Hermann Lancebein Selbstporträts in Tagebüchern und Briefen 1939-1945 Europa Verlag UB GIESSEN NUM Ill Ä|| Il)|| 27T 012 463 ä Ö P = E Ö a ei a Ö Wei ® S AaAlsc Europ Herausgeber: Univ.-Prof. DDr. h. c. Fritz Baade, Kiel Univ.-Prof. DDr. Richard F. Behrendt, Bern Peter Blachstein, Hamburg Dr. Wilfried Daim, Wien Univ.-Prof. Dr. Vladimir Dedijer, Manchester Dr. Walter Fabian, Köln Hans Gottfurcht, Lugano Univ.-Prof. C. A. Gulick, Berkeley Univ.-Prof. Dr. Friedrich Heer, Wien Univ.-Prof. Dr. Harold von Hofe, Los Angeles Dr. Tuure Junnila, Helsinki Dr. Bruno Kalnins, Stockholm Univ.-Prof. DDr. Hans Kelsen, Berkeley Prof. Fritz Klenner, Wien Univ.-Prof. Dr. August M. Knoll f, Wien Manolis Korakas, Athen Dr. Otto Leichter, New York Salvador de Madariaga, Oxford Univ.-Prof. Dr. Ludwig Marcuse, Santa Monica Dr. Albert Massiczek, Wien Univ.-Prof. Dr. Robert Minder, Paris DDr. Günther Nenning, Wien Dr. Hans Oprecht, Zürich Erich Pogats, Wien Dr. Oscar Pollak f, Wien Denis de Rougemont, Genf Artur Saternus, Montigny-les-Cormeilles Prof. Dr. Ernst Schönwiese, Wien Prof. Franz Senghofer, Wien Ignazio Silone, Rom Prof. Viktor Slama, Wien Univ.-Prof. Dr. Otto Stammer, Berlin Fritz Sternberg 7, München Peter Strasser f, Wien Univ.-Prof. Dr. Adolf Sturmthal, New York Univ.-Prof. Dr. Masao Takahashi, Tokio Dr. Max Tau, Oslo Univ.-Prof. Dr. Hans Thirring, Wien Ernst Winkler, Wien Dr. Stefan Wirlandner, Wien Prof. Fritz Wotruba, Wien Redaktion: Prof. Fritz Klenner Dr. Hans Oprecht Erich Pogats Europa Verlag 1a8 EB, ll RT 0 EEE ge 2 EB IR, y% e== ermann Langbein .‘'wir haben es getan EEE Be nn #sgeschieden ni en Se u— | nr A FE «. Li nf Were 5 nun Br is (6: W,%. ® 4 A ERTE 9 IR u BL ADLER Heike Duill Marianne Groß Breidensteiner Weg 74 6000 Frankfurt/M. 90"7 Telefon 069/7893368 K Wien- Köln- Stuttgart- Zürich Einband und Typographie: Hans Steipe Alle Rechte, auch die des auszugsweisen Nachdrucks und der fotomechanischen Wiedergabe, vorbehalten 1964 by Europa Verlag Wien Printed in Austria Gesetzt aus Linotype Exzelsior und Volta Druck Gutenberg Wiener Neustadt Gesamtherstellung Europa Verlag Wien Inhalt Skeptikern gewidmet::...24.. 2.0. Kae weisen. 7 Es beginnt mit„Bögen und Portionen“......... 17 „Läquidiert; sie selber!® 00.0: 0..ccenecann 41 Der Herr Professor in Auschwitz.............. 75 So sollte es werden. 14.13::. un. 300: oda u 113 Die Moral der Zeitgeschichte.................: 125 Anhbane 0 0 a esse ete agels en 133 Quellenangabe.....3 0 u... werner 135 Über:den. Autors... 3. re 136 Skeptikern gewidmet Im Vernichtungslager Auschwitz bestand eine Geheimorgani- sation der Häftlinge. Sie bemühte sich, die Welt wissen zu lassen, was in Auschwitz verbrochen wurde. Es ist ihr mit Hilfe von pol- nischen Zwangsarbeitern, die in Lagernähe arbeiten mußten, ge- lungen, Nachrichten über den Umfang des Massenmordens an die polnische Widerstandsorganisation in Krakau zu schicken. Sie wurden von dort über Geheimsender nach London weitergeleitet — und dort lange Zeit beiseitegelegt, weil man sie nicht glaubte. Als im Frühling 1944 in Auschwitz von der SS Vorbereitungen für die größte Vernichtungsaktion— die Deportation von hun- derttausenden ungarischer Juden in einigen Wochen— getroffen wurden, erfuhr diese Geheimorganisation davon. In einem Schrei- ben, in dem das Schicksal der Deportierten in den Gaskammern von Auschwitz geschildert wird, und das aus dem Lager hinaus und weiter nach Ungarn geschmuggelt wurde, warnte sie ein- dringlich. Selbst zu diesem Zeitpunkt, nachdem der Massenmord an Juden schon jahrelang durchgeführt worden war, ist diese Warnung als übertrieben betrachtet und nicht so ernst genom- men worden, wie sie es verdient hätte. Es überstieg alle Vorstellungskraft, zu glauben, daß ein Staat in Mitteleuropa, im 20.Jahrhundert, kaltblütig Völkermord an- ordnen könne; daß seine Führer die von ihnen selbst befohlenen Maßnahmen rundweg ableugnen und daß ihre Stimmen, die aus allen Lautsprechern tönten, dabei Überzeugungskraft ausstrah- len konnten. Der Nationalsozialismus war sich schnell dessen be- wußt geworden, daß seine Lügen glaubwürdiger schienen als seine Taten. So stempelte das System alle, die warnten, zu Hetzern und Verleumdern, leugnete frech, was es tat, und profi- tierte noch davon, daß das von ihm im geheimen Angeordnete, so unvorstellbar und unglaublich war. Wie jedes totalitäre Sy- stem hatte auch der Nationalsozialismus alle Propagandamittel fest in der Hand. Die Wahrheit wurde zensuriert, die Warnenden nach allen Regeln der Kunst diskreditiert, die Welt wurde be- 7 trogen.„Das, was unsere Feinde— die Juden, die Kommunisten, die Plutokraten, je nachdem— uns in die Schuhe schieben wollen, ist eine Lüge. Es ist nicht wahr, daß man Greise und Kinder tötet, daß man den Völkermord so organisiert wie ein modernes Industrieunternehmen. Die Brunnenvergifter müssen mundtot gemacht werden!“ Dem war leichter zu glauben als warnenden Stimmen. Es war bequemer, beruhigender, sich damit zu trösten, daß nicht wahr sei, was man nicht wahrhaben wollte. So konnte es dazu kommen, daß selbst zu der Zeit, als die Krematorien von Auschwitz schon jahrelang ununterbrochen rauchten, die volle Wahrheit auch von den Feinden des Nationalsozialismus nur zögernd anerkannt wurde. Wundert es einen dann, wenn viele Deutsche auch heute noch die ganze Wahrheit nicht aner- kennen wollen? Freilich sind die Tatsachen längst klargestellt und zahllose Dokumente publiziert, die von den wohlorganisierten Massen- morden künden. Da gab es nämlich im nationalsozialistischen System einen schwachen Punkt: Auf einen pedantisch bürokrati- schen Schriftverkehr glaubten die Behörden selbst bei ihren ge- heimsten Aktionen nicht ganz verzichten zu können. Viele Papiere blieben erhalten. Es hat den Anschein, daß es manchem Bürokra- ten, der in der Mordmaschinerie tätig war, schwerer fiel, Papier zu vernichten als Menschenleben. Die Tarnsprache solcher Doku- mente wird durch wohlbelegte Aussagen überlebender Opfer, un- beteiligter Zuschauer und auch von den Tätern eindeutig ent- schlüsselt. Vielleicht können die der Forschung zugänglichen und von ihr überprüften Unterlagen noch Zweifel über das eine oder das andere Detail offen lassen, keinesfalls aber über die großen Tötungsaktionen selbst, die damals vom Staat angeordnet und organisiert worden waren. Für die Wissenschaft sind die Fakten klar. Aber in der öffent- lichen Meinung verzerren politische Leidenschaft und bedrücktes Gewissen das Bild. Das zweifelnde„Das kann doch nicht wahr sein!“ ist auch heute noch wirksam. Wer möchte sich gern als in der Vergangenheit völlig blind, ja als ehemaliger Anhänger von Verbrechern sehen? Wer scheut nicht davor zurück, von seinen Kindern so gesehen zu werden? So bleibt trotz aller Publikationen die volle Wahrheit für viele noch verschleiert. Auch kann man nicht erwarten, daß jedermann dicke Bücher studiert und in Archiven Dokumente überprüft. Auf Sensation spekulierende Veröffentlichungen, einander wider- sprechende Behauptungen, ja selbst die Wahrheit aus dem Munde von Kräften, die in ihrem eigenen Bereich eindeutig selbst der Lüge überführt sind, können einen, der zweifeln will, in seinen 8 Zweifeln bestärken. So hört man auch heute noch, wenn das Thema der Massenvernichtungsaktionen des Nationalsozialis- mus anklingt, die alte Frage: Ist denn so etwas überhaupt mög- lich? Im Unterton klingt meistens mit: Das muß doch übertrieben sein. Bei der jungen Generation, die keine eigene Erfahrung über die 1945 zu Ende gegangene Epoche besitzt, ist eine solche Reak- tion verständlich, ja, fast möchte man sagen, natürlich. Zu viele sind daran interessiert, eine Auseinandersetzung mit den Pro- blemen der Zeitgeschichte zu verhindern; zu wenig wird von be- rufenen Stellen getan, um zu einem solchen Studium, das so lehrreich sein könnte, anzuregen. Wie wenige sind in Deutsch- land und in Österreich imstande, der Jugend dieses Thema unvor- eingenommen darzustellen. Es ist leicht verständlich, daß auch bei Angehörigen der Generation, die die Zeit vor 1945 nicht be- wußt erlebt hat, Hemmungen vorhanden sind. Im Unterbewußt- sein klingt mit: Mein Vater, meine Verwandten, mein Lehrer— sie waren auch Nazi. Aber ich habe sie doch als anständige, kor- rekte Menschen kennengelernt. Sie bemühen sich um Gerechtig- keit, sie werden von ihren Mitmenschen geachtet. Sie können un- möglich an so abscheulichen Dingen mitgewirkt haben. Heute gehören sie dem Tierschutzverein an und spenden für wohltätige Zwecke. Es ist unvorstellbar, daß sie vordem eine Organisation unterstützt und ihr gläubig geholfen haben, die imstande war, Massenmorde an Wehrlosen kaltblütig anzuordnen und systema- tisch durchzuführen. Der Beweis ist zwar schon längst von der Geschichte erbracht: Das Unvorstellbare ist wahr gewesen. Aber diese historische Wahrheit wird immer noch bezweifelt, und die passive Resistenz ist so allgemein, daß sie selbst auf diejenigen zurückwirkt, die seinerzeit Zeugen von Mordaktionen werden mußten und nun die Verpflichtung fühlen, die Wahrheit darüber zu verbreiten. Eine Episode hat mir das deutlich gemacht. Ich hielt einmal in München einen Vortrag über die Vorkommnisse im Konzentra- tionslager Auschwitz. In der anschließenden Diskussion gab ein junger Mann seinem Verdacht Ausdruck, daß meine Darstellung übertrieben gewesen sei. Da meldete sich ein anderer Zuhörer erregt zu Wort, stellte sich mit vollem Namen vor, sagte, daß er als SS-Offizier in Auschwitz gewesen sei und rief aus:„Ich kann bestätigen, daß alles das, was der Redner hier geschildert hat, zu wenig war. Auschwitz war noch viel furchtbarer.‘‘ Dieser Mann hatte seinerzeit als SS-Gerichtsoffizier Verfehlungen von SS- Angehörigen in Auschwitz zu untersuchen. Mit den Häftlingen selbst hatte er direkt nichts zu tun gehabt. Seine Worte haben 9 mir zu Bewußtsein gebracht, daß unsereins aus seinen Schilde- rungen unbewußt das Krasseste wegläßt, wahrscheinlich aus der Befürchtung, daß solche Dinge ein Mensch, der sich nicht selbst gesehen hat, nicht glauben kann. Die junge Generation soll und muß aber erfahren, was noch vor zwei Jahrzehnten in Deutschland und auch in Österreich möglich war. Sie muß hören, was für Menschen dabei schuldig geworden sind, und wie es dazu kommen konnte. Die Wahrheit soll nicht halb, nicht zwielichtig bleiben. Denn erst, wenn man sie in ihrem ganzen Umfang kennt, ist man in der Lage, Lehren daraus zu ziehen. Nur der Wissende fühlt sich dazu verpflichtet. Soll sich also an die dicken Bände der zeitgeschichtlichen Fach- literatur ein neuer reihen? Die bereits erschienenen Bücher teilen wohl das Schicksal jeder Spezialliteratur: Sie werden nur von Fachleuten gelesen. Sollen Augenzeugenberichte von Opfern zu- sammengestellt werden? Der Zweifelnde wird geneigt sein, anzu- nehmen, daß sie— wenn auch unbewußt— übertreiben. Sollen die Tatsachen, die in verschiedenen Prozessen bekannt geworden sind, sollen die Geständnisse der Schuldigen publiziert werden? Sie können auf den Einwand stoßen, daß schon mancher unter dem Druck der Haft mehr zugegeben hat als die Wahrheit. Wie kann man also die historische Wahrheit so darstellen, daß auch der Mißtrauische, der Zweifelnde überzeugt wird? Wenn ein Täter selbst, zur Zeit seiner Taten, darüber gespro- chen hätte, privat und ohne Berechnung auf die Wirkung seiner Worte, dann müßte wohl auch der Ungläubigste seine Zweifel fallen lassen. Man kann die Zeit nicht zurückdrehen. Aber einige wenige Tagebücher, die von den Taten künden, Briefe, in denen sie beschrieben werden, sind erhalten geblieben. Ihre Echtheit steht außer Zweifel. Auch die größte Skepsis kann keinen Anlaß finden, daran zu zweifeln, daß das dort Beschriebene auch tat- sächlich geschehen ist. Wir wollen die Täter belauschen, wir wollen erfahren, was für Menschen sie waren. Ihre Schilderungen, ihre Charaktere, die sich in ihren Aufzeichnungen offenbaren, müssen wohl jeden zum Nachdenken zwingen, zu Gedanken, die man sich, hinter Zwei- feln verschanzt, vielleicht ersparen hätte wollen. Auf Grund dieser Überlegung wurde dieses Buch zusammen- gestellt. Es soll und kann keine wissenschaftliche Dokumentation ersetzen. Vielleicht kann es anregen, solche Arbeiten in die Hand zu nehmen. Aus dem furchtbaren und so umfangreichen Ge- schehen können nur kleine Episoden herausgegriffen und mit Hilfe von Tagebüchern und Briefen geschildert werden. Der Zu- fall hat bestimmt, was aufgezeichnet und erhalten geblieben ist. 10 lde- der elbst noch eich ldig rheit n sie hren htet, 'ach- eilen von \ ZU- INZU- ollen rden den? ınter Wie auch spro- einer veifel inige jenen ıtheit \nlaß - ıs für , die , zum Zwei- ımen- tation Hand , Ge j mit r Zu n Ist Die Schriftstücke wurden so zusammengestellt, daß sich der Leser unserer Tage, der oft keine Zeit findet und nicht mehr daran ge- wöhnt ist, umfangreiche, langatmige Werke zu studieren, das Büchlein in die Hand zu nehmen getraut. Wenn Wissenschaftler mehr Systematik wünschen, so mögen sie nachsichtig sein: Diese Zusammenstellung wurde nicht für sie vorgenommen. Das soll freilich nicht heißen, daß nicht jedes Zitat einer strengen wissenschaftlichen Überprüfung standhalten könnte. Im Gegenteil: Darauf wurde größter Wert gelegt, denn die Zusammenstellung ist ja Skeptikern gewidmet. Nichts wurde sinnverzerrend aus dem Zusammenhang gerissen oder ver- stümmelnd gekürzt. Dort, wo weggelassen werden mußte, ist Wert darauf gelegt worden, daß sich keinesfalls durch solche Kürzung eine geänderte Tendenz ergab. Wo es technisch möglich war, wurde von Kürzungen abgesehen. Die auf den folgenden Seiten zusammengestellten Tagebücher und Briefe sind von Personen verfaßt worden, die an national- sozialistischen Tötungsaktionen mitgewirkt haben. Sie sind in derselben Zeit geschrieben worden, da diese Taten geplant und vollbracht wurden, als der Staat sie förderte, als die Justiz dazu zu schweigen hatte. Sehr verschiedene Leute— vom Zufall aus- gewählt— kommen zu Wort: Kleine, die Mordbefehle durchzu- führen hatten und ihre Taten und Gedanken so schildern, wie der es tut, der sicher ist, daß kein Unberufener seine Zeilen je- mals zu lesen bekommt; Große, welche die Befehle ausgearbeitet hatten, und deren Tagebücher keinen privaten Charakter haben. Goebbels und Frank diktierten ihre Eintragungen dem Sekretär. Frank ließ in sein Tagebuch zusätzlich seine Ausführungen auf Sitzungen und Veranstaltungen aufnehmen. Es ist ja ein Wesens- zug des Nationalsozialismus, daß sich seine Führer für Übermen- schen und für so wertvoll hielten, daß sie sich verpflichtet fühl- ten, jeden Gedanken und jede Äußerung für die Nachwelt fest- halten zu lassen. Freilich veranlaßte eine solche Einstellung dazu, nur solche Gedanken aufzuzeichnen, von denen man damals an- nahm, daß sie dem Träger zur Ehre gereichen. Belauschen wir bei der Lektüre der Tagebücher der Kleinen diese Männer im stillen Selbstgespräch, so deklamieren die Großen mit dem Blick auf die Nachwelt, wie sie sich diese vorstellten. Goebbels und Frank, deren Tagebücher erhalten geblieben sind und daher verwendet werden konnten, folgen auch hierin ihrem Vorbild Hitler. Er selbst hat zwar kein Tagebuch geführt. Aber in späteren Jahren hat er angeordnet, daß im Führerhauptquar- tier seine Äußerungen bei Tisch mitstenografiert werden sollten. In der Folge mußten auch die täglichen militärischen Lagebe- hl sprechungen von Stenografen aufgenommen werden. Diese Stenogramme können ebensowenig wie die diktierten Tagebücher Goebbels’ oder Franks mit den privaten Aufzeichnungen des Pro- fessors Kremer oder mit denen von Landau verglichen werden. Hitler sprach immer in der Vorstellung, daß ihm kommende Generationen zuhörten. Darum wurde manches umschrieben, vor allem dann, wenn er sich über alle Gesetze hinwegsetzte. Durch Benützung der Tarnsprache, die der Nationalsozialismus einge- führt hat, wird oft ein direktes Eingeständnis dessen, was Hitler seinen Vertrauten befohlen hat, vermieden. Trotzdem sind manche seiner— auf seinen Befehl festgehaltenen— Ausfüh- rungen noch so deutlich, daß sie die Legende,„der Führer hat von all dem Schrecklichen nichts gewußt“, gründlich zerstören. Seine Paladine Goebbels und Frank sind in ihren Aufzeich- nungen undiplomatischer. Immer wieder, wenn sie auf Massen- tötungsaktionen zu sprechen kommen, berufen sie sich auf An- ordnungen ihres Führers. Und man darf ihnen Glauben schen- ken. Denn sie haben ja ihre Tagebücher in der Absicht diktiert, sie später zu veröffentlichen. Sie dachten an eine Zukunft, die Hitler als Sieger gesehen hätte. Keinesfalls hätten sie gewagt, ihm Äußerungen zuzuschreiben, die er nicht gemacht hatte. Das sogenannte Tagebuch des Ministers Dr. Hans Frank— Hitlers Stellvertreter in Polen— ist nahezu vollständig er- halten geblieben. Mehr als 11.000 Maschinschreibseiten sind in 38 Bänden vereinigt. Reden, Sitzungsprotokolle, Verordnungen und persönliche Äußerungen stehen nebeneinander. Die Auf- zeichnungen reichen vom 25. Oktober 1939— dem Beginn der Amtsführung Franks als ‚„Generalgouverneur‘ im besetzten Polen— bis zum 3. April 1945. Als dieses Tagebuch nach Kriegs- ende in die Hände der Alliierten fiel, erklärte Frank ausdrück- lich, daß es sich um ein historisches Dokument handle und daß er alle darin aufgezeichneten Angaben nach seinem besten Wissen gemacht habe. Der Adjutant Hitlers, SS-Obergruppenführer Julius Schaub, hat später geschildert, was— seiner Meinung nach— Frank ver- anlaßt hat, dieses umfangreiche Tagebuch anlegen zu lassen: „Als Frank erfahren hatte, daß die Gespräche des Führers mit seiner ständigen nächtlichen Tafelrunde auf Anordnung Bor- manns stenografisch festgehalten wurden, kitzelte Frank der Ehrgeiz, dasselbe zu tun. Er richtete auch seinen Kreis genau so ein, wie im Führerhauptquartier— in Hufeisenform wurden die Tische zusammengestellt, an denen Frank präsidierte!.“ Und die Stenografen mußten protokollieren. Das Tagebuch Goebbels’ ist nur bruchstückweise erhalten ge- 12 Diese ücher Pro- rden, tende , Vor Jurch inge- litler sind sfüh- r hat 1. zeich- ssen- - chen- tiert, t, die wagt, nk— g el- nd in ingen Auf- n der stzten rieg$- [rück- laß er \issen blieben. Unter den Trümmern der ehemaligen Reichskanzlei in Berlin sind lediglich fragmentarische Aufzeichnungen aus dem Zeitabschnitt von Anfang 1942 bis Ende 1943 gefunden worden. Dennoch umfassen diese Bruchstücke 7000 Schreibmaschinseiten. Goebbels kann zwar nicht mehr aufgefordert werden, so wie Frank die Echtheit seines Tagebuches anzuerkennen— hat er doch, unmittelbar nachdem sein Führer aus dem Leben geflohen war, mit seiner Familie ebenfalls Selbstmord begangen—, doch sind keine Zweifel daran möglich, daß es sich bei dem Manu- skript um die Aufzeichnungen handelt, die er täglich persönlich diktiert hat. Sie sind auf einer Schreibmaschine geschrieben, die besondere Typen hat und ihm zur Verfügung stand. Aufbau und Stil entsprechen seinem Tagebuch aus früheren Jahren, das von ihm selbst unter dem Titel„Vom Kaiserhof zur Reichskanzlei“ im Jahre 1934 veröffentlicht worden war. Auch hätte kein anderer all die im Tagebuch festgehaltenen Details, deren Überprüfung möglich ist, wissen können. Aus den umfangreichen Aufzeichnungen dieser Personen, die an der Spitze des nationalsozialistischen Staates gestanden sind, werden Stellen zitiert, in denen Vernichtungsmaßnahmen ge- schildert oder Probleme, die damit im Zusammenhang stehen, behandelt werden. Es war in keinem Falle möglich, die Eintra- gungen eines ganzen Tages abzudrucken, denn diese sind so um- fangreich und die behandelten Themen so vielseitig, daß voll- ständige Eintragungen den Rahmen dieser Zusammenstellung sprengen müßten. Der immense Umfang dieser Tagebücher hat es auch verhindert, daß diese bisher ohne Kürzungen veröffent- licht wurden. Die in diese Zusammenstellung aufgenommenen Auszüge wurden dem Originaltext und nicht den gekürzten Pu- blikationen entnommen. Die Tagebücher und Briefe der Kleinen, die rein privaten Cha- rakter tragen, wurden anders behandelt. Wo es nur geht, wurden die Niederschriften vollständig, zumindest die Eintragungen für einen ganzen Tag wiedergegeben. Zwar enthalten diese Zitate auch umfangreiche Ausführungen, die nichts mit Mord und Vernich- tung zu tun haben, aber erst das Nebeneinander von Belang- losem und Furchtbarem, von Privatem und Dienstlichem zeigt nicht nur die Taten, die vollbracht wurden, sondern auch die Men- schen, die sie durchzuführen imstande waren. Und darauf kommt esan. Diese persönlichen Aufzeichnungen von durchaus privatem Charakter sollen ja helfen, eine Frage zu beantworten, die sich einem sofort aufdrängt, wenn man nicht mehr daran zweifeln kann, daß in den Jahren der nationalsozialistischen Herrschaft 13 tatsächlich von Staats wegen so Furchtbares wie Völkermord angeordnet worden ist. Diese Frage lautet: Was sind das für Menschen, die imstande waren, so etwas zu tun? Aus dem unübersehbar großen Personenkreis derer, die damals mitgewirkt haben, werden nur einzelne an Hand ihrer Tage- bücher und Briefe persönlich vorgestellt. Kein Individuum kann einem anderen gleichgesetzt werden. Jede Verallgemeinerung ist problematisch, manchmal sogar gefährlich. Zudem verdanken wir die Auswahl dem Zufall, sie kann also schwerlich als typisch bezeichnet werden. Trotz all dieser Einschränkungen ist es nicht nur interessant, sondern auch lehrreich, den Charakter des ehr- geizigen, eifrigen jungen Arztes Dr. Mennecke zu studieren, der aus seinen Briefen spricht, oder den des pedantischen, kleinlichen alten Universitätsprofessors Dr. Kremer, den dessen Tagebuch beredt darstellt. Das sind Menschen, die Hitler dazu bringen konnte, schuldig zu werden— wie sehr sie es wurden, schildern sie selbst. Es ist beklemmend und stimmt nachdenklich, wenn man den liebessüchtigen, machttrunkenen Felix Landau und den so biederen Fritz Jacob kennenlernt, die sich beide in gleichgül- tigem Ton, ganz beiläufig, mit Taten brüsten, die wohl auch Leser schaudern machen, die schon manches gehört haben. Das handgeschriebene, persönlich geführte Tagebuch von Otto Bräutigam nimmt eine Mittelstellung zwischen den diktierten Äußerungen der Prominenten und den Tagebüchern der Täter ein. Seine Aufzeichnungen haben ebenfalls privaten Charakter. Aber er war nicht dorthin gestellt, wo es galt, mit eigener Hand die blutigen Befehle auszuführen. Bräutigam hatte im Ministerium für die besetzten Ostgebiete des Reichsleiters Rosen- berg eine leitende Stellung. Ja, es war ihm gestattet, an Bespre- chungen mit Hitler teilzunehmen. So notiert er einmal stolz in seinem Tagebuch:„Der Führer schüttelte mir sehr herzlich die Hand.“ Trotzdem trennt ihn ein weiter Abstand in der Hierarchie des nationalsozialistischen Machtapparates von Leuten wie Frank oder gar Goebbels. Wenn man persönlich gehaltene Tagebücher ohne Wissen der Schreiber publiziert, gilt es, Hemmungen zu überwinden. Die hier verwendeten Tagebücher müssen jedoch bereits als historische Dokumente gelten. Eine Veröffentlichung ist daher nicht nur ge- stattet, sie ist notwendig. Die Trauer, die Professor Dr. Kremer über den Tod seines geliebten Kanarienvogels empfindet, ist ein rein privates Gefühl, solange dieser Gelehrte noch nicht nach Auschwitz kommandiert war. Danach aber ist es für die Öffent- lichkeit interessant, zu erfahren, was dieser Universitätsprofessor, der imstande war, mit einfachen Handbewegungen Hunderte, ja 14 mord S für amals Tage- kann eTUng inken pisch nicht ; ehr- 1, der lichen ebuch ingen ‚ldern wenn d den hgül- auch , Otto jerten Täter akter. ‚gener te im Vosen- espte- olz in ch. die archie Frank sn der je hier ‚rische ur ge ‚remel ist ein ‚ nach )ffent- fessol, rte, ja Tausende für den Tod zu bestimmen, ohne dabei Trauer oder Scham, ohne nachher Reue zu bekunden, empfindet, wenn sein Kanarienvogel eingeht. Der Gefühlsüberschwang, mit dem Doktor Mennecke seine Frau in seinen täglichen Briefen begrüßt, und seine Redseligkeit, mit der er ihr auch die belanglosesten Klei- nigkeiten des Alltags mitteilt, ist nur solange ausschließlich die persönliche Angelegenheit dieses Ehepaares, als Dr. Mennecke nicht von Konzentrationslager zu Konzentrationslager reist, um Menschen für die Gaskammern auszusuchen. Dann aber hat die Öffentlichkeit Anspruch darauf, mitzulesen, wie Dr. Mennecke frohlockt, wenn er gut geschlafen hat, bevor er zu seiner Arbeits- stätte— dem KZ— eilt. Das sehnsüchtige Liebesgestammel Felix Landaus darf und soll publiziert werden, da er zwischendurch beschreibt, wie sich seine augenblickliche Stimmung auf die Lage seiner Opfer auswirkt. Man erfährt auch, daß er— mit seiner Ge- liebten auf dem Balkon seiner Villa in Drohobycz sitzend— einen in der Nähe arbeitenden Juden erschoß, vielleicht nur, um sei- nem Trudchen zu imponieren. Man wird die vom Generalgouverneur Dr. Frank verfügten Weisungen kennenlernen und auch die scherzhaften Bemerkungen, die er gelegentlich für passend hielt— und wir werden erfahren, wie solche Direktiven auf den Gendarmeriemeister Fritz Jacob, der auf eine lange Dienstzeit ohne Fehl und Strafe zurück- blicken kann, gewirkt haben. Goebbels zieht es manchmal vor, seine Überlegungen in vorsichtige Worte zu kleiden. Die Taten von Landau, die ohne die Spekulationen des Propagandaministers undenkbar wären, sind überdeutlich. Welche Praxis der Theorie entsprach, die Hitler— Reichskanzler und Oberster Befehlshaber der Wehrmacht, Staatsoberhaupt und Führer der allmächtigen Partei in einer Person— entworfen hat, werden wir an wenigen Beispielen eindringlich genug beobachten können. Und niemand wird sich mit der Annahme beruhigen können, die Beschreibun- gen seien vielleicht übertrieben. Die Tagebücher und die Briefe vermitteln nur geringen Ein- blick in ein Geschehen, das so beispiellos war, daß sich nicht nur die Historiker noch lange mit seiner Problematik zu beschäftigen haben werden. Vielleicht ist gerade ein so schmaler Ausschnitt besser als eine zusammenfassende Darstellung geeignet, die Auf- merksamkeit auf das zu lenken, was wohl das Beunruhigendste ist: Es war möglich, daß in Mitteleuropa, im 20.Jahrhundert, jahrelang wohlorganisiert und kaltblütig Völkermord betrieben wurde. Diejenigen, die daran mitwirkten, waren in der Mehrzahl Menschen, die sich nicht grundsätzlich von ihren Mitmenschen, die keine derartigen Befehle erhalten haben, unterschieden; sie 15 vollbrachten Taten, die den Leser erschauern lassen werden, ohne sich als Mörder oder Mordgehilfen zu fühlen. Alle Tagebücher und Briefe, deren Originale eingesehen wur- den, sind völlig unverändert wiedergegeben. Den Leser soll es nicht stören, wenn Jacob in seinem Brief einmal ‚„Wate‘“ schreibt, aber offensichtlich Wade meint; oder wenn Kremer manchmal ein Wort ausläßt, das der Leser unschwer aus dem Zusammen- hang ergänzen kann. Hätte man in solchen Fällen korrigierend eingegriffen, dann wäre es schwergefallen, eine Grenze zu zie- hen: Welche Fehler sollen richtiggestellt werden, welche sollen stehenbleiben? Je mehr man aber Rechtschreibung, Grammatik und Interpunktion verändert hätte, desto mehr wäre am per- sönlichen Bild, das sich in den Aufzeichnungen widerspiegelt und das der Leser erhalten soll, retuschiert worden. Man soll jedoch die Schreibenden, die von ihren Taten erzählen, möglichst unmittelbar kennenlernen. So blieb alles genau so stehen, wie es im Original zu lesen ist. Wo einzelne Worte— vor allem in der krausen Schrift Kremers— unleserlich sind, wird das durch [:-.] bezeichnet. Die diktierten Tagebücher von Goebbels und Frank liegen in Maschinschrift vor. Text und Interpunktion wurden unverändert beibehalten. Eine gewisse Ausnahme macht nur das Tagebuch von Landau. Zwei beglaubigte Abschriften konnten eingesehen werden, während das handschriftliche Origi- nal bei den Gerichtsakten in Deutschland liegt und zur Zeit nicht erreichbar ist. In der Rechtschreibung und hinsichtlich eini- ger grammatikalischer Unebenheiten weisen die beiden Abschrif- ten kleine Abweichungen voneinander auf. Alle Fehler, die in beiden Abschriften gleich lauten, wurden beibehalten. Wo Dif- ferenzen bestanden, wurde die Version aufgenommen, die den Rechtschreibregeln und der Grammatik eher entspricht. Auch die im Zwischentext verwendeten Zitate wurden nach dem gleichen Grundsatz behandelt. Der Kommentar wurde be- wußt so knapp wie nur möglich abgefaßt. Im Anhang sind Angaben und Bemerkungen über Tagebücher, Briefe und Zitate, die im Buch verwendet wurden, nachzulesen. Nun soll die Zeit wieder gegenwärtig werden, welche die Älte- ren von uns miterlebt haben und die doch schon so fern und fremd scheint, daß man sie sich nur schwer vorstellen kann. Die Menschen, die von dieser Zeit geformt wurden, sollen vor unserem Auge erstehen, und auch diejenigen, die damals eben jene Atmo- sphäre geschaffen haben, in der Massenmord mit Auszeichnungen belohnt und Menschlichkeit als Feigheit verfemt wurde. Man lese nach, was möglich war und wie es möglich wurde. 16 rden, wur- oll es reibt, Chmal Imen- erend U Zie- sollen matik | per- iegelt n soll slichst 1, wie em in durch ebbels nktion macht riften Origi- r Zeit 1 eihi- schrif- die in o Dif- je den , nach de be- chef, lesen. > Älte- pn und ın, Die sereM ‚Atmo- ungel an lese Esbeginnt mit „Bögen undPortionen“ Der staatlich organisierte Massenmord von Menschen begann im Dritten Reich mit der Tötung von Geisteskranken und Un- heilbaren. Zu derartigen Aktionen benötigte der Nationalsozialis- mus— so sonderbar das auch ist— immer wieder Ärzte. Bei einem solchen Beginnen war unter den Angehörigen dieses Be- rufs zweifellos der geringste Widerstand zu überwinden; bedeutet es doch für jeden Arzt eine Gewissensfrage, sich zu entscheiden, ob er seine Kunst dafür einsetzen soll, das Leben— und damit auch die Leiden— von unheilbar Kranken zu verlängern. Lange bevor Hitler seinen Krieg begann, hatte er diese erste Aktion bereits geplant. Schon im Jahr 1935 hat er in einem Gespräch mit dem damaligen Reichs-Ärzteführer Dr. Wagner dieses Thema berührt. Schon zu diesem Zeitpunkt sagte er, daß er die endgültige Ausschaltung unheilbar Erkrankter zunächst noch zurückstelle. Er wolle diese Frage erst aufgreifen, wenn„ein Krieg sein müßte“. Der ehemalige Reichskommissar für das Sani- täts- und Gesundheitswesen, Generalleutnant der Waffen-SS Professor Dr. Karl Brandt, sagte vor dem amerikanischen Mili- tärgericht im Nürnberger Prozeß gegen SS-Ärzte im gleichen Sinn aus: „Ich muß annehmen, daß der Führer der Meinung war, daß ein solches Problem— nämlich die Tötung von„Lebensunwerten‘— im Kriege zunächst glatter und leichter durchzuführen ist, daß offenbar Widerstände, die von kirchlicher Seite zu erwarten waren, in dem allgemeinen Kriegsgeschehen nicht diese Rolle spielen würden wie sonst?.“ Etwa Ende Juli oder Anfang August 1939— also unmittelbar vor dem festgelegten Kriegsbeginn— wurde eine Besprechung einberufen, um Ärzte für diese Vernichtungsaktion zu werben. Man versuchte, sie mit dem Hinweis darauf zu überzeugen, wie not- wendig in Kriegszeiten— auch vom wirtschaftlichen Standpunkt betrachtet— die„Euthanasie‘‘ wäre. Etwa fünfzehn bis zwanzig Personen waren zu dieser Konferenz geladen. Ein Runderlaß des 17 Reichsministers des Inneren vom 18. August 1939 galt ebenfalls dieser Vorbereitung. Er trug das Aktenzeichen IV b, 3088/39— 1079 Mi— und ordnete an, daß alle Mißgeburten zu melden seien. Staatliche Organe planten die ersten Schritte. Sie beriefen sich auf einen Führerbefehl. Aber Hitler schuf kein Gesetz, um dieser Tötungsaktion wenigstens die äußere Form der Legalität zu geben. Das wurde unterlassen, obwohl es der Führung des natio- nalsozialistischen Staates zweifellos keine Schwierigkeiten be- reitet hätte, die Zustimmung zu jedem gewünschten Gesetzent- wurf zu bekommen. Aus den Kreisen derjenigen, die zu töten hatten, wurde darauf gedrängt, ein solches Gesetz zu schaffen. Einmal kam es dazu, daß ein Gesetzentwurf ausgearbeitet und zur Begutachtung an Fachleute— es waren etwa dreißig— aus- gesandt wurde. Doch dann wurde dieses Stück Papier mit der Bemerkung abgetan, der Führer habe den Erlaß eines solchen Gesetzes abgelehnt, weil er dies in Hinblick auf die„Feindpro- paganda“ für unzweckmäßig halte. Der Entwurf solle erst nach dem Endsieg erörtert werden. So wurde diese Massentötung ille- gal, geheim und getarnt durchgeführt. Auch alle späteren Ver- nichtungsaktionen wurden im Widerspruch zu den damals gelten- den Gesetzen angeordnet und durchgeführt. Die erste Aktion dieser Art wurde mit dem Tarnwort„Eutha- nasie“ bezeichnet und behielt diesen Namen auch dann, als sich ihr Ziel schon längst nicht mehr darauf beschränkte, die Leiden von Unheilbaren, oder auch nur Kranken, zu verkürzen. Es ist unmöglich, Massenmorde im geheimen serienweise rei- bungslos durchzuführen, wenn diejenigen, die dabei mitzuwirken haben, nur widerstrebend handeln. Darum wurde auch kein Arzt gezwungen, gegen seinen Willen bei den angeordneten Tötungen mitzuhelfen. Wer sich weigerte— und einzelne taten es— Konnte ohne Schwierigkeiten von dieser Aktion zurücktreten. Er wurde zum Schweigen verpflichtet und hatte lediglich damit zu rechnen, von seinen weniger skrupellosen Kollegen als„schlapp“ ange- sehen zu werden und eventuell in seiner Karriere behindert zu sein. Die meisten„Euthanasie“-Ärzte waren jung, ehrgeizig und von der nationalsozialistischen Verachtung jeder Menschlichkeit infiziert. Einer von ihnen— Dr. Fritz Mennecke, Jahrgang 1904 — hat eine umfangreiche Korrespondenz hinterlassen, die über den Charakter der Aktion und der an ihr Beteiligten Aufschluß gibt. In verschiedenen Heil- und Pflegeanstalten in Deutschland wurden Gaskammern eingerichtet. Schon Anfang 1940 sind dort die ersten Opfer dem Gastod überantwortet worden. Die Ange- hörigen wurden dann vom plötzlichen Ableben und von der Not- 18 Dr. Balt gem zust mit Ad wo Ste die ein Un Ob bu nfalls 139_ Seien, N Sich dieser tät zu natio- n be- tzent- . töten haffen, et und — aus- ut der solchen ndpro- st nach 1g ille- n Ver- gelten- Eutha- ls sich Leiden se Tei- wirken in Arzt tungen konnte wurde echnen, ‘ ange- dert zU zig und lichkeit ng 1904 ie übe! jfschlu) jschland nd dor! e Ange jer Nor wendigkeit einer schnellen Kremation der Leiche verständigt. Dr. Mennecke war der Leiter einer solchen Anstalt in Eichberg. Bald wurde sein Eifer belohnt. Er wurde der Gruppe von aus- gewählten Ärzten zugeteilt, die auch in anderen Anstalten fest- zustellen hatten, wer„lebensunwert“ und deshalb in eine Anstalt mit angeschlossener Gaskammer zu verlegen sei. Am 29. Juni 1940 schrieb Dr. Mennecke an seinen ebenfalls an dieser Aktion beteiligten Kollegen Dr. Walter Schmidt— Jahrgang 1911—, der später sein Mitangeklagter werden sollte: ... Ich bin zum Zwecke einer wichtigen Sonderaufgabe durch die Adjutantur des Führers aus dem Führerhauptquartier U.K.-gestellt worden, so daß die nach dem 10. 5. erfolgte Aufhebung meiner U.K.- Stellung nunmehr wieder rückgängig gemacht worden ist. Im Rahmen dieser„Sonderaufgabe“ war ich vom 4. 6. bis gestern(31/2 Wochen) mit einer Kommission aus der Kanzlei des Führers Berlin in der Ostmark. Unsere Aktion umfaßte fast alle ostmärkischen Anstalten, es ging von Oberdonau über Niederdonau(Wien), Steiermark, Kärnten nach Salz- pure‘. Als es schon lange keine„Euthanasie“-Aktion mehr gab, als auch schon das Tausendjährige Reich der Ge- schichte angehörte, als Dr. Mennecke in der Zelle eines Frankfurter Gerichts saß, da schrieb er— der Brief trägt das Datum vom 2. November 1946— an seinen Untersuchungsrichter: Nachdem ich nun in den langen Monaten der Untersuchungshaft in der Stille meiner Zelle über alles reiflich nachgedacht und auch genü- gend inneren Abstand von den Vorgängen als solchen gewonnen habe, drängt sich mir das Bedürfnis auf, zu erklären, daß ich schon im Jahre 1940 den wahren Sinn der„planwirtschaftlichen Arbeiten“ erfuhr. Zu diesem Geständnis treibt mich nunmehr meine schon seit 1942 vorhan- den gewesene innere Überzeugung, daß alle diese Methoden der natio- nalsozialistischen Staatsführung unmenschlich und grausam, völlig kri- tiklos und sündhaft waren, und ferner die Erkenntnis, mit vielen Hun- derten und Tausenden von deutschen Menschen gemeinsam in den Wogen einer infamen Irrlehre geschwommen zu sein, an deren Echtheit ich einmal geglaubt hatte, aber deren fatale Unechtheit und Verwerf- lichkeit mir schließlich doch— drei Jahre vor dem Zusammenbruch dieses Regimes— die Augen geöffnet hat; und endlich drängt mich zu 19 diesem Geständnis das zwingende innere Bedürfnis der Reinigung mei- nes Gewissens?. Im Jahr 1940 sind keine Ansätze zu solchen Beden- ken feststellbar. Dem Direktor der Heil- und Pflegean- stalt in Lohr, die Mennecke ebenfalls auf seiner Reise besuchte, schrieb er am 20. Oktober dieses Jahres: ... Mit Freuden denken wir zurück an die Tage, die wir bei Ihnen zubrachten und noch einmal möchte ich Ihnen an dieser Stelle meinen herzlichen Dank aussprechen für die vielen Freundlichkeiten, die Sie meinen Mitarbeiterinnen sowie mir selbst entgegengebracht haben. Den Abschluß unserer Arbeitstourn&e bildete Anfang September die Anstalt Hall in Tirol. Wir haben auf dieser Reise viel gesehen und er- lebt und behalten schönste Erinnerungen an die einzelnen Stationen, von denen Lohr und Hall an erster Stelle stehen... In Hall und Lohr und in den übrigen Anstalten suchte Dr. Mennecke diejenigen Patienten aus, die nicht weiter am Leben bleiben sollten. Die Dienstreisen Dr. Menneckes wurden in der Folge immer häufiger. Regelmäßig schrieb er, wenn er unter- wegs war, seiner Frau Eva, einer geborenen Wehlau. Der ausführliche Briefwechsel wurde von dem Ehepaar aufgehoben. Als diese Briefe später von den Frank- furter Richtern als Beweisdokumente geprüft wurden, haben beide zugegeben, daß sie von ihnen geschrieben worden waren. Ein Abstreiten wäre auch völlig un- glaubhaft gewesen. Nicht nur die Handschrift bildete einen überzeugenden Beweis; manche Briefe hatte Mennecke auf die Rückseite von Formularen geschrie- ben, welche die„Euthanasie“-Ärzte bei ihren bürokra- tischen Arbeiten im Verlauf der Aussonderung zu ver- wenden hatten. Vier Monate später wurde der Eifer,mit dem Dr. Men- necke die ihm anvertraute Aufgabe übernommen hatte, honoriert. Er durfte engeren Kontakt mit den führen- den Herren in der Zentrale der Tötungsaktion auf- nehmen. Bielefeld, den 19. 2. 41 Hotel Bielefelder Hof ... Heute morgen fuhren wir zuerst um 8,30 Uhr per Autos, die von Berlin hier gestellt waren, zur Kreisleitung der NSDAP. Dort hielten wir im Beisein des Kreisleiters, des Regierungspräsidenten von West- 20 falen- schliel 2 Ma Bodel: von B mittag für u Häuse Wald Den denn unser‘ hörige a Pat istein 18 mei- Beden- egean- " Reise i Ihnen meinen die Sie haben, ber die und er- ationen, ‚stalten je nicht r Folge - Vehlau. ‚hepaur Frank- purden, hrieben lig un bildete e hatte eschrie- irokro- zu vel- r.Men- n hatte, führen: on auf 19.2 Ider Hi ‚ die vol + hielte! jn West falen-Süd und eines Gauvertreters eine 2-stündige Sitzung ab. An- schließend fuhren wir mit diesen Herren— wir waren dann insgesamt 22 Mann— nach Bethel, wo eine neue Sitzung mit Herren Pastor Bodelschwingh, dem Chefarzt Dr. Schorsch und 2 weiteren Beamten von Bethel stattfand,— sehr interessant!!! Den kurzen Rest des Vor- mittags verbrachten wir damit, uns unter Leitung von Dr. Schorsch die für uns im einzelnen durch Prof. Heyde und Herrn Brack zugeteilten Häuser anzusehen. Ich arbeite mit Herrn Dr. Wischer, Chefarzt von Waldheim i. Sa. zusammen... Den Einschreibebrief ließ ich vom Portier des Kaiserhofes besorgen, denn um 14,30 fingen wir bereits in Bethel(20 Minuten Autofahrt) mit unserer Arbeit an. Jede Gruppe besteht aus 2 Herren und 2 dazuge- hörigen Damen. Ich habe von 15— 19 Uhr mit Frl. Fischer insgesamt 22 Patientinnen verkartet einschließlich persönlicher Untersuchung. Das ist eine sehr gute Quote, die die meisten nicht erreicht haben... Dein treuer Fritz Die Tötungsaktion nahm bald größeren Umfang an. Man beschränkte sich nicht mehr auf Unheilbare oder Patienten, die unheilbar schienen. Hatte man einmal die Ärzte gefunden und die Organisation geschaffen, die bereit und imstande war, in großer Zahl und ohne Skrupel Menschen zu töten, so ging man weiter. Immer summarischer und oberflächlicher wurde die Untersuchung derer, die einem heimlichen Tod über- antwortet wurden, immer bürokratischer die Methode, die gehandhabt wurde. Der Begriff„lebensunwert“ wurde auf diejenigen ausgedehnt, deren Leben dem Nationalsozialismus aus gänzlich unmedizinischen Gründen keinen Wert zu haben schien. Die Mißliebigen wurden die Opfer. Schließlich mündete die Aktion in der Durchkämmung der Konzentrationslager. Vor den Häftlingen wurden die Selektionen dadurch getarnt, daß man verlauten ließ, es würden Invalidentrans- porte zusammengestellt. Diese Invaliden könnten es in anderen Lagern bei leichterer Arbeit und günstige- ren Lebensbedingungen besser haben. In der ersten Zeit gab es Häftlinge, die das glaubten und sich zu solchen Transporten freiwillig meldeten. Die nationalsozialistischen Ärzte, die sich bisher bei der„Euthanasie‘ bewährt hatten, wurden auch dann weiter verwendet, als es feststand, daß es sich nicht um Euthanasie handelte. Sie hatten sich mit dieser Be- schäftigung bereits abgefunden, und der Nationalso- zialismus liebte es im allgemeinen nicht, den Personen- 21 kreis, der zu Geheimaktionen herangezogen wurde, un- nötig zu vergrößern. Dr. Mennecke reist nun von KZ zu KZ und schreibt währenddessen seiner Frau, manchmal sogar täglich. Im April 1941 ist er im Konzentrationslager Sachsen- hausen tätig. Die Briefe werden aus dem benachbar- ten Oranienburg abgesandt: Oranienburg, 4. 4. 1941 Als Dr. Steinmeyer und ich— wir arbeiteten heute allein im K.Z.— um 18h Schluß machten, holte ich vom Bahnhof mein Köfferchen ab und ging zum Deutschen Haus... Unsere Arbeit ist sehr, sehr interes- sant. Heute haben Dr. Steinmeyer und ich allein geschafft; Prof. Heyde ist nach Litzmannstadt. Da nur wir Beide die ca. 400 Häftlinge zu untersuchen haben, dauert es vielleicht doch etwas länger, so daß es noch nicht feststeht, ob wir schon am Mittwoch abreisen können. ... Ich sammle hier bei dieser Arbeit massenhafte neue Erfahrun- gen und es ist eigentlich gut, daß Dr. Steinmeyer und ich allein diese Sache machen!... 6. April 1941 Um 9 Uhr kam Dr. Steinmeyer mit der S-Bahn aus Berlin an. Nach einer halben Stunde Fußweg waren wir an Ort und Stelle im Lager... Unsere Arbeiten sind zur Hälfte bereits fertig und da wir ab morgen zu Dritt schaffen(es stand am Sonnabend noch nicht fest, wer der Dritte ist), hoffe ich, daß ich am Mittwoch um 9.03 h von Berlin abfah- ren kann, um am Abend bei Dir zu sein;... Oranienburg, 7. 4. 1941 Gerade soll noch mein letzter Brief aus dieser ersten K.Z.-Epoche be- ginnen, den ich Dir allerdings mitbringen und nicht schicken werde. Soeben bin ich fertig geworden mit der statistischen Zusammenstel- lung der von mir untersuchten Häftlinge, bis jetzt 109 an der Zahl. Morgen kommen noch ca. 25— 30 als letzte Arbeit hinzu. Ich lege gerade auf diese Untersuchungen besonderen Wert für eventl. spätere wissenschaftliche Auswertung, weil es sich ausschließlich um „Antisoziale“— und zwar in höchster Potenz— handelt. Ehe ich also meine Meldebögen in der Tiergartenstraße abliefere, no- tiere ich mir alle wichtigen Angaben listenmäßig. Es sind für morgen noch 84 Häftlinge zu untersuchen. Da ab heute Herr Dr. Hebold(An- staltsarzt in Eberswalde) als Dritter mitarbeitet, entfallen auf jeden nur noch ca. 26 Häftlinge. Ich hoffe, daß wir früh genug fertig wer- den»... Fünf Monate später künden die Briefe Dr. Menneckes davon, daß er im Konzentrationslager Dachau dieselbe Tätigkeit durchzuführen hat: Im Tocht meye 19h 2 Nitsdl Schot dem Mont wii Gnes plaud ab; ir gen| die K so da Es laufe Un ren\ feste läufi höre Stüc Scho wär ue sart Wiee dari mit chreibt 41 morgen 3. 9. 1941, München Im Hotel Schottenhammel traf ich Dr. Wischer schon an, ebenso die Tochter von Prof. Nitsche, Frau Wilhelm. Es hieß gleich, daß Stein- meyer und ich im„Bayrischen Hof“ wohnen würden. Wir gingen um 19h zum Bahnhof, um Prof. Nitsche(und Prof. Heyde), sowie Frau Nitsche abzuholen, sie kamen nicht, aber wir waren kaum wieder im Schottenhammel, da erschien Prof. Nitsche und Frau mit Bauer und dem„fleißigen Lieschen“ direkt aus Berlin. Dr. Lonauer war schon am Montag gekommen... Wir Männer einschl. des Herrn Direktor Dr. Ratka von der Anstalt Gnesen(Warthegau), der als Dritter mitarbeitet, saßen noch bis 23!/2 h plaudernd beisammen.... — Heute früh um 3/48 h holte uns Dr. Lonauer in seinem Olympia ab;in den zwei Autos fuhren wir gleich nach Dachau hinaus. Wir fin- gen heute aber noch nicht an zu arbeiten, da uns die SS-Männer erst die Köpfe der Meldebögen ausfüllen sollten. Dies ist heute begonnen, so daß wir morgen mit Untersuchungen anfangen können... Es sind nur 2.000 Mann, die sehr bald fertig sein werden, da sie am laufenden Band nur angesehen werden... Um 10h fuhren wir wieder nach München hinein und um 11h fuh- ren wir nach Starnberg weiter... Postkarte aus München, 4. 9. 1941 ... Ich fahre Sonntag früh 7,45 h hier ab... Heute wurde noch feste gearbeitet, ich habe 81 gemacht... Die Dachauer Opfer dieser Ärztekommission wur- den in Hartheim bei Linz vergast. Der Leiter der dor- tigen Anstalt war Dr. Lonauer. Dr. Mennecke reist weiter. Zwei Monate später meldet er sich aus Fürsten- berg. In der Nähe dieser Stadt befindet sich das Kon- zentrationslager Ravensbrück, in dem vorwiegend Frauen festgehalten werden. 19. 11. 1941, 19.15 h Fürstenberg: ... Die vorige Nacht in Berlin war ja auch friedlich... Ich bin vor- läufig noch allein... Von morgen ab ist es wohl schon anders... Nun höre weiter, wie der heutige Tag war:... Um 7,45 h saß ich beim Früh- stück und um 8,45 h rief ich die Tiergartenstraße an. Prof. Heyde war schon da u. sagte mir, ich brauchte nicht so früh zu kommen, denn ich wäre doch erst allein als„Kommission“. So machte ich mich um 8,30 h zu einem Herbst-Nebel-Spaziergang auf: Wilhelmstraße-Linden-Lust- garten, Schloß, Dom(das Theater ist noch arg im Renovierungsbau)— wieder zurück— Brunnentor-Ost/West/Achse mit einem Tarndach darüber— Skagerak-Platz-Tiergartenstraße. Ich hatte Besprechungen mit Prof. Heyde, Herrn Allers und Prof. Nitsche. Die beiden Professo- ren sowie Frl. Haus und Frl. Schwab lassen Dich grüßen... 23 Heyde will mir Gorgass aushilfsweise abgeben als vorläufigen Ersatz für Coulon. Heyde sprach sich sehr zufriedenstellend und anerken- nend über meine Mitwirkung aus. Im Januar werden wir beide(Du u. ich) im Männer-K.Z.-Gr. Rosen b/Jauer/i./Schl. arbeiten. Dort sollen 1.000 Häftlinge in Frage kommen... Heyde sagte überhaupt, ich könnte dauernd eingesetzt werden, was ich jedoch sehr höflich abgelehnt habe. Ich habe manchen interessan- ten dienstlichen Punkt mit ihm besprochen; er war sehr, sehr freund- lich. Desgleichen Nitsche.— Da Herr Dr. Schmalenbach heute noch nicht verfügbar u. Dr. Wischer noch außerhalb ist, konnte ich mich allein selbständig machen. Ich verabschiedete mich um%/ıllh... und fuhr um 12,50h ab, 14,51h hier... und ging ins Hotel Mecklenburger Hof, wo von Berlin aus Zimmer bestellt waren... Dann machte ich mich gleich auf zum KZ... erreichte es dann doch um 16,30 h. Dort sprach ich zuerst mit dem Adjutanten, einem SS- Untersturmführer, der mich dem Lagerkommandanten, Sturmbann- führer Koegel, anmeldete. Ich erfuhr schon bei dem Adjutanten, daß nur 259 Häftlinge in Frage kommen, die von Gr.F.SS für die Unter- suchung und Begutachtung vorgesehen seien. Also nur höchstens 2 Tage für 2 Mann(Schmalenbach+ ich) Arbeit... Ich werde nun morgen früh gleich nach 8h die Tiergartenstraße anrufen u. von der Sachlage berichten. Eventl. braucht dann sogar auch Herr Schmalenbach, der per Auto kommen will, nicht erscheinen. Ich kann alles allein machen und ich bin dann auch am Sonnabend fertig, um eventl. dann gleich nach Weimar zu fahren; dort soll es mehr sein nach hiesiger Information, sodaß wir in Buchenwald wohl zu Dritt arbeiten werden. Dr. Wischer braucht hierher nicht mehr zu kommen. Es wird sich vielleicht morgen früh bei meinem Anruf in Berlin schon alles klären... Fürstenberg, d. 20. 11. 41 Meine liebste Mutti! Es ist 17,45 h, ich habe mein Tagwerk vollbracht und sitze wieder im Hotel. Das Ergebnis meiner heutigen Arbeit sind 95 Bögen. Da bei einer nochmaligen Besprechung mit dem Lagerarzt, SS-Obersturmfüh- rer Dr. Sonntag, und dem Lagerkommandanten, SS-Sturmbannführer Koegel, die Anzahl der in Frage kommenden nach meinen grundsätz- lichen Erfassungsausführungen noch um etwa 60— 70 erweitert wird, so werde ich etwa bis Montag einschl. zu tun haben. Ich habe heute morgen um 8,15 h mit Prof. Heyde telephoniert und ihm gesagt, daß ich es hier allein schaffen würde. Daraufhin ist heute dann auch nie- mand erschienen, Dr. Schmalenbach braucht also nicht zu kommen. Ich habe nun mit Heyde vereinbart, daß ich nach Beendigung meiner hie- sigen Arbeit wieder nach Berlin komme, um dort dann den Einsatz in Buchenwald zu besprechen. Du kannst ruhig nach Weimar, hauptpost- lagernd, schreiben. Ich werde wohl am Dienstag früh nach Bln fahren u. noch am selben Tage nach Weimar weiterfahren.— Die Arbeit 24 1 Ersatz nerken. ide(Du sollen en, was -Tessan- freund. te noch ch mich ... Und nburger s dann \em SS- mbann- ten, daß - s2 Tag anstraße zar auch nen. Idı d fertig, ehr sein zu Dritt commen. in schon 20. 11,# jeder im Da ki urmfüh- anführel undsätz- ort wird, pe heult agt, dad uch nie- men. Ih iner bie insatz I uptpost n fahre 6 ‚Arbell flutscht nur so, weil ja die Köpfe jeweils schon getippt sind und ich nur die Diagnose, Hauptsymptome etc. einschreibe. Über die Zusam- mensetzung der Pat. möchte ich hier im Brief nichts schreiben, später mündlich mehr. Dr. Sonntag sitzt dabei u. macht mir Angaben über das Verhalten im Lager, ein Scharführer holt mir die Pat. herein,— es klappt tadellos. Ich esse im Lager; heute mittag gab’s im Kasino Lin- sensuppe mit Speckeinlage, als Nachtisch Ommelett. Um 17 h machte ich Schluß, aß im Kasino wieder zu Abend(mit Dr. Sonntag jeweils zu- sammen): 3 Sorten Wurst, Butter, Brot, Bier. Anschließend wurde ich ins Hotel gefahren, auch heute morgen um 8,30 h abgeholt. Ich lasse mich morgens jetzt immer um 9h abholen, dann kann Dr. Sonntag vor- her erst seine Visite machen, abends nach 17h hat er auch Zeit dazu. Von 13— 14,30h ist Mittagspause, heute nach dem Essen gab’s einen Verdauungspaziergang mit Koegel u. Sonntag, die Viehställe wurden besichtigt. Sonnabend mache ich um 12h Schluß u. fahre nach Neu- strelitz.— In meinem Bett schlafe ich herrlich, es ist ähnlich so wie in Hilmershausen. Nun will ich einen kleinen Spaziergang machen, aber diesen Brief gleich einwerfen, dann geht er noch mit fort heute abend. Der Nebel hat sehr nachgelassen. Hoffentlich geht’s Dir genau so gut wie mir; ich fühle mich tadellos! Bimmenerzlichste'[....2.....]-Küßlis, mein teuerstes Gutes u. umarme lieb Deinen treuen Fritz-Pa. Muß hinzugefügt werden, daß der SS-Lagerarzt Dr. Sonntag— wie jeder Kenner der deutschen Konzen- trationslager bestätigen kann— vom Verhalten der Vorgeführten im Lager zweifellos nichts wußte, nichts wissen konnte? Ein SS-Lagerarzt kannte vielleicht ein paar Dutzend Häftlinge, die im Häftlingsrevier be- schäftigt waren. Die anderen waren für ihn eine graue Masse, die Nummern statt Namen zu tragen hatte. Aber wahrscheinlich wollte Dr. Sonntag mit seinen Angaben Mennecke beruhigen. Warum sollte man auch dem Kollegen nicht eine kleine Gefälligkeit erweisen? Dann klappte es eben besser, und man war schneller fertig. Noch am Abend des gleichen Tages beginnt Mennecke den nächsten Brief an seine Frau und vergißt nicht, die genaue Zeit anzugeben: Fürstenberg, d. 20. 11. 41 (22.50h) Meine liebste Mutti! Zunächst meine herzlichsten Sonntagsgrüße zuvor! Mach Dir bitte einen recht ruhigen und gemütlichen Sonntag ohne Deinen Pa. Ich 25 werde ihn mir auch so ruhig wie möglich gestalten, u. zwar wahr- scheinlich in Neu-Strelitz. — Und nun aber das Neueste: Dr. Schmalenbach u. Dr. Müller sind heute abend hier angekommen! Von Heyde und meinem heutigen morgendlichen Gespräch mit Heyde wußten sie gar nichts, Heyde war überhaupt nicht da, als die heute im Laufe des Tages von außerhalb nach Berlin zurückgekommen sind. So ist ihnen in Berlin gesagt wor- den, sie sollten nur nach Ravensbrück fahren, dort sei ich schon. Wir werden nun morgen zu Dritt arbeiten und zunächst mit den bereits vorbereiteten Bögen fertig werden. Dann werden wir allerdings doch noch weit mehr machen, als bisher vorgesehen, nämlich etwa 2000! Es heißt einfach in Berlin(Jennerwein!) es sind 2000 zu machen,— ob so- viel nach den grundsätzlichen Richtlinien überhaupt in Frage kom- men, darum kümmert man sich nicht! Wer in Bln eigentlich komman- diert, das wissen wir alle nicht, auch Schmalenbach u. Müller nicht. Jennerwein war der Tarnname von Oberdienstleiter Viktor Brack. Die Prominenten dieser Vernichtungs- aktion bedienten sich vorsorglich falscher Namen. Bin ist die Abkürzung von Berlin, der wir noch öfter be- gegnen werden. In dem Brief heißt es weiter: Es wird nun wohl so werden, daß wir noch bis Montag zunächst hier arbeiten u. über die bis jetzt vorgesehenen Pat. hinaus noch weitere erfassen. Dann wir hier erst Pause gemacht und nach Buchenwald ge- fahren. Dort wird ebenfalls„vorgefühlt“ und eine große Anzahl vor- gesehen, die, wenn sie nicht alle vorbereitet worden sind, nur so weit untersucht werden, als die Bogenköpfe geschrieben sind. Die Vorberei- tung des Rests wird dann dem Lager aufgegeben! Dann geht’s erst wie- der nach hier, um die restlichen u. inzwischen vorbereiteten Bögen noch endgültig fertig zu stellen. Zum Schluß erfolgt dann das gleiche in Buchenwald. Findest Du noch dazwischen durch? Ich fast nicht mehr! Alle sprechen von der„berühmten Berliner Organisation“— und alle wirken wir an ihr feste mit!!— Nun will ich in die Falle steigen, es ist 23,10 h, Du schlummerst hoffentlich schon. Schlafe nur recht, recht gut, mein Lieb!! Ich will es jetzt auch tun.— Dieser Brief geht morgen früh ab, damit Du ihn zum Sonntag erhältst.— Reich mir Dein Münd- chen Mutti!! Innigste Gute-Nacht-Küsse Dein treuer Fritz-Pa! Fr., 21.11.41 8,10h: Guten Morgen, Mausi!! Herrlich habe ich wieder geschlafen u. bin munter u. frisch. Ich bin bereits fertig, jetzt geht's... u. dann frühstücken. Bist Du schon auf— oder schläft mein Liebling noch? Nun auf in den neuen Tag! Hinein!! Innigste Küssli’s von Deinem treuen Vati!! 26 U wahr. er sind heutigen yde War ıBerhalh gt wor- 1on. Wir ı bereits 185 doch 2000! Es — 0b 90- ge kom- omman- icht, nstleiter htungs- ven. Bi fter be ichst hier ı weitere wald ge zahl vol- r so weil Yorberei- erst wie- ;gen nodı Jeiche I ht meht! und alt sen,&5 is recht gu) t morgel in Münd- Fritz-P0! habe I vtig, je! äft md? . Küssl Meine liebste Mutti! Fürstenberg, d. 21. 11. 41 17,30h Heute hat sich nun aber wirklich der Gipfelpunkt Berliner Desor- ganisation abgespielt. Du hast im Brief Nr. 4 gelesen, daß Dr. Schma- lenbach und Dr. Müller doch noch hierher gekommen sind. Was sagst Du nun, daß sie beide um 11h heute morgen mit sofortiger Parole wie- der nach Berlin zurückberufen wurden! Zunächst mal brachten diese beiden Herren, insbesondere Herr Schmalenbach, rechte Unruhe in die gestern von mir so geordnet begonnene Arbeit. Dies hatte zur Folge, daß die beide bis 11h zusammen nur 22, ich nur 34 Bögen fertig be- kam, wärend ich gestern vormittag allein 56 fertig hatte. Um 11h rief dann Prof. Heyde mich an u. sagte mir, daß die 2 andern sofort nach Bln zurückkommen sollten! Stell Dir dies Fluchen der beiden vor! Mir war es recht, denn ich fühle mich am wohlsten, wenn ich eine von mir selbst ausschließlich organisierte Arbeit vor mir habe. Um 11,30 h hau- ten also die beiden wieder ab— und ich arbeitete allein weiter. Durch die Gastrolle u. die damit verbundenen Hindernisse habe ich heute im ganzen nur 76 Bögen fertig bekommen, wobei ich noch die von Dr. Mül- ler„nachuntersucht“ habe, weil er die Bögen erst alle ausgefüllt, aber die Häftlinge dazu nicht angesehen hatte. Das Wort„nachuntersucht“ hat Dr. Mennecke unter Anführungszeichen gesetzt. Er macht das auch in spä- teren Briefen bei ähnlichen Worten. Er weiß, warum. Mennecke schreibt weiter: ...Sonst war aber die Unterhaltung, insbesondere mit Schmalen- bach, sehr interessant, denn ich habe genaueres über die Dinge der Zu- kunft gehört, besonders auch über die Personalveränderungen in Ha- damar. Übrigens— das habe ich wahrscheinlich bisher vergessen zu schreiben— will Heyde mir den Gorgass als Aushilfsarzt für den Eichberg abgeben; hoffentlich wird’s.— Der heutige Tag verlief im übrigen wieder zufriedenstellend. Um 9,15h waren wir zu Dritt im Lager. Dann folgte zuerst eine gemeinsame Besprechung mit dem Kom- mandanten, die fast 1 Stunde dauerte. Dann ging die Arbeit los. Um 13,00 h aß ich im Kasino mit Dr. Sonntag zu Mittag: Rindfleisch+ Wir- sing+ Kartoffeln. Dann bis 14,30h Spaziergang— und wieder bis 16,30h Arbeit. Um 17,00h nach der Vorstellung der Frau Dr. Sonntag, die seit 3 Jahren Lagerärztin hier ist(1/2 J. verheiratet)— Abendessen: dicke warme Fleischwurst+ Brot+ Tee. Anschließend Heimfahrt in die Stadt. Und jetzt sitze ich hier in einem Cafe am Markt, habe 1 Tasse Kaffee getrunken u. 2 Stücke Kuchen gegessen; jetzt habe ich ein Bier bestellt.— Ich werde nun morgen noch nicht fertig werden,— vielleicht aber auch doch, mal sehen(nachmittags ist im Lager Dienst- ruhe!), es sind noch 100 zu machen, also eine ganze Tagesarbeit! Ich werde also wohl am Montag noch einige Stunden zu tun haben und dann mittags abfahren, um am Abend— nicht in Berlin, sondern viel- leicht irgendwo auf der Strecke nach Weimar bleiben, um am Dienstag 27 früh alsbald in Weimar anzukommen. Dr. Müller u. ich haben Diens- tag als Treffpunkt in Weimar, Hotel Elefant, ausgemacht, Dr. Schma- lenbach macht dort nicht mit. Diesen Sonntag verlebe ich in Neustrelitz, das sehr nett sein soll. Ich werde schon morgen(Sbd) nachmittag hinfahren u. dort übernachten, Sonntag abend bin ich wieder hier.— Dein Brief kommt wohl morgen hier an. N.B. Ich habe z.Zt. kein anderes Papier bei mir, der Block liegt zu Hause im Hotelzimmer. Nun wiederum, mein liebes Kindi, recht, recht herzl. Grüße u. liebe, liebe Küsse von Deinem immer treuen Fritz-Pa. 22. November 1941 aus Neustrelitz Ich habe heute von 9 bis 12,30 Uhr insgesamt 72 Bögen gemacht, ... aber für Montag früh sind noch 29 zu machen. Ich fange um 8,30 h an und hoffe, um 10h fertig zu sein. Dann geht’s gleich auf nach Weimar über Berlin. Sollte ich nicht ganz nach Weimar kommen — oder erst mitten in der Nacht dort sein, dann fahre ich jedenfalls aus Berlin raus zum Abend... 23. November aus Neustrelitz 17,45 Uhr Das nächste Mal fährt meine Mutti aber wieder mit, ich will nicht mehr allein reisen. Mach nur, daß Deine neuen Sachen fertig werden, denn nach einem Telefongespräch mit Frl. Haus— sie rief mich ge- stern gegen Mittag im Lager noch an— soll das Lager Ravensbrück auf Prof. H’s Geheiß die Vorbereitung weiterer ca. 1200— 1500 Bögen bis 15. Dezember fertigstellen. Also werden wir zum 15. 12. wieder hier sein... Wie mir Prof. Heyde nun persönlich sagte, gibt es für die näch- sten 3— 4 Monate für alle mitarbeitenden Herren fortlaufend auf Reisen zu tun... 25. 11. 41, 14.20h, Weimar Nach dem bisherigen Stand der Sache werden Dr. Müller und ich etwa bis Mitte oder Ende nächster Woche in Buchenwald zu tun haben. Dr. Schmalenbach und Dr. Müller sind auch gestern abend hier ange- kommen u. haben heute morgen im Lager angefangen zu arbeiten, aber es ist doch alles so schlecht vorbereitet, daß sie bisher— u. auch heute nachmittag noch— fast tatenlos herumsitzen... Übrigens war Müller vor einigen Wochen schon mal hier, es wurden schon einige Häftlinge erfaßt. Auch Gorgass ist schon zu Untersuchun- gen hier gewesen, er soll sich in Buchenwald ganz entsetzlich benom- men haben, so daß die Lagerleitung auf ihn sehr erbost ist; er habe sich typisch als Metzger, nicht aber als Arzt aufgeführt, wodurch er unserer Aktion im Renome geschadet hat. Diese Scharte ist jetzt von uns wieder auszubügeln... Gestern(Montag) um 8,30h stand der SS-Wagen vor meinem Hotel in Fürstenberg, der mich zum Lager hinaus holte. Ab 8,45h wurde dortselbst geschafft und um!/sllh war ich mit dem Rest(32 Bögen) 28 Diens. Schma- soll. Ich lachten, Morgen liegt ZU it, recht tz-Pa, ustrelitz emacht, m 8,30 uf nach tommen denfalls ustrelitz 45 Uhr ill nicht werden, nich ge- nsbrück 0 Bögen der hier je näch- end auf Weimar und ich n haben. er ange ten, abe! ch heult wurden rsuchuß- benoi- er habt durch€ jetzt vol m Hot h wurde 2 Bögen fertig. Dann folgte noch eine Besprechung mit Dr. Sonntag und Stubaf. Koegel über die Vorbereitung weiterer ca. 1500 Bögen bis zum 15. 12,, — Verabschiedung— los per SS-Auto zum Hotel u. zum Bahnhof... Um 12,14 h fuhr mein Zug ab Fürstenberg... Die Bögen— insgesamt 272— hatte ich im Lager noch verpackt und beim Postamt Fürstenberg per Einschreiben abgesandt... Da der Zug erst um 19h in Weimar sein konnte, so stieg ich schon kurz vor 18,00h in Weissenfels aus, denn ich wußte nicht sicher, ob von Berlin aus im Elephant hier schon für gestern abend bestellt war... Nun also, ich war heute morgen um%/a11hin Weimar... Weimar, den 25. 11. 41— 20,58 Uhr Hotel Elephant. ... Um 7 Uhr morgen früh wird geweckt, dann gegen 8 Uhr Kaffee getrunken und anschließend mit Schmalenbachs Wagen hinausgefah- ren, der selbst aber alsbald wieder abfährt nach Dresden. In Pirna ist Do. und Fr. eine Tagung im Rahmen der Aktion, auf der Dinge der Zu- kunft besprochen werden und an der Schmalenbach als der ärztliche Adjutant von Herren Brack(Jennerwein) teilnimmt; Gutachter sind nicht dabei... Der erste Arbeitstag in Buchenwald ist beendet. Wir waren um 8,30 Uhr heute früh draußen. Ich stellte mich zunächst bei den maßgeblichen Führern vor. Der stellvertr. Lagerkommandant ist SS-Hauptsturmführer Florstädt, Lagerarzt: SS-Obersturmführer Dr. Hoven. Zunächst gab es noch etwa 40 Bögen fertig auszufüllen von einer ersten Portion Arier, an der schon die beiden anderen Kollegen gestern gearbeitet hatten. Von diesen 40 bearbeitete ich etwa 15. Als diese ganze Portion dann fertig bearbeitet war, haute Schmalenbach ab, um nach Dresden zu fahren und bis zum Ende unserer hiesigen Arbeit nicht mehr wiederzukommen. Anschließend erfolgte dann die „Untersuchung“ der Patienten, d. h. eine Vorstellung der Einzelnen und Vergleich der aus den Akten entnommenen Eintragungen. Hiermit wurden wir bis Mittag noch nicht fertig, denn die beiden Kollegen ha- ben gestern nur theoretisch gearbeitet, sodaß ich diejenigen„nachunter- suchte“, die Schmalenbach(und ich selbst heute morgen) vorbereitet hatte und Müller die seinigen. Um 12 Uhr machten wir erst Mittags- pause. Danach untersuchten wir noch bis gegen 16 Uhr, und zwar ich 105 Patienten, Müller 78 Patienten, so daß also damit endgültig als erste Rate 183 Bögen fertig waren. Als zweite Portion folgten nun insgesamt 1200 Juden, die sämtlich nicht erst„untersucht“ werden, sondern bei denen es genügt, die Verhaftungsgründe(oft sehr umfangreich!) aus der Akte zu entnehmen und auf die Bögen zu übertragen. Es ist also rein eine theoretische Arbeit, die uns bis Montag einschließlich ganz bestimmt in Anspruch nimmt, vielleicht sogar noch länger. Von dieser zweiten Portion(Juden) haben wir heute dann noch gemacht: ich 17, Müller 15. Punkt 17 Uhr„warfen wir die Kelle weg‘ und gingen zum Abendessen. So wie ich oben nun den heutigen Tag geschildert habe, werden auch die nächsten Tage verlaufen— mit genau demselben Pro- 29 gramm und derselben Arbeit. Nach den Juden folgen noch etwa 300 Arier als dritte Portion, die wieder„untersucht“ werden müssen... Wir haben also bis etwa Ende nächster Woche hier zu tun. Dann fahren wir am Sonnabend den 6. 12. nach Hause... Müller fährt von Sbd. Mittag bis Montag Mittag nach Hause, Königslutter bei Braun- schweig... und am 13. 12.(Sonnabend) fahren wir wieder ab nach Ber- lin, um am 14. 12. nach Fürstenberg zu fahren, da am 15. 12. dort die Arbeit wieder beginnt. Bis zum 21. 12. werden wir in Ravensbrück fertig werden... Ob nun hinterher Gr. Rosen b/Jauer gleich folgt, wird sich noch positiv entscheiden, es ist ziemlich sicher zu erwarten, also für An- fang Januar... 27. 11. 41— Weimar: ... Dr. Müller ist von Nitsche nach Berlin zurückberufen und soll am 1.12.1941 11h dort sein, also werde ich nun wieder ganz allein hier alles zu Ende schaffen, das ist noch viel, viel Arbeit!... Dr. Müller wird also morgen abend auch abfahren, sodaß ich bereits ab Sonnabend früh allein arbeite. Ich werde dann wohl bis Dienstag Mittag noch mit der zweiten Portion(Juden) zu tun haben. Dienstag Nachmittag mache ich frei und hole Dich an der Bahn ab. Mir bleiben dann noch für die dritte Portion ab Mittwoch früh 3— 31/2 Tage, die reichen werden, so daß wir spätestens am Sonnabend Mittag(6. 12.) heimwärts fahren können. Heute hat die Arbeit sehr gut gefunkt, ich habe insgesamt 182 Bögen(nur heute!) fertiggemacht. Müller 170 Bö- gen... 28. 11. 1941: ... 7,40 h. Auf gehts zum neuen fröhlichen Jagen!... ..— Heute morgen wurde wieder mächtig geschafft, ich habe in den zwei Stunden von 9— 11h 70 Bögen fertigbekommen. Dr. Müller 56, also bereits wieder 126 fertig. Ich habe nun alle bisher fertiggestellten Bögen hier und werde sie heute abend oder morgen mal genau durch- zählen, um festzustellen, wieviel mir nun noch insgesamt verbleiben; es gibt noch allerhand zu tun, aber es wird bis zum nächsten Wochen- ende geschafft... 5 19,03 h: Wieder ist ein Tag zu Ende und nun kann ich wieder berich- ten...— Heute ist wieder viel geschafft, ich habe 185 fertiggemacht, Dr. Müller 153. Alle Bögen schicke ich erst ab, wenn Du hier bist... 30. 11. 41, Weimar: ... Nichts ist es bisher mit dem Lesen geworden, sondern ich habe nur die Bögen geordnet und gezählt. Aus dieser Übersicht ergibt sich nun die Notwendigkeit, daß ich Dich gleich heute abend noch mal an- rufe, nämlich: es ist unmöglich, daß ich in Buchenwald bis Freitag Abend fertig werde, da ich allein bin. Deshalb werden wir bereits wie- der am Mittwoch, den 10.12.,nach hier fahren, damit ich Donnerstag und Freitag(11. und 12.12.) den Rest hier fertigmachen kann. Dann 30 heı dal Pr: ve -bwa 3 Re N, Dann ährt von | Braun. ach Bar. dort die ensbrüc ich nod für An- Weimar: und soll nz allein h bereits Dienstag Dienstag r bleiben Tage, die 18(6 unkt, ich 170 Bö- 11. 19 ı habe in Vrüller 50 sestellten u durch- rbleibei) Wochen r berich- s gemaclh ist... Weimäl ich hal gibt Sie , mal al" 5 Freila reits mE onnersta: nn. Dat folgt der Sonntag, 14.12., den wir in Fürstenberg oder Neustettin ver- leben können, und am Montag, den 15. 12., geht die Arbeit(wahrschein- lich mit Schmalenbach zusammen) in Ravensbrück los... Das Ergebnis der bisherigen Arbeit hier in Buchenwald sieht folgen- dermaßen aus: Schmalenbach: Müller: ee 79 D-IL AL„eng 63 a.endunsenn num 10 DILL nn. ende 43 Sao DTM AT ea seeieen 129 Aa I 115 DILL ATE.Ee ae 53 403 Mennecke: BE nn aimnne ala aan n— a an Pen we 35 Re 181 89 a einen n nem 183 403 a een ine ragen en 71 470 470 962 Da hier insgesamt 2.000 Fälle zu bearbeiten sind, habe ich noch 1.038 zu machen. Dies geht prognostisch nun folgendermaßen: MO 2 Ale. ie— ca. 170 DE» 12 417.....,-..: ea. 85 NIS AL.. ou ca. 140 BON 1A 2... ca.. 110 TE SE ca, 110 BEI l2Al........ ca. 160 FE DAL........: ea, 113 1.038 Frau Mennecke kam nach Weimar— es wurden also keine weiteren Briefe geschrieben. Aber bald trennte wiederum eine Dienstreise das Ehepaar. So schrieb Mennecke Anfang Januar 1942 seiner Frau aus der ihm schon bekannten Umgebung des Konzentrationslagers Ravensbrück: LA: 2 ... Obwohl ich heute früh!/a Stunde später erst anfangen konnte, ist heute ein Rekord geschlagen: 230 Bögen habe ich fertigbekommen, so daß jetzt insgesamt 1.192 fertig sind, da doch nicht ganz 2.000 Stück in Frage kommen werden, wird sich das Endziel vielleicht doch noch etwas verkürzen... 3l 2. 2 u ... Ich war um 9.30 h im Lager(200 m höher als Weimar), infolge dichtesten Nebels ging die Fahrt langsam und etwas verspätet. Doch habe ich bis 11,15 h flott geschafft und 80 Bögen fertiggemacht. Somit hab ich gestern+ heute zusammen 320 Bögen, die Dr. Müller bestimmt nicht in 2 vollen Tagen geschafft hätte. Wer schnell arbeitet, spart Zeit! Wie ich es nun in den nächsten Tagen mache, werden wir nachher mündlich besprechen... 5. 1. 42, Fürstenberg: ...Nun weiter im Tagesprogramm. Mit Dr. Schiedlausky hatte ich erst eine längere Rücksprache... Um 13,30 h fing ich an zu arbeiten, aber bald erschien Schiedlausky wieder, um mich bekannt zu machen mit einem Hauptsturmführer Vogel, dem vor Rostow das linke Bein abgeschossen wurde. Wir plauderten bis 14,30 h und erst dann konnte ich anfangen zu arbeiten. Ich schaffte dann noch 30 Akten, aber mor- gen geht’s mit Hochdruck gleich früh los... Um 15 h meldete ich Berlin an und hatte das Gespräch in 10 Minuten. Prof. Nitsche war sehr freundlich, erkundigte sich auch nach Dir. Ich soll die hiesigen Bögen am 15. 1. mitbringen, brauche sie nicht abzusen- den. Für Mitte Januar bin ich in Groß-Rosen angemeldet; also es bleibt programmgemäß;... Um 17,15 war ich im Hotel... 6. 1. 42, Fürstenberg: ... Sonst ist zum heutigen Tag noch zu melden, daß ich 151 fertig- bekommen habe; mit den gestrigen also bis jetzt 181. Es sind sämtlich Arierinnen mit zahlreichen Vorstrafen. Nun fehlen noch etwa 70 Arie- rinnen und 90— 100 Jüdinnen. Ich hoffe, diese alle morgen zu schaffen, so daß ich am Donnerstag und Freitag sie schnell durchuntersuchen und schon am Sbd. mit den 300 Männern anfangen kann. Das ist dann der Schluß, so daß ich in dieser Periode insgesamt etwa 650 fertig- schaffe. Ich hoffe, am Dienstag Abend mit den Männern restlos fertig zu sein, und dann werde ich vielleicht(?) am Mittwoch-früh schon nach Berlin fahren, um eventl. noch Mittwoch mit Dr. Hefelmann zu spre- chen und auch in die Tiergartenstraße vorzugehen... 9. 1. 42, Fürstenberg: ... Im Dienst hat es heute wieder sehr gut gefunkt. 190 Männer sind fertig geworden... Ich habe jetzt noch insgesamt 130 Männer zu bearbeiten, dann ist alles erfaßt. Diesen Rest werde ich morgen vormittag kaum schaffen, so daß ich auch noch am Montag diese Arbeit fortsetzen muß. Ich werde dann erst mal gleich an die Begutachtung gehen und dabei nur die- jenigen zur persönlichen Vorstellung herausfischen, die nach den Ein- tragungen noch unklar geblieben sind. Ich bin überzeugt, daß dabei nicht viel zur„Untersuchung“ mehr verbleiben... 32 Schn ern j infolge et, Doc t. Somit estimmt et, Spart nachher stenberg: 1atte ich arbeiten, machen Ike Bein 1 konnte Jer MOI- Minuten. Dir. Ich abzusen- es bleibt stenberg: 1 fertig- sämtlich 70 Arie- schaffen, ersuchen ist dann 0 fertig- Jos fertig hon nadı zu Spie* stenbeld: ner sind dann ist schaffen, ch were nur die den Ein aß dab? 10. 1. 42 Fürstenberg: ...Es war dann bereits 9,40 h, als ich an meine Arbeit gehen konnte. Dabei war ich nun schon um 7,30 h aufgestanden! Immerhin habe ich in den 2 Stunden bis 11,40 h noch 70 Akten geschafft, so daß nur noch 60 rückständig sind, die am Montag früh bald erledigt sein werden... 12. 1. 42, Fürstenberg: ...11,40h(Im Lager): Heissali! Fertig mit allen Fragebögen! Jetzt wird gleich angefangen zu begutachten... 16,40 h, So, mein Lieb, nun ists für heute wieder Schluß. Ich habe sämtliche Männer und die arischen Frauen fertig begutachtet und zwar 334©; und 300 Q= 634 Bögen. Für morgen fehlen nun lediglich noch die Jüdinnen, mit denen ich bis zum Mittag fertig werde. Dann werde ich mir einige wenige noch ansehen und eine abschließende Bespre- chung mit dem Lagerkommandanten über einige Fälle haben, u. dann rüste ich mich morgen am frühen Nachmittag zu meiner Abfahrt... Am Mittwoch früh dampfe ich dann endgültig hier ab... Außer der Korrespondenz wurden bei Dr. Mennecke auch zahlreiche Lichtbilder von Häftlingen gefunden. Mit seiner Handschrift sind auf der Rückseite dieser Fotografien Bemerkungen geschrieben. Vor seinen Richtern hat Mennecke zugegeben, daß diese Notizen von ihm stammen. Offensichtlich hat er in wenigen Worten die Gründe festgehalten, die ihn bewogen ha- ben, die auf der Fotografie abgebildete Person in die Aktion einzubeziehen— es handelt sich also um eine Art Ersatz einer medizinischen Diagnose. So kann man auf diesen Fotografien zum Beispiel lesen: Schneidhuber Dorothea Sara, geb. 3.8.81 in Läch Schrieb fortgesetzt deutschfeindl. Hetzartikel über die kirchenpoliti- sche Lage in Deutschland, die sie von dem Referenten des Erzbischöfl. Ordinariat in München erhielt. 541 Ravensbrück 1819 Stross Otto Israel, geb. 22. 9. 00 zu Prag, Rechtsanwalt 22730 Dachau Schwerer Deutschenhasser, Hetzer Lampl Ernst Israel, 20. 8. 87 zu Brünn geb. Rechtsanwalt Lt. d. Res. i. österr.-ung. Heer Deutschfeindliche Agitation. Hetzer Lamensdorf Margarete Sara, Witwe, 16. 8.83 Landsberg/Warthe 140 Ravensbrück 879 Als Wirtschaftsleiterin in jüdischen Schwesternheim Sabotage an Lebensmittelzuteilung. Falsche Zahlen für die Zuteilung angegeben. 33 Capell Charlotte Sara, 4.10.93 Breslau, gesch. Ehefrau, kath. Jüdin 740 Ravensbrück 2005 Krankenschwester. Fortgesetzte Rassenschande. Tarnte ihre jüdi- sche Abstammung durch den Katholizismus, hängte sich ein Christen- kreuz um den Hals. Schönhof Egon Israel, Rechtsanwalt, 9. 4. 80 in Wien Dachau 1938, 6069 Kommunistischer Advokat, Mitglied d. Roten Hilfe, 1927 in Rußland gewesen. Schwerer Deutschenhasser, Hetzer. Im Lager: Anmaßend, frech, faul, widerspenstig. Seit 1901 Oberleutnant der österr.-ung. Armee. Leutnant d. Res. Frontdienst seit Beginn des Weltkrieges bis Mai 15; dann russische Kriegsgefangenschaft. In der Front zum Oberleutnant, während Ge- fangenschaft zum Hauptmann befördert. Das sind einige wenige von denen, die Dr. Mennecke dem Gastod überantwortet hat; das sind die Gründe, die ihn zu solchen Entscheidungen bewogen haben. Dr. Mennecke hat seine Tätigkeit im Konzentra- tionslager Ravensbrück abgeschlossen, seine Gedanken sind schon in die Zukunft gerichtet. Er schreibt: 12. 1. 42, Fürstenberg: ... Morgen um diese Zeit wird der Koffer fertig gepackt bereitstehen, um alsbald zum Bahnhof zu fahren und zur Reichshauptstadt zu rei- sen... Dann werde ich zuerst in die Tiergartenstraße gehen und die Bögen abliefern. Von Prof. Nitsche hoffe ich schon dann zu erfahren, was nun eigentlich als nächste ‚Tour‘ vorgesehen ist. Falls er es wirk- lich nicht weiß, hoffe ich, Herrn Brack in der Tiergartenstraße er- wischen zu können, um ihn zu fragen... Nun will ich mich von Dr. Schidlausky verabschieden,— dann ein Auto besorgen und ins Hotel fahren! 13. 1. IM ... Um 10h rief ich Berlin an; Frl. Schwab teilte mir mit, daß die Sitzung verschoben sei, daß ich aber morgen in Berlin erwartet würde, es sei dort wieder alles umgeändert worden; genaues wüßte sie aber nicht und meinte, ich würde es ja morgen dann erfahren. Was mag nur wieder los sein? Es ist entsetzlich mit dem„Silbenrätsel Ber- Berlin, d. 14. 1. 2 Mein liebstes Muttilein! Hotel Esplanade War das eine typische Kriegswinterfahrt von Fürstenberg nach hier; der Personenzug, der 7,47 Uhr aus Fürstenberg abfahren sollte, fuhr 34 erst| sp! Schw dem. ortzu ausst an ei) nach ware 12Uh einen aber LOF mer sowe 4U Akte leyue erwa Die| Tagu Nitse Menr und ı Frau Ire chen ches Nitse mein nach {R. Tüdir hre jidi Christen. ı Rußlani nmaßend t d. Re russische ırend Ge- Menneck Gründe ben. onzentri- zedankeı {> irstenberg reitstehen dt zu re: n und di \ erfahre r es will: straße el- . dann ell [3:1 1% t, daß d* tet würde je sie ab Was mi ätsel Bei a8 planade; nach hi ‚oite, SUP erst 9,20 ab, brechend voll und völlig ungeheizt. In Oranienburg hieß es plötzlich:„Nach Berlin alles aussteigen!“ Also raus und der ganze Schwung von Menschen— ich mit meinem Koffer, der Aktentasche und dem Meldebogenpaket(850 Stück)— treppab-treppauf— in den Vor- ortzug(S-Bahn) nach Bln. Nach 2 Stationen hieß es:„Nach Berlin alles aussteigen!“ Also wieder raus, ganz am Zuge entlang, um ihn herum, an einem anderen Vorortzug entlang, wieder hinein. Es war eine Bahn nach Wannsee, die über Anh. Bhf. fuhr; die bis dahin benutzten Züge waren alle nur Pendelzüge, keiner ging durch. So war ich denn um 12 Uhr glücklich am Anh. Bahnhof. Zum Glück konnte ich mir gleich einen Gepäckträger schnappen, der zwar zunächst nicht wollte, dann aber doch meinen Koffer zum Stuttgarter Bahnhof schleppte, wofür er 1,20 RM bekam. Im Hotel sagte der Portier zunächst, es hätte kein Zim- mer freigehalten werden können, aber schließlich hatte ich ihn dann soweit, daß Zimmer 47 für mich in Frage kam, welches aber erst nach 14 Uhr frei wird. Ich ließ meinen Koffer dort und machte mich mit Aktentasche und Paket auf den Weg zur Tiergartenstraße. In der Bel- levuestr. traf ich Herrn Prof. Nitsche, der mir sagte, ich würde schon erwartet und besonders Dr. Hefelmann hätte gebeten, mich zu sprechen. Die Sitzung sei zwar verschoben, aber wir würden eine gemeinsame Tagung in ganz engem Kreise, auch Prof. Schneider käme, haben. Nitsche war in Eile und so ging ich weiter zur Tiergartenstr. Bei Herrn Menmann gab ich die Bögen ab, behielt aber die 3 schönen Packmappen und das Einwickelpapier. Dann rief ich in der Kanzlei an, sprach mit Frau Mayer und fragte, wann ich zu Dr. Hefelmann kommen Könnte. Er erwartet mich um 14.30 Uhr. Sonst habe ich noch niemand gespro- chen. Bei Herrn Menmann sah ich die Copie von dem Schreiben, wel- ches mich für den 16.— 20.1. in Groß-Rosen anmeldet. Auch Prof. Nitsche sagte— gewissermaßen im Vorbeigehen—, daß neue Aufträge meiner harrten, aber auf meine Zwischenfrage, ob ich nicht erst mal nach Hause fahren könnte, sagte er:„Selbstverständlich, Sie können sich so einrichten, wie Sie wollen.“— Nun muß ich mal weiter ab- warten, was es alles gibt. 21,40 Uhr, Cafe Excelsior: Nachdem ich soeben einen 3-Seitenbrief an Karl geschrieben habe u. auch noch eine Abschrift(anbei) angefertigt habe, kann ich Dir nun weiter berichten, Muttilein: Wir fahren doch erst noch nach Gr.-Rosen! Ich kann es selbst entscheiden und daher entscheide ich so!— Also höre: Um 14.30 Uhr betrat ich die Reichs- kanzlei und sofort begann die Besprechung mit Dr. Hefelmann, die ver- schiedene Punkte zur Rücksprache hatte. Alles tadellos! Da die vorge- schlagene große Sitzung ausfallen mußte, tagen wir morgen im engen Kreise: Dr. Hefelmann, Prof. Nitsche, Prof. Schneider, Dr. Heinze, Dr. Straub und Dein Oller! Um 11,30 Uhr werde ich mich wieder in die Reichskanzlei begeben. Zur Erörterung steht die Frage:„Förderung der Jugend-Psychiatrie“; auf diesem Gebiete sind Schneider und Heinze als führende Wissenschaftler im Reich anzusehen; ich sitze(mit Straub) als Mann der Praxis daneben. Straub ist Landesrat und Anstaltsdezer- nent in der Prov. Holstein in Kiel, Oberstabsarzt der Wehrmacht u. Träger des Goldenen Parteiabzeichens. Er will seine Tätigkeit in Kiel aufgeben und wieder eine Anstalt leiten und zwar in Südwestdeutsch- land. Eichberg? O nein, da kommt kein andrer ran, als dein Oller Pa! Aber für Herrn Straub soll eine neue Landesheilanstalt geschaffen werden in unserer Nähe, die hauptsächlich die Jugend-Psychiatrie auf ihre Fahnen schreiben wird. Die Arbeiten in dieser neu einzurichten- den bzw. umzuwandelnden Anstalt werden insbesondere in eingehen- der Weise unter der wissenschaftlichen Mitwirkung und Beratung durch Schneider und Heinze angefacht werden. Vorgesehen ist nach den bisherigen Plänen Idstein. Ich soll mit meiner Kinderfachabtei- lung, die noch weiter ausgebaut wird, in engstem Einvernehmen mit Schneider, Heinze u. Straub zusammen wirken, und die„Ausmerze“ dieser neuen„Jugend-psychiatrischen Klinik“ wird den Schluß ihrer Behandlung bei mir finden. Da haben wir bereits das Zukunftsprojekt, was ich immer von der Kinderfachabteilung erwartet habe! Neben sehr wohltuenden Schmeicheleien über den tadellosen Aufbau meiner Kin- derfachabteilung als der besten neben der von Heinze, sprach Dr. Hefel- mann noch manche erfreuliche Zeichen der Anerkennung für mich aus, was nicht nur seine, sondern auch die von Herrn Brack gewonnene Er- kenntnis sei. Wir haben nun heute als Vorbesprechung für die morgige Sitzung einmal gemeinsam überlegt, wie diese Umwandlung mit Id- stein zu machen sei. Bezeichnenderweise wird nicht Bernotat, sondern ich zu solchen Fragen herangezogen, das ist wichtig! Es fand auch seine Erklärung in dem, was Dr. Hefelmann von Berno sagte und was er von meiner Meinung hielt. Ich habe nun schon heute gleich von Idstein abgeraten, und dafür Scheuern in Vorschlag gebracht. Für diesen Vor- schlag erschienen mir verschiedene Tatsachen ausschlaggebend: Wenn ich 2 Nachbaranstalten für idiotische Kinder habe, dann ist es mir lieber, die bisher unter zweifelhaften Vorzeichen geleitete Anstalt Scheuern in andere, bessere Hände zu geben, anstatt Idstein, das in Herrn Müller einen dauernden ordentlichen Mann als Leiter hat. Ferner halte ich es für dringend notwendig, gerade Scheuern von Herrn Todt zu befreien und dort einen anderen Wind aufblasen zu lassen. Für mich, der ich im engsten Einvernehmen mit der neuen Straub-Anstalt arbeiten soll u. werde, ist Scheuern u. U. noch leichter zu erreichen als Idstein. Für Straub sagt vielleicht Scheuern landschaftlich ebenso zu, wie Idstein, denn in dieser Hinsicht soll seinem Wunsch Rechnung ge- tragen werden. Alle diese Gründe erkannte auch Dr. H. als zutreffend. Ich werde auch morgen in unserer Sitzung diesen Standpunkt ver- treten. pp. Gegen 17 Uhr verließ ich Dr. H., der mich noch zum Schluß bat, für ihn Wein einzukaufen, was ich tun werde. Er gab mir seine Wohnungs- anschrift. Danach ging ich zur Tiergartenstr., um nun mit Dr. Nitsche zu sprechen. Schon bei Dr. H. hatte ich Aufklärung über die„völlig neuen Veränderungen“ bekommen, von denen mir Frl. Schwab am Telefon Andeutungen machte: Seit vorgestern ist eine große Abordnung unserer Aktion unter Führung von Herrn Brack im Kampfgebiet des 36 Ostens a hel ger u nen!] dringt sindn bedau hilfsp Aus Ö verleg wird. PD. gelegt wiede richtig 14Ta wiede derB davor daß i gabe ich je zuma einm: macht ı Sit in Ki stdeutsc. Oller P; Seschaffer Yatrie auf zurichten. eingehen. Beratun 2 ist nad fachabtei. 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Aus diesem Anlaß ist auch die große Sitzung vom 18.1. auf den 6.2. verlegt worden, da bis dahin die Hilfsaktion im Osten beendet sein wird. pp. Ich sprach mit Nitsche über einige anstaltsorganisatorische An- gelegenheiten geringerer Bedeutung u. betonte, daß ich jetzt erst mal wieder zu meiner Anstalt zurückfahren möchte, was er durchaus für richtig hielt u. gut hieß. Wir vereinbarten dann, daß ich Jauer um 14 Tage verschöbe. Wir kamen bei unserer Unterhaltung auch hierüber wieder hinweg; jedenfalls überließ mir Nitsche völlig freie Hand mit der Bearbeitung der Ks’s, die jetzt nicht mehr so dringend sei. Er sprach davon, daß ich ja dann auch noch in alle die anderen KZ’s müßte und daß ich die KZ-Bearbeitung zunächst nur ruhig als meine Spezialauf- gabe betrachten solle. Ich werde ihm aber nun morgen früh sagen, daß ich jetzt doch lieber erst wenigstens Gr.-Rosen noch fertigmachen will, zumal ich schon für den„16.—19. 1.“ angekündigt bin und weil ich jetzt einmal hier im Osten bin...“ Herzlichste und innigste Grüße mein bestes, goldiges Muttchen Dein treuer Fritz Aus dem Konzentrationslager Groß-Rosen braucht Dr. Mennecke seiner Frau nicht zu schreiben; sie ist ja bei ihm, sie hilft dort ihrem Pa. Auch aus den Konzen- trationslagern Flossenbürg und Auschwitz, wo er eben- falls selektiert hat, fehlen Briefe. Dr. Fritz Menneckes Briefe erzählen uns unbeab- sichtigt, wie damals von deutschen Ärzten gearbeitet wurde, als der Staat von ihnen verlangte, statt zu hel- fen und zu retten, zu töten. Freimütig schildert der Schreiber all die Gedanken und Gefühle, die ihn wäh- rend dieser so ungewöhnlichen Betätigung bewegt ha- ben; denn die Briefe an seine Frau— die ja zeitweise auch seine Mitarbeiterin und daher ebenfalls Geheim- nisträgerin war— geben den Eindruck, daß er weder Tatsachen noch Gefühle verschweigt. Der letzte Brief trägt bereits ein Datum mit der Jah- reszahl 1942. In diesem Jahr will Dr. Mennecke— wie er dann später seinem Untersuchungsrichter schrieb— 37 erkannt haben, daß die Methoden der Nationalsozia- listen, die er so genau kennengelernt hat,„unmensch- lich und grausam“ waren. Selbst aus diesem letzten Brief ist eine solche Erkenntnis beim besten Willen nicht herauszulesen. Freilich ist er bereits am Beginn des Jahres 1942 geschrieben worden. Darum sei noch ein Brief aus dem Jahr 1943 wiedergegeben.(Damals hatte man diese Vernichtungsaktion in den Konzen- trationslagern bereits eingestellt.) U, den 7. April 1943 (Mittwoch) ... Der Brief von Herrn Blankenburg, die Antwort auf meine vor ca. 14 Tagen abgesandte„Meldung“(noch nicht die Antwort auf meinen 2. Brief betr.„‚Bescheinigung‘“) lautet wir folgt: Werner Blankenburg Berlin, den 1. April 1943 Berlin W 8 Voßstr. 4 Lieber Dr. Mennecke! Ich habe mich gefreut, einmal wieder von Ihnen einige Zeilen zu er- halten. Besonders freut es mich, daß es Ihnen gut geht und Sie sich bei Ihrer Arbeit wohlfühlen. Bei uns läuft alles seinen alten Gang. Wir harren der Dinge, die da kommen sollen. Die Feldpostnr. von Herrn Brack ist 46.000. Von Dr. Hefelmann:(leider ausgelassen, Irrtum!) Herzliche Grüsse! Heil Hitler! gez. Blankenburg Ja Liebling, das beweist mir doch, daß meine Beziehungen zu Berlin leben und sich erhalten; das ist sehr wichtig! Die F.P.Nr. von Dr. Hefelmann sollte wohl noch eingesetzt werden, was aber leider nicht geschehen ist; vielleicht erfahre ich sie durch Herrn Brack, dem ich bald schreiben werde... Es besteht kein Anlaß, anzunehmen, daß Dr. Men- necke schlechter oder besser, ehrgeiziger und skrupel- loser oder von moralischen Bedenken stärker gehemmt gewesen wäre als seine Kollegen. Er war keiner der großen, leitenden Organisatoren der„Euthanasie“-Ak- tion, sondern nur einer von vielen Ärzten. Die Briefe haben die Persönlichkeit Dr. Menneckes charakterisiert. Sein weiteres Schicksal sei kurz ge- schildert: Nach Beendigung des Krieges verhaftet, hat Mennecke seine Schuld nicht abgestritten. Am 12. De- zember 1946 wurde er in Frankfurt am Main gemein- Onalsoziı. MMense, m letzte n Will m Begir Sei nor .(Damı ; Konzer meine y auf mein: ilen zu eı- Sie sich bi Gang. Wi von Herr um!) n zu Berll 7. von)! eider nit k, dem IE Dr. Mer d skrupf gehen! keiner I! yasie'- A alle sam mit seinem„Euthanasie“-Kollegen Dr. Schmidt wegen erwiesenen Massenmordes von einem deutschen Gericht zum Tode verurteilt. Auf dem Gnadenweg wurde dieses Urteil in lebenslängliches Zuchthaus um- gewandelt. Dr. Mennecke, der sich bei seiner Tätig- keit mit Tuberkulose infiziert haben dürfte, starb im Januar 1947 in der Haft an dieser Krankheit. Seine Frau lebt heute in Kanada. Dieses Ende kann nicht als typisch angesehen wer- den für das Schicksal der nationalsozialistischen Ärzte, die für die„Euthanasie“-Morde geworben worden wa- ren. Wohl wurden diejenigen, die so wie Mennecke und Schmidt unmittelbar nach dem Krieg zur Verantwor- tung gezogen wurden, streng bestraft— an einzelnen wurde die Todesstrafe auch vollstreckt, so an dem in Menneckes Briefen mehrmals erwähnten Professor Nitsche. Wer erst später vor Gericht gestellt wurde, kam aber mit einer wesentlich milderen Strafe davon. Später wurden auch bald die lebenslangen Zuchthaus- strafen, die in den Jahren 1946 bis 1948 ausgesprochen worden waren, auf dem Gnadenweg erlassen. 39 „Liquidiert sie selber!“ Die nationalsozialistische Führung betrachtete die„Euthanasie‘“- Aktion als eine Art Generalprobe, eine Schule für Mörder. Hit- lers Plan, ganze Völker auszurotten, ist alt. Daß die Juden ein solches Schicksal erleiden sollten, drückte bereits die Parole ‚„Juda verrecke!“ aus. Aktuell wurde dieser Programmpunkt, als Hitler im Sommer 1941 den Krieg gegen Rußland begann. Das kommentiert sein Vertrauter Goebbels in sei- nem Tagebuch mit folgenden Worten: 14. Februar 1942: ... Mit dem Bolschewismus wird zweifellos auch das Judentum seine große Katastrophe erleben. Der Führer gibt noch einmal seiner Mei- nung Ausdruck, daß er entschlossen ist, rücksichtslos mit den Juden in Europa aufzuräumen. Hier darf man keinerlei sentimentale Anwand- lungen haben. Die Juden haben die Katastrophe, die sie heute erleben, verdient. Sie werden mit der Vernichtung unserer Feinde auch ihre eigene Vernichtung erleben. Wir müssen diesen Prozeß mit einer kalten Rücksichtslosigkeit beschleunigen, und wir tun damit der leidenden und seit Jahrtausenden vom Judentum gequälten Menschheit einen un- schätzbaren Dienst. Diese klare judenfeindliche Haltung muß auch im eigenen Volke allen widerspenstigen Kreisen gegenüber durchgesetzt werden. Das betont der Führer ausdrücklich, auch nachher noch einmal im Kreise von Offizieren, die sich das hinter die Ohren schreiben kön- nen... Auch bei seinen Unterredungen mit Hitler wird diese Frage unmißverständlich behandelt, wie Goebbels sei- nem Tagebuch anvertraut: 20. März 1942: ... Wir sprechen zum Schluß noch über die Judenfrage. Hier bleibt der Führer nach wie vor unerbittlich. Die Juden müssen aus Europa heraus, wenn nötig, unter Anwendung der brutalsten Mittel... 41 Die ersten praktischen Schritte im Bemühen, die „Judenfrage zu lösen“, wirken nahezu dilettantisch, wenn man sie mit der perfekt funktionierenden Ver- nichtungsmaschinerie, die bald in Aktion treten sollte, vergleicht. Man schickte die anderen vor. Otto Bräu- tigam, der als Vertreter Alfred Rosenbergs, des Reichs- leiters und Reichsministers für die besetzten Ostge- biete, beim Oberkommando des Heeres tätig war, hat in seinem Tagebuch Eindrücke festgehalten, die er auf einer Dienstreise nach Kowno gewonnen hatte, das eben erst von deutschen Truppen besetzt worden war: 11.7.41: Fahrt mit Dr. Kleist nach Kowno, den ich dort als VD(VO?) des Reichsleiters Rosenberg bei General Rocques und Oberstleutnant Krieg- stein(?) absetzte. Die Fahrt führte über Eydtk[..], wo ich im Sept. v. J. mit dem Kurier Vörkel einen ganzen Sonntag verbracht hatte, weil wir— von Moskau kommend— den Anschluß verpaßt hatten. Die litauischen Städte, die wir durchfuhren, zeigten noch alle Spuren des eben überstandenen Krieges. Vielfach waren ganze Stadtviertel dem Erdboden gleich gemacht. In Kowno war ein verhältnismäßig starker Stadtverkehr, die Leute waren ernst, wohl auch aus Sorge um das täg- liche Brot. Von einer Begeisterung über die Befreiung vom Bolschewis- mus war im Stadtbild wenig zu verspüren, obwohl die Freude hierüber bei der Masse der Bevölkerung bestimmt vorhanden war. Immerhin waren die Städte reichlich mit litauischen Fahnen geschmückt. Unter unserer stillschweigenden Duldung wurden zahlreiche Judenpogrome von der litauischen Hilfspolizei durchgeführt. Im übrigen wurden die Juden, deren Kleidung mit einem gelben Stück Stoff auf dem Rücken versehen war, zu Arbeitskolonnen zusammengestellt. Wir wurden vom General Rocques zum Mittagessen eingeladen, machten hinterher einen kleinen Bummel durch die Stadt, woraufhin ich um 4 Uhr die Rückfahrt auf dem gleichen Wege antrat. Beide Memelbrücken in Kowno waren gesprengt und lagen im Was- ser. Der Verkehr vollzog sich über Notbrücken. Zwei Monate später ist dieses Anfangsstadium, wäh- renddessen die Litauer und andere ‚„ermuntert“ wur- den, bereits überwunden. Die Eintragungen im Tage- buch Bräutigams sprechen schon eine deutlichere Sprache: 14. Sept. 1941: Kalinin hatte angeordnet, daß alle Wolgadeutschen nach Sibirien zu verschicken seien. Offenbar fürchtet man sie im Herzen der Sowjet- union zu belassen und wollte sie auch einem etwaigen späteren Angriff durch uns entziehen. Von dem traurigen Schicksal, verbannt zu werden, 42 hen, di etantisc, len Ver. en sollte to Bräy. $ Reichs. N Ostge- war, hat ie er auf atte, dus en war: (VON) des int Krieg- im Sept Jatte, well atten. Die puren des ertel den ig starker n das täg- olschewis- > hierüber Immerhin ckt, Unter npogront rurden die m Rück ingeladen woraufh n im Was: um, Wu ort“ wur im Tage gutlichet? sjpirien I 7 Sowie" en ‚Angi zu werde) je Au nenn Pegfp vherım Im Ä sam.( ER[enge mm Ahlen Ai Drama Am Mann ned Omeinehg ver ce Fihmr Imud- mi nie ee Tan im mer mreh ae Maine At onen Asrım, Urin id m Wer ck r- Me er, Pen ur m Kap. nn: dpk. An Ai Rp. Darts, Are n. 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Als Gegenmaßnahme war vom Reichsleiter(Rosenberg) die Verschickung aller Juden Zentraleuropas in die östlichen, unter un- serer Verwaltung stehenden Gebiete in Aussicht genommen, und ich hatte telegraphisch den Auftrag erhalten, die Zustimmung des Führers zu diesem Projekt herbeizuführen. So sattelte ich denn meinen Mer- cedes und fuhr zunächst zum Obstlt. v. Tippelskirch beim Wehrmachts- führungsstab, der aber ebenso wie der General Warlimont der Ansicht war, daß die Wehrmacht an dieser Sache wenig interessiert sei. So fuhr ich zum Führerhauptquartier weiter, wo ich mich nach den Adjutanten des Führers, Oberst Schmundt und Major Engel erkundigte, die aber beide nicht zu erreichen waren. Oberst Schmundt war mit dem Führer in einer Besprechung beim Generalfeldmarschall und Major Engel zum OKH unterwegs. Ich unterhielt mich kurze Zeit mit General d. Fl. Bo- denschatz und wurde dann an General Jodl gewiesen, der die Sache aber auch von sich abzuwimmeln suchte und meinte, die Zuständigkeit des Ausw. Amtes sei gegeben. Im übrigen würde die Durchführung des Projektes an den Transportschwierigkeiten scheitern. Schließlich ent- deckte ich Oberst Schmundt, und zu meiner großen Überraschung bat er sich die Aufzeichnung sofort aus, mit den Worten, das sei eine sehr wichtige und dringliche Angelegenheit, für die sich der Führer sehr interessiere. Er würde mir Nachricht geben. Froh, mich meines Auf- trages entledigt zu haben, fuhr ich nach Hause. 15. Sept. 1941: Ich interessierte mich für das Schicksal des Vorschlages des Reichs- leiters und rief dementsprechend bei Oberst Schmundt an.Dieser verband mich mit Generalfeldmarschall Keitel, der mir mitteilte, daß der Füh- rer befohlen habe, zunächst die Stellungnahme des Ausw. Amtes ein- zuholen. Ich rief also bei Hevel an, der aber durch Baron Steengracht vertreten wurde. Dieser verwies mich an Gesandten v. Rintelen, der mir erklärte, daß v. Ribbentrop sich noch nicht geäußert habe, sondern die Angelegenheit persönlich mit dem Führer besprechen wolle. Mit der Besetzung Polens kam die größte Zahl von Juden in die Gewalt des deutschen Nationalsozialis- mus. Der oberste Nazi-Jurist, Dr. Hans Frank, wurde in Polen, das die Bezeichnung Generalgouvernement erhielt, als Statthalter eingesetzt. Der Reichsjuristen- führer war damals 39 Jahre alt. Am 16. Dezember 1941 faßte Frank bei einer Regierungssitzung in Krakau den Standpunkt zur Judenfrage zusammen. In seinem Tagebuch ist darüber nachzulesen: Mit den Juden— das will ich Ihnen auch ganz offen sagen— muß so oder so Schluß gemacht werden. Der Führer sprach einmal das Wort 46 , daß der Uicht über, Rosenberg ‚ Unter un. N, und id es Führen inen Mer. hrmachts- ler Ansich! ei. So fuhr Adjutanter e, die aber em Führe Engel zun .d. Fl. Bo- die Sache ständigkei ührung des eßlich ent- schung bat j eine sehr ührer sehr eines Aul- jes Reichs: ser verband ß der Füh- Amtes eil- Steengradi ntelen, det he, sonden lle. ‚ Zahl von ‚alsozialis nk, wurdt yernemel! hsjunistel" ‚mber il n Brakl Im seine _ mD® ] das wo aus: Wenn es der vereinigten Judenschaft wieder gelingen wird, einen Weltkrieg zu entfesseln, dann werden die Blutopfer nicht nur von den in den Krieg gehetzten Völkern gebracht werden, sondern dann wird der Jude in Europa sein Ende gefunden haben. Ich weiß, es wird an vielen Maßnahmen, die jetzt im Reich gegenüber den Juden getroffen werden, Kritik geübt. Bewußt wird— das geht aus den Stimmungsberichten hervor— immer wieder versucht, von Grausamkeit, von Härte usw. zu sprechen. Ich möchte Sie bitten, einigen Sie sich mit mir zunächst, bevor ich jetzt weiterspreche, auf die Formel: Mitleid wollen wir grundsätz- lich nur mit dem deutschen Volk haben, sonst mit niemandem auf der Welt. Die anderen haben auch kein Mitleid mit uns gehabt. Ich muß als alter Nationalsozialist sagen: Wenn die Judensippschaft in Europa den Krieg überleben würde, wir aber unser bestes Blut für die Er- haltung Europas geopfert hätten, dann würde dieser Krieg doch nur einen Teilerfolg darstellen. Ich werde daher den Juden gegenüber grundsätzlich nur von der Erwartung ausgehen, daß sie verschwinden. Sie müssen weg. Ich habe Verhandlungen zu dem Zwecke angeknüpft, sie nach dem Osten abzuschieben. Im Januar findet über diese Frage eine große Besprechung in Berlin statt, zu der ich Herrn Staatssekretär Dr. Bühler entsenden werde. Diese Besprechung soll im Reichssicher- heitshauptamt bei SS-Obergruppenführer Heydrich gehalten werden. Jedenfalls wird eine große jüdische Wanderung einsetzen. Aber was soll mit den Juden geschehen? Glauben Sie, man wird sie im Ostland in Siedlungsdörfern unterbringen? Man hat uns in Berlin gesagt: weshalb macht man diese Scherereien; wir können im Ostland oder im Reichskommissariat auch nichts mit ihnen anfangen, liquidiert sie selber! Meine Herren, ich muß Sie bitten, sich gegen alle Mitleids- erwägungen zu wappnen. Wir müssen die Juden vernichten, wo im- mer wir sie treffen und wo es irgend möglich ist, um das Gesamtgefüge des Reiches hier aufrecht zu erhalten. Das wird selbstverständlich mit Methoden geschehen, die anders sind als diejenigen, von denen Amts- chef Dr. Hummel gesprochen hat. Auch die Richter der Sondergerichte können nicht dafür verantwortlich gemacht werden, denn das liegt eben nicht im Rahmen des Rechtsverfahrens. Man kann bisherige Anschau- ungen nicht auf solche gigantischen einmaligen Ereignisse übertragen. Jedenfalls müssen wir aber einen Weg finden, der zum Ziele führt, und ich mache mir darüber meine Gedanken. Die Juden sind auch für uns außergewöhnlich schädliche Fresser. Wir haben im Generalgouvernement schätzungsweise 2,5, vielleicht mit den jüdisch Versippten und dem, was alles daran hängt, jetzt 3,5 Millionen Juden. Diese 3,5 Millionen Juden können wir nicht erschießen, wir kön- nen sie nicht vergiften, werden aber doch Eingriffe vornehmen können, die irgendwie zu einem Vernichtungserfolg führen, und zwar im Zu- sammenhang mit den vom Reich her zu besprechenden großen Maß- nahmen. Das Generalgouvernement muß genauso judenfrei werden, wie es das Reich ist. Wo und wie das geschieht, ist eine Sache der In- stanzen, die wir hier einsetzen und schaffen müssen und deren Wirk- samkeit ich Ihnen rechtzeitig bekanntgeben werde. 47 Die angekündigte Besprechung hatte am 20. Januar 1942 in Wannsee bei Berlin stattgefunden. Die„End- lösung der Judenfrage“— wie das Tarnwort für diese Vernichtungsaktion lautete— wurde nun offiziell. Im Tagebuch notiert Goebbels: 7. März 1942: ... Ich lese eine ausführliche Denkschrift des SD und der Polizei über die Endlösung der Judenfrage. Daraus ergeben sich eine Unmenge von neuen Gesichtspunkten. Die Judenfrage muß jetzt im gesamteuropäi- schen Rahmen gelöst werden. Es gibt in Europa noch über 11 Millionen Juden. Sie müssen später einmal zuerst im Osten konzentriert werden; eventuell kann man ihnen nach dem Kriege eine Insel, etwa Madagas- kar, zuweisen. Jedenfalls wird es keine Ruhe in Europa geben, wenn nicht die Juden restlos aus dem europäischen Gebiet ausgeschaltet wer- den. Das ergibt eine Unmenge von außerordentlich delikaten Fragen. Was geschieht mit den Halbjuden, was geschieht mit den jüdisch Ver- sippten, Verschwägerten, Verheirateten? Wir werden also hier noch einiges zu tun bekommen, und im Rahmen der Lösung dieses Problems werden sich gewiß auch noch eine ganze Menge von persönlichen Tra- gödien abspielen. Aber das ist unvermeidlich. Jetzt ist die Situation reif, die Judenfrage einer endgültigen Lösung zuzuführen. Spätere Ge- nerationen werden nicht mehr die Tatkraft und auch nicht mehr die Wachheit des Instinkts besitzen. Darum tun wir gut daran, hier radikal und konsequent vorzugehen. Was wir uns heute als Last aufbürden, wird für unsere Nachkommen ein Vorteil und ein Glück sein.— Die in Wannsee gefaßten Beschlüsse hatten zur Folge, daß die„Endlösung der Judenfrage“ mit aller Gründ- lichkeit in Angriff genommen wurde. Sie stellte aber keineswegs den Anfang einer systematischen Tötung von Juden dar. Generalgouverneur Dr. Frank hat schon viel früher darüber gewitzelt. Eine Weihnachtsfeier, bei der er eine Ansprache an das Wachbataillon I in Krakau hielt, schien ihm einen geeigneten Anlaß für die„scherzhafte‘‘ Behandlung dieses Themas zu bieten. In seinem Tagebuch steht unter dem Datum 19. De- zember 1940 darüber: Der Herr Generalgouverneur nimmt an der Weihnachtsfeier des 1. Wachbataillons Krakau(I.R. 645) teil. Der Herr Generalgouverneur richtet folgende Ansprache an die Sol- daten des Wachbataillons: ... Und noch eins hat mir der Führer vor wenigen Tagen in vollem Ernst gesagt, daß das alte japanische Sprichwort seine Geltung behalten soll, das da lautet: Nach dem Siege bindet den Helm fester. Kameraden, wir werden niemals wieder ein schwaches Reich sein. Die Wehrmacht 48 Jan e„End. ür die ziel, In jzei üher enge yon ‚europäl- Millionen werden) Nadaga- N, Wen Itet wer. \ Frage isch Ver- iier nod Problem: hen Tra- Situation itere Ge- mehr die r radikal ıfbürden ir Folge Grind: Ite aba Toötun at schon htsfeiet Ion Lit laß jit y bietel 19. De jejer 08 die Su. n vollen pehalte! meradel hrmal wird die Krönung der Gemeinschaftserziehung darstellen. So, wie die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei die Krönung der sozialen, der politischen, der weltanschaulichen Führung ist, so wird auch die Wehrmacht der Inbegriff der Wehrerziehung, der stolzen und sauberen Haltung unseres Volkes sein. Und Ihr könnt sagen: Ihr seid als Sol- daten dabei gewesen. Ich bin sehr glücklich über diese Stunde der Wehrmacht; denn sie verbindet uns alle. Von Euch hat der eine seine Mutter, seine Eltern, der andere seine Frau, seine Braut, seinen Bruder, seine Kinder zu Hause. Die werden nun in allen diesen Wochen an Euch denken und werden sich sagen: Mein Gott, da sitzt der nun drü- ben in Polen, wo es so viele Läuse und Juden gibt, vielleicht hungert und friert er, er getraut sich vielleicht nicht, zu schreiben... Da wäre es vielleicht ganz nett, wenn wir den Lieben zu Hause ein Bild schicken und ihnen sagen würden: Nun, es ist nicht mehr so schlimm mit den Läusen und den Juden, es ist hier im Generalgouvernement schon etwas anders und besser geworden. Freilich, in einem Jahre konnte ich weder sämtliche Läuse noch sämtliche Juden beseitigen(Heiterkeit). Aber im Laufe der Zeit und vor allem dann, wenn Ihr mir helft, wird sich das schon erreichen lassen. Es ist ja auch nicht notwendig, daß wir alles in einem Jahre und alles gleich tun, denn was hätten sonst die- jenigen, die nach uns kommen, noch zu schaffen? Frank scherzte nicht nur, er gab auch praktische An- weisungen. Die Juden sollten— wie schon vorher bei der Organisation von Deportationen und der Beschlag- nahme ihres Vermögens— gezwungen werden, bei den Unterdrückungsmaßnahmen und schließlich bei den Vernichtungsaktionen mitzuhelfen. Auf Befehl der Nationalsozialisten mußten darum Ältestenräte und ähnliche Körperschaften gebildet werden. So wie in den Konzentrationslagern aus den Reihen der Häft- linge Blockälteste und Capos eingesetzt wurden, die den Terror der SS weitertragen sollten, geschah es auch bei der Aktion gegen die Juden. Im Tagebuch Franks sind darüber folgende Aus- führungen bei einer Polizeisitzung am 30. Mai 1940 zu lesen: ... Wie in Deutschland in politischen Sachen die Überwachung bei der politischen Polizei liegt, so muß auch die Überwachung der jüdischen Ältestenräte von der dafür vorhandenen Organisation, der Sicherheits- polizei und dem SD, vorgenommen werden. Es wäre Wahnsinn, wenn man eine andere Regelung treffen würde. Eine völlig andere Frage ist die Verwendung der jüdischen Ältestenräte bei der Herbeischaffung von Arbeitskräften. Daß hier ein weites Gebiet von Interessen besteht, ist klar. Hier muß eine Zentrale bestehen, und diese Zentrale ist nach der Verordnung über die Einführung des jüdischen Arbeitszwanges der 49 Höhere SS- und Polizeiführer. Hauptaufgabe der jüdischen Ältesten- räte ist die Verwirklichung des jüdischen Arbeitszwanges. Weitere Aufgaben sind die Aussiedlung der Juden usw. Recht interessant sind auch die Feststellungen Franks, die in der gleichen Tagebucheintragung nachgelesen werden können: ... Wer jetzt die Sehnsucht empfindet, aus dem Generalgouverne- ment herauszukommen, um auf anderen Teilen der Erdoberfläche sich zu betätigen, der mag ziehen. Wir halten keinen! Ich habe ausdrück- lichen Befehl gegeben, daß keiner zwangsweise gehalten wird, der weg will... Das Prinzip blieb dasselbe wie bei der ‚„Eutha- nasie“-Aktion: Der Nationalsozialismus brauchte frei- willige Helfer für seine Mordaktionen. Nicht durch Druck wollte er die Leute dazu zwingen; er hatte den Ehrgeiz, sie davon zu überzeugen, daß die angeord- neten Aktionen nützlich und für das deutsche Volk not- wendig seien. Man könne darauf stolz sein, hart genug gewesen zu sein, um an einem so verdienstvollen Un- ternehmen, das geheim gehalten werden müsse, mit- gewirkt zu haben. Bei den Tötungen im Zeichen der„Euthanasie‘“ mö- gen es Hunderte gewesen sein, die so angeworben wur- den. Bei der viel umfangreicheren„Endlösung der Ju- denfrage“ mußten viele Tausende zur Mitwirkung ver- pflichtet werden. Warum fanden sie sich zu einem Massenmord außerhalb jedes Gesetzes bereit? Wer waren diese Menschen? Wie sahen sie damals ihr Tun? Ein kurzer Briefwechsel, den ein biederer deutscher Bürger— der Gendarmeriemeister Fritz Jacob— mit dem ihm persönlich bekannten Generalleutnant Quer- ner geführt hat und der erhalten geblieben ist, mag darüber Auskunft geben. Kamenetz Podolsk, den 5. 5. 42 Sehr verehrter Herr Generalleutnant. Seit Monatsfrist befinde ich mich hier in K. Ich hatte schon lange die Absicht, Ihnen von mir ein Lebenszeichen zu geben, doch der Dienst nimmt kein Ende. Kein Wunder auch. Das Gebiet, was ich mit 23 Gen- darmen und 500 Schutzmännern(Ukrainer) zu betreuen habe, ist so groß wie 1 Regierungsbezirk in Deutschland. Die meiste Arbeit machen mir die Schutzmänner, die Haderlumpen. Kein Wunder. Gestern Halb- Bolschewiken— und heute Träger des Ehrenkleides der Polizei. Es gibt aber auch tüchtige Kerle unter ihnen. Doch der Prozentsatz ist ge- 50 Iltester. Weiten Frank, gelesen JUVernE- äche sic usdrüc- der we; „Buthe: te frei t durd utte den ‚ngeonl- olk not- *t genug len Un se, mil sie“ mir en wur der Jır ing ver , einen it? Wer ır Tun! eutscht! 5 Jange d? ay DIE 2 Get je, Ist} t mach?) m Hal glizei. B tzisthH ring. In meiner Eigenschaft als Postenführer bin ich Scharfrichter, Staatsanwalt, Richter usw. Es wird natürlich gehörig aufgeräumt, insbesondere unter den Juden. Aber auch die Bevölkerung muß kurz gehalten werden. Es heißt ge- hörig aufpassen. Na, wir greifen zu. Um so schneller dürften wir wieder nach Hause kommen. Meine Angehörigen sind ganz unglücklich. Fast 2 Jahre in Ebersbach und nun hier im Osten an der rumänischen Grenze. Zu meiner Verfügung habe ich auch 16 Pferde, natürlich auch Reit- pferde. Die Pferde sind gehorsam und gleichen den Menschen. Was hat Stalin aus all diesen Lebewesen gemacht? Der Mensch gehorcht hier nur und bequemt sich zur Wahrheit, wenn er eine gehörige Tracht Prügel bezogen hat. Zu dieser so häßlichen Art muß man täglich mehr- mals einschreiten. Das Pferd ist genau so. Es arbeitet, bis es umfällt. Was die Tiere leisten, kann man in Worten nicht ausdrücken. Hier im Lande der tatsächlich schwarzen Erde versinkt man bis an die Waten. Natürlich auch wirtschaftliche Belange aller Art, Bauhaben usw. ge- hören mit zu meinen Dienstgeschäften. Man wundert sich manchmal, daß das so ein kleiner Kopf mit 53,5 alles schaffen kann. Mein persön- licher Ehrgeiz schafft es aber. Da man als Postenführer immerhin eine Persönlichkeit darstellt, sind auch gesellschaftliche Verpflichtungen zu erledigen. Meistens paßt das nicht in meinen Streifen, da ich abends wie gefoltert bin. Aber auch das wird geschafft. Ich habe eine nette Wohnung in einem früheren Kinderheim(Asyl). Ein Schlafzimmer und ein Wohnzimmer, mit allem, was dazu gehört. Es fehlt einfach nichts. Natürlich aber die Frau und die Kinder. Sie werden mich am besten verstehen. Mein Dieter und die kleine Line schreiben mir sehr oft nach ihrer Art. Es könnte einem manchmal das Heulen ankommen. Es ist nicht gut, wenn man ein so großer Kinderfreund ist, wie ich es war. Hoffentlich hat der Krieg und damit aber auch die Dienstzeit im Osten bald ein Ende. Meine unmittelbaren Vorgesetzten sind: Kdr. d. Gend. Rohse und Oberstleutnant Dressler. Beide Herren habe ich noch nicht kennengelernt. Ich habe hier tüchtig mit beiden Ellenbogen arbeiten müssen, und muß es noch tun. In Brest haben wir Bez.-Offz.-Anwärter darum gebe- ten, daß wir bestimmungsgemäß an verantwortlicher Stelle eingesetzt werden. Unserem Wunsche kam man auch nach. Nun galt es den bisherigen Postenführer abzusägen. Letzterer kann mir das Wasser nicht reichen und trotzdem leistet er Widerstand. Gegenwärtig macht er krank und schreibt Rückversetzungsgesuche. Na, seine suggestive Diagnose ist erkannt und er wird sich tüchtig in den Finger schneiden. Sehr verehrter Herr Generalleutnant. Ich würde mich wirklich sehr freuen, wenn auch Sie mir einmal schreiben würden. Man ist hier so einsam und verlassen und jede Nachricht aus der Heimat tut so wohl. Bitte grüßen Sie Ihre werte Familie recht herzlich von mir. Ich gestatte mir, Sie Herr Generalleutnant, recht herzlichst zu grü- ‚Ben und verbleibe mit Heil Hitler Jacob Meister der Gendarmerie sl Herrn Meister der Gend. Jacob Gend. Posten Kamenetz-Podolsk Postleitstelle Lemberg II— Ukraine— Lieber Jacob! Ich danke Ihnen herzlich für Ihren Brief v. 5. v. Mts. Ich habe mit Interesse von Ihren Ausführungen Kenntnis genommen und mich sehr gefreut, daß Sie dort so tüchtig arbeiten. Daß Sie wieder auf’s Pferd kommen, freut mich ganz besonders. Ich selbst habe auch seit einiger Zeit wieder angefangen, so oft wie ich kann zu reiten. Ich hatte mir im Vorjahr einen Berberhengst(Schimmel) aus den Beutebeständen der Wehrmacht gekauft. Das Pferd hat sich ausgezeichnet gemacht und er- regt die Bewunderung aller Fachleute. Daß Sie Ihre Frau und Kinder vermissen, kann ich verstehen. Wir müssen aber im Kriege als Männer hart sein und vor allem mit uns selbst. Meiner Familie geht es Gott sei Dank gut. Ihre Freundin Christa wird nun schon in diesem Dezember 20 Jahre. Sie ist in einer Hamburger Apotheke tätig. Sie hat sich als Beruf den einer Apothekerin gewählt. Der Tommy macht uns viel zu schaffen hier oben. Unsere Stimmung kann er aber in keinem Fall beeinflussen. Bitte grüßen Sie Ihre Familie, falls Sie einmal nach Hause schreiben. Mit den besten Grüßen auch von meiner Frau und meinen Mädels bin ich mit Heil Hitler! Ihr@. Kamenetz Podolsk, den 21. Juni 1942 An den Herrn Generalleutnant Querner. Ich habe Ursache Ihren werten Brief vom 10.6.42 sofort zu beant- worten. Einmal vergaß ich Ihren Geburtstag, worauf mich meine Frau aufmerksam machte und ein andermal war meine Freude bei Erhalt Ihres Briefes sehr groß. Es tut so wohl, wenn man in der Fremde, ganz allein als Sachse, von einem Bekannten eine Nachricht bekommt. Entschuldigen Sie bitte mein Versäumnis, Herr Generalleutnant. Neh- men Sie nachträglichst zu Ihrem Geburtstage(sollte es der 50. sein?) die herzlichsten Glückwünsche entgegen. Ich wünsche Ihnen alles Gute, insbesondere Gesundheit für Sie persönlich und auch für Ihre werten Angehörigen. Ich stelle mir im Geiste Ihren Berberhengst vor. Muß das ein herr- liches Tier sein. Möchte da Ihre Frau Gemahlin nicht auch einmal auf diesen edlen Rücken? Ich möchte Sie fast beneiden. Unsere Gäule sind im allgemeinen Misch-Masch, ähnlich wie die einheimische Bevölke- rung. Über eines habe ich mich allerdings bisher gewundert, und zwar ist nicht ein Verbrecher dabei. Desgl. auch, daß man von den Pferden alles verlangen kann. Sie arbeiten bis sie umfallen und sind genügsam. Ich danke Ihnen für Ihre Mahnung. Sie haben sehr recht. Wir Män- ner des neuen Deutschlands müssen hart mit uns selbst sein, auch wenn es sich um eine längere Trennung von der Familie handelt. Gilt es doch jetzt, endlich einmal mit den Kriegsverbrechern ein für allemal 52 habe ni mich set; uf’s Pier sit einige tte mir it inden de 1t under ehen, Wi n mit un rista wir [amburg: gewählt Stimmur: schreibe Tädels bi rQ. ‚ Juni zu beat! eine Fit bei Erhz mde, gäl mt, nant. Ne 50, seit nen alt , für li ‚ ein heit inmal& zäule sr ‚ Bevölt und zW n fen? genüge” wir ME seiD, aut ndell. a ir ale abzurechnen, um für unsere Nachkommen ein schöneres und ewiges Deutschland zu bauen. Wir schlafen hier nicht. Wöchentlich 3— 4 Ak- tionen. Einmal Zigeuner und ein andermal Juden, Partisanen und son- stiges Gesindel. Schön ist, daß wir jetzt eine SD-Außenstelle hier ha- ben, mit der ich ausgezeichnet arbeite. War doch vor 8 Tagen 1 ukraini- scher Schutzmann auf bestialische Art ermordet worden. Grund: er hatte die Juden auf einem Minenfeld zur Arbeit angetrieben. Die Juden verbanden sich mit Partisanen und ermordeten den Schutzmann. Außer- dem sollten 20 ungarische Soldaten, die die Arbeit auf dem Minenfeld fachlich leiteten, mit umgebracht werden. Obwohl die rumänische und Protektoratsgrenze für die Verbrecher günstig waren, gelang es durch rasches Zupacken alle 4 Täter zu ermitteln. In Verbindung damit wur- den 50 Personen noch am gleichen Abend erschossen. Wir üben hier keine wilde Justiz. Dort aber, wo die Handlung eine unmittelbare Sühne erfordert, stellt man die Verbindung mit dem SD her und das gerechte Gericht setzt sofort ein. Auf dem Wege der ordentlichen Gerichtsbar- keit wäre es nicht möglich eine ganze Familie auszurotten, wenn nur der Vater der Täter ist... Ich weiß nicht, ob Sie Herr Generalleutnant, in Polen auch solche schreckliche Gestalten von Juden gesehen haben. Ich danke dem Schick- sal, daß ich diese Mischrasse so sah, wie den Menschen in jüngster Zeit. Man kann dann, soweit einem das Schicksal dazu noch hold ist, seinen Kindern etwas mit auf den Weg geben. Venerische, Krüppel und Blöde waren das charakteristische. Aber das eine war wahrnehmbar: Trotz- dem Materialist bis zur letzten Sekunde. Worte, wie:„Sei’mer Spezia- listen, werd’n sie uns schieß’n nicht tot“ waren bei jeden Einzelnen vernehmbar. Es waren keine Menschen, sondern Affenmenschen. Nun, wir haben von den hier allein in Kamenetz Podolsk lebenden Jüdlein nur noch einen verschwindenden°/o-Satz von den 24.000. Die in den Rayons lebenden Jüdlein gehören ebenfalls zu unserer engeren Kundschaft. Wir machen Bahn ohne Gewissensbisse und dann:...„die Wellen schlagen zu, die Welt hat Ruh“. Und nun meine Freundin. Sie hat den Beruf einer Apothekerin ge- wählt. Ich wollte, ich käme einmal nach Hamburg in eine bestimmte Apotheke, um mir für 5 Pfennig saure Drops zu kaufen. Ich weiß nicht wie mich der kleine Dittsch von damals empfangen würde. Vielleicht würde er mich gehörig an die Tür setzen und sagen:„Sie alter ver- schimmelter Esel.“ Ich glaube gern, daß Ihnen allen der Tommy viel zu schaffen macht. Aber, auch sein Pulver wird einmal alle werden. Ich finde es überra- gend, daß Sie trotz der persönlichen Verluste erklären, daß er die Stim- mung nicht beeinflussen kann. Wir alle wünschen uns, daß diese vor- malige nordische Rasse mit Stumpf und Stil in den Wellen verschwin- den möge. Herr Generalleutnant, entschuldigen Sie bitte mein elementares Ge- schwätz. Ich war aber mitten drin, und da läßt sich der„Jacob Fritze“ noch genau so gehen, wie einst. Eine Bitte habe ich noch, Herr Generalleutnant. Bitte schreiben Sie 53 mir ab und zu. Es tut so wohl, wenn man von der Heimat eine liebe Nachricht bekommt. Damit ich nicht vergesse: Heute schrieb mir Herr Bez. Ltnt. Sofka, daß er im Kreis Zittau als Kreisführer eingesetzt worden ist. Ich beneide ihn...— Gestatten Sie, Herr Generalleutnant, daß ich Ihnen, sowie Ihrer wer- ten Familie, die herzlichsten Grüße aus weiter Ferne entbiete. Heil Hitler Jacob Meister der Gendarmerie Geradezu idyllisch muten die Darstellungen an, in die kurze, forsche Andeutungen über Massenmorde eingefügt sind. Auch eine andere, wesentlich ausführlichere Schil- derung ist in ein Idyll eingebettet. Ein SS-Hauptschar- führer mit dem Namen Felix Landau hat einige Wo- chen hindurch ein Tagebuch geführt. Es zeigt ihn recht deutlich, wie er damals war, was er tat und was er fühlte. Dieses Bild bedarf jedoch der Vervollständi- gung. Landau wurde als uneheliches Kind im Jahre 1910 in Wien geboren. Als Felix ein Jahr alt war, hei- ratete seine Mutter. Sein Stiefvater, der Felix später auch adoptiert hat, war der Privatbeamte Jakob Lan- dau, ein Jude. Er starb im Jahr 1919, und die allein- stehende Mutter gab ihren Sohn in ein Internat eines katholischen Laienordens. Nach Absolvierung der Grundschule wurde er als Kunstmöbeltischler ausge- bildet. Später besuchte er noch Abendkurse einer Ge- werbeschule, legte als Zwanzigjähriger erfolgreich die Abschlußprüfung ab und wurde Innenarchitekt. Bereits während seiner Lehrlingszeit war Felix Landau der Hitler-Jugend beigetreten. Wegen seiner Werbetätigkeit für diese Organisation mußte er das Internat verlassen. Im März 1931 wurde er Mitglied der NSDAP, und im April 1934 trat er der damals be- reits illegalen SS bei. Als die Nationalsozialisten in Österreich am 25. Juli dieses Jahres einen Putsch ver- suchten, in das Bundeskanzleramt eindrangen und Dollfuß ermordeten, war Landau mit dabei. Seine Auf- gabe bei dieser Aktion war es, Regierungsbeamte mit seiner Maschinenpistole im Schach zu halten. Der Putsch scheiterte, Hitler ließ die Putschisten wegen der drohenden Haltung Mussolinis fallen; sie wurden verhaftet. Als Minderbeteiligter wurde Landau in eine lie}; mir Her Eingeseh; hrer Wer nam, i Senmaord re Schll uptschar nige Wı- ihn red ] was ollständı m Jahr war, hei: ve. Spüle kob Lui: ie allein nat ein. ung& or ausge siner WE reich di t. ar Fal em sein? e er du Mitglie ymals b* jlisten! isch ve" gen W sine Al amte ten. D’ m weg , wur! ndau" das Lager Wöllersorf eingeliefert, wo er bis zum Februar 1937 festgehalten wurde. In dieser Zeit ist ihm als Anerkennung für seine Beteiligung am Überfall auf das Bundeskanzleramt der„Blutorden“ verliehen worden. Auch wurde er damals zum SS-Hauptschar- führer befördert. Freigelassen, betätigte er sich sofort wieder für seine Partei. Als er wegen Mitwirkung an einer Propagandaaktion mit einer neuerlichen Fest- nahme rechnen mußte, wählte er einen Ausweg, den damals viele illegale Nazi in Österreich eingeschlagen haben: Er flüchtete Anfang April 1937 nach Deutsch- land. Dort bewarb er sich um die Einstellung in die Kri- minalpolizei und wurde außerplanmäßiger Kriminal- assistent. Im Zuge der Vorbereitung des Einmarsches nach Österreich wurde Landau— so wie zahlreiche andere nach Deutschland geflohene österreichische Nazi— am 9. März 1938 in die Gestapo übernommen. In dieser Funktion nahm er an der Besetzung Öster- reichs teil. Zu seinem Aufgabenbereich gehörte nun die Sicherstellung jüdischen Vermögens. Da Landau in seinem Tagebuch auch über seine per- sönlichen Beziehungen schreibt, muß deren Vorge- schichte erwähnt werden. Am 16. März 1938 heira- tete er in Österreich eine Sekretärin, mit der er längere Zeit verlobt gewesen war. Das Ehepaar quartierte sich in der Villa eines jüdischen Geschäftsmannes ein. Sehr bald kamen zwei Kinder zur Welt. Im April 1940 wurde Felix Landau zum Kommandeur der Sicherheitspolizei und des SD nach Radom in Polen versetzt. Dort lernte er eine zwanzigjährige Stenoty- pistin namens Gertrude Segel kennen, die mit einem Wehrmachtsangehörigen verlobt war. Die Segel er- klärte sich zwar auf das stürmische Drängen Landaus hin bereit, diese Verlobung zu lösen; als Landau aber erfahren mußte, daß seine Geliebte sich dennoch mit ihrem Verlobten traf, meldet er sich am 30. Juni 1941 freiwillig zu einem Einsatzkommando der SS. Damals, und in einer entsprechenden Stimmung, be- gann Felix Landau sein Tagebuch zu schreiben. In die- sen Kriegsjahren dürften ähnliche Gefühle wohl in manchem Tagebuch ihren Niederschlag gefunden haben. Aber Landau beschrieb nicht nur sie, er schil- derte auch seine Tätigkeit beim Einsatzkommando, 55 zuerst in Lemberg und dann in Drohobyez. Die Gefühle eines dreißigjährigen Verliebten und die Handlungen eines SS-Hauptscharführers in einem Einsatzkom- mando werden im Tagebuch nebeneinander festgehal- ten. Eben dieses Nebeneinander soll erhalten bleiben. Darum wurde auf Kürzungen verzichtet. Der Mensch, der damals, unmittelbar nach dem Überfall Hitlers auf die Sowjetunion, in Galizien in Aktion getreten ist, und seine Umgebung sollen so deutlich wie nur möglich sichtbar werden. Lemberg, den 3. Juli 1941 Am Montag, den 30.6.1941, nach einer schlaflosen Nacht meldete ich mich freiwillig aus verschiedenen Gründen zu einer EK. Um 9 Uhr er- fuhr ich nun, daß ich an dieser EK teilzunehmen habe. Der Abschied fiel mir nicht leicht, denn plötzlich hatte sich alles in mir geändert. Schon meinte ich über etwas Bestimmtes nicht mehr hinwegkommen zu können, da fühlte ich, wie sehr man an einem Menschen hängen kann. Die Abfahrt wurde wie gewöhnlich einige Male verschoben, aber um 17 Uhr ging es nun tatsächlich ab. Noch einmal halten wir, und ich sehe noch einmal einen mir so lieb gewordenen Menschen. Es geht weiter! Um 22 Uhr kamen wir dann endlich in Krakau an. Die Unterbringung war gut. Die ganzen Bequemlichkeiten fallen weg. Man kann, wenn man will, tatsächlich in wenigen Stunden Soldat werden. Dann geht es durch Przemysl. Hier brennt es noch, auf der Straße tref- fen wir zerschossene deutsche und russische Panzerwagen. Das erste Mal sehe ich zweistöckige russische Panzerwagen. Nach kurzer Rast geht es weiter Richtung Millnicse. Nun sieht man immer deutlicher, daß hier die Truppen noch nicht lange durch sind. Wir treffen krepierte Pferde, auf der Fahrbahn stehen noch die Panzer und Zugwagen. Wir sahen die ersten deutschen und russischen Soldatengräber. Um 21.30 Uhr, am 1.7.1941 kommen wir nun in M. an. Nun stehen wir ziel- und planlos herum. Wir nahmen Quartier in einer russischen Militär- schule. Auch hier brennt es noch. Um 23 Uhr kommen wir nun tat- sächlich zum Schlafen. Ich habe mein Bett aufgeschlagen und aufs Ohr gelegt. Natürlich habe ich mich erkundigt, ob man Briefe absenden kann, leider nicht. Um 6 Uhr den 2.7.1941 soll nun Wecken sein. Am 2.7.1941 um 10.10 Uhr ist nun endlich Abfahrt. Immer näher kommen wir an die Front. Bei brennenden Häusern stehen Frauen und Kinder und kramen im Schutte herum. Unterwegs treffen wir noch ukrainische Soldaten. Es riecht nach verwesten Leichen, immer weiter und weiter den Russen entgegen. Am 2.7.1941 um 16 Uhr kamen wir in Lemberg an. Warschau ist harmlos dagegen, das ist der erste Eindruck. Kurz nach der Ankunft werden von uns die ersten Juden erschossen. Wie gewöhn- lich werden einige neuzeitliche Führer größenwahnsinnige Menschen, bilden sich wirklich ein, das zu sein, was sie scheinen. Wir haben wie- 56 Gefühl, ungen Uzkon. Stgehul. bleiben Mensdı Hitlen getreten wie nur Juli 19 Idete id Uhr er Abschiet seändert kommt | hängen ‚schoben Iten wit schen. Bi an, Dit veg, Ma werda aße trei- )as eisit zer Ra autliche! repielti gen. Wi Um 21) zjel- un Militär nun tal" aufs Ol ybsende) sein. AN komme | Kind rainisö? .d weit Lembtt uzuad gewölt fenseh® ben wie der in einer Militärschule der Bolschewisten Quartier bezogen. Hier müssen die Russen schlafend angetroffen worden sein, wir suchen uns kurz die Sachen zusammen, die wir unbedingt benötigen. Um 24 Uhr kommen wir dann, nachdem die Juden das Gebäude gereinigt hatten, zum Schlafen. Am 3.7.1941. Heute morgens erfuhr ich, daß wir schreiben können und die Aussicht besteht, daß auch die Post tatsächlich befördert wird. Bei einer wahnsinnig sinnlichen Musik schreibe ich nun meinen ersten Brief an meine Trude. Während ich den Brief schreibe, heißt es auch schon fertig machen. EK mit Stahlhelm und Karabiner, 30 Schuß Muni- tion. Eben kehren wir zurück. 500 Juden standen zum Erschießen ange- treten. Vorher besichtigten wir noch die ermordeten deutschen Flieger und Ukrainer. 800 Menschen wurden hier in Lemberg ermordet. Auch von Kindern schreckten diese Lumpen nicht zurück. Im Kinderheim waren diese an die Wände angenagelt. Ein Gefängnis zum Teil zugena- gelt. Heute tauchte nun ein Gerücht wieder auf, wonach wir wieder nach Radom zurückkehren sollen. Ehrlich gestanden, ich wäre glücklich, um meine Lieben wiederzusehen, sie sind mir mehr, als ich mir je eingestehen wollte. Es ist nun nicht zur Exekution gekommen, dafür haben wir heute Alarmbereitschaft und nachts soll es nun losgehen. Die Stimmung ist ziemlich fortgeschritten. In diesem Durcheinander habe ich nun meine Aufzeichnungen geschrieben. Es liegt mir wenig, wehr- lose Menschen, wenn es auch nur Juden sind, zu erschießen. Lieber ist mir der ehrliche, offene Kampf. Nun gute Nacht mein liebes Hasi. 5.7.1941. 11 Uhr vormittags. Wunderbare Musik,„hörst Du mein heimliches Rufen“. Wie weich kann da nur ein Herz werden. Stark sind meine Gedanken bei einem Menschen um derentwillen ich freiwillig nach hier gefahren bin. Was gebe ich dafür, wenn ich sie auch nur 10 Minuten sehen könnte. Diese Nacht von gestern auf heute habe ich durchgewacht. Ausgesprochen Posten gebrannt. Ein kleiner Zwischen- fall zeigte mir den ganzen Fanatismus dieser Menschen, ein Pole lei- stet Widerstand, er will bei dieser Gelegenheit einem Kameraden den Karabiner aus der Hand reißen, was ihm aber nicht ganz gelungen ist. Wenige Sekunden später das Krachen von einigen Schüssen und es war einmal. Wenige Minuten später wird nach einer kurzen Vernehmung ein zweiter dazu gelegt. Eben löse ich den Posten ab, ein Kommando meldet, daß wenige Straßen von uns ein Wehrmachtsposten erschossen aufgefunden worden ist. Eine Stunde später um 5 Uhr morgens werden weitere 32 Polen der Intelligenz- und Widerstandsbewegung, nachdem sie ihr Grab geschau- felt haben, ungefähr 200 Meter von unserem Wohngebäude erschossen. Einer wollte nicht und nicht sterben, schon lag die erste Sandschichte auf dem ersten Erschossenen, da hebt sich aus dem Sandhaufen eine Hand und winkt und zeigt nach einer Stelle, vermutlich seinem Her- zen. Noch ein paar Schüsse knallten, da ruft jemand und zwar der Pole selbst, schießt schneller. Was ist der Mensch? Heute haben wir Aussicht, 57 das erste Mal ein warmes Essen zu bekommen. RM 10.—, erhielten wir, damit wir uns einige notwendige Kleinigkeiten kaufen können. Ich habe mir eine Peitsche um RM 2.— gekauft. Überall der Leichen- geruch, wo man an verbrannten Häusern vorbei kommt. Die Zeit ist ausgefüllt mit Schlafen. Im Laufe des Nachmittags wurden nun noch ungefähr 300 Juden und Polen umgelegt. Abends fuhren wir nochmals flüchtig auf eine Stunde in die Stadt. Hier erlebten wir Dinge, die man kaum schildern kann. Wir fuhren an einem Gefangenenhaus vorbei, daß hier auch gemordet wurde, sah man schon einige Straßen weit. Wir wollten es besichtigen, doch hatten wir keine Gasmasken bei uns, so war es unmöglich, die Kellerräume und Zellen zu betreten. Dann ging es wieder unserem Quartier zu. An einer Straßenecke sahen wir einige Juden über und über mit Sand bedeckt. Einer blickte den anderen an. Alle hatten das gleiche vermutet. Der Jude ist aus dem Grab der Er- schossenen gekrochen. Wir hielten den schwankenden Juden an. Unsere Vermutung war nicht richtig. Bei der ehemaligen GPU-Zitadelle hatten die Ukrainer Juden hingebracht, die der GPU bei der Verfolgung von Ukrainern und Deutschen behilflich gewesen sein sollen. 800 Juden hatte man dort zusammengetrieben. Auch diese sollten morgen von uns er- schossen werden. Diese hatte man nun frei gelassen. Wir fuhren weiter die Straße entlang. Hunderte von Juden mit blutüberströmten Gesich- tern, Löchern in den Köpfen, gebrochenen Händen und heraushängen- den Augen, laufen die Straße entlang. Einige blutüberströmte Juden tragen andere, die zusammengebrochen sind. Wir fuhren zur Zitadelle, dort sahen wir Dinge, die bestimmt noch selten jemand gesehen hat. Am Eingang der Zitadelle stehen Soldaten mit faustdicken Knüppeln und schlagen hin, wo sie treffen. Am Eingang drängen die Juden her- aus, daher liegen Reihen von Juden übereinander wie Schweine und wimmern sondergleichen und immer wieder traben die hochkommen- den Juden blutüberströmt davon. Wir blieben stehen und sehen noch, wer das Kommando führt.„Niemand“. Irgend jemand hat die Juden freigelassen. Aus Wut und Haßgefühl heraus nun werden die Juden getroffen. Nichts dagegen, nur sollten sie die Juden in diesem Zustand nicht herumlaufen lassen. Anschließend erfahren wir von den dort ste- henden Soldaten, daß sie eben Kameraden und zwar Flieger in einem Lazarett hier in Lemberg besucht hätten und gesehen haben, wie man diese bestialisch zugerichtet hatte. Man hatte ihm von den Fingern die Nägel heruntergerissen, Ohren abgeschnitten und auch Augen aus- gestochen, das war der Grund ihrer Handlungsweise. Durchaus ver- ständlich. Für heute ist nun unsere Beschäftigung zu Ende. Die Kame- radschaft vorläufig noch gut. Im Radio wieder wahnsinnige, schöne, sinnliche Musik und meine Sehnsucht wächst und wächst nach Dir. Nach einem Menschen, der mir so weh getan hat. Unsere Hoffnung ist erstens weg von hier und ein Großteil würde auch gerne wieder in Radom sein. Ich bin jedenfalls, wie auch viele andere Kameraden, von diesem Einsatz enttäuscht. Meiner Ansicht nach zu wenig Kampf, daher diese miese Stimmung. 58 erhielten können, Leichen. Zeit ig ıun noch 1ochmals Inge, dir 1S Vorbei weit, Wir IS, SO War | ging a ir einig jeren an ) der Eı- 1. Unser le hatteı zung vol den hatt: ı Uns er- an weile ı Gesich shängen- te Jude Zitadell: hen hal nüppelt (den her- eine un kommel- yen not) ie Jude je Jude ‚ Zustand dort sie in eine! ben, I , Fingen gen aus aus Ve" je Kant , schön nach Dit Lemberg, den 6.7.1941. Ich habe eine furchtbare Nacht hinter mir. Wie kann nur ein Traum so wahr und ausdrucksvoll wie die Wirklich- keit sein. Die ganze Warschauer Angelegenheit, um derentwillen ich eigentlich hier bin, stand in einer Deutlichkeit vor meinen Augen, die nichts zu wünschen übrig ließ. Ich bin wieder seelisch gebrochen wie damals. Ich fühlte, daß ich etwas nie mehr zustande bringen werde, über etwas hinwegsehen und vergessen, was ich erleben mußte. Wenn ich mit T. nicht zusammentreffe in allernächster Zeit, dann werde ich das machen und ausführen, was ich wollte. Kein Mensch wird mich daran hindern. Meine Stimmung ist verheerend. Ich muß nach Radom kommen, so oder so. Heute gelang es mir wieder, einen Brief an meine Trude schicken zu können. Schön war er nicht, doch zeigte er all meine Niedergeschlagenheit auf. Ich konnte nicht anders. Jetzt habe ich schon wieder mehr Hoffnung auf ein Wiedersehen. Heute Nachmittag erfuh- ren wir, daß das Kommando Radom am Montag, 8.7.1941 nach einer Industriestadt Drohobycz kommt, ein leichtes Aufatmen ging durch un- sere Reihen. Für die Dauer wäre das auch ein unmögliches Zusammen- arbeiten geworden. Gearbeitet haben wir so viel wie nichts. Vier Kraft- wagen hat man uns von unserem E.K. abgeknöpft. Wir haben einige neue Telefongeräte und Gasmasken russischer Herkunft gefunden, die wir uns mitnahmen. An unserem neuen Standort soll nun Gottseidank etwas los sein. Ich melde mich noch heute für gefährliche Sonderauf- träge. Sollten wir dort bleiben müssen, werde ich alles in Bewegung setzen, daß Trude hieher kommt. Um 8 Uhr war Wecken. Wir schlafen so lange, daß der Tag kürzer wird. Wieder einmal eine Beschäftigung. Heute war ich nun das x-te Mal in der Stadt und suchte ein Papier- geschäft, nun ist es mir tatsächlich gelungen, eines zu finden. Papier- geschäfte sind seit jeher meine Leidenschaft gewesen. Natürlich habe ich dort alles umgekramt und auch etwas Brauchbares gefunden. Brief- papiere wie wir es in der Heimat kennen, gibt es hier nicht. Aber ich habe endlich Briefumschläge und brauche jetzt nicht mehr herumzu- betteln. Ein schönes großes Reißzeug habe ich mir auch um 32 Rubel (3.30 RM) gekauft. Also morgen um 8 Uhr früh geht es nun endlich weiter nach Drohobycz. Wie uns mitgeteilt wurde, ist das Gebiet zum Teil von Russen besetzt. Es freut mich endlich etwas mehr nach voran zu kommen. Morgen geht auch noch Post nach Krakau und Lublin, wo sie weitergeleitet wird. Da kann ich noch rasch meiner kleinen Trude schreiben. Alle anderen Frauen sind für mich schon lange in meinem Herzen gestorben. Ich weiß eigentlich selbst nicht, wie das kam. Heute Vormittag berichtet eine Sondermeldung die Kapitulation von wieder 52.000 Russen. In kaum weiteren 14 Tagen vermute ich die Revolution in Rußland. Moskau ist bis dorthin bestimmt schon gefallen. Heute abend feiern nun noch mit unseren„Kameraden“ aus Krakau Kame- radschaftsabend. Drohobycez, 7.7.1941. Der Kameradschaftsabend war um 6.30 früh beendet. Zwischenfälle gab es keine. Meine beiden Kameraden holte ich um ungefähr um 24.30 Uhr ab und dann gingen wir gemeinsam auf 59 unsere Bude, um dort die letzte Nacht zu verbringen. Unser Gepäck hat merklich zugenommen. Oberführer Schönrad ist der Leiter der E.K,, Sturmbannführer Röck ist mit der Führung beauftragt. Um 8 Uhr sollte nun der Abmarsch beginnen und um 10 Uhr war es dann endlich nach langen Streitereien so weit. Die Krakauer sind fast durchwegs große Schleimscheißer. Weiter ging es eine ziemlich lange Straße zu- rück, von dort, wo wir gekommen waren. Das Gefangenhaus, in dem Hunderte Menschen gemordet wurden, rochen wir schon einige Straßen vorher. Vor allen Geschäften stehen hunderte von Menschen, um ir- gendwelche Lebensmittel zu erhalten. Unterwegs wurden zwei Juden angehalten. Sie erzählten, daß sie von der russischen Armee geflüchtet waren, ihre Angabe war ziemlich unglaubhaft, sechs Mann sitzen von uns ab, laden durch und in der nächsten Minute sind beide tot. Der eine Jude, ein Ingenieur ruft noch, als das Kommando„Legt an“, gegeben wird,„es lebe Deutschland“. Eigentümlich, daß waren meine Gedanken. Mit welchen Plänen in dem Kopf mag wohl dieser Jude geflüchtet sein. Um 16 Uhr kamen wir nun an unserem Bestimmungsort an. Wir wer- den in einige Truppen eingeteilt, um Quartier für alle Kameraden zu suchen. Wir finden fast drei unbewohnte, neue Häuser, überall Bad, ehemalige KP-Funktionäre-Wohnungen. Jedenfalls haben wir bei die- ser Gelegenheit festgestellt, daß die Ukrainer ganz schön geplündert haben. Sie fühlten sich augenblicklich hier noch voll und ganz Allein- herrscher. Hier wird es noch eine gewaltige Auseinandersetzung geben, das bleibt auf keinen Fall aus. Noch etwas Interessantes konnte ich feststellen. Radioapparate gibt es hier noch sehr wenige, dagegen gibt es in fast jeder Wohnung einen Lautsprecher. Dieser kann laut und leise eingestellt werden und nach Belieben abgeschaltet werden. Hier braucht man also kein Gesetz„Abhören ausländischer Sender“ zu schaffen. In diesem Fall erübrigt sich das. Ich habe so das bestimmte Gefühl, daß wir nach Radom nie wieder zurückkommen werden. Mein kleines Trudchen muß daher herauskommen. Wir haben für einige Tage ein jüdisches Hotel belegt und besetzt. Ich habe, nachdem ich einen riesigen Hunger habe, gleich die Küche„mitbesichtigt“ und auch eine Kleinigkeit für meinen Magen gefunden. Die Quartiere sind sehr, sehr mäßig und Wanzen gibt es in Hülle und Fülle. Nun muß ich schlie- Ben, denn ich muß nun Posten aufziehen. Um 1 Uhr morgens werde ich abgelöst. Mein liebes Trudchen, gute Nacht. 8.7.1941. Heute war wieder einmal ein wüstes hin- und her. Der Ortskommandant erklärt, daß unsere Anwesenheit zu Unrecht bestünde und wir keinerlei Tätigkeit zu erwarten hätten. Nette Sache. Nach- mittags fuhr unser Hauptsturmführer zum Generalkommando um die Lage zu klären. Die Aufklärung lautet, Mißverständnis von seiten des Ortskommandanten. Alles wieder in Ordnung. Ich glaube aber, daß eine Verbindung und ein Zusammenarbeiten mit der Wehrmacht fast unmöglich sein wird. Auf einem Anschlag des Ortskommandanten stand folgendes zum Schluß:„Die Juden stehen unter dem Schutz der deutschen Wehrmacht.“ Jedes weitere Kommentar erübrigt sich dafür. 60 Däck I der ER n 8 Uh N endlich urchwer raße nı. , in den > Straße , UM ir ei Juda ‚eflüchts (tzen vor Der ein redanken htet sein Wir wer Taden zı rall Bai P bei die eplünder z Allein- ng gebe onnte id egen gih laut un den, Hit! nder“ zU estimmi jen. Mel ur einig hdern I und aut sind sel ich schli* werde id her. Dt bestünt je, Nat o und seiten ie aber, du „acht fast andan’ chufz del Gegen mittags zogen wir nun in ein neues Quartier, eine ehem. Solda- tenschule der KP. Ich soll in Wirtschaftssachen und gleichzeitig„Pferde- sachen“ arbeiten. Im Stall fand ich drei niedliche Ponnys vor. Eigent- lich eine ganze Familie, Hengst, Stute und Fohlen. Ein kleiner Pony- wagen und ebenso ein Sattel, komplettes Pferdegeschirr und Sattel ist auch dabei. Sind doch die Menschen eigentümlich. Als ich meine Wache antrat, standen drei so häßliche und schmutzige Weiber, die ehemaligen Hotelmädchen im Flur und guckten mich darauf an. Da kommt nun ein Dolmetscher zu uns und spricht mit diesen. Eine dieser„Weiber“ fragt nun, ob ich nicht mit ihr ins Bett gehen wollte. Wahnsinnig ist doch dieses Sauvolk. Natürlich drängen sich nun umso mehr die anderen. Ich rechnete stark damit, daß sie zu einem ins Bett kriechen werde, doch kam sie Gottseidank zu niemanden. Ansonsten wäre bei der Kontrolle der Zimmer alles aufgeflogen. Abends hatten wir nun noch einen Kameradschaftsabend. Beim Abendessen wollten mich einige Kamera- den mit einigen Weibern des Hotels, Kellnerinnen mit in die Wohnung nehmen. Ich lehnte kurzerhand ab. Es waren beide sehr enttäuscht. Ich will und könnte auch nicht. Ich bin zu viel bei meiner Trude. Auch beim Kameradschaftsabend kam ich nicht und nicht los von ihr. Ich habe solche Sorge um sie. Wer weiß, ob sie noch an mich denkt. Noch immer keine Zeile von ihr erhalten, und wer weiß, ob sie meine Post erhielt. 9.7.1941. Heute gibt es wieder Überraschungen. Morgens kam ein Brief an, von der Ortskommandantur. In einem unfreundlichen Tone wurde uns mitgeteilt, daß unsere Arbeit sich lediglich auf Durchsicht von Schriften zu beschränken habe. Man erklärte uns außerdem, daß wir auch nichts beim jüdischen Ältestenrat zu fragen haben. Wie vor- ausgeahnt, ein unmögliches Verhältnis. Arbeit gäbe es in Hülle und Fülle, nun muß ich noch Judengeneral spielen. Habe heute eine Droschke und dazu gehörendes Pferdegeschirr organisiert, trotz Verbot. Heute gab es Faßbier, konnten wir uns um RM 1.— eine Flasche Sekt kaufen. Wenn ich nur erst von meiner Trude Post hätte. Tagsüber, wenn ich in der Arbeit vergraben bin, geht es ja, aber in der Nacht des alleinseins und der Untätigkeit ist es glatt zu verzweifeln. Gute Nacht Trudchen und denke etwas an deinen Lexi. 10.7.1941. Der Kameradschaftsabend hat nun für mich um 2.00 Uhr früh gedauert, ich wollte mich einmal so richtig voll trinken, um man- ches leichter und für kurze Zeit vergessen zu können. Leider vergebens. Bei 10 Liter Bier und noch einigen Schnäpsen, sowie einen Liter Rot- wein habe ich heruntergegossen, doch blieb leider die Wirkung aus. Den nächsten Tag hatte ich einen Schädel, als würde jemand den ganzen Tag mit einem Vorschlaghammer herumgeklopft haben. Heute wurde die Einteilung der verschiedenen Referate vorgenommen. Ich arbeite mit einem Kameraden des SD[Name unleserlich] zusammen, Abt. II, Wirtschaft. Außerdem wurde ich offiziell zum Judengeneral eingesetzt. Zwei Militärwagen habe ich wieder für die Dienststelle requiriert. 61 Andere haben das bereits für ihre eigenen Taschen gemacht. Dazu habe ich keine Zeit. Nur eine anständige Wohnung wollte ich noch. Die Strei- tereien mit der Wehrmacht gehen weiter. Der hier maßgebende Major dürfte ein Staatsfeind ärgster Sorte sein. Ich habe erklärt, daß ich gegen diesen M. in Berlin sofortige Schutzhaft wegen staatsfeindlichen Verhaltens beantragen werde. Siehe seinen Aufruf, daß die Juden unter dem Schutz der deutschen Wehrmacht stehen. Wer hätte so etwas für möglich gehalten— kein Nationalsozialist. 14.7.1941. Heute komme ich erst dazu, an meinem Tagebuch weiter zu schreiben. Eine ganze Menge von Dingen hat sich ereignet, neue Erfahrung und neue Eindrücke gewonnen. Am 11.7.1941 ist nun tat- sächlich ein Wagen mit Dolte, Binder, Gürth, Mireck, nach Radom ab- gefahren. Leider konnte ich nicht mitfahren. Wenigstens kann ich einen Brief mitgeben, von dem ich genau weiß, daß er bestimmt ankommt und außerdem habe ich Aussicht, einige Briefe von meiner kleinen Trude zu bekommen. Leider werden auch andere Briefe mitkommen. Natürlich, wie vorausgesehen, hat nun unser K.K.a.p. sofort die Ab- wesenheit des Dolte benützt, seinen Tatendrang zu stillen. Kaum eine Stunde später schallten seine schönen Kommandos wie„Beeilung meine Herren, der ganze Haufen zu mir“, und ähnliches auf den Hof. Leute festnehmen und erschießen, sein Wunsch und sein Traum muß in Er- füllung gehen. Die Häftlinge kommen, meist Juden, doch auch Ukrai- ner, die bei den Russen ihm einige Kameraden angegeben haben. Wir „arbeiten“ die ganze Nacht durch. Abends nehme ich mir mit einem Kameraden Urban doch Zeit und wir fahren zu einer Köchin, denn dort bekommen wir„Mischlanka“, Sauermilch und heurige Kartoffel. Trotzdem die Räume sehr klein sind, ist alles nett und sauber. Die Men- schen freundlich und entgegenkommend, eine ganz hübsche junge Ukrai- nerin war ebenfalls anwesend. Eine Verständigung war, trotzdem sie sich wiederholt bemühte, nicht möglich, ich konnte nur feststellen, und entnahm, daß sie etwas mehr Interesse für mich hatte. Doch meine Gedanken blieben nach wie vor bei meiner Trude. Ich habe keine Lust und will auch nicht. Um 11 Uhr Abends kamen wir zurück zur Dienst- stelle. Hochbetrieb unten im Keller, den ich vormittags noch einge- räumt hatte, stehen 50 Häftlinge, darunter 2 Frauen, ich löste sofort freiwillig einen Kameraden, der bei diesen Wache hatte, ab. Fast alle werden morgen erschossen. Die meisten Juden unter ihnen waren in Wien. Träumen noch immer von Wien. Ich mache bis 3 Uhr früh des anderen Tages Dienst. Hundemüde komme ich dann endlich um!/s4 Uhr ins Bett. 12.7.1941. Um 6 Uhr früh werde ich plötzlich aus meinem schweren festen Schlaf geweckt. Zur Exekution antreten. Nun gut, spiele ich halt noch Henker und anschließend Totengräber, warum nicht? Es ist doch eigentümlich, da liebt man den Kampf, und dann muß man wehrlose Menschen über den Haufen schießen. 23 sollten erschossen werden, darunter befinden sich die schon erwähnten 2 Frauen. Sie sind zu be- 62 azu hahı ie Strei, le Majır daß id indlichen len unter twas für h weiter 1et, neu: nun fal- dom ab- ich einen ınkommi " kleinen kommen die Ab- ıum eine ng mein: of. Leut ıB in Er h Ukra- ben. Wi it einen in, den Zartoftel Die Meı- ge Ukra- ‚zdem st ]len, un ch meilt eine Lu r Dienst ‚h einge ste solo Fast alt waren 1 grüh 68 naht schweie! 6 jch hl ; ist don wehrlo* werde) du staunen, sie verweigerten von uns auch nur ein Glas Wasser anzunen- men. Ich werde als Schütze eingeteilt und habe eventl. Flüchtende zu erschießen. Wir fahren der Landstraße einige Kilometer entlang und gehen dann rechtsseitig in einen Wald. Wir sind nur sechs Mann, augen- blicklich und suchen nach einem geeigneten Ort, zum Erschießen und Vergraben geeignet. Nach wenigen Minuten haben wir so etwas gefun- den. Die Todeskandidaten treten mit Schaufeln an, um ihr eigenes Grab zu schaufeln. 2 weinen von allen, die anderen haben bestimmt erstaunlichen Mut. Was wohl jetzt in diesem Augenblicke in den Ge- hirnen vorgehen mag. Ich glaube, jeder hat eine kleine Hoffnung, ir- gendwie doch nicht erschossen zu werden. Die Todeskandidaten werden in drei Schichten eingeteilt, da nicht so viele Schaufeln hier sind. Eigen- tümlich, in mir rührt sich nichts, kein Mitleid— nichts. Es ist eben so und damit ist für mich alles erledigt. Nur ganz leise klopft mein Herz, wenn ungerufen die Gefühle und Gedanken erwachen, als ich mich in einer ähnlichen Situation befand. Am 25. Juli 1934 im Bundeskanzler- amt vor den Maschinengewehrläufen der Heimwehr. Da hat es auch Augenblicke gegeben, da wollte ich weich werden, nicht äußerlich, nein, das würde bei meinen Eigenschaften nie in Frage kommen, aber inner- lich. So jung und nun ist alles vorbei, dies waren die Gedanken, dann drängte ich dieses Gefühl zurück und an diese Stelle kam mein Trotz und die Erkenntnis, daß mein Tod nicht umsonst gewesen sein wird. Nun stehe ich heute als Überlebender vor anderen, um sie zu erschie- ßen. Langsam wird das Loch immer größer. 2 weinen ununterbrochen. Ich lasse sie immer länger graben, da denken sie nicht so viel. Während der Arbeit sind sie auch tatsächlich ruhiger. Die Wert- gegenstände wie Uhren und Geld werden auf einen Haufen zusammen- gelegt. Die zwei Frauen werden als erste, nachdem alle auf einen freien Platz nebenan gebracht wurden, zum Erschießen auf das eine Ende der Grube aufgestellt. 2 Männer wurden bereits von unserem K.K. a.p. im Gebüsch erschossen. Ich habe dies nicht gesehen, da ich auf die anderen zu achten hatte. Die Frauen traten ruhig und gefaßt an die Grube, drehten sich um, 6 Mann hatten wir nun diese zu erschießen. Die Einteilung wurde getroffen 3 Mann auf Herz, 3 Mann auf Schädl. Ich nehme Herz. Die Schüsse fallen und die Gehirnmassen schwirren durch die Luft. 2 auf Schädl ist zuviel, sie reißen fast den ganzen Schädl weg. Fast alle sinken lautlos zusammen, nur bei 2 klappt es nicht, sie heulen und winseln noch lange. Die Revolverschüsse taugen nichts. Bei uns beiden, die wir zusammen schießen, ist kein Versagen. Die vorletzte Gruppe muß nun die bereits vorher Erschossenen in das Massengrab werfen. Dann müssen sie sich aufstellen und fallen auch und zwar von selbst hinein. Die letzten zwei müssen sich auf den vorderen Rand des Grabes setzen, damit sie gleich richtig hineinfallen. Nun werden noch einige Leichen mit einer Spitzhacke umgeschlichtet und dann beginnen wir mit der Totengräberarbeit. Hundemüde komme ich zurück und nun geht es wieder an die Arbeit, alles im Gebäude in Ordnung zu bringen. Ohne Rast geht es weiter. Nachmittags kommt 63 nun unerwartet der Wagen aus Radom zurück. Ich freue mich wie ein kleines Kind auf die Post, es war auch mein erstes Fragen. Leider konnte ich die viele Post gar nicht lesen. Kaum hatte ich begonnen, kam der Hauptsturmführer zu mir und ersuchte mich eine Übersied- lung und Einrichtung des neuen Dienstgebäudes in Angriff zu nehmen. Bis 11.00 Uhr habe ich nun dann gearbeitet. Mußte mir einen Plan dazu machen, wie ein kleiner Baumeister. Alle haben die Arbeit be- wundert. Sonntag, den 13.7.1941 ging dann die Arbeit sofort weiter. Ich kam wieder kaum zum schlafen. Meine Füße und mein Schädl tun weh, als würde ich 2 Gepäcksmärsche hinter mir haben. Nebenbei erfuhren wir, daß im Hinterstock eine Rote-Regierung ausgerufen wurde. Arbeit über Arbeit. Endlich kam ich dazu die Post ganz zu lesen. Es ist eigentüm- lich, ich fiel von einer Stimmung in die andere. Manche Zeilen haben mir große Sorge bereitet, unter anderem schrieb Trude, sie wisse nicht, ob sie ihr Versprechen halten könne und ob sie stark genug sein werde. Warum muß es mir gerade bei einem Menschen so ergehen, den ich so liebe. Ich muß sie sehen und sprechen, dann wird meine kleine Trude wieder stark werden. Sie muß hierher kommen. 14.7.1941. War bei verschiedenen Sitzungen anwesend, Judenrat. Sonst wird hauptsächlich organisiert und übersiedelt. Abends fange ich eine Schäferhündin. 20.7.1941. Es ist heute Sonntag und ich habe schon wieder bis um 20.00 Uhr gearbeitet, nun ist es 21.00 Uhr und ich komme endlich dazu, in mein Tagebüchlein die wenigen Ereignisse, die ja eigentlich im großen Rahmen des Weltgeschehens betrachtet, so klein sind, nieder- zuschreiben. Am 15.7. fuhr ich mit einem Kameraden hinaus zu dieser bereits er- wähnten ukrainischen Familie. Es war sehr gemütlich und auch inter- essant für einen, der sich für die Eigenheiten eines anderen Volkes interessiert. Wir sprachen über alles mögliche, nur die Religionsfrage wollte ich nicht anschneiden, da bei dieser mangelhaften Verständi- gung leicht Mißverständnisse erstehen könnten. Bei dieser Unterhal- tung wurde es 23.00 Uhr. Auf der Hinfahrt, wir fuhren nämlich mit unserem Ponny, gab es noch ein heiteres Erlebnis. Erst erwischte uns ein Regenguß. Na, das war ja bald überstanden. Als wir dann in einen echt russischen Weg einbogen, gab es da Löcher, von über Meter tief, es hob uns natürlich bei dieser Gelegenheit nicht schlecht aus unseren Sitzen. Da kam dann auf einmal eine besonders schöne Stelle, mein Wagen federt hinten leicht, doch das Pferd wird schneller, hinter mir höre ich ein Klatschen und wie ich mich umdrehe, steckt mein Kamerad aus einer ziemlich tiefen Pfütze beide Beine in die Höhe. Trotz der un- angenehmen Lage konnte ich mich eines lauten Lachens nicht enthal- ten. Die Rückfahrt gestaltete sich noch tragischer, hätte uns der Bauer nicht bis an die Hauptstraße gebracht, wären wir sicher mit Roß und Wagen in einem Graben gelandet. Durch diesen schönen Weg kamen 64 a a h wie ein N. Leider egonNen Übersier, | nehmen nen Plan ‚Tbeit hr. ‚ Ich kan | weh, alı hren yir rbeit über igentün- en habaı isse nicht in werde len ich s ne Trudi Judenrit fange id r bis un lich dazı ntlich in ], nieder- ereits tl ıch inter .n Volke sionsirat Terständ: Unterhal mlich m ischte UF , in eine! er tief,® 5 unsele! o]je, mel inter DI Kamel 7 der U" 1 enthal jer Bau Rob uf 8 kant wir erst um 24.00 Uhr nach Hause. Als wir beim Tor einfahren, springt gerade ein Auto an, ferner stellte ich für diese Zeit ein ziemlich reges Leben fest. Etwas stimmt nicht, dies war mein erster Gedanke. Nun klar, man hatte Sorge um uns und war der Annahme, daß uns etwas zugestoßen sei. Wir bekamen einen kleinen Rüssel und die Sache war erledigt. Am nächsten Morgen wurde uns noch eröffnet, daß jeder ge- sellschaftliche Verkehr auch mit den Ukrainern verboten sei. Er, das heißt der Hauptsturmführer hätte nichts dagegen, wenn jemand einmal ein U-Mädchen für eine Nacht bei sich hätte, aber sonst sei der Verkehr verboten. Ulkige Ansicht. Na für mich kommt ja beides nicht in Frage— denn ich wollte ja lediglich das Volk kennenlernen. Meine kleine junge Hündin macht sich, Tag zu Tag wird sie anhänglicher. Nur furchtbar verschreckt ist sie immer. Am 16.7.1941 wird wieder einmal übersiedelt. Ich bin hier eigentlich mehr Architekt als Beamter. Nun soll ich außerdem die Ausbildung von 150 Ukrainern überwachen und durchführen. Als kleiner Baumei- ster und Architekt fühle ich mich ganz wohl, nur sollte ich zur Durch- führung der Arbeiten keine Juden, sondern Arbeiter haben. Nun, es muß auch so gehen. Am 17. 7. gibt es eigentlich nichts, ich wurschte mit den Juden weiter herum und das ist meine Arbeit. Am 18.7.1941. Heute ist wieder die Frage aktuell, wer fährt nach Radom. Auf einmal hat es jeder so wichtig, alle haben ganz oder noch wichtigere Sachen in Radom vergessen, keiner hat einen Koffer, nie- mand eine Wäsche. Normalerweise wird beim Militär die Nichtbefolgung eines Befehles erheblich bestraft, hier aber mit einer Sonntagsfahrt nach Radom belohnt. Mittags war nun Besprechung und richtig wurden wieder andere genannt, die nach R. fahren sollten und auch werden. In mir kracht alles vor Wut. Da mühe und plage ich mich Tag und Nacht ab, damit jeder eine schöne Wohnung hat und für alle jede Be- quemlichkeit gesichert ist und dann, wenn man nur einen kleinen Wunsch hat, werden andere bevorzugt. Am 19.7.1941 den ganzen Tag komme ich von Gedanken nicht los, jetzt könntest Du schon bei Trudchen sein in R. Soviel ich mich auch bemühe, diesen Gedanken zur Seite zu schieben, immer wieder steht meine kleine Trudl da und wartet und hofft mich zu sehen. Was nützt mir meine herrliche Wohnung mit allem Komfort eingerichtet, wenn mir das eine fehlt. Noch ist alles tot in meiner Wohnung. 19.7.1941. Ich konnte also nicht nach Radom fahren. Ich habe eine Stimmung, daß ich alles umbringen könnte. Gerade mich läßt man nicht fahren. Ich habe auch wenig Hoffnung auf nächstes Mal. Den ganzen Tag habe ich wieder durchgearbeitet. Freitag spät nachts habe ich noch einen Brief geschrieben. Wie wird nur meine kleine Trude enttäuscht sein, wenn statt mir nur ein Brief kommt. Abends bekommen wir noch Besuch, nachdem Tags zuvor der Oberführer unerwartet eingetroffen ist. Die Räume und die Gebäude gefielen ihm sehr gut. Das Lob ernteten natürlich wie gewöhnlich andere. Das wird wohl immer so bleiben, so lange es Menschen gibt. Abends, als ich im Bett lag, bekam ich un- bändige Sehnsucht, Sehnsucht nach Ruhe, Friede und Liebe. 65 21.7.1941. Meine erste Arbeit war, nachdem ich gestern umsonst auf die Herren aus Radom gewartet habe, weiter zu warten, alle 5 Minuten h frug ich, ob die Wagen aus Radom nicht zurück seien. Immer wieder fe war meine Frage vergebens. Endlich gegen Mittag kam dann der Wa- D gen an, und schon brauchte ich nicht mehr zu fragen, denn alle riefen mir im Chor zu, Felix, ein Paket ist da. Ich habe erleichtert aufgeatmet, Als ich den Brief las, sperrte ich mein Zimmer ab. Er war so kurz gehalten und flüchtig, daß ich schwere Gedanken und Sorgen bekam. di Sollte schon Trudchen nach so kurzer Zeit untreu geworden sein? Eine Unruhe sondergleichen ist in mir. Was gäbe ich dafür, wenn Trudchen y bei mir wäre. Nun, ich habe es ja selbst so gewollt, nur unter anderen Voraussetzungen. Viel zu gefahrlos für mich der Boden. Ich verstehe Trudchen nicht, schickt mir die Bilder von meinen Kindern und meiner H Frau mit. Ersteres würde ich noch begreifen, aber das andere ist mir zu hoch. Während die Kameraden heute frei hatten, ja zum Teil auf die A Jagd fuhren, hatte ich hier zu arbeiten. Der Dank und Lohn ist mir R gewiß. Der bereits genannte Sturmbannführer war mit seinen 5 Mann wieder auf der Jagd. Die Arbeiten schreiten gut fort. Mir wurde vom Hauptsturmführer neuerlich eröffnet, daß ich die Miliz zur Ausbildung h übernehmen sollte, ich hätte so das richtige Auftreten. Nun mir kann B es recht sein. Heute habe ich die Briefe von meiner Frau beantwortet und ihr 180.-- RM überwiesen. Trudchen bekam ein Brieflein von mir.) 22.7.1941. Der Tag war ereignisreich. Morgens kamen nicht meine bestellten Arbeiter. Als ich nebenan zum Judenkomitee gehen wollte, kam gerade ein Mitarbeiter von diesem an und ersuchte mich um Un- terstützung, da sich die Juden weigerten, hier zu arbeiten. Na, ich aber hinüber. Als diese Arschlöcher mich sahen, rannten alle nach allen Himmelsrichtungen auseinander. Schade, ich hatte keine Pistole mit, sonst hätte ich einige über den Haufen geschossen. Ich ging nun zum Judenrat und eröffnete ihm, daß, wenn nicht in einer Stunde 100 Juden angetreten seien, dann würde ich mir 100 Juden aussuchen, und zwar nicht zum Arbeiten, sondern zum Erschießen. Kaum 30 Minuten später kamen 100 Juden an und außerdem noch 17 Mann für diejenigen, die erst geflüchtet waren. Ich meldete den Vorfall und verlangte gleichzei- tig, daß man die Geflüchteten also die Arbeitsverweigerer erschießen müßte. Das geschah auch genau 12 Stunden später, 20 Juden wurden umgelegt. Noch einen Vorfall. Ich schickte einen Kameraden los, um mit 2 Juden fehlendes Material zu besorgen. Der Kamerad besorgte sich nun auf der zuständigen Stelle die Schlüssel und zog los, während des Ausräumens pöbelte nun ein Ukrainer, natürlich bestes Einvernehmen mit den Deutschen, die Juden, die also einen Auftrag von uns ausführ- ten, an. Außerdem sagte er den Juden, wieso sie dazu kämen, an die Deutschen die Magazine zu verraten. Er würde ihn dafür abends auf- suchen und totschlagen. Na, das war wieder etwas für Felix. Denn das sind meines Erachtens die wirklichen Staatsfeinde. Ich ließ mir also den Knaben vorführen. In meinem Zimmer bekam er zur Einleitung von mir eine kleine Sonderbehandlung. Nach dem ersten Schlag spritzte 66 Sonst auf Minute, [ Wieder der Wı. le Tiefen geatme so kun \ bekan in? Eine Orudchen anderen versteh: ] meiner st mirzı | auf die ı ist mir 5 Mann rde von sbildung nir kann ntwortet von mil, ıt meine n. wollte, um Un Na, id ach allen tole mil nun ZUM 0 Juden ind zwat m später jgen, di Jeichzel schießet wurden , ummlı rgte si rend des rnehmel usfühl“ ), an die ds auf )enn das mir also nleitung spriet bereits das Blut. Erst versuchte er es mit dem Leugnen, nach dem 4. Schlag gab er dies jedoch auf. Ich ließ den Ukrainer wegen deutsch- feindlicher Einstellung festnehmen. In einer nahen Ortschaft von Drohobycz wurden 4 freigelassene Zuchthäusler gleich an Ort und Stelle erschossen. Diesmal haben die Slowaken die Gräber geschaufelt, und gleich zugegraben. Ich bin nur neugierig auf die Umstellung des Judenrates. Die wer- den morgen heulen und zähneknirschen. Übrigens stellten wir fest, daß wieder auf unserer Kaserne auf Nr. 13 eingebrochen wurde und man versuchte, uns Gummireifen vom Wagen zu stehlen. Ein Reifen war mit einem scharfen Messer total durchgeschnitten. So machte ich abends noch eine Festnahme. Morgen werde ich ernstlich die Frage wegen dem Herkommen meines Trudchens stellen. Hoffentlich habe ich Glück. Ich werde als letztes und einziges Mittel meine Ablösung im Falle einer Ablehnung erbitten oder irgendwie erwirken. Gleichzeitig will ich die Radomer Fahrt klären. Morgen schreibe ich dann gleich einen ausführ- lichen Brief an Trudchen. Nun gute Nacht, mein lieber Spitzbub und habe mich noch lieb, denk an mich und bleib mir treu. Nun lege ich mich ins Bett, sehe mir Dein Bildchen an, dann lese ich in Deinem Buch, wenn mich dann die Augen zu brennen beginnen, dann werde ich das Buch weglegen, dein Bildchen nochmal anschauen, Dir ein festes Bussi geben, das Licht auslöschen und schlafen gehen. 93.7.1941. Nun konnte ich erst meine Vorsätze von gestern nicht durchsetzen. Schuld ist nur die übermäßige und wahnsinnige Arbeit. Ich weiß manchmal schon nicht, wie noch wo ein oder aus. Um 8.00 Uhr morgens sollte ich gleichzeitig die Juden zu den verschiedenen Arbeiten einteilen, aber auch die ukrainische Miliz einexerzieren. Nachmittags bekam ich noch eine Menge Aufträge dazu. Aber den Brief schreibe ich doch noch an Trudchen. Ich muß sie sehen, sprechen und soll da kommen, was will. Heute habe ich eine Menge KP-Fahnen und Ge- wehre gefunden. Die Arbeiten schreiten rasch vorwärts in allen Gebäu- den. Die neuen Milizsoldaten können allem Anschein nach mein Tempo und meinen Ton nicht gut vertragen. 10 von 40 Mann sind ausgeblieben. Unser K.K. a.p. hat schon wieder einigen Kameraden mit dem Erschie- Ben gedroht und wieder grundlos. Er sagte zu Kameraden Urban: „Wenn Sie ihren Ton mir gegenüber nicht ändern, dann können Sie bei der nächsten Exekution mitgenannt werden.“ Eine Beschwerde dies- bezüglich läuft bereits. Er hat den Beinamen Revolverkommissar und Sonnensoldat erhalten. Er geht nämlich als einziger mit einer weißen Uniformbluse und langer Hose umher. Nun ist es schon wieder 23 Uhr, aber den Brief muß ich unbedingt noch schreiben. 28.7.1941. Aus all meinen guten Vorsätzen, mich so oder so jeden Abend, und sei es auch noch so spät, an meinem Tagebuch zu schreiben, ist es nichts geworden. Nun komme ich um 24 Uhr doch noch dazu, einige Zeilen zu schreiben. Ganz erschrocken war ich, als ich am Sams- tagmorgen erfuhr, daß es schon Samstag sei. Ich hatte mir schon vor- 67 genommen, Dolte am Freitag nochmals wegen der Radomer-Fahrt an- zugehen. Nun war es aber schon zu spät. Daran war leider nichts mehr zu ändern. Ich war nur maßlos erschüttert, und weiterhin tagsüber wahnsinnig schlecht aufgelegt, bis um 23 Uhr habe ich noch gearbeitet. Was soll ich auch schon. Andere Kameraden gingen mittags weg und kamen gegen 19.00 Uhr mit ukrainischen Mädchen in die Wohnungen zu einer Zeit, wo ich noch im Hause Ordnung machen und Teppiche auf- breiten ließ. Sonntag arbeitete ich bis 15 Uhr, dann machte ich das erste Mal seit meinem Einsatz eine Pause. Übrigens gab es in dienstlicher Beziehung am Freitag und Samstag eine interessante Angelegenheit. Aus einer Nebenortschaft brachten Ukrainer eine Meldung, die unge- fähr folgenden Inhalt hatte: Ukrainer hatten im Walde 24 von den Rus- sen ermordete Ukrainer aufgefunden. Die Leichen seien fast unkennt- lich. Die Kripo-Beamten setzten sich, nachdem es sich um eine Mord- sache handelt, auf und fuhren in diesen Ort. Dort werden sie von einem Pfaffen feierlich empfangen und herzlichst begrüßt. Der Pfaffe meint noch, es sei außerordentlich liebenswürdig, daß die Deutschen so viel Anteil nehmen an der Ermordung und dem Schicksal der Ukrainer. Die Leichen wurden feierlich beigesetzt und unsere Beamten nahmen notgedrungen daran teil. Unterwegs erklärte mir noch der Pfaffe: „Wissen Sie, was das Niederträchtigste ist, daß man den Ukrainern jü- dische Pässe und Papiere in die Taschen gesteckt hat.“ Nun schlägts 13, diese angeblich ermordeten Ukrainer waren unsere standrechtlich er- schossenen Juden(23) und glaube ich 2 Ukrainer. Prost— Mahlzeit! Die Leichenpapiere stanken schon bestialisch. Ich ließ sie mit Petroleum übergießen, verbrennen und in der Grube vergraben. Sonntag, den 27.7.1941. Abends unternehme ich mit Dolte eine Spa- zierfahrt einige km unterwegs hatten wir Pech, wir verloren ein Wa- genrad. Gottseidank finden wir in der Nacht einen Schmied, der den Schaden in ungefähr einer Stunde behoben hatte. Der alte Strolch war ein Pferdewärter, wird nun endlich wegen Verd. d. Sabotage hinausge- schmissen. Heute, den 28.7.1941 schnitt ich nun wieder das Thema Radomer- fahrt an. Dolte wich aus. Ich lasse diesmal nicht locker. Ich kann wohl ruhig behaupten und auch beweisen, daß ich die meiste Arbeit und die unangenehmste Arbeit hier habe. Ich lege die ganze Scheiße ansonsten nieder und bitte ganz offiziell, hier abgelöst zu werden. Abends war ich nun mit 2 slowakischen Leutnants, die mein Kamerad Ullrich ge- bracht hatte, aus. Die Ukrainer können diesen, rein charakterlich, nicht den kleinen Finger reichen. Nun ist es unterdessen wieder fast 24 Uhr geworden. Gestern abschließend nach der Ausfahrt kam noch Besuch, besser gesagt, wartete noch Besuch auf Dolte und da mußte ich nun mitkommen. Ich glaube ruhig sagen zu können, großen Anteil an der Verständigung die uns ungeheuren Nutzen noch einbringen wird. Es handelt sich um den Wirtschafts- und Ernährungsfritze. Und nun liebes Trudchen in der Hoffnung, daß du mich noch recht lieb hast, so lieb wie ich dich ebenso, hoffe ich auf das Gleiche, nun will ich mich gleich jetzt von dir verabschieden mit recht süßen Busserln. 68 4 m uU== -Fahrt"| ichts meh, 1 tagsühe gearbeitet 3 Weg un Dungen Piche auf. 1 das ers jenstlich: elegenhe die unge 1 den Rus. ‚ unkennt ine Mor. von einen affe mei en so Yi Ukraine n nahme er Pfafl: ainern ji; chlägts I! chtlich eı- hizeit! D Petroleur eine Sp n ein Mi: d, der de trolch w hinausf® Radome! kann Wil sjt undd ansonsie bends IX Jilrich 8% rlich, ni ast AUF ch Besud te ich Il ein , wird 5 nun Jieb® st, 50 IR nich glei 31.7.1941. Am 29.7.1941 kam ich mit meinem Kameraden Urban mit 2 slowakischen Leutnants zusammen. Sie sprechen fließend deutsch und so stockte es auch nicht in der Unterhaltung. Nachdem ich ein alter Politiker bin, waren auch nach kurzer Zeit diese Fragen aufgeworfen. Die Slowaken hassen die Ungarn und den Polen sind sie auch nicht allzu freundlich eingestellt, außerdem sind sie sehr, sehr fromm und gläubig. Im Laufe des Gespräches erzählten sie uns, daß sie von einem Waffenlager Kenntnis hätten. Wir gingen, besser gesagt, wir fuh- ren nun um 17 Uhr los zu diesem Lager. Da kein Posten davor stand, ließ ich das Schloß aufsprengen. Ich traute fast meinen Augen nicht, in diesem unbewachten Waffenlager waren rund 300— 500 fast neue Ge- wehre, 20 Maschinengewehre, Handgranaten, 30 neue russische Motor- räder, Jagdgewehre u. s. w. Wir sehen uns die Sachen an und da findet mein Kamerad ein Bestandsaufnahmeverzeichnis der deutschen Wehr- macht. In diesem Augenblick kam auch wie zur Bestätigung ein PKW der Wehrmacht an. Ich grüße kurz den Oberleutnant und frage ihn, ob dieses Lager der Wehrmacht gehörte, und gab gleichzeitig meinem Erstaunen Ausdruck, daß man in dieser Zeit ein derartiges Lager mit Munition versehen, nicht unbewacht lasse. Es war diesem Herren sehr peinlich. Anschließend meinte er, daß er Meldung erstatten müßte, ich erklärte dies auch meinerseits. Abends meldete ich diesen Vorfall Dolte. Alles amüsierte sich. Abschließend gab es bei den slowakischen Kame- raden eine wüste Sauferei, Fortsetzung war dann bei uns in der Wohnung. Am 30.7.1941 gab es für mich eine große freudige Überraschung, Post von Trude. Wie lange hatte ich schon darauf gewartet. Als ich beim Briefschreiben war, traf diese Post ein. Meine Stimmung schwenkt um 100°. Meine Trude ist doch ein putziger Käfer. Da schreibt sie in einem ihrer Briefe eine philosophische Abhandlung über mein Liebes- und Eheleben. Mit einem Ernst beseelt, als würde ihr eigenes Leben davon abhängen. Geistig durchdrungen wie eine weise und erfahrene Frau. Dabei denkt und schreibt sie kein Wort von sich selbst. Sie hatte sich in diesem Schreiben gänzlich ausgeschaltet. Manchmal taucht ein leises Gefühl auf, als wollte sie mich von etwas überzeugen, damit sie mich einfacher los werden kann. Dann aber, wenn ich die anderen Briefe von tagsdarauf und tagsdavor lese, muß ich wieder über diese Gedanken lächeln, denn aus diesen Zeilen geht die heiße und leiden- schaftliche Liebe wie ich sie zu ihr empfinde, hervor. Manchmal be- ginne ich wie im Traum zu mir Angst zu bekommen. Sie ahnt nicht, was sie mir geworden ist und weiß auch nicht, was in letzter Zeit in mir vorgegangen ist. Was würde in mir zerbrechen, wenn sie, die mir so viel geworden ist, mich enttäuschen würde. Ich glaube dann bis zu meinem Lebensende den Glauben an die Menschheit zu verlieren. Ich habe Trudchen gestern abends doch einen 6 Seiten langen Brief ge- schrieben trotz der wahnsinnig vielen Arbeit. Heute wurde ich vertrau- lich zu D. bestellt und dieser teilte mir mit, daß der G.G. am Samstag kommen würde. Also wieder nichts mit der Fahrt nach Radom. Ich gebe aber die Hoffnung nicht auf, Trudchen habe ich einen Brief und ein kleines Miniatur(Liebesszene aus der Barockzeit) mitgeschickt. 69 Heute, den 31.7.1941 gab es wieder wahnsinnig viel Arbeit. Alles muß bis Samstag in Ordnung sein. Der Brief ging heute mit unserem Radomer Besuch ab. 1.8.1941. Gestern abends habe ich also doch noch das so oft ange- forderte Gespräch mit dem Dolte erzwungen. Ich ließ mich dieses Mal nicht mehr vertrösten, ich ging also um ungefähr 20 Uhr in die Woh- nung ober mir, wo Dolte wohnt, und fragte an, ob er nun für mich Zeit habe. Er hatte Zeit und lud mich ein, an seinem Tisch, wo bereits Ka- merad Briese weilte, Platz zu nehmen. Er war gerade dabei, dem Ka- meraden einen fast 10 Seiten langen Brief seiner Freundin aus Radom vorzulesen. Es war mir erst etwas peinlich, aber er ist in der Beziehung offen wie ich und macht keine Geheimnisse, umso besser für mich und mein Unternehmen. Ich konnte also keine bessere Gelegenheit finden. Er erzählte mir, daß er mit seiner Scheidung nicht weiter kommt und daß er 4 Rechtsanwälte in dieser Sache beauftragt habe. Kamerad Briesemeister entfernte sich. Dolte bot mir Wein und Zigaretten an und so saßen wir wie gute Kameraden beisammen. Nun schoß auch ich los. Was ich wollte, brauche ich ja nicht mehr erwähnen weil es doch so reichlich bekannt und schon erwähnt ist. Seine Stellung war folgende: jede Unterstützung bei einer neuen Anstellung keine Befürwortung bei einer Versetzung nach dieser Dienststelle, vorübergehend natürlich. Ist mir natürlich auch recht. Erst muß Trudchen einmal hier sein, dann erst alles weitere. Zur Radomer Fahrt erhielt ich die bestimmte Zusage, am Samstag, den 9. 8. 1941 fahren zu können. Auch etwas fixes. Ich war also voll und ganz mit diesem Resultat zufrieden, meine Stimmung war endlich, nach langem wieder obenauf. Meine ukrainische Miliz erhielt „Schonzeit“. Die Juden wurden„rücksichtsvoller“ behandelt. Ich schenkte mehr als sonst Zigaretten her, mit einem Wort, man konnte an meiner ganzen Handlung erkennen, daß mir etwas angenehmes widerfahren sein müsse. Beim Abendessen mußte ich mich aber doch ärgern. Ein Herr Gabriel, der Mann mit den Minderwertigkeitskom- plexen und den Basedowaugen ärgerte sich, weil ich eine Jüdin, die bei mir arbeitete, wegen ihres Nichtkönnens entfernte. Der Herr vergißt, daß wir im nationalsozialistischen Staat das Rassengesetz eingeführt haben. Einmal erwischte ich ihn schon, als er einer Jüdin ganz zärtlich ums Kinn strich, stellte ihn zur Rede. Damals war er ziemlich verlegen, der Herr dürfte dies also schon wieder vergessen haben. Arbeit gab es wieder genügend bis 22 Uhr. Der G.G. soll morgen kommen und da muß meine Miliz eingekleidet sein. Abends um 19 Uhr kam ich in ihre Kaserne und mußte feststellen, daß von den 60 Mann nur 12 Mann eingekleidet waren. In fast 3 Tagen arbeiteten ungefähr 40 Schneider und konnten dies nicht fertig bringen. Nun wurde ich aber wild. Zum Großteil lag natürlich die Schuld an der Führung der Miliz. Ich ließ den Ältestenrat sofort zu mir kommen und erklärte, daß bis zum kom- menden Tag um 12 Uhr mittags alle fehlenden Uniformen fertig sein müssen, da ich sonst 5 Schneider wegen Sabotage erschießen würde. Es wurde mir noch von den Milizern ein Mann vorgeführt, der seine 70 beit, All: 6 Unseren oft ange dieses I; die Wo. mich 74 ereits Kı. , dem Kı. tus Radır Beziehun ° mich uni eit finden ommt un Kamen! ten an un ıch ich I es doch s : folgend: 'ortung b: türlich, I sein, dan te Zusag: es, Ich Wi mung mil iliz erhi ndelt, IE an konn! ngenehnk: aber di! skeitsküf: lin, die be pr. vergl! eingeli nz zärtlii 1 verlegte Arbeit 83 jen und! ich in D' ‚9 Nav Schnell“ wild, ZU za# zum kob“ fertig 9° würde B der seißt 16jähr. Tochter wegen Hurerei zur Anzeige bringen wollte. Seine Toch- ter geht nach seinen eigenen Aussagen seit dem 13. Lebensjahr auf den Strich. Nun sollte die Polizei dieses Kind erziehen. Ich habe dem Va- ter, der sein eigenes Fleisch und Blut in den Kerker bringen wollte, geohrfeigt, daß er 5 mal sein Gleichgewicht verloren hat. Arbeiten wur- den heute zu einem Preis von RM 8.000.— vollendet. Wege um 2 Häuser gelegt, ein Badezimmer komplett und 5 ergänzend eingerichtet, 21 Be- leuchtungskörper angeschlossen, 3 Küchen in Wohnzimmer umgebaut, 1 Stall hergerichtet, die Garage für 4 Autos einstellbereit gemacht(vor- her ein Stall). 2 russische Wagen kompl. gestrichen und fahrbereit ge- macht, über 100 Schlüssel den Schlössern angepaßt, eine Küche für 100 bis 200 Personen abgetragen und neu aufgestellt, riesige Gartenan- lagen vor 3 Häusern in Ordnung gebracht u.s.w. 2.8.1941. Die Arbeiten laufen weiter. Morgens um 6 Uhr wurde be- gonnen. Der G.G. kommt nicht. Er soll angeblich zum Führer beordet worden sein. Um 12 Uhr meldete mir der Ältestenrat:„alle Uniformen fertig“. Seitdem ich ihm die zwanzig Mann wegen Arbeitsverweigerung wegschießen ließ, klappt der Laden da. Abends fahren 4 Kameraden nach Radom. Nun da heißt es aber rasch ein kleines Brieflein meinem Trudchen schreiben. Meiner Frau muß ich auch das Geld, 180 RM sen- den. Die Briefe sind fertig und Laufmann übergeben. Wird sich Trud- chen freuen? Meiner Frau habe ich Spielsachen für die Kinder zuge- sandt. Um 22 Uhr sind die Kameraden nach Radom abgefahren. So weit das Tagebuch von Felix Landau, das keines Kommentars bedarf und keinen verträgt. Als Trudchen zu ihrem Felix nach Drohobycz kam, wurde das Tage- buch nicht mehr weitergeführt. Im Juni 1942 wurde die Ehe Landaus geschieden, im Mai 1943 heiratete er in Drohobycz sein Trudchen. Dort spielte sich am 14. Juni 1942 eine Szene ab, die im Prozeß gegen Felix Landau genau rekonstruiert wurde: Auf dem Balkon ihrer Villa vergnügten sich der SS-Hauptscharführer und seine Freundin mit Kartenspiel. Da bekam Trud- chen Lust, auf Vögel zu schießen. Felix holte sein Ge- wehr, und seine Freundin versuchte ihr Jagdglück. Plötzlich bemerkte Landau, daß ein Jude, der in der Nähe Erdarbeiten zu verrichten hatte, sich eben auf seine Schaufel stützte. Der SS-Hauptscharführer nahm seiner Freundin das Gewehr aus der Hand, legte an und traf den Juden ins Herz. Nach Beendigung des Krieges versteckte sich Landau in Oberösterreich. Im’ Juni 1946 wurde er zufällig von einem überlebenden Juden aus Drohobycz erkannt, angezeigt und festgenommen. Die Amerikaner liefer- 71 ten ihn in das Anhaltelager Glasenbach ein, wo auch bereits seine mittlerweile geschiedene Frau interniert worden war. Landau erfuhr, daß sein Tagebuch und damit seine Tätigkeit in Drohobyez der Polizei bekannt geworden war. Deswegen flüchtete er im August 1947 und ging bald darauf über die grüne Grenze nach Deutschland, wo er sich als sudetendeutscher Flücht- ling ausgab und unter falschem Namen lebte. Hätte Landau nicht Anfang 1958 der Stuttgarter Polizei seine richtigen Personalien angegeben, weil er wiederum heiraten wollte und deswegen seine Papiere in Ordnung bringen mußte, wäre er wohl bis zu seinem Lebensende straflos geblieben. So aber wurde er fest- genommen und am 16. März 1962 zu lebenslänglichem Zuchthaus verurteilt. Er selbst leugnete zwar oder schwächte seine Taten ab, doch Zeugen und vor allem sein eigenes Tagebuch, dessen Echtheit er vor Gericht zugeben mußte, überführten ihn eindeutig. Nur eine kleine, vergleichsweise unbedeutende Episode der großen Vernichtungsaktion gegen die Ju- den wurde in diesem Prozeß erörtert. Sie ist in Lan- daus Tagebuch aufgezeichnet. Der SS-Gruppenführer und Generalleutnant der Polizei Katzmann, der für den Distrikt Galizien verantwortlich war, meldete sei- nerzeit, daß bis zum 27. Juni 1943 aus Galizien 434.329 Juden„ausgesiedelt“ worden seien, die man nirgendwo angesiedelt hat. Katzmann fügte hinzu, daß damit Ga- lizien bis auf 21.156 Juden, die sich damals noch in Lagern befanden, aber„laufend reduziert“ würden, judenfrei sei. Er schloß diese Meldung mit der Fest- stellung ab, daß es„nur durch persönliches Pflicht- bewußtsein jedes einzelnen Führers und Mannes“ mög- lich gewesen sei,„dieser Pest in kürzester Frist Herr zu werden“. Einer von diesen pflichtbewußten SS-Männern war eben Felix Landau. Der Stuttgarter Staatsanwalt hat jene Triebkraft, die Landau damals zu solchen Taten veranlaßt hat, in der Anklageschrift charakterisiert: „Der Haß des in der nationalsozialistischen Weltan- schauung verwurzelten Gestapo- und SS-Mannes Lan- dau gegen die Juden und deren Beurteilung als min- derwertig und volksfeindlich sind der Schlüssel für die den Gegenstand der Anklage bildenden Taten des Angeschuldigten, die nur dadurch möglich wurden, » WO aud interior buch an; ei bekan 1gust 11 eNZe nu er Flüch, tuttgant N, weile re Papie zu seine le er fa Öngliche war ode vor alle or Gerit edeuteni on die II st in Lo penführ 1, der ji! eldete si: en 434 nirgendi damit G Is noch| © yirde der Fe os Pflicl! nes“ mol Frist Hi nern 1 nwalt h hen Ti risiert: n Welt nnes DA ] als mi Jüssel) Toten d qyurde! daß sich Landau unterstützt und getragen wußte von einem politischen System, das die Judenverfolgung und-vernichtung zum Programm erhoben und als einen Dienst an Volk und Vaterland hingestellt hatte.“ So wie in Galizien wüteten die Nationalsozialisten überall. Diese Aktionen wurden zentral geleitet. Goebbels findet diskret beschönigend in seinem Tage- buch dafür folgende Worte: 27. März 1942: ... Aus dem Generalgouvernement werden jetzt, bei Lublin begin- nend, die Juden nach dem Osten abgeschoben. Es wird hier ein ziemlich barbarisches und nicht näher zu beschreibendes Verfahren angewandt, und von den Juden selbst bleibt nicht mehr viel übrig. Im großen kann man wohl feststellen, daß 60° davon liquidiert werden müssen, wäh- rend nur noch 40° in die Arbeit eingesetzt werden können. Der ehe- malige Gauleiter von Wien, der diese Aktion durchführt, tut das mit ziemlicher Umsicht und auch mit einem Verfahren, das nicht allzu auf- fällig wirkt. An den Juden wird ein Strafgericht vollzogen, das zwar barbarisch ist, das sie aber vollauf verdient haben. Die Prophezeiung, die der Führer ihnen für die Herbeiführung eines neuen Weltkriegs mit auf dem Weg gegeben hat, beginnt sich in der furchtbarsten Weise zu verwirklichen. Man darf in diesen Dingen keine Sentimentalität obwalten lassen. Die Juden würden, wenn wir uns ihrer nicht erweh- ren würden, uns vernichten. Es ist ein Kampf auf Leben und Tod zwi- schen der arischen Rasse und dem jüdischen Bazillus. Keine andere Re- gierung und kein anderes Regime könnte die Kraft aufbringen, diese Frage generell zu lösen. Auch hier ist der Führer der unentwegte Vor- kämpfer und Wortführer einer radikalen Lösung, die nach Lage der Dinge geboten ist und deshalb unausweichlich erscheint. Gottseidank haben wir jetzt während des Krieges eine ganze Reihe von Möglich- keiten, die uns im Frieden verwehrt wären. Die müssen wir ausnützen. Die in den Städten des Generalgouvernements freiwerdenden Ghettos werden jetzt mit den aus dem Reich abgeschobenen Juden gefüllt, und hier soll sich dann nach einer gewissen Zeit der Prozeß erneuern. Das Judentum hat nichts zu lachen... 73 Der Herr Professor in Auschwitz In Münster in Westfalen lebt ein Professor, der sich jahrzehnte- lang von anderen Professoren nicht mehr und nicht weniger un- terschied, als sich eben jedes Individuum von anderen unterschei- det. Sein Name ist Johann Paul Kremer, sein Geburtsjahr ist 1883; er hat die Titel Dr. med. und Dr. phil. getragen und war außerordentlicher Universitätsprofessor für menschliche Verer- bungslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität. Im Oktober 1940 begann Professor Kremer, ein Tagebuch zu führen. Ereignisse, die ihm wert schienen, festgehalten zu wer- den, trug er in dieses Büchlein ein. Lange Zeit hindurch sind es belanglose Notizen, die sein geruhsames Leben illustrieren. Von diesen seien hier vorerst nur solche herausgegriffen, die sich auf die militärische Laufbahn Kremers beziehen. Denn dieser Acht- undfünfzigjährige wurde noch zu den Fahnen gerufen. Die Fol- gen dieses Ereignisses heben später das Tagebuch aus der rein persönlichen Sphäre. Kremer setzte an den Beginn seiner Eintragungen einige persönliche Daten. Dort kann man lesen, daß er am 30. Juli 1932 der SS beigetreten ist und die Mit- gliedsnummer 1,265.405 erhalten hat. 26. Dezember 1940(Geburtstag):... Zu meiner Geburtsstunde er- strahlte zum 1. Male der mir von Heinrich Himmler verehrte Julleuch- ter. 10. April 1941: nach Düsseldorf(Polizeipräsidium) zur SS-ärztlichen Untersuchung zwecks Überführung in die Waffen-SS befohlen. 20. Mai 1941: Eintragung in die Wehrmachtskartei auf Veranlassung des Wehrbezirkskommando Münster(Sachgebiet II b, AZ 3671) vom 75 7.5.1941. Vorladung zu Montag, 12.5.1941. U.K. Schein bei Heiner- mann(?) nicht zu erhalten. Becher schlägt vor, daß ich mich direkt mit der SS in Verbindung setze. Papiere abgegeben am[...] 20.5.41, 14. Juni 1941: Gestellungsbefehl zum 18. Juni 1941, 14 Uhr, im SS-Sanitätsamt, Berlin W 15, Knesebeckstraße 43-44. 18./19. Juni 1941: Abfahrt ab Münster 22,29. In Hamm Fliegeralarm. — Ankunft Berlin Friedrichstraße 7,08. Rasieren, Schuhputzen, dann mit Omnibus 1 zur Knesebeckstraße. Dort großes Staunen: ‚Nein, so was, jetzt ziehen sie sogar die Prof. ein!“ Vorstellung beim Divisions- arzt. Dann Annahme in die Waffen-SS; Beförderung zum Hauptschar- führer und Beurlaubung bis auf weiteres nach Münster. Ausfüllung der Formulare und Lebenslauf. Dann zum Mittagessen zu Aschinger und darauf mit der 57 zurück zur Kaiserallee zur ärztlichen Unter- suchung. Dann wieder zur Knesebeckstraße zum Sanitätsamt und von dort nach langem Warten endlich Entlassung. Abendessen im Linden- restaurant und nach einem kleinen Rundgang abends 21,48 wieder Abfahrt in einem vollbesetzten D-Zug. Ganze Fahrt auf dem Gang und wieder ab Hannover Fliegeralarm. Ankunft in Münster 6,15. War- ten vor der Wohnung, da kein Schlüssel. Schließlich Irmgard von Witzemanns Öffnet und läßt mich nach oben, aber es gelingt mir nicht, eine Zimmertür offen zu bekommen. Dann zu Frl. Glaser Kinder- hauserstr. 16, zum Abholen der Schlüssel und des Kanarienvogels. Dann zur Anatomie und nachm. ein kleines„Nickerchen“, nachdem ich 2 Tage und 2 Nächte nicht aus den Kleidern gewesen war. 18. August 1941: Beim Weggang erzählt mir Frau Lücke, daß mich am Sonntag jemand habe sprechen wollen, weil ich mich„stellen“ müsse. Daraufhin ging ich zum Wehrkreiskommando, wo keiner von einer Einberufung aber etwas wußte. Nachmittags ging ich nochmals in die Stadt, da ich übermorgen meinen Urlaub in Marburg antreten wollte, und traf zufällig vor der Anatomie auf Havärbedl(?), der mir nun endlich den Einberufungsbefehl mitteilte. Edom(?), den ich am glei- chen Morgen noch ausdrücklich gefragt hatte, wußte von nichts. Kurz und gut, ich ging sofort zum Wehrkreiskommando und besorgte mir eine Fahrkarte nach München-Dachau. Professor Kremer bleibt bis zum 15. Oktober 1941 in Dachau. Während dieser Zeit enthält keine Eintra- gung irgendeinen Hinweis auf das Konzentrations- lager. Es hat den Anschein, daß Kremer dort nur im SS-Lazarett beschäftigt war. An seine Universität in Münster zurückgekehrt, kommt er in seinen Eintragungen nur einmal auf sein- nen Dachauer Aufenthalt zurück: si Heiner. lich dire 120,54 t Uhr, in egeraları. tzen, dan „Nein, 9 Division. auptschar- Ausfüllun Aschinger ‚en Unter- t und von m Linden ‚48. wieder dem Gar; 6,15. War- ngard von mir nic r Kinder rienvogeli ıchdem ic daß mid „stellen keiner vl ochmalsi ten wollt r mir nu h am gie: ichts, But sorgte MI ober IH 1e Eintr ntration® „g nur in ‚ngekeh auf sat 14. Januar 1942: Erhalte soeben durch den Chefarzt des SS-Standort- lazarettes Dachau die Mitteilung, daß ich mit Wirkung vom 9. Nov. 41 als Reserveführer der Waffen-SS zum SS-Untersturmführer ernannt worden bin. Die weiteren Eintragungen spiegeln den Alltag in Münster wider. Einmal manifestiert sich sein Gefühl: 23. März 1942: Hänschen(Kanarienvogel) ist mittags um 14 Uhr seinen Qualen erlegen. Es hat mir unendlich leid getan; denn ich war zutiefst mit diesem armen, kleinen und stets munteren Gesellen ver- wachsen. Einäscherung. Dann erfährt man, daß Professor Kremer Ärger mit der NSDAP: hat, weil er in einer wissenschaftlichen Arbeit einen Fall von Vererbung einer Verstümme- lung beschrieben hatte. Das stand im Widerspruch zu offiziellen Thesen und wurde ganz besonders in Kriegs- zeiten nicht gern gesehen, als so viele Menschen Ver- stümmelungen erlitten. 11. Mai 1942: Heute früh treffe ich Prof. Kurz, der mir mitteilt, er hätte vom Gau aus nun direkt in Erfahrung gebracht, daß die Anfrage wegen eines Gutachtens über meine Persönlichkeit durch die Partei deswegen erfolgt sei, weil ich die Arbeit über die Vererbung einer Ver- stümmelung veröffentlicht habe. Er hatte das persönlich vom Gau (Schmidt-Hern„katholisch is’e auch noch!“) Randbemerkung: Auch ein Kant ist durch seine„Kritik der Urteilskraft“ beim König von Preu- Ben in Ungnade gefallen! 25. Juli 1942: War heute Samstag mit dem Rad im Schrebergarten von Fritz Steinkamp, der mir so viele Johannistrauben, als ich nur pflücken konnte, unentgeldlich überließ. Außerdem brachte ich noch schwarze Johannistrauben, Liebstöckel(?) und Kirschen mit nach Haus. Dabei hatte ich noch einmal Gelegenheit, im Jugendübermut ohne Leiter den Kirschbaum zu ersteigen. Im Einvernehmen mit dem Vorsitzenden des Disziplinargerichtshofes des N.S.D.-Ärztebundes in München wurde ich heute mit sofortiger Wirkung als Beisitzer bei Gaudisziplinargericht Westfalen-Nord des N.S.D.-Ärztebundes vom Gauobmann Dr. Fenner berufen. 4. August 1942: Heute im strömenden Regen nach 2 Heringen 2 Stunden gestanden. Danach persönliche Vorstellung beim Gauamts- leiter Pg. Dr. Fenner, Eisenbahnstraße 10/II(Gauamtsleitung für Volksgesundheit der NSDAP NS-Ärztebund Münster i. W.). Äußerst herzlicher Empfang! Ye 6. August 1942: Barometer steht auf„Schön Wetter“, aber dabei ist es draußen so feuchtkalt, daß man des Nachts schon wieder sehr gut das Oberbett vertragen kann. Ein Einberufungsbefehl unterbricht den beschau- lichen Alltag: 8. August 1942: Vom 15. 8. 1942 bis zur Beendigung der Semesterfe- rien zum SS-Lazarett Prag kommandiert. Der Herr Universitätsprofessor verläßt Münster. Sein Tagebuch, das nun lückenlos wiedergegeben wird, gestattet, ihn auf seinem Weg zu verfolgen: 14. August 1942: Abfahrt nach Prag: Münster ab 20,40, Osnabrück ab 0,57, Dresden an 10,12, Dresden ab 11,22, Prag an 15,15. 15. August 1942: Von Dresden ab schönes sonniges Wetter. Von Haupt- bahnhof mit der Straßenbahn nach dem SS-Lazarett Podol und Vor- stellung beim Chef, Sturmbannführer Dr. Fietsch. Unterbringung in einem Patientenzimmer im 3. Stock(Nr. 344) (Folgen Namen von SS-Angehörigen) 16. August 1942: Halbtägige Rundfahrt durch die Stadt zur Stadtbe- sichtigung mit Oschf. Frederking und Frau aus Langendreer. Danach im Kaffee eine Tasse Mokka(1,50 M) 20. August 1942: Kasinoabend aus den alten Weinbeständen und gleichzeitig Arzt vom Dienst. 21. August 1942: Bestellung einer SS-Führer-Mütze von der Reichs- kleiderkasse der Schutzstaffel in Berlin durch Boten, der aber nichts erreicht. 24. August 1942: Papier, Brille und Gürtel gekauft. Mein Zimmer- kamerad(Patient) Ustuf. Fritz Joachim aus St. Andrä, Post St. Rup- recht bei Villach(Kärnten) heute nach Hohenlychen verlegt. Zimmer Nr. 464. 27. August 1942: Brigadeführer Gentzken zu Besuch auf der Durch- fahrt nach Karlsbad im Lazarett. Redete von einer Desavouierung des Intellektualismus namentlich durch Goebbels, von einer allmählichen Verödung der Hochschulen und von einem Ministerium für Bevölke- rungspolitik. 28. August 1942: Zum Mützeneinkauf nach Berlin geschickt, werde ich beim Weggehen von der Aufnahme informiert, daß der Führer vom Dienst mich zu sprechen wünscht. Dieser teilt mir im Auftrage von Hstuf. Koebel mit, daß ich nicht nach Berlin reisen soll. 78 T dabei it eT sehr au . Semesterfs. Münster eben wir! Osnabrüc Von Haupt 1 und Vor- JTingung in ur Stadtb- er. Danadı änden un der Reid: aber nicht n Zimmel st St. Ruf: gt. Zimmel der Durd‘ jierung 8° Imählich®! ir Bevößt ickt, werk zührer(0? ‚ftrage\ Dann greift das Schicksal nach dem Universitäts- professor. Sein Tagebuch kündet lakonisch und formell: 29. August 1942: Kommandierung It. F. L. USSZ 2150 28.8. 1942 1833 No. 1565 zum K.L. Auschwitz, da angeblich dort ein Arzt wegen Krank- heit ausgefallen ist. Zu diesem Zeitpunkt war das Konzentrationslager Auschwitz bereits von Himmler als Zentrum der„Endlösung der Judenfrage“ ausersehen worden. Die Dienststelle Eichmanns war damit be- auftragt worden, den Teil Europas, der damals unter Hitlers Herr- schaft stand, durchzukämmen— so lautete der Fachausdruck—, und nahezu ununterbrochen rollten Judentransporte nach Ausch- witz. Dem Kommandanten dieses Konzentrationslagers, SS-Ober- sturmbannführer Rudolf Höß, schienen die Tötungseinrichtungen in anderen Vernichtungslagern für seinen Massenbetrieb unzu- länglich. Nach einer Beratung mit Eichmann entschloß er sich da- her für Gaskammern und das Giftgas Zyklon B. Der Vorgang war präzis organisiert. Erreichte ein Transport von deportierten Juden Auschwitz, so wurden die Angekommenen einer Selektion unterworfen. Mit diesem Fachausdruck bezeich- nete die SS jene Auswahl, mit der entschieden wurde, wer als arbeitsfähig in das Lager und wer als nicht arbeitsfähig sofort in die Gaskammern kam. Kranke, Kinder, Frauen mit Kindern und offenkundig Schwangere wurden von vornherein für den Gastod bestimmt. Solche Selektionen wurden möglichst schnell und reibungslos durchgeführt. Ein Blick hatte zu genügen und dann wurde die Entscheidung gefällt. Für diese so summarische Tätigkeit war in Auschwitz regelmäßig— so grotesk es auch schien— ein SS-Arzt eingeteilt. Wollte die SS damit vor sich selbst die Fiktion aufrechterhalten, daß es sich bei der Selektion um eine ärztliche Untersuchung handle? Der Kommandant Höß hat später im Krakauer Gefängnis in seiner pedantisch trockenen Art aufgezählt, worin die„nichtärzt- liche Tätigkeit der SS-Ärzte im Konzentrationslager Auschwitz“ bestand. Diese vorsichtige Tarnsprache gebraucht Höß selbst noch im Jahr 1946 in polnischer Haft. Er schreibt unter anderem: „Bei den ankommenden Juden-Transporten hatten sie die ar- beitsfähigen männlichen sowie weiblichen Juden nach dem vom RASS(Reichsarzt-SS) gegebenen Richtlinien auszusuchen. Bei dem Vernichtungsvorgang an den Gaskammern hatten sie 79 anwesend zu sein, um die vorgeschriebene Anwendung des Gift- gases Zyklon B durch die Desinfektoren-SDGs zu überwachen. Weiters hatten sie sich nach der Öffnung der Gaskammern zu überzeugen, daß die Vernichtung vollständig war. Die SS-Ärzte hatten laufend in Auschwitz, in Birkenau sowie in den Arbeits- lagern die arbeitsunfähig gewordenen Juden, die voraussichtlich innerhalb von vier Wochen nicht wieder arbeitsfähig werden konnten, auszumustern und der Vernichtung zuzuführen. Auch seuchenverdächtige Juden waren zu vernichten. Bettlägerige sollten durch Injektionen getötet, die anderen in den Krematorien bezw. im Bunker durch Gas vernichtet werden. Zu den Injektionen wurden meines Wissens Phenol, Evipan und Blausäure verwen- det. Sie hatten die sogenannten verschleierten Executionen durch- zuführen. Es handelte sich dabei um polnische Häftlinge, deren Execution vom RSHA bzw. vom BdS des Generalgouvernements angeordnet war. Da die Execution aus politischen bzw. sicher- heitspolizeilichen Gründen nicht bekannt werden durfte, sollte als Todesursache eine im Lager übliche angegeben werden. Die so zum Tod verurteilten gesunden Häftlinge wurden von der Politischen Abteilung in den Arrest-Bl. 11 gebracht und dort von einem SS-Arzt durch Injektion liquidiert. Kranke wurden im Krankenbau ebenfalls durch Injektion unauffällig getötet. Der betreffende Arzt hatte dann auf der Todesbescheinigung eine rasch zum Tode führende Krankheit anzugeben. Die SS-Ärzte hatten bei den Executionen der von den Stand- gerichten zum Tode Verurteilten zugegen zu sein und den Tod festzustellen. Ebenso bei den Executionen, die vom RFSS oder vom RSHA oder vom BdS d. G. G. befohlen waren. Sie hatten bei Anträgen auf körperliche Züchtigung die zu be- strafenden Häftlinge auf Hinderungsgründe zu untersuchen und beim Vollzug dieser Strafe anwesend zu sein. Sie hatten an fremdvölkischen Frauen— bis zum fünften Schwangerschaftsmonat— Schwangerschaftsunterbrechungen vor- zunehmen‘.“ Zu dieser Tätigkeit wurde nun Professor DDr. Kre- mer kommandiert. Wir folgen seinem lückenlos wie- dergegebenen Tagebuch: des Gi, ET Wachen, Mmmern au SS-Ärz n Arbeit. ussichtlid ig Werden ren, Aud ettlägeri: "ematorien njektione e verwen ıen durd- nge, deren ernement 'w. Sicher: rfte, sollt en. urden von t und dort re wurden ig. getökl jgung eilt len Stand ] den Ti IFSS ode die zu ntersuche! m fünfte ungen vor DDr. Kr onlos UN 30. August 1942: Abfahrt Prag 8,15 über Böhmisch Trübau, Olmütz, Prerau, Oderberg. Ankunft im K.L. Auschwitz 17,36. Im Lager wegen zahlreicher Infek- tionskrankheiten(Fleckfieber, Malaria, Durchfälle) Quarantäne. Erhalte streng geheimen Instruktionsbefehl durch den Standortarzt Haupt- sturmführer Uhlenbrock und werde im Haus der Waffen-SS in einem Hotelzimmer(26) untergebracht. Randbemerkung: Stabsscharführer Wilhelmy siehe Virchowarchiv 1936! 31. August 1942: Tropenklima bei 38° im Schatten, Staub und unzähliche Fliegen! Verpflegung im Führerheim ausgezeichnet. Heute abends gabs z. B. saure Entenleber für 0.40 RM, dazu gefüllte Tomaten, Tomatensalat usw. Wasser ist verseucht, dafür trinkt man Selterswasser, das unent- geltlich verabfolgt wird(Mattoni). Erste Impfung gegen Flecktyphus. Photographische Aufnahme für den Lagerausweis. 1. September 1942: Von Berlin schriftlich Führermütze, Koppel und Hosenträger ange- fordert. Nachmittags bei der Vergasung eines Blocks mit Zyclon B gegen die Läuse. 2. September 1942: Zum 1. Male draußen um 3 Uhr früh bei einer Sonderaktion zugegen. Im Vergleich hierzu erscheint mir das Dante’sche Inferno fast wie eine Komödie. Umsonst wird Auschwitz nicht das Lager der Vernich- tung genannt! Professor Kremer nennt die Selektionen Sonder- aktionen. 3. September 1942: Zum 1. Male an der hier im Lager jeden befallenden Durchfällen mit Erbrechen und kolikartigen anfallsweisen Schmerzen erkrankt. Da ich keinen Tropfen Wasser getrunken, kann es hieran nicht liegen. Auch das Brot kann es nicht schuld sein, da auch solche erkranken, die nur Weißbrot(Diät) zu sich genommen haben. Höchstwahrscheinlich liegts an dem ungesunden kontinentalen und sehr trockenen Tropenklima mit seinen Staub- und Ungeziefermassen(Fliegen). 4. September 1942: Gegen die Durchfälle: 1 Tag Schleimsuppen und Pfeffermünztee, dann Diät für eine Woche. Zwischendurch Kohle und Tannalbin. Schon erhebliche Besserung. 5. September 1942: Heute mittag bei einer Sonderaktion aus dem F.K.L.(‚Muselmän- ner“): das Schrecklichste der Schrecken. Hschf. Thilo— Truppen- 8l arzt— hat Recht, wenn er mir heute sagte, wir befänden uns hier am anus mundi. Abends gegen 8 Uhr wieder bei einer Sonderaktion aus Holland. Wegen der dabei abfallenden Sonderverpflegung, bestehend aus einem fünftel Liter Schnaps, 5 Cigaretten, 100 g Wurst und Brot, drängen sich die Männer zu solchen Aktionen. Heute und morgen (Sonntag) Dienst. Im Lagerjargon wurden Häftlinge, die völlig her- untergekommen und nicht mehr arbeitsfähig waren, „Muselmänner“ genannt. 6. September 1942: Heute Sonntag ausgezeichnetes Mittagessen: Tomatensuppe,!/s Huhn mit Kartoffeln u. Rotkohl(20 g Fett), Süßspeise und herrliches Va- nilleeis. Nach dem Essen Begrüßung des neuen Standortarztes, Ober- sturmführer Wirths, der aus Waldbröl gebürtig ist. Sturmbannführer Fietsch in Prag war sein ehemaliger Regimentsarzt. Nun bin ich eine Woche im Lager, doch bin ich die Flöhe in meinem Hotelzimmer noch immer nicht völlig wieder los trotz aller Gegenmaßnahmen mit Flit (Cuprex) etc. Einen erfrischenden Eindruck hat es bei mir gewonnen, als ich dem Adjutanten des Kommandanten meinen Antrittsbesuch machte und über seinem Arbeitszimmer die große auf Papier gemalte Inschrift „Radfahrer absteigen“ las. Übrigens hängt auch in der Schreibstube unseres SS-Revieres der bemerkenswerte Spruch: Hast Du im Leben tausend Treffer, Man sieht’s, man nickt, man geht vorbei; Doch nie vergißt der kleinste Kläffer, Schießt Du ein einzig Mal vorbei. Abends um 8 Uhr wieder zur Sonderaktion draußen. 7. September 1942: Zweite Impfung gegen Flecktyphus. Heute regnerisches und küh- leres Wetter. 9. September 1942: Heute früh erhalte ich von meinem Rechtsanwalt in Münster, Prof. Dr. Hallermann, die höchst erfreuliche Mitteilung, daß ich am 1. d.M. von meiner Frau geschieden bin. Randbemerkung: Ich sehe wieder Far- ben; ein schwarzer Vorhang ist von meinen Leben weggezogen! Später als Arzt bei der Ausführung der Prügelstrafe an 8 Häftlingen und bei einer Erschießung durch Kleinkaliber zugegen. Seifenflocken und 2 Stück Seife erhalten. Mittags springt vor dem SS Revier ein Civilist mein Rad wie ein Attentäter an, läuft neben mir her und bittet mich, ihm doch zu sagen, ob ich nicht Regierungsrat Hemm aus Bres- lau sei, mit dem ich eine ganz unglaubliche Ähnlichkeit habe. Er sei 82 IS hier an Iktion aus bestehen; und Brot d Morgen g waren , Ya Huhı liches Vh- tes, Ober- annführe n ich ein ımer not 2 mit Rll is ich den achte un Inschrift yreibstub: und küb- mit diesem Herrn im 1. Weltkriege im Felde zusammen gewesen. Wieviele Doppelgänger habe ich eigentlich in der Welt?! Abends bei einer Sonderaktion zugegen(4. Mal). 10. September 1942: Morgens bei einer Sonderaktion zugegen(5. Mal). 11. September 1942: Heute Obersturmbannführer Lolling im Lager, bei dessen Vor- stellung ich erst erfuhr, daß ich Hauptscharführer Kitt vertrete, der jetzt zur Erholung auf dem Obersalzberg sich befindet. 14. September 1942: Zum 2. Male die Auschwitzer Krankheit; Temperatur 37,8. Heute die 3. und damit letzte Spritze gegen Fleckfieber erhalten. 17. September 1942: In Berlin bei der Kleiderkasse Allwettermantel bestellt nach Schnei- dermaßen: Bis Taille 48, Ganze Länge 133, Halber Rücken 22, Bis Ellenbogen 51, Ganze Ärmellänge 81, Oberweite 107, Taillenweite 100, Gesäß 124. Uni- formbezugsschein dafür beigegeben, d.h. für einen Uniform-Wetter- schutzmantel. Heute mit Dr. Meyer das Frauenlager Birkenau besucht. 20. September 1942: Heute Sonntagnachmittag von 3— 6 Uhr Konzert der Häftlings- kapelle in herrlichem Sonnenschein angehört: Kapellmeister Dirigent der Warschauer Staatsoper. 80 Musiker. Mittags gabs Schweinebraten, abends gebackene Schleie. 21. September 1942: Wegen Otto an das Polizeipräsidium Köln(Abt. Kriminalpolizei) ge- schrieben. Abends Entenklein. Dr. Meyer erzählt mir von einer Ver- erbung eines Traumas(Nase) in der Familie seines Schwiegervaters. 23. September 1942: Heute Nacht bei der 6. und 7. Sonderaktion, Morgens ist Obergrup- penführer Pohl mit Gefolge im Haus der Waffen-SS eingetroffen. Vor der Tür steht ein Posten, welcher als erster seinen Präsentiergriff vor mir macht. Abends um 20 Uhr Abendessen mit Obergruppenführer Pohl im Führerheim, ein wahres Festessen. Es gab gebackenen Hecht, soviel jeder wünschte, echten Bohnenkaffee, ausgezeichnetes Bier und belegte Brötchen. 25. September 1942: Gruppenführer Grawitz im Revier und Lager. Bei der Visite will er von mir wissen, was der Arzt bei allen Infektionskrankheiten zu allererst verordnet. Darauf weiß ich ihm wirklich keine Antwort zu geben, da sich das doch in dem Sinne nicht ganz allgemein angeben 83 läßt. Und was meinte er? Man höre und staune: ein Abführmiittell — Als wenn der Arzt bei jedem Schnupfen, jeder Angina, Diphtherie mit Abführmittel eingreifen würde— geschweige denn beim Abdomi- naltyphus! So läßt sich die Medizin nun doch nicht schematisieren, ganz abgesehen davon, daß der junge unerfahrene Revierarzt nach einigen Tagen ein frisches perforiertes Magenulkus durch das blinde Verordnen von Ricinus um die Ecke gebracht hatte. 27. September 1942: Heute Sonntagnachmittag, 16— 20 Uhr, Kameradschaftsabend im Gemeinschaftshaus mit Abendessen, Freibier und Rauchwaren. Rede des Kommandanten Höß und musikalische sowie theatralische Dar- bietungen. 30. September 1942: Heute Nacht bei der 8. Sonderaktion zugegen. Hstuf. Aumeir erzählt mir auf Befragen, daß das K.L. Auschwitz eine Länge von 12 km und eine Breite von 8 km habe und 22.000 Morgen groß sei. Hiervon seien 12.000 Morgen unter dem Pflug und 2.000 Morgen Fischteiche. 3. Oktober 1942: Heute lebendfrisches Material von menschlicher Leber und Milz sowie von Pankreas fixiert, dazu in absolutem Alkohol fixierte Läuse von Fleckfieberkranken. In Auschwitz liegen ganze Straßenzüge an Typhus darnieder. Habe mir deshalb heute früh die erste Serumspritze gegen Abdominaltyphus verabfolgen lassen. Obersturmführer Schwarz an Fleckfieber erkrankt! Zu dieser— und einigen folgenden Eintragungen gab Profes- sor Kremer später vor Gericht folgende Erklärung ab: „In meinem Tagebuch erwähne ich an einigen Stellen die Ent- nahme von lebendfrischem Menschenmaterial zu Untersuchungs- zwecken. Dies ging folgendermaßen vor sich: Schon lange habe ich mich für Veränderungen im menschlichen Organismus als Folge von Hunger interessiert.(Im Mikrokosmos-Jahrbuch, Num- mer 6/7 des Jahrganges 1942/43, hat Kremer unter dem Titel „Das Wesen und die Herkunft der mit der Zerstörung roter Blut- körperchen in Verbindung gebrachten eigenpigmenthaltigen Zel- len der Milz“ eine Arbeit veröffentlicht, welche die Veränderung 84 Ührmitte Diphtheri: 1 Abdomi- natisieren arzt nadı das blind: sabend in ren, Red: sche Dar- eir erzählt [2 km und [von seien und Mit erte Läux enzüge al rumspritt r Schwan! b Proies , die Ent suchung nge habt jsmus#5 ‚ch, Nut jem Ti oter Bit yigen 2 ändert von Zellen von Kaltblütlern nach experimentellem Hunger unter- sucht.) In Auschwitz habe ich dies dem Standortarzt vorgetragen, der sagte, daß ich zum Zweck solcher Untersuchungen lebend- frisches Material von solchen Häftlingen entnehmen kann, die mit Phenolinjektionen getötet werden. Zur Auswahl entspre- chender Objekte besuchte ich den Block 28, wo die Untersuchung der Häftlinge, die sich krank gemeldet hatten, stattfand. Während dieser Untersuchung haben diejenigen Häftlinge, die als Ärzte eingesetzt waren, die Kranken dem SS-Arzt vorgeführt, die Krankheit beschrieben und der SS-Arzt hat daraufhin die Ent- scheidung getroffen, ob der betreffende Häftling im Häftlings- krankenbau oder ambulatorisch behandelt oder aber liquidiert werden solle, je nachdem, ob bei dem betreffenden Kranken Aus- sicht auf Verbesserung des Gesundheitszustandes bestand oder ob er arbeitsunfähig war. Diejenigen, die vom SS-Arzt zur Liquida- tion bestimmt waren, wurden von einem SS-Sanitäter abgeführt. Zu dieser Gruppe teilte der SS-Arzt vor allem diejenigen ein, bei welchen er die Diagnose„allgemeine Körperschwäche‘“ stellte. Die Häftlinge dieser Gruppe habe ich genau betrachtet. Wenn mich einer wegen eines weit fortgeschrittenen Aushungerungs- prozesses interessierte, dann gab ich dem Sanitäter den Auftrag, den Kranken für mich zu reservieren und mich von dem Termin zu verständigen, zu welchem er mittels Injektion getötet werden sollte. Zu diesem Zeitpunkt wurden dann die von mir ausgewähl- ten Kranken auf den Block geführt und dort in einen Raum ge- genüber dem Saal, in welchem die Musterung stattgefunden hatte, gebracht. Der Kranke wurde dann noch zu Lebzeiten auf den Seziertisch gelegt. Ich trat zum Tisch und befragte den Kran- ken über Einzelheiten, die für meine Untersuchung von Interesse waren; so zum Beispiel nach dem Gewicht vor der Verhaftung, nach dem Gewichtsverlust in der Haft, ob er in der letzten Zeit Medikamente eingenommen hat und ähnliches. Nachdem ich diese Informationen erhalten hatte, trat der Sanitäter heran und tötete den Patienten mittels einer Injektion in die Herzgegend. Ich selbst habe nie tödliche Injektionen gegeben. Ich wartete in einer gewissen Entfernung vor dem Seziertisch mit vorbereiteten Tie- geln. Unmittelbar nach Eintritt des Todes als Folge der Injek- tion hatten Häftlingsärzte Teile aus der Leber und der Bauch- speicheldrüse entnommen, welche ich in die Tiegel legte, in denen Sich eine Konservierungsflüssigkeit befand. In einzelnen Fällen ließ ich die Kranken, welche getötet werden sollten, um aus ihrem Körper Präparate für mich zu entnehmen, fotografieren. Die Prä- parate und die Fotografien nahm ich in meine Wohnung nach Münster. Ich weiß nicht, wo sie sich jetzt befinden.“ 85 Im Tagebuch berichtet Kremer weiter: 6. Oktober 1942: Ostuf. Entress auf seinem Motorrad verunglückt, Verband angelegt, der Kommandant Höß vom Pferde gestürzt; Ostuf. Wirths noch immer nicht zurück. 7. Oktober 1942: Bei der 9. Sonderaktion(Auswärtige und Muselweiber) zugegen. Wirths wieder zur Stelle. Vertretung von Entress im Männerlager (Arztvorsteller usw.). 9. Oktober 1942: 1. Paket mit 9 Pfd. Schmierseife mit 200,-- M Wert nach Münster abgeschickt. Regenwetter. 10. Oktober 1942: Lebendfrisches Material von Leber, Milz und Pankreas entnommen und fixiert. Faksimilestempel von Häftlingen anfertigen lassen. Zum 1. Male das Zimmer eingeheizt. Noch immer Fälle von Flecktyphus und Typhus abdominalis. Lagersperre geht weiter. 11. Oktober 1942: Heute Sonntag gabs zu Mittag Hasenbraten— eine ganz dicke Keule— mit Mehlklößen und Rotkohl für 1,25 RM. 12. Oktober 1942: 2. Schutzimpfung gegen Typhus; danach abends starke Allgemein- reaktion(Fieber). Trotzdem in der Nacht noch bei einer Sonderaktion aus Holland(1.600 Personen) zugegen. Schauerliche Scene vor dem letzten Bunker!(Hössler!). Das war die 10. Sonderaktion. 13. Oktober 1942: Ustuf. Vetter angekommen. Stubaf. Cäsar ebenfalls an Typhus er- krankt, nachdem seine Frau vor einigen Tagen daran gestorben ist. Bei einem Strafvollzug zugegen und danach bei der Exekution von: 7 polnischen Civilisten. 14. Oktober 1942: Wetterschutzmantel(Größe 52) von Berlin erhalten. Preis 50.— RM. Auf Anregung vom Sanitätsamt beim Rektorat in Münster nach dem Beginn des Wintersemesters angefragt. 15. Oktober 1942: Heute Nacht ist draußen der erste Reif gefallen; nachmittags wie- der sonnig und warm. Lebendfrisches Material von Leber, Milz und Pankreas von einem Ikterischen entnommen. 86 1d angeler noch immer L) zugege Tännerlag: ch Münst: entnomme assen. Zur typhus un ganz dic Allgemeit onderakti je vor det Typhus& storben I kution W sr r nach de tags 7 „, Mi# . Re. dar® 2:7 NO- 140 Joöktadeı A YMaute Mikkar der 2. Salat wit 3 ‘’'' be (Veh= PAbtfer mar. Ian late tele i Ras w a r Wind Alm\ und Mach i nn wohn{a I. bRkcher Au, x yaokatlen, Heute ir ke r Wle.dualiis,Slande)nchepe [0 7 drei Framem ‚Kun ward, 87 16. Oktober 1942: Heute Mittag das 2. Paket mit 300.-- RM Wert an Frau Wizemann zum Aufheben abgeschickt. Randbemerkung: Seife, Seifenflocken, Nährmittel. Im Lager einen syndaktylen Juden photographieren lassen (Vater u. Onkel dasselbe Leiden). Zu den Paketen gab Professor Kremer vor Gericht folgende Er- klärung ab: „Auf dem Dachboden des Gebäudes, in welchem die Sektionen stattfanden, wurden Medikamente, verschiedene Werkzeuge und auch verschiedene Gebrauchsgegenstände, welche die Leute nach Auschwitz gebracht hatten, die direkt in die Gaskammer überstellt worden sind, gesammelt. Von diesen Gegenständen haben mir die Häftlinge verschiedene Sachen wie Seife, Zahnpasta, Zwirn, Stopf- wolle, Nadeln, Thermometer, Nagelscheren und andere Gegen- stände des täglichen Gebrauchs gegeben. Ich habe diese Sachen verpackt und meinen Bekannten geschickt.“ Und weiter im Tagebuch: 17. Oktober 1942: Bei einem Strafvollzug und 11 Exekutionen zugegen. Lebendfrisches Material von Leber, Milz und Pankreas nach Pilocarpininjektion ent- nommen. Mit Wirths nach Nikolai gefahren; vorher eröffnete er mir, daß ich länger bleiben müsse. 18. Oktober 1942: Bei naßkaltem Wetter heute Sonntagmorgen bei der 11. Sonderak- tion(Holländer) zugegen. Gräßliche Scenen bei drei Frauen, die ums nackte Leben flehen. 19. Oktober 1942: Mit Ostuf. Wirths und Frau Höß nach Kattowitz gefahren zum Einkauf von Schulterstücken für den Wettermantel. Zurück über Ni- kolai. 24. Oktober 1942: 6 Frauen von der Budyer Revolte abgeimpft(Klehr). 25. Oktober 1942: Heute, Sonntag, bei wunderschönem Herbstwetter Radtour über Raisko nach Budy. Wilhelmy von seiner Fahrt nach Kroatien wieder zurück(Zwetschenschnaps). 88 Wizemann enflocken, Ten lassen gende Er- Sektionen euge uni! eute nadı, überstellt; n mir die: rn, Stopf- e Gegen: se Sachen Andfrische ktion enl- ste er Mil Sonderal- n, die un: Ihren ZU x über Ni jtour I? jen wiel® 31. Oktober 1942: Seit etwa 14 Tagen wunderschönes Herbstwetter, welches tagaus tag- ein im Garten des Hauses der Waffen-SS zu Sonnenbädern Veran- lassung gibt. Selbst die klaren Nächte sind verhältnismäßig mild. Weil Thilo und Mayer auf Heimaturlaub, bin ich mit den Funktionen des Truppenarztes betraut. Wegen notwendiger Reise zu meiner Dienstbe- hörde fünftägigen Urlaub zum SS-Lazarett Prag beantragt. 1. November 1942: Heute, Sonntag, nach dem Revierdienst, hauptsächlich Blutentnahme in Venülen, um 13,01 von Auschwitz mit D-Zug nach Prag abgefahren. Unterwegs gibts Regen; der Zug ist überfüllt. Abends gegen 22,30 An- kunft in Prag, wo ich mich im Stockdunkeln über mehrere Straßen- bahnen schließlich bis zum SS-Lazarett vorarbeitete und oben von meiner bereits bekannten Schwester auf einer„Ottomanne‘“ zum Nachtlager verpackt wurde im Dienstzimmer von Dr. Schreiber. 2. November 1942: Schon frühzeitig werde ich von Dr. Schreiber aus den Träumen und aus dem primitiven Pferdedeckenlager gerissen. Nach Frühstück in der Führerheimküche Aufgabe des 3. Paketes mit Stiefeln und Apfel- kompott nach Münster mit 300 RM Wert. Darauf Vorstellung beim Chef, Stubaf. Fietsch, und anschließend Stammgericht im„Deutschen Haus“ (Graben). Später Abholung meiner Zugstiefel(32 RM) in der Gersten- gasse und Rückfahrt zum erstklassigen Eintopfessen um 17,30 im Füh- rerheim mit reichlich Fleisch. Abends auf dem Zimmer von Hstuf. Küttner, der mir von seiner Operationstechnik an den Gaumentonsillen berichtet und die neuesten Berliner Witze erzählt(Odal. o du arme Landwirtschaft; England liegt am weitesten von Europa; was würdet ihr machen, wenn ich es wie Heß machte? Hermann: Führer, wir fol- gen Dir! Goebbels: Führer, wir danken Dir! usw. 3. November 1942: Nach dem Frühstück mit der 17 hinauf zum Markt, wo ich mir Druck- knöpfe und vor allem eine piekfeine Kartoffelreibe erhamsterte. Von da zurück ins Zentrum, wo ich mir eine Vorlesungsbrille für 14,50 RM bestellte und dann im„Deutschen Hause“ wieder zu Mittag speiste. Um 3 Uhr besuchte ich dann gegenüber die Viktorialichtspiele, um mir„Andreas Schlüter“ anzusehen. Ich war förmlich überrascht von der höchst vornehmen und geschmackvollen Ausstattung dieses Raumes und muß gestehen, daß ich noch nie ein zweites so elegant ausgestat- tetes Kino erlebt habe. Der Film war mit einem ungeheuren Auf- wand gedreht worden und wurde von Heinrich George ganz hervor- ragend gespielt. Er zeigte wieder, wie ein ganz auf sich selbst einge- stellter schaffender Mensch in diesem Leben den gebührenden Lohn seiner Mitmenschen nicht findet und schließlich an Intrigen und Anfein- dungen zugrundegeht. Tief traf mich deshalb aus eigener Lebenserfah- Tung das Schlußwort:„Das Leben geht vorüber; ewig bleibt das Werk.“ 89 4. November 1942: Heute früh zunächst versucht, einige Aufnahmen von der Prager Burg vom Oberlandratsgebäude und der Mauerbrücke aus zu machen. Besonnung war sehr launisch. Darauf zum Einkauf in die Altstadt, wo ich in der Nähe des Altstätter-Ring einen Füller für 7,50 RM und eine Damentasche für 14,35 RM erstand. Anschließend zurück zum Ein- topfessen im Lazarett um!/sli Uhr. Hier wurde mir mitgeteilt, daß ich mein Zimmer räumen müsse, da dort ein Ostubaf. Wohnung neh- men wolle. Es handelte sich um einen Patienten von IIb, auf der Unfallstation, in dessen Zimmer ich dann meine Koffer beförderte. Nach dem Essen hatte er aber der Vorsicht halber mal einen flüchti- gen Blick in mein Zimmer geworfen und sofort von diesem Tausch Rückstand genommen. So konnte ich dann mit meinen Koffern wieder nach oben ziehen. Es handelte sich um Ostubaf. Deutsch, der mir er- zählte, daß Stubaf. Fietsch sein Regimentsarzt gewesen sei. Auf meine Frage kannte er auch Ostuf. Wirths gut und trug mir viele Grüße an ihn auf. Er sei, wie er sich ausdrückte, etwas weichlich und habe mit Frau und Kindern allerhand Kummer. Nach dem Mittagessen ging ich dann später wieder in die Stadt, photographierte den Wenzelplatz vom Landesmuseum aus sowie die Tein-Kirche. Nun holte ich meine Brille ab und dann gings in den Willy-Forst-Film„Operette“, welcher einen Riesenerfolg zu verzeich- nen hatte und in der„Astra“ am Wenzelplatz schon die 2. Woche lief. Auch die weibliche Hauptrolle wurde von Maria Holst ganz vorzüg- lich gegeben. Ich war ganz begeistert als ich dieses auch wieder ganz vorzüglich und vornehm ausgestattete Lichtspielhaus verließ: Man kann nur eines— entweder lieben oder arbeiten; beides zugleich geht nicht.— Ist der Erfolg da, dann geht es einem wie dem Bergsteiger, der den Gipfel erreicht hat: das Streben ist zu Ende, man ist einsam und allein. Jedenfalls hat mich der Film mit seiner Markartscene, seinen Straußschen Operetten und seinen raffiniert prunkvollen Re- vuen restlos begeistert. TE EyFe er}. 5. November 1942: Morgens Aufgabe des vierten Paketes mit 300 RM Wertangabe an Frau Wizemann. Inhalt: Damentasche mit Füller, Brillen usw., Zug- stiefel, Schreibpapier, Braunhemden, Kartoffelreibe usw. Dann einige Einkäufe in der Stadt und Mittagessen im„Deutschen Hause“. Trübes, regnerisches Wetter. Abends Einpacken für die morgige Abreise und um 8 Uhr Kasinoabend, wo ich mir einen vollen Liter eines wunderbar schmeckenden bulgarischen Rotweins hinter die Binde goß, der mich so richtig in Stimmung brachte. Erst nach 12 Uhr suchte ich mein Lager auf. SEIEIEIIFTTBZRSTFF ITS 6. November 1942: Früh um 6 Uhr wurde ich von der Schwester geweckt und bald darauf war ich schon am Bahnhof(Elektrische 21 und 7), wo ich um 8,10 den Schnellzug nach Mährisch Ostrau bestieg. In Prerau stieg 90 Prager Machen tadt, w WM un um Ein- lt, dad Ng neh. auf der örderte, flüchti- Tausc | wieder mir er- (f mein: rüße an ‚abe mil e. Stadt wie die in den rerzeich- che lie vorzüg- er gan ß: Mai ich geh! gsteigen ‚ einsafl rtscene len Re gabe w., ZuS n einigt Trübes ojse un inderbäl jer mil ch mei) ind ball , ich W gu stieg eek gmiaden)>00 AF Lak tu Als= Se: FO- 340 ala UL Ab Amber ia, q lan D- 91 ich in den Schnellzug Wien-Krakau und hatte kaum ein Abteil 2. Klasse betreten, als ein Generalmajor sich zu mir gesellte, mit dem ich fast die ganze weitere Fahrt allein war, und der mir von seinen Fronterlebnissen erzählte und beim Abschied die Hand drückte, Dauer der Fahrt Prag-Auschwitz über 9 Stunden. An Ort und Stelle begab ich mich sofort ins Führerheim, wo ich mich mal wieder so richtig rundherum satt aß. 8. November 1942: Heute Nacht bei 2 Sonderaktionen teilgenommen bei regnerischem trüben Herbstwetter(12. und 13.). Vormittags Hschaf. Kitt, einen aus Essen stammenden Schüler von mir, im Revier begrüßt. Nachmittags noch eine Sonderaktion, also die 14., die ich bisher mitgemacht habe. Abends gemütliches Zusammensein im Führerheim, von dem nunmeh- rigen Hstuf. Wirths eingeladen. Es gab bulgarischen Rotwein und kroatischen Zwetschenschnaps. 10. November 1942: Heute 1. leichter Schneefall und in der Nacht Frost. 13. November 1942: Lebendfrisches Material(Leber, Milz und Pankreas) von einem vor- her photographierten stark atrophischen jüdischen Häftling von 18 Jahren entnommen. Fixiert wie stets: Leber und Milz in Carnoy sowie Pankreas in Zenker.(Häftlg. No. 68030). 14. November 1942: Heute, Sonnabend, Varietevorstellung im Gemeinschaftshause (ganz groß!). Besondere Freude erregten die tanzenden Hunde und die beiden auf Kommando krähenden Zwerghähne, der verpackte Mensch und die Radfahrgruppe. 15. November 1942: Vormittags bei einem Strafvollzug zugegen. 16. November 1942: Ein Paket Schmierseife(rund 12 Pfd.) mit 300.— RM Wert an Mia und Gretchen abgeschickt. 17. November 1942: Kleiner Koffer an Frau Wizemann abgeschickt(5. Paket) mit 300.— RM Wertangabe. Inhalt: 2 Flaschen Konsumbranntwein, Vitamin- und Stärkungspräparate, Rasierklingen, Wasch- und Rasierseifen, Ther- mometer, Nagelzangen, Jodflaschen, Präparate in 96%sigem Alkohol, Röntgenbilder, Lebertran, Schreibsachen, Umschläge, Parfüms, Stopf- wolle, Nadeln, Zahnpulver usw. usw. Abends Schneegestöber, das die Straßen in Sumpf und Morast verwandelt hat. Vorbereitung zur mor- gigen Abfahrt nach Prag. Im Revier: Jambor, Brauner, Biedermann, Wilks und im Krankenbau Klehr und Scherpe, alles alte„Stachel- drahtkämpfer“ und„KZ-Hasen“. Stabsscharführer Ontl schwätzt mir 92 Ustuf stellt Sicht, Hiber Hannı 24,] Zur Abtei) mit dem l Seinen drückte d Stell ieder N] rischen nen aus amittags ht habe Junmeh- ein und em Vor von|} oy sowie ftshaust nde un erpackt: ‚an Mi it 300- nin- un ah Ther ‚Alkobll s, Stop ‚das dt zur mol" Jermanı ‚Stache" arzt einen Bezugschein für eine Breecheshose ab. Der Apotheker, Haupt- sturmführer Kroemer, hat sich bei der Bereitstellung der notwendigen Reagenzien stets sehr kameradschaftlich erwiesen. Sauther, der Zahn- arzt, ist nun nach Minsk versetzt. 18. November 1942: Heute Mittag 13,20 Uhr über Oderberg, Mährisch Ostrau(umstei- gen), Prerau, Olmütz nach Prag abgefahren, wo ich um 22,11 eintraf und guten Anschluß zum Lazarett hatte. Hier sorgte die Nachtschwe- ster Anna, daß ich wieder mein früheres Zimmer beziehen konnte. 19. November 1942: Nach Meldung beim Chefarzt und Frühstück Abholung des Koffers vom Bahnhof und dann Mittagessen im„Deutschen Hause“. Nach- mittags Abgabe der mir leihweise überlassenen Uniformstücke an die Kammer und Packen der Koffer. 20. November 1942: Frühstück, Verabschiedung vom stellv. Standortarzt Hünstedt aus Hameln, Stubaf. Matz aus Stettin, Stubaf. Küttner, Hschf. Dreddling, Ustuf. Fasching, Hstuf. Koerber u. a. Ustuf. Jung, der Röntgenarzt, stellt mir schöne Röntgenaufnahmen für meine Vorlesung in Aus- sicht. Nach Ausstellung des Fahrscheines wird das Passagiergut zum Hiberner-Bahnhof gebracht. Abfahrt 16,13 über Dresden, Leipzig, Hannover, Osnabrück. Ankunft in Münster 6,38. 24. November 1942: Zum 1. Male in der neuen Anatomiebaracke am Westring. Die Universitätsferien sind zu Ende, Professor Kre- mer ist wieder zu Hause in Münster. An Hand der Tagebucheintragungen konnten später Richter in Münster Kremer nachweisen, daß er in Auschwitz als SS-Arzt an 15 Sonderaktionen teilge- nommen hat. Da die Zeiten dieser Selektionen fest- stehen und in Auschwitz Unterlagen erhalten geblie- ben sind, aus denen hervorgeht, wieviele Häftlinge seinerzeit von jedem dieser Transporte ins Lager ein- gewiesen worden waren, und da auch in vielen Fällen nachgewiesen werden kann, wieviele Personen bei der Abfertigung der Deportationszüge einwaggoniert wor- den waren, läßt sich bei elf von den erwähnten fünf- zehn Sonderaktionen die Zahl derer rekonstruieren, die damals an der Rampe in Auschwitz vom diensthaben- den SS-Arzt— von Professor DDr. Kremer— mit einer Handbewegung in den Tod geschickt worden sind. 93 - Do 8 Be Js EB a S Ba ee To a o#28 738 se le“ 5= 29 90-, PB 25 5 882 38 En güh 3 ou Se ne a8& 53 533= so ko©[re Oo Av) Transport aus E_ aa gus as 354 » Massen der Mill dort im ‚ die nacı ckt wul- Bahnhof- je einzig? isgestam- gkeit be rlage el" - geschla- fünster', jagen de ie Mord? he Stan ngen hat z genah ‚nen, 9% Is er® je michls- ht seine! Enttäuschung Raum, weil er sich in seinen wissen- schaftlichen Arbeiten so sehr behindert fühlt: 26. Dezember 1943(Sonntag) Heute lese ich in der Weihnachtsnummer der Münsterschen Zeitung folgende Notiz: „Prof. Dr. Johann Kremer 60 Jahre alt. Am 26. Dezember vollendet der außerplanmäßige Professor für menschliche Vererbungslehre an der Universität Münster, Dr. med. Dr. phil. Johann Kremer, sein 60. Lebensjahr. In Stelberg bei Köln geboren, studierte er in Heidelberg, Straßburg und Berlin zunächst Philosophie, Mathematik und Natur- wissenschaften und später Medizin. Nachdem er 1914 in Berlin den philosophischen und 1919 den medizinischen Doktorgrad erworben hatte und längere Zeit als Assistenzarzt an der Chirurgischen Univer- sitätsklinik der Charite, an der Inneren Abteilung des Städtischen Krankenhauses Berlin-Neukölln, an der Chirurgischen Universitäts- klinik Köln und als Prosektor an den Anatomischen Instituten in Bonn und Münster tätig gewesen war, habilitierte er sich 1929 in Mün- ster für Anatomie und wurde dort 1936 zum u. b. a. o. Professor er- nannt. Seine Ernennung zum außerplanmäßigen Professor erfolgte 1939. Gleichzeitig erhielt er den Lehrauftrag für menschliche Verer- bungslehre.“ Kein Wort, geschweige denn eine Stellungnahme zu meinen wissen- schaftlichen Arbeiten! Die Vertreter der orthodoxen Wissenschaft, die Büchergelehrten wagen es nicht[...], trauen sich überhaupt nicht die Fähigkeit zu, über meine Arbeiten eine Kritik abzugeben. Wer eigene Gedanken hat, ist eben aus ihren Reihen ausgeschlossen; nur geistlose Fabrikware am laufenden Band wissen sie zu schätzen. Daraus erklärt sich immer wieder, warum man mir auch bei meinen wissenschaft- lichen Arbeiten fortgesetzt Hindernisse in den Weg legt; denn sie wol- len und würdigen nur ihre Wissenschaft und behaupten, daß sie die alleinrichtige ist. Dieser Dogmatismus unterdrückt dann jede eigene Geisteshaltung und boykottiert jede Leistung, die mit ihren herkömm- lichen Ansichten nicht übereinstimmt. So erhalte ich trotz mancher diesbezüglicher Vorstellungen beim Dekan der med. Fakultät, bei Becher doch keinen Arbeitsplatz im Anatomischen Institut, so daß ich in meinen wissenschaftlichen Arbeiten völlig kaltgestellt bin. Ich trage mich deshalb mit dem Gedanken, mir nach dem Kriege selbst mit eigenen Mitteln ein kleines Laboratorium einzurichten. Im Grunde ge- nommen, ist es ja nur ein Mikrotom, das ich so dringend benötige; denn ich habe aus Auschwitz Material mitgebracht, das unbedingt ver- arbeitet werden muß. Dazu ist mir heute früh ein Gedanke gekom- men. Ich werde meine Gedanken in Buchform herausgeben, etwa unter dem Titel:„Gewebliche Rückbildung“ oder„Gewebsrückbil- dung“ oder„Histolyse“, damit meine Anschauungen wenigstens nicht verloren gehen; denn sie sind und bleiben richtig, auch wenn sich die ganze orthodoxe Wissenschaft dagegen wehrt. Diese hat ja erst nur die Hälfte des Lebens bisher berücksichtigt, spricht von Histogenese, 99 aber nicht von dem integrierenden Bestandteil der Histolyse, schreibt Bücher über Menschliche Entwicklungslehre und vergißt dabei den 2. ebenso wichtigen Teil, die Menschliche Rückbildungslehre, von der ja schon die Altersinvolution einen wesentlichen Bestandteil darstellt. Ebenso gibt es meiner Ansicht nach nicht nur eine Eintwicklungsge- schichte, sondern ebensogut auch eine Rückbildungsgeschichte. Es ist ja nicht zu sagen, wie sich diese Büchergelehrten durch die Aufstel- lung der Begriffe Leukocyten und Phagocyten in eine Sackgasse ver- rannt haben, aus der sie ohne einen radikalen Eingriff eines Außen- stehenden ja niemals mehr herauskommen. Ich werde diese Histologie der Rückbildungen schreiben und hoffe, daß sie an meinem 65. Lebens- jahre fertig ist. Das wesentliche ist, daß ich in diesem Buche ja den Nachweis führe, daß diejenigen Zellen, welche offiziell als Leukocyten oder Phagocyten angesprochen werden, ja in Wirklichkeit abgelöste, mehr oder minder zerfallene oder noch mit den Trümmern der zer- fallenden Gewebe beladene echte Gewebezellen sind, welche sich, wie ich das so schön bei den pigmentführenden Leberzellen habe nachwei- sen können, in die Blutbahn abgelöst haben, teils dadurch noch in andere Organe verschleppt werden und schließlich ihrer völligen Auf- lösung entgegengehen.— Heute gabs als Festessen: 1/a Pfund Kalbs- braten mit Steinpilzgemüse. Wurde Kremer durch die Erinnerung an die Opfer und an die Umstände, unter welchen er seinerzeit in Auschwitz die Präparate entnommen hatte, überhaupt nicht mehr belastet? Weiterhin beherrscht der Alltag das Tagebuch. Der Speisezettel, Luftangriffe, häusliche Probleme— das sind die Themen. Dann nähern sich die amerikani- schen Truppen Münster; der Krieg geht zu Ende. Der Mann, der in der Uniform eines SS-Offiziers im Kon- zentrationslager Auschwitz gehorsam über Leben und Tod von mehr als 10.000 Menschen entschieden hatte, schildert seine Eindrücke und Gedanken in diesen Tagen mit folgenden Worten: 2. 4. 1945:(Ostermontag) Ein herrlicher Vorfrühlingstag, teils sonnig, teils regnerisch. Drau- ßen ist durch den Regen mit einem Male alles grün geworden. Kurz nach dem Frühstück fuhr ich, da noch immer Leute mit Waren ange- zogen kamen, noch einmal zum Sportplatz, fand aber alles entleert und verschlossen vor. Es gelang mir aber, von den zusammengefegten Erbsenhaufen noch zwei große Luftschutztüten„für die Hühner“ voll zu füllen und nach Hause in Sicherheit zu bringen. Es war auch höchste Zeit; denn die Einschläge der feindlichen Artillerie lagen schon auf dem Platz. Auch hatten unsere Soldaten, ein bunter in Münster zusammengeraffter Haufen aller möglichen Waffengattungen, die 100 ganze S Erdlöche werden: osen Ra konnte, kam vie Faust 10 ernster\ bereits\ donner' Granatel schineng wohnung geben,\ stände n der leer lager zu. fahr zu abgeseht 3.4.19 Die F windige: Schon fi begab ic Rollen 3 die Pan beiden& In der I Kliniker kaum zı ıen her Man au die Leuf da tauc und ihr Nach un Stiche g Obachte, holt Wu Aüschna geben, Persönli draußen Nenen} Tel se Nilchei Päcket| Schreiht ei den 2 M der ja darstellt, lungsge. e. Es ist Aufstel. Asse yer- ; Außen- Tistologie Lebens- e ja den ukocyten Ibgelöste, der zer- sich, wie nachwei- noch in gen Auf- d Kalbs- ie Opfer erzeit in jerhaupt uch. Der — di erikani- nde, Der im Kot: ben und n hatt, , diesen ganze Straße entlang bereits in Schützenlinie ausgeschwärmt und Erdlöcher gebuddelt. Kein Mensch wußte aber, ob Münster verteidigt werden sollte. Jedenfalls hielt es jedermann für einen ganz aussichts- losen Kampf, zumal, da kein Mensch die Leute mehr zusammenhalten konnte. Wenn z. B. ein Mann mit 20 Mann ausgeschickt worden war, kam vielleicht nur mehr die Hälfte zurück; der Rest war auf eigene Faust losgegangen. Man merkte auch jetzt bald, wie die Situation ernster wurde. Man erzählte sich, daß die Flakkaserne in Gievenbeck bereits von den Amerikanern besetzt sei. Auch wurde der Geschütz- donner immer heftiger und man hörte das fortgesetzte Heulen der Granaten über unseren Köpfen vereint mit dem Knattern der Ma- schinengewehre. Da wurde es doch auch mir oben in der Mansarden- wohnung etwas unangenehm, und ich mußte mich in den Keller be- geben, wohin ich auch allmählich die wichtigsten Gebrauchsgegen- stände mit Frau Glaser schaffte. Für die Nacht machten wir uns in der leeren Deppe’schen Wohnung auf den dortigen Ballen ein Nacht- lager zurecht, da wir von hochparterre leichter in den Keller bei Ge- fahr zu kommen wähnten. In der Nacht war es aber auffallend ruhig, abgesehen von einem kürzeren Feuerschlag der schweren Artillerie. 3. 4. 1945:(Osterdienstag) Die Ereignisse überstürzen sich! Draußen herrscht regnerisches windiges Wetter und das Barometer schwankt um Veränderlich! Schon früh werden die Leute auf der Straße unruhig. Gegen 7 Uhr begab ich mich oben ans Küchenfenster, da ein ganz schweres dumpfes Rollen an meine Ohren drang. Und siehe da! Im Regenwetter rollten die Panzer vom Coestelder(?) kreuz über den Westring heran, an beiden Seiten weithin von Fußtruppen flankiert. Nun wurde es auch in der Hüfferstraße rege, d. h. bei den wenigen Leuten, die nicht im Klinikenkeller oder im Bunker verblieben waren. Man hing— es ist kaum zu glauben— Bettücher oder weiße Vorhänge als weiße Fah- nen heraus oder begnügte sich wenigstens mit weißen Tüchern, die man auf die Fensterbrüstung ausbreitete(Gerdemann, Kirchen|[....], die Leute über[.......] usw. usw.). Es dauerte auch gar nicht lange, da tauchten die ersten Amerikaner mit ihrem schußbereiten Gewehr und ihren erdfarbigen Uniformen[.....] auf und suchten die Häuser nach unseren versprengten Soldaten ab, die von ihren Offizieren im Stiche gelassen worden waren. Von meinem Fenster aus konnte ich be- obachten, wie Hittorfstr. 13 bei Loos etwa 30 Mann aus dem Keller ge- holt wurden. Die armen Jungens mußten die Hände hochnehmen, sich anschnautzen lassen und sich möglichst schnell in Doppelreihe wegbe- geben. Einige Zeit später lernte ich bereits den ersten Amerikaner persönlich kennen, der sich mit Frl. Fröhling und Frau Glaser draußen vor der Haustür unterhielt. Er machte einen ruhigen, beson- nenen Eindruck und verteilte an die Damen und an mich sogar einen Teil seiner Cigaretten. Übrigens brachte Frau Glaser von ihrem Milcheinholen bei Konerdings bereits ein ganzes Militärfrühstücks- packet mit Keks, Dörrobst, Kaugummi, Zigaretten, Zucker und Milch- 101 kaffee nach Hause, das sie im Regen auf der Straße aufgelesen hatte, Man wunderte sich übrigens, als man die Amerikaner tatsächlich unter Regenschirmen Soldat spielen sah. Es waren durchschnittlich mittelgroße, jüngere und gut genährte Leute, denen man zuweilen den Rassenmischling deutlich ansah. Zumal war die Bekleidung und Waffenausrüstung erstklassig. Ein wirklich tolles Stück erlebte ich dann gegen 16 Uhr, als Frau Glaser eben ausgefahren war und ich mich zum Herausholen von Sachen in den Keller begeben wollte. Ganz unverhofft stieß ich nämlich auf der untersten Stufe der Keller- treppe auf zwei ganz unheimliche Gestalten, die sich an unserem Keller zu schaffen machten und mich plötzlich mit einem flackernden Kerzenstummel beleuchteten. Der eine der beiden Gesellen war durch das Fenster in unseren Keller eingedrungen und kehrte mir sein Hinterviertel zu, während der andere im Kellerflur stand und ihm mit der Kerze leuchtete. Im ersten Moment dachte ich, es handle sich hier um 2 Einbrecher, amerikanische Soldaten, welche sich an unsere Vorräte heranmachten. Ich merkte aber bald, als ich mich mit ihnen verständigte, daß sie dort nach Unterschlupflöchern, Waffen, Munition, usw. suchten. Ich ging ihnen aber nicht von der Pelle, redete ihnen etwas zu und verstand es so, mehr und mehr ihr Interesse abzu- lenken und sie auf diese Weise nach kurzer Zeit, ohne daß sie die Oberwohnung betreten hatten, wieder aus dem Hause zu bekommen. Später hörte ich dann, daß die beiden parterre bei Lückes ein Fenster eingeschlagen hatten, nach Durchstöbern der Wohnung in den Keller gelangt waren und hier überall herumspioniert hatten. Inzwischen wurde auch der noch fahrbereite Wagen von Prof. Lenhartz aus der Garage hinter dem Hause requiriert. Abends brach gelegentlich die Sonne mit Kraft im abgehenden Regen durch und man sah dabei einen solch herrlichen Regenbogen über der Stadt Münster, wie ich ihn nur selten in meinem Leben habe beobachten können. Trotzdem ging der Krieg weiter, die Kanonen dröhnten vielfach mit unvermin- derter Stärke und Massen von Kriegsfahrzeugen durchrasten die Stadt. Unheimliche Gerüchte von drakonischen Anordnungen gingen herum. Der Krieg ist aus, der Nationalsozialismus ist zer- schlagen. Professor Kremer führt sein Tagebuch wei- ter. Er hat Schwierigkeiten wegen seiner Mitgliedschaft bei der SS. Aber man kann sich helfen. 6. 8. 1945: Hatte gestern und heute nacht starke Beschwerden im Bereiche der Blase, der rechten Niere und des rechten Harnleiters, die meines Er- achtens auf den Durchtritt eines Niernsteines zurückzuführen sind. Erhalte heute vom geschäftsf. Oberbürgermeister Zuhorn den Heran- ziehungsbefehl zum Schippen. Beginn der Arbeit: Morgen um 19 Uhr auf dem Servatiiplatz. So etwas muß man sich gefallen lassen, weil 102 man SsS- {atsächli und der. erbung€ der aller 1.8.19: Das Si hatten,' Schlu߀ den soll, inder M raumung 9.8.19 Frau( Auch ih usw, Vor heit häli zum Sch zeigt eir stellbar, 10.8.1 Wurde wegen ı Meiner wurde r den Eng auch zu Borchar Schließe, ein früh das mic den Haı as der Shwerd sung, di Tengesc} Verschri 18, Frau !eklami Dessert, gen ung, R Sachen sen hatte atsächlich schnittlic zuweilen dung un Tlebte id T und id n wollte er Keller. Unseren ackerndkr war durd mir sein und ihn andle sic an unser mit ihner Munition lete ihner sse abzı- ıB sie di ekommen in Fenster len Kell nzwischet 'z aus dei ntlich die sah dabe r, wie it Trotzdei ınvermit- ‚asten dt en ginge) s ist zer uch We Tiedschal reiche ee neines D' man SS-Arzt war; denn es wird nicht gefragt, ob man, wie es bei mir tatsächlich der Fall ist, durch die NSDAP seine Stellung verloren hat, und der Partei durch die Veröffentlichung meiner Arbeit über die Ver- erbung erworbener Eigenschaften in weltanschaulicher Hinsicht einen der allerschwersten Schläge versetzt hat. 7.8.1945: Das Schippen, zu dem sich auch Kurz und Sprenger eingefunden hatten, verlief heute abend ohne bemerkenswerte Einzelheiten. Zum Schluß erhielt jeder eine Bescheinigung, welche gut aufgehoben wer- den soll. Wie ich mich erkundigte, findet für uns das Schippen dreimal in der Woche, d. h. jeden 2. Abend, statt. Es handelt sich um die Auf- räumungsarbeiten am Servatiiplatz. 9. 8. 1945: Frau Glaser kehrt aus dem Sauerlande mit ihren Sachen zurück. Auch ihr sind viele wertvolle Gegenstände, z. B. Fuchspelz, Schuhe usw. von den dort hausenden Polen entwendet worden. Meine Krank- heit hält mit unverminderter Heftigkeit an, so daß ich heute nicht zum Schippen gehen konnte. Die ganze rechte untere Körperregion zeigt einen starken Ausschlag. Abends ist auch leichtes Fieber fest- stellbar. 10. 8. 1945: Wurde heute an der Warendorferstraße von der Militärbehörde wegen meiner Zugehörigkeit zur SS zu Protokoll verhört. Trotz meiner schweren Krankheit mußte ich dort stundenlang warten. Es wurde mir zum Schluß eröffnet, daß ich mich Sonntag um 9 Uhr bei den Engländern in der Wülnerstraße vorstellen müsse. Vohsholt war auch zugegen, und er sagte mir, daß er sich vom Amtsarzt in der Borchardstraße einen Krankenschein habe ausstellen lassen. An- schließend bin ich dann ebenfalls dorthin gegangen. Der Amtsarzt, ein früherer Student von mir, stellte mir auch sofort ein Zeugnis aus, das mich für den Monat August vom Schippen dispensierte. Er hielt den Hautausschlag für Gürtelrose. Zuhause angelangt bestätigte mir das der hiesige Hautarzt, College Wuchpfennig, der sämtliche Be- schwerden darauf zurückführte. So hatte ich wenigstens die Beruhi- gung, daß meine Befürchtung, es könnte sich um eine schwere Nie- rengeschichte handeln, sich nicht erfüllte. Gegen den Hautausschlag verschrieb er mir Trockenbehandlung mit Puder. 11. 8. 1945: Frau Glaser hat heute den SS-Dolch, der gestern von der Behörde reklamiert wurde, dort abgegeben. Meine Krankheit hat sich etwas ge- bessert, doch ist der Appetit noch sehr gering. In der Nacht habe ich gegen die Schmerzen Schlafmittel brauchen müssen. Meine Befürch- tung, daß meine bei meiner Schwester in H[...] untergestellten Sachen auch durch die Amis geraubt worden seien, hat sich leider 103 erfüllt, denn ich erhielt heute von meinem Schwager und von Gret- chen gleichzeitig die Mitteilung, daß meine Sachen mit wenigen Aus- nahmen— einige Oberhemden und Papiere— den durchziehenden Truppen in die Hände gefallen sind. Es handelte sich um ungeheure Werte an Kostbarkeiten: 2 goldene Uhren, 4 große goldene Ringe mit Brillanten, Edelsteinen, Lapislazuli und Perlen, der neue Feldstecher.., Hier bricht das Tagebuch ab. In der langen Zeit seit der Rückkehr aus Auschwitz deutet keine Notiz darauf hin, daß die dortigen Erlebnisse bei dem Universi- tätsprofessor Spuren hinterlassen haben. Die wenigen Eintragun- gen, die sich auch nur entfernt auf dieses Thema beziehen, sind hier wiedergegeben. Am 12. August 1945 wurde Kremer von der britischen Besat- zungsmacht als ehemaliger SS-Angehöriger interniert. Im Zug der routinemäßigen Vernehmungen wurde bekannt, daß er im Konzentrationslager Auschwitz Dienst versehen hat. Schließlich wurde in seiner Wohnung das Tagebuch gefunden. Kremer hat nie daran gedacht, es zu vernichten. Kremer wurde an Polen ausgeliefert und in Krakau Ende 1947 im großen Auschwitz-Prozeß zum Tode verurteilt. Wegen seines hohen Alters wurde er zu lebenslänglichem Kerker begnadigt. Da seine Führung in der Haftzeit korrekt war und er schließlich kränklich wurde, hat man ihn am 10. Januar 1958 begnadigt und aus der Haft entlassen. Kremer kehrte nach Münster zurück, aber nicht etwa als Schuldiger, der gebüßt hat. Er ließ sich von seiner Universität als Märtyrer feiern. Zeitungsnotizen über diesen Empfang machten Überlebende von Auschwitz aufmerksam. Sie erstatteten eine Strafanzeige und erreichten nicht nur, daß neuer- lich vor einem deutschen Gericht ein Verfahren gegen Kremer eröffnet wurde; auch der Professortitel und der Doktorgrad wur- den ihm aberkannt. Vor dem Gericht in Münster stellten die Tage- bucheintragungen wieder die schwerste Belastung dar. Am 26. No- vember 1960 wurde Kremer wegen Beihilfe zum Mord zu zehn Jahren Zuchthaus und Aberkennung der bürgerlichen Ehrenrechte auf die Dauer von fünf Jahren verurteilt. Die in Polen bereits verbüßte Haftzeit wurde angerechnet. Was Kremer in den kurzen Wochen seiner Dienstzeit in Ausch- witz getan hat, kann— gemessen an den Millionen Morden, die in diesem Vernichtungslager begangen worden sind— eine un- bedeutende Episode genannt werden. Bedeutend und bezeichnend 104 ist aber eines Me hatte. Die( Vernicht Tagebüc N Tage erl hier bei berichter in dieset vollkomı zsen. 00 hätten- diesen 1 Taganda isteriur das ein| ien usw abgehen war es, diesem geschehe Aber| Welt yo Autzen,( u,& In gr % han Verfract den Jud von Gref. igen Aus. Iziehenden ungeheure: Ringe mil istecher„, utet kein: Universi intragun- hen, sind en Besat- . Im Zu laß er in schließlid remer hal Ende 191 sen sein& adigt. Di schließlid adigt un rück, abe! yon seinel er diesel ksam. I jaß neuel‘ n Krent! grad wi die Tage ‚m 26.10 d zu zeht renrechl? en bereli in Ausd* orden, die j eine u zejchnel® ist aber der Einblick, den uns Kremers Tagebuch in die Mentalität eines Menschen gestattet, der diese Mordmaschinerie zu bedienen hatte. Die Geschichte der schlimmsten aller nationalsozialistischen Vernichtungsstätten wird auch durch Eintragungen in anderen Tagebücher illustriert. Warum gerade im Mai 1940 nahe dem polnischen Städtchen Auschwitz ein Konzentrationslager ange- legt wurde, kann man einer Ansprache des General- gouverneurs Frank entnehmen, die in seinem Tage- buch unter dem Datum 30. Mai 1940 festgehalten ist: ... Am 10. Mai begann die Offensive im Westen, d. h., an diesem Tage erlosch das vorherrschende Interesse der Welt an den Vorgängen hier bei uns. Was man mit der Greuelpropaganda und den Lügen- berichten über das Vorgehen der nationalsozialistischen Machthaber in diesem Gebiet in der Welt angerichtet hat,— nun, mir wäre es vollkommen gleichgültig gewesen, ob sich die Amerikaner oder Fran- zosen oder Juden oder vielleicht auch der Papst darüber aufgeregt hätten— aber für mich und für einen jeden von Ihnen war es in diesen Monaten furchtbar, immer wieder die Stimmen aus dem Pro- pagandaministerium, aus dem Auswärtigen Amt, aus dem Innenmi- nisterium, ja sogar von der Wehrmacht vernehmen zu müssen, daß das ein Mordregime wäre, daß wir mit diesem Greuel aufhören müß- ten usw. Dabei war es natürlich klar, daß wir auch die Erklärung abgeben mußten, wir würden es nicht mehr tun. Und ebenso klar war es, daß bis zu dem Augenblick, wo das Weltscheinwerferlicht auf diesem Gebiet lag, von uns ja nichts Derartiges in großem Ausmaße geschehen konnte. Aber mit dem 10. Mai ist uns nun diese Greuelpropaganda in der Welt vollkommen gleichgültig. Jetzt müssen wir den Augenblick be- nutzen, der uns zur Verfügung steht. Der Organisation Eichmanns war von der national- sozialistischen Führung die Aufgabe übertragen wor- den, für den Transport von Juden nach Auschwitz zu sorgen. Aber Goebbels fand bei all seiner anstrengen- den Tätigkeit immer noch Zeit genug, um in dieser Frage, die ihm so sehr am Herzen lag, eigene Initiative zu entwickeln: 29. 3. 1942: Im großen Umfang werden jetzt wieder Juden aus Berlin evakuiert. Es handelt sich um wöchentlich etwa tausend, die nach dem Osten verfrachtet werden. Die Selbstmordziffern unter diesen evakuieren- den Juden sind außerordentlich hoch. Das geniert mich aber nicht. 105 habhaft 17. 5. 1942: Is in B Wir versuchen die noch in Berlin verbliebenen Juden jetzt in roße G größerem Umfange nach dem Osten zu evakuieren. Ein Drittel aller daranset in Deutschland noch wohnenden Juden befindet sich in der Reichs- Die V hauptstadt. Das ist natürlich ein auf die Dauer unerträglicher Zu- hat besı stand. Hauptsächlich ist er darauf zurückzuführen, daß in Berlin ver- Madeit hältnismäßig viele Juden in der Rüstungsindustrie beschäftigt sind Kr ge und nach einer Verordnung auch ihre Familienmitglieder nicht eva- hlick nie kuiert werden dürfen. Ich strebe eine Aufhebung dieser Verordnung Mann es an und werde alle die Juden, die nicht unmittelbar in kriegswichtigen m leber Betrieben beschäftigt sind, aus Berlin herauszubringen versuchen. Hihtme 2. März 1943: .. Wir schaffen nun die Juden endgültig aus Berlin hinaus. Sie sind am vergangenen Samstag schlagartig zusammengefaßt worden 9.Mäi und werden nun in kürzester Frist nach dem Osten abgeschoben. Leider I hat sich auch hier wieder herausgestellt, daß die besseren Kreise, ins- Be besondere die Intellektuellen, unsere Judenpolitik nicht verstehen und Do sich zum Teil auf die Seite der Juden stellen. Infolgedessen ist unsere 2:; Aktion vorzeitig verraten worden, so daß uns eine ganze Menge von Bau Juden durch die Hände gewischt sind. Aber wir werden ihrer doch EM: noch habhaft werden. Jedenfalls werde ich nicht ruhen, bis die Reichs- Er hauptstadt wenigstens gänzlich judenfrei geworden ist... Er 6. März 1943:>\ -.. Schacht hält mir einen langen Vortrag über die augenblickliche u Lage in Berlin auf Grund des letzten Luftangriffs. Sie ist doch hin 5 außerordentlich ernst. Die in der Reichshauptstadt angerichteten a Schäden sind sehr bedeutend, und wir werden schätzungsweise sechs bis acht Monate nötig haben, um sie halbwegs wieder in Ordnung zu bringen. Gerade in diesem Augenblick hält der SD es für günstig, in der Judenevakuierung fortzufahren. Es haben sich da leider etwas un- A. Ar liebsame Szenen vor einem jüdischen Altersheim abgespielt, wo die„Nege Bevölkerung sich in größerer Menge ansammelte und zum Teil sogar“llshal für die Juden etwas Partei ergriff. Ich gebe dem SD Auftrag, die ee Judenevakuierung nicht ausgerechnet in einer so kritischen Zeit fort- Nuden zusetzen. Wir wollen uns das lieber noch einige Wochen aufsparen; ea, W dann können wir es umso gründlicher durchführen... 2\ vuden ı Osten,, 11. März 1943: .. Die Evakuierung der Juden aus Berlin hat doch zu manchen Mißhelligkeiten geführt. Leider sind dabei auch die Juden und Jüdin- a A nen aus privilegierten Ehen zuerst mit verhaftet worden, was zu Ba großer Angst und Verwirrung geführt hat. Daß die Juden an einem“ten( Tage verhaftet werden sollten, hat sich infolge des kurzsichtigen Ver- Auhin haltens von Industriellen, die die Juden rechtzeitig warnten, als Schlag Geiseln ins Wasser herausgestellt. Im ganzen sind wir 4000 Juden dabei nicht| liche 106 jetzt in| ttel aller " Reichs. cher Zu- rlin ver- tigt sind icht eya- rordnung wichtigen 1en. naus, Sie worden on. Leider eise, ins- ehen und st unser enge von ırer doch ie Reichs- blickliche ist dodı erichteten eise sechs Ordnung g, in det was UN t, wo di Teil sogal ftrag, di Zeit fort ufspareli manche! nd Jüdi , was 2 an einen ‚gen Ver als Schle: bei mE habhaft geworden. Sie treiben sich jetzt wohnungs- und anmeldungs- los in Berlin herum und bilden natürlich für die Öffentlichkeit eine große Gefahr. Ich ordne an, daß Polizei, Wehrmacht und Partei alles daransetzen, diese Juden möglichst schnell dingfest zu machen. Die Verhaftung von Juden und Jüdinnen aus privilegierten Ehen hat besonders in Künstlerkreisen stark sensationell gewirkt. Denn gerade unter Schauspielern sind ja diese privilegierten Ehen noch in einer gewißen Anzahl vorhanden. Aber darauf kann ich im Augen- blick nicht übermäßig viel Rücksicht nehmen. Wenn ein deutscher Mann es jetzt noch fertigbringt, mit einer Jüdin in einer legalen Ehe zu leben, dann spricht das absolut gegen ihn, und es ist im Kriege nicht mehr an der Zeit, diese Frage allzu sentimental zu beurteilen. Goebbels handelte keineswegs eigenmächtig. 9. März 1943: ... In der Judenfrage billigt er(Hitler) mein Vorgehen und gibt mir ausdrücklich den Auftrag, Berlin gänzlich judenfrei zu machen. Ich werde schon dafür sorgen, daß zwischen den Berliner Juden und den ausländischen Arbeitern kein Konkubinat eingegangen wird... 15. März 1943: ...Man kann Juden überhaupt nicht über den Weg trauen. Ich betone dem Führer gegenüber noch einmal, daß ich es für notwendig halte, die Juden so schnell wie möglich aus dem ganzen Reichsgebiet herauszubringen. Er billigt auch dies Vorgehen und gibt mir den Auf- trag, nicht zu ruhen und nicht zu rasten, bis kein Jude sich mehr im deutschen Reichsgebiet befindet. Nicht nur die Beschleunigung der Judendeporta- tion aus Berlin lag Goebbels sosehr am Herzen: 21. April 1942: Wegen des Eisenbahnattentats am 16. ds. Mts. hat der Militärbe- fehlshaber in Frankreich verschärfte Maßnahmen ergriffen. Drei- Big— anstatt, wie ursprünglich beabsichtigt, zwanzig— Geiseln (Juden und den Tätern nahestehende Personen) sollen erschossen wer- den. Wenn innerhalb von drei Tagen die Täter nicht gefaßt werden, sollen weitere 80 Erschießungen folgen, ferner Deportation von 1000 Juden und Kommunisten(statt zuerst beabsichtigter 500) nach dem Osten... 22. April 1942: ...In der Nacht ist wiederum ein Attentat gegen einen deut- schen Gefreiten in Paris verübt worden, das tödlich ausging. Die dar- aufhin angewandten Repressalien sind sehr streng. Es werden zehn Geiseln erschossen, 500 Kommunisten, Degaullisten und Juden in ein östliches Arbeitslager verfrachtet, und die Polizeistunde wird merkbar 107 heruntergesetzt, Theater, Vergnügungsstätten und Kinos überhaupt geschlossen. Ich dringe vor allem in Paris darauf, daß jetzt endlich bei den vorzunehmenden Geiselerschießungen vorher die Namen derer veröffentlicht werden, die schußreif sind. Damit erreicht man wenig- stens, daß die Angehörigen, Bekannten und Verwandten, die ja mei- stens zu denselben Kreisen gehören, aus denen die Attentäter stam- men, sich in Bewegung setzen und damit wenigstens eine gewisse Möglichkeit gegeben ist, den Täter zu finden. Der Militärbefehlshaber in Paris ist auch gern bereit, auf meine Anregung einzugehen; aber im Augenblick hat er keine Geiseln mehr zur Verfügung, solche muß er sich zuerst wieder beschaffen... Immer wieder besprach Goebbels in den Kriegsjah- ren, in denen die nationalsozialistische Führung so große Aufgaben und so zahlreiche Probleme zu be- wältigen hatte, mit seinem Führer die„Judenfrage“— wie er sie nannte. 27. April 1942: Ich spreche mit dem Führer noch einmal ausführlich die Judenfrage durch. Sein Standpunkt diesem Problem gegenüber ist unerbittlich. Er will die Juden absolut aus Europa herausdrängen. Das ist auch richtig so. Die Juden haben unserem Erdteil so viel Leid zugefügt, daß die härteste Strafe, die man über sie verhängen kann, immer noch zu milde ist. Himmler betreibt augenblicklich die große Umsiedlung der Juden aus den deutschen Städten nach den östlichen Ghettos. Ich habe veranlaßt, daß hier in großem Umfange Filmaufnahmen ge- macht werden. Das Material werden wir für die spätere Erziehung unseres Volkes dringend gebrauchen. Hitler hatte Himmler die Hauptarbeit bei den blu- tigen Aktionen gegen die Juden zugeteilt. Aber der wendige Goebbels achtete darauf, daß für sein Ressort — die Propaganda— auch etwas abfiel. Wenn er auch in seinem Tagebuch etwas vorsichtiger formulierte, so war Goebbels über das Schicksal, das den deportier- ten Juden in Auschwitz und anderen Vernichtungs- stätten bereitet wurde, völlig im klaren. Noch unter dem Eindruck der letzten Besprechung mit seinem Füh- rer reflektiert er: 29. April 1942: ...Mit den Juden macht man in allen besetzten Ostgebieten kurzen Prozeß. Zehntausende müssen daran glauben, und an ihnen erfüllt sich die Prophezeiung des Führers, daß das Judentum einen von ihm entfachten neuen Weltkrieg mit der Ausrottung seiner Rasse wird be- zahlen müssen. 108 ISte vor, wel Juden it Aufgabe General diger m das nich muß m: nung iS vität ur Lande t Sabotag auch ei im Lebi sernitist äg Jah, dicht p aber gl wo imm Als dern U das ei Erlebn andere ist die Persön Eini Juden: Sziali ler, ur Wohl| tige mit in dieses lüfter Imn berhaupt b endlich en derer N wenig. ja mei. er stam- gewiss: hlshaber en; aber Iche mul egsjah- rung 9 zu be- rage“- ıdenfrage erbittlic, ist aud zugefügt mer nodı nsiedlung ettos. Ih men ge Srziehung den blı- Aber der , Ressort er auch muliert®, eportier ichtung®® ich unte! ‚em Für on kurt! en erfüll , von ihn ‚ wird be Dr. Frank, der dort als nationalsozialistischer Gene- ralgouverneur residiert, wo die meisten Juden ermor- det werden, frohlockt zur gleichen Zeit, in der die deutschen Truppen an allen Fronten bereits den Rück- zug antreten müssen, darüber, daß das Judenproblem so radikal gelöst worden ist. Sein Tagebuch berichtet über eine Rede, die er am 4. März 1944 bei einer Arbeitstagung gehalten hat: ... Stellen Sie sich die jetzige Situation des Generalgouvernements vor, wenn wir noch wie im Jahre 1939 eineinhalb bis zwei Millionen Juden im Lande hätten. Entsinnen Sie sich, welch grauenhaft schweren Aufgaben man sich unterziehen mußte, um das Judenproblem im Generalgouvernement zu lösen. Wenn heute da und dort ein Wehlei- diger mit Tränen in den Augen den Juden nachtrauert und sagt, ist das nicht grauenhaft, was mit den Juden gemacht worden ist, dann muß man den Betreffenden fragen, ob er heute noch derselben Mei- nung ist. Wenn wir heute diese zwei Millionen Juden in voller Akti- vität und auf der anderen Seite die wenigen deutschen Männer im Lande hätten, würden wir nicht mehr Herr der Lage sein. Wir hätten Sabotage im Lande, daß wir uns nicht mehr retten könnten. Das ist auch ein Erfolg des Nationalsozialismus, denn damit wäre niemand im Leben fertiggeworden. Nur weil wir im Jahre 1919 mit dem Anti- semitismus begonnen haben, haben wir die Kraft gefunden, ihn zwan- zig Jahre später in die Tat umzusetzen. Daß dies den Juden der Welt nicht paßt, damit haben wir von vornherein gerechnet, das ist uns aber gleich. Die Juden sind eine Rasse, die ausgetilgt werden muß; wo immer wir nur einen erwischen, geht es mit ihm zu Ende... Als Dr. Frank nicht mehr Generalgouverneur in Polen, son- dern Untersuchungshäftling in Nürnberg war, schrieb er ein Buch, das eine„Deutung Hitlers und seiner Zeit auf Grund eigener Erlebnisse und Erkenntnisse“ werden sollte. Dort findet er, unter anderem, folgende Worte:„Nicht irgendein Antisemitismus allein ist die Ursache von Auschwitz, sondern ausschließlich der rein persönliche Entschluß Hitlers Himmler gegenüber°.“ Einige Dutzend Seiten später stellt Frank nochmals fest, daß die Judenvernichtung im allerengsten Führungskreis der National- sozialisten beschlossen worden sei:„Hitler besprach sie mit Himm- ler, und im allerengsten Klausurmaschinerieraum wurde dann wohl alles so vorbereitet, daß im Laufe von etwa drei Jahren einige Millionen Menschen getötet wurden. Niemals sprach Hitler mit irgend jemand darüber, auch nicht andeutungsweise. Er trug dieses Geheimnis allein in seiner Brust. Erst in seinem Testament lüftete er es?.“ Immer, wenn von den Initiatoren der Judenvernichtung die 109 Rede ist, taucht der Name Himmlers auf, des unumschränkten Herrn über alle Konzentrationslager, des obersten Befehlshabers der gigantischen Vernichtungsmaschinerie von Auschwitz. Himm- ler war einer der wenigen, der auch in den kritischen Kriegsjah- ren mit seinem Führer unter vier Augen sprechen durfte. Hitler war mit seiner Arbeit zufrieden. Alfred Rosenberg, der ebenfalls in seiner Nürnberger Zelle seine Gedanken niederschrieb, bestä- tigt das. Als er sich im Jahr 1942 bei Hitler über Himmler be- schwert hat, gab ihm dieser zur Antwort:„Himmler hat seine Aufträge bisher immer gut durchgeführt®.“ Und Hitler hat ganz genau gewußt, mit welchen Me- thoden Himmler arbeitete. Bei einer Lagebesprechung im Führerhauptquartier berichtete am 1. Dezember 1942 General Jodl über einen Zwischenfall in Frank- reich. Der darauf folgende Dialog wird im Protokoll dieser Besprechung folgendermaßen wiedergegeben: Jodl: Ein Raubüberfall auf eine Bürgermeisterei im Departement Seine-Loire. Dabei gelang es der französischen Polizei, sechs bewaffnete Täter, die sämtlich einer Terroristengruppe angehören, festzunehmen. Der Führer: Gut! Die Polizei ist gut. Die werden wir einspannen und werden nur mit der Polizei arbeiten. Himmler kennt seine Polizei. Er geht mit verwerflichen Mitteln vor und kann sich die Leute so langsam anbändeln. Das wird ein Bündnis mit der Polizei! Jodl: Sie macht den besten Eindruck. Der Führer: Die Polizei ist gehaßter als irgend etwas im Lande und sucht Stützen bei einer noch stärkeren Autorität, als es ihr eigener Staat ist; das sind wir. Die Polizei wird noch einmal darauf drängen, daß wir das Land nicht verlassen. Der Kommandant des Vernichtungslagers Auschwitz berich- tet, daß Himmler bei einer Besichtigung seine Weisungen so ZU- sammengefaßt hat:„Ich habe mir nun Auschwitz gründlich ange- schaut. Ich habe alles gesehen, habe alle Mißstände und Schwie- rigkeiten genügend gesehen, und von Euch gehört. Ändern kann ich daran auch nichts... Eichmanns Programm geht weiter und wird von Monat zu Monat gesteigert. Sehen Sie zu, daß Sie mit dem Ausbau von Birkenau vorwärtskommen. Die Zigeuner sind der Vernichtung zuzuführen. Ebenso rücksichtslos vernichten Sie die arbeitsunfähigen Juden’.“ Von Himmler ist kein Tagebuch erhalten geblieben, aber ein privater Brief des Reichsführers SS möge die- sen Herrn aller Gaskammern persönlich charakterisie- ren. Er ist an den eigenartigen Leibarzt, den finischen Der Rei Liebe Nehm für Ihre wenn S Kunst 2 In de viele Pi Arztes, und füt Es wi einen( gebracl Männeı praktis und icl und di führun 1936, 3' einigur die se} Schwei Wiedeı Von Gerüch broche Seinem mit M \yphus Nahme Ich] und} Blutige ur H liche r Bsj Senen die g; feilen Scheid ränkten 'Shabers Himm- jegsjah- >. Hitler benfalls ), besti- nler be- at seine hen Me- rechung ezember , Frank- rotokoll gegeben: artemen! waffnete nehmen, nspannen nt seine sich die lizei! ande und r eigene! drängen, , berich- sn so ZU ich ange“ Schwie- on Kanl sjter und Sie mil ıner sind chten Sit blieben möge dit akterisie finäschet Medizinalrat Felix Kersten, gerichtet und trägt das Datum vom 21. März 1945. In Voraussicht des Kriegs- endes hat Himmler schon Monate vorher die Vernich- tungsmaschinerie anhalten und die Gaskammern spren- gen lassen. Dann schreibt er: Der Reichsführer-SS(1) Berlin SW 11, den 21. März 1945 Prinz-Albrecht-Straße 8 Feld-Kommandostelle Lieber Herr Kersten! Nehmen Sie bitte mit diesen Zeilen zunächst einmal meinen Dank für Ihren Besuch entgegen. Ich habe mich diesmal wie immer gefreut, wenn Sie kamen und mir in alter Freundschaft Ihre große ärztliche Kunst zur Verfügung stellten. In den langen Jahren unserer Bekanntschaft haben wir uns ja über viele Probleme unterhalten und Ihre Einstellung war immer die eines Arztes, der fernab aller Politik das Beste für den einzelnen Menschen und für die Menschheit insgesamt will. Es wird Sie interessieren, daß ich im Laufe des letzten Vierteljahres einen Gedanken, über den wir einmal sprachen, zur Verwirklichung gebracht habe. Es wurden nämlich in zwei Zügen rund 2.700 jüdische Männer, Frauen und Kinder in die Schweiz verbracht. Es ist dies praktisch die Fortsetzung des Weges gewesen, den meine Mitarbeiter und ich lange Jahre hindurch konsequent verfolgten, bis der Krieg und die mit ihm einsetzende Unvernunft in der Welt seine Durch- führung unmöglich machten. Sie wissen ja, daß ich in den Jahren 1936, 37, 38, 39 und 40 zusammen mit jüdischen amerikanischen Ver- einigungen eine Auswandererorganisation ins Leben gerufen habe, die sehr segensreich gewirkt hat. Die Fahrt der beiden Züge in die Schweiz ist die trotz aller Schwierigkeiten bewußt vorgenommene Wiederaufnahme dieses segensreichen Verfahrens. Von einem Gefangenenlager Bergen-Belsen kam in letzter Zeit das Gerücht, es wäre eine Typhusepedemie größeren Ausmaßes ausge- brochen. Ich habe den Hygieniker der SS, Prof. Dr. Mrugowski, mit seinem Stab sofort dorthin geschickt. Es handelte sich um in Lagern mit Menschen aus dem Osten leider sehr oft vorkommende Fleck- typhusfälle, die aber mit modernen und besten medizinischen Maß- nahmen als beherrscht anzusehen sind. Ich habe die Überzeugung, daß unter Ausschaltung von Demagogie und Äußerlichkeiten über alle Gegensätze hinweg und ungeachtet blutigster Wunden auf allen Seiten Weisheit und Logik ebenso sehr zur Herrschaft kommen müssen wie gleichzeitig damit das mensch- liche Herz und das Wollen zum Helfen. Es ist selbstverständlich, daß ich so, wie ich es in den ganzen vergan- genen Jahren in guten und schlechten Zeiten getan habe, Wünsche, die Sie mir auf der menschlichen Ebene übermitteln lassen oder mit- teilen, gerne prüfen und wo es nur einigermaßen geht, großzügig ent- scheiden werde. 111 Mit meinen herzlichen Grüßen an Ihre verehrte, liebe Frau, an Ihre Kinder und besonders an Sie, in alter Verbundenheit Ihr H. Himmler. Der Schöpfer der Todesfabrik von Auschwitz sehnt die Herrschaft des menschlichen Herzens herbei— welcher Dichter hätte die Phantasie, sich eine solche Gestalt auszudenken? Nich! den un fangrei als das Ich g send P schicht Zeit di schen Verant tun ki Flanke 5-Ob Befrie« darf S Durchf kann, Schehe Mehr| Nähme In Au führe der q Sache Ärückt Stellt Sicher Schaft Asarfi tz sehnt erbei— ve Solche So sollte es werden Nicht nur„Lebensunwerte“ und„rassisch Minderwertige“, Ju- den und Zigeuner, wurden getötet. Das Mordprogramm war um- fangreicher. Die Slawen sollten Sklaven werden— und weniger als das. Frank, der als Generalgouverneur für die national- sozialistische Politik den Polen gegenüber zuständig war, schilderte anschaulich, welches Schicksal diesem Volk bereitet werden sollte. Am 30. Mai 1940 führte er— wie in seinem Tagebuch nachgelesen werden kann— in einer Besprechung mit Polizeileitern aus: Ich gestehe ganz offen, daß das Befriedungsprogramm einigen Tau- send Polen das Leben kosten wird, vor allem aus der geistigen Führer- schicht Polens. Für uns alle als Nationalsozialisten bringt aber diese Zeit die Verpflichtung mit sich, dafür zu sorgen, daß aus dem polni- schen Volk kein Widerstand mehr emporsteigt. Ich weiß, welche Verantwortung wir damit übernehmen. Aber es ist klar, daß wir das tun können und zwar gerade aus der Notwendigkeit heraus, den Flankenschutz des Reiches im Osten zu übernehmen. Aber mehr noch: SS-Obergruppenführer Krüger und ich haben beschlossen, daß die Befriedungsaktion in beschleunigter Form durchgeführt wird. Ich darf Sie bitten, meine Herren, uns mit Ihrer ganzen Energie bei der Durchführung dieser Aufgabe zu helfen. Was von mir aus geschehen kann, um die Durchführung dieser Aufgabe zu erleichtern, wird ge- schehen. Ich appelliere an Sie als nationalsozialistische Kämpfer, und mehr brauche ich wohl dazu nicht zu sagen. Wir werden diese Maß- nahme durchführen, und zwar, wie ich Ihnen vertraulich sagen kann, in Ausführung eines Befehls, den mir der Führer erteilt hat. Der Führer hat mir gesagt: Die Frage der Behandlung und Sicherstellung der deutschen Politik im Generalgouvernement ist eine ureigene Sache der verantwortlichen Männer des Generalgouvernements. Er drückte sich so aus: Was wir jetzt an Führerschicht in Polen festge- stellt haben, das ist zu liquidieren, was wieder nachwächst, ist von uns sicherzustellen und in einem entsprechenden Zeitraum wieder wegzu- schaffen. Daher brauchen wir das Deutsche Reich und die Reichsorga- nisation der deutschen Polizei damit nicht zu belasten. Wir brauchen 113 diese Elemente nicht erst in die Konzentrationslager des Reiches ab- zuschleppen, denn dann hätten wir nur Scherereien und einen unnöti- gen Briefwechsel mit den Familienangehörigen, sondern wir liquidie- ren die Dinge im Lande. Wir werden es auch in der Form tun, die die einfachste ist. Meine Herren, wir sind keine Mörder. Für den Polizi- sten und SS-Mann, der auf Grund dieser Maßnahme amtlich oder dienstlich verpflichtet ist, die Exekution durchzuführen, ist das eine furchtbare Aufgabe. Wir können leicht Hunderte von Todesurteilen hier unterzeichnen; aber ihre Durchführung deutschen Männern, anstän- digen deutschen Soldaten und Kameraden zu übertragen, das bedeutet eine furchtbare Belastung. Ich bin deshalb auch dem Parteigenossen Siebert sehr dankbar für die Herausgabe des Erlasses, in welchem er den Polizeiorganen eine gewisse Rücksichtnahme auf die physische Situation der mit solchen Exekutionen betrauten Männer zur Pflicht macht. Ich würde Sie bitten, diesen Erlaß, wenn es irgend möglich ist, unter allen Umständen zu berücksichtigen. Aber nicht nur das, jeder Polizei- und SS-Führer, der nun die harte Pflicht hat, diese Urteile zu vollstrecken, muß auch hundertprozentig die Gewißheit haben, daß er hier in Erfüllung eines Richtspruches der deutschen Nation han- delt. Daher wird auch für diese Fälle der AB-Aktion das summarische polizeiliche Standgerichtsverfahren durchgehalten, wie ich es mit dem Kameraden Streckenbach vereinbart habe, damit auf keinen Fall der Eindruck einer willkürlichen Aktion oder ein ähnlicher Eindruck ent- steht. Der Führer der deutschen Juristen, Doktor juris Frank, weiß auch möglichen Einwänden formaljuristi- scher Art sehr einfach zu begegnen. In der gleichen Sitzung führte er weiter aus: ...Wenn eine Justizstelle wahnsinnig genug wäre, das Vorgehen irgend einer Polizeidienststelle im Zusammenhang mit einer großen politischen Aktion einer strafrechtlichen Untersuchung zu unterziehen und allenfalls eine Anklage gegen diese Polizeidienststelle oder eine andere Dienststelle wegen Verletzung von Dienstpflichten usw. zu er- heben, so könnte man in diesem Vorgehen natürlich gerade aus dieser nicht echten Konkurrenz von Verwaltung und Polizei einen scharfen Verstoß gegen das Gemeinschaftsinteresse erblicken. Sie werden vielleicht gehört haben, daß davon berichtet wurde, es sei im Distrikt Lublin eine solche Anklage von einer Justizstelle aus im Gange. Ich bin der Sache nachgegangen und habe festgestellt, daß nichts dergleichen vorlag. Ich möchte das ausdrücklich deshalb beto- nen, weil sonst der Eindruck entstehen würde, als ob solche Span- nungen geduldet werden. Ich habe jedenfalls festgestellt: Weder der zuständige Gouverneur noch der zuständige Justizbeamte hat irgendwie in diesem Zusammenhang eine Aktion in dieser Richtung unternommen. Die Gefahr allerdings, daß gewisse Dienststellen ir- gendeine notwendige Aktion nicht vornehmen, ist genau dieselbe wie im Reich. 114 Ich Gouv chen, eine| tragel hildli sächli dieser Recht den,| fehle Wa wir| chen soll g lagert findel erledi unser Scher gema bitter schiel 2ung Reich andeı den, Beha schlu viel durch lem ipn edoc der Baue Gene ung: Würd Rh das{ Walt Poliz Schu U aus| Achn Sich es ab- nnöti- [uidie- lie die Polizi- 1 Oder S eine N hier nstän- deutet nossen em er ysische Pflicht ich ist, ‚ jeder eile zu n, daß ı han- arische it dem all der k ent- juris uristi- eichen ngehen großen ziehen r eine zu el dieser harfen ‚de,& Je aus 1, dad beto- Span“ Wedel te hal ‚htuns on I ‚e wie Ich habe ja gerade die Sitzung aus dem Grunde einberufen, um die Gouverneure und die Polizeidienststellen darauf aufmerksam zu ma- chen, daß wir über den legalen Rahmen unserer Aufgaben hinaus eine ganz große politische Verantwortung hier in diesem Raum zu tragen haben. Es kommt nicht darauf an, daß wir einen legalen vor- bildlichen Musterstaat ins Leben rufen, sondern es kommt haupt- sächlich darauf an, die große nationalsozialistische Ostaufgabe hier in diesem Raum zu erfüllen. Es kann also nicht das Ziel sein, hier einen Rechtsstaat aufzubauen, sondern die Ostpolitik muß so geführt wer- den, daß immer als die entscheidenste Mission der Ausbau der Be- fehle des Generalgouverneurs im Vordergrund steht... Was die Konzentrationslager anlangt, so waren wir uns klar, daß wir hier im Generalgouvernement Konzentrationslager im eigent- lichen Sinne nicht einrichten wollen. Wer bei uns verdächtig ist, der soll gleich liquidiert werden. Was sich draußen in den Konzentrations- lagern des Reiches an Häftlingen aus dem Generalgouvernement be- findet, das soll uns zur AB-Aktion zur Verfügung gestellt oder dort erledigt werden. Wir können nicht die Reichskonzentrationslager mit unseren Dingen belasten. Was wir mit den Krakauer Professoren an Scherereien hatten, war furchtbar. Hätten wir die Sache von hier aus gemacht, wäre sie anders verlaufen. Ich möchte Sie daher dringend bitten, niemanden mehr in die Konzentrationslager des Reiches abzu- schieben, sondern hier die Liquidierung vorzunehmen oder eine ord- nungsgemäße Strafe zu verhängen. Alles andere ist eine Belastung des Reiches und eine dauernde Erschwerung. Wir haben hier eine ganz andere Form der Behandlung und diese Form muß beibehalten wer- den. Ich mache ausdrücklich darauf aufmerksam, daß sich an dieser Behandlung nichts ändern wird durch einen allenfallsigen Friedens- schluß. Dieser würde nur bedeuten, daß wir dann als Weltmacht noch viel intensiver als bisher unsere allgemeinen politischen Aktionen durchführen würden, es würde bedeuten, daß wir in noch großzügige- rem Maße zu kolonisieren haben, aber ändern würde er an dem Prin- zip nichts. Es bleibt bei der schärfsten antipolnischen Tendenz, wobei jedoch Rücksicht genommen werden muß auf die Aufrechterhaltung der Arbeitsfähigkeit des polnischen Arbeiters und des polnischen Bauern. Wir müssen uns darüber klar sein, daß wir dieses Gebiet des Generalgouvernements nicht halten können, wenn wir einen Ausrot- tungsfeldzug gegen die polnischen Bauern und Arbeiter beginnen würden in der Form, wie er von‘einzelnen Phantasten gedacht ist. Es kann sich nur um die Beseitigung der Führerschicht handeln, aber das arbeitende Volk muß unter unserer verantwortlichen Befehlsge- walt nutzbringende Arbeit leisten. Daher ist es zweckmäßig, daß die Polizei auch von diesem Volk der Bauern und Arbeiter als eigener Schutz angesehen wird. Helfen Sie mir bitte, diese Splitterungspolitik zu unterstützen! Es würde nicht schaden, wenn die Polizei von sich aus öfters demonstrativ den Schutz eines polnischen Arbeiters über- nehmen würde gegen einen polnischen Großkapitalisten. Es müßte sich ganz allgemein unter den polnischen Bauern und Arbeitern die 115 Meinung verbreiten: wir stehen unter dem Schutz des Reiches und seiner Exekutivorgane und brauchen uns nicht fürchten, wenn wir unsere:Arbeit tun. Diese allgemeine Aktion ist um so wichtiger, je schärfer wir gegen die eigentlichen Machthaber und Führerpersön- lichkeiten in Polen vorgehen... Daß Frank sicher ist, im Sinne seines Führers zu han- deln, selbst wenn er die äußere Form der Rechtsstaat- lichkeit brutal verletzt, versteht sich. Goebbels ver- traute einmal seinem Tagebuch an, wie Hitler mit Richtsprüchen und Richtern umging: 6. 5. 1942: Der Fall Sklarek— dieser jüdische Schieber ist wegen Landesver- rats nur zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt worden— hat den Füh- rer außerordentlich erregt. Selbstverständlich wird Sklarek erschos- sen werden. Im übrigen fordert der Führer sich von uns die Akten dieses Falles ein. Er will daraus ein Exempel für die beteiligten Juri- sten und Richter statuieren. Welches Leben sollten also die Polen führen? Frank schilderte das in einer Abteilungsleitersitzung am 12. September 1940: ...Es gibt keine Dienststelle des Reiches, die direkt oder indirekt in dies Gebiet hineinregieren könnte. Befehle erteilt nur der General- gouverneur in unmittelbarer Vertretung des Führers, sonst niemand. Wir haben bisher die Politik der völligen gegenseitigen Trennung zwischen Deutschen und Polen eingehalten. Ich selbst habe mit Polen noch keinen Kontakt aufgenommen und bitte auch Sie, keinen anderen Kurs zu gehen. Wir müssen in dem großen Gefüge der über große Zeiträume hinwegreichenden Struktur des Nationalsozialismus im- mer daran denken, daß, wenn wir diesen Raum nicht völlig durch- dringen, er eines Tages für uns verloren sein wird. Es kann sich hier nur um ein Entweder-Oder handeln. Das Schicksal hat entschieden, daß wir hier die Herren, die Polen aber die uns anvertrauten Schutz- unterworfen sind. Ich bitte Sie, meine Herren, den Empfang von Polen, von Bittdeputationen usw. auf das dienstlich unbedingt not- wendige Maß zu beschränken. Es ist auch nicht möglich, daß wir den Polen den Lebensstandard der Deutschen geben. Es muß ein Unter- schied zwischen dem Lebensstandard des Herrenvolkes und dem der Unterworfenen sein. Die Polen müssen die Grenzen ihrer Entwick- lungsmöglichkeiten einsehen. Der Führer hat erneut auf meine aus- drückliche Frage entschieden, daß es bei der von uns getroffenen Be- schränkung zu bleiben hat. Kein Pole soll über den Rang eines Werk- meisters hinauskommen, kein Pole wird die Möglichkeit erhalten können, an allgemeinen staatlichen Anstalten sich eine höhere Bildung anzueignen. Ich darf Sie bitten, diese klare Linie einzuhalten. 116 Im müsst verne die 1 umso dichte sroße IeS und nn Wir iger, je persön- u han- 'sstuat- Is ver- er mit desver- an Füh- arschos- Akten n Jur- Frank ng am indirekt eneral- nand, ennung it Polen andere r groß us IM- durdh- ich hie! chieden, Schutz ng vo) gt ndl wir den Untel- [em del ntwick- ne aus“ en Be ‚ Werk ‚halted zildund Die sanitären Folgen dieser„Linie“ wurden aller- dings auch für die Deutschen peinlich. Der Herr Gene- ralgouverneur beschreibt sie etwa ein Jahr später, bei einer Arbeitstagung am 23. September 1941: Im Zusammenhang mit der Entwicklung dieser Hungersituation müssen wir auch noch feststellen, daß das Fleckfieber im Generalgou- vernement gegenüber dem vorigen Jahr um ungefähr das 50fache, die Tuberkulose um das 35fache gestiegen ist. Diese Zahlen sind umso ernstlicher, weil man im kommenden Winter angesichts der dichten Belegung des Generalgouvernements mit deutschen Truppen große Besorgnisse hegen muß... Die Folgen der organisierten Unterernährung wer- den beobachtet. Goebbels notiert darüber in seinem Tagebuch: 6. März 1942: ...Ein SD-Bericht orientiert mich über die Lage im besetzten Ruß- land. Sie ist doch prekärer, als man allgemein annimmt. Die Partisa- nengefahr erhöht sich von Woche zu Woche. Die Partisanen beherr- schen ganze Gebiete im besetzten Rußland und üben dort ihren Terror aus. Auch sind die nationalen Bewegungen aufsässiger geworden, als man zuerst angenommen hatte. Das gilt sowohl für die baltischen Staaten als auch für die Ukraine. Die Juden betätigen sich überall als Hetzer und Aufputscher. Es ist deshalb erklärlich, daß sie in großem Umfange dafür mit dem Leben bezahlen müssen. Überhaupt vertrete ich die Meinung, daß, je mehr Juden während dieses Krieges liqui- diert werden, desto konsolidierter die Lage in Europa nach dem Kriege sein wird. Man darf hier keine falsche Sentimentalität ob- walten lassen. Die Juden sind das europäische Unglück; sie müssen auf irgend eine Weise beseitigt werden, da wir sonst Gefahr laufen, von ihnen beseitigt zu werden. Die Lebensmittellage in den besetzten Ostgebieten ist außerordent- lich prekär. Es sterben dort tausende und zehntausende Menschen an Hunger, ohne daß ein Hahn danach kräht. Wir werden in diesem Ge- biet wohl noch einige Jahre vor außerordentlichen Schwierigkeiten und Problemen stehen. Bis das Gebiet einmal in die europäische Wirt- schaft eingegliedert sein wird und seine reichen Erträgnisse unserem Erdteil zugutekommen, wird wahrscheinlich noch sehr viel Wasser den Rhein herunterfließen... Die Slawen müssen gebeugt oder gebrochen wer- den. Den Tschechen gegenüber wirkt Heydrich in die- sem Sinn. Darüber schreibt Goebbels: 15. 2. 1942: Die Slawen, das betont er(Heydrich), können nicht erzogen wer- den, so wie man ein germanisches Volk erzieht, man muß die brechen 117 oder ständig beugen. Er verfolgt augenblicklich den zweiten Weg, und zwar mit Erfolg. Unsere Aufgabe im Protektorat liegt ganz klar. Neurath hat sie vollkommen verkannt, und daraus ist überhaupt erst die Krise in Prag erstanden. Protektorat wurde jener Rest der Tschechoslowakei genannt, in dem Heydrich, als Nachfolger Neuraths, nationalsozialistischer Statthalter war. Wenn Slawen Hungers sterben, möge man sich des- wegen nicht stören lassen. Frank ermahnt seine Unter- gebenen in einer Regierungssitzung in Krakau am 24. August 1942 in diesem Sinn: ...Bei allen Schwierigkeiten, die Sie hier irgendwo in Gestalt von Krankheiten Ihrer Arbeiter, beim Zusammenbrechen Ihrer Genossen- schaften usw. feststellen, müssen Sie immer daran denken, daß es noch viel besser ist, wenn ein Pole zusammenbricht, als daß der Deutsche unterliegt. Daß wir 1,2 Millionen Juden zum Hungertod verurteilen, sei nur am Rande festgestellt. Es ist selbstverständlich, daß ein Nicht- verhungern der Juden hoffentlich eine Beschleunigung der antijüdi- schen Maßnahmen zur Folge haben wird. Freilich könne man sich auch hie und da einen ge- wissen Luxus leisten. Im Königssaal der Krakauer Burg führt Frank am 18. März 1942 vor Amtsleitern der NSDAP aus: ...Der Führer weiß, daß erst nach dem Kriege die Möglichkeiten bestehen werden, die Siedlungsfrage in ganz großem Umfange zu klären... ...Im übrigen geht der Kampf um die Durchsetzung unserer Ziele eiskalt weiter. Sie sehen, wie die staatlichen Organe arbeiten, Sie sehen, daß man vor nichts zurückschreckt und ganze Dutzende von Elementen an die Wand stellt. Das ist schon deshalb notwendig, weil hier eine einfache Überlegung sagt, daß es nicht unsere Aufgabe sein kann, in einem Zeitpunkt, in dem das beste deutsche Blut geopfert wird, fremdvölkisches Blut zu schonen. Denn daraus könnte eine der größten Gefahren entstehen. Man hört ja heute schon in Deutschland, daß Kriegsgefangene etwa bei uns in Bayern oder in Thüringen voll- kommen selbständig große Güter verwalten, während sämtliche kampffähigen Männer aus einem Dorf an der Front stehen. Wenn sich dieser Prozeß fortsetzen sollte, dann würde allmählich eine Unter- wanderung des Deutschtums eintreten. Man soll diese Gefahr nicht geringschätzen. Deshalb muß alles, was sich noch an polnischer Füh- rungskraft zeigt, immer wieder mit rücksichtsloser Energie vernichtet werden. Das braucht man nicht an die große Glocke zu hängen, das geschieht stillschweigend... Und wenn wir uns den Luxus gestatten, eine Art 118 eg y und z klar, Ipt erst Owakei uraths, ch des- Unter- au am alt von nossen- es noch Jeutsche ırteilen, ı Nicht- ntijüdi- ven ge- er Burg rm der ‚heiten ınge ZU er Ziele ten, Sit 1de vol ig, wel be seit geopfert sine det schland, en voll- imtliche , Wen » Untel- hr nic er Füh- rnichte! oschieht ine AN # Philharmonie den Polen zu gewähren, die wir den ausländischen Jour- nalisten zeigen, so bedeutet das garnichts. Die Leute machen Musik in unserem Sinne und wenn wir sie nicht mehr brauchen können, lösen wir dieses Institut auf. Im übrigen muß man das alles mit Vernunft und Ruhe betrachten. Wir unterhalten Landschulen und technische Fachschulen, wir lassen Medizinalpraktikanten ausbilden, die aber keinen akademischen Rang oder Titel erhalten können. Wir müssen aber dafür sorgen, daß eine Millionenbevölkerung hier arbeiten, sich beschäftigen und dabei gesund bleiben kann. Das geschieht nicht im Interesse der Polen, sondern der Deutschen in diesem Raum und des deutschen Volkes, was man im Reich meistens nicht erkennt. Goebbels macht sich hingegen andere Sorgen: 19. 4. 1942: Sehr starke Diskussionen werden in den einschlägigen Kreisen ver- anstaltet über die Frage, was mit den jüdischen Mischlingen zu ge- schehen habe. Zweifellos bilden sie ein ernstes Hindernis für die radi- kale Lösung der Judenfrage. Einerseits wird der Standpunkt ver- treten, man solle sie sterilisieren, andererseits der Standpunkt, sie sollten ausgewiesen werden. Die Standpunkte sind noch nicht so weit geklärt, daß man sich selbst dazu entscheiden könnte. Nach dem Kriegswinter 1942/43 und der Nieder- lage bei Stalingrad klingt ein neuer Ton in den Reden der führenden Nationalsozialisten an. Frank erklärt in einer Arbeitssitzung, die sich am 25. Januar 1943 im Schloß Belvedere in Warschau mit Sicherheitsfragen befaßt: ...Die große Aufgabe, die uns gestellt ist, wird immer schwieriger. Uns wird niemand helfen, sondern wir sind voll und ganz nur auf uns gestellt. Der Führer kann uns nur helfen als einer Art Ver- waltungsinsel oder Verwaltungsigel. Wir müssen um uns schlagen. Bei aller Kritik an den Methoden, die wir gehört haben— Sie kennen meine grundsätzliche Auffassung, ich brauche sie in diesem Kreise nicht zu sagen—, möchte ich eins betonen: zimperlich dürfen wir nicht sein, wenn wir die Zahl von 17 000 Erschossenen hören. Diese Erschossenen sind eben auch Kriegsopfer. Wenn wir diese Zahl in ein Verhältnis setzen zu dem, was das deutsche Volk ununterbrochen jeden Tag und jede Stunde an unersetzlichsten Blutopfern bringt, so fällt sie überhaupt nicht ins Gewicht. Wir sind jetzt verpflichtet, zu- sammen zu halten. Jeder muß dem anderen Verständnis entgegen- bringen, er muß überzeugt sein, daß er sein Bestes tut. Voraussetzung ist immer, daß wir keine persönliche Lockerung eintreten lassen. Wir wollen uns daran erinnern, daß wir alle miteinander, die wir hier versammelt sind, in der Kriegsverbrecherliste des Herrn Roosevelt figurieren. Ich habe die Ehre, Nummer 1 zu sein. Wir sind also sozu- 119 sagen Komplicen im welthistorischen Sinne geworden. Gerade des- halb müssen wir uns zusammenfinden, wir müssen zusammen fühlen, und es wäre lächerlich, wenn wir irgendwelche Streitigkeiten über Methoden austragen wollten. Goebbels berät sich mit Göring: 2. März 1943: ... Göring ist sich vollkommen im klaren darüber, was uns allen drohen würde, wenn wir in diesem Krieg schwach würden. Er macht sich darüber gar keine Illusionen. Vor allem in der Judenfrage sind wird ja so festgelegt, daß es für uns kein Entrinnen mehr gibt. Und das ist auch gut so. Eine Bewegung und ein Volk, die die Brücken hinter sich abgebrochen haben, kämpfen erfahrungsgemäß viel vor- behaltsloser als die, die noch eine Rückzugsmöglichkeit besitzen. Hitler selbst hat sich in den Erklärungen, die für die Nachwelt aufgezeichnet wurden, mehr als seine Ge- treuen zurückgehalten. Trotzdem sind die Zukunfts- bilder, die er bei seinen Tischgesprächen im Führer- hauptquartier vor seinen Generalen entworfen hat, deutlich genug: Im stenografischen Protokoll ist unter dem Datum 8. bis 10. November 1941 darüber folgen- des nachzulesen: 8. bis 10. XI. 1941 nachmittags: Bei unserer Besiedlung des russischen Raumes soll der„Reichs- bauer“ in hervorragend schönen Siedlungen hausen. Die deutschen Stellen und Behörden sollen wunderbare Gebäulichkeiten haben, die Gouverneure Paläste. Um die Dienststellen herum baut sich an, was der Aufrechterhaltung des Lebens dient. Und um die Stadt wird auf 30 bis 40 km ein Ring gelegt von schönen Dörfern, durch die besten Straßen verbunden. Was dann kommt, ist die andere Welt, in der wir die Russen leben lassen wollen, wie sie es wünschen. Nur, daß wir sie beherrschen. Im Falle einer Revolution brauchen wir dann nur ein paar Bomben zu werfen auf die betreffenden Städte, und die Sache ist erledigt. Einmal im Jahr wird dann ein Trupp Kirgisen durch die Reichshauptstadt geführt, um ihre Vorstellung mit der Gewalt und Größe unserer steinernen Denkmale zu erfüllen. Was für England Indien war, wird für uns der Ostraum sein. Wenn ich dem deutschen Volk nur eingeben könnte, was dieser Raum für die Zukunft bedeutet! Kolonien sind ein fraglicher Besitz. Diese Erde ist uns sicher. Europa ist kein geographischer, sondern ein blutsmäßig bedingter Begriff. Man versteht jetzt, wie die Chinesen dazu gekommen sind, sich zum Schutz gegen die ewigen Einfälle der Mongolen mit einer Mauer zu umgeben. Und man ist versucht, sich einen Riesenwall zu wünschen, der den neuen Osten gegen die mittelasiatischen Massen schirmt. Aller 120 ade des. 2 fühlen ten über ins allen Er macht age sind 'ibt. Und Brücken viel vor 1. > für die ine Gt- ukunfts- Führer- fen hat, ist unter - folgen- „Reichs- Jeutschel aben, di , an, W& wird au je besi 1 der m ß wir st nur el tie Sadı durch d* walt u! in, Weil m für dt y, Burop zit. sich zu Mauel 2 ‚ünseh® mt, AR Geschichte zum Trotz, die lehrt, daß im beschirmten Raum eine Er- schlaffung der Kräfte eintritt. Am Ende aber ist die beste Mauer doch immer noch ein lebender Wall. Wenn ein Land zu Evakuierungen ein Recht hat, so sind wir es, weil wir unsere eigenen Menschen wiederholt evakuiert haben: Aus Ostpreußen allein sind 800.000 Menschen ausgesiedelt worden. Wie empfindsam wir Deutschen sind, läßt sich daran erkennen, daß es uns ein Äußerstes an Brutalität zu sein schien, aus unserem Land 600.000 Juden zu evakuieren, während die Evakuierung unserer eigenen Men- schen widerspruchslos als etwas hingenommen wurde, das sein muß. Wir dürfen von Europa keinen Germanen mehr nach Amerika gehen lassen. Die Norweger, Schweden, Dänen, Niederländer müssen wir alle in die Ostgebiete hineinleiten. Das werden Glieder des Reichs. Wir stehen vor der großen Zukunftsaufgabe, planmäßig Rassenpoli- tik zu treiben. Wir müssen das schon deshalb tun, um der Inzucht zu begegnen, die bei uns Platz greift. Die Schweizer werden wir aller- dings nur als Gastwirte verwenden können. Sümpfe wollen wir nicht bewältigen. Wir nehmen nur die bessere Erde und zunächst nur die allerbesten Gründe. Im Sumpfgebiet kön- nen wir einen riesigen Truppenübungsplatz anlegen von 350 auf 400 km, mit Strömen drin und allem Hindernis, das die Natur der Truppe bieten kann. Wenn es noch bewiesen werden müßte, daß die ab- sichtsvoll und planmäßig herbeigeführte Verschlechte- rung der Lebensbedingungen im Osten auf Weisun- gen Hitlers zurückgeht, so ist ein solcher Beweis mit den protokollierten Ausführungen Hitlers in seinem Hauptquartier am 19. Februar 1942 wohl erbracht: Wie kommen kaum in eine Kolonie und haben schon Kindergärten angelegt und Krankenhäuser für die Eingeborenen. Da kann ich die Wut kriegen! Jede weiße Frau wird zum Dienstmädchen degradiert für Schwarze. Die Folge der ganzen Bemutterung ist die Ablehnung der Deutschen. Das ist das Schlimmste! Nach der Auffassung der Ein- geborenen ist das eine Drangsalierung. Verstehen tun sie das nicht. Wir werden zum Dank dafür als Pedanten angeschaut, die am Polizei- knüppel Freude haben. Die Russen werden nicht alt. 50 bis 60 Jahre. Warum sollen wir sie impfen? Man muß da wirklich unseren Juristen und Ärzten Ge- walt antun: nicht impfen, nicht waschen! Ihren Schnaps sollen sie haben und Tabak, soviel sie wollen. Selbst bei uns hat es Impfgegner gegeben. Und im übrigen: Dreckig werden die Schwarzen erst, wenn ihnen die Missionare Kleider anziehen. In ihrer Naturkluft sind sie ganz sauber... Wenn nicht die Gefahr bestanden hätte, daß der Bolschewismus auf Europa übergreift, hätte ich der Revolution in Spanien keinen Einhalt 121 getan: Die Pfaffen wären ausgerottet worden. Würden sie bei uns zur Herrschaft kommen, so verfiele Europa wieder in finsterstes Mittel- alter. Als am 22. Juli desselben Jahres Bormann von einer Fahrt durch die Ukraine zurückgekehrt war und im Führerhauptquartier seine Eindrücke schilderte, geht Hitler noch weiter. Zunächst faßt Bormann seine An- sichten zusammen: ... Wir könnten aber nur ein Interesse daran haben, daß diese Ukrainer sich nicht so stark vermehrten, denn eines Tages wollten wir ja doch dieses gesamte Land deutsch besiedelt haben. Hitler meinte dazu, in irgendeiner Abhandlung habe er kürzlich den Vorschlag gefunden, den Vertrieb und den Gebrauch von Abtreibungs- mitteln in den besetzten Ostgebieten zu verbieten. Wenn tatsächlich irgendein Idiot versuchen sollte, ein derartiges Verbot in den besetz- ten Ostgebieten in die Praxis umzusetzen, würde er ihn persönlich zusammenschießen. Man müsse einen schwungvollen Handel mit Ver- hütungsmitteln in den Ostgebieten nicht nur zulassen, sondern geradezu fördern, da man an einer übermäßigen Vermehrung der nichtdeutschen Bevölkerung nicht das geringste Interesse haben könne. Aber man müsse ja wohl erst den Juden zu Hilfe holen, um der- artige Dinge forciert in Gang zu bringen. ».. Wenn man daher für die nichtdeutsche Bevölkerung in den be- setzten Ostgebieten eine Gesundheitsfürsorge nach deutschem Muster einrichten würde, wäre das heller Wahnsinn. Das Impfen und was es sonst an vorbeugenden Gesundheitsmaßnahmen gebe, komme für die nichtdeutsche Bevölkerung keinesfalls in Betracht. Man solle deshalb ruhig den Aberglauben unter ihnen verbreiten lassen, daß das Imp- fen usw. eine ganz gefährliche Sache sei. ...Man müsse ihnen zwar Schulen geben, für die sie bezahlen müßten, wenn sie hineingingen. Man dürfe sie in ihnen aber nicht mehr lernen lassen als höchstens die Bedeutung der Verkehrszeichen. Inhalt des Geographieunterrichts dürfe im großen und ganzen nur sein, daß die Hauptstadt des Reiches Berlin heiße und jeder in seinem Leben einmal in Berlin gewesen sein müsse. Darüber hinaus ge- nüge es vollkommen, wenn die nichtdeutsche Bevölkerung etwas Deutsch lesen und schreiben lerne. Unterricht im Rechnen und der- gleichen sei überflüßig. ...Wenn er dafür sei, die einheimische Bevölkerung in den Schulen Deutsch lernen zu lassen, so lediglich deshalb, um die sprachlichen Voraussetzungen für die deutsche Führung zu schaffen. Denn sonst würde sich jeder Einheimische einer deutschen Weisung mit der An- gabe, daß er„nicht verstanden“ habe, entziehen. (Ministerialrat Heim, der zuerst die Tischgespräche mitschrieb, be- diente sich der direkten Rede. Oberregierungsrat Dr. Picker zeichnete die Gespräche in der dritten Person auf.) 122 &N Re dung Partei Die Der u ser bi Notw selbst wird sträu) men, fürlie Dem das J de] ler Uns zur Mittel. N einer und im e, geht ne An- B diese Iten wir lich den ibungs- ‚sächlich besetz- rsönlich nit Ver- sondern ıng der 1 könne, ım der- den be- Muster | was&s für die deshalb as Imp- yezahlen er nich! szeicheil zen DU , seinen aus ge g, etwa ind der“ Schul ‚chlichen an sonst der At eb, D*° ejchnelt Auch später, als die Kette der Siege schon durch emp- findliche Niederlagen unterbrochen worden war, be- schäftigte sich Hitler mit Zukunftsplänen. Goebbels notiert darüber in seinem Tagebuch: 8. Mai 1943: ...Am Nachmittag findet dann die Reichs- und Gauleiterbespre- chung beim Führer statt. Der Führer zeichnet die um ihn versammelte Parteiführerschaft durch eine ausführliche Darlegung der Lage aus... Die Judenfrage wird am allerschlechtesten von den Ungarn gelöst. Der ungarische Staat ist ganz jüdisch durchsetzt, und es ist dem Füh- rer bei seiner Unterredung mit Horthy nicht gelungen, ihn von der Notwendigkeit härterer Maßnahmen zu überzeugen. Horthy ist ja selbst mit seiner Familie außerordentlich stark jüdisch verfilzt und wird sich auch in Zukunft mit Händen und Füßen dagegen sträuben, das Judenproblem wirklich tatkräftig in Angriff zu neh- men. Er führt hier durchaus humanitäre Gegenargumente vor, die na- türlich in diesem Zusammenhang überhaupt keine Bedeutung besitzen. Dem Judentum gegenüber kann nicht von Humanität die Rede sein, das Judentum muß zu Boden geworfen werden. Der Führer hat sich alle Mühe gegeben, Horthy von seinem Standpunkt zu überzeugen, allerdings ist ihm das nur zum geringsten Teil gelungen. Aus alledem aber hat der Führer die Konsequenz gezogen, daß das Kleinstaatengerümpel, das heute noch in Europa vorhanden ist, so schnell wie möglich liquidiert werden muß. Es muß das Ziel unseres Kampfes bleiben, ein einheitliches Europa zu schaffen. Europa kann aber eine klare Organisation nur durch die Deutschen erfahren... Der Führer verteidigt in diesem Zusammenhang die Politik Karls des Großen. Auch seine Methoden sind richtig gewesen. Es ist gänz- lich falsch, ihn als Sachsenschlächter anzugreifen. Wer gibt dem Füh- rer die Garantie, daß er später nicht etwa einmal als Schweizer- schlächter angeprangert wird! Auch Österreich mußte ja zum Reich gebracht werden. Wir können glücklich sein, daß es auf eine so fried- liche und enthusiastische Weise geschah; aber hätte Schuschnigg Wi- derstand geleistet, so hätte dieser Widerstand natürlich niederge- schlagen werden müssen. Karl der Große hat eine richtige Politik da- durch betrieben, daß er die Ostmark so weit nach außen vorschob. Das, was damals in geringem Umfang stattfand, muß heute in unge- heuren Dimensionen wiederholt werden... Der Führer gibt seiner unumstößlichen Gewißheit Ausdruck, daß das Reich einmal ganz Europa beherrschen wird. Wir werden dafür noch sehr viele Kämpfe zu bestehen haben, aber sie werden zweifel- los zu den herrlichsten Erfolgen führen. Von da ab ist praktisch der Weg zu einer Weltherrschaft vorgezeichnet. Wer Europa besitzt, der wird damit die Führung der Welt an sich reißen. In diesem Zusammenhang können wir natürlich Fragen von Recht und Unrecht überhaupt nicht zur Diskussion akzeptieren. Der Verlust 123 dieses Krieges würde für das deutsche Volk das größte Unrecht dar- stellen, der Sieg gibt uns das größte Recht. Überhaupt wird der Sieger auch die alleinige Möglichkeit besitzen, die moralische Berechtigung seines Kampfes vor der Weltöffentlichkeit nachzuweisen... Die Gedanken des Führers werden von seinen Ge- folgsleuten getreulich wiedergegeben. Frank erteilt am 14. Januar 1944 folgende Weisung: ...Wenn wir den Krieg einmal gewonnen haben, dann kann meinet- wegen aus den Polen und aus den Ukrainern und dem, was sich hier herumtreibt, Hackfleisch gemacht werden, es kann gemacht werden, was will. Aber in diesem Augenblick kommt es nur darauf an, ob es gelingt, fast 15 Millionen eines gegen uns sich organisierenden feind- lichen Volkstums in Ruhe, Ordnung, Arbeit und Disziplin zu halten. Wenn es nicht gelingt, dann kann ich vielleicht triumphierend sagen: Ich habe 2 Millionen Polacken umgebracht. Ob dann aber die Züge an die Ostfront fahren, ob die Monopolbetriebe arbeiten, die jeden Monat 500 000 Liter Wodka und so und so viele Millionen Zigaretten liefern, ob die Ernährung und Landwirtschaft gesichert wird, von der wir allein 450 000 to Getreide ans Reich geliefert haben, das steht auf einem anderen Blatt. Auch noch am 9. Juni 1944, als sich die Niederlage der nationalsozialistischen Armeen an allen Fronten schon eindeutig abzeichnet, sagt der Generalgouver- neur in einer NS-Schulungsburg: ...Das endgültige Schicksal dieses Raumes wird nach dem Kriege bestimmt werden. Heute müssen wir darauf sehen, daß die Bevölke- rung in Ruhe und Frieden bleibt und lebt... Mit anderen Worten: Es kommt mir jetzt nicht auf die Durchsetzung irgendwelcher end- gültiger Ziele in diesem Raume an, sondern nur auf die Durchsetzung des uns unter den Kriegsgesichtspunkten obliegenden Pflichtmäßigen. Ich handle demnach in diesem Sinne nicht als Nationalsozialist, son- dern als Verwaltungschef oder Politiker. Um so wichtiger seid Ihr, um so wichtiger ist es, daß dieser Gesichtspunkt wenigstens unter uns und in den Reihen der Deutschen klar aufrechterhalten bleibt, daß das endgültige Schicksal dieses Landes ist, genau so deutsches Sied- lungsland zu werden, wie es das Rheinland ist. Die Weichsel muß ein- mal genau so durch deutsches Land fließen wie der Rhein(Lebhaf- ter Beifall). * Der Nationalsozialismus wird durch seine Taten charakteri- siert. Erst wenn man die Zukunftspläne kennt, die Hitler und seine Getreuen entworfen haben, kann man voll ermessen, was der Menschheit durch deren Niederlage erspart blieb. 124 „Ang und al klaren direkt istees lich ei geschi ungeh men,( gänzel dampi Hunge größte Dis jet Wir ein) komm Adc Caesa einem Adolf ännı - legen igung , Ge- It am einet- 1 hier orden, ob& feind- alten, sagen: Züge jeden retten n der steht rlage onten uver- riege sölke- orten: end- tzung Bigen. ‚son: ı, un r ws , dad Sjed- ß ei- bhal- we Die Moral der Zeitgeschichte „Angesichts der entsetzlichen Offenlegungen des Wirkens von Hitler und alles dessen, was in seinem Namen, auf seinen Befehl, mit seinem klaren Einverständnis, unter seiner Duldung, auf seine Initiative direkter oder indirekter Art von seinen Untergebenen getätigt wurde, ist es eine sehr einfache Schlußformel, die sich aufzwingt: daß er näm- lich einer der schlimmsten, grauenvollsten Übeltäter der Menschen- geschichte war. Das Ergebnis seines Wirkens ist ein so katastrophal ungeheuerliches an Tötungen, Verelendungen, Zerstörungen aller For- men, daß es fast unmöglich erscheint, auch nur zu versuchen, ein er- gänzendes Gegenstück zu ihm in der Weltgeschichte zu finden. Es dampft um seinen Namen von Millionen Leichen, von Ruinen, von Hunger, Untergang, von Verwesung und Grausamkeit. Er war der größte dynamische menschliche Zerstörungsfaktor, den die Menschheit bis jetzt zu erdulden hatte$.“ Der Mann, der diese Charakteristik von Hitler gibt, sagte drei Jahre vorher: Wir werden siegen, weil wir einen Adolf Hitler haben!.... Er ist ein Mann, der in der Geschichte alle zehntausend Jahre einmal kommt... Adolf Hitler ist eine einmalige Gestalt. Er ist kein Cajus Julius Caesar, kein Napoleon Bonaparte, und es ist falsch, ihn überhaupt mit einem historischen Vorbild vergleichen zu wollen. Adolf Hitler ist Adolf Hitler. Er ist einmalig, er hat keine Ahnen unter den Staats- männern der Welt. Beide Aussprüche stammen von Dr. Hans Frank. Die Anhimmelung Hitlers ist einer Rede entnommen, die er am 31. Januar 1943 in Warschau hielt. Das vernich- tende Urteil steht in seinen Aufzeichnungen, die er im Nürnberger Gefängnis vor seiner Hinrichtung am 16. Oktober 1946 gemacht hat. Heuchelte Frank im Kerker seiner Feinde, um Gnade zu erwirken? Sprach er als Statthalter Hitlers in Polen 125 Fra wider sein besseres Wissen? Hat die Zerschlagung der Macht seiner Partei eine derart starke Wandlung bei net U ihm hervorgerufen? Das V In seinen Aufzeichnungen während der Haft berichtet klein Frank auch, daß ihn der Justizminister Hitlers, Doktor nauig Gürtner, der bald darauf starb, im Dezember 1940 in ‚der A Krakau besucht und in einem vertraulichen Gespräch aller etwa folgendes geäußert habe: nicht gang „Hitler liebt Grausamkeit. Er freut sich, glaube ich, ja weiß ich, wenn antwı er andere quälen kann. Er hat einen teuflischen Sadismus. Sonst Iager könnte er Himmler und Heydrich einfach nicht ertragen. Wie soll der der F uns Juristen anerkennen! Aber bleiben wir auf dem Schiff! Wenn wir stalte doch nicht alles verhindern können— manchem können wir doch aufge helfen, der sonst, wenn wir gar nicht dabei wären, überhaupt verloren wäre$,.‘ zen Derselbe Frank, der das ohne Protest, ja angeblich ar sogar mit stillschweigender Zustimmung mitanhört, antwortet am 6. Februar 1940 in einem Interview des u „Völkischen Beobachters“ auf die Frage, welcher Unter- u schied zwischen dem Protektorat und dem General- Groß gouvernement bestehe: Di jener Einen plastischen Unterschied kann ich Ihnen sagen. In Prag waren Honsl z. B. große rote Plakate angeschlagen, auf denen zu lesen war, daß Kren heute 7 Tschechen erschossen worden sind. Da sagte ich mir: Wenn ich lunge für je sieben erschossene Polen ein Plakat aushängen lassen wollte, Sogar dann würden die Wälder Polens nicht ausreichen, das Papier herzu- in.de stellen für solche Plakate.— Ja, wir mußten hart zugreifen. ihn q den, Ist das die Sprache eines Menschen, der nur des- Publ: wegen mit den Wölfen heult, damit er wenigstens hie ei und da die Zustände etwas mildern kann? SER eleic Es fällt auf, daß viele Menschen, die in den Jahren der national- sozialistischen Herrschaft an Verbrechen mitgewirkt haben, jedes De Schuldgefühl verdrängen konnten. Die allermeisten sind weder vor- laute her noch nachher jemals mit dem Gesetz in Konflikt gekommen. ihrer In den braunen Jahren haben sie nur das getan, was die Autorität Vorgı ihnen befohlen, was die Führung von ihnen erwartet hat. Kein den ı Staatsanwalt hätte es damals gewagt, sie deswegen zu belangen. nfe, Im Gegenteil, sie konnten mit Orden und Karriere rechnen. Schw Wer kann persönliche Schuld auf sich laden, wenn er lediglich ge- Wie mäß den Intentionen und dem Willen des Obersten Befehlshabers Ihe, der Wehrmacht, des Reichskanzlers, des Führers, handelt? dom, 126 9 der g bei ichtet oktor 40 in präch wenn Sonst ll der In wir doch rloren eblich nhört, w des Inter- neral- waren r, dal nn ich wollte, nerzu« des ns hit jonal- jedes Vol“ nmel. orität Kai ngel hnel. he abels Frank erinnert sich nicht mehr, was er in Polen alles angeord- net und verkündet hat. Oder will er es nur vergessen machen? Das wäre ein untaugliches Beginnen, denn sein Tagebuch— eine kleine Bibliothek von 38 Bänden— erzählt mit pedantischer Ge- nauigkeit von jedem Schritt und jedem Wort. Alfred Rosenberg, der Minister für die besetzten Ostgebiete, der die Verschickung aller Juden Zentraleuropas nach dem Osten angeregt hat, will nicht geahnt haben, was in den Vernichtungslagern vor sich ge- gangen ist?. Der SS-General Oswald Pohl, der als führender Ver- antwortlicher in der zentralen Verwaltung aller Konzentrations- lager deren Kommandanten befohlen hatte, den Arbeitseinsatz der Häftlinge„im wahrsten Sinn des Wortes erschöpfend‘“ zu ge- stalten, schrieb im Nürnberger Gefängnis, er hätte nie jemanden aufgefordert oder ermuntert, andere totzuschlagen, und er sei Un- menschlichkeiten entgegengetreten, wenn er von solchen Kennt- nis erhalten hätte!®. Oft leugnen Verbrecher, um ihrer Strafe zu entgehen. In den eben erwähnten Fällen entsteht aber der Eindruck, daß es sich um etwas anderes handelt: Es fehlt das Schuldbewußtsein: bei den Großen wie bei den Kleinen. Die Familie Mennecke sah sich nicht veranlaßt, das dicke Paket jener Briefe, die von der Tätigkeit des Doktors in den Konzentra- tionslagern berichten, zu vernichten. Bräutigam, Landau und Kremer bewahrten ihre Tagebücher auf, in denen sie ihre Hand- lungen kaum beschönigt eingetragen haben. Ja, Kremer freute sich sogar, als er erfuhr, daß die Behörden, die ihn zu richten hatten, in den Besitz seines Tagebuches gekommen waren; er hoffte, daß ihn diese Aufzeichnungen von jedem Verdacht reinwaschen wür- den. Offensichtlich schien ihm seine, durch eine wissenschaftliche Publikation gehemmte Karriere Beweis genug dafür zu sein, daß er ein Opfer des Nationalsozialismus und kein Mittäter gewesen sei. Schrieb er nicht damals, daß das Dante’sche Inferno im Ver- gleich zu Auschwitz fast wie eine Komödie wirke? Der Spruch der Richter, das Urteil der Geschichte muß anders lauten. Hitler, Goebbels und Frank haben uns das Geständnis ihrer Schuld ebenso in die Hand gelegt, wie Mennecke, der stolz vorgerechnet hat, in welcher Rekordzeit er„Portionen“ von Ju- den und Ariern erledigt hat; wie Jacob, der sich brüstete, wie er unter den Juden aufgeräumt hat, wie Landau, der ohne alle Um- schweife erzählt hat, er habe einmal 20 Juden„umlegen“ lassen; wie Kremer, der keinen Hehl daraus gemacht hat, woher er das lebendfrische Material für seine geplanten Forschungsarbeiten ge- nommen hat. 127 Hier kann sich selbst der größte Skeptiker davon überzeugen, was jene gewollt und befohlen haben, die damals an der Spitze des Staates gestanden sind und wie sich diese Befehle ausgewirkt haben. Mennecke ist in der Haft gestorben, Landau sitzt hinter Kerker- mauern, Kremer verbringt seinen Lebensabend als begnadigter Verbrecher. Dennoch wäre es eine Selbsttäuschung, sich damit zu beruhigen, daß die Justiz ohnedies ihre Pflicht erfüllt habe und daß man daher diese böse alte Angelegenheit endlich ruhen lassen könne. Daß diejenigen, deren Gedanken und Taten wir eben ken- nenlernen konnten, ihre Richter gefunden haben, ist ja gerade eine Folge desselben Zufalls, dem wir den Blick auf ihr Denken und Tun verdanken. In keinem Indizienprozeß hätte man ihnen ihre Verbrechen so überzeugend nachweisen können, wie sie es mit ihren Tagebüchern und ihren Briefen selbst getan haben. Obwohl ihre schriftlichen Geständnisse auf dem Tisch des Ge- richtes lagen, haben sie versucht, Ausflüchte zu gebrauchen und ihre Handlungen abzuschwächen. So sagte Kremer seinen Richtern in Münster:„Ich war wie erschlagen, als ich allmählich merkte, was in Auschwitz vor sich geht. Ich nahm mir vor, alles zu er- fragen, was geschieht, und nichts gegen die Menschlichkeit zu tun. Das war die Idee meiner Tagebucheintragungen. Ich wollte mit ihnen eine Handhabe haben, um nachweisen zu können, was mir alles zugemutet wurde.“ Wie vertrug sich aber die Entnahme von lebendfrischem Mate- rial und das Heimschicken von Paketen mit Gegenständen aus dem Besitz der Ermordeten mit dieser Menschlichkeit des Herrn Pro- fessors? Kann man zwischen den Zeilen seiner Eintragungen eine ähnliche Tendenz, wie sie Kremer nachträglich betont, auch nur andeutungsweise herauslesen? Macht er wenigstens nach der Zer- schlagung des Nationalsozialismus— er führt ja sein Tagebuch bis zum 11. August 1945— eine Andeutung in diesem Sinn? Felix Landau war seinen Richtern gegenüber ehrlicher, als er bei der Verhandlung erklärte:„Ich war damals der vollsten Über- zeugung, richtig zu handeln, weil die allgemeinen Richtlinien so lauteten.“ Die Richtlinien lauteten tatsächlich in diesem Sinn. In einem Befehl des Führers und Obersten Befehlshabers der Deutschen Wehrmacht über die Ausübung der Gerichtsbarkeit in dem Ge- biet, das durch die Aktion„Barbarossa“— den Überfall auf die Sowjetunion— betroffen wird, steht folgender Satz: „Für Handlungen, die Angehörige der Wehrmacht und des Ge- folges gegen feindliche Zivilpersonen begehen, besteht kein 128 Verfe militi lers t La! zur E Zwei einm. lichst kenn! war, derer ineir die n heim Auto desw keine der& kann Speis erotii nicht send ten€ ande scher dere Es Scher und Meni Verg Schil ein e Nern beite liebe Sache Au Nati Nepa erkl; gen, form eiß Verfolgungszwang, auch dann nicht, wenn die Tat zugleich ein militärisches Verbrechen oder Vergehen ist.‘ Dieser Befehl Hit- lers trägt die Unterschrift des Generalfeldmarschalls Keitel!!. Landau schildert, welche Gefühle ihn beschlichen, als er Wehrlose zur Exekution zu führen hatte. Es sind keine Schuldgefühle oder Zweifel an der Rechtmäßigkeit seines Tuns. Kremer bezeichnete einmal eine Mordaktion, zu der er befohlen war, als das„Schreck- lichste der Schrecken“. Aber vergebens sucht man nach der Er- kenntnis, daß dieses Schrecklichste auch das Verbrecherischste war, was Menschen bisher ersonnen haben. Keiner von denen, deren geheime Gedanken wir belauschen konnten, hat auch nur in einem Nebensatz daran Anstoß genommen, daß alle diese Taten, die man von ihnen verlangte, außerhalb des Gesetzes und so ge- heim wie nur irgend möglich durchzuführen waren. Die oberste Autorität im Reich will das, sie deckt das, also brauchen wir uns deswegen nicht zu verantworten, also müssen wir uns darüber keine Gedanken machen: Das führt bei Mennecke dazu, daß er in der Zeit seiner„Arbeit“ im KZ so beneidenswert gut schlafen kann, bei Kremer dazu, daß er auch in Auschwitz dem täglichen Speisezettel eine so große Aufmerksamkeit widmet, und Landaus erotische Gefühle werden deshalb durch sein blutiges Handwerk nicht im geringsten beeinträchtigt. Und sollte es bei den Zehntau- senden, die damals ähnlich wie diese uns nun nur zu gut Bekann- ten eingesetzt waren, die aber keine Tagebücher geführt haben, anders sein? Hat ihr Gewissen sie behindert, nach dem mörderi- schen Zwischenspiel wieder ihren Platz in der Gesellschaft als bie- dere Zeitgenossen einzunehmen? Es war nicht das Gift des Antisemitismus allein, das diese Men- schen damals dazu gebracht hat, an Massenmorden mitzuwirken und gleichzeitig heiße Liebesbriefe zu schreiben, sich über das Menü zu freuen und zu hamstern, was nur zu bekommen war. Vergessen wir nicht, daß Gendarmeriemeister Fritz Jacob in der Schilderung seiner Aktionen aufzählt:„Einmal Zigeuner und ein andermal Juden, Partisanen und sonstiges Gesindel“. Erin- nern wir uns an die„Portionen Arier“, die Dr. Mennecke verar- beitet hat. So mörderisch der Antisemitismus auch ist, der damals liebevoll großgezogen wurde: Ihn allein kann man nicht als Ur- sache dafür ansehen, daß all das möglich wurde und geschehen ist. Auch der manchmal unternommene Versuch, die Führer des Nationalsozialismus zu dämonisieren und sie zu Übermenschen im negativen Sinn zu machen, um ihren unheilvollen Einfluß besser erklären zu können, ist zum Scheitern verurteilt. Die Erfahrun- gen, die man mit ihnen gemacht hat, als sie ihrer Macht und Uni- form entledigt waren, widerlegen jede derartige Deutung. Die 129 Haltung der meisten Naziführer war auf der Anklagebank recht erbärmlich. Der amerikanische Psychiater, der die Angeklagten im Nürnberger Gefängnis zu betreuen hatte, berichtet, daß Ernst Kaltenbrunner immer, wenn er von ihm besucht wurde, in seiner Zelle zusammenbrach und weinte.„Er hatte Angst und suchte Trost“— mit diesen Worten wird der Mann charakterisiert, der als allmächtiger Nachfolger Heydrichs Befehle gegeben hat, die Tausende schuldig werden ließen!?., Die Uniform und die vielgerühmte Treue, die Pflege des blin- den Gehorsams als besondere Tugend, die Heiligkeit des Fahnen- eides, aber auch die Verächtlichmachung menschlicher Gefühle, die dazu führte, daß man sich menschlicher Regungen schämte, die Ausschaltung von Diskussion und Kritik und die Unmoral des Herrenmenschen, der sich alles erlauben darf— all das zusam- men machte es möglich, daß Durchschnittsmenschen wie Mennecke oder Landau Massenmörder wurden. Das ermöglichte es erst, daß ihnen ihre Untaten gar nicht richtig zu Bewußtsein kamen. Er- schreckt muß man feststellen: Ein totalitäres System macht in wenigen Jahren das Unwahrscheinliche, Unglaubhafte, das Un- mögliche nicht nur möglich, sondern für viele selbstverständlich. Was wir schaudernd und widerstrebend gelesen haben, wurde vor gar nicht so langer Zeit von Menschen vollbracht, die Kant gelesen hatten— wie Professor Kremer—, die für Beethoven und Wagner schwärmten, die es liebten, über Probleme der Kunst und der Kultur anregend zu plaudern. Was für eine Zeit war das doch! Ist sie endgültig vorbei? Ist eine Wiederholung unmöglich? Parteien, die das Unmenschliche befehlen, müssen nicht dieselbe Farbe und das gleiche Symbol haben; die Opfer müssen auch nicht demselben Personenkreis an- gehören. Sind wir davor sicher, daß heute keine Gewalt die Un- menschlichkeit auslösen kann, die damals die Krematorien in Auschwitz Tag und Nacht in Betrieb hielt? Wenige Jahre vorher hätte jedermann etwas derartiges für völlig unmöglich gehalten. Viele hielten es noch für ausgeschlossen, als es bereits geschah. Was könnte uns heute die Berechtigung geben, uns sicherer zu fühlen als die Generation vor Auschwitz? Sind Kremer und Mennecke, Landau und Jacob außergewöhn- lich schlechte, unterdurchschnittlich schwache Charaktere? Oder haben sie so Unvorstellbares verbrochen, weil sie in einer außer- gewöhnlichen Situation nicht die Kraft hatten, menschlich zu blei- ben— weil ihnen niemand die Kraft vermittelte, wie Menschen zu fühlen und zu handeln und es auf sich zu nehmen, gegen den Strom zu schwimmen? Sind sie nicht Produkte ihrer Zeit, einer Zeit, der wir noch nicht entwachsen sind? 130 veral gung Notw diese die P nen der\ von( zwei Die Zeitgeschichte ist von brennendem Interesse. Wer will es verantworten, ihren Problemen auszuweichen, weil die Beschäfti- gung damit belastet und zugleich verpflichtet? Besteht nicht die Notwendigkeit, die junge Generation zum Studium der Geschichte dieser Epoche zu ermutigen? Es ist sicherlich nicht bedeutungslos, die Punischen Kriege, die Feldzüge Napoleons und die Revolutio- nen des Jahres 1848 kennenzulernen. Die historische Epoche in der wir leben, in welcher jene Pläne und Taten möglich wurden, von denen uns die Tagebücher und die Briefe berichtet haben, ist zweifellos für uns noch lehrreicher. 131 Br neck boreı Dies sich| Proz Kon; durt: resp tatio DrOZ Schei Zoge der] stitu chen (Bild befir In dieser Zusammenstellung wurde aus folgenden Tage- büchern und Briefen zitiert: Briefwechsel Dr. Fritz Men- neckes mit seiner Frau Eva, ge- borene Wehlau, und anderen. Diese Korrespondenz befindet sich in den Gerichtsakten des Prozesses gegen Mennecke und Konsorten(4 Kls 15/46, Frank- furt am Main). Ein Teil der Kor- respondenz wurde als Dokumen- tation für den Nürnberger Ärzte- prozeß(vor einem amerikani- schen Militärgericht) herange- zogen. Beglaubigte Abschriften der Briefe befinden sich im In- stitut für Zeitgeschichte in Mün- chen. Fotokopien der Fotografien (Bild und beschriftete Rückseite) befinden sich ebenfalls dort. Kurze Auszüge wurden in deutscher Sprache publiziert in „Wissenschaft ohne Menschlich- keit“ von Alexander Mitscher- lich und Fred Mielke(Verlag Lambert Schneider, Heidelberg 1949) und in„Die Kreuzelschrei- ber“ von Bert Honolka(Verlag Rütten und Loening, Hamburg 1961). Tagebuch Joseph Goebbels’. Die Tagebucheintragungen aus der Zeit vom 21. Januar 1942 bis Anhang 9. Dezember 1943 sind— aller- dings bruchstückhaft— erhalten geblieben. So fehlen zum Bei- spiel alle Eintragungen aus der Zeit vom 24. Mai bis zum 6. De- zember 1942. Eine Fotokopie des gesamten erhaltenen Tagebuches befindet sich im Institut für Zeitgeschichte in München. In deutscher Sprache wurde es auszugsweise von Louis P. Loch- ner publiziert(Atlantis Verlag, Zürich 1948). Tagebuch Otto Bräutigams. Das gesamte mit der Hand ge- schriebene Tagebuch reicht vom 11. Juni 1941 bis 8. Februar 1843. Eine Fotokopie befindet sich in der Wiener Library, London. Tagebuch Dr. Hans Franks. Das gesamte Tagebuch lag beim Nürnberger Kriegsverbrecher- Prozeß vor und wurde nachher den polnischen Behörden über- geben. Eine Fotokopie des Tage- buches befindet sich im Institut für Zeitgeschichte in München. Auszugsweise wurde das Tage- buch(Zitate in deutscher Sprache) in dem Buch„Dziennik Hansa Franka“(herausgegeben von Stanislaw Piotrowski, Wydaw- nictwo prawnicze, Warschau 1957) veröffentlicht. 133 Der Briefwechsel zwischen Gendarmeriemeister Fritz Jacob und Generalleutnant Querner befindet sich in den Akten der Nürnberger Prozesse. Eine Kopie ist im Archiv des Centre de Documentation Juive Con- temporaine, Paris. Dieser Brief- wechsel wurde mit geringen sprachlichen Korrekturen in dem Buch„Das Dritte Reich und seine Diener“ von Leon Poliakov und Josef Wulf(Arani-Verlag, Berlin 1956) veröffentlicht. Das Tagebuch Felix Landaus wurde in der Zeit vom 3. Juli bis 2. Oktober 1941 geführt und befindet sich bei den Ge- richtsakten des Verfahrens gegen Landau(14 KS 9/61 Stuttgart). Die beiden benützten amtlich beglaubigten Abschriften wur- den zu einer Zeit gemacht, als dieses Tagebuch noch bei der Polizeidirektion Wien, Abtei- lung I, deponiert war. Sie be- finden sich jetzt im jüdischen Dokumentationszentrum Wien und bei Hermann Langbein. Das Tagebuch Johann Paul Kremers lag bei den Prozes- sen in Krakau(24. November bis 22. Dezember 1947) und Münster(14. bis 29. November 1960, 6 d Js 473/58) vor und befindet sich bei den polnischen Behörden. Eine Fotokopie liegt im Institut für Zeitgeschichte in München. Der kurze Dialog zwischen Jodl und Hitler(Seite 110) ist den „Lagebesprechungen im Führer- hauptquartier“(herausgegeben von Helmut Heiber, Deutscher Taschenbuch-Verlag, München 1963) entnommen. Der Brief Himmlers an Kersten (Seite 111) befindet sich bei den Akten der Nürnberger Prozesse. Eine Fotokopie ist im Centre de Documentation Juive Con- temporaine, Paris. Die Zitate aus den Äußerungen Hitlers im Führerhauptquartier (Seite 122) sind dem Buch„Hitlers Tischgespräche im Führerhaupt- quartier 1941-42“ von Dr. Henry Picker,(Athenäum-Verlag, Bonn 1951) entnommen. s Allen Instituten, die in dieser Zusammenstellung erwähnt wurden und die bereitwillig die Unterlagen zur Verfügung ge- stellt haben, sei hiermit für diese Hilfe, ohne die dieses Büchlein nicht hätte herausgegeben werden können, herzlichst gedankt. hen ungen rtier Hitlers aupt- enry Bonn Für solche Zitate, die nicht aus den vorher angeführten Tagebüchern und Briefen stam- men und deren Quelle aus dem Text nicht eindeutig her- vorgeht: 1 o “ nn a oa - Aus„Im Angesicht des Gal- gens“ von Dr. Hans Frank, geschrieben im Nürnberger Ju- stizgefängnis, Beck-Verlag, München 1953(Anhang). Aus den Protokollen der Nürn- berger Prozesse. Aus den Akten des Prozesses gegen Mennecke und Konsorten. Aus den handschriftlichen Aufzeichnungen von Rudolf Höß(Januar 1947, Krakauer Gefängnis). Fotokopie im Be- sitz von Hermann Langbein. Das Zitat ist buchstabengetreu übertragen. Aus„Im Angesicht des Gal- gens“ von Dr. Hans Frank, ge- schrieben im Nürnberger Ju- stizgefängnis(Beck-Verlag, München 1953). Aus„Portrait eines Mensch- heitsverbrechers— nach den hinterlassenen Memoiren des ehemaligen Reichsministers Al- fred Rosenberg“, herausgegeben von Serge Lang und Ernst von Schenck(Verlag Zollikofer, St. Gallen 1947). Aus den handschriftlichen Aufzeichnungen von Rudolf Höß(November 1946, Krakau- er Gefängnis), Fotokopie im Be- sitz von Hermann Langbein. Quellenangabe © © Veröffentlicht in„Kommandant in Auschwitz“(Deutsche Ver- lags-Anstalt, Stuttgart 1958). Aus„Im Angesicht des Gal- gens‘“ von Dr. Hans Frank, ge- geschrieben im Nürnberger Ju- stizgefängnis(Beck-Verlag, München 1953). In seinem Buch„Letzte Auf- zeichnungen— Ideale und Idole der nationalsozialistischen Re- volution“(Plesse-Verlag, Göt- tingen 1955) schreibt Alfred Ro- senberg:„Die Umquartierung der Juden aus Städten in Lager und Sonderviertel nahm ich als staatsschützende Aufgabe, die harten Worte des Führers als Drohung. Eine wörtliche Aus- legung des Ausdrucks„Vernich- tung‘ oder„Ausrottung‘“ habe ich nicht für menschenmöglich gehalten.“ Aus„Credo— Mein Weg zu Gott“ von Oswald Pohl(Girnth- Verlag, München 1952). Erlaß des Führers und Ober- sten Befehlshabers der Wehr- macht über die Ausübung der Gerichtsbarkeit im Gebiet ‚„Bar- barossa“ und über besondere Maßnahmen der Truppe vom 13. 5. 1941, von Keitel gezeich- net.(Nürnberger Prozeßakten). ® Aus„22 Männer um Hitler— Erinnerungen des amerikani- schen Armeearztes und Psych- iaters am Nürnberger Gefäng- nis“ von Dr. Douglas M. Kelley (Delphi-Verlag, Bern 1947). 135 Hermann Langbein wurde 1912 in Wien geboren. Er wandte sich dem Schauspieler- beruf zu und wurde 1933 unter dem Eindruck der Machtergrei- fung Hitlers in Deutschland und der politischen Rechtsentwicklung in Österreich Mitglied der KP. 1935 bis 1937 vom autoritären Schuschnigg-Regime mehrmals inhaftiert. Geht nach der Anne- xion Österreichs im März 1938 nach Spanien und kämpft im Bürgerkrieg auf seiten der Re- publikaner. Nach Kriegsende in französischen Lagern interniert. Wird nach Hitlers Sieg über Frankreich der Gestapo ausge- liefert. Die folgenden Jahre ist er Konzentrationslagerhäftling, unter anderem in Dachau, in Neuengamme und in Auschwitz, wo er der Leitung der interna- tionalen Widerstandsorganisation angehörte. Nach dem Zweiten Weltkrieg ist er politisch und publizistisch tätig. Er wird Gene- ralsekretär des Internationalen Auschwitz-Komitees, das er bis 1961 leitet. Langbein hat nach dem Aufstand in Ungarn mit der KPÖ gebrochen und ist jetzt als freier Schriftsteller tätig. Wesentliche Publikationen: „Die Stärkeren“(Bericht über Auschwitz) und„Auschwitz, Zeugnisse und Berichte“(gemein- sam mit H. G. Adler und E. Lin- gens-Reiner),„Im Namen des deutschen Volkes“(Zwischen- bilanz der Prozesse wegen natio- nalsozialistischer Verbrechen). 136 Wir leben in einer geteilten Weit Die Probleme sind zahlreicher 7 undkomplizierter, die Diskus 4 sionen aber seltener und kürzer 7 geworden. Unddochistdas; Gespräch zwischen Vertreter verschiedener Anschauungez, zZ als ein Ringen um die Erhaltung| europäischen Geistes und huaazz nitärer Gesinnung, um Wahrheit undKlärung, notwendig.! Die Buchreihe»Europäische Perspektiven« willsolchen Gesprächen dienen. Sie stell&| Standpunkte zur Diskussionund, ist bemüht, Mauern einzureißems die zu errichten heute moderı gewordenist. Die Bücher dieser Reihe sind| nicht für den literarischen Durch schnittskonsumenten bestimmt,| der nur oberflächlich liest und voreilig Urteile fällt. Die »Europäischen Perspektiven®@ sind die Paperbacks für Anspruchsvolle UB Gießen 'Colour& Grey Control Chart Iue Cyan Green Yellow Red Magenta Grey 1 Grey 2 Grey 3 Grey 4 Black Selbstporträts Europa Verlag