Verbindung.5® Dort be- einesDIK sand seit langem eine vom Staatssekretär geduldete, ja vielfach deutliche] geförderte Oppositionsgruppe älterer und jüngerer Diplomaten, Empönt} die sich bemühten, die Tradition des Amtes, d. h. die Summe dort n eher(N aufgespeicherter Erfahrung und Sachkenntnis gegen den Dilet- gerlich-k" tntismus des hitlerhörigen neuen Außenministers Ribbentrop wollte," zur Geltung zu bringen und dem Unheil eines Einbruchs fanati- ohne kl" scher Nationalisten in den Bereich der Außenpolitik nach Mög- ‚scheute..) lihkeit entgegenzuwirken. Viele von ihnen haben im Kampf lischscht) gtgen den Nationalsozialismus später ihr Leben aufs Spiel gesetzt tunds@®| und verloren: Adam von Trott zu Solz, Otto Kiep, Hans-Bernd fand ed) von Haeften, Eduard Brücklmeier, Albrecht Graf Bernstorff. Zu | qualvol dieser Gruppe gehörten auch die Brüder Erich und Theodor ossen, di Kordt: jener Legationsrat im Ministerbüro Ribbentrops, dieser ‚yolutio* Botschaftsrat in London. Durch Vermittlung Osters wurde Erich joses Ber| Kordt in die Pläne der Opposition eingeweiht, und zwar zu einem ‚ihm Pal loppelten Zweck: einmal sollte Brauchitsch durch einen sach- ierständigen Diplomaten davon überzeugt werden, daß ernstlich . bezeich!€ h qua lie Gefahr eines neuen, für Deutschland völlig aussichtslosen ohne ei Weltkriegs drohe, falls der befohlene Angriff auf Prag durch- je! geführt würde, und daß Hitler, durch Ribbentrop falsch beraten, tsc er n Blind sei gegenüber dieser Gefahr. Zum andern solltenoch einmal tersucht werden, die englische Regierung vom Bestehen einer reife 0 ittschlossenen Oppositionsgruppe in der Armee zu überzeugen; on der Milan hoffte sie zu einer eindeutig drohenden Sprache zu ermuntern , scho© durch die Mitteilung, daß für den schlimmsten Fall Kräfte bereit 5 meh ünden, die den Kriegsausbruch mit Gewalt verhindern würden. erzteD Erich Kordt, der den ersten Auftrag durchführte, gewann den > Bet Eindruck, daß er Brauchitsch habe überzeugen können; ob dieser S scht| lbst gegen Hitler vorgehen würde, blieb aber dunkel. Die Bot- nn ithaft nach England, die wegen des nahe bevorstehenden Partei- see ges eilte, ließ Kordt am 3. September durch einen unverdächti- | gen weiblichen Kurier(seine Kusine Susanne Simonis) mündlich we N La 196 Zehntes Kapitel an seinen Bruder überbringen, der sie ans englische Außenmin- sterium weitergeben sollte. Das geschah denn auch: in tief gehei men Unterredungen mit dem vertrauten Berater Chamberlains, Sir Horace Wilson, und mit dem Außenminister Halifax selbst (6. bzw. 7. September). Theo Kordt wurde sehr aufmerksam un! »mit tiefem Ernst« angehört und empfing das Versprechen des Außenministers, seine Mitteilungen an den Premier und ein oder zwei Kabinettskollegen weiterzugeben; man werde sie sorgsam prüfen. Was ihm Halifax verschwieg, war die Tatsache, da) Chamberlain bereits seit einer Woche entschlossen war, zu Hitlet nach Berchtesgaden zu fliegen und mit ihm in mündlicher Aus sprache einen friedlichen Ausgleich zu suchen; Henderson wat schon längst im Begriff, diese Begegnung vorzubereiten. Halifax scheint auch nichts davon erwähnt zu haben, daß um dieselbe Zeit eine dringende Aufforderung, nun endlich mit unzweideutigen Drohungen in Berlin aufzutreten, auch schon durch ander: Kanäle- nicht zuletzt auch durch Goerdeler- an das englische Kabinett gelangt war.” Es ist denkwürdig, daß selbst der Staats- sekretär des Auswärtigen Amtes von Weizsäcker daran beteiligt war, der seinen eigenen Minister bezichtigte, den Führer durch beschönigende Schilderung der englischen Haltung zu täuschen, und daß der Völkerbundskommissar Burckhardt, der das allei nach London berichten ließ, in Berlin keinen Minister und Gene- ral(selbst Göring und Keitel nicht ausgenommen) gesprochen hatte, der sich nicht als Gegner des Kriegsunternehmens bekannt hatte. So gänzlich, so ausschließlich hing das Schicksal Deutschland: und der Welt von dem Willen des einen Mannes ab! Mußte man nicht versuchen, ihn schleunigst aus der Welt zu schaffen, um sit vor dem Unglück eines neuen Weltkriegs zu bewahren? Es ist bezeichnend für den zutiefst unrevolutionären Charakter der bür- gerlich-militärischen Oppositionsbewegung in Deutschland, dal keiner ihrer Führer schon damals eine Mordtat geplant hat. Hal- ders Gedanke war, den Tyrannen durch einen Militärputsch zı überrumpeln, festzusetzen und vor dem deutschen Volk als leicht: fertigen Abenteurer zu entlarven.5® Der Generalissimus Brau- chitsch sollte den Putsch auslösen, zunächst eine Militärdiktatut ausrufen und dann die Bildung einer neuen Regierung veranlas- sen. Halder hat diesen Plan mit Brauchitsch selbst nicht direkt besprochen, um ihn damit nicht(bei etwaiger Entdeckung des Komplotts) zu kompromittieren, zweifelte aber nicht, daß er sich im rechten Augenblick zur Verfügung stellen würde. Andererseiti war er sich klar darüber, daß ein so gewaltiges Machtgebilde wit as natie Militär] olches I Terden| Intschie hevor: as Ung Ineinzu Ittcher nubt, E} igendw Jegeiste Ellagen et Natı Letter ei Dami Erbürg Otritt d Unpst u Wlitisch ätten A A uns U Wer &tkım «tbline Titsch- «en\ and Fe Olten\ “N Altar Sen, Stnehr Bieyiy, Mttup| ln a der( Man LyN Üeren ts j ee, mberlait lifax seht rksam un tief geld Die Tschechenkrise 1938 197 | ds nationalsozialistische Staatswesen nicht durch einen bloßen ‚Militärputsch« aus der Welt geschafft werden konnte: daß ein solches Unternehmen von einer breiten Volksströmung getragen werden mußte, um zu gelingen. Er wehrte sich deshalb mit aller Intschiedenheit gegen die Zumutung irgendeinesGewaltstreichs, rechen&] che vor aller Welt klar war, daß Hitler Deutschland leichtfertig in 1d ein ok je sorgst sache, di f, ZU Hitl! icher Au’ lerson 1. en, Halli) eselbeZ“ ‚eideutigt ch and S englist der Stat An beteilt‘ hret dur „ täuscht e das al und Ge! yesprodh ns bekar! utschli Mußte fen, um! ven? Bi’ ger derb: -hland, nt hat,; gputsch! alsle® mus 9 cd g vera) jicht un eckunb gabe" is Unglück eines neuen Weltkrieges hineingestürzt hätte oder hineinzustürzen im Begriff stand. Nur dem offenkundigen Ver- brecher gegenüber ist Versagen des Gehorsams, meinte er, et- hubt. Erst wenn Hitler als solcher vor aller Welt dastünde, wäre ittendwelche Hoffnung, daß der allgemeine Rausch der Hitler- Begeisterung sich abkühlen, vielleicht sogar jäh ins Gegenteil um- schlagen könnte. Die Führer der Wehrmacht jedenfalls sollten der Nation nicht als Verräter oder Saboteure, sondern als ihre Retter erscheinen. Damit stand er in erklärtem Gegensatz zu manchen Mitgliedern derbürgerlichen Opposition, mitderersich gleich nach dem Amts- atritt durch Oster in Verbindung setzte. Viele der Zivilisten, die lingst ungeduldig auf diese Stunde warteten, neigten dazu, die wlitischen Möglichkeiten der Wehrmacht zu überschätzen, und litten am liebsten ihren Putsch ohne Rücksicht auf den(immer- hin unsicheren) Gang der außenpolitischen Ereignisse sogleich ins Werk gesetzt. Gisevius, der von der Geheimen Staatspolizei herkam und in ihr seine Freunde hatte, wollte Halder für seine leblingsidee gewinnen(die er schon im Frühjahr anläßlich der Rtitsch-Krise entwickelt hatte, unter Beifall Goerdelers), das Hauptquartier der Gestapo in der Prinz-Albrecht-Straße auszu- hben und an den verhaßten Schergen des Hitler-Regiments (ind Feinden des Gisevius) Vergeltung zu üben. Die Generäle “llten von Hitler die Entlassung Himmlers und Heydrichs for- dern. Wenn er es(wie zu erwarten) ablehnte, sollte ein Potsdamer Militärkommando kurzerhand das Geheime Staatspolizeiamt be- kttzen, die beiden Gestapochefs und ihre nächsten Mitarbeiter istnehmen und den Führer vor vollendete Tatsachen stellen. Gisevius versprach, aus den Geheimschränken der Polizei rasch tnug belastendes Material herbeizuschaffen, dessen Veröffent- ichung dem deutschen Volk die Augen über die Schandtaten iner Gewalthaber öffnen würde. . Man begreift ohne weiteres, daß der Generalstabschef ein sol- thes Abenteuer von sich wies. Aber er war enttäuscht, daß die ‚itderen Zivilisten, die Oster ihm zuführte, zwar»mit großer lautstärke«, aber keineswegs mit sehr klaren politischen Plänen nderet gebil" L ie Beseitigung Hitlers von ihm forderten. Da Goerdeler ausfiel, # re en F Pe Be ii ES ne ar ET, : 198 Zehntes Kapitel hatte man sich an Schacht gewandt, der als Reichsminister und Gegner Hitlers zum politischen Oppositionsführer besonders gej® eignet erschien und der denn auch diesmal eifrig mitmachte.# ae kam es offenbar darauf an, Klarheit zu schaden, was pe schehen sollte, wenn Hitler ee war und nun die Gefahr eines Bürgerkrieges entstand. So hat man denn in aller Eile(dent es standen ja nur wenige Tage, bestenfalls 3-4 Wochen zur Ver fügung)60 einen Aufstandsplan geschmiedet, der etwa folgender: maßen aussah: Sobald Hitler den Befehlzum Angriffaufdie Tschechoslowakd gegeben hätte— der Generalstabschef glaubte sich dafür eine An laufsfrist von mindestens 48 Stunden gesichert zu haben-, wollt Halder die Verschwörer benachrichtigen. Die Kriegserklärung der Westmächte wurde dann mit Sicherheit erwartet, mit de Folge einer panischen Schreckensstimmung in ganz Deutschland. Diesen Moment sollte Brauchitsch dazu benutzen, auf dem Be. fehlswege eine Gegenaktion auszulösen. Größere Militärabtd- lungen(alles aktive Truppen, geführt von Berufsoffizieren) untt‘ dem Kommando des Generals von Brockdorff-Ahlefeldt, Kon: mandeurs der Potsdamer Division, sollten zur Besetzung von|Ä! Berlin einmarschieren. Der Kommandierende General des Il. far Witz Esetzt, q Endiene ielt Er £sich n Äiler ku Binpreifi äktte>] Rwend Inpen st Onaus cd dirtzu: Ei mit: dire 0) Aıhnanı Its Reg; Egg Ur die] Ozulisn (Berliner) Wehrkreises, von Witzleben, eine gerade und ent d:\ schlossene Soldatennatur, sollte an die Spitze der Aktion tretei Seine große Popularität bei der Truppe(ihm stand die 23. Div! Kr sion zur Verfügung) war als wichtiger Faktor des Gelingens it] Anschlag gebracht.®! Es hat nicht an Vorarbeiten gefehlt, um dit Besetzung besonders wichtiger Punkte der Hauptstadt, der polif\th schen Kommandostellen, der Nachrichtenzentralen, der Stütz punkte von SS und Polizei generalstabstechnisch vorzubereiten Auf dem Polizeisektor hat Gisevius im Auftrag Witzlebens(dt ihn getarnt in seinen Büros arbeiten ließ) mitgewirkt; er bracht! auch seine Freunde, den Polizeipräsidenten Graf Helldorfund den]n, Kriminalrat Nebe mit ins Komplott. Liest man in seinem Bud von den technischen Schwierigkeiten, die es zu überwinden galt und von dem großen Aufgebot militärischen Personals, das daz benötigt w urde, so mag einem das ganze Unternehmen a äußert! gewagt und unsicher erscheinen. Ließ sich eine sofortige Gegen mobilisierung hitlertreuer Streitkräfte überhaupt verhindern, lid sie sich durch so künstliche Fiktionen, wie sie Gisevius vorschlug' der Führer sei durch einen Staatsstreich Himmlers und Göring bedroht, auch nur vorübergehend lähmen?82 Das schwierigste war natürlich, gleich zu Anfang die Perso@" Hitlers in die Gewalt der Verschwörer zu bringen. Diese Aufga Tofe il, \ Die Tschechenkrise 1938 199 | inister un ar Witzleben bereit, persönlich auf sich zu nehmen— voraus- sonders g gesetzt, daß er von Brauchitsch als Oberbefehlshaber des Heeres itmachte, den dienstlichen Auftrag zur Besetzung des Regierungsviertelser- en, was gi Nelt. Er soll erklärt haben, den Eingang zur Reichskanzlei würde dieGehl tt sich nötigenfalls durch einen Kanonenschuß freimachen und Eile(des Hitler kurzerhand militärisch festsetzen. Zur Abwehr gegen ein en zur Va Eingreifen der SS, insbesondere gegen die in München statio- folgende tierte»Leibstandarte«, sollte nötigenfalls eine Panzerdivision verwendet werden, die damals unter General Hoepner in Thü- hoslowas Angen stand. Was dann mit Hitler geschehen sollte, wenn man ireine/e Ihn aus der Reichskanzlei entführt hätte, scheint nicht völlig ge- en-, wolt klärt zu sein. Die einen schlugen eine Gerichtsverhandlung vor, »serkläni die mit seiner Verurteilung enden sollte. Hierfür hielt man im et, mit dt Biro Osters eine reiche, von dem jungen Reichsgerichtsrat eutschlag Dohnanyi angelegte Dokumentensammlung von Schandtaten % dis Regimes als Anklagematerial bereit. Oster selbst soll schon Yilitärgbre Mit 1936 eine Schrift»Politisches ABC« vorbereitet haben, das, jeren) un Ür ‚die Masse bestimmt, in populärer Form mit dem National- reldt, Kot wzialismus Abrechnung hielt.°° Zeitweise dachte man auch an etzung Hitlers Internierung als Geisteskranker, unter Mitwirkung des a] des I Berliner Psychiaters Prof. Bonhoeffer, dessen beide Söhne tief in le und all die Verschwörung verstrickt waren. Die Militärdiktatur(mit tion tref Brauchitsch als Oberhaupt) sollte möglichst bald durch eine zivile ie 23, Dis Regierung abgelöst werden. Halder hat an Neurath oder Noske yelingen‘ ler Geßler(alles Repräsentanten einer versunkenen Epoche) als ahlt undl Übergangsfiguren gedacht; ihre Hauptaufgabe wat, die Berufung eb|; tiner Nationalversammlung und die Bildung einer parlamentari- in then Regierung ins Werk zu setzen. „» ‚Nichts kann die verzweifelte Notlage einer freiheitlich gesinn- Nebens(? tn Opposition unter dem totalitären System besser beleuchten ze brach? is diese eilig improvisierten Pläne. Es ist sehr leicht, an ihrer Bier ui üfensichtlichen Unzulänglichkeit nachträglich Kritik zu üben. Jorfun ‚I Ne liefen auf ein reines Abenteuer, fast ohne Erfolgschancen, einen), linaus. Aber wie sollte man die überall gärende Unzufriedenheit winde ,ı Dit dem Hitlersystem, wie insbesondere die allgemeine Kriegs- ls, da„. echt zu einer echten Volksbewegung organisieren, wie ihr Ge- “ ge!"wicht noch rechtzeitig zur Geltung bringen, ehe der Kriegsaus- tige” Ü,f buch alle Opposition vollends hoffnungslos machte? Man muß, hinde#t N itotz aller Kritik,den Mutunddenreinen Patriotismus der Männer syors A bewundern, diesichaufeinso großes Abenteuer einließen. Ein ech- ‚nd OT- Verschwörer großen Stils, eine neue politische Führergestalt ar offensichtlich nicht unter ihnen. Wer indessen das Abenteuer 5“ I| behnte,dem bliebtatsächlichnichtsübrigals völlige Resignation. jese 7? uf dem 200 Zehntes Kapitel Es gab aber auch junge Aktivisten, die sich das Vorgehen gegen Hitler sehr viel einfacher und handfester dachten. Der frühere Stahlhelmführer Oberstleutnant Friedrich Wilhelm Heinz(ehe- mals Angehöriger der Freikorpsbrigade Ehrhardt) scheint hier die Hauptrolle gespielt zu haben. Nach seinem eigenen Bericht wurde er Mitte September in Osters Wohnung von Witzleben be- auftragt, einen Stoßtrupp zusammenzustellen, dem beim Eindrin- gen in die Reichskanzlei die Hauptaufgabe zugedacht war. Er habe diesen Trupp bis etwa zum 22. September gesammelt, aus etwa dreißig jungen Offizieren, Studenten und Arbeitern, und habe an ihn, ohne Wissen des Generals, aber mit Einverständnis Osters, die Parole ausgegeben: es sollte nach Eindringen in die Reichskanzlei ein Zwischenfall provoziert und Hitler dabei er- schossen werden. War so der Tyrann gefallen, so wollten diese jungen Offiziere, ohne sich viel um die älteren Generäle zu küm- mern, ihren Kameraden, den Prinzen Wilhelm, den ältesten Sohn des Kronprinzen, den sie als eine»sehr saubere, sehr klare und seht tapfere Soldatengestalt« verehrten, zum Reichsregenten aus- rufen; dabei wurde vor allem auf die Regimenter ı(in Königs berg) und 9(in Potsdam) gerechnet. Später sollte ein Übergang von der Reichsregentschaft in die Monarchie gefunden werden, und zwar auf demokratischem Wege. Ein Plan dafür war schon früher(Julioder Anfang August) in Klein-Obisch, dem Wohnsitz des Prinzen, gemeinsam mit ihm beraten worden, bis in gewisse verfassungsrechtliche Einzelheiten hinein. Mitte September will Heinz den früheren sozialdemokratischen Gewerkschaftsführer und Minister Wilhelm Leuschner sowie seinen Gehilfen Herman Maaß, einen früheren Jugendführer, dafür gewonnen haben. Von »Reaktion« war also hier offensichtlich keine Rede— wohl abei von der Aufrichtung eines neuen wirksamen Symbols: der vet- fassungsmäßigen Monarchie, mit deren Zerstörung in den Augen der Massen das ganze Elend Deutschlands angefangen hatte,®4 Für das Zustandekommen aller dieser Anschläge hing aber nun alles vom weiteren Verhalten Hitlers und seiner westeuropäischen Gegenspieler ab. Ganz ohne Eindruck sind die fortgesetzten Vot-|, stellungen der deutschen Opposition in London offenbar doch', nicht geblieben. Auch dort fürchtete man eine Hitler-Rede auf|, dem Parteitag in Nürnberg, die den Krieg unwiderruflich machen könnte. Sie wurde am 12. September erwartet. Einen Tag vorher gab Chamberlain eine offizielle Presseerklärung heraus, die auch sogleich nach Nürnberg durchgegeben wurde und die vorher mit Eden und Churchill sowie mit dem Oppositionsführer des Unter) hauses besprochen war. Sie enthielt eine vorsichtig verklausu- ‚irte, al tler gl ıllte, D issen F e Tats denso viel b terten Deutsch ‚ürde g Teizsäc Yanncı 8 die| Hilfsber trmied Adunı ‚ten-Be che R &rstol: !titisch dgeleg !tieden | tell: C Aupta \ Aber nDol ‚EUnre ‚Mund “Ode N Tang bste "ben, i Aspese u Chpal Die Tschechenktise 1938 201 X lierte, aber doch deutliche Warnung. Auch eine Botschaft für ‚Hitler ging an Henderson ab, die in derselben Richtung wirken sollte. Die Presseerklärung hat denn auch in Nürnberg einen ge- \ yissen Effekt gehabt.°5 Nur wurde er stark abgeschwächt durch en Beiö die Tatsache, daß die als halboffiziös betrachtete»Times«(und tzleben! ebenso die Pariser»Republique«) schon am 6. bzw. 7. September mEindit inviel beachteten Leitartikeln den(bisher diplomatisch kaum er- it wat,E ärterten) Vorschlag gemacht hatten, das Sudetengebiet einfach an nmelt,# Deutschland abzutreten. Und Chamberlains warnende Botschaft itenn, W gar nicht ausgerichtet, weil Henderson(diesmal sogar von rerständs Weizsäcker unterstützt) sich sträubte. Alles fürchtete, den»wilden gen nd Mann« noch wilder zu machen. Um so mehr war man überrascht, r dabt als die gefürchtete Rede zwar pathetische Versicherungen der ‚ten ds für die Sudetendeutschen brachte, aber doch lezukit, die deutsche Politik auf den Krieg öffentlich festzulegen. estenS® Und unmittelbar nach dem Parteitag flog Chamberlain nach Mün- reund®-Berchtesgaden. Die mit so viel Spannung erwartete kriege- enten® rische Explosion blieb aus. Statt dessen erlebte Hitler seinen bis- in Kölf her stolzesten diplomatischen Triumph: der Premierminister des Über! Btitischen Weltreiches bemühte sich höchst persönlich in seine en wei Bergklause, um ihn(wie die Welt es empfand) um wars" zu bitten. Die Berliner Verschwörer aber sahen sich ge- „Wohl“: das Wild, das sie hatten fangen wollen, kam ihnen über- ‚inge® haupt nicht ins Netz.°® ‚embet®” Aber gleich darauf spitzte sich die Lage von neuem zu. Durch haftsfült den Dolmetscher Paul Schmidt erfuhr manaus Berchtesgaden, daß „Hem® de Unterredung der beiden Staatsmänner sehr stürmisch verlaufen haben.\' siund daß Hitler nichts Geringeres als eine völlige Zerstücke- wohl® ling der Tschechoslowakei durch Abtreten des Sudetenlands js; der verlangt, gleichzeitigaber ganz offen damit geprahlthabe, er würde silbst einen zweiten Weltkrieg nicht scheuen, sondern nur wün- schen, ihn noch bei voller Manneskraft zu erleben. Schien es nicht ausgeschlossen, daß die britische Politik so brutalen Drohungen tachgab? In der Tat hatte Chamberlain einen schweren Stand, als cam 18. September in einer Kabinettssitzung gemeinsam mit den Ministern Frankreichs darüber beriet, was nun geschehen solle.67 Daladier sagte ganz klar voraus, daß es trotz aller Versicherun- gen, dies sei Hitlers letzte territoriale Forderung, nicht dabei blei- "ken würde; daß der Rest der Tschechoslowakei nach Abtretung ‚ds Sudetenlandes völlig wehrlos und kaum noch lebensfähig dem Zugriff des Eroberers preisgegeben sei, zumal dann, wenn das Pinzip der»Selbstbestimmung« auch noch auf die magyarischen, ch A j 202 Zehntes Kapitel polnischen und slowakischen Minoritäten des böhmisch-mähr- schen Raumes angewendet würde; daß Hitler mit Hilfe dieses Prinzips das ganze Vertragswerk von Versailles ins Wanken brip- gen, das ganze staatliche System Südosteuropas sprengen und sich schließlich zum Herrn des Kontinents machen würde. Der französische Ministerpräsident gab seinen Widerstand gegen dit formelle Anerkennung des»Selbstbestimmungsrechts« in der Tschechoslowakei auch dann nicht auf, als Halifax ihm ausein- andersetzte, es sei jetzt unmöglich, der Tschechoslowakei prak- tisch militärischen Schutz zu bieten, und selbst nach einem zwei- ten Weltkrieg würde sie in ihren gegenwärtigen Grenzen nicht mehr wiederherzustellen sein. Schließlich einigte man sich auf das faule Kompromiß, der Regierung Benesch sollte es überlassen bleiben, mit Hilfe einer internationalen Kommission allenfalls}' noch tragbare neue Grenzen ausfindig zu machen, die dem Be: dürfnis beider Seiten, der deutschen und dertschechischen, gerecht würden; gleichsam zum Trost dafür wollte man ihr die formalt Garantie der Großmächte, auch Großbritanniens, für die Erhal- tung ihres Restbestandes als»neutrales« Staatsgebilde zusagen. Das bedeutete für Frankreich den Verzicht aufeinen Alliierten ir! Osten(der vor allem als Flugzeugstützpunkt im Kriege nützlich werden konnte), gleichzeitig einen schlecht verhüllten Bruch seiner vertraglichen Verpflichtungen; für England bedeutete& eine ebenso unerwünschte wie praktisch wertlose Bindung at kontinentale Händel. Und doch reichte auch dieses Opfer noch nicht aus, um Hitler‘ unersättlichen Machthunger zu stillen. Auf seiner Godesberget|&* Begegnung mit Chamberlain(22.-24. September) war ihm soga! das Prinzip der Selbstbestimmung, das Daladier so gefürchtet hatte, noch nicht genug. Was er jetzt forderte, lief darauf hinaus, daß der Staat Beneschs durch sofortige Auslieferung des gesamten Sudetenlandes an die deutsche Armee sich wehrlos machte, ehe ft die Verhandlungen über die endgültige Grenzziehung überhaup! begonnen hätten. Und die Ankündigung, spätestens am ı. Okte: ber werde der deutsche Angriff beginnen, wenn nicht bis dahin alles geregelt sei, setzte die Großmächte unter einen unerträglichen}\ Zeitdruck. Die Folge war ein ziemlich radikaler Stimmungs:|": umschlag in London, aber auch in Paris. Die öffentliche Meinung der westlichen Länder begann zu wittern, daß es hier einen däme:|* nischen Machtwillen gab, an dem jeder Versuch friedlicher Ver: ständigung über kurz oder lang doch einmal scheitern mußte, I Frankreich wurden 14 Divisionen mobilisiert und zur Sicherung} der Maginotlinie in Marsch gesetzt; Daladier erreichte eine eif: immig tabinet! ihwank leForc änes K dentall: ime Sit imberi üt übe: Tunsch tomiß Einen 7 Schech fLeiheit inge: dan sic] Uen,| erblün äichs, t Ma,d Earino &erlich Eutsch Eistänı Jeutsch sch-mälhr Iilfe die ‚nken bri‘ engen ut, yürde, Di | gegend ts« in& hm ausel vakei pri! inem zw .nzen nid sich aufd überlast n allenfıl ie demb en, gerel die forn : die Erb Je zusagt ‚iierten! ge nützlt Iten Bi edeutelt’ zindung it ‚um Hi| ‚odesbeit £ ihm sol Die Tschechenkrise 1938 203 simmige Ablehnung der Godesberger Forderung duzch sein Kabinett. Chamberlain, der sich in Godesberg wieder unsicher schwankend gezeigt hatte und den Henderson beständig drängte, | alle Forderungen Hitlers zu bewilligen, wurde durch die Mehrheit sines Kabinetts(einschließlich des Pazifisten Halifax!) zu einer ebenfalls ablehnenden Entscheidung gezwungen. Eine gemein- ame Sitzung britischer und französischer Minister am 25. Sep- tember in London verlief höchst dramatisch. Daladier widerstand mit überraschender Entschlossenheit dem deutlich erkennbaren Wunsch des britischen Premiers, auch diesmal irgendein Kom- ptomiß zu finden, das Hitler zufriedenstellen könnte. Er ließ keinen Zweifel daran, daß es jetzt nicht bloß um das Schicksal der Tschechoslowakei und die Ehre Frankreichs, sondern um die Freiheit Europas und die»Rettung der westlichen Zivilisation« ginge: irgendwo müsse es schließlich eine Grenze geben, an der mn sich weigere, dem Kommando des Diktators noch weiter zu folgen. Er ließ sich auch nicht einschüchtern durch die recht un- verblümt geäußerten Zweifel der Briten an der Fähigkeit Frank- tächs, militärisch einzugreifen. Chamberlain und Simon fürch- teten, die französische Armee würde sich bloß in den Kellern der Maginotlinie begraben. Daladier erklärte das für eine ebenso lä- cherliche Idee wie den Verzicht auf Luftangriffe. Der vielgerühmte dutsche Westwallseiin Wahrheitnoch längst nicht fertig; selbst- verständlich würde die französische Armee eine Invasion nach Deutschland unternehmen, ihre Luftflotte einen Angriff auf die heinischen Industriezentren ungeachtet der deutschen Luftüber- krenheit. Übrigens könne man bestimmt auch auf kräftige Unter- ützung durch die russische Luftflotte rechnen. Überhaupt warnte er vor allzu großer Schüchternheit der westlichen Politik ind rief seinen Generalissimus Gamelin aus Paris herbei, der sich iber die militärischen Aussichten Frankreichs im ganzen recht (ptimistisch äußerte; schließlich sei die Luftwaffe immer nur ein Teil des Kriegspotentials und nicht kriegsentscheidend.°® Das Ergebnis der Beratung war eine sehr fühlbare Versteifung ter britisch-französischen Haltung. Zwar richtete Chamberlain- nit Einverständnis Daladiers- noch einmal einen persönlichen Btief an Hitler, der diesen beschwor, nicht um einer bloßen Methodenfrage willen den Krieg über Europa heraufzubeschwö- ten, und der Englands Bereitschaft beteuerte, sich für eine saubere Durchführung der inPrag bereits angenommenen Vorschlägezur Abtretung des Sudetenlandes zu verbürgen. Aber der Brief ent- tielt zugleich einen vorsichtigen Hinweis auf die»tragischen Fol- I ea«, die eine etwaige Weigerung Hitlers haben müßte. Das 204 Zehntes Kapitel Wissen darum, daß die Mehrzahl der deutschen Generäle de Krieg ablehnte und daß viele Deutsche nicht begriffen, warum de Führer einen Krieg machen wollte, wo er doch auch ohne ihn allt nationalen Forderungen erfüllt haben konnte, dieses Bewußtsein hat ohne Zweifel die westlichen Staatsmänner ermutigen helfen.“ Die Spannung stieg aufs höchste, als Sir Horace Wilson, der Chamberlains Botschaft an Hitler persönlich überbrachte, ar Nachmittag des 26. bei diesem auf schroffste Ablehnung stiel, Der Führer bereitete sich gerade für jene kriegshetzerische Rede im Sportpalast vor, die allen, die sie damals im Rundfunk mit an- gehört haben, noch in schreckensvoller Erinnerung ist: mitihren hemmungslosen persönlichen Schmähungen seines Gegenspieler Benesch, die den Streit um das Sudetenland wie einen Boxkampf zweier Protagonisten auf der politischen Bühne erscheinen ließen. Nicht minder hemmungslos gab sich Hitler im Gespräch mit Wilson, dem friedseligsten aller britischen Unterhändler. Sicher- lich hatte noch nie zuvor ein britischer Diplomat eine solche Be- handlung erlebt. Rundheraus mußte er sich sagen lassen, der Eir- spruch Londons sei dem Diktator völlig gleichgültig; am 1. Ok- tober würde der Angriff auf die Tschechei beginnen, falls das Godesberger Ultimatum bis dahin nicht angenommen wäre. Det Zweck der Einschüchterung wurde denn auch vollkommen er- reicht: Wilson und der ihn begleitende Henderson wagten gar nicht, dem Rasenden eine zweite, inzwischen nachgeschickte Bot- schaft zu übergeben: die überaus wichtige Nachricht, das franzö- sische Kabinett habe soeben beschlossen, die Tschechoslowakei durch»offensive Maßnahmen« zu unterstützen, falls sie angegrif- fen würde; dies würde auch England in den Krieg hineinziehen. Gleichzeitig mit dieser Meldung, die am Nachmittag des 26. nach Berlin telefoniert wurde, ging eine Mitteilung von Lord Halifax an die Presse, die genau den Wünschen der deutschen Oppositiod entsprach: Chamberlain habe nun alles versucht, um eine fried- liche Lösung dertschechoslowakischen Frage zu finden; die Über- gabe des Sudetenlandes sei bereits von der französischen, briti- schen und tschechoslowakischen Regierung angenommen wor den. Wenn nun trotz aller dieser Bemühungen ein deutscher Ap- griff auf die Tschechoslowakei erfolgen sollte, so würde Frank- reich verpflichtet sein, ihr beizuspringen,»und Großbritannien und Rußland würden sicherlich auf Frankreichs Seite stehen«.”" Nichts ist interessanter, als die Wirkung dieser entscheidendei Nachrichten auf Hitler zu verfolgen. In seiner Sportpalastredt hatte er, trotz aller maßlosen Beschimpfungen Beneschs, ein! direkte Kriegserklärung noch eben vermieden. Er hatte(wit Tenders pchein ättags nmal I ‚eingev odFrie jurde] else n Astrukt tigkeit Picte s etholte oddaß Orreife Ersuch Esscl Ehenw asEis f Oftset Etzten| Wichte Llen? Rhört, est Eitspä “tan, f Lrmee Wöchste Stten] “tan k Mezyei W tklic Macht! sin] Einste: Misen Matt& ülnes j Wir Aider hehe äike j de Wilson, d! achte,# nung st rische Re unk mita t: mitihr genspicl ı Boskanfı inen lielt spräch N! Iler. Sicht » solcheB en, der B ‚am iı 0 f, falls& n wäre.)) j ommel 4) wagte$ ‚hickteB" £\ sehen, daß er am Nachmittag des 27.€ Die Tschechenkrise 1938 son durch Göring und Bodenschatz erfuhr) den Tschechen noch eine allerletzte Überlegungsfrist bis zum 28. September 2 Uhr | mittags gelassen. Als nun um die Mittagszeit des 27. Wilson noch einmal bei ihm erschien, um sich zu verabschieden, und dabei -tingewickelt in tausend Beteuerungen britischen Versöhnungs- und Friedenswillens— die letzte Botschaft aus London mitteilte, wırde Hitler plötzlich hellhörig. Wilson sprach vorsichtiger- weise nicht von»Offensivmaßnahmen« Frankreichs, wie seine Iıstruktion ihm vorschrieb, sondern nur von»aktiven Feind- sligkeiten«(actively engaged in hostilities)—, aber sein Partner würte sofort heraus, was das zu bedeuten hatte. Immerfort wie- derholte er:»Also, das bedeutet, daß Frankreich uns angreift, und daß England uns angreift? Wir wollen doch Frankreich nicht angreifen!« Erließ sich denn auch durch keine Beschwichtigungs- versuche des verängstigten Unterhändlers beirren.”! Es scheint mir nicht zweifelhaft(obgleich es bisher immer über- schen wurde), daß diese entscheidende Abschiedsaudienz Wilsons dis Eis gebrochen hat. Wie ein Tiger hat Hitler schonzum Sprung atgesetzt, um seine sichere Beute zu zerfleischen. Nur noch einen ltzten Seitenblick gleichsam wirft er auf die Haltung der West- michte: werden sie still sitzen oder werden sie ihm in den Rücken fllen? Bis dahin hat er auf keine Warnungen seiner Generäle hört. Daß sie recht hatten, wenn sie die Stärke dertschechischen Befestigungswerke weit höher einschätzten als er selbst, hat er itstspäter zugegeben, als er diese Werke kennenlernte.”*Indessen Iran, daß ein ernsthafter Großangriff der ganzen französischen Ärmee an dem erst halbfertigen Westwall, der nur von 5(bis höchstens 7) mangelhaft ausgebildeten und unzureichend bewaff- ıtten Divisionen besetzt werden konnte, nicht aufzuhalten war— Iran kann er trotz aller rhetorischen Tiraden keinen Augenblick zweifelt haben.?3 Jetzt erfährt er, daß die französische Armee wirklich marschieren wird. Gleichzeitig kommt aus London die Nachricht von den ersten Maßnahmen zur Mobilisation der briti- then Flotte, Soll er- so wird er sich jetzt gefragt haben- allen Ernstes einen zweiten Weltkrieg entfesseln, nur um das Staats- wesen Beneschs mit einem Schlag»zerschmettern« zu können, tatt es zunächst nur wehrlos zu machen, um den Rest der Beute iines Tages um so sicherer einzuheimsen? Wir haben kein schriftliches Zeugnis über das, was im Innern iner Seele in diesen entscheidenden Stunden vorging, aber wir inen inzwischen von Weiz- | Nicker entworfenen Antwortbrief an Cham berlain unterzeichnet h n Zeilen, eine ıt, der zum erstenmal, wenn auch nur zwischen de 206 Zehntes Kapitel gewisse Bereitschaft zum Einlenken erkennen ließ und erneut (wie schon in der Sportpalastrede) versicherte, er dächte nicht an die Besetzung der ganzen Tschechei; dafür sei er bereit, jede Ga- rantie zu geben.”* Weiterhin sehen wir, daß von jetzt an die viel- fältigen Bemühungen, die in letzter Minute von London, Paris und Rom aus unternommen wurden, um doch noch irgendeinen friedlichen Ausweg aus der Krise zu finden, nicht mehr auf gänz- lich taube Ohren stießen. Am Abend des 27. fand jener berühmte Umzug motorisierter Truppen durch die Straßen von Berlin statt, dessen Wirkung auf das Publikum den Diktator so schwer ent- täuschte, weiler nurallgemeine Niedergeschlagenheit statt Kriegs- begeisterung weckte. An demselben Abend hielt Chamberlain eine Rundfunkansprache, die in ihrem halb drohenden, halb be- schwörenden Pathos wie ein letzter Kassandraruf unmittelbar vor dem Losbruch des Krieges wirkte. Am nächsten Vormittag ver- trat der französische Botschafter Francois-Poncet in besonders geschickter und eindrucksvoller Weise denfranzösischen Wunsch nach einer friedlichen Beilegung des Konfliktes.”® Gegen Mittag erklärte sich Hitler einverstanden mit dem Vorschlag Mussolinis, den Moment, in dem die Mobilmachung ausgelöst werden sollte, um wenigstens 24 Stunden zu verschieben, und lud zu einer Kon- ferenz der vier großen Mächte(ohne Rußland) nach Münchenein. Der Friede war noch einmal gerettet. Niemand hatte diese jähe Wendung voraussehen können. Am wenigsten die Verschwörer um Halder und Witzleben, die durch ihre Verbindungsmänner im Auswärtigen Amt immer nur von neuen Verschärfungen der Lage hörten. Seit den wilden Aus- brüchen Hitlers in seiner ersten Unterredung mit Wilson und dann vollends seit der Sportpalastrede zweifelten sie nicht meht daran, daß die lange erwartete Explosion am 28. tatsächlich er- folgen würde. Die Spannung stieg von Stunde zu Stunde höher. Alles wartete nur noch auf das Stichwort des Mobilmachungs- befehls, um die vorbereitete Gegenaktion im richtigen Moment loszulassen.?® Am Mittwochvormittag(28.September) teilte Erich Kordtan Oster den Wortlaut des Briefwechsels von Chamberlain mit Hitler vom 26./27. mit. Dieser gab die Abschriften an Witz- leben weiter, der damit sofort zu Halder fuhr und einen neuen Zornesausbruch des Generals gegen Hitler erreichte, ja sogar, wie es scheint, jetzt Brauchitsch selber für die Verschwörung ge wann.?? Allerdings wollte dieser zunächst in der Reichskanzlei noch Näheres über den Stand der Dinge hören und fuhr hinüber. Dort herrschte große Aufregung und ein Getümmel hochgestell- ter Leute, besonders von Parteigrößen, die alle dieletzte Entschei- ingerv Drdt, d änes Li Altiegsge t die Re zrallge 1 öffnen fitzvoi erlin, c üurde 1 enselb ing Mu Etensie Er Spu Dtsch: tieden Bew Wir] Diet, w «kom Use «s Hit ach B Surdie % tps f ner A Die Tschechenkrise 1938 207 dung erwarteten. Witzlebens»Stoßtrupp« stand bereit, und Erich \Kordt, der im Auswärtigen Amt noch um 11 Uhr einen Anruf \ siines Londoner Bruders mit dringenden Warnungen vor der ‚Ktiegsgefahr erhielt, glaubte damit rechnen zu können, daß seine indie Reichskanzlei eilenden Freunde imstande sein würden, in ße Doppeltür hinter dem Posten nd erneu lon, Pati vendeit der allgemeinen Unruhe»die gro -aufgin\zuöffnen und so dem Stoßtrupp den Weg frei zu machen«. Graf berühnt Fitz von der Schulenburg, stellvertretender Polizeipräsident von Berlin, einer der leidenschaftlichsten unter den Verschwörern, wırde von ihm dringend zu sofortiger Aktion ermuntert. In demselben Augenblick kam ein Anruf aus Rom, der die Vermitt- amberlt lung Mussolinis einleitete. Frangois-Poncet und Henderson mel- ‚halb| deten sich gleichzeitig zur Audienz bei Hitler an. Kurz darauf war telbarıu der Spuk zu Ende: Legationsrat Brücklmeier und General Brau- nittag ve| clitsch meldeten aus der Reichskanzlei den Erfolg von Mussolinis hesondt| Fiiedensaktion. Der Putschplan war mit einem Schlage aussichts- ‚nWunst!| los geworden. yen Mitti Wir haben sein Werden und Scheitern hier so ausführlich ver- {ussoli folgt, weil dieser Anschlag der einzige war, der, wenn er zustande ielleicht einige Aussicht gehabt hätte, ohne densolt\ ı ggkommen wäre, vi ılzu schwere innere Kämpfe zum Erfolg, d. h. zum Niederbruch >iner Kot}| ‚nchene!| des Hitler-Regimentes zu führen und damit Deutschland, aber ‚ach Europa vor einem schrecklichen Schicksal zu bewahren. innen. AI| Nur dieses eine Mal hätte es gelingen können, das ganze Offizier- die dur! korps der Armee zu einer geschlossenen Aktion zu bringen— zu e nuc el| iiner Aktion für den Frieden, der niemand Verrat an der Sache Iden Au des Vaterlands vorwerfen konnte. Daß auch dieses Mal die Chan- Tilson wi| En des Gelingens äußerst gering waren— wer könnte es leugnen? nicht mel Tausend Zufälle konnten dazwischentreten(wie es immer bei sol- ächlich®! chen Generalputschen der Fall sein wird), und für die Sicherheit nde höhe Hitlers war technisch so vollkommen gesorgt, daß man sich nur nachunf| schwer vorstellen kann, wie er hätte überrumpelt werden sollen. „Mon! äber ist es gerecht, wenn man den Männern, die das scheinbar geile Bi dennoch möglich zu machen suchten— nur von grenzenloser Sorge für das Vaterland getrieben-, in einem Atem ber) i’ 0 u| vorwirft, daß sie das Abenteuerliche wagten und daß es ihnen an der Stütze durch eine en nel schtem revolutionärem Geist, wohl gar an ai Ri) gegenrevolutionäre Volksbewegung gefehlt habe? Sollten sie, 508°"x| veil diese Bewegung sich auf enge Zirkel beschränkte und sich Bi unter dem System des Terrors auch gar nicht ausbreiten konnte, ich: 1 4.|&tenlos die Hände in den Schoß legen? War es nicht schließlich hr bt|!| ein erstaunliches Zeichen echter sittlicher Verantwortungsfreu- igkeit, daß die Spitzen der Armee und leitenden Beamten des 23 208 Zehntes Kapitel“a Auswärtigen Dienstes ihre Verpflichtung für Volk und Vater land, ja für die Menschheit so hoch über ihre engere Dienstver- pflichtung stellten? Die Anerkennung sittlichen Wollens dart durch die äußeren Mißerfolge nicht verdunkelt werden- auch nicht im Bereich der Politik. Die neueste englische Schilderung der militärischen Opposition legt besonders großen Wert darauf, die britische und französische Regierung von dem Vorwurf zu entlasten, sie hätten durch ihre unzeitige und schwächliche Friedenspolitik den Erfolg eines aus: sichtsreichen Komplotts verhindert. Man wünscht so das Ent- stehen einer neuartigen»Dolchstoßlegende« im Keim zu erstik- ken.’8 Und in der Tat: auf eine so unsichere Chance wie auf einen deutschen Generalsputsch gegen Hitler ließ sich keine Außen- politik der Westmächte aufbauen. Sie mußten schon die Gefaht eines Krieges ganz ernsthaft ins Auge fassen. Aber war diese Ge- fahr wirklich so riesengroß, wie sie damals geglaubt haben? Hitler selbst war offenbar anderer Meinung und ebenso die ganze deut: sche Generalität. Opfer hätte es freilich gekostet, und gewiß nich! geringe. Aber was man 1938 an Kosten zu sparen suchte(und zwar höchst einseitig zu Lasten des Tschechenstaates), mußte man später mit schweren Zinsen nachzahlen. Und man hat nicht nus das politische Prestige, sondern jedes politische Vertrauen auf die westlichen Demokratien im böhmisch-tschechischen Raum ver- spielt— für immer. Das wirkt sich bis heute verhängnisvoll aus. Uns Deutschen steht es gewiß nicht an, den Staatsmännern der Westmächte darüber Vorwürfe zu machen, daß sie unserer Re- gierung 1938 nicht den Krieg erklärt haben. Aber es gibt auch eine Verantwortung vor der Geschichte. Daß ein echter Friede auf dem Weg, den man in London und Paris 1938 betrat, nicht gesichert werden konnte, hat zumindest Daladier ganz genau gewußt. Es lag nicht an ihm, sondern an der Kriegsfurcht seines Landes, daß er seine Einsicht nicht in die Tat umsetzen konnte, sondern sich schließlich mit dem rein formalen Erfolg einer euro- päischen Konferenz zur Lösung der Tschechenkrise begnügte. Schließlich war es wohl so, daß die Staatsmänner der westlichen Demokratien das äußerste Maß von Friedensmöglichkeiten er- schöpfen mußten, ehe sie ihre Völker zur Kriegsbereitschaft brin- gen konnten. Man kann das als einen Vorzug, als Freiheit von »militaristischer« Gesinnung betrachten. Weraber heute die diplo- matischen Korrespondenzen der Henderson, Halifax, Bonnet auf dem Höhepunkt der Tschechenkrise liest, und wer etwa sieht, wie sie gleich nach dem mutigen Entschluß vom 25. September, noch ehe Hitlers Einlenken erkennbar wurde, diesen Entschluß wieder as War aßdies Tielleic {tion n Uiftes} 1938-1 Sarl Ge lebt, Ichwei Ichen Phasen Altsic Inge Au dem nem] Freund Dreifli Yen, yl Icutsc) ben, Shltun Kltsin Icchn Sau Kt We &fihr Die Tschechenkrise 1938 Tatı‘..-. und Vatl) ins Wanken zu bringen suchten, der gewinnt nicht den Eindruck, daß diese Männer ihrer geschichtlichen Aufgabe gewachsen waren. Vielleicht waren es auch die Männer der deutschen Militäroppo- dtion nicht. Aber ein gerechtes Urteil darf niemals einseitig sein. Oppositit ranzösich| Elftes Kapitel: Vom Münchner Abkommen bis zum Polenkrieg ‚durch|(1938-1939) g einesaul| 0 das Ei ‚ Qarl Goerdeler hat die T'schechenktise nur vom Ausland her mit- nzueül| elebt, da er sich von August bis Mitte Oktober 1938 in der je aufeint\ Schweiz aufhielt, und zwar(wie es scheint) aus Sorge vor polizei- ine Aulk!| lichen Verfolgungen.! Seine Stellungnahme zu den einzelnen die Gel| Phasen der Tschechenkrise und zu den Berliner Umsturzplänen ‚rdiese@| ßt sich im einzelnen- bis auf jene Warnungen, die er nach Lon- ben?Hit!| don gelangen ließ— nicht mehr erkennen.? Wohl aber hat er sich ganze del ‚ zı dem abschließenden Abkommen von München geäußert: in gewiß ll!| nem Brief, den eram 11. Oktober an einen seiner amerikanischen nchte(| Rreunde schrieb. Er läßt die tiefe Enttäuschung, ja fast Ver- mußten!| zweiflung des Patrioten über den neuen Triumph Hitlers erken- nicht"| nen.»Eine ausgezeichnete Gelegenheit ist verpaßt worden. Das uenaufd| deutsche Volk wollte keinen Krieg; die Armee würde alles getan Raumt@| haben, ihn zu vermeiden... Wenn England eine entschlossene nisvolla®/| Haltung gezeigt und öffentlich dem deutschen Volk erklärt hätte: ännern®| wir sind bereit, alle eure begründeten Ansprüche zu befriedigen, unserer"| doch nicht unter dem Druck der Gewalt, und nur, wenn alle Fra- s gibt ae) gen auf einmal in aller Offenheit und mit der festen Absicht erör- hter Fi®|| wrt werden, einen gesicherten Dauerfrieden herzustellen und die trat, d®|| gefährlichen Lasten der Au früstung zu beseitigen, wenn England anz ge’| Und Frankreich nur das Risiko eines Krieges auf sich genommen archt sel? hitten, Hitler würde nie Gewalt angewendet haben. Und dann jen kont'|| Wäre er der Blamierte gewesen, und nicht, wie es jetzt der Fall ist, einer eu! die guten Elemente meines Volkes. Es wäre das Ende Hitlers , hegnült|| gewesen.« er Man sieht: den Kern der Berliner Aufstandspläne, den Militär- putsch unmittelbar nach Beginn der Feindseligkeiten und der schaftbe" Kriegserklärung der Westmächte, wagt der Briefschreiber nicht «|| einmal anzudeuten- vermutlich aus Gründen der Vorsicht.(Oder reihelt ar. ‚Sollte er nichts davon erfahren haben?) Was er der britisch-franzö- : onnet? ischen Politik vorwirft, ist vor allem die Methode des Zurück- ich vWeichens vor Hitlers Gewaltdrohungen und das Fehlen eines ı ur„0| eigenen konstruktiven Friedensplanes.(Beides hat er in seinen Mill Aufzeichnungen von 1945 als»furchtbaren Fehler« bezeichnet.) 210 Elftes Kapitel »Chamberlain hat alle Stellungen aufgegeben, ohne auch nur das geringste Zugeständnis von Hitler zu erhalten.«»Das Münchnet Abkommen war nichts anderes als eine glatte Kapitulation Frank- reichs und Englands vor aufgeblasenen Gaukelspielern.«»Frank- reich hat in Europa jede Achtung verloren. Englands Ruf hat schwer gelitten; ernste Auswirkungen werden sich bald in seinem Empire zeigen. Mussolini und Hitler haben nicht mehr den ge- ringsten Respekt vor Frankreich und England.«»Schritt für Ih: Schritt werden sie nun weiter vorgehen«, auch in der Richtung Je: auf das französische und britische Kolonialreich. Hitlers Propa-|b: ganda wird nun die ganze Welt erfüllen. I. Ris macht ite Fre 1) sie bkunfi aoen.« Die R »Das Ende der Leidenszeit des deutschen Volkes... ist weit le: hinausgeschoben worden.« Ein tiefer Zwiespalt zwischen vater-[&: ländischem und seelischem Empfinden wird in der Seele des Pa-|} trioten offenbar.»Eigentlich könnte ich nun sagen: Immerhin|} vergrößert diese Entwicklung die Macht und den Lebensraum|c meines Landes. Als Deutscher sollte ich an sich sehr zufrieden sein. Ich weiß jedoch, daß diese Diktatoren nichts als Verbrechet sind und daß ihre Wirtschaftspolitik zum Bolschewismus führt,|i der Hitlerismus ist Gift für die deutsche Seele. Hitler ist entschloss|ster sen, das Christentum zu zerstören... Nicht Gerechtigkeit, Ver:| nunft und Anstand, sondern brutale Gewalt werden die Zukunft der Welt formen.« Goerdelers Brief, aus einem gewissen äußeren Abstand zu den]ı deutschen Dingen geschrieben, ist nicht frei von Illusionen und Übertreibungen. Er überschätzt bei weitem die praktischen Mög- Jar lichkeiten eines Umsturzes vor dem Ereignis von München und malt sich allzu optimistisch aus, wie eine neue»Regierung anstän- diger Männer«»in wenigen Wochen« damit hätte beginnen kön-| nen, zusammen mit England und Frankreich»einen dauerhaften Weltfrieden zu gestalten«, Mussolini zu beseitigen, das spanische /&;; Problem zu lösen und gemeinsam mit Amerika auch im Fernen im, Osten Frieden zu schaffen. Er wagt die seltsame Vermutung, viel: leicht wären Chamberlain»und seine Adelsclique« selbst von un faschistischen Gedankengängen angekränkelt und darauf be-| dacht,»das kapitalistische Parteisystem« mit Hilfe des National-|x sozialismus vor dem Bolschewismus zu retten. Er scheint jetzt|} aber auch zu sehen(anders als im Frühjahr 1938 in seiner Aus:|d sprache mit Vansittart), daß den Sudetendeutschen mitihrer Auf- nahme in das tyrannisch regierte Reich nicht geholfen ist und daß die Tschechen jetzt schon um ihre Freiheit gebracht sind. Und geradezu prophetisch ist sein Schlußurteil über Chamberlains Politik der Befriedung:»Indem Mr. Chamberlain vor einem kleit# | ! Vom Münchner Abkommen bis zum Polenkrieg 211 ıchnurdsnen Risiko zurückscheute, hat er einen Krieg unvermeidbar Münchn gemacht. Das englische wie das französische Volk werden nun tionFranl- ihre Freiheit mit den Waffen zu verteidigen haben, es sei denn, 1. oFranl- dB sie ein Sklavendasein vorziehen. Doch sie werden in der ds Rufit ükunft unter weit schwierigeren Bedingungen zu kämpfen dinsseinen haben.«* hr deng-"Die Reaktion des deutschen Volkes auf das Ereignis von Mün- Schritt ft dien hat Goerdelers Brief sicherlich nicht zutreffend geschildert, + Richtue venn er schlechthin von»Verzweiflung« in Volk und Armee Jers Pop iber Hitlers Schreckensregiment sprach und damit die Stimmung sines engeren Freundeskreises verallgemeinerte. Er übersah(von istwet dee Schweiz aus) das tiefe Aufatmen, mit dem die Ausschaltung chen vate- der unmittelbaren Kriegsgefahr zunächst in Deutschland wie in ‚ele desP- aller Welt begrüßt wurde. Jedermann bestaunte das politische -Immerhit Geschick des großen Abenteurers und sein geradezu unwahr- ‚ebensrauft stheinliches Glück im Ausspielen militärischer Trümpfe. Aber cr zufriedea ak der große Friedensmacher wurde doch ganz allgemein nicht Verbrech!&, sondern Chamberlain bejubelt. Der Glaube an Hitlers poli- mus führ, tsches Genie war, wo er schon bestand, erneut gefestigt, ja noch tentschlo gtstiegen. Aber die Furcht vor seinen Kriegsplänen blieb unver- igkeit, Vet mindert bestehen.° Und wenige Wochen nach München hater lie Zukuri#lbst sein moralisches Ansehen tiefer geschädigt als je zuvor: durch die abscheuliche Judenverfolgung des November 1938, die tand zu dei ach in weiten Kreisen seiner Anhänger tiefes Entsetzen weckte. ‚sionen ut. Es ist sicher nicht zuviel gesagt, wenn man feststellt, daß die Un- schen Mör.' ten der»Kristallnacht« des 9. November und noch mehr die änchen ul dhrauf folgende systematische Beraubung und Mißhandlung der ung anstit“ gesamten Judenschaft weiten Kreisen des deutschen Bürgertums yinnen köt- die Augen dafür geöffnet haben, daß ihre»gesetzliche« Obrigkeit dauerhafte 10 Wahrheit in der Hand von Verbrechern lag. In kirchlichen 15 spanisc Kreisen begann jetzt eine grundsätzliche Besinnung auf die Gren- im Ferne@n christlicher Gehorsamspflicht gegenüber einer Obrigkeit, die 1 eırch grobe Mißachtung des göttlichen Sittengebotes sich selbst M utung,':: 3 A ‚.. Außerhalb jeder Rechtsordnung stellt, die also zur bloßen»Räu- darauf B' berbande« wird: eine Besinnung, die in der Geschichte des deut- Natios) schen Protestantismus ohne jeden vergleichbaren Vorgang war.® es .“ Aber weit darüber hinaus reichten Scham und Erbitterung gerade „. der eifrigsten Patrioten: so weit war es also gekommen, daß wir j. uns des deutschen Namens, den wir liebten und auf den wir stolz , Varen, vor der Weltzu schämen hatten! Niemand, der diese dunk- ;0d, UNE In Novemberwochen nicht als Deutscher miterlebt hat, kann die ts”. Tiefe der Empörung und der ohnmächtigen Verzweiflung ganz kei Stmessen, die sie in unzähligen deutschen Herzen weckten. Von 212 Elftes Kapitel jetzt an gab es auch für viele Schwankende keine Möglichkeit der Jesin Versöhnung mit dem Gewaltregiment mehr. Ämmern Es ist selbstverständlich, daß Goerdeler in diesen Empfindun-|): Hitl: gen mitallen seinen deutschen Freunden übereinstimmte. Stärker Ja: Gör indessen als andere drängte er sofort wieder zu politischer Akti- Innitte vität. Während in Deutschland nach dem dramatischen Ereignis|IAdr. von München eine gewisse Abspannung und Verwirrung sich Jnfass zeigte und die meisten Mitglieder der Opposition zunächst keinen Weg des Vorwärtskommens mehr sahen, hat er, vom Ausland| Surk her, sofort wieder tausend Fäden zu spinnen versucht, die Hitlers|hiz. Eroberungspolitik in ein Netz verstricken sollten- dünne Zwirns- niit ih fäden, wie sich noch zeigen wird, mehr Phantasiegebilde als Wirk- Imote S lichkeit, aber auch als solche ein Zeichen seiner rastlos tätigen Kulturp Energie und seines unverwüstlichen Glaubens an den Sieg des|fxsei Guten in der Welt. Snnde Im einzelnen ist es schwierig, ja fast unmöglich, das Werden|Einnr. seiner politischen Pläne zwischen der Tschechenkrise und dem Järjhn Ausbruch des Polenkrieges zusammenhängend zu verfolgen, weil[3 7 sie während einer höchst unruhvollen, durch viele Monate fort- ihre % gesetzten Reisetätigkeit ausgeheckt und betrieben wurden und Jändie daher nur lückenhaft überliefert sind. Wir wenden uns zunächst Mill, diesen Reisen selber zu, um darnach die politische Korrespondenz|B;Jr} und die für englische Freunde bestimmten Denkschriften aus Into; E jener Zeit zu betrachten. Offenbar haben wir es mit einer doppel-|ih. % ten Aktivität unseres Politikers zu tun: durch seine Reiseberichte|, £' sucht er, auf dem Wege über Göring, direkt auf die Außenpolitik| 7}, 4 "2 des Dritten Reiches einzuwirken; gleichzeitig aber bemüht er Ip]. sich, durch seine ausländischen Freunde die Aktivität der frem- Jh, den, besonders der westlichen Regierungen anzustacheln. Mau, Von Mitte Oktober bis Anfang Dezember 1938 reiste Goet-|l}z;., deler nach Italien und den Balkanstaaten, von März bis August|j bet 1939 nach den westeuropäischen Hauptstädten, nach Nordafrika, 7 ae Vorderasien und der Türkei, auf dem Hin- und Rückweg in die ; Schweiz. Der Zweck so ausgedehnter Fahrten kann nicht aus- \ schließlich politischer Art gewesen sein. Offenbar sprach auch lt > ganz einfach die Freude am Erleben immer neuer Eindrücke gg fremder Landschaften und Lebensverhältnisse mit. Eben deshalb hohl N: ließ er sich auch auf der letzten seiner großen Reisen nach Afrika a und dem Vorderen Orient von seinem ältesten Sohn Christian i begleiten. Seine sorgfältig ausgearbeiteten Reiseberichte? sind Hülle a allerdings in der Hauptsache wieder politischer Natur. Ihre Fas- Dee sung läßt deutlich erkennen, daß sie nicht bloß für den engeren kit, Freundeskreis, sondern auch für die Machthaber der Staatspartei hl Vom Münchner Abkommen bis zum Polenkrieg 213 itdel] stimmt sind. Am Wirken dieser Partei wird fortlaufend, aber inmer nur indirekt und in vorsichtigen Wendungen Kritik geübt. Da Hitler selbst als Empfänger seit Mai 1938 ausschied, ist offen- |!| br Göring, auf dessen Friedensliebe die Opposition ja noch bis scher Akt) unmittelbar vor dem Kriegsausbruch gewisse Hoffnungen setzte, .n Ereign‘| als Adressat gemeint. Wir beschränken uns hier auf eine Zusam- rung sit) menfassung der wichtigsten politischen Grundgedanken. chst keint m Auskt', Starke Sympathien weckt unserem Reisenden die Struktur der die Hile| Sıhweizer Demokratie: ihr föderaler Charakter, die starke Akti- neZwin'\ wität ihrer kommunalen und kantonalen Selbstverwaltung, die jeals Wit!) große Stabilität der Regierungsorgane, die reiche, ja»luxuriöse« Jos tätige,) Rulturpflege des Landes, die gesunde, bürgerliche Nüchternheit .n Sieg di| des geistigen Lebens, schließlich und nicht zuletzt der wehrhafte Sinn des Schweizer Volkes. Kritischer urteilt er über die neuere as Werde| Einanz- und Wirtschattspolitik der Schweizer Bundesregierung, e und de) de ihm zuviel Planwirtschaft treibt und dadurch nur Störungen olgen, W des natürlichen Wirtschaftsablaufs herbeiführt. Das politisch onatet!) Wichtigste Ergebnis seiner Betrachtungen ist die Versicherung, urden ut.| daß die Schweizer fest entschlossen und dank ihrer vortrefflichen \s zunädh|| Miliz auch imstande sind, ihre äußere Unabhängigkeit gegen jede gespondet! Bedrohung zu verteidigen; politische Binmischung(im Stile der hriften a tationalsozialistischen Auslandspropaganda) ist völlig aussichts- ner dopp los; die deutsche Politik täte gut daran, mehr Verständnis für die it Eigenart und den Wert dieser Demokratie zu zeigen. ‚ßenpol® Ebenso gründlich wie kritisch ist der Bericht über Italien aus- bemüht® gefallen. Die äußerlich imponierenden Leistungen der faschisti- t.dex frei schen Verwaltung, besonders im Verkehrwesen, die staatlichen | Monumentalbauten, die reiche Ausstattung der Schulen, die neue isebenicl! a(ei: Besiedlung der Campagna- das alles wird nicht übersehen. Aber his Außliin genauer Betrachtung erscheint es doch als bloße»Fassade«. Tordabeß Den Zentralismus der italienischen Verwaltung findet der Beob- wegip® schter übertrieben, die Wirtschaft durch eine Unzahl schlecht nicht organisierter Steuern stark überlastet, die Finanzlage kläglich vach ad| trotz weit getriebener Kollektivierung des Vermögensbesitzes, Eindeil® die schon als eine Art von Staatssozialismus anzusprechen ist. So- {| wohl die finanzielle Schwäche des faschistischen Staates wie die tatürliche Schwäche der italienischen Wirtschaft und nicht zuletzt die militärische Untüchtigkeit der Nation lassen die anspruchs- volle Außenpolitik Mussolinis als reines Abenteuer erscheinen. Der Berichterstatter glaubt, daß die Monarchie und die Armee- liitung sich dessen auch klar bewußt seien, ja daß es Mussolini ne\ selbst nicht ganz an realpolitischer Einsicht fehle. Aber der blinde 214 Elftes Kapitel! und radikale Nationalismus seiner vielfach recht jugendlich-un- reifen Anhänger treibt seine Politik in ein gefährliches Fahrwas- ser, in dem sie notwendig eines Tages stranden muß. Als Verbün- deter ist das faschistische Italien für Deutschland ziemlich wert- los, ja gefährlich. Von den Balkanstaaten, die unser Reisender besuchte, hat er nur in Bulgarien überwiegend günstige Eindrücke gesammelt: das (nach seiner Meinung) unverdorbene Bauernvolk mit der schlich- ten Natürlichkeit seiner Lebensformen weckt seine Sympathien, die überwiegend deutschfreundliche Stimmung des Landes seint Hoffnung auf echte Bundesgenossenschaft. Das Regierungs- system einer parlamentarisch gemilderten, aufgeklärten Diktatur, die autoritär ist, ohne tyrannisch zu sein, scheint ihm vernünftig, die allmähliche, nicht überstürzte Industrialisierung im ganzen erfolgreich. Im Gegensatz dazu tadelt er die Großmannssucht, die vorschnelle Industrialisierungspolitik und das Staatswirtschafts- system der jugoslawischen Regierung, benutzt aber den Bericht übet die serbisch-kroatische Wirtschaft vor allem dazu, um sich sehr kritisch über das von Schacht ins Leben gerufene System des staatlich gelenkten deutsch-jugoslawischen Güteraustausches zu äußern. Es war als Notmaßnahme zur Behebung der Folgen un- seres Devisenmangels vielleicht notwendig, hat sich aber längst zu einer Ausbeutung deutscher Wirtschafts- und Finanzkraft ent- wickelt: diejugoslawische Regierung benutztihre Unentbehrlich- keit als Lieferant jugoslawischer Landesprodukte zu einer gewal- tigen Überteuerung der Exportpreise, und zwar zugunsten der Staatskasse, nicht etwa der Bauern. Sie bautsoin Wirklichkeit mit deutschen Geldern eine Konkurrenzindustrie auf. Wir aber er- kaufen mit diesen Überpreisen weder einen gesicherten Absatz- markt für den eigenen Export noch die politische Freundschaft des Landes. Wir sollten also möglichst bald von der staatlichen Devisenbewirtschaftung und dem Schachtschen System des zwei- seitigen Handelsabkommens wieder loszukommen suchen— was freilich eine Rückkehr Deutschlands zu ausgeglichenem Staats- haushalt und strenger Sparsamkeit voraussetzt. Jugoslawien kant sich auf die Dauer gar nicht einseitig an die deutsche Wirtschaft binden; um so größere Chancen bietet es uns als Absatzmarkt und Lieferant im Rahmen eines wieder frei gewordenen Weltwirt- schaftsverkehrs.(Das alles ist deutlich für Göring geschrieben, den Manager des Vierjahresplanes und der Devisenbewirtschaf- tung.) Eine längere Betrachtung widmet Goerdeler den Nationalitä- tenproblemen: den serbisch-kroatischen Spannungen, dem auf enBall och der ich, dal Rt jugt Polkstu Dreanis: lin ku: endlich.u s Fahrwz- ‚ls Verbit- nlich wer. >, haterni mmelt: di der schlicı ympathie andes sei Legierung n Diktatu vernünfti im ganzt nssucht,&) wirtschaft‘| m sich sth! System& tausches2| Folgen\! ‚er längst? yzkraft et| ‚otbehelih inet gen! yunsten& Jichkeitt! ir abet ten Abit veundsch!| staatlic e m.deszrt ‚chen=". Vom Münchner Abkommen bis zum Polenkrieg 215 dtm Balkan allgemein verbreiteten Haß gegen die Magyaren, aber ach der Lage der deutschen Siedler in Jugoslawien. Es versteht ich, daß er scharfe Kritik an dem bürokratischen Zentralismus ir jugoslawischen Verwaltung, aber auch an der verfehlten Volkstumspolitik des Nationalsozialismus und seiner Auslands- otganisationen übt. Dem blinden Nationalismus, der sich in alle- im kundtut, stellt er bewundernd die Mäßigung und Weisheit x genüber, mit der die Briten ihr Commonwealth zu regieren ver- t-hen. Die deutsche Politik sollte sich das zum Muster nehmen; jesollte ja nicht etwa versuchen, die Autonomiebestrebungen der Kroaten(die ihr an sich nur willkommen sein können) zu einer haltung des jugoslawischen Staates zu benutzen. Echtes Ver- tauen zu gewinnen, darauf kommt es auch auf dem Balkan an! Der Verwaltung der alten Donaumonarchie wird nachgerühmt, hBß sie durch ihr System des»Gehenlassens« und der»System- Ksigkeit« ihren Völkern ein viel wohnlicheres Heim geboten hitte, als irgendein planmäßig zentralisiertes Staatswesen je ihnen beten könnte.»Die Zukunftslösung für den Balkan liegt ganz dTenbar in einer Selbstverwaltung, die nach Nationalitäten abge- trenzt ist, und gleichzeitig in der organischen staatlichen Zusam- henfassung, soweit diese Nationalitäten wirtschaftliche Interes- sen lebendig als gemeinsam empfinden«- also in der Schaffung iiner Art von Balkan-Commonwealth. Das Nationalitätenproblem steht auch im Mittelpunkt des Be- tichtes über Rumänien, der aber eine noch viel weiter greifende Lösung dafür sucht. Die Verfassung und Verwaltung dieses Lan- des, seine wirtschaftlichen Zustände und Entwicklungsmöglich- keiten, seine scharfen sozialen Spannungen und seine militärische Leistungsfähigkeit werden sehr kritisch beleuchtet; trotzdem warnt der Verfasser dringend davor, auf die faschistisch-revolu- tlonäre»eiserne Garde« irgendwelche Hoffnung für Deutschland zu setzen. Sie wird letztlich immer nationalistisch, also keine zu- yerlässige Stütze deutscher Einflüsse sein; übrigens hält es der Berichterstatter eben jetzt, im Augenblick der Erschießung Co- dreanus, für sehr wahrscheinlich, daß die bürgerlich-liberale Po- |tik König Carols sich noch lange behaupten wird. Was ihn am meisten bewegt, ist die Lage des Deutschtums in Rumänien, die turch die nationalsozialistischeVolkstumspolitik nur noch schwie- \ iger wird. Im Gegensatz zu ihr entwickelt er eigene Vorschläge, in denen zum erstenmal(soviel ich sehe) ein Gedanke auftaucht, der von nun an immer neu variiert werden wird: die Idee eines turopäischen Staatenbundes. Wie kann man die Lage der nationalen Minderheiten in Europa 216 Elftes Kapitel verbessern, wie insbesondere die der abgesprengten Teile deut- schen Volkstums in den Balkanländern? Ganz gewiß nicht durch Weckung und Steigerung ihres politischen Ehrgeizes und Gel. tungsdranges, wie es die nationalsozialistische Bewegung ver: sucht; also nicht durch Übertragung deutscher Ideologien ins Ausland, wo sie sich doch nicht allgemein durchsetzen können, sondern nur schärfstes Mißtrauen wecken. Es kommt vielmeht daraufan, die nationalen Gegensätze in Europa ganz allgemein zu mildern; nur wenn das gelingt, wäre auch die weitgehende Auto- nomie nauionaler Minderheiten kein ernstes Problem mehr. Als idealste Lösung erscheint ein europäischer Staatenbund, den Goerdeler als»Fernziel« mit Wärme verficht. Hat es denn heutx überhaupt noch einen Sinn, meint er, daß die Völker des alten Europa einander bekämpfen? Ist nicht, zumindest westlich der Weichsel, der Raum vielzueng g geworden für ihre Streitigkeiten? In so engem Raum kann ein moderner Großkrieg mit Millionen- heeren sich ja gar nicht mehr recht entfalten; er kann nur noch als Totalkrieg, d.h. mit politisch sinnlosen Opfern durchgeführt werden. Vollends sinnlos ist hier ein Kampf um»Gewinnung neuen Lebensraumes«, da es schwach besiedelte Lebensräume hier gar nicht mehr gibt. Es sind jetzt nur noch wenige, relativ unbedeutende Grenzveränderungen, die das Europa von Ver- sailles braucht: die Beseitigung des Polnischen Korridors, der Deutschland zerschneidet, die Abtretung der südlichen Dobru- dschaan Bulgarien, um Rumänien von Spannungen an seiner Süd- front zu entlasten und ihm dadurch die Behauptung Bessarabiens zu erleichtern, die Verschiebung der bulgarischen Südgrenze bis an die Ägäis und gewisse Grenzberichtigungen in Mazedonien; die Angliederung Tirols bis einschließlich Bozen an Deutschland. »Ethnographisch kommt auch das Elsaß in Betracht, aber hier könnte ich mir auch eine friedliche Entwicklung als die fruchtbare denken«— nämlich eine Entgiftung des Problems durch einen europäischen Staatenbund. Dessen ständiges Organ hätte die Wirtschaft aller beteiligten Länder immer besser aufeinander ab- zustimmen; das würde weiter zu einer Rechtsangleichung und. schließlich zum politischen Schutz- und Trutz-Bündnis nach außen führen können. Man sieht aus alledem deutlich, wie die nationalsozialistische Übersteigerung nationaler Machtpolitik den ehemaligen Deutsch- nationalen in kräftiger Reaktion aufden Weg einer neuen Europa- politik drängt- freilich nicht bis zur Preisgabe deutscher Revi- sionsansprüche gegenüber den Grenzen von Versailles. Fürus en höc Rrdafr «hin v Das\ Erkehr‘ Densov Dnralise Manu obest aafden Ubkrie sche, Ollossı Ging E Merpte tıstha Froßen aliby Ailktzt Ütbeit- Üttige Die Unser N alu un ih] tyra Ih ib: Ürifte us] Zen m "One ol Dei ehrie Ühpen Meyen 0 v Icht I tn Ihe til &khrh I :ologien It zen könnt nt vielmel: Ilgemeinz ende Aut n mehr, A: abund, de! denn heut! er des alt westlich€) eitigkeitet| t Million nur noch? urchgefü‘ Gewinnut! ebensräuß nige, re 1 rridors,€ hen Dobt:! seinersi| ® dgren fazedon! \eutschlit® t, abet e efruchtb! Jucch EI pn hätte 2 inandet n| ‚chung U er d nis nal gast" en Date ‚on Bu Vom Münchner Abkommen bis zum Polenkrieg j Für unser Thema weniger bedeutsam sind die- als Schilderun- en höchst interessanten und lebendigen— Reiseberichte aus Nordafrika und dem Vorderen Orient. Ihr politischer Ertrag läßt sich in wenige Sätze zusammendrängen. Das Wichtigste ist die im ganzen Mittelmeerraum immer wie- deckehrende Beobachtung, daß Italien in allen Moslemstaaten densoviel Haß wie Verachtung erntet, während Großbritanniens moralische Autorität immer noch sehr stark ist. Sogar die starken Spannungen, die in Algerien zwischen Franzosen und Eingebore- nen bestehen, werden zur Zeit von der Gemeinsamkeit des Hasses ufden Faschismus übertönt. Die französische Herrschaft gilt den Algeriern immer noch als leichter und freiheitlicher als die faschi- sische. Auch Ägypten ist zur Verteidigung gegen Italien ent- schlossen. Dieses an sich ärmliche Land® hat sich unter Mitwir- kung Englands sehr stark gegen Libyen gedeckt. Weder gegen Ärypten noch gegen Tunis bestehen für Italien im Kriegsfall eusthafte militärische Erfolgsaussichten; denn zu einem Krieg zoßen Stils ist es gar nicht fähig. Seine kolonialen Leistungen in Libyen sind zwar auf den ersten Blick sehr eindrucksvoll, aber nletzt doch unwirtschaftlich, mehr Luxus als echte Aufbau- ubeit- eine Beobachtung, die zu neuen Warnungen vor leicht- ktrtiger Finanzwirtschaft Anlaß gibt. Die scharfen Spannungen zwischen Juden und Arabern, die inser Reisender in Palästina beobachtet, veranlassen ihn zu einer Warnung vor der falschen Hoffnung, arabische Sympathien könn- tn uns irgend etwas nützen im Kampf gegen das Britische Welt- ich. In der Krise werden Araber das kluge, wohlwollende Pro- ktorat der Briten einer italienischen Herrschaft weit vorziehen. Im übrigen täten wir gut daran, den Judenstaat in Palästina nach Kräften zu fördern; sein Gedeihen liegt sicherlich im Interesse äines Landes, das wie Deutschland die Juden vertreibt und froh sein muß, wenn sie in ihrer alten Heimat wieder unterkommen können. Auch in Syrien wird im Konfliktsfall für die deutsche Politik keine Stütze zu finden sein. Der letzte der Reiseberichte ist im Juli 1939 in der Türkei ge- schrieben- wohl nicht ohne Beratung durch den Botschafter von Papen. Man spürt ihm die steigende Sorge vor dem nahenden neuen Weltkrieg an.»Zur Türkei«, meint der Autor,»wird es licht schwer sein, ein freundschaftliches Verhältnis zu finden, wenn nicht in Europa der Wahnsinn die Oberhand behält.« Im- _ perialistische Neigungen der türkischen Volkspartei seien nicht ‚schef A 5, Schr bedeutsam. Die freundschaftliche Verbindung mit Deutsch- | lind seit vielen Jahrzehnten wirkt nach, freilich mischt sich all- 218 Elftes Kapitel V mählich ein gewisses Mißtrauen gegen den Nationalsozialismus con heut mit ein. Von nationalsozialistischen und faschistischen Ideen will Initschaft- man nichts wissen. Der Diktator Kemal starb gerade im rechten nid; den Augenblick, und sein Nachfolger, der weit liberalere Inönü, ge:|. nießt allgemeines Vertrauen. Die enge Verbindung Deutschland; mit Italien wirkt sich auf türkischem Boden sehr störend aus;|l} denn auch hier gilt Italien als der»Aasgeier«, dessen Raubgie:|\, alle Welt fürchtet. 5 Goerdeler hat seinen Reiseberichten aus Südeuropa im Dezemt-|\, Itätisch ahltung de sGoerd nlleZukı iger Fr fwierig] ber 1938 eine zusammenfassende Schlußbetrachtung nachgesandt, ihr kön die er in seinem Bericht über Algerien und Frankreich(vom'y 17. Aptil 1939) noch ergänzt. Er erklärt sich die weitgehende Be-|}; elle in d von zu| reitschaft der britischen Regierung zur Verständigung mit dem lung n »Achsenmächten« wesentlich aus dem Bedürfnis, Europa zu be- frieden und freie Hand für ihre Ostasienpolitik zu gewinnen, d.h.| für die Offenhaltung der fernöstlichen Märkte im Kampf mi:|n Hat Go, zaubert ichen zu Japan. Die Offensive der Japaner auf dem ostasiatischen Festland|H.Hle,. bedeutet im Grunde für die Wirtschaft ganz Europas eine Gefahr; rk ,- aber die Fortdauer der europäischen Spannungen hindert die|n, Briten daran, ihr wirksam(in Gemeinschaft mit Amerika) ent-| gegenzutreten. Auch ihre Bemühungen um eine dauerhafte Ver- iu ständigung mit Italien scheinen erfolglos zu bleiben, obgleich Am ye Ächste Pg sinne Mussolini im Interesse seines Landes gut daran täte, alle ehr- geizigen imperialistischen Machtträume fahren zu lassen. So seheit sich die Briten genötigt, ihre Aufrüstung zu beschleunigen, und auch Frankreich istauf dem Wege, seine innere Schwäche zu über- winden. Auf die Dauer können beide Westmächte den Zustand andauernder Spannungen und wachsender Rüstungslast nicht er- tragen.»Ohne Wiederherstellung des Vertrauens zu Wort und Vertrag« wird jetzt keine Verständigung mit ihnen mehr möglich sein. So rückt die Kriegsgefahr immer näher. Spätestens bis Ende 1939(heißt es in dem Aprilbericht) muß eine klare Entscheidung gefallen sein. Man unterschätze nicht den Selbstbehauptungswil- len der Engländer! Sie sind friedlich, werden aber im Notfall dee Krieg nicht scheuen. Der Unterstützung der Vereinigten Staaten können sie seit dem Abschluß des englisch-amerikanischen Han- delsvertrages sicher sein. Deutschland steht demnach heute schot einer geschlossenen Front der Weltmächte gegenüber; denn auch FE i ) ) Rußland wird, je nach der Lage, entweder gegen uns oder gege2|||, | Japan kämpfen. So klingt das Ganze mit immer neuen Mahnun- gen zu friedlicher Verständigung noch in letzter Minute und mit dringlichen Warnungen vor Entfesselung des Krieges aus. Die wirtschaftliche und währungspolitische Lage Deutschlands is! Al antwort "te Kern scher ozialism Ideen vi {m rechte Inönti, gt" utschland! örend au 1 Raubgt im Dezet chgesatt reich(1 ehende} ig it del topa ZU K innen, di! Kampf ı) on Festlit ine Gel) hindert€}| yerika) Ei)| hafte Ve) 1, obglet 6, alle et] .n. Soseh ige, ‚hezuif en Zust# st nicht?| | Wort ei| hr mög) nsbis scheidi*| ‚prungs"” Notfall Vom Münchner Abkommen bis zum Polenkrieg 219 shon heute so ungünstig- infolge seiner andauernden Defizit- wirtschaft, daß selbst die»Einsatzfähigkeit der Armee gefährdet wird«; denn weder kann die Sicherheit der Verpflegung und des militärischen Nachschubs garantiert werden, noch ist die seelische Haltung des Volkes großen Kriegsopfern gewachsen(ein Thema, dis Goerdeler nach Kriegsausbruch immer neu erörtern wird). ‚\lle Zukunftschancen für uns beruhen in einer längeren Periode nhiger Friedensarbeit... in ihr treten zweifellos vorhandene j'hwierigkeiten der anderen am schnellsten und klarsten zutage. ihr können wir mit größter Wahrscheinlichkeit auf die erste Stelle in der Welt rechnen, wenn wir uns nur angewöhnen, nie dvon zu sprechen, und uns so im Zaume halten, daß wir diese Stellung nie mißbrauchen.« Hat Goerdeler, als er dieses Zukunftsbild vor Görings Augen 1 zaubern suchte, im Ernst geglaubt, damit jetzt noch Eindruck tachen zu können? Und hater im Grunde wünschen können, daß de Hitler-Regierung durch neue friedliche'Triumpheihrer Außen- plitik sich erst recht befestige? Die Frage ist nicht eindeutig zu antworten; sie bildete vielmehr das quälende, im Grunde unlös- dire Kernproblem aller Oppositionsgruppen in dieser Zeit. Kein kutscher Patriot konnte seinem Vaterland den Krieg wünschen; iin zu verhindern, erschien vielmehr allen als erste, vordring- ichste Pflicht- ganz unabhängig davon, ob sich die Chancen nes inneren Umsturzes dadurch verminderten oder nicht.? Aber ras ließ sich zur Sicherung des Friedens praktisch tun? Gutes Zu- ‚ den bei Göring, wie es Goerdeler in seinen Reiseberichten unter- ahm, war gewiß ein hoffnungsloses Bemühen. Dennoch hat man & bis zum letzten Moment vor Kriegsausbruch auch von anderer Seite(z. B. von der Hassells) immer wieder versucht. Denn der indere Weg, der Militärputsch, war seit München völlig aussichts- los geworden. Zunächst schon deshalb, weil niemand mehr ernst- huftan die Kriegsbereitschaft der Westmächte glaubte. Weiterhin deshalb, weil Hitler nach München so klug war, der Armee aus- ‚ drücklich anzubefehlen, sie habe sich für die nächsten 4-5 Jahre #| ausschließlich ihrer inneren Ausbildung und der Vollendung ihrer Rüstung zu widmen— was die Besorgnis der Generäle vor teuen Abenteuern beschwichtigte. Von der Auseinandersetzung hit Polen über Danzig und das Korridorproblem, die schon 1938 ‚begann, erwarteten sie lange Zeit keinen kriegerischen Kon- fikt.10 Und schließlich war das Ziel dieser Besprechungen, die Rückgewinnung Danzigs und einer freien Verbindung mit Ost- Preußen, unendlich viel populärer als die tschechische und die ‚Sudetendeutsche Frage. j 1 } ; 1 220 Elftes Kapitel'F Y Was Goerdeler nach München am meisten beunruhigte, wardit Ninbes sei unsicher abwartende Passivität der Westmächte gegenüber dem'\tdenun unruhigen Ehrgeiz des Diktators. Sie spiegelt sich besonders ein Ihe») drucksvoll in jenem berühmten Bericht wider, den der franzö- sische Botschafter Frangois-Poncet über seine Abschiedsaudienz am 18. Oktober in Hitlers seltsamem Teehaus auf der Spitze da Obersalzberges erstattet hat:!! Man starrt voll ängstlicher Span nung auf die Mienen und Gesten des Gewaltmenschen, völlig un gewiß, welches Land nun wohl das nächste Opfer sein wird, welche finsteren Pläne er jetzt wieder»in seinem Gehirn wälzer mag«-, aber man wagt sich kaum zu rühren. Man erfährt in Lot don schon im Spätherbst, daß Hitler neue Anschläge gegen Pole plane, und in Paris, daß sich in Moskau, wie in ganz Osteuropa, eine völlige Schwenkung der Politik vorbereite: niemand woll mehr auf westeuropäische Allianzen bauen, alles suche sein Ab kommen mit Hitler zu treffen. Sogar die Sowjets dächten an eint Verständigung mit ihm: vielleicht mit Hilfe einer vierten Teilung Polens. Gleichwohl vollzieht sich die weitere Auflösung ds tschechoslowakischen Reststaates ohne militärische Gegenwehr der Westmächte, die keine ernste Anstrengung mehr machen, die in München zugesagte Garantie für diesen Staat zur Wirklichkeit werden zu lassen. Halifax ist der Meinung, das ganze System de Allianzverträge Frankreichs mit osteuropäischen Staaten habt sich als unnatürlich erwiesen: man kann nicht Hegemonieanspri- che machen ohne die militärische Kraft, sie zu behaupten. Mögt doch die französische Politik diese Ansprüche aufgeben und dafüt ern, vie jtirende 1 Iren Tyr: zung so Q \enoch g, firen, daf Ierolte dı Disistein Iteidet,< Deutschen | kiplin\ te$$ sch se Hof Ken; er "äberf ATRS gepr Nichterne Isıder Pı "Nittele sich anstrengen, wenigstens ihre Macht im Westen und ihr Kole-||: tig nialreich zu sichern! Der französische Gesandte in Warschau ji empfiehlt schon am 20. Oktober eine vorsichtige Lockerung d& Bündnisses mit Polen.!? Sein Außenminister Bonnet istim Grund derselben Meinung. Wetteifernd mit Chamberlain bemüht er sich, eine Freundschaftserklärung zwischen Frankreich und Deutsch land schwarz auf weiß zu erhalten. Aberschon ehe diese Erklärung in Paris unterzeichnet wird, berät die französische Regierung mit der britischen, wie man sich durch verstärkte Aufrüstung gegel eine Attacke Hitlers auf den Westen schützen könne, und komni| kl zu dem niederschlagenden Ergebnis, daß man vorläufig einem Großangriff, vor allem in der Luft, nicht gewachsen sei. Man karl also die Tschechei praktisch nicht weiter schützen? und muß ver suchen, wenigstens Italien durch diplomatisches Entgegenkorm men aus der Bundesgenossenschaft Hitlers herauszulocken- eit! hoffnungsloser Versuch, wie sich schon bald herausstellen wird Aus Berlin berichtet der britische Geschäftsträger Sir Ogilvi | rn‘ Vom Münchner Abkommen bis zum Polenkrieg 221 ste,wırtiz, Forbes seit Anfang Dezember mehrfach von Gerüchten, Hitler nüberdus werde nun wohl bald ernst machen mit den großen Plänen seines ondersch. Buches»Mein Kampf«, im Osten neuen»Lebensraum« zu er- ler fan.(bern, vielleicht sogar in der Ukraine! Gleichzeitig meldet er edsaudin seigende Unzufriedenheit, ja Erbitterung der Deutschen gegen Spitze die ren Tyrannen. Niemals seit 1933 sei die politische Mißstim- cher Sps- hung so groß gewesen wie jetzt. Nach dem Juden-Massaker sei „völligu-" sie noch gewaltig gestiegen. Aber Ogilvie ist sehr beunruhigt zu sein wit, hören, daß es»autoritative Kreise« in London gebe, die auf eine irn wi Revolte der innerdeutschen Opposition im Kriegsfall rechnen. hrtinle- Das ist eine ganz gefährliche Illusion, meint er.»Wenn Hitler ent- scheidet, daß ein Krieg mit England notwendig ist, werden die egen Pakt a Deutschen, Extreme und Gemäfßigte, mitihrer charakteristischen and nl: Disziplin wie ein Mann folgen«, und wer sich weigert, den wird \e sein di. fie SS schnell und gründlich erledigen. Was ist also zu tun? Ge- tenandı; Yisse Hoffnungen kann man vielleicht auf Görings Friedensliebe fen Teint) Htzen; er ist Mittelpunkt von gemäßigten Elementen in der Par- Jösung ti, Aber freilich: letztlich ist auch er völlighitlerhörig; er wird.nie Gegenwe tiwas gegen seinen Führer tun. So kommt auch dieser kluge und nachen, tüchterne Diplomat zu dem trübseligen Schluß: Englands Rolle Tirklichkei I AS»der Polizist Europas« ist ausgespielt, die Pax Britannica wird System dl in Mitteleuropa nicht mehr respektiert. Es bleibt nur übrig, sich aaten BR MS unerfüllbaren Garantien für osteuropäische Staaten heraus- ‚nieansp zahalten und möglichst ein gutes Verhältnis- eben doch zu ten. N Föring und den»gemäßigten Nazis« zu pflegen. al ai Auf diesem Hintergrund von allgemeiner Ratlosigkeit und ver- dihr Rat ingstigter Passivität muß man die Pläne Goerdelers für ein euro- | Yard fäisches Widerstandsbündnis gegen Hitler sehen, um sie recht zu heran js Würdigen. Tatenloses Abwarten ertrug er einfach nicht, und sein "Gruß Glaube an den Sieg der Vernunft ließ sich schlechterdings durch imo" nichts erschüttern. So suchte er rastlos nach Auswegen aus der Di$ übte erfahrenen Situation— nicht ohne dabei auch auf phantastische Häne(oder doch Erwägungen) zu verfallen. „„' Als Mittelsleute für seine politischen Ratschläge in England „., ind Amerika dienten hauptsächlich, wie es scheint, die getreuen ı Helfer von 1937/38: Dr. Reinhold Schairer, dessen amerikanischer „u Freund Spencer-Miller, der englische Industrielle A. P. Young „u.\nd einige andere.14 Schairer und Miller waren seine begeisterten „.. Verehrer, unermüdlich hilfsbereit, aber ohne allen politischen Einfluß und wohl auch ohne praktische Erfahrung in politischen ‚u Geschäften. Goerdeler mag zeitweise selbst empfunden haben, .)&ß er mit Hilfe solcher Vermittler kaum Aussicht hatte, irgend & was Ernsthaftes auszurichten. Jedenfalls hat er sich längere Zeit Y 222 Elftes Kapitel R) mit dem Gedanken getragen, mit seiner Familie auszuwande wickelt am besten nach Amerika.15 Um ihm das zu erleichtern, sammeltenilystbek: englische Freunde ein stattliches Kapital für ihn, unter Beteiligung undsätz von Bosch. Er sollte zunächst als politischer Mahner und Warnetiider Gl im Ausland tätig werden; es wurde aber auch an die Bildung einst|kien Lei deutschen Emigrationsregierung unter seiner Leitung gedacht tin will Ihn selbst muß schon längst der Glaube beherrscht haben, dereinstIlsheit d zur Bildung einer neuen, besseren Regierung Deutschlands be'jineine( tufen zu sein. Daß dafür der Umweg der Emigration am wenig flhutwe sten geeignet war, scheint ihm aber dann doch bald klargewordetliiz ein zu sein; schon am 20. Oktober schreibt er an Schairer(nach einem"\ilkerbu: nächtlichen Telefongespräch von der Schweiz aus), vorher werde Ilheralen er alle anderen Wege versuchen. distimme Der erste dieser Wege war die Bearbeitung ausländischer Polt il'kitein! tiker durch Denkschriften, die über England auch nach den Ver'jtnehr einigten Staaten geleitet wurden. Wie immer in seinen Plänen te d war er dabei von höchster Ungeduld. Ein am 19. Oktober ab:!\ihyerte, gesandtes Memorandum bezeichnet er als»letzten Versuch will Wel einer europäischen Zusammenarbeit mit den englischen Freuf- einst den«. Bringt England»bis Ende des Jahres« den Entschluß nich Ohlscheny auf, darnach zu verfahren, so bleibt den deutschen Patrioten nicht ktechtis übrig, als sich ausschließlich auf»die schlummernden gut&'\t ents Kräfte des eigenen Volkes zu verlassen«...»Frankreich iX Iren Q ohnehin abzuschreiben.« Er selbst müsse dann»i» das Schif‘ Niehtd; springen und versuchen, das Steuer zu beeinflussen«. Was wa! yır damit gemeint? Nach der Erinnerung seiner damaligen Freun&)'\ulloe, nichts anderes als der abenteuerliche Gedanke, sich irgendwe}\soli (etwa mit Hilfe Görings oder Schachts) in ein Reichsamt bringe! Brit, zu lassen(vielleicht als Devisenkommissar?) und in solcher St&'\ihrd. lung»nach der Talleyrandschen Methode zu arbeiten«,1°d. h.det!| Ya,, Frieden Europas durch planmäßige Sabotage Hitlerscher Kriege’|tilitir. pläne sichern zu helfen. Unächs Mehr als eine Augenblicksphantasie kann das aber kaum ge|'t«g. wesen sein; niemand hätte sich jedenfalls weniger für eine Nack'| je, ahmung Talleyrands geeignet als gerade Goerdeler, dem alk!|'y. ,, Verschlagenheit fehlte. Aber es zeigt die verzweifelte Unrast, mil Rad der er nach irgendeiner Möglichkeit des Einsatzes suchte. wa Kerr ernster zu nehmen ist das große»Friedensprogramm«, das er s&I| iur.g) nen amerikanischen Freunden im Winter 1938/39 übermittelt rich, und dessen Grundlinien sich auch in mancherlei Ausarbeitung? enge der Kriegszeit wiederfinden. en Wahrscheinlich ist nur ein Teil der Niederschriften des Winte® ch 1938/39 erhalten. Das erste Stück, das auch nach Amerika ging}: Kite u | Vom Münchner Abkommen bis zum Polenkrieg zuwande atwickelt zunächst(in merkwürdig lehrhafter Form) sein uns ‚sammelt lingst bekanntes liberales Wirtschaftsprogramm, entsprechende Beteiligt Grundsätze seiner Sozialpolitik, die ihr Gerechtigkeitsideal nicht und Warn ıf der Gleichheit, sondern auf der Verschiedenheit der mensch- ildungein Ichen Leistungen aufbaut, Land und Stadt gleichmäßig begün- ng gedck Sigen will- und schließlich das Ideal eines geistig toleranten, die yen,derein Freiheit des einzelnen achtenden Rechtsstaates. Auf diese all- ‚chlandsb gemeine Grundlage soll aber nun auch die Völkerordnung auf- \ am wen) gebaut werden: nicht mehr so, daß alle Nationen sich unterschieds- argewordk is zu einer Gemeinschaft zusammenschließen, wie im Genfer (nach ein“ Völkerbund, sondern nur diejenigen, die im Festhalten an einer orher wen Iberalen Gesellschafts- und Rechtsordnung miteinander über- tinstimmen.»Zwischen Gentlemen und Gangsters ist Zusammen- ischer Pol arbeit einfach unmöglich.« Die vernünftige Weltordnung bedarf ‚ch den\e Vielmehr»in dieser Welt des Schutzes der Schwerter gegen die nen Plin« Kräfte der Unordnung und des Bösen«. Werden sich diese Oktober], Schwerter jetzt zusammenfinden und»die Seelen und Geister in Versuchg@ler Welt vor klare Ziele und Aufgaben gestellt werden«?»Die chen Fres“ Welt, insbesondere die Jugend, sehnt sich nach der Erlösung vom schluß nid folschewismus, Marxismus und Faschismus aller Art. Sie will | Gerechtigkeit, Frieden und sinnvolles Schaffen. Wird sie hierzu oten nicil nn que ktzt entschlossen aufgerufen und geführt, dann erringt sie mit ankreich I kurzen Opfern eine neue, lang dauernde Friedensordnung.« Ge- ı das Sei schieht das nicht, so gerät die Weltin eine Aufrüstung ohne Ende, u, Was® sad zwar»ohne klares und sittliches Ziel«, mit dem Ergebnis, daß zen Frau® de allgemeine Überspannung der Nerven schließlich zu inneren h irgend Revolutionen in allen, auch den angelsächsischen Ländern führt, ‚amt bein?“ das Britische Empire zerfällt, die Vorherrschaft der weißen Rasse solchet s gefährdet wird. i ‚d.h? Man sieht: hier wird zu einer Art von Kreuzzug gegen die nor Krich totalitären Staaten aufgerufen- allerdings in verdeckter Form. chet Zunächst ist nur von einem weiteren Ausbau des Friedenssystems kaum® die Rede, das in München geschaffen werden sollte, aber tatsäch- u„d lich nicht über eine Art von»kalter Kriegführung«(wie man de MN heute sagen würde) hinausgeführt hatte. Auf einer»Vorkonfe- et,©. tenz«der Mächte soll entschieden werden, wer bereit ist, sich dem Ne©&en erörterten Programm anzuschließen, eine entsprechende En« Innere Ordnung herzustellen, die öffentlichen Finanzen insGleich- 1, di„in. gewicht zu bringen, im Völkerverkehr die»allgemein anerkannte über VE Sittenordnung« zu beachten und sich an einer Begrenzung, spä- tr Verminderung der Rüstung zu beteiligen. Nur wer sich dazu x atschließt, kann auf»gerechte Regelung vorhandener Streitig- ‚% keiten und Gegensätze«, d.h. praktisch: auf weitere Revisionen 224 Elftes Kapitel der bestehenden Grenzyverhältnisse u. dgl. rechnen.» Wer sich der Zusammenarbeit auf dieser Grundlage entzieht, will Krieg un ist Friedensbrecher. Von dem Ergebnis dieser Vorkenri hängen Krieg und Frieden ab.«| Im Entwurf fügte Goerdeler noch hinzu:»Dies alles immer in voller Öffentlichkeit: Noten veröffentlichen, Rundfunk, Presse, Parlamente!« Das verdeutlicht noch wesentlich seine Absicht: die ganze Welt, vor allem aber die deutsche Öffentlichkeit, soll klar sehen, wer Frieden und Ordnung will und wer beides zerstört, Die»Friedensmächte«(wie er sie später öfters nennt) sollen dem Programm gewaltsamer Eroberung großer Macht, das die faschistischen Staaten verkünden, ein viel großartigeresProgramm dauerhaften, weil gerechten Friedens, allgemeiner Wohlfahrt, ge- sicherter Freiheit des Individuums, freier Weltwirtschaft ent- gegenstellen. Sie sollen für ihre eigenen Ideale werben, die Jugend der ganzen Welt, auch die deutsche, für sich zu gewinnen suchen, stattimmer nur furchtsam in der Defensive zu verharren. Die Ber- liner Generalsverschwörung hatte ihre Pläneauf die bloße Kriegs furcht der Deutschen aufgebaut und war damit gescheitert. Jetzt plant Goerdeler, den bewunderten»Führer« auf andere Weise als Friedensstörer und Tyrannen zu entlarven. Die Deutschen sollen deutlich vor Augen sehen, daß die freie westliche Welt nicht aus blinder Feindschaft, nicht aus grundsätzlichem Deutschenhal gegen Hitler kämpft, sondern um höherer Ziele willen: für das Ideal einer Freiheit, die der Nationalsozialismus genau ebenso brutal unterdrückt wie der Bolschewismus. Kann man das lesen, ohne anzuerkennen, daß in dieser Idee etwas Großartiges, Zukunftweisendes steckt? Und daß die Alter-|- native, die Goerdeler prophezeit, falls sein Plan nicht durch- geführt wird, mindestens teilweise Wirklichkeit geworden ist? Wollte ticken? Fırch blı Aloppo: ktator Ikt zwei alte ma Ungroß Soerdele En stel geben ur Uerzuste] Wichst sc Sgeeip anal be Fiktion änplich| Ü: inne Bilens; Rrter, = Weitg Widerst Soerklä Bird abı ii Itch ei Mußte e Sit ker Stspek Freilich: so großartig der Entwurf und die prophetische Schau,|Jin so utopisch erscheint das Ganze angesichts der machtpolitischen, insbesondere der militärischen Wirklichkeit von 1938/39. Goet|Sır deler weiß recht wohl, daß sein Friedensbund nicht ohne so etwas\Hılj;... wie einen Kreuzzug zustande kommen kann. Sein Brief vom 20. Oktober sagt es ganz unverblümt. Das deutsche Volk wolle|! zwar auch jetzt keinen Krieg, aber die Armee habe ihn»nach einet tl: Front nicht mehr wie in der letzten Situation zu scheuen«, und bei|| ihr habe Hitler jetzt enorm gewonnen. Indessen fügt er sogleich lit hinzu:»Krieg, aber aus wirtschaftlichen(Inflation ist stark in Gang) und seelischen Gründen nur kurz, kein Jahr. Er ist nun, sollt schrecklich auch immer, die billigste Lösung« nach dem unge-Nikh,,. heuren Fehler der Münchner Konferenz. |’ # Vom Münchner Abkommen bis zum Polenkrieg 225 Versichdt Wollte er also Deutschland mutwillig in einen Krieg ver- | Krieg un stricken? Ganz gewiß nicht. Aber er hielt es für aussichtslos, stkonferen durch bloße Kriegsdrohungen auch jetzt noch, wie es die Gene- alsopposition im August und September versucht hatte, den esimmeri Diktator vom Kriege abzuschrecken; über kurz oder lang würde ınk, Presst der zweifellos doch entfesselt werden. Wenn es aber so stand, Absicht: di sollte man wenigstens eine Ausgangslage schaffen, die Hitler als it, soll kk den großen Unruhstifter eindeutig vor aller Welt erscheinen ließ. les zerstön Goerdeler hat dabei an eine Art von Ultimatum gedacht, das man ‚sollen det Ihm stellen sollte: entweder seine Aggressionspolitik aufzu- ıt, das di geben und eine neue Staats- und Rechtsordnung auch im Innern sProgrant ferzustellen oder als Friedensbrecher geächtet zu werden. Zu- hlfahrt, ge ichst schien ihm die große Judenhetze des November 1938 dafür tschaft el din geeigneter Moment;!® später hat er den Einmarsch in Prag als ‚die Jugen Final betrachtet, das die westliche Welt aufscheuchen und zur nen sucht Mktion« treiben würde. Was er völlig übersah, war die Unzu- en. DieBtt lnglichkeit der militärischen Kräfte des Westens, insbesondere loßeKriegg de innere Zersetzung des französischen Kampf- und Macht- 1eitert. Jet? villens; darin darf man ihn als Opfer seiner militärischen Fach- re Weiseil berater, insbesondere Becks, betrachten. Anderseits überschätzte schen solls& weit die Bedeutung wirtschaftlicher Engpässe und mangelnder oje nicht al Viderstandskräfte Deutschlands für die Kriegführung Hitlers. „utschenlil%o erklärt sich seine Fehlprophezeiung vom»kurzen Krieg«. Man len; für di Wird aber als sicher annehmen dürfen, daß er diesen Krieg selbst durch eine innere Revolte abzukürzen gedachte. Und als Patriot mußte er ebenso wie alle Politiker wünschen, eines Tages nicht dieser JE mit leeren Händen, sondern mit einer großartigen Zukunfts- ‚Bdie Alk Derspektive vor die Nation treten zu können. ‚mau ebeiit ge Be| Eine völlig neue Atmosphäre für das Schmieden von Zukunfts- ische Schaks Dänen schufen Hitlers brutale Vergewaltigung der Resttschechei oliische" ind der Einmarsch in Prag(15. und 16. März 1939). Die unabseh- » Gor- bıre politische Bedeutung dieses Ereignisses konnte keinem 89. om Politisch Einsichtigen verborgen bleiben; auf unzählige hat es so- anet f yofl fort wie das Fanal eines nun unaufhaltsam gewordenen neuen 2 wol! Weltbrandes gewirkt. Auch in Deutschland. Es mag sein, daß X heit! die große Masse der Urteilslosen auch diesmal wieder voll gaffen- "ss gbel den Staunens war: über den neuen, mühelosen Triumph des Füh- a ttrs, dem scheinbar alles glückte, ohne daß mehr als papierene ber 2 jı Proteste des Auslands spürbar wurden. Aber der Mitlebende er- ist 2 f inert sich doch genau, daß vielen auch unter den Claqueuren ist at ‚schwülzumute wurde angesichts eines solchen Übermaßes sowohl u0h EEE ERNT , dem‘von Glück wie von politischer Rücksichtslosigkeit und Verlogen- 226 Elftes Kapitel B heit. Die Septemberrede im Sportpalast:»Ich will gar kein: Tschechen« und die laute Versicherung, das letzte territorialt Eroberungsziel sei nun erreicht, klang ihnen noch allzu deutlich} inden Ohren. Die Tatsache, daß es sich in der Nacht des 15. Märı um eine brutale, am Präsidenten Hacha verübte Erpressung ge- handelt hatte, vermochte schließlich keine Propaganda ganz zı verdunkeln, und auch darüber konnte eigentlich kein Zweifel mehr sein, daß der letzte, aber auch der allerletzte Rest von Ver- trauen aufdas Wort des»Führers« in der Welt verspielt war. Ganı nackt hatte sich das wahre Wesen Hitlers, die Dämonie eines ur- bändigen Macht- und Eroberungswillens, gezeigt. Die Schockwirkung auf die Kabinette der Westmächte, vor}; allem auf die Londoner Politik, ist bekannt. Schwächliche Ver| suche Chamberlains im Unterhaus, die eigene Passivität durch| Hinweis auf die»Selbstauflösung« des tschechoslowakischei| Staates zu entschuldigen, wurden sofort durch einen Entrüstungs- sturm der öffentlichen Meinung Englands hinweggefegt. Auch| für die»Friedensmacher« von München gab es nun keinenZweilel|, mehr, daß sie jetzt das Steuer völlig herumwerfen müßten- auf jede Gefahr hin. Keinen Schritt durfte man jetzt diesen Gewalt menschen mehr vorankommen lassen auf seinem Weg zur Unter- jochung Europas unter seinen Willen.% Mahnungen der deut schen Opposition zum»Festbleiben« waren jetzt überflüssig geworden. Ihre Träger haben das aber, wie natürlich, nicht sogleich ge sehen, und als sie es merkten, der Festigkeit des britisch-französt- schen Widerstandswillens nach allen Erfahrungen der letzte Jahre noch lange nicht getraut. Der erste, der sich durch die Pı=- ger Ereignisse zu neuer Aktivität anstacheln ließ, war wieder Ca! Goerdeler. Unmittelbar nach diesem Datum hat er eine fieberhaft gesteigerte Tätigkeit entfaltet, um sich mit seinen Europaplänei in Paris, London und womöglich Washington, aber auch in Ron! zu Gehör zu bringen. In einer ganzen Reihe von Denkschriften|, hat er sie ausführlich entwickelt. Ihr Inhalt entspricht den Plänen des Oktober-November 193), h die wir schon kennen. Aber der Verfasser entwickelt jetzt eit un mächtiges Pathos:»Um die Welt aus dem gegenwärtigen Start Inzugeb etzen.«] gebracht. ae Hitle and wille Iidiefr “mal»e wopar die Keipt,) Michte h Nidern,« Weyalte Tet zuer: Licht Mon sein. Nan s “BR ein can du Aller, krampf zu befreien, muß der Bann der Hitlerschen Ideen durch ii| die Wucht stärkerer Kräfte durchbrochen werden.«»Was Mil- lionen Menschen in allen Ländern heute vermissen, ist eine grol* N Idee, für die zu leben und zu arbeiten sich lohnt.«»Begeisterung; jene innerste Lebenskraft, kommt nur aus dem Entschluß, mi“ Millionen Menschen aller Länder sich einer solchen großen Idet Vom Münchner Abkommen bis zum Polenktieg 227 hinzugeben und für ihre Verwirklichung die ganze Kraft einzu- stzen.« Das Ziel ist eine neue europäische»Völkergenossen- xhaft«, begründet auf Freiwilligkeit und sich später einfügend in ss de universale Gemeinschaft eines wesentlich verbesserten Völ- 5°] kerbundes. Frankreich und England haben seit 1936 große Opfer ca Bin&bracht für den europäischen Frieden, nicht etwa aus Schwäche, a Zi| vie Hitler meint, sondern um einer Verständigung mit Deutsch- stvon\®!| und willen. Das deutsche Volk muß darüber aufgeklärt werden, twar. if ıB die französische Regierung Hitler 1937 dreimal, die englische ie eins!| mal nendgültige und offizielle Friedensangebote gemacht und i sogar die Rückgabe der Kolonien versprochen haben, wenn er nächte,|| sich zum Frieden verpflichten wollte. Er hat ihnen nicht einmal hliche dne Antwort erteilt«. Man muß ihn jetzt öffentlich als den großen vität du Friedensstörer anprangern und die deutsche Nation auffordern, owakleh sich selbst zwischen ihm und den Friedensmächten zu entschei- atrüstug]&n«20 Hitler selbst wird den Sinn des neuen Völkerbunds nicht efegt. AN| dumal verstehen können. Aber auch Mussolini hat sich durch inenZWE| ine Vertragsbrüche?! des internationalen Vertrauens unwürdig übten"|| Rzeigt.»England und Frankreich sollen in Zukunft die anderen sen Gm Vächte nicht mehr um Frieden bitten, sondern sie sollen Frieden g zus UNE ftrdern.«»Sollten die Diktatoren der Achse sich für den Weg der n det de Gewalt entscheiden, so sollten die Friedensfrontmächte den Geg- überfü®)| 1er zuerst an seiner schwächsten Stelle treffen: im Mittelmeer. ‚... richt dort die Achse, so wird bald das deutsche Volk sich selbst sogleich? von seinem Tyrannen befreien.«?? chfa®|| Man sieht: Goerdeler ist in diesem Augenblick nicht in der der It lage, eine innere Revoltein Aussicht zu stellen. Er erhofft sie nur, jrch die ‚ venn durch Eingreifen der Westmächte die Verderblichkeit des ‚wieder| Hitler-Regiments dem deutschen Volk bekannt wird, vor allem ne fiebee”| tınn, wenn zunächst der Faschismus in Italien gestürzt werden es 15. Mi uropap| sollte. Ein solches Unternehmen möchte er auf jede Weise för- uch"| dern. Eine auf 23. März datierte kurze Denkschrift ist für den enkschl| Papst in Rom bestimmt— eines der merkwürdigsten Produkte lieser rastlosen Feder. Sie sucht den Sturz Hitlers und Mussolinis, ‚ember!) dieser Träger eines totalitären Staatssystems, als dringendes In- velt jet"| feresse der christlichen Kirchen hinzustellen. Ihr Verfasser rät geigeß St| kshalb, die Kirchen sollten unter päpstlicher Führung der Welt jdee verkünden,»daß die Welt einen wahren, gerechten und glück- ichen und dauernden Frieden haben kann«, wenn sie sich von ri lissen beiden Gewalthabern befreit. Zu diesem Zweck sollte 0% Ihrem Regiment die Zufuhr aller Rohstoffe, die sie doch nur zu ß f\ ättegerischen Zwecken mißbrauchen werden, gesperrt werden— ol ine Maßnahme, die nur dann praktisch wirksam wird, wenn man 228 Elftes Kapitel die Rohstoffe den bisherigen Lieferanten abkauft und so lange stapelt, bis der Friede gesichert ist. Mussolini sollten keine Koft- zessionen irgendwelcher Art von den»Friedensmächten« mehr gewährt werden; dagegen sollten der italienische König uni Kronprinz darüber verständigt werden, daß sie für ihr Volk alles »Lebensnotwendige« erreichen können, wenn sie sich von Mus solini trennen. Wird ein solcher Entschluß in die Tat umgesetzt, so»erntet die Welt noch in diesem Jahr die Früchte wahren Frie- dens. Damit entfällt auch der sonst unvermeidbare Zwang, die Hilfe Rußlands in Anspruch zu nehmen«. Ob diese Niederschrift, deren Seltsamkeit durch den betont religiösen Klang ihrer Sprache noch verstärkt wird, jemals wirk- lich abgesandt worden ist und ihren Adressaten erreicht hat? Papst Pius XII. wird darin auch»als Sohn des italienischen Vol kes« angesprochen, was noch deutlicher macht, wie völlig der Verfasser die politischeSituation des päpstlichenHofes verkannt«. Aber wir haben es ja hier überhaupt nicht mit nüchtern-»real politischen« Erwägungen zu tun, sondern mit verzweifelten Be- mühungen eines in Ungeduld und Eifer sich verzehrenden Mar- nes, irgendeine hilfreiche Hand zu finden, die sein Vaterland und die Welt noch im letzten Augenblick vor den Schrecken eines neuen Kriegs retten könnte. In solcher Lage wird selbst der Strob: halm zur Hoffnung. Übrigens begnügte Goerdeler sich nicht damit, seine Vor schläge nur an den Papst zu richten. Eine für englische und frar- zösische Leser bestimmte weitere Denkschrift entwickelt sie noch konkteter.23 Sie empfiehlt, alle persönlichen Beziehungen zI Hitler abzubrechen, die Botschafter Englands und Frankreichs auf ihren Berliner Posten nicht eher zurückkehren zu lassen, bis"! ein klarer Friedenszustand hergestellt ist, und jeden Glückwunsch zu Hitlers 5o. Geburtstag(20. 4. 1939) zu unterlassen. Vor allem il: sollte jene schon erörterte Sperre jedes Rohstoffbezuges, wo möglich auch aus Südamerika, durchgeführt werden, auch va! den Vereinigten Staaten, damit endlich auch breite Schichten det deutschen Wirtschaft erkennen, in welche Abgründe der Weg ok Hitlers führt. Im Gegensatz zu der mißglückten Sperre gegeN zwingt.?* Trennt man ihn(in der schon erörterten Weise) vol seinem Volk, so wird er sich wahrscheinlich mit fürchterliche! za B \ Irohunge fnde ist, Bra die Bitgrenz Ovortlic ite Mus: & würde Mazen Of ıktFreibe Otligen| Oienschlic ner un fen wal sche Kiten We (&rucht, Hille, Jec # elensp 2 Londo; Aten, vo eietzt au N Esch) Erlnd, Ma, eu el, mach Um Padın, ots Italien aus Anlaß des abessinischen Konflikts sollte man den Boy-"" I, N We keine hten« me! König u rt Volkalk h von : umgeseh vahren Fr Zwang,( den bet jemals Wil reicht hi!| ischen\\ e völlig€ s yerkant! -htern-Ate yeifeltenB enden N sterland uf recken ei) st.der st ‚seine\0 he und ins keltsient ehungel Frankie u Jasseh,! ‚Jückmil" D. Vor al ezuges;" g, au ai Vom Münchner Abkommen bis zum Polenkrieg 229 Diohungen begnügen, da er zu ernsthafter Kriegführung außer- stunde ist. Sollte er aber dennoch»einen verzweifelten Schlag« ıtgen die Westmächte wagen, so»kann man mit einer an Sicher- hit grenzenden Wahrscheinlichkeit damit rechnen, daß die ver- mtwortlichen Kräfte in Deutschland Hitler verhindern, an der Site Mussolinis in einen solchen unsinnigen Krieg einzutreten«. k würde sich also dann in einer verhältnismäßig einfachen und kırzen Operation darum handeln,»das Mittelmeer für immer von ir Freibeuterei Mussolinis zu befreien«.» Wird nach diesen V or- hlägen wirklich gehandelt, und zwar sofort, so wird nach Nenschlichem Ermessen die Welt noch in diesem Jahr von der itmer unerträglicher werdenden Unsicherheit befreit und mit nem wahren Frieden beglückt werden.« Es scheint, als hätte Goerdeler sich in Erwartung einer so bal- ‚diren Wendung aller Dinge bereits ernsthafte Gedanken darüber ttmacht, wie die künftige Außenpolitik Deutschlands aussehen “lite. Jedenfalls hat er große Sorgfalt auf die Ausarbeitung eines Biedensprogramms gewendet, das wohlauch dazu bestimmt war, London, Paris und Washington Zutrauen zu erwecken zu einer kuen, von ihm selbst zu leitenden Reichsregierung, zusammen- ksetzt aus Männern der Opposition.?? Er schlägt vor, zunächst eine engere Gemeinschaft zwischen Iagland, Frankreich und Deutschland zu bilden als Kern eines tuen, europäischen Staatenbunds, und zwar durch vertragliche \bmachungen folgenden Inhalts: 1. Um die letzten noch aus dem Versailler Vertrag sta mmenden byannungen zu beseitigen, soll die Frage des»Polnischen Kor- ilors« aus der Welt geschafft werden durch einen friedlichen \asgleich deutscher und polnischer Interessen. Deutschland soll üßerdem ein»möglichst großes und entwicklungsfähiges« Kolonialgebiet in Übersee erhalten und»soweit wie möglich« Zatritt für deutsche Siedler in geeigneten Kolonialgebieten Eng- kads und Frankreichs.?® 2. Zur Wiederherstellung der Rechtssicherheit in Europa soll lie Tschechoslowakei als unabhängiger Staat in den Grenzen des \ünchner Abkommens restauriert, zugleich aber neutralisiert werden mit internationaler Garantie ihres Bestandes. Deutsch- kad erklärt, im Südosten keine politische Hegemonie zu erstre- f E „ en.»Die Unabhängigkeit der europäischen Staaten wird garan- tiert, soweit sie es nicht für gut finden, untereinander Bindungen ‚ iinzugehen, die ihre Souveränität begrenzen. Der Wirtschafts- „Ererkehr steht allen Völkern zu den gleichen Bedingungen offen«, Staaten und 230 Elftes Kapitel Staatengruppen, auch zollpolitischer Art, nicht ausschließt »Deutschland muß den Vorgängen an seiner Ostgrenze nach den Erfahrungen seiner Geschichte stets ein besonderes Interesse ent- gegenbringen. Dies muß im Rahmen des vernünftigen Gleich- gewichts gestattet sein.«(Hier ist wohl an das Recht zu selbstän- diger Abwehr polnischer oder russischer Übergriffe gedacht.) Deutschland garantiert den gegenwärtigen legalen Besitzstand im Mittelmeer, und zwar für die nächsten zehn Jahre auch mit militärischen Mitteln. 3. Die hier den Westmächten angebotene deutsche Bereitschaft zur Waffenhilfe wird noch dadurch erweitert, daß Deutschland sich bereit erklärt, durch»jedes zweckdienliche Mittel« daran mitzuwirken, daß der wirtschaftliche Besitzstand des Westen‘ in Ostasien in vollem Umfang wiederhergestellt wird. Dafür wird es auch militärische Machtmittel zur Verfügung stellen, falls die Korridorfrage vorher bereinigt und die Finanzierung eines soll chen kriegerischen Unternehmens gesichert ist. 4. Deutschland erhält eine Goldanleihe von vier bis sechs Mill liarden Geldwert zur internationalen Sicherung seiner Währung, zinslos, aber mit mindestens zweiprozentiger Tilgungsverpflich- tung. Dafür verpflichtet es sich, alle Devisen- und Außenhandels- kontrollen möglichst rasch aufzuheben. Alle Teilnehmerstaaten verpflichten sich, das Staatsbudget ausgeglichen zu halten, damit die Ordnung der Währung dauerhaft bleibe. Demselben Zweck dient das sofortige Abstoppen der Aufrüstung. Ein Abrüstungs- abkommen, mit internationaler Kontrolle, soll sofort beraten werden. Sollte das Verhalten anderer Mächte, z. B. Italiens oder Japans, neue Rüstungsmaßnahmen erfordern, so soll darüber vorher eine Verständigung der verbündeten Regierungen erfol- gen. Der so begründete Dreibund soll durch Beitritt weiterer Staa- ten zu einem»europäischen Staatenbund« und schließlich darüber hinaus zu einer»Arbeitsgemeinschaft aller Völker« erweitert werden, jedoch so, daß jeder neu eintretende Staat gewisse Ver- pflichtungen(im Sinn der neuen Friedensordnung) zu überneh- men hat.»Der europäische Staatenbund soll Kriege durch euro- päische Zusammenarbeit auf freiwilliger Grundlage ausschlie- Ben.« Die Arbeitsgemeinschaft wird den alten Völkerbund er- setzen. Sie soll ohne Zwangsgewalt als politische und wirtschaft- liche Ausgleichsinstanz wirken, unter Umständen(auf Wunsch der Beteiligten) auch schiedsrichterlich tätig werden?” und in be- sonderen Notfällen karitativ Hilfe leisten. Zu den Grundsätzen des politischen und wirtschaftlichen Liberalismus, die sie hüten Br)" odpflege eher Tätı eitigen| Das alle Eitschen mm.de elannt g ätden P. &, sie h Kutsche üne Ziel Kbenzu Und festz kandel«n ut ma; züerdele. üinds Bes Binsode (l ewige, Piedensr Yelten: R Auf n Und Paris Un, Gig rn ichy b 4 Vom Münchner Abkommen bis zum Polenkrieg 231 'W ud pflegen soll, gehört ganz allgemein die Beschränkung staat- lther Tätigkeit auf das rein politische Gebiet, unter Freigabe des gistigen Lebens. Das alles ist bedeutsam als erster Versuch aus dem Kreise der zu selbiü| dutschen Oppositionsbewegung, ein eigenes, ausgeführtes Pro- e geil!| gtamm deutscher Außenpolitik zu entwickeln- der einzige bisher Besitzstu| kannt gewordene Entwurf aus der Zeit vor dem Kriege. Man eauchn.| lat den Patrioten des Oppositionskreises neuerdings vorgewor- I fen, sie hätten sich im Frühjahr und Sommer 1939 als typisch Bereitsch!| dtutsche Nationalisten erwiesen, indem sie im Grunde nur das Jeutschlil| ine Ziel verfolgten: Hitler zwar zu stürzen, aber zugleich seine ttel« dr!| BEbenzu werden, d.h. seine außenpolitischen Erfolge für Deutsch- es Wett| and festzuhalten. Es wäre ihnen also auf eine Art von»Kuh- Dafürni,| madel« mit der Diplomatie der Westmächte angekommen.?® Der {o) en, ilse!| Kser mag nun selbst urteilen, ob und in welchem Maße das für g eines s Goerdeler zutrifft. Daß er ein deutscher Patriot war, der Deutsch- "linds Bestes, nicht aber seine Erniedrigung wollte, scheint mir s sechs W| chenso deutlich wie dies: daß er sich das Reich der Zukunft nicht „ Wähnn|| db ewigen Unruhstifter und Tyrannen Europas, sondern als echte over Riedensmacht erträumte, fest eingefügt in eine europäische Benhande® Staatengemeinschaft von rein genossenschaftlichem Charakter. ‚merstall Auf welchen Wegen unser Patriot sein Programm in London ‚jten, de! und Paris zu Gehör gebracht hat, läßt sich teilweise noch erken- ben Zwei]|#0. Gisevius berichtet von einem Treffen mit Dr. Schairer in brüsnt Quchy bei Genf, kurz nach den Prager Ereignissen, an dem er ort ben) Klbst und auch Schacht teilnahm, der am 20. Januar aus seinem taliens 0 Amt als Reichsbankpräsident entlassen war und um Mitte März oll dan| ıthon in der Schweiz weilte.2? Ihm war mit seiner Entlassung die gen a ‚ ktzte Illusion geschwunden, man könne durch unmittelbare Ein- wirkung auf Hitlers Regierung den in den Abgrund rollenden | Wagen noch irgendwie aufhalten. Da eine Denkschrift des ‚| Reichsbankdirektoriums, die vor hemmungslosen Rüstungs- üsgaben warnte, den äußeren Anlaß zu seinem Sturz gebildet ., hielt er nun eine schnelle Entwertung der deutschen Wäh- en; ng für unvermeidlich. Die Freunde drängten ihn(wie mir H En' mündlich berichtet wird), seine von Hitler genehmigte längere dur hie Auslandsreise zu benutzen, um vor allem den Kurs der englischen Regierung versteifen zu helfen und das Ausland über die wahre geben 4 ‚Lage in Deutschland aufzuklären. Schairer versprach sich sehr a" tiel von einem offenen Propagandafeldzug gegen das Hitlertum, uf hi| ı den sowohl Schacht wie Goerdeler nach ihrer Emigration von rund pe"England aus eröffnen sollten. Schacht blieb indessen allen solchen une Pänen gegenüber kühl und zurückhaltend, urteilte sehr kritisch dag } Y 5 ee. Aa 232 Elftes Kapitel über Goerdelers Illusionen und über dessen Londoner Verbit- dungsleute und erklärte, zunächst seine Indienreise durchführen zu allen Goerdelers Meinung, die deutsche Wirtschaft, abet auch die Armee sei größeren militärischen Aufgaben gar niclt gewachsen, so daß die Naziherrschaft im Kriege sehr rasch von st zusammenstürzen würde, teilte er durchaus nicht. Vorallen'r wollte er solche Urteile nicht nach London und Paris mitgeteilt haben, hielt es vielmehr umgekehrt für nötig, dort vor einer Ver kennung der rasch wachsenden Stärke der deutschen Rüstung&u I warnen. Die Diplomatie der Westmächte sollte sich klar darübsr sein, in welche Gefahren man durch längeres Zuwarten hinein trieb. So kam ein gemeinsamer Barschiaß nicht zustande, went manauch darin einig war, das Ausland müsse vor dem hemmungs- losen Ehrgeiz und Kampfesw illen des Diktators gewarnt werden Mit einem so allgemeinen Auftrag fuhr Schairer nach London zurück.3° Nach der Erinnerung von ern die er als Zeuge Nürnberg vortrug, sollte der Sendbote die Staatsmänner ds Westens vor allem darüber informieren, daß»spätestens imHerbst'ö) der Streit um Danzig beginnen würde«, daß es Hitler aber it Wahrheit gar nicht auf Danzig ankomme, sondern auf ganz Polka 3) und zuletzt auf die Ukraine; man sollte sich also jetzt au gar kein Verhandlungen über Danzig einlassen, sondern die Lösung dei Alngen tische Nıstand tn Aumberla intmehr lk,d. h dinberung Ütien Bezi Tiltdem K 1 Berlin; Zrltohten IL Stungst bi: Aufrü Korridorfrag eaufeine bessere Zukunft verschieben. In ähnlichen Wi: Sinn habe data Schacht auch mit Montagu Norman(dem G% vernor der Bank von England) gesprochen, den er in Basel tal. Zu diesem Bericht stimmt es nun schlecht, daß in den Denis schriften Goerdelers aus dieser Zeit von den Absichten Hitler®' gegen Polen mit keinem Wort die Rede ist- man gewinnt fastden: Eindruck, als hätte ihr Autor die nächsten konkreten Eroberungs" ziele des Bikcher noch gar nicht erkannt. Es muß also offen li bleiben, ob hier ein Gedächtuisfeh ler vorliegt. Sicher ist mir, dar Goerdeler damals in der Vorstellung lebte, es müsse etwas gt” schehen, um der britischen Politik ihre Angst vor der unheitt lichen Macht des nationalsozialistischen Reiches zu nehmen. Un, sicherlich hatte er recht damit, wenn er den militärischen Defaits‘ mus in London und Paris für eine europäische Gefahr hielt: alles,; was wir heute aus Memoirenwerken und Dokumentensammlun“ gen wissen, zeigt deutlich, daß man dort die militärische Macht! Flitlers ebenso stark überschätzte wie der deutsche Generals, den Kampfeswillen und die Kampffähigkeit F'rankreichs- tro@ eines ausgedehnten und wirksamen pas und troV zahlreicher Berichte der Militärattaches, die einen durchaus sach® verständigen Eindruck machen. Unkontrollierbare Einzelmi ner Verht durchführt! tschaft, ab en gar al Ar rasch v 1t. Voralk: is mitgel pr einer\t ı Rüstung? klar darüh ırten hift tande, W | hemmun! arnt werd ach Lont als Zeugt smängel E nsimHet litler ab“ ıf ganz Po: aufgarke Lösung!" Tnähnlie* an(demt in Base n. den De chten BI vinnthast® ‚Eroberl" uß ale©" ist hl sge etw! der uni nehmel' chen De hy hielt fi ticht von Anfang an jene Energie aufbo Vom Münchner Abkommen bis zum Polenkrieg 233 tilungen von Privatpersonen— vollends solche, denen man die nlitische Tendenz deutlich ansah— konnten indessen an diesem Zustand nichts ändern. Und schließlich zeigt sich, daß selbst (hamberlain seit dem Prager Ereignis durch militärische Sorgen \icht mehr daran gehindert wurde, alles zu tun, was er im Augen- ick, d. h. ohne zureichende Rüstung, tun konnte, um Hitlers boberungspolitik zu hemmen. Er brach zwar keine diplomati- hen Beziehungen ab und drohte auch nicht in ultimativer Form titdem Krieg, wiesich Goerdeler das dachte, weder in Rom noch h Berlin; aber er teilte sehr freigebig Hilfsversprechen an alle idrohten Nationen Osteuropas aus— weit über die praktische kistungsfähigkeit Englands hinaus; außerdem beschleunigte er ‚de Aufrüstung— immerhin mit besserem Erfolg als die Franzo- *1, wenigstens hinsichtlich der Luftwafte. Was die Welt am meisten überraschte, war seine Erklärung im Unterhaus am 31. März, in der er der polnischen Regierung die Unterstützung der Westmächte förmlich anbot, falls sie deren zu dürfen glaube, um eine für Polen lebensgefährliche Bedrohung iizuwehren. Es war damit(für britisches Empfinden ein uner- lirter Vorgang!) in die Hand eines Kontinentalstaates, und zwar änes sehr wenig mächtigen, die Entscheidung darüber gelegt, ob ts britische Inselreich in einen Kontinentalkrieg verwickelt verden sollte oder nicht. Man hat für diesen so überaus folgen- tichen Entschluß, der die Haltung Polens in der Korridorfrage ich wesentlich zu versteifen schien, die deutsche Opposition fitverantwortlich gemacht.?! Durch ihre Ratschläge, ihre Mit- lungen über eine deutsche Generalsopposition, ihren Hinweis af die Mängel der deutschen Rüstung und die Engpässe deut- iher Wirtschaft habe sie den zögernden Premierminister Eng- hads zu einem verhängnisvollen Schritt ermutigt; durch ihn Viren die eben damals durch Ribbentrop in Hitlers Auftrag be- sonnenen deutsch-polnischen Verhandlungen sabotiert worden, lie eine friedliche Lösung der Korridorfrage bezweckten; der Grenzstreit zweier Nachbarstaaten sei zu einem Weltkonflikt er- Veitert und damit das Unheil eines zweiten Weltkrieges herauf- führt worden. Wie steht es damit? Zunächst ist zu erwidern, daß die britische Regierung niemals 0 Dtabsichtigt hat, eine friedliche Lösung der Korridorfrage durch ine deutsch-polnische Verständigung zu verhindern; im Gegen- t@l: sie hat sich bekanntlich bis zur letzten Minute eifrig bemüht, !inen solchen Ausgleich diplomatisch zu fördern. Wenn sie dabei t, die dem Starrsinn der Pulen gegenüber nötig gewesen wäre, so waren die bösen Erfah- Sir ei Ah EEE Zn m Ale ns 3:30 "BR 234 Elftes Kapitel rungen daran schuld, die sie eben erst mit ihrem harten diplomat!- schen Druck auf Benesch gemacht hatte. Sie durfte keinesfalls die Polen dahin treiben, daß sie sich zu Vasallen Hitlers machten- dies um so weniger, als ihr bekannt war, daß Ribbentrop bei seinen Kompromißvorschlägen ziemlich deutlich hatte durchblicken lassen, Hitler würde eine deutsch-polnische Allianz zu gemeit- samer Bekämpfung des bolschewistischen Rußlands erwünscht sein, mit dem Endziel einer Eroberung der Ukraine. Trotzdem haben Halifax und Chamberlain, mit Zustimmung Frankreichs, in Warschau auf eine friedliche Lösung der Korridorfrage ge drängt. War aber nicht gleichwohl die Erklärung Chamberlains vom 31. März schuld daran, daß die Polen sich so hartnäckig zeig- ten? Darüber ließe sich mit Sicherheit nur dann urteilen, wennzi irgendeinem Zeitpunkt der Verhandlungen(die ja schon im Ok- tober 1938 begannen) sich irgendeine Spur von Bereitschaft det! polnischen Regierung zu ernsthaftem Interessenausgleich mit den Deutschen gezeigt hätte. Tatsächlich hat sie sich schon lange vor den Prager Ereignissen immer nur kühlabweisend verhalten, in blinder Verkennung der realen Machtverhältnisse, in blinder i m Mißachtung auch der Tatsache, daß Danzig längst dem National sozialismus anheimgefallen war und also für Polen nur noch einen|l Gefahrenherd bildete. Dieselbe sture Haltung hat sie auch nach Prag gezeigt: ein erneutes Verständigungserbieten Ribbentrops, das am 21. März erfolgte, lehnte sie wieder ohne langes Zögern! ab.32 Es war dieselbe Verblendung, die man in Warschau zur Ver- zweiflung der Pariser Staatsmänner schon während der Tschecher-|: krise gezeigt hatte: statt gemeinsam mit Frankreich das deutscht Vordringen in den böhmisch-mährischen Raum abzuwehren, hatte man damals nichts anderes im Sinn gehabt, als»den Schakal des Ostens« zu spielen und sich an der Beraubung des wehrlosen Opfers nach Kräften zu beteiligen. Auch der Völkerbundskom- missar Carl J. Burckhardt in Danzig sprach von einer seltsame Mischung von Stolz und Narrheit, die das Wesen polnischer Politik ausmache. Es ist denn auch nicht eigentlich die Sorge um Polen oder gar um den Korridor gewesen, was die britische Politik zu ihrer neue Aktivität aufstachelte, sondern ganz allgemein ihre Furcht vor einer hemmungslosen Expansion des Hitler-Reiches in den ost- europäischen Raum, insbesondere den Balkanraum. Den erster Anstoß gab, schon einen Tag nach dem Einmarsch Hitlers in Prag, eine Art von Notschrei des rumänischen Gesandten: die deutsche Politik wende Druck an, um Rumänien zur Einräumung eines deutschen Monopols auf den rumänischen Ölexport zU Kiingen. &utsche Oreschu jihe Mit On Prag an, März Bılen zu Alse vie Ahängig Ryenzu Diter ei Osfran: Nm akti n diplomz Sinesfallsc s machten opbeiseint| urchblickt| zu gemel s erwünst! 2, Trotzdk Frankreitl Jorfrage£ hamberkt ;näckigzt len, went! -hon im Ü eitschaft eich mite on Jange verhalten, ‚in blint ‚m Natiot) irnocheit je auch Mi ibbenttof nges Zögt hauzur\t g’Tschec das deutst 3bzuweht den Schr os wehtl® bundsse" % "Vagten, auf einen Militärputsch zu r Vom Münchner Abkommen bis zum Polenkrieg zwingen. Diese Nachricht®? ließ sofort das Schreckbild eines deutschen Angriffs auf die Balkanländer mit dem Ziel einer Be- terrschung des ganzen Südostens auftauchen- eine für die briti- sche Mittelmeerherrschaft unerträgliche Aussicht. Halifax, seit ten Prager Ereignissen sehr aktiv geworden, setzte schon am 1». März ein Rundschreiben auf, das Frankreich, Rußland und Polen zu einer Erklärung zusammen mit Großbritannien einlud: diese vier Mächte wären entschlossen, jeder Bedrohung der Un- Ihhängigkeit irgendeines europäischen Staates gemeinsam ent- gegenzutreten. Mit Frankreich kam darüber schon zwei Tage päter eine Einigung zustande. Auf einer gemeinsamen Sitzung des französischen und des englischen Außenministers in London (1. März) stellte sich heraus, daß Bonnet inzwischen bereits auf dieselben Alarmrufe hin bei der russischen Diplomatie und sogar ih Washington sondiert und diplomatische Unterstützung er- Isten hatte; weiter: daß beide westeuropäischen Regierungen tatschlossen waren, keinen deutschen Angriff in Europa mehr fassiv hinzunehmen, weder auf Rumänien oder Polen noch auf Jıgoslawien oder die Schweiz oder Holland. Man kam überein, (aß jetztso rasch wie möglich gehandeltwerden müsse, um allevon Hitler bedrohten Regierungen zum Widerstand zu ermutigen; ibrigens hatten die Briten schon vorher die Türken mit Erfolg ım aktive Unterstützung dieser Politik ersucht. Halifax führte dus, es sei jetzt nicht mehr die Frage zu diskutieren, ob man prak- tisch imstande sei, Rumänien und Polen wirksam Hilfe zu leisten, sondern nur: ob man Aussicht habe, einen auf die Dauer erfolg- ttichen Krieg gegen Deutschland zu führen, d. h. ob Großbritan- tien und Frankreich Deutschland auf die Dauer so schädigen könnten, daß seiner Eroberungspolitik ein für allemal Einhalt veboten würde; dabei sei der äußere Kriegsanlaß sekundär. Es gebe wenig Hoffnung, den Frieden Europas zu retten, solange die Nazis an der Macht seien. Indessen lägen Anzeichen dafür vor, daß Hitler, wenn er das deutsche Volk in einen großen Krieg hin- einbrächte, recht wohl aufinnerpolitische Schwierigkeiten stoßen könnte, die für das Naziregime gefährlich werden könnten. Das- selbe gelte für Mussolini in Italien.?* Muß man aus dieser letzten Bemerkung schließen, daß Mit- osition die britische Poli- echnen oder g Sicht zu stellen. Jene Besprechung von Ouchy kann frühestensun- %efähr an demselben Tage stattgefunden haben, an dem sich Hali- 236 Elftes Kapitel B Man si ätıgen 0 lplomati ‚lÄtirgen fax mit Bonnet beriet. Es bedurfte aber auch gar nicht erst irgend. welcher neuen Botschaften, um Halifax darüber zu informiereı, daß in Deutschland niemand außer Hitler selbst(und vielleicht seinen Intimsten) das Abenteuer eines Krieges wünschte und dal ein von ihm provozierter Großkrieg, wenn er zu Schwierigkeiten{en de führte, das Hitler-Regiment ernstlich gefährden würde. Diest[| Iu29. od Vermutung(oder vielmehr Hoffnung) hat noch jede Gewalt bi herrschaft in der Geschichte bei ihren Feinden erweckt. Was den’ In Abs neuen leidenschaftlichen Kampfwillen in London hervorgerufen 18 erdies hat, war ganz gewiß nicht die Hitleropposition, sondern niemand anders als Hitler selbst. Nüresp Aber auch das Hilfsangebot Englands an die Polen ging nicht na auf deutsche Anregung zurück— weder direkt noch indirekt, Sudbot: Seine engere Vorgeschichte läßt sich vielmehr ganz eindeutig et ‚xchGo kennen. Jene am 21. März geplante Viermächteerklärung kan udn nämlich nicht zustande, obwohl auch Rußland sich sofort dazu Aurde.{ bereit fand. Aber sowohl Litwinow wie Bonnet machten die Mit- lchr wirkung Polens zur Voraussetzung ihrer Unterschrift. In Wat ‚Pposit schau aber weigerte man sich, Arm in Arm mit den Bolschewiken"tt, (die man sogar als Verbündete fürchtete und mit Abneigung be“lsch trachtete) auf der diplomatischen Bühne zu erscheinen und sich”"nt y dadurch vielleicht erst recht den Angriff Hitlers auf den Hals zu"af ziehen. Bonnet hielt das zwar für»verrückt«, aber zeigte nicht die{teden. geringste Neigung, die Politik Frankreichs zu exponieren, wen! Alhıng der polnische Verbündete nicht mittat. Oberst Beck versuchtt"teCh ein geheimes englisches Bündnis zu erreichen, als Ergänzung zu! tion französischen Allianz. Darauf ließen sich die Westmächte nicht"Vor ein, entschlossen sich aber statt dessen zu einer öffentlichen Hilßs- Mau zusage für Polen und Rumänien, allerdings streng begrenzt au Mihn den Fall, daß Deutschland Gewalt brauchen sollte an Stelle ein“in friedlichen Interessenausgleichs. Schon am 27. März ging aus ehr London ein förmliches Angebot nach Warschau ab: die britischt"| ly, Regierung sei bereit, gemeinsam mit Frankreich den Polen zu" Ozun Hilfe zu kommen, falls Deutschland die Unabhängigkeit Polen” key bedrohe, sei es durch militärischen Angriff oder durch Unter|'stri} wühlung wie im Fall der Tschechoslowakei. Voraussetzung daB} ch, für sei eine entsprechende Zusage Polens für den Fall, daß Hitle'7‘it, Rumänien oder die Westmächte angriffe. Man wartete zur Über" ktör gabe dieses Angebots nur noch die Zustimmung Bonnets ab.AlT I sieam 29. eintraf, wurde noch am selben Tage seine Aushändigurg?|"ige angeordnet. Schon am nächsten Tag wurdein Parisund Warschauf ad) derInhaltder Erklärung mitgeteilt, dieChamberlainam 3 1.im Und% Si terhausabgeben wollte, und beiderseits Zustimmung eingeholt. j; Vom Münchner Abkommen bis zum Polenkrieg 237 | Man sieht: für irgendwelche Einwirkung deutscher Einflüste- exstirgen an. fingen oder Ratschläge bleibt in dieser geschlossenen Kette \dviellie dplomatischer Aktionen durchaus kein Raum— am wenigsten hreunddl BE irgendwelche bestimmten Nachrichten über Hitlers Absicht, vieriekeit polen demnächst zu überfallen, wie sie die deutsche Opposition ärde, Dis. am 29. oder 30. März durch einen englischen Zeitungskorrespon- ‚de Gem tenten bis zu Chamberlain durchgeschleust haben soll.?® Von sol- kt. Wade(nen Absichten kann die Widerstandsgruppe schon deshalb nicht Fvorgenik gewußt haben, weil sie einstweilen noch gar nicht bestanden.°? sen niert Überdies war die Politik Halifax’ längst entschieden, als jener Korrespondent(Jan Colvin) in London ankam. Im Lauf des Sommers ist aber dann noch eine ganze Reihe von Sendboten der Opposition in London eingetroffen, unter ihnen ach Goerdeler, der im April Frankreich und Algier bereiste, im rang Mai®® nach England kam und dortauch von Churchill empfangen sofort vurde. Über den Inhalt der Unterredung wird mir von einem der Teilnehmer berichtet, Goerdeler habe sehr viel von deutschen Oppositionsgruppen, besonders auch in der Wehrmacht, be- olschenik ichtet, habe es aber versäumt, bestimmte Forderungen an die 0°, Politik für den Fall eines Umsturzes zu stellen. Das Be timmt wunder angesichts der Tatsache, daß er ja kurz vorher ein en 0 ausführliches(und uns bekanntes) Programm europäischer n ging ni ch indire! >indeutigt ft, In den RKFRT,. Je= j ur ch Friedenspolitik aufgestellt hatte. Praktisch soll bei der Unter- gte® haltung nichts herausgekommen sein,3® doch steht fest, daß ge- ieren, IX ENT Bi 3& niert N tade Churchill sich immer für das Bestehen einer deutschen Op- k ve position mehr als andere englische Politiker interessiert hat. Wie gänzuts TE im Vorjahr Herrn von Kleist, so empfing er im Hochsommer mächte©!939 auch dessen Freund Fabian von Schlabrendorff und ließ sich lichen ‚, über deutsche Verhältnisse berichten. Auch mit Brüning, begie”"ler im April aus den Vereinigten Staaten nach London zurück- n Stell© gekehrt war, hat er darüber verhandelt. Weitere Besuche in Eng- Atz ge and werden von dem jungen Diplomaten Adam von Trott zu die bil" Ü\olzund vom Grafen Helmutvon Moltke berichtet- beide hatten jen Pokt riele und intime Beziehungen zu englischen Freunden: der eine gkel is früherer Rhodes-Stipendiat in Oxford, der andere als gebore- Jurch UT 1er Halbengländer und früherer Anwalt an Londoner Gerichts- ‚ssetzuße höfen. Sie suchten diese im Sinne der Hitleropposition, zu der sie 1, 1 zehörten, fruchtbar zu machen.?® ete zuE© Was konnten sie aber dort als Wunsch oder Ratschlag vor- u bringen? Sicherlich nicht mehr dasselbe wie im Vorjahre. Jetzt tand keine deutsche Generalsopposition mehr bereit, die nur auf das Signal zum Losbruch des Krieges wartete, um Deutschland ron seinem Tyrannen zu befreien. Schlabrendorff, den Churchill 238 Elftes Kapitel fragte, ob er für eine erfolgreiche Aktion der Widerstandsgruppe garantieren könne, sah sich denn auch genötigt, dies zu verneinen, Es war aber auch kaum noch sinnvoll, die englischen Politiker wie im Vorjahr zur Festigkeit gegenüber Hitlers Eroberungsplänen zu mahnen. Weder ließ sich voraussagen, daß der Friede dadurch gesichert würde, noch war eine psychologisch günstige Situation für einen Putsch davon zu erwarten. Chamberlains Erklärung vom 31. März hatte auf Hitler nur die Wirkung gehabt, daß erin maßlose Wut geriet und von jetzt an darauf sann, wie er diest Durchkreuzung seiner Pläne den Briten heimzahlen könne. Durch Canaris erfuhr man, er habe auf den Tisch gehauen und geschrien! »Denen werde ich einen Teufelstrank brauen!«*! Tatsächlich hatte er unmittelbar darauf die militärische Vorbereitung für eine endgültige Abrechnung« mit Polen angeordnet, die vom 1. Sep tember an durchführbar sein sollte.2? Zunächst war sie als»iso- lierter Krieg« gedacht. Indessen gingen seit Mai die Erwägungen hin und her, ob ihr eine Abrechnung mit dem Westen voraus- gehen oder nachfolgen sollte. An eine»Wiederholung der Tsche- chei«,d.h.an ein abermaliges Stillsitzen der Westmächte im Fall: osteuropäischer Eroberungen, glaubte Hitler jetzt selbst nicht|| I. Nsersc mehr, wie er den Spitzen der Wehrmacht in seiner bekannten Ar- sprache vom 23. Mai darlegte. Aber mit einer für ihn unendlich charakteristischen Wendung erklärte er, die Politik habe sich nicht etwa den Umständen anzupassen, sondern die Umstände müßten der Politik angepaßt werden. England betrachte er vonjetzt ab als Feind, mit dem es eines Tages eine» Auseinandersetzung auf Leben und Tod« geben müsse. Fraglich blieb nur, wie sich er- reichen ließ, daß nicht ein neuer Zweifrontenkrieg entstand,son- dern zunächst Polen niedergeworfen wurde(im Blitzkrieg) und später der Westen oder umgekehrt. Nur um dieses Problem zu lösen, hat der Diktator noch den ganzen Sommer über zugewar- tet, ehe er losschlug. Polen zu isolieren durch»Nichtangrifls-" verträge« mit möglichst vielen Nachbar- und Randstaaten, dit eigene Schlagkraft durch den»Stahlpakt« mit Italien zu stärker, die englische Wachsamkeit durch alle möglichen Freundschafts angebote einzuschläfern, Frankreich von England womöglich abzuspalten, schließlich und vor allem durch den Pakt mit Stalin” die Westmächte zu düpieren, womöglich vom Eingreifen ganı abzuschrecken und Polen zu widerstandsloser Unterwerfung zU nötigen— das war der Inhalt emsiger Bemühungen, welche die nächsten Monate erfüllten.*3? Das Endziel, der Großkampf zur Eroberung neuen deutschen»Lebensraumes« im Osten, wurde schon in jener Generalsansprache vom 23. Mai ganz offen ange nhrals‘ Innittelb 1 Nürnb Miktzt au die, die dtnühte ÖktTsoli Michtzue Himmen Vonh; Oktändeı slusteiler Icheodı lrBrite [lada le Ulten, So Ind, die posit Bs sc |"ben,< Azuseh Nonzes Sonde Ites, Re ürde datsse Autsch ter F ben, Km T Vor tone| Yplon {er Dr Vom Münchner Abkommen bis zum Polenkrieg 239 ancge i ndigt; aber dasiemit dem Befehl schloß, die Rüstungsprogram- Politikern. De auf 1943 abzustellen, wirkte sie auf die militärischen Hörer rung ‚sehr als theoretische Deklamation denn als Ankündigung einer ee Ihmittelbar bevorstehenden Aktion(wie auch Brauchitsch später Sit it Nürnberg erklärt hat). Auch jene Besorgnis, die Halder(und s Brklint| nletzt auch Brauchitsch) im Vorjahr zur Opposition getrieben N, bitte, die Sorge vor der Katastrophe eines Zweifrontenkrieges, , 0° hmühte sich Hitler ausdrücklich zu zerstreuen:»Das Gelingen wie er di er Isolierung Polens ist entscheidend«, beteuerte er.»Es darf önne.Düt" jchtzu einer gleichzeitigen Auseinandersetzung mit dem Westen IE .dgeschri ee ächli Y MR In a| Von hier aus gab es also keine neuen Putschmöglichkeiten. Auf tungkürel| deranderen Seite machten es die neue Politik Englands, das eifrige vom.“| Austeilen von Hilfsversprechen an alle möglichen von Hitler sie al N| nehr oder weniger bedrohten Staaten und erst recht das Bemühen Erwägun| der Briten um ein Kriegsbündnis mit Moskau der Hitler-Propa- sten vll!" yunda leicht, von englischen»Einkreisungsversuchen« zu spre- gderT® then. So entstand eine englandfeindliche Stimmung in Deutsch- chteim! ind, die einen inneren Umsturz politisch erst recht als aussichts- selbst© bserscheinen ließ. Was konnten also die Mitglieder der deutschen kannten.) Opposition in England raten?£ ın unendk Es scheint, daß sie, zum mindesten teilweise, ‚be sichnt“ haben, die polnische Politik durch eine Art von»Blankoscheck« inde mi""Alzusehr zu ermutigen und dadurch ihre Abneigung gegen jede on jetztabt Konzession in der Korridorfrage noch zu verstärken.** Ins- ‚setzung*"besondere betrachtete die Oppositionsgruppe des Auswärtigen vie sich“| Amtes, der ja auch der Staatssekretär Weizsäcker nahestand, die stand“ neue Geschäftigkeit der britischen Diplomatie mit Sorge: sie krieg)" würde Hitler erst recht zu Gewaltschritten reizen, meinte der Problem?""Staatssekretär, zumal sie ihre Warnungen mit einer lauten anti- her zuge" deutschen Pressepropaganda begleitete, statt sie in mehr vertrau- tichtangf” licher Form wirken zu lassen. Mit Weizsäckers Einverständnis dtaaten,© haben damals die beiden Kordts mehrfach Unterredungen dar- n zu stärk® über mit Vansittart gehabt(der gerade darum, weil er nicht mehr sch!""im Vordergrund des Foreign Office stand, den deutschen Oppo- | womög" sitionellen leichter zugänglich war). Ihre Kritik an der englischen In den Nürnber- davor gewarnt Jet mit 5’ Diplomatie wurde indessen übel aufgenommen. greifen ge) ter Prozessen von 1948 hat Vansittart seinen damaligen Ge- werfung”) 5 Drächspartnern vorgeworfen, sie hätten selber einer Expansion , welche IE Deutschlands nach dem Osten zugeneigt. Der\V erdacht, den er „kampf schon im Vorjahr in der Aussprache mit Goerdeler geschöpft zu )SteD, wur taben scheint, diese Oppositionellen wären im Grunde ebenso b hen Gegner, mag sich imperialistisch wie ihre nationalsozialistisc 240 Elftes Kapitel also damals noch mehr in ihm befestigt haben. Nun mag sein, daß aKtieg die Form ihrer Kritik zu solchen Vermutungen Anlaß gab. Es’\sdara steht aber fest, daß die beiden Kordts in vertraulichen Mitteilun-'\sderH: gen an das Foreign Office schon im Juni zu einer festen Haltung"\llınd. gegenüber der Polenpolitik Hitlers rieten und energisch darauf Thtsicl hinwiesen, daß es nur ein Mittel gäbe, seine Angriffsgelüste viel- leicht noch zu zähmen: den raschen und erfolgreichen Abschluß ingelr der britischen Verhandlungen mit Sowjetrußland. Sollten diese ton im scheitern, so würde das die größte Gefahr für den Frieden bedeu- runde, ten. Das Londoner Außenamt nahm diese Information mit vollem\:sinB Vertrauen auf und teilte sie Henderson(ohne Namensnennung)\hhbrer mit. Dieser zeigte sich ängstlich und unsicher, ob ein britisch-\hrübe russisches Übereinkommen nicht Hitler erst recht zum Lox- Samgen schlagen reizen würde; er hielt nach wie vor an der verfehlten torien Politik des Appeasement fest. Im Gegensatz dazu hat Weizsäcket, vertraulich zu»schweigsamer Festigkeit«(silence menagant) ge\hskau raten.*° Konnte die deutsche Opposition sich überhauptanders verhalten? Konnte sie etwasanderes empfehlen alsFestigkeit ohne aufreizende Propaganda und unter politischem Druck auf die Polen, die unselige Korridorfrage durch ein vernünftiges Ver- gleichsangebot aus der Welt zuschaffen? Alleskam darauf an, da3 Hitler die Möglichkeit genommen wurde, den geplanten Er- oberungskrieg als Unternehmung zur Wahrung eines höchst populären»nationalen Lebensinteresses« erscheinen zu lassen. Wie großen Wert hat Hitler selbst noch im allerletzten Augen- Bu vor Kriegsausbruch darauf gelegt, ein Aktenstück in det Hand zu haben, das vor der deutschen Öffentlichkeit seinen guten Willen zu einer vernünftigen Kompromißlösung i in der Korridor- frage beweisen sollte! Nur darum ließ er ja Ribbentrop in det Nacht vom 30. zum 31. August dem englischen Botschafter jenes 16-Punkte-Programm vorlesen, aber gleichzeitig als überholt er- klären und durch überstürzte Fristsetzung praktisch unannehm- bar machen. Hätte die britische Politik nicht erst in diesem letzten Augenblick mit höchster Energiein Warschau auf Verhandlungs- Norden, bereitschaft gedrängt und hätten die Polen sich nicht fortdauernd kn so unzugänglich gezeigt, so wäre es Hitler doch sehr erschweit{OR worden, seinem Volk die Unvermeidlichkeit des kriegerischen pe Machtaustrags glaubhaft zu machen. Jedenfalls konnte die deut- th sche Opposition auf kein anderes Ziel lossteuern als auf dieses- auch wenn sie(wie alle Welt) damit rechnen mußte, daß der Ge” waltmensch jedes politische Zugeständnis sogleich als bloßen Auftakt zu weiteren Erpressungen benutzen würde. Zum min- desten konnte man hoffen, durch diplomatische Verhandlungen ag sein, a laß gab, E ı Mitteilur en Haltın, isch darat! selüste vi: n Abschlul ollten die > den bedt mit volkı nsnennun in britist - zum L% e verfehlt Weizsäckt .nacanı) jauptande tigkeitoht uck aut&' aftiges Ve ah aut an, d& planten$r ines höch! 1 ZU Jasse! ‚ten Auge stück in& ‚einen gut „eKoreit 1trop I -hafter überholt| Vom Münchner Abkommen bis zum Polenkrieg 241 ten Kriegsbeginn noch hinauszuschieben. Unterdessen aber kam ales darauf an, dem kecken Spieler den stärksten seiner Trümpfe ass der Hand zu schlagen: das Bündnis mit dem bolschewistischen Iußland. Tatsächlich hat die deutsche Opposition schon sehr frühzeitig Warnungen vor einer deutsch-russischen Annäherung nach Lon- don gelangen lassen; Goerdeler selbst durch einen Mittelsmann schon im Mai auf Grund von Mitteilungen seiner militärischen freunde, 48 später Erich Kordt in Unterredungen mit Vansittart, de sein Bruder Theo noch im August fortsetzte, schließlich auch (wohl im August) im Gespräch mit Lord Lloyd. Sehr überraschend können diese Nachrichten im Foreign Office kaum gewirkthaben, da man dort(ebenso wiein Paris) immer sehr gut orientiert war; die ersten Warnungen vor einer bevorstehen- cen»vierten Teilung Polens« waren schon im Herbst 1938 aus Iloskau nach Paris gelangt und seither mehrfach wiederholt vorden.?? Man hoffte aber in London noch im August, selber ein \bkommen mit Stalin zustande zu bringen, und gab sich den utschen Sendboten gegenüber sehr zuversichtlich.»Beruhigen \e sich«, sagte Vansittart zu Erich Kordt,»»zr schließen ganz kestimmt das Abkommen mit der Sowjetunion ab.« Wahrschein- Ich glaubte er es selbst: war doch Litwinow, der russische Außen- ninister, zunächst sehr bereitwillig auf die englischen Vorschläge zar Sicherung Osteuropas eingegangen; aber auch Molotow, sein Nachfolger, bemühte sich bis Mitte August immer erneut, die Besorgnis der westmächtlichen Diplomatie vor einem Scheitern ihrer Bündnisverhandlungen zu beschwichtigen; und schließlich schien es ja wirklich fast undenkbar, daß die so oft und so laut verkündete Todfeindschaft zwischen Nationalsozialismus und folschewismus plötzlich verschwinden sollte. Das erwies sich nun freilich rasch als Irrtum. Man kann daran Kritik üben, wie überhaupt an den hastigen und verspäteten Ver- sıchen der Westmächte, jetzt noch, nach so zahlreichen Beweisen itrer militärischen und politischen Schwäche, einen diploma- tschen Schutzkordon gegen das Hitler-Reich zu errichten.*® In Rußland zählten zuletzt nur die Divisionen, von denen England far zwei(nicht motorisierte) sofort verfügbar hatte; außerdem \vckte hier der von Hitler angebotene polnische Beuteanteil und „debaltische»Interessensphäre«— beides war in einer westmächt- lichen Allianz nicht zu gewinnen. Vondem Augenblick an, in dem Eitler sich bereit fand, seine so oft proklamierte Todfeindschaft Zu vertagen(wenn auch nicht zu begraben) und zunächst gemein- sım mit Stalin das Polenreich aufzuteilen, besaß der Westen in % B N TE ES 242 Elftes Kapitel Moskau keine Erfolgschancen mehr. Denn was hätte die Sowjes in jetzt noch bewegen sollen, für den kapitalistischen Westen sich” auf ein blutiges Abenteuer mit der stärksten Militärmacht d& Kontinents einzulassen- für dieselben bürgerlichen Regierungen, deren Mißachtung der Roten Armee und des Rätesystems so oft" 0 hervorgetreten war!-, und das alles zur Rettung Polens, mit den sescht man noch so viele alte Rechnungen zu begleichen hatte und da sich selbst aufs heftigste gegen jede Allianz mit dem Bolschewis- ‚den mus sträubte? Aber gerade weil es so war- und die Berliner""®‘ Diplomaten um Weizsäcker wußten es sehr genau®®-, ist nicht ‚em al recht einzusehen, wie die britische Diplomatie die Warnungen Vs der deutschen Opposition hätte praktisch fruchtbar machen sol: len. Auch von Paris aus wurde ja dauernd energisch auf raschen"N Abschluß des Russenpaktes gedrängt- ohne daß es gelungen de 1tomm wäre, auch nur den Widerspruch der Polen gegen ein militärisches Eingreifen der Sowjets zu überwinden.°° Was England fehlte, pin| war letztlich einfach die materielle Macht, um mit der deutschen'*) 6 Wehrmacht in Moskau zu konkurrieren. So nahm das Schicks:l"und 2 unaufhaltsam seinen Lauf."tens Der deutsch-russische Pakt vom 23. August erstickte jeden Goer Gedanken an einen Putschversuch der Generäle im Keim. Nicht|"Io etwa deshalb, weil sie in ihrer Mehrheit(wie man in England|"le heute vermutet) entzückt gewesen wären, wieder wie in Seeckts Kart Zeiten Verbindung mit der Roten Armee zu bekommen, sondert ln ganz einfach deshalb, weil sich dadurch eindeutig das Über.)"ru gewicht der Macht auf die Seite Deutschlands verschob- zwar|"th noch nicht zahlenmäßig, aber nach der aktiven Kampfkraft des)"au Heeres. Wäre die französische Armee damals zu ebenso schneller""Fi und aktivem Vorstoß bereit und fähig gewesen wie die deutsche,|"ls so hätte sie freilich auch jetzt noch während der deutschen Bir-""de dung im Osten recht große Erfolgschancen gehabt.°! Aber nie-" Ntolg mand traute ihr jetzt noch sehr viel Offensivgeist zu, und so gro}'%h war immerhin die Bedrohung am Rhein jetzt nicht mehr, daß mat Öoed von unmittelbarer Gefahr für Deutschland sprechen konnte.“tilde So hatten die Warnungen vor einem neuen Zweifrontenktrieg,|"IK. die der Generalstab bei Hitler vorbrachte, von vornherein keine) rechte Überzeugungskraft. Dieser konnte seinen Generälen sagen, fir, bisher hätten sie ihn vor jeder seiner Unternehmungen dringend!abe gewarnt, und immer hätte er gegen sie recht behalten. Trotzden tin hat sich auch diesmal Halder überlegt, ob sich ebenso wie im| Vorjahr eine militärische Gegenaktion in Gang bringen ließe, A"top, Aber die Zeitspanne zwischen dem politischen Entschluß zun) Krieg und dem Beginn militärischer Handlungen, auf die er da-#"tk, | Vom Münchner Abkommen bis zum Polenkrieg 243 hals gesetzt hatte, um einen Staatsstreich auslösen zu können, Westen ieh at inzwischen von sechs auf fünf Tage, zuletzt auf einen halben ärmacht duN a verkürzt worden. Genaueres über den voraussichtlichen An- war weder bei Weizsäcker im Auswärtigen Amt noch \epjerungt‘, nei jeim Oberkommando der Wehrmacht zu erfahren; bekanntlich ons, mitde ı herrschte bis zum letzten Augenblick darüber Unsicherheit, atte un slbst in der Reichskanzlei. Durch Einführung genauer Zeittafeln Bolkdhn fir den Aufmarsch war diesmal auch dem Oberkommando des die Berlin Heeres die freie Verfügung über die Divisionen genommen. Vor en! ılem aber fehlte diesmal der zur Durchführung der Aktion ent- Warn schlossene Frontsoldat. Witzleben war nach Frankfurt versetzt, nacae s:in Nachfolger kam für Putschpläne nicht in Betracht; Brock- auf rasch corff, mit dem Halder darüber sprach, traute sich nicht zu, ebenso Be. vie dieser populäre General die Truppe mitzureißen; General eibiäris Iromm, der Befehlshaber des Ersatzheeres, erklärte sich nach Ar fehl{nem Tag Bedenkzeit außerstande mitzumachen. Dann war aber deutsch auch Graf Helldorf, der Polizeipräsident, nicht wieder»an die 1a Schi Hand zu bekommen«, wie Halder berichtet; Canaris und Oster Hätten sich vergeblich darum bemüht.>? ickte jet Goerdeler seinerseits, beständig auf Reisen, scheint in den letz- Keim Ni in Monaten vor Kriegsausbruch nur noch mangelhaft über die > Bol innerdeutschen Vorgänge orientiert gewesen zu sein. Eine Denk- an“ ‚ Schrift»Die Lage Ende Juli 1939«, die er wohl im Ausland(viel- je il be licht in der Türkei?) verfaßt hat,5® will nicht an baldigen Kriegs- nen,“ asbruch glauben und meint, die Welt warnen zu müssen vor das„ iiner bevorstehenden großangelegten Friedenspropaganda Hit- chob-EBlts, ausgehend von dem für September angekündigten»Parteitag pfeil” des Friedens«. Auch die»Nichtangriffspakte«, die der Führer 50 schne! tamals mit einer Reihe kleinerer Staaten abschloß, scheinen ihn die En auf diese Vermutung gebracht zu haben. In Wahrheit, meint er, utschen verfolge der Tyrann nur das Ziel, durch verlockende Angebotean e Abt" iinzelne Mächte die Einheitsfront seiner Gegner aufzuspalten. unds0®" Goerdelers Hauptanliegen ist demgegenüber eine ausführliche chr, dab? Schilderung der Greueltaten des Naziregimentes insbesondere in konnte den Konzentrationslagern, an deren Schrecken man in Deutsch- land zu glauben sich sträube. Dennoch sei Hitler ganz persönlich - tufür verantwortlich. Es sei unbegreiflich, wie man im Ausland 2 gauben könne, mit einem solchen Unmenschen sich überhaupt _ Verständigen zu können. Statt ihm den Weg zur Macht zu ebnen, Sollte man ihm einen großen konstruktiven Plan zur Neuordnung Europas entgegenstellen. Gewaltige moralische Gegenkräfte des KT besseren Deutschlands, aber auch Italiens, würden dann gegen ""de faschistische Tyrannei aufstehen, die bisher immer wieder ent- 244 Elftes Kapitel mutigt und zurückgeworfen worden wären durch die außen|, politischen Erfolge Hitlers.»Trotz ausreichend vorhandens Machtmittel«, meint der Verfasser, haben die Staatsmänner ds| un! Westens ihn bisher nicht bekämpft, sondern»immer aufs neue|. sanktioniert...« Aberauch diese Erfahrung kann den moralischen”| Noel Optimismus Goerdelers nicht erschüttern. Auf die Dauer, ver iin sichert er,»lassen sich die moralischen Grundgesetze nicht von vi Tyrannen umbiegen. Sie werden mit unerhörter Wucht aus den|(9, natürlichen Empfinden und der Anständigkeit der arbeitenden| Massen und einzelner intellektueller und religiöser Führer hhervor-|\. j, brechen«.»Hitler selbst erfüllt langsam die Bedingungen, diezu j1jk seinem Zusammenbruch führen müssen.« Wird nur erst einmal| ‚+, der große Bann durchbrochen, dann wird die Welt mit Über raschung erleben, welche gewaltigen Kräfte zur Wiederherstel lung einer vernünftigen Weltordnung zusammenströmen können.|„7 So war die Gesinnung, die unseren Patrioten am Vorabend dit||,j, großen Weltkatastrophe erfüllte. Siehat ihn auch durch die fürcı- terlichsten Erlebnisse und Enttäuschungen der kommenden| 7;, Kriegsjahre hindurchgetragen. Irgendeinen Einfluß auf den Ab| 11. lauf der Ereignisse, die zum Kriegsausbruch führten, konnte«t ebensowenig gewinnen wie seine Freunde: General Thomas, det vergeblich versuchte, noch imletzten Augenblick miteinergründ- lichen Denkschrift über die bedrohliche Wirtschaftslage Deutsch.., Ä lands den Chef des Oberkommandos der Wehrmacht, Generil Keitel, in seiner unbedingten Hitlerhörigkeit zu erschüttern, ode! Schacht, der(nach der Erzählung von Gisevius) die Absichthattt, unmittelbar nach der Kriegserklärung über Halder, den General stabschef, das Oberkommando des Heeres zur Gehorsamsver weigerung aufzufordern, und zwar unter Berufung auf die Ver, fassungswidrigkeit einer Kriegserklärung ohne Zustimmung des Reichstags.* Diesem völlig aussichtslosen Schrittist dieunerwar| 7. =J tete Verschiebung des militärischen Marschbefehls am 25. August" a zuvorgekommen. Oster hielt sie in vorzeitigem Optimismus für ne ein Zeichen dafür, daß Hitler den Krieg doch nicht durchzuführen" R:: wage, seit ihm der feierliche Abschluß des englisch-polnischet ie. Beistandsvertrags an demselben Tag gezeigt habe, wie ernst&| In diesmal den Westmächten mit ihrer Kampfbereitschaft wäre. I’| he Wirklichkeit handelte es sich nur um einen letzten Versuch de be Diktators, durch allerhand Freundschaftserbietungen die britischt hr Politik doch noch in die Neutralitätabzudrängen, außerdem durch bi ein Scheinangebot an die Polen zu friedlicher Regelung der Kor} an ridorfrage die deutsche Öffentlichkeit über seine wahren Absich-#|), ten zu täuschen. Staatssekretär von Weizsäcker hat noch afl 1 die aul H vorhanden‘: smänner di jer aufs nei moralisch: Dauer, wei‘ ze nicht vı scht ausdea* - arbeiten“ ihrer henio- A ıngen, dien! r erst einm: It mit Übe- Tjederherst‘- men könnt. Torabendii” ‚ch diefüte kommend auf den di": >, koniit Thomas,‘ peinergfül age Deu ıcht, GE hüttern,& Absicht) l den GEN! chorsanst auf die! timmung“ Vom Münchner Abkommen bis zum Polenkrieg 245 \1. August versucht, über dieses Scheinangebot der»16 Punkte« ine ernsthafte Verhandlung in Gang zu bringen. Als Mittels- nann rief er den ehemaligen Botschafter in Rom, Ulrich von Has- well, zu Hilfe, der auch längst zur entschiedenen Opposition ge- hörte und der nun sogleich seine guten Beziehungen zur Familie Sörings und zum britischen Botschafter Henderson in diesem »inne zu aktivieren versuchte- natürlich ebenfalls vergeblich.°° Goerdelers Rolle in diesen letzten aufgeregten Tagen bleibt undeutlich. Am 14. August traf ihn Hassell in Berlin, entschlos- en,alles zutun, was sich zur Verhinderung des Krieges etwa noch wn ließe. Den Kriegsaufschub vom 25. hat er benutzt, um so- zleich am nächsten Tage nach Schweden zu fliegen— hauptsäch- ich, wie es scheint, im Geschäftsinteresse der Firma Bosch. Doch nat er damals auch vergeblich versucht, mit einem hervorragen- len Mitglied der deutschen Emigration am 2. Septemberin Stock- holm sich zu treffen— anscheinend mit der Absicht, eine Dauer- rerbindung mit England auch für den Kriegsfall zu verabreden.?® Für ihn hat vom ersten Tag an kein Zwreifel daran bestanden, Haß der nun anhebende Krieg nicht Deutschlands Krieg war, son- lern der Machtkampf eines gewissenlosen Abenteurers und Welt- »roberers. Die fürchterlichen Gewissensnöte, äußeren und inneren Gefah- sen, die den Patrioten des deutschen Widerstands aus dieser Hal- ung in den nächsten Jahren erwachsen sollten, werden uns noch viel beschäftigen. £wölftes Kapitel: Letzte Versuche zur Löschung des Weltbrandes Winter 1939/1940) Kein Deutscher, der schon die Augusttage von 1914 miterlebt natte, wird jemals den Eindruck tiefer Beklemmung vergessen sönnen, mit der das deutsche Volk die Kriegsproklamation Hit- ers im Reichstag am 1. September 1939 aufnahm. Welch ein Ge- zensatz zwischen dem naiven Enthusiasmus der Kriegsfreiwil- ügen von ehedem, die zu Hunderttausenden in die Kasernen trömten, ehrlich bereit, sich für das bedrohte Vaterland zu opfern, und dem stumpfen Gehorsam einer durch Terror gewaltsam . Misziplinierten, zu blinder, gedankenloser Gefolgschaft erzoge- nen, aber auch durchmilitante Propaganda betäubten und verwirr- ven Masse, die 1939 Hitlers Fahnen folgte!»Das ist das Ende Deutschlands!« stöhnte der feinnervige Canaris, als er die Nach- eicht vom Matschbefehl des Führers empfing. Aber wieer dachten 246 Zwölftes Kapitel Unzählige im Land, die seit 1936 mit steigender Besorgnis die Außenpolitik des großen Abenteurers verfolgten, denen der Stalin-Pakt die letzten Zweifel an dem nackten Machiavellismus seines Machtstrebens zerstört hatte und die nun ihre Söhne- grau samste aller politischen Zumutungen!- in den Tod geben sollten für eine letztlich verruchte Sache. Daß es in Wahrheit gar nicht um den Korridor und um Danzig ging, sondern um maßlosx. Eroberungsträume eines en wurde freilich erst nach und nach deutlich: als man bedenl edles das Deutschtum der bıl tischen Länder mit seiner uralten, adlig-bürgerlichen Kultur aus seiner Heimat vertreiben ließ und dem Elend einer»Umsiedluns« preisgab, die Hitler obendrein als geniale Lösung östlicher Ni- tionalitätenprobleme anzupreisen die Stirn hatte; als die erste Gerüchte aus dem eroberten Polen kamen von schändlich-rohtt Mißhandlung des Polenvolkes, von Ausrottung der polnischa Intelligenz, der Judenschaft und weithin auch der Geistlichkeit- Gerüchte, die jedem sittlich gesunden Deutschen das Blut koch& ließen vor ohnmächtiger Empörung und Scham. Aber das dumpfe Empfinden, daß dieser Eroberungskrieg ein gewissenloses Spid mit dem Schicksal Deutschlands bedeute, war doch von Anfang an weit verbreitet, von sogenannter»Kriegsbegeisterung« nit gends etwas zu spüren. Wer, wie der Verfasser, die ersten Krieg wochen unmittelbar an der Westgrenze, gleich hinter dem soge- nannten Westwall erlebte, erinnert sich deutlich, wie eigentlic) jedermann erwartete, daß es nun ganz bald Feuer und Phosphe! vom Himmel regnen und naher Geschützdonner das Vorrücken der vereinigten französisch-britischen Armeen über den Rhein verkünden würde. Denn daß die wenigen, höchst mangelhaft aus- gebildeten und ausgerüsteten Landwehr- und Ersatzdivisionen, die hier am Oberrhein standen, imstand sein sollten, einem Grof- angrift der westlichen Armeen ernstlich standzuhalten, erschien selbst ihren eigenen Führern- in allen Dienstgraden!- höchst ur- wahrscheinlich.! Aber das Wunder geschah: es blieb totenstill an dieser Front. Niemand regte sich, um dem deutschen Aufmarsch gegen Poleı in den en zu fallen. Die französische Armee vergrub sich in den Kellern ihrer Maginotlinie, kein feindlicher Flieger schien sich nach Deutschland hineinzuwagen, und was die feindliche Radiopropaganda an fingierten Erfolgsmeldungen und Aufrufen an die deutsche Bevölkerung durch den Äther sandte, wirkte auf" die deutschen Hörer(soweit sie wagten, sich einzuschal teils lächerlich, teils schwer ernüchternd. Unterdessen bestand die neu? Armee Hitlers ihre erste Feuerprobe glänzender, als irgend je: tundir Pnzera AneWı Ile vor \Ithod fhnzös! Nethod I prof Habes tn die mi \ Letzte Versuche zur Löschung des Weltbrandes 247 Besorgnis c n, denen( chiavellisni "'handin der Welt erwartet hatte. Die neue Technik des massierten Panzerangriffs in Verbindung mit dem Luftkampf ermöglichte m ine Wucht und Beweglichkeit der Strategie, die mit einem Schlag Söhne-gri le vom Ersten Weltkrieg überkommenen Vorstellungen und gebensoli®\Yethoden über den Haufen warf.(Trotzdem klammerte sich der heit ger ih anzösische Generalstab in starrem Doktrinarismus an diesen um mail“\ethoden fest.) Die deutsche Opposition aber geriet angesichts erstnachui|o großer und rascher Erfolge Hitlers in schwere Verlegenheit. tum derlü Gab es überhaupt noch eine Möglichkeit, das deutsche Volk ge- 2 Kultus ven diesen Mann aufrufen zu wollen, dessen außenpolitischer Umsiedui! Optimismus sich immer wieder gegen alle Zweifler bestätigt und östlicher I ler nun auch die ersten militärischen Triumphe seinen innen- als die en® volitischen hinzugefügt hatte? ändlich-toi® Man sieht sehr deutlich aus den Tagebüchern Hassells,? der seit er polnisch Kriegsausbruch immer häufiger mit Beck, Goerdeler und ihren eistlichkei- ngeren Freunden in Verbindung trat(sie holten ihn alle Augen- sBlutkot“! jlicke als außenpolitischen Berater von München nach Berlin), erdasdun® Wie groß die Ratlosigkeit dieses Kreises war. Die militärischen ‚enloses a5 Erfolge in Polen änderten nach seiner Meinung nicht das ge- von Anl! ingste an der Tatsache, daß Deutschland in einen auf die Dauer sterung( FT Lrotz allem) aussichtslosen Kampf gegen die Westmächte ver- ıstenKi@'\trickt war. Das»Vorrücken des Bolschewismus auf der ganzen er dems0'" Front und dicht an unsere Grenze« empfand man als Bedrohung yie eigen‘ ver ganzen europäischen Kultur, die Entwurzelung des baltischen nd Phopt"" Deutschtums und vollends die»Bestialitäten der SS in Polen« als ‚5 Vorric“" tine nationale Schmach. Für Goerdeler kam noch hinzu, daß er ‚r den AF"das Abgleiten in eine halb- oder ganzsozialistische Kriegswirt- gelhaft schaft fürchtete und sich schon jetzt in den düstersten Prophe- tzdivisiot" erging über baldiges Versagen der deutschen Ernäh- einem 60°" tungswirtschaft, Rohstoff-, Waffen- und Munitionsbeschaffung. ten, essch"" Binnen sechs Monaten, behauptete er, würde ein scharfer Druck ‚_ höchst?"" Dürbar sein, länger als 18 Monate ginge es überhaupt nicht. Aber wie sollte man das deutsche Volk von der Größe dieser Gefahren dieset Pu und vonder Notwendigkeiteinesinneren Umsturzesüberzeugen? oegen por Das war um so schwieriger, als es zunächst schien, als wolle der = sc") Diktator nach dem Triumph über Polen auf der Bahn seiner Er- jieger sch® tberungen innehalten und mit den Westmächten eine Verstän- f Li suchen. Seine Reichstagsrede vom 6. Oktober enthielt "zwar kein konkretes Friedensangebot, wohl aber einen Appell “a die Westmächte, sich durch uneingeschränkte Anerkennung rieden zu erkaufen. Im latter Kapitulation. Aber hickt zu *iner bisherigen Eroberungen den F Grunde war das eine Aufforderung zu 8 (er Meister der Demagogie wußte seine Worte so gesc j 248 Zwölftes Kapitel| N wählen, daß die Masse der Deutschen glauben mußte, es läge nut an der böswilligen Eifersucht und Machtgier der westlichen Di: plomatie, wenn nun die Sicherung eines europäischen Dauerftie| dens, mit Abrüstung und endgültigem Ausgleich aller alten Ge gensätze zu Frankreich, nicht zustande käme. Dieser Eindruck wurde durch eine gewaltige Presse- und Rundfunkpropagandı für den Frieden noch verstärkt. Nur die wenigsten Deutschen b«- griffen, daß der»Führer« sich selbst um jeden außenpolitischen Kredit gebracht hatte und daß deshalb ein zweites München, wie er es forderte, nicht mehr möglich war. Noch weniger ahnten sie, was in Wahrheit sein Innerstes bewegte: Frohlocken über das Stillesitzen der französischen Armee, das er(mit Recht) als Be- weis der Schwäche seiner Gegner empfand, die Gewißheit, jetzt den Rücken frei zu haben für eine große Westoffensive, die ihn gewaltig verlockte, die Besorgnis, eines Tages könnte sich das ändern und die unnatürliche Freundschaft mit dem Bolschewis- mus zerbrechen- im Hintergrund(noch unausgesprochen, aber niemals aufgegeben) das Fernzeil einer Eroberung deutschen Le- bensraums in Rußland, sobald erst einmal die westlichen Gegnet wehrlos am Boden lägen. Das Wesentliche dieser Gedanken hat er schon kurz vor seiner Reichstagsrede dem italienischen Außen- minister Graf Ciano offenbart, und ehe noch Daladier und Cham- berlain auf seine Friedenserbietung antworten konnten, hat er sit den Oberbefehlshabern der drei Wehrmachtteile in einer großen Denkschrift(vom 9. Oktober) dargelegt, die bereits einen aus- führlichen Feldzugsplan zur»endgültigen militärischen Erledi- gung des Westens« enthält.3 Was ließ sich nun praktisch tun, um die propagandistische Wir- kung der Hitlerischen Friedensoffensive auf das deutsche Volk abzuschwächen? Goerdeler kam auf seine alte Idee zurück: die Westmächte sollten etwas tun, um die Initiative in der Friedens- frage an sich zu reißen, d. h. sie sollten dem deutschen Volk Be- friedigung seiner gerechten Ansprüche im Osten in Aussicht stel- len, dazu freien Zugang zur Weltwirtschaft, wenn die deutsche Regierung bereit wäre, Polen(ohne seine»deutschen Gebiets-" teile«) und die Tschechoslowakei in den Grenzen von München wiederherzustellen, gleichzeitig aber eine gesicherte Rechtsord- nung in Deutschland zu schaffen und sich an einer allgemeinen Abrüstung mit wirksamer internationaler Kontrolle(besonders im U-Boot- und Flugzeugbau) zu beteiligen. Ließe sich Hitler darauf ein, so»würde die Entwicklung ihn und uns mit sich fott- | EN VONRG | reißen«; sträubte er sich, so müßte man»über ihn hinweggehen«|\ Dabei dachte er in diesem Augenblick nicht mehr an eine Militär- terolte !nGec Popitz, er tt N ohlbe benfal Das ktsche Reichs is Ch Terdie: uch y dindur Rech \then: Nelnı teltye Plan Naise Driise maß acht en Nerste Letzte Versuche zur Löschung des Weltbrandes 249 6, eslägen" jevolte, sondern an ein Kabinett Göring als»Übergangslösung«- estlichenD}} Hin Gedanke, dem auch Hassell und der preußische Finanzminister :n Dauetti«s Popitz, der sich in diesen Wochen wohl zum erstenmal mit Goer- leraltenG« leler traf, zustimmten. Beide setzten noch immer auf Görings er Eindudl wohlbekannte Friedensneigungen und hielten einen Putsch wohl kpropagndın:benfalls jetzt für aussichtslos.* jeutschenh Das Utopische, ja Verfehlte dieser»wilden Pläne« hat Goerde- .npolitischn'erschon nach wenigen Tagen selbstempfunden. Daß der korrupte fünchen,'- Reichsmarschall weder als Opponent gegen seinen Führer noch orahntens‘, ls Chef einer»Übergangsregierung« irgendwelches Vertrauen en über dis Verdiente, bedarf keiner Erörterung.(General Beck äußerte denn echt) as} uch von vornherein den stärksten Widerwillen gegen jede Ver- rißheit, ex»indung mit ihm.) Aber es gab noch ernstere Bedenken. Den 1sive, die! ‚Rechtsstaat wiederherzustellen« war schließlich Sache der Deut- Inte sich"chen selbst. Goerdelers(auch später noch öfters hervortretende) Bolscher' Neigung, dafür das Ausland zu mobilisieren, war im Kriege dop- k»eltverfehlt:jeder Einmischungsversuch von draußen hätte fatale ‚rochen, ax" 7=“ eutschaal,. geweckt an Wilsons Verlangen von 1918, den chen Gegt Kaiser zu stürzen. Recht hatte er natürlich mit dem Wunsch, die danken!»ritisch-französische Antwort auf Hitlers Rede möchte einerseits ;;. h» i n N 7& chen Auk maßvolle« Forderungen bringen, die dem deutschen Volk ein ‚rund Char euchten könnten, anderseits keine Zugeständnisse an eine so wenig vertrauenswürdige Regierung machen vor der Wieder- ei En verstellung eines neuen, besseren Rechtszustandes. Aber wie hät- ts einen eg RL die Westmächte hoffen können, Hitler auch nur den gering- chen Bil ‚ten Teil seiner Beute zu entreißen, solange die französische Ar- nee in ihrer Maginotlinie stillesaß, gemächlich seinen Angriff er- istische N wartend? Das einzige, was Chamberlain damals tun konnte, um „utsche VO die deutsche Opposition zu ermutigen, hat er getan. In seiner Ant- “N Wortnote vom 12. Oktober verkündete er laut:»W ir beabsich- we ägen nicht, ein Deutschland von seinem berechtigten Platz in de Suropa auszuschalten, das in Freundschaft und Vertrauen mit gen\ I ınderen Nationen zusammenleben will. Wir meinen im Gegenteil, N is taß kein wirkungsvolles Heilmittel für die Leiden der Welt ge- e Geb“ unden werden kann, das nicht Rücksicht nimmt auf die gerechten hen ch Ansprüche und Bedürfnisse aller Nationen.« Die britische Regie- er Ye“ung sieht künftigen Lösungen»auf dem Wege der Verhandlung ö Ba ınd Übereinkunft« entgegen_ wenn»die Zeit dazu kommt«. i allge\"Wir sind nicht mit Racheabsichten in den Krieg eingetreten, son- e ben lern nur, um die Freiheit zu verteidigen. Wir suchen keine mate- € sch fon):iellen Vorteile für uns. Wir wünschen nichts vom deutschen its I Volk, was seine Selbstachtung verletzen könnte.« Das Zielisteine nu, u Pessere internationale Ordnung, die den Frieden dauernd sichert. & 250 Zwölftes Kapitel| »Ich bin sicher, daß alle Völker Europas, einschließlich des deut- schen Volkes, sich nach Frieden sehnen, einem Frieden, der& ihnen ermöglichen wird, ihr Leben ohne Furcht zu verbringen« usw. Deutlicher konnte der britische Premier kaum reden, um seine Bereitschaft zu einer Verständigung mit einer Regierung auszu- drücken, die den Friedenswillen der Mehrheit des deutschen Vol| kes repräsentierte. Es ist sehr merkwürdig, daß man diese Erkli- rung im Lager der deutschen Opposition zunächst gar nicht bt- achtet zu haben scheint- noch merkwürdiger, daß man sie als eine persönliche Zusage Chamberlains an die Mitglieder der Oppos- tion betrachtete, als der britische Diplomat Convell Evans in da letzten Oktobertagen eine von ihm selbst gefertigte, eilige Ab- schrift der zitierten Stelle nach der Schweiz mitbrachte und sie dort Theo Kordt vorlegte.(Die beiden hatten unmittelbar vor Kriegsausbruch gelegentliche Zusammenkünfte im neutrale Ausland verabredet.) Freilich versicherte der englische Übermitt- ler ausdrücklich, Neville Chamberlain betrachte diese Erklärung als eine feierliche Verpflichtung und werde sie gegenüber jeder vertrauenswürdigen Regierung, die an Hitlers Stelle träte, un bedingt einhalten. Hitlers Friedensappell an die Westmächte wurde von Daladie und von Chamberlaininihren Antwortreden vom 10.bzw.12.Ok tober eindeutig abgelehnt. Trotzdem wollten Beck und seint Freunde die Hoffnung nicht ganz fahren lassen, es könnte dipl» matische Auswege zur Vermeidung oder zum mindesten Ver tagung des großen Weltkonflikts geben. Phantastisch mutet dei Gedanke Goerdelers an, sich selbst über Göring dem Führer al Mittelsperson anzubieten, um die Engländer zu einem Friedens angebot mit vernünftigen Bedingungen zu bewegen. Dabi dachte er wieder an die»Methode Talleyrands«: man müßte di englische Angebot mit Bedingungen verknüpfen, die für Hitl« unannehmbar wären; er würde es ablehnen, und das würde seine! Sturz erleichtern. Weniger»sanguinisch« waren die Bemühun- gen Schachts, dessen Auslandsbeziehungen vor allem Gisevius2zU aktivieren versuchte. Am 16. Oktober schrieb er einen Brief z1 den ihm befreundeten amerikanischen Bankier Frazer(frühe! Präsident der Basler BIZ), in dem er anregte, Präsident Roosevelt möchte sich als Friedensvermittler einschalten— nötigenfalls zu nächst auf mehr privatem Wege; dabei wurde in vorsichtiget Wendungen angedeutet, die Eröffnung solcher Friedensgespräch“ könnte förderlich sein»für die Entwicklung gewisser Voraus setzungen« für ihren Erfolg. Hier war also vor allem an Zeit: ferinn komme jember Letzte Versuche zur Löschung des Weltbrandes 251 ich des du ieden, der verbringen | rewinn gedacht, um die innere Opposition gleichsam zu Atem kommen zu lassen.” Der Brief blieb unbeantwortet. Anfang No- ember bot sich Schacht sogar an, selbst zu politischen Bespre- \/hungen nach Amerika zu kommen; er hoffte zu einem Vortrag len, ums ngeladen zu werden, der ihm als Tarnung seines Reiseziels dienen erung aus!-önnte, Nun war der amerikanische Geschäftsträger Kirk, der utschen\®!iesen Wunsch übermittelte, schon seit der Hitler-Rede vom diese Bil ‚ Oktober von vielen Seiten mitähnlichen Anregungen, Amerika gar nicht In möge den Mittler spielen, bestürmt worden; einzelne davon an siealseit tammten aus der nächsten Umgebung Hitlers(wahrscheinlich der Oppoö uch von Göring) und waren offensichtlich als Propaganda- Evansinl® Manöver zu betrachten, um Hitlers Friedenswillen den Neutralen te, eilige A nı demonstrieren. In Washington vermutete man, daß auch ıchteund®\chacht zu solchen Manövern benutzt werde— gerade deshalb, mittelbat 1% weil er im Ausland als Oppositioneller galt. So beschloß man, im neutn ‚war keine Einwendungen gegen eine Vortragsreise zu erheben, ‚he Über" ber jede politische Verbindung mit ihm abzulehnen. Im übrigen se Erklintl! hatte Staatssekretär Cordell Hull schon seit Jahren gegen die Nei- yenüber|“) jung Roosevelts opponiert, die aussichtslose Rolle eines Vermitt- le träts, X]=rs zwischen den europäischen Mächten zu spielen. Mit gutem | Grund hielt er jetzt jeden neuen Versuch für zwecklos, ja schäd- vonDaht*! ch, weil er dazu dienen könnte, den Rüstungseifer der West- „bzw. mächte zu schwächen.® ci und seöt Alle Pläne einer Friedensvermittlung waren zu Ende, als Hitler könnte di X ım 27. Oktober den Spitzen der Wehrmacht seinen festen Ent- ndesten N“! schluß mitteilte, nunmehr ohne weiteres Zuwarten die Groß- ‚ch mutet©] dfensive im Westen zu eröffnen, und als ersten Angriffstag den ı2. November bestimmte. Damit ergab sich für die Opposition ne völlig veränderte politische Lage. Alle höheren Stäbe des iX Heeres, aber auch der Marine und der Luftwaffe einschließlich Cörings, waren sich einig darin, daß ein Großangriff durch Hol- l:ndund Belgien zum mindesten in diesem Augenblick, unter den \agünstigen Wetter- und Bodenverhältnissen des November, h#i" praktisch aussichtslos wäre. Den Generälen des Heeres schwebte N 252 Zwölftes Kapitel nützten Maschinenparks und Waffenmaterials, nach wesentlicher Vermehrung des Munitionsbestandes, Steigerung der gesamten Kriegsproduktion, Ergänzung der zunächst höchst unzuläng lichen, z. T. aus tschechischen und polnischen Beständen not dürftig ergänzten Infanterieausrüstung mit Waffen und Beklei dungsstücken und anderem mehr. Bedenkt man die relativ ge tl, ca fa ringe Zahl von kampffähigen Divisionen, die im Herbst 1939 erst| Nor zur Verfügung standen(alles in allem 52), den völlig unzuläng-«0: lichen Bestand an Kriegsschiffen(nur 27 Hochsee-U-Boote!)| silke bedenkt man weiter die Unsumme genau spezialisierter, höchst| ılk, verwickelter Vorbereitungen, die schon der Durchmarsch durch|&sß: Holland und Belgien erforderte: die Erkundung von Einzelheiten|:n, der Flußübergänge, der Sperrforts, des Überschwemmungssy-| nl stems, der Flugplätze, die Ausrüstung und Instruktion von ge|%: tarnten Stoßtrupps i in fremden en die Ausbildung und oral Erprobung neuartiger Methoden zur Überwältigung starker mo-| Ohne: derner Sperrforts, die Berechnung der genauen Landepunkteund Nik Landezeiten der Fallschirmjäger und Gleitflugzeuge— Einzel| heiten, von deren Durchführung das Gelingen eines blitzartigen| Durchbruchs durch die neutrale Zone großenteils abhängig war bedenkt man schließlich, daß bis zum 10. Oktober überhaupt| hir noch kein Feldzugsplan für die Westfront vorlag, so begreift man| xl ohne weiteres das Entsetzen, ja die Verzweiflung, mit der dasT| Hhren Oberkommando des Heeres den Befehl Hitlers aufnahm, binnen| ip zwei Wochen den Großangriff zu beginnen. Dieser Befehl wat, lin: schon rein technisch betrachtet, heller Wahnsinn. Aber hinter de nn, militärischen Sorgen standen noch tiefere: die Furcht, in{alı) IM Kriegsunternehmen hineinzugeraten, das sich über kurz od«| ie lang zu einem neuen Weltbrand ausweiten würde und desset” re Ende niemand voraussehen konnte. Schließlich und nicht zuletz!” nn. der sittliche Widerwille gegen die brutale Mißachtung der Neu tralität kleiner Nachbarstaaten, denen eben erst durch die Hitler|«y; Regierung die Achtung ihrer Grenzen feierlich verbrieft worden|'(y., war und die nun ohne Warnung eines Nachts überfallen werden”| x.) sollten. Sowohl Brauchitsch wie Halder sträubten sich leiden”|, schaftlich dagegen, zur Mitwirkung bei einem Unternehmen gt” zwungen zu"werden, das Deutschland abermals, und noch vie! ärger als 1914, in a Ruf des Weltfriedensbrechers bringe würde, Sie boten alles auf, um Hitler davon zu überzeugen, dal" er den Krieg viel sicherer und leichter gewinnen würde, wenn«{” den Angriff der Westmächte abwartete. Frankreich könne einet Vorstoß nur durch Belgien in der Richtung auf das Ruhrgebit#| wagen. Eben dies aber wäre für Deutschland der am meisten et l km Letzte Versuche zur Löschung des Weltbrandes 253 wesentlicht wünschte Fall(wie er es im Grunde schon 1914 gewesen war). der gesane!\obald sich erst einmal die französische Armee losgelöst hätte von st unzulitg‘ iırer Maginotlinie und über die belgische Südgrenze vorstieße in ständen a!!en flandrisch-wallonischen Raum, wäre sie reif zum»Sichel- \ und Bell#! chnitt« durch die große deutsche Gegenaktion. Aber alle Vor- ie relativ} sellungen blieben vergebens. rbst1996% und politische Bedenken standen für die Mitglieder lig unzulitt(er Oppositionsgruppe um Beck weitaus im Vordergrund; sie -e-U-Boot\ Sielten aber auch bei Halder und Brauchitsch eine sehr große ierter, hicw Tolle, und deren militärtechnische Sorgen verschärften sich durch marschdur® tas Bewußtsein einer schweren sittlichen Verantwortung für das ‚ Einzelhei“ leben der Soldaten, die für ein ebenso unnötiges wie gefahrvolles, vemmungsiy}- zuletzt verderbliches Unternehmen eingesetzt werden sollten. tion vonf® So tauchten mit einem Male auch die Staatsstreichpläne des bildung" Yorjahres wieder auf. Seit Ende Oktober sieht man die Berliner g starker. nt"ppositionsgruppe wieder fieberhaft bemüht, sie irgendwie ins Verk zu setzen. Als einer der entschiedensten Aktivisten war wieder Goerdeler it&tig. Schon zwei Tage nach jener Aussprache Hitlers mit dem \rmeeoberkommando, in der er den Angriffstermin festgesetzt „ latte, sieht man ihn beschäftigt mit der Vorbereitung einer Ge- ex über: ‚begreift ml senaktion. Da er selbst wieder für ein paar Tage nach Schweden °}.”.. mit der£ hren mußte(zu geschäftlichen Verhandlungen für Bosch), bater U nahm bin?! ten Botschafter von Hassell zu Beratungen nach Berlin und er- ’ ll:. 2, 3> re° Befehl WÄR"arte ihm, mit allen Friedensaktionen vom Ausland her sei es ‚tun aus. Es müsse in dem Augenblick»gehandelt« werden, in inter‘ e je ccm Hitler den Befehl zur Offensive erteile. Dieses»Handeln« ‚er kurz\ tachte er sich offenbar als offenen Ungehorsam der Militärs mit b und des tnchfolgendem Staatsstreich. Sei dies nicht zu erreichen, so würde dnicht„ge immer noch Zeit sein nach den ersten militärischen Rückschlägen der Ne dann allerdings mit wesentlich verschlechterter Aussicht, einen OR ei unständigen Frieden« zu bekommen. Auf Brauchitsch setzte ” h won‘) Goerdeler geringes Vertrauen, größeres dagegen auf seinen Ge- brielt ‚g0 teralstabschef Halder; vielleicht gelänge es immerhin, den Ober- & fallen- tefehlshaber dahin zu bringen, daß er Halder statt seiner handeln „- leße-»handeln« im Sinn eines Gegenbefehls an die Armeekom- U tandos, nicht zur Offensive anzutreten. Von diesem Augenblick „0, meinte er optimistisch, würden genügend entschlossene Ge- y teräle zur Durchführung des Staatsstreichs zur Verfügung stehen. m ‚ Eine militärisch-politische Denkschrift sei inzwischen ausgear- 2% beitet und Brauchitsch bereits vorgetragen worden.” nn In der Tat gab es Denkschriften dieser Art die Fülle. Einige duvon hatte Beck geschrieben; sie waren sehr umfangreich und 254 Zwölftes Kapitel mit vielen Belegen versehen und fanden sich später(1944) unter den von der Gestapo entdeckten Papieren des OKH in Zossen,!! sindalso wohlauchan Halder gelangt. Ein weiteres Memorandum verfaßte General Karl Heinrich von Stülpnagel, Oberquartier- meister I und Stellvertreter des Chefs im Generalstab, der schon 1938 an den Putschplänen großen Anteil gehabt hatte und jetzt als eine der aktivsten Kräfte der Militäropposition erscheint. Von dem Adel seines Charakters und der Weite seines geistigen Hori zonts und seiner Bildung berichten alle, die ihn kannten, mit der größten Hochachtung.!! Seine Denkschrift, die vor einem Grob: angriff im Westen warnte, konnte sich auf verschiedene Eingaben hoher militärischer Führer berufen, die schon seit Mitte Oktober an die Oberste Heeresleitung gelangt waren. Besonders eindrucks- voll war die des Generalobersten Ritter von Leeb, Oberbefehl;- haber der Heeresgruppe C, vom 11. Oktober gewesen, die außer den militärischen auch sehr nachdrücklich politische Bedenken erhoben hatte und die sittlich-religiösen Wurzeln der Opposition dieses Generals deutlich erkennen ließ. Leeb hat seine Einwände durch einen Privatbrief an Brauchitsch vom 31. Oktober noch stark unterstrichen, am 10. November den vergeblichen Versuch gemacht, alle drei Oberbefehlshaber der Westfront zu einer ge meinsamen Rücktrittsdrohung zu bewegen, und sich Halder zu jeder Form des Widerstands zur Verfügung gestellt.'? Die entscheidende Frage war, ob es bei den bloßen Denkschti- ten und aussichtslosen mündlichen Vorstellungen bleiben würde. Darüber urteilten die meisten der Verschwörer— im Gegensal zu Goerdeler- äußerst pessimistisch.!? Indessen kam gegen End Oktober Nachricht aus dem Hauptquartier des Oberkommandos in Zossen, daß General Halder allen Ernstes jetzt wieder an einen Gewaltstreich dächte. Sie scheint zuerst die Oppositionsgruppt Me des Auswärtigen Amtes erreicht zu haben, die in Legationstat (und Rittmeister) Hasso von Etzdorf einen eigenen Verbindungs mann in Zossen besaß(übrigens auch zu Witzleben, Hammerstein und anderen Truppenkommandeuren dauernde Verbindung uf- terhielt).14 Als Etzdorf Anfang Oktober zum erstenmal nach Zos- sen gekommen war, hatte er mit Erstaunen erlebt, mit welcher Offenheit Halder sogleich mit ihm über Hitler sprach. Er nannt® ihn eine amoralische Natur, ohne jeden Begriff von Wahrheit, den Krieg ein Verbrechen an Deutschland und Europa; seine Fort setzung im Westen müsse auf alle Fälle verhindert werden, not- falls mit Gewalt. Zur Vorbereitung eines solchen Gewaltstreichs war eine eigene Gruppe im Generalstab tätig, als deren Initiato! und Mittelsmann zu Oster der Oberstleutnant Großcurth diente. General neister] kteilipt, kaschla kegen de fihrerse her Gö ) dtäng Min noc men es Un 'olk un itnde G; Eine; {pen An Sie| Ausdree af] Desitin Enken( klpefe oße N: "andi tip, Letzte Versuche zur Löschung des Weltbrandes 255 General Karl Heinrich von Stülpnagel, der Generalquartier- a meister Eduard Wagner und andere, jüngere Offiziere waren mit . beteiligt.1? Ende Oktober fürchteten die Verschwörer einen Ge- ua zenschlag Hitlers etwa in der Art des 30. Juni 1934, aber diesmal derschun gegen den Generalstab gerichtet; denn man hatte erfahren, der En Führer seidurch einen jungen Offizier der Luftwaffe auf dem Weg a Ton ıber Göring vor den Zossener»Defaitisten« gewarnt worden. oe Hoi.”O drängte man nun zur Eile, die ja auch wirklich nötig war, wenn > pp man noch vor dem Unglückstermin des ı2. November zur Tat N a kommen wollte. Aufrufe und Sofortmaßnahmen für den Fall En tines Umsturzes sollten schleunigst vorbereitet, dem deutschen nd Volk und besonders der Generalität die ihnen von Hitler dro- e0© ende Gefahr deutlich vor Augen gestellt werden. eindnuch Eine zu diesem Zweck von der Aktionsgruppe des Auswär- erbel" igen Amtes entworfene Denkschrift ist teilweise erhalten geblie- ac ben. Sie prophezeit ein rasches Steckenbleiben der Westoffensive, edenkt .., Ausbrechen eines allgemeinen Weltbrandes, unabsehbare wirt- Jppost chaftliche und innerpolitische Nöte Deutschlands, fordert zur Einwi Beseitigung der blutigen Tyrannei Hitlers auf und sucht die Be- ober n lenken der Soldaten gegen die Meuterei zu widerlegen. Die so Br viel gefeierten Verdienste und Erfolge des»Führers« werden als end}oße Scheinerfolge entlarvt und herabgesetzt, nicht ohne pro- Halde! fagandistische Übertreibung. Die»relative Unpopularität« des ‚, Militäraufstandes, heißt es,»muß mit dem nötigen Maß an Zivil- Jenkstt" ourage hingenommen werden«; dem deutschen Volk werden die en wu) ugenschon aufgehen, wenn es erst einmal erfährt,»was Deutsch- er lind aus der Hand eines Besessenen bevorstand«. Der Fahneneid egen° hat Hitler gegenüber seine Gültigkeit verloren, seit er Deutsch- mi” ind, seine eigene Pflicht vergessend, seinen besessenen Zielen zu er and" opfern bereit ist. Es ist vielmehr»höchste nationale Pflicht, dem onsget deutschen Vaterland gegen diesen Verderber die Treue zu hal- gt" ttn«. Das Gedächtnis der mutigen Opponenten Yorck und von ‚binduft der Marwitz wird heraufbeschworen. Es ist jetzt höchste Zeit zu nme” handeln. Nur solange noch keine Niederlage erfolgt und die ndung" Ätmee noch intakt ist, kann Deutschland auf einen ehrenhaften Inah“" Frieden hoffen. Als ehrenhaft könnte ein Frieden gelten, der Polen it wel! und die Tschechoslowakei etwa in den Grenzen des Münchner Ei ne"Abkommens wiederherstellen, eine Landbrücke nach Ostpreußen “ sthaffen, das ostoberschlesische Industrierevier dem Reich wieder &ingliedern, uns aber nicht mitfremdemVolkstum belasten würde. ' im Erfolg ist immer die größte politische Tugend. Für einen solchen Frieden würde man auch die Westmächte wohl ge- VWinnen können.!s 256 Zwölftes Kapitel Zur Bekräftigung dieser Denkschrift, die(wie es heißt) Brau- chitsch, Stülpnagel, Halder und anderen führenden Militärs in Zossen vorgelegt wurde und ihre Zustimmung gefunden haben soll, benutzte Kordt auch noch jene Mitteilungen über Chamber- lains Haltung, die sein Bruder soeben in der Schweiz durch Con- vell Evans erfahren hatte(s. o.). Sie machten auf Oster und Beck überraschend starken Eindruck; bis nach Zossen scheinen sie frei- lich nicht durchgedrungen zu sein.? Inzwischen hatte sich nun aber auch der Verschwörerkreis um Oster zu einer Aktion gesammelt und suchte seinerseits(seit dem 2. November) auf das Zossener Hauptquartier einzuwirken. Auch hier wurde eine Denkschrift verfaßt, an der außer Oster, Gisevius und General Thomas auch der jugendliche, intellektuell hochbegabte Reichsgerichtsrat Dr. Hans von Dohnanyi mitar- beitete.18 Er war auf Betreiben Osters zu Kriegsbeginn nebst an- deren Oppositionellen in das Amt»Abwehr« des OKW berufen worden und hat sich an den politischen Planungen des Verschwö- rerkreises mit großem, zuweilen sogar übergroßem Eifer betei- ligt.!? Ein anderer der neuen Mitarbeiter des Abwehramtes war der Münchner Rechtsanwalt Dr. Josef Müller. Ihm hatte Oster gleich bei seiner ersten dienstlichen Meldung ganz unverblümt eröffnet, zu welchem Zweck er(als Oberleutnant der Reserve) in seine militärische Dienststelle einberufen sei: hauptsächlich des- halb, um über den Vatikan, zu dem er gewisse persönliche Bezie- hungen besaß, Verbindung nach dem Ausland zu suchen und er- mitteln zu helfen, ob eine neue deutsche Regierung in den west- lichen Hauptstädten auf eine günstige Aufnahme und erträgliche Friedensbedingungen hoffen dürfe. Erste- nur ganz vorläufige- Nachrichten, die Müller im Oktober aus Rom sandte, lauteten günstig und wurden in der Osterschen Denkschrift mit verwer- Ten General Thomas hat, wie es scheint, als Vermittler aller dieser Nachrichten zum Zossener Hauptquartier gedient und war er- staunt, wie bereitwillig seine Vorschläge dort aufgenommen wur- den.?! Von Attentatsplänen wollte er za nichts wissen. Dem korrekten, im kaiserlichen Dienst autgewachsenen Soldaten war der Gedanke an politischen Mord entsetzlich, obwohl er Hitler, den»Blutsäufer«, persönlich tief verabscheute. Er fürchtete aber auch, daß eine solche Gewalttat dazu führen würde, Hitler in den Augen des Volkes den Glorienscheir eines Märtyrers zu verleihen. So drängte er zunächst noch(in Übereinstimmung mit Beck und dem en en Verschw örerkreis) auf einen»legalen« Staats- streich und verstand darunter eine Erhebung der Armee, aus- gelös Verh imN vor e werd die Sc lange dings Polen hörte ern Ye zuen De durch Sich( mit O | einge hatte Panze Reich holm ) Brau- itärs in \ haben jamber- -h Con- 1d Beck siefrei- reis um eit dem wirken, - Oster, Jektuell | mitat- ebst an- berufen schwö- t betei- tes wat e Ostet erblümt erve) it ich des: e Bezit under on west: räglicht äufige= Jautetet verwel' > diese! wat ef en wut .D. Det ‚ren We \ Kite,) ‚ete ab“ f in de ‚leihe ech W ( Staat“ ee, au Letzte Versuche zur Löschung des Weltbrandes 257 gelöst durch einen regelrechten Befehl des Oberkommandos zur Verhaftung Hitlers-am besten von Brauchitsch selbst gezeichnet, im Notfall von dem Generalstabschef. Der Verhaftete sollte dann vor einen Staatsgerichtshof gestellt und von diesem abgeurteilt werden: gleichzeitigmüßte eine großzügige Volksaufklärung über die Schandtaten des Regiments erfolgen, für die ja Dohnanyi seit langem das Anklagematerial bereit hielt. Es war gerade neuer- dings stark vermehrt worden durch die Greueltaten der SS in Polen, von denen man im Verschwörerkreis mit Entsetzen hörte?? und denen Generaloberst Blaskowitz vergeblich zu steu- ern versucht hatte. So müßte es gelingen, den Diktator moralisch zu entlarven.23 Dem Grundgedanken dieser Pläne hat der Generalstabschef durchaus zugestimmt. Sein Oberquartiermeister Stülpnagel hat sich(wie es nach den Notizen von Gisevius scheint) unmittelbar mit Oster in Verbindung gesetzt und ihn in die Details der Pläne eingeweiht, die man sich inzwischen im Generalstab überlegt hatte- bis zur Besetzung der Berliner Zentralstellen durch eine Panzerdivision und genauen Erkundung aller Ausgänge der Reichskanzlei.2 Auch Beck und Goerdeler, der eben von Stock- holm zurückgekehrt war,25 wurden jetzt alarmiert: sie möchten sich vom 5. November an für alle Fälle bereit halten- d. h. doch wohl: für die neue Regierungsbildung. Schließlich sandte Halder mit demselben Auftrag auch noch seinen Generalquartiermeister Wagner zu Schacht. Der 5. November war deshalb als Stichtag gedacht, weil Brau- chitsch an ihm noch einen letzten Versuch machen wollte, Hitler umzustimmen und ein Aufgeben(oder doch Verschieben) der Westoffensive zu erreichen. Ohne einen solchen letzten Versuch war Brauchitsch sicherlich zu keinem revolutionären Entschluß zu bringen. Blieb Hitler taub gegen alle Vorstellungen, dann war offenbar der Moment gekommen, in dem die Mine hochgehen mußte: dann würde es aber auch möglich sein, nach erfolgtem Umsturz dem Volk den verbrecherischen Leichtsinn deutlich zu machen, mit dem sein vielbewunderter Führer die Nation in den Abgrund eines aussichtslosen Abenteuers hatte stürzen wollen. So spitzte sich zunächst alles auf dieses Datum zu.2® Aber die mit so vielSpannungen erwartete Auseinandersetzung . des Oberbefehlshabers mit Hitler nahm einen sehr unglücklichen Verlauf. Durch Brauchitsch und die Einwände aller militärischen Sachverständigen gegen die verfrühte Offensive in die Enge ge- trieben, nahm Hitler seine Zuflucht zu einem wilden Zornesaus- . Bemerkungen des Generals über mangelnden Offensiv- 258 Zwölftes Kapitel geist und noch nicht zureichende Disziplin der Truppe gaben ihm den willkommenen Anlaß dazu. Sehr geschickt wußte er seinen Partner an der empfindlichsten Stelle zu treffen: an seinem sol- datischen Ehrgefühl. Er wetterte über den Geist der Feigheit und des Defaitismus, der jetzt im Zossener Hauptquartier herrsche, ließ allen langaufgespeicherten Haß gegen die Generalstäbler los und beendete die Audienz, indem er ohne Abschied aus dem Zimmer stürmte.?” Bleich und zitternd vor Wut über diese Miß- handlung kehrte der Oberbefehlshaber nach Zossen zurück. Die Verschwörer seines Stabes aber mußten nun vollends fürchten, verraten zu sein. So gab Halder sogleich den Befehl, kompromit- tierende Papiere zu vernichten— leider ohne durchgreifenden Erfolg. Das bedeutete noch nicht die Aufgabe seiner Staatsstreichpläne (wie sich noch zeigen wird). Brauchitsch soll damals in seiner Wut sogar geäußert haben, er würde zwar selbst nichts unternehmen, sich’aber auch nicht wehren, wenn andere es täten. Aber wie sollte man weiterkommen, wenn die oberste Spitze der Armee nicht mittat? In der Tat: war nicht der Gedanke eines»legalen Staats- streiches« überhaupt eine Utopie- wenn doch(nach dem Urteil von Thomas) 75%, der Bevölkerung und fast das ganze jüngere Offizierkorps noch hinter Hitler standen? Mußte der Umsturz nicht notwendig mit einer Ermordung des Führers begonnen werden? War der Tyrann einmal gefallen, dann mochte es allen- falls denkbar sein, die Staatsgewalt zunächst in die Hände der Armee zu bringen(etwa mit der Begründung, den Ausbruch des Chaos zu verhindern). Andernfalls entstand die Gefahr eines neuen Kapp-Putsches— und nichts hat die Generäle mehr vor Staatsstreichplänen zurückscheuen lassen als die Furcht vor einer Wiederholung dieses unglückseligen Abenteuers.”® Auch in den Diskussionen, die Halder mit Brauchitsch über einen Staatsstreich führte, hat sie eine bedeutende Rolle gespielt. Trotzdem scheute der Generalstabschef immer wieder vor einer Mordtat zurück- ähnlich wie Thomas fürchtete er, die Armee dadurch zu diskrimi- nieren, und meinte,»der Generalstab sei nun einmal keine Ver- einigung von Meuchelmördern«.?® In der Tat: von der Spitze der Armee selbst durfte das Attentat nicht ausgehen- das hätte ihre moralisch-politische Autorität sofort zerstört. Wie aber, wenn es, ohne Wissen der Heeresleitung, von anderer Seite herkam? Eben dies wird der Gedanke gewesen sein, der Oster in dieser kritischen Woche bewog, nach einen Attentäter zu suchen, um die große Aktion in Gang zu bringen. Er fand ihn ohne lange und| Reich met ı Amte zu fit rung eigen wie s des$ einen konn gen,? fahl doch Mühe. Schon am ı. November hatte ihn Erich Kordt aufgesucht} wide; der} diese imme Einm darau Insze kaum Wirk Führ Hass an m dacht Vor: Wach Mehr Alten Wact Tr Weite enihm seinen m sol- eitund trsche, pler los ıs dem se Miß- ck, Die tchten, yromit- ‚fenden| chpläne er Wut ehmen, je sollte .e nicht ‚ Staats- n Urteil jüngere Jmstutz gonnel a allen- nde det uch de ır eines ehr vol ot einel h in dei sstreidt scheul®| urück“| jskrii| ne Jan! ges N Letzte Versuche zur Löschung des Weltbrandes 259 und ihm angeboten, bei einem seiner nächsten Besuche in der Reichskanzlei Hitler durch Bombenwurf zu töten. Im Vorzim- mer des Führers, zu dem er als Abgesandter des Auswärtigen Amtes ungehindert Zutritt hatte, hoffte er bald Gelegenheit dazu zu finden. Es war ein mutiger, in schweren inneren Kämpfen er- rungener Entschluß, der zugleich natürlich die Preisgabe des eigenen Lebens bedeutete.?° Aber auch dieser Entschluß blieb, wie so viele spätere, vergeblich dank jener rätselhaften Fügung des Schicksals, die den Tyrannen bis zuletzt immer wieder vor einem raschen Ende bewahrt hat. Nicht vor dem 11. November konnte Oster den nötigen Sprengstoff auf Schleichwegen besor- gen.®! Am 7. aber reiste Hitler schon nach München ab und be- fahl Verschiebung der Offensive, zunächst um drei Tage- ob doch aus einer letzten Scheu vor dem Abenteuer, das ihm alle widerrieten, oder unter dem Eindruck der Friedensbotschaft, die der belgische König und Königin Wilhelmine von Holland an diesem Tag an die Welt richteten, ist nicht bekannt. Denkbar wäre immerhin, daß er sich scheute, diese Botschaft unmittelbar durch Einmarsch in beide neutrale Länder zu beantworten. Zwei Tage darauf geschah das bekannte Attentat im Bürgerbräukeller, dessen Inszenierung durch Himmlers Organe als Propagandatrick heute kaum noch zweifelhaft ist?? und das denn auch die erwünschte Wirkung tat: eine Woge neuer Sympathiekundgebungen für den Führer ging durch das Land, verbunden mit Ausbrüchen des Hasses gegen die angeblichen britischen Hintermänner. Von jetzt, an mußte auf jeden künftigen Attentäter der Schatten des Ver- dachtes fallen, er stünde im Dienst des britischen Secret Service. Vor allem wurde jetzt die Sprengstoffausgabe so streng über- wacht, daß auch Oster und Canaris zunächst keine Möglichkeit mehr besaßen, die Sperre zu durchbrechen. Und für ein Pistolen- attentat war die Erfolgschance im Gewimmel der Adjutanten und Wachen im Vorzimmer viel zu gering. Trotzdem blieb der Verschwörerkreis um Beck und Oster auch weiter eifrig um einen Staatsstreich bemüht. Alle möglichen An- schläge wurden hier ausgeheckt. Wie immer, brachte auch dies- mal Gisevius seinen alten Plan wieder vor, die Gestapo auszu- heben unter dem Vorwand eines angeblich geplanten Putsches der SS. Vielleicht ließ sich das Münchner Attentat dazu verwen- - den? Da Halder über den Mangel an einem entschlossenen Drauf- gänger klagte, den man zur Durchführung des Putsches einsetzen könnte, fuhr Oster, in Begleitung von Gisevius, nach Kreuznach, ‚wo General von Witzleben als Truappenkommandant sein Stabs- ‚quartier hatte, und suchte ihn zu einer Reise nach Berlin zu be- 260 Zwölftes Kapitel wegen. Aber was sollte er als einzelner, ohne seine Truppe, in Berlin praktisch ausrichten?3? Übrigens war er auch überzeugt, daß sein Offizierkorps, besonders in den unteren Rängen, keinen Putsch mitmachen würde. Schließlich wurde die ganze Aktion noch durch eine grobe Unvorsichtigkeit Osters gefährdet. Sie ver- anlaßte Canaris, ihm jede weitere Aktivität zu verbieten, und Halder war über sein Herumreisen an der Front in Begleitung eines längst verdächtigen Zivilisten so ärgerlich, daß er zunächst keine Botschaft von Gisevius mehr annehmen wollte und Oster ernstlich vor weiteren Unvorsichtigkeiten warnen ließ. Gleichwohl hat auch er seine Putschpläne weiter verfolgt.?" Da er keine eigene Kommandogewalt besaß, kam alles darauf an, den Oberbefehlshaber Brauchitsch für die Aktion zu gewinnen. Hier- zu wurden alle Künste der Überredung aufgeboten. Um ihn noch mehr von der Ausweglosigkeit eines zweiten Weltkriegs zu über- zeugen, wurden auch Sachverständige der Wirtschaft(wie Hugo Stinnes) herbeigeholt; General Thomas hatte längst einen Kreis rheinischer Industrieller um sich gesammelt, der ähnlich pessi- mistisch wie er selbst über die wirtschaftlichen Folgen eines lang- dauernden Krieges dachte. Brauchitsch besaß auch persönliche Freunde unter den rheinischen Industriellen, die ihn dringend vor den Gefahren eines langdauernden Krieges warnten. Das alles hat ihm starken Eindruck gemacht; aber vor der Aufgabe, aus dieser Einsicht die politische Konsequenz zu ziehen, hat er schließlich immer wieder versagt. Es ist üblich geworden, die harten Urteile über seinen Charak- ter nachzusprechen, die wegen dieses Versagens im Kreise der Verschwörer, unter Führung Becks, laut wurden. Es wäre aber ungerecht, zu verkennen, daß es ein großer Unterschied ist, ob einer an verantwortlicher, weithin sichtbarer Stelle steht und nun selbst die letzte Entscheidung treffen soll oder außerhalb solcher Verantwortung unter den Kritikern, Beobachtern, Mahnern, Drängern. Vergleicht man das Verhalten Becks während seiner Amtszeit 1933-38, insbesondere während der Röhm-Affäre 1934 und der Fritsch-Krise 1938, mit seiner Aktivität nach der Ent- lassung, so wird dieser Unterschied- das muß einmal deutlich gesagt werden- unmittelbar anschaulich. Daran, daß auch Wal- ther von Brauchitsch aus letzter Überzeugung ein Gegner Hitlers und seiner Partei gewesen ist, kann nach dem Urteil derer, dieihm am nächsten standen, kein Zweifel sein. Der ehemalige Leibpage der Kaiserin stammte aus einer politischen und geistigen Welt, die dem Treiben in der Umgebung des Volkstribunen völlig ent- gegengesetzt war. Aber gerade deshalb fühlte er sich auch un-||; siche: den,| teiligt befeh durch seelso bundı ders d den al war\ würde mann Vorne das E; nächst gend, schaff Nu: Frage dern z Steht e | Ger Regim keiten de R, Schlos Dach der G; Weite, Beplan Letzte Versuche zur Löschung des Weltbrandes 261 Je, if eugt, einen ktion sicher und gewissermaßen wehrlos in dieser ihm so wesensfrem- den, ja unheimlichen neuen Umwelt.23 Er hat, wie von allen Be- teiligten bezeugt wird, von Beginn seiner Tätigkeit als Heeres- befehlshaber an einen zähen, oft nervenzermürbenden Kleinkrieg ever durchgeführt, um in Personalfragen, im Kampf um die Militär- ‚und seelsorge(der er sich als kirchlich gesinnter Protestant eng ver- tung© bunden fühlte), wider die Übergriffe der Parteiverbände, beson- ächst"ders der SS, gegen das Propagandaministerium u. dgl. so vielvon Ostet"| den alten Traditionen der Reichswehr wie möglich zu retten. Er war weder ein haltloser Romantiker wie Blomberg, noch ein Da) würdeloser Höfling wie Keitel, noch ein fanatischer Gefolgs- ), den mann Hitlers wie Jodl. Aber es fehlte diesem intelligenten und Hier vornehmen Soldaten jeder politische Instinkt und- vor allem— ‚noch| das Eisen im Blut. Auch militärisch war(nach dem Urteil seines über nächsten Gehilfen) rasche Entschlußkratt nicht eben seine Tu- Hugo gend. Zum politischen Revolutionär war er ganz und gar nicht ge- Kell schaffen. pesst Nun war aber der Staatsstreich im Herbst 1939 nicht bloß eine lang: Frage des politischen Temperaments und der Zivilcourage, son- nlict"dern zugleich- und vor allem- der äußeren Erfolgschancen. Wie gend steht es damit? , Das General Thomas hat 1945 gemeint, die Beseitigung des Hitler- gabs Regiments wäre im Winter 1939/40»ohne große Schwierig- hat© keiten« möglich gewesen, und führt dafür folgende Gründe an: die Reichsregierung und das Führerhauptquartier waren ge- har° schlossen in Berlin, das öffentliche Ansehen der Heeresleitung sed!“ nach dem siegreichen Polenfeldzug sehr groß, die SS zahlen- e abe!“ mäßig noch verhältnismäßig gering, die Macht und die Erfahrung st,d?° der Gauleiter als Verteidigungskommissare noch unbedeutend. du! Weiter: man hätte das Lügensystem der Kriegsvorbereitung, den och“ geplanten Überfall auf neutrale Länder, die wahren Zusammen- hnetl, hänge des Attentats im Bürgerbräukeller, die Greueltaten der SS sein! in Polen aufdecken und propagandistisch verwerten können. 194 Schließlich: mit der Regierung Chamberlains war noch eine Ver- ‚Bat| Ständigung möglich, und die Masse des Volkes hätte eine Regie-\ ld| tung des Friedens begrüßt, wenn die wahren Ziele Hitlers und das Waghalsige seiner Pläne aufgedeckt wurden. Das alles ist sicher- lich richtig, aber nur unter der Voraussetzung, daß der erste ‚Hauptschlag gelang: die Beseitigung der Hitler-Regierung mit Waffengewalt. War dies auch dann ernstlich denkbar, wenn Hit- ler noch lebte? Wenn es zum Bürgerkrieg kam, würde das Offi- der Armee der Obersten Führung unbedingt folgen? I Und gab es auf seiten der Verschwörer eine politische Persönlich- 262 Zwölftes Kapitel keit, die Popularität, demagogische Überredungskunst, revolu- tionären Machtwillen, dämonische Verschlagenheit und Sicher- heit des politischen Instinkts genug besaß, um die Massen mit sich fortzureißen? Die deutsche Armee ist keine Balkanarmee, hat Halder später einmal gesagt, gewohnt, ihre Waffe nach innen zu führen und Offizierskomplotte zu schmieden. Der soldatische Führer, hätte er hinzufügen können, hat zwar ein militärisches Kommando, aber als solcher noch keine politische Macht. Das militärische Kommando ist ein streng begrenzter Dienstauftrag, keine Macht- position. Wer eine Machtstellung daraus entwickeln und sie gegen einen Dienstvorgesetzten als Waffe gebrauchen will, muß sicher sein, daß seine Untergebenen ihm auch als politische Anhänger- schaft folgen. Kein General kann dienstlichen Gehorsam ver- langen, wenn er zur Meuterei und zum Hochverrat aufruft. Seine Truppe für solche Zwecke zu erziehen, gab es unter Hitler nicht die geringste Möglichkeit. Als politische Gefolgschaft ließ sich da- mals nur eine ganz kleine Gruppe verschworener Offiziere, allerdings in den höchsten Dienststellen der Armee, zusammen- bringen. Ihre militärische Kommandogewalt über die Truppe reichte nicht weiter als bis zu einem ganz kurzen raschen Schlag, und auch das wohl nur so lange, als dem Gros der Truppe das letzte Ziel ihrer Aktion im Nebel blieb. Denn die Armee war längst keine so festgeschlossene Gemeinschaft mehr wie die Reichswehr der Weimarer Republik. Vollends jetzt im Krieg wat sie ein reines Volksheer, rekrutiert aus der Hitlerjugend, auch ihr Offizierkorps keine feste Kameradschaft von Berufssoldaten mehr. Es gab wohl kaum noch eine feste»Regimentstradition«. Übrigens war es während des Krieges so gut wie unmöglich, ohne Wissen Hitlers irgendeinen Truppenverband aus der Front her- auszunehmen und gegen das Führerhauptquartier in Marsch zu setzen. Man hätte also schon der Mitwirkung des Heimatheeres und seines Oberkommandierenden, Generals Fromm, bedurft; dieser aber weigerte sich- wie Halder damals feststellte-, bei irgendeinem Handstreich mitzuwirken. Ausgeschlossen war eine Mitwirkung der anderen Wehrmachtsteile. Zum mindesten die Luftwaffe hätte es sich zur Ehre gemacht, meuternde Teile der Armee niederzukämpfen. Konnte ein Militärputsch unter solchen Umständen praktischen j Erfolg haben? Wenn überhaupt, dann sicherlich nur in einem Moment grenzenloser Verwirrung, wie er nach plötzlicher Er- mordung Hitlers eingetreten wäre. In jedem Fall gehörte eine seht fest zupackende und sehr sichere Hand dazu, um das Unterneh- | men p offenb: um Ge ob übı mäßig Wer dürfte. die ent Bann e politis« meiste; Reyolu ter, klı Macht, zurück bewuß aberan Sendur dur, sei Mal im Gefolg Tamitf fehr} Offzie, ebene IHfizier Ionär, Chlüsg, "etehn, Iejahen Nohlen (np BD j Letzte Versuche zur Löschung des Weltbrandes 263 volı- men politisch zu steuern. An einer solchen Hand fehlte es aber icher- offenbar- und nicht nur auf militärischer Seite; denn die Politiker tsih um Goerdeler und Beck waren sich ja nicht einmal darüber einig, ob überhaupt ein Attentat sittlich erlaubt und politisch zweck- später mäßig sei! 1 und Wer dürfte ihnen das nachträglich zum Vorwurf machen? Wer hätte dürfte andererseits die Möglichkeit schlechthin leugnen, daß, war ando, die entscheidende Tat erst einmal geschehen, der alles lähmende isch Bann erst einmal gebrochen, in Kämpfen selbst schon das große fach: politische Talent hervortreten würde, fähig, die kritische Lage zu gegen Meistern und die Macht an sich zu reißen? Sicher ist nur: daß sicht Revolutionen dieser Art nicht aus den Beratungen gewissenhaf- inger tet, kluger Männer geboren werden, die ohne starken eigenen } ver Machtdrang allein der Sache dienen wollen und vor Gewalttaten Sein zurückscheuen. Carl Goerdeler hat es an politischem Selbst- nicht bewußtsein und Sendungsglauben sicherlich nicht gefehlt, wohl cha ber am dämonischen Ehrgeiz des geborenen Revolutionärs. Sein gie, Sendungsglaube war mehr moralischer als machtpolitischer Na- men tur, seine Führerstellung noch keineswegs anerkannt, nicht ein- app! mal im engsten Kreise der Mitverschworenen, eine persönliche chlag, Gefolgschaft für ihn kaum vorhanden. Erheblich besser stand es pe das, damit für Beck, dessen Führerstellung im Winter 1939/40 immer wa) mehr hervortrat und der nicht nur das Vertrauen des höheren ie de Offizierkorps, sondern zugleich eine ihm persönlich warm er- gi gebene Anhängerschaft unter den Generälen und Generalstabs- ıchilr offizieren besaß. Aber war er nun eigentlich der berufene Revolu- dag|, Nonär, der Mann der kühnen, gewagten und schnellen Ent- iione| schlüsse? Wer nüchterne Einsicht statt legendarischer Helden- „ob! verehrung in der Geschichte sucht, kann diese Frage unmöglich her bejahen. et„| Im übrigen hatte zunächst nicht er, sondern Brauchitsch das cal Steuer der Entscheidung in der Hand. Aufihn, den Schwanken- due den, innerlich Unsicheren, mußte die Rede starken Eindruck ;| machen, mit der Hitler am 23. November seine Generalität für ig dem kommenden Großkampf zu ermutigen und zu begeistern ‚üchte. Zum ersten Male wurde hier ganz offen der Eroberungs- ‚ktieg als eigentliches Ziel des Hitler-Reiches und die Erkämpfung - iner Vorherrschaft über Europa als letzten Sinn des gegenwärti- ‚ten Krieges proklamiert.»Grundsätzlich habe ich die Wehr- En Macht nicht aufgestellt, um nicht zu schlagen, der Entschluß zum , Schlagen war immer in mir. Früher oder später wollte ich das be Problem(des deutschen Lebensraums) lösen.« Es werde ein ‚Kampf auf Leben oder Tod sein, und so könne er nur im heroi- a f # 264 Zwölftes Kapitel schen Geist Friedrichs des Großen bestanden werden. Einem nüchternen Hörer mochte wohl deutlich werden, daß der Redner, durch seine bisherigen Erfolge verführt, im Begriff stand, dem Größenwahn zu verfallen. Aber der starke Appell an die solda- tische Grundtugend der Tapferkeit konnte um so weniger ohne Wirkung bleiben, als er sich unverkennbar wieder gegen den »defaitistischen« Geist des Zossener Hauptquartiers wandte:»Ich werde vor nichts zurückschrecken und jeden vernichten, der gegen mich ist.« Es gibt bei uns keine innere Revolution! Diese unverhüllte Drohung machte deutlich, daß der Generalstab in Gefahr war, nicht nur das politische Mißtrauen des Diktators zu wecken, sondern gleichzeitig dessen Vertrauen auf seine militäri- schen Fähigkeiten zu verlieren. Das Unnatürliche des Verhält- nisses, daß gerade die Soldaten es waren, die das Prinzip ruhiger Staatsvernunft gegen den extremen Militarismus der politischen Führung zu verfechten hatten, kam jetzt klar zutage. Es drohte dahin zu führen, daß die Fachmilitärs überhaupt ihren Einfluß auf den Gang der Kriegführung verloren.?® Sollte Brauchitsch noch irgendwelche Zweifel daran gehabt haben, so sorgte Hitler sogleich für weitere Verdeutlichung. Gleichnach der Generalsbesprechung wurde der Generaloberstzu einer Führeraudienz befohlen und ihm der»Geist von Zossen« nochmals so kräftig vorgehalten, daß er seine Entlassung erbat- aber vergeblich. Danach bekam er Hitler viele Wochen nicht mehr zu Gesicht.?” Die Versuche Halders, seinen Befehlshaber auch jetzt noch zum Staatsstreich zu bewegen, wurden aussichtslos. Brauchitsch lehnte es ab, einen zweiten Kapp-Putsch zu machen. »Was macht der deutsche Arbeiter?« fragte er;»was folgt auf den Umsturz? Was steht hinter der Gruppe Beck— Oster— Canaris?« - eine Frage, die auch Beck dem Generalstabschef nicht befriedi- gend beantworten konnte. Dessen Bemühungen, die vor allem von Stülpnagel, Canaris und Oster unterstützt wurden, einen Teil der Heerführer für seine Pläne zu gewinnen, stießen auf dieselben Bedenken.»Das Schwert, das wir schwingen sollen«, sagte einer von ihnen,»wird uns in der Hand zerbrechen.«»Befehle können wir geben, ob sie ausgeführt werden, wissen wir nicht«, meinte ein anderer. Nur Witzleben und von Leeb zeigten sich aktions- bereit. Stülpnagels Vorschlag an Halder, nötigenfalls Brauchitsch einzusperren und allein zu handeln, lehnte der Generalstabschef als unehrenhaft ab, vor allem aber deshalb, weil seinen Befehlen als bloßer Stabschef kein Armeebefehlshaber gefolgt wäre. Die Armee würde darüber nur auseinanderbrechen, meinte er. Nach einer wochenlangen Reise, die Stülpnagel zu den Armeehaup quarti Chef ı Geho Un masii Noye Beck und n Mans folgsc überr. und V War ex kurzfi mutlic waffer plan u Eines j des ki Heere {n sejr noch ı gen Ye tionen das U Mu gegen Stärke Mühte m W t offe Und 2 Vasior “umle na Sun rar gun, tg. Sollte, Kem Xhz] | skr IN inem dner, if dem olda- ohne ı den »Ich , der Diese ab in )ts zu Iitäri- rhält- higer schen Irohte ıB auf rehabt hung. erstzl yssen! ebat- Emeht ? auch htslos achel. ufder aris? friedi allen! Te selb®! Letzte Versuche zur Löschung des Weltbrandes 265 quartieren unternahm, mußte er resigniert bekennen, daß sein Chef und Freund Halder recht habe: er würde praktisch keinen Gehorsam finden.°® Unter diesen Umständen war es vergeblich, daß General Tho- mas im Auftrag des Verschwörernestes in der»Abwehr« Ende November eine zweistündige Aussprache mit Halder hatte,3° daß Beck selbst ihn aufsuchte?° und daß er auch einen schriftlichen und mündlichen Gedankenaustausch mit Goerdeler vermittelte. Man stimmte wohl im Ziel, aber nicht in der Beurteilung der Er- folgschancen überein. Immerhin schob sich der Angriffstermin überraschenderweise immer weiter hinaus, so daß die Beratungen und Verhandlungen noch monatelang kein Ende nahmen. Zuerst war es die Ungunst der Witterung, die Hitler nun doch zu vielen kurzfristigen Verschiebungen nacheinander veranlaßte— ver- mutlich unter dem Einfluß Görings, des schwerbesorgten Luft- waftenchefs-, dann die Notwendigkeit, den ganzen Aufmarsch- plan umzuarbeiten, seit dieser am 10. Januar durch den Fehlflug eines militärischen Kuriers über die belgische Grenze in die Hand des künftigen Gegners geraten war. Für das Oberkommando des Heeres verminderte sich dadurch die Spannung, was Brauchitsch in seinem Widerstand gegen die Putschpläne der Verschwörer noch versteift haben wird. Vor allem aber setzten nun Bemühun- gen von allen Seiten ein, den langdauernden Stillstand der Opera- tionen auszunutzen, um durch neue diplomatische Bemühungen das Unheil des Weltbrandes doch noch abzuwenden. Mussolini, in der bei ihm gewohnten Mischung von Eifersucht gegen den deutschen Rivalen, Furcht vor dessen übermäßiger Stärke und Besorgnissen vor bolschewistischen Triumphen, be- mühte sich aufs äußerste, den Führer von seinen Angriffsplänen im Westen abzubringen; seinem Außenminister Graf Ciano gab er offen zu erkennen, daß er eine deutsche Niederlage wünsche, und gab ihm den Auftrag, Holland und Belgien vor deutschen In- vasionsplänen zu warnen.*! Von Amerika aus machte Roosevelt, zum lebhaften Mißvergnügen seines Außenministers CordellHull, den aussichtslosen Versuch, durch seinen Unterstaatssekretär Sumner Welles als Sonderbeauftragten in den Hauptstädten Buropas irgendeine Möglichkeit zum Abschluß eines Verstän- digungsfriedens auszukundschaften. Dabei war vor allem an - Mussolinis Mithilfe gedacht, der sich als Vermittler einschalten sollte. Diese Mission beunruhigte die Verschwörer, weil sie zu einem zweiten München führen konnte; Hassell bemühte sich deshalb, den amerikanischen Geschäftsträger Kirk in Berlin von _ der Aussichtslosigkeit jeder Friedensverhandlung mit Hitler zu 266 Zwölftes Kapitel überzeugen. Das erwies sich nachher als unnötig, da Sumner Welles sich in seinen Gesprächen mit dem Führer und Ribbentrop selbst sehr rasch davon überzeugen konnte. Brauchitsch dagegen scheint auf dieseMission einigeHoffnung gesetzt zu haben, ebenso auf gewisse Sondierungen, die, von Männern der Wirtschaft und (angeblich) von Göring ausgehend, über die Schweiz und Belgien nach England liefen. Vielleicht, so mochte er hoffen, blieb ihm die folgenschwere Entscheidung für oder wider Hitler doch noch er- spart?42 Mehrfach soll er die Befürchtung geäußert haben, wenn England alle Friedensangebote Hitlers und auch die Friedens- vermittlung Amerikas ausschlage, so sei das ein Zeichen dafür, daß man das deutsche Volk und nicht bloß die Hitler-Regierung vernichten wolle. Angesichts dieses Schwankens war es von höchster Wichtig- keit, die Generäle davon zu überzeugen, daß die Politik der West- mächte sich niemals mit einer Fortdauer des Hitler-Regimes ab- finden würde, daß diese aber anderseits zwischen Hitler und Deutschland zu unterscheiden wüßten und nicht daran dächten, die innere Verwirrung und zeitweilige Schwäche, die ein Militär- putsch mit sich bringen müßte, zu einem Großangriff auszunüt- zen; vielmehr würden sie bereit sein, mit einer neuen, vertrauens- würdigen Regierung Deutschlands über einen durchaus ehren- haften und für die Zukunft Europas heilvollen Frieden zu ver- handeln, der alle berechtigten nationalen Geltungsansprüche be- friedigen sollte. Eine solche Zusage aus London und womöglich auch aus Paris zu erhalten, in möglichst fester und verbindlicher Form, hat der Verschwörerkreis sich auf den verschiedensten Wegen bemüht- in Parallelaktionen, die meist ohne gegenseitige Fühlung verliefen, zum Teil einander überschnitten, schließlich aber doch zu einem gewissen Erfolg führten. Als eine Art von Vorbereitung kann man die Reise des Lega- tionsrats Adam von Trott zu Solz nach den Vereinigten Staaten betrachten, die er im Herbst 1939 auf Einladung des amerikani- schen Institute of Pacific Relations und mit Unterstützung des Auswärtigen Amtes unternahm, um an einer Konferenz dieses Instituts in Virginia Beach teilzunehmen. Eines der aktivsten. Mit- glieder des Verschwörerkreises, hochbegabt und voll feurigen Eifers, hat er seine Beziehungen zur akademischen Welt England- Amerikas immer von neuem auszunutzen gesucht, um Verbin- dungen zur Außenwelt aufrechtzuerhalten. Seinen Aufenthalt in Virginia benutzte er dazu, in privaten Gesprächen amerikanische Politiker über die Ziele der deutschen Opposition zu informieren und sie zu drängen, es möchte durch öffentliche Erklärungen im| Sinne Friede gung( Washi mit stä Emigr ter dag Sekret ein Mı Haus Europ die Ve Progr: Hitler- deutsc Kriegs fahrt, stützu; der de Itgend den, Unt auslän, von St aufsuc) Oppos schen| Lord; Setzen kannt , ferner, fg drauc “gier Einem Aittln, mner ntcop zegen benso - und Igien tm die ch er- wenn .dens- Jafüt, erung chtig- West- es ab- f und chten, jlitär- unüt- yuens -hrei- u vel he bt öglich licht! onstel seitigt eplic| Legt taatel ‚ka| 18 de| diese‘| Mi auge" en esbit halt! nisch niet erll Letzte Versuche zur Löschung des Weltbrandes 267 ‚ Sinne der letzten Rede Chamberlains klargelegt werden, welche Friedensziele die westlichen Alliierten verfolgten- zur Ermuti- gung der deutschen Opposition. Von der britischen Botschaft in Washington und vom State Department wurden seine Vorschläge mit stärkstem Mißtrauen aufgenommen. Ein Teil der deutschen Emigranten verdächtigte ihn als Agenten der Gestapo, ein ande- rer dagegen, darunter Kurt Riezler, Bethmann Hollwegs früherer Sekretär, und der Sozialdemokrat Hans Simons, fand sich bereit, ein Memorandum in diesem Sinn aufzusetzen, das bis ins Weiße Haus gelangt ist und Sumner Welles vor seiner Abreise nach Europa vorgelegen haben soll. Es lief auf die Forderung hinaus, die Vereinigten Staaten möchten ihre ganze Autorität für das Programm eines gemäßigten Friedens einsetzen und damit der Hitler-Propaganda den Wind aus den Segeln nehmen, die das deutsche Volk durch dieBehauptung aufzuregen suche, Englands Kriegsziel sei die völlige Vernichtung deutscher Macht und Wohl- fahrt. Verbunden mit der Aussicht auf wirtschaftliche Unter- stützung eines neuen Deutschlands durch Amerika, würde dies der deutschen Opposition einen mächtigen Auftrieb geben.*3 Irgendein Erfolg dieser Vorstellungen ist nicht sichtbar gewor- den. Unbekannt ist, auf welchem Wege Goerdeler damals seine ausländischen Verbindungen mobilisiert hat. Vermutlich hat er von Stockholm aus, das er im Herbst 1939 mindestens dreimal aufsuchte, an Lord Vansittart gewisse Friedensvorschläge der Opposition übermittelt, die auf eine Wiederherstellung der deut- schen Ostgrenzen von 1914 hinausliefen; jedenfalls ließ ihm der Lord antworten, so leicht werde das jetzt nicht mehr durchzu- setzen sein.** Von seinen weiteren Aktionen ist nur noch be- kannt, daß er eine Rücksprache mit Sumner Welles in Berlin hatte, ferner ein Gespräch mit dem König der Belgier(anscheinend An- fang März), der ihm versicherte, es bestünden durchaus noch »brauchbare Friedensmöglichkeiten«, aber nicht mit der Hitler- Regierung, und ihm jede Unterstützung versprach. Auch mit tinem Vertrauensmann Daladiers sollte er sich treffen, durch Ver- mittlung eines Amerikaners in der Schweiz; ob es geschehen ist, bleibt ungewiß.%5 Über die Schweiz liefen aber viele Fäden nach dem Westen, und .die Regierung Chamberlain war lebhaft interessiert daran, sie ticht abreißen zu lassen, sondern weiterzuspinnen. Nichts hätte ihr in diesem Augenblick mehr erwünscht sein können als ein in- _ terer Umschlag in Deutschland, der sie und die ganze westliche Welt von unabsehbaren Gefahren befreite; und so bemühte sie Bi 268 Zwölftes Kapitel sich, die deutsche Opposition zu ermutigen. Einer der Verbin- dungsleute der Gruppe Beck-Goerdeler in der Schweiz war der bekannte Sozialpädagoge Professor Siegmund-Schultze, dessen Haus in Zürich als Treffpunkt und Absteigequartier für mancher- lei Emigranten und für Sendboten der Widerstandsgruppe diente und der ziemlich regelmäßig durch Vertreter der Firma Bosch über die Lage in Deutschland orientiert wurde. Er berichtet mir, Chamberlain habeihn geradezu einladen lassen, perFlugzeug nach London zu mündlicher Besprechung zu kommen.*® Eine andere Verbindung lief über den ehemaligen Reichskanzler Josef Wirth, der in die Schweiz emigriert war und der sich dem Kreise Goer- delers als Mittler zur Verfügung stellte. In einem Schreiben, das Dr. Schairer nach London überbrachte, machte er den Minister- präsidenten Chamberlain auf das Bestehen einer sehr beachtlichen Oppositionsgruppe in Deutschland aufmerksam. Es würde für diese Gruppe eine große Hilfe bedeuten, wenn sie erfahren könn- te, daß ein innerer Umsturz von den Westmächten nicht militä- risch zum Schaden Deutschlands ausgenutzt werden würde. Daraufhin trafen Mitte Februar zwei Abgesandte des Foreign Office, persönliche Freunde Vansittarts, in Lausanne-Ouchy mit Dr. Wirth und einem in London wohlbekannten Begleiter zu- sammen, der seit Kriegsausbruch als Privatmann in Luzern lebte und seine englischen Verbindungen von dort aus weiterpflegte.? Sie überbrachten eine Art von Angebot, das in fünf Punkten schriftlich niedergelegt war und mündlich erläutert wurde. Die Niederschriftwurdenichtausgehändigt, eskonnteaber davoneine Übersetzung für Wirth angefertigt werden, die noch erhalten ist. Zur Beglaubigung ihres Auftrages übergaben die englischen Herren mehrere Exemplare eines vervielfältigten, aber noch nicht veröffentlichten Manuskriptes einer Rede, die Chamberlain am 24. Februar in Birmingham halten wollte und dann auch wirklich gehalten hat. Der Wortlaut der britischen Mitteilung(in Übersetzung) ist folgender: »1. Es wird die Versicherung abgegeben, daß die britische Re- gierung eine vorübergehende Krise, wie sie im Anschluß an eine Aktion der deutschen Opposition entstehen könnte, nicht mili- tärisch zum Nachteil Deutschlands, etwa durch einen Angriff im Westen, ausnützen würde. 2. Die britische Regierung erklärt sich bereit, mit einer neuen deutschen Regierung, der sie ihr Vertrauen schenken kann, zur Sicherung eines dauerhaften Friedens zusammenzuarbeiten und Deutschland die erforderliche wirtschaftliche Hilfe zu gewähren. 3. W vorher xcben, wären 4. In eine vi schen s Wunse Mür Londo Ich zu ander {rauens iglie des Re des tisch ZU trefl äuch G Die Versic! iber Wi Nelch | Rächst, | Werder "erpfli N Erden Sicherl aRe “rDe ie&in| Ar Re Üeutse “S me Aerli an. And V erg, User} Letzte Versuche zur Löschung des Weltbrandes 269 3. Weitere Zusicherungen kann die britische Regierung ohne , vorheriges Einvernehmen mit der französischen Regierung nicht geben. Wenn Frankreich ins Vertrauen gezogen werden könnte, wären noch genauer bestimmte Zusicherungen möglich. 4. Im Falle einer Beteiligung Frankreichs an den Verhandlun- gen wäre es erwünscht, wenn der ungefähre Zeitpunkt der Durch- führung des innerdeutschen Unternehmens mitgeteilt werden könnte. 5. Falls die deutsche Opposition zur Erleichterung ihrer Aktion eine von den Westmächten durchzuführende Diversion wün- schen sollte, wäre die britische Regierung bereit, einem solchen Wunsche im Rahmen des Möglichen zu entsprechen.« Mündlich wurde hierzu erläuternd bemerkt, man betrachte in London diese Zusage bis Ende April 1940 als verbindlich, natür- lich zunächst nur für die britische Regierung, zweifle aber nicht an der Zustimmung der französischen zum ersten Punkt. Als ver- trauenswürdig könne nur eine deutsche Regierung gelten, deren Mitglieder entschlossen wären, die bisherige Expansionspolitik des Reiches endgültig aufzugeben, den»Preußengeist«(im Sinn des»Militarismus«) auszuschalten und entsprechende organisa- torische Maßnahmen, besonders auf dem Gebiet der Wehrmacht, zu treffen. Es könne also kein Mitglied der jetzigen Regierung, auch Göring nicht, in der künftigen Regierung vertreten sein. Die Rede Chamberlains enthielt gegen Schluß die folgende Versicherung:» Wir kämpfen gegen die deutsche Weltherrschaft, aber wir wünschen nicht die Vernichtung irgendeines Volkes... Welche konkreten Friedensziele müssen erreicht werden? Zu- nächstmuß die Unabhängigkeit derPolenundT'schechen gesichert werden. Sodann müssen wir greifbare Beweise dafür Haben daß Verpflichtungen oder Zusagen, die man uns gibt, auch gehalten werden. Unter der jetzigen ‚ deutschen Regierung kann es keine Sicherheit für die Zukunftgeben... Sie hältihr Wort weder frem- den Regierungen noch ihrem eigenen Volk. Es ist deshalbSache der Deutschen, den nächsten Schrittzu tun und uns zu zeigen, daß sie ein für allemal den Grundsatz aufgegeben haben, Macht gelte für Recht... Zur Wiederherstellung des Vertrauens kann Deutschland mehr beitragen als irgendeine andere Nation, da es das meiste dazu getan hat, es zu zerstören. Ist Deutschland bereit, . zuverlässige Beweise seines guten Willens zu geben, wird es bei den anderen keinen Mangel an Willen finden, ihm bei der Über- windung der wirtschaftlichen Schwierigkeiten zu helfen, die den Übergang vom Krieg zum Frieden begleiten werden. Was ich als unser Kriegsziel herausgestellt habe, enthält nichts Demütigendes 270 Zwölftes Kapitel oder Drückendes für irgendeinen, und auf einer solchen Grund- lage würden wir für unser Teil bereit sein, eine Verständigung zu suchen mit jeder Regierung, die solche Ziele unterschreibt und Beweise ihrer Aufrichtigkeit gibt.« Das war ein starker und deutlicher Appell an die Opposition, nun zur Tat zu schreiten. Aber natürlich hütete sich die britische Regierung, eine schriftliche Verpflichtung aus der Hand zu geben und ihre Friedensbedingungen näher zu umschreiben; auch ließ sich aus ihren Erklärungen ein gewisses Mißtrauen gegen ihre Partner herauslesen, ob sie am Ende auch wieder den vielberufe- nen»Preußengeist« in sich tragen könnten.?® Die britischen Er- öffnungen sollen ein oder zwei Tage später von Dr. Wirth im katholischen Pfarrhause von Küßnacht dem früheren Wehr- minister Geßler mitgeteilt worden sein, zur Weiterleitung an Goerdeler und Beck.* Sie sind aber, wie es scheint, niemals dort angelangt. Eine völlige Überraschung würden sie dort nicht be- deutet haben, denn hier war man ja schon seit Oktober über die parallelen Verhandlungen orientiert, die Dr. Josef Müller im Vatikan angeknüpft hatte. Außerdem stand Theo Kordt, jetzt in Bern, verabredungsgemäß in dauernder Verbindung mit seinem englischen Kollegen Convell Evans. Dabei hatte er festgestellt, daß man in London bereits ungeduldig zu werden begann ange- sichts der fortdauernden Verzögerung des angekündigten Staats- streiches. Zur Ungeduld kam das Mißtrauen, ob es sich bei dem ständigen Drängen der deutschen Oppositionsgruppe auf gün- stige Friedensbedingungen am Ende um eine Art von Erpres- sungsversuch deutscher Nationalisten handele- ein Verdacht, den wir schon von 1938 her kennen. Vansittart bestand deshalb hartnäckig darauf, Polen müßte sofort nach dem Umsturz ge- räumt und wiederhergestellt werden als Zeichen eines neuen Friedenswillens in Deutschland, ohne Rücksicht auf die Gefahr eines Nachrückens der Bolschewisten, die man ihm vorhielt. Um solche Verstimmungen und Ärgernisse zu beschwichtigen, schrieb ihm Theo Kordt am 16. Februar einen Brief- also genau zur Zeit der Verhandlungen in Ouchy, von denen er offenbar nichts wußte.50 i Aber die Wünsche der deutschen Opposition gingen über eine »Stillhalte-Zusage« hinaus. Man vermißte noch eine schriftliche Festlegung der britischen Regierung, und zwar auf klar umrissene. Friedensbedingungen. Dies zu erreichen, machte sich kurz nach dem Wirthschen Interview Ulrich von Hassell auf den Weg nach der Schweiz. Der äußere Anstoß dazu kam diesmal von britischer Seite, und zwar auf eine etwas abenteuerliche Weise. Ein engli-# scher V hg ohr = britisch maßen Vermit chen zu lokal) kennen schaft; deutun gruppe Lord F Bekar Schwie offenb; derdeu Man w Ausnüt; Ihn Lo Standeı volle: Schade Wort, Das Naten, statt, h\ isty der set Schen. Lord j dent): veih Yalte- Öauert NZ€ Mey; ni Lot Sche G ber W Erle, es; rund- I ng zu und ition, ische! jeben| h ließ" \ ihre :rufe- n Er- th im Vehr- 1g an ; dort ht be- er die er im tztin nem stellt, ange taatsı i dem pres dacht, shalb vz ge neuel yefabt all tiged, gem! fenbi! n eit Felicht jssent A y nal > jsch®| eng| Letzte Versuche zur Löschung des Weltbrandes 271 scher Weltreisender und Amateurdiplomat, Mr. Lonsdale Bryans, \ lag ohne Auftrag und Wissen(ja sogar gegen den Wunsch) des britischen Außenministeriums seit Oktober in Rom gewisser- maßen auf der Lauer, in der Hoffnung, sich dort irgendwie als Vermittler zwischen den kriegführenden Mächten nützlich ma- chen zu können. Zufällig lernte er im November(in einem Bier- lokal) den Schwiegersohn Hassells, Herrn Detalmo Pirzio-Biroli, kennen, der ihn als Halbamerikaner mit deutscher Verwandt- schaft interessierte. Bei einer zweiten Begegnung erfuhr er an- deutungsweise von dem Bestehen einer deutschen Oppositions- gruppe und erbot sich sogleich, diese mit dem Außenminister Lord Halifax in Verbindung zu bringen, den er selbst als seinen »Bekannten« betrachtete. Unter derBedingung, denNamen seines Schwiegervaters keinem andern als Lord Halifax persönlich zu offenbaren, willigte Pirzio-Biroli ein, ihm ein briefliches Memo- randum für den Minister zu übergeben, in dem er darlegte, wieviel der deutschen Opposition an einer britischen Zusage liegen müsse, man werde eine innere Krise nicht zum Angriff an der Westfront ausnützen. Tatsächlich erreichte der betriebsame Vermittler, daß ihn Lord Halifax kurz persönlich empfing und sich damit einver- standen erklärte, wenn er- aber nur als Privatmann— versuchen wolle, sich mit Hassell in der Schweiz zu treffen.»Es kann ja nichts schaden, und am Ende kann es von Nutzen sein«, war seine Ant- wott. Das Treffen des britischen Agenten mit dem deutschen Diplo- maten, vermitteltdurch Pirzio-Biroli, fandam 22. Februarin Arosa statt, wo Hassell seinen kranken Sohn im Sanatorium besuchte. Es ist von beiden Seiten ausführlich geschildert worden. 51 Hassell, der sehr vorsichtig vorging, überzeugte sich bald von der politi- schen Harmlosigkeit seines Partners und benutzte ihn dazu, um Lord Halifax eine genau überlegte schriftliche Mitteilung(state- ment) zukommen zu lassen. Sieist vorallem deshalb von Interesse, weil hier nicht(wie kurz vorher in Ouchy) bloß von einem Still- halte-Abkommen die Rede war, sondern von einern raschen und dauerhaften Friedensschluß, für den die deutsche Opposition ganz eindeutig ihre Vorschläge entwickelte: Es soll bei der Ver- einigung Österreichs und des Sudetenlandes mit dem Reich blei- ben, im Westen keine Grenzfrage aufgerollt(also auf Elsaß- Lothringen verzichtet) werden; im Osten soll die deutsch-polni- sche Grenze etwa wie 1914 verlaufen, Polen und die Tschechei aber wiederhergestellt werden. Hassell legte in seiner mündlichen Erklärung aber besonderes Gewicht darauf, daß keine Forderung Jeines inneren Umsturzes von englischer Seite mit den Friedens- 272 Zwölftes Kapitel bedingungen verknüpft werden dürfe, weil er befürchtete, das würde in Deutschland böse Erinnerungen an die Wilsonschen Forderungen von 1918 wecken; der Umsturz sei vielmehr aus- schließlich Sache der Deutschen selbst. Das war sicherlich richtig und charakterisiert den aufrechten Patrioten;5? es trug aber inso- fern rein akademischen Charakter, als ja auf beiden Seiten nie- mand daran zweifelte, daß vor dem Sturz Hitlers von Friedens- verhandlungen überhaupt keine Rede sein könnte. Übrigens stellte von Hassell selbst den Frieden auf eine für Hitler völlig unan- nehmbare Basis, wenn er(in Übereinstimmung mit dem uns schon bekannten Programm Goerdelers) immerfort betonte, daß Europa für die deutsche Oppositionsgruppe»weder ein Schlacht- feld noch eine Machtbasis bedeute«, sondern»den Wert eines N Bryans ) die Päs seine$ı "Könner Losbru Vaterlandes habe, in dessen Rahmen ein gesundes, lebenskräfti-' ges Deutschland gerade im Hinblick auf das bolschewistische' Rußland ein unentbehrlicher Faktor ist«- ein Gedanke, der seit- dem im Schrifttum unserer Patriotengruppe immer wiederkehtt. Auch die allgemeinen Prinzipien der Friedensprogramme Goer- delers wurden wiederholt: internationale Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Wirtschaft, allgemeine Rüstungsminderung, An- erkennung gewisser Leitgedanken durch alle europäischen Staa- ten, wie Grundsätze der christlichen Ethik, Gerechtigkeit und Gesetzlichkeit als Prinzip des öffentlichen Lebens, soziale Wohl- fahrt als Leitmotiv, wirksame Kontrolle der Staatsgewalt durch das Volk, Freiheit der Gedanken, des Gewissens und der geistigen Arbeit- alles Forderungen, die einen Sturz der Hitler- Regierung voraussetzten.>3 Hassell war klug genug, einen innerdeutschen Umsturz keines- wegsin sichere Aussicht zu stellen. Vor dem Losbruch des Groß- kampfes im Westen, meinte er, werde sich dafür wohl kaum eine Gelegenheit bieten;5 auf keinen Fall aber sei ohne ein»autoritati- ves englisches Statement«, d. h. ohne feste Verpflichtung der bri- tischen Politik für die Zukunft darauf zu rechnen, da die deutschen Patrioten nichts mehr fürchteten als eine Wiederholung der Er- lebnisse von 1918 nach der Preisgabe des Kaisers. Es zeigte sich aber bald, daß Mr. Bryans nicht der Mann war, die britische Politik zu irgendeiner Zusage zu veranlassen. Hali- fax ließ ihn nach seiner Rückkehr durch seinen Unterstaatssekre- tär Sir Alexander Cadogan mit ein paar höflichen Dankesworten (auch für Hassell) abfertigen, ohne ihn selbst zu empfangen. Eine schriftliche Antwort durch diesen unkontrollierbaren Boten zu geben, wurde abgelehnt; das sei eine Woche vorher schon auf an- derem Wege geschehen(gemeint war offenbar: über Wiehl { ik il tische] schen I kumen gelegt seinem So y volle- &ab.no natiscl Aufdie die Pre ‘0 hof Mangel Seiten Krwui derstar nilitär sch an der tOn Dietric wehr« sAn Prape it D, sche: Partoe (ung 8: ehr; safze lic tika, tteilich Den “D Ind B Winde au | Acht| e, dal schen r aus: ichtig| -inso-! n nie: :dens-! stellte unan-" n uns e, dal lacht- eines kräfti- tische r seit- kehrt. Goet- it auf Fl ı Staa- it und Wohl- durch stiget jerun ‚eines‘ Grob m eint itatt erbi: tschel er Er nl wa Hi seht vorte) „Bit ten un oft Tin) Letzte Versuche zur Löschung des Weltbrandes 273 Bryans konnte nur mit äußerster Mühe erreichen, daß man ihm die Pässe für ein zweites Treffen in der Schweiz bewilligte, um seine selbsterwählte Mission wenigstens formell abschließen zu können. Es kam erst am 15. April zustande, nachdem durch den Losbruch der Norwegen-Offensive schon eine ganz andere poli- tische Lage entstanden war. Wenn hier nun Bryans seinem deut- schen Partner versicherte, Lord Halifax habe das Hassellsche Do- kument dem Premierminister vorgelegt und sei mit den darin dar- gelegten Grundsätzen ganz einverstanden, so war er dazu(nach seinem eigenen Bericht) in keiner Weise befugt. So verlief dieses- für den deutschen Partner äußerst gefahr- volle- Unternehmen ohne jeden praktischen Nutzeffekt. Aber es gab noch einen weiteren, viel besser gangbaren Weg der diplo- matischen Fühlungnahme: die Verhandlung über den Vatikan. Auf diese schon im Herbst 1939 angesponnene Verbindung haben die Freunde Becks weitaus den größten Wert gelegt, weil sie nur so hoffen konnten, aus der Sphäre unverbindlicher Gespräche mangelhaft autorisierter Zwischenträger zu ernsthaften, für beide Seiten verbindlichen Abmachungen zu kommen. Dr. Josef Mül- ler wurde als eine Art von offiziellem Bevollmächtigten der Wi- derstandsgruppe nach Rom gesandt(getarnt durch den Auftrag militärischer Spionageabwehr). Aber auch Dohnanyi beteiligte sich an der Aktion und zog(zur Besorgnis mancher Mitglieder der Oppositionsgruppe) noch andere Mitverschworeneheran, wie Dietrich Bonhoeffer, seinen Schwager, der jetzt auch zur»Ab- wehr« gehörte. Die Verhandlungen zogen sich vom Oktober 1939 bis Anfang Februar 1940 hin, mit einem längeren Hin und Her von Frageund Antwort. Papst Pius XII., dessen Sekretär Pater Leiber mit Dr. Müller in engster Verbindung stand, zeigte ein über- raschend großes Verständnis für das Anliegen des deutschen Partners und setzte seine ganze Autorität der englischen Regie- rung gegenüber für die Echtheit ihrer Oppositionshaltung ein. Mehr noch: er erbot sich selbst als Vermittler und hob damit diese ganze Verhandlung auf die Ebene amtlicher(oder doch halb- amtlicher) Diplomatie. Staatssekretär Lord Halifax und sein vatikanischer Botschafter Osborne ließen sich hier auf förmliche, Freilich niemals in schriftlicher Form festgelegte Erklärungen ein. Den Gang der Verhandlungen und ihr schließliches Ergebnis - hat Dohnanyi in einem sehr ausführlichen Bericht für Halder und Brauchitsch festgelegt, der am 22. September 1944 in die Hände der Gestapo gefallen und seitdem noch nicht wieder auf- getaucht ist. Die Zeugenaussagen über seinen Inhalt stimmen aicht ganz überein. Fest steht, daß die britische Seite nicht nur 274 Zwölftes Kapitel cheiftli versprach, eine innerdeutsche Krise militärischnichtauszunützen, ‚nlitiscl sondern gleichzeitig bestimmte Zusicherungen für den Friedens- schluß mit einer neuen Regierung gab. Sie erklärte sich damit ein-| ucherl verstanden, daß Österreich und das Sudetenland beim Reich ver-' cher$ blieben, etwa in den Grenzen des Münchner Abkommens, und|\ichge daß die Ostgrenze nach völkischen Gesichtspunkten revidiert| leReg würde; Deutschlands wirtschaftliche Stellung in Europa sollte| igkeit‘ neu geregelt werden. Das entsprach etwa den Forderungen, die| er$ auch schon Hassellin Arosa geäußert hatte(ohneübrigens damals im: schon irgend etwas von denrömischen Verhandlungen zuwissen).' Ztvartı Auf Elsaß-Lothringen hatte er verzichten wollen, und kein poli- nit fi tisch Verständiger konnte erwarten, die englische Politik würde AnG sich darauf einlassen, überhaupt an dieses Problem zu rühren, das ndsp; allein ihren Alliierten anging. Ires he Nun erinnert sich aber General Halder, der den Bericht Doh- elta: nanyis zweimal gründlich studiert hat(zum zweiten Malein seiner ar, we Haftzeit 1944), genau daran, daß darin auch von Wiederherstel-'\litte\ lung der deutschen Westgrenze von 1914 die Rede war; das hat ücksp ihn schon damals ebenso verwundert wie mißtrauisch gemacht schließ] gegen die Zuverlässigkeit des ihm vorgelegten Textes. Er selbst chen? legte, vom militärischen Standpunkt, keinen besonderen Wert-ohyo auf diese Konzession, die einen wirklichen Frieden mit Frankreich Non y von neuem unmöglich gemacht hätte. Heute vermutet er dahinter| Inerst einen ungeschickten Versuch, ihn selbst und Brauchitsch durch| ndA; scheinbar glänzende Friedensaussichten zu verlocken. Aber wer| Genen hat diesen ungeschickten und sehr bedenklichen Versuch ge- ind st, macht? War es Dohnanyi selbst? Die sonst noch vorliegenden|!igen. Berichte berühren die elsaßlothringische Frage nicht.°° Wohl\ m,;} aber melden sie, die Briten hätten eine Volksabstimmung in gen Österreich über seinen künftigen Verbleib gewünscht, außerdem'!ayı eine»Dezentralisation« des künftigen Douichn Reiches— doch ‚lkgen sei dies nicht als eine unabdingbare Forderung zu verstehen. rm Weiterhin hätte man Einzelabmachungen getroffen über die Ein- für den leitung von Friedens- und Waffenstillstandsverhandlungen. Diese Nacht sollten nicht direkt, sondern durch päpstliche Vermittlung ge- echaf führt werden, die Aufhebung der Verdunklung sollte das äußere|| Signal für die Gegenseite sein.5® Der Sturz Hitlers und die Bil- dung einer vollständig neuen Regierung galten als Vorbedingung, aber auch das(noch einzuholende) Einverständnis der französi-. Mich« schen Regierung war vorbehalten. Das Ganze sollte(nach An- Denn Hi e$o gaben von Thomas) nur so lange gültig sein, als noch kein Groß- Cheite angriff im Westen von deutscher Seite erfolgt wäre.” Man Alles in allem: trotz aller Vorbehalte und der Zurückhaltung B Letzte Versuche zur Löschung des Weltbrandes 275 itzen, schriftlicher Dokumente eine so weitgehende Erfüllung außen- .dens- politischer Wünsche der Opposition, wie sie es den Umständen itein- nach erhoffen konnte! Es wäre Legende, zu behaupten, auf eng- hver- ischer Seite hätte man die deutsche Opposition von Anfang an im , und Stich gelassen. Für den»Sitzkrieg« des Winters 1939/40 und für idiert die Regierung Chamberlain trifft das keineswegs zu. Die Schwie- sollte rigkeit war vielmehr umgekehrt: ganz offenbar hat man auf deut- n,die scher Seite allzu zuversichtlich gehofit, die Heeresleitung zu lamak einem Staatsstreich drängen zu können, hat dadurch in London issen). Erwartungen erweckt,5® die sich nachher nicht bestätigten, und - somit für später fast allen Kredit verloren. würde' An General Halder sind die Mitteilungen aus Rom erst auffal- n,dıs end spät herangetragen worden. Im Kreise Osters war man sich ihres hochgefährlichen Inhalts(der ja amtlich als»Landesverrat« Doh- zelten mußte) offenbar so sehr bewußt, daß man in Verlegenheit seine‘ var, wer es wagen könnte, sie dem Generalstabschef vorzulegen. erste" Mitte März wurde der Botschafter von Hassell eingeweiht und um ash Rücksprache mit Halder gebeten. Diese zog sich aber hinaus, und macht‘chließlich übernahm es General Thomas, den Anlaß einer dienst- seit lichen Besprechung zu der bedenklichen Aussprache zu benutzen Wer+ obwohl er persönlich Gegner der ganzen diplomatischen Ak- kreid ion war, die er als»unsoldatisch« empfand und über die man hintt Ian erst nachträglich informiert hatte. Die Begegnung mit Halder durd fand Anfang April statt86° und verlief durchaus nach Wunsch: der Generalstabschef nahm den großen Bericht Dohnanyis entgegen hg ind studierte ihn sorgfältig. Er schöpfte zwar bald Mißtrauen gegen die Zuverlässigkeit seines Inhalts, entschloß sich aber trotz- wol tem, ihn am nächsten Abend seinem Oberbefehlshaber vorzu- legen mit der Bitte, ihn in Ruhe durchzulesen. Am nächsten Mor- gen wurde er sehr ernst empfangen:»Sie hätten mir das nicht vor- _ doc legen sollen. Das ist glatter Landesverrat; das mitzumachen | kommt für mich unter keinen Umständen in Frage. Im Kriege ist ef für den Soldaten keinerlei Verbindung mit einer ausländischen Macht zulässig.« Er war sehr aufgeregt und verlangte sofortige ‚Dis gg Verhaftung ds Überbringers; Den Bericht wollte er auf A he Dienstweg” an die»zuständige Stelle« weiterleiten. Halders Ant- Wort war die eines mutigen, verantwortungsbewußten Mannes: „., Wenn einer verhaftet werden muß, dan verhaften Sie bitte .mich.« Damit brachte er den Aufgeregten zur Besinnung. Aber , tie so mühsam vorbereitete Aktion war im ersten Anlauf ge- scheitert. Man sieht: dieser korrekte, in altpreußischer Tradition erzoge- „)) fe Offizier war seelisch völlig außerstande, den Sprung über die 276 Zwölftes Kapitel Hürde der Legalität zu vollziehen. Es war schon sehr viel, daß et es schließlich fertigbrachte, die Schuld der stillschweigenden Mit- wisserschaft an einem landesverräterischen Unternehmen auf sich zu laden. Wenn er Halder weiterhin auseinandersetzte, die Be- seitigung Hitlers würde praktisch nichts nützen, dieser Krieg sei ein Kampf der Weltanschauungen, der nun einmal ausgetragen werden müßte, so klingt das wie angelernte Parteiphrasen, mit denen er bloß seine eigene politische Unsicherheit und Ent- schlußlosigkeitzudecken wollte. Es bestätigt aber auch so die Un- möglichkeit, mit Hilfe dieses Mannes Revolution zu machen. Was über Halders Einstellung berichtet wird,®! läßt erkennen, daß er sich in schwerem Gewissenskonflikt befand. Die Aufzeich- nung Dohnanyis betrachtete er nicht ohne Mißtrauen. Über EI- saß-Lothringen enthielt sie offensichtlich unmögliche Zusagen; irgendeine Unterschrift fehlte. War irgendein späteres englisches Kabinett an diese Zusagen gebunden? War dieses Papier über- haupt ein wirklich tragfähiger Boden für eine große Staatsaktion? An Goerdeler hat er damals einen Brief geschrieben, in dem es hieß:»Das Heer wird seine Pflicht für das Vaterland auch gegen die Regierung Hitlers tun, wenn die Lage es verlangt.«®? Ein Gewaltstreich gegen die Regierung mitten im Kriege sei jedoch nur dann zu verantworten, wenn die äußerste Not dazu dränge, Dies aber sei»zur Zeit« nicht mehr der Fall- der Entscheidungs- kampf mit dem Westen müsse jetzt zunächst durchgeschlagen werden. Damit war nicht etwa gemeint, daß der Sieg jetzt absolut sicher sei. Halder rechnete nach wie vor mit militärischen Rückschlägen, die einen inneren Umsturz später erleichtern könnten. Aber er sah die Lage jetzt doch mit anderen Augen an als zu Anfang des Winters. Inzwischen war mit äußerster Anstrengung an der Ver- stärkung und Verbesserung der deutschen Rüstung, an den Auf- marschplänen, an tausend technischen Details der Durchbruchs- operation gearbeitet worden. Sogar für die Organisation einer besseren Okkupationsverwaltung der westlichen Länder, als sie in Polen bestand, hatte der Generalstab sich zu sorgen bemüht. Luftaufnahmen mit modernsten Geräten hatten gezeigt, daß die französischen Verteidigungslinien technisch weit unvollkom- mener waren, als man früher geglaubt hatte, und durch Agenten bzw. Überläufer wurde bekannt, daß die französische Armee so gut wie nichts zu ihrer Ergänzung und Erweiterung tat. Die Panzergenerale Hoepner und von Reichenau, früher äußerst skeptisch, urteilten jetzt sehr zuversichtlich über die Aussichten einer Durchbruchsschlacht, als Goerdeler sie darnach befragte.°® fugzeu Gegen zur De nichts tnpliscl Boden: Natü tie pol inuar Srieben Ahitmil ütesg Mviler Reine der di Mesinn Ittforde älber d Aktion. Kıne el Letzte Versuche zur Löschung des Weltbrandes 277 s war der Heeresleitung bekannt, daß immer wieder genaue :nMit Nachrichten über deutsche Angriffsziele und Angriffstermine uf sich lie Be- rieg, sel ‚tragen n, mit d Ent- lie Un- en. ennen, fzeich- ber EI- sagen; lische r über- ktion! dem& ‚gegel ‚2 Eis jedoch Jränge dung‘: hlage! +siche! nlägeN) ‚ber ng de or Ver „Aut yrucht nein durchsickerten; vollends seit dem Fehlflug des deutschen Kurier- lugzeuges im Januar mußte man erwarten, daß drüben starke (Gegenmaßnahmen, vor allem Bereitstellungen der Westmächte ur Deckung von Holland und Belgien erfolgen würden. Aber nichts dergleichen wurde erkennbar. Offensichtlich wagte die tnglisch-französische Kriegsleitung keine Besetzung neutralen Bodens vor Beginn des deutschen Angriffs. 6% Natürlich wirkte diese starke Veränderung der Lage auch auf die politische Haltung des Generalstabschefs zurück. Schon im Januar hatte er, in einer langen Aussprache mit Beck, dessen über- Iriebenen Pessimismus im Blick auf diekommende Westoffensive mit militärischen Argumenten zurückgewiesen. Gleichzeitig hatte tr es abgelehnt, die Armee gewissermaßen zum»Hausknecht« tiviler Widerstandsgruppen zu machen, der das Geschäft des \Reinemachens« zu erledigen hätte, ohne sich selbst Gedanken iber die politischen Konsequenzen zu machen. Er sei mit seinen Gesinnungsgenossen im Generalstab nach wie vor bereit, mit den trforderlichen Freiwilligen als»Stoßtrupp« vorauszugehen— ıber dieser Stoßtrupp hätte keinen Sinn, wenn ihm nicht eine iktionsfähige Front folge. Eine solche Front könne aber nur durch tine echte politische Bewegung von links bis rechts gebildet wer- (en-und davon fehle bisher jede Spur. Sie zu schaffen, nicht aber »Weisungen« an die Armee zu geben, sei die Aufgabe ziviler Widerstandskreise. Zu einem neuen»Kapp-Putsch« gebe er sich tbensowenig wie Brauchitsch her.®5 Das Gespräch hatte mit einem schrillen Mißklang geendet, und Halders Ansichten hatten sich bis April auch nicht mehr geändert. Von einem Anwachsen der Widerstandsbewegung in weiteren Kreisen konnte keine Rede sein; die Stimmung der Armee aber war immer zuversichtlicher, ein Generalsputsch demgemäß immer aussichtsloser geworden. Mitten in die Erwägungen Hal- ders nach Empfang der römischen Berichte schlug der Entschluß Hitlers ein, die gegen den Rat und ohne die Mitwirkung des Ge- teralstabs vorbereitete waghalsige Expedition nach Dänemark ind Norwegen durchzuführen. Die Führung der Armee hatte Sich dagegen gesträubt: weil es ein Unternehmen gegen alle mili- ‚ürischen Regeln war, halb auf Glückszufälle gegründet, und weil & ohne dringende Not die deutschen Streitkräfte zersplitterte; äber auch deshalb, weil ein so brutaler Überfall auf friedliche Nachbarvölker, deren Gebiet weit außerhalb der eigentlichen _ Kampfzone lag und die sich vertraglich durch Hitler selbst ge- 4 278 Zwölftes Kapitel sichert glaubten, den bösen Ruf Deutschlands als gemeingefähr- lichen Friedensbrechers erst recht befestigen müßte. Ein Er- schrecken über die unerhörte Brutalität diesesGewaltstreichs war damals in ganz Deutschland zu verspüren; die Versicherung der offiziellen Propaganda, man habe einem englischen Invasions- unternehmen zuvorkommen müssen, fand keinesfalls überall Glauben- obwohl sie zutraf, wie man heute weiß. Und so mochte die Oppositionsgruppe im Generalstab eine Zeitlang wohl mei- nen, das Abenteuer würde mißglücken und im Rückschlag gün- stige Voraussetzungen für einen Staatsstreich schaffen. Aber das erwies sich rasch als ein Irrtum. Das Unternehmen glückte, weit über alle Erwartung hinaus, wenn auch unter schweren, nie wieder ganz aufgeholten Verlusten der Marine, Hitler triumphierte abermals über die Bedenken seiner Generäle, und die Achtung vor der militärischen Leistungsfähigkeit und politischen Weisheit des Westens sank jäh auf einen Nullpunkt- nicht nur in Hitler-Deutschland. Daß der Generalstab Halders in einem tieferen Sinn dennoch recht hatte mit seinen Warnungen vor dieser voreiligen Präventivaktion, daß sie, aufs Ganze des Krieges gesehen, weit mehr Nachteile als Vorteile gebracht hat, politisch wie militärisch, das konnte damals noch niemand über- sehen. Für den Augenblick war die Lage so, daß Brauchitsch oder Halder, selbst wenn sie den Entschluß gefunden hätten, zum Widerstand gegen Hitlers Kriegführung aufzurufen, einen Sturm der Enrüstung gegen sich selbst entfesselt hätten, sowohl in der Nation wie in der Armee. Niemand außer dem allerengsten Ver- schwörerkreis hätte sie überhaupt verstanden. Und so wurden denn auch alle Versuche, die Befehlshaber der Heeresgruppen zu Vorstellungen bei Brauchitsch oder zur Verweigerung des An- griffs zu bringen, wie man sie noch Anfang April unternommen hatte, völlig aussichtslos. General Thomas, der darin zeitweise am eifrigsten gewesen war, riet jetzt selbst davon ab. Er fand sich mit General Olbricht, dem Chef des Allgemeinen Heeresamts, der eben damals zur Opposition stieß, einig in der Überzeugung, daß jetztandere Wege zur Beseitigung des Hitler-Regimentes gesucht werden müßten.®” Zunächst war der Großkampf im Westen und damit der Ausbruch des Weltbrandes nicht mehr aufzuhalten. Die Tatsache, daß die deutsche Militäropposition weder im- stande war, den Überfall auf Dänemark und Norwegen noch den auf Belgien und Holland zu verhindern, brachte sie gegenüber ihren britischen Gesprächspartnern in eine äußerst peinliche Lage. Ausdrücklich war in Rom ausgemacht worden, daß an der West- front weiterhin praktisch Waffenruhe herrschen sollte, um der] | deutsch mgebe druck e "ns Gar: ing.N dienste: ten, u treffe ag der! nlisten Hänen, Dies Scheitt Standsb {urchb; Turde, cute C ttoht- Knutzt Nil Münste Berlin. sen yoı die str. Mihn Non s fichten Schon| Am sp; Ar “a in Many Rom,c Letzte Versuche zur Löschung des Weltbrandes 279 refähr. in Er hs wat ng der] 1stons-" iberall deutschen Widerstandsgruppe Gelegenheit zu ihrem Staatsstreich zu geben. Konnte nun nicht bei den britischen Partnern der Ein- druck entstehen, man sei einer Gruppe getarnter Hitler-A'genten ins Garn gegangen, wie bei dem bekannten Überfall von Venlo am 9. November 1939, bei dem Offiziere des britischen Geheim- dienstes in die Hände deutscher Gestapofunktionäre gefallen vochtt"\yaren, als sie sich im Glauben, Männer der deutschen Opposition me" Ju treffen, der holländischen Grenze näherten? Zum mindesten > BUN lag der Verdacht eines unredlichen Doppelspiels deutscher Natio- nalisten nahe, die es gar nicht ernst meinten mitihren Staatsstreich- hm nJänen. une!"| Dies scheint eines der Motive gewesen zu sein‘ für jenen farine, Schritt Osters, der wie keine andere Tat der deutschen Wider- neräle standsbewegung alle Schranken patriotischen Herkommens it und /Jurchbrach, ihr nachträglich, als er der Öffentlichkeit bekannt unkt- wurde, unendlich viel empörte Kritik zugezogen hat und der bis ders? heute die Erinnerung an ihren sittlichen Heroismus zu trüben unge! roht- auch bei sonst wohlwollenden Betrachtern. General Oster ze d$ benutzte seine alte intime Freundschaft mit dem holländischen ht hal,"Militärattach€ Oberst J. G. Sas(er kannte ihn schon aus seiner | über: Münsterer Dienstzeit und traf sich mit ihm fast regelmäßig in ‚hits! Berlin-Zehlendorf), um durch ihn nicht nur allgemeine Warnun- n, zu: ren vor Hitlers Angriffsabsichten nach Holland gelangen zu lassen Stu(die strömten dort ohnehin von allen Seiten zusammen), sondern ind“ um ihm auch die genauen Angriffstermine mitzuteilen, und zwar n Ve schon seit dem 6. November. Auf demselben Wege sind Nach- yurd@® lichten über den nahe bevorstehenden Überfall auf Skandinavien pen? chon am 4. April in die nordischen Hauptstädte gelangt,°® und es At" ım späten Abend des 9. Mai konnte Sas seiner Regierung(in mn Tarnung) telephonisch melden, daß am nächsten itwe® Tag in der Morgendämmerung der Sturm losbrechen würde. ndsE Man wird vermuten dürfen, daß auch eine indirekte Warnung aus ts, Rom, die den Haag Anfang Mai erreichte(doch ohne genaue An- ‚, gabe des Datums), zuletzt auf dieselbe Quelle zurückging(an- ‚ul! über Dr. Josef Müller),”° und daß Oster auch noch später ‚nu seine Hand im Spiel gehabt hat, als eine ähnliche Voraussage in ten. Belgrad eintraf(April 1941). ri Inallen diesen Fällen handelt es sich ganz offenbar um einen chd®" Verrat militärischer Geheimnisse an den Landesfeind, begangen ‚ib! im vollen Bewußtsein ihrer formalen Rechtswidrigkeit als»Lan- ‚Ja desverrat«— nicht um ein bloßes Spiel»militärischer Abwehr« ‚wet"und»Verführung des Gegners«, wie manche es haben beschöni- m de fen wollen; denn was hätte ein solches»Spiel« schon genutzt? 280 Zwölftes Kapitel Über die Motive Osters kann man freilich nur Vermutungen auf- stellen; aber seine Freunde sind sich darüber nie im unklaren ge-' Nieder wesen: es war abgrundtiefer Haß gegen Hitler und seine Kriegs- pläne- ein Haß, a man wohl schon fanatisch nennen müßte, wäre er nicht aus echter sittlicher Empörung geboren. Aus der Empörung einer sehr schlichten und ritterlichen Soldatennatur über das offenkundige Verbrechen des Überfalls auf friedliche Nachbarvölker, die mit dem Kriegsanlaß nicht das geringste zu tun hatten und deren Einbeziehung in den»großen Orlog«(wie er sich gern ausdrückte) durch keinen bittern Zwang der Selbst- erhaltung— wie 1914- zu rechtfertigen war, von keiner Zwangs- läufigkeit der Militärtechnik gefordert wurde. Den unschuldig bedrohten, den ungerecht Überfallenen soweit wie möglich zu Hilfe zu kommen, sich selbst und seine Freunde weit abzusetzen von dem»Blutsäufer« und»Tyrannen«- das war ganz einfach der moralisch-politische Antrieb, der ihn alle Schranken formaler Gesetzlichkeit überspringen und in den Augen des offiziellen Deutschlands zum todeswürdigen Verbrecher werden ließ. Um die ganze Tiefe des Widerwillens zu verstehen, der ihn gegen Hitlers Kriegsmethoden erfüllte, wird man wohl auch bedenken müssen, was er alles aus nächster Nähe, als Mitglied der»Ab- wehr«, an Vorbereitungen der widerwärtigsten Art für den Hol landfeldzug miterlebte: Bildung von fünften Kolonnen und Sprengkommandos, Beschaffung holländischer und belgischet Uniformen für Fallschirmspringer und Spionagetrupps, Vor- bereitung von Mordüberfällen auf Brückenwachen aus dem Hin- terhalt und tausend andere Teufeleien, in deren Aussinnen Hitler geradezu schwelgte, während sie dem ehrlichen Soldaten als Schändung seines Handwerks erschienen. Trotzdem bleibt die Frage noch offen, ob das Mittel, das Ostet gegen diese völkerrechtswidrigen Gewalttaten einsetzte, in jedem Sinn gerechtfertigt war. Landesverrat, hat man in dem bekannten Braunschweiger Remer-Prozeß geurteilt, setzt die böse Absicht voraus, dem eigenen Lande zu schaden. Daß Oster seinem Deutschland nicht schaden, sondern nützen wollte, bedarf keiner Diskussion. Aber hat er nicht wissentlich der deutschen Wehr- macht geschadet, indem er sie in wesentlich erhöhte Gefahr brachte? Ging nicht die nächste Pflicht, die gegen die eigenen Volksgenossen, die eigenen Kameraden, der gegen fremde Völ- ker voran? Daß sie nicht verletzt werden dürfe, unter keinen Um- ständen, war in der Tat die einmütige Überzeugung der meisten Widerstandskämpfer außerhalb der kommunistischen Gruppen.| Eben deshalb haben sie auch niemals etwas wissen wollen von Tafen {ug de kung d Tathat ırteilus setzen. ten Ka seine P denn Lände: Überfa ‚Angrif gen st Situati Drauch cer die von w paren Die Nicht d zudur "schon aber Sülche Ittten, AM me Sollen, Nie] Wird, Be eleie Könne tanze era Aubit Mapan Warn Petre Kung Alpe ffühe " ke [iii gen aul aren gt Kriegs müßte Aus de ennatu” jedlich: 1gste zı g«(wi : Selbst wangs chuldi Jlich zı yusetzel fach de! ormale Aziellet ieß. Un n gept denkt ef»Ab: jen Ho! jen Ui Igisch 1, Vor om Hit- n Hit N Iaten& a5 Ostt in jede kanal‘ Absid sein?! ‚f keit 1 Wei Gel eige“ de”| nen U) geist" suppe Jen Letzte Versuche zur Löschung des Weltbrandes 281 ‚Waffensabotage und haben alle ihr Bestes hergegeben für den Er- " folg der deutschen Wehrmacht- obgleich sie doch wußten, daß 5 jeder Sieg auf den Schlachtfeldern und in der Luft eine neue Stär- kung der Autorität und Macht des Tyrannen bedeutete. Osters Tat hat bei vielen von ihnen, als sie davon hörten, schärfste Ver- arteilung gefunden. Und doch wird man sie nicht einfach gleich- setzen dürfen mit dem Landesverrat der kommunistischen»Ro- ten Kapelle«. Oster hat nicht die Niederlage Deutschlands und seine Preisgabe an einen fremden Herrschaftswillen erstrebt, son- dern nur das Scheitern von Angriffsoperationen auf neutrale Länder. Sicherlich: das konnte viel Blut kosten. Aber wenn der Überfall auf Norwegen gleich zu Anfang scheiterte, wenn der Angriff auf Belgien und Holland schon an den Grenzbefestigun- ven steckenblieb, dann war(so wird er gerechnet haben) die Situation geschaffen, die Hitlers Gegner für den inneren Umsturz brauchten: dann war der Zauber der Unbesiegbarkeit gebrochen, der diesen Dämon umwitterte. Und dann ließ sich mit dem Blut von wenigen Tausenden vielleicht das Blut von Millionen er- sparen. Die nationale Gemeinschaft ist(das haben wir heute gelernt) nicht der höchste Wert schlechthin. Es kann zur Pflicht werden sie zu durchbrechen. Sogar formeller Landesverrat, sagten wir früher schon(Kapitel 6), kann zur sittlichen Verpflichtung werden- ıber»nur dann, wenn ernstliche Aussicht besteht, durch einen solchen Verstoß gegen das formelle Recht das eigene Land zu tetten«. Hier scheint mir der Punkt, an dem das Verhalten Osters ım meisten zur Kritik herausfordert. Als Soldat hätte er wissen sollen, daß der Verrat von Angriffsterminen zu jenen kleinen Mitteln gehört, durch die zuletzt nichts Wesentliches entschieden wird. Weder die Dänen und Norweger noch die Holländer und Belgier haben irgendeinen nennenswerten Vorteil daraus ziehen können. Auf eine wirklich wirksame Hilfe von englischer oder französischer Seite konnten sie in keinem Fall rechnen. Sie haben :ber auch nicht gewagt, auf die Warnungen aus Berlin hin darum zu bitten. In Skandinavien wollte man an ihren Ernst nicht glau- ben und betrachtete sie fast bis zum letzten Augenblick als Pro- pagandatrick. In Holland war man längst von anderer Seite ge- warnt, hatte schon seit dem Überfall auf Norwegen viele Straßen- . sperren eingebaut und alle Vorkehrungen zur schnellen Spren- gung von Brücken und Deichen getroffen, dieman ohne Neutrali- tätsverletzung treffen konnte. Man wagte aber bis zur Morgen- des 10. Mai keinen Schritt darüber hinauszugehen, um Hit- Kler keinen, auch nicht den leisesten Vorwand für seinen Neutrali- 1 282 Dreizehntes Kapitel tätsbruch zu geben. In der letzten Nacht vor dem Angriff sind ein paar kleinere Brücken im Süden des Landes gesprengt, ein paar Maschinengewehrposten aufgestellt, ein paar tausend Deutsche in der Residenzstadt in Schutzhaft genommen worden— das war die ganze Wirkung des Osterschen Verrats.?”! Es war also eine im Grunde überflüssige Tat. Die Sturmflut des nationalsozialistischen Angriffswillens flu- tete unwiderstehlich über alle großen und kleinen Hindernisse hinweg. Für die deutsche Widerstandsbewegung kam nun die allerschwerste Prüfungszeit. Der Gegensatz zwischen patrioti- schem Empfinden und sittlichem Pflichtbewußtsein als Staats- und Weltbürger wuchs sich zu höllischer Verstrickung aus. II. Abschnitt: Um die Abwendung der Katastrophe(1940-1944) Dreizehntes Kapitel: Wider den Siegestaumel. Zukunftspläne für Deutschland Der unerhörte Siegeszug deutscher Heere durch Holland, Belgien und Frankreich machte die Lage der deutschen Oppositionsgrup- pen zunächst völlig hoffnungslos. Alle Bedenken deutscher Fach- militärs und kluger Politiker schienen mit einem Schlage wider- legt. Glänzender noch als je zuvor triumphierte der stürmische Kampfwille des großen Abenteurers über die wägende Vorsicht seiner militärischen und politischen Berater. Es wäre Blindheit zu leugnen, daß er die innere Schwäche der westeuropäischen Demo- kratien klarer durchschaut, die technische Überlegenheit der modernen deutschen Waffenrüstung über die veraltete der Fran- zosen sicherer erfaßt und richtiger eingeschätzt hat als sie alle. Und es wäre ungerecht zu bestreiten, daß sein ungestümes Drän- gen auf schnelle, kühne Vorstöße ins feindliche Hinterland unter Ausnutzung aller technischen Möglichkeiten der neuen Waffen viel dazu beigetragen hat, der deutschen Offensive jenen gewalti- gen, die ganze Welt verblüffenden Schwung zu geben, die ihr einen so raschen und so überwältigenden Sieg verschaffte- auch wenn er in einem kritischen Moment der Durchführung(ähnlich wie schon im Norwegenfeldzug) als»Oberster Kriegsherr« ver- sagt und durch dilettantische Eingriffe in die Planung seiner Ge- neräle die totale Vernichtung der britischen Hilfstruppen ver- hindert hat. Auf das Ganze gesehen, war der unbändige Stolz, mit Wide Amer sine ei führlich sin oh wahne! deren| zeugun Itrt we )Ma Erfolg Tagebı den, au tineäh Aateaf, Nieder tem N Std se tneen vtelleie Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 283 ‚lem er in der berühmten Reichstagssitzung vom 19. Juli 1940 auf ine eigene Leistung zurückblickte, nicht unberechtigt. Wie ge- ‘ährlich dieser»einmalige« Erfolg sich auswirken würde, indem er sein ohnedies übernormales Selbstvertrauen zu vollem Größen- - wahnentfachte, das haben damals nur die wenigen vorausgesehen, deren Opposition aus letzter Tiefe moralisch-religiöser Über- reugungen stammte und somit durch keine äußeren Erfolge be- irrt werden konnte. »Man könnte verzweifeln unter der Last der Tragik, sichan den Erfolgen nicht freuen zu können«, schrieb Hassell damals in sein Tagebuch.! Es spricht doch sehr für die Echtheit der Überzeugun- S. zen, aus denen die deutsche Widerstandsbewegung lebte, daß er ‘ine Ähnliche Stimmung tiefer Niedergeschlagenheit bei fast allen ıntraf, die bisher an den Umsturzversuchen sich beteiligt hatten: Niedergeschlagenheit, nicht Freude im Blick auf die Zukunft.»Da 4 tem Nationalsozialismus, so wie er geworden ist, jede Seele fehlt ınd sein eigentliches Bekenntnis die Gewalt ist, so werden wir tine entgötterte Natur, ein entseeltes kulturloses Deutschland und vielleicht Europa bekommen, gewissenlos und roh«- das war die ‚llgemeine Befürchtung. So weit waren diese Männer von natio- nalistischem Ehrgeiz und imperialistischen Machtträumen ent- fernt. Das eindrucksvollste Zeichen dafür ist eine Denkschrift Goer- delers,2 die gerade auf dem Höhepunkt der Siege Hitlers, am 1. Juli 1940, entstanden ist, offenbar für Offiziere der Armee be- stimmt. Die glänzende Leistung der Wehrmacht erhält ihr ge- bührendes Lob. Aber dieser Sieg, sagt Goerdeler,»gibt ihr große Macht und noch größere Verantwortung«. Kriege dürfen niemals Selbstzweck sein, ihr Ziel ist allein der glück- und dauerhafte Friede.»Von einem solchen Frieden sind wir heute weiter ent- fernt dennje... denn dieser Krieg dient nicht einem planmäßigen Aufbau, sondern phantastischen, zum letztenmal in der. Zeit Napoleons gehegten Plänen.« Einen glücklichen und dauerhaften Frieden hätten wir auch ohne Krieg haben können. Die jetzt be- ttiebene maßlose Haßpropaganda gegen das angebliche»Krämer- volk« der Engländer ist bare Verleumdung.»Es wird vor der Geschichte nicht möglich sein, die Verantwortung für diesen Krieg anderen aufzubürden; ihn hat die derzeitige Reichsregie- \ mung gewollt und bewußt heraufbeschworen.«» Wären England und Frankreich neutral geblieben, so wären sie unfehlbar 1940 oder 1941 ans Messer gekommen.« Die Hitler-Regierung brauch- te den Krieg, weil sie mit ihrer Finanz- und Wirtschaftspolitik PR Ende ihres Lateins« angekommen war. Und was ist nun die 284 Dreizehntes Kapitel Zukunft? Es kann kein gutes Ende nehmen, selbst wenn die Insel England niedergeworfen werden, Amerika dem Krieg fern- bleiben sollte; selbst dann, wenn der Westen seinen Frieden macht und der Bolschewismuszurückgeworfen oder gestürzt wird, selbst wenn Deutschland den Raum vom Nordkap bis zum Kap der Guten Hoffnung, vom Atlantik bis zum Dnjepr oder Ural mili- tärisch beherrschen sollte. Warum nicht? Weil Hitler außerstande ist, einen solchen Raum so zu beherrschen, daß die Ehre und Ftei- heit der darin wohnenden Völker bewahrt bleiben- unentbehtr- liche Voraussetzung dafür, daß sie Höchstleistungen vollbringen. »An einen schöpferischen Aufbau freier Völker unter deutscher N Wide Führung denkt ein System nicht, das in Deutschland von finan- ziellem Wahnsinn, von wirtschaftlichem Zwang, von politischem Terror, von Rechtlosigkeit und Unmoral lebt«, das die Jugend verdirbt und das Christentum verfolgt. Wo ein solches System herrscht,»ist der frühere oder spätere Zusammenbruch nach dem von Gott in dieser Natur verankerten Gesetz vollkommen ge wiß«. Ein Tyrann kann immer nur eine Tyrannei errichten; jedet neue Erfolg macht ihn nicht weise und maßvoll, sondern immet ehrgeiziger, brutaler und eroberungslustiger. Goerdeler malt eia Schreckensbild der Zukunft Europas unter Hitlers Zwangshetr- schaft aus: Verelendung der Massen, Zerstörung aller Kultur: werte, Ausrottung der Intelligenz, besonders im Osten, Vernich- tung aller nationalen Freiheit und Eigenständigkeit,»Hinauf- schwemmung brutaler Naturen, von Gesinnungslumpen, Un- erfahrenen Era Unwissenden in a Führung«. Für die nächsten 15 Jahre hält er nicht einmal die Ernährung Europas ohne Zu- fuhren aus Amerika für gesichert. Was aus der asiatischen Welt|' bei solcher Entwicklung Europas werden soll, ist gar nicht aus- zudenken. Und für die Ausbreitung bolschewistischer Ideen bie- tet das allgemeine Massenelend den besten Nährboden. Solchen Zukunftsaussichten gegenüber zitiert Goerdeler am Schluß die bekannte Aufforderung Steins vom ı2. Oktober 1803 an König Friedrich Wilhelm III. zum Widerstand gegen Napo- leon:»Für den Redlichen ist kein Heil als in der Überzeugung, daß der Ruchlose zu allem Bösen fähig ist... Zutrauen zu dem Mann zu haben, von dem man mit so vieler Wahrheit sagte, e! habe die Hölle im Herzen, das Chaos im Kopf, ist mehr als Ver- blendung.... Ist also in jedem Falle nichts wie Unglück und Lei: den zu erwarten, so ergreife man doch lieber einen Entschluß, det ehrenvoll und edel ist und eine Entschädigung und Trostgründe|' anbietet im Fall eines übeln Erfolges.« Klarer und reiner ist die moralische Empörung, aus der die| k 1 eutscl "ka.D: he kei Jortzur kenswe Silpnz upes toch y ersucl Sinne d tole.4T Gedanl Chen ur Sands on De Und vie \orsch] halte Ye) ende fioen] " Mübeı Brundl, ‚faben, .k Chen] tgl Hl er, Nielen\ "Nlerten Mmer Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 285 HieInsl ‚deutsche Widerstandsbewegung lebte, niemals formuliert wor- g fer) ‚den. Daß sie in diesem Augenblick höchster militärischer Trium- nmach phe keine Aussicht hatte, die Spitzen der Wehrmacht mit sich d,selbs lortzureißen, bedarf keiner Erklärung. Es ist jedoch sehr bemer- Kap de kenswert, daß die Opposition der uns schon bekannten Gruppe al mil Stülpnagel im Generalstab auch auf dem Höhepunkt des Sieges- orstand zuges durch Frankreich nicht etwa nachließ, sondern sich eher ndFrii noch verschärfte.® Anfang 1941 setzten auch schon wieder die ntbehe Versuche ein, auf Brauchitsch oder auf einzelne Frontgeneräle im bringen Sinne der Opposition einzuwirken; sie blieben freilich ohne Er- utsche tolg.* Das hat aber Goerdeler nicht abgehalten, sich fortdauernd fin Gedanken über die Zukunft Deutschlands oder Europas zu ma- itischa(hen und sich auch über die posiziven Ziele der deutschen Wider- Jugert standsbewegung klarzuwerden. Diesem Zweck diente eine Reihe ‚System on Denkschriften, die im Laufe des Jahres 1940 entstanden sind ıchdis Ind viel Kritik am Hitler-Regiment mit mancherlei Besserungs- „\orschlägen verbinden.5 Sie sind in einem relativ gemäßigten Ton en fi nich tehalten, so daß man vermuten darf, sie sollten(mindestens teil- nimmt\reise) dazu dienen, noch außerhalb des Verschwörerkteises ste- malte! ende oder schwankende Persönlichkeiten für den Widerstand ngsher" gegen Hitler zu gewinnen und durch streng sachliche Argumente Kuly- a überzeugen. Gleichzeitig mögen sie aber auch als Diskussions- Ternic: Prundlage oder Vortragsmanuskript in engeren Zirkeln gedient His haben. Einzelne Empfehlungen(etwa hinsichtlich der wirtschaft- en, lichen Behandlung besetzter Länder) richten sich offenkundig an \ächst Mitglieder der W Ahehacht) und gelegentlich appelliert der ver ho Iisser ganz eindeutig an die ne ortung der Soldaten:»Die en We vielen wackeren, vaterlandsliebenden und für ihren Beruf begei- chtas sierten Offiziere, die sich etwa durch schöne Kasernen, durch ent immer neue Rüstungen, durch die modernsten Waffen, durch schnelle Laufbahn und ähnliche Erscheinungen haben blenden ‚ders kssen, die jetzt ihr Blut hingeben und von den Waftenerfolgen ner begeistert sein mögen, werden mit dem gesamten deutschen Volk Nat ihre Leichtgläubigkeit eines Tages bitter"bereuen undbezahlen.. 2 R Weiteres Angenschließen, weiteres Frönen gegenüber allen For je nen der Ichsucht wäre... vollkommen ee« Die ent- 2 ‚ theidende Frage ist gestell t, ob wir uns weiter in Illusionen und BE, Selbstbetrug bewegen und so dem Verfall deutscher Macht(trotz n“ler territorialen Eroberungen) entgegengehen wollen oder ob uf f Wir»mit Klarheit, Mut und sinnv le, Opfer verantwortlich das ob' Sthicksal meistern und wenden werden«.® tet|| Betrachtungen der Wirtschaftslage stehen, wie gewöhnlich bei ’ Al ostdeler, am Anfang. Die Knappheit der Rohstoffe, heißt es, j Ser: ee ee re Br We er une ee= ee ne 286 Dreizehntes Kapitel nimmt beängstigend zu, und die Preise steigen unaufhaltsam. Ein solches Problem kann nicht mit bloßen Zwangsmaßnahmen des Staates gemeistert werden, am wenigsten durch Ausbeutung det besetzten Länder und Heranziehung ihrer Bevölkerung zut Zwangsarbeit. Es gilt vielmehr, ihre freie nationale Produktion mit geschickter und schonender Hand zu fördern und ihren natür- lichen Export nach Deutschland zu lenken. Nur wo Recht, Moral, nationale Freiheit und Selbstverwaltung wiederhergestellt wer- den, darf man große Leistungen erwarten. Statt dessen gehen»ut- menschliche Verbrechen« in den eroberten Ostgebieten vor sich »Sie müssen und werden die deutsche Ehre für lange Zeit furcht- bar belasten.«»Die dortigen Gewalthaber lehnen die Anordnur- gen der Reichsregierung brüsk ab. Sie berufen sich auf Sonder- befehle des Führers.« Es ist eine schlimme Satrapenwirtschaft, und sie dehnt sich neuerdings auch im Westen aus: den Militär. befehlshabern in Elsaß- Lothringen und Luxemburg ist aller Ein- Aluß auf die Verwaltung genommen, alle Gewalt ist den Satrapei der Staatspartei übertragen. Verbrechen geschehen aber nicht nut in den besetzten Ländern. Die Tötung der sogenannten unheilba Geisteskranken in Deutschland ist eine Ungeheuerlichkeit, die zum Himmel schreit und die alles Vertrauen zur Staatsführung erstickt, selbst bei den gutwilligsten Staatsbürgern. Jedermani fragt sich mit Angst, w ohin das noch führen soll. Solche Untaten sind der Ausfluß eines total korrupten Regie rungssystems, das keine Freiheit kennt, die Verwaltung durd planlose Einmischung unverantwortlicher Parteistellen verdirbi® und das Prinzip der Selbstverwaltung verfälscht, weil es keiit selbständige Verantwortung des einzelnen duldet. Dieses Them! wird noch besonders unterstrichen in einer Betrachtung über Bil dungswesen und Jugenderziehung. Hier hören wir(neben alt bekannten Forderungen des bürgerlich Liberalen) eine sehr ernst Warnung vor der Militarisierung des ganzen deutschen Lebens und zwar im Sinn einer Erziehung zu blinder Unterwürfigkeitj »Im Soldatentum gehört neben den Gehorsam das Verant el wortungsbewußtsein.« Eben dies aber wird heute brutal untet]* drückt. Vorstellungen gegen irrige Befehle, Rückfragen jedef* Art werden als Mangel an gutem Willen ausgelegt, und«|! »entwickelt sich im Befehl die Hemmungs- in der Ausführunff die Verantwortungslosigkeit«. Der Einzelmensch wird ins Koll (hren z rauen Wirtsch find un D:kann Eichkeit ds ein ungen Ychafte Angz SngE Leid tk: Na Ksten| In Sc Geyalt Norbil pen: Indere Oiäterg At bes: Ex,' ige " ebote Tele N üren Assert Mhe D "tm( Äh tan lektiv gepreßt. Diesem Zustand des Staatszwanges und Parteiterrors st Goerdeler seine eigenen Ideale, die des liberalen Rechtsstaatef| gegenüber.»Eiserne Gerechtigkeit«, durch unabhängige Rech User, sam, Ei RERIR N Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 287 sprechung gesichert, Anstand und Ehre als Grundsatz der öffent- imen de|chen Verwaltung, die Denunziation und Spitzelwesen unter- tung de’ ung zu oduktio: en.natül it, Mora tellt wei hen»ut vor sich it furch nordnut f Sonde! rirtschaf n Militäs aller Eit ı Satrape ‚nichtnl unheilt2 hkeit, U tsführun edermafl en Reg: ng dutl n verdit J es kei es The! über} drückt, statt sie zu fördern— das sind die unentbehrlichen Grund- kgen zur Bildung einer wahren Volksgemeinschaft, in der Ver- hauen statt Mißtrauen herrscht. Die»Grundsätze der Friedens- Virtschaft«, die Goerdeler in diesem Zusammenhang entwickelt, ind uns aus seinen zahlreichen früheren Ausarbeitungen längst bekannt. Höchst eindrucksvoll ist aber die Selbstverständ- ichkeit, mit der er sein System freier Selbstverantwortung des einzelnen auch auf den Bereich der internationalen Bezie- lungen ausdehnt. Den freien Wettkampf der Nationalwirt- sthaften und der nationalen Kulturen in eine gesicherte Ord- dung zu bringen, wird die Aufgabe einer gesunden Neugestal- ing Europas sein. Leidenschaftlich protestiert er gegen die Vergewaltigung frem- der Nationen und gegen diesen Krieg, der letztlich- zum min- d&sten in solchem Ausmaß’?- unnötig war. Immer wieder setzt er dm Schlagwort vom»deutschen Lebensraum«, der mit brutaler Gewalt erobert und behauptet werden müsse, sein eigenes, am Vorbild des britischen Commonwealth ausgerichtetes Ideal ent- &gen:»Kein Volk lebtallein auf dieser Welt; Gott hatauch noch andere Völker geschaffen und sich entwickeln lassen.« Nur eine Naterialistische Geschichtsbetrachtung kann lehren, daß der Staat im besten fährt, der am rücksichtslosesten sich mit Gewalt durch- ‚!ttzt.»Ewiger Kampf bedeutet dauernde Kräftevergeudung. , Ewige Unterdrückung anderer widerspricht offenbar ebenso den Geboten Gottes wie der vernünftigen... Erkenntnis, daß nur tie Menschen höchste Leistungen vollbringen und daß nur |&ren gegenseitiger Austausch dauernd Leben erhält und ver- ;; Dtssert.« Man muß schon im Kriege vorausdenken an die fried- neben! ‚Iche Dauerordnung, die durch ihn erzielt werden soll; nicht jede „‚Korm der Kriegführung ist deshalb dem Soldaten erlaubt; es il fibt auch ein Maß der Zerstörung, das dem zu erreichenden End- >| ziel widerspricht. Und die Rede vom»totalen Krieg« ist verwerf- „Ich, wenn damit eine Selbstherrlichkeit des militärischen Elemen- ‚ts begründet werden soll. In Bismarcks Staatskunst ist uns das i\ les vorbildlich vor Augen gestellt. Goerdeler läßt sich von den großen äußeren Erfolgen Hitlers .\ticht im geringsten imponieren. Die Kriegsentscheidung, meint &(im Oktober 1940), ist noch lange nicht erreicht. Die wirt- Shaftlichen Kräfte Deutschlands sind seit dem Entschluß zum ‚\Nierjahresplan 1936 immer stärker überanstrengt worden.»Kein ‚|Zveifel kann darüber bestehen, daß im Herbst 1941 auch in 288 Dreizehntes Kapitel Deutschland nur noch solche Lebensmittelrationen möglich sind,| die praktisch Hunger bedeuten« und zu einem gewaltigen Lei- stungsabfall führen werden. An anderer Stelle wird sogar schon der August 1941 als Termin des sicheren Zusammenbruchs ge, nannt: eine jener Fehlschätzungen, die bei Goerdeler immer wie- derkehren, weil sich ihm auch das statistische Zahlenmaterial den politischen Vorstellungen entsprechend formte. An diesen trüben... Zukunftsaussichten, meint er, würde sich auch durch weitere Er- Ruf derist: oberungen etwa in Spanien, Afrika oder auf dem Balkan nichts heben Wesentliches ändern-, nicht einmal»die Einbeziehung Rußlands| ‚,.,. in den deutschen Marktraum« würde eine Wendung bringen, da KB Hitler nur zu brutaler, lebenzerstörender Ausbeutung fähig ist. holch Vor allem: Europa bleibt abgeschnürt von den großen Wirt von schaftsräumen Amerikas und Asiens, deren Zufuhren es auf die ven Dauer nicht entbehren kann. na Wie aber sollte sich die außenpolitische Lage Hitler-Deutscht||; 4 lands noch verbessern? Weder Spanien noch die Balkanstaatea in oder auch Finnland können als Alliierte von großem Nutzen seit, ol Die Unfähigkeit Italiens zum Großkampf ist längst erwiesen. Ver- hr: möge seines Rohstoff- und Rüstungsbedarfs ist dieser Alliiertt ten für Deutschland mehr eine Last als eine wirkliche Hilfe. Der Krieg|,,. ist in Italien höchst unpopulär, Mussolini muß damit rechnen, kei, »daß die überwältigende Mchrheit des italienischen Volkes gegen Kich 5 ihn in Bewegung kommt«, falls er»den Krieg nicht in absehbaret A. hi Zeit einem vernünftigen Ende entgegenführen kann«.»Die italic- Mu nischen Soldaten wollen gar nicht kämpfen und fallen.« Die Durchhaltekraft des italienischen Volkes»wird kaum bis zum Mich Winter 1941/42 reichen«. Um eine Revolution hinauszuschieben,. wird Mussolini kleine Teilerfolge suchen, etwa gegen Jugoslawien Ian und Griechenland. Daran hat aber Deutschland nicht das min- Be deste Interesse, weil es eine bloße Kräfteverzettelung bedeutet. Ui die Italiener auf wirklich wichtige Kriegsziele zu lenken, wird Ei.& nichts übrigbleiben, als deutsche Truppen auf solche Punkte anı D% zusetzen, die an und für sich von der italienischen Armee hätten|;%de überwältigt werden können.® Japans Kräfte nähern sich der Er- schöpfung; es übernimmt sich mit der Riesenaufgabe, China zu überwältigen, und kann uns als Verbündeter ohnedies nicht viel nützen. Wirtschaftlich ist es ein gefährlicher Konkurrent für alle europäischen Staaten. Eine innere Aussöhnung mit England und Frankreich wird das jetzige deutsche Regime niemals erreichen, solange in diesen Nationen noch ein Funke von Freiheitswillen lebt. Der ist aber auch in den Franzosen noch nicht erstorbet,|, trotz allenäußeren Anscheins der Kollaboration- wie sie übrigens|; Minnie tt yy Olakür f Mag, “ Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 289 ich sind ar scho! uchs ge i ner wie erial det ntrübe: itere Bi in nicht ußland ngen, d ähig ist n Wirt s auf di Jeutscht ‚nstaatel zen seill sen. Ve Allüiert er Kritt rechne, es gege sehbaft i ie italt 0.) bis zus chieb® oslav! das m! „edeuf? en, W ‚nkter >e hält ı der| Chin icht\L für? Jandı®} geic® jtswe ‚stoeb“ übrige nsieg müßte ins Elend führen; denn er würde zur moralischen ni ‚auch Preußen nach Jena geübt hat, ohne sich darum selbst inner- gen Leit ich aufzugeben!»Der Franzose wäre kein Franzose, wenn er nicht weiterhin nur eöz Ziel verfolgen würde: die Freiheit seines szanzen Landes.« Frankreich kann nicht ewig unterworfen bleiben; wir sollten einen echten Interessenausgleich mit ihm suchen; aber der ist nicht möglich,»solange man die nationalen Freiheiten an- derer Völker für nichts achtet«. Rußland schließlich»kann sich nach den Vorgängen der letzten sieben Jahre nicht einen Augenblick im unklaren darüber befin- den«, daß es einen Vollsieg der Achsenmächte nur fürchten, nicht wünschen kann. Wäre es innerlich stärker und nicht»durch den holschewistischen Kollektivismus ausgebrannt«, so hättees längst seinen Platz an der Seite der Westmächte gefunden. Einstweilen wartet es ab, freut sich wahrscheinlich, wenn deutsche Truppen tum Angriff auf Ägypten angesetzt werden, und hofft auf gegen- teitiges Zerfleischen der kapitalistischen Großmächte, Es erwar- tet dabei in seiner doktrinären Verbohrtheit vielleicht die Welt- ievolution. Zunächst sucht sich Stalin»zwischen Szylla und (harybdis durchzuwinden«. Es kann aber sehr wohl der Augen- blick kommen, wo er sich gezwungen sehen wird, einzugreifen, Im nicht zu spät zu kommen. Der Zeitpunkt selbst bleibt ganz un- gewiß.? Um so sicherer ist, daß die Vereinigten Staaten England ticht im Stich lassen werden. Sie leisten ihm praktisch jetztschon ile Hilfe, die sie auch nach einer formellen Kriegserklärung lei- sten würden. Ob Roosevelt wieder gewählt wird oder nicht, ist. dafür gänzlich bedeutungslos. Amerika kann auf die Dauer gar üicht beiseite stehen; aber es kann»mit der Kriegserklärung min- destens noch ein gutes Jahr warten«, um dann gleich»mit beacht- ichen Kräften« auf dem Kriegsschauplatz zu erscheinen, sei esin Ostasien, sei es im Atlantikgebiet. Es gibt also keinen Lichtblick für die Zukunft, solange das Bitler-Regiment fortdauert. Der Krieg ist damit sinnlos gewor- den, denn er kann zu keinem glückhaften Frieden führen. Warum Ihn also fortsetzen? Das Ende wird ein schreckliches Erwachen kin, und alles wird nach den Verantwortlichen rufen. Unter Hin- Veis auf gewisse Äußerungen einzelner Parteifunktionäre meint Inser Gutachter:»Die Flucht aus der Verantwortung beginnt bereits.« Es wäre verhängnisvoll, wollten wir abwarten, bis das ‚ade von selber kommt. Ohne Risiko gibt es keinen politischen Eatschluß. Man muß den Mut haben, ein Risiko zu laufen- frei- ich auch die Klugheit, den rechten Augenblick herauszufinden. Worauf wollen wir aber warten? Selbst ein totaler deutscher Waf- 290 Dreizehntes Kapitel Zerrüttung der deutschen Nation, zum Verfall aller höheren Kul- tur und über kurz oder lang zum Aufstand der besiegten Völker führen.»Die deutsche Macht würde überraschend schnell zerfal- len.« Oder sollen wir warten, bis unsere Gegner siegen? Je länger wir kämpfen, um so mehr wächst ihr Haß, und ein furchtbares Schicksal Deutschlands würde das Ergebnis sein. Endet der Krieg aber mit allgemeiner Erschöpfung, wie der Dreißigjährige, so ist das allgemeine Elend nicht minder gewiß. Alles kommt also dar- auf an, ihn rechtzeitig zu beenden,»insbesondere solange die Wehrmacht noch etwas bedeutet und Deutschland sich selbst noch, wenn auch notdürftig, wirtschaftlich behaupten kann«, Wartet die Wehrmacht, bis das deutsche Kriegspotential unter dem Zwang unausweichlicher Naturgesetze»verdunstet ist«, SO kommt sie endgültig zu spät. Man kann das Ganze dieser Denkschriften nicht lesen, ohne einen starken und bewegenden Eindruck davon zu erhalten, wie völlig sich Goerdeler losgelöst hatte vom Nationalismus»deutsch- nationaler« Parteikreise und des Alldeutschen Hugenberg, wie weit er über eine äußerliche Anbetung der Macht im Sinn alt: preußischer»Militaristen« hinausgewachsen war. Sicherlich: et blieb ein sehr bewußter Patriot, der sich den Stolz auf die großen Zeiten deutscher Geschichte nicht rauben lassen wollte durch die Schmach des deutschen Namens in der Gegenwart. Wir werden noch sehen, daß er sogar die Hoffnung auf eine künftige Führer- rolle Deutschlands in Europa- aber eines innerlich erneuerten Deutschland!- nicht fahren lassen wollte. Er war weder Pazifist geworden noch ein blinder Nachahmer ausländischer Vorbilder, Aber sein Deutschtum hatte sich zu echtem Europäertum aus- geweitet; die Übersteigerung des Nationalismus im Hitlertum hatte ihm— ebenso wie seinen Freunden und Gesinnungsgenos‘ sen- die Augen geöffnet für die Gefahren einseitig kämpferischet Machtpolitik. Daß gerade ein so feuriger Patriot wie er sich völlig immun zeigte gegen den Siegestaumel der Nationalisten, daß e sich nach wie vor weigerte- und zwar wesentlich aus sittlichen Motiven-, die Knie zu beugen vor dem großen Baal, bleibt ein denkwürdiges Faktum, für das in der neueren Geschichte nicht so leicht ein Gegenstück zu finden sein wird. Dieser starke Gesamteindruck wird nur wenig beeinträchtigt"; dadurch, daß die Niederschriften Goerdelers in einer eigentüm- lich altfränkischen, zuweilen etwas breiten, immer aber stark lehr- haften Form gehalten sind, die manchmal geradezu an Sittenpre- digt erinnert.!0 Sicherlich war sein ökonomisches Denken nicht frei von doktrinären Vorurteilen, sein politisches stark mitbe Vie tim Vernu sollen Sornt «end! ung, ken li Stund: Beck, Sereir Con Erstau Bereu auf d Und d Schra MWirts Ger: Eooc Einen Ener: Bötı Schlo: Ditior Da Biogr Schon & tiep Dies Piel, echli Mehr ich nl Wars | Deut & ren Kul ı Völker ll zerfal le länge! chtbare jer Krie} ge, sis also dat ange di ch selbs 1 kann« jal untel t ist«, st en, ohil Iten, wit ‚deutsch erg, W* Sinn al- srlich:# e große! Jurch# di g werde Führt ‚neuefl! Pat 'orbild tum Al Jitler’ gegen jferise" ich vö! n, dd! sine| bleibt e nicht! rät| | igent| tarklel| je ken rk Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 291 stimmt durch sein utopisches Vertrauen auf die Macht natürlicher Vernunft. Aber wiehätte erohnedieses Vertrauen dieKraftfinden sollen zu seinem tapferen Durchhalten in einem praktisch von vornherein aussichtslosen Kampf gegen die Tyrannei? Entschei- end für unser Urteil ist doch die Energie der sittlichen Überzeu- zung, die ihn nie erlahmen, nie in zweifelnde Resignation versin- ken ließ wie so manche sehr kluge Männer der deutschen Wider- standsbewegung- nicht zuletzt ihr nominelles Oberhaupt General Beck. Goerdelers Mitverschwörer haben ihm oft vorgeworfen, er vereinfache sich die Probleme zu sehr. En e nicht ne Grund. Aber diesem Mangel steht gegenüber der Vorzug einer trstaunlichen Ele seines Me, Denkens, ds äu- Bere und innere Politik konsequent auf denselben Ne bringt: uf den Gedanken der Selbstverantwortung des freien Mannes ind der freien Nation, des freien Wettkampfes der Kräfte, in Schranken gehalten A eine vernünftige Gesamtordnung H- Wirtschaft und Gesellschaft, des Staates nad der Vö Kelıs Für Goerdeler, den Erben des älteren deutschen Liberalismus in der Epoche Steins und Humboldts, hatte die Idee der Freiheit noch tinen vollen Klang und Gehalt. Wie hätte er sich sonst mit solcher Energie der Predigt roher Gewalt und der nationalen Selbstver- götzung entgegenwerfen können? Hier stand wirklich ein ge- schlossenes Idealbild der gesellschaftlich-politischen Welt dem tationalsozialistischen gegenüber. Davon ausführlich zu sprechen, scheint uns im Rahmen unserer Biographie wichtiger als ein genau detaillierter Bericht über die schon oft geschilderte Verschwörertätigkeit der Opposition im Kriege mit ihren tausend dramatischen Einzelheiten. Ihr rast- oses Bemühen um den Staatsstreich bietet das tragische Schau- spiel immer neuen Mißlingens- teils infolge unüberwindlicher Schlicher Schwierigkeiten, teils infolge rätselhafter Zufälle, deren mehrfache Wiederholung etwas Unheimlich- Schicksalhaftes an iich hat. Es wird genügen, davon später nur die Umrisse zu zeich- den. Um so gründlicher ist die Frage zu beantworten: Wie dachte an sich in der deutschen Widerstandsbewegung den Neuaufbau Deutschlands und Europas nach vollendetem Umsturz? Hat man ‚ ftachtbare neue Gedanken entwickelt, die auch heute noch, we- ügstens teilweise, bedeutsam sein könnten? Als Quelle für die Pläne Goerdelers steht zunächst eine große, ‚% Seiten umfassende Denkschrift zur Verfügung, betitelt»Das Mel«, die Anfang 1941 entstanden sein dürfte.!! Sie wird durch ine! ange Reihe‘‘von Ausarbeitungen aus den Jahren 1942-44 nu ii| nt; die letzten sind im Gefängnis niedergeschrieben.!? Dreizehntes Kapitel 292 Man hatgleichbeim ersten Auftauchen dürftiger Fragmente aus diesen Plänen in der deutschen Öffentlichkeit 1946 von»reaktio-M: närer Grundhaltung« gesprochen- ein Vorwurf, den Vertretern Ar der sozialistischen Linken in der Oppositionsbewegung schonllichs\ früher erhoben hatten. Um sich über die Berechtigung solcherätr rl Vorwürfe klarzuwerden, mag es gut sein, zunächst einmal zu fra-, in gen, wie unser Patriot über die deutsche Vergangenheit gedachtünl: hat. Er hat sich darüber 1944 sehr ausführlich geäußert. 13 Mohls An der Verfassung des kaiserlichen Deutschlands kritisiert erden die verfassungsrechtliche Unklarheit in der Verantwortlichkeit)] des Reichskanzlers vor dem Reichstag und vor dem Monarchen.#irder Nach Bismarcks Abgang hat es sich besonders in der Außen-Itigen politik verhängnisvoll ausgewirkt, daß der Kanzler allzu starklkt die von der Willkür des Monarchen abhing und weder Reichstagiäh ei noch Reichskabinett hinter sich hatte. Dem Reichstag fehlte eind&t 7, klare Verantwortung vor dem Volke, weil sein Mißtrauen keine&tieh Regierung erschüttern konnte. Das Wahlsystem mit Stich wahl/chen der Kandidaten, die keine absolute Mehrheit im Wahlkreis er-Xn 4} reichten, stand hinter dem englischen System der relativen Wahl- Endih, mehrheiten zurück, weil es den Kuhhandel zwischen den Parteien'sisjh, und damit die Bildung von Splitterparteien begünstigte. Voll bei Sp; währt hat sich das System einer weitgehenden Selbstverwaltung io)Wch, Bundesstaaten, Provinzen, Kreisen und Gemeinden. Wichtigelähe| noch: Die Freiheit der Persönlichkeit war unbedingt gesichett|tnder Es herrschte Recht und Anstand im öffentlichen Leben.»Abeiklesi- die Regierung beging den verhängnisvollen Fehler, die politischt/äns]; und gewerkschaftliche Arbeiterbewegung zu bekämpfen und s)&sın. die Idee des Klassenkampfes zu verschärfen und zu vertiefen. Witten; Die Arbeiter wurden so künstlich zu Staatsfeinden gemacht.|#%iche, Das führt zu einer Kritik der damaligen Wirtschafts-und Sozial]\f politik. Natürlich rühmt Goerdeler das liberale Wirtschaftssysteßlüht| der kaiserlichen Zeit und den Segen der damals noch freien Weltüir,. wirtschaft. Der Wettbewerb sei keineswegs zügellos gewesel, Unch sondern durch feste gesetzliche Spielregeln im Innern, durch eit| nd wohlüberlegte Steuerung des Außenhandels geordnet. Die staatl: ı. liche und kommunale Wirtschaftsbetätigung bewegte sich 30)", ganzen auf gesunden Bahnen, und die bedeutenden Leistunge]i deutscher Sozialpolitik werden ebenso anerkannt wie der enorrt| ik; Re Aufschwung des wirtschaftlichen Lebens im ganzen. Aber dem hr stehen doch recht dunkle Schattenseiten gegenüber:»Die groß Jun Masse der Arbeiter mußte zu lange arbeiten, zehn und zwöl Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 293 menteausfisse der Arbeiter waren mangelhaft.»Es wurde fast nichts getan, »reaktio-Im eintönige Arbeit zu beleben.«»Die Unternehmer vertraten Vertretrgen Arbeitern gegenüber den Herrenstandpunkt«, ein persön- ng schonäches Verhältnis bildete sich nur in den seltensten Fällen heraus; g solchetder Arbeiter konnte kein Interesse an dem Unternehmen gewin- nal zu fr-den, in dem er eingestellt war. Die Sozialordnung»wies Härten it gedactüund Ungerechtigkeiten auf; sie vermochte nicht, den steigenden Vohlstand in die breite Masse der Arbeiter dringen zu lassen, und itisiert elleB eine gesunde Weiterentwicklung der Besitzverhältnisse nicht srtlichkeizi«.»Die gewerkschaftlichen Zusammenschlüsse der Arbeiter onarcheı Yurden als ausschließliche Vertragskontrahenten für Lohnver- t Außer fäge nicht anerkannt. Der Staat beging den entscheidenden Feh- Ilzu sta ler, die Bedeutung dieser Zusammenschlüsse zu verkennen und Reichst« ich einzubilden, er könne eine Entwicklung aufhalten, die mit fehlte ei&r Zusammenballung des Kapitals und der Arbeiter in Groß- wen keit Betrieben unvermeidbar war.« So zwang er die Arbeiter, sich poli- Stichwal ischen Parteien anzuvertrauen, die ihre Interessen vertraten, be- hlkreis€ ging aber dann»den zweiten Fehler, diese Parteien zu bekämpfen ven Wab Indihre Angehörigen von öffentlichen Ämtern auszuschließen«- nParteie Was ihm den Vorwurf des Klassenstaates eintrug. Es entstanden © Spannungen des politischen Lebens, die bis ins Gebiet der valtungi Weltanschauung und der Religion reichten. Und doch waren sie Wichtigt ktine unvermeidliche Folge des liberalen Wirtschaftssystems, gesichef‘ondern eines zähen Klassenegoismus der bürgerlichen Schichten, an„Abt Wie sich der vollen Gleichberechtigung und der verantwortlichen nolitiseh Eingliederung der Arbeiter in Wirtschaft, Verwaltung und Ver- en und$ Assung... versagten«. Die Überwindung dieser Hemmungen vertiefen fätte sich freilich auch wohl auf friedlichem Wege schließlich er- nacht. chen lassen.’ S% RER ınd Sozt| Mit ungewöhnlich guter Sachkenntnis und Nüchternheit wird „fissystl iher die Außenpolitik des kaiserlichen Deutschland nach Bis- eien We Mırcks Abgang geurteilt. Weder französische Revanchegelüste . gerred tüch britische Eifersucht spielen in Goerdelers Darstellung die Bi heil der patriotischen Legende übliche Rolle. Er meint ganz einfach, nn gt die deutsche Politik habe ihre Hauptaufgabe verfehlt: nach der chi Preisgabe des Rückversicherungsvertrages mit Rußland das Hin- te 5)„gt ntreiben in eine völlige Isolierung zu vermeiden und angesichts 2 ol is gefahrdrohenden Zusammenschlusses von Frankreich und jereü f Rußland die rechtzeitige Annäherung an England zu vollziehen. b ‚tauld daran ist nach seiner Meinung nicht nur die»schillernde I je ge! RR: h: i D mi ktsönlichkeit« des Kaisers und der Einfluß unverantwortlicher un A N Rıtgeber, sondern in erster Linie die Tatsache, daß Bismarcks | ktichsverfassung weder dem Kaiser noch dem Kanzler noch dem Dreizehntes Kapitel 294 Staatssekretär des Äußern eine klare Verantwortung zugemessen] hatte.»Eine klare Außenpolitik wurde überhaupt nicht mehr ge- macht. Man ließ die Dinge immer größeren Risiken zutreiben und beschwor damit die Totalität des Krieges herauf«, d.h. ein ge- fährliches Übergewicht der militärischen über die politische Füh- rung.»Der Erste Weltkrieg ist von Deutschland nicht vorsätzlich herbeigeführt; er entsprang auch nicht einem bösen Willen, son- dern er hat seine Ursache auf deutscher Seite ausschließlich in mangelnder Vorsicht, in mangelnder Entschlußkraft, in bis zur Dummheit gesteigerter Naivität.« Ob er hätte vermieden werden können, wenn man von Berlin aus rechtzeitig die Wiener Politik zu einer ehrenvollen Verständigung mit Serbien gezwungen hätte, läßt sich natürlich nicht mehr sagen; denkbar ist immerhin, dal ein erfolgreiches Zusammenwirken deutscher und englischer Po- litik in der Beilegung des Konflikts unserem Erdteil den Frieden für lange Zeit gesichert hätte. Goerdeler ist weit entfernt davon, die Schuld für den Kriegsausbruch einseitig den Gegnern Deutsch- lands zuzuschieben; er bemüht sich vielmehr, in sehr korrekter (und sachlich zutreffender) Weise die relative Verantwortung det verschiedenen Großmächte zu bestimmen. Im Urteil über die bri- tische Haltung schließt er sich ziemlich eng an den Botschafter Lichnowsky an, ohne deshalb die bekannten Schwächen der Poli: tik Lord Greys zu verkennen. Im übrigen stimmt er dem Urteil Präsident Wilsons über die|: Geheimdiplomatie der europäischen Kabinette vor 1914 zu: Sit hätten stärker der Kritik der öffentlichen Meinung ausgesetzt werden müssen und seien viel zu einseitig von machtpolitischem Ehrgeiz angetrieben worden. Aber nur die allgemeinen Grund. linien der Außenpolitik sollten der öffentlichen Kritik unterlie gen; ihre Durchführung im einzelnen darf nicht durch Hineir! reden Unberufener gehemmt und die Entschlußkraft der verant]; wortlichen Staatsmänner nicht dadurch gelähmt oder in falscht Bahnen gedrängt werden. Die Arbeit der Diplomaten»muß untet eine handfeste Verantwortung gegenüber dem Außenministet]; gestellt werden, der seinerseits dem Kabinett verantwortlich ist] x dessen Verantwortung vor dem Volk verfassungsmäßig fest]; gelegt sein muß«. Sehr scharf ist die Kritik an der deutschen Staatsführung wäh] N} rend des Ersten Weltkriegs. Es fehlte ihr ebenso an sicheren}; Augenmaß in der Einschätzung des militärischen Kräfteverhält- nisses auf beiden Seiten wie an klarer Entschlossenheit in krit! I wid Jıpe zu Inden eine, I politis Sichtsl woller angeri yoluti Ahnbeil Sertrat "ler Miede Rıde Untere * Multi, Ihir ge Hand !orde Die Schm: Bracht Spitzer schen Augenblicken und an Mut, dem Volk(wie es»Gepflogen- heitin England ist«) die volle Wahrheitüber den Ernst der Kriegs Jemessei mehr gt‘ ben un! 1. ein gt che Fül „rsätzlic len, sot eßlich i n bis zu n werde er Politi sen hätt! chin, da scher Pt n Friede nt davot Deutsch korrekte rtung de or die br jtschafte ‚det Pol ‚über di 14 zu: N usgese® ‚litische? n Gruf h unterl h Hinel‘ er veral'" in false muß u pminit )0 tlich ü Big ung w sichef? gevefl rin 1 epfloe” or et "Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 295 lage zu sagen. So»schossen politische Überziele ins Kraut«, und "Ludendorff drang»in den leeren Raum des politischen Willens tin«. Dessen Haltung und die Hindenburgs wird als gänzlich un- politisch verworfen. Sie hat den rechtzeitigen Abbruch eines aus- sichtslosen Krieges zuerst verzögert, dann überstürzt erreichen wollen und dadurch selbst das politische Chaos in Deutschland angerichtet. Goerdeler lehnt es ab, einseitig die Linke für die Re- volution von 1918 verantwortlich zu machen; auch die Rechte habe ihren Schuldanteil, weil sie viel zu lange»Überforderungen« vertrat. Und von einem»Dolchstoß« in den Rücken der Armee will er gar nichts wissen, da»nach menschlichem Ermessen die Niederlage unabwendbar war«. In Wahrheit haben»Noske, Ebert ind entschlossene Offiziere die Ordnung des Staates und die Interessen des Vaterlands über alles gesetzt, als sie die Spartakisten- bewegung niederschlugen«. Ludendorff hat politische Fragen hilitärisch lösen wollen; aber er hat sie damit nur vollends unlös- har gemacht. Daß sich Bethmann von ihm die Führung aus der Hand nehmen ließ, ist zum Verhängnis Deutschlands ge- worden. Die Weimarer Republik sucht unser Patriot gegen die maßlosen Schmähungen Hitlers in Schutz zu nehmen. Ihre Verfassung brachte eine klarere Regelung der Verantwortlichkeit der Reichs- Spitzen, als man sie in kaiserlicher Zeit gekannt hatte. Sehr un- günstig wirkte sich das überdemokratische System der Verhältnis- vahlen aus: es verführte zu einer verantwortungslosen Wahl- demagogie. Die ministerielle Gewalt war zu schwach, was beson- ders in Finanzfragen verhängnisvoll wurde und das bedenkliche Ausnahmegesetz der Notverordnungen unvermeidlich machte. Die Verwaltung war im allgemeinen sachkundig, sauber und ge- techt, das Recht und die persönliche Freiheit des Staatsbürgers Waren gesichert, die Selbstverwaltung der Länder und Kommu- Alverbände trotz des verstärkten Zentralismus der Verfassung \ kräftig entwickelt, mit sehr segensreichen Folgen. Auch das Urteil ' über die Wirtschafts- und Sozialpolitik der republikanischen Re- gerungen lautet im ganzen günstig; ihre Mißerfolge werden wesentlich auf die Haltung des Auslands zurückgeführt: auf die überhohen Reparationslasten, auf die Unterbindung des freien | Weltmarkts, auf die Besetzung des Ruhrgebiets mit ihren Folgen ür die Inflation des deutschen Geldes. Die Zwangs- und Plan- Wirtschaft des Krieges wurde in Deutschland nach und nach ab- $:baut, der freie Wettbewerb wirkte sich günstig aus— freilich Wurde er durch die Bildung großer Industrieverbände und Preis- ‚ürtelle stark beeinträchtigt.1? Die soziale Lage des deutschen 7 296 Dreizehntes Kapitel Arbeiters hat sich wesentlich gebessert, das System der Arbeits- losenversicherung wurde aber falsch, d. h. ohne organische Ver- bindung mit dem Wirtschaftsprodukt aufgebaut. Im einzelnen haben Unternehmerverbände und Gewerkschaften viele Fehler gemacht. Zur Ehre der letzteren ist aber zu sagen, daß ihre Füh- rung im ganzen einsichtig war und ihrer Gefolgschaft auch harte Opfer zuzumuten wagte. Der Vorwurf gegen die republikani- schen Regierungen, daß sie die Arbeitslosigkeit nicht schon vor 1933 durch öffentliche Arbeiten zu bekämpfen verstanden hätten, ist unberechtigt. Die Finanzierung solcher Arbeiten hätte das Ende der Reparationen verhindert und wäre praktisch nur da durch möglich geworden, daß wir uns, infolge künstlicher Kredit schöpfung, währungspolitisch vom Ausland abschlossen. Die Außenpolitik der Weimarer Zeit findet unser Gutachter alles in allem wesentlich besser, d. h. zieiklarer, zäher, besonne ner, nüchterner als die der wilhelminischen Epoche: eine gewal tige Kraftanstrengung, die doch auch nicht ohne bedeutende Fol gen blieb. Wir erzwangen uns die Unterstützung Englands, mach: ten durch den Locarno-Vertrag eine dauerhafte Sanierung det Währung möglich, wurden überraschend schnell ein vollberech- tigtes Mitglied des Völkerbundes. Im Frühjahr 1932 war Deutsch: land von allen Reparationen und Besatzungen frei, hatte die In: flation überwunden und stand mit nur zehn Milliarden Mark Schulden finanziell besser da als alle anderen großen Staaten det Welt.»Wir hatten kein Chaos. Wir hatten keinen Bolschewismus, Wide N Auf " Goerdh Außen bloße scher Schaue kei tAleem Bsalso Unser! 1 6°gner I krnen | bereits bige Hfenyol wir hatten einen Rechts- und Verfassungsstaat.« Wer von uns‘lt: hätte das 14 Jahre vorher für möglich gehalten?»Diese Leistun- gen wurden von den Rechtsparteien nicht anerkannt. Ihre Op-|'': position war blind und kurzsichtig, sie verfiel der Demagogiie.| Außenpolitisch kann eine innerpolitische Opposition nützlich sein. Aber sie muß ehrenhaft, sachlich und verantwortungsbewußt]'' bleiben. Hitler dagegen hat keine Verleumdung gescheut. Sichet- lich war 1932 vieles noch nicht erreicht: es gab noch offene Grenz: fragen, die Kolonialfrage, die Beschränkung der Wehrhoheit. Aber wir hatten gute Aussicht, noch wesentlich weiterzukom: men.»Hätten alle Deutschen in nationaler Pflichterfüllung di? Nerven behalten, wären nicht kurzsichtige und ehrgeizige Poli- tiker in diesem Augenblick zum Teil aus höchst selbstsüchtig®2 Motiven der Regierung in den Rücken gefallen«, so hätte außen: politisch ein befriedigender Zustand auf friedlichem Wege ef: reicht und auch die Arbeitslosigkeit»durch sinnvolle Opfer aller überwunden werden können. Arbeits che Ver! \ußenpolitik des»Diktators«. Sein Herrschaftssystem ist das inzelnei le Fehle” hre Füh ıch hartı ublikani -hon vo! n hätten yätte. dal nur da Kredit 1. yutachtil beson 1e gen if ndeFt'- ds, mac" ung€! ibered Deutst' te die Ii [en Mit yaten d' ewisiil yon W ‚Leistl Ihre 0 ago| gütz gsbe! a t. 1. Sich je Gi hehob? rzuhe! Jung | üngsplan schon in der Schrift»Das Ziel« 1941 festgelegt. Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland Auf dem Hintergrund dieser geschichtlichen Anschauung übt (Goerdeler seine Kritik(die wir schon kennen) an der Innen- und bloße Zerrbild einer Verfassung. Alle guten Traditionen deut- scher Geschichte hat er verfälscht, den deutschen Namen durch schauerliche Verbrechen besudelt, die in der ganzen Weltge- schichte keine Parallele finden- vor allem durch die brutale Miß- handlung der Polen und durch die»planmäßig und bestialisch vollzogene Ausrottung der Juden«. Mit seinen Siegen hat er nur tin Chaos angerichtet, statt eine gesunde Neuordnung Europas zu ermöglichen, und zuletzt auch noch die Gelegenheit versäumt (heißt es 1944), das russische Volk vom Bolschewismus zu be- freien. Eroberungskriege haben auch andere Völker, wie z.B. ie Engländer geführt, aber das britische Commonwealth lehrt ins, wie sich aus der Gewalttat doch noch ein heilsames Dauer- gebilde gestalten läßt. Hitler versteht es nur, zu zerstören und den ilgemeinen Haß gegen sich und Deutschland zu erwecken. Wird ts also zu einem zweiten, noch schlimmeren Versailles kommen? Unser Patriot will die Hoffnung nichtaufgeben, daß unsere Kriegs- fegner ebenso wie die Deutschen aus so grausigen Erfahrungen krnen werden: jene, wohin ein Erschlaffen politischer Opfer- bereitschaft führt, diese, daß es noch eine höhere Aufgabe als kriegerische Machteroberung gibt und daß wir nicht zum»Her- tenvolk« berufen sind. Gelingt es, eine neue, bessere Weltord- tung auf den Trümmern des Krieges aufzubauen, so wird dieser zuletzt doch nicht vergeblich gewesen sein. Wie aber soll nun diese neue Ordnung aussehen? Wir betrach- tn zunächst die Pläne Goerdelers für eine künftige Staatsverfas- jung, Wirtschafts- und Gesellschaftsordnung in Deutschland, so- dınn(im nächsten Kapitel) seine Forderungen für die Neugestal- ung Europas in den kommenden Friedensverträgen. Die reifste und knappste Form seiner Verfassungspläne hat er in September 1944 unmittelbar nach seiner Verurteilung zum Tode im Gefängnis niedergeschrieben.(Wir bringen sieim Wort- kutals Anhang I dieses Buches.) Sie beruhtin ihren Einzelheiten af jahrelangen, immer neu angestellten Überlegungen und Be- tungen mit politischen Freunden, aber auch mit ae gen Juristen, Theologen, Na ationalökonomen, Gewerkschafts- Ehren, Pädagogen el Militärs.15 Goerdeler war unermüdlich im Felstieten und Durchdenken der Probleme, trotz hartnäckig stgehaltener Grundüberzeugungen und Doktrinen auch immer Weder lernbereit. In den Grundzügen war indessen sein Verfas- 298 Dreizehntes Kapitel Wer ihn verstehen will, muß schon die Phantasie aufbringen, sich lebendig in die Lage zurückzuversetzen, wie sie ihm und seinen Freunden damals vor Augen stand. Das erste große, uns alle bestimmende Erlebnis war der radikale Umschlag von der egalitären Massendemokratie in die Diktatur gewesen. Keine der großen Parteien der Weimarer Republik war imstande gewesen, diese Katastrophe zu verhindern; ja in irgendeinem Grade waren sie alle mitverantwortlich für den jähen Verlust unserer Freiheit. Alle ihre Schlagworte hatten sich verbraucht, und zwar restlos: der Nationalismus der Rechten ebenso wie der Marxismus der Linken und der Konfessionalismus des Zentrums, der inzwischen schon durch das Erlebnis des gemeinsam durchgefochtenen Kamp- fes beider Kirchen widerlegt war. Niemand in Deutschland wäre damals im Ernst bereit gewesen, für die Restauration dieses alten Parteiwesens auch nur einen Finger zu rühren.(Bekanntlich ver- danken die politisch-parlamentarischen Parteien, ebenso wie die Gewerkschaften, ihre Wiedererstehung seit 1946/47 ganz wesent lich der Nachhilfe der Besatzungsmächte— zugleich freilich der Sturmflut demokratisch-parlamentarischer Freiheitspredigten, die vom Westen her über uns hereinbrach, im Bemühen, die Deut- schen umdenken zu lehren und»umzuerziehen«.) Es gab also kein einfaches»Zurück nach Weimar«. Daß eine Rückkehr zun alten, parlamentarisch verkleideten Obrigkeitsstaat der Hohen- zollern für die Widerstandsbewegung nicht in Frage kam, ist ebenso selbstverständlich; wir wissen ja nun, wie Carl Goerdelet darüber dachte. Mit den Mitteln des Militär- und Beamtenstaates ließen sich die immanenten Gefahren der modernen Massen: demokratie keinesfalls beschwören. Ebensowenig durch ein? künstliche Bevorzugung bürgerlich-konservativer Elemente, wie man es im Frankreich des 19. Jahrhunderts immer wieder ver: sucht hatte. Die Überwindung der alten Klassenspaltung zwischen Bürgern und Proletariern durch eine nationale»Volksgemein- schaft« war ja das eigentliche Geheimnis der innenpolitischen Er- folge Hitlers gewesen. Keinesfalls durften wir dahinter zurück- gehen, und niemand war tiefer überzeugt als Goerdeler von der Notwendigkeit,»die Arbeiter zu Mitträgern der Verantwortung für den Staat zu machen«. Wie aber sollte es dann, angesichts der großen, geschichtslosen, ungegliederten, geistig weithin unifor- men, politisch mangelhaft gebildeten Massen moderner Industrie- bevölkerung gelingen, die politische Macht verantwortungslosen Demagogen aus der Hand zu reißen, die Gefahr zu beschwören, daß dumpfe Masseninstinkte von neuem gegen ruhige Vernunft in Bewegung gesetzt wurden? Keine Frage des politischen Wie: Wid ‚derauf I bemeg sonen Vertran 1942€ Ordau Goerd Das einerst Beprüi heitni Goere gerücl mokra wollte Rs set imHi iberh, (eun Ninzu Sicher tische, Tatsar rd, Körder Dositi Pläne, «efteg Würtk der M (ie V Cerpl (fe be Sie he aa Nee Aliye (kr D) Di Drakt Um» || ja Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 299 bringen ‚deraufbaus hat Goerdeler und seine Freunde leidenschaftlicher hm un?|bewegt als eben diese. Der Verfasser kann es aus lebhaften Diskus- oße, un von de eine de Tewesen le waret Freiheit - restlos mus de wischet nKamp nd wätt ses alte! ‚lich vet , wie di! z wesent lich de! igten, di lie Deut gab aka ehr zu - Hoher" kam, ;oerdelt enstaatt Masstt" ‚ch ei! ente, eder WE" zwischt sgemel ‚chen Bi ‚ zufül ‚von wort" sichts n unit ndust! ngelof chwölt| Vene hen sionen bezeugen, die er selbst mitihm darüber hatte und miteinem vertrauten Freiburger Freundeskreis, in dessen Auftrag er selbst 1942 eine große Denkschrift über»politische Gemeinschafts- ordnung« ausarbeitete und an dessen heimlichen Beratungen auch Goerdeler teilnahm. 16 Das zentrale Problem der modernen Massendemokratie ist einerseits die Frage einer gesunden Elitebildung, anderseits die Begründung einer möglichst stabilen Autorität, welche die Frei- heit nicht erdrückt, sondern sichert. Diesen beiden Problemen ist Goerdelers Verfassungsplan mit besonderer Energie auf den Leib serückt. Mit dem herkömmlichen Schema parlamentarischer De- mokratie wollte und konnte er sich nicht zufriedengeben und wollte sich da von westlichen Vorbildern»nicht beirren lassen«. Bs setzt eine politische Reife der Wählermassen voraus, die wir im Hitler-Deutschland keinesfalls erwarten durften. Vielleicht ist iberhaupt der naive Glaube vieler angelsächsischer Politiker an die unfehlbare Weisheit des»Volkes« schlechthin(so möchte ich hinzufügen) ein Aberglaube, der nur in Ländern mit relativ ge- icherter äußerer Lage und demgemäß verhältnismäßig undrama- ischer innerer Entwicklung nicht immer wieder durch die harten Tatsachen(wie etwa in Frankreich und Deutschland) widerlegt wird. Politische Elitebildung läßt sich bis zu einem gewissen Grad fördern durch»Entmassung der Masse«- ein in unserem Op- positionskreis häufig erörtertes Thema. Sie spielt in Goerdelers Plänen eine große Beh, Er möchte die Industrien durch De- ventralisation weitgehend auflockern(etwa nach dem Vorbild der Vürttembergischen Verhältnisse), den intelligenten Arbeiter aus der Masse herausheben durch Mikzerantverthehlein: im Betrieb, legt g größten Wert auf politische Erziehung, besonders. aber auf die Verbreitung ökonomischer Kenntnisse in allen Schulen und dergleichen Eee, Aber das alles sind doch nur indirekte Mittel, die BE esalls auf lange Sicht und niemals mit Sicherheit wirken. Site helfen zunächst Bi weiterin der Lösung des Problems: Wie gewinne ich eine Schicht wirklich vertrauenswürdiger, den Pro- tlemen des öffentlichen Lebens gewachsener, urteilsfähiger und aztiver Politiker und wie bringe en sie in die Kommandostellen .der Politik? Die Methode, die er dafür vorschlägt, geht aus von seinen praktischen Erfahrungen in der Selbstverwaltung und wiederholt ‚zım Teil die uns un bekannten Lohmeyerschen Reformvor- ‚schläge der zwanziger Jahre(siche oben Kapitel 2). Goerdeler 300 Dreizehntes Kapitel betrachtet die Gemeinden als»Zellen der Staatsbildung«. Es sind enge, leicht überschaubare demokratische Gemeinschaften- in großen Gemeinden allerdings nur dann, wenn sie ihre Vertre- tungskörperschaften aus kleineren Stadtbezirken hervorgehen lassen, in denen man sich noch gegenseitig kennt. Auch dann bleibt die Auswahl der richtigen Persönlichkeiten schwierig; sie ist aber entscheidend für den praktischen Erfolg. Unser Autor will sie durch die im jeweiligen Bezirk hauptsächlich vertretenen Berufsgruppen und die deutschen Gewerkschaften aussuchen und auf die Wahlliste bringen lassen- wohl in der Meinung, daß diese Gruppen am besten wissen, wer sich für kommunale Geschäfte eignet. Es kommen nur Bezirksangesessene mit einem gewissen Mindestalter(28 oder 30 Jahre) in Betracht. Aber nur die eine Hälfte der Vertreter soll so ausgesucht werden; die Auswahl det anderen Hälfte bleibt den»politischen Bewegungen« überlassen, die Goerdeler nicht unterdrücken, sondern allmählich in Gang bringen möchte, weil sie allein über das rein partikulare Interesse der Berufsgruppen und der engsten Lokalverbände hinausführen können.!?” Das Wahlverfahren soll in jedem Bezirk als reine Mehr- heitswahl, ohne Stichwahl und Listensystem vor sich gehen.$o entsteht zunächst das Gemeindeparlament, das sich seine Stadt- behörde(Bürgermeister) wählt. Es dient zugleich als Wahlkörper- schaft für den Kreistag, im Zusammenwirken mit anderen Ge- meindevertretungen, und zwar so, daß ein genügender Einfluß der Landgemeinden gesichert bleibt. Die Kreistagsabgeordneten müssen im Kreis angesessen sein, brauchen aber keiner Gemeinde- vertretung anzugehören. Es handelt sich also nicht um eine Bil- dung der Volksvertretung auf höherer Stufe durch Delegation aus der niederen, sondern um freie Wahl, bei der aber die Stadt- verordneten(bzw. Ratsherren) als Wahlmänner tätig sind. Die nächsthöhere Stufe ist der Gau; denn das Reich soll künftig in Reichsgaue, d. h. Reichsprovinzen, eingeteilt werden, die an die Stelle der alten Länder und preußischen Provinzen treten sollen- ein Gedanke, der uns schon aus den Vorschlägen kommunal- politischer Reformer der Weimarer Republik bekannt ist(Ka- pitel 2). Ihre Abgrenzung soll in möglichst enger Anlehnung an die historischen Länder- und Provinzialgrenzen erfolgen ohne künst- liches Schematisieren und Rationalisieren, das nur historisch ge- wachsene Zusammenhänge zerreißen würde.!3 Sie stellen nur noch kommunale Selbstverwaltungsorgane dar, nicht mehr Ein- zelstaaten im Sinn der»Länder« von 1919. Ihre Verwaltung wird durch Landeshauptleute im Zusammenwirken mit»Gautagen«| id tefüh. tagen munal Gaure viede zooRı wahle schäft und d ach Wahl polit und y ibger fenur „Es sin! ften-i > Vertre jorgehei ıch dant jerig; si er Auto! rtretenet chen un daß diest eschäftt gewisse die eine wahl dit ‚erlassen, in Gang Interest? usführe‘I ne Melt‘. ehen.$ ne Stad lkörpt! eren 6 - Einf ordnet emeind eine eJegati jie Stal ind, D ünftig! lie an© „solle| mmul| ist(b| g ad I nekü ‚risch el len* seht B ung" zutage Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 301 zeführt. Der»Gautag«(Provinziallandtag) wird von den Kreis- ‚tagen gewählt; grundsätzlich sollen seine Mitglieder in kom- \munalen Vertretungskörperschaften geschult sein. Er wählt die Gauregierung(Landeshauptmann und Landesräte) und dient wiederum als Wahlmännerkollegium für den Reichstag. Von den ;oo Reichstagsabgeordneten soll aber nur die Hälfte aus Gautags- wahlen hervorgehen und gleichfalls in kommunalpolitischen Ge- schäften geschult sein; die andere Hälfte geht aus unmittelbaren und direkten Volkswahlen hervor, jedoch so, daß ihre Auswahl nach dem Muster der Gemeindewahlen beschränkt ist: in jedem Wahlkreis werden vier Kandidaten aufgestellt: je zwei von den »politischen Bewegungen, je einer von den Wirtschaftsgruppen ınd von den deutschen Gewerkschaften. Für alle Reichstags- ıbgeordneten gilt die Vorschrift eines Mindestalters von 35 Jah- ten und fünfjähriger Schulung in irgendwelchen Posten der Selbst- verwaltung. Schließlich soll neben dem Reichstag noch ein Oberhaus als »Reichsständehaus« geschaffen werden aus Leitern der Berufs- &ruppen, Vertretern der Kirchen und Universitäten, dazu ebenso rielen Vertretern der Gewerkschaft, wie Betriebsführer von den Berufsgruppen entsandtsind, endlich bis zu 50 angesehenen Deut- ‘chen aller Stände im Alter von mindestens 5o Jahren, die von der Reichsleitung frei berufen werden, also einer Notabelngruppe.!? Überblickt man das Ganze, so zeigt sich, daß für den Kommu- nalpolitiker Goerdeler die Schulung in kommunalen Verwal- tungsgeschäften noch immer(wie schon in den zwanziger Jahren) ıls das wichtigste Auswahlprinzip einer politischen Elite gilt. Darin ähneln seine Vorschläge denen des Freiherrn vom Stein: tssoll gewissermaßen von unten nach oben gebaut, aus dem enge- ten Kreis zum fortschreitend weiteren aufgestiegen werden. Nur daß der Kommunalpolitiker des 20. Jahrhunderts im Gegensatz nu Stein von irgendwelchen Vorzugsrechten des Adels oder des zroßen Grundbesitzes, überhaupt des Vermögens, nichts mehr wissen will und auf die politische Rechtsgleichheit aller Stände, besonders auf die Gleichberechtigung von Arbeitern und Unter- nehmern, großes Gewichtlegt. Das Staatsbürgerrecht ist in keiner Weise mehr auf die»eingesessene«, im Boden verwurzelte Bür- zerschaft beschränkt und durchaus nicht mehr nach dem Umfang . des Geldbeutels abgestuft. Auch von»Ernennungen« und»Be- mufungen« der Volksvertreter durch die Regierung, die sie aus Kandidatenlisten auswählt, welche die Wählerschaft»präsen- !lert«, will Goerdeler nichts wissen. Ein so bürokratisches und System, wie es zuerst Napoleon angewandt hatte, 302 Dreizehntes Kapitel um die Unruhe des demokratischen Lebens abzudämpfen, hätte|\ seinem liberalen Denken gänzlich widersprochen; denn auf Ein- dämmung und Auflockerung, nicht auf Machtausdehnung des|} bürokratischen Wesens kam es ihm gerade an. Man konnte also seine Absichten gar nicht schlimmer verkennen als dadurch, daß man sie als eine Art von Nachahmung jenes»christlichen Stände- staates« verstand, den die von ihren extremen Parteien hart be- drängte Regierung Dollfuß in Österreich errichtet hatte. 20 Man kann gegen Goerdelers Pläne einwenden, daß sein Elite- prinzip weniger politisch als verwaltungstechnisch geschulte Männer zur Aktion berufen hätte. Dagegen würde er eingewendet haben, daß Deutschland von reinen Machtpolitikern ohne Sach- kunde und Verwaltungserfahrung nun gerade genug Unheil er- lebt hatte; daß die mühsame Arbeit eines deutschen Wiederauf- baus auf den Trümmern des Hitler-Reiches gar nicht nüchtern und sachkundig genug in Angriff genommen werden konnte; daß die Politisierung eines Volkes, das durch die Tyrannei jeder Freiheit und Selbstverantwortung entwöhnt war, nur mit höchster Vor- sicht vorgenommen werden durfte; daßin einer so völlig egalisier- ten und so tief erschütterten Gesellschaft wie der unseren, ohne feste, klare Standestraditionen, kaum ein anderes Eliteprinzip noch anwendbar war als das der Sachkenntnis und Bewährung in öffentlichen Angelegenheiten; denn auch der Besitz höherer Bil- dung konnte keinen politischen Führungsanspruch mehr begrün- den, seit die deutsche Bildungswelt als Ganzes sich den elementar- sten politischen Problemen gegenüber ebenso hilflos gezeigt hatte— wenn nicht noch hilfloser— wie alle anderen. Schließlich aber wollte ja auch Goerdeler-im Gegensatz zu der später zu besprechenden Gruppe des»Kreisauer Kreises«— gar nicht auf die Dauer bei der Wahl durch kommunale Körperschaf- ten beharren. Von Anfang an wollte er die Hälfte aller Abgeord- neten— was seine Freunde teilweise mit Ängstlichkeit aufnah- men- als Vertreter»politischer Bewegungen« wählen lassen, deren Gestaltung noch ganz im Dunkeln lag.?! Er empfand das selbst als Wagnis, vertraute aber darauf, daß seine eigene Regie- rung, wenn sie erst einmal im Sattel säße und Deutschland einen ehrenvollen Frieden gebracht hätte, schon eine große Volks- bewegung»auf breitester Grundlage« hinter sich bringen würde. Gleichwohl hat er keinen Augenblick an eine neue Staatspartei.| und einen neuen»Einparteienstaat« gedacht. Die neue Volks- bewegung sollte von der Regierung nur eingeleitet, später selb- ständig geführt werden.»In ihr sind auch Oppositionsgruppen gestattet, die Volksbewegung soll ihnen bei der Aufstellung von “U en, hätte auf Ein: ung des“ nnte also ırch, dal 1 Stände- hart bt Pf) in Elite- yeschult: rewende: ne Sach inheil et iederaul tern und , daß di - Freihel ‚ter Vor egalisiet en, ohit peprinz! hrung!! jerer Bi| begrüt| ementi!| ‚gezei,| tzzud| shi yesscht! gen” zufnal N Jassel fand a e Regt nd ein > Vol‘ N würde arspaf® . Vol} tes se" grupp” ung Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 303 Kandidaten Rechnung tragen. Später mögen sich daraus Parteien .. konservativ, liberal, sozialistisch, kommunistisch— entwik- keln.« Politischer Gesinnungszwang sollte also in keiner Weise ‚usgeübt werden- auch der äußersten Linken gegenüber nicht. Unser Autor ist zwar überzeugt, daß der Marxismus genau so ab- rewirtschaftet hat wie der Konfessionalismus des Zentrums.»Er kann nicht wieder Grundlage einer Partei werden, ebensowenig ist der Kirche gestattet, über Parteien Politik zu machen.« Aber er fügt sogleich hinzu:»Doch läßt sich in dieser Richtung nichts dogmatisch festlegen«, hier beginnt vielmehr»die politische Kunst des Staatsmannes«, der es eben verstehen muß(so dürfen wir die Andeutung auslegen), die Massen durch Erfolge für sich u gewinnen. Nur eine Einschränkung freier Parteibildung soll ler neue liberale Staat einführen: er läßt bloß die drei stärksten Parteien zum Zuge kommen, um eine Wiederkehr der unglück- eligen Parteizersplitterung von Weimar zu verhindern. In der- selben Richtung sollen ja auch das englische Wahlsystem der teinen Mehrheitswahl ohne Stichwahl und Proporz und die Be- ‘timmung wirken, daß die Abgeordneten in ihrem Wahlkreis an- ‘ässig sein müssen.?? Von ängstlichem Konservatismus wird man angesichts dieser Pläne kaum sprechen können, eher von Kühnheit. Denn natürlich hat sich Goerdeler nicht vorgestellt, daß die neue Epoche deut- ıcher Geschichte, die durch den Sturz Hitlers begründet wurde, mit einer totalen Dauerbesetzung Deutschlands durch feindliche Siegermächte beginnen würde; hätte er das geglaubt, so hätte sich ‚lles Plänemachen überhaupt erübrigt. Blieb aber Deutschland unbesetzt, so war die Gefahr eines innerpolitischen Chaos, viel- leicht einer totalen Spaltung der Nation, ähnlich der im Frank- reich der Restaurationszeit, riesengroß. Da bedurfte es schon wohldurchdachter Pläne, um eine wirklich gesunde und dauer- hafte Demokratie aufzubauen. Goerdeler war tief durchdrungen von der Einsicht, daß diese neue Demokratie, in bewußtem Gegensatz zum Bismarck-Staat, vor allem auch in der Arbeiterschaft verankert sein müsse. Eben darum hielt er mit größter Zähigkeit, gegen mancherlei Wider- spruch seiner Freunde, an dem Gedanken fest, die Gewerkschafts- bewegung neu zu beleben. Zu ihrer politischen Vernunft hatte er ‚das größte Vertrauen auf Grund seiner persönlichen Erfahrung (aicht nur bei jenen Verhandlungen mit der Bauarbeitergewerk- schaft 1932). Er betrachtet sie als eine antirevolutionäre Organi- sation, auf konkrete Nahziele gerichtet, insbesondere auf die Ver- N besserung der Lebenslage des Arbeiters, aber auch auf seine gei- 41 | 304 Dreizehntes Kapitel an Wid stige Schulung und seine Erziehung zu voller Staatsbürgerschaft,| eb Die enge Verbindung der Freien Gewerkschaften mit der Sozial- ttkr: demokratie machte ihn trotz seiner konservativen Herkunft nicht\tei irre; denn die Tätigkeit der Gewerkschaften selbst bedeutetejaso löhn etwas wie eine Loslösung von der marxistischen Revolutions- tn, doktrin. de Im einzelnen haben sich seine Pläne an diesem Punkt erheblich mm weiterentwickelt, seit er(etwa 1941) mitfrüheren Gewerkschafts ns führern in nähere Verbindung trat. Seine Denkschriften von#k! 1940/41?° sprechen noch nicht von»Gewerkschaften«, sondern Gere nur von einer Reform der»Deutschen Arbeitsfront«. Ihren liber Grundgedanken, die Arbeitskämpfe durch organisatorische Zu-| zn! sammenfassung aller wirtschaftlich Schaffenden abzudämpfen|\nd} bzw. zu überwinden, findet er gut. Auch die Treuhänder der Ar-| ich] beit möchte er als Mittler und Schlichter in Streitfällen beibehal-| ten, ebenso das staatliche Verbot von Streiks und Aussperrung,| Las Aber er will die Arbeitsfront von parteipolitischen Einflüssen| hf befreien, ihre Finanzverwaltung unter öffentliche Kontrolle brin:| Gorr gen und vor allem den natürlichen Interessengegensatz von Un-| Yan ternehmer und Arbeiter nicht künstlich verwischt sehen: beide| illm sollen in getrennten Gruppen organisiert sein,»beruflich, örtlich,| tl; bezirksweise usw., um die Arbeitsverträge teils für den Betrieb,| tl teils für den Ort, teils für den Bezirk, teils für das Reich festzu- Selbs legen«, grundsätzlich ohne staatliche Einmischung;; doch soll das| say Prinzip des»Leistungslohns an Stelle des reinen Zeitlohns« fest-\ Werd gelegt werden. Später schloß er sich einem Organisationsplan an,| der zwischen den Führern der früheren christlichen Gewerk- schaften(Jakob Kaiser, Bernhard Letterhaus, Nikolaus Groß, PrälatDr. Otto Müller, Frau Dr. Nebgenu. a.), der sozialistischen Gewerkschaften(Wilhelm Leuschner und Hermann Maaß) und des ehemaligen deutschnationalen Handlungsgehilfenverbandes (Max Habermann) in vielen Besprechungen aufgestellt wurde und Ende 1942»in groben Umrissen« festlag.24 Auch mit den früheren Hirsch-Dunckerschen Gewerkschaften wurde durch Ernst Lem- mer Verbindung gehalten. Der Grundgedanke dieses Planes war die Begründung, einer deutschen Einheitsgewerkschaft, welche die frühere Zersplitte- rung überwinden sollte. Darüber hatten sich Kaiser und Leusch- ner schon in den ersten Maitagen 1933 geeinigt; gemeinsam wol-. ten sie sich bemühen,»den Willen zur freien gewerkschaftlichen Organisation wach zu halten und für den Fall der Beseitigung Hitlers die Möglichkeit zur sofortigen Neuordnung vorzuberei- ten«. Beide hatten das denn auch in tausend Formen getarnter | gerschafi| er Sozial unft nich utete jası rolutions erheblic! ekschafts iften vor , sondent t«, Ihre ische Zi: ıdämpk® >r der Ar beibehi- sperrunf: inflüsseit olle bit: ‚von In en: beit h, örtlic 1 Betzie) -h festz! h soll fi hns« fes ısplan a Gewel us Gi! Jistisch aa) W verband urdeuf ‚früher? ste ‚\chon um eine organische Lohnpolitik sicherzustellen«. Die Auf- Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 305 Werbearbeit versucht. Dennoch mußte Leuschner, als ihn Goer- ‚teler etwa 1940 nach der überwiegenden Haltung der deutschen \rbeiterschaft fragte, gestehen, die große Masse sei, bei guten löhnen und gewissen sozialen Errungenschaften der Arbeits- font, mit dem jetzigen Zustand nicht unzufrieden, und die Zahl jer Träger alter Gewerkschaftsideen schmelze immer mehr zu- sammen. Goerdeler soll darüber erstaunt gewesen sein; Leusch- ner seinerseits, den Kaiser schon früher mit Hammerstein und leck bekannt gemacht hatte, war erfreut, politischen Anschluß an Goerdelers Kreis zu finden. Es wurde ein Bündnis des Bürgerlich- liberalen mit dem Sozialisten geschlossen, das beide Partner bis zım bitteren Ende durchgehalten haben, trotz vielerlei Zweifel ind Regungen von Eifersucht auf sozialistischer Seite, denen auch Leuschner, wie es scheint, sich nicht ganz verschloß.? In Gemeinschaftsarbeit zwischen Kaiser, Habermann und Jeuschner entstand der Plan einer Deutschen Einheitsgewerk- shaft, die an Stelle der früheren Zersplitterung treten sollte. Goerdeler hat diesen Gedanken aufgenommen. Die von ihm ge- Pante»deutsche Gewerkschaft« sollte von der Arbeitsfront vor alem den Beitrittszwang übernehmen. Alle Arbeiter und Ange- stellten vom 18. Lebensjahr an hätten ihr beizutreten, die Ange- stellten in einer besonderen Gruppe. Die Organisation sollte volle Selbstverwaltung erhalten; als große neue Aufgabe sollte ihr die gesamte Sozialversicherung und Arbeitsvermittlung übertragen werden. Alle Sozialbeiträge sollten künftig gegen entsprechende Lohnerhöhung von den Arbeitern allein getragen werden. Nur ‘0, glaubte man, würde der Arbeiter das Bewußtsein bekommen, ür die rechte Verwaltung seiner Interessen selbst verantwortlich nu sein, mit Hilfe einer von ihm kontrollierten Organisation. Das tiinnert(wie auch schon der Gedanke der Einheitsgewerkschaft) ın Goerdelers ältere Pläne von 1932(Kapitel 3), die er nur abge- Vandelt, nicht aufgegeben hatte. Die größte Schwierigkeit machte ütürlich das Problem der Arbeitslosenversicherung, deren Last \ich im Fall einer ernsten Krise nicht von der Arbeiterschaft allein tngen ließ. Goerdelers Denkschriften von 1940/41 wollten es Itrch ein System abgestufter Versicherungsleistungen lösen, das gleichfalls schon 1932 entworfen hatte und an dem er wohl bis letzt(wie ich aus Gesprächen mit ihm von 1942/43 weiß) zähe Jesthielt.28 Doch wurde darüber keine Einigung mit den Arbeiter- lüarern erzielt- nur daß man in dem Grundsatz übereinkam,»daß uch hier die Arbeiterschaft bei der Aufbringung der Mittel und xl der Verwaltung verantwortlich eingebaut werden müsse, Wi, 306 Dreizehntes Kapitel gaben der Gewerkschaft sollten sich aber nicht auf Lohnverhand. lungen, Arbeitsvermittlung und Sozialversicherung beschränken; sie sollte auch ein großes Erziehungswerk ausüben: durch Schu: lung der Arbeiter in wirtschaftlichen Fragen?” sollten diese in: stand gesetzt werden zu verantwortlicher Mitarbeitund Kontroll der Betriebsleitung. Die Gewerkschaft sollte(in doppelter Zahl) Kandidaten aufstellen für die Wahl als Arbeitervertreter in den Be: triebsleitungen. Solche Vertreter wären zu entsenden in die Vor: stände der großen Kapitalgesellschaften(mit mehr als 50 Millio- nen Goldmark anonymen Kapitals), in die Aufsichtsräte aller Ge: sellschaften und in die Vertrauensräte aller Wirtschaftsbetriebe, weiter in die Wirtschafts-(Industrie-, Handels-, Landwitt: schafts-) Kammern, schließlich auch in das Ständehaus des Reichs und zu den Volksvertretungen aller Stufen(vermöge des schof geschilderten Wahlverfahrens). Zu diesem Zweck sollten sich die Gewerkschaften nicht nur beruflich gliedern(es waren zehn In: dustriegruppen und eine Angestelltengruppe vorgesehen), soi- dern auch landschaftlich, und zwar bis zu den Bezirken der Wirt schaftskammern. Schließlich dürften die Gewerkschaften aud eigene Wirtschaftsbetriebe unterhalten, vorausgesetzt, daß si streng wirtschaftlich und ohne Staatszuschüsse arbeiteten.?® Von der»Sozialisierung« der Industrien erwartete Goerdeler keine® wirklichen Nutzen für die Arbeiterschaft. Gleichwohl hielt er dem Grundsatz fest, den er ja schon 1935-37 verfochten hattk (siehe Kapitel 2): daß die Bewirtschaftung der Bodenschätze und der großen Verkehrs- und Versorgungsbetriebe, die sinngemäl am besten im Monopol geschieht, in»Gemeinwirtschaft« betrit- ben werden sollte, jedoch so, daß streng ökonomische Betriebs führung und möglichst weitgehend auch freier Wettbewerb et halten blieben.2? Um diesen vor der Verfälschung durch groß@|\ h "Wider den S Em preußisc Ehem Berate ‚mer Kreis ur @ Rede sein Iremeinen d !Elr wissen, Bttiebe, Goe Mlitik nicht ı nommen w SS ganze Rei r allem: e ®Staltenden] Auf dieser Bitliche Ayr Anden zu gr Sertist. Die ul Unbestär Ende gepan n Schausı “ch den parl; MNSere jerz Ben er die „den Vo Uchskanzler | lügen st SE Zusam Tepe kimtes " gestalt “en ber, Konzerne, Trusts und Syndikate zu schützen, wollte er(im Sind|%x der ihm befreundeten Freiburger Nationalökonomen) ihre Tätig-| ta keit staatlich kontrollieren, notfalls beschränken. Wie denn übel-|% haupt die Dezentralisation der Wirtschaft eines seiner Haupf anliegen war. Überblickt man das Ganze dieser Pläne, so zeigt sich, daß darin den Arbeitergewerkschaften eine ganz gewaltige wirtschaftlich und politische Macht zufiel und daß von»bourgeoisem Patriat SM chalismus«(wie ihn einzelne Sozialisten ihm vorwarfen) g4 keine Rede sein kann. Der von Goerdeler geplante Staat war ganz‘ entschieden ein Volks-, jaman kann sagen ein Arbeiterstaat. Ebem| Ro deshalb erregte er mit seinen Plänen stärkste Bedenken bei Ko® servativen, wie Ulrich von Hassell, bei seinem Freunde Popii& ) ‚Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 307 verhan dem preußischen Finanzminister, und dessen volkswirtschaft- hränke lichem Berater, Prof. Jessen, aber auch in dem sogenannten Krei- ch Sch sauer Kreis um den Grafen Helmuth von Moltke, von dem noch diese! dit Rede sein wird. Die dort tätigen Sozialisten wollten von einer ontrd) allgemeinen deutschen Gewerkschaft als Dauereinrichtung nichts Iter Zt mehr wissen, sondern nur von Gewerkschaften der einzelnen ndenB Betriebe. Goerdeler indessen meinte,»daß viele Fragen der Sozial- ‚dieVo politik nicht vom Standpunkt des einzelnen Betriebes in Angriff ‚oMili genommen werden können, sondern vom Standpunkt großer, ‚aller6 das ganze Reich überziehender Fach- und Berufsorganisationen«. ‚betrieh Vor allem: er brauchte die»Deutsche Gewer en, als mit- \andvi%etaltenden Faktor seiner neuen Demokratie. lesRet Auf diesem Fundament sollte nun eine möglichst dauerhafte des sch tatliche Autorität errichtet werden. Es war für uns Deutsche mit ‚nsich! Händen zu greifen, daß ohne sie die Freiheit nicht wahrhaft ge- zehn! ichertist. Die Weimarer Republik war an der hilflosen Schwäche hen),$ ınl Unbeständigkeit ihrer parlamentarischen Regierungen zu- der W 3üünde gegangen. Wie ließ sich eine Wiederholung dieses kläg- ften 2 ichen Schauspiels vermeiden? Das war dieselbe Frage, die 1948 , dal wich den parlamentarischen Rat in Bonn so stark bewegt hat, als en,3\ jetzt geltende Bundesverfassung beriet. Die Mittel, mit ie kei Iden er die Stabilität unserer Bundesregierung gesichert hat, hielte sind den Vorschlägen Goerdelers sehr nahe verwandt. Der hten b} Reichskanzler ist nicht allmächtig, sondern regiertauf Grund von hätzen tschlüssen seines neunköpfigen®® Kabinetts. Aber das ist kein innge® 08 zusammengefügtes, von den Regierungsfraktionen zusam- a het nengeleimtes Koalitionskabinett mehr, sondern eine nach seinem Bet Willen gestaltete Gefolgschaft, vom Staatschef nach seinen Vor- | chlägen berufen. Die Minister bedürfen nicht des formellen yewel'\-:: x£: her Vertrauens« der beiden Reichshäuser. Der Staatschef hat sie aber co Eu= ae= Be B ;(iS sıbzuberufen, wenn der Reichstag mit einer Zweidrittelmehrheit ; fi"der beide Häuser mit einfacher Mehrheit dies verlangen, voraus- gel! Yattzt, daß sie gleichzeitig eine neue Regierung Harnharg nach Hu Das»Notverordnungsrecht« wird in ner Form wieder a eingeführt: nicht als V erordnungsrecht des Reichspräsidenten, Sondern als vereinfachtes Gesetzgebungsw erfahren für einen Teil oler Reichsgesetze. Normalerweise kommt ein Gesetz durch über- eitsimmende Beschlüsse beider Reichshäuser zustande. Dabei ‚ Steht die Initiative sowohl der Regierung wie beiden Kammern „ U. Die Regierung kann aber auch ohne parlamentarische Bewilli- ung ein Gesetz erlassen. Doch ist sie gezwungen, es zurückzu- j Bichen, wenn beide Häuser, davon eines mit wenigstens Zwei- ktelmehrheit, es verlangen. An die Zustimmung des Parlaments 308 Dreizehntes Kapitel ist sie aber in jedem Fall für das Etatgesetz, für Steuer- und zo solche Beschlüsse, deren finanzielle Auswirkung im Etat nicht vorgesehen ist- kann sich also gegen eine verschwenderische Aus gabenwirtschaft des Parlamentes wehren.®! So hofft Goerdeler det Regierung eine starke Verfügungsgewalt zu sichern, gleichzeitig]; a sie unter öffentliche Kontrolle zu stellen. Nicht ganz eit- deutig ist die Machtabgrenzung des Staatsoberhauptes zu erken- nen. In der großen Denkscheift- von 1941 istihm das Recht zuge die Erklärung eines Staatsnotstandes vorgesehen, der ihm da Recht zuweist, Notverordnungen mit Gesetzeskraft zu erlassen. ii die Rolle des republikanischen»Hüters der Verfassung« bt. schränkt. Wie aber war nun das Staatsoberhaupt gedacht?»In Betracht kommen«, sagt die Ausarbeitung von 1941,»Erbkaiser, Wahl nicht.« Verstandesmäß Big betrachtet spricht vieles für die Mor manche ie Erfahrungen der jüngsten Vergangenheit. B& denkt man die starken inneren Gegensätzlichkeiten des deutsch@l; # aber soll er sich, und wenn es Jahrzehnte ohne ihn geht, aus d“ einflüssen und Tagesstreit unabhängige Staatsführung. Zur Aus schaltung von Personenfragen kann die Stellung des Reichsfüh rers zunächst durch einen Reichsv erweser ersetzt werden.«°? Es ist also nicht das Hängen eines alten Deutschnationalen al eines Krieges gebunden. Sie hat schließlich ein Vetorecht gegei teilt, den Reichstag aufzulösen; außerdem ist»für äußerste Fälle] Von beidem ist indessen in dem späteren Entwurf nicht mehr di! Rede. Dort ist die Stellung des Staatsoberhauptes durchaus aul archie; aber gefühlsmäßig gibt es viele Gegenargumente, audss- Tagespolitik heraushalten.«»Es tut not, daß das deutsche Voll] nach allen Schwierigkeiten der letzten 25 Jahre nun einmal zufodi ch Ruhe kommt, und dazu gehörtinsbesondere auch eine von Tages] it. | ER Sta Yichne I Monat Yrurde 980 ori Stollen h kaiser, Er Zeit gewählter Führer. Eine ideale Lösung, d. h. eintlzy.n N solche, die für alle Fälle das Richtige vorausbestimmt, gibt&lod-; Lebens und die starke soldatische Tadisbn, so scheint trotz allen ad; - rein v erstandesmäßig g gesehen- eine Monarchie am meisten et|yygj;, wünscht. Und zwar eine Erbmonarchie, weil sie allein über je&]; Art von Massenpropaganda erhaben ist. Daß auch sie gewisse Gel, fahren birgt, liegt auf der Hand. Sie lassen sich aber vermindert} : wenn man dem»Reichsführer« wesentlich nur Repräsentationsfärk: j Be! pflichten zuweist und ihn politisch nur dann»auf den Plan ruft ih ı; ) wenn Kanzler, Reichsregierung und die beiden Häuser offensicht]:y.}; Be lich nicht mehr ordnungsmäßig zusammenarbeiten«.»Im übrige] it, ı E monarchischen Traditionen, sondern das politische Bedürfns]: -und Zu Erklärur echt geg Etat nie rischeAr erdeler& Jleichzeit t ganz€) s zu erkt echt zug erste Fil er ihm€ zu erlasst ht mehr€ ırchaus 2 ssung« D In BetriC s deutsc -trotzal® meisten“ n über? gewisst| ermnind äsental"” n Plao nr „open! Im übt” eht, U jtsche il einme von! 4 Zu. | Reich / den.“ Fl Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 309 tach möglichst stabilen Regierungsverhältnissen, was Goerdeler, nit einem gewissen Zögern, zum Vorschlag einer monarchischen lestauration bewegt. Vor allem soll verhindert(oder doch er- schwert) werden, daß sich wieder ein gefährlicher Demagog zu nonatchischer Gewalt aufschwingen kann. Dasselbe Bedürfnis vurde in jenen Jahren von vielen Deutschen empfunden, die sich agstvoll fragten, wie es gelingen sollte, nach dem Zusammen- Icuch einer so überstarken Autorität wie der des»Führerstaates« ime neue von wirksamer Symbolkraft zu errichten und so das (haos zu verhindern. Es gab unter den Verschwörern keine wirk- Ich populäreGestalt; soerwog man, obsich vielleicht dieSymbol- kcaft der Krone heraufbeschwören ließe, um den Umsturz popu- lr zu machen. Hoffnungen dieser Art fanden eine gewisse Neu- belebung durch die Tatsache,daß der tapfere Soldatentod des Prin- zn Wilhelm, des ältesten Kronprinzensohnes, am 26. Mai 1940 » großes Aufsehen erregte. Zu seiner Bestattung in Potsdam sıllen mehr als 50000 Menschen zusammengeströmt sein— was Hitler so erschreckte, daß er den weiteren Dienst von Mitgliedern &uemals regierender Dynastien in der Armee verbot. Indessen steß die Restauration der Hohenzollernmonarchie sogleich auf deselbe Schwierigkeit, auf die geschichtlich beinahe alle Restau- titionsversuche dieser Art gestoßen sind: es war fast unmöglich, ul emen geeigneten Prätendenten herauszufinden. Gegen die Persönlichkeit des früheren Kronprinzen erhoben ich von allen Seiten Bedenken- die stärksten gerade von denen, ‘de ihn am genauesten kannten.®® Minister Popitz dachte zeit- weise an Prinz Oskar, ließ den Gedanken aber bald fallen und setzte ich für den zweiten Sohn des Kronprinzen, Prinz Louis Ferdi- und, ein. Dieser wurde auch von anderer Seite empfohlen, be- cnders von dem Rechtssyndikus der Lufthansa, Dr. Otto John, dr ihn als Angestellten seiner Firma kannte und schon seit 1937 it die Ziele der Hitleropposition eingeweiht hatte. John selbst ‚ghörtezu den Aktivisten der Widerstandsbewegung und brachte ‘den Prinzen nach und nach mit seinen politischen Gesinnungs- "gnossen in Verbindung: unter anderem mit Hammerstein, mit Dohnanyi, dessen Schwager Dr. Klaus Bonhoeffer, ebenfalls Syn- ‘dkus der Lufthansa, seinem Bruder Dietrich, dem Theologen, dm Kaufmann Justus Delbrück, Rechtsanwalt Dr. Wirmer von dtr früheren Zentrumspartei, jetzt einem der eifrigsten unter den Verschwörern. Vor allem aber lernte ihn in diesem Kreise auch |lkob Kaiser kennen, und Goerdeler selbst besuchte ihn im Juli 1142 auf seinem Gut Cadinen. Beide waren stark beeindruckt von tion“ A Bedi” > 7 l } N N dr Weltaufgeschlossenheit, Lebensnähe, vielseitigen Begabung 1 310 Dreizehntes Kapitel und Bildung dieses Hohenzollernsprosses, der seine fürstlichen Standestraditionen und-vorurteile so radikal von sich geworfen hatte, ja zeitweise selbst, in den Werkstätten von Ford, den Alltag eines modernen Fabrikarbeiters kennengelernt und geteilt hatte, Ob ihm bei den tausend Abenteuern seiner Weltreisen die sichere Würde erhalten geblieben war, die nun einmal zum Wesen de Monarchie gehört, darüber bestanden gewisse Zweifel, die abet durch die positiven Eindrücke zunächst überwogen wurden. Un ter diesen spielten seine guten persönlichen Beziehungen zun Präsidenten Roosevelt eine nicht unbedeutende Rolle.34 Vor allem: er war bereit, im Falle eines Umsturzes sich zur Verfügung zu stellen, wenn auch nur»als Privatmann«, und schrieb darübe auf Johns Wunsch ein Memorandum. So sammelte er viele Syn: pathien für sich; aber»Thronprätendent« der Opposition istt|: doch eigentlich nicht geworden. Die entgegenstehenden Schwit- rigkeiten waren zu groß. Zunächst war vorauszusehen, daß die Erhebung eines Hohet-|| zollern in Bayern und Österreich auf heftigen Widerspruch stoßen|. würde, auch im Kreise der dortigen Oppositionsmitglieder.” Aber auch wenn man darauf keine Rücksicht nahm, erhob sich die: Schwierigkeit, daß Prinz Louis Ferdinand sich weigerte, etwaigen|| seines Großvaters und Vaters irgendwie in den;| Wegzutreten. Wilhelm II. starb am 4. Juni 1941;aber den dynasti-|;; schen Vorrang des Kronprinzen konnte man schon deshalb nicht|\ einfach übergehen, weil er der Armee allein als Thronerbe und): ehemaliger Heerführer bekannt war. Es wurde deshalb der Plas entwickelt, er solle mit einer Proklamation an Volk und Arme hervortreten, in der er folgendes erklärte: Er habe nicht deshalb|, dem Thron entsagt,»um das Reich Wahnwitzigen und Verbre \l Wid lv hthra Str A Ferdi Piz Mitve ktsz zen G indE Pepen tens „Aust a chern auszuliefern«.»Der Führer hat den dem deutschen Volk}:],.. geleisteten Eid durch geheime Mordbefehle gebrochen.« So stellt er sich nun»vor den Thron seiner Väter, vor dem sie Unrecht}: nicht duldeten«, um Volk und Reich zu retten, übernehme dit Führung des Reiches und den Oberbefehl über die Wehrmacht und werde alles daransetzen, zunächst einen ehrenvollen, abet auch für andere Völker annehmbaren Frieden zu erkämpfen. Da nach werde er sogleich zugunsten seines Sohnes, desPrinzenLouäi Ferdinand, abdanken. Ein undatierter Entwurf zu einer solchen Proklamation hat sich im Nachlaß Goerdelers gefunden und wird auszugsweise als AC: hang IV dieses Buches abgedruckt. Der Urheber ist unbekannt; Goerdeler war es wohl nicht. Das wahrscheinlichste ist, daß ers dem kritischen Kriegswinter 1942/43 entstanden ist, in dem det ij Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 311 fürstlich ı geworl: den Alt teilt hatt die siche Wesen d |, die ab urden, U ıngen zu lie, Verfügus eb darüb viele Sit ition Is!" en Schvil es Hohal uch stol® itgliedet| jobsicht) ‚etwall jwieine® en dyni! shalb ni“ ‚nerbe UN b der it nd Art ‚ht des" ‚d Veit" chen Vt „«sost e Un nehm! Wehr‘ ollen, N npfed: j nzenl) f) D hat! V jseal ‚ ‚nbehat" t, dad A| n den“ I 1 ‚all von Stalingrad den Gedanken an eine Militärrevolte wieder sehr aussichtsreich erscheinen ließ und die Verschwörer zu höch- xer Aktivität antrieb. Damals haben nach dem Bericht Louis lerdinands, den mir Bundesminister Jakob Kaiser mündlich er- (änzte, im Hause des Professors Bonhoeffer, des Vaters der beiden Nitverschworenen, und später in der Wohnung Klaus Bonhoef- fers zwei Aussprachen stattgefunden, bei denen außer dem Prin- en Goerdeler, Jakob Kaiser, Wilhelm Leuschner, Dr. Wirmer ind Ewald von Kleist-Schmenzin, der alte Todfeind Hitlers, zu- egen waren, das zweitemal auch Hassell. Man drang in den Prin- zen, selbst als Kronprätendent hervorzutreten und das Signal zum Aufstand der Generäle zu geben, Schon lange vorher waren Kai- ser und Leuschner als Führer der früheren Gewerkschaften ge- fagt worden, ob die hinter ihnen stehenden Volksteile einer Wiederherstellung der Monarchie zustimmen oder sich dagegen aflehnen würden. Beide glaubten der Zustimmung breiter lassen gewiß zu sein, wenn nur so das Regiment des Tyrannen gestürzt werden könne. Prinz Louis Ferdinand seinerseits bestand (arauf, daß sein Vater nicht übergangen werden dürfe, und zwar, vie es scheint, allein aus der Empfindung der»Sohnespflicht«(im S'ınn des dynastischen Erbrechtes) heraus, nicht deshalb, weil er sin plötzliches Hervortreten vor der Öffentlichkeit für politisch aussichtslos hielt. Wie auch immer: er wollte zunächst seinen Vater fragen; wie der aber antworten würde, daran konnte nie- nand zweifeln, der den Kronprinzen kannte. Ohne Zögern lehnte & das gefährliche Abenteuer ab und warnte seinen Sohn dringend (und mit Erfolg), sich weiter auf solche Verschwörungen einzu- lüssen. 36 Die politische Rolle des Prinzen war damit für immer erledigt. In seinen Aufzeichnungen von 1944 spricht Goerdeler nur noch von einem Generalstatthalter, den die neu zu bildende Regierung auf vier Jahre wählen lassen soll, das erstemal durch das Stände- hrus, später durch beide Häuser in gemeinsamer Sitzung(ähnlich vie die französische Präsidentenwahl). Ob die Monarchie über- hrupt noch in den Sattel gehoben werden könne, erscheint ihm ftaglich, obgleich er es selbst nach wie vor wünschen würde; aber unter den Hohenzollern oder Wittelsbachern, die er sich als»wür- dg« denken könnte, 37 erscheint der Name Louis Ferdinand über- haupt nicht mehr. Unser Autor ist bereit, sich dauernd mit einem oder Reichspräsidenten zu begnügen; jedoch \wllte er unbeschränkt wieder wählbar sein, nach der dritten "Wiederwahlauf Lebenszeit. Man sieht, es kam ihm wesentlich nur uf das Prinzip der Dauerhaftigkeit an. Be a ze tens 29 zur ngenze a ER = c urn ai2,, Dreizehntes Kapitel Der nachträgliche Betrachter mag über die Idee einer Restau- ration der Hohenzollernmonarchie leicht den Kopf schütteln. Der Goerdeler(etwa im Januar 1943) davon in Andeutungen erzählte Es gab auch jüngere Mitglieder der Verschwörung, die sich eht- schieden dagegen wandten, weil sie jeden Anschein eines»junker- lich-reaktionären« Regimes(etwa im Stil der früheren Papen- Regierung) zu vermeiden wünschten.®® Indessen wird man nicht übersehen dürfen, daß es den Verschwörern zunächst darauf aı- kommen mußte, die Sympathien des älteren, aus monarchische Zeit stammenden Offizierskorps für einen Umsturz zu gewinnen, und daß sie nicht etwa eine Restauration des alten Kaiserreichs' planten, sondern eine streng konstitutionelle, auf präsidiale Be- fugnisse im Sinn der Republik beschränkte Monarchie, etwa nach englischem, holländischem und skandinavischem Muster. Ein Hohenzollernprinz, der den ungeheuren Mut besessen hätte, sich, an die Spitze der deutschen Widerstandsbewegung zu stellen, often zur Befreiung von einer unerträglich gewordenen und au: Benpolitisch gescheiterten Tyrannei aufzurufen und dafür sein Leben aufs Spiel zu setzen, hätte jedenfalls die historische Lagt der Monarchie in Deutschland mit einem Schlage verändert. Dit peinlichen Erinnerungen vom November 1918 wären demgegen- über jählings versunken. Es ist nicht abzusehen, wie sich di innenpolitisch hätte auswirken können. Vielleicht war es wirklid so, wie damals die Arbeiterführer vermuteten: daß in der fürchtet: lichen Drangsal eines aussichtslos gewordenen Krieges, in den der Bombenhagel unserer Gegner unser ganzes Leben zu vet nichten drohte, auch breitere Volksmassen es vorgezogen hätten, einen Monarchen zu bekommen, der uns baldigen Frieden vet hieß, als eine unabsehbare Fortsetzung ihrer Leiden unter den »Führer«, dessen Gewaltherrschaft seit Stalingrad doch in Wahr heit immer volksfremder wurde. Ein sicheres Urteil darüber wird niemals möglich sein. Die Grundzüge der von Goerdeler geplanten Verfassung füreit künftiges Deutschland liegen nun vorunseren Augen. Esgilt nut noch, einige besonders wichtige Einzelheiten aus der Fülle seinet Organisationsvorschläge herauszuheben und das Ganze mit dei Verfassungsplänen anderer Widerstandsgruppen zu vergleichen. Das Wichtigste ist zunächst dieKompetenzverteilung zwischei Reich und Ländern(bzw. Gauen), Kreisen und Gemeinden. Man erkennt hier unschwer die Grundzüge der Lohmeyerschen R« formgedanken von 1928(siehe oben Kapitel 2) wieder: kräftigt Entwicklung der Selbstverwaltungsorgane unterster Instanz, Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 313 IM Rest Beschränkung der Länderhoheit, Zusammenfassung ütteln.] ler wichtigsten Hoheitsrechte in der Hand der zentralen Reichs- at, alsif vellen, deren gesetzgeberische Tätigkeit auch die Grundzüge der enerzähl jänderyerwaltung bestimmt. In jedem Gau soll ein Reichsstatt- ie sich es lalter(1941 noch»Oberpräsident« genannt) die Selbstverwal- es yjunkt tungsorgane beaufsichtigen- nicht kleinlich, nicht in Einzelhei- ren Pape tn eingreifend, nicht mit Hilfe bürokratischen Schreibwerks, man nie sondern möglichst durch reisende Inspekteure-, aber doch so, ‚darauf2(aß die»Einheit der inneren Reichsverwaltung« gewahrt bleibt. narchisch Man kann das politischen Zentralismus nennen; denn die eigent- gewinne chen politischen Entscheidungen sollen alle in der Reichshaupt- iserreich sadt fallen, die Länder als bloße Kommunalverwaltungen höhe- isidiale B r-r Ordnung fungieren. Trotzdem können sie ihre Sonderinter- ‚etwani! 6senin der Reichsinstanz kräftig zur Geltung bringen, da ja die fuster. E Jeichstagsabgeordneten zur Hälfte aus ihren eigenen Vertre- ‚hätte, 0 tungskörperschaften hervorgehen und alle in der kommunalen zu stell! Selbstverwaltung geschult sein sollen. Und da das Hineinreden en undäl der Staatspartei in die Verwaltung wegfällt, ist noch ein weiteres dafür© Sück der nationalsozialistischen Überzentralisation abgebaut. ischel& Den Grundgedanken des inneren Reichsaufbaus entsprechen indert.D} auch Goerdelers Vorschläge für die künftige Finanzreform. Ei- demgexl" gene Steuereinkünfte willer nur den Gemeinden und dem Reich je sih& zubilligen, alle Zwischeninstanzen sollen sich durch Umlagen und eswirl@ eigene Wirtschaftsbetriebe finanzieren. So hofft er das Steuer- erfürcit"vesen grundlegend vereinfachen zu können. Doch soll die Re- yes, id KU form erst dannin Angriff genommen werden, wenn der neue Staat en zu@!sch innerlich gefestigt und seine drückendsten Finanzsorgen enhätt"überwunden, vor allem das schwierige Problem der Kriegs- su° Y 5..... Esgite Fan binden, doch bei einzelnen großdeutsch gesinnten Politikern ale mSturs Eli! ne „ni“ Mur verlangte man allgemein eine Sonderstellung Österreichs, das ergleid ücht länger»Provinz« sein wollte. Man kam so zu dem Schluß, en Itgelmäßige Aufnahme eines Österreichers als Minister ohne schen 1""Portefeuille ins Kabinett, Verlegung eines Teils der Regierungs- i„il W0gane nach Wien, vielleicht auch zeitweise Tagung des Reichs- t.40 ei Jost Auges in dieser alten Reichshauptstad | 314 Dreizehntes Kapitel Eine weitere, grundsätzlich wichtige Frage war die nach dem künftigen Verhältnis von Kirche und Staat. Es versteht sich, daß" unser Politiker die Kirchen von allen Beschränkungen befreien wollte, die sie im»Dritten Reich« eingeengt hatten. Freie Selbst verwaltung ohne Einmischung einer staatlichen Kirchenbehörde sollte ihnen garantiert, ihr Vermögen nach dem Stand von 1. Januar 1933 erhalten bzw. wiederhergestellt werden. Der Staat sollte sich nur die Bestätigung der»Oberen«in ihren Ämtern vor behalten, den Kirchen ihr Steuerrecht belassen, aber die Staats zuschüsse einstellen(ein Vorschlag, dessen rechtliche und prak- tische Tragweite Goerdeler schwerlich ganz übersehen hat). Dar- über hinaus sollte die Betätigung der Kirchen auf dem Gebiet der Jugenderziehung, Schulbildung und Volkswohlfahrt nicht gehemmt, sondern in jeder Weise gefördert werden, besondex auch im Religionsunterricht. Unser Gutachter fand eine freie Konkurrenz zwischen staatlichen und kirchlichen Schulen und Wohlfahrtseinrichtungen höchst erwünscht, weil das nur zı gegenseitiger Leistungssteigerung führen könne. Er meinte, die protestantischen Kirchen wären im 19. Jahrhundert viel zu eit- seitig Pastorenkirchen geworden, weil der Staat ihnen zu viel praktische Aufgaben abgenommen und sie dadurch immer mel auf Gottesdienst und Predigt beschränkt habe. Sie sollten ab« wieder echte Volkskirchen werden. Er nahm also einen betont laizistischen Standpunkt ein— ähn- lich wie einst der Freiherr vom Stein. Ja, er ging darin so weit, da) er indirekt nun doch wieder Staatszwang anwenden wollte, un das innere Gefüge der deutschen Kirchen zu ändern. Durch Dre- hung mit dem Entzug des Steuerrechts wollte er die evangelischen Landeskirchen zwingen, sich zu einer deutschen Gesamtkirche zu vereinigen, die katholische Kirche, sich einen deutschen Pt!- mas zu küren, dem die Besetzung»der höheren Kirchenstellen« zustehen sollte. Wie wenig sich das(vom kirchlichen Standpunkt gesehen) mit dem Prinzip kirchlicher Selbstbestimmung ver- trug, hat er offenbar nicht bemerkt.*1 Auf eine recht originelle Weise dachte Goerdeler das Juder- problem zu lösen. Daß er die deutschen Juden für ihre Verlust? und Mißhandlungen entschädigen wollte, versteht sich ohne wei- teres. Aber er suchte nach einer Dauerlösung, die sie aus der un- würdigen Stellung eines mehr oder weniger unerwünschten »Gastvolkes« in den Ländern Europas erlösen sollte. Er hielt ei für eine wichtige Aufgabe der künftigen Mächtekonferenz, ihnen einen selbständigen Staat in freiem Siedlungsland zu beschaffen (er dachte unter anderem an kanadische und südamerikanisch@ || Vie IN Gehie würd sung könn ticht Sc die( deuts etals velct zugel fürk Lese Hirt mens Strafi deut selbs Schei Wil solch Sam sr Verf der[ Von nal Nie sl hie 1 an a Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 315 nach de Gebiete, da Palästina auf die Dauer nichtausreichen würde). Dann itsich, d pürden sie eine eigene Heimat undeigenen diplomatischen Schutz n befreit Kenießen wie jeder andere Ausländer. Soweit sie soldatische Lei- reie Selb tungen für Deutschland oder alte Familientraditionen aufweisen enbehöt“ önnten, sollte ihnen aber auch die deutsche Staatsangehörigkeit tand v0: ticht verweigert werden.*? .Der$ta Schließlich bedarf noch die Frage einer kurzen Betrachtung, mternyc wie Goerdeler sich die Ausrottung des Nationalsozialismus im die$tat' deutschen Volk gedacht hat. Von einem Verbot der Partei wollte undpa tr als echter Liberaler nichts wissen, ebensowenig von irgend- hat). Da‘ Yrelcher Bestrafung oder Zurücksetzung wegen formeller Partei- em Geil zugehörigkeit. Politische Einsicht und persönlichen Mut hielt er fahrt nid fir keine Alltagseigenschaften des Menschen, deren Mangel der besond® Gesetzgeber unter Strafe stellen dürfte.*? Mit rücksichtsloser eine fi Härte sollten alle Verstöße gegen das Recht, insbesondere alle Un- ‚hulen un menschlichkeiten, aber auch alle Korruptionserscheinungen be- as nur& traft werden, ohne Unterschied der Person, und zwar durch neinte,© teutsche Gerichte. Denn ihm lag viel daran, daß die Deutschen ‚jel zude selbst die nötige Sühne an denen vollzögen, die den guten deut- a zu sl chen Namen mit Schande bedeckt hätten, und dadurch ihren mer m Willen zur Erneuerung alles Lebens selbst bekundeten. Nur eine ollten ı*" solche Selbstreinigung, meinte er, würde auch moralisch wirk- sım sein, nicht aber ein Strafgericht der Sieger über die Besiegten, das nur neue Erbitterung schaffen könnte. Eben deshalb sollte die i Verfolgung aller im Namen Hitlers begangenen Verbrechen eine ‘der ersten und dringendsten Taten der neuen Regierung seine - Von der öffentlichen Aufklärung über die Schandtaten der natio- talsozialistischen Führerschaft erwartete er sich eine so starke Wirkung, daß die Partei ganz von selbst unter derLast der Ankla- gen zusammenbrechen und auch ohne Verbot jede politische Be- deutung verlieren würde; denn trotz aller Erbitterung auf diese Schandtaten hat Goerdeler niemals daran gezweifelt, daß die moralische Substanz des deutschen Volkes in ihrem Kern noch gesund sei— trotz allem! Ohne diesen Glauben hätte er an dem $:nn einer deutschen Widerstandsbewegung verzweifeln müssen. Überblickt man das Ganze dieser Zukunftspläne für Deutsch- lind, so erscheinen sie zwar als ein Versuch, an die geschichtliche ‚ Iradition anzuknüpfen, aber keineswegs in der Form der Restau- “tution, sondern echter Erneuerung und Fortbildung. Veraltetes ‚sullteabgestoßen oder reformiert, aus den Fehlern derVergangen- ‚heit sollten Lehren gewonnen werden- so wie sie ein Mann ver- stand, der aus der kommunalen Selbstverwaltung der Weimarer Eooche herkam und fast überall an damalige Reformpläne an- -ein-i 316 Dreizehntes Kapitel knüpfen konnte, Bürgerlich-liberales Denken, besonders in Witt schaftsfragen, liegt zugrunde; aber es paart sich mit ehrlicher Be- reitschaft, die Fundamente von Staat und Gesellschaft demokra- tisch zu verbreitern und auch den Arbeiter als gleichberechtigten Staatsbürger und Volksgenossen nicht nur anzuerkennen, son- dern auch an der öffentlichen Verantwortung mitzubeteiligen. Nur daß sich unser Reformer von allen marxistischen Doktrine ebenso fernhält wie von den Überschwenglichkeiten sozialisti scher Weltverbesserer. Er kennt die sehr begrenzten Möglich- keiten staatlicher Planung und mißtraut allem, was nach totalitärer Lebensbehertschung durch die öffentliche Gewalt ausschaut Seine Pläne sind nüchtern, zuweilen allzu einfach gedacht, aberip handfest und klar, im ganzen von erstaunlicher Geschlossenheit. Dahinter steht ein sittliches und patriotisches Pathos, an dessen Echtheit kein Zweifel sein kann. Ein gleich geschlossener und vielseitiger, bis in Einzelheiten durchdachter Zukunftsplan ist von keiner anderen Gruppe der Widerstandsbewegung überliefert. Am meisten vergleichbar sind noch die Reformentwürfe des Kreises um die Grafen Helmuth von Moltke und Peter Yorck von Wartenburg, später von da Gestapo als»Grafengruppe« oder»Kreisauer Kreis« bezeichnet Seine Zusammensetzung und die Wesensart seiner— durchweg geistig sehr hochstehenden— Mitglieder sind schon so oft geschil- dert worden,*5 daß ich hier darauf verzichten kann. Nicht ent behrlich ist indessen ein exakter Vergleich seiner Planungen mil denen Goerdelers, weil Gegensatz und Gemeinsamkeit innerhall Fhorena de Y " vorde Aus oltk ion d Kikteis Otre Mi oltis DMchs Oder d ÜBeide Btteolo Spolitis Yhen i Alm Odiose Fäisde Oflrch Spestal Dbiris der Widerstandsbew regung eine sehr große Rolle gespielt haben\ihh;, Eine Art von Vorgeschichte haben diese Pläne in gewissei Verfassungsentwürfen, die Graf Peter von Yorck mit einem enge|ii ren Freundeskreis beriet, zu dem unter anderen Graf Fritz vondalll Schulenburg, Graf Berthold Stauffenberg, der Bruder des späte ren Attentäters, und Yorcks früherer Dienstvorgesetzter, Landrit] il Ehrensberger, jetzt Referent im Reichsinnenministerium, g« hörten. Graf ist eine der edelsten, tapfersten und auch% menschlich sympathischsten Gestalten der ganzen Widerstands bewegung; er war eintiefüberzeugter Christ. Wie viele Christen tk; in Deutschland, so trieb auch ihn zuerst, wie es scheint, die ab-|: scheuliche Judenhetze vom November 1938 zu politischer Em-|it: pörung. Ein Exemplar des Verfassungsentwurfs, der von End]: 1938 bis Frühjahr 1940 in diesem Freundeskreis entstand, scheift]! nicht erhalten zusein. Wohlaberläßtein mir v orliegender Bericht]'; erkennen, daß er auf eine starke Dezentralisation de Reiches un! j Verlegung des Schwergewichts auf die Länder hinauslief. DJ Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 317 tsin Wit kemmunale Selbstverwaltung sollte stark betont, die Wirtschaft rlicherB/ indisch gegliedert werden- alles Gedanken, die später in den :demoke)(genannten»Kreisauer Papieren« wiederkehren. Offenbar sind rechtigte de Yorckschen Entwürfe bei deren Beratung mitverwendet nnen, sot yorden.#7 beteiliget Aus der Freundschaft Yorcks mit dem Grafen Helmuth James Doktrine Noltke, einem Großneffen des großen Marschalls und Besitzer sozialiit yon dessen schlesischem Gut Kreisau, ist der vielgenannte ı Möglich WXreisauer Kreis« nach und nach erwachsen. Auch hier bildete totalitäre der religiöse Protest gegen den Nationalsozialismus und seine ausschau Predigt roher Gewaltherrschaft den Ausgangspunkt, und in der Jacht, abe politischen Gesellschaft, die sich um die beiden Freunde nach und lossenhäi lich sammelte, spielten die Theologen und theologisch, kirchlich ‚an des? ler doch religiös interessierte Laien eine überaus starke Rolle. B:ide Konfessionen waren durch Persönlichkeiten vertreten, die inzelheit# teologische Schulung mit einem ungewöhnlich hohen Maß von Srupped® Politischem Interesse und von Sachkunde in Fragen der prakti- ichbarsil Shen Lebensgestaltung verbanden. Die evangelische Seite vor n Helm lem durch Dr. Eugen Gerstenmaier, vielleicht den lebenskun- ex von d& digsten und lebenskräftigsten aller deutschen Theologen,* selbst hezeichnt As der praktischen Wirtschaft hervorgegangen; die katholische durchwt dtrch den jungen Jesuitenpater Alfred Delp, weithin bekannt als of gesd Schriftsteller und Vortragender über Fragen moderner Lebens- Nicht& staltung. Graf Moltke, gebürtiger Halbengländer, zuletzt als jungen! Bırrister in London tätig, scheintseine außenpolitischen Hoffnun- inne" fin vorzugsweise auf christliche Kreise Englands gesetzt zu ‚jelt habt ben und teilte die Neigung der Anglikaner zu ökumenischer — eyi Gesinnung auch gegenüber der Kirche Roms. So wurde die Aus- inemen!”“ anung oder doch Annäherung beider Konfessionen zu einem tz von! Leblingsthema der Kreisauer Gespräche. Durch Pater Delp -desspe vırde Moltke in die sozialethischen Anschauungen der päpst- er, Land" Ichen Enzykliken eingeführt, die ihn lebhaft interessierten. War a tt doch längst, mitangeregt durch Vertreter der deutschen Ju- n gewi eriui| ice a FR und a jindbewegung und des freiwilligen Arbeitsdienstes, für soziale ers formen sehr aufgeschlossen und hatte einen Teil seines Guts- i jeChit ksitzes freiwillig in Bauernhöfe aufgeteilt. Pläne zur Sozialreform je) And Überwindung der Klassengegensätze bildeten somit ein wel- og, died i hl Br tes Hauptthema des Grafenkreises, und man kann es als dessen = 00 Sedeutendste, bleibend denkwürdige Leistung betrachten, daß es N 5 d,sch? Ihm gelang, Vertreter der radikalen Linken mit Angehörigen der u ug Atistokratieund Kirchengläubigenzu enger, ja freundschaftlicher . s Zusammenarbeit zu bringen. Carlo Mierendorff und Theo Hau- I ieh, j,\ Dich waren nun freilich Sozialisten besonderer Art: keine alten aus2” IE TI Wider 318 Dreizehntes Kapitel ) Dasgi Kämpen der Gewerkschaftsbewegung oder Arbeiter, die zu Julius L Parteifunktionären aufgestiegen waren, sondern Akademiker von bürgerlicher Herkunft, die(ähnlich wie ihr Altersgenosse Schu-\#igiff D macher) sich in der sozialdemokratischen Partei kraft ihrer über-|Xızilist legenen Intelligenz und wissenschaftlichen Bildung durchzuset-|ktKreis zen suchten gegen eine geistig erstarrte, mehr oder weniger dog-|lhvon mengläubige, aber praktisch opportunistische Parteibürokratie,|Yurde,$ Der Erste Weltkrieg, in dem sie mit Auszeichnung gekämpft|ägene K hatten, die Kameradschaft des Schützengrabens und das Chaos der|kilst, K nachfolgenden Revolutionsjahre war ihr politisches Grund:|fiche E erlebnis gewesen; die geistige Luft von Heidelberg, geschwängert|Ttump! mit politischem Radikalismus und schöngeistig-philosophischea Nichter Interessen, hatte ihren Bildungsbesitz bestimmt. Trotz bedeuten:|Kırchnc der Leistungen als Volksredner, Journalisten und Organisatoren|litisch (besonders in der sozialistischen Jugendbewegung und dem|lict(de »Reichsbanner Schwarz-Rot-Gold«) war ihr Weg in der Partei geh: »ein Leidensweg geblieben«; dabei hatte sich Mierendorff als die|#trPers weit stärkere, politisch aktivere Kraft gezeigt. Die Echtheit ihret|&tıcksy, Überzeugungen haben sie nach 1933 in grausamen, langjährigen Bicderge Leiden der Gefängnisse und Konzentrationslager erproben müs:| ders. sen. Die Frage, was sie an politischem Ideengut zur Widerstands:|&rf fin bewegung hinzubrachten, ist nach Lage der Quellen nicht leicht Rinper zu beantworten. Mierendorffs stärkste Leidenschaft scheint dem|lüren 4 Kampf gegen das Fortleben und Neuerwachen eines militanten|rindet Nationalismus gegolten zu haben, dessen Duldung oder gar För- derung in der Reichswehr er der Weimarer Demokratie(beson- ders dem Wehrminister Geßler) vorwarf. Er setzte ihm das Ideal einer europäischen Völkerversöhnung und Föderation entgegen. Beide Männer glaubten an die Möglichkeit einer allgemeinen Lebenserneuerung durch die Verbindung sozialistischer Refor- men in Wirtschaft und Gesellschaft mit vaterländischer Gesin- nung- aber nicht auf den Wegen Hitlers. Der marxistischen Dok- trin standen sie beide recht frei gegenüber, zum Christentum such: ten sie ein neues Verhältnis. Haubach, eine mehr philosophisch betrachtende als aktive Natur, wird von einer Freundin als über- zeugter Christ geschildert. Mierendorff ließ sich gemeinsam mi! Graf Helmuth Moltke bei einem katholischen Bischof einführen, um sich mit ihm über die Soziallehren des Katholizismus zu unter- halten.5° Man sieht: von der Tradition des religiösen Freidenker- tums ihrer Partei hatten sich diese jüngeren Sozialisten völlig los- gelöst. Gegen die Dämonie einer völlig gottlos gewordenen Poli- tik riefen auch sie nach dem Ideal eines»christlichen Staates«, wie es der Moltke-Kreis pflegte. die zu. ker vor e Schu er über: hzuset er dop; okratie :kämp“ haos dei Grund: wängen ‚hische® deuten isatorel nd. defl Falsdi eit ihre! jährige" en mu stand ht leich int det jlitante gar Fü (bes! Ins[de atgege omeit y Reit . Ge enDe ‚mnsucl sophi als übt sam! Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 319 Das gilt allerdings nicht, wie es scheint, von ihrem Freunde Dr. Julius Leber, der nach Mierendorffs jähem Tode(durch Luft- ingriff Dezember 1943) als die stärkste politische Figur unter den Sozialisten galt, aber an den(ihm allzu akademischen) Beratungen der Kreisauer Runde nur vorübergehend teilnahm und hauptsäch- lich von Graf Stauffenberg, dem späteren Attentäter, unterstützt wurde. Selbst aus Arbeiterkreisen stammend, hatte er sich durch tigene Kraft mühsam emporgearbeitet und lange Jahre als Jour- nalist, Kommunalpolitiker und Reichstagsabgeordneter prak- tische Erfahrungen gewonnen in den Alltagsnöten, spärlichen Triumphen und grausamen Rückschlägen des Parteitreibens. Nüchtern und willensstark, hatte auch er sich nicht beugen lassen durch noch so schreckliche Erfahrungen in jahrelanger Haft. Sein politischer Nachlaß, von seinem Freunde Dahrendorf veröffent- Icht(der zu den Vertrauensleuten der Kreisauer im Lande drau- len gehörte), vermittelt einen ziemlich deutlichen Eindruck von ter Persönlichkeit und ihrer politischen Gesamthaltung. Das Ein- drucksvollste ist seine rücksichtslose Kritik an der eigenen Partei, tiedergeschrieben im Gefängnis im Sommer 1933. Es ist die Kri- tik derselben Front junger Aktivisten, die wir auch bei Mieren- dorff finden; sie strebt heraus aus bequemem Opportunismus zu kämpferischer Tat. Weniger klar sind die positiven Ziele. Wir hören auch hier von dem Wunsch nach einer neuen, tiefer be- gründeten, denalten»Klassensozialismus«überwindendenVolks- gemeinschaft, die auch die Idee des Vaterlandes kräftig bejaht. Leber zeigt- im Gegensatz zu vielen Parteigenossen— auch Ver- ständnis für die Notwendigkeit einer ausreichenden Rüstung. Er ist nicht grundsätzlich militärfeindlich, aber freilich sehr miß- trauisch gegen den undemokratischen Geist der Reichswehr. Mehr noch: es bleibt auch bei dem alten Mißtrauen gegen die )bürgerlichen Politiker« der Mitte und der Rechten. Während der Notjahre 1930-32 hat Leber die Krisenmaßnahmen Brünings kidenschaftlich bekämpft, besonders die Lohn- und Gehalts- senkungen als Politik eines»Bürgerblocks« befehdet, gleichzeitig massive Polizeimaßnahmen zur Niederhaltung der»faschistischen Rüpel« verlangt. Rückblickend gesteht er sich allerdings 1933 ein, )daß es mit der alten Form der Parteienherrschaft nicht mehr wei- ter ging, daß die Verhältnisse eine andere Form der Demokratie -tinfach erzwangen. Brüning war ihr Sachwalter. Erst Brünings Sturz machte der Demokratie von Grund auf ein Ende«.°! Das Wichtigste ist seine Einsicht, daß»Demokratie Verantwortung und Selbstzucht« der Politiker verlangt; daß sie nicht Herrschaft _ derbreiten Massesein kann, sondern nur der Auslese,alsoführende nen, a 320 Dreizehntes Kapitel Persönlichkeiten braucht, die der Masse sichtbar werden müssen Er verwirft also das Verhältniswahlrecht und fordert eine stabilejbidung starke Staatsautorität als wichtigste Sicherung der Freiheit. Did Sowe marzistische Theorie des Klassenkampfes wird eingehend kritidEıe sie siert und als Ganzes abgelehnt. Trotzdem hält Leber als Ziel fest:]Goerdel »Die Überwindung der kapitalistischen Epoche mit ihrem egoisti-Aufbau schen ökonomischen Liberalismus und die Proklamierung deraschr: menschlichen Arbeit als Fundament sozialer Geltung.« Als Sozia-)Pttt. list gilt ihm, wer an die Möglichkeit einer sozialen Umformung|| Vora glaubt, die nicht länger»den Besitz zum Fundament aller sozialen]itiben. Geltungen und Wertungen erhebt« und die Teilnahme an den|?inMo Kultur- und Bildungsgütern der Nation nicht davon abhängen|ktistiscl lassen will.5? Useine. Wenn Leber geglaubt hat, mit einer solchen Auffassung imlii Verf Gegensatz zu den sozialen Anschauungen Goerdelers zu stehen, emıl|; so war das offenbar ein Mißverständnis, an dem mangelhaftel£it, de Kenntnis von dessen Ausarbeitungen mit schuld sein mag. Einüichst y wirklicher Gegensatz bestand wohl nur auf dem Feld der Wirt-/bien, a schaftspolitik: in der Frage staatlicher Wirtschaftslenkung, die|bncni der Leipziger Oberbürgermeister ja völlig ablehnte. Doch gibt eskächsr. für diese Probleme kein von Leber selbst stammendes Programm, At ang Er war wohl überhaupt weniger ein Mann der theoretischen Pla-JEittel, nung als der praktischen Politik und nicht ohne den Ehrgeiz, eines) de, Tages das Staatsruder selbst zu ergreifen.?® Über die endlosen|®h Mu) akademischen Diskussionen des Kreisauer Kreises hat er sich ge-|#sern: legentlich ebenso kritisch geäußert wie über die dort herrschendenlätrh;; Vorstellungen von»christlicher Politik«. Von katholischer Ab- Eng(na stammung, aber religiös indifferent, hatte er offenbar stärkeres/Ats], Mißtrauen gegen klerikale Machtbestrebungen als die Protestan- ihn: Al ten des Kreisauer Zirkels. Jedenfalls lehnte er es heftig ab, voa/lıpr,. einem»christlichen Staat« oder von einer»göttlichen Mission det]®nd«,, christlichen Kirche im weltlichen Staat« zu sprechen und damit Cmpfk »wichtige Grundsätze der Sozialdemokratischen Partei einfach] Bist, über Bord zu werfen«. An christlicher Erziehung der Jugend hielt}\tich,,. er gleichwohl fest.5% Badye] Weniger Politiker als Lebensreformer war der vierte Sozialist un. der Moltkeschen Tafelrunde: der Volkspädagoge Adolf Reich: typ, wein. Er stammte aus der Jugendbewegung und hatte deren Ideale: freier Persönlichkeitsbildung in allen Phasen eines fast abenteuer-|# lich bewegten Lebens festgehalten und in immer neuen Gestalteil zu verwirklichen gesucht. Ein eigenes politisches Programm wird} man hier wohl nicht suchen dürfen- abgesehen von radikalsozia listischen Neigungen, über die noch zu berichten sein wird. Soviel Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 321 ich erkennen läßt, gingen vor allem seine Ideen über Menschen- estabile bildung in die Kreisauer Pläne ein. ' Soweit diese einen schriftlichen Niederschlag fanden,55 ma- .nd kriti chen sie den Eindruck, weithin aus der Auseinandersetzung mit Ziel fes Goerdelers Verfassungsvotschlägen entstanden zu sein.5° Der negoist: Aufbau der geplanten Reichsverfassung ist ihnen in vielen Punk- rung de fen sehrähnlich; indessen sind dieAbweichungen sehr bemerkens- \ls Soza wert. formun:| Vor allem ist die Auflockerung des Reichsgefüges sehr weit ge- soziale. tieben. Wie weit, läßt sich freilich nicht genau bestimmen, da die e an de Von Moltke stammende Niederschrift sich in verschwommenen, bhänge ıristisch völlig unklaren Formulierungen bewegt und fast mehr as eine Darlegung politisch-moralischer Grundsätze wirkt denn sung ir ds Verfassungsentwurf. Das ist um so auffallender, als sie sich u steher formell als Dienstanweisung für die künftigen»Landesverweser« ngelhaft gibt, denen, wie es scheint, der Aufbau eines neuen Reiches ZUu- mag. Ei lichst völlig überlassen bleibt, zwar nach gemeinsamen Richt- jer Wir Inien, aber in getrennten, selbständigen Aktionen. Es werden zung, di iinen nicht etwa die Autorität und militärischen Machtmittel einer ch gibte feichsregierung zur Verfügung gestellt, sondern sie werden ein- ogramn üch angewiesen,»sich in den Besitz der erforderlichen Macht- chen Pk Mittel zu setzen«, unverzüglich Verbindung mit den Kirchen und eiz, eine ler deutschen Gewerkschaft«(die also schon wieder gebildet endlose, Hin muß) aufzunehmen, sich mit den benachbarten Landesver- „sichge Wesern zwecks sofortiger»Neuabgrenzung der Länder«(nach schende iiner beigelegten Karte) zu verständigen, eine neue Selbstverwal- cher Ab Üng(nach beigefügten Grundsätzen) aufzubauen, die Wirtschaft stärkere Ihres Landes zu einer(nicht näher bezeichneten)»Umstellung« Ohne Arbeitsverlust zu bringen, die erforderlichen Geldmittel in „g Anspruch zu nehmen« und»ohne Rücksicht auf etwaigen Wider- fand« valle Maßnahmen zu treffen, die der Aufrechterhaltung der ci Kampfkraft der deutschen Wehrmacht dienen«. | einfa Esistanzunehmen, daß diese Weisung von einer neugebildeten hiet Keichsregierung ergehen soll. Von deren Befugnissen, von ir- endwelchen Kompetenzabgrenzungen zwischen Reich und Län- Sozial!tern und von der Aufgabe der Reichszentrale im Augenblick des ned: Ümsturzes ist indessen nichts gesagt. Wir hören vielmehr, daß die „ Nreisauer Gruppe»keine neue Regierung« habe bilden wollen. ‚Statt dessen sollte»im gegebenen Moment«(ob nach gewalt- “mer Beseitigung Hitlers oder nach dem militärischen Zusam- „menbruch, darüber bestand keine Einigkeit) eine»Gruppe an- ‚Igesehener Männer als Bevollmächtigte des deutschen Volkes« indesverweser»in den einzelnen landschaftlichen Gebieten ein- ee ee= En en nor 322 Dreizehntes Kapitel setzen«(also nicht einfach in den alten Ländern, sondern in neu zu formierenden?); diesen Landesverwesern sollte die Neuord- nung praktisch zufallen.?” Ob ein solcher Plan irgendwelche Erfolgsaussichten hatte und welche Dauerfolgen er selbst im Fall des Gelingens hätte haben müssen, brauchen wir nicht erst zu diskutieren. Er zeigt aber, wie einseitig das Interesse des Grafen Moltke sich der föderalen Struk- tur seines neuen Staatsgebildes zuwandte; bei seinen Bemühun- gen, neue Anhänger in Bayern zu werben, hat er denn auch immer stark darauf hingewiesen und seine Pläne durch eine mitgebrachte Karte erläutert.5%»Deutschland in seiner jetzigen Form(des zen- tralisierten Staates) ist immer irgendwie eine Herausforderung aa die Welt«, fügte er erläuternd hinzu.°° In dieselbe Richtung weist, daß er das künftige Oberhaus des Reiches, Reichsrat genannt, in der Hauptsache aus den Länder- chefs zusammensetzen und den Reichstag nicht bloß zur Hälfte, wie Goerdeler, sondern ganz von den Länderparlamenten wählen lassen will. Übrigens sind diese Landtage, im Unterschied zu den »Gautagen« Goerdelers, nicht bloß als Körperschaften der höhe: ren Kommunalverwaltung gedacht, sondern als politische Or- gane: Vertretungen der partikularen Staatlichkeit. Sie selbst sind von den Kreistagen, diese von den Gemeindevertretungen ge: wählt. Der künftige Reichstag wird also ebenso wie der»Reichs- rat« völlig von Vertretern des Länderpartikularismus beherrscht. Schließlich wird die volle Staatlichkeit der Länder noch dadurch bestätigt, daß sie außer einem Kabinettschef(Landeshauptmans, Landesregierung) auch noch einen Staatschef(Landesverweser) haben sollen, dazu eine Art Oberhaus(Landesrat), dessen Funk- tion und Zusammensetzung indessen nicht näher erläutert wer- den. Ein Hauptinteresse der Kreisauer Entwürfe gilt dem Verhältnis von Staat und Kirche, dem Erziehungswesen sowie der Wirt- schafts- und Sozialpolitik. Es ist von»entschlossener Mitarbeit der beiden großen christlichen Kirchen an der öffentlichen Le- bensgestaltung« die Rede sowie von einem staatlich geförderten »Zusammenschluß führender Männer, bestehend aus je einem Bischof als Vertreter der beiden großen Bekenntnisse, für eine einheitliche Regelung aller die Gestaltung des öffentlichen Lebens betreffenden Fragen der christlichen Weltanschauung«- ein Ge danke, der offenbar auch Goerdelers Wünschen entspricht(siehe - Wide gleichz« Christe Bekenn allen A: Gesich iche A werden State| Schule er; iche er Imsteit Yannte heißt,( Grund: gen ihr Schulfe Nicdej fächsis Venigs ein far Reichs, Üter d Shrlası ‚Chnitt: Susbil Sochs: I Das Snduf Chaft Asen, Ioher Velbst, Nuke; ap). fabe d Berde Selbst} Bcht; Miters oben Anm. 41), aber in dieser Form doch wohl als utopisch er- scheinen muß. Er setzt je einen evangelischen und katholische Primas voraus, als Verhandlungspartner für die Reichsregierung; | Us die Ovoh az - Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 323 n in nel Neuord jatte und te haber ıber, wit n Struk: mühun: himmet ebrachtt (des zei: erung a0 haus det Länder rt Hilft, wähle .dzu da ler höht che 0! Jbst sit ngen$ ot „Reich herrsch daduft ıptmad! jerwest en Fuß tert WE erhält ler wi Mitarb‘ gleichzeitig wird»zur Erwägung vorgeschlagen«, eine»Deutsche Christenschaft« zu bilden, der alle Christen ohne Rücksicht aufihr Bekenntnis angehören sollen und die dafür sorgen soll, daß»in allen Angelegenheiten mit staatlichem Einschlag« die christlichen Gesichtspunkte berücksichtigt werden. Wie im einzelnen kirch- liche Autonomie und Staatsaufsicht gegeneinander abgegrenzt verden sollen, bleibt undeutlich. Der Ausdruck»chtristlicher Staat« ist vermieden, aber die staatliche Schule soll christliche Schule sein, mit Religionsunterricht als Pflichtfach, und zwar so, daß er im Auftrag der Kirche und nach Möglichkeit durch Geist. liche erteilt wird. Überraschend ist, daß weder über die so viel- umstrittene Frage der Konfessionsschulen noch über das soge- tannte christliche Elternrecht etwas gesagt ist. Denn wenn es heißt, daß»den Eltern das Recht zusteht, ihre Kinder nach den Grundsätzen des christlichen Glaubens und nach den Forderun- gen ihres eigenen Gewissens zu erziehen«, so ist ja damit über die Schulform noch gar nichts ausgemacht. Für die Universitäten vird eine Aufteilung und Abstufung vorgeschlagen, die an angel- Sichsische Unterschiede zwischen College und Graduate-School wenigstens von ferne erinnert. Es soll staatliche Hochschulen mit tein fachlicher Berufsausbildung geben und über ihnen stehend Reichsuniversitäten, in denen sich Forschung und Lehre nach Alter deutscher Tradition vereinigen. Das Ziel ist offenbar eine Entlastung der Universität vom Massenandrang der Durch- schnittsköpfe, die nur in einen praktischen Beruf drängen. Die Ausbildung des theologischen Nachwuchses soll rein kirchlichen Hochschulen überlassen bleiben. Das Wirtschaftsprogramm läuft im wesentlichen, unter dem Binfluß sozialistischer Ideen, auf eine zentral gelenkte Staatswirt- schaft hinaus, scheint aber auch der freien Marktwirtschaft Raum lassen zu wollen. Während Goerdeler den Gedanken möglichst hoher Leistungssteigerung durch freie Konkurrenz und der Selbstverantwortung jedes wirtschaftlich Tätigen in den Mittel- Punkt stellte, bezeichnet das Moltkesche Programm gleich zu An- Bing»die Existenzsicherung der Werktätigen« als zentrale Auf- Abe der Wirtschaftsführung. Diese Existenzsicherung wollte Goerdeler in der Hauptsache auf dem Wege genossenschaftlicher Selbsthilfe erreichen: durch eine mit staatlicher Hilfe organisierte ‚mächtige Einheitsgewerkschaft, welche die Interessen der Ar- beiterschaft dem Unternehmer gegenüber vertreten, darüber hin- üs die ganze Sozialversicherung verwalten und ihre Mitglieder “wohl in die Betriebsleitung wie in die verschiedenen Wirt- schaftskammern entsenden sollte. Der Kreisauer Reformplan 324 Dreizehntes Kapitel spricht von einem Zusammenwirken»des einzelnen, des Betriebs, der Selbstverwaltungskörperschaften der Wirtschaft, der deut- schen Gewerkschaft und des Staates« bei der Aufgabe wirtschaft- licher Existenzsicherung, läßt aber völlig im unklaren, wie diese Zusammenarbeit konkret gedacht ist. Die»deutsche Gewerk- schaft« soll nur als Übergangserscheinung zur Durchsetzung des Kreisauer Wirtschaftsprogramms»und des diesem vorausgehen- den Staatsaufbaus« neu errichtet werden; ist beides erreicht, so soll sie wieder verschwinden und ihre Aufgaben»auf die Organe des Staates und der wirtschaftlichen Selbstverwaltung« übertra- gen: wie und in welcher Verteilung der Aufgaben, bleibt dunkel, Als bleibende Einrichtung werden»Betriebsgewerkschaften« vor- geschlagen. Die künftige Reichsregierung soll nämlich»die Ent- wicklung des(einzelnen) Betriebes zu einer Wirtschaftsgemein- schaft der in ihr schaffenden Menschen« fördern, die den Namen »Betriebsgewerkschaft« erhalten soll. In ihr»wird die Beteiligung der Belegschaft an der Betriebsführung und an den Betriebsergeb- nissen, insbesondere dem Wertzuwachs des Betriebes«(also nicht auch an den Verlusten?)»zwischen dem Eigentümer des Betrie- bes und der Vertretung der Belegschaft vereinbart«, und zwar mit Genehmigung der»Selbstverwaltungskörperschaft des Landes« (gemeint ist anscheinend: der»Landeswirtschaftskammer«). Wie wir wissen, sahen auch Goerdelers Pläne ein Mitbestimmungs- recht der Arbeiterschaft in den Betrieben und daneben die Mög- lichkeit eigener wirtschaftlicher Betätigung der Gewerkschaften vor; hier aber scheint es um etwas anderes zu gehen: um eine »vereinbarte Umwandlung von Privatbetrieben in eine Art von Produktionsassoziationen zugunsten der Belegschaft«, allerdings ohne förmliche Aufhebung des ursprünglichenEigentumsrechts.? Neben dieser Neuerung findet man auch noch starke Überreste aus dem herkömmlichen Programm der Sozialdemokratie: in der Forderung nach Verstaatlichung gewisser Industriebetriebe(die Goerdeler grundsätzlich verwarf, soweit es sich nicht um»natür- liche« Monopolbetriebe der Verkehrswirtschaft, Wasser- und Stromversorgung handelte). Allerdings bleibt das Verhältnis zwischen Staats- und Privatwirtschaft merkwürdig unklar.»Die Reichsregierung«, heißt es,»sieht die Grundlage des Wiederauf- baus der Wirtschaft in einem geordneten Leistungswettbewerb.« Aber dieser Wettbewerb soll sich»im Rahmen staatlicher Wirt- schaftsführung« vollziehen und»hinsichtlich seiner Methoden unter ständiger staatlicher Aufsicht« stehen. Also Verkehrswitt- schaft unter zentraler staatlicher»Führung« und»Aufsicht«, de ren Funktion im einzelnen nicht näher bestimmt wird! Nur s0 Wide, Sriel wii unter s Hinder: schaltet rung be eisen-\ Änerpie Hand«, mein sohl: Industr, des Rei “öderali licht y nach] ter Bet weijäh Mey]; I“Me Reichs, Me ic} Ne ic lim Dam Vind R Michen etriebs, r deut: schaft." ie diest sewerk- ung det sgehen. icht, 50 Organe übertra- dunkel, en« vol: die Ent- gemein: Namen eiligung psergeb- Iso nicht s Betrie- war mit Landes? 2). We mung‘ ie Möf; schaftel um ein Art vol lerdio? ‚recht: [berte e:i0 d iebe(€ nat! ee erhält lat.„D!| jederal in Einfällen. In einer ausführlichen Denkschrift, die Theodor Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 325 viel wird deutlich, daß die Monopole, Kartelle und Konzerne unter staatliche Kontrolle gelangen sollen, aber so, daß sie als Hindernisse eines»geordneten Leistungswettbewerbs« ausge- schaltet, nicht etwa als Werkzeuge der zentralen Wirtschaftsfüh- rung benutzt werden.»Schlüsselunternehmen des Bergbaues, der eisen- und metallschaffenden Industrie, der Grundchemie und Energiewirtschaft« sollen in das»Eigentum der öffentlichen Hand«, d. h. des Staates übergeführt, aber dort»nach den all- gemein für die Wirtschaft geltenden Grundsätzen«(gemeint ist wohl: der Rentabilität) geleitet werden.»Märkte und Groß- industrien« der Länder sind unter fortlaufende»Einflußnahme« les Reichs zu stellen, eine Bestimmung, die sich mit dem(lose föderalistisch gedachten) politischen Aufbau des Reiches nicht licht vereinigen läßt. Gleichzeitig hören wir freilich von einer nach Ländern gegliederten wirtschaftlichen Selbstverwaltung ler Betriebe von Industrie, Handel und Handwerk«, und zwar mit Hilfe von»Gewerbekammern«, die mit den entsprechenden (ebenfalls nach Ländern gegliederten)»Landwirtschaftskammern« zusammengefaßt werden sollen in»Landeswirtschaftskammern«. Alle diese Kammern sind paritätisch aus Betriebsführern und )Belegschaftsvertretern« zusammenzusetzen. Ihre Funktion wird ticht näher bestimmt. Es ist nur ganz allgemein von»Selbstver- waltung der Wirtschaft«, außerdem von»Aufträgen« die Rede, welche die»Landeswirtschaftsämter«(gemeint sind wohl die Wirtschaftsministerien der Länder?) erteilen können; als kon- krete Selbstverwaltungsaufgabe wird nur die Überwachung der zweijährigen Lehrlingsausbildung genannt. Schließlich wird über die»Landeswirtschaftskammern« nöch eine»Reichswirtschafts- kammer« und über die»wirtschaftlichen Landesbehörden« ein Reichswirtschaftsministerium gestellt, ohne daß deutlich würde, wie sich die beiden Reichsinstanzen untereinander abgrenzen und vie sich ihre Funktionen im Verhältnis zu den Länderinstanzen bestimmen sollen. Damit ist der Inhalt dessen umschrieben, was von den Aufbau- ind Reformplänen der Kreisauer Widerstandsgruppe schrift- ichen Niederschlag gefunden hat. Diese Gruppe bestand durch- Weg aus hochgebildeten, geistig anspruchsvollen Persönlichkei- in. Ihre Führer neigten dazu, auf die nüchternen Zukunftspläne -Goerdelers- den sie als Charakter hoch schätzten und als Verbün- deten begrüßten— mit einer gewissen Geringschätzung herab- „| Ablicken: sie. galten ihnen als»bürgerlich-reaktionär«, ja wohl Sir als»dilettantisch«(Graf Moltke) im Vergleich mit ihren eige- 326 Dreizehntes Kapitel Steltzer am 15. Juli 1944 für die westlichen Alliierten niederschrieb und nach London gelangen ließ, um ihnen»die deutsche Opposi- tion gegen den Nationalsozialismus« zu schildern- im Hinblick auf die nahe bevorstehende Neuordnung Deutschlands durch die Siegermächte-, erklärte er,»daß es außer uns keinen auf vom Hitlerismus unabhängige Gruppen gestützten Kreis gibt, der in der Lage wäre, alle aufbauwilligen Kräfte zusammenzufassen«. Zwar gebe es noch andere Widerstandskreise, besonders»einen konservativen Kreis mitausgesprochen aktivistischen Absichten«. Die Kreisauer glaubten indessen nicht,»daß sie ernsthaft gewer- tet werden könnten«.®! Wer die beiderseitigen Pläne ernsthaft und unbefangen mitein- ander vergleicht, wird sich schwerlich einem so abwertenden Ur- teil anschließen können und statt dessen eher geneigt sein, die Stufenfolge umzukehren. Goerdeler selbst, der von seiten der »Grafengruppe« und ihrer Freunde reichlich scharfe Angriffe er- fuhr, hat zwar 1944 rückblickend auf diese Auseinandersetzungen von»jüngeren Männern ohne Erfahrung« gesprochen, aber jede Empfindlichkeit unterdrückt und sich immer redlich bemüht, mit ihnen einen Ausgleich zu finden im Interesse gemeinsamer Front- bildung. Ohne die romantischen Züge ihres nur halbausgereiften Zukunftsprogrammes zu verkennen®?, war er doch ohne weiteres bereit, ihre Talente für den von ihm selbst geplanten Neubau mit einzusetzen und ihren politisch stärksten Vertretern(wie wir noch sehen werden) hervorragende Plätze in der neuen Regierung ein- zuräumen.®® Unterstützt wurde er bei seinen Ausgleichsbemühungen vor allem durch Graf Fritz von der Schulenburg, der seit 1938 mit Peter Yorck in engerer Verbindung stand und an dessen(schon bespro- chenen) Planungen teilnahm, aber der Kreisauer Tafelrunde nicht angehörte. Vielmehr hat er sich über deren allzuvieles Theoretisie- ren öfters recht kritisch ausgelassen: mit rein literarischen Debat- ten, meinte er, lasse sich keine Politik machen.®* Er selbst war, darin Goerdeler ähnlich, ein Mann der praktischen Verwaltung, den höchst konkrete Erfahrungen in das Lager der Oppositiof getrieben hatten. Von unruhigem Tatendrang erfüllt, unzufrieden mit der stumpfen Routine des bürokratischen Alltags, war er 1932 zur Hitler-Partei gestoßen, und zwar als Anhänger Gregor Stras-) sers, von dem er ebenso eine innere Neubelebung der Staatsver-] waltung wie sozialistische Reformen erwartete(letztere mehr im Sinn jener arbeiterfreundlichen Jungkonservativen, die voß »preußischem Sozialismus« schwärmten und auf eine Regierung Schleicher-Strasser hofften, als im Sinn der marxistischen Par Wide teien), Erlebni Dräsidi Inder] Biter,: det, was Gegner din Sta Io). Sei zeündli en Ele Women Weitech Ktzung Dichte: Snemk Vringer Dätisch Terlässi Sımen Leihn, Isond Lenen\ Der Ationg] Qnche Kittete br ste “Tühjah Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland 327 tschrieh teien). Aus diesen Illusionen hatten ihn dann ziemlich rasch seine Oppos: Erlebnisse in Ostpreußen seit 1933 gerissen, wo er am Ober- Tinblid präsidium in Königsberg die Parteikorruption aus nächster Nähe utchdt an der Person des Gauleiters Koch studieren konnte. Gleichwohl uf von bat er, als Parteigenosse, noch bis 1940 hohe Staatsämter beklei- t, derin det, war aber spätestens seit 1937 innerlich längst zum erbitterten fassenn Gegner des Systems geworden; ein Jahr später sahen wir ihn an s yeinet dem Staatsstreichplänen der Militäropposition beteiligt(Kapitel sichten‘ 10). Seine besondere Aufgabe hat er seitdem darin gesehen, eine tgewe gründliche Säuberung der preußischen Verwaltung von korrup- ten Elementen und Parteiagenten so vorzubereiten, daß sie im ımitei', Moment des Umsturzes sofort durchgeführt werden könnte; nden li) weiterhin darin, die Reichsverwaltung, die durch planlose Ein- sein, di) ttzung immer neuer Reichsämter mit umfassenden Sondervoll- iten di) machten durch Hitler allmählich zum Chaos geworden war, nach griflee‘, Önem klar durchdachten Reorganisationsplan wieder in Ordnung stzunge| bringen zu helfen. Der erstgenannten Aufgabe diente das syste- abet it tatische, jahrelange Aufspüren fachlich tüchtiger, menschlich zu- nüht, m) verlässiger und vom Parteidogma freier Persönlichkeiten, deren erFron'| Namen Schulenburg in langen Listen sammelte— eine Tatsache, oereift‘) die ihn mit unzähligen Menschen in Verbindung brachte und so in eier besonderem Maß zur Vermittlertätigkeit zwischen den verschie- bau| denen Widerstandsgruppen befähigte.*5 wind| ı Der Lösung der zweiten Aufgabe, der Vereinfachung und Btionaleren Gestaltung der Reichsverwaltung, hat Schulenburg unge) re nancherlei dienstliche Denkschriften gewidmet, die er als stell- ngen vertretender Oberpräsident von Schlesien entwarf. Vor allem nit Pet iber stellte er einen eigenen, umfassenden Reformplan auf, derim „bespft fühjahr 1944 abgeschlossen sein soll, bisher aber trotz aller Be- ndenie nühungen nicht mehr aufzufinden war. Spuren davon finden sich oretiät)| den Berichten der Gestapo, die ich in Washington sah; sie e Deh ind aber hier so eng vermischt mit den uns schon bekannten nr„ı, Reformplänen Goerdelers(mit dem Schulenburg nach seiner eige- : ıen Aussage aufs engste zusammenarbeitete), daß sie sich kaum ne toch davon trennen lassen. Immerhin lassen sich wohl die folgen- | En; ten Sätze als sein geistiges Eigentum ansprechen: au u»Das Ziel der Verwaltungsreform soll sein, klare Verantwor- ie u ‚ung und die Freiheit zu selbständigen Entschlüssen zu schaffen. gr seh Die Mängel des bestehenden Verwaltungsaufbaus werden vor 3| Alem in einem unklaren Durcheinander von Sondervollmachten und Sonderverantwortlichkeiten ohne Rücksicht auf den beste- > kenden Zukunftsaufbau erblickt sowie in einer zu starken Zen- % ‚ tlisation, ausgedrückt in der Erledigung minderwichtiger Ver- 328 Dreizehntes Kapitel waltungsgeschäfte durch zentrale Reichsbehörden. Die einst so stolze Verwaltung ist ein Haufen von sinnlos ausführenden Ma; schinen und Maschinchen geworden.... Die Unklarheit der Ver- antwortungen hat zu einem weitverbreiteten Mangel an Verant- wortungsbewußtsein geführt, so daß bei jeder kleinen Maßnahme zehn und mehr Stellen zustimmen müssen. Die wesentlichen Mit- tel einer Verwaltungsvereinfachung werden in einem klaren Auf- bau der Ministerien und einer Rückgabe der an Sonderbevoll- mächtigte verlorengegangenen Zuständigkeiten mit der Folge einer Aushöhlung der Zuständigkeit der Ministerien gesehen, ferner in einem Ausbau der Selbstverwaltung.« Etwa 58 oberste Reichsbehörden sollten(nach dem Bericht eines Mitarbeiters) aufgelöst und ihre Aufgaben auf neun Reichs- ministerien verteilt werden. Auf die Einzelheiten dieser Neuein- teilung und auf die Scheidung zwischen den Aufgaben zentraler Reichsstellen und kommunaler Selbstverwaltungsorgane hat Schulenburg offenbar sehr viel Mühe verwandt. Er war dazu dop- pelt befähigt, nachdem er(seit 1940 in militärischen Stellungen tätig) als Fachreferent im Stabe des Generals von Unruh hatte mit- helfen müssen, frontdienstfähige Beamte aus der Verwaltung yauszukämmen«, und dabei alle Teile der Reichsverwaltung gründlich kennengelernt hatte. Es versteht sich, daß zur Dezentralisation der Reichsverwaltung auch für Schulenburg eine kräftige Verstärkung kommunaler Selbstverwaltung gehörte. Wie weit er darin gehen wollte, ist nicht mehr deutlich zu erkennen. Graf Schwerin-Krosigk erinnert sich aber(nach brieflicher Mitteilung) aus Gesprächen, daß er vom extremen Föderalismus der Kreisauer ebenso weit entfernt war wie vom Zentralismus Popitz’; die auch von ihm geplanten »Reichsgaue« sollten echte Länder bleiben. Unklar und wider- spruchsvoll bleibt auch, was über die von ihm geplante Abgren- zung der Reichsgaue berichtet wird. Es steht aber fest, daß er sich - im Gegensatz zu Goerdeler— mitbeteiligt hat an jenen müh- samen, stark wechselnden und niemals voll befriedigenden Ver- suchen vieler Oppositioneller, an die Stelle der historischen Län- der- und Provinzialgrenzen ein rationales Prinzip der Neuglie- derung Deutschlands zu setzen. Dabei sollten die einander so viel- fach widersprechenden Gesichtspunkte der Stammeszugehörig- keit, der historischen Tradition, der geographischen Landschafts: bildung, der natürlichen Gegebenheiten von Verkehr und Wirt‘ schaft irgendwie miteinander ausgeglichen(oder auch teilweise ausgeschaltet) werden; schließlich suchte man auch noch einiger maßen gleichmäßige Bevölkerungszahlen und Gebietsgrößen j iR j Wideı ch indern Ben Iassı Dis do; aber vo „lbrech nit He Aisımm Mieda Bing de Unsoi örten ne Ar Mächte: Polit Sen im Oben! Goerde Wohl 0 Uinausp Schaft, Draktis, Wieder = Dreu| Dreußis app Km, Müß en] ech: Tele ak Ban, Utse Cha en Wider den Siegestaumel- Zukunftspläne für Deutschland einst rreichen. Planungen dieser Art hatte schon die Hitler-Regierung den Ma in der neugeschaffenen»Reichsstelle für Raumordnung« entwer- der Ver: fen lassen, schließlich aber auf Hitlers Befehl wieder eingestellt. Veran: Das dort angefallene statistisch-geographische Material wurde nah ber von Schulenburg in Verbindung mit dem Geographen Dr. hen Mi: Albrecht Haushofer(der sich allmählich von seiner Verbindung renÄu: mit Heß und Ribbentrop loslöste und zur Opposition stieß)®® rbevol' zusammen mit einigen Beamten der Reichsstelle neu bearbeitet. er Fol! Wie das Ergebnis aussah, ist politisch- jedenfalls im Zusammen- gesehet hang der Widerstandsbewegung- nicht sonderlich interessant.®? Um so interessanter ist die Tatsache, daß der große Organisations- ‚Berich plan Schulenburgs später im»Reichssicherheitshauptamt«, der Reich“| Behördenzentrale Himmlers, starken Eindruck gemacht hat, Neueit| tbenso wie die verwaltungstechnische Erfahrung und organisato- zenttäk| tische Begabung seiner Mitgefangenen Goerdeler und Popitz, die ane| man im Gefängnis(wie im letzten Abschnitt dieses Buches noch azu do? Zu berichten sein wird) große Pläne für den Wiederaufbau der zer- ellung®| Sörten deutschen Städte ausarbeiten ließ. Man kann das wohl als atteml| eine Art von Triumph des Geistes über die brutale Gewalt be- yaltun!| trachten. waltut!|' Politisch hat Schulenburg, wie es scheint, vor allem die Soziali- sien im Kreis der Opposition unterstützt und dahin gewirkt, daß ewaltul| neben Leuschner zuletztauch Julius Leber in die Regierungspläne ‚munl| Goerdelers einbezogen wurde. Indessen wird sein»Sozialismus« ‚ollt, X, wohl nicht viel über eine grundsätzliche Arbeiterfreundlichkeit erinn| hinausgereicht haben; jedenfalls ist nichts von eigenen wirt- n, daß“| chafts- und sozialpolitischen Ideen überliefert. Was ihn, den r entte?| praktischen Verwaltungsmann, am stärksten beschäftigte, war die geplant? Wiederherstellung eines sauberen, leistungsfähigen Beamtentums 1 wide| Atpreußischer Zucht. Darin traf er sich mit Johannes Popitz, dem ‚Abgt|| Preußischen Staatsminister, von dem uns ebenfalls ein Verfas- aßer‘"| Sungsplan überliefert ist, der aber politisch den extremen Gegen- | pol zu den Ideen der sozialistischen Linken bildet. ‚den\“| wir diesen Verfassungsplan als Ausdruck der politi- #| schen Ideale seines Urhebers betrachten(wie alle bisher erörterten Programme), so könnten wir nur von aufgeklärtem Absolutismus ‚ sprechen. So, wieer dasteht, wirkter in seiner kalten, klaren Ratio- ‚ mlität beinahe josefinisch. Jede Erinnerung an den historischen Charakter des Reiches als Bundesstaat erscheint wie ausgelöscht, wenn wir hören, daß es künftig nur noch eine Staatsgewalt in Deutschland geben soll: die des Reiches. Die Länder, neu geglie- kert nach einem rationalen System, das alle bisherigen Ungleich- fiten aufhebt,® werden bis in die Untergliederungen(Regie- —, o > = 330 Dreizehntes Kapitel rungsbezirke) hinein zu bloßen Verwaltungsbezirken des Reiches erklärt, allerdings mit gewissen Befugnissen zur Selbstverwal- tung, aber»unter Reichsaufsicht«. Reichsstatthalter regieren und kontrollieren die Selbstverwaltung. Das Reich ist Rechtsnach- folger der bisherigen Länder. Landständische oder parlamen- tarische Körperschaften gibt es nicht mehr; sie sind durch»Lan- desräte« ersetzt, die(anscheinend) ähnlich wie der»Staatsrat« des Reiches durch Ernennung von Notabeln gebildet werden sollen. Gewählt wird vorläufig überhaupt nicht mehr. Das Reich regiert ein»Reichsverweser«, der wie ein absoluter Monarch seine Ka- binette nach Gutdünken beruft und entläßt: die Minister jeweils auf Vorschlag des Reichskanzlers, den er zuerst ernennt. Er ist verantwortlich nur vor»Gott und dem deutschen Namen«, ver- tritt das Reich völkerrechtlich, führt den Oberbefehl über die Wehrmacht, in»Kommandosachen« ohne Gegenzeichnung, und hat die Ausfertigung und Verkündung von Gesetzen. Diese»Ge- setze« werden von der Regierung allein erlassen, allerdings in nicht eiligen Fällen»nach Anhörung des Staatsrates«, der aber nach ihren eigenen Vorschlägen vom Reichsverweser ernannt ist. Man liest das alles nicht ohne Erstaunen. Soll also die Diktatur des großen Volksverführers durch eine Diktatur volksfremder hoher Staatsbeamter ersetzt werden? Der befremdliche Eindruck wird nicht wesentlich gemildert durch mancherlei programmati- sche Grundsätze, die sich im ersten Artikel finden, wie Unver- brüchlichkeit des Rechts, Anstand im öffentlichen Leben, Freiheit der Kirchen, Sicherung deutscher Kultur und dergleichen mehr. Zur Sozial- und Wirtschaftspolitik wird nur wenig gesagt, und dieses wenige ist mehrdeutig: Alle Schichten des Volkes sollen »nach Maßgabe ihrer Leistung« an den materiellen und geistigen Gütern des Lebens beteiligt werden, alle diejenigen sollen einen »menschenwürdigen Lebensstand« gesichert erhalten, die ihre Pflicht gegen Volk und Staat erfüllen; in der Wirtschaft soll»die Verantwortlichkeit selbständiger Unternehmer wiederherge- stellt«, der Landflucht soll gewehrt werden. Weniger populär konnte ein Regierungsprogramm kaum formuliert werden. Es heißt, dieser Verfassungsplan sei von Popitz mit seinei Freunden, Professor Jens Jessen, dem Botschafter Ulrich vol Hassell, dem Staatssekretär a. D. Erwin Planck und mit General-| oberst Beck»jahrelang durchberaten« worden.®? Goerdeler kanıi“|\ an diesen Beratungen nicht teilgenommen haben. Jedenfalls standl das Ergebnis in schroffem Widerspruch zu seinen eigenen Zielen;. nur der zentralistische Grundzug ist gemeinsam; aber bei Popitz ist er noch wesentlich verschärft. "Wider Popit Is die e echt we IsZukı enÜb: Jopitz ı Terfassı Übinet Iroviso eilt es Ahaber ung he Endes’ Egeber Exapt: Eieine "Wider den Siegestaumel— Zukunftspläne für Deutschland 331 ‚Reichh) galt mit seinen Freunden im Verschwörerkreis immer twermil ıls die extremste Rechte. Man wird ihm aber wohl nur dann ge- eren un) ftcht werden, wenn man diesen Verfassungsplan überhaupt nicht htsnach. as Be afniden] betrachtet, sondern nur als erste Notlösung für arlamen| den Übergang: vom Sturz Hitlers bis zur Bändigung des Chaos. ch»Lat| Popitz war der Meinung, daß es verfrüht wäre, im voraus ideale srat«de zu schmieden, und stand den Programmen und nsolkı ı Kabinettslisten Goerdelers sehr kritisch gegenüber. Mehr als ein h regiet Provisorium ließe sich zunächst nicht festlegen. Ausdrücklich eine K:| Mißt es denn auch im Prolog: dieses Grundgesetz werde vom Sr jewel Inhaber der vollziehenden Gewalt erlassen, um eine neue Ord- it. Erik ung herzustellen, so lange,»bis unter Mitwirkung aller Schich- en, tn des Volkes dem Deutschen Reich eine endgültige Verfassung über d‘ gegeben werden kann«. Und vom»Staatsrat« wird im Artikel 10 une, un| gtsagt: er vertrete das Volk so lange,»bis die Festigung der all- een gtmeinen Lebensverhältnisse des deutschen Volks die Bildung ‚ding!|&ner Volksvertretung auf breiter Grundlage gestattet«. Nimmt der bi Man diese Zukunftsversprechungen ernst(trotz ihrer auffallenden nanativ‘| Unbestimmtheit), so kann man das Popitzsche»Grundgesetz« Dikun| gar als eine ausgezeichnete Notlösung für den allerersten An- sfremi fang, d. h. für die Dauer des darin am Schluß verkündeten»Aus- Eindnd tähmezustandes« gelten lassen- ausgezeichnet wegen der juristi- ann schen Präzision und Klarheit des Entwurfs, die in wohltätigem e Un Gegensatz stehtzu den Verschwommenheiten und phantastischen „Frei Zügen mancher anderen Programme des Verschworenenkrei- "nd 8.70 Als repräsentativer Ausdruck dessen, was der deutschen en mel N NE ä gt, Widerstandsbewegung als politisches Zukunftsideal vorschwebte, vos al kaan es aber keinesfalls gelten. geist Wir haben diese Zukunftsideale ausführlich aus den Schriften len el Goerdelers kennengelernt und wenden uns nunmehr seinen Plä- die ıta und Hoffnungen für die Neugestaltung Europas zu.”! soll u ee Vierzehntes Kapitel: Friedens- und Zukunftspläne für Europa f de m AlleBemühungen der Opposition, die Ausweitung des Krieges zu ai n etem Weltbrand zu verhindern, Hitler zu stürzen und sich mit Ich r den Westmächten zu verständigen, waren im Winter 1939/40 ge- Fe ‚scheitert. Frankreich war völlig zu Boden geworfen und als Ge- er W ‚Prächspartner für die Kriegsdauer ausgeschieden. In England fa N! Var die Regierung Chamberlain, die sich zu gewissen Zusagen # je ‚aadie Widerstandsgruppe bereitgefunden hatte, am 10. Mai 1940 ei stürzt worden. War damit jede Aussicht auf einen Verstän- \ 332 Vierzehntes Kapitel digungsfrieden geschwunden- auch für den Fall, daß die Aus- schaltung oder Beseitigung Hitlers doch noch gelang? An der Antwort auf diese Frage hing im Grunde alle Zukunftsplanung der Verschwörer. Denn nur, wenn die neuzubildende Regierung Beck-Goerdeler(oder wie sie sonst heißen mochte) damit rech- nen konnte, nach Kriegsende als gleichberechtigter Partner mit unseren Gegnern am Verhandlungstisch zu sitzen, über die Be- dingungen des Friedens und über die künftige Gestalt Europas mitzuberaten, hatte es überhaupt einen Sinn, Zukunftspläne zu schmieden- ebenso über Deutschlands Verfassung wie über eine neue Form der europäischen Völkergemeinschaft. War nicht dar- auf zu rechnen, d. h. setzte sich im Lager Englands(und seiner Verbündeten) der absolute Sieges- und Vernichtungswille durch, der keinen Unterschied mehr anerkannte zwischenHitler-Deutsch- land und einem»anderen besseren Deutschland«, dann war keine Hoffnung mehr: der Krieg mußte dann ausgetragen werden bis zum bitteren Ende: bitter, ja verzweiflungsvoll im Fall eines deutschen Sieges, der ganz Europa unter das Joch der Tyrannen brachte, bitter, ja verzweiflungsvoll aber auch bei totalem Zu- sammenbruch der deutschen Macht— denn was hatten wir dann anderes zu erwarten als eine verschlimmerte Neuauflage des Dik- tats von Versailles? Eine Zukunftsaussicht, die sich bis zu ab- soluter Finsternis verdunkelte, seit Hitlers brutaler Überfall auf Rußland auch die Sowjetmacht mit unseren Gegnern vereinigte! Von deutscher Selbstbestimmung konnte dann schwerlich noch die Rede sein. So stellte sich die Lage den Verschwörern dar. Man muß die ganze fürchterliche Unausweichlichkeit dieser Alternative vor Augen haben, um die außenpolitische Haltung Goerdelers und seiner Freunde zu begreifen: ihre immer wieder erneuten, ver- zweifelten Bemühungen, auf alle mögliche Weise die britische Politik davon zu überzeugen, daß esnoch ein anderes, nicht hitler- höriges Deutschland gab, mit dem es lohnen würde, zusammen- zuwirken beim Aufbau eines neuen, besseren Europas. Zu diesem Zweck hat Goerdeler eine ganze Reihe von Friedensprogrammen entworfen, die das Ideal eines neuen, für immer(oder doch für| lange) gesicherten Weltfriedens ausmalten und als Friedensziel| seiner Gruppe darstellten. Man kann sie als einen letzten, äußer- sten Versuch auffassen, durch Appell an die ruhige Staatsvernunft die Entartung des nun einmal entbrannten Kampfes zu einem »totalitären« Krieg aufzuhalten, der(ähnlich wie der Erste Welt- krieg, aber noch viel ärger als damals) maßlose politische Leiden- | enttes: land it kunft Da hunge bloße: solang diese stieß, welch Sturz Norte Regie Einen ken y täuscl überh Einma die d unda Cie L Bar( Seite Zuletz Sind, IR: Eische Maße Cer A | Snake . Verrai ‚Sich. Wirk Loge| b ewe | Ärte schaften, aber auch alle Dämonien der modernen Kriegstechnik Mas, di Friedens- und Zukunftspläne für Europa 333 die Au', entfesseln und nicht eher enden würde, bis nicht nur ganz Deutsch- Ande Jand in Trümmer geschlagen war, sondern vielleicht auch die Zu- splanun) kunft Europas unter diesen Trümmern begraben lag. egierun) Das Tragische ist nur, wie bei allen früheren Friedensbemü- nit re", hungen der deutschen Widerstandsbewegung, daß einerseits alle nern, bloßen Zukunftsprogramme zur Ohnmacht verdammt waren, edieß, solange nicht die revolutionäre Tat sie beglaubigte, anderseits liese Tat nach wie vor auf stärkste patriotische Bedenken derer Europ: plänez stieß, die sie allein ausführen konnten: der Generäle. Ohne irgend- ibereir, welche Zusagen von britischer Seite, man werde das nach dem Jichtda, Sturz Hitlers drohende innerdeutsche Chaos nicht zum eigenen \d sein, Vorteil ausnutzen, und weiter: man werde bereit sein, mit einer ledur Regierung von erklärten und bewährten Gegnern Hitlers über | tinen gemäßigten Frieden zu verhandeln, schienen diese Beden- sch ir' ken vollends unüberwindlich. Aber konnte man nach den Ent- ordenl'| uschungen des Winters 1939/40 eine solche britische Erklärung ll ein überhaupt noch erwarten? Ganz gewiß nicht mehr, wenn erst Cyranne tinmal die britische Politik an mächtige Alliierte gebunden wat, ‚lem Zu lie den deutschen»Militarismus« ein für allemal zu vernichten ri dt ınd auszurotten strebten, wenn große, blutige Opfer der Gegner ‚desDi die Leidenschaften zur Siedehitze gesteigert hatten oder wenn ie zus) Bar die Waage der Siegesaussichten sich eindeutig auf ihre orfall Seite neigte. So entstand eine unheilvolle Verstrickung, an der einig zuletzt alle Friedenspläne der deutschen Opposition gescheitert Be||.n En Jeder Sieg der deutschen Waffen verminderte die innerpoli- „Bi tischen Erfolgsaussichten der Oppositionsgruppen in demselben | E 5 Maße, wie er ihre außenpolitischen Chancen vergrößerte. Solange ative der Aufstieg des Hitler-Reiches über Europa dauerte, wäre ein des“| Staatsstreich den meisten Deutschen als Sabotage und Landes- te,"| Yerrat erschienen. Erst als der Krieg aussichtslos wurde, begann De sich das zu ändern- aber nun war es für seine außenpolitische e „ Wirkung schon zu spät: nun forderte die Gegenseite»bedingungs- sa lose Kapitulation«, und die Führer der deutschen Widerstands- zu der bewegung gerieten in Verdacht, nichts weiter zu sein als nationale Opportunisten und Militaristen, die durch Regierungsänderung doh"F| im letzten Augenblick Deutschland vor der Vergeltung für seine Untaten(so erschien es draußen!) abzudecken suchten. Wie hoff- tungslos dadurch die Lage der Verschwörer wurde, ist ihnen - zu ihrem Glück!- erst nachträglich voll bewußt geworden, als Winston Churchill am 2. August 1944 im Unterhaus zynisch er- klärte: die Geschehnisse des 2o. Juli und die nachfolgenden Massenexekutionen hätten für England nur das eine Interesse: 334 Vierzehntes Kapitel mit anzusehen, wie sich die Machthaber des Dritten Reiches ge- genseitig an die Hälse führen. Es war ein böses Wort— aber es war sicherlich Ausdruck der damals vorherrschenden Stimmung seines Landes, in dem selbst heute, nach zehn Jahren dokumentarischer Gegenbeweise, die Legende noch nicht ganz ausgestorben scheint, die Männer des 20. Juli seien Nationalisten, bloß von anderer Parteifarbe als der braunen gewesen und der Generalstab des Heeres von Annexio- nisten, Imperialisten und Militaristen im Stile Ludendorfis be- herrscht.! Von den Abgründen des Hasses und Mißtrauens, zuletzt gegen alles Deutsche schlechthin, die sich im Verlaufe des Zweiten Weltkrieges zwischen uns und der Außenwelt auftaten, hat Carl Goerdeler ganz bestimmt keine zureichende Vorstellung gehabt (nicht einmal im Gefängnis, wie sich noch zeigen wird). Sein Ver- nunftoptimismus hinderte ihn daran. Aber so blind war er doch nicht, daß er nicht deutlich spürte, wie der Fortgang des Krieges einen Verständigungsfrieden immer aussichtsloser machte. Aus der Angst, es könnte sehr bald zu spät für immer werden, hat er ungeduldiger als jeder andere zur entscheidenden Tat gedrängt. Wie aber hätte er seine außenpolitische Aktion anders einrichten sollen? Konnte er in seiner Lage etwas anderes tun als unverdros- sen an die Vernunft appellieren— oder aber völlig resignieren, d.h. den Dingen ihren Lauf lassen? Sein schwedischer Freund, Jakob Wallenberg, hat ihm im November 1942 einmal gesagt, er solle den Staatsstreich doch wagen auch ohne britische Zusage eines gemäßigten Friedens.»Sie sind ein guter deutscher Patriot, Sie kämpfen für Deutschlands Wohl. Sie müssen nicht Ihre Feinde fragen, was sie tun wollen. Die können Ihnen gar keine gute Ant- wort geben. Jedermann weiß, daß Sie Frieden machen wollen, aber ohne bedingungslose Kapitulation. Fragen Sie dann, wenn Sie an der Macht sind. Sie werden entweder Ja oder Nein als Ant- wort hören. Glauben Sie etwa, daß eine Regierung Beck-Goer- deler geringere Chancen hätte, um die bedingungslose Kapitu- lation herumzukommen, als Hitler? Schlägt man Ihnen jedes Ent- gegenkommen ab, wird dann etwa Ihre Regierung weniger ge eignet sein als Hitler, den Krieg fortzusetzen bis zur Erkämpfung eines ehrenvollen Endes?«? Sicherlich war das ein ausgezeichneter Ratschlag, und er hat. Goerdeler für den Moment auch eingeleuchtet. Aber es war nicht nur die Schwierigkeit, die militärischen Führer ganz aufs Un- gewisse hin zur Tat zu bringen, was ihn hemmte. Uns scheint: et hätte nicht nur Optimist und Illusionist sein müssen(was mat Ahm na Devise hätte, v tischen Sich etı fie Arr Chaos, maßen die Tür stienen, stem gı Sprobler Taler W seine I “Man w Ainbedi Regien Atitneı Achter; And di Nerant .lıd,oh lipst "laranı Amin. ‚faben, Huch Y Nemo Die q ‚ge N So her Freun Nony, en }ücht, fiten Aush Scheyy Rhier In to] | En ches ge: uck det m selbit :jse, die ner des e als der ‚nnexio: yrfts be zt gegel Z weitet hat Carl , gehabi ein Ver er dot! Kriege hte, Au n, hate! edrang! nrichtel verdio‘ gnierel Freut | gesig Friedens- und Zukunftspläne für Europa 335 ihm nach 1945 so oft vorgeworfen hat), sondern leichtfertiger, ja kewissenloser Abenteurer, wenner nicht das Äußerste aufgeboten hätte, was ihm nur möglich war, um Klarheit über die außenpoli- lischen Aussichten eines Staatsstreiches zu gewinnen. Sollte er sich etwa blindlings, auf Gnade und Ungnade, den Alliierten in lie Arme werfen, auf jede Gefahr hin, auch auf die eines inneren (Chaos, das ihnen den Sieg erleichterte? Er hätte dann gewisser- maßen den Portier gespielt, der den Kriegsgegnern Deutschlands lie Türen aufriß mit der Aufforderung, sich nach Belieben zu be- dienen. Mußte er nicht alles aufbieten, sie schon vorher von sei- tem guten Willen zu einer vernünftigen Lösung der Friedens- probleme zu überzeugen, wenn er nicht einfach zum Landesver- täter werden wollte? Das hat er nie gewollt, ebensowenig wie seine Mitverschworenen. Gewiß: im schlimmsten Fall konnte man weiterkämpfen, wie ihm Wallenberg sagte. Aber war es so ınbedingt sicher, daß eine Regierung, die darauf rechnete, als Regierung des Friedens die Masse zu gewinnen, eben diese Masse nit neuer Kriegsbegeisterung erfüllen könnte? Bestand nicht die \ehr ernste Gefahr, daß sie zur bloßen Konkursverwalterin wurde ınd die ganze furchtbare Last des Hitler-Erbes, die moralische Verantwortung für einen letztlich aussichtslosen Kampf auf sich lıd, ohne damitirgend etwas zu nützen? Ende 1942 war der Krieg lingst aussichtslos geworden— auch die neue Regierung hätte daran nichts mehr ändern können. Als im Januar 1943 die Alliier- ten in Casablanca die Parole»bedingungslose Kapitulation« aus- gaben, weigerten sich nicht nur die meisten Generäle, sondern auch viele Oppositionelle(wie der Moltke-Kreis), dem Tyrannen die moralische Verantwortung für ein solches Erbe abzunehmen. ‚ Die qualvollen Erwägungen, in die Goerdeler mit seinen An- hängern dadurch gestürzt wurde, werden wir noch kennenlernen. $o betrachtet, rücken die Friedenspläne Goerdelers und seiner Freunde erst in die richtige historische Beleuchtung. Sie mochten on vornherein praktisch-politisch aussichtslos sein— moralisch waren sie eine unbedingte Notwendigkeit. Es mußte alles ver- sucht werden, was nur möglich war, um auf die Politik der Sieger- , mächte schon vor dem Umsturz einzuwirken. Wie es Revolutio- tären ergeht, die sich auf den moralischen Effekt ihrer Tat dem ‚ Ausland gegenüber allein verlassen, hatte zuletzt wieder die bol- ‚.schewistische Revolution von 1917 und ihre Auswirkung im Frieden« von Brest-Litowsk gezeigt. Im einzelnen hat es wenig Nutzen, die zahllosen Fäden genau zu verfolgen, die von irgendwelchen Mitgliedern der Widerstands- k bewegung auch nach 1940 nach England hinübergesponnen wur- 336 Vierzehntes Kapitel den;? denn über Ziel, Inhalt und praktischen Erfolg aller dieser Bemühungen ist recht wenig bekannt. Immerhin scheint es, als ob überraschend lange— mindestens bis Ende 1942— und auf ver- schiedenen Wegen indirekte Nachrichten aus England an die Verschwörergruppen gelangten, die sie ermutigen konnten: es sel dort immer noch Bereitschaft zu einem Verständigungsfrieden vorhanden, sogar in der Umgebung Churchills, falls Hitler ge- stürzt würde und eine vertrauenswürdige Regierung sich durch- setzen könnte.*? Indessen waren das alles nur Gerüchte aus zweiter oder dritter Hand. Natürlich hätte Churchill einen inneren Umsturz in Deutschland freudig begrüßt— das hatte er schon 1938 und 1939 bezeugt und hat es bis 1943 mehrfach erkennen lassen; aber alle Versuche, seiner Regierung ähnliche direkte Erklärungen zu ent- locken, wie sie Lord Halifax und Chamberlain gegeben hatten, sind immer wieder gescheitert. Über einen dieser Versuche- viel- leicht den wichtigsten- bin ich durch den Hauptbeteiligten, Prof. Siegmund-Schultze, näher informiert. Goerdeler legte auf ihn als Mittelsmann deshalb besonderen Wert, weil er sehr vielseitige Verbindungen zu ausländischen Kirchenführern besaß und hoffen konnte, durch sie bis an die führenden Männer der britischen Re- gierung heranzukommen. Wir hörten schon früher(Kapitel 12) von den Einladungen nach London, die er zu Kriegsanfang von Chamberlain erhalten hatte. Erzbischof Temple von York(seit 1940 von Canterbury) hatte kurz vor dem Kriege mit ihm eine Fortsetzung seiner ökumenischen Verbindungen verabredet. Seit dem Regierungsantritt Churchills war Siegmund-Schultze indes- sen sehr skeptisch geworden gegen die Möglichkeit, deutsche Friedensvorschläge in London anzubringen, und wollte sich nur dann darauf einlassen, wenn irgendeine konkrete Aussicht auf inneren Umsturz in Deutschland bestünde. Nach langem Hin und Her, bei dem die Mitarbeiter der Firma Bosch eifrige Mittler- dienste leisteten,° wurde um Ostern 1940 vereinbart, daß Sieg- mund-Schultze einen schriftlich formulierten Friedensvorschlag dann weitergeben sollte, wenn Brauchitsch durch eigenhändige Abzeichnung(sog. Paraphe) sein Einverständnis bezeugt hätte. Nun ist bekannt, daß Halder und Brauchitsch sich dem Überfall Hitlers auf Rußland, der den Krieg zum Zweifrontenkrieg aus- weitete und dessen theoretische Vorbereitung dem Generalstab schon im Juli 1940 aufgetragen war, zunächst ebenso widersetzt haben wie vorher dem Überfall auf Belgien und Holland. Weiter- hin, daß die grausigen Wehrmachtsbefehle vom 12. und 13. Mal 1944, in denen der Tyrann ein System blutigen Terrors gegen die Heeresl Hılder Befehls] Eiten- won Tre Lichen E Uire ni Rönnte: Odlers] Enöplic! Kopenat In Rom @dlchnt aan aispror Üichen€ b oß yAı Mrittler Das Herrn Hände, Friedens- und Zukunftspläne für Europa er diexte tıssische Zivilbevölkerung anordnete und die Erschießung aller es,alsch kommunistischen Armeekommissare befahl, das Entsetzen der auf ver- Heeresleitung und der höheren Truppenbefehlshaber erregten. dan d« Halder hat damals(nach seinem eigenen Bericht) seinen Ober- en:esst, hefehlshaber bestürmt, mit ihm gemeinsam den Dienst zu quit- ‚sfrieden tieren— allerdings vergeblich. Wie Schlabrendorff durch Oberst litler g von Tresckow erfuhr, trieb ihn seine Empörung zu neuen ernst- hdurd‘ chen Erwägungen, ob sich der Sturz Hitlers angesichts der neuen lage nicht doch noch erreichen ließe.® In diesem Zusammenhang er dritte könnte es geschehen sein, daß Brauchitsch seine Paraphe zu Goer- sturz ii delers Friedensvorschlag gab. Rätselhaft bleibt freilich, wie es ınd 19% möglich war, ihn so weit zu bringen, nachdem er im Vorjahr den aber all, sogenannten X-Bericht über Dr. Josef Müllers Friedensgespräche nzuen in Rom mit offenbar echter Entrüstung als»Landesverrat« ab- 1 hatte.) gelehnt hatte. Mit General Halder hat er(nach dessen Mitteilun- he-vid| genan den Verfasser) niemals über seinen Verkehr mit Goerdeler en, Pr! gesprochen.” Hat er nun seine Paraphe(B) nur im Sinne des üb- ıfihna| chen Geschäftsganges auf ein ihm vorgelegtes Blatt gesetzt, d.h. ielseitit| bloß zur Bestätigung der Kenntnisnahme? Dem Züricher Ver- ‚dhofe') ittler wurde es jedenfalls anders dargestellt. chene') Das so gezeichnete Dokument gelangte am 30. Mai durch ‚it ı\ Herrn Schloßstein von der Firma Bosch in Siegmund-Schultzes fang) Hände. Der Inhalt war in mehrmaligem Schriftwechsel zwischen 'ork(X) diesem und Goerdeler festgelegt worden(den Wortlaut siehe im ihmeis| Anhang V). Er gleicht im ganzen den Friedensforderungen der edet.Ü| Widerstandsgruppe, wie sie Hassell schon im Februar 1940 nach zeinde| London hatte gelangen lassen(siehe Kapitel 12). Aber Frankreich deutsch var inzwischen niedergeworfen, Belgien überrannt und besetzt sich Sl worden. So ist jetzt von Verzicht auf Elsaß-Lothringen keine sicht„| Rede mehr; vielmehr sollen die Grenzen von ı 914 auch im Westen Hinut| viederhergestellt werden; gleichzeitig wird freilich das Selbst- Mittel| bestimmungsrecht der Nationen betont; spätere Programme wer- jaß Sit ‚ den das ausdrücklich auch auf Elsaß-Lothringen beziehen. Auch ‚ die deutschen Kolonien werden jetzt zurückgefordert— aber im yossch| R&. RE händt ‚ Rahmen eines internationalen Mandatssystems. Damit ist schon + hätt]| vorausgedeutet auf die Forderung einer Neuorganisation des gt Wil= a: per|&uropäischen Staatensystems und des Völkerbundes: mit Abbau ) der Zollgrenzen, gegenseitiger Hilfe im Wiederaufbau unter Ver- ‚ächt auf Reparationen und auf Kontrolle der Währungen, Schiedsgerichtsbarkeit, Begrenzung und Herabsetzung der Rü- Stung unter internationaler Kontrolle. | Es ist kaum anzunehmen, daß ein solches Friedensprogramm | ftnseits des Kanals in der Lage vor 1941 als zu anmaßlich empfun- re 338 Vierzehntes Kapitel den wurde. Hassell hörte sogar Anfang 1942(durch den Schweize Carl J. Burckhardt), man habe sich drüben gewundert, daß die Forderungen der Opposition so gemäßigt blieben.® Aber die Re:|#l gierung Churchill lehnte es ab, offiziell auch nur davon Kenntnis zu nehmen. Als Siegmund-Schultze mit seinem Dokument auf der britischen Gesandtschaft in Bern erschien, wurde ihm eröf: net, seit einigen Monaten sei ihr verboten, irgendwelche Anre- gungen für einen Frieden in Empfang zu nehmen. Es gelang ihm zwar, inlänger hingezogener Unterhaltung wenigstens den Haupt: inhalt seiner Information mündlich weiterzugeben, und er erfuhr auch bald darauf aus London, diese sei sogleich an das Foreign Office telefonisch ausführlich mitgeteilt worden. Es blieb abet jede Antwort aus, und auch seine Bemühungen, durch Erzbischof Temple und andere englische Persönlichkeiten zu erreichen, dal man seine schriftlichen Mitteilungen doch noch entgegennehme, fielen wirkungslos zu Boden. Erst Anfang August wurde dem britischen Generalkonsul in Zürich die Erlaubnis zu ihrer Weiter- gabe erteilt?- lange nach Beginn des Rußlandfeldzuges, also ge- wissermaßen nachträglich. Durch kirchliche Mittelsleute erfuhr Siegmund-Schultze später, der Erzbischof habe mit verschiedenen (im ganzen mindestens vier) Kabinettsmitgliedern, darunter Churchill und Eden, über die Angelegenheit gesprochen. Ei Brief, den er darüber an Siegmund-Schultze geschrieben hatte, kam niemals an. Auf Umwegen erfuhr aber der Adressat, Eden und Churchill würden indirekt in ihren außenpolitischen Reden an seine Anregung anknüpfen. In dieser indirekten Form wurde die Antwort in zwei Reden des britischen Außenministers erteilt. Siegmund-Schultze erkannte darin einen Satz seinesan Erzbischot Temple gerichteten Berichtes wieder. Die Antwort lautete aber rein negativ. Sie lief darauf hinaus: auch eine Oppositionsregie- rung würde bedingungslos kapitulieren müssen. So jedenfalls wurde sie von dem Züricher Mittelsmann verstanden. Deutlich geht aus alledem hervor, daß die Regierung Churchil! eben das zu vermeiden wünschte, was die deutsche Oppositior für ihren Staatsstreich brauchte: irgendeine Bindung für die Zu- kunft. Diese ihre Weigerung erfolgte(was historisch besonders bedeutsam ist) schon zu einem Zeitpunkt, als sie noch durch keinerlei Kriegsallianzen an die russische und amerikanische Po- litik gebunden war. Über ihre Motive lassen sich einstweilen nuz|%: Vermutungen anstellen. Aber sie hat ja später oft genug erkläft, daß sie keineswegs am Ende eines langen und harten Ringens wie- der in die Lage von 1918 zu geraten wünsche, als die Deutschet sich auf Wilsons berühmte 14 Punkte beriefen, um damit dee fi Ekgesw Kuren, ithweiß "tenw Mi peurt Eiwäch wadier Wthäng "tt deut Al daz zu En Hof "trade Wis pea Bern Muplei Doerde Un scl We sie( went hat “nl m: ha Ipire Undete ÜCh der Nölker Mitt arm Itel m Friedens- und Zukunftspläne für Europa 339 chweix: Machtwillen der Sieger zu lähmen und sich einen schonsamen ‚daßdı Hieden zu ertrotzen. Ganz hingegeben an die Aufgabe, zum > diel.. reiten Male im Laufe eines Menschenalters das Inselvolk und Kennt; sine Verwandten in Übersee zu einem unbedingten Kampf- und ment al’ Segeswillen aufzustacheln, es opferbereit zu machen auf einen hmerif. Angen, zunächst sehr dunkel aussehenden Weg»voll Blut, he Ant, Schweiß und Tränen«, hat der»alte Löwe« Churchill nichts mehr Jangihr Nren wollen von unbestimmten Friedensgesprächen, die(so mag enHau.& geurteilt haben) den Kampfwillen und Rüstungseifer nur ererfit,\thwächen konnten. Ein tiefes(und begreifliches) Mißtrauen ge- s Foreir, gen die praktischen Aussichten der Umsturzpläne, aber auch jenes ‚lieb ab, Wehängnisvolle Klischeebild vom unsterblichen»Militarismus« ezbisch, der deutschen Generäle, das in seinen Volksreden spukt, werden chen, di) Wel dazu beigetragen haben, seine Haltung gegenüber der von ennehm.| 438 zu versteifen. Von den großen, mit Bewunderung gemisch- urde dad ter Hoffnungen, die man im Kreise des deutschen Widerstands ‚e Weir., grade auf ihn(im Gegensatz zu Eden) setzte, hat er wohl nie et- Wıs geahnt. yte erfü Bewunderung für England und seine Kunst des friedlichen chieden Ausgleichs politischer Gegensätze ist einer der Grundzüge von Goerdelers außenpolitischen Denkschriften während des Krieges. ;, also 2 unt ER Ihm schwebt eine Vereinigung sehr weiter Wirtschaftsräume, Jen hatt!) Me sie das 20. Jahrhundert durch seine Verkehrstechnik ermög- sat, BE icht hat, mit national geschlossenen politischen Gemeinschaften, en Ret dem Ideal des 19. Jahrhunderts, als Endziel vor. Im britischen m wu Impire, das sich zum Commonwealth freier Nationen entwickelt, ars ent indet er ein Vorbild für die künftige Organisation Europas, letzt- ezbisch ich der Welt. Es soll eine freie Gemeinschaft der europäischen a ah Völker entstehen, aber mit einem festen Machtkern, und vor- rer| bereitet durch eine Wirtschaftsunion. Wir kennen dieses Pro- al tamm schon aus den Denkschriften des Winters 1938/39(Ka- F ‚ditel 11). Es wird seit dem Winter 1940/41 in manchen Einzel- Chur ‚ ktiten ergänzt oder abgeändert, dem jeweiligen Wandel der Bu| wßenpolitischen Lage entsprechend, wird allmählich immer brei- een„| kr ausgemalt— mit einer politischen Phantasie, die zuletzt, in den ur pi Gefängnismonaten, beinahe schwärmerisch wird im Ausspinnen beso"| ihres Sehnsuchtstraumes— in den Grundzügen bleibt es aber dur I en| inmer gleich. Wir begnügen uns hier damit, besonders charak- | se ttistische und wichtige Einzelheiten der verschiedenen Stadien joe| herauszuheben. ge d In der großen Denkschrift»Das Ziel«, deren außenpolitischer ge hy ‚ Abschnitt nicht lange vor dem Beginn des Rußlandfeldzugs ent- ge 5£ RE Dee tinden sein kann!®, findet man das Bewußtsein der militärischen 340 Vierzehntes Kapitel Kraft Deutschlands stärker entwickelt als in irgendeiner andere Niederschrift. Das begreift sich ebensowohl aus der deutschen Lage nach der Niederwerfung Frankreichs wie aus dem Zweck det Niederschrift, die Generäle für einen Staatsstreich zu gewinnen: Der Verfasser will eine»ausreichend starke« deutsche Wehr- macht auch nach dem Kriege erhalten wissen; freilich bedarf sie dazu»der vollen Wiederherstellung und Achtung soldatischet Tugenden aufsittlich-reiner Grundlage«, die das Hitler-Regiment korrumpiert hat. So erneuert, könnte sie(falls die politische Ent- wicklung es so fügen sollte)»zum Kern europäischer militärischer Kräfte« werden. Die neu zu schaffende Europa-Union, die Goer- deler vorschlägt, kann nur eine Vereinigung antibolschewistischer Kräfte sein. Von irgendwelcher»Gleichschaltung« der europä- ischen Nationalstaaten will er nichts wissen; jeder müßte volle Freiheit behalten, sich nach eigenen Wünschen politisch zu orga: nisieren. Er warnt auch dringend vor»militärischen Zwangsein- griffen in Rußland«, die dort ungeahnte nationale Kräfte auf den Plan rufen« könnten, und er betrachtet es als eine Aufgabe de: Zukunft,»Rußland allmählich in eine europäische Zusammen- fassung einzubeziehen«. Aber solange dort der seelen- und gott- lose Kollektivismus der bolschewistischen Zwangsherrschaft be- steht, kann er sich eine wirklich fruchtbare politische und witt- schaftliche Zusammenarbeit mit Rußland nicht vorstellen. Dann bleibt aber die europäische Gemeinschaft von außen her dauernd bedroht. Sie»bedarf einer starken militärischen Dek- kung«, und wiesollte dieohne Mitwirkung einer leistungsfähigen, innerlich gesunden deutschen Wehrmacht zu beschaffen sein? Dieser Gedanke führt weiter zu hochgespannten patriotischen Hoffnungen, die aber sogleich- in sehr charakteristischer Weise — mit dringenden Warnungen vor Mißbrauch der Gewalt ver- bunden werden.»Die benirale Lage, die zahlenmäßige Stärke und die hochgespannte Leistungsfähigkeit verbürgen dem deutschen Volk die Führung des europäischen Blocks, wenn es sie sich nicht durch Unmäßigkeit oder durch Machtsuchtmanier verdirbt. Esist dumm und anmaßend, vom deutschen Herrenmenschen zu spre- chen. Es ist töricht, für sich selbst die Achtung vor der nationalen Ehre und Selbständigkeit zu verlangen und sie anderen zu vet- sagen. In die Führung Europas wird diejenige Nation hinein- wachsen, die gerade die kleinen Nationen achtet und ihre Ge-\ schicke mit weisem Rat und weiser Hand, nicht mit brutaler Ge walt zu leiten versucht. Die Sachlichkeit der Gesichtspunkte muß end ausgeglichen werden.«»In Äußerlichkeiten muß anderen be- M U Eont de Ihr wei Organii alent N weisen @hubt Ihres aumac Brober lük zer: Ihe er Goe Enttäus Unmer Dritanı Eeten\ Stands Werkür Erstes entscheiden. Berechtigte Interessen müssen klug und weitschau- tandeıt leutscht weckdt) ewinnt ye Wehr bedarf s Idatisch Regime‘ sche Ei itärischt die Got! wistisch £ eufop ißte vo. h zu org! wangstl te aufd Friedens- und Zukunftspläne für Europa {ont der Vortritt überlassen werden.« Die Methode der Briten, Ihr weites Empire gewissermaßen unsichtbar zu leiten und jeder organischen Entwicklung der Reichsteile Raum zu lassen, ver- lient Nachahmung. Wird das deutsche Volk sich dazu fähig er- weisen? Im Blick auf die ältere preußisch-deutsche Geschichte tlaubt Goerdeler diese Frage bejahen zu können. Hitler freilich hat es fertiggebracht, den deutschen Namen der Welt furchtbar ju machen. Seine Außenpolitik ist seit 1939 eine einzige Kette von groben Rechtsbrüchen, die alles Vertrauen auf die deutsche Poli- tik zerstört haben. Vertrauen ist aber die unentbehrliche Grund- hge erfolgreicher Außenpolitik. Goerdelers hochgespannte Zukunftshoffnungen wurden bald tattäuscht, und die Allianz der Kriegsgegner Deutschlands wurde immer fester. Am ı2. Juli 1941 schlossen Rußland und Groß- britannien ein Beistandsabkommen, in dem sich beide verpflich- ftten, später nur in gegenseitigem Einverständnis Waffenstill- stands- oder Friedensverhandlungen zu eröffnen. Am 14. August fgabe d ysamme! und gal schaft b und wit en. außen hen I! ffen st riotisch her We alt WE Stärke deutsc” sich ni irbt. zus natioß?" on ZU m Bi ihre uealet 6) jnkte" yeitseh! deren? N | terkündeten Roosevelt und Churchill die Atlantic-Charta, deren \ trste sieben Artikel zwar ähnlich klangen wie Goerdelers eigene Friedenswünsche, die aber im achten ziemlich unzweideutig auf Ikngdauernde Entwaffung Deutschlands abzielte. Bald wurde aus- drücklich bekanntgegeben, daß Deutschland keinen Nutzen von der Charta haben- also schon jetzt unter Ausnahmerecht gestellt trerden sollte. Kurz nach dem Eintritt der Vereinigten Staaten in den Krieg traten die meisten Staaten der Welt, die nicht zum Hitlerischen»Dreierpakt« gehörten, in einer förmlichen Erklä- tung den Grundsätzen der Atlantic-Charta bei. Diese wurden tochmals in dem britisch-russischen Bündnisvertrag vom 26. Mai 1942 bekräftigt; in ihm banden sich beide Partner auch für die Zeit nach Kriegsende aneinander, und zwar für 20 Jahre. Für die Kriegsdauer verpflichteten sie sich gegenseitig,»weder mit der Hitler-Regierung noch mit einer anderen deutschen Regierung, dienicht klar aufalle Angriffsabsichten verzichtet, in irgendwelche Verhandlungen einzutreten« und nicht ohne beiderseitiges Ein- Verständnis einen Waffenstillstand oder Friedensvertrag abzu- schließen. Das war formell kein Hindernis für Gespräche mit der deutschen Opposition, erschwerte sie aber doch wesentlich, weil itweils der andere Vertragspartner die Echtheit ihres Friedens- "Yillens bezweifeln konnte. Und die Russen waren, wie sich später \ gezeigt hat, höchst mißtrauisch gegen die Bündnistreue ihrer vestlichen Alliierten, der»kapitalistischen« Mächte. Dies um so Mehr, als England und Amerika für lange Jahre praktisch außer- ande waren, eine»zweite Front« auf dem Kontinent zur Ent- Bares 342 Vierzehntes Kapitel lastung Rußlands aufzurichten, Man sieht aus den Memoiren Churchills, wie schwer das die britischen Politiker bedrückt hatı Je peinlicher es ihnen war, daß sie Rußland zunächst sich selbst und seinem grausamen Schicksal überlassen mußten, um so meh! beeiferten sie sich mit Versprechungen für die Zukunft, um so ängstlicher hüteten sie sich, irgendwelchen Argwohn gegen ihr« Bündnistreue aufkommen zu lassen, Nach dem Kriege, versprä chen sie, gemeinsam mit Rußland»alle Maßnahmen zu treflen, um eine Wiederholung der Angrifle durch Deutschland unmög lich zu machen«, Im Angriflsfall wollten sie erneute Kriegshilk und wirtschaftlichen Beistand leisten. Günstig für deutsche Ohrer! klang die Abrede beider Mächte,»weder nach territorialen Bı werbungen für sich selbst zu streben, noch sich in die innerer Angelegenheiten anderer Staaten einzumischen«; aber das war nur auf starken amerikanischen Druck hin eingefügt und, wie sicl spater zeigen sollte, stillschw eipend so gemeint, daß Deutschland auch aus dieser Verpflichtung kein Vorteil erwachsen sollte, Es ist im einzelnen nicht deutlich zu erkennen, wieviel von die sen Abreden der deutschen Opposition bekannt wurde und wie Goerdeler darauf reagierte." Ulrich von Hassell, der Fachdiplo mat des Beckschen Kreises, und Minister Popitz begannen schon im August 1941 darüber zu debattieren, ob es für einen Staats streich vielleicht schon zu spät sei, weil Deutschland»keinen an nehmbaren Frieden mehr bekommen könne«!? Goerdeler wat nicht so pessimistise h. Doch fühlte auch er sich nach und nach zu Abstrichen an seinem Friedensprogramm genötigt, Bin Entwurl vom Dezember 1942 spricht nicht mehr von einfacher Rückgabe Elsaß-Lothringens an Deutschland, sondern von Teilung nach der Sprachgrenze; gegebenenfalls sollte nach zehn Jahren eine Volksabstimmung unter neutraler Kontrolle stattfinden. Die Zu kunft der ehemaligen deutschen Kolonien und der Beteiligung Deutschlands an der Kolonisation fremder Erdteile überhaupt wird als offene, nicht allzu dringliche Frage behandelt, für die künftige Abrüstung Deutschlands ein schr weitgehender, kon kreter Vorschlag gemacht.!? Ob auch dieses neue Programm für England bestimmt war oder nur für deutsche Leser, ist nicht zu erkennen, Sicher ist aber, daß Goerdeler den 1941 gescheiterten Versuch, über kirchlich-ökumenische Kreise eine Brücke zum Londoner Foreign Office zu schlagen, ein Jahr später wiederholt hat, Denn er war es doch wohl, der hinter dem Versuch des Pastors Schönfeld in Schweden und seineı politischen Aussprache mit dem Bischof Bell von Chichester Ende Mai 1942 stand- Aus sprachen, an denen dann auch noch Dietrich Bonhoefler mit Hilfe Ihr»A alt An zwe Mnerer Ben\ j hbei chen| ab ihr Aabeı nisch Il tscl j lire IMSILO rung Meise Innen Adlin femoite rückt hal ich selbi 1so mel ft, ums regen Ihr , verspt zu trefle d unmöt ‚riegshil he Ohre rialen E! e innere r das ], wies utschlan ollte, | vondt e und 'achdipl nen sch! en Staat einen 2 -delet V ‚d.nach 1 Entw! Rückg! ung au ihren& h. Die? eteiligl berhall I, für® des, vo ‚gamn!' j. g nich cheitel“ Friedens- und Zukunftspläne für Europa 343 dr»Abwehr« teilnehmen konnte. Beide Theologen waren be- tüht, ihren Gesprächspartner davon zu überzeugen, daß wirklich dn zweites, heimliches Deutschland bestehe, ehrlich bereit zu innerer Einkehr, ja Buße und Umkehr auf den von Hitler betre- tnen Wegen brutaler Machtpolitik. Die immer eindrucksvoller ich bewährende Glaubenskraft und Selbstbehauptung der christ- lichen Kirchen in Deutschland, von denen sie berichten konnten, nb ihren Worten den rechten Hintergrund. Genaue Einzel- ingaben sollten zeigen, daß sich bereits ein ganzes Netz der Ver- ithwörung gegen den Tyrannen gebildet habe, in allen Spitzen- bthörden des Staates und der Armee, und daß eine weitgedehnte Anhängerschaft der gewerkschaftlich organisierten Industrie- übeiter dahinterstehe. Nach dem neuesten englischen Bericht erten sie auch eine Art Friedensprogramm der Verschwörer vor, ds etwa den Plänen Goerdelers entsprach,!* und baten den angli- kınischen Bischof, der britischen Regierung den Wunsch der dutschen Oppositionsführer zu übermitteln, sie möge sich bereit aklären, nach Hitlers Sturz auf dieser Grundlage mit einer Op- Dsitionsregierung zu verhandeln. Am besten würde diese Er- Klärung öffentlich abgegeben- ein Wunsch, der in auffallender Weise abweicht von der Besorgnis des Beckschen Kreises(wir kennen ihn von Hassell her),!5 der Umsturz könnte in Deutsch- lndinden Verdacht geraten, so wie einst die Revolution von 1918 inter ausländischem Druck erfolgt zu sein. Dr. Schönfeld fügte ıber der Bitte an die britische Regierung ausdrücklich hinzu: sollte sie ablehnen, so würden die Verschwörer ihren Putsch »leichwohl durchführen und, falls sie damit Erfolg hätten, lieber bis zum bitteren Ende weiterkämpfen als einen demütigenden rieden annehmen. An der Stärke der deutschen Wehrmachtzum Durchstehen eines solchen Kampfes hätten sie keinen Zweifel. Irgendeinen praktischen Erfolg hatte dieser Vorstoß ebenso- wenig wie alle früheren. Staatssekretär Eden nahm die Mitteilung Bischof Bells mit Interesse zur Kenntnis, ließ ihn aber am 17. Juli Wissen, man werde nichts weiter in dieser Sache tun. Gerade im Sommer 1942 wurde die Spannung zwischen London und dem Kreml, der sich im Stich gelassen fühlte, besonders groß. Ander- its begannen jetzt die schweren Bombardements auf die Wohn- Viertel deutscher Städte, mit denen man die»Kriegsmoral« der Zivilbevölkerung zu ruinieren und sie zu revolutionärer Haltung iu treiben hoffte. Man glaubte also noch andere Mittel zu besitzen, im einen Umsturz in Deutschland zu fördern, als die Verhand- ling mit hitlerfeindlichen Politikern und Generälen über ein ‚ttues besseres Deutschland und Europa- offenbar einer der 344 Vierzehntes Kapitel fürchterlichsten und folgenreichsten Irrtümer»militaristischen Denkens, welche die neuere Geschichte kennt. Die große Politik|! steuerte unaufhaltsam einem Abgrund zu, und vergeblich streck- ten sich die beschwörenden Hände einiger ebenso wohlgesinntet wie hilfloser Deutscher von der Opposition über den Kanal. Die entscheidende Wendung, die ihr Bemühen vollends zu: Utopie werden ließ, brachte aber erst die Landung amerikanisch. englischer Truppen in Nordafrika(7./8. November 1942) und bald darauf die Katastrophe von Stalingrad. Die Waage des Siege begann sich langsam auf die Seite der Alliierten zu neigen; Hitler Macht überschritt, sichtbar vor aller Welt, ihren Höhepunkt. Als Siegel auf diese Entwicklung setzte die schon jetzt siegesgewisst amerikanische Diplomatie die berühmte Erklärung von Casz blanca(24. Januar 1943) durch: die Parole des Weiterkämpfens bis zu»bedingungsloser Kapitulation«(unconditional surrende!) der Gegenseite. Kein Schritt der alliierten Mächte während des Krieges hat in ihrem eigenen Lager später so viel Kritik erfahren wie diese Pro- klamation. Ihre Verteidiger haben vergeblich versucht, ihre prak- tisch-politische Bedeutung herabzumindern oder gar zu leugnen. Für die deutsche Widerstandsbewegung wurde dadurch eine next Lage geschaffen, die sie auch zu einer neuen Taktik zwang. Das nötigt uns, die Entstehung und Auswirkung der Casablanca- Formel ein wenig näher zu betrachten. Sie ist(wie heute fest:\x stehen dürfte) nicht einem Einfall Churchills, sondern der Kreuz: zugstimmung und dem demokratischen Doktrinarismus Franklii D. Roosevelts entsprungen. Zwischen tausend eiligen Geschäften anderer Art, die besonders erschwert wurden durch die gegen: seitige Eifersucht ehrgeiziger französischer Generäle, ist den bei- den»Großen«, die sie miteinander vereinbarten, praktisch kaum Zeit geblieben zur gründlichen Erwägung ihrer politischen Kon- sequenzen. Zunächst dachten sie beide wohl nur an ein recht|n schlagkräftiges, politisch eindrucksvolles Schlußkommuniquß,| das»unseren Freunden in aller Welt Mut einflößen werde«. Im-| merhin hat Churchill sein Kriegskabinett in London telegraphisch darüber verständigt, daß man eine Presseerklärung dieser Art plane— aber so, daß Italien von der darin enthaltenen Drohung ausgenommen werden sollte,»um dort einen Umschwung ZU begünstigen«. Daraus folgt unzweideutig zweierlei: ı. Es warihm vollkommen bewußt, daß die Erklärung einen inneren Umstut im Lager des Gegners erschweren bzw. verhindern würde, 2. afl einen solchen Umsturz in Deutschland glaubte er nicht mehr; jedenfalls lag ihm so wenig daran, daß er keinerlei Bedenkel! Atinder ithmeı dirker dltoht«, Ihrisch Chur Attunge Alnderer mlleR. &tKoı Beschli Ülich, at Außen: Einsel Udsei Erstrec Kiiep, u two: Bitäch sälörten ruf, ich strech‘ Igesinnte General Thomas und Staatssekretär Planck-zu denen später sogar Oster stieß—„haben uch Stalingrad immerhin die Hoffnung verloren, jetzt nocheinen inderen iR einen»Schmachfrieden« FirDeutschland zu erreichen, selbst nach einem Sturz Hitlers. Die Verbrechen des Hitler- \jstems, meinte Thomas, sind zu groß geworden, um ungesühnt Vergessen zu werden. Das deutsche Volk müsse nun den Krieg bis um bitterenEnde durchkosten, um sich auch innerlich von seinen ‚Trrannen zu befreien. Aus seiner Dienststelle als Chef des Wehr- Virtschaftsamtes entlassen, zog sich Thomas jetzt fast ganz aus der ıktiven Widerstandsbewegung zurück.!?” Aber das war nicht die Haltung der meisten. ImGegenteil: wir werden später noch sehen, ||[ib bald nach der Easahlanea- Konferenz, seit März 1943, eine 348 Vierzehntes Kapitel ganze Reihe von Attentatsversuchen gegen Hitlers Leben ein-],, setzte, in denen der Widerstand sich zum Aufstand zu steiger suchte. Es waren Verzweiflungstaten entschlossener Offiziere, die einen aussichtslos gewordenen Krieg gewaltsam zu beenden,): eine gemeingefährlich gewordene und ebenso unfähige wie bru- tale Kriegsleitung auszuschalten suchten. Politisch waren ihre)\ Aussichten seit Casablanca in ganz entscheidender Weise ver-Ir« schlechtert. Wären die Attentate gelungen, so hätten die hinter ihnen stehenden Gruppen den Fluch auf sich geladen, Deutsch- lands»bedingungslose Kapitulation«sehenden Auges verschuldet zu haben. Carl Goetdeler ließ sich auch dadurch nicht entmutigen ode! beirren. Aber das wenige, das er über die politische Entwicklung im Lager der Alliierten hörte, ängstigte ihn doch schwer. Ei empfand vor allem eine doppelte Gefahr: einmal, daß sie als »Siegermächte« dem deutschen Volk seine Selbstbestimmung nehmen würden, zum andern, daß am Ende des Ringens Sowjet- rußland als die größte Macht des Kontinentes dastehen und mi! seinem totalitären Staatssystem die freie Welt überschatten würde. So hat er im Sommer und Herbst 1943 die größte Mühe aufge- wandt, in London Gegenvorstellungen zu erheben und auf die Gefahren der Zukunft hinzuweisen. Die Verteidigung des freien Europas gegen den Bolschewismus wird von jetzt an der Grund- gedanke seiner Niederschriften. Man begreift, daß ihm nach den Erklärungen von Casablanca unendlich viel darauf ankam, einen möglichst authentischen und klaren Eindruck davon zu gewinnen, was man in der Umgebung Churchills nun eigentlich unter»unconditional surrender« ver- stand und was Deutschland von ihm konkret zu erwarten hatte, kl. Um dies zu erkunden, benutzte er seine alte, oft bewährte Ver-|| bindung mit den beiden Wallenbergs in Stockholm, Direktoren der Enskilda-Bank: Jakob, der zur schwedisch-deutschen Han- delskommission der Regierung gehörte, und Markus, der die| Handelsverbindungen mit England betrieb. Mit Jakob Wallen- berg, den er als seinen Freund betrachtete, war Goerdeler auch|: während des Krieges sehr häufig zusammengekommen und hatte|\f,.; ihm schon oft über die politische Lage in Deutschland und über|) die Sorgen und Nöte der Opposition berichtet.!3 Schon im April 1942 hatte er Markus Wallenberg gebeten, in London zu ermit- teln, ob Zusagen der britischen Regierung für den Fall eines Um- sturzes in Deutschland zu haben sein würden. Dies hatte def’ Schwede sofort für aussichtslos erklärt. Vielleicht hatte das def Anstoß gegeben zu dem uns schon bekannten Versuch im Mal oschl itein üdle & mei liert asen, “der üch st Iskür BC Best kob ale] len e Can dal Xlben) Friedens- und Zukunftspläne für Europa Leben eiı 1942, mit Hilfe kirchlich-ökumenischer Verbindungen(Bon- u steigetlhoeffer-Bischof Bell) weiterzukommen. Im November war Jakob \Wallenberg in Berlin; damals hat er seinem deutschen Freunde u beende den schon erörterten Rat gegeben, ohne Rückfragen in England e wie br einfach loszuschlagen. Im Februar 1943 teilte ihm Goerdeler mit, varen ih die Erklärung von Casablanca schrecke die Generäle vom Staats- Weise ve stteich ab, und es sei höchst unsicher, ob die für März geplanten die hint!' Anschläge auf Hitler glücken würden, da sich dieser inzwischen , Deutsc mit einem undurchdtinglichen Wall von Sicherheitsmaßnahmen rerschulö Jund Leibgarden umgeben habe.!? Der Optimismus Wallenbergs, der meinte, sobald Hitler erst einmal weggeräumt sei, könnten die tigen od Alliierten gar nicht mehr»bedingungslose Unterwerfung« ver- ıtwicklut langen, schien ihn nicht voll zu überzeugen. Jedenfalls drängte er chwer. Ebd der nächsten Begegnung in Stockholm(19.-21. Mai 1943) Jaß siea noch stärker darauf, die beiden Brüder möchten doch konkrete -stimmut Auskünfte in London zu erreichen suchen. Er berief sich darauf, ns Sowt daß Churchill ihn persönlich kenne; man dürfe ihm ruhig sagen, on undn daß es kein anderer als Goerdeler sei, der hinter der Anfrage stehe. tenwir Jakob Wallenberg blieb äußerst skeptisch, erklärte sich aber ühe auf schließlich bereit, seinem gerade in London weilenden Bruder nd aufd einen entsprechenden Brief zu schreiben; nur müsse Goerdeler ‚ des fe‘ Ihm dafür konkrete Vorschläge liefern. Das geschah noch in der- ler Gum selben Nacht. Am nächsten Morgen(am zo. Mai) brachte Goer- dler eine Denkschrift, deren wichtigste Punkte der schwedische Casable" Binkier in einem Brief an seinen Bruder zusammenfaßte. Um ischen U diesen Privatbrief sicher zu befördern, erbat er(zum ersten und Umgeb”&zigen Male) die Hilfe der schwedischen Diplomatie. ‚nder«® Der Wortlaut des Memorandums, das Goerdeler vorlegte, ging rten hat tlweise auf Besprechungen des Vorabends zurück.?° Wallen- ‚ährte\ bttg hatte auf Einschränkung der deutschen Friedenswünsche Direktof Kdrängt, in der richtigen Erwartung, daß man in London jetzt schon viel höhere Verzichtleistungen, gerade auch in den Grenz- js, der? ingen, von Deutschland fordern würde. „Wk Goerdeler erklärt gleich anfangs mit Nachdruck, Deutschland ; nisse sich selbst von seinem verbrecherischen Herrschaftssystem deler EIER.> Be undb? itkreien, dessen Beseitigung aber zugleich im Interesse der gan- . gib a Menschheit liege. Er vergißt aber nicht, auf die sehr schweren dund A en er ii Opfer hinzuweisen, die der Widerstand dagegen das deutsche ji: Volk schon gekostet hat.»Tausende Deutscher sind hingerichtet sl nn Ar ı hingefoltert, viele Zehntausende schmachten in Konzen- we Intionslagern und Zuchthäusern.« Eine Befreiungsaktion wird ; ee Isnahe bevorstehend angekündigt. Es ist wichtig, daß sie nicht a ıtch Bombenhagel gestört wird. Das Bombardement müßte auf Vierzehntes Kapitel die noch nicht befreiten Teile Deutschlands beschränkt bleibe: Geschieht das, so wird es(nach Goerdelers mündlicher Erläu terung) die stärkste moralische Unterstützung der Aufständischen sein. Das Aufheben der Verdunkelung wird dann so etwas wit eine Fackel der Freiheit bedeuten. Aber keine Aktion kann be|"! ginnen, solange die Akteure nicht darauf rechnen können, dal|"tt ihnen von den Kriegsgegnern kein unconditional surrender zu: ändi gemutet wird. üichu Die neue Regierung»wird alle sozialen Schichten, alle Konf"nn fessionen, alle deutschen Länder repräsentieren«. Die geplante]"; neue Reichsverfassung wird ganz kurz in der uns schon bekannt]“nt ten Weise skizziert, ebenso die Grundzüge der geplanten Wire ni schafts- und Sozialverfassung. Bis zur Wahl eines Reichstags,»dit Ahwar im Krieg vor Beruhigung nicht möglich ist«, soll ein vorläufiget len: Reichsrat zur Kontrolle der Regierung gebildet werden. Räumung] Et der besetzten Gebiete so rasch wie möglich(mit Rücksicht auf die]® jeweilige Lage) wird ebenso versprochen wie die Wiederherstel)© lung der»vollen Selbständigkeit aller europäischen Nationen« Die deutsche Grenze gegen Polen soll»durch Verhandlungent) festgesetzt werden. Auf einfache Rückkehr zu den Grenzen voll ki 1914 wird also jetzt verzichtet.»Deutschland verbürgt bei Ein!)® Me: gung den Bestand Polens und fördert die Staatsunion Polen-|© Bi Litauen. Im Osten von Polen wird das russische Gebiet vor 1953|@ a geräumt«— also Polen soll die Ostgrenzen von 1938 erhalten.) » Weitere Räumungen nur im Einvernehmen mit Polen und ser]® nen Verbündeten.« Im Westen ist die Sprachgrenze die, die ge recht ist und Ruhe verspricht. Polen und die Tschechoslowake! werden vollkommen frei und selbständig.»Deutschland wünscht,|‘ daß Finnland bestehen bleibt, und ist bereit, dafür ebenso zu)"ch kämpfen wie für die polnische Ostgrenze.«»Denn westlich diese! Grenze muß sich die europäische Interessen- und Kulturgemein-)®t: schaft bilden, unter deren Mitgliedern es nie wieder Krieg gebe! darf. Wie Rußland sich dazu stellt, hängt von Verhandlungen® ab.« Für diese neue Europa-Gemeinschaft wird dann ein Plan ent:(b. wickelt, der dieuns schon bekannten Grundzüge enthält: als Ker! h und erster Schritt eine Wirtschaftsunion und ein europäischei' Wiederaufbauwerk; weiter Schiedsgerichte und eine europäisch®| Polizeitruppe; darüber ein regional gegliederter Weltbund, abe! ıi nur mit praktisch erreichbaren Zielen, vor allem mit Schlichtungs‘ verfahren und einer internationalen Währungsbank. DeutschÜ‘ land ist zur Abrüstung schon durch seine Finanzlage gezwunge® N »Das mögliche Maß richtet sich nach dem Verhältnis EuropasZ fü ıkt bleibt cher Ekli ständisch ) etwas ı n kann! önnen,( rrender Priedens- und Zukunftspläne für Buropa 351 Rußland« und nach der Lage im Fernen Osten.» Auf Seerüstung wird verzichtet. Deutschland ist bereit, die Luftwafle zu inter- ntionalisieren.« Den politischen Kern des Ganzen bringt erst der Schluß: »Dies ist der Plan. Die zu seiner Durchführung fähigen Menschen besitzt Deutschland zur Genüge. Aber gerade sie lehnen, die Selb- stindigkeit aller anderen Völker achtend und wollend, die Ein- mischung anderer Völker in deutsche Fragen leidenschaftlich ab. 1, alle Kı je gepli ion bekat anten\ hstags, vorläufi n,.Räumı sicht auf ederhesst Nationt andlung! ‚renzen\ gt bei j ion Pol jet vor! ‚8 erhall len und die, die ‚hoslow! nd wunst stlich di |turgem Krieg$' handlunf in Plan‘ le; als uropälst europi” Itbund® „plichte! k, Deu zezwull | Bu sop“ ‚Wenn man also hört, daß Polen Ostpreußen und Teile Schlesiens verlangt, daß man Einfluß auf das deutsche Erziehungswesen nehmen, daß man in Deutschland tun will, was Deutsche selbst tin müssen und auchallein mit Erfolg tun können, dann muß man schwarz in die Zukunft Buropas und der weißen Völker schen. Denn sie kann nur auf ihren freien Bund, auf Selbständigkeit und Achtung, nicht auf neue Entwürdigung gegründet werden. Wir werden Hitler und seine Mitverbrecher allein zur Rechenschaft ziehen, weil sie unseren guten Namen befleckt haben. Aber wir werden dahinter unsere Selbständigkeit verteidigen.« Das war die leidenschaftlich hinausgerufene Weigerung des Pıirioten, sein Vaterland auf Gnade und Ungnade den künftigen Sitsermächten auszuliefern. Carl Goerdeler sah noch nicht, oder wollte es doch nicht wahrhaben, daß es bereits zu spät geworden var, Mit Zähigkeit klammerte er sich an die Hoffnung, durch Appell an die Vernunft den Orkan der Leidenschaften dieses tota- ln Krieges zu beschwören.?! Wenige Wochen später wurde ihm mit Erschütterung klar, daß die Stunde des totalen Zusammenbruchs aller Hoffnungen bereits dieht vor der Tür stand. Anfang August suchte ihn Oberst von Itesckow auf, Ta der Heeresgruppe Mitte, und brachte die auf- ttgende Nachricht mit, 1944 würden die Russen an der ostpreußi- schen Grenze stehen, weil die deutschen Heere es nicht mehr ver- hindern könnten, wenn auch noch andere Fronten mitversorgt werden müßten. Daraufhin bat Goerdeler seinen Freund Jakob \hllenberg, sofort nach Berlin zu kommen, was dieser auch unter Überwindung großer äußerer Schwierigkeiten tat. Aus London Iutte er wenig Günstiges zu melden. Seinem Bruder Markus war es zwır gelungen, in ein Gespräch mit D. Norton, dem Sekretär Churchills, zukommen. Eine Antwort des Premiers hatte er aber kit nicht einmal zu erbitten gewagt, weil er das für völlig aus- ichtslos hielt. In der Tat wurden die Äußerungen Goerdelers dort Autals Informationsmaterial(piece ofinformation) betrachtet und solches mit Interesse aufgenommen. Markus erhielt durch eine dtütte Person übermittelt, Churchill lasse ihn bitten, diese Ver- 352 Vierzehntes Kapitel bindungen zur deutschen Opposition weiter aufrechtzuerhaltet Man sei daran interessiert, weitere Informationen über die deut schen Widerstandsgruppen und ihre Tätigkeit zu erhalten; irgend ein Versprechen war aber damit nicht verknüpft. Immerhin: die Hand des Mittelsmannes war nicht einfach zı. rückgestoßen worden wie bisher noch immer im Verkehr mi Eden, und es ist erstaunlich, mit wieviel sanguinischer Erwartung sich Goerdeler an diesen schwachen Strohhalm einer Hoffnung geklammert hat. In tief geheimen, kunstvoll getarnten Unterre dungen beschwor er seinen schwedischen Freund, sogleich nocl mals in London nachzustoßen und dort mitzuteilen, daß die langt geplante Aktion gegen Hitler nun ganz unmittelbar bevorsteht; für September sei alles vorbereitet. Die britische Luftwaffe werd: dringend gebeten, bis etwa Mitte Oktober, wenn möglich, Berlin, Leipzig und Stuttgart, die Hauptzentren der Verschwörung, mil Bombenangriffen zu verschonen. Andernfalls werde die Aktion durch Zerstörung von Verkehrseinrichtungen gelähmt werden." Höchst eindringlich schilderte er die für ganz Europa drohenden Gefahren, wenn man weiterhin hemmungslos deutsche Städt zerstöre und Rußland zum Totalsieg verhelfe. Ein völlig zerstört tes und verarmtes Deutschland fiele als Käufer auf dem Weltmarkt ini aus, und ein überstarkes Rußland würde alle freien Staaten, ganz]? besonders aber Schweden und das Britische Empire in Asien be drohen: als aggressive Macht, aber auch durch die Gefahr ein«|ui} bolschewistischen Zersetzung der europäischen Demokratien Dringend bater, man möge Churchill vorstellen, daß es doch auch|- in Englands Interesse liege, dem Wahnsinn dieses Krieges stil. rasch wie möglich ein Ende zu machen und dazu die von der deut schen Opposition gebotene Hand zu ergreifen. Wallenber nn, wurde sehr skeptisch, als er fragte, wie man sich den geplanteilu,. Umsturz dächte, und erfuhr, daß man eine Verhaftung Hitlers und Himmlers mit nachfolgender Verurteilung plane.»Haben St) eine ganze Division Verschworener zur Verfügung«, fragte&%|cı, »um Hitlers Leibwache zu überwältigen?« Trotzdem machteln, ihm die Vorstellungen seines deutschen Gesprächspartners sta*|) ken Eindruck, und er versprach, dessen Wünsche nach Londot}}., weiterzugeben, was sein Bruder Markus denn auch getan hat Ikg eı ten Ikelin, Ilterfu Hhiren, N ppel Mlırpen tnatsst Natü Mich y Mpposi Pıktım % idte\ Min, Melme Un die Misse F Mil Goerdeler war so fest davon überzeugt, daß der Putsch(von des x}, sen Vorbereitung das nächste Kapitel berichtet) im Septembr@}- vor sich gehen würde, daß er jetzt schon ankündigte, dieneueR#/\, gierung werde sogleich nach dem Umsturz Fabian von Schlabrem\i dorff nach Stockholm senden, um von dort aus über Waffenstil-]\) standsbedingungen zu verhandeln.2? Um so mehr war Wallar}\ Friedens- und Zukunftspläne für Europa 353 zuerhalt berg enttäuscht, als der September vorüberging, ohne daß ein rt die de Militärputsch erfolgte. Erst Ende November kam er wieder nach en;itgei. Berlin, wo er Goerdeler am 30. zum letzten Male gesprochen hat. Er erfuhr, daß mehrere Attentatsversuche inzwischen gescheitert einfach' Yaren, daß aber die Vorbereitungen zum Umsturz jetzt mit ver- erkehr| doppeltem Eifer betrieben würden; übrigens sei es nun endgültig Erwartu|'kargeworden, daß ohne Ermordung Hitlers und Himmlers der r Hofinu| Staatsstreich nicht gelingen könnte. en Unter‘;| Natürlich spielte bei dieser letzten Unterredung beider Männer Jeichno auch wieder die Haltung Englands gegenüber der deutschen aß dielan| Opposition eine große Rolle. Goerdeler war hocherfreut, als heyosstl!| Biktum feststellen zu können, daß bisher dievon ihm bezeichneten wafte we| Städte von den britischen Bombenflugzeugen geschont worden lich, Bei!| Wıren. Sanguinisch wie immer hörte er aus Wallenbergs Worten yörung,t| Vel mehr heraus, als dieser wirklich sagen wollte. Tatsächlich hat die Akt| im dieser etwa folgendes mitgeteilt: Es bestünde noch eine ge- twerda| Wisse Hoffnung, daß die britischen Politiker mit sich würden ‚drohent:| ttlen lassen, falls der Umsturz sehr bald erfolgte— aber nur in sche Süt| desem Fall.» Wenn Deutschland erst geschlagen ist, dann ist alles Jlig zent|\ergeblich. Dann kann eine Regierung Beck-Goerdeler auch Welt| ichts mehr ausrichten.« Irgendwelche Versprechungen für die caaten, 99| Zukunft sind nicht zu haben. 2? in Asia| Aber Goerdeler wollte sich in seinen Hoffnungen nun einmal zefahr eÜ licht irre machen lassen. Schon einige Wochen vorher hatte er moktat Ihssell erzählt(falls dieser exakt berichtet), er sei über Schweden 5 doch? iiden Besitz einer authentischen Äußerung Churchills gelangt, Kriege er erklärt habe, vor einer Umwälzung in Deutschland könne er on derde lichts Bindendes sagen. Aber falls sie erfolge und die neue Regie- Walleok| Ang genügend Autorität gewinne, so glaube er, daß sich ein gang- MR gehe ‚hier Weg finden werde. Nach dem neuen Besuch Wallenbergs ‚Hitlen® ‚Stach er sogar von»wohlwollendem Interesse«, mit dem Chur- ‚Haben Gill das Aufkommen eines neuen Systems in Deutschland beob- u fragte! ‚achten werde.25 Offensichtlich wollte er dem lähmenden Pessimis- % PM: fs entgegenwirken, der sich seit Casablanca der Verschwörer— ur s'Wd gerade der Berufsdiplomaten wie Hassell- zu bemächtigen [on&ohte, und scheute dabei starke Übertreibungen nicht.?® &„5 Aber er hat auch nicht aufgehört, seine Gedanken und Vor- "B Schläge über die Zukunft Europas immer von neuem zu Papierzu Yingen— unermüdlich in dem utopischen Bemühen, die Politiker ‚dich Vernunftgründe zu überreden. Das eindrucksvollste Zeug- as dieser Art ist die in unserem Anhang VI wiedergegebene ‚Deakschrift, welche die natürliche britische Staatsraison gegen de Politik eines totalen Vernichtungskriegs aufrufen möchte.?? 354 Vierzehntes Kapitel Daß sie für englische Leser bestimmt war, zeigt der Inhalt deut lich. Daß sie aber je über den Kanal gelangte, muß bezweifelt wer: den. Ihr Grundgedanke ist: England und Amerika stehen ebenso als Westmächte wie als Träger der politischen Freiheitsideen in einem natürlichen, den Wandel zeitgebundener Konstellationen und Allianzen überdauernden Gegensatz zum bolschewistischen Rußland. Ohne die Hilfe einer starken und innerlich gesunden, auch militärisch gerüsteten Festlandsmacht sind sie auf die Daue: außerstande, sich selbst und Europa gegen die rote Gefahr zu ver- teidigen. Zu dieser Verteidigung ist Deutschland schlechterdings unentbehrlich- allerdings nur ein Deutschland, das sich selbst vom totalitären System befreit hat und durch eine innere Wand. lung in die Völkergemeinschaft des christlichen Abendlandei zurückgekehrt ist. Aus dieser Tatsache folgt mit logischer Konse- quenz, daß man ihm nach diesem Kriege äußere Grenzen und wirtschaftliche Lebensmöglichkeiten belassen muß, die es be: fähigen, die Rolle einer europäischen Grenzmark gegen den Osten zu übernehmen, so lange, bis Europa selbst sich zu einel Verteidigungsgemeinschaft aller abendländischen Nationen fort- entwickelt hat. »Deutschland kann es eben noch, wenn es rechtzeitig die Ver brecher zum Teufel jagt und bestraft und wenn ihm England und Amerika die Möglichkeit gewähren, den Krieg ohne Zusammen: bruch zu liquidieren. Ein Hemmnis hierzu ist die Forderung det bedingungslosen Kapitulation.« Legt der deutsche Soldat be: dingungslos die Waffen nieder, so wird Rußland der Vormarsch freigegeben.»Wo er zum Stehen kommt, weiß kein Mensch.« Wer könnte das heute lesen, ohne sich des Prophetischen diese! Sätze bewußt zu werden? Prophetisch ist auch die V’oraussage, daß die beiden angelsächsischen Mächte nur dann mit Erfolg sic der Meisterung der großen Probleme Ostasiens werden zuwef‘ den können, wenn die europäische Front gegen Rußland absolut gesichert ist. Goerdeler konnte nichtahnen, wie völlig man damals in Washington das Wesen bolschewistischer Machtpolitik vet‘ kannte und wie eng, wie gefährlich eng die angelsächsische Politik sich bereits an ihren russischen Alliierten gebunden hatte. ‚Abet man hört aus seinen Worten doch auch zum erstenmal die Sorg?| vor Irrgängen der europafremden Politik Amerikas heraus. Ei sträubt sich, daran zu glauben(und fürchtet es offensichtlich doch), daß die Amerikaner als Racheengel und Schulmeister der Um: erziehung« in Deutschland auftreten und dadurch die echte Er! neuerung deutschen Lebens im Sinn der westlichen Freiheitsidez le gefährden könnten- eine Erneuerung, die nur dann wirks andve ne Feind über, Selbst dm| wubts Frhrze Shristl Ülkar ich Yolitil Werde An ® Irop Maratt Bafthi ) Iopr. DitBl Meräne Einer Einen Wesen Chien Wade u Eine Ih\ Amen Eau Öge Car zndı ne Mei; u; hen eben: itsideen| tellation) Se]hstmord« wäre, und eines neuen besseren Deutschlands, in dem Recht und Freiheit herrschen werden.»Das religiöse Be- > wistischt | gesunde f die Dax fahr zuve schterdit! sich selb Friedens- und Zukunftspläne für Europa 355 “ ‚ind von Bestand sein kann, wenn sie aus freiem, selbstgewonne- tem Entschluß erfolgt. Solchen Gefahren stellt er noch einmal sin Idealbild eines neuen, bündisch organisierten Europas gegen- über, in dem es nie wieder Krieg geben wird, weil Krieg»glatter yußtsein in Deutschland ist durch die Unterdrückung im letzten Jihrzehnt ungeheuer vertieft und verbreitet. Für uns wird die &hristliche Religion und ihre Lehre Stütze und Leitsatz auch bei illen politischen Maßnahmen im Innern und im Äußeren bleiben. Wir halten es für notwendig, daß auch die Grundsätze der Außen- 1ete War| politik mit der christlichen Moral in Übereinstimmung gebracht bendlant| Yerden.« "her Kon| .nzen? ut die es gegen‘[1 ich zul tionen Io" tig die\t ing] Jand u Zusam rderung 5 Soldat h Vormit Mensch schen di Vorausst ‚Erfolg g° ‚den zu An den Glauben an dieses kommende neue Deutschland und Europa hat sich Goerdeler immer wieder mit letzter seelischer Kraft festgeklammert— bis in die langen Monate seiner Kerker- ft hinein, die er unermüdlich dazu benutzte, um sein Zukunfts- Pogramm noch weiter auszufeilen und zu vervollständigen. Die mit Bleistift in kleiner Schrift und auf kleine Zettel, aber mit un- wrändert klarer und fester Hand geschriebenen Ausarbeitungen “iner letzten Lebensmonate, in denen das geschah, häufen sich in “inem Nachlaß zu dicken Stapeln. Inhaltlich zeigen sie keine wesentliche Veränderung mehr.?? Was er vorzutragen hatte, \hien ihm die klare, durch Tagesereignisse nicht weiter aa wındelnde Forderung der politischen Vernunft. Und die mußte keines Tages siegen. In Wahrheit war seine Stimme schon längst zu der eines ein- “nen Rufers in der Wüste geworden. Seitdem Herbst 1943 drang \e auch gar nicht mehr über den Kanal hinüber— nicht einmal im ibgeschwächten Nachhall neutraler Vermittler. Carl Goerdeler ist der einzige Politiker des deutschen Wider- ‘ünds, von dem ni Nonsliche: allseitig durchdachte Zukunfts- Pine für die Gestaltung des neuen Europas überliefert sind. Dem Kreisauer Kreis scheint ein eigenes, genau bestimmbares außen- Politisches Programm gefehlt zu Ben. Immerhin hat man auch lort über eine europäische Föderation diskutiert und gleichfalls “eine Art»Genossenschaftsverband« der europäischen Staaten ‚ ttdacht; nach Steltzers Bericht sollten sie alle, ohne Rücksicht auf ite Größe, in einem»europäischen Rat« vertreten sein, der sich ‚ki günstigen Umständen zu einem Organ europäischer Regie- ng entwickeln könnte.3 Es wird mit den sozialistischen Ideen, die im Kreisauer Kreis nn Zune 356 Fünfzehntes Kapitel eine so große Rolle spielten, zusammenhängen, daß man sich dort weniger einseitig mit den Freiheitsidealen des Westens verbunden fühlte als Goerdeler und seine Gesinnungsgenossen. Trott zu Solz hat eine(anscheinend nicht erhaltene) Denkschrift»Deutschland zwischen West und Ost« verfaßt, in der von einer Mittleraufgabt unserer Nation zwischen beiden Kulturbereichen die Rede war. Gemeinsam mit seinem Berufskollegen von Hassell war er der Meinung, daß man versuchen müsse, die deutsche Mittellage in irgendeiner Weise zum Druck auf die englische Politik auszu- nutzen. Gleichwohl kann man nicht sagen, daß die Kreisauer Tafelrunde als Ganzes einer Verständigung mit dem Osten statt mit dem Westen zugeneigt hätte. Nur von dem Sozialisten Reich- wein wird berichtet, er habe in Rußland das große und mächtige Land der Zukunft gesehen, ohne das und gegen das keine euro- päische Politik mehr möglich sein würde und in dem sich schos jetzt ein großer und heilvoller geistiger Wandel vorbereite. Mit ihm sollte also unter allen Umständen ein Interessenausgleich gesucht werden.?! Eine Auffassung, die ihn dann zu jenem un- glücklichen Treffen mit deutschen Kommunisten trieb, von dem wir schon hörten(siehe oben Kapitel 6). Die anderen Mitglieder des Kreises hegten, wie es scheint, zwar Sympathien für eine gutt Nachbarschaft mit Rußland(im Sinn der geschichtlichen Tradi- tion) und für den Sozialismus im Gegensatz zum sogenannten »westlichen Kapitalismus«, aber ebenso heftige Abneigung gegen den Bolschewismus und sein totalitäres Staatssystem, wie allt deutschen Widerstandskreise. Die Frage, welche politische Konsequenz sie aus dieser Hal- tung zogen und wie sich Goerdeler zu dem Problem einer»Ost- lösung« stellte, kann aber nur im Zusammenhang der aktiven Um: sturzbemühungen des Verschwörerkreises erörtert werden. Ihrer Betrachtung wenden wir uns als letztem Gegenstand die: ses Buches zu. i Fünfzehntes Kapital: Umsturzversuche 1942-1944 I. Vor Stalingrad Alles Planen war umsonst, wenn der Umsturz nicht gelang. Ihs ohne Unterstützung der Wehrmacht durchzuführen, war im Krieg noch weniger als im Frieden möglich. Da Marine und Luft‘ waffe unter hitlerhöriger Führung standen und nicht jene alt preußische Tradition besaßen, die im Offizierskorps der Arm äj 3 „a tichw ettirkte figbar yken, Ein Iksül Übener IKtieg: Ilarsc Apolitis Mersu Ealdh Ach ı State, Wald Ar 0 bene: Site Micht, Dort Ulsche Wirke Kind Knso Merkaı Sen Bel) Mirer ers| WndR Hohn: Mira Üteche kit. Öftge N h Ocht n sich dur) verbund: ottzusol eutschlan:| Jeraufgah| Rede wi war er& ittellage itik ausz Kreisau Osten st sten Reit d mächti keine eu! sich sch yereite. I nausglel ‚jenem! b, von Mitgliet jr eine gl -hen Tr genanl gung gt m, wies dieser# einer 0| ktivenl® erden: stand Umsturzversuche 1942-1944. I. Vor Stalingrad 357 "tachwirkte und dessen Widerstand gegen das Hitlertum ver- särkte, blieb nur diese als Bundesgenosse der Verschwörer ver- figbar. Aber auch hier ergaben sich zunehmend starke Hemmun- gen. Einige davon kennen wir schon. Der glänzende Triumph Hit- krs über Frankreich schien die pessimistischen Voraussagen des Generalstabs zu widerlegen. Der nachfolgende Segen an hohen Kriegsauszeichnungen und Beförderungen, Generalsposten und Marschallstäben söhnte manchen Unzufriedenen aus, der nicht politische Einsicht oder Charakterstärke genug besaß, um solchen Versuchungen zu widerstehen; mancher Fachsoldat, dem Hitlers feldherrngabe vorher fragwürdig erschienen war, hat sich jetzt aıch wohl imponieren lassen und ist zum Lobredner des Zivil- strategen geworden. Insbesondere gilt das von demneugekorenen leldmarschall von Reichenau, der im Winter 1939/40 zeitweise tır Opposition überzugehen schien, ein Jahr später indessen(wie General Thomas berichtet) durch seine Propaganda für Hitlers Scrategie und Genie die Bemühungen der Widerstandsgruppe ticht wenig lähmte. Der Führer selbst bemühte sich, durch üppige Dotationen an Geld oder Landgütern die Dankbarkeit und mora- Ische Abhängigkeit seiner militärischen Paladine noch zu ver- särken, und hatte damit Erfolg; selbst ein so kritischer und selb- sändiger Kopf wie Feldmarschall von Kluge scheute sich nicht, &in solches Geschenk anzunehmen(ohne dadurch allerdings sich verkaufen« zu lassen). Freilich verdarb sich Hitler alles, was er auf desem Wege gewinnen mochte, sehr rasch selbst durch die bru- tle Mißhandlung hoher Truppenführer, die charaktervoll genug waren, militärisch unsinnigen Befehlen des Großen Hauptquar- üers keine Folge zu leisten. Die lange Kette solcher Kränkungen und Entwürdigungen begann mit der brutalen, allem Militärrecht bohnsprechenden Ausstoßung des Generalobersten Erich Hoep- ter aus der Armee, weil er einen sachlich durchaus notwendigen, ttchtzeitigen Rückzug seiner Panzerarmee vor Moskau entgegen Hitlers Weisung angeordnet hatte, Anfang Januar 1942. Hoepner, ine gerade, einfache, sehr charaktervolle Soldatennatur, schon in Frankreich bewährt als einer der besten Panzergeneräle, ist üicht erst durch diese Ausstoßung ins Lager der Opposition ge- tieben worden, die schon 1938 auf seine Mitwirkung zählte.! ‚seine Mißhandlung, die zusammen mit der Graf Sponecks großes Aufsehen erregte, hat der Militärverschwörung neuen Auftrieb gegeben; im ganzen aber haben sich diese bösen Erfahrungen auf ‚| die Armee erstin der zweiten Kriegshälfte ausgewirkt. Als Hemm- | üis aller politischen Bemühungen erwies sich bald auch die Tat- 358 Fünfzehntes Kapitel sache, daß die höheren Kommandostellen, besonders die zen- tralen, einfach physisch mit Aufgaben überlastet waren, seit der Krieg wieder in ein schnelleres Tempo geriet.»Militärische Füh- rer«, hat Halder später erklärt,»können nicht politisch leitend hervortreten, wenn sie täglich 18 bis 2o Stunden Dienst machen müssen.« Dazu kam die ungeheure Aufschwellung des Volks heeres durch den Krieg, die seine menschliche Substanz völlig veränderte. Die 4000 Offiziere und Beamten der Reichswehr von 1932 haben sich während des Krieges, nach sachverständige: Schätzung, auf rund 400000 vermehrt— eine politisch amorphe, zum größeren Teil aus der Hitlerjugend stammende und politisch gar nicht mehr zu beeinflussende Masse. Allgemein galten beson- ders die mittleren Ränge, die rasch beförderten Hauptleute und jungen Stabsoffiziere, ohne die kein General praktisch handeln konnte, als überwiegend hitlergläubig, zumeist aus naivem Ideı- lismus. Endlich und vor allem: der»Führer« entzog sich jedem Zugrif hoher und höchster militärischer Kommandostellen, seit er mit der Armee ins Feld gerückt war. Gleich zu Beginn des Rußland- feldzuges schloß er sich in seiner seltsamen»Wolfsschanze« bd Rastenburg in Ostpreußen ein, hinter dreifacher Sperrkette, in kunstvoll getarnten und gesicherten Bunkerbauten im Walde, zu- gänglich nur für Bevorzugte, die schärfster Kontrolle unterlagen, später in einem ähnlichen Lager bei Wyniza in der Ukraine. Dies? Einsiedelei verließ er nur ganz selten zu»Frontbesuchen«, die bis in irgendein Stabsquartier der Heeresgruppen führten oder zı kurzem Auftauchen in der Berliner Reichskanzlei und im»Berg- hof« auf dem Obersalzberg. Wie sehr das jeden Attentats- oder auch Arrestversuch erschwerte, ja fast unmöglich machte, ist oft geschildert worden. Eine rätselhaft sichere Witterung von Ge fahren, die seine persönliche Sicherheit bedrohten, gehörte zut Dämonie des Diktators hinzu. Die Aussicht, einen Umsturz erfolgreich durchführen zu kön- nen, war also seit 1941 durch praktische Hindernisse noch viel enger begrenzt als vorher.? Sie erweiterte sich erst allmählich in dem Maße, wie die immer offenkundiger werdende Fehlleitung des Krieges durch Hitler, der sich vergeblich von seinen Kreaturen als»größten Feldherrn aller Zeiten« feiern ließ, auch die jüngeren Stabsoffiziere, besonders in den Generalstäben, zur Kritik und Erbitterung trieb. Mit dieser Wendung hing auch die Bildung einer jüngeren, von Graf Stauffenberg geführten Aktivisten- gruppe zusammen. Aber in demselben Maße, wie diese Opposi- tion wuchs, schwand auch die Aussicht, durch Beseitigung des jranı Vtträg rerte ı Nefen, tähen Jwe eine A Seit Versu kaeSı Psche nst mache des Volk‘ tanz völll 1swehr vo erständigt h amorpht ad politisc Iten besot otleute un! ch handel! ivem Id Jem Zugit seit er mil .s Rußlant! -hanze«b" errkette, N Walde,z’” unterlag®» ‚aine. DIE en«, diebi en oder! | im»Bet ‚ntats- OU chte, st! jleitung“ !| Umsturzversuche 1942-1944. I. Vor Stalingrad 359 yrannen und rechtzeitigen Abbruch des Krieges einen halbwegs «eträglichen Frieden für Deutschland zu bekommen. Damit stei- | jerte sich die seelische Belastung der Opponenten, die Gefahr ‚ efen, von der Masse der Nation ihrerseits für die unaufhaltsam sahende Katastrophe verantwortlich gemacht zu werden. In so uswegloser Lage ist das Attentat des 20. Juli 1944 schließlich als ine Art von Verzweiflungstat erfolgt. Seit der Rußlandfeldzug in Gang gekommen war und Halders Yersuche, seinen Oberbefehlshaber gegen das von Hitler befoh- lene System des blutigen Terrors in offene Opposition zu bringen, gescheitert waren(Kap. 14), blieb für die Aktivisten der Wider- sandsbewegung nur noch die Hoffnung, einzelne Oberbefehls- aber der Heeresgruppen gegen ihren Obersten Kriegsherrn in bewegung zu setzen. Sie stützte sich auf die allgemeine Empö- tang, mit der das höhere Offizierskorps die Befehle Hitlers zur Erschießung sowjetischer Kommissare und zu Terrormaßnahmen vegen die Zivilbevölkerung aufgenommen hatte. Mit besonderem Lifer suchte General Friedrich Olbricht diese Stimmung auszu- nutzen. Seit Mai 1940 Chef des Allgemeinen Heeresamts, besaß tc als solcher weitreichende dienstliche Verbindungen zu allen Heeresteilen auch an der Front und nützte sie im Sinn der Wider- Sandsgruppe. Mit Beck, Oster, Witzleben, Falkenhausen seit lungem persönlich verbunden, mit Goerdeler schon aus seinen ‚ Dresdener und Leipziger Dienstjahren(als Stabschef beim IV. Ar- ‚ meekorps 1933-38) sehr gut bekannt, gehörte er aus echter sitt- lich-religiöser Überzeugung zur Opposition. Er hat ihr bis zum bittern Ende die wertvollsten Dienste geleistet- ohne jeden per- Sönlichen Ehrgeiz und Führeranspruch, allein als technischer Or- ganisator in ebenso mühsamer wie gefahrvoller Einzelarbeit.® Eng verbunden mit ihm in gleicher Gesinnung war General Thomas, der im Sommer 1941 eine neue Rundfahrt zu Front- generalen unternahm: zum Hauptquartier Rundstedts(Heeres- Xruppe Süd, Generalstabschef von Sodenstern), Bocks(Heeres- Xruppe Mitte, Chef von Greiffenberg) und Leebs(Heeresgruppe Nord). Er übergab dort den Stabschefs eine Ausarbeitung, die ‚ zigen sollte, daß der Krieg aus wehrwirtschaftlichen Gründen unmöglich gewonnen werden könne. In den beiden erstgenann- itn Stäben stieß Thomas auf gutes Verständnis; man erklärte ihm ‚ber, die Befehlshaber würden praktisch zu keiner Opposition zu bewegen sein; im Stabe Leebs wurde er diesmal völlig abgewie- | sın.% Im Stabe Bocks gab es längst eine Gruppe entschlossener Öpponenten, geführt von dem Ersten Generalstabsoffizier Hen- Ang von Tresckow, den uns sein Freund Fabian von Schlabren- 360 Fünfzehntes Kapitel dorff so lebhaft geschildert hat: hochbegabt, überaus aktiv, vot N allem aber ein echter Edelmann, der keine Form von Gemeinheit ertrug und deshalb schon längst vor dem Krieg zum Kampf gegen" das Hitlertum entschlossen war.5 Unter den hitlerfeindlichen Mit gliedern seines Stabes sind vor allem die Grafen Hans von Harden- berg und Heinrich von Lehndorff zu nennen, dazu der General| Freiherr von Gersdorff, der später selbst ein Attentat versuchthhat, bei dem er sein eigenes Leben aufs Spiel setzte. Nicht zufällig tauchen so viele Namen ostelbischer Adliger und Grundbesitzer in den Reihen der Verschwörer auf: hier waren die besten Tradi- tionen altpreußischen Soldatentums offenbar noch ganz unmittel- bar, als Familienerbe, lebendig.® Es ist aber auch kein Zweifel, daß die Durchsetzung aller höheren Stäbe mit entschlossenen Gegnern des Hitler-Systems nicht zufällig war: General Halder hat sie, solange er es vermochte, mit Hilfe seiner»Zentralabteilung« untet Oberst von Ziehlberg(der später erschossen wurde) planmäßig a1 alle wichtigen Kommandostellen verteilt. Erst beim Abgang Ha! ders ist dem Generalstab diese Möglichkeit aus der Hand genom- men worden, indem General Schmundt, Hitlers Chefadjutani, nunmehr alle Personalsachen in seiner Amtsstelle vereinigte.” Durch wiederholte Sendungen Schlabrendorffs nach Berlin (seit Oktober 1941) setzte sich Tresckow mit dem dortigen Ver- schwörerkreis, aber auch mit dem Auswärtigen Amt(Staats- sekretär von Weizsäcker) in Verbindung, um über die allgemeint politische Lage orientiert zu sein.® Aber was konnte ein einzelner Truppenstab schon politisch ausrichten- selbst wenn es Tresckov gelungen wäre(was immer wieder mißlang), seinen Oberbefehls- haber von Bock in offene Opposition gegen Hitler zu treiben’ Der Führer zeigte eben damals den Generälen die ganze Brutalität seines Machtwillens. Er erzwang gegen ihren Widerspruch dit verfehlte opferreiche Winteroffensive auf Moskau, lud nach ihrem Scheitern und den ernsten, damit verbundenen Rückschlägen dit| ganze Verantwortung vor der Öffentlichkeit auf Brauchitsch, den er im Dezember entließ?, setzte sich selbst kurzerhand an dessen Stelle als Oberbefehlshaber des Heeres und entfernte in den näch-| sten Monaten nicht weniger als vier Armeeführer und mehrer? Dutzend Divisions- und Korpskommandeure aus ihren Kom mandostellen- unter ihnen auch Hoepner und Graf Sponeck, vo1 deren rechtswidriger Mißhandlung schon oben die Rede war. 50 brachte der Winter 1941/42 jene Entwicklung zum Abschluß, dit wir in ihrem stückweisen Fortgang seit 1933 beobachtet haben: der Armee wurdenicht nurihretraditionelle Ausnahme-und Vor zugsstellung im Staate genommen, sie wurde nicht nur zum test]|, Umsturzversuche 1942-1944. I. Vor Stalingrad 361 bs abhängigen Werkzeug des Politikers gemacht, sondern es wurde ihr planmäßig das moralische Rückgrat gebrochen. General Jodl, der Chef des Wehrmachtführungsstabes, hat seinen Herrn und Meister damals aufs höchste bewundert: als den a Harder iinzigen, der im Großen Hauptquartier während der schweren er Gent! Krisen nie die Nerven verloren und der statt dessen die Kühnheit rsuchthi, besessen habe, jetzt erst recht die ganze Last der militärischen ht zußll Leitung auf sich zu nehmen. Die Mehrzahl der Heerführer dachte ndbesit“l" ‚ber doch anders: sie empfanden mit großer Bitterkeit ihre Ent- ten Tal" Würdigung. Daran knüpften neue Hoffnungen der Verschwörer zunmitt" n, Wir hören von Putschplänen, die in Berlin ausgeheckt wur- weifel,&" Jen, deren konkrete Gestalt indessen nicht deutlich zu erkennen nGegi! st: die Heerführer der Front sollten gemeinsam Hitler den Ge- ler hat sÜ; lorsam als militärischem Befehlshaber verweigern. Da nun die ung«un! Kommandeure der Ostfront während der schweren Winter- mäßig! Jämpfe zu einer politischen Aktion außerstande(und auch schwer- gang Hi ch geneigt) waren, sollte der Befehlshaber in Frankreich, der alte ndgen Haudegen Witzleben, isoliert»losschlagen«, d.h. mit seinen efadjut\“"ruppen nach Berlin marschieren und bei Betreten des deutschen einigte. Bodens durch eine Proklamation an das deutsche Volk die»voll- ach Bet" iehende Gewalt« übernehmen. Sicher ist, daß man seit Ende rtigen\*" Dezember unter Teilnahme von Goerdeler, Beck, Popitz, Jessen, mt(Stat“von Hassell, Dr. Pechel u. a. eine Proklamation ausgearbeitet hat, allgem?" welche die Grundzüge der geplanten neuen Staatsform darlegte, neinzl®"und daß in diesem Zusammenhang auch jene früher(Kapitel 13) 5 Tresck) erörterten monarchistischen Pläne diskutiert worden sind. Nach- herbefel‘"einander wurden von Hassell und Dr. Pechel zur Fühlungnahme zu treib®! mit Witzleben nach Paris entsandt. Dieser verfügte indessen nur e Brutal'"über schwache Landwehrtruppen ohne größere Kampfkraft, jspruch® Senso wie General von Falkenhausen in Brüssel, den Hassell nachihrt gleichfalls aufsuchte. Der Gedanke, mit solchen Kräften einen chlägen! Umsturz zu erzwingen, war so phantastisch, daß er ohne vorher- hitsch,& gehende Beseitigung Hitlers geradezu als sinnlos erscheint. Dar- Jan des‘"über wurde auch beraten und Goerdelers halbe Zustimmung zu „denn"ener Mordtat angeblich nach langem Ringen erreicht. Wie aber dese durchgeführt werden sollte, bleibt ebenso dunkel wie die mei! ee ke Einzelheiten des Komplotts überhaupt. Witzleben und Falken- ‚onech hausen haben Hassell gegenüber den ganzen Plan für utopisch dev It klärt. Immerhin hat Witzleben einen Generalstabsoffizier an die chlub®"Ostfront zu Halder entsandt, um dessen Stellungnahme zu erkun- ;„den. Sie konnte nicht anders als ablehnend sein— obwohl der Generalstabschef seine grundsätzliche Zustimmung zur Idee eines Sraatsstreichs erneut erkennen ließ. Praktisch besaß er keine Mög- 362 Fünfzehntes Kapitel| lichkeit zur Unterstützung solcher Pläne. Der Wehrmachtfüh- rungsstab Hitlers hatte sich längst so tief in die Einzelheiten det Truppenverwendung hineingedrängt, daß der Generalstabschd gar nicht mehr frei darüber verfügen konnte.!° Bald darauf begab sich Witzleben zum Zweck einer klinischen Operation nach Frankfurt. In der Klinik erreichte ihn die Ordre seiner Dienst entlassung. Der Sommer des Jahres 1942 brachte neue, höchst eindruck» volle Erfolge der deutschen Armeen. In Rußl land drangen sie bi zum Kaukasus vor, in Nordafrika Egiucke Rommel ein Vorstol bis an die ägyptische Grenze. Das war keine Zeit, um Umsturz pläne ins Werk zu setzen. Trotzdem hat die zivile Opposition un: entwegt daran weitergearbeitet. Wir kennen schon die verschie denen Versuche, die sie damals anstellte, über Schweden mit det britischen Politik wieder in Fühlung zu kommen(Kapitel 14) Auf die Generäle suchten Goerdeler und Thomas durch eine ge- meinsam verfaßte Denkschrift einzuwirken, die sich als» Warnruf der deutschen Wirtschaft« gab und die Aussichtslosigkeit des Krieges infolge ökonomischer Hemmungen beweisen sollte. Sit wurde vom stellvertretenden Vorsitzenden der Reichsgruppt Industrie, Generaldirektor Stahl, einem führenden Bankier, zwei Landwirten und Goerdeler selbst unterzeichnet und zunächst Halder vorgelegt, den General Thomas noch zweimal aufsuchte, blieb aber ohne Erfolg. Der Generalstabschef stimmte grund- sätzlich zu, erklärte sich aber praktisch außerstande,»dem Wahr- sinn dieser Verbrecher-Clique zu steuern«.!! Im September wurde er selbst, nach schweren Zusammenstößen mit Hitler, aus seinem Amt entlassen. Es war für die Widerstandsbewegung vor allem deshalb ein schwerer Schlag, weil nun überhaupt kein direkter Zugang mehr zur obersten Heeresleitung bestand. Trotz aller Mißerfolge gaben aber die Verschwörer ihre Be- mühungen um einen Militärputsch nicht auf. Thomas versuchtt im Spätsommer 1942 den Feldmarschall List zu einem Empfang Goerdelers zu bewegen; der aber wurde schon einige Tage späte! verabschiedet(am 19. September). Olbricht, den der Soldatentod seines Sohnes erst recht zum Hasser Hitlers gemacht hatte, Ef mühte sich bei den Generalobersten Reinhardt und Heinrici." Auch Beck schrieb Briefe und sandte Boten an seine frühere Kameraden, aber ohne sichtbaren Erfolg.!3 Bessere Aussichtei schienen sich zeitweise im Stab der Heeresgruppe Mitte zu eröf- nen, in dem General von Tresckow tätig war. Durch seinen Ver bindungsmann Fabian von Schlabrendorff suchte und fand€! immer engere Fühlung mit dem(sich langsam erweiternden) Ber Umsturzversuche 1942-1944. I. Vor Stalingrad 363 -machtfi,|ner Verschwörerkreis. Seine Bemühungen wurden dadurch er- Iheitend,, kichtert, daß Feldmarschall von Kluge, der seit Dezember 1941 alstabsch,(le Heeresgruppe führte, sich den politischen Einwirkungen antelhei Tresckows weniger unzugänglich zeigte als sein Vorgänger von ation nk Dock. Entscheidend für seine Haltung wurde indessen erst das 1er Dient tersönliche Auftreten Goerdelers.| Der Soldatentod seines sehr geliebten ältesten Sohnes Christian ji (Mai 1942) hat ihn, ähnlich wie Olbricht, zu neuer Aktivität auf- Bi gestachelt. War es doch das Unerträglichste, was einem Vater in j in Vor) leser verruchten Epoche zustoßen konnte: sein Liebstes hin- geben zu müssen für einen Krieg, dessen unheilvoller, ja verbre- ositionu(erischer Charakter beiden klar bewußt war: dem Geopferten je versch, Benso wie dem Opfernden. Unzählige Male hat Goerdeler seinen en ai Freunden erklärt, er betrachte es als Vermächtnis seines Sohnes, i Gapiel aß diesem schauerlichen Opfergang der deutschen Jugend schleu-{ cheineg."stein Ende gemacht werden müsse. Der Sturz des Hitler-Regi- h a Warn! nentes wurdeihmsoauch.noch zu einer ganz persönlichen Pflicht. ker mm August 1942 treffen wir ihn, den unermüdlichsten aller ü sigkelt ‚ Aktivisten der Verschwörung, in Königsberg, wo er den Feld- ale narschall von Küchler, Befehlshaber der Heeresgruppe Nord, ichsgm zam Anschluß an die Opposition zu bewegen suchte— wieder kiet, chne rechten Erfolg. Zurückgekehrt traf er mit Schlabrendorff d A zasammen, der ihn in das Hauptquartier von Kluges nach Smo-; l ae Iinsk einlud- eine abenteuerliche Reise für einen Zivilisten! Aber mie 01 Goerdeler schreckte vor keinem Wagnis zurück. Mit gefälschten dem I Ausweisen, die ihm Oster besorgte, traf er nach achttägiger, un- a endlich mühsamer Fahrt(es muß im Spätherbst gewesen sein) im ‚aus® l n Scabsquartier des Feldmarschalls ein, hatte mit ihm eine zwei- go ständige Aussprache und lernte auch Tresckow persönlich ken- De in dire: E! a ein dir nen. Der Eindruck seiner ebenso charaktervollen wie gewinnen- cen Persönlichkeit auf die Offiziere des Hauptquartiers scheint i rer Ihre überwältigend stark gewesen zu sein.»Ein politischer Kopfersten 1s versuf Ranges«, urteilte Schlabrendorff, und ganz besonders war Tres-| m EN" eingenommen. Er empfand ihn sogleich als Geistes- Tages” verwandten und hat ihm bis zuletzt die stärkste Sympathie be- Soldatel ‚ vahrt. Auch Feldmarschall von Kluge war tief beeindruckt, und ye batt6 oe schien zunächst, als würde er sich für einen Militärputsch ge- | Heil”" vinnen lassen- freilich wurde er gleich darauf schon wieder be-| ne frühe" tenklich. Er hat von jetzt an die Verbindung mit den Verschwö- H Aussid" tn immer neu gesucht- zum aktiven Aufstand freilich nie den N ‚te M° oder die Möglichkeit gefunden.| ‚seinel Je mehr allmählich die Hoffnung schwand, einen der Front- nd fu Beneräle zum offenen Abfall von Hitler zu bringen, um so wich- 364 Fünfzehntes Kapitel tiger wurde die Organisation des Widerstands beim Heimatheet und die Einigung der zivilen Verschwörer auf ein gemeinsames ‘Programm. Schon im Winter 1941/42 scheint man sich auf ein vorläufiges Direktorium Beck— Goerdeler— Witzleben als pro- visorische Umsturzregierung geeinigt zu haben.!® Wie aber sollte es zur Macht kommen? War es möglich, an Stelle der Front- truppen das Heimatheer zum entscheidenden Stoß anzusetzen?’ Darüber gab es schwierige Diskussionen. Goerdeler und Popitz, denen die rasch sich verschlechternde außenpolitische Lage größte Sorge machte, waren bereit, die Frage zu bejahen. General Thomas war dagegen, weil er fürchtete, die Front würde einen Aufstand der Heimattruppen als»Dolchstoß« empfinden und sich zur Wehr setzen. Überdies traute er dem Oberbefehlshaber des Heimatheeres Generaloberst Fromm nicht, dem Olbricht als Chef des Allgemeinen Heeresamtes unterstand. Zum mindesten, meinte er, müsse einer der Oberbefehlshaber der Front zur Mitarbeit ge- wonnen werden-eine Ansicht, dieauch von Beck, Oster und dem Staatssekretär a. D. Planck geteilt wurde. Im Spätherbst, seit die Amerikaner und Engländer in Nordafrika standen und sich die Katastrophe von Stalingrad vorbereitete, wurde die Entscheidung immer dringlicher. Immer häufiger wur- den die Besuche von Frontoffizieren bei Beck, die von katastropha- len Kriegsaussichten berichteten. Im November kam es in Berlin zu einem Treffen von Goerdeler und Olbricht mit Tresckow, in dessen Verlauf Olbricht sich anheischig machte, in Berlin, Wien, Köln und München eine Organisation aufzubauen, die in diesen Städten der Staatspartei die Macht entreißen sollte, sobald von anderer Seite der erste Schlag gegen Hitler geführt wäre. Dabei wurde auch die Frage eines Attentats diskutiert. Olbricht begann damit, Vertrauensoffiziere in jedes stellvertretende Wehrmachts- kommando zu entsenden. Die Durchführung des Umsturzes in der Heimat sollte mit Hilfe von Ersatztruppen erfolgen, die auf das Stichwort» Walküre« zur»Unterdrückung innerer Unruhen« in Marsch gesetzt werden könnten- ein Plan, der dann im Juli 1944 bekanntlich teilweise zur Ausführung gelangt ist.!® Das Amt Olbrichts wurde jetzt zur Zentrale einer technischen Vorbere- tung des Putsches, wie sie einst im Zossener Hauptquartier von Offizieren des Generalstabes betrieben worden war.!? Wo abe! war- das blieb immer die Grundfrage- der Frontgeneral zu fin- den, der durch jähes Zupacken gegen Hitler das Signal zum all- gemeinen Aufstand gab? Eine Zeitlang haben die Verschwörer, wie es scheint, ihre Hoffnung auf General Paulus, den Befehlshaber der 6. Armee in Stalin Hitler impf Nerge derp ven. Aber schloß ende führu Dropa Prady Umsturzversuche 1942-1944. 1. Vor Stalingrad 365 ar"\talingrad, gesetzt. Wenn er sich entschloß, gegen die Befehle einsam Hitlers sich den Rückmarsch aus seinem verlorenen Posten zu er- Haus ämpfen, konnte er vielleicht die ganze Front in Aufruhr bringen. als pr\ergeblich suchten ihn einzelne Unterführer durch Vorstellungen aber soll oder praktischen Ungehorsam zu einem solchen Schritt zu drän- fer Eron ten.!® Im Kreise Becks kannte man seine Charakterschwäche. riısetz Aber es hätte schon viel bedeutet, wenn er sich wenigstens ent- nd Popit schloß, unmittelbar vor dem Untergang seiner Armee eine flam- ‚che mende Anklage gegen den Wahnsinn dieser Heeres- und Staats- 1.Gad führung an das deutsche Volk zu richten und damit den dicken ärde ein}ropagandanebel zu zerreißen, mit dem die Wahrheit über Stalin- nundsi grad vor der Nation verhüllt wurde. Am 24. November erschien, haben wie Goerdeler berichtet!?, ein Stabsoffizier von einem Korps der healsCh(. Armee bei Beck und bat ihn dringend, diese durch einen recht- = main, eltigen Staatsstreich retten zu helfen. Beck habe daraufhin so- tacheitg\leich an Manstein geschrieben, zu dessen Befehlsbereich die ni(. Armee gehörte und der ja auch Auftrag hatte, sie zu entsetzen— us!ber mit völlig unzureichenden Kräften unter Generaloberst ..., Hoth, die kurz vor dem Ziel steckenblieben. Manstein, schreibt Norealt Goerdeler, habe ausweichend geantwortet.20 Aus Stalingrad ka- bereit men immer nur neue Beteuerungen treuer Ergebenheit, und Ende ah Januar war die Katastrophe vollendet. ; h os in Beil esckoW, IE. Nach Stalingrad lin,” Sie brachte zugleich, trotz aller Propagandakünste, eine erste tiefe ie in dies Erschütterung des Vertrauens der Nation auf das militärische sobald h Genie, aber auch auf die menschlichen Eigenschaften Hitlers— yäfe. m iines»Führers«, der kalten Herzens Hunderttausende seiner Ge- chtbeet treuesten ins Verderben schickte, bloß um eines falschen Ehr- ehrm| geizes und Prestiges willen. In den höheren Offizierskreisen emp- mstut2“| find man es nachgerade als unerträglich, den Launen und dem ve, dien Ligensinn dieses militärischen Dilettanten ausgeliefert zu sein— ‚ Unnub ne Stimmung, die sich am auffallendsten gerade unter den jün- ann IM N Generalstabsoffizieren regte. Die Hoffnung des Berliner 6 Das’ Verschwörerkreises, die Feldmarschälle Kluge und Manstein 1 Vorbe! vürden nun durch gemeinsame Vorstellungen Hitler zur Abgabe artie| des direkten Oberkommandos über das Heer an einen Fachmann ıı Wo?|. bringen, von der Gisevius berichtet?!, wurde allerdings rasch ent- ‚era 2")| täuscht. Aber es blieb nun doch eine wachsende Spannung in der nal zn? Armee22, und eben auf diese bauten die Verschwörer bei jenem n| Plan eines monarchischen Umsturzes, von dem schon früher chi|(Kapitel 13) die Rede war. 6, A| 366 Fünfzehntes Kapitel Unzweifelhaft hat sich während dieses Kriegswinters, in dem| auch die Bombardierung deutscher Städte größeren Umfang an- nahm, nicht bloß in der Armee, sondern in weiten Kreisen des Volkes das Gefühl verbreitet, der Höhepunkt deutscher Macht- erfolge sei nun überschritten. Das Bild einer Katastrophe von un- absehbaren Ausmaßen tauchte am- noch fernen— Horizont auf. Als Symptom der daraus folgenden seelischen Spannungen konn- ten die Unruhen in der Münchner Studentenschaft gelten, gip- felnd in dem bekannten Aufruf der Geschwister Scholl, der aus- drücklich zur Rache für die Toten von Stalingrad aufforderte (16.-19. Februar 1943). Als Ganzes war die Bewegung der» Wei- Ben Rose«, der die Scholls angehörten, freilich nicht erst eine Frucht der Kriegsereignisse, sondern entsprang einer ganz echten Empörung der Gewissen gegen Hitlers Gewaltregiment, stark mitbestimmt durch die Ideen der katholischen Jugendbewegung Süddeutschlands. Mit dem Berliner Verschwörerkreis hatten diese jungen Leute ebensowenig zu tun wie überhaupt mit Politik im engeren Sinn. Über immer wiederholte Aufforderungen zu pas- sivem Widerstand und zur Sabotage der Par aber auch in Rüstungsbetrieben gingen ihre politischen Vorschläge nicht hinaus. Aber gerade in der unbekümmerten Naivität ihres Auf- standunternehmens kam zum Ausdruck, daß jener sittliche und religiöse Idealismus, den der Münchner Philosoph Kurt Huber seinen Hörern im Stile Fichtes predigte, noch immer ein starkes Echoin derakademischen Jugend zu erwecken vermochte.?3 Eine ermutigende Erfahrung für alle Feinde des Tyrannen! Aber die monarchistischen Erhebungspläne Goerdelers und seiner Freunde scheiterten(siehe Kapitel 13), und da eine»Aus- schaltung« Hitlers durch die Heeresgruppenführer gleichfalls nicht zu erreichen war, wurde die Frage, ob man ihn durch Atten- tat aus dem Wege räumen müsse, jetzt höchst ernsthaft, ja bren- nend. Goerdeler hielt noch lange an seiner grundsätzlichen Ab- lehnung fest, wesentlich aus moralischen Bedenken, aber auch aus Furcht vor einer neuen Dolchstoßlegende; immer noch drängte er darauf, man müsse den Tyrannen lebend gefangen- nehmen und dann in einem Gerichtsverfahren vor dem deutschen Volk und der ganzen Welt als Staatsverbrecher entlarven. Seine militärischen Freunde indessen erklärten das jetzt für unmöglich; nach allen bisherigen Erfahrungen mußte ein solches Unterneh- men scheitern; auch Beck schloß sich jetzt dieser Meinung an. Und so schritt Br Tresckow ohne längeres Zögern zur Tat. Ende 1942 hatte er eine letzte Besprechung mit General Ol- bricht. Dieser erklärte sich bereit, in Zusammenarbeit mit Oster Ü|; rs, in der, Imfang aı ‚reisen de er Macht he von ur| tizont aul gen konn elten, gi II, der aus uffordert der»Wk t erst ein anz echte ent, Stall bewegunl atten dies Politik it!| en zu pi aber aut läge nie ihres Au ttliche un!| urt Hu ein starke| hre. Ei| delers UN eine pAu gleichl ‚rch Attel ft, ja bi jichen Ab aber a met got gefang|| deutsch“| Umsturzversuche 1942-1944. I. Nach Stalingrad 367 binnen acht Wochen eine militärische Inbesitznahme von Berlin, ‚Köln, München und Wien durch die Ersatztruppe technisch vor- ubereiten. Gegen Ende dieser Frist konnte er melden, er sei damit iertig. Die ausführliche Schilderung der nun folgenden Vorfälle, lie Schlabrendorff veröffentlicht hat, brauchen wir hier nicht zu wiederholen: letzte Abreden zwischen Tresckow und Dohnanyi in Smolensk, Einladung Hitlers in das dortige Hauptquartier, Bereitstellung des Kavallerieregiments Boeselager zu seiner Über- wältigung, Zurückscheuen Kluges vor der Gewalttat, die in der veplanten Form nur mit seinem Einverständnis erfolgen konnte und ihn sogleich an die Spitze der Erhebung bringen sollte, daraufhin selbständiges Vorgehen Tresckows, der durch Schla- brendorf eine Bombe mit Zeitzünder in das Führerflugzeug ‚chmuggeln läßt, telefonische Durchgabe eines verabredeten \tichworts nach Berlin, ungeheure Spannung auf beiden Seiten— ind schließlich völliger Fehlschlag des Attentats, weil der vorher mehrfach erprobte Mechanismus der Zündung auf rätselhafte Weise versagt(13. März). Dasselbe geheimnisvolle Schicksal jügte es, daß wenige Tage darauf auch ein zweiter Anschlag miß- tiet, den Generalmajor Freiherr von Gersdorff unter Preisgabe des eigenen Lebens im Berliner Zeughaus auszuführen versucht hatte(21. März).?* Das Scheitern dieser ersten Attentatsversuche muß für die Ver- ‚chwörer eine furchtbare Enttäuschung bedeutet haben. Sie wog um so schwerer, als jetzt auch das Unwetter drohender Verfol- sungen durch Hitlers Geheimpolizei sich über ihren Häuptern zusammenzog. Zwar blieben ihre Bombenanschläge unentdeckt, ıber Anfang April 1943 wurde das Hauptnest der Berliner Ver- chwörung, das Büro Osters, durch Zugriff der Staatspolizei ge- sprengt. Anstoß gab ein Devisenschmuggel, der in der Münchner Abwehrstelle vorgekommen war, nicht also die Entdeckung poli- ischer Vergehen; aber Angebereien der beschuldigten Unter- organe führten bald weiter, und gewisse inkorrekte(oder doch mindestens gewagte) Finanzmanöver, für die Dohnanyi verant- wortlich war, ermöglichten dessen Verhaftung. Oster, der ihn invorsichtigerweise zu decken versuchte, geriet dadurch selbst in Verdacht und wurde gleich darauf seines Postens enthoben, Dr. Josef Müller wegen seiner römischen Agententätigkeit in ‘ Untersuchungshaft genommen, ebenso Dietrich Bonhoeffer. Nur durch geschicktes Eingreifen des Admirals Canaris und durch den ebenso kühnen wie selbstlosen Einsatz Dr. Sacks, des Chefrich- | ters der Armee- einer der edelsten und tapfersten Gestalten der I deutschen Widerstandsbewegung, eines Mannes, dem unzählige EEE EEE m: 368 Fünfzehntes Kapitel Angeklagte des Regimes ihre Rettung verdanken und der selbst 1945 am Galgen geendet hat-, wurde verhindert, daß die Verfol-|‘ h gung sogleich weitere Kreise zog, und erreicht, daß der Prozeß kines( bis nach dem 2o. Juli 1944 verschleppt wurde. Mit der Ausschal|''* kt tung Osters aber wurde der Verschwörung ihr bisheriges Zen- trum und Olbricht sein wichtigster politischer Mitarbeiter ge nommen.?® Admiral Canaris blieb zwar noch bis Februar 1941 im Amt, war aber nun selbst so schwer bedroht, daß seine Be hörde als Stütze der Opposition praktisch ausfiel.2* Um das Un. glück voll zu machen, erkrankte General Beck um dieselbe Zeit|""" schwer. Er mußte sich einer lebensgefährlichen Darmoperatiot unterziehen, genas erst im Lauf des Sommers allmählich, hat abet, wie es scheint, nicht wieder die volle körperliche Frische erlangt, So lag die Führung der Bewegung zunächst auf Goerdelers Schultern allein, dem nur noch Olbricht als militärischer Organi- sator zur Seite stand. Aber auch seine Führerstellung in den Rei|' hen der Opposition blieb nicht unangefochten. Gerade sein un- verwüstlicher Zukunftsglaube, der mit seinem Sendungsbewußt- sein eng zusammenhing und der ihn immer wieder verführte, viel zu kurzfristige Prophezeiungen aufzustellen, erweckte bei seinen|" Genossen Zweifel, ob er für politische Führungsaufgaben auch die nötige Nüchternheit und Instinktsicherheit besäße. Kritisch: Stimmen dieser Art wurden immer häufiger bei den älteren, oft skeptisch gestimmten Politikern wie Popitz und Hassell laut?; die Jüngeren aber, die sich im Kreise Moltkes zusammenfanden, witterten aus ihren sozialistischen Neigungen heraus in ihm einen bürgerlichen»Reaktionär«. Wie unbegründet dieser Verdacht war, suchte Goerdeler auf einem Zusammentreffen darzulegen, das auf Betreiben Fritz von der Schulenburgs im Januar mit den Freunden Moltkes stattfand, vorbereitet durch Aussprachen zwi- schen Hassell, Popitz und Konsistorialrat Gerstenmaier. Dieser, der zugleich für die Sozialisten Mierendorff und Haubach sprach, wurde ebenso wie Moltke ziemlich scharf polemisch und empfand Goerdelers Darlegungen als»pädagogisierende Verschleierung des Gegensatzes«. Trotzdem wurde ein Zusammenwirken verab- redet, und man wurde sich einig über die Notwendigkeit,»mög: lichst schnell den Staatsstreich herbeizuführen«— im Gegensat2 zu Mierendorff und Haubach, die sich(nach dem Bericht Emil Henks) kurz vorher dafür entschieden hatten, man müsse nochbis zur Landung der westlichen Alliierten un dem ee| Kontinent zuwarten.28 Aber ein volles Einvernehmen wurde au! jener Besprechung doch nicht erzielt. Graf Moltke und ein Teil seiner Freunde blieben dauernd skeptisch gegenüber allen Plänen d.der sell ‚die Verf der Proz!) tr Ausschl- eriges Zu ırbeiter gi- 'bruar 191 ß seine&- Jm das li: jeselbe Z: moperati| ch, hatabtı, che erlan!» Goerdelt her Orgat': in denk‘ ‚de sein ut ngsbewil führte,\K e bei seift gaben al e. Kritist älteren,© ssell lauf menfande nihmeitt ft Verdit darzuleg? uar mit& gachen 2 ‚jer. DIE“ y ach sprat nd empial schleie® ken vet! keit,»D' Gegen gricht EP ssenoe' ropäkl N wurde H nd ei 1 „llen pläg® Umsturzvertsuche 1942-1944. Il. Nach Stalingrad 369 ‚ tnes Gewaltstreichs und geneigt, die Katastrophe Deutschlands ‚is unvermeidbar hinzunehmen, schon um die Verantwortung für Hitler allein zu überlassen. Auch die Scheu vor Goerdelers )reaktionären Plänen« war nicht ganz überwunden. Zwar gelang & Jakob Kaiser, die Besorgnisse seiner katholischen Freunde zu beschwichtigen,?® aber mindestens ein Teil der Sozialisten blieb | uch wie vor mißtrauisch, was noch im Sommer 1944 zu neuen Differenzen geführt hat. Es kann für Goerdeler nicht leicht gewesen sein, unter so viel ‚ Itherer und äußerer Bedrängnis seine gute Zuversicht zu bewah- ta. Er selbst hielt die von den»Kreisauern« so stark betonte (aterscheidung zwischen einer»älteren« und»jüngeren« Gene- tition für»törichtes Geschwätz«.»Es leben ja dauernd sämtliche Altersstufen nebeneinander und nicht etwa klar abgegrenzte Ge- irationen. Die einzige Spaltung, die es in Deutschland geben dirf, ist die zwischen anständig und unanständig.«°° Aber er fand dimit keinen rechten Widerhall. Hassell berichtet aus dem April {143,31 Goerdeler schaue»in der Verzweiflung« immer wieder i:ch einer»Teilaktion« aus, welche die Rettung bringen sollte— Wrmutlich nach dem Gewaltstreich irgendeines Frontgenerals. Nie er die Lage damals sah und vor allem wie er sie von den Ge- iträlen gesehen haben wollte, zeigt uns sehr deutlich eine große Denkschrift vom 26. März 1943, die in mehreren Durchschlägen imlief, von denen sich einer zum Glück erhalten hat.?? Von Ver- Zreiflung und Mutlosigkeit des Politikers verrät sie nichts, son- Iten sucht den Goerdeler eigenen Optimismus auch auf die Emp- finger auszustrahlen— aber freilich so, daß diesen klargemacht verden soll: jetzt ist der rechte Moment zum Handeln; aber sehr bild wird es zu spät sein, Deutschland noch zu retten! Sie beginnt, sehr eindrucksvoll, mit der Wiedergabe einer frei- nätigen Zuschrift, die Major i. G. Niemann, Oberquartiermei- ter der Heeresgruppe Albrecht von Württemberg, am 20. Juli (18 an Ludendorff richtete, mit der Mahnung, über dem sol- tischen Siegeswillen die politische Notwendigkeit nicht zu ver- kssen, daß ein aussichtslos werdender Krieg rechtzeitig abge- brochen werden müßte. Oberst Bauer hatte dem zugestimmt, Ldendorff selbst sich am 8. August dieser Meinung angeschlos- | ia. Diesmal aber, sagt Goerdeler, handelt es sich im Unterschied Jon 1914-18 um einen ungerechten und unnötigen Krieg. Hitler hat ihn schon seit Mai 1938 geplant, was aktenmäßig beweisbar it. Er war nie zu gewinnen, am wenigsten durch eine unfähige Allitärische Oberleitung und eine abenteuerliche politische Füh- ‚ung. Jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo sich»die deutschen | 370 Fünfzehntes Kapitel Kräfte auf allen Gebieten dem Zustand des Verbrauchtseins ri hern«. Zunächst ist die sittliche Substanz weitgehend ruiniert, und zwar so, daß wir auf eine praktische Bolschewisierung zuttek ben. Der gute Wille des Soldaten ist schändlich für unsittlich Zwecke mißbraucht worden. Zum ersten Male in der Geschicht des deutschen Heeres stehen jetzt die Generäle einer politischen Führung gegenüber, die alle»überkommenen Grundlagen van Ehre und Anstand zum alten Eisen geworfen hat«. Das wird bt gründet durch Hinweis auf die schamlose Korruption hohe Parteiführer, besonders Görings, auf die verhängnisvolle Dop pelherrschaft von Staat und Partei, vor allem aber auf die brutal Mißhandlung der Generäle und die fortgesetzte Kränkung und lin Herabminderung ihrer Ehre. Es folgt eine sehr düstere Schil/w: liches Alch die Reiche Mlge alein nl Dam Aktie ide No dkine IA derung der Wirtschaftslage Deutschlands: des drohenden Nah; rungsmangels, der gewaltigen Zerstörungen, die jetzt schon durth die Luftangriffe eingetreten sind, der unaufhaltsamen Minderung] des industriellen Rüstungspotentials und der verfügbaren Ar beitskräfte. Auch Deutschlands Gegner begehen schwere Fehlt; aber sie haben die weitaus größeren Kraftreserven und eine un vergleichlich bessere politische Führung, während die Hitle: Regierung im Süden und Westen Deutschlands den Preußenhil|: neu belebt, die Österreicher dem Reich gänzlich entfremdet. Sie hat sich auch ihre außenpolitischen Chancen gründlich vet] dorben, nicht zuletzt durch die ungeheuerlichen Verbrechen gt[&ı, gen die Bevölkerung der besetzten Gebiete und gegen die Juden/hlt die»dauernd als schwere Belastung auf unserer Geschichte ruhel werden« und die man»ebensowenig wegwischen kann wie ci‘ Blutspuren auf dem Schlüssel zu Blaubarts Kammer«. Deutsch: uf ie] Ipte 00 Ni lands Kriegsverbündete sind sämtlich am Ende ihrer Kräftellie, glauben nicht mehr an den Sieg und suchen sich von der deutsch@ Führung loszumachen, Italien zuerst. Unser Autor hat von JapaN gescheiterten Versuchen gehört, im Herbst 1942 den Fried) zwischen Stalin und Hitler zu vermitteln, und von seiner vorläti' figen Verständigung mit Rußland, die es Stalin ermöglichte, seit! Fernostarmee an die Westfront zu werfen. Er erwartet also v0 Japan keine wirksame Unterstützung. Das allmähliche Zerbrök keln der Kriegsbündnisse erinnert ihn lebhaft an die Lage v"! 1918. Damals, meint er, hat Ludendorff zu lange hin und her gef schwankt und sich in seinen Entschlüssen durch vorübergehent! in militärische Erfolge beirren lassen. Es wäre entsetzlich, wenn walk] heute denselben Fehler begehen und uns die politische Einsich etwa dadurch verdunkeln lassen würden, daß die Ostfront neue Umsturzversuche 1942-1944. Il. Nach Stalingrad 371 ıchtseins:\alssichtslos. Das militärische Handeln muß also jetzt durch poli- end zul} sches abgelöst werden.»Wenn die vorhandene Staatsführung erung zutt Sich die Wege dazu verbaut hat, dann muß sie selbstverständlich ir unsittit\ichen, wie das noch immer in der Geschichte jedes Volkes der 1 Geschit(Fl gewesen ist.«»Sieht sie nicht ihre selbstverständliche Pflicht, rpoliisc Id eigene Geschick für nichts, das des Volkes für alles zu achten, ndlagenn!$oımuß ihr das beigebracht werden.«| Das wirl' Damit ist vorsichtig— denn der Verfasser spricht offenbar zu ption hi Offizieren, die noch nicht in die Verschwörung eingeweiht sind— 4 isvolle D\d Notwendigkeit eines Umsturzes angedeutet. Er meint, wenn ıf die bnt!ene yanständige und verständige politische und militärische Füh- ränkung! /fing« zusammenwirken, wäre es immer noch nicht zu spät, die jüstere St ‚serfahrene Lage zu retten. In dem Bestreben, dieser neuen Füh- henden\\ting große Zukunftschancen zu geben und damit seine Leser zum tschondv'Statsstreich zu ermutigen, geht Goerdeler sehr weit— erstaun- Minden:!lith weit! Er entwickelt sein ganzes, uns schon bekanntes außen-{ ügbaren ‚und innenpolitisches Zukunftsprogramm, etwa so, wie er es bald ‚were Pel ‚drauf durch Wallenberg nach London übermitteln ließ, und be- i und eine!| haptet kühnlich, im Gegensatz zu 1918(wo niemand sicher sagen d die Hi ‚konnte, ob noch ein Verständigungsfriede möglich sein würde) | Preuße(8 heute»klar erkennbar, wie der entscheidende Teil unserer fremdel. Gegner, nämlich die Angelsachsen, auf eine solche Wendung in ündlieh ‚Dutschland reagieren würden, ja müssen«. Sie werden bereit brechen! en, das von Goerdeler skizzierte Friedensprogramm im wesent- 2} Ichen anzunehmen. Ihre wirtschaftliche Lage zwingt sie, sich nen) Deutschland als kaufkräftigen Markt möglichst zu erhalten; sie ı Nissen trachten, den Bolschewismus abzudämmen; es ist und wie sn. re immer ein englisches Lebensinteresse, daß Rußland nicht ihrer Kr berstark sein sollte. Goerdeler hält(etwas voreilig) eine gewisse der deu ‚lockerung der Bindungen Stalins an die Westmächte zugunsten j ‚on er\ipans für möglich— allerdings erst nach der Niederwerfung j au Pi Deutschlands. Vorher davon zu träumen»wäre kindlich«. Immer- ‚lin: an einer natürlichen Spannung britisch-russischer Lebens-| hehe« Äteressen ist gar nicht zu zweifeln! Sie ist schon in Casablanca| gie kor ‚kivorgetreten, und eben jetzt wird in Washington darüber ver- a hıdelt, wie man Rußlands Kriegsziele begrenzen könnte als iche e kis für eine angelsächsische Oftensive in Europa.?® Nur muß die Mi tan sich klar darüber sein, daß damit der letzte Moment zur Aus- nt ‚il uzung solcher Spannungen für Deutschland gekommen ist; üben|&lingt eine volle Verständigung des Westens mit Rußland,»so ich, Jetengen sich auch unsere politischen Möglichkeiten«. Natürlich kann niemand vernünftigerweise erwarten, daß die telsächsische Politik sich jetzt in erster Linie für die Abwehr 372 Fünfzehntes Kapitel des Bolschewismus verantwortlich fühlen wird. Sie steht vor diflyyder eisernen Notwendigkeit, zunächst einmal das»unberechenbatyf. zum Wahnsinn gesteigerte System« Hitlerischer Machtpoliik! niederzuwerfen. Aber Goerdeler glaubt, in sichere Aussicht ste] len zu können, daß Deutschland unter einer neuen, vertrauens, würdigen, ehrenhaften Regierung binnen 48 Stunden den Luftelyuy krieg beendet sehen kann.»Die nächsten Schritte können and lynnde einer Entspannung mit den Westmächten gewidmet sein, die Alniin ermöglicht, alle Kriegskräfte..... auf den Osten zu konzerin.ni trieren.« höhe Woher diese erstaunliche Zuversicht? Unser Autor beruft si@\g.j, auf seine Auslandsreisen vor dem Kriege, auf denen er die Durck/),,; führbarkeit der von ihm aufgestellten politischen Ziele habe fest|, stellen können.»Sie können jederzeit durch Fühlungnahme mil den Angelsachsen erwiesen werden. Ich rate aber von einer soll, chen vorherigen Fühlungnahme ab, weil sie nur als moralische Schwäche gedeutet würde. Es liegen auch so genügend sichett Anhaltspunkte... vor.« Eine Wendung, die auf den ersten Bl völlig unverständlich erscheint, angesichts der regen Aktivität|hi die Goerdeler gerade in den folgenden Monaten entfalten wird), um über Schweden mit der Londoner Politik in Fühlung zu kom, N men. Wir erinnern uns indessen der Unterhaltung, die er je)|, eben, im März 1943, mit Jakob Wallenberg geführt hatte(ob& Kapitel 14). Dieser hatte ihn immer davor gewarnt, vor vol, zogenem Umsturz sich irgendwelche Sicherungen für die Zul kunft in England beschaffen zu wollen; andererseits hatte er ill, ermutigt, er sei überzeugt, die britische Politik werde von ein]; Regierung, die das Hitler-System zerstört hätte, gar nicht»bel|i dingungslose Unterwerfung« und schmachvolle Friedensbedit gungen fordern können. Beides nun, die Warnung wie die E mutigung, scheint sich in der Denkschrift Goerdelers für di Generäle widerzuspiegeln. Beides freilich in charakteristisch@J; Steigerung: die unbestimmte Hoffnung wird sogleich zur Gewiß] heit. Denn es gehört nun einmal zur Wesensart unseres Autof|) daß er die Macht der Vernunft in der Politik überschätzt und dil er immer schon dicht vor Augen zu sehen glaubt, was seine pol: tische Einsicht ihm als das»naturnotwendig« Kommende bt zeichnet. Der unzähmbar starke Drang, seinen Partner zu übef]j] reden und zu überzeugen, läßt ihn alle Zweifel und Bedenk&| kurzerhand überspringen. Auf der Kraft dieses Vereinfacheifli beruhte zu einem wesentlichen Teil die ungewöhnlich starke Sug gestivwirkung seiner Rede, erprobt in unzähligen Gesprächef Aber freilich war er immer in Gefahr, nicht bloß zu vereinfachel\\\, | Umsturzversuche 1942-1944. II. Nach Stalingrad steht voritgyndern zu übertreiben und dadurch unversehens aus der klar und erechenti istiarferfaßten Wirklichkeitin den Bereich der Illusion zu geraten. Machtpol Br hat noch weitere Argumente zur Hand, um die Dringlich- Aussichtü fer seines Anliegens klarzumachen. Soll eine neue Regierung bei ‚il , vertriitseren Gegnern etwas erreichen, so darf die Wehrmacht nicht Ju) len den Llston als zusammengebrochen erscheinen; sie muß noch im-| können dilgende sein, an der alten Ostgrenze Polens den Bolschewismus ab- N t sein, di gulämmen. Wir müssen den Schlüssel für das Schicksal Polens zu kontgoch in der Hand haben! Und auch das Rüstungspotential darf . alht weiter durch Zerstörungen und unsachliche Behandlung or beruftü! yermindert werden. Schließlich und vor allem: die Stunde ist reif. er dieDut Dis deutsche Volk hat»in allen seinen Schichten, insbesondere in ielehabelt/de- Arbeiterschaft«, erkannt, daß es von Unfähigen und Ver- ngnahnt®"brchern regiert wird.»Das Volk ist nicht nur reif, sondern es yon eine‘ Wirtet, daß eine rettende Tat geschieht.« Hinter der Reife aber Is morali kommt immer die Fäulnis. Der Radikalismus in der Arbeiter- igend si!st!aft wächst, das früher vorhandene Vertrauen auf die moralische nerstend'"Q:alität der Generäle ist im Schwinden: man findet, daß sie sich en Aktit Vals bieten lassen. Läßt man die Entwicklung untätig weiter fort- ntfalten Wsthreiten, so wird der Radikalismus viel schlimmere Formen an- lung zu kleamenals 1918. „, die ei'" Auf diese dunkeln(und reichlich vagen) Drohungen folgt zum rt hatte(0\chluß der ermutigende Zuspruch:»Ein Risiko sehe ich für den ‚nt, vor" ttschlossen Handelnden überhaupt nicht mehr.« Ist das System 1 für de! is Terrors einmal gebrochen und das deutsche Volk darüber auf- 15 hatte et” texlärt, was die Hitler-Regierung an ihm gesündigt hat, so wird ‚de von®" ch niemand mehr zu ihr zu bekennen wagen—»ich übernehme yag nicht“it Bürgschaft dafür«. Laßt die Wahrheit nur 24 Stunden wieder riedensb"At Wort kommen, und ihr werdet schen, daß die moralische u EEE En EEE EEE Das wie die)" Ktaft des deutschen Volkes noch immer ungemindert ist, daß sie delets fi Aue planmäßig verschüttet war durch das System brutaler Ge-| akterists" jılt! Das war der Glaube, an dem Goerdeler unerschütterlich 4 hzur Ge kttgehalten hat bis zum letzten Augenblick. Kraft dieses Glau- h s Aut jeas ruft erzum Aufstand der Generäle, zur Revolution von oben 1 er auf. Eine Frage- praktisch die wichtigste— blieb indessen unbeant- „de Wertet: wie denn dieser Aufstand ins Werk gesetzt werden sollte? me N|>-... de zul) Die Denkschrift behält das mündlicher Erörterung vor und deu- Br Bed?"kt nur an, die Wehrmacht könne entweder mit unzufriedenen n „ Neisen der Staatspartei zusammengehen(mit höchst fragwür- yNirem Erfolg) oder aber mit einer antinazistischen Oppositions- tape sich verbinden, deren Mitglieder längst bereitstünden zur ıchtübernahme und ein wohldurchdachtes Programm besäßen. a 374 Fünfzehntes Kapitel Tatsächlich war nach dem Scheitern der Attentatsversuche Tr ckows zunächst völlig unklar, wie man nun zur»Tat« komme sollte. Seit der Befestigung der Ostfront war auf die Mitwirkung von Truppenkommandeuren des Ostens kaum noch zu rechnei, und es wurde viel über den»geeigneten psychologischen« M6 ment diskutiert, den man jetzt abwarten müsse. Dagegen wandtt sich Goerdeler mit leidenschaftlichem Eifer in einem Brief aı Olbricht vom 17. Mai mit der erbitterten Bemerkung, es komnit]s- nicht darauf an, den»rechten Moment abzuwarten«, sondern dar|y. auf, ihn herbeizuführen.»Stalingrad und Tunis«(wo eben erst am 12. Mai, die deutsch-italienische Armee hatte kapitulierei müssen)»sind so schwere Niederlagen, wie sie in der deutschen Geschichte seit Jena und Auerstädt nicht zu verzeichnen sind« Ist das noch immer nicht der Moment zum Umsturz? Und genügtlu;n, es noch immer nicht, daß Hitler vor und in diesem Kriege wel über eine Million Zivilisten, Männer, Frauen und Kinder der ver|5;; schiedenen Völker, dazu russische Kriegsgefangene, auf bestii)4; lische Weise hat umbringen lassen? Man schafft den»richtigen|, Moment«, wenn man diese Tatsachen, deren Liste sich beliebig}, verlängern ließe, ans Licht bringt. Die fast»unerklärliche« Gel; duld des deutschen Volkes wird zu Ende sein, sobald es die Waht-: heit erfährt. Aber wie das ermöglichen?»Finden wir keinen an]; deren Weg, so bin ich bereit, alles zu tun, um zu einer Aussprach‘, mit Hitler zu gelangen. Ich würde ihm sagen, was zu sagen ist], insbesondere, daß sein Rücktritt vom Lebensinteresse des Volk&]\ erfordert wird. Es ist nicht gesagt, daß eine solche Ausspracht, wenn sie herbeigeführt werden kann, böse enden muß; Über-I7 raschungen sind möglich, nicht wahrscheinlich, aber das Risik muß gewagt werden. Nur ist es wohl nicht unbescheiden, wen! ich Sicherheit verlange, daß dann unmittelbar gehandelt wird.« 1) Deutlicher läßt sich Goerdelers persönlicher Mut nicht demot-jj; strieren— aber auch nicht die praktische Hilflosigkeit seiner B«-|. mühungen um einen Staatsstreich. Mit einer Debatte will er iht],., eröffnen, statt mit einer Gewalttat- immer noch von einer letzte}|, obgleich sehr schwachen Hoffnung getrieben: vielleicht könnt! seiner Überredungskunst doch noch die»Überraschung« geli- gen, daß der Tyrann freiwillig vor der Vernunft das Feld räumt In jedem Fall: es soll versucht werden, auf dem Weg jener»AL- ständigkeit«, jener»Ritterlichkeit« ans Ziel zu kommen, die den altpreußischen Konservativen beständig als Ideal vorschweb; und er selbst erbietet sich ritterlich, dafür sein Leben aufs Spiel zu setzen. Aber General Olbricht, der ihm dabei zu Hilfe komme! sollte, besaß gar keine selbständige Befehlsgewalt über das Hei suche Tr. at« komm Mitwirku ı zu techn| ischen«| egen want jem Briel g, es kon sondernd vo eben tl kapitulle er deutsch ichnen sitt Und gen ı Kriege V inder dert e, auf bei an»eichti sich belt! Järliche« V [es die Wi ig keinen! f Ausspiil zu sagel! se des Vo} , Aussptil muß; N Umsturzversuche 1942-1944. II. Nach Stalingrad 375 itheer und hatte sich deshalb schon früher außerstande erklärt ni»alleinigem Handeln«. Er hätte nur im Namen und im Auftrag sines Oberbefehlshabers, Generaloberst Fromm, handeln kön- nt, und der war zwar kein gläubiger Nationalsozialist, aber ein $teber und Opportunist, dem die Zweideutigkeit seiner Haltung "siterzum Verhängnis geworden ist.°° Leichtfertige Äußerungen "dieses Mannes, in denen er die praktische Auswirkung der bri- \tichen Bombenangriffe auf das Ruhrgebiet zu bagatellisieren \sichte, brachten Goerdeler in höchsten Zorn. Er schrieb darüber a 25. Julieinen Briefan Feldmarschallvon Kluge, der die leiden- schaftlichste Äußerung seines Hasses auf das Hitler-Regiment dirstellt, die mir überhaupt bekannt ist.?° Als Augenzeuge, der sich selbst an Ort und Stelle von den Zer- sörungen des rheinisch-westfälischen Industriegebietes über- zeigt hat, schildert er die namenlosen Leiden der dortigen Ar- \biterbevölkerung und entwirft von den Dauerfolgen des Bom- birdements für die deutsche Industrie ein überaus düsteres Bild- | wit düsterer, als es sich nach dem Krieg bestätigt hat:»Es kann \eiren der heilige Zorn packen, wenn man hört, mit welcher Leicht- fütigkeit selbst von gebildeten Menschen von dem Wiederaufbau mch dem Kriege gesprochen wird« und wie gedankenlos viele (bildete auf Kosten der Allgemeinheit in den Tag hineinleben. Zur Zeit sind die Bande aller Moral zerrissen; was da ist, ist nur ich Konvention.«»Selbst in der Wehrmacht müssen die Grund- | Iren der Moral auf das schwerste erschüttert sein, weil die reli- tlse Grundlage verlassen ist«; es gibt auch hier keine echte Kımeradschaft mehr, allesist von Spitzelwesen zersetzt.?” Schlim- tr noch: deutsche Jugend, wehrpflichtig in der SS, wird zu Kheußlichsten Massenmorden an den Juden gezwungen!»Was ht man aus der stolzen Armee der Freiheitskriege und Kaiser Wilhelms I. gemacht!« Aber das Volk weiß und fühlt instinktiv, vie schauerlich es belogen wird. Die Wahrheit»wird um so ele- tentarer hervorbrechen, je länger man sie zu unterdrücken sich knüht«. Das Volk wird sich einst gegen alle wenden, die eine \itverantwortung auf sich geladen haben- nicht zuletzt auch teren seine Generäle. Sehen sie denn nicht die neue Tragödie, die ich jetzt eben in Italien vorbereitet, sehen sie nicht den offenen Wıhnsinn dieser obersten Kriegsleitung? "Und nun folgt ein gewaltiger Appell an Gewissen und Herz (ts Adressaten, der schonungslos vor die Alternative gestellt sy| Wird, den bequemen Weg des Ausweichens oder aber den gefähr- Ithen und ehrenvollen Weg der Pflicht zu gehen.» Wissen Sie... och ein Mittel, um einen Sieg zu erringen, der erstens ermög- 376 Fünfzehntes Kapitel licht, Rußland endgültig von Europa fernzuhalten, zweitens di Welt und das englische Weltreich dazu zu zwingen, diesen Angif aufzugeben und schließlich Frieden zu machen?« Wenn nicht »dann ist die Fortsetzung des Krieges ein glattes Verbrechen, will! es für ein Volk niemals ein heroisches Ende, sondern immer nur ein Weiterleben-müssen gibt«. Es ist allerhöchste Zeit, daß di Führer der Wehrmacht jetzt endlich»zupacken«, planvoll un schnell. Goerdeler selbst stellt sich dafür»auf jede Gefahr hin zur Verfügung, würde auch, wenn es nötig oder nützlich wät, selbst wieder Offizier zu werden bereit sein. Er hat immer alt preußisch gedacht und den preußischen Offizierstand gegen vice Vorwürfe und Zweifel in Schutz genommen; jetzt aber fühlte sich blamiert, wenn man ihm in Süddeutschland sagt, an allem« der preußische Militarismus schuld.»Es sind nicht törichte Mär ner, die das sagen; es sind Männer, die ein warmes Herz fit Deutschland und für den deutschen Soldaten haben, die aber dar über verzweifeln, daß man sehenden Auges, denkenden Verstar des und fühlenden Herzens von Verbrechern und Narren di|) Vaterland in den Abgrund führen und die deutsche Jugend unit die deutschen Männer willenlos in Tod und Verstümmelung tr& Äh: ben läßt.« Aber ist es nicht am Ende schon zu spät, um Deutschland retten? Nach der Abfassung seiner März-Denkschrift scheint Goerde]: ler doch empfunden zu haben, daß sein unbedingtes Zutrauenzu)ii Verständigungsbereitschaft der Engländer zum mindesten eim@]® neuen Bestätigung bedürfe. Wir kennen die Verhandlungen, di! er im Mai 1943 darüber mit Wallenberg geführt hatte. Eine Ant wort aus London war bis Ende Juli noch nicht gekommen. DiJ# hinderte unseren Patrioten aber auch diesmal nicht, sich mit d«J# größten Selbstsicherheit für die Möglichkeit eines verhältnis ht mäßig günstigen Friedens zu verbürgen. Er habe sie, sagt Ei]ur »erneut festgestellt«. Natürlich sei dabei Hitlers Sturz Voraus|üt setzung.»Daß mit Verbrechern und Narren kein Staatsmann dit ser Welt verhandeln kann..., ist doch selbstverständlich.«@* lingt aber der Umsturz,»so können wir... den Krieg sofort der Luft... abbrechen« und damit das Volk rasch und in Massel hinter uns bringen. Man sieht: was er eben in London vorg* schlagen hat, wird dem Marschall bereits als sichere Zusage prJ sentiert. Im übrigen baut er auch jetzt wieder auf das natürlich]; Bedürfnis unserer Gegner, Deutschland am Leben zu erhalte! Man sollte weder den Bolschewismus noch die Angelsachsen all zusehr fürchten, meint er.»Auch dort wird mit Wasser gekocht, Us; 1, zweiten diesen Any ( Wenn alt rbrechen, rn immer Zeit, dal ‚planvollz e Gefahrt nützlich vi at immer nd gegen? t aber füll ot, an allen törichtell ‚mes Hei 1, die aber! .nden Vers ıd Narren 1e Jugend! mmelung! )eutschlatl -heint G®! s Zutrautl iindestel‘ ndlunge ‚tte, Bine kommt.” 1, sich MI is ver ‚e sie, Sturz V0" paatsal tändlich‘ X rieg sol” undin Umsturzversuche 1942-1944. Il. Nach Stalingrad 377 nl wir haben vieles in die Waagschale zu werfen. Auch sie sind ‚Allunsere Kraft und unser Können angewiesen.« Vollends inner- \Pöitisch ist er seiner Sache sicher und glaubt,»die erdrückende ‚Mehrheit der deutschen Arbeiterschaft, der deutschen Beamten ‚un! der deutschen Wirtschaft« jedem politisch aktiven General ziiühren zu können. Der Brief(auch wenn er nach vielen Beratungen schließlich ‚Acht abgesandt wurde)®® ist ein höchst eindrucksvolles Zeugnis ‚dt seelischen Energie, die Goerdeler aufwandte, um die militä- fiichen Führer für seine Pläne zu gewinnen. Er wollte immer den &indesten Weg und sah mit starker Abneigung auf jene diploma- fihen Winkelzüge, mit denen Popitz eben damals weiterzukom- fa versuchte. Nachdem dieser kluge Taktiker früher von Gö- fir so etwas wie eine Palastrevolution oder zum mindesten eine ik bremsende Einwirkung auf Hitlers abenteuerliche Kriegs- Poitik erhofft hatte(ohne damit bei Beck irgendwelchen An- klug zu finden), versuchte er es jetzt mit Heinrich Himmler. ‚Won die Generäle der Armee nicht zum Aufstand zu bringen Wien, ließ sich vielleicht der brennende Ehrgeiz und Sendungs- Bhıbe des Reichsführers SS gegen seinen Herrn und Meister len- kt und damit der Keil zu einer Spaltung in das feindliche Lager hireintreiben? Den Versuch dazu hat Popitz in einer von Himm- tt Rechtsanwalt Langbehn vermittelten Aussprache mit dem Richsführer am 26. August gewagt- ein abenteuerliches, aber Bithöchster diplomatischer Kunst durchgeführtes Unternehmen. Eibestätigte, was man im Kreise der Verschwörer schon länger Vrmutete, daß Himmlers Glauben an die Unfehlbarkeit des Füh- £rı und an seinen Endsieg nicht frei von innerer Unsicherheit Yır. Aber dieser blutbefleckte Scherge und beschränkte Fanatiker Wir geistig viel zu unselbständig, letztlich überhaupt eine viel zu jinmerliche Figur, als daß sich auf ihn irgendwelche Pläne zum Sautsstreich hätten aufbauen lassen. Nachträglich wundert man sth, daß ein so kluger Kopf wie Popitz diesen Sachverhalt nicht Wı Anfang an durchschaute. Es ist heute freilich bei manchen Kritikern der deutschen Widerstandsbewegungüblich geworden, dr angeblich»wirklichkeitsblinden« Idealisten von der Art Cosrdelers vorzuwerfen, sie hätten die Dämonie ihres Gegners \rsannt und daher versäumt, ihm mit gleichen Waffen zu begeg- fr. Da erscheint dann leicht der Versuch, eine Spaltung ins £indliche Lager zu tragen, als besseres, weil mehr»realistisches« Rnept. In Wahrheit gab es keine realen Möglichkeiten dieser x| ätt: einfach deshalb nicht, weil Hitler keine wirklichen Rivalen einem Lager hatte. Und so war Popitz’ Versuch im Grunde ee RETTET | | | Ki A j ! | Zr “u a. um ee ne 378 Fünfzehntes Kapitel ebenso»unrealistisch« wie einst die Hoffnung Schleichers, all Hilfe Gregor Strassers die braune Flut zu teilen. Vor allem: selbshlkri dann, wenn sein überfeines Spiel zunächst geglückt wäre, wäre@g der deutschen Widerstandsbewegung zum Unheil geworden: si hätte sie im deutschen Volk ebenso wie im Ausland heillos kompl promittiertund größte Verwirrung gestiftet- ganz gleich, ob road Himmler und seine SS(was selbstverständlich geplant war) spätt; zu überspielen gedachte oder nicht. Hatten doch die Offiziere ds} Klugeschen Hauptquartiers im März 1943 Canaris erklärt, ya würden ihm die Hand nicht mehr geben, wenn er seine ‚Absictt einer vertraulichen Aussprache mitHimmler wahr machen würds 1j »W/er mit einem solchen Schweinehund einen Händedruck g tauscht hat«, hieß es damals,»dessen Hände kann man nicht wie] der berühren, ohne sich selbst zu beschmutzen.«®° Das war nu freilich nicht ganz die Haltung der Beck, Olbricht, Tresckow un! Goerdeler. Ihnen schien die Gesamtlage so verzweifelt, daß sit, jeden Versuch begrüßen mußten, Zwiespalt in das Lager ik, Feindes zu tragen. Goerdeler hat später bezeugt, er habe im Niyn4 1943 Langbehn in seinen Absichten kräftig bestärkt, gleichzeitgule. aber diesen selbst als zwielichtige Erscheinung und somit imm@yk|) als»etwas unheimlich« empfunden. Deshalb sei er auch entsei#] gewesen, als er im August oder September merkte, daß ihn Popiäill;., sogar in die Attentatspläne der Verschwörer eingeweiht hatt} Langbehn habe ihm von der Unterredung mit Himmler zwar zählt, aber keine Einzelheiten, die er auch nicht hätte wissen wor ll len. Ähnlich wird die Haltung des ganzen Kreises gewesen Sei} Man begrüßte jede Spaltung der»Schwarzen«, wollte aber selbt| nichts damit zu tun haben. Von solchen Bedenken hat Popitz selbt| offenbar nichts gespürt- ein typischer Intellektueller, hochbeg: li, und reinen Sinnes, aber ohne sicheren politischen Instinkt. lt In seinen Berichten über die Unterredung hat er sich auffalleu\) optimistisch geäußert- mußte aber dann erleben, daß Himni sich völlig passiv verhielt und daß Langbehn kurz darauf der&* stapo in die Hände fiel, als er in die Schweiz reiste, umin einer Al von Doppelauftrag(für Himmler und für die Verschworenel\i Fühlung mit der britischen Diplomatie zu suchen. Im Kreise der Opposition hat sich Popitz durch seine kübt Tat40 keinenDank verdient, sondern eher noch mehr isoliert. ZU Vorwurf»reaktionärer Haltung« kam nun bei manchen der Ve schwörer noch Mißtrauen gegen den langjährigen Parteigenos“ und Helfer Görings hinzu. Ist es nötig zu versichern, daß bei unberechtigt war: daß dieser edle Charakter und kluge Politik weder mit dem Geist des Nationalsozialismus noch vollends® { Umsturzversuche 1942-1944. II. Nach Stalingrad 379 ‚den korrupten Parteihäuptling das geringste gemein hatte? Aber vır ihm ferner stand, dem mochte er wohl undurchsichtig und wäre, Wild wenig hochmütig erscheinen, wie es so oft das Schicksal der gewordi(rellektuellen ist. Auch zu Goerdeler hat sich sein Verhältnis seit d heillos ku lHhrbst 1943 offenbar abgekühlt. Aber das war nicht so sehr die gleich, obn!'Tilge menschlicher Entfremdung als vielmehr politischer Gegen- ıntwar)s I sitze und Rivalitäten, die nicht ausbleiben konnten, sobald man e Offizier! hranging, das ideale Zukunftsprogramm konkreter zu gestalten, is erklit,!2lko auch künftige Machtpositionen zu verteilen. seine Abi‘) nachen wit indedruck nan nicht Inzwischen hatte sich die Lage an der Ostfront plötzlich ver- Das wırı /stllechtert. Die Mitte Juli einsetzende Gegenoffensive derRussen Tresckov!\brichte nicht nur alle deutschen Vorstöße endgültig zum Stehen, ‚eifelt, di! /spidern drängte unsere Front weit zurück, und zwar im ganzen as Lage‘"Sid- und Mittelabschnitt von der Krim bis Smolensk. Für alle habein'"Nichtern Denkenden eröffnete sich die Aussicht eines Vordrin- it, gleich“\geis der Roten Armee bis zur Reichsgrenze, da die Menschen- | somiti®"und Materialreserven immer rascher zusammenschmolzen und c auch ei! ik: immer furchtbarer werdende Bombenhagel die deutsche daß ihadt ‚Kiegsindustrie systematisch zertrümmerte. Gleichzeitig mach- geweiht b’ tn der Sturz Mussolinis, der Waffenstillstand Badoglios und das Jordringen deralliierten Truppen nach Süditalien der italienischen ‚I. Vorbereitung im Herbst 1943 jer zW il ‚Iregshilfe ein Ende und fügten die schwere Last der Verteidi- gewea Italiens allen anderen noch hinzu. Ilte aber“" Zusammen mit der Aussicht auf die für 1944 erwartete Invasion „ePopit* r Westmächte in Frankreich ergab das alles eine sehr düstere er, hochbi"7"sunftsperspektive. Nur Verblendete oder ganz Naive konnten Instinkt: B noch ernstlich an der Illusion des großen»Endsiegs« fest- sich qui\ en. daß Bi In solcher Lage verhallten die Mahnungen Goerdelers nicht darauf 4!"Rear ungehört. Im August, berichtet er, habe Tresckow ihn auf- mineitt&ucht und ihm versichert, Manstein, Kluge und Küchler, also hwot e drei Heeresgruppenführer des Ostens, wären sich klar dar- 2 ‚ber, daß jetzt»gehandelt« werden müßte, und selbst die der h seit ji Gruppe Mitte unterstellten SS-Generäle Hausser und Sepp Diet- sole" ft} ywürden mitgehen«. Es sei also jetzt der»psychologische 2 dal! Icment«, den Staatsstreich durchzuführen. Nun ist die Frage nchet„0 a, was die Frontgeneräle unter»Handeln« verstanden. General ee HF vom Oberkommando des Heeres, den Tresckow für die 10, 6 Neschwörung gewonnen hatte und der am 13. August ein drin- Klub!„„/®tdes Mahnschreiben Olbrichts(ganz im Sinn des Goerdeler- 380 Fünfzehntes Kapitel Briefes) an Kluge übergab, hat später vor der Gestapo ausgesa I. indie dieser habe nur an gemeinsame Vorstellungen der obersten Het£] I htere führer bei Hitler wegen Änderung der Heeresspitzengliederut) ihte hi gedacht. Oberst von Tresckow habe ihm vorher ein ganz falsch@\) Yitließlich Mtisches diesen wider Willen in den Vordergrund der Verschwörung kl! Bild von der Entschlossenheit Kluges entworfen, sich an de) Spitze eines Aufstandes der Armee zu stellen. Offenbar habe schoben.*! Das klingt sehr nach einem Versuch, den damals ned ungen An beiden herdeler: lebenden Kluge durch günstige Aussagen zu decken. Die Wahzlns heit wird sein, daß der Marschall im August noch nicht ganz eitj schlossen war, aber dann doch durch Olbrichts, Tresckows, Becks und wohl auch Goerdelers Vorstellungen gewonnen wurde, Ei, kann nicht ganz ohne Grund gewesen sein, wenn Goerdeler schü im August mit so großer Bestimmtheit seinem Freunde Wall„5. berg einen Staatsstreich für September voraussagte(siehe Kapit|i\fi,j; 14). Tatsächlich ist im September der entsprechende Entschllli4. 4, gefunden worden. Feldmarschall von Kluge kam selbst nach Bit; lin und hatte in der Wohnung Olbrichts eine lange Aussprachenl=s+,) dreien, mit Beck und Goerdeler, über die wir einen ziemlich aus)" führlichen Bericht besitzen.*? Darnach äußerte der Marschall schwere Besorgnisse über ı! allgemeine Kriegslage und wies klar nach, daß unsere militä schen Kräfte nicht ausreichten, um gleichzeitig die Ostfront vl; Teromansk bis zum Schwarzen Meer, eine bereits in der Ent} si; wicklung befindliche Südfront(in Italien) und gar noch eine ml: x drohende Westfront zu halten. Im Augenblick sei sogar sich«t|| daß nicht einmal die Ostfront am Dnjepr würde stehenblei“] 4\ können. Der Krieg sei verloren, wenn man nicht zu großen Ent! j, schließungen käme und a die Front wesentlich verkürzit|\i,,.., Er wollte nun Goerdelers Urteil darüber hören, ob in einem sl}\i,„.. chen Fall noch irgendwelche außenpolitischen Aussichten al ca einen erträglichen Friedensschluß bestünden. Das gab unsere? Patrioten Gelegenheit, mündlich noch einmal das im Mäil schriftlich dargelegte Friedensprogramm zu entwickeln und&#\ıx rechtzeitige Verständigung mit der britischen Politik zu empf& len. Kluges Zweifel, ob die Engländer nicht ebenso wie 19" handeln, d. h. die totale Zerstörung der deutschen Macht forde@\ı würden, suchte er mit dem Hinweis auf das naturgegebene Int“ esse Englands an der Erhaltung eines starken Dammes gegen&“ Bolschewi ismus zu entkräften, berief sich aber auch auf seine B* sprechungen mit Wallenberg. Zwar habe er von London f keine Antwort auf seine letzten Vorschläge(für die Zuk Europas und sofortige Einstellung der Luftangriffe) gehött,> U sturzversuche 1942-1944. III. Vorbereitung Herbst 1943 381 apo ausge aber in dieser Hinsicht sehr zuversichtlich, da er die Engländer, obersten Hitfihie Interessen, ihre Politik und ihre Methoden durch ihre Ge- ll zenglieden Üstlichte hindurch schr genau kenne und beste persönliche Be- li, nganzhls tgihungen zu englischen Politikern fast aller Parteien habe«. hl n, sich au Schließlich entwickelte er auf Kluges Wunsch auch sein inner- H tenbar hi politisches Programm. Es fand dann eine Besprechung zwischen ll chwörun'dtn beiden Generälen unter vier Augen statt. Danach wurde N n damals|Grerdeler wieder zugezogen, und Kluge erklärte ihm,»nun sei es en. Die'köchste Zeit zu handeln, um noch rechtzeitig die militärische nicht gan Öitation auszunützen.... Noch sei es möglich, bei rechtzeitiger sckows,[Verständigung mit den Angelsachsen die Ostfront östlich der nen wurd\alıın Ostgrenze Polens zu stabilisieren und unüberwindlich zu oerdelerst Imichen«. Aber der Führer sei nicht bereit, solche Entschließun- eunde Wi'g&i zu fassen, insbesondere den militärischen Sachverständigen (siehe Mt dit Möglichkeit weiträumiger Rückzüge zu geben- ganz abge- nde Ent iehen davon, daß die Angelsachsen mit ihm sich niemals auf eine elbstaad' Pöltische Verständigung einlassen würden. Er müsse also aus- Aussprud sächaltet werden, und zwar mit Gewalt; im Interesse des Volkes f n ziemlich" Miäten die militärischen Führer jetzt selbständig vorgehen.Goer- Idır erklärte, er halte ein Attentat für falsch.»Es sei notwendig, l ‚nisse üBt tt dem Führer ganz offen zu sprechen; dazu seien der Ober- Bu nsere mi%chlshaber und der Generalstabschef verpflichtet; aus einer „ Ostfrot! Wlkhen Aussprache, die mit Klarheit, Offenheit und Mut durch-| de! Sihrt würde, würde sich alles weitere von selbst ergeben. Die ‚ nocheik’ bite Sache setze sich jedem gegenüber durch.« Auf Herrn von f sogar Kluge machte das ‚keinen Eindruck. Er behatrte(mit Recht) auf B "stehenbl Ir Notwendigkeit eines Attentats, dem auch Beck jetzt zu- groß)"timte; Goerdelers persönliches Vorgehen bei Hitler lehnte er rel;ilzwecklos ab. So blieb diesem nichts übrig, als sich zu fügen. ind ‚De militärischen Führer, meinte er,»die es durch mangelnde neh"Otnheit gegenüber Hitler so weit hätten kommen lassen, müß- N x etnun selbst den rechten Weg zur Rettung Deutschlands finden« s 6" 1) überließ also den Generälen die Verantwortung für das Atten- 2 E'!at! Kluge erklärte sich ohne weiteres zur Übernahme dieser Ver-| a;üivortung bereit: das Nähere wolle er mit seinen Kameraden} 2 ei Neprechen; Goerdeler möge als Politiker nur dafür sorgen,»daß en“ ie Angelsachsen sich richtig verhielten«. N be Diese wichtigeUnterredung hatGoerdeler immer als die eigent- reg, ee!icit Geburtsstunde des Anschlags vom zo. Juli 1944 betrachtet. 1 ‚Ind wahrscheinlich mit Recht. Zwar hatte Tresckow schon seit h \kiaufeinem längeren»Erholungsurlaub«, den er sich vonKluge alı Berlin geben ließ, sehr viel dazu getan, die von Olbricht be- Atenen Vorbereitungen für einen Militärputsch, die er lücken- His 382 Fünfzehntes Kapitel Biturzve haft und technisch noch unzulänglich fand, zu ergänzen und af" ı verbessern.*? Indessen konnte auch nach seiner Meinung daj@kteit Heimatheer nicht in Aktion treten, ehe nicht mindestens einer del3tsun großen Truppenführer an der Front das Signal dazu gegebuj@:nd, hatte. Diesen Truppenführer hatte man nun gefunden; im Weste bernd v wußte man Falkenhausen und Stülpnagel einverstanden. Der s]‘ine? oft vergeblich geplante Staatsstreich schien nun endlich Wirklichf® Sch keit zu werden. Ana get Aber das rätselhafte Geschick, das in diesen Jahren übe|&“dic Deutschland gewaltethat, wollteesauch diesmalanders. Bald nad] Hnsch. der Rückfahrt in sein Hauptquartier erlitt Kluge einen schwert] Sischla Autounfall(12. Oktober) und schied für viele Monate aus jed#]"!risct Aktivität aus. Das war um so verhängnisvoller, als T'rresckow va) fast seinem Urlaub nicht sogleich ins Stabsquartier der Heeresgrupf| Scultri Mitte zurückkehrte, sondern zunächst ein Frontkommando al) it? sold Regimentskommandeur an der Ostfront durchmachen mußte. AN®s und er zwei Monate später zum Generalstabschef der zweiten Arme] Arsch ernannt wurde, war Kluge durcheinen neuen, völlig hitlerhörig@] the u und politisch urteilslosen Oberbefehlshaber(Busch) ersetzt@y.D; Seine Bemühungen, als Vertreter General Heusingers ins Obe* Bunke; kommando des Heeres versetzt zu werden, um so persönlich Oialisn Gelegenheit zu einem Attentat auf Hitler zu finden, blieben&% bürg folglos. Und ebenso scheiterten eine ganze Reihe weiterer Attet|@ilisch tatsversuche, die seine Gesinnungsfreunde in diesem Herb esı unternahmen und die bis ins Frühjahr 1944 unentwegt fortgese#'&ıyon wurden: trotz unerhörten Wagemuts der Verschwörer bei&&@ Wr Beschaffung von Sprengstoff, trotz selbstloser Todesbereitscha! MHilk, junger Offiziere, die bereit waren, sich selbst zu opfern, um sieh] Sch Vielm mit Hitler in die Luft zu sprengen, trotz alles erfinderisch® ter Scharfsinns, der aufgewandt wurde, um die um den Tyrannen gt try. legten Schutzwände zu durchbrechen.** Immer wieder durdbtligen. kreuzten unberechenbare Zufälle im letzten Augenblick den wohı ung. bedachten Plan, und Hitlers raubtierhafte Witterung drohende|*:sta, Gefahr entzog ihn mehrfach der gestellten Falle. Ohne vorher' Beseitigung des Tyrannen war aber nun einmal ein Militärputst® Menden praktisch aussichtslos. Ohnedies war der Staatsstreich, seit kein® Nr.. der aktiven Frontgeneräle mehr dahinterstand, zu einem höch“ or unsicheren Wagnis geworden. Wie; Dafür war in das Zentrum der Verschwörung seit Oktobt| N, 1943 eine neue, jugendlich wagemutige Persönlichkeit eingetf@|"' ten, die von nun an immer mehr als Führergestalt hervorttift Oberstleutnant Claus Graf Schenk von Stauffenberg. Er wat der zuletzt hinter den immer erneuten Attentatsversuchen 383 gänzen un /Nnters 1943/44 stand. Erbrachte aber auch die organisatorische If : Meinung| irbereitung des Umsturzes in der Heimat in neuen Schwung, »stenseint Osters und Tresckows Bemühungen fortführend und energisch"Bi dazu gend|Mägernd, unberührt von mancherlei Bedenken der Älteren, len; im We ftbernd vor Tatendrang. tanden. Di| Seine Persönlichkeit hat neuerdings(in Ed. Zeller, seinem frü- dlich Wii|ttren Schulkameraden) einen liebevoll bewundernden Biogra- Pltn gefunden, der auch seine politische Entwicklung vom n Jahren ‚üendlich unreifen Enthusiasten der Hitler-Bewegung zum ders.Baldı'@enschaftlichen Hasser des Tyrannen und der Verderber nen schn ‚Rutschlands geschildert(oder doch skizziert) hat. Was ihn seiner onate ausl tltärischen Umgebung so oftüberlegen erscheinen ließ und ihm Tresckoy" A fast magnetische Anziehungskraft verlieh, besonders auf jlechaltrige und jüngere Kameraden, war eine seltene Verbin- son): we lung soldatischer Fähigkeiten— großen fachmilitärischen Kön-| ‚hen mußt.” 15 und einer bewundernswürdigen Tapferkeit und Selbst- j zweiten An elerrschung— mit einer schöngeistigen Bildung, die als Fami- hierhin ieterbe und selbsterworbener Besitz sein ganzes Wesen durch- j Buch) en Ing. Dazu kam noch die Gabe einer natürlichen, feurigen Be- in tamkeit.Politisch neigte er offenbarmehr zu dem romantischen! Dr Bi Stzialismus« der Kreisauer Grafen, seiner Altersgenossen, als zu a ie ıletı bürgerlichen Liberalismus Goerdelers oder gar zu den alt- I en, ‚ Päußisch-konservativen Gedankengängen eines Popitz. Ohne a tifene Schulung und Erfahrung in politischen Fragen, hat er sich' diesen(ech von Anfang an auch in die politische Problematik der Ver-| ee Schvörung eingemischt und wollte sich keineswegs mit einer blo-} hwöre! H Va Hilfsstellung als militärischer Draufgänger begnügen. Ertrug i desbertl“ic vielmehr mit hochfliegenden Ideen einer sittlich-politischen’ a ineuerung Deutschlands, zu deren Dienst er sich berufen fühlte. 4 ein „"Meer sich diese Erneuerung konkret vorgestellt hat, ist schwer n Tyratt Ausagen— sicherlich aber in der Form einer revolutionären Be- wieder© Vreung, die in»rasender Fahrt« alles Alte überrennen sollte. Da-! blick det" Mitstand er nun freilich in entschiedenem Gegensatz zu den Zie- 1| ung 80" An der bürgerlichen Politiker, vor allem Goerdelers, die der Ihne u„ itsenden Fahrt« des revolutionären Treibens endlich ein Ende Mi achen, eine klare, gesicherte Ordnung an die Stelle der ewigen eich, nyelutionären Unruhe setzen wollten. Wenn Stauffenberg wirk- „ einem” Ich(wie Zeller berichtet) im Gespräch mit Leber eine solche Hal- h tig hochfahrend als»Revolution der Greise« abgetan hat,25 so N g seit u Ölite man das nur als eine sehr unreife Verkennung sowohl N -hkeit ie) inet älteren Mitkämpfer wie des wahren Bedürfnisses der Zeit j alt her!" itichten, und man begreift, daß ihn Goerdeler trotz aller Hoch- hs ülzung seines Mutes und seiner Gaben als»eigensinnigen f er SV ers 384 Fünfzehntes Kapitel Querkopf« nur schwer ertrug.*® Andererseits scheint mir sicher, daß in dem stürmischen, ungeduldigen Tatendrang dieses Jünge ren ein Stück dämonischen Machtwillens undHerrentums steckte, das dem ewigen Zauderer Beck ebenso fehlte wie dem allzu ver. DUB so vie Me Reihe ren un nunftgläubigen Optimisten Goerdeler, und daß ohne dieses El&- den, 2 ment die Widerstandsbewegung wirklich in Gefahr war, in laute Vorbereitungen und Planungen steckenzubleiben. Im Momeit|" UN zwar der letzten, entscheidenden Krisis, im Juli 1944, wäre ohne die Mchaich Entschlossenheit Stauffenbergs die Oppositionsbewegung ii mehr oder weniger ratloser Passivität versackt. Im übrigen wir man die aus dem Gegensatz der Temperamente und politische] Ideen entstandenen Reibungen in ihrer praktischen Bedeuturg I auch nicht überschätzen dürfen. Schließlich sind sie doch imm&t wieder überbrückt worden, vor allem dank der Mittlertätigkei Becks, zu dem auch die Jüngeren mit Respekt aufblickten. ımoch “öichterte Die äußere Möglichkeit für Stauffenbergs Wirken in der Oppe-)"" seit sition bot seine Ernennung zum Chef des Stabes im Allgemeincı uch berei Heeresamt(Anfang Oktober 1943), also zum ersten Gehilfeı Olbrichts—- des Mannes, der nun schon seit fast einem Jahr ge meinsam mit'Tresckow an der Vorbereitung des Aufstands arbeitete. Von Tresckow übernahm er dessen umfangreiche Vor MR den U, DS siche ar in Be arbeiten(Mobilmachungskalender, Besetzungspläne, geheime]"ige Truppenweisungen, Aufrufe an die Wehrmacht und die Bevör- kerung, Rundfunkansprachen usw.), die alle mit Beck gründlich durchgesprochen und von diesem zum Teil durchkorrigieit| waren. Er setzte diese illegale Arbeit seinerseits mit Eifer fort, von einem rasch wachsenden Stab von Helfern unterstützt, untet| denen Major Ulrich von Oertzen, Tresckows Intimus, der wich)"it tigste war. Stauffenberg besaß in hohem Maße die Gabe, jünger?!" Offiziere für seine Sache zu gewinnen; aber die Kriegslage war io zwischen auch so bedrohlich geworden, daß der Glaube an den Sieg in allen Stäben dahinschwand und die Erbitterung gegen di? katastrophale Kriegsleitung des Diktators auf den Siedegral|” stieg.#7 Die generalstabstechnischen Einzelheiten der Vorbereitung lt des Militärputsches sind schon mehrfach geschildert worden.” Bedenkt man ihre außerordentlichen Schwierigkeiten und die" große Zahl von Personen, die ins Geheimnis gezogen werde!" mußten, so ist es fast als ein Wunder zu betrachten, daß es über“"““ haupt gelang, diese Hochverratspläne bis zum 2o. Juli 1944 8 heimzuhalten und Mittel und Wege zu finden, um eine so weni@" h kontrollierbare Truppe wie die Berliner Ersatzbataillone geg® das Regierungsviertel in Marsch zu setzen. Es war— nicht nur in Unsturzversuche ı 942-1944. 11l. Vorbereitung Herbst ı 943 385 at mir sick Et deutschen Heeresgeschichte- ein ganz unerhörter Vorgang, dies Jin: 43 so viele hohe, höchste und allerhöchste Stellen der Armee, tums steh gte Reihe vonFeldmarschällen mit eingeschlossen, nunschon seit emallungenren um das Bestehen einer Zivil- und Militärverschwörung he diessh ı Mßten, ohne sie zu verraten, ja sich wohl gar daran beteiligten, ar.inr zwar schon, ehe sich die Siegeskurve Hitlers zum Abstieg wat, in lau 5- BE\ i Im Mom|ttgte. Es zeigt, daß die Unterwürfigkeit der soldatischen Führer ‚äre ohne. ‚ch nicht ganz so blind gewesen ist, wie sie nach außen erschei- vewegung(MA mochte. Jetzt nun war sie vollends im Schwinden. Das er- übrigenn lichterte die Arbeit. Aber was sie erschwerte, war der Ausfall is Nlges, der im entscheidenden Augenblick(nach Tresckows d po Plinen) die Führung der gesamten Wehrmacht hätte übernehmen n Bedeutu! I” 5 x: ; ‚ölen, und die mehr als unsichere Haltung Fromms, des Ober- Be biiehlshabers der Heimatarmee. So blieb nichts übrig, als den ver- itlertät ibschiedeten Marschall von Witzleben wieder einmal, wie so oft lichten,„don seit 1938, als Nothelfer heranzuziehen. Er fand sich denn N der OH th bereit, die heimlich vorbereiteten Befchle zu unterzeichnen, Allgeme! de den Umsturz wirksam machen sollten. Da man aber keines- ten Gel! Vers sicher war, ob die zahlenmäßig geringen Ersatztruppen um Dein Jar un in Berlin imstande sein würden, die dort stationierte SS- s Aufn Tappe und die Luftwaffeneinheiten niederzuwerfen, mußte alles „ tangesetzt werden, gleichzeitig mit Hitler auch Himmler und ine, ie Göring umzubringen, um den Ausbruch eines Bürgerkriegs zu 1d die Be schweren— ein Umstand, der das Attentat mehrfach in ver- kg hignisvoller Weise verzögert hat. ıgreiche\| scho Auf alle Fälle konnte unmittelbar nach dem Umsturz nur in ie Bier; Firm einer Militärdiktatur regiert werden. Diese aber bedurfte stützt" Mörlichst bald der Ablösung durch zivile Kräfte. Schon dies us, ligte die aufständischen Offiziere, ihre militärischen Vor- zabe, JE] ,@itungen auf das politische Gebiet mit auszudehnen. So wurde sshge"“ isitzt auch für den zivilen Sektorhöchste Zeit, sich endgültig auf aube in gemeinsames Programm, wichtiger noch: auf eine Führer- ng 98°|Peßönlichkeit und ein von ihr zu bildendes Kabinett zu einigen. on SIR FTDie letzten Monate des Jahres 1943- in denen man dauernd auf „la Gelingen eines neuen Attentatsversuches wartete_ sind denn Vosbef?”"ach von solchen Bemühungen erfüllt. Allgemeine Einigkeit be- gt wo“ Fetand darüber, daß Beck das neue Staatsoberhaupt(Generalstatt- iten W* Maler oder Reichspräsident) werden sollte. Die Würde und Lau- ogen” Verkeit seines Charakters, aber auch sein Ansehen in der Armee daß es" leten ihn dafür wie vorbestimmt erscheinen. 50 Als Reichskanzler Jel 94‘ Ban an erster Stelle natürlich Goerdeler in Betracht. Wir kennen sine 50 ir Schon die Bedenken gegen den»Illusionär«, die von rechts, und ‚llone F“en den»Reaktionär«, die von links erhoben wurden. Abernie- _ nieht" IE) 386 Fünfzehntes Kapitel mand konnte bestreiten, daß er unter allen Zivilpolitikern d Verschwörung die weitaus aktivste und wohl auch mutigste Pt sönlichkeit war, daß er über ein ungewöhnlich hohes Maß praktischer Erfahrung und politischen Ideen verfügte und umd Sammlung der Widerstandskämpfer die größten Verdienste völ allen besaß. So bat ihn Beck Ende November um die förmlich Zusammenstellung einer Ministerliste.®! Solche Zusammenstellungen waren schon seit Anfang Janut versucht worden,52? und bis zu seiner Verhaftung hat Gocerdelk immer neue Anstrengungen gemacht, geeignete Persönlichkeitä herauszufinden und ihre Bereitschaft zu gewinnen. Natürlid haben die Namen und Posten mehrfach gewechselt(siehe darübk Anhang IX), denn es galt, Rücksicht auf sehr verschiedenartig Wünsche zu nehmen, und es hat auch nicht an ehrgeizigen Que treibereien einzelner Persönlichkeiten gefehlt. Goerdelers Be streben war offensichtlich, tüchtige Fachkräfte zu vereinigen, immer er sie finden konnte, und die verschiedenen in der Widit standsbewegung vereinigten Gruppen und Strömungen möglichs gleichmäßig zu beteiligen. So findet man zeitweise auch Nam von Persönlichkeiten, die gar nicht zur Widerstandsbeweguil gehörten(wie Freiherr von Gayl oder Schwerin-Krosigk) unda«l überhaupt erst nach vollzogenem Umsturz befragt werden kont ten; in solchen Fällen war ein provisorischer Verweser des bt treffenden Postens vorgesehen. Um parteipolitische Einseitit]... keiten zu vermeiden und möglichst allen in der Opposition ve tretenen Gruppen gerecht zu werden, wandte Goerdeler melt|.\, fach das Mittel an, Staatssekretäre anderer Parteifarbe seind Falchnt(a liler seit Wetden m allzu! Iördhat ih MrRabin, alipziger) Alt Posten Mtisten, MA wünse om Ippe, ab I nat; g MS Dje Olttt einer Tichrlic] Hchning Kicher Ihr \ hi ftsfüh; innen. Ministern beizugeben. Die katholische Gruppe legte großen Werl. darauf, daß ihre Konfession genügend stark vertreten sei. Kaist Hl und Wirmer schlugen den früheren württembergischen Staa präsidenten Eugen Bolz zum Minister des Inneren vor, daml| wenigstens eines der vier wichtigsten Ministerien in der Hard,. eines Katholiken sei. Sie konnten sich aber damit nicht dure* setzen, da Stauffenberg auf der Berufung des Sozialdemokra®“ Leber in diesen wichtigen Posten bestand. Bolz wurde daraufhe veranlaßt, sich zur Übernahme des Kultusministeriums bereitz ,. finden, was er auch tat.®® Außerdem bestand eine Zeitlang& Absicht, dem künftigen Kabinettschef als Staatssekretär da, jchr‘ katholischen Rechtsanwalt(früheren Pressereferenten im Reicht justizministerium) Dr. Otto Lenz beizugeben, der indessen m la 4 lich erdeler Goerdeler wenig harmonierte, so daß man den Plan sehr bald wi}; der fallen ließ. Um den Posten des Kultusministers für Bolz freiß machen, mußte Popitz vonihm zurücktreten, derihn sehr wünst 1 Insturzversuche 1 942-1944. III. Vorbereitung Herbst 1943 387 ipolitikennı h mutigste? hohes Mal igte unduni Verdienst.\i € Eine Zeitlang figurierte er dann als künftiger Finanzminister, wirde aber von den Sozialisten und von Stauffenberg so heftig ab- iehnt(als»Reaktionär« und langjähriger MitarbeiterGörings), ‚3 er seit Ende 1943 völlig aus den Kabinettslisten gestrichen u“nrden mußte. Er war darüber sehr verärgert, mißbilligte auch n die förnlH„allzu bürgerlichen« Methoden der Umsturzpläne Goerdelers : ‚ind hat ihnen zuletzt eigene entgegengesetzt. An seine Stelle auf Anfang Jap) le Kabinettsliste als Finanzminister trat Direktor Loeser von den ; hat Gott! Xıpp-Werken, ein von Goerdeler hochgeschätzter früherer ersönlichk Tepziger Mitarbeiter.2Am meisten umstritten blieb nach wie vor nen. Natit! de Posten des Innenministers, in den Goerdeler, wie es scheint, t(siehe darl"eaigstens provisorisch Graf Fritz von der Schulenburg zu brin- sschiedetü" /gen wünschte, der ihm als Mittelsmann zur Kreisauer Grafen- rgeizigen\'"er-ppe, aber auch als sehr aktiver Berater in Personalfragen wich- Goerdelets tiowar; gegebenenfalls sollte er Staatssekretär unter Leber wer- vereinigt)"de: ‚55 Dieser hat sich offenbar nur sehr schwer darein gefunden, a in det V''iner einem liberalen Kanzler mitarbeiten zu sollen.5® Um so un- ıngenmög" enbehrlicher wurde sein Parteigenosse Leuschner, dessen große se auch“"Brahrung in parlamentarischen Verhandlungen(als früherer hes- tandsbeit\Sither Innenminister) und in Organisationsfragen(als Gewerk- Lrosigk) u sthaftsführer) jetzt ebenso wichtig wurde wie seine menschlich ye werden!\Btrinnende Natur. Wir kennen schon seineengeZusammenarbeit erweser®|Bil"Goerdeler in sozialpolitischen Fragen(Kapitel 13); er hat ihn ische Ei“ Mturfach, ebenso wie sein Parteigenosse und Gehilfe Maaß, Opposit!!"Sen den Vorwurf angeblich»reaktionärer« Gesinnung vertei- zoerdelet® dr. Beide Männer erkannten seine überragende Begabung und teifacbe”"ten Charakter an. Leuschner figuriert in allen mir bekannt- gte große)&vordenen Plänen als Vizekanzler; Stauffenberg wünschte, daß veten si“(oder Leber) später Goerdeler als Kanzler ersetzen sollte. Denn pgischet Y inche der» Jüngeren« gingen in ihrer Abneigung gegen Goer- „vn Nleeso weit, daß sie ihn überhaupt nur als Chef einer»Übergangs- n in dei! Bierung« wollten gelten lassen.?? Als Justizminister war ur- it nicht Langbehn vorgesehen, Popitz’ vertrauter Mitarbeiter, zialdemt*|\enutlich von diesem(gegen die uns schon bekannten Bedenken „yrde 9'secdelers) empfohlen; seit seiner Verhaftung(Herbst 1943) ds ns‘id er natürlich aus. Er wurde zunächst, wie es scheint, durch EN ei lc am die Widerstandsbewegung so verdienten Heereschefrich- © ehe! I&Dr. Sack, später durch den katholischen Rechtsanwalt Wir- u in!"(einen der eifrigsten Aktivisten des Kreises) ersetzt. n in el Mühe machte es, eine geeignete Persönlichkeit für das Ir eb)"Üschaftsministerium ausfindig zu machen, das nach den uns an| ca lange bekannten Plänen Goerdelers mit dem Arbeits- 'stertum verbunden werden sollte. Man sieht zunächst die 388 Fünfzehntes Kapitel Namen verschiedener Wirtschaftsexperten auftauchen; dam) wurde der Syndikus der Zellstoffindustrie Dr. Paul Lejeune-Jun gewonnen, ein früherer deutschnationaler Abgeordneter, durt! Habermann(vom früheren deutschnationalen Handlungsgehil-| ont fi fenverband) in den Widerstandskreis eingeführt. Er trug sich niit] halbsozialistischen Gedanken von»staatlichem Obereigentumi]|\ülKr (»Reichsgerechtsame«) an allen Bodenschätzen, was ihn zur Fot|! khf, gr derung einer Verstaatlichung der Bergwerke und anderer Nat|! hitun schätze führte. Mit den Gewerkschaftlern des Kreises und det nırdeG Kreisauer Gruppe hat er mehrfach darüber diskutiert, wurde aba litnhll schließlich doch von ihnen abgelehnt, fühlte sich angeblich auch Fehr als kranker Mann den kommenden Aufgaben nicht ganz gewach]ltundd sen.58 AktDiens Unentschieden blieb einstweilen die Besetzung des auswärt|Ülhtkssy, gen Ressorts. Zunächst war es als selbstverständlich erschienen Wong; daß hierzu der hochgebildete und seit langem zur Aktionsgrup|it sojl gehörende Botschafter Ulrich von Hassell berufen würde, Seiten, dem Herbst 1943 taucht indessen auch der Name des ehemaligil wid:;. Moskauer Botschafters Friedrich Werner Graf v. d. Schulenbu:g|Wnz;, auf, der Goerdeler selbst wenig interessierte, den aber Gril täglich Stauffenberg energisch in den Vordergrund schob.59 Goerdelkt| ii. überließ es den beiden Diplomaten selbst, sich über die Besetzuig des Ministerpostens zu einigen. Da sie als Edelleute besten alt«t Stils es ablehnten, sich darüber zu streiten, blieb die Frage vor läufig offen. Ihre Entscheidung hing davon ab, welcher außer| politische Kurs jetzt eingeschlagen werden sollte. Darüber wit] noch zu berichten sein. Es war ganz unvermeidlich, daß der Versuch, den so lange gt hegten Umsturzplänen nunmehr Gestalt durch die Bildung ein]%;; »Schattenkabinetts« zu geben, sogleich die Gegensätze der ve‘| schiedenen Richtungen ans Licht brachte, die sich im Widersta!|&., gegen die Tyrannei vereinigt hatten. Unvermeidlich wohl auch\%; daß es im Ringen von Kräften und Ideen so verschiedenartigt! Herkunft und von Männern mit so starker politischer Aktivit nicht ohne persönliche Schärfen und verbitternde gegenseiti#®\h Mißverständnisse abging. Die Politik ist nun einmal nicht di\ Sphäre friedlich-geselliger Verträglichkeit, am wenigsten dans)\ wenn jeder einzelne seine Überzeugung blutig ernst nimmt. B bleibt erstaunlich genug, daß eine gemeinsame Frontbildung v® so weit auseinanderliegenden Parteirichtungen von links b# rechts überhaupt möglich war. Aber zweifellos gehörte schon&" Mae, hohes Maß von Selbstverleugnung, nie ermüdender Geduld u® Ka) Ku Charakterstärke dazu, um unverbittert durch ungerechte# nen 389 vürfe, aber auch unbeirrt durch berechtigte Kritik das Werk der 1 Lejeune-)$ linigung fortzusetzen und so viele eigenwillige Köpfe auf einen rdneter, did} gemeinsamen Weg zu führen. Dies um so mehr, als von Monat zu andlunge©] Ionat für die Verschwörung die Gefahr wuchs, entdeckt und Ertrugsichdl vernichtet zu werden. Im Januar wurden die im sogenannten Obereigentihl)solf-Kreis« vereinigten Mitglieder der höheren Berliner Gesell- as ihn zu} shaft, großenteils Diplomaten, die zur Opposition gehörten, ver- andererNz)il hftet und einem blutigen Strafgericht zugeführt. Gleich darauf Treises und!!! Wurde Graf Helmuth Moltke, der die Bedrohten gewarnt hatte, jert, wurkiilil thenfalls festgesetzt und damit die Kreisauer Runde gesprengt. angeblich“ Im Februar flüchtete der Abwehragent Erich Vermehren, ein 1t ganz gen Feund des verhafteten Generalkonsuls Kiep, aus seiner Istambu- le Dienststelle zu den Engländern, und dies Ereignis führte zur o. des ausnl Frtlassung seines Chefs Canaris aus dem Amt. So schlug der Blitz lich ersch) aon ganz unmittelbar in den Kreis der Verschwörer ein. Was Aktionsent') ıler sollte aus Deutschland werden, wenn dieser fürchterliche fen würd Kıieg immer grausamer weiterging, die Attentatsversuche immer des ehem weder scheiterten und sich die Möglichkeit eines inneren Um- 4, Schule\.rzes immer weiter hinausschob? Nur wer sich den Zustand un- den aber tträglicher Nervenspannung vor Augen hält, in dem die Mit- ob, Got! leder der Opposition jetzt lebten, kann die Schärfe und Ge- ar die Best! tiztheit ihrer inneren Reibungen recht würdigen. ve besten! Krotz aller Gegensätzlichkeiten setzten siegemeinsam ihre Vor- die Fre he eitungsarbeit fort. Den Organisatoren des Aufstands, beson- sl bern(es Stauffenberg, kam es naturgemäß daraufan, nicht bloß an der B.. Ieliner Zentralstelle, sondern zugleich in allen Landeshaupt- e. Di fälten zuverlässige Verbindungsleute zu haben, die auf ein Stich- Jert hin sofort die öffentliche Gewalt übernehmen sollten, und tauchen; din shi_. N a se“ver in engstem Zusammenwirken militärischer und ziviler ie are Dinststellen. Es wurdealso der Versuch gemacht, injedem Wehr- ‚en52 tel skommando einen»Verbindungsoffizier« zu finden, der in das Cereimnis der Verschwörung eingeweiht werden konnte, und je- lich\ u Vels einen»politischen Beauftragten«, derim Moment des Staats- che Sttüches an seine Seite treten sollte Das machte es unvermeidlich, fische! jr il außerordentlich vielen Menschen im Lande vertraulich Füh- ‚de a nz aufzunehmen und sie mehr oder weniger direkt in die Um- om, Stzpläne einzuweihen- ein hochgefährliches, aber auch unge- ‚ Wunlich mühsames Unternehmen! Goerdeler hat ein Großteil ernst I deker Last selbst übernommen, unverdrossen im ganzen Reich Brumreisend, und es mit einer Vorsicht und Geschicklichkeit tchgeführt, die später in den Untersuchungsberichten der Ge- fo mehrfach mit Bewunderung hervorgehoben wurden. Ihn merte es wenig, wenn ihm ängstliche oder doch besorgte Ge- 390 Fünfzehntes Kapitel müter allzu große»Betriebsamkeit«, ja wohl gar»Geschwätzig keit« und»Unvorsichtigkeit« vorwarfen. Seinen Freunden hat tt öfters gesagt: er wisse ganz genau, was man ihm vorwerfe; aber auch das müsse getragen werden, denn schließlich müsse ja irgend einer es auf sich nehmen, sich nicht immerfort in vorsichtigs Schweigen zu hüllen und bloß in wohlberechneten Andeutungen zu sprechen, wenn ein solcher Riesenbau wie das»Dritte Reich ins Wanken gebracht werden solle. Man müsse schon etwas wa gen- und nicht bloß das eigene Leben. Dazu war er ohne Zögen entschlossen. Einem General, der ihm vorhielt, es sei ja nicht schwer, andere Leute zu gefährlichen Taten aufzufordern, für die man nicht selbst einstehen müsse, soll er sofort ein Papier über geben haben, auf dem er, eigenhändig und mit dem vollen Namit gezeichnet, eine scharfe Verdammung des Hitler-Systems und einen Aufruf zu seinem Sturz niederschrieb.»Ich möchte Ihnen zeigen«, fügte er hinzu,»daß ich zur vollen Verantwortung fir); meine Handlungen bereit bin und entschlossen, mein Leben in diesem Kampf aufs Spiel zu setzen.«®° Unsturzve \tatsstre tn po km abe Anpdarle 1ders, d turzes be 1 Mac EINE pre ewicih; Fug, zun ‘Aünen Nach unendlich mühsamen und vielfach fehlschlagenden Vet} handlungen kam schließlich eine lange Namenliste von Männen zustande, auf die man glaubte sich verlassen zu können. Sie fielan|; 20. Juli 1944 den Häschern Hitlers sofort in die Hände, weil ebi| diese Liste in der Nachrichtenzentrale des Ersatzheeres in de;, Bendlerstraße als Unterlage für Stauffenbergs Weisungen an Äh. Wehrkreiskommandos gebraucht worden war.(Namenverzeich nis siehe Anhang, X.) Dadurch war die Gestapo in der Lagtiil, gleich im ersten Augenblick den weitesten Umkreis der Verschwö rer auch außerhalb Berlins zu erfassen. Bis zu diesem Zeitpunk hat sie indessen so gut wie nichts von ihrem Inhalt gewußt, un Goerdelers ganzes Treiben blieb ihr, trotz eines unbestimmiet allmählich wachsenden Verdachtes, so undurchsichtig, daß siel' Mitte Juli 1944 keine praktische Handhabe zu seiner Verhaftut fand. Einen recht wesentlichen Teil der Vorbereitungen zum StaasÄune.> streich nahm schließlich die Ausarbeitung von Notverordaut|yr,, gen, Proklamationen, Flugblättern und Rundfunkansprachen 2" an der sich, wie es scheint, so ziemlich alle Mitglieder des enger“ Verschwörerkreises beteiligten. Von Popitz sind»Richtlinienz! Handhabung des Gesetzes über den Belagerungszustand« über], liefert,6®® von Peter van Husen, dem juristischen Experten dalı Kreisauer Kreises, Ausarbeitungen über die Bestrafung\ »Rechtsschändern« des nationalsozialistischen Regimes,®? vo Goerdeler eine ganze Fülle von Proklamationen, in denen er Ki Imsturzversuche 1942-1944. III. Vorbereitung Herbst 1943 391 Geschwätt" caatsstreich durch Enthüllung der Verbrechen und katastro- nalen politischen Fehler der Hitler-Regierung rechtfertigen, vor vorwerfe;it lem aber die außen- und innenpolitischen Ziele seiner Regie- Jüsse jaitgtt| ung darlegen wollte.*2 Der Gedanke, mit Hilfe des Deutschland- n vorsicht} saders, den eine militärische Abteilung gleich zu Beginn des Um- Andeutun I sarzes besetzen sollte, dem deutschen Volk die Wahrheit über Dritte Rei| ine Machthaber zu sagen, hat in Goerdelers Plänen von Anfang hon era at eine große Rolle gespielt. In diesen Kundgebungen redet er so, rohne Zi we wir ihn aus seinem Schrifttum kennen: nicht immer prägnant es sel ja! Staug, zuweilen leicht ans Lehrhafte streifend, sobald er auf seine ordern, fü wirtschaftspolitischen Lieblingsideen zu sprechen kommt, und in Papieri duch wieder eindrucksvoll durch den schlichten, überzeugenden volleaN| Ausdruck eines reinen Wollens und durch die klare, konkrete Fas- g-Systeis!| ng seines Zukunftsprogramms. Auffallend ist, wie stark in den möchtel#‘ lertigen Entwürfen die Polemik gegen das verhaßte Regiment des twortung| Tirannen zurücktritt gegen den Drang, für seine eigenen Ideale mein Le!"|@Xopäischer und deutscher Zukunft zu werben, Vertrauen einzu- fiigen, an die Vernunft, an den guten Willen, an alle edleren In- nlagenden Sinkte der Menschen zu appellieren statt an ihren Haß und ihre e von Mitt ledenschaften. Es ist in allem und jedem das Gegenteil national- ‚nen. Sie Sıualistischer Propagandamethoden— bewußt oder unbewußt, inde, weil" au einer zutiefst bürgerlichen, antirevolutionären Natur heraus, cheers 0°'&vinnend durch die Wärme des patriotischen Tones, durch sein isungenad Br kes Verantwortungsbewußtsein, aber nicht aufpeitschend zu 2&waltsamer Tat. Goerdeler war überzeugt, daß sein öffentliches 1 vet? ı.; Hevortreten am Rundfunk sogleich die Massen auf seine Seite ei Verst Bingen würde. Natürlich überschätzte er damit die Macht der ei Zen! Pitischen Vernunft und des sittliichen Bewußtseins über die em Neischen. Um diesen Irrtum gerecht zu würdigen, muß man sich 2) best iessen die fast unglaublich starke Popularität vor Augen halten, pe dest an seinen beiden Wirkungsstätten, in Leipzig und Königs- . Verf Birg, sich erworben hatte. Als Jakob Kaiser 1947 auf einer großen Linziger Volksversammlung von dem früheren Oberbürger- tister Carl Goerdeler sprach, der für die Freiheit gestorben sei, eh Atgte er einen so gewaltigen Sturm der Bewegung unter den de„ lusenden seiner Zuhörer, daß es fast einem Aufruhr glich. asp Übrigens merkt man den Entwürfen Goerdelers an, daß sie von der de; deren mitbearbeitet wurden und daß ihr Verfasser viele Rück- Richt” ihren zunehmen hatte, um seinen Verschwörerkreis zusammen- a Ahilten. Sozialpolitische und religiöse Wendungen sind in den x m I eingedrungen, die sich in Goerdelers Schrifttum sonst nicht „0 Nitd:n. Vorallem die ersteren, offensichtlich zur Beschwichtigung Leber und Reichwein bestimmt, gehen hart an die Grenze 392 Fünfzehntes Kapitel dessen, was er mit seinen Überzeugungen(die wit kennen) eben noch vereinigen konnte. Eben de shi ılb hat er diese Aufrufe auch vor dem Volksgerichtshof nicht mehr ganz als sein geistiges Et| gentum anerkennen wollen. Als Quelle zur Deutung seiner politt schen Ideen sind sie nicht ohne Einschränkung Terwand+ eine Kompromißlösung wie jede Regierungse rklärung einer Par teikoalition. Mit Wirmer und Ulrich von Hassell wird die Zu- sammenarbeit nicht schwierig gewesen sein; mit Stauffenberg, der auch eigene Entwürfe verfaßte, war sie voller Spannungen, il und von| ‚eber wird berichtet, daß er zuletzt gar nicht mehr dit Geduld besaß, die Verlesung von Goerdelers Progr: immentwül- fen auch nur anzuhören. Gemeinsam mit Reichwein und Mieren- dorff hat er schon Ende 1943 einen eigenen»Volksaufruf« ent worfen, über den aber eine volle Einigung schließlich nicht zu- stande kam.®” Nach einem Bericht von sozialdemokratischer Seite(} Ienk) hat man sich hier mit bloßen Proklamationen nicht begnügt, sondern große Anstrengungen gem: acht, eine Art von V olkserhe bung im Mome nt desUmsturzes organisatorisch v orzubereiten. Es scheint, daß die schon früher(Kapitel 6) von uns besprochenen, noch immer nicht ganz abgerissenen Ve»rbindungen zwischen den alten Gewerkschaftlern und Sozialdemokraten seit der Wende de‘ Krieges an sehr vielen Orten neu aktiviert wurden. In Hessen- Darmstadt, der alten Wirkungsstätte Leuschners, sollen sogar bi in die kle tert te hinein Vertrauensleute bestimmt worden seit, die mit einer geheimen Fr: ınkfurter»Zentrale« unter Leitung des früheren Staatsrats Ludwig Schwamb in V erbindung gestanden hätten und ihrerseits jeweils auf zuverlässige, handfeste Männe! als Gefolgschaft zählen konnten. E\s bleibt aber aus mehr als einem Grunde fraglich, ob es sich dabei um mehr gehandelt haben kant als um ganz lose Gesinnungsgemeinschaften, w ie sie in allen Te len des Reichs, vor allem in den Industriezentren, best: anden. Nuf daß diese jetzt größere Bedeutung gewannen und sich, je mehr dit kriegerische Gloriole Hitlers verblich, innerlich rüsten mochte! auf einen nahenden Umschwung aller Dinge.® IV. Ost oder West? Stauffenbergs technische Vor re n für den Umsturz ware! Ende November 1943 abgeschlossen. Er selbst erwartete mit Be stimmtheit das Gelingen eines Attentats, das in den Weihnachts‘ feiertagen anläßlich der Vorführung neuer U Jniformstücke stat!‘ finden sollte und bei dem sich der vorführende junge Offiz jet Hhuptim iftspre mit scl Ip weil chdies ton zu int, m Uupt no Qurchill (tyerse amuinis mit$ terzuk tschl &n, troi Umsturzversuche 1942-1944. IV. Ost oder West? 393 ennen) ebtll kur Hauptmann Axel von dem Bussche) gemeinsam mit Hitler in die Aufrufeault ie Luft sprengen wollte. Aber die Vorführung fand nicht statt, und geistiges Ei; damit scheiterte der Anschlag wie alle anderen. Der Krieg aber seinerpalT sing weiter seinen katastrophalen Gang. Immer quälender erhob erwendbit-"ich die so oft erörterte Frage: ob es für einen Militärputsch nicht ngeineri] ‚chon zu spät geworden sei. Wallenberg hatte im November ge- wird die] meint, nur wenn er sehr bald erfolge, hätte der Umsturz über- Stauffenber taupt noch einen Zweck. Die günstige Deutung der Haltung annungel"7 Churchills, dieGoerdeler seinen Worten entnahm, stieß bei seinen cht mehr&!" Mitverschworenen auf starke Zweifel; man kannte ja schon seine ammenit" anguinische Art. Alles, was man von der Politik der Angelsach- und Mier en mit Sicherheit wußte, war ihr laut verkündeter Entschluß, saufrut®@®" veiterzukämpfen bis zur»bedingungslosen« Unterwerfung ich nicht?" Deutschlands. Sollte man unter diesen Umständen nicht versu- ..&en, trotz aller Abneigung gegen den Bolschewismus auch ein- te(Henk)#“nal nach Osten Fühler auszustrecken? yügt, sont Zeitweise schien auch die russische Politik einem solchen Be- serhebung® ürfnis entgegenzukommen. Ermutigend konnte schon der be- ‚n.Essc®' lannte Tagesbefehl Stalins vom 23. Februar 1942 wirken, in dem -henen, 1' 6 hieß:»Es wäre lächerlich, die Hitlercligque mit dem deutschen hendenil®"Volke, mitdem deutschen Staate gleichzusetzen. Die Erfahrungen Wende| der Geschichte zeigen, daß die Hitler kommen und gehen, aber „In Hs“ das deutsche Volk, der deutsche Staat bleibt.« Ein solches Wort ‚len soga! It man in Deutschland vom Westen her nie gehört, und die ‚wordens®'tissische Propaganda hat es bis Kriegsende in immer neuen se Leitung! Vendungen wiederholt; ja selbst nach dem Einmarsch in Berlin ng gest‘ wurde es auf roten Plakatzetteln an die Häusermauern geklebt. ste Mil Aber es war nicht nur Propagandagerede, was die deutsche Üpposition zu einer Fühlung mit Moskau ermutigen konnte. Wir It habenk”\onnen ziemlich genau verfolgen, wie mißtrauisch Stalin gegen line westlichen Alliierten war, die so unendlich lange brauchten, —_ (a) = 23 m > zz ._„jjenT einal IRREDER\ „standen dis sie mit eigenenLandtruppen zum Kampf gegen Hitler antraten h jemäl Erst schoben sie die besprochene Landung auf dem Kontinent . van mot" von Jahr zu Jahr hinaus, dann landeten sie in Afrika statt in Eu- s t(pa, dann kam es bloß zu einem vorsichtigen, militärisch wenig indrucksvollen Vordringen in Italien, und schließlich wollte Churchill den Hauptstoß vom Balkan statt von Frankreich her ihren— offensichtlich, um diesen Kriegsschauplatz nicht der ‚Roten Armee zu überlassen. War es am Ende die Absicht der lapitalistischen« Mächte, ihren kommunistischen Alliierten als | Degen« auf dem Kontinent zu mißbrauchen, die Russen sich bis u äußerster Erschöpfung ausbluten zu lassen, um zuletzt selber All Schiedsrichter über den Kontinent zu triumphieren und die 394 Fünfzehntes Kapitel Früchte des Sieges allein einzuheimsen? Stalins Verdacht gründde sich u. a. auf die Erfahrung, daß man sich in London, vor allen aber in Washington zunächst überaus harthörig zeigte gegenübtt seiner Forderung nach vertraglicher Festlegung einer strategisch’ günstigen Westgrenze Rußlands. Die Vereinigten Staaten habeı sich bis zum Kriegsende überhaupt auf keinen förmlichen Allianz- vertrag mit den Sowjets eingelassen, der die Zustimmung ds amerikanischen Senats erfordert hätte; sie hielten bis Jalta(41. Februar 1945) hartnäckig an dem System mehr oder wenigtt formloser Einzelabkommen, Lieferungszusagen, Freundschafis versicherungen, Hilfsversprechen und rein militärischer Abm: chungen fest. Jedes Geheimabkommen über Grenzsicherung: vor der künftigen Friedenskonferenz lehnten sie energisch ab. Staatssekretär Cordell Hull, der diese Politik gegen die Neigung seines Präsidenten zu größerer Nachgiebigkeit vertrat, war dk Meinung, Rußland sollte lieber seine Sicherheit im künftiga »Bund der Nationen«, der universalen Organisation des Friedens, suchen. Er erinnerte Roosevelt immer wieder an die bösen Erfah rungen, die man im Ersten Weltkrieg mit solchen Geheimabkon:- men gemacht hatte: sie hatten nach Versailles geführt und schlie} lich den Rückzug der enttäuschten Amerikaner aus Europa in di Isolationspolitik der Nachkriegsjahre zur Folge gehabt. Hul fürchtete aber auch maßlose Ausdehnungswünsche der Russen wenigstens im ersten Kriegsjahr 1941/42, und war bestürzt 71 hören, daß Stalin bei den Vorbesprechungen zum russisch-en? lischen Bündnisvertrag nicht nur die PreisgabeFinnlands und de baltischen Staaten an Rußland forderte, sondern zugleich die@| rantie einer Rückgabe aller durch den Hitler-Pakt 1939 erworbt nen polnischen und rumänischen Gebiete— abgesehen von del, Zerstückelung Deutschlands durch Abtrennung von Ostprei Ben, dem Rheinland, Verselbständigung Bayerns und Österreich‘ und Wiederherstellung der früheren Verhältnisse in Böhmen und Südosteuropa. Churchill, der diese Forderungen im Winter 194! 42 zunächst abgelehnt hatte, war in seiner(schon früher, Kapit! 14, erörterten) Verlegenheit, dem russischen Alliierten militäriseh|; an so wenig helfen zu können, im Mai 1942 wenigstens zu eine! Kompromiß bereit. Schließlich erreichte Cordell Hull aber doch, daß der Londoner Allianzvertrag(vom 26. Mai) von allen Gren= garantien frei blieb, ja daß sogar in Art. 5 als Grundsatz festgele,! wurde, die Verbündeten wollten»weder nach territorialen Er weiterungen für sich selbst streben noch sich in dieinneren Ang legenheiten anderer Staaten einmischen«. Bei dieser ablehnende! Haltung spielte sowohl in London wie in Washington die Rüc \chtauf' tisse I "restliche polnis \ılprok ktaus de Itteleur Kautzdaı m Bestr !rossen DiePra ützung chstaul ezähe. tepsjah Seinen ch ein [stücke er brei "pdesc Umsturzversuche 1942-1944. IV. Ost oder West? 395 \icht auf Wünsche der polnischen Exilregierung in England eine (ewisse Rolle. Sie gehörte ihrer politischen Richtung nach zur restlichen Demokratie, forderte Rückgabe der 1939 verlorenen ier strateg‘" Istpolnischen Gebiete, fürchtete und haßte den Bolschewismus Staaten hi" und proklamierte die Errichtung eines»Dritten Europa«, gebil- lichen Allan»(et aus den von Hitler zu befreienden Randstaaten des östlichen timmung d!Witteleuropas vom Baltikum bis Rumänien, deren Bund einen bis Jalta(!"\chutzdamm gegen die rote Flut des Ostens bilden sollte. In die- oder wel"&m Bestreben konnte sie als eine Art von natürlichem Bundes- Freundschü; genossen der deutschen Opposition erscheinen. rischer Abt!" Die Frage war nur, wielange sie mitihren Wünschen die Unter- nzsicherun!‘ Sützung der Westmächte finden würde. Es ist in der Tat ein energisch!öchst aufregendes Schauspiel, zu verfolgen, wie dieebenso kluge n die Nein“ vie zähe Politik Stalins sich Schritt für Schritt in den folgenden trat, war" Iriegsjahren gegen alle Widerstände vorankämpfte auf dem Weg im künfix I 2 seinen imperialistischen Machtzielen: Sicherung Rußlands n.des Friede dırch einen Wall von kommunistisch regierten Vasallenstaaten, e bösen Et' lerstückelung Deutschlands, Beherrschung und Ausbeutung ‚cheimabl" ner breiten russischen Okkupationszone, endgültige Ausrot- rtundsch# des deutschen»Militarismus«. Im Rückblick erscheint dieser ‚Europa Veg noch gradliniger, als er in Wirklichkeit gewesen sein mag. habt.# Ähnlich wie die Machtpolitik Hitlers hat wohl auch die Stalins 1e der Rus"Meist nach und nach ihre letzten, höchsten Ziele entwickelt; und ar bestüf! itenso wie der deutsche hat auch der russische Diktator keinen ussisch® Umweg zum Ziele gescheut. Gleichwohl erwies er sich in der Klar- " Mt und!' Mitund harten Konsequenz seines Zielstrebens seinen westlichen eich ‚\itspielern weit überlegen. 2 Er 2 erwil Auf die volle Höhe ihrer Aktivität gelangte die sowjetische 199 yon!| Außenpolitik erst seit dem großen Sieg von Stalingrad. Ihr Fern- a,}eiben von der Konferenz in Casablanca bewirkte sofort jene Ten'oklamation des»unconditional surrender«, durch die sich die : öhmen?\estmächte den Weg zu einer Deckung Deutschlands gegen BD ‚u| MBlose sowjetische Machtansprüche selbst versperrten. Die Be- ‚ttebungen der polnischen Exilregierung in London wurden da- je, tucch lahmgelegt, daß man am ı. März 1943 in Moskau eine ‚tel r Union polnischer Patrioten« gründete, die später als Werkzeug tens 7° ji) At Begründung eines polnischen Vasallenstaates diente. Gleich ‚tauf konnte die russische Diplomatie feststellen, dal} man in london und in Washington bereit war, Ostpolen bis zur soge- ‚bunten Curzon-Linie(d. h. ungefähr bis zur Grenze von Ende 19) an Rußland auszuliefern und die Polen dafür durch viel ttsches Land zu entschädigen. Daraufhin wurden die diploma- then Beziehungen zur polnischen Exilregierung abgebrochen RE. ET UT a oe meta 396 Fünfzehntes Kapitel (25. April). Vier Wochen später wurde die Komintern aufgelöst, dadurch die Furcht des Westens vor dem Bolschewismus ver tingert und der Weg freigemacht zur Verbindung kommunisti- scher mit nationalistischen und demokratischen Kräften. Präsl dent Benesch kam nunmehr nach Moskau, löste sich von allen Plänen eines»Dritten Europa« ab und stellte sein Land unter den »Schutz« des großen östlichen Nachbarn. Für den Herbst plante man eine Konferenz der Außenminister des Westens in Moskau; sie sollte ein Zusammentreffen der»Großen Drei« vorbereiten! Roosevelts, Churchills und Stalins. Diesem großen Ereignis ar beiteten die Sowjets höchst wirksam vor, indem sie in Washing- ton von einem Angebot der Japaner berichteten, zwischen ihnen und Hitler einen Sonderfrieden zu vermitteln(16. September). Se hätten es abgewiesen, fügten sie wahrheitsgemäß hinzu. Aber um dieselbe Zeit beriefen sie ihre Botschafter Litwinow und Maiski| aus den westlichen Hauptstädten ab, weil sie als»westlich oriet- tiert« galten, und ersetzten sie durch jüngere Kräfte. Wichtiget noch: sie trieben ein höchst seltsames Doppelspiel mit Deutsch land. Seit Ende 1942 bestand eine kunstvoll getarnte, tief geheim: Verbindung zwischen einem Mitarbeiter Ribbentrops, Peter Kleist, und einem Mittelsmann der russischen Diplomatie namens Clauss, der zum Auslandsdienst der russischen Staatspolizei mehr oder weniger geheimnisvolle Beziehungen besaß. Die beiden haben sich im Dezember 1942, Juniund September 1943 in Stock- holm getroffen, und zwar so, daß die Initiative in allen drei Fälle von der sowjetischen Seite ausging. Hartnäckig wiederholt: Clauss dreimal dasselbe Angebot an den deutschen Mittelsman: Sonderfrieden auf der Basis der Grenzen von 1939 oder von 1914, freie Hand für Rußland in der Meerengenfrage und in Asien un d ausgedehnter gegenseitiger Wirtschaftsverkehr, das alles auszu- handeln in geheimen Konferenzen bevollmächtigter Diplomaten an neutralem Ort. Die Wiederholung des Angebots ist um so Ei staunlicher, als Kleist nur immer von neuem melden konnte, da) Hitler sich weigere, über einen Sonderfrieden überhaupt zu vef- handeln, und nur die Fortsetzung der einmal angesponnene Verbindung in möglichst»privater« Form wünsche, tief mil trauisch und zugleich fanatisch in seinen Glauben an den Endsieg verbissen. Nun ist es schwer, sich vorzustellen, daß Stalin nad! der Erfahrung von 1941 jemals geglaubt haben soll, mit Hitle“ einen dauerhaften Frieden schließen zu können. Die Frage, w2 letztlich hinter diesen Erbietungen stand, muß also offen bleiben Reine Fiktion des Mittelsmanns können sie indessen nach mal | erlei h Jinkt mi ieweite cm So tale Fo Praktis 13. Scl Anseyel rüber, ta, daß &imals sc Krchpes, Lukunft. 2üds übe upten$ } After Kung WR Poli v Natsräse s Umer wi | Yütsche tunde Umsturzversuche 1942-1944. IV. Ost oder West? 397 herlei Anzeichen nicht gewesen sein. Das Wahrscheinlichste dänkt mir, daß man in Moskau auskundschaften wollte, ob und kommunis.. Vie weit es überhaupt möglich wäre, den westlichen Alliierten mit räften, Pi| tnem Sonderfrieden zu drohen, falls sie sich gegen Stalins terri- ich von ak Wtlale Forderungen auch weiterhin hartnäckig zeigten. andunter. Praktisch erwiesen sich solche Drohungen aber sehr baldals un- Herbst pr Nbtig. Schon im August 1943, auf der Konferenz Churchills mit sin Mose ROosevelt in Quebec, zeigten sich beide Staatsmänner so beglückt ‚ yotbereir rüber, überhaupt mit Stalin in unmittelbare Fühlung zu kom- 1 Ereionise(NEN, daß sie zu den größten Konzessionen bereit waren. Eben , Iimals scheint sich in der Umgebung Roosevelts die Auffassung ern aufgeli, ewismus Ti En dı tchgesetzt zu haben, Rußland werde die große Weltmacht der -ptember)| lakunft sein, ganz Europa nach der Niederwerfung Deutsch- aan Abe| kads überschattend. Eben deshalb müßte die Politik der Ver- und, gten Staaten alles aufbieten, um mit dieser kommenden Macht W N$t Freund zu sein, womöglich sie zur Mithilfe bei der Nieder- vestlic r Verfung Japans zu gewinnen.$° Das war also genau das Gegenteil Be j{te Politik, die unsere deutschen Patrioten so oft als natürliche ‚mit Dei Suatsräson der Westmächte sich ausgemalt hatten und auf die sie ee itmer wieder vertrauten. Die Konsequenz war grausam für uns ‚tel Pe Deutsche und verhängnisvoll für Europa. Man willigte darein, attoP&|| Deutschland systematisch der Freundschaft zu opfern, die Roose- matie nn'&tund Churchill von Rußland erhofften. Umihretwillen hatman en 8 seiner Ostprovinzen beraubt, in Besatzungszonen zerstückelt, ie bei is Machtfaktor völlig zerstört, zur Hälfte seines Gebietes der 194 Ki Willkür der östlichen Siegermacht ausgeliefert. Die Verhandlun- len 2 h a von Moskau und Teheran über diese Opferung(November ü bi ind Dezember 1943) kann ein Deutscher heute noch nicht ohne Mittels” „ ste Brregung lesen. Es fing gleich damit an, daß kein anderer „der v0”)"As Cordell Hull die Russen ungefragt mit einem Memorandum in Ase®| erlückte, das ihre kühnsten Hoffnungen übertraf.?0 a5 alles]|| Nur auf dem Hintergrund dieser Entwicklung der allgemeinen ef Dipo® Yetpolitischen Lage rücken die Erwägungen der deutschen Op- sistuM Position im Herbst 1943, ob es nicht an der Zeit wäre, in Moskau ‚n kon| Satin London Fühlung zu suchen, in die richtige Beleuchtung. hder Tat: in diesen entscheidungsvollen Monaten zwischen August und Dezember 1943, ehe sich West und Ost in dem Pro- gumm einer gemeinsamen Zerstückelung Deutschlands zusam- tenfanden, war der letzte Augenblick für einen so gewagten älersten Rettungsversuch. Er war dadurch begünstigt, daß die fissische Politik gleich nach Stalingrad damit angefangen hatte, Ürerseits Fühlung mit der deutschen Generalsopposition zu su- ca, Man wird von ihrem Bestehen schon lange durch die kom- ee ee eu 398 Fünfzehntes Kapitel # munistische Untergrundbewegung(einschließlich der»Rot& Kapelle«) gewußt haben, auch von ihrer Verbindung mit eintt bürgerlich-liberalen Widerstandsgruppe. Nun brachte die Kap tulation der Sechsten Armee eine ganze Menge Generäle unl höhere Generalstabsoffiziere in die Hand der roten Machthabet- Offiziere, von denen viele recht laut ihre tiefe Erbitterung übt Hitler und seine sinnlose Opferung von Hunderttausenden deut: scher Soldaten äußerten. Ergab das nicht eine hocherwünschte Gelegenheit, mit der nichtkommunistischen Widerstandsbewt gung in Verbindung zu kommen, einen Keil in die antirussischt Front des deutschen Nationalismus zu treiben, die Antipathie bürgerlicher Kreiseund des so gefürchteten»ostelbischen Junker tums« gegen den Kommunismus abzuschwächen und das alls zum Vorteil der russischen Kriegführung und Außenpolitik aus zunutzen? Die Versuche deutscher kommunistischer Emigranten, der Pieck, Ulbricht, Weinert, Plievier, Becher und ihrer Genossei, durch Appell an die»Internationale Solidarität der Arbeiter" klasse« in der Form von Flugblättern u. dgl. die Kampfmoral dit deutschen Fronttruppe zu erschüttern, hatten sich als wirklich keitsfremde, beinahe lächerliche Fehlspekulation erwiesen. Sole es am Ende jetzt möglich sein, deutsche Generäle, bekannit Heerführer, dahin zu bringen, daß sie die deutschen Soldaten zu‘ Preisgabe ihres Führers, zum Niederlegen der Waffen oder zun Überlaufen aufforderten? Die dazu nötige Verhüllung des eigt nen»antikapitalistischen« Programms durch liberale Freiheits phrasen machte so wenig Beschwerden wie kurz vorher die for melle Auflösung der»Komintern«. Ideologische Bedenken hattxt zu schweigen, wenn es so große Vorteile zu erringen galt: Et schütterung der deutschen Kampfmoral an der Front, Ermuti gung der bürgerlichen Opposition im Innern und schließlich, alı optischen Effekt in London und Washington, die indirekte War tionalkomitees Freies Deutschland«, das Mitte Juli 1943 in den Moskauer Gefangenenlagern gegründet wurde, auch in den»kaAii;,. pitalistischen« Ländern des Westens die Bolschewistenfurcht all schwächen helfen. Dem Bestreben Roosevelts, außer der Alliat2 nd«G lrenhaf h tocker ıitleren Zuptthe sutschli \telsnan ati sallest Ktreiner erden se lt komn Feheis Sand ein Knundı NteRtie Xea Ka et.aich Noltkeu Mühen k Idee, Jon derer Giseyj un Ver Fr Sn 0 den ten. \"itder A “bar N Phan nung: man könnte auch wohl mit Hilfe einer deutschen Opp®|i sitionsregierung zum Frieden kommen. Im übrigen mochten#0} einwandfrei liberal klingende Proklamationen wie die des»N21;; ?"eirr auch die Freundschaft und das Vertrauen Stalins zu gewinner ty> wurde dadurch sicherlich der Weg geebnet. Wir kennen heute die teils raffinierten, teils erstaunlich primit ven Mittel, mit denen diese seltsame Freiheitsbewegung hinte! Stacheldraht in Gang gebracht und ein»Deutscher Offizieis‘ Umsturzversuche 1942-1944. IV. Ost oder West? 399 h der Rue hınd« Gefangener organisiert worden ist. Unerwartet ritterliche ung mit ei! hrenhaft der obersten Ränge, eine Mischung von Brutalität mit chte die Ki"\erlockenden Angeboten späterer Vorzugsbehandlung in den Generäle i nittleren und unteren; starker Appell an vaterländische Gefühle, Machthakt‘. Hauptthema einer schwarzweißrot beränderten Zeitung»Freies jitterungik® Deutschland«; Heraussuchen junger Offiziere mit bekannten usendendel delsnamen, von denen man nähere Auskunft über die bürger- ‚cherwünst"|ch-nationale und kirchliche Opposition in der Heimat erhoffte; erstandsbeil"" dis alles berechnet auf die politische Unerfahrenheit und Naivität e antirussst" der reinen Fachmilitärs— wie hätte es nicht vielen zur Versuchung ie AntipattXl" Verden sollen?”! Erstaunlicher ist, daß man es fertigbrachte, sogar ischen Jun“ de kommunistische Untergrundbewegung im Reich auf liberale und das" Freiheitsparolen umzuschalten(vgl. Kapitel 6). Angeblich be- ßenpolitiki sand eine rege Verbindung zwischen diesen Untergrundkämp- > Emigraat fen und dem Moskauer Nationalkomitee, vermittelt durch deut- ver Gens» she Kriegsgefangene, die mit Sabotageaufträgen durch die deut- der Arbelt“ sihen Kampflinien hin und her passierten. Ob das nun stimmt mpfmoril® oler nicht- mit den Oppositionsgruppen der Beck, Goerdeler, h als wiekle und Schulenburg haben die Kommunisten trotz allen Be- wiesen." keine direkte Fühlung herzu stellen vermocht- abgesehen räle, beat"From der einen Begegnung mit Leber und Reichwein im Juni 1944, Soldaten? von deren unglücklichem Verlauf wir früher schon hörten.??| ‚fen oder? Gisevius und(ihm folgend) Dulles haben nun freilich die Mei- ee Jung ds ung vertreten, die Kreisauer Grafengruppe und ihre sozialisti- ‚rale Frei nen Freunde hätten von einer Art antifaschistischer Welt- vorher de' volution geschwärmt, diesie Armin Arm mit den Kommunisten „denken iu td den in Deutschland tätigen Fremdarbeitern durchführen ngen galt} vollten: eine Bruderschaft also aller von Hitler Unterdrückten Zvont, BD RNt der Aussicht auf friedliche Verständigung mit dem russischen ießlie Nachbarn. Dieser»militante Sozialismus« habe vor allem auch ee, lie Phantasie Stauffenbergs entzündet und dessen politischen ii hen ‚ Eırgeiz noch verstärkt- einen Ehrgeiz, der nichts Geringeres als er 1 m tie Führerschaft auf neuen, revolutionären Wegenin die Zukunft ei ne).?3 In diesem Zusammenhang soll vor allem Adam von e die.d zu Solz als außenpolitischer Berater des Kreisauer Kreises li Bi,} für eine Fühlungnahme mit dem Osten, d. h. mit Stalin, statt mit a ji)| lem Westen eingetreten sein. Zwar sei dieser im Grunde»west- at ‚dich eingestellt« gewesen, habe aber nicht nur daran gezweifelt, lit Westmächte von ihrem radikalen Vernichtungswillen abzu- Itingen, sondern sich selbst in jenem»revolutionären Dynamis- Mus« bewegt, den wir von Stauffenberg her kennen. Nun steht fest, daß von Trott im Januar 1943 in der Schweiz em Amerikaner Allen Welsh Dulles eine Art von Botschaft / 400 Fünfzehntes Kapitel überbracht hatte, die revolutionäre Zukunftsperspektiven eröfl nete. Dulles war im Herbst 1942 als Sonderbeauftragter Roos velts zum Studium europäischer Wirtschaftsfragen an die Ge sandtschaft seines Landes in Bern gekommen und beobachtet von dort aus mit wachsendem Interesse und Verständnis, ja oft ner Sympathie die Bemühungen der deutschen Widerstandske wegung um einen inneren Umsturz. Trotts Botschaft an ihn hätt: mit großem Ernst auf die beständige Enttäuschung hingewiesen, welche die deutsche Opposition bei ihren Versuchen, mit di westlichen Regierungen in Fühlung zu kommen, erlitten habe und auf die völlige, oft pharisäische Verkennung ihrer bedrängta Lage unter dem nationalsozialistischen Terrorsystem. Trott hatt dann behauptet, es gäbe Gemeinsamkeiten der Lage und der Gt. sinnung zwischen dem russischen und dem deutschen Volk. Beide hätten mit der»bürgerlichen Ideologie« gebrochen, beide hätte schwer gelitten und strebten nun einer radikalen Lösung soziale Probleme zu, ja beide wären im Begriff,»zu den geistigen(wen auch nicht den kirchlichen) Traditionen des Christentums zurück zukehren«. Aus dieser Gemeinsamkeit könnte sich nach Ab- schluß des Krieges recht wohl eine Verbindung beider Völke und eine gemeinsame, ganz Europa bedrohende soziale Revoli. tion entwickeln, die vielleicht auch auf die im Reich lebend Fremdarbeiter übergreifen und damit(so wird man zu schließ haben) auch die westliche Welt bedrohen würde. Die politische Tendenz dieser Denkschrift”4 ist deutlich: st malt, mit reichlich vagen Pinselstrichen, die Gefahr einer soziald Revolution der ins Elend Gestoßenen an die Wand, um damitd! Politiker des skapitalistischen« Westens von einer totalen Zet trümmerung des deutschen Wirtschaftspotentials und der total@| Zerstörung deutscher Macht und Ehre abzuschrecken. Gewis®' halbromantische Vorstellungen von einer inneren Wandlun' Rußlands und der Möglichkeit einer Vereinigung der Unter drückten, wie sieim Kreisauer Kreis vor allem Reichwein verteit' scheinen mit anzuklingen. Ist es notwendig, daraus auf Sym-l' pathien des Verfassers mit dem russischen Kommunismus od&|} auf eigene revolutionäre Neigungen zu schließen? Trott selbi') hat seine Warnungen im April 1944 durch eine neue Botschaft 4 Dulles ergänzt. Er berichtet von der neuerlich stark gesteigert‘ Aktivität der kommunistischen Untergrundbewegung Deutsch! lands, von ihrem Zusammenhang mit dem»Komitee Freisfil) Deutschland« und von ihrer Unterstützung durch die russisch Regierung. Die daraus entstehende Gefahr sei gesteigert durchdit Anwesenheit sehr zahlreicher, mangelhaft bewachter russischt! | \depspe Titache tden V u käme den M Westli einer 0 cab: Umsturzversuche 1942-1944. IV. Ost oder West? 401 pektiven ei Kriegsgefangener im Lande. Besonders gefährlich wirke sich die tragter Roo Tatsache aus, daß immer neue»konstruktive Ideen und Pläne« en an die! ir den Wiederaufbau Deutschlands nach dem Kriege von Mos- ıd beobacht; au kämen und durch eine wohlorganisierte Flüsterpropaganda ändnis, ja0! m den Massen verbreitet würden.(Gemeint sind offenbar die Widerstand;|Freiheitsprogramme« des Moskauer Nationalkomitees.) Von aftanihaha) Westen käme nichts dergleichen(sondern, so wird man ergänzen g hingewiesx(ürfen, immer nur Drohungen mit bedingungsloser Unterwer- ıchen, mit lung). Die deutschen Sozialistenführer glaubten infolgedessen ein ‚ erlitten hal sarkes Abgleiten der Massen zur extremen Linken zu beobachten ter bedrängt(ine Gefahr, die ja auch Goerdeler schon den deutschen Generä- m, Trotthr Im vor Augen gestellt hatte). Am Ende könne es dahin kommen, yeundder&&B dieDemokratien den Krieg zwar gewönnen, aber den Frieden en Volk. Beil\erlören, indem Deutschland kommunistisch würde und so dort n, beide hätt Tr eine neue Diktatur an die Stelle der alten träte. Um die deut- ‚ösung sozib she Arbeiterschaft für die westliche Demokratie zu gewinnen, eistigen(m nüßte diese der sozialistischen Widerstandsgruppe zu Hilfe kom- tums zul ren. Sie sollte sie ermutigen durch öffentliche Erklärungen, daß ‚ich nach A de westlichen Regierungen die Teilnahme sozialistischer Führer beider Vol R einer neu zu bildenden deutschen Regierung willkommen hie- oziale Revo" dan; daß eine deutsche Arbeiterbe wegung sich künftig würde frei ‚eich Jebent#g'Sanisieren dürfen, ohne die Einmischung»arbeiterfeindlicher, n zu schlid“pitalistischer Gruppen des Westens« befürchten zu müssen; aließlich: daß ein erneuertes Deutschland freie Selbstverwal- + deutlich: i wag würde genießen dürfen und nicht befürchten müsse, eine ‚udloße Puppenregierung von»deutschen Quislings« zu erhalten. ee, Dese öffentlichen Erklärungen sollten ergänzt werden durch eine , Sectrauliche, ähnlich lautende Botschaft der amerikanischen Re- 2 je trung an die deutschen Arbeiterführer. Außerdem wäre es ‚nd en ünschenswert, den Abwurf von Flugblättern über Deutschland Er Mi tsentlich zu verstärken und von dem Bombardement zu tren- m TR„en, den Inhalt der Flugschriften mit der deutschen Opposition r E. bzustimmen, je nach der wechselnden Lage in Deutschland, und „hwein Ve" |!brhaupt eineähnlich regelmäßige Verbindung der Sozialdemo- ‚Itten mit den»fortschrittlichen Kräften des Westens« herzustel- im| 7, 5;£ Be«h kt, wie sie die Kommunisten nach Moskau hin besäßen. Auch ? u!»lten die Luftbombardements sovielwie möglich auf militärische sche..>- rr. e Bot int tal industrielle Ziele konzentriert werden statt auf Wohnviertel, 'k ne en Zerstörung nur die Proletarisierung Zentraleuropas be- ung* like, DAR Fre x 2 EN ei. ‚omitee ni Diese neue Botschaft Trotts enthüllt mit großer Klarheit, wie „die SU scheint, die wahre politische Haltung der Sozialistengruppe M Leber, der vermutlich ihr geistiger Urheber(oder doch An- 402 Fünfzehntes Kapitel l reger) gewesen ist.” Diese alten Sozialdemokraten sind durchaßifitı$t keine Freunde, sondern entschiedene Gegner des Kommunis lichen mus; sie streben ebenso wie die bürgerliche Opposition eine enge] Wührli Verbindung mit dem Westen an. Aber sie sind von derselbel| des. Furcht beherrscht, die ihre Partei von jeher geängstigt hatte: diei|iichan Massen an die extreme Linke zu verlieren, wenn sie sich unter de) ls Führung eines bürgerlich Liberalen stellen und wenn der Westenp| nische gar nichts tut, um die alte sozialistische Besorgnis vor»kapitalistselk die an scher Reaktion« zu zetstreuen und die lockenden Parolen aw'|\lionen Moskau durch eine geeignete, gut beratene Gegenpropaganda nike übertrumpfen. Sie reden nicht, wie Goerdeler in seinen für Englische land bestimmten Niederschriften, von der Bedrohung des frei&ay Wtinder Europas durch das Übergewicht der russischen Macht. Ihr Blick dk ist ganz auf ihre innerpolitischen Sorgen beschränkt. Aber sie; I pene bringen in dieser Botschaft ungefähr dieselben Argumente von Mkichher wie sie gleichzeitig die sozialdemokratische Emigration in c&@\ltun Hauptstädten des Westens immer wieder vorgetragen hat. Mat toundı kann, von heute rückblickend, wohl sagen, daß sie die Gefahset!\nrg kommunistischer Propaganda für Deutschland überschätzt, Üii ce| Schockwirkung des Rußlanderlebnisses auf die deutschen Sol daten nicht genügend in Rechnung gestellt haben. Aber man kan] ihnen nicht vorwerfen, daß sie mit einer grundsätzlichen Abwalll:}, dung von West nach Ost auch nur geliebäugelt hätten. AR Trott zu Solz hat sich, wie man sieht, als Vermittler ihrer Wutzilkk.., schenach Washington und London zur Verfügung gestellt- al, den Sozialisten eine eigene, von Goerdeler und Beck nicht gli;, steuerte außenpolitische Aktion ermöglicht. Aber diese liefjan nicht auf Überspielen der bürgerlichen Oppositionsgruppe has aus, sondern auf Mitbeteiligung der Sozialisten an der künftig@]ik. Regierung, die ihnen längst zugestanden war. Außerdem Le Trottsienicht miteinem Abschwenken der deutschen Oppositi® il) ins russische Lager drohen, sondern mit einem Abtreiben«ei deutschen Arbeiters ins Fahrwasser des Kommunismus. Wenn@llh.; in diesem Sinn den»Osten« gegen den» Westen« ausspielte,® war das kein Bekenntnis zum Osten, sondern ein taktisches Mart|\ ver, dessen Nützlichkeit(oder gar Notwendigkeit) auch Hass“! anerkannt hat.’® Ähnlich wie dieser glaubte Trott, daß Deutsch land in seiner Mittellage genötigt sei, mit seinen Nachbarn sowah im Westen wie im Osten ein erträgliches Verhältnis zu suchSfitı, Wir hörten schon früher von seiner Schrift»Deutschland zf h schen Ostund West«, in der er diese Überzeugung ausgesproch® I hat(siehe Kapitel 14, Schlußabschnitt). Ich möchte vermuten, sie identisch ist mit einer von der Gestapo in den Papieren = ‘| Umsturzversuche 1942-1944. IV. Ost oder West? 403 Gafen Schwerin-Schwanenfeld gefundenen Broschüre»Europa nischen Ost und West«, über die in den Polizeirapporten etwas sführlicher berichtet wird.”” Da wird die Gefahr der Anstek- ag des deutschen Arbeiters durch bolschewistische Propaganda ihlich an die Wand gemalt wie in der ersten Mitteilung Trotts an je sich untt&f Di les, auch hier unter Berufung auf gewisse Ähnlichkeiten in der enn der Wei" pitischen und wirtschaftlichen Struktur der beiden Nationen, vor»kapiul"m die angeblich radikalisierte deutsche Jugend und die zwölf en Parokn@iNlHionen ausländischer Arbeiter im Reich.»Dem Bolschewismus npropagand¥über sei England in Europa der einzige Gegenspieler. Die seinen für enrlische Politik im Sinn eines zweiten Versailles sei falsch, sie hung desit Nelhindere eine Balance of powers. Deutschland bleibe aber in acht. IhrB'!Eıcopa immer noch die zweitstärkste Macht. Sie müsse von Eng- ränkt, Abe Hard gegen Rußland ausgespielt werden. Die einzige Möglichkeit Argumente'stidaher ein ehrenvoller Friede ohne Besetzung, ohne Gebiets- igration ine Nabretung und Kriegskontributionen, ohne politische Einkrei- ragen hat!'Suigund wirtschaftliche Fessel. Allenfalls könne an die Abtretung sie die Gel ‚Otpreußens als Kompensation an Polen gedacht werden sowie überschäzt‘| eine Unabhängigkeitserklärung Österreichs. Einer solchen deutschen‘ Auffassung stehe lediglich die englische Mentalität entgegen, die Abermanb Beatschland als unverbesserlich aggressiv betrachte. In Wirklich- ‚lichen Abr ki habe erst der Friede von Versailles den Gedanken an eine Jätten. Äsgression hervorgerufen. Ein ehrenvoller Friede schließe daher tlerihrer deKriegsmöglichkeit auf lange Zeit aus und verhindere die Rei- ‚bin gsmöglichkeiten Englands mit der Sowjetunion, da z.B. ine gemeinsame Demarkationslinie bestehe. Sicher liege der Viderstand gegen eine solche Lösung hauptsächlich bei den Leu- ft die nicht einsehen wollten, daß England gegenüber den USA = der kn&ıt Macht zweiten Ranges geworden sei.« gstigt hatte ng get | Beck a v dieselie} ußerden ‚ Das sind ungefähr dieselben Gedanken, die der Vertasser dieses = Onpo® ‚Bihes im November 1942 und Sommer 1943 ausführlich mit chen m Tctt zu Solz erörtert hat. Ich fand ihn damals tief beunruhigt n Abit y dir-h die geradezu grotesken Vorstellungen von deutschem nis ie Nllitarismus« und unausrottbarem Eroberungsdrang, die er in u aus? drenglischen Publizistik und Kriegsliteratur, aber auch in den aktische Ren britischer Staatsmänner immerfort auftauchen sah. Da ich bst eben damals mit archivalischen Studien über das Problem % deutschen Militarismus beschäftigt war, bat er mich dringend, ner Dienststelle eine kritische Beleuchtung dieser Äußerungen in Standpunkt des wissenschaftlichen Historikers oder besser Ich: eine eigene wohl abgewogene Darlegung des wahren histo- ten Sachverhalts zur Verfügung zu stellen. Er ließ mir zu die- Zweck durch viele Monate Kopien des im Auswärtigen Amt 404 Fünfzehntes Kapitel einlaufenden britischen Propagandamaterials(mitsamt den ei tions schlägigen Bucherscheinungen) zugehen. Das hat mich zu man\\lnbı cherlei Ausarbeitungen, kritischen Literaturberichten, aber audi|\iner' historischen Darlegungen veranlaßt, die er nach Kräften im na gi tralen Ausland und über neutrale Vermittler in England zu ver) breiten suchte”®- natürlich ohne jeden praktischen Erfolg.\ Uhndn Im Herbst 1943 scheint Trott eine Dienstreise nach Schwecktl i Eine zu dem Zweck unternommen zu haben, Goerdelers Behauptuni sig gen von der Verständigungsbereitschaft Churchills mit Hilfe en hund lischer Freunde nachzuprüfen. Das Ergebnis war: man sei drüber hyanlchke »sehr besorgt wegen Rußland und höchst interessiert an der Batlhunyi. wicklung bei uns, aber mißtrauisch, daß eine Änderung nural könne Tarnung hinauslaufe, also eine Fortsetzung der militaristisch“n]\nJj. nazistischen Methoden unter anderer Etikette«. Stauffenberg sllır ip: er daraufhin gemeldet haben,»daß eine Verständigungsbereth.x}; schaft Englands nicht angenommen werden könne«.” ln Wenn das aber zutraf(und wir wissen schon, daß es richtig wat) Anh, sollte dann nicht wenigstens ein Versuch gemacht werden zu Jahn, kunden, wie es mit Stalins Friedensbereitschaft stand? Trott Miahuh,, Solz und Graf Schulenburg, der frühere Botschafter in Moskau 1a can waren genau orientiert über die geheimnisvollen Angebote eins te ein Sonderfriedens an die Hitler-Regierung, die Peter Kleist au. Re Stockholm mitbrachte. Beide hatten schon im Dezember 1984 ii, Mi als sie zum ersten Male davon hörten, sofort geäußert,»wit müs ich sen jeder auch noch so ungewissen Möglichkeit nachgehen,«| sich uns bietet«.3° Hassell vermutete, vielleicht fürchte Stalti einen überwältigenden Erfolg der Amerikaner und wolle sicli: darum von ihnen distanzieren.»Wenn Hitler sich mit Stalin wt]' ständigt, so ist das daraus entstehende Unheil unvorstellbar schrieb er im August 1943 in sein Tagebuch.»Es gibt eigentliä]; nur noch diesen einen Kunstgriff: entweder Rußland oder dis Anglo-Amerikanern begreiflich zu machen, daß ein erhalten blefi bendes Deutschland in ihrem Interesse liegt. Tatsächlich liegt®|\ gesunde europäische Mitte im Interesse sowohl des Ostens# des Westens. Ich ziehe bei diesem Mühlespiel das westliche Spii DR, vor, nehme aber zur Not auch die Verständigung mit Rußland.tlin,. Kauf. Trott(ist) ganz mit mir einig, die andern(sind) aus therdin... retisch-moralischen Gesichtspunkten, die ich an sich versteb% bedenklich, aber langsam sich überzeugend.«8! Tor, In der Tat wurde die Möglichkeit, eine Verbindung mit Mori. ka kau anzuknüpfen, im Spätsommer und Herbst auch von de Ä rechtsstehenden Verschwörergruppe ernsthaft erwogen. GO“ Ik ‚|| Umsturzversuche 1942-1944. IV. Ost oder West? 405 itsamt dent ı] trationsrats Brücklmeier, der als Mittelsmann wirkte. Er fragte it mich zu m Siulenburg über Stalins Charakter ausund ob er an die Möglich- -hten, aber ki einer Verbindung mit den Sowjets glaube. Die Antwort war: Kräften ins"Skin sei ein kalter Rechner; das Ergebnis etwaiger Verhandlun- Fl Englandzur'gt hänge davon ab, was man ihm bieten könne. Einstweilen sei Ki en Erfolt, Rand noch nicht fest an seine angelsächsischen Partner gebun- Hi nach Schwe der.(Eine Versicherung, die England gegenüber seit dem Bünd- lers Behaupt Iasyertrag vom 26. Mai 1942 nicht mehr zutraf.)®2 Goerdeler IsmitHilee pistand das so, daß der Botschafter die Verständigungs- : man seid" Imörlichkeit überraschend hoch einschätze, und bat diesen um| siertande® Mitarbeit; es„müsse bald etwas geschehen, weil es zu spät wer- nderung aut) Ilenkönne«.83 militarists®"| lm diese Haltung Schulenburgs zu verstehen, muß man wis- Stauffenbeg‘ in daß gerade eben, im September, die russische Seite durch indigungsi“ Petr Kleist den Wunsch geäußert hatte, den Leiter der Europa- ne«.® Abeilung ihres Außenkommissariats Alexandrow mit Graf Beszichtig®\chalenburg ein ernsthaftes Friedensgespräch über die uns schon ht werden? Veınnten Friedensbedingungen führen zu lassen.®? Dieser war stand? Tut!\ltosehr zuversichtlich. Wenn man von drüben schon solche An- ıfter in No'\Neb>te an die Hitler-Regierung machte: wieviel leichter müßte es , Angebote@!! Jann sein, einen Sonderfrieden für eine neue, weit vertrauenswür- derer Kleit fire Regierung zu erlangen! Franz von Sonnleithner, einer Dezember!)"Ener Mitarbeiter, hat 1947 bekundet, Schulenburg habe sich ußert, ni? ttichst Ribbentrop für die von den Russen gewünschte Ver- e nachgeh Imllung zur Verfügung gestellt; Hitler habe jeden derartigen \\ 9 1. oO.-. r fürchte ‚ätt verboten; daraufhin habe er ihn auf eigene Faust, d. h. mit ]= und wol lite der Widerstandsbewegung, zu tun versucht. Hat er am hmit Suls‘ Ice zunächst gehofft, als Hitlers Beauftragter die Verhandlung Jh@ubeginnen, sie aber dann zu benutzen, um für eine Regierung sorste K\; | Be eig!('necdeler abzuschließen und Hitler um seinen Erfolg zu bringen? aka ode"Ve dem auch sei: jedenfalls stellte er sich jetzt Goerdeler zur „ halte\Itligung und erklärte sich bereit, sich durch die deutschen Elm Kinpflinien durchschleusen zu lassen, um mit Stalin ins Ge-| a Splich zu kommen. Nach Sonnleithners Aussage erhielt der Ge- | des le ‚„ ehstabschef eines deutschen Armeekorps im Osten den Auf- 5 we!%, die Möglichkeit eines Durchsteuerns durch die russische nd) a0? Eitrtlinie zu erkunden. Dabei wird Tresckow seine Hand im (se er Spe| gehabt haben, der sich schon im August mit Schulenburg „Sch Für solche Pläne unterhalten hatte. Jedenfalls war er hocherfreut ni ‚übrden Auftrag, den Kampf an der Ostfront vielleicht zum Still- AM Sal zu bringen; das würde es möglich machen, die dort stehen- „CM Truppen sogleich zum Kampf gegen das Hitler-Regiment %\setzen.86 Y 406 Fünfzehntes Kapitel An diesem Plan scheint der Botschafter ziemlich lange flug gehalten zu haben. Noch im Dezember, offenbar ohne jede Kent Hılı nis des Verlaufs der Konferenzen von Moskau und Teheran, ia! nisch; er sich zu Hassell sehr optimistisch über seine Aussichten bel'mnf Stalin geäußert.” Gleichwohl ist das gewagte Unternehmält Trot schließlich unterblieben. War es technisch undurchführbar? Erı]® ig! schien es zuletzt doch zu abenteuerlich? Oder erhoben sich polh"" tische Widerstände dagegen? Nach Sonnleithner hatte Schul|' hd” burg den Eindruck, daß die Widerstandsgruppe es mit Rußkadilt, vie: nicht ehrlich meine, die Sowjets nur hinhalten und letztlich mi®is dem Westen zum Abschluß kommen wolle. Er selbst habe einadl kt echte Mittelstellung Deutschlands zwischen Ost und West ii Auge gehabt und keine Täuschung Stalins beabsichtigt; aan würde ihm viel zu gefährlich erschienen sein angesichts der süt.|' dig wachsenden Macht Rußlands; er habe auch keine festen Bit) dungen an die Westmächte gewünscht, um das gute Verhältnsalllnhla; den Sowjets nicht zu gefährden. Sollten diese Angaben zuverlllk: sig sein, so müßte Schulenburg als entschiedener Anhänger ei! »Ostlösung«, aber auch als blinder Illusionär gelten, und mil) müßte sich darüber wundern, daß Goerdeler und Beck sich nl von vornherein seiner Nominierung als Minister des Auswärtigdliith widersetzt haben. Tatsächlich werden sie durch die Ermittlumg@ it! der Gestapo eindeutig widerlegt.® Schulenburg war ebenstll wenig einseitiger Anhänger einer»Ostlösung« wie Goerdeler ud Okt: Beck. Sie alle ahnten zwar nichts von den wahren Absichtä]' tn) Stalins gegenüber Deutschland; aber sie haben doch niemals damdt le} gedacht, unsere Zukunft einseitig— oder auch nur im wes lichen- auf einen Pakt mit den Sowjets zu gründen. Vielmel! stand ihnen ebenso wie Hassell fest, daß»sichtbare fairness gez England das Entscheidende« sei; aber»die Möglichkeit er“; Hinüberwechselns zum Osten« müsse als taktisches Druckmitlli! immerhin erkundet werden. Hassell hat sich übrigens in dies@]likh, Sinn auch mehrfach mit Schulenburg unterhalten und nur einäll Gegensatz in der Beurteilung der praktischen Aussicht solchd]®* »Mühlespiels«, dagegen keinerlei grundsätzliche Meinungss“] schiedenheit empfunden. Nach den späteren Ermittlungen N (in diesem Punkt zuerst sehr mißtrauischen) Gestapo wat 2 ER ganze Widerstandsgruppe(allenfalls von Reichwein und La#8, behn abgesehen) darin einig, erstens: daß auf die Dauer mit ‚ie| Bolschewisten keine fruchtbare Zusammenarbeit möglich* sondern nur mit dem Westen, zweitens: daß die gewaltig' wachsende Macht der Sowjets eine so große Gefahr für Mit", europa bedeute, daß wir nur in Verbindung mit England und Umsturzversuche 1942-1944. IV. Ost oder West? 407\j| \ireinigten Staaten hoffen dürften, uns ihrer zu erwehren. Über ii Haltung der Seydlitz-Gruppe dachte auch Stauffenberg sehr It-isch; irgendeine Verbindung zum Moskauer Nationalkomitee, a| dei, Trott zog über Stockholm regelmäßig Erkundigungen über di: Tätigkeit des Nationalkomitees ein, lehnte sie aber eindeutig oben sichnuab"" hatte Schi In der Tat zeigt das Schicksal der Seydlitz-Gruppe handgreif- ‚s mit Rulivde, wie aussichtslos jedes Bemühen war, durch Anpassung an dletztlihsische Wünsche für Deutschland irgendeine Sicherung der elbst habei'Attschen Zukunft, wohl gar der deutschen Ostgrenze zu errei- und We jehn.90 Es scheint, daß die Führer der Oppositionsgruppen sich ‚bsichtig,"giten Ende des Jahres darauf geeinigt haben, vor vollzogenem sichts dert ‚Unsturz keine Verbindung mit Moskau zu suchen, wohl aber ‚ine festen} Iannittelbar nach dem Falle Hitlers diplomatische Verbindungen e Verhält‘‘ S0"ohl nach Osten wie nach Westen aufzunehmen, um dabei die| / Insren Gegensätze unserer Kriegsgegner gegeneinander aus- yaben zult 77,= B Anhänger pilen zu können. Goerdelers Gedankengang war dabei der fol- Iten, und? ‚gende: noch hielten die deutschen Armeen die Ostgrenze Polens; Beck siche RO saß eine polnische Exilregierung in London, die nichts ärger s usw\ühtete als ein Vordringen der Roten Armee in ihr Land; noch e Ermittt gl! formell die Abmachung des britisch-russischen Bündnisver- var ges von 1942, in dem beide Staaten sich verpflichtet hatten, Goerdek(Kine Gebietserweiterung zu erstreben; und schließlich waren die Abi Wreinigten Staaten noch immer durch keinen förmlichen Vertrag ns„lie Politik der Sowjets gebunden. Daß trotz alledem das hniem at Shcksal Deutschlands in Moskau und Teheran bereits besiegelt au"ib"Wir ahnte er nicht. Vielmehr folgerte er einfach logisch: Ruß- ade,.. ‚dt muß entweder einschwenken und auf seine Eroberungspläne ee frächten, oder es muß mit England brechen, oder sofort nach glichle Sturz mit uns, der neuen deutschen Regierung, Fühlung 1e8 Dan!chen. Um diese zu erleichtern, sollte Schulenburg, als der beste igens ei„Uflandkenner, in Stockholm bereitstehen. Auch in Madrid, 8 und m"ftı und Rom sollten Beauftragte der Oppositionsregierung sich# ussicht© Ihecithalten, sofort Fühlung mit den westlichen Regierungen H ‚ Meinl! zunehmen, Leute mit den besten Auslandsverbindungen. In hi mir\itckholm hoffte Goerdeler auf Wallenbergs Unterstützung sei- i 16 Unterhändlers, in Bern auf Gisevius’ Beziehungen zu Dulles. ;, bt: hat diese Absichten bestätigt, aber hinzugefügt, sobald wie glich hätte man direkte Verhandlungen in London und Mos- 5} Na zufnehmen wollen: dort durch ihn selbst, vielleicht in Beglei- y/ i 8 Generals von Falkenhausen, hier durch Graf Schulenburg, tbenenfalls mit Unterstützung des früheren Militärattach&s 408 Fünfzehntes Kapitel General Köstring.*! Mit anderen Worten: das»Mühlespiel« Hafulv sells sollte nur verschoben, nicht aufgegeben werden. Keiner der Verschwörer ahnte, wie tief er mit alledem bereitil Illusionen steckte. V. Das Ende der Verschwörung. Die Julikatastrophe \ In qualvoller Spannung verging der Winter. Die schweren Li angriffe wurden immer unerträglicher. Militärisch hatten sie|k.ı allem die eine Folge, daß die Luftrüstung ins Stocken kam, il deutsche Luftwaffe in hoffnungslosen Rückstand geriet. Wal) Goerdeler am meisten ängstigte, war der Zusammenbruch&lis; deutschen Widerstands im Südteil der Ostfront. Gelang es nid die Ostgrenze Polens gegen den Vormarsch der Sowjetarmeenäl decken, so brach auch seine große politische Hoffnung zusammällit: die britische Politik würde, von der polnischen Exilregieruf gedrängt, eines Tages sich bereitfinden, gemeinsam mit ein# innerlich erneuerten Deutschland Front gegen den Osten Al machen, jedenfalls aber nicht Ostdeutschland, vor allem nicht deulkın geliebte ostpreußische Heimat, dem östlichen Alliierten opfet Ostpreußens Schicksal scheint ihn in diesen letzten Monaten Wlly; der Julikatastrophe stärker beschäftigt zu haben als alles and#) Noch immer sträubte er sich gegen den Gedanken des pol schen Attentats. Noch immer suchte er nach Frontgenerälen,@!} ihm helfen sollten, Hitler gewaltsam, aber ohne Mordtat aus@lll: schalten. Neuerdings setzte er seine Hoffnung auf den Geneik\ stabschef Zeitzler, von dessen robuster Natur und dessen sch! ren Zusammenstößen mit Hitler er öfters gehört haben wird! Vergeblich beschwor er Beck und Stauffenberg, ihn selbst irgei#; wie mit Zeitzler in Verbindung zu bringen. Beck lehnte did Nachfolger ab, Stauffenberg versicherte: er selbsthabe längst dd Generalstabschef offen gesagt, er halte den Krieg für verloAltli und die Antwort erhalten:»So denken viele, aber nur werk! .... la sagen es offen.« Da bedürfe es also keiner Aufklärung mehr. Alf, März 1944 erhielt Goerdeler den Besuch des Generals von Che titz, der ihm sein sorgenvolles Herz ausschüttete, ihn bei Zeitz einzuführen versprach, es aber dann doch nicht tat. Im Fr sommer hoffte unser Patriot den Generaloberst Jaenecke für I gemeinsame Aktion der Frontbefehlshaber und des General bei Hitler zu gewinnen. Er hatte gehört, daß dieser in Ungm# gefallen war, weil er in sehr massiver Form im Großen Haıf quartier aufgetreten war, um die sinnlose Aufopferung derK Armee zu verhindern. Jaenecke, zu dem er als seinen Botschaf wit - Imsturzversuche 1942-1944. V. Ende der Verschwörung 409 ihlespieldGmeral von Rabenau sandte, erklärte sich mit Eifer bereit, diesen len. Pla zu unterstützen, konnte aber praktisch nichts ausrichten. edemberei| Interessen gingen die Attentatsversuche der Militärverschwö- tig weiter ihren Gang. Es ist durchaus unrichtig, daß Graf Stuuffenberg sie seit Ende 1943»monatelang vertagt« hätte, um »Hrler eine letzte Chance zu geben«.% Nur wenige, teilweise ein- auer widersprechende Nachrichten sind darüber erhalten; aber schwerenlöisoyiel lassen sie doch mit Gewißheit erkennen, daß weitere Bom- \ hatten ttibtt- und Pistolenanschläge im Februar und März versucht wur- cken kan ik, daß sie aber wiederum durch rätselhafte Zufälle scheiterten; d geriet ÜBechzeitig: daß es infolge gesteigerter Vorsichtsmaßnahmen menbrud!Biters immer schwieriger, ja nachgerade fast unmöglich wurde, jelangest Biraffnet bis zu dem Tyrannen vorzudringen.® Immer gefähr- wjetari iler und schwieriger wurde auch die Beschaffung, Weiterbeför- ung zusat! etıngund Aufbewahrung des Sprengstoffs. Schon im Dezember ‚ Exilregit W943 hätte die Selbstentladung eines mangelhaft aufbewahrten san mitt Vorats explosiven Materials beinahe zur Entdeckung des ganzen den Oxtt ‚Komplotts geführt, an dem immer mehr Personen beteiligt wer- allem aid Rt mußten. lierten of N« m ungeduldigsten wurden über alledem die an der Ver- n Monate hwörung beteiligten Arbeiterführer. Es scheint, daß sie von den Is alles at! Niltärs- begreiflicherweise- über die Einzelheiten der geplan- ken des la Aktionen nicht informiert wurden und daß nun das alte Miß- ‚£usn der sozialdemokratischen Parteigenossen gegen die»Mili- phe ıtoeneräl® ä S: Wordt!\iaste« überhaupt wieder durchbrach, und zwar nicht nur bei F den G® ‚Über, sondern auch bei Leuschner. Es hat darüber Mitte Mai und | essen ‚Afung oder Mitte Juni sehr heftige Zusammenstöße im Büro haben vu Nimers gegeben. Goerdeler, der sein Regierungsprogramm vor- ® selbst(a wollte, stieß auf leidenschaftliche Proteste Lebers, zunächst agen seine außenpolitischen Pläne. Es sei Wahnsinn, nach dem FR\hıturz den Krieg fortsetzen zu wollen, um einen»ehrenvollen ‚ Btelen« zu erkämpfen. Die Totalbesetzung Deutschlands sei in &item Fall mehr zu vermeiden. Hier soll sich Leuschner ein- Stüscht haben, man solle sich nicht länger von den Militärs an k Nase herumführen lassen; die wollten sich doch nur bei den Sverkschaften ein politisches Alibi für die Zeit nach dem Zu- Aumenbruch des Dritten Reichs verschaffen. Dieser sei doch ;."ht mehr aufzuhalten; für die so oft versprochene Aktion der ‚Üiziere sei es längst zu spät. Angeblich zog er sogar seine Be- izung an Goerdelers Kabinett zurück(was freilich]. Kaiser streitet). Leber seinerseits entwickelte dann für die Zeit nach t Zusammenbruch ein rein sozialistisches Programm und © später seinen Freunden auseinander, er fürchte, Goerdeler 410 Fünfzehntes Kapitel Großindustrie. EN So schien es für einen Augenblick, als würde die mit so unsig"N licher Mühe geschaffene Koalition der Parteirichtungen zu guragl Kroza Letzt doch wieder auseinanderbrechen— dies um so mehr, als@\"and gleichzeitig zwischen sozialistischen und katholischen Arbeit#l' Li führern zu Differenzen über den christlichen Charakter des künl)“nd tigen Staates kam. Schließlich protestierten auch noch die Kor!" seit servativen wie Popitz und Gisevius(der Mitte Juli, waghalg" wort genug, aus der Schweiz nach Berlin zurückkehrte, um bei dei! ger angekündigten Putsch nicht zu fehlen), nebst dessen Freund Gel Helldorff gegen die Koalition mit den Gewerkschaften überhaupt" Ihnen habe Goerdeler, meinten sie, viel zuviel Einfluß eingeräunt Das Hauptverdienstan der Beilegung dieser Streitigkeiten scheitl Jakob Kaiser, Wirmer und Habermann zuzufallen. Leber hielt“ sie vor, eine einfache Erneuerung des alten sozialdemokratischt Parteiprogramms sei in der heutigen Lage nichts weiter als Reık tion; Leuschner wurde besänftigt und dann als Mittelsmann z Leber geschickt. Graf Stauffenberg, der sich gleichfalls mil trauisch gegen Goerdeler geäußert hatte, wurde durch Wirmt und Graf Schwerin-Schwanenfeld darüber aufgeklärt, daß jen nichts weniger wolle als eine Restauration des Weimarer Syste® undin Wahrheit volleigener produktiver Ideen stecke. ZumA* gleich legte Wirmer eigene Programmentwürfe vor, die er m denen Lebers verglich. Schließlich wurde erreicht, daß man beftts; schloß, beisammen zu bleiben und sich zur Übernahme der Staat]"x: leitung nach dem militärischen Zusammenbruch bereitzuhalten|"" Schon die Tatsache dieser rein politischen Konferenzen m" Stauffenberg zeigt, wie sehr sich je länger je mehr das Schw“ gewicht auf ihn, das aktive Zentrum des Militärkomplotts, vw‘ schoben hatte und wie stark inzwischen die politische Autofi General Becks verblaßt war. Gleichzeitig: daß auch Goerdel allein nicht mehr imstande war, die auseinanderstrebenden M# nungen zusammenzuhalten. Das mag zusammenhängen mit ae Tatsache, daß er seit den Verhaftungen des Winters 1942/43 II Kreise der Verschwörer als schwer gefährdet galt und sich n']"ti gedrungen mehr zurückhalten mußte— praktisch: nicht mehr$ oft und so lange wie früher nach Berlin kommen konnte und"tg, Hilfe wirklicher oder fingierter Geschäftsreisen für Bosch m@]"ich, lichst oft seinen Aufenthaltsort wechselte.” Die Frage war:#]n. schließlich bei der Entscheidung über Zeitpunkt und Dur Pia führung des Staatsstreichs den Ausschlag geben würde: ob Til oder Stauffenberg. ln (gensatz einer West- und einer Ostorientierung zwischen Goer- mit soul, er und Leber eine Rolle gespielt? Die Anklageschrift gegen „nr sozialistischen Parteiführer behauptet es. Aber das kann(nach Ingen zu? ° ä Bi" 6... so mehr... altn anderen Zeugnissen) höchstens in dem Sinne richtig sein, hen Aria Leber die Hoffnungen seines bürgerlichen Partners auf eine kter dei\eständigungsbereitschaft der Westmächte nicht teilte— war noch diek ‚ech seine im April durch Trott ergangene Botschaft ohne jede uli, wagh ‚Aıtwort geblieben!- und sich große Sorgen machte über die Hal- » um bil vg der deutschen Kommunisten für den Fall, daß die neue Re- a Freund ‚Skcung den Kampf gegen Rußland fortzusetzen versuchte. tenüberi, Nirde die Arbeiterschaft nicht einer Regierung die Gefolgschaft 1Beingenit ‚Wiweigern, die Arm in Arm mit den»kapitalistischen« Mächten keiten ‚dt: Kampf gegen Rußland weiterführte? Um sich darüber Klar- Leberht ıhei zu verschaffen, hat er acht Tage nach seinem zweiten Zu- ‚sanmenstoß mit Goerdeler, gegen den Rat fast aller seiner Fe Funde, aber gemeinsam mit Reichwein, jene Begegnung mit fitelsmae dtitschen Kommunistenführern gewagt, die zu der Verhaftung leichfall ide beiden Sozialisten(am 4. bzw. 5. Juni) führte. Dieser neue Aurch Wi Blizschlag, diesmal ins Zentrum der Verschwörung, hat alle ihre Järt, dad Niglieder aufs tiefste erschreckt und in Stauffenberg ganz un- ” 0 Mittelbar den Wunsch geweckt, den Genossen seiner Pläne schleu- r a) Ast zu befreien. Das Ereignis hat aber weder die Gestapo auf die che. Zu„. ‚Bhrte des Komplotts geführt(da der kommunistische Spitzel vor, dt; äthts irgendwie Wesentliches erfahren hatte), noch hat es Stauf- r, dad ei(berg veranlaßt, die Ausführung des so lange geplanten Atten- m“ds zu überstürzen. Dieses war längst überfällig, und die größte a Sırze aller Eingeweihten war, daß es schon zu spät käme.® nie cc Immer war die Opposition davon ausgegangen, daß der Staats- yr das) steich erfolgen müßte, ehe Deutschlands letzte Kraftreserven omplot braucht wären; denn nur solange es noch einen ernsthaften | Mltärischen Widerstand gab, konnte von irgendwelchen Ver- ‘, ndlungen über den Frieden an Stelle von»bedingungsloser gebende! Ühterwerfung« die Rede sein. Ende März(oder Anfang April) yängeN m Mitten Goerdeler und Beck noch einen letzten Versuch gemacht ers 4°) Merkunden, ob dazu bei den Westmächten noch irgendwie Be- und 8 etichaft bestünde. Eine besonders günstige Gelegenheit hatte nicht" ih dadurch geboten, daß Gisevius, seit 1943 Vizekonsul und zonnte 1 Abvehragent beim Deutschen Generalkonsulat in Zürich, mit I amerikanischen Botschaftsrat Allen Welsh Dulles in Verbin- ing stand. Die Schilderungen, die er den Verschworenen von ‚lt werständnisvollen Bereitschaft Dulles’ zukommen ließ, ihre "&tn und Wünsche nach Washington zu übermitteln, ja indirekt 412 Fünfzehntes Kapitel zu unterstützen, und von seiner Einsicht in die VerkehrthellltktE mancher in den Vereinigten Staaten herrschenden Vorurtalbl ht haben Goerdeler noch im Juli mit großer Hoffnung erfüllt. Dig| ta. um so mehr, als seine eigenen Verbindungen nach England neue lich versagten und von den Mitverschworenen sehr skeptisd‘ beurteilt wurden. Nun hatte er ebenso wie Beck im Frühjahr 194. begriffen, daß es zweck- und hoffnungslos war, jetzt noch irgent! welche Friedenszusicherungen vom Ausland her vor vollendeti Umsturz zu erbitten. Statt dessen suchte er zu erkunden, ob milltı in Washington und London bereit sein würde, unmittelbar ud: dem Staatsstreich Verbindung mit Beauftragten der neuen Rei gierung aufzunehmen- also etwa so, wie man es seit Ende 19j vorgesehen hatte, aber jetzt ohne die Nötigung, in direkten Kr)& takt mit Moskau zu treten. Beck und er beriefen sich dabei aufdl' Vorbild der Finnen, die vor kurzem(Ende Februar) eine einseil Friedensverhandlung mit den Russen begonnen hatten. Vorallı betonten sie den dringenden Wunsch ihrer Gruppe, Mitteleurp:| vor dem Schicksal einer ideologischen und politischen Behitli* schung durch den Bolschewismus zu bewahren. Ein solekl!)! Kriegsausgang, erklärten sie, würde das Ende christlicher Kult!) und wahrer Demokratie in Europa bedeuten; die eine totaliät) Tyrannei würde dann nur durch eine andere abgelöst. Man möf!!|ftn die Gefahr einer solchen Entwicklung angesichts der Million proletarischer Existenzen in dem kriegszerstörten Mitteleur doch ja nicht unterschätzen. Müßte an erster Stelle(primari) Alt mit Moskau verhandelt werden, so stünden andere Kräfte da! bereit, nicht ihre eigene Gruppe. ik Aber diesmal blieb es nicht bei den Warnungen und Besch."]| rungen. Die Führer der Opposition boten der Gegenseite dit N hohen Preis für deren Bereitschaft, sich auf Sonderverhandlumz]:)' he einzulassen. Die Oberkommandierenden der Westfront, in shell sondere Falkenhausen und Rundstedt, würden Befehl erhall#]! sofort den Widerstand aufzugeben und die Landung alliiert Truppen in Frankreich zu erleichtern; ja man würde Vorsort|i treffen, um alliierte Fallschirmtruppen an den Schlüsselpunlkt Deutschlands aufzunehmen. Allerdings sei es nun allerhöch® Zeit geworden für einen solchen Entschluß. Wären die Allüe|l! interessiert an einem solchen Umsturz? Man sieht: die Oppositionsführer waren jetzt nahezu bereit,€]! Formel»bedingungslose Unterwerfung« den Westmächten& genüber anzunehmen- freilich immer noch im Vertrauen dar daß in deren Lager doch zuletzt nüchterne Staatsräson über ik... nackten Vernichtungswillen siegen, daß gemeinsame Interes“ 1942-1944. V. Ende der Verschwörung 413 > Verkehti N ander Erhaltung abendländischer Kultur sich durchsetzen und den Vonn' den deutschen Staat vor dem Schicksal totaler Vernichtung retten g erfüllt] N) nirden. Offensichtlich war nicht nur an einen Waffenstillstand England n: Verkürzung der Westfront(etwa an der Ostgrenze Frank- sehr sten ichs oder am sogenannten Westwall) gedacht, sondern an eine ‚ Frühjahu/j/ Ac Vereinigung deutscher und angelsächsischer Streitkräfte— ztnochim i ann mindesten an eine sofortige Besetzung ganz Deutschlands yor volleadi I ton Westen her, ehe die Roten Armeen auch noch Polen über- unden, bei atnt und die östlichen Reichsgrenzen erreicht hätten. Dann also mittel I®lten Friedensverhandlungen beginnen— zwischen Siegern und der neun! Is iegten, aber mit einer neuen deutschen Regierung, der jene es seit Endes Iedlankten, daß der Endkampf wesentlich verkürzt wurde, und 1 direkten"uderen Anerkennung als Verhandlungspartner sie sich vorher chdabaiax INepflichtet hätten. Sicherlich eine sehr bedenkliche Aussicht, )eineei abır immer noch besser als die»bedingungslose« Kapitulation itten. Vor! /Stlechthin. Und immer noch wesentlich besser als eine Kapitu- ., Mitte lıton nach der Eroberung Berlins durch die Russen! Goerdeler tischen B ‚nl Beck, die eine solche Verantwortung auf sich nahmen, waren o. Eins ‚tie davon durchdrungen, daß es sittliche und politische Pflicht istlicherN" It einen aussichtslos gewordenen Krieg sofort abzubrechen, eine ra Men die letzte Hoffnung geschwunden ist, ihn zu gewinnen oder Jöst, Macs I mindesten als»parti remis« zu beenden. Sie wollten diesem a der Mi ‚&raenhaften, täglich grausiger werdenden Spuk schleunigst ein Inle machen und empfanden es als Verbrechen, auch nur noch a I: eines einzigen deutschen Soldaten unnütz zu opfern. Kräted AIR der Krieg aber tatsächlich aussichtslos geworden und die u, fitdlliche Invasion in Frankreich nicht mehr mit irgendwelcher gundBet Scherheit zu verhindern war- trotz alles Prahlens der Hitler- Bcoaganda mit den Wunderwaffen-, darüber waren sie aus dem J seite; h; see Eeveralstab Zeitzlers und aus den Stäben aller Befehlshaber im zerhand=| E 2 en, Nssten, Rundstedts, Falkenhausens, neuerdings selbst Rommels, eh„s ‚Etz genau orientiert.100 Bei" 4 IN Einen ähnlichen, jedoch im entscheidenden Punkt völlig ab- ndund/ Beichenden Vorschlag an die westlichen Alliierten erhielt Gise- vürd w kan Anfang Mai von einer(nicht näher bezeichneten) Gruppe et Mllcärischer Verschwörer in Berlin. Hier war von drei Luft- yun ‚ y Miedivisionen die Rede, die im Gebiet von Berlin abgesetzt und en Vıtmitverschworenen Kommandeuren dabei unterstützt werden Sen; weiter von größeren Landungen alliierter Truppen bei ‚Oimburg und Bremen. Unterdessen sollten zuverlässige, hitler- $näliche Truppen im Gebiet von München den Diktator und 02 engere Umgebung»in Obersalzberg isolieren«. Und endlich de in sehr unsichere Aussicht gestellt, die Landungsoperatio- ae AT lnstu 414 Fünfzehntes Kapitel| Ih cheit iiteh a nen der Alliierten an der französischen Küste zu erleichtern. Hi Ba an waren also die Anglo-Amerikaner gewissermaßen als Hilfstrup: Be Kun, pen der Putschisten bei einem erst noch zu vollziehenden Stau ik | streich gedacht- ein Plan, der so phantastisch wirkt, auch in seisedNlinuter Einzelheiten, daß man sich nicht vorstellen kann, er sei von den Niersc eigentlichen Verschwörerzentrale ausgeheckt.1%! Es kann sidl! wohl nur um unreife Einfälle eines kleinen Kreises gehandtl i nn haben, der in die Gedanken der leitenden Köpfe nur mangelkit! Su eingeweiht war. N Russ Wie dem auch sei, Gisevius konnte nach Berlin nichts ande" melden, als was er durch Dulles von der politischen Wirklichketiks\ wußte: daß die Westmächte nicht daran dächten, sich von ihren| russischen Alliierten zu trennen, und daß es nutzlos sei, darauf! hoffen. In der Tat: seit Teheran war die gemeinsame Niederwt‘ fung und Zerstückelung Deutschlands beschlossene Sache, undöik: Ch | im Lager des Westens war man, nach ungeheuer ausgedehnt und kostspieligen Landungsvorbereitungen und im Besitz ein! | vielfachen Luftüberlegenheit, seines Erfolges viel zu gewiß, ınl! % sich auf irgendwelche Abmachungen mit den innerdeutscheil'‘ Gegnern Hitlers einzulassen. Eine Art von indirekter Antwofl‘") auf die Anfrage der deutschen Opposition vom April gab Chir)‘ chill, als er am 24. Mai im Unterhaus von neuem erklärte, dujktr " britische Empire würde bis zur bedingungslosen Unterwerfun"ton, der Deutschen weiterkämpfen und sei in keiner Weise gewilt sich auch diesmal wieder auf irgendwelche Abmachungen im St der Wilsonschen 14 Punkte von 1918 einzulassen; das würde at‘ Deutschen nur neue Handhaben zu Beschwerden gegen das kün: tige Friedensdiktat bieten. Sein Stellvertreter, Mr. Attlee,@ gänzte das später(am 6. Juli) durch einen direkten Appell an ı \ deutsche Opposition: wenn wirklich irgendeine Gruppe ‚ $"N Deutschland wünschen sollte, zu einem Regime zurückzukeht# Be das auf die Anerkennung des Völkerrechts und menschlich“"x; Freiheitsansprüche gegründet wäre, so müßten diese Leute w@ stehen, daß niemand an ihren guten Willen glauben würde, lange sie noch keine aktiven Schritte zur Beseitigung ihrer geg#1"" wärtigen Regierung getan hätten. Je länger sie fortführen, iM derzeitigen Regenten zu unterstützen und zu dulden, um s schwerer wüchse ihre eigene Mitverantwortung.!% N FERN Das waren weise pädagogische Mahnungen, aber das Gegen? Be politischer Hilfe. Welche Chance blieb unter solchen Umstäna® den deutschen Verschwörern noch? Graf Stauffenberg sche‘ % sich lange an die Hoffnung geklammert zu haben: vielleicht kaFf",, die große Landungsoperation doch nicht so bald zustande orl so Bn msturzversuche 1942-1944. V. Ende der Verschwörung leichtern. n als Hilfs :henden St t, auchinst «enfalls noch Anfang Juni so geäußert.!08 Es gibt Gründe, zu| muten, daß dahinter eine eigene, von ihm angeknüpfte, seinen ‚er sei von! Mliverschworenen nicht voll offenbarte Verbindung zu militä- Rs kan ı Ieschen Stellen der Westmächte stand, auf die er große Hoffnun- eises geh /Bti setzte, sogar für die von ihm erwarteten Friedensverhand- nur mangt /Inzen. Diese Hoffnung hat ihn nicht einmal nach dem 6. Juni Verassen, an dem die so oft verschobene Landung der Alliierten \ nichts and ‚ul französischem Boden zur Wirklichkeit wurde und Stauffen- nn Wirkli Ibtexs Voraussagen ebenso rasch wie gründlich widerlegte. Wir ‚Nren, daß er noch Ende Juni gemeinsam mit Goerdeler Mittei- ronilt En\ünsen nach England vorbereitete. Ja, noch in seiner allerletzten ‚me Nieden Begnung mit ihm, am 18. Juli, hat er sich recht zuversichtlich ene Sach, ibee Churchills Haltung geäußert.10 a ne g ausgedki?! I, totzdem traf das Ereignis der alliierten Invasion in F tankreich| ii Besitz‘ le Verschwörergruppe als schwerer Schlag und richtete große zu gen itosigkeit an. Wenn sich die W estmächte erst einmal in sieg- innerdeut feinem Vormarsch auf dem Festland befanden, oder auch wenn rekter All hr Völker erst einmal durch große Blutopfer erbittert und rach- wi zb tig gestimmt waren, hatte es dann überhaupt noch einen | D kl Yin, auf Bereitschaft zur Verhandlung mit einer deutschen Op- ee yı) Elonsgruppe zu hoffen? Goerdeler ließ durch einen seiner bus n#runde bei Wallenberg anfragen, was dieser darüber dächte. Die WER 1 ‚Aitwort, dieer am 2o. Juni erhielt, lautete negativ, und so hat es chung‘ ,. el einen Augenblick gegeben, in dem auch sein bisher so unver- ‚A"Wislicher Optimismus zusammenzubrechen schien. Dem Ver- gegen i Inttler, Müller, und bald danach seinem Bruder Fritz, dem ge- Mt. Ir|tussten seiner ostpreußischen Helfer, hat er damals bekannt, daß on App“| Mifnın kaum noch eine Hoffnung auf Gelingen seiner Pläne habe. ine CP IM Erbitterung sprach er jetzt vom Versagen der Generalität, mit urückzi ‚llpsis und Mißtrauen von der Politik Stauffenbergs und seiner d me“| Wftpe- sicherlich mitbestimmt durch das Empfinden, daß die diese Da jür geren« ihn jetzt mehr und mehr beiseite zu drängen such- j ‚ben WI 005 Aber auch die anderen Gruppen der Verschwörung wur- ung Ihre" ol etztunruhig, und wir hörten schon, daß besonders die Sozia- fortkiht" ser die Sache Deutschlands jetzt für verloren hielten. Stauffen-| dulden Des teilte diese Meinung offenbar nicht, aber auch er beriet sich H a Ch jetzt mit seinen Freunden, ob ein Attentat noch sinnvoll sei gr&tob mannichtbesser daran tue, den Tyrannen selbst seine Ver- “Uortung für Deutschlands Katastrophe tragen zu lassen. Die !wort, die ihm Tresckow durch Graf Lehndorff zugehen ließ, dimmer als klassischer Ausdruck der Gesinnung gelten, aus 416 Fünfzehntes Kapitel der die deutsche Militäropposition erwachsen ist:»Das Attentit muß erfolgen, coüte que coüte. Sollte es nicht gelingen, so mu) trotzdem in Berlin gehandelt werden. Denn es kommt nicht meir auf den praktischen Zweck an, sondern darauf, daß die deutsch Widerstandsbewegung vor der Welt und vor der Geschichte dir entscheidenden Wurf gewagt hat. Alles andere ist daneben gleich‘ gültig«.10 Klarer undeindrucksvoller ließ sich der rein moraliscit i Kern dieser Opposition altpreußischer Offiziere nicht bezeich-! nen: letztlich ging es ihnen um die Ehre des deutschen Namens" alles andere war bloßes Nebenmotiv. Immerhin: auch die militärische Lage war zu bedenken. Ts = - 5 ckow war, im Gegensatz zur offiziellen Meinung des Groß i Hauptquartiers, schon Anfang Juni davon überzeugt, daß ein*% russischer Großangriff auf die stark vorgewölbte und daher g& fährdete Mitte der deutschen Ostfront nahe bevorstand. Wis"“i wenn sie zusammenbrach? Wieder tauchte, jetzt ganz unmittelbi drohend, das Gespenst einer Überflutung Deutschlands durchcit\ Roten Armeen auf; um sie abzuwehren, schien es nur noch cs!" eine verzweifelte Mittel zu geben, das Goerdeler und Beck schon!"" im April hatten anwenden wollen: Aufreißen der Westfront, un" den Russen durch britisch-amerikanische Besatzungstruppen zu|" vorzukommen. Tresckow empfahl Stauffenberg, er möge 5° gleich nach Frankreich zu General Speidel, dem Chef des Stabs bei Feldmarschall Rommel, fahren und ihn für diesen Plan g% m| winnen. Damit wurde eine neue, ebenso politisch wie militärisch wic! tige Persönlichkeit in die Pläne der Verschwörer mit einbezoget za Hitlers weitaus populärster Marschall, der vielgefeierte Held de|!“ afrikanischen Wüstenkrieges, die Renommierfigur des neu@'"ih deutschen Heeres mit seiner hochmodernen Panzertechnik. Goxt|""ti deler hatte sich schon seit Ende 1943 bemüht, mit ihm in Verbis N dung zu kommen mit Hilfe eines schwäbischen Mittelsmann#$|" des trefflichen Oberbürgermeisters von Stuttgart, Dr. Strölin, schon seit längerem zum Oppositionskreis um Bosch gehört]“ish Anfang Februar hatte dieser bei einem Besuch des Marschall; i Herrlingen bei Ulm feststellen können, daß auch Rommel nich|"Rı mehr an den»Endsieg« glaubte. Der Führer habe ihm selbst&* sagt:»Der Krieg ist verloren, mit mir schließt niemand Frieden} Tiefen Eindruck hatte aufihn ein Zitat aus Hitlers»Mein Kamp" gemacht, das ihm Strölin vorhielt:»Wenn durch die Hilfsmiz® der Regierungsgewalt ein Volkstum dem Untergang entgegaf geführt wird, dann ist die Rebellion eines jeden Angehörigen nich nur Recht, sondern Pflicht... Menschenrecht bricht Staas]!) 7% Umsturzversuche 1942-1944. V. Ende der Verschwörung 417 tcht.« Vor allem hatte er sich davon überzeugt, daß der Diktator ha selbst vor eine unmöglich zu lösende Aufgabe gestellt hatte: d: Invasion mit unzureichenden Mitteln, ohne die unentbehrliche % die dan; Peiheit der operativen Entschlüsse und im Rahmen einer völlig Jeschichte, ı efehlten Organisation der militärischen Befehlsverhältnisse in anehengki, Pankreich abzuwehren. Der Glanz seines Namens sollte offen- einmonlw' htlich dazu mißbraucht werden, um klaffende Lücken der Ab- nicht bag„ Whr vor der Öffentlichkeit zuzudecken. So hatte er sich bereit er- hen Name„ Ir, die Bemühungen der Opposition, von denen ihm Strölin Ierichtete, auf seine Weise zu unterstützen. Er wollte Hitler die \btwendigkeit einer raschen Beendigung des Krieges vortragen un ud, falls er nicht zur Vernunft zu bringen war,»selbständig ogt, abe Padeln«.""” ai und daher?| Wie dieses selbständige Handeln zu verstehen war, hatte sich vorstand.\ dan in zahlreichen Besprechungen mit seinem neuen Stabschef nz unmit bit 15. April) General Hans Speidel geklärt. Dieser hervorragend nd dur keähigte, auch akademisch gebildeteGeneralstabsoffizier gehörte „. nächsten Freunden Karl Heinrich von Stülpnagels, der seit 3= 1; Ioruar 1942 als Militärbefehlshaber von Frankreich einen ganzen nd E. Kieis oppositionell gesinnter Offiziere in seinem engeren Stab Me„.\Nesammelt hatte. Beide Männer haben gemeinsam auf Rommel agstrup I gewirkt und auch mit Feldmarschall von Rundstedt, dem en A Oberbefehlshaber im Westen, über Umsturzpläne verhandelt, der ‚hei En ber als typischer Nursoldat alle politische Mitverantwortung lesen DEF 0 sich wies. Für die Attentatspläne war auch Rommel, der zu- orchei im Mai durch Generalquartiermeister Eduard Wagner aus aliäns| ‚elin davon erfuhr, nicht zu gewinnen. Wohl aber dachte er an nit me ‚tte gewaltsame Festsetzung Hitlers mit Hilfe zuverlässiger Pan- ejerte BT P ‚&tverbände mit nachfolgender Aburteilung durch ein deutsches yut ie„. 6ericht- also an einen Staatsstreich im Stil der Halderschen Pläne rtechnlf on 1938. Aber das alles erst dann, wenn sich der Führer neuen ihmin\®«ingenden Vorstellungen versagen sollte, die er selbst erheben Mittels" Sollte und die(wie es scheint) auf sofortigen Abbruch des aus- D!. Str Schtslos gewordenen Krieges hinausliefen— was praktisch zu- Bosch 8°|"eich seinen freiwilligen Rücktritt vom Amt des Staatschefs be- ‚; Mast"|&itet hätte, Rom“| Ganz klar hat er diese Forderung allerdings niemals ausge- „ Stochen. Das Äußerste, was er an»Widerstand« praktisch ge- ‚liscet hat, waren immer erneute und vergebliche Versuche, den Wührer« davon zu überzeugen, daß die feindliche Invasion mit 9 unzulänglichen Mitteln, wie sie ihm zur Verfügung gestellt ‘den, schlechterdings nicht aufzuhalten war. Zuletzt, am 4. Juli, hat er eine als»ultimativ« gedachte Denkschrift abge- En I 418 Fünfzehntes Kapitel Umstu sandt, die solche Vorstellungen mit der Bitte abschloß,»unyerslt dus züglich die politischen Folgerungen aus dieser Lage zu ziehen@llkiel Aber das Wort»politisch« wurde dann auf Speidels Wunsch well tur der Absendung gestrichen, weil es nur zu»fruchtlosen Wutaustl&s un brüchen« führen würde. Was war aber dann der politische Sim} inw der ganzen Aktion? Wollte Rommel dem Führer noch einmaleittl!: Chance geben, und welche? Oder wollte er die zu erwartendezotilti nige Reaktion Hitlers dazu benutzen, um seinen Abfall damit yerl|nsi der Öffentlichkeit zu rechtfertigen? Brauchte er am Ende selbt:lt-] einen solchen neuen Beweis von Hitlers totaler Unvernunft, in\lin den allerletzten Entschluß zum Absprung in das ungewisseAbir teuer zu finden? Wir wissen es nicht- denn zwei Tage darauf il ill.‘ er einem englischen Fliegerangriff zum Opfer, wurde schwer ver! wundet und aus allen Aktionen ausgeschaltet. So viel ist immerhin deutlich: diese Opposition war grundsätz lich von anderer Art als die Goerdelers und seiner Gesinnung nt} genossen. Sie bedurfte, um aktiv zu werden, immer erneut& Bestätigung, daß der Krieg wirklich aussichtslos geworden sei-)) eingeholt auf vielen Frontfahrten und unzähligen Besprechung@'l) mit Frontkommandeuren. Mit anderen Worten: sie war rei! hi militärischer, nicht politischer Natur. Rommels Mitarbeitt scheinen aber diesen Unterschied nicht stark empfunden zu hab“ weil natürlich auch er die moralische Verwerflichkeit des nation? sozialistischen Systems und seiner Träger jetzt einsah und weil N offenbar sehr glücklich waren, eine so populäre Soldatengest für ihre Pläne gewonnen zu haben.1® Der Plan, an der Westfront ein»Loch aufzureißen, um ein Durchbruch der Alliierten zu ermöglichen«, den Tresckow knf nach der Invasion an Rommel übermitteln lassen wollte, war di schon vorbereitet durch ähnliche Planungen, die im Mai zwisch® Stülpnagel, Speidelund dem Marschall verabredet worden war“ Allerdings liefen diese nicht auf ein formloses Preisgeben«|”e Front oder gar auf eine Kapitulation hinaus. Man plante vielmeit Jo ohne Bewilligung Hitlers einen rein militärischen Waffenscl li stand mit den Generälen Eisenhower und Montgomery zu verzb reden. Darin sollte festgelegt werden: Räumung der besetz##]\ Westgebiete, Rückführung der deutschen Armee hinter den Wei: wall, sofortige Einstellung des Bombenkriegs gegen die Heim? und daran anschließend Friedensverhandlungen. Unterdess# N; sollte ein Aufruf an das deutsche Volk ergehen, das über die mil tärische Lage und über die Verbrechen des Hitler-Regimes scho ik: nungslos aufgeklärt werden sollte; Hitler sollte festgesetzt WJI%| den, nötigenfalls unter Mitwirkung zuverlässigerPanzerverbäna“ i Ta>= — 1942-1944. V. Ende der Verschwörung schloß, sun et deutsches Gericht sollte ihn aburteilen, eine Regierung Beck- age zu ick Gierdeler-Leuschner die Gewalt übernehmen. Man sieht: ein ls Wunhiolsturzplan, der soweit wie möglich dem normalen Abschluß tlosen Win läses unglücklich verlaufenen Krieges sich näherte, so wenig politische‘ Raım wie möglich ließ für turbulente Zwischenfälle, vor allem: och einmli I'd: Armee so viel wie möglich von dem bösen Ruf ersparte, durch srwartendn I ettache Preisgabe der Front das Vaterland verraten zu haben. \bfall damit Dean sicherlich ließ sich die Zurücknahme der Kampflinie bis an am Ende x IL Westwall vor der Landung der Alliierten auch rein militärisch Inveraunf,' Iaszweckmäßig begründen. ngewiseih dieser Plan im einzelnen mit Stauffenberg verabredet war, Tage daral!\ll- sich nicht mehr deutlich erkennen; sicher ist aber, daß auch rde schwer'diser geglaubt hat, es müßte möglich sein, auf rein militärischem ‚Vg mit den feindlichen Oberkommandos in Verbindung zu war grund Een und mit ihnen rein militärische Abreden zu treffen, ohne er Gesinni!|Vld Einmischung der Politiker.!0® mer erneul ‚'raktische Versuche dazu sind vor dem 6. Juni von Rommel geworden‘ Aiat mehr gemacht worden; sie wären auch kaum möglich ge- Besprech|MEeN ohne Einverständnis des im Westen kommandierenden 1. sie wat! Otzrbefehlshabers von Rundstedt. Der aber war dafür keinesfalls \ Min\alrewinnen. Die Lage änderte sich erst, als Hitler den alten Mar- undenzubl sthllzum Sündenbock für das Gelingen der feindlichen Invasion eit desmait Mchteund durch den inzwischen wieder genesenen Feldmarschall | VW Kluge ersetzte(7. Juli). Dieser überzeugte sich bald davon, di weder die Schwäche Rundstedts noch, wie man ihm vorge- Edet hatte, der Eigensinn Rommels das Unheil verschuldet hatte, Sindern die Oberste Führung selbst, und daß die Lage der deut- sah und Soldateng‘ ßen, URN,” h; ee: Tafenüberlesehhe: Tresckofi| n Armee angesichts der feindlichen Wa enüberlegenheit ie, m Wlig hoffnungslos war. So kam es ziemlich bald zu einem Einver- 2 iye üdnis zwischen den drei obersten Befehlshabern in Frankreich: ei r Ruge, Rommel und Stülpnagel. Die beiden Marschälle wurden ige&z: auch von Emissären des Berliner Verschwörerkreises auf- 1 “j icht. Bei Rommel erschien am 9. Juli Oberstleutnant d. R. Ösır von Hofacker, ein vertrauter Mitarbeiter Stülpnagels und BL Vter Stauffenbergs, legte in dessen Auftrag eine politisch-mili- onmet] I@iiche Denkschrift vor und forderte ihn im Namen der Wider- 5 det af Wodsgruppe dringend auf, den Krieg im Westen so schnell wie hinter selbständig zu beenden. Auf seine Frage, wie lange die (d ae Wetfront noch halten könne, erhielt Hofacker die Antwort: ” en ‚lzimal 14 Tage bis 3 Wochen.« Er versprach, dies an Kluge 2 ‚tBeck zu melden und bis zum 15. nochmals zu erscheinen, um f ik: den Stand der Berliner Staatsstreichpläne zu berichten.!!0 |!Folge seines Appells war, daß Rommel sich zum Abfall von oe pre SHE: armen wert a ee nn 420 Fünfzehntes Kapitel Hitler rüstete. Die technische Möglichkeit, auf dem Funky Verbindung mit dem Gegner zu bekommen, wurde erprobt(ı Anlaß einer örtlichen Kampfpause), die Stimmung der Feat generäle wurde erforscht und in einem Gespräch mit Kluge(it 12. Juli) wenigstens so viel erreicht, daß dieser Rommels Pl’ eines»ultimativen« Schreibens an Hitler billigte. Grundsätzlid war er auch damit einverstanden, daß»selbständig gehanddi- werden müßte, falls jenes Schreiben erfolglos bliebe. Speidele hielt darnach den Auftrag, Stülpnagel zu verständigen und zule tonen, daß Rommel zum»Handeln« auch dann bereit sei, wel Kluge sich nicht zur Mitwirkung entschließen sollte.!!1 Aber dieser steckte ja selbst schon viel länger und tiefer in& Verschwörung, als er dem neu Bekehrten verraten haben wild Nicht lange vor der Aussprache mit Rommel hatte auch er ci Botschaft erhalten: Tresckow hatte sie ihm(durch den Obert leutnant Frhr. von Boeselager) übersandt.!12 Dessen Befücdt||: tung eines russischen Großangriffs auf die deutsche Mittelfoil hatte sich inzwischen bestätigt; binnen weniger Wochen war di Lage auch dort unhaltbar geworden. Sollte Deutschland vor.d@ Überschwemmung durch die Roten Armeen wirksam geschit werden, so war es nach seiner Meinung höchste Zeit, den aut Al tieBereits Truppe telben Be Ilkr zuerst eier(sich Genau eı "ıliverh oder Tat &mnächst z ner Wie Ktıcht we, lichkeit Aunpsweis Ötmando tllhaber “einen le des sichtslos gewordenen Kampf im Westen abzubrechen und ıl| Kraft auf die Ostfront zu konzentrieren. T'resckow forderte ı0 jetzt seinen alten Befehlshaber auf, sofort die Front im Westen öffnen(also ohne Waffenstillstandsverhandlungen) und si gegen Hitler statt gegen die Engländer und Amerikaner zu sch# gen. Aber Kluge lehnte ab: der Durchbruch der westlichen# meen werde ohnedies sehr bald erfolgen, er selbst brauche kit Lücke mehr aufzureißen. Seine Truppen gegen Hitler marsch* ren zu lassen, fehle ihm jede Möglichkeit. Er seizwar Oberbefeh# l;| haber West, sei sich aber seines Stabes in keiner Weise sicher u von allen Seiten eingeengt, so daß er von sich aus nichts mehr Sinne der Verschwörung unternehmen könne. Damit hatte er sicher recht: wie hätte er, ein seiner Truppe non kaum bekannter Oberbefehlshaber, seine in schwerem Abw“|}, kampf liegenden Armeen von sich aus zum Marsch nach Ol bayern oder Ostpreußen, gegen Hitlers Hauptquartier, in Be#]|) gung setzen sollen? War er auch nur sicher, daß er die ihm um). stellten Heeresgruppen- und Armeeführer zur Kapitulation" _ dem Gegner brachte, wenn Gegenbefehle von oben kamen? M sollte diese Unmöglichkeit zunächst einmal anerkennen, ehe hier von Charakterschwäche spricht. Überdies steht fest, dal) durch Hofacker, der nach Berlin zurückkehrte, eine Botschaft? Umsturzversuche 1942-1944. V. Die Juli-Katastrophe 421 dem Funl de erprobt! ung derfiz \ck übermitteln ließ, er halte die Front im Westen für verloren; iger als zwei Wochen könne sie sich nicht mehr halten. Der " Statsstreich sei also jetzt sehr eilig geworden; er selbst erneuere mit Klug ge Bereitschaft, mit den Verschwörern zu gehen, d.h. sich und Rommek Il ne Truppe einer Regierung Beck zu unterstellen, aber nur unter . Grunditäl dieselben Bedingung, die er schon im Vorjahr gestellt hatte: daß dig geh Hcler zuerst aus dem Weg geräumt werden müßte. Andernfalls ebe. Speidt hilte er(sicherlich mit Recht) jeden Putschversuch für aussichts- ligen unda b. Genau entsprechend dieser Zusage hat er sich dann auch am bereit se, 14a Juli verhalten.113 tel! I" Inder Tat: wenn die Front sowohl im Westen wie im Osten ind tiefer" demnächst zusammenbrach, dann war es allerhöchste Zeit für die ten haben" Btcliner Widerstandsgruppe zu handeln. Das Attentat mußte nun tte auch fesucht werden. Und eben jetzt eröffnete sich dafür eine neue ‚ch den 0® Msglichkeit. Seit der zweiten Junihälfte war Stauffenberg ver- Jessen Bel ttcungsweise, seit dem ı. Juli offiziell als Chef des Stabes imOber- ‚che Mittel! kıommando des Ersatzheeres tätig, also erster Gehilfe des Ober- Wochen will beehlshabers, General Fromm. Das brachte für die Verschwö- schland ww"ug einen doppelten Vorteil. Einmal den, daß der Stabschef ‚ksam gel" Beehle des Oberkommandos an alle untergeordneten Dienst- . Zeit, de’ Willen ergehen lassen konnte, die er selbst mit der Formel»im rechen und!| Auftrag«(i. A.) seines Kommandeurs unterzeichnete und die als yw forderte I öche volle Gültigkeit hatten. Das gab ihm die Handhabe, wenig- ot im Wei\itas vorübergehend den riesigen Machtapparat desHeimatheeres gen) ul Fbständig in Bewegung zu setzen, falls es ihm gelang, Gegen- rikanet nei sichle seines Kommandeurs zeitweise auszuschalten oder diesen . westlich u sich zu ziehen. Da er aber Fromm vor Übernahme des Amtes st brauch? anz offen erklärt hatte, daß er den Krieg für verloren halte, und Hitler mul wat durch Schuld Hitlers, ohne daß dieser Anstoß daran ge- rat Obere ümmen hatte, stand zu hoffen, der Oberbefehlshaber werde sich Weise sihe ER Ende selbst noch zum Staatsstreich mitreißen lassen— freilich ich me IRRE dann, wenn Hitler beseitigt war. Dazu aber bot sich ihm nun— a4 ia war der zweite Vorteil seiner neuen Stellung- eine neue Mög- Trupf tnkeit: als Stabschef des Oberkommandos konnte er jederzeit 2 m AN üuden»Lagebesprechungen« zugezogen werden, die Hitler täg- Wr„ch ca mit den Spitzen der Wehrmacht abhielt. Am 7. oder 8. Juni nn„# N er schon zum erstenmal dem Diktator auf dem Obersalzberg a n9 orgestellt worden und hatte an sich selbst beobachtet, daß er un- ei Jeührt blieb von der suggestiven Bannkraft dieses Mannes, der „) viele erlagen. So entstand der Plan, persönlich das Attentat aus- ühren- als Bombenanschlag mittels einer(vom Abwehrdienst 422 Fünfzehntes Kapitel Umsturz derung(er hatte im Kriege die ganze rechte Hand und zweiFinxg ,.y der linken Hand verloren) selbst auslösen konnte, wenn er eine]_ kleine Zange zu Hilfe nahm. Das war, wie man sieht, eine äußent prekäre und in vieler Hinsicht bedenkliche Möglichkeit: gelang ein solches Attentat wirklich, so riß es nicht nur Hitler, sonden auch seine militärische Umgebung in den Tod; und wenn sich dt Attentäter selbst dabei opferte, fehlte er an der zentralen Stelle det, Heimatfront, wo gerade er jetzt so lange nicht ersetzt werckt konnte, bis der eigentliche Staatsstreich gelungen war.!!# Es it aber ebenso nutzlos wie ungerecht, daran nachträglich Kritik ar üben; denn es gab schlechterdings keine andere praktische Mög, lichkeit, rasch zum Ziel zu kommen; jedenfalls hat sie noch nit, mand aufzuzeigen vermocht. Einem anderen Offizier den Ar schlag auf Hitlers Leben zu übertragen, hieß von neuem alles d«n 5 Spiel höchst ungewisser Zufälle überlassen; dazu war es aber nun i endgültig zu spät. Mit fieberhaftem Eifer hat denn auch Stauffenberg seit seicer.! Ernennung zum Stabschef Fromms die letzten Vorbereitungi|), zur Durchführung des Staatsstreichs getroffen, den Kreis derMit| wirkenden ergänzt und die Aktionspläne von 1943 berichtigt." line Da die militärischen Hiobsposten von allen Fronten sich häufttt te und schon die dienstliche Aufgabe, für den Nachschub an Mer# schen und an Material zu sorgen, weit mehr als normale Meı schenkraft in Anspruch nahm, vollzog sich das alles in einert mosphäre höchster Spannung und Aufregung. Wie lange konnt es noch dauern, bis der Feind im Lande stand? Würde eine ne. Regierung, die dann etwa bereitstand, überhaupt noch mitz! reden haben über Deutschlands Zukunft? Hatte es also wirklic|, noch einen Sinn, das große Wagnis zu unternehmen? Würde© nicht zu schwer belastet sein durch den Fluch der»Dolchstor| legende«, vielleicht auch der politischen Unfruchtbarkeit? Es war ganz natürlich, daß solche Zweifel alle Beteiligten qu& ah. ten. Wir hören, daß auch Beck und Goerdeler schwer davon kr I drängt wurden. Als Gisevius am 12. Juli nach Berlin zurückkatt:||; sagte ihm Beck ganz offen, daß er den rechten Zeitpunkt für di|, Attentat bereits für versäumt halte. Sowohl im Westen wie it Osten sei das Schicksal der deutschen Armeen besiegelt, die total| Besetzung des Reichsgebiets werde nicht mehr zu verhindern seit;], ihm selbst bleibe nur die undankbare Aufgabe, als eine Art vol deutschen Badoglio das böse Erbe Hitlers gleichsam zu liquidic- ren und dafür zu sorgen,»daß sich das Unvermeidliche wenig‘ stens mit Anstand und Würde vollziehe«.118 Das klang äußerst resigniert; aber offenbar teilte Beck doch die Meinung TresckoW"; Umsturzversuche 1942-1944. V. Die Juli-Katastrophe 423 ndzweifin B;= En 3 eszur Würde und Selbstachtung der deutschen Nation gehöre, , wenner@lln GE hr eine zu selbst von ihrem Tyrannen zu befreien. Übrigens hoffte auch NIE AubGER.... Ichkeit R ‚tt wie wir schon wissen, daß Deutschland nun wenigstens vor :gebell d a dm Eintreffen der Russen von den Armeen des Westens überflutet =: Ki" irde. Goerdeler hielt zäher als er an der Hoffnung fest, die An- wennsichti '«sachsen würden im eigenen Interesse genötigt sein, mit einer ralen Stk nen Regierung eine Verständigung zu suchen, um Europa vor ersetzt WE Jen Bolschewismus zu retten. Er ließ sich darin zunächst auch \ war. Bhtdurch den Rinwand Gisevius’ erschüttern, nach den(diesem glich Kati lecannten) Abmachungen von Teheran sei an kein Verhandeln aktische nr zu denken; die einzige Hoffnung für Deutschland bestehe it sie od" in, daß noch keine festen Besatzungszonen in Teheran aus- Fizier dit genacht wären, so daß, wenigstens theoretisch, die Möglichkeit euemallst betünde, die Anglo-Amerikaner vor den Russen auf der Linie var esabeit Kinigsberg-Prag- Wien-Budapest anlangen zu lassen. 7 staf Stauffenberg schließlich scheint(wir hörten schon davon) verg set“ sim ebenso zäh wie Goerdeler an die Hoffnung geklammert zu /orbereltl" kaen, zu guter Letzt mit den westlichen Allierten doch noch zu Kreisckt" iendeiner Verständigung zu kommen. Aber angesichts der 3 bericht siweren Verantwortung, die aufihm lag und die ihn unmittelbar en sicht" so: der Ausführung der geplanten Mordtat besonders schwer be- schub 20 hi&ingt haben muß, empfand er es offenbar als Gewissenspflicht, normal"sch mit grausamster Kälte, beinahe selbstquälerisch, im Gespräch Ilesine® Mi Freunden und Helfern alle Gefahren, Verstrickungen und ielangel'”"Diakelheiten der Lage klarzumachen, ehe er das ungeheure fürde ee" Vignis unternahm.118 Seine größte Hoffnung war, mit dem je noch" Manptquartier Eisenhowers oder Montgomerys in direkte Ver- i% Endung zu kommen und dann»von Militär zu Militär« irgend- &n. Abkommen treffen zu können, das die Rücknahme der deut- ‚Sten Westfront zum Einsatz gegen die Russen ermöglichen soll- ‚t. Tatsächlich gelang esDr. Otto John, derals Leiter der Tochter- &ellschaft der Lufthansa in Madrid den Verschwörern große Dimste leisten konnte, im Juli eine solche Verbindung herzustel- Ih. der amerikanische Militärattach& in Madrid erklärte sich be- til alle dort eintreffenden Mitteilungen an General Eisenhower Necerzuleiten. Aber John wurde gleichzeitig eröffnet, daß die Eindseligkeiten nicht anders beendet werden könnten als durch Beingungslose Waffenstreckung gegenüber allen Alliierten, also ‚Acı gegenüber den Russen. Von dieser Bedingung würde man En“eindlichen Lager nicht abgehen, gleichgültig welche Regie- Et das Ruder in Händen hielte. Ein Bekannter Johns aus dem 'erten Lager fügte als persönliche Meinung sogar hinzu:»Ich \be nicht, daß die Briten und Amerikaner irgendeine Anstren- 424 Fünfzehntes Kapitel IH eher: gung machen werden, Berlin vor den Russen zu erreichen. NaJ# Je u che Leute glauben, daß Deutschland eine Bestrafung braucht dl#.,p Es wird man gern den Russen überlassen.«11? ns I Als diese Nachrichten am 11. Juli in Berlin eintrafen, war&0N}..,, Kr die Entscheidung für das Attentat schon gefallen. Unter demEil F,;.\ druck sich überstürzender Nachrichten von der Erschüttenu th der Ostfront, wohl auch der Verhaftung Lebers und Reichweil# Pas ern hatte Stauffenberg sich anscheinend schon Anfang Juli entschls)# h i ii sen, trotz aller Einwände seiner Freunde, die Tat selbst auf sichz her. nehmen, um keinen Tag mehr zu versäumen. Am 6. scheint ci anf B Berchtesgaden Besprechungen mit den Generälen Stieff und Fi ki= giebel gehabt zu haben, bei denen u. a. über die Möglichkeitg kg r N sprochen wurde, den Vollzug des Attentats sofort nach Berlinz wi E melden und dann das Hauptquartier Hitlers von allen Nachtid 1 tenverbindungen abzuschneiden.!20 Am 11. flog er in Begleitunl a des jungen Hauptmanns Klausing zu einer Führerbesprechutl® in nach Berchtesgaden, die Bombe in der Aktentasche. Da indesst Vin Himmler bei der Besprechung fehlte, unterließ er es, eine günst rich gere Gelegenheit abwartend- oder war es deshalb, weil die Bet„ s,das liner Zentrale sich nicht als genügend vorbereitet erwies?! Al 4"eh er nachmittags nach Berlin zurückkehrte, fand er dort Jolt m laute Hiobspost aus Madrid vor. Sie hat ihn aber nicht abgehalten, du, Fethdar Versuch wenige Tage darauf zu wiederholen.| n Stauf Es könnte sein, daß auf diesen Entschluß das energische Di#‘ gta wa gen Goerdelers mit eingewirkt hat: nach dem Tagebuch& Hauptmann d. R. Hermann Kaiser,!?? ihres Mittelsmannes, st den beide Männer in jenen Tagen in enger persönlicher Verb# dung miteinander. Goerdeler lehnte zwar nach wie vor grudh” sätzlich eine Mordtat ab und entwickelte immer neue Pläne, si man des lebenden Hitler habhaft werden könnte, drängte aber so eifriger auf eine rasche»Tat«. Stauffenberg ließ er wissen,#7” selbst verabscheue jeden, auch den politischen Mord, sei aberX Ei‘ reit, anderen die Verantwortung dafür zu überlassen und seinda|, seits die politischenFolgen für einen Umsturz auswerten zu hell Am ıo0. hatte ihm Kaiser eine Bitte Stauffenbergs übermittels# möge sich für den 11. bereit halten; nachmittags erfuhr er das|, Ve, die geplante Aktion sei nicht zustande gekommen. Daraufhin LASER,"etten< er dem Grafen sagen, die Lage sei so gespannt, daß nunfe besten schleunigst»nach vorn durchgebrochen werden müsse«,\ beschwor ihn am nächsten Tag erneut, unverzüglich zu handt In derselben Richtung hat auch Gisevius auf ihn eingewirkt. der Nacht vom 12. zum 13. legte er Stauffenberg dar, gewiß sei] Hoffnung auf Vorverhandlungen mit den Westmächten nun 5 Umsturzversuche 1942-1944. V. Die Juli-Katastrophe 425 treichen.) ba ‚sawunden, und es bleibe nichts als Kapitulation und totale Be- zung Deutschlands übrig. Indessen käme nun doch alles dar- _„Acan,»ob der Schlußakt von draußen oder drinnen erzwungen afen, W narde und ob sich die Armee wenigstens jetzt zu einer Handlung Önter denE ücraffte«.123 Aber stärker als alle diese Mahnungen wird Stauffen- Erschütteng biegs Entschluß bestimmt haben, was er soeben durch Hofacker d Reich is Paris erfuhr: daß Kluge bereit sei, den Staatsstreich mitzu- Julien‘. chen, aber nur, wenn zuvor Hitler beseitigt sei und der Anstoß Ibstautst un Berlin käme; daß auch Rommel sich zum Abfallrüste und daß 6. scheinte@ it Westfront höchstens noch einige Wochen standhalten könne: Stieff und tan werde so oder so der Durchbruch der Westalliierten erfol- föglichkeii) jm.124 Schon am 14. ließ er die Mitverschworenen abermals alar- nach Bet neren: am nächsten Tag sollte das Attentat ganz bestimmt er- len Na gen, und zwar während einer Sonderbesprechung in der Wolfs- rin Begki#( anze bei Rastenburg, zu der er General Fromm begleitete. Dies- erbespredit nl war alles auf den Staatsstreich vorbereitet. Schon um 11 Uhr 1. Da In} 9 Olbricht das Stichwort»Walküre« an die Truppeninundum es, eines" B-linaus, das sie gegen das Zentrum derHauptstadtinBewegüng )% weil de®zte- angeblich zur Bekämpfung»innerer Unruhen«, wie die erwies! Ticnung lautete. Um 13 Uhr sollte die Lagebesprechung begin- er dort|„u, gleich darauf das Attentat erfolgen. Eine halbe Stunde später gehalt, üldete Stauffenberg telefonisch, daß sein Anschlag abermals ‚Inölungen war. Es war schwierig genug für Olbricht, vor der ergische) 1 Itappeund den vorgesetzten Dienststellen den unzeitigen Alarm Tagebut'"alhträglich als»Übung« zu tarnen.!?° Was war diesmal das Hin- Ismana&ı FT ınis?Nach dem einzigen Ohrenzeugenbericht, den wir bisher „licher Ve i} keitzen, abermals die Tatsache, daß Himmler und außerdem üring fehlten. Das veranlaßte Stauffenberg, vor der Tat noch mal in der Berliner Zentrale telefonisch Rückfrage zu halten, Ib:sie trotzdem geschehen sollte. Als er in die Besprechungs- iime zurückkam, war die Versammlung schon aufgelöst und !iller verschwunden. Nun hatten Rommel und Kluge ja aus- icklich gefordert, auch jene beiden Unholde müßten beseitigt &den. Überdies hörten wir schon früher(Abschnitt III) von der Ber Mi 3rd, seid" ten zu" beit) De der Verschwörer vor etwaigem Widerstand der in Berlin erfuhr allonierten SS-Truppen und Luftwaffeneinheiten, wenn diese Darult!| nobersten Befehlshaber behielten. Das alles magStauffenbergs daß u Mtnängnisvolles Zögern erklären. Auffallend ist nur, daß on 5 müsst", ws Fall nicht schon vorher besprochen und geklärt hatte. ich zu wi enfalls beweist dieser Vorgang, daß auch eine so entschlossene Inge Yäatennatur wie er nicht gänzlich gefeit war gegen jenes Ver- en seelisch-geistiger Kräfte, das der menschlichen Natur in tıcheidenden Augenblicken so leicht zum Verhängnis wird. 426 Fünfzehntes Kapitel Umstur Niemand hat unter der furchtbaren, zuletzt ergebnislos@l\._abe Spannung dieses Tages mehr gelitten als Goerdeler, der ihn m&ılyyschlanc sammen mit Gisevius im Hause Becks verbrachte. Die endlos|; daßer ch, Beratungen über Postenverteilung, mit denen man sich dort de, hderei ::“ N Wartezeit verkürzte und in denen der alte, aus Zürich herbei}. ey eilte Kampfgenosse vor allem für sich selbst und seine enger“|. 30 2 Freunde eine passende Verwendung auszumachen suchte, werckt|} apfes im ihn ebensowenig erbaut haben wie die kritische Beleuchtung dt, von Beck vorgelegten Proklamationsentwürfe Stauffenbergs un\ die Debatten um das Ausmaß künftiger politischer Säuberung| aktionen, die Gisevius sehr weit ausdehnen wollte. Was ihn auf Oi Tapı tiefste erschütterte, war aber die Summe militärischer Hiobs',, EN posten, die Beck inzwischen durch Hofacker von Rommel un) Kluge empfangen hatte- Nachrichten, die alle seine Hoffnung auf Verhandlungen mit dem Westen vor der Kapitulation zusar-|, menbrechen ließen. Dies um so mehr, als gleichzeitig von Tri ckow die Meldung kam, nach dem Zusammenbruch der Mitt! front im Osten(27 Divisionen konnten als vernichtet gelten, u1l Vorschl inch L die feindlichen Panzerverbände standen schon knapp 100 km vırlf}. N dem Rastenburger Hauptquartier!) werde Ostpreußen auf dit)|, Set \ z£ RE i|, dessen! Dauer nicht zu retten sein.»Wenn die Dinge in Ost und West s|,, Hunde eindeutig standen«, schrieb er später rückblickend, 12?„war seit ul et zu überlegen, ob wir in die Entwicklung noch eingreifen solltes|j anstatt die Verantwortung sich klar herausbilden zu lassen. Id, war tief erschüttert und schlug Beck vor, daß wir beide sofof|\ı,.. nach dem Westen fahren wollten, um mit Kluge zu sprechen um darnach zu entscheiden, ob Aktion oder nicht und welche. Bad}; versprach, meinen Vorschlag mit Stauffenberg zu besprechen.« Man darfalso wohl sagen, daß Goerdeler in diesem Augenbliat), wirklich ratlos war. Wie Gisevius berichtet, hatte ihm dieser schöt bei seinem ersten Besuch am 12. angedeutet, er sähe nur noch ein], Möglichkeit: Kluge und Rommel zu veranlassen, daß sie ty, separates Waffenstillstandsangebot an Eisenhower richteten um h die anglo-amerikanischen Truppen schnellstens nach Deutschla=| j.. hereinfluten ließen, damit sie Berlin wenigstens noch vor dei Russen erreichten. Beck gegenüber hatte er sogar Zweifel darübr! geäußert, ob die Alliierten überhaupt noch bereit sein würden,|. eine handlungsfähige Reichsregierung anzuerkennen. Im Geget- satz zu früheren Jahren hatten seine Freunde Graf Helldorff um Nebe eine Mitwirkung der Polizei bei der Durchführung ein® Staatsstreiches für unmöglich erklärt und über Stauffenbergs EI& nung zum Verschwörer sich sehr kritisch geäußert. Er wollteak#||}, jetzt auch auf das Attentat verzichten, im Westen einfach kapit“ Ins} In} Umsturzversuche 1942-1944. V. Die Juli-Katastrophe 427 {ren— aber in der Hoffnung, damit wenigstens der Überflutung Deutschlands durch die Bolschewisten zu entgehen. Es scheint -icht, daß er dieneueste Meldung Johns aus Madrid schon kannte, | ich der eine gleichzeitige Kapitulation im Osten verlangt wurde. irich hebt) her er wußte Bescheid über die Abmachungen von Teheran, seine en‘ Tkmn also an die Möglichkeit einer längeren Fortsetzung des suchte, We! Kımpfes im Osten nicht mehr geglaubt haben.!?8 Praktisch lief eleuchtung. ken Vorschlag, den er die» Westlösung« nannte, demnach aufein uffenbergit sdingungsloses Kapitulieren, aber zugleich auf eine Art von :r Säubent' Wettlauf der Besatzungsarmeen hinaus. .WasihiF Drei Tage vorher hatte sich Goerdeler noch leidenschaftlich rischer BO gen eine schlichte Waffenstreckung im Westen gewehrt. Jetzt ı Rommel iener-nach Gisevius’Darstellung- dessen Vorschlägen ein willi- ne Hot?| geces Ohr. Gemeinsam mit Beck(oder vielleicht auch Gisevius) ulationas‘"lite er nach Paris fliegen, in einem von der Abwehr(Oberst eitig, VON 1| Binsen) zur Verfügung gestellten Flugzeug,!2? und die deutschen ıch der!" Befehlshaber bearbeiten. Da er selbst am Sonntagmorgen(16. tet gelte"| JUL) nach Leipzig fuhr, um sich von seiner Familie zu verabschie- pp ookn! Idea, trug er Gisevius auf, auch Beck für diesen Plan zu gewinnen. eußen al!|" Indessen hat er ihn nach seiner eigenen Darstellung ganz anders stund We!\Testanden: nicht bedingungslose Kapitulation hätte er darnach 1,27 ywar‘ Klageund Rommel empfehlen wollen, sondern eine Abmachung, greifen"|fit nun freilich ganz utopisch gedacht war. Ein Waffenstillstand zu lasse| WLteausgehandelt werden, nach dem die britisch-amerikanischen ir beide? ‚Armeen in Frankreich stehenblieben und das deutsche Westheer y spreche 2 Abwehr der Russen quer durch Deutschland nach der Ost- | weh.” Hunt abrücken ließen.»Hitler sollte dabei vor die Wahl gestellt bespredh® Veden«(schreibt Goerdeler),»diese Rettung mitzumachen und m Auge! Atückzutreten oder durch die Tat und die befreite Volksstim- mdieer“""ung zum Rücktritt gezwungen zu werden. Das unselige Atten- 1° Rtwäre vermieden und durch offenes Wort in offener Mannestat i daß st&s Volk unterrichtet und der Erfolg gesichert.«} ; Es scheint mir nicht ganz sicher, ob die im Gefängnis entstan- ‚Deus die Selbstrechtfertigung, in der sich diese Außerung findet, ohne ach SO Veiteres als historische Darstellung der wirklichen Absichten des „de Nefassers betrachtet werden darf. Es könnte immerhin sein, daß im Eller von dem Attentatsgedanken weiter abgerückt ist, als seinen In Sixlichen Gedanken im Juli 1944 entsprach. Aber so hat er sich end Ienfalls vor der Nachwelt(für die seine Aufzeichnungen be- ; waren) selbst darzustellen gewünscht, und daersich gleich drıuf mit Selbstvorwürfen überhäuft, daß er nicht auf der Durch- ‚hrung dieses Planes bestanden habe, ist anzunehmen, daßerzum Aindesten nachträglich an die Durchführbarkeit solcher Pläne er, der ih „ Die end n sich dort! 428 Fünfzehntes Kapitel 1 Umsturz I geglaubt hat. Es war der letzte Vorschlag, den er überhaupt in die Als Stauf i Ai politische Debatte geworfen hat, und man wird nicht andes Xünden, u urteilen können, als daß dieser Plan deutlicher als irgendein frühe Jhsentstai rer zeigt, wie weit der unbeirrbare Glaube dieses edlen Mannesat|“schub den Sieg politischer Vernunft ihn über die Schranken politische| macht. Bei Wirklichkeit— einer armseligen und bösen Wirklichkeit!— hin"de sich austragen konnte. Als gläubiger Idealist, hilflos gegenüber di isch sc Dämonie der Macht, hat er seine politische Laufbahn beendtt lit vertr. Freilich wäre es sehr ungerecht, wollte man diese Hilflosigkät kt,»den allein auf Mängel seines politischen Wirklichkeitssinnes zurücd- ixereit: führen. Die Lage Deutschlands warjetzt so verfahren, daß es über! da Res; haupt keinen sicheren Weg zur Rettung mehr gab. Auch d#l\\kenden. Attentat war ein Sprung ins Dunkle— mehr nicht.!?0 estanden Als er am Dienstag früh von Leipzig zurückkehrte, erfuhr@IDsusch durch Hauptmann Kaiser, im Auftrag von Gisevius(der es duch}\adsyın Kriminalrat Nebe erfahren hatte), daß die Geheime Staatspolixl!lkudn.| seine Verhaftung angeordnet habe. Auch Stauffenberg fand siltiltvıgen; ein und teilte mit, er habe jetzt»unmittelbare Verbindung z|'sr dip Churchill«; dieser sei im Besitz der Forderung,»daß im Fall«ti Aktion alles deutsche Gebiet im Reich verbleiben oder mit im vereint werden müsse«.131 Das klang sehr zuversichtlich, und ld Goerdeler seinen Wunsch vorbrachte, gemeinsam mit Beck sofof nach Paris zu Kluge zu fliegen, erfuhr er, Stauffenberg habe sid der che Fre Ss E82 ie A— pe inzwischen mit Beck darüber geeinigt, daß ein solches Unter FW Sichken nehmen untunlich wäre. Die besorgte Frage unseres Patrioten, O|’'.\ych. ib sich Ostpreußen wohl militärisch halten lasse, wurde ve isn, ; neint. Man trennte sich dann in Freundschaft und verabredet]! lt, 14 eine Fluchtadresse(Gut Rahnisdorf bei Herzberg), über die Gort|: KO Abhı, deler in der nächsten Zeit erreichbar sein würde. Stauffenberg r#|l Nfgehen aber seinem Partner dringend, sich schleunigst unsichtbar 7' machen und nicht durch längeres Herumfahren und Herut Ida, ee telefonieren in Berlin die ganze Verschwörung zu gefährde| wc, Goerdeler ist es sehr schwer gefallen, diesen Rat zu befolgen. Vet|| Kt, geblich mühte er sich, durch ein getarntes Telefongespräch G®|| KUMtoe %“ vius zu einer neuen Zusammenkunft zu bewegen- plötzlich füh| Bi; Ru er mit Schaudern und Befremden, wie alle Freunde vor ihm zW/l May Ei. rückwichen wie vor einem Pestkranken, seit das Gespenst dei Klande h w: Gestapo unsichtbar hinter seiner Erscheinung stand. Schwent|Aisq sa Herzens begann er seine Flucht."Red, A: Während seiner Abwesenheit von Berlin hatte Stauffenbet#|ih, Be engster Freundeskreis sich zu einem klaren, einfachen und fest] Rn a; Entschluß durchgerungen. Am Sonntagabend(16. Juli) hatt n dir sich Trott, Fritz Schulenburg und Hofacker mit Berthold Umsturzversuche 1942-1944. V. Die Juli-Katastrophe 429 berhaupting Kaus Stauffenberg in dessen Wohnung in Wannsee zusammen- d nicht and efunden, um die durch das Scheitern des zweiten Attentatsver- rgendeinfri ichs entstandene Lage zu beraten. Hofacker berichtete,»daß der dien Manu Nuchschub des Feindes in etwa ı4 Tagen eine erschütternde ken politisit Übermacht an Menschen und Material geschaffen haben werde, lichkeit! dir die sich in der Abwehr verzehrende Invasionsfront besten- gegenüber als noch sechs Wochen Widerstand leisten könne«. Adam von fbahn beat! Toott vertrat, wie es in dem mir vorliegenden Gestapobericht flosiise hißt,»den Standpunkt, daß man auf der Feindseite verhand- : Ingsbereit sei, sobald dafür die Voraussetzung, ein völliger Wech- ren, daßesin f& des Regimes, geschaffen werde«. Da wir Trott als einen klar- gab. Auch Öl dickenden diplomatischen Fachmann kennen, muß dies wohl so „130\cstanden werden, daß er riet, in dieser Stunde höchster Gefahr ehrte, erful it Deutschland nicht mehr weiter auf irgendwelche Erläuterun- us(deresdı© ga des»unconditional surrender« von der Feindseite her zu watr- ne Staatpl' N|u und zu hoffen, sondern kurz entschlossen die befreiende Tat nberg hands} 1 wagen, im Vertrauen darauf, daß dadurch in jedem Fall eine Verbindun: bessere diplomatische Atmosphäre geschaffen würde. In der an- daß im pildasc ließenden Diskussion kam man zu dem Entschluß, die künf- ten Verhandlungen von»Militär zu Militär« zu führen,»und | mil Ei ui var nicht nur mit den Feinden im Westen, sondern auch mit den mit Becks INewjets, wobei der alte Schulenburg(der frühere Botschafter) nberg habes Il ind der ehemalige Militärattache in Moskau(General Köstring) solches je lt Sachkenner in die Verhandlungen eingeschaltet werden soll- es Patriot) Rt Nach der englisch-amerikanischen Seite wollte von Trott den mei sein«.12 Das entsprach ungefähr den Plänen, die schon im 6% br Hucbst 1943 verabredet waren. Man sieht: die illusionäre Idee nd 6 ites Abbruchs der Westfront zur Stützung der Ostfront wurde „über ha" gegeben und vollends die sogenannte» Westlösung« des Gise- aufn\, ts und seiner Freunde; sie fiel unbeachtet zu Boden. Man fand , una’ eu gesunden Entschluß, dem sich am nächsten Tag auch Beck pw ch ‚iuchloß, zunächst einfach die entscheidende Tat zu wagen, i zu 8°\, Dtutschland von seinem Tyrannen zu befreien und sich gleich- 1 befolg\m mit geschlossenen Augen in den Strom des Schicksals zu wer- ogespf"„|"A-im Vertrauen darauf, daß dieses Schicksal immer noch gnä- plöale j(er ausfallen würde, wenn Deutschland sich selbst von seiner „de v0’. Stande befreite, als wenn es dies den Feinden überließe. Is Ce ‚ Aus diesem Geist, der an die Haltung eines Gneisenau und des tand.| fitendlichen Clausewitz erinnert, ist die Tat des 20. Juli entsprun- nor et. Aus der Überzeugung(wie einst Clausewitz schrieb),»daß es f&0 Volk nichts höher zu achten hat als die Würde und Freiheit de y. Sites Daseins und daß der Schandfleck einer feigen Unterwer- 12 nie zu verwischen ist«. Wer eine solche Tat unbesonnen oder 430 Sechzehntes Kapitel politisch unklug schilt, der hat ihr Wesen und ihre historisch Bedeutung nicht begriffen. Gescheitert ist sie nicht etwa am tech nischen Ungeschick ihrer Durchführung oder an der Unert- schlossenheit der daran beteiligten Offiziere- wer daran Kritik übt, soll erst einmal glaubhaft machen, daß und wie er es in der konkreten Situation des zo. Juli besser gemacht hätte!-, sondetn an dem unheimlichen Zufall, daß nun gerade Hitler nicht von di Bombe zerrissen wurde. Die Tatsache, daß er überlebte, machtt alle Bemühungen Stauffenbergs und Becks, mit Hilfe von Fiktio nen den Staatsstreich doch noch zu retten, unter allen Umständen aussichtslos. Zufall kann man das nicht mehr nennen. Es war Fi- gung. Deutschland solltenun einmal, so war es wohl vorbestimm!, den bitteren Kelch seiner Erniedrigung und seines selbst ver schuldeten Unglücks bis zur Neige austrinken. Aber das alt Europa ist dabei mit zugrunde gegangen. Sechzehntes Kapitel: Das Ende Der am 17. Juli gegen Goerdeler erlassene Haftbefehl war— weni Gisevius recht unterrichtet wurde!— noch keineswegs dadurch veranlaßt, daß man eine greifbare Spur seiner Verschwörertätig-|: keit gefunden hatte. Ein völlig Unbeteiligter, im Grunde Harrr- loser, dessen Opposition sich im wesentlichen auf unvorsichtig! Redereien beschränkte, hatte ihn als künftigen Reichskanzler ge- nannt— das war alles. Es sah zunächst nicht allzu bedrohlich aus. Aber natürlich: die Explosion des zo. Juli brachte ihn sofort in höchste Gefahr. Seitdem wurde die Flucht vor den Greifarmen der Staatspolizei ein Wettlauf um Tod und Leben. Wie ein ge hetztes Wild, von Jägern umstellt, suchte unser Patriot irgend einen sicheren Unterschlupf- zuletzt vergebens. Die einzelnen Stationen seiner Flucht hat sein Sohn Reinhard 1945 durch Befragen aller Beteiligten genau zu ermitteln gesucht.’ Daraus ergibt sich, daß Goerdeler, entgegen dem Drängen seine! Freunde, zunächst zögerte, sich von Berlin zu trennen. Nach det Unterredung mit Stauffenberg am 18. Juli rief er den ihm treu ergebenen Oberregierungsrat Wolf, Verkehrsreferent im Berliner Polizeipräsidium(früher Leipzig) an, der ihm schon mehrfach seinen Polizeidienstwagen zu größeren Fahrten zur Verfügung gestellt hatte. Dieser war auch jetzt wieder hilfsbereit, und so ge schah das Groteske, daß Goerdelers Flucht vor der Gestapo iM einem Polizeidienstwagen begann. Zunächst wurden Jakob Kaisel und Leuschner aufgesucht, die gerade zu einer Besprechung bei- "linmen v rnße»Al nGoer Diemit St: “amitge teren We isch noch llüngen ar Pitsehr ur Ver Nic Uiittap un Ukßer(übe Slrinck e; \nitHilfe Kberdann: Düittap de: Sfänderter EN größter Die Fahrt \ Viper Be, Eilfftejem MRtbschie Xden St Mblort an N Akon| ickter L D, Wok, Ib finei Urn Au f N ann Aupup Uber B at 1 Das Ende 431 e historisin ummen waren. Man beriet, was nun geschehen sollte. Da die twa amteli große»Aktion« unmittelbar bevorstand, war es natürlich, daß der Un nan Goerdelers Absicht zustimmte, sich bis dahin zu verbergen. daran Ki) den mitgeteilt, die Fahrt nach Herzberg für den nächsten Tag mit |-, sondtt icht vond ebte, matt > von Fikt'- ı Umstänt‘t „Es warf» rorbestint, s selbst 1 ber das? | war-W eg 5 dadur ürr unde Bi. avorsich® skanzkt! rohlich? hn so Greif Wie ei! triot Itg? hin Reid In gest" ängen®“ . Ne en ib? j tim Bei „0 ac Ver? t, und“ Ges?! ML echo" Die mit Stauffenberg verabredete Fluchtadresse wurde den Freun- Herrn Wolf verabredet. Es scheint(nach dessen Bericht), daß auch noch andere Freunde»im Südwesten Berlins« zu Bespre- ttungen aufgesucht wurden, daß aber Goerdeler mit dem Ergeb- is sehr unzufrieden war. Die Nacht brachte er in der Wohnung siner Nichte Frau Eva Held in Potsdam zu, den nächsten Vor- tittag und Mittag bei seiner Schwester ebendort. Von hier aus itß er(über Jakob Kaiser) briefliche Nachrichten an Beck und an Srünck ergehen, den er um Ausstellung eines falschen Passes E Hilfe des militärischen Abwehrbüros) bat- ein Versuch, der ter dann scheiterte infolge der Ereignisse des 20. Juli. Am Nach- fittag des 19. holte ihn Dr. Wolf in seinem Privatwagen(mit gänderten Kennzeichen) an einem verabredeten Treffpunkt ab— in größter Spannung, weil sich Goerdeler stark verspätet hatte. Die Fahrt ging dann auf weiten Umwegen(zur Täuschung et- iger Beobachter) nach Herzberg, wo der gefährliche Fahrgast üf freiem Feld in der Nähe des Bahnhofs abgesetzt wurde. Man ttrabschiedete sich mit der Abrede eines telefonisch durchzuge- 'tnden Stichwortes, das Wolf gegebenenfalls veranlassen sollte, fort an dieselbe Stelle zurückzukommen und Goerdeler zur ‚\ktion« nach Berlin zurückzubringen. Er war aber in sehr ge- träckter und besorgter Stimmung.»Zurückdenkend«, schreibt Dt. Wolf,»muß ich sagen: der Mann, der dort in den sinkenden Tg hineinschritt, war nicht einer, der frohgemut seiner künf- igen Aufgabe als Kanzler Deutschlands entgegenging. Es war tin Mann, der schwer an der Last seiner Verantwortung trug.« Zu Fuß erreichte Goerdeler das Gut Rahnisdorf, dessen Be- itzer, Baron Palombini, ein Vetter des Generals v. Choltitz, schon lage zu seinen politischen Vertrauensleuten gehörte und das Xhon mehrfach als Treffpunkt der Verschwörung gedient hatte. ft wartete dort den Militärputsch des 2o. Juli ab, ohne seinen Gistgeber darüber zuinformieren, daß und weshalber sich auf der Nucht befand— eine Zurückhaltung, die später diesem das Leben F ettet hat. Als die Gestapo am 2ı. in Rahnisdorf erschien, um (ea Baron zu verhaften, gelang es ihm selbst, auf ein etwa 20 km tferntes anderes Gut zu seinem alten Kriegskameraden Major ftrhardt zu entkommen, wo er bis zum 24. Jeli blieb. Dann hielt IS| Ihnnichtlängeri inseinem Versteck: am 25. eilteerüber Dessau, ‚Je er auf dem Luftfahrtministerium vorsprach, nach Berlin zu- "leugnen, erwies sich rasch als undurchführbar, da der Gestapo 432 Sechzehntes Kapitel rück, um sich dort täglich mit Freunden zu beraten, insbesondere| Geburt mit Jakob Kaiser, Frau Dr. Nebgen, Leuschner und Wirmer, in Is 7us: wechselnden Treffpunkten und mit wechselndem Nachtquarti||: Ziga (Frau Dr. Landwehr, Bürgermeister a. D. Fritz Elsas), gedecktlye es} nur durch das Menschengewimmel der Großstadt. Auf die Länge:lkichen erschien das aber doch zu gefahrvoll, und der zeitweise erwogen ik Yoll Plan, den Militärputsch vor der Polizeibehörde einfach zu ver.! gleich am ersten Tag die Liste der»politisch Beauftragten« bei den It Wehrkreiskommandos, bald auch die Ministerliste im Panzer‘il schrank Olbrichts in die Hände fielen und die Verhaftungen de Hhfirsein Zivilisten begannen. Es mußte also ein neues Versteck gesucht Khrinjle, werden. Goerdeler fand es dutch Vermittlung des früheren Chen:|ı Karen nitzer Stadtrats Curt Schatter(mit dem ihn Dr. Elsas in Verbin-|| Stätte, ih dung brachte) und des Oberbürgermeisters a. D. Klimpel in nix Friedrichshagen: in der Wohnung des Herrn Bruno Labedzki, eines einfachen Bürodieners, der aus reiner Menschlichkeit,ohre hlich seinen Gast vorher gekannt zu haben, ihm Unterschlupf gewährt und die schmalen Lebensmittelrationen seiner Familie mit ihn teilte. Es handelte sich um eine enge, bescheidene Parterrewol- nung in einem mehrstöckigen Miethaus; das Versteck war beson-|} ders im Falle von Luftalarm von Entdeckung sehr bedroht. Goer-|ın deler blieb zunächst nur zwei Nächte dort(27.-29. Juli) und|H suchte dann in Strausberg vergeblich einen neuen Unterschlupf (bei Herrn Herbert Lehmann). Die Nacht vom 29.-30. Juli|ı brachte er bei seinem Vetter Willy Ulrich in Berlin-Nikolassee zu,|i%- der ihm riet, sich verkleidet zu den Russen durchzuschlagen; statt| dessen hoffte der Flüchtling auf schwedische Hilfe. Zu diesem|.;; Zweck hatteeram 29. den Pastor D. Lilje(jetzigen Landesbischaf|; von Hannover) in Lichterfelde aufgesucht und ihn gebeten, Ver-|; bindung mit dem schwedischen Gesandtschaftspfarrer herzustel-}\k; len. Da Lilje durch Dienstgeschäfte verhindert war, riet er ihm,|xx} den schwedischen Gottesdienst am Sonntag(30. 7.) zu besuchen, was er auch tat. Als er nach Schluß den Geistlichen ansprach, stellte sich heraus, daß der schwedische Pfarrer verreist war und durch einen deutschen Bekenntnispfarrer(Desert) vertreten wurde. Doch versprach ihm dieser, seine Bitte weiterzugeben|h4. man möge ihn unter schwedischen Schutz stellen. Sie blieb indes: sen erfolglos.® fen, Auf der Suche nach einem neuen Nachtquartier klopfte datt}, y bs tleinnen Sat, Was Flüchtling nun in Potsdam bei seinem früheren Corpsbruder Stu bay i dienrat Dr. Brodführer an, der ihn auch aufs herzlichste aufnahm ba und am nächsten Morgen eine kleine, bescheidene Feier sein Pils Sehen Das Ende 433 insbesondit he. Geburtstages für ihn veranstaltete; ihr folgte mittags ein | Wirmer, Yues Zusammentreffen mit politischen Freunden in einem Ber- lachtquat' rer Zigarrengeschäft(Voss, Rosenthalerstraße). Aber schon as), gedii yırde es höchste Zeit, dem heißen Berliner Pflaster wieder zu ufdielinferfliehen und das Versteck in Friedrichshagen wieder aufzusu- ise erwogt! de n. Volle acht Tage(vom 31. Juli bis 8. August) hat Goerdeler fach zu vw. hü der Familie Fahedrki zugebracht, die sich auch dadurch nicht der Gestwihlbschrecken ließ, daß sieam 1. August durch den Londoner Rund- sten«beit ink von der öffentlichen Fahndung nach Goerdelers Person er- Pan"tr und von dem ungeheuerlichen Preis von einer Million Mark, aftungent der für seine Ergreifung ausgesetzt war. Der Steckbrief erschien teck gesut itzt in allen deutschen Zeitungen mit seinemBild. Seine Gastge- herenCh& be: waren nun genötigt, seine Anwesenheit sogar vor der Familie s in Vet!|Sthatter, ihren Nachbarn, zu verleugnen, aber sie sorgten in der ‚Klimpil'\sebstlosesten Weise für ihn, ließen sich auch willig zu Boten- 0 Labeit:\ängen an alle möglichen Bekannten gebrauchen, die Goerdeler ichkeit ef\veigeblich um Unterkunft bitten ließ. Dr. Wirmer, der Geldhilfe ıpfgewät ‚unl ein neues Versteck versprach, wurde gleich darauf selbst ver- ilie mit!\baltet, was unseren Flüchtling schwer erschüttert hat. sprterren!| Es entsprach der rastlosen Aktivität seiner Natur, daß er diese k warbes Tage unfreiwilliger Muße sogleich zu neuer Schriftstellerei be- droht. Gr\Mitzte. Außer den Jugenderinnerungen, die wir schon kennen 9. Je) ‚&pitel 1), ist damals eine größere Denkschrift»Die Aufgaben Untersch“ ‚&itscher Zukunft« entstanden.* Sie entwickelt in besonders j kupper und präziser Form das uns schon bekannte Programm 29,3% ikolasse! Ener deutschen Staatsverfassung, Wirtschafts- und Außenpolitik il&: Zukunft, gleichzeitig aber einen sehr spartanisch anmutenden Zu die Pan für den eancbaiı der zerstörten Städte und Industrie- btriebe und für den Ausgleich der Kriegslasten. Die Vorschläge spiir ae Professor Ludwig Erhard(des heutigen Bundeskanzlers) für er hera deLösung des Kriegsschuldenproblems werden sehr gelobt, am ‚net er Schluß en der Geschichte« zusammengestellt, die Goerdeler ben din deutschen Volk ans Herz zu legen wünscht. Das Christentum, oo chließlich als Predigt der Nächstenliebe verstanden, muß x 3 künftig das Fundament Aller Innen- und Außenpolitik werden. a Der ri ist kein Selbstzweck, sondern ein Mittel, Ordnung des Y N Elens und Wohlfahrt der Bürger zu ermöglichen.« an ‚Man sieht, dieser Mann ist so besessen von dem Glauben an bit Stine Berufung als Reorganisator von Staat und Gesellschaft, daß selbst i in Ben lien Augenblick sich nicht mit dem Rickblick auf das verlorene Glück seiner Jugend begnügen kann, \indern weiter an seinen Zukunftsplänen spinnt und eine Artvon Nlitischem Testament verfaßt; es soll dazu helfen, seine poli- 434 Sechzehntes Kapitel tischen Ideen weiterleben zu lassen auch über die drohende Ge- fangenschaft und den dann sicheren Tod hinaus. Es ist genau die- selbe Haltung, in der wir ihn später im Gefängnis wieder trefleı werden. Sein Gastgeber hat beide Niederschriften treulich aufbewahrt und durch den Krieg hindurchgerettet. Auf die Dauer konnt: aber Goerdeler diese guten Leute nicht länger durch seine Gegen- wart in Gefahr und Nahrungsknappheit bringen, sich auch bel Luftangriffen nicht immer wieder in Schränken und dergleichen verstecken. Aber wohin dann? Sollte er ins neutrale Ausland flie- hen, etwa zu seinen schwedischen Freunden übers Meer? Aber eı besaß keinen gefälschten Paß— wie sollte er ihn jetzt noch be: schaffen? Zu den Bolschewisten überzulaufen hat sich sicher alleı in ihm gesträubt. Entscheidend war für ihn zuletzt die Sorge, durch eine Flucht ins Ausland seine Angehörigen in Lebens gefahr zu bringen.° Wenn man seinen Angaben vor der Gestapo glauben darf, war ihm allmählich klargeworden, daß es für ihn keine realen Möglichkeiten der Flucht und kein Versteck meh: gab. Wenn er aber schon über kurz oder lang den Verfolgern in die Hände fallen mußte, dann wollte er noch ein letztes Mal sein westpreußische Heimat wiedersehen und Abschied von ihr neh- men an der Stelle, die er bei jedem Ferienaufenthalt aufzusuchen pflegte: an den Gräbern seiner Eltern und nächsten Verwandten in Marienwerder. Dies scheint nach längerem, ratlosem Schwan- ken sein letzter Entschluß gewesen zu sein, als er am Abend des 8. August seinen Rucksack packte, seinen Wanderstock ergrif und sich auf eine höchst abenteuerliche Reise machte. Da Fern- fahrten in den Osten um diese Zeit nur noch mit amtlichen Ausweisen möglich waren, die Vermittlung eines falschen Pass® durch Hauptmann Strünck aber fehlschlug, versuchte Goerdeler, seinen Wehrpaß selbst auf einen fremden Namen umzuschreiben, was aber nur so unvollkommen gelang, daß es sich bei seiner Ver haftung später als wirkungslos erwies. Um Kontrollen zu ent-_ gehen, benutzte er auf der Fahrt nach Westpreußen möglichst viele Neben- und Kleinbahnstrecken und ließ sich immer nur für Teilziele Fahrkarten geben. So gelangte er schließlich, mit vielett Umwegen und Aufenthalten, bis zum Abend des 10. nach Mariet- burg, brachte die Nachtim Warteraum des Bahnhofs zu und fuhr: früh am Morgen nach Marienwerder. Dort hat er zwei alte Haus“ freundinnen und dann den Friedhof aufgesucht. Aber nun zeigte!% es sich, daß er als Flüchtling kein unglücklicheres Reiseziel hätt! wählen können als dieses westpreußische Städtchen, wo ihn bei nahe jedermann kannte. Schon in der Nähe des Friedhofs wurde: von einer [halb gar Üknschlug, hf, Stuhm Dktündige Qucksack al Och imstar Wicht am S “führte il Kris Stuhn ter tiefen &ksm Lok: Örthatte, E ühe Luftw; Mobachtete #unahen\ Ötoangeste Uisdem See ;irdeler-[ Afdhatte 5a Kıca, Es y Ms schei Wi der Se Ntag, der si 1 den Au A zöperte Ünterher v Sitte 8 We, Mi tion Sein 'ftgen Sond Das Ende 435 a von einer Frau erkannt, die ihm hartnäckig folgte. Er wagte dtshalb gar nicht, bis zum Grab seiner Eltern vorzudtingen, son- dtrn schlug sich seitwärts auf Nebenwege in der Richtung Rahns- dırf, Stuhm, Marienburg, um die Verfolgerin loszuwerden. Nach velstündigem Fußmarsch kam erbis Stuhmsdorf, gab dort seinen Rucksack als Reisegepäck bis Marienburg auf(offenbar nicht mehr imstande, ihn noch weiter zu schleppen) und brachte die Nacht am Stuhmer See zu. Der Weitermarsch am Morgen des a. führte ihn bis zu einer Gastwirtschaft bei Konradswalde, Kreis Stuhm, die er todmüde aufsuchte, um zu frühstücken. In siner tiefen Erschöpfung beachtete er nicht, daß sich in eben desem Lokal die Zahlstelle eines nahen Fliegerhorstes einquar- tiert hatte. Erst nach einiger Zeit merkte er, aufblickend, daß ihn ee Luftwaffenhelferin am gegenüberstehenden Tisch scharf btobachtete, und verließ ohne Frühstück sofort das Haus, um in dia nahen Wald zu entkommen. Es war aber schon zu spät: Die Biroangestellte, dieihn erkannt hatte, Helene Schwärzel, stammte als dem Seebad Rauschen, dem ständigen Feriensitz der Familien Gerdeler-Ulrich. Sie war mit ihnen seit vielen Jahren bekannt und hatte samt ihrer Mutter manche Freundlichkeit von ihnen er- fihren. Es war nicht Bosheit, auch keineswegs Geldgier, sondern, vie es scheint, der für Leute dieser Art meist unwiderstehliche keiz der Sensation und eine Art von halbbewußtem Geltungs- (tung, der sie veranlaßte, zwei beiihr sitzende Zahlmeister auf den fremden aufmerksam zu machen; mehr noch: als sie zweifelten Ud zögerten, auf seine Verfolgung und Verhaftung zu drängen— lnterher war sie sehr unglücklich über das, was sie angerichtet hıtte.® Weder Goerdeler, der sich mit widerstandsloser Resi- gation seinen Häschern ergab, noch seine Familie haben ihr des- vtgen sonderlich gegrollt, sondern sie nur als unselbständiges, ktztlich hilfloses Werkzeug eines auf die Dauer unentrinnbaren Schicksals betrachtet. Aber dieses Schicksal war nun freilich von wnusdenkbarer Härte. Kaum weniger als fünf Monate,vom 8. September 1944 bis zum 2 Rebruar 1945, hat Carl Goerdeler auf die Vollstreckung seines Todesurteils warten, also gewissermaßen zwischen Tod und Le- ben schweben müssen. Die Geschichte seiner langen Haft gibt Sinem Biographen die schwersten aller Rätsel auf. Nur vermuten, ficht einfach schildern läßt sich, was da hinter den Gefängnis- Mauern und was in der Seele des Gefangenen vor sich ging. Sicher ist, daß ihm das Scheitern des Attentats am 2o. Juli und ‚dehoffnungslosen Versuche, den Umsturz dennoch durchzufüh- tt, als eine Bestätigung seiner schweren Bedenken gegen jeden 436 Sechzehntes Kapitel politischen Mord, aber auch gegen die Politik des Grafen Stauffen- berg erschienen. Er hat deswegen seine strafrechtliche Mitverant- wortung nicht bestritten.»Die Umsturz- und Attentatspläne, die am 2o. Juli zur Durchführung kamen, sind mir bekannt. Ich gebe zu, an diesen Plänen an führender Stelle beteiligt zu sein«- wenn auch ohne Kenntnis des Vorhabens zu eben diesem Datum. Das war der erste Satz seiner Vernehmungen vor der Gestapo. Aber moralisch und politisch rückte er gleichwohl von der Ge- walttat ab.»Du sollst nicht töten!« rief er als erstes Wort Frau Dr. Nebgen zu, als er mit ihr am 25. auf einer U-Bahnstation in Berlin zusammentraf. Bei allen seinen Gastgebern während det Flucht scheint er sich geradezu mit Erbitterung darüber aus- gesprochen zu haben, daß man ihm seinen eigenen Weg, den det offenen Aussprache mit Hitler, verbaut und statt dessen dies un- glückselige Attentat verübt hätte. Gewiß: er selbst hatte sich die- ser Tatnicht direkt widersetzt, sondern immer nur Gegenvorschlä- ge gemacht. Jetzt empfand er das Scheitern geradezu als»Gottes: urteil«: es hätte nicht geschehen dürfen, weil es der sittliches Weltordnung widersprach; darum hatte Gott es scheitern lassen. Wir stehen damit vor der nackten Tatsache, daß der Haupt: träger und Organisator der deutschen Widerstandsbewegung de Tat des 2o. Juli nicht nur vorher innerlich widerstrebt, sondern sie nachträglich radikal verleugnet hat. Das ist bitter für alle, dir das sittliche Recht dieser Tat bejahen, läßt aber auch die Grenzt der politischen Begabung Goerdelers noch einmal deutlich her- vortreten; denn sicherlich waren ja alle Umsturzpläne, die das Attentat zu vermeiden suchten, praktisch bloße Utopie; unser« Darstellung hatesimmer wieder gezeigt. Und doch: welcher Nach- lebende möchte sein Andenken gerade wegen dieses Sträubens herabsetzen! Entsprach es nicht ganz und gar der sittlichen Rein- heit seines Wollens, daß er seine Hände nicht mit einer Mordta' beflecken wollte? Man kann ihn wohl einen Besessenen nennen einen Besessenen der Rechts- und Friedensidee, genau so wie Hitler besessen war von der Idee kämpferischer, brutaler Macht- entfaltung. Vielleicht bedurfte es einer solchen Besessenheit; eines so fanatischen Glaubens an die Macht der Vernunft, de natürlichen Moralität des Menschen, der letzten Versöhnbarkeit aller gegensätzlichen Machtinteressen, wie ihn Goerdeler in sich trug, um die schauerlichen Erfahrungen menschlicher Bestialität 1933/34 zu überstehen, ohne darüber an der eigenen Lebensauf- le gabe zu verzweifeln: am Aufbau eines neuen, besseren Deutsch- lands. Jedenfalls: die Maßstäbe nüchtern-realpolitischen Den kens reichen hier nicht zu. en N Alserin bk: Prinz-A ökthen Haı ‚Avörung it wesentli Eich Gest Die man a Müurteilen her Zeuge MieEinzel Rılein de MR, bekanı llisten«(€ D ternung At Nachri Mehrfach Wultenbrurn Werorde Et Angab i Gchtnis u die An \ RtWopen m Inter: Vendipe A, I Muster "gerade 1, daGoe “EN Würe Das Ende 437 Staufkı,"Als er in das Kellergefängnis im Hauptquartier der Gestapo in fityene ir Prinz-Albrecht-Straße eingeliefert wurde, wo man die poli- pläng.&| chen Hauptfiguren unterbrachte, um sie zu Vernehmungen amt.| derzeit zur Hand zu haben, waren der Personenkreis der Ver- zu sei‘ hwörung und der politische Hintergrund des Militärkomplotts mDatit in wesentlichen bereits ermittelt, teils durch Aktenfunde,? teils Gesti"| durch Geständnisse.® Die Hauptbeteiligten des Militärputsches n.der@| Iutte man auf Hitlers Verlangen schon am 8. August zum Tode Vort fü| verurteilen lassen und hingerichtet, dadurch aber sich selbst wich- station!| tirer Zeugen beraubt. Um so mehr kam darauf an, nun möglichst hrend&| Yiele Einzelheiten aus Goerdeler herauszuholen, dessen führende über"| Rolle in der Opposition erst jetzt, durch die ersten Vernehmun- g,den@| gen, bekannt geworden war; bis dahin hatte man ihn nur als»De- n. dest| Aitisten«(ebenso wie Beck) gekannt und— aus einer gewissen esichÖ| Entfernung-überwacht.? Und der Gefangene erwies sich bald als worsö| ne Nachrichtenquelle, deren Ergiebigkeit Staunen erweckte. s»Gott!'||Mehrfach, und zwar vom ersten Tage an, wirdin den Berichten sittli®"| Kıltenbrunners an Bormann-Hitler gemeldet, Dr. Goerdeler habe era| Mußerordentlich weitgehende Aussagen« gemacht,»zahllose prä- er Hat!| die Angaben«, Zeugnisse»eines geradezu unwahrscheinlichen egunge"| Gedächtnisses«; die Überprüfung habe in allen Fällen ergeben, son" ı a die Angaben bis ins Detail zuträfen und»die Urteile genau iralk©| Ibgewogen« wären.!% Nurüber seine Flucht, vermutete man, habe ieGe®| ttim Interesse seiner Helfer und Gastgeber falsche bzw. unvoll- ztlich*°| ündige Aussagen gemacht. Seinen Mitgefangenen wurde er bald e, det is Muster eines aufrichtigen Bekenners hingestellt, und sie wur- je; u itn geradezu gewarnt, nichts zu verschweigen oder zu verschlei- ‚her?, da Goerdeler bei einer Gegenüberstellung die volle Wahrheit Stuben würdet!- Warnungen, die ihn bald bei den Mithäftlingen he? Meinen bösen Ruf brachten, ja wohl gar als Verräter erscheinen „Mo Ikßen. Wareres? War er seelisch völlig zusammengebrochen und gab nei 1 0" tsich selbst und seine früheren Kameraden den Henkern nun je Mi Itmmungslos preis? Oder tat er es in der eitlen Hoffnung, wenig- sen sens sein eigenes Leben dadurch bis ans nahe Kriegsende zu ver- unfh® Ingern? Fragen, die auch nur zu stellen dem Biographen schmerz- ‚habe ieh ist, denen er aber keinesfalls ausweichen darf- um der histo- jenes tischen Wahrheit willen. Best Zunächst ist eines mit Sicherheit zu erwidern: Von einem see- ee Ischen oder auch körperlichen Zusammenbruch kann gar keine Iede sein. In überwältigender Fülle liegen die schriftlichen Zeug- ‚Asse dafür vor(wir werden Näheres davon noch hören), daß sich a seiner grundsätzlichen Einstellung zu Hitler und dem Hitler- 438 Sechzehntes Kapitel E Reich bis zum letzten Augenblick seines Lebens nichts, aber audi Nun läßt gar nichts geändert hat, und ebensowenig an der vollen, entschie rdelers denen Bejahung seines eigenen Lebenswerkes, an seinem guten"fälen Gewissen als Führer einer radikalen, politischen Opposition.“pobe: Auch seine geistige Kraft blieb bis zum Schluß ungebrochen, wie“ber hin die unglaublich große Fülle der Niederschriften zeigt, wie aber"ta ge auch jeder bezeugen kann, der ihn in diesen Monaten gesehen und ner ers gesprochen hat. Ich selbst wurde ihm am 8. Januar 1945 zu eine);"8%% d langen Vernehmung gegenübergestellt. Trotz gewisser Anzeichen'"'gschi körperlicher und seelischer Veränderung, von denen später zı!*Alict reden sein wird, war sein Geist erstaunlich lebendig und klar"""unt üb Obwohl ihn mein unerwartetes Auftauchen als Häftling sichtlich$lttlich de erschütterte, diktierte er seine Aussagen mit völliger Ruhe, kalı Hndet überlegt und genau formuliert, der Sekretärin in die Maschine stende. Von irgendwelcher Übererregtheit oder gar hemmungsloser Ge\'Neine$ schwätzigkeit, wie sie durch Anwendung gewisser Drogen er Ktinkthe zeugt werden soll, war nicht das geringste zu bemerken. Alles in|lverte allem war es durchaus der alte, mir wohlbekannte Goerdeler, det|"“tglau hier sprach. Es ist mir aus mancherlei Gründen mehr als unwahr Dtuchten A scheinlich, daß man seiner Aussagefreudigkeit durch irgend|''' welche Drogen oder gar Folterungen nachgeholfen hat; man hatt|’ es ganz einfach nicht nötig.!? Er war überzeugt davon,»daß die|""ttschr Staatspolizei um die Ermittlung der Wahrheit bemüht ist, aller"nd de H dings mit rücksichtsloser Kälte«,!? und er war von Anfang at|""tklare bereit, ihr dabei weitgehend zu helfen.14 Das ist alles. I nen Freilich: es gab auch einen Volksgerichtshof, dessen Verfahren, leppen unter dem Vorsitz des satanischen Freisler, auch Goerdeler als]#'a, das reines Propagandatheater, als Hohn auf jede Gerechtigkeit emp-|' fand. Und es gab grausame Methoden indirekter Folterung: eine}""üoch y unerträglich enge, meist stark überheizte Zelle, quälend eng! Fesselung, besonders des Nachts, grelles Licht, mitten ins GE: N sicht während des Schlafs, völlig unzureichende Kost, die ih" (nach dem Zeugnis seines Zellennachbarn Dr. Müller)!® var Hunger zuweilen laut stöhnen ließ, Lärm und Geschwätz de! Wachposten vor der offenen Zellentür- mit anderen Worten: wochen- und monatelange Schlafstörungen, die einen Menschen iR wohl zur Verzweiflung treiben und geistig lähmen könnten. Abet] so wunderbar es klingt: auch diese Qualen haben den Sechzig jährigen nicht ruinieren, jedenfalls die Klarheit und Produktivität! seines Geistes nicht spürbar vermindern können. Wenn aber s® von einem seelischen oder geistigen Zusammenbruch keine Red sein kann, wird dann nicht sein Verhalten erst recht rätsell"N haft? 7 Das Ende 439 ‚ Nun läßt sich bei genauer Betrachtung zunächst feststellen, daß Goerdelers bereitwillig gegebene Auskünfte durchaus nicht in ‚ilen Fällen so zuverlässig waren, wie sie den ihn vernehmenden Doosül Gestapobeamten erschienen. Ihre Genauigkeit im Detail täuschte ochen,n rüber hinweg, daß sie oft Wesentliches verschwiegen oder zu- Qansten gefährdeter Persönlichkeiten umfärbten. Das gilt gleich cher ton der ersten seiner Vernehmungen über die eigene Flucht, der yg zu! tinzigen, deren Protokoll wir im vollständigen Wortlaut kennen. Anzeichi Sehr geschickt hat er da seine Gastgeber gedeckt oder verschwie- späte ten. Als ich selbst ihm gegenübergestellt wurde, war ich ebenso undli, staunt über die Genauigkeit seiner Angaben, besonders hin- ichtlich der Daten und der Gesprächsgegenstände, wie über die En ‚ vllendete Klugheit, mit der er an kritischen Stellen des Verhörs Masch blastende Außerungen so umzufärben wußte, daß sie harmlos, ja los) fir meine Sache günstig wirkten. Es war, als ob er mit sicherem open! Isstinkt herauszuwittern verstünde, in welcher Richtung ich mich 1. All vohl verteidigen würde, und der uns verhörende Kriminalkom- 2. tissar glaubte ihm jedes Wort, weil er meine eigenen, vorher ge- "| machten Aussagen so genau wiederholte. Dasselbe oder Ahn- Is"| Ihes wird auch von anderen Fällen- allerdings nicht von allen!— h"| berichtet.16 Es ist schon denkbar, was Rudolf Pechel vermutet, a,&B er sehr bald erkannt hat: die wesentlichen Zusammenhänge ), and! ind die Hauptbeteiligten waren am Tage seiner Verhaftung >| lingst klargestellt; jetzt kam alles darauf an, durch Häufung von Aa| Ihmer neuen Details die Verhandlung möglichst lang hinzu- thleppen in der Hoffnung, inzwischen würde der Krieg zu Ende -\ hen, das Hitler-Reich zusammenbrechen, und alle Gefangenen erde|(\der doch ein Großteil von ihnen) würden es überleben. Daß es ‚ tür noch wenige Wochen, längstens zwei bis drei Monate dauern \önnte, hat er sicher geglaubt und sich auf der Flucht mit seinen freunden mehrfach darüber unterhalten. Wie hätte er auch nach lem, was er von Tresckow aus dem Osten, von Rommel, Kluge, Hofacker und Speidel von der Westfront, also von den besten ülitärischen Fachleuten gehört hatte, erwarten können, daß die Ititisch-amerikanischen Armeen unter Eisenhower noch einen Razen langen Winter brauchen würden, bis sie sich endlich zum Vorstoß in das Innere Deutschlands entschlossen? Keiner von Ins Gefangenen, die wir in den Zellen der Gestapo saßen und voll thnsucht und Bangen auf den Tag der Befreiung warteten, hat -“mals dieses endlose Zögern begriffen. Am wenigsten diejenigen, "fie(wie der Verfasser) die fast völlige Wehrlosigkeit der soge- Rnnten»Rheinfront« im Spätsommer und Frühherbst noch *lbst hatten erleben müssen. ist, A Verfaht 440 Sechzehntes Kapitel Im einzelnen ist es leider nicht möglich, aus den täglichen Ver nehmungsberichten der Gestapo an Hitler genau zu erkennen, wer etwa erstmalig durch Goerdeler»belastet« worden ist. Wahr scheinlich hat es sich aber nur noch um Rand- und Nebenfiguren der Widerstandsbewegung gehandelt, da die Hauptpersonei längst festsaßen, und die»Belastung« wog nicht immer schwer, Man erschrickt zunächst, als Ergebnis des ersten Verhörs(am 14. August) zu lesen, daß»zahlreiche Personen, die sich in wich-\% tigen Stellen des öffentlichen Lebens befinden, belastet worden i bot, die Wilksgericl sind.«.? Ein Gutachten des Reichsministers Speer vom 20. August nennt aber dann die Namen: es sind die Mitglieder des sogenanr- ten»Reuschkreises«: Wirtschaftsführer und Volkswirte, die sich zu regelmäßigen Aussprachen über Wirtschaftsfragen versam- melten, besonders häufig im Hause des Gutsbesitzers Wenzel auf|", Teutschenthal bei Halle, und denen Goerdeler seine wirtschafts- politischen Ideen öfters vortrug. Er hat denn auch nicht ver- säumt, diesen Klub als rein wirtschaftspolitischen bzw. wirt|älte schaftstechnischen Diskussionsklub zu schildern, und hinzuge- fügt: Die Herren hätten zwar seine grundsätzliche Ablehnung des Hitler-Staates gekannt; er habe sich aber gehütet, mehr Per sonen als unbedingt nötig in seine engeren Pläne einzuweihen. Minister Speer hat sich denn auch schützend vor einige dieser Männer gestellt- offenbar mit Erfolg, da die meisten mit zeil- weiser Haft davonkamen oder als unentbehrlich in der Rüstungs- industrie geschont wurden.!® Weitere Nebenfiguren hat der Ge fangene, nach einer Aussage des Oberreichsanwalts Lautz, noch nach seiner Verurteilung(am 8. September) in verschiedenen Niederschriften als»Mitwisser« genannt; das habe zu zahlreichen Verhaftungen geführt, doch hätten nur wenige dieser Verfahren, die sich bis in den April 1945 erstreckten, noch zu Ende geführt werden können.!? Sollte Goerdeler bei diesen Aussagen wirklich die Absicht verfolgt haben, den Gang des Verfahrens zu kompli- zieren und zu verschleppen, so hätte er in gewissem Sinn sein« Absicht erreicht. Es scheint, daß die uferlose Ausdehnung de Verfolgungen, das Auftauchen immer neuer und sehr bekannte! Namen in den Reihen der Opposition den Hitler-Behörden zu- letzt selbst unheimlich wurde und daß sie sich schließlich scheu- ten, jede neu auftauchende Spur weiter zu verfolgen.?° Rund 400 Beamte sollen bei diesen Untersuchungen beschäftigt, etw2 7000 Menschen nach und nach verhaftet worden sein. Mitte Sep- tember hatte Kaltenbrunner dem»Führer« bereits gemeldet, die Untersuchung sei im wesentlichen abgeschlossen, neue Gesichts“ punkte träten jetzt nicht mehr zutage. Acht Tage später fiel de® Hhlkeiorg: Wlurtier de I smmelt Iisig4o en Willenma Hlopgegen shrückreic] ichen Ve. erkennt, ist, Watt» penfigun! person er schwt. thörs; h in wie ot word 0, Augt sogenntl e, die st n vers Venzeli jetschaft nicht 1? zw. MI | hinzuf \blehnut?} mehr) zuwellt ige di mit Rüstutf ar der yutz, 2% chieder ahlrei Verf fahr de g oefl nW ieh) ‚u kon Sinn s" hnung heka" yörden’ ich 20 RW Das Ende 441 olizeiorganen ein großer Aktenbestand im Zossener Haupt- Quartier der Armee in die Hände, der das gesamte, sorgfältig !esammelte Material Becks zur Militärverschwörung von 1938 bis 1940 enthüllte, dazu Teile des Tagebuchs von Canaris— eine ı Quellenmasse, aus der Hitler lernen konnte, daß die Verschwö- iing gegen seine Herrschaft schon bis zur Fritsch-Krise von 1938 ärückreichte und daß die angeblich so kleine»Offiziersclique« ds zo. Juli bis in die allerobersten Spitzen seiner Wehrmacht iinaufreichte. Die Schockwirkung auf ihn war so groß, daß er rbot, diese Dokumente ohne seine besondere Weisung einem Volksgerichtshof zuzuleiten, und die Untersuchung dieser neuen fille streng absondern ließ. General Halders Anwesenheit im Kellergefängnis in der Prinz-Albrecht-Straße sollte vor allen Ge- fingenen streng geheim gehalten werden, was viele Umstände tachte.2! Tatsächlich hat Hitler die gerichtliche Verhandlung ds zum Kriegsende hinausgeschoben und die am meisten Be- Isteten(Oster, Canaris, Dohnanyi, Gehre, dazu Strünck, Ober- ithter Sack und Dietrich Bonhoeffer) erst im allerletzten Augen- blick in Flossenbürg durch ein schnell improvisiertes Feldgericht dee SS aburteilen und hinrichten lassen.?? Im Ganzen dieser Verfolgung können also die Aussagen Goer- itlers schließlich doch keine allzu große Rolle gespielt haben: sie dienten dazu, viele Einzelheiten aufzuklären, eine Reihe von | Nebenfiguren mit hineinzuziehen— mehr nicht. Gleichwohl: die ‚ Inge bleibt immer noch offen, warum er so bereitwillig aussagte ‚ind sich nicht scheute, auch bisher nicht genannte Persönlich- ‚ltiten in Lebensgefahr zu bringen. War es einfach Unvorsichtig- ‚kit? Das wäre schwer begreiflich in solcher Lebenslage und wird lürch sein früheres Verhalten und durch manche gegenteiligen Ifahrungen im Gefängnis(darunter meine eigene) unwahr- sheinlich gemacht. Auch die Deutung Pechels, er habe den Pro- 2 komplizieren und dadurch hinschleppen a hat zwar viel Hinleuchtendes, befriedigt aber allein noch nicht. Denn der Pro- ab als Ganzes wurde zwar sehr lange hinausgezogen, aber die Isekutionen der zivilen Angeklagten gingen doch seit Mitte &ptember in ziemlich regelmäßiger Folge alle zwei bis drei Wo- den fort.23 Und schließlich zwingt uns die mannhafte Wesensart Goerdelers, lieber nach grundsätzlichen als nach bloß taktischen Etwägungen für sein Handeln zu suchen. Vielleicht bringt uns die Betrachtung seiner ersten Aussage ber ee rotene— der einzigen dieser Art, über die wir Genaueres wissen— auf den richtigen Weg. Was kann ihn ver- AlıBt haben, seine nahe Verbindung mit so vielen bedeutenden 442 Sechzehntes Kapitel Wirtschaftsführern in solcher Ausführlichkeit zu schildern?! Schwerlich etwas anderes als das Bedürfnis, den Hitler-Behörden klarzumachen, daß seine Oppositionsbewegung nichts weniger als eine belanglose Unternehmung einer kleinen Clique ehrgei ger, verblendeter Offiziere und»Defaitisten« war: daß hinter ihm‘ die enden Führer der deutschen Industrie und Landwirt schaft standen. Bald darauf hat er die Haltung der Gewerkschaft" führer, seiner Freunde, noch viel ausführlicher geschildert, spätet die der kirchlichen Kreise, als deren Repräsentant im September= unter anderem mein Freiburger Kollege von Dietze ihm gegen"| übergestellt wurde, der erstaunt war, mit seinen Abschwächung» versuchen bei dem Freunde recht wenig Unterstützung zu finden""* Mir scheint, es kann gar nicht zweifelhaft sein, warum: Carl Goer"nme deler dachte nicht daran, in irgendwelcher Ableugnung oder Ver Br Höhen schleierung des Ge chehenehl Deckung zu suchen- im Gegenteil! u Er wollte seine Tat nicht verkleinern, sondern so groß, so beder tend und so gefährlich für das Hitler-Regime wie möglich ersch& Ft, daß: nen lassen. Für ihn handelte es sich überhaupt nicht um ein! Ode Elite Offiziersputsch— von dem Attentat Stauffenbergs rückte er wie u Verschn der sehr deutlich ab-, sondern um den Aufstandsversuch ein I"ziere, d ganzen Volkes, repräsentiert durch die besten und edelsten Köpft(der Par aller seiner Schichten, aller Parteien vonrechtsbis links und beide‘"!"itden christlicher Kirchen. Und so, wie er selbst mannhaft zu seiner Tal"” stand, so erwartete er es- wie selbstverständlich- auch von aller" Sieund. seinen Freunden. Angesichts des Galgens hat er an nichts anders dessen, gedacht als daran, die Wahrheit, die volle und ganze Wahrkei endlich ans Licht zu bringen und den Machthabern ins Gesicht(2 Acht| schleudern: die Stimme des bedrängten Gewissens unüberhörbut Kelten so deutlich reden zu lassen. Im öffentlichen Schauprozeß war dasur Os möglich, wie der schmähliche Verlauf der Verhandlung geget REN Pers Feldmarschall von Witzleben und seine Genossen am 7. und} utsch 8. August(den er in der Zeitung oder am Rundfunk verfolgt]"ann haben wird) schauerlich klar gezeigt hatte. So suchte er um s0|“'&. y, lauter, deutlicher und vollständiger in den Verhören zu Wort2! in Aen,pa kommen. War das nun die Besessenheit eines blinden Wahrheitsfanatikers; der sich selbst und andere kopfüber ins Verderben stürzt? Od« m Ües ko steckte irgendein politisches Ziel dahinter? Mi seine Zunächst ist zu sagen, daß Goerdelers Absichten sich auf ei]"and. sehr merkwürdige Weise mit denen Kaltenbrunners, des Gestap“ chefs, begegneten. Wir hören, dieser habe seinen Beamten die al: gemeine Richtlinie gegeben,»es müsse Hitler ein schonungslo®® hu Bild von den Gründen gegeben werden, die zum Attentat gefühf] ran, : Das Ende 443 litten. Das könne nicht durch bloße Feststellung eines strafrecht- iihen Tatbestandes, sondern allein durch Herausschälung der fıhren Motive geschehen. Es seien so viele Männer von hervor- nzenden beruflichen und charakterlichen Qualitäten in die Ver- interi tıwörung verwickelt, daß Hitler durch diese Erkenntnis hof- Lande ntlich den Schock erlebe, der notwendig sei, ihn zu den not- ekschui Irndigen Änderungen zu veranlassen.«?# Das mag in dieser Form er, si schträglich übertrieben sein. Sicher ist aber: einer solchen all- eptente meinen Weisung entsprechen die täglichen Berichte Kalten- na Inınners(bzw. seiner Unterorgane) an den Führer ziemlich genau. ‚ächun Nitürlich versäumen sie nicht, gelegentlich Schmähungen und u Irrabsetzungen der von der Polizei Verhörten einzumischen alGri(icht immer war ja auch deren Haltung erfreulich, und die gei- “„1, ze Höhenlage der Kriminalkommissare war sehr verschieden). 2„ Aber im ganzen überwiegt doch der Eindruck, daß man Hitler (der diese Berichte jeden Abend gierig verschlang) spüren lassen childere Behörd s wenlpt ie Bar ‚Villte, daß es sich bei den Verhafteten um eine geistige und poli- Äh=„tische Elite handelte. Lange Zusammenstellungen von Motiven m“ dt: Verschwörer wurden mehrfach eingefügt, um die Haltung der te EN ‚Oiziere, den Abfall so vieler enttäuschter Nationalsozialisten such ‚vor der Partei, sogar die patriotische Absicht mancher Verhand- x MM ling mit dem Ausland verständlich zu machen. Von einem Krimi- ind bi tlkommissar ist das Wort überliefert:»Daran ist kein Zweifel, seinet di) Sie und Ihre Freunde gute Deutsche sind. Aber Sie sind Geg- 2 it: des Systems, darum müssen wir Sie vernichten.«25 Tin Goerdeler hat diese Grundhaltung sicherlich herausgespürt. Tabt "Auf nichts ist er in seinen im Gefängnis entstandenen Nieder- Ges ‚Sthriften so eifrig bedacht wie darauf, zu zeigen, daß der wahre berhi Biriotismus auf seiner Seite war. Aber letztlich nicht um der ar di<tnen Person und ihres Nachruhms in der Geschichte, sondern 108° Jan Deutschlands willen. Dessen Schicksal hat ihn offenbar von m\Ällang an noch stärker beunruhigt als das eigene und das seiner «|Beınde. Wer ihn verstehen will, muß sich in seine Art, die Welt ‚er Tzischen, ganz tief hineindenken. Er sah diese Verschwörung, das u W0'! INeck unendlich mühsamer und gefahrvoller Unternehmungen „ ler Jahre, mit einem Schlag zusammengebrochen- wesentlich ana dirk des kopflosen Draufgängertums(so hart hat er damals ge- teilt) seines jüngeren Partners, eines veigensinnigen Querkopfs«. Nın stand er vor dem Trümmerhaufen seiner Hoffnungen. Aber |ülimmer war, daß sich nun auch Deutschland in einen Trüm- ee zu verwandeln drohte. Das Luftbombardement be- Sun auch die größten Städte und Industrieanlagen Deutschlands, lt kostbarsten Schätze alter Baukultur zu vernichten; in wenigen 444 Sechzehntes Kapitel Wochen, längstens Monaten, mußte die Rote Armee in Berlit/ih Sein/ stehen. Dann war die Zukunft abendländischer Kultur auf Rndeine schwerste bedroht, vielleicht für immer vernichtet. Ließ sich dent ide ihm gar nichts mehr tun, um diesem wahnsinnigen Spuk ein Ende Exunlict machen? War es überhaupt denkbar, daß der Appell an die Ver(aidem T nunft gänzlich ungehört verhallte? Mußte dieser Hitler dent nt Währ nicht endlich begreifen, daß es allerhöchste Zeit war, Schluß zu Ipzessen machen, daß seine Herrschaft dicht vor dem Zusammenbruch|schner stand? Je deutlicher, breiter, klarer, exakter man ihm die Unter a udige, wühlung seiner Diktatur durch innere Gegner in allen Ständen Inıt allen Ämtern, bis hinauf zu den Spitzen von Armee und Staat aus Jatht yiele malte, um so eher war doch wohl zu hoffen, daß ihm die Augethisnicht< aufgingen. Was spielten einzelne Menschenschicksale dieser Mög Jhnitz, der lichkeit gegenüber für eine Rolle! Verloren waren sie doch alle Jfttden, u wenn Deutschland zugrunde ging. Merdeler Indessen: was bedeuteten die Hoffnungen, Wünsche, Beschwö"der zur rungen eines Gefangenen im eisernen Mahlwerk dieses menschet Sittrag, V fressenden Systems! Erbarmungslos wurden seine Opfer ze Skip, quetscht. Noch nicht vier Wochen nach seiner Einlieferung, at Ohen(o] 8. September, wurde Goerdeler als»ehrgeizzerfressener, ehr. I: Vermal loser, feiger Verräter und politischer Kriegsspion für unseJinische, Feinde« vom Volksgerichtshof zum Tode verurteilt und sein Ver/a! Indus mögen eingezogen. Die zweitägige Verhandlung bot das üblicht Cmmune Schauspiel des Niederbrüllens und hämischer, ja gossenhaft“ kung 3 Beschimpfungen der Angeklagten(außer Goerdeler noch Hassell bien, Leuschner, Wirmer und Lejeune-Jung) durch den Präsidente2 ln, i Es gab unwürdige Szenen, über die sich sogar der Justizminist“ Kr Thierack in seinem Bericht an Hitler beschwerte. Goerdeler selb*] un, h hatte unter solchen Unflätigkeiten verhältnismäßig am wenigstllm,,; H zu leiden, konnte aber nicht drei Sätze zusammenhängend spt@]= chen und auch nicht ein Mal seine Motive darlegen. Von seine®] ji. Offizialverteidiger, der ihm erst am Vortage zugeteilt wat, fühlt] y. er sich praktisch im Stich gelassen.- Wie es in diesen Prozess! nicht anders zu erwarten war. Als Goerdeler den Namen des Felt]. marschalls von Kluge nennen wollte, schnitt ihm Freisler lat on, schreiend das Wort ab, verhinderte auch seine Verteidigung geg®|%; den Vorwurf der Kriegsspionage. In seinem Schlußwort erkläft| 4,, der Angeklagte laut und deutlich, er stünde zu dem, was et getzt| habe, betrachte aber das Scheitern des Attentats als ein Gott@\,, urteil- was ihm der Vorsitzende nachher als»Scheinheiligkit auslegte—, verwahrte sich nachdrücklich gegen den Vor Bkich, arbeiterfeindlicher, reaktionärer Haltung und wollte mit den Aufl, U His rufen der Stauffenberg-Gruppe nicht einfach gleichgesetzt W"an Das Ende 445 \ ‚in Beten, Sein Auftreten wird als offen und würdig geschildert; aber ıltur alsätrendeine eindrucksvolle, zusammenfassende Schlußerklärung sichd@! mırde ihm unmöglich gemacht.?® n Endes} Erstaunlicherweise war aber nun das Schicksal des Gefangenen n delt mit dem Todesurteil vom 8. September noch keineswegs besie- itler dt\ gelt. Während Hassell, Wirmer und Lejeune- Jung, wie in diesen Schul:| Piozessen üblich, noch am gleichen Tage gehängt wurden, menbnt| kuschner zwei Wochen später, blieb Goerdeler, der Haupt- die Un| schuldige, noch lange Monate aufgespart. Es liegt nahe zu ver- n Stände ‚niten, daß er dies dem Wunsch der Staatspolizei verdankte, noch | Staat"\ttcht viele Nachrichten aus ihm herauszuholen. Indessdn kann die Auf|&s nicht der einzige Grund gewesen sein. Außer ihm ist auch ieser\ü| Popitz, der am 3. Oktober verurteilt wurde, zunächst verschont dochö|worden, und zwar bis zu demselben 2. Februar, an dem auch Gerdeler sterben mußte. Er wurde sogar von der Richtstätte ‚Besch! vieder zurückgeholt.2” Beide Männer bekamen den amtlichen mensch|Atftrag, Vorschläge für den Wiederaufbau Deutschlands nach Opfer 7 ‚dem Kriege auszuarbeiten. Zugrunde lag ein umfänglicher Frage- ferung,'!bogen(39 Fragen), der von einem höchst sachverständigen höhe- sener,& ‚tät Verwaltungsbeamten(Dr. Mäding) stammte. Es ging um die für un\tthnische Organisation des Wiederaufbaus der zerstörten Städte dsen\“ ud Industriewerke, um den jeweiligen Anteil von Staat und jasibl" Kommunen, öffentlicher und Privatinitiative, um Fragen der yssenb? Panung in Gemeinden, Provinzialverbänden und Reich, um chHis kiegstechnische, städtebauliche und volkstumspolitische Pro- väsidt bene, um Siedlungs- und Finanzfragen, Fragen der Rechtsord- ‚iznlı. Ming, der Arbeitsbeschaffung und Sozialpolitik- alles in ziemlich delers Bintem Durcheinander, aber für den Verwaltungsfachmann eine je'Pächtige Gelegenheit, seine praktischen Erfahrungen und all- well a-.. ‚gendy meinen Reformideen zu entwickeln. Beide Gefangene haben Ton desen Auftrag mit Eifer bearbeitet; das Resultat legte Goerdeler j} An 3. Januar fertig vor. Es umfaßte in engzeiliger Maschinen- wat o{=> , Pror® stheift 87 Seiten, die parallele Denkschrift Popitz’ 66. Beide wur- ‚dest dt durch eine wissenschaftliche Assistentin in Auszügen neben- el&undergestellt und Punkt für Punkt miteinander verglichen. 28 una Bist also kein Zweifel, daß auch ein starkes sachliches Interesse re) der auftraggebenden Verwaltungsstelle bestanden hat, die Ge- BR: dinken von zwei so erfahrenen Verwaltungsfachleuten in Händen ir gr) halten. Das gilt erst recht von den weiteren Aufträgen, die je"Britz und Goerdeler erhielten. Jener sollte seine Gedanken zur nvof ‚Reichs- und Verwaltungsreform entwickeln, insbesondere zur Nttgliederung des Reichsgebiets und über die Zuständigkeit der Rächs-, Landes- und Gemeindebehörden, sowohl im Bereich Sechzehntes Kapitel 446 h I der politischen Willensbildung wie der Verwaltung; ferner ein Fuptsach Denkschrift ausarbeiten über die Umstellung der Kriegs- auf die Zn Fri Friedenswirtschaft und zuletzt berufliche Lebenserinnerung@tjl;yieim niederschreiben als»Beitrag zur Verwaltungsgeschichte«. Goet Wchlagna deler sollte sich äußern über seine Erfahrungen als Preiskommis„mins sar und über die Reform der Selbstverwaltung.”"eine Refe: Eine große Denkschrift über»Preisüberwachung«, mit auf ühtingwe führlichem Bericht über seine eigenen Erfahrungen und eingehety;jeen,: den Vorschlägen für»Preisüberwachung bei fortgeschrittene Mistunggr Kriegswirtschaft«, 82 Seiten umfassend, wurde am 9. Januar ab /y. nicht geliefert. Eine dritte,»Gedanken zur Erneuerung der Selbstvet\gihet u waltung«, mit einer sehr eingehenden Kritik der deutschen Ge län erke meindeordnung von 1935 und sehr exakten Vorschlägen zu ihr& a, ı Verbesserung, bricht auf S. 61 mitten im Satz ab, wurde also woll Dsists infolge der Hinrichtung nicht mehr zu Ende gebracht. Hier ia... Na. noch deutlicher als in der Schrift über Preisüberwachung zu spi hy; ren, wie der Verfasser sich bemüht, vor aller Kritik zunächst audı Entensct die positiven Leistungen des Hitler-Staates anzuerkennen urd np der; seine Reformvorschläge für Wirtschaft und Verwaltung auch füt usage nationalsozialistische Leser schmackhaft zu machen, freilich ohrt en, darüber seine eigenen Grundsätze preiszugeben.?° Staunenswei Mm hör erscheint die Arbeitsleistung aller dieser Denkschriften mit ihren],, Kent a Pt ül genau durchdachten, zum Teil literarisch belegten, fachmäßiget Wiahen 32 Detail. atiy Werd Was bedeutet das alles? Hat man etwa Goerdelers Leben s Der Ah, lange geschont, weil man ihn noch als Verwaltungsfachman! Ben]\ brauchte? l. ihn Die auftraggebende Stelle war die Abteilung III(»Deutscht nd% Lebensgebiete«) des Reichssicherheitshauptamtes, das sich längs!"a a zu einer Art von Zentralbehörde des»Himmler-Staates« aus dien gewachsen hatte. Leiter dieser Abteilung war Ohlendorf, zustär- Dar diger Sachbearbeiter(Referat III A 3»Innere Verwaltung Reichs era& gebiet«) Dr. Erhard Mäding, Oberregierungsrat im Reichsmin-|. on sterium des Innern, seit Anfang Februar zu dieser Dienststel®|; abgeordnet. Er hat die Denkschriften der beiden Gefangenen ve||, waltet, insgesamt etwa 800 Seiten Schreibmaschine, und wat|},.., dieser Angelegenheit sachlich stark interessiert. Ende 1944 ist iM|... sogenannten Gästeheim des Reichssicherheitshauptamtes in Wanf-|\., see vor einem größeren Kreise von Eingeladenen, darunter auch... Angehörigen des Reichsinnenministeriums(Abt. Ia) von einem, leitenden Mann der Abteilung Ohlendorf ein Vortrag über»di® Pläne der Teilnehmer des zo. Juli auf dem Gebiet der Staats- uf! Verwaltungsreform« gehalten worden. Zugrunde lag in Das Ende 447 erner huptsache jener große Plan des(am 10. August hingerichteten) 5 AutGrafen Fritz Schulenburg für eine künftige Verwaltungsreform, nerune tn wir im 13. Kapitel erörtert haben. Er war von der Gestapo 2 Gert Itschlagnahmt und wurde von ihr in Abschrift auch dem Reichs- iskom# imenministerium zugeleitet. Dort hatte Staatssekretär Stuckart „ine Referenten schon im Oktober auf diese»hervorragende, ‚ Mit#Fihtungweisende und umfassende« Arbeit des Gehängten hin- einge‘! gewiesen. Sie wurde auch jetzt wieder als eine ausgezeichnete schritt! Ktistung gerühmt, gleichzeitig wurde aber auch über die- damals Jan! ech nicht abgeschlossenen- Studien Popitz’ und Goerdelers Selbst berichtet und bemerkt, daß auch diese Gefangenen, soviel sich schen@biher erkennen lasse, ein sehr beachtliches Material liefern wür- on zu ib den, 31 :akov'| Das ist sehr merkwürdig und läßt die von anderer Seite über- t. Hi lieferte Nachricht als glaubwürdig erscheinen, gewisse»mit den ngzug'|Verschwörern sympathisierende Kreise aus SS, Reichsministerial- ächsta!'\bemtenschaft und Reichsjustiz« hätten versucht,»die Vollstrek- onen kung der über Goerdeler und Popitz verhängten Todesurteile g auch! hitauszuschieben, mit dem Untergedanken, sie eventuell ganz aliche®|verhindern zu können«, da das Kriegsende nicht mehr fern war. unensw‘|Dirum hätten sie die Erteilung jener Aufträge veranlaßt, um Hit- mitih|lt gegenüber einen Vorwand für den Aufschub der Hinrichtung -hmill\zuhaben.32 Aber wie konnten solche»Kreise« sich sammeln und ‚tiv werden? ‚Lebt| Der Abteilungsleiter Ohlendorf, Obergruppenführer der SS, sfach"?"Wat ein Intellektueller aus der Schule von Prof. Jessen, später bei R'Höhn tätig. Jessen hat die Verbindung mit ihm und seinen ‚Da‘|Ftunden auch dann noch weiter gepflegt, als er selber längst zur sichlit Obosition gehörte- einmal deshalb, weilihm daran lag, über die ‚atesc Dilitische Haltung der SS informiert zu sein, dann aber auch, weil ‚f,n® üdem Kreise um Ohlendorf sehr viel freie Kritik an den inneren red Zuständen des Hitler-Reiches geübt wurde. Es war wohl so, daß eichs® th in den höheren Rängen der SS immer jüngere Intellektuelle jiens" en, die sich selbst als Elite und Vorkämpfer einer echten Re- enel! rlıtion, die Gefolgschaft Hitlers als weithin korrupt betrach- dm ea, Überhaupt läßt sich sagen, daß Kritik und Zweifel an der y®tähnlichkeit des»Führers« bis in die obersten Ränge der SS W Inufreichten und daß die innere Geschlossenheit des Führer- pre? tates in den letzten Kriegsjahren nur noch Fassade war. i IR Jessen war der vertraute Helfer und Freund Popitz’, der ihn als ber? I Mister auch in seiner akademischen Laufbahn geschützt hat.23 ‚ ‚Alendorf war sein Schülerund Verbindungsmann zur SS; Popitz "Wirde durch Jessen mit Ohlendorf zusammengebracht- sollte 448 Sechzehntes Kapitel nicht diese persönliche Verbindung bei dem mysteriösen Arbeit}. gr auftrag des Reichssicherheitshauptamtes eine Rolle gespielt An.„U ben? Es gab wohl wirklich eine Gruppe von SS-Führern, din sei Goerdelers und Popitz’ anerkannte Talente fruchtbar zu mach wünschten für die Zeit nach dem unaufhaltsam sich nahendd fstrau; Zusammenbruch. Die Tatsache, daß im Amt III des RSHA unit, Ohlendorfs Oberleitung ein Nachrichtendienst organisiert wa, der mit sachlichem Ernst die wirkliche innere Lage des Reich, und auch die wirkliche politische Stimmung der Regierten zu ng. fassen suchte— ohne freilich mit seinen schonungslosen Lage, Im Se berichten irgendeinen praktischen Erfolg zu erzielen- ist in day. al).| Nürnberger Prozessen mehrfach zur Sprache gekommen. Di) hier tätigen Fachleuten der höheren Verwaltung waren Mänkt| wie Popitz und Goerdeler schon als Träger großer Traditional], wichtig und interessant. Indessen hätten sie sicherlich nichts af, H tichten können ohne die persönliche Zustimmung ihres oberstdl, Mn, Chefs. Himmler aber besaß noch ein anderes, ein| Ka Er-„SoRE SIch ve politisches Interesse daran, daß Goerdeler und Popitz möglic eh Hille lange am Leben blieben. Ehen“ Es ist ja längst bekannt, daß Himmler, die seltsamste aller Fig En ren des»Dritten Reichs«, sich damals schon lange mit A S gedanken trug. Genauer gesprochen: mit der Wahnidee, vi@ en Sc leicht sei er selbst berufen, das sinkende Schiff zu retten, wenn 4, ea Hände des Steuermanns unsicher würden und er das Fahrze I. h offensichtlich auf Klippen zusteuerte. Blinder Fanatiker des Rafın u senmythos, der bedenkenlos Millionen von Menschenleben sein? k Verwirklichung in einem kommenden Großreich der German?]\ opferte, hatte er sich je länger je mehr in die heldische Rolle eiröl|: Gründers und Organisators dieses Traumreiches hineingest® gert. Mit seiner»rassereinen« SS wollte er die Kerntruppe dafil; liefern; das Dogma ließ er durch einen großen Stab von Pseudö] ıy gelehrten immer weiter ausbauen.®* Den Führer, der ihm ci N N, Möglichkeit dazu gab, verehrte er nach wie vor als Abgoft| aber seine Rolle als Hoherpriester der nordischen Weltanscha! ung spielte er doch mit einer gewissen inneren Selbständigkel|}, Mich. Politisch einen eigenen, klaren Kurs zu finden, war et Fred h lich geistig viel zu beschränkt ul vor allem viel zu charakterlos'ı In unterwürfigen Reden vom sicheren Endsieg des Führers hat@ı der Öffentlichkeit gegenüber, sich fast bis zum Schluß überbotet.." Aber es scheint, daß er schon sehr frühe, schon zu Beginn ds A) großen russischen Abenteuers, sich mit dem Gedanken getra hat, vielleicht könnte ihm gelingen, was Hitler offenbar mißlanz' das gesamte germanische Abendland, einschließlich England IUnmmlerss Welleicht s Eis, der; A Das Ende 449 zudem großen Kampf der nordischen Edelrasse gegen das sla- d Viche»Untermenschentum« zu vereinigen, so wie es Hitler ührern, st in seinem Kampfbuch, der Bibel Himmlers, gelehrt hatte. 1 zu melßpirer mag dann die Angst hinzugekommen sein, der große Zu- h nahenknftstraum könnte im letzten Augenblick wieder zerrinnen. RSHA"Schon im Mai 1941 notierte Hassell in sein Tagebuch, der Schwei- Anisiett Wer Diplomat Carl J. Burckhardt habe seiner Frau erzählt,»ein des Relye-trauensmann Himmlers sei beiihm gewesen, um ihn zu fragen, ierten ZU oh England wohl mit Himmler statt Hitler Frieden machen wür- losen Luldeı, Im September besuchte ihn selbst ein junger Mann vom SD Ist Danfeld) und ließ durchblicken, daß man sich in der Umgebung men, DHimmlers schwere Sorgen mache undüber einen Ausweg grüble.3s en Mi leicht stammte dieser junge Mann aus dem Ressort Schellen- Traditolbeos, der als Leiter eines eigenen Nachrichtendienstes der SS im h nichts" Ausland den Ehrgeiz hatte, selbständig Außenpolitik zu machen, res oben Himmler nachweislich immer wieder in Versuchung geführt unmit“ ha, sich von der außenpolitischen Führung Ribbentrops, zuletzt tz mögl“'äuch Hitlers, loszumachen und eigene Verbindungen mit auslän- dischen Staatsmännern anzuknüpfen.?” Tatsächlich hat es denn te aller N auch an solchen Versuchen seit 1941 nicht gefehlt, und die Oppo- mit Abt Isiionsgruppe der von Hassell, Popitz und Goerdeler war darüber hnidet, N|techt gut informiert. Seit 1943 erhielt sie ihre Nachrichten haupt- en, weil Isichlich durch Langbehn, der seine Vertrauensstellung bei Himm- as Fah?! let dazu benutzt zu haben scheint, um in dessen Auftrag in der ker d6!'Schweizund Schweden Mittelsmänner für Anknüpfungenin Eng- leben" and zu suchen, gleichzeitig aber diese den Verschwörern zur Ver- ‚Gem? figung stellte. Schon im Mai 1943 berichtete er Hassell,»daß auch e Rolk®'bider höchsten SS-Führung die Erkenntnis vom Ernst der Lage hineiog® ud von der Notwendigkeit, Hitler auszuschalten, vorhanden (ruppe® Is4.9® Natürlich kann sich das auch auf Schellenberg bezogen ‚on? kuben, wie denn überhaupt der Quellenwert dieser Gerüchte nicht der ii" überschätzt werden darf. Wir wissen aber schon, daß Popitz ziem- ‚3A eh sicher darauf baute und in dem bekannten Gespräch mit 7eltan®' Himmler am 26. August 1943 auch nicht völlig enttäuscht wurde. ji'Esscheint, daß Himmler damals sich nach der Möglichkeit eines Sınderfriedens mit den Westmächten bei seinem Gesprächspart- &t erkundigt hat.°° Etwa dieselbe Frage, aber noch eindeutiger, hatte er kurz vorher {im Mai oder Juni 1943) durch einen Mittelsmann(Bankdirektor Rache) an Jakob Wallenberg richten lassen, der eben damals zu item Besuch nach Berlin gekommen war. Sie lautete(nach Wal- kabergs Notizen):»Glauben Sie, daß die Westmächte Frieden ıschließen würden, wenn Hitler nicht mehr da wäre?« Natürlich 450 Sechzehntes Kapitel wich der Schwede einer Antwort aus, berichtete aber Goerdele|| davon. Mehrfach haben dann die beiden darüber beraten, wal eigentlich von Himmler zu halten sei. Goerdeler erzählte, Himm! ler habe schon mehrfach Fühler zur Opposition ausgestreckt(& ınsch war um die Zeit der Unterhaltungen mit Langbehn und Popitz); hen er selbst wisse nicht recht, wie er darüber denken solle, fürchte Her aber, es könnte die Absicht dahinter stecken, die»Antinazis« aus zuhorchen. Im übrigen sei die Absicht der Opposition, Himmkı \rembe ‚atelt di hen Bes ters erf gleichzeitig mit seinem Herrn und Meister festzusetzen. Walleı- ne berg fragte:»Weiß Himmler, was ihr macht?« Goerdeler eryi- Tılenbe derte:»Ich weiß es nicht. Nach dem Mißlingen des im März ge lie planten Attentats stand es schlecht um uns. Aber sie kamen aıl mia eine falsche Fährte, und das rettete uns.« Wallenberg::»Vielleicht| ih hi will Himmler euch weitermachen lassen, Hitler stürzen lassen, ch) ohne selbst dabei umzukommen?« Im November hörte er dan Km vom Scheitern der Attentate, die im September geplant ware;;' sie wären unter anderem deshalb nicht zustande gekommen, wil IK n man Hitler, Göring und Himmler zugleich umbringen wollte h er Er riet:»Laßt doch Himmler aus euren Attentatsplänen heraus Es Der hindert euch nicht, wenn es gegen Hitler allein geht!« Dani! ih. erklärte sich Goerdeler einverstanden, falls wirklich keine Gefalt" n eines Bürgerkriegs mit der SS bestehen sollte.*0 be| Er war also gan au über Himmlers zweideutige Haltung|,"W able ee dar 5 London h und dessen Versuche, über Schweden eigenmächtig mitden West m 4 mächten Friedensverhandlungen anzuknüpfen, orientiert. Dies Cafe vor Versuche sind andauernd fortgesetzt worden. Im Dezember 19.4"% gelang es Himmler tatsächlich, über Schweden eine Botschaftnad\ Ude London und Washington gelangen zu lassen, in der er sicherbot| das einen Offizier der Armee und einen Funktionär der Partei z\! Re Unterhandlung mit britischen Vertretern zu entsenden, um Ni] Bis heres über den Sinn der Formel»unconditional surrender« zuet], sd fahren. Natürlich erhielt er eine Abweisung.*! Das hinderte ihn],"se nicht, fortwährend nach weiteren Mittelsleuten Ausschau zu ha-};, 09 ten.*? Sogar nach dem zo. Juli hat er dieses Spiel fortgesetzt.“ lg Gerade im August, während der Verhöre Goerdelers, sollen dit IK, Beh, schon lange bestehenden Spannungen zwischen Himmler um] em] Bormann, begründet in der persönlichen Rivalität der beide},®%,, Männer, aber auch in dem Gegensatz zwischen der SS und dat een Bormann unterstehenden Parteiorganisation, auf einen Höhe],"für punkt gestiegen sein. Auch über die Durchführung der politische! Prozesse durchFreisler habe es ernste Differenzen gegeben. Himm-]| hu ler habe sich monatelang mit dem Gedanken getragen,»Borman4| OHR Nie festzunehmen und Hitler auszuschalten«.24 Im Oktober(od&| estreckt h nd Popiti Ile, fürch inazis«au 1, Himm! on. Walle -deler erw m März g kamen x „Vielleict zen lassül te er di lant ward mmen, 1% gen woL!; nen heril!i he!«Das| eine Ge ge Hal\ tden 5" tiert. Di ember! schaft sich ei) Partel! en, un) der«z! indert? haum’ gegen j sold mel 5 Das Ende 451 November) ließ er Jakob Wallenberg durch Schellenberg, ver- | nittelt durch die schwedische Gesandtschaft, zu einer vertrau- - ichen Besprechung nach Berlin einladen. Als Vorwand diente der Wunsch, über die Freilassung verhafteter Schweden mit ihm zu iprechen. Der Schwede vermutete aber(sicherlich mit Recht), daß Himmler inzwischen von den erfolgreichen Bemühungen Goer- telers erfahren hatte, durch ihn und seinen Bruder Markus mit ter britischen Regierung in Verbindung zu kommen, und daß er tun diesen Mittelweg für seine eigenen Zwecke ausnutzen wollte. Wallenberg lehnte die Reise schließlich ab, weil er dem blutigen \chergen Hitlers nicht seine Hand leihen wollte, gleichzeitig aber lirchtete, sich ihn durch eine Weigerung zum Feind zu machen ind damit seinem Freunde Goerdeler vielleicht zu schaden. Der Iatschluß ist ihm aber schwer gefallen, weil ja nicht ganz sicher var, ob er auf einer solchen Begegnung vielleicht doch dem Ge- Iingenen etwas nützen könnte. Die letztere Erwägung war sehr berechtigt, wie sich noch zei- ten wird. Wallenbergs Zurückhaltung hat aber Himmler nicht tavon abgeschreckt, seiner Wahnidee noch weiter nachzujagen. Im März 1945 scheint er gewisse Hoffnungen auf Haushofer und ten zum Tode verurteilten Dohnanyi gesetzt zu haben, von dem & jetzt wußte, daß er 1938 so erfolgreich Fäden über Rom nach London hatte spinnen helfen.25 Und noch im April, als das Ende licht vor der Tür stand, hat er bekanntlich den schwedischen Grafen Bernadotte als Mittelsmann zu gewinnen versucht.*® Auf dem Hintergrund dieser höchst seltsamen Tatsachen muß man das Verhalten Goerdelers im Gefängnis sehen. Er wußte jınz genau, wie der oberste Gestapochef in Wahrheit über Hit- kts Kriegspolitik und über jene Anknüpfungen nach England ‚ Xıchte, die ihm selbst vom Volksgericht als»politische Kriegs- !lionage für unsere Feinde« angekreidet wurden. Er kann auch ücht lange in Zweifel darüber gewesen sein, warum gerade er, der freund Wallenbergs, und Popitz, der Freund Langbehns und the Bekannte Carl J. Burckhardts, nicht sogleich nach dem Ur- til dem Henker übergeben wurden. Er hätte kein Politiker sein nüssen, wenn er nicht wenigstens versucht hätte, diese Lage aus- aunutzen: für sich selbst, für seine Freunde, aber auch, und vor lem, für Deutschland. Sich unmittelbar an den ebenso charakter- sen wie undurchsichtigen Himmler zu wenden, wird ihm zu- lüchst widerstrebt haben. Aber wer konnte wissen, ob nicht am Ende Hitler, erschüttert durch das Erlebnis des 20. Juli und die fenkundig gewordene militärische Katastrophe(überdies, wie Wir heute wissen, seit dem Spätsommer 1944 ein schwerkranker 452 Sechzehntes Kapitel Mann), den Vorstellungen seines früheren Reichskommissars zu) treter des Städtetags, hatte er den Eindruck gewonnen, daß mai mit dem Führer nur ganz offen sprechen müßte, um etwas zu et reichen, nicht aber immer mit dem Kopfe nicken, wie es seite Minister taten.*” Zu unmittelbarer Aussprache mit ihm hattet deshalb während des Krieges immer wieder gedrängt, zulett noch im Juli sich dazu erboten. Falls Hitler wirklich, ebenso we!‘ sein Gestapochef, jetzt an Verhandlungen mit den Westmächtet!! dachte, ehe die Russen hereinbrachen(und es gibt auch dafür ein zelne Zeugnisse), brauchte er unbedingt einen Mittelsmann, det Kredit im Ausland besaß. Wie, wenn er, der Gefangene, sid selbst dazu erböte— natürlich unter der Bedingung seiner sofor- tigen Freilassung und der seiner(noch lebenden) politisch& Freunde, von denen ja keiner am Attentat beteiligt war? Es klingt phantastisch. Aber in diesem Hitlerischen Traumreich wurdeaudi das Phantastische jeden Augenblick zur Wirklichkeit. Tatsächlich hat Goerdeler es gewagt und Ende August, also bald nach seint Einlieferung ins Gefängnis, eine entsprechende Eingabe an Hitle gerichtet. Natürlich konnte es dabei nicht ohne kräftige Beimischung ge heuchelter Versicherungen der Ergebenheit abgehen; noch we niger ohne sehr energisches Abrücken von dem Attentat.» Wert wir das Vaterland über alles stellen«(so fing er an),»was doc] unser Glaube ist, so haben wir den 2o. Juli als ein endgültige] Gottesurteil zu achten. Der Führer ist vor fast sicherem Tode bt wahrt. Gott hat nicht gewollt, daß Deutschlands Bestand, um dessen willen ich mich beteiligen wollte und beteiligt habe, mi einer Bluttat erkauft wird; er hat auch dem Führer diese Aufgabt neu anvertraut. Das ist alte deutsche Auffassung. Jeder Deutsch: in der Reihe der Umsturzbewegung ist nunmehr verpflichtet, hir- ter den von Gott geretteten Führer zu treten, auch die Mittel, di? einer neuen Regierung zur Verfügung gestellt werden solltet, i rückhaltlos ihm zu geben; ob er sie nützen will, für brauchba' hält, entscheidet er.« Damit bricht das Zitat der Kaltenbrunnef- berichte, denen wir die Kenntnis dieser Eingabe verdanken,# ab Wie die Fortsetzung lautete, können wir späteren Aufzeichnuf‘ gen Goerdelers entnehmen: Beschwörungen, an das Elend z! denken, dem Deutschland bei weiterer Fortsetzung des Krieg entgegengehen würde, Hinweis auf seine eigenen Auslandsvet bindungen und Angebote, für Hitler mit der westlichen Diplo matie zu verhandeln. Wer Goerdeler kennt, der spürt: nicht alles an dieser Einga R "t:?0de N ktten: de N: Hilmmt: G Uklbst ver Yinddie u dlipeschri Dlaschh, il must it Nerreich Uhn abzu: Und unte Utußte, 1 Weil: Annet De wa !um Ik, Da dh Itigen’ Hl, H “u pen Merten D Ptcund np ne N n, daß mı etwas zu vie es seit i Das Ende 453 \tHeuchelei und Berechnung— weder die Auffassung des 20. Juli 1 ds»Gottesurteil« über den Mordplan(nicht etwa über den Um- $urzplan!) noch der naive, ja phantastische Glaube an seine eigene Sendung als Vermittler. Hat er wirklich geglaubt, als Unterhänd- kr für Hitler noch irgendwo in der Welt ernst genommen zu wer- hm hatte ı ten? Oderhhateer es bloß vorgespiegelt, um sich nd seine Freunde ngt, zult? ebenso m 'estmächtz h dafür Ismann, dt ngene, St einer solüt politisch| rPEskint wurdeal Tatsäch] nach sei beanHlt ischungf 1, noch! tat.»% »was di endgil m Tode) estand,! t habs? se Alp >t Deus Hichteb > Mitte‘ Jen sol! braud® gnbnil zı retten? Wie er in Wahrheit dachte, gibt wohl am zuverlässig- sten eine seiner letzten Aufzeichnungen wieder, die zweifellos nur fir die Nachwelt bestimmt wat, also keine taktischen Rücksichten öimmt: Goerdeler schildert hier, welche Friedensbedingungen er slbst vermutlich noch bis Ende 1944 hätte erreichen können. Es sod die uns wohlbekannten Illusionen; nur Elsaß-Lothringen ist ibgeschrieben. Er fährt dann fort:»Des Vaterlandes und der Nenschheit, vor allem aber der Jugend wegen habe ich mich Ende August in der Haft erboten, diese Verständigung auch für Hitler zı erreichen, weil seit dem Juli keine Möglichkeit mehr bestand, In abzusetzen, und das Unglück, dem es nun gegenübersteht ind unter dem alle Völker leiden müssen, abgewendet werden tußte. Mein Angebot ist schweigend nicht beachtet.«* »Weil seit dem 20. Juli keine Möglichkeit mehr bestand, ihn ıbzusetzen«—»jeder Deutsche in der Umsturzbewegung ist nun terpflichtet, hinter den von Gott geretteten Führer zu treten«! Der Widerspruch wäre peinlich, wenn es sich nicht so offensicht- ich um politische Taktik im Kampf um Leben oder Tod han- ielte. Daß sich an Goerdelers Grundeinstellung zu Hitler, dem Hutigen Tyrannen, in Wahrheit nicht das geringste geändert hat, Dtzeugen seine späteren Aufzeichnungen mitaller nur wünschens- erten Deutlichkeit. Im Januar hat er ihn geradezu einen»Vam- t« und»Schänder des Menschentums« genannt. Man wird als iicher voraussetzen dürfen, daß er ihn, falls es wirklich zu Ver- Iındlungen mit den Westmächten käme, sobald wie möglich aus- tischalten gedachte- trotz jenes»Gottesurteils«, das ja nur dem Mordversuch, nicht dem Umsturz als solchem gelten sollte. Viel- kicht daß die Verhandlungen selbst eine Handhabe dafür boten? Vielleicht daß die Freilassung der Gefangenen des 2o. Juli den Anfang bilden würde zu einer inneren Erneuerung Deutschlands? äber schon die Erörterung solcher Zukunftsperspektiven zeigt, üwelche wirklichkeitsfremde Traumwelt man gerät, sobald man Versucht, das»Angebot« Goerdelers ernst zu nehmen. Trotz ‚lem, was seine Entstehung psychologisch und politisch erklärt, echter es die eigentümliche Shleäche des Politikers: seine Ntigung zu optimistischen Illusionen und zur Überschätzung der figenen Mission, mit grausamer Klarheit. 454 Sechzehntes Kapitel Goerdeler hat aber auch nach seiner Verurteilung das Spidiileht. 1 noch nicht aufgegeben, und es schien zeitweise wirklich so, alsollltxn. Ab es noch zu einer Wendung kommen könnte. klst wer Gleich nach seiner Verurteilung begann er die Niederschril\ ty, dan eines sehr umfassenden Memorandums»Gedanken eines zuallmer Tode Verurteilten«, das die Summe seiner politischen Erfahrunlkihter: gen, wirtschaftspolitischen Doktrinen und vor allem seine Zulihikelt,e kunftspläne zusammenfaßt.50 Es ist als eine Art von»politischenültauch Testament« gedacht und am Schluß der Gattin, den Kindern, det uraftspo Freunden und allen»strebenden Menschen« gewidmet. Aber vie'klhin. les spricht dafür, daß der Verfasser auch an die Gestapo, vielleichl\änis- an Himmler oder an Hitler selbst, als Leser gedacht hat— zum&lıkurze mindesten bereit war, diesen Text auf Verlangen vorzulegen, unl Dklipt, daß er etwa in demselben Sinn damals seine Aussagen machte, Ei Zuletz beginnt mit einer ganz ausführlichen Widerlegung der Anklage srech als»politischer Kriegsspion« und schildert zu diesem Zweck seintlölchen F Auslandsreisen und Gespräche mit Ausländern 1938-43. Voilliiin,so neuem rückt er von dem Attentatsgedanken ab, betont aber, die Mirdeing Engländer hätten nicht den mindesten Anlaß, sich jetzt über dielMicdeny Putschisten des 20. Juli höhnisch zu äußern, da sie selbst imme ingend, wieder während des Krieges(der Satz ist unterstrichen!)»eitliäids ge solche Tat offen als ehrenhafte Notwendigkeit gefordert haben Mormurf Formal, gibt er zu, habe er Hochverrat begangen; aber es geschälältNg. zur Rettung Deutschlands. Und hat nicht auch Bismarck 184# Stine R eine Art von Staatsstreich(im Verfassungskonflikt) gewagt, jahaltiche, nicht gerade Adolf Hitler 1923»die höhere Pflicht der Rettunt Über der des Vaterlandes für seinen Staatsstreich in Anspruch genommen leer, Sehr energisch beschwert er sich über die Verhandlung des Volksfi gch., gerichtshofs, ganz besonders darüber, daß es ihm unmöglich gef], macht wurde, sich auf die Generäle von Kluge, von Choltitz und Mich eine Jaenecke zu berufen, die bezeugen könnten, daß er keinen Mord Ag der plan verfolgt habe, sondern eine gemeinsame Vorstellung allt ap de höheren Befehlshaber bei Hitler. Er verlangt also Wiederherstelf ii, d lung seiner Ehre und der Rechte seiner Familie. Er hofft, das deut) 0 Un. sche Volk werde später stolz darauf sein,»daß es Deutsche gab, dt] x; alles wagten, um vom Vaterland undanderen Völkern weitere Op ld dar| fer und weiteres Unheil abzuwenden. Ich selbst konnte es nicht«|}h Auf diese Apologie folgt eine sehr ausführliche Darlegung se ner innen- und außenpolitischen Ziele, die uns schon mehrfach.% aut) Geschichtsquelle gedient hat. Vielleicht wäre es, meint er, sog] ik], für Hitler noch möglich, den Weg des Ausgleichs mit den Kriegs) Vi, gegnern zu gehen,»wenn er die rechten Mittler wählt und sic!(ti, freiwillig zu kleinen inneren Reformen, die längst fällig sind, ent af | Das Ende 455 ng das Skkhließt. Dies will ich, wenn mir die Zeit gelassen wird, noch dar- ich so, also kgen. Aber ich fürchte, daß dies nicht geschieht. Und trotzdem, ‚slbst wenn Deutschland den Krieg verliert und besetzt wird, der der\'eg, dann aus jenem Zustand herauszukommen, bleibt derselbe. n eines zu Denn er wird durch deutsche, englische und amerikanische Le- n Erfahn bensinteressen bestimmt.« Das Zukunftsprogramm, das er ent- m seine 7 Yickelt, erscheint also als ein Gebot echter Staatsvernunft. Es um- politisch" ßt auch die ausführlich dargelegten Grundsätze seiner Wirt- indern,€ thaftspolitik, wobei er nicht versäumt, auf seine»Wirtschafts- et, Aberv_ bel« hinzuweisen, an deren Abschluß und Ergänzung er im Ge- »0, vielleit fingnis— neben allem anderen— eifrig weitergearbeitet hat. Auch t hat- u dn kurzer Plan für den Wiederaufbau nach dem Kriege ist bei- legen, u&fügt. machte.| Zuletztkommter noch einmalaufseine Auslandsverbindungen ler Anka Al sprechen und versäumt nicht, die lange Reihe seiner auslän- Zwecksii dschen Freunde und Bekannten, bis in die höchsten Staatsämter 38-8. W iinein, sorgfältig aufzuzählen. Die Außenpolitik des Hitler-Reichs nt aber,d Wrd eingehend kritisiert, aber so, daß kränkende Ausdrücke ver- ‚tzt über Meden werden und nur gezeigt werden soll, wie es trotz aller War- elbst im Aingen der Opposition zu dem großen»Unglück« gekommen ist, -hen!) eb li das der Krieg sich nun enthüllt hat, und daß der Schatten des Jert habe!\orwurfs mehr auf Ribbentrop als auf seinen Herrn und Meister ält. Noch immer fest überzeugt von seiner eigenen Mission, ruft marck all seine Freunde im Ausland auf, nach seinem Tod seine Reise- zyragt, ja richte und Aufsätze zu veröffentlichen und dafür zu sorgen, daß jet Reit! iher der Frage nach der Kriegsschuld nicht vergessen wird, vor nomm| lem jetzt tatkräftig an den Aufbau eines neuen, besseren Europa zdes Vo) gehen. Gewiß: dieser Krieg war»vermeidbar«; aber er hat Kine letzte Wurzel doch indem Werk von Versailles, und es gibt üch eine Schuld der Gegenseite an der katastrophalen Entwick- ling der Dinge. Möchte ein neuer Geist, ein Geist der Versöh- ges gesch! möglich! Sholtitz! inen Mü E tung, des Rechts und des Friedens, statt des Hasses und der Rache- erben Klüste die Zukunft bestimmen! e das& Obund in welchem Umfang diese Schrift zur Kenntnis Himm- ft, Di kıs gelangt ist, bleibt völlig dunkel. Aber sicher ist,‚daß Goerdeler a. hid- ne eine Art von Antwort aus Himmlers unmittelbarer ven Umgebung empfing. Darüber liegt ein Bericht vor, den mir der 23 Bi Vachmann Wilhelm Brandenburg 1950 zur Verfügung gestellt dee bat. Da heißt es:»Eines Tages nk Dr. Goerdeler von höchster neh ‚Stelle- Himmler— das Angebot gemacht, man kann es auch einen at E. ‚Auftrag nennen, seine engen persönlichen und natürlich auch de Politischen Beziehungen und Freundschaften zu dem schwedi- N I. Shen Finanzmann Wallenbergi in Stockholm und dem Zionisten- g sam: 456 Sechzehntes Kapitel hi führer Dr. Weizmann und über diesen weiter an denschwedischen König, der wohl auch Goerdeler persönlich kannte, auszuspielen und also jetzt das zu tun, was Goerdeler und sein Kreis höchst- wahrscheinlich, nach einem erfolgreichen Staatsstreich sicher, ge- tan hätten, nämlich über diese schwedischen Politiker, den schwe- dischen König und den sehr bekannten und einflußreichen Zio- nistenführer Dr. Weizmann die Verbindung zum englischen Pre- mierminister Churchill anzubahnen und auf diesem Wege zı einem schnellen und noch erträglichen Kriegsschluß zu kommen, Diesen Auftrag nahm Dr. Goerdeler, nicht zuletzt in der Hof- nung, eventuell sein Leben auch dadurch erhalten zu könne, an. Eine Vorbedingung für das Gelingen war allerdings die pet- sönliche Aufnahme von Unterhaltungen mit diesen genannten Männern. Dazu wurde eine Reise nach Schweden notwendig und hierzu die unbedingte Freilassung von Dr. Goerdeler. Denn& war von vornherein sehr unwahrscheinlich, daß sich die Herren oderauch jedeandere Stelle des neutralen Auslandes in ein persön- liches Gespräch mit Himmler oder gar Hitler oder einem ihret Trabanten einlassen würden... Eine Reise dieser Goerdelet- freunde oder Bekannten nach Berlin, nach vorhergehender schrift- licher Einladung durch Dr. Goerdeler aus seiner Haft heraus ohne eingnie ftwar kı et wie$ veildas s ficht mel Itunach ht zu . Außenyye! | Nihrunps derfürcht \ Gefangen Ihre Oltcherl Os Selbst sten ko % kagen, h gene "ganze jede Wahrscheinlichkeit seiner Freilassung, war ebenfalls ganz un-|*s wahrscheinlich. Eine Aufforderung, einen solchen Vorschlaz durchzuführen, hat Goerdeler auch, wie er mir persönlich ver-|" sicherte, abgelehnt. Die Notwendigkeit seiner persönlichen Frei-|"! heit, um durch den ganzen Einsatz seiner Person einen eventuellen]*'s Erfolg in Aussicht stellen zu können, hat Dr. Goerdeler Himmlet|!" auch persönlich klargestellt. Leider war dieser zu einem solchen|®ı Schritt nicht zu bewegen. Dr. Goerdeler faßte dann den Plan,|: Himmler zu umgehen und sich schriftlich nur noch an Hitlet}' selbst zu wenden und zu versuchen, diesen von der Möglichkel‘ zu überzeugen.« Das war aber, wie Brandenburg weiter darlegt, völlig unausführbar: eine solche Umgehung wäre, selbst wenn sie| sich technisch hätte durchführen lassen, von Himmler mit sofor- tiger Aufspürung und harter Bestrafung der beteiligten Beamtet beantwortet worden und hätte Goerdelers sofortigen Tod zuf Folge haben können.>l Das Ganze klingt wie ein Roman. Aber die ganze Geschichte der Abfallsversuche Himmlers und Schellenbergs ist nichts a0‘Ü deres als ein schlechter Roman. Und wenn schon die beiden im Oktober(oder November) 1944 Jakob Wallenberg durch die A schwedische Gesandtschaft einladen ließen, nach Berlin zu kom- men, warum sollten sie nicht vorher versucht haben, dasselbe auf!" Das Ende 457 {em viel wirksameren Weg über den Gefangenen zu erreichen? Wilhelm Brandenburg gehörte zu jenen Wächtern der Gestapo- ı!efängnisse, die ihren Dienst nicht ohne Menschlichkeit taten. denschyı#r war kein Berufspolizist, sondern ungefragt»dienstverpflich- eichen Zie!et« wie so manche SS-Männer, die man damals einsetzen mußte, lischenP« Veil das ständige Wachpersonal bei der Masse der Verhaftungen n Wegez ficht mehr ausreichte. Nach seiner eigenen Schilderung hat er ukomme Sch nach Kräften bemüht, das Los der ihm Anvertrauten mög- n der Hog lchst zu erleichtern und ihnen einen gewissen Verkehr mit der zu könn fußenwelt zu ermöglichen, ihre Fesseln öfters zu lockern, ihnen ngs dies Nahrungsmittel, Rauchwaren und dergleichen zuzustecken. In genanaki der furchtbaren Einsamkeit ihrer Zellen sehnten sich die meisten wendig ut Gefangenen nach irgendeiner Form menschlicher Aussprache. ‚x. Dem«t MM Fall Goerdelers war die Möglichkeit solcher Aussprachen da- die Her‘! dırch erleichtert, daß seine Zelle(wohl wegen der Befürchtung onen.&S Selbstmords?) ständig offenstand und durch sich ablösende ae hr: Posten kontrolliert wurde. Das hat, wie Brandenburg berichtet, il a langen, nächtlichen Unterhaltungen geführt, in denen der Ge- 2 che fingene zu seinem Wärter Vertrauen faßteundihmnach undnach EN h de ganze Geschichte der Verschwörung erzählte— genau so, wie An. ts ja auch in den Verhören tat, von deren Verlauferdem Wärter oT tenfalls ziemlich regelmäßig berichtete. Für die Zuverlässigkeit Von Itseres Berichterstatters®2 spricht die Tatsache, daß er es auf sich önli. Me!tnaommen hat, durch Monate hindurch höchst umfängliche Nie- lichen ı“schriften Goerdelers aus dem Gefängnis in seinen Taschen event Inauszuschmuggeln, sie nicht ohne Gefahr bei Freunden aufzu- er Hin! kwahren und später unversehrt der Familie auszuhändigen.53 ein au Offenbar stand er unter dem starken Eindruck der ebenso bedeu- , den HN ttden wie gütigen Persönlichkeit seines Gefangenen. Dieser han 4 Stahlte, schreibt er, eine solche Ruhe aus wie kein anderer, erging Vogl" Sch nie in nutzlosen Klagen über sein Unglück und wußte tet au»ichts von Haß. Nur Hitler hat er gehaßt und sein unseliges ste Werkc, Goerdeler seinerseits war überaus dankbar für die»edle g nit Nenschlichkeit und christliche Nächstenhilfe« seines Wärters en BE Ind betrachtete ihn als Treuhänder seines politischen Nach- 0 TOP Imgos.sa Wir dürfen nach alledem glauben, daß Brandenburg sich be- hf Gesch“- tüht hat, getreulich wiederzugeben, was er aus Goerdelers Mund g nicht" tahren hat. Allerdings möchte ich vermuten, daß diese Mit- > beide"“lungen nichtso zu verstehen sind, als ob Himmler selbst mit den ‚ du” Sfingenen verhandelt hätte. Am wahrscheinlichsten ist doch in zo'Yohl, daß Schellenberg irgendwie dahintersteckte.5% Daß der ichsführer SS« persönlich so unvorsichtig gewesen wäre, 458 Sechzehntes Kapitel unter vier Augen mit dem»Hoch- und Landesverräter« zu spreilf ücht, I chen, halte ich für ausgeschlossen. de Sozi Gleichwohl: welch eine Lage ergab sich so für den zum Tod älter Verurteilten! Welch einen Sturm der Hoffnungen und Spannun/Nı, un gen mußte dieses Erlebnis in der Seele des Gefangenen erregenl die K Und welche Enttäuschung, als dann wieder alles stumm blieb}, auc Woche auf Woche, und er sich langsam davon überzeugen mußt, Sie daß nur eine Fata Morgana in die Einsamkeit seiner Zelle hinein}\asie geleuchtet hatte! Gab es denn gar keine Möglichkeit, dieses töl-!'*lir ir liche Schweigen zu durchbrechen? Wenn es unmöglich war, a'klngen Hitler heranzukommen, vielleicht gelang es, Wallenberg doch Hedenszi noch ins Spiel zu bringen— wenn es nicht anders ging, dann eben!\äüsten; hinter Himmlers Rücken? Ein Brief vom 8. November an det Xihtende: schwedischen Freund hat sich erhalten, der die ganze hilflose Ver!*twır( wirrung seiner politischen Spekulationen in dieser Lage zeigt, au Kun man gleich aber auch Rückschlüsse auf sein Gespräch mit Himmlt Ilt.Rep (oder mit dessen Abgesandten) erlaubt. Wallenberg soll de Wiedensp schwedische Regierung veranlassen, sich als Vermittler zwische"tat, Hitler-Deutschland und den Westmächten einzuschalten, dan! Dicken We der Krieg rasch zu Ende gebracht und Europa vor dem Bol ÜbdieRyr. schewismus gerettet wird, der ja Schweden selbst aufs stärkt] it, ye, bedroht.»Da England auf den Sturz des Nationalsozialismus nie|#lt Üb, rechnen kann, muß es mit dem jetzigen Deutschland Waffenstil]® stand schließen. Der Kampf gegen den Nationalsozialismus kosttiit:\ ihm sonst seine ganze Zukunft... Die allgemeine Katastrophe!! bei Fortsetzung des Krieges unvermeidbar. Also muß Englar den Nationalsozialismus dulden; dann kann es auch die polnisch arfsche Frage lösen. Ich habe den Europa rettenden, England und«lt I USA befriedigenden Friedensplan fertig.« Was dann folgt, läl Men Bay erkennen, wie das jähe Hin und Her zwischen Hoffnung und Vet}*k ul, zweiflung in der Seele des Gefangenen eine Art von Haftpsycho® ÜRE ty zu erzeugen beginnt.»Ich weiß, daß die Nazis, die unter meinef ‚ilersp, im Gefängnis ausgeübten Einfluß(!) das Kriegsziel bereits#]®4, en grenzt haben, mitmachen würden; die notwendigen inneren R*]\n, die| formen in Deutschland folgen automatisch, wenn meine Freunk!ihn, und ich am Leben bleiben. Da wir zum Tode verurteilt sind, ml Mein schnell gehandelt werden... Zunächst mußalles hinter den Kul# sen, Rußland verborgen, vorbereitet werden. Ich beschwöre N) sofort die Initiative zu ergreifen. Als erstes muß Ihre Regierumt'%: der deutschen mitteilen, daß sie unter zwei Bedingungen&| Initiative ergreifen würde: ı. Absolutes Schweigen. 2. Meine uf meiner Freunde Begnadigung, weil diese und unsere Mitwirku@ a, in England und USA unentbehrlich ist.(Es handelt sich WS Das Ende 459 ter« zu sp ‚\ehacht, Popitz, Schulenburg, Halder, Bismarck, führende deut- che Sozialdemokraten, Katholiken und mich.) Die National- zum Te»zialisten werden, wenn Ihre Regierung fest bleibt, darauf ein- nd Spannus jehen, und Schweden rettet Europa, die Welt, die Menschlichkeit nen errege, Ind die Kultur. Retten Sie, aber sofort!.... Alles steht auf dem tumm bir Piel, auch die Zukunft Ihres Vaterlandes. Alles ist zu retten, ugen muß) Venn Sie meine Bitte erfüllen, sonst ist’alles verloren.«55 Zellehine” Man sieht aus alledem, daß Goerdeler die Annäherung Himm- t. diesest#\tcs für eine Wirkung seiner schriftlichen und mündlichen Vor- lich war,!ellungen hält, daß in der Unterredung mit ihm von gemäßigten enberg du! Hiedenszielen und»Begnadigung« der politischen Gefangenen g, danndw Penigstens die Rede gewesenist und daß er über das Schicksal der mber an di}ührenden Sozialdemokraten und Katholiken«nichtnäher orien- ‚hilflose\= Ort war(fast alle waren damals schon hingerichtet). Im übrigen age zeig, kan man dieses Dokument nur mit Erschütterung lesen: die mit Hin!) Ätler-Regierung durch Goerdelers Argumente beeinflußt, sein er? sol Nriedensplan« eine Art von Zauberrezept, der naturgegebene tler zwise'® Ggensatz zwischen Europa und dem Bolschewismus, dem bri- halten, ei ichen Weltreich und Rußland stärker als alle Kriegsallianzen, ja or dem®' ldie Furcht vor den Nazis, deren Sturz»automatisch« zu erwar- aufs stät ‚tt ist, wenn nur erst ihre Gegner wieder in Freiheit sind— es ist Jismostl dc alte Überschätzung der eigenen Mission und dessen, was erals N Was ‚Mürliche Staatsvernunft verstand. Aber das alles nun, in grau- g„sie(ter Verkrampfung und Übersteigerung, zur»fixen Idee« ge- lisa„ ‚Norden, seit das eigene Todesschicksal und die Katastrophe Eu- a ‚as so eng, so unmittelbar miteinander verknüpft sind. Bald nub ER Grauf scheint Goerdeler selbst gespürt zu haben, daß seine Phan- die Ban Üie auf Irrwege geraten war. Er bat Brandenburg, den Brief land N: ‚(@eisen Beförderung zur schwedischen Gesandtschaft sich über- nn fo ‚dt als zu gefährlich erwies) zurückzuhalten, und hat damit auch und I Site letzte Hoffnung begraben. E Hitlers Proklamation zum 9. November 1944 scheint ihm zuerst ante" ddl Fe de Augen dafür geöffnet zu haben, daß jede noch so vage Hoff- el bere Ung, die Katastrophe des 20. Juli könnte den Tyrannen im u Saıben an seine Gottähnlichkeit erschüttert haben, in die Irre eine Hg. Sein Entsetzen darüber fand sogleich seinen Niederschlag in eilt 327\ ner neuen, umfänglichen Denkschrift, betitelt:»Unsere Idee«, gerdil(ter seinem Wärter Brandenburg als»politisches Testament« eschWÜ I!gab.58 Sie ist dem Nachweis gewidmet, daß dieser Mann, der Id 5 r R 3 se Ra ihselbst gewissermaßen bei Lebzeiten das Beiwort»der Große« a,„elichen hat, in Wahrheit der Verderber Deutschlands und Eu- „Ne Fon gewesen ist. Goerdeler zieht die Bilanz seiner Tätigkeit und se h E BA a e Mi ‚@seiner Partei und stellt dem gegenüber, was er selbst mit seinen sw= delt. j 460 Sechzehntes Kapitel Freunden erstrebt hat und im Besitz der Macht für Deutschland ‚schein und Europa hätte erreichen können. Dieses Thema wird nun Hinden immer von neuem variiert, mit wachsender Bitterkeitund Schärfe,|} 10 Weihnachten 1944 in Abwehr von Beschimpfungen der angeb-'|",( lichen»Verräter und Feiglinge« des 20. Juli durch die Partei ‚mersch presse.5” In der Aufzählung der Verbrechen Hitlers und seiner\Nzende Banden nimmt er kein Blatt vor den Mund. Er spricht von da\wÖ »viehischen Ermordung von einer Million Juden« und von de äul Feigheit des deutschen Bürgertums, das solche Dinge»teils un Kalos, wissend, teils verzweifelnd« geschehen läßt. Eben damals macht? ihn k ihm die deutsche Ardennenoftensive klar, daß die so oft propht. ‚chim zeite Schlußkatastrophe der deutschen Armee noch immer nicht+ udigk dicht vor den Toren stand. Er konnte sich das nur so erklären, daß fttngek Hitler wohl jetzt seinen Generälen freiere Hand ließe, und vet!hktruri mutete, wenigstens dies hätte der Schreck vom 2o. Juli bewirkt Sovert Nach und nach beginnen sich die Gedanken des einsamen Maa"Pay nes in seiner Zelle im Kreise zu drehen. In endlos-eintöniger Wie"ls e derholung wirft er immer dieselben Gedanken, lange geschickt|llzhlın liche Betrachtungen, politische Erinnerungen, Mahnungen, Be/#"tnchi schwörungen an die Nachwelt, an seine Angehörigen, seit Ennichst Freunde im In- und Ausland, an die Jugend der Welt, an alle Gut: Rich gef gesinnten schlechthin aufs Papier.°® Da die beschriebenen Boge]!*!Iens immer schleunigst aus der Zelle verschwinden müssen, übersieh}?*t, den, er gar nicht mehr, was er schon einmal gesagt hat. Aber es ist nu" tenlen, di nahmen zur Sicherung der Provinz Ostpreußen gegenüber polnischen Angriffen. o. D.(ob von G.i) Napın.19 S. 29 1? Memoirenhafte Niederschriften im Gefängnis 1944, im folgenden stets als»Mem.« zitiet. Änch die g Sie zerfallen in mehrere Abhandlungen bzw. Betrachtungen. Näheres im Schlußkapitel! hehe 19 $. 29 1°Dr. Melzer in den Leipziger Neuesten Nachrichten, Frankfurt 1, 2, 1955(»Der Ober bürgermeister«).| Zweites Kapitel: Bürgermeister und Kommunalpolitiker S. 29!Goerdelers Politisches Testament, herausgegeben von Fr. Krause, New York 1945, 5.4 (Bericht eines Leipziger Redakteurs). S. 30®Niederschriften im Gefängnis 1944/45(Mem.) S. 30?Selbstgeschriebener Lebenslauf, wohl von 1930, S. 32*Ein sehr düsteres Bild von dem»Zerfall genossenschaftlichen Geistes« und der»Entartungt der Gemeindevertretungen seit 1919 malt Z. R. Becker, Gemeindliche Selbstverwaltung, 1. Teil(194:), S. 318 ff.- offensichtlich von der Sicht der nationalsozialistischen Epoche her. Viel günstiger urteit auf Grund praktischer Erfahrungen der Ministerialdirektor im preußischen Innenministerium p# Leyden in»Recht und Staat im neuen Deutschland«, herausgegeben von B. Harms, Bd. I(1929), S. 326; er glaubt zu beobachten, daß die anfangs auftretenden Mängel sich mehr und mehr abschwächten, S. 32®Die Krise der Selbstverwaltung. Leipziger Neueste Nachrichten, 1. 1. 31. S. 32*Immerhin forderte er eine Heraufsetzung des aktiven und passiven Wahlalters für alle ge meindlichen und staatlichen Vertretungskörperschaften auf das 24. Lebensjahr: Denkschrift für Hir- denburg, April 1932. In einer großen Denkschrift von 1941(?)»Das Ziel« willer wenigstens die Hälft: way der Stadtverordneten nach Bezirken wählen lassen. Ku S. 33”Näheres in der wissenschaftlichen Literatur, von der ich zitiere: F. Ortmann, Die neuest: Entwicklung des deutschen Staatenverfassungsrechts. Jurist. Diss., Hamburg 1933, S. 42 ff., und H. Heffter, Die deutsche Selbstverwaltung im 19. Jahrhundert(1950), S. 779 ff. S. 33 Auch die Entwürfe des preußischen Innenministeriums für ein preußisches Selbstverwil- Aug tungsgesetz von 1930 zeigten dieselbe Reformtendenz. Goerdeler bezieht sich in seiner oben zitierten IL SR Denkschrift für Hindenburg(April 1932) ausdrücklich auf Entwürfe von Popitz für die»Etats- und ala Kassenordnung der Gemeinden«. Offenbar sind Vorarbeiten für die preußische Gemeindefinanz- verordnung vom 2. 11. 32 gemeint, die dann weitgehend in die deutsche Gemeindeordnung von 193) (s. unten) übernommen wurden. S. 34® Abschiedsrede, 31. 3. 37(Ms.). S. 35 1° Die wirtschaftliche Betätigung der Gemeinden. Monatsschrift Reich und Länder(von 6. mit herausgegeben), Januar 1937. Davon liegt auch das Ms. einer viel ausführlicheren Fassung vor.= Deutsche Gemeindeordnung als wirtschaftliches Grundgesetz in: Der deutsche Volkswirt, 19. 24 26. 2., 5. 3., 12. 3., 19. 3., 25. 3. 1937. S. 36!!Der deutsche Volkswirt, 19. 2. 372 S. 36 1?Selbstverwaltung und Staat. Ostpreußische Zeitung, 30. 12. 23.- Verwaltung öffentlichen Vermögens. Der deutsche Volkswirt, 12. 3.37 u.ö, S. 37 1?Am 4. 12. 1922 wurde erin den Vorstand der deutschnationalen Volkspartei gewählt. Eit- zelne Skizzen zu Parteivorträgen finden sich im Nachlaß, S. 37 Erweiterte Fassung des Aufsatzes:»Die wirtschaftliche Betätigung der Gemeindens. Januar 1937(Ms.). S. 38 1°Dr. O. Mulert, Reichsaufbau und Selbstverwaltung 1929, S. 11. S. 38 16. Becker, a. a. O., S. 322. $S. 38?’Lohmeyer, der(nach freundlicher Mitteilung des Reichskanzlers a.D. Luther) aus det Schule der Schwander-Dominicus stammte, gehörte zur Demokratischen Partei. Daher wohl auch seine entschieden unitarische Haltung. Der parteipolitische Gegensatz hat eine fruchtbare Zusammen arbeit dieses Demokraten mit G. um so weniger gehindert, als G. seinen Oberbürgermeister als eine nd( Vi and OR ak größe Zweites Kapitel- Bürgermeister und Kommunalpolitiker 471 und Geistesar, karintelligente und aktive Persönlichkeit besonders hoch schätzte.- Ähnliche unitarische Ideen publi- z.ite der frühere Reichsminister Z. Koch-IXeser in seiner Schrift: Einheitsstaat und Selbstverwaltung N 1128. I: 5. 39 18 Wirtschaftsdenkschrift von 1929/30.-»Das Ziel«(wohl 1941): enthält den Grundriß einer puen Reichsverfassung nach Hitlers Sturz. S. 39®Diese Forderung finde ich nur bei Goetrdeler. M S. 40?°Kritik an dem Programm des Lutherbundes zur Erneuerung des Reiches, undatierter Ent-* yurf, etwa 1929.- Rede vor der Deutschnationalen Volkspartei:»Mehr Macht dem Reichspräsiden- tn«, undatierter Entwurf, offenbar noch in Königsberg entstanden nach dem Vorschlag der Deutsch- I Ditionalen, dem Reichspräsidenten auch die Präsidentschaft in Preußen zu übertragen(Entschließung EM 0.D.(ob von@)F yım 9. 12. 1927).- Die Abschaffung der Mißtrauensvoten des Reichstages entspricht dem Programm, sals»Mem.«at“i” dis auch die gemäßigten Deutschnationalen verfolgten; vgl. etwa Graf Westarp, Am Grabe der Partei- kapitel! bierschaft 1932, S. 126 f. „1955(»Der 04°" 5, 40 21 Über ähnliche Pläne Brünings(unter Auflösung Preußens in seine Provinzen) berichtet die- ix in seinem Brief an Dr. Pechel, Deutsche Rundschau, Juli 1947, S. 9. 5.41 22 Kritik des Lutherbundes a. a.©. Zunächst willG.(ähnlich wie Lohmeyer) die kommunalen Virtretungskörperschaften entpolitisieren: die Kreistage sollen von den Gemeinden, die Provinzial- Iadtage von den Kreisen beschickt werden und nicht aus direkten Volkswahlen hervorgehen.- Mit w York 1945,%°| ter Neuregelung des Verhältnisses von Reich und Ländern scheint sich auch eine Denkschrift be- föt zu haben, die G. im Dezember 1923 an General Seeckt(damals Inhaber der»vollziehenden Ge- Filt«) übersandte; siehe Seeckt, Aus seinem Leben 1918-1936 von F. von Rabenau(1940), S. 389 f. D. Lohmeyer glaubt, daß sie mitangeregt war durch eine Denkschrift, die er selbst kurz vorher für ind der»Entart#| GBler verfaßt und Goerdeler gezeigt hatte. Itung, 1. Teil(i S. 41®?Es waren die folgenden: Deutscher Städtetag(Organisation der Großstädte); Deutscher fiel günstiger u* Sidtebund(Organisation der kreisangehörigen, also kleinen Städte); Deutscher Landkreistag(Land-| Inenministeriun krise); Landgemeindetag West(umfassend die Landgemeinden von Westfalen und der Rheinprovinz, Bad.1(1929),8| dt als größere Gemeindeverbände um die sogenannten Bürgermeistereien bzw. Ämter organisiert ehr abschwicht firen); Deutscher Gemeindeverband(Landgemeinden in den übrigen preußischen Provinzen und &utschen Ländern); Verband preußischer Provinzen. Auskunft über diese Verhältnisse und Goer- atum und Verfines - Notwendige il R.. ‚hlalters für akt ders Wirken in den Spitzenverbänden verdanke ich sehr liebenswürdigen Mitteilungen von Herrn Jenkschrift für Di. Jeserich, dem früheren geschäftsführenden Präsidenten des Deutschen Gemeindetages. enigstens ie? S. 41 2*Interessant ist jedoch seine mehrfach(so im April 1932) vorgetragene Forderung, die Be- inten der obersten Reichsämter sollten die Möglichkeiten haben, sich in den unteren und mittleren ng Vecwaltungsposten der Länder»Fronterfahrung« zu erwerben, an der es ihnen in bedenklichem Maße feile, 3. 41 2®Eine Bestrebung, die Dr. Luther als unnütz, ja schädlich lebhaft mißbilligte. $. 42 2°G, erwähnt diese Zusammenkunft auch in einer Denkschrift»Die Preisüberwachung«, die 9,4 im Gefängnis entstand(s. darüber Kapitel 3, Anmerkung 5). Er bringt sie dortin Zusammenhang nt Vorschlägen zur Beseitigung der Arbeitslosigkeit, die er im März 1933 schriftlich und mündlich eimann, Die 2 1933, 3 Rd sches Selbstre" einer oben Air" „But? ee” Niler vorgelegt haben will. 3 7 von! 3.42 2? Außer ihm(nach freundlicher Mitteilung Dr. Jeserichs) O. B. Fiehler-München, Dr. Jese- kordaune ia,©. B. Dr. Wiedemann-Halle, Ministerialrat Dr. Markull, Reichsfinanzministerium(von Goerdeler xtr gelobtl), Ministerialdirektor Dr. Suren(Reichsinnenministerium), Ministerialrat Dr. Loschelder der(0 R'ichsionenministerium). ad Lin ung 3.43 2®Der deutsche Volkswirt, 26. 2. 37.- Wie schon erwähnt, gingen diese Bestimmungen auf das een Pr Ar\en Popitz geschaffene preußische Gemeindefinanzgesetz zurück. No$.43 Mitteilung Dr. Jeserichs an den Verf.; dieselbe Quelle auch für weitere Einzelangaben im an blzenden. Auch in einer 61 Seiten langen, unvollständig abgebrochenen Denkschrift»Gedanken zur end Iteuerung der Selbstverwaltung«, die G. 1944 im Gefängnis auf Verlangen der Gestapo nieder- I raltung® Xhrieb, rühmt er das Gesetz als große Leistung und ganz besonders den Prolog als idealistischen Auf- Ri it"zu Uneigennützigkeit und Verantwortungsbewußtsein. Er kritisiert dann aber sehr ausführlich und 4 yastel Biken hit genauester Sachkenntnis die Mängel des Gesetzes und macht Verbesserungsvorschläge in Form i ‚6 in>s Gesetzentwurfes. Sie laufen auf Beseitigung des»Beauftragten der NSDAP« zur Kontrolle der 3 der Ge? Kommunen, Beschränkung der Führerstellung des Bürgermeisters, echte Beteiligung der Gemeinde-; tt an der Verantwortung, also mit Beschlußrecht, Wabl der Gemeinderäte statt Ernennung durch die hei, vor allem auf Beschränkung der Staatsaufsicht hinaus. Auch den Gemeindetag will G. ändern, i üsbesondere ihm den Charakter einer Zwangsorganisation nehmen.(Photokopie aus den Beständen; |&s Departmental Record Office Dpt. ofthe Army, Alexandria, Virg., in meinem Besitz.) E \. 43 90 Diese Gesetze waren im preußischen Innenministerium unter Görings Vorsitz durch Staats- kkretär Grauert und Popitz vorbereitet; letzterer war aber nicht für das Gemeindeverfassungsgesetz 472 Quellennachweis und Ergänzungen verantwortlich, das G.s Kritik offenbar im Auge hatte, sondern nur für das Gemeindefinanzgesetz, auf die Gemeindefinanzverordnung vom 2. 11. 32 zurückging."a S. 43®! An einer Stelle seiner Mem. von 1944 erwähnt er als dritten Fehler des Gesetzes, daß es Kl Stellung der Stadtverordneten herabgesetzt hat, weil sie nur noch Berater sind«. Er verlangt dort »Wiedergewährung eines weitgehenden Beschlußrechtes«. Diese Forderung, die er auch in seineria Gefängnis entstandenen Denkschrift über Reform der kommunalen Selbstverwaltung(s. Anm.» mit Nachdruck wiederholte, erschien(nach Mitteilung Dr. Jeserichs) 1935 als völlig aussichtslos, in den Beratungen des vorbereitenden Ausschusses, zumal das Beschlußrecht schon in dem(rad Goerdeler als»reaktionär« betrachteten) preußischen Gemeindeverfassı vom D 1933 aufgehoben war. Goerdeler hat aber dann(wie er in der mehrfach zitierten Niederschrift voa i 9. Juli 1937 erwähnt) die Bestimmung in das Gesetz hineingebracht, daß jeder Stadtverordnete s abweichende Meinung zu Protokoll geben kann und muß($ 57). So sollte erreicht werden, daß die bs fatungen ernst genommen würden und der Oberbürgermeister mindestens moralisch zur Verit wortung gezogen werden könnte, wenn er gegen den Rat bestimmter Gemeinderäte eine Entscheid traf. G. war sehr befriedigt von diesem Teilerfolg und meint in der genannten Aufzeichnung von 167) »Für Körperschaften mit verwaltungsnahen Befugnissen erscheint mir diese Art der Abstimmusx besser als Mehrheitsbeschlüsse, wenn der Bürgermeister die Ausführung versagen kann.« S. 44®2 An einer anderen Stelle der Mem. ist(natürlich irrigerweise) vom»Anfang März« 1935 de Rede. Für die Ablehnung der Stadtverordnetenwahl macht er besonders»den Vertreter der Partei«(u beratendem Kollegium),»den ehemaligen thüringischen Regierungsrat Sommer«, verantworlid Nach Dr. Jeserich(Mitteilung an den Verf.) waren vor allem Mitglieder des Stabes Rudolf Heß das schuld, daß das Beschlußrecht der Stadtverordneten als»zu liberalistisch« gestrichen wurde. S. 45®? Wenn man Hitlers Ausführungen über falschen Zentralismus der Ministerialbürokratie ınl das Recht städtischer Selbstverwaltung in den von mir herausggb.»Tischgesprächen« von 1941/4, S. 233-236 liest, könnte man hie und da geradezu das Echo von Ideen Goerdelers zu hören glauben S. 45?*Mem.- Ähnliches Urteil schon in einem sehr bedeutsamen Brief vom 15. 6. 41 an Dr. Reim, Verfasser einer Schrift über die deutsche Selbstverwaltung, der die Bedeutung der Selbstverwaltus für die Erhaltung echter Freiheitsbegriffe stark unterstrich! Gleichzeitig rückt allerdings G. von sein@ ehemaligen Eifer für ein neues Gemeindegesetz jetztinnerlich ab.»Ich habe unter der alten preußisckz Städteordnung, unter den sie 1919 abändernden Gesetzen und unter der deutschen Gemeindeordnut id, gearbeitet. Ich habe gefunden, daß in allen diesen Epochen begeisterte Bürgermeister und Stadtr#t den Geist der Selbstverwaltung lebendig erhalten konnten, und ich habe Männer gekannt, die ih auch unter den günstigsten Voraussetzungen entarten ließen.« Drittes Kapitel: Berater des Reichspräsidenten $. 46!Handschriftlich. S. 48 2Das Folgende nach G.s Manusktripten: a) Wirtschaftsdenkschrift, von G. selbst»Herbst 1930« handschriftlich datiert. Vorwort Anfır 1931, danach Niederschrift des Textes»vor 1%, Jahren«, also Mitte 1929(?), schon damals»rwr schiedenen Stellen zugeleitet«. 48 Seiten Maschinenschrift. Eine ältere Fassung(58 S.) trägt am Schind den hdschrl. Vermerk: September 1929. G. gibt in der Vorrede von 1931 an, neu bearbeitet habe# nur den Abschnitt über Arbeitsbeschaffung,»weil inzwischen auf diesem Gebiete nichts gescheheni% das Problem sich zu einem bei dieser Passivität nicht überraschenden Umfang ausgewachsen hat um! daher andere Mittel ins Auge gefaßt werden müssen«, b) Für Hindenburg, April 1932 überreicht, 23 Seiten Maschinenschrift, beruft sich auf ältere Vor: schläge»vor 2%, Jahren«; gemeint ist wohl die obige Wirtschaftsdenkschrift. c) Die Lage der deutschen Wirtschaft 5. 6. 1932, 16 Seiten Maschinenschrift. d) Mehr Macht dem Reichspräsidenten! siehe oben Kapitel II, Anm. zo. $. 48®Bei diesen Erörterungen spielte die Abneigung des Deutschnationalen gegen den Kultur minister Becker und dessen Schulexperimente offensichtlich eine große Rolle. Goerdeler findet die Au sprüche an die Vorbildung der Lehrer in Volks- und Mittelschulen überspannt, will die»pädagog7 schen Akademien« wieder zu Lehrerseminaren machen, die Zahl der Bildungsstätten beschränken,& System des höheren Schulwesens vereinfachen, üppige Schulneubauten vermeiden usw.-also einhöchr konseryatives und spartanisches Programm, das auch wohl als yreaktionär« empfunden werden konn® I\y,, S. 50*»Mehr Macht dem Reichspräsidenten I«(siehe oben!). G. bedauert hier, daß am 1. 1. 192442 Art. 35 R. V. so geändert wurde, daß auch im Fallder Reichstagsauflösung ein Reichstagsausschuß 2% Überwachung der Reichstegierung bestehen blieb; andernfalls hätten die 60 Tage zwischen Auflösun und Neuwahl des Parlaments durch präsidiale Neuordnung schr fruchtbar genutzt werden könned” ein Vorschlag, den man nicht ohne Kopfschütteln liest! Drittes Kapitel- Berater des Reichspräsidenten 473 | I | 3.50®Eine aus dem Londoner Nachlaß Goerdelers stammende, offenbar für englische Freunde be- itiamte Niederschrift vom 9. 7. 1937 berichtet ausführlich über seine beiden Preiskommissariate unter Baning und Hitler. Noch viel ausführlicher eine 82 Seiten lange Denkschrift»Die Preisüberwach teindefinanzgesch, s Gesetzes, daß em Er verlangt dorta ung«, Üier im Gefängnis auf Verlangen der Gestapo ausarbeitete und die am 9. 1. 45 formell von dieser zu da Vernehmungsakten gegeben wurde.(Dept. ofthe Army, Departmental Records Branch, Alexan- ie er auch in sit! dr, Virg., Photokopie in meinem Besitz.)— Presseerklärung vom 8. 12. 31. Ernennungsurkunde vom waltung(s. Anni(og2, 31, gez. Brüning. Entlassungsurkunde vom 16. 12. 32, gez. Schleicher.- Schreiben des Reichs- llig aussichtsls,€ uelers von Papen an G. 16. 6. 32.- G. an Reichskanzler von Papen 17. 10. 32. Staatssekretär von t schon in dan im Pack an G. 14. 12. 32.— Begleitschreiben Schleichers zur Entlassungsurkunde 17. 12. 32.- G. an esetz vom Deu klleicher 17. 12. 32.- G. willgegen anfänglich starke Bedenken der Reichsregierung erreicht haben, en Niederschtift we" al seine Stadt Leipzig mit 2 Millionen dafür entschädigt wurde, daß sie ihr Oberhaupt für das neue d Ihenamt freigab: ı Million geschenkweise, ı Million als zinsloses Darlehen, beides zur Erleichterung ht werden, dB& BF ki Arbeitslosenfürsorge, Für sich selbst habe er auf jede Entschädigung außer den Reisekosten ver- noralisch zur Vet" lcitet, selbst auf die ihm angebotene Gestellung eines Kraftwagens.(Schreiben an Reichsstatthalter äte eine Entsch& Mrschmann 23. 11. 37 aus New York.) Brüning bezweifelt(brieflich) die Richtigkeit dieser Versiche- ifzeichnung voolı) Fitz; er habe als Kanzler nie etwas davon erfahren. Nachforschungen im Leipziger Stadtarchiv, für Art der Abstins al&rca Durchführung ich Frl. Dr. Drucker und meinen Leipziger Kollegen sehr dankbar bin, ergaben M« hliendes: G.s städt. Personalakten(Berufungsakten) und die Haushaltsrechnungen der Stadt ent nfang März igjjl N ln über die genannten Vorgänge nichts, doch blieb der dort befindliche Briefan Mutschmann ohne ertreter der Patti Ü Wietspruch, Anläßlich einer 1946/47 darüber angestellten Nachforschung erinnerte sich der Stadt- mer«, verantwüt! Kionerer Schräpler nur ganz allgemein gewisser vom Reich gewährter Zuschüsse zur Arbeitslosen- bes Rudolf HE!Mtrstützung, Sie sind nach Ausweis der Haushaltsrechnungen Anfang der 30er Jahre von 10000 RM richen wurde, alı 7 Millionen gestiegen. Ein zinsloses Darlehen des Reiches ist in den Kassenbüchern nicht zu isterialbüroknt#?\ face, Andererseits bestätigte der Kollege G.s, der damalige Bürgermeister Dr. Löser, die Darstel- ‚rächen« von Ig44 IuG.s aus der Erinnerung in vollem Umfang. Die nachweisbaren Zuschüsse wurden auf Antrag der »"lngoßer Notlage befindlichen Stadt nach undnach gewährt. Auch der Reichsfinanzminister Schwerin- ‚ Niüigk erinnert sich daran, daß anläßlich der Berufung G,s Zuschüsse zur Arbeitslosenunterstützung der Selbstrer®(mpsagt und später auch gezahlt wurden(briefl. Mitteilung). Ihre Begründung wird nicht akten- erdings Gun| knlig geworden sein. 8 Ä 5 i s deraltenpreuß®| S.50®Vgl. dazu seine Aufsätze: Wirtschaftliche Funktion der Preise. Ms. für die Zeitschrift»Die indert Bil Dez, 1936.- Die Mittel staatlicher Preispolitik, Ms. für die Zeitschrift für öffentliche Wirt- Sat Nov. 1936(beide sind gedruckt). ‚3:51"Nach den zum Young-Abkommen gehörigen Abmachungen(Verpflichtung der Reichsbank ‚&ktc ihren Präsidenten Schacht) war eine Abwertung der Mark nicht zulässig. G. scheint das nicht Britet zu haben. \5 1%» Währendes Geld« Frankfurter Zeitung 2. Okt. 1936.- Frankreichs Erfahrungen nach der Erstung, ebd. 28. 2. 1937.- Der große Irrtum. Deutsche Rundschau April 1939. \.2®Das Folgende beruht z. T. auf brieflichen Auskünften Dr. Brünings an den Verfasser. \,210 Senkung der Hauszinssteuer um 20%, der Mieten nur um 15%, was praktisch eine Verbes- Vorwott 4 Ws der Lage der Grundbesitzer und der Hypothekenbanken bedeutete, dafür Erhöhung der Um- ie dumk® st uer bei Ermäßigung der Warenpreise und Handelsgewinne. s Sad stadt BER\j2 4502. B. 9. Eucken. Unser Zeitalter der Mißerfolge. 1951, Seite 41. Ähnliche Vorschläge wie 58"tttwickelte dagegen die Schrift des Freiburger Nationalökonomen Ad. Lampe. Notstandsarbeit en ber er Lohnabbau? 1927. Lampe hat G. seine Arbeiten(auch Zeitschriftenaufsätze) seit dessen erstem a Peslommissariat übersandt und später mit ihm persönliche Verbindung aufgenommen.: usgew“|$ 13 12Brief an Dr, Pechel; Deutsche Rundschau Juli 1947 Seite 5, Seite 12; dazu briefliche Mit- '\15 1Davon hörte Graf Schwerin-Krosigk zu seinem Erstaunen aus dem Munde Brünings selbst 'alpeil 1932(briefliche Mitteilung). Wenn nun Treviranus an Graf Westarp mitteilte, Brüning fürch- ®tic-ts mehr als inflatorische Maßnahmen seiner Nachfolger(29. 5. 32, s. Vjschr. f. Zeitgesch. I, ‚253. 284), so erklärt sich der scheinbare Widerspruch wohl so, daß Brüning wohl sich selbst, nicht Pen! sSinem Nachfolger eine vernünftige Begrenzung der Kreditausweitung zutraute. yerdeles ui\5 14Die früher schon zitierte»Wirtschaftsdenkschrift« von 1929/31 wollte 200000 Mann zu , will die A-| Söäleigem Arbeitsdienst ohne eigentliche Barentlohnung verpflichten und erwog, weitere 500000 ‚tten be ‚fügtee Arbeitslose« mit»Zusatzarbeiten« 6-8 Jahre lang gegen allmählich steigende Barlöhne zu u tätigen, Als»Prämie« sollte ihnen die»zunächst lehnsweise, dann eigentümlich erfolgende Ge- Ang einer Siedlerstelle« garantiert werden. Auch nach dem Arbeitsdienst sollte man in dieses Ver- itübertreten können. Die Ansiedlung dachte sich G. vorzugsweise im Osten,»wo die Grenzen Pb} nicht festliegen«. 85}%Denkschrift für Hindenburg April 1932. Die ältere Wirtschaftsdenkschrift von 1929/31 er- ach file zen an den Verfasser. 474 Quellennachweis und Ergänzungen wog auch, alle unverheirateten, noch nicht 23jährigen Arbeitslosen mit Notstandsarbeiten geg irn an(E bloße Unterkunft, Verpflegung und Kleidung zu beschäftigen.- Bis zu einem gewissen Grad hielt ilo ind Vol G. Notstandsarbeiten auf öffentliche Kosten für empfehlenswert, aber nur als Linderungsmittel ünd| Aetzten$ı nur als vorübergehende Ausnahme; keinesfalls dürfe dadurch die Sicherheit der Währung und da Cs Hanc Gleichgewicht der Haushalte bedroht werden. Darüber hat er sich(mit indirekter, aber sehr deutlich"|\( Es; Kritik der Wirtschaftspolitik der Hitler-Regierung) auf dem VI. Internationalen Gemeindetag in Bet"\anitden lin Juni 1936 ausgesprochen und den Bedenken des Cambridger Professors Hilton gegen planvit- Vstrugt,i schaftliche Maßnahmen ganz offen zugestimmt. Siehe Zeitschrift»Der Gemeindetag« 30. Jahrg rn s 1936, Seite 462 ff. hunEr, $. 56!°Mitteilung Dr. Brünings an den Verfasser. Die Nachricht O. Meißners, Staatssekretär un"\toeide< Ebert, Hindenburg, Hitler(1950) Seite 221, Brüning habe vergeblich versucht, G. als Nachfolt ß Warmboldts zu gewinnen, trifft nach Mitteilung Dr. Brünings in dieser Form nicht zu. Der Pları ke stand wohl zeitweise, ist aber nie mit G. erörtert worden. $, 57*"Deutsche Rundschau Juni 1947, Seite 10.- Vgl. auch Schlange-Schöningen, Am Tage danıd (1945), Seite 64. S. 57 13Die hohen Löhne stünden auf dem Papier. Jeder dritte Arbeiter erhalte nicht ı M Stund lohn, sondern 0,25 M Unterstützung. Für Baugewerbe liege also der richtige Lohn bei 1 plus ı pl y 4; 0,25:3= 0,70 M. G. hat mir auch mündlich diese Szene als einen der wichtigsten Momente ei} Ir; [Ü Laufbahn geschildert. Sie wird(in allgemeinen Umtrissen) bestätigt durch Schlange-Schöningen. Am Tat}\.,% danach(1945), Seite 39; man erfährt dort, daß auch Brüning und Schlange anwesend waren, von seit B Een der der sozialdemokratischen Gewerkschaften vor allem Leipart. Aus einem Erlaß von Papens an G.x@ 5 Kreation 16. 6. geht hervor, daß man im Papen-Kabinett nicht geneigt war, G.s Anregung zu folgen und»is}} Lockerung sowohl der Baustoffkartelle wie des entsprechenden Lohntarifs herbeizuführen«; sold i. udd Boden der Maßnahmen sollten»im Interesse einer Beruhigung der Wirtschaft und der Arbeitnehmerkrei#l hintangestellt werden. Man fürchtete also zuviel Widerstände. Auch eine Herabsetzung der»öltd“ 7}, lichen Versorgungstarife«, die G. vorgeschlagen hatte, sollte verschoben werden, mit Rücksicht DA die ungünstige Finanzlage der Gemeinden. S. 58 1% Meißner a. a. O. 227 bestätigt das. $, 58 2°Deutsche Rundschau Juni 1947 Seite 97 mit Bezugnahme auf Schlange-Schöningen a.a 0 Seite 73. S. 58®!Briefliche Mitteilung Dr. Brünings an den Verfasser. S. 58 2? Franz von Papen, Der Wahrheit eine Gasse(1952) Seite 182 ff., dazu Meißner a. a. O. zzE|ı Papen bestreitet offensichtlich mit Unrecht die Mitwirkung agrarischer Interessenpolitiker beim S@|, Brünings. Sie geht auch aus den in der Vierteljahrsschrift für Zeitgeschichte 1953, S. 261 ff. mi geteilten Dokumenten über Brünings Sturz, wenn man diese nur kritisch zu lesen weiß, eindeutig&|yx vor. Über die Politik Schleichers in diesen Monaten vgl. vor allem die wichtigen Mitteilungen 6'# Craigs aus dem Groener-Nachlaß: Reichswehr and National Socialism, in: Political Science Quartal LXII, June 1948, p. 220 ff. Das Buch des Berliner Journalisten 7. R. Berndorff General zwischen%® und West(1951) bringt mancherlei wichtige und neue Mitteilungen von Augenzeugen, leider in.# kontrollierbarem Gemisch mit freier Ausmalung von Motiven und Tatsachen. Sucht man über& übliche Anklage des»ehrgeizigen Intriganten« hinaus zu einem Verständnis der Politik Schleichers#,. gelangen, so bleibt wohl nur die Erklärung, daß er die vorsichtige parlamentarische Taktik Brün für unfähig hielt, auf die Dauer mit der unheimlichen Dynamik der Hitler-Bewegung fertig zu wer# Das neue Präsidialkabinett der»Barone« sollte ihr durch rasche innen- und außenpolitische Erfah A., den Wind aus den Segeln nehmen, sie entweder durch Mitbeteiligung an der Verantwortung-#%]} ohne entscheidenden Einfluß- in ihrer Propaganda schwächen oder sie spalten; als das nicht gelz# hat er anscheinend zeitweise noch gehofft, Wehrminister unter Hitler zu werden in der Illusion, ihm! solcher überspielen, unter Umständen gewaltsam ausschalten zu können. Eine große Rolle hat ofe0%|| seine Erwartung gespielt, von den Westmächten bald eine Erweiterung der Wehrmacht zugestane& zu erhalten in der Form, daß die SA und SS in deren festen Rahmen(als Milizformation) eingerc# wurden.- S. 59*?Hugenbergs Ringen in deutschen Schicksalsstunden(Spruchkammermaterialien el, Verteidigers Dr. Borchemeyer) Detmold 1951 Seite 20. ke S.60 24So berichtet G. selbst. Vielleicht stammt die absolute Ablehnung G.s durch Schleicher® a dieser Unterredung? A S. 60 2° Durch diesen Bericht wird die Angabe Konrad Heidens Adolf Hitler(BandI 1936) Seite 30%- stätigt, daß Schleicher längst eine Zusage Hitlers in der Hand hatte, er werde das Papen-Ka tolerieren. Dazu siehe auch Brünings Bericht a. a. O. Seite 13, von Papen a. a. O. und Meißner a. 77 Die Vorschläge G.s ergeben sich aus den Mem. Außerdem liegt mir eine undatierte kurze Denksd”! IA vor, die aus dem Mai oder Juni 1932 stammen muß. Ihre Vorschläge klingen an die in den Mem.& Drittes Kapitel- Berater des Reichspräsidenten 475 standsarbeiten 4 ‚plegten an(Beteiligung der NS. Partei an der Regierung, im Fallder Weigerung Regierung mit weit- wissen Grad hi gender Vollmacht für 3 Jahre, notfalls auf Grund von Notverordnungen, also»Einziehen in den besetzten Schützengraben«). Da indessen die Unterschrift fehlt und sich nur einige Bleistiftnotizen vn G.s Hand am Schlusse finden, bleibt ihre Bedeutung unsicher. 5.61 2®Es ist bezeichnend, daß Meißner diese Darlegungen zu verhindern suchte, aber von Hinden- birg mit den Worten abgewiesen wurde:»Lassen Sie den Herrn Oberbürgermeister ruhig sprechen. ilton gegen plan} Nas er sagt, interessiert mich sehr.«— Nach von Papen scheiterte die Ministerschaft G.s nicht an seiner ndetag« 30. Jahr] Veigerung, sondern an seiner Forderung, zwei Ministerien in seiner Hand zu vereinigen. 18,62®Er wollte deshalb auch den 1930 gewählten Reichstag bis zum normalen Ende seiner Legis- , Staatssekretit#7 hturperiode, d. h. bis 1934 bestehen lassen, um jede weitere Neuwahl während der Wirtschaftskrise zu ht, G. als Nachi%@” femeiden, in der Erwartung, daß diese bis 1934 überwunden sein würde. yicht zu, Der Plz 3.62 28 Vgl. die interessante Unterhaltung mit Graf Schwerin-Krosigk im April 1932, über die liser in»Es geschah in Deutschland«(1951) Seite 130 f. berichtet. Dieser Bericht ist allerdings un- gen, Am Tage&N kelständig, wie ich einer sehr dankenswerten brieflichen Mitteilung v. Krosigks entnehme. Danach Bre v. Krosigk gefragt, warum Brüning»nicht schon 1930 die NSDAP an der Regierung beteiligt te nicht ı Stel! ale, um sie zur Verantwortung zu erziehen, solange sie noch zu schwach sei, alle Machtwünsche ‚ohn bei 1 plus? 8" duchzusetzen. Er setzte mir auseinander, daß die Nationalsozialisten in agitatorischer Weise den sten Momente 4 Kmpf gegen die Deflation und gegen jede Form von Reparationen auf ihr Programm geschrieben e-Schiningen. Anlı 2 ten, Selbst wenn er gewollt hätte, wäre es für sie nicht möglich gewesen, in seine Regierung ein- end waren, vui#© Mreten, da er den entsagungsvollen Weg der Deflation bis zum Ende habe gehen müssen und auch die en PapensanC Nnarationsfrage nicht ohne eine letzte Kapitalzahlung lösen könne. Das sei jetzt anders geworden, da g zu folgen un!'&Boden der Krise erreicht sei und an die Stelle der Deflation bald eine Kreditausweitung treten beizuführent;& kae und da das Reparationsproblem demnächst auf der Lausanner Konferenz endgültig bereinigt ‚ Arbeitnchmei®"" wden würde. Er stehe daher jetzt in Verhandlungen mit den Nationalsozialisten und glaube, daß sie zbsetzung der" I zllinem Ergebnis führen würden. Brüning hat mir damals nicht gesagt, welches das Ziel und die i Gradlage dieser Verhandlungen war.« Schwerin-Krosigk glaubte ihn so zu verstehen, er sei bereit, Nsionalsozialisten in die Regierung aufzunehmen, und hat entsprechend sowohl im Prozeß des IMT, &em Schacht Herbst 1945 wie im Nürnberger Entnazifizierungsverfahren gegen Schacht 1947 aus- unge Schon 3)#sigt. Brüning hat das aber in seinem Affidavit für ein Mißverständnis erklärt und sich auf seine Ri hstagserklärung vom 11. 5. 1932 berufen; er habe nur(unter gewissen Umständen) gegen die Be- tlirung der Hitler-Partei in Länderregierungen keinen Einspruch erhoben. Mir selbst teilte er brief- ı Gemeindetag in ik 4 ner 1.3.0. Ihmit, seine Verhandlungen mit der NSDAP hätten sich nur auf Preußen bezogen. Dazu stimmt nun Mei kerkio'| Rich nicht, was O. Meißner a. a. O. 212 f., 224 ff. mitteilt und ähnlich schon in einem Nürnberger ER| Itehmungsprotokoll vom 4- 8. 48(für das Militärtribunal TV) ausgesagt hat. Darnach hätte Brüning e u einer zeitweise erwogen, auch im Reich die Hitler-Partei yan die Regierung heranzubekommen«, en weld, ud teilung entsprechend Fühlung aufgenommen, und zwar etwa im April. Sollte auch Meißner eine Äuße- = er es"u: Brünings, der nur von Preußen sprach, mißverstanden haben? Sicher ist, daß Brüning am Hal sc*; 32 durch Treviranus dem Grafen Westarp raten ließ,»sich nicht ohne verantwortliche Betei- intg der Nazi« auf eine Übernahme der Kanzlerschaft und Bildung eines neuenKabinetts einzulassen (kricht Westarps vom 1.6. 32, Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte I. Jahrgang 1953, Seite 284); Ada er im August Bemühungen gemacht hat, festzustellen, ob sich nicht eine parlamentarische Reksregierung einschließlich der NS bilden ließe, und zwar deshalb, um Hindenburg vor dem Vor- Wifeines Verfassungsbruchs zu schützen, der aus Papens Vorgehen in Preußen drohte. Vgl. seinen Xın Antwortbrief an 2. Robrbach vom 21.8. 32 in dessen Broschüre:»Herr Reichskanzler von Pac- lösen Sie aufl« Seite 17 f.(Selbstverlag Rohrbachs 1932). \13®Er hatte Kaas nur einmal gesprochen, aber in stundenlangem Zusammensein jedes politische Tea vetmieden. Über die Koalitionsversuche des Zentrums mit den Rechtsparteien und der Hitler- Pate vel. von Papena.a.O. 194, 222, 225, 285 sowie O. Braun Von Weimar zu Hitler 1940, 2. Auflage Kit: 424#., dessen Ausführungen indessen Brüning(brieflich) für»völligirrig« erklärt. Die Haltung A ums zwischen dem 31. 5. 32 und dem 30. 1. 33 scheint mir dringend der Aufklärung zu be- lüfen, N(3®Handschriftliches Briefkonzept vom 28. 8. 32 an Hindenburg:»Heute morgen brachte die st die Mitteilung, daß bei den Verhandlungen zwischen Zentrum und NSDAP mein Name als fischer Ministerpräsident eine Rolle spiele.« G. ist nicht informiert darüber und noch nicht ge- möchte aber Hindenburg persönlich über seine Ansicht unterrichten.»Zur Zeit des Kabinetts- 'eheIs richteten sowohl Herr Dr. Brüning, der mir stets offenes Vertrauen entgegenbrachte, als auch “ton Papen an mich die Frage, ob ich bereit sei, preußischer Ministerpräsident zu werden. Ich ak teiden Herren meine Geneigtheit erklärt, mitzuwirken zu dem Ziele, daß der Dualismus Reich- beseitigt würde, und unter der Voraussetzung, daß eine möglichst breite Front gesichert -»Ich lege Wert auf die an sich selbstverständliche Feststellung, daß ich an dieser Auffassung » / 476 Quellennachweis und Ergänzungen; Vettes festhalte.« Der Passus, korrigiert, lautete ursprünglich:»Ich brauche nicht zu betonen, daß ich ande SADVE Auffassungen festhalte, die im Bericht vom April dieses Jahres darzulegen ich die Ehre hatte,.d S. 63 32Die Lage der deutschen Wirtschaft 5. Juni 1932. 16 Seiten Maschinenschrift. S. 64®?Es scheint allerdings, als hätte sich die deflatorische Tendenz bei G. infolge der E Papens etwas gelockert. In der gleichen unten zitierten Dezember-Denkschrift erklärt er»kurzi Warenwechsel« zur Finanzierung der Warenerzeugung für unbedenklich, ebenso wie»jede Arbeit beschaffung aus gedeckten Mitteln«; allerdings dürften beide Maßnahmen das Gleichgewicht& Staatshaushaltes nicht erschüttern.\ S. 65®?Nach O. Meißner a. a.©. 247 schlug ihn dieser dem Reichspräsidenten vergeblich als Nal Mh Sadkär folger Papens vor. In zwei Schreiben vom 17. Oktober an von Papen hatte er erklärt, seine Vera;|. Gesch wortung als Preiskommissar nicht ohne laufende Orientierung über die allgemeine Wirtschaftspolil‘, der Regierung tragen zu können, sich aber gleichzeitig damit einverstanden erklärt, wenn dasR: kabinett beschließen sollte(was dann auch geschah), die Geschäfte der Preisüberwachung Reichsbeamten des Wirtschaftsministeriums zu übertragen. Alsihm nun Planck im Auftrag Schle am 14. 12. mitteilte, dies solle geschehen und er selbst entlassen werden, hielt er sein Einver: zwar aufrecht, betonte aber die dringende Gefahr neuer Preissteigerungen infolge der staatlichen beitsbeschaffung und fügte hinzu, er fürchte, daß die Übertragung der Preisüberwachung auf ei ni »nicht völlig unabhängigen Mann« sich unter diesen Umständen als Fehler erweisen würde.-A (indirekten) Ausdruck seiner Enttäuschung wird man wohl auch ein sehr warm gehaltenes Neujil schreiben an Brüning vom 30. 12. auffassen dürfen, voll aufrichtigen Dankes»für das nie erschüi offene Zutrauen«, das er unter dessen Kanzlerschaft genossen habe. S. 66®*Mem. Teilweise wiederholt(ohne Namensnennung) in: Goerdelers Politisches Testam# y ı Herausgeg. von F. Krause(New York 1945) Seite 23. Viertes Kapitel: In den ersten Jahren des Hitler-Reiches S. 66! Er hatte immerhin Mühe, diese Ablehnung Rud. Heß einigermaßen plausibel zu machtt S. 67?Mem.- In einer Denkschrift für Adolf Hitler August 1934 lobt er als Leistung der?: »die Ausschaltung des Parteiensystems« und»die Überwindung der Grenzen der deutschen Stän also die unitarische Gestaltung der Reichsverfassung. $S. 67?Gemeint sind die Ermächtigungsgesetze vom 13. 10. und 18. 12. 1923. S. 70*Mir liegt eine undatierte Druckschrift(Sonderdruck aus einer Zeitschrift? 10 Quat vor:»Kleinsiedlung und Wohnungsbau als politische und wirtschaftliche Notwendigkeiten«, in@]\ ein sorgfältig berechneter Plan zur Deckung des Wohnungsbedarfs für die nächsten 5 Jahre(ab A 1936) entwickelt wird. S. 71 Schreiben an G. vom 18. 6. 36.- Eingabe G.s an Hitler 27. 8, 36(Anrede:»Hochverei#% Herr Reichskanzler«- nicht:»Mein Führer«). S. 71® Auf seiner Amerikareise 1937 hat er mit Erfolg auch amerikanische Industrielle für ch ia. einer ökonomischen Volksaufklärung zu interessieren gesucht: Brief an Mr. James D. Money,! York, Chairman der General Motors Corporation, etwa Jan. 38. ir S. 72?Mem.- Aufzeichnungen vom 9.7.37. Die Einladung erfolgte zunächst durch Mini r Frick. Nach Rücksprache mit ihm und Schacht fand eine Besprechung bei Hitler statt. Nach deal Kap. z, Anm. 26 zitierten Aufzeichnungen G.s von 1944 hatte die erste persönliche Begegnung im März 1933 stattgef. Die Berufung erfolgte auf Antrag Schachts(briefl. Mitteil.). S. 72®Die Mem. berichten diese Szene zweimal, in etwas verschiedenem, hier von mir kombi? tem Wortlaut. Der Zeitpunkt bleibt unklar: 1934 oder Jan. 1935? S. 73?Mem. Mn $. 73 1%Die Geschichte, die Hitler in den Tischgesprächen 143 von Luthers viel zu ge ing? ke Kreditangebot berichtet, hat er G. 1935 ganz ähnlich erzählt(Mem.)— nur ist da von 150 stattt 1 100 Millionen die Rede.- Für Schachts Finanzpolitik: vgl. seine»Abrechnung mit Hitler«. Ham 1948(Rowohlt-Zeitungsdruck).[ S. 73}!Seine Befugnisse waren bis dahin(durch Gesetz vom 15. 7. 1933) dem Reichswirtsch# U, minister und Reichsernährungsminister übertragen worden, jedem für seinen Geschäftsbereich. S. 74!2Briefliche Mitteilung des Herrn Friedrich Sperl, damals Referent im Reichswi ministerium, an den Verfasser. Die hier zitierte Denkschrift ist undatiert, 52 Seiten. Die Roc »August 19344 kann nur ganz ungefähr stimmen, da gelegentlich auf einen Aufsatz G.s im Hamb“ Wirtschaftsarchiv»Ende August d. J.« über Ersatzrohstoffe Bezug genommen wird. An anderer” Im di wird Hindenburg, der am 2. 8. 34 starb, als noch lebend erwähnt. Die Abfassung hat sich also von Juli bis September hingezogen. Der Aufbau des Ganzen ist infolge der Überladung mi N kun, möglichen Postulaten und kritischen Betrachtungen recht unübersichtlich, Un, Kapitel- In den ersten Jahren des Hitler-Reiches 477 3.74 1@Nach dem Statistischen Jahrbuch des Deutschen Reichs betrugen die Arbeitslosenziffern des ıtes 1932: Januar 6041910(Höchstziffer!), April: 5739070. Juli: 5392248. Okt.: 5 109 173. G. hat ‚sie größere Zahl von» Wohlfahrtsunterstützten« abgerechnet, die unabhängig von der Wirtschafts- kise Unterstützung bezogen. 3.75 Ergänzt durch»Bemerkungen« vom März 1934; beide Gutachten liegen mir nicht vor. Vi. dazu die Mitteilung von 1944, s. oben Kapitel 2, Anm. 26. Ein etwas verändertes Programm der entwickelte G. in dem Aufsatz: Die deutsche Arbeitslosenfürsorge. Jahrbuch für 3. Jahrgang 1936, S. 51 f., den er in Gemeinschaftsarbeit mit seinem Bruder en vergeblich ah Itz, Stadtkämmerer von Königsberg, verfaßte. Er gibt hier zunächst einen umfassenden Überblick t erklärt, seine V=F ihr die Geschichte der Arbeitslosenfürsorge in Deutschland, spricht von der»besonderen Kühnheit« neine Winsen eilerschen Lösung des Problems, erkennt ihre Erfolge an(Rückgang von 6 Millionen Jan. 1933 klärt, wenn dh 42,52 Millionen Jan. 1936), warnt aber vor der Überschätzung der»Produktivität« staatlicher Ar- eisüberwachung Wkisbeschaffung und den Gefahren allzu großer Reichsverschuldung, empfiehlt wiederum: Verbil- im Auftrag Schi Igng der Produktion durch Lohnsenkungs- bzw. durch Lohnausgleichsmaßnahmen als bestes Mittel t er sein Einvers#% üBelebung der Produktion, kommt aber nicht mehr auf seine früheren Vorschläge zur Reform des olge der staatliceit Sıalversicherungswesens zurück, sondern willüberhaupt nichts mehr von Arbeitslosen-Versicherung isjolcher wissen. Die Arbeitslosen-Fäürsorge soll wesentlich den Gemeinden, aber mit straffer Reichs- "Talicht, zugewiesen werden. \ 75 Für 100000 Siedlungen will er mit 6,7 Millionen Jahreszuschüssen auskommen, also per Selung mit 67 Mark! \ 78 1°G, selbst erzählt in einem Aufsatz über die Mittel staatlicher Preispolitik(Zeitschrift für ‚ Politisches Te etliche Wirtschaft 1936), daß er sich in einem konkreten Fall weigerte, Mindestmietpreise für Ge- ‚sthiftshäuser einer Großstadt festzusetzen, deren Besitzer das forderten, ohne zu erwägen, daß diese din vollends unvermietbar werden würden, solange das Geschäftsleben dieser Stadt nicht wieder auftben würde, - 79 77Mem,- Im weiteren auch benutzt: Aufzeichnungen vom 9. 7. 37 und die Kap. 3, Anm. 5 plausibel zu m"Zlirte Niederschrift von 1944. ‚ als Leistung«NN 879 18Im Record Office des War Department in Washington fand ich u. a. einen offenbar aus dem der deutschen S®"Ritsswirtschaftsministerium stammenden Sammelband mit Presseausschnitten u. dgl. betr. Preis- Bliik, darin eine Sammlung von Veröffentlichungen G.s als Preiskommissar. Ich zitiere daraus: Der a Sttder Preisüberwachung, in: Die chemische Industrie, 12. 3. 35.- Preisbestimmung durch Gesetz, schrift? 10 Qu"Ällleitschrift der Akademie für deutsches Recht.- Vortrag: Preise und Wirtschaft, in der deutschen orwendigkeitth" Eielskammer Stockholm 14. 1. 36.- Das Problem der Persönlichkeit in der Wirtschaft, in: Zeit- sten; Jahe(d|Sirie des Vereins Berliner Kaufleute Jan. 1936.- Preiskampf im Welthandel, in: Weltwirtschaft 1935.— Preisüberwachung und Krankenkassen, in: Die Krankenkasse, Juli 1935.- Aufgaben und Anrede:„Hodr®"Mit der Preisüberwachung, mehrfach wiederholter Vortrag.- Preise und Ausfuhr, in: Deutsche Vrechaftszeitung, Mai 1935.- Reden bei Eröffnung der Leipziger Messe 1935, im wirtschaftspoliti- Industrie fd|Stet Amt der NSDAP, auf Presseabenden usw. Landwirtschaft und Preisüberwachung, in: Deutsche ‚ D. Ne Iaivirtschaftliche Presse 1935 Nr. 14.— Preise u. Außenhandel in: Die Bank, Dezember 1934.— ‚je Inniew im Völkischen Beobachter, 5. 12. 34. G. hofft auf»vertrauensvolle Zusammenarbeit von erklärt er»kurzici enso wie»jede Ark das Gleichgewica! »für das nie eschtt achst durch y\Stit- und Parteiorganen« in der Preisfrage. Es sind auch einzelne Pressepolemiken gegen G. ge- Be art. N@nelt und die Denkschrift»Die Preisüberwachung« von 1944(vgl. Kapitel 3, Anm. 5). Ailer© ee\ 02 Abrechnung mit Hitler, S. 11. Der in den»Nordwestdeutschen Heften« 1947, Heft 2 ver- nliche Ba Öalichte Bericht des SS-Obersturmbannführers Dr. Kiesel gibt eine andere Version der Differenz Zieh A MShacht, angeblich nach Goerdelers Aussagen vor der Gestapo, die aber schon der Daten wegen so hier i tstimmen kann und keine Bestätigung in G.s Papieren findet.} Sie 20In den Mem. ist von»Dezember« 1935 die Rede, was aber wohl als»September« zu lesen ist, ia gem 14 ütdamals erbetene Denkschrift mir mit dem Datum 26, 10. 1935 vorliegt. uihefs ph I hie®1 Aufzeichnung vom 9. 7. 1937. ist 4 a| N®Gütige Leihgabe Prof. Wolfgang Foersters. Paraphe Becks: 2. 11. Paraphe Fritschs: 8 zieh 1. Datiert: Leipzig 26, 10. 35. i5 Seiten Maschinenschrift. \$ 22Mem. und Vorrede zur Wirtschaftsfibel(etwa 1942 verfaßt). Letztere nennt als Datum der SnRassung»Mitte August«, was mit anderen Angaben(»14 Tage vor dem Parteitag«) nicht stimmt | Wlstion dadurch unwahrscheinlich wird, daß Staatsrat Neumann am 12. 8. bat, die Denkschrift "uch praktische Vorschläge bringen. Die ausführliche Fassung(66 plus 5 Seiten Maschinen- f} nennt die Daten der Zuschriften Görings und Neumanns. Mitarbeiter waren die Herren Baltz | jrüheren Preiskommissariat) und Wittke(von der Reichsbank). Die Übersendung an Göring = mit Begleitschreiben vom 17. 9.(mir vorliegend). 18} 22Es handelt sich um eine Denkschrift von»E. W.« vom 21. 7. 36 zum Problem des deutschen handels. G. befürchtet, daß dieses System als»dumping« auf ausländische Gegenmaßnahmen ( 478 Quellennachweis und Ergänzungen j Er. Ek: stoßen und daß es den eben erst angelaufenen»neuen Plan« Schachts(zweiseitiger Tauschhanck]j#, ve volle Verwirrung bringen wird. DB S. 84 25 Schwerin-Krosigk, a.a. O., S. 188, der die Angaben in Schachts»Abrechnung mit Hill”* erheblich korrigiert.- Schacht in seinem Memoirenwerk(1953), S. 456 beruft sich auf Aussagen k& tels im Nürnberger Prozeß, der die Rüstungsausgaben für das Etatjahr 1936/37 mit sieben Milli| beziffert habe. S.85 2IMT Dokument EC 416, auf das mich freundlicherweise Prof. Arthur Schweitzetif Bloomington, Indiana, aufmerksam machte. Teilnehmer: Blomberg, Schacht, Schwerin-Krosk Popitz, Koerner, Keppler, Staatsrat Neumann, Dr. Reichle, Oberstltn. i. G. Loeb(Protokollführf Die nur einstündige»Sitzung« war ein reiner Befehlsempfang ohne Diskussion: Hitlers gleith erörternde Augustdenkschrift wurde vorgelesen und als unbedingt zu befolgende Richtlinie#7 geschärft! Nach Görings Mitteilung hatte man mehrere Gutachter befragt, doch hatte bis dahinnuß Pelinz geantwortet. S. 86 2”Nürnberger Dokument 4955 NI(Wilhelmsstraßenprozeß Anklagedokument Bd. 11fı= SE Kapite Schacht Exhibit Nr. 48. Defense Doc. Book Suppl.). Das Dokument stammt aus den Papieren Spt#|, ,, hi Es handelt sich ganz eindeutig um eine Auseinandersetzung mit der Denkschrift Goerdelers. Hi u Bi n bezweifelt die Möglichkeit einer Exportausdehnung, ebenso die einer Beschränkung der Lebensmit M 1 bsch einfuhren, lehnt jede Beschränkung der Rohstoffzufuhren auf Kosten der Aufrüstung mit Empeng j guisı ab, hält ein Aufstapeln von Rohstoffen für sinnlos, fordert statt dessen ein Aufstapeln von Murit# und anderem Kriegsmaterial, vor allem aber, da sich nie genug aufstapeln läßt, sofortigen Ausbzu@ Rüstungsindustrie, der Industrie für kriegswichtige Ersatzstoffe, der Erzgruben ohne Rücksichd Rentabilität und Kosten. Ansammeln von Devisen ist nur beschränkt wichtig und darf den A FR Kap rüstungsprozeß nicht behindern. Was die deutsche Wirtschaft noch an auswärtigen Guthaben beit i ist schon jetzt zu überprüfen und notfallsin Anspruch zu nehmen. Es müssen sofort zwei Gesetz@|\, lassen werden: ein Strafgesetz für industrielle Sabotage(z. B. durch Kapitalverschiebung ins ‚Auslal] und ein Gesetz, das die gesamte Judenschaft mit ihrem Vermögen verantwortlich macht für sch], digung der deutschen Industrie durch einzelne Angehörige dieser verbrecherischen Gesellschaft.|, S. 86 23Mem. an mehreren Stellen. Frau A. Goerdeler erinnerte sich 1947, Hitler habe die Wendt\ gebraucht:»Der Kerl hat gewagt, mir Friedrich den Großen als Beispiel hinzustellen.« Das kann. m@ hr nur in Privatunterhaltungen geschehen sein. Die»Reden des Führers am Parteitag der Ehre« entki] Rs davon ebensowenig etwas wie die großen Presseberichte, die das Münchener Institut für Zeitgeschi&] für mich durchzusehen die Freundlichkeit hatte. Auch Dr. Schacht erinnert sich nicht an eine 6%], liche Kritik Goerdelers in Nürnberg(briefliche Mitteilung an den Verf.). S. 87 Schreiben an Dr. Mellinger, Herausgeber der Zeitschrift»Die Bank«, vom 8,1% Dr. Mellinger hatte G. um einen Aufsatz über den Vierjahresplan gebeten, was dieser ablehnte. E# ein Gegner aller solcher starren Pläne auf lange Sicht. Wir könnten uns äußerstenfalls für 7% 800000000 Einfuhr ersparen, am Schluß des Vierjahreszeitraums würde ein ungedeckter Rob? bedarf für Ernährung und Industrie von mindestens 3,6 Milliarden übrigbleiben. S. 87 3° Wirtschaftliche Funktionen der Preise(»Die Bank«, Ende 1936). Die Mittel staatlicher‘Pt? politik: Zeitschrift für öffentliche Wirtschaft, November 1936.- Müssen Schulden zurückgw werden? Ms, 15 Seiten Maschinenschrift, im wesentlichen identisch mit einem vom 12. 12. 36 date], Ms.: Kampf und Ordnung in der Weltwirtschaft.{ S. 87®!Über seine Kommentare zur Gemeindeordnung(Januar-März 1937) vgl. oben Kapit' Dazu die Aufsätze: Währendes Geld, Frankfurter Zeitung vom 2. 10. 36. Frankreichs Erfah nach der Abwertung. Ebendort 28. 2. 37 u. ö.\ S. 88 32Der große Irrtum(Blums Währungsexperiment) in Deutsche Rundschau, April 1938, 5.1 S. 88 3? Mem.{ S. 88®Eine der für diese Zwecke bestimmten Denkschriften(An den Finanzminister, 18 S# Maschinenschrift vom 27. 1. 39. Nachtrag vom 7. März) liegt mir vor. Sie wendet sich gegen dit| ausgabe von Steuergutscheinen als weiterer Vermehrung des schon längst bedrohlich gewarc® Geldüberhangs, den G. als künstlich verzögerte, aber unaufhaltsam wachsende Inflation auffaßtı merkenswert ist, daß G. seine geldtheoretischen Anschauungen von 1932 immerhin gewandeltk# In die von ihm so oft vorausgesagte Inflation tatsächlich noch immer nicht eingetreten ist. Er ad zwar alle künstlichen Kreditschöpfungen des Reichs, vor allem die Mefo-Wechsel, nach wie vQ! eine Störung des Gleichgewichts(zwischen Geld u. Leistungsergebnissen der Wirtschaft). Abi sieht jetzt, daß 1932 die Kapazität der Industrieanlagen bei weitem nicht ausgenützt war und som® weiter Spielraum blieb für Staatsaufträge, finanziert durch»Scheinschöpfungen« von Geld, die a, aus der sich erhöhenden Steuereinnahme rasch abgedeckt werden konnten; allerdings mußrard% Preise durch staatliche Kontrolle festgehalten werden, und die staatliche Verwaltung durfte kein=! schwendung treiben. Inzwischen hat sie»sich jedes Vertrauen verscherzt. Es gibt keinen urteils Sechstes Kapitel- Die sozialistische Opposition 479 chen mehr, der annimmt, daß der Staat eine Sparsamkeit zur Tat werden lassen könnte, die jähr- läisich vergrößern müßte«. Das steht neuen Kreditschöpfungen und Steuergutscheinen im Wege; sie tn kein Vertrauen mehr. Trotzdem mahnt G. mit höchster Energie zur Sparsamkeit. N 88® Bürgermeister Haake, Ratsherrenältester Wolf. N 89#°In einem(mir in Abschrift vorliegenden) Rechtfertigungsschreiben des Bürgermeisters ie an G. vom 16. 11. 36 beruft sich dieser auf sein»Gewissen als Nationalsozialist« und erinnertan f&tzähen Widerstand, den G. gegen alle Umbenennungen jüdischer Straßennamen geleistet habe. Er ‚Arthur Sch 1 i| die Ratsherren, Beigeordneten und den Kreisleiter auf seiner Seite, G.s Bemühungen, ihn durch cht, Schwerin il vorgesetzte Dienststelle wegen Disziplinlosigkeit maßregeln zu lassen, sieht er mit Ruhe ent- Loeb Protokoli a.— Nach einer Aufzeichnung des Herrn Hans Walz(Geschäftsführer von R. Bosch) von 1945 sion) Hitlers er hit! Goerdeler sich auch darüber empört, daß man, ohne ihn zu fragen, aus einer von ihm geförderten folgende Richt Woinsiedlung den Bau einer Kirche gestrichen hatte, ch hatte bis dahin ;7 mit sieben Mil »dokument Bd! Bates Kapitel: Geschichtliche Voraussetzungen für den Aufstieg des Nationalsozialismus zus den Papiere‘"85: AVgl. hierzu und zum Folgenden mein Buch:»Europa und die deutsche Frage, Betrachtungen chrift Goerdekn® Aha die geschichtliche Eigenart des deutschen Staatsdenkens«, München 1948. Dazu meine Studie: akung derLebs® Nppe Irigini Storiche del Nazionalsocialismo« in dem Sammelwerk:»Questioni di Storia Contempo- Früstung mit En? Nranıc, vol. III, Milano 1953, und meinen Vortrag:»Vom Ursprung des Einparteienstaatesin Europa« \ufstapeln von N ‚inEistor. Jahrb. 1954(Festschrift f. F. Schnabel). t, sofortigen Au 1 ‚ben ohne Rüds" htig und darf da” 8 Seihtes Kapitel: Die sozialistische Opposition rtigen Gutbabet$100 Der Verf. erinnert sich unter anderem seiner eigenen Beteiligung am Wahlkampf gegen die 1 sofort zwei 6“|isientschaft Hitlers im März und April 1932 und einer eindrucksvollen Rede Brünings im Berliner orschiebung ins‘?\pirpalast, deren ernste Warnungen vor dem neuen Barbarentum starken Beifall ernteten. vortlich macht$00*Ein besonders eindrucksvolles Zeugnis für die Empörung des liberalen Bürgertums stellt ischen Ges lasshon oben zitierte Flugblatt P. Rohrbachs»Herr Reichskanzler von Papen, lösen Sie auf!« dar. AitlerhabedieN* Sjo1®Sehr eingehende Schilderung bei Rud. Diels Lucifer ante portas. Zwischen Severing und „stellen.«Das#(eich, Zürich o. J., besonders S. 127 ff. Die Zuverlässigkeit des Buches ist ohne Kenntnis akten- eitag der Ehret® ülliter Unterlagen schwer zu beurteilen, erscheint aber dem Außenstehenden etwas größer als die nstitut für Zeig|'omhaft wirkende Parallelerzählung von Y. B. Gisevins, Bd. I(1946). Was Gisevius S. 57 zur Charak- sich nicht aa" etikcung von Diels vorbringt, wirkt zu gehässig, um zu überzeugen. Es dürfte durch den scharfen satz zwischen Diels und Nebe, dem Protektor und Freund Gisevius’, bestimmt sein.- Zu be- ‚ Banke, voD N ide. ist auch der Hinweis von Diels(S. 205) auf die Bemühungen Papens und seiner nächsten Mit- a dieser able"* iebkter 1933, das Ausland über das Auswärtige Amt gegen die Judenverfolgungen zu mobilisieren. Berstenfals m Not 4R. Diels, a.a. O.,'8:139.;! 4 ‚Wert&.R. Dieis, a. a. O., S. 141, behauptet, Stalin habe 1933 aus Gründen des russischen Wirt- Clftiinteresses einen deutschen Kommunistenaufstand nicht gewünscht, um es mit Hitler nicht zu Del leitiben, den er damals nicht gefürchtet habe. Das klingt nicht sehr überzeugend. f 5 Iden a“\122 8]. B. Jansen and Stefan Weyl(Pseudonym) The Silent War. The Underground Movement in E ee 1.890 renıny. Philadelphıa u. New York 1943, besonders S. 96 ff. Eine sehr kenntnisreiche, klare und an- ao\thuiche Darstellung durch zwei deutsche Emigranten, deren Vertrauenswürdigkeit der bekannte A ob| Bsbge R. Niebuhr in einem Vorwort bezeugt.-»Deutsche innere Emigration. Antinationalsozia- 937) ae Nsticie Zeugnisse aus Deutschland«, ges. K.O. Paetel(= Dokumente des anderen Deutschland, |enigegeben von Fr. Krause, Bd. IV), New York 1946, bringt unter anderem einzelne Dokumente " tGschichte des Widerstands der Linken.- We survived. The Stories of Fourteen ofthe Hidden and Nefinted of Nazi Germany as told to Eric H. Boehm, New Haven 1949, bringt 14 Lebensläufe deut- ie!ıhr Naziopfer, besonders jüdischer Verfolgter, aber auch E. Gerstenmaiers und mehrerer Kom- #7 Nwisien, von ihnen selbst erzählt, zum Teil sehr anschaulich. Über seine eigene(und seiner Freunde) R| Vintandstätigkeit berichtet Hermann Brill in:»Gegen den Strom«(= Wege zum Sozialismus, yon Ne 1946 mit Abdruck seiner illegalen Schriften. Die Broschüre des VVN.: Die Stimme des anderen ode Ind A ı at\Yand bringt eine bunte, aus lauter Fragmenten bestehende Sammlung von Dokumenten, Lebens- in ungedeckte hin,$ lixen, Pressestimmen usw. aus den Sammlungen des VVN., meist aus kommunistischem Lager ing SRünınd. Ähnlichen Inhaltes: Dokumente des Widerstands: Artikelserie aus der Hamburger Volks- Yechsch"a zitap, Juli-Oktober 1947. In der sozialistischen Emigration in England und Amerika gab es seit dem der Wirtse er"tlecord Lord Vansittarts 1941 äußerst heftige Diskussionen über die Frage, ob das deutsche Volk genitzt W„ Er Hitlertum identisch seien. Vgl. darüber jetzt das sehr sorgsam gearbeitete und aufschluß- ‚gen va Am Buch von Zrich Matthias»Sozialdemokratie und Nation«. Ein Beitrag zur Ideengeschichte der Zild'mokratischen Emigration in der Prager Zeit des Parteivorstandes 1933-1938(1952). Anhang 480 Quellennachweis und Ergänzungen Verzeichnis der wichtigsten sozialdemokratischen Emigrantenpublizistik.)- In diesen Zusamme: gehören wohl die Schriften von Heinrich Fraenkel The other Germany, London o. J., und The people versus Hitler, London 1940, die beide, gestützt aufillegale Berichte aus Deutschland, be‘ wollen, daß die Mehrzahl der Deutschen irgendwie in Opposition gegen Hitler steht. Über die son listische und kommunistische Opposition in Deutschland vgl. auch 4. Rothfels: Die deutsche sition gegen Hitler(deutsche Ausgabe 1949), S. 59 ff., der auch viele amerikanische Emig literatur benutzen konnte. Ferner A. W. Dulks Germany’s Underground 1947, bsonders S. 5 Dulles stand während des Krieges in dauernder Verbindung mit der sozialdemokratischen Emigratid besonders in der Schweiz, und ist sehr gut orientiert.- Eine Masse von Einzeldaten und Zahlen b London 1945/46. Dieses und anderes Material, wie es von den sozialistischen und kommunistisc# Vereinigungen der sogenannten Naziverfolgten nach 1945 gesammelt wurde, findet man in bunter schlecht geordneter Fülle(vereinigt mit Auszügen aus der neueren Widerstandsliteratur, zum wichtigen Nachrichten aus Gestapoberichten usw.) in dem Buch: Der lautlose Aufstand. Bericht Ü@%4,, die Widerstandsbewegung des deutschen Volkes 1933 bis 1945, hg. v. Güntber Weisenborn. Rica\ Huch hat dem Herausgeber das ihr zugeflossene Material über die kommunistische»Rote Kapellf der er selbst angehörte, überlassen. Wenn er sich heute auch bemüht, auch den bürgerlichen Wid@\ay standsgruppen gerecht zu werden, so gehört sein Hauptinteresse doch der namenlosen Masse s listisch-kommunistischer Widerstandskämpfer. In dem Bestreben, den»Widerstand« als allgemi# Volkssache erscheinen zu lassen, häuft er wahllos alles zusammen, was er an Verfolgten des Nez tegimes ermitteln konnte, neben echten politischen Oppositionellen auch bloße Frontdeserteure u.u@ Mit solcher Art von Schrifttum wird nur Verwirrung gestiftet, und es ist zu bedauern, daß kein@Jjy; tingerer als M. Niemöller sich dazu bereitgefunden hat, ein Vorwort dazu zu schreiben. S. 103”Die schärfste Kritik an der Haltung der sozialdemokratischen Parteiführer 1933 übte&]) später zur Verschwörung des 20. 7. gehörige sozialdemokratische Redakteur Julius Leber in seit nach seiner Verhaftung 1933 niedergeschriebenen Betrachtungen: Ein Mann geht seinen Weg(tj]| S. 187 ff. S. 103®Klarste Darstellung bei E. Mattbias, a. a. O., S. 29 ff. Über die»Neubeginner« herrscht der Literatur zunächst eine gewisse Unklarheit. Nach der Schilderung bei Rothfels, S. 61 f. könntes® als eine halbbürgerliche Gruppe erscheinen. Ein Teil ihres Programms von 1933 bei Paetel: In@ Emigration, a. a. O., S. 39ff. und bei Jensen-Weyl: Silent War S. 129 ff., H. Brill, a. a. O., S. 15 dad. ihre Organisation in Deutschland erst seit Pfingsten 1934. Als Verfasser der vieldiskutierten Broseli# »Neubeginn« hat Mattbias, a. a. O., S. 292 jetzt W. B. Löwenheim festgestellt, einen Berliner ya] yı| kommunistischen« Intellektuellen. Das»Zehnpunkteprogramm« der sogenannten Volksfront 1934 findet sich in»Deutsche innere Emigration«, S. 41 f. und(etwas abweichend) bei 4. Brill, S.% Zu seiner Erläuterung schrieb Brill 1938 eine Flugschrift»Freiheit«(a. a. O., S. 61 ff.), deren revolutionäres Pathos stark absticht von den allzu literarischen Erörterungen seiner älteren Schaf »Deutsche Ideologie 1937«(ebenda, S. 18 f.). S. 104 Nach Matthias, a.a. O., S. 292 soll die Gruppe»Neubeginner« in ihrer besten Z& Deutschland höchstens 300 Mitarbeiter gehabt haben. S. 104 1°Das stellt auch 4. Bril! mit scharfer Kritik an der alten SPD in seiner 1937 verful@ Schrift»Deutsche Ideologie«, a. a. O., S. 42 f. fest. Na S. 106 Eine erstaunlich lange Liste illegaler Zeitungen und Zeitschriften aus der Hitlerzeit uni mir 1949 in dem Ostberliner Institut für Zeitgeschichte gezeigt. Beispiele davon bringt das But]. Unser Kampf. zoo Beispiele aus dem antifaschistischen Kampf in Deutschland mit Abbildungen 7 illegalen Zeitungen. Als Herausgeber und Verleger nennt sich J. Altrichter, Prag o. J. Es handelt sd um eine Art von Mustersammlung und Anweisung für die Illegalen. Eine Reiheillegaler sozialistim&@]\|,° und kommunistischer Flugschriften von 1933/34 fand ich in der Hoover-Library, Stanford, Glie|x, nien, in Photokopie.\ rs $. 107 12 Vgl. besonders R. Die's, a. a. O., S. 175 ff. u. ö. SS-Bericht über den zo. Juli(Dr. Kine|\.* Nordwestdeutsche Hefte 1947, Heft 2, S. 30, S.107 1? Vgl. etwa die Lebensläufe von Herbert Kosnay und Günther Weisenborn in dem sed Überlebenden(G. Weisenborn) verherrlicht. Einzelheiten bei R. Pechel: Deutscher Widerstand,$:# nach Mitteilungen eines Verteidigers. Sachlich vollständiger: von Schlabrendorff, 2. Aufl.(1951), 5 gi Die Richtigkeit dieser Darstellung wurde mir von Kennern der Prozeßakten mehrfach bestätigt: Militäroberrichter Dr. Sack(der bekanntlich zur Opposition gehörte und nach dem 20. 7. 19444 Siebentes Kapitel- Kirchliche Opposition 481 htet wurde) soll persönlich bedauert haben, daß ihm die zweifellos landesverräterische Haltung Gruppe jeden Versuch, wertvolle Persönlichkeiten aus ihr zu retten, auch innerlich unmöglich ate, Das bisher vollständigste Bild der aktenmäßig ermittelten Tatsachen gibt die Schrift des taltichters M. Roeder Die Rote Kapelle(Aufzeichnungen) 1952, herausgegeben von seiner Toch- er steht, Über diesö@4 Das Dokumentenbuch der VVN: Widerstandsgruppe Schulze-Boysen-Hatnack, bearbeitet von Is: Die deutsche OpfKl Lehmann, Berlin 1948, beschränkt sich auf Dokumente der innerpolitischen Agitation. Ein Bild tikanische Emigu@idß weltftemden Intellektualismus, in dem sich die politischen Ideen der Schulze-Boysen, Heilmann 1947, bsonders Sud Harnack bewegten, gewinnt man aus den Unterhaltungen Haushofers mit den beiden Erstgenann- okratischen Emigtitfftg über die Rainer Hildebrandt in seiner Haushofer-Biographie(Wir sind die Letzten), S. 138 fi. be- daten und Zahleobtieih-t, Über die Zahl der Hingerichteten schwanken die Angaben in der Literatur sehr stark. Hitlers sgegeben von det 1 1 soll sie nachträglich noch erhöht haben. Nach Roeder handelte es sich indessen um eine Urteils- n und kommunsi@tjson durch einen andern Senat des Reichskriegsgerichts auf Grund juristischer Gutachten und neu- findet man in bunt“ Alk!fundener Schuldbeweise, Roeder gibt 44 Todesurteile an, Dulles 78 Exekutionen. G. Weisenborn tandsliteratur, ze Eioser Aufstand(1953), S. 203 ff. konnte einen Abschlußbericht der Gestapo benützen. Danach e Aufstand, Berih@@bs 118 Verhaftete, von denen 22 wieder freigelassen wurden, 75 Angeklagte. Also kann die von her Weisenorn R=Bilts gegebene Zahl nicht stimmen. Weisenborn, der selbst zur»Roten Kapelle« gehörte, betont istische»Rote Klikaf den Unterschied zwischen»Innerem Kreis«(für innerdeutsche Propaganda) und»Äußerem en bürgerlichen Wekki«(für die Funkverbindung mit Rußland). Jener, schon seit 1936 bestehend, habe von diesem zum ‚amenlosen Mi“#ßtölien Teil nichts gewußt. Über die landesverräterische Tätigkeit des zweiten Kreises begnügt er sich derstand« al allk#*iit chr unbestimmten Angaben abschwächender Tendenz. an Verfolgten dö\# St 10 18 Abdruck siehe Deutsche Innere Emigration, S. 46 f. e Frontdeserteuek®$: 10 1°Die Stimme des anderen Deutschland, S. 116 ff. R. Pechel: Deutscher Widerstand(1947), bedauern, daß El. Vgl. auch G. Weisenborn, a. a. O., S. 175£. schreiben. S 11 7. Brill, a.a. O., S. 88 fr.#; s rteiführer 1933 0 ki; 11 18Mitteilung von Frau Annedore Leber an den Verf. nach Äußerungen ihres Gatten unmit- ur Juls Lehrios Nelt nach den ersten Treffen. 11 10 Mir liegt eine Schilderung der Vorgänge, die zu dem verhängnisvollen Gespräch führten, erlaufs und der weiteren Folgen aus dem Munde des Berliner Arztes Dr. Rud. Schmid vor, in zubeginnere hei“ lese. Wohnung es stattfand und der später auch verhaftet wurde. Ergänzende Mitteilungen erhielt 15.64 1.kie$ hits dem Munde von Frau Rosemarie Reichwein. Danach war Reichwein in dieser Sache am meisten He bei Pal! kin, doch hätten auch Yorck, Fritz Schulenburg und Stauffenberg der Fühlungnahme zugestimmt. 1193 0,51% Nedtwein kam über Jenaer kommunistische Freunde in Fühlung mit dem Berliner Kommunisten il, 3 en Br) Stenten) Ferdinand Thomas, der Verbindung mit dem illegalen Zentralkomitee der KPD besaß und eldiskui ige#\lsVecmittler diente. Die ersten Aussprachen mit einer Nebenfigur(Hein?) verliefen erfolglos; das It, En: Sp:ich am 22. 6. wurde sehr vorsichtig geführt, unter Vermeidung aller Namensnennungen, auch eh Beil letTtilnehmer selbst, unter kluger Führung durch Leber. Der Gestapospitzel(Herm. Rambow, nicht end) re Tkras oder Hein) konnte also der Gestapo nur sehr dürftige Meldungen machen, wie sich bei den ) SE älter 9 Teihmungen bald herausstellte. Bedeutung gewann die Verhaftung für die SPD-Teilnehmer erst, en seinet Hlscie Gestapo nach dem 20. 7. den Namen Lebers auf einer Ministerliste entdeckte. Die Verschwö- ji besten NR tauffenbergs war also dadurch gar nicht gefährdet, wie dieser mit seinen Freunden fürchtete. in ibret T@leıch den Aufsatz Dr. Schmids im»Telegraf« vom 3.1.47, Nr. 2. Die Angaben Henks Die Tra- le les 20, 7. 44, 2. Aufl., S. 53 sind ebenso irrig wie die Vermutung Dahrendorffs, daß Thomas der !Pie| gewesen sei. inen Weg geht sein! ie 4 in seiner 1931 ‚aus det Bier PN An bringt°F° ieknes Kapitel: Kirchliche Opposition je Abbild Er- i d mit ee" Sil3 Als der nationalsozialistische»Rechtswalter« der Reichskirchenregierung Jäger September eng 0.) 9 ya Württemberg eingriff, um den Landesbischof D. Wurm aus dem Amt zu verdrängen, sam- heile. rd) g eh taan in kürzester Frist 100000 Unterschriften im Lande für einen Protest; gegen ein ähnliches ibraf)» Dielen in Bayern(Oktober 1934) protestierten sofort Abordnungen von 60-70000 fränkischen ion! Eier. Eine sehr lebendige Schilderung des evangelischen Kirchenkampfes(der im Rahmen dieses den 20 J ide: ebenso wie der katholische nur gestreift werden kann) gibt das Buch von Heinrich Schmidt ne"\pklyptisches Wetterleuchten. Ein Beitrag der Evangelischen Kirche zum Kampf im Dritten Jeisenbof® Fi 1947. Dazu jetzt die Dokumentensammlung: Kirche im Kampf. Dokumente des Widerstands eh Urdke, Aufbaus in der Evangelischen Kirche Deutschlands von 1933 bis 1945. Herausgegeben von zumeist u i Eirzeiink 1950(betrifft hauptsächlich den Kampf um die Freiheit der Kirche) und die älteren Samm- mau 1 ar Deutsche Kirchendokumente. Die Haltung der Bekennenden Kirche im Dritten Reich von schet wid A 7"enasch, Zürich 1946.- Die Evangelische Kirche in Deutschland und die Judenfrage. Ausgewählte My Fr. te aus den Jahren des Kirchenkampfs, 1933-1943. Verlag Oekumene, Genf 1945. Weiter: "Nienöller, Kampf und Zeugnis der Bekennenden Kirche. Bielefeld 1948.- W. Niese/, Um die Ver- 482 Quellennachweis und Ergänzungen kündigung und Ordnung der Kirche. Die Bekenntnissynoden der Evangelischen Kirche d preußischen Union 1934-1943, 1949. K. Barth, Eine Schweizer Stimme, 1938-1945. Veröffentlich unveröffentlichte Vorträge und Briefe zum Zeitgeschehen, 2. Aufl. 1952. Die amerikanische Lit über den kirchlichen Widerstand verzeichnet H. Rothfels, a. a. O., S. 213, Anm. 39. Eine sehr seitige Dokumentenauswahl, jeweils nach Sachgebieten geordnet, bietet die Schriftensammlung christliche Deutschland 1933 bis 1945. Dokumente und Zeugnisse, herausgegeben von einer Ari gemeinschaft katholischer und evangelischer Christen. Die evangelische Reihe erschien unter& Titel: Zeugnisse der Bekennenden Kirche, herausgegeben von Erik Wolf, seit 1946, die katholisch Fesseln« eine Sammlung von zum Teil sehr eindrucksvollen»Christuszeugnissen aus Lagern und fängnissen«, beiden Konfessionen entstammend. S. 113 Vgl. Dr. A. Picker Hitlers Tischgespräche im Führerhauptquartier 1941-42, geordnet, geleitet und veröffentlicht von Gerhard Ritter, 1951. Abschnitt VII.- Eine Warnung vor dem ol »Kulturkampf« findet sich schon in»Mein Kampf«. Zuletzt war Hitler überzeugt, das Christentum eine hoffnungslos antiquierte Angelegenheit, die eines Tages von selbst absterben werde, wenn ıX vielleicht erst in 100 Jahren. S. 113®In.diesem Zusammenhang verdient auch bemerkt zu werden, daß trotz allen Drucks aller antikirchlichen Propaganda des Nationalsozialismus sich bei der 1940 stattfindenden Volkiak©“0,dav lung 95% der Bevölkerung als Glieder einer christlichen Kirche meldeten. In Berlin waren es ıyj) NyWzi od© Pr uy der F Fi n ul "N immerhin 90%. h y'De R F or- R id S. 114*Der Verfasser hat an vielen Zusammenkünften dieser Art selbst teilgenommen. vi ten Bis *rchlandu \} S. 115®Feierliche Regierungserklärung im Reichstag, 23. 3. 1933. S. 116®Es ist darum auch ziemlich bedeutungslos, wenn amerikanische Autoren festgestellt ha daß ein großer Teil der Pfarrerschaft sich nicht zur Bekenntniskirche hielt(in Berlin 1937 von 4% dir, Kap 240, davon 40 DC., die anderen neutral, s. Rothfels, S. 54). Dahinter stand nicht, was als»Kirchenvolt in Erscheinung trat. Eine sehr eindringende und quellenmäßig gut gesicherte Darstellung der versch‘ nf denen Formen des nationalsozialistisch gewordenen und säkularisierten Deutschchristentums gibs]: Buch von Hans Buchbeim»Glaubenskrise im Dritten Reich« 1953. S. 117 Kaum ein zweites Thema der Lutherforschung hat die evangelische Theologie der lets Jahrzehnte so viel beschäftigt wie die Lehre Luthers von den»Zwei Reichen« und ihr Vergleich® der Lehre Calvins. Auch in meinem eigenen Schrifttum haben die damit zusarmmenhängenden Pr It bleme eine bedeutende Rolle gespielt. Mit den Grenzen der Gehorsamspflicht des Christen habena die Theologen der sogenannten»Bekennenden Kirche« schon früh beschäftigt. Unser Freibun|. ti, Freundeskreis, von dem noch zu reden sein wird, trat Ende 1938 eigens zu diesem Zweck zusamm® Hi Das erste Ergebnis seiner Beratungen war eine von mir redigierte Schrift, die unter dem Titel»Kard ! und Welt« als Studienmaterial heimlich vervielfältigt und verbreitet wurde. Bonhoeffer hat wohl i erster(neben Gerstenmaier) auch die Beseitigung Hitlers als ultima ratio zur Wiederherstellung& Rechtsordnung für vereinbar mit dem christlichen Gewissen gehalten. Wie völlig sich dieser 1] punkt später durchgesetzt hat, ist sehr Ichrreich den Gutachten der Göttinger Theologen Jwand E. Wolf im Braunschweiger Remer-Prozeß 1952 zu entnehmen, die stark unter Karl Barths Ein stehen. Sehr interessant ist es, dieselbe Entwicklung in der Schrift des norwegischen lutherischen® schofs Eivind Berggrav zu verfolgen, die er als Häftling Quislings schrieb: Der Staat und der Mendil“ Deutsche Übersetzung 1946, dort im Anhang ein Vortrag von Berggrav, der in der Quisling-7# heimlich verbreitet wurde und unter dem Titel»Wenn der Kutscher trunken ist« zeigen will, daßs# Luther schon eine Pflicht zum Ungehorsam gekannt habe. S. 117®Aus dem Nachlaß veröffentlicht in der schönen Nachlaß-Sammlung: Widerstand und EI gebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft. Herausgegeben von Zb. Bethge 1951. Zu vgl. istand die nachgelassene theologische Ethik Bonhoeffers, in der das Problem der Illegalität unter demın# sinnigen Begriff des»In-Verantwortung-Schuld-auf-sich-Nehmens« behandelt wird, und der Be=# 1a von Z. Bethge in der Berliner Zeitschrift»Unterwegs« 1947, Heft 6. Ferner das von demselben hems#|© gegebene Bonhoeffer-Gedenkheft 1947 und die Gedichte und Briefe aus der Haft unter dem If im »Auf dem Wege zur Freiheit«, 2. Aufl. 1947. $. 118 Am eindrucksvollsten wohl der Dahlemer Pfarrer(jetzt Bonner Professor) Galli“ Bußtagspredigt vom 16. 11. 1938, abgedruckt in der Zeitschrift Evangelische Theologie 1951 Heft 4. S. 119!0Feierliche Verwahrung:»Wir wollen keine Zufluchtsstätte politisch unzufriedener W mente sein.« Kanzelabkündigung vom 16. 12. 1934 bei Hermelink, a. a. O., S. 232. $. 120 UHirtenbrief vom Juni 1933 bei Job. Neubäusler, Kreuz und Hakenkreuz. Der Kampf n Nationalsozialismus gegen die katholische Kirche und der kirchliche Widerstand(2 Bände 19400 S.52 f. Das Buch bringt die vollständigste Dokumentensammlung. In der Serie»Das ch ristl00 Achtes Kapitel- Bürgerliche Opposition 483 elischen Kirche«it 1945. Veröffentlicht ‚amerikanische L \nm. 39. Ein Schriftensammlun zeben von einer At eihe erschien unt Ag eit 1946, die katl RN tschland«,»Katholische Reihe« erschienen ausgewählte Dokumente: Die päpstliche Enzyklika 1 14, 3. 37 nebst dem sich daran anschließenden Schriftwechsel, Kundgebungen und Eingaben des nskopats, und als Heft 3: Die Predigten Graf Galens nebst interessanten Dokumenten aus dem (bbels-Ministerium u. a. Gesondert erschienen: Hirtenbriefe des Erzbischofs Gröber in»Die Zeit«, iv, K. Hofmann 1947. Weiterhin Dokumentensammlungen verschiedener Diözesen(Köln, Mün- ie, Berlin u. a. m.) \. 121 12Näheres über die fast abenteuerliche Vorgeschichte dieser Schrift berichtet der kitchen- ner dem Title shichtliche Mitarbeiter W. Neuss Kampf gegen d. Mythus d. zo. Jh., Köln 1947. Dort auch weitere .. Wilerstandslit. beider Kirchen. Ein protestantisches Gegenstück(Antwort auf den Mythos, von ssen aus Lagem#4"UP Künneth) hi in drei Auflage | b) erschien 1935 in drei Auflagen. \ 122 Eine Aufzählung hervorragender Widerstandskämpfer aus dem katholischen Lager, wie ER. Pechel, a. a. O., S. 58 ff. bringt, ist hier nicht möglich. Über die katholische Arbeiterschaft im tstand vgl. den Beitrag von Dr. H. J. Schmidt in der Broschüre»2o. Juli 1944«, Sonderausgabe &: Wochenschrift»Das Parlament«, 20. 7. 1953. US 123 Eine in Dachau 1942 zusammengestellte Namenliste(bei Newhäusler, a. a. O., 1, 5. 336 ff.) "tipbt 225 deutsche Priester. 1945 fanden sich dort 1493 katholische Geistliche verschiedener Natio- h: ültäten, davon 791 Polen. stattfindenden NET, 124 2 Zitiert nach Rothfels, a. a. O., S. 53. In Berlin|\ 124 1#Denkschrift Kardinal Bertrams an die Reichsregierung vom 10. 12. 1941. Hirtenbrief der &uschen Bischöfe August 1943 in»Zeugnis und Kampf des deutschen Episkopats«(»Das christliche lgenommel! Deitschland«, Katholische Reihe IT), S. 68 ff. 1941-42, geordie Jarnung vor dem „ugt, das Christeo erben werde, trotz allen Drui toren festgestel Berlin 1937 v00#» Attes Kapitel: Bürgerliche Opposition t, wasals 1.\ 126! Vgl. das Buch von Armin Mobler: Die konservative Revolution in Deutschland 1918-1932. Darstellung de"®| Gradrißihrer Weltanschauungen(1950), das trotz seines schr unglücklichen Titels und seiner seltsam schehristentun®® shmatischen Darstellung eine feißige Materialsammlung bietet, freilich ohne das Chaos zu klären. 2$ 127*Friedrich der Große. Ein historisches Profil. 1936, letzte Seite. he Theologie®$ 128 2Die sozialdemokratische Ideologie dagegen war entscheidend durch westeuropäische Vor- y« und ihr en| Stangen von Freiheit und Nation bestimmt. Das verschärfte noch den schon oben erörterten Gegen- sammenbänp@®“zwischen ihr und den bürgerlich-»nationalen« Parteien. Wie das Buch von E. Matthias Sozial- t. des Christnb®&nökratie und Nation(1952) in sehr interessanter Darlegung zeigt, wurden sich die Führer der SPD aftigt, Unser fr&ss Gegensatzes und seiner historischen Wurzeln in der Emigration nach 1933 ganz klar bewußt. 6. ß g jesemm ZWe$ 129#R. Pechel, a. a. O., S. 75 ff. Die Versicherung Pechels, Papen habe in Marburg als bloßer unter dem Ti! Jastsprecher« Jungscher Gedanken gewirkt, wird von diesem in seinen Memoiren S. 364 energisch Bonhoefer bi? tdsicher mit Recht bestritten. Persönliche Erfahrungen, die ich 1943 in Ankara in einer Vortrags- It Wiederbent"&kıssion mit von Papen hatte, haben mich schon damals überzeugt, daß er es nicht nötig hatte, völlig sich die Scinken eines anderen einfach auszuleihen- ganz abgesehen davon, daß hier das öffentliche Hervor- ‚g Theologet|#"ren die entscheidende Tat bedeutete. Undeutlich ist bisher, was Jung 1934 gemeinsam mit Schleicher ntef Karl Bat“&\erschwörungen spann, doch wohl in Fortsetzung eines langjährigen Kulissenspiels im»Herren- ‚gischen BF" Abe, der so viele chrgeizige Politiker zusammengeführt hat. Staat und 9130®Deutsche Rundschau, Juni 1947, S. 18, 20 f.$ der in det we| 3. 430®Über das politische Verhalten Schleichers nach dem 30. 1. 33 lauten die Nachrichten sehr ‚tazeigen Wl E"ehe Hitler hat nicht nur in seiner Rechtfertigungsrede vor dem Reichstag, sondern auch Hoß- | thtind Meißner gegenüber behauptet, er sei im Besitz schwer belastender Dokumente über seine und ng: wider I) E:öows, seines früheren Mitarbeiters, hoch- und landesverräterische Tätigkeit seit 1933. Dasselbe hat he 195 Zu®;| Au Blomberg vor den höheren Offizieren seines Ministeriums unmittelbar nach dem 30. 6.34 wieder- jlegaliit und bltand näher bezeichnet:»Verbindung von Schleicher mit Röhm aufgenommen. Schleicher sollte „# ‚ Duldung Viecanzler werden, Röhm Diktator. Verbindung mit Frankreich aufgenommen, Bredow ichs des neuen Kabinetts beim Bürgerkrieg. Gregor Strasser auch dabei.« usw. Vgl. Hoßbacb, chen Wehrmacht und Hitler(1949), S. 57. Meißner, a. a. O., S. 372£. Foertsch, Schuld und Ver- Bagais(1951), S. 57. Auch Schwerin-Krosigk, a. a. O., S. 121 f. glaubt an eine erhebliche politische Atirität Schleichers und Bredows. Dagegen spricht: 1. die eindeutige Versicherung von Schleichers fhteem politischem Mitarbeiter Dr. von Carlowitz(brieflich an den Verf.), Schleicher sei nur»un- Mitlbar« nach dem 30. 1. 33 politisch noch aktiv gewesen, später nicht mehr. Später seier einmal bei ‚Entenburg vorstellig geworden wegen Greueltaten der SA, habe aber nur eine frostige schriftliche 1 il ‚je wird, W al 35 von des" ur Haft ut@“ N? Professe) 2 e Theoloß* una sch ‚ Arvort bekommen; 2. die große innere Unwahrscheinlichkeit, ja Unmöglichkeit der Behauptungen 2 D 8 Binbergs; 3. die von Meißner berichtete Tatsache, daß Hitler der Auisforderung Hindenburgs, seine sen Bi@yiise vorzulegen, nicht nachkam; 4. die weitere Tatsache, daß er die von Mackensen in der Schlief- fü Gesellschaft mitgeteilte Erklärung, S.s Unschuld habe sich vor einem Ehrengericht erwiesen, 484 Quellennachweis und Ergänzungen Verdächtigungen hätten sich als gegenstandslos erwiesen. Für Hitlers(oder Görings?) Mordbei4 len inden wird schon die Verbindung$.s mit Gr. Strasser, Dezember 1932, genligt haben. Außerdem wat aM a den S sehr unvorsichtig in der Äußerung seiner Oppositionshaltung, wie unter anderem auch ‚Frangois-Po übe ll Als Botschafter in Berlin, 2. Aufl, 1949,$. 194 bezeugt. Unbegreiflich ist mir, wie Wbeeler-Beal Sl Nemesis of Power(1953),$. 315 mit solcher Zuversicht von erneuter politischer Aktivität$.s im Idı! den 30.6, sprechen kann, obwohl er doch selbst$. 316 die angeblichen Schleicher-Röhmscha I Sun! Ministerlisten, die man ihm damals zeigte, für bloßes Machwerk solcher Wichtigtuer wie des une IR Nıfur ligen Alvensleben hält: eine sehr einleuchtende Vermutung! Vielleicht sind sie der Gestapo in Ik oe Hände gefallen? Über die Möglichkeit, daß Pariser Zwischenträger als Verleumder Schleichers an Ribbentrop eine Rolle gespielt haben könnten, vgl. E. Kordt:»Nicht aus den Akten«(1950), S. mil Amtende Brieflich berichtet mir v. Krosigk von einem Gespräch Schleichers mit d. Ehepaar Lindemann-Bremes I xnin. Frühjahr 1934, in dem er erschreckend offen über den kommenden Röhmputsch u. s, Beteiligung danıt Fi indern gesprochen habe. $.130’R. Pechel, a.a. O., S. 77. Über E. Jungs Unvorsichtigkeiten: Frangois-Poncet, S. 195. scheint, daß Papen selbst in die Pläne Jungs nur sehr wenig eingeweiht war. In seinen Memoiren list man darüber nichts Näheres. Immerhin wird man aus seiner vagen Mitwisserschaft seine Haltung nad dem 30. 6. wenigstens teilweise erklären mtissen, insbesondere die so unterwürfig klingenden Briefe in Hitler, die man ihm in Nürnberg vorhielt.(Wiederabdruck bei Berndorf, S. 289 ff.)- Rauschning, Ge Nail spräche mit Hitler,$. 158 bestätigt die Tatsache einer bürgerlichen Verschwörung, an der er selht I: | widerspruchslos hinnahm; 5. seine feierliche Erklärung in Paris, die gegen Frangois-Poncet erhobe| Su m aus. beteiligt war. Wilh 5. 131® Fabian von Schlabrendor/f: Offiziere gegen Hitler. 2. Auflage 1951, Seiten 21 ff, Hier wird amd Erhinde der Haltung Brnst Niekischs rühmend gedacht, die sicherlich Achtung verdient. Das antinazistisck|} t abe Schrifttum Nickischs indessen(Zeitschrift:»Widerstand«-»Hitler ein deutsches Verhängnis« 198) Nik: Mit scheint mir zu jener Gattung zu gehören, die man politisch nicht ganz ernst nehmen kann: eine ve* worrene Mischung altpreußischer, ja kleindeutsch-protestantischer Ideen mit völkischem und nationa* bolschewistischem Gedankengut. Hitler wird hier nicht als der kommende Diktator geschildert, sow dern deshalb abgelehnt, weil er sich von der echten Revolution(die sich Niekisch als absolute Lo* lösung vom»Westen« vorstellt) auf den Weg der Legalität habe abdrängen lassen und so das gären«: deutsche Chaos»kanalisiere«, statt es vollends zum Brodeln zu bringen. Gleichzeitig bekämpft if Niekisch als angebliche Ausgeburt des bayrisch-österreichischen Katholizismus und des Geistes dit Gegenreformation, der die»l indlich-preußischen-protestantischen Kräfte« verderbe usw. Das ist keit tragbarer Boden für politischen Widerstand, Neuntes Kapitel: Die Haltung der Soldaten S, 133! Vgl. besonders seine Auseinandersetzungen mit Brockdorff-Rantzau wegen der Ostoriat tierung Deutschlands September 1922: von Rabenau Seeckt. Aus seinem Leben. 1918-36 Seite EI} Vollständig veröffentlicht von J. Epstein in der Zeitschrift»Der Monat«]g. I Heft 2 Nov. 1948, Seilt 42-50, danach teilweise Wiederabdruck bei Berndorff a. a.©. 177 ff. Vgl. auch G. W. F. Hallgaries General Hans von Seeckt and Russia 1920-22, The Journal of modern History, Vol. XXINr., ı Marl 1949 p. 28 ff. Für das Folgende s. von Rabenan a. a. O. 388 ff. und die neuere Studie(auf Grund&s jetzt in Washington befindlichen Nachlasses) von Reginald F. Phelps. Aus den Seeckt-Dokumentem Deutsche Rundschau 1952 Heft 9-10, $. 133 2?Die Behauptung Graf Schwerin-Krosigks a. a. O. Seite 116, auch Schleicher habe ihn zur Militärdiktatur gedrängt, wird von dessen späterem politischem Adjutanten Dr. Ad. von Carlowi® ganz entschieden bestritten(brieflich). Im Gegenteil habe Schleicher 1923 auf möglichst rasche B* endigung des Ausnahmezustandes gedrängt. S. 134® Fr. Hoßbach a. a. O. 172. S. 136* Was I. Görlitz Der deutsche Generalstab Seite 382 über den angeblichen Anteil von Ge! dern der Reichswehr, die Schleicher vermittelt habe, an Hitlers Wahlerfolgen 1930 berichtet, stamml (nach brieflicher Mitteilung an den Verfasser) aus einer Denkschrift des Großindustriellen Arnol® Rechberg, die 1946 zirkulierte. Görlitz vermutet heute, daß es sich um ein Mißverstehen etwas zyni= scher Bemerkungen Schleichers durch Rechberg handelt und an Faktischem nichts weiter dahintet= steckt als der Anteil von SA-Gruppen an dem Zuschuß von Reichswehrgeldern zum illegalen Grens- schutz Ost. Diese Vermutung wird von Dr. von Carlowitz geteilt, der dementsprechend die Mit- teilungen Graf Schwerin-Krosigks a. a. O. 116 für eine Lerende erklärt, Daß Schleicher gehofft habe! soll, die Hitler-Partei durch Geld»einfangen« zu können, bedeutet m, E. eine starke Unterschätzum? der Intelligenz des klugen Mannes. Vgl. auch 7. Foertsch Schuld und Verhängnis. Die Fritsch- Kriseiß! Frühjahr 1938(1951) Seite 21. 1sois-Poncet erhob r Görings?) Mordh ben, Außerdem w m auch rar nic, wie/belr-Ba scher Aktivitä Schleicher-Röhr -htigtuer wie des ie der Gestapo eumder Schleich Akten«(1950),$ aar Lindemann-B u. 5, Beteili npois-Ponct, S | seinen Memoi haft seine Haltın ig klingenden B 39 fi.)- Rausihn örung, an der en 21 f, Hier wi at, Das antio! bes Verhängn! ‚chmen kann:€ Ikischem und1 Hilden ktator geschild kisch als ı sen und so dasß ichzeitig, belt us und des Geis derbe usw. DS 1 wegen der© 1, sg1B-30 Heft 2. Nor.! -hG. mE Vol. XXIN Studie(auf 6 1 Seeckt Dok ‚eicher bo? Ir, Ad von| f möglichst lt Jichen At ul 1930 berichte” Bindustn® (ersehen? itständen sich anpassend, die Hitlerfreundlichkeit Seeckts etw: Neuntes Kapitel- Die Haltung der Soldaten 485 3.136®v. Rabenau 11 653, dazu weiter: ebd. 660, 665, 667. Es mag sein, daß v. Rabenau, den Zeit- s übertrieben hat, wie R. F. Phelbs (dis den Seeckt-Dokumenten II, Deutsche Rundschau Okt. 1952 Seite 1022) meint. Ob aber Phelps & se Haltung seinerseits nicht allzu neutral schildert? 3. 137 Auch der damalige Leutnant Graf Stauffenberg, der spätere Attentäter des zo. Juli, gehörte dnul 3.137?v. Papen a.a. O. 246 ff. Entsprechend die Versicherungen Blombergs im Januar 1933 bei Q, Meißner a. a.©. 266. 3. 138®Von der Audienz, die Hammerstein gemeinsam mit dem Chef des Heerespersonalamts v. d. Bissche am Freitag, 27. Januar, 11 Uhr vorm., bei Hindenburg hatte, gibt es zwei einander wider- ‘Bechende Berichte: ı. den v. d. Bussches, abgedr. bei Foertsch S. 26 f., ähnlich in der Frankfurter 52 al andern Papieren in England aufbewahrt wurde und dessen Inhalt mir jetzt Kunrat Frhr, v. Ham- Alzemeinen v. 5. 2. den oben gen. Bericht Hammersteins, der später(ungedruckt) zusammen Ntrstein, der Sohn des Generals, freundlichst mitteilte. Er ist jetzt gedruckt bei X. D. Brache, Die Auf- Kung der Weimarer Republik. 1955, S. 733 f. Von einer zweiten Audienz Hammersteins am 28. Ja- fir abends, also nach der Entlassung Schleichers, bringt dieser Bericht nichts. Was Meißner darüber tihlt(( Ttinehmer erwähnte Gen. v. Stülpnagel schon seit 1931 nicht mehr im Dienst war. Nun bringt aber a. O. 267), bestreitet auch v. d. Bussche, der u. a. darauf hinweist, daß der von Meißner als ılıh Berndorf a. a. O. 261 einen ähnlichen Bericht. Er hat seine Erzählung(wie er mir brieflich mit- ıs dem Mund von Hauptmann Nöldechen, einem der Adjutanten Schleichers, und des Redak- telre tars Wilhelm v. Oertzen(Tägliche Rundschau). Oertzen habe sie wörtlich so von Schleicher gehört, n&h in der Nacht des 28 ‚an dessen Abend diese Audienz stattgefunden habe, und Noeldechen war sehst dabei, als Hammerstein sich in eben dieser Nacht mit Schleicher traf und ihm dasselbe berichtete. Dise Mitteilungen haben mich in der ı. und 2. Auflage dieses Buches veranlaßt anzunehmen, daß Hinmerstein nach Schleichers Entlassung nochmals vorstellig wurde. Dafür könnte sprechen, daß er inseinem oben gen. Bericht angibt, er hätte in der Audienz vom 27.(er datiert sie irrig auf den 26,) dan Eindruck gewonnen, Hindenburg sei völlig unklar darüber, was nun eigentlich geschehen sollte, Wen Schleicher entlassen würde. Sicher ist(und wird u. a. auch von Hammersteins früiherem 1. Adju- itien Gen. Kuntzen- bei Hammerstein jun. a. a. O.- bestätigt), daß der Reichswehrchef ein reines Pasidialkabinett Papen-Hugenberg noch mehr fürchtete als eines mit Teilnahme Hitlers, daß er aber tichzeitig den letzteren nur dann für»tragbar« hielt, wenn ihn Schleicher als Wehrminister»in Zaum halten« konnte, Ob er nun wirklich diesen Gesichtspunkt noch einmal bei Hindenburg vorzu- Iingen gesucht hat, zusammen mit dem(längst entlassenen) früheren Wehrkreiskommandant v. Nlpnagel, und dabei die gröbliche Abfuhr erlitt, von der Berndorff berichtet, oder ob die Zeugen Bnsdorffs und Meißners(die von der Audienz des 27. nichts zu wissen scheinen) die Einzelheiten und Diten verwechselt haben, vermag ich nicht zu entscheiden. Jedenfalls zeigt die Energie, mit der Ham- Bstein auf die Beibehaltung Schleichers als Wehrminister drängte, daß er Hitlers»Machtergreifung« fürchtet, nicht aber gewünscht hat; anderseits hat er ebenso zweifellos einen Einsatz der Reichswehr ten die Hitlerbewegung abgelehnt. $. 139 Die zuverlässigste(wenn auch offenbar unvollständige) Darstellung der Beratungen des Xhleicher-Kreises am 29. 1. bringt 7. Foertsch Seite 28 nach einer Erzählung von dem Bussches, der sbst dabei war. Einzelberichtigung(Generalstabschef Adam war nicht dabei) s. bei Papen Seite 274. Dit wesentlich dramatischere Darstellung Berndorffs 262 a Bericht Hauptmann Nöldechens und der Schwester Schleichers, Frau von Gaudecker; beide gaben wieder, was ihnen Xhleicher soeben erzählt hatte. Eine ganz anders lautende Darstellung bietet Wheeler-Bennett»Thz Nemesis of Power«(1953) 282 ff., der sich auf das obenerwähnte Memorandum von Hammerstein jun. ud auf unveröffentlichte Tagebücher Schwerin-Krosigks beruft. Danach hätte der Industrielle Otto Volffin Köln telefonisch zu dem Putsch gegen Hindenburg geraten und hätte Schleicher durch die Nithricht, Blomberg sei schon als sein Nachfe lger berufen, in Aufregung gesetzt. Das erscheint durch- as als möglich, ist aber nur sehr schlecht bezeugt(Mitteilung des früheren Staatssekretärs Zarden e). Ganz unglaubhaft aber klingt die beruht auf eine Säljahr 1943 an Baron v. Hammerstein jun., ohne jede Zeitanga Nichricht, der Major a. D. Erich Marcks(Schleichers Pressechef) sei nun zu Hindenburg gesandt vörden, um für Hitlers Berufung an Stelle eines Kabinetts Papen-Hugenberg zu plädieren; v. Ham- Nittein jun. weiß nur, daß Marcks seinerseits am Vormittag des 29. vergeblich bei Hindenburg für € Berufung Hitlers eintrat. Marcks war ein politischerAktivist, der damals an Hitlers geschichtliche Nis'ion glaubte. Hat wirklich Schleicher ihn zu Hindenburg entsandt, so kann es sich ebenso wie bei &m Besuch Hammersteins bei Hitler am Nachmittag wohl nur darum gehandelt haben, für die Bei- biltung Schleichers als Wehrminister und gegen ein reines Präsidialkabinett Papen-Hugenberg zu . Vitken. Dazu vgl. auch Foertsch a. a. O. 228 N. 10 nach Mitteilungen von dem Bussches. Schleichers tlowitz versichert mir allerdings brieflich, Schleicher sei zwar im ‚Piliiischer Adjutant Dr. von 486 Quellennachweis und Ergänzungen August 1932 bereit gewesen, gegebenenfalls in ein Hitler-Kabinett als Wehrminister einzutreten, ha sich aber»am 30. Januar 1933 bestimmt nicht darum bemüht«. Wenn das(trotz der gegenteiligen Ver. sicherungen von dem Bussches) zutrifft, so war vielleicht in erster Linie Hammerstein in dieser Ric|| tung aktiv und Schleicher selbst hielt sich resigniert zurück? Die bei Foertsch mitgeteilte Äußerung Reichenaus im Vorzimmer Hammersteins, man sollte Hindenburg eigentlich jetzt festsetzen, ist übe haupt nur dann verständlich, wenn man annehmen darf, daß er von der entschiedenen Opposition Schleichers und Hammersteins gegen das Präsidialkabinett Papen-Hugenberg und von ihrer Besorgnis wußte, daß Hindenburg sich doch noch darauf versteifen könnte. S. 139 1%Die Zwischenträgerei Alvenslebens wird sowohl durch Görings Aussagen vor dem Nil- tärgerichtshof(I. M. T. 26. 9. 1946) wie durch von Papen a. a. O. 273 und durch Hitlers Tischgespr* che, ed. v. H. Picker(195 1) Seite 430 bestätigt. Göring ließ Papen melden(und wiederholte es in Nim- berg), Schleicher habe den Nationalsozialisten angeboten, mit Hilfe der Reichswehr Hitlers Erne« nung zu erzwingen, Papen, der sie nur betrügen wolle, auszuschalten und Hindenburg nötigeniilk unschädlich zu machen, wenn er nur selbst dafür Kriegsminister im Hitler-Kabinett würde, Diese gun unsinnige Nachricht kann nur von Alvensleben stammen, wie auch von Papen vermutet und Schweiit Krosigk mir brieflich bestätigt. Hitler in seinen Tischgesprächen kennt diese Version übrigens nicht,- Papens und Oskat Hindenburgs Aufregung bezeugt 75. Düsterberg, Der Stahlhelm und Hitler(199) Seite 39. n S. 140!!p. Papen a. a. O. 271. Danach sind alle Gerüchte hinfällig, Hitler habe Blomberg auf Ar taten Reichenaus vorgeschlagen. Ausführlich beschäftigt sich damit die oben zitierte Niederschrift di Frh. v. Hammerstein jun.; S. 140 1?In den Tischgesprächen(Seite 430) behauptet er sogar, Hammerstein habe ihm vor dr 30. Januar telefonisch erklärt, die Reichswehr könne seine Kanzlerschaft unter keinen Umständen bill I gen. Das ist freilich höchst unwahrscheinlich und steht im Widerspruch zu einer sonst mehrfach in de I Literatur erwähnten Äußerung Hammersteins:»Wenn die Nationalsozialisten legal zur Macht kon men, soll es mir recht sein. Im anderen Fall werde ich schießen.« i S. 140 IH. Foertsch Seite 33.| S. 140 14 Fr. Hofßbacb a. a. O. 68. S. 142 15Hier sind die bekanntesten Beispiele die Kamarilla Friedrich Wilhelms IV., das Militir.' kabinett Wilhelms I.(Edwin v. Manteuflel), der Generalstabschef Graf Waldersee und General Luder dorf. Aber selbst Gneisenau, der in diesem Zusammenhang oft als glänzendes Gegenbeispiel ange führt wird, war als Politiker reiner Enthusiast und als solcher nicht ungefährlich(vgl. meine Biographt Steins II 54 ff. u. ö. und m. Buch»Staatskunst und Kriegshandwerk« Bd. I[1954], 4. Kapitel). Aut den Kulissenpolitiker Schleicher kann man wohl, bei aller Anerkennung seiner Absichten, einen Maıi des Unheils nennen. S. 143 1°In geradezu klassischer Klarheit formuliert diese Situation eine 1934 nach dem Röhn Putsch vor höheren Wehroffizieren gehaltene Rede(doch wohl Blombergs?), über die gewisse Notiz“ eines Hörers erhalten sind:»Wir bleiben keine unpolitische Armee. Vor Krieg Armee an Kaiser durd Bid gebunden, nach dem Krieg schwankender Staat, Armee unpolitisch, jetzt Armee absolut nation. sozialistisch. Kein Staat tut mehr für seine Armee, Ohne Nationalsozialismus keine Soldatenfreudigkat im deutschen Volk.« H. Foertsch 58. S. 144’Charakteristisch für die Haltung selbst kritisch gestimmter Offiziere jener Anfangsjaht dürfte der bei W. Foerster L. Beck 2. Aufl. Seite 27 abgedruckte Brief von Oberst Halder an Beck von 6. 8. 34 sein mit seiner gewaltsamen Unterscheidung zwischen dem»reinen und von idealistische" Schwung getragenen Wollen des Kanzlers« einerseits, den minderwertigen und revolutionären Parie* organen anderseits. S. 145 1#Mitteilung von Prof. v. Dietze nach mündlicher Erzählung Goerdelers. S. 145 19H. Foertsch 58, v. Papen 357. S. 145 2°Berichte Kaltenbrunners an Bormann, War Dept., Washington. S. 145?!In einem nachgelassenen Aufsatz von H. Mau Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 195) 119 ff. S. 145?20. Meißner a. a. O. 372 f. S. 146 2? Was Wbeeler-Bennett 329 ff. über einen angeblich von Hammerstein und Mackensen zusam men mit über 30 Generälen unternommenen Protestschritt politischen Inhaltes bei Hindenburg be richtet(Kabinettswechsel, Militärdiktatur!), beruht auf höchst fragwürdigem»Quellen«material d= Pariser Emigration. Die ebd. Seite 337 gegebene Schilderung der Führeransprache vom 3. 1. 35, in han | ter betone er zugegeben habe, die beiden Generäle seien einem»Irrtum« zum Opfer gefallen, und ihre Ehre= wiederhergesteilt, widerspricht völlig der Erinnerung des Generals Foertsch, der ebenfalls Ohre® zeuge war, und ist mit den Mitteilungen Meißners 373(dessen persönliche Haltung Wheeler-Bennd# offenbar ganz verzeichnet) nicht zu vereinbaren. Die Darstellung Wheeler-Bennetts über den 30. Jun Müber krieg, Syn Dein. Feige} bung Er "er Binse Neuntes Kapitel- Die Haltung der Soldaten 487 det überhaupt an einer bedauerlich unktitischen Verwertung obskurer Quellenzeugnisse. Der An- ‚ttlder Reichswehr an den Vorbereitungen des 30. 6.(nachweisbar nur für Reichenau und Blomberg, 5 ‚er auch da nur als Abwehrstellung geplant) wird von ihm stark übertrieben und verzerrt. Seine eteilte Auka) richte über angebliche Abmachungen der Reichswehr mit Hitler für den Fall von Hindenburgs Tod stsetzen,(act ofthe Deutschland, 12. April 34) und von dem angeblichen Treffen der Generalität in Bad Nau- enen Opı him am 16. 5. 34, auf dem Blomberg erreicht habe, daß man für die Nachfolge Hitlers(statt des Ge- nihrerBso@ neals Epp oder des Kronprinzen) entschied, werden mir von allen von mir befragten Offizieren, die | drüber etwas erfahren haben müßten, als Märchen bezeichnet und sind sachlich ganz unmöglich. .n vor dem Mi S. 146*Daß es sich um einen wirklichen Mord handelt und nicht um ein Feuergefecht mit den lers Tische“ Hischern, hat schon Berndorff 306 ff. erwiesen. Vgl. auch Vjh. für Zeitgeschichte 1953, 71 ff., u. holteesin\as Wäyeler-Bennett 323. Nach Krausnick a. a.©.(Parlament 24. 11. 55) S. 623 stimmte Blomberg der Ver- ı Hitlers Et h£tung Schleichers zu. zurg nötige 5, 146 25 7, Foertsch 64. Eine ausführliche Darlegung des staatsstreichähnlichen Charakters der Ein- rürde, Diet finrung der neuen Eidesformel bringt 3. Schwertfeger Hindenburgs Tod und der Eid auf den Führer, etundSchw@ it Wandlung III 1948 Heft 6, Seite 563 ff. übrigensnid 5. 147®®Eine mir vorliegende Aufzeichnung des Generals H. G. Zanthier macht u. a. darauf auf- ınd Hitler(4 imtksam, daß vor 1914 der Rekrutenoffizier gehalten war, den zu vereidigenden Rekruten einzu- shärfen, der Fahneneid gelte»bis zum letzten Atemzug«, auch außerhalb des aktiven Militärdienstes Jomberg U"nd auch für diejenigen, welche die Eidesformel absichtlich nicht mitgeschrien hätten! Niederschti@X""5, 147 2?Z. B. Wort der Zweiten Bekenntnissynode der altpreußischen Union an die Gemeinden j;5. 35 und Denkschrift der»Vorläufigen Kirchenleitung« vom Mai 1936 bei Hermelink a. a. O. 251, be ihm vor@ 37 3ır f, Umständent S. 147®? 9. Foerster Generaloberst Ludwig Beck. Sein Kampf gegen den Krieg(2. Auflage 1953) tmehsfachitd*" Site 27. zur Macht} S. 149 291. M. T. XX, 657 Aussagen General Mansteins.- P. Bor Gespräche mit Halder(1950) Site 111. $. 149 830 9. Foerster Generaloberst Ludwig Beck 1953(2. Auflage des 1949 erschienenen Buches: Em General kämpft gegen den Krieg) Seite 32, 51, 54, 58 f., 62. F IV., ds 3. 151 21Der Verfasser hatte während des Krieges mehrfach längere Aussprachen mit ihm unter vier | Generall* Aigen über kriegsgeschichtliche und politische Fragen. enbeispiel®$. 151%2Diein der 2. Auflage des Buches von W. Foerster gesammelten Zeugnisse seiner ehemaligen meine Big? Mitarbeiter betonen ebenso die Überlegenheit seiner Führung auf Generalstabsreisen wie die»Kühn- , Kapite) h kt seines Entschlusses«. Manstein(a. a. O. Seite 50) ist überzeugt, daß er diese Eigenschaften auch ten, einen) in Krieg gezeigt haben würde. Ganz allgemein ist das Lob seiner schlechthin überragenden militäri- xien Begabung. Gegen die Kritik Guderians wird betont, daß er durchaus nicht rückständig gewesen „ch dem BF elän seiner Einschätzung der Panzerwaffe, wohl aber Gegner einer ausgesprochen offensiven Auf- gewisseN®"|"llcung,; ‚an Kalt a 33 Völlig verfehlt ist die Charakteristik Wbeeler-Bennetts Nemesis of Power, p. 299, der den „bsolutoo Gegensatz zwischen ihm und Hitler wesentlich darauf zurückführen will, daß Beck nur dann Krieg datenfreue® Dichen wollte, wenn er gute militärische Chancen bot. N. 152 MYoßbach a. a. O. 152. ®\. 152 95 97, Foerster, 1. Auflage 44 ff., in der 2. Auflage gestrichen.; i Ä\. 152 30 Vor allem durch die mehrfach zitierten Bücher von Fr. Hoßbach und H. Foertsch. Ältere lieratur und Quellen s. bei Foertsch. Die Darstellung bei Wbeeler-Bennett 364 leidet an manchen Irr- linern und Ungenauigkeiten. Das von ihm benutzte Memorandum O. Johns ist durch Rundstedts {gene Niederschrift(bei Foertsch 102) entwertet. \. 153 7 Nach A. WWirnig Aus zwanzig Jahren, Seite 107 bezeichnete es Fritsch ausdrücklich als seine \ugabe, für den Frieden zu rüsten und nicht für den Krieg. Nach Foertscha. a. O. 112 f. dachten selbst !eichenau und Blomberg ähnlich. \ 1.1548. Foertsch a.a.©. 213. Diese Formulierung scheint mir nicht glücklich. Im übrigen ver- denen die Betrachtungen Foertschs in seinem Schlußkapitel aufmerksame Würdigung als sehr ernst- Aifer Versuch einer politischen Selbstbesinnung des Soldatentums. \. 155®Das Reichskabinett erfuhr(nach briefl. Mitteilung Dr. Schachts) nur die Beschuldigung fgen Fritsch(2. Febr.), nicht den Freispruch.- Eine mir vorliegende Aufzeichnung des früheren (eteraladmirals Boehm, der die Erklärungen Hitlers am 4. 2. und 13. 6. 38 mit anhörte, versichert, daß kiter der Hörer daran zweifeln konnte, dem Führer sei es ernst mit seinem Bedauern über die un- lükliche Affäre Fritsch gewesen, schließt sich dem Bericht General Liebmanns(bei Foertsch Seite 130) Wlig.an und polemisiert gegen die ebd. Seite 131 abgedruckte angebliche Erzählung Kluges als un- Atbwürdig. Sollte sich letztere aber nicht auf eine andere Ansprache beziehen?— Über einen von ker geplanten, von Canaris u. Hoßbach entworfenen Protestschrittder Generäle s. W. Foerster a.a. O. hicht® | gesc 488 Quellennachweis und Ergänzungen Tehntes F 15G, zählt und desseı ds konseryati 0(Labour} “\tKehna u, 1 Brieflich etend infolge 74. Nach einer Mitteilung O. Johns, auf die sich Wbeeler-Bennett 378 bezieht, hätte Beck zunächil] Fritsch zu einer Pistolenforderung an Himmler veranlaßt, die aber Rundstedt, der sie überbringens te, mit Einverständnis Fritschs schließlich doch zurückhielt,| S. 155 4%Mem.- G. spricht von Vorstellungen bei Gürtner, Schwerin-Krosigk, Schacht, Genen Heitz(Präsident des Reichsmilitärgerichts), General List in Dresden, Högner, dem Stabschef Rund| stedts, Generaloberst Brauchitsch. S. 155“1Mitteilung des Generals Röhricht bei 4. Foertsch S. 236. Röhricht gab sich mir gegenübe‘ schon 1943 ganz offen als erbitterter Feind des Regimes zu erkennen. S. 156#2P. Bor, Gespräche mit Halder(1950) Seite ı 13 nach den Spruchkammerakten und min! lichen Mitteilungen. i Zehntes Kapitel: Goerdelers Auslandsreisen 1937/1938. Die Tschechenkrise 1938 { rnBiro des D FR Nor, 1944 S. 158 1Das Folgende nach den Mem. von 1944. one in Ne S. 159*Mirliegen darüber verschiedene Aufzeichnungen der Herren Walz und Schloßstein vor,de 1945 niedergeschrieben sind, ergänzt durch mündliche Mitteilungen(1953). Vgl. auch 7. Huf, Robert Bosch(1946). Die Anknüpfung mit G. seit 1936 hätte nach Heuß Seite 674 und Schloßsta zuerst Theodor Bäuerle vermittelt, was dieser(brieflich) bestätigt. Weiterhin berichtet Walz, er sell habe 1936 Dr. Goerdeler in Leipzig im Rathaus aufgesucht und mit ihm bereits damals gewisse Pie zum Sturz der Hitler-Regierung besprochen. G.s»Memoiren« erwähnen davon nichts, wohl ıbet y eine Einladung Boschs und Walz’, nach Stuttgart zu kommen, die er auf der groß aufgezogenen Fig von Schachts 60. Geburtstag(22. Januar 1937) erhalten habe. S. 161?Die Mem. sprechen von Mai bis Juli. Ein im Nachlaß befindliches Schreiben aus Londes (ohne Unterschrift) vom 27. 8. 39 setzt den Empfänger noch in der Schweiz voraus. Er waraberd«|._ mals schon über Berlin nach Schweden gegangen(s. unten im Text des folgenden Kapitels).— Für de y, u Folgende liegen mir Abschriften der großen Reiseberichte vor, aus allen oben genannten Ländern, 5, Frankreich und England solche von 1937 und von 1938. Dazu Reste der Korrespondenz mit engl AU von schen und amerikanischen Freunden 1937-39, meist unter Benutzung von Decknamen geführt, die sd nicht mehr alle mit Sicherheit auflösen ließen.»Reisetagebücher«, die nach Angabe der Mem. aulk- dem noch vorhanden und von der Gestapo 1944 beschlagnahmt sein sollen, waren mir nicht erreichhi S. 161 Nach G.s Aussagen vor der Gestapo 1944 vermittelte ihm Fritsch die Verbindung mit d@ deutschen Militärattaches im Ausland. S. 162®Unter den Nachlaßpapieren findet sich sogar eine längere Darlegung über das italienisc“ Steuerwesen(in deutscher Sprachel), die ein Referent des italienischen Finanzministeriums(Bellon) im Auftrag seines Ministers für G. verfaßt hat.| S. 162® Januar bis Mitte März 1938; Mitte April bis Anfang August 1938; Mitte Dezember 13), bis Ende Februar 1939. S. 163?H. Schachbts Mem. Seite 479 berichten von ähnlichen Eindrücken in Brüssel 1937. S. 164®Vgl. etwa das Protokoll der Unterredung von Lord Halifax mit Hitler am 20. 11. 37: Akt zur deutschen auswärtigen Politik 1918-1945(ADAP) Serie D Band ı Nr. 31. Dazu Churchill: Di Zweite Weltkrieg(deutsche Ausgabe) I 295 ff. und Keith Feiling Thelife of Neville Chamberlain(1947) P- 332 ff. Für die französische Politik ADAP. Serie D Band ı Nr. 22 ff., 70 ff. Den Besprechung® Schachts mit Blum über die Kolonialfragen im Mai 1937 war eine ähnliche schon im Frühjahr 19% vorangegangen, die aber auf deutscher Seite ohne Erfolg blieb. Vgl. dazu: a. a. O. 70 und H. Schal, 76 Jahre meines Lebens(1953) p. 477 ff. S. 165®Churibill a.a. O. 1 276£. S. 165 1°Briefan Dr. Reinhold Schairer, den Haag 27. 7. 37. Darin heißt es:»in Brüssel hatte ich&# gewünschten Gespräche; den Erfolg schen Sie in dem belgischen Vorschlag«(fehlt). S. 165 1 Die»Mem.« berichten davon, daß ihm Graf Welczeck 1937 von den Bemühungen Delbo' und Blums erzählte, mit der Hitler-Regierung auf dem Weg über Kolonial- und Wirtschaftsabkomm#i zu einer Verständigung zu kommen. Vgl. dazu ADAP INr. of. R S. 166 12Sie sind besonders sorgfältig gearbeitet, sehr anschaulich und frei von groben Vercir fachungen. S. 1671? Abschluß des englischen und kanadischen Handelsvertrages mit USA: 17. Nov, 1938. Übz‘ die Vorverhandlungen und die politischen Absichten, die Washington damit verband, s. Cordell’Huh Memoirs(1948) vol. I chapter 37, p. 518 ff.; die Auffassungen G.s werden dadurch weithin bestätigt. S. 168 14Über Versuche Schachts im Januar 1937, die amerikanische Politik für eine große, vB amerikanischen Präsidenten einzuberufende Friedens- und Abrüstungskonferenz aller Mächte 27 interessieren, vgl. Cordell Hull Memoirs I 546 f. Roosevelt ging darauf ein, Hull lehnte den Vorschlit als praktisch aussichtslos und gefährlich(Appeasementpolitik!) ab. Zehntes Kapitel- Goerdelers Auslandsreisen 1937/1938 489 Be zul\_ 168 15G, zählt auf: Lord Riverdale in Sheffield(Stahlwerk Balfour), Prof. Young(Universität € überbringen Ludon) und dessen Neffen Richard Stopford, Dr. Joan Fry, eine führende Quäkerin, Sir Wyndham Dides(konservativer General a. D., Vansittart nahestehend), Sir Archibald Sinclair(Liberaler), Nictison(Labour Party), Lord Astor(Times), Garvin(Observer) und eine Reihe Bankleute(Brand, iner, McKehna u. a. m.). \. 168 4Briefliche Mitteilung Brünings an den Verfasser. Ein erster Versuch 1938 war gescheitert, | scheinend infolge von irgendwelchen Warnungen, die Schairer an G. übermittelte, Mündliche Mit- ıngen erhielt ich von Dr. Schairer, briefliche von Mr. A. P. Young. \. 169 7 Er nennt noch einige Vertreter der Presse(New York Times), der Bankwelt und Schwer- tdıstrie. Bine ähnliche Rolle wie Dr. Schairer in England scheint in USA dessen Freund Spencer- ler gespielt zu haben, Jugendleiter in New York, ferner GotthilfP. Bronisch in Summit, N. J., den (rom Büro des Deutschen Städtetages her kannte. In einem Brief an seinen Gefängniswärter Bran- &isurg(Nov. 1944) nennt G. noch als»treuen Reisebegleiter in USA Richard Adams, dessen Adresse Il: Mooney in New York weiß«. \ 169 18V gl. Wheeler-Bennett, Nemesis of Power 386. \ 169 1#G. nennt: Theunis, Copp£, Franck(Präsident der Nationalbank), van Kessel, van Zeeland, Nexice(dessen Mitarbeiter), D. Heinemann, Stadtrat Finckh(Brüssel). "S 169 2Durch Dr. Schairer mündlich. $ 169 21Ich vermute: Spencer-Miller. Veröffentlicht von Fr. Krause als»Goerdelers politisches nichts, woll40 Tekament. Dokumente des anderen Deutschland«. New York 1945 Seite 19-48. ufgezogentl N 170 2% Auffallenderweise ist weder von der Judenverfolgung noch von den Schrecken der Kon- 2ationslager die Rede. Über letztere war G. 1937 vielleicht noch nicht ausreichend orientiert, und eiben aus LEI 2Fdi\Judenhetze setzte in voller Heftigkeit erst ein Jahr später ein. s, Er warst ER 172 22H. B. Gisevius, Bis zum bitteren Ende I 417 ff. Dazu G.s Mem. In Nürnberg(I. M. T. % Ban! ‚ Schacht, Get u Stabschef Rı > ich mi gegen rakten und cr chloßstein v apitels) XII, 223) schrieb Gisevius auch dem Reichsbankpräsidenten Schacht eine große Aktivität in nten Län# Sache zu, von der Schacht selbst nichts berichtet. Nähere Mitteilungen über die Putschpläne des ondenz mie" Ritlfahrs 1938 machte Huppenkothen am 5. 2. 51 vor dem Münchner Schwurgericht aus zwei Akten- n geführt, dt" bc der sogenannten»Zossener Funde«. Danach plante man Festnahme Heydrichs und Himmlers, ‚der Men.2'"A: Appell an die Öffentlichkeit, dann Information Hitlers, der vor vollendete Tatsachen gestellt rnichtei Srien sollte. Machte er nicht mit, so sollte die Generalität zum Staatsstreich aufgerufen werden. bindung=! Dei- Angaben hat Oster bei seiner Vernehmung durch die Gestapo bestätigt: Bericht Kaltenbrunners aformann(im folgenden»K. B.« zitiert) 2. 10. 44. 3.072# Über die Absicht, das österreichische Problem jetzt zu lösen, wurde G. schon im Februar dich Neurath unterrichtet(Mem.). \.t72 2° Wie der rege Briefwechsel des Winters 1937/38 zeigt, bemühten sich auch amerikanische - Dezemit Bande(besonders Bronisch und Miller) um eine Vortragseinladung nach USA, die dann schließlich | ‚Aherfolgte(durch das Industrial Conference Board), aber von G. aus Gesundheitsgründen abgelehnt \vr=. In England bemühte sich u. a. Mr. A. P. Young um seine Einladung; Wheeler-Bennett hatte Rücft, ihm eine Einladung des Chatham House verschaffen zu können. Der Vortrag liegt mir in halb dkticher, halb englischer Fassung vor. Einzelheiten über den Londoner Besuch(15. 3.-14. 4. 1938) en biüt- eine Aufzeichnung(Bleistiftskizze), die G. zu seiner Verteidigung gegen die unten(s. Anmer- n Bespred# Kur 32) erwähnte Denunziation verfaßte. i i im Früh%172 2Mündliche Mitteilung von Dr. Schairer. Ein schon vorbereitetes Diner zu Ehren des 2“ts sei wieder abgesagt worden. In der Korrespondenz der Freunde im Winter 1937/38 ist die \RHe von Versuchen, den im April in der Deutschen Rundschau erschienenen Aufsatz»Der große Im(s. oben Kapitel 4 Anmerkung 32) in der amerikanischen Presse unterzubringen. Er : co] hatte teliert Roosevelts New Deal und Blums Wirtschaftsexperimente mit deutlicher Spitze gegen 15 tes Wirtschaftspolitik. Weiter ist die Rede von einem Aufsatz über»Wirtschaftskonferenz« inl önem»Oslovortrag«. Letzterer wurde(nach den Mem.) im März 1937 in Oslo in Gegenwart des "@mgischen Königs gehalten und behandelte wie immer die Grundsätze seiner liberalen Wirt- Sufspolitik, 172 278, oben Anmerkung 16.> N 173®®28. und 29. April. S. Documents of British Foreign Policy(DBFP) III, ı Nr. 164. Vansittart kn daran teil. "173®DBFP III, ı Nr. 166(2. 5. 38). Stra Vgl. die Darstellung Wbeeler-Bennetts]. c., der selbst zeitweise im Dienst des Foreign Office 'tad er das steriums jo und. ira 1 Aufzeichnungen der Herren Walz und Schloßstein, auch Mem. N!r4®2Schacht gelang es, ein glattes Dementi seiner Freunde in der Bank von England zu er- eier, Hj. Schacht, 76 Jahre meines Lebens(1953) Seite 548. Dazu Gisevius I, 448 f., dessen Dar- 490 Quellennachweis und Ergänzungen stellung die Mem. im wesentlichen bestätigen. Weitere Mitteilungen verdanke ich den Söhnen G. hat Schacht diesen Freundesdienst sehr hoch angerechnet. j S. 176?2So die Mem. an zwei Stellen, mit geringen Abweichungen in der Angabe der Eroberung ziele. Wiedemann, der zur Friedenspartei in der Reichskanzlei gehörte, hat dann doch noch imEi verständnis mit Hitler eine Friedensmission nach London unternommen: Unterredung mit Lat Halifax am 18. 7. 1938, siehe Documents on British Foreign Policy 1919-1938(DBFP.), III. ser“, vol. 1, Nr. 510-511. In den Wiedemann-papers der Library of Congress in Washington fand ich Aıl zeichnungen W.s darüber, die zeigen, daß er Hitlers Auftrag, eine sehr drohende Sprache in Lonct zu führen, nur stark abgemildert ausgeführt und von sich aus versichert hat, er glaube nicht, cı Hitler schon dieses Jahr Krieg machen werde. In seinem offiziellen Bericht an Ribbentrop für Hixk wagte er das nicht zu melden. Über seine englischen Eindrücke hat er ausführlich den Generalstais 4 chef Beck unterrichtet, s. W. Foerster a. a. O., 2. Aufl., S. 128. Nach E. Kordt, Nicht aus den Akttı (1950),$. 234 fiel er trotzdem bald darauf in Ungnade, weiler Becks Meinung vertrat, England werk im Kriegsfall wohl kaum neutral bleiben. Vgl. auch Hasse//s Tagebücher, 3. Aufl., S. 48(Versetzung nach San Francisco). Im Spätherbst war er indessen noch als Vermittler für G. tätig(s. unten Kapitl 11, Anm, 16). S. 176?4Daß solche Besprechungen um den 22.5. auf dem Obersalzberg stattfanden, meltt}\ DBFP. III, ı, Nr. 275, 279. Für das Weitere s. die seit dem 21. 4. 38 laufenden militärischen Vorbei tungen für den»Fall Grün«, siehe IMT, Dokument 388 PS, Bd. XXV, S. 414 ff., zum Teil wiect abgedruckt: ADAP. Serie D, Bd. 2, S. 236 ff.»Weisungen für den Fall Grün« vom zo, 5. u. 30.| ebenda Nr. 175 u. 221. Führerbesprechung am 28. 5. bei W. Foerster, Beck, 2. Aufl., S. 107 f., dan E. Kordt a. a. O., S. 228. Die»Maikrise« behandelt ausführlich /. Wbeeler-Bennett, Munich. Prologue® Tragedy(1948), S. 55 ff. Was Fritz Hesse, Das Spiel um Deutschland(1953), S. 118 ff. über die»Mbi- krise« mit wichtigtuender Miene vorträgt, läuft auf die Aufbauschung einer m. E. en unbeweisbaren Vermutung hinaus. Um die schwere Besorgnis der Briten vor einem»Gewaltalkt Hitlers in Böhmen zu erklären, bedarf es keineswegs der Vermutung, sie hätten durch Spionage du Aufmarschplan»Grün« vom 20. 5.(der übrigens sicherlich nicht»von Keitel angeregt«, sondern vıt Hitler befohlen war) kennengelernt. Haben sie ihn wirklich gekannt, so können sie daraus noch nie eine unmittelbar bevorstehende Aktion herausgelesen haben, die ihre Haltung am 2o./21. Mai zux* klären vermöchte. Übrigens schwankten sie höchst unsicher zwischen Besorgnis und Zuversicht, tr@2 allem zu einer friedlichen Kompromißlösung zu kommen, und eben diese Inkonsequenz wurde wx“ hängnisvoll. Was Hesse weiterhin über einen spionierenden»englischen Offizier« zu melden weiß,& »im deutschen Generalstab eingebaut« gewesen und darin»zu einer der höchsten Stellungen auf@* stiegen« sein soll, klingt zu wunderbar, als daß man es dem Verf. ohne weiteres, d. h. ohne Namer* nennung und konkrete Beweise, abnehmen könnte, Über die Verbindung des englischen Mill attaches mit einem unbekannten deutschen Offizier siehe unten. Sie ist erst für August bezeugt. S. 177®®Es wird nicht ganz ohne Bedeutung sein, daß um eben dieselbe Zeit sich der tyrannisd’ Charakter des Regiments durch die Festsetzung des militanten Pastors Niemöller trotz gerichtlich Freispruchs erneut bestätigte. S. 177®°Das Folgende nach W. Foerster, a. a. O. S. 178®”Nach der von W. Foerster, 2. Aufl., S. 98 mitgeteilten Aufzeichnung Becks sind alle in di? bisherigen Literatur üblichen Berichte über erregte Aussprachen Becks mit Hitler als Legenden i# betrachten. S. 178®®Die ersten dieser Memoranda vom 5. und 29. 5. wurden schon vor der Weisung sk OKW. vom 30. 5. ausgearbeitet, decken sich aber inhaltlich weithin mit den späteren(3. 6. und 16.7: Nach Krausnick a. a. O.(Parlament, 16. 11. 55), 688, schrieb Vizeadmiral Guse(Marineleitung) dam ähnliche Denkschriften. $. 178®Mir liegen seine 1945/46 verfaßten Niederschriften vor: Gedanken und Ereignisse- D® Opposition- Der Kampf gegen den Krieg(Ms.). S. 179*°Gamelins Schätzung: DBFP. III, 2, Nr. 1143, Anmerkung. Britischer Militäratai Stronge in Prag(3. 9. 38): ebenda Nr. 794. S. 180#!Das Nähere bei Foertsch, S. 173 ff. S. 180#2 Tagebuch Jodls vom 13. 9. beilYbeeler-Bennett, Nemesis S. 419; dazu Brauchitschs Angak= IMT. Bd. XX, S. 621 f.(unmögliches Datum). S. 184#IMT. XX, 679. S. 186 44Die Entlassung vollzog sich in ungewöhnlicher Form. Nach einer von Otto John u menden Aufzeichnung, die Wbeeler-Bennett, Nemesis, S. 404 wiedergibt, hätte Beck am 18.8. seins Abschied»nach einer stürmischen Szene mit Brauchitsch« erbeten, in der dieser ihm ein kate| Verbot aller politischen Diskussionen in der Armee durch Hitler übermittelte. W. Foersier weiß da‘ e nichts, berichtet vielmehr, daß Hitlers Rede in Jüterbog vor den Generälen(15. 8.) den Anstoß 2 Meets) Bine er: Sgesment, The #4 Remer Emil BEAT, 1953, EN Protoke 1, en I, Zehntes Kapitel- Goerdelers Auslandsreisen 1937/1938 491 ı den Söhsen() ‚chiedsgesuch gegeben hätte. Weitere Aussprachen mit Brauchitsch am 24. und 26. August hätten n, daß Hitler ihn bitten ließ, seinen Abschied»aus außenpolitischen Gründen« vorerst nicht int werden zu lassen. Seit dem 18. tat er keinen Dienst mehr, verabschiedete sich aber von seinem erst am 27. und übergab an diesem Tag die Geschäfte an seinen Nachfolger Halder. Er wurde itichst zum Oberbefehlshaber an der Westfront ernannt, reichte aber am 19. Oktober auch als sol- IBFP.) II. x=\Feit! seinen Abschied ein und wurde unter Beförderung zum Generaloberst am 31. Oktober entlassen, gton fardichli| Je:»stürmische Szene« vom 18. August wird durch diese Mitteilungen unwahrscheinlich. In der ;prachein Li| Sit-tenkrise hat sich Beck nach seiner Entlassung völlig zurückgehalten, was auch Gisevins IL, 115 glaube nich,©| bsätigt, bentrop für!$ 186 45DBFP. III, vol. 1-2.- ADAP., Serie D, Bd. 2.— Dazu die Quellensammlung des Chatham e der Enbenz!» loch noch im! rredung mit| den Genenku|| Hoise: Survey of International Affairs 1938, vol. II: The Crisis over Tzechoslovakia, January-Sep- cht ausden A| tmber 1938, London 195 1, mit Einleitung von A. Toynbee.- Fritz Berber, Europäische Politik 1933 bis at, England)| gr Spiegel der Prager Akten. Essen 1941.- In mancher Hinsicht ergänzend: John Wheeler-Benneit, ‚5.48(Ver|| Munich. Prologue to Tragedy. 1948.(Mit scharfer Kritik der Appeasement-Politik Chamberlains und g(s, unten K Binnets.) Eine erste Auswertung der Aktenpublikation versuchte Gordon A. Craig, High Tide of Auteasement. The Road to Munich. 1937/38 in: Pol. Science Quarterly, Vol. LXV, Nr. ı, March tattfanden, m|yjı. Ferner Emil Schieche, Prags Annahme des englisch-französischen Plans am 21. 9. 38 in: Stifter- ärischen Vet" Fjahtuch III, 1953. An Memoiren sind zu vgl.: Georges Bonnet I, Defense de la Paix. 1946. II, Fin d’une „zum Telw"|Eipe 1948. Gekürzte deutsche Ausgabe des Ganzen unter dem Titel: Vor der Katastrophe, 1951 ym 20,5.(sh! geschickte, aber angesichts der Aktenpublikationen nicht sehr überzeugende Selbstrechtferti- gut; des Verf.). Maurice Gustave Gamelin, Servir II, 1946.- W. Churchill, Der Zweite W eltkrieg I, | Kapcel 16.- Ich verzichte im folgenden darauf, jeden einzelnen Satz durch Quellenzitate zu belegen. $187 4°DBFP. II, Vol. 1, Nr. 164. \$187 4 Protokoll der Sitzung des Comit€ permanent de la Defense Nationale vom 16. 3. 38 bei Gmmdin, Servir II, S. 322 ff. Es ist höchst erstaunlich, daß Gamelin hier erklärt, der Versuch eines frnSsischen Angriffs würde auf eine»zone dejA fortifice« stoßen(im März 19381), also zu»lang- Wiegen Operationen führen«. Die russische Armee und Luftflotte würde praktisch wenig ausrichten können. Am 12. 9.(ebenda S. 344) gegenüber Daladier äußert sich Gamelin etwas optimistischer, er- klitaber einen Angriff am Oberrhein für völlig aussichtslos, allenfalls könnte man gegen den Mittel- d Zuerich!bin über das Saarland vorgehen; doch stünden dafür infolge des Fehlens der Truppen an der Alpen- See und in Nordafrika nur 50-60 Divisionen zur Verfügung, die auf deutscher Seite etwa auf die- z word lad seht Zahl(I) stoßen würden, so daß es ein schweres Ringen geben würde, ähnlich der Soemmeschlacht Stellungen 196. Hiernach bleibt es völlig rätselhaft: 1. wie Gamelin sich trotzdem am 26. 9.(ebenda S. 351 f.) Ih ohne inkındon verhältnismäßig optimistisch äußern konnte, allerdings in sehr vorsichtigen allgemeinen 3 Viche Walungen; 2. wie man im deutschen Generalstab die Erfolgschancen der Franzosen so sehr viel u häk} einschätzen konnte; 3. wie Gamelin auf 50-60 deutsche Divisionen am Rhein zählen konnte; Ka#"Yi er dazu kam, dem britischen Militärattache gleichwohl im Januar 1939 zu versichern, es hätte eg; Wan der widerstandslosen Selbstpreisgabe der Tschechen gelegen, daß die französische Armee nicht trotz Bf m%»tember ohne große Schwierigkeit die»Siegfriedlinie« durchbrach. Diese sei damals nur schwach Deitant gewesen(11 Divisionen an der ganzen Westfront), mehr ein Hindernis als ein Vorteil für litD>utschen, der Zement erst halbtrocken, die Unterstände also noch nicht beziehbar!(DBFP. II, 3, Nt5}0). Auch C. Bonnet übt scharfe Kritik an den widerspruchsvollen militärischen Auskünften Senlins und schildert ihn als einen bloßen Radoteur(deutsche Ausgabe$. 264 u. ö.). 188#8Das Folgende nach DBFP. III, 2, S. 683 ff. Er ließ seinen Besuch durch den britischen [ticattache anmelden. Henderson, der diese Meldung nach London am 16. 8. weitergab, unterließ id, vor seinem Empfang»in official quarters« zu warnen.- Die Mitteilung Schlabrendorffs, 2. Aufl., "der englische Pressekorrespondent Jan Colvin habe Kleists Besuch vermittelt, scheint hiernach {er Über den deutschen Verbindungsmann des britischen Militärattach&s vgl. DBFP. III, 3, Nr. 505 dr!"ten Anm. 51. Jan Colvin, Chief of intelligence, London 1951, S. 60 ff. gibt eine ausführliche Schil- enng der Reise Kleists, berichtet aber nichts von eigener Mitwirkung, obwohl er sonst sehr viel cher gr Disinen Beziehungen zu Kleist, Canaris, Schlabrendorff u. a. erzählt. \139 Nach Fabian von Schlabrendorf bei Wheeler-Benneit, a.a. O., S. 413 wurde dieser Brief ara i Aeieschland in mehreren Exemplaren kopiert, von denen eines nach dem 20. Juli 1944 der Gestapo zuchiise® It de Hände fiel und Kleists Todesschicksal besiegeln half. Die Angabe von Schlabrendorffs, S. 52, er *tidücch Canaris 1938 vorgelegt wörden, ist nach Mitteilung Herrn von Schlabrendorfis an den Verf, oakinzu präzisieren, daß Canaris seinen Inhalt in nicht näher bekannter Weise in einem Vortrag vor liter verwertet haben will. Ohne Angabe des Empfängers findet er sich auszugsweise in einem Mlhbericht über ausländische Stimmen zur Tschechenkrise, den das Auswärtige Amt am 6. 9. 38 i ANürnberg sandte, s. A.D.A.P,, Serie D, Bd. 2 Nr. 463, p. 542 u. Nr. 394. Er kam also voll zur im? 492 Quellennachweis und Ergänzungen Tchntes S. 190 5° Churchill, a.a. O.1S. 357£. Blainto get S. 191®!DBFP. III, 2, Nr. 658. Das Folgende: ebd. Nr. 692, 775, 815, Appendix IV, 4.d. voll,| aäBetlin ga p- 707, doc. V, Als»Informant« der Engländer hat sich Dr. Krausnick gegenüber der DBFP. ID, nk Weiz Nr. 595 genannte Rittmeister a. D. Viktor v. Koerber selbst gemeldet. ‚um Sir S. 192®2Chamberlain hat die praktische Wirkung des Luftbombardements offenbar weit üht. schätzt. Auf einer britisch-französischen Besprechung in Paris am 24. 1. 1939 erklärte er:»London x now the most vulnerable capitalin the world. Within 24 hours of warfare London might be in nun and most ofthe important industrial centers in Great Britain as well.« DBFP. III, 3, Nr. 325, S. 293. S. 194®?Ich verdanke einem der Mitarbeiter und Freunde Halders, Herrn Obersta. D. J. Rohowskj, einen gehaltvollen Brief Halders, der darin auf eine Reihe von mir gestellter Fragen eingeht und mid ebenso stark beeindruckt hat wie die in seinem Münchener Spruchkammerprozeß(15.-21, 9. 48) wur getragenen Tatsachen, deren Kenntnis ich ebenfalls Herrn Rohowsky verdanke. Halders Aussagenis einer Nürnberger Vernehmung am 25. 2.46, benutzt von Wbeeler-Bennett, S. 409 u. ö. sowie va 4A. W.Dulles, S. 41 ff. waren mir nicht zugänglich. Das betreffende Protokoll scheint in Deutschliol nicht zu existieren, ist auch General Halder selbst und dem Verteidiger Dr. Laternser nicht bekanıt Ich konnte ihn statt dessen selbst sprechen und brieflich ausfragen. Einen wichtigen Beitrag m Charakteristik Halders fand ich in»Exhibit 269, Weizsäcker, Doc. 140«(Washington) Aussage Hao von Etzdorf, 5. 4. 48. Etzdorf war Verbindungsmann zwischen AA. und Generalstab von Oktox| 1939 bis Herbst 1942. Im übrigen vgl. Gisevins II, S. 30 ff. und seine Zeugenaussage in Nürnberg|'rirung g IMT. XII, S. 230 ff. Dazu E. Kordt, S. 240 ff. und Schacht, Abrechnung,$. 18. Die äußerst kritisik 150 Diese Schilderung, die Gisevius a. a.©. von Halder gibt, beruht vermutlich darauf, daß der General cn »ewigen Putschisten« und Mann der Gestapo mit großer Reserve gegenübertrat; beide Charaktttt waren einander offensichtlich antipathisch. Wenn Wbeeler-Bennett, Nemesis$. 409, gestützt auf(it Memorandum Dr. Johns, Halder vorwirft, daß er die von Hitler befohlene Vorbereitung der»Aktın| Grün« energisch vorwärtsgetrieben habe(im Gegensatz zu Beck, der sie hinauszögerte), so ist das ı#|! gerecht. Die Passivität Becks drohte längst, den Generalstab in eine unmögliche Lage bei Hitler z|: bringen. S. 194°*Nichts deutet auf eine Urheberschaft Becks an den sogleich zu erörternden Putschplims Halders hin. Nicht einmal von seiner aktiven Beteiligung daran ist Näheres zu hören. Damit steht nd in Widerspruch, was Hoßbach(bei W. Foerster, Beck, 2. Aufl., S. 128, Anm. 83) berichtet: daß i schon während seiner Amtszeit durch Stülpnagel bearbeitet worden seien, der auch später als einer& aktivsten Gegner Hitlers erscheint. Pecbe/s Erzählung($. 151), die sich auf Mitteilungen Becks stü, verwirrt den chronologischen Ablauf der Ereignisse völlig und macht Beck gemeinsam mit Witzleb# zu Urhebern des Komplotts, was sicher nicht stimmt. S. 195 55 Was Wbeeler-Bennett, S. 414, über die»Mission« des früheren Majors und rheinisdb# Industriellen Böhm-Tettelbach Anfang September 1938 berichtet, ist sehr ungenau. Berichtigend istt# sagen: 1. Böhm-Tettelbach erhielt von Oster, nicht von Halder, dem er seit 1933 nur als Stahlhell» führer persönlich bekannt war, seinen Auftrag, englische Politiker zu tatkräftigem Widerstand ge@# 7° Hitlers böhmische Pläne aufzufordern und auf das Bestehen einer deutschen Militäropposition nt zuweisen; 2. Böhm-Tettelbach hat praktisch in London nur eine Unterhaltung mit dem früher Rheinlandkommissar, jetzigen Kaufmann Mr. Piggott gehabt, in Gegenwart eines Majors des Sc=# Service, dessen Namen er vergessen hat. Später hat er gehört, man habe seine Mitteilungen an% Robert Vansittart weitergeleitet, der sich aber 1945 nicht mehr daran erinnern konnte. Die gim* Affäre ist also historisch belanglos. Quelle: Interview des Herrn Böhm-Tettelbach in der Rheinisc>t Post; die Richtigkeit wurde mir(durch Vermittlung von Oberst a. D. Rohowsky) von Herrn Bälts ausdrücklich bestätigt. S. 195 9% Zeugenaussagen Halders im Weizsäcker-Prozeß, 28. 1. 48. Exhibit 270, Doc. 145(Washit# ton); vgl. auch Weizsäcker, Erinnerungen(1950), S. 174 f. S. 196®”Becks Rücktritt und die Verzweiflung deutscher militärischer Stellen über die Krieg@# sicht wurden gemeldet. Über geheime Mitteilungen Goerdelers nach London berichtet der Zionistoe führer Dr. Chaim Weizmann in seiner Autobiographie: Trial and Error(L. 1950) p. 505:»Sometür before the St. Jame’s Conference(Sept. 1938) I happened to receive through secret channels an ex ordinary German document which I was urgently requested to bring to the attention of the Pit Minister. It had been prepared and forwarded, at the risk of his life, by Herr Goerdeler, the may@” Leipzig. The document was.a detailed expos€ of conditions in Germany, and wound up with an app" to Mr. Chamberlain not to be bluffed into further concessions when he went to meet Hitlerin Go# berg or Munich.« Dr. Weizmann zeigte das Dokument Sir Warren Fisher, einem der vertrauten aus arbeiter des Premiers, yand explained that undoubtedly Herr Goerdeler had risked his life times over to accumulate the information it contained. Sir Warren Fisher opened his desk and sh0 me an exact copy of the document.»I’ve had this«, he said,»for the last ten days, and I’ve tried# ” Zehntes Kapitel- Goerdelers Auslandsreisen 1937/1938 493 tied again to get Mr. Chamberlain to look at it. It’s no use«.- Eingehende Schilderungen von der ‚bge in Berlin gab auch der Danziger Völkerbundskommissar C. Burckhardt. Die Mitteilungen, die er drüber von Weizsäcker erhielt, erschienen ihm so wichtig, daß er sofort in einem Tage per Auto nach Ira fuhr, um Sir G. Warner Mitteilung zu machen. DBFP. III, 2, S. 689 fl.u. ebd. Nr. 775. Tenbar seit ü 5. 196 5° Was Gisevins II, S. 38 über einen Attentatsplan Halders berichtet und Dulles, S. 45(mit er:»londaws“derer Datierung), wiederholt, ist irreführend. Halder hat nie ein Attentat geplant, sondern Hitler in Balio festsetzen wollen. Nur für den Fall, daß Hitler gar nicht mehr vor Kriegsausbruch nach Berlin kime, sondern direkt von Berchtesgaden an die Front reiste, müßte versucht werden, ihn in seinem Slonzug in die Luft zu sprengen und dieses Ereignis als Folge eines feindlichen Attentats oder Luft- azriffis hinzustellen. Das scheint Gisevius mißverstanden zu haben(mündliche Auskunft General Hilders an den Verf.). 5.198 5°Die verschiedenen Berichte(von Gisevius, Schacht in seiner»Abrechnung«, Halder, &enda, S. 18 und mündlich zum Verf.) widersprechen einander in Einzelheiten der Erinnerung so sürk, daß kein klares Bild mehr über die ersten Begegnungen zwischen Schacht, Halder, Gisevius und Nitzleben zu gewinnen ist. Sicher dürfte nur sein: 1. daß Oster Schacht und Halder zusammen- $ioracht hat; 2. daß letzterer die Beratung durch politische Sachverständige wie Schacht und Weiz- füker wünschte; 3. daß ihm das Auftreten von Gisevius vom ersten Augenblick an unsympathisch we und er es sich diesem gegenüber auch anmerken ließ; 4. daß Schacht keine zentiale Rolle in der \ieschwörung gespielt hat. 5. 198 90Diese Tatsache ist in manchen Darstellungen der Verschwörung von 1938 stark verwischt. Ric das Folgende standen mir unter anderem auch mündliche Auskünfte der Herren Gisevius und Hal- dr zur Verfügung. 3.198©1Nach Gisevius IL, 50 hätte Oster ihn für die Verschwörung gewonnen; Halder hat mir von Imittelbarer soldatischer Abrede zwischen ihm selbst und Witzleben erzählt. Sie hätten sich gegen- tig gelobt, unmittelbar nach gelungenem Putsch ihren Abschied zu fordern aus dem gemeinsamen Eipfinden heraus, durch revolutionätes Handeln eigentlich das Wesen des Soldatentums zu gefähr- du.(Eine für das Verständnis der deutschen Militäropposition höchst aufschlußreiche Abrede!) Lider hätte sich Witzleben um Einzelheiten des Putschplanes viel zu wenig gekümmert. Nach Gisevins I 50 hat Witzleben genau so wie Halder nicht cher losschlagen wollen, als bis das Eingreifen der W:stmächte absolut sicher wäre. Damit wird die Kritik, die Gisevius S. 44 an der Haltung des»unifor- alten Dialektikers« Halder übt, doch wohl hinfällig. 3.198©2Halder, der erst im letzten Augenblick, am Morgen des 28. September, Witzleben nach fürzelheiten über den Stand der Vorbereitungen befragte, erhielt eine äußerst unbefriedigende Aus- fnft. Von technisch wirklich zureichender V orbereitung kann offenbar keine Rede sein. 3.199 88 Abshagen, Canatis, S. 175. )- 200%4Briefliche Mitteilung des Herrn Friedrich Wilhelm Heinz an den Verf., mir gütigst be- älgt und ergänzt durch I. K. H. Prinzessin Wilhelm von Preußen. Nach ihrer Erinnerung fand die ascheidende Besprechung in Klein-Obisch schon vor Mitte August 38 statt und dauerte einen ganzen Iar. Eine von dem Kreise Oster-Schulenburg-Heinz ausgearbeitete Verfassungsdenkschrift wurde eiaten. Endziel war ein deutsches Königtum, nicht Kaisertum, dessen Restauration der Prinz ab- khate. Nach Kriegsausbruch habe der Prinz gemeint, nun sei es für Umsturzplän— Leusch- "et!(und ebenso J. Kaiser) haben auch später monatchischen Restaurationsplänen zugestimmt(s. u. X2>, 13). In der Aufzeichnung»Die Opposition«, die General Thomas 1945 aus der Erinnerung nie» «ischrieb, heißt es, er habe durch Oster erfahren, das Unternehmen gegen Hitler sei in erster Linie ütın gescheitert, daß Graf Brockdorf dem General Witzleben mitteilen ließ,»das junge Offizierkorps *inicht zuverlässig und würde wohl gegen die SS, nicht aber gegen die Person Hitlers zu kämpfen fersit sein«. Nun zeigt die Aufzeichnung Thomas’, daß er 1938 noch nicht tiefer eingeweibt war; sie tiber die damaligen Vorgänge recht verworten. Es bleibt also offen, ob, wann und in welchem Zu- \inmenhang die zitierte Äußerung Brockdorfis überhaupt erfolgt ist. Die Bildung des Stoßtrupps und de Bereitschaft Witzlebens, sich am 28. 9. einzusetzen, können dadurch nicht in Frage gestellt wer- &t.- Die Angaben des Hertn Heinz werden mir teilweise bestätigt durch Graf Konrad F inckenstein (zt Eutin), der von Heinz für das Unternehmen gewonnen wurde, sich indessen dafür nur bereit lie(in Pommern). Vgl. auch Rainer Hildebrandt: Wir sind die Letzten(Leben Haushofers), 1, 8.93. -\. 201 655, Kordt, S. 256.- Londoner Vorgänge: DBFP. III, 2, S. 680 und Nr. 815, 823, 825, dazu Fireler-Bennett, Munich 97- 3 \ 201 88 Es ist mir völlig unbegreiflich, wie Wbeeler-Bennett, Nemesis 423 behaupten kann, es sei ‚ tviesen, daß die Verschwörer ihre Pläne schon am 15. 9. endgültig aufgegeben hätten- bloß weilein | ügiischer Zeitungskorrespondent, der Chamberlain nach Berchtesgaden begleitete, dort von einem \ Ützier gehört haben will, Chamberlains Erscheinen habe einen Anschlag der Armee gegen Hitler, | ix IV, 43, voll der DBP 15-21 ) u08 int in Deutsch ser nicht beit »zu Spät # e? „and 5 494 Quellennachweis und Ergänzungen habt, Hitler in Berlin festzusetzen, wenn sienur den Mut dazu N hätten. Auch Wheel-Ben sollte wissen, daß die ae ae erst t mit Halders Amtsantritt anlief und daß in der angegebe 0 werden mußte und nichts weniger als klar war. S. 201 6” DBFP. III, z, Nr. 928. S. 203®®DBFP. III, 2, Nr. 1093 ff. Leider bringt die britische Aktenpublikation nur sehr wen über Gamelins Gutachten($. 575, Nr. 1143, Anm.); vgl. aber den Bericht Wheeler-Bennetts, Munich X N (nach französischer Quelle) und Gawmelin, Servir II, 344. S. 204®DBFP. III, 2, S. 379, 538 u. ö.— Die aus einer höchst fragwürdigen französischen Qu«lk (Bernhard Lavergne) stammende, schon im November 1938 publizierte Legende, am 22. 9. 38 hätia sich die Generäle von Hannecken, Ritter von Leeb und Bodenschatz zu einem Protest gegen den Krig bei Hitler zusammengefunden und ihm eine 18 Seiten lange Denkschrift über den schlechten Zustzul der Wehrmacht überreichen lassen, ist zwar bis in Churebills Memoiren eingedrungen(deutsche Air gabe I, 382), bedarf aber kaum der Widerlegung, da ihre Unmöglichkeit für jeden Kenner der Verhält nisse augenscheinlich ist. Ritter von Leeb, der damals außer Dienst war, hat sie auch ausdrücklichis einer Rücksprache mit General Halder(den ich darnach zu fragen bat) als lächerliches Märchen je kennzeichnet. S. 204’°DBFP. III, 2, Nr. sı11. Das Folgende: ebenda. S. 205”!DBFP. UI, 2, Nr. 1129. S. 205 72 Wbeeler-Bennett, Nemesis 419; nach Pertinax, a. a. O. und Keite/(Nürnberg 4. 4. 46). S, 205?°Generaloberst Beck hat mir 1943 erzählt, man habe 1938 im deutschen Generalstab danit gerechnet, eine französische Invasion bestenfalls etwa in der Gegend von Gotha zum Stehen bring“ zu können. Churchill, Mem. I, 351 spricht von fünf aktiven und acht Reservedivisionen am Westwali, was nach den deutschen Quellen sicher eine zu hohe Schätzung ist. Die französische Armee konmit (nach übereinstimmendem Zeugnis aller britischen und französischen Quellen) sofort 100 Divisioma mobilisieren. S. 206”*DBFP. III, 2, Nr. 1144. Wie wichtig Hitler selbst diesen Brief nahm, zeigt die Mitteilunt, er wünsche seine Aufnahme in das britische Weißbuch. Weizsäckers Autorschaft: Kordt, S. 265 f. S. 206?5 Vgl. P. Schmidt, Statist auf diplomatischer Bühne, S. 410 f. S. 206?®So übereinstimmend Kordt, S. 269 und Gisevius II, 74, der allerdings Brauchitsch zuletz doch wieder als zögernd und beschwichtigend schildert. S. 206?7 Wbeeler-Bennett, Nemesis 421 glossiert das mit den Worten:»all these gentlemen were such transports of indignation that none of them could issue an executive order.«(!) So kann mzi wohl nur aus sehr sicherer Distanz von der Not der Entscheidung reden. S, 208°8® So Wheeler-Bennett durchgehends. Elftes Kapitel: Vom Münchner Abkommen bis zum Polenkrieg S. 209 INach der Erinnerung der Angehörigen war die Sorge vor einer Verfolgung wegen jenx! »Londoner Panne« vom Frühjahr 1938 Grund seines monatelangen Aufenthaltes in Ermatingen. Von dort unternahm er dann die Reise durch Italien und den Balkan. Prof. Siegmund-Schultze erinnertsi®]. an ein Zusammentreffen G.s miteinem Vertreter(oder Mittelsmann) des britischen Foreign Office,&& eigens im Flugzeug von London gekommen war, in seinem Hause in Zürich im August 1938. Di lange Unterredung sei für G. wenig befriedigend verlaufen, aber auch nicht durch geeignete Pers lichkeiten vorbereitet gewesen. Ich vermute, daß es sich um ähnliche Einwirkungsversuche auf dir englische Politik gehandelt hat, wie sie damals Kleist und Böhm-Tettelbach unternahmen. S. 209*Unverständlich bleibt mir, was Sven Hedin, Ohne Auftrag in Berlin(1950), S. 34 über it Gespräch mit G. aus dem Juli 1938 berichtet. Darnach sei G. von der Unüberwindlichkeit der Görin® schen Luftwaffe in einem kommenden Krieg selbst bei Teilnahme Amerikas fest überzeugt gewesen.” Zu der Mitteilung nach London vgl. oben Anmerkung 57 zu S. 196. S. 209*Publiziert in: Goerdelers Politisches Testament, herausgegeben von Fr. Krause, New York 1945, 5. 57-64. S. 211 Über diese Sätze urteilt Wbeeler-Bennett, Nemesis 426 mit äußerster Schärfe:»If this beit Et-Dzember 38 "&n!Dezemb ali LEE Hiler-Reg zogen vonS; WW kit, denn 19’ Darin: & Hall, 2, ul WYas| Br uch Münch AN 24); undicht Ohr standard of the intelligence and the accuracy of the conspirators’ political intuition, the Weste 7 Powers had been very right in disregarding their approaches.« Möge er sich aus Churchills Memoir= davon überzeugen, daß dieser gewiß nicht ganz unbedeutende Staatsmann G.s Ansicht an ei Punkt durchaus teilt, Übrigens hat Wh.-B. selbst in seinem früheren Werk(Munich: Prologue ftes Kapitel- Vom Münchner Abkommen bis z. Polenkrieg 495 | Agedy) die peacemakers von München sehr scharf kritisiert, während er jetzt erstaunlicherweise Hi Wheele-Bum be»wisdom« und ihren»sense of zeality« sühmt. i nern> 211*Dies war sogar der Eindruck Sir N. Hendersons:»Trotz seines Erfolges ist das deutsche EBEN[k nicht Hitler, sondern Mr. Chamberlain dankbar, und die Deutschen betrachten mit einer großen a BScLEIR Atast den Mann, der sie an den Rand des Abgrunds gebracht hat und es w ieder tun kann.« An Halifax, naupt ers erUNNEER 0, 38, DBFP. III, 3, 615. 5, 211®Vgl. dazu Kapitel 7. Dort auch über tapfere Bußpredigten protestantischer Geistlicher und "st die in unserem Freiburger Kreis entstandene Denkschrift von Ende 1938. Es zeugt von schr be- on nur Kht WIN Werlichem Unverständnis, wenn Wbeeler-Bennett Nemesis 433 die echte moralische Empörung deut- emneis Juni\JT gler Patrioten dadurch zu bagatellisieren sucht, daß er versichert, sie sei nicht humanitärem Empfin- "k entsprungen, sondern nur dem bürgerlichen Sinn für gesetzliche Ordnung und Sicherheit des siscen Qi. anzösiscuen NET Pyateigentums(!). 22.17.38 hı 2 7. 5 e 3 Ana.\. 212?Schweiz: 13. 12. 38- Italien: 19. 12. 38- Jugoslawien: November 38- Rumänien: Novem- st. gegen denktik ne 2 R\ stgegn%-Dezember 38— Bulgarien: Dezember 38— Zusammenfassende Schlußbetrachtung(über Süd- ae"@:opa): Dezember 38— Algerien: 17. 4. 39— Ägypten: Juli 39- Libyen: Juli 39- Palästina: Juli 39- Be Gi jiien: Juli 39- Türkei: Juli 39. sennet Ef 1F\. 217®Es ist amüsant zu schen, wie Goerdeler selbst die ägyptischen Pyramiden zu indirekter Kri- ilam Hitler-Regiment benutzt: sie sind ihm rohe Kolossalbauten ohne echte Größe, nutzlose Massen- Arbeitskräften; künstlerisch lassen sie Mifungen von Steinen, Zeichen maßloser Verschwendung von Wlig kalt, denn das Kolossale als solches imponiert noch nicht. . 219 Darin waren sich Goerdeler und von Hassell gleich bei ihrer ersten Begegnung am 4. 8. 39 ing: Hassell, 2. Aufl., S. 72. \. 219 10 Was Wheeler-Bennett, Nemesis 434 über angeblich neue Putschpläne Schachts und Becks hl nach München mitteilt, geht auf die Erzählungen von Gisevius(Bis zum bittern Ende U, 86 f., INT. XI, 243) zurück, erscheint mir aber höchst fragwürdig. Gisevius’ Angaben sind sehr unbe- 1. II, 86 f. mit ebenda 97). Die von ihm berichtete Aussprache erg 4. 440) Generaltab© um Stehen bi# onen am Vet sinmt und nicht ohne Widersprüche(vg che Armee b*"| Gierdelers mit Halder könnte frühestens im Dezember 38 stattgefunden haben. Die Weisung Hitlers ort 100 Dins tn 17, 12. an die Wehrmacht(IMT. Doc. C 138), die einzige, die man als Vordeutung auf den Über- fllauf Prag vom 15. 3. 39 auslegen könnte, wurde damals schwerlich so verstanden. Der»März- jgt die Mitt Yitsel« kam doch auch für die»yEingeweihten« als Überraschung. . Kordl, 5.2\. 220 IULe Livre Jaune Frangais 1938/39. Paris 1939, Nr. 17. Für das Folgende auch: DBFP. III, 2, \t, 301. R. Conlondre: Von Moskau nach Berlin(1950), S. 140. \. 220 1?DBFP. III, 3, Nr. 285(1. 11. 38). Z&on Noel, Der deutsche Angriff auf Polen(Berlin 1948). 220 13DBFP. III, 3, Nt. 325(24. 11.). Das Folgende: ebenda Nr. 403(6. 12.), 505(29. 12.), erch Brauchitsch gentlemen 115@. 1. 39). «.() So kat\. 221 M4]n den gleich zu erwähnenden verschlüsselten Briefen taucht mehrfach ein»Mr. Stoepsel« if, vermutlich Pseudonym für Mr. Stopford(siche S. 168 Anm. 15), außerdem»Edgar«, der wohl als fothilf P, Bronisch(in Summit, N. J.) zu deuten ist. Das I olgende nach mir vorliegenden Briefen an \airer vom 19. und 20. 10., 17. 11. 38 sowie nach mündlichen Auskünften, die ich den Herren \ihirer und Gisevius verdanke. \. 222 15Nach den Memoiren wurde zeitweise auch Yinschaftliche Möglichkeiten ergaben. \ 222 16Politisches Testament, a. a. O., S. 62(Brief vom 11. 10. 38); dazu Gisevius II, 194 und tündliche Mitteilungen von Gisevius. Im Nachlaß G.s findet sich der eigenhändige Entwurf eines 10. 38, mit der Bitte,»festzustellen, ob ich an Umsiedlung in die Schweiz gedacht, wo sich |pung ‚ Exmating* hultze ern Foreign 0" Rürfes aus Lugano an Hauptmann Wiedemann vom 19. ob; ‚Augost fl) fine Kraft wieder in öffentlichem Dienst verwenden kann. Äußerungen des F ührers über die Ver- gecign ee lung der Stadt Leipzig nach meinem Abgang lassen mich diese Frage und die Bitte um Ihren Rat | gyersuch sellen«. Am 10. 12. bedankt sich G. für die am 9. 12. eingetroflene Antwort Wiedemanns, er habe die ae Inre mit Göring besprochen und wolle sie erneut anschneiden. G. bittet gleichzeit um Mitteilung, Ben,& etzt noch Bedenken gegen seine Betätigung in der W irtschaft bestünden. Es sei damit eilig, weil rdaO sch»in der nächsten Zeit besondere wirtschaftliche Möglichkeiten bieten dürften«. ; S 222? Abgedruckt in Goerdelers Politischem Testament, herausgegeben von Krause, S. 47-52, wonach ich auch er erzeugt b° al i per P 2 MR k f ir vorliegend in Schreibmaschinenentwurf mit G.s eigenhändigen Korrekturen, äitce(und in einer englischen Übersetzung). Vielleicht ist es das Stück, das er am zo. 10. Schairer bat, \ lbschrift an A. P. Young, Stopford und Sp.-Miller zu übermitteln? S 225 18Der Brief(wohl an Schairer) vom 17. 11. 38, mit Bleistift in Blockbuchstaben geschrieben, i Kraust; N febi de:“\nerschrift mit U,(Ulrich, G.s Pseudonym), erklärt, nicht zu begreifen, wie man in England jetzt ice Met(acı dem Judensturm) noch mit»talker«(Hitler? Goebbels?) verhandeln könne. Nur wenn fest- ech u, Sinde, daß jetzt(im Sinn seiner Denkschrift)»gehandelt« werde, sei er bereit, es noch einmal»mit Au&aiem Tuch« zu versuchen(also wohl einen Militärputsch anzustiften).»Zum zweiten Male ist Zeit i N 496 zu Ultimatum und Handeln gekommen.« Gibt eine Bukatester Adresse für eine etwaige Botsfhaft up hät viren. Engiand an. kictten, Abb S. 226 1%Eingehende Schilderung des Umschwungs bei Wbeeler-Bennett, Munich,$. 352 ff} j fürde ein sc S. 227?°Einen Nachhall dieser Gedankengänge darf man wohl in der Aussage von Giseviusin Jisfür Konsec Nürnberg(IMT. XII, 244) erblicken, er und seine Freunde hätten gewünscht, die Westmächte sollta dem deutschen Volk klarmachen, daß Hitlers Eroberungspläne den Krieg bedeuteten, und dadurd j einen neuen Putsch ermöglichen. Der von Wbeeler-Bennett, Nemesis 436 bemerkte Widerspruch zur 3} schen dieser Darstellung und den Ausführungen in Gisevius’ Buch(99), einen Generalspatsch hık 1|| man der westlichen Diplomatie damals nicht mehr in Aussicht stellen können, es sei nur nnch darf& angekommen, den Krieg zu verhindern, dürfte wohl so aufzulösen sein, daß man den Patsch zwi& nicht mehr in Aussicht zu stellen wagte, aber die Hoffnung darauf nicht aufgab.(Vgl. Goerdelers Die WknHilers Abs legungen weiter unten im Text.)#% okeutungsn S. 227?1Erwähnt wird besonders, daß er die vertraglichen Verpflichtungen des englisch-italienischt 93 tn sich also Abkommens vom 16. 4. 38 nicht erfüllt habe, MN S. 227??Große Denkschrift(21 Seiten Schreibmaschinenschrift), undatiert:»Die nächsten ptak|°\ tischen Schritte.« h S. 228 2° Ohne Überschrift und Datum, drei Seiten Schreibmaschinenschrift. S. 228 24Sollte hier an die Besetzung Albaniens(7. 4. 39) gedacht sein, so gäbe das einen Anhaltzır Datierung der Denkschrift. S. 229 2° Memorandum ohne Überschrift und Datum, fünf Blatt Schreibmaschinenschrift, dan eigenhändiges Konzept des Anfangs, ferner ein von der Hand G.s stark durchkorrigiertes Reinkonzejt und eine englische Übersetzung. S. 229 2° Als zusätzlicher Vorschlag wird beigefügt, die drei Mächte sollten gemeinsam eine Ver gewaltigung des Südtiroler Deutschtums verhindern, S. 230 2” Diese schiedsrichterliche Tätigkeit wird noch genauer ausgemalt in einem Rückblick auf die Jahre 1938/39, den Goerdeler im September 1944 im Gefängnis verfaßte. Hat ein(ziemlich kom- pliziertes) schiedsrichterliches Verfahren des neuen Völkerbundes keinen Erfolg, so soll der Frieden- brecher einer allgemeinen Ächtung verfallen. S. 231 28 Wbeeler-Bennett, Nemesis 442 ff. S. 231 2®Gisevius II, 98 f. Dazu mündliche und briefliche Mitteilungen von Dr. Schairer unl H.B.Gisevius an den Verf. Nach Schachts»Abrechnung mit Hitler«, S. 20 hat dieser Deutschlaml schon Anfang März verlassen. S. 232 2° Nach seiner brieflichen Mitteilung an den Verf. wurde ihm auch der Auftrag zuteil, weiter- hin eine eventuell notwendige Emigration vorzubereiten. Gisevins berichtet(Bis zum bittern Endel), 100 und IMT. XII, 244), Goerdelers»Mittelsmann«(das war Schairer) habe dessen düstere Prognose“ auch ins Ausland überbracht, und nimmt als sicher an, daß er auch bei Daladier in Paris war. Dr. Scht- ter versichert mir: 1. daß er Goerdelers Neigung, pessimistische Berichte über die innere Schwäche d&i Hitler-Reichsins Ausland zu bringen, immer widerstrebt habe; 2. daß er niemals Daladier gesehen halt Die nach Gisevius 1940 in den Papieren Daladiers von der»Abwehr« aufgefundene Mitteilung Goett delers sei angeblich über die Königin von Holland(via Graf Zech, den deutschen Gesandten) nadb Paris gelangt. Gisevius irrt also. Als Niederschlag von Gesprächenin Ouchy läßt sich vielleicht eine Niederschriftin englischer Spracht auffassen, ohne Über- und Unterschrift, sechs Seiten Schreibmaschinenschrift, die sich in Goerdele Nachlaß(aus London?) fand. Es handelt sich um eine Sammlung von Nachrichten über Deutschlandt mangelnde Kriegsbereitschaft, die sich zum großen Teil als krasse Übertreibung darstellen. Dix Rüstungsindustrie, heißt es, sei schon jetzt stark überbürdet, das Eisenbahnwesen dem Zusammer- brüch nahe, die Ernährungsbasis im Schwinden, der Mangel an Treibstoff für die(angeblich übe- motorisierte) Armee und die Luftwaffe katastrophal. Sogar von angeblichen Sabotageakten in der Flugwaffe ist die Rede, von der Absicht passiver Resistenz in gewissen Truppenteilen und der opp-|% en sitionellen Haltung ganzer Aktivistengruppen unter Führung jüngerer Offiziere. Ein hoher Militär Nik ‚dd. habe sich zu Hitler höchst pessimistisch über die Kriegsaussichten geäußert,»die höchste militärisch| X, Wert Autorität« über dieitalienische Wehrmacht recht kritisch geurteilt. Von Hitler wird einerseits erzählte er habe»vor vier Wochen« zu 500 jungen Offizieren gesprochen und seine Absicht verkündigt, dem: nächst einen Schlag gegen England zu führen, um das deutsche Weltreich noch zu seinen Lebzeitet: gründen zu können, anderseits: er habe am 24. Januar dem Finanzminister Schwerin-Krosigk, d&'- nach Schachts Abgang seinen Abschied forderte, auf Ehrenwort versichert, in den nächsten fünf Jahrer| gäbe es keinen Krieg.»Die Armee« sei fest überzeugt, daß Hitler nachgeben und vor einem»größeren Krieg« zurückschrecken würde. Von den Prager Ereignissen seien die Generäle selbst völlig über: tascht worden. Sie hätten bisher nicht an ernste Einsatzbereitschaft der Westmächte glauben können und warteten nun mit Spannung darauf, ob den Staatsmännern des Westens jetzt endlich die Aug Quellennachweis und Ergänzungen hiesKapi - Ilftes Kapitel- Vom Münchner Abkommen bis z. Polenktieg 497 föffnet wären, Sollte sich dies in einem neuen, entschiedenen Auftreten äußern, wie Abberufung der (sandten, Abbruch aller persönlichen Kontakte und einer starken, deutlichen, aggressiven Sprache, $ würde ein solcher»Fehlschlag« Hitlerischer Staatskunst»entscheidende Konsequenzen« haben. \as für Konsequenzen, wird aber nicht gesagt, und von einem Vorgehen der Westmächte gegen I!ien ist auch keine Rede. Man hört aur, daß Mussolini allen Einfluß in Berlin verloren habe, Die Niederschrift eröffnet also keine bestimmte politische Aussicht und stellt auch keine bestimmte Pätische Forderung. Obwohl einzelne der Nachrichten auf G. zurückgehen werden(z. B. über WKrosigks Abschiedsaudienz, die auch in den Mem. ähnlich geschildert wird), entspricht das Ganze dh nicht dem StilG.scher Denkschriften, die immer eine bestimmte Forderung vertreten. Ich möchte ; Ei nicht glauben, daß er so wenig durchgesiebte Nachrichten ins Ausland weiterzugeben wünschte. Vin Hitlers Absichten auf Polen und die Ukraine ist mit keinem Wort die Rede, statt dessen nur ein- m andeutungsweise von seinem angeblichen Hunger nach ungarischem Weizen und rumänischem Öl. Bicann sich also nicht um die von Gisevius vor dem IMT.(XII, 244) erwähnte, an Daladier gelangte Niclerschrift handeln. H 233®!Die Anklagen gewisser neonazistischer Broschüren in Deutschland finden neuen Stof in der Mitteilungen Wbeeler-Bennetts, Nemesis, S. 437, über die Mission von J. Colvin. 234®®Siehe Poln. Weißbuch(Les relations Polono-Allemandes et Polono-Sovietiques 1933-39, fs 1940), Nr. 61/62. Die negative Entscheidung Becks(Nr. 62) erfolgt schon am 25. 3., also vier % sechs Tage vor dem englischen Bündniserbieten. Auch G. Bonnet spricht in seinen*Memoiren (d&ttsche Ausgabe S. 255) davon, daß Polen»in blindem Trotzin sein Verderben rannte«, und berich- ="won unglaublicher Verblendung der polnischen Militärs. \ 235 9% Sie hatssich bestätigt: am 23. 3. unterzeichnete die rumänische Regierung den gewünschten x Vesrag. 235 MDBFP. III, 4, Nr. 389(17. 3.), Nr. 458(21. 3.). \-236®®DBFP. III, 4, Nr. 465(21. 3.), Nr. 479 und 485(22. 3.), Nr. 529(26. 3.), Nr. 538(27. 3.), Nr) 58 und 564(29. 3.). Es ist bemerkenswert, daß die Note vom 27. 3. mit dem britischen Angebot -@olen sich ausdrücklich darauf beruft, soeben sei klar geworden, daß die geplante Viermächte- ekiung am Widerspruch Polens scheitern müsse. 237 3 Woheeler-Bennett, Nemesis, S. 437, auf Grund von Erzählungen Jan Colvins, der aber davon #siner Canaris-Biographie(Chief of Intelligence 1951) nichts berichtet. Beck, Oster und Kleist- Savenzin werden als deutsche Hintermänner Colvins genannt. Colvin habe Sir Alex, Cadogan, Hılaz und Chamberlain gesprochen. 9237 Inder Unterhaltung mit Brauchitsch am 25. 3. hat Hitler ausdrücklich gesagt, er denke vor- f nicht an eine gewaltsame Lösung der Danziger Frage, um Polen nichtin Englands Arme zu trei- MT. Band 38 Doc. R 100). Auch die Weisung für»Operation Weiß« vom 3. 4.(IMT. Doc. 120 da 34 388 ff.) gilt nur dem Eventualfall. »37® Nicht Juni und Juli, wie Wbeeler-Bennett 441 meint. 5 137®Derselbe Berichterstatter bemerkt noch, leider habe G. auch versäumt, zu einem Termin Cıtag Juni?)in Zürich zu erscheinen, zu dem dott ein wichtiges Treffen verabredet war. Es handelte Sin Herstellung einer Daueryerbindung zwischen England und der deutschen Militäropposition. 1:37 10 Schlabrendorff 2. Auflage 52 f. Pechel/, Deutscher Widerstand 153. Wbeeler-Bennett 442, der Ditnınd Moltke selbst gesprochen hat. Ein Bericht, den Trott für Hitler über seine Englandreise Ki, ist gedruckt in ADAP Serie D Bd. 6, S. 562 ff. Der Verfasser stellt sich darin selbst als über- Zeyten Gefolgsmann, ja Bewunderer des»Führers« hin. Das hat beim Erscheinen des Berichts in tlind viel bittere Kritik an diesem»Widerstandskämpfer« geweckt- sicher mit Unrecht, da er sich Runen mußte. Freilich enthält der Bericht auch eine scharfe Kritik an Chamberlains»Einkreisungs- Mti-« seit Prag, und zwar im Sinn Weizsäckers(s. u. Anm. 44), die nach dem Krieg als unverständ- i&ei:cheinen mochte. Doch ist deutlich, was Trott mit seinem Bericht bezweckte: er wollte Hitler k“tschen, daß er auch bei den deutschfreundlich gesinnten Engländern auf Todfeindschaft rechnen Bit, wenn er fortfuhr, die Tschechen zu mißhandeln und die nationale Freiheit der Polen zu be- tu, 8 UGigepigs IT, 124. 8@IMT Doc. 120 C. 2:8 4 Vortreffliche Gesamtdarstellung bei AJan Bullock, Hitler. Deutsche Übersetzung 1953 ve 193 ff. h = EDEN scheinen sich(nach Wbeeler-Bennett 442 f.) Moltke und Trott zu Solz geäußert zuhaben. au Weitere vgl. E. Kordt 313 ff. 336. Leider gibt Kordt kein genaues Datum für seine eigene Aus- ch mit Lord Vansittart an. Trotzdem liegt kein Grund vor, an der Richtigkeit des Kordtschen ih, zu zweifeln, nur daß Vansittart im Recht war zu sagen, er habe von den Kordts»nichts von Bick« erfahren; denn über Hitlers Annäherung an Moskau war man in London bereits ander- 498 Quellennachweis und Ergänzungen | Ivölftes K Ötmndts Nacl 5786 und 7586 A.- Erklärungen Halifax’ 1948: Weizsäckers Verteidigung. Dok. 496/7. Ött:Dokumen S. 240 4#5DBFP. III, 6, S. 705-10, ferner Nr. 36, p. 43, Abs. 3. Wbeeler-Bennett schließt sich natürlich Floprache} dem ungerechten Urteil Vansittarts von 1948 völlig an! hs ıHerz vers S. 241 4% Anlaß zu dieser Vermutung gibt mir der bei E. Kordt 380 ff. abgedruckte Brief Theo Korät hraksung des Kräner absch an Vansittart vom 16. 2. 40 und die ebd. Seite 362 publizierten Bemerkungen der Denkschrift von| Oktober 1939 über Polen. 1 a ilitärisch S. 241 97G. Bonnet a. a. O. 214 ff. k keienklichst S. 241#® Wie unsicher sich die britische Diplomatie selbst fühlte, ob sie den richtigen Weg eir"Ni vollends geschlagen habe, zeigen überraschend deutlich die sehr merkwürdigen Unterhaltungen, die Chambtr"* för in der lain noch Ende Juni bis Anfang August durch Wilson mit dem deutschen Staatsrat Wohlthat und den. Botschafter von Dirksen führen ließ. Dirksen gegenüber ließ Wilson recht deutlich erkennen, wiefrob man wäre, durch eine Entente mit Deutschland auf weltweiter Basis die lästige Verpflichtung dt i Polen gegenüber wieder loszuwerden. Vgl. Dokumente und Materialien aus der Vorgeschichte es Zweiten Weltkriegs, Band II: Das Archiv Dirksen. Moskau 1948, besonders S. 19: f. S. 242 4% Vgl. Kordt 305 f. Die Memoiren Weizsäckers machen den Eindruck, als habe er sich m Sommer 1939 allzu lange Illusionen gemacht über die Möglichkeit einer»Schwebelage« im Osten,«it Hitlers Kriegspläne hinauszögern würde. S. 242 50G. Bonnet, Vor der Katastrophe Seite 209 ff. S. 242 51 Vgl. Aussagen Jodls vor dem IMT, am 4. 6. 46 Band 15 Seite 385. S. 243 5®Halder vor der 10. Spruchkammer in München(15.-21. 9. 48), dazu die sehr fragwürdig@ Spionage-Nachrichten des brit. Militärattach@s DBFP. II, 7 Nr. 546, 551, 719, 725. Der in Nr. 5/1 9® nitin Stock als»Informant« vermutete»Major Ewald v. Kleist« war bestimmt nicht Kleist-Schmenzin, der reirıt zung nei Zivilist war. War es nicht V. v. Koerber?(Vgl. DBFP. III, 2 Nr. 595.) Kr en Zwer S. 243 5° 24 Seiten Schreibmaschine. S. 244®* Thomas, Gedanken und Ereignisse und»Die Opposition«(Aufzeichnungen von 1945). Gisevius I, 132#. Den Vorwurf, den Gisevius hier gegen Halder und Brauchitsch erhebt, daß sie äh unzugänglich gezeigt hätten für die Argumentation Schachts(Berufung auf Art. 45 II der W.V\, kann ich nicht teilen. Diese formal-juristische Konstruktion war doch offenbar in dieser Lage ud gegenüber diesem Reichstag(der übrigens am 1. Sept. zur Zustimmung einberufen wurde) ein alu dürftiges Argument zur Begründung einer geschichtlich beispiellosen Meuterei. Wbeeler-Bennett greift nicht nur auf Seite 439 diesen Vorwurf Gisevius’ auf, sondern erhebt auch noch auf Seite 448 schwers#t Vorwürfe gegen die deutsche Generalität, weil sie widerspruchslos hingenommen habe, was Hit ht (angeblich) in seiner großen Generalsansprache auf dem Berghof am 22. 8. über erbarmungslose Au* rottung des ganzen polnischen Volkes,»Mann, Weib und Kind«, durch seine Totenkopfeinheitzt gesagt haben soll. Er verschweigt, daß der Quellenwert des Berichtes, auf den sich diese Nachrieit stützt(L 3), dem IMT so fragwürdig erschien, daß es ihn als Zeugnis ablehnte(IMT, Band 2 Seiht 320 f.) und auch in seiner Dokumentensammlung nicht mehr abdrucken ließ. Seine Vorwürfe geh also über das Urteil von Nürnberg noch erheblich hinaus. Generaloberst Halder, der jener Ansprach beiwohnte und s. Tagebuchaufzeichnung darüber noch besitzt, bestreitet ganz entschieden, daß dr zitierten Äußerungen fielen— es wäre ja auch unbegreiflich gewesen, wenn Hitler die Torheit geht haben sollte, den Widerstand seiner Generalität, den er von einer Besprechung mit Führern der Wer machtsteile am 14. 8. genau kannte, durch derartige Brutalitäten erst vollends herauszufordern. E hatte einen sehr sicheren Instinkt für das Echo seiner Hörerschaft. Nun sind nach der Generalbesp”" chung vom 22. 8., die mit einem Mittagessen abschloß, schon während des Essens eine Menge(offe- bar hinbestellter) Parteigrößen und SS-Führer auf dem Berghof erschienen. Höchstwahrscheinlich hat ihnen Hitler in anderer Form, und zwar in gesteigerter Kriegsstimmung, nochmals seine Kriegsplins® vorgetragen; davon dürfte die Aufzeichnung L 3 berichten. Das würde auch ihren Gassenjargon, dis begeisterte Herumtanzen Görings usw. erklären(schriftliche und mündliche Mitteilungen Genen! Halders an den Verfasser). Nach dem Tagebuch Halders erfuhr die Heeresleitung nicht vor Eooe September von der Idee einer polnischen»Flurbereinigung«. Das DokumentL 3 hat der amerikanisc#‘ Journalist L. P. Lochner, wie er mir brieflich mitteilt, seinerzeit durch Hermann Maaß von Gene? Beck erhalten, der es seinerseits von einem ungenannten Offizier bekommen hatte als dessen Nadı- schrift. Nach DBFP. VII, Nr. 314, gab er es schon am 25. 8. an die brit. Botschaft in Berlin weites, sicher im Sinne Becks. Die Überschrift habe von einer Rede»vor Militärs« gesprochen. Aber von was stammte die Überschrift? Sie könnte irrig sein. Ich möchte annehmen, daß der betreffende»OfRzitt“ (war es Wiedemann? oder ein Vertrauter von Canaris?) Gelegenheit hatte, an der Besprechung m’ Parteiführern und SS-Offizieren teilzunehmen. Zwei Besprechungen mit»den Oberbefehlshaber" Ih haben nach Ausweis des Tagebuchs von Halder am 22. 8. gar nicht stattgefunden. Über die Vormr"| tagsbesprechung berichten sachlich im wesentlichen übereinstimmend die Dokumente PS 798(weh apite) u. Jod | wölftes Kap.- Letzte Versuche z. Löschung d. Weltbrandes 499 i ‚ähmundts Nachschrift) und Raeder 27(genauere und bessere Niederschrift Generaladmiral Boehms), kiide Dokumente wissen nichts von Mordbefehlen. Dok. PS 1014, das sich als Protokoll einer»zwei- tm Ansprache Hitlers an die Oberbefehlshaber« bezeichnet, weiß auch nichts davon. Es spricht aber tan»Herz verschließen gegen Mitleid« und»brutalem Vorgehen«; das könnte eine bewußte Ver- eBrief Tolne? kemlosung des Inhalts von Dok. L 3 bedeuten. Mir dünkt es am wahrscheinlichsten, daß wir es hier ungen 1941. N 997: hließt sich nut er Denkscht it einer abschwächenden Aufzeichnung einiger Gedanken der Nachmittagsansprache, vielleicht durch sen militärischen Adjutanten, zu tun haben; daher vielleicht auch die nachträgliche Einklammerung \= bedenklichsten Sätze mit Rot? Die Überschrift ist aber in jedem Fall auch hier irreführend. Sie richtige werde vollends unverständlich, wenn das Ganze zur Vormittagsbesprechung gehören sollte. 4.G. gen, die Chr Seapbim in der Festschrift für 7. Kraus»Mensch und Staat in Recht und Geschichte«, 1945, 450 fl. üscht den m. E. verfehlten Versuch, auch die Brauchbarkeit der beiden PS-Dokumente als historischer Quelle zu bestreiten und die Rede Hitlers zu verharmlosen. Auch die von H. Krausnick(Beilage zu \as Parlament« vom 16. 11. 55, S. 706, Nr. 557 versuchte Deutung des DokumentsL 3 als Fälschung d‘ Amtes Canaris, um durch Übertreibung die Briten aufzustacheln, scheint mir unmöglich. Feld- SE neschall Bocks sehr später Bericht(bei Schlabrendorf} 58) ist in seinem Quellenwert zweifelhaft, redet als habeesedn Akır auch nur von Maßnahmen der Partei nach dem Krieg. j elageximOsedl 245®°DBFP, III, vol. 7, Nr. 581. U. v. Hassell, Vom anderen Deutschland. 81 fi. Ebd. 77: Notiz || ber G.s Reise nach Schweden. Vgl. ferner Z. Kordt 337 f, über Verhandlungen, die Theo Kordt am \\ And des 31. 8. mit Vansittart über das Ribbentropsche Programm der 16 Punkte hatte und in die die Rl ionachricht hineinplatzte, es sei schon überholt. = 245#®Briefliche Auskunft seines Partners an den Verfasser.- Nach G.s Aussage vor der Gestapo (& mirin Stockholm mündlich bestätigt wurde) suchte er ausländischen Besitz der Firma Bosch durch [\ iretung an eine Bank vor der Beschlagnahme als Feindvermögen zu retten. Eine zweite Reise zu -hmenzin,& R a !tuselben Zweck fand nach Hassell 95/98 Ende Oktober statt. jungen v0 hölftes Kapitel: Letzte Versuche zur Löschung des Weltbrandes erhebt, di F: an\ 246 1 Jodl hat vor dem IMT.(XV, 385) berechnet, daß während des Polenfeldzuges nur 23 deut- j# I a Divisionen einer Übermacht von 110 englischen und französischen gegenüberstanden. Nach un“ h x\ven Tippelskirch, Geschichte des Zweiten W eltkriegs(1951) Seite 7 besaß Deutschland im Herbst wurde) f NEE R A = he überhaupt nur 52 Divisionen. Im Westen standen auf einer Front von insgesamt 650 km Länge hal-B s: Y yben 7'#ttive und 23 zum Teil noch nicht mobilisierte Reserve- und Landwehrdivisionen. Der Westwall Sejte 440° ak 3 I er. m, ok i) mmer noch nicht ganz fertig und keineswegs unüberwindlich. Kampfwagen fehlten im Westen en 2" FE ätlich, ı7 2 247 22. Auflage 87 fi. © 2 248°IMT. Dokument L 52(Band 37 Seite 466 ff.). Hitler zweifelt nicht an der Notwendigkeit, Tages den Kampf mit den Westmächten»einmal durchzustehen«, hält seine sofortige Durch- hung für dringlich, ehe die englische Aufrüstung weiter fortgeschritten ist und solange Rußland © Zuschauer bleibt, hat aber auch gegen eine Beendigung des Krieges»nichts einzuwenden«, em er alle deutschen Erfolge sichert. Dieses Memorandum las Hitler am 10. Okt. den Spitzen der macht vor(Halders Tagebuch, zitiert bei Wbeeler-Bennett 464); abends erneuerte er aber in seiner orpalastrede die Versicherung seiner Friedensbereitschaft. 3249 4 Von Hassell 2. Auflage 89 ff.(11. Okt.) Ein sehr merkwürdiges Zeugnis für Hassells Be- Nülung, möglichst enge Fühlung mit Göring zu halten, sind die beiden Briefe von 1937/38, die in dem ha»Aus Görings Schreibtisch, ein Dokumentenfundg, hg. v. F. R. Emessen, Berlin 1947, S. 32 u. 71 Irö@entlicht sind. 1938 gratulierte er ihm zu seinem Anteil an der Überwältigung Österreichs und ‘che: ihn einzuspannen für sein Bemühen um Weiterverwendung im diplomatischen Dienst, erhielt ah, wie es scheint, nicht die nachgesuchte Audienz. Der Kunstankauf von 1937, den er als Bot- Saver vermittelte, wurde indessen für die staatlichen Museen vorgenommen und erst nachträglich, Hs Empörung, durch Göring zu Privatzwecken entführt(briefl. Nachweis durch Frau Ilse v. Has- | D- Zur politischen Haltung von Popitz erfahre ich durch dessen Tochter, daß er zu Oster»sehr ©: eziehungen hatte«, im Herbst 1938 mit Oberstlt. Heinz in Verbindung stand und an den da- Ren Umsturzplänen irgendwie mitbeteiligt war, übrigens schon das Aufkommen des National- Sia smus mit großer Sorge verfolgt und seine zeitweilige Hoffnung, in seiner amtlichen Stellung Bi llucch Einwirken auf Göring manche Schäden verhindern zu können, relativ früh begraben Ar% o5E. Kordt 367 ff., dazu Faksimile der Abschrift Ph. Convell Evans’ im Anhang, mit nicht ganz erklärt, den CH e nur um er tie äußere E®* 508 Quellennachweis und Ergänzungen genommen hat, Näherer siche unten Kapitel 15 Anm, 57 u, 8.- K. B. und Anklageschrift gegen ber, Reichwein, Mnaß, Loeser, Dahrendorf(19, 9.).= Jakob Kaiser, a. a. O,, berichtet, daß er dırd ans al den früheren Oberbürgermeister von Düsseldorf, Robert Lehr, mehrfach auf G, hingewiesen und#ı nit veröfl schon bei G.s Rückkehr von seiner Weltreise mit ihm in Verbindung getreten sei, Seitdem pab| Ih di Verf viele Zusammenktinfte, Lehr stand Goerdeler schon aus ihrer gemeinsamen Tätigkeit Im Vontn Ans una des Deutschen und Preußischen Städtetags nahe, war Ihm befreundet, hatte enge Verbindung nl"Gn Atnold, A, Winnig und den christlichen Gewerkschaftsführern, aber auch zu Hammerstein und mit seinen Freunden eifrig tätig im Sammeln einer Inneren Opposition(in gemäßigt konservatit | | Sinn), arbeitete auch einen Verfassungsentwurf unter Berücksichtigung des berufsstindischen E menten aus, $, 305#%Der Frage int in»Dan Ziel« ein eigener Abschnitt(Blatt 66-72) gewidmet. Kleinere Ki junkturlerisen(bin etwa 300000 Arbeitslose) sollte die Privatwirtschaft selbst durch Prei dgl. zu überwinden suchen, Größere(bis etwn 600000) könnten im allgemeinen durch die Arbatt N Wnulkaker losenversicherung der Wirtschaftsgruppen aufgefangen werden, Noch größere würden im allgemäi"| 0"Un auftiefer sitzende Ursachen hinweisen. Hier müsse dann der Staat eingreifen, zunächst in der Fornd bestehenden Arbeitslosenversicherung, die aber vereinfacht und dezentralisiert werden müßte antellund Reichsnnteil je 20%,). Im Fall größerer und länger dauernder Krisen müsse die Volksge achnft eintreten: durch Lohn- und Preiseingriffe, Förderung des Auslandsabsatzes, im Außersten schaftalnge, $, 406"Bekanntlich ein Lieblingsgedanke Goerdelers! Der Hinweis auf seine»Wirtschaftsih] kehet Immer wieder! Aber auch Leuschner legte größten Wert darauf, Br wollte sogar eine] Jährige Schulzeit«//er Deutschen, die zu der»mittleren Reife« führen sollte. K. B. Kapitel 15:’ $. 306® An dieser Stelle ging Leuschner, wie es scheint, etwas welter als G.»Die Sozialisierung© sich auf die Grund- und Schlüsselindustrien beschränken, der freie Sektor der Wirtschaft einer mißigen Bewirtschaftung durch Selbstverwaltungsorgane unterzogen werden, Die Gewerks hätte dabei die Aufgabe, als Produzent wesentlichen Einfluß auf die Gestaltung der Wirtschall nehmen«, aber auch die Verbraucherinteressen zu vertreten,»Staatssoziallamus wäre abzulehn die Konkurrenz nuch der sozinlisierten Betriebe untereinander sicherzustellen. G. versicherte Inkl Vernehmungen vor der Gestapo,»man sel sich einig darüber geworden, daß für eine Soztalisde nur die Bodenschätze, die Rlektrizitätswerke und vielleicht noch einige Schlüsselindustrien in Bet kiümen«. K,B. 29. 8, 44. Nach brieflicher Mitteilung von Herrn Joseph Ersing-Stuttgart(M.d war man sich im engeren Kreise G.s völlig einig darüber, daß der Bergbau sozialisiert werden ni Jukob Kaiser habe Rrsing im Sommer 1943 einen von Lejeune-Jung(als künftigem Wirtsche minister) dafür ausgearbeiteten Gesetzentwurf gezeigt. Man habe die großen»Bergbauherren« für Sturz Brünings mitverantwortlich gemacht und ihre Entmachtung gewünscht. $, 307"Inneres, Äußeres, Unterricht, Wiederaufbau, Wirtschaft und Arbeit vereinigt(Goen! alte Forderung seit 1932), Finanzen, Justiz, Landwirtschaft, Wehrmacht, Nur unmittelbar nat Umsturz soll der Kanzler ein direktes Weisungsrecht besitzen. $, 308 M Die wichtige Bestimmung ist in der Denkschrift»Das Ziel« etwas anders gefaßt: G entwürfe mit finanziellen Auswirkungen können in den Kammern nicht ohne vorherige Zustim Verwaltung einstwellen nach dem alten Etat weitergeführt. Das soll aber nur als Übergangsbei® mung»flie die ersten Reformjahre« gelten,»weil die Aufgabe der Wiederherstellung georeı Finanzen das Allerschwerste und sonst gar nicht zu lösen Ist«, Später können Lockerungen einer etwa In der Welse, daß solchen Finanzgesetzen, die in beiden Häusern eine Zweidrittelmehrhet halten,»eine Sonderstellung eingeräumt wird«, Zeitweise scheint Goerdeler an eine Art vom op, miächtigungsgesetz« gedacht zu haben, das für eine Übergangszeit von drei bis vier Jahren dieR> rung vor dem Gestürztwerden sichern sollte,(Mitteilung von Herrn Ministerialrat a. D. Dir Friedrich Sperl an den Verf, auf Grund von Gesprächen mit G.) In den Nachlaßpapleren finde] iR, aber davon nichts.= Rine ähnliche Verstärkung der Exekutive gemenüber dem reinen»Parlam® iR R Ben q mus ist auch auf allen niederen Stufen der Selbstverwaltung geplant, iR: a ia: $. 308 M# Als provisorische Übergangslösung wurde von der Umgebung Goerdelers, vielleidh N dessen Zustimmung, zeitweise auch eine dreiköpfige Regentschaft erwogen, bestehend aus. Reichsverweser und zwei Mitgliedern«, Siehe das Hassellsche Programm von Anfang 1949, S. g72 M, das im übrigen fast nur Übergangsmaßnahmen für den Fall des Umsturzes treffen die eigentlich entscheidenden Verfassungsfmgen ganz offen läßt, In den 1944 verfaßten Pro Dreizehntes Kapitel- Wider den Siegestaumel 509 klageschrift gel nn wird angekündigt, daß, solange noch kein Reichstag gewählt werden kann, vorläufig ein fünfzig- erichtet, daß ee kpfiger, aus allen Volksschichten zu berufender Rat ihn ersetzen soll. Siehe G.s Regierungserklärung, f G. hingevisaf ya mir veröffentlicht: Gegenwart, 24. 6. 46, S. 13 und Pechel, S. 314. Was Wheeler-Bennett, S. 508 en sei, Seitdem ff ber die Verfassungspläne des Goerdeler-Kreises und über monarchistische Bestrebungen mitteilt Tätigkeit im Vor llebenso unzulänglich wie unzuyerlässig. Es beruht zum Teil auf Mißverständnis der Quellen. ıge Verbindun#3. 309 Graf Fritz Schulenburg war schon früher durch seinen Vater, der als Stabschef des Kron- Hammerstein ın) Prizen dessen völliges Versagen im November 1918(in Spa) miterlebt hatte, gewarnt worden. Nach du Angaben, die G. im Verhör der Gestapo machte, hatte er zunächst schr vorsichtig vorgefühlt, bis &isicher wat, daß der Kronprinz die nötige Skepsis gegenüber dem Dritten Reich besaß. In einer Rcksprache mit Beck lehnte dieser ein Hervortreten des Kronprinzen nicht völlig ab, hielt ihn aber ah seinem persönlichen Verhalten für eine schr fragwürdige Figur. Nach Friedensschluß, meinte er, Kite einer seiner Söhne Nachfolger werden. Beck sprach mit anderen Offizieren darüber, G. selbst 1 Stauffenberg. Sie fanden wenig Sympathie für den Plan. würden malt?‘= 310“Um die Haltung Roosevelts zu einer Restauration der Monarchie unter. Louis Ferdinand \nächst in der Fer} wzukundschaften, versammelte Jakob Kaiser im November 1941 im Hause Josef Wirmers ein Treffen & chiedener Mitglieder der Opposition mit dem bekannten amerikanischen Journalisten(Assoc. Pn#s) Louis P. Lochner. Dieser übernahm die Aufgabe, im Weißen Haus vorzufühlen, konnte aber lge des Kriegsausbruchs erst im Juli 1942 nach USA zurückkehren. Roosevelt lehnte seinen Emp- hr und seine Informationen über die deutsche Oppositionsbewegung als»highly embarrassing« ab. Dräiber siehe Rothfels, S. 166 f. ‚eine» WirtschitsE 310$Geßler dachte an Erhebung des Kronprinzen Ruprecht; Glaise-Horstenau hielt einen ie sogar et iltenzollern für die Österreicher für untragbar. Hassell, S. 141, 227. Vgl. auch Hassell, S. 94, 174, M\ 224, 240-242. a ei\ 311 9 Prinz Louis Ferdinand von Preußen, Als Kaiserenkel durch die Welt 1952, S. 358-368. Das N ua zeigt den Prinzen als eine Persönlichkeit, dem das Leben hauptsächlich als eine Art von teiz- Il-m Sport erscheint.- Bundesminister Jakob Kaiser gab mir 1948 mündlich eine Darstellung, die stohl von der des Prinzen wie von Anlage IV etwas abweicht. Er sei im Dezember 1942 durch Ö Hemes zu einer Besprechung mit Hertn von Knebel-Döberitz geladen worden. Dort habe man ihm | t, der Kronprinz sei wahrscheinlich zu folgendem Vorgehen zu gewinnen: Proklamation an die ; Wiederholung seines Thronverzichts von 1918; er sei aber um des Vaterlandes willen ge- tugen, vorübergehend seine bisherige Zurückhaltung aufzugeben und das Kommando der Armee !Dernehmen, um Deutschland zu retten und einen raschen Frieden zu erkämpfen. Knebel schlug Otlhn zunächst zum Reichsstatthalter zu machen und nach etwa zehn Jahren das Volk über die end- fltge Staatsform entscheiden zu lassen(ein Gedanke, der in dieser Form indessen bei den Verschwö- kkeinen Anklang fand). Frage: ob der katholische Volksteil mitgehen würde? Antwort Kaisers end, ebenso die Leuschners für die Freien Gewerkschaften. Mehrere Begegnungen Kaisers mit @mPrinzen L. F. Zweimal(wohl Dezember 1942 und März 1943) war auch Leuschner dabei. Ham- "@erein und Beck waren von dem Plan sehr bewegt, aber sehr skeptisch hinsichtlich der Antwort des Aoptinzen, die von Beck durch einen Adjutanten eingeholt wurde und negativ bzw. ausweichend Sl. Bei den Soldaten sei die Kandidatur des Prinzen L. F. auf Widerspruch gestoßen, da er der Lues unbekannt war. Nach mündlicher Erzählung Dr. O. Johns hat dieser gemeinsam mit Ernst von ttack(dem früheren Regierungspräsidenten von Merseburg, der gleichfalls zur Opposition gehörte) & fir Leuschner bestimmtes Memorandum über die Frage einer monarchischen Restauration ge- /Srilben. Leuschner stimmte zu. Auch Jul. Leber habe sich dafür gewinnen lassen.- Völlig undeut- leibt, wie der optimistische Bericht Popitz’ über seine Unterredung mit dem Kronprinzen Juli WM Hassell, S. 213) zu erklären ist: danach hätte dieser»ausdrücklich erklärt, daß er bereit sei, in die DL als Uber"(Bssine zu springen und alle Opfer und Gefahren, über die er sich völlig klar sei, in Kauf zu nehmen«. ‚herstell",{Ds\lingt sehr unwahrscheinlich; oder hat er so stark geschwankt?- Dr. Otto John behauptete, der Locken(Kötprinz habe Sich ihm gegenüber sehr wütend über die ihm gemachte»Zumutung« ausgelassen. Zyeidiitt‘11 YEr nennt von den Hohenzollern nur Prinz Friedrich, den jüngsten, 1911 geborenen Kron- Pzınsohn- eine Name, der sonst nirgends, soviel ich sehe, erörtert wurde. N. 12 38So Trott zu Solz: Hassell, 5. 240. Trott entwickelte damals(Dezember 1941) den sehr un- Met-Gedanken, als populäre Gestalt den Pastor M. Niemöller ins Reichskanzleramt zu berufen. In & Tagebüchern y. Hassells erscheint zeitweise Popitz als der eifrigste aller Monarchisten. Nach Aus- fi"von dessen Tochter, Frau Dr. Cornelia Schulz-Popitz, war er indessen»im Herzen eat “at: chist«, im Gegensatz zu v. Hassell, und betrachtete die Restauration der Monarchie als reine "elte 242 scheint es, daß er auch eine Unterstützung Schleichers als letzten Bollwerks gegen tim Jan. 1933 gebilligt haben würde.(Verhandlungen Schleicher-Leipart.) "ao a, a, O, Seite 244 f., 247. 512 Quellennachweis und Ergänzungen S. 320 53 Seinen Freunden gegenüber gab er 1942 offen zu, daß er das»Neue Ziel«, das man den tndenen, Nationalsozialismus gegenüber brauche, noch nicht formuliert habe, a. a. O. 280.> Misifendlichte,. S. 320 54K.B. 15. 8. Aussage Haubach. Maaß war nach Haubachs Angaben scharf antiklerikalein- Km mWas, gestellt; er war aber(nach Mitteilung des Verlegers Müller, der ihn gut kannte) keinesfalls antichtit| lich gesinnt.- Der kirchlich-katholische Dr. jur. P. v. Husen berichtet von schwierigen Debatten, di er mit Leber gehabt habe, um diesen davon zu überzeugen, daß man die Eltern nicht zwingen dürft, ihre Kinder in eine christliche Schule zu schicken! Übrigens sei Leber stolz darauf gewesen, daß et da einzige Mitglied der sozialistischen Reichstagsfraktion war, das sich nicht zum Kirchenaustritt hubt drängen lassen.(Mitteilung an Dr. von zur Mühlen.) Leber selbst hat vor der Gestapo von schwers Auseinandersetzungen zwischen den Sozialisten und den katholischen Verschwörern(Wirmer, Kıiet u. a.) gesprochen. K. B. und Anklageschrift gegen Leber und Genossen. Vgl. dazu Kap. 15, Anm f, S. 321 55Eine Besprechung über landwirtschaftliche Fragen(an denen u. a. auch Prof. v. Dirt: Freiburg teilnahm) blieb nach Ste/tzer a. a. O. 74 ohne fixiertes Ergebnis. S. 321 5°Das bestätigt Steltzer a. a. O. 72. S. 322 5” Th. Steltzer a. a.©. 77. S. 322°®®Um was für eine Karte es sich handelte, ist schwer zu sagen. Hätte W. Münchbeimer. Di Verfassungs- und Verwaltungsreformpläne der deutschen Opposition gegen Hitler am 20,7. 4 Europa-Archiv V, 14, 20. 7. 50, Seite 3188 ff. mit seinen Rekonstruktionen recht, so müßte man it nehmen, daß die dort Seite 2191 wiedergegebene Karte die der Kreisauer war. Sie soll von Schulembufg in Zusammenarbeit mit G. Isenberg und Albrecht Haushofer stammen und sieht nur 10 Reichsk vor, die wesentlich nach dem Gesichtspunkt der Stammeszugehörigkeit abgegrenzt sind. Doch sind Bayern und Rheinland-Westfalen weit über die historische Stammesgrenze ausgedehnt. Das mi| Bayern starken Eindruck gemacht haben. Dr. von zur Mühlen, früher Assistent Haushofers, sagte nf er habe Schulenburgs Karte rekonstruieren können. Eine gewisse Rolle dürfte dabei Haush.fet Schrift über das»stammhafte Gefüge« des deutschen Volkes gespielt haben(O. John).- Nun gehört” aber weder Haushofer noch Schulenburg noch Wirmer zum Kreisauer Kreis. Überdies berichtet G: i Freya Moltke(a. a. O.), die Kreisauer Pläne hätten»möglichst kleine Länder« vorgeschen, aufgebaut nach»landschaftlicher, wirtschaftlicher und kultureller Zusammengehörigkeit«. Steltzer(a. a.©. a) spricht von Ländern mit nur 3-5 Millionen Einwohnern. Wenn das zutrifft, so käme etwa die Posi sche Karte(30 Länder a. a.©. 3192) oder allenfalls die zweite»Haushofersche«(18 Länder, Seite 314j) in Betracht. Beide zerteilen aber Bayern, was in München sicher abgeschreckt hätte. Leider sind& Angaben Münchheimers über die Unterlagen seiner Karten nicht genau genug, so daß sich ihr Quell wert nicht beurteilen läßt. S. 322 5®K. B. Aussage Reiserts. Maaß hat vor der Gestapo bezeugt, ihn habe der radikale Fi)r zalismus Moltkes so abgestoßen, daß er daraufhin den Kreisauern den Rücken kehrte. Anklages br gegen Leber und Genossen 19. 9. 44. Nach den»Erinnerungen« von Prof. H. Peters entstand& Kulturprogramm der Kreisauer aus Diskussionen über zwei Referate, die er selbst und Prof. Reid wein Pfingsten 1942 in Kreisau hielten. Prof. Dovifat-Berlin lieferte dazu ein Memorandum ib Pressewesen(das mir nicht vorliegt). $. 324°Leuschner und Maaß empfanden diese Ideen als»syndikalistisch«, führten sie auf Miete dorff zurück und lehnten sie sehr entschieden ab. K.B. S. 326®! Th. Stelzer a. a. O. 81 ff. Die letzten 2 Sätze fehlen im Abdruck. S. 326°2Das Unausgegorene und Romantische der Kreisauer Pläne fiel mir selbst schon 1943“ als ich einen Entwurf(wahrscheinlich Vorentwutf?) in Abschrift während meiner eigenen Arbeits den Zukunftsplänen des Freiburger Kreises zu schen bekam. il Daindes Au Ex h v) S. 326®Die Existenz des»Kreisauer Kreises« und seine Verbindung mit Aktivisten wie Leim) hr Ba Leuschner, Stauffenberg und Goerdeler ist nach Ausweis der K. B. der Gestapo nicht erst durch"9 u= teren, sondern schon durch Geständnisse Haubachs bekanntgeworden. ac S. 326%4 Aussage Gerstenmaiers K.B. Ähnlich kritische Äußerungen(über den reinen Intel tualisten Moltke) angedeutet bei Ze/ler Seite 96 Anmerkung 16. S. 327®°Es ist ein Irrtum Ze/lers(in seiner sehr ausführlichen, meist auf ungedrucktem- Materis.b ruhenden Charakteristik) Seite 96, Sch. habe diese Listen»nur in seinem Kopf bewahrt«. Sielagen## in Bteslau bei einem Frl. v. Grünberg. Auskunft des Herrn Dr. Erich Kessler(im Bundesministar® des Innern). Weitere Auskünfte: Min.Dir. Otto Ehrensberger(früher Reichsinnenministerium),. v. Happe, Senatsdir. in Hamburg. Vernehmungen Schulenburgs K.B.- Dr. Kessler hat vergek# nach dem großen Reformplan von 1944(s. im Text) gefahndet. k S. 329% Über diese komplizierte Persönlichkeit und ihre komplizierte politische Betätigung vos schöne Buch seines Freundes Rainer Hildebrandt, Wir sind die Letzten. Aus dem Leben des Widerstar kämpfers Albrecht Haushofer und seiner Freunde. Berlin o. J., das auch wertvolle Mitteilungen# M die politische Betätigung Popitz’ enthält. Tief ergreifend sind die im Gefängnis in der Lehrter Steht N Dreizehntes Kapitel- Wider den Siegestaumel 513 Ziele, das ma hf" etstandenen, in der Hand des Ermordeten gefundenen 80»Moabiter Sonette«, die Hildebrandt 1947 Iwröffentlichte. Sie geben Kunde vom Seclenleben eines teichen Geistes. 3. 329 9° Was Zeller 97 darüber nach unveröffentlichten Aufzeichnungen des Ob.Reg.Rats W. Muth- kann mitteilt, stimmt nur teilweise mit den Karten zusammen, die W. Münchheimer a. a.©. vozlegt. jerigen Debatndl ie Veröffentlichung Muthmanns in der Essener Wochenzeitung»Der Fortschritt« vom 7. 10.-14. 11. nicht zwingutät! j; habe ich nicht gesehen.- Nicht ganz ohne Interesse(im Hinblick auf die heutige Länderabgren- ung) dürfte sein, daß in den Karten Münchheimers Nr. ı und 3(beide angeblich von Haushofer) (-hein Südweststaat»Schwaben« findet, allerdings in stark wechselnder Gestalt, aber beide Male ohne Jordbaden. . harf antiklerik= estapo von sine m(Vin 5.329®®Die Kartenbeilage fehlt im Abdruck bei Hasse/] 376 ff. Nach Münchbeimer a. a. O. 3192 war zu Kap. 15,@ 30 kleine Landschaftsgaue gedacht. Nach Mitteilung Dr. von zur Mühlens, der daran mitgearbeitet auch Prof,v.D@2) beund sie 1948 zu rekonstruieren versuchte, war sie von A. Haushofer entworfen. 5. 330®Mitteilung der Tochter: Hassell 376. Nach Mitteilung von Frau Irmg. Langbehn war auch dren Gatte an der Ausarbeitung beteiligt. 3.331?°Über die von Popitz nach dem Attentat geplante Militärdiktatur vgl. unten Kapitel 15, W. Minden) kum, 54. Hitler ana. 331”lIch verzichte(aus naheliegenden Gründen) darauf, im Text dieses Buches eine ausführliche 1, so mißte nat kalyse des großen Zukunftsprogramms zu geben, das 1942/43 in unserem Freiburger Widerstands- sollvon Schi" ‚ktüs entstand:»Politische Gemeinschaftsordnung. Ein Versuch zur Selbstbesinnung des christlichen Gwvissens in den politischen Nöten unserer Zeit.«(62 Seiten Haupttext, 42 Seiten Anhänge, eng- #dg.) Da indessen unser Kreis in der Literatur mehrfach erwähnt ist und immer unrichtig bzw. un- t.nur so Reich enzt sind, Did dehnt, Dam" Bau, ist ein Exkurs darüber unvermeidlich. Wie schon im 7. Kapitel Anmerkung 7 kurz erwähnt, Iaushoft billete sich kurz nach der Judenverfolgung des Nov. 1938, angeregt durch Prof. c. von Dietze, ein fte dabe K: is von Universitätsprofessoren und Theologen der Bekennenden Kirche(zeitweise wirkten auch ohn),„Nun kinolische Gelehrte mit), die in etwa allmonatlichen Zusammenkünften Probleme des Widerstands diesber"vu christlicher Sicht her erörterten. Ein Teil der Mitglieder beteiligte sich auch an den Sitzungen schen, ur" its ähnlichen Kreises in Korntal bei Stuttgart(Landesbischof Dr. Wurm, Lic. Thielicke, Prof. ee(«.0°%%=kat, Th. Bäuerle u. a. m.). Von unserer ersten Ausarbeitung»Kirche und Welt«, die zur Diskus- Be|\ossgrundlage weiterer kirchlicher Kreise wurde, ist schon in Kapitel 7 die Rede gewesen. Im Spät- Lände' Pumer 1942 überbrachte uns Dietrich Bonhoeffer im Auftrag der illegalen Leitung der Bekennenden ; Leider& che in Berlin folgendes Ersuchen: Wir möchten eine größere Denkschrift ausarbeiten, die den ae pi"schen Kirchenführern als Grundlage dienen könnte für ökumenische Gespräche auf der Welt- a| irhenkonferenz, die von englischer Seite(Bischof von Chichester, Erzbischof von Canterbury) bald ac Kriegsende unter Mitbeteiligung der deutschen Bekenntniskirche geplant war; sie sollte die "inndzüge einer gesunden Neugestaltung Deutschlands und einer gesunden Friedensordnung, beides "1 evangelisch-christlicher Sicht her, behandeln. Wir haben dann einen engeren Arbeitsausschuß ‘Sthldet(v. Dietze, Ritter, Walter Eucken, Adolf Lampe), in dessen Auftrag ich den Hauptteil der ISküft entwarf. Er enthält zunächst historische Betrachtungen über»Das politische Chaos unserer kil-und seine Ursachen«, sodann eine theologisch-historische Besinnung auf die Grundzüge evan- RN| Rlicher Sozialethik und das Wesen gesunder politischer Gemeinschaftsordnung nach evangelischem ihrten St\inzändnis, schließlich ein ausführliches Programm von Mindestforderungen, die an den deutschen fe der Zukunft gestellt werden müßten, ebenso innen- wie außenpolitisch. Dieser Entwurf wurde Ehffach durchberaten, zuletzt in einer mehrtägigen geheimen Zusammenkunft(Nov. 1942), an der &hruch der Berliner Bischof Dibelius, Lic. Helmut Thielicke(im Auftrag des Landesbischofs Wurm), " Walther Bauer, Berlin, und C. Goerdeler beteiligten. Der von mir entworfene Text wurde ergänzt Q jeeinen Anhang über Rechtsordnung(Verfasser Prof. Erik Wolf-Freiburg gemeinschaftlich mit Franz Böhm-Jena), Erziehung(Prof. Friedrich Delekat), Wirtschafts- und Sozialordnung(Walter Ecien, C.v. Dietze, A. Lampe) und die Judenfrage(v. Dietze). Jan. 1943 wurde die Arbeit ab- &cllossen. Das Hauptexemplar(nur drei Exemplare wurden hergestellt) konnte ich in einem Dorf & Nochschwarzwalds verstecken. Im Juli 1945 ist es behelfsmäßig vervielfältigt worden und hat |&nals eine der Vorbereitungsarbeiten für die Weltkirchenkonferenz Amsterdam 1948 mancherlei | Dtzin im Sinn seines ursprünglichen Zwecks gestiftet. Das historische Einleitungskapitel habe ich de Zeitschrift»Neubau« Okt. und Nov. 1947 veröffentlicht. Das Ganze trägt, seinem Ursprung “üechend, mehr den Charaktereiner Darlegung von Grundsätzen alseines Verfassungsprogramms, Bt\Iber, besonders in den sehr sorgfältig durchdachten Anhängen, mit seinen Vorschlägen tief in Eükote Einzelheiten ein.- Nach dem 20. Juli 1944 wurden unsere Bemühungen der Gestapo durch täddnisse eines Berliner Juristen bekannt, der eine nachträgliche(uns nicht mehr bekannt gewor- )Ausarbeitung zur Ergänzung des Anhangs ı auf Wunsch der Berliner Kirchenleitung geliefert und später hingerichtet worden ist. Dieses Geständnis war, soviel wir wissen, durch schwere ß gen etpreßt. Die daraufhin erfolgende Verhaftung v. Dietzes, Bauers, Lampes und(etwas ‚ame etwa d*" [, Peters Jost undBr"" | Memorat® selbst sc R per eg" Akiviste® 5 1. nicht et“ in 514 Quellennachweis und Ergänzungen später) meiner selbst hing aber zugleich damit zusammen, daß wir Näheres von den Umsturzpläne| G.s wußten und mit ihm in politischer Verbindung standen, wie die Anklageschrift gegen v. Dia) und Bauer vom 9. 4. 45 zeigt, dieim ganzen den Sachverhalt korrekt wiedergibt. Von der Denkschil habe ich der Gestapo nur einen Entwurf der theologisch-historischen Einleitung gezeigt und sieh sich damit abgefunden, diese»religiösen Phrasen« für das Ganze zu nehmen. Vierzehntes Kapitel: Friedens- und Zukunftspläne für Europa S. 334* Vgl. die uns schon bekannten Grundthesen von Wheeler-Bennett, der sich selbst dochil wohlwollend-objektiven Beobachter betrachtet. S. 334*Mündliche Mitteilung von Herrn J. Wallenberg an den Verfasser. S. 336®Eine Fülle von Nachrichten darüber ist in der Widerstandsliteratur verstreut. Es gab ah viele nationalsozialistische Fühlungnahmen im Ausland schon seit 1940: sie gipfelten in dem Fig Rud. Heß’ 1941 nach England. Besonders viele Notizen in Hassells Tagebüchern: siehe etwa il (10. 8.40, C. Burckhardt); 181 f.(Febr. 41 ders.); 204 ff.(Mai 41, Haushofer, Heß, Himmler)| il (30. 8. 41, Langbehn-Burckhardt); 201, 212, 223, 227(Amerikaner Stallforth, Herbst 41, vgl. da den Aufsatz von Maley in Human Events 5./4. 46); 249(Febr. 42 Burckhardt); 285/87(Langbiit, Gisevius); 302(März 43, Gerstenmaier); 321(August 43, Langbehn); 337(Trott zu Solz Dez. 4)” Ferner: Schlabrendorff 114(Canaris-USA). Über die Versuche Lochners und Bonhoeffers, Tnfamsazg ins Ausland zu bringen(1941/2), s. weiter unten im Text! Widerspruchsvoll lauten die Berichte übe die Auslandsverbindungen des Kreisauer Kreises. Steltzer a.a. O. Seite 79 versichert, man“ ickpng ke yängstlich bemüht gewesen, jede Verbindungsmöglichkeit zu Nachrichtendiensten« ins Auslard# In vermeiden, weil auch gutgemeinte Mitteilungen propagandistisch ausgewertet werden konnten. WS Arlcher Pong ar zu las ser freilich der Gestapo hat er ausgesagt, Moltke habe»aus der Sicht seiner kaltschnäuzigen englischen Bekamt|\yynp gewußt, daß es dort an allen Voraussetzungen für einen Verständigungsfrieden fehlte, und had|*Elnpais, für ungeschickt gehalten, wie G. und Beck mit dem Feuer zu spielen«.(K.B. 12. 9.) Das war ıkd Kar wohl bloße Ableugnung, denn Seite 80 berichtet Steltzer selbst von Versuchen Moltkes und Gezit®| Kits ein maiers 1943, auf die englische Politik Einfluß zu gewinnen, und druckt Seite 81 f. eine eigene, Reich] England bestimmte Denkschrift ab. Moltke selbst sagte vor der Gestapo aus(vielleicht absichtlichine Ser führend?), er habe durch seine Londoner Freunde gewußt, daß G. dort»nur mit ganz reaktionid AR, Citykreisen, vollständig ohne Einfluß auf die englische Politik, in Verbindung gestanden habe; Gi: Arnächy aber außenpolitisch vollständig urteilslos gewesen«.(K. B. 29. 11.) Nach einer brieflichen Mittel der Gräfin Moltke(v. z. Mühlen) versuchte Moltke systematisch mit den Widerstandsbewegung®“ besetzten Länder, besonders Norwegens, und über Schweden mit England in Verbindung zu koı (Mich, Balfour).- P. v. Husen berichtet(Interview v. z. Mühlen), Moltke habe vor Weihnachten IX|> eine Dienstreise nach Ankara dazu benutzen wollen, in der Uniform eines amerikanischen OfrmE|: ing Pi nach Kairo zu fliegen und dort einen General der Alliierten zu sprechen; das sei aber dann gescheti|* chf] Nach Dulles 87 hat er mehrfach von der Türkei aus die Alliierten über Haltung und Hoffnungen MD. Opposition informiert.- Eine große Übersicht über die Auslandsverbindungen der Verschwt brachten die K. B. am 29. 11. 44. Darin werden u. a. als Verbindungsmänner nach dem Westen übe! Schweiz aufgezählt: Gisevius(durch A. W. Dulles); Ed. Wätjen(durch Schulze-Gävernitz); Strä Geßler; als Verbindungsmänner über Schweden Edgar Baron Uexkuell, v. Trott, Buxhoeveden; Ü Spanien: Canaris, Otto John; als kirchliche Mittelsmänner: Gerstenmaier, D. Bonhoefler, Dr. Ba] Lilje, Dr. josef Müller.- Mein eigener Aufsatz: Die außenpolitischen Hoffnungen der Verschw# des zo, Juli 1944 in: Merkur III, Heft 11 1949(englische Fassung, verkürzt, in: Contemporary R l June 1950) ist natürlich heute in seinem Quellenmaterial z. T. überholt. S. 336*Hassell, 249, 285, 287. Seit der Casablancakonferenz wurden die Nachrichten sehr vie'® günstiger, wenn man auch immer noch hörte, die englische Politik fürchte Rußlands und Amel Übergewicht bei längerer Fortsetzung des Krieges: ebd. 287, 321, 337. Nach dem K. B. vom 29" wäre noch im Sommer oder Herbst 1942 auf einem Herrenabend bei W. v. Alvensleben davomf sprochen worden, Geßler habe in der Schweiz günstige Nachrichten über die Haltung Churchills# einem Beauftragten des Premiers erhalten. Nach Mitteilung Dr. Otto Geßlers ist das reines Ges Geßler erklärt mir, er habe nie miteinem Vertreter des feindlichen Auslandes während des Krieges" handelt. S. 336®S.-Sch. nannte in seiner brieflichen(und mündlichen) Mitteilung an mich besonders“ Herren Schloßstein und Hahn, sowie den Leipziger Freund G.s, Dr. Cramer.& S. 337*IMT. XX, 630(Aussage von Brauchitsch).- Halder vor der Münchner Spruchkamm“ Schlabrendorff 68(mir durch General Halder bestätigt).- Hitlers Wehrmachtsbefehle vom 12./13.8° IMT Doc. PS. 884 C. 5o/st. Wbeeler-Bennett 513 behauptet, ohne Versuch eines Beweises, Halden# Brauchitsch hätten die Hitlerschen Mordbefehle mitunterschrieben. Wäre dies der Fall gewes® Nierzehntes Kapitel- Friedens- u. Zukunftspläne für Europa 515 lite der Ankläger in Nürnberg, der gerade diese Frage genauestens untersuchen ließ, bestimmt nicht , eine Anklage daraus zu konstruieren. Dies blieb jedoch Wheeler-Bennett vorbehalten, der . Von der Denk? nicht einmal beachtet, daß Halder nur operative, nicht gerichtsherrliche Weisungen zu zeich- tan hatte, Richtig ist allerdings, daß Brauchitsch auf Grund der Befehle Hitlers vom 30. 3. einen Ent- \arfzu dem berüchtigten»Kommissarbefehl« durch seinen Gerichtsreferenten ausarbeiten ließ, diesen Illigte und dem OKW am 6. 5. 41 zur»Mitprüfung und Kenntnisnahme« vorlegen ließ, natürlich nch ohne Unterschrift. Halder lehnte jede Mitverantwortung dafür ab und verweigerte dem Referen- ta gegenüber sogar die Kenntnisnahme. Im OKW(Warlimont, Jodl) war man bemüht, dem Befehl, er sich selbst di&r dann von dort ausging, wenigstens einige»Giftzähne auszubrechen«(übrigens mit Unterstützung Issenbergs). Es ist bekannt, wie unvollkommen das gelang und wie zähe sich Hitler auch weiterhin - den Milderungsvorschlägen der Truppe, des OKH und OKW widersetzt hat. Immerhin wurde er- verstreut, Esgbu acht, daß Hitlers ursprünglicher Befehl, die ganze»kommunistische Intelligenz« auszurotten, still- gipfelten in dal weigend unter den Tisch fiel und daß die Truppe angewiesen wurde, nur solche Kommissare»er- chern: siche ei kligen« zu lassen, die sich»einer feindlichen Haltung schuldig machten«. Grausig genug blieb das Heß, Hinnle Cinze freilich doch, und Brauchitschs Opposition war lahm. Vgl. IMT Dok. PS 877, 891, 1471, "Herbst 4 Y NOKW 200, 209, 252, 484, 1076, 1481, 3556, dazu briefliche Auskünfte Halders, dessen Tagebuch ); 285/87(ae Nm 30. 3. und briefliche Mitteilungen(mit vielen Quellenbelegen) von Frau L. Jodl. ott zu Solz Drz.li) 5. 337"General Halder schreibt mir u. a.:» Wenn er(Brauchitsch) durch Erziehung und innere Über- \oeders, Infor Zugung auf der Seite der»Verschwörer«stand, so vermied er dochängstlich, bindende Verpflichtungen die Beridt zugehen in einer Frage, in der sein Gewissen ihm keine eindeutige Auskunft gab undin der logische Ss Ükerlegung kein klares Bild über das Verhältnis zwischen Risiko und Erfolg zu geben vermochte.« 5. 338®Hassell 249. Burckhardt hatte nur andeutend von den Grenzen von 1914 in London als ver- ‚ licher Forderung der Opposition gesprochen. 5. 338 In Bern war Siegmund-Schultze gesagt worden, man wolle versuchen, in London doch noch d Erlaubnis zur Weitergabe des Dokuments zu erreichen. Der britische Generalkonsul in Zürich m es daraufhin zunächst in Verwahrung bis auf Abruf, der aber erst am 4. 8. erfolgte. Prof. S.-Sch. ng gezeigt undi& ersichert, man#9 ‚nsten« ins Au t werden kontt“ n englischen BE" Jen fehlte, und B. 12.9.) ei x btält sich eine Veröffentlichung seines Briefes an Erzbischof Temple und aller zugehörigen Doku- gig 1 Mate, einschließlich der Antwort Edens(s. unten) vor. a in a$. 339 1°Der innerpolitische Hauptteil ist schon im Kapitel 13 besprochen. alas ii 7%. 342 UBS scheint, als wäre die Zusatzerklärung zur Atlantik-Charta von der deutschen Oppo- mit ganz gi“ ı ton zunächst nicht beachtet worden. Vgl. Hassell 218 f. Nur Art. 8 erweckte Sorgen. gestanden vn N 342 MHassell 214. briflichen or'>»342 1%Herabsetzung der Rüstungsausgaben von(bisher) jährlich 75 auf 4 Milliarden.- Die Aus- estandsbewe8”" ıB rleitung, von der Gestapo unter G.s Papieren gefunden, ist datiert: 13. 12. 42 und ist als»Erklärung JebindunB? 2|"® Atlantik-Charta« bezeichnet, geht aber gar nicht näher auf diese ein, sondern entwickeltein eigenes, vol Weih x ienlich flüchtig entworfenes Zukunftsprogramm, u. a. für die Neuabgrenzung der Balkanstaaten, \ bt auch für Europa- und Völkerbund.(Anlage zum K. B. vom 16. 8. 44.) 7 343 Der bekannte Bericht Bischof Be/ls in Contemporary Review Oktober 45(wiederholt in | kieem Buch The Church and Humanity und jetzt wieder abgedruckt in der Sammelschrift»2o. Juli 944. 1953) macht über die politischen Vorschläge der beiden Sendboten kaum nähere Angaben. Die Ahrmation Schönfelds über die deutsche Arbeiteropposition und die gewerkschaftlichen Verbindun- *! stammte weder von Kaiser noch von Leuschner, die es beide ablehnten, nähere Nachrichten dat- keins Ausland gelangen zu lassen. Doch durfte Schönfeld ihre Namer nennen. Woeeler-Bennett 553 ff. htdie Memoranda Bells und Schönfelds für das Foreign Office von 1942 benutzen können. Darnach kge Schönfeld folgendes Zukunftsprogramm vor:»Wiederherstellung des Rechtsstaates in Deutsch- I! mit weitgehender Dezentralisation; Wirtschaftsgemeinschaft in Europa als stärkste Sicherung sten Militarismus; Schaffung einer Föderation freier Nationen, zu denen auch Polen und dieTschecho- Ibrakei gehören sollen; europäische Armee unter einer neutralen Autorität.« Das sind sehr ver- kbrommene Angaben. Wheeler-Bennetts Bericht läßt nicht erkennen, ob von Angliederung Öster- ?iöıs und von Wiederherstellung der Grenzen im Osten in dem Memorandum bloß nicht gesprochen Sit! oder ob auf beides ausdrücklich verzichtet wird. Ich möchte das erstere vermuten, Warum Mbeler-Bennett dies ythe most ambitious peace offensive« seit 1940 nennt, verstehe ich ebensowenig Niezeine Behauptung(Seite 558), die britische Regierung hätte dahinter eine»Falle« vermuten dürfen, \näch dem Trick der Gestapo beim Venloer Überfall im November 1939.. -\- 343 18 Vgl. Hassells Verhalten in Arosa 1940(oben Kapitel 12). Dazu Tagebücher 214 f.u. ö., ktter G.s Friedensplan vom 30. 5. 41, Anhang V, 1. Absatz(ausschließlich innerdeutscher Charak- rtıdes Umsturzes), Es ist hiernach zweifelhaft, ob die Forderung einer öffentlichen Erklärung Eng- ‘s wirklich den Wünschen der Auftraggeber Schönfelds entsprach. f $ 347 Churchill, Der Zweite Weltkrieg(Deutsche Übersetzung 1951) Band IV, 2, Seite 309 fl.- Nine Roosevelt, Wie er es sah(Deutsche Ausgabe 1947) Seite 150 ff.- Robert Sherwood, Roosevelt and j Rußland 516 Quellennachweis und Ergänzungen Hopkins(1948) Seite 695 ff.- Cordell Hull, Memoirs II Chapter 113, p. 1570 ff.- Ulrich Meister, Zu deutschen Kapitulation 1945, in: Zeitschrift für ausländisches öffentliches Recht und Völkerreci Band XIII(1950/51) 393-410. Angesichts der hier berichteten Tatsachen bedarf die verharmlosend Darstellung Wbeeler-Bennetts 536 f. und 558 f.(The Casablanca Declaration constituted for the os spirators a very small embarrassment, if any at all«) keiner Widerlegung mehr. Seine Behauptun (Seite 537)»that German Generals as such were not averse in principle or in practice to the formulad Unconditional Surrender«- da sie ja in Stalingrad bedingslos kapituliert hätten(I), richtet sich selbst Gisevins II, 258 bestreitet nur die Bedeutung der Casablancaformel für das Scheitern des von ihmet! hofften Generalsputsches während der Katastrophe von Stalingrad, nicht ihre verheerende Wirkung überhaupt. Zu beachten ist auch die von Dulles 132 Fußnote wiedergegebene Tagebuchnotiz Keseli Vgl. ferner P. Schmidt, Statist auf diplomatischer Bühne(1949) S. 567 über die Wirkung der Cıw blancaformel auf Hitler.- Die grausigen Tafelspäße Stalins in Teheran(wo er auf die glückliche Er schießung von 50000 deutschen Offizieren mit Roosevelt und Churchill anstoßen wollte), von dem Elliott Roosevelt a. a. O. 238 ff. berichtet, wird man immerhin nicht als ein Stück diplomatischer Ver handlung auffassen dürfen.| S. 347 Y"’ General Thomas, Die Opposition(ungedruckt). S. 348 1 Dulles 142 ff. Den dort gegebenen Bericht ergänzte mir Herr Jakob Wallenberg in st liebenswürdiger Weise anläßlich eines Besuches in Stockholm 1953 unter Zuhilfenahme seines Tag buchs. Ich erhielt Abschrift des Goerdelerschen Memorandums vom Mai 1943. Weiterer Berichtit G.s Mem. Nach einer Mitteilung des Frh. von Palombini an den Verf. hätte sich G. auch mit Sumn“ Welles gelegentlich in Stockholm getroffen, ihn nach der Haltung der USA im Fall eines deutsch@; Umsturzes gefragt u. d. Auskunft erhalten, es sei nicht ausgeschlossen, daß man dort über eine y& nünftige Grenzziehung im Osten mit sich reden lassen würde. Leider erinnert sich Herr v. P. nid ‚ mehr an das Datum, glaubt aber, es sei 1942 gewesen. Er selbst sei dabeigewesen. S. 349 1% Gleich darauf, im März 43, kurz vor dem Tresckow-Attentat, hat allerdings Dr. Jos. Mil@’ im Auftrag Becks nach England(über den Vatikan?) melden lassen,»daß die Generäle sich aus& schen Gründen zum Handeln verpflichtet fühlten«. Rundfunkansprache Müllers, abgedruckt bl G. Weisenborn, Der lautlose Aufstand(1953) Seite 242. Der politische Sinn dieser Mitteilung und) Verhältnis zu G.s politischen Absichten bleibt einstweilen ganz dunkel. In der Hauptversammlug"| vor dem VGH am 8. 9. 44 ist von einer Fühlungnahme G.s mit Kardinal Faulhaber-München@! März 1943 berichtet worden, G. fragte, ob Faulhaber yaußenpolitische Einflußmöglichkeiten habe ıı ob ein Zusammengehen der beiden Kirchen in Frage komme«. Die Antwort war: der Kardinal bei@? außenpolitische Verbindungen nur zum Papst, für ein Zusammengehen beider Kirchen sei die 14 günstig. Auch den Freiburger Erzbischof Gröber hat G. gelegentlich aufgesucht. Bericht Thierı# Jh an Bormann 8. 8. 44. S. 349 2°Das handschriftliche Original ist noch im Besitz des Herrn Jakob Wallenberg, der sd#! Veröffentlichung freundlichst gestattete.- Die Fassung ist im Verhältnis zu anderen Schriften@ N\ ungewöhnlich knapp: 28 kurze Leitsätze, in der Abschrift 5 Seiten umfassend. S. 351?1!Brließ sich darin auch durch Einwendungen sachkundiger Diplomaten nicht erschütte# Botschafter a. d. Rich. Meyer von Achenbach berichtet mir, er habe ihn im Mai 1943(und noch öftdl in Stockholm vergeblich über den wahren Ernst der Lage und die Aussichtslosigkeit seiner Bemühf gen in England aufzuklären versucht. Mitteilungen über die künftige Westgrenze Polens, über die& malsin London mit der polnischen Emigrantenregierung verhandelt wurde, hätten ihn tief erschütte er habe sich indessen gesträubt, diese Pläne ernst zu nehmen. Er habe auch die Selbständigkeit# russischen Politik unterschätzt und nicht einsehen wollen,»daß der russische Vormarsch nach Wes!& wenn überhaupt, nur durch Einvernehmen mit den Russen angehalten werden könnte«. Dazu il man nun freilich bemerken dürfen: 1. daß nicht zu schen ist, wie die Verschwörer ein solches WER\ vernehmen« hätten erzielen sollen, wenn die Ostfront zusammenbrach; 2. daß die Alternative ges" über solchen Mitteilungen doch wohl nur lauten konnte: totale Resignation- oder aber: Hoffni#|? ® trotz allem. S. 352 2?Die Erzählung bei Dulles 144 verlegt irrig diese Bitte schon auf Mai. S. 352 2? Wallenberg erschien diese Ankündigung verfrüht; auch könne Schlabrendorf nur©) Verbindungsmann nützlich werden; als Unterhändler bedürfe es einer anderen, bekannteren Pers“ lichkeit. S. 353?*Persönliche Mitteilung Herrn Wallenbergs an den Verf. S. 353 25 Hassell, S. 325, 334. ‚erzehnte NIRReS per S. 353 2®Offensichtlich korrekter waren seine Aussagen vor der Gestapo im August 44, die icb#]*%., folgenden wörtlich wiedergebe:»Herbst 1943 trifft sich Goerdeler mit Jakob Wallenberg in Bexis Dessen Bruder Markus war in London gewesen. Ergebnis: die Engländer würden sich nicht mehr ib halten lassen, die Luftangriffe auf Deutschland zu verstärken. Sie könnten angeblich auf dieses Mitt lierzehntes Kapitel- Friedens- u. Zukunftspläne für Europa 517 .= Ulrich Meister, nibıt verzichten, um den Krieg schneller zu Ende zu bringen. Von dem Einsatz dieses Kriegsmittels echt und Völker kannte allenfalls abgesehen werden, wenn auch Deutschland dazu bewogen würde, den Krieg abzu- ıf die verharmbs} ktzen. Frage G.s: Was England bereit sei zu garantieren, falls der Krieg ohne Fortsetzung des Kamp- onstituted for the I6 bis zum letzten abgeschlossen würde. Antwort: Es sei schr schwierig, von den Engländern eine hr. Seine Behaupy*eimmte Zusage zu erhalten. Sie zögen sich immer darauf zurück, daß sie erst ihr Parlament be- ticeto the fornu) Inzen müßten. Immerhin glaubt Wallenberg sagen zu können, daß die Engländer zu einer Politik (I), richtet sichse! fteit seien, die die Sowjets östlich der alten polnischen Ostgrenze zum Stehen bringe und die balti- eitern des von ihn?!d=n Staaten nicht unter Sowjeteinfluß fallen lasse. Auf die ausdrückliche Frage von G. hin habe verheerende Wirk Wllenberg erklärt, daß diese Auffassung von so autoritativer Seite komme, daß es eine Stelle von 'agebuchnotizKes' Alßerer Autorität in England nicht gäbe. Gegenfrage Wallenbergs: Welcher deutsche Beitrag zur ie Wirkung der@ Alcürzung des Krieges? G. will ausweichend geantwortet haben, die russische Gefahr bestehe für auf die glückliche and bei kurzem und bei langem Krieg. Antwort Wallenberes: Er sche dies ein, glaube aber, die en wollte), vonde Enländer würden stur in dem bisherigen Stil weiter Krieg führen; Goerdeler: Es sei doch sinnlos, k diplomatische Dertschland gegenüber immer wieder übertriebene Forderungen zu erheben, die zur Fortsetzung k| Krieges geradezu nötigten(unconditional surrender). Abschließende Erklärung Wallenbergs: } Aulh das sei tichtig, aber da sei nichts mehr zu machen.« K. B. vom 17. 8. In der Aufzeichnung vom 'b Wallenberg it$\ternber 1944, kurz nach der Verurteilung, stellt G. die Dinge so dar, als hätte Churchill seinen ‚fenahme seines Tb fndensplan vom Mai praktisch angenommen. Dasselbe hat er in einer späteren Vernehmung vor der 5. Weiterer Berib, G&apo behauptet: Auszug aus dem Vernehmungsprotokoll als Anlage zu K. B. vom 21.9. In der HG. auch mit Se Atzeichnung vom November 44(Unsere Idee) heißt es: die Engländer seien»im wesentlichen mit I Fall eines dert@ la einverstanden gewesen«. Diese Entstellung kann nur bewußt tendenziös sein-in welchem Sinn, dort über ein Mt das letzte Kapitel zu erörtern haben./ au Herr v.P.\ 353 9Sje fiel der Gestapo nach dem 2o. Juli in die Hände. Vermutlich handelt es sich um das u ö Sük, das im sogenannten Kiesel-Bericht(Norddeutsche Hefte 1947, Nr. 1/2) S. 25 als»Memoran- zr Dr. Jos. di: an die westlichen Alliierten« bezeichnet ist und nach diesem Zeugen im»Askanischen Hof« ge- rdings® h fien wurde. Ich fand sie unter den Beilagen der K. B.- R. Peche/ muß eine Kopie unter den von ihm Generäle er er!=sehenen Funden der Gestapo benutzt haben, da er S. 220 f. ein Stück daraus abdruckt; er unter- üllers, Ei| shidlet das Stück aber nicht von der S. 213-220 von ihm auszugsweise publizierten Niederschrift. ser MN BE“u,$354% Abweichend von der mit Wallenberg verabredeten Aufzeichnung vom März 1943 ist wie- er a i&tion der Ostgrenze vor 1914 die Rede. Doch soll Polen durch Staatsunion mit Litauen für den Ver- aulbaber-) yudstron Westpreußen entschädigt werden und so einen Zugang zum Meer bekommen, außerdem Da HeUnterstützung für seinen Wiederaufbau erhalten, die es braucht. v; der Kardit H S355®Einen ausführlichen Verfassungsplan für die künftige Organisation Europas und des 1 Kirchen I ‚I Ntztaatensystems fand die Gestapo 1944 unter den Papieren, die G. in seinem Berliner Standquar- cht, Bericht THF%, lem Hospiz am Askanischen Platz, zurückgelassen hatte. Es wurde für den Gebrauch der Ge- desil»kommission in 90 Ausfertigungen vervielfältigt und ist nach einem dieser Exemplare von 1 Bebel, S. 213 ff. auszugsweise veröffentlicht. Eines dieser Exemplare muß G. vorgelegen haben, A-im November 1944 seine große Niederschrift»Unsere Idee«(40 Seiten Schreibmaschinenschrift Ä Zeilen) anfertigte, da ganze Partien hier wörtlich wiederkehren. Ein ähnliches Europaprogramm „&ilt auch die schon in Kapitel 13 benutzte Niederschrift»Gedanken eines zum Tode Verurteilten 11943( ee„Er die deutsche Zukunft« vom September 1944. Auf die nicht sehr belangreichen Abweichungen gkeit seinet 9°.&\erschiedenen Entwürfe im einzelnen einzugehen erübrigt sich. Sie betreffen hauptsächlich die Wallenbefg, anderen Schr“ aten nicht ersche und no® ze Polens, Db Bra der Grenzziehung im Osten(russische Westgrenze vom 1. 9. oder vom 31. 12. 39, Teilung der tenihatieN ‚@lls preußischen Provinz Posen nach Volkstümern?), die Behandlung Elsaß-Lothringens(Volks- jie Selbstän Re ‚ tumung? Autonomie?), die Bildung von regionalen Staatsgruppen in Europa, die Zukunft ormassch nad} ‚aus und Chinas, die beide zu ihrem Recht kommen sollten, die technische Organisation und den n könnten. DI? ‚erweisen Aufbau der künftigen Staatenbünde Europas und der Welt, die Wiederaufbaugemein- söref ein aa ‚uf die Weltschiedsgerichte, die Schaffung einer Weltluftpolizei, die Europäisierung des Kolonial- die Alternatif pP Fr s der europäischen Staaten mit gleichem Zugangsrecht für alle Europäer, europäischen Kolo- _ oder abet:" Mlttppen u. dgl. mehr. Schließlich wird auch das Verhältnis des britischen Empire zum künftigen Dabund erörtert: es soll möglichst zur Mitgliedschaft gewonnen werden und eine Vermittlerrolle Alle USA spielen. Wie sich Goerdeler den regionalen Zusammenschluß europäischer Staatengrup- Selabrendnf dichte, erhellt aus dem Abdruck Percbels, S. 214. Es ist ganz interessant, diesen Passus mitähnlichen „, bekannte?" Btuftsphantasien Churchills in Casablanca zu vergleichen: Churebill, Bd. VI, 2,5. 341. Hiis5 0 Aussage Steltzers, K.B., 12. 9. 44.— Mitteilungen Dr. von Husens an v. z. Mühlen.— Nih Gerstenmaier(bei Hassell, S. 371) referierte Trott Anfang 1943 auf einer Zusammenkunft der N Sauer mit dem Goerdeler-Kreis über die außenpolitischen Ideen der ersteren und sprach von euro- yugus Ah ch-r Föderation. ie alle 2 366 91So das Ergebnis der Gestapovernehmungen, K. B., 21. 11. 44. Ähnlich habe Langbehn | ich nicht f". Dazu Mitteilungen von Prof. E. R. Huber, Freiburg, der sich mit Reichwein über dieses / 518 Quellennachweis und Ergänzungen Thema noch 14 Tage vor dessen Verhaftung unterhalten hat. Er versicherte mir aber mit akt B stimmtheit, daß von kommunistischen Überzeugungen bei Reichwein keine Rede sein könne.N mündlicher Mitteilung Dr.©. Johns hätte auch Haushoter viel von deutscher Mittellage und! Notwendigkeit einer Fühlungnahme mit dem Osten gesprochen.- Über Trott: K. B., 8. 8. 44,du Hassell, S. 321, 332, 334. Hassell verfaßte für die Berbersche Zeitschrift»Auswärtige Politik« ein Aufsatz»Deutschland zwischen Ost und West«, dessen Korrektur er noch am 25. 7.44 gelesen kill der aber nach seiner Verhaftung herausgenommen werden mußte. Er ist rein geschichtlich undpall tisch farblos.(Mitteilung d. Manuskripts und seiner Geschichte durch Herrn J. von Kempskian Verf.) Fünfzehntes Kapitel: Umsturzversuche 1942-1944 Zu Abschnitt I: Vor Stalingrad $. 357 tSiehe oben Kapitel 10. Ich verdanke dem ehemaligen Ordonnanzoffizier Hoepners, Hr Dr. Bothe-Berlin, eine sehr eingehende schriftliche und mündliche Charakteristik des Generalsun bedaure lebhaft, seine Mitteilungen, die mir von Frau Irma Hoepner überlassenen strategischen us kriegsgeschichtlichen Ausarbeitungen ihres Gatten und briefliche Mitteilungen Dritter wegen Ra mangels hier nicht auswerten zu können. Die strategischen Aufzeichnungen lassen erkennen, d/ Hoepner(nicht Hoeppner|, die falsche Schreibung kehrt immer wieder, sogar bei E. Zelle:) di gerade Gegenteileines Defaitisten war. Noch am 21. 6. 43 schließt er eine Betrachtung über dic»R stung Europa« mit der Mahnung:»Vertrauen! Nerven!« Anderseits wird bezeugt, daß er schon ij) erbitterter Gegner des Naziregiments war und daraus kein Hehl machte, schon Frühjahr 1940 di Attentat forderte und sich für den Umsturz zur Verfügung stellte. Zu seiner menschlichen Chank teristik nur folgendes in Kürze: 1. Den Befehl zum Rückzug seiner Armee auf die von ihm seitlang® vorsorglich vorbereitete»Hoepnerlinie« erteilteH. am 7. 1. 42 in bewußtem Widerspruch zum Fibre befehl und meldete den Rückzug erst, als er schon angelaufen war. 2. Nach seiner Entlassung erklift er seinen Mitarbeitern beim Abschied:»Ich bin meines Postens.... enthoben worden, weil ich ei# Führerbefehl nicht befolgt habe. Seit meiner Jugend der Armee verbunden und dadurch den deutsc# Soldaten verpflichtet, fühlte ich mich bei meinen Entschlüssen stets einem Höheren verantwortli& Jederzeit würde ich wieder genau so handeln, wie ich gehandelt habe.... Ich gehe in dem Bert sein einer meiner Armee und dem Volke gegenüber erfüllten Pflicht.« 3. Ende Mai 1940 als Kommt deur des 16. Armeekorps herrschte er einen ihm unterstellten SS-Divisionsführer, der sich im Übt eifer erbot, einen Brückenkopf über den La Bassee-Kanal zu halten(Menschen spielen dabei gar kit Rolle«), in höchster Empörung an:»Menschenleben spielen bei Ihnen gar keine Rolle? Ein Schld“ sind Sie und kein Offizier! Ein militärischer Erfolg hat nur dann Wert, wenn er mit sparsamsten\# lusten an Menschen erzielt wird. Sonst könnte man jeden Ignoranten an militärische Führerst@ setzen.« 4. Das Andenken Hoepners droht dadurch verdunkelt zu werden, daß der in IMT Bd Ira S. 671 ff. als Dok.L 180 abgedruckte Bericht des SD-Einsatzführers Dr. Stahlecker, eines der schlir sten Wüteriche, von»sehr enger, ja fast herzlicher Zusammenarbeit« mit der Panzergruppe Hpf spricht. Nach einem sehr genauen brieflichen Bericht Dr. Bothes kann sich indessen diese Bemert# (die überdies Aufschneiderei ist) nur darauf beziehen, daß H. der zeitweise unbeschäftigten SS-Tyf Stahleckers auf dessen Wunsch Gelegenheit gab, sich am Ausräumen eines sogenannten Kessel n# scher Truppen(nordwestlich Luga) in normalem militärischem Kampf zu beteiligen und dad militärische Auszeichnungen zu verdienen. Von seiner eigentlichen Tätigkeit, die sich völlig jers' des Hoepnerschen Befehlsbereichs vollzog, hat Hoepner nie etwas erfahren.| S. 358 2 Wbeeler-Bennett, S. 514 behauptet das Gegenteil ohne jede Begründung. $. 359®Mir liegen ausführliche Auskünfte vor, die ich der Witwe, Frau Eva Olbricht, un Schwiegersohn, Herrn Fr. Georgi, verdanke. Von Herrn Georgi stammt auch eine Schilderung@"|" Abschiedsszene im Wehrministerium Bendlerstraße, die er noch in der Nacht vom 20. auf 21.]%| 1944 niederschrieb und aus der die mannhaft todbereite Haltung Olbrichts ergreifend hervorleucht“ l S. 359 4 Thomas, Die Opposition(handschr.). Dem Verf. scheinen die Daten etwas durcheinzr Behauptung, Tresckow sei erst dutch Goerdeler 1942 für die Verschwörung gewonnen wor#)F stammt wahrscheinlich von Goerdeler selbst, der in seinen Vernehmungen 1944 ausgesagt ba i habe Tresckow noch im Spätherbst 1942 bei zweimaligem Treffen, in Smolensk und in Berlin staunlich optimistisch im Blick auf die militärische Lage der Ostfront getroffen. Er selbst, G.,? ihn erst über die Gesamtlage richtig ins Bild gebracht. Mir ist schr wahrscheinlich, daß Tr.#* Fünfzehntes Kapitel- Umsturzversuche 1942-1944 519 ‚teebenen Prophezeiungen eines baldigen militärischen Zusammenbruchs, zu denen Goerdeler neigte, gegengetreten ist. Seine politische Oppositionshaltung ist aber schon für 1938/39 einwandfrei tzeugt. Danach entfällt die ganze(mit»vielleicht« eingeschränkte) Charakteristik Tresckows durch '(ssevius, a. a. O., die Wbeeler-Bennett, S. 315(ohne»vielleicht«) übernimmt. * 5.360®Von der Hand Rudolf von Gersdorfis liegt mir eine memoitenhafte Aufzeichnung(nach n 25. 7.44 gell 145) vor, die zu den eindrucksvollsten Selbstzeugnissen dieses Geistes gehört. Danach war Gersdorff geschichtlich undh won Juni 1941 Offizier im Stab der Heeresgruppe Mitte. Er schildert den dort geführten Kampf ). von Kempskiat! pen Hitlers grausame Heeresbefehle, spricht von der Opposition der Berufsoffiziere gegen den Dilet- | tutismus der Obersten Kriegsleitung, betont aber:»Noch mehr zwang uns das Grauen vor der na- \ timalsozialistischen Gewaltherrschaft und deren verbrecherischen Taten dazu, alles zu tun, um das | datsche Volk und die Welt von seinen Verderbern zu befreien... tiefes Verantwortungsgefühl gegenüber Gott, der Welt und dem deutschen Volke war das Antriebsmoment, das die deutschen \.derstandskämpfer wie unter einem inneren Zwang handeln ließ.« 5. 360"Mitteilung Halders an den Verf. Ma Hocpnen 5. 360®Schlabrendorff, S. 79 ff., Hassell, S. 229, Wheeler-Bennett, S. 516 konstruiert willkürlich aus den de Genenkl Augaben Schlabrendorffs, S. 74 einen angeblich durch»dilettantisches Ungeschick« der Verschwörer a strategisch) g«cheiterten Attentatsversuch anläßlich Hitlers Besuch in Borissow, den er auf 4. August verlegt. n Dritter wegen Drnals, mitten im siegreichen Vormarsch, einen Versuch zur Festsetzung Hitlers zu planen, wäre der . Gofel des politischen Dilettantismus gewesen. ®. 360 P?Nach Hassell, S, 232 hatte er sich Falkenhausen und Thomas gegenüber, die ihn(anschei- Oktober) zum Handeln drängten, zum Staatsstreich bereit erklärt, falls Hitler beseitigt würde. gar bei E. Zr l überdi ne schen 3.362 19Gen. Thomas, a. a. O.(Ms.)— Hassell, S. 231, 244, 248. Die letztgenannte Stelle läßt er- , kunen, daß auch von Hassell den Goerdeler-Beckschen Plan»isolierter Aktion« Witzlebens für ion j ütpisch hielt. Pechel, S. 154#. Dazu ist zu vergleichen die Kritik des Pecheischen Buches durch ; Gevius in der Neuen Zürcher Zeitung vom 1.4. 47 und in den späteren Auflagen seines Buches, die d Utopische der von Pechel nach Paris getragenen Pläne scharf betont. Witzleben(der sehr leicht _\lbrauste) sei darüber so empört gewesen, daß er die Verbindung mit Goerdeler abbrach. Fatal sei eili ut das Faktum, daß gemeinsam mit Pechel sich der Wichtigtuer W. von Alvensleben in die Planun- worden, W fer. 150 einzuschalten suchte.— Whbeeler-Bennett, S. 526 vermengt die Pläne des Winters 1941/42 sehr leicht- dadurch den FR ktüg mit dem, was Gisevius IL, S. 257 über Putschpläne des Januar 1943 berichtet. Gisevius ist in- Oberen ker ak!c.en daran mit schuld, da er auf S. 257 den längst entlassenen Witzleben als noch in Frankreich am- y gehe in En,\tend voraussetzt; ebenso in seiner Nürnberger Aussage am 25. 4. 46, IMT XII, S. 265. 1 362 U Thomas, 2.2.0,- Schlabrendorff, S. 83. Danach hatten sich mehrere Industrieführer im &tı en Augenblick geweigert, ihre Unterschrift zu geben.- Goerdelers Verbindungen mit der rheini- «n Industrie wurden vor allem durch den sogenannten Reusch-Kreis(um den Direktor der Guten- Enungs-Hütte) vermittelt. Im Hause des Großgrundbesitzers Wenzel-Teutschental(bei Halle) - menschlichen Jie von ihm sel! iderspruch zum ner Entlassung Mai 1ggoak KT } ji 1Di0\ er Gelegenheit, seine Ideen vor Wirtschaftsführern zu entwickeln. K. B. und sogenannter Kiesel- jiärische IT, Biescht: Nordwestdeutsche Hefte 1947, 2, S. 21. jo INT N A\. 362 12 Thomas, a. a. O. er, eines N 362 BGiseviusin seiner Nürnberger Aussage, IMT XII, S. 264 u. ö. Unklar bleibt, wann zuerst Panzergrupf“ a.in welchem Umfang auf Manstein eingewirkt wurde. Dulles, S. 66 spricht(nach Angaben von Jessen diese Sa lilevius) von einem Überredungsversuch, der schon vor dem Fall von Sebastopol(1. 7. 42) erfolgt eschäftigte0® Ai Ki:müßte, Schlabrendorffs Angaben, S. 159 sind undatiert. Thomas, a. a. O. berichtet von einer Ent- renannten En| ung des ihm ergebenen Oberst Bentler an Manstein im Winter 1942/43; Manstein habe grundsätz- “'&hzugestimmt, jedoch erklärt,»die Zeit sei für die Beseitigung Hitlers noch nicht reif genug«.- die sich wo Er XI,$. 264 berichtet Gisevius von einem Brief Becks(wohl von Ende 1942), den Manstein ab- { Ktend beantwortet habe; ferner von einem Besuch Tresckows und eines Oberstleutnants Graf von ‚*tSchulenburg»ein paar Monate später«, also nach dem Fall von Stalingrad, der ebenfalls ver- hr Oli Flich blieb. Manstein selbst hat vor dem Nürnberger Tribunal, in sichtlichem Ärger über das Auf- peine$ en ta von Giseyius als Ankläger der Generäle, zwar den genannten Brief Becks und seine Antwort ht vom 2 ni kh Krieg ist nur verloren, wenn man ihn verloren gibt«) bestätigt, im übrigen aber bestritten, eifendher® e Senaupt während des Krieges mit der politischen Opposition in Fühlung gewesen zu sein, Er habe a eras d 5 stnach dem Kriege begriffen, daß verschiedene Besucher ihn»sondieren« wollten: so Gen. von zuf Frübsor"ktdorf, der Briefe Goerdelers und Popitz’ mitbrachte, aber nicht zu übergeben wagte. Er habe nser den Standpunkt vertreten, daß eine Beiseiteschiebung oder Beseitigung Hitlers im Kriege Chaos führen müsse«, IMT XX, S. 680 f. Dazu vgl. Zeller, S. 335 f., Anm. 24. Das läßt sich mit Angaben der obengenannten Zeugen nicht vereinigen. Sicher ist aber richtig, daß Manstein nie- ürgendeine Zusage an die Verschwörergruppe gegeben hat. Vgl. auch Schlabrendorff, S. 160 über Treueerklärung an Hitler. Seit Winter 1942/43 gehörte Oberst Schultze-Buettger als erster stabsoffizier zum Stabe Mansteins, ein früherer Adjutant Becks, der dessen Ansichten an 520 Quellennachweis und Ergänzungen Ri Manstein übermittelte: Schlabrendorff, 5. 94 und K. B. vom 9. 9. Nach einem Vortrag Axel vonde=: Bussches(Göttinger Universitäts-Zeitung, 7. 3. 47) hat auch Fritz Schulenburg als Kriegstagebu& u ı6 führer im Stabe Mansteins diesen zu überreden gehofft. tinusd S. 363"4Nach den Andeutungen, die mir G. Ende 1942 unter vier Augen machte, scheint in jm Mr lensk von Festnahme Hitlers bei einem Besuch des Hauptquartiers Smolensk die Rede gewesin sein. Im übrigen siehe Schlabrendorff, S. 93; Gisevins II. S. 253. G. hat das Datum der Reise votd Gestapo einmal(K. B. 21. 9.) als»August 1942«, ein andermal als»Spätherbst 1942«(21. 8.) anggt ben. Nur das letztere kann richtig sein; vgl. Hassell, S. 274 u. 281. Als Reisevorwand dienten finpiett t Ariegführ Geschäftsinteressen der Firma Bosch. G. mußte zeitweise auf einem Kohlentender fahren! Aufd« Rückreise traf er auf dem Bahnhof in Königsberg Popitz, der gerade unterwegs zu Küchler war, don| | — Ä 5 e anten| aber nur»oflene Türen einrannte«.(Memoiren und Mitteilungen der Familie.)| a a r| AlsBei S. 364 15 Thomas, a. a.©, Thomas nennt als Teilnehmer an den Vorbereitungen auch Hoept| A n son Hassell, S. 256 weiß im März 1942 nur von Beck als»Zentrale« zu berichten; erst im Januar|| er hat er von Plänen eines»Direktoriums« gehört, das aus Beck, Schacht, Goerdeler, ihm selbst|) f einem General bestehen sollte(S. 289).| S. 364 1° Thomas, a. a. O., dazu Schlabrendorff,S. 94. G. hat vor der Gestapo(K. B., 21. 8.) von it Zusammenkunft ausgesagt, Tresckow habe von optimistischer Stimmung der Front berichtet, hl zwar selbst Sorgen geäußert, aber noch keinen Anlaß zu Umsturzunternehmungen gesehen. Eit# selbst in Gemeinschaft mit Olbricht habe ihn zu gegenteiliger Ansicht bekehrt. Zu dieser(offeniicht lich übertriebenen und einseitigen) Darstellung vgl. oben Anm. 5. S. 364"Näheres darüber bei Gisevius II, S. 254 ff., der am 12. 1. 43 aus Bern nach Berlin zurück kehrte und von Olbricht als technischer Mitarbeiter an den Aufstandsplanungen eingesetzt wurlk An S. 365 18 Jesco von Puttkamer, Irrtum und Schuld. Geschichte des nationalen Komitees Iris) er Deutschland«(1948), S. 51. Von höchster Erbitterung der Fronttruppen um Stalingrad über H ten 2. Scho teren Strategie wird mir auch von anderen Feldzugsteilnehmern berichtet. Die Hoffnung der Verschwörer, Paulus werde einen Aufruf gegen Hitlers wahnsinnige Kiif führung erlassen, den dann andere Heerführer(von Kluge) aufnehmen sollten, wird mir auch@ Verleger Müller bestätigt, der als Leipziger Bekannter G.s mit diesem in enger Fühlung stand uncil# oftmals, besonders aber im Herbst 1943, als Vermittler von Nachrichten aus der Berliner Verschwört zentrale(in Vertretung des Fabrikanten Walter Cramer) diente, S. 365!1°Mem. S. 365?°Es handelt sich wohl um den oben Anm. 13 erwähnten Brief, den allerdings Giserfu lv S. 260 erst auf Februar 1943 anzusetzen scheint(?). Für die Angabe Woeeler-Bennetts, 5. 533,[N habe durch einen Fliegeroffizier einen persönlichen Appell an Paulus gerichtet, fehlt der Beleg.| a Zu Abschnitt II: Nach Stalingrad S. 365*!Gisevins II, S. 257 und IMT XII, S. 264 f. gibt einen schr dramatischen Bericht, in dem ndl, Ks Fellgiebel als Übermittler von Nachrichten aus dem Hauptquartier eine Rolle spielt. Er spricht vd; Mn »Gehorsamsverweigerung« Kluges und Mansteins, auf die man gerechnet habe, von einer dadu@ entstehenden»Verwirrung«, die Beck zum Umsturz mit Hilfe des Heimatheeres und Witzleben s 4 Oberbefehlshaber West) benutzen wollte. Das kann in dieser Form nicht stimmen, weil ja Witzk schon seit 28. 2. 42 dienstentlassen war. Allerdings spricht auch die Anklageschrift gegen G. von g i R E| Meuterei, die vom Westheer ausgehen sollte, das in die Heimat zurückmarschieren würde. Das LH} des VGH behauptet in seiner Begründung, Beck habe(nach einem von ihm, Goerdeler, Olb& Popitz und Hassell ausgeheckten Plan) den Vorstellungen der ältesten Feldmarschälle dadurch} Bi druck zu geben gewünscht, daß das Hauptquartier von drei Divisionen umstellt wurde. Das liefx3% i allerdings auf einen Putsch hinaus. Weiter haben dann Major Graf Lynar und Oberstleutnant Sm 1944 vor der Gestapo ausgesagt, Tresckow habe nach Stalingrad ein Zusammentreffen aller H.-4 Befehlshaber zustande bringen wollen, am besten im Hauptquartier Kluges; diese sollten Hitlers Ri tritt vom Oberkommando des Heeres fordern und dabei sollte Hitler»ausgeschaltet«(also bei W« rung festgenommen?) werden.(K. B., 18. 8.) Das deckt sich wenigstens teilweise mit den Ang#Xy von Gisevius.- Manstein selbst hat in Nürnberg versichert(IMT XX, S. 679 f.), er habe mehr eine Abgabe des Oberkommandos der Armee von Hitler gefordert. Zu Mansteins Haltung vgl.=| Schlabrendorff, S. 159 f., Hassell, S. 291, und D. v. Choltitz, Soldat unter Soldaten(1951), S-3 4 Jul (Ablehnung offenen Aufstands). Eine Änderung der Kriegsspitzengliederung wurde von Hitler u, durch Kluge gefordert, ebenso durch Halders Nachfolger Zeitzler, der auch bald in heftige Konfk uk mit Hitler geriet. Darüber fand ich in Alexandria eine Aufz. des Obstlt. i. G. Smend vom 1.3.4 Abschrift mit wütenden Randglossen Jodls(Box 1287, EAP 125/4). Er schildert, um Zeitzlers zul offen oppositionelle Haltung zu rechtfertigen, die seit Stalingrad im Generalstab ganz allgemeinib* chende, vom Ia Heusinger zum mindesten geduldete Stimmung:»So geht es nicht!«»De r KA, Fünfzehntes Kapitel- Umsturzversuche 1942-1944 521 Vortrag Axel y iR gut verloren- auch der Zeitzler, auch der Führer schaffen es nicht.« Ferner ebenda Zeitzlers inter- 'g als Kriegsta fxation vom 16. 6.47(Summary 2466), in der er seinen letzten Zusammenstoß mit Hitler im Früh- samer 1944 schildert. 3365??Darüber gibt es einen interessanten Bericht:»Kritik an der Kriegsspitzengliederung und uder Kriegführung« in den K. B. auf Grund von Vernehmungen der Generalstabsoffiziere, beson- &s Meichßners. Ferner eine Zusammenstellung»Der unpolitische Offizier und Nur-Soldat«, die achte, scheint it k# 19424(2. Aitenbrunner am 24. 10. 44 an alle höheren SS- und Polizeiführer versandte, ebenfalls auf Grund von rwand dienten") Vanehmungen verschiedener Offiziere.(Fotokopie aus dem amerikanischen Dokument Center in ender fahren! Au}&Lin, in meinem Besitz.) Die Gründe der Kritik des Offizierskorps an Hitlers Kriegführung sind in 5 zu Küchler wz iu bekannten Kiesel-Bericht, Nordwestdeutsche Hefte 1947, Heft 1/2, S. 10-16 gut zusammen- !&ellt, Als Beilage der K. B. findet sich noch eine Aufzeichnung»Die geistige Haltung des Offiziers«, wtGrund von Aussagen Osters, der versucht hat, die Kritik der älteren Offiziersgeneration gegen ; erst im Jane) Ka.NS aus der Geschichte des ehemals kaiserlichen Offizierskorps verständlich zu machen. rdeler, ihm sb’ 366?®Vgl.»Kurt Huber zum Gedächtnis. Bildnis eines Menschen, Denkers und Forschers«, |) ktısgegeben von Clara Huber 1947.— Inge Scholl, Die weiße Rose 1952.-»Der 18. Februar« in»Die Kenwart« vom 30. Oktober 1946. Pechel, S. 96 f. Dort auch Näheres über die geistigen Einflüsse [ Haecker, C. Muth u. 2.). | 367 24 Schlabrendorff, S. 112 ff. Mündliche Mitteilung von Gersdorff bei Wbeeler-Bennett, S. 564; Zu dieser(CF Alfongem, Canaris, S. 313 f. Über Goerdelers Haltung vgl. oben Kapitel 14 seine Äußerungen zu Venberg im August 1943! tungen auch Haas . B., 21.8) - Front berichte, 9 ıngen gesehen. I a nach Berlin' 368 25Nach dem K. B. vom 22. 8. 44 wäre in den Vernehmungen festgestellt worden, daß die \echwörer Oster seit seinem Abschied aus dem Dienst nicht mehr über den Fortgang des Komplotts ‚len Komite“ Ötierten, Schon vorher hatte ihm Olbricht verboten, ohne seine persönliche Genehmigung irgend- Stalingrad übt" Weine weiteren Personen in den Verschwörerkreis einzubeziehen. Er galt also wohl als unvor- sig. ‚s wahnsinn FF\368 26Näheres über die Vorgänge in der Abwehr bei Abshagen, S. 356 ff. und bei Gisevins II, -n, wird ne ie ff., dem im April selbst der Boden in Deutschland zu heiß wurde und der ihn erst Juli 1944 Fühlung stand? Teer zu betreten wagte. Schlabrendorff, S. 126 f. $368®"Pechel, S. 198; Hassell, S. 289£. u. ö. SE:E72777] Henk, Die Tragödie des 20. Juli 1944(1946), S. 34. Henk will diese Meinung selbst , ai ner Oberstdorfer Konferenz mit Mierendorff und Haubach vertreten und durchgesetzt haben. ‚ allerdings Gi"etm er die Oberstdorfer»Beschlüsse«(waren sie wirklich mehr als Augenblicksmeinungen?) damit „Bennells, 33 1 Nstendet, daß sonst im Moment des Umsturzes die bolschewistische Macht übergroß würde, so ; fehle der B* Pi das in seltsam schroffem Gegensatz zur Absicht Becks und Goerdelers, mit Hilfe des Staats- { ihs gerade die Ostfront zu stärken durch Zusammenziehen aller Kräfte an dieser einen Stelle. Hat a das in Oberstdorf nicht gewußt und erörtert? Vgl. auch Gisevias II, S. 260.— Über das Treffen Rtln»Kreisauern« im Hause Peter Yorcks siehe Hassell, S. 290 und 370 f. Fritz Schulenburg suchte ar mitteln, Beck führte den Vorsitz.- Kritische Stimmen über Goerdeler: Hassell, S. 239(Dezem- !, und 244(Januar 42). Pechel, S. 198(Goerdeler erzählt Anfang 1942, daß ihn Hassell und Popitz 102 üzweite Linie zu drängen suchen, erzählt es aber ohne Bitterkeit). Hasse/l, S. 289(Januar 43) und m„@:(eebruar 43) u.ö. Nach der Anklageschrift gegen G. hat Graf Moltke auf der Zusammenkunft das Berliner Ve a GI Ne Wort gebraucht: Was G. plane, sei die»Kerenski-Revolution«, und der Gestapo später erklärt, riit B66 A ‚EioeG. für einen»politischen Hochstapler« gehalten! Nach dem Urteil des VGH über Fritz Gogsdele 0° ee(War Deptm. Departmental Records Branch) erfuhr dieser im Sommer 43 von seinem Bru- ,“ ‚af Moltke habe ihn bei Beck»in Ungnade« gebracht, Leuschner habe aber die Lage durch sein de“tzen wiederhergestellt. 5 N na 4#9®®Nach den Aussagen des katholischen Schriftleiters Groß vor der Gestapo(K. B., 18. 9.) 0 ‚ut im August oder September 1942 von dem Jesuitenpater Delp vertraulich vor dem Kreise ti=lers gewarnt, in dem»wirtschaftsreaktionäre Kräfte« tätig seien, und nachdrücklich auf den ‚I Sat Kreis hingewiesen, der dem katholischen Denken besser entspräche. Dieselbe Eröffnung Uhr Delp dem Verbandspräses Dr. Müller. Groß gab die Warnung gegen Delps W unsch an Letter Veiter, der damals nach Berlin ging. Dieser sprach mit Jakob Kaiser, der Goerdeler nachdrucE vrteidigte. Einige Monate später fand dann eine Aussprache zwischen Delp, Groß, Kaiser und “aus statt, die zu einem befriedigenden Ausgleich des Gegensatzes führte. Delp habe freilich ii!e vor mehr dem Moltkekreis zugeneigt, der besseres Verständnis als Goerdeler für den katho- Ser lGedanken besitze. 9 Denkschrift vom 26. 3. 43, siehe Anhang VII. I A Aassell, S. 293. 39 Ich verdanke die Abschrift Herrn Ludwig Kaiser(Kassel), der einen Durchschlag aus dem di seines Bruders, Studienrates und Hauptmanns der Reserve Hermann Kaiser, besitzt. Der 522 Quellennachweis und Ergänzungen Text hat mir(wenn mich meine Erinnerung nicht trügt) schon 1943 einmal vorgelegen; er wure) Yhahudier damals heimlich im Freundeskreise G.s weitergegeben. Einige kurze Stellen wurden in der»Wad|| J=duchs lung« 1. Jahrgang 1945/46 Heft 6 Seite 536 f. veröffentlicht. Das Stück erscheint mir zur Veranscv|| 4 je“Nihe lichung der Werbemethoden G.s in militärischen Kreisen so wichtig, daß ich es trotz seines Umfang|| BizikZılr als Anlage VII in vollem Wortlaut vorlege. Ya Sauff S. 371®®Darüber vgl. jetzt Cordell Hull, Memoirs II, 1165 ff.: Stalins Ambitions, und$. 12466|| Brhaihn dat Stalin the Sphinx. Über die Konferenz von Casablanca: Churchill, Memoiren, deutsche Ausgabel\,|| Fhchapıı 2, S. 290 f. G. ist also überraschend gut orientiert. Wenn er glaubt, die britischen Luftattackae|] S deuten zu können, daß man in London keineswegs Deutschland als Ganzes zu»zerschlagen« wünsh, sondern das deutsche Volk nur genügend deutlich zum politischen Umsturz auffordern wolk, wir auch diese Deutung bekanntlich nicht ganz irrig. $. 374®* Abdruck des Briefes:» Wandlung« 1945-46 Heft 2, S. 173 und Gisevins II, S. 261 f.Dasmi vorliegende Original trägt deutlich lesbar das Datum 17. 5. 44(nicht 43). Das muß aber, wie schonde|) zz h Bezug auf Tunis zeigt, ein Schreibfehler sein. Vgl. dazu die ganz eindeutigen Tagebuchnotizen&| Iakyıı) 4) Überbringers Hptm. d. R. Herm. Kaiser, Wandlung a.a.O. S. 175, dem Olbricht ihn zur Ad bewahrung zurückgab. Aus dessen Nachlaß ist er an die Familie G. zurückgelangt. S. 375®Über diese Debatte vgl. Tagebuch des Hauptmanns H. Kaiser. Notizen von Januı bs Juli 43, abgedruckt in: Wandlung 1945/46, Heft 6, S. 530 ff. auch für das Folgende. S. 375?® Vollständiger Abdruck siehe Anhang VIII; englische Übersetzung des Ganzen bei Wied Bennett S. 570-574. Zwei Absätze daraus veröffentlicht in der»Wandlung« a. a. O. S. 535 f. King andere Stellen bei Gäsevius II, S. 263 f. Ä S. 375®”Hier spricht G. wohl aus eigener bitterer Etfahrung. Sein sehr geliebter Sohn Chrsti H Berufsoffizier, kam auf Anzeige seines Kompaniechefs 1942 vor das Kriegsgericht wegen eine:# ihm verfaßten und an Kameraden mitgeteilten Denkschrift gegen Hitler. Dank des Einsatzes seid Kommandeurs wurde er nur zu 6 Wochen Artest verurteilt und an die Ostfront versetzt, wo et leid darauf(15. Mai 1942) fiel. Sein Vater hat diesen Verlust ebenso schwer ertragen wie Olbricht den sind| und sich noch im Gefängnis bittere Vorwürfe darüber gemacht, daß er den sehr begabten Sol, d& schon beim Eintrittin die Armee als Fahnenjunker 1936 sich sträubte, den Treueid auf Hitler zulkis# überhaupt gedrängt hatte, Offizier zu werden. 4 S. 377®®Nach Schlabrendorff S. 161. Vermutlich ist ein Brief Olbrichts an Kluge, der ihn ebeill| beschwor, die Führung des sich bildenden Komplotts zu übernehmen, und den Stieff am 15,80": Kluge übergab(K. B. Aussage Stieff), an die Stelle des Goerdelerbriefs getreten. N S. 378®® Schlabrendorff S. 113 f. 4 S. 378 Hauptquelle: die von Dulles gefundene und S. 151 ff. abgedruckte Anklageschrift des\@ Ä nebst Kommentaren des Fräuleins Sarre(ebd. 162), dazu jetzt der im Text zitierte K. B. 5. 9.,= den die bisherigen Zweifel über G.s Mitwisserschaft endgültig geklärt werden. Vgl. auch seint' spielungen im Brief an Kluge(Anhang VII), im Gespräch mit Wallenberg(August) bei Dulle S und in der Märzdenkschrift(Anhang VII) auf Spaltungen in der Naziführerschaft. Witzlebens Bail (Dulles S. 160) erweist sich auch diesmal als die eines völlig unpolitischen Draufgängers. Vgl Hassell z11 f., 326, 338. Über die Aktivität Langbehns vgl. auch R. Hildebrandt a. a.©. 135. Urteil des VGH gegen Popitz und Langbehn vom 30. 9. 1944 bringt nichts Neues gegenüber dat /# h klageschrift. Eine sehr eindringliche Charakteristik der Persönlichkeit Langbehns und seinett f tischen Entwicklung von der Linken zur Rechten verdanke ich seinem Freunde, Dr. Kleine und« Gattin, ähnliche Briefe über ihn und Popitz den Herren Minister a. D. Gereke, Ministerialdi‘ FE. Burkert und Hermann Schilling(alles durch von zur Mühlen).- Zum Himmlergespräch’vgll#2 unten Kap. 16, Anm. 39. Zu Abschnitt III: Vorbereitungen im Herbst 1943 S. 380#K.B. 28. 7. 1944. S. 380 42 Aussage G.sK. B. 21. 9. 1944. Entsprechend ein kurzer Bericht in den Mem.} S. 382 49 Wie weit diese Tätigkeit ging, läßt sich aus Schlabrendorffs Bericht(S. 125 fl.), auf da® hier allein angewiesen sind, nicht deutlich entnehmen. Dieser ausgezeichnete Bericht entbehtt:' einer klaren chronologischen Ordnung und bringt anscheinend manches, was erst im Winter# Mitwirkung Stauffenbergs(also seit Oktober) geschah, so vor, daß der Leser glaubt, es sei sch Sommer veranlaßt worden. Genaue Zeitdaten sind in dem Buche überhaupt sehr selten. Da i große Verwirrung in der Literatur(auch bei Wbeeler-Bennett) entstanden. Sicher ist aber, daß Tre im Sommer 1943 die Hauptarbeit bei der technischen Vorbereitung des Putsches geleistet hat. Hi (nach Mitteilung seiner Gattin) zuerst im Maiin Urlaub, dann wieder an der Front und gab einen mit der Familie geplanten Erholungsurlaub in der Elmau auf, um sich statt dessen im Af und September ganz der Vorbereitung des Staatsstreichs zu widmen. Dieser schien ihm seit derseil Fünfzehntes Kapitel- Umsturzversuche 1942-1944 523 t Bombardierung Hamburgs doppelt dringlich; für seine technische Vorbereitung, meinte er, sei ktisch noch sehr wenig geschehen(s. a. u. Anmerkung 48). $. 382 44Näheres bei Schlabrendorff S. 163 fl.; wesentlich ausführlicher auf Grund neu gesammelten Aerials Zeller S. 185 ff. Die Aussagen Stieffs und Schulenburgs im K. B. bestätigen, daß seit Oktober 14.3 Graf Stauffenberg die drängende Kraft hinter allen Attentatsversuchen war. Graf Fritz Schulen- hitions, und Sy bug hat ihn dabei als Vermittler zu jungen Offizieren unterstützt. Man versuchte auch Offiziere im ‚deutsche Aug!) Goßen Hauptquartier(OKW und OKH) zu finden, wie Meichßner und Stieff selbst, die das Attentat tischen Lufiticr! Wetnehmen sollten. Oberleutnant von Haeften war zu einem Pistolenattentat bereit, das aber als zu zerschlagen sit““cher aufgegeben wurde(einen Bombenanschlag hat er nach Schlabrendorff S. 167 aus moralischen ffordern wol) Beenken abgelehnt). Über die Sprengstoffbeschaffung hat die Gestapo eine tabellarische Übersicht | Dagranım) aufgestellt, die Hitler den komplizierten Zusammenhang der Weitergabe(über Stieff, sis II,, 261 Dat Kan, von Hagen, Klamroth u. a.) veranschaulichen sollte.(Archiv des War Dept. Alexandria.) muß aber, wiesht Urufgeklärt bleibt vorläufig, welcher Anschlag im September 1943 geplant war, für den G.(siehe n Tagebuchnoi'tcı Kapitel 14) seinem Freund Wallenberg den Umsturz so bestimmt ankündigte. Frau von Tres- Olbricht ihn ze ikoy erinnert sich deutlich der ungewöhnlichen Unruhe, die ihren Gatten damals umtrieb, und einer langt. ‚| Kurtigen Bekleidungsprobe(Leichtgepäck), die längere Zeit in seinem Zimmer herumlag, ihn viel Notizen von Jesdt seilhäftigte und dann verschwand. Vielleicht war der später auf Weihnachten angesetzte Anschlag ns"a. dem Bussche) ursprünglich schon für September geplant? Verleger Gotthold Müller(Stuttgart) 5 Ganzoki inert sich deutlich, daß ihm G. Ende Sept. 1943 sagte:»Es ist soweitl«, sich zur Tarnung in ein, = 0.5, Kmkenhaus zurückzog und ihn um Vermittlung eines getarnten Anrufs aus Berlin bat. Nach Tagen a| fiiter Spannung stellte sich heraus, daß die»Aktion« nicht zustande gekommen war. Gerüchtweise hehter Sohn#% Mor später gehört, es habe sich um einen Anschlag auf Hitlers Leben anläßlich einer Versammlung el ee ie"®uöheren Generalität und der Generalärzte der Armee in Bad Schachen am Bodensee gehandelt, an 2 Ta;&ı uch Himmler, Göring und Goebbels teilnehmen sollten. ank des med 383 Zeller S. 174 vgl. auch ebd. 158. a a 1.384 4°G. schreibt im November 1944(Mem,.) rückblickend:»Tresckow machte mich im Herbst Dee mit Oberstleutnant Graf Stauffenberg bekannt. einem hochgesinnten, in Afrika schwer ver- sehr begt wa x wleten Generalstabsoffizier, der sich später als Querkopf erwies, der auch Politik machen wollte. veid auf I!bichätzte ihn hoch und hatte doch manchen Zusammenstoß mit ihm. Er wollte einen unklaren dert hl Klischen Kurs mit Anlehnung an Linkssozialisten und Kommunisten und hat mir durch über- Kluge,© S kbchen Eigensinn das Leben sehr schwer gemacht.« Übrigens gab es nicht nur mit der bürger- den Si I hs Rechten Verstimmung. Stauffenbergs sozialpolitische Ansichten erschienen den Soziali- eten.!*uıMaaß und Leuschner, die sich im Winter 1943/44 mit ihm über sein Zukunftspro- |" Ren unterhielten, nicht nur unklar, sondern»recht reaktionär«. Er habe unter anderem mit ) lelErhaltung der»überkommenen Güter« und»Berücksichtigung der geschichtlichen Leistungen Ardels« verlangt(hat er sich gegen Aufteilung des Großgrundbesitzes gewandt?). K. B. Aus- \Waaß 12.8, "84 Über die verschiedenen Mitarbeiter Stauffenbergs, Olbrichts und Tresckows ausführlich; (le.S. 162 fr. | 84 4 Schlabrendorff S. 125 ff. Zeller S. 175 ff. Zeller S. 162 ff. stellt die Dinge so dar, als hätte Suienberg alle wesentliche Arbeit geleistet. Wenn es abet richtig ist, was er S. 185(nach mündlicher Mei eferung?) berichtet, daß die generalstabstechnischen Vorbereitungen schon am 10. 10. abge- {losen waren, kann Stauffenberg damit nur wenige Tage beschäftigt gewesen sein. Frau von (78Cow, die selbst als Sekretärin ihres Gatten alle Vorarbeiten mundierte und das ganze Materialan Sakinberg übergab, bestätigte mir, daß die wesentliche Arbeit schon im August und September dk] Tresckow geleistet wurde, 35®Vgl. die Aussprache G.s mit Wallenberg o. Kapitel 14. E 185® Allerdings scheint es nach Zeiler S. 169, daß Stauflenbergs engerer Freundeskreis den gez hatte, diesen jungen Obersten nicht nur als Staatssekretär und ersten Gehilfen, sondern sogar ©"Sglichen Nachfolger« neben Beck zu stellen.; IB‘!6 SUNach der Begründung des Urteils des VGH. gegen G. geschah es, nachdem Stieff und BR;!bel über die schr ungünstige Lage an der Ostfront erneut berichtet hatten. a "6 52 Mich selbst hat er schon im Januar 1943 vertraulich gebeten, ihm Vorschläge für die Be- tz; des Kultusministeriums zu machen, am liebsten(wegen der Erleichterung internationaler i ungen) durch einen Katholiken. Seine Frage, ob ich selbst bereit sei, dann Staatssekretär oder luister(mit einem katholischen Staatssekretär) zu werden, habe ich sogleich verneint, weilich iS Gelehrter nicht für einen politischen Posten zu eignen glaubte. Es ist übrigens sehr bemer- „Mit welcher Vorsicht G. diese Dinge behandelte. Er nannte mir keinen einzigen Namen der toch in Aussicht genommenen Minister und bat, ihm meine brieflichen Vorschläge(die ich ihm "*ücht stellte) auf kunstvoll getarnten Umwegen zukommen zu lassen. es trotz seines Unit | 524 Quellennachweis und Ergänzungen S. 386 5% Aussage Wirmer 30. 8. 1944.(K. B. 26. 9.) Briefliche Mitteilung des Herrn]J. Erg Weitere Nachrichten entnehme ich den K. B. S. 387 51G. hat in seinen Vernehmungen ausführlich geschildert, wie schwierig es war und y£ lange es dauerte, Loeser für die Übernahme des Postens zu gewinnen(K. B. 19. 8.). Über die schytt Verärgerung Popitz’ vgl. Hassell S. 326, 339, 340. Nach den K. B.(5. 9.) hat G. in seiner Vernehniug behauptet, er habe seit Oktober 1943 den Umgang mit Popitz’ getreuestem Anhänger Prof. Jexs abgebrochen, da er von dieser Seite Quertreibereien, besonders in Personalfragen, erwartete,\k# mutlich wollte er aber damit Jessen(der durch Aussagen v. Hassells»schwer belastet« und dararil# verhaftet war) nur decken; denn nach briefl. Mitteilung Frau Jessens hat er in deren Hause nochi# 1944 verkehrt. Vgl. ferner Dulles S. 154 f. Nach Mitteilung des Ministers a. D. Dr. Günter Gexit hat Popitz im Einverständnis mit Hassell und Leuschner den Feldmarschall Witzleben zu übersda versucht(nicht ganz ohne Erfolg), daß er nach dem Attentat auch den Posten des Reichskanıkd"ti provisorisch übernähme unter Beratung durch den Kreis Popitz’, aber auch G.s und Leuschiet\) Diese Berater sollten unter Umständen als»Kommissare der Reichsregierung«, jeweils von ein# General begleitet, in die Provinzen entsandt werden. Also eine reine Militärdiktatur, der die Bildug einer neuen bürgerlichen Regierung erst später nachfolgen sollte! Daß Leuschner sich an diese:# trige beteiligt habe, hält J. Kaiser für völlig ausgeschlossen, schon deshalb, weil er Popitz alı m reaktionär« entschieden ablehnte. Er habe immer an G.s Kanzlerschaft festgehalten. Nach Angıbd ©. Johns, der als Mittelsmann zwischen Popitz und Witzleben diente, hätte sich Popitz an Witzicbi gewandt, als Leber jede Aussprache mit ihm selbst ablehnte. Diese Intrigen gingen aber noch wei) Nach einem Briefe General von Falkenhausens an von zur Mühlen(23. 1. 48) hat»man«, d.h. Pal} mit Zustimmung Moltkes und Trotts, zeitweise geplant, Falkenhausen statt Goerdeler zum Kan zu machen.— Schachts Nennung stieß auf so allgemeine Ablehnung, daß er auf keiner Ministeil# erscheinen konnte. G. hätte offenbar seine Talente gern mit eingesetzt und fragte 1943 einen st ausländischen Freunde, ob Schacht nicht über gute Auslandsverbindungen verfüge. Dieser rieg ab) ab und empfahl nur seine Wiederverwendung als Reichsbankpräsident. S. 387®5Diese Kombination erfuhr Dr. Er. Kessler schon im Januar 1944(briefliche Mitteilunt S. 387®®Näheres siehe unten im Abschnitt V. S. 387"Begründung der Anklage des VGH. vom 8. 9. 1944 gegen G., Leuschner, Wirmer,@ f Hassell, Lejeune-Jung. Aussagen Maaß K. B. 12. 8. u. ö. Zeller S. 174, 176. Gisevius II, S. 279% führlicher: Neuauflage 1954. Nach Aussage Lebers(K. B. 10. 8.) hat dieser zeitweise sogar daraı dacht, Leuschner später an Stelle Becks zu setzen. Stauffenberg, dessen Bruder Berthold, Schye]” und Fritz Schulenburg hätten sich aber Sorgen gemacht, ob eine sozialistisch geführte Regierung@]* Ausland gegenüber in der Frage eines»entehrenden Friedens« die nötige Festigkeit zeigen w# sie hätten darin G. mehr zugetraut und darum zunächst an ihm festhalten wollen. Fritz Schulae##]* habe übrigens ihn, Leber, als seinen Konkurrenten für das Ministerium des Innern betrachtet. Da" dürfte jedenfalls feststehen, daß die Rolle Fritz Schulenburgs von Gisevius Il, S. 279 nicht richt! zeichnet ist. In den K. B. wird der Gegensatz der Sozialisten gegen G. offensichtlich stark überträ So soll z. B. Maaß gesagt haben, Leber und Leuschner hätten G. als bloßen»Steigbügelhaltest# eine rein sozialistische Regierung betrachtet. Davon kann nach Jacob Kaisers bestimmter Erina.f' gar keine Rede sein.»Dazu war unser aller Verbundenheit zu stark und zu verantwortungsbe#]°"er. und die Achtung voreinander zu groß«— was Richtungsdifferenzen nicht ausschloß.— Nach $. 176 und Anmerkung 17 S. 342 sieht es so aus, als hätte Stauffenberg selbst daran gedacht,=? Kanzler zu werden, oder wenigstens hätten einzelne seiner Freunde es gewünscht- eine seltsame\' mutung, die sich ausschließlich auf eine einzelne, angebliche, höchst fragwürdige Äußerung Schoß burgs beruft und durch keine weiteren Quellen gestützt wird.| S. 388®®Siehe Anhang IX, Nr. 5. Lejeune-Jung war ehemals Mitglied des Berliner Junäid v (Moeller van den Bruck). Erlieferte im Juni 1943 eine wirtschaftspolitische Denkschrift, die dam" diskutiert wurde. In dem bei Schlabrendorff S. 153 abgedruckten Aufruf der neuen Regierung is# einem(sicher von ihm)»vorbereiteten Grundgesetz über wirtschaftliche Reichsgerechtsame!” Rede. Siehe dazu auch oben Kapitel 13 Anm. 29. Die Kreisauer diskutierten mit ihm sogar über W staatlichung landwirtschaftlicher Betriebel K. B. vom 6. 9., Aussage G.s. Anklageschrift geg@" Leuschner, Wirmer, Hassell, Lejeune-Jung vom 3. 9. 1944.- Nach der Aussage G.s(K. B. 6.9) dieser selbst noch am 15.7. 1944 an ihm festgehalten gegen das Widerstreben von Gisevius® Strünck, die ihn zu alt und ideenlos fanden(oder zu sozialistisch?). S. 388 9 Hassell S. 327 f., 332. S. 390 6° Dulles S. 32 f., leider ohne Quellenangabe(Gisevius?). S. 390!Das hat mir Kriminalkommissar Schrey, der meine Vernehmung seit Oktober I durchführte, ausdrücklich versichert, als ich ihn durch die Bemerkung provozierte, die Gesu| doch zweifellos schon sehr lange über G.s Treiben orientiert gewesen. Vgl. auch den KiescbA Fünfzehntes Kapitel- Umsturzversuche 1942-1944 525. E a, 0. S. 29 und Pecbel S. 299. Die K. B. ergeben ein gutes Bild von G.s Anwerbung»politischer hauftragter«, von ihren vielen Fehlschlägen, aber auch von der Geschicklichkeit seines Vortastens li jedem einzelnen Fall. Daß die»politischen Beauftragten« seit Herbst 1943 auf Drängen Stauffen- des Herrn], Er wierig es 9 Bu. dies brgs zusammengesucht wurden, hat G. in seinen Vernehmungen bezeugt(6. 9.). in seiner Verne S. 390#2Im Anhang bei Hassell S. 385. 5. 390#® Steltzer, Von deutscher Politik(1949) S. 165 fi. 5.391(Nr. 1) Regierungsprogramm vom Frühsommer 1944, von mir veröffentlicht in der belastet« und due) Kregenwart« 24. 6.46 unter dem Titel:»Das Regierungsprogramm vom 20. Juli 1944«.-(Nr. 2) n deren Hause al Aufruf von(angeblich) Ende 1943 bei Schlabrendorff S. 149-157.—(Nr. 3)»Regierungserklärung D. Dr. Günter@'l N. 2(3. Fassung)«. Bei Pechel S. 314-325. Dieses Stück hat dem VGH vorgelegen; Wirmer hat G. Witzleben zu übe Verfasser bezeichnet: siehe Urteilsbegründung des VGH. G. hat das in der Verhandlung nicht des Reiche 14 drekt bestritten. Es gab Korrekturen von seiner und Hassells Hand.-(Nr. 4) Entwurf eines Aufrufs, a dla zeichnet»Material für...«, beginnend:»Es ist genug, das Maß ist voll. Die Vaterlandsliebe des nıGıe nn ‚ atschen Volkes und seine edeln Gefühle sind schmählich mißbraucht«...(anscheinend Frühjahr I443). Anlage zum K. B. vom 19. 8., im Askan. Hof gefunden. Enthält auf etwa 8 Seiten(Schreib- Ischine) heftige Anklagen gegen das System des Terrors, die Korruption der obersten Parteibonzen, Anhänger Prof fragen, erwartet: ng«, jeweils von jiktatur, der dieB*# chner Sichel\ Vic allem gegen den»Verbrecher, der den Namen eines Feldherrn verunglimpft« und bedenkenlos , weiler Bolar ı Millionen Menschenleben seinen dilettantisch-verrückten Plänen opfert. Leidenschaftliche Verteidi- gehalten. N ı gag Alt-Preußens. Die Form ist sehr unausgereift und sehr persönlich. Es ist sicher nicht zufällig, ich Popitz 0, db eine so stark polemische Formulierung sich nur in dieser formlosen ersten Skizze, die später nicht zingen aber Ei Ihr verwendet wurde, findet.(Nr. 5) Rundfunkansprache, in G.s»Notizen« von der Gestapo ge- ) hat omant,&* ‚ ftden, K, B. vom 14. 8. Anlage. Überschrift dort:»Rundfunk«. Abdruck bei Pecbel S. 309-314 u.d. Üerschrift:»Presse«. - auf keiner MI >. 392 In Nr. ı wird gleich zu Anfang betont, es»handelt sich jetzt nicht um grundsätzliche Aus- fiandersetzungen über sozialistische, kommunistische oder um individuelle, staatsgeplante oder freie Vietschaft«, sondern darum, die»nackte Existenz« Deutschlands in gemeinsamer Anstrengung zu ten(deutlich an die Adresse der Kreisauer gerichtet). Gegen Schluß wird das uns schon bekannte fragte 1943 eu verfüge. Dies## * Fliche Mitt AR m B ‚(riefliche N®ialpolitische Programm entwickelt, aber mit ungewohnter Schärfe gegen Kapitalbesitzer, die als Wis Klarakterlose Lumpen« ihre Arbeiter auszubeuten versuchen sollten, und mit so starker Betonung uD» Pi. 2& 3= 2. 7 Leuschnef,% Mitbestimmungsrechts der Arbeiter in der Betriebsführung, daß sogar(ein völliges Novum!) sn EEE 5 RR: BR ‚ Giserins I> ü} Möglichkeit angedeutet wird, die Arbeiter»Eigentümer oder Miteigentümer« von Unterneh- zeitweise SO atagen werden zu lassen, dann allerdings mit Beteiligung auch am Risiko.»Wenn wir dafür nur uder Berthold,“ üt soziale Gerechtigkeit, die hingebende Arbeitsfreudigkeit und große Leistung eintauschen, dann geführte Res“"ülen wir jeden anderen Gesichtspunkt diesem Ziel unterordnen.« Gleich danach wird dann aber Festigkeit zn fider gegen»Planwirtschaft als Grundsatz« polemisiert, dienur zur Drosselung der Produktion und vollen. Fitz ha führe, daß»Mangel erzeugt und Mangel verteilt wird«. In Nr. 2 ist S. 155 mit Lejeunes Wen- Innern betrat äutg von»wirtschaftlichen Reichsgerechtsamen« die Rede. Religiöse Wendungen, die auf Wirmers 1, 5.279 we Kruß zurückgehen könnten, finden sich besonders auffallend in Nr. 3 S. 324 f.;: ichtlich stark'- 392 In seinem Schlußwort vor dem VGH(Bericht Thieracks an Bormann, der mir vorliegt) en„Steigbüßt mi!kärte G., er habe mit Stauffenbergs Entwürfen nichts zu tun und habe daran nur deshalb herum- 1s bestimmtel ae brigiert, weil er ihre Unbrauchbarkeit deutlich machen wollte. Das kann sich wohl kaum auf den ‚ hizen»Aufruf an die Soldaten« beziehen, der nach der Urteilsbegründung des VGH(gegen G. und |(eossen, Archiv des War Dept.) von Stauffenberg stammt und bei Pecbel S. 304 f. abgedruckt ist, Yoıl aber auf den schwungvollen»Aufruf an das deutsche Volk«, den man bei G. Weisenborn: Der Aulose Aufstand S. 142-144 abgedruckt findet. Das Urteil nennt Stauffenberg als Verfasser eines so *trelten Aufrufs. Der Text, den R. Pecbel S. 305-309 davon bietet, kann unmöglich ein Ganzes Illen, da er sich zum Teil wiederholt. Es scheint sich um zwei verschiedene Überarbeitungen eines Ittes zu handeln. Vielleicht ist die auf$. 306-309 stehende Fassung, die deutlich Goerdelersche Na dungen enthält, von diesem überarbeitet worden? Nach einer Feststellung Freislers am zweiten Venandlungstag gibt es nun noch einen»Aufruf an die Wehrmacht« von der Hand Becks, der ebenso Yieclie bei Pechel abgedruckten Stücke im Askan. Hof(G.s Absteigequartier) vorgefunden wurde. Khäand ein solches Stück in den K. B. und drucke es als Anhang XI. Nach der Schilderung, die mir * von Tresckow von der Entstehung der Aufrufe pp. gab(Entwürfe teils Tresckows, teils Becks RIG.s, gegenseitige Korrekturen, Kürzungen, Neugestaltungen usw.), dürfte es unmöglich sein, die Autorschaft des heute Vorliegenden noch zu entwirren. Nach einer Aufzeichnung des G. befreundeten | Lirziger Theaterintendanten Dr. Schüler(von 1945) hat dieser von den Materialien, die G. im Hause \ Shllers versteckt hielt, alles, was sich auf den Umsturz bezog, verbrannt. Das betraf vor allem Auf- Ncan die Bevölkerung, Augenzeugenberichte aus den Konzentrationslagern, eine Namenliste mit Fi 80 Namen und verschiedene Nachweise über Korruption nationalsozialistischer Führer. Die sapo hat also im Askanischen Hof nur einen sehr bescheidenen Restbestand gefunden. 526 Quellennachweis und Ergänzungen IElsungen S. 392®K. B. 8. und 14. 8. Anklageschrift gegen Leber.- Der K. B. vom 24. 11. berichtet über, I Inhalt des geplanten Aufrufs folgendes:»Erklärung der unveräußerlichen Freibeitsrechte. Wie. I&a in herstellung von Recht, Gesetz und Ordnung«. Sozialisierung der Grund- und Schlüsselindustri u it, it Toleranz in Rassen-, Glaubens- und Klassenfragen, Wiederherstellung der jüdischen Rechte. Der Vır| Na spruch, über den man sich nach langem Hin und Her einigte, sollte etwa lauten:»Die Volksbewegunf Gier bekennt sich zur deutschen Kultur und zur christlichen Vergangenheit des deutschen Volkes.« Die; Zugeständnis an das Christentum habe lebhaften Widerspruch Lebers hervorgerufen, er habe sich ıl marxistischer Freidenker gegeben, G. habe das Bekenntnis zum Christentum indessen verlangt. Ein) endgültige Einigung sei wegen dieses Gegensatzes nicht gelungen. S. 392® Emil Henk, Die Tragödie des 20. Juli 1944.(1946) S. 46 ff. gibt eine Schilderung einer sozir listischen Aufstandsorganisation, vornehmlich in Hessen, mit Angabe vieler Namen. Es bleibt akt rätselhaft, 1. wie sie in den paar Wochen zwischen 6. 6. und 20. 7. 1944 aufgebaut werden konntt,| 2. wie sie der Aufinerksamkeit der Gestapo entgehen konnte, Diese Zweifel werden durch brieflick Mitteilungen G. Dahrendorfs bestätigt, der seinerseits aus Norddeutschland nur von persönlicke Verbindungen ohne organisatorischen Charakter zu berichten weiß. Übrigens gibt Henk S. 60 sell zu, daß für einen Aufstand praktisch nichts vorbereitet war außer allenfalls ein Eisenbahnerstreik is Mainz. Haubach hat nach den K. B. ausgesagt, er und Mierendorff hätten sich gelegentlich lustig x macht über Leuschner und seine angebliche, nie näher zu bezeichnende»Gefolgschaft«. Mierenderf habe gemeint, es seien nicht mehr als ein»halbes Dutzend alter Gröbels«. Der Nimbus des grolkt Arbeiterführers sei Künstelei gewesen. Beide Sozialisten standen aber der prakt. Gewerkschaftsarbil | fern; auf ihre Aussagen wird man also nicht viel geben dürfen. Leber gab an, er sei sich über die Schwäche seiner Gefolgschaft klar gewesen, habe aber auf die Anhänglichkeit seiner alten Genossd gehofft, auch auf die heimkehrenden Emigranten. G. habe oft darüber geklagt, wie schwierig es®, alte Sozialdemokraten zusammenzufinden. Der K. B. vom 24. 11., der das berichtet, gibt dann eix Übersicht der früheren Gewerkschaftler mit Altersangaben: von 80-62 Jahren. Zu Abschnitt IV: Ost oder West? S. 397 Memorandum»Russia’s position« von einer ungenannten hohen militärischen Autormil (Marshall?) in Quebec vorgelegt durch Hopkins, siehe Sherwood, Roosevelt and Hopkins(1948] 5) S, 748. S. 397?°Zu obiger Darstellung vgl. die ausgezeichnete, quellenmäßig sorgsam unterbaute ‚Arte von Boris Meißner, Rußland, die Westmächte und Deutschland(Abhandlungen der Forschungsstel für Völkerrecht usw. Hamburg Band 5) 2. Auflage 1954 Kapitel 1; Vorabdruck im»Europaarchimk il, Abt. Ostarchiv 6. Jahrgang 1951. Von den dort genannten Quellen am wichtigsten: C. Hull, Memo Hi II, Churchill, 2. Weltkrieg Band X 1952. Sberwood a. a.©. Peter Kleist, Zwischen Hitler und Stal.is, 1 In 1950. Vgl. auch H. G. Sasse, Die ostdeutsche Frage auf den Konferenzen von Teheran bis Potsdam 1% Jahrbuch für die Geschichte Mittel- und Ostdeutschlands, Band II, 1954, S. 11-82. S. 399 71 Jesko von Puttkamer, Irrtum und Schuld. Geschichte des nationalen Komitees»Freis Deutschland«. 1948. Heinrich Graf von Einsiedel, Tagebuch der Versuchung. 1950.— Deutsche, wohis? Protokoll der Gründungsversammlung des Nationalkomitees»Freies Deutschland«und des Bund“ deutscher Offiziere. Vorwort von P. Merker und A. Vieth von Golssenau. Mexiko 0. J.(1944) der Bibliothek des Münchener Instituts für Zeitgeschichte). Weitere Literatur siche bei Z. Mattlöä, Sozialdemokratie und Nation, 1952, S. 268. S. 399?2Kapitel 6.- Der Kiesel-Bericht Nordwestdeutsche Hefte 1947, Heft 2, S. 18, behauptw‘ daß kommunistische deutsche Kriegsgefangene die oben genannte Verbindung herstellten und dl: General Lindemann im Auftrag der Verschworenen vergeblich versucht habe, mit dem Nation: komitee Verbindung zu bekommen. Ich vermag das nicht nachzuprüfen; die K. B. berichten darwd nichts. Wohl aber lassen sie erkennen, daß die Gestapo den anfangs bestehenden Verdacht einer Va bindung der Berliner Oppositionsgruppen mit dem Nationalkomitee später als gegenstandslos alla ließ. Näheres darüber siehe unten zu Anm. 89. Kiesels Bericht macht auch an dieser Stelle den Bir druck ungenauer Erinnerung. E S. 399”®Gisevins IL, S. 275#. Ausführlicher in der Neuauflage 1954, die ich im Fahnenabzug Isa Ip konnte. Dulles S. 81, 131 f., 137 ff., 172. S. 400 4 Dulles S. 131 f. Nach Gisevius(Auflage 1954) handelt es sich nicht, wie Zeller S. 349» Ann. angibt, um die»Diktion von Dulles«, sondern um Trotts eigene Worte. Zeller bringt diese Bo! nur in einer Anmerkung und setzt dafür in den Text$. 193 f. eine willkürlich von ihm selbst zus? mengestückelte, angebliche Botschaft Trotts. Die ersten zehn Zeilen stammen aus einem Bericht, Dulles im April 1944 nach Washington kabelte und der sich ausdrücklich auf G. und Beck beruft, mit Trott nicht das geringste zu tun hat(Du/les S. 136). Der Rest ist einem Bericht von Ga‘ veroiß sa, Nie über eine zweite Botschaft Trotts im April 1944(ebd.$. 137) entnommen, ohne Kennzeichnung“"F"” ÄCAR ei Fünfzehntes Kapitel- Umsturzversuche 1942-1944 11. berichtete 4 Juslassungen. Die wahren Ansichten Trotts sind so verschleiert. Über die Aprilbotschaft Trotts 1944 eiheitsrechte, Wa) she oben im Text. Die Angabe Zellers S. 193, die von ihm kombinierte Botschaft ginge auf Beck d Schlüstelinduem zelick, ist irreführend, chen Rechte, Da 9.402"Vgl. dazu auch: Ein Mann geht seinen Weg, herausgegeben von Dahrendorf, S. 286 -»Die Volksbeng gen Gisevius). 'schen Volkesedın>. 402 7%Hassell S. 321, 332, 334, schon oben Kapitel 14, Anm. 31 zitiert. Was Gösevins II, S. 278 erufen, er babe ter sein Gespräch mit Trott im April 1944 berichtet, läßt sich doch wohl so deuten, daß Trott in ndessen verlangt 3 tier Enttäuschung jeden Glauben an eine Verständigung der Opposition mit den Westmächten vwloren hatte und dem schr kräftigen, seinen Partner bestürzenden Ausdruck gab, ohne deshalb eine Yption für den Osten« zu vollziehen.- Was Dulles S. 89 über marxistische Studien Trotts in seiner Beliner Studentenzeit nach Kessels Tagebuch berichtet, beweist natürlich nichts für seine politische Hiltung 1943/44. Dies um so weniger, als er ja später in Oxford als Stipendiat studierte. Über die ageblich kommunistischen Neigungen Trotts in seiner Berliner Studentenzeit hat sich nachgerade y te Art von Legende gebildet, der der schöne Nachruf Görtz von Selles im Jahrb. d. Albertus Univers, Kunigsberg V, 1954, S. 160 fl. mit Recht entgey 5.4095#K,B. 24. 7. $, 404"#Unter anderem wurde mit seiner Hilfe eine Vortragsreise nach Stambul und Ankara ver- childerung einer Namen, Es biel jebaut werden kat rerden durch bri nur von persöil ‚gibt Henk 3,6 a n Eisenbahnerstt! gelegentlich Jos )lgschaft«, Miere er Nimbus dei 9 rentritt. nrtelt, wo ich mehrmals vor einem ziemlich großen internationalen Hörerkreis sprechen konnte, \kitere Vortragsreisen in Schweden sollten folgen(auf die Trott besonderen Wert legte), kamen Ike nicht mehr zustande, Bine letzte Frucht dieser Bemühungen ist mein 1948 erschienenes Buch sei sich(Beh)aropa und die deutsche Frage«. Bei der Vermittlung des britischen Materials leistete Trotts Sckre in, eg sei BE„ Mm, Frau Dr, Alste Horn geb, Oncken, wertvollste Hilfe. se schwierigen.* 404"Hassell, S. 337.- K. B. 29. 11. t, wie schw dd> 404 80 Peter Kleist a.a.©. S. f richtet, gibt 404"Hassell, S. 321(15. 8. 1943). I»|»405#?Nach Art. 2 verpflichteten sich beide Mächte, nur in gegenseitigem Einverständnis über \ffenstillstand oder Frieden zu verhandeln Aut.405®K, B. 26. 8. Aussage Schulenburgs. militärischen ln 405 MP, Kleist S. 266. and Hopkis NIT\, 405®Interrogation Sonnleithner vom 8. 12. 1947: Record Branch des War Dept., Alexandria seiner alten Gi) erg. hunp)=405#°K, B. 29.11. Hiernach und nach der Aussage Sonnleithners sowie Hassells 5. 327, 332, 334 Rorschung R E- der Be m\E nällt der von Wbeeler-Bennett S. 616 auf Grund eines Briefes von Dr, G. Hilger erhobene Zweifel, in yEuropaltt'@ ck im yEu\ II Me Hulı, sam unterbault zu dem Abenteuer bereit gewesen ist. Gisevins UI, S. 304 willim Juli IbSchulenburg jemals ernsth; sten: C+ fl i 44 gehört haben, Schulenburg habe sich selbst mit Kluge wegen der Durchschleusung durch die chen Hitler is Inat in Verbindung gesetzt. Das müßte dann schon vor dem 12. 10. 1943 gewesen sein. War aber ı Teheran SE|(ljge damals schon so tief im Komplott, daß man ihm eine solche Unternehmung zutrauen konnte? 1 0 y\slh K, B. vom 28. 8. besprach sich G. im Herbst(wohl September) 1943 mit Tresckow auf dessen alen Komite Besung über die Möglichkeit, Schulenburg durch die Ostfront zu schleusen, um mit Stalin zu ver- 0, Den ‚atdeln, Je nach dem Ergebnis dieser Verhandlung sollte eine»militärische Aktion« erfolgen, G. bland« und#9 Bedenken, seine Außenpolitik gewissermaßen um 180° zu drehen. Nur wenn die Verhandlung (exiko 0] 2\xlem Westen sich als aussichtslos erweisen sollte, könne man an solche Fühlungnahme denken. Er g siehe beib" sein Rinverständnis nicht endgültig. L\ 406 9 Hassell, S. 332. it 2,8: 05} 406®®Nach K. B. vom 28. 8. hat sich Tresckow im August 1943 mit Schulenburg in dessen Ber- ı0B pers ‚a Wohnung über die»Ostfrage« unterhalten. Schulenburg hoffte, es bestünden noc h Möglich- *i=n, mit den Westmächten zu verhandeln. Eine Schwenkung auf die Seite der Sowjets sei aus tiaden der Gesamtpolitik bedenklich und noch nicht notwendig. Man müsse jedenfalls alles mit Sic und G, vorher besprechen, Beck wich auf Anfragen(Tresckows?) aus und erklärte, auf jeden lan Hassellals Außenminister festhalten zu wollen. Tresckow kam dann nach längerer Überlegung remacht werden.- Sonnleithners I n dieset Steht"em Schluß, zunächst müsse ein Versuch mit den Westmächten g \üvagen erscheinen auch sonst sehr fragwürdig. So behauptet er, Schulenburg habe den Posten Außenministers im Kabinett G. erstrebt, um seine Ostpolitik durchzusetzen, und habe ihn, Sonn- Her, gebeten, ihm dabei zu helfen und sich mit der Widerstandsgruppe(Stauffenberg und Stieff) | erbiodung zu setzen, Sonnleithner habe das abgelchnt, aber statt dessen Staatssekretär Steengracht Onseine Mittlerdienste bei den Kreisauern gebeten. Steengracht, Nachfolger Weizsäckers, war \terünglich jedenfalls) ein Mann Ribbentrops, vgl. über ihn Hassell S. 307, 328. i ä $.407® Stauffenberg soll geäußert haben:»Er halte nicht viel von Proklamationen hinter Stachel- al-,« Nur Oberst i. G. Mertz von Quirnheim, dessen Schwager Generalmajor Korfes bei Seydlitz war, habe sich(zu Major Blumenthal) dahin geäußert, man könne nicht wissen, ob nicht am Ende boendb) i ‚im F 528 Quellennachweis und Ergänzungen die Sowjets doch noch ernsthaft mit der Seydlitz-Gruppe zusammenarbeiten müßten. K.B. 29. 11.- Haltung Becks und G.s: K. B. 2ı. 11.- Haltung Trotts: K. B. 8. 8.(Aussage Trotts). Wenn Dulles S. 172 gehört hat, Trott habe kurz vor dem zo. 7. versucht, über Stockholm mit dem Seydlitz-Komi- tee in Fühlung zu kommen, so kann sich das nur auf eine der im Text erwähnten Erkundungen be- ziehen. Daß er die sowjetische Gesandtin Mme. Kollontay dazu aufgesucht habe, scheint mir für einen Beamten des Deutschen Auswärtigen Amtes ausgeschlossen; vgl. auch Trotts Äußerung zu P. Kleist a.a. 0. S. 242. S. 407 9°]. von Puttkamer a. a. O. S.66 f. S. 408?1Mem.(Aufzeichnungen vom September 1944) K. B. 21. 11.; 29. 11. Zu Abschnitt V': Ende der Verschwörung S. 408®?Das Folgende nach den Mem.(Novemberaufzeichnungen 1944) Hoffnungen auf die pol- nische Exilregierung: Urteilsbegründung des VGH. S. 408 9®?Nach den K. B. vom 11. 9. datierte die Bekanntschaft mit Choltitz schon vom Herbst 1943 und war durch Baron Palombini vermittelt. G. hoffte damals durch Choltitz auf Manstein einwirken zu können. S. 409 94Gisevius II, S. 321. S. 409 95Das Nähere bei Zeller S. 190 f. Mir liegen Aufzeichnungen Kurt v. Hammersteins von 1955 vor, in denen von verschiedenen Gesprächen mit Heinrich v. Kleist, Sohn Ewald v. Kleists, Oberlt. Frhr. v. d. Bussche(beide aus dem Inf.Rgt. 9) und mit Rittmeister v. Boeselager 1943 und 1944 be- richtet wird. Sie bestätigen, daß Tresckow und Stauffenberg diese jungen Leute zu verschiedenen Attentatsversuchen einzusetzen sich bemühten. Die Anklageschrift des VGH will festgestellt haben, daß G. nach dem Scheitern eines Attentatsversuchs im Februar(Kleist?) sehr ungeduldig wurde und bei Beck auf rasches Handeln der Offiziersverschwörung drängte. S. 410 9®K.B. 8. 8. und 14. 8. u. ö.(37. Aussage Wirmer).— Anklageschrift gegen G. und Genossen vom 3. 9.— Anklageschrift gegen Leber und Genossen vom 19. 9.— Nach der letzteren hat 1943 auch Graf Fritz Schulenburg als Vermittler für G. bei Leber gewirkt, 1944 haben außer den Katholiken auch Leuschner und Haubach sich schließlich um Aussöhnung bemüht. Hier ist als Datum der zweiten scharfen Aussprache, bei der Leuschner fehlte, der 5. 6. angegeben, im K. B. vom 14. 8. ein Tag»um den 15. 6.«. Letzteres ist mir deshalb wahrscheinlicher, weil da die alliierte Landung in Frankreich (6. 6.) schon erfolgt war, was Lebers Haltung besser erklären würde. Die Aussagen Lebers über heftige Streitigkeiten zwischen sozialistischen und katholischen Arbeiterführern über den christlichen Charak- ter des künftigen Staates werden von]J. Kaiser und seiner Gattin bestritten; zum mindesten seien sie »äußerst übertrieben«; wohl aber seien die sehr verschiedenen Charaktere Leuschners und Lebers gelegentlich in Gegenwart von Goerdeler, Kaiser, Wirmer und Habermann aufeinandergeplatzt. Gisevius und Helldorff polemisierten gegen die Gewerkschaften: K. B. passim.— Intrigue Popitz’: Anklageschrift gegen G. und Genossen. Siehe a. oben Abschnitt III, Anm. 54. S. 410 9? Hassell, S. 343 f.— Schlabrendorff, S. 171(dunkle Drohung Himmlers 1943). Gisevius II, S. 305. Das schockartige Erlebnis, plötzlich Stauffenberg statt G. und Beck als die zentrale Figur des Komplotts vor sich zu sehen, wird viel zu dem starken Ressentiment beigetragen haben, das Gisevius’ Charakteristik Stauffenbergs offensichtlich beherrscht. Freilich ist die scharf»antimilitaristische« Grundtendenz des Buches auch sonst überall sichtbar. S. 411®Erhebliche Aufregung scheint bei den Verschworenen auch die Nachricht verursacht zu haben, daß Nikolaus von Halem und Mumm von Schwarzenstein am 16. 6. vom VGH zum Tode verurteilt wurden, siehe Schlabrendorff, S. 178 ff. S. 412® Aussage G.sK. B. 29. 11. Das Folgende nach Dulles, S. 136 ff. S. 413 100Mit etwas anderen Worten hat G. diese Phase seiner Projekte in seiner im Gefängnis Nov. 1944 entstandenen Niederschrift»Unsere Idee« festgehalten, und zwar als /etzte Phase. Dabei ist bemerkenswert, daß er von den Abmachungen von Teheran offenbar keine klare Vorstellung besaß. Es heißt dort:»Transport der Westarmee nach dem Osten, um die Russen auf die Linie Peipus-See- Dnjestr zurückzuwerfen und damit uns und England von unerträglicher Bedrohung zu befreien, auch die Errichtung eines polnischen Staates zu ermöglichen, der unserem Interesse entsprach und England die Erfüllung seiner Garantie ermöglichte. Dieser Schlußkampf gegen England wird politisch da- durch möglich, daß Rußland, wie feststand, sich weigern würde, bis zur alten polnischen Ostgrenze zu räumen, und Einigung mit England auf der weiter westlichen Curzonlinie noch nicht erfolgt wat, Rußland aber im Vertrag mit England 1942 auf jede Eroberung verzichtet hatte, USA überhaupt nicht vertraglich mit Rußland gebunden ist, also jene Räumungsverweigerung Rußlands eine Verletzung seines Vertrags war.« S. 414 191 Dulles, S. 139. Wie hätten Olbricht und Stauffenberg hoffen können, die Flotte zur Preis- gabe von Bremen und Hamburg zu bewegen? Wie hätten sie darauf rechnen können,»zuverlässige«_ I Truppen in 2 "erden? Sehr ng noch An $,414 102 Be hlls bringt.$ iine Beleg. $,415 10, asführlichste: Nein unding Ürutzarmee sj 05. Die Russ wenn sie stattf steit werden, ächst mehr sp der Diskuss 3411] U wiedergeg sprechen ur et diese Fra, "dung mit St. nittelbar ei “smarck(wol Zurchill gena *terlich über Wie über ge “en; dieser f *, Vermut Nırkes “et durch e ‚B. 29. 11,- Wenn Dulls dlitz-Komi- adungen be- nit für einen zu P, Kleist auf die pol- Herbst 194 in einwirken ins von 195} eists, Obelt. und 1944 be erschiedenen estellt haben, g wurde und nd Genos““ ya 1943 au 1 Katholiket n der zweit®ü ein Tag»u" n Frankreic s über heftig? chen Chatzk* Fünfzehntes Kapitel- Umsturzversuche 1942-1944 529 i Truppen in München zu finden, die Hitler»isolierten«? Wie sollte diese Isolation durchgeführt werden? Schr skeptisch stimmt auch die Angabe, die Urheber des Planes hätten über Rommels Hal- tung noch Anfang Mai nichts Näheres gewußt. G. und sein Kreis waren darüber längst informiert. S. 414!%2Beide Zitate nach Wbeeler-Bennett, S. 621 f., der den Wortlaut des stenographischen Proto- kolls bringt. Seine Behauptung, beide Reden hätten auf die Verschwörer ermutigend gewirkt, bleibt ohne Beleg. S. 415 10®Gestützt auf Agentenberichte aus der Türkei hat er nach Angaben Dr. Otto Johns(am ausführlichsten bei Wbeeler-Bennett, S. 626) Anfang Juni im vertrauten Freundeskteis bei einer Flasche Wein und in gehobener Stimmung wegen seiner bevorstehenden Ernennung zum Chef des Stabes der Ersatzarmcee sich etwa so geäußert, in betontem Gegensatz zu sehr pessimistischen Prognosen Han- sens. Die Russen, sagte er, erwarteten die Errichtung einer»zweiten Front« nicht mehr für 1944, und wenn sie stattfände, so wäre die Erfolgschance etwa 50: 50. Die Engländer würden dann wohl friedens- bereit werden, da sie ja noch nicht durch hohe Menschenverluste verbittert wären. Das klingt zu- nächst mehr spielerisch als ernst gemeint(Stauffenberg liebte offenbar das Spiel mit extremen Ansichten in der Diskussion). Aber es muß doch mehr dahinter stecken. Siehe oben im Text. S. 415 194 Über Stauffenbergs(angeblich doppelte) Verbindung nach England siche die im Anhang XII wiedergegebene Meldung der Gestapo vom 2. 8. 44. Die dort aufgezählten Friedensforderungen entsprechen ungefähr den uns bekannten Wünschen Goerdelers, der mit ihm offenbar auch Ende Juni über diese Fragen in Verbindung stand. Vor der Gestapo(K. B. vom 17. 8.) hat G. von einer Unter- tedung mit Stauffenberg im Juni berichtet; dieser habe ihm mitgeteilt, er habe Gelegenheit gehabt, unmittelbar eine Mitteilung an Churchill gelangen zu lassen. Er habe in diesem Zusammenhang Graf Bismarck(wohl den Potsdamer Regierungspräsidenten, der verhaftet war?) als Verbindungsmann zu Churchill genannt und damit gerechnet, daß seine Mitteilung Churchillin etwa acht Tagen erreichen werde. G. vermutete: über Wallenberg, der Bismarck in Berlin zu besuchen pflegte. G. war sehr irgerlich über diese Einmischung Stauffenbergs in seine eigenen außenpolitischen Bemühungen(eben- 'o wie über seine selbständige Verbindung mit den Gewerkschaften) und beschwerte sich bei Beck tarüber, der aber meinte, man dürfe dem jungen Draufgänger nicht zuviel Zügel anlegen. In seinen Aufzeichnungen vom November 44 berichtet G. von seiner letzten Unterredung mit Stauffenberg am 18, 7., dieser habe ihm»offenbart, daß er direkte Verbindung mit Churchill habe und dieser im Besitz der Forderung sei, daß im Falle der Aktion alles deutsche Gebiet im Reich verbleiben oder mit ihm jereint werden müsse«. Vielleicht hängt diese Versicherung Stauflenbergs mit einem Versuch des Staatssekretärs a. D. Planck zusammen, sich gemeinsam mit einem Herrn von Siedersleben(Freund des SS-Generals und Himmlerschen Stabschefs Wolff) am 23. 7. in Stockholm mit Wallenberg zu treffen; dieser telegraphierte zurück: er sei verreist. Herr J. Wallenberg, der mir das mündlich er- Zihlte, vermutete, daß Planck wohl an Stelle Schlabrendorffs treten sollte, den ihm Goerdeler kurz jorher durch einen unbekannten Boten erneut als Unterhändler für den Waffenstillstand nach erfolg- tem Umsturz hatte anmelden lassen. Da aber G. gegen Planck eine starke Abneigung hegte, ist das schr inwahrscheinlich; vielleicht sollte er als der Bote Stauffenbergs auftreten? Oder hing das Ganze mit Himmlerschen Abfallsplänen zusammen?- Der K. B. vom 29. 11. meldet weiter: Stauffenberg suchte gewisse Verbindungen zu USA, insbesondere zu Eisenhower und seinem Stabschef Marshall.(Das vird sich auf die noch zu erörternden Recherchen durch O. John beziehen.) Berthold Stauffenberg hat von diesem Plan im Juni 1944 gehört. Trott hat sich sehr kritisch über Stauffenbergs außenpolitische Orientierung und Fähigkeit geäußert. Seinen, Trotts, Argumenten gegenüber habe er sich immerfort drauf berufen, daß jeder Stratege der angelsächsischen Mächte notwendig gegenüber Deutschland &nlenken müsse, um nicht Rußland ein katastrophales Übergewicht zu verschaffen. Trott hatte das Gefühl, daß er sich auf irgendwelche Information von dritter Seite her verließ, und vermutete, daß & sich um irgendeinen Sonderagenten Eisenhowers handelte, dem St. in die Hände gefallen war. Er hatte außerdem den Eindruck, daß auch Beck in jüngster Zeit positive Anknüpfungsmöglichkeiten am amerikanischen Gegner, wahrscheinlich zu dessen militärischem Oberkommando, gefunden zu ben glaubte. Stauffenberg habe mit Nachdruck betont,»daß der alte Herr Grund hätte, anderer Ansicht zu sein als ich(Trott)«.- Nach der Anklageschrift gegen Leber war Goerdeler bei dem zwei- ten, oben erörterten Zusammenstoß mit den Sozialisten(Anfang oder Mitte Juni) noch fest über- Zugt von der Möglichkeit einer Verständigung mit den Westmächten. S. 415 105Sjehe darüber oben Abschnitt III.- Nach brieflicher Mitteilung des Verlegers Gotthold Müller war dieser am 10. 6. bei Wallenberg in Stockholm und teilte das Ergebnis G. am 20. 6. vor dissen Abreise in das Seebad Rauschen bei Königsberg mit. Nach dem Urteil des VGH über Fritz Goerdeler(Record Branch d. War Dptm. Washington) hat dieser berichtet, er habe Ende Juni seinen Bruder in Rauschen tief pessimistisch angetroffen.»Er versprach sich nach Landung der Westmächte id der Normandie kaum noch einen Erfolg von Verhandlungen. Man müsse die Dinge eben treiben «-eine für C. G. ganz unerhörte Resignation! 530 Quellennachweis und Ergänzungen S. 416 108 Schlabrendorff, S. 175 f.; auch für das Folgende. S. 417 197 Karl Strölin, Verräter oder Patrioten? 1952, S. 32 ff. Hans Speidel, Invasion 1944. Ein Beitrag zu Rommels und des Reiches Schicksal(1949), passim. Lutz Koch, Rommel 1950, S. 216 fl. S. 418 108 Strölins Vorschlag, Rommel statt Beck zum Staatspräsidenten oder doch zum Oberbefehls- haber der Wehrmacht zu berufen(Strölin, S. 34; Speidel, S. 86), hat in Berlin kein irgendwie erkenn- bares Echo gefunden; Rommel selbst hat einen politischen Auftrag abgelehnt. Die von Wbeeler- Bennett, S. 609 erwogene Frage, ob Goerdeler geplant habe, Beck und Witzleben durch Rommel zu ersetzen, ist sicherlich zu verneinen. Wohl aber scheint es, daß der Gedanke einer Reichsregentschaft durch Rommel die Phantasie mancher in Paris tätiger Verschwörer entzündet hat; vgl. die Äußerun- gen von Ministerialdirektor Michel in dessen Tagebuch und Cäsar von Hofackers bei Koch, Rommel, S. 221. S. 419 1® Vgl. dazu seine oben Anm. 104 zitierten Versuche, mit Eisenhower und Marshall in Ver- bindung zu kommen. Dazu K. B., 30. 7.: Bericht über eine Besprechung in Stauffenbergs Wohnung vom 16. 7. 44, in der»Verhandlungen von Militär zu Militär« empfohlen wurden. S. 419 110Es ist also nicht richtig, wenn Wbeeler-Bennett, S. 631 behauptet, Rommels Plänen hätte jede Koordination mit der Berliner Verschwörung gefehlt. S. 420!11 Speidel, S. 133 ff. S. 420 N Schlabrendorff, S. 177 f. Das dort angegebene Datum»Ende Juni« kann nicht stimmen, da Kluge erst am 7. 7. Oberbefehlshaber im Westen wurde. Nach Schlabrendorff, S. 178 hätte Kluge er- klärt, Tresckow nicht als Stabschef anfordern zu können; nach Speide/, S. 145 war ihm Tresckow von Schmundt angeboten; er hatte aber seine Ernennung abgelehnt, weil er sein revolutionäres Drängen fürchtete. S. 421 118 Dulles, S. 176, leider ohne Quellenangabe, aber wohl nach Mitteilungen von Gisevins; siehe dessen Buch II, S. 299, 321. Danach hätte Kluge die Beseitigung von Hitler, Göring und Himm- ler gefordert, ähnlich wie Rommel. Was Gisevius von Beck über Rommel erfahren haben will, steht aber in krassem Gegensatz zu den Angaben von Speidel. Daß Kluge den Tod Hitlers gefordert hat, geht auch aus seinem Telephongespräch mit Beck am 20. 7. hervor, über das zu vgl. Wbeeler-Benneit, S. 663 und die dort angeführten Quellen, besonders Blumentritt(bei Liddel/ Hart, The other side of the hill, S. 432 ff.). Ferner aus den Aussagen Goerdelers, K. B., 21. 9. S. 422 114Die Vermutung von Gisevius, politischer Ehrgeiz habe Stauffenberg am zo, 7. getrieben, vorzeitig den Führerbunker zu verlassen, che er Hitler vollends umgebracht hatte, scheint mir also unnötig; sie ist auch insofern unbegründet, als nirgends bezeugt ist, er habe den Plan einer Regierung Beck-Goerdeler im letzten Augenblick aufgegeben. Das Gegenteil beweist sein Verhalten am 18. 7. gegenüber Goerdeler; siehe unten. S. 422 115Das Nähere bei Zeller, S. 201 ff. S. 422 116 Gisevins II, S. 299, 322. Für das Folgende: ebenda S. 302, 304. S. 423 Y17In krassem(und von mir vorläufig nicht auflösbarem) Widerspruch zu diesen von Gisevius in seinem Buch wiedergegebenen Äußerungen steht, was K.B. vom 17. 8. anscheinend nach Aus- sagen Strüncks berichtet: Gisevius habe am 17. 7. mit Oberst Hansen bei Strünck gesessen und unter anderem mitgeteilt: seine Ermittlungen in der Schweiz hätten eindeutig ergeben, daß Verhandlungen mit England möglich wären. Engländer und Amerikaner hätten Anfang Juni gern vor der Invasion Schluß gemacht, um für Ostasien freie Hand zu bekommen. Von Strünck fuhr Gisevius im Wagen Hansens zu Beck.- K. B. vom 7. 9. ergänzt das noch, nach Aussagen Strüncks: Goerdeler habe sich bei Gisevius über die politische Haltung von Dulles erkundigt. Gisevius habe dessen Verständnis für deutsche Verhältnisse und seine nahe Verbindung zu Roosevelt gerühmt; Dulles habe Goerdeler und Beck als gute Namen in Washington empfohlen. Eisenhower habe bereits Instruktion bekommen, im Falle einer Regierung Beck-Goerdeler nicht unconditional surrender zu verlangen. Dulles werde nichts ohne Rücksprache mit Gisevius nach Washington berichten und fordern. Ist das nun alles reines Mißverständnis von Strünck? Auch Goerdeler muß ihn dann völlig mißverstanden haben, da er sich in seinen Niederschriften im Gefängnis immer wieder auf Gisevius(neben Wallenberg) als Zeugen für die angeblich weitgehende Verhandlungsbereitschaft der Westmächte beruft. S. 423 118 Dieses Bedürfnis hat Gisevius offenbar nicht verstanden, wie die II, S. 306 ff. wiedergege- bene Unterhaltung mit Stauffenberg zeigt. Auch Oberst Hansen, der sich zu Stauffenbergs Freunden zechnete, war offenbar von dieser Dialektik beunruhigt und verwirrt. S. 424 Y1% Wbeeler-Bennett, S. 630 f. nach Angaben Johns. Aussagen Klaus Bonhoeffers, K. B., 12. 10. Danach brachte Lindenberg, Bevollmächtigter der Lufthansa in Madrid, die Hiobspost Johns am 11. 7. nach Berlin. Otto John traf dort am 18. 7. auf Anfordern Stauffenbergs selbst ein, bestätigte und ergänzte aber nur die frühere Mitteilung. 1 S. 424"20 Aussagen Stieffs vor dem VGH am 7. 8. 44, nach dem Protokoll: IMT, Dok. 3881 PS, Bd. 33, S. 317 ff. Stieffs Angaben sind aber undeutlich, Dazu Zeller, S. 210 und Anm. 33. Die Anga] A Schlabrendorfs, ar, muß auf ($. 184), zwei‘ behauptet, er‘ Attentatsgedai Äußerung, die (eines verlore: wesen, Aber< dicht, ob mit Iprechungen( Anm. 43), der des War Dept Enberg« die fi »Oberst vor resend: Sonderbesp, Sonderbesp Morgenlag, Imersten 7 Sonderbesp And Auffango Sonderbesp Morgenlage „Am7.6,4 "Tomm statt, Feststellung is Ferner ist( teschen word EHQan Stenograf. Dr] >42 12 Är Zuerläg, deine, die Bor braten Olbı; !GH behaupt Mritiert«, W Ufllend ist feder Beck* Ne Yähnh, "gay; ap usc, 3.425 up h on am 10, Öchst unyah, S425 1 } rg ala he zur Ente Verden konnte ermahm, a Ätten, | erte Und ‚ Fünfzehntes Kapitel- Umsturzversuche 1942-1944 531 Schlabrendorffs, 5. 185, ein erster Attentatsversuch sei am 5. 7. daran gescheitert, daß Himmler nicht da ion 1944. Ein" war, muß auf einer Verwechslung von Daten beruhen. Wenn es richtig ist, was Schl. von Voß hörte 19,8.216f. 7(S, 184), zwei Versuche seien gescheitert, kommt nur der 11. und 15. in Betracht. Allerdings hat Stieff nOberbefehli-" behauptet, er habe auch am 6.(nicht 5.!) ein Attentat verhindert. Seine wirkliche Einstellung zum ndwie erkenn-" Attentatsgedanken kann aber nicht zweifelhaft sein. Sie wird unter anderem beleuchtet durch eine - von Wiulr-" Äußerung, die Klamroth der Gestapo berichtete:»Sie, Herr Klamroth, haben ja diese trübe Erfahrung ch Rommelzu"(eines verlorenen Krieges) im vorigen Krieg schon einmal gemacht. Ich bin damals nicht dabei ge- chsregentschalt wesen. Aber das eine willich Ihnen versichern: So, wie das vorige Mal, verlieren wir diesen Krieg i"7 nicht, ob mit oder gegen diese Führung.« K.B., 4. 8. Danach drängte bei den Berchtesgadener Be- sprechungen(im Berchtesgadener Hof) Wagner am stärksten auf das Attentat. Zellers Meinung(S. 355, Anm. 43), der Attentatsversuch vom 15. sei auf dem Obersalzberg erfolgt, ist irrig. Unter den Akten farshallin Ve-" des War Dept.(a. a. O.) findet sich unter allerhand Materialien über das»Verrätergeschlecht Stauf- ergs Wohnung« die folgende Notiz: »Oberst von Stauffenberg war in der Zeit vom 1. bis zo. Juli in folgenden Besprechungen an- Is Plänen hätt© wesend: Sonderbesprechung vom 6. 7. 44 von 17.05 bis 18.00 auf dem Berghof über Neuaufstellungen. Sonderbesprechung vom 6. 7. 44 von 23.55 bis 0.50 auf dem Berghof über Neuaufstellungen. ht stimmen,& Morgenlage vom 11. 7. 44 von 13.07 bis 15.30 auf dem Berghof. hätte Kluge et Im ersten Teil der Morgenlage vom 15.7. von 13.10 bis 13.40 in der Wolfsschanze. ‚Tresckow v0 Sonderbesprechung vom 15. 7. von 13.40 bis 14.20 in der Wolfsschanze betreffend Stellungsbau ynäres Drängt und Auffangorganisation. Sonderbesprechung vom 15.7. von 14.20 bis 14.25 Wolfsschanze mit Generaloberst Fromm. n von Giseni) Morgenlage vom 20. 7. 44 in der Wolfsschanze. ing und Himn- Am 7. 6. 44 fand auf dem Berghof von 15.52 bis 16.52 eine Sonderbesprechung mit Generaloberst aben will,se" Fromm statt, an der der Erinnerung nach Oberst Graf Stauffenberg teilgenommen hat, Eine genaue s gefordert bi Reststellung ist nur an Hand der Niederschrift möglich, die im Panzerschrank in Berlin ist. Wheeler-Bennt Ferner ist Oberst Graf von Stauffenberg vor Beginn der Morgenlage am 18. 7. 44 im Lagezimmer he other sided‘| gesehen worden. F.H.Q. am 22. 7. 44 eigh. Unterschrift: Dr. Peschel« ‚0, 7. getrieben Stenograf. Dienst.(Perchel?) cheint mir al Dr. Pe/Dt. ner Regierüt $. 424!?lIch halte mit Ze/ler, S. 316, N. 45 die Aussage Klausings vor dem VGH(IMT 33, S. 432) für zuverlässig. Danach hatte nicht Klausing, wie /.D.von Hassell:»Verräter? Patrioten|«,$. 33 meint, die Bombe werfen sollen. Für Ze/lers Mitteilung, S. 212, Stauffenberg habe auf telephonisches Äbraten Olbrichts auf das Attentat verzichtet, fehlt der Quellenbeleg. Dagegen hat Stieff vor dem Gier VGH behauptet, er habe am 6., 11. und 15. abgeraten; und Stauffenberg hat gesagt, Stieff habe ihn irtitiert«. Wenn Olbricht wirklich abgeraten hat, war es nur wegen der Abwesenheit Himmlers? alten am 187 en vo yend nach AP en und un Auffallend ist, daß für den 11. nichts überliefert ist von»Walküre«-Alarm wie für den 15. und daß en handlonz weder Beck noch Stauffenberg am 12. und 13. gegenüber Gisevius irgend etwas von der Planung am = lost| U. erwähnt haben. = E var S. 424?* Zitiert in der Anklageschrift gegen Goerdeler u. Gen. vom 3. 9. 44- ie S. 425 12° Gisevius II, S. 308. a S. 425 1?4Daß diese(durch Mitteilungen Becks an Gisevius am 12. bezeugte) Botschaft Stauffenberg ya gel® schon am 1o., also vor dem ersten Attentatsversuch, erreicht habe, wie Ze/ler, S. 211 versichert, ist 005 meh höchst unwahrscheinlich, da Hofacker am 10. noch in Paris bei Kluge gewesen sein muß. I ge$. 425 125 Olbricht hatte absichtlich schon zwei Stunden vor Eintreffen der Nachricht vom Ober- } er.“lzberg alarmiert, um allen Gegenmaßnahmen der SS zuvorzukommen. Die Tatsache, daß dies bei- nun de‘ nahe zur Entdeckung des Komplotts geführt hätte und daß ein»Übungsalarm« keinesfalls wiederholt aben il] werden konnte, hat dann bekanntlich am 20. Juli dazu geführt, daß man in der Berliner Zentrale nichts gen! als zen ütternahm, ehe Nachricht aus Rastenburg eintraf. Nun scheint Fellgiebel die Meldung von dem Voll- oder zug des Attentats in einer Form gegeben zu haben, die sein Mißlingen erkennen ließ(»Es ist etwas wie IR Furchtbares passiert. Der Führer lebt«- nach dem Bericht von Dr. Arntz, Leutnant der Reserve im ıberß$ Mr"Stabe Fellgiebels-), so daß dann der Staatsstreich erst nach drei Stunden ausgelöst wurde, und erst auf " Veranlassung Stauffenbergs, der in Rangsdorf mit dem Flugzeug gelandet war. Die Verzögerung vom ,B- a 15, hat sich also auch am 20. verhängnisvoll ausgewirkt. Über die Aktion der Dienststelle Fellgiebels spost» Br im 20. 7. gibt K.B. vom 31. 8. sehr erwünschte genaue Auskunft nach Aussagen des Oberst Hahn. bes! Danach war schon lange vor dem 20. 7. festgestellt, daß eine Absperrung der Wolfsschanze von den technisch äußerst schwierig war, ein großes Aufgebot mitwirkender Kräfte tdorderte und sich schlechterdings nicht»vorbereiten« ließ. Sie war überhaupt erst möglich, wenn der 532 Quellennachweis und Ergänzungen Tod Hitlers feststand. Am 20. 7. informierte Fellgiebel den Oberst Hahn schon kurz nach 13 Uhr, daß der Führer verletzt, aber nicht tot sei, mit ähnlichen Worten, wie oben angegeben. Nach K. B. vom 11. 9. tief Fellgiebel 18 Uhr zo in der Berliner Nachrichtenzentrale an: ob sie alle verrückt wären? Der Führer sei gesund. S. 425 12° Zeller, S. 357, N. 46 behauptet, ohne jeden Quellenbeleg, General Beck habe»nach dem Mißerfolg des 11. das Verhalten für diesen Fall festgelegt«. Wie denn? Seine Polemik gegen die Dat- stellung, die Gisevius nach den Aussagen Graf Helldorffs von den Vorgängen in der Bendlerstraße gibt, ist so lange als bloß tendenziöse Apologetik des Helden zu betrachten, als nicht eindeutige und überzeugende Gegenbeweise besserer Quellen vorgelegt werden. Leider zitiert Z. als einzigen Kron- zeugen für seine Darstellung das sehr flüchtig gearbeitete Buch von W. Görlitz, in dem übrigens nähere Angaben fehlen. Das Telephongespräch Stauffenbergs weiß er seinerseits überhaupt nicht zu erklären, S. 426!2?Mem.(Aufzeichnung vom November 1944). S. 427"”® Vgl. dazu Dulles, S. 139. S. 427\"? Als Vermittler diente dabei Rechtsanwalt Hauptmann d.R.Strünck, dessen Wohnung unzählige Male als Treffpunkt der Verschwörer diente und der selbst häufig die Verbindung der Ab- wehrzentrale mit dem Schweizer Außenposten herstellte. S. 428 130In die ganze Tiefe der Not, in die sich Goerdeler damals verstrickt sah, lassen Aufzeich- nungen hineinblicken, die sich Dipl.-Landwirt Otto Held, ein naher Verwandter G.s, 1946 über Gespräche machte, die er im Juli 1944(zuletzt noch in der Nacht 18./19. 7.) mit G. führte. Er gibt dessen Gedanken folgendermaßen wieder:»Noch nie in der Geschichte haben Attentate Gutes gt- stiftet. Sie verstoßen gegen das 5. Gebot. Gelungen greifen sie der Entscheidung Gottes unwidet- zuflich vor; mißglückt erreichen sie das Gegenteil des Gewollten. In beiden Fällen schaffen sie Mät- tyter, für deren Blut Sühne gefordert wird, und jede Vergeltung pflegt schwerer auszufallen als die Tat selbst. So reißen Attentate neue Wunden im Volkskörper auf, die am schwersten heilen und neue Vorbelastung der Zukunft werden.« Zu diesen sittlichen Bedenken trittnoch die Erwägung, daß nur ein lebender Hitler vor dem ganzch deutschen Volk durch eine Gerichtsverhandlung so bloßgestellt werden könnte, daß jedes Aufkonr- men einer Dolchstoßlegende dadurch erstickt würde. Aber freilich müßte eine solche Selbstreinigung des deutschen Volkes erfolgen, che die deutsche Front total zusammengebrochen ist— sonst bleibt sie wirkungslos, ja sie kommt gar nicht mehr durch Deutsche selbst zustande.»Mitte Juli«, schreibt Held,»drängte also die Zeit aufs höchste. Es drängten auch Kluge und Rommel: Die Truppe»ver dorre« im feindlichen Material, besonders der Luftwaffe. Goerdeler antwortete: Dann solle sich da Herr von Kluge einen starken französischen Sender greifen und unter voller Nennung seines Namens Volk und Wehrmacht die wahre Lage bekanntgeben(Geheimnisse waren da nicht zu verraten, dadit Dinge ja für sich sprachen). Dann sei zu fordern: Adolf Hitler, in dessen Namen und Auftrag schonsd viele Millionen Männer, Frauen und Kinder in den Tod gegangen sind, sollendlich auch sein eigens Leben dem Richter stellen und zurücktreten! Tuter dies nicht, macht er weiter sein verwirktes Schicksil zum Schicksaldes ganzen Volkes- dann verläßt die Westarmee ihre Stellungen, marschiert in die Hei mat und setzt eine Friedensregierung ein.— Das hätte klare Verhältnisse geschaffen. Auch die Truppt hätte man nicht mehr mit der»kleinen Clique« ehrgeiziger Reaktionäre bluffen können. Doch der erste Schritt lag nicht in Goerdelers Hand. Die allein hierzu bewaffnete Macht hatten, fürchteten Verwir zung durch Befehl und Gegenbefehl(besonders bei Hinweis auf den Eid); auch drohte offener»Bru- derkampf« mit den in Frankreich neu aufgestellten SS-Divisionen, noch ehe ein Waffenstillstand mit den Westmächten der Fronttruppe den Rücken freigab. Es konnte die Auflösung werden, also gerack das herbeiführen, was unter allen Umständen vermieden werden mußte.« S. 428!?1 Vgl. oben Anm. 104.- Bei seiner Vernehmung am 13. 8.(Aussageprotokoll a. d. K.B. liegt mir vor) versicherte G., weder Stauffenberg noch Hptm. Kaiser hätten ihm am 18. 7. irgend etwas von dem unmittelbar bevorstehenden Attentat gesagt. Das wird, zum mindesten für das Ds tum, zutreffen, da G.s Mitwissen in diesem Augenblick, da er jeden Moment verhaftet we konnte, ebenso gefährlich wie nutzlos gewesen wäre. S. 429 1#2K. B., 30. 7. Nach der Aussage Goerdelers hat dieser am 15. 7. bei der erneuten Durch beratung der Ministerlisten in Becks Wohnung diesem vorgeschlagen, doch lieber Schulenburg ab Hassell zum Außenminister zu machen. Schulenburg sei bei Stalin persona grata. Gegenüber Hassel sei die Stimmung in England nicht gut; er sei dort als Schwiegersohn(und Biograph) Tirpitz’ be kannt. Beck war einverstanden mit der Veränderung. K. B., 28. 8. Ähnlich Gisevins II, S. 304, 335: Danach wollte Beck Hassell zu freiwilligem Verzicht bringen und zum Staatssekretär machen. Scchzehntes F 5.430 1Gis 5, 430?Seiı im 13. 8,, die Über die Fahı Der Gestapo fihrer, die er Palombini un Großberlin u stapo hat ihm 3. 432®De Schritt nicht: für G, beider Rtschäftliche che Verfolg: die Namen de u " Oberfeldrat y !echnet, wie< 3.43 41 a Berlin«, E chrieben yIr Ein Abschie Alte ich heut &it der Fami hört hatte, nkengang s &Q über die “ethaupt ni “standen zu 3.434580 Aummelsbyr Deutschland' Arbeigekom, Cs Gag ud Palo urteilt wu “et nicht, FR] ach 13 Uhr, di lach K. B. von ickt wären? De‘ abe»nach den gegen die Dz t Bendlerstraß eindeutige up ‚einzigen Krot übrigens näher icht zu erkläret essen Wohnun indung der Ab lassen Aufzeich} G.s, 1946 übt führte, Er gib ‚ntate Gutes Bf Gottes unwidet ‚chaflen sie Mit szufallen als d heilen und neX vor dem ganz} jedes Aufkom Selbstreinigun st- sonst bLi3 e Juli, schrei® ie Truppe yo solle sich 4 gseines Br;| ı verraten, C#*7 Auftrag scha®! uch sein eig" irktes Schle#T hiert in dieb" Auch die Tan n.Doch.dere rchteten Ven hte offener" j enscllstand? vden, also g*# Sechzehntes Kapitel- Das Ende i Sechzehntes Kapitel: Das Ende $. 430!Gisevius Il, S. 348. S, 430?Seine Niederschrift ergänzt und berichtigt die Angaben G.s bei seiner ersten Vernehmung am 13. 8., die offensichtlich bemüht sind, seine Helfer und Gastgeber zu decken bzw. zu verbergen. Über die Fahrten des 18. und 19. liegt mir ein Bericht des Oberregierungsrats Dr. Gerhard Wolf vor. Der Gestapo hat G. alle seine Gastgeber in und um Berlin verschwiegen, bis auf Ulrich und Brod- führer, die er indessen als politisch ahnungslos und fern allen Komplottplänen schilderte, ebenso wie Palombini und Ehrhardt. Im übrigen behauptete er, sich vom 25.7. bis 8. 8. in den Wäldern um Großberlin umhergetrieben und alle Nächte bis auf zwei im Freien übernachtet zu haben. Die Ge- stapo hat ihm das aber nicht geglaubt(KB 15. 8.) und nach und nach alle Gastgeber ermittelt. S. 432®Der schwedische Gesandte war verreist, und sein Vertreter wollte einen so gewagten Schritt nicht selbständig tun. Aus demselben Grund scheiterte auch Dr. Elsas mit seinen Bemühungen für G. bei der Gesandtschaft.(Auskunft der Familie Elsas.) In Dessau hat G. nach seiner Aussage rein geschäftliche Angelegenheiten besprochen in der Absicht, so herauszufinden, ob schon eine öffent- liche Verfolgung gegen ihn lief. Daß diese Angaben stimmen, ist schon deshalb anzunehmen, weil er die Namen der Offiziere und Beamten angab, mit denen er verhandelt habe(v. Korttnaurer, Peters). Oberfeldrat von Heinz habe er nicht getroffen: vielleicht hatte er auf dessen Hilfe bei der Flucht ge- technet, wie die Gestapo vermutete? $. 433*ıı Seiten engzeilig in der Maschinenabschrift,»geschrieben zwischen 1. und 11. August in Berlin«. Ein»Abschiedswort«, beginnend»Deutsche Schwestern und Brüder«. 8 Seiten, unter- schrieben»Im Walde der Dübener Heide, Ende Juli 1944«, aus dem ich einen Auszug unter dem Titel »Ein Abschiedswort Dr. Goerdelers« in der»Neuen Zeitung« vom 19, 12. 46 veröffentlicht habe, halte ich heute, nach genauer Kenntnis des Goerdelerschen Schrifttums, für unecht. Es wurde seiner- zeit der Familie G. von einer Persönlichkeit übergeben, von deren Bekanntschaft mit G. sie nie etwas gehört hatte, und zwar nur in Maschinenabschrift. Nicht nur der Stil und in vielem auch der Ge- dankengang sind G. fremd, sondern es finden sich auch einzelne unrichtige, ja unsinnige Behauptun- gen über die Entwicklung der Hitleropposition, die G. nie aufgestellt hätte. Im übrigen hat sich G. überhaupt nicht im Walde der Dübener Heide umhergetrieben. Die Niederschrift scheint erst 1945 entstanden zu sein(Prophezeiung von Hitlers Selbstmord!). S. 434 So hat er seiner Nichte Frau Held am 29. gesagt, als sie sich in der Nähe vom Bahnhof Rummelsburg länger über seine Fluchtpläne unterhielten. Er zeigte sich dabei voller Hoffnung, in Deutschland so lange untertauchen zu können, bis das nahe Kriegsende, auf das er bestimmt rechnete, herbeigekommen wäre(Aufzeichnungen von Frau Eva Held).- Wie unerträglich groß die Gefahr für G.s Gastgeber war, zeigt die Tatsache, daß Schatter, Ulrich, Landwehr, Lehmann, Lilje, Klimpel und Palombini wegen Beihilfe zur Flucht vor den Volksgerichtshof kamen und zu hohen Haftstrafen verurteilt wurden.(Prozeßbericht, Archiv des War Dptm. Alexandria.) Der Name Dr. Elsas erscheint hier nicht. Elsas war früher Erster Bürgermeister von Berlin und Vizepräsident des Deutschen Städte- tags, wurde aber, auch aus rassischen Gründen, verfolgt, ohne Gerichtsurteil aus dem Gefängnis Lehrstraße in das Konzentrationslager Sachsenhausen überführt und hat dort um die Jahreswende den Tod gefunden.(Mitteilung der Familie.) Das Folgende wesentlich nach G.s Aussagen vor der Gestapo, die mir hier durchaus glaubhaft erscheinen, während die Mitteilungen der Labedzkis an Reinh. Goerdeler sich im Datum der Abreise (a1. 8.) offensichtlich irren. $. 435°Urteildes Schwurgerichts beim Landgericht Berlin über Helene Schwärzel vom 1. 11. 1947. G. hat seinem Gefängniswärter Brandenburg gesagt, er könne auch den beiden Zahlmeistern ihr Eingreifen nicht verübeln. Hätten sie ihn nach der Anzeige nicht verhaftet, so hätten sie sich schwerer Bestrafung ausgesetzt. S. 437” Wichtigste: Die Liste der»politischen Beauftragten« und»Verbindungsoffiziere« bei den Wehrkreiskommandos, gefunden in der Nachrichtenzentrale der Bendlerstraße. Siehe oben Kapitel 15, Abschnitt III, nach Anmerkung 61 und Anhang X.- Tagebuch des Hauptmanns d. R. H. Kaiser und in dessen Besitz die große Denkschrift»Das Ziel« von 1941: K. B., 1. 8. Der Aktenfund im Ho- spiz am Askanischen Platz aus der Hinterlassenschaft Goerdelers wird in den K. B. am 3. 8. gemeldet; es handelte sich dabei offensichtlich nicht um eine»Ministerliste«(diese wird erst am 14. 8. gemeldet; sie sollim Panzerschrank Olbrichts gefunden sein), sondern im wesentlichen um die bei Pecbel, S. 213- 221 und 304 ff. abgedruckten Entwürfe und Aufrufe. Von»Leichtsinn« Goerdelers zu sprechen, liegt kein Anlaß vor. G. war so vorsichtig, kein Notizbuch zu führen, keine Adressenliste seiner Bekannten, sondern deren Adressen und sogar Telephonnummern systematisch auswendig zu lernen. Er hat öfters verschlossene Umschläge mit Materialien im Geldschrank der Hotelleiterin Frau Erna Benoit, die als Königsbergerin der Familie bekannt und befreundet war, aufbewahren lassen; sie wurden 534 Quellennachweis und Ergänzungen regelmäßig in seinem Beisein dort eingeschlossen. G. war nach der Auskunft Frau Benoits»peinlich ordentlich und ließ nie etwas herumliegen«. Ende Januar 1944 wurde das Haus teilweise ausgebombt und Frau Benoit verließ es. Den Geldschrankschlüssel übergab sie ihrer Nachfolgerin Frau Klatt- Schaumann, die das Hospiz notdürftig wieder herrichten ließ. G. blieb dem Hause treu und benutzte es wieder als Absteigquartier, sobald wieder einige Zimmer benutzbar waten, d. h. seit Juni 44. Er hat in dieser Zeit Frau Klatt, die ihm noch fremd war, niemals Akten übergeben. Am 18. 7. sprach sie ihn nur ganz kurz und erfuhr am 19. vom Portier, daß G. sein Zimmer aufgegeben und seine Kofler abgeholt habe. Nach dem zo. 7.»wurde von der Gestapo lediglich festgestellt, bis wann G. dort ge- wohnt habe und ob noch Sachen vorhanden seien. Es wurde weder eine Haussuchung noch einc Öffnung des Geldschrankes verlangt«.(Briefliche Auskunft der Frau Klatt.) Wer hat nun das Akten- stück ohne Haussuchung herausgegeben? Handelt es sich etwa um einen Zimmerdiebstahl des Hotel- personals?- Was Wbeeler-Bennett an mehreren Stellen seines Buches über leichtfertige Geschwätzigkeit G.s und angebliche Vervielfältigung seiner Ministerlisten berichtet, ist freie Phantasie der von ihm Befragten(OttoJohns?). $. 437® Wichtigste: Geständnisse der am 8. 8. Verurteilten, Aussagen von Oberst Hansen, Fritz Schulenburg, Graf Helldorfi, Graf Bismarck, Stieff, Berthold Stauffenberg, Kranzfelder, Trott, Wir- mer, Leber, Maaß. Am 15. 8. wurde Leuschner verhaftet, der in den früheren Vernehmungen schon oft genannt war, am 15. auch Haubach vernommen, der über den»Kreisauer Kreis« genauere An- gaben machte. Die Vernehmungen im einzelnen waren, soviel die K. B. erkennen lassen, sehr unter- schiedlich in ihrer Ergiebigkeit, lieferten aber im ganzen schon vor dem 13. 8.(erste Vernehmung G.s über seine Flucht) ein ziemlich rundes Bild, da Ableugnen praktisch meist unmöglich war. Auch über die Entstehung der Ministerlisten konnten schon vor G.s erster Vernehmung genauere Berichte geliefert werden. Ebenso erhielt die Gestapo schon Anfang August die ersten Nachrichten über die Verbindungen der Verschwörer nach England. S. 437?Kiesel-Bericht, a. a. O., S. 30. S. 437!°So K. B., 15. 8. und 4. 9. S. 437 Das habe ich selbst erlebt. S. 438 12 Wenn mir dies von meinem»Referenten«, Kriminalkommissar Schrey, sehr nachdrück- lich versichert wurde, so mag das nicht als beweiskräftig gelten, obwohl Schrey, als Kriminalbeamter älterer Schule, einen korrekten Eindruck machte. Aber a) machte G.»schr weitgehende Aussagen« vom ersten Tage an, b) hat er seinem Wächter Brandenburg, dem er voll vertraute(siehe darüber später!), nach dessen brieflicher Auskunft an mich nie über Mißhandlung oder Anwendung von Drogen geklagt, obwohl er viel von seinen Vernehmungen erzählte, c) hält sein Zellennachbar Dr. Josef Müller(seit Anfang Dezember), der seinen Tageslauf genau überwachen konnte, da die beiden Zellentüren stets offen stehen mußten, die Anwendung von Drogen für ausgeschlossen(mündliche Auskunft an mich). S. 438!*Begleitschreiben für seinen Wächter Brandenburg zu dem Manuskript»Unsere Idee«, November 1944. S. 438 Zu vergleichen etwa die Schilderung Huppenkothens in dessen Prozeß am 5. 1. 51, wie G., den er nach seinen Beziehungen zu Dohnanyi gefragt hat, ohne weiteres sich bereit findet, in zwei Stunden ein langes Expos& mit vielen Details zu diktieren, mit einem»uhrenhaften« Gedächtnis. S. 438 13 Aussage im Huppenkothenprozeß, 9. 2. 51 u. mündlicher Bericht an den Verf. S. 439 18 Aufzeichnungen des Oberregierungsrates Dr. Wolf(ungedruckt). Darnach wurde beiden, Wolf und G., ein raffiniert ausgedachter Fragebogen zugestellt, den G. genau in demselben Sinn wie Wolf ausfüllte, was dieser als höchst wunderbar empfand. Ähnliche Erfahrungen machten Pechel, von Zitzewitz-Muttrin und von Puttkamer-Nippoglense, siehe Pecbe/, S. 223, 301. Seine Angaben werden hinsichtlich Zitzewitz bestätigt, durch K. B. vom 4. 9. Dr. Otto Schniewind berichtet mit (durch von zur Mühlen), daß G. bei der Gegenüberstellung frühere Aussagen widerrufen und da- durch Schn.s Leben gerettet habe. Über seine Gespräche mit General Halder von 1939-40 gab er K. B., 5. 9., einen langen Bericht, der aber Halder als»hitlerhörig« entschieden mehr entlastete als belastete. Rückhaltloser war der Bericht über Kluge, 21. 9., der aber damals schon lange tot war. Vgl. auch oben Kap. 15, Anm. 54(betr. Fall Jessen). S.440?K.B., 15.8. S. 440!#Unvollständiger Entwurf eines Gutachtens Speers: War Dept. Alexandria(EAP ı-a-28]3). Er deckt Vögler, Geheimrat Bücher, Generaldirektor Meyer(MAN, Augsburg), Geheimrat Reusch und nennt noch Löser. Nach den K. B. vom 4. 9. hätte G. außerdem noch genannt: Wenzel, Sauer- bruch, Graf Hardenberg, Prof. Woermann-Halle(der als Ministerkandidat verdächtigt wurde, aber mit dem Leben davonkam), Bosch-Heidelberg, Schacht, von Siemens-Berlin. Zu dem Ganzen vgl. auch den Kiesel-Bericht, a. a. O., S. zo f., der mit gutem Grund betont, daß es sich hierim allgemeinen 1 4 / richt um echt fszikel zeigt, Generals Fron Tode verurteil Kandidatur alt Prozeßberich 5, 440 Int hautz genanni handelt hab ließ, 4) weil dies b) weilini oweit diese n 3.440 2°5o Verhaftung(1 Sucken und F nten, Sg Ni 3,44®Dj “twortlich is Frühjahr 194; %*mühen um Seneralobers Prächsprotok 1 Rlossenbür “gefundene den Kapitel D.441 38 8. 4 HK; 443 Be Sys 907, noits»peinlich se ausgebombi n Frau Klatt- ı und benutzte >it Juni 44. Er n 18, 7. sprach ad seine Kofr an G. dort ge- ung noch eine un das Akten- tahl des Hotel- eschwätzigkeit e der von ihm Hansen, Fritz er, Trott, Wit-| mungen schon genauere At en, sehr unter“ » Vernehmun? lich war. Auch ‚auere Bericht chten über d# hr nachdrück iminalbeamte ), nach des“ ‚klagt, obwed ageslauf gen! 'g von Droge ‚Unsere Id| mh finder, io sedächtals: erf. wurde bei6* ‚|ben Sinn| achten Ped*|| Sechzehntes Kapitel- Das Ende 535 nicht um echte Widerstandskämpfer gehandelt habe.- Speer hat sich, wie das oben zitierte Akten- faszikel zeigt, auch sonst vielfach um die Rettung bedrohter Persönlichkeiten(unter anderem des Generals Fromm) bemüht.- Wenzel-Teutschental wurde(als einziger des Kreises?) am 13. 11. zum Tode verurteilt, weiler(beieinem Treffen in seinem Hause am 10. 11. 43) eine ihm von G. angebotene Kandidatur als Landwirtschaftsminister zwar abgelehnt, aber keine Anzeige gegen G. erstattet hatte. (Prozeßbericht im Archiv des War Dept., Alexandria.) S. 440"Interrogation Ernst Lautz’, 17. 6.48(War Dept., Alexandria). Es kann sich bei den von Lautz genannten Niederschriften nicht um die großen, später noch zu erörternden Ausarbeitungen gehandelt haben, die G. als eine Art von»politischem Testament« aus dem Gefängnis schmuggeln ließ, a) weil diese nie aus dem Gefängnis herausgelangt wären, wenn sie der Gestapo zu Gesicht kamen, b) weilin ihnen geradezu auffallend wenige Namen deutscher Oppositioneller genannt werden, soweit diese noch am Leben waren, dafür um so mehr ausländische Freunde und Bekannte G.s. S. 440 2°So war es uns erstaunlich, daß die Verfolgung unseres Freiburger Kreises mit meiner Verhaftung(1. 11.) ein Ende nahm, obwohl auch so bekannte Namen wie die der Professoren Walter Eucken und Erik Wolf und der Bischöfe Dibelius und Wurm der Gestapo als mitbeteiligt bekannt waren. S. 441?! Niederschrift des Wärters W. Brandenburg siehe unten. S. 441??Dies ist das Ergebnis des Huppenkothen-Prozesses von 1951. Die Frage, wer dafür ver- antwortlich ist, daß diese Aktenmasse nicht rechtzeitig(spätestens nach der Verhaftung Dohnanyis, Frühjahr 1943) vernichtet wurde, bedarf noch der Klärung. Wahrscheinlich ist Becks pedantisches Bemühen um historische Dokumentierung des Komplotts in erster Linie daran schuld. Wie mir Generaloberst Halder erklärte, wurden ihm vollständige, sorgsam geordnete Briefreihen und Ge- sprächsprotokolle Becks von der Gestapo vorgelegt. Den unmittelbaren Anlaß zur Hinrichtung aller in Flossenbürg noch lebenden Verschwörer hat aber(nach Sondereggers Aussage) das im April 1945 aufgefundene vollständige Tagebuch Canaris’ gegeben, das Hitlers besonderen Zorn erregte. S. auch oben Kapitel 12, Anm. 19. S. 441 228. IX., 14. IX., 28. IX., 12. X., 13. X., 14. X., io. XL, 14. XI, 30. XI., zo. XII, 5. I. usw. S. 443?*Kiesel-Bericht, a. a. O., S. 32. S. 443*®Bericht Dr. Gerhard Wolfs. S. 445 2° Zwei Berichte Thieracks für Bormann-Hitler am 8. 9.; der erste wurde auf Befehl Hitlers noch in der Nacht vom 7./8. verfaßt und ins Hauptquartier telegraphiert.- Ferner Beschwerde G.s in der großen Septemberdenkschrift(siehe unten). S. 445”” Vgl. den weiter unten zu erörternden Bericht W. Brandenburgs. S. 445%3Diese Vergleichung umfaßt allein 38 Seiten. Alle drei Stücke wurden mir 1950 von Herrn Dr. Mäding-Köln freundlichst übersandt, dem es nach langer Bemühung gelungen war, sie im Besitz der bearbeitenden wissenschaftlichen Mitarbeiterin aufzufinden. Ein Exemplar der Arbeit Goerdelers fand ich(nebst Original des Ablieferungsprotokolls vom 3. 1. 45) im April 1953 im Archiv des War Dept., Alexandria(Sign. 250-e-28. Goerdeler 11). Nach Angabe der Sachbearbeiter beim Reichs- sicherheitshauptamt, Abt. Ohlendorf, existierten 1945 drei Exemplare, von denen Nr. ı zur soge- nannten Führungsgruppe Süd gelangte, Nr. 2 in Mitteldeutschland sichergestellt wurde und ver- schwunden ist, Nr. 3 bei der Internierung der Reichsregierung Dönitz von englischen Behörden beschlagnahmt wurde. Siehe Mänchbeimer im Europa-Archiv V, 14, 1950, S. 3195; vgl. auch oben Kapitel 13, Anm. 58. Ich vermute, daß Nr. ı nach Washington gelangt ist. S. 446* Aufzeichnung des Oberregierungsrats Dr. Mäding vom 3. 4. 47 im Civil Internment Camp Fallingsbostel, mit dem ich in briefliche Verbindung kam. Hiernach auch das Folgende. S. 446 3° Beide letztgenannte Stücke fanden sich im Archiv des War Dept., Alexandria, und wurden für mich fotokopiert. Siehe oben Kapitel 2, Anm. 26 und Kapitel 3, Anm. 5. Bemerkenswert sindin der Denkschrift»Preisüberwachung« das Lob, das Goerdeler der hochentwickelten Technik der deut- schen Preiskommissariate spendet, und die sehr weitgehende Befugnis, die er ihnen in der fort- zeschrittenen Kriegswirtschaft zubilligt. Die Denkschrift über Selbstverwaltung bricht an der Stelle ab, wo nach den Gemeinden, dem Gemeindetag, den Kreisen und Gauen auch die wirtschaftlichen und sozialen Selbstverwaltungsorgane(Wirtschaftskammern, Arbeitsfront usw.) behandelt werden sollen. S, 447®!Briefliche Mitteilungen von Dr. Erich Kessler(Bundesministerium des Innern) an den Verf. und an Dr. v. z. Mühlen; bestätigt durch Ministerialrat Kettner(ehemals persönlicher Referent Stuckarts). Vgl. auch die Mitteilungen des Oberregierungsrats W. Muthmann bei Zeller, 5.98, Anm. ı. Nach einer brieflichen Mitteilung Dr. Mädings an den Verf. haben auf dessen Veranlassung h zZ ıkünfte von Bi ı der Abt. III mit solchen des Reichsinnenministeriums im kleinen Gästehaus des RSHA in Lichterfelde stattgefunden, in denen u. a. die Ausarbeitungen Goer- 536 Quellennachweis und Ergänzungen delers und Popitz’ besprochen wurden. Kaltenbrunner u. Himmler haben aber davon bestimmt nichts gewußt. S. 447°? Bei Mänchbeimer Europaarchiv V, Heft 14, S. 3195. Münchheimers Mitteilungen gehen zum Teil auf Auskünfte Dr. Mädings von 1947 zurück. Dieser betont jedoch, daß die Abt. III des RSHA mit ihren Aufträgen an G. und P. erst dann herantrat, als sie erfahren hatte, daß deren Hinrichtung aufgeschoben sei. Mäding vermutet, daß nicht etwa Ohlendorf den Strafaufschub erwirkt hat. Mäding hat indessen mit Zustimmung Ohlendorfs und Kaltenbrunners Ende Januar weiteren unbestimmten Strafaufschub für Popitz beantragt, mit der Begründung, dieser müsse Gelegenheit erhalten, seine Memoiren als wichtigen Beitrag zur preuß. Verwaltungsgeschichte zu schreiben. Für Goerdeler einen ähnlichen Antrag zu stellen, erklärte Ohlendorf für vollkommen aussichtslos, weshalb es unterblieb, S. 447°°* Mitteilungen von Frau Käthe Jessen(an v. z. Mühlen), auch über die Beziehungen Jessens zu Ohlendorf und Höhn. Diese Mitteilungen geben auch exakte Einzelheiten über die aktive Ver- schwörertätigkeit Jessens, hauptsächlich in der Paßabteilung beim Generalquartiermeister des Heeres, S. 448**Zur Deutung Himmlers vgl. meinen Aufsatz»Wunschträume Heinrich Himmlers am 21. Juli 1944« in der Zeitschrift»Geschichte in Wissenschaft und Unterricht« 1954, Heft 3. Dazu seine Rede vom 3. 8.44 in den Vierteljahrsheften für Zeitgeschichte 1953, S. 368 ff. Ferner das erste Kapitel in Trevor Roper, The last days of Hitler(1947). Hier viele aus mündlicher Überlieferung(be- sonders von Speer) stammende Einzelheiten über die Rolle Schellenbergs als Versucher Himmlers. Leider beziehen sich alle konkreten Details nur auf den Winter 1944/45 und April 1945. S. 448®®Vgl. die schon genannte Rede, die er nach dem zo. Juli vor seinen SS-Offizierenhielt, Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 1953, S. 368 ff.| S. 449°°Hassell, S. 205, 223. i S. 449” Trevor Roper, a.a.O. Auch Huppenkothen wußte von diesen Machenschaften(Prozeß- aussage, 6. 2. 51). S. 449®®Hassell, S. 311. Vgl. auch ebenda S$. 274(Oktober 42), 285(Dezember 42). S. 449®Siche auch Kapitel 15, Abschnitt II. Nach einem mir vorliegenden Bericht Gustav Dahren- dorfs hat dieser folgende Einzelheit aus dem Gespräch Popitz’ erfahren: Dieser erzählte Himmler von seinen Unterhaltungen mit Prof. C, Burckhardt. Himmler erkundigte sich, ob nach Burckhardts An- sicht England und Amerika zu einem Sonderfrieden bereit sein würden. Popitz erwiderte, er habe die gleiche Frage gestellt. Burckhardt habe geantwortet: mit Hitler nie,weil er nicht vertragstreu sei,wohl aber würde Himmler als möglicher Vertragspartner angeschen werden. Wenn diese Nachricht zu- trifft, hat natürlich Popitz den»Reichsführer SS« bewußt getäuscht. Dahrendorfs Mitteilung stammt aus der Lektüre der Polizeiakte Popitz-Langbehn, die ihm vorgelegen hat. Sie war ebenso wie die von Dulles S. 151 ff. benutzte Anklageschrift in einem geplünderten Eisenbahnwaggon gefunden worden. Graf Schwerin-Krosigk teilt mir brieflich folgendes mit:»Popitz hat Verlauf u. Inhalt seines Ge- sprächs mit Himmler dem Staatssekretär Stuckart, mit dem er sehr offen sprechen konnte, erzählt. Er hat mit einer Kritik an der inneren Verwaltung begonnen, praktische Reformvorschläge gemacht und sich vorsichtig immer weiter vorgefühlt. Himmler hat ebenfalls Stuckart über das Gespräch informiert und ihn beauftragt, mit Popitz wegen der Reform der inneren Verwaltung in Kontakt zu bleiben.« Diese Mitteilung erhellt offenbar die Hintergründe für die Aufsparung Popitz’ im Gefängnis wieder ein wenig mehr.- Herr O. Held, Gatte von G.s Nichte Eva Held, berichtet mir von einem sehr merk- würdigen Gespräch, das er(nach ganz bestimmter Erinnerung) im August 1938 mit G. hatte. Dieser habe berichtet,»einer unserer besten Freunde« sei kürzlich mit Himmler ins Gespräch gekommen, der seinerseits Hitler für verrückt erklärt habe. G. sei unsicher gewesen, ob das bloß ein»Aushorchen« war oder bloß Ausdruck eines momentanen Ärgers über Bevorzugung von Rivalen oder Symptom jener Neigung des SS-Führers, sich vom allgemeinen Parteikurs zu emanzipieren, die auch sonst wohl zu beobachten sei. Jedenfalls wünschte er weitere Information über diese Interna durch geeignete Verbindungsleute. Man dürfe keine Gelegenheit versäumen,»am Feind zu bleiben«, ohne sich vor seinen Wagen spannen zu lassen und ohne ihm Einblick in die eigenen echten Absichten zu gewähren. Das Datum erscheint unwahrscheinlich früh, Herr Held erklärt aber eine Verwechslung für"ausge- schlossen. S. 450 Persönliche Mitteilungen Wallenbergs an den Verf., auch über die weiter unten bespro- chene Einladung Himmlers, November 1944. Vgl. dazu auch Du/les, S. 145 f. S. 450#1 Cordell Hull, Memoirs II, S. 1573. S. 450#2 Hassell, S. 350(Juni 1944) S. 450#Huppenkothen berichtetin seinem Prozeß(6. 2. 51), Kaltenbrunner habe unmittelbar nach dem 20. 7. in größerem Kreise gesprochen und sehr positive Angaben über Besprechungen mit den Westmächten gemacht. Tode in einer Rom, Schwed Bkthge ging« sich vüber die Gefängnis Le tungen erhielt Dohnanyi hal Himmler zu k S.451 Gr ind ihre polit 3.452"Da 452@K, 3.453 MAu früheren Aufz Und weilbeiil erboten, jenen im wenigsten: Tah glaube dar Yird mein Er Yiesen Ruf( Kit den Engl; S.454'Na Fügnis, 6A Ragnis des R Wiederkehr d “tigt und S47 Mi Behr oder weı 457 Se tter) geschr 90 ausländisch Nine amtliche entdeckt du * Maschine S. 450“Kiesel-Bericht, a. a. O., S. 32 f. S. 451 Nach Huppenkothen(Prozeß 5. 1. 51) erbot sich Dohnanyi nach seiner Verurteilung zum stimmt nichts en gehen zum III des RSHA 1 Hinrichtung ct hat. Mäding unbestimmten »rhalten, seine oerdeler einen es unterblieh. F ungen Jessens! ie aktive Ver-} ter des Heeres.} Himmlers am! Heft 3. Dazt stner das erste tlieferung(be ner Himmler 5. )ffizieren hielt ten(Prozeh ustay Dahren Himmler va rckhardts An te, ex habe d i vobl streu sel, Nachricht zu eilung stamm! so wie die vol inden worden alt seines G“ te, erzählt. E e gemacht une ach informiet ‚t zu bleiben fängnis viel em sehr met“ hatte, Dies“ ekommeD, e „Aushorch“! der SpmplC ich sonst WÜ jrch geeig" ohne sich zu gewäbt® ‚ng für? sg“ unten besP” sie lung 2» I Sechzehntes Kapitel- Das Ende 537 Tode in einer durch Huppenkothen weitergereichten Botschaft an Himmler, seine Bezichungen nach Rom, Schweden und England diesem zur Verfügung zu stellen. Nach einer Zeugenaussage des Pastors Bethge ging dies auf eine Ende März übermittelte Bitte Himmlers(oder Kaltenbrunnets?) zurück, sich»über die Geschichte des letzten halben Jahres zu äußern«. Dasselbe Ersuchen erging an den im Gefängnis Lehrterstraße gefangenen Haushofer, der plötzlich Leseerlaubnis und andere Erleichte- rungen erhielt. Dohnanyi lag im Lazarett, der Gefängnisarzt Dr. Tietze bestätigte Bethges Angaben. Dohnanyi habe durch Sonderegger und Huppenkothen mehrfach versucht, zu einem Gespräch mit Himmler zu kommen, und es sei erwogen worden, den Kranken dorthin zu bringen. S. 451*°Graf Folke Bernadotte: Das Ende. Meine Verhandlungen in Deutschland im Frühjahr 1945 und ihre politischen Folgen. Zürich 1945. S. 452*"Das wird in den im Gefängnis geschriebenen Memoiren gelegentlich ausdrücklich betont. S. 452®K. B., 4. 12. Ich habe ohne Auslassung zitiert. S. 453* Aufzeichnung ohne Überschrift und Datum, nicht vor Januar 1945— dazu in einer etwas früheren Aufzeichnung(Anfang Weihnachten, Ende Januar):»Feigheit? Verrat? Gott wird richten. Und weilbeiihm, wie der 20. Juli bewiesen hat, das Gericht steht, deshalb habe ich mich im Gefängnis erboten, jenen Frieden ohne Elsaß-Lothringen, das verloren ist, auch dieser Regierung zu vermitteln, um wenigstens Volk, Vaterland und unsere Kinder und deren Zukunftin einem freien Lande zu retten. Ich glaube dazu in der Lage zu sein, weil ich die fremden Länder und Staatsmänner kenne usw. Man wird mein Erbieten ablehnen, denn man ist hochmütig und engherzig.« Gleich darauf nochmals: ‚Diesen Ruf Gottes«(der gerechter Richter ist)»vernehmend habe ich mich im Gefängnis erboten, mit den Engländern und Amerikanern eine Verständigung herbeizuführen.« S. 454°° Nachlaß. In engzeiliger Maschinenabschrift, 42 Seiten. Kam handschriftlich aus dem Ge- fängnis. $. 456®! Aus einem Manuskript: Widerstandskämpfer des 2o. Juli während ihrer Haftzeit im Ge- fängnis des Reichssicherheitshauptamtes. Ein kurzer Überblick und eine Erinnerung zur sechsten Wiederkehr des 20. Juli 1944. Mir vom Verfasser im Dezember 1950 zur Verfügung gestellt, brieflich bestätigt und ergänzt. $. 457°2Mißtrauisch äußerte sich mir gegenüber Dr. Josef Müller, der von allen diesen Wächtern mehr oder weniger Spitzelei befürchtete. S. 457°?Sie liegen in Goerdelers Handschrift vor, mit Bleistift auf kleine Papierbogen(Quart- blätter) geschrieben. Das Papier besorgte Brandenburg. Goerdeler, schreibt dieser, habe auch Briefe in ausländische Freunde geschrieben, die aber erst nach Kriegsschluß expediert werden konnten. Seine amtlichen Aufträge gaben offenbar G. die Möglichkeit, noch umfangreiche Privatschreibereien inentdeckt durchzuführen. Außerhalb der Zelle hat G.(nach Auskunft Brandenburgs) auch vieles in die Maschine diktiert; ich nehme an: Aussagen und amtliche Ausarbeitungen. S. 457°*Brief an Brandenburg. Diesem zusammen mit der Denkschrift»Unsere Idee« November 1944 übergeben. S. 457°@Nach dem Erscheinen der Erstauflage dieses Buches meldete sich bei mir Regierungsrat Hermann Abendroth, der seit Juni 1944 als Sonderbeauftragter des Reichswirtschaftsministeriums in dm von Schellenberg geleiteten Auslandsnachrichtendienst der Zentralbehörde Himmlers(Abt. VI Vi 2 RSHA) tätig war, und berichtete mir von zwei Unterhaltungen, die er(mit Einverständnis Schellenbergs) mit Goerdeler hatte. Ich habe deren Verlauf in der 3. Auflage S. 437 f. wiedergegeben, Werzichte aber, da mir kein Zusammenhang mit dem, was Brandenburg berichtet hat, zu bestehen stheint, auf Wiederholung in der Taschenbuchausgabe. Abendroth teilte mir später mit, er habe von Buppenkothen erfahren, daß dieser einen Brief Goerdelers an Himmler gesehen hätte, der diesen auch erreicht habe. $. 459°°Zu Anfang des Briefes bittet G. den schwedischen Freund, seiner Familie zu helfen, die it drei Monaten in Sippenhaft ist, womöglich(mit Unterstützung des schwedischen Kronprinzen) ihre Überführung nach Schweden zu erwirken. Ferner: das Manuskript seiner» Wirtschaftsfibel« äm Druck in Schweden zu bringen. G. erhofft davon einen Welterfolg, Übersetzung»in alle Spra- den« usw. Der Ertrag könnte zum Unterhalt seiner Familie dienen. Nach der Aussage von Dr. Josef Müller im Huppenkothenprozeß(9. 2. 51) hätte G. auch noch einen(nicht beförderten) Brief an den Bipst mit der Bitte um Friedensvermittlung geschrieben. S. 459 5%168 Seiten Handschrift auf Quartblättern. S. 460 5” Niederschrift»Im Gefängnis, Weihnachten 19444, in der Maschinenabschrift sechs Seiten iügzeilig. Schon oben Anm. 49 zitiert. Am Schluß:»Gefängnis Januar 1945 im Angesicht des Todes ütdin Liebe zu den jungen Menschenkindern aller Völker.« S. 460 88Memoirenhafte Niederschrift ohne Titel, vorzugsweise für die Familie bestimmt, jäh ab- iischend mit der Schilderung seines ersten Londoner Besuchs 1937, undatiert, nicht vor Januar 1945, im folgenden»Januardenkschrift« genannt. In der Abschrift 34 engzeilige Maschinenseiten.-»Er- 538 Quellennachweis und Ergänzungen fahrungen und Erkenntnisse, Geschrieben im Januar 1945 im Gefängnis«, in der Abschrift 13 eng- zeilige Maschinenseiten. Enthält einen geschichtlichen Rückblick auf die Geschichte des 19. Jahr- hunderts mit der zu Anfang ausgesprochenen Absicht, die unerhört vielseitigen politischen Erfah- rungen der jetzt noch lebenden älteren Generation für die Nachwelt festzuhalten. Der Aufsatz ver- liert sich zuletzt in Detailprobleme der modernen Stadtverwaltung bis zu den Abwässeranlagen, bricht $.13 mitten im Satz ab,-»Der wahre Frieden«, undatierbar, aber»im Angesicht des Todes« geschrieben. In Abschrift sieben Seiten engzeilig. Will aufzeigen,»welche Ursachen die Welt in Unordnung, Unruhe, Unglück und Armut gestürzt haben«, mit Mahnungen an die Nachwelt. S. 461®Diesen Eindruck bestätigt mir Prof. von Dietze, der ihm schon Ende September gegen- übergestellt wurde, S. 463°° Aussage im Huppenkothenprozeß, 9. 2. 51. S. 465 So die aus dem Amt Oblendorf stammende Nachricht bei Müncbbeimer, Europa-Archiv V, 14, S. 3195. Der damalige Anklagevertreter beim VGH Oberreichsanwalt Lautz erinnert sich, damals gehört zu haben, Thierack habe bei Hitler Vorstellungen gegen den weiteren Aufschub der Hinrich- tung erhoben. Er kann aber die Quelle nicht mehr nennen. Die Verfügung, die G.s Exekution an- ordnete, trug nach seiner Erinnerung Thieracks Unterschrift(briefl. Mitteilung an d. Verf.). G. Dah- rendorf erinnert sich, in der oben Anm. 39 genannten Polizeiakte gelesen zu haben, daß Thierack fort- laufend bei der Gestapo nachfragte, warum Popitz noch nicht exekutiert sei, und bis Ende Januar damit abgefunden wurde, er werde noch zu Vernehmungen gebraucht. Langbehn, der zusammen mit Popitz am 3. 10. verurteilt war, wurde schon am 12. 10. hingerichtet. S. 465®Huppenkothenprozeß, 9. 2. 51. S. 465®®Nach den in der Schrift»zo. Juli 1944«(Sonderausgabe der Wochenzeitung»Das Parla- ment« 1953), S. 81 abgedruckten Augenzeugenberichten der ersten von Hitler selbst angeordneten Hinrichtungen wird man annehmen dürfen, daß es sich, auch im Fall Goerdeler, wenigstens um einen sehr raschen Tod gehandelt hat- entgegen mancherlei Gerüchten. Anhang Dokument] Aus der Nie set 1944 im Text$, 297 ‚Ich müß Auge habe ı it(noch g Zustand De ler außenpo 1. Das Rech nur nach« müssen ir Umfange bringen,] "Die Pers Lehre, de Setzes ver geordnet Die Press Aufzuerleg denn der Presse du gesetzlich N Grundlag Auch die| Gebieten Der Fami baus, Das fichtung| kinderlos, Mit Mind. Das Erzie Schule, dı Mittelsch, Ur Elter, Schule, Auf all Fe](sch Vittschaf, Werden 2 Vitderher Unter Au Öllepe.g Verden zı Alkn Erzi \ giong "sche, schrift 13 eng« te des 19, Jahr: litischen Erfıh« Jer Aufsatz ver: tanlagen, bricht es« geschrieben, in Unordnung sropa-Archiv\ yert sich, damas ub der Hinric- s Exekution at- Verf). G, Dil“ ‚ß Thierack for« bis Ende Janw g zusammen 1 ung»Das Park| st angeordnet jgstens UM ein Anhang Dokument I Aus der Niederschrift Goerdelers:»Gedanken eines zum Tode Verurteilten- Septem- ptembes gegen] ber 1944 im Gefängnis«: Über den künftigen inneren Zustand Deutschlands.(Zum Text S. 297 ff.) ‚. Ich müßte jetzt den europäischen Zustand schildern, den ich(als Zukunftsziel) im Auge habe und der den unseres Vaterlandes mit umschließt. Da ich aber nicht weiß, ob mir(noch genug) Zeit zur Verfügung steht, stelle ich zunächst dar, welchen inneren Zustand Deutschland braucht, um zu gesunden und zu bestehen, denn ohne ihn wäre der außenpolitische und lebensnötige Stand nicht zu erreichen und zu halten. 1, Das Recht muß in der Hand unabhängiger Gerichte gesichert werden. Diese dürfen nur nach dem Gesetz, nicht nach Weltanschauung Recht sprechen. In die Gerichte müssen in allen Instanzen auch angesehene Laien, in die Richterstellen in großem Umfange Rechtsanwälte berufen werden, um Lebensnähe in die Rechtsprechung zu bringen. Immer zwei Instanzen! 2, Die Persönlichkeitsrechte: Freiheit der Meinung, des Gewissens, der Religion, der Lehre, des Körpers müssen gegen jeden Eingriff, den nicht der Richter kraft Ge- setzes verfügt, geschützt, aber durch Verfassung und Gesetz unter das Gemeinwohl geordnet werden. 3, Die Presse darf keine schrankenlose Freiheit erhalten, ihr ist die Pflicht zur Wahrheit aufzuerlegen. Unwahrhaftigkeit wird, auch wenn sie nicht beleidigend ist, bestraft, denn der Mißbrauch der Meinungsfreiheit in der Presse ist untragbar. Ordnung der Presse durch Ehrengerichte, deren Zusammensetzung und Zuständigkeit der Staat gesetzlich bestimmt. Grundlage des staatlichen Wirkens müssen Anstand und Lauterkeit sein, sie müssen auch die Beziehungen der Menschen untereinander bestimmen, und zwar auf allen Gebieten des Zusammenwirkens. j, Der Familie gebührt besonderer Schutz als der Zelle staatlichen und völkischen Auf- baus. Das geschieht durch Zuweisung der Erziehungsaufsicht an sie und durch Er- tichtung einer Kinder-Rentenkasse, die kinderreichen Familien Renten zu Lasten kinderloser oder kinderarmer zuweist; außerdem ist das Wahlrecht für Verheiratete mit mindestens drei Kindern bei dem Vater ein doppeltes. 6, Das Erziehungswesen ist zu vereinfachen: drei Jahre Grundschule, fünf Jahre Volks- schule, drei Jahre Fortbildungsschule, neun Jahre höhere Schule oder sechs Jahre Mittelschule. In höheren Schulen zum Zwecke der Einheit und der Erleichterung für Eltern und Kinder nur: Gymnasium der humanistischen Form und Oberreal- schule. Auf allen Schulen ab 15. Lebensjahr Volkswirtschaftskunde an Hand einfacher Fibel(schon verfaßt), so daß alle Deutschen gegen die Pest der Gegenwart, gegen wirtschaftliche Illusionen, geimpft sind. Universitäten und technische Hochschulen werden zusammengelegt, um die Einheit des Wissens und seinen umfassenden Inhalt , wiederherzustellen. Sie und die Studenten erhalten das Recht der Selbstverwaltung unter Aufsicht des Staates. Eine Universität(Heidelberg) wird nach englischem College-System versuchsweise eingerichtet. Die hauptamtlichen Kuratorenstellen werden zur Ersparnis eingezogen. Die Reichsstatthalter üben die Aufsicht aus. In allen Erziehungsanstalten Höchstanforderungen zur Erzielung höchster Leistungen. Religionsunterricht bis zum 14. Lebensjahr, wenn die Eltern nicht das Gegenteil ‚wünschen, damit die Jugend wieder die Zehn Gebote lernt und beherzigt. Über den 11 540 Anhang Religionsstand bestimmen die Eltern bis zum 18. Lebensjahr. Der Unterricht darf nur| von den dazu bereiten Lehrern oder Geistlichen erteilt werden. 7. Die Kirchen erhalten das Recht der Selbstverwaltung und verlieren die Staatszu- schüsse; sie finanzieren sich selbst. Die evangelische Kirche erhält Steuerrecht nur, wenn sie sich vereint nach dem Synodalsystem(Mitwirkung von Laien). Die katholische Kirche nur, wenn sie einen deutschen Primas stellt, der für Be- stätigung höherer Kirchenstellen-Besetzungen zuständig wird. Die Kirchen erhalten Freiheit der Betätigung zur praktischen Übung ihrer Lehre, insbesondere auf dem Gebiet der Wohlfahrt, der Krankenpflege, der Erziehung. Ihre Einrichtungen stehen im Wettbewerb mit denen des Staates, der Gaue und Kreise und der Gemeinden. 8. Die Verfassung baut sich auf der Selbstverwaltung großer Gaue, der Kreise und Ge- meinden auf. Ihnen sind alle Aufgaben zuzuweisen, die nicht der Reichseinheit wegen vom Reiche wahrgenommen werden müssen. Das Reich behält: . das Rechtswesen, . die Wirtschaftspolitik, einschließlich Sozial- und Arbeitsrecht, . die Innenpolitik, . die Außenpolitik, . die Finanzpolitik, . die Grundsätze des Erziehungswesens und das Kirchenwesen, . die Grundsätze für den Wiederaufbau, die öffentlichen Arbeiten des Reiches, .das Reichsverkehrswesen und die Aufsicht über den öffentlichen Verkehr ein- schließlich Luftfahrt, 9. das Wehrwesen. Zu 2: Im Wirtschaftsministerium ein Staatssekretär für Sozialpolitik. Kein Arbeits ministerium, da Wirtschaftspolitik die auf Ausgleich gerichtete Sozialpolitik mit umfaßt. Zu 8: Vom Reichsverkehrsminister beaufsichtigt: a) der Generaldirektor der Reichsbahn, b) der Generaldirektor der Reichspost, c) der Generaldirektor der Luftfahrt. Unter ihm je ein Staatssekretär für a) Landstraßen, b) Wasserstraßen und Häfen. Die Gaue verwalten selbst: a) Universitäten, b) Wohlfahrtswesen soweit von den Kreisen übernommen c) Gesundheitswesen} oder bisher üblich, d) Landesmeliorationen, e) Friedens-, Kreis- und Gaugerichte. Die Landgerichte werden durch Erweiterung der Zuständigkeit der Friedens- und Kreisgerichte, letztere in kollegialer Zusammensetzung(mit Laien) entbehrlich. Das Reich errichtet selbst alle Gerichte, besetzt aber selbst nur das Reichsgericht. f) die Gaustraßen, g) ihr Vermögen, h) die ihnen vom Reich übertragenen Aufgaben, i) solche Aufgaben ihrer Kreise, die sie von diesen mit deren Zustimmung über: nommen haben.| Die Kreise verwalten: a) Höhere Schulen, b) Wohlfahrtswesen soweit nicht an Gaue abgetreten oder c) Gesundheitswesen} soweit von Kreisen übernommen, d) Kreismeliorationen, onuau pw rn. e) Kre f)ihr‘ g) die i h) solcl über Die Gemeir in Reichshel #:inden über: Die Aufsich eichsstatthalt zur Ausüh ‚@enund Ber: Dr Aufsicht| Blng und« inung bleib Eitderen Wa "den örtlic St der Zusti, röht oder Sc “ Qung festpx Errineten we je Reichsstatt © Ratsherrer De ellt, die im A die im I che Gewe FM Politischen x, Nicht me Oft hei ei de, ist da, schen und © nicht durc ®"erren der 1 Allen des & oe 20-50 “eilt, di Oper, ge) dern, len Bi ü rötdnet En aber: Der en in Ki £ Rreisyeng richt darf nur die Staatszu, uerrecht nut t, der für Bef chen erhaltet dere auf der” Meinden übernommen sind. tungen steht! meinden. reise und Ge: Reichseinhti - Die Aufsicht beschränkt sich auf die Gesetzmäßigkeit der Handlungen der Selbstver- Reiches, Verkehr ei“ Kein Arbeit” zialpolitik 04 Friedens“"| behrlich richt. immung \2Die Gauverordneten(50-80), Verteilung auf die Kreise erfolgt analog der auf die Dokument I e) Kreisstraßen, f) ihr Vermögen, insbesondere ihre wirtschaftlichen Unternehmen, g) die ihnen vom Gau übertragenen Aufgaben, h) solche Aufgaben ihrer Gemeinden, die sie von diesen mit ihrer Zustimmung übernommen haben. Die Gemeinden verwalten alle Aufgaben der örtlichen Gemeinschaft, soweit sie nicht mn Reichsbehörden betreut werden oder von den Kreisen mit Zustimmung der Ge- Die Aufsicht über die Selbstverwaltung der Gaue, Kreise oder Gemeinden führt der Reichsstatthalter; diese Zusammenfassung schafft Vereinfachung. Der Statthalter soll ich zur Ausübung reisender Beamten bedienen, die an Ort und Stelle nach dem Rechten “hen und Berichtswesen vermeiden. Das schafft die zweite wesentliche Vereinfachung. Wltung und erstreckt sich nicht auf die Zweckmäßigkeit. Die deutsche Gemeinde- ütdnung bleibt bestehen. An Stelle der Ernennung der Ratsherren durch die NSDAP fitt deren Wahl, sobald die Soldaten zu Hause sind. Bis dahin werden die Ratsherren von den örtlichen Berufsorganisationen alter Art bestellt. Der Oberbürgermeister be- dirf der Zustimmung der Ratsherren für alle Entschließungen, durch die die Steuern thöht oder Schulden eingegangen werden. Sonst hat er sie nach dem in der Gemeinde- Otlnung festgelegten Verfahren nur zu hören. Der Oberbürgermeister und die Bei- %ordneten werden von den Ratsherren gewählt und bedürfen der Bestätigung durch den Reichsstatthalter. Die Gemeindewahlen erfolgen in kleinen Bezirken, die der Zahl Ätr Ratsherren(5-60) entsprechen. Für jeden Bezirk werden vier Kandidaten auf- stellt, die im Bezirk wohnen und 30 Jahre alt sein müssen. Die Aufstellung erfolgt lücch die im Bezirk hauptsächlich vertretenen Berufe(Wirtschaftsgruppen), durch die (ıtsche Gewerkschaft und die politischen Bewegungen; jede stellt einen Kandidaten, lt politischen Bewegungen zwei. Von den vier Kandidaten ist gewählt, wer die mei- fen, nicht mehrsten Stimmen hat. Also weder Verhältniswahl noch Stichwahl. Ob ter bei weiterer politischer Entwicklung Änderungen des Wahlsystems notwendig erden, ist dann zu entscheiden. Vorerst verlangt die unpolitische Veranlagung der Deutschen und ihre Entwöhnung von der Politik vorsichtiges Vorgehen. Da lasse man ih nicht durch die Westmächte beirren. Die Kreistagsabgeordneten werden von den lasherren der Gemeinden gewählt, die zum Kreise gehören, denn die Gemeinden sind de Zellen des Kreises. Die Zahl der Kreisverordneten beträgt je nach der Größe des Ättises 20-50. Diese werden auf die Gemeinden entsprechend der Größe der Gemein- &t verteilt, die Ratsherren kleiner Gemeinden treten zur Wahl zusammen in einen Vahlkörper. Das Kreisstatut kann die Verteilung mit Genehmigung des Reichsstatt- klters ändern, um ländlichen Gemeinden angemessenen Einfluß gegenüber städtischen Asichern; in jedem Falle müssen ländliche Gemeinden mindestens zwei Fünftel der Kisverordneten wählen. Die Kreisverordneten brauchen nicht Ratsherren zu sein, Nüssen aber im Kreise wohnen. Gemeinden über 25 ooo Einwohner bilden einen Stadt- keis, Die Kreisverordneten wählen: iden Landrat, der der Bestätigung durch den Reichsstatthalter bedarf; die höheren Beamten stellt das Reich zur Verfügung, um Ausbildungsmöglichkeiten zu haben, der Kreis bezahlt sie. “Gemeinden; das Gaustatut kann Änderungen festsetzen, die Landkreise müssen Tindestens die Hälfte der Gauverordneten stellen. Diese müssen später fünf Jahre Gemeinde- oder Kreisverordnete gewesen sein, um Erfahrung in der Selbstverwal- üng nachzuweisen. Die Gauverordneten bilden den Gautag. Dieser wählt den Landeshauptmann, der die Gauselbstverwaltung leitet, | 542 Anhang 2. die Landesräte, seine Mitarbeiter. 3. Die Hälfte der 300 Reichstagsabgeordneten; diese werden auf Gaue nach der Ein. ordnung zu erlassen. ı und 2 bedürfen der Bestätigung des Statthalters. wohnerzahl verteilt, müssen im Gau wohnen, 35 Jahre alt und fünf Jahre in der’ei Selbstverwaltung tätig gewesen sein. Die Kreis- und Gauordnung sind als Reichsgesetz nach dem Vorbild der Gemeindt- An der Spi jeschlagen, ı Die andere Hälfte der Reichstagsabgeordneten werden von den fünfundzwanzig Iemobilmac jährigen Deutschen in 150 Wahlkreisen gewählt, auch sie müssen 35 Jahre alt und mit- Reichstag u. destens fünf Jahre in öffentlichen Ehrenämtern tätig gewesen sein. Für jeden Wahlkreis Mir ersche werden vier Kandidaten aufgestellt nach dem Muster für Gemeindewahlen. Gewählt reterwendis ist der Kandidat, der die meisten Stimmen erhält, also auch hier weder Verhältnis- noch'ollnicht te Mehrheitswahlrecht. Die Kandidaten müssen im Wahlkreise wohnen. dis Hohenz Neben dem Reichstag wird ein Reichsständehaus errichtet. Ihm gehören an 4 B.den Kr a) die Leiter der Reichsgruppen(Wirtschaft), hoben wer b) die Präsidenten der Reichswirtschaftskammern, leiben, dess c) die Leiter der sonstigen Reichsberufsgruppen(Ärzte, Anwälte, Beamte, Techniket, Viedecholur Künstler usw.), d) je drei evangelische und katholische Bischöfe, Die Verw; e) die Rektoren der Universitäten, Tatsache, da f) die gleiche Zahl Vorstandsmitglieder der deutschen Gewerkschaft wie Betriebsführtt Nesornicht i zu a-C, k Itermöbe) g) bis zu 50 angesehene Deutsche aller Stände, die 5o Jahre alt sein müssen und VOR|tarbeiter ye Generalstatthalter berufen werden.(erantwort, Die Reichsregierung arbeitet als Kabinett, also in Beschlußfassung mit Führun Ungerhöher durch den Reichskanzler. Minister, die seine Richtlinien nicht billigen, scheiden aus Us Ende bes Die Minister werden vom Generalstatthalter berufen. Sie bedürfen nicht des Vertrauen Venig Ge der Reichshäuser. Er hat sie aber abzuberufen, wenn der Reichstag mit Zweidrittel&reinzelner mehrheit oder beide Häuser mit einfacher Mehrheit dies verlangen und gleichzeitig eit Weitejn Ir neue Regierung namhaft machen. Erlich, Wir Die Regierung kann Gesetze mit und ohne Zustimmung des Reichstages erlassen. In Dltische p, letzteren Falle muß sie das Gesetz aufheben oder zurücktreten, wenn beide Häuser ai erden dürf, Mehrheit, davon mindestens eines mit Zweidrittelmehrheit es verlangen. So hat sieeit Olksheyye\ nicht nur auf Notzeiten beschränktes Führungsrecht und ausreichende und doch kon ug, trollierte Führungsmöglichkeiten. Der Zustimmung der Reichshäuser bedarf sie imme!& Volke, a) für das Etatsgesetz, Kür y 1 b) Steuergesetze, itvick, 5 = E< c) Verträge mit dem Ausland, Der Porter, er d) Zollgesetze. hen, D) Auch die Reichshäuser können mit übereinstimmenden Beschlüssen Gesetze mache) ES solche mit finanziellen im Etat nicht vorgesehenen Auswirkungen aber nur mit Zufa Pehl stimmung der Regierung. Der Reichstag allein ist zuständig für die Kontrolle der Eirhy,, 54 haltung des Etatsgesetzes durch die Regierung. Verweigert er die Entlastung, so ist[e) Ueeien Ständehaus zu hören. Verweigert auch dieses, so ist die Regierung verantwortlich, cely,, Beanstandung nachzukommen, im anderen Fall entscheidet ein Ausschuß endgültig,£üt den beide Häuser je die Hälfte der Mitglieder ernennen und der vorm Präsidenten[e.] 0 Rechnungshofes ohne Stimmrecht geleitet wird. Die Reichsregierung bedient sich zU]%, Durchführung ihrer Aufgaben| 1. der Gauselbstverwaltung, gegen Erstattung der Unkosten, Alk 2. der Statthalter, ie a 3. besonderer Behörden(Finanzämter, Arbeitsämter usw.). j Die Arbeitsämter werden im Zuge der Reform der Arbeitslosenversicherung von Reichswirtschaftskammer übernommen. nach der Eit 1f Jahre in de der Gemeindt infundzwanzg ‚re alt und mx eden Wahlkte ahlen, Gewin Terhältnis- na ren an Dokument I 543 % - Dies ist der ungefähre Aufbau der Reichsverfassung und Verwaltung. Man muß auf der den Deutschen am meisten auf den Leib geschnittenen Selbstverwaltung aufbauen, die das 19. Jahrhundert so glanzvoll gestaltete. Also keine Wiederholung des Bismarck- ttiches, keine des Weimarer, keine des Dritten Reiches, vielmehr aus allen Erfahrungen dıs Beste. An der Spitze des Staates vorläufig ein Generalstatthalter, der von der Regierung vor- geschlagen, erstmals nur vom Ständehaus gewählt wird, da Wahlen erst nach voller mte, Techn e Betriebsfüht® yüssen und"IP g mit Führt 0, scheiden t. des Vertti@® mit Zweidti gleichzeitig? i ages erlassel yeide Hau! .n. So hat®“ do I a|\ lie Volksbewegung soll ihnen bei der Aufstellung der Kandidaten Rechnung tragen. darf sie| Demobilmachung möglich. Amtsdauer fünf Jahre. Später Wahl durch beide Häuser (Reichstag und Ständehaus) in gemeinsamer Sitzung. Mir erscheint für unser Volk die erbliche Monarchie als beste Staatsführung. Unser wetterwendisches, unpolitisches Volk bedarf des Ballastes im Staatsschiff. Der Monarch soll nicht regieren, sondern über die Verfassung wachen und den Staat repräsentieren. Das Hohenzollernhaus und die Wittelsbacher könnten würdige Monarchen stellen, ıB. den Kronprinzensohn Prinz Friedrich. Kann die Monarchie nicht in den Sattel &hoben werden, dann muß es beim Generalstatthalter oder Reichspräsidenten ver- bleiben, dessen unbeschränkte Wiederwahl möglich sein muß und der bei der dritten Viederholung seiner Wahl auch auf Lebenszeit gewählt werden kann. Die Verwaltung muß ganz auf äußerste Sparsamkeit abgestellt werden, eingedenk der Ttsache, daß das Volk allein die Mittel erarbeitet, die der Staat usw. verbrauchen. Bevor nicht jeder Deutsche sein behagliches Heim hat, gehören in die Amtsräume weder Polstermöbel noch Teppiche. Erst müssen die Wohn- und produktiven Arbeitsstätten &tarbeitet werden. Wenig, aber ausreichend bezahltes Personal, dem Selbständigkeit und Verantwortung anerzogen und gewährt werden muß. Zutrauen und Selbstverantwor- lüng erhöhen die Leistungen der Menschen. Wer eine Sache wirklich verantwortlich bis as Ende bearbeitet, muß sie auch unterzeichnen dürfen. Wenig Gesetze, wenig Verordnungen. Wie in der Selbstverwaltung muß man auch den einzelnen Staatsbürgern gestatten, Dummheiten auf eigene Kosten zu machen. Nur weit ein Interesse der Allgemeinheit besteht, sind obrigkeitliche Regelungen erfor- &rlich. Wir sind in der Vielgesetzgebung geradezu entartet. Um so lange als möglich " politische Parteien zu vermeiden, von denen immer nur die drei stärksten zugelassen verden dürfen— die von den schwächeren Gruppen Gewählten scheiden aus-, ist eine Volksbewegung auf breitester Grundlage zu entwickeln, die zunächst von der Regie- fung, später selbständig zu führen ist. In ihr sind auch Oppositionsgruppen gestattet, \fäter mögen sich daraus Parteien- konservativ- liberal— Sozialisten- Kommunisten entwickeln. Der Marxismus hat abgewirtschaftet und kann nicht wieder Grundlage iner Partei werden, ebensowenig ist den Kirchen gestattet, über Parteien Politik zu mchen. Doch läßt sich in dieser Richtung nichts dogmatisch festlegen. Hier beginnt dt politische Kunst, wie sie Bismarck meisterhaft geübt hat. Im Staat machte er nur den Fehler, die Arbeiterbewegung zu bekämpfen und so Arbeiter zu Gegnern statt zu Ttigern des Staates zu machen. Der Staat muß nur dafür sorgen, daß möglichst wenig Arteien politisch wirken, ideal: eine für die Regierung, eine gegen die Regierung. Der Suat hat ferner die Aufgabe, die Arbeiter zu Mitträgern der Verantwortung für den Saat zu machen. Auf drei Gebieten: Verfassung- Außenpolitik- Sozialpolitik müssen vir das Beste aus den großen Erfahrungen ziehen, die die ältere Generation in drei \aatssystemen Deutschlands: Kaiserreich, Weimarer Reich und Drittes Reich und aus rt Tatsache hat schöpfen dürfen, daß in den letzten 30 Jahren alle nur denkbaren Politischen, wirtschaftlichen und sozialen Systeme in der Welt ausprobiert sind, le! Wirtschafts- und Sozialpolitik Die deutschen Arbeiter und Angestellten ab 18. Lebensjahr sind in einer deutschen Gewerkschaft durch Gesetz als Pflichtmitglieder zusammenzuschließen. Sie erhält alle | 544 Anhang Selbstverwaltung, wählt also ihre Organe selbst, muß sich aber so gliedern, wie dit gewerbliche Wirtschaft in Gruppen gegliedert ist oder wird. i Diese Gewerkschaft muß .die Sozialversicherung, mit Ausnahme der Unfallversicherung, aller Art selb# betreuen. Nur die Arbeiter und Angestellten zahlen— gegen entsprechende Lohs- - erhöhung- Beiträge. Die von der Gewerkschaft verwalteten Versicherungsanstaltn stehen unter Aufsicht des Staates; 2. die Tarifverträge mit den Unternehmergruppen abschließen, bei Streitigkeiten ent scheiden Schiedsgerichte, deren oberstes, von der Reichswirtschaftskammer einge richtet, verbindliche Sprüche fällt; . die Kandidaten der Belegschaften in doppelter Zahl benennen, die von diesen 21 wählen sind in a) Vorstände der großen b) Aufsichtsräte aller c) Vertrauensräte aller Wirtschaftsbetriebe; 4. ihre Vertreter in die Wirtschaftskammern entsenden; . sonstige vom Staat usw. gewünschte Vertreter, z. B. in das Ständehaus, entsendei und Arbeit leisten. Um diese Aufgaben zu erfüllen, muß sich die Gewerkschaft auch territorial gliedern, und zwar bis zu Bezirken der Wirtschaftskammern. Örtliche Dienststellen sind gt- stattet. Die Gewerkschaft darf eigene Wirtschaftsbetriebe haben, und zwar auf allen Gebieten, die aber nach wirtschaftlichen Grundsätzen betrieben werden müssen, also keine Zuschüsse empfangen dürfen und daraufhin vom Staate beaufsichtigt werden. Dadurch werden übertriebene Sozialisierungswünsche der Arbeiter beseitigt. Was die Sozialisierung betrifft, so ändert sie am Lose der Arbeiter nichts. Auch ein Kohlenberg- werk des Staates ist dem Wettbewerb zumindest des Auslandes ausgesetzt, dieser bc- stimmt die Preise, der Arbeiteranteil am Ertrage kann nur durch Leistung und Wirt- schaftlichkeit gesteigert werden. Aber die Sozialisierung der Bodenschätze und der det ganzen Wirtschaft dienenden Monopolbetriebe(Eisenbahn, Post, Elektrizitätsversor- gung, Gas, Wasser), die Monopole sein müssen, weil Wettbewerb unwirtschaftlich wäre— doppelte Gleisanlagen, Rohrleitungen usw.-, entspricht den Forderungen der sozialen Gerechtigkeit. Ich habe das in sechs Aufsätzen»Die wirtschaftlichen Grund- gesetze der deutschen Gemeindeordnung« ausgearbeitet, die in der Zeitschrift»Det deutsche Volkswirt« 1935, 1936 oder 1937 erschienen sind. Sie sind beim Reich, Gau, Kreis oder Gemeinden zu sozialisieren, d. h. in Gemeic- eigentum zu überführen, aber ebenfalls nach rein wirtschaftlichen Grundsätzen ZI betreiben, d. h. ohne Fremdzuschüsse müssen sie sich selbst erhalten. Nach Möglichkeit sind sie z. B. in der Kohlenwirtschaft zu dezentralisieren, so daß auch zwischen ihnen noch leistungssteigernder Wettbewerb herrscht. In sozialisierten Betrieben haben da Arbeiter die gleichen Vertretungen im Vorstand, Aufsichtsrat usw. wie in großen Kapitalgesellschaften. Große Kapitalgesellschaften sind solche, die mehr als 5o Millionen Goldmar* anonymes Kapital haben. Für sie gilt a) im Aufsichtsrat hat das Reich einen Bevollmächtigten, b)in den Aufsichtsrat und in den Vorstand entsenden die Arbeiter und Angestellter Vertreter, in jenen für drei Jahre drei, in diesen für sechs Jahre einen bis zwei; die Gefolgschaft wählt sie aus Listen, die die deutsche Gewerkschaft aufstellt. In sonstige Kapitalgesellschaften entsenden die Arbeiter und Angestellten zwei Ver treter in den Aufsichtsrat. In Konzerne, Trusts und Syndikate entsendet das Reich einen Bevollmächtigten ix den Aufsichtsrat oder das gleichstehende Organ, der auch das Recht hat, jederzeit jede Auskunft und jede Einsicht zu verlangen. Zweck dieser Bestimmung ist, einzugreifen, wenn die Zusammenfassung sich als wirtschaftswidrig oder wirtschaftlich nicht nof KeN | Gesellschaften, “ endig erwe nlisierunge schaftliche E solcher Exist Also Förderu «urch eine$ Die Wirts Auen, die ic 2b 15. Leben > schaftsablauf deiner kapit Über- und} > Wirtschaft,\ 2 verlangı und «ıß der intel fit ihn ein} betrachtet ur "Betrieb ihm «ind Wichtig Fr, ihren\ «ts Betriebe etantwort Tligerschafi Dokument] Goerdeler ü Mus seiner ] Deneinen Y Dokument II cdern, wie\yendig erweist. Dann kann das Reich die notwendigen und wirtschaftlichen Dezen- tralisierungen verlangen. Denn es muß Ziel sein, möglichst viele selbständige wirt- - schaftliche Existenzen zu schaffen, die auf eigene Verantwortung wirtschaften. Je mehr solcher Existenzen in Klein- und Mittelbetrieben, desto besser für die Volkswirtschaft. echende Lois Also Förderung des Mittelstandes in Stadt und Land, aber ohne Subventionen, dagegen rungsanstald@ urch eine Steuerpolitik, die die Klein- und Mittelbetriebe entlastet. Die Wirtschaftspolitik muß sich streng auf die wirtschaftlichen Naturgesetze auf- iitigkeiten®"hauen, die ich in der»Wirtschaftsfibel« dargelegt habe. In ihr müssen alle Deutschen kammer eitf# ab 15. Lebensjahr geschult werden. Vor 100 Jahren war das nicht nötig, da der Wirt- i schaftsablauf sich in Kleinbetrieben übersichtlich vollzog, denn die Betriebe bedurften von dies" keiner kapitalfressenden Maschinen. Jetzt ist in allen Ländern der ganzen Welt die Über- und Einsicht verlorengegangen und daher eine Pest bequemer Illusionen über Wirtschaft, Währung, Geld, Schulden verbreitet, die Unmögliches von den Regierun- gen verlangen und die öffentlichen Meinungen verwirren. Ihnen können nur festes Wissen und Aufklärung entgegenwirken. Dies ist notwendig. Es muß erreicht werden, daß der intelligente Arbeiter die Bilanz seines Betriebes lesen kann. Sie muß aufhören, aus, entsen®!' für ihn ein Buch mit sieben Siegeln zu sein, das er als Betrug seiner einfachen Sinne betrachtet und das sein Mißtrauen weckt. Erst dann wird er fähig zu beurteilen, was der trial glieli©. Betrieb ihm geben kann, ohne daß die Leistungsfähigkeit nachläßt. Das wäre entschei- tellen sid" end wichtig. Die Betriebsführer sind verpflichtet, ihren Gefolgschaften jedes Viertel- zwar aufil@, ihren Vertrauensleuten jeden Monat eine erschöpfende Übersicht über die Lage ‚on müsse, des Betriebes in jeder Hinsicht zu geben, damit die Gefolgschaft immer bewußter in die ichtigt wei Verantwortung für den Betrieb hineinwächst und den Kreis ihrer verantwortlichen eitigt. NS" Trägerschaft schließt. in Koblenbt etzt, diese! ung und" Dokument II weunddt® über politisches Parteiwesen und über die Schaffung von»Reichsgauen« ‚erjzitätsvef(Aus seiner Denkschrift»Das Ziel« 1940/41; zum Text S. 297 ff.) nwirtschä orderunget“ I lichen© Den einen wird das(von mir vorgeschlagene) Wahlrecht zu verwickelt, zu mißtrauisch eitschiift j erscheinen. Ihnen die Antwort, daß es nicht vertretbar ist, in einem derart durch Un- freiheit und Propaganda kritiklos gewordenen Volke die ganze Politik und damit das h, in Gel? Wohl der Menschen sowie die Sicherheit des Staates ganz auf das direkte Wahlrecht Sundsätz zu gründen. Anders ist es bei Fragen über einen bestimmten Gegenstand. So mancher ch wöglie’| Deutsche wird Sorgen vor Wahlrecht und Volksvertretung haben. Aber seine Sorgen zwischen 2 sind unberechtigt, wenn man sich nur darüber klar ist, daß es not tut, die Erfahrungen chen babe der Vergangenheit zu berücksichtigen, und daß es überhaupt keine Möglichkeit gibt, wie in gi, den Kampfcharakter des Lebens auch auf diesem Gebiete zu umgehen. Der diktatori- sche oder tyrannische Führerstaat ist ebenso unmöglich wie der entfesselte überdemo- nen Gol® kratische Parlamentarismus. Vollkommen sinnlos und untragbar aber ist der Führer- staat, der zum großen Teil durch Nötigung und Terror zusammengetrieben ist; ein Führerstaat, der den Grundsatz duldet, ja durchführt:»Die Partei befiehlt dem Staat.« Wer führt nun: der Führer oder die Partei? In Wirklichkeit je nach Laune und Gelegen- Aogest y 5: a bis wel“ keit: beide! Dieser»Führerstaat« ist nur durch Terror und unwahrhaftige, keine Ver- z Ms f derbtheit scheuende Propaganda zusammengehalten, auf Ausnutzung der Geltungs- . triebe aufgebaut und muß daher die Freiheit des Geistes und des Gewissens, das helle ke Licht öffentlicher Wahrheit wie die Pest scheuen. Die Folgen werden sich in ernsten mi lagen klar zeigen.- Wir hatten in unserem Leben genügend Möglichkeit, Erfahrungen 21 sammeln. Wir haben uns seit 1919 mit allen Parteien herumgeschlagen; wir wissen daher auch, welche gefährlichen und welche nützlichen Kräfte in ihnen schlummern; Yir wissen, daß es möglich ist, mit ihnen selbst unter den schwierigsten Umständen .[erzel! r 3 EZ 546 Anhang fertig zu werden, wenn wir nur ein klares sachliches Ziel vollkommen unbeirrt ver- folgen, wenn wir nur von der großartigen Waffe Gebrauch machen, daß im allgemeinen niemand eine leidenschaftliche Sehnsucht verspürt, sich durch Verletzung der Gesetze der Vernunft und des Anstandes öffentlich lächerlich zu machen.— Aber wir wissen auch, daß wir auf der Verwaltungsseite an vielen Stellen mit Menschen rechnen müssen, die die Kunst der Behandlung der Menschen und Parteien nicht verstehen, es sind daher Hilfsmittel gegen Entartung nach beiden Seiten einzubauen... u Die bisherigen Gemeinde- und Kreisgrenzen bleiben aufrechterhalten. Die neuen Gaugrenzen müssen in zwei Wochen festgelegt werden, damit nicht wieder das Re- formwerk im Laufe der Zeit versandet. Viele sind der Ansicht, daß es zweckmäßig sei, die jetzige Gaueinteilung in größerem Umfange zu ändern, etwa in der Richtung, daß möglichst ausgeglichene Gaue ent- stehen. Dieser Wunsch geht häufig so weit, daß man sogar möglichst gleich große Gaue für erstrebenswert hält. Demgegenüber setzen wir den Gedanken der Tradition. Viel wichtiger als die so-, genannte wirtschaftliche Ausgeglichenheit der Gaue, die übrigens ständig wechseln würde, ist das Zusammengehörigkeitsgefühl der Menschen in den Gauen, das nur durch eine gemeinsame Geschichte geschaffen werden kann. Ein Musterbeispiel für die bindende und widerstandsfähige Kraft einer solchen Tradition ist England, wo man seit vielen Jahrhunderten weder an den Verwaltungsgrenzen noch an der Verfassung mit Ausnahme der Stellung des Oberhauses Wesentliches geändert hat. Es bleibt dem gesunden Sinn der jeweils Lebenden überlassen, in dieses starre System der Tradition die Elastizität zu bringen, die die Gegenwart erfordert, aber nicht mit geschriebenem Recht, sondern mit gesundem Sinn, Takt und Einsicht. Aus diesen hier nur kurz zu behandelnden Erwägungen heraus sollten folgende Gaue bestimmt werden: Ostpreußen- Westpreußen— Warthegau oder Posen- Oberschlesien- Nieder- schlesien- Sudetengau- Obersachsen(Dresden)— Mittelsachsen(Magdeburg ein- schließlich Anhalt)- Brandenburg- Berlin- Pommern- Mecklenburg- Schleswig- Holstein— Niedersachsen(Bremen, Hannover und Braunschweig)- Hamburg- Oldenburg- Westfalen- Rheinprovinz(ohne Trier)- Hessen-Nassau(Kassel)- Thüringen— Saarpfalz(linksrheinische Pfalz, Regierungsbezirk Trier)- Saargebiet- Hessen(Hauptstadt Darmstadt)- Elsaß- Baden- Württemberg mit Vorarlberg- Bayern mit Tirol(Hauptstadt München)- Franken(Hauptstadt Nürnberg)— Öster- reich. Die Einteilung des Reiches in diese Gaue erfolgt in zwei Wochen; für die Über- leitung in den neuen Zustand wird eine Frist von drei Jahren gesetzt. Diese ist not- wendig, um die Verwaltungsmaßnahmen und die finanzielle Neuordnung ohne Rei- bung sicherzustellen... Dokument III Zum Aufbau der Deutschen Gewerkschaft nach Aussagen W. Leuschners vor det Gestapo!; Nach den Aussagen von Leuschner sollte die»Deutsche Gewerkschaft« unter seiner Leitung, mit Jakob Kaiser und Habermann als Stellvertreter, wie folgt aufgebaut werden: t K.B. vom 13.9. 44. Zum Text Seite 304 ff. 1. Reichleit Die Reichsle 1,Presse: V Seidel, zul doch wur und den I 2. Wirtschaft Allgemein. weiterten Tarıow, d Leuschner verbunde: aufzunehr 3 Sezialpolit 4. Jıgend: Di geschritte Sich darau lichst Kri 5. Ruchtshera (Hansen?) Finanzyery Fragen be Nationaler hörte, ent 2.Personajye ffüheren| ilerdings Angestel]y, As früher habt habe Sicherung “mmeng: 3 Shalng u kümmern Pdüpend MB; Bi Fkssej «Berl:G er Sich; hend f Op Wen Sckrerär Ort ing 3 Shi, j Vieder[3 En ist, anpg *M gele a Verf | sei, Rahm IL % Zi, hnen müssen, ‚essind daher, 1. Die neuen ieder das Rt- in größerem ne Gaue ent- h große Gaue et als die so- dig wechseh das nur durtl spiel für dt and, wo mit >r Verfassunt 3s bleibt det der Traditiot eschriebenet olgende Gau ien- Nieder ‚gdeburg© - Schleswiß Hambutg* zu(Kasse) Saargebitt‘ Vorarlberg* )- Öste! erg, Über end! für die Diese 15 ng ohne X Dokument III 547 T, Reichsleitung Die Reichsleitung sollte in etwa acht bis zehn Abteilungen gegliedert werden. 1, Presse: Vorgesehen der ehemalige Redakteur der Gewerkschaftszeitung, Richard Seidel, zuletzt wohnhaft in Berlin. Mit Seidel ist darüber nicht gesprochen worden, doch wurde damit gerechnet, daß er ebenfalls kein Nationalsozialist geworden war und den Posten übernommen hätte. 2. Wirtschaftspolitik: In Aussicht genommen war der frühere Wirtschaftspolitiker des allgemeinen deutschen Gewerkschaftsbundes, F'rizx Tarnow, früher Mitglied des er- weiterten Vorstandes des ADGB und Vorsitzender des Holzarbeiterverbandes. Tarnow, der 1933 emigriert ist, stand bis etwa 1939 mit Leuschner in Briefwechsel. Leuschner nimmt an, daß Tarnow, mit dem er eng befreundet war und auch familiär verbunden war, sofort zurückgekommen wäre, um die Gewerkschaftsarbeit wieder aufzunehmen. 1. Sozialpolitik: Die Abteilung wollte Jakob Kaiser selbst übernehmen. 4. Jugend: Der in Aussicht genommene Haschke lehnte ab, da er sich wegen seines fort- geschrittenen Alters nur noch bedingt für Jugendfragen interessiere. Man einigte sich darauf, daß man einen Vertreter der jungen Generation finden müsse, der mög- lichst Kriegsteilnehmer gewesen sein sollte. j. Rechtsberatung: In Aussicht genommen war der ehemalige Zentralarbeitersekretär (Hansen?). 4. Finanzverwaltung: Die Abteilung wollte Habermann übernehmen, der sich für diese Fragen besonders interessierte. /abermann wollte aus dem früheren Kreisdes Deutsch- nationalen Handlungsgehilfenverbandes, dem auch das gesamte Bankpersonal ange- hörte, entsprechende Mitarbeiter suchen. 1. Personalverwaltung: Für die Personalfragen und die Organisation wollte Kaiser die früheren Gewerkschaftler Maschke oder Schlimme heranziehen. Schlimme habe sich allerdings nach Verbüßung seiner Strafe nach 1933 nirgends mehr blicken lassen. %. Angestellte: Die Angestelltenfragen wollte Habermann persönlich übernehmen, da er als früherer stellvertretender Vorsitzender des DHV die größeren Erfahrungen ge- habt habe. Die kaufmännischen Angestellten sollten unter Einbeziehung der Ver- sicherungs- und Bankangestellten unter einem früheren Funktionär des DHV zu- sammengefaßt werden. 9. Schulung und Bildung: Auch um dieses Gebiet wollte sich Habermann persönlich be- kümmern. Habermann hoffte, daß er in Hamburg in seinem alten Bekanntenkreis genügend Mitarbeiter finden würde. IT, Bezirkssekretariate 1. Berlin: Gedacht wurde an Vo/mershaus, den früheren Bezirkssekretär von Berlin. Da er sich zur Zeit im Konzentrationslager befindet, sollte Richard Timm vorüber- gehend die Vertretung übernehmen. Tim war unterrichtet. 2, Ost-Westpreußen: In Aussicht genommen war von Leuschner der frühere Bezirks- sekretär Ouallo, der inzwischen von Königsberg verzogen ist und in einem kleinen Ort in Ostpreußen wohnt. Gesprochen habe man mit Oua/lo nicht darüber. 3. Stettin, Pommern, Mecklenburg: Auch für Stettin sollte.der alte Bezirkssekretär Zabel wieder eingesetzt werden. Leuschner nimmt an, daß mit Zabel auch gesprochen wor- den ist. 4. Hamburg, Holstein, Oldenburg: In Hamburg war mit dem früheren Bezirkssekretär Hein gelegentlich eines Besuches in Berlin gesprochen worden. Hein stellte sich auch zur Verfügung. Er ist jedoch vor rund drei Monaten verstorben. Als Nachfolger nahm Leuschner Schönfelder, Hamburg, in Aussicht, der früher Vorstandsmitglied des Zimmererverbandes war und ein tüchtiger Gewerkschaftsfunktionär gewe- sen sei. 548 Anhang| '# 5. Hannover: In Hannover ist der frühere Bezirkssekretär Brennicke verstorben. Leuschner- Ohne mi hat überlegt, ob man nicht den früheren Gewerkschaftssekretär für Kassel Braumers-«in Reuther einsetzen könne, der aus Kassel weggezogen ist und in einem kleinen Ort”+Eirenbahn im Taunus wohnt. hohen A 6. Schlesien: Mit dem früheren Bezirkssekretär für Schlesien, Oswald Wirsich, hätte” gewerksc Leuschner selbst gesprochen und dessen Einverständnis erhalten. Leuschner hat den” S.Metall:; Eindruck gehabt, daß Wirsich sich auch bereits um Verbindungen in seinem Bezirk° arbeitery bekümmert hat. j Stelle sol 7. Sachsen: Der letzte Bezirkssekretär für Sachsen, Arndt, sei nicht mehr in Frage ge-, tr. kommen und habe abgelehnt. Er habe inzwischen ein Geschäft gegründet und sei.Lzdr m nach Berlin verzogen. Leuschner hatte ihn 1941/42 gesprochen und ihn gefragt, ob° getrennte er wieder zu den Gewerkschaften zurückgehe. Arndt habe ihm darauf erwidert, daß° front ges er froh sei, nichts mehr damit zu tun zu haben. An seiner Stelle war an den früheren‘gesetzt.} Gewerkschaftssekretär für Leipzig, Schilling, gedacht, der sich allerdings seitlängeret‘ verbande Zeit in Haft befindet. Man habx . Thüringen: In Frage kam der frühere Bezirkssekretär des ADGB, Hartmann, der zwat' technete auf Anfrage von Leuschner hin nicht sehr begeistert war, aber nicht abgelehnt hätte,| fest dami wenn man ihm bei geglücktem Umsturz den Posten angetragen hätte. 7.Texti]: 9. Bayern: Der frühere Bezirkssekretär für Bayern, Kupfer, war unterrichtet und ein-| Gewerks verstanden, verunglückte aber im Frühjahr 1944 tödlich. Leuschner plante als Ersatz\B Buchyryrp den früheren Mitarbeiter von Kupfer, Zwosta, Nürnberg, ohne daß er Gelegenheit| lingere 7 gehabt hätte, ihn zu sprechen und zu fragen. Iaftet pe, 10. Württemberg: 1942 hat Leuschner den früheren Bezirkssekretär Jakob Weimer in| nahme al: Stuttgart aufgesucht. Weimer bezog sich darauf, daß er schwer herz- und nieren-|) Tray; leidend sei. Wenn er vorübergehend einen Dienst erweisen könne, würde er, vor- Terbande: ausgesetzt, daß sich sein Gesundheitszustand nicht weiter verschlechtere, zusagen. 9 Bergarbeis, x-; 11. Südwestdeutschland:: Leuschner hatte mit dem aus seiner Darmstädter Zeit befreundeten Bl, daß BD: Karl Grötzner gesprochen. Dieser verstarb jedoch 1940. Er hatte dann in der Folge-) schen Re; ; zeit verschiedene Leute in Aussicht genommen, zum Beispiel das frühere Aus- N Angessejjy schußmitglied des Bezirkes, Wilhelm Thomas in Mainz. Der frühere Geschäftsführer nisch. fe des Bauarbeiterverbandes für Mainz, der Leuschner 1940 in Berlin aufsuchte, er- derlichen zählte jedoch ausdrücklich, daß Thomas körperlich und geistig nicht mehr über das Ti, Land, © » ll notwendige Leistungsvermögen verfügte. Auch Braumers-Reuther wäre gegebenen| Land, f 5: Wirts N falls für Südwestdeutschland in Betracht gekommen. I Fremdenpe 12. Rheinland: Das katholische Rheinland-Westfalen sollte mit einem Vertreter der Baden christlichen Gewerkschaften besetzt werden. Anfänglich habe Jakob Kaiser Letterbau| u denen k benannt. Leuschner will nicht wissen, ob Letterhaus, nachdem er als Politischer Be-}\ ag auftragter und später als Wiederaufbauminister vorgesehen war, etwa doch noch Gewerke Ä ER' sc die Gewerkschaften hätte übernehmen sollen. a ehren ai : III. Industriegruppen N in für di Als Industriegruppen sollten der Reichsleitung unterstellt werden: Fire 2 1. Holz: Vorgesehen war Schleicher, zuletzt Vorstandsmitglied des Holzarbeiterver-}\., hab bandes, der früher schon als Nachfolger des emigrierten Tarnow gegolten habe: Yapulen Leuschner will sich sicher gewesen sein, daß Schleicher sich in seiner Einstellung nicht Schaft, ee geändert hatte. Für den Posten wäre gegebenenfalls auch Richard Timm in Frage gekommen, der Jugendsekretär im Holzarbeiterverband war. Leuschner hat auch mit Timm bereits darüber gesprochen. 2. Bau: Die Leitung sollte der frühere Vorsitzende des Bauarbeiterverbandes, Nikolaus 1% Bernhardt, Berlin, übernehmen. u ve 3. Steine und Erde: Das Gebiet gehörte früher zum Fabrikarbeiterverband, dem auch die Gruppe Chemie zuzählte. Leiter dieser Organisation war Brey, eines der Vot- standsmitglieder Car). Carl habe schon damals als Nachfolger von Brey gegolten. 4 B Be- Dokument III 549 ben. euschnai assel Braumers‘ m kleinen Or: - Ohne mit ihm gesprochen zu haben, hat ihn Leuschner für die Gruppe»Steine und Erde« in Vorschlag gebracht. . Eisenbahn: Der frühere Vorsitzende des Eisenbahnerverbandes Scheffel schied wegen hohen Alters aus. Benannt wurde Apitzsch, der früher schon in der Eisenbahn- Wirsich, hätt gewerkschaft eine Rolle spielte. ischner hat det 5. Metall: Auch für diese Industriegruppe kam der frühere Vorsitzende des Metall- PS seinem Bezirl! arbeiterverbandes, A/bin Brandes, wegen hohen Alters nicht mehr in Frage. An seine Stelle sollte einer der Funktionäre des ehemaligen Metallarbeiterverbandes, Teich- r in Frage ge: ‚gräber, treten. ründet und) 6. Leder und Bekleidung: Man habe es für durchaus zweckmäßig angeschen, die früher hn gefragt, ob getrennten Organisationen so zusammenzufassen, wie dies in der Deutschen Arbeits- Ferwidert, dal front geschehen sei. Am liebsten hätte Leuschner den 1933 emigrierten Reißner ein- n.den früherte gesetzt. Man sah schließlich den früheren Vorsitzenden des Bekleidungsarbeiter- os seitlängere! verbandes, Thierfelder, vor, bei dem sich Leuschner 1936 einen Anzug machen ließ. z Man habe zwar damals über die organisatorischen Fragen nicht gesprochen, doch mann, der zwei technete Leuschner auf Grund der Einstellung, die bei Tbierfe/der sichtbar wurde, gelehnt hätte, fest damit, daß er annehmen würde. &. Textil: Für die Gruppe Textil hatte Jakob Kaiser einen Funktionär der christlichen chtet und ei" Gewerkschaft in Bereitschaft. ante als Ers?2«Buchdrucker: Leuschner rechnete mit dem letzten Vorsitzenden, Krautz, Berlin, der >c Gelegenbtä längere Zeit in Haft war und wohl auch 1939 mit den Gewerkschaftssekretären ver- haftet gewesen ist. Im Hinblick auf seine Vergangenheit hatte Leuschner seine Teil- bob. Weiner a nahme als sicher angesehen. 2. und niere® 9. Transport: Leuschner rechnete mit dem früheren Vorsitzenden des Transportarbeiter- irde er, mi® verbandes, Beckmann. ke usage: 0 Bergarbeiter: Nachdem Husemann tot war, zog Leuschner Jannecke in Betracht. Für den Fall, daß er ausfiel, hielt Kaiser einen Bergarbeiterfunktionär aus dem oberschlesi- N a schen Revier bereit, an dessen Namen sich Zeuschner nicht mehr erinnern will. nn det\u| Angestellte: Sie sollten unterteilt werden in a) kaufmännische Angestellte, b) tech- ae nische Angestellte, c) Werkmeister. Für diese Gruppen sollte Habermann die erfor- « derlichen Personalvorschläge machen. we!a Landwirtschaft: Man sei sich zunächst noch nicht einig gewesen, ob die Gruppe me Landwirtschaft weiter mit dem Reichsnährstand vereinigt bleiben sollte. ‚ Fremdenverkehr: Ein fester Vorschlag habe nicht bestanden. Wahrscheinlich hätte Pi man den Gruppenleiter aus den früheren christlichen Gewerkschaften übernommen, w: je in denen die führenden Gasthausangestellten vor 1933 organisiert waren. (air U% 1 Gauleitungen und Ortsgruppen: Man habe angenommen, daß die früheren örtlichen politischer Gewerkschaftsfunktionäre zum großen Teil wieder an ihre Arbeitsplätze zurück- ua doch 9 kehren würden, an denen sie 1933 abgelöst worden sind. Um die Ausfüllung der Lücken inzwischen verstorbener Funktionäre habe man sich keine Sorge gemacht, , dafür die Übergangszeit die Tätigkeit jedes einzelnen zunächst nicht groß gewesen | | ire gegeh“" wäre und ein Funktionär mehrere Arbeitsgebiete zusammen übernehmen konnte. Man habe sich zunächst nicht viel darum gekümmert, die Besetzung im einzelnen [olzarbeite festzulegen. Wenn erst einmal der Umsturz erfolgt und die»Deutsche Gewerk- golted jg| Schaft« verkündet worden wäre, hätten nach Meinung von Leuschner genügend alte instellun Bekannte zur Verfügung gestanden. Timm® Pi: Bemerkung des Herausgebers: Es fällt auf, daß die Namen einzelner christlicher Gewerk- ger bat a|lshaftler hier fehlen, die nach der Erinnerung von Frau Dr. Nebgen-Kaiser ebenfalls u Eügesetzt werden sollten: so Franz Leuninger für Schlesien(wurde später hingerichtet), des, Ni Rıinar Mager, Dresden, für eine zentrale Aufgabe, nötigenfalls für Sachsen, Heinrich „ ner für Westdeutschland(statt Letterhaus), Josef Ersing für Württemberg, Johannes ‚and,„W lite für die Bergarbeiter. en ur 550 Anhang Dokument IV Aus dem Entwurf eines Aufrufs, den der deutsche Kronprinz an Armee und Volk er- lassen sollte(Nachlaß Goerdelers, Verfasser unbekannt!; zum Text S. 310 ff.) Als ich auf die Krone Preußens und die deutsche Kaiserwürde verzichtete, geschah e$ nicht, um den Weg für eine Entwicklung frei zu machen, die nun dazu geführt hat, daß der untadelige Ruf des deutschen Volkes der Vernichtung, sein blank gehaltenes Ehren- schild der Beschmutzung ausgesetzt ist. Es hat ein Zustand der Rechtlosigkeit, der zügellosen Willkürherrschaft und der moralischen Verwilderung eingesetzt, wie er in der Geschichte unseres Volkes noch nit dagewesen ist. Dieser Zustand droht nunmehr in den voller Schutzlosigkeit auszu- arten, die innere Front zu zerstören und damit die Schlagkraft der Wehrmacht zu läh- men...(Folgen Beispiele bestialischer Mordtaten.) Nicht zu solchen Untaten haben Eure und meine Vorfahren in jahrhundertelanger Arbeit und mit vielen Opfern, aber in Ehren und Gottesfurcht das Deutsche Reich geschaffen. Das Blut deutscher Soldaten, das Glück aller deutschen Familien darf nicht weiter vergossen und zerstört werden, um entmenschten Verbrechern solche feigen Untaten zu ermöglichen. Deutsche Jungen dürfen nicht weiter gezwungen werden, blut- dürstige Befehle gewissenloser Führer auszuführen und dabeiseelisch zugrunde zu gehen. Als meine Vorfahren die Mark Brandenburg übernahmen, setzten sie Recht und Ordnung des Staates gegen den eigenwilligen Adel durch. Recht und Sauberkeit sind der Stolz des deutschen Volkes geworden. Ich habe nicht dem Thron entsagt, um das Reich Wahnwitzigen und Verbrecher auszuliefern... Der Führer hat dem deutschen Volke den geleisteten Eid durch ge: heime Mordbefehle gebrochen. Ich stelle mich vor den Thron meiner Väter, vor dem sie Unrecht nicht duldeten, vot das Werk unserer Vorfahren, um es zu retten und Euch um die Frucht harter Arbeit nicht durch Buben betrügen zu lassen, die sich scheinheilig, aber schamlos im Rücken unserer Soldaten bereichert haben. Ich habe die Führung des Reiches und den Oberbefehl über die Wehrmacht über: nommen. Soldaten und Beamte werden einen Eid leisten, den sie mit redlichem Herzen halten können, wie auch ich zu Gott schwöre, daß ich das Reich in Recht und Anstand) in Treue und Redlichkeit führen werde. Ich werde daher befehlen, die verantwort- lichen Verbrecher dingfest zu machen und vor Gericht zu stellen. Das deutsche Volk wird Gelegenheit erhalten, sich selbst ein Urteil über Größe und Umfang der Ver- brechen und der Gefahr zu bilden. Noch ist Krieg. Aber wir wollen in gemeinsamer Arbeit einen Frieden erstreben, der unsere nationalen Lebensnotwendigkeiten erfüllt, die Freiheit des ganzen Volkes und jedes Deutschen in einem lauteren, auf Recht und Anstand gegründeten Staate sichert, ohne Freiheit und Glück anderer Völker zu zerstören. Nur enge Zusammenarbeit aller Völker wird uns und der Welt Wohlfahrt und Glück bringen. Sobald dies Ziel sichergestellt ist, wird mein Sohn Prinz Louis Ferdinand an meint Stelle treten, nachdem mein ältester dazu berufener Sohn Prinz Wilhelm seinen Wunden erlegen ist. h Die Arbeit, die wiralle zu leisten haben, ist schwer. Verbrechen zu ahnden, Unrecht z! lindern, istallein Sache des Staates. Wir wollen ans Werk gehen, indemjeder dem andere! wieder offen in die Augenblickt und mit Vertrauen in die anständige Gesinnung hilft. Dann wird uns auch Gott helfen, Ehre und Zukunft des Vaterlandes zu sichern. 1 Jakob Kaiser glaubt nicht, daß der Entwurf von Goerdeler selbst stammen könne, sowohl den Inhalt und Stilnach wie in Erwägung der Tatsache, daß Goerdeler gegenüber seinen Freunden n# einen derartigen Entwurf erwähnt hat. Ich möchte die Vermutung wagen, daß er von dem Gutr besitzer von Knebel-Döberitz stammen könnte, der sich am meisten für eine solche Aktion des Kron prinzen einsetzte und diesem auch persönlich nahestand. Eine Grupp angehören,| Drhmen, die Akutschen V lich innerde indessen sch Einer solcher Sicherungen Einnten, Folgende\ „700 Verhan. ‚Wiederhe Kriegspa 4 Bestätipu Memellar .Y iederhe feich, Po 4 Restsetzu Destimmu 5 Rückpah; Alichzeit © Keine Kr 2 Abbau de R Einsetzun T Ä ‚ semeir i Nernatio Seiment V pn[ und Volk el of.) te, geschah et ührt hat,&0 altenes Ehren- ‚chaft und da 'olkes nochng jsigkeit ausz- rmacht zu lih- hundertelangt Jeutsche Reit) ilien darf nic \ solche feigt@ werden, blö= unde zu geheis sie Recht ul Sauberkeit st| .d Verbrechet! Eid durch& ıt duldeten,' it harter Ar ‚los im Rück ehrmacht u liche He ‚rund Anst# die yerantw! 1e\ deutsch fang def Y n exstrebeh‘ zen Volke" n Staate sic menarbell „Wu Dokument V und VI 551 Dokument V Friedensplan Goerdelers, zur Übermittlung an die britische Regierung bestimmt, vom 30. Mai 1941(zum Text S. 337 f.) Eine Gruppe deutscher Persönlichkeiten, der führende Männer aller Lebensgebiete ingehören, ist bereit, die Verantwortung für die Bildung einer Regierung zu über- nehmen, die zu gegebener Zeit die Bestätigung durch eine freie W illensäußerung des deutschen Volkes nachsuchen würde. Alle diesbezüglichen Schritte würden ausschließ- lch innerdeutschen Charakter haben. Die maßgebenden Persönlichkeiten wünschen indessen schon jetzt Klarheit darüber zu gewinnen, ob alsbald nach erfolgter Einsetzung &iner solchen, den Nationalsozialismus ablehnenden Regierung gemäß früheren Ver- Sicherungen der britischen Regierung Friedensverhandlungen aufgenommen werden könnten. Folgende von der deutschen Gruppe verfolgten Friedensziele werden als Grundlage 1on Verhandlungen vorgeschlagen: 1. Wiederherstellung der vollen Souveränität der während des Krieges von den Kriegsparteien besetzten neutralen Länder. . Bestätigung der vor dem Kriege erfolgten Anschlüsse von Österreich, Sudetenland, Memelland an Deutschland. . Wiederherstellung der Grenzen Deutschlands von 1914 gegenüber Belgien, Frank- reich, Polen. „Festsetzung der europäischen Ländergrenzen auf Grund des nationalen Selbst- bestimmungsrechtes durch eine Friedenskonferenz sämtlicher Staaten. ‚Rückgabe der deutschen Kolonien oder gleichwertiger Kolonialgebiete unter gleichzeitiger Einrichtung eines internationalen Mandatarsystems für alle Kolonien, Keine Kriegsentschädigungen, gemeinsamer Wiederaufbau. Abbau der Zollgrenzen. Einsetzung eines mit Vollmachten versehenen Weltwirtschaftsrates. Internationale Kontrolle der W ährungen. Wiederaufnahme der Arbeiten des Internationalen Arbeitsamtes. Wiederherstellung des Rechtes, Bestrafung der Schuldigen. !2 Ausbau der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit. oo =© Begründung einer regelmäßigen Konferenz der europäischen Staaten und ent- Sprechender Zusammenschlüsse auf regionaler Basis. !$ Allgemeine Begrenzung und Herabsetzung der Rüstungen. 15 Internationale Kontrolle der Rüstungen und der Rüstungsindustrien. Dokument VI ftiedensplan Goerdelers, vermutlich für britische Leser bestimmt. Wahrscheinlich vom , Bitsommer oder Herbst 19431 Vir gehen davon aus, daß ‚"Deutschland um des deutschen Volkes, der Voelker Europas und des Friedens der Welt willen moralisch und materiell stark sein muß. ıDaß zwischen England und Rußland Interessengegensaetze von Ostasien bis zum Mittelmeer, vom Mittelmeer bis zum Nordatlantik bestehen, die in der Natur der - Verhaeltnisse begruendet sind; 3. daß Europa eine Sicherung gegen russische Uebermacht braucht; 4dıß diese Sicherung zür Zeit nur durch England oder Deutschland auf laengere Zeit Sichergestellt werden kann; “Anlage 2 zu K. B.vom 17. 8. 44. Zum Text$. 353 f. x Br 552 Anhang s. daß es zweifelhaft ist, ob Amerika dauernd Kraefte fuer diese Sicherung zur Verfue gung stellen wird; 6. daß es daher sinnvoll und geboten ist, die natuerliche Interessengemeinschaft zwischen England und Deutschland zu verwirklichen, weil sie alle jene Voraussetzungen et fuellen wuerde; 7. daß diese Verwirklichung nur erfolgen kann, wenn die europaeischen Voelker in Freiheit und Selbstaendigkeit sich zu einem ewigen Friedensbund zusammenfinden, in dem weder Deutschland noch eine andere Macht Vorherrschaft beansprucht; 8. daß kein weißes Volk dazu beitragen darf, Japan eine Ausdehnung auf Kosten an- derer weißer Voelker oder Chinas zu ermoeglichen; 9. und daß im uebrigen die ganze Welt wirtschaftlicher Zusammenarbeit bedarf, um die Finanzen in Ordnung zu bringen, Arbeit zu sichern und Wohlstand wieder zu be- gruenden. Deutschland muß Recht und Anstand bei sich selbst wieder herstellen. Das ist& seiner Ehre und anderen schuldig. Nur wenn es die Verbrecher gegen das Recht, aud die Verstoeße gegen das Voelkerrecht, selbst bestraft, kann es seelisch wieder gesundei. Daher muß dringend vor jedem Gedanken gewarnt werden, diese Bestrafung durch Dritte oder durch einen internationalen Gerichtshof vollziehen zu lassen. Selbst die Deutschen, die mit Haß und Verachtung auf die Schaendung des guten deutschen Ni mens durch Deutsche blicken und zu jeder gerechten Haerte bereit sind, oder vielmehr gerade diese Deutschen werden es entschieden ablehnen, an einer solchen Bestrafung durch Dritte teilzunehmen. Angesichts der ungeheuerlichen, in der Geschichte einzig artigen Verbrechen, die Hitler und seine Trabanten begangen haben, ist der Wunsch der verletzten Voelker auch diesen Deutschen sehr verstaendlich; aber die Vernurfi und die Verantwortung vor der Zukunft gebieten, daß diese Gefuehle gebaendigt we den. Selbstverstaendlich soll es jedem Menschen in der Welt und jeder Regierung frd‘ stehen, Anzeige gegen deutsche Verbrecher zu erstatten und selbstverstaendlich wild das daraufhin Veranlaßte dem Anzeigenden mitgeteilt werden. Auch gegen die At wesenheit offizieller Vertreter der verletzten Nation bei den oeflentlichen Verhank lungen ist nichts einzuwenden; im uebrigen wird die Oeffentlichkeit der Verhandlung“ garantiert und damit ohne jede Entwuerdigung die Sicherheit der Nachpruefung gt schaffen. Nach dem ungeheuren Unglueck, in das Hitler das deutsche Volk gestuen hat, ist nicht daran zu zweifeln, daß die deutschen Gerichtshoefe eher zur Haerte X zur Milde neigen werden. Daß Deutschland materiell genuegend stark wieder werd muß, ergibt sich aus der Notwendigkeit, das Deutsche Reich zumindest gegen eind dauernden Druck der gewaltigen russischen Kraft zu sichern. Daraus ergibt sich au® die Notwendigkeit, den territorialen Bestand Deutschlands, wie er sich durch die schichte als sinnvoll und notwendig herausgestellt hat, zu erhalten. Alle Plaene, Deutschland aufzuteilen, muessen immer wieder Spannungen in Deuts‘ land und damit in Europa erzeugen. Denn Deutschland liegt nun einmal in der Mit des Kontinents. Als deutsche Grenzen kommen in Betracht: im Osten etwa die Reichsgrenze von 1914; im Nordet Dicnemark Im uebrig Fruessen, inn toriale Besta Sopeit sich Gkutsche Fr soist Polen: Volkes nach Ach hier ge Fihlesich g Vetbrecher En Ersatz Didurch wir Ehe solche Fügen gescl Miden,/ Distzuh bh das Ve edenfalls n Suft jede m An eine\ Wltten Vor Alle schon andere Y das deu Siege, teilt frichter} =iopas, Rs llschland Sendern im Sueden die in der Konferenz von Muenchen 1938 anerkannte Grenze einschlid]-““ lich Oesterreichs; auch muß Suedtirol, ein rein deutsches Land, bis zur Grertze Boze! Meran zu Deutschland zurueckkehren. Die italienische Herrschaft hat dort nur V£ bitterung und Rueckschritt erzeugt; im Westen ist die Elsaß-Lothringen-Frage sehr schwer zu loesen; es gibt keine Ruf wenn Elsaß-Lothringen in seinem alten Bestand zu Deutschland oder Frankreich# schlagen wird; es gibt zwei andere Moeglichkeiten: a) entweder Elsaß-Lothringen wird ein autonomes Land etwa in der Stellung# Schweiz, oder| b) durch eine neutrale Kommission wird die Sprachgrenze ermittelt, wie sie 1918 WR 1938 war. Zwischen diesen beiden Linien muß die Grenze zwischen Frankreich i Dokument VI Deutschland liegen. Daß in diesem zweiten Falle Deutschland Elsaß-Lothringen weit- gehende Selbstverwaltung zuweist, liegt ebensosehr in sachlichen Notwendigkeiten wie in unseren Ueberzeugungen und Zielen begruendet; im Norden muß in achnlicher Weise wie im Westen die gerechte Grenze gegenueber Daenemark ermittelt werden. Im uebrigen werden in einem europaeischen Staatenbunde, auf den wir hinstreben nuessen, innereuropaeische Grenzen eine immer geringere Rolle spielen. Dieser terri- toriale Bestand des Deutschen Reiches setzt eine Verstaendigung ueber Polen voraus. Soweit sich jetzt uebersehen laeßt, ist der Bestand Polens davon abhaengig, daß die deutsche Front im Osten die polnische Ostgrenze von 1938 haelt. Bricht sie zusammen, so ist Polen an Rußland verloren. Wir verstehen Empoerung und Haß des polnischen Volkes nach allem, was geschehen ist, sehr wohl. Wir wuerden ebenso fuehlen. Aber aıch hier gebietet die Verantwortung vor der Zukunft zu verhindern, daß diese Ge- ‚., fiehle sich gewalttaetig Bahn brechen. Sie muessen sich einer geordneten Bestrafung der Ilen. Das© Verbrecher und der Wiedergutmachung durch Zusammenarbeit unterordnen. Polen das Recht, U Kan Ersatz fuer Westpreußen und Posen durch eine Staatsunion mit Litauen erhalten. ieder gesun® Dadurch wird beiden Voelkern geholfen und Polen der Zugang zum Meer geschaffen. estrafung dd Fine solche Union hat in frueheren Jahrhunderten bestanden; sie ist an dynastischen ssen. Selbst Fragen gescheitert. Solche Spannungen sind heute nicht mehr vorhanden oder zu ver- n deutschen neiden. Außerdem besteht die Moeglichkeit, Polen ueber die deutschen Haefen jede 4, oder vielmt Verbindung zum Weltverkehr zu sichern. Die Zukunft wird solche Verbindungen nicht chen Best} mehr von militaerischen Fragen abhaengig machen, denn sie steht und faellt fuer alle eschichte ein&ıropaeischen Voelker mit dem dauernden europaeischen Frieden. jst der Wr"| Soist zu hoffen, daß allmaehlich nach diesen furchtbaren und leidvollen Erfahrungen ‚er die Verl uch das Verhaeltnis zwischen Deutschland und Polen wieder ausgeglichen wird. gebaendigt” Idenfalls werden wir bereit sein, Polen bei der Heilung seiner Wunden und in Zu- ‚Regierung Kunft jede nur moegliche Hilfe angedeihen zu lassen. staendlich"An eine Wiedergutmachung des durch den Hitlerismus den europaeischen und h gegen de?! inderen Voelkern zugefuegten Schadens ist nicht zu denken. Deutschland ist durch ‚lichen Ver! Bitler schon vor diesem Kriege in ungeheure Schulden gestuerzt. Die Bewunderung, « Verhandl?\ die andere Voelker Hitlers Kuensten auf diesem Gebiete entgegengebracht haben, war jachpruefund{ler das deutsche Volk verhaengnisvoll. Die gewaltige Schuldenlast dieses unseligen e Volk get Krieges teilt Deutschland mit der ganzen Welt. Die Zerstoerungen aber, die der Krieg er zut He!" tgerichtet hat, sind heute schon in Deutschland groeßer als in jedem anderen Teil k wieder W*" Buropas. Es ist daher physisch fuer Deutschland unmoeglich, außer dem Aufbau in dest gegen#\ Deutschland, der Generationen in Anspruch nehmen wird, auch noch den in anderen „ergibt sich?| Lendern zu schaffen. ch durch d| Wir schlagen daher zur seelischen Entspannung und zur materiellen Erleichterung a ‚ tin europaeisches Gemeinschaftswerk fuer den Wiederaufbau vor, an dem jeder euro- ng zur Verfus, schaft zwischen ıssetzungen&£ | nen Voelker it sammenfinden ansprucht; auf Kosten a# t bedarf, umdit ] wieder zu be ein De"\ Meische Staat nach dem Maß seiner Kraefte teilnimmt. nn in| Ueber die Interessengegensaetze zwischen England und Rußland brauchen wir nichts u sagen; sie sind da. Im 19. Jahrhundert sind sie durch das europaeische Gleichgewicht \ üsgeglichen; trotzdem hat es diesen und jenen bewaffneten Konflikt gegeben(z. B. renze€ 2 Nim-Krieg). 1918 konnte England die unueberlegte erniedrigende Behandlung Grenze Deutschlands hinnehmen, weil Rußlands Kraft fuer lange Zeit ausgeschaltet schien. f dort gu jetzt ist an der Wiedererstarkung Rußlands nicht mehr zu zweifeln. Gewiß ist auch hat Außland durch diesen Krieg gewaltig geschwaecht. Aber das naturhafte russische Volk A keine"| 3lticht solche Verluste schneller aus als die empfindlicheren europaeischen Voelker. sg nee! Zur Zeit herrscht in Rußland ein gleichmaeßiges bolschewistisches System. Daß der ex FR alles(selbsttaetige) menschliche Leben und Streben toetet, ist eine RR srellßt Tatsache, der sich selbst die Russen nicht verschließen konnten. Sie haben daher den Kommunismus immer mehr abgeschwaecht. Aber dazu gehoert eigene bittere Er- ibrung. Wenn das heutige Rußland Vorherrschaft ueber Europa ausuebt, werden die 554 Anhang i mittel- und westeuropaeischen Voelker, durch den Krieg geschwaecht, durch Leiden- schaft bewegt, vor schier unerfuellbaren Aufgaben stehend, zunaechst dem radikalen Bolschewismus verfallen. Das waere der Tod der europaeischen Kultur und der Gel- tung Europas, waere wohl auch fuer England eine große Gefahr. Noch gefaehrlicher aber wird Rußland, wenn es zu den wahren Gesetzen der Wirtschaft und der Politik allmachlich zurueckfindet. Denn dann wird seine Kraft noch groeßer. Rußland duerfte die einzige Macht auf der Erde sein, die ohne eine große Flotte das englische Empire lebensgefachrlich treffen koennte. Es ist selbstverstaendlich eigenste Sache Englands, diese Lage zu pruefen und jede Schlußfolgerung zu ziehen, die es in seinem Interesse fuer notwendig erachtet. Wir koennen nur unsere Meinung sagen, und die besteht darin, daß alleeuropaeischen Voelker westlich Rußlands sich gegen eine russische Uebermacht und Vorherrschaft sichern muessen. Weder Frankreich noch Italien noch ein Zusam- menschluß der kleineren Voelker kann diese Sicherung zur Zeit gewachren. Deutsch- land kann es eben noch, wenn es rechtzeitig die Verbrecher zum Teufel jagt und bestraft, und wenn ihm England und Amerika die Moeglichkeit gewaehren, den Krieg ohne Zu- sammenbruch zu liquidieren. Ein Hemmnis hierzu ist die Forderung der bedingungs- losen Kapitulation. Die Ereignisse in Italien sollten warnen. Jedenfalls ist eins mathematisch sicher: Wird Deutschland im entscheidenden Moment bedingungslose Kapitulation abgefordert, s0 legt der deutsche Soldat auch im Osten genau so die Waffen nieder, wie es jeder andere Soldat der Welt tun wuerde. Damit wuerde Rußland der Vormarsch freigegeben wer- den. Wo er zum Stehen kommt, weiß kein Mensch. Vielleicht sieht sich England ge noetigt, hierueber mit Rußland eine Verstaendigung zu treffen, wie lange diese abet halten wird, ist nicht voraussehbar; denn noch ist der Kriegsschauplatz Ostasien vor- ni handen, der englische und amerikanische Kraefte in Anspruch nimmt. ‚Am schnellsten erhalten die angelsaechsischen Reiche die meisten Kraefte fuer Ost asien frei, wenn die europaeische Sicherung gegen Rußland durch Europa selbst erfol- gen kann. Es wird notwendig sein, hierzu die europaeischen Voelker zusammenzubrin- gen, aber das erfordert Zeit. Inzwischen waere es die Aufgabe Deutschlands, diesea Schutz zu uebernehmen. Das ist wieder nur moeglich, wenn man nicht die Forderung auf totale Entwaffnung stellt. Daß Deutschland den Krieg in der Luft und auf den Meeren einstellt, ist selbst- verstaendlich. Im uebrigen muß man ihm einstweilen die Waffen lassen. Die Abruestung kommt mit fortschreitender Waffenruhe und Befriedung von selbst, denn Deutschland steht wie jedes andere Volk vor der ungeheuerlichen Aufgabe, eine Schuldenlast vo@ mehreren Hundert Milliarden zu liquidieren, ohne daß es zu Inflation oder anderea wirtschaftlichen Zusammenbruechen kommen darf. Diese Leistung kann jedes Volk nut vollbringen, wenn es seine oeffentlichen Ausgaben auf die Hoehe seiner Einnahmea zurueckschraubt. Fuer Deutschland bedeutet das fast die Totalabruestung. Sie kann abet erst erfolgen, wenn die Lage gegenueber Rußland geklaert ist. Deutschland raeumt selbstverstaendlich alle besetzten Gebiete. Die Raeumung erfolgt schrittweise. Zunaechst werden alle Einrichtungen zurueckgezogen, die nichts mit militaerischer Besetzung zu tun haben. Diese wird auf das zur Aufrechterhaltung det Ordnung erforderliche Maß beschraenkt. Sofort werden selbstaendige nationale Re: gierungen wieder ans Ruder gelassen. Mit ihnen werden die militaerischen Raeumungen besprochen, so daß keine Verwirrung eintritt. Deutschland wird diese seine Bereitwilligkeit, Luft- und U-Boot-Krieg einzustelles, und zu raeumen, von vornherein oeffentlich erklaeren. Gegenueber Rußland wird nuf die alte Ostgrenze Polens von der deutschen Wehrmacht gesichert. Somit hat Rußland keinen Anlaß, von England und Amerika die Fortsetzung des Krieges, insbesondere d& Luftkrieges, zu verlangen. Das sofortige Aufhoeren des Luftkrieges ist Voraussetzunf fuer das schnelle Gelingen des Umbruchs in Deutschland. Deutschland ist erfreut, fest 4 stellen zu koennen, daß Amerika sich wieder mit europaeischen Angelegenheiten auch, I} I Ä A| I tach diesen die behaupt auch nicht tischen Kr. fesund mac indes aus ı Naterialiste USAmitR: fier Ameri ruerde nae Niederaufl thnen wir Bsistvollkı ringen wir Es beste] feiche Eng litler ihn€ inter der er Vard Price sesinnung &ülieben u elchen W Ang ist Ch kr Krieg y it Deutsch Kutschen *tinge Op le Welt er inen qualy Iederein thaenpnj: "uegendes Itler Stue, "geatlich tı Moeplich, Man Wir. enueber U endlich rer un ltsche. “etden eg land au “en die F etesgeq, \ Daher er Pfchen g b= euro, ter Sch setzen eises Vor ı Y hi ER£ ler Dokument VI 555 durch Leiden: | n nach diesem Kriege befassen wird. Deutschland ist ueberzeugt, daß es Maerchen sind, dem radikalen die behaupten, Amerika wolle in Europa oder in Afrika festen Fuß fassen. Wir glauben und der Gel"" Juch nicht ernstlich daran, daß man in Amerika ernsthaft daran denkt, mit amerika- | nischen Kraeften Deutschland verwalten, seine Schulen reformieren und Deutschland nd der Politik gesund machen zu wollen. Wenn wir Deutschen, die wir eine Rettung unseres Vater- ıBland duerit”" Jandes aus dem moralischen und materiellen Zusammenbruch erstreben, gewissenlose lische Empit"" Materialisten waeren, dann koennten wir dies uns mehrfach verkuendete Vorhaben der che Englands"USA mit Ruhe ueber uns ergehen lassen. Es wuerde sich naemlich bald erweisen, daß es inem Interest”"fuer Amerika kostspielig, gefachrlich und schließlich undurchfuehrbar ist. Amerika besteht darin wuerde naemlich die totale Verantwortung fuer die Not in Deutschland und fuer seinen je Uebermachl" Wjederaufbau uebernehmen, damit Deutschland entlastend. Aber aus ideellen Gruenden ch ein Zusını lehnen wir es entschieden ab, uns von einem anderen Volke gesund machen zu lassen. ıren, Deutsch”"Rs ist vollkommen sicher, daß Deutschland eines Tages dieses Rettungswerk selbst voll- t und besträll"bringen wird; die Gefahr besteht nur darin, daß dann Uebertreibungeneintreten koennen. Verbrechet‘ t verpficht” pokument VII rtsetzen kat"[>cheime Denkschrift Goerdelers, für die Generalität bestimmt, über die Notwendigkeit ılten. Ehe"lines Staatsstreichs. 26. März 1943.(Zum Text Seite 369 ff.) keine weiter“ „daß die vi Lage und Möglichkeiten tasien von Major Niemann, seit Februar 1918 Oberquartiermeister der Heeresgruppe Albrecht von y anstaendiget Württemberg, richtete am 20. Juli 1918 eine Denkschrift an General Ludendorff, deren | ferner dar" Inhalt ein würdiger Beweis für das Vertrauen ist, das die Generalstabsoffiziere im Ersten echten Ver Weltkrieg ihrem Chef entgegenbrachten. In der Denkschrift heißt es: en, zumal aut»Der Soldat muß an den Sieg glauben, und eine oberste Heeresleitung, die den Glau- hachtung der- ten und Willen nicht hätte, die Widerstandskraft des Feindes mit Waffengewalt zu brechen, würde ihrer Aufgabe nicht gewachsen sein. Der Politiker, der die Waffenerfolge in ihrer Wirkung für das zukünftige Weltbild Auszuwerten hat, sieht die militärischen Erfolge unter einem andern Gesichtswinkel. Das, was dem Heerführer zum Selbstzweck wird, ist für ihn das Mittel zum Zweck, das Mittel zur Verwirklichung seines politischen Programms. Lassen sich die Waffenerfolge |"®o steigern, daß die Hilfskräfte des Feindes erschöpft werden können, dann ist die Auf- 5 bö| fabe des Politikers verhältnismäßig einfach. Er braucht sein Konzept nur in die Rein- WE) schriftzu übertragen. - Anders und komplizierter wird die Aufgabe, wenn die Waffengewalt zur radikalen '\T Beseitigung des feindlichen Willens nicht ausreicht. Der Waffenerfolg kann dann nicht .\ hiehr als politisches Zwangsmittel, sondern nur noch als Druckmittel gewertet werden. Politik und Kriegführung müssen Wirklichkeitssinn genug besitzen, in kühler Er- - tägung festzustellen, ob die Politik auf das Zwangsmittel oder auf das Druckmittel &nzustellen ist. Ist bei uns diese Auseinandersetzung zwischen Politik und Kriegführung erfolgt? Ich - veiß es nicht. Mir scheint aber, daß sie nicht mit der nötigen Klarheit erfolgte. Jeder - von uns, der das Wort von dem Niederzwingen des Gegners mit Skeptizismus betrach- kte, wurde als Schwächling gebrandmarkt. Der Unterschied zwischen militärischer Siegeszuversicht und politischer Wirkungsmöglichkeit wollte nicht in die Köpfe hinein. Ich glaube an die Überlegenheit unserer Waffen wie an ein Evangelium, ich glaube Aber nicht, daß wir mit Waffengewalt zum Diktieren eines Friedens kommen werden, Unsere militärische Kraft kulminiert, sie läßt sich nicht mehr steigern, weder zu Lande Ich zu Wasser. Dauert der Krieg weiter, dann müssen wir den absteigenden Ast der "Kurve betreten. Die intellektuelle und moralische Überlegenheit der Führung kann auf ie Dauer die schwindenden Volkskräfte und den steigenden Rohstoffmangel nicht er- £ die Welt dei 558 Anhang Iser von h tieben.$ Wer wieich zu dieser Überzeugung gekommen ist, der wird eine andere Orientierung unserer auswärtigen Politik für notwendig halten. Das Schlagwort vom»Durchhalten bis zum siegreichen Ende« ist doch eben nur ein Schlagwort, ein euphemistischer Aus: Albsthereic druck für das freiwillige»ehrenvolle Sterben«, das nur dem deutschen Idealismus ver".,. N ständlich ist. a 48 Hiller d Wir müssen unsere militärischen Kräfte als Druckmittel ausnutzen, solange wir die militärische Überlegenheit noch besitzen. Treten wir im Zeichen des Abstiegs an den Ver- handlungstisch, dann spielen wir ohne Atouts. Das Druckmittel wird dann von Tag zu Tag wirkungsloser.« Ge Oberst Bauer, ein entschiedener Vertreter rücksichtsloser Kriegführung, stimmte Die nr diesen Gedanken durchaus zu und bemerkte überdies:»Wir müssen wieder wahrheits- hc k k getreu werden..., das Streben, es den andern an Propaganda gleich zu tun, hat uns zut ehr je- Unwahrheit geführt, die unserm inneren Wesen widerspricht und infolgedessen un: el indere Unte echt vollko ton hohen' hinde: geschickt und unwirksam war... Eine wirksame Propaganda.... ist nur erreichbar,” N er wenn wir die Wahrheit sagen, die Öffentlichkeit rechtzeitig orientieren und so Volk und N Presse tatsächlich an den Geschehnissen teilnehmen lassen... Auch im Ausland macht En A schließlich Wahrheit und Offenheit den größten Eindruck....« if a k General Ludendorff trat diesen Meinungen bei. Er schreibt(Meine Kriegserinnerun:| trerstä gen S. 547) über den 8. August 1918:»Das Kriegführen nahm damit, wie ich mich“standsgel damals ausdrückte, den Charakter eines unverantwortlichen Hasardspiels an, das ich Aacinen.} immer für verderblich gehalten habe. Das Schicksal des deutschen Volkes war mir füt"Andagen ein Glückspiel zu hoch. Der Krieg war zu beendigen.« Hierzu war es aber bereits poli: 5: Eisen, tisch zu spät. a Be Für die gegenwärtige Betrachtung ist es nicht von wesentlicher Bedeutung, daß dieser(“ ügt. D Krieg vermeidbar war, daß die entscheidenden deutschen Lebensnotwendigkeiten ohnd meh für ihn hätten sichergestellt werden können. Aber wissen muß man, daß Hitler seit Mai Pen mißt 1938 den Krieg wo//te, und daß alle seine gegenteiligen Behauptungen unrichtig sind.*t brauch Auf Wunsch steht der schlüssige Beweis für diese Feststellungen in Dokumenten unda." Spann, Zeugen zur Verfügung.“At imme Ebenso ist für diese Betrachtung nicht entscheidend, daß der Krieg so, wie er poli- tisch angelegt und geführt ist, nie zu gewinnen war, wie gewaltig und erfolgreich auch h die Leistungen unserer Wehrmacht sein mochten. Auf Wunsch steht der Beweis auch Ri „ Porhers hierfür zur Verfügung. Als wichtig ist hier nur zu erwähnen, daß man einen Weltkrieg® nicht mit einer unfähigen militärischen Oberleitung und nicht mit einer abenteuerlichen al gelähr politischen Führung gewinnen kann. Entscheidend ist die Tatsache, daß je/zt die deus- his Ent: schen Kräfte auf allen Gebieten sich dem Zustande des Verbrauchtseins nähern, daß wir uns in.der 18 Ministey absteigenden Linie befinden, während der Kräfteeinsatz der Gegner noch einer erheb-” ,“* Gule lichen Steigerung fähig ist. Dr Im Inneren sind die Grundlagen von Recht, Anstand, Sittlichkeit und Ehrliebe, der"digen Sinn für Menschlichkeit und Verantwortungsbewußtsein zerstört. Diese Tatsache wird lsdies nicht dadurch gemildert, daß es noch gerechte Urteile, noch anständige Menschen, noch| sittlich hochstehende Persönlichkeiten, noch freiheits- und ehrliebende Deutsche gibt. Entscheidend ist, daß jene für jede Gemeinschaft unentbehrlichen Bindungen und Werte nicht mehr vorm Staate geachtet, sondern von seinen Organen und Gerichten sowit ‚ersten von hohen Parteifunktionären täglich auf das gröblichste und dem Volke erkennbar ‚stell verletzt werden. Entscheidend ist, daß die Staatsführung diesen Zustand selbst herbei- erg geführt hat und bewußt aufrechterhält. So wird durch sie unser Vaterland nicht nur wirt"'"stelle, schaftlich, sondern sittlich allmählich bolschewisiert. Der russische Bolschewismus, des ih, um ich schroff ablehne und der heute in seinen Leistungen weit überschätzt wird, wird vo2 IE: Zuk ihr nur als Popanz zur Rechtfertigung verlustreicher Kriegsführung und zur Aufpul- span] verung des deutschen Spießers benutzt nach der Devise: haltet den Dieb!|"he Gegn Den stärksten Ausdruck findet die Erschütterung der sittlichen Grundlagen des> um Sie Staatslebens in der immer weiter umsichgreifenden Korruption. Sie wird immer scham 4“ton; Dokument VII 559’ Orientierung, »Durchhalten® iistischer Aus- dealismus ver- "loser von hohen und höchsten Würdenträgern der Partei, insbesondere von Göring, betrieben. Sie dient einer im Kriege besonders verwerflichen, geradezu unerhörten Selbstbereicherung. Sie bedeckt, auch in den besetzten Gebieten begangen, den deut- schen Namen mit Schande. Auch dies ist dem deu.schen Volk weithin bekannt; ebenso, daß Hitler diese Korruption duldet. Seine Beteiligung am Eherverlag, der zwangsweise lange RN""andere Unternehmungen sich einverleibt oder tot macht, ist nach deutschem Beamten- san. den VB echt vollkommen unmöglich. Beweise für unzählige Korruptionsfälle und für die sonst in von TagzUF}"on hohen Würdenträgern begangenen Verbrechen aller Art stehen jederzeit zur Ver- ; fügung. rung, stimmi# Die allgemeine Wehrpflicht ist in Zeiten tiefster Erniedrigung des deutschen Volkes durch kühne und mutige, besonnene und sittlich hochstehende Männer geschaffen. der wahrheit“ ın, hat uns 21- Mehr als ein Jahrhundert lang ist sie in diesem Geist erhalten. Trotzdem hat nicht ver- Igedessen hindert werden können, daß sich in steigendem Maße Auseinandersetzungen zwischen ur erreichbäl, militärischen Führern und Trägern politischer Verantwortung entwickelt haben. Aber dso Volk)"le diese Auseinandersetzungen haben den sittlichen Gehalt dieser Wehrpflicht nicht Ausland MO" sefährden können, weil sie sich auf einer Grundlage vollzogen, die allen Beteiligten selbstverständlich und gemeinschaftlich war, nämlich der Grundlage gleichen Ehr- und jegserinnenl"" Anstandsgefühls. In diesem Kriege sehen sich die militärischen Führer zum ersten Male ‚wie ich m" yor einen Konflikt mit einer politischen Führung gestellt, die diese überkommenen els an, dis© Grundlagen von Ehre und Anstand zum alten Eisen geworfen hat. Aber sie sind kein es war mit! Tultes Eisen, sondern enthalten gerade diejenige lebendige Kraft, die jede Gemeinschaft er bereits pt zu ihrem Bestande nötig braucht; insbesondere eine Gemeinschaft, die höchste Opfer verlangt. Das Volk fühlt von Woche zu Woche klarer, daß die höchste Pflicht des sung, daß Mannes, für das Vaterland das Leben einzusetzen, zu selbstsüchtigen oder unsinnigen digkeiten ot Zielen mißbraucht wird. Auch in vielen Soldaten lebt diese Erkenntnis. Der Soldat Hitler seit I ıber braucht die Einheit zwischen sittlicher Forderung und gegebenem Opfer. Duldet unrichtig"man Spannungen in diesem Punkt, so muß sich das schwer rächen. Auch das Volk er- kumenten W)kennt immer mehr, daß es notwendig ist, dies tragische Verhängnis abzuwehren. 2 Die von Anfang an verhängnisvolle, ja sinnlose Doppelberrschaft von Staat und Partei hat die vorhersehbare Wirkung gehabt. Verantwortungsbewußtsein und Entschlußkraft sind gelähmt, Entscheidungen werden hin und her geschoben; einander widerspre- thende Entscheidungen lähmen die Verwaltung. Die Gauleiter erkennen die Autorität der Minister und der Reichsregierung nur insoweit an, als es ihnen paßt; da Hitler auf diese Gauleiter angewiesen zu sein glaubt, läßt er ihnen zu solchem anarchischen Tun iteie Hand. Bin Zerrbild geordneten Staatswesens ist in der Entwicklung. Gerade die |" inständigen Mitglieder der Partei, die an verantwortlichen Stellen wirken, bezeichnen d Ehrliebe,#]} bereits diesen Zustand als den Beginn der Anarchie; richtiger betrachtet, handelt es sich | „Tatsache um Agonie. Es ist ein offenes Geheimnis, daß z. B. der Herr Reichswirtschaftsminister Viensched\iele Maßnahmen, die auf seinem Gebiete durch einen verkrachten Textilindustriellen Deutsche jetroffen werden, wie z. B. die Geschäftsschließungen, nicht billigt. Aber da= Partei Bindunge® Y)7 lahintersteht, wagt selbst dieser alte Parteimann nichts dagegen zu tun. Und jener Gerichten" i Industrielle vertritt den perversen Standpunkt, daß das deutsche Volk erst dann seine Tojke erke Kräfte für den Krieg volleinsetzen würde, wenn niemand mehr etwas zu verlieren hätte. Jbst bei Man stelle sich diesen Gedankengang bis zu Ende gedacht vor! Bisher sind alle Kriege d% gu Wr teführt, um das, was ein Volk durch Generationen erarbeitet hat, zu erhalten und eine I bessere Zukunft zu gewinnen. Aber das ist noch nicht das Schlimmste: geradezu ver- nd hängnisvollist, daß die Männer, die hierfür verantwortlich sind, gar nicht daran denken, ich AP$olche Gedankengänge etwa bei sich in die Tat umzusetzen, sondern im Gegenteil alles nd er tın, um sich selbst den Wirkungen ihrer perversen Maßnahmen zu entziehen. Diese und IF Erkenntnis ist es, die die seelische Schwungkraft des deutschen Volkes total zerstört, Yeil es den Glauben an eine sittliche Führung verliert. 560 Anhang ) \liister Sp hat, der ein "iges Amt| 3! Hitler ist kein Feldherr; es wäre auch erstmalig in der Geschichte der Völker, daß ein Mann die Führung einer Millionenmacht meistern könnte, ohne in harter Schule sich bestimmte Grundelemente zu eigen gemacht zu haben, deren Erlernung selbst einem j Moltke notwendig war. Feldherrntum ist Hitler lediglich zum höheren Ruhm der Partei° sersprochen j durch Propaganda angedichtet worden. Wäre er ein Mann, so hätte er es von sich ge-” in, die ihn al wiesen und denjenigen zuerkannt, denen diese Bezeichnung gebührt. Sie aber hat er° kmuszubri abgefunden, wie es ihm paßte, hier mit Beförderungen, dort mit vorschnellen Entlas- 7'\xerundd sungen, ja mit Bestrafungen. Er hat sich nie gescheut, ihnen die Verantwortung für das° seaber unr H Unglück von Moskau(Winter 1941/42) zuzuschieben und verbreiten zu lassen, daß es° ı)die Zahl. R n! nur seinem persönlichen Eingreifen auf dem Schlachtfeld(er habe Generalen die Schulter- wegen ih j Y\ stücke abgerissen, er habe Verwundeten die Pelze der Offiziere gegeben und sie ver-” die Zahl. \ u bunden!!) gelungen sei, die Katastrophe zu wenden. Jüngst hat er den Reichspresse- schiedlicl chef Dietrich auf das verletzendste beschirnpft, weil er nicht verhindert habe, daß es in°')bestimmi der Presse so dargestellt sei, als ob die Südarmee unter dem Oberbefehl des General: besonder feldmarschalls von Manstein Charkow wieder erobert habe; der Rückzug in Rußland gebaut w sei vollkommen verfehlt gewesen. Wenn er(Hitler) nicht da gewesen wäre, wäre et müssen a noch viel schlimmer verlaufen! Er habe Charkow wiedererobert, nicht Herr von Transpoı Manstein.- Auf Hitlers Veranlassung ist im Dezember 1942 ein Werk zu Geschenk- etschwer zwecken erschienen»Glückhafte Strategie«. In ihm wird Hitler als der bedeutendste def” die Zersı bedeutenden Feldherren der Weltgeschichte dargestellt! Das Buch steht auf Wunsch zut nn, Bishe Verfügung. Betriebe Durch die verschiedensten Maßnahmen(besondere SS-Waflen- und Feldluftdivisio- bar, 450/ nen, Bestimmungen über den Ersatz im Offizierskorps, über Eheschließungen von Besamt\ Offizieren, Eingrifle in die unerläßliche Selbständigkeit der Truppenführung und in die En genial aufgebaute, auf Erzielung höchster Verantwortung gerichtete Einrichtung de$ 7 kurze 7 f Generalstabs, Erschwerung christlicher Stärkung des Soldaten usw.) hat er es unter: Üben Mi! nommen, mitten im Kriege die Wehrmacht und ihren erfolgreichen Einsatz anzunagen. 7 ı Möglich, N}’ Br: St(vgl; In der Ernährung werden wir nunmehr in kürzester Frist ebenfalls eine dauernd abfal- Mer. lende Linie betreten. Göring hat, um sich wieder beliebt zu machen, im Herbst 1942 Bi N wahrheitswidrig die Ernährungslage zu günstig geschildert. Die damals erfolgte Er 7 ku i höhung von Rationen war unverantwortlich, wir werden sie mit um so schärferen Bi, Herabsetzungen zu bezahlen haben. Re= Irgendwelche Brotgetreidereserven sind nicht mehr vorhanden. Aus der Ukraine te lassen sich bei den Transportverhältnissen und angesichts des schlechten Saatenstande$ en. nur kleine Mengen herausbringen. Balkan und Frankreich sind erschöpft. Staatssekretät Die N Backe hat Mitte März vorgeschlagen, das Abschlachten des ganzen Geflügels in Deutsch: N { land anzuordnen, um die Brotrationen zu sichern. Na une Die jetzige Fleischration wird aufrechterhalten durch Abschlachten von Milchkühen!% ik Je länger man sich scheut, die Lüge einzugestehen, je schlimmer muß diese Maßnahmt ker Stof auf die künftige Milch- und Fettversorgung wirken. in Pi In der Fettversorgung lebten wir von der Hoffnung, daß es gelinge, 50000. Tonnen?\ eig Ölsaaten aus der Ukraine oder durch Blockadebrecher hereinzubringen. Also auch hiet Ei; ab ein Hasardspiel. iche} 4 Da immer weniger sachkundige deutsche Menschen den Boden bearbeiten, da ihm a Hr eine immer geringere Düngung zugeführt wird, müssen die Ernteerträgnisse dauernd ke dB zurückgehen. Ähnliches gilt für die besetzten Gebiete, deren Leistungsfähigkeit und nn olk Leistungswillen fast planmäßig zerstört werden. Auch dort Anarchie. Der Gauleiter von Ostpreußen hat vor kurzem aus der Ukraine den vom Reichsernährungsminister ein“ gesetzten sehr tüchtigen Landesbauernführer aus ganz nichtigen Gründen fortgeschickt Dokument VII 561 5 ‚Minister Speer, der noch im Kriege jetzt so dringend benötigte Wohnungen abgerissen hat, der ein tüchtiger Architekt sein mag, dem aber doch jede Sachkunde für sein jet- ziges Amt fehlt, hat bei Amtsantritt Anfang 1942 Steigerung der Rüstung um 50% versprochen. Er hat nicht verfehlt, die Verantwortung hierfür auf Industrielle abzula- den, die ihm voreilig diese Möglichkeit zugesagt haben. Um sich selbst aus der Gefahr herauszubringen, wegen nicht erfüllten Versprechens belangt zu werden, halten Herr Speer und diese Industriellen vielfach auch heute noch an diesen Schätzungen fest. Daß ortung für dis} sie aber unrichtig sind, ist nicht schwer einzusehen: lassen, das'a) die Zahl der eingesetzten gelernten und ungelernten deutschen Arbeiter geht ständig ndie Schulter-" wegen ihrer Einziehung zur Wehrmacht zurück; ) die Zahl der ausländischen Arbeiter steigt zwar, ihre Leistungen sind aber sehr unter- schiedlich, außerdem sind sie eine wachsende politische Gefahr; habe, daß sa”<) bestimmte Rohstoffe(Gummi, Kupfer, Nickel u.a.) werden immer knapper; ins- | des Genetl- besondere gilt dies für die Kohle, die unter immer ungünstigeren Verhältnissen ab- ug in Rußlsd! gebaut wird. Mit der Kohle sinken Strom, Gas, Aluminium; selbst Zellulosefabriken wäre, wäte(C müssen allmählich stillgelegt werden, weil die Holzvorräte erschöpft sind und die icht Herr v04 Transportlage namentlich in der Ostsee Heranschaffung von Holz aus dem Norden "zu Geschetl-| erschwert; ‚deutendste 4" d) die Zerstörung durch englische Luftangriffe nimmt einen immer größeren Umfang uf Wunschzt} an. Bisheriger Schaden etwa 20-30 Mrd. RM. Bekannt ist, daß die Essener Krupp- | Betriebe zu rund 60%, vielleicht mehr, zerstört sind. 40000 Häuser sind unbrauch- Peldhafrdiis=" bar, 45% der Einwohner ihres Heims beraubt, und dies in zwei Angriffen von ins- ießungen"el gesamt 7o Minuten Dauer. Ich empfehle dringend, Generalstabsoffiziere in Zivil rung undind* immer wieder in die Zerstörungsgebiete des Westens zu entsenden; das nimmt nur ;inrichtung el kurze Zeit in Anspruch, gibt aber allein klaren Einblick in die ungeheure Bedeutung, ; er es un die diese Zerstörungen materiell und seelisch anrichten; gi anzunage) die seelische Schwungkraft läßt immer mehr nach. Das ist schon deshalb nicht anders 2 möglich, weil die Grundlage für die Entwicklung seelischer Kräfte ge- oder zerstört ist(vel. Ziffer 1). Die Wirkung dieser Tatsache wird durch die Wirkung der Luft- dauernd„bb angriffe erhöht; schon die vielen Alarmierungen tun das Ihre. Aus Heim und Haus- halt wird über Nacht zersetzendes, kollektivistisches Barackenleben. Für verlorenen Hausrat gibt es keinen oder kümmerlichen Ersatz: einen Löffel, ein Hemd usw. Die Bevölkerung sieht die Arbeit von Jahrhunderten und unersetzliche Kulturwerte der plötzlichen Vernichtung preisgegeben. Der Soldat kämpft zum Schutze einer Heimat, die sich immer mehr mit Trümmern bedeckt. Frauen und Kinder, für die er im Felde steht, sind fernab gleichen Gefahren ausgesetzt wie er. Die seit Jahren im Gang befindliche Schließung von Geschäften tut das Ihre. Sie ist in Anlage und Durchführung übereilt. Es werden Menschen frei gemacht, die infolge us der Ukez| -«ran D Spatensa0’T , Staatsseh" «Deuts gels!@ Da\lters usw. unbrauchbar sind. Verwertbare Menschen werden in Fabriken geschickt, ‚jehkihd I|vO Rohstoffe und Maschinen für sie fehlen. Es hat den Anschein, als ob man auch noch ‚on Mi la!) Niese Seite des totalen Krieges spielen will. Das ist um so unverantwortlicher, als mit diese uam diesen Maßnahmen eine breite Schicht des Mittelstandes vernichtet wird. Dieser Mittel- Yon\tand ist aber das Wertvollste, was ein Volk im Laufe der Jahrzehnte bildet. Er ist das , 50000» Natürliche Reservoir für die Führungsschicht, die sich aus ihm in noch längeren Zeit- , Also at!Äumen entwickelt. Die Schließung erfolgt vielfach nach Willkür. Alle Juweliere wissen heute, daß bestimmte, Herrn Göring nahestehende Juweliergeschäfte in Berlin ihre zn. BAR-- ä seele un Werkstätten weiter in Betrieb halten können. Alle diese Tatsachen sind längst dem deut- a schen Volk bekannt. Der Anblick der geschlossenen Läden tut das Seine. Nur wenn sfäble 7 man die Stimmung absichtlich nach unten treiben will, kann man so verfahren. Die Folge aller dieser Tatsachen kann nur sein, daß die Rüstungserzeugung im ganzen auernd zurückgeht. Mag die Panzererzeugung steigen, dann fällt die Erzeugung von Geschützen oder von Flugzeugen oder von Munition. Nimmt man dazu den Verlust an Anhang j 562 schweren und mittleren Waffen, an Fahrzeugen, der im Winter 1942/43 an der Ostfront|, dank der»genialen« obersten Führung entstanden ist, so kommt man zu dem harten MB InereVech logischen Schluß, daß dieser Verlust nicht mehr wettzumachen, geschweige denn eine les Sie; Verbesserung unserer Bewaffnung zu erreichen ist. nn dieo Diese wird auch dadurch nicht verbessert, daß Hitler krampfhaft Erhöhungen der Hkweicht n Produktion bald bei den Panzern, bald für U-Boote oder Flugzeuge, demnächst wohl Oel vo i für die Flak befiehlt. Jeder Sachkundige, der einen solchen Befehl entgegennimmt, weil Nosolini y Be bei seiner Entgegennahme, daß jeder einzelne nicht oder erst nach Ablauf von vielen lan E a: N Monaten vielleicht erfüllbar ist, daß sie aber miteinander nicht nur nicht durchführbar L. sind, sondern daß dies Miteinander ein Durcheinander nach unten ergibt. Dies Durch- Mrkeh einander muß eintreten, wenn die obersten Stellen durch den Wahnsinn der obersten\, Führung sich gehindert glauben, schon beim Empfang solcher Befehle die Unausführ- E DR barkeit geltend zu machen. Dies geschieht nicht. Es ist zweifellos ein ungeheuerlicher|, 1 Zustand, daß als unausführbar oder schädlich erkannte Befehle nach unten ungefiltert Bo weitergegeben werden, bis sie schließlich ganz unten ihre Unausführbarkeit erweisen,|., zn nachdem sie in allen Zwischenstellen Verwirrung angerichtet, Kräfte und Zeit über- Bi flüssigerweise beansprucht haben. ia ratiscl Eine Reserve allerdings haben wir noch in der Mechanik der Rüstungsproduktion: mu son weiter fortzuentwickelnde Rationalisierung. Aber sie hat zur Voraussetzung beste Oltischen I Sachkunde der von oben kommenden Dispositionen und höchsten Leistungswillen von eindeutig unten. en Entsc Selbstverständlich machen auch die Gegner schwere Fehler; aber vier Tatsachen sind> verblei auf ihrer Seite vorhanden: ‚ Japan hat 1. eine größere Menschenreserve, u Als die: 2. eine, insbesondere nach dem Hinzutritt Südamerikas hinreichende Rohstoflreserve,“seiner 3. eine genügende Fähigkeit, sich der U-Boot-Gefahr zu erwehren und die Abwehr zu ‚Chin, ar verbessern, F pien, Rs 4. eine geradezu ungeheuer überlegene politische Führung. Be en Wint Man muß England kennen, um den großen Unterschied in englischer und deutschet” Staatsführung objektiv zu begreifen. Wir haben einige Male solche Vollendung poli-) Iapan tischer Führung gehabt: beim Großen Kurfürsten, bei Friedrich dem Großen, bei“ändigen Bismarck. Im übrigen sind wir Deutschen zu sehr darauf aus, unsere soldatische Über- A durchan legenheit ausschließlich ins Feld zu führen, wir lassen den Kopf nicht genug arbeiten,"en, we außer im rein Militärischen. England aber führt seine Kriege mit dem Kopf. Es schont j"garn sie] und spart Menschenleben, es geizt nicht mit der Zeit, es gewinnt dank seiner vorzüg- deutsch. lichen Nerven, durch geschickte Mobilisierung und Ausnutzung aller Kräfte in det Sinti Welt schließlich so viel Kraft, daß es auch gefährlicher Situationen Herr wird. Wir sehen"Barien is diese Politik jetzt wieder am Werke, wenn wir die Vorsicht bei der Behandlung Ruß- lands betrachten. Prestigeverluste sind England gleichgültig, solange sie den Krieg nicht entscheidend beeinflussen. Hitler aber /ebf vom Prestige und wird daher dauernd zu unsachlichen, zum Teil wahnwitzigen Maßnahmen verleitet. 6 Im Westen und Süden Deutschlands steigt die Abneigung gegen Preußen. Das ist zwat höchst unsachlich, aber in der historischen Entwicklung begründet. Ich bekenne mich als Preuße und betrachte es als eine Ehre, daß in schweren Zeiten die Verantwortung Preußens auch besonders schwer gewogen wird. Österreich hat in allen Schichten seines Volkes dem Deutschen Reich innerlich die Gefolgschaft aufgesagt. Das war bei den seit 1938 angewandten Methoden klar voraussehbar. Mit Worten ist diese Abkehr nicht mehr zu ändern. en ee rn ee en der Ostfront 1 dem harten ige denn eine Yöhungen det nnächst wohl nimmt, weiß uf von vielen durchführbar ‚ Dies Durch-F \ der obersten ie Unausführ- gebeuerlichtt ten ungefiltert keit erwel nd Zeit ül | osproduktiof} setzung, beste] ngswillen vod? | Tatsachen$ stoffreserve, Jie Abwehr 24 5 f Al und deutscikt? Ilendung PO”! 1 Großen, bil ‚Kräfte in© yird. Wirsebe Dokument VII ee 17 Unsere Verbündeten nähern sich dem Ende ihrer Kraft und sind am Ende ihres Kriegs- " willens. Sie glauben nicht mehr an einen Sieg Deutschlands. Voraussichtlich werden die ersten, die offen ausscheiden, Italien und Finnland sein. Die Linie der italienischen Poli- tik weicht immer erkennbarer von der Hitlers ab. Italienische Truppen werden aus dem Osten, italienische Arbeiter aus Deutschland zurückgezogen. Seit November hat Mussolini Hitler nicht im Zweifel darüber gelassen, daß Italien sich an neuen Oflensiv- handlungen nicht mehr beteiligen könne, und daß der Verlust von Tunesien eine neue politische Lage schaffen werde. Es ist offenbar das Ziel seiner Politik, sich für diesen Zeitpunkt freie Hand zu sichern. Auch aus verschiedenen Verlautbarungen der»Agencia Stephani« geht klar hervor, daß Mussolini beginnt, wieder selbständige Politik zu nachen. Diese ganze Haltung Mussolinis beweist letztlich, daß er keine Notwendigkeit nehr sieht, militärische Maßnahmen Hitlers gegenüber Italien zu fürchten. Finnland hat vorsichtige Fühlungen mit Rußland aufgenommen. Es hat eine Koali- Honsregierung einschließlich der dort sehr starken, aber sehr gemäßigten Sozial- demokratischen Partei gebildet, nicht, um sich stark für die Fortsetzung des Krieges zu machen, sondern um die Verantwortung für den unvermeidlichen Friedensschluß allen politischen Kräften aufzuerlegen. Die Lage Finnlands ist so ernst, die gesamte Weltlage so eindeutig, daß irgendwelche Zukunftsversprechungen Hitlers an dem grundsätz- ichen Entschluß Finnlands nichts mehr ändern können. Es wird nur dann an unserer Seite verbleiben, wenn Rußland ihm die staatliche Selbständigkeit verweigert. Japan hat im Herbst 1942 vergeblich versucht, zwischen Hitler und Stalin zu vermit- teln. Als dies mißlang, hat es sich mit Rußland so weit verständigt, daß Rußland einen Teil seiner Fernostarmee nach Europa hat werfen können. Japan ist nicht in der Lage, tn China, am Malaienarchipel, in Hinterindien und gleichzeitig gegen Rußland zu kämpfen. Es wird also nur den Krieg im Rahmen seines engsten Interesses führen. Es lurchschaut die europäische Lage vollkommen klar; also wird es jetzt, nach dem rus- ischen Wintererfolg, nicht etwas tun, wozu es vor diesem Erfolg sich nicht stark genug fühlte. Japanische Politiker denken durchaus an die Möglichkeit, sich mit England zu rerständigen; sie wissen, daß England ein Gegengewicht gegen Rußland braucht, und \ind durchaus bereit, ein solches darzustellen. Es fragt sich nur, ob England zu irgend- velchen, wenn auch billigen Konzessionen gegenüber Japan bereit ist. Ungarn sieht seine Zukunft nach wie vor in Anlehnung an Italien. Früher fürchtete es den deutschen Druck, jetzt fürchtet es die Folgen seiner Vergrößerungspolitik gegen- iber sämtlichen Nachbarn. Bulgarien ist entschlossen, nicht,in den Krieg einzutreten, und sich hierüber auch mit ler Türkei einig. Das bulgarische Volk würde seinen König absetzen, falls er den Kampf gegen Rußland verlangt. Die Armee ist schlecht bewaffnet. Auch ist wichtig zu wissen, daß schon vor diesem Kriege in Bulgarien und Jugoslawien einsichtsvolle YolitikereineUnion zwischen den beiden Ländern befürworteten. Diese Pläne sind wieder safgenommen, und die dynastischen Schwierigkeiten sind inden! lintergrund getreten. Die Türkei hat sich mit den Angelsachsen verständigt; dazu bedarf es keines schrift- lichen Vertrages. Wie ich seit Jahren betont habe, ist der Haß gegen Italien die nationale leidenschaft der Türken. Ihr Ziel ist die Wiedergewinnung des ihnen von Italien 1919 !bgenommenen Dodekanes. Hieraus hat sich von vornherein auch in diesem Krieg ihre Haltung ergeben. Schweden vertritt auf politischem wie wirtschaftlichem Gebiet immer stärker sein " Ihteresse. Es gibt uns keine Kredite mehr, es macht Schwierigkeiten bei Durchtranspor- ttn, liefert desertierte deutsche Soldaten nicht aus usw. Alles Dinge, die es sich noch or zwei Jahren nicht gestattet hätte. In der Schweiz ist die gleiche Entwicklung vollkommen einwandfrei festzustellen. Wir sehen also, daß sich hinter den kriegerischen Ereignissen bereits eine neue poli- sche Orientierung vollzicht. Es fehlen nur noch einige Rückschläge auf der Seite 564 Anhang Hitlers, und der dünne Nebel, der über diesem politischen Vorgang liegt, zerreißt zum je politise Schrecken des deutschen Volkes, das sich dann vollkommen isoliert schen wird. Die keipeführt, Welt hat ganz einfach das getan, was jeder verantwortungsbewußte Staatsführer tun I nsnicht di muß: sie hat die Folgerungen aus der Lage Deutschlands gezogen. Alle Staaten außer- I gmtbild ve halb Deutschlands wenden sich zur Wahrnehmung ihrer Interessen von der Hitlerscheg"yes Ges: Politik ab und dem Kraftmagnet der angelsächsischen zu. gestellten 1 Es liegt auf der Hand, daß das Ausscheiden auch nur eines kleinen Bundesgenossea 1918 war auf Stimmung und Leistung im Volke und an der Front weiter leistungsmindernd wir- Veges zu z ken muß. Verständig, Verhängnisvoll erinnert diese Entwicklung an die seit Frühsommer 1918 sich voll ndentsch! ziehende. Viel zu spät haben damals die verantwortlichen Stellen in Deutschland einer engehen ähnlichen Entwicklung Rechnung getragen. Es wäre sehr bequem, sich damit zu trö- ie Gunst d sten, daß im vorigen Weltkrieg die Kriegskraft Deutschlands von innen heraus mehr Henn oder minder planmäßig zerstört sei, weil die Staatsführung nicht energisch genug ever ya destruktiven Tendenzen entgegengetreten sei. Was auf diesem Gebiete damals ver- kemußterp säumt sein mag, wurde aufgewogen durch die sachlich richtige, tiefe Überzeugung des Erkemniis, Volkes, daß der Krieg unvermeidbar war, und durch die ebenso berechtigte Gewißheit, daß alle führenden Männer sittlich unangreifbar waren. Dieser Glaube, diese Überzeu- 1 Be gung und diese Gewißheit sind heute nicht nur nicht vorhanden, sondern sie können gat ‚ nicht vorhanden sein. Daraus und aus der Vernichtung von Recht und Anstand ergibt Yin Kan sich ein erschreckender Mangel an seelischer Schwungkraft; er ist um so verhängnis-", Zei voller, als er, durch Terror und unwahrhafte Propaganda verhüllt, sich plötzlich in aller wir Furchtbarkeit enthüllen wird, wenn diese Mittel gegenüber der Gewalt der offenbaren u Tatsachen versagen. Ja, wenn sich der sittlichen Lauterkeit der deutschen Führung im eben er ersten Weltkriege heute eine etwas härtere Faust gesellen würde als damals, dann ließe A% sich über die Vermeidung von 1918 sprechen; aber die Umkehrung des Verhältnisses, Yalke in die harte Faust obne Sittlichkeit, die wird sich als noch viel unglückseliger erweisen als Bde$ die Mischung von 1917/18.. In p Keine Beschönigung, kein Einlullen unseres Gewissens enthebt eine verantwortungs: Be bewußte Führung, rechtzeitig die Folgerungen zu ziehen, die allein das heranrückende Unheil abwenden können. 1918 lehrt uns, was rechtzeitig ist. Wenn man nach gewissen: m= hafter Prüfung zu der Überzeugung kommt, daß man den Krieg nicht mehr gewinnen Bi und eine günstigere Situation für Verhandlungen nicht mehr herbeiführen kann, dann Su Bes muß man an die Stelle des militärischen Tuns das politische setzen, und wenn die vor#\ etenl handene Staatsführung sich die Wege dazu verbaut hat, dann muß sie selbstverständlich vo weichen, wie das noch immer in der Geschichte jedes Volkes der Fall gewesen ist, ins- rk besondere aber dann, wenn diese Staatsführung sich selbst so in den Vordergrund anlie gestellt und so schr die Verantwortlichkeit aller anderen ausgeschaltet hat. Sieht eine Oltik a solche Staatsführung nicht ihre selbstverständliche Pflicht, das eigene Geschick für!echtzeit nichts, das des Volkes für alles zu achten, so muß ihr das beigebracht werden. Hi B ch die 8 Eh, Mit den bisher angewandten Mitteln und in dem bisher geübten Verfahren kann über‘ 919 ni haupt kein Krieg gewonnen werden. In diesem Krieg hat sich falsche oberste Führung Bnüg bereits so tiefgehend ausgewirkt, daß es nicht mehr möglich ist, mit militärischen Mit- ctzen, teln den Kriegswillen der Gegner zu brechen und so zu einem guten Ende zu kommen: Politisch, Aber durch Zusammenwirken anständiger und verständiger politischer und militä-“Umache, rischer Führung ist die Lage noch zu retten. Als aa, Im Herbst 1917/18 hatten einsichtige Generalstabsoffiziere und Politiker klare Er- ‚ücken kenntnisse gewonnen. Es ist ein Verhängnis gewesen, daß Ludendorff erst im Septem“"Bepen ber 1918 unerschütterliche Klarheit gewann und bis dahin, wie die Urkunden beweisen, 4“im J: zwischen den verschiedenen Möglichkeiten militärischer Erfolgserzielung doch eben® Mehr, geschwankt hat; dies in Verbindung mit einer ebenfalls unschlüssigen und schwanken:| M Si Die Mir, Staaten außer: ler Hitlerschen; undesgenosstt! mindernd wir" | 1918 sich voll: utschland einet? ı damit zu ttb- n heraus mehr ergisch genug te damals we) yerzeugung des) gte Gewißhel diese Überzei- ‚sie können gif; Anstand erg so verhängal“ lötzlich in all der ofenbat@ en Führung 9 nals, dann j s Verhältnist®s? ser erweisen&# erantwortunf”” heranrückett nach gewiss#" mehr gewin® ‚ren kann, das | wenn die w Ibstyerständ gewesen ist, A Vorderglt Dokument VII 565 den politischen Führung hat dann mit Naturnotwendigkeit den Zusammenbruch her- beigeführt. Wir dürfen jetzt nicht den gleichen verhängnisvollen Fehler begehen und uns nicht durch die neuerlich sachkundig erzielte Konsolidierung der Ostfront das Ge- samtbild vorübergehend verzerren lassen. Wir dürfen nicht zum zweiten Male unser ganzes Geschick dem ungewissen U-Boot-Krieg anvertrauen; er kann an den hier fest- gestellten Tatsachen nichts Entscheidendes ändern. 1918 war der Entschluß, rechtzeitig die Folgerungen aus der Unmöglichkeit des Sieges zu ziehen, schwer. Denn es war ungewiß, wie die Kriegsgegner sich zu weiteren Verständigungsversuchen verhalten würden. Auch sah Ludendorff sich keinem klaren und entschlossenen Politiker gegenüber. So kam es nicht zu dem notwendigen Zusam- mengehen zwischen militärischer und politischer Führung, die allein ermöglicht hätte, die Gunst des Augenblicks zu erreichbaren Zielen rechtzeitig zu nützen. Heute muß der Entschluß zu richtigem Handeln ebenso leicht sein, wie er damals schwer war. Abhängig ist er von der Herstellung sachverständiger, verantwortungs- bewußter politischer und militärischer Führung. Flieran ist nichts abzudingen, so hart diese Erkenntnis sein mag. Dafür ist aber klar erkennbar, wie die entscheidenden Teile unserer Gegner, nämlich die Angelsachsen, auf eine solche Wendung in Deutschland reagieren würden, ja müssen. Es wäre auch beschämend, wenn sich in der Generation mit den seit 1914 gewonnenen Erfahrungen nicht auch genügend energische und geschulte poli- tische Köpfe fänden. Sie sind in genügender Zahl in Deutschland vorhanden, allerdings zur Zeit nicht an offiziellen Stellen. Es wäre daher für Männer, die jene bitteren Erfahrungen, jene verschiedenartigen politischen und wirtschaftlichen Zustände in Deutschland seit 1914 handelnd miterlebt haben, trostlos, wenn zum zweiten Male der rechte Entschluß zur rechten Zeit ver- säumt würde. Wer es immer versäumt, wird es mit voller Verantwortung vor dem Volke und vor der Geschichte zu bezahlen haben. Das Schicksal der Intelligenz steht auf dem Spiele; sie hat in jedem Volke die organische Aufgabe, das Volk recht zu füh- ren. Versagt sie, so ist sie unrettbar geliefert. I Welche Ziele sind denn noch durch richtiges Handeln erreichbar? 1) Der Bestand des Reichs in den Grenzen von 1914, vermehrt um Österreich und Sudetenland. Vielleicht wird es notwendig sein, sich mit den Franzosen auf die Sprachgrenze zu verständigen, wie sie etwa 1918 oder 1938! feststellbar ist. Durch eine solche Verständigung würde erstmalig der alte Kampfbegriff Elsaß-Lothringen eliminiert werden. Das mag dem Nichtpolitiker oberflächlich erscheinen. Für eine Politik aber, die auch europäisch denken und sich daher darüber klar sein muß, daß rechtzeitige Schonung von Empfindlichkeiten gewaltige Früchte bringen kann, sind solche Erwägungen nicht ohne wesentliche Bedeutung. b) Auch die führende Stellung Deutschlands auf dem Kontinent kann noch erarbeitet werden. t) Erreichbar ist sogar noch die Wiedergewinnung Südtirols. Wir wissen, daß die Entente 1919 nicht sehr freudig dieses Gebiet an Italien gegeben hat. Sie wird es heute mit Vergnügen an Deutschland zurückfallen lassen, wenn wir selbst fähig sind, es zu besetzen. Der Raub dieses Gebietes durch Italien war eine solche bevölkerungs- politische Infamie, daß wir uns nicht zu scheuen brauchen, diesen Raub wieder gut- zumachen. Ich mache überdies darauf aufmerksam, daß die Wiedergewinnung Süd- tirols das beste Mittel wäre, um Österreich im deutschen Reichsverbande aus freien Stücken zu haıten. () Dagegen ist der Zeitpunkt, Kolonien je/z/ zu erwerben, verpaßt. Das wäre wohl vor einem Jahr noch möglich gewesen. Ich habe rechtzeitig darauf aufmerksam ge- macht. Heute stehen wir vor der Frage, ob wir es noch verantworten können, an der 1 Die mir vorliegende Kopie hat 1935, was aber wohl ein Schreibfehler ist. 566 Anhang Kolonialfrage einen im Augenblick noch möglichen, eben skizzierten Frieden schei-° Sirkung: tern zu lassen. Unsere Stellung ist überdies dadurch ungeheuer erschwert, daß in I ferenauf den besetzten Gebieten und den Juden gegenüber Methoden der Menschenbeseiti- 9 Auchd gung und der Glaubensverfolgung angewendet sind, die niemand vor der Öffentlich- nicht us keit gutheißen kann, die öffentlich niemand verantworten wird und die dauernd als 7 Englands schwere Belastung auf unserer Geschichte ruhen werden. Man kann sie ebensowenig° den Kam wegwischen wie die Blutspuren auf dem Schlüssel zu Blaubarts Kammer. Dagegen ihrerzun ist noch zu erreichen, daß man sich darauf einigt, nach einem gewissen Zeitraum im Rah- englische men der ostasiatischen Bereinigung und eines größeren Weltabkommens auch über Helch, die Beteiligung Deutschlands an Verwaltung und Besitz von Kolonien sich zu ver- 7 genzusc ständigen. Wir müssen einmal lernen, harten Tatsachen politisch ebenso Rechnung zu Meinsarn tragen, wie auch der So/dat gewohnt ist, solchen Tatsachen bei der Kriegführung Wirste nicht aus dem Wege gehen zu können. Kühnheit ohne Tatsachensinn ist leichtfertig. ee. Ger Allmählich läßt sich bei energischer und geschickter Zielverfolgung koloniale Be 7 fireine: tätigung Deutschlands erreichen. Einigung Einkla 10 wäre kin. Weswegen sind diese Ziele noch erreichbar? Sache En a) England und USA haben dasselbe Lebensinteresse wie Deutschland, daß Europa so"| jefirE bald wie möglich zur Ruhe kommt, um ihnen die überquellenden Rohstoffe und Deutsch] Nahrungsmittel abtauschen zu können. Ohne die Wiederingangsetzung dieses als das Tauschverkehrs sind die angelsächsischen Weltreiche verloren. Andere Menschen, Ded; die in gleicher Weise kaufkräftig sind wie die 350 Millionen Europäer, gibt es auf ee 5 dieser Welt nicht. England und Amerika sind wie Deutschland mit Schulden schwer nk belastet; sie hindern diese beiden Weltreiche, die nach dem Kriege auch bei ihnen an- Hin wachsenden Arbeitslosen mit öffentlicher Unterstützung zu befriedigen. Produktive ach E Arbeit ist erforderlich. Wenn also jene Erzeugnisse keine Abnahme finden, so sind Der; schwere soziale und politische Revolutionen eherne Folge. Um den europäischen Rücksich Markt wird England sich bald nach dem Kriege mit USA streiten. Diese Interessen- bed gegensätze sind jetzt schon erkennbar. Naiv wäre es, an die Möglichkeit zu glauben, pl daß man sie während des Kampfes ausnützen kann. kann q Ein solches geordnetes, friedlich arbeitendes Europa ist aber nur zu haben, wenn= f 2 sein Zentrum Deutschland befriedet und befriedigt ist. In. b) Die beiden angelsächsischen Weltreiche haben wie Deutschland ein Lebensinteresse Ne r daran, daß der Bolschewismus nicht weiter nach Westen vordringt. Nur Deutschland e> ei kann den Bolschewismus aufhalten. Wenn Deutschland durch Kriegsverlust und ra N ungünstigen Frieden geschwächt wird, dann findet der Bolschewismus leichteren, ws vielleicht allzu leichten Weg nach dem Westen. ee c) England hat ein Lebensinteresse daran, daß kein starkes Rußland aus diesem Kriege m i A hervorgeht, denn dieses Rußland kann als einzige Macht England auch ohne Flotte rs ge in Indien, in den Meerengen von Konstantinopel, also in Vorderasien und im Fernen ‚Yende Osten empfindlich treffen. Rußland hat seit September 1942 sich diese Möglichkeit Pi durch Verständigung mit Japan offengehalten. Rußland kann, wenn Deutschland den He ka Krieg verliert, sein Verhältnis zu Japan bis zum Bündnis gestalten. Es würde damit"enhaf den Angelsachsen die Niederwerfung Japans unmöglich machen. ‚ndi Der Gegensatz England-Rußland ist in Casablanca erneut offenbar geworden. Es Ei Di wäre kindlich, davon zu träumen, daß sich beide Mächte während des Krieges tren- Yidme nen werden. Dazu haben sie zu nüchterne und kluge politische Führungen. Aber Sen zu ebenso töricht wäre es, die innere Notwendigkeit ihrer Gegensätze auch nur einen Augenblick zu übersehen. Sie sind auch bei den Versuchen der Finnen, mit Rußland zu einem günstigen Abkommen zu gelangen, in die Erscheinung getreten. Stalin hat die Finnen wissen lassen, daß sie als Vorbedingung für jeden Waffenstillstand Petsamo und Hangö abtreten müßten. Für England und Schweden sind schon diese j| Dokument VII 567 Frieden schei- Stärkungen Rußlands gefährlich. Aus ihrem politischen Rat an die Finnen ergibt sich hwert, daß in deren auffälliges Kurztreten. .nschenbeseiti- Auch die Vorsicht, die England im Errichten einer zweiten Front walten läßt, ist der Öffentlich- nicht nur ein Beweis für die menschensparende militärisch schwerfällige Politik lie dauernd als e ebensowenig mer. Dagegenf Englands, sondern auch dafür, daß England gar keine Veranlassung sicht, Rußland den Kampf zu schr zu erleichtern. Selbst die Luftangriffe auf Deutschland sind trotz ihrer zunehmenden und weitreichenden Wirkung doch so dosiert, daß man klar den iraum im Rat-"" englischen Wunsch erkennt, Deutschland nicht zu zerschlagen, es aber genügend yens auch übe deutlich aufzufordern, nun auch das Seinige zu tun, um rechtzeitig die Voraussetzun- en sich zu vel- gen zu schaffen, mit denen die Vorherrschaft eines bolschewistischen Rußlands ge- o Rechnung zu meinsam abgewendet werden kann. Kriegführung Wir stehen aber auch hier in der letzten Phase der Ausnutzbarkeit dieser Interessen- ist leichtfertit» lage. Gerade jetzt wird in Washington darüber verhandelt, daß Rußland als Preis ‚ koloniale Bt- für eine angelsächsische Offensive auf Europa seine Kriegsziele begrenzt. Ist diese Einigung erfolgt, verengen sich unsere politischen Möglichkeiten. Ein klareres Spiel der gegnerischen Politik kann man wirklich nicht verlangen. Es wäre kindisch, sich eigensinnig auf den Standpunkt zu stellen, es sei ja schließlich Sache Englands, dies alles zu verhindern. Das heißt die Notwendigkeit verkennen, daß Europa* die für England besteht, wie sie zu Beginn des vorigen Jahrhunderts für Preußen- Rohstoffe un Deutschland bestand, ein unberechenbares, zum Wahnsinn gesteigertes System— da- mals das napoleonische- aus dem politischen Leben der Völker zu entfernen. Die Durchführbarkeit der aufgeführten politischen Ziele habe ich auf meinen Vorkriegs- reisen in England und USA festgestellt. Sie kann jederzeit durch Fühlungnahme mit setzung dies Iere Menscht! ier, gibt es#' -hulden schw den Angelsachsen erwiesen werden. Ich rate aber von einer solchen vorherigen -h bei ihnen‘ Fühlungnahme ab, weil sie nur als moralische Schwäche gedeutet würde. Es liegen en. Produktit auch so genügend sichere Anhaltspunkte für die Erreichbarkeit dieser Ziele vor. Enden, so si Der Verwirklichung der obengenannten Ziele steht heute keine gleich starke 1 europäisch Rücksicht auf Frankreich gegenüber, wie sie 1918/19 die Engländer und Amerikaner jese Interes“® bedrückte. Das Versagen Frankreichs hat in England sehr peinlich gewirkt; die ceit zu glaube! h Engländer sehen sehr klar, daß Frankreich kein Damm mehr auf dem Festlande sein I} kann, daß sie nunmehr entschlossen sein müssen, ein neues Gleichgewicht zu erstre- ben, das da etwa lautet: Europa mit deutscher Stärke gegen Rußland. An dieser Gestaltung sind nicht nur unsere jetzigen Verbündeten, sondern auch die yu haben, wel ebensnotwendig inter- x Neutralen, eigenartigerweise auch Polen und Tschechen, 1 ensintere®}} el essiert. Sobald die politische Führung Deutschlands wieder zu denjenigen unerläß- syerlust w lichen Grundelementen menschlichen Zusammenlebens zurückkehrt, die bisher auch en jejchtef®| von einem starken Deutschland anerkannt wurden(Menschlichkeit, Ritterlichkeit, nr Recht, Anstand), werden wir schen, wie schnellsich einem solchen Deutschland nicht use K die allgemeinen Sympathien, wohl aber die W ucht gemeinsamer Lebensinteressen De zuwenden. Denn selbst Polen und Tschechen sind in ihrem Bestande davon abhängig, daß Deutschland genügend Widerstandskraft gegenüber Rußland behält. Ich kann in sichere Aussicht stellen, daß ein Deutschland, das sich außer einer S Möglie C,..1..-.- 5 ch and ehrenhaften, sachkundigen militärischen Führung wieder eine- einfach gesprochen— Er de anständige politische Führung gibt, binnen 48 Stunden den Luftkrieg beendet sehen mit den Westmächten ; würde 2 Se P:;} Es kann. Die nächsten Schritte können dann einer Entspannung |„alle Kriegskräfte des deutschen Volkes auf den gewidmet sein, die es ermöglicht r gewordeN:"; | siegt Osten zu konzentrieren. sieg® es N. jhrungen" PM| ı ch nut.:.: r:. Ale Damit komme ich zu den Voraussetzungen, die geschaften werden müssen, um diese un- ZUNBEN, 8 stm Bestand und unsere Zukunft sicherstellenden Ziele zu erreichen: a) Unsere Wehrmacht darf noch nicht(vgl. Denkschrift Niemann) unfähig erscheinen, darf dem Gegner noch nicht in der Nähe winken. weiter Krieg zu führen; der Sieg 568 Insbesondere muß die deutsche Wehrmacht fähig bleiben, die Ostfront nicht weiter westlich als die alte Ostgrenze Polens zu halten. Dies ist wichtig, weil wir dann sowohl den Polen wie den Angelsachsen gegenüber den Schlüssel für das Ge schick Polens in den Händen halten. b) Unser Rüstungspotential darf nicht weiter durch Zerstörungen und durch Unsach- lichkeit vermindert werden, c) Deutschland muß eine anständige, sachkundige Führung erhalten. d) In den besetzten Gebieten ist ein rein militärisches Regime einzurichten, das nach anerkanntem Völkerrecht auf den Grundlagen des Anstandes die Ordnung aufrecht erhält, e) Gleichzeitig ist zu erklären, daß Deutschland entschlossen ist, die politische Selh- ständigkeit dieser Gebiete schrittweise wieder herzustellen, sowie es die Entspan- Anhang nung der politischen Lage gestattet. Die Entspannung wird beschleunigt, wenn« möglich ist, in den Gebieten je nach ihrer Verfassung ordnungsmäßige selbständige Regierungen herzustellen. Dies gilt in vollem Umfang auch für Polen. Die Ein- ändiges, gliederung Polens in Deutschland wäre auch für uns kein Segen, Bin selbs tichtig behandeltes Polen wird ganz von selbst wirtschaftlich und politisch An schluß an Deutschland suchen müssen, Nach Möglichkeit ist ihm Staatsunion mit einem im übrigen autonomen Litauen(Zugang zum Meer) zu verschaffen, f) Über die zukünftige Gestaltung Buropas sind sofort klare, schöpferische Erklärun- gen abzugeben, schon damit wir wieder die Initiative gewinnen(siehe Zifler 13 b). 12{ Die neue deutsche Verfassung muß sich auf die Mitarbeit aller anständigen Deutschen aller Schichten gründen. Sie darf ebensowenig die reaktionäre Wiederherstellung ver gangener Zustände im Auge haben wie das Schicksal der Nation radikalen und illu- sionistischen Elementen anvertrauen. Sie muß entschlossen die Folgerung daraus zie hen, daß ein großer Teil der Intelligenz Deutschlands, insbesondere in der Schwer industrie, politisch und moralisch versagt hat. Daraus werden sich sowohl auf wit: schaftlichem wie auf politischem Gebiet Folgerungen ergeben. Die wichtigste ist dit nun wirklich volle und auf Vertrauen gegründete Eingliederung der verständigen Ar beiter in Staat und Wirtschaft auf der Grundlage voller Mitverantwortung. Ohne Vet: antwortung und Leistung kein öffentliches Recht und kein öffentliches Amt. Jede Spaltung des Volkes in Partei und Nichtpartei muß vermieden werden, ebens jede unsinnige Spaltung nach Generationen. Geschichte und Geschick eines Volkes werden durch den harmonischen Zusammenklang der die verschiedenen Lebensaltet beherrschenden Kräfte bestimmt und erreicht, nicht durch das törichte Geschwätz von Unterschied in den Generationen. Es leben ja auch dauernd sämtliche Altersstufen nebeneinander und nicht etwa klar abgegrenzte Generationen. Die einzige Spaltung, di” es in Deutschland geben darf, ist die zwischen anständig und unanständig. Es stehen gerade unse: rer Generation genügend Erfahrungen zur Verfügung; es stehen auch genügend Män- ner bereit, die solche Erfahrungen besitzen, die bereits bewiesen haben, was sie leisten können, und die bereit sind, auch in schwerster Zeit und auf jede Gefahr hin sich zur Rettung des Vaterlandes einzusetzen. Die Namen stehen auf Wunsch in persönlicher Besprechung zur Verfügung. Dem Papier können sie aus naheliegenden Gründen nicht anvertraut werden, Die Träger dieser Namen gehören allen Schichten der Bevölkerung, allen deutschen Landesteilen an; es ist wesentlich, zivile und militärische Kräfte in einer Regierung zu vereinen. Recht des handelnden Soldaten ist es, den Politiker zu bestim men, dem er Vertrauen entgegenbringt. Dieser muß sich dann im Benehmen mit jenem die geeigneten Mitarbeiter wählen. Deutschland bedarf einer monarchischen Spitze, die eine stetige Innen- und Außen- politik gewährleistet. Bine wählbareSpitze vermag das nicht, jedenfalls nicht nach Charak* ter und Tradition der Deutschen. Es ist wichtig zu wissen, daß insonderheit die Arbe- ‚ltelungswei "hie, mnächs hstellen, In: Itressen vol ehlshabern Sit Progras lm Imern: Kabinettsbi zı können Einstweiler fültige Ver Sofort\ Viederh Olaubens- Trennur Phlitik trei Ihnen leber Kr Erzieht \ür kirchlii ftchte aus, Aufbau Wiederh Ülichzeitig Ordaun; Vereinfa &dinpten «haft, die N Note, Nung der fützt, Priy k Wiedert nkisge Charakters Nternehn Kitiper A M Derech "ischen j Äufrech Und Unter Nr Änuer "en zu] \ ah anfıy inigun gung ter heute eine monarchische Spitze mittragen würden, die ihnen als Verkörperung de) Dokument VII 569 efreiungswerkes erscheint. Später wird diese Lösung schwieriger sein. Aber möglich tes, zunächst diese Frage oflen zu lassen und an die Spitze des Staates einen Regenten tı stellen. In seiner Person muß sich der Ausgleich aller politischen und militärischen Interessen vollziehen. Unter ihm ein Oberbefehlshaber der gesamten Wehrmacht mit durch Unsıchl Fefehlshabern der Wehrmachtteile und ein Kanzler mit verantwortlichen Ministern. Ostfront. nich! htig, weil wi sel für das Ge 3 ten, das nal Somit Programm: ı) Im Innern: Die verantwortliche Reichstegierung, die wieder in ordnungsmäßigen Kabinettsberatungen arbeiten muß, erhält genügend Bewegungsfreiheit, um führen zu können; unerläßlich aber ist eine Kontrolle durch eine Vertretung des Volkes. Einstweilen nur Beratungsorgane in Reich, Kreisen, Ländern und Gemeinden. End- Inung aufrecht politische Selb :s die Entspi0 inipt, wenn© gültige Verfassung erst nach Rückkehr der Frontsoldaten. ge selbständizt Sofort Wiederherstellung der alleinigen Souveränität des Staates. olen, Die Ei Wiederherstellung von Recht und Anstand, von Gewissens- und Geistes-, von \ selbständig Glaubens- und Religionsfreiheit. | politisch Aa Trennung von Staat und Kirchen, die sich selbst erhalten müssen und keine staatsunion mi! Politik treiben dürfen. Saubere Vermögensauseinandersetzung; dafür weist der Staat ifen, ihnen lebensnahe Aufgaben, insbesondere auf dem Gebiet der Wohlfahrtspflege und ische Brklänte der Erziehung zu und bekennt sich klar zu christlichen Grundsätzen. Eine Abteilung er ifier sad für kirchliche Angelegenheiten im Ministerium übt die erforderlichen Aufsichts- er rechte aus. "ven Deutsch Aufbau aller Verwaltungen auf Sachkunde und Verantwortungsbewußtsein. een hung n* Wiederherstellung der Selbstverwaltung in Gemeinden, Kreisen und Ländern und Dan A il- gleichzeitige Beseitigung übertriebener Zentralisation. kalen Be Ordnung der Finanzen und der Währung. ung= hut'- Vereinfachung der Kriegswirtschaft unter voller Aufrechterhaltung der kriegs- in det Er bedingten Zwangswirtschaft. Baldmögliche Überleitung der letzteren in eine Wirt- wohl Be schaft, die sich ebensosehr auf den Unternehmungsgeist der Persönlichkeit wie auf ichtigste! N den notwendigen Verantwortungssinn gegenüber der Allgemeinheit, auf Anerken- erständie| 4 nung der Bedeutung des Wertes des Arbeiters und der Bedeutung des Kapitals ung. Oh| seürzt, Privatmonopole werden in Reichsgerechtsame überführt. „Ant: ben Wiederherstellung eines klaren Erziehungswesens, das auf jeder Stufe Grund- we«kenntnisse lehrt und den Blick aufs Ganze richtet. Besonders wichtig die Bildung des ‚k eines 2 Charakters auf christlicher Grundlage und eine wirtschaftliche Erziehung, die allein nen Leben“ Unternehmer und Arbeiter befähigt, den Tatsachen Rechnung zu tragen, in gegen- at! ER u e A 2 Geschwa? IF seitiger Achtung zusammenzuwirken sowie die rechte Grenze zu finden zwischen ‚he Alters" den berechtigten Interessen der Sparer und den berechtigten Interessen der Arbeiter, zige ST zwischen Einzelunternehmen und öffentlichen Betrieben. en gerade a i Aufrechterhaltung einer genügend starken deutschen Wehrmacht, deren Offiziere genügen".. und Unteroffiziere Aussichten haben müssen, vorübergehend(zwecks Fortbildung) .1eist A i i ü „was sie""7 oder dauernd in die Verwaltung, die Wirtschaft oder in das Erziehungswesen über- pin sich. ahr hin® gehen zu können. in perl- b Nach außen: Zusammenfassung aller Kräfte; Bereitschaft zur Verständigung, die die ) Gen Lebensnotwendigkeit des deutschen Volkes sichert. „Berökt Einigung Europas auf der Grundlage selbständiger europäischer Staaten. Die Einigung wird stufenweise durchgeführt. Sofort wird eine europäische Wirtschafts- union mit einem ständig tagenden europäischen Wirtschaftsrat gebildet. Erst einer solchen wirtschaftlichen Einigung kann später politisches Zusammenwachsen folgen. Wiederherstellung der weltwirtschaftlichen Beziehungen unter Berücksichtigung der nationalen Notwendigkeiten eines lebensfähigen Bauerntums und unter Einsatz frei werdender Teile der Marine- und Luftstreitkräfte. Mitwirkung an der Stabilisie- tung der Währungen, ohne die Weltwirtschaft nicht möglich ist. 570 Anhang ö c) Alle diese Maßnahmen sollen plastisch den Willen verkörpern, daß wir kein 1948,\S4nend einz sondern Deutschland und unser Volk zu nationaler Behauptung stärken wollen. Wit& mungen| müssen uns aber klar sein, daß die Wiederholung von 1918 eben nur vermeidbar ist, I} munistis wenn rechtzeitig so, wie hier vorgeschlagen, gehandelt wird.:ligenzun Mhrzahl hin Sa Übtppen. Die Es ist notwendig zu wissen, daß man sich auch in führenden Parteikreisen darüber klar- AB eEndwirk geworden ist, daß es weder persönlich noch sachlich so weitergeht. Dabei ist man sich fihnahlder klar, daß sowohl die politische wie militärische Führung geändert werden muß. Die f.-rsind s; Macht der Tatsachen setzt sich also wie immer als harte Lehre durch. Nur darf man!|]; En nicht, wenn man nicht ungeheure Opfer bringen will, warten, bis sich dies alles von Ag.1schlimme selbst vollzieht; würde man warten, so ständen für den Wiederaufbau keine materiellen Is mehhien und sittlichen Kräfte mehr zur Verfügung. Aus der Bewegung in der Partei ergibt sich für die Wehrmacht auch die Möglichkeit,',, mit diesen Kräften der Partei zusammenzugehen. Sie wird sich dabei allerdings klar sein MaRisiko se müssen, daß die bisher im Vordergrund stehenden Parteimänner weder im Volk noch|j} lich, daß draußen irgendeine Resonanz mehr finden können. Aber zu einem von beiden mög- Me Erklärur lichen Schritten, der zur Änderung des gegenwärtig unhaltbar gewordenen Zustandes hitze der führt, muß sie sich entscheiden. Wie diese Entscheidung durchzuführen ist, wird münd- hniteine lich zu besprechen sein. Durchdacht ist es, ebenso wie selbstverständlich alle sonstige i"ren Zu Gedankenarbeit bewältigt ist, die zur Durchführung des in Ziffer 13 dargelegten Pro- Über fentlic gramms erforderlich ist. Ürfihiper m; chen, dies 15 Inge, wer b Ende 1918 hat das deutsche Volk, auf welchem Wege und auf wessen Einfluß auch Üben he, immer, sich in dem Zusammenbruch von einem Monarchen getrennt, der unfähig wat,')\ Ein d politische und militärische Gesichtspunkte klar und in erreichbaren Zielen zu vereini- ud,' gen. Diese Trennung ist erfolgt, trotzdem Kaiser Wilhelm II. moralisch untadelig wat. Beitej s Heute stehen wir unter einer Führung, die sich nicht nur als unfähig erwiesen hat, son), ip a dern vermessen und wahnwitzig ist und jedes sittlichen Gehalts entbehrt, weil sie sich kn 7, des Verbrechens bedient, Verbrechen anordnet und Verbrechen sowie Korruption}|,= duldet. SED Erich fr Das deutsche Volk hat in allen seinen Schichten, insbesondere in der Arbeiterschaft, Made ei dies erkannt. Stalingrad, die Zerstörungen durch Luftangriffe und die Schließungen von}} ie Geschäften haben diese Erkenntnis wesentlich gefördert. Das Volk hat, von Teilen det ers" Intellektuellen abgesehen, das Vertrauen zu Hitler verloren, soweit dies je wahrhaft ik vorhanden und nicht durch Demagogie erschlichen war. Daran hat auch seine von Ent- Ki nf stellungen erfüllte Rede am 21. 3. 1943 nichts mehr ändern können. Ein Mann kann Ihe, aadel führen entweder durch die Stärke seiner sittlichen Kraft oder durch Erfolge. Fehlt, wie ni‘ Stun hier, jene vollkommen und hören diese auf, so ist er erledigt. Das Volk ist nicht nur reif,), bay ds all sondern es wartet, daß eine rettende Tat geschieht. Hinter der Reife kommt immer die ig Fäulnis; wer die Reife nicht nützt, muß sich mit der Fäulnis abfinden. Nteog In pe Es ist außer jedem Zweifel, daß seit einigen Wochen im Anschluß an die oben dat}, 3 Fri gelegten Vorgänge der Radikalismus wächst. Das deutsche Volk, insbesondere det N deutsche Arbeiter, selbst Kommunisten, hatten ein großes Vertrauen zur moralische hi= Qualität der Generale. Dies Vertrauen beginnt zu wanken, weil das Volk glaubt, dab Sa Rtten, sie sich, ihren Soldaten und dem Volk alles bieten lassen, was ihnen von einer unfähigen und zum Teil verbrecherischen Führung zugemutet wird. Das Volk hat lange in det Offizieren, besonders den höheren, die selbstverständlichen Hüter von Ehre und A0 stand gesehen. Nunmehr fängt es an, dieses Vertrauen zu verlieren, und ich muß mild, allem Ernst darauf aufmerksam machen, daß diese Bewegung schnell fortschreitet. D# mit wird allmählich den verständigen und verantwortungsbewußten Männern der A I a beiterschaft die Möglichkeit aus der Hand geschlagen, noch auf die große Mass Bi # ern | > Dokument VII 571 ütdnend einzuwirken. Wir haben heute bereits, anders wie vor sechs Monaten, vier Sirömungen in der Arbeiterschaft: eine bolschewistische, Rußland zustrebende; eine lbmmunistische; eine radikal-sozialistische und eine zur Zusammenarbeit mit der htelligenz und der Wehrmacht bereite. Diese letztere hat auch heute noch die gewaltige \iehrzahl hinter sich. Aber von Woche zu Woche verliert sie Kräfte an die radikalen (ruppen. Diese Entwicklung vollzieht sich fortschreitend mit eherner Folgerichtigkeit. en darüber ka Tre Endwirkung liegt auf der Hand. Heute kann noch verbürgt werden, daß die große bei ist man si}\ehrzahl der Arbeiter, die Beamten und eine erhebliche Mehrheit der Wirtschaft sofort erden muß. DF Kreit sind, sich hinter eine sachkundige, sittliche Staatsführung zu stellen. . Nur darf m?| Läßt man durch Untätigkeit den Radikalismus weiter fortschreiten, so wird er sehr h dies alles v0" yjel schlimmere Formen annehmen als 1918. Darauf ist immer hingewiesen, diese Pflicht wir kein 1gıl en wollen. W vermeidbar is eine materiell"&i auch hiermit erfüllt. lie Möglichkeif 7; erdings klar&® fin Risiko sehe ich für den entschlossen Handelnden überhaupt nicht mehr. Wie ist es ‚rim Volk n0€° Höglich, daß das so anständige deutsche Volk so lange ein so unhaltbares System trägt? on beiden möll Die Erklärung ist einfach: nur weil sich alle Verstöße gegen Recht und Anstand im Ienen Zustand" I'hutze der Geheimhaltung und unter dem Druck des Terrors vollziehen. Dies ändert ‚ist, wird min$ch mit einem Schlage, wenn das Licht der Wahrheit in aller Öffentlichkeit auf die un- ich alle sonstif" hltbaren Zustände gerichtet wird. Man stelle dem deutschen Volk in klaren Worten, Jargelegten fa) Wer öffentlich dar, was es im geheimen schon weiß und bespricht: nämlich die Folgen infähiger militärischer Führung, das Übermaß von Korruption, die zahllosen Ver- hechen, die mit unserer Ehre nicht vereinbar sind, und richte dann öffentlich an alle die Irage, wer bereit ist, diesen Zustand gutzuheißen, und wer es für richtig hält, daß er en Einfluß@ kstehen bleibt. Ich übernehme die Bürgschaft dafür, daß niemand dann vortritt; denn der unfähig NT€! gibt in der ganzen Welt niemand, selbst keinen geborenen Verbrecher, der sich ielen zu vertif iWentlich zu einem System der Verbrechen bekennt. h untadelig WE Es ist ein großer Irrtum anzunehmen, daß die seelische Kraft des deutschen Volkes t!ischöpft sei; sie ist nur geradezu planmäßig verschüttet. Es ist also die Aufgabe einer is und den Terror, hinwegzuräumen, wiesen hat, 0 hrt, weil sies® ftttenden Tat, die Deckmasse, d. h. das Geheimn mer wie Korupt© Recht und Anstand wiederherzustellen und damit einen ungeheuren seelischen Kraft- zıwachs frei zu machen. Lassen wir uns nicht in unserem Glauben daran beirren, daß „ Arbeiterschl dis deutsche Volk wie in der Vergangenheit, so auch für die Zukunft dies will: Ge- tichtigkeit, Redlichkeit und Wahrhaftigkeit! Die geringen entarteten Bestandteile {, von Teilen!"nseres Volkes, die das nicht wollen, müssen, wie früher, durch die auf das Recht ge- ie wah4® Sützte Kraft des Staates unten gehalten werden. s E97 Es handelt sich also praktisch nur darum, einen Zustand herzustellen, in dem es auch KO har 24 Stunden möglich ist, die Wahrheit wieder zu Worte kommen zu lassen und Fehlt,"&imit das allgemeine Vertrauen in den festen Willen zu gewinnen, daß Recht und An- nicht nur) Sand wieder herrschen sollen. med” Ich bin gefragt worden, ob es nicht richtiger sei, te oder Frühsommer 1944, Rußland durch einen entscheidenden Schlag so weit zu vF sthwächen, daß es als ernsthafter Kriegsgegner ausscheidet. Ich unterstelle, daß dies nöglich ist. Meine Antwort muß trotzdem ein klares Nein sein. Wir haben nicht mehr $) viel Zeit, um einen solchen militärischen Erfolg, selbst wenn er möglich sein sollte, abzuwarten; denn in der Zwischenzeit vollziehen sich auf allen Gebieten alle jene Ent- Niccklungen, die oben dargelegt sind. Ihre Wirkungen, besonders die der Luftangriffe— nan bedenke die Folgen, wenn auch nur 20 rüstungswichtige Städte und ihre Arbeits- sätten das Schicksal Essens erleiden— müssen einen solchen Grad erreichen, daß an ehe Möglichkeit, den Krieg weiterzuführen, gar nicht zu denken ist. Wir würden also theoretisch gedacht— bestenfalls einen Erschöpfungssieg im Osten erringen, den wir aber politisch nicht mehr ausnützen könnten, sondern den wir mit weiteren schweren Putopfern, mit gewaltigen Zerstörungen und mit dem Versiegen aller materiellen und zunächst einmal erst, etwa im W in- 572 Anhang seelischen Kräfte bezahlt haben würden, während kein Anhaltspunkt dafür gegeben ist, daß bei unserem Gegner eine gleiche Entwicklung Platz gegriffen hat. Wahrsch In lich aber ist, daß in diesem langen Zeitraum die Angelsachsen bereits entscheiden militärische und wirtschaftliche Erfolge errungen haben dürften, zumal sie möglichs gl bald freie Hand im Fernen Osten gegenüber Japan brauchen. Ich muß also pflicht.'| khon jetzt gemäß vor einem solchen zuwartenden Plan dringend warnen; seine Verfolgung würde Dicden zu cı in sicheren Zusammenbruch führen. itlers ruinie hit; heute si Obildes beraı Dokument VII Alm packen Goerdelers Entwurf eines Briefes an Generalfeldmarschall von Kluge 25. 7. 1943(Zum ka von dt Text S. 375£.) Uimönng e Üischenden. Sehr geehrter Herr Generalfeldmarschalll! Dh noch ni Die von hohen militärischen Stellen genährte Auffassung, daß die Zerstörungen im Wtltrgehen Westen nicht so schlimm seien, und daß die Arbeiter nach wenigen Tagen, in denen sit DieÜberl sich»ihre Klamotten aus den Trümmern geholt« hätten, wieder zur Arbeit kämen, hat Wit, nach mich bestimmt, mir das Zerstörungsgebiet selbst anzusehen. Sie würden ebenso er- kupt nur RX schüttert sein wie ich. Dort liegt die Arbeit von tausend Jahren in Schutt. Es hat keinen Ihe und ii Zweck, die Gefühle zu beschreiben, die mich bewegten, als ich vom Toelleturm ab auf®%s Handeln: die Ruinenstadt Barmen und auf das zur Hälfte zerstörte Elberfeld heruntersah. I Zur Zeits Essen findet man kaum durch die Straßen, weil in den Trümmern alle Anhaltspunkte,"ttyieich die man gewohnt war, fehlen. Krupp ist zu 60% zerstört und arbeitet auch nur ungefähr hid, Rr sie} zu 30%. Die gegenteilige Behauptung ist unrichtig. Er hat auch nicht etwa die zerstöt- Mähben;« ten Teile an anderen Orten Deutschlands wieder aufgebaut; nein, der Beginn der Ver! aber lagerung ist im Anfang. Wer den Mut zum Denken hat, muß sich schon ohne besondere hit miss: Sachkunde sagen, daß man erst Gebäude finden, dann sie herrichten, dann die Maschi nen zum größten Teil neu beschaffen und dann Kohle und Arbeitskräfte herbeihol&t x muß. In Elberfeld arbeiteten selbst unversehrte Betriebe des Stadtteils Vohwinkel m 30%, weil die Arbeiter abgewandert sind. Aus Wuppertal und Essen sind je etwa zwd Drittel, aus Köln vier Fünftel der Bevölkerung verschwunden. So sieht es mit da Leuten aus, die sich ihre Klamotten in drei Tagen aus den Trümmern heraussuchen. Di Kohlenproduktion des Ruhrgebietes ist nunmehr von 420000 t täglich auf 300000 tg! sunken und sinkt unablässig weiter. Im Juni ist auch erstmals die Fertigung der süd deutschen Rüstungsindustrie stark gesunken, weil der Rückgang der Zufuhr aus dem Ruhrgebiet sich nunmehr bemerkbar macht. Aus diesen Trümmern ist im übrig& nichts hervorzusuchen. Es sind Massen von Schutt, Beton und Eisen. Ein Wiederaufba| wird viele Generationen dauern. Die Unterbringung der Trümmer auf deutsche® Boden ist überhaupt nicht möglich, weil zuviel Land verlorengehen würde. Man mu) sie also ins Meer schaffen. Die Beseitigung der Trümmer allein von Essen wird, wenn\t man täglich 100 Waggons mit ihnen beladet, etwa drei Jahre in Anspruch nehmen! Der bisher entstandene Schaden ist mit 100 Milliarden Mark zu gering geschätzt Unsere bisherige Reichsschuld beläuft sich auf 250 Milliarden, in drei Monaten werd@!\ı die Schulden genau so hoch sein wie das gesamte Vermögen.- Sie, Herr Generalfeldmarschall, wissen, daß alle Theorien, als ob dies nichts zu sage habe und die heillose Schuldenwirtschaft ungestraft weitergehen könne, Unsinn sind Nein, das deutsche Volk steht vor der Wahl, entweder seinen Bankrott zu erklären; dann haben wir alle unser Vermögen verloren, dann sind auch die Industrien ohne jeds Kapital. Da dieser Zustand unmöglich ist, weil er Revolution radikalsten Ausmaß% bedeutet, so müßten auch diejenigen, die ihr Vermögen in Grundbesitz angelegt habe! davon hergeben, um die Betriebe, die zur Aufrechterhaltung der Wirtschaft und zu Vermeidung der Revolution erhalten bleiben müssen, mit Vermögen auszustatten. Wit werden also alle arm. Oder das deutsche Volk kann wieder einmal die Wahrheit v Dokument VIII 573 &hleiern und den Marsch in die Inflation antreten, indem es weiter Schulden macht und je Dinge sich weiter so entwickeln läßt, wie sie schon laufen. Das Ende dieser Entwick- ling kommt auf dasselbe heraus wie das andere. Denn zum zweiten Male gibt es nicht nal sie möglid de Möglichkeiten von 1923. muß also pilid Schon jetzt sind die Schwierigkeiten, das Leben des deutschen Volkes für Krieg und erfolgungwid Frieden zu erhalten, gewaltig. Denn ganz Europa ist glücklich durch den Wahnsinn Hitlers ruiniert. 1918 waren wenigstens noch Norwegen, Dänemark und Holland in- tikt; heute sind sämtliche europäische Länder weithin verwüstet, der Vorräte und des (oldes beraubt und verfügen über ruinierte Währungen. Es kann einen der heilige Zorn packen, wenn man hört, mit welcher Leichtfertigkeit selbst von gebildeten Men- xhen von dem Wiederaufbau nach dem Kriege gesprochen wird. Es kann einen mit Empörung erfüllen, daß gebildete Menschen einfach auf Kosten einer zusammen- krechenden Allgemeinheit in den Tag hineinleben und sich damit begnügen, daß wir Inte noch nicht zusammengebrochen sind, sich der Illusion hingeben, als ob das so Zerstörungen& yeitergehen würde! Die Überleitung in den Friedenszustand, wo Millionen von Soldaten, der Arbeit ent- \rbeit kämen, b\öhnt, nach Wohnung und Arbeit suchen und vielfach nur Trümmer finden, kann über- irden ebenso# hupt nur geschehen, wenn wir eine moralische, ideale, die Seele der Menschen pak- utt, Es hat kein? l:nde und über materielle Schwierigkeiten hinwegreißende Auffassung zur Grundlage Foelleturm ba#8 Handelns machen und für sie die Menschen gewinnen. | heruntersah Zur Zeit sind die Bande aller Moral zerrissen; was da ist, ist nur noch Konvention. [e Anhaltspun®® Nrer wie ich fast dauernd herumfähtrt, sieht, wie z. B. in den großen Hotels geschoben ch nur unge Yird. Er sieht Offiziersgestalten, die nichts mehr mit unserem guten Offizierstum zu n diezesd Na haben; er sieht junge Bengels, namentlich mit Parteiabzeichen, die mit dem Maule ER der\e. Segen, aber nicht daran denken, ihrer Wehrpflicht zu genügen. Selbst in der Wehr- e beson’s Pacht müssen die Grundlagen der Moral auf das schwerste erschüttert sein, weil die we Nsk tligiöse Grundlage verlassen ist und weil der Kamerad den Kameraden hinter dessen dann* WRücken anzeigen darf, ohne selbst als ein Lump behandelt zu werden, Die Errichtung 25.7.1943(A ‚gen, in denen 5 säfte| ds Sondergerichts beim Reichsmilitärgericht, die Durchsetzung der Armee mit Spitzeln is Vom 7 Spricht doch Bände! Vor einer Woche vernahm ich den Bericht eines 18%,jährigen sind ie il$$-Soldaten, der früher ein ordentlicher Junge war, jetzt mit Gelassenheit erzählte, daß a©)»nicht gerade sehr schön wäre, Gräben mit Tausenden von Juden angefüllt mit dem yerau! oo Naschinengewehr abzusägen und dann Erde auf die noch zuckenden Körper zu wer- le goal fta«! Was hat man aus der stolzen Armee der Freiheitskriege und Kaiser Wilhelms I. ertigung"fir gemacht! Aber das Vo/& weiß und fühlt dies mit einer bewunderungswürdigen, Zufuhr ie Bottlob vorhandenen instinktiven Sicherheit. Lassen Sie sich, sehr verehrter Herr „ ist Im IT Generalfeldmarschall, um Gottes willen nicht täuschen, wenn man Ihnen sagt, daß das \olk die Lügen glaubt, zu denen man es zwingen will! Das Volk verachtet diese Lügen -s nd haßt ihre Verbreiter. Das ist die Wahrheit. Sie wird um so elementarer hervorbre- würde.&ten, je länger man sie zu unterdrücken sich bemüht. Aber es wird sich dann auch gegen Essen wird,. ale wenden, die eine Mitverantwortung auf sich geladen haben. ruch sehn Im Süden macht Hitler den fünften militärischen Fehler: Er setzt deutsche Soldaten ering 2 ind wertvolle Waffen in Sizilien ein, während jede Überlegung ihm sagen muß, daß Monaten Tlulien nicht mehr zu retten ist, weil es sich selbst nicht mehr retten will. Die Verzet- i klung der deutschen Kräfte, die nutzlose Aufopferung der deutschen Soldaten ist ein Verbrechen; denn selbst der durch Verteidigung Siziliens erzielte Zeitgewinn bedeutet Bir nichts. Die geheimnisvollen Andeutungen von neuen gewaltigen Waffen sind nach Neinen Feststellungen unverantwortliches Geschwätz; selbst wenn diese neuen Waffen eines Tages wirklich einsatzbereit sein werden, ändern sie ja gar nichts mehr an der itnerlich schon vollzogenen Entscheidung— ganz abgesehen davon, daß der Gegner elenso wirksame besitzt. Es wird also militärisch- bloß noch wahnwitziger— der Beiche Fehler gemacht wie 1918: man hat nicht den Mut, rechtzeitig die gebotenen Folgerungen Zi ziehen, 1943 aber ist das sehr viel verhängnisvoller als 1918, weildamals die Führung = = >: = .E, mi u 574 Anhang: geistig und moralisch gesund war, während sie heute geisteskrank und moralisch vet-Wf, xhr gechrı derbt ist. j Wer noch einen Beweis dieser Geisteskrankheit bedürfte, muß doch darauf verzich-\ N; nissen a ten, wenn er hört, daß Hitler seiner Umgebung die Teilung Italiens als Ziel hingestell/jf. ie seit v hat! Endlich würde Mussolini ihn um Hilfe bitten müssen; dann würde er ihn vielleichtN rischen W zum Statthalter von Norditalien einsetzen und den Apennin zur deutschen Grenz f machen! Hitler ist auch bereit, Rußland, wenn es nur Frieden macht, Grenzen zuzu- gestehen, die eine anständige deutsche Regierung auch heute noch nicht einzuräurieı brauchte; er fabelt sich und anderen nahen Sieg vor! Angesichts dieses nun offenbar werdenden nationalen Unglücks, in das uns eitt wahnwitzige, göttliches und menschliches Recht verachtende Führung gebracht ha, erlaube ich mir eine letzte Bitte an Sie, sehr verehrter Herr Generalfeldmarschall, zı richten. Sie können gewiß sein, daß es die letzte sein wird. Nunmehr ist die Stunde gt- kommen, in der wir auch über unser persönliches Geschick endgültig zu entscheide haben. Hier ist der Weg, den das Gewissen klar weist, dort der andere, bequeme.|; karon Verbr Jener mag Gefahren enthalten, aber er ist ehrenvoll; dieser führt zu bitterem Ende un| rad und di furchtbarer Reue. Wissen Sie, sehr geehrter Herr Generalfeldmarschall, angesichts det mi Sn i E üssen furchtbaren, sich immer mehr beschleunigenden Zerstörungen deutscher Städte nach N) reis Mechland, w MMiarismus sc ein Mittel, um einen Sieg zu erringen, der 1. ermöglicht, Rußland endgültig von Europ|| ten Brob; fernzuhalten, 2. die USA und das englische Weltreich dazu zu zwingen, diese Angrifie| gar kei aufzugeben und schließlich Frieden zu machen? Das ist doch politisch und militärisch hin E gesehen die Frage, die vor uns steht. Wenn es diesen Sieg gibt, dann muß man seine| he Me Möglichkeit dem deutschen Volk nicht mit Lüge, sondern mit der Wahrheit, die dach I, ass dann vorhanden sein muß, klarmachen. Wenn es aber den Sieg nicht gibt, dann ist die, me stnd Fortsetzung des Krieges ein glattes Verbrechen, weil es für ein Volk niemals ein here Bed 1 werde isches Ende, sondern immer nur ein Weiterlebenmüssen gibt. A Ich habe erneut festgestellt und übernehme dafür die Verantwortung, daß die MögYF,_ Su ER R; zu er 5 wenn Sie lichkeit noch vorhanden ist, zu einem für uns günstigen Friedensschluß zu kommtt|, “pern, wenn wir Deutschen uns selbst wieder verhandlungsfähig machen. Daß mit VerbteF,, ı X ver etnen chern und Narren kein Staatsmann dieser Welt verhandeln kann, weil er nicht leicht" I”. fertig das Geschick seines Volkes Narrenhänden anvertrauen kann, ist doch selbstver"ht wen ständlich. Das sagt uns ja auch unser eigenes Gewissen. Natürlich sind die Möglic nal keiten schwieriger zu verwirklichen als vor einem Jahr. Sie sind auch nur auszunutza 0 bes wenn der Politiker noch eine gewisse zeitliche Bewegungsfreiheit hat, wenn er als nicht wie 1918 von heute auf morgen vor das militärische»Wir können nicht meht!‘ gestellt wird. Wird diese zweite, vom Militär abhängende Voraussetzung erfüllt,© können wir mit Ruhe, mit verständigem Handeln, den Krieg sofort in der Luft und al. 45, mählich auch im Lande abbremsen. Wer dem deutschen Volk heute verkünden kant Keüt IX daß der Krieg in der Luft beendet ist, der hat das Volk hinter sich, und es wird niemanl Setlsten wagen, gegen ihn eine Stimme zu erheben oder einen Finger zu rühren. So liegen an Dinge, und nicht ein Jota anders. rein | Derdeler Zu einem solchen Handeln, in dem man einfach die Dinge beim richtigen Name nennt und die Verbrecher packt, stehe ich auf jede Gefahr hin zur Verfügung.!& 1995 könnte auch zu diesem Zweck wieder Offizier werden, wenn ich nur ein planvoll& schnelles Zugreifen damit sichergestellt wüßte. Heute noch kann ich erklären, daß Aa'Wirts Ihnen, Herr Generalfeldmarschall, und jedem anderen zum notwendigen Handeln€„ Schne schlossenen General die erdrückende Mehrheit der deutschen Arbeiterschaft, der deu‘"Krupp, schen Beamten und der deutschen Wirtschaft zuführen kann. Ich kann Ihnen auch, we 13 Yon Sie es wollen, Herrn Goebbels oder Herrn Himmler zum Bundesgenossen machet} Reichs denn auch diese beiden Männer haben längst begriffen, daß sie mit Hitler verloren sind, h War Es handelt sich also wirklich nur um den Entschluß, um die kühle Überlegung u# a) M um das rechte Handeln. Am gefährlichsten und schließlich unerträglich aber|% vor der Stimme des Gewissens Tag um Tag die Ohren zu verschließen. Darin vi Bi; » Dokument IX 575 sehr geehrter Herr Generalfeldmarschall, wie ich überzeugt bin, mit mir überein- ‚Fimmen. h darauf ver Sie müssen aber auch wissen, daß meine Wirkungsmöglichkeit zeitlich begrenzt ist. Is Ziel hingstf ft, gelte seit vielen Jahren als Militarist, als Bewunderer des Militärs, als Förderer eerihn yielki mlitärischen Wesens, als Freund manchen Generals. Ich habe manche unangenehme eutschen Gtef$.unde in meinem Leben deswegen erlebt, sowohl nach dem Ersten Weltkrieg wie in % Grenzen zUF In letzten Jahren; denn viele Männer Deutschlands haben von vornherein von den icht einzuräum G-neralen nichts erwartet. Ich aber habe stets ihre Stange gehalten und habe gesagt, e sich auf ihren Charakter und ihr Verantwortungsbewußtsein verlassen. Nun daß man mir in Süd- mn könn in das uns& kımmt es wirklich so weit, daß ich selbst mich blamiert fühle und ng gebracht b dtıtschland, wo ich treffliche Freunde habe, schon sagt, an allem sei der preußische feldmarschil,#\litarismus schuld. Es sind nicht törichte Männer, die dies sagen; es sind Männer, die Herz für Deutschland und für den deutschen Soldaten haben, die aber dar- nden Verstandes und fühlenden Her- len Abgrund führen und die deutsche treiben läßt. chen ist die Stunde MP en warmes ig zu entschi@} fer verzweifeln, daß man sehenden Auges, denke dere, bequen€f is von Verbrechern und Narren das Vaterlandind itterem Ende Jisend und die deutschen Männer willenlos in Tod und Verstümmelung ıl, angesicht#7 Wir müssen nunmehr Schluß damit machen, Narren zu gestatten, dem deuts: cher Städte 8}\}lk ihre Illusionen und Lügen aufzwingen zu wollen, aus einem aus Herrschsucht ge- rültig, von Eu bicenen Eroberungskriege einen Krieg notwendiger Verteidigung zu machen. Wir en, diese An@F hen gar keine Veranlassung, den Bolschewismus oder die Angelsachsen zu fürchten. 'h und militäfi$] Arch dort wird mit Wasser gekocht, und wir haben vieles in die Waagschale zu werfen. n muß man+9 Auch sie alle sind auf unsere Kraft und unser Können angewiesen. Aber es müssen ahrheit, die69" weder anständige Deutsche sein, die die deutschen Interessen mit Kraft und Vernunft gibt, dann IST Yetreten. niemals ein It Ich werde Ihnen nicht mehr lästig werden, sehr geehrter Herr Generalfeldmarschall; |& habe nur noch eine Antwort von Ihnen zu erbitten und weiß, welche Bedeutung es‘ ng, daß dieNFhr, wenn Sie mir die Antwort verweigern. Nur eines bitte ich: sie nicht etwa deshalb zu hluß zu kon reweigern, weil Sie Sorge haben. Ich habe zu schweigen gelernt und werde es jetzt ännern schuldig bin, denen ich vertraue. Wenn Daß mit Vet tcht verlernen. Ich weiß, was ich den M ejl ef nicht IePFher nicht wenigstens drei oder vier Männer in Deutschland zueinander mehr Vertrauen st. doch s ten, dann allerdings können wir einpacken. ind die MO Mit den besten Empfehlungen nur auszunl Ihr sehr ergebener hat, wenn ed gez. Goerdeler nen nicht MT erzung der Luft un D»kument IX verkünden Mnisterlisten Goerdelers.(Zum Text S. 386 ff.) c stelle im folgenden zusammen, was mir über die verschiedenen Abwandlungen der So lege” ren.> Y rE- A ta Goerdeler zusammengestellten Kabinettslisten bekannt geworden ist. Ne 1.Fannar 1943. Goerdeler legt Dr. Otto Schniewind(Beirat der Firma Telefonbau und “© Normalzeit Lehner& Co., Frankfurt/M., bis Frühjahr 1937 Ministerialdirektor im ende vorläufige Liste vor: Auswärtiges Amt, Ewald Loeser(Direktor Finanzen, Popitz Kultus, Langbehn Reichswirtschaftsministerium) folg Leuschner Vizekanzler, von Hassell Sei Krupp, früher Stadtkämmerer von Leipzig) Justiz, von Gayl Inneres, Blessing Reichsbankpräsident, von W edel Vizepräsident der Reichsbank, Dr. Hans Koch Reichsgerichtspräsident, Schniewind Wirtschaft dafür war zuerst Loeser vorgesehen. Schniewind lehnte aber ab, Finanzminister zu werden). Mitteilung von Dr. Otto Schniewind, durch Dr. H. von zur Mühlen. Has- sell gegenüber(Tgb. 350) hat sich Schniewind im Mai 1944 sehr abfällig über Goer- deler und über die unerfreulichen»Liquidationsaufgaben« des geplanten Ministe- !iums geäußert. Er habe seine Bereitschaft zurückgezogen. nd, ey 576 Anhang 2. August 1943. Fehr. v, Teuchert(Oberregierungsrat, Mitglied der Militärverwaltung Finangy in Frankreich) bringt von Berlin folgende Liste mit: Krosigk z Fritz v. d. Schulenburg Inneres, Popitz Finanzen, Beck Kriegswesen, Justiz ei Kultusm Rechtsanwalt(Wirmer?), Auswärtiges Brüning oder(falls nicht zu gewinnen) von| Telendes Hassell(Walter Bargatzki, Persönliche Erinnerungen an die Aufstandsbewegung da Popitz, sp 20, 7. 44 in Frankreich, Manuskript von 1945). Verkehi Dr ‚Januar 1944. Nach brieflicher Mitteilung von Jos. Ersing wurde diesem im Januar] man, 1944 in Berlin folgende Kabinettsliste vorgelegt: Goerdeler Kanzler, Leuschna} Statsse Vizekanzler, Leber Inneres, Loeser Finanzen, Bolz(württembergischer Staatspri}"ur Niede sident a. D.) Kultus, Wirmer Justiz, Paul Lejeune-Jung(Syndikus) Wirtschaft] Postmin Dr. Hermes Ernährung, von Hassell Äußeres, Verkehrsminister: ein Sozialdemokmi, Justiem Hierzu ist zu bemerken: nach der Aussage Wirmers(K. B. 26. 9.) war zeitweise auch} Minister; an Stegerwald als Ministerkandidat gedacht; er erschien aber dann als zu alt und pa] Rüstung litisch nicht unbelastet, Für das Verkehrsministerium suchte Goerdeler im Februit I} Let Mi 1943 vergeblich Staatssekretär a. D. Königs zu gewinnen. Hermes wurde Anfang}\unzler; 1943 von Goerdeler und Kaiser aufgesucht, machte aber Vorbehalte und geriet mit}\ndArbe Goerdeler in Spannungen, weil er freie Hand in der Auswahl seiner Mitarbeitet} us(All haben wollte. Die Besprechungen wurden bis Dezember 1943 fortgesetzt.'ortefeui! 4. Von der Gestapo in Vernehmungen ermittelte, am 29. 9. gemeldete Namenliste, ohne Ber} Hisell o zeichnung des Zeitpunktest: ein Öster Generalstatthalier(Reichsverweser): Beck, zugleich Oberbefehlshaber der Wehr} cine Ch, macht. ten Re Später, falls statt Monarchie eine Republik beschlossen wird:\Fonder C Reichspräsident Leuschner. Staatssekretär des Präsidenten: Graf Schwerin-Schwir} ber Fr, nenfeld.\ultusmi Reichskanzler: Goerdeler, Chef seiner Presse-Abteilung: Dr. Kiep; Die be später soll Leuschner oder Leber Kanzler werden. bricht Vizekanzler: Leuschner, sein Staatssekretär: Graf Peter Yorck. lt einze Innenministerium: Graf Fritz v. d. Schulenburg, zunächst nur beauftragt mit Vet sehung des Ministeriums. Eventuell soll er Staatssekretär werden, Leber Minister. Chef der Polizei: von Tresckow;; zunächst kurzfristig: Graf Helldorf.»ökument Iuswärtiges Amt: Botschafter a. D. Friedrich Werner v. d. Schulenburg oder Bol Üit der y schafter a. D, Dr. Ulrich von Hassell, t!Verbi Kriegsministerium: Generaloberst Hoepner, Staatssekretär General Olbricht und Claus Graf Schenk von Stauffenberg. Ottsten Pas Pro ndaministerium: nur im Kriegsfall einzurichter Mutlle, Sr: i Kr i N... Wirtschaftsministerium einschließlich Arbeit, Ernährung, Reichsbank, Preiskommi* ü Achmitı R" tim/ satint, Arbeitseinsatz: Blessing, gleichzeitig Reichsbankpräsident, oder Lejeune- Jung! di & 2 rn finder, Staatssekretär: Bankdirektor Dr. Ernst(früher Ministerialdirektor im Reichswiet# RE 4"et, in schaftsministerium) a i£ R x tkreiye Ermährungsministerium: falls es vom Wirtschaftsministerium abgetrennt wird: Gr ex 8 Fritz v. d. Schulenburg, kurzfristig. Als Minister für später sind geplant: Schlange { 5 f iin Schöningen oder Frh. v. Lüninck oder Hermes oder einFachbeamter desMinisteriums'} 9 AU I: * Wenn die Liste in dieser Form jemals Geltung hatte, kann es sich wohl nur um ein ziemlich frührt Stadium handeln, da z. B. Königs schon im Februar 1943 abgelehnt haben soll(s. o.). Es ist aber auc) möglich, daß der Berichterstatter der Gestapo(Obersturmbannführer von Kielpinski) sie aus alled möglichen in den Vernehmungen aufgetauchten Namen kompiliert hat, y in( ‘ un2i E n sin ® Nach den Aussagen Lebers vor dem VGH war Mierendorff und nach dessen Tod Haubach# Art, Referent für Presse und Propaganda vorgesehen. Anklageschrift vom 19. 9. 44 gegen Leber un!'ın Genossen. Pay, h ® Nach Aussagen Goerdelers(K. B. 26. 9.) hat dieser zeitweise auch an Woermann-Halle oder Al|) Pk Dr. Schlabach, Hauptgeschäftsführer der Gruppe Landmaschinenbau, als Staatssekretär unter Hermel apa j gedacht. Beide waren bereit. Schlabach starb im Frühjahr 1944, Woermanns Nennung stieß auf Wider spruch, weil er formell Parteigenosse war(Mitteil. J. Kaisers). Dokument X 577 Finanzministerium: zunächst Popitz. Es soll versucht werden, für später Schwerin- ‚Krosigk zu gewinnen oder Loeser. Staatssekretär: Helflerich. Kultusministerium: einschließlich Kirchenministerium und gewissen unpolitischen Teilen des bestehenden Propagandaministeriums(Theater, Rundfunk, Film): zunächst Popitz, später Reichwein oder Schuschnigg, Staatssekretär Studienrat Hermann Kaiser. Verkehrsministerium(einschließlich Post): Lokomotivführer a. D. Matthäus Herr- wesen, Justi u gewinnen) 10 ndsbewegungdi diesem im Jan mann, nzler, Leuschit Staatssekretär: Königs. Als Beamter im Verkehrsministerium: Stadtbaurat a, D. gischer Staatspils JAUL Nieden?®, ikus) Wirt(falls abgetrennt): General Fellgiebel, Staatssekretär: Thiele. Justizministerium: beauftragt für den Übergang: Heereschefrichter Dr. Sack, später Minister: Min.Dirigent Kriege. Rüstungsministerium: es soll versucht werden, Speer zu gewinnen®. Letzte Ministerliste vom Juli 1944(nach Mitteilung Jakob Kaisers): Staatschef: Beck— Kanzler: Goerdeler- Vizekanzler: Leuschner— Innenminister: Leber- Wirtschafts- und Arbeitsminister: Lejeune-Jung— Kultusminister: Bolz- Wiederaufbau: Letter- haus(falls dieses Ministerium nicht geschaffen wird, soll Letterhaus Minister ohne Portefeuille werden)- Finanzminister: Loeser— Justiz: Wirmer— Außenminister: Hassell oder Schulenburg- Landwirtschaftsminister: Hermes. Außerdem sollte noch ein Österreicher als Sprechminister ins Kabinett berufen werden; gedacht war an einen Christlich-Sozialen(Gleißner?) oder einen Sozialdemokraten(Seitz?). Für den ersten Reichstag war an Löbe als Reichstagspräsident gedacht. & Von der Gestapo am 14. 8. gemeldete Liste(K. B.): Sie stimmt mit Nr. 5 überein, meldet ıber Fr. v. d. Schulenburg als Staatssekretär im Innenministerium unter Leber, als Kultusminister neben Bolz noch Schuschnigg. Die bei Gisevins IL 354 gedruckte Liste entspricht ebenfalls Nr. 5, nennt aber auch PD;. Olbricht als Kriegsminister. Die von Wheeler-Bennett 622 abgedruckte Liste entspricht mit einzelnen Abweichungen etwa Nr. 4. Leider fehlt dort die Quellenangabe. n Sozialdemokm var zeitweise 0 als zu alt undp® rdeler im Febnie es wurde Ankıt Ite und geriet" seiner Mitarbei? gesetzt. menliste, ohae N? shaber der W®* "Schwerin-s@ ‚auftragt mit| Jeber Ma BEN ment X Iidorf. oder) Liste der von den Verschwörern des 20. Juli gesammelten»Politischen Beauftragten« lenbur& ind»Verbindungsoffiziere« der Wehrkreise.(Zum Text S. 390) eral Olbricht*\ In ersten Faszikel der K. B. findet sich ein Bericht Chef WNV im OKW vom 22. 7. 44: Meldung der | Dienststelle AGN/HNV. Er gibt genau datiert, nach Stunden und Minuten die von den Verschwörern im Nachmittag des 20. Juli durchgegebenen Befehle wieder, zuerst Zeittafel(7 S.), dann die Befehle an, Preiskor®| st im Anhang. Unterschrift: Thiele.; i | Hier findet sich nun ein Fernschreiben KR-HOKW- 076000 vom zo. Juli, 19 Uhr 48, unterzeichnet | Hoepner, in dem die Verbindungsoffiziere(VO) und Politischen Beauftragten(PB) der einzelnen \ Vchrkreise genannt werden. Die Namen scheinen teilweise durch Hörfehler entstellt. \KI: PB Graf Dohna-Tolksdorf VO Graf Lehndorff-Steinort NK IN: PB Oberlandforstmeister von Willisen, Schwerin, und von Kleist, Schmenzin, Stolpe VO Major Graf Blumenthal, Berlin m us si\ Ein 6sjähriger schwerhöriger Gewerkschaftler aus Oberfranken, 1928-33 Mitglied des Reichs- “kanverwaltungsrates, den Leuschner vergeblich zu gewinnen suchte. Er wurde vom VGH freige- en Tod Hat piochen, da er Leuschners Absicht sicher gar nicht verstanden habe. Urteil des VGH über Schwartz, IR geged Stawamb, Herrmann vom 13. 1. 45(Fotokopie a. d. Doc. Center Berlin). ' Früherer Leipziger Mitarbeiter G.s. Wurde am 23. 4.45 zusammen mit anderen Insassen des Gfängnisses Lehrterstraße erschossen. Nach andern, der Familie verfügbaren Nachrichten war er ündestens zeitweise auch als Verkehrsminister oder Staatssekretär vorgesehen. I Eine etwas andere Form dieser Liste bringt G. Weisenborn a. a.©. 142 ohne Quellenangabe. 578 Anhang WKIV: PB Walter Cramer, Leipzig Dhkument X] VO Generalmajor Oster Mfnf an die WKV: PB Fischer, Stuttgart(Adresse angegeben) lm Anme Rechtsanwalt Frank, Karlsruhe, als Unterbeauftragter für Baden WK VI: PB Hauptmann Letterhaus im OKH en! Landrat Simmermann(Summermann?) als Stellvertreter fer und to VO keine Angabe Ma Gefahrer WK VIL: PB Minister a. D. Geßler, München kemem| VO Major Frhr. von Leonrod, Berlin BiEuch zu; WK VII: PB Rechtsanwalt Lukaschek, Breslau Wit und notı Polizeipräsident Voigt, Breslau rmachen: Rechtsanwalt Kaschny, Ratibor kr Luft un VO Rittmeister Scholz-Babisch frelichkeit a WKIX: PB Minister a. D. Noske, Frankfurt Röhlich(Fröhlich?), Weimar VO Oberleutnant von Sell, Berlin WRKX: PB Dahrendorf, Berlin Tantzen, Ministerpräsident a. D., Oldenburg VO nicht genannt WKXI: PB Oberbürgermeister Mende(muß heißen: Menge), Hannover| Hermann Lindemann(Lüdemann?), Berlin Mk in ph VO Oberst Wagner, OKW, Truppenabt. Berlin= WK XII: PB Rechtsanwalt Schwamb, Frankfurt Ukerkenr Rechtsanwalt Loßmann(muß heißen: Koßmann), Saarbrücken Mb ka Ülinen Eure VO Hauptmann Kaiser, OKH, Berlin, zur Zeit Wiesbaden m biete W; WK XII: PB Georg Böhme, Nürnberg-Fürth ken R. VO nicht genannt Y ak, WK XVI: PB Seitz, Wien ud an Reither(Bauernführer) VO Oberst Graf Marogna-Redwitz WK XVII: PB Rehrl, Salzburg von Mörl, Innsbruck Met Ve VO Oberst Armster, Kommando Meldegebiet Wien Re WKXX: PB Fehr. von Lüninck, Ortwig, Westfalen 3 em; ." Wünse VO Oberstleutnant von Boehmer, Danzig WK XXI: PB Ministerialdirektor Oberst Vollert, Prag VO Major Kißling, Trebnitz, Schlesien WK Böhmen-Mähren: VO Oberstleutnant Graf Uexkuell, Wehrkommando Leutling@"\., ur Totipen] In seinen Vernehmungen hat Goerdeler nähere Angaben darüber gemacht, wann und wie er MI den einzelnen PB in Verbindung kam. K. B. vom 6. 9. berichtet darüber unvollständig. Es zeigt aber erstens: daß fast alle Genannten erst seit 1943 mit Goerdeler näher bekannt wurden; zweit@® daß die folgenden Namen(meist alte Gewerkschaftler) durch Leuschner auf die Liste gebracht 1 befragt wurden: Böhme, Fröhlich, Lüdemann(Min. a. D.), Schwamb, Summermann. Koßni gehörte zum Kreis Jakob Kaisers, Tantzen war durch Wirmer eingeladen. DE er ee ee Dokument XI Dokument xI Aufruf an die Wehrmacht. Entwurf des Generalobersten L. Beck.(Zum Text S. 3g1f. ind zu Anmerkung 66 auf S. 525) er für Baden Sıldaten! Tpfer und todesmutig habt Ihr vier Jahre hindurch gekämpft, ohne je zu verzagen, len Gefahren trotzend, unbekümmert um alle Mühen und Leiden, nur durchdrungen tn eisernem Pflichtgefühl und glühender Liebe zu Volk und Vaterland. Keine Aufgabe tr Buch zu schwer, kein Opfer zu groß. Erfüllt von dem Glauben, der Krieg sei ge- ht und notwendig, um das nach dem ersten Weltkrieg geschehene Unrecht wieder gitzumachen und unsere Freiheit zu sichern, seid Ihr in den Kampf gezogen. Zu Lande, hder Luft und auf der See habt Ihr Gewaltiges geleistet und den Lorbeer der Unüber- indlichkeit an Eure Fahnen geheftet. Und trotzdem ist ein Ende des Krieges nicht ılzusehen. Eure Heimkehr zu Frau und Kindern, nach Haus und Hof zu friedlicher erdet Euch selbst schon oft gefragt treter A!beit scheint in weite Ferne gerückt zu sein. Ihr w ben, wie das zu erklären ist. Antwort habt Ihr nicht gefunden. Denn eine Propaganda, d: vor keiner Lüge zurückschreckt, mit Eurem Heldenmut und Eurem Leben ge- wssenlos spielt, hat Euch den Blick getrübt. In Wirklichkeit ist die Antwort klar und ttfach: Eine Staatsführung, die die Politik nicht mehr als die Kunst des Möglichen isieht und die Erreichung ihrer Ziele nicht mit sparsamstem Kräfteeinsatz anstrebt, itıdern in phantastischen Plänen grenzenloser Eroberungen schwelgt, die überhaupt kine sittlichen Bindungen weder dem eigenen noch einem anderen Volke gegenüber ölkern gelangen. Hieran ur immer Hannover iterkennt, kann niemals zu einem Frieden mit den übrigen V ktanen Bure Führer nichts ändern, sie erwirken bei solcher Staatsführung n tißlosere Wünsche. Statteiner weisen Beschränkung auf die wahren Lebensnotwendig- kiten unseres Volkes wurde unter dem Deckmantel einer Neuordnung Europas die Uhterwerfung fast des ganzen Erdteiles betrieben. Die besiegten Völker wurden unter- ocht und ausgebeutet, statt sie durch weise Rücksicht auf ihren nationalen Stolz, auf hien Freiheitswillen und auf ihre Lebensinteressen zu gewinnen und Brücken zu einer uerhaften Verständigung zu schlagen. So hat die Staatsführung die klaren Lehren der Gtschichte, die solches Vorgehen zur Erfolglosigkeit verurteilen, mißachtet und überall tt Vertrauen Haß gesät. Sie hat damit den Weg zu einem baldigen dauerhaften Frie- Saarbrücken ‚den den sich hemmungslos verbaut. Wir wünschen keine Versklavung anderer Völker. Die Freiheit, ü vorigen Jahrhundert für Deutschland als köstlichstes Gut völkischen Lebens er- fingen und die wir in gleicher Begeisterung zu hüten haben, muß auch allen anderen Vilkern zugestanden werden. Denn nur auf dieser Grundlage kann die Kluft über- je Ärickt werden, die eine hemmungslose, machtberauschte Politik aufgerissen hat. Ein Neiteres noch droht Euch um den Erfolg Eurer Siege zu bringen, die Ihr unter der führung geschulter und erfahrener Männer erfochten habt: Das»Feldherrngenie« Hitlers, das er in wahnwitziger Verblendung sich selbst angemaßt hat und das ihm von i\ peichelleckern aufs widerlichste angehimmelt worden ist. Wer einen Stiefel besohlen v®ll,muß es gelernt haben. Wer ein Millionenheer führen will, muß die Fähigkeit dazu a den verschiedenen Stufenleitern harten militärischen Dienstes erlernt und bewiesen ken, Seitdem sich Hitler im Winter 1941/42 selbst den Oberbefehl zuerkannt hat, würde durch Eigensinn, Unfähigkeit und Maßlosigkeit die Wehrmacht in Lagen ge- Äncht, vor denen Sachverständige gewarnt hatten und die vermeidbare schwerste Opfer gekostet haben. Der Untergang der 6. Armee bei Stalingrad, der Zusammen- Stich des unüberlegten Unternehmens in Nordafrika, sowie die vergeblichen Opfer auf Süllien sind einzig und allein unfähiger, gewissenloser Führung zuzuschreiben. Hun- dettausende brave Soldaten büßten für Vermessenheit und Eitelkeit eines einzelnen t Leben, Gesundheit oder Verlust der Freiheit. Mit unbarmherziger Kälte hat diese iarung unsägliches Leid, das vermieden werden konnte, in zahllose Familien gebracht. die unsere Väter 580 Anhang Viele höhere Führer sind bereits zurückgetreten, manche aus dem Leben geschieden weil sie die Verantwortung für solche gewissenlose, unfähige Führung nicht trage wollten. Andere wurden beseitigt, weil sie den Mut hatten, ihre warnende Stimme erheben, damit kostbares Blut geschont und nicht vergeudet würde. Niemals in deutschen Geschichte hat eine militärische Führung mit größerer Skrupellosigkeit die* edle Einrichtung der allgemeinen Wehrpflicht und das Vertrauen mißachtet, das Sol% daten ihr entgegengebracht haben. Während Ihr fern der Heimat kämpft, um sie a” verteidigen, sind zahlreiche deutsche Städte, die sicher zu schützen Göring sich ver" messen gerühmt hatte, in Schutt und Asche gesunken, sind unersetzliche Kulturwerks zahllose Arbeitsstätten und Hunderttausende von Wohnungen zerstört, zahlreick® Familien tapferer Soldaten getötet und ausgelöscht für immer. Niemals vorher hat sid‘ so Furchtbares im deutschen Vaterland zugetragen. Soldaten! So darf es nicht weitergehen! Eure Heimkehr darf dermaleinst nicht al ein Trümmerfeld führen, auf dem die Jugend, Eurer Erziehung beraubt, mit Heim und Elternhaus auch der Seele verlustig geht, wo materielle Begierden alle edlen fühle für Eure Freiheit, für Menschenwürde und Nächstenliebe zu verdrängen und z ersticken drohen. Wollt Ihr, daß die geheiligten Ordnungen von Zucht und Sitte dutd*" Sünde und Laster zerstört werden? Wollt ihr, daß die Jugend uns einst dafür ver“ dammt, weil wir den Mut zur Verantwortung, zur Rettung des Vaterlandes nich rechtzeitig aufgebracht hätten? Vielleicht haben wir schon zu lange gezögert, aber wit dürfen nicht mehr weiter warten. Denn nun bereitet man den gewissenlosesten Schlag vor, die Führer der Wehrmacht für das ganze Unglück verantwortlich zu machen. Wit müssen handeln, weil- und das wiegt am schwersten- in Eurem Rücken Verbrecht begangen wurden, die den Ehrenschild des deutschen Volkes beflecken und seineniß der Welt erworbenen guten Rufbesudeln. Selbstsüchtige Kreaturen in hohen und hödı ze Ki sten Stellen haben sie zugelassen oder gar selbst begangen. Sie haben den Krieg dız benutzt, sich schamlos auf Kosten des eigenen und fremder Völker zu bereichern um aus der Not der Armen und dem Elend der Unglücklichen Nutzen zu ziehen. Die@'' Männer haben sich nicht gescheut, sich mit dem Ruhm Eurer Heldentat zu brüst“ ohne daß sie selbst den Krieg je im Leben gespürt haben. Ihr werdet die Einzelheitd erfahren. Wir werden mit unerbittlicher Strenge im öffentlichen Verfahren dur& greifen. Das Schlimmste ist, daß dieses schamlose Treiben von Adolf Hitler befohle oder gebilligt wurde. Eine solche Führung, ob wahnwitzig oder voll verantwortlid Eid gebrochen, den sie selbst einst dem Vaterlande geschworen hat, dem sie wie jed4 “ Daernde Amung i}Vetmeide |[ie Re, hat den Anspruch auf Gehorsam vor Gott und den Menschen verwirkt, denn sie hat d& IV Mellkom je bei d Bürger unterworfen ist, und damit die Treue, die sie dem Eidleistenden schuldig ist, m| eichpr Füßen getreten. Sie könnte Volk und Vaterland nur noch einer schimpflichen, furch‘ baren Katastrophe entgegenführen. Dies zu verhindern, sind wir fest entschloss“ Hierfür stehen wir vor Gott ein. Hierfür nehmen wir Euch in Eid und Pflicht. Im Eis verständnis mit Euren ältesten soldatischen Führern und meinen Mitarbeitern habe i daher die politische und militärische Leitung übernommen. Eures Vertrauens bin&) gewiß. Hervorragende Männer aus allen Schichten des Volkes haben zugestimmt un] geloben selbstlose Hingabe und Treue. Ich werde diejenigen Maßnahmen treffen,& überall Führung und Verwaltung durch sachkundige Männer untadligen Charakttf sicherstellen. Soldaten! Noch ist die Stunde nicht gekommen, sich dem Gedanken des Fried@ hinzugeben. Noch müssen wir kämpfen, um zu verteidigen und zu retten, was uns teiß ist, bis ein ehrenvoller Ausgang des Krieges gesichert ist. Viererlei verspreche ich E d aber schon jetzt: Erstens: Nur solche Opfer werden von Euch verlangt werden, die nach gewiss® hafter Prüfung unbedingt notwendig sind, um uns zu verteidigen, um den|. gutem Ende zu führen. Zweitens: Vertrauenswürdige, sachkundige deutsche Männer werden alles dar“ Dokument XII 581 en, um zu einem dauerhaften, unsere Zukunft sichernden Ausgleich mit allen Völ- Drittens: Hinter Eurem Rücken und unter Eurem Schutze werden wieder Recht und @rechtigkeit, Anstand und Sauberkeit, Sachkunde und selbstlose Pflichterfüllung herr- sten. Viertens: Nach dem Kriege wird alle Kraft des Volkes eingesetzt werden, um Woh- üngen, Hausrat und Nahrung und wahrhaft soziales Zusammenleben zu schaffen. Ein Göring sich ye klres Lebensziel ruhiger friedlicher Arbeit soll vor uns stehen. Wir alle werden hart itbeiten und einfach leben müssen, aber wir werden dafür wieder Kraft und Reichtum iche Kulturwer ja zahle Seele finden. Is vorher hat i"H nende Stimmt e, Niemals in rupellosigkeit ißachtet, das$0 ämpft, um sit Ich vertraue, daß Front und Heimat, alle vereint in gesammelter Kraft, weiter ihre cht bis zum äußersten tun in Demut vor Gott, für Ehre und Freiheit, für Volk und maleinst nicht F Virerland. raubt, mit Hei? den alle edlen G rerdrängen und F "ht und Sitte dit ıs einst dafür ne Vaterlandes 0EFR, gezöget, abet Btricht vom 2. 8. 1944 Vrbindung zum Ausland senlosesten* Die neuere Vernehmung des Hauptmanns Kaiser gibt eine Reihe von Hinweisen, daß ch zu machen„ Stuffenberg über Mittelsmänner zwei Verbindungen zur englischen Seite hatte. Den ücken Verbte Aisammenhängen wird im Augenblick im einzelnen nachgegangen. Bereits am 25. Mai ken und une Mi Kaiser für Stauffenberg eine Notiz ausgearbeitet, worüber mit der Feindseite ver- nhohen und ‚ indelt werden sollte: en den Krieg 4 1, Sofortiges Einstellen des Luftkrieges zu bereichem„ 2 Aufgabe der Invasionspläne Dikument XII @stapobericht über angebliche Verbindungen Stauflfenbergs nach England im Früh- "üönmer 1944.(Zum Text S. 407, 415- Anmerkung 104 S. 529.) jehen. U= A R n zu zieh bei 3, Vermeiden weiterer Blutopfer Identat zU we| Dauernde Verteidigungsfähigkeit im Osten et die Einz Räumung aller besetzten Gebiete im Norden, Westen und Süden Verfahren j; Vermeiden jeder Besetzung olf Hitler be_ 5 Freie Regierung, selbständige selbstgewählte Verfassung oll gerantworl 2 7. Vollkommene Mitwirkung bei der Durchführung der Waffenstillst andsbedingun- gen, bei der Vorbereitung der Gestaltung des Friedens I} 9 Reichsgrenze von 1914 im Osten Erhaltung Österreichs und der Sudeten beim Reich Autonomie Elsaß-Lothringens Gewinnung Tirols bis Bozen, Meran ), Tatkräftiger Wiederaufbau mit Mitwirkung am Wiederaufbau Europas d, Selbstabrechnung mit Verbrechern am Volk 1 Wiedergewinnung von Ehre, Selbstachtung und Achtung - Ende Juni 1944 hat Kaiser von Goerdeler erfahren, daß von höchster englischer Stlle aus Erkundigungen über die Verschwörerclique eingezogen worden sind. Stiuffenberg hat eine Liste von Männern übermittelt, die die zukünftigen Verhandlungspartner Eng- - lands sein sollten, )) den Wunsch, daß Österreich beim Reich bleibt, Yılie Bitte, daß die Abrechnung mit den Kriegsverbrechern der künftigen deutschen Regierung überlassen bleiben sollte. Das Tagebuch Kaisers, das vom 9. Mai bis 15. Juli reicht und eine Fülle von Hin- 'csen enthält, wird zur Zeit ausgewertet. Personenregister In dem nachfolgenden Personenregister sind die Namen Goerdeler und Hitler fortgelassen, um€ Register nicht praktisch nutzlos anschwellen zu lassen.— Für die 3. Auflage der Originalausgabe wunk das Register durch die Herren Klaus Schwabe und Wolfgang Steglich neu bearbeitet. Abendroth, Hermann, Regierungsrat, Abteilungs- leiter im RSHA(Auslandsnachrichtendienst) 537 Achenbach, Richard Meyer v., Botschafter a. D. 516 Adam, Wilhelm, Generaloberst 180, 485 Adenauer, Konrad, 1949-1963 Bundeskanzler, Vor- sitzender der CDU 21 Adickes, Franz(1846-1915) Oberbürgermeister von Altona u. Frankfurt a. M. 21 Albrecht, Gerhard, Professor für Volkswirtschafts- lehre an der Universität Marburg 507 Alexandrow, Alexander M., Leiter der Mittel- europäischen Abteilung des sowjetischen Außenkom- missarlals 405 Alvensleben, Werner v. 139, 484, 486, 514, 519 Apitzsch, vorm. Gewerkschaftsfunktionär im Eisen- babnerverband des ADGB 549 Armster, Oberst(Wien) 578 Arndt, vorm. Bezirkssekretär des ADGB für Sachsen 548 Ashton-Gwatkin, Frank Trelawny Arthur, Coun- sellor im Foreign Office 168, 173, 175, 503 Astor, Lord Waldorf, 193 1 britischer Delegierter im Völkerbund 489 Attlee, Clement Richard, 1940-1945 stellvertreten- der britischer Premierminister 414 Augustin, Aurelius(354-430) Kirchenvater 462, 464 Backe, Herbert, Staatssekretär im Reichsernahrungs- ministerium 560 Badoglio, Pietro, Marschall, Chef des Generalstabes der ital. Wehrmacht, 1943/44 Ministerpräsident 345, 379, 422 Bästlein, Bernhard, Feinmiechaniker(Hamburg) 110 Bäuerle, Theodor, Dr. Dr., Direktor des Vereins zur Förderung der Volksbildung(1918-1936), Vorstand der Markel-Stiftung, Württ.-Bad. Kult- minister(1947-1951) 158 f., 488, 513 Balfour, Mich., Freund Graf Moltkes 5ı4 Baltz, Mitarbeiter G.s im Preiskommissariat 477 Barth, Karl, 1930-1935 Prof. für evang. syst. Theo- logie in Bonn, BK, nach Ausweisung(1935) Prof. in Basel 116 Batocki-Friebe, Adolf Tortilowicz v., Oberpräsi- dent von Ostpreußen 1914-1916 und 1918| 19, Präsident des Kriegsernährungsamtes 1916/17 27, 469 Bauer, Max, Oberst, Chef der Operations- Abteilung IT in der deutschen Obersten Heeresleitung des Ersten Weltkrieges 369, 558 Bauer, Walther, Industrieller(Berlin) 513 f. Becher, Johannes R., Schriftsteller 398 . Beck, Jozef, Oberst, poln. Außenminister 1932-1 236 Beck, Ludwig, Generaloberst, Chef des Generalstakt des Heeres bis 19358 81, 86, 122, 135, 144 f, 141 149-153, 155, 157, 159, 161, 171, 176-180, a0 bis 186, 193 f., 225, 247, 249f., 253, 2;6f, 259 f., 263 ff., 268, 270, 273, 277, 291, 305, 33% 332, 334, 342 f., 353, 359, 361 f., 364 f., 306 377 f., 380 f., 384 ff., 399, 402, 406, 408, 410 bis 413, 416, 419, 421 f., 426-431, 437, 441, 480 5 490 f., 494 f, 497 f., 500 fl., 504, 509, 51456 sig f., 521, 523-532, 535, 576, 579 Becker, Carl Heinrich, 1921, 1925-1930 ‚preil, Kultusminister 472 Becker, Dr., Oberregierungsrat ım Oberpräsidiuna I Koblenz 122 Beckmann, vorm. Vorsitzender des Transportarbeint verbandes des ADGB 549 Bell, George, Bischof von Chichester 342 f., 349 ın, Leon, 1 Frankreichs, hly7 84 funenthal, H lock, Fedor sol, 502 Ibeenschatz, 1 201,494 öhm, Franz, Unversität] Bhme, Geor; ‚Reim, Herm üchmer, Has Bin-Tettelb: 432,494 Beeliger, G Ol Eugen, Belloni, Ernesto, Referent im italienischen Fine 4 nr ministerium 488 Below, Otto v., Komm. General d. XVII. Arme korps 1919 25, 27, 469 Benesch, Eduard, 1935-1938 Präsident der Tscheb slowakischen Republik 187, 193, 200, 204 f.,2i4 396 Benoit, Erna, Hotelleiterin 533 Bentler, Oberst 519 Berggrav, Eivind, 1936-1952 Bischof von Oslo a Primas der Norwegischen Kirche 482 Bernadotte, Folke Graf, Präsident des Schwedische Roten Kreuzes 451 Bernhardt, Nikolaus, vorm. Vorsitzender des Bis arbeiterverbandes des ADGB 548 Bernstorff, Albrecht Graf v., Bankier, vor I@j\ Botschaftsrat an der Deutschen Botschaft in Loeis 195, 505 Bertram, Adolf, Kardinal, Erzbischof von Breslau 3% Best,$. Payrie, brit. Captain 5o2 Bethmann Hollweg, Theobald v.(1856-192)\ Reichskanzler 1909-1917 267, 295 Bismarck, Herbert v., Staatssekretär im ‚preuß. 2lı nisterium des Innern 131 x Bismarck, Otto Fürst v.(1815-1898) 19, 24 W 62, 92 f., 182, 287, 292 f., 303, 454, 543» 562 Bismarck-Schönhausen, Gottfried Graf v., Rast rungspräsident in Potsdam 459, 529, 534 Blaskowitz, Johannes, Generaloberst 257 Blessing, Karl, Bankier 575 f. Blomberg, Werner v., Generalfeldmarschall, ob befehlsbaber der Wehrmacht und Reichskriegsmini#@ bis 1938 72, 82, 134, 139 ff., 144-150, 15# 156, 261, 478, 483, 485 ff. ad, Carl, 16 Farben Ch, Rober rege, ® chitsch Fi ygn 0} IF Blım, Leon, Vorsitzender der Sozialistischen Partei Frankreichs, Ministerpräsident 1936] 1937, 1938, |47 84, 87, 488 f. fortgelassen, un, menthal, Hans-Jürgen Graf v., Major 527, 577 iginalausgabe 8 ck, Fedor v., Generalfeldmarschall 359 f., 363, ei+99 f., 502 Bodenschatz, Karl Heinrich, Genera/ der Luftwaffe fenminister 9-0 95» 494 Hhm, Franz, Professor der Rechtswissenschaft an der ‚Chef des Gen Universität Jena 513 122, 135, 14l Bihme, Georg, Gewerkschaftler(Nürnberg-Fürth) Ga, 171, 1760-18 ‚78 20h, 25h Böchm, Hermann, Generaladmiral 487, 499 Bechmer, Hasso v., Oberstleutnant(Danzig) 578 Bihm-Tettelbach, Hans, Major, rhein. Industrieller 9, 361 6, 64 2, 400, 408,4! 92, 494 Ieselager, Georg Frhr. v., Oberst 367, 420 N Kan Blz, Eugen, vorm. Staatspräsident von Württemberg a na 1928-1933) 159, 386, 576 f. Pla) ei| Binhoeffer, Dietrich, ev. Theologe 117, 131, 199, PR\ 173, 309, 342, 349, 367, 441, 482, 513 f at im Oberpranul Binhoeffer, Karl, Professor der Psychiatrie und Neurologie an der Universität Berlin 199, 311 Binhoeffer, Klaus, Rechtsanwalt, Syndikus der | Misch. Luftbansa 199, 309, 311 Btanet, Georges, 1938/39 frz. Außenminister 187, 92, 208, 220, 235 f., 491 Bermann, Martin, Leiter der Parteikanzlei 8, 450, 86 Böich, Carl, Vorsitzender des Aufsichtsrates der > 7. Farbenindustrie A.-G. 534 8 Prasidenl) Boch, Robert August, Industrieller 24, 158-160, 122, 245, 253, 268, 336 f., 410, 416, 488, 499, ker des Transpot# uster 342 jm Italien om 14. XVll vera) d. AV 20 533 ftind, Robert H., Direktor an der Lloyd’s Bank, „ondon 489 2 Di itndenburg, Wilhelm, Wachmann im Gefängnis Cirche 482 ss RSHA(Berlin, Prinz-Albrecht-Straße) värident N 55 H., 459, 533£., 537 ; ‚ Bendes, Albin, vorm. Vorsitzender des Metall. erbeiterverbandes des ADGB 549 GB 58 i Bruchitsch, Walther v., Generalfeldmarschall, 1938 his 1941 Oberbefehlshaber des Heeres 154 f., 174, 78 ff., 183, 185, 193, 195 f., 198 f., 206 f., 239, 152 ff., 256 ff., 260, 263-266, 273 f., 277 f., 285, 36, 360, 488, 490, 494, 497 f., 501 f., 504, s14f Btanmers-Reuther, vorm. Gewerkschaftssekretär jn 502 „bald ar per Kassel 548 167, 299) Bean, Magnus Frhr. v., Ernährungsminister im ehr! inf"| Kabinett Papen 1932 und Schleicher 1933 61 | Btedow, Kurt v., Generalmajor 145, 483 u)” Bternicke, vorm. Bezirkssekretär des ADGB für 305 Hannover 548 Itey, August, vorm. Vorsitzender des Fabrikarbeiter- " wrbandes des ADGB 548 Br 1,Hermann, soz.-dem. Minister a. D. 110, 480 f. kickdorff-Ahlefeldt, Erich Graf v., General d. hf. 198, 243, 493 Brckdorff-Rantzau, Ulrich Graf v.(1869-1928), 1919 deutscher Außenminister, seit 1922 Botschafter ‚it Moskau 484 1 urolober? Mu Jdmar"” 7 u Personenregister 583 Brodführer, Siudienrat in Polsdam 432, 533 Bronish, Gotthilf P., deutscher Emigrant 489, 495 Brücklmeier, Eduard, Legationsrat im Auswärtigen Amt 195, 207, 405 Brüning, Heinrich, Reichskanzler und Außenminister 46, 49-54, 56-62, 66, 68, 72, 87, 130 f., 168 Ku 172, 237, 319, 471, 473-476, 479, 503, 508, 576 Bryans, J. Lonsdale 271 fl., 504 Bülow, Bernhard Wilhelm v.(} 1936), Staatssekre- Lär im Ausw. Amt seit 1930 152 Bülow-Schwante, Karl Alexander Vicco v., 1938 bis 1940 deutscher Gesandter, später Botschafter in Brüssel 500 Bürckel, Josef, Ganleiter und Reichsstatthalter in Wien 185 Burckhardt, Carl]J., 1937-1939 Hober Kommissar des Wölkerbundes in Danzig 196, 234, 338, 449, 451, 493, 514 f., 536 Busch, Ernst, Generalfeldmarschall 379, 382 Bussche-Hünnefeld, Axel Frh. v. d., Hanptmann 393, 523, 528 Bussche-Ippenburg, Erich Frh. v.d., General d. A., bis 30. 9. 33 Chef des Heerespersonalamtes 137 f., 485 Buxhoeveden 514 Cadogan, Sir Alexander, Ständiger Unterstaats- sekretär im Foreign Office 1938-1946 272, 497 Calvin, Johann(1509-1564) 482 Carol II., König von Rumänien 1930 bis 1990 215 Canaris, Walther Wilhelm, Admiral, Chef der Ab- teilung Abwehr beim OKW 193, 238, 243, 245, 259 f., 264, 367 f., 378, 389, 441, 487, 491, 498, 500, 502, 505, 514, 535 Chamberlain,Neville, 1937-1940 britischer Premier- minister 173, 175, 187, 189fl., 196, 200-206, 210 f., 220, 226, 233 f., 236 ff., 248 ff., 256, 261, 267 ff., 275, 331, 336, 491 fl., 495, 497 fl., 503, 555 Carl, vorm. Vorstandsmitglied im Fabrikarbeiterver- band des ADGB 548 Chautemps, Camille, 1937-1938 frz. Ministerprä- sident 176 Choltitz, Dietrich v., General d. Inf. 408, 431, 454, 520, 528 Churchill, Winston Spencer 164, 168, 172, 188 f., 191, 200, 237, 333, 336, 33Bf., 341 f., 344 Fk; 348 f., 351 ff., 393 f., 396 f., 404, 414 f., 428, 456, 505, 514-517, 529 Ciano di Cortellazzo, Graf Galcazzo, 1936-1943 ital, Außenminister 248, 265 Clausewitz, Karl v.(1780-1831), preuß. General und Militärschriftsteller 184 f., 429 Clauß, Edgar, sowjetischer Mittelsmann bei den Ver- handlungen Peter Kleists 1942]43 in Stockholm 396 Cleinow, Georg, polit. u. volkswirt. Schriftsteller 27, 469 Codreanu, Corneliu Zelea, rumän. Politiker, Anti- kommunist u. Antisemit, Gründer der»Eisernen Garde«(1931) und der Partei». Alles fürs Vater- land« 214 Personenregister 584 Colvin, Jan, engl. Zeitungskorrespondent 237, 494, 497 Convell Evans, Philip, brit. Diplomat 250, 256, 270, 503 Coudenhove-Kalergi, Richard Graf v., Begründer der Paneuropa-Bewegung 159 Cramer, Walter, Fabrikant 514, 520, 578 Cromwell, Oliver(1599-1658) 181 Dahlmann, Friedr. Christof(1785-1860), Historiker 17 Dahrendorf, Gustav, vorm. sozialdemokr. Reichs- tagsabgeordneter 319, 578 Daladier, Edouard, 1933-1934 und 1938-1940 frz. Ministerpräsident, 1936-1940 Minister für Landes- verteidigung 150, 169, 186, 188, 192, 201 fl., 208, 248, 250, 267, 491, 496 f. Danfeld, Angeböriger des SD 449 Danton, Georges(1759-1794), Advokat, frz. Re- volutionär 97 Deedes, Sir Wyndham, Konservativer, General a. D. 489 Delbos, Yvon, 1936-1938 franz. Außenminister 488 Delbrück, Justus, Kaufmann 309 Delekat, Friedrich, ev. Theologe 513 Delp, Alfred, Jeswitenpater 122, 317, 511, 521 Desert, ev. Pfarrer 432 Dibelius, Otto, bis zu seiner Amtsentsetzung 1933 Generalsuperintendent der Kurmark, seit 1945 ev. Bischof von Berlin 513, 535 Dicke, August, Oberbürgermeister von Solingen 22 Diels, Rudolf, 1933/34 Leiter der Gebeimen Staats- bolizei 479 Dietrich, Hermann, Finanzminister unter Brüning 56 Dietrich, Josef(Sepp), Oberstgruppenführer und Generaloberst 379 Dietrich, Otto, Pressechef der Reichsregierung und Staatssekretär im Propagandaministerium 560 Dietz, Johannes, seit 1933 kath. Bischof von Fulda 511 Dietze, Constantin v., Professor für Volkswirt- schaftslebre und Finanzwissenschaft an der Univer- sität Freiburg 71, 442, 507, 512 fl., 538 Dirksen, Herbert v., deutscher Botschafter in Moskau (1928-1933), in Tokio(1933-1938), in London (1938-1939) 498 Dönicke, O., Kreisleiter von Leipzig 70, 88 Dönitz, Karl, Großadmiral 535 Dohna-Tolksdorf, Heinrich Graf zu 577 Dohnanyi, Hans v., Reichsgerichtsrat 199, 256 f., 273-276, 309, 367, 441, 451, 500 f., 505, 534 bis 537 Dollfuß, Engelbert, 1932-1934 österr. Bundeskanz- ler 149, 302, 507 Dominicus, Alexander, bis 1921 Oberbürgermeister von Schöneberg bei Berlin 470 Dovifat, Emil, Professor für Publizistik, jetzt Freie Universität Berlin 5ız Dreyfus, Alfred(1859-1935), frz. Generalstabsofji- zier 135 Droysen, Johann Gustav(1808-1884), Historil u 17 Dulles, Allen Welsh, Sonderbeauftragter Roost‘ zum Studium europäischer Wirtschaftsfragen an amerikanischen Gesandtschaft in Bern 399 f., 40% 407, 411, 414, 480, 514, 524, 530 Duncker, Franz(1822-1888), gründete 1868 mi Ükx Max Hirsch die»Deutschen Gewerkverei (Hirsch-Dunckersche Gewerkvereine) 304 Ak Ebert, Friedrich(1871-1925), Reichspräsida ük 132 f., 135, 295 2 Eckardt, Major u. Gutsbesitzer(Gerbisbacb) Ay Oki 533 R Eden, Anthony, 1935-1938 m. 1940-1945 bil Außenminister 168 f., 200, 338 f., 343, 346, ER} Ehrensberger, Otto, Referent im Reichsinnenminiie Wi rium 316, 511 8,4 4786) 74 Eisenhower, Dwight David, General 347, Alb Ühtic 423, 426, 439, 529 f. Elsas, Fritz, 1931-33 Bürgermeister der Stadt Betlt 432, 533 Elser, Georg, Zimmermann aus München, Kommstii, 5o2 Epp, Franz Xaver Ritter v., General d. Inf., 2931 bis 1945 Reichsstattbalter von Bayern, Chef# kolonialpolitischen Amtes in der Reichsleitung de NSDAP 487 Erhard, Ludwig, Wirtschaftswissenschaftler, a1 bis 1963 Bundeswirtschaftsminister, seit 1963 Die deskanzler 433 Ernst, Robert, Ministerialdirektor im Reichmirk schaftsministerium 576 Ersing, Josef, christl. Gewerkschaftler in Würtie berg 549, 576 Erzberger, Matthias(1875-1921), Zentrumspoh# ker und Reichsfinanzminister 1919-1920 384. Etzdorf, Hasso v., Rittmeister, Vortragender L4# tionsrat, Verbindungsmann des Auswärtigen Am zum Generalstab des Heeres 254, 492, 500 f Eucken, Walter, Professor für Volkswirtschaftsldh an der Universität Freiburg 71, 505, 507, 513» Sl Falkenhausen, Alexander Frhr. v., General d. If} Militärbefeblsbaber von Belgien und Nerdfea! 359, 361, 382, 407, 412 f., 501, 505 f., 519, SH Falkenhayn, Erich v., General 23 Faulhaber, Michael v., Kardinal, Erzbischof München 123, 510 f., 516 Fellgiebel, Erich, General der Nachrichtentral 424, 505, 520, 523, 531 f., 577 Fichte, Johann Gottlieb(1762-1814) 366 Fichler, Karl, Oberbürgermeister von München 4: Finckenstein, Konr. Graf v.(Eutin) 493 Finckh, Stadtrat in Brüssel 489 Fischer, Albrecht, Baurat 159, 578 Fisher, Sir Warren, Mitarbeiter Chamberlains 4% Fleischer, Paul Hermann, Zentrumsabgeordut 1919 Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft Po® scher Parteien für die Abstimmung in West# Ostpreußen 25 f., 469 f. | 808-1884), Flirt beauftragler Roua Yirtschaftsfragen a t in Bern 3998,40 4,530 3), gründete 180] ischen Gewerke koereine) 304 ceckenbeck, Max v., Oberbürgermeister von Berlin, 1874-79 Präsident des Reichstages 21 Rırd, Henry, amerik. Industrieller 310 Bungois-Poncet, Andr£, französischer Botschafter ins Berlin(1931-1938), Botschafter in Rom( 1938 bi 1940) 206 f., 220, 484 # Banck, Louis, Präsident der Nationalbank in Brüssel 489 Bank, Reinhold, Rechtsanwalt 578 Fazer, George, amerik. Bankier 250 925), Reichjpräd Breisler, Roland, Präs. des Volksgerichtsbofes seit 1942 438, 444, 450, 465 ver(Gerbisbach) 67 Fick, Wilhelm, Reichsminister des Innern, 1943 Reichsprotektor für Böhmen und Mähren 44, 79, 8 u. 1940-194) „338 fi, 343, 34 4 im Reichsinnenmi d, General 34 meister der Stadt b ‚us München, Kom „General 4. von Bayern, CH in der Reichslatun fiswissensh hafllr, minister, seit 19) Jirektor Im phschaftler it Mi 1921), er 19197 1920 u er, Vortrag gend! des Aumirhd! nl 7 254 493° für V Yolkswirk ; 11,505 BURL el um /ardind, Er der Naht t gt f 74 Biedrich Wilhelm, Raid ), Zuirun? 4 Gilen, Clemens August Graf v., MEN 114, 118, 476 # Riedrich, Prinz von Preußen 509, 543 3 Fiiedrich II.(der Große), König von Preußen( 1740 Fbis 1786) 74, 84, 97, 264, 478, 562 Kurfürst (Großer Kurfürst) 1640-88 562 4 Fiedrich Wilhelm I., König von Preußen(1713 bis 1740) 74, 76 # Fiedrich Wilhelm II., König von Preußen(1797 bis 1840) 284 % Fiedrich Wilhelm IV., König von Preußen(1840 bis 71861) 486 Fitsch, Werner Frhr. v., Generaloberst, 1934-1938 Chef der Heeresleitung bzw.(seit 1935) Ober- W des Heeres 81, 134, 141, 144 f., 149, 152-156, 159, 161, 171 f., 174, 177, 194, 197, 260, 441, 487 f. Föhlich, August, Gewerkschaftler, ebem. Ministerpräsident v. Thüringen 578 von Brandenburg sozialdemokr. ya Fomm, Fritz, Generaloberst, Befehlshaber des Er- satzheeres 243, 262, 363, 375, 385, 421 f., 425, u 1502, 531, 535 Fiy, Joan, Ouäkerin 489 I Fink, Walter, Reichswirtschaftsminister und Reichs- „W Bankpräsident seit 1939 88, 559 Bischof von Mün- rier 121, 123, 483 Gimelin, Maurice Gustave, franz. General, 1931 Chef des Generalstabes, Sept. 1939 bis Mai 1940 Oberbefehlshaber der alliierten Armeen in Frank- „ech 150, 187, 203, 490 f. Girvin, James L., Journalist, seit 1908 Herausg. d. BObserver« 489 ; Gyl, Wilhelm Frhr. v., Innenminister unter Papen #61, 386, 575 Fr 6 I Ludwig, Hauptmann 441 EG tsdorff, Rudolf Frhr. v., Generalmajor a 367, 519 G tstenmaier, Eugen Karl Albrecht, Konsistorial- rat im Außenamt der Evangelischen Kirche, jetzt Bundestagspräsident 317, 368, 482, 511, 514 GBler, Otto, 1920-1928 Reichswehrminister 134, 199, 270, 318, 471, 503, 509, 514, 578 Gyr von Schweppenburg, Leo Frhr., General d. Panzertruppe 501 360, Gseyius, Hans Bernd, Regierungsrat 172, 197 f., 585 231f., 244, 250, 256, 259 f., 365 f., 399, 407, 410f., 413 f., 422 fl., 426-430, 493, 496, 500, 502, 514, 520, 524, 527 f., 530 fı Glaise-Horstenau, Edmund v., Militär- schriftsteller, seit 1925 Direktor d. österr. Kriegs- Personenregister österr. archivs Wien 509 Gleichen-Rußwurm, Heinrich Frhr. v., jungkonser- vativer Schriftsteller und Verleger 129 Gleißner, 1933-38 Staatssekretär für Landwirtschaft in Wien 577 Gneisenau, August Graf Neithardt v.(1760 bis 1831), preuß. Generalfeldmarschall 429, 486 Goebbels, Joseph, Reichspropagandaminister 74, 123, 166, 495, 523, 574 Christian(geb. 1917), 2. Heinrich, 89, 121, Goerdeler, Goerdelers 212, 363, 522 Goerdeler, Fritz, Bruder von Carl Friedrich G., Stadtkämmerer von Königsberg 25, 415, 463, 477» 529 Goerdeler, Reinhard(geb. 1922), dritter Sohn Carl Sohn Carl Friedrich Goerdelers 430 Goerdeler, geb. Ulrich, Friedrich Goerdelers 20, 28, 463 Wilhelm 43, 72, 82 f., 85, 155 f., 160f., 165, 171, 178, 2ff., 219, 221 f., 245, 249 fl., 255, 265 f., 269, 370, 377 f., 385, 387, 425, 450, 471, 477 f:, 484, 486, 494, 498 f., 501, 503 f., 523, 530, 559 f, 580 Gollwitzer, Helmut, Pfarrer in Berlin-Dablem, jetzt Professor für evangelische systematische Theologie in Anneliese, Gattin Carl Hermann 153, 205, 21 Göring, 87£., 195, 198, 148, Bonn 482 Grant, Ulysses Simpson(1822-1885), amerik. General, 1864-65 Oberbefehlshaber der Unions- truppen im Sezessionskrieg, 1869-77 Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika 345 Grauert, Ludwig, preuf. Minister des Innern seit 1933 43, 471 Graziani, Rodolfo Marchese di Neghelli, Marschall 506 Greiffenberg, Hans v., General d. Inf. 359 Grey of Fallodon, Edward Viscount(1862-1933), 1905-1916 britischer Außenminister 294 Gröber, Conrad, Erzbischof von Freiburgi. Br. 123, ital. 510, 516 Groener, Wilhelm(1867-1939), Generalleutnant, 1928-1932 Reichswehrminister 132, 134, 137, 140 Grötzner, Karl, Gewerkschaftler 548 Groß, Nikolaus, Redakteur an der» Westdeutschen Arbeiterzeitung« bzw.»Ketteler Wacbt« 122, 304, 521 Großcurth, Helmuth, Oberst 254, 502 Grüber, Heinrich, Pfarrer, jetzt Probst in Berlin 11 Guderian, Heinz, Generaloberst 487 Gürtner, Franz, Reichsjustizminister 72, 488 Guse, Vizeadmiral 490 Gustav V. Adolf, König von Schweden 1907-50 456 Gustaf Adolf, schwedischer Kronprinz 537 Guttenberg, Karl Ludwig Frhr. v., Herausgeber der»Weifen Blätter« 131 586 Personenregister Haake, Leipziger Bürgermeister 89, 479 Haakon VII,, König von Norwegen 489 Habermann, Max, vorm. Sekretär des Deutsch- nationalen Handlungsgebilfenverbandes 122, 304 f. 388, 410, 510, 528, 546 f. 549 /Hacha, Emil, Präsident der Tschecho-Slowakischen Republik 30. XI. 1938 bis 15. III. 1939 226 Haecker, Theodor, kath. Schriftsteller 521 Haeften, Hans-Bernd v., Vortragender Legationsrat im Auswärtigen Amt 195 Haeften, Werner v., Syndikus, Oberleutnant d. R. 523 Hagen, Albrecht v., Syndikus, Oberleutnant Br 323 Hahn, Kurt, Oberst 532 Hahn, Paul, vorm. Oberpolizeidirektor von Stuttgart 159, 514 Halder, Franz, Generaloberst, 1938-1942 Chef des Generalstabes des Heeres 155 f., 161, 186, 193, 199, 206, 239, 242 fl., 252 fl., 256-260, 262, 264 f., 273-278, 336 f., 358-362, 417, 441, 459 486, 491-495, 498, 500-506, 514 f., 520, 534 Halem, Nikolaus v., Großkaufmann 131 Halifax, Viscount, 1938-1940 britischer Aufßen- minister 165, 168, 173, 187, 189 ff., 196, 200, 202 fl., 208, 220, 234-237, 271 ff., 336, 488, 490, 497, 504 Hammerstein-Equord, Kurt Frhr. v., General- oberst, 1950-1934 Chef der Heeresleitung 27, 130, 134, 137-140, 144, 254, 305, 309, 485 f., 502, 508 f. Hannecken, Hermann v., General d. Inf. 494 Hansen, Gewerkschaftler 547 Hansen, Georg, Oberst, seit Frühjahr 1944 Chef der ‚Abteilung Abwehr beim OKW(später dem Reichs- sicherbeitsbauptamt unterstellt) 427, 529 f., 534 Hardenberg, Hans Graf v., Gutsbesitzer 360, 534 Harnack, Arvid, Oberregierungsrat im Wirtschafts- ministerium 108, 481 Harnack, Ernst v., Reg.-Präs. a. D. 509 Hartmann, Karl, vorm. Bezirkssekretär des ADGB für Thüringen 548 Haschke, Gewerkschaftler 547 Hassell, Ulrich v., deutscher Botschafter in Rom 1952-38 131, 218, 245, 247, 249, 253, 265, 270-275, 282, 306, 311, 330, 337 f., 342 f., 353, 356, 361, 368 f., 388, 392, 402, 404, 406, 408, 444 fi, 449, 495, 499 ff, 503-506, 5oßf., sig f., 524 f., 527, 532, 375 fl. Haubach, Theodor, sozialdemokratischer Journalist 317 f., 368, 5ı1 f., 521, 526, 528, 534, 576 Haushofer, Albrecht, Professor für politische Geo- ‚grabie und Geopolitik an der Berliner Hochschule für Politik 329, 451, 481, 512 ff., 518, 537 Hausser, Paul, Oberstgruppenfübrer und General- oberst 379 Heilmann, Kommunist(Berlin) 481 Hein, vorm. Bezirkssekretär des ADGB für Hamburg, Holstein, Oldenburg 547 Hein, Wilhelm, bis 1933 MdR., Kommunist(Berlin) 481 Heinemann, Belgier 489 Heinrici, Gotthard, Generaloberst 362 v. Heinz, Oberfeldrat(Luftfabrtministerium) 533 Heinz, Friedrich Wilhelm, Oberstleutnant, früberer Stablbelmführer 200, 493, 499, 501 Heitz, Walter, Generaloberst, Präsident des Reicht- militärgerichts 488 Held, Eva, Nichte von Carl Friedrich Goerdeler 431, 533, 536 Held, Otto, Diplomlandwirt 532, 536 Helfferich 576 Helldorf, Wolf Heinrich Graf v., Polizeipräsident von Berlin 198, 243, 410, 426, 501, 528, 532, 534, 376 Henderson, Sir Nevile, 1937-1939 britischer Bol- schafter in Berlin 188, 190 f., 196, 200, 203 ff, 207 f., 240, 245, 491, 495 Henk, Emil, Kaufmann 368, 392, 521 Henlein, Konrad, Führer der Sudetendeutschen Parli 187 Hermes, Andreas, 1920-23 Reichsernäbrungs- und Reichsfinanzminister, bis 1933 Präsident der Ver- einigung der christl. dt. Bauernvereine und des Reicht- verbandes der landwirtschaftlichen Genossenschaften (Raiffeisen) 509, 576 f. Herrmann, Matthäus, Lokomotivführer a. D. 577 Heß, Rudolf, Stellvertreter des Führers 79, 329, 472, 476, 514 Heusinger, Adolf, Generalleutnant 382, 520 Heydrich, Reinhard, Chef der Sicherbeitspolizei und des SD, März 1942 stellv. Reichsprotektor für Böhmen und Mähren 145, 197, 489, 501 Hilton, John, seit 1931 Professor(Industrial Rela- tions) an der Universität Cambridge 474 Himmler, Heinrich, Chef der deutschen Polizei und Reichsführer der SS, seit 1943 Reichsinnenministir 145, 155, 193, 197 f., 259, 329, 352, 3776, 385, 424, 446, 448-451, 4547459, 488, 494, J0l» 514, 523, 528-531, 536 f., 574 Hindenburg, Oskar v., Oberst, Persönlicher Adju- tant des Reichspräsidenten 139, 486 Hindenburg, Paul von Beneckendorf und von, Generalfeldmarschall, 1925 bis 1934 Reichspräsideni 50, 55, 58, 60 fl,, 93, 97, 130, 132, 135, 137-141, 144 f., 295, 475 f., 483, 485 fl. Hippel, Robert v.(1866-1951), Sirafrechtslebrer (seit 1899 in Göttingen) 20 Hirsch, Max(1832-1905), gründete 1868 die»Deut- schen Gewerkvereine«(Hirsch-Dunckersche Gt- werkvereine) 304 Hobrecht, Arthur(1824-1912), Oberbürgermeister von Breslau und Berlin, preuß. Finanzministr 1878]79 21 Högner, General, Stabschef von Rundstedt 488 Höhn, Reinhard, Professor für Staatsrecbt an der Universität Berlin 447, 536 1 Hoepner, Erich, Generaloberst 199, 276, 357, 36, 501, 505, 518, 520, 576 f. Hofacker, Cäsar v., Oberstleutnant d. R. 41gf, 425 f., 428 f., 439, 530 f. Hoover, Herbert, 1929-33 Präsident der Vereinigt Staaten von Amerika 169! Hopkins, 1 Fr Hora geb,( ralıı v, T Hoßbach, I bei Hitler Pi) Hoth, Herr Auber, Ku dır Unive Augenberg nationaler 131,137 Hull, Cord wärtigen 397, 488 Humboldt Huppenko Offizier Hurdes, F 1945 ö Husen, Pe ji Insnt, Ism 28 Iscnberg, Jäger, Aug lichen Kirche, Iatnecke, Jakob, Fr Jatnecke, Jätte, Ka Reichs Iferich, Diusseh, Jessen, J 3907,33 Isa, 320 otn, Or N, 00, Joy lung “per, E rst 362 riministerium) 53} berstleutnant, früh 39, 5OL Präsident des Reich edrich Goerdeler 4 2, 536 ıf v., Polizeipräsde 426, 501, 528, ji 1939 britischer B f, 196, 200, 2035| 392, 521 i Sudetendewtschen Par Reichsernabrung®-„! ı3 Präsident der I| nereine und des REIF lichen Gemossenseh okinfübrer 0: D. si Führers 79, 329#" nant 382, 520 r Sieberbeitspolize® 2 Reichsproteklor I EEE assor(Industrial Bo mbridge A, y deutschen Polizei#“ ichsinnenmin“ g Rei a 30 37 4-45) 498, 494 9 74 1 ji Persönlicher a ger j f. Finanzmi®" Dräsl _ Hopkins, Harry Lloyd, politischer Ratgeber und engster Freund Roosevelis 526 Horn geb. Oncken, Alste, Sekretärin des Legations- rates v. Trott zu Solzx 527 Hoßbach, Friedrich, bis 1938 Wehrmachtsadjutant bei Hitler, General der Infanterie 141, 153, 156, 487 Hoth, Hermann, Generaloberst 365 Huber, Kurt, Prof. für Psychologie u. Philosopbie an der Universität München 366 Hugenberg, Alfred, Vorsitzender der Deutsch- nationalen Volkspartei 37, 50, 58 f., 62 f., 65, 131, 137 f., 170 f., 290, 485 f. Hull, Cordell, Staatssekretär des amerikanischen Aus- wärtigen Amtes 169 f., 251, 265, 345, 347» 394» 397, 488 Bumboldt, Wilhelm v.(1767-1835) 17, 291 Buppenkothen, Walther, Gestapobeamter, SS- Offizier 535-538 Burdes, Felix, österr. Parteifreund J. Kaisers, nach 1945 österr. Minister 510 Busen, Peter van, Oberverwaltungsgerichtsrat 390, 512 Ihönü, Ismet, türkischer Staatspräsident 1938-1950 218 lenberg, Gerhard, Min.-Rat 512 Jiger, August F. C., 1934 sog. Rechtswalter im geist- lichen Ministerium der Deutschen Evangelischen Kirche 481 Jenecke, Erwin, Generaloberst 408, 454 J;kob, Franz, Schlosser(Hamburg) 110 f. hanecke, vorm. Gewerkschaftsfunktionär 549 hrres, Karl, Oberbürgermeister von Duisburg, 1925 Reichsinnenminister unter Marx 21 kserich, Kurt, Geschäftsfübrender Präsident des Deutschen Gemeindetages 42 ff., 471 f. Jssen, Jens Peter, Professor der Staatswissenschaften 307, 330, 361, 447, 524, 536 Jodl, Alfred, Generaloberst 156, 184, 261, 361, 515, 520 John, Otto, Rechtssyndikus der Lufthansa, 309 f., 423 f., 427, 487, 509, 514, 529, 530 Joos, Josef, Redakteur der» Westdeutschen Arbeiter- zeitung«, MdR(Zentrum) 122 Jinger, Ernst, Schriftsteller 127 Jung, Edgar J., Rechtsanwalt und Publizist 129 f., 483 f. 125, Kaas, Ludwig, Prälat 63 Kaiser, Hermann, Studienrat, Hauptmann d. R. 424, 428, 532, 577 f. Kaiser, Jakob, 1924-33 Landesgeschäftsfübrer der christlichen Gewerkschaften in Rheinland und West- " falen, 1949 bis 1957 Bundesminister für gesamt- deutsche Fragen 122, 304 f., 309, 311 f., 369, 386, 390, 409 f., 430 ff., 493, 508 ff., 512, 515, 521 f., 524, 528, 546-550, 576 ff., 581 - Kaltenbrunner, Ernst, Chef des Sicherbeitsdienstes (SD) und des Reichssicherbeitsbauptamtes 8, 449, 11442 f., 452, 486, 536 f. Personenregister 587 Kant, Immanuel(1724-1804) 17, 128 Kaschny, Rechtsanwalt 578 Keitel, Wilhelm, Generalfeldmarschall, seit 1938 Chef des Oberkommandos der Wehrmacht 82, 143, 154, 156, 196, 244, 261, 490, 501 Kemal Pascha, Mustafa(Atatürk), Staatspräsident 1923-1938 218 Keppler, Wilhelm, Wirtschaftsbeauftragter, später Staatssekretär im Auswärtigen Amt 478 Kerenski, Alexander, Ministerpräsident der provi- sorischen russischen Regierung 1917 501, 521 Kern, Helmut, Pfarrer in Nürnberg 113 Kerrl, Hanns, Reichs- und preußischer Minister für kirchliche Angelegenbeiten 115 van Kessel, be/g. Politiker 489 Ketteler, Wilhelm Frhr. v., Adjutant Papens 131 Keynes, John Maynard, eng/. Nationalökonom 51, 172 Kielpinski, v., Obersturmfübrer, Verfasser der sog. Kaltenbrunner-Berichte 9, 576 Kiep, Otto Karl, vorm. Generalkonsul in New York (1930-1933) 195, 389, 576 Kiesel, Georg, Verfasser des sog. SS-Berichtes 8 Kirk, Alexander, amerik. Botschaftsrat und Ge- schäftsträger in Berlin bis Oktober 1940 251, 265 Kißling, Georg Conrad, Major(Trebnitz|Schlesien) 578 Klamroth, Bernhard, Obersiltn. 523, 531 Klatt-Schaumann, Hildegard, Hotelleiterin 534 Klausing, Friedrich Karl, Hauptmann 424, 531 Kleist, Peter, Referent im Büro Ribbentrop 396, 404 f. Kleist-Schmenzin, Ewald Heinrich v., Gufsbesit- zer, Herausgeber des»Mitteilungsblattes der kon- servativen Vereinigung« 131, 188 ff., 195, 237, 311, 494, 497, 498, 528, 577 Kleist-Schmenzin, Ewald Heinrich v., Oberleut- nant 528 Klimpel, Gustav Reinhold, Oberbürgermeister a. D. 432, 533 Kluge, Günther v., Generalfeldmarschall 357, 363, 365, 367, 375, 378-382, 385, 419 f., 425-428, 439, 444» 454, 505, 518, 520, 522, 527, 530 ff, 534, 572 Knebel-Döberitz, v., Gutsbesitzer 509, 550 Koch, Erich, Gauleiter von Ostpreußen 327 Koch, Hans, Reichsgerichtspräsident 575 Königs, Gustav, Staatssekretär a. D. 576f. Koerber, Viktor v., Rittmeister a. D. 492, 498 Koerner, Paul, Staatssekretär 478 Körner, Heinrich, Gewerkschaftler 549 Körner, Theodor, General a. D., 1951-1957 österr. Bundespräsident 510 Körte, Siegfried, Oberbürgermeister von Königsberg 22 Köstring, Ernst, Generalmajor, 1935-1941 Militär- attache an der deutschen Botschaft in Moskau 407, 429 Kollontay, Alexandra M., sowjet. Gesandtin in Stockbolm 528 Korfes, Otto, Generalmajor 527 türkischer 588 Personenregister Kordt, Erich, Legationsrat im Ministerbüro Ribben- trop, 1941-1945 Gesandter bei den deutschen Bot- schaften in Tokio und Nanking 195, 206 f., 239#f., 256, 258 Kordt, Theodor, 1938-39 Botschaftsrat an der deutschen Botschaft in London 195 f., 207, 239 ff., 250, 270, 497, 499, 503 Korttnauer, v., Oberstleutnant(Luftfabrtministe- rium) 533 Kosnay, Herbert 480 Koßmann, Bartholomäus, brücken) 578 Kranzfelder, Alfred, Korvettenkapitäan 534 Krauss, Werner, Professor für Romanistik in Leipzig 108 Krautz, vorm. Vorsitzender des Buchdruckerverbandes des ADGB 549 Kriege, Min.Dirigent 577 Krupp v. Bohlen und Halbach, Gustav, Leiter der Krupp-Werke 158, 160 f. Kuckhoff, Adam, Schriftsteller, 1930-1932 Drama- turg am Berliner Staatstheater 108 Küchler, Georg v., Generalfeldmarschall 363, 379, 520 Künneth, Walter, Leiter d. apologet. Zentrale der Bekennenden Kirche in Spandau, jetzt Prof. in Er- langen 483 Kuhn, Joachim, Major 523 Kupfer, vorm. Bezirkssekretär des ADGB für Bayern 548 Rechtsanwalt(Saar- Labedzki, Bruno, Bürodiener 432 f. Lammers, Hans-Heinrich, Reichsminister und Chef der Reichskanzlei 81 Lampe, Adolf, Professor für Volkswirtschaftslebre und Finanzwissenschaft an der Universität Freiburg 71, 473, 507, 513 Landwehr, Frau Dr.(Berlin) 432, 533 Langbehn, Carl, Rechtsanwalt 14, 377 f., 387, 406, 449 ff., 513 f., 517, 522, 538, 575 Lautenbach, Referent im Reichswirtschaftsministe- rium 53 Lautz, Ernst, Oberreichsanwalt 440 Leber, Julius, Journalist 111, 319 f., 329, 383, 386 f., 392, 399, 401, 409 ff., 424, 480 f., 507 fl., 512, 524, 526, 528, 534, 576 ff. Lee, Robert Edmund(1807-1870), bedeutendster General der Konföderierten im amerik. Bürgerkrieg 1861-1865 345 Leeb, Wilhelm Ritter v., Generalfeldmarschall 254, 264, 359, 494, 500, 502, 505 Lehmann, Herbert(Strausberg) 432, 533 Lehndorff-Steinort, Heinrich Graf v., Gutsbesitzer 360, 415, 577 Lehr, Robert, vorm. Oberbürgermeister von Düssel- dorf 508 Leiber, Pater, Sekretär Papst Pius’ XII. 273, 501 Leipart, Theodor, seit 1921 Vorsitzender ds ADGB 474, 511 Lejeune-Jung, Paul, Syndikus der Zellstoffindustrie 388, 444 f., 507, 524 f., 576 f. IE Lemmer, Ernst, Journalist, bis 1933 Generulrekhäi des Gewerkschaftsringes der deutschen Arbeiter- ud I En 1 Angestelltenverbände(Hirsch-Dunckersche) 304\\ In Mi. Lenin, Wladimir Iljitsch 97 Mina, He Lenz, Otto, Rechtsanwalt, vorm. Pressereferent in ‚N 4 Reichsjustizministerium 386 Leonrod, Ludwig Frhr. v., Major 578 Leopold III., König von Belgien 163, 259, 503, 50) Letterhaus, Bernhard, vorm. Verbandssekretär dır westdeutschen katholischen Arbeitervereine 52, 548, 577£. Leuninger, Franz, christ). Gewerkschaftler 549 Leuschner, Wilhelm, führender Sozialdemokrd, vorm. hessischer Innenminister und stellv. Vorsilze- der des ADGB 122, 200, 304 f., 311, 329, 381, 392, 409 f., 419, 430, 432, 444 f., 493, 507510 512, 521, 523 f., 526, 528, 534, 546-549, 5704 Ley, Robert, Reichsorganisationsleiter der NSDAP, Leiter der Deutschen Arbeitsfront 74, 78, 506 Lichnowsky, Karl Max Fürst v.(1860-1928), deutscher Botschafter in London 1912-1914 294 Liedig, Korvettenkapitän 501 Lilje, Hanns, Pfarrer in Berlin-Lichterfelde, jäzl Landesbischof von Hannover 432, 514, 533 Lindenberg, Bevollmächtigter der Lufthansa in Madrid 530 Lippens, Maurice, be/g. liberaler Senator, vorm. Gr neralgouverneur in Belgisch-Kongo 163 Lipski, Josef, 1934-1939 polnischer Botschafter i Berlin 506 List, Wilhelm, Generalfeldmarschall 362, 488, 5 Litt, Theodor, Professor für Philosophie an der Un: versität Leipzig 46 f., 62, 507 Litwinow, Maxim Maximovitsch, Vo/kskommissz für Auswärtige Angelegenheiten der UdSSR 195 bis 1939, sowjetischer Botschafter in Wasbingis 1941-1943 236, 241, 396 Lloyd George, David(1863-1945), 1916-1922 bi tischer Premierminister 27 Lloyd, Lord of Dolobran, George A., 19 Staatssekretär für die Kolonien 188, 241 Lochner, Louis P., amerikan. Journalist(Ask Press) 509, 514 Loeb, Oberstleutnant 478 Löbe,Paul, sozialdemokratischer Abgeordneter us Reichstagspräsident(1920-1933) 135, 577 Löser, Ewald, Leipziger Bürgermeister, später Di rektor bei den Krupp-Werken 69, 387, 473, 5% 534, 575 f. Löwenheim, W.B., Verfasser der Broschüre»N beginn« 498- Lohmeyer, Hans, Oberbürgermeister von Königsh 30, 38-41, 299, 312, 470 f. Loschelder, Ministerialrat im Reichsinnenminilt rium 471[ Loßberg, Friedrich v., General, Kommandant# Oberschlesien 1919 27 Louis Ferdinand Prinz von Preußen 309 ff., 50) 550 Ludendorf, Erich(1865-1937), General der It Janterie 132,135, 295, 334, 369 f., 486, 558, 5644 iuschek, Ha Uhren 578 ‚P 1,51,73, er, Martin lensen, A, Pla des Inne =, Reim. 1933 Generaliehrü zulschen Arbeiter: ı ‚Dunckersche) 304 rm. Presserefernt Iajor 578 1 163, 259, 503} Verl Arbeitervereine$ 1 stellp und stellv. 304 f., 311, 3 444 493, 5 534 346-549 37° ınsleiter der Ni front 71, (1860 irst V« Jon 1912-1914 29 ‚ichterfelde, JF 432, 514 533 r der Lufibanıs rm| zler Senator,® itsch, v eiten der hafter I 2 1949), 19499° A. ge Au 1, Ge in 188 I an. ea A vospräneltt 7 jher AT 13) irg germeiste ken 09 387 N ser der ‚Broscbärt gr son zemeister 2 mi im Reich zhsinneh | nırah, Komma ‚ee ladin, Hans, Leutnant im 5. Artillerieregiment zu Ulm 135 lüdemann, Hermann, Minister 578 lüninck, Ferdinand Frhr. v., von Westfalen 576 Jüninck, Hermann Frhr. Rbeinprovinz 578 lukaschek, Hans, vorm. Oberpräsident von Ober- schlesien 578 luther, Hans, Oberbürgermeister von Essen, 1927/26 Reichskanzler, 1930-1933 Reichsbankpräsident 21, 40f., 51, 73, 471, 476 luther, Martin 113, 117, 464, 482 vorm. sozialdemokratischer vorm. Oberpräsident v., Oberpräsident der \Iaaß, Hermann, bis 1933 Geschäftsführer des Reichsausschusses der deutschen Jugendverbände 200, 304, 387, 498, 507, 512, 523 f., 534 Wachiavelli, Niccolo 93 Hackensen, August v., 486, 5o1 Kackenzie, King William L., 1921-1930, 1935 bis 1948 kanadischer Ministerpräsident und Aufßen- minister 169 \äding, Erhard, Oberregierungsrat im Reichsministe- rium des Innern 445 f., 535 f. Hager, Reimar, christ. Gewerkschaftler, Dresden 548 ‚daiski, Iwan Michailowitsch, schafter in London bis 1943 396 \danstein, Erich v. Lewinski, gen. v., Generalfeld- marschall 184, 365, 379, 519 f., 528, 560 \danteuffel, Edwin Frhr. v.(1809-1885), Preuß. Generalfeldmarschall 486 \darcks, Erich, Major 485 Aarkull, Ministerialrat im Reichsjustizministerium 471 \darogna-Redwitz, Rudolf Graf v., Oberst 578 \Marwitz, Friedrich August Ludwig von der (1777-1837), preuß. Generalleutnant 255 \dasaryk, Jan, Sohn des Staatspräsidenten Thomas Masaryk, tschechoslowakischer Gesandter in London 1925-1938 173 Maschke, Gewerkschaftler 547 “larshall, George C., 1939-1945 Generalstabschef der amerik. Armee, 1947-1949 amerik. Außen- minister 526, 529 f. "lazarin, Jules(1602-1661), Kardinal 181 ‚cKenna, Reginald, Direktor an der Chair Midland Bank seit 1919 489 eichßner, Joachim, Oberst 521, 523 «leiser, Hans, ev. Landesbischof von Bayern 113 Meißner, Otto, 1923 Staatssekretär, 1935 Chef der Präsidialkanzlei 58, 474. Menge, Arthur, Oberbürgermeister von Hannover 578 Mertz von Quirnheim, Albrecht Ritter, Oberst 527 Messerschmidt, George, amerik. Secretary of State 169 Meyer, Otto, Generaldirektor(MAN Augsburg) 534 Generalfeldmarschall 483, sowjetischer Bot- Personenregister 589 Michel, Elmar, Ministerialdirektor 530 Mierendorff, Carlo, sozialdemokratischer Politiker 317 ff., 368, 392, 511 f., 521, 526, 576 Miller, Spencer jr., seit 1937 Assotiate Director of the American Youtb Communion 221, 489, 495 Miquel, Johannes v.(1828-1901), Oberbürgermei- ster von Osnabrück und Frankfurt a. M., 1890 preuß. Finanzminister 21 Mötrl-Pfalzen, Anton v., Sicherbeitsdirektor f. Tirol a. D., Innsbruck 578 Moeller van. den Bruck, Arthur(1876-1925), Schriftsteller 127, 524 Molotow, Wjatscheslaw Michailowitsch, 1930 bis 1941 Vorsitzender des Rates der Volkskommissare der UdSSR, seit Mai 1939 Volkskommissar für Auswärtige Angelegenheiten der UdSSR 346 Moltke, Helmuth James Graf v., Rechtsanwalt, Sachverständiger für Kriegs- und Völkerrecht im OKW 105, 150 f., 237, 241, 307, 316 ff., 320 bis 323, 325, 335, 368, 389, 399, 497 f., 511 f., 514, 521 f., 524 Moltke, Helmuth Karl Bernhard Graf v.(1800 bis 1891), Generalfeldmarschall 142, 151 f., 560 Money, James D., Chairman der General Motor Corporation(New York) 476 Montgomery, Viscount of EI Alamein, Bern- hard L., britischer Feldmarschall 418, 423 Morgenthau, Henry, 1934-1945 amerik. Finanz- minister 169 Morrison, Herbert S., 1915-1940 Vorsitzender d. Londoner Sektion der Labour Party, 1951 Außen- minister 489 Mühlen, Heinrich von zur, Dr. pbil., Mitarbeiter Haushofers 7, 512 f. Müller, Gotthold, Verleger 415, 520, 523, 529 Müller, Josef, Rechtsanwalt 256, 270, 273, 278, 337, 367, 438, 463, 465, 500 f., 503, 505, 514, 516, 534, 537 Müller, Ludwig, deutsch-christl.»Reichsbischof« 113 Müller, Otto, Prälat, Verbands-Präses der katho- lischen Arbeitervereine Deutschlands 112, 304, 521 Mulert, Oskar, Kommunalpolitiker, Präsident des Deutschen Städtetages 1926-1933 38, 41 Schwarzenstein, Herbert Alfred, Le- 122 Mumm v. gationssekrelär 131, 528 Mussolini, Benito 92, 97, 150, 152, 206 f., 210, 213, 218, 227 ff., 235, 265, 288, 379, 497, 503, 563, 574 Mutschmann, Martin, Gauleiter von Sachsen 160 Muth, Carl, Begründer und Herausgeber der kath. Mo- natsschrift»Hochland« 521 Napoleon I. Bonaparte, Kaiser der Franzosen 128, 191, 283 f., 301 Napoleon III.(1808-1873) 181 Nebe, Artur, Chef des Reichskriminalamtes 198, 426, 428, 479 Nebgen, Elfriede 304, 432, 436 Neumann, Erich, Ministerialdir., Staatsrat im ‚preuß. Staatsministerium 82, 477£ Neurath, Konstantin Frhr. v., 1932-1938 Reichs- Personenregister 90 außenminister, 1939-1943 Reichsprolektor von Böhmen und Mäbren 153, 156, 199, 489 Nieden, Wilhelm zur, Stadtbaurat(Leipzig) 577 Niekisch, Ernst, Begründer der Altsozialistischen Partei 1923, Herausgeber der Zeitschrift»Wider- stand« 484 Niemann, Major i. G., Oberquartiermeister 557, 567 Niemöller, Martin, Pfarrer in Berlin-Dablem 112, 114f., 118 f., 131, 490, 506, 510 Nietzsche, Friedrich 126 Norman, Montagu, Gouverneur der Bank von Eng- land 168, 232 Norton, D., Sekretär Churchills 351 Noske, Gustav, 1919-1920 Reichswebrminister 135, 199, 295, 469, 578 369, Oertzen, Hans-Ulrich v., Major 384 Oertzen, Wilhelm v., Redakteur der»Täglichen Rundschan« 485 Ogilvie-Forbes, Sir George, Geschäftsträger in Ber- lin 1937, 1938, 1939 220 f., 502 Ohlendorf, Otto, SS-Obergruppenfübrer, Leiter der Abteilung III(»Deutsche Lebensgebiete«) des ‚Reichssicherbeitsbauptamtes 446 ff., 535 f. Olbricht, Friedrich, General der Infanterie, Chef des Allgemeinen Heeresamtes 155, 278, 359, 362 ff., 366, 368, 374, 378-381, 384, 425, 432, 501, 518, 520 ff., 528, 531, 533, 576 f. Oppen, v. 469 Osborne, Francis D’Acy G., brit. Sonderbevollmäch- tigter am Vatikan seit 1935 273 Oskar, Prinz von Preußen, Sobn Kaiser Wilbelms II. 309 Osten, Oskar v. d., Landrat 131 Oster, Hans, Generalmajor, Chef des Stabes der Ab- webr 145, 193, 195, 197, 199 f., 206, 243 f., 254, 256-260, 264, 275, 279-281, 347, 359, 363 f., 366 ff., 383, 441, 489, 492 f., 497, 499-502, 505, 521, 578 Palombini, Kraft Frhr. v., Gutsbesitzer 431, 516, 528, 533 Papen, Franz v., Reichskanzler 1932, deutscher Bot- schafter in Ankara 1939-1944 58-65, 68, 101, 120, 129 ff, 137 ff, 145, 170, 217, 312, 474 ff., 479, 483-486 Paul, 1934-1941 Prinzregent von Jugoslawien 503 Paulus, Friedrich, Generalfeldmarschall 364, 520 Pechel, Rudolf, Herausgeber der»Deutschen Rund- schau« 110, 130, 159, 361, 439, 441, 519, 532 Petain, Henry Philippe, frz. Marschall, 1934 Kriegsminister, 1939] 40 frz. Botschafter in Spanien, 1940-1944 frz. Staatschef 150 Peters, Ministerialdirektor(Luftfabrtministerium) 533 Peters, Hans, Professor(Jurist) in Berlin sıi f. Philipps, William, ebem. US-Botschafter in Rom, 1944|45 Vertreter des Office of Strategie Services beim Stabe Eisenbowers 347 Pieck, Wilhelm, Mitbegründer der Kommunistischen Partei Deutschlands 1918 und des Nationalkomites| »Freies Deutschland« 1942 109, 398 i Piggot, Julian, 1920-1925 brit. Rbeinlandkommis| sar, Kaufmann 492 Pilsudski, Jözef, po/n. Ministerpräsident 143 Pirzio-Biroli, Detalmo 271, 504 Pius XII., Papst 1939-1958 228, 273, 501, 516, 537 Planck, Erwin, Staatssekretär a. D., Direktor von Otto Wolff(Eisengroßbandel) 330, 347, 364, 476, 506, 529 Platte, Johannes, Gewerkschaftler(Bergarbeiter) 549 Plievier, Theodor, Schriftsteller 398 Popitz, Johannes, Professor, seit Oktober 1932 bzu. April 1933 preußischer Finanzminister 13, 43, 249, 306, 309, 328-331, 342, 361, 363, 368, 377 f., 383, 386 f., 390, 410, 444, 447-451, 459 465,470 f., 478, 499, 501, 503 f., 506, 509, 512f, sıy fl, 524, 528, 536, 538, 575» 577 Preuß, Hugo(1860-1925), Staats- und Vernal tungsrechtslebrer 30, 38 Preysing-Lichtenegg-Moos, Konrad Graf v, kath. Bischof von Berlin 123, 511 Pünder, Hermann, Staatssekretär der Reichskanzli 1926-1932 56” Puttkamer-Nippoglense, Jesco v., pomm. Gut besitzer 534 Quallo, vorm. Bezirkssekretär des ADGB 547 Rabenau, Friedrich v., General der Artillerie 409 485, 506 Rambow, Hermann, Gestapospitzel 481 Rasche, Karl, Bankdirektor 449 Rauschning, Hermann, Senatspräsident von Danzii 149 Rehrl, Franz, vorm. Landeshauptmann von Salzburt 578 Reichenau, Walther v., Generalfeldmarschall 728, 136, 140, 144f., 153 f., 179, 188, 276, 357 486 f., 501, 505 Reichle, Stabsamtsführer des Reichsbauernführers 478 Reichwein, Adolf, Professor, Pädagoge 111, 320, 356, 392, 399, 406, 411, 422, 481, 511 f., 517 577 Reinhardt, Hans, Generaloberst 362 Reisert, Franz, Rechtsanwalt 511 Reißner, Anton, vorm. Gewerkschaftsfunktionär 54) Reither, Josef, österr. Bauernfübrer 510, 578 Reusch, Paul, Direktor der Guten-Hoffnungs-Hit!t I 62, 440, 519, 534 Reynaud, Paul, frz. Justizminister im Kabinett Da‘ ladier April bis November 1938, Finanzministe‘ 1938-1940, Ministerpräsident 1940(12. III. bis| 16. VI.) 169| Ribbentrop, Joachim v., 1938-1945 Reichsaufßer“ ih minister 156, 164, 168, 176 f., 189, 195, 253, 2 240, 266, 329, 396, 405, 449, 455» 484, 490, 499 506, 527 Riezler, Kurt, Gesandter a. D. 267, 503 43, 465 sa, 534 Riverdale, and Indu Beriebun Robespiert Aöım, Er 4 Röhricht, Nösch, Au Nohracher Rohrbach, Raihrka Rommel, 416-420 Roosevelt, tingten 166, 250 36h, Rosenberg Bauftra lichen Sr Rousseau, Aneiman Handels fiman-M UrdPr Rrndedt ALT 3 Aptech, Kat Ritter, Gerhard(Verfasser) 311 f., 403 f., 4 d des Nationalkomita) 109, 398 rit, Rbeinlandkommii rpräsidenl 143 504 228, 273, 504, jıl r a. D., Direktor ve Jl) 330, 347, 304 Her(Bergarbeiter) 54 ler 398 it Oktober 1932 8 nanzminister 13, 43 | 342, 304, 363, 508 9, 444, 4477456 419 03 f., 500, 509, 5120 575, 577 Staats- und Versi Konrad Graf N 3, 541 j ulär der Beichskanit ‚ni sco Y., DOM. 6 du ADGB 541 ral der ‚Artillerie#9 spitze) 48 449 B präsident son Des aupimann von SakhR n ljelimasel 7 17% 188, 2 270, Ta rbre! „ Padagest 4 je Eos e= a A top 21, führer 5? 0,3 je dem„Hofnur? ice I 1 Im 191° ke 463, 465, 479, 482, 487 f, 505, 510-513, 523, 527, 534 f. Riverdale, Lord(= Sir Arthur Balfour), Politiker und Industrieller, 1935 Vertreter d. brit. Rates f. Beziehungen m. d. Ausland 489 Robespierre, Maximilien de(1758-1794) 97 Röhm, Ernst, Stabschef der SA 72, 146, 483 f., 486 Röhricht, General 488 Rösch, Augustinus, Jeswitenprovinzial 122 Rohracher, Andreas, Erzbischof von Salzburg 511 Rohrbach, Paul, Verfasser des Flugblattes»Herr Reichskanzler von Papen, lösen Sie aufl« 475, 479 Rommel, Erwin, Generalfeldmarschall 362, 413, 416-420, 425 fl., 439, 529 f., 532 Roosevelt, Franklin Delano, Präsident der Ver- einigten Staaten von Amerika 1933-1945 51, 87, 166, 250f., 265, 289, 310, 341, 344-347, 394» 396 ff., 400, 488 f., 500, 509, 515, 530 Rosenberg, Alfred, 1934-1945 Reichsleiter und Beauftragter f. d. Überwachung der weltanschau- lichen Schulung der NSDAP 121, 514. Rousseau, Jean Jacques 95, 129 Runciman, Walter, Viscount, 1931-1937 brit. Handelsminister, Juli-Sept. 1938 Leiter der Run- ciman-Mission in der Tschechoslowakei, 1938-39 Lord-Präsident des Staatsrats 173, 175, 187 f. Rundstedt, Gerd v., Generalfeldmarschall 153, 359, 412, 413, 417, 419, 487 f., 500, 502 Ruprecht, Kronprinz von Bayern 509 260, Sack, Karl, Ministerialdir. und Chefrichter des Heeres 367, 387, 441, 480, 576 Saefkow, Anton, Kraftfahrer(Berlin) 110 f. Sas, J.G., Oberst, bolländischer Militärattache in Berlin 279 Sauerbruch, Ferdinand, Professor der Chirurgie (Berlin) 534 Seeckt, Hans v., Generaloberst, 1920-1926 Chef der Heeresleitung 131-136, 140, 181, 242, 471, 484 f. Seidel, Richard, vorm. Redakteur der Gewerkschafts- zeitung 547 Seitz, Karl, 1923-1934 Bürgermeister von Wien 510, s77f. Sell, Ulrich Frhr. v., Oberleutnant 578 Severing, Karl, 1920-1932 mebrfach preuß.(zeitw. Reichs-) Innenminister 101 Seydlitz-Kurzbach, Walter v., General d. Kav. 407, 5 Siedersleben, v. 529 Siegmund-Schultze, Friedrich Wilhelm, Sozial- bädagoge 268, 336 ff., 494, 503, 515 biemens, Carl Friedrich v., Präsident und Vorsitzen- der des Aufsichtsrates Siemens u. Halske und Sie- mens-Schuckert-Werke 534 Simon, Sir John, 1937-1940 Schatzkanzler, 1940 bis 1945 Lord-Kanzler 191, 203 , Susanne 195 ‚Simons, Hans, Sozialdemokrat 267, 503 a inchair, Archibald, brif. Jiberaler Politiker, Prof. in | Edinburgh seit 1932 489 Personenregister >91 Sinowjew, Grigorij, 1919-1926 Präsident der III. Internationale, 1927 aus der KPdSU(B) aus- geschlossen, 1936 erschossen 104 Smend, Rudolf, Professor für Öffentliches Recht an der Universität Berlin 131 Smith, Walther Bedell, Generalmajor, Stabschef bei Eisenhower 1944/45, jetzt Unterstaatssekr. im State Department 347 Sodenstern, Georg v., General 359, 502 Solf, Hanna, Witwe des 1936 verstorbenen deutschen Botschafters in Tokio, Wilhelm Solf 389 Sommer, Friedrich, tbür. Regierungspräsident 472 Sonderegger, Gestapobeamter, SS-Offizier 537 Sonnleitbner, Franz v., Diplomat 405 f., 527 Speer, Albert, Reichsminister für Rüstung und Mu- nition 440, 543 f., 561, 577 Speidel, Hans, Generalleutnant 416 fi., 420, 439 Spengler, Oswald, Kulturbistoriker 126 Sperl, Friedrich, Direktor 508, 510 Sponeck, Graf v., Generallt. 357, 360 Spranger, Eduard, Professor der Pbilosopbie und Pädagogik an der Universität Berlin 131 Srbik, Heinrich Ritter v., Professor für neuere Ge- schichte an der Universität Wien sıo Summermann, Landrat 578 Suren, Friedrich-Karl, Ministerialdirektor Reichs- und Preußischen Ministerium des Innern 471 Sylten, Pfarrer 114 im Schacht, Hjalmar, 1924-1930, 1933-1939 Reichs- bankpräsident, seit 1934 auch Reichswirtschafts- minister 73, 80-85, 88 f., 160 f., 170 f., 174, 198, 214, 222, 231 f., 244, 250 f., 257, 459, 476 ff., 488ff., 493, 495 f., 498, 500 f., 503, 520, 524, 534 Schärf, Adolf, österr. Sozialdemokrat, jetzt Bundes- bräsident 510 Schairer, Reinhold, Pädagoge 168, 221 f., 231, 268, 488 f., 495 f., 503 Scharmitzel, Theodor, Verleger 122 Scharnhost, Gerh. Joh. David v.(1755-1813), preuß. General 74 Schatter, Curt, vorm. Chemnitzer Stadtrat 432 f., 533 Scheffel, Franz, vorm. Vorsitzender des Eisenbahner- verbandes des ADGB 549 Scheidemann, Philipp, sozialdemokratischer Poli- tiker, 1919 Reichskanzler 135 Schellenberg, Walter, SS-Brigadefübrer 465 f., 536 Scheringer, Richard, Leutnant im 5. Artillerieregi- ment zu Ulm 135 Schilling, Minna Martha, vorm. Gew.-Sekr. f. Leip- zig 548 Schlabach, Industriegeschäftsfübrer 576 Schlabrendorff, Fabian v., Rechtsanwalt 131, 237, 241, 337, 352, 359 f., 362 f., 367, 516, 529 f. Schlange-Schöningen, Hans, 1931/32 Reichskom- missar für Osthilfe 50, 53, 474, 576 Schleicher, vorm. Vorstandsmitglied des Holzarbeiter- verbandes des ADGB 548 Schleicher, Kurt v., General, 1932/33 Reichskanzler 449 fı, Personenregister >92 46, 56, 58, 6ofl., 65, 129 f., 132 ff., 137-140, 145, 170, 326, 378, 474, 476, 483-486, 511 Schlimme, H., Gewerkschaftler 547 Schloßstein, Willy, Privatsekretär von Robert Bosch 159, 337, 514 Schmidt, Kurt Dietrich, Professor(ev.) für Kirchen- geschichte 483 Schmidt, Paul Otto, Chefdolmetscher 200 Schmundt, Rudolf, General d. Inf., Chefadjutant der Webrmacht bei Hitler seit 1938, 1942-1944 Chef des Heerespersonalamtes 156, 360, 499, 530 Schniewind, Otto, Beirat der Firma Lehner& Co., Frankfurt a. M., bis Frühjahr 1937 Ministerial- direktor im Reichswirtschaftsministerium 534, 575 Schönfeld, Hans, Pfarrer 342 f., 515 Schönfelder, Adolph H., vorm. Hamburger Gewerk- schaftssekretär 547 Scholl, Hans, Siudent der Medizin an der Universität München 366 Scholl, Sophie, Studentin der Biologie und Philosophie an der Universität München 366 Scholz-Babisch, Friedrich, Rittmeister 578 Schrey, Kriminalkommissar 524, 534 Schüler, Hans, Generalintendant der Städtischen Büb- nen Leipzig 506 Schulenburg, Graf v. d., Oberstleutnant 519 Schulenburg, Friedrich Bernhard Graf v. d., Ge- neral, Chef des Stabes der Heeresgruppe Kronprinz im Ersten Weltkrieg 509 Schulenberg, Friedrich Werner Graf v. d., 1934 bis 1941 deutscher Botschafter in Moskau 388, 404 bis 407, 429, 527, 532, 576 f. Schulenburg, Fritz-Dietlof Graf v. d., Regierungs- ‚bräsident, Oberleutnant d. R. 45, 207, 316, 326 bis 329, 368, 387, 428, 446, 459, 493, 509, 511f., 520 f., 523 f., 528, 534, 576 f. Schultze-Buettger, Georg, Oberst 519 Schulze-Boysen, Harald, Oberleutnant im Luft- Jahrtministerium 108, 481 Schulze-Gaevernitz, Gero v., 514, 526 Schumacher, Kurt, führ. Sozialdemokrat 318 Schuschnigg, Kurt Edler v., österr. Bundeskanzler bis 1938 577 Schwärzel, Helene, Büroangestellte 435 Schwamb, Ludwig, vorm. Staatsrat und Ministerial- direktor im Hessischen Innenministerium 392, 577 f. Schwander, Rudolf, Bürgermeister von Straßburg, 1918 Statthalter von Elsaß-Lothringen 470 Schwerin von Krosigk, Lutz Graf, Reichsfinanz- minister 1932-1945 44, 88, 328, 386, 473, 475, 478, 488, 496 f., 502, 577 Schwerin von Schwanenfeld, Ulrich-Wilhelm Graf, Gutsbesitzer, Hauptmann und Ordonnanzoffi- zier bei Generalfeldmarschall v. Witzleben 403, 410, 524, 576 Stahl, Heinrich, Generaldirektor, stellv. Vorsitz. der Reichsgruppe Industrie 362 Stahlecker, SD-Einsatz führer 518 Stalin, Josef Wissarionowitsch 104, 238, 241, 246, 289, 346, 370 f., 393-399, 404 fl., 479, 516, 532, 566 Stallforth(Pseudonym?), amerik. Politiker 514 Stamp, Lord Josiah C., seit 1925 Direktor der Bank of England 172 Stauffenberg, Berthold Schenk Graf v., Marine- oberstabsrichter bei der Seekriegsleitung in Berlin (Berater in Fragen des Wölkerrechts) 316, 429, 524, 529, 534 Stauffenberg, Claus Schenk Graf v., Oberst 319, 358, 382 fl., 386-390, 392, 399, 404, 408-414, 414 ff, 419, 421-426, 428-431, 436, 442, 444 481, 485, 505, 509, 512, 522-525, 527-532, 576, 581 Stawitzky, Gestapobeamter 465 Steengracht von Moyland, Gustav Adolf Baron v., 1943-1945 Staatssekretär des Auswärtigen Amtes 527 Stegerwald, Adam, 1929/1930 Reichsverkehrsmini- sier, 1930-1932 Reichsarbeitsminister, Leiter der christlichen Gewerkschaften 56 f., 576 Stein, Karl Frhr. vom u. zum(1757-1831) 17, 31,\ 33, 36, 42, 47, 56, 74, 284, 291, 301, 314 Steltzer, Theodor, bis 1933 Landrat in Schleswig.” Holstein 326, 355, 511 Stieff, Helmuth, Generalmajor 527, 531, 534 Stimson, Henry L., amerik. Kriegsminister 169 Stinnes, Hugo, Großindustrieller 260 Stopford, James Richard M., Bürgermeister von Aylesburg 489, 495 Strasser, Gregor, Reichsorganisationsleiter der NSDAP bis 1932, 1934 erschossen 326, 378, 483 f. Stresemann, Gustav(1878-1920), deutscher Reicht- kanzler und Außenminister 30 Strölin, Karl, Oberbürgermeister von Stuttgart 159, 416 ff., 530 Strong, Sir Kenneth, Major, britischer Militär- attache 500 Strünck, Theodor, Rechtsanwalt, Hauptmann d, R. 431, 434, 441, 514, 524, 530 ff. Stuckart, Wilhelm, Staatssekretär im Reichsinnen- ministerium 447, 536 Stülpnagel, Joachim v., General d. Infanterie, bis 1931 Abteilungschef im Reichswehrministerium 485 Stülpnagel, Karl Heinrich v., General d. Inf. 254 bis 257, 264, 285, 382, 417-420, 492, 501 f., 505 Stüve, Johann Karl B.(1798-1872), Hannoverschr Minister und Publizist 21; 379, 424, 5226, Taft, Robert, republikanischer Senator 169 Taft, William(1857-1930), 1909-1913 Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika 169| Talleyrand, Charles Maurice Herzog v.(1754 bis 1838) 222, 250 Tantzen, Theodor, Ministerpräsident a. D.(Olden- burg) 578 Tarnow, Fritz, vorm. Mitglied des erweiterten Vor- standes des ADGB und Vorsitzender des Hok- arbeiterverbandes 547 f.} 39, 404 ff, 479, 51 ik. Politiker 514 25 Direktor der Bal k Graf v., Maris riegsleitung. in. Beris errechts) 310, 48 taf v., Oberst 3% 399, 404, 40841 131, 436, 442, 44 525, 527-532, 57 ustav Adolf Baru är des Auswarlg , Reichsverkehrsmit sminister, Leiter& 6f., 576 (1757-1834) 153 91, 301, 314 Landrat in Sehkavt 379, 424 S#} piegsminister 103 er 260 Bürgermeister N a isationsleier gan 2 320, rschossen h 20), deutscher R& o art IE son Stutlgarr"7 il ‚britischer Ali .B 1, Haupimart f I vedär IM R & ri, al d. Infor“1 ‚pebrminite# ji Gued d Teichgräber, vorm. Funktionär im Metallarbeiter- verband des ADGB 549 Temple, William, 1929 Erzbischof von York, 1942 von Canterbury 336, 338, 513, 515 Teuchert, Friedrich Frhr. v., Oberregierungsrat 576 Theunis, G., beig. Politiker 489 Thiele, Walther, General 577 Thielicke, Helmut, Lizentiat, jetzt Professor für systematische Theologie an der Universität Hamburg 513 Thierack, Otto Georg, Reichsjustizminister seit 1942 444, 464, 538 Thierfelder, Franz, vorm. Vorsitzender des Beklei- dungsarbeiterverbandes des ADGB 549 Thomas, Ferdinand, kommunistischer Student in Berlin 481 Thomas, Georg, General d. Inf., Chef des Wehr- wirtschafts- und Rüstungsamtes 82, 161, 178, 191, 244, 256, 258, 260 f., 265, 274 f., 278, 347, 357, 359, 362 f., 493, 501, 504 fl., 518 ff. Thomas, Wilhelm, vorm. Gewerkschaftsfunktionär 548 Timm, Richard, vorm. Jugendsekretär im Holzarbei- terverband des ADGB 547 Tirpitz, Alfred v.(1849-1930), Großadmiral 532 Torgler, Ernst, Angestellter, Mitglied der Kommu- nistischen Partei, 1924-1933 MdR 101 "tendelenburg, Ernst, Staatssekretär im Reichs- wirtschaftsministerium 1923-1932 82 Nresckow, Henning v., Generalmajor 337, 351, 359 f., 362 ff., 366 f., 374, 378-385, 405, 415 f., 418, 420, 422, 426, 439, 505, 516, 518 ff., 522 f., 525, 527 f., 530, 576 Izeviranus, Gottfried Reinhold, 1930-1932 Reichsminister(besetzte Gebiete, Osthilfe, Verkehrs- minister) 50, 53, 60, 129 ff., 473, 475 lroidl, österr. Parteifreund J. Kaisers 510 Trott zu Solz, Adam v., Legationsrat im Auswär- Higen Amt 195, 237, 266, 356, 399-404, 407, 411, 428 E., 497, 514, 517, 524, 526-528, 534 luchatschewski, Michail, Marschall der Sowjet- union, 193 1 stellv. Kriegskommissar, 1937 hingerich- let 192 Ipser, Walter P., brir. Schiffsbesitzer, Direktor der »Cunard Lines Lid.« 489 lexkuell, Edgar, Baron 514 lexkuell, Nikolaus Graf v., Oberstleutnant 578 bricht, Walter 109, 398 Urich, Willy, Veiter von Car] Friedrich Goerdeler 432, 435, 533 Wberto, Kronprinz von Italien(1946 wenige Tage König) 228 en Herzoß KA Di üriden YUnruh, General 328 \nsittart, Sir Robert, ständiger Unterstaatssekretär Im Foreign Office 1930-1937, Diplomatischer Hauptberater des britischen Außenministers 1938 Pis 1941 165, 168, 172 ff., 188 f., 210, 239, 241, &67 f., 270, 479, 489, 492, 497 f. Viemehren, Erich, Agent der» Abwebr« 389 | Personenregister 593 i Viktor Emanuel III.(1869-1947), König von Italien 228 Vögler, Albert, Generaldirektor der Vereinigten Stahlwerke(Dortmund) 534 Voigt, Fritz, Polizeipräsident von Breslau 578 Vollert, Oberst, Ministerialdirektor(Prag) 578 Volmershaus, vor. Bezirkssekretär des ADGB für Berlin 547 Wätjen, Eduard, Rechtsanwalt 514 Wagner, Generalstabsoffizier Danzig(1919) 469 f. Wagner, Siegfried, Oberst im OKW Berlin 578 Wagner, Eduard, General d. Artillerie, General- quartiermeister 255, 257, 417, 470, 501, 505 Wagner, Joseph, Gauleiter von Schlesien 185, 501 Waldersee, Alfred Graf v.(1832-1904), preuß. Generalfeldmarschall 486 Wallace, Henry A., 1933-1940 amerik. Landwirt- schaftsminister, 1941-1944 Vizepräsident der Ver- einigten Staaten von Amerika 169 Wallenberg, Jakob, schwedischer Bankier 89, 334 f., 348 f., 351 fl, 371 f., 376, 380, 393, 407, 415, 449 fl., 455 f., 458, 516 f., 522 f., 529f., 537 Wallenberg, Markus, schwedischer Bankier 348, 351 f., 451, 516 Wallenstein, Albrecht v., Herzog zu Friedland, Mecklenburg und Sagan(1583-1634) 181, 185 Walz, Hans, Direktor, Geschäftsführer der Robert Bosch GmbH., Stuttgart 159 f., 488 f. s Warlimont, Walter, General d. Art., Chef des Webrmachtführungsstabes im OKW 515 Warmbold, Hermann, Reichswirtschaftsminister 1921-1933 56, 60, 474 Wedel, v., Reichsbankdirektor 575 Weimar, Jakob, vorm. Bezirkssekretär des ADGB für Württemberg 548 Weinberger, Lois, christ}. Gewerkschaftler(Wien) 510 Weinert, Erich, Schriftsteller, Präsident des National- komitees» Freies Deutschland« in Moskau 398 Weisenborn, Günther, Angeböriger der kommunisti- schen»Roten Kapelle« 480 f. Weizmann, Chaim Ben Ozer, Präsident des Zio- nistischen Weltkongresses 1935-1946 456, 492 Weizsäcker, Ernst Frhr. v., 1938-1943 Staats- sekretär des Auswärtigen Amtes 191, 195 f., 200, 205, 239 f., 242 fl., 360, 493 f., 498, 500, 527 Welczeck, Johannes Graf v., 1936-1939 deutscher Botschafter in Paris 165, 488 Welles, Sumner, Unterstaatssekretär im amerika- nischen Außenministerium 169, 265 fl., 503, 516 Wels, Otto, 1931-1933 Vorsitzender der Sozial- demokratischen Partei 98 Wenzel-Teutschental, Carl, Gutsbesitzer 440, 519, 535 Westarp, Kuno Graf v., 1930 Mitgründer der Kons. Volkspartei 50, 60, 473, 475 Wheeler-Bennett, John W., englischer Historiker 169, 171, 489 Wiedemann, Oberbürgermeister von Halle 471 Wiedemann, Fritz, Hauptmann, Hitlers Kompanie- 594 Personenregister führer im Ersten Weltkrieg, 1935-1939 Adjutant Hitlers 161, 176, 490, 495, 498 Wilhelm I., Deutscher Kaiser und König von Preußen (1861-1888) 375, 486, 573 Wilhelm II., Deutscher Kaiser und König von Preußen (1888-1918) 93, 96, 249, 272, 293, 310, 570 Wilhelm, eben. Kronprinz des Deutschen Reiches und von Preußen 309 f., 487, 509, 550 Wilhelm Prinz von Preußen(1906-1940), ältester Sohn des Kronprinzen Wilbelm 200, 309, 493, 550 Wilhelm III.(1650-1702), Prinz von Oranien, seit 1689 König von England, Schottland und Irland 190 Wilhelmine, Königin der Niederlande 1890-1948 259, 496, 505 v. Willissen, Oberlandforstmeister 577 Wilmowsky, Thilo Frhr. v., Mitglied des Auf- sichtsrates der Friedrich Krupp AG., Essen| Rubr, Präsident des Mitteleuropäischen Wüirtschaftstages 158 Wilson, Sir Horace John, Haupitberater der britischen Regierung für Industriefragen, 1935-1939 dem Schatzamt zur besonderen Verwendung bei dem Premierminister zugeteilt 196, 204 ff., 498 Wilson, Thomas Woodrow(1856-1924), 1912 bis 1920 Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika 249, 272, 294, 338, 414 Winnig, August, 1949-1923 Oberpräsident von Ostpreußen 24, 470, 508 Winter, Leopold v.(1823-1893), Polizeipräsident von Berlin 1859-1862, Oberbürgermeister von Dan- zig 1863-1891 21 Wirmer, Joseph, Rechtsanwalt 122, 309, 311, 386 f., 392, 409 f., 432 f., 444 f, 507, 509, 512, 524 f., 528, 534, 576 ff. Wirsich, Oswald, vorm. Bezirkssekretär des ADGB für Schlesien 548 Wirth, Joseph, 1921/22 Reichskanzler 133, 268, 270, 272, 503 Wittke, Wilhelm, Reichsbankrat, Mitarbeiter des Preiskommissariats 477 Witzleben, Erwin v., Generalfeldmarschall 198 fl| 206 f., 243, 254, 259, 264, 359, 364 f-, 364, 385, 442, 492 f., 502, 505, 519 f., 522, 524, 530° Woermann, Emil, Professor für landw. Betriebskn an der Universität Halle 534, 576 f Wohlthat, Helmut, Staatsrat 498 Wolf, Leipziger Ratsberrenältester 479 Wolf, Erik, Professor für Rechts- und Staatspbilon- ‚pbie, Geschichte der Rechtswissenschaft und Kirche recht an der Universität Freiburg 513, 535 Wolf, Gerhard, Oberregierungsrat, Verkebrsreferal im Berliner Polizeipräsidium 430 f., 534 Wolf, Karl, SS-Obergruppenführer und General dir Waffen-SS, Stabschef Himmlers 529 Wolf, Otto, Großkaufmann 138, 485 Wurm, Theophil, ev. Landesbischof von Würtien- berg 113, 115, 118 f., 159, 481, 513, 535 F Yorck von Wartenburg, Hans David Ludwig Graf(1759-1830), preuß. Feldmarschall 255 Yorck v. Wartenburg, Peter Graf, Leutnant ud Oberregierungsrat 316 f., 326, 481, 511, 521, 5% Young, G. W., Professor an der Universität Londa 489 Young, A. P., Industrieller 168, 221, 489, 495 Young, Owen, amerik. Industrieller 169 Zabel, vorm. Bezirkssekretär des ADGB für Stetiih Pommern, Mecklenburg 547 Zanter, Professor der Medizin 131 Zarden, Arthur, Staatssekretär a.D. 485 Zech-Burkersroda, Julius Graf, deutscher Gesandit in Den Haag 496 Zeeland, Paul van, be/g. Ministerpräsident(1931) 163 f. Zeitzler, Kurt, Generaloberst, 1942-1944 Chef% Generalstabes des Heeres 408, 413, 520 f. Ziehlberg, Gustav v., Generalleutnant 360 Zitzewitz-Muttrin, Friedrich K. v., pomm. Gatt besitzer 534 Zwosta, Nürnberger Gewerkschaft-funktionär 548 feldmarschall 1984 359, 361£, 364, 3) 1, 322, 324,530 1 für landv. Beirichlin 4570 48| esier 479 vhis- und Staalsphil issenschaft und Kir burg 513, 535 gorat, Verkebrsrgfe® n 4308534 führer und General rlers 529 138, 485 krbischof, son Würlte 481,519) Jans David Ludrül Feldmarschall 255 ver Graf, Zeutnanl 126, 481, 5115 521,0 ‚der Universität 1 168, 221, 489, 4) strieller+69 des ADGBJir Steäl 7 1131 tr a.D. 485 Staf, deutscher Guae finiterpräside!(# j „Hl Cu yoB, 443» 5201. ‚alleulnan! 360 ch K: W» pome.? N cf fund Y Veröffentlichungen des Instituts für Zeitgeschichte »Quellen und Darstellungen zur Zeitgeschichte« Helmuth Groscurth Tagebücher eines Abwehroffiziers 1938-1940 Mit weiteren Dokumenten zur Militäropposition gegen Hitler herausgegeben von Harold C. Deutsch und Helmut Krausnick unter Mitarbeit von Hildegard von Kotze Etwa 400 Seiten. Leinen etwa DM 25.- Ernst Deuerlein(Herausgeber) Der Hitler-Putsch Bayerische Dokumente zum 9. November 1923. 761 Seiten. Leinen DM 78.- Thilo Vogelsang| Reichswehr, Staat und NSDAP Beiträge zur deutschen Geschichte 1930-1932 507 Seiten. Leinen DM 36.- Kommandant in Auschwitz Autobiographische Aufzeichnungen von Rudolf Höß. Eingelei- tet und kommentiert von Martin Broszat. 3. Auflage. 182 Seiten Leinen DM 16.80 Albert Krebs Tendenzen und Gestalten der NSDAP Erinnerungen an die Frühzeit der Partei. 2. Auflage. 232 Seiten Leinen DM 19.80 Alexander Hohenstein Wartheländisches Tagebuch aus den Jahren 1941/42 320 Seiten. Leinen DM 19.80 Deutsche Verlags-Anstalt Stuttgart jegen Hitler ıt Krausnick 4 Leser wissen mehr WERNER KLOSE Hitler EIN BERICHT FÜR JUNGE STAATSBÜRGER Mit 32 zeitgenössischen Karikaturen Zweite, überarbeitete Auflage- 304 Seiten- KtL. 6.80 DM „In diesem ‚Bericht‘ eines jungen Studienrates steht die Person Hitlers im Mittelpunkt, gleichzeitig ist das Buch aber auch eine Geschichte des Dritten Reiches. Kurze Sätze, klare Glie- derung, beschreibend und sachlich darstellend, Zeittafel vor jedem Kapitel, Literaturhinweise, treffend ausgewählte Kari- katuren als Illustration: ein Geschichtsbuch, wie wir es uns[ ei! wünschen. Der Verfasser treibt bewußt politische Bildung, a ohne zu gängeln oder seine eigene, nirgends verschwiegene Meinung aufzudrängen. Er hilft dem jungen Leser, einen eige- nen Standpunkt zu gewinnen. Als beste Einführung für Ju- gendliche etwa ab 15/16 sollte das Buch in keiner noch so kleinen Bücherei fehlen. Auch für Erwachsene!‘ Buchanzeiger für Öffentliche Büchereien, Reutlingen „Was es an Werken über Hitler und den Nationalsozialismus auch gibt, nur sehr wenig ist in der Sprache der Jugendlichen geschrieben. Dieses Buch ist es: schlicht in der Diktion, nüch- tern in der Darstellung, vermag es jeder Jugendliche zu ver- stehen. Die notwendige Vereinfachung des umfangreichen, die Geschichte des Nationalsozialismus mit einbeziehenden Stoffes wurde vom Autor einwandfrei geleistet.‘ Neue Deutsche Schule, Essen Rey, HELIOPOLIS-VERLAG TÜBINGEN 3ÜRGER „6.30 DM + die Person| aber auch Klare Glie- ‚eittafel vor ‚ählte Kati wir es uns e Bildung, schwiegen® ‚einen eige: ung für Je ‚ef noch 80| „, Beutlinge N jgendliche | j, Br| ... er liest jeden Monat: ein Heft zwei Mark | IF I} IF h x Redaktion U nd Verlag: 1 Berlin 33, Schorlemer-All r-Allee 28 dtv-dokumente Deutscher Taschenbuch Verlag [23 8 13 Das Urteil von Nürnberg 1946 Deutsche Reden und Rufe Hrsg.: Anton Kippenberg und Friedrich von der Leyen(vergr.) Meister der deutschen Kritik Bd. I: 1730-1830 Von Gottsched zu Hegel Hrsg.: Gerhard F. Hering Der Prozeß Jeanne d’Arc 1431 und 1456.Akten und Protokolle Käthe von Normann: Tagebuch aus Pommern 1945/46 Letzte Briefe zum Tode Verurteilter 1939-1945 Der Ruf- Eine deutsche Nachkriegszeitschrift Hrsg.: H. Schwab-Felisch Margarete Buber-Neumann: Als Gefangene bei Stalin und Hitler C. J. Burckhardt: Meine Danziger Mission 1937-1939 Hier hielt die Welt den Atem an Die Tragödie Schlesiens 1945/46 Hrsg.: Johannes Kaps DeutscheB riefedes 20. Jahrhunderts Hrsg.: Walter Heynen Koestler/Silone/Gide u. a.: Ein Gott, der keiner war "80/81 Die Niederlage 1945 Aus dem Kriegstagebuch des OKW Hrsg.: Percy E. Schramm 87 Leo Trotzki: Tagebuch im Exil "94 Gespräche mit Napoleon Hrsg.: Friedrich Sieburg “99 Alexander Hohenstein: Wartheländisches Tagebuch 1941/42 “106 Meister der deutschen Kritik Bd. II: 1830-1890 Von Börne zu Fontane Hrsg.: Gerhard F. Hering "112 Die Affäre Dreyfus Hrsg.: Siegfried Thalheimer 114 Kommandant in Auschwitz Autobiographische Aufzeichnungen des Rudolf Höß Hrsg.: Martin Broszat "120/21 Lagebesprechungen im Führerhauptquartier 1942-1945 Hrsg.: Helmut Heiber "130 Die Invasion 1944 Aus demKriegstagebuch des OKW Hrsg.: Percy E. Schramm ) .ı 24 29 "34 39 "44 "49 55 62 68 "74 * 134 Die Idee Europa 1300-1946 Quellen zur Geschichte der politischen Einigung Hrsg.: Rolf Hellmut Foerster 140 Mozart Dokumente seines Lebens Hrsg.: O. E. Deutsch "146 Die Moskauer Schauprozesse 1936-1938 Hrsg.: Theo Pirker "152/53 Potsdam 1945 Quellen zur Konferenz der»Großen Drei« Hrsg.: Ernst Deuerlein "160 Der Luftkrieg über Deutschland 1939-1945. Deutsche Berichte und Pressestimmen des neutralen Aus- landes. Auswahl und Einleitung von Erhard Klöss 167 Joseph Scholmer: Arzt in Workuta “174/75 Deutschland und die Welt Zur Außenpolitik der Bundes- republik 1949-1963 Hersg.: Hans-Adolf Jacobsen und Otto Stenzl "181 Israels Weg zum Staat. Von Zion zur parlamentarischen Demokratie Hsg.: Arno Ullmann “187/88 Ich kam, sah und schrieb Augenzeugenberichte aus fünf Jahrtausenden Hrsg.: Martin Wein "195/96 Ich schneide die Zeit aus Expressionismus und Politik in Franz Pfemferts»Aktion« Hrsg.: Paul Raabe "202 Briefe zur Weltgeschichte Hrsg.: Karl H. Peter "209 Von El Alamein bis Stalingrad Aus demKriegstagebuch des OKW Hrsg.: AndreasHillgruber “219 Das politische Tagebuch Alfred Rosenbergs 1934/35 und 1939/40 Hrsg.: Hans-G. Seraphim; "227/28 Die russische Revolution 1917 Hrsg.: Manfred Hellmann(Aug.’64) "238/39 Kirche und Staat Hrsg.: Heribert Raab(Sept.’64) Großband’* Doppelband** ER aschenbuch Verlag 00-1946 chte der 8 t Foerster Lebens ch uprozesse enz lein Deutschland 1e Berichte und neutralen Aus- d Einleitung 1 die Welt jer Bundes- f Jacobsen und aat, Von Zion en Demokrat n d schrieb te aus fün n Zeit aus ‚d Politik in ktion‘ hichte 23 Stalingrad ‚buch des or! gruber „buch Gerhard Ritter wurde am 6. April 1888 in Bad Sooden(Werra) geboren. Er studierte an den Universitäten München, Leipzig, Berlin, Heidelberg und promovierte 1911 zum Dr.phil. Von 1912 bis 1914warerin Kassel und Magdeburg im höheren Schuldienst tätig. 1921 habilitierte er sich in Heidelberg. 1924 wurde er an der Universität Hamburg, 1925 an der Universität Frei- burg i. Br. Ordinarius für Geschichte. AlsMitglied des Goer- delerkreises war er vom November 1944 bis April1945 in Haft. Nach dem Zweiten Weltkrieg nahm Ritter seine Lehrtätigkeit in Freiburg wieder auf; 1956 wurde er emeritiert. Wichtige Werke:»Die preußischen Konservativen und Bis- marcks deutsche Politik 1858-1876(1913);»Luther, Gestalt und Tat«(1925);»Stein. Eine politische Biographie«, 2 Bde. (1931); Friedrich der Große. Ein historisches Profil«(1936); ‚Die Heidelberger Universität«, Bd. 1:»Das Mittelalter(1386- 1508)«(1936);»Machtstaat und Utopie«(1940; 6. Auflage 1948 unter dem Titel»Die Dämonie der Macht();»Die Weltwirkung der Reformation«(1941);»Geschichte als Bildungsmacht« (1946);>Staatskunst und Kriegshandwerk. Das Problem des „Militarismus« in Deutschland«, Bd. I.:»Die altpreußische Tradition 1740-1890«(1954), Bd. Il:»Die Hauptmächte Europas und daswilhelminische Reich 1890-1914«(1960);»Der Schlief- fenplan. Kritik eines Mythos«(1956);»Lebendige Vergangen- heit. Beiträge zur historisch-politischen Selbstbesinnung‘ (1958). Dreifachband Deutscher Taschenbuch Verlag Gerhard Ritter: Carl Goerdeler ee U 0 gg Colour& Grey Control Chart Blue Cyan Green Yellow Red Mage White Grey1 Grey 2 Greyiaı Grey 4 Blac