ZUR FOLITIK UND ZEITGESCHICHTE Judenverfolgung im Dritten Reich COLLOQUIUM VERLAG BERLIN UB GIESSEN NN 27 012 299 ZUR POLITIK UND ZEITGESCHICHTE Herausgeber: Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin in Verbindung mit dem Fachbereich Politische Wissenschaft der Freien Universität Berlin WOLFGANG SCHEFFLER Judenverfolgung im Dritten Reich Heike Duill Marignne Groß Breidensteiner Weg 74 6000 Frankfurt/M. 90 Telefon 0689/7893668 COLLOQUIUM VERLAG BERLIN ZUR POLITIK UND ZEITGESCHICHTE- 4 Herausgeber und Redaktion Landeszentrale für politische Bildungsarbeit Berlin in Verbindung mit dem Fachbereich Politische Wissenschaft der Freien Universität Berlin Univ.-Bibt. Giessen Im 77. Tausend © 1964 Colloquium Verlag Otto H. Hess, Berlin Erweiterte durchgesehene Ausgabe Druck: Color-Druck, Berlin Schrift: Intertype Futura Buchschrift Printed in Germany- ISBN 3 7678 0134 5 Eine japanische Ausgabe erschien 1961 in Tokio Einführung A: Die Vo 1. Der| 2. Der| 3. Die J Inhalt EiDkühkungk en a. N 5 BesDie>Voraussefzungen........0%.........u... ee sneecne nee 6 ImDerähistorischerlödenhaßr u. ne 6 DaDer Rassenantisemilismüse...2...2......2 0 9 3eDie Juden in?Deutschlands 2 2.2... en sa De 14 B- Der nationalsozialistische Kampf gegen das Judentum................ 17 ie Der triedliche” Terror: 19331935. 1... 00m a 17 2mDienNürnbergen Gesetze..... 2.2... lese. ee 21 SeDijesselbsthilfesdesJuden...........n...... ce 23 Zn Die Emigrationzausabeutschland......2...:2. 20. 2.00 26 52Den Anfang vomsEndesirerr 2.2... ann. 27, a)nDas Jahrl988 0 0 000 0 en ER 27 B)EVor dem„Endlosung.a 19397 1941 2.2... 0 un en ee 32 omDrerEndlösung;derJudenmwage............n....0...... 34 7.- Das Schicksal der deutschen Juden 194I—1945...................... 4 8. Das Geschehen in den von Deutschland besetzten Ländern 1941—1945 47 a) Erfolgreicher Widerstand: Finnland, Italien, Dänemark und Bulgarien.................... 47 B)Bolen 49 E)LSOwWietunion ya ne 54 o) Südosteuropan,= N N a 55 EINVESTEDLODGE a ea 57 9. Deutscher Widerstand gegen die„Endlösung”.................... 58 0° Zum Problem der Verantwortlichkeit....................2...2.. 61 Gr Zur Wiedergutmachung.......................2c.h....secresalenee 64 1. Das Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staapelsroeler 2 ve 64 Baindividuelle Wiederguimaehung>).2...................0. 000 65 BEanokumente:#73 0... 00 nal 68 (1) Tabelle jüdischer Nobel-Preisträger und solcher jüdischer Abstam- mung. aus Deutschland undE®sterreich...................2...0... 68 2lE@rganısation. des Boykolts we...........r..... een 68 (3) Aus den„12 Thesen der deutschen Studentenschaft”(13.4.1933).... 69 (4) Max Liebermann erklärt seinen Austritt................ueere20... 70 SiwsSchlußimitHeinnichrHeinela 2.0... 002. 70 (6) Hetzinschriften in Dörfern und Städten 1934/35.................. 70 weluden.uinsder. Wissenschaften©...........1.2..... 2.02... 70 assinden und. Bazillen® u. u nn... ea 70 (9) Beim Juden wird Unanständigkeit vermutet...................... (10)”Der:Eid’eines Juden:......-....: 2.2. u. nen Se (11) Die Nürnberger Gesetze— Reichsbürgergesetz.................. (12) Die Nürnberger Gesetze— Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre vom 15.9.1935...............2..... 13)" Die Folgen.in’der Rechtsprechung’................22 ze (NA)Erklarung: der Reichsvertretung 0... 22... ver (15). Der. befohlene Pogrom:......: u... ut... en ee (16)-Die-Burchführung:... 2..%. 1.3. Hau 2.2 20207200 (17) Aus dem Urteil des Obersten Parteigerichts............ 22.2.2222... (18) Im Konzentrationslager Sachsenhausen 1938............2222.2.. (19) Verordnung zur Wiederherstellung des Straßenbildes bei jüdischen Gewerbebetrieben(vom: 12: 111938) 2... 2m u re (20) Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirt- schaftsleben(vom: 12.11.1938) 4.0... sone we (21) Behandlung der Juden im öffentlichen Leben.................... (22) Aus der Aussage des Kommandanten von Auschwitz.............. (23) Konzentrationslager Auschwitz Il(Birkenau)...............2...... (24): ,Abwanderungt1..2.=... 20... ee 25)Akabrik Aktion(27. Februar 1943) 2.0.0... (26) Generalgouverneur Hans Frank über die„Endlösung“ im General- gouyernement:(16. Dezember 19Alı 7...0....... 00. era 27)#BielEinsatzgruppen:.%...,.:...00....0300020 200.0 (28) Erfahrungsbericht eines Polizeioffiziers über die Liquidierung des Gheffös" in: Pinsk: 2... 5... (29) Aus dem Bericht des Hauptsturmführers Dieter Wisliceny über den Ablauf der Vernichtungsaktionen in den einzelnen Ländern und die Rolle:von’Eichmann‘.. 42..... 2.... Sc a (30) Bericht des Majors Rösler an seine vorgesetzte Dienststelle...... (31) Appell Bischof D. Wurms an Hitler über das Vorgehen gegen„privi- legiente Nichtarier-(16. Juli 1943)... 2... 08 000 (32) Schätzungen über den zahlenmäßigen Umfang der Ausrottung.... „Anhang:.:.....20..2.. ss ee 1. Anregungen für den Unterricht 2... en con ZrZettatel A... ne u N. Die Unterric Volkes zählt gehört, daß 1. die Tatsa Form vor 2, die Lehre Die Unterrich schen State: Nur wenn di anderzusetze nicht nur in€ Das Schwerg schehnisse in semitismus ke berücksichtig senideologie auf das Buch im Literaturv: Dokumenten: soll, Bei der Berichte usw das ihm zur Die in Klam Dokumente und vorhand, brecherproz« zeß"(Fall 1] Weise und A EinenTeil de gruppe Berli Lipschitz() den in der n €sonderen Herzfeld[Frd Negungen Londesentse hen chen Nirt- Einführung „Nicht das Wegsehen, sondern das Hinsehen macht die Seele frei.” Theodor Litt Die Unterrichtung über die Geschehnisse der jüngsten Vergangenheit unseres Volkes zählt zu den wichtigsten Aufgaben staatsbürgerlicher Erziehung. Dazu gehört, daß 1. die Tatsachen bekannt sind und der heranwachsenden Jugend in geeigneter Form vorgetragen werden; 2. die Lehrerschaft geeignetes Unterrichtsmaterial zur Hand hat. Die Unterrichtung, gerade auch über die dunkelsten Seiten des nationalsozialisti- schen Staates, ist sowohl ein moralisch-ethisches als auch ein politisches Problem. Nur wenn die Bereitschaft vorhanden ist, sich mit dieser Vergangenheit ausein- anderzusetzen, besteht die Hoffnung, das moralische Ansehen unseres Volkes nicht nur in der Welt, sondern vor allem auch vor uns selbst wieder herzustellen. Das Schwergewicht der Arbeit liegt auf der Schilderung der tatsächlichen Ge- “ schehnisse in den Jahren 1933—1945. Die Geschichte und Problematik des Anti- semitismus konnten innerhalb des zur Verfügung stehenden Rahmens nur insoweit berücksichtigt werden, wie sie zum Verständnis der nationalsozialistischen„Ras- senideologie” notwendig sind. Zur tieferen Durchdringung dieser Fragen wird auf das Buch von Eva G. Reichmann„Die Flucht in den Haß” und die anderen im Literaturverzeichnis angeführten Werke hingewiesen. Der Darstellung ist eine Dokumentensammlung beigefügt, die unmittelbar an die Ereignisse heranführen soll. Bei der Auswahl der Dokumente hat der Verfasser auf manche bekannten Berichte usw. verzichtet und vielmehr weniger bekanntes Material vorgelegt, das ihm zur Charakterisierung der Ereignisse gleichermaßen typisch erscheint. Die in Klammern befindlichen Zahlen im Text weisen auf die dazugehörigen Dokumente hin. Die abgedruckten Dokumente sind originalgetreu wiedergegeben und vorhandene Fehler nicht korrigiert worden. Aus den Nürnberger Kriegsver- brecherprozessen stammende Unterlagen sind mit IMT oder„Wilhelmstraßenpro- zeß”(Fall 11) und der zugehörigen Prozeßnummer gekennzeichnet. Kurze Hin- weise und Anregungen für die Unterrichtsgestaltung befinden sich im Anhang. Einen Teil des Materials verdankt der Verfasser seiner Mitarbeit in der Forschungs- gruppe Berliner Widerstand 1933—1945, die im Auftrag des Innensenators Joachim Lipschitz(}) wissenschaftliche Untersuchungen über die Verfolgung der Juden und den in der nationalsozialistischen Zeit geleisteten Widerstand durchführt. Besonderen Dank schuldet der Verfasser Prof. Dr. E. Fraenkel und Prof. Dr. H. Herzfeld(Freie Universität Berlin) sowie Dr. A. Wiener(f), London, für wertvolle Anregungen zu dieser Arbeit, ebenso der Wiener Library in London und dem Landesentschädigungsamt Berlin für die zur Verfügung gestellten Unterlagen. A- Die Voraussetzungen Die Demagogie der NSDAP Der notwendige Feind ‚Religiöse Motive 6 Die NSDAP entstand zu einem Zeitpunkt, als Deutschland sich infolge des verlorenen ersten Weltkrieges in äußerster politisch-geistiger Ver- wirrung befand. Adolf Hitler(1889—1945) benutzte als geschickter De- magoge diese Notlage, um den nach Erklärung und Ausweg suchenden Massen das nationalsozialistische Programm als die alleinige Rettung anzupreisen. Für alle drängenden Tagesfragen, wie Kriegsschuldfrage, Versailler Friedensvertrag, Untergang der Monarchie in Deutschland, Arbeitslosigkeit, Inflation, hatten er und seine Partei eine Antwort bereit. Die Hauptschuldigen an der allgemeinen Not waren für sie die „\üdisch-marxistischen Novemberverbrecher”; der Weltkrieg war nach Hitlers Propaganda das Werk„imperialistisch-jüdischer Mächte”; die Niederlage war verursacht worden durch„jüdisch-marxistische Kräfte” (Dolchstoßlegende); der Versailler Friedensvertrag war das Ergebnis der Arbeit„jüdisch-kapitalistischer Regierungen”. Genauso wie er diese„internationalen“ Verantwortlichen anprangerte, verfolgte er auch in Wort und Schrift mit fanatischem Haß den Weimarer Staat, dessen Regierungen versuchten, aus Niederlage und Not eine neue Ordnung aufzubauen.„Haß“ spielte in der nationalsozialistischen Propaganda eine entscheidende Rolle. Durch alle Argumente, mit denen die NSDAP die damaligen Zu- stände bekämpfte, zog sich wie ein roter Faden der Antisemitismus. Im Judentum sah Hitler den„Weltfeind. Nr. 1”, der an allem Unglück des deutschen Volkes die Schuld habe. Kapitalismus und Bolschewis- mus waren für Hitler jüdische Machtinstrumente. Mit dem typischen Minderwertigkeitskomplex des Antisemiten behaftet, kämpfte Hitler während seiner ganzen politischen Laufbahn gegen diesen imaginären „Weltfeind”, der für ihn und sein System geradezu lebensnotwendig wurde; denn mit Hilfe dieses„Sündenbockes” konnte man der po- litisch unaufgeklärten und notleidenden Bevölkerung immer eine Er- klärung für herrschende Mißstände geben. Hitler hat den Antisemitismus zweifellos nicht erfunden. Während seiner langen Geschichte hatte das Judentum in verschiedenen Län- dern schon mehrfach, vor allem in Not- und Krisenzeiten, dazu her- halten müssen, als Schuldiger für Mißstände gebrandmarkt zu werden. Es war als religiöse Minderheit in intoleranten Zeiten dazu besonders geeignet. 1. Der historische Judenhaß Der Judenhaß des Mittelalters läßt sich auf wenige, deutlich erkenn- bare Wurzeln zurückführen. 1. Für viele Christen war der Jude am Kreuzestod Jesu Christi schuld und verantw mit der Heil Motiv des u hindurch und Verboten de! Judenmassak Obrigkeit W‘ „rechten Glo wilder Juden die Taufe 0X drohte ihnen Be en „Und wer heut schwindet der A der glaubte, der die Hexen start der Antisemit m Ben 2. In Notzeil nahmebereitt herrschender geheimnisvol Fremden, de legt. Hexenv. der mittelalte folgt, 3. Nach de Geldverleih Einschränkun den waren( usw.), außerd abgaben, die entrichtet wa Juden im geschäft, Wd gestattete Mangel abz Die weltlich4 nehmen du diese in Ga der Wucher “am es auch Wenn sie siq Trotz aller deutschen L halten, weil Erren jewe " und verantwortlich. Es wurde sehr oft übersehen, daß das Judentum mit der Heilslehre des Christentums untrennbar verbunden ist. Das Motiv des„Christusmörder” zog sich durch das ganze Mittelalter hindurch und führte während der Kreuzzüge, trotz Warnungen und infolge Verboten der weltlichen und geistlichen Obrigkeit, zu großen blutigen jerVe- Judenmassakern. Die Haltung des Papsttums und der weltlichen kter De- Obrigkeit war dabei nicht einheitlich. Der Wunsch, die Juden zum chenden„rechten Glauben“ zu führen, stand oft genug hinter der Billigung Rettung wilder Judenverfolgungen. Viele Juden mußten sich ihr Leben durch Idfrage, die Taufe oder durch hohe Geldzahlungen erkaufen, anderenfalls schland, drohte ihnen der Tod. Antwort r sie die‘„Und wer heute sagt: man muß die Juden aus dem Land verweisen, dann ver- var nach schwindet der Antisemitismus, der ist nicht vernünftiger als der Mann im Mittelalter, tere der glaubte, der Hexenwahn stürbe dann aus, wenn es keine Hexen mehr gäbe. Nicht t die Hexen starben aus, der Wahn starb aus. Nicht die Juden müssen sich ändern, : Kräfte" der Antisemit muß sich ändern.” Luise Rinser, Schriftstellerin Ergebnis wie er 9. In Notzeiten suchte die für mystische Deutungen besonders auf- Aberglaube olgte er nahmebereite Welt des Mittelalters nach Erklärungen für die Ursachen sr Staat, herrschender Mißstände. Seuchen(Pest), Hungersnöte, Feuersbrünste, ne neue geheimnisvolle Morde, unheilbare Krankheiten usw. wurden den istischen Fremden, den als Nichtchristen verdächtigen Personen, zur Last ge- legt. Hexenverbrennungen und Pogrome waren die Folgen. So wurde gen Zur der mittelalterliche Jude zum Schuldigen gestempelt und grausam ver- nitismus. folgt. Unglück 3. Nach der christlichen Lehre war es den Christen verboten, für WISanUSE Ischewis- Geldverleih Zinsen zu nehmen. Durch die zunehmenden beruflichen Be ypischen Einschränkungen, die den Juden von christlicher Seite auferlegt wor- te Hitler den waren(Verbot des Grundbesitzes, Nichtzulassung zu den Zünften | usw.), außerdem gefördert durch die immer größer werdenden Steuer- - abgaben, die an die geistliche oder weltliche Obrigkeit von den Juden der po- entrichtet werden mußten, konzentrierte sich die Berufstätigkeit der ie Juden im Mittelalter zwangsläufig auf den Handel und das Geld- \ geschäft. Was den Christen nach Kanonischem Recht verboten war, Nährend| gestattete man den Juden, um einerseits dem herrschenden Geld- la mangel abzuhelfen, andererseits den Juden erpressen zu können. n ker Die weltliche Obrigkeit setzte auch den Zinsfuß fest, den die Juden lazu“ nehmen durften. So verbreitete sich in weiten Volkskreisen, wenn Be diese in Geldschwierigkeiten geraten waren, der Glaube, daß nur \ | der Wucher des Juden die Schuld an ihrem Unglück trage. Oft genug | kam es auch vor, daß Fürsten ihre„Hofjuden” töteten und beraubten, wenn sie sich selbst in Geldverlegenheiten befanden. Trotz aller Unterdrückungen konnte sich jedoch in den verschiedenen ‘deutschen Ländern das Judentum durch die Jahrhunderte hindurch 1 erkenn- halten, weil die Politik der Vertreibung von den einzelnen Landes- huld"herren jeweils verschieden angewandt wurde. Da vielen„der Jude" isti schU| Die Isolierung Aus dem Juden wird der Fremde nützlich erschien, gab es immer wieder Möglichkeiten zum Überleben. Aus diesem Grunde unterschied sich die Situation der Juden in Deutschland von der ihrer Glaubensgenossen in anderen europäi- schen Ländern, in denen es zu langen Unterbrechungen der jüdischen Geschichte kam. Sowohl in England als auch in Frankreich, vor allem aber auf der iberischen Halbinsel kam es zu generellen, zum Teil katastrophenartig über die Juden hereinbrechenden Ausschreitungen. Da man die Juden brauchte, um den Handel in Gang halten zu können— und man kann das Aufblühen mittelalterlicher Städte und ihren wirtschaftlichen Verfall oft genug mit der Aufnahme und der Vertreibung der Juden gleichsetzen(z.B. in Frankreich)—, mußte man mit ihnen leben. Man zwang sie, unter sehr harten Bedingungen (Steuerabgaben, Berufseinschränkungen, Einengung der Bewegungs- freiheit usw.), in Judenhäusern, später in Ghettos zu leben. Letztere waren meistens am Rande der Stadt gelegene, abgeschlossene Viertel, in denen die jüdische Bevölkerung ihren Überlieferungen gemäß leben und wohnen konnte. Besonders drastisch wirkte sich— neben dem Verbot des Landkaufes— das Verbot der Ausübung eines Hand- werks aus. Eifersüchtig wachten die Zünfte über die Einhaltung dieser Vorschriften. Dort jedoch, wo derartige Verbote fehlten, konnten die.. Juden ihre Fähigkeiten entfalten und übten ihren handwerklichen und bäuerlichen Beruf ebenso wie ihre nichtjüdischen Mitbürger aus. Die im Mittelalter aufgestellten Verbote hielten sich in den meisten deutschen Ländern bis in das 18. und 19. Jahrhundert hinein: Zuzugs- und Bewegungsbeschränkungen, niedrige und begrenzte Zahl der zu- gelassenen„Schutzjuden”, hohe Steuern, willkürliche Begrenzung der Zahl der Eheschließungen und Kinder. Verbote aller Art verhinderten so eine normale Entwicklung.„So erhob etwa die Kurmainzische Kam- mer nach einem Erlaß von 1724 neben Beträgen für die Beleuchtung der Judengasse, für die Gehälter der jüdischen Gemeindefunktionäre, für ein Armenhaus und den Friedhof usw., noch Steuern für folgende Sonderzwecke: Neujahrsgelder; Martinsgansgelder, dem Domkapitel zustehende Synagogengelder; Glockengelder zur Pfarrei von St. Em- meran; Gelder für die armen Studenten bei den Jesuiten; Fischgelder für die Franziskaner, Kapuziner und Jesuiten; Feldschützengelder, ‚Gelder für den Hecht, der in der Karwoche dem Rektor Magnificus der Universität geschenkt wird’, usw.”(Vgl. Lit.Nr. 1, S. 36.) Noch 1824 durften z. B. in Frankfurt am Main in der jüdischen Gemeinde bei einer Anzahl von 3000 Mitgliedern jährlich nur 15 Ehen geschlossen werden. Die ‚Konsequenz des aus religiösen Motiven, Aberglauben und wirt- schaftlichen Gründen zusammengesetzten Judenhasses war, daß man den jüdischen Bevölkerungsteil als„die Fremden“ ansah und ihr Auftreten in der Öffentlichkeit genau-beobachtete, ein Vorgang, der nicht etwa auf Deutschland beschränkt war, sondern in der Geschichte u en fast aller eu' schlechte Ve © Gruppe zu f Oberfläche Dieser Proze der Neuzeit ‚Aufklärungs: Das 1812 vor das den Juc äußerlich die sie aber dur Durchlöcher: lichen Stand tion durchzı heftige Unrı gen. Die Flu lose Hetzsch den Christen Erst durch d Deutschen| Schranken,( 2, Der Ras Fast als Ant der Juden e eine neue R sozialistisch: Dieser unte, schaftlichen Von Joseph sischen Sch der Ungleic races humd der absolut die„arischd entnahm G Minus damd neben der nischen und beachtung d der Sprach Während d Indien Ver, Mittel. und Von Gobin erleben, uden in europäl- Üdischen or allem zum Teil :itungen, alten zu ädte und und der -, mußte ngungen vegungs- Letztere e Viertel, | gemäß — neben es Hand- 19 dieser ınten die chen und aus, meisten Zuzugs- | der zu- zung der iinderten he Kam- euchtung ktionäre, folgende ‚mkapitel N St. Em- schgelder ongelder, \agnificus 6.) Noch oinde bei schlossen und wirt- daß man und ihr yang, der ‚geschichte rnaeaemaeegenie fast aller europäischen Länder vorkam. Generalisierende Urteile über schlechte Vertreter dieser Minderheit, wie sie in jeder menschlichen Gruppe zu finden sind, trugen mit dazu bei, den Judenhaß unter der Oberfläche über die Jahrhunderte hinweg am Leben zu erhalten. Dieser Prozeß war in den einzelnen Ländern verschieden, bedingt in der Neuzeit durch die nicht überall gleichstarke humanistisch-liberale Aufklärungs- und Emanzipationsbewegung. Das 1812 vom König von Preußen unterzeichnete Emanzipationsedikt, das den Juden volle bürgerliche Freiheit versprach, beendete zwar äußerlich die Ausschließung der Juden aus dem Staatsverband, stellte sie aber durch die vor allem nach dem Wiener Kongreß einsetzende Durchlöcherung des Edikts noch lange nicht in den gleichen bürger- lichen Stand wie die Nichtjuden. Gerade der Versuch, die Emanzipa- tion durchzuführen, rief in verschiedenen Gegenden Deutschlands heftige Unruhe hervor und führte zu judenfeindlichen Ausschreitun- gen. Die Flugschriftenliteratur der Zeit von 1815 bis 1850 enthält zahl- lose Hetzschriften, in denen gegen eine Gleichstellung der Juden mit den Christen polemisiert und Stellung genommen wird(Vgl. Lit.Nr. 16). Erst durch die Gründung des Norddeutschen Bundes und später des Deutschen Reiches fielen in Deutschland die letzten gesetzlichen Schranken, die einer Gleichberechtigung im Wege standen. 2. Der Rassenantisemitismus Fast als Antwort auf die im 19x Jahrhundert vollzogene Emanzipation der Juden entstand, vor allem in Deutschland, im selben Jahrhundert eine neue Richtung des Judenhasses, auf die sich später die national- sozialistische Lehre in erster Linie stützte: der Rassenantisemitismus. Dieser unterschied sich wesentlich von dem aus religiösen und wirt- schaftlichen Motiven herrührenden historischen Judenhaß. Von Joseph Arthur Graf de Gobineau(1816—1882), einem franzö- sischen Schriftsteller und.Pseudogelehrten, stammte die Lehre von der Ungleichheit der menschlichen Rassen(„Essai sur l'inegalite des races humaines”, erschienen 1853—1855). Er vertrat die Theorie der absoluten Überlegenheit der weißen Rasse, als deren Kern sich die„arische Rasse” allein rein erhalten habe. Den Begriff„arisch” entnahm Gobineau der Sprachwissenschaft, die unter diesem Ter- minus damals eine Sprachgruppe zusammenfaßte, zu der man u.a. neben der romanischen und slawischen Sprache auch die germa- nischen und damit auch die deutsche Sprache zählte. Unter Nicht- beachtung der verschiedenartigen Tatbestände schloß Gobineau von der Sprachverwandtschaft auf die biologische Rassenverwandtschaft. Während Gobineau die Urheimat dieser„arischen Rasse” noch in Indien vermutete, verlegten spätere Rassentheoretiker diese nach Mittel- und Nordeuropa. Von Gobineau ging auch der Versuch aus, die gesamte Welige- Die Emonzipotion Die Rassenlehre Von der Sprache zur Rasse Geschichte als Rassenkampf Arier contra Jude Dührings Wahn schichte nach„rassischen” Gesichtspunkten zu erklären. Der Ger- manenkult nimmt hier einen seiner hauptsächlichen Anfänge. Später, unter‘ Houston Stewart Chamberlain(1855—1927), gebürtiger Eng- länder, Wahldeutscher; Hauptwerk:„Die Grundlagen des neunzehn- ten Jahrhunderts”, 1. Aufl. 1899) und seinen Epigonen führte er dann zu der Gleichung: arisch= germanisch= deutsch. Fügt man noch die von Chamberlain vertretene Theorie hinzu, derzufolge die „arische Rasse” die allein kulturträchtige sei, so ist die eine Ideen- kette gebildet, die Hitler dazu brachte, in„Mein Kampf” zu schreiben: „Würde man die Menschheit in drei Arten einteilen: in Kulturbegründer, Kultur- träger und Kulturzerstörer, dann käme als Vertreter der ersten wohl nur der Arier in Frage. Von ihm stammen die Fundamente und Mauern aller menschlichen Schöp- fungen, und nur die äußere Form und Farbe sind bedingt durch die jeweiligen Charakterzüge der einzelnen Völker.” (7. Aufl., München 1933,$. 318.) Nur dem„reinen Arier” wird in der nationalsozialistischen Rassen- theorie, ausgehend von Chamberlain und beeinflußt von willkürlich ausgewählten Ergebnissen der Erbbiologie, schließlich noch die Be- fähigung zugeschrieben, gute charakterliche und geistige Eigen- schaften zu besitzen und vererben zu können. Der„Kampf ums Da- sein”, die Überlegenheit der rassisch höherwertigen und die Eliminie- rung der minderwertigen Völker durch„natürliche Auslese”, jene aus der pervertierten Darwinschen Lehre hervorgegangenen Vorstellun- gen der Sozialdarwinisten, spielte in der nationalsozialistischen Theo- rie eine entscheidende Rolle. Nicht umsonst hat Hitler einmal erklärt: „Mag etwas noch so blödsipnig sein, in der Festigkeit, in der es ver- treten wird, liegt die Ursache zum Geglauktwerden.”(H. Heiber, „Adolf Hitler“, Berlin 1960, S. 119.) Dem Ideal des„reinen Ariers” stellte man als Gegenpol die„jüdische Rasse“ gegenüber. Bei der Abstempelung des Juden zum„semitischen Rassentyp”(bei Gobineau fehlte noch der konsequente Rassenanti- semitismus des späten 19. Jahrhunderts) erfolgte die gleiche fälsch- liche Vermengung sprachwissenschaftlicher Begriffe mit anthropo- logischen Theorien. Erst von dieser Begriffsbildung her, die in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstand, sollte man dann von „rassischem Antisemitismus” im exakten Sinne des Wortes sprechen. Alle früheren Verfolgungen bezeichne man besser als Folgen des Judenhasses. Am konsequentesten findet man diese Rassentheorien zusammen- getragen und mit dem Anspruch auf Wissenschaftlichkeit versehen bei dem Berliner Nationalökonomen Eugen Dühring in seinem 188] erschienenen Werk„Die Judenfrage als Racen-, Sitten- und Cultur- frage". Eva G. Reichmann charakterisiert seine Ausführungen in ihrer Untersuchung über den Antisemitismus folgendermaßen: „Noch deutlicher kommt der kollektive Minderwertigkeitskomplex Dührings dadurch zum Ausdruck, daß er die Überschätzung der jüdischen Macht ins Phantastische steigert. Nach ihm sind nicht nur Literatur, Pre: vor allem ab gion verjudel ihm mißfällt spricht von d er auch Goe geht er, sie Slawojuden „Judenherrsch nach nicht w punkt anfisei jüdische Gefe solchen Über Dührings Ge: Er erklärt au verjudet. Doc psychischer R und deswege 5.187 f)) Tatsächlich h antisemitismu kale Umsetzu Konsequenz, tums. Mord als Lösund m». Hätte man fünfzehntausend Hunderttausend Berufen es im Fi vergeblich gewe hätte vielleicht leben gerettet, (Adolf Hitler:„ Der Jude ist Schlechten im Menschen fr „jüdische Ray Verschwörung angeblichen Sozialistische senberg:„D haupteten| Eine Bestim ind die Jud IE sogenan Apoleon Il r Ger- Später, er Eng- unzehn- er dann an noch Ige die > Ideen- hreiben: T, Kultur- der Arier en Schöp- jeweiligen Rassen- illkürlich die Be- > Eigen- ums Da- Eliminie- jene aus orstellun- en Theo- | erklärt: ır es Vel- . Heiber, „jüdische mitischen ıssenanti- 1e fälsch- ınthropo- ie in der dann von sprechen. )Igen des ysammen- versehen inem 1881 ‚d Cultur- ,n in Ihrer tskomplex zung der nicht nur N Literatur, Presse, sämtliche Parteien, Kunst, Wissenschaft, Rechtspflege, vor allem aber die von ihm aufs schärfste bekämpfte christliche Reli- gion verjudet, sondern für ihn ist einfach alles und jedes jüdisch, was ihm mißfällt. Er behauptet, daß Lessing jüdischer Abstammung sei, spricht von dem ‚Juden Nietzsche’ und es fehlt nicht viel dazu, daß er auch Goethe und Schiller zu Juden ‚ernennt’. So weit jedenfalls geht er, sie als minderwertig zu erklären, weil sie sich von dem “Slawojuden Lessing” haben beeinflussen lassen. Daß er von ‚Judenherrschaft’ von ‚Verjudung der Regierungen’ spricht, kann da- nach nicht wundernehmen; aber immerhin dürfte es einen Höhe- punkt antisemitischer Inferioritätsgefühle darstellen, wenn er die jüdische Gefahr ‚die Schmach des letzten Jahrtausends’ nennt. Nach solchen Übertreibungen dürfen wir zwar auf alles gefaßt sein; aber Dührings Gespensterseherei hält noch immer Überraschungen bereit: Er erklärt auch den Nationalismus und den— Antisemitismus als verjudet. Doch befinden wir uns hier wohl schon wieder im Bereich psychischer Reaktionen, die nur noch pathologisch zu erklären sind und deswegen über unseren Rahmen hinausgehen.“(Vgl. Lit. Nr. 12, S. 187 f.) Tatsächlich hat der Nationalsozialismus zur Theorie des Rassen- antisemitismus sehr wenig beigetragen. Ihm verblieb allein die radi- kale Umsetzung der Theorie in die Tagespolitik— bis zur letzten Konsequenz, der biologischen Vernichtung des europäischen Juden- tums. Mord als Lösung m... Hätte man zu Kriegsbeginn und während des Krieges einmal zwölf- oder fünfzehntausend dieser hebräischen Volksverderber so unter Giftgas gehalten, wie Hunderttausend unserer allerbesten deutschen Arbeiter aus allen Schichten und Berufen es im Felde erdulden mußten, dann wäre das Millionenopfer der Front nicht vergeblich gewesen. Im Gegenteil: Zwölftausend Schurken zur rechten Zeit beseitigt, hätte vielleicht einer Million ordentlicher, für die Zukunft wertvoller Deutschen das Leben gerettet....” (Adolf Hitler:„Mein Kampf“, 7. Aufl., München 1933, S. 772.) Der Jude ist für den Nationalsozialismus der Vertreter des absolut Schlechten im Menschen und wird mit allen negativen, dem„arischen” Menschen fremden Attributen versehen. Darüber hinaus soll die „\üdische Rasse” in ihrer politischen Konzeption die„jüdische Welt- verschwörung” bilden. Die längst vor 1933 als Fälschung erkannten angeblichen„Protokolle der Weisen von Zion“ waren für die national- sozialistischen Theoretiker(Adolf Hitler:„Mein Kampf“; Alfred Ro- senberg:„Der Mythus des 20. Jahrhunderts”) eine Realität; sie be- haupteten allen Ernstes, daß das„zersetzende” Wesen des Juden nur eine Bestimmung im Staate kenne: die politische Macht zu erringen und die Juden in allen Ländern zur führenden Schicht zu machen. Die sogenannten„Protokolle“ stammten vorwiegend aus einer gegen Napoleon Ill. gerichteten Schrift(Maurice Jolly:„Gespräche in der Fälschungen als Beweise Die Wegbereiter Antisemitismus 1921 12 Unterwelt zwischen Macchiavelli und Montesquieu”), die zu Beginn des 20. Jahrhunderts in Rußland auftauchte und dann ihre Verbreitung auch in Deutschland fand. In diesen mehrfach bearbeiteten Aufzeich- nungen sollten, so behauptete die antisemitische Propaganda, die An- schauungen und Ziele des Weltjudentums über die Eroberung der Weltherrschaft niedergelegt sein, eine Ansicht, die kurz nach dem ersten Weltkrieg von einer englischen Zeitung, die die Herkunft der Schrift aufgeklärt hatte, im einzelnen als plumpe Fälschung widerlegt wurde. Der rassische Antisemitismus hatte es natürlich nicht schwer, sich mit den Ansichten der herkömmlichen Judengegner zu vereinigen. Der schleichende gesellschaftliche Antisemitismus in Deutschland, der Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts weit verbreitet war, hatte den Boden bereits so gut vorbereitet, daß die Rassenlehre, gefördert von den politischen Wirrnissen der Weimarer Zeit, die den antisemitischen Strömungen einen nie zuvor erlebten Auftrieb gaben, auf einen fruchtbaren Boden fallen konnte. Die Vielzahl anti- jüdischer, aus politischen und ökonomischen Quellen: gespeister Gruppen, völkischer Vereinigungen in Deutschland und vor allem auch in Österreich(Georg von Schönerer, Karl Lueger, Jörg Lanz von Liebenfels) prägte nicht nur das Gedankengut der späteren na- tionalsozialistischen Rassenfanatiker, sondern beeinflußte auch be- stimmte Bevölkerungsschichten, vor allem das Kleinbürgertum. Nebu- löse Schlagworte, wie„die jüdische Weltverschwörung”,„das jüdische Weltkapital”,„die Macht Alljudas” usw. schlichen sich in das Ge- dankengut vieler Menschen ein, ohne daß man sich über den realen Wert derartiger Begriffe Gedanken machte, geschweige denn ihren Ursprung erforschte. Treffend wurde die Haltung der Antisemiten der zwanziger Jahre von dem Hölderlinforscher Wilhelm Michel charakterisiert, der in geradezu visionärer Weise schrieb:„Die ge- hobene Keule der Rauschbedürftigen— das ist der heutige Anti- semitismus. Das geschwungene Messer, das wütende Gekeif der Massenverbrecher, der Verzicht auf gerechte Untersuchung, die be- geisterte Empfindungslosigkeit für sittliche Hemmungen, die Bereit- schaft zu jeder Art von Kannibalismus, die alkoholische Erwärmung durch eine ganze brüllende Herde, und ganz im Hintergrund, das wonnig feige Gefühl, jederzeit in der verantwortungslosen Masse ver- schwinden zu können— das ist der deutsche Judenhaß von 1921.” (vgl. Lit. Nr. 1, S. 163) Die Katastrophe von 1918, der wirtschaft- liche und politische Niedergang weiter Bevölkerungsgruppen schu- fen die idealen Voraussetzungen für die Wirksamkeit der national- sozialistischen Propaganda. Hitlers Wähler fanden in seinen Reden und in seinem Buch„Mein Kampf”(sofern es überhaupt gelesen wurde) entweder die bereitwillig aufgenommene„antisemitische Er- klärung“ für ihre Mißstände oder— soweit sie damit nicht einver- standen waren— nahmen doch die antisemitische Komponente seines . Programms© | des radikale wilderung de allerdings de Ton angaben dungen und Aber nicht n! tisten und A nannten„Ju spielte auch in den sogen Akademikern " wallen— alle |" war, Es verst wirtschaftlich gegenüber ji die anfijüdisc nalen” Parteie nicht die bed Unter diesen lich zusamme: Trotz, weite Rassenlehre Unter Mißact nisse wurden steine zusa einer angeb| schrieb man Eigenschafte Alle anderen Rassen wurdH der Grundlat Gewinnung Herrenrasse‘ Menschen is der den Her den es zu be wie z.B, die schen Weltm Im Großger EN Fortpfi telalt noch den Au der Satz gel Enfreebillet Mfisemitigm ) Beginn breitung \ufzeich- n die An- ‘ung der ach dem unft der viderlegt wer, sich reinigen. tschland, 'erbreitet senlehre, Zeit, die Auftrieb zahl anti- jespeister or allem örg Lanz teren na- auch be- m. Nebu- ; jüdische das Ge- >n realen nn ihren tisemiten n Michel „Die ge- ige Anti- ekeif der j, die be- ie Bereit- -wörmung rund, das Aasse ver- ‚on 1921." yirtschaft- pen schu- national- ‚en Reden ‚t gelesen itische Er ‚ht einvel- ‚nte seines Programms als kleineres Übel mit in Kauf, ohne sich über die Folgen des radikalen Rassenantisemitismus Gedanken zu machen. Die Ver- wilderung der politischen Zustände in Deutschland nach 1919 spricht allerdings dafür, daß die Radauantisemiten der ersten Gruppe den Ton angaben. Von 1923 bis 1932 wurden allein 128 Friedhofsschän- dungen und 50 Beschmutzungen von Synagogen registriert. Aber nicht nur der wilde antisemitische Hetzgesang vieler Pamphle- tisten und Agitatoren kam dem Nationalsozialismus in der soge- nannten„Judenrepublik” zu Hilfe; eine überaus gefährliche Rolle spielte auch das Überhandnehmen antisemitischer Gedankengänge in den sogenannten„besseren“ Kreisen, vor allen Dingen unter den Akademikern. An einzelnen Universitäten kam es zu antijüdischen Kra- wallen— alles in einer Republik, die angeblich eine„Filiale Alljudas“ war, Es versteht sich von selbst, daß diese Bewegung auch auf den wirtschaftlichen Bereich übergriff und es zu Boykotterscheinungen gegenüber jüdischen Geschäften kam. In starkem Maße findet man die antijüdische Haltung vor allem auch bei den sogenannten„natio- nalen” Parteien, unter denen die Deutschnationale Volkspartei(DNVP) nicht die bedeutungsloseste Rolle gespielt hat. . Unter diesen Aspekten konnte die von den Nationalsozialisten künst- lich zusammengestellte Rassenlehre, allen rationalen Erwägungen zum Trotz, weite Verbreitung finden. Zusammenfassend kann man die Rassenlehre des Nationalsozialismus folgendermaßen umreißen: Unter Mißachtung und Mißdeutung aller wissenschaftlichen Ergeb- nisse wurden aus verschiedenen Bereichen der Wissenschaft jene Bau- steine zusammengetragen, die zusammengesetzt das Wunschbild einer angeblich reinen Rasse ergeben sollten. Dieser reinen Rasse schrieb man dank der„Tatsache”, daß sich bei ihr nur die guten Eigenschaften vererbten, alle Kulturschöpfungen der Geschichte zu. Alle anderen, angeblich mehr oder minder untereinander vermischten Rassen wurden als minderwertig betrachtet. Die„Artreinheit“ ist eine der Grundlagen für den Anspruch des Nationalsozialismus, auf die Gewinnung von„Lebensraum“ im Osten, mit dessen Hilfe die„arische Herrenrasse” Europa beherrschen sollte. Der Gegenpol des Herren- menschen ist nach der nationalsozialistischen Ideologie der Jude, der den Herrschaftsanspruch des„arischen” Menschen bedroht und den es zu bekämpfen gilt. Die angeblich minderwertigen Mischrassen, wie z.B. die slawischen Völker, die als willige Hilfsorgane der„jüdi- schen Weltmacht” angesehen wurden, sollten als zukünftige Sklaven im Großgermanischen Reich Verwendung finden, und ihrer biologi- schen Fortpflanzung wollte man Beschränkung auferlegen. Im Mittelalter bis in die Neuzeit hinein gab es für den Juden immer noch den Ausweg der Taufe. Nicht umsonst wurde im 19. Jahrhundert der Satz geprägt, daß die Taufe für den Juden immer noch das Entreebillet zur bürgerlichen Gesellschaft sei. Angesichts des Rassen- antisemitismus gab es jedoch diese Möglichkeit nicht mehr. Alle Be- Zusammen- fassung Die Ausweg- losigkeit Der Anteil an der Bevölkerung Die kulturelle Symbiose 14 kehrungs- und Umerziehungsversuche waren dieser Lehre zufolge sinnlos, denn sie erklärte die Minderwertigkeit zum wesentlichen Charakteristikum der jüdischen Rasse. Als logische, wenn auch in den Anfangszeiten des Rassenantisemitismus nicht so klar formulierte, Konsequenz blieb nur: die biologische Ausrottung des Judentums. Zwar sind antisemitische Bewegungen keine spezifisch deutsche Er- scheinungen gewesen(vgl. z. B. die Affaire Dreyfuss in Frankreich)— je nach den politischen und ökonomischen Gegebenheiten tauchten sie auch in anderen Ländern auf und verschwanden wieder. Ihre theoretische Durchgestaltung erfuhren die antisemitischen Ideen je- doch vornehmlich in Deutschland. Die logischen Konsequenzen dieser Ideologie wurden allein vom Nationalsozialismus mit der Perfektion eines totalitären Staates in die Tat umgesetzt. 3. Die Juden in Deutschland Die Emanzipation der deutschen Juden, die seit über tausend Jahren in Deutschland beheimatet sind, war rechtlich zwar bereits im Bis- marckreich abgeschlossen, in der praktischen Durchführung jedoch erst mit der Schaffung der Weimarer Republik. Der zahlenmäßige Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung war schon vor 1933 rückläufig: 1871 betrug der prozentuale Anteil 1,05%(383 000) 1925 betrug der prozentuale Anteil 0,90%(564 000) 1933 betrug der prozentuale Anteil 0,76%(503 000) Die Mehrheit der deutschen Juden lebte 1933 in Großstädten(fast ein Drittel allein in Berlin). Diese Konzentrierung auf die Städte, ebenso wie auf bestimmte Berufe(Kaufleute, Juristen, Mediziner usw.), war das Erbe der in den einzelnen Berufen nur zögernd gefallenen Schranken für Juden. Der weitaus überwiegende Teil der jüdischen Bevölkerung gehörte dem Mittelstand an und hatte unter den schweren wirtschaftlichen Belastungen der Nachkriegsjahre genauso zu leiden wie die nichtjüdische Bevölkerung. Gerade angesichts der nationalsozialistischen Beschuldigungen vor und nach 1933 verdient festgehalten zu werden, daß die wirtschaftliche Blütezeit des deutschen Judentums vor dem ersten Weltkrieg lag. Seine Beteiligung am politischen Leben des Weimarer Staates entsprach in keiner Weise den Behauptungen der nationalsozialistischen Propaganda. Viel zu oft ist übersehen worden, welche Früchte z.B. im kulturellen Bereich die Begegnung von jüdischem und nichtjüdischem Geistes- gut für beide Seiten gehabt hat. Der Einfluß, den die deutsche Kultur im 19. Jahrhundert auf die Judenheit in Mittel- und Osteuropa hatte, konn gar nicht überschätzt werden. In gleicher Weise befruchteten die zahlreichen jüdischen Gelehrten und Künstler das geistige und kulturelle Leben ihrer Heimat. In keinem anderen Land der Welt war diese geistige Begegnung so eng gewesen, es sei denn, man verweist auf das fru Spanien bis Mi Jahrhunc das osteuro jiddischen 5 ein eigenarl Mehrzahl de Die Juden h deres bemül weitgehend Zwar fand achtziger Ja den antijüdis in der Mehr halten. Eber als Deutsche in den Jahre bereits das Ende der 1: Judentum he Begründer d Gelingens d drückt:„Viel kern spurlos durch in Ruh Perioden de seligkeit gec zu enthalten in uns die aus Unwisse uns als Jude Druck preßt Umgebung 1896, 5,24) Es gehört z der Zeit de der auf sie fen, noch el Verteidigun der Vertreil Nühernd de Geistesges genden Na der Persönl Echtswisge edizin. Pa zufolge etlichen "hin den mulierte, ıtums, tsche Er- reich)— tauchten Jer. Ihre deen je- >n dieser erfektion d Jahren s im Bis- g jedoch nmößige vor 1933 Iten(fast > Städte, ner usW.), efallenen jüdischen nter den genauso sichts der ‚ verdient deutschen gung am er Weise lturellen \ Geistes“ -he Kultur pa hatte, fruchteten stige UN Welt war - verweist auf das fruchtbare Zusammenleben von Juden und Nichtiuden in Spanien bis zur Vertreibung der jüdischen Bevölkerung(Ende des 15. Jahrhunderts). In gewisser Weise war der deutsche Kulturkreis für das osteuropäische Judentum, das schon durch den Gebrauch der jiddischen Sprache eine enge Verbindung zur deutschen Kultur hatte, ein eigenartiger Schmelztiegel geworden, durch dessen Prozeß die Mehrzahl der politisch und geistig bedeutenden jüdischen Führer ging. Die Juden haben sich um das deutsche Volk wie sonst um kein an- deres bemüht. Die Assimilationsbereitschaft ist nirgends so groß und weitgehend gewesen wie bei den in Deutschland lebenden Juden. Zwar fand diese Bereitschaft ihre ersten Grenzen bei den in den achtziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts erneut aufbrechen- den antijüdischen Strömungen, doch ließen sich die deutschen Juden in der Mehrzahl nicht davon abhalten, an ihrem Vaterland festzu- halten. Ebenso wie sie zur Assimilation bereit waren, leisteten sie als Deutsche ihre Pflicht im ersten Weltkrieg. Als sich die Emanzipation in den Jahren der Weimarer Republik praktisch vollendete, begann bereits das Pendel nach der anderen Seite auszuschlagen und das Ende der 150jährigen Emanzipationsbewegung über das deutsche Judentum hereinzubrechen. Voraussehend hatte Theodor Herzl, der Begründer des Zionismus, die ganze Bitterkeit über den Zweifel des Gelingens der Assimilation in seinem Buch„Der Judenstaat” ausge- drückt:„Vielleicht könnten wir überall in den uns umgebenden Völ- kern spurlos aufgehen, wenn man uns nur zwei Generationen hin- durch in Ruhe ließe. Man wird uns nicht in Ruhe lassen. Nach kurzen Perioden der Duldsamkeit erwacht immer und immer wieder die Feind- seligkeit gegen uns. Unser Wohlergehen scheint etwas Aufreizendes zu enthalten, weil die Welt seit vielen Jahrhunderten gewohnt war, in uns die Verächtlichsten der Armen zu sehen. Dabei bemerkt man aus Unwissenheit oder Engherzigkeit nicht, daß unser Wohlergehen uns als Juden schwächt und unsere Besonderheiten auslöscht. Nur der Druck preßt uns wieder an den alten Stamm, nur der Haß unserer Umgebung macht uns wieder zu Fremden.”(Herzl:„Der Judenstaat”, 1896, S. 26) Es gehört zur Tragik der deutsch-jüdischen Symbiose, daß, zumal in der Zeit der Weimarer Republik, sich weder die deutschen Juden der auf sie hereinstürzenden antisemitischen Welle erwehren konn- ten, noch eine stattliche Anzahl einflußreicher Nichtjuden zu ihrer Verteidigung sich bereitfand. Welchen Verlust das deutsche Volk mit der Vertreibung und Vernichtung der Juden erlitten hat, wird an- nähernd deutlich, wenn man sich derer erinnert, die in der deutschen Geistesgeschichte ihren festen Platz haben. Dabei vermitteln die fol- genden Namen nur einen kleinen Ausschnitt aus der großen Anzahl der Persönlichkeiten und ihrer Betätigungsgebiete: Rechtswissenschaft: Georg Jellineck, Hermann Staub, Martin Wolff; Medizin: Paul Ehrlich, Otto Meyerhof, Otto Warburg; Die Assimilation Der Beitrag zur deutschen Kultur 15 Das Ende einer Epoche Physik: Albert Einstein, James Franck, Gustav Hertz; Chemie: Otto Wallach, Richard Wilstätter, Fritz Haber; Literatur und Dichtung: Hugo von Hofmannsthal, Jakob Wassermann, Arnold und Stefan Zweig, Franz Werfel; Kritik und Publizistik: Fritz Engel, Alfred Kerr, Kurt Tucholsky; Dirigenten: Leo Blech, Otto Klemperer, Bruno Walter; Sänger: Richard Tauber, Joseph Schmidt; Theaterregisseure: Otto Brahm, Leopold Jessner, Max Reinhardt; Schauspieler: Elisabeth Bergner, Ernst Deutsch, Fritz Kortner, Max Pallenberg. Von den bis 1936 verliehenen insgesamt 183 Nobelpreisen fielen über 11 Prozent an Juden in aller Welt; an Juden aus Deutschland und Österreich fast 9 Prozent(1). Die deutschen Juden, die genauso eng mit ihrer Heimat verbunden waren wie jeder andere nichtjüdische Staatsbürger, standen 1933, gleich der übrigen Bevölkerung, ahnungslos vor dem Beginn der Tra- gödie, die nicht nur mit der Zerschlagung des Deutschen Reiches enden sollte, sondern die auch das furchtbare Ende der fruchtbaren Periode deutsch-jüdischen Zusammenlebens brachte. Zwar konnte 1933.nie- mand den radikalen antisemitischen Charakter der NSDAP mehr über- sehen, doch ahnte die Mehrzahl der Juden und Nichtjuden nicht, welche Katastrophe bevorstand. Zu den wenigen, die den Gang der Dinge klar erkannten, gehörte der Berliner Rabbiner Dr. Leo Baeck, der 1933 in weiser Voraussicht die Worte aussprach:„Die tausend- jährige Geschichte des deutschen Judentums ist zu Ende.” } ß. Der nc > Die nationalso . Elappen, die s | 193-1935 Allmah i Lebens 19351938 Erlaß( bei nal lichen I und Er; 1939-1941 Systema licher€ Auswan 1938). Novemt tums;\ leben. Zwangs Nach K alle vor f Erste De 191-1945 Beginn( 1941) nc nahezu östlicher Das Geschehen heit ab, währe der„Endlösune gingen, 1, Der„fried Mit der Machtel Icher Teil der | der Staafserne > selzende zügell Bevölkerungste Nulozialistischd üllen und willk en SA und and die ersten Tod Angestayfe 5 Schwer ey "Meinen Diffam Nehmlich Jurist; ‚| Mer Deutsche Ik Gerichte, di sermann, Y; hardt; ner, Max elen über land und erbunden len 1933, \ der Tra- es enden 1 Periode 1933:nie- ehr über- len nicht, Sang der 20 Baeck, tausend- j B- Der nationalsozialistische Kampf gegen das Judentum Etappen, die sich in folgende Zeitabschnitte einteilen lassen: H 1933—1935 Allmähliche Ausschaltung der Juden aus allen Gebieten des öffentlichen Lebens auf Grund von Verordnungen und Gesetzen. ‚ 1935—1938 Erlaß der Nürnberger Gesetze(1935); Einführung des Arierparagraphen mem bei nahezu allen Berufsgruppen; Entlassung aller Juden aus dem öffent- lichen Dienst. Beginn der Zwangsarisierung der Wirtschaft unter Drohung ı.. und Erpressung(1937). v 1938—1941 Systematische Einschränkung des Lebensbereiches der Juden auf gesetz- licher Grundlage. Auswanderungsdruck(Verhaftungswelle Juni 1938; Polenaktion Oktober 1938). Novemberpogrom 1938(„Reichskristallnacht”): Zerstörung jüdischen Eigen- tums; Verhaftung von 26000 Juden; Ausschaltung aus dem Wirtschafts- leben. Zwangsarbeit; Auswanderungsverbot(23. Oktober 1941). Nach Kriegsausbruch Ausdehnung der judenfeindlichen Maßnahmen auf alle von Deutschland besetzten Länder. 4 Erste Deportationen nach Polen und Südfrankreich. - 1941—1945 Beginn der allg i Deportation der Juden aus Deutschland(Oktober ae u f $ | f 1 5 31 | | r E| 1941) nach Polen und Sowjetrußland. Massenvernichtung von Juden aus nahezu allen von Deutschland beherrschten europäischen Ländern in den östlichen Konzentrationslagern. Das Geschehen in den Jahren 1933 bis 1941 spielte sich in aller Offen- “fs heit ab, während die letzten Ereignisse, vor allem die Durchführung der„Endlösung der Judenfrage”, unter strenger Tarnung vor sich gingen. 1. Der„friedliche” Terror: 1933—1935 ı Mit der Machtergreifung wurde der Rassenantisemitismus als wesent- | licher Teil der narionalsozialistischen Weltanschauung zur Grundlage der Staatserneuerung gemacht. Die nach dem 30. Januar 1933 ein- setzende zügellose Verfolgung politischer Gegner schloß den jüdischen Bevölkerungsteil mit ein. So kam es in den ersten Monaten der natio- nalsozialistischen Herrschaft zu zahllosen„wilden“ Aktionen— Über- fällen und willkürlichen Verhaftungen—der alsHilfspolizei fungieren- den SA und anderer Parteiorganisationen, wobei unter den Verfolgten die ersten Todesopfer zu beklagen waren. Den in den Jahren vor 1933 angestauten antisemitischen Gefühlen wurde freier Lauf gelassen. | Das Schwergewicht der Propaganda richtete sich, neben der allge- meinen Diffamierung jüdischer Menschen, gegen jene Berufe, vor- \ nehmlich juristische und medizinische, in denen&in großer Teil jüdi- ‚ scher Deutscher tätig war. Im März kam es:in Breslau zum Sturm auf die Gerichte. Jüdische Staatsanwälte, Richter und Rechtsanwälte wur- Die nationalsozialistische Judenpolitik vollzog sich in verschiedenen Die Etappen der Judenpolitik Unter den ersten Verfolgten auch uden Boykott-Tag am 1. Aprıl 1933 Ausschaltung aus staatlichen Stellungen Ausschaltung aus dem Kulturleben 18 den aus laufenden Verhandlungen heraus aus den Gerichtsgebäuden geprügelt. Die Gerichte sollten— wie es hieß—„systematisch von jüdischen Rechtsverdrehern gesäubert” werden. Die Polizei blieb da- bei untätig, da sie Anweisungen hatte, hilfesuchenden Juden keinen Rechtsschutz zu gewähren. Ein Strom von Gerüchten und die wahrheitsgemäße Berichterstattung über diese Vorfälle erregten die Welt. Da entschloß sich die Partei- führung, einen allgemeinen„Judenboykott” im Inland gegen diese „Greuelpropaganda”— wie sie es nannte— zu organisieren, um so einen gewissen Druck auf die Berichterstattung auszuüben. Der so- genannte Boykott-Tag, der 1. April 1933, wurde zur ersten öffent- lichen antijüdischen Aktion der neuen Regierung. Nach den Anwei- _ sungen der Parteileitung vom 28. März 1933 richtete sich die Aktion gegen jüdische Geschäfte, gegen den Absatz jüdischer Waren, gegen jüdische Ärzte und Rechtsanwälte, gegen den Besuch von Schulen und Universitäten durch Juden. Man forderte„die Beschäftigung der Juden in allen Berufen ent-| sprechend ihrer Beteiligung an der deutschen Volkszahl.”(2) Nachdem der offizielle Boykott nach 24 Stunden beendet worden war (vermutlich auf die heftigen Reaktionen im Ausland hin), erließ die Regierung die ersten antijüdischen Gesetze. Mit dem Gesetz„Zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums” vom 7. April 1933, das| sich in erster Linie gegen politische Gegner des Regimes richtete, suspendierte man auch einen Teil jüdischer Beamter. Nur dem Ein- wirken des Reichspräsidenten von Hindenburg war es zu verdanken, daß vorläufig die Frontkämpfer des ersten Weltkrieges in ihren Stel- lungen belassen wurden. Die Tatsache, daß 96 000 deutsche Juden im Felde gestanden hatten und 12.000 gefallen waren, suchte die natio- nalsozialistische Propaganda mit der diffamierenden Behauptung zu! entkräften: Wenn Juden Tapferkeitsauszeichnungen besitzen, so ha- ben sie sich diese nur erschlichen. Über das Gesetz hinaus wurde die Ausschaltung aller jüdischen Rechtsanwälte gefordert und der Anteil der jüdischen Studenten an den Universitäten und Hochschulen ent- sprechend dem Anteil der Juden an der Gesamtbevölkerung re- duziert.(3) Neben den Maßnahmen gegen die Beamten und Angestellten des öffentlichen Dienstes richtete sich das Hauptaugenmerk der nationdl- sozialistischen Behörden auf die Ausschaltung der Juden aus dem Kulturleben.(4) Jüdische Künstler durften von nun an auf den Bühnen, in Konzertsälen, im Film usw. nicht mehr auftreten oder tätig sein. Die berüchtigte Bücherverbrennung im Frühjahr 1933 war sozusagen nur eine vorbereitende Handlung gewesen. Jetzt begann man das ganze geistige und kulturelle Leben in Deutschland von Werken jü- discher Autoren und Komponisten zu„säubern“(u. a. Heinrich Heine, Felix Mendelssohn-Bartholdy).(5) Noch schlimmer aber traf den einzelnen jüdischen Mitbürger die Rassenfremde N =E„Um alle di auf der Bühne 8 Kraft der Tonkun finden wir— I die der german! (Der Deutsche; zi 11.9.1994), 5.4, Bu: öffentliche Dif Rechts.(6) Nic jüdischen Kau geachtet, was 7) Selbst die lassen und di Gedenktafeln wurde die Pro gegeben vom Deutschen ger: men, aber die Unterstellunge schutzlos ausg, lebensbereich, Seine Korrespo los auch den N den und Beka DasDenunzian 3o verstärkte Publikationen erheblicher W mark, Oberpr satz in der Wa «Was Pest, Schwi | das bedeutet da Personifizierte Va Schöpferkraft siegen, Man kan Vird dieser Kamp Werden Müssen,” Doß sich der a Yegung nicht der Machterg IE Christliche den Konkorda = eine Illusjg e Evangelisı Jebäuden ıtisch von blieb da- en keinen erstattung lie Partei- gen diese ren, um so n. 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Nr. 38 (21. 9. 1934), S.4, Sp. 1 f.) öffentliche Diffamierung, die Herabsetzung zum Menschen minderen Rechts.(6) Nichts war in den Augen der neuen Machthaber von den jüdischen Kaufleuten ehrlich erworben worden, nichts wurde mehr geachtet, was deutsche Juden in der Vergangenheit geleistet hatten. (7) Selbst die Toten wurden von der Propaganda nicht in Ruhe ge- lassen und die Namen der jüdischen Gefallenen zum Teil von den Gedenktafeln für die Opfer des ersten ‚Weltkrieges entfernt. Zwar wurde die Propaganda der Wochenzeitschrift„Der Stürmer”, heraus- gegeben vom Gauleiter von Franken, Julius Streicher, von vielen Deutschen gerade wegen ihres abstoßenden Inhalts nicht ernst genom- men, aber die in dieser Zeitschrift zum Ausdruck kommenden perfiden Unterstellungen vergifteten das Leben der Juden, die dieser Hetze schutzlos ausgeliefert waren, in erschreckender Weise. Es gab keinen Lebensbereich, der vom„Stürmer“ nicht angetastet worden wäre. Seine Korrespondenten durchstreiften dasLand und griffen hemmungs- los auch den Nichtjuden an, der es wagte, mit seinen jüdischen Freun- den und Bekannten noch freundschaftliche Beziehungen zu pflegen. Das Denunziantentum feierte in den Spalten dieser Zeitschrift Triumphe. So verstärkte diese Hetze staatlicher oder vom Staate geförderter Publikationen die Entfremdung zwischen Nichtjuden und Juden in erheblicher Weise.(8) Beispielsweise schrieb der Gauleiter der Kur- mark, Oberpräsident Wilhelm Kube, am 19. Mai 1934 in einem Auf- satz in der Westfälischen Landeszeitung: „Was Pest, Schwindsucht und Syphilis für die Menschheit gesundheitlich bedeuten, das bedeutet das Judentum sittlich für die weißen Völker... Der Jude ist die personifizierte Verneinung, der Deutsche ist die gottgewollte und gottbedingte Schöpferkraft... Denn nur wer beharrlich und zähe ist, wird das Judentum be- siegen. Man kann mit halben Maßnahmen anfangen, mit rücksichtsloser Brutalität wird dieser Kampf aber einmal von den überwiegend nordischen Völkern beendet werden müssen.” Daß sich der antisemitische Charakter der nationalsozialistischen Be- wegung nicht nur gegen das Judentum richtete, zeigte der bald nach ‘ der Machtergreifung einsetzende Kampf des neuen Regimes gegen die christlichen Kirchen. Während sich die katholische Kirche durch ‘ den Konkordatsabschluß im Sommer 1933 einen Burgfrieden erhoffte — eine Illusion, die bald zerstört wurde—, brach der Kampf um die evangelische Kirche unmittelbar nach der Machtübernahme in Die Deklassierung des Menschen Gegen Judentum und Christentum 19 Der Kirchenkampf Antijüdische Rechtsprechung 20 vollem Umfang aus. Mit Hilfe der„Deutschen Christen” hofften die Nationalsozialisten nicht nur, die Kirchenorganisation unter ihre Kontrolle zu bringen, sondern auch das Ideengut der Kirche über- haupt einer nationalsozialistischen Säuberung zu unterziehen. Die antisemitischen Angriffe auf das Alte und das Neue Testament stan- den keineswegs hinter der Hetze gegen das Judentum zurück. In die- sen Angriffen auf die Bibel trafen sich nicht nur außer- und inner- kirchliche Sektierer, sondern auch die schlechthin neuheidnische Ideologie eines Alfred Rosenberg. Nur dem Mut und der Stand- haftigkeit der„Bekennenden Kirche“ war es zu verdanken, daß die evangelische Kirche, wenn auch unter schweren Opfern, im wesent- lichen den Unterwerfungsversuchen widerstehen konnte. Während man bei der evangelischen Kirche den erfolglosen Versuch einer innerkirchlichen Umorganisation machte, unternahmen es die nationalsozialistischen Propagandisten, durch eine zügellose Hetze die Autorität der katholischen Kirche bei ihren Anhängern zu unter- graben. In den berühmten Adventspredigten wies der Münchener Kardinal Faulhaber im Winter 1933/34 die Angriffe auf den christ- lichen Glauben, insbesondere die antisemitischen Anwürfe gegen das Alte Testament, zurück. Der Hauptträger der staatlich geduldeten und geförderten antikirchlichen Kampagne war auch hier die Wochen- zeitschrift„Der Stürmer”, die gegen das„verjudete Papsttum” zu Felde zog. Wenn auch die Nationalsozialisten von vornherein alles unter jüdischem Einfluß stehend ansahen, so zeigt diese Entwicklung einleuchtend, daß der Angriff auf das Judentum logischerweise auch zur Bekämpfung der christlichen Kirchen führen mußte. Wie weit man in dieser Richtung zu gehen bereit war, demonstrieren die Ver- suche, nach Kriegsbeginn im sogenannten„Warthegau“ eine kirchen- freie Zone, das Experimentierfeld für eine„Endlösung der Kirchen- frage”, zu schaffen. Allerdings waren die Nationalsozialisten ge- zwungen, aus taktischen Gründen den Kirchenkampf während des Krieges im wesentlichen abzubrechen. Schwerste innumane Folgen hatte das antisemitische Gedankengut für die Rechtspflege und die Rechtssicherheit im nationalsozialistischen Staat. Mit der Einführung der nationalsozialistischen Rechtsgrund- sätze vom„gesunden Volksempfinden” und„Recht ist, was dem deutschen Volke nützt”, setzte eine in der Neuzeit für überwunden gehaltene Form der Rechtsunsicherheit, ja, der Pervertierung des Rechts ein.(9/10) Antisemitische Gedankengänge in Strafanträgen und Urteilsbegründungen waren schon vor dem Erlaß der Nürnberger Gesetze weit verbreitet, ohne daß hierfür eine entsprechende gesetz- liche Grundlage vorhanden gewesen wäre. Da die Mehrheit der Deutschen davon nicht betroffen wurde, ließ sie diese Beseitigung des Rechtsstaates schweigend geschehen. Trotz aller einschränkenden Maßnahmen, der Isolierung und des Propagandaterrors hoffte im Jahre 1934 dennoch, ein großer Teil des „Das Heimatgefü „Dem Juden das beglückende und Hof, der in ı verschlossen. Aus immer Mittel un deutsche Scholle (Otto Dageförde Mr deutschen Juc gesetzlichen f gung kommen 2. Die Nürn Bereits im Früh sozialistischer tungen im Ge und Verordnui künftige Entwi zu gewährleist Mit dem Erlaß tember 1935, d gesetze” ange: schaltung der "geben.(11) Die beamte, die s weg. Die Eint Reichsbürgergd bürger" dekla Rechten, da nı Politischen Rec zum Reichsbür (inalog zu de fums") genau griff Jude” ve ‚Jude ist, wer vd stammt, N Als Jude gilt aud Pörige jüdische der beim Erla Oder danach Dr | b) der beim Erla Mit einem solche ET aus einer dem Inkrafttreten fe 1985 geschlo er aus de m stammt und nach fften die ter ihre he über- hen, Die ent stan- k. In die- nd inner-| eidhische r Stand- -die | wesent- 1 Versuch nes die se Hetze zu unter- \ünchener en christ- jegen das Jeten und Wochen- sttum” zu rein alles ıtwicklung reise auch Wie weit n die Ver- ——u—mr ie kirchen-| r Kirchen- ‚listen ge- hrend des zum Reichsbürgergesetz vom 14. November 1935 wurde schließlich dankengut ialistischen ‚chtsgrund- was dem Jerwunden erung des ofanträgen \ürnbergef de gesetz: 'hrheit der Beseitigung g und des 3er Teil des „Das Heimatgefühl deutscher Juden“ u. Dem: Juden als krassen Materialisten ist der Begriff Heim und Heimat sowie das beglückende Gefühl der eigenen Scholle fremd. Der Sinn des Eigentums an Haus und Hof, der in der völkischen Tiefe des deutschen Daseins wurzelt, bleibt dem Juden verschlossen. Aus dieser Erkenntnis heraus müßte es für den deutschen Rechtswahrer immer Mittel und Wege geben, dem deuischen Volke im Rahmen des Rechtes die deutsche Scholle zu erhalten....” (Otto Dageförde in„Jugend und Recht”; 10.Jhrg., Nr.9(10. 9. 1936),$. 210.) - deutschen Judentums, daß es nach den ersten Stürmen und ihren gesetzlichen Folgeerscheinungen wieder zu einer gewissen Beruhi- gung kommen würde. Aber das Gegenteil traf ein. 2. Die Nürnberger Gesetze Bereits im Frühjahr 1935 ließen einige Äußerungen führender national- sozialistischer Ministerialbeamter darauf schließen, daß Vorberei- tungen im Gange waren, die verschiedenen antijüdischen Gesetze und Verordnungen auf eine einheitliche Basis zu stellen, um für die ‚ künftige Entwicklung eine Koordination aller staatlichen Maßnahmen zu gewährleisten. Mit dem Erlaß der sogenannten„Nürnberger Gesetze” am 15. Sep- tember 1935, die von den Nationalsozialisten selbst als„Verfassungs- gesetze” angesehen wurden, war die Grundlage für die restlose Aus- schaltung der Juden aus allen öffentlichen Arbeitsverhältnissen ge- geben.(11) Die Ausnahmeregelung für Frontkämpfer und für Staats- beamte, die schon vor 1914 ihre Stellungen innehatten, fiel damit weg. Die Einteilung aller deutschen Staatsangehörigen durch das Reichsbürgergesetz in„Staatsangehörige” und„Staats- oder Reichs- bürger” deklassierte die jüdischen Mitbürger in ihren politischen Rechten, da nur der Reichsbürger„der alleinige Träger der vollen politischen Rechte” sein sollte. In der ersten Durchführungsverordnung (analog zu dem„Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamten- tums”) genau festgelegt, was der Nationalsozialismus unter dem Be- griff„Jude“ verstanden wissen wollte. Im 8 5 der Verordnung hieß es: „Jude ist, wer von mindestens.drei der Rasse nach volljüdischen Großeltern ab- stammt... Als Jude gilt auch der von zwei volljüdischen Großeltern abstammende staatsange- hörige jüdische Mischling, a) der beim Erlaß des Gesetzes der jüdischen Religionsgemeinschaft angehört hat oder danach in sie aufgenommen wird, b) der beim Erlaß des Gesetzes mit einem Juden verheiratet war oder sich danach mit einem solchen verheiratet, c) der aus einer Ehe mit einem Juden im Sinne des Absatzes] stammt, die nach dem Inkrafttreten des Gesetzes zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre 1935 geschlossen ist, d) der aus dem außerehelichen Verkehr mit einem Juden im Sinne des Absatzes 1 | stammt und nach dem 31. Juli 1936 außerehelich geboren wird.” Entrechtung Definition des„Juden“ Verbot der Mischehen Der Ahnenpaß 22 Als„jüdisch“ galt dabei ein Großelternteil, wenn dieser jemals der jüdischen Religionsgemeinschaft angehört hatte. In dieser Definition enthüllt sich in geradezu grotesker Weise die angeblich„wissen- schaftliche” Rassenlehre: Die Konfessionszugehörigkeit wird zum Nachweis eines biologischen„Tatbestandes” herangezogen. Das„Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“(12), das zweite der auf dem Nürnberger Parteitag erlassenen Rassegesetze, verbot die Eheschließung zwischen Juden und Nicht- ivuden und stellte sie unter strenge Strafen. Damit war staatlicher- seits der gewünschte Trennungsstrich zwischen Juden und Nichtjuden gezogen, gleichzeitig aber auch dem Denunziantentum und der Schnüffelei in der privatesten Sphäre Tür und Tor geöffnet.(13) Die eigentliche Bedeutung der Nürnberger Gesetze, vor allem die des Reichsbürgergesetzes, sollte sich in den dreizehn Verordnungen zei- gen, die zu diesem Gesetz später erlassen wurden und die die systematische Ausschließung der Juden aus der staatlichen Gemein- schaft bewirkten. »...„Der außereheliche Geschlechtsverkehr eines Juden mit einer Staatsangehörigen deutschen Blutes enthält eine unmittelbare Verletzung deutschen Blutes und damit des deutschen Staatsvolkes als eines blutsmäßig einheitlichen Organismus. Die Straf- tat ist daher, wird sie im Ausland vollzogen, auch im Gebiete des Deutschen Reiches als dem Orte des Eintritts des Erfolges begangen...” (Reichsgerichtsentscheidung vom 14. 10. 1938; zit. nach Deutsche Justiz, 101. Jahrg. 1939, S. 102 f.) Durch das Reichsbürgergesetz und den in der ersten Durchführungs- verordnung niedergelegten„Arierparagraphen” ergoß sich in den folgenden Jahren eine Fülle von Vorschriften in nahezu alle Berufs- ordnungen. Die Arbeitsmöglichkeiten für Juden wurden auf ganz wenige Berufszweige eingeengt. Besonders hart wurden diejenigen getroffen, deren Vorfahren zum christlichen Glauben übergeftreten waren und die zum religiösen Judentum keinerlei Bindungen mehr besaßen. Diese„nichtarischen” Katholiken und Protestanten fielen nunmehr gleichermaßen unter die Nürnberger Gesetze. Der„Ahnen- paß” wurde in vielen deutschen Familien zum Schreckgespenst. Der Ausschaltungsprozeß der Juden aus den verschiedenen Berufen ließ zunächst nur einen Bereich unberührt: das Wirtschaftsleben. Zwar hatte auch der jüdische Kaufmann und Unternehmer unter den ein- schränkenden Maßnahmen zu leiden(so vor allem unter dem„schlei- chenden” Boykott in kleineren Orten— mit dem Resultat, daß viele Juden sich in den relativen„Schutz“ der Anonymität der Großstädte, vor allem Berlins, flüchteten), aber das Ergebnis seiner Arbeit war für den Staat immer noch wichtig. So wagte man es vorläufig nicht, hier in gleicher Weise wie auf anderen Gebieten vorzugehen. Erst 1937 setzte— meist unter Drohungen und Erpressungen örtlicher Parteifunktionäre— die sogenannte„Arisierung” allmählich in größe- rem Umfang® Unternehmen Preisen zu VE! auch staatlich lage vorhand 3, Die Selb Das deutsche Gruppen aufe nisse zu geme handlungen b und Gemeind: fretung der d standegekomn Berliner Rabbi würdigsten Pe als geschäftsfi Otto Hirsch(1 Mauthausen er spätere Vorsitz Die Reichsvertr den nationalsc schen Bevölker Seite jeglicher gen die Diffa setzt waren,( dieArbeit der Zu koordiniere Berufsumschic Wohlfahrtspfid Mrotest gegen Ve Die Reichsvertret Reichskanzler abg „Der ‚Stürmer‘ ya fungen und mit q Zichtigt, Vor Go Unseres Glauben (lüdische Rundsd — . Die Durchführ bereitschaft d nferstützt Ungen vora ie Haypay greifung ye nals der ’efinition „Wissen- ird zum I. eufschen lassenen (d Nicht- iatlicher- ichtiuden und der (13) Die die des gen zei- die die Gemein- ıngehörigen und damit . Die Straf- hen Reiches Jahrg. 1939, —— führungs- ch in den le Berufs- auf ganz| diejenigen ergetreien igen mehr ten fielen r„Ahnen- enst. ‚n Berufen ‚ben. Zwar h r den ein em„schlei- daß viele -roßstädte, eit war für ‚nicht, hier an örtlicher hin größe: rem Umfange ein. Die jüdischen Inhaber wurden gezwungen, ihre "Unternehmen meist zu erheblich unter dem wahren Wert liegenden Preisen zu verkaufen. Später schalteten sich dann in diese Vorgänge auch staatliche Stellen ein, ohne daß hierfür eine gesetzliche Grund- lage vorhanden gewesen wäre. 3. Die Selbsthilfe der Juden Das deutsche Judentum, das politisch und religiös in verschiedene Gruppen aufgeteilt war, mußte sich unter dem Zwang der Verhält- nisse zu gemeinsamer Arbeit zusammenfinden. Nach längeren Ver- handlungen beschlossen 1933 alle großen jüdischen Organisationen und Gemeinden eine Dachorganisation zu schaffen, die„Reichsver- tretung der deutschen Juden”. Diese auf demokratische Weise zu- standegekommene Dachorganisation stand unter dem Vorsitz des Berliner Rabbiners Dr. Leo Baeck(1373—1956), einer der verehrungs- würdigsten Persönlichkeiten des deutschen Judentums. Neben ihn trat als geschäftsführender Vorsitzender der Stuttgarter Ministerialrat Dr. Otto Hirsch(1885—1941), der 1941 von den Nationalsozialisten in Mauthausen ermordet worden ist, und Dr. Siegfried Moses(1887), der spätere Vorsitzende der„Zionistischen Vereinigung für Deutschland”. Die Reichsvertretung hatte keine Chance, als Verhandlungspartner mit den nationalsozialistischen Stellen eine Besserung der Lage des jüdi- schen Bevölkerungsteils zu erreichen, denn dazu fehlte auf staatlicher Seite jeglicher Wille. Auch konnte sie sich nur anfangs öffentlich ge- gen die Diffamierungen wehren, denen die deutschen Juden ausge- setzt waren.(14) Ihr hauptsächliches Bemühen ging vielmehr dahin, die Arbeit der jüdischen Organisationen für folgende Hilfsmaßnahmen zu koordinieren: Vorbereitung und Durchführung der Auswanderung; Berufsumschichtung; Schul- und Bildungswesen; Wirtschaftshilfe; Wohlfahrtspflegs. Protest gegen Verunglimpfung Die Reichsvertretung der deutschen Juden hat folgendes Telegramm an den Herrn Reichskanzler abgesandt: „Der ‚Stürmer’ verbreitet eine Sondernummer, die unter ungeheuerlichen Beschimp- fungen und mit grauenerregenden Darstellungen das Judentum des Ritualmords be- zichtigt. Vor Gott und Menschen erheben wir gegen diese beispiellose Schändung unseres Glaubens in feierlicher‘Verwahrung unsere Stimme.” (Jüdische Rundschau, 39. Jhrg. Nr. 36(4. 5. 1934), S. 3, Sp. 3.) Die Durchführung dieses Programms wäre ohne die finanzielle Opfer- _bereitschaft der deutschen Juden nicht möglich gewesen. Wesentlich unterstützt wurde die Reichsvertretung außerdem durch Geldzuwen- dungen vor allem amerikanischer und englischer jüdischer Verbände. Die Hauptaufgabe bestand darin, nach der durch die Macht- ergreifung verursachten Flucht vieler politisch unmittelbar bedrohter Beginn der„Arisierung” der Wirtschaft Reichsvertretung der deutschen Juden Aufgaben zur Linderung der Not Auswanderung Das jüdische Schulwesen Wirtschaftshilfe un Wohlfahrtspflege 24 Juden, die Auswanderung langfristig zu organisieren und vorzuberei- ten, den Auswandernden die Suche nach einer neuen Heimat zu er- leichtern. Wie schwierig das war, geht allein daraus hervor, daß die meisten Länder noch unter den schweren Auswirkungen der Weltwirt- schaftskrise zu leiden hatten und daher wenig geneigt waren, eine große Zahl Einwanderer zuzulassen. Es bedurfte einer beharrlichen Kleinarbeit, die ausländischen Stellen von der unabweisbaren Not- wendigkeit zur Aufnahme jüdischer Flüchtlinge zu überzeugen. Zur Vorbereitung der Auswanderung wurde die Berufsumschichtung ins Leben gerufen, die die künftigen Emigranten auf jene Berufe umzu- schulen hatte, die in den Aufnahmeländern am meisten erwünscht waren. Dabei mußte besonderer Wert auf die handwerkliche und landwirtschaftliche Ausbildung gelegt werden. Zu diesem Zweck wur- den landwirtschaftliche Kurse und Lehrwerkstätten eingerichtet. Im gleichen Umfange wurde auch die Sprachausbildung betrieben. Die 1933 einsetzende Ausschließung der jüdischen Schulpflichtigen von den deutschen Schulen erforderte besonders eindringlich den Aufbau eines vollständigen jüdischen Schulwesens, einschließlich Herstellung der Lehrmittel, denn es war den Juden nicht mehr gestattet, die in Deutschland gebräuchlichen Schulbücher zu benutzen. Die Arbeit der jüdischen Schulen wurde erst durch die im Kriege einsetzende De- portation der Juden nach dem Osten unterbunden und am 1. Juli 1942 gänzlich untersagt. Jüdische Schulen in Deutschland 1933—1939 Jüdische Jüdische lehren her Kinder im Kinder in Jüdische jüdischen Alter von jüdischen Schulen Schalan 6-14 Jahren Schulen 1OB3E a ae 66 000 15.000 70(a)(b) ISA Ne(b) 18 500 70(a) 766 193 44 000 20 000 130(c) 1057 TISCHE 421000 22.000 160(c) 1237 I(b) 23 000 167(c)(b) NASBa en(b) 20 029 140(c)(b) 19, CR(b) 9 500 139(c)(b) (a): Volksschulen—(b): Keine Angaben verfügbar—(c): Schulen aller Art(Quelle: Yad Washem Studies on the European Jewish Catastrophe and Resistance, Band Ill, Jerusalem 1959,$. 185) Einen großen Umfang nahmen in der Arbeit der Reichsvertretung naturgemäß die Wirtschaftshilfe und die Wohlfahrtspflege ein. Die Wirtschaftshilfe war vor allem für jüdische Unternehmungen gedacht, die zur Fortführung ihrer Arbeit Kredite benötigten. Diese Kredite wurden von jüdischen Darlehenskassen aufgebracht. Die Wirtschafts- hilfe unterstützte besonders kleinere Betriebe, die durch die Boykott- Ben De - Grundlage ih maßnahmen waren. Auße neugründung Eine noch 9! die starke A Berufsmöglic älteren Jahre aller deutsch Drittel über: Ausschaltung fenworden w Da die Zustä Juden immer fahrt helfen. der Juden in tragszahlunge Tatkräftigen/ “men die einze + tralverein deı „Zionistische Berlin gegrün semitische Au auch noch nac „Der Centralv Aufgabe die Während im( vertreten wa die Zionistisc Palästina als 4 der Zionistisc so wie die„Q schen Judent Chefredaktey unter der Übel Heck!" Um di fragt ihn mit$ „Daß die H "Mit gelbem File Diese Maßrege] & a auf, und wo Neben anderen Vielfach einen &hrung sein, Jug (Dr. Robert We) 9.13) 'Zuberei. at ZU er- daß die Neltwirt- en, eine (arrlichen ren Not- gen. Zur lung ins fe umzu- rwünscht iche und veck wur- chtet, Im en. tigen von n Aufbau erstellung et, die in \rbeit der ende De- ‚Juli 1942 Lehrer in jüdischen Schulen (b) 766 1057 1237 (b) (b) (b) Art(Quelle: ce, Band Il, vertretung e ein. Die n gedacht, se Kredite Yirtschafts‘ e Boykott maßnahmen der nichtjüdischen Wirtschaft in Schwierigkeiten geraten waren. Außerdem half sie berufsverdrängten Juden bei der Existenz- neugründung. Eine noch größere Bedeutung kam der Wohlfahrtspflege zu. Durch die starke Auswanderung besonders jüngerer Menschen, die keine Berufsmöglichkeiten mehr in Deutschland besaßen, gewannen die älteren Jahrgänge ein Übergewicht. So waren 1939 mehr als 77% aller deutschen Juden über 40 Jahre und von diesen mehr als zwei Drittel über 65 Jahre alt. Die„jüdische Winterhilfe”, die nach der Ausschaltung der deutschen Juden aus dem Winterhilfswerk geschaf- fen worden war, betreute 1935/1936: 83761, 1936/1937: 82067 Personen. Da die Zuständigkeit der öffentlichen Fürsorge für alte und kranke Juden immer weiter eingeschränkt wurde, mußte die jüdische Wohl- fahrt helfen. Diese Aufgabe wurde von der„Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in Deutschland“ übernommen. Mit Hilfe freiwilliger Bei- tragszahlungen unterstützte die jüdische Bevölkerung diese Arbeit. Tatkräftigen Anteil an diesen Bemühungen der Reichsvertretung nah- “ men die einzelnen großen jüdischen Organisationen, voran der„Cen- tralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens”(CV) und die „Zionistische Vereinigung für Deutschland”(ZVfD). Der CV, 1893 in Berlin gegründet, hatte in den Jahren der Weimarer Republik anti- semitische Ausfälle rechtsradikaler Kreise abgewehrt und betonte auch noch nach 1933 in der CV-Zeitung seinen toleranten Auftrag: „Der Centralverein ist die Vereinigung der deutschen Juden, deren Aufgabe die Bekämpfung des Antisemitismus ist.” Während im Centralverein seit seiner Gründung jene deutschen Juden vertreten waren, die das deutsch-jüdische Zusammenleben als die Grundlage ihrer gesamten Haltung ‚und Arbeit ansahen, sammelte die Zionistische Vereinigung diejenigen um sich, die ihre Blicke nach Palästina als der künftigen Heimat aller Juden richteten. Das Organ der Zionistischen Vereinigung, die„Jüdische Rundschau”, trat eben- so wie die„CV-Zeitung” nach 1933 mutig für die Belange des deut- schen Judentums ein. Berühmt geworden ist jener Artikel, den ihr Chefredakteur Robert Weltsch nach dem Boykott vom 1. April 1933 unter der Überschrift veröffentlichte:„Tragt ihn mit Stolz, den gelben Fleck!" Um die Wirkung der jüdischen: Presse zu unterbinden, wurde „Tragt ihn mit Stolz, den gelben Fleck!“ .„Daß die Boykottleitung anordnete, an die boykottierten Geschäfte Schilder „mit gelbem Fleck auf schwarzem Grund” zu heften, ist ein gewaltiges Symbol. Diese Maßregel ist als Brandmarkung, als Verächtlichmachung gedacht. Wir nehmen sie auf, und wollen daraus ein Ehrenzeichen machen... Neben anderen Zeichen und Inschriften sah man auf den Scheiben der Schaufenster vielfach einen großen Magen David, den Schild König Davids. Dies sollte eine Ent- ehrung sein. Juden, nehmt ihn auf, den Davidsschild, und tragt ihn in Ehren!”... (Dr. Robert Weltsch in: Jüdische Rundschau, 38. Jhrg., Nr. 27(4. 4. 1933),$. 131, Sp. 1—3.) Centralverein und Zionistische Vereinigung 1935 der öffentliche Verkauf dieser beiden jüdischen Presseorgane und vieler anderer verboten. Außerdem wurde der jüdischen Presse zur Auflage gemacht, die Erörterung aller akuten politischen Fragen, die nicht das Judentum betrafen, zu unterlassen. Mit dem Ausscheiden der jüdischen Künstler aus dem deutschen Kultur- leben ergab sich die Notwendigkeit, für diese Künstler ein neues Betätigungsfeld zu schaffen. Zu diesem Zweck wurde 1933 der„Kultur- bund der deutschen Juden“ gegründet, der schnell zum Mittelpunkt des jüdischen kulturellen Lebens aufstieg. Der Besuch aller Veranstal- tungen des Kulturbundes(Theater, Konzerte usw.) war auf Anordnung des Reichspropagandaministers nur Juden erlaubt. 4. Die Emigration aus Deutschland Die vielschichtigen Aufgaben, die den jüdischen Organisationen durch die erzwungene Auswanderung auferlegt wurden, waren der Anlaß für eine zweckvollere Arbeitsteilung. Der„Hilfsverein der deutschen Juden“ widmete sich der Auswanderungshilfe für Emigranten nach allen Ländern, außer Palästina. Für Palästina selbst war das Palästina- amt zuständig. Während sich der Hilfsverein bei den verschiedenen Regierungen durch umfangreiche Aufklärungsarbeit um Unterstützung und Genehmigungen für Einwanderungspapiere bemühte, mußte sich die Zahl der Palästina-Auswanderer anfänglich nach den festge- setzten Einwanderungsquoten der englischen Mandatsmacht rich- ten, die von der Jewish Agency auf die einzelnen Länder aufgeschlüs- selt wurden. Noch im Jahre 1938 wurde auf der Konferenz in Evian (Schweiz) vergeblich versucht, die Einwanderungspolitik der verschie- denen Länder aufeinander abzustimmen. Erst nach dem November- pogrom 1938 öffnete z.B. Großbritannien in großzügigerer Weise seine Grenze für jüdische Flüchtlinge. Die folgende Tabelle gibt einen Überblick über die Auswanderungs- zahlen seit dem Januar 1933. Wie bei allen Angaben über die jüdische Katastrophe in der Zeit des Nationalsozialismus lassen sich auch hier die genauen Zahlen nicht mehr ermitteln. Zahl der Gesamtzahl Jahr Emigranten seit 1933 1933 37 000 37 000 RU ee 23 000 60 000 BI oa 21 000 81.000 ISO ee 25 000 106 000 TISYER ZEN 23 000 129 000 1938 bis zum Auswanderungs- verbot am 23. Oktober 1941 170 000 etwa 300 000 (Vgl. Lit.Nr. 17, Band I, S. 377) Alle diese Z Politik wide) zu den Aus‘ Iuter Höher jüdischen M Heimat ZU zweiflung Ü Manches fre deutschen C den— erlet Die national ‚Auswander! sinnvolle Ve Für sie war ließen. Denr menarbeit c diesen Frag Vom Januar Gebiete(je Europa.... Palästina.. Überseeisch Länder.... *) Januar bis. 5. Der Aı a) Das Jah Das Jahr 16 ganz besor die Geschi Wortes ihr Höhepunkt Ereignisse, Die Ziele 4 ji Ausscha 2. Rapide enisprer Am 2, Mä über die f Kraft, das( „Körpersch "Organe 1 Presse Fragen, 1 Kultur- N neues „Kultur- telpunkt sranstal- ordnung en durch sr Anlaß eufschen fen nach alästina- niedenen stützung ußte sich ı festge- cht rich- geschlüs- in Evian verschie- „vember- 3r Weise ıderungs- jüdische auch hier N, ntzahl 1983 s 383333 Alle diese Zahlen spiegeln die verschiedenen Stufen der antijüdischen Politik wider: Massenflucht 1933, allmähliches Absinken der Zahl bis zu den Auswirkungen der Nürnberger Gesetze nach 1935 und abso- luter Höhepunkt 1939. Sie zeigen aber auch, wie schwer es den jüdischen Mitbürgern trotz der unmenschlichen Diffamierung fiel, ihre Heimat zu verlassen. Die seelische Not der Emigranten, die Ver- zweiflung über ihre Vertreibung können schwer beschrieben werden. Manches tragische Schicksal von Vertriebenen aus dem ehemaligen deutschen Ostgebieten ist hier schon Jahre vorher— mitten im Frie- den— erlebt worden. Die nationalsozialistischen Machthaber waren mit dem Stand der Auswanderung mehr als unzufrieden. Ihnen kam es nicht auf eine sinnvolle Vorbereitung und Auswahl der Auswanderungswilligen an. Für sie war nur entscheidend, daß möglichst alle Juden das Land ver- ließen. Dennoch gab es bis zum November 1938 eine gewisse Zusam- menarbeit der amtlichen Stellen mit den jüdischen Organisationen in diesen Fragen. Vom Januar 1933 bis Juni 1938 Noß der Auswandererstrom in folgende Gebiete(jeweils in Prozenten zur Gesamtzahl der Ausgewanderten): 1933 1934 1935 1936 19372319355) Europa.... 72-74% 35—40% 26—31% 20—25% 25% 27,2% Palästina.. 19% 3703 34% 3422159210858 Überseeische känder.... 79%, 328%, 33—33% 41—46% 60% 62,0% ®) Januar bis Juni 1938(Lit.Nr. 17, I, S. 381 ff.). 5. Der Anfang vom Ende a) Das Jahr 1938 Das Jahr 1938 nahm in der nationalsozialistischen Judenpolitik einen ganz besonderen Platz ein. Mit den Ereignissen dieses Jahres ging die Geschichte des deutschen Judentums im eigentlichen Sinne des Wortes ihrem Ende zu. Der Novemberpogrom war dabei zwar der Höhepunkt des Geschehens, bildete aber nur ein Teil der Gesamt- ereignisse, die man im Blick behalten muß. Die Ziele des nationalsozialistischen Regimes im Jahre 1938 waren: 1. Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben; 2. Rapide Verminderung des jüdischen Bevölkerungsanteils durch entsprechenden Auswanderungsdruck. Am 28. März 1938 trat mit Wirkung vom 1. Januar 1938 das„Gesetz über die Rechtsverhältnisse der jüdischen Kultusvereinigungen” in Kraft, das den jüdischen Gemeinden die schützende Eigenschaft einer „Körperschaft des öffentlichen Rechts“ absprach und sie zu„einge- Verteilung der Auswanderer Das entscheidende Jahr 1938 Schlag gegen die Gemeinden Staat registriert Vermögen der Juden Berufsverbot für Ärzte und Anwälte Vornamen befohlen Sorgfältig geplante Verhaftungswelle 28 tragenen Vereinen” degradierte. Mit dieser Rechtsminderung raubte der Staat ihnen u.a. die staatliche Unterstützung bei der Einziehung der Gemeindesteuern. Noch schwerer wog„die Verordnung über die Anmeldung des Ver- mögens der Juden‘ vom 26. April desselben Jahres. Nach ihr mußte das Vermögen jedes einzelnen Juden, soweit es 5000,— RM über- stieg, registriert werden. Dadurch erhielten die Behörden einen ge- nauen Überblick über die Vermögensverhältnisse im deutschen Juden- tum. Diese Vermögensregistrierung und die 3. Verordnung zum Reichs- bürgergesetz vom 14. Juni 1938, nach der die jüdischen Gewerbe- beiriebe anzumelden und als solche öffentlich zu kennzeichnen waren, schufen die Grundlagen für weitere staatliche Pläne gegen die deutschen Juden. Bereits im Juni des gleichen Jahres wurden z.B. in Berlin auf Grund der Vermögensanmeldungen bei den Finanz- ämtern und auch bei örtlichen Polizeirevieren Listen vermögender Juden angelegt. Die späteren Ereignisse im November lassen un- schwer erkennen, daß mit diesen Maßnahmen eine Art„Pogrom- wegweiser” geschaffen worden war. Im Juli und September folgte dann die Streichung der Approbationen der Ärzte(25. Juli 1938) und der Anwaltszulassungen(27. September 1938). Damit waren zwei weitere Berufsgruppen gesperrt, in denen Juden noch stärker vertreten waren. Nur noch in Ausnahmefällen wurden Juden als„Krankenbehandler" oder„jüdische Konsulenten” zur Behandlung und Beratung ausschließlich für Juden zugelassen. Vierte Verordnung zum Reichsbürgergesetz(25. 7. 1938) &1 Bestallungen(Approbationen) jüdischer Ärzte erlöschen am 30. September 1938. &2 Der Reichsminister des Innern oder die\von ihm ermächtigte Stelle kann auf Vorschlag der Reichsärztekammer Ärzten, deren Bestallung auf Grund des 81 erloschen ist, die Ausübung des Ärzteberufes widerruflich gestatten. Die Genehmi- gung kann unter Auflagen erteilt werden. 83 Juden, deren Bestallung(Approbation) erloschen und denen eine Genehmigung nach 8 2 nicht erteilt ist, ist es verboten, die Heilkunde auszuüben. Ein Jude, dem eine Genehmigung nach 82 erteilt ist, darf, abgesehen von seiner Frau und seinen ehelichen Kindern, nur Juden behandeln. Wer vorsätzlich oder fahrlässig den Bestimmungen im Absatz I oder 2 zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr und mit Geldstrafe oder mit einer dieser Strafen bestraft. 84 Die Bestallung als Arzt kann einem Juden nicht erteilt werden. (Reichsgesetzblatt Teil I, S. 969) Schließlich wurde durch Verordnung vom 17. August 1938 bestimmt, daß Juden vom 1.-Januar 1939 an nur solche Vornamen annehmen durften, die in einer Liste des Reichsinnenministeriums genannt wa- ren. Wer also einen nicht-jüdischen Vornamen besaß mußte einen jüdischen(„Sara” bzw.„Israel") hinzufügen. Im Juni 1938 kam es dann zu einer großen Verhaftungswelle, die, nach der wahllosen Jagd auf politische Gegner 1933, diesmal sorg- fältig geplant worden war. Mit Rücksicht auf innenpolitische Ereignisse hatte man: genannte v den Behörc waren(Be9 behandelt\ amtes hieß „Festzunehmen zu verbringen einer Geldstrc strafe von me Wer also ir lichen Best ordnung,© 1500 Verhat hausen. Wi die Juni-Ve auf Grund Aktion war den die In zentrations deutung sic Ende Oktol Opfer früh Iebte als pc hatte nach Tatsache eı die deutsch densvertrai Reich optie sozialistisch abgesproch Die polnisc Staatenlos durch die| daß die Be feindlichen Polnische| Staatsange Ordnete du In Deutsch] sollten alle Verlieren, Polens gel Ya die nai Neressieri N, Oktob: ) raubte Ziehung les Ver- r mußte M über- nen ge- 1 Juden- 1 Reichs- ewerbe- zeichnen 2 gegen wurden ‚ Finanz- ögender ssen UN- Pogrom- ationen ptember n denen mefällen ulenten” ssen, — mber 198. kann auf ıd des 81 Genehmi- nehmigung Jude, dem Frau und fahrlässig fängnis bis ft, — estimmit, nnehmen annt wd=| te einen elle, die, nal sorg“ reignisse hatte man sie sogar mehrfach verschoben. Diese Aktion erfaßte so- genannte vorbestrafte Juden und auch zahllose Nichtjuden, die von den Behörden als„asozial und arbeitsscheu”‘ bezeichnet worden waren(Begriffe, die von den Nationalsozialisten überaus dehnbar behandelt wurden). In den Anordnungen des Reichskriminalpolizei- amtes hieß es: „Festzunehmen und ohne Vernehmung in ein Konzentrationslager sind alle Juden zu verbringen, die mit einer Gefängnisstrafe von mehr als einem Monat oder mit einer Geldstrafe bestraft waren, für die im Nichteintreibungsfalle eine Gefängnis- strafe von mehr als einem Monat verhängt war.” Wer also in der Vergangenheit in irgendeiner Weise mit den gesetz- lichen Bestimmungen in Konflikt geraten war, fiel unter diese An- ordnung, obwohl die Strafe längst abgegolten war. Von den etwa 1500 Verhafteten kamen 900 nach Buchenwald, der Rest nach Sachsen- hausen. Wie man aus den Berichten von Überlebenden weiß, wurden die Juni-Verhafteten wesentlich grausamer behandelt als die später auf Grund des Novemberpogroms Inhaftierten. Der Sinn dieser Aktion war, Auswanderungsdruck auszuüben. Gleichzeitig aber wur- den die Inhaftierten zum weiteren Ausbau der vorhandenen Kon- zentrationslager mißbraucht, ein Vorgang, dessen eigentliche Be- deutung sich ebenfalls im November zeigen sollte. Ende Oktober kam es dann zu einer großen Ausweisungswelle, deren Opfer früher in Polen beheimatete Juden waren. Ein Teil von ihnen lebte als polnische Staatsangehörige in Deutschland; ein anderer Teil hatte nach 1919 die deutsche Staatsangehörigkeit auf Grund der Tatsache erhalten, daß die Betreffenden bei den Abstimmungen über die deutschen Landesteile im Osten, die durch den Versailler Frie- densvertrag vom Reich losgelöst worden waren, für das Deutsche Reich optiert hatten. Dem letzteren Personenkreis hatte die national- sozialistische Regierung nach 1933 die deutsche Staatsangehörigkeit abgesprochen. Die polnischen Behörden jedoch erkannten nur einen Teil dieser nun staatenlos gewordenen Menschen als Polen an und gaben ihnen durch die polnische Botschaft in Deutschland polnische Pässe, ohne daß die Betroffenen nach Polen zurückkehrten. Angesichts der juden- feindlichen Maßnahmen in Deutschland nach 1933 befürchtete die polnische Regierung, diese im Deutschen Reich lebenden polnischen Staatsangehörigen eines Tages in Polen aufnehmen zu müssen. Sie ordnete daher eine kurzfristige Überprüfung der Paßverhältnisse ihrer in Deutschland lebenden Staatsangehörigen an. Nach dieser Kontrolle sollten alle im Ausland ausgestellten polnischen Pässe ihre Gültigkeit verlieren, wenn der Paßinhaber länger als fünf Jahre außerhalb Polens gelebt hatte. Da die nationalsozialistische Regierung am Verbleib der Juden nicht interessiert war, kam sie der Überprüfung zuvor und ließ am 27. und 28. Oktober 1938 15 000—17 000 dieser Personen verhaften. Sie wur- Polenaktion Pariser Attentat als willkommener Anlaß 1. Phase: Gesteuerter Pogrom am 9./11. November den an die polnische Grenze abgeschoben. Die polnischen Behörden lehnten ihre Aufnahme zunächst ab, und so irrten sie teilweise längere Zeit im deutsch-polnischen Niemandsland umher, bis schließ- lich die polnische Regierung die Grenze unter deutschem Druck öffnete. Unter diesen Abgeschobenen befanden sich auch die Angehörigen jenes jungen Herschel Grünspan, der am 7. November 1938 in Paris das unselige Attentat auf den dortigen deutschen Gesandischaftsrat Ernst vom Rath verübte. Grünspan gab später selbst zu, daß er seine Tat nur aus Vergeltung für das Unrecht verübt hatte, das seinen Eltern angetan worden war. Bereits im Oktober 1938 hatten mehrere Besprechungen von Ver- tretern hoher deutscher Behörden über die geplante Ausschaltung der Juden aus dem Wirtschaftsleben stattgefunden, ohne daß über die Art und Weise der Verwirklichung Beschlüsse gefaßt worden waren. Nun benutzte das nationalsozialistische System die Tat Grün- spans als willkommenen Anlaß, diese Ausschaltung radikal durch- zuführen. Bei dem abendlichen Zusammentreffen der„Alten Kämpfer” auf der jährlich wiederkehrenden Gedenkfeier am 9. November gab Goebbels mit einer hetzerischen Rede das„Startzeichen” für den Pogrom, der sofort in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 begann und erst am 11. November zu Ende ging.(15) Überall im Reich zündeten SA-Männer und Parteigenossen jüdische Gotteshäuser an, überall demolierten sie jüdische Geschäfte und an vielen Orten selbst die Wohnungen der Juden.(16) Ohne Rücksicht auf Alter und Ge- schlecht wurden jüdische Mitmenschen geprügelt, verhöhnt, durch Straßen geschleppt, entrechtet und entwürdigt. Ja, selbst vor Mord schreckte man nicht zurück. So mußte das Oberste Parteigericht der NSDAP zugeben, daß bei diesem Vandalismus„91 Fälle von Tötungen”' vorgekommen waren. (17) Allein der angerichtete Sachschaden betrug nach den ersten Fest- stellungen Heydrichs bereits am 12. November mehrere hundert Millionen Mark. Nach der gleichen Schätzung wurden insgesamt etwa 7500 Geschäfte zerstört. So sehr sich die Parteiführung auch bemühte, diesen Rückfall in die Barbarei als Ausdruck einer „kochenden Volksseele” über den Mord Grünspans zu entschuldigen, so wenig gelang ihr das, und zwar weder im Ausland noch bei der deutschen Öffentlichkeit, zumal der besonnenere Teil des deutschen Volkes sich von solchen Gewaltakten distanzierte. Selbst in einem Urteil des Obersten Parteigerichts wurde zugegeben: „Auch die Offentlichkeit weiß bis auf den letzten Mann, daß politische Aktionen, wie die des 9. November, von der Partei organisiert und durchgeführt sind, ob dies zugegeben wird oder nicht. Wenn in einer Nacht sämtliche Synagogen abbrennen, so muß das irgendwie organisiert sein und kann nur organisiert sein von der Partei.” (Intern. Military Tribunal, Nürnberg, Band XXXIl, S. 20 ff., PS— 3063) Die Vernichtung jüdischen Eigentums war eine Seite des Pogroms, eine zweite — in den Verhafteter in das Lage Auch diese eine Absich Entlassung wanderung waren die mannschafi handlunge: Der dritte ı die Aussch wurde auf Reichsluftfe von Hitler auftragt v beschlosse Den deutsc Mark aufe sie mußter zahlen un schädigun: außerdem Geschäfte Das bedeı schleudert eingezahlt konfisziert eine Fülle waren: Zwangsde Zwangsve Verbot de Verbot fü Entziehun: Zeugen; Einführune Berufsyer! Das öffe Ovembe Wurden 7 aller lüdh Orbeit jüc in Fragen Behörden teilweise s schließ- m Druck jehörigen 3 in Paris schaftsrat ‚ daß er atte, das von Ver- schaltung daß über t worden Tat Grün- al durch- " auf der Goekbels Pogrom, gann und zündeten 1, überall selbst die und Ge- nt, durch vor Mord daß bei Sn Waren. sten Fest- » hundert insgesamt ung auch ‚ck einer chuldigen, 'h bei der deutschen in einem ‚e Aktionen, ind, ob dies obbrennen, der Portel.” Pogromsı eine zweite war die Verhaftung zahlreicher männlicher, vornehmlich — in den Großstädten— vermögender Juden. Von den über 26 000 Verhafteten wurden 10911 in das Konzentrationslager Dachau, 9 845 in das Lager Buchenwald und der Rest nach Sachsenhausen gebracht. Auch diese Maßnahme sollte den Auswanderungsdruck verstärken, eine Absicht, die besonders dadurch deutlich hervortrat, daß man die Entlassung eines Teiles der Inhaftierten von der Vorlage der Aus- wanderungspapiere abhängig machte. In den Konzentrationslagern waren die Verhafteten der grausamen Behandlung durch SS-Wach- mannschaften ausgesetzt, so daß mehrere hundert Juden an Miß- handlungen starben.(18) Der dritte und wichtigste Teil der Maßnahmen des Novemberpogroms, die Ausschaltung der deutschen Juden aus dem Wirtschaftsleben, wurde auf dem Verordnungswege geregelt. Auf einer Sitzung im Reichsluftfahrtministerium unter dem Vorsitz Hermann Görings, der von Hitler mit der Durchführung aller antijüdischen Maßnahmen be- auftragt worden war, wurden die entsprechenden Verordnungen beschlossen: Den deutschen Juden wurde zunächst eine Bußzahlung von 1 Milliarde Mark auferlegt; sie mußten die durch den Pogrom entstandenen Schäden selbst be- zahlen und die von den Versicherungsgesellschaften gezahlten Ent- schädigungen dem Reich zurückerstatten(19); außerdem wurde die Zwangsarisierung aller jüdischen Unternehmen, Geschäfte und Handwerksbetriebe angeordnet.(20) Das bedeutete, daß das jüdische Eigentum zu einem Spottpreis ver- schleudert wurde. Der Erlös mußte außerdem noch auf ein Sperrkonto eingezahlt werden. Im Kriege wurden diese Beträge dann vom Reich konfisziert. Darüber hinaus wurde dem deutschen Judentum noch eine Fülle von Einschränkungen auferlegt. Die wichtigsten davon waren: Zwangsdeponierung von Wertpapieren und Aktien; Zwangsverkauf von Juwelen, Schmuck- und Kunstgegenständen; Verbot des Besuches kultureller Veranstaltungen; Verbot für jüdische Schulkinder, nichtjüdische Schulen zu besuchen; Entziehung des Führerscheines und Verbot der Haltung von Kraftfahr- zeugen; Einführung erhöhter Steuersätze; Berufsverbot für Apotheker, Zahn- und Tierärzte. Das öffentliche Leben des deutschen Judentums kam mit dem Novemberpogrom völlig zum Erliegen. Die jüdischen Organisationen wurden verboten, ihre Funktionäre verhaftet, das weitere Erscheinen aller jüdischen Publikationen untersagt. Jede sinnvolle Zusammen- arbeit jüdischer Stellen mit staatlichen Behörden, die sowieso nur in Fragen der Auswanderung stattgefunden hatte, hörte auf. 2. Phase: Verhaftungswelle 3. Phase: Ausschaltung aus der Wirtschaft Ende der legalen Existenz Der Staat zwingt zur Massenflucht Die unmenschlichen Lebens- bedingungen Anordnung des Präsidenten der Reichskulturkammer über die Teilnahme von Juden an öffentlichen Veranstaltungen(12. 11. 1938) . Nachdem der nationalsozialistische Staat es den Juden bereits seit über 5 Jahren ermeglicht hat, innerhalb besonderer jüdischer Organisationen ein eigenes Kultur- leben zu schaffen und zu pflegen, ist es nicht mehr angängig, sie an Darbietungen der deutschen Kultur teilnehmen zu lassen. Den Juden ist daher der Zutritt zu solchen Veranstaltungen, insbesondere zu Theatern, Lichtspielunternehmen, Konzerten, Vorträgen, artistischen Unternehmungen(Varietes, Kabaretts, Zirkusveranstaltungen usw.), Tanzvorführungen und Ausstellungen kultureller Art, mit sofortiger Wirkung nicht mehr zu gestatten... (Völkischer Beobachter(Süddeutsche Ausgabe), Nr. 318(14. November 1938), S. 1, Sp. 4) Das zwar eingeengte, aber, verglichen mit dem Kommenden, relativ noch freie Leben der Juden in Deutschland nach 1933 war damit endgültig zu Ende. Der Anfang vom Untergang hatte begonnen. b) Vor der„Endlösung”: 1939—1941. Das nationalsozialistische Regime konzentrierte sich in seiner anti- jüdischen Politik 1939 in erster Linie auf die forcierte Auswande- rung. Anfang des Jahres wurde eine Auswanderungszentrale ge- schaffen, an deren Spitze der Chef der Sicherheitspolizei und des SD Reinhard Heydrich stand. Hatte sich die Auswanderung nach 1933 noch nicht so chaotisch wie später vollzogen, so setzte jetzt eine Art Massenflucht ein. Die Zurückgebliebenen gehörten überwiegend zur älteren Generation, die die Strapazen der Emigration nicht mehr auf sich nehmen konnte. Vielen war allerdings die Auswanderung auch infolge der engherzigen Einwanderungsbedingungen der meisten Staaten nicht mehr möglich. Allein Großbritannien zeigte Verständnis für die Not und nahm einen großen Teil der Flüchtlinge auf. Nach Kriegsbeginn schrumpften aber auch diese Möglichkeiten natur- gemäß auf ein Minimum zusammen. Zwar gingen noch: Auswande- rungstransporte über Sowjetrußland nach Schanghai und andere, ohne Einwanderungsvisen, also gleichsam illegal, unter großen Ent- behrungen mit Gestapogenehmigung nach Palästina. Am 23. Ok- tober 1941 wurde die Auswanderung schließlich endgültig verboten. Von den Juden, die sich 1939 in Deutschland befanden, waren nur 16% als beschäftigt gemeldet. Der größte Teil der Arbeitsfähigen wurde seit 1939, besonders nach Kriegsbeginn, zu Zwangsarbkeiten herangezogen. Diese Zwangsarbeiter mußten unter den schlechtesten Bedingungen, größtenteils in der Rüstungsindustrie, arbeiten. Die Ent- lohnung betrug nur 60—70 Reichspfennige pro Stunde, oft sogar noch weniger. Dagegen wurden die Sozialabgaben in doppelter Höhe ab- gezogen und der Arbeitsschutz auf ein Mindestmaß beschränkt. Mit Beginn des Krieges traten daneben weitere einschränkende Bestim- mungen in Kraft, wie etwa: Beschlagnahme der Rundfunkgeräte; h Ausgehverbot im Sommer ab 21 Uhr, im Winter ab 20 Uhr; > selben Jahr . Sdfrankrei - Einführung (in Berlin z Aufhebung Zusammenle [zur bessere Nur aus de Auswirkung! ist, läßt sich völlig bede potentiellen Bereits vor führung ein ursprünglich sollten, sob alle Juden deportiert v jüdischen Kı Kriegsereigı sich das nat blems vorstt biet, in dem geleistet we Da dieses\ Beginn des deren Plan, dessen Einri Singen die€ tat Böhmen Polen. Auch aus Stettin i Obwohl Ga sagte, weil Neutralen L von Juden €g in das den die Jul beunruhigt; Vielen klanı 1999 gesprg «Ch Will heute und Außerh U stürzen, da der Sieg des J a ER von Juden er 5 Jahren nes Kultur arbietungen ' Zutritt: zu Konzerten, nstaltungen er Wirkung ‚8.1, 5p.4) —— n, relativ ar damit nen. iner anti- uswande- trale ge- und des nach 1933 E Einführung von Sperrgebieten, die Juden nicht betreten durften (in Berlin z.B. das gesamte Regierungsviertel); Aufhebung des Wohnungsräumungsschutzes; Zusammenlegung jüdischer Familien in sogenannte„„udenhauser‘ (zur besseren Überwachung).(21) - Nur aus der nationalsozialistischen„Weltanschauung“, die in ihren - Auswirkungen mit rationalen Gedanken überhaupt nicht zu begreifen ist, läßt sich erklären, warum zu Beginn des Krieges das Regime diesen völlig bedeutungslosen, überalterten jüdischen Bevölkerungsteil als potentiellen Reichsfeind betrachtete und dementsprechend behandelte. - Bereits vor Ausbruch des Krieges war in der nationalsozialistischen ze ' eine Art| gend zur' cht mehr anderung :r meisten rständnis sf. en nafur- uswande- | andere, Ben Ent- 2, Ok- verboten. ‚aren nur tsfahigen sarbeiten lechtesten ‚ Die Ent- gar noch Höhe ab- änkt. Mit e Bestim- \ Führung ein Plan zur Lösung der Judenfrage erörtert worden, der ‚ursprünglich aus Polen stammte: das Madagaskar-Projekt. Nach ihm sollten, sobald es die Machtverhältnisse in Europa erlaubt hätten, alle Juden unter deutscher Herrschaft nach der Insel Madagaskar deportiert werden, damit sie dort unter deutscher Aufsicht in einer jüdischen Kolonie arbeiteten. Dieser utopische Plan, der infolge der Kriegsereignisse niemals Realität werden konnte, zeigte aber, wie sich das nationalsozialistische Regime die Lösung des jüdischen Pro- blems vorstellte: Konzentration aller Juden auf engbegrenztem Ge- biet, in dem Zwangsarbeit zugunsten der„arischen Herrenmenschen” geleistet werden sollte. Da dieses Vorhaben sich nicht verwirklichen ließ, griff Heydrich zu Beginn des Krieges, bald nach der Niederlage Polens, zu einem an- deren Plan, der Schaffung eines jüdischen Reservats in Ostpolen, dessen Einrichtung in seiner Macht lag. Bereits im Winter 1939/1940 gingen die ersten Deportationszüge aus Österreich und dem Protekto- rat Böhmen und Mähren(der ehemaligen Tschechoslowakei) nach Polen. Auch aus dem Reich wurden am 12, und 13. Februar 1940 Juden aus Stettin in die Gegend um Lublin gebracht. Obwohl Göring weitere Deportationen aus dem Reichsgebiet unter- sagte, weil das Reich damals noch auf die öffentliche Meinung in den neutralen Ländern Rücksicht nehmen mußte, kam es im Herbst des- selben Jahres doch wieder zu einer Aktion, nämlich der Deportation von Juden aus Elsaß-Lothringen, dem Saarland und aus Baden nach Südfrankreich. Von hier aus mußten sie dann später gleichfalls den Weg in das Todeslager Auschwitz antreten. Verständlicherweise wur- den die Juden in Deutschland durch diese„Umsiedlungen” äußerst beunruhigt; ihr künftiges Schicksal erschien ihnen ungewisser denn je. Vielen klangen noch die Worte in den Ohren, die Hitler am 30. Januar 1939 gesprochen hatte: „Ich will heute wieder ein Prophet sein. Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann würde das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa.” Madagaskar-Plan Erste Deportationen nach Polen Göring befiehlt die„Endlösung” Entschluß zum Massenmord 6. Die„Endlösung der Judenfrage” 31. 7.1941 Heydrich von Göring mit der organisatorischen Vorbereitung und Durch- führung der„Endlösung der Judenfrage” beauftragt 19. 9.1941 Einführung des„Judensterns” im Reichsgebiet 14. 10. 1941 Beginn der Deportationen aus dem Reichsgebiet 20. 1. 1942 Wannsee-Konferenz Juli 1942 Beginn der regelmäßigen Selektionen für die Gaskammern in Auschwitz. Der Wirrwarr der früheren judenfeindlichen Maßnahmen, d.h. die Unklarheiten darüber, ob die Juden Zwangsarbeit leisten sollten, in Ghettos zu internieren wären oder geschlossen nach Ostpolen ge- bracht werden sollten, endete schließlich mit dem Befehl Görings vom 31. Juli 1941 an Heydrich: „In Ergänzung der Ihnen bereits mit Erlaß vom 24. 1. 1939 übertragenen Aufgabe, die Judenfrage in Form der Auswanderung oder Evakuierung einer den Zeitverhält- nissen entsprechend möglichst günstigen Lösung zuzuführen, beauftrage ich Sie hier- mit, alle erforderlichen Vorbereitungen in organisatorischer, sachlicher und materieller Hinsicht zu treffen für eine Gesamtlösung der Judenfrage im deutschen Einflußgebiet in Europa... Sofern hierbei die Zuständigkeiten anderer Zentralinstanzen berührt werden, sind diese zu beteiligen. Ich beauftrage Sie weiter, mir in Bälde einen Gesamtentwurf über die organisatori- schen, sachlichen und materiellen Vorausmaßnahmen zur Durchführung der ange- strebten Endlösung der Judenfrage vorzulegen.” (IMT Band XXVI, S. 266 f., PS— 710) Diese„Gesamtplanung” war um so dringlicher geworden, da seit dem Beginn des Überfalls auf die Sowjetunion die Einsatzgruppen in großem Maßstab bereits mit der Liquidierung der auf sowjetischem Gebiet lebenden Juden begonnen hatten und die Massenmorde sehr schnell ein Ausmaß erreichten, das jede Tarnung illusorisch machte. Außerdem verfügten die Einsatzgruppen noch nicht über die später entwickelten„lautlosen” Liquidationsmethoden, so daß eine zentrale Planung und Lenkung der„Endlösung“ erforderlich wurde. Heydrich, der sich bereits seit 1939 mit den Plänen für eine Endlösung beschäftigt hatte, sah sein Ziel zunächst darin, die forcierte Auswanderung voranzutreiben, wenn auch, durch den Kriegsbeginn bedingt, derarti- gen Maßnahmen Grenzen gezogen waren. Mit dem Kriegsbeginn gegen die Sowjetunion fielen jedoch alle weiteren Aussichten, die „Judenfrage” durch Auswanderung lösen zu können, fort. Man kann als sicher annehmen, daß mit dem Entschluß Hitlers— unter Hinweg- lassung seiner oft geäußerten Bedenken gegen einen Zweifronten- krieg—, den Krieg auf die Sowjetunion auszudehnen, praktisch das Todesurteil über das europäische Judentum gesprochen wurde. Be- reits Ende März 1941 wurden auf ausdrücklichen Befehl Hitlers hin die entsprechenden Pläne für die künftigen Aufgaben der Einsatz- gruppen im Osten getroffen. Heydrich hatte sich für seinen Auftrag bereits günstige organisato- rische Voraussetzungen geschaffen. So waren die Juden im Reich nach Kriegsausbruch durch Wohnungszusammenlegungen und Re- > ein schnell polizeiverordn Juden, die das Jichkeit ohne€ Der Judenstern aus gelbem St Brustseite des Juden ist verb 0) den Bereid der Ortspol b) Orden, Ehr Wer dem Ver mit Geldstrafe Weitergehende eine höhere$ u...(Reichsge — gistrierunge worden, Im in bewacht nommen un den besetz 199 die K Reichsgebie er bereits« durch die' 19. Septeml Wie weit derftausend $$-Führers Schwierigke Bei seinen ganisatorisq RSHA), da dende Roll fungshaupt $ruppenfü Konzentra referat in H die gesam .Septem Polizei(G Isfitufiong Sicherheits der 5$, die Stüatlichen und Durch. n Auschwitz,. ‚d.h, die sollten, in polen ge- rings vom en Aufgabe, Zeitverhält- ich Sie hier- d materieller Einflußgebiet nzen berührt organisatori- g der ange- n, da seit itzgruppen wietischem norde sehr ch machte. die später \e zentrale . Heydrich, beschäftigt wanderung gt, derart jegsbeginn ichten, die Man kann or Hinweg- yeifronten" aktisch das wurde. Be: Hitlers hin er Einsatz yrganisato“ n Im Reich n und Re = a nn Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden(1. 9. 1941) 81 Juden, die das sechste Lebensjahr vollendet haben, ist es verboten, sich in der Öffent- lichkeit ohne einen Judenstern zu zeigen. Der Judenstern besteht aus einem handtellergroßen, schwarz ausgezogenen Sechsstern aus gelbem Stoff mit der schwarzen Aufschrift„Jude“. Er ist sichtbar auf der linken Brustseite des Kleidungsstücks fest angenäht zu tragen. 82 Juden ist verboten a) den Bereich ihrer Wohngemeinde zu verlassen, ohne eine schriftliche Erlaubnis der Ortspolizeibehörde bei sich zu führen, b) Orden, Ehrenzeichen und sonstige Abzeichen zu tragen. : 54 Wer dem Verbot der 88 1 und 2 vorsätzlich oder fahrlässig zuwiderhandelt, wird mit Geldstrafe bis zu 150 RM oder mit Haft bis zu 6 Wochen bestraft. Weitergehende polizeiliche Sicherungsmaßnahmen sowie Strafvorschriften, nach denen eine höhere Strafe verwirkt ist, bleiben unberührt. ...(Reichsgesetzblatt Teil I, S. 547) gistrierungen für die Zwangsarbeit unter strenge Kontrolle gebracht worden. Im besetzten Polen hatte man die Konzentrierung der Juden in bewachten Ghettos sofort nach der Besetzung in Angriff ge- nommen und 1941 zum Teil schon abgeschlossen. Außerdem war in den besetzten polnischen Gebieten schon seit dem 23. November 1939 die Kennzeichnungspflicht für Juden angeordnet worden; im Reichsgebiet wurde dieser Rückfall in mittelalterliche Methoden, wie er bereits auf der Sitzung am 12. November 1938 erwähnt wurde, durch die Verordnung vom 1. September 1941(mit Wirkung vom 19. September) ebenfalls eingeführt. Wie weit man sich innerhalb der SS bereits mit der Ermordung Hun- derttausender von Menschen beschäftigte, zeigt ein Schreiben eines SS-Führers vom 16. Juli 1941, in dem er vorschlägt, bei Ernährungs- schwierigkeiten die„nicht arbeitseinsatzfähigen Juden durch irgend- ein schnellwirkendes Mittel zu erledigen”. Bei seinen Vorbereitungen stand Heydrich ein leistungsfähiger or- ganisatorischer Apparat zur Verfügung: das Reichssicherheitshauptamt (RSHA), das bei der Durchführung der„Endlösung” die entschei- dende Rolle spielen sollte. Während das Wirtschafts- und Verwal- tungshauptamt der SS(WVHA) unter der Leitung des SS-Ober- gruppenführers Oswald Pohl für die„wirtschaftliche Nutzung” der Konzentrationslagerhäftlinge zuständig war, übernahm das Juden- referat in RSHA unter dem SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann die gesamte organisatorische Planung der„Endlösung”. Das am 27. September 1939 geschaffene RSHA vereinigte die Geheime Staats- polizei(Gestapo) und die Kriminalpolizei(Kripo), also staatliche Institutionen(die sogenannte Sicherheitspolizei— Sipo—), mit dem Sicherheitsdienst(SD), der ursprünglichen Nachrichtenorganisation der SS, die aus einer Parteiorganisation immer mehr zu einer halb- staatlichen Einrichtung geworden war. Mit dieser Verschmelzung Einführung des Judensterns Der Apparat: das Reichs- sicherheits- hauptamt Eichmanns „Verdienste“ Beteiligung der„Kanzlei des Führers” von staatlichen und parteiamtlichen Instanzen, denen schon vorher Heydrich in Personalunion als Leiter vorgestanden hatte, erreichte die Konzentration staatlicher Macht zur Bekämpfung sogenannter „innenpolitischer Gegner” unter Heydrichs Befehlsgewalt im national- sozialistischen Staat ihren Höhepunkt. Unter den sechs Ämtern im RSHA war das Judenreferat(B 4) im Amt IV (zeitweise auch IV A4b organisatorisch bezeichnet) eine Unterab- teilung der Gestapo. Die Tätigkeit dieser Abteilung nahm schließ- lich einen solchen Umfang an, daß ihr in der Kurfürstenstraße 116 in Berlin ein eigenes Gebäude zur Verfügung gestellt wurde, eine Maßnahme, die allein rein äußerlich den Vorrang der Judenabteilung im RSHA vor den anderen Abteilungen des Amtes, das seinen Sitz in der Prinz-Albrecht-Straße 8 hatte, unterstreicht. Der Leiter des Amtes IV B4, Adolf Eichmann, hatte sich seine ersten größeren„Verdienste” bei der Vertreibung der österreichischen und tschechischen Juden erworben. Ihm hatte es Heydrich in erster Linie zu verdanken, daß er auf der Sitzung am 12. November 1938 tri- umphierend feststellen konnte, vom März bis zum November 1933 ca. 50.000 österreichische Juden„zur Auswanderung“ gebracht zu haben. Bereits im Spätsommer 1941 konferierte Eichmann mit dem Komman- danten von Auschwitz, Rudolf Höss, über die„praktischste und schnell- ste Methode” der Massenvernichtung. Höss berichtete darüber:„Die Tötung durch Kohlenoxydgas, durch Brausen in einem Baderaum wie die Vernichtung der Geisteskranken an einigen Stellen im Reich durch- geführt wurde, erfordere zu viele Baulichkeiten, auch wäre die Be- schaffung des Gases für die großen Massen sehr problematisch. Wir kamen in dieser Frage zu keinem Entscheid. Eichmann wollte sich nach einem Gas, das leicht zu beschaffen wäre und keine besonderen An- lagen erfordere, erkundigen und mir dann berichten... Wir errech- neten, daß man in den dort vorhandenen Räumlichkeiten ungefähr 800 Menschen gleichzeitig nach Gasdichtmachung durch ein geeignetes Gas töten könne. Dies entsprach auch der späteren Kapazität. Den Zeitpunkt des Beginnes der Aktionen konnte mir Eichmann noch nicht sagen...”(Vgl. Lit.Nr. 34, S. 154.) Während Eichmann noch auf der Suche nach: der schnellsten Methode war, arbeiteten im Osten bereits die fahrbaren Gaswagen nach den bei der Euthanasie-Aktion in Deutschland gemachten Erfahrungen an der Vernichtung der jüdischen Opfer. Daß hinter all diesen unglaublichen Unternehmungen überall der Wille Adolf Hitlers stand, geht auch hier aus der Tatsache hervor, daß die„Kanzlei des Führers“ aktiv an der Bereitstellung der fahr- baren Gaswagen mitwirkte. Die Arbeit dieser Kanzlei ist bis jetzt noch nicht genügend untersucht worden, doch kann man als sicher annehmen, daß sie in der Entwicklung der Methoden der„Endlösung” eine maßgebliche Rolle gespielt hat. \ Ungeachtet Einzelheiten die Massent wanderungs geschrumpft 7, Oktober ordnung zur wurde schlie einziehung Schon Ende Konferenz nahmen üb: zu können. 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Oktober 1941 die Massendeportationen aus dem gesamten Reichsgebiet. Die Aus- wanderungsmöglichkeiten, die sowieso auf ein Minimum zusammen- geschrumpft waren, wurden mit dem Auswanderungsverbot vom 23. Oktober 1941 endgültig beseitigt. Durch den Erlaß der 11. Ver- ordnung zum Reichsbürgergesetz vom 25. November desselben Jahres wurde schließlich die verwaltungsmäßige Regelung der Vermögens- einziehung„gesetzlich” angeordnet. Schon Ende November 1941 sah sich Heydrich in der Lage, eine Konferenz der beteiligten Behörden zur Koordinierung aller Maß- nahmen über die Gesamtplanung für den 9. Dezember einberufen zu können. Durch den Ausbruch des Krieges mit den Vereinigten Staaten und die Abwesenheit hoher SS-Führer, die an der Durch- führung der Massenerschießungen in Sowjetrußland beteiligt waren, kam es jedoch erst am 20. Januar 1942 zu dieser Besprechung, die unter dem Namen Wannseekonferenz bekannt wurde. Das Protokoll dieser Tagung, die in Berlin, Am Großen Wannsee Nr. 56/58, in dem Gebäude der deutschen Dienststelle der Internationalen Kriminal- polizeikommission(Interpol) stattfand, ist erhalten geblieben. Diese Konferenz wurde zum Ausgangspunkt für die weitere Durchführung der„Endlösung”. Neben hohen SS-Führern, die bereits praktische Er- fahrung auf dem Gebiet des Massenmordens besaßen, nahmen u. a. hohe Vertreter des Reichsjustizministeriums, des Reichsinnenministe- riums, des Auswärtigen Amtes, des Reichsministeriums für die be- setzten Ostgebiete, der Partei- und der Reichskanzlei teil. Heydrich umriß seinen Plan folgendermaßen: „Inzwischen hat der Reichsführer-SS und Chef der Deutschen Polizei im Hinblick auf die Gefahren einer Auswanderung im Kriege und im Hinblick auf die Möglich- keiten des Ostens die Auswanderung von Juden verboten. Anstelle der Auswanderung ist nunmehr als weitere Lösungsmöglichkeit nach ent- sprechender vorheriger Genehmigung durch den Führer die Evakuierung der Juden nach dem Osten getreten. Diese Aktionen sind jedoch lediglich als Ausweichmöglichkeiten anzusprechen, doch werden hier bereits jene praktischen Erfahrungen gesammelt, die im Hinblick auf die kommende Endlösung der Judenfrage von wichtiger Bedeutung sind. Im Zuge dieser Endlösung der europäischen Judenfrage kommen rund 11 Millionen Juden in Betracht... Unter entsprechender leitung sollen nun im Zuge der Endlösung die Juden in ge- eigneter Weise im Osten zum Arbeitseinsatz kommen. In großen Arbeitskolonnen unter Trennung der Geschlechter werden die arbeitsfähigen Juden straßenbauend in diese Gebiete geführt, wobei zweifellos ein Großteil durch natürliche Verminderung ausfallen wird. Der allfällig endlich verbleibende Restbestand wird, da es sich bei diesem zweifellos um den widerstandsfähigsten Teil handelt, entsprechend behandelt werden müssen, da dieser, eine natürliche Auslese darstellend, bei Freilassung als Keimzelle eines neuen jüdischen Aufbaues anzusprechen ist.(Siehe die Erfahrung der Geschichte.) Im Zuge der praktischen Durchführung der Endlösung wird Europa vom Westen nach Osten durchgekämmt. Das Reichsgebiet einschließlich Böhmen und Mähren wird, allein schon aus Gründen der Wohnungsfrage und sonstigen sozialpolitischen Notwendig- keiten, vorweggenommen werden müssen. Die Wannsee- Konferenz „Säuberung” von West nach Ost Die Ministerien waren einverstanden Die Rolle des Auswärtigen Amtes ghettos verbracht, um von dort aus weiter nach dem Osten transportiert zu werden....” Im einzelnen werden folgende Maßnahmen beschlossen: 1. Juden über 65 Jahre, Schwerkriegsbeschädigte, Juden mit Kriegs- auszeichnungen sollten in einem Altersghetto(Theresienstadt) unter- gebracht werden. 2. Juden, die in Rüstungsbetrieben beschäftigt waren, sollten zunächst von der Deportation zurückgestellt werden. 3. Die„Endlösung der Judenfrage”, d.h. die Vernichtung der soge- nannten„Volljuden”, bedeutete auch die„Endlösung des Mischlings- problems”. Mischlinge ersten Grades sollten entweder sich freiwillig sterilisieren oder deportieren lassen. Mischlinge zweiten Grades waren unter Beachtung besonderer Bestimmungen von dieser Regelung aus- genommen, bei Verstößen jedoch wie Mischlinge ersten Grades zu behandeln. 4. Mischehen sollten zwangsweise geschieden werden(Wilhelm- straßenprozeß; NG-2586-G). Wenn Heydrich auf dieser Konferenz— nach dem Protokoll zu urtei- len— auch nicht ausdrücklich von Vergasungen sprach, so war doch jedem Teilnehmer klar, daß die Durchführung des vorgetragenen Pro- gramms die Vernichtung von Millionen Menschen bedeutete. Auch Adolf Eichmann gab während des gegen ihn geführten Prozesses in Israel 1961 zu, daß hierbei auch über die verschiedenen Tötungsmög- lichkeiten gesprochen wurde. Keines der beteiligten Reichsministerien erhob jedoch gegen diese Pläne Einspruch, im Gegenteil, die ein- zelnen Behördenvertreter waren eifrig bemüht, ihre Kompetenzen im Rahmen des Gesamtplanes ängstlich zu wahren. So hatte z.B. das Auswärtige Amt eine ganze Wunschliste für. die„Endlösung” ausge- arbeitet. Die diplomatischen Vertreter des Reiches waren ja nicht nur für die Klärung von Staatsangehörigkeitsfragen der im deutschen Ein- flußgebiet befindlichen, für die Vernichtung bestimmten ausländischen Juden zuständig, sondern sie erfüllten im Rahmen der„Endlösung” auch die Aufgabe, die Satellitenstaaten des Deutschen Reiches in Ver- handlungen zu überreden, ihre jüdischen Staatsbürger dem Deutschen Reich zum„Arbeitseinsatz im Osten” zur Verfügung zu stellen. So tauchen die Namen der zuständigen Beamten, wie u.a. Luther, von Thadden, Rademacher, bei vielen mit der Vernichtung der europäi- schen Juden verbundenen Verhandlungen immer wieder auf. Wie eng die Zusammenarbeit zwischen den zuständigen Stellen des Auswärti- gen Amtes und der Abteilung IV B4 des RSHA gewesen ist, geht aus einem längeren Gutachten des Unterstaatssekretärs Luther vom 21. August 1942 hervor, in dem er für den Reichsaußenminister von Rib- bentrop einen Überblick über den Stand der„Endlösung” gibt. Hierin heißt es u..a.: „In der Sitzung am 20. 1. 1942 habe ich gefordert, daß alle das Aus- : tref Die evakvierten Juden werden zunächst Zug um Zug in sogenannte Durchgangs- land be stimmt wer auch loyal dige Dienst Maßnahme Amt durche Sektor in nı Benprozeß), Daß das Re seekonfere! ment zuers setzten Pol ten Ostgeb des RSHA lungsgebie her so schr sationsplän Zeit nach c kabersten| listischen Z Ost", Viert 5.281 ff., 8 Die Durchf auf sich we ten Stellen die Ausku mann, der tung der I arbeitern d lager in Pa zen mit se Arbeit sei Brunner, B Richter, Rd den einze Reichsverk portroute veranlaßt, den die f geklärt, Juden die lückenlos licher" Na deutschen Verschlep geraubte sportiert zu it Kriegs- 1dt) unter- N zunächst der Soge- Yischlings- ı freiwillig des waren elung aus- Srades zu (Wilhelm- Il zu urtei- war doch jenen Pro- tete. Auch ozesses in tungsmög- ministerien , die ein- stenzen im z.B. dos 1g" ausge- a nicht nur tschen Ein- ländischen ndlösung" hes in Ver- Deutschen stellen. 50 ufher, von ‚r europäl- Durchgangs. ss f Wie eng i Auswärti- t, geht aus ar vom 2. sr von Rib- ybt. Hierin e das Aus land betreffenden Fragen vorher mit dem Auswärtigen Amt abge- stimmt werden müßten, was Gruppenführer Heydrich zusagte und auch loyal gehalten hat, wie überhaupt die für Judensachen zustän- dige Dienststelle des Reichssicherheitshauptamtes von Anfang an alle Maßnahmen in reibungsloser Zusammenarbeit mit dem Auswärtigen Amt durchgeführt hat. Das Reichssicherheitshauptamt ist auf diesem Sektor in nahezu übervorsichtiger Form vorgegangen.“(Wilhelmstra- Benprozeß, NG-2586-J.) Daß das Reichsministerium für die besetzten Ostgebiete auf der Wann- seekonferenz darauf drängte, die„Endlösung” im Generalgouverne- ment zuerst zu realisieren, erklärt sich nicht nur daraus, daß im be- setzten Polen Millionen Juden lebten; Polen und die anderen besetz- ten Ostgebiete waren nach der späteren Planung dieses Ministeriums, des RSHA und des Rasse- und Siedlungshauptamtes der SS als Sied- lungsgebiete für die„arische Herrenrasse” vorgesehen und sollten da- her so schnell wie möglich„judenfrei” gemacht werden. Die Koloni- sationspläne und auch die„Züchtungspläne” dieser Ämter für die Zeit nach dem siegreichen Ende des Krieges gehören mit zu den ma- kabersten und groteskesten Plänen, die jemals in der nationalsozia- listischen Zeit entworfen wurden.(Vgl. hierzu auch den„Generalplan Ost”, Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte, 6. Jhrg. 1958, 3. Heft[Juli], $.281 ff., 8. Jhrg. 1960, 1. Heft[Januar], S. 119.) Die Durchführung der Beschlüsse der Wannseekonferenz ließ nicht auf sich warten. Dank der bürokratischen Arbeitsweise aller beteilig- ten Stellen sind genügend dokumentarische Unterlagen vorhanden, die Auskunft über die einzelnen Beratungen und Befehle geben. Eich- mann, der als zuständiger Referent im RSHA die organisatorische Lei- tung der Endlösung inne hatte, bereitete mit einem Stab von Mit- arbeitern die Deportation der europäischen Juden in die Vernichtungs- lager in Polen vor. So koordinierte er auf einer Reihe von Konferen- zen mit seinem Stellvertreter, SS-Sturmbannführer Rolf Günther, die Arbeit seiner Mitarbeiter(u. a. SS-Hauptsturmführer Anton und Alois Brunner, Burger, Dannecker, Hartenberger, Hunsche, Krumey, Novak, Richter, Röthke und Seidel— um nur die bekanntesten zu nennen) in den einzelnen Ländern. Mit den zuständigen Behörden, wie z.B. dem Reichsverkehrsministerium, wurden auf Fahrplankonferenzen die Trans- portrouten besprochen und die Bereitstellung des Eisenbahnmaterials veranlaßt. Auf mehreren Konferenzen mit dem Auswärtigen Amt wur- den die Fragen der Vermögenseinziehung bei ausländischen Juden geklärt, während für den Raub der Vermögenswerte der deutschen Juden die jeweiligen Oberfinanzpräsidien zuständig waren. In nahezu lückenloser Behördenarbeit wurden so die Voraussetzungen„recht- licher“ Natur geschaffen, die es dem RSHA gestatteten, im Namen des deutschen Volkes nicht nur dieOpfer zufangen und nach dem Osten zu verschleppen, sondern auch gleichzeitig die Mordmechanerie aus dem geraubten Vermögen mit zu finanzieren, bzw. die Werte dem Deut- „Lebensraum“ für die„arische Herrenrasse“ Die„Or- ganisation“ der Massen- vernichtung „Sterilisierung” der„Mischlinge“ Durchführung der Massen- vernichtung schen Reich zur Verfügung zu stellen. Diese„Verwertung“ ging so weit, daß man in den 1942 in Polen eingerichteten Vernichtungslagern auf Befehl von Himmler dazu überging, den Ermordeten die Gold- zähne herauszuziehen, das Frauenhaar zu sammeln und die Kleidungs- stücke der Toten, säuberlich sortiert, dem Winterhilfswerk bzw. der NSV(Nationalsozialistische Volkswohlfahrt) zur Verfügung zu stel- len. Auch an eine Skelettsammlung für„wissenschaftliche” Zwecke hatte man gedacht. Besondere Sorgen machten sich die zuständigen: Behörden um das Schicksal der sogenannten Mischlinge. Bereits auf der Wannseekonfe- renz hatte der Vertreter des Reichsinnenministeriums, Staatssekretär Dr. Stuckart, auf die Notwendigkeit der Sterilisierung dieser Personen- gruppe hingewiesen. Auf zwei großen Besprechungen, zu denen eine Vielzahl amtlicher Stellen ihre Vertreter entsandte, wurde diese Frage im einzelnen erörtert. Während man am 6. März 1942 die grundsätz- lichen Dinge behandelte(z.B. das Problem des der Durchführung ent-. gegenstehenden Ärzte- und Krankenhausbettenmangels), gelangte man am 27. Oktober desselben Jahres bereits zu weitergehenden Ent- scheidungen, zu denen auch der Plan der Zwangstrennung der Misch- ehen gehörte. Lediglich der Fortgang des Krieges verhinderte. die Durchführung dieser Vorhaben im großen Ausmaß. Während die Ausarbeitung des Gesamtplanes, der dann auf der Wannseekonferenz vorgetragen wurde, auf vollen Touren lief, hatten Eichmann und seine Mitarbeiter um die Jahreswende 1941/42 das „zweckentsprechendste” Gas gefunden: das hochgiftige Desinfektions- mittel Zyklon B. Nachdem man die Wirksamkeit an russischen Kriegs- gefangenen ausprobiert hatte, konnte man an den Ausbau der Gas- kammern herangehen. Im Sommer 1942 fingen die nationalsozialisti- schen Machthaber an, ihre Pläne konsequent zu verwirklichen. Ver- gasungsanlagen befanden sich in Auschwitz, Treblinka, Belzec, Chelm- no, Sobibor usw. Unter sorgfältiger Tarnung begannen zu diesem Zeitpunkt aus allen unter deutschem Einfluß stehenden Ländern die Transportzüge vor allem nach Auschwitz zu rollen. Mit bürokratischer Genauigkeit wachte die Berliner Zentrale im RSHA über die genaue Einhaltung aller vorgesehenen Transporttermine. Unter den Tarnbe- zeichnungen„Abwanderung“,„Evakuierung“,„Arbeitseinsatz im Osten“,„Sonderbehandlung” usw. versuchte man gleichzeitig, das grausige Geschehen geheimzuhalten. Nach vorsichtigen Mindestschätzungen kamen in den Lagern Belzec 600 000 Menschen Chelmno 300 000 Menschen Maidanek 250 000 Menschen Sobibor 250 000 Menschen Treblinka 750000 Menschen ums Leben. Die Zahl der Ermordeten im Lager Auschwitz überstieg bei weitem die Millionengrenze.(22/23) In die„End einverwicke lieferten, sC richteten, in für die Krie Zusammenf der„Endlös Vergasunge Zusammen kamenten; Ermordunge Die Massen „Einsatzgru aus Mitglie Polizeibate glieder de: liche Milize gab im ga Durchführu: istin den e ten” nieder tausender ı erschossen, armee und Eigentum ir Was die nc ten Völker letzten End anschauung Nisches Rei pseudowiss Minderwer! Sich nicht, d ZU belasten dicht gepla allem nach logischer\ T. Das$c Folgende F ET vom na Schwin Wang: Deport Ilegali 1 um das seekonfe- 'ssekretär Personen- nen eine se Frage | rundsätz- fung ent- gelangte nden Ent- er Misch- derte. die auf der ef, hatten 1/42 das ıfektions- n Kriegs- der Gas- sozialisti- ren. Ver- c, Chelm- j diesem dern die ‚ratischer > genaue - ‚satz im tig, das berstieg In die„Endlösung“ wurden auch deutsche Industriebetriebe mit hin- einverwickelt, die nicht nur Materialien für den Bau der Gaskammern lieferten, sondern auch große Werke in den Konzentrationstagern er- richteten, in denen die von Hunger und Erschöpfung gepeinigten Opfer für die Kriegswirtschaft arbeiten mußten. Zusammenfassend kann man folgende Methoden bei der Durchführung der„Endlösung“ feststellen: Vergasungen; Massenerschießungen; Hunger; Zwangsarbeit bis zum Zusammenbruch; Verweigerung von ärztlicher Betreuung und Medi- kamenten; Mißhandlungen bis zum Tode(z. B. medizinische Versuche) Ermordungen bei örtlichen„Vergeltungsaktionen“. Die Massenerschießungen wurden hauptsächlich von den sogenannten „Einsatzgruppen” durchgeführt, die, bei Kriegsbeginn aufgestellt, sich aus Mitgliedern der verschiedenen SS-Formationen und der Polizei (Polizeibataillone) zusammensetzten. Teilweise wirkten auch Mit- glieder der Feldgendarmerien mit. Als Mithelfer fungierten ört- liche Milizeinheiten, so z.B. in Litauen, Lettland und der Ukraine. Es gab im ganzen 4 Einsatzgruppen, die sich ausschließlich mit der Durchführung der Ausrottungspolitik beschäftigten. Ihre Tätigkeit ist in den erhalten gebliebenen sogenannten„Einsatzgruppenberich- ten niedergelegt. Diese geben Zeugnis von der Ermordung Hundert- tausender unschuldiger Menschen. In gleicher Weise wie sie Juden erschossen, vernichteten sie auch politische Kommissare der Sowijet- armee und Zigeuner. Dazu konfiszierten und plünderten sie jüdisches Eigentum im allergrößten Maße. Was die nationalsozialistischen Machthaber dazu brachte, den größ- ten Völkermord der neueren Geschichte auf sich zu nehmen, ist letzten Endes nur aus dem ideologischen Grundgerüst ihrer„Welt- anschauung” zu verstehen. Besessen von der Idee, ein’ großgerma- nisches Reich zu errichten, geblendet von der Wahnidee einer pseudowissenschaftlichen Rassenlehre, verfolgt von den typischen Minderwertigkeitskomplexen überzeugter Antisemiten, scheuten sie sich nicht, das Deutsche Reich mit der größten Blutschuld der Neuzeit zu belasten. Von den ersten Ausschreitungen 1933 führt ein— zwar nicht geplanter, aber mit den größeren Möglichkeiten, die sich vor allem nach 1939 für den Nationalsozialismus ergaben— letztlich logischer Weg zur Massenvernichtung des europäischen Judentums. ’ 7. Das Schicksal der deutschen Juden 1941—1945 Folgende Faktoren bestimmten während der Kriegszeit das Leben der vom nationalsozialistischen Regime verfolgten Menschen: Schwinden jeder Hoffnung auf Emigration, Zwangsarbeit, Deportation und Vernichtung, Illegalität mit all ihren Gefahren. Die Einsatz- gruppen Ein Leben ohne Hoffnung Neue Schikanen Im unsicht- baren Ghetto Mit systematischer Grausamkeit wurden die Lebensbedingungen ein- geengt. Aus der Fülle einschränkender Verordnungen seien hier die folgenden erwähnt: Es war Juden nicht gestattet, öffentliche Verkehrsmittel zu benutzen(Ausnahmen für Zwangs- arbeiter nur, wenn der Arbeitsplatz weiter als 7/km vom Wohnort entfernt war; Sitzen in den Verkehrsmitteln war untersagt); sich öffentlicher Fernsprecher und Fahrkartenautomaten zu bedienen; Wälder zu betreten; Grünanlagen und Gaststätten zu besuchen; sich auf Bahnhöfen aufzuhalten, bestimmte Sperrbezirke zu beireten; Eingaben an Behörden und Verwaltungsstellen ohne vorherige Ge- nehmigung der zuständigen jüdischen Stellen zu machen; Haustiere jeglicher Art zu halten; an„arische” Handwerksbetriebe Aufträge zu geben; Zeitungen und Zeitschriften aller Art zu beziehen. Die Haltung von Haustieren ist Juden verboten 1. Juden, die zum Tragen des Kennzeichens verpflichtet sind, und den mit ihnen zusammenwohnenden Personen ist mit sofortiger Wirkung das Halten von Haus- tieren(Hunden, Katzen, Vögeln) verboten. 2. Juden, die im Zeitpunkt der Veröffentlichung dieser Anordnung Haustiere halten, sind verpflichtet, der für ihren Wohnort zuständigen Jüdischen Kultusvereinigung bzw. Bezirks- oder Verwaltungsstelle der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland bis zum 20. Mai 1942, unter Angabe des Kennworts„Haustiere“ schriftlich anzuzeigen, welche Haustiere von ihnen gehalten werden. 3. Uber die Ablieferung oder Abholung der Haustiere wird den Tierhaltern... Anweisung zugehen... 5. Zuwiderhandlungen gegen diese Anordnung haben staatspolizeiliche Maßnahmen zur Folge. (Jüdisches Nachrichtenblatt, Nr. 20, Berlin, 15. Mai 1942) Juden erhielten keine Fischwaren, kein Weißbrot, Fleischkarten, keine Mangelwaren, wie Kleiderkarten, Obst und Obstkonserven, Milchkarten, Süßwaren, Raucherkarten, Rasierseifen. Juden war u.a. der Besitz folgender Gegenstände, die entschädi- gungslos abgeliefert werden mußten, untersagt: Elektrische und optische Geräte, Fahrräder, Schreibmaschinen, Pelze und Wollsachen. Zu diesen zahllosen einschränkenden Bestimmungen kam noch hinzu, daß die Verfolgten, gleich der übrigen Bevölkerung, der sich ein- schneidend bemerkbar machenden Kriegssituation ausgesetzt waren. Die vor allem in Berlin sich steigernden Luftangriffe forderten unter den Juden ebenfalls Verluste und Opfer, ohne daß sie notdürftigen Ersatz für ve oder gar I gen Verfolg arbeit und( Jung, Bereit unsichtbare! übrigen Bev Übertretung der Deportc gen waren so wurden 2 mittelgescht darauf an, usw. geradı Durch die war die„R NUNG y... d boten) aufg gung der. Staatspolizı Görings voı geeigneten verlangt hc jüdische Or Reichsverei gime die G zigen jüdisı fionsvorber sache mit e Reichsverei (unter bestii fung der jü Vereinigung Sammenleg gen vorzun Sich in dies daf} die Re; fung der D gezwungen Iüger einzu Sieren und Wsammenz Yehungsyer fortiger Ve Die Depon Nationsbefg gen ein. hier die Zwangs- Wohnort ' edienen; betreten; rige Ge- 1 mit ihnen von Haus tiere halten, nigung bzw. tschland bis anzuzeigen, rhaltern..» Maßnahmen wie conserven, entschädi- ‚och hinzu; r sich ein ‚tzt waren. srten untel „rdürftigen ge Ersatz für verlorengegangenes Eigentum in Form von Kleidungsstücken oder gar Lebensmittelsonderzuteilungen erhielten. Unter der ständi- gen Verfolgungssituation, der Drohung der Kriegsfolgen, der Zwangs- arbeit und der Deportation gerieten viele an den Rand der Verzweif- lung. Bereits vor der Deportation lebten die deutschen Juden in einem unsichtbaren Ghetto, isoliert und gemieden von großen Teilen der übrigen Bevölkerung. Spitzel, darunter auch Juden, sorgten dafür, daß Übertretungen der zahlreichen Verbote, vor allem während der Zeit der Deportationen, der Gestapo zur Kenntnis kamen. Viele Bestimmun- gen waren durch besonders kränkende„Feinheiten“ gekennzeichnet; so wurden z.B. die Einkaufszeiten in den für Juden bestimmten Lebens- mittelgeschäften auf die Sabbatzeit gelegt. Überhaupt legte man es darauf an, einschneidende Neuerungen, Deportationsvorbereitungen usw. gerade während der jüdischen Feiertage zu treffen. Durch die 10. Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 4. Juli 1939 war die„Reichsvertretung der Juden in Deutschland”(die Bezeich- nung„... der deutschen Juden” war'bereits seit einigen Jahren ver- boten) aufgelöst worden, und an ihre Stelle trat die„Reichsvereini- gung der Juden”, die unter der direkten Aufsicht der Geheimen Staatspolizei arbeiten mußte. Ihre Gründung ging mit auf den Befehl Görings vom 24. Januar 1939 zurück, in dem dieser die Schaffung einer geeigneten jüdischen Organisation zur Förderung der Auswanderung verlangt hatte. Während die Reichsvertretung noch eine autonome jüdische Organisation gewesen war, so war mit der Unterstellung der Reichsvereinigung unter die direkte Aufsicht der Gestapo für das Re- gime die Gewähr vorhanden, jederzeit die Arbeit der neuen und ein- zigen jüdischen Organisation lenken zu können. Neben der Emigra- tionsvorbereitung befaßte sich die Reichsvereinigung in der Haupt- sache mit dem jüdischen Schulwesen und der Wohlfahrtspflege. Der Reichsvereinigung mußten alle Juden und jüdischen Mischehepartner (unter bestimmten Voraussetzungen) angehören. Im Zuge der Verschär- fung der jüdischen Lebensverhältnisse zwang die Gestapo die Reichs- vereinigung, allen jüdischen Wohnraum zu registrieren, Wohnungszu- sammenlegungen durchzuführen und regelmäßig Bevölkerungszählun- gen vorzunehmen. Die ganze Diabolik der Gestapomethode zeigte |* sich in dieser erpresserischen Politik. Ihren Höhepunkt fand sie darin, daß die Reichsvereinigung sogar bei der Vorbereitung und Durchfüh- rung der Deportationen Hilfsdienste leisten mußte.(24) So wurde sie gezwungen, in den einzelnen Städten, besonders in Berlin, Sammel- lager einzurichten, die Versorgung der zu Deportierenden zu organi- sieren und die Deportationslisten nach den Weisungen der Gestapo zusammenzustellen. Widerstand gegen diese Anordnungen oder Um- gehungsversuche wurden mit standrechtlichen Erschießungen oder so- fortiger Verschickung nach dem Osten geahndet. Die Deportationen aus dem Reichsgebiet begannen mit den Depor- tationsbefehlen vom 14. und 24. Oktober 1941. Bezeichnenderweise Reichsvereinigung der Juden Erpressung durch die Gestapo Deportationen nach dem Osten 43 „Vorzugslager” Theresienstadt Vermögens- einziehung wurden die Vorbereitungen während der hohen jüdischen Feiertage getroffen, und vom 17. Oktober an fuhren dann die Deportations- züge nach dem Osten. Die Aufnahmeorte waren zunächst Lodz, Warschau, Riga, Kowno, Minsk. Dort brachte man die Deportierten in Ghettos unter und ließ sie Zwangsarbeit leisten, bis sie dann später in die Vernichtungslager transportiert wurden. Manchmal gerieten die Deportierten bei ihrer Ankunft in die„Liquidierung” der Ghettos und wurden sofort ermordet. Nach Einrichtung des Konzentrationslagers Auschwitz gingen die„Osttransporte” ausschließlich in dieses Lager. Gemäß den Beschlüssen der Wannsee-Konferenz kamen Juden, die das 65. Lebensjahr überschritten hatten, Weltkriegsteilnehmer (Kriegsdekorierte, Offiziere und Schwerkriegsbeschädigte) und Per- sonen, die aus irgendwelchen Gründen eine Sonderstellung einnah- men, in das Konzentrationslager Theresienstadt. Dieses angebliche „Vorzugslager” diente in erster Linie der Tarnung für die in den östlichen Vernichtungslagern praktizierten Verbrechen. Ausländischen Delegationen wurde es nach sorgfältigen Vorbereitungen als Muster- lager vorgeführt. Für die meisten Insassen war es jedoch nur eine Durchgangsstation auf dem Todeswege nach Auschwitz. Von den über 150 000 Häftlingen, die vom November 1941(von der Zeit an bis zum Frühsommer 1942 war das Lager zumeist für tschechische Juden be- stimmt) bis zum Ende des Krieges nach Theresienstadt verschleppt worden waren, wurden 88196 nach dem Osten abtransportiert, von denen ca. 3500 überlebten. In Theresienstadt selbst waren bis zum 30. Juni 1945, als das Lager aufgelöst wurde, 35088 Menschen ge- storben.(Vgl. Lit.Nr. 20, S. 701 f.) Um die verbrecherische Täuschungspolitik: vollkommen zu machen, legte man insbesondere‘ alten Personen im Reichsgebiet vor der Deportation sogenannte„Heimeinkaufsverträge” vor, nach denen sie ihr ganzes Vermögen dem Staat zu vermachen hatten, der seiner- seits„die Verpflegung und Unterbringung in Altersheimen” über- nehmen wollte. Es ist kaum möglich, die Gefühle der Getäuschten bei der Ankunft im Konzentrationslager Theresienstadt zu beschrei- ben. Gerade diese alten und kranken Menschen starben unter den in Theresienstadt herrschenden Lebensbedingungen zu Tausenden. Wie hier, unter der Tarnung vertraglicher Abmachungen, ging der nationalsozialistische Staat auch bei der Konfiskation des Eigentums der Deportierten mit bürokratischer Genauigkeit vor. Die gesetzliche Grundlage schuf er sich dazu in der 11. Verordnung zum Reichsbürger- gesetz vom 25. November 1941(Reichsgesetzblatt I, S. 722). In dieser Verordnung, die unmittelbar nach Beginn der Deportationen erlassen wurde, hieß es: „81. Ein Jude, der seinen gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland hat, kann nicht deutscher Staatsangehöriger sein. Der gewöhnliche Aufenthalt im Ausland ist dann gegeben, wenn sich ein Jude im Ausland unter Umständen aufhält, die erkennen lassen, daß er dort nicht vorübergehend verweilt... 53. Dos Verm dieser Verordn Reich, Dem Rei dieser Verordr besessen habe! nehmen,«++ $7. Alle Perst Besitz haben, der Sache ode halb von 6 N dieser Anzeig: bis zu Mit Hilfe. di Apparat in organisierte unter die Di zusammeng, Abtransport der Staats mögensverft werden. Lac nBewegun« tim. Nicht den ein, ka: Die Arbeit r figte die Fi Kriegsende, okten vieler Wiedergutn gefallene V waltungshau die„wirtsch Um ganz si konnte, wur gesetz yom lichen Geri schutz, Bei\ sie der Gei Osten bede Der Rückga | Wenn man| Statistischen Feiertage ortations- hst Lodz, portierten Inn später rieten die rettos und ionslagers ses Lager. Juden, die teilnehmer und Per- 19 einnah- ıngebliche lie in den ländischen ls Muster- } nur eine 1 den über ın bis zum Juden be- 'erschleppt rtiert, von n bis zum ıschen ge- u machen, t vor der ıch denen der seiner- en” über- etäuschten , beschrei- ıter den in nden. ‚ging der Eigentums gesetzliche ichsbürger- ). In dieser >n erlassen }, kann nich! ond ist dann die erkennen a weaueniaen 83. Das Vermögen des Juden, der die deutsche Staatsangehörigkeit auf Grund dieser Verordnung verliert, verfällt mit dem Verlust der Staatsangehörigkeit dem Reich. Dem Reich verfällt ferner das Vermögen der Juden, die bei dem Inkrafttreten dieser Verordnung staatenlos sind und zuletzt die deutsche Staatsangehörigkeit besessen haben, wenn sie ihren gewöhnlichen Aufenthalt im Ausland haben oder nehmen.... 87. Alle Personen, die eine zu dem. verfallenden Vermögen gehörige Sache im Besitz haben, oder zu der Vermögenssache etwas schuldig sind, haben den Besitz der Sache oder das Bestehen der Schuld dem Oberfinanzpräsidenten Berlin inner- halb von 6 Monaten nach Eintritt des Vermögensverfalls($3) anzuzeigen. Wer dieser Anzeigepflicht vorsätzlich oder fahrlässig zuwiderhandelt, wird mit Ge- fängnis bis zu 3 Monaten oder mit Geldstrafe bestraft. Mit Hilfe dieser Verordnung setzte der Staat einen bürokratischen Apparat in Bewegung, dessen Arbeit man nicht anders als staatlich organisierten Raub bezeichnen kann. Nachdem die Personen, die unter die Deportation fielen, in Sammellagern in ihren Heimatorten zusammengefaßt waren, wurde ihnen„vorsorglich“ kurz vor dem Abtransport von Gerichtsvollziehern der Bescheid über den Verlust der Staatsangehörigkeit und des dadurch hervorgerufenen Ver- mögensverfalls vorgelegt. Er mußte von den Opfern unterschrieben werden. Lag diese Unterschrift vor, setzte sich der Behördenapparat in Bewegung, registrierte und konfiszierte das beschlagnahmte Eigen- tum. Nicht genug damit, die Finanzbehörden trieben sämtliche Schul- den ein, kassierten die Lebensversicherungen usw. Die Arbeit mit dem auf diese Weise ergaunerten Vermögen beschäf- tigte die Finanzämter und die anderen beteiligten Stellen bis zum Kriegsende.(Durch besondere Umstände sind z.B. die Vermögens- akten vieler Berliner Juden erhalten geblieben und dienen bei der Wiedergutmachung als Beweismittel.) Das dem Staat in die Hände gefallene Vermögen wurde größtenteils dem Wirtschafts- und Ver- waltungshauptamt der SS übergeben, dem auch die Verwaltung und die„wirtschaftliche Nutzung” der Konzentrationslager unterstand. Um ganz sicher zu sein, daß kein Jude der Deportation entgehen konnte, wurden Juden durch die 13. Verordnung zum Reichsbürger- gesetz vom 1. Juli 1943 unter Polizeirecht gestellt, d.h., der ordent- lichen Gerichtsbarkeit entzogen. Damit verloren sie jeden Rechts- schutz. Bei Verstößen gegen eine der zahllosen Bestimmungen wurden sie der Gestapo unterstellt, was sofortige Deportation nach dem Osten bedeutete. Der Rückgang der jüdischen Bevölkerung wird besonders deutlich, wenn man die Ergebnisse der während des Krieges durchgeführten | statistischen Zählungen betrachtet. Juden im Sinne der Nürnberger Gesetze gab es im Altreich(vgl. Lit.Nr. 23, S. 10): am 1.Mai EA 168.972 am 1. Januar 194325517257 am 1.Oktober 1941.. 163 696 am 1. April 194802731807 am 1. Januar 1942.. 131 823 am 1.September 1944.. 14574 Neben der systematischen Erfassung zur„Abwanderung“, wie es in der Fachsprache der Gestapo hieß, wurden auch willkürlich Razzien Die Mitarbeit der Finanzbürokratie Juden stehen unter Polizeirecht Freitod als letzter Ausweg Einzelaktionen Fabrik-Aktion 46 und Verhaftungen vorgenommen, um die Deportationszüge aufzu- füllen. So wurden in Berlin im Winter 1942/1943 einzelne Wohnviertel umstellt und Haus für Haus von Juden„gesäubert”. Viele verzwei- felte jüdische Menschen nahmen sich in jenen Tagen das Leben, um einem ungewissen Warten auf den Tod aus den Händen der SS- Peiniger zu entgehen. Unter diesen Verzweifelten befand sich bei- spielsweise die greise Witwe des berühmten Malers Max Liebermann, die im Alter von 86 Jahren aus dem Leben schied. So kann man noch heute aus einem Teil der Inschriften der Grabdenkmäler auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee die damals bevor- stehenden Deportationen ablesen, die aus den Todesdaten ganzer Familien zu ersehen sind. Die Reichsvereinigung der Juden, die ohnehin einflußlos war, wurde in der ersten Hälfte des Jahres 1943 nach und nach aufgelöst; ihre führenden Angestellten schickte man ebenfalls in die Konzentra- tionslager. Die meisten von ihnen wurden’in Auschwitz ermordet. Neben den allgemeinen Verhaftungen kam es auch zu vereinzelten Vergeltungsaktionen. Als sich beim Abtransport führender Gemeinde- mitglieder aus Berlin ein Teil der Opfer nicht zum festgesetzten Termin gestellt hatte, wurde die gleiche Zahl aus den Reihen der Anwesenden am 8. Dezember 1942 erschossen. Einer weiteren Erschießungsaktion fielen am 27.—29. Mai 1942 über 150 Berliner Juden zum Opfer, und 250 wurden außerhalb der sonstigen Trans- porte sofort zur Vernichtung nach Auschwitz geschickt. Aus dem Nachlaß des Berliner Pfarrers Dietrich Bonhoeffer ist ein Bericht aus der Zeit der Deportationen überliefert, der die damaligen Verhältnisse treffend beschreibt: „Es wurden durch das Wohnungsamt der jüdischen Gemeinde kurze schriftliche Mitteilungen gesandt, daß die Wohnungen bzw. das Zimmer(bei Untermietern) auf ‚behördliche Anordnung’ für eine Räumung vorgesehen sei... Es wurde den Leuten verboten, sich um andere Wohnungen oder Zimmer zu bemühen. Sinn und Zweck der Maßnahme wurde geheim gehalten... Ferner erhielten die meisten Betroffenen Fragebogen betr. Vermögen, Wohnungsinventar, Kleidung, Wäsche... Ohne vorangegangene Benachrichtigung erschien in der Nacht vom 16. zum 17.©k- tober(1941) Berliner Polizei oder Gestapo in den Wohnungen... und führte die Betreffenden auf das Polizeirevier; von dort wurden sie in Gruppen in die Synagoge in der Levetzowstraße transportiert. Soweit festgestellt werden konnte, wurden die Wohnungen zwischen 20 und 24 Uhr aufgesucht. Die Bewohner hatten nur kurze Zeit zum Packen... Im ganzen sollten allein aus Berlin 4 bis 5000 Menschen abtransportiert werden... Weitere Wellen werden erwartet...(Es sind) erneut Räumungsbescheide und Listen in Familien eingetroffen. Da diese... schon wissen, was die Zuschriften bedeuten, ist die Verzweiflung beispiellos. Schwere Erkrankungen bei Herzkranken, Gallenleidenden usw.. Selbst- mordgefahr sind die verständliche Folge, auch andere Affekthandlungen, wie sinn- lose Flucht und dergleichen...” (Lit.Nr. 19, S. 37) Zunächst hatte man die in der Rüstungswirtschaft beschäftigten jüdischen) Zwangsarbeiter noch von der Deportation zurückgestellt, doch diese diesem Tat schickte sie zeitig auch wie die in „Abwander es in Berlin Die„arisch in der Berl ihrer Ehege des Kriege hatte, Da m mit Waffe: Tagen die „orische" durch seine der Deport Obwohl di worden wc indie„Ille frei”. Unte: [man schät auf ungefü Ieben. Vor Ausweispa Quartiere hetztes W trieb sich ir und wurde 8. 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An diesem Tage verhaftete man in den Fabriken sämtliche Juden und schickte sie auf den Todesweg nach Auschwitz.(25) Da man gleich- zeitig auch die jüdischen Mischehepartner verhaftet hatte, die ebenso wie die in der Rüstungswirtschaft beschäftigten„Volljuden” von der „Abwanderung“ nach dem Osten zunächst zurückgestellt waren, kam es in Berlin zu einer erheblichen Unruhe unter der Bevölkerung. Die„arischen' Ehepartner versammelten sich vor dem Sammellager in der Berliner Rosenstraße und demonstrierten für die Freilassung ihrer Ehegatten. Das war die einzige Demonstration, die es während des Krieges gegen die Deportationspolitik des Regimes gegeben hatte. Da man es offenbar nicht wagte, die protestierenden Menschen mit Waffengewalt auseinanderzutreiben, entließ man nach einigen Tagen die Mischehepartner wieder aus der Haft. Starb aber der „arische” Ehepartner, der den jüdischen Partner einer Mischehe durch seine Existenz geschützt hatte, fiel der überlebende Gatte sofort der Deportation anheim. Ein Protest in Berlin Obwohl die Masse der jüdischen Bevölkerung aus der Stadt entfernt Fluch worden war, konnte sich doch noch eine kleine Zahl der Verfolgten in die„Illegalität” retten, d.h. also, Berlin war durchaus nicht„juden- frei”. Unter großen Entbehrungen gelang es einem Teil der Illegalen (man schätzt die Zahl der Überlebenden aus der Illegalität in Berlin auf ungefähr 3000 Menschen), den Krieg und die Verfolgung zu über- leben. Von guten Freunden unterstützt, mit Hilfe von gefälschten Ausweispapieren und„schwarz“-gekauften Lebensmitteln, ständig die Quartiere wechselnd, führten die Illegalen ein Leben wie ein ge- hetztes Wild. Nicht jeder fand hilfsbereite Menschen, und mancher trieb sich in den Straßen umher, nächtigte in Ruinen oder Grünanlagen und wurde schließlich doch das Opfer der Gestapo. 8. Das Geschehen in den von Deutschland besetzten Ländern 1941—1945 Die„Endlösungspolitik” war nicht auf Deutschland beschränkt, son- dern betraf alle von Deutschland besetzten und beherrschten Länder. Über das Auswärtige Amt versuchten die Reichsbehörden, die Ver- fügungsgewalt über die dortige jüdische Bevölkerung zu erhalten, um diese in Auschwitz und den anderen Vernichtungsstätten ermorden zu können. In einigen Ländern willigten die Regierungen, soweit sie überhaupt noch Herr ihrer Entschlüsse waren, in die Auslieferung ein. a) Erfolgreicher Widerstand: Finnland, Italien, Dänemark und Bulgarien Die finnische Regierung verstand es, mit Hilfe einer klugen Ver- zögerungstaktik die Auslieferung ihrer jüdischen Mitbürger hinzu- lucht i in die Illegalität Der Griff über die Grenzen Finnland Italien Dänemark halten, zumal die finnischen Juden ebenso wie die anderen wehr- fähigen Männer des Landes eingezogen waren und an der Front standen. Himmlers Arzt, der Finne Felix Kersten, tat das seinige, diese Verzögerung zu unterstützen. Die deutschen Behörden mußten schließlich auf eine Auslieferung der Juden Finnlands verzichten. In vielfältiger Hinsicht nutzte Kersten seinen Einfluß auf Himmler aus und rettete in den verschiedenen unter deutscher Herrschaft stehenden Ländern Hunderte von Juden vor der endgültigen Vernichtung. Die italienische Regierung hatte zwar, ebenso wie das national- sozialistische Deutschland, antijüdische Gesetze erlassen, aber der Widerstand der katholischen Kirche und weiter Teile der Bevölke- rung(insbesondere der Armee) führte dazu, daß es im Kriege zu keinen weiteren drastischen Maßnahmen gegen italienische Juden kam. Im Gegenteil, die italienische Armee schützte überall, wo sie stand, die dortigen Juden. Kam es zur Räumung dieser Gebiete, wie etwa in Südfrankreich, so flohen die Juden in das weiterhin von Italien besetzte Gebiet. Zwar gab es in Süditalien Internierungslager für Juden, aber die Verhältnisse waren dort völlig anders als in den deutschen Konzentrationslagern. Die deutsche Regierung wandte sich deshalb mehrfach an die italienischen Behörden, jedoch ohne Erfolg. Erst durch den Zusammenbruch Italiens im Sommer 1943 und die dar- aufhin erfolgende Besetzung des Landes durch deutsche Truppen er- hielt die Gestapo die Möglichkeit, gegen die italienischen Juden vor- zugehen..Das gleiche spielte sich dann in den vorher von der italieni- schen Armee besetzten Gebieten Griechenlands und Jugoslawiens ab. Vorbildlich war auch das Verhalten der dänischen Regierung und des dänischen Volkes. Der geringsten Verschlechterung der Lebens- bedingungen für ihre jüdischen Mitbürger wurde entschiedener Widerstand entgegengesetzt. Als die deutschen Behörden Vorberei- tungen für die Deportation der dänischen Juden trafen und dieses den dänischen Behörden bekannt wurde, verschwanden über 6000 „Volljuden” und jüdische Mischlinge in vorgesehenen Verstecken. Mit großer Geschicklichkeit und viel Mut wurden diese„Untergetauchten” dann ungefährdet nach Schweden gebracht. Die Gestapo konnte in Dänemark nur 477 Juden verhaften und nach Theresienstadt bringen. Von einer weiteren Verschickung nach Auschwitz mußte angesichts des dänischen Widerstandes abgesehen werden. Die in Theresienstadt untergebrachten Dänen wurden von ihren Landsleuten großzügig mit Paketen unterstützt und genossen auch im Lager eine gewisse, Sonder- stellung. Dänischem Verlangen war es auch zu verdanken, daß gegen Ende des Krieges, allerdings erst nach sorgfältigen Tarnungsmaß- nahmen durch die SS, eine Besichtigung des Lagers stattfand. Leider gelang es aber weder der dänischen Delegation noch den Vertretern des Deutschen Roten Kreuzes, die ebenfalls Einblick in das Lager erhielten, die wahren Verhältnisse im Lager zu erkennen. deutschen wurde, biet als auch die einer allgem > der Demons in anderes lediglich, na den, aus d > hischen Gel gern im Os gingen jedo b) Polen Wohl das| das polnisch 1939 überlet mittelbar nc Chefs der$ Einsatzgrupf Sicherheit in war, In ‚Ich nehme Bez einmal darauf geheim zu hal £sist zu unter: "| 1. dem Endzie| 2. den Abschn werden), Als erste Vora vom Lande in mit unter 500| fihren sind,” (Wilhelmstraße Dieser Befe nahmen: 7, Möglichst au Hin leichter vor Tüten— ein be Wurde—, d haltung all eben der Vember 193 \discher 6 erst la, in Serichtet, y, Püler die en wehr- ler Front , n mußten ichten, In imler aus tehenden ung. national- aber der Beyölke- (riege zu he Juden II, wo sie biete, wie erhin von ungslager als in den andte sich ne Erfolg. d die dar- uppen er- uden vor- er italieni- wiens üb, rung und sr Lebens- schiedener Vorberei- ınd dieses über 6000 ecken. Mit stauchten" konnte in }t bringen. angesichts ‚esienstadt Bzügig mil se Sonder- daß gegen nungsmaß- ınd, Leider Vertretem dos Lager " Ein anderes Beispiel datür, aaß von den Satellitenregierungen des Bulgarien " deutschen Reiches Widerstand gegen die Judenpolitik geleistet wurde, bietet Bulgarien. Sowohl das bulgarische Königshaus als auch die bulgarische Bevölkerung widersetzten sich erfolgreich einer allgemeinen Deportation der. bulgarischen Juden. Angesichts der Demonstrationen im Lande wagten es die deutschen Behörden lediglich, nach vorheriger Absprache mit den bulgarischen Behör- den, aus den von Bulgarien besetzten jugoslawischen und grie- chischen Gebieten Transporte nach Treblinka und den anderen La- gern im Osten zu organisieren. Aus dem bulgarischen Kernland gingen jedoch keine Züge nach dem Osten. b) Polen Wohl das furchtbarste Schicksal unter‘deutscher Herrschaft erlitt das polnische Judentum. Von den über 3 Millionen Juden im Jahre 1939 überlebten lediglich 300 000—350 000 den Krieg.(26) Bereits un- mittelbar nach Kriegsausbruch ergingen genaue Anweisungen des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD, Reinhard Heydrich, an die Einsatzgruppen, deren Tätigkeit mit der Wahrung der polizeilichen Sicherheit in den von den deutschen Truppen besetzten Gebieten ge- tarnt war. In diesem Befehl vom 21. September 1939 hieß es u. a.: „Ich nehme Bezug auf die heute in Berlin stattgefundene Besprechung und weise noch einmal darauf hin, daß die geplanten Gesamtmaßnahmen(also das Endziel) streng geheim zu halten sind. Es ist zu unterscheiden zwischen 1. dem Endziel(welches längere Fristen beansprucht) und 2. den Abschnitten der Erfüllung dieses Endzieles(welche kurzfristig durchgeführt werden). Als erste Vorausnahme für das Endziel gilt zunächst die Konzentrierung der Juden vom Lande in die größeren Städte... Es gilt grundsätzlich, daß jüdische Gemeinden mit unter 500 Köpfen aufzulösen und der nächstliegenden Konzentrationsstadt zuzu- führen sind.” (Wilhelmstraßenprozeß, PS-3363) Dieser Befehl gab die Richtlinien für die in Polen zutreffenden Maß- nahmen: Zusammenfassung der Juden an überschaubaren Plätzen, möglichst an Verkehrsknotenpunkten, um einen späteren Abtransport ‚leichter vornehmen zu können; Einsetzung von jüdischen Ältesten- ‚räten— eine Einrichtung, die später in allen von der Gestapo und den anderen beteiligten Einheiten errichteten Ghettos ins Leben gerufen "wurde—, die den deutschen Behörden für die Durchführung und Ein- REN haltung aller Maßnahmen und Anordnungen verantwortlich waren. Neben der Einführung der Kennzeichnungspflicht für Juden am 23. No- vember 1939 galten die ersten Maßnahmen der Zwangsarisierung jüdischer Geschäfte und Unternehmungen. Feste Ghettos wurden zu- ‘erst u.a. in Lodz(April 1940) und Warschau(November 1940) ein- gerichtet, während in Ostpolen die jüdische Bevölkerungszahl erst später die„Ghettoisierung“ zuließ. Daneben gab es in Ostpolen Heydrichs Exerzierfeld Errichtung von Ghettos Goebbels:„Ein barbarisches Verfahren“ Die Not der . Bevölkerung den Versuch, ein jüdisches Reservat zu schaffen, in das z.B. die Stettiner Juden bereits im Februar 1940 deportiert wurden. Die ge- samten„Ghettoisierungspläne“ standen auch unter dem Gesichts- punkt, für die nach Deutschland kommenden Umsiedler aus den ost- europäischen Ländern Platz zu schaffen. Die in den Ghettos konzen- trierten Juden wurden im Verlauf des Krieges weitgehend zur Zwangs- arbeit herangezogen und nach Errichtung der Vernichtungslager ab- transportiert. Mit diesen Deportationen wollte man auch allmählich Platz für die.aus dem Reich heranrollenden Transporte schaffen. So kam es vor, daß Deportationszüge aus Deutschland in Gebieten eintrafen, in denen die Spuren vorangegangener Massaker noch nicht beseitigt waren, so daß die Neuankommenden sahen, welches Schick- sal ihnen bevorstand. Nicht umsonst konnte Goebbels am 27. März 1942 in sein Tagebuch folgende Notiz schreiben:„Aus dem Generalgouvernement werden jetzt, bei Lublin beginnend, die Juden nach dem Osten abgeschoben. Es wird hier ein ziemlich barbarisches und nicht näher zu beschreiben- des Verfahren angewandt, und von den Juden selbst bleibt nicht mehr viel übrig. Im großen kann man wohl feststellen, daß 60 Prozent da- von liquidiert werden müssen, während nur 40 Prozent bei der Arbeit eingesetzt werden können. Der ehemalige Gauleiter von Wien(Glo- bocnik), der diese Aktion durchführt, tut das mit ziemlicher Umsicht und auch mit einem Verfahren, das nicht allzu auffällig wirkt... Die in den Städten des Generalgouvernements frei werdenden Ghettos werden jetzt mit den aus dem Reich abgeschobenen Juden gefüllt, und hier soll sich dann nach einer gewissen Zeit der Prozeß er- neuern.“ Das größte und mit Mauern und Stacheldraht umgebene Ghetto wurde in Warschau errichtet. Hier mußten unter den schlechtesten sani- tären Bedingungen rund 500000 Juden wohnen und arbeiten. Die Ver- armung und Verelendung der Bevölkerung erreichte unvorstellbare Ausmaße. Zum Teil konnten sich die Menschen nur mit mehr oder minder organisiertem Schmuggel von Lebensmitteln aus dem„ari- schen” Teil der Stadt am Leben halten. Einer illegalen Ghettozeitung Generalgouverneur Hans Frank über die Behandlung der Juden in Polen (16. Dezember 1941) „Die Juden sind auch für uns außergewöhnliche, schädliche Fresser. Wir haben im Generalgouvernement schätzungsweise 2,5, vielleicht mit den jüdisch Versippten und dem, was alles daran hängt, jetzt 3,5 Millionen Juden. Diese 3,5 Millionen Juden können wir nicht erschießen. Wir können sie nicht vergiften, werden aber doc Eingriffe vornehmen können, die irgendwie zu einem Vernichtungserfolg führen, und zwar im Zusammenhang mit den vom Reich her zu besprechenden großen Maß- nahmen. Das Generalgouvernement muß genau so judenfrei werden, wie es das Reich ist. Wo und wie das geschieht, ist eine Sache der Instanzen, die wir hier einsetzen und schaffen müssen, und deren Wirksamkeit ich Ihnen rechtzeitig bekannt- geben werde.” (IMT, Bd. XXIX, S. 503, PS-2233) a | zufolge be täglich zug | für Deutsch für Ausläne Unter diese Sterblichkei ihre Rüstur hielten, ver Zwangsarb hin, im Janı ‚Das Reich prüfern die KG-Warsch ich nicht irr loser Mann lionär entw billige jüdi: und Genos: \ Im Zusamm Ghettos im kulerung” Iungslager 30000 Me (ca. 70.000 Daß sie sich waren, be November ‚Millionen gräber Tre Verschlang ind der To ind kannte unge und und Künst! Pädagoge Unter dem fernden La die noch; AU organis denen ca, Nälten, we Bereits Mi mit der sy diese Vers Stündes vo die Räumu SzB, die n. Die ge- | Gesichts. JS den 0st- os konzen- ur Zwangs- slager ab- allmählich ‘haffen, So \ Gebieten "noch nicht "hes Schick- \ Tagebuch nt werden geschoben. eschreiben- ' nicht mehr ’rozent da-} der Arbeit® Wien(Glo-| ıer Umsicht yirkt... Die| en Ghettos| den gefüllt,| Prozeß er-| hetto wurde| testen sani-\ on. Die Ver-! sorstellbare| mehr oder} . dem„arl-) \ettozeitung ——— olen Wir haben im Jersippten und ilionen Juden en aber do erfolg führen, ‚ großen Nob- n, wie 65 dus I; die wir hier zeitig bekannt | zufolge betrug im zweiten Halbjahr 1941 der Kaloriengehalt der täglich zugeteilten Lebensmittel(vgl. Lit.Nr. 43, S. 16): für Deutsche 2310 Kalorien für Polen 634 Kalorien für Ausländer 1790 Kalorien für Juden 184 Kalorien Unter diesen Umständen verbreiteten sich Seuchen aller Art, und die Sterblichkeit war entsprechend hoch. Jene deutschen Fabrikanten, die ihre Rüstungsbetriebe im Ghetto mit jüdischen Arbeitern in Gang hielten, verdienten nachgewiesenermaßen bei der Ausbeutung dieser Zwangsarbeiter enorme Summen. Selbst Himmler konnte nicht um- hin, im Januar 1942 zu verlangen: „Das Reichssicherheitshauptamt beauftrage ich, mit Hilfe von Buch- prüfern die Geschäfte und die Gewinne der Firma Walter C. Többens- KG-Warschau einmal genauestens unter die Lupe zu nehmen. Wenn ich nicht irre, hat sich hier im Laufe von 3 Jahren ein früher besitz- loser Mann zum wohlhabenden Besitzer, wenn nicht sogar zum Mil- lionär entwickelt, und zwar nur dadurch, daß wir, der Staat, ihm die billige jüdische Arbeitskraft zutrieben.”(Prozeß IV— Oswald Pohl und Genossen— NO 1882) Im Zusammenhang mit der planmäßigen Vernichtung der polnischen Ghettos im Laufe des Jahres 1942 wurde im Juli 1942 mit der„Eva- kuierung“ der Bewohner des Warschauer Ghettos in das Vernich- tungslager Treblinka begonnen und innerhalb weniger Wochen über 300000 Menschen auf diese Weise vernichtet. Die Restbevölkerung (ca. 70000 Menschen) wurde weiterhin in den Fabriken beschäftigt. Daß sie sich über das Schicksal der Verschleppten durchaus im klaren waren, beweist ein Bericht einer illegalen jüdischen Organisation vom November 1942, in dem es hieß: „Millionen Juden aus Polen und anderen Ländern füllten die Massen- gräber Treblinkas. Die Gaskammer in der Todesfabrik Treblinka verschlang Millionen dieser Beirogenen, denen das Leben versprochen und der Tod gegeben wurde. Sie wurden in Viehwaggons gebracht und kannten ihr Schicksal nicht. Sie alle— Väter, Mütter, Kinder, Junge und Alte, Handwerker, Fabrikarbeiter, Angestellte, Gelehrte und Künstler, Ärzte und Rechtsanwälte, Professoren, Musiker und Pädagogen— traf das gleiche Schicksal.”(Vgl. Lit.Nr. 43, 5.99). Unter dem Eindruck dieser Abschlachtungen und der sich verschlech- ternden Lage der deutschen Truppen in Sowjetrußland begannen die noch im Warschauer Ghetto verbliebenen Juden sich systematisch zu organisieren. Da man sicher sein konnte, daß die noch vorhan- denen ca. 70 000 Menschen eines Tages den gleichen Weg zu gehen hätten, wollte man nicht kampflos in die Hände der SS fallen. Bereits Mitte Januar 1943, als von deutscher Seite versucht wurde, mit der systematischen Räumung des Ghetios zu beginnen, mußten diese Versuche angesichts des angetroffenen bewaffneten Wider- standes vorzeitig abgebrochen werden. Himmler ordnete daraufhin die Räumung des Ghettos mit Waffengewalt an. Vom 19. April 1943 Geschäfte mit dem Elend Aufstand im Warschauer Ghetto Vernichtung aller Insassen „Aktion Reinhard” Auch nichtjüdische Polen galten als„minderwertig” teuren(sogenannte Trawniki-Männer) und Spezialeinheiten der Wehr- macht, das Warschauer Ghetto„judenfrei” zu machen. Mit völlig unzureichenden Mitteln und unter unsagbaren Entbeh- rungen setzte die verzweifelte Bevölkerung diesem Unternehmen einen todesmutigen Widerstand entgegen. Gestützt auf ein umfang- reiches Bunker- und Tunnelsystem konnten sich die Ghettokämpfer fast vier Wochen lang wehren. Der Kampf verlagerte sich bald von der Oberfläche der Erde in das weitverzweigte unter dem Ghetto befindliche Kanalnetz. Da die deutschen Truppen der Lage nicht Herr wurden, ordnete der kommandierende SS-General Jürgen Stroop die systematische Vernichtung, d.h. Niederbrennung der einzelnen Stadtviertel, an, ließ die Kanalisation überfluten und die Bunker sprengen oder die Insassen mit Nebelkerzen vernichten. Noch wochenlang nach der Zerstörung des Ghettos, das völlig dem Erd- boden gleichgemacht worden war, hielten sich einzelne nicht ent- deckte Bunker, leisteten letzte Ghettokämpfer in den Ruinen noch Widerstand. Der Kampf im Warschauer Ghetto führte nicht nur zur völligen Zerstörung dieses Stadtviertels, sondern auch zur Vernichtung nahe- zu aller in diesem Gebiet lebenden Menschen. Dieser Aufstand und die Erhebung der polnischen Widerstandskämpfer 1944 in der pol- nischen Hauptstadt zählen neben den Massenabschlachtungen auf polnischem Boden zu den größten Tragödien, die sich während des Krieges abgespielt haben.(Vgl. Lit.Nr. 43, 56) Das ganze Jahr 1942 stand in Polen unter dem grausigen Geschehen der„Aktion Reinhard”. Unter diesem Stichwort(die Bezeichnung ging auf den Vornamen Heydrichs zurück, zu dessen„Ehren“ die gesamte Mordaktion ihren Namen erhielt) vollzog die SS unter Lei- tung des SS-Obergruppenführers und Generalleuinants der Polizei Odilo Globocnik und seines Gehilfen, SS-Hauptsturmführer Hans Höfle, die systematische Räumung der in Polen vorhandenen Gheittos. Auch angrenzende sowjetische Gebiete wurden mit in diese Aktion einbezogen. Was bei diesem Unternehmen an Juden noch übrigblieb, fiel bei weiteren Säuberungsmaßnahmen, wie z. B. der Aktion„Ernte- fest“ im Herbst 1943, der SS zum Opfer. Die Hauptaufnahmelager für die Opfer dieser Unternehmen waren die schon erwähnten Ver- nichtungslager Auschwitz, Belzec, Chelmno, Maidanek, Sobibor und Treblinka. Bei der Betrachtung des Schicksals der polnischen Juden darf nicht übersehen werden, daß von den deutschen: Behörden nicht nur das Judentum grausam verfolgt wurde, sondern gleichzeitig auch nicht- jüdische polnische Bevölkerungsgruppen planmäßig vernichtet wur- den, vor allem Angehörige der geistigen Berufe. Heinrich Himmler hatte die in den Ostgebieten einzuschlagende Politik mit Hitlers aus- drücklicher Genehmigung folgendermaßen umschrieben: an bemühten sich starke SS-Einheiten, unterstützt von Kollabora- N in gan: | ‚Schon in 9 spielsweise dei Ya nicht meh Auswanderung Jöschen ZU seh Gebiet die\ Iossen, Dassell größeren Rohr Das Bildung sich Himmle ‚Einfaches Rec ein göftliches broy zu sein. im Osten über Nierteljahrshe Diese Richt erklärt auch der Juden Massenverr weisungen Hauptvernii zenfrations] Juden oder den in vielı lüten und« Parallel zu auch Versu Völker bio Die auf dei erörterten Wenn ents; Verfügung drücklichen „Erprobunc Auschwitz ürztlichen' Yilz— me die den O Neben ein \ auch der( Dr. Ernst Ro doß die$ı öftlingen Schicksal, Inderen Ale diese Yenügend| Und Minde Kollabora. der Wehr- n Entbeh- ternehmen in umfang. tokämpfer bald von em Ghetto Lage nicht gen Stroop einzelnen Jie Bunker ten. Noch | dem Erd- nicht ent- vinen noch sr völligen tung nahe- fstand und in der pol- tungen auf ährend des Geschehen ezeichnung Ehren” die 5 unter Lei- der Polizei jhrer Hans en Ghettos. iese Aktion übrigblieb, tion„Ernte- nahmelager ihnten Ver- ;obibor und darf nicht cht nur dos auch nicht: nichtet wur ch Himmler Hitlers aus“ j 1 { „Schon in ganz wenigen Jahren— ich stelle mir vor, in 4 bis 5 Jahren— muß bei- spielsweise der Begriff der Kaschuben unbekannt sein, da es dann ein kaschubisches Volk nicht mehr gibt. Den Begriff Juden hoffe ich, durch die Möglichkeit einer großen Auswanderung sämtlicher Juden nach Afrika oder sonst in eine Kolonie völlig aus- löschen zu sehen. Es muß in einer etwas längeren Zeit auch möglich sein, in unserem Gebiet die Volksbegriffe der Ukrainer, Goralen und lemken verschwinden zu lassen. Dasselbe, was für diese Splittervölker gesagt ist, gilt in dem entsprechend größeren Rahmen für die Polen.” "Das Bildungsziel für diese angeblich„minderwertigen Völker” dachte sich Himmler in folgender Weise: „Einfaches Rechnen bis höchstens 500, Schreiben des Namens, eine Lehre, daß es ein göttliches Gebot ist, den Deutschen gehorsam zu sein und ehrlich, fleißig und bray zu sein. Lesen halte ich nicht für erforderlich. Außer dieser Schule darf es im Osten überhaupt keine Schulen geben.” (Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte 5. Jhrg.(1957), S. 197) Diese Richtlinien wurden Ende März 1940 niedergeschrieben. Das erklärt auch die Tatsache, daß Himmler noch von der Auswanderung der Juden sprechen konnte, da der Zeitpunkt der Realisierung des Massenvernichtungsplanes noch nicht herangerückt war. Diese An- weisungen erklären außerdem, warum Auschwitz, bevor es zur Hauptvernichtungsstätte für Juden wurde, in erster Linie als Kon- zentrationslager für polnische Staatsangehörige(gleichgültig ob Juden oder Nichtiuden) diente. Die angeführten Sätze Himmlers wur- den in vieler Hinsicht in die Tat umgesetzt; so wurden die Universi- täten und ein Teil der allgemeinen Schulen geschlossen. Parallel zu den Vernichtungs- und Unterwerfungsmaßnahmen liefen auch Versuche, mit Hilfe von Zwangssterilisierungen die unterjochten Völker biologisch einzuengen. Die auf der Wannseekonferenz und auf den weiteren Besprechungen erörterten Pläne konnten ja nur erfolgreich durchgeführt werden, wenn entsprechende Medikamente bzw. Operationsmethoden zur Verfügung standen. So arbeitete u.a. Professor Clauberg auf aus- drücklichen Wunsch Himmlers an Sterilisationsmethoden, zu deren „Erprobung“ ihm jüdische Häftlinge aus dem Konzentrationslager Auschwitz zur Verfügung gestellt wurden. Unter Mißachtung aller ärztlichen Verpflichtungen und Gebote wurden— nicht nur in Ausch- witz— medizinische Versuche an lebenden Menschen vorgenommen, die den Opfern den. Tod‘ oder lebenslänglichen Schaden brachten. Neben einer Reihe von Ärzten war an dieser„geheimen Reichssache” auch der Geschäftsführende Präsident des Deutschen Roten Kreuzes, Dr. Ernst Robert Grawitz, beteiligt. Dabei darf nicht übersehen werden, daß die Sterilisierungsversuche nur eine Art von vielen anderen an Häftlingen vorgenommenen medizinischen Experimenten waren. Das Schicksal, das man den Juden zugedacht hatte, sollte später auch die anderen„minderwertigen” Völker treffen. Alle diese Experimente und Pläne, Aktionen und Maßnahmen sind genügend Beispiele dafür, wohin eine Unterscheidung zwischen höher- und minderwertigen Völkern führt. Medizinische Experimente Das System der Einsatzgruppen Die Methoden Wirtschaft braucht Zwangsarbeiter c) Sowjetunion Den vorrückenden deutschen Truppen folgten in Rußland 1941 die schon erwähnten„Einsatzgruppen”, jene Abteilungen, deren Aufgabe in erster Linie darin bestand, die hinter der Front liegenden besetzten Gebiete von potentiellen politischen Gegnern und vor allen Dingen von Juden zu„säubern“. Von den vier Gruppen übernahm Einsatzgruppe A den nordrussischen Raum(einschließlich der bal- tischen Länder), Einsatzgruppe B das weißrussische Gebiet, Einsatzgruppe C die Ukraine, Einsatzgruppe D Bessarabien und die angrenzenden russischen Ge- biete; die Küstengebiete des Schwarzen Meeres. Mit drei verschiedenen Methoden wurde die Ausrottungspolitik, ähn- lich wie in Polen, vorangetrieben: a) Errichtung von Ghettos zu vorübergehender Konzentration der jüdischen Bevölkerung und anschließender Liquidation an Ort und Stelle oder in vorbereiteten Vernichtungslagern; b) Massenverhaftungen und Erschießungen; c) einzelne Razzien und Pogrome, bei denen einheimische Miliz- einheiten mithalfen. Unter den Leitern dieser Einsatzgruppen befand sich eine Anzahl gebildeter Deutscher, die aus den zentralen SS-Ämtern im Reich zu dieser Tätigkeit abkommandiert worden waren(Otto Ohlendorf z.B., Befehlshaber der Einsatzgruppe D, hatte Rechtswissenschaft und Volkswirtschaft studiert. Unter den Offizieren befanden sich Juristen, ein früherer Opernsänger, ein Universitätsprofessor usw.). Es handelt sich also nicht um eine Gruppe offensichtlich kriminell veranlagter Menschen, sondern um Gebildete, die wissen mußten, welche Verbrechen sie begingen.(27) Die Zusammenfassung der Juden in Ghettos, z.B. in den baltischen Ländern, und ihre Konzentrierung auf einen überschaubaren, leicht zu bewachenden Platz dienten nicht nur dem Ziel ihrer späteren Ver- nichtung, sondern boten gleichzeitig die Möglichkeit, die Ghettobe- wohner als Zwangsarbeiter für die Kriegswirtschaft einzusetzen. Dar- aus erklärt sich auch der gelegentliche Widerstand deutscher Wirt- schaftsbehörden gegen die ständigen„Säuberungsaktionen“, die die Zahl der, jüdischen Arbeitskräfte stark verminderten. Die für die Wirt- schaft Verantwortlichen handelten also nicht aus humanitären Grün- den, sondern zumeist aus dem Bestreben, die Juden möglichst lange auszunutzen. In systematischen Aktionen machten die Einsatzgruppen Stadt für Stadt, Dorf für Dorf„judenfrei“, wie es in der nationalsozialistischen Terminologie hieß. So konnte z.B. Stahlecker für die Einsatzgruppe A seinem Vorgesetzten Reinhard Heydrich am 31. Januar 1942 folgende U Zahlen über I an, Left un, Weißru ihrigen bese regelmäßig B Tell erhalten imNorden u ] funden die N | vorlaufigen/ | Juden ermor I] Diein der Ul | afdie gleid | gräbern wur Gräber mit I vie auch in d gegenstände zur Verfügur birokratisch. Dokumenten sen Verbrec Blosion im einen Teil d lung" ermoı versippt” zu SEINE FE Himmler über| „Ein Grun und kameradsc ZU sonst nieme htal gleichgül “errecken vor für unsere Ku eines Panzergı Interessiert mi Wir werden n Deutschen, die iaben, werder Nehmen, aber Machen und ih ‚, Naben mit ihn MT Bg, xxıy Tm——— Als die Gef Pen die nu Wurde eine ig, di n S von riggehlie bein Rückz n Aufgabe N besetzten len Dingen | h der bal- sischen Ge- en Meeres, olitik, ähn- tration der on an Ort sche Miliz- ine Anzahl n im Reich issenschaft 'anden sich essor USW.) ch kriminell en mußten, n baltischen ‚aren, leicht üteren Ver- „ Ghettobe- setzen. Dar- tscher Wirt en“, die die 'ür die Wirt tären Grün zlichst lange n Stadt für ‚zialistischen atzgruppe® 2 folgende \ Zahlen über„durchgeführte Judenexekutionen” melden: Litauen 136 421, Lettland 35 238, Estland 963, angrenzendes russisches Gebiet 3600, Weißrußland 41 828. In gleicher Weise liegen die Zahlen für die übrigen besetzten sowjetischen Gebiete vor, da die Einsatzgruppen regelmäßig Bericht erstatteten und diese Aufzeichnungen zum größten Teil erhalten geblieben sind. | Im Norden und im Mittelabschnitt der besetzten sowjetischen Gebiete ) fanden die Massenexekutionen erst. Ende 1942 einen gewissermaßen | vorläufigen Abschluß, nachdem der größte Teil der vorgefundenen Juden ermordet worden war. ‚Die in der Ukraine in großer Zahl lebende jüdische Bevölkerung wurde auf die gleiche barbarische Art„sonderbehandelt”. In riesigen Massen- gräbern wurden außerhalb der Städte Zehntausende erschossen, die Gräber mit Kalk überschüttet und die Plätze eingeebnet.(28) Ähnlich wie auch in den polnischen Lagern beraubte man die Opfer aller Wert-- gegenstände und stellte die Kleidung dem Winterhilfswerk gebündelt zur Verfügung— soweit die Schnelligkeit der Exekutionen derartige bürokratische Sorgfalt noch zuließ. Es gibt neben den authentischen Dokumenten Augenzeugenberichte genug, die jeden Zweifel an die- sen Verbrechen ausschließen.(30) Allein in Kiew wurden nach einer Explosion im Etappenkommando der 6. Armee, deren Auswirkungen einen Teil der Stadt zerstört hatten, über 30000 Juden„zur Vergel- tung“ ermordet. Volksgruppen, die im Verdacht standen,„jüdisch versippt” zu sein, fielen ebenfalls unter die Ausrottungsmaßnahmen. Himmler über die Behandlung, fremder Völker(4. Oktober 1943) wu... Ein Grundsatz muß für den SS-Mann absolut gelten: ehrlich, anständig, treu und kameradschafilich haben wir zu Angehörigen unseres eigenen Blutes zu sein und zu sonst niemandem. Wie es den Russen geht, wie es den Tschechen geht, ist mir total gleichgültig... Ob die anderen Völker in Wohlstand leben oder ob sie verrecken vor Hunger, das interessiert mich nur soweit, als wir sie als Sklaven für unsere Kultur brauchen, anders interessiert mich das nicht. Ob bei dem Bau eines Panzergrabens 10000 russische Weiber an Entkräftung umfallen oder nicht, interessiert mich nur insoweit, als der Panzergraben für Deutschland fertig wird. Wir werden niemals roh und herzlos sein, wo es nicht sein muß; das ist klar. Wir Deutschen, die wir als einzige auf der Welt eine anständige Einstellung zum Tier haben, werden ja auch zu diesen Menschentieren eine anständige Einstellung ein- nehmen, aber es ist ein Verbrechen gegen unser eigenes Blut, uns um sie Sorge zu machen und ihnen Ideale zu bringen, damit unsere Söhne und Enkel es noch schwerer haben mit ihnen....“ (IMT Bd. XXIX, S. 122 f., PS-1919) Als die Gefahr bestand, daß die heranrückenden sowjetischen Trup- pen die nur mangelhaft verdeckten Massengräber finden könnten, wurde eine Sonderabteilung der Einsatzgruppen allein damit be- schäftigt, die Massengräber zu öffnen und die Leichen zu verbrennen. Was von der jüdischen Bevölkerung nach diesen Massakern noch übriggeblieben war, wurde bei der Liquidierung der Ghettos oder beim Rückzug umgebracht. Massenmorde in Rußland Rumänien Slowakei Ungarn d) Südosteuropa Von den südosteuropäischen Staaten hat sich allein Rumänien maß- geblich an der Ausrottung der jüdischen Bevölkerung beteiligt. Un- mittelbar nach Ausbruch des Krieges mit der Sowjetunion kam es bereits in Rumänien zu den ersten Pogromen, die sich dann auf die von der Sowjetunion zurückgewonnenen Gebiete Bessarabiens und der Bukowina ausdehnten. Erst als sich Kompetenzstreitigkeiten mit der deutschen Sicherheitspolizei und dem SD ergaben— die rumö- nischen Behörden wollten ihre Judenpolitik alleindurchführen—, ließen die pogromartigen Ausschreitungen nach. Mit der Verschlechterung der Kriegslage wurden sie im rumänischen Kernland gänzlich ein-. gestellt. Dabei hoffte die rumänische Regierung, über das Rote Kreuz für die Freilassung von Juden nach Palästina von den Amerikanern Geldzuwendungen zu erhalten. Das Ende des Krieges in Rumänien im August 1944 machte diesem Menschenhandel dann ein Ende. Die slowakische Marionettenregierung war zunächst auf die deut- schen Deportationswünsche eingegangen, erreichte aber einen vor- übergehenden Aufschub, als das Schicksal der nach Lublin und Ausch- witz Verschleppten bekannt wurde. Erst 1944 wurden die Verschickun- gen wieder aufgenommen, so daß ein großer Teil der jüdischen Be- völkerung der Slowakei tatsächlich ausgerottet wurde.(29) Himmler über die„Endlösung”(4. Oktober 1943) „Es gehört zu den Dingen, die man leicht ausspricht.— Das jüdische Volk wird ausgerottet, sagt ein jeder Parteigenosse, ganz klar, steht in unserem Programm, Ausschaltung der Juden, Ausrottung, machen wir. Und dann kommen sie alle an, die braven 80 Millionen Deutschen, und jeder hat seinen anständigen Juden. Es ist,ja klar, die anderen sind Schweine, aber dieser eine ist ein prima Jude. Von allen, die so reden, hat keiner zugesehen, keiner hat es durchgestanden. Von euch werden die meisten wissen, was es heißt, wenn 100 Leichen beisammen liegen, wenn 500 da liegen oder wenn 1000 da liegen. Dies durchgehalten zu haben, und dabei— ab- gesehen von Ausnahmen menschlicher Schwäche— anständig geblieben zu sein, das hat uns hart gemacht. Dies ist ein niemals geschriebenes und niemals zu schreibendes Ruhmesblatt unserer Geschichte....” (IMT Bd. XX1X, S. 145, PS-1919) Auch in Ungarn stimmte die Regierung zuerst nur der Abschiebung aller nichtungarischen Juden zu, während die ungarischen Juden zu- nächst verschont blieben. Das änderte sich aber, als die deutschen Truppen 1944 die Gewalt an sich rissen. Für mehrere Wochen konnte SS-Obersturmbannführer Adolf Eichmann, der unbarmherzige, büro- kratische Organisator des Massenmordes, in engem Kontakt mit den ungarischen Faschisten die wohl systematischsten Deportationen des Krieges durchführen.(29) Innerhalb weniger Monate wurden— wenn man die früheren rumänischen Gebiete mit einbezieht— über 400.000 Juden aus Ungarn abtransportiert. In Jugoslawien und Griechenland machte sich als störender Faktor für die deutsche Ausrottungspolitik in erster Linie der Einfluß' | nienische N Gebieten|t | Auch der opportunist Mt) daß die! Erfolg erzie ollem die© fast vollstär Rhodos mu. antreten. D frei von an stand entge börger. e) Westeui Im Gegens sozialistisch Anfang an zu rechnen war wie in doch ebens verhältnism den entkor dänischen. 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Auch der kroatische Faschistenführer Ante Paveli& verfolgte eine opportunistische Politik, wenn auch nicht aus humanitären Gründen, so daß die Beauftragten des Reichssicherheitshauptamtes nur teilweise Erfolg erzielten. In Griechenland fiel den deutschen Behörden vor allem die große jüdische Gemeinde von Saloniki in die Hände, die fast vollständig nach Polen deportiert wurde. Auch die Juden der Insel Rhodos musten ihre Heimat verlassen und den Weg nach Auschwitz antreten. Die griechische Bevölkerung dagegen, obwohl nicht ganz frei von antisemitischen Gefühlen, setzte diesen Maßnahmen Wider- stand entgegen und versteckte z.B. in Athen zahlreiche jüdische Mit- bürger. e) Westeuropa Im Gegensatz zu den osteuropäischen Staaten hatten die national- sozialistischen Machthaber in den westeuropäischen Ländern von Anfang an mit starkem Widerstand der einheimischen Bevölkerung zu rechnen. Wenn er auch z.B. in Norwegen nicht so erfolgreich war wie in Dänemark, so wehrte sich die norwegische Bevölkerung doch ebenso energisch gegen die„Endlösung“. Über die Hälfte der verhältnismäßig geringen jüdischen Bevölkerung konnte nach Schwe- den enikommen. Ebenso wie bei der Mithilfe für die Rettung der dänischen Juden unterstützte die schwedische Regierung diese Flücht- linge in jeder Weise. Obwohl die Bevölkerung in den Niederlanden und in Belgien ihren jüdischen Mitbürgern jede Hilfe leistete, gelang es Eichmanns Be- auftragten doch, große Teile der dortigen Juden zu verhaften, zur Zwangsarbeit heranzuziehen und nach Auschwitz zu bringen. Reit- linger beschreibt das Schicksal einiger Deportationszüge aus Holland in seinem Buch„Die Endlösung”(S. 380) folgendermaßen: „Davon wurden 27 443 zwischen dem 28. August und dem 12. Dezember 1942 aus Wester- bork in 29 Zügen deportiert; jede Woche gingen regelmäßig zwei Züge ab... Achtzehn der Züge wurden einer besonderen Selektionsmethode unterworfen. Von den 16311 Deportierten wurden 3540 Männer im Alter zwischen 15 und 50 Jahren bereits in Cosel, 75km vor Auschwitz, ausgeladen. Von wenigen Hundert Ausnahmen ab- gesehen, wurde der gesamte Rest nach der Ankunft in Auschwitz vergast... Diese 29 Züge brachten nicht weniger als 20.000 Frauen nach dem Osten, und nicht eine einzige von ihnen hat den Krieg überlebt.” Die Zahl der Todesopfer der aus Belgien und Holland deportierten Juden beträgt weit über 100 000. In Frankreich gelang es dem Reichssicherheitshauptamt nicht, in der gleichen Weise seine Pläne zur Ausrottung des Judentums voran- zutreiben wie in Polen. Drei Ursachen wirkten entgegen: 1. Die große Anzahl der in Frankreich lebenden Juden(man schätzt, daß von 1940 bis 1944 300 000 Juden verschiedener Nationalität in Frankreich lebten). Jugoslawien und Griechenland Norwegen Belgien und Holland Frankreich || = Kein. ist abweg) 2. Es gelang nicht, die judenfeindliche Politik im besetzten und im e. Ä chten unbesetzten Teil des Landes auf einem gemeinsamen Nenner zu| Ede bringen.| An und Weis 3. Der größte Teil des französischen Volkes sympathisierte mit dem filme und Verfolgten und leistete energischen Widerstand.) Da der schnelle Vormarsch der alliierten Truppen im Sommer 1944 ha en der Dienststelle des Reichssicherheitshauptamtes in Paris keine Zeit E mehr ließ, ihre Unterlagen zu vernichten, blieben zahlreiche Doku- 4 Der sclim mente über die Deportationsmaßnahmen des Reichssicherheitshaupt-| u amtes erhalten. Sie geben Auskunft darüber, mit welcher Intensität' En das Referat IV BA, insbesondere sein Leiter Adolf Eichmann, sich TE kohe 4 darum bemühte, das in der Wannseekonferenz gesteckte Ziel zu er-| ydsie in de reichen. Da die deutschen Behörden jedoch auch einen Großteil\] Genltälige. des Eisenbahnmaterials aus Frankreich nach Deutschland gebracht|} en hatten, mußten sich die Vertreter Eichmanns in langen Verhandlungen| Fe. mit den beteiligten Stellen des Reichsverkehrsministeriums und der| est Wehrmacht um den benötigten Transportraum bemühen. I mo-an;v Große Razzien wurden unternommen, um Menschen für die Trans- portzüge nach Auschwitz zusammenzutreiben. Dabei wurden auch Ahnlich äuf Altersheime und Waisenhäuser nicht geschont. Besondere Sorgen Sowjetrußla hatten die deutschen Dienststellen mit den italienischen Behörden. Ihrer Propo Da die Italiener in den von ihnen besetzten Gebieten prinzipiell die ordnung de von der Verfolgung bedrohten Menschen schützten und das RSHA dort keinerlei Machtbefugnisse hatte, mußte ein langer Amtskrieg er mit den zuständigen italienischen Behörden geführt werden, der zu- En meist erfolglos blieb. Die Festsellu Staatenlose Zwar betrieb die Vichy-Regierung ihre eigene Verzögerungstaktik und überfrebener vogelfrei verhinderte dadurch eine allgemeine Erfassung der Juden, jedoch ließ Dinde weiterg sie den staatenlosen nichtfranzösischen Juden keinen Schutz ange- Bi deihen, so daß diese in erster Linie die Opfer der Verhaftungswellen wurden, ein Vorgang, den man auch in anderen Ländern beobachten verden könne konnte. Verfügungen, München 0. J. 9. Deutscher Widerstand gegen die„Endlösung” Bi zum En Wissen und Niht- Was geschah, um die„Endlösung der Judenfrage” im national- li ad ie sozialistischen Sinne zu verhindern, oder zumindest, was versuchte| ra ‚Q man dagegen zu unternehmen? Auf der einen Seite war die genaue Kenntnis des Ausrottungsplanes auf einen sehr kleinen Personenkreis beschränkt. Von der Durchführung jedoch, von den Abtransporten aus den verschiedenen Ländern und den damit verbundenen Ver- waltungsmaßnahmen usw. wußte eine größere Anzahl von Menschen. Noch größer war die Zahl derjenigen, die als Augenzeugen die Massenmorde, vor allem in Sowjetrußland und Polen, miterlebt hatten. Bereits Anfang Februar 1940 schrieb Generaloberst Johannes Blasko- witz über die Ereignisse in Polen: ES ist sich EWegung 1 Shenso inf Stndlich, enigegenz Sörfliche \ Predigt den; dd nichtig en und im Nenner zu te mit den mmer 1944| keine Zeit iche Doku- heitshaupt- r Intensität Imann, sich Ziel zu er- n Großteil d gebracht handlungen ns und der die Trans- urden auch ere Sorgen ‚ Behörden. inzipiell die | das RSHA - Amtskrieg len, der zu- gstaktik und ‚jedoch ließ chutz ange- tungswellen beobachten m national- 5 versuchte die genaue arsonenkreis ytransporten denen Ver- n Menschen. zeugen die lebt hatten s Blasko- nne „Es ist abwegig, einige 10000 Juden und Polen, so wie es augenblicklich geschieht, abzuschiachten; denn damit werden angesichts der Masse der Bevölkerung weder die polnische Staatsidee totgeschlagen noch die Juden beseitigt. Im Gegenteil, die Art und Weise des Abschlachtens bringt größeren Schaden mit sich, kompliziert die Probleme und macht sie viel gefährlicher, als sie bei überlegtem und zielbewußtem Handeln gewesen wären. a)... Was die Auslandssender bisher gebracht haben, ist nur ein winziger Bruch- ‚teil von dem, was in Wirklichkeit geschehen ist... d) Der schlimmste Schaden jedoch, der dem deutschen Volkskörper aus den augen- blicklichen Zuständen erwachsen wird, ist die maßlose Verrohung und sittliche Ver- kommenheit, die sich in kürzester Zeit unter wertvollem deutschem Menschenmaterial wie eine Seuche ausbreiten wird. Wenn hohe Amtspersonen der SS und Polizei Gewalttaten und Brutalität verlangen und sie in der Offentlichkeit belobigen, dann regiert in kürzester Zeit nur noch der Gewaltiätige. Uberraschend schnell finden sich Gleichgesinnte und charakterlich An- gekränkelte zusammen, um, wie es in Polen der Fall ist, ihre tierischen und patholo- gischen Instinkte auszutoben. Es besteht kaum noch die Möglchkeit, sie im Zaume zu halten; denn sie müssen sich mit Recht von Amtswegen autorisiert und zu jeder Grausamkeit berechtigt fühlen....” {NO— 3011; vgl. auch Lit. 47, S. 517) Ähnlich äußerten sich später andere Offiziere über die Vorfälle in Sowjetrußland.(30) Auch die Parteileitung mußte diese Proteste bei ihrer Propaganda mit in Rechnung stellen. So heißt es in einer Än- ordnung der Parteikanzlei vom 9. Oktober 1942: „Im Zuge der Arbeiten an der Endlösung der Judenfrage werden neuerdings inner- halb der Bevölkerung in verschiedenen Teilen des Reichsgebiets Erörterungen über ‚sehr scharfe Maßnahmen gegen die Juden besonders in den Ostgebieten angestellt. Die Feststellungen ergaben, daß solche Ausführungen— meist in entstellter oder übertriebener Form— von Urlaubern der verschiedenen im Osten eingesetzten Ver- bände weitergegeben werden, die selbst Gelegenheiten hatten, solche Maßnahmen zu beobachten.... Es liegt in der Natur der Sache, daß diese teilweise sehr schwierigen Probleme im Interesse der endgültigen Sicherung unseres Volkes nur mit rücksichtsloser Härte gelöst werden können.” (Verfügungen, Anordnungen, Bekanntgaben. Herausgegeben von der Partei-Kanzlei; München o. J., Il, S. 131 f.) Bis zum Ende des Krieges, als es nahezu keine Juden mehr in Deutsch- land gab, bemühte sich die Reichsführung, in ihren Verlautbarungen die bekanntgewordenen Vorfälle entweder zu verharmlosen, oder sie betonte, auf rücksichtsloser Härte bestehen zu müssen. Es ist sicher, daß die verschiedenen Gruppen der Widerstands- bewegung in allen europäischen Ländern über die Geschehnisse ebenso informiert waren wie die Kirchenbehörden. So ist es ver- ständlich, daß hier zuerst versucht wurde, der verbrecherischen Politik enigegenzuwirken. Einzelne kirchliche Würdenträger protestierten in schriftlichen Eingaben(Landesbischof Wurm, Württemberg)(31) oder in Predigten(Bischof von Münster, der spätere Kardinal Graf von Galen; Dompropst Lichtenberg, Berlin). Es wurden Hilfsstellen für „nichtarische“ evangelische und katholische Christen eingerichtet(Büro Warnung eines Generals Die Partei verlangt Härte Haltung der Kirchen Grüber in Berlin von der evangelischen Kirche; Hilfsstellen für nicht- arische Katholiken des bischöflichen Ordinariats zu Berlin), die sich der Verfolgten annahmen. Unermüdlich waren auch die Quäker bei der Unterstützung verfolgter Juden. „Als Christen sollen wir die Juden erstens mit Freundlichkeit grüßen, zweitens mit Selbstverleugnung tragen, drittens durch hoffende Geduld stärken, viertens mit wahrer Liebe erquicken, fünftens durch anhaltende Fürbitte retten.” (Landesbischof Meiser im Lutherischen Jahrbuch 1935; Lit.Nr. 19, S. 59) Überwiegend handelte es sich bei allen Hilfsversuchen um individuelle Akte der Menschlichkeit. Es wurde schon erwähnt, daß in Berlin bereits vor dem Kriege viele Juden versucht hatten, unter dem Schutze der Anonymität' der Großstadt den Verfolgungen zu ent- gehen. So flüchteten auch nach dem Beginn der Deportationen viele Juden in die Illegalität. Dies wäre ohne die Unterstützung aufrechter und charakterfester Nichtjuden nicht möglich gewesen. Wenn es auch nur einer geringen Anzahl von Juden gelang, auf diese Weise die Jahre der Verfolgung zu überleben, so zeigt dies doch, daß es Deutsche gab, denen das Gewissen höher als die„Moral“ des SS; Staates stand. Ihr Mut und ihre todesmutige Opferbereitschaft ver- dienen uneingeschränkte Bewunderung. Ähnliches ist auch von deut- schen Wehrmachtsangehörigen bekannt, die in den besetzten Ländern Europas unter Einsatz ihres Lebens verfolgten Juden halfen, sie ver- steckten und vor dem Tode bewahrten. Daß in den von Deutschland abhängigen oder von deutschen Truppen besetzten Ländern auf verschiedene Weise versucht wurde, Wider- stand zu leisten, ist in Abschnitt 8 näher beschrieben worden. Be- sonders erfolgreich wirkte sich die aufrechte Haltung eines Deutschen aus, der die dänische Widerstandsbewegung von der bevorstehenden Deportation der dänischen Juden in Kenntnis setzte. G. F. Duckwitz, der bei einer deutschen Dienststelle in Kopenhagen beschäftigt. war, löste damit eine Rettungsaktion aus, die in der Geschichte der national- sozialistischen Judenverfolgung einzig dasteht. Erwähnt werden muß außerdem, daß gegen Ende des Krieges, von Himmler ausgehend, durch Tausch von Waren und Geld gegen Menschen versucht wurde, aus der Notlage der Verfolgten ein Geschäft zu machen. Von jü- discher Seite wurde dabei der Versuch unternommen, unter Einschal- tung des Internationalen Roten Kreuzes und alliierter Stellen die Ver- nichtung des ungarischen Judentums zu verhindern.(Vgl. Lit.Nr. 54) Über allen Versuchen, der„Endlösung” entgegenzuwirken, lag jedoch eine tragische Verkennung der Möglichkeiten in einem totalitären Staat. Entweder es wurde zu spät, oder es wurde— vor allem wäh- rend des Krieges— gar nicht gehandelt.(Vgl. Lit.Nr. 19, S. 78 ff.) Das Ausland konnte sehr wenig helfen. Jedoch hätte eine großzü- gigere Einwanderungspolitik in den Jahren vor dem zweiten Welt- krieg vielen deutschen Juden das Leben retten können. \ Verstorbe ‚ Himmler, | heishayp 10. Zum| Die nation! se Form N scaftet all auch alle g der Welt.\ oder im S Rassenprot keiten aufv sozialismus führte verb Alle Schätz zwischen 4, der mange Krieges une | stischen Be bewiesener 61 Million blem, die v lichen Klar verwerflich Die Hauph die im Na Bormann, | schwunden) fichmann, im Reichs von israel, richtet) Goebbels, > Berlin(Sell Göring, Selbstmor Heydrich, dienstes( Selhstmo Hiller, Ad Kaltenbrun Nepolize 16, Oktob, Nüler, Rosenbera N für nicht- N), die sich Quäker bei ee ‚ Zweitens mit ns mit wahrer —. individuelle ß in Berlin unter dem jen zu ent- tionen viele J aufrechter . Wenn es liese Weise och, daß es al” des SS; tschaft ver- h von deut- ten Ländern fen, sie Ver- en Truppen rde, Wider-' worden. Be- s Deutschen orstehenden F. Duckwitz, häftigt. war, ler national- verden muß ausgehend, ‚ucht wurde, en. Von jl ter Einschal- len die Ver- it.Nr. 54) ), lag jedoch| \ totalitären allem wäh: 19, 5. 78#) ine großzl- yeiten elt- | 10. Zum Problem der Verantwortlichkeit Die nationalsozialistische Judenverfolgungspolitik stellt die schlimm- Zahl der ste Form menschlicher Tyrannei im 20. Jahrhundert dar. Sie über- schattet alle anderen Taten des sogenannten„Dritten Reiches” und auch alle gelegentlichen rassischen Ausschreitungen in anderen Teilen der Welt. Während es sich z.B. bei dem Negerproblem in Südafrika oder im Süden der Vereinigten Staaten von Nordamerika um echte Rassenprobleme handelt, die ganz andere Fragen und Schwierig- keiten aufwerfen, war die sogenannte„Rassenpolitik” des National- sozialismus eine auf pseudowissenschaftlicher Grundlage durchge- führte verbrecherische Ausrottungspolitik. Alle Schätzungen über die Zahl der Opfer dieser Politik schwanken zwischen 4,2 und 6 Millionen. Eine letzte Genauigkeit läßt sich infolge der mangelhaften Statistiken in den östlichen Ländern während des Krieges und der verlorengegangenen Unterlagen der nationalsoziali- stischen Behörden nicht erbringen.(32) Es ist jedoch angesichts der bewiesenen Zahl von Millionen Toten völlig unerheblich, ob 4,1 oder 6,1 Millionen Menschen umkamen. Jede Diskussion über dieses Pro- blem, die von einem anderen Gesichtspunkt als dem der wissenschaft- lichen Klärung der Frage ausgeht, ist schlechthin unmoralisch und verwerflich. Die Hauptverantwortlichen für die oben beschriebenen Verbrechen, die im Namen des deutschen Volkes begangen wurden, sind: Bormann, Martin. Leiter der Parteikanzlei(nach Kriegsende ver- schwunden). Eichmann, Adolf. SS-Obersturmbannführer; Leiter der Judenabteilung im Reichssicherheitshauptamt(nach Kriegsende verschwunden; 1960 von israel. Behörden verhaftet, vor Gericht gestellt und 1962 hinge- richtet). Goebbels, Dr. Joseph. Reichspropagandaminister und Gauleiter von derlin(Selbstmord am 1. Mai 1945). “Göring, Hermann. Reichsmarschall; Preußischer Ministerpräsident (Selbstmord am 16. Oktober 1948). Heydrich, Reinhard. Chef der Sicherheitspolizei und des Sicherheits- dienstes(von Partisanen in Prag schwer verletzt und am 5. Juni 1942 verstorben). Himmler, Heinrich. Reichsführer SS und Chef der deutschen Polizei (Selbstmord am 23. Mai 1945). Hitler, Adolf. Führer und Reichskanzler(Selbstmord am 30. April 1945). Kaltenbrunner, Dr. Ernst. Nachfolger Heydrichs als Chef der Sicher- heitspolizei und des Sicherheitsdienstes(in Nürnberg hingerichtet am 16. Oktober 1946). Müller, Heinrich. SS-Obergruppenführer; Amtsleiter im Reichssicher- heitshauptamt(seit 29. April 1945 verschwunden). Rosenberg, Alfred. Reichsleiter des Außenpolitischen Amtes der verantwortlichen „Eichmanns gab es viele” Das Erbe NSDAP; Reichsminister für die besetzten Ostgebiete(in Nürnberg hin- gerichtet am 16. Oktober 1946). Streicher, Julius. Gauleiter von Franken; Herausgeber des„Stürmers” (in Nürnberg hingerichtet am 16. Oktober 1946). Diese Aufzählung umfaßt allerdings nur einige der prominentesten Namen, und es kann keine Rede davon sein, daß damit der Kreis der direkt Verantwortlichen auch nur annähernd umrissen ist. „Wenn ein Glied meiner Familie ein Unrecht begangen hat, dann darf ich sagen: ich bin daran unschuldig, nicht aber darf ich sagen: es geht mich nichts an!“ (Romano Guardini, kath. Religionsphilosoph) In die Durchführung der.„Endlösung” waren in erster Linie Angehö- rige der SS verwickelt, wenn es auch feststeht, daß viele Verwaltungs- stellen, Polizei- und Wehrmachtseinheiten usw. direkt oder indirekt ebenso beteiligt waren. Große Teile des deutschen Volkes haben von den Grausamkeiten im Osten nichts gewußt. Allerdings ist die Anzahl derjenigen, die auch nach 1941 auf den verschiedensten Wegen Nach- richten von den Vorgängen im Osten erhielten, wesentlich größer, als im allgemeinen angenommen wird. Bekannt aber waren alle Er- eignisse, die mit der Judenverfolgung verbunden waren und die sich von 1933 bis mindestens 1941 in aller Öffentlichkeit abgespielt haben. Die Verantwortung dafür muß jeder Deutsche mit seinem Gewissen ausmachen. Der erste Bundespräsident, Professor Dr. Theodor Heuss, hat in seiner Rede am 7. Dezember 1949 dazu gesagt: „Aber etwas wie eine Kollektivscham ist aus dieser Zeit gewachsen und geblieben. Das Schlimmste, was Hitler uns angetan hat— und er hat uns vieles angetan—, ist doch dies gewesen, daß er uns in die Scham gezwungen hat, mit ihm und seinen Gesellen gemeinsam den Namen Deutsche zu tragen.” Die volle moralische Verantwortung für das Geschehen trägt das deutsche Volk— auch wenn man die Existenz einer Kollektivschuld verneint. Die Tatsache, daß die Verbrechen am europäischen Juden- tum im Namen Deutschlands verübt wurden, macht dies besonders deutlich, auch wenn die Masse des deutschen Volkes von den Massa- kern im einzelnen nichts gewußt hat. Gerald Reitlinger schreibt in seinem bereits 1953 erschienenen Buch„Die Endlösung”(S. 238): „Man wird den quälenden Gedanken nicht los, daß der Mann mit der Zigarette im Mund und der Maschinenpistole auf den Knien, der seine Füße über der Todesgrube baumeln ließ, unbehelligt von Be- hörden und Gerichten vielleicht wieder seinem bürgerlichen Beruf mit der größten Seelenruhe nachgeht.” An der Beseitigung dieser quälenden Vorstellung mit aller Energie zu arbeiten, das sollte die Verpflichtung jedes deutschen Staatsbürgers sein. Die Aufgabe, die seit dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft vom deufsc Wiederher: selbst. Nid genügend| Linie die Inf besinnung Aufzeigen — Aus Hitlers Ti „.. Vor alle peinlichen Ein den Weltverg Gegeben zu| Als Zeugen: Krebs.” — Die Aufhel der Durchf der Nürnbe Gründung Gewaltverl Obwohl di noch eine ermögliche noch laufe kannt(Vgl fohren war gegen die insbesonde mößigen E Oktober 1° lungsverfai die einzelr Systematisı chen, zune wird die di irnberg hin I |„Stürmers“ Minentesten er Kreis der ——— arf ich sagen: his an!“ ———— 4 ie Angehö- erwaltungs- ler indirekt haben von die Anzahl egen Nach- ich größer, ren alle Er- nd die sich ielt haben. n Gewissen ydor Heuss, nd geblieben. ıngetan—, ist m und seinen ı trägt das lektivschuld hen Juden- besonders den Massa- schreibt in “52 - Mann mit Knien, der igt von Be- chen Beruf ler Energie natsbürgelS ‚ Herrschaft 1 | vom deutschen Volk in dieser Beziehung zu lösen ist, liegt in der Wiederherstellung des Ansehens des deutschen Namens vor uns selbst. Nicht nur die materielle Wiedergutmachung, die an sich un- genügend und unvollkommen ist und sein muß, sondern in erster Linie die innere Wiedergutmachung im Sinne einer moralischen Selbst- besinnung und inneren Einkehr können uns dazu verhelfen. Das Aufzeigen der Wahrheit ist ein Weg dahin. Aus Hitlers Testament: w....Vor allem verpflichte ich die Führung der Nation und die Gefolgschaft zur peinlichen Einhaltung der Rassegesetze und zum unbarmherzigen Widerstand gegen den Weltvergifter aller Völker, das internationale Judentum. Gegeben zu Berlin, den 29. April 1945, 4 Uhr. gez. Adolf Hitler Als Zeugen: gez. Dr. Joseph Goebbels, Martin Bormann, Wilhelm Burgdorf, Hans Krebs.” Die Aufhellung der begangenen, in ihrem Ausmaß und in der Art der Durchführung unfaßbaren, Verbrechen, die erstmalig während der Nürnberger Prozesse vorgenommen worden war, wurde durch die Gründung der Zentralen Stelle zur Aufklärung nationalsozialistischer Gewaltverbrechen in Ludwigsburg 1958 systematisch aufgenommen. Obwohl die inzwischen eingetretenen Verjährungsfristen heute nur noch eine gerichtliche Ahndung wegen Mord und Beihilfe zum Mord ermöglichen, ist das Ausmaß der inzwischen vorgenommenen und noch laufenden Untersuchungen der Öffentlichkeit vielfach nicht be- kannt(Vgl. Lit. 32a). Die wichtigsten bisher abgeschlossenen Ver- fahren waren die zahlreichen Einsatzgruppenprozesse, die Verfahren gegen die ehemaligen Wachmannschaften der Vernichtungslager, insbesondere der Auschwitzprozeß. Um einen annähernden zahlen- mäßigen Eindruck zu vermitteln, sei darauf verwiesen, daß bis zum Oktober 1965 allein von der Zentralen Stelle insgesamt 742 Vorermitt- lungsverfahren durchgeführt worden sind, von denen 684 bisher an die einzelnen Staatsanwaltschaften abgegeben werden konnten. Die systematische Überprüfung aller bisher bekannt gewordenen Verbre- chen, zunehmend erschwert durch die Länge der‘vergangenen Zeit, wird die deutsche Justiz noch mehrere Jahre beschäftigen. Pflicht zur Selbstbesinnung Ein unlösbares Problem Zwei Wege materieller Wieder- gutmachung Das Abkommen mit Israel C- Zur Wiedergutmachung Eine Wiedergutmachung des entsetzlichen Unrechts, das durch das nationalsozialistische Regime über das europäische Judentum herein- brach, ist an sich nicht möglich. Nur unter diesem Gesichtspunkt können alle Fragen, die mit der Arbeit der Wiedergutmachungsämter zusammenhängen, betrachtet werden. Der einzig mögliche Weg, den Überlebenden der Katastrophe zu helfen, besteht darin, das verloren- gegangene Eigentum finanziell zu ersetzen und in Form von Ent- schädigungszahlungen den Betroffenen einen Nevaufbau der eigenen Existenz zu ermöglichen. Jeder, der auch nur einigermaßen über das Ausmaß der Judenverfolgung von 1933 bis 1945 informiert ist, weiß, daß das nur ein bescheidener Beitrag zu einer echten Wiedergut- machung sein kann. Die Bundesrepublik hat als Rechtsnachfolgerin des Deutschen Reiches die moralische und juristische Pflicht zur Wiedergutmachung über- nommen. Sie hat dabei zwei Wege eingeschlagen: a) Globale Erstattung an den Staat Israel b) Individuelle Wiedergutmachung und Rückerstattung. 1. Das Abkommen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und dem Staat Israel In der Präambel des in Luxemburg am 10. September 1952 unter- zeichneten Abkommens heißt es: In der Erwägung DASS während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft unsagbare Verbrechen gegen das jüdische Volk verübt worden sind, UND DASS die Regierung der Bundesrepublik Deutschland in ihrer Erklärung vom 27. September 1951 ihren Willen bekundet hat, in den Grenzen der. deutschen Leistungsfähigkeit die materiellen Schadensfolgen dieser Taten wiedergutzumachen, UND DASS der Staat Israel die schwere Last auf sich genommen hat, so viele ent- wurzelte und mittellose jüdische Flüchtlinge aus Deutschland und den ehemals unter deutscher Herrschaft stehenden Gebieten in Israel anzusiedeln, und deshalb einen Anspruch gegen die Bundesrepublik Deutschland auf globale Erstattung der ent- standenen Eingliederungskosten geltend gemacht hat, N SIND der Staat Israel und die Bundesrepublik Deutschland zu folgender Verein- barung gelangt... (Bundesgesetzblatt 1953 Teil Il, S. 37 ff.) Nach diesem Vertrag hat sich die Bundesrepublik verpflichtet, einen Betrag in Höhe von 3450 Millionen DM an den Staat Israel und an die„Conference on Jewish Material Claims against Germany“(als den Vertretern der nicht in Israel lebenden jüdischen Flüchtlinge) zu zahlen. Im Rahmen dieses Abkommens wurden auch die An- sprüche solcher Personen berücksichtigt, die nach den Nürnberger Gesetzen als Juden galten. Die Erfüllung dieser Verpflichtungen Warenlisten weils verei wurde ange$ sichtigt, dis zum 30.° der Bundesre Summe, bezı ), Individu Nit dem am gesez zur E folgung(Bur verobschiede | 59H) wu schädigungse republik eint esichts der y rigen Aufgal ‚wer in der Ze ®iner gegen| | Gründen der R dırch national: Sttoden an Leb beruflichen und | Der Verfolgung | die darauf bei sich unter Gef Würde oder co: | Niätung von| Dies hezieht Avfenthaltse Itsen Verfol Sehudenstarl I] A: Schaden > durch das tum herein- esichtspunkt hungsämter @ Weg, den as verloren- m von Ent- der eigenen en über das rt ist, weiß, Wiedergut- hen Reiches "hung über- 1952 unter- re Verbrechen Erklärung vom der deutschen ‚rgufzumachen, , so, viele ent- ehemals unter deshalb einen tung der ent- yender Verein- ichfet, einen rael und an many“(als Flüchtlinge) ‚ch die An- Nürnberger pfichtunge" ‚liche Zeugenaussagen usw.) beigefügt werden, eine Bedingung, die erfolgt durch Bereitstellung von jährlichen Geldsummen für den „Ankauf solcher Waren und Dienstleistungen... die der Erweite- rung der Ansiedlungs- und Wiedereingliederungsmöglichkeiten für jüdische Flüchtlinge in Israel dienen.“ Der Zeitraum des Vertrages soll sich auf zehn Jahre erstrecken. Er wird auf der Grundlage von Warenlisten abgewickelt, die zwischen den beiden Regierungen jeweils vereinbart werden. Die Lieferung Westberliner Erzeugnisse wurde angesichts der besonderen Lage der Stadt bevorzugt berück- sichtigt. Bis zum 30. September 1963 sind im Rahmen dieses Abkommens von der Bundesrepublik 2,9 Mrd. DM, also über 80% der vorgesehenen Summe, bezahlt worden. 2. Individuelle Wiedergutmachung Mit dem am 18. September 1953 veröffentlichten Bundesergänzungs- gesetz zur Entschädigung für Opfer der nationalsozialistischen Ver- folgung(Bundesgesetzblatt I, S. 1387 ff.) und der am 29. Juni 1956 verabschiedeten Novelle zu diesem Gesetz(Bundesgesetzblatt|, $. 559 ff.) wurden die in den einzelnen Bundesländern geltenden Ent- schädigungsgesetze zusammengefaßt und für die ganze Bundes- republik einheitlich geregelt. Der Bundesgesetzgeber stand dabei an- gesichts der vielfältigen Verfolgungstatbestände vor einer sehr schwie- rigen Aufgabe. Anspruch auf Entschädigung nach diesem Gesetz hat, „wer in der Zeit vom 30. Januar 1933 bis zum 8. Mai 1945(Verfolgungszeit) wegen seiner gegen den Nationalsozialismus gerichteten politischen Überzeugung, aus Gründen der Rasse, des Glaubens oder der Weltanschauung(Verfolgungsgründe) durch nationalsozialistische Gewaltmaßnahmen verfolgt worden ist und hierdurch Schaden an Leben, Körper, Gesundheit, Freiheit, Eigentum, Vermögen oder in seinem ‘ beruflichen und wirtschaftlichen Fortkommen erlitten hat(Verfolgter). Der Verfolgung wegen politischer Überzeugung wird gleichgestellt eine Verfolgung, die darauf beruht, daß der Verfolgte auf Grund eigener Gewissensentscheidung sich unter Gefährdung seiner Person aktiv gegen die Mißachtung der Menschen- würde oder gegen die sittlich, auch durch den Krieg, nicht gerechifertigte Ver- nichtung von Menschenleben eingesetzt hat.” Dies bezieht sich aber nur auf solche Personen, die ihren ständigen Aufenthaltsort früher in Deutschland hatten, also nicht auf die zahl- losen Verfolgten in den besetzten Ländern. Im einzelnen wurden die Schadenstatbestände folgendermaßen aufgeteilt: A: Schaden an Leben B: Schaden an Körper oder Gesundheit C: Schaden an Freiheit D: Schaden an Eigentum und Vermögen E: Schaden im beruflichen und wirtschaftlichen Fortkommen F: Schaden an Versicherungen. Den Anträgen müssen ausführliche Belege(Dokumente, eidesstatt- Die Ansprüche Die Schäden Zahl und Höhe der Ansprüche infolge der Kriegswirren nicht immer leicht zu erfüllen ist. Daraus ergeben sich für manche Verfolgte Härten, die z.T. nicht zu be- seitigen sind. Bis zum 30. September 1963 waren bei den Entschädigungsämtern im Bundesgebiet einschließlich Berlin-West insgesamt 296141 An- sprüche angemeldet, von denen 83,6% bearbeitet worden sind. Da- von wurden 51,1% positiv, 27,2% negativ entschieden, während der Rest sich auf andere Weise erledigte(Tod des Antragstellers usw.). Beim Landesentschädigungsamt Berlin, dem größten der Bundes- republik, lagen am 31. Dezember 1963 173.081 Anträge vor, die 474421 Anträge zu den verschiedenen Scha- densarten enthielten. Erledigte Ansprüche 365689= 77,08%, der gestellten Ansprüche, davon bewilligte Ansprüche 233093, abgelehnte Ansprüche 39 435. Der Rest der erledigten Ansprüche entfällt durch Zurückziehung usw. Ausgezahlt wurden bis zum gleichen Termin vom Landesentschädi- gungsamt Berlin: 3,924 Milliarden DM. Auf Grund von Ansprüchen werden monatlich 42566 Renten zu 16,3 Millionen DM gezahlt.(Nach Auskunft des Landesentschädigungs- amtes Berlin.) Nach Angaben des Bundesfinanzministeriums betrugen die effektiv geleisteten Zahlungen für Wiedergutmachung bis zum 1. Oktober 1963 Bundesentschadigungsgeset 2...0.2..00000038 15,4 Mrd. DM Bundesnückerstattungsgesetz...............0.0000% 18°, N, Israel-Vertrag:;.....0 2.2 2 295% F; Globalverträge mit zehn Staaten!.................. 08> Ä Sonstige(Öffentliche Dienste u.a.).................. DIE h 23,2 Mrd. DM Nach den offiziellen Schätzungen sind noch folgende Zahlungen zu leisten?: Bundesentschädigungsgesetz(ohne Novelle)........ 10,6 Mrd. DM Bundesrückerstattungsgesetz(ohne Novelle)........ 05, d Istael-Vertrag.:=... 2 3 re 06% P- Global:-Vertrage.:...2.2. er re 027, F Sonstige(Öffentliche Dienste u.a)................... 0725 F, 12,6 Mrd. DM Novelle Bundesentschädigungsgesetz.............. 30} Rückerstattungsgesetz....2........00 2.2 ne 154.9, j: 17,0 Mrd. DM 1 u.a. mit Luxemburg, Dänemark, Norwegen, Griechenland, Niederlande, Frankreich, Belgien, Italien. 2 Vgl. hierzu: Finanzpolitische Mitteilungen des Bundesministeriums der Finanzen im Bulletin des Presse- und Informationsamtes der Bundesregierung(Nr. 211; 29. Nov. 1963, S. 1872). Die fnonzie yerlorenen his Ende 196 sotzungskost gefongenene 191, Lastenc zohlungen),| qulmachung: enthalten. | ‚st, Darauı Nicht zu be gsämtern im NEU An En sind, Del während der tellers usw.) der Bundes- 1 :denen Scha- | Ansprüche, üche 39435 Ziehung usw.| Jesentschädi- nten zu 163| schädigungs-| die effektiv| Oktober 196| 5,4 Mrd. DM 18 2 n 29 ul" 23 X n 32 Mrd. DN /ohlungen zu 0,5 Mrd. DN , 0 a 07.0 en 26 Mrd. DN A Auf 17,0 Mrd. DM ı ınde, Frankreich,| der Finanze nim| . 2; n. Nov,| Die finanziellen Aufwendungen, die zur Tilgung der Hypothek des verlorenen Krieges und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft bis Ende 1962 von der Bundesrepublik aufgebracht wurden(u.a. Be- satzungskosten, Sozialeistungen wie: Kriegsopferversorgung, Kriegs- gefangenenentschädigung, Versorgung des Personenkreises nach Art. 131, Lastenausgleich usw., einschließlich der Wiedergutmachungs- zahlungen), beliefen sich auf ca. 288,945 Milliarden DM. Die Wieder- gutmachungszahlungen sind darin mit knapp 7% der Gesamtsumme enthalten. Vergleich der sonstigen Kriegsfolgelasten D- Dokumente (1) Tabelle jüdischer Nobel-Preisträger und solcher jüdischer Abstammung aus Deutschland und Österreich, deren Leistungen für den deutschen Kultur- bereich vom Nationalsozialismus geleugnet und verächtlicht gemacht wurden Name Lebensdaten Land Preis Jahr Baeyer, Adolf von 31. 10. 1835—20. 8. 1917 Deutschland Chemie 1905 „Halbjude” Ehrlich, Paul 14. 3. 1854—20. 8.1915 Deutschland Medizin 1908 Heyse, Paul 15. 3. 1830— 2. 4.1914 Deutschland Literatur 1910 „Halbjude” Wallach, Otto 27. 3.1847—26. 2.1931 Deutschland Chemie 1910 Fried, Alfred H. 11. 11. 1864— 5. 5. 1921 Österreich Frieden 1911 Barany, Robert 22. 4. 1876-10. 4. 1936 Österreich Medizin 1914 Wilstätter, Richard 13. 8. 1872— 3. 8.1942 Deutschland Chemie 1915 Haber, Fritz 9.12. 1868—29. 1.1934 Deutschland Chemie 1918 Einstein, Albert 14. 3. 1879— 8. 4.1955 Deutschland Physik 1921 Meyerhof, Otto 12. 4. 1884— 6. 10. 1951 Deutschland Medizin 1922 Franck, James 26. 8. 1882 Deutschland Physik 1925 Hertz, Gustav 21. 7.1887 Deutschland Physik 1925 „Halbjude” Landsteiner, Karl 14. 6. 1868—26. 6. 1943 Österreich Medizin 1930 „getauft“ Warburg, Otto H. 8. 10. 1883 Deutschland Medizin 1931 „Halbjude” Loewi, Olto 3. 6. 1873 Österreich Medizin 193% (2) Organisation des Boykotts (Anordnung der Parteileitung der NSDAP vom 28. März 1933) 1. In jeder Gruppe und Organisationsgliederung der NSDAP sind sofort Aktionskomitees zu bilden zur praktischen planmäßigen Durchführung des Boykotts jüdischer Geschäfte, jüdischer Waren, jüdischer Ärzte und jüdischer Rechtsanwälte. Die Aktionskomitees sind verantwortlich dafür, daß der Boykott keinen Unschuldigen, um so härter aber die Schuldigen trifft. 2. Die Aktionskomitees sind verantwortlich für den höchsten Schutz aller Ausländer ohne An- sehen ihrer Konfession und Herkunft oder Rasse. Der Boykott ist eine reine Abwehrmaßnahme, die sich ausschließlich gegen das deutsche Judentum wendet. 3. Die Aktionskomitees haben sofort durch Propaganda und Aufklärung den Boykott zu populari- sieren. Grundsatz: Kein Deutscher kauft noch bei einem Juden oder läßt von ihm und seinen Hintermännern Waren anpreisen. Der Boykott muß ein allgemeiner sein. Er wird vom ganzen Volk getragen und muß das Judentum an seiner empfindlichsten Stelle treffen. 5. Die Aktionskomitees überwachen auf das schärfste die Zeitungen, inwieweit sie sich an dem Aufklärungsfeldzug gegen die jüdische Greuelhetze im Ausland beteiligen. Tun Zeitungen dies nicht oder nur beschränkt, so ist darauf zu sehen, daß sie aus iedem Haus, in dem Deutsche wohnen, augenblicklich entfernt werden. Kein deutscher Mann und kein deutsches Geschäft soll in solchen Zeitungen noch Annoncen aufgeben. Sie müssen der öffentlichen Verachtung verfallen, geschrieben für die jüdischen Rassengenossen, aber nicht für das deutsche Volk, 68 l Der Jude kan Shreibt, aber N!ereien au 4. Die ‚Aktions! fapsgonda d und damit für über die Not Arbeit oufkläre 7, Die Aktion‘ hasonders auf betonen, daß e 3, Der Boykott le Vororbeite oykotts ab du Der Boykoftbeg angeben. Der wird fortgesetz! 9, Die Aktions in dos kleinste fir die Beschäf Volkszahl. Um zu beschränken der Ärzte, c) fi 10, Die Aktion bindung zum ‚ | aufklärend die | utsche Volk | im Frieden mit nur führt als r II. Die Aktior fuhe und gröf | Wir werden m | Moßregeln. Me | ein Mann hinte | Nälkischer Bec || B) Aus den |:„Unser ge Mt außerdem d Wir wollen di frdern deshal ldische Wer *läungen zu Deulsche Schr; iiert nach:[ !MMung aus Chen Kultur. acht wurden — Tels Jahr De———— -hemie 1905 Medizin 1908 teratur 1910 Chemie 1910 rieden 1911 Medizin 194 Chemie 191 Chemie 1918 Physik 1921 Medizin 192 Physik 195 Ohysik 1998 Medizin 19% Medizin 1931 Medizin 19% nitees zu bilden ‚discher Waren, lich dafür, daß inder ohne An- wehrmaßnahme, oft zu popuları- ihm und seinen rd vom ganzen je sich an dem Zeitungen dies ‚ dem Deutsche ,s Geschäft soll tung verfallen, 6. Die Aktionskomitees müssen in Verbindung mit den Betriebszellenorganisationen der Partei die Propaganda der Aufklärung über die Folgen der jüdischen Greuelhetze für die deutsche Arbeit und damit für den deutschen Arbeiter in den Betrieb hineintragen und besonders die Arbeiter über die Notwendigkeit des nationalen Boykotts als Abwehrmaßnahme zum Schutz der deutschen Arbeit aufklären. 7. Die Aktionskomitees müssen bis in das kleinste Bauerndorf hinein vorgetrieben werden, um besonders auf dem flachen Lande die jüdischen Händler zu treffen. Grundsätzlich ist immer zu betonen, daß es sich um eine uns aufgezwungene Abwehrmaßnahme handelt. 8. Der Boykott setzt nicht verzettelt ein, sondern schlagartig; in dem Sinne sind augenblicklich alle Vorarbeiten zu treffen. Es ergehen Anordnungen an die SA und SS, um vom Augenblick des Boykotts ab durch Posten die Bevölkerung vor dem Betreten der jüdischen Geschäfte zu warnen. Der Boykottbeginn ist durch Plakatanschlag und durch die Presse, durch Flugblätter usw. bekannt- zugeben. Der Boykott setzt schlagartig Samstag, den 1. April, Punkt 10 Uhr vormittags ein. Er wird fortgesetzt so lange, bis nicht eine Anordnung der Parteileitung die Aufhebung befiehlt. 9. Die Aktionskomitees organisieren sofort in Zehntausenden von Massenversammlungen, die bis in das kleinste Dorf hineinzureichen haben, die Forderung nach Einführung einer relativen Zahl für die Beschäftigung der Juden in allen Berufen entsprechend ihrer Beteiligung an der deutschen Volkszahl. Um die Stoßkraft der Aktion zu erhöhen, ist diese Forderung zunächst auf drei Gebiete zu beschränken: a) auf den Besuch an den deutschen Mittel- und Hochschulen, b) für den Beruf der Ärzte, c) für den Beruf der Rechtsanwälte. 10. Die Aktionskomitees haben weiterhin die Aufgabe, daß jeder Deutsche, der irgendwie Ver- bindung zum Ausland besitzt, diese verwendet, um in Briefen, Telegrammen und Telephonaten aufklärend die Wahrheit zu verbreiten, daß in Deutschland Ruhe und Ordnung herrscht, daß das deutsche Volk keinen sehnlicheren Wunsch besitzt, als in Frieden seiner Arbeit nachzugehen und im Frieden mit der anderen Welt zu leben, und daß es den Kampf gegen die jüdische Greuelhetze nur führt als reinen Abwehrkampf. 11. Die Aktionskomitees sind dafür verantwortlich, daß sich dieser gesamte Kampf in vollster Ruhe und größter Disziplin vollzieht. Krümmt auch weiterhin keinem Juden auch nur ein Haar! Wir werden mit dieser Hetze fertig einfach durch die einschneidende Wucht dieser aufgeführten Maßregeln. Mehr als je zuvor ist es notwendig, daß die ganze Partei in blindem Gehorsam wie ein Mann hinter der Führung steht.... (Völkischer Beobachter[Süddeutsche Ausgabe], 46. Jahrg., Nr. 88[29. März 1933],:5. 1, Sp. At.) (3) Aus den„12 Thesen der deutschen Studentenschaft‘(13. 4. 1933) 2...„Unser gefährlichster Widersacher ist der Jude und der, der ihm hörig ist. Der Jude kann nur jüdisch denken, schreibt er deutsch, dann lügt er. Der Deutsche, der deutsch schreibt, aber undeutsch denkt, ist ein Verräter! Der Student, der undeutsch schreibt und spricht, ist außerdem gedankenlos und wird seiner Aufgabe untreu. Wir wollen die Juden als Fremdlinge achten, und wir wollen das Volkstum ernst nehmen. Wir fordern deshalb von der Zensur: ‚Jüdische Werke erscheinen in hebräischer Sprache. Erscheinen sie in deutsch, sind sie als Über- setizungen zu kennzeichnen. Schärfstes Einschreiten gegen den Mißbrauch der deutschen Schrift. Deutsche Schrift steht nur den Deutschen zur Verfügung. Der undeutsche Geist wird aus öffentlichen Büchereien ausgemerzt.'”... (zitiert nach: Der gelbe Fleck, Paris 1936, S. 158.) (4) Max Liebermann erklärt seinen Austritt „Ich habe während meines langen Lebens mit allen meinen Kräften der deutschen Kunst zu dienen gesucht. Nach meiner Überzeugung hat Kunst weder mit Politik noch mit Abstammung etwas zu tun, ich kann daher der Preußischen Akademie der Künste, deren ordentliches Mitglied ich seit mehr als 30 Jahren und deren Präsident ich durch zwölf Jahre gewesen bin, nicht länger angehören, da dieser mein Standpunkt keine Geltung mehr hat. Zugleich habe ich das mir verliehene Ehren- präsidium der Akademie niedergelegt.” (CV-Zeitung, XII. Jahrg. Nr. 19[11. Mai 1933], S. 169, Sp. 1 f.) (5)„Schluß mit Heinrich Heine!" 2...„In seinem Dichten verschiebt Heine alle Elemente, Ideen, Begriffe, Motive usw. immer, ver- biegt, verflacht, verwässert, verfälscht, zerfetzt sie in geradezu gesetzmäßiger Stetigkeit, wie es ein deutscher Dichter, sei er auch minderen Ranges, nie zu tun vermöchte. Er denkt, fühlt, empfindet, reflektiert, dichtet eben anders als ein Deutscher. Und deshalb hat für Deutsche sein Dichten ersten und letzten Endes keinen Wert.— Und mit seinem Dichten zielt er auf etwas anderes ab, als es ein Deutscher versucht. Und all das, d. h., daß Heine nur so dichten kann, wie er dichtet, ist Ausfluß seines Wesens, seines Judentums. So bringt er es denn, wie er sich noch so vieles„Deutschen“ in„meisterlicher” Weise bedient, selbst in seinen Iyrischen Spitzenleistungen nur zu elenden deutschsprachigen, aber rein jüdischen Gedichten.” (Dr. Wolfgang Lutz in Nationalsozialistische Monatshefte, 7. Jahrg., Heft 38[Sept. 1936], 5. 816 f.) (6) Hetzinschriften in Dörfern und Städten 1934/35 „Menschenwürde kannten sie,„Würdig der Ahnen, ein Heldengeschlecht, dieses Volk Jehovas nie, nie wird ein Deutscher ein Judenknecht!” alle Völker, alle Rassen, sind als Knecht nur anerkannt,„Wann wird einst die Stunde schlagen, denn die Herren Juden hassen wo der Deutsche froh darf sagen: Arbeit mit der eignen Hand.” In dem ganzen Vaterland, von der Alp’ zum Ostseestrand, „Fluch dem Judenschwindel-Schandwerk, von der Weichsel bis zum Rhein, unterstützt das deutsche Handwerk.” kann kein Jude mehr gedeihn.” (Jüdische Rundschau, 40. Jahrg. Nr. 10/11[1./5. Februar 1935], S. 2, Sp. 1.) (7)„Juden in der Wissenschaft" »..„Wissenschaft bedeutet für einen Juden nicht eine Aufgabe, nicht eine Verpflichtung, nicht ein Bereich für schöpferische Gestaltung. Wissenschaft bedeutet für einen Juden ein Geschäft. Wissen- schaft wird aber weiter für den Juden ein Mittel zur Zerstörung der Kultur seiner Wirtsvölker...., ».. So kam es, daß die wichtigsten Lehrstühle deutschgenannter Hochschulen mit Juden besetzt wurden. Man räumte für ihre Schmarotzertätigkeit Forscherstellen ein und belohnte sie mit Nobel- preisen....” (Preußische Zeitung, Königsberg; zit. nach Jüdische Rundschau, 38. Jahrg. Nr. 39[16. Mai 1933], 5: 199, Sp..8.) (8)„Juden und Bazillen“ -..„Einzeller und Menschen, die nicht zur Gemeinschaftsbildung geschritten sind, bewahren ihr Leben nur dadurch, daß sie sich als Parasiten von Gemeinschaftswesen erhalten. Dies gilt von den Bakterien wie von den Juden. Nahe liegt ein Vergleich der Juden mit Tuberkelbazillen. Fast alle 70 Menschen behe heilbare Infekt siner Gemeins in ihren organ [der Notur ist der Stärkere$€ Der Tuberkulos russisch schwac Oherfeldarzt[ N, 49[18. Jun! 1) Beim Ju 65 gibt ei zeichnen kann. lichkeit das th kommene Ausc dem Nutzen di Es ist zu verst | wenn sie sich ständigkeit pri keit vermutet ı (Deutsches Re N) Der Ei 2. Die Persi unbedingt Glc "in Eid ganz über, auf der Scharf, Kein Angeklagten. (Aus dem Plä nach: Jüdische |) Die N Reichs Der Reichstag FI) Stoatsc dafür| (Die St gesetz: J 32) Reichst sein V Reich N} Das Re B) Der Re Gesetz NN Der R die zu Vorsch Nürnb Relchsgesrz Kunst zu dienen Mung elwas zu itglied ich seit ger angehören, rliehene Ehren- SW. immer, ver- stigkeit, wie es r denkt, fühlt, r Deutsche sein t er auf etwas hten kann, wie ie er sich noch pitzenleistungen 1938], 5. 816 f) ıgeschlecht, ıknecht!” hlagen, en: htung, nicht ein eschäft. Wissen- Wirtsvölker..» + Juden besetzt ‚ sie mit Nobel- [16. Mai 192], ), bewahren ihr ies gilt von den yllen. Fast alle Menschen beherbergen Tuberkelbazillen, fast alle Völker der Erde Juden; eine chronische, schwer heilbare Infektion. So wenig der menschliche Körper die Tuberkelbazillen in die Organisation seiner Gemeinschaft aufnimmt, so wenig nimmt eine natürliche, artgleiche Volksgemeinschaft Juden in ihren organischen Verband auf; sie werden im besten Falle als Parasiten ertragen. Überall in der Natur ist der Wirt vom Parasiten scharf unterschieden. Der Wirt muß, damit er leben kann, der Stärkere sein. Ist der Parasit stärker, dann gehen oft beide, immer aber der Wirt zugrunde. Der Tuberkulose erliegen schwache Menschen eher als kräftige, die jüdische Infektion befällt nur rassisch schwache Völker....” (Oberfeldarzt Dr. Peltret in: Deutsches Ärzteblatt, Juni 1935; zit. nach Jüdische Rundschau, 40. Jahrg. Nr. 49[18. Juni 1935], S. 2, Sp. 2.) (9) Beim Juden wird Unanständigkeit vermutet ...„Es gibt eine Art der Gesetzeskunst, die man ohne weiteres als Gesetzesumgehungskunst kenn- zeichnen kann. In dieser Kunst ist der Jude Meister. Seit Jahrtausenden bedeutet die reine Gesetz- lichkeit das theologische System seiner Rasse, und wir wissen, daß jenes Buch, welches der voll- kommene Ausdruck der Technik des Buchstabens ist, der Talmud, keinem anderen Zweck dient, als dem Nutzen des jüdischen Volkes und dem Schaden aller anderen Völker..... Es ist zu verstehen, wenn eine Behörde einmal getäuscht wird. Weniger verzeihlich ist es schon, wenn sie sich durch einen Juden täuschen läßt. Denn während bei einem Volksgenossen die An- ständigkeit präsumiert werden kann, muß beim Juden wie bei jedem Rassefeinde die Unanständig- keit vermutet und die Anständigkeit für jeden einzelnen Fall bewiesen werden....“ („Deutsches Recht”, 5. Jahrg., 5. Heft[10. März 1935], S. 134 f.). (10) Der Eid eines Juden ...„Die Persönlichkeit Schnepfs sei in jeder Beziehung einwandfrei. Seinen Angaben sei daher unbedingt Glauben zu schenken. Auch wenn Otto Scharff ein unbescholtener Mann wäre, müsse sein Eid ganz anders beurteilt werden als der Eid Schnepfs. Hier stünden sich zwei Welten gegen- über, auf der einen Seite der Arier und Frontoffizier Schnepf, auf der anderen Seite der Jude Scharff. Kein Gericht in Deutschland könne den Eid des Schnepf zurückstellen hinter den Eid des Angeklagten. Das wäre Rassenschande....” (Aus dem Plädoyer des Oberstaatsanwalts Grassl in„Landauer Anzeiger” vom 12. April 1935; zit. nach: Jüdische Rundschau, 40. Jahrg. Nr. 33/34[26. April 1935], S. 4, Sp. 1.) (11) Die Nürnberger Gesetze Reichsbürgergesetz vom 15. September 1935. Der Reichstag hat einstimmig das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird. 81(1) Staatsangehöriger ist, wer dem Schutzverband des Deutschen Reiches angehört und ihm dafür besonders verpflichtet ist. (2) Die Staatsangehörigkeit wird nach den Vorschriften des Reichs- und Staatsangehörigkeits- gesetzes erworben. 82(1) Reichsbürger ist nur der Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes, der durch sein Verhalten beweist, daß er gewillt und geeignet ist, in Treue dem Deutschen Volke und Reich zu dienen. (2) Das Reichsbürgerrecht wird durch Verleihung des Reichsbürgerbriefes erworben. (3) Der Reichsbürger ist der alleinige Träger der vollen politischen Rechte nach Maßgabe der Gesetze. 83 Der Reichsminister des Innern erläßt im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers die zur Durchführung und Ergänzung des Gesetzes erforderlichen Rechts- und Verwaltungs- vorschriften. Nürnberg, den 15. September 1935. (Reichsgesetzblatt, Teil I, S. 1146.) (12) Die Nürnberger Gesetze Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre vom 15. 9. 1935 Durchdrungen von der Erkenntnis, daß die Reinheit des deutschen Blutes die Voraussetzung für den Fortbestand des deutschen Volkes ist, und beseelt von dem unbeugsamen Willen, die deutsche Nation für alle Zukunft zu sichern, hat der Reichstag einstimmig das folgende Gesetz beschlossen, das hiermit verkündet wird. 81(1) Eheschließungen zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes sind verboten. Trotzdem geschlossene Ehen sind nichtig, auch wenn sie zur Umgehung dieses Gesetzes im Auslande geschlossen sind. (2) Die Nichtigkeitsklage kann nur der Staatsanwalt erheben. 82 Außerehelicher Verkehr zwischen Juden und Staatsangehörigen deutschen oder artverwand- ten Blutes ist verboten. 83 Juden dürfen weibliche Staatsangehörige deutschen oder artverwandten Blutes unter 45 Jah- ren nicht in ihrem Haushalt beschäftigen. 84(1) Juden ist das Hissen der Reichs- und Nationalflagge und das Zeigen der Reichsfarben ver- boten. (2) Dagegen ist ihnen das Zeigen der jüdischen Farben gestattet. Die Ausübung dieser Befugnis steht unter staatlichem Schutz. 85(1) Wer dem Verbot des$1 zuwiderhandelt, wird mit Zuchthaus bestraft. (2) Der Mann, der dem Verbot des$2 zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis oder mit Zuchthaus bestraft. (3) Wer den Bestimmungen der 883 oder 4 zuwiderhandelt, wird mit Gefängnis bis zu einem Jahr und mit einer Geldstrafe oder mit einer dieser Strafen bestraft. 86 Der Reichsminister des Innern erläßt im Einvernehmen mit dem Stellvertreter des Führers und dem Reichsminister der Justiz die zur Durchführung und Ergänzung des Gesetzes erforder- lichen Rechts- und Verwaltungsvorschriften. 87 Das Gesetz tritt am Tage nach der Verkündung, 83 jedoch erst am 1. Januar 1936 in Kraft. Nürnberg, den 15. September 1935. (Reichsgesetzblatt, Teil I, S. 1146 f.) (13) Die Folgen in der Rechtsprechung »..„Beschäftigung einer weiblichen Staatsangehörigen deutschen oder artverwandten Blutes unter 45 Jahren im Haushalt kann auch dann vorliegen, wenn der jüdische Haushaltungsvorstand sich anderwärts zum Übernachten eine Schlafstelle mietet.... «.. Die Annahme, daß das Landgericht die Strafe nur deshalb so hoch bemessen habe, weil drin- gender Verdacht der Rassenschande bestehe, ergibt sich nicht aus dem Urteil. Das Landgericht wäre aber durchaus berechtigt gewesen, auch aus diesem Grund auf eine harte Strafe zu erkennen, da bei der Strafzumessung alle Umstände des Falles berücksichtigt werden müssen, im vorliegenden Falle also auch, daß er die deutschen Volksgenossen in ihrer Ehre schon dadurch aufs Schwerste verletzt hat, daß er durch ein so enges Zusammenleben mit der Sch. in einer gemeinsamen Wohnung den dringenden Verdacht erregen mußte, er treibe mit ihr Rassenschande, auch wenn dieser Verdacht unbegründet war....” (Reichsgerichtsentscheidung vom 21. Oktober 1937; zit. nach Deutsche Justiz, 99. Jahrg. 1937, S. 1853 f.) IF m grün Die„Reichsve \ folgende Erkli jiedeufsche J seht das Schi können die de darf Ihnen nie Die deutschen angeprangert uoflichen O! ht, Die deutschen verweisen, QU lehnen es ab, zrufen, Die und ihrer Tre Unsere Überz foden des Re unseren Platz lüdische Run 5) Der b Der Befehl d Nacht vom$ schriftlich zus „Sämtliche ji Zerstörung h stünde entwe einschließlich Die Presse is Jüdische Syn, feverwehr di Feuerwehr, J Müssen die Jı Di Polizei d Die Feststell ständigen Gewerbe, Sintliche Ju An den zer: folgendem 7 Rache für M Tod dem int Keine Verst ies kann a (Aus dem U) und Genoss: 'etZung für den 1, die deutsche tz beschlossen, Wandten Blutes ngehung dieses ler artverwand. s unter 45 Jah. ichsfarben ver- dieser Befugnis ' mit Zuchthaus s bis zu einem er des Führers setzes erforder- r 19% in Kraft. en Blutes unter gsvorstand sich abe, weil drin- ındgericht wäre ‚kennen, da bei liegenden Falle werste verletzt Wohnung den Jieser Verdacht 197, 5.1853) (14) Erklärung der Reichsvertretung Die„Reichsvertretung der deutschen Juden“ hat in ihrer Sitzung vom 29. Mai 1933 die nach- folgende Erklärung beschlossen: Die deutsche Judenfrage verlangt ein klares Wort der deutschen Juden. Vor dem deutschen Judentum steht das Schicksal, zum Entrechteten in der deutschen Heimat zu werden. In ihrer Ehre getroffen, können die deutschen Juden als kleine Minderheit im deutschen Volke sich nicht verteidigen. Aber es darf ihnen nicht verwehrt sein, ihre Haltung offen und aufrichtig kundzutun. Die deutschen Juden weisen es von sich, als die Anhänger oder Urheber irgendeines„Systems” angeprangert zu werden, während sie in Wahrheit es immer bewiesen haben, daß sie sich jeder staatlichen Ordnung willig und freudig unterordnen, wenn sie ihnen Würde, Arbeit und Freiheit läßt. Die deutschen Juden lehnen es ab, immer wieder auf ihre jahrhundertealte deutsche Kultur zu verweisen, auf ihre geschichtliche Verbundenheit mit deutschem Land und deutschem Geist; sie lehnen es ab, ihre für Deutschlands Ehre gefallenen jüdischen Brüder immer wieder als Zeugen auf- zurufen, Die Wirklichkeit der Geschichte spricht für sie, spricht von ihrer Arbeit, ihrem Willen und ihrer Treue. Unsere Überzeugung ist, es erwarten zu dürfen, daß auch die Auseinandersetzung mit uns auf dem Boden des Rechts und mit Waffen der Vornehmheit geführt werde, daß eine ehrliche Klarheit über unseren Platz und unseren Weg in dem Raume des Lebens geschaffen werde.... Wüdische Rundschau, 38. Jahrg. Nr. 43/44[30. Mai 1933], S. 226, Spr.3)) (15) Der befohlene Pogrom Der Befehl des Gruppenführers, der dem Stabsführer der Gruppe, Oberführer Römpagel in der Nacht vom 9. zum 10. November 1938 telefonisch übermittelt wurde, ist von diesem wie folgt schriftlich zusammengefaßt worden: „Sämtliche jüdischen Geschäfte sind sofort von SA-Männern in Uniform zu zerstören. Nach der Zerstörung hat eine SA-Wache aufzuziehen, die dafür zu sorgen hat, daß keinerlei Wertgegen- stände entwendet werden können. Die Verwaltungsführer der SA stellen sämtliche Wertgegenstände einschließlich Geld sicher. Die Presse ist heranzuziehen. Jüdische Synagogen sind sofort in Brand zu stecken, jüdische Symbole sind sicherzustellen. Die Feuerwehr darf nicht eingreifen. Es sind nur Wohnhäuser'arischer Deutscher zu schützen von der Feuerwehr. Jüdische anliegende Wohnhäuser sind auch von der Feuerwehr zu schützen, allerdings müssen die Juden raus, da Arier in den nächsten Tagen dort einziehen werden. Die Polizei darf nicht eingreifen. Der Führer wünscht, daß die Polizei nicht eingreift. Die Feststellung der jüdischen Geschäfte, Läger und Lagerhäuser hat im Einvernehmen mit den zuständigen Oberbürgermeistern und Bürgermeistern zu erfolgen, gleichfalls das ambulante Gewerbe. Sämtliche Juden sind zu entwaffnen. Bei Widerstand sofort über den Haufen schießen. An den zerstörten jüdischen Geschäften, Synagogen usw. sind Schilder anzubringen mit etwa folgendem Text: Rache für Mord an vom Rath. Tod dem internationalen Judentum. Keine Verständigung mit den Völkern, die iudenhörig sind. Dies kann auch erweitert werden auf die Freimaurerei.” (Aus dem Urteil des Obersten Parteigerichts, vom 20. Januar 1939 in Sachen des August Frühling und Genossen, 5. 7 f.; Original im Institut für Zeitgeschichte, München.) (16) Die Durchführung SS-Sturm 10/25 Geldern, den 14. November 1938 Betr.: Aktion gegen die Juden Bezug: Telef.-Anruf 111/25 vom 14. November 1938 An den SS-Sturmbann 111/25 Die Aktion innerhalb des Kreises Geldern sowie in Xanten wurde ausschließlich von Angehörigen des SS-Sturmes 10/25 durchgeführt. Die Anordnungen ergingen am 10. November 1938 gegen 3.30 Uhr fernmündlich vom SS-Sturmbann 111/25. Die erste Maßnahme war die Inbrandsetzung der Synagoge in Geldern gegen 4 Uhr morgens. Bis 9 Uhr vormittags war diese bis auf die Umfassungsmauern niedergebrannt. Sichergestellt wurden einige Bibeln in hebräischer Schrift. Zur selben Zeit wurde die Inneneinrichtung der Synagoge in Xanten(ein Privathaus) restlos zerstört. An jüdischen Geschäften waren innerhalb des Sturmgebietes zwei vorhanden, deren Einrichtung und kleiner Warenbestand ebenfalls vollkommen zerstört wurden. Bei den restlichen Juden, ehemalige Viehjuden und jetzige Privatleute, wurde die Wohnungs- einrichtung total demoliert und unbrauchbar gemacht, nachdem die Schaufenster und Fenster- scheiben vorher eingeschlagen waren. Den Juden selbst ist in keinem Falle etwas geschehen, die meisten hatten sich auf die Dauer der Aktionen mehr oder weniger unsichtbar gemacht. Gegen 9 Uhr vormittags(am 10. November) war die Aktion restlos durchgeführt. Insgesamt wohnen im Kreise Geldern 12 jüdische Familien. Bis gegen 11 Uhr wurden sämtliche männlichen Juden von 15-70 Jahren durch die Polizei inhaftiert und in die örtlichen Arrestlokale vorläufig unter- gebracht. Im Verlaufe des 11. November 1938 beteiligten sich Angehörige des SS-Sturmes 10/25 an einigen Haussuchungen bei Juden, wobei nach Schriftmaterial und Waffen gefahndet wurde. Es wurden weder Waffen noch anderes Material gefunden. Die Bevölkerung verhielt sich den Demonstrationen gegenüber passiv. Der Brand der Synagoge hatte eine größere Zuschauermenge angelockt, die diesem Schauspiel zusah. Da größere Geschäfte nicht vorhanden waren, ist es zu Plünderungen nicht gekommen. Ein Streifendienst zusammen mit der Polizei war deshalb nicht notwendig. Der Führer des SS-Sturms 10/25 m. d. F. b. (unleserlich) (Original in der Wiener Library, London.) SS-Obersturmführer (17) Aus dem Urteil des Obersten Parteigerichts ... hat die letzte Hauptverhandlung in der Sache Schenk ergeben, daß der erste bekanntgewor- dene Fall der Tötung eines Juden, und zwar des polnischen Staatsangehörigen, dem Reichs- propagandaleiter Pg. Dr. Goebbels am 10. November 1938 etwa gegen 2 Uhr gemeldet und dabei der Auffassung Ausdruck gegeben wurde, daß etwas geschehen müsse, um zu verhindern, daß die ganze Aktion auf eine gefährliche Ebene abglitte. Pg. Dr. Goebbels hat nach der Aussage des stellvertretenden Gauleiters von München-Oberbayern sinngemäß darauf geantwortet, der Melder solle sich wegen eines toten Juden nicht aufregen, in den nächsten Tagen würden Tausende von Juden daran glauben müssen. In diesem Zeitpunkt hätten sich die meisten Tötungen durch eine ergänzende Anordnung noch verhindern lassen. Wenn dies nicht geschah, so muß aus dieser Tatsache wie aus der Äußerung an sich schon der Schluß gezogen werden, daß der schließliche Erfolg gewollt, mindestens aber als möglich und erwünscht in Rechnung gestellt wurde. Dann hat aber der einzelne Täter nicht nur den vermeintlichen, sondern den zwar unklar zum Ausdruck gebrachten, aber richtig erkannten Willen der Führung in die Tat umgesetzt. Dafür kann er nicht bestraft werden.... (Bericht des Obersten Parteigerichts an Göring vom 13. Februar 1939; IMT Bd. XXXII, 5.28 f.; PS-3063.) 74 Ger (18) Im Ko 1, Wir wur Nach langer| hausen, Als\ Ohrfeigen, Fi den riesigen, geordnet und ‚Ihr seid hie müßt als Gei hier nicht in zu leisten. Di dammt gut.\ geladen. Wer müßt ihr abaı Wir standen paar Minufer Boracke gefül gegen Quittu geschoren wu einem blau-w Appellplatz z Während wir treten. 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Als wir in der Dunkelheit vom Wagen springen mußten, wurden wir von SS-Leuten mif Ohrfeigen, Fußtritten und Kolbenstößen empfangen. Dann wurden wir durch ein großes Tor auf den riesigen, durch drei große Scheinwerfer erleuchteten Lagerplatz getrieben. Dort wurden wir geordnet und durch eine Ansprache des Lagerkommandanten begrüßt. Er sagte ungefähr folgendes: „Ihr seid hier als Sühne für die feige Mordtat eures polnischen Rassengenossen Grünspan. Ihr müßt als Geiseln hier bleiben, damit das Weltjudentum nicht weitere Morde unternimmt. Ihr seid hier nicht in einem Sanatorium, sondern in einem Krematorium. Jedem Befehl der SS ist Folge zu leisten. Die SS hat das Recht, auf euch zu schießen, wann sie will. Unsere Jungens treffen ver- dammt gut. Weglaufen hat also keinen Zweck. Der Stacheldraht um das Lager ist mit Starkstrom geladen. Wer ihn berührt, ist sofort tot. Bei jedem Fluchtversuch wird geschossen. Eure Verpflegung müßt ihr abarbeiten. Wir werden dafür sorgen, daß eure dicken Bäuche verschwinden.” Wir standen die ganze Nacht auf dem riesigen Appellplatz. Austreten war nicht erlaubt. Alle paar Minuten trafen neue Transporte ein. In den frühen Morgenstunden wurden wir in eine Baracke geführt und mußten uns dort vollkommen ausziehen. Geld und Wertsachen wurden uns gegen Quittungen abgenommen. Dann kamen wir nackt in einen Nebenraum, wo uns der Kopf geschoren wurde. In einem dritten Raum wurden wir dann mit leichter Unterwäsche versehen sowie einem blau-weiß gestreiften Drillichanzug. Schließlich wurden wir registriert und wieder zum Appellplatz zurückgeführt. Wir erkannten uns gegenseitig nicht mehr in diesem Aufzug. Während wir da standen, belustigten sich die SS-Leute damit, uns wahllos zu ohrfeigen oder zu treten. In meiner Nähe stand ein riesengroßer, starker Mann, ein Mathematikprofessor. Als diesem von einem SS-Mann ein Faustschlag versetzt wurde, schlug er zurück, daß der SS-Mann hinpurzelte. Dies sah der Lagerführer und ließ ihn festnehmen. Auf seinen Wink wurde ein Holzbock heran- gebracht, und der Professor wurde über diesen festgeschnallt. Vier Männer waren dazu nötig, um ihn zu bändigen. Dann mußten wir alle einen großen Kreis bilden, und der Lagerführer verkündete mit lauter Stimme, daß der Jude Itzig zu 25 Stockschläger verurteilt sei. Und jetzt bot sich mir das menschenunwürdigste Schauspiel, das ich jemals in meinem Leben gesehen hatte. Ein riesiger SS-Mann schlug mit einem Ochsenziemer nach Kommando 25mal auf den Gefesselten. Dieser schrie und brüllte vor Schmerz, und das Blut spritzte nur so umher. Bei den letzten Schläger war er wohl schon ohnmächtig, denn er schrie nicht mehr. Dann wurde er abgeschnallt, es wurde Salz und Pfeffer in die Wunden gestreut, und der Bewußtlose wurde fortgeschleppt. Wir haben ihn nie wiedergesehen... Nun kamen wir endlich in eine Baracke, die für 75 Personen berechnet war und in welche 300 Personen hineingepreßt wurden. Das war unsere Schlaf- und Speisestätte. Wir mußten nachts auf dem Fußboden schlafen, so eng aneinandergepreßt, daß wir nur seitlich liegen konnten. Viele Kranke waren unter uns, die genauso hart arbeiten mußten wie alle anderen. Kein Arzt konnte geholt werden, keiner durfte nachts die Baracke verlassen. In den ersten drei Wochen starben etwa 25 Personen unseres Blockes. Wie oft kam es vor, daß nachts der Nachbar röchelte und im Todeskampf lag. Keiner konnte ihm helfen, und am Morgen lag man neben einer Leiche. Wenn wir morgens um 5 Uhr, noch in völliger Dunkelheit, zur Arbeit zogen, sahen wir jedesmal einige tote Männer im Drillichanzug im Stacheldraht hängen. Sie hatten aus Verzweiflung ihrem Leben selbst ein Ende gesetzt und zogen einen schnellen Tod dem langsamen, qualvollen Ver- enden im Lager vor. Man mußte 12 bis 16 Stunden arbeiten(Straßenbau, in der Fabrik oder im Walde) und bekam erst am Abend einen Teller warmes Essen. Am schlimmsten war die Kälte, gegen die man in der dünnen Unterwäsche und den Drillichanzügen nicht geschützt war. Es war ein strenger Winter, und wir hatten bis 20 Grad Kälte. Erfrierungen von Gliedern waren an der Tagesordnung. Die meisten aber starben an Lungenentzündung. Für die kleinste Kleinigkeit wurden grausame Strafen verhängt. Die beliebteste war das„Torstehen“. Man mußte eine halbe Stunde völlig nackt mit erhobenen Armen vor dem Tor im Schnee stehen. Wer die Arme sinken ließ oder umfiel, wurde solange geprügelt, bis er wieder aufstand oder verendete. Wer es jedoch überstand, hatte mindestens schwere Erfrierungen, meist aber eine tödlich verlaufende Lungen- entzündung davongetragen. (Weltlinger, Siegmund: Hast Du es schon vergessen? Erlebnisbericht aus der Zeit der Verfolgung. Frankf. a. M. 1954;$. 10 ff.) 75 (19) Verordnung zur Wiederherstellung des Straßenbildes bei jüdischen Gewerbebetrieben(vom 12. 11. 1938) 81 Alle Schäden, welche durch die Empörung des Volkes über die Hetze des internationalen Judentums gegen das nationalsozialistische Deutschland am 8., 9. und 10. November 1938 an jüdischen Gewerbebetrieben und Wohnungen entstanden sind, sind von dem jüdischen Inhaber oder jüdischen Gewerbetreibenden sofort zu beseitigen. 82(1) Die Kosten der Wiederherstellung trägt der Inhaber der betroffenen jüdischen Gewerbe- betriebe und Wohnungen. (2) Versicherungsansprüche von Juden deutscher Staatsangehörigkeit werden zugunsten des Reichs beschlagnahmt... (Reichsgesetzblatt Teil I,$. 1581.) (20) Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben(vom 12. 11. 1938) 81(1) Juden ist vom 1. Januar 1939 ab der Betrieb von Einzelhandelsverkaufsstellen, Versand- geschäften oder Bestellkontoren sowie der selbständige Betrieb eines Handwerks untersagt. (2) Ferner ist ihnen mit Wirkung vom gleichen Tage verboten, auf Märkten aller Art, Messen oder Ausstellungen Waren oder gewerbliche Leistungen anzubieten, dafür zu werben oder Bestellungen darauf anzunehmen. (3) Jüdische Gewerbebtriebe, die entgegen diesem Verbot geführt werden, sind polizeilich zu schließen. 82(1) Ein Jude kann’ vom 1. Januar 1939 ab nicht mehr als Betriebsführer im Sinne des Gesetzes zur Ordnung der nationalen Arbeit vom 20. Januar 1934 tätig sein. (2) Ist ein Jude als leitender Angestellter in einem Wirtschaftsunternehmen tätig, so kann ihm mit einer Frist von sechs Wochen gekündigt werden. Mit Ablauf der Kündigungsfrist er- löschen alle Ansprüche des Dienstverpflichteten aus dem gekündigten Vertrag, insbesondere auch Ansprüche auf Versorgungsbezüge und Abfindungen. 83(1) Ein Jude kann nicht Mitglied einer Genossenschaft sein. (2) Jüdische Mitglieder von Genossenschaften scheiden zum 31. Dezember 1938 aus. Eine be- sondere Kündigung ist nicht erforderlich.... (Reichsgesetzblatt Teil I,$. 1580.) (21) Behandlung der Juden im öffentlichen Leben Der Stellvertreter des Führers München 33, den 30. Okt. 1937 Stabsleiter Braunes Haus Der Reichsführer SS und Chef der Deutschen Polizei hat im Verlauf der letzten Wochen mehrere Anordnungen erlassen, durch die das Leben der Juden im Reich verschiedenen weiteren Ein- schränkungen unterworfen worden ist. Allen Juden ist für die Zeit ab Z0 Uhr ein allgemeines Ausgehverbot auferlegt worden. Die im Besitze von Juden befindlichen Rundfunkapparate wurden eingezogen und den zuständi- gen Stellen zur anderweitigen gemeinnützigen Verwendung zur Verfügung gestellt. Für den Einkauf des lebensnotwendigen Bedarfs wurden den Juden ursprünglich bestimmte Ge- schäfte zugewiesen, während ihnen der Einkauf in den übrigen Geschäften verboten wurde. Diese Maßnahme führte zu einer Benachteiligung der Geschäftinhaber, die hiernach verpflichtet waren, an Juden zu verkaufen. Es wurde daher unter Aufhebung dieser Anordnung bestimmt, daß den Juden in den einzelnen Geschäften lediglich bestimmte Geschäftsstunden vorbehalten bleiben sollten. Die Auswahl dieser Geschäftsstunden wird von den Staatspolizeistellen im Einvernehmen mit den Organisationen des Handels getroffen. Ein allgemeines Verbot, die jedermann zugänglichen Luftschutzräume zu benutzen, ist für die Juden nicht ausgesprochen worden. Die Juden wurden angewiesen, sich eigene Luftscnutzräume 76 zu boven. De Juden bis auf räumen Zufu Von besonde und Chefs de welchen Ano den Tag lege Durchführung zwingen, ein (Geheimes Rı ausgegeben\ [2) Aus dı Ich, Rudolf und erkläre 1, Ich bin sec Mitglied der des sogenanr 6. Die„End! Europa. Ich| Zu jener Zeil Treblinka unc polizei und( Wurden. Der Jahres liquid schauer Gheti nicht sehr wii Zyclon B, eir einwarfen, E schen in der schen aufhört die Leichen er die Ringe ab 7, Eine ande Menschen auf foßten, Die A Waren in Au füngenen mu die Entscheid, Wurden sofor! Vernichtet, de Beserung, di Immer wußte, Opfer zum N. Rälten, Natür Monchmal Au verbergen, at Wi sollten Gestank, der send, und al Nchlungen in “ Von Zeit| nationalen ember 938 N jüdischen 1 Gewerbe- unsten des n, Versand. ; untersagt, Art, Messen erben oder polizeilich es Gesetzes g, so kann ngsfrist er- nsbesondere s. Eine be- 30, Okt. 1939 \en mehrere eiteren Ein- N. 3m zuständi- timmte Ge- urde. Diese htet waren, 1, daß den ten bleiben nvernehmen ist für die schutzräume ee ee zu bauen. Da die Fertigstellung dieser Räume längere Zeit in Anspruch nehmen wird, soll es den Juden bis auf weiteres erlaubt sein, in den für die deutschen Volksgenossen bestimmten Luftschutz- räumen Zuflucht zu suchen. Von besonderer Bedeutung ist ein erst vor wenigen Tagen ergangener Erlaß des Reichsführers SS und Chefs der Deutschen Polizei, in welchem angeordnet worden ist, daß alle Juden, die irgend- welchen Anordnungen nicht sofort Folge leisten oder sonst ein staatsabträgliches Verhalten an den Tag legen, sofort festzunehrnen und in ein Konzentrationslager einzuliefern sind. Eine strenge "Durchführung dieses Erlasses wird besser als jede andere Maßnahme geeignet sein, die Juden zu zwingen, ein ihnen angemessenes Verhalten an den Tag zu legen. (Geheimes Rundschreiben Bormanns 206/39 in: Verfügungen, Anordnungen, Bekanntgaben. Her- ausgegeben von der Parteikanzlei München o.J., Bd. Il, S. 130.) (22) Aus der Aussage des Kommandanten von Auschwitz Ich, Rudolf Franz Ferdinand Höss, sage nach vorhergehender rechtmäßiger Vereidigung aus und erkläre wie folgt: 1. Ich bin sechsundvierzig Jahre alt und Mitglied der NSDAP seit 1922; Mitglied der SS seit 1934; Mitglied der Waffen-SS seit 1939. Ich war Mitglied ab 1. Dezember 1934 des SS-Wachverbandes, des sogenannten Totenkopfverbandes.... 6. Die„Endlösung” der jüdischen Frage bedeutete die vollständige Ausrottung aller Juden in Europa. Ich hatte den Befehl, Ausrottungserleichterungen in Auschwitz im Juni 1942 zu schaffen. Zu jener Zeit bestanden schon drei weitere Vernichtungslager im Generalgouvernement: Belzec, Treblinka und Wolzek. Diese Lager befanden sich unter dem Einsatzkommando der Sicherheits- polizei und des SD. Ich besuchte Treblinka, um festzustellen, wie die Vernichtungen ausgeführt wurden. Der Lagerkommandant von ‚Treblinka sagte mir, daß er 80.000 im Laufe eines halben Jahres liquidiert hätte. Er hatte hauptsächlich mit der Liquidierung aller Juden aus dem War- schauer Ghetto zu tun. Er wandte Monoxid-Gas an, und nach seiner Ansicht waren seine Methoden nicht sehr wirksam. Als ich das Vernichtungsgebäude in Auschwitz errichtete, gebrauchte ich also Zyclon B, eine kristallisierte Blausäure, die wir in die Todeskammer durch eine kleine Öffnung einwarfen. Es dauerte 3 bis 15 Minuten, je nach den klimatischen Verhältnissen, um die Men- schen in der Todeskammer zu töten. Wir wußten, wenn die Menschen tot waren, weil ihr Krei- schen aufhörte. Wir warteten gewöhnlich eine halbe Stunde, bevor wir die Türen öffneten und die Leichen entfernten. Nachdem die Leichen fortgebracht waren, nahmen unsere Sonderkommandos die Ringe ab und zogen das Gold aus den Zähnen der Körper. 7. Eine andere Verbesserung gegenüber Treblinka war, daß wir Gaskammern bauten, die 2000 Menschen auf einmal fassen konnten, während die 10 Gaskammern in Treblinka nur je 200 Menschen faßten. Die Art und Weise, wie wir unsere Opfer auswählten, war folgendermaßen: zwei SS-Arzte waren in Auschwitz tätig, um die einlaufenden Gefangenentransporte zu untersuchen. Die Ge- fangenen mußten bei einem der Ärzte vorbeigehen, der bei ihrem Vorbeimarsch durch Zeichen die Entscheidung fällte. Diejenigen, die zur Arbeit taugten, wurden ins Lager geschickt. Andere wurden sofort in die Vernichtungsanlagen geschickt. Kinder im zarten Alter wurden unterschiedslos» vernichtet, da auf Grund ihrer Jugend sie unfähig waren, zu arbeiten. Noch eine andere Ver- besserung, die wir gegenüber Treblinka machten, war diejenige, daß in Treblinka die Opfer fast immer wußten, daß sie vernichtet werden sollten, während in Auschwitz wir uns bemühten, die Opfer zum Narren zu halten, indem sie glaubten, daß sie ein Entlausungsverfahren durchzumachen hätten. Natürlich erkannten sie auch häufig unsere wahren Absichten und wir hatten deswegen manchmal Aufruhr und Schwierigkeiten. Sehr häufig wollten Frauen ihre Kinder unter den Kleidern verbergen, aber wenn wir sie fanden, wurden die Kinder natürlich zur Vernichtung hineingesandt. Wir sollten diese Vernichtungen im Geheimen ausführen, aber der faule und Übelkeit erregende Gestank, der von der ununterbrochenen Körperverbrennung ausging, durchdrang die ganze Ge- gend, und alle Leute, die in den umliegenden Gemeinden lebten, wußten, daß in Auschwitz Ver- nichtungen im Gange waren. 8. Von Zeit zu Zeit kamen Sonder-Gefangene an aus dem örtlichen Gestapo-Büro. Die SS-Ärzte 77 töteten solche Gefangenen durch Benzin-Einspritzungen. Die Ärzte hatten Anweisung, gewöhnliche Sterbeurkunden auszustellen und konnten irgendeine Todesursache ganz nach Belieben angeben. 9. Von Zeit zu Zeit führten wir medizinische Experimente an weiblichen Insassen aus, zu denen Sterilisierung und den Krebs betreffende Experimente gehörten. Die meisten dieser Menschen, die unter diesen Experimenten starben, waren schon durch die Gestapo zum Tode verurteilt worden. (IMT, Bg. XXXl1l, S. 275 ff.; PS- 3868, deutscher Text: Lit.Nr. 46, S. 127 ff.) (23) Konzentrationslager Auschwitz II(Birkenau) Nach und nach bevölkerte sich das Lager. Aus dem ganzen besetzten Europa, aus Norwegen, Holland, Belgien, Frankreich, Italien, Jugoslawien, Griechenland, der Tschechoslowakei, Rumänien, Polen, Ungarn und Rußland kamen die Transporte an. Die meisten dieser Deportierten betraten das Lager nicht einmal, sondern endeten sofort in den Gaskammern. Um diese zu entlasten, leitete man sogar Transporte nach anderen Lagern wie Oranienburg, Mauthausen, Flossenburg, Ravensbrück, Bergen-Belsen und besonders ausgewählte Opfer nach Natzweiler. Damals glaubten wir noch, daß Natzweiler ein Arbeitslager sei, später jedoch mußten wir erfahren, daß die Unglücklichen, die von Birkenau nach Natzweiler geschickt wurden, als Versuchskaninchen dienten und im Ana- tomischen Institut von Straßburg zu Anatomiezwecken verwandt wurden. Wie lange durfte man mit einem Aufschub des Todes rechnen? In Birkenau bestand dieser Auf- schub für einen im Arbeitskommando arbeitenden Häftling in zwei bis drei Monaten. Bei Ablauf dieser Frist sah er wie ein Skelett aus. Vollständiger Schwund des Fettgewebes und teilweise auch des Muskelgewebes machte den Deportierten zum„Muselmann”’. Das war der Lagerausdruck für die Erschöpften. Hunger, Kälte, Feuchtigkeit, Verletzungen und Krankheit peinigten den Musel- mann grausam und entkräfteten ihn vollends. Indem er soviel als möglich sitzen blieb und die dünne Decke über seinen gebeugten Kopf zerrte, versuchte er, seine schwachen Kräfte zusammen- zuraffen. In dieser Aufmachung gleicht er einem Muselmann im Gebet. Der Faustschlag eines SS- Mannes, ein Hieb mit dem Knüppel des Aufsehers genügten, um ihn so zu erledigen, daß er bei der nächsten„Selektion“ unweigerlich geschnappt wurde. Tag und Nacht brannten die sechs Krematorien. Die Ofen genügten jedoch dem Ansturm im Sommer 1944 nicht mehr, und so wurden die Leichen mitten im Birkenwald in einer großen Grube verbrannt. Das ganze Zigeunerlager— 4000 Männer, Fraven und Kinder— wurde in einer ein- zigen Augustnacht in die Gaskammern geschickt. Die Methode wurde vervollkommnet. Ein schmaler Schienenstrang lief bis auf 50 Meter an die Gaskammern heran, und auf diesem konnte nun der ganze Transport, der in Drancy oder Budapest eingeladen war, direkt an der Hinrichtungs- stätte ausgeladen werden. Die Verschleppten hatten an einer SS-Kommission vorüberzudefilieren, dann ließen die SS-Leute die zum Tode Verdammten ein paar Schritte vortreten, und schon waren sie dort angelangt, wo man sie vergaste. Dank diesem System kamen die Körper ohne Zeitverlust in die Ofen. Im Juni 1944 erreichte man die Rekordzahl von 22 000 Einäscherungen pro Tag. Das Sonderkommando rebellierte im Sommer 1944, weil die Häftlinge aus gewissen Anzeichen schlossen, daß nun auch sie geopfert werden sollten. Sie weigerten sich, ihren Block zu verlassen und steckten sogar einen Teil der Gaskammern in Brand. Aber aus allen Himmelsrichtungen tauchten die Maschinengewehre und Maschinenpistolen der SS auf und unterdrückten diesen Auf- stand im Handumdrehen. Die beiden Ärzte des Sonderkommandos versuchten sich umzubringen, indem sie eine Überdosis von Gardenal nahmen. Einer starb, während der andere— Dr.B.— durch unsere Pflege gerettet werden konnte. Zu meiner Freude hörte ich, daß er im Lüneburger Prozeß als Zeuge aussagte. Daß es trotz der im Lager herrschenden Terrorstimmung und der dauernd drohenden Gefahr einer „Selektion“ in Birkenau nicht mehr Selbstmorde gegeben hat, ist sonderbar. Manchmal verließ nachts ein Kranker seine Baracke und— wenn ihn nicht vorher eine Maschinengewehrgarbe des nahen Wachtturms niederstreckte— berührte den elektrisch geladenen Draht. Andere Häftlinge schluckten große Mengen eines Betäubungsmittels. Aber einige von ihnen konnten von uns trotz des Verbots der Deutschen gerettet werden.... (Bericht von Robert Levy, früher Assistent der chirurgischen Klinik B an der Medizinischen Fakultät der Universität Straßburg. Lit.Nr. 46, S. 264 ff.) 78 (24)„Abwe JoDIscHE Kl Herrn/Frau/Fr Transport-Nr. Betr.; Abwan Ihre Abwandı Anordnung 9 fordert sind. Das mitzuneh lediglich ein mitgenommen Da die Mitnc es am So. 2 kammer abzu |. Mitte: Au II. Söden: TI Ill. Norden: Das Handgep Nachtze Das gesamte Bestimmunger Am Mo. 21.$ sich zu diese zuhändigen. unterkunft Gr Etwa vorhanc einem Bankur Hinweise, di in einem fest Hamburger$ port-Nummer für die Verp Werden, Jede im Handgepö In der Samm« zur Verfügun dos Sanitätsp Erteilung von In der Anlag bitten Sie heı in Ruhe und R Unsere von d Persönliches' Teibungslosen soweit dies 7 Ihnen jede m Nicht Veröffe gewöhnliche N angeben, $: Zu denen " Menschen, eilt worden, Norwegen, , Rumänien, ten betraten sten, leitete Ravensbrück, n wir noch, glücklichen, nd im Ana- dieser Auf- . Bei Ablauf ilweise auch ausdruck für den Musel- ieb und die > zusammen- ag eines SS- gen, daß er Ansturm im 'oßen Grube n einer ein- Ein schmaler konnte nun Hinrichtungs- -zudefilieren, schon waren e Zeitverlust ro Tag. n Anzeichen zu verlassen olsrichtungen diesen Avf- ‚mzubringen, - pr= ‚ Lüneburger Gefahr einer ‚mal. verließ ‚hrgarbe des ‚re Hftlinge on uns frofz hen Fokultät (24)„Abwanderung” JUDISCHE KULTUSVEREINIGUNG ZU BERLIN EV. Berlin N4, den 18.9. 42 Herrn/Frau/Fräulein Transport-Nr.: Betr.: Abwanderung Ihre Abwanderung ins Protektorat ist für den Do. 24. 9. 42 behördlich angeordnet worden. Diese Anordnung gilt für Sie und Ihre Ehefrau, soweit Sie zur Abgabe der Vermögenserklärung aufge- fordert sind. Das mitzunehmende Gepäck setzt sich zusammen aus Reise- und Handgepäck. Als Reisegepäck darf lediglich ein Coupekoffer und ein Rucksack, der höchstens von der Hüfte bis zur Schulter reicht, mitgenommen werden. Da die Mitnahme des Reisegepäcks bei der Abholung aus Ihrer Wohnung nicht möglich ist, ist es am So. 20. 9. in der Zeit von 9 bis 13 Uhr in der unterstrichenen Bezirksstelle der Kleider- kammer abzuliefern: I. Mitte: Auguststraße 17 IV. Södwest: Münchener Straße 37 Il. Söden: Thielschufer 10-16 V. Charlottenburg: Pestalozzistraße 14-15 Ill. Norden: Eberswalder Straße 26 Das Handgepäck darf nur aus einem Stück bestehen, enthaltend: Nachtzeug, eine Decke, Eßgefäß, Löffel, Trinkbecher und Lebensmittel. Das ‚gesamte mitzunehmende Gepäck darf nicht mehr als 50 kg wiegen! Wer sich nicht an diese Bestimmungen hält, muß mit dem Verlust seines Gepäcks rechnen. Am Mo. 21. 9. ab 8 Uhr wird Ihre Wohnung durch einen Beamten versiegelt werden. Sie müssen sich zu diesem Zeitpunkt bereithalten. Wohnungs- und Zimmerschlüssel sind dem Beamten aus- zuhändigen. Sie selbst werden dann mit einem von uns bestellten Wagen nach der Sammel- unterkunft Große Hamburger Straße 26 gebracht werden. Etwa vorhandene Sparkassenbücher und Banksparbücher etc., Wertpapiere, soweit sie nicht bei einem Bankunternehmen aufbewahrt werden, Hypothekenpfandbriefe, Bankbelege usw., kurz alle Hinweise, die über Ihr Vermögen Aufschluß geben, und etwa vorhandene Tresorschlüssel sind in einem festen unverschlossenen, aber verschließbaren Umschlag in der Sammelunterkunft Große Hamburger Straße 26 abzuliefern. Auf dem Umschlag sind Ihr Name, Ihre Anschrift sowie Trans- port-Nummer genau anzugeben. Für die Verpflegung in der Sammelunterkunft und während der Bahnfahrt wird von uns gesorgt werden. Jedoch sollen die im Haushalt befindlichen Lebensmittel, insbesondere Abendbrotstullen, im Handgepäck mitgebracht werden. In der Sammelunterkunft und während der Bahnfahrt stehen Krankenbehandler und Pflegepersonal zur Verfügung. Eine Verabreichung etwa erforderlicher Medikamente findet ausschließlich durch das Sanitätspersonal statt. Absendung schriftlicher oder mündlicher Benachrichtigungen sowie die Erteilung von Aufträgen an die Helfer des Durchgangsheimes ist verboten. In der Anlage ist ein Merkblatt beigefügt, das alle zu beachtenden Anweisungen enthält. Wir bitten Sie herzlich, diese Anweisungen genauestens zu beachten und die Transportvorbereitungen in Ruhe und Besonnenheit zu treffen. Unsere von der Abwanderung betroffenen Mitglieder müssen sich bewußt sein, daß sie durch ihr persönliches Verhalten und die ordnungsgemäße Erfüllung aller Anweisungen entscheidend zur reibungslosen Abwicklung des Transportes beitragen können. Es ist selbstverständlich, daß wir, soweit dies zugelassen ist, alles tun werden, um unseren Gemeindemitgliedern beizustehen und ihnen jede mögliche Hilfe zu leisten. Jüdische Kultusvereinigung zu Berlin e.V. Der Vorstand (Nicht veröffentlicht; Original im Besitz des Verf.) (25) Fabrik-Aktion(27. Februar 1943) W.V.-Hauptamt Fernspruch. Amt D II 8. März 43 Oranienburg. Betr. Abtransport von jüdischen Rüstungsarb. Am 5. und 7. März trafen folgende jüdische Häftlingstransporte ein. Transport aus Berlin, Eingang 5. März 43, Gesamtstärke 1128 Juden. Zum Arbeitseinsatz gelangten 389 Männer(Buna) und 96 Frauen. Sonderbehandelt wurden 151 Männer und 492 Frauen und Kinder. Transport aus Breslau, Eingang 5. März 43, Gesamtstärke 1405 Juden. Zum Arbeitseinsatz gelangten 406 Männer(Buna) und 190 Frauen. Sonderbehandelt wurden 125 Männer und 684 Frauen und Kinder. Transport aus Berlin, Eingang 7. März 43, Gesamtstärke 690 einschließlich 25 Schutzhäftlingen. Zum Arbeitseinsatz gelangten 153 Männer und 25 Schutzhäftlinge(Buna) und 65 Frauen. Sonder- behandelt wurden 30 Männer und 417 Frauen und Kinder. gez. Schwarz Obersturmführer („Dokumenty i Materialy z czasow okupacji niemieckiej w Polsce. I Obozy.“ Herausgeber: N. Blumental, Zentrale Jüd. Historische Kommission, Lodz 1946, 5. 110.) (26) Generalgouverneur Hans Frank über die„Endlösung” im General- gouvernement(16. Dezember 1941) ... Ich weiß, es wird an vielen Maßnahmen, die jetzt im Reich gegenüber den Juden getroffen werden, Kritik geübt... Bewußt wird— das geht aus dem Stimmungsberichten hervor— immer wieder versucht, von Grausamkeit, Härte usw. zu sprechen. Ich möchte Sie bitten, einigen Sie sich mit mir zunächst, bevor ich weiterspreche, auf die Formel: Mitleid wollen wir grundsätzlich nur mit dem deutschen Volk haben, sonst mit niemandem auf der Welt... Die anderen haben auch mit uns kein Mitleid gehabt. Ich muß auch als alter Nationalsozialist sagen: wenn die Judensippschaft in Europa den Krieg überleben würde, wir aber unser bestes Blut für die Er- haltung Europas geopfert hätten, dann würde dieser Krieg doch nur einen Teilerfolg darstellen. Ich werde daher den Juden gegenüber grundsätzlich nur von der Erwartung ausgehen, daß sie verschwinden. Sie müssen weg. Ich habe Verhandlungen zu dem Zweck angeknüpft, sie nach dem Osten abzuschieben. Im Januar findet über diese Frage eine große Besprechung in Berlin statt, zu der ich Herrn Staatssekretär Dr. Bühler entsenden werde. Diese Besprechung soll im Reichs- sicherheitshauptamt bei SS-Obergruppenführer Heydrich gehalten werden. Jedenfalls wird eine große jüdische Wanderung einsetzen. Aber was soll mit den Juden geschehen? Glauben Sie, man wird sie im Ostland in Siedlungsdörfern unterbringen? Man hat uns in Berlin gesagt: Weshalb macht man die Scherereien. Wir können im Ostland oder im Reichskommissariat auch nichts mit ihnen anfangen. Liquidiert sie selbst. Meine Herren, ich muß Sie bitten, sich gegen alle Mizleids- erwägungen Zu wappnen. Wir müssen die Juden vernichten, wo immer wir sie treffen und wo es irgend möglich ist, um das Gesamtgefüge des Reiches hier aufrechtzuerhalten.... (IMT, Bd. XXIX, S. 502 f., PS-2233) in) Die Eins Ih, Otto OHLEI 5 Ih war Chef de und des SD(RSH Im Juni 1941 w gebildet wurden finsolzgruppe D Der Chef der Ei Sicherheitspolize Rosche) und spä Himmler erklärt Männern und K' > vorher über der = Nach einem At J Heeresgruppe 0 bestimmte, in w und Befehle für . Kriminalpolizei = Woffen-S$ geste 170 F As die deutsch J südlichen Sektor sie u Juden, aber es v "Inder Ausführur intergeteilt, un: = kommandos une gehörigen des 5 pflegte in ein D Fernspruch, 8. März 43 tz gelangten Frauen und rbeitseinsatz d 684 Frauen tzhäftlingen. ven. Sonder- ral- Jen getroffen /or— immer einigen Sie grundsätzlich deren haben n: wenn die + für die Er- g darstellen. hen, daß sie sie nach dem rlin statt, ZU | im Reichs- Is wird eine ben Sie, man ‚ot: Weshalb ch nichts mit alle Mi:leids- glich ist, um (27) Die Einsatzgruppen EIDESSTATTLICHE ERKLÄRUNG Ich, Otto OHLENDORF, erkläre hiermit an Eidesstatt: Ich war Chef des Sicherheitsdienstes(SD), Amt Ill des Hauptamtes des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD(RSHA), von 1939 bis 1945. Im Juni 1941 wurde ich von Himmler bestimmt, eine der Einsatzgruppen zu führen, die damals gebildet wurden, um den deutschen Armeen im russischen Feldzug zu folgen. Ich war der Chef der Einsatzgruppe D. Chef der Einsatzgruppe A war Stahlecker, Abteilungsleiter im Auswärtigen Amt. Der Chef der Einsatzgruppe B war NEBE, Chef des Amtes V(Kripo) des Hauptamtes des Chefs der Sicherheitspolizei und des SD(RSHA). Der Chef der Einsatzgruppe C war zuerst Rasch(oder Rasche) und später Thomas. Himmler erklärte, daß ein wichtiger Teil unserer Aufgabe in der Beseitigung von Juden, Frauen, Männern und Kindern, und kommunistischen Funktionären bestünde. Ich wurde etwa vier Wochen vorher über den Angriff auf Rußland benachrichtigt. Nach einem Abkommen mit dem OKW und dem OKH wurden die Einsatzkommandos von der Heeresgruppe oder der Armee bestimmten Korps und Divisionen des Heeres zugeteilt. Das Heer bestimmte, in welchem Gebiet die Einsatzkommandos zu operieren hatten. Alle Führungsweisungen und Befehle für die Ausführung von Hinrichtungen kamen über den Chef der SIPO und des SD (RSHA) in Berlin. Regelmäßiger Kurierdienst und Radioverbindung bestanden zwischen den Einsatz- gruppen und dem Chef der SIPO und des SD. Die Einsatzgruppen und Einsatzkommandos wurden vom Personal der Gestapo, des SD oder der Kriminalpolizei geführt. Zusätzliche Mannschaften wurden von der Ordnungspolizei und von der Waffen-SS gestellt. Einsatzgruppe D bestand aus ungefähr 400 bis 500 Mann und verfügte über annähernd 170 Fahrzeuge. Als die deutsche Armee in Rußland einmarschierte, war ich Führer der Einsatzgruoppe D im südlichen Sektor, und im Laufe des Jahres, während dessen ich Führer der Einsatzgruppe D war, liquidierte sie ungefähr 90 000 Männer, Frauen und Kinder. Die Mehrzahl der Liquidierten waren Juden, aber es waren unter ihnen auch einige kommunistische Funktionäre. In der Ausführung dieses Vernichtungsprogrammes wurden die Einsatzgruppen in Einsatzkommandos untergefeilt, und die Einsatzkommandos in noch kleinere Einheiten, die sogenannten Sonder- kommandos und Teilkommandos. Gewöhnlich wurden die kleineren Einheiten von einem An- gehörigen des SD, der GESTAPO oder der Kriminalpolizei geführt. Die dazu ausersehene Einheit pflegte in ein Dorf oder in eine Stadt zu kommen und den führenden jüdischen Bewohnern den Befehl zu erteilen, alle Juden zwecks Umsiedlung zusammenzurufen. Sie wurden aufgefordert, ihre Wertgegenstände den Führern der Einheit zu übergeben, und kurz vor der Hinrichtung ihre Oberkleidung auszuhändigen. Die Männer, Frauen und Kinder wurden zu einem Hinrichtungsort geführt, der sich meist neben einem vertieften Panzerabwehrgraben befand. Dann wurden sie erschossen, kniend oder stehend, und die Leichen wurden in den Graben geworfen. Ich habe in der Gruppe D das Erschießen durch Einzelpersonen nie genehmigt, sondern befohlen, daß mehrere Leute gleichzeitig schießen sollten, um direkte persönliche Verantwortung zu vermeiden. Die Führer der Einheiten oder besonders bestimmte Personen mußten jedoch den letzten Schuß auf solche Opfer abfeuern, die nicht sofort tot waren. Ich erfuhr aus Gesprächen mit anderen Gruppen- führern, daß manche von ihnen verlangten, daß die Opfer sich flach auf den Boden legten, um ann durch den Nacken geschossen zu werden. Ich billigte diese Methoden nicht. Im Frühjahr 1942 wurden uns vom Chef der Sicherheitspclizei und des SD in Berlin Gaswagen geschickt. Diese Wagen wurden vom Amt Il des RSHA beigestellt. Der Mann, der für die Wagen meiner Einsatzgruppe verantwortlich war, war Becker. Wir hatten Befehl erhalten, die Wagen für die Tötung von Frauen und Kindern zu benutzen. Jedesmal, wenn eine Einheit eine genügende Anzanl von Opfern angesammelt hatte, wurde ein Wagen für die Liquidierung gesandt. Wir hatten auch diese Gaswagen in der Nähe der Durchgangslager stationiert, in die die Opfer gebracht ‚wurden. Den Opfern wurde gesagt, daß sie umgesiedelt werden würden und zu diesem Zwecke lin die Wagen steigen müßten. Danach wurden die Türen geschlossen und durch das Ingang- setzen der Wagen strömte das Gas ein. Die Opfer starben in 10 bis 15 Minuten. Die Wagen wurden "dann zum Begräbnisplatz gefahren, wo die Leichen herausgenommen und begraben wurden. Ich habe den Bericht von STAHLECKER(Document L— 180) über Einsatzgruppe A gesehen, in welchem Stahlecker behauptet, daß seine Gruppe 135000 Juden und Kommunisten in den ersten # rISEE 8 vier Monaten der Aktion getötet hat. Ich kannte Stahlecker persönlich, und ich bin der Ansicht, daß das Dokument authentisch ist. Man hat mir den Brief gezeigt, den BECKER an RAUFF, den Leiter der Technischen Abteilung von Amt Il, bezüglich der Verwendung dieser Gaswagen ge- schrieben hat. Ich kannte diese beiden Männer persönlich und bin der Ansicht, daß dieser Brief ein authentisches Dokument ist. j gez. Ohlendorf (IMT, Bd. XXX1, S. 39 ff., PS-2620) (28) Erfahrungsbericht eines Polizeioffiziers über die Liquidierung des Ghettos in Pinsk Die Komp. traf verlastet befehlsgemäß in Kobryn ein und wurde von hier nach Pinsk in Marsch gesetzt. Eintreffen am Westausgang Pinsk 29. Oktober 1942, 4.00 Uhr. Die am 28. Oktober 1942 in Pinsk stattgefundene Besprechung bei H. Regt.Kommandeur Oberst Kurt ergab, daß 2 Batl. und zwar XX/Pol. 15 und R.A. 2. die äußere Absperrung übernehmen, während 10./Pol. 15 und 11./Pol. 11 ohne 2 Züge mit der Durchkämmung des Ghettos beauftragt wurden, 11./Pol. 11 ohne I Zug(dieser wurde am Nachmittag ebenfalls von der Durchkämmung entbunden) war für die Bewachung am Sammelplatz, Sicherung der einzelnen Transporte zum Exekutionsplatz, der etwa 4km außerhalb Pinsk lag, und Absperrung des Exekutionsplatzes be- stimmt. Für letztere Aufgabe wurden im weiteren Verlauf der Aktion teilweise Reiter eingesetzt. Diese Maßnahme bewährte sich tadellos, da bei einem Fluchtversuch von 150 Juden alle wieder| ergriffen werden konnten, obwohl sich diese z.T. bis auf einige km entfernt hatten. Die befohlene Absperrung stand um 4.30 Uhr und es zeigte sich, daß in Anbetracht der voran- gegangenen persönlichen Erkundung der eingesetzten Führer unter Wahrung der Geheimhaltung die Absperrung in kürzester Zeit stand und ein Entweichen von Juden unmöglich war. Mit der Durchkämmung des Ghettos sollte befehlsgemäß um 6.00 Uhr begonnen werden. Infolge der noch bestehenden Dunkelheit wurde der Beginn der Durchkämmung um eine halbe Stunde verschoben. Die Juden, nun aufmerksam geworden, sammelten sich zum größten Teil freiwillig auf allen Straßen, und mit Hilfe von 2 Wachtmeistern gelang es schon in der ersten Stunde, einige Tausend zum Sammelplatz zu lotsen. Da nun der andere Teil der Juden sah, wohin es ging, schlossen sie sich dem Zuge an, so daß die vom SD am Sammelplatz in Aussicht genommene Sichtung auf Grund des starken und plötzlichen Anlaufs nicht mehr erfolgen konnte.(Man hatte für den ersten Tag der Durchkämmung nur mit 1000—2000 Personen gerechnet.) Die erste Durch-; kämmung war um 17.00 Uhr beendet und verlief ohne Zwischenfälle. Am ersten Tag wurden ca. 10.000 Personen exekutiert. Für die Nacht lag die Komp. in Alarmbereitschaft im Soldatenheim. Am 30. Oktober wurde das Ghetto zum zweiten, am 31. Oktober zum dritten und am 1. November zum vierten Male durchkämmt. Es wurden insgesamt ca. 15 000 Juden dem Sammelplatz zugeführt. Kranke Juden und einzelne in den Häusern zurückgelassene Kinder wurden sofort im Ghetto auf dem Hofe exekutiert. Im Ghetto wurden ca. 1200 Juden-exekutiert. Zu Zwischenfällen kam es, bis auf einen Fall, nicht. Auf Grund dessen, daß den Juden, die Gold vergraben hatten und dieses anzeigten, das Leben versprochen wurde, meldete sich ein Jude, der vorgab, eine Menge Gold versteckt zu haben. Es ging ein Wachtmeister mit. Da der Jude jedoch dauernd zögerte und den Wachtmeister immer wieder aufforderte, mit auf den Dachboden zu gehen, brachte der Wacht- meister den Juden wieder zu einem Sammelplatz zum Ghetto. Hier weigerte sich der Jude, sich wie alle anderen Juden auf den Boden zu setzen. Plötzlich sprang der Jude einen Angehörigen der Reiterschwadron an, entwendete ihm sein Gewehr und einen Stock und hieb mit letzterem auf den Angehörigen der Reiterschwadron ein. Nur durch das Dazwischentreten von Angehörigen der Kompanie konnte dieser Angriff vereitelt werden. (IMT, Bd. VIll, USSR-119(a), S. 328 f.; vgl. auch Lit.Nr. 46, S. 157 f.) 19) Aus de der Ve Eichma Mit der Durch und Böhmen/N Reichsgebiet W führer“ zustän die organisakt Deportation a Eichmann von Anwendung V gehen entspra oblaufen zu| " hauptung richt auch in Rumär Holland, Belgi Eichmann besc in Auschwitz| Emigranten vo Staatsangehöri In der$lowak der jüdischen. vorging, da e: Aberkennung eine derartige Verlangen dur: !ion hatte, Hät vor 1944 nicht = aus politischer dortige„Berate Regierung zu| jedoch ab un: besetzten russii keine Juden r auch später 7 "Aktionen aus| > Aur ein Transp > das Partisaner "der Deportatic | Dies hing besc > Bis zum Herb: War umso leic Berlin kamen. ) 9ebenen Mitt jährlich nur ei um mit der c deutschen 2 Arbeitseinsatz Mir Eichmann Befeh), die D Schloß, führte Versuch von n fernung zur A u Mozedoner OMmando ge in der Ansich, M RAUF, den Gaswagen ge 8 dieser Brief jez. Ohlendorf des Ghettos insk in Marsch andeur Oberst J Übernehmen, ttos beauftragt Durchkämmung ransporte zum onsplatzes be- iter eingesetzt, en alle wieder n. cht der voran- Geheimhaltung r. erden. Infolge halbe Stunde Teil freiwillig Stunde, einige sohin es ging, ht genommene te.(Man halte ie erste Durch- ag wurden ca, latenheim. n 1. November latz zugeführt ort im Ghetto fällen kam e$ı en hatten und b, eine Menge 1ıd zögerte und hte der Wacht: der Jude, sich n Angehörigen mit letzterem n Angehörigen (29) Aus dem Bericht des Hauptsturmführers Dieter Wisliceny über den Ablauf der Vernichtungsaktionen in den einzelnen Ländern und die Rolle von Eichmann Mit der Durchführung der Deportation nach den Lagern Auschwitz und Lublin waren in Österreich und Böhmen/Mähren die„Zentralstelle” in Wien bzw. das„Zentralamt” in Prag beauftragt. Im Reichsgebiet waren hierfür die örtlichen Staatspolizeistellen und in Polen die„SS- und Polizei- führer“ zuständig. In die besetzten Gebiete hatte Eichmann zumeist eigene Kommandos entsandt, die organisatorisch bei dem„Befehlshaber der SIPO und des SD” eingebaut waren. Bei der Deportation aus den besetzten Gebieten und den mit Deutschland verbündeten Ländern ging Eichmann von den gegebenen politischen Möglichkeiten aus, wobei er es zunächst vermied, durch Anwendung von politischer Pression außenpolitische Schwierigkeiten hervorzurufen. Dieses Vor- gehen entsprach auch dem Bemühen, die ganze Aktion so unauffällig und geheim wie möglich ablaufen zu lassen. Erst später 1943/44 ist er von diesem Prinzip abgegangen. Daß diese Be- hauptung richtig ist, zeigt am besten die Gegenüberstellung der Ereignisse in der Slowakei— und auch in Rumänien. Die Deportation aus europäischen Ländern begann gleichzeitig in Frankreich, Holland, Belgien und der Slowakei im März/April 1942. In allen diesen Ländern bemühte sich Eichmann besonders, die arbeitsfähigen Juden als erstes zu erfassen, da die Vernichtungslager in Auschwitz und Lublin erst im Entstehen waren. In Frankreich wurden zuerst die jüdischen Emigranten von der Aktion erfaßt, während die Vichy-Regierung der Deportation französischer Staatsangehöriger erst später zustimmte. In Holland und Belgien waren die Verhältnisse ähnlich. In der Slowakei lag ein klares Angebot der damaligen slowakischen Regierung zur Deportation der jüdischen Arbeitskräfte und anschließend ihrer Familien vor. Wie vorsichtig Eichmann hierbei vorging, da es sich um das erste nicht besetzte Land handelte, zeigt, daß er die Forderung auf Aberkennung der Staatsangehörigkeit und Zahlung eines„Umsiedlungsbeitrages” stellte. Er hat eine derartige Forderung später in keinem anderen Lande wiederholt. Die Annahme von Eichmann's Verlangen durch die damalige slowakische Regierung zeigt, daß diese ein Interesse an der Deporta- tion hatte. Hätte ein solches freiwilliges Angebot nicht vorgelegen, so wäre die Slowakei vermutlich vor 1944 nicht in die Deportation einbezogen worden, denn auch Ungarn und Rumänien wurden aus politischen Gründen von Eichmann zunächst zurückgestellt. In Rumänien bemühte sich der dortige„Berater“ und Polizeiattache, Richter, auf Eichmann's Befehl im Sommer 1942, die rumänische Regierung zu bewegen, auch die dortigen Juden nach Polen zu deportieren. Antonescu lehnte dies jedoch ab und führte eine eigene Aktion unter Abschiebung der Juden in die von Rumänien besetzten russischen Gebiete, besonders den Raum von Odessa, durch. Tatsächlich sind aus Rumänien keine Juden nach den polnischen Vernichtungslagern deportiert worden, so sehr sich Eichmann auch später noch in dieser Richtung bemühte. Während des Sommer/Herbst 1942 liefen also Aktionen aus Frankreich, Holland, Belgien und der Slowakei. Aus Kroatien wurde meines Wissens nur ein Transport aus Agram deportiert, die übrigen Juden waren entweder ins italienische oder das Partisanengebiet geflüchtet. Gegen Ende des Sommers 1942 trat ein allgemeiner Stillstand der Deportation ein. In allen Ländern hatte sich der Widerstand gegen die Deportation versteift. Dies hing besonders mit dem allgemeinen Bekanntwerden der tatsächlichen Verhältnisse zusammen. Bis zum Herbst 1942 hielt Eichmann die„Endlösung” auch vor seinen Mitarbeitern geheim. Dies war umso leichter, als diese nur höchst selten, wenn sie von Eichmann befohlen wurden, nach Berlin kamen: Erst im November 1942 hat er auf einer Tagung in Berlin einzelnen seiner Unter- gebenen Mitteilung von der Vernichtungsaktion gemacht. Derartige Tagungen hielt Eichmann jährlich nur einmal ab. Im Januar 1943 sandte Eichmann seinen Vertreter Günther nach Saloniki, um mit der dortigen deutschen Militärverwaltung wegen der Juden in Nordgriechenland, der deutschen Zone, zu verhandeln. Die Militärverwaltung plante eine Ghettobildung und örtlichen Arbeitseinsatz der Juden im Rahmen der OT. Als ich im Februar 1943 nach Saloniki ging, gab mir Eichmann noch diesen Auftrag, gleichzeitig sandte er aber Brunner nach Saloniki mit dem Befehl, die Deportation vorzubereiten. Da die Militärverwaltung sich Brunners Vorschlägen an- schloß, führte dieser die Deportation,aus Mazedonien ab Ende März bis Mitte Mai durch. Ein Versuch von mir, Eichmann unter Hinweis auf eine Fleckfieberepidemie und die ungeheure Ent- fernung zur Aufschiebung der Aktion zu veranlassen, scheiterte. Nach Abschluß der Deportation in Mazedonien— wurde Brunner, der Eichmann's höchste Gunst besaß, nach Frankreich mit seinem Kommando gesandt, um dort die Deportation zu aktivieren, da Eichmann den„Befehlshaber der 83 1, Dos Reichsve SIPO“ in Paris, Dr. Knochen, der Sabotage seiner Maßnahmen beschuldigte. Brunner betätigte\ des Waggon! sich besonders in Südfrankreich und dem früher unbesetzten französischen Gebiet. Auch aus Mit der Ges! Holland/Belgien gingen ab Frühjahr 1943 wieder Transporte. Gleichzeitig mit der Aktion aus| klar im Fall| Mazedonien liefen einige Transporte aus Bulgarien und zwar aus dem früher griechischen Gebiet| 5, Eihmanns N von Thrazien, die von dem im Auftrage Eichmanns beim Polizeiattache in Sofia tätigen Dannecker| außer MIT, r veranlaßt worden waren. Nach der italienischen Kapitulation im September 1943 wurde Dannecker| versucht hab von Eichmann nach Rom entsandt. Die italienische Regierung hatte sich trotz verschiedentlicher 4 oder zu eine Bemühungen Himmlers bei Mussolini der Deportation nicht angeschlossen, ja sogar im Fall Saloniki# von Tousende ihre jüdischen Staatsangehörigen nach Italien repatriiert. Dannecker, und seit 1944 Boßhammer, zumeist völli haben aus Italien einige Transporte deportiert, jedoch ist der Hauptteil der italienischen Juden I af Grund mei wegen der schnell fortschreitenden Kriegsereignisse in diesem Lande und der Partisanentätigkeit| Jurch Befehle vi nicht erfaßt worden. Im September 1943 sandte mich Eichmann nach Athen mit dem Befehl, die’ yes europäische Juden aus Südgriechenland unverzüglich zu deportieren. Da ich diesen Befehl bis Januar 1944 IF muß, da es and nicht durchführte, obgleich die Möglichkeit hierfür gegeben war, wurde ich abgelöst und Burger“(it.Nr. 46, 9.95 nach Athen entsandt, der im Frühsommer 1944 einige Transporte organisierte. Im Frühjahr 1944” ging Eichmann's Vertreter, Günther, mit einem Kommando nach Kopenhagen, um die dänischen Juden zu deportieren. Da die Aktion aber rechtzeitig bekannt wurde, flüchteten diese zum größten Teil nach Schweden. Nur einige hundert wurden verhaftet, aber nicht nach Auschwitz gebracht, sondern in Theresienstadt untergebracht. Sie verdankten dies dem mutigen Eintreten des dänischen Königs. Bis zum Frühjahr 1944 hatten also in fast allen Ländern, die unter deutschem Einfluß 0) Bericht: standen. Deportationen stattgefunden. Überall aber waren die Aktionen nicht abgeschlossen worden oder ganz ungleichmäßig verlaufen. Nur zwei Länder waren von Eichmanns Maßnahmen bisher| 1.1. Koss verschont geblieben. Ungarn und Rumänien. Rumänien hat sich auch bis zum Kriegsende der Deportation nach Polen nicht angeschlossen, während Ungarn im März 1944 an die Reihe kam. Je mehr der Krieg fortschritt und es immer klarer wurde, daß ein deutscher Sieg ausgeschlossen war, um so stärker drang Eichmann auf die restlose Durchführung der Deportationen und der Ver: nichtung. Aus diesem Grunde ging er auch persönlich nach Budapest mit einem Kommando, zu Ende Juli 1941 dem er die meisten seiner Mitarbeiter beordert hatte. Nur Brunner blieb in Frankreich und Boß-"von Westen na hammer in Italien. Für die Dauer seines Budapesters Aufenthalts übernahm seine Vertretung in| m Nachmittag Berlin Rolf Günther. Die in Ungarn stationierten Polizeikräfte und Eichmann’s Kommando hätten I jigı allzuweite 4 an sich nicht ausgereicht, die Deportation der ungarischen Juden durchzuführen. Eichmann fand fistolenschüsse| aber die restlose Unterstützung der Staatssekretäre Endre und Baky im ungarischen Innenministe:"|" ‚nd Ordonnonz rivm, die den Apparat der ungarischen Gendarmerie vollständig einsetzten. Eichmann’s Ziel war j die Durchführung einer„Blitzaktion“, und er hat diesen Plan auch verwirktlicht. Lediglich die Deportation der Juden aus Budapest gelang ihm nicht, da diese Aktion, die besonders geheim vorbereitet worden war, rechtzeitig verraten wurde und Horthy auf Intervention neutraler Diplo: | einem vor uns «hießungen vo dunächst nicht Tnllerpfeife un -chüsse anreiht | Dammes ein Bi maten die Aktion verbot. Auf diese Dinge wird weiter unten noch eingegangen. Die seit Frühjahr 1944 in Budapest laufenden Bemühungen von Vertretern des„Joint Distribution Committee” führten dann im Oktober 1944 zu einem Befehl Himmlers, der die„Endlösung” stornierte. Die letzte Aktion, die Eichmann noch durchführte, obgleich er über den Stand der Verhandlungen mit Himmler unterrichtet war, war die Deportierung der restlichen Juden aus der Slowakei. Brunner, der aus Frankreich zurückgekehrt war, wurde im September 944 nach Bratislava entsandt und deportierte in größter Eile die Juden, die er erfassen konnte, Aber selbst nach dem Erlaß Himmlers von Oktober 1944 gab Eichmann sich noch nicht zufrieden. Der Erlaß verbot nämlich nur die Vernichtung der Juden, und so machte er sich daran, aus Budapest Juden als Arbeitskräfte für die KZs und für den Stellungsbau bei Wien zu rekrutieren. Im Dezember 1944 mußte er auch diese Tätigkeit einstellen, da Budapest von russischen Streitkräften eingeschlossen wurde. Seit Februar 1945 befand I sich Eichmanns Referat in voller Auflösung. Er selbst und der Hauptteil seiner Mitarbeiter ist bei iR dem Zusammenbruch im Mai 1945 untergetaucht. Abschließend möchte ich die Gras feststellen, warum Eichmann mit seiner Aktion einen solchen Erfolg haben konnte. 1. Eichmann besaß das vollste Vertrauen von Himmler, Heydrich und Müller. Auch unter Kalten- brunners Amtsführung blieb seine Vertrauensstellung absolut erhalten. j Auf Grund des Göring-Erlasses vom Sommer 194] konnte Eichmann die Einsprüche unterer 1| Dienststellen glatt ausschalten. In bezug auf die besetzten Gebiete und die verbündeten Länder wurde Eichınann von Ribbentrop r und dem Auswärtigen Amt in keiner Weise an seiner Tätigkeit gehindert. Das Auswärtige Amt], hatte sich völlig Eichmanns Initiative untergeordnet. &i0gt, der e 1 Zure "4. Das Reichsverkehrsministerium hat Eichmann, trotz aller Schwierigkeiten bei der Beschaffung 4 Boßhammer, enischen Juden tisanentäfigkeit lem Befehl, die is Januar 1944 öst und Burger 1 Frühjahr 1944 des Waggonmaterials, stets bevorzugt die notwendigen Transportmittel zur Verfügung gestellt. Mit der Gestellung der Waggons stand und fiel die gesamte Deportation. Das zeigte sich ganz klar im Fall Griechenland und Ungarn. Eichmanns Mitarbeiter waren gewöhnt, blind Befehle auszuführen. Einen Widerstand hat außer mir, nur noch in Ungarn Obersturmbannführer Krumey versucht. Es war, wie ich oft versucht habe, unmöglich, unter Appell an die Vernunft, diese Leute zu einer stillen Sabotage oder zu einer Verlangsamung, die ja bei der raschen Entwicklung des Krieges die Rettung von Tausenden von Menschen bedeutete, zu bewegen. Eichmanns persönlicher Einfluß auf diese zumeist völlig primitiven Menschen war zu groß. "Auf Grund meiner persönlichen Erfahrungen stelle ich nochmals fest, daß Eichmanns, obgleich durch Befehle von Hitler und Himmler gedeckt, persönlicher Anteil an dieser Tat, der Dezemierung des europäischen Judentums, entscheidend ist und er voll dafür verantwortlich gemacht werden muß, da es andere Möglichkeiten gab, den Hitler-Befehl zu umgehen. ı die dänischen se zum größten hwitz gebracht, 1 des dänischen utschem Einfluß "hlossen worden 3nahmen bisher Kriegsende der die Reihe kam, ausgeschlossen en und der Ver: Kommando, zu kreich und Boß- e Vertretung in mmando hätten= Eichmann fand .n Innenministe: nann's Ziel war t, Lediglich die\ sonders geheim neutraler Diplo: \ie seit Frühjaht nmittee” führten (Lit.Nr. 46, S. 95 ff.) (30) Bericht des Majors Rösler an seine vorgesetzte Dienststelle z.Z. Kassel, den 3. 1. 1942 Major Rösler Bericht: Die mir vom Infanterie-Ersatz-Regiment 52 vorgelegte Angelegenheit„Verhalten gegenüber der Zivilbevölkerung im Osten” gibt mir Veranlassung, das Folgende zu berichten: Ende Juli 1941 befand sich das damals von mir geführte Infanterie-Regiment 52 auf dem Wege von Westen nach Shitomir, wo es eine Rastunterkunft beziehen sollte. Als ich mit meinem Stab am Nachmittag des betreffenden Ankunftstages mein Stabsquartier bezogen hatte, hörten wir aus nicht allzuweiter Entfernung in regelmäßigen Abständen Gewehrsalven, denen nach einiger Zeit Pistolenschüsse folgten. Ich beschloß, dieser Erscheinung nachzugehen und begab mich mit Adjutant und Ordonnanzoffizier(Oberleutnant von Bassewitz und Leutnant Müller-Brodmann) in Richtung des Gewehrfeuers auf die Suche. Wir bekamen bald den Eindruck, daß sich hier ein grausames Schau- spiel abspielen müsse, denn nach einiger Zeit sahen wir zahlreiche Soldaten und Zivilpersonen “einem vor uns liegenden Bahndamm zuströmen, hinter dem, wie man uns meldete, laufend Er- ie letzte Aktion, .n mit Himmler runner, der aus" und deportierle ür die KZs un] diese Tätigkel a schießungen vorgenommen wurden. Während der ganzen Zeit konnten wir über den Bahndamm zunächst nicht hinwegsehen, hörten jedoch immer nach einem gewissen Zeitraum den Ton einer Trillerpfeife und danach eine etwa 10-läufige Gewehrsalve, an die sich nach einiger Zeit Pistolen- schüsse anreihten. Als wir schließlich den Bahndamm erklettert hatten, bot sich jenseits dieses Dammes ein Bild, dessen grausame Abscheulichkeit auf den unvorbereitet Herantretenden erschüt- ternd und abschreckend wirkte. In die Erde war ein etwa 7—8 Meter langer, vielleicht 4 Meter breiter Graben eingezogen, dessen aufgeworfene Erde auf der einen Seite aufgeschichtet war. Diese Aufschichtung und die darunter liegende Grabenwand waren vollständig mit Strömen von Blut besudelt. Die Grube selbst war mit zahlreichen, schwer abzuschätzenden menschlichen Leichen aller Art und jeden Geschlechts gefüllt, so daß ihre Tiefe nicht geschätzt werden konnte. Hinter dem " aufgeschütteten Wall stand ein Kommando Polizei, das von einem Polizeioffizier befehligt wurde. var 1945 befand{ tarbeiter ist belle ünde feststellen ch unter Kalten" \ | el sprüche unteff | ı von Ribbenttaß IF Auswörtige Afl Die Uniformen dieses Kommandos wiesen Blutspuren auf. Im weiten Umkreis ringsherum standen unzählige Soldaten dort bereits liegender Truppenteile, teilweise in Badehosen, als Zuschauer, ebenso zahlreiche Zivilisten mit Frauen und Kindern. Ich habe mir daraufhin durch ganz dichtes Herantreten an den Graben ein Bild verschafft, das ich bis heute nicht vergessen konnte. Unter anderem lag in diesem Grab ein alter Mann mit einem weißen Vollbart, der über seinem linken Arm noch ein kleines Spazierstöckchen hängen hatte. Da dieser Mann noch durch seine stoßweise Atemtätigkeit Lebenszeichen von sich gab, ersuchte ich einen der Polizisten, ihn endgültig zu töten, worauf dieser mir mit lachender Miene sagte:„Dem habe ich schon siebenmal wos in den Bauch gejagt, der krepiert schon von alleine.“ Die in dem Graben liegenden Erschossenen wurden nicht besonders zurecht gelegt, sondern blieben so, wie sie nach dem Schuß von der Grabenwand herunter- 85 gefallen waren. Sämtliche dieser Leute wurden durch Nackenschüsse erledigt und anschließend von oben her mit Pistolenschüssen abgefangen. Ich habe durch meine Teilnahme am Weltkriege sowie dem französischen und russischen Feldzug dieses Krieges keineswegs eine übertriebene Verweichlichung meines Gemütes erfahren, habe auch durch meine Betätigung in den Freiwilligenformationen des Jahres 19 manches mehr als Unerfreuliche erlebt, ich kann mich jedoch nicht entsinnen, jemals einer solchen Scene, wie der geschilderten, beigewohnt zu haben. Ich erwähne noch, daß nach Aussagen von Soldaten, die sich diese Hinrichtungen öfters ansahen, täglich mehrere Hunderte erschossen worden sein sollen. Gezeichnet Rösler (IMT, Bd. VII, USSR—293,$. 588 f.) (31) Appell Bischof D. Wurms an Hitler über das Vorgehen gegen„privilegierte Nichtarier”(16. Juli 1943) -.. Im Namen Gottes und um des deutschen Volkes willen, sprechen wir die dringende Bitte aus, die verantwortliche Führung des Reiches wolle der Verfolgung und Vernichtung wehren, der viele Männer und Frauen im deutschen Machtbereich ohne gerichtliches Urteil unterworfen werden. Nach- dem die dem deutschen Zugriff unterliegenden Nichtarier in größtem Umfang beseitigt worden sind, muß auf Grund von Einzelvorgängen befürchtet werden, daß nunmehr auch die bisher verschont gebliebenen sogenannten privilegierten Nichtarier erneut in Gefahr sind, in gleicher Weise be- handelt zu werden. Insbesondere erheben wir eindringlichen Widerspruch gegen solche Maßnahmen, die die eheliche Gemeinschaft in rechtlich unantastbaren Familien und die aus diesen Ehen hervor- gegangenen Kinder bedrohen. Diese Absichten stehen, ebenso wie die gegen die anderen Nicht- arier ergriffenen Vernichtungsmaßnahmen, im schärfsten Widerspruch zu dem Gebot Gottes und verletzen das Fundament alles abendländischen Denkens und Lebens: Das gottgegebene Urrecht menschlichen Daseins und menschlicher Würde überhaupt. In der Berufung auf dieses göttliche Urrecht des Menschen schlechthin erheben wir feierlich die Stimme auch gegen zahlreiche Maßnahmen in den besetzten Gebieten. Vorgänge, die in der Heimat bekannt geworden sind und viel besprochen werden, belasten das Gewissen und die Kraft unzähliger Männer und Frauen im deutschen Volk auf das schwerste; sie leiden unter manchen Maßnahmen mehr als unter den Opfern, die sie jeden Tag bringen. Die deutsche evangelische Christenheit muß das dringende Verlangen stellen, daß den der Macht des Reiches unterworfenen- Nationen und Konfessionen die volle Freiheit der Religionsausübung und eine den Grundsätzen des Rechts und der Gerechtigkeit entsprechende Behandlung ohne Ansehen der Nation oder der Konfession gewährleistet werde. Die evangelische Christenheit weiß sich dabei in christlicher Soli- darität mit all denen, die durch unverständliche Anordnungen selbst im tiefsten Elend noch daran gehindert werden, in der Gemeinschaft ihres Glaubens Trost zu suchen. Wir verkennen nicht die harten Notwendigkeiten des Krieges. Wir sind aber der Überzeugung, daß Willkürmaßnahmen gegen Leben, Eigentum und Glaubensfreiheit, die von Parteiinstanzen und staatlichen Stellen unter Berufung auf solche Notwendigkeiten durchgeführt worden sind, unendlich mehr geschadet haben als etwaiger Mißbrauch von Gerechtigkeit und Milde. Indem wir dies im Namen unzähliger Christen aussprechen, begehren wir nichts für uns selbst. Die deutsche evangelische Christenheit trägt alle Opfer mit. Sie will keine Sonderrechte und keine Bevorzugung. Sie strebt nicht nach Macht und begehrt keine Gewalt. Aber nichts und niemand in der Welt soll uns hindern, Christen zu sein und als Christen einzutreten für das, was Recht ist vor Gott. Damit bitten wir in ganzem Ernst, daß die Führung des Reiches diesem Begehren Gehör schenken möge eingedenk ihrer hohen Verantwortung für Leben und Zukunft des deutschen Volkes. gez. D. Wurm (Hermelink, Heinrich: Kirche im Kampf. Dokumente des Widerstandes und des Aufbaus in der Evangelischen Kirche Deutschlands von 1933 bis 1945. Tübingen und Stuttgart 1950, S. 654 ff.) 86 h N m sad r Be ee__ Deutschland (Grenzen von ib Osterreich»++* Tschechoslowake (Grenzen von\ Dänemark..-- frankreich..-- "Belgien....-- "Holland...«+- h Luxemburg.... "Norwegen.... ltalien 2.....- Jugoslawien.. > Griechenland. > Bulgarien > Vorkriegsgrenz " Rumänien > Workriegsgrenz Ungarn....... (Grenzen vor E BE Sowielunion Workriegsgrenz >(iENT.48,$.5 " Verläßliche 2 Schätzungen, li i ließend yon I(32) Schätzungen über den zahlenmäßigen Umfang der Ausrotiung schen Feldzug en, habe auch b| Unerfreyliche geschilderten, fters anschen, Chnet Rösler arivilegierte nde Bitte aus, ren, der viele werden. Nach- t worden sind, sher verschont ıer Weise be- : Maßnahmen, 1 Ehen hervor- ınderen Nicht- ot Gottes und ebene Urrecht r feierlich die e, die in der und die Kraft ınter manchen evangelische unterworfenen ı Grundsätzen tion oder der ristlicher Soli- ıd noch daran nen nicht die ürmoßnahmen 1 Stellen unter schadet haben ür uns selbst. ‚hte und keine ıd niemand in was Recht ist gehren Gehör tschen Volkes. z. D. Wurm ufbaus in der 654 ff.) nmemuen. 5 ERERER Reitlingers Schätzungen Mindestzahl Höchstzahl Schätzungen des Anglo-Amerik. Komites, April 1946 ee Benllamel 3338890400. 008 0GB ER (Grenzen von 1937) HH TEEN a aan = Tschechoslowakei.........uusuneeeeeeesenen u(Grenzen von 1997)........--.............. IE SmamallR. 5808 0000090023 Dar SER Te. ae BO BEE Belgien Holland WITZ] 5 Re ARE En cnnann nnd nnanencen Italien sr slEDTIEN) 5 6.000 Bo Rd DROHTE erenlandi 2.222... | Tele 05 0000 SuRRD RUN RRRRE ‚(Vorkriegsgrenzen) DEE] ee (Vorkriegsgrenzen) ne eeesecensensenne sauce \(Grenzen vor Erstem Wiener Schiedsspruch) en astescsennnenun ee (Vorkriegsgrenzen) an neues snanssasneeng nes (Vorkriegsgrenzen plus baltische Staaten] (Lit.Nr. 48, S. 573.) * Verläßliche Zahlenangaben liegen in diesem Schätzungen. 160 000 180 000 195 000 58 000 60 000 53 000 233 000 243 000 255 000 (weniger als 100) 1500 meist Flüchtlinge in Schweden 60 000 65 000 140 000 25 000 28 000 57 000 104 000 104 000 120 000 3.000 3.000 3.000 70 700 1.000 8 500 9 500 20 000 55 000 58 000 64 000 57 000 60 000 64 000 _— 5 000 200 000* 200 000* 530 000 180 000 200 000 200 000 2 350 000* 2 600 000* 3271 000 700 000* 750 000* 1.050 000 6 029 500 Abzüglich DPs 308 000 4.194 200* 4 581 200* 5721 500 Falle nicht vor. Es handelt sich nur um annähernde E- Anhang 1. Anregungen für den Unterricht An der„Judenverfolgung unter der Herrschaft des Nationalsozialismus” kann bei der Behandlung der deutschen Geschichte von 1933 bis 1945 am überzeugendsten dargestellt werden, wohin es führt, wenn in einem Regierungssystem die Menschen- und Bürgerrechte mißachtet werden, Terror und Schrecken dagegen für eine Minderheit im Staate die entscheidenden Lebensbedingungen sind. Die Schüler, die die Zeit vor 1945 nicht miterlebt haben, stehen diesem Thema, wie auch dem ganzen Bereich der Zeitgeschichte, kühl und nüchtern gegenüber. Gerade angesichts des Mißtrauens in der Öffentlichkeit gegenüber Lehrerschaft und Elternhaus und des nicht zu unterschätzenden Generations- unterschiedes zwischen denjenigen, die die Jahre zwischen 1933 und 1945 bewußt miterlebt haben und den zu Unterrichtenden hat der saubere, wahrheitsgemäße Geschichtsunterricht eine funda- mental politisch-pädagogische Bedeutung. Die„unbewältigte Vergangenheit” ist in erster Linie das Problem der älteren Generation. Aufgabe des Unterrichtenden sollte es sein, 1. Tatsachenwissen zu vermitteln; 2. die menschliche Tragödie, die hinter dem Schicksal eines jeden Verfolgten steht, deutlich sichtbar werden zu lassen. Erst wenn der einzelne Schüler sich plastisch vorstellen kann, was ihm selbst unter einem solchen Regime hätte passieren können, sofern er unter dessen Ausnahmegesetze gefallen wäre, ist es möglich, die Verbindung zum historischen Geschehen herzustellen. Das„Tagebuch der Anne Frank“ eignet sich hierfür sehr gut. Weiterhin ist es notwendig, das Thema„Judenverfolgung” in die Darstellung des Gesamtbereiches der Geschichte des Nationalsozialismus pädagogisch sinnvoll einzubauen und in den richtigen Pro- portionen zu betrachten. Nicht„gute Autobahnen”,„Kraft durch Freude” oder„NS-Volkswohlfahrt” sind für die Beurteilung der Ereignisse wichtig oder gar entscheidend. Einzelne„gute” Maßnahmen* können niemals über den Unrechtscharakter des ganzen Systems hinwegtäuschen. Es ist nicht möglich, die eine, angeblich„gute“ Seite des Regimes zu bejahen, vor den negativen jedoch die Augen mehr oder minder bewußt zu verschließen. Eine solche Betrachtungsweise vermittelt nicht nur ein falsches historisches Bild, sondern sie demaskiert auch den Betrachter als stillen Anhänger des Nationalsozialismus. Neben der historischen Tatsachenvermittlung darf dabei den vielen peinlichen Fragen nach dem politischen Versagen des deutschen Volkes, beziehungsweise der mangelnden demokratischen Festig- keit des Durchschnittsbürgers in jenen Jahren nicht ausgewichen werden. Nur bei größter Wahrheits- liebe kann man hoffen, daß die„unbewältigte Vergangenheit“ nicht auch zum politischen Haupt- problem der heranwachsenden Generation wird. Die Erfahrung hat gezeigt, daß das Eingeständnis von eigenen politischen Fehlern oder Fehibeurteilungen keineswegs der Autorität des Erziehers abträglich ist. Besonderer Wert muß darauf gelegt werden, die vielfach vorherrschende Neigung der Schüler nach der ablenkenden Erörterung von Zeitfragen, die mit dem Thema der Judenverfolgung verknüpft sind, nicht zu ignorieren, ohne ihnen dabei allzu entscheidende Bedeutung beizumessen. Die Fragen zur Wiedergutmachung oder zur Gesamtzahl der dem nationalsozialistischen Terror zum Opfer gefallenen Menschen sind hierfür leider vieldiskutierte Beispiele. Die„Klage“, Herr X erhalte„unerhört“ viel Geld vom Entschädigungsamt, muß zur Erörterung des Leidens der Verfolgten unter Hitler und den dahinterstehenden Menschenschicksalen führen; an ihnen kann die Problematik der Wiedergutmachung(heutiges Alter der Verfolgten, verlorene Jahre und Chancen) deutlich gemacht werden. Das weitverbreitete„Aufwiegen“ menschlicher Schicksale(Judenverfolgung gegen Vertreibung der Deutschen aus dem Osten) muß zum Anlaß genommen werden zu zeigen, daß ohne den nach 1933 in Deutschland herrschenden Unrechtsstaat kein Deutscher seine Heimat verloren hätte. Die Schüler sollen ein Gefühl dafür bekommen, daß Überreste und erst recht neue Formen des * Vgl. in dieser Reihe Heft 7, H.-J. Winkler: Legenden um Hitler. Berlin 1963. 88 Antisemitis zu verstän Gegen av‘ nögt ein} und auf d Nur intensive Oberstes Ziel| daß Toleranz wie es die Pfli wenn ein Stac! und zu unterd dem Juden Ac der Weise” bi werden, doß« 2, Zeittafel Antisemitismus in Deutschland(Hakenkreuzschmierereien usw.) angesichts der Millionen Toten zu verständlicher Unruhe im In- und Ausland führen. Gegen auch heute noch anzutreffende Vorurteile gegenüber Menschen jüdischen Glaubens ge- nügt ein Hinweis auf die Geschichte des sogenannten„Judenproblems” in der Vergangenheit und auf die beispiellose Aufbauarbeit des jungen Staates Israel. Nur intensive Aufklärung kann verhindern, daß aus Nichtwissen neues Unheil entsteht. a Oberstes Ziel bei der Betrachtung der Geschichte des Nationalsozialismus muß es sein zu erkennen, m ührt, daß Toleranz und Achtung vor dem Nächsten ebenso selbstverständliche Menschenpflichten sind, » NEITOnKUnd wie es die Pflicht jedes einzelnen ist, für die selbstverständlichen Rechte seines Nächsten einzutreten, n sind, wenn ein Staat auf die Idee verfällt, zur Erreichung seiner Ziele eine Minderheit rechtlos zu machen em ganzen und zu unterdrücken. Ebenso wie der Christ Achtung vor seinem Glauben fordert und erhält, muß Tauens in der dem Juden Achtung vor seinem Glauben gewährt werden. Die Behandlung von Lessings„Nathan 'Generations- der Weise” bietet im Deutschunterricht eine sinnvolle Ergänzung. Es soll den Schülern verständlich terlebt haben werden, daß das„Judenproblem” in erster Linie das Problem der Nichtjuden ist. ' eine funda- ster Linie das 2. Zeittafel otlich sichtbar 1933 „Judenboykott” in ganz Deutschland inem solchen© BA: Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums wäre, ist es; Bl Gesetz über den Widerruf von Einbürgerungen und die Aberkennung der Anne Frank" F deutschen Staatsangehörigkeit(in erster Linie gegen die nach 1918 eingebür- gerten Juden aus den früheren deutschen Ostgebieten gerichtet) samtbereiches richtigen Pro- 1935 Ikswohlfohrt”# 29% Reichsbürgergesetz Maßnahmen"©: LC9, Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre Es ist nicht kan 1. Verordnung zum Reichsbürgergesetz(Aberkennung des Wahlrechts und der n jedoch die öffentlichen Ämter; Entlassung aller jüdischen Beamten einschließlich aller Front- rmittelt nicht kämpfer, Definition des Mischlingsstatus) en Anhänger© sl. 1. Verordnung zum Gesetz zum Schutze des deutschen Blutes und der deutschen Ehre(Verbot von Eheschließungen. zwischen Juden und Mischlingen Il. Grades) on nach dem ischen Festig- 1937 sr Wahrheits-© 6. Geheimerlaß Heydrichs betr. Schutzhaft für Rassenschänder nach Abschluß des schen Haupt- ordentlichen Gerichtsverfahrens Fingeständnis des Erziehers 1938 Gesetz über die Rechtsverhältnisse der jüdischen Kultusvereinigungen(jüdische Kultusvereinigungen sind nicht mehr Körperschaften des öffentlichen Rechts, sondern rechtsfähige Vereine) Verordnung über die Anmeldung aller jüdischen Vermögen über 5000 RM Anlegung von Listen vermögender Juden bei Finanzämtern und Polizeirevieren Zerstörung der Münchener Synagoge 3. Verordnung zum Reichsbürgergesetz(Registrierung und Kennzeichnung jüdi- scher Gewerbebetriebe) „Juni-Aktion”, Verhaftung von ca. 1500 Juden und Überweisung in Konzentra- tionslager 4. Verordnung zum Reichsbürgergesetz(Streichung der Approbationen aller jüdischen Ärzte; weitere Tätigkeit in Ausnahmefällen nur für Juden als„Kran- kenbehandler”) Zerstörung der Nürnberger Synagoge 2. Verordnung zur Durchführung des Gesetzes über die Änderung von Familien- namen und Vornamen(ab 1. 1. 1939 müssen Juden den Zwangsnamen„Israel” bzw.„Sara“ führen) Schüler nach ng verknüpft 1. Die Fragen zum Opfer jr Erörterung solen führen; en, verlorene ‚ Vertreibung „8 ohne den ‚rloren hätte. , Formen des 8 12. 28. 12./13: 20. 30. 22. 22./23. 9.1938 . 10. 1938 . 10. 1938 11. 1938 . 11. 1938 . 11. 1938 . 11. 1938 . 11. 1938 11. 1938 11. 1938 12. 1938 =: . 1939 12.1939 3.1939 > . 1939 7.1939 9. 1939 9. 1939 9. 1939 9. 1939 0. 1939 1. 1939 128} . 1940 4. 1940 4. 1940 10. 1940 1.1941 Juni/August 1941 3l. Us 28./29. 14. 23. 7.1941 9.1941 9.1941 10. 1941 10. 1941 5. Verordnung‘ zum Reichsbürgergesetz(Streichung der Zulassung aller jüdi- schen Rechtsanwälte; weitere Tätigkeit in Ausnahmefällen nur für Juden als „Jüdische Konsulenten”) Verordnung über'Reisepässe(Einbeziehung der Reisepässe; Neuausgabe er- schwert und mit einem„J” versehen) Ausweisung von 15 000—17 000 in Deutschland wohnender früherer polnischer Juden Attentat Grünspans auf den Gesandtschaftsrat vom Rath in Paris Pogrom(Kristallnacht) in ganz Deutschland; Zerstörung von Synagogen, Ge- schäften, Wohnhäusern; Verhaftung von über 26 000 männlichen Juden Verordnung über Sühneleistung der deutschen Juden in Höhe von 1 Milliarde RM Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben (Schließung aller jüdischen Geschäfte usw.) Verordnung zur Wiederherstellung des Straßenbildes bei jüdischen Gewerbe- betrieben(Juden haben alle am 9. und 10. 11. angerichteten Schäden selbst zu bezahlen) Verbot des Besuchs von Theatern, Lichtspielhäusern, Konzerten usw. für Juden Polizeiverordnung über das Auftreten der Juden in der Offentlichkeit(Ein- schränkung der Bewegungsfreiheit usw.) Einziehung der Führerscheine; Schaffung eines„Judenbanns” in Berlin 1939 8. Verordnung zum Reichsbürgergesetz(Erlöschen der Zulassung von jüdischen Zahn- und Tierärzten, Apothekern) Gründung der Reichszentrale für jüdische Auswanderung(Zentralämter in Wien und Prag) Besetzung der Tschechoslowakei(Einführung der im Reichsgebiet geltenden anti- jüdischen Verordnungen) Gesetz über Mietverhältnisse mit Juden(Gesetzliche Vorbereitung zur Zusam- menlegung jüdischer Familien in„Judenhäusern”; Aufhebung des Räumungs- schutzes usw.) 10. Verordnung zum Reichsbürgergesetz(Schaffung der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland) Ausgangsbeschränkungen für Juden(im Sommer Sperre ab 21.00 Uhr, im Winter ab 20.00 Uhr) Richtlinien Heydrichs für die Einsatzgruppen in Polen(Ghettoisierung) Beschlagnahme der Rundfunkgeräte bei Juden Gründung des Reichssicherheitshauptamtes(RSHA) Erste Deportierungen aus Österreich und dem„Protektorat” nach Polen Einführung der Kennzeichnungspflicht für Juden im ganzen Generalgouvernement 1940 Deportation der Stettiner Juden nach Polen(Lublin) Geheimerlaß des Oberkommandos der Wehrmacht(Entlassung der Mischlinge und Ehemänner von Jüdinnen) Erstes bewachtes Ghetto in Lodz errichtet Deportation der Juden aus Elaß-Lothringen, Saarland, Baden 1941 Erstes Judenmassaker in Rumänien Zahlreiche Pogrome in den besetzten russischen Gebieten Heydrich von Göring mit der Evakuierung aller europäischen Juden beauftragt Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden(Einführung des Juden- sterns im Reich ab 19. 9. 1941) Massenmorde in Kiew Erste Deportationsbefehle für Juden aus dem Altreich Emigrationsverbot Re ee er menge oktINov: 3.11. Ende Dez. 2. 1. 6.3. 7.3. Mitte März %. 3. "ab Ende März 4.4 Anfang Mai ab Ant Juni 2.6 3%. 6. Juli Oktober April/Juni Herbst Ende Okt, %.11. aller jüdi- r Juden als Uusgabe er. "polnischer Igogen, Ge- en Yilliarde RM 'schaftsleben n Gewerbe. en selbst zu Y. für Juden ichkeit(Ein- rlin on jüdischen ralämter in tenden anti- zur Zusam- ; Räumungs- inigung der r, im Winter 19) len ouvernement r Mischlinge n beauftragt ] des Juden- Okt./Nov. 1941 25. 11. 1941 Ende Dez. 1941 20. 1.1942 6. 3.1942 17. 3.1942 Mitte März 1942 26. 3.1942 ab Ende März 1942 24. 4.1942 Anfang Mai 1942 ab Anfang Juni 1942 2. 6.1942 30. 6.1942 Juli 1942 Oktober 1942 27.10. 1942 27.2.1943 April/Mai 1943 1. 7.1943 Aug./Dez. 1943 April/Juni 1944 Herbst 1944 Ende Okt. 1944 26. 11. 1944 26. 1.1945 15. 4.1945 2. 5.1945 Grausame Judenvernichtungen in ganz Südrußland(Blutbad in Riga Anfang Dezember 1941, dem auch die ersten Judentransporte aus dem Reich zum Opfer fallen) 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz(Einziehung jüdischen Vermögens bei Deportation) Beginn der Massenvernichtung in Chelmno 1942 Wannsee-Besprechung über die Deportation und Ausrottung des europäischen Judentums(„Endlösung”) 1. Sterilisationskonferenz Errichtung des Vernichtungslagers Belzec Beginn der Aktion„Reinhard” Bekanntmachung über die Kennzeichnung jüdischer Wohnungen im Reich Eintreffen der ersten europäischen Judentransporte in Auschwitz Anordnung über die Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel im Reich(Verbot der Benutzung durch Juden) Errichtung des Vernichtungslagers Sobibor Beginn der Massenvergasungen in Auschwitz Beginn der Deportation deutscher Juden nach Theresienstadt Schließung der jüdischen Schulen im Reich Errichtung des Vernichtungslagers Treblinka Im Reichsgebiet befindliche Konzentrationslager werden„judenfrei” gemacht und die jüdischen Häftlinge vornehmlich nach Auschwitz gebracht 2. Sterilisationskonferenz 1943 Deportation der in der Berliner Rüstungswirtschaft beschäftigten deutschen Juden Aufstand im Warschauer Ghetto 13. Verordnung zum Reichsbürgergesetz(Unterstellung der Juden im Reich unter Polizeirecht) Liquidierung der polnischen und russischen Ghettos 1944 Massendeportationen aus Südeuropa nach Auschwitz(Griechenland, Ungarn) Beginn der Rückführung von Häftlingen vor den heranrückenden alliierten Armeen in das Reich Letzte Vergasungen in Auschwitz Zerstörung der Auschwitzer Krematorien 1945 Auschwitz von russischen Truppen befreit Alliierte Truppen befreien Bergen-Belsen Vertreter des Internationalen Roten Kreuzes übernehmen Theresienstadt 3. Literaturhinweise Aus der Fülle der inzwischen zum Thema der nationalsozialistischen Judenverfolgung und ihrer Vorgeschichte erschienenen Bücher wird hier auf eine begrenzte Auswahl verwiesen. Damit soll ein Überblick gegeben werden, um dem Leser den Weg zu weiterer Lektüre zu vermitteln. Die meisten Dokumente findet man in den Nürnberger Prozeßunterlagen, von denen jedoch nur ein Teil ge- druckt vorliegt. Es sei daher’auf folgende Serien verwiesen: Der Prozeß gegen die Hauptkriegsverbrecher vor dem Internationalen Militärgerichtshof(deutsche Ausgabe), 42 Bände, Nürnberg 1947—1949; Trials of War Criminals before the Nuremberg Military Tribunals(Die zwölf Kriegsverbrecher- prozesse vor den Nürnberger Militärgerichten), 15 Bände, Washington 1951/52 Bibliographien, Fachzeitschriften Friedman, Philip/ Robinson, Jacob: Guide to Jewish History under Nazi Impact; Yivo Institute New York 1960; 425 S. Germania Judaica. Bulletin der Kölner Bibliothek zur Geschichte des deutschen Judentums; Köln 1960 ff. Le Monde Juif. Mitteilungsblatt des Centre de Documentation Juive Contemporaine; Paris 19486 ff. Vierteljahrshefte für Zeitgeschichte; Stuttgart 1953 ff. The Wiener Library Bulletin; London 1946 ff. The Wiener Library Catalogue Series(Bd. 3); German Jewry; London 1959; 2795. The Wiener Library Catalogue Series(Bd. 1): Persecution and Resistance; London 1960; 208 S. Yad Washem Bulletin; Jerusalem 1959 ff. Yivo Annual of Jewish Social Studies; ed. by Koppel S. Pinson; Bd. 8; New York 1953; 303 S. Judenhaß, Antisemitismus und Geschichte der deutschen Juden 1 Adler, H. G.: Die Juden in Deutschland. Von der Aufklärung bis zum Nationalsozialismus; München 1960; 178 S. Adler-Rudel, S.: Ostjiuden in Deutschland(1880—1940); Schriftenreihe wissenschaftlicher Ab- handlungen des Leo Baeck Institute of Jews from Germany, Bd.1; Tübingen 1959; XIl, 1695. Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totalitärer Herrschaft; Frankfurt a. M. 1955; 782 5 Asaria, Zvi(Hrsg.): Die Juden in Köln; Köln 1959; 477 5. Doch das Zeugnis lebt fort. Der jüdische Beitrag zu unserem Leben; Berlin 1965; 378 S. Dubnow, Simon, M.: Weltgeschichte des jüdischen Volkes. Von seinen Ursprüngen bis zur Gegenwart. Autorisierte Übersetzung aus dem Russischen von A. Steinberg. Berlin 19251929, 10 Bde. 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Ritter und Gilbert Ziebura); Berlin 1963 14b Silberner, Edmund: Sozialisten zur Judenfrage; Berlin 1961; 376 S 15 Simon, Ernst: Aufbau im Untergang. Jüdische Erwachsenenbildung im nationalsozialistischen Deutschland als geistiger Widerstand; Schriftenreihe wissenschaftlicher Abhandlungen des Leo Baeck Institute of Jews from Germany, Bd. 2; Tübingen 1959; X, 109 S 15a Sontheimer, Kurt: Antidemokratisches Denken in der Weimarer Republik; München 1963; 16 Sterling, Eleonore: Er ist wie Du. Aus der Frühgeschichte des Antisemitismus in Deutschland; München 1956; 235 S. 16a Weltsch, Robert(Hrsg.): Deutsches Judentum. Gestalten, Ideen, Werke. Vierzehn Monographien. Im Auftrage des Leo Baeck Instituts; Stuttgart 1963; 426 S. 17 Year Books of the Leo Baeck Institute of Jews from Germany; London 1956 ff. Verfolgung und Widerstand 18 Adler, H. G. u.a.: Auschwitz. Zeugnisse und Berichte; Frankfurt a. M. 1962; 423$. 19 Adler, H. 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Tausend 12- Hans-Joachim Winkler Die Weimarer Demokratie Eine politische Analyse der Verfassung und der Wirklichkeit 112 Seiten. Im 64. Tausend 22- Karl Heinz Walper Föderalismus 128 Seiten. Im 61. Tausend 24- Hermann Meyn Massenmedien in der Bundesrepublik Deutschland 160 Seiten. Im 145. Tausend ZUR POLITIK UND ZEITGESCHICHTE 26- Klaus Hänsch Frankreich Eine politische Landeskunde 136 Seiten. Im 108. Tausend 30- Hans Jendges Der Nahostkonflikt 128 Seiten. Im 129. Tausend 31- Gerhard Maurer/Peter Molt Lateinamerika Eine politische Länderkunde 128 Seiten. Im 62. Tausend 33- Bodo Zeuner Innerparteiliche Demokratie 160 Seiten. Im 50. Tausend 35- Hans Heinrich Rass Großbritannien Eine politische Landeskunde 160 Seiten. Im 58. Tausend 39- Hans Jendges Israel Eine politische Landeskunde 144 Seiten. Im 74. Tausend 41- Rolf Hanisch Bürgerkrieg in Afrika? 80 Seiten. Im 23. Tausend 42- Günther Haasch Japan 240 Seiten. Im 29. Tausend COLLOQUIUM VERLAG BERLIN GERALD REITLINGER DIE ENDLOSUNG Hitlers Versuch der Ausrottung der Juden Europas 1939—1945 Mit einem Vorwort von Rudolf Hagelstange „Endlösung der Judenfrage” war der Deckname für Hitlers Plan zur Ausrottung der jüdischen Bevölkerung Europas. Wie nahe dieser Plan seiner Vollendung kam, ist all- gemein bekannt, eine vollständige und objektive Übersicht über die Geschehnisse ist hier jedoch zum ersten Male gegeben worden. Gerald Reitlinger hat es unternommen, aus den Berichten Überlebender, aus den Zeugen- aussagen der an den Kriegsverbrecher-Prozessen Beteiligten und aus den zumeist ge- heimen Dokumenten der Archive des„Dritten Reiches” den tatsächlichen Anlauf der Ereignisse, die Verwaltungsmaschinerie der„Endlösung” sowie das Leben und die Charaktere derjenigen darzustellen, die an der Ermordung von Millionen jüdischer Menschen mitgewirkt haben. 4. durchgesehene und verbesserte Auflage. 720 Seiten Leinen INHALT Die Nürnberger Gesetze und die Auswirkungen von München- Die Kristallnacht- Der Schacht-Plan und sein Versagen- Heydrich und Eich- mann- Auswanderung nach Kriegsausbruch- Die ersten Deportationen nach Polen- Deportationen innerhalk des Generalgouvernements- Die Ausschaltung aus der Wirtschaft- Der„Judenstaat”- Jüdische Arbeit und Arbeitslager im Generalgouvernement- Die Folgen des Sieges im Westen- Die Deportationen aus dem Reich nach Lodz- Die Depor- tationen nach Rußland- Die Wannsee-Besprechung- Der Auschwitz- Plan- Auschwitz in Aktion- Die„Gemeinnützige Stiftung”- Die polni- schen Todeslager- Zyklon B gegen Auspuffgase- Die Deportationen 1942 bis 1943- Theresienstadt- Sterilisierung- Die Einsatzgruppen- Ihre Befehlshaber- Die Mitschuld der Wehrmacht- Henker und ihre Me- thoden- Die baltischen Staaten- Weißrußland- Die Ukraine- Die Küste des Schwarzen Meeres, die Krim und der Kaukasus- Die Aus- rottung der Juden in Polen 1942— Chelmno—Belzec: Die Umsiedlung in Warschau- Der Aufstand im Warschauer Ghetto- Die Liquidierung der russischen und polnischen Ghettos- Frankreich— das Werben um Vichy, die große Razzia im Juli 1942, die italienische Intervention, die Endlösung scheitert- Holland- Belgien- Dänemark und Norwegen- Italien-Jugoslawien- Griechenland- Bulgarien- Dic Slowakei- Ru- mänien- Ungarn- Das Judentum im Zusammenbruch desDritten Reiches Statistische Zusammenfassung der Endlösung Das Schicksal einiger der für die Endlösung Verant- wortlichen Zeittafel der Endlösung Bibliographie- Quellenverzeichnis- Index- Karten COLLOQUIUM VERLAG BERLIN 45 tung der ), ist all- nisse ist | Zeugen- meist ge- lauf der und die jüdischer - Die nd Eich- ationen ts» Die Arbeit eges im Depor- schwitz- e polni- ationen n« Ihre re Me- ee: Die ie Aus- jedlung dierung ben um ion, die yegen* ei- Ru- ‚Reiches Verant- Karten LIN UB Gießen ZURFOLITIK UND OSR ey ZEIVGESCHICHTE 1) Colour& Grey Control Chart ‚EL Blue Cyan Green Yellow Red Magenta |) white Grey 1 Grey 2 Gays emgray ar 7"Bläck" Juuenvertolgung im Dritten Reich BERLIN