e= me => en PLEITE EEE BREI GHEES SERIE SENT SEFREREHERFECHERRRR DAR SAUERNUKHESHHERDERLLENSERESSDEHNERKENEN ZIN2ABA u SE en me u SET a SER SE TR UB GIESSEN IM mn N 22 0083321 Seren TEILT Te ARLAERSELRERNEAEEAIREEIEERBESRSRIS BRENNEN PB NER ILERDEER EIER ERBRREETILHRNRESINNERIDL ORDENS LE ERBEN REICHERT INRHAEERANERBEIHEEN ee ee ERST Su=Z Se ur? EAULFEIISZE LIEB UELI BIN HT IT Te net DIE EHEN UNE UREOTEE "o IR E {ei [5] 8 =) ma e ° > | f9) „aD 3 © kr) & KT © A == a Er ne m E Nr RER ar re Sense Pe ai pi EEE on Be \ ... und sollst mein Prediger bleiben ANTEIERESEREBBRBITH RER TRERT DODEPPOPTPPTDUT Jeremia 15,194 Yuan ENTER EUUN VENTO DDPOOUUTERTHNEN Geb Der Prediger von Buchenwald Das Martyrium Paul Schneiders | Geboren am 29. August 1897, gestorben am 18. Juli 1939 Herausgegeben mit einem Geleitwort von Prof. D. Heinrich Vogel B —n —n | Evangelische Verlagsanstalt Berlin f | Heike Duil! I A: B 4 6000 Frankfurt/M. 90 Telefon 069/7893368 35 EIER ee === re en ee re T SE 2 m I = FEFFE a a near t H A { \ r H Lizenzausgabe für die Deutsche Demokratische Republik Vertrieb in Westdeutschland und Westberlin nicht gestattet Evangelische Verlagsanstalt GmbH. Berlin 1958: Zweite Auflage Mit Genehmigung des Lettner-Verlages, Berlin. Lizenz Nr. 420 205-117-58. III-15-6. hg KENT SIICHUEHESSSOPIPTUTODOTRTTITDEEEHUSNUNFRZOTETTEDEPPEOOUTTERIUHEENE VORWORTDES HERAUSGEBERS Wer dies Buch gelesen hat, wird mich begreifen, wenn ich als erstes gestehen muß, daß ich am liebsten kein Wort da- vor- oder dazusetzte, sondern die Aufgabe des Herausgebers wirklich nur darin sähe, an seinem geringen Teil dazu zu helfen, eine große Gabe weiterzugeben, damit der heimliche Segen überströme. Als ich jemand, der das Manuskript dieses Buches vor der Drucklegung lesen durfte, fragte, wie es ihm damit gegangen wäre, bekam ich die Antwort:„Alles, was ich vorher für Glauben hielt, war Geschwätz, bestenfalls befand ich mich im Vorhof...“ Ich kann mir nicht denken, daß einer diese Blätter läse, ohne sich im letzten gefordert und in Frage ge- stellt zu finden. Ich kann mir aber auch erst recht nicht denken, daß es je- mand zu Ende läse, ohne überwältigt zu werden von dem leuchtenden Geheimnis eines Sieges, der mitten in der Nie- derlage triumphiert. Ja, es ist ein Buch, in dem auch Grauenvolles berichtet wird, Dinge, die so sind, daß es einen im Halse würgt.... Aber es ist darin alles so ganz anders als in jener Literatur un- serer Tage, die vom Grauen der Nackten und Toten, aber nicht von der Überlegenheit der Gnade zu sagen weiß. Dies Buch ist gar kein„literarisches“ Erzeugnis und, wenn man so will, überhaupt kein„Buch“, sondern... ja, was denn? Sagen wir: ein einziges lautes Rufen, und zwar von Gott her, im Namen des Gottes, der sich für uns kreuzigen ließ und uns an seinem Auferstehungssieg beteiligt. Ein Rufer Gottes mitten in der Wüste des KZ’s, mitten unter den Erniedrigten, Beleidigten und Entrechteten, selbst einer der Elendsten unter all den Elenden,— das war dieser 5 RT se or ze —— SEN Sa EB en SPPSPS Dr SEES ee ne Er n RR ERTERHNHAHG Pfarrer Paul Schneider, den wir unseren Bruder nennen durften. Es ist geradezu wundersam, aus dem Bericht, den uns seine Frau hier schenkt, sich auf das Geheimnis der Führung dieses Lebens gewiesen zu sehen. Von dem Ende her gesehen, er- scheint alles wie eine einzige Zurüstung und Vorbereitung darauf, daß er„der Prediger von Buchenwald“ wurde. Als ein Mithäftling unter sein Zellenfenster tritt und ihn bit- tet, sich doch zu schonen und an Frau und Kinder zu denken, erhält er die Antwort:„Ich weiß, warum ich hier bin“... Ja, das ist es: dieser Mann wußte, und zwar mit einer über alle Anfechtungen triumphierenden Gewißheit, warum er diesen Weg der Hirtentreue zu seiner Gemeinde und dann des Zeugen Jesu Christi unter den Sterbenden bis in den Tod gehen mußte. Das Größte ist wohl, daß dieses„mußte“ für ihn verwan- delt war in ein„durfte“. Die Riegel seiner Zelle, seiner Folterkammer waren ja aus — Papier! Das will sagen: Er hätte nur einen kleinen Zettel, einen Revers zu unterschreiben brauchen, daß er die Ausweisung aus seiner Gemeinde anerkenne, so hätten sie den unbequemen Mahner, der ihnen beim Lagerappell im- mer von neuem den Stachel ins Gewissen trieb, entlassen. So hätte er... Es gehört schon noch etwas mehr als eiserner Wille dazu, um das unter Foltern bis zum letzten durchzuhalten. Dazu gehört die Gnade Gottes. Von dem heimlichen Licht dieser Gnade sind diese Blätter randvoll. Darum ist seine Sprache auch so menschlich. Wir müssen der Frau dieses Mannes, die gewürdigt war, die Last mitzutragen und am Zeugnisamt des Lebensgefährten beteiligt zu sein, sehr dankbar sein, daß sie ihr persönlichstes Eigentum, jene aus dem Gefängnis und dann aus dem Kon- zentrationslager an sie gerichteten Briefe, uns in die Hand gibt. Gerade die menschliche Fürsorge des Gatten und Va- 6 EI ETF TEE STEHT TITTEN U TOGERTTIIEHUESNYNTE tets, di Situatio dem A den nic Für un ziget R eins: if KZ ist zum CI über d Unabs in der tenen, haftig gefäll Und ı ein he Bußpt Möge die fü knüpf ich di Frau Garg seine durch bildu nem besch „Prec nes| Zeph getin J, ters, die Art und Weise, wie sich dieselbe aus solch einer Situation heraus äußert, spricht Bände für den, der unter dem Ausgesprochenen das aus äußeren und inneren Grün- den nicht Sagbare zu hören vermag. Für uns alle aber ist dies Zeugnis Paul Schneiders ein ein- ziger Ruf in die Nachfolge des Gekreuzigten und damit in eins: in die Gewißheit des Endsieges Gottes. Damals im K7Z ist manch einer durch diesen Prediger von Buchenwald zum Christen geworden. Es könnte sein, daß es manch einer über dem Lesen dieser Blätter wird. Unabsehbar ist, welchen Dienst die Stimme dieses Predigers in der Wüste heute der Kirche tun könnte, der angefoch- tenen, zum Leidensgehorsam gerufenen Kirche, aber wahr- haftig auch der sicheren, satten, selbstgefälligen und welt- gefälligen Kirche! Und was uns Prediger angeht,— dies Buch ist nicht zuletzt ein hohes Lied der Hirtentreue, das für uns einfach eine Bußpredigt ist. Möge es mir gestattet sein, mit einigen Strophen zu schließen, die für mich mit dem Namen Paul Schneider’s unlöslich ver- knüpft sind. Während er dem Letzten entgegenging, durfte ich damals im August 1939 noch im Montafon mit meiner Frau den Urlaub verleben. Ich könnte noch die Stelle im Gargellener Tal bezeichnen, wo uns beide die Nachricht von seinem Tode erschütterte. Zwei ungeheure Felsspitzen waren durch eine eigentümliche, vom Licht durchbrochene Wolken- bildung anzusehen wie ein apokalyptisches Zeichen. An je- nem Tag entstanden die Verse, mit denen ich das Vorwort beschließen darf, durch das ich das Wort und Zeugnis des „Predigers von Buchenwald“ weiterreiche in die Hand sei- nes Hörers. Zephanja 3, 12:„Ich will in dir lassen übrigbleiben ein armes, geringes Volk; die werden auf des Herrn Namen trauen.” BE CHRAHMEANATRSANRERN A Ri Pr er ee STHEREREE nn a = = Fe Ze>m E% er ensgerggerngenn Re ERBETEN TEEN TEEN EUER RR RRESTERNIEHANHAAHRTTE VURENHLNKARRTIIH r Du wirst dir übriglassen ein Volk arm und gering, das wirst du, Retter, fassen, noch eh es gar verging; in unsre Herzen schreiben wirst deinen Namen du, daß wir bei dir verbleiben, du unsre Burg und Ruh. Dein Geist lehrt uns dich kennen in deinem lieben Sohn, daß wir dich Vater nennen auf deinem Gnadenthron; Herr, denen du vergeben, kein Satan schaden wird, mit deinem Leib und Leben deckst du uns, guter Hirt. Das Hohngeschrei der Feinde, ihr Lug, Gewalt und List, schafft nichts bei der Gemeinde, in der du bist, Herr Christ; und ob wir unterliegen bis in die letzte Not, du läßt uns sterbend siegen durch deinen Siegestod. Ob tausend von dir gehen und fliehn an ihren Ort, dein Häuflein läßt du stehen auf deinem Felsenwort; aus Not und Todesketten wirst du dein Volk und Heer, du Auferstandner, retten, zu deines Namens Ehr. Heinrich Vogel ESEHITETTTETDUTECTROLHEREESENENS BIDITERZEEERE SEID ee Se Pre ze ES USE EHFH N NOETOIEEE TEUER gel =2 ie a STERNE Sa: Se 2 Se A ale re So sind wir nun Botschafter an Christi Statt; denn Gott vermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi Statt: Lasset Euch versöhnen mit Gott 2. Korinther 5,20 MT Re SZENE HENNEODUPOGHPOEEERELENGE RAN U AHA Paul Sc Pfarrers: tum ver in Pferd Tieren ı Seele© einem( ‚Wie w Heimat! in diese meine N Kindhe des beg gebaute Häusch zum T. scherna alles dı wie mu) Heimat halt H: wohl ü Vater$ Kaufm. Mädch geistlic brügge: HEIMATUNDKINDHEIT Der ist in tiefster Seele treu, der die Heimat liebt wie du Fontane Paul Schneider nannte sich einen„einfachen, bäuerlichen Pfarrerssohn“, er war seinem Wesen nach dem Bauern- tum verbunden. Seine Kindheit im Pfarrdorf seines Vaters, in Pferdsfeld, Kreis Kreuznach, hat die Liebe zur Natur, zu Tieren und bäuerlichen Menschen tief in seine empfindsame Seele eingedrückt. Hier war sein„Kindheitsparadies“. In einem Gemeindebrief ‚aus dem Urlaub‘ schreibt er 1931: „Wie wohl wir daran tun, die Heimaterinnerungen, die Heimatkunde und die Heimatliebe zu pflegen, merke ich in diesen Tagen sonderlich, da ich in dem Lande weile, wo meine Wiege gestanden hat und das mir die Eindrücke der Kindheit vermittelt hat. Das Dörflein hoch im Wiesengrund des beginnenden Hoxtbachtales gebettet, der machtvoll auf- gebaute Soonwald im nahen Blickfeld, die alten niedrigen Häuschen, die Winkel und Ecken des Dorfes, die Leute, zum Teil noch die alten Gestalten der Kindheit, der plät- schernde Röhrenbrunnen jetzt wie einst: wie nimmt das alles die Seele in einer guten und starken Liebe gefangen, wie ruht da Leib und Seele so gern aus im Schoße der Heimat.“ 1925 schreibt er in sein Tagebuch:„Heimatluft ist balt Heimatluft und diese Naturgebundenheit können wir wohl überwinden, aber nie verlieren.“ Vater Schneider stammte aus einer reformierten Elberfelder Kaufmannsfamilie. Seine Tante, Lehrerin an der Elberfelder Mädchenschule, war dem mutterlosen Kind Erzieherin und geistliche Führerin. Durch sie kam er unter den Einfluß Kohl- brügges, doch wurde er von Pastor D. Krummacher in der II * a A ADRRTEG LT Ed DA BIDALELEL ELLI BTR TEE IR ARE A AAN U ETRL HDD ELAKIRHN reformierten Gemeinde konfirmiert. Während des Theologie-| chen, 2 studiums hatte er den größten Gewinn von Professor T. von ‚ kehrt# Beck in Tübingen. Aber trotz guter wissenschaftlicher und nn iR theologischer Bildung war er durch seine Schwerfälligkeit| ur| IH oft in seinem Amt gehemmt. Der Tod seiner Frau machte I Ei= i ihn vollends zum in sich gekehrten Einsamen. Die Erschüt- 1} Sell ' terung über den nationalen Zusammenbruch 1918 verwand| der en er nie. Nur selten konnten wir Jungen einen Blick in seinen| e Il inneren Reichtum und in seine verhaltene Güte tun. Ich|| ie t staunte als junges Mädchen über seine praktische Textaus-| indie 0 legung. Predigte er aber nicht mehr Gesetz als Evangelium?| hanget| i Ein Urteil steht mir nicht zu. führte d ii Paul blieb seinem Vater wohl die Ehrerbietung nie schuldig,„Paul 3 Ki des Vaters Strenge grub sich aber in dem zarten Kinder- sein a ni gemüt tief ein. So hat Paul aus Trotz und Furcht vor der kleinste IE Strafe einmal im Pferdsfelder Pfarrgarten seinen Vater be- führte( N wußt belogen. Es handelte sich um ein väterliches Stachel- Kenkan nl beerenverbot.„Seither zog die Lüge bei mir ein“ und legte Icben! ‚ N ihre Schatten auf sein Jugendleben. Der Knabe wuchs und| D N ward stark, das zarte Gewissen aber hatte Schaden ge- gewürdi hi nommen; es schrie nach der Reinheit des Leibes und der| Aber a ji Seele. Noch 1925 konnte er gequält in sein Tagebuch schrei- auch eit 1 ben:„Ist dieser mein jetziger Zustand die endliche Auswir-|} Leiden I kung der Lüge im Pfarrgarten von Pferdsfeld? Nun kommt N begann i das große Nicht-Aufgenommenwerden, das große Sitzen- dann nı it bleiben, vor dem ich damals Bange hatte. O, hätteicbdem|-eı IM Vater damals gesagt, Vater, ich habe dich belogen! Mit dee\ Bruder hi Lüge vor dem irdischen Vater begann auch die Lüge vor| waren| N dem himmlischen, den ich nun nicht finden kann. Gott, du ji Düssel. hi. verbirgst dein Antlitz vor mir“ Water Schneider kannte i Mühlhe ii seinen Sohn wohl besser als dieser ahnte, er gab ihm als Leit-| zieherir N spruch zur Konfirmation Johannes 18,37: Christus spricht: Natur, h„Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich| ich, tt ii 5 für die Wahrheit zeugen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der\ Kindhe N höret meine Stimme.“— Wohl hat Paul später dem Mäd-) hörnche in| \ i| - Gum EREERENETETTEHTTDENOSCHZTEETTTLERTTSE TG TTTU LEDER EFTELTHER, DU EH GRÜNEN GER WEDOOTDEEHUENOUUEN ologie- T von er und ligkeit Machte tschüt- Twand seinen 0. Ich -Xtaus- elium? huldig, inder- or der ter be- tachel- | legte ıs und N ge- ıd der schrei- USWIT- commt Sitzen- h dem it der 76 vor tt, du annte ‚ Leit- jricht: ‚ß ich t, der Mäd- chen, das er liebte, sein Leben, das in seinen Augen ver- kehrt und nicht in der Wahrheit war, bis an die Wurzel aufgedeckt,- sie konnte nur mittragen, aber ihn nicht her- auslieben; den Träumer und nach Selbsterlösung Suchenden, den um das soziale Problem Ringenden, nach der rechten Stellung zu Körperkultur und Lebensreform Fragenden hat der König der Wahrheit allein aus Seele und Leib dar- niederwerfenden Depressionen, aus Bibelkritik und Philo- sophie hineingeführt in das Licht des Wortes Gottes und in die Freiheit der Kinder Gottes. Es war ein langer, oft banger Weg für ihn und für die, die ihn liebten, aber er führte dahin, daß sein Amtsbruder 1937 von ihm sagen durfte: „Paul Schneider hat ein selten feines und waches Gewissen. Sein unbestechlicher Wahrhaftigkeitssinn ließ auch nicht die kleinste Krummheit und Schiefheit des Weges zu“,— er führte dahin, daß er mitten in der Bedrängnis des Kir- chenkampfes fröhlich ausrufen konnte:„Es ist eine Lust zu leben!“, daß er strahlend vom Predigtdienst heimkehrte: „Diese Predigt durfte ich noch einmal halten!“, und daß er gewürdigt wurde, der Prediger von Buchenwald zu werden. Aber nun zurück zum Pferdsfelder Pfarrhaus. Da gab es auch eine Sonnenseite: die Mutter. Paul kannte sie nur als Leidende. Nach der Totgeburt ihrer beiden ersten Kinder begann ihr unheilbares Gichtleiden. Die Tapfere schenkte dann noch drei Söhnen das Leben. Paul war das vierte Kind - er wurde am 29. August 1897 geboren-, sein jüngster Bruder ist sechs Jahre jünger.- Die Voreltern der Mutter waren Bauern in Hessen-Kassel, ihr Vater Hotelbesitzer in Düsseldorf. Früh verwaist, wurde sie im Waisenhaus in Mühlheim-Ruhr aufgenommen. Dort war sie später als Er- zieherin tätig. Sie war eine großzügige, fröhliche, tapfere Natur, herzensfromm, allem Schönen zugetan und erfinde- tisch, trotz aller Hemmungen ihren Kindern eine glückliche Kindheit zu bereiten. Da durfte man Raben zähmen, Eich- hörnchen fangen, Frösche halten, kurz, an allem erreichbaren 13 Getier sich erfreuen! Mutters Weihnachtsabend war für Paul zeitlebens der Inbegriff alles Schönen. Paul schreibt:„Sie blieb die fröhliche Seele unseres Hauses, solange sie immer unter uns sitzen konnte.“ Die Tatkräftige wurde bald ganz an den Stuhl gefesselt. Um ihr doch noch den Genuß der Waldlandschaft zu verschaffen, wurde sie in einem Esels- Nur| gefährt hinausgefahren, der Vater auf dem Bock, die Buben L nebenher trabend! Pauls Sangesfreudigkeit und gute Stimme ist ein Erbteil seiner Mutter. Die gelähmte Pfarrfrau am ıW Fenster, mit dem freundlichen Gruß und dem frohen, ge- \ trosten Gesang, ist unvergessen in ihren Gemeinden. Die Pauls! Hl Gegensätze dieses Ehepaares waren groß genug! Paul hat nasiuM N sie in sich getragen.- Im Sommer 1914 starb die Mutter nah lebte n Hy schwerstem Leiden. Noch 1918 empfindet der Heimgekehrte Freihe ul ihren Verlust schwer:„Seit 1914 wieder die erste Weihnacht, der M Bi die zweite ohne Mutter zu Hause. Es ist einfacher geworden, nach F N stiller, nicht schöner, das warme Gefühl, das sonst die Mut- Gieße: ; ter, die Frau mit dem liebenden Herzen, hereingebracht hat, nicht( 1) i fehlt.“ Aber da war ja noch das gute Sophiechen, die vor- wat: ı N bildlich-treue Pfarrmagd, die ein Leben lang ihre„Jungens“| sonst| „ nach Kräften versorgte! Bis in ihr Alter hatte sie ihren Platz entsch I i an unserem Tisch, und Paul war ihr sehr zugetan. willig Hi Krieg: I einem I Pferd N erin: j er wie sunde h erhalt: N mit€ N schlich N schnel I trieb 4 de j ständı DU TTERR ER ERSTNETUIEHENUROR üt Paul '„Sie immer d ganz ıß der Esels- Buben timme au am N, ge- . Die ul hat t nach kehrte nacht, orden, 'Mut- JE hat, € vor- Igens“ ‚ Platz SCHULEUNDSTUDIUM Geh deinen unmerklichen Schritt, ewige Vorsehung! Nur laß mich dieser Unmerklichkeit wegen an dir nicht verzweifeln! Laß mich an dir nicht verzweifeln, wenn selbst deine Schritte mir scheinen sollten, zurück zu gehen! Lessing-Zitat aus Paul Schneiders Tagebuch g€ Pauls höhere Schulausbildung begann im Kreuznacher Gym- nasium. In einer Pension mit anderen Jungen untergebracht, lebte man zum Samstag hin, der einen wieder in die dörfliche Freiheit und Geborgenheit des Elternhauses brachte.- Um der Mutter Linderung zu verschaffen, zog die Familie 1911 mach Hochelheim, Kreis Wetzlar, und Pauls Schulweg nach Gießen, teils mit dem Rad, teils mit der Bahn, entbehrte nicht der Spannungen und Abenteuer. Des Dorfes Norm war:„Wenn ‚Pärnersch‘(Pfarrers) Paul fortfährt, reicht’s sonst niemand mehr!“— ı915 machte Paul sein Notabitur, entschloß sich zum Studium der Medizin, meldete sich frei- willig und hat wohl als tapferer deutscher Jungmann sein Kriegshandwerk geübt. Als er nach seiner Verwundung, einem Bauchsteckschuß, zu der schweren Artillerie kam, mit Pferden fuhr und als Leutnant selbst eine ‚„Liesel‘ hatte, war er in seinem Element. Aus den Gefahren der Etappe wurde er wie träumend herausgeführt:„Eine blonde Frau und ge- sunde Kinder standen vor mir, die wollte ich doch gesund erhalten!“- Auf dem Rückmarsch hatte er eine Begegnung mit einem niederrheinischen Mädchen, dessen reines und schlichtes Wesen es ihm antat. Dieses Erlebnis ließ ihn so schnell nicht los. Es ist kennzeichnend für ihn, wie es ihn um- trieb und belastete, ob er dem Mädchen nicht doch Hoff- nungen gemacht hätte, und er nicht ruhte, bis er ihr Ver- ständnis fand und das gute, klare Verhältnis von einst sich 15 ETTLINGEN ET TEE FELL NEE TE "1 auf unsere gegenseitigen Familien übertrug. Diese Arbeiter-| sn In ' frau trauerte mit mir um den„allzeit hochverehrten und ge-| quemme. "| liebten Paul“.-| Semeste " Nach dem Zusammenbruch war es aus mit Pauls Neigung| hineing® N zur Medizin, mit„reinem Willen zum Pfarrerberuf“ wollte"Jands 19 "N| er beitragen zur Gesundung des Volkes. Aber wie stand er| Sozialist hi i zur Theologie?„In der Schule hatte mir ein liberaler Reli-| in Mart h gionsunterricht das Mysteriöse, priesterlich Geheimnisvolle,\ poration I N mich immer wie Aberglauben Anmutende an der Religion- ! bzw. dem Inhalt der neutestamentlichen Geschichten ge- wollten IN nommen, so daß mir das theologische Studium je und dann Jehrerk N in freundlichen Farben erschien“(Tagebuch). So fing denn Orgel ı u Paul in Gießen bewußt mit dem Studium der liberalen Theo-" DerFi H logie an. Ein Freund berichtet darüber:„Wir hatten vom"not ist in Gymnasium her eine innige Freundschaft, die in den Gie- nahme. is Bener Semestern fast zu zerbrechen drohte infolge des radi-"kreis u in kalen Liberalismus, dem Paul sich völlig verschrieben hatte."Sein be Ü Es verging kein Tag ohne heftige theologische Auseinander- mütige: Sl setzung auf dem Weg zur und besonders von der Universi- Zwei| N tät zum Bahnhof und im Zug. Paul konnte darüber das Aus-| zur Un iM steigen vergessen, und oft mußte ich ihn dazu ermahnen. Er IE treffen u führte das Gespräch dann vom Trittbrett weiter und sprang versoni hi& Ben A| # vom fahrenden Zug ab. Pauls Eifer für die„Wahrheit“ ging I Beim ii bis zum äußersten, er hätte ihm sogar die Freundschaft ge-| Kal “M opfert, wenn er es für nötig hielt. Ich glaube aber heute, daß| ne H unsere Kämpfe die Vorbereitungen seines späteren Wandels| re i waren, der dann ebenso klar und stark zutage trat.“- He It Vater Schneider war Wingolfit; Paul trat in Gießen und dere hi Marburg ein.„Ist die Verbindung die Opfer an Zeit und Von H ht Geld wert? Entspricht dem auch der Gewinn? Diese Frage Inssein ı und Hang zur Einsamkeit, Scheu vor der Gesellschaft lassen. i mich beinahe zurückschrecken. Aber ein innerstes Pflicht- et (N gefühl, das mich heißt, die angeborene Neigung zum Träu- nachts: N men und zur Bequemlichkeit zu überwinden, hält mich doch len, a der Farbe schwarz-weiß-gold treu.- Wenn du unentschlos- an "| N 16 I A M iı h| DIE PIE TERFS HMO EINT D UT EE CHE ESHNMSPOTPIOOTOLEEEIEEUPNENFTZOGUHT U EDEODOUDTEREHUENDUGEH ERNST Jeiter- 1d ge- igung wollte nd er Reli- volle, ligion n ge- dann denn Theo- | vom Gie- radi- hatte, nder- versi- ; Aus- n. Er prang "ging ft ge- >, daß ındels und * und Frage lassen flicht- Träu- doch chlos- rg } sen bist zwischen zwei Dingen, so wähle das dir weniger Be- queme.“(Tagebuch.)— In Gießen wurde er in den ersten Semestern dann auch tüchtig in das Verbindungsleben mit hineingezogen. Daneben trieb ihn der Niederbruch Deutsch- lands 1919 dazu, sich immer wieder mit Bolschewismus und Sozialismus zu beschäftigen. Im Wintersemester 1920 ist er in Marburg. Hier herrschte im Wingolf ein strammer Kor- porationsgeist; Pauls Reformpläne, die auf Beseitigung des Frühschoppens hinzielten und dem Turnen mehr Raum geben wollten, fanden keinen Anklang.— Er belegt einen Turn- lehrerkursus und macht das Examen als solcher. Er übt Orgel und gibt Nachhilfestunden. Der Frühling 1920 führt ihn nach Tübingen. Die Wohnungs- not ist groß, er bittet im Weilheimer Pfarrhaus um Auf- nahme. Er erlebt nun zum erstenmal einen großen Familien- kreis und ist in die Familiengemeinschaft aufgenommen. Sein bescheidenes, ruhiges, dann wieder jungenhaft über- mütiges Wesen erinnert an den gefallenen Theologensohn.— Zwei junge Menschen gehen täglich den Weg zur Stadt, er zur Uni, sie, gerade der Schule entwachsen, in die Nähschule, treffen sich über Mittag im Kahn auf dem Neckar und sind versonnen und versponnen in ein unausgesprochenes Glück. Beim Abschied meint er sprechen zu müssen— es war noch zu früh. Zwei Jahre gehen ins Land, bis sie sich ganz finden und von da an Hand in Hand durch vier Jahre Brautzeit wandern: der ‚eine Stab des andern und süße Last zugleich‘! Immer mehr bietet eins dem andern Heimat, kann eins das andere seelsorgerlich tragen. Von Heims„Ethik“ ist Paul tief erfaßt, sein bisheriges Leben in seiner„Eitelkeit“ liegt vor ihm, die innere Unruhe und Sehnsucht nach der Ruhe in Gott nimmt zu. Im Winter- semester 1921 ist er wieder in Marburg. An einem Vorweih- nachtstage dringt ein Strahl des ewigen Lichts in seine Seele, es hebt ein großes Freuen an, und er zehrt lange von diesen „seelischen Erregungen und Bewegungen“; das Wissen da- 17 | SE een ee etz Er S FE Ie a en ne P: von, daß Gott Licht werden lassen kann, bleibt in ihm. Innerhalb des Wingolf kommt es immer wieder zu Kon- flikten, bis die Verbindung im Sommer 1921„diesmal aus eigener Initiative das Band zwischen sich und mir zerschnitt, da ich Kommentformen und Institutionsformen: ‚Die Grund- lagen des Verbindungslebens‘, als reformbedürftig angegrif- fen habe. In der Hauptsache war es der Trinkkomment. Ich von mir aus hätte drum ruhig in der Verbindung bleiben können, bin nun aber doch froh, Zeit und Kraft für andere Dinge frei zu haben.“(Tagebuch.) Aus dem Gießener Win- golf trat Paul 1933 aus. Er verweigerte in Ablehnung des Arierparagraphen- in einer ‚christlichen Verbindung— den arischen Nachweis. Wie sehr Paul, im Idealismus und Liberalismus steckend, von Glaubens- und Lebensnot umgetrieben war, können wir nur ahnen. Er war dem Abgrund nahe genug, das erzählte ei.„Das unbegreifliche, unfaßbare Leben ist größer als wir, und aller Trotz und alle Kraft hilft nicht dagegen. Es ruht nicht eher, als bis es uns niedergeworfen und zusammen- gebrochen hat. Das Leben sagt: Nicht wie du, sondern wie ich will. Und so bekommt der Mensch mit der Zeit eine ganz andere Orientierung. Durch Zusammenbruch und Tod und Leere muß es hindurchgehen, durch Verzweiflung und bit- tern Schmerz.... Aber das Neubauen, das macht den Men- schen dann selig und froh, und erst allmählich muß er sich an diese Freude gewöhnen.... Auch zu dieser Freude muß man stark sein, um sie nicht zu verlieren im Überschwang.“ So wollen„seine Flügel immer wieder wachsen“. Das eine oder andere Stück seiner Kräfte taucht aus dem„Strudel“ wieder hervor, und er hofft zu Gott,„daß er mich noch ein- mal zusammenleimt zu einem ganzenKerl“.(Aus einemBrief an den künftigen Schwiegervater vom Juli 1921.) Nun begann die„Paukarbeit“ für das erste Examen.„Die Kunst des Lebens will täglich neu erlernt sein. Hier gibt es nie ein Fertigsein, ein ‚über dem Berg‘. Unser Leben muß 18 ECT LUD HER TEICHE TUST ENOPNORETIETEEEGEN HF TOT ES HWDEOOUUDETUHUENDNUNNEHTEFT TE sein eit Obne© Herr ü sebens du stät hist.= wendig trieben Wohlb Seele' erst m Febru: körpel der, n ‚Arbeit ich ei dieses geben Maß Leben baren will i habe zeige Arbe ibm muß mit, Nach glaub beite ihm, Kon- al aus chmitt, Tund- gegrif- tt. Ich leiben indere Win- & des - den ckend, n Wir zählte s wir, s ruht ımen- n wie > ganz 1 und d bit- Men- 7 sich muß ang.“ ; eine udel“ h ein- ‚Brief „Die ibt es muß sein ein ständiger Kriegsdienst, ein ‚Immer-auf-dem-Posten‘. Ohne diese ständige Bereitschaft werden die Anfechtungen Herr über uns, wir verlieren die Orientierung und unver- sehens sind wir der Depression erlegen. Wenn du glaubst, du ständest, siebe wohl zu, daß du nicht schon tief gefallen bist.- Ich babe vielleicht zu kleingläubig, einseitig die Not- wendigkeit der Körperpflege betont. Ich habe Askese ge- trieben und wurde doch nicht Herr über mich und mein Wohlbefinden. Du hast die Gesundheit des Leibes und der Seele noch zu sehr an der Oberfläche gesucht und nicht zu- erst im Gebet an der tiefsten, an der Urquelle!“(Tagebuch Februar 1922.) Er müht sich um das vernünftige Maß zwischen körperlicher und geistiger Arbeit.„Noch bin ich ein Suchen- der, noch frage ich, wieviel Zeit darf ich dem Turnen, der Arbeit mit dem Spaten, der Hacke widmen. Eben glaubte ich ein gesundes Maß zu haben,... und schon habe ich dieses Maß wieder verloren. Kann mir Gott nicht Kraft geben so viel er will, so viel ich bedarf und jedes vernünftige Maß über den Haufen werfen? So bleibt mir also nur, mein Leben ganz auf Gott, den Übervernünftigen und Wunder- baren, Allmächtigen und Grundgütigen zu legen. Von ihm will ich mir sagen lassen, was ich zu tun, wie ich zu leben habe und auf alle eigenen Maßstäbe verzichten. Herr Gott, zeige du mir mein Ziel, das Ziel meines Lebens und meiner Arbeit! Für dieses Ziel gilt es dann alle Kräfte einzusetzen, ibm dienstbar zu machen und so manches jetzt so Dunkle muß dann licht werden. Diese befreiende Ausschau schenke mir, mein Gott und Vater!“(Tagebuch.) Nach der bestandenen Prüfung lautet die Eintragung:„Ich glaube, ich muß immer treu, fleißig und auch mühevoll ar- beiten, aber dannläßt es mir Gott auch gelingen.“(Tagebuch.) 19 } ERTERE = ne ne FE nn Te nn ze RS; Por SIE 3525 rd Ss FRE Ten DK DIR AR AR LEHR- UNDWANDERJAHRE Gott mein Gott! Hältst du mich denn fest? Tagebuch „Was meine nächste Zukunft anbetrifft, so will ich zunächst in ein Bergwerk bei Dortmund, um an Ort und Stelle bei ihrer Arbeit, die mir mein Körper auch ermöglicht, die Ar- beiter kennenzulernen in ihren Vorzügen und Mängeln, um womöglich zu erkennen, in welchem Winkel ihres Herzens sich die Religion verkrochen hat und um sie hoffentlich im- mer mehr lieben zu lernen.“(Brief vom 10. April 1922 an die künftigen Schwiegereltern.) Das Industriegebiet sieht er zum ersten Male: eine andere Welt! Ein grandioses Landschafts- bild; ihm scheint, auch den Menschen sei ein ganz bestimm- ter Stempel aufgedrückt.- Er wird mitten in die Auseinan- dersetzung Kapitalismus— Sozialismus hineingezogen und ist zum Teil ungeheuer bedrückt davon. Sein Herz zieht ihn zur Arbeiterschaft, der Herkunft nach ist er konservativ. Paul hat in Aplarbeck einen Onkel, der kaufmännischer Direktor einer Hütte ist. Dieser führt ihn in seine gesellschaftlichen Kreise ein und verschafft ihm eine gutbezahlte Stelle. „Donnerstag, nach Kenntnis von meiner Bevorzugung mit Hauerarbeit, kann ich es nicht über mich gewinnen, dem Einfahrtbefehl Folge zu leisten. Ich melde dem Betriebsfüh- rer, daß meine Zwecke hier schlecht gewahrt seien und ich anderswo arbeiten wolle“„Auf einem langen Instanzenweg vom städtischen Arbeitsnachweisbis zum untersuchenden Arzt gelang mir dies nach 8 Tagen und nun arbeite ich als ‚dritter Mann‘ an einem großenSchmelzofen inHörde“(Tagebuch.) Er wohnt in einem Ledigenheim und lernt die verschieden- sten Arbeitertypen kennen. Alle Lebensbedürfnisse sind 20 - n EEE namen PERTRFUIC TREE FEIERTE N III UHU YOU EWEROOTDERFEN schreck der V: nicht 8 ist übe Feuer? der die Dies ii beitert gebrac leide i lagen, Teufel und u Mensc sein k versuc Ideale kampf führen immet schme für ei Arbei Im$ı (Tage brech mir's doch teilen sellsch Probl: Ich st und 1 wiede mir n ichst bei 'Ar- ‚um zens ) im- 1 die zum afts- mm- nan- d ist \ zuL Paul ktor chen mit dem füb- 1 ich weg Arzt itter ch.) den- sind schrecklich teuer, und er will doch gerne Geld sparen, denn der Vater rückt ungern Geld heraus und ist der Inflation nicht gewachsen.„Die Organisation ist groß, die Industrie ist überwältigend. Und die Menschen sind klein. Hier ist die Feuerprobe, ob du dich, Mensch, behauptest. Der Mensch, der die Industrie meistert, muß riesenstark sein.“(Tagebuch.) Dies ist der erste Eindruck. Nun war er Arbeiter unter Ar- beitern.„Habe ich mirmanchmalwohl eingebildet, ein Opfer gebracht zu haben, als ich unter die Arbeiter ging, so er- leide ich tagtäglich mit meiner Selbstsucht wieder Nieder- lagen, gegen die Liebe verstoßend. Und immer wenn der Teufel der Selbstsucht mich beherrscht, dann bin ich krank und unentschlossen. Dann sagen die andern wohl: ‚Komischer Mensch!‘ Es ist gerade, als ob ich besonders häßlich und eklig sein könnte im persönlichen, täglichen Leben, nachdem ich versucht, mir die großen Richtlinien des Lebens nach großen Idealen zu gestalten. Hier gilt es jetzt den alltäglichen Klein- kampf, um immer mehr ein Leben aus der Liebe heraus zu führen. Dazu helfe mir Gott.“ Tagebuch.) Sein Körper wird immer mehr gestählt unter der schweren Arbeit.„Wie schmeckt auf Schicht ein Schluck kalten Wassers so gut! Was für ein Genuß ist in demBrausebad nach Staub und Dreck der Arbeit enthalten!© kehr zurück zu dem göttlichen Gebot: Im Schweiße deines Angesichts sollst du dein Brot essen!“ (Tagebuch.) Fröhliche Ausflüge mit den Kameraden unter- brechen den Alltag. Aber dann wieder der Schrei:„Obwohl mir's allmählich graut, so einsam zu wandern, treibt mich’s doch immer wieder dazu, denn keiner mag meine Interessen teilen. Mich ekelt die Einsamkeit und mich ekelt die Ge- sellschaft der Menschen. Ich habe nichts mehr, alles ist mir Problem. Kapitalismus und Sozialismus, Religion und Leben. Ich stebe vor dem Nichts, vor dem völligen Ausgehöhltsein und Leersein. Meine Arbeitszeit ist bald zu Ende. Ich soll wieder predigen. Was soll ich predigen? Kraft von oben tut mir not, darum will ich beten!“(Tagebuch.) Ser : Sn ae ER a Er kommt wieder heim.„Mit gemischten Gefühlen verließ ich Mitte August meine Arbeitsstätte. Auf unserer Stube hatten wir bei der Abschiedsfeier so etwas wie ein Gemein- schaftserlebnis. Und noch bis 4 Uhr morgens konnten wir vor den letztenGedanken, die wir miteinander auszutauschen hatten, den Schlaf nicht finden. Um 6 Uhr brachten mich dann zwei von der Stube an den Zug. Ich glaube sicher, daß die innere Verbindung mit einigen unsere äußere Trennung lang überdauern wird. All die Liebe, die. mir dort enigegen- gebracht wurde und die man in der rauhen Industrie- und Arbeiterwelt doppelt dankbar empfindet, kann ich gar nicht in geschriebene Worte bannen. Aber sie hat mir den Glauben an unser Volk und vor allem den Glauben an unsere Arbeiter gestärkt. So möchte ich dieses Vierteljahr im Ledigenheim um keinen Preis missen.“(Brief vom 7. September 1922.) Lange läßt ihn das Abschiedswort in Hörde„Du bist einer der Unsern, du solltest dableiben“, nicht los.- Nun hilft er in Hochelheim dem niedergedrückten und zitterigen Vater treulich im Amt, hilft dem guten Sophiechen bei der größer gewordenen Landwirtschaft; das Pfarrland wird selbst be- wirtschaftet, eine Kuh steht im Stall. Im Oktober 1922 reist Paul nach Weilheim bei Tübingen zu unserer Verlobung.- Dann kommt ein Jahr des geistigen Schaffens im Prediger- seminar in Soest, seine eigentliche, theologische Schule! „Die Ordnung, Ruhe und geistige Arbeit des„Kloster“- Aufenthalts empfinde ich als sehr wohltuend, wenn“- und das ist nun noch ein Nachklang von Hörde-„ich sie nur so recht mit ganz reinem Gewissen genießen könnte. Auf Schritt und Tritt atmen wir hier die schwere Luft längst vergangener Zeiten.“(Tagebuch November 1922.) Offnen Sinnes nimmt er die Schönheit der ehrwürdigen Stadt in sich auf.-„Ich stehe hier dauernd in geistig-wissen- schaftlicherVerbindung mit Tübingen, da wir Schlatters Dog- matik in der systematischen Theologie behandeln.... Von den Kollegs hat mir am meisten das Systematische über 22 BE ET RT TERTTE NE N DER DE EBEN ER EEETEN Schlatte ter nich geganse sollte,% Semeste in Hani gischen haben, selber 1 ral nen uns mit Christi. es durc mütige delt.„J mut. D Wir mi seres L schulde Gott st Der R scheint ums zu und d4 Staate das G Schwe wecke Aufga rließ Stube nein- ı wir schen mich ‚daß nung ogen- und nicht uben heiter heim 1922.) einer Ift er Vater rößer it be- ‚reist ng.- Jiger- hule! ster“- n“ En ch sie nnte. Luft 1922.) digen ISSen- Dog- ‚Von über Schlatters Dogmatik gegeben. In Tübingen hatte ich Schlat- ter nicht verstanden und war an seinen Kollegs vorüber- gegangen, und als in Soest nun Schlatter behandelt werden sollte, war ich zuerst enttäuscht, um ihn dann während des Semesters immer mehr und mehr schätzen zu lernen. Hand in Hand geht damit eine Wandlung meiner eigenen theolo- gischen Ansichten. Ich glaube, ein bißchen verstanden zu haben, was die Positiven zu sagen haben, und möchte mich selber meiner Grundstruktur nach auch eber positiv als libe- al nennen. Im eigenen Sündenbewußtsein erschließt sich uns mit absoluter Geltung die Gottheit und Erlöserkraft Jesu Christi.“(Brief vom 8. April 1923.)— Aber auch in Soest geht es durch viel Dunkelheit und Not, die den Starken, oft Über- mütigen und fröhlich in der Arbeit Stehenden ganz verwan- delt.„Das Allerschwerste für das Menschenberz ist die De- mut. Demut hat nur der, der ganz von sich selber loskommt. Wir müssen uns hassen lernen. Die dunkelsten Stunden un- seres Lebens führen uns auch am nächsten zu Gott und wir schulden Gott für sie den größten Dank.“(Tagebuch.)„...- Gott sei Dank, der meine Tage wieder füllt und ihnen die Öde und Leere nimmt. Gott aber ist getreu, der euch nicht läßt versucht werden über euer Vermögen, sondern schafft, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß ihr’s könnet ertragen.“(Tagebuch.) Dieses Wort leuchtet in den nächsten drei Jahren immer wieder auf und gibt dem an sich und am Amt Zweifelnden Halt. Der Ruhrkampf bewegt Paul sehr.„Wir Kandidaten stehen scheinbar abseits von dem großen Geschehnis; wir sind frei, uns zwingt keine äußere Gewalt oder Macht zur Mehrarbeit und der Staat sorgt noch nach wie vor für uns und mit dem Staate also diese arbeitende Volksgemeinschaft. Es ist einzig das Gewissen, das uns den Kampf in seiner lastenden Schwere empfinden lassen kann. Da, wo es wach ist oder sich wecken lassen will. Was sich daraus für jeden einzelnen für Aufgaben ergeben, hat dieser selbst zu sagen.“(Tagebuch.) 23 ETF TE TEE HE TEE GEETEERTETTETETTTEETE "u| ii Er hofft auf einen sozialen Staat als Frucht dieser Leiden:| ih n ii„Dieses Leiden legt sich bei der starken Solidarität unsere\ wir I “a N Arbeiter über die ganze deutsche Arbeiterschaft, schmilzt sie| denden ii nur um so fester zusammen und wird Deutschland zu einem Auf ie I Arbeitsstaate, und das ist dann der soziale Staat, umschaf-[|| serdir hi fen. Wer die Kräfte zu diesem Arbeitswillen allein geben einmal N kann, ist klar, und so wird dieser soziale Staat viel mehr von j; vomM: ii den Kräften des Christentums durchdrungen sein müssen, als Ende( I es bisher eine Volksgemeinschaft gewesen ist.“(Brief vom Igische i Februar 1923.)-„Ein dunkler Schatten liegt ja wie über unser| ‚Was p N aller Leben, so ganz besonders über Deinem Lebensabend, mich ne i! lieber Vater: die Not des Vaterlandes; seine seelische Not,"ya Die iR die es in dem Stürmen und Brechen der Tage den haltenden 1 eigenen N Anker noch nicht hat finden lassen. Darum muß die Not| liberale HN vorläufig noch immer höher steigen. Und ob nicht das Deut- Wissens % sche Reich darüber zerbricht? Es berührt einen heute ganz|| richt. I I eigen, wenn man sieht, wie die großen Propheten des Alten thesen ei Testaments der fast völligen Vernichtung ihres Volkes so kein Rel i i kalt und entschlossen ins Auge sehen. Gottes Reich über|| Zum Al IN alles. Auch das deutsche Volk nur sein Werkzeug, das er sich| der Soe il für seine Zwecke zubereitet, wie er immer will, das auch nur„Paul y I ein zeitliches, vergängliches, bedingtes Zwischenglied sein uns all I kann auf dem Wege zu dem Ziele ‚Da er sein Reich groß wohl vı i machen wird und des Friedens auf dem Throne Davids kein war da \ Ende und in seinem Königreich‘. Nein, die tiefste Freude, über al if die Freude in Gott soll auch kein noch so schweres Geschick folgen ni des Vaterlandes uns rauben dürfen und können, uns, die wir d können i nicht sehn auf das, was sichtbar, sondern was unsichtbar ist. sicher ii Denn was sichtbar ist, das ist zeitlich, was aber unsichtbar ist, Aus So ht das ist ewig. Und wenn es schon den alten Propheten nicht gelege i bange wurde, die doch nur auf Hoffnung lebten, die das Heil mitzual ı noch nicht gesehen hatten, wenn sie die Heilshoffnung schon daß ic Hi höher achteten als Rubm und Ehre und Glück ihres Volkes,. immere i wie sollte uns bangen, denen das Heil gegeben und versie-| stützen hi gelt ist und die wir wissen, daß alles, was nun noch kommt,| Gottes i N° u Hi j N| u 3 ERRT Ex — FREUE HEREND or EEE SCHTEHUN“ y ERFRAGEN KOHLE SIeTee re Eee PUR EEE SEIEN VER RFICHT RES HE HE GE RT, ET VOPOOOTTITTEEEUPNUNFRTOTGEHUNERWEEORDTERFEN Deut- ganz Alten es so über 7 sich hnur sein groß ; kein eude, schick ’e wir 7r ist. ar ist, nicht Heil schon olkes, ersie- mml, nur der vollendete Ablauf der Heilsgeschichte ist? Gewiß, wir leben noch in dieser Welt und mit diesem unserem lei- denden Volke und teilen auch seine Leiden. Aber wir haben Auftrag und Beruf aus einer anderen Welt und dort ist un- ser Bürgerrecht. Und wir wissen, diese Welt wird trotz allem einmal siegen, deshalb sind wir fröhlich in Trübsal.“(Brief vom ıı. Juli 1923.) Ende Oktober 1923 legte er in Koblenz das zweite theo- logische Examen ab.„Meine wissenschaftliche Hausarbeit: ‚Was ist von dem Begriff der Heilstatsachen zu halten?‘ hatte mich diese Frage ganz im positiven Sinn beantworten lassen ... Die Arbeit half mir sehr zur theologischen Klärung des eigenen Standpunktes. Du weißt, ich mußte mich von dem liberalen Standpunkt dahin durchfinden.— Die praktisch- wissenschaftliche Arbeit hieß: ‚Religions- und Moralunter- richt‘. Da war ich in meinem Element. Ich stellte zwei Leit- thesen auf! Religionsunterricht kein Moralunterricht und kein Religionsunterricht ohne Gesetzesunterweisung.“(Brief.) Zum Abschluß der Soester Zeit möchte ich das Wort eins der Soester Freunde bringen. Er schrieb‘ nach Pauls Tod: „Paul war in unserem Kreis ein Eigenartiger. Wir haben uns alle von ihm hie und da gefallen lassen, was wir uns wohl von keinem andern hätten gefallen lassen. Bei ihm war das anders, weil die Lauterkeit seiner Gesinnung uns über allem Zweifel stand. Wir haben ihm nicht immer alle folgen können, er war einer von denen, die nicht anders können als eigene, auch einsame Wege gehen, aber er hat sicher uns alle in einer heilsamen Unruhe gehalten.“ Aus Soest„flüchtete“ Paul mit der letzten billigen Fahr- gelegenheit in den Berliner Osten, um in der Stadtmission mitzuarbeiten.„Von Soest schrieb ich noch meinem Vater, daß ich unsere Kirche lieb babe und fühlte doch zugleich die innere Notwendigkeit, außerhalb ihrer schützenden und stützenden Mauern das Wachsen und Werden des Reiches Gottes kennenzulernen und draußen in freiem Arbeiten für 25 ee BEE ee BEI EE ee ES = 35525 ET ee Se ein nr rer 2 nn ER den Herrn innerlich zu erstarken und freier zu werden von jeder fleischlichen Liebe zur Kirche und zur Arbeit in der- selben. Du kannst diesen meinen Wunsch begreifen.“—„So bin ich nicht von ungefähr gerade in den Schnepel’schen Kreis geraten, der einst in Notzeit, um die Stadtmission zu entlasten, sich finanziell von ihr freigemacht hatte und seit der Zeit auch in äußerer Beziehung, in Sachen des täglichen Brotes, alles nicht mehr auf den Mittelsweg einer Organisa- tion, sondern unmittelbar von dem lebendigen Herrn er- wartet, ohne daß sich der einzelne an ein bestimmtes Gehalt bindet.“„Daß die Auseinandersetzung mit einer Frömmig- keit, deren Ansprüche über die der hergebrachten kirchlichen Lehre hinausgehen, mir nicht so ganz leicht ist und mich wieder einmal die Rolle eines Bankrotteurs spielen läßt, ist letztlich doch auch als gutes Ergehen zu buchen. Wenn ich auch aus diesem merkwürdigen Berlin mit seinen noch merk- würdigeren Menschen schon mal habe ausrücken wollen, so hat Gott mir doch den Mut, wie ihr mir wünscht, wieder gefrischt und ich will nun gewiß nicht eher hier weg, als bis ich mit dieser Auseinandersetzung zu Rande gekommen.— Hier gibt es nämlich Menschen, die behaupten, Jesus nicht nur zu kennen und seiner Lehre zu folgen suchen, sondern ihn als die lebendige Kraft ihres Lebens zu besitzen, der sie frei gemacht hat von der Sünde, daß diese nun keine Gewalt mehr über sie hat. Sie behaupten das aber nicht nur, sondern machen ganz den Eindruck, als hätten sie ihr Leben wirklich vollkommen an Jesus ausgeliefert, liebten nur ihn allein, und als seien sie wirklich allem Eigenen in Wunsch, Gedanke oder Gefühl abgestorben. Sie machen den Eindruck von wirklich Erlösten. Sie bewähren ihr Christentum in großer Opferkraft und Freudigkeit. Ganz kindlich verkehren sie mit dem Heiland wie mit dem nahen und wirklich leben- digen Freund, der gewiß all ihr Anliegen erhört. Da muß ich mir sagen, so ein Gotteskind bist du noch nicht. Ich fühle es, wie ein Bann trennt mich noch so viel unausge- 26 Eee I EEE RNEET EHRT HHWETOOIDERPUNENDHUHN FETT a sprochene ziel Trotz daß ich a geworden „Bei dem den Berli und es bi wollen se unterzula einen WU Und. das die Welt lich nodl nicht ihr Herm is viel Not oben. Di dann, w: den Sch um Pau nicht lei - ‚Ich l Schönst: Mütter! und Kı tendste Merken über Ja sorger€ et imm: Als er der Va sönliche nicht m Es kan N von n der- 290 "schen ion zu 1d seit lichen anisa- m er- Gehalt mmig- lichen 1 mich ißt, ist nn ich merk- len, so wieder als bis nen,- s nicht indern der sie sewalt ondern irklich in, und ‚danke 'k von großer ren sie leben- a muß ıt. Ich ausge sprochene Sünde, so viel Hängen an eigenen Wünschen, so viel Trotzen auf eigene Gedanken von ihm. So kommt es, daß ich aus einem Subjekt der Mission erst mal ihr Objekt geworden bin.“(Brief vom 25. März 1924.)— „Bei dem wahren Hexensabbath von religiösen Strömungen, den Berlin darstellt, ist die Seelsorge ungemein schwierig und es heißt dabei sehr: Prüfet die Geister. Fromm sein wollen sehr viele, aber lehrreich ist darum auch, hier einmal unterzutauchen.“—„Mit der ‚Werkheiligkeit‘ berührst du einen wunden Punkt bei mir. Dafür bin ich dir dankbar. Und das Ende der Werkheiligen wäre schließlich, daß sie die Welt räumen müßten und ihre Schuld ist, daß sie inner- lich noch nicht recht ausgegangen sind von der Welt und nicht ibr Bürgerrecht im Himmel haben. Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit.-— Auch mein Dienst geht durch viel Not und Schwachheit und Irrtum, aber auch Hilfe von oben. Die ‚flatternden Fahnen‘ gibt uns der weise Meister dann, wenn wir sie vertragen können.“(Aus einem Brief an den Schwager vom 31. Juli 1924.)— Beide Väter sorgen sich um Paul, daß er ein Kirchenstürmer werde.„Man hat’s nicht leicht, wenn sich zwei Väter gegen einen verschwören.“ —„Ich habe viel Schönes hier schon erleben dürfen. Mit zum Schönsten aber gehört doch die Begegnung mit einem alten Mütterlein, meiner Wirtin, das selbst in einer durch Fallen und Knochenbruch ihr auferlegten Geduldsprobe die rüh- rendste Dankbarkeit gegen ihren lieben Heiland nicht ver- liert.“ Mit diesem ‚Muttchen‘ war er bis zu ihrem Ende über Jahre hinaus eng verbunden. Ebenso bleibt er Seel- sorger eines Trinkers, ‚dessen verworrene Lebensverhältnisse er immer wieder zu ordnen sucht. Als er im Sommer 1924 im Urlaub daheim ist, sieht er, daß der Vater der Hilfe bedarf und bleibt nun als dessen per- sönlicher Vikar vier Monate in Hochelheim.„Ich bin also nicht mehr nach Berlin gekommen, wie ich zuerst vorhatte. Es kam eine Bewerbung um Pferdsfeld und meine Probe- 27 if A N A; e2 Pe ee nl predigt dort dazwischen und da ich zum kirchlichen Dienst entschlossen war, hätte ich Vater nur unnötige Kopfschrmer- zen verursacht, wie ich es ohnedies schon genug getan hatte. Hier kann ich nun die Kunst der Kanzelpredigt üben und habe das fast sonntäglich getan, und gewinne dabei all- mählich die Zucht über mein Denken wieder. Auf meine Predigt am letzten Sonntag habe ich mich seit langem wieder recht eigentlich gefreut. Es ist mir klar geworden, wie nötig gründliches Durchdenken und Studieren der Texte ist und daß die Bekehrung allein keinen Prediger macht. Ich wun- dere mich jetzt selbst, wie ich mich in das Bekehrungsdogma und die Evangelisationsmethode so hatte verrennen kön- nen.“(Brief vom November 1924.) Ende Januar 1925 wird Paul, ehe er eine Hilfsprediger- stelle in Essen-Altstadt antritt, in, Hochelheim durch den Superintendenten ordiniert. Text Römer ı, 16:„Ich schäme mich des Evangeliums von Christo nicht; denn es ist eine Kraft Gottes, die da selig macht alle, die daran glauben.“ Nachbarliche Pfarrleute helfen Sophie, dem Tag einen guten festlichen Rahmen zu geben. Die ‚Schwaben‘ waren leider zur Reise zu schwerfällig und haben Paul allein gelassen.— Es ist Paul nicht leicht geworden, sich in Essen in den kirch- lichen Großstadtbetrieb einzufügen. Das Amt bedrückt ihn, seelische und körperliche Hemmungen bringen ihn oft zur Überlegung der ‚Flucht aus dem Amt‘.„Sind es Bequemlich- keit, Faulheit, Trägheit, Abenteuerlust, Unbeständigkeit, Charakterlosigkeit, die mich aus meinem Beruf beraus- treiben? Ein Nichtkönnen, einenWiderwillen gegen die Arbeit müßte ich besiegen können. Aber habe ich nicht hundertmal neu angesetzt? Ist unsere Schneidersche Unbeständigkeit nicht eine Reaktion gegen eine unwahre Lebensatmosphäre, in der wir groß geworden sind und die uns anklebt?— Mein Kopf ist schwach und mein Gewissen, mein Wille so schwan- kend:- ich wurde mit Mazdaznan und Lebensreform be- kannt. Ich habe das„reine Blut“ wie ein Evangelium„ge- 28 FERRRFERRHFGRTTHN ET IFHHTBEEROR predigt”# „Ich habe kann es ni Ich stehe schlecht, f wie in ein "Geist mic j vergangen hundertfa will ich mi bige Gem denen Ch einmal m dieLand« ich Wege für gelte anszuprol Gottes zu 1 Erhebe i wie ich a Erbarm( Aber auc seither sc wolle. I leidlich; doch ein elend da ı Buch um: daß ich Gott gib || Kraft. A | mir mein "einmal« "hast in, | bringens Dienst chmer- } hatte, 2n und ei all- meine wieder > nötig st und ) wun- dogma n kön- ediger- ch den ;chäme st eine uben.“ guten leider ssen,- \ kirch- kt ihn, oft zur emlich- ligkeit, heraus- Arbeit Jertmal digkeit sphäre, - Mein chwan- rm be- m„ge predigt“ und verliere darüber den Glauben an Christus.“- „Ich habe das allerliebste Mädchen, das sich denken läßt und kann es nicht heimführen. Gott, das ist deine gerechte Strafe. Ich stebe in dem höchsten Beruf und kann ihn schlecht, schlecht, fast nicht ausüben. Mir scheint, als hätte ich seither wie in einer großen Täuschung und Lüge gelebt. Wo dein Geist mich nicht immer aufgerichtet hätte, wäre ich lange vergangen.“—„Was ich sage, sind Phrasen, angelernt und hundertfach wiederholt.“-„Diesen inneren Bruch kann und will ich nicht länger tragen.“—„Ostern ist vorüber, die gläu- bige Gemeinde mußte mir ihren Glauben an den auferstan- denen Christus borgen, daß ich predigen konnte.“-„Wieder einmal nur die Scherbe eines Gefäßes.“-„Es zieht mich in dieLandwirtschaft und Siedlung,unserem armenV olke möchte ich Wege weisen helfen, an Leib und Seele zu gesunden. Da- für gelte es zuerst, am eigenen Leibe die neue Lebensweise auszuprobieren. Vergesse ich nun nicht, nach dem Reiche Gottes zu trachten, wenn ich Gesundung und Freiheit suche? Erhebe ich nicht neue Götzen auf den Thron? Gott, sieh’, wie ich allein auf deine Gnade geworfen und gewiesen bin. Erbarm dich meiner.“(Aus dem Tagebuch 1925.) Aber auch Freudigkeit zum Amt ist da:„Es ist mir doch seither so gewesen, als ob Gotit mich im Pfarramt bestätigen wolle. Er ließ mir meine beiden letzten Predigten ganz leidlich gelingen.- Wenn man Kraft zur Arbeit hat, ist es doch eine Genugtuung besonderer Art, in das Großstadt- elend das Wort des Lebens tragen zu dürfen.“—„Es wird Euch und besonders Vater freuen, wenn ich bekennen darf, ‘daß ich mit Freuden Pastor bin, auch in der Großstadt. Gott gibt mir mit den wachsenden Aufgaben wachsende Kraft. Am Sonntag hatte ich fünf Amtshandlungen. Das soll mir mein Trost und meine Zuversicht sein, wie Wichern es einmal ausspricht: Du Gott, läßt nichts unvollendet und hast in mir das Wollen geweckt; du wirst auch des Voll- bringens Kraft mir schenken nach deiner Gnade und Liebe 29 ee ” a a ee > es ee m m Ss EEE == EREFFETT a ne A PH >= um Jesu willen.“(Brief.)- Der letzte Eintrag im Tagebuch der Lehrjahre ist vom 8. Juli 1926:„Der Wurm des Todes ist die Sünde, aber Gott sei Dank, der dem Tode die Macht genommen hat. Wie sind die vorigen Zeilen wieder ein Do- kument meinesUnglaubens. Aus wie mancher und wie großer Not hat nicht mein Gott mir schon geholfen und immer wieder weiß ich so schlecht, daß seine Hand zu helfen hat kein Ziel, wie groß auch sei der Schade. Ich darf meinem Gott nun wieder Loblieder singen. Es ist der Geist von oben stärker, viel stärker als alle naturbaften Mächte. Nun sind wir auch nicht mehr Knechte der Natur. Gott, zu dir zieht alles Leben und was nicht zu dir gegangen kommt, wird krank.“ DEE ARSCH UHTETHFRRRENE: Um eine Paul im. Ein Schl troffen, 1 stimmig wohl wi: Gründe| Häuser$ herzlich: auch an haben, w halb der an die/ hielt un Land“} schaftsid drücken Spannuf träumt wird es in Rott seiner Ji nach R Liebe, 1 es ward Wie sje schließt agebuch 5 Todes e Macht an Do: HOCHELHEIM ° großer Immer Anfechtung lehrt auf das Wort merken fen hat meinem Jesaja 28,19 "4 200 Um eine Probepredigt im Kreise Wetzlar zu halten, kommt 2 Num Paul im Januar 1926 heim und findet einen sterbenden Vater. ‚ U dir Ein Schlaganfall hat ihn beim Gottesdienst im Filial ge- kommt, troffen, und nach drei Tagen ist sein Ende da. Paul wird ein- stimmig in Hochelheim als Nachfolger gewählt, er nimmt an, wohl wissend, daß er kein leichtes Erbe antritt, und daß die Gründe seiner Wahl nicht ganz geistlicher Natur sind. Viele Häuser sind dem ‚Paul‘, der nun der„Herr Pfarrer“ wird, herzlich zugetan, vielerlei Erwartungen knüpfen sich daher auch an sein Pfarramt. Die einen wollen,„alles beim alten“ haben, wie es beim alten Pfarrer war, d. h. sie wollen außer- halb der Predigt in Ruhe gelassen sein; die anderen denken an die Zeit, als Paul im Turnverein einen liberalen Vortrag hielt und zuzeiten aktiv dort mitmachte; die„Stillen im Land“ hoffen auf ein volles Mitgehen in ihrem Gemein- schaftsleben, kurz, jeder möchte gern seinen Stempel auf ihn drücken. Was Wunder, daß es von den ersten Tagen an Spannungen gab?— Im Pfarrhaus wird aber nun zuerst ge- räumt und geordnet, gestrichen und tapeziert, und darüber wird es Sommer. Paul ist in der Zwischenzeit Hilfsprediger ‘ in Rotthausen bei Essen. Das Weilheimer Pfarrhaus richtet seiner Jüngsten die Hochzeit. Der Vater ruft seinen Kindern nach Ruth 1,16 zu:„Seid einig, einig, einig— in Glaube, Liebe, Hoffnung.“-Vor dem Einzug ins neue-alte Heim— es war eine ganz glückliche Mischung— wandern die beiden, wie sie es in Brautzeiten so gerne getan, und dieses Mal er- schließt sich ihnen ein Stück schönstes Neuland: Bodensee 31 Pe 2 SIIFT SE RER = ee bee m ren SIERT Se SSIEFETEE a, Fe SE und Oberstdorf. Brauche ich zu sagen, daß es Wochen fröh- licher, erfüllter Zweisamkeit waren, wie sie uns in ihrer Un- beschwertheit und äußeren Freiheit nie mehr geschenkt wa- ren?— Im Hochelheimer Pfarrhaus erwarten sie der jüngere Bruder cand. ing. und Sophie, die nun auch der jungen Frau die Treue hält über alle Jahre hin. Der Superintendent führt Paul sehr feierlich und väterlich am 4. September 1926 ein. Er hat ı. Chronik 28,20 zum Text gewählt:„Und David sprach zu seinem Sohn Salomo: Sei getrost und unverzagt und mache es; fürchte dich nicht und zage nicht! Gott der Herr, mein Gott, wird mit dir sein und wird die Hand nicht abziehen noch dich verlassen, bis du alle Werke zum Amt im Hause des Herrn vollendest.“ Pauls Predigttext ist I.Ti- motheus 3,1 und 2. Timotheus 3,14-17. Wie sehr Paul ein ‚Herz‘ für seine Gemeinde hatte, geht aus einem Gemeinde- brief, den er im Urlaub in Pferdsfeld schrieb, hervor:„Nun sollt Ihr aber nicht denken, meine lieben Gemeinden, daß ich Euch jetzt nicht als meine Heimat betrachte, zumal Ihr mich durch Eure Wahl ja in meinem Elternhause in Hochel- heim und an der Stätte meiner Jugendjahre habt bleiben heißen. Ihr seid nun die Heimat meiner Arbeit, meine Man- nesheimat und meine Pfarrerheimat, die ich als Pfarrer mit der ganzen Kraft und Liebe, die mir gegeben sind, zu einer rechten, wohligen, warmen, kirchlichen Heimat für Euch alle ausgestalten helfen möchte. Aber gerade darum, weil Ihr wißt, daß ich als Pfarrer gerne bei Euch bin und bleiben will, werdet Ihr es mir gerne gönnen, daß ich mich nun auch in der Arbeitspause der Heimat meiner Kindheit freue und hier neue Kräfte für die Arbeit sammle.“ Wie sah nun diese Gemeinde Hochelheim aus? Zwei statt- liche Dörfer mit 1000 und soo Einwohnern, von denen nur das Filial rein bäuerlich ist. In Hochelheim ist fast jeder neben seiner kleinen Landwirtschaft erwerbstätig. Der Main- zer Käse wird hier hergestellt, zuerst im häuslichen Betrieb, später entstehen maschinelle Käsereien. Sie nehmen zu un- 32 KIGSSHHHHEgE EN Ür, DETOREE TORTE ETTETOOUT ER DUDEN IR seret Zeit \ gejsen MI sens und schöne H statten. W kann nun veränder tracht nic - Fleiß un ihren He und das’ Familiei terwegs gen:„IC auf der Mehr ut noch ein büchlein seiner„ bin ich. auf ver tigentag lassen, Arme, wordeı meines Verzicl meinde Möcht: Gott 7 sen! O Schritt mir er mir ni und F en fröh- l ter Un- kt wa- Jüngere en Frau tendent ber 1926 | David verzagt ‚ott der ıd nicht m Amt ist I.Ti- ’aul ein meinde- :„Nun en, daß mal Ihr Hochel- bleiben ıe Man- rer mit zu einer uch alle weil Ihr sen will, auch in ınd bier ei statt- nen nut st jeder ar Main- Betrieb, zu uN- serer Zeit einen großen Aufschwung. Die Frauen des Dorfes reisen mit dem Käse auf die Märkte der Großstädte Hes- sens und des Rheinlandes und ihre bäuerliche Tracht, die schöne Hüttenberger Tracht, kommt ihnen dabei sehr zu- statten. Was früher mühselig im Schubkarren gefahren wurde, kann nun bald mit dem Auto befördert werden! Das Dorf verändert sich dadurch sehr. Der Jugend gefällt die Bauern- tracht nicht mehr, sie wird ‚vornehm‘, d.h. städtisch. Großer Fleiß und große Geschäftigkeit herrschen im Dorf. Durch ihren Handel sind sie den Umgang mit Menschen gewöhnt, und das Wort sitzt lose auf derZunge.Sie haben einen großen Familiensinn, und es ist bezeichnend, daß sie, die so viel un- terwegs sind, bei ihren Familienfesten als Lieblingslied sin- gen:„Ich bin so gern, so gern daheim- das ist mein Himmel auf der Erden!“ Mehr und mehr wächst Paul in sein Hirtenamt hinein. Nur noch einmal im November 1927 vertraut er sich seinem Tage- büchlein wieder an, aber er weiß nun, wer Herr wird über seiner ‚Anfechtung Schmerz‘.„Ehemann, Vater und Pfarrer bin ich geworden. Wieviele wandeln in solcber Würde doch auf verkehrtem Wege. Kommt doch auch zu mir noch heu- tigentages die große Unruhe, daß mein Herz nicht alles ver- lassen, um Jesus zu dienen. Sind mir denn auch die weichen Arme, von denen Kierkegaard schreibt, verhängnisvoll ge- worden? Habe ich in entscheidungsschweren Augenblicken meines Lebens den rechten Entschluß der Entsagung, des Verzichtes nicht gefunden? Darf ich morgen vor die Ge- meinde treten mit der Adventsfreude und Adventsbotschaft? Möchte sie doch heller in meinem Herzen brennen! Möchte Gott mich seine Gnadenfülle wieder reichlich erfahren las- sen! O. C. tröstete mich, ich habe seit Berlin einen großen Schritt vorwärts gemacht. Sein Hiersein bedeutete, wie ich mir erbeten, Stärkung und Segen. O Gott im Himmel, laß mir nicht alles wieder geraubt werden! Schenk mir Glauben und Frieden. In der Spannung stehend, muß ich hinter all 33 er ne ep ea == mein Tun und Sagen ein Fragezeichen setzen. Du Gott, kannst deinen Geist der Liebe über mich ausschütten, daß aus dem Fragezeichen ein freudiges Ja werde. Amen.“- Paul wird ein Beter, einer, den es im Kämmerlein auf die Knie zwingt. Ich darf hier ein Wort aus einer Predigt, die er über Daniel 6 am 27. 9. 1936 hielt, für ihn persönlich gel- tend machen:„Das Gebet macht aus Menschen Männer, die sich beugen allein vor Gott und die Gott bekennen vor der Welt. Das Gebet ist die Kraft Gottes für den Lebens- und Glaubenskampf.“ Pauls Liebe und Fürsorge galt in erster Linie seinen Kran- ken, er merkte oft, daß bei ihnen die seelische Not weit größer war als ihre leiblichen Nöte. Er mühte sich, ihre Ge- wissen wach zu rufen und ihnen zum Sterben zu helfen. Eine sterbende junge Frau soll gesagt haben:„Eines muß ich euch noch sagen: Eine selige Sterbestunde wiegt’s ganze Leben auf! Das hat mich Pfarrer Schneider gelehrt, den könnt ihr darum fragen.“ Unsere Gemeindeschwester berichtet:„Ich denke an einen jungen Epileptiker, der von einem schweren Anfall gepackt wurde, der drei Tage und drei Nächte andauerte. Der Kör- per wurde hin und her gezerrt, so furchtbar, daß wir alle— eingeschlossen der Arzt— machtlos an seinem Bett standen und trotz schwerster Betäubungsmittel ihn nicht zur Ruhe bringen konnten. Der Teufel grinste uns an in diesem ge- quälten Menschen. Da trat Pfarrer Schneider an sein Bett und wir lagen lange mit ihm auf den Knieen und flehten zu Gott um Erbarmen. Dann nahm Pfarrer Schneider denKran- ken in die Arme, redete ihm gut zu. Was keiner von den Pflegenden fertig gebracht hatte, das wurde Pfarrer Schnei- der geschenkt. Der Kranke wurde unter seiner Hand ruhi- ger und schlief ein. Wenn ich nachts an diesem Kranken- bette stand und selber fast verzweifelte bei dieser schweren Pflege,- dann hörte ich plötzlich das Motorrad von Pfarrer Schneider und er kam in die Krankenstube und sagte: ‚Ich 34 wußte, Sion de Gedank standen sagte 7 Schneid wurden setzte 5 euch all habe v« Pfarrer Teufel und st Die ge er rede konnte Trinkei saß, sa sagte€ wenns Eines der Ba Als er hinein Pfarre bracht Herr Brude helfen Am 31 es im mache Sünde sterlig Geist Gott, N, daß uf die 8t, die ch gel- er, die 07 der s- und Kran- t weit te Ge- 1. Eine h euch Leben nt ihr einen epackt t Kör- alle- ‚anden Ruhe m ge- n Bett ten zu Kran- ın den ‚chnei- | ruhi- ınken- weren farrer e; ‚Ich wußte, daß ich hier nötig war‘, und er war es im wahrsten Sinn des Wortes. Nicht selten kam mir in diesen Tagen der Gedanke an Pfarrer Blumhardt. Alle, die dies Lager um- standen, erlebten die Kraft des Gebetes. Der junge Arzt sagte zu mir: ‚Es ist doch etwas Seltsames um Pfarrer Schneider!‘ Als es mit dem jungen Mann zum Sterben ging, wurden plötzlich seine Sinne noch einmal ganz klar. Er setzte sich in seinem Bette hoch auf und sagte: ‚Ich danke euch allen, daß ich aber selig sterben kann und keine Angst habe vor dem dunklen Grab,— das danke ich Ihnen, Herr Pfarrer! Nun bin ich mit meinem Gott im reinen und der Teufel hat keine Gewalt mehr über mich!‘ Er legte sich um und starb in Pfarrer Schneiders Armen ruhig und friedlich. Die gefährdeten Familien ließ er nicht aus dem Auge und er redete oft sehr eindeutig und bei aller Liebe und Güte konnte er grob werden, so daß er zum Beispiel zu einem Trinker, bei dessen Familie er bis spät in die Nacht hinein saß, sagte: ‚Sie sind ein Lump!‘ Als dieser aufbrauste, da sagte er es nochmals: ‚Es wird erst dann mit Ihnen besser, wenn Siezumir sagen: Herr Pfarrer, ich bin wirklich einLump! Eines Tages brachte Pfarrer Schneider einen Schützling aus der Berliner Stadtmission zu einem Urlaub in unser Haus. Als er mir aus seinem Leben erzählte und ich in Abgründe hineinschaute, da sagte ich zu Pfarrer Schneider: ‚Aber Herr Pfarrer, was haben Sie mir denn da für einen Menschen ge- bracht?‘ Da sah er mich ganz traurig an: ‚Was soll denn der Herr Christus mit uns machen, wenn wir so von unserem Bruder denken? Ich hatte gedacht, Sie könnten mir beten helfen?‘ Ich schämte mich und war entwaffnet. Am 30. 1. 1934 schreibt mir Pfarrer Schneider: ‚Wir wollen es immer besser lernen, daß das meiste, was uns zu schaffen machen soll, worüber wir uns zu bekümmern haben, unsere Sünde sein soll, um so auch besser die Sünden anderer prie- sterlich tragen zu lernen!- Und im April 1937: ‚Nur im Geiste rechter Buße können wir mit Vollmacht beten um 3) 232 = Deere et SIERT ae SS BER u en a Gottes Segen für unsere jungenPaare, um Gottes Hilfe gegen die Geister der Krankheit und der Seelennot. Wir wollen bei uns selber anfangen, uns gewiß nicht besser halten als andere. Daß alle menschliche Gerechtigkeit und aller mensch- licher Ruhm zunichte werde und ganz allein übrig bleibe Christi Gerechtigkeit, die er uns am Kreuz erworben. Dar- in allein findet unsere Blöße und Fluchwürdigkeit ibre Dek- kung. Solange wir noch fromme und tüchtige und gerechie Leute sein wollen, geht uns Christi Gerechtigkeit nichts an.“ Auf die kirchliche Sitte wird gehalten. Jede Altersgruppe geht zweimal im Jahr an ihrem bestimmten Sonntag zum Abendmahl. Die feierliche Abendmahlstracht der Frauen gibt diesen Sonntagen ein besonderes Gepräge. Jeder Neu- ling ist beeindruckt von der Ehrwürdigkeit dieser kirch- lichen Sitte. Paul aber weiß, daß sie im Gegensatz steht zu der zunehmenden Verweltlichung und Entkirchlichung, die besonders bei der Jugend eingesetzt hat. Zwar wird am Abendmahlsgang festgehalten, aber wo kann da noch Ehr- furcht sein, wo Sündenerkenntnis, wo Buße, wo Bereitschaft, sich von Christus beschenken zu lassen, wenn man sonst selten oder nie unter’s Wort kommt? Läßt man sich nicht nur vom Rhythmus des Althergebrachten bestimmen? Paul wurden die Abendmahlsfeiern der jüngeren Gruppen mehr und mehr zur Last. Ältere Amtsbrüder rieten Paul, diese Sonntage als missionarische Gelegenheiten zu werten, aber er, der volksmissionarisch Begabte, war gerade an diesen Sonntagen gehemmt. Trug er als Seelsorger nicht mit die Verantwortung, wenn viele mit gleichgültigem Herzen zum Herrenmahl kamen? In der Beichtansprache bat er die Ju- gend— wohl nicht nur in dem einen mir bekannten Fall— doch den Mut zu haben und in den Bänken zu bleiben, er achte sie darum- wenn sie doch nicht von ihrem alten Trei- ben lassen wollten. Sie taten’s nicht. Am Abend aber be- suchte sie derPfarrer im Tanzlokal. Paul wies immer wieder hin auf die Notwendigkeit des selbständigen Beichtgottes- 36 ' | N | | 1} dienstes wie&| strebte© hetende und jed yit sei Weihna alten FC des Pre ein Ge num m nach 4 gerade Gottes haben - sich. Verpfl also d kenntr anf.“ entlas rufen. heit: erme: einer lich} gewe über Kons byter sich ı samn tium Beric Die; ‚gegen wollen en als ensch- bleibe . Dar- - rechie San.“ Tuppe > zum ‘rauen - kirch- eht zu 8, die d am , Ehr- schaft, sonst nicht Paul mehr diese „ aber diesen it die dienstes und die persönliche Anmeldung zum Abendmahl, wie es ja auch in früheren Zeiten gute Sitte war. Er er- strebte eine Abendmahlsfeier inmitten der mitsingenden und betenden Gemeinde, die in kürzeren Abständen jeden rief und jeden anging, der sich rufen und dienen lassen wollte. Mit seinem Presbyterium kam er darüber nicht überein. Weihnachten 1933 schien ihm das Jugendabendmahl in der alten Form unmöglich zu sein, er setzte dafür ohne Beschluß des Presbyteriums am letzten Adventswochengottesdienst ein Gemeindeabendmahl an.„An Weihnachten konnte ich nun nicht mehr wie nun 7 Jahre lang das Jugendabendmahl nach alter Sitte abkündigen und abhalten. Es war nach- gerade ein Unfug, daß bei dem im übrigen recht spärlichen Gottesdienstbesuch der Jugend- Sport und Hitlerdienst haben einer Gottesdienstsitte der Jugend den Rest gegeben _ sich zu diesem Fest-Abendmahl alles drängte und so seine Verpflichtung gegen Kirche und Gott ablöste. Nun habe ich also den Zwang der Sitte zerbrochen. Ich rief zu einer Be- kenntnisfeier mit anschließenden freiwilligen Abendmahl auf.“(Brief vom 29. 1. 1934.)— Die Gemeinde wird ‚nicht entlassen‘, eine kleine Schar- Junge und Alte— läßt sich rufen. Wer etwas weiß von Dorfgemeinschaft, Gebunden- heit an Dorfsitte bis hin zur feierlichen Kleidung, der mag ermessen, wie schwer es jedem einzelnen geworden ist. Auch einer der sechs Presbyter erhob sich und trat ruhig und feier- lich heraus. Dies ist Pauls letztes Abendmahl in Hochelheim gewesen. Der Bruch mit seinem Presbyterium wurde dar- über endgültig. Sein ‚eigenmächtiges Handeln‘ wird dem Konsistorium angezeigt. Paul wußte, daß er gegen die pres- byteriale Ordnung verstoßen hatte, er hoffte aber, daß er sich um der Sache willen mit seinen Presbytern wieder zu- sammenfände, aber diesem Ringen wurde vom Konsisto- rium und von der NSDAP bald ein Ende gesetzt.(Siehe den Bericht am Ende dieses Abschnittes über Hochelheim.) Die rechte Stellung zu den Sakramenten nicht ohne Kirchen- 37 es R= N wZ a ep == Es Br SEES SET 5 RE wre a S re v SE er | i i en, ren zucht! Vater Schneider hielt in seiner Amtszeit streng ge- setzlich darauf, daß der Rest von Kirchenzucht, der sich durch die Jahrhunderte erhalten hatte, geübt wurde. Es handelte sich dabei um Verstöße gegen das 6. Gebot. Braut- paare, die ein Kind erwarteten, wurden ohne Brautschmuck und ohne jede Feierlichkeit in der Studierstube getraut. Eine große häusliche Feier war nicht erwünscht. Stille Trauungen waren am Werktag, festliche Hochzeiten immer am Sonn- tag. Es kam auch vor, daß der Pfarrer vor der Taufe eines Kindes sagte:„Die Eltern dieses Kindes haben Gott und die Menschen belogen“ u. a. m.— Paul war von den ersten Tagen seines Pfarramts an gezwungen, sich um die rechte Ausübung der Kirchenzucht zu mühen. Er wurde förmlich unter Druck gesetzt— durch Unterschriften des Presbyte- riums, durch einen ‚Streik‘ eines Brautpaares-— am Vortag seiner Amtseinführung!— die alte Form zu lockern. Er konnte auch aus eigener Überzeugung des Vaters Kurs nicht halten. —„Zu meinem Empfang warteten statt der Kutsche am Bahnhof gleich vier Amtshandlungen, darunter zwei nicht ganz erquickliche, eine Trauung, bei der ich den letzten Rest von Kirchenzucht in Gestalt der Stilltrauung einstweilen fah- ren ließ, indem ich sie am Sonntag feierlich in der Kirche vornahm, was mir in Anbetracht des darauf folgenden lär- menden Festes wieder leid tun wollte und dann die Beerdi- gung eines Selbstmörders aus unserem Studentenkreis, bei der ich num umgekehrt mich an die kirchliche Ordnung bin- dend- gegen alle Bitten der Gemeinde—- nur im schwarzen Rock auf dem Friedhof amtierte, Text Jes. 48,17 n. ı8. Recht gemacht werde ich es auch diesmal nicht haben.“(Brief vom 6. September 1926.)-—„Der Kampf um die Kirchenzucht in den Gemeinden ist noch nicht ganz ausgetragen und wird wohl noch mit meiner Niederlage enden, die mir selbst am Ende nicht so unlieb ist. Da bleibt nachher nur noch der Kranz und die Krone(Tracht) als Ehrenzeichen und die stille Trauung für die, die guten Willens sind.“(Brief vom 38 Bi Oktol u KirchenZ Sehne de je det& Einheit quszuübe heilige gab.=| der Get mit den Da hat genomf ‚Abendt heit zut nicht, 1 Der Pt ten, die der all ihn, de geht h Krank einem stenlel gelass man| Getau und n Hoche der sı Paul; sich di Stütz Staat Une: Dg ge- € sich de. Es Braut- chmuck t. Eine uungen - e eines IE und ersten rechte örmlich esbyte- Vortag konnte halten. he am i nicht 2n Rest en fah- Kirche en lär- Beerdi- eis, bei ng bin- warzen ‚ Recht ef vom ucht in d wird bst am ch der nd die ef vom 1. Oktober 1926.)— Von nun an rang Paul während seiner ganzen Amtszeit um das Verständnis der reformatorischen Kirchenzucht. Über Kirchenzucht sagt Calvin:„Sie ist die Sehne der Kirche. Wenn man diese Sehne zerschneidet, dann ist der ganze Leib kraftlos.“ In seinem Filial versuchte er in Einheit mit seinem Presbyterium sie im Glaubensgehorsam auszuüben, wo immer ein öffentlicher Verstoß gegen Goties heilige Zehn Gebote der christlichen Gemeinde Ärgernis gab.— Diese Kirchenzucht wurde von einem großen Teil der Gemeinde im Glauben angenommen, von anderen aber mit dem heftigsten Widerspruch abgelehnt. Ein Beispiel: Da hat der Streit zweier Nachbarn ein solches Ausmaß an- genommen, daß der Pfarrer einschreitet und beide vor dem Abendmahlsgang vor’s Presbyterium lädt, um ihnen Gelegen- heit zur Versöhnung zu geben. Der eine kommt, der andere nicht, ist aber dann dennoch beim Abendmahlsgottesdienst. Der Pfarrer läßt ihn vor der Beichte durch den Küster bit- ten, die Kirche zu verlassen. Er bleibt. Da wendet sich nach der allgemeinen Beichtfrage der Pfarrer ganz persönlich an ihn, den im Dorf einflußreichen Mann. Nun steht er auf und geht hinaus. Erst später, nach einem Unfall und langem Krankenlager des Betreffenden, kommt diese Geschichte zu einem guten Ende.-— Wer dreimal unentschuldigt in der Chri- stenlehre fehlte, wurde ein Jahr lang nicht zum Patenamt zu- gelassen. Da dort die jungen Paten sehr beliebt waren und man bis zu sechs Paten hatte, mußte man schon aufpassen! Getauft wurde nur in der Kirche im Gemeindegottesdienst und nur in Gegenwart des Vaters bzw. der Eltern.— In Hochelheim hielt das Presbyterium im wesentlichen nur an der sehr gelockerten Trauzucht fest. In der Seelsorge ging Paul persönlich ratend und mahnend darüber hinaus. Er hat sich dadurch manche Feindschaft zugezogen, wie z.B. die des Stützpunktleiters der NSDAP, der Pauls Stellung zum NS- Staat darum doppelt scharf unter die Lupe nahm. Unser großes Anliegen war die Erfassung der Gemeinde- 39 en ae Eee 2 ——— EEE ee ee FFEEFFTR Hauptdorf.„In Dornholzhausen sind die Verhältnisse an- ders als hier, ich möchte sagen alttestamentlicher! Geiz, Al- kohol und Unsittlichkeit unter der Jugend sind auch dort mächtig. Aber in der Evangelisation vor Totenfest durch einen Berliner Freund wurde das Wort im ganzen willig auf- genommen und es bietet sich dem missionarischen Willen der Kirche weit mehr Einflußmöglichkeit auf das ganze Dorf.“—„In Hochelheirm trafen wir einen Jungfrauen- verein und Jünglingsverein an, und da es kaum gelang, aus der Dorfjugend neue Glieder dazu zu gewinnen, hielten wir auch offene Abende. Wie oft stand aber die Tür des Pfarr- hauses umsonst offen!“ Auch durch Freizeiten suchten wir Eingang zu gewinnen. Paul konnte mit der Jugend von Herzen froh sein. Spielen, Basteln, Turnen, Wandern und besonders Singen war ja auch seine Freude! Selbstverständ- lich aber war ihm, daß die Bibelbesprechung im Vereins- leben nicht fehlt und daß man von denen, die kommen, auch etwas verlangt an christlicher Lebenszucht und Mitarbeit im Gemeindeleben. Es war ein Auf und Ab in unserer Jugend- arbeit. Oft mußten wir einsehen, daß„zuviel gemacht und zu wenig gewachsen war.“ In beiden Dörfern entstanden bald Frauenhilfen. An diese Arbeit kann ich nur mit großer Freude und Liebe zurück- denken. Unsere beiden Frauenhilfen standen uns tätig und hilfsbereit zur Seite, sei es in der Armenpflege, sei es bei der Einrichtung einer Schwesternstation. In allen Stürmen blieben die Frauenkreise bestehen, verfestigten sich immer mehr unter Gottes Wort und waren auch während des Dritten Reiches ein Bollwerk der Bekennenden Kirche. Nach unserem Weg- gang durften wir ihre Treue erleben. Wir wurden mit Omni- bussen besucht, durften Gegenbesuch mit unseren Hunsrückern machen. Am Grab meines Mannes standen diesetreuenE rauen, und noch heute reißt die Verbundenheit nicht ab.- Gerne fuhr Paul zu Singwochen und kirchlichen Freizeiten. 40 j jugend. Das gelang wohl im Filial etwas besser als im| Epfüllt R EI mer das 3 gr uns ij Gemeindk gleichs am klagen un nd Dan Auf seine 2 wegs; de U hatte, Si zu helfe Jose in unsetes war ein Wie oft selbst lä einem B unsere 1 sondern Gieben der:„N fonanru kurzet hochge Rucksa auf. ‚N gleich ganze Wie of dann s haben dann| jungen ließ, D Mit Fr als im usse an- seir, Al- uch dort St durch illig auf- : Willen IS ganze gfrauen- ang, ans Iten wir SED) Tarr- hten wir end von ern und erständ- Vereins- en, auch beit im Jugend- ıcht und \n diese zurück- itig und bei der | blieben hr unter Reiches m Weg- t Omni- srückern ‚Frauen, ejzeiten. Erfüllt kam er heim, aber das„Heimkommen ist doch im- | mer das Schönste“.-„Und wie freundlich fügt es Gott, daß er uns über dem Ärger und der Enttäuschung draußen in der Gemeinde die Freude an unseren Kindern drinnen schenkt, \ gleichsam als Ausgleich. Nein, wir wollen und dürfen nicht \ klagen und haben doch noch viel mehr Ursache zum Loben und Danken!“ Auf seinem Rad, später Motorrad, war Paul vielfach unter- ‚ wegs, da er die synodale Betreuung der Fürsorgezöglinge hatte. Sie waren in„dauernder Bewegung“, und es gab viel | zu helfen und zu raten. Auch bei Bastelkursen für Arbeits- lose in der Kreisstadt tat er mit, überall der sozialen Not unseres Volkes an seinem Teil steuernd.— In unserem Dorf war ein primitives Obdachlosenheim für fahrende Leute. Wie oft hat er sich um sie bekümmert. Zweimal hatten wir selbst längere Einquartierung von obdachlosen Familien. Aus einem Brief an die Mutter:„Es ist ein Wort so recht für unsere Tage, daß der rechte Sozialismus nicht auf der Straße, sondern in der Familie anfange.“— Schwester A. G. aus Gießen erzählt von ihrer ersten Begegnung mit Paul Schnei- der:„Mir fehlten Gardinenschnüre für Vorhänge; ein Tele- fonanruf hatte mir gemeldet, daß ein Handwerker mir in kurzer Zeit das Fehlende bringen werde. Da sprang ein hochgewachsener Mann im Lodenmantel und mit einem Rucksack auf dem Rücken in großen Sätzen die Treppe her- auf. ‚Na endlich, schön, daß Sie kommen. Nehmen Sie nur gleich die Leiter mit!‘ Paul Schneider strahlte über: das ganze Gesicht. ‚Gut, wir wollen uns schnell dran machen. Wie oft habe ich meiner Mutter schon dabei geholfen.‘ Und dann stellte er sich vor: ‚Der neue Pfarrer von H. Wie oft haben wir später über diesen Irrtum gelacht! Ernster wurde dann später unsere Begegnung an dem Sterbebett einer jungen Mutter, die eine Schar unversorgter Kinder zurück- ließ. Die Forderung des jungen Pfarrers, sich nur ungesäumt mit Freuden zu einem seligen Sterben zu rüsten, schien mir AL Be Naazt nn DE TT re > SI Se <— en unmenschlich und ich sagte ihm das. Wir kamen nicht über- ein und auch ihn ließ dieses Sterbebett so bald nicht mehr los. Eines Tages bat er mich, ihn und seine junge Frau doch einmal in H. zu besuchen, wir könnten dort in Ruhe über diese Dinge sprechen. Im Laufe der Jahre bin ich dann so manchesmal dort eingekehrt, und immer war unsere Be- gegnung eine lebendige. Waren wir uns über irgendeine Fragestellung und ihre Beantwortung nicht ganz im klaren, so bekam ich ein Buch in die Hand gedrückt, dessen Seiten mit zahlreichen Notizen, Frage- und Ausrufungszeichen be- deckt waren. Bei der Lebhaftigkeit seines Geistes und Tem- peramentes konnte er manchmal heftig dreinfahren; das blieb nicht aus. Meine„Toleranz“ ärgerte ihn oft; für ihn gab es nur schwarz oder weiß, Feuer oder Wasser. Seit er sich unter schweren Kämpfen seinen Glauben errungen hatte, stand dieser Glaube fest wie ein kantiger, aus dem Boden gewachsener Felsen, an dem die Wasserwirbel empor- schäumen und sich, wenn auch unter Toben und Brausen, teilen mußten. Niemals habe ich einen Menschen gekannt, der so völlig unbeirrt, so kompromißlos seinen Weg ge- gangen wäre. Der junge Kämpfer nötigte einem schon Hochachtung ab, wenn auch seine Jugendkraft über das Ziel hinausschießen konnte. Regelmäßig kam er dann hin- terher, um die Sache wieder in Ordnung zu bringen. Ein- mal schrieb er mir: ‚Es war mir doch eine große Erleichte- rung, als Sie mir auf meinen etwas kriegerischen Brief eine so freundliche Antwort schrieben, Hinterher habe ich es nämlich doch mit der Angst gekriegt, ob es recht war, so zu schreiben, wie ich es tat. Christen sollten sich doch immer ganz ernst nehmen und einander gelten lassen.“- Dieser seiner herzlichen Art konnten sich nur wenige Menschen ver- schließen. Dazu kam eine großzügige Gastfreundschaft des Pfarrhauses. Es war in den Jahren der großen Arbeitslosig- keit. Menschen zogen mit Kind und Kegel durch das Land, um für sich und die ihren das tägliche Brot zu finden. Als 42 5: ch wieder beisieb. 3 kunft und ls dab sl 5 zufder$ terte die krabbelnd ihnen. sp! zählen h Augen. I strahlend nehmen| In dieser nicht vie Jichen Rı Radtour „Im übri: Motorra« Unkennt dern beg gegrüßt. drücke n Kreis ke Opfer 5 schwäbi uns trei was mir Beschw denten ı nicht ga der sich ben. W- die we Sondern sches Hı icht über. icht Mehr Prau doch uhe über dann so Isere Be- gendeine N klaren, en Seiten ichen be- nd Tem- ten; das ; für ihn t. Seit er errungen aus dem lempor- Brausen, gekannt, Weg ge- n schon ber das ann hin- en. Ein- rleichte- rief eine ich es 1, so Xu , immer Dieser 1en ver- yaft des itslosig- s Land, en. Als HZ ch wieder einmal nach H. kam, herrschte im Pfarrhaus Hoch- hetrieb. Eine zehnköpfige Familie war dort ohne Uhnter- kunft und Barmittel hängengeblieben. Was war natürlicher, als daß sie im Pfarrhaus Aufnahme fanden? Schnell wurde auf der Scheuer Heu ausgebreitet zum Nachtlager. Wir klet- terten die steile Leiter hinauf; da konnte man zwischen den krabbelnden Kindern den großen Mann sitzen sehen, mit ihnen spielen und ihnen von dem großen Kinderfreund er- zählen hören. Unvergeßlich stehen diese Bilder mir vor Augen. Damals wohnte das sorglose Glück im Pfarrhaus, strahlend und leuchtend und andere an seiner Wärme teil- nehmen lassend.....“ In diesem bewegten Pfarrersleben hatte die große Politik nicht viel Raum, doch äußerte sich Paul im geschwister- lichen Rundbrief 1932 nach der Beschreibung einer großen Radtour mit einigen Burschen der Gemeinde darüber so: „Im übrigen bewege ich mich auf viel faulere Weise mit dem Motorrad im gelben Staubanzug fort, den Pfarrer bis zur Unkenntlichkeit verleugnend und von den Kindern und an- dern begeisterten Hitlerinnen mit den typischen Heilrufen gegrüßt. Wir sind dieser modernen Volksbewegung— ich drücke mich vorsichtig aus, um in unsern geschwisterlichen Kreis keine politische Trennung zu tragen— noch nicht zum Opfer gefallen, sondern halten es viel lieber mit dem gut schwäbischen Gewächs des christlichen V olksdienstes, haben uns treu und often zu Hindenburg bekannt bei den Wablen, was mir meine Stellung freilich noch erschwerte und mir eine Beschwerde des Gauführers der NSDAP beim Superinten- " denten eintrug, sind aber mit Hindenburgs neuesten Taten nicht ganz einverstanden.— O des unseligen Parteigeistes! der sich so versündigt am Voolksganzen von hüben und drü- ben. Wo sind die gerecht urteilenden christlichen Gewissen, die weder vom Nationalsozialismus noch vom Sozialismus, sondern vom Evangelium her die Maßstäbe für ihr politi- sches Handeln gewinnen? Aus dieser Quelle bezieht sie aber 45 ee See ee euere: Zuge FE ar a en ERRETZ Sara ES FSFFFFE SIHEIEEFEEEE Fee zZ u der Nationalsozialismus auch noch nicht; wird er dann wirk- lich die beiden Pole vereinigen und unser Volk der sittlich- religiösen Erneuerung entgegenführen können, deren es so\ dringend bedarf?- Im Februar 1933 schreibt er, an einer Lungen- und Rippenfellentzündung schwer darniederliegend: „Heute deutscher Abend mit deutschem Tanz. Ob das nun ein anderer Tanz ist als der gewöhnliche? Aber zu Lichtbil- dervorträgen, Bibelstunden lädt man das Gros der Leute| vergeblich ein. Was sind unsere evangelischen Gemeinden? Und doch sind es Gottes Zeiten und hat Gott sein Werk| irgendwie unter uns, daran gilt es festzuhalten und fröhlich vorwärts zu glauben.“— Im Dorf zieht der Nationalsozia- lismus langsam ein, viele stehen noch abwartend, die neuen| politischen Machthaber des Dorfes werden kritisch betrach- tet. Ein Handwerker spricht aus:„Der einzige National-| Sozialist ist hier der Pfarrer und der ist keiner!“— Daß aber| der ı. Mai 1933 das ganze Völkchen mit all ihren Gaben und: Verschiedenheiten vereint, und alles beim Feldgottesdienst| und den Kundgebungen durchs Radio zugegen ist, das er- füllt Paul nun doch mit Freude. Er fängt an, dem„sozialen| Wollen Hitlers Vertrauen zu schenken.“-„Wenn wir nur auch als Kirche den positiven Beitrag zum inneren Aufbau unseres Volkes leisten können, den wir ihm schuldig sind in unserer eigentlichen Amtsarbeit!“- Daß aber der Stütz- punktleiter alle Augenblicke sich der Kirchenglocken zum nationalen Festläuten bemächtigen will, den kirchlichen Ju- gendgruppen das Existenzrecht streitig macht, von den kirch- lichen Körperschaften Reverse, die er nur bedingt unter- schreibt, gefordert werden, das und noch viel mehr erfüllte ihn immer wieder mit Mißtrauen.- Den ‚deutschen Gruß‘ hat er nie über seine Lippen gebracht, er konnte die ‚fromme Auslegung‘ desselben nicht leiden.- Den Arierparagraphen als solchen, und im besondern im Raum der Kirche, lehnte er ab. Nur mit allergrößtem Mißbehagen stellte er von nun an die arischen Nachweise aus, die im Dritten Reich jedem 44 BGE I jr== RETTET En ee Par WOGEREUNE DREI IST EHEN POLE TERDR EEE ENGE EOOTTERFUN Dorfptatt redenS; da sie ginge? geine eiste ) Mitte Jol | einef Rede | heraus, ob | Gewissens Er hört d „Arbeit la auch eine wohl dab der DEH Auf einet den Klär Herzens€ "len, daß | wolle ein ‚hierbei d sich von daß ein| oder des diesen K gleich la und Bru Die letz "letzten 1 Mutter )| schon 87 lichen Be gegen dı wie ich ! Paul erwar Abkündigung Iutionären K Volkes«(N dann wir} Dorfpfarrer so viel Zeit nahmen. Es bedurfte manchen Zu- der Sittlid, edens, daß er nicht einfach ablehnte, sie auszustellen, und leren&s 1 ie gingen manchmal mit Zusätzen ab, z. B. der ‚Arier‘ solle t, an eine, eine ersten Eltern nicht vergessen!— derliegeng, Mitte Juli 1933 ist eine Kundgebung der DC in Wetzlar mit db das m, ziner Rede des Frankfurter Pfarrers Pr. Aus seiner Unruhe u Lichthj), neraus, ob es nicht doch eine Stelle gäbe, bei der er guten der Ley, beim Aufbau mithelfen könnte, geht Paul hin. emeinden! ‚Er hört dort etwa das, was ihn über Gemeindeaufbau und sein Werk,\. Arbeit lange beschäftigt und glaubt nun guten Willens, sich nd fröhlich, jnuch einreihen zu können. Es ist ihm aber„richt so recht ionalsozig.) wohl dabei“ und er fürchtet,„der wirklich positive Flügel die neuen Ider DC könne sich doch nicht durchsetzen.“(August 1933.) ch betrach., Auf einer Singwoche Ende August 1933 findet er bei Freun- National. Jen Klärung und Befreiung. Und da er von Grund seines Daß aber ‚Herzens ein bußfertiger Christ war, so konnte es nicht feh- \en, daß er alsbald vor seine Gemeinde trat und sagte, er wolle ein schlichter evangelischer Christ bleiben und sich ierbei das Vorzeichen ‚Deutsch’ schenken, das verstünde ı„sozialen| sich von selbst. Von da an war seine Haltung eindeutig, so oe daß ein Freund bezeugen kann:„Niemand, den ich kenne, a Aufbau oder dessen Geschichte mir zu Ohren gekommen ist, hat diesen Kampf unserer Kirche schlichter und einfältiger, zu- leich lauterer und unerbittlicher geführt als mein Freund saben und Ottescienst st, das er- uldig sind y der Stütz|)'> RR ee. und Bruder Paul Schneider. I\ Die letzten Monate in Hochelheim. Über die Vorgänge der in[etzten Monate lasse ich Paul aus seinen Briefen an meine ur Mutter selbst reden:„Az 8. Oktober, in Dornholzhausen 1gt unter- 3} Ä, I füllte\schon 8 Tage früher, hatte ich von der Kanzel und im kirch- et IH..# Bi Fichen Bekanntmachungskasten gegen den Aufruf von Röhm ıen Gruß’| K i en!> gegen das ‚Muckertum‘ protestiert. Ich wurde natürlich, e ‚Fromme| wie ich das vorausgeahnt hatt gezeigt. U. ich 7 na vorausgeahnt hatte, angezeigt. Um mich vor ragrap he, lehnte IT) L Paul erwartete einen Protest der offiziellen Kirche; als der nicht kam, verlas er bei den 0) Abkündigungen seinen eigenen:„Stabschef Röhm irrt sich, wenn er meint, nur mit revo- r von NU\ Jutionären Kräften das Dritte Reich bauen. zu können ohne eine innere Erneuerung des ich jedem"7 Volkes.“(Nur sinngemäße Wiedergabe aus dem Gedächtnis). 1’ h | 45 1} | 2 einer Verhaftung zu schützen, beurlaubte mich das Kon-\ Anfang] ; ae 5 5 Da RI| sistorium schnellstens. Wir waren gerade fröhlich beim Sing-\ Wi i EAN 2 2: end ii Il) kreis in D., als der Herr Superintendent mit dem Auto vor-| ‚de A m dan IN;. l ii Bann fuhr. Am nächsten Tage wurde ich nach Koblenz befohlen,| in X” f ER N... 7) Bi b m) drängte i | vor einen Konsistorialrat und unseren neuen Bischof, Dr. Ti AH\?%- ls Weg hi Heinrich Oberheid(ein führender deutscher Christ). Ich Pub Bl,;{ a U cin Weg: RR IN) mußte mich unterrichten lassen, daß der Röhm’sche Aufruf sein WER a in der Hauptsache sich gegen das unberechtigte Vorgehen| z&t ei H von SA- und SS-Leuten gegen dritte Personen gerichtet habe| X“ del und daß ich in einer geführten Kirche als einzelner nicht| eine au eine so wichtige Sache vom Zaune brechen dürfe... Ich ließ| durch mich bestimmen, soll ich sagen verleiten?, meinen Protest als er sich öffentlich zurückzunehmen.... Die Kreisleitung gab sich| da ve aber noch nicht zufrieden, sondern dort war ich schon seit Telefongt FIT IST “| langem angeschwärzt als politisch unzuverlässig, und Stütz- deshalb I IA Dunktleiter und Kreisleitung waren sich offenbar dahin einig Notbund- (“ geworden, daß ich mindestens versetzt werden solle. Durch 4, Januaı I den Widerstand von Wetzlar konnte das Konsistorium die der Kirch i Beurlaubung nicht aufheben. Ich willigte ohne weitere Be- verlesen " weisgründe natürlich nicht in eine solche Versetzung. Es| Holitik R ht kamen zwei Vertreter des Konsistoriums; sie waren zuerst ser Predi " Mm bei mir und dann bei den Stützpunktleitern. Inzwischen war| N eine erhebliche Unruhe und Auflehnung gegen die Stütz- Dritten "’ Dunktleiter in beiden Gemeinden wach geworden... So| ben.“( | waren diese schließlich froh, wieder einlenken zu können.| Trotz se ht Ich habe am letzten Sonntag wieder gepredigt über Römer|} meindet 1 1, 16.“(Brief vom 26. Oktober 1933.)—„Ich glaube nicht, daß| verpflict N| unsere evangelische Kirche um eine Auseinandersetzung mit| Scheibe I dem NS-Staat herumkommen wird, daß es nicht einmal ge-| Bleibens N raten ıst, sie noch länger aufzuschieben, bei allem schuldigen|| uict vo hi christlichen Gehorsam.“(Brief vom 29. Januar 1934.)— Die\\\'Ende A i Stützpunktleiter rühmten sich nachher, daß sie des Pfarrers schwere h Schicksal in der Hand gehabt hätten. Paul gab dagegen be- I ud hi kannt, nur das Vertrauen der Gemeinde hätte ihn in Hochel-|") überlass A al heim gehalten. Er fühle sich frei von einer Bindung.| Schreibt \| N 46 LH UE Fee ET ER EIEDUPOTERUREDREELSUHNTER TE das Kon Anfang Januar wird Paul um eine Probepredigt in M. ge- beim Sing. Auto op. ! bef Ohlen, iSchof, Dr hrist), Ic che Aufruf Vorgehen ichtet habe mer nich .. Ich lief en Protes 8 gab sich schon seit und Stütz. Jahin einig lle. Durch orium die ’eitere Be- zung. Es ren zuerst ‚schen war" die Stütg- len... 50 u können, rer Römer nicht, dal otzung mit einmal ge- schuldigen 4.)- Die 3 Pfarrets gegen be- in Hochel- ung. beten. Da ja Paul wegen„seines schriftgemäßen Verstandes ler Abendmahlsfeier und der ernstzunehmenden Beichtfrage“ im Konflikt mit seinem Hochelheimer Presbyterium stand, drängte das Konsistorium auf dessen Beschwerde hin auf Pauls Wegmeldung, aber noch fühlte er sich gebunden, und sein Weggehen wäre ihm als Fahnenflucht erschienen. So zieht er nach der Probepredigt seine Meldung zurück. Aber dieDinge gestalteten sich immer schwieriger. Paulhatte eine Äußerung gegen den Goebbels’schen ‚Moralin‘-Aufsatz, der durch alle Zeitungen gegangen war, gemacht, und gerade, als er sich im Februar 1934 wegen der Abendmahlsbeschwer- den vor dem Konsistorium zu verantworten hatte, lief ein Telefongespräch vom Landrat ein, das seine Beurlaubung deshalb forderte. Dazu kam, daß er Ende Januar 1934 die Notbund-Erklärung gegen den Reichsbischof-Erlaß vom 4. Januar 1934 nach seiner Predigt über„Die Sturmfahrt der Kirche Christi und Jesu Herrlichkeit“ Matthäus 8, 23-27 verlesen hatte:„Obwohl ich im allgemeinen nicht Kirchen- politik oder Politik auf die Kanzel bringe, sprach ich in die- ser Predigt recht scharf gegen die DC und wies auch auf die Gefahren hin, die vom Volksleben und dem Staat auch im Dritten Reich dem Schifflein der Kirche Jesu Christi dro- hen.“(Brief vom 4. 2. 1934.) Trotz seiner zweiten Beurlaubung fühlte er sich um des Ge- meindeteils willen, der treu hinter ihm stand, zum Bleiben verpflichtet. Aber am 19. Februar 1934 kommt das amtliche Schreiben mit seiner Versetzung nach Dickenschied. Seines 'Bleibens sei in Hochelheim nicht mehr möglich, besonders nicht von seiten der staatlichen Stellen. Bis zum Umzug, Ende April, sei kein Dienst mehr gestattet. Das war eine schwere Probe für Paul, innerhalb der Gemeinde zu stehen und zu wohnen und doch Predigt und Unterricht anderen überlassen zu müssen. In einem Brief vom ı. März 1934 schreibt er an einen Freund:„Mein Hochelheimer Presbyte- 47 H a Y 25 TE ee en ee ER ne ee ugs SESE 2) rium stellte sich nicht hinter mich und bei im übrigen sehr| vielen Sympathien in den Gemeinden sind nur sehr wenige da, die für ihren Pfarrer den Kopf hinhalten wollen.“ Eine Abordnung zweier gutgesinnter Männer mußte sich auf dem Konsistorium belehren lassen, daß es für den Pfar- rer das allerbeste sei, er gehe. Paul hatte also keinen Auf- trag mehr in Hochelheim. Er wäre sonst bereit gewesen, die Treue zu halten. Er schied in Frieden; die, die ihm am meisten schadeten, können es bezeugen. Aber die Sorge um seine ersten Ge- meinden ließ ihn nicht los, und so wurde ihm sein Weggang | immer wieder zur Anfechtung.- Die Gemeinden erwirkten| bei den politischen Leitern die Genehmigung, Abschieds- feiern im Vereinshaus bzw. in der Turnhalle für den Pfar- rer halten zu dürfen. Dabei kam dann Paul auch noch ein- mal zu Wort. Von der Feier im Filial erzählt eine Freundin: „Paul Schneider sah angegriffen und abgezehrt aus. Mäch- tiger noch als sonst wölbte sich der starke Schädel mit der gebuckelten Stirn vor, die Augen lagen tief in ihren Höhlen. Aber eine große Stille lag wie ein Glanz auf seinen Zügen. Wir machten uns schweigend in dieser abendlichen Stunde auf den Weg. Ein Auto überholte uns- eine Frau mit einem amputierten Bein ließ sich herbeifahren, um in dieser Stunde nicht zu fehlen. Mir gegenüber äußerte sie sich dahin, durch Pfarrer Schneiders Seelsorge sei in ihr bisher unstetes Leben Ruhe und Frieden eingekehrt. Da saßen nun in dem Saal die Menschen, Kopf an Kopf, mit stillen, in sich gekehrten| Gesichtern. Der Mädchenchor begann mit Liedern, die sie| bei ihrem Pfarrer gelernt hatten, die Frauen sagten Gedichte|| und brachten als Abschiedsgabe ein Bild ihres Kirchleins. Ein Presbyter trat vor und erklärte,lange habe er in derHeili- gen Schrift nach einem Trostwort für seinen Pfarrer gesucht, und nun wolle er ihm diesen Trostpsalm vorlesen. So begann er mit der eintönigen Stimme, wie es Landleute häufig tun, oft vor Bewegung stockend, zu lesen.- Dann erhob sich Paul 48 KARATE no DISUEH UHR WEOOUDDERUN Eh ERROR ETTEIZZAU Schneide seiner seine machen, gelte AU meinde um sie h noch ein verkünd Das erk ihm zu Nun ab die Liel dem sie Gottes, stehenb) sein als auch ko Reihen lose Sti Weiner schieds] Bänker Wort. ständi: und b Gretel herzlicl Auch milien: lichkei schied Frauer ri i\ nn sch| Schneider und sprach zum letzten Mal zu der Gemeinde "wenige seiner Heimat. Nun gelte es Abschied zu nehmen. Er bat « ei, seine Gemeinde, es seinem Nachfolger nicht schwerzu- tußte sich machen, jeder habe nun einmal eine andere Art.— Aber es den Pfar) gelte nun auch Rechenschaft abzulegen. Diese seine Ge- Inen Auf. meinde sei seine erste große Liebe im Amt gewesen, und wesen, de um sie habe er im Zorn und in Liebe geeifert.... Wäre ihm noch einmal vergönnt gewesen, ihnen das Wort Gottes zu Schadeten, verkündigen, so hätte es in größerer Liebe geschehen sollen. tsten Ge. Das erkenne er in dieser Stunde und darum bäte er sie alle, Weggang ihm zu verzeihen, wo er gefehlt habe, denn es bliebe dabei: etwirkten Nun aber bleibet Glaube, Hoffnung, Liebe, diese Drei, aber Abschieds- die Liebe ist die größte unter ihnen. Denn der Grund, auf den Pfar- dem sie erbaut seien, Jesus Christus, der Sohn des lebendigen noch ein- Gottes, der müsse unwandelbar bis in alle Ewigkeit be- Freundin: stehenbleiben; seine letzte Bitte könne nun keine andere us. Mäch- sein als in Gehorsam und Glauben auf diesem Boden, was >| mit der auch kommen möge, zu beharren. Dann schritt er durch die n Höhlen, Reihen und reichte allen die Hand. Es herrschte eine laut- en Zügen, lose Stille, in das Scharren der Füße klang das unterdrückte an Stunde Weinen der Frauen.- Die Frauenhilfe hatte zu einem Ab- mit einem schiedskaffee eingeladen. Da saßen nun die Frauen auf den ‚er Stunde Bänken aufgereiht, immer noch fand keine das erlösende hin, durch Wort. Das Dorf hatte seiner scheidenden Pfarrfrau eine voll- ‚tes Leben ständige Hessentracht mit den gefalteten Röcken, Häubchen dem Saal und breiten Bindebändern zum Abschied geschenkt. Als gekehrten Gretel Schneider nun, gekleidet wie alle andern, mit einem n, die sie herzlichen Wort zu den Frauen trat, war derBann gebrochen.“ Gedichte"| Auch die Hochelheimer Frauenhilfe richtete uns einen Fa- FF Sa Ser = re San SERIES Dickenschied, den 13. Juni 1934 Sehr geehrter Herr Kreisleiter! Zu dem gestrigen Vorfall auf dem Friedhof möchte ich Ihnen, nachdem ich Sie gestern vergeblich zu sprechen suchte, einige Worte schreiben, die Sie bitten wollen, mein Handeln zu verstehen. Es ist mir persönlich leid, daß es zu diesem Zusammen- stoß kam, aber ich handelte in einer Zwangslage. Auch die Friedhofsfeier ist eine streng kirchliche Feier, im Namen des dreieinigen Gottes eingeleitet und geschlos- sen mit dem Segen und der Einladung zum Gotteshaus. Es geht nicht an, daß dabei wer nur will und was er nur will redet. Dies Verständnis für rechte kirchliche Ord- nung darf ich bei Ihnen voraussetzen. Wenn schon der Ersatz des lebendigen heiligen Gottes durch das ‚Schick- sal‘, das den Jungen abgerufen habe, in einer evangelisch- kirchlichen Feier nicht wohl überhörbar ist, so mußte die Einführung des himmlischen Sturmes Horst Wessels, der übrigens von dem einmal gewesenen Bischof Hossen- felder erfunden worden ist, den die Feier leitenden und für deren kirchlich-bekenntnismäßigen Charakter verant- wortlichen Pfarrer zum Widerspruch nötigen. Ich tat das in der mildesten Form, die am wenigsten Aufsehen er- regen sollte. Ihr nochmaliges Auftreten zwang mich, Pro- test einzulegen. Bei einer evangelisch-kirchlichen Feier hat die Stimme Gottes nach der Heiligen Schrift unüberhörbar zu Gehör zu kommen. Unser Kirchenvolk ist wahrhaftig liberali- siert genug, als daß noch länger jede Meinungsäußerung in der Kirche zu ihrem Rechte kommen könnte. Bei einer kirchlichen Beerdigungsfeier insbesondere verträgt es der Ernst der Ewigkeit nicht, mit menschlichen Maßstäben gemessen zu werden. Nicht jeder, der einigermaßen in der HJ oder SA seine Schuldigkeit tut, ist darum selig zu sprechen. Den irdischen Sturm Horst Wessels lasse ich BEREIT ICH ET Pauls‘ Steller eingeg vielbe Schnei Er sal ihn fe gekoc fort: ‚Juni 1934 Nöchte jch Sprechen n wollen, Isammen- 1ge. Auch Feier, im geschlos- Otteshaus, ‚as er nur che Ord- schon der $ ‚Schick- ingelisch- rußte die ssels, der Hossen- aden und t verant- h tat das sehen er- ich, Pro- . Stimme zu Gehör liberali- iußerung Bei einer gt es der aßstäben naßen in 1 selig zu Jasse ich sehr wohl gelten, aber darum läßt Gott ihn noch lange nicht geradlinig in die ewige Seligkeit marschieren. Das ist vielleicht ‚Deutscher Glaube‘, aber nicht schriftge- mäßer christlicher Glaube, der mit der vollen Wirklich- keit der tief in das Herz und Leben der Menschen ver- flochtenen Sünde Ernst macht. Ich wende mich außerdem an Ihr Verständnis für Ord- nung und Disziplin. Ich darf in einer Parteiversammlung der NSDAP auch nicht auftreten und sagen, was ich will. Mit einer kirchlichen Feier auf dem Friedhof ver- einbaren sich allenfalls Kranzniederlegungen mit einem schlichten kurzen Nachruf, aber nicht lange Ansprachen mit glaubensmäßigen Aussagen, zumal wenn vorher nicht das Einverständnis des die Feier leitenden Pfarrers ein- geholt wurde. Es ist wohl jetzt nur eine überflüssige Versicherung, die ich Ihnen gebe, daß mich nicht politische Reaktion lei- tete und Sie werden einem aufrechten deutschen Manne und Christenmenschen schon glauben, wenn er sich auf sein pfarrerliches in Gott gebundenes Gewissen beruft. Im übrigen wäre es mir ein Vergnügen, wenn wir uns über die Sache selbst und die dahinter liegenden Glau- benswirklichkeiten weiter unterhalten dürften. Mit deutschem Gruß P. Schneider, Pfarrer. Pauls Freund L. berichtet:„Drei Tage ließen die politischen Stellen sich Zeit zu der Überlegung, in welcher Weise hier eingegriffen werden müsse, dann stellten sie fest, daß die vielberufene Volksseele am Kochen sei, und nahmen Paul Schneider in Schutzhaft. Wir besuchten ihn in seiner Zelle. Er saß dort gelassen und getrost. Eine Woche lang hielt man ihn fest, dann wurde er entlassen. Die Volksseele hatte aus- gekocht.“— Nun fährt Paul in seinem Brief vom 13. Juni 1934 fort:„Während meiner Haft unterschrieben von 48 Haus- 53 3 FE y 3££ 5 i| in haltungen meines Filials 43 eine Eingabe, in Dickenschied Geme il das Presbyterium für die ganze Gemeinde. Die SA-Leute|. Ri| drohten mit Austritt, wenn der Pfarrer nicht wiederkomme uns 0 N und riskierten Verhaftung, führten Glaubensgespräche mit| enthalt I dem Kreisleiter und antworteten auf die Frage, was ihnen| darf an hi lieber sei, der Glaube oder der Nationalsozialismus, ‚der|| wer in Glaube‘, um sich dann sagen lassen zu müssen, daß sie so|) bier sol I keine rechten Nationalsozialisten seien. Sie waren aber bier| yecht be, It ı bei den allerersten Anfängen der Bewegung längst vor dem| rück.“ N Umschwung schon dabei! Die Presbyter des Filials und an-| Folgene u dere Männer verantworteten sich, vor den Herrn Amtsbür-||| sugan a germeister zitiert, dort für ihren Glauben. Der Ortsvorsteher| Kl und Vater des Stützpunktleiters sagte, wie wir für das Vater-| in land und den Nationalsozialismus gekämpft haben, so sieben\ X IN und kämpfen wir auch für den Glauben unserer Kirche.-\ Sta H Die Amtsbrüder der Pfarrbruderschaft, zu der ich gehöre, dur ' verfaßten eine Erklärung, in der sie ausdrücklich mein Han-| hr deln vor der Öffentlichkeit rechtfertigten. Sie sollte am letz- nn W ı ten Sonntag von den Kanzeln verlesen werden und auch an MM am N Innenministerium, Vizekanzlei und kirchliche Stellen wurde| dui hi sie weitergegeben. Fast alle Amtsbrüder der Synode erklär-| zut 1 ten sich in einem Schreiben an mich ins Gefängnis solida- sch I risch und wollten in gleicher Weise zur Wahrheit stehen und sch hi auch dafür leiden. Der Herr Superintendent, der in Sim-| de il mern, dem Ort meiner Haft, wohnte, war rührend besorgt ste ih um mich und trug mir jeden Mittag durch die ganze Stadt| mi N in einem Körbchen das Mittagessen zu. Der Gerichtsdiener| Ge i gab sich alle Mühe, meineHaft angenehm zu gestalten. Gretel Mid iM durfte mich besuchen, soviel sie wollte. Nach sechsTagen ent-| an N ließ mich der stellvertretende Landrat aus der Haft. Obwohl| un il die Sache bis Berlin geleitet wurde, fand man doch keinen w il Grund zur Strafe und verwarnte mich nur, in Zukunft von|& ii staatsfeindlichen Äußerungen Abstand zu nehmen, wogegen au ii ich mich mündlich und schriftlich verwahrte. Zwei Presbyter I la N h geleiteten mich heim und abends versammelte sich die ganze| S N| " 54\ || i j SSRRHRTRNTFHRNARRÄRKTERREREN EEE TTTTTETEDLENEHSIRSTTEREITTGCTTEEN RER FERNER TEE UET ESG UHDUROLENOLLDEEHUU HN TUE DEDECDEUDEUEHEEEE ckensch; H SA-Leute lerkomme Täche mit Was ihnen UNS, ‚der ia sie 50 aber hier ; vor dem s und an- Amtsbür- Svorsteher las Vater. ‚so stehen Kirche,- h gehöre, rein Han- e am letz- d auch an en wurde de erklär- is solida- ehen und r in Sim- d besorgt nze Stadt chtsdiener zn. Gretel 'agen ent- , Obwohl ch keinen kunft von wogegen Presbyter die ganze i PET ee ll EEE DER Gemeinde in der Kirche. Ihr könnt Euch denken, daß wir viel mehr Trost und Freude hatten, als das bißchenUngemach uns ausmachte. Ich glaube Euch dies unser Erleben nicht vor- enthalten zu dürfen, weil es uns allen den Glauben stärken darf an die Sendung und Verheißung der Kirche Christi für unser Volk auch in unseren Tagen. Nachdem die Gemeinde bier solche Haltung gezeigt, möchten wir wirklich uns erst recht beglückwünschen zu unsererV erbannung auf den Huns- rück.“ Folgenden Brief richtete Paul Schneider nach seiner Entlas- sung an die Staatspolizei: Dickenschied, den 21. Juni 1934 An die Staatspolizeistelle in Koblenz durch den Herrn Landrat. Wie ich schon bei meiner Entlassung aus der Schutzhaft am gestrigen Tage bei den mir gemachten Eröffnungen durch Herrn Oberinspektor Schmidt diesem gegenüber zum Ausdruck gebracht habe, verwahre ich mich ent- schieden gegen die nachträgliche Beurteilung des Zwi- schenfalles auf dem Friedhof in Gemünden am ı2. Juni, der zu meiner Inschutzhaftnahme Anlaß gab, als einer ‚staatsfeindlichen Äußerung‘. Diese Verwahrung gebietet mir schon meine Amtsehre. Gerade die Anwesenheit der vielen Uniformierten, die ich in diesem Falle als Hörer der kirchlichen Botschaft anzusehen hatte,machtemirdasEinstehen für reineLehre um so mehr zur Bekenntnispflicht. Darum kann ich nicht, wie Sie mir eröffnen ließen, der von mir in milder Form geübten Lehrzucht den Stempel der Staatsfeindlichkeit aufdrücken. In dieser Auffassung weiß ich mich, wie ver- Jautet,mit vielen der anwesend gewesenen Uniformierten einig. Darum kann ich auch nicht, wie Sie mir in den ge- 55 end ee SE nn ERTE .— u IDEE SE SPRIT ee R ee See RIESE FT SE RE nee Den = machten Eröffnungen ansinnen, versprechen, mich in Zu- kunft ähnlicher ‚staatsfeindlicher Äußerungen‘ zu enthal- ten, wenn es die Pflicht meines Amtes und christlichen Bekennens mir gebietet. Damit aber solche Zwischenfälle vermieden werden, die freilich dem Ansehen der Partei bei unserer an Bibel und Bekenntnis festhaltenden Bevölkerung schaden könnten, wäre es geraten, wenn auch von seiten der Partei und ihrer Organisationen dieLebensordnungen, dieLehre und das Ansehen der Kirche ernstlich respektiert würden. Schneider, Pfr. Die Gemeinde Dickenschied ist Diasporagemeinde, zwei Drittel der Einwohner sind katholisch, Womrath ist fast ganz evangelisch. Beide Gemeinden umfassen im ganzen etwa soo Seelen. Auf der Gemeinde Womrath lag das Haupt- gewicht der Entscheidungen. Die Gemeinden gehören zur altpreußischen Union, haben aber reformiertes Gepräge, mit dem Heidelberger Katechismus als Lehrbuch. Den mußte nun der neue Pfarrer zuerst selbst lernen, und er tat es mit dem ihm eigenen Einsatz und Eifer. Auch innerlich eignete er sich dieses Bekenntnisbuch immer mehr an. Und nun fand er auch endlich Zeit, Barth’s Römerbrief zu studieren. Dieses Studium und auch dieVerlautbarungen und Synodalbeschlüsse der Bekennenden Kirche, die aus dieser Theologie entstan- den, bedeuteten ihm Beglückung und Befreiung. Wie oft hat er mich in seiner Freude über dieses Studium in Küche und Kinderstube daran teilnehmen lassen wollen!- Die Ge- meinde war im ganzen gut geordnet und ließ sich seinen Dienst gerne gefallen. Frauen- und Jugendarbeit bestand schon und durfte nur weitergepflegt werden. Neu ent- stand ein Singkreis, der jung und alt beider Geschlechter zusammenführte. Daß sie nicht nur fürs Singen aufge- schlossen waren, sondern mit uns in guter christlicher Ge- meinschaft standen, das war unsere Herzensfreude.- Der 56 cu LATEERESEET EN am EORRERELGIRUNSNESOCHEEUERDEROLDN BEST EN EERNHEHSBNIIDTE BEN | zrößte Teil d | sei Jahre“ derlichem e Kichenkamp | macht. Welch | kommen! | Arderschaft den die Kird }| ji nur einer | zindlich da henzucht au | nungen dazu diesen Austa "| neinden fan © mcht vor. Ti missen, dan ins Pfarrhaus ztun, d. h. Iassung zum Mischehen,\ dererziehung volles Mitge in den drän; durfte die F Bekenntnis: ein großer 7 der Zeit die Beiträge be kenntnissyn Presbyteriui Sottesdienst Stunde von Einführung und Unruh Zept zu seit nich in 7,. Zu enthal. Christlichen verden, die 1 Bibel und a könnten, Partei und Lehre und würden, neider, Pfr, inde, zwei t fast ganz Nzen etwa as Haupt- hören zur präge, mit| Jen mußte) tat es mit ich eignete 1 nun fand >n. Dieses [beschlüsse je entstan- Vie oft hat Küche und Die Ge ich seinen it bestand Neu ent- | eschlechter| | en aufge:| licher Ge: le.- Det größte Teil der jüngeren Pfarrerschaft des Hunsrücks stand seit Jahren zusammen in wissenschaftlicher Arbeit und brü- derlihem Beraten der Gemeindefragen. Der beginnende Kirchenkampf hatte sie vollends zu einer Bruderschaft ge- macht. Welch große Wohltat für Paul, in diesen Kreis hinein- zukommen! Wie lange hatte ihn schon nach einer solchen Bruderschaft verlangt!- Weil in manchen Hunsrückgemein- den die Kirchenzucht noch nicht ausgestorben war, vielmehr sie nur einer Belebung bedurfte, wurde in der Bruderschaft gründlich darüber gearbeitet. Es wurden Thesen über Kir- "chenzucht aufgestellt, und Paul konnte mit seinen Erfah- rungen dazu beitragen. Seine frühere Linie wurde durch diesen Austausch nur noch vertieft.— In seinen neuen Ge- meinden fand er eine geistlichere Ausübung der Kirchen- zucht vor. Trauzucht: Hatte ein Paar sich still trauen lassen müssen, dann kam es vor seinem ersten Abendmahlsgang ins Pfarrhaus, um im Beisein eines Presbyters„Kirchenbuße“ zu tun, d. h. unter Gottes Wort und Gebet wieder die Zu- lassung zum Abendmahl zu erlangen. Ebenso war es bei Mischehen, wenn der evangelische Teil in katholische Kin- dererziehung gewilligt hatte.— Paul fand ein verständnis- volles Mitgehen seines Presbyteriums, vor allem nun einmal in den drängenden Entscheidungen des Kirchenkampfes. Er durfte die Freude erleben, daß alle Presbyter sich nach der Bekenntnissynode von Barmen der BK zuordneten. Auch ein großer Teil der Gemeinde ging mit und unterschrieb mit der Zeit die Mitgliedskarten der BK, treulich auch die BK- Beiträge bezahlend. Paul führte die Weisungen der Be- ' kenntnissynode ohne Vorbehalt im Einverständnis seines Presbyteriums aus, so z. B. später die wöchentlichen Bitt- gottesdienste, die selbst in Erntezeiten in vorgerückter Abend- stunde von den Treuesten noch besucht wurden.— Daß die Einführung der„grünen Karten“ in der Gemeinde Fragen und Unruhe erweckten, ist zu verstehen. Ich füge das Kon- zept zu seiner Predigt über Römer 14,1-9 hier an: ee pe Be ai A ESTER es re er SE FREE „Liebe Gemeinde! Wir sind durch den Kirchenkampf und die für oder gegen die Bekennende Kirche sich ergebende Haltung der Gemeindeglieder aufmerksam geworden auf die Frage der Einheit und Einigkeit der Gemeinde. Man hat gesagt, ich hätte die vorher einige Gemeinde gespalten; man hat gesagt, wenn wir noch Bekenntnisschulen hätten(Anm.: offiziell waren sie ja damals noch vorhanden), hätten wir an einer nicht genug, sondern müßten dann zwei haben. So redet auch.im Großen Kirchenminister Kerrl von den zwei Grup- pen in der evangelischen Kirche, die er wieder zusammen- bringen will, zu welchem Ende er die Kirchenausschüsse ein- gesetzt hat. Dabei wird im Kleinen wie im Großen deutlich, daß es eine Einheit um jeden Preis sein soll. Wie die Volks- gemeinschaft, so soll auch die kirchliche Gemeinschaft um jeden Preis hergestellt werden, ein Volk, ein Gott, ein Glaube, eine Kirche. So lautet die Parole. Auch unser Text hat das Anliegen, daß die Kirche, die Gemeinde einig sei.... Er, der Apostel, ist aber in der glücklichen Lage, bei beiden Parteien es voraussetzen zu dürfen, daß sie mit ihrer Hal- tung dem Herrn Jesus gefallen wollen, daß sie aus ehrlichem Gewissen und ehrlicher Erkenntnis ihren Weg gehen und daß sie beide Gott danken.... Christus kann er als den Herrn ihres Lebens und ihres Sterbens bezeichnen, so daß sie im Leben wie im Sterben ihm als Eigentum angehören. Denn das ist ja nun allerdings der ganze und einzige Inhalt unseres Christenglaubens, daß Jesus Christus durch seinen Heilstod für uns und durch das Leben, das er wieder an sich genommen hat in Auferstehung und Himmelfahrt, unser Herr geworden ist, der Toten und Lebendigen Herr, daß ihm eben- so unser irdisches Leben gehört wie ihm unser Sterben ge- hören soll, daß er ebenso unsern ganzen vollen Gehorsam fordert, wie er uns in seinem Leiden und Sterben die Ver- gebung unserer Schuld schenkt. Er ist nun ebenso ‚der kräf- tige Zuspruch der Vergebung aller unserer Sünden, wie er der kräftige Anspruch ist auf unser ganzes Leben‘. In dieser 58 REES: 5,3 B231023.320.06 3.4.5) TRETEN SHISHTSCHEN FONTS ET nn) Al Herrschal Gemeindh | aber al \ sciede d > den, aufg EEE FR hie einander einer G untereina hat.- will uns die Einh) die christ Jassen d Gottes die am| mus und Christen einigen wieder s braucher es, went Raum d ganze F Zum an vieles v tung hi Jesu zu Dinge abgeta, einer| meren hung, gründ. Christ die Fı Eu Herrschaft Jesu Christi, he und deutlich über seiner I a Gemeinde steht, in der alleinigen Herrschaft Jesu Christi, ke|| aber auch in dieser Herrschaft allein, werden alle Unter- Man hat/| schiede der Christen sonst in der Erkenntnis, und worin sie ten; man| einander nicht verstehen und sich voneinander unterschei- a(Anm.' den, aufgehoben. Jesus Christus ist die Einheit und Freiheit N Wiran) seiner Gemeinde. Nun können sich die Gemeindeglieder Soredet/' untereinander aufnehmen, weil der Herr sie aufgenommen ei Grup-| hat.- Was will das für unsere Lage sagen? Freunde, es Sammen- will uns erstlich das sagen, daß wir uns die Maßstäbe für lüsse ein- die Einheit und Einigkeit in der Gemeinde und Kirche, für deutlich, die christliche Liebe nicht von denen sagen und vorschreiben ie Volks- lassen dürfen, die nicht an Christus glauben als den Sohn haft um Gottes und den Herrn seiner Kirche. Diese aber sind es, oft, ein die am lautesten über Abtrennung, Lieblosigkeit, Pharisäts- ser Text mus und Sektenbildung schreien, wenn sich das Häuflein der gsei.... Christen zu Christus ihrem Haupte sammelt und seinen al- i beiden leinigen Herrschaftsanspruch in der Gemeinde und Kirche ter Hal- wieder sichtbar werden läßt. Von diesem Schreien sollen und hrlichem brauchen wir uns also nicht beirren zu lassen.... Wie würde hen und es, wenn wir unter allen Umständen alle Volksgenossen im als den Raum der Kirche halten wollten, die als räudige Schafe die ‚so daß ganze Herde krank machen und verderben!. gehören, Zum andern aber, liebe Gemeinde, haben wir uns doch auch e Inhalt vieles von dem Apostel Paulus sagen zu lassen nach der Rich- 1 seinen tung hin, wie auch wir wert und würdig sind, eine Gemeinde + an sich Jesu zu heißen.... Heute geht es nicht so sehr um die ‚erHerr 9' Dinge des Gesetzes Mose, die in Jesus Christus erfüllt und m.eben- abgetan sind. Doch gibt es auch heute noch Unterschiede ben ge- einer freieren, weltlicheren und einer gesetzlicheren fröm- meren Lebenshaltung auch unter Christen, nach ihrer Erzie- :horsam lie Ver-© hung, nach ihrem Herkommen, nach ihrer Erkenntnis be- or kräf-| gründet und erklärlich. Ich erinnere nur an die Frage, ob ein wieer Christ Branntwein, Alkohol, Zigaretten genießen darf, an dieser 4 die Frage des Tanzens und der weltlichen Vergnügungen,! 9 are BALLETT E URS A SADAAALN N 1, Hetz Kino- und Theaterbesuch u. a. m. Tragen diese Dinge nicht| is ee AN:: In bis in die engeren kirchlichen Kreise, bis in die Bekennende hjichen \.... Bike il I Kirche hinein, Mißtrauen, gegenseitige Verachtung, Un-| k Brudel N brüderlichkeit und Unduldsamkeit, daß die einen die andern|” IM H 1 s 99 jst MU Mi als schwach und eng gesetzlich und stur verachten, die an- en bl za B F R N ei. jebe ball, dern den Freien ihr Verhalten als leichtfertig und sündlich l ( ‚y E jnser gan KR) kritisieren, daß Gemeinschaftskreise der BK fern und fremd|" Di j 5: 5 N RAR nen Ri bleiben und sich dem Ruf Gottes hier entziehen, weil ja in s a E f E sind W SllAlN die BK auch so viel Leute aus der Welt kommen, auch Pfar- ie un 4 ö 5 ö. und Lieba ii rer, die einmal liberal gestanden haben, daß wieder andere| N die BK als Muckerei und Sektiererei ansehen, weil Christen Das Jahr We RE El as I pietistischer Haltung und Prägung sich ihr zugeordnet ha-; ' a. BE\Re tragen IN ben,— das alles gehört hierher und hat bis in unser Dorf, hi% \ R ö e>“ e nonıget I in unsere Gemeinde, seine Auswirkungen. Aber dürfen diese"| iM 2 EEREER lernen= nl Unterschiede uns dann noch trennen, wenn wir einig werden f s;; E: annung If in dem Bekenntnis: Christus der Herr, und wir uns von sei- spa i he DE. meinden, nem Wort regieren lassen wollen, wenn wir von dem ernsten & S Kirche C M Willen ergriffen worden sind, unser ganzes Leben dem Herrn Ja m | h ag 8} a: B genklic N. dienstbar zu machen, wenn wir in seiner Kirche einig sind A IN. o 5 Be mac u in dem Bekenntnis, daß Jesus Christus der Herr sei über u en A osstu iR Tote und Lebendige, der Herr aller Herren.... Wenn du dumgsstn N EAN In E N ER E Ind ei h als getaufter Christ dich gläubig achtest an den Herrn, schließe Und en NY den nicht aus der christlichen Gemeinschaft, den du nicht nibige m ". Eee. müssen' N dafür achtest, der doch mit dir Gottes Wort hört, an dem ee “ Gottes Geist wirkt,— schließe ihn nicht aus deinem Herzen Jung. de ur......# 7) ii und aus dem Himmelreich. Gott könnte dich im Gericht Honalsy N fragen nach deinem Bruder, mit dem du auf dem Wege warst. id ine Ai.. } Und wenn du anderer, als getaufter Christ dein Recht ohne Igenen it weiteres in der Kirche geltend machst, sperre dich nicht gegen| fir die IN den, dessen größerer Ernst im Glauben und christlichen Le- Gatt El hi ben dir ein Vorwurf im Gewissen ist!... Betet füreinander, Kind, N daß ihr gesund werdet. Haben wir nicht am letzten Sonntag Mt: Hl..&.| Ih geredet vom Gebet als unserer Liebespflicht füreinander, un-[A Inser\ BL So.| N serer geistlichen Nachbarschaftshilfe? Nehmet euch unter-|} bat gro Ya’ ö$ 5| y; IN einander auf, gleichwie Christus euch hat aufgenommen. Tut gewiß # I it I 60 I SHRRIRSIHFTETHET HERE FREI TFTFRTFERTNE ekennend: ung, Un lie ande N, die an- 1 sündlic Ind fremd weil ja in auch Pfar. er andere | Christen tdnet ha-' 1ser Dorf, tfen diese (8 werden Ss von sei- m ernsten em Herrn -inig sind sei über Wenn du schließe du nicht ‚an dem n Herzen ı Gericht ge warst, scht ohne cht gegen ichen Le-| sinander, Sonntag nder, un-| 'h unter- men. Tut Iinge Dicht ' das Herz einander auf, wie Christus uns sein Herz hat auf- getan in Vergebung und Fürbitte, in Hilfe und Heilung für | jeiblichen und geistlichen Schaden. Machet einander Bahn zur Bruderschaft und Schwesternschaft in Christo Jesu. So ist nun solche Liebe des Gesetzes Erfüllung. Wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. So wird unser ganzes Leben auf den Herrn Christus bezogen und seinen Dienst. So wird Christus unser einziges Gesetz. So | sind wir in ihm frei geworden im Glauben und Dienst, Gnade | und Liebe. So ist Christus unsere Einheit und Freiheit. ai | Das Jahr 1934 bleibt ein unruhiges, es gilt„die Spannung | tragen zu lernen“. So schreibt Paul am 31. Juli 1934:„Im | übrigen müssen wir im Gottvertrauen die Spannung tragen lernen- und uns auch immer ausspannen lernen von der Spannung, die heute in der Luft liegt, nicht in unseren Ge- meinden, sondern im allgemeinen— und es wissen, daß die Kirche Christi mit dem Spannungsverhältnis zur Welt recht eigentlich in ihren Normalzustand zurückkehrt. Der Herr aber mache uns, seine kleine Herde, bereit für die Entschei- dungsstunde, da es gilt, seinen Namen nicht zu verleugnen.“ Und ein Tag nach seinem Geburtstag im selben Jahr:„Das ruhige neue Lebensjahr wünsche ich mir selber auch!— Nun müssen wir freilich am nächsten Sonntage wieder auf Wei- sung der freien Synode unsern Ungehorsam gegen die Na- tionalsynode und ihre Gesetze erklären und ich muß sagen, ich tue das ja nun auch herzlich gerne, denn mit diesen ver- | logenen Praktiken kann es keinen ehrlichen Frieden geben für die Kirche Christi. Wir freilich bedürfen es, daß sich Gott unser erbarmt nicht nur äußerlich, auch über Weib und Kind, sondern auch innerlich, daß er uns reinigt und de- mütigt und neu ausrüstet zu seinem Dienst und Zeugnis. Dies unser Vertrauen zu ibm sollen wir nicht wegwerfen und es hat große Verheißung. Welt bleibt Welt und unsere Zeit ist gewiß nicht frömmer und christlicher als es andere Zeiten 61 waren. Aber seine Kirche will Gott erneuern in dieser ge- fährlichen Zeit, und zwar auf andere Weise als es die DC meinen...“— Durch die Absetzung des SuperintendentenG. durch das Kon- sistorium kommt der Hunsrück in den Brennpunkt des kirch- lichen Geschehens. Viele Gemeinden und Pfarrer der Synode stellen sich hinter ihn; um sie dafür zu strafen, werden den Pfarrern die Zuschüsse gesperrt, die ja das Wesentliche des Gehaltes ausmachen. Wir durften in diesem Herbst 1934 ein unerhörtes Ausmaß an Fürsorge erfahren, zuerst von unseren Gemeinden: ‚an Nahrung soll’s ihm mangeln nicht.‘ Es floß uns alles zu: Kartoffeln, Getreide, Milch und Butter. Der Kirchmeister entwarf einen ganzen Versorgungsplan, und die hlitzartig lieben Leute ‚lieferten‘ ohne Murren ins bevölkerte Pfarr- N Ihdrosseli haus. Und das alles unter den scharfen Augen der Polizei, die die Sammlung für die Pfarrer nicht gerade liebte! Auch außerhalb der Gemeinden stand die Solidarität auf und füllte der BK die Hände für die ‚armen Hunsrückpfarrer‘. Was Wunder, daß das Konsistorium nach zwei bis drei Mo-\ ler die] naten den Superintendenten wiedereinsetzte und seine Pfar-\.leübern rer wieder ordnungsgemäß bezahlte. Wir hatten nur zu dan- iinen abe ken für diese Probe. Die Dahlemer Linie, die Paul ohne| ileihre| Vorbehalt vertrat, konnte ein solches Auf-sich-selbst-Gestellt- ur Pfarrl sein der Gemeinde auch auf lange Zeit bringen, und noch aus dem Gefängnis gibt Paul den Rat:„Macht die Gemein- den selbständig.“—-„Wir müssen uns ja alle erst ein wenig an den Kriegszustand gewöhnen, aber dürfen dann auch ler- nen, darin nichts Fremdes und Außergewöhnliches zu sehen. Jesus sagt: Ich bin nicht gekommen, den Frieden zu bringen,| sondern das Schwert. Und wir als Christen können ja num\ NVoche, r einmal unser Volk und Vaterland nicht lieben, obne daß wir| tmte,- Jesus an die erste Stelle rücken und wenn wir das nicht tun,| Meistern leisten wir unserem Volk und Staat auch nicht den von uns| Weeinst geschuldeten Dienst und lassen ihn in Abgötterei versinken.| ‚Den U; Bis jetzt geht es uns sehr gut, und wir sind mit allem ver-\ roch ha, 2 ware se EEE ee re = ae Ei er DIETZ Se em a ee ) SE a a a tn Ni Hi “ Be mn Beer Se noch heut en re E S I Q S chon vor I 62 TER EEE TEE DITIITSH RINDE BEIN FNTEZUTSTEDERUTEN St 1934 ein IM Unseren t." Es floß ter, Der n, und die tte Pfarr- *t Polizei," bte! Auch© auf und kpfarrer‘, drei Mo- D ine Pfar- it zu dan- aul ohne -Gestellt- und noch - ein wenig auch ler- zu sehen, ı bringen, n ja mn > daß wir nicht tun, , von uns versinken, Ilem ver sorgt.“(Brief vom November 1934.)-„Es ist köstlich, so un- " mittelbar aus der Hand Gottes leben zu dürfen. An der recht oder unrecht gebeteten vierten Bitte wird sich der christliche oder unchristlicbe Weg nicht nur manches Pfarrhauses, son- dern auch der der Gemeindeglieder entscheiden.“(Brief " vom 19. Dezember 1935.)—„Von uns hätten wir Dir wieder | viel zu schreiben. Du hast gehört von den soo verhafteten liche des u durch Unterschrift zu bescheinigen, daß sie sich vom Staat Pfarrern in Preußen über letzten Sonntag, die sich weigerten, die Kundgebung der altpreußischen Bekenntnissynode vom 5. 3. zur Bekanntgabe im Kirchenvolk verbieten lassen. Man wollte damit den Bekenntnischarakter und die Wucht dieses blitzartig die Situation erhellenden Zeugnisses der Kirche abdrosseln. Es ist nicht geraten. Der verhafteten Pfarrer waren zu viele. Sie sind wohl alle vorläufig wieder auf freiem Fuße. Ich saß vom Samstagabend über den Volkstrauertag bis Dienstagmorgen im Gefängnis in Kirchberg, leider als der einzige vom ganzen Hunsrück, aber es war doch gut, daß einer die Ehre des Hunsrücks rettete. Die Brüder hatten sich \ alle überrumpeln und nötigen lassen zur Unterschrift. Es war \ ihnen aber hinterher herzlich leid und sie haben inzwischen \ alle ihre Unterschriften zurückgezogen, wenigstens soweit sie | zur Pfarrbruderschaft gehörten. Gretel mußte sich am Sams- tagabend noch eine Haussuchung gefallen lassen, und ich bin \ noch heute einer großen Zahl Blätter und Schriften beraubt, die man mir entführte. Die Kundgebungen, die ich auch \ schon vorher gründlich verteilte, suchte man mit sehr gerin- gem Erfolg aus den Dörfern herauszuziehen. Die Gemein- den standen wieder treu. Volle Passionsandachten in dieser Woche, nachdem am letzten Sonntag kein Gottesdienst sein konnte.- In Kirchberg war es nicht übel. Mit den Kerker- meistern des Hunsrücks schließe ich allmählich Freundschaft wie einst Paulus in Philippi.“(Brief vom 22. 3. 1935.) „Den Umfall, nicht Abfall der andern erkläre ich mir auch noch hauptsächlich damit, daß sie den Inhalt der Kund- 63 EEE en DEDDDDUUUUNV Aa) gebung nicht wichtig und ernst genommen haben. Ich habe\\ ıs Lebe sie heute auswendig gelernt und merke immer mehr, wie ge- Pathos,© wichtig und entscheidend sie ist, daß wir uns durch die Un-|\ scheiden hi j zerschrift auch nicht das geringste durften abmarkten lassen\\ zn Au N il von ihrer Geltung und der entschlossenen Hinausgabe in die ten, doc 'M Öffentlichkeit.“(Brief aus dem Gefängnis vom 18. 3. 1935.) meinte© = ii h„Ich weiß, Du nimmst es mir nicht übel, daß ich als Pfarrer einem M Mi nicht immer nach dem Grundsatz handeln kann: Ruhe ist Zeugnis RN die erste Bürgerpflicht und es mir verzeihst, daß es auch für\ zuge, N' Gretel nicht immer so glatt und ohne Aufregung abgeht. Wir\\ in Jesus 2 haben uns diesen Kampf ja nicht gesucht, müssen ihn aber\\ jung, u i! nun um des Evangeliums willen ausfechten. Wir wollen es\, Frau un N uns erbitten, daß wir uns immer weniger aufregen, vielmehr\, dieser# " den Kampf um den Glauben auch den öffentlichen Gewal-© die übeı iM ten gegenüber als das Normale ansehen auf dieser Welt und und sah A im Vertrauen auf Gott immer das rechte Stillewerden und Augen: " Entspannen uns schenken lassen.“(Brief vom 22. 4. 1935 an halten h { die Mutter.) Wurden N Frühling und Sommer 1935 brachten uns viele Besuche, mit zu bew: N denen wir uns an des Hunsrücks Schönheit freuten. Lebendig sound ı iM erinnert sich ein lieber Gast dieser Sommertage:„Was sollte mbrech I man zu diesem großen Jungen sagen? Er schien die herauf- wir den N ziehenden schweren Gewitterwolken nicht zu sehen. Daß reisetag " er dennoch tiefer schaute, sollte mir bald auf einer gemein- Es war n' samen Wanderung klarwerden. Es war nach dunklen Regen- nem H: H tagen der erste strahlend schöne Morgen. Ein Kind nach wurden N dem andern durfte auf den Schultern des Vaters reiten, sie nur i| des Lachens und Jubelns war so bald kein Ende! An einem Mitte, hi Feldweg überholten wir einen Mann, mit dem Paul Schnei- ihm di h! der bald in ein Gespräch kam. Ich kannte diese seine Art ich ihn N wohl. Er war wie ein Mensch, der weiß, daß ihm nicht mehr Und ei N! viel Zeit bleiben sollte, immer stiegen Flammen aus einer Mensch I verborgenen Glut auf. Am Waldesrand lagen Zigeuner um wenn ı ii ein glimmendes Feuer gekauert. Paul Schneider setzte sich Hehe h j zu ihnen, er mußte ihnen von dem reden, was ihm Sinn sei- IR Mi hi 64 KRBBBIISEHRHNTTRTERE ERKENNE . Ich babe hr, Wie ge- ch die Up. ten lassen abe in die‘ 3. 1935.) Als Pfarrer : Ruhe ig °s auch für! begeht. Wir! 1 ibn aber] j wollen es‘ 1, vielmehr en Gewal-” "Welt und erden und 4. 1955 AuR j I suche, mit| . Lebendig Was sollte| lie herauf-| hen. Daß! >r gemein- i len Regen-} Kind nach} ers reiten," An einem" ul Schnei- i seine Art" nicht mehr aus einer zeuner UM| setzte sich m’$ 1 Sinn sel nes Lebens war. Er tat dies ganz schlicht und ohne jedes Pathos, eindrucksvoll stellte er die Menschen vor die ent- scheidende Christusfrage.- Auf dem Rückweg benutzte ich einen Augenblick, als wir allein waren, ihn inständig zu bit- ten, doch jedes Ärgernis zu meiden. Auf meine Bitten meinte er, er könne allerdings nur versprechen, sich nicht zu einem Martyrium zu drängen, wo immer aber er zu einem Zeugnis aufgerufen würde, könne er nicht anders, als be- zeugen, daß es auf Erden kein anderes Heil gebe als allein in Jesus Christ.- Mir schlug das Herz in trauriger Vorah- uung, und ich wagte ein Weiteres und wies auf seine liebe Frau und seine unschuldigen Kinder. Unvergeßlich ist mir dieser Augenblick. Wir standen an einer steinernen Brücke, die über ein Wasser führte. Paul Schneider drehte sich um und sah mir mit einem unbeschreiblichen Ausdruck in die Augen: ‚Glauben Sie, daß ich meine Kinder von Gott er- halten habe, um nur für ihr äußeres Fortkommen zu sorgen? Wurden sie mir nicht anvertraut, um sie für die Ewigkeit zu bewahren?- Und meine Frau? Vielleicht muß es für sie so und nicht anders kommen, um völlig zum Glauben durch- zubrechen.‘— Schweigend, in innerer Erschütterung traten wir den Heimweg an. Der folgende Sonntag war mein Ab- reisetag. In der Kirche wurde das Hl. Abendmahl gehalten. Es war eine alte Sitte, daß die Presbyter den Pfarrer in sei- nem Hause abholten, wo die Abendmahlsgeräte aufbewahrt wurden. Die Kirche lag am Ende des Dorfes. So schritien sie nun über die Dorfstraße, der Pfarrer im Ornat in der Mitte, die Hl. Schrift in seinen Händen, links und rechts von ihm die Presbyter, den Kelch und das Brot tragend. So salı ich ihn zum letztenmal.“ Und ein anderer Freund stellt fest:„Er weiß, daß er den Menschen unseres Volkes, die er liebt, am besten dient, wenn er ihnen die ganze barmherzig-harte Wahrheit des Evangeliums verkündigt. Darum nimmt er gerade, weil er die Menschen liebt, kein Blatt vor den Mund. Er hält an, 65 "u ll) es sei zur Zeit oder zur Unzeit, und ist dabei völlig unbe-\ De a Mo| ‚\ kümmert um die Folgen, die für ihn daraus erwachsen. Es ist id folge N fast eine gewisse Kindlichkeit in ihm, die aber zu der tapfe-| Die ez\ "y Kin ren Männlichkeit seines Wesens in keinem Gegensatz steht.“| Radıst (M Paul hatte als Seelsorger und Volksmissionar nie ‚Urlaub‘.| nid,@U hi| Er kam auf der Bahn und auf Wanderungen immer wieder| habe, he Rı in Gespräche, darüber fast die Familie vergessend oder sie\ janPlä hi hi wenigstens zurückstellend. Mi anwünsc Sl Bäuerliche Arbeit war oft Pauls Entspannung. Gerne half|| jung er ii| er bei drängender Erntearbeit mit. Seine fröhliche Natürlich-| Handlus N keit und sein Geschick für die landwirtschaftlichen Arbeiten| richtet N N brachten ihn seinen Bauern nahe. Das Mähen am frühen nr zu ii Morgen war ihm eine Lust. Schon aus der ersten Gemeinde Diese I wird berichtet:„Als ich einmal durch die Gemarkung fuhr,| Staate I " traute ich meinen Augen nicht! Pfarrer Schneider lud einen i Reichst i Wagen Heu auf! Am Wege saß die Frau, der die Arbeit zu\ unsere$ N schwer geworden war. Ohne sich lange zu besinnen, war| gen, s ' Pfarrer Schneider vom Rade gesprungen und hatte den Heu- Nation 'l wagen geladen.“| tionalso hi Sehr oft wird Paul aus seiner stetigen Gemeindearbeit durch M verden Hi Vorladungen vor das Bürgermeisteramt aufgeschreckt. Mei- Deutsch " nes Wissens waren es im Winter 1935/36 zwölf Anzeigen. Ihre Truppe N Verdrehungen und Verleumdungen konnten jedesmal von MM Yolkes ' Paul richtiggestellt werden, doch was half es, das Konto für! frage u " das Sondergericht mehrte sich! Einmal sollte er für die Juden| Tage a ji gesammelt haben- es war der christliche Verein für Israel-; lichen N das andere Mal Hitler einen Teufel genannt haben-:„ob Volksg ii Hitler von Gott oder vom Teufel ist, wird erst die Zukunft MM sde IN lehren.“— Und so fort.- Das Presbyterium stellte sich ganz here N zu seinem Pfarrer und verwarnte gewisse Leute energisch, so|| Ihe hi daß eine Ruhepause eintrat.- Aber nun kam die Wahl 1936. I in N Da sie keinen Raum für ein„Nein“ bot— wie sonst bei Wah-| Hi i len vorher-, also keine Wahl war, blieben wir zu Hause.| heti, Hi Daß aber die Kirche beflaggt und die Glocken geläutet wur- kan- 4 h den, quälte Paul so, daß er folgende Erklärung verfaßte:| \) attwo i 66 nn a en RGUUITITERETDETEN|. HYDE a anli KERRETITHTRNITEN EEE DENE Eh{ ig unbe- D, By ist ET tapfe- 2 Steht.“ Urlaub‘, C wieder oder sie ! me half| atürlich- Arbeiten \ frühen emeinde ng fuhr, Id einen rbeit zu en, war en Heu- it durch xt. Mei- en. Ihre nal von onto für D e Juden| srael-; -:„ob Zukunft ch ganz isch, sO ‚hl 1936. | Wah- Hause. et wuf- ste: ven „Der evangelisch-reformierten Gemeinde Dickenschied bin ich folgende Erklärung schuldig: Die erzwungene Anteilnahme der Kirche an der heutigen Reichstagswahl durch Glockenläuten und Fahnenzeigenzwingt mich, aus meiner Zurückhaltung, die ich bisher beobachtet "habe, herauszutreten.— Die Kirche kann dem Staat in sei- nen Plänen und Handlungen entweder den göttlichen Segen anwünschen oder aber dem Staat mit der göttlichen War- nung entgegentreten, wenn seine Pläne, Entschlüsse und Handlungen offenbar gegen Gottes Willen und Wort ge- richtet sind.- Fahnenzeigen und Glockenläuten aber könnte nur zu leicht als Segensanwünschung verstanden werden. Diese Segensanwünschung aber kann die Kirche dem Staate im Augenblick nicht geben. Offenbar ist mit dieser Reichstagswahl nicht nur verbunden, daß wir dem Führer unsere Stimme geben und die Außenpolitik des Führers bil- ligen, sondern auch, daß wir die das ganze Schicksal der Nation zutiefst berührende Weltanschauungspolitik des Na- tionalsozialismus billigen, die sich in immer mehr offenbar werdenden Gegensatz zum biblischen Christentum setzt.- Deutschlands Schicksal entscheidet sich aber nicht an den Truppen am Rhein, sondern an der Stellung des Deutschen Volkes zum Worte Gottes. Darum ist die Weltanschauungs- frage ungleich wichtiger als jede andere. Bis zum heutigen Tage aber ist dem Worte Gottes und dem bekenntniskirch- lichen Leben die freie Entfaltung unter allen deutschen Volksgenossen immer mehr verwehrt worden. Vielmehr ist das deutsche Volk und seine Jugend einer immer offensicht- licheren Entfremdung von der Kirche Christi und von der Lehre der Hl. Schrift und damit dem Abfall und der Em- pörung gegen Gott entgegengeführt worden. Eine unchrist- liche deutsche Gemeinschaftsschule soll an Stelle unserer heutigen Konfessionsschulen mit Gewalt durchgesetzt wer- den.— Es ist auch nicht die leiseste Zusicherung von den ver- antwortlichen Männern in Staat und Partei gemacht worden, 67 III EEE zo. NL ee DD TITUTUHUYYEHFHERER I kt ee ae SERIE daß es in diesen Dingen anders werden soll. Die Kirche Christi kann darum den Weg des Dritten Reiches in dieser wichtigsten aller Fragen nicht gut heißen, kann der Wahl des neuen Parteireichstages die göttliche Segensanwünschung nicht geben. Sie ist es vielmehr schuldig, dem Führer und der Regierung die göttliche Warnung und Gottes Gericht anzu- sagen, wenn von der Politik der Entchristlichung und Ent- konfessionalisierung des öffentlichen Volkslebens nicht Ab- stand genommen wird. Du aber, liebe evangelische Ge- meinde, werde wach und verteidige mannhaft deine heilig- sten Glaubensgüter, bezeuge die Ehre und Majestät des lebendigen Gottes, des Vaters unseres Herrn Jesu Christi gegenüber den Herrgöttern und Abgöttern dieser vergehen- den Welt.“ Am Wahltag selbst hatten wir wider Erwarten außer eini- gem Nötigen von seiten der Partei Ruhe. Am Sonntag dar- auf, dem Ostermorgen, war dagegen die Front unseres Hau- ses mit großen Buchstaben und viel roter Farbe verziert! „Br hat nicht gewählt. Vaterland, Volk, was sagst du??!!“ Nun, das deutsche Volk konnte zu diesem Falle kaum Stel- lung nehmen, aber die Gemeinde tat es dafür um so gründ- licher. Sie kam trotz des Ostermorgens mit Schrubbern und Eimern und einer wahren Schaffensfreude und ging der Farbe zu Leibe! Nachher beim Gottesdienst bedankte sich Paul für diese Hilfe.— Paul ist wohl schon vor dieser Zeit aufgefordert worden, eine militärische Übung zur Wiederaufnahme in den Stand des Reserveoffiziers zu machen. Ich hätte ihm den sport- lichen Teil derselben sehr gegönnt, da ich ja wußte, wie sehr sein Körper einer solchen Entspannung bedurfte. Er schreibt aber ganz ruhig dem Wehrkommando, als Pfarrer in BK- Gemeinden könne er nicht ohne Not wochenlang weg sein, und lehnt ab.— Später ließ er die Frage offen, ob er über- haupt auch als gemeiner Soldat diese Uniform tragen könne, wenn Hitler einen Krieg anfänge. Während seiner Lagerzeit 68 |} h ullalke HERERISHHINNATENN HASTTETRUCDIOHIEREHVEN ENTGEHEN THWEOOTTERUHNENENUSMEHNETTE wurde il dienst© in groß er mit tation‘ 1 Hemmu widersti den Ha Bekenn versagt Im Juli geistige einem| Genüss nicht die erst ser Vet der An war. W ausgett bedrüc schlech uns da nen fl wenn wir sei nicht ı Sünde nen alı in der unser tragen für ze Eine zeitst © Kirche in dieser er Wahl inschung und der ht anzu- nd Ent- icht Ab- che Ge- € heilig- stät des I Christi ergehen- der eini- tag dar- es Hau- verziert! dupp!|“ ım Stel- ) gründ- ern und ing der ikte sich worden, n Stand n spott- wie seht schreibt in BK- eg sein, er übet- 1 könne, agerzeit wurde ihm ja auch dann seine Unwürdigkeit für den Heeres- dienst erklärt.- Paul blieb bei dieser entschiedenen Haltung in großer Bescheidenheit und Demut. Im Mai 1936 wurde er mit anderen rheinischen BK-Pfarrern zur ‚Kirchenvisi- tation‘ nach Westfalen gesandt. Er reiste mit den größten Hemmungen ab, fühlte sich dem nicht gewachsen, und es widerstrebte ihm, dort von seiner eigenen und der Gemein- den Haltung zu berichten. Gott müsse ja doch ihr„armes Bekennen“ in Gnaden ansehen, und sie hätten ja oft genug versagt! Er fährt„auf Befehl“ um der Sache willen. Im Juli 1956 waren wir bei unserer Mutter in Tübingen. Das geistige und kulturelle Leben war dort in diesen Tagen auf einem Höhepunkt: Mozartfest! Mutter wollte uns an diesen Genüssen gern teilnehmen lassen. Pauls Sinn stand aber nicht nach Konzertsälen, nur uns zulieb ging er mit. So war die erste Zeit nicht der ihm gemäße Urlaub und machte un- ser Verhältnis etwas gespannt. Wie sehr stand ich damals in der Angst um den Geliebten und wollte retten, was zu retten war. Wir hatten Meinungsverschiedenheiten vor der Mutter ausgetragen. Paul schreibt nun nachher der Mutter:„Mich bedrückt, daß wir ‚Bekenntnisleute‘ uns Dir in einem so schlechten und anstößigen Licht gezeigt haben. Wir lassen uns das recht zur Demütigung dienen, auf daß wir uns kei- nen fleischlichen und menschlichen Ruhm daraus machen, wenn der Herr uns nötigt— mit viel Mühe genug- daß wir seinen Anspruch und sein Herrschaftsrecht auf die Kirche nicht verleugnen. Dich möchte ich nur bitten, uns auch als Sünder anzusehen, die an sich nicht besser sind und sein kön- nen als andere Menschen. Bitte verstehe auch, daß unser Weg in der Bekennenden Kirche eine Last für unsere Ehe und unser Amt und unsern Stand bedeutet, die andere so nicht tragen müssen.“— Paul fand dann noch Erholung in Bad S. für zehn Tage. Die letzten vier Tage teilte ich mit ihm. Eine Frau an unserem Tisch fragte:„Sind Sie auf der Hoch- zeitsreise?“„Nein, wir haben fünf Kinder zu Hause.“- 69 SER == In ass en nn nz SEIE rer ne Feen > ISEFTIFETE Bas EEE Er SE ERSEE ser u A a wi re rn ES GELETEEER FR Br „Ja, ihr lieben Freunde, es ist mir ein ganz großes Geschenk Gottes, daß wir trotz der so überaus ernsten und gefahrvol- len Zeit und des so ganz unsicheren Weges, den wir in der Bekennenden Kirche geben müssen, doch so fröhlich, ich möchte sagen, sorglos sein können und nun erst recht die Familie und die lieben Kinder, das tägliche Brot, unser Amt und alles uns zu köstlicben Gaben Gottes werden. Wir haben bier am 23. 8. die Abkündigung der V orläufigen Kirchenlei- tung und des Reichsbruderrates zu verlesen gehabt; mich bat es in der Seele froh gemacht, es war mir eine große Be- freiung, daß unsere Kirchenleitung dieses Wort gefunden und gewagt hat und wir damit durchstoßen durften durch den Nebelschwaden von List und Lüge, mit denen die welt- anschauliche Lage getarnt und unser armes christliches Volk verwirrt wird. Die neu durchbrechende Sonne nach Regen- wochen und Erntenot war mir wie ein freundliches Sich- Bekennen Gottes zu diesem Wort.“(An einen befreunde- ten Lehrer am 2. September 1936.)—„‚Siehe, dein König kommt zu dir‘, das wird uns ja gerade in unser sündiges, not- volles Herz hinein verheißen. Der Mann auf demEselein, der zu Jerusalem einkehrt, will auch noch in unserV olk einkehren, das von ibm abfällt und er will auch noch— und das sollte uns freilich verwunderlich sein- in unser eigenes Herz einkehren. Gott helfe dir mit unverletziem Gewissen durch die schwere Zeit. Er gebe dir zur rechten Zeit das gute Bekenntnis, das dem einziehenden König die Kleider vom Leibe unter die Füße breitet und ihm ein Hosianna-Geschrei vor einer Welt ausrichtet, die ihn fort und fort kreuzigt.“(An denselben am 29. November 1936.) Ein ganz wichtiges Gemeindeanliegen war Paul die evan- gelische Schule. Es handelte sich in beiden Dörfern um ein- klassige Schulen mit je einem Lehrer. Diese beiden Lehrer machten Paul Kummer. Er sah in ihnen die Lehrer der Kon- fessionsschule und Religionslehrer seiner eigenen und seiner Pfarrkinder und bedauerte so doppelt, daß sie ganz und gar 70 u NUT TECTEGRHFTSGGGEN hl: WRUOERERFRHNTEIIUSEHHSEDTFRPERURUTE BAIEHUPNFNTTE“. nenering none Ge lich ode | gläubige "die bibl M national ‚darum || katechut geführt af, wel Katechii unterri oder im |. Paul lie Lehrern ) en. De ihn unc U nalime denreg; der Le Dorf C Lehrer die ka die Re aun ui N tt l sucht, lichen ausge an de it m Seschenk il ahrvol. ir in der lich, ich echt die ser Amt ir haben rchenlei- ’t; mich ‘oße Be- efunden n durch lie welt- es Volk | Regen- es Sich- teunde- ı König 965, not- lein, der ıkehren, lite uns kehren. schwere nis, das nter die er Welt ben am e evan- um ein- Lehrer er Kon- ] seiner und gat dem Zeitgeist anheimgefallen. 1936 schreibt er:„Mit un- seren Kindern haben wir schon unsere Erziehungssorgen, da sie in unserer Schule so schlecht beraten sind. Sie lernen wenig, dafür aber ist unser Lehrer mit allen Erziehungs- neuerungen vorne an. Nun haben sie vor und nach der Schule neue Gebete eingeführt, die auch nicht die Spur mehr christ- lich oder evangelisch zu nennen sind und ganz deutsch- gläubigen Geist atmen.“ Jeder Lehrer tat sein möglichstes, die biblischen Geschichten nach dem neuesten Stand der nationalsozialistischen„Forschung“ zu lehren. Paul bespricht darum mit dem Presbyterium die Notwendigkeit eines Vor- katechumenats, das später durch seinen Stellvertreter ein- geführt wird. Während seiner Haft 1937 stellte er einen Plan auf, welches Wissen die Kinder an Bibelkunde, Liedern und Katechismusfragen vor der Aufnahme zum Konfirmations- unterricht haben müßten, sei es, daß sie es im Elternhaus oder im kirchlichen Unterricht lernten. Paul ließ es an seelsorgerlichen Einzelgesprächen mit den Lehrern nicht fehlen, sie brachten ihm meist nur Anzeigen ein. Der Dickenschieder Lehrer führte förmlich Buch über ihn und ließ durch die Schulkinder die Leute zur Einsicht- nalime bitten. Als sie zu ihm nicht kamen, wurde dies Sün- denregister in einem Bauernhaus aufgelegt. Dazu kam, daß der Lebenswandel des Dickenschieder Lehrers ständig dem Dorf Gesprächsstoft bot. Als er nun einmal den katholischen Lehrer in der katholischen Schule vertreten sollte, streikten die katholischen Eltern und schickten eine Begründung an die Regierung. Paul sah sich mit dem Presbyterium genötigt, nun um die Untersuchung dieser Anschuldigungen zu bitten. Statt dessen wird Paul nun seinerseits um Stellungnahme er- sucht. Er hätte diese Sache viel lieber innerhalb der christ- lichen Gemeinde- also nur durch die christliche„Bußzucht“ ausgetragen. Der Schluß des Schreibens des Presbyteriums an den Regierungspräsidenten zeigt seine Einstellung:„Es ist mir leid, daß ich durch die Rückfrage genötigt bin, diese 7A EEE TED ER ADAITPDLL ER GE > Sr esmrerss Dinge auszupacken, die wir durch das Beschwerdeschreiben von katholischer Seite genügend betont glaubten, um dessen gründliche Untersuchung wir ja gebeten hatten. Es geht uns auch letztlich nicht um diese Dinge als solche und an sich, das haben wir schon in unserem Schreiben vom 15. 2. und der früheren Beschwerde deutlich gemacht. Es geht uns um die Verhinderung der völligen Entchristlichung des evangelischen Schullebens der Gemeinde. Wir bitten darum die Regierung, in diesem Sinn bei ihrem Einschreiten zum wahren Vertrauen und Frieden zwischen Gemeinde und Schule zu helfen. Wir haben auch, bevor wir unser Beschwerdeschreiben machten, den Lehrer als bevorzugtes Glied der Gemeinde, das er in seiner Eigenschaft als evangelischer Lehrer ja auch ist, vor das Presbyterium geladen, um diese Dinge in einer für ihn und die Gemeinde tragbaren Weise zu bereinigen. Es war leider vergeblich. Uns leitet nicht irgendwelche Gehässigkeit, sondern einzig die Sorge um die rechte und christliche Er- ziehung unserer Kinder. Darum bitten wir die Regierung auch darum, daß sie doch ihren Einfluß dahin geltend mache, daß die Lehrer die Zusammenarbeit mit und die Achtung vor der Kirchengemeinde— der christlicben Gemeinde- in der sie dienen, nicht grundsätzlich versagen möchten, auf daß es christlichen Eltern nicht leid sein muß, daß sie ihre Kinder noch der Schule anvertrauen.“(4. 3. 1937.) Paul war mit der„evangelischen Schulgemeinde“ in enger Verbindung. Auch von daher ließ er die Gemeinde auf- klären. Im Januar 1937 sagt er in der Predigt über Lukas 2, 40-52:„Wir wollen christliche Erziehung. Darum wollen wir es verlernen, liebe Gemeinde, wenn wir von christlicher Er- ziehung reden, das Wörtlein christlich klein zu schreiben. Wir müssen es groß schreiben, denn es kommt von Christus, von Christus selbst und kein Geringerer will Gestalt gewinnen in den Herzen unserer Kinder. Er will sein Bild in ihre Herzen und Seelen einprägen. Wenn er das aber will, dann kann er sich nicht mit einem Winkel oder einer Ecke, mit einem so- BI HETTIUN FREE NIT HH USIOPODODUT genanne yon der j iebe Ge? jeht Ans muß die Erziehum ‚ein. Wie har verlei Iischen V cm Geh Vaters le DeineHi Im und Rücksich den lebe Jesus Ch dhristlich ziher, vi Entschei ligkeit 0 Erziehun Seine St Seiten., kämpfeı der Losu Namen schild a; getan- dungsve Welt Te ‚tole‘, d Evange Seelen| keiner ı mit der schreiben IM dessen geht ung ? Sich, das und der S um die 1gelischen egierung, K ertrauen fen. Wir machten, das er in h ist, vor 7 für ihn . Es war üssigkeit, liche Er- ung auch che, daß g vor der n der sie f daß es e Kinder in enger nde auf- Lukas 2, ollen wir icher Er- en. Wir stus, von yinnen in e Herzen ı kann er inem SO” ü 5 & u g F h | # % genannten Ort im Herzen, oder mit dem ihm zugewiesenen von der Welt noch zugestandenen Jenseits begnügen.- Dann, liebe Gemeinde, fordert er uns und unsere Kinder total, er- hebt Anspruch auf unser ganzes Leben. Dementsprechend muß die christliche Erziehung, soll es wirklich eine christliche Erziehung sein, eine das ganze Leben des Kindes umfassende sein. Wie Jesus den Gehorsam gegen seine Eltern nur schein- bar verletzt, sondern nur dem Gehorsam gegen seinen bimm- lischen Vater in rechter Ordnung unterstellt, wie er mit die- sem Gehorsam sein Leben in die Hand seines himmlischen Vaters legt bis zu seinem letzten Wort am Kreuz: Vater, in Deine Hände befehle ich meinen Geist, so müssen wir es auch tun und müssen auch unsere Kinder anleiten, alle irdische Rücksicht, allen irdischen Gehorsam dem Gehorsam gegen den lebendigen heiligen Gott, gegen den Herrn und Heiland Jesus Christus zu unterstellen. Dann werden wir gegen alle christliche Entstellung der Erziehung unserer Kinder mit zäher, verbissener Entschlossenheit, die um die Größe der Entscheidung weiß, rufen um unserer Kinder Heil und Se- ligkeit oder Unheil und Verdammnis: Wir wollen christliche Erziehung! Amen.“ Seine Stellungnahme behielt den klaren Blick nach beiden Seiten.„So wenig wir um die alte Kirche kämpfen, so wenig kämpfen wir freilich auch um eine alte Schule, sondern unter der Losung ‚Bekenntnisschule‘ für Schulen, die wirklich diesen Namen verdienen. Jetzt gilt es nicht, das bankrotte Firmen- schild aufzugeben- wir haben es ja auch nicht in der Kirche getan— sondern den Zwangsvergleich und das Entschul- dungsverfahren einzuleiten. Laßt uns von den Kindern der Welt lernen, die klüger sind als die Kinder des Lichts. ‚tole‘, d. b. vorwärts und niemals zurück ist die Losung des Evangeliums! Kein Einsatz darf uns für unsere Kinder, ihre Seelen und ihr ewiges Heil zu schade sein!... Es soll nur keiner denken, auf irgendeinem Gebiet mit einem Vergleich mit der Welt und den Mächten dieser Welt, die doch ge- 73 richtete Richter sind, durchzukommen. Auch das Evangelium\\' erhebt den Totalitätsanspruch und nicht erst seit gestern! Ich meinerseits kann nicht glauben an das friedliche Nebenein- ander von christlicher und völkischer Erziehung und die füh- renden Leute auf der anderen Seite glauben auch nicht dar- an..... Drum ‚mutig drein und nimmer bleich, denn Gott ist allenthalben‘, Ihr wißt selber, wie es weiter heißt....| Von der Lage in der BK., die freilich durch Unglaube, Un-| Vogelsang gehorsam und Verwirrung in den eigenen Reihen kritisch\{mern genug ist, davon mündlich mehr.“(Brief vom 2. 9. 1936.) mäßig um Trotz dieser„Konfessionsschulen“ in unseren Orten ist Paul anschannt bis ins Gefängnis hinein der Kämpfer gegen die Gemein- dnistliche schaftsschule des Dritten Reiches. Er sucht noch in seinem Ilende letzten(inoffiziellen) Brief aus Koblenz seine Frau und seinen geht und Vertreter fest zu machen in diesem Kampf.„Die Mitteilung| einem Po über mein Verhör geht wohl auch die Gemeinden an und| Hier kami hauptsächlich die Gemeinden, wie nach meiner Meinung| nın vor. auch die Auseinandersetzung mit der Schule und den Leb-| mand. at rern des Pudels Kern ist bei meiner Haft und Ausweisung.\ len ha Sollte auch in Dickenschied-Womrath, wie ich aus Andeu- U wozu sie tungen von Herrn O. und eines anderen Beamten zu ver- 7) Di stehen glaube, die Gemeinschaftsschule eingeführt sein, sollte\ wuns: nun auch das Firmenschild der Konfessionsschule offen wider den Era alles Recht und alle Versprechungen heruntergerissen sein,| wan den sollte man den Eltern das Recht offen abstreiten damıt, ihre tun alle Kinder in Schulen ihres Bekenntnisses zu schicken, so hielte I Wares: ich für die wahrhaft evangelischen Eltern den Schulstreik Rinder: für geboten: Jedenfalls spreche ich meiner Frau das Recht 2) DieNot zu, sich ausdrücklich auf meinen Willen zu berufen, unsere"Weisung Kinder nicht in die Gemeinschaftsschule zu schicken, komme\ bjterium daraus, was da wolle. Jetzt kann und muß auch in den Ge- meinden erneut deutlich gemacht werden, um was es geht. lien C Sie dürfen ruhig den Eltern sagen, um dieser Dinge willen ı der Kir. säße ich im Gefängnis. Wenn Sie jetzt die Gemeinschafts- auch sei schule, sei es auch unter Protesten, hinnehmen, so würden Unterw. Br En a IE Bee en ee N 74 , En TIEFER EN TTSHTSDDIDERTOTTIEMYUNHNSSTHHEHNETTE ELBE TIE THESEN EU HERF RT DE FREIE TI ENOOTPUV DOTELTUERREEUENENTRZUTPSIOPIIDETT ur Vangeliym sie meinen Kampf und meine V erantwortung verraten. Nach tern, Ich allem, was bei uns vorausgegangen ist, dürfen Dickenschied und Womrath die Gemeinschaftsschule nicht hinnehmen und A die füh. 1 wenn von uns das Signal zum Schulstreik ausgehen sollte. ebenejn. nich u; 2!; Et: j! dar. Bitte, schonen Sie meine Person nicht..... Nur ja jetzt keinen len| L ; 9 Gott HM faulen Versprechungen und V ertröstungen Glauben schenken! e E En. i;! ft...© Grundsätzliches Mißtrauen ist am Platz. In der Abteilung IIb Si Un:| Vogelsang(Stapogebäude) und auch hier unter den Bibel- n kritisch forschern bekommt man einen lebhaften Eindruck, wie plan- 1936.) mäßig und entschlossen der Kampf gegen die christliche W elt- n ist Paul anschauung geführt wird. Wie keine Sekte, keine namenlose Gemein: christliche Gemeinschaft, keine aus dem üblichen Rahmen in seinem fallende kirchliche Veranstaltung dem, Blick der Gestapo ent- nd seinen geht und wie Pfarrer der Kirche, mit denen wir noch aus Mitteilung einem Pott unser Gehalt beziehen, ihre Handlanger sind. 2 an und Hier kann man es immer noch viel schwärzer annehmen als Meinung| man vor Augen sieht. Mein vorstehendes Urteil will ich nie- den Leh- j mand aufzwingen. Sie und die Gemeinde und meine Frau sweisumg. j sollen handeln, wie sie es selbst verantworten können und s Andeu-| wozu sie sich von Gott die Kraft erbitten können.“(Nov. nu ver 0 1937.) Die Gemeinschaftsschule wurde nach Jahr und Tag ein, sollte von uns dann doch nur ‚unter Protest‘ hingenommen! Nach Ienwide_ den Erfahrungen mit den evangelischen Lehrern vertraute sen sein," man dem katholischen Lehrer, der die Gemeinschaftsschule ımıl, ihre nun allein hielt, die Kinder mit ‚besserem Gewissen‘ an. so hielte War es im Grunde aber doch nicht nur die Liebe, die die chulstreik Kinder schützen und behalten wollte und Leidensscheu?— as Recht* Die Not mit den Lehrern und ihre bekenntniswidrige Unter- weisung ließ Paul immer wieder ins Gespräch mit dem Pres- n, unsere©. , komme' byterium über die„christliche Bußzucht“ kommen. Es lagen in GW in Womrath auch noch zwei andere Fälle vor, die der christ- es geht.© lichen Gemeinde Ärgernis gaben. Da war ein Mann, der ge willen| j der Kirche seit Jahren den Rücken gekehrt hatte, nun aber nschafts- auch sein Kind, dem er doch bei der Taufe die christliche würden Unterweisung versprochen, vom Kindergottesdienst unter 75 a ET e EEnEDENDSLDIODDIOTUT TU DEE nDT SZ RERSFES ERTEE Be IE >= Bi een Zs a an te Z Sr = ar Ste Drohen und Schelten fernhielt und es selbst einmal aus der Kirche herausholte. Es war nicht zu reden mit ihm, soseht es Paul erstrebte.- Und da war ein Parteimann, ebenfalls seit langem dem kirchlichen Leben gleichgültig, der aber nun sich zum Richter des bekenntniskirchlichen Lebens machte, Mit ihm war Paul manchmal im Gespräch. Er suchte es dann immer vom christlichen Anliegen des Pfarrers aufs politische Glatteis zu bringen. Seinen Jungen meldete er vom Kon- firmationsunterricht ab und schickte ihn zu einem DC-Pfar- rer Thüringer Richtung. Er versuchte diesem im Dorf Ein- fluß zu verschaffen. In Dickenschied und Womrath beschlie- ßen die Presbyterien, diesen Männern(die beiden Lehrer mit eingeschlossen) die christliche Bußzucht zu verkündigen, da sie nicht vor dem Presbyterium ihre Sache bereinigen wollten. In Dickenschied schreckt das Presbyterium am Sonn- tag der ersten Abkündigung vor der Tragweite seines Han- delns zurück, in Womrath bleiben die Presbyter einmütig auf ihrem Beschluß bestehen. Ansprache an die Gemeinden vor Abkündigung der Kirchenzucht Liebe Gemeindeglieder! Das Presbyterium hat sich genötigt gesehen, zum erstenmal ein in unserer Kirche lang vernach- lässigtes Mittel, das der öffentlichen christlichen Bußzucht in Anwendung zu bringen. Es handelt sich in drei Fällen, in denen das geschah, um öffentliches Ärgernis, das der Ge- meinde Jesu Christi gegeben wurde und das leicht größeren Schaden in der Gemeinde anrichten könnte, wenn es nicht gemäß der Anweisung unseres Herrn Jesu selbst(Matth. 18, 15-20) und gemäß dem Bekenntnis unserer reformierten Kirche(Heidelberger Katechismus Frage 83 ff.) unter die strafende Zucht der Gemeinde gestellt würde. Diese kirchliche Zucht der Gemeinde wird ausgerichtet in der Vollmacht Jesu Christi und auf seinen Befehl und seine Verheißung hin. Christus spricht:„Was ihr binden werdet 76 RERHHTTTESITSTTHHTHTEE, | uf Erden, werdet auf znstlich, d omillich as ihr Di ohn’ mein| oder eute$, haben wir \ichliche 3 Zorn oder die Kirchen Menschen sine Sünd hit, ihn in ‚Der kirch Geißel de: Ihen Din nistes b die Besser Kirchenzu Wollte ms | schaft gew einander sicht geno: falschen Fı ind Gem keine wal 1.Das ist götraft 6 neinde,< der ihre| Weise, in eine Klul " Gemeind (kiern, ei au det auf Erden, soll gebunden sein im Himmel und was ihr lösen Q, SOSehr werdet auf Erden, soll los sein im Himmel.“„Merke du aber ebenfalls ernstlich, daß er gewiß zusagt: tut ihr der Schlüssel Werk, der aber so will ich’s auch tun; ja wenn ihr es tut, so soll’s getan sein. ISmachte,) Was ihr bindet und löset, das soll gebunden und los sein, = dann ohn’ mein Binden und Lösen- es sei einerlei Werk, meines Politische oder eures, tut euer Werk, so ist meines schon geschehen. Da om Kon} haben wir... Sünde zu behalten oder zu vergeben.“ Die DC-Phar kirchliche Zucht der Gemeinde wird ausgerichtet nicht aus dorf Ein- Zorn oder Haß, sondern aus Liebe. Die Reformatoren haben beschlie-" die Kirchenzucht gepriesen als das köstliche Mittel, an einem 3 Lehrer# Menschen wirklich Liebe zu üben, indem die Gemeinde ihm Cündigen, seine Sünden vorhält und durch den Ernst, mit dem sie dies ereinigen® tut, ihn in besonderem Maße zur Buße treibt. Luther sagt: am Sonn-"„Der kirchliche Bann ist also eine liebevolle und mütterliche nes Han-" Geißel der Kirche, verhängt über den Leib und die leib- nütig aut) lichen Dinge.“ RB Soist es beides, die Sorge um die Gemeinde und die Liebe, © die Besserung des unbußfertigen Sünders sucht, wodurch die Kirchenzucht der Gemeinde unumgänglich wird. 4 Wollte man einwenden, daß durch die Kirchenzucht Feind- genötigt|| schaft geweckt und die Gemeinde uneinig gemacht und aus- vernach- P} einander gerissen werde, so darf hier nicht zu große Rück- Bußzucht Ü) sicht genommen werden auf eine falsche Einigkeit und einen "ällen, in"falschen Frieden,die unter dem Angriff der Weltauf die Kirche der G- fund Gemeinde sowieso nicht standhalten werden. Es gibt größeren keine wahre Einigkeit und Frieden ohne Wahrheit. es nicht 1. Das ist vielmehr Zerstörung der Gemeinde, wenn ihr un- fatth. 18,© gestraft öffentliches Ärgernis gegeben wird, wenn die Ge- rmierten| meinde, die christlichen Eltern und der Ort, da ihre Kin- inter die der ihre Schulunterweisung empfangen, durch die Art und Weise, in der dies geschieht, auseinandergerissen werden und ichtet in eine Kluft befestigt wird zwischen Schule und christlicher ınd seine Gemeinde; wenn eine andere Art, das heilige Christfest zu 1, werdet feiern, eingeführt und gepriesen wird. I iinen auch 2. Das ist Zerstörung der Gemeinde, wenn etliche sind, h die ihre Kinder vom Unterricht und vom Kindergottesdienst|| pedte© fernhalten. Das ist Zerstörung der Gemeinde, wenn Wort|| Ki\ und Sakrament und die Mahnung und die Zucht der Ge- meinde verachtet werden, das zu deren Leitung bestellte Presbyterium, der Pfarrer und die Ältesten der Gemeinde gar verhöhnt und gescholten werden, ohne daß hierfür der Beweis angetreten wird.| 3. Das ist endlich Zerstörung der Gemeinde, wenn man hin| Krzweite® und her in den Häusern die Gemeindeglieder verführt zur| Aarerden Unterschrift, daß die Predigt eines Thüringer DeutschemChri-| dis Schrei sten, die selbst nach dem Gutachten des Generalsuperinten-| u behä denten Zöllner vom Reichskirchenausschuß auf unbiblischem\J fer 5& und unkirchlichem Boden steht, in die Gemeinde hineinge-| Imischen lassen werden soll.| Wahrlich, wo das alles in einer Gemeinde geschehen kann,| Aulwird! ist es Zeit, daß sich die christliche Gemeinde auf Recht und I Vorträge 1 Pflicht christlicher Bußzucht besinnt, wenn sie nicht den Vor- nachten ui wurf verdienen will, daß sie selber an derZerstörung und Ver- vart man weltlichung des christlichen Gemeindelebens schuld hat.| Bsonders Wer sich an der Kirchenzucht ärgert, mag sich immerhin är-| gen DC- gern; er beweist damit, daß er nicht auf dem Bekenntnis der\ Marrer we Väter steht und eine zuchtvolle Kirche, die aus dem Wort Paul wiedı Gottes allein lebt und ihrem Herrn Jesus Christus allein ge- 1 da. Lan; horcht, ihm selber nicht liebenswert ist. Die christliche Buß- Siekreis: zucht sucht nicht das Verderben des Sünders, den sie aus der\ wird n christlichen und kirchlichen Gemeinschaft ausschließt, sondern Im dichter seine Besserung.„Demnach— sagt Calvin— wenn es auch tolzfuhrw die Kirchenzucht nicht erlaubt, mit den Verbannten familiär”) Deerste zu verkehren oder innigen Umgang zu haben, so sollen wir keine Ipri dennoch bestrebt sein, sie zu besserer Frucht zu bekehren und tatte, Fri in die Gemeinschaft und Einheit zurückzurufen.“ So lehrt"N Kofırma: der Apostel 2. Thess. 2,15:„Haltet sie nicht für Feinde, son- Wege sine dern straft sie als Brüder.“ derseltsan So behalten die unter christlicher Bußzucht Stehenden, wenn tem Man; SIE SE ESS Be RE en ee An ae re SCHERE FE ST Se 78 unzreh SEHICGNRRERTEIERENT DOES DDOERTOLTTEZYHNHNESSCHORRTTTG RER BIT HH USGSHTRIEDUPOTEPODEERTEUPNPETTRZOTESTEDDDDPUDODTIE DEZE che Sind,} ihnen auch die Sakramente verboten sind und ihre kirchlichen tesdien, Rechte ruhen, doch Anspruch auf Wortverkündigung und Mn Won© Seelsorge in der Gemeinde. " Möge Gott die Wiedererweckung ernsthafter Kirchenzucht bestellg 1 unserer Gemeinde und den Betroffenen zum Segen, zu der Seele Heil und Seligkeit setzen.“ Esfolgten nun die Namen der in Bußzucht Genommenen. Nach ‚ der zweiten Abkündigung, ohneNamensnennung, schreibt der Pfarrer den Betroffenen im obigen Sinn. Zwei von ihnen lassen ' das Schreiben des Pfarrers wieder zurückgehen, der Partei- mann behält es und nun ist endlich eine Handhabe gegen den Perinten-| blischem' hineinge: Pfarrer geschaffen: Boykott! Inzwischen ist Paul mit seinem Motorrad jeden Abend un- © terwegs. Der Führer hat die Kirchenwahl in Aussicht gestellt. en kan, Paul wird in etwa zehn Hunsrückdörfern um kirchenpolitische echt und° Vorträge innerhalb von BK-Gottesdiensten gebeten. Wir fen Vo- machten uns dabei auf manche Anfeindung gefaßt. Einmal undVer-" warf man ihm auch beim Abfahren einen Stein ins Kreuz. ee hat, Besonders am ersten Abend war mir angst, da er in einer erhin ä- I argen DC-Gemeinde sprach. Auf Umwegen führte ihn der ntnisder© Pfarrer wohlbehalten aus dem Dorf. Am nächsten Tag ist m Wort Paul wieder in Womrath, um Konfirmandenbesuche zu ma- llein ge I chen. Lang warten wir abends auf ihn. Ich muß mit dem he Buß-|" Singkreis allein üben— es ist Freitag vor der Konfirmation! ausder U Da wird mir gemeldet, Paul liege verunglückt auf der Straße. ‚sondern Im dichten Nebel war er auf ein schlecht beleuchtetes Lang- es auch holzfuhrwerk gestoßen. Er wird ins Krankenhaus überführt. familür 0 Die erste Nacht bleibe ich bei ihm, er leidet sehr, will aber len wir\E keine Spritze, da er überhaupt eine Abneigung gegen Spritzen renund|| hatte. Früh morgens fahre ich heim, um noch alles für die So lehrt| Konfirmation zu ordnen. Mir geht nicht aus dem Sinn: ‚Die ‚de, son IE Wege sind oft krumm und doch gerad— da pflegt es wun- ' derseltsam auszusehen.‘- Wenn die Besucher mich bei mei- o,wenn|| nem Mann bedauern wollten, sagte er lachend:„O die freut 79 ” a er u en a mc Zu n vr EEE 4 sr SSELILTTTTIIEZE DD TR| Teen SERTERE er 5 er Dm 3 a en ERS es Seen ei sich, daß ich hier so wohlgeborgen liege und es so gut habe!“ In der Tat, Paul hätte die Geburt unseres sechsten Kindes ohne diesen Unfall nicht mehr in der Freiheit miterlebt. „Am 13. Mai zur frühen Nacht hat Gottes Wundergüte und treue Vaterliebe ein starkes Büblein uns gebracht. Sind’s auch der Buben fünfe nun, das Mädchen eines nur, so deckt doch Gottes Weisheit die menschliche Besorgtheit und weist dem Glauben ihre Spur. Wir sagen wohl den Namen ‚Ernst Wilhelm‘ in der Tauf', doch soll der Name Christ’ des Herrn gleich einem hellen Morgenstern nur selig leiten seinen Lauf. Allen lieben Verwandten und treuen Freunden, die unser in der Zeit des Wartens und anläßlich meines Unfalls gedacht haben, senden herzliche Grüße, der Vater am Stocke hin- kend, die Mutter wohlauf im Bett. Dickenschied, den 14. Mai 1937. Gretel und Paul Schneider.“ „Es ist ja eine gnädige Bewahrung Gottes, daß er in der Nacht zuvor den Sturz und Zusammenprall mit einem Reh so glimpflich ablaujen ließ. Und diesmal der Anprall mit 1 dem ungenügend und unrichtig beleuchteten Holzfuhrwerk, das nur den Schalthebel des Rades und mein Bein noch packte! Die Lektion, die Gott mir damit aufgibt, daß er mich in dieser Festzeit und der Zeit wichtigster kirchlicher und Glau- bensentscheidungen in den Gemeinden lahmlegt- Du nennst es freundlich, ‚die nötige Ruhe‘- muß ich zu lernen suchen. 80 Bine Di? ch es um auch gu Das Schie fachen.“( elgespt@C neindegli klarzuma Betroffen‘ dritte enc Noch im Br predii kopen. D ohne gen Br strebt predigt 2 predigter „B. am heim Kit und Dan Schauen Die letzt mihi 1937 „Liebe( Wir geh gangstor Heiland ‚Sehet, ı daß wir ‚Lasset Darf er Weg in leicht zı Ton seit ut habe!‘ n Kinds tlebt, ES nur, ler Tauf', e unser in Is gedacht ocke hin:} chneider." er in der W inem Rel prall mil fuhrwerk, ch packte! r mich in und Glaı: Du nennsl on suchen. | F Bitte für mich, daß ich sie lerne. Was die Pflege angeht, habe ich es unverschämt gut hier. Ich liege allein, kann darum auch gut lesen und studieren. An Besuch hat es nicht gefehlt. Das Schienbein hat doppelten Bruch, das Wadenbein ein- fachen.“(Brief an die Mutter vom 23. März 1937.)— In Ein- zelgesprächen am Krankenlager versucht Paul seinen Ge- meindegliedern seine Haltung in der christlichen Bußzucht klarzumachen und äußert sich mir gegenüber, er wolle den Betroffenen möglichst lange Bedenkzeit geben, ehe er die dritte endgültige Abkündigung vornehme. Noch im Gipsverband tut er über Pfingsten dreimal Dienst. Er predigte mit ganz seltenen Ausnahmen über die Peri- kopen. Die Predigten schrieb er wörtlich auf, hielt sie aber ohne genaue Bindung daran, frei, mit lebendigem Vortrag. Er strebte immer mehr, von der Themapredigt zur Text- predigt zu kommen. Im Winter 1937 hielt er Evangelien- predigten. Sie hatten den Grundakkord: Jesu Herrlichkeit! z.B. am 10. Januar 1937 über Matthäus 2,1-12: Die Weisen beim Kind: Ein Ruf zur Heidenmission— Ein Ruf zu Trost und Dank- Ein Ruf zu Opfer und Dienst- Ein Ruf zum Schauen der Herrlichkeit Christi und seines Reiches. Die letzte Predigt von Paul im regulären Pfarrdienst, Esto- mihi 1937, war über Lukas 18,31-43: „Liebe Gemeinde! Wir gehen heute wieder durch ein neues Tor, durch das Ein- gangstor der heiligen Passionszeit, da unser lieber Herr und Heiland auch uns zu sich nehmen möchte und zu uns sprechen: ‚Sehet, wir gehen hinauf nach Jerusalem!‘ Er wartet darauf, daß wir das wirklich ernst nehmen, was wir gesungen haben: ‚Lasset uns mit Jesu ziehen, seinem Vorbild folgen nach. Darf er uns denn zu sich nehmen auf dem Passionsweg, den Weg ins Leiden, ins heilige Kreuz? Oder gehören wir viel- leicht zu denen, von denen es heißt: ‚Von da ab‘- als er von seinem Leiden und Sterben sprach- ‚gingen viele seiner 81 Jünger hinter sich?‘ Daß unser gekreuzigter Herr uns mit-| Aposeel b IN ıM nehmen möchte hinauf auf die Höhe des Kreuzes, hinab in fir die JÜ ) ti die Tiefe des Leides, das dürfte jedem allmählich deutlich zug Herr == R In geworden sein, der den Herrn Christus aufrichtig liebhat.| Darum 4 MN Aber daß wir uns wieder sammeln dürfen um sein Kreuz in|| Bergpredi ht dieser angehenden Passionszeit, das ist seine große Gnade.| Kraft und N Ki Daß er uns mit seinem Wort den Weg weist und uns zu-| ‚men, iM| rüstet, den Weg hinauf mit ihm zu gehen, das ist unser Trost| yerden BR und unsere Zuversicht. Und nun zeigt uns der Herr gleich in|| um meint N' unserem ersten Evangelium am Tore der Passion so vielHerr-| Übles wi u liches und Tröstliches, so viel Licht und Gnade, daß es uns\ nirwill I wie eine ermunternde Wegweisung begleiten darf vom Tore\ Ken, N der Passion durch Leiden zur Herrlichkeit, durch’s Kreuz zur fung, dal Mi Krone! Dieser Weg will im Glauben erkannt, diese Weg-| den hat, " weisung im Glauben hingenommen werden.| glieren s IE Als Jesus seinen Jüngern von seinem Weg durch Leiden und| ihm gestt \| Sterben zur Auferstehung sagte, durch Schmach und Hohn f px ist u und Verspeiung, durch Preisgabe an die Heiden und Geiße- re V vi lung zur Auferstehung am dritten Tage, da können es die I ie ware ii Jünger nicht fassen. Sie dachten nicht und faßten nicht, daß Mn Kre N das der Weg ihres lieben Herrn und Meisters, mit dem Gott| Kräfte, ı " so offensichtlich war inZeichen und Wundern und Heilungen,| Mero h sein könne. Und obwohl sie ihr Herr und Meister auch auf be ı| das Zeugnis der Schrift hingewiesen hatte, daß es so alles Herrlich if erfüllt werden müsse, was die Propheten sagen von des Men- ei schen Sohn, konnten sie es doch nicht fassen. Es widerstritt Wie tör N zu sehr aller ihrer Vernunft. Wie sollten auch die Jünger auf ı das begreifen können! Den Heiden preisgegeben, die ärgste Arche, I| Schmach, getötet, und doch sollte die Sache noch einen herr-- ‚8 I! lichen Ausgang nehmen!? Weil denn der Jünger Vernunft| untei n das Wort von ihres Meisters Leiden und Kreuz nicht fassen ln N konnte, gehören dies Wort und dieser Weg des Heilandes| Melden it durch Leiden zur Herrlichkeit und der Glaube zusammen, miel hi der solches Wort fassen kann. Der Weg des Meisters ist aber h\ der Weg seiner Jünger und seiner Gemeinde, so wie es die Di „ anı ü 82 h i- a ag ER un| DEREN NE DIESE IST a EDER RIENFTE BED DEN DD DES NA DE REEL ER HADNEE EN UNTORTIE/H UM WHNUN MEET TH 105 mit n Apostel hernachmals auch gelernt und erfahren haben. Auch tinab in 1 Be. 2 j deutlic{ für die Jünger und die Gemeinde kann es nur durch Leiden hat. zur Herrlichkeit, durch das Kreuz zur Krone gehen. teuzin Darum setzt Jesus schon diese Seligpreisung in das Tor der Ga N Bergpredigt, und alle anderen Seligpreisungen haben ihre a| Kraft und Bedeutung nur, wenn wir sie mit dieser zusammen- er Trost N nehmen. ‚Selig sind, die um ige Gerechtigkeit willen verfolgt eich werden ni. und ‚selig seid ihr, wenn euch die Menschen ee um meinetwillen schmähen und verfolgen und reden allerlei va, Übles wider euch, so sie daran lügen und wiederum: ‚Wer mt mir will nachjolgen, der verleugne sich selbst und nehme sein a, Kreuz auf sich. Und doch steht über dem allen die Verbei- & Wer ßung, daß unser Glaube der Sieg sei, der die Welt überwun- den hat, und daß wir mit Christo leben, regieren und trium- nn phieren sollen, wenn wir hier mit ihm gelitten haben und mit ihm gestorben sind. ] Hohn: Be€ Geiße, Das ist noch genauso gegen unser natürliches Gefühl und ; unsere Vernunft, wie es damals die Worte Jesu für die Jün- rt ger waren. Der natürliche Mensch sieht in dem Kreuz und ht, daß J ' dem Kreuzesweg nur den Zusammenbruch aller menschlichen 4 Si Kräfte, nur das gänzliche Ende und Aus-Sein eines Weges, lungen, daß er ohne Glaube nimmer bereit sein kann, den Weg des uch auf' Kreuzes zu gehen. Darum muß er allerdings auch an der so alls| Herrlichkeit des Sieges und an der göttlichen Wundermacht 7 Mens vorbeizielen. u Wie töricht fragen doch die Menschen heute vielfach in be- Jnse zug auf den Kirchenkampf: Ist’s denn nicht bald mit der aEEN Kirche wieder in Ruhe und Ordnung? Hat es die Kirche aber F° nicht bald gepackt? Ich meine doch, wir werden es packen. ernunft| So urteilen die der Kirche günstig Gesinnten; sie sind schon fassen F erschrocken über den geringen Anfang von Kampf und ilandes| Leiden, in den Gott uns geführt, und meinen, es könne doch ımmet, P unmöglich so weiter gehen; und indem sie das meinen, neh- ist aber| men sie dann sich jedenfalls von solchem Leidensweg aus. ‚esdie|| Die andern aber, die Feinde der Kirche, urteilen nun voll- 83 j dieser und die H jeher Fe Christi. as ande ends, daß unsere Sache, die Sache Jesu Christi aus und ver- loren sei, daß von der Kirche jetzt schon nur noch ein Haufe sich streitender Pfarrer übrig sei und man die Kirche ruhig ihrem sich von selbst vollziehenden Ende überlassen könne; und beide, Freunde wie Feinde, können nicht sehen, daß der Sterbensweg der evangelischen Kirche nun gerade der Weg Jesu, der Weg des Kreuzes der Weg zum Leben ist. Warum sollte nicht auch in Deutschland der Weg der Kirche| Zn durch noch viel größeres Leiden und Sterben, durch gänz-| macht x liches äußerliches Unterliegen zum Siege und zur Herrlich-| Mel st keit führen? Und täusche dich nicht: Auch du kannst an|4 Ki“ Jesu Herrlichkeit und Sieg»icht Anteil haben, als indem du jeus Is das heilige Kreuz um Jesu willen auf dich nimmst und mit Eines W ihm den Leidens- und Sterbensweg gehst. Dazu bedarf es chen, indt des Glaubens, der von der Kraft und dem Sieg des Kreu-| ink kn zes weiß. Solcher Glaube ist ja eine verborgene, stille Kraft, Beginn d aber er ist darum nicht untätig und träge, sondern betätigt nachen 2 sich im herzandringenden Gebet. mn Herz Der Blinde am Wege nach Jericho hat von Jesus gehört, der|4 nde w eben gerade hinaufgeht nach Jerusalem; und er glaubt an ten verst Jesus und wartet auf ihn. Als er vorbeigeht, erhebt er sein staltunge Geschrei, läßt sich auch nicht abhalten von anderen, die ihm Boden er vorreden wollen, der Heiland sei nicht da für seine Not und damit nic sein Elend. Als er nun vor Jesus steht, da wagt er kühn und|4 wdBer: glaubensstark die Bitte: Herr, daß ich sehend werde, und| Herrn Je Jesus quittiert ihm: Dein Glaube hat dir geholfen! Die Welt 4 schend ist blind für den Weg Jesu und seiner Jünger: durch Leiden 14 Freuete zur Herrlichkeit; und auch wir sind von Natur blind dafür. 4 Zitder Unsere Augen sind gehalten, daß wir die verborgene und|A4 wunsn kommende Herrlichkeit auf dem Leidensweg nicht sehen. tragen,© Wir sind dem blinden Manne gleich, mutlos, verzagt, ver-- 4 um zweifelt in Not und Leid, blind für die Herrlichkeit des|[4 halfen, Kreuzes. Wie die Heiden, die von Jesus nichts wissen, als 4 Yhatı Bettler am Wege sitzen und warten, bis Jesus vorüberkommt,| Weg ge so sitzen wir wieder mitten in der alten Christenheit ebenso| Ended dingende Glaubens ISCH 3 De IN IN | In 5 = Ben Fe FT SE gran 84 KERBBSDERTEANNITTEN N ERKENNEN Ind Ver- n Haufe he Fuhig könne: en, daß ade der ben ist, t Kirche h gänz- Terrlich- nnst an (dem du und mit :darf es s Kreu- e Kraft, betätigt (ört, der aubt an er sein| die ihm Not und ihn und de, und ie Welt Leiden ] dafür. ne und ; sehen. gt, ver- ceit des sen, als kommt, - ebenso in dieser Blindheit für des gekreuzigten Jesu Herrlichkeit und die Herrlichkeit des Kreuzesweges und würden uns viel lieber Freude und Wonne erwählen als die Schmach Jesu Christi. Was anders ist uns da nötig, als daß wir mit der herzan- dringenden Bitte zu unserem Herrn gehen, daß er uns die Glaubensaugen öffne für seine Kreuzesherrlichkeit, und daß wir von diesem Glaubensblick fröhlich, satt und reich ge- macht werden, daß wir nicht mehr als Bettler am Wege der Welt sitzen müssen und von ihrer Bettelfreude und ihrem Bettelvergnügen leben müssen. Die Welt will dich nicht zu Jesus lassen und mit Jesus ziehen lassen. Sie will die Kraft deines Wollens gleich zu Anfang des Passionsweges ausbre- chen, indem sie dich in ihre Lust hereinlockt. Es ist der Aus- druck knechtischen Unglaubens, wenn man meint, vor dem Beginn der Passionszeit noch einmal mit der Welt sich lustig machen zu müssen. Das ist keine evangelische innerliche und von Herzen gehende Erwählung der Kreuzesnachfolge, die in den weltlichen Vergnügungen sich zuerst schadlos zu hal- ten versucht. ‚Habt nicht lieb die Welt"- Karnevalsveran- staltungen und Fastnachtstreiben sind nicht auf evangelischem Boden erwachsen, und wahrhaft evangelische Christen haben damit nichts gemein. Dafür aber laßt uns in stiller Sammlung und Bereitung und wahrhaft sonntäglicher Feier vor unsern Herrn Jesus treten und glaubensvoll ihn bitten, daß er uns sehend mache für die Herrlichkeit seines Kreuzesweges. Freuet euch, daß ihr mit Christo leidet, auf daß ihr auch zur Zeit der Offenbarung Freude und Wonne haben möget. Las- set uns mit ihm hinausgehen vor dasLager und seine Schmach tragen. So wird er uns begegnen wie dem Blinden am Wege und zu uns sprechen: Sei sehend, dein Glaube hat dir ge- holfen. So hat uns Gott in der Kreuzesnachfolge unseres Herrn einen Weg gegeben durch Leiden zur Herrlichkeit. Ist er nicht am Ende doch der schönste und beste Weg dieses Erdenlebens? 85 Der Weg, bei dem wir nicht im Bettelleben dieser Welt blei- ben, sondern reiche, gesegnete Kinder unseres reichen himm- lischen Vaters sein dürfen? Der Weg, auf dem wir nicht auf die schalen, nichtigen, giftigen Freuden dieser Welt ange- wiesen sind, sondern die Freude am Herrn allerwege gewin- nen dürfen? Die Jünger, denen noch das Verständnis der Wege ihres Herrn verschlossen war, sind ihm dennoch ge- folgt und ihr Weg mündet in solchem Nachfolgegehorsam| aus in die schöne Pfingstfreude. Der blinde Bettler, dem das TE Licht neu geschenkt war und zugleich der Blick auf Jesu Herr-| heit lichkeit: auch er folgte ihm nach und lobte Gott. ‚Und alles blieb| Volk, das solches sah, lobte Gott‘ Wie sollten wir anders tagischet durch das Tor der Passion treten, wie sollten wir anders mit rede in C Jesu ziehen wollen, als daß auch wir Gott die Ehre geben!| Gestapo Der Herr, der uns vorangeht im Kreuz, der wird auch uns nehmung stärken und erhalten vor dem Bösen. Er wird unser Leben,\M Nacrich wennwir es hier an ihnverlieren, erhalten zum ewigenLeben. A sierungst Er wird uns seine Herrlichkeit sehen lassen hier und dort. N haftsei. Denn durch Leiden geht es zur Herrlichkeit, durchs Kreuz| sichden x ee m Fr BE Bronze zur Krone. Das wollen wir glauben nach seinem Wort, dar- meinden um wollen wir ihn bitten nach seiner Verheißung, dafür wol- Auf ihre len wir ihm danken mit Freude.“ ters wid tung lese gegen de wären, k Zeitung aus Dich Schutzha von der seforder dicht Ze ehmun InKoklı Haft“ u; Varen HAFTUND AUSWEISUNG So oft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich... Paul Gerhardt Am 28. Mai wird Paul von seinem Gipsverband endgültig befreit. Das Bein müßte nun bestrahlt und massiert werden- es blieb ihm keine Zeit. Ich rufe ihn heim, da ein besonders tragischer Todesfall vorliegt. Er hält am 30. Mai die Leichen- tede in der Kirche. Am zı. Mai wird er von Beamten der Gestapo in seiner Studierstube verhaftet und zu einer ‚Ver- nehmung‘ nach Koblenz geführt. Wir zu Hause bleiben ohne Nachricht, bis wir es über den Superintendenten und den Re- gierungspräsidenten erfahren, daß Paul in Koblenz in Schutz- haft sei. Im Dorf herrscht größte Bestürzung, niemand kann sich den Grund der Verhaftung denken. Unsere beiden Ge- meinden senden vier Bauern nach Koblenz zu der Gestapo. Auf ihre Frage nach den Gründen der Verhaftung ihres Pfar- rers wird ihnen gesagt: ı. den Grund könnten sie in der Zei- tung lesen; 2. Pfarrer Schneider wiegle den ganzen Hunsrück gegen den Staat auf; 3. da sie in keinerlei Organisationen wären, kämensiemitihren Aussagen gar nicht in Frage.-In der Zeitung stand:„In Schutzhaft genommen. Pfarrer Schneider aus Dickenschied wurde durch die Geheime Staatspolizei in Schutzhaft genommen, weil er in unverantwortlicher Weise von der Kanzel herab gegen einen Bauern zum Boykott auf- gefordert hat.“— Die Gestapo ließ Paul bei der Verhaftung nicht Zeit, seinen Koffer zu packen, es wäre ja nur eine Ver- nehmung. Paul wurde aber in der Tür des Stapo-Gebäudes in Koklenzempfangen:„Sie sindhierzueinerlängeren Schutz- haft“ und gleich in die Zelle im Souterrain gebracht(dort waren sechs bis sieben Zellen: Tresorräume des früheren 87 VE a EEE ex Daun ua=> e% n. DELLA DTODeOO TUT N YUV REBEL DEDDDODEH DEREN Reichsbankgebäudes). Unser Freund F. L. gab sich viele Mühe, nun Paul mit dem Nötigsten zu versorgen. Jedes Wäschestück mußte aufgedrungen werden, aber auch seine Bibel bekam er nach einiger Zeit. Ich legte zwei Spruchkarten in dieses erste Wäschepaket, die eine beschriebene bekam er auch bald, die andere blieb auf dem Büro liegen. Eines Tages wird Paul heraufgeführt. Er wird von allen Seiten foto- grafiert, Fingerabdrücke werden gemacht fürs Verbrecher- album! Auch für ihn ist diese Prozedur sehr bedrückend. N yifstreit Da gibt ihm der Portier, der zugleich sein Kerkermeister ist, N}jfscütz beim Abführen meine zweite Spruchkarte, die läge da noch| und I herum. Und was steht darauf?:„Freuet euch, daß eure| InSieg© Namen im Himmel geschrieben sind!“ Da wird es wieder werd. licht bei ihm. 4 die darbe Endlich kommt das erste Lebenszeichen von ihm.„... Nun| bitte ich Dich und Euch alle auch recht herzlich, Euch keine Id Ems Wi unnötigen Gedanken und Sorgen zu machen. Gott will’s ma-\ heil’e chen, daß die Sachen gehen wie es heilsam ist. Bitte setzt| xoc ol: auch nicht etwa Himmel und Hölle in Bewegung, dadurch.|| Eigei den Amtsstellen das Leben schwer machend. Wir wollen jetzt| jseint unsern christlichen Gehorsam gegen die Obrigkeit mit wil-| fill ligem Leiden bewähren und uns vor irgendwelcher Bitter-| und eing keit zu bewahren suchen. Wir wollen uns rüsten lassen mit Geduld, es könnte ja auch unsere Trennung einmal länger dauern...“(3. 6. 1937.)— Der zweite Brief soll ein Gruß zur Von nun Taufe unseres Kindes sein. Er kommt aber erst nach dem| selbst be Tauftag(14. 6. 1937) an:„Umstehende Verse sind mir für das jaMensı Tauffest unseres lieben Kleinsten, an dem ich ja nun selbe\| ikea leider nicht teilnehmen kann, in den Sinn gekommen. Möge\ haste e es Euch ein Trost und eine Stärkung sein und Euch denVater\\ as uns gegenwärtig machen. 4 fiher£ 4 spräche, Ernst ist die Zeit und ernst ist Gottes Walten,'E Hi mit dem er über seinem Haus und Volke wacht,| ihnder denn es ist Zeit, daß er anfange im Gerichte zu gestalten 4 de,Lu 88 .. Enge zu OTHER ne TIERET! nn.> ORHRZELDOE EARTH IT HESSEN OPUPODDUOEEEREHUSNVETIETZTIEERDODDTTTTETT ZEN HERE ch Viele 1. Jedes ich seine Chkarten ckam cr 65 Tages en fotg- brecher- fückend, ister jst, da noch aß eure ; wieder ... Nun ch keine ill’s ma- tte setzt dadurch len jetzt mt wil- r Bitter- ssen mit I länger sruß zut ach dem r für das nm selber n. Möge en Vater ılten die Kirche Christi, die sich mit der Welt gemein gemacht. Doch birgt in dieser ernsten Zeit in seiner Kinder Schoß und Armen der treue Gott sein tröstendes Geschenk. Er bettet der Anfechtung Schmerz in sein Erbarmen und macht uns seiner reichen Gnade eingedenk. Hilf streiten Du für Gottes heil’ge Kirche hier auf Erden, hilf schützen die bedrängte Wahrheit wider Menschenmacht und List! Im Sieg des Glaubens überwind und lasse Dir die Krone werden, die darbeut allen Todgetreuen unser Jesus Christ! Ernst Wilhelm! Segne Gott Dir Deinen Namen und Deine heil’ge Taufe nach des Herren Willen. Noch glauben wir für Dich und weih’n Dich Gott zum Eigentum, dereinst da sollst Du selber glaubend Deine Tauf erfüllen und eingehn in das ew’ge sel’ge Leben, Gott zum Ruhm.“ (10. 6. 1937.) Von nun an blieb jede Nachricht aus, bis er am 25. Juni uns selbst berichtete. Woher kam nun diese Postsperre? Paul hatte ja Menschen um sich herum in den andern Zellen, Menschen, die er aufs Herz nahm. Und das spürten sie. Neben ihm hauste ein SS-Mann, der in Ungnade gefallen war. Er war aus unserer Kreisstadt. Er gab Paul selbst zu, wie sehr er früher gegen ihn gearbeitet habe. Mit ihm führt Paul Ge- spräche, soviel sich Gelegenheit bietet, doch ist ja zwischen den Häftlingen Unterhaltung verboten. Eines Abends fragt ihn der SS-Mann über die Auferstehung der Toten. Er denkt, die„Luft“ wäre rein. Paul redet nun etwa eine halbe Stunde 89 zu seinem Zellenfenster heraus in einen Schacht hinein— daß pi n es alle verstehen— über die christliche Lehre von der Auf- in Ben erstehung. Andern Tags wird er vor den Kadi zitiert, sehr ie ua verdonnert und die Postsperre über ihn verhängt. Als nun"on der Beamte fertig ist mit Schelten und Drohen, sagt Paul, er|4 kit Be’ wäre nun schon lange hier, ob er nicht vielleicht auch den|4 is er Grund seiner Verhaftung hören dürfe? Als ihm nun die Kir-[4 id" chenzucht genannt wird, wird es Paul leicht ums Herz! Na-| uahiede türlich läßt sich der Beamte nicht auf seine Verantwortung ie, Dun ein.— Inzwischen habe ich einen Bericht an den Rheinischen iM, sind Rat über die Verhaftung meines Mannes abgeschickt. Die|M Lim bie Vervielfältigung desselben wird mir von der Stapo zur Last| anbebr| gelegt, zur Strafe Postsperre! So waren wir beide ohne Nach-| une die richt. Paul freut sich:„Wir waren offenbar beide nicht brav!“- ınd doch Auf allen erreichbaren Papierfetzen schreibt Paul einen langen die Seele Brief an mich und hofft durch einen Kameraden, der bald viel tiefer entlassen wird, ihn mir zuleiten zu können. Er ist aber selbst| Unterhalt eher da als der Brief.- Einige Abschnitte daraus:„Ich ver-\H non: gnüge mich mit Gottes Wort und Liedern, außer dem fast| Hälfte ab täglichen Reinemachen der Zellen, der S chlafdecken und Ma-| nir heute tratzen und dem Spazierengehen im Gefängnishof(eine halbe\A inreines Stunde). So kann ich geistliche Schätze sammeln für neuen| Morgen 5 Dienst und ist die Zeit auch für mich nicht vergebens. Ich\A lien Ge hoffe, sie ist auch für die Gemeinden nicht vergebens; daß rung zur| doch viele möchten ihre geistliche Trägheit und Verantwor- getellt. tungsscheu überwinden! Daß Gott uns allen auch einen Geist haben, I der Buße schenken wolle und den Willen zu einem zucht-\M ren So vollen Gemeindeleben mitten in dem abgöttischen Geschlecht I nicht han unserer Tage! Wie vieles habe ich noch versäumt und hätte| Geld. besser vorbereitet sein müssen für den nun eingetretenen und Zuflucht doch so lange vorausgeahnten Fall. Wir können ja damit Ende,.. rechnen, daß ich wenigstens bis über die vollzogene ‚Kirchen-\A icen. E wahl‘, bei der uns übrigens nur völlige Nichtbeteiligung üb- insere$ rigbleiben kann, hier festgehalten werde; es sei denn, daß\A dievite mein Bein mich durch Gottes Güte noch einen anderen Weg IA Vemn = i Be ee, ee rn 90 an: TREETTTENSTTTTG LERREBTEISEHNRAATENTEREEKE NER ÄNEHEHRRS DEINER IN in 3 daß 4 der Auf 1ert, sehr 4 Als nun t Paul, er auch denF die Kir- erz! Na. wortung einischen ckt, Die zur Last ne Nach- brav!“- n langen der bald er selbst ‚Ich ver- lem fast und Ma- ne halbe ir nenen ens. Ich 25; daf F rantwor- en Geist n zucht- schlecht nd. hätte nen und a damit Xirchen- ung üb- nn, da en Weg führt und die ‚längere Schutzbaft‘ abkürzt. Nach allem ist das Bein schlecht geheilt, ist noch nicht im Schienbein ganz fest, vom Wadenbein gar nicht zu reden, der Splitter am Schienbein steht sehr beraus und das ganze Bein drückt sich beim Gehen mehr und mehr im Knie nach innen durch, auch das Kürzersein macht sich doch ziemlich bemerkbar.-— Wir sind in unserem ‚Gefängnis‘ gewöhnlich sechs bis sieben der verschiedensten Sorte, von meiner Fakultät bin ich der ein- zige. Zwei Jünglinge, die dem Papst zu sehr befreundet wa- ren, sind wieder entlassen. Du kannst Dir denken, daß das Leben hier eines gewissen Reizes und auch Zweckes nicht entbebrt.... Heute ist schon der 6. Sonntag meiner Haft ohne die Möglichkeit an einem Gottesdienst teilzunehmen und doch nicht ohne Gottesdienst. Es ist merkwürdig, daß die Seele hier noch viel hungriger ist und Gottes Wort noch viel tiefer eindringt, wo fast jede andere Möglichkeit der Unterhaltung fehlt. Ein lieber Mitgefangener(SS-Mann) gab mir von seinen Blumen, die ihm seine Braut gesandt, die Hälfte ab; aus Pappe habe ich mir ein Kreuz gefertigt und mir heute Zellentisch und Zelle sonntäglich herausgeputzt, ein reines Taschentuch als Tischtuch. So babe ich mir heute morgen selber Gottesdienst gehalten, und war mit der gläu- bigen Gemeinde verbunden. Deine Karte mit der Aufforde- rung zur Freude habe ich mir zum Sonntag unter die Blumen gestellt. Du siehst, man kann auch hier Sonntagsfreuden haben, hoffentlich habt Ihr dieselben auch und macht auch Euren Sonntagsspaziergang, indem Ihr nach wie vor den Kopf nicht hängen laßt, nun wo unser Gottvertrauen und unsere Geduld auf eine stärkere Belastungsprobe gestellt wird. Die Zuflucht unter dem Schatten der Flügel Gottes nimmt ja kein Ende.... Laß uns nur in unserem ‚Leiden‘ Gottes Liebe seben. Es ist ja keine Bestrafung, keine Bezahlung mehr für unsere Sünde, nachdem Jesus vollgültig bezahlt. Nein, es ist die väterliche Liebeszucht, der wir uns nicht weigern dürfen. Wenn manche oder viele Brüder meinen, das Leiden ver- 9L = SETS a are FERESESS gr SFERS 5 Tr ES ESS m meiden zu können, weil sie es vermeiden wollen- obwohl\ es doch jedem Sehenden seit langem unvermeidlich vor Augen steht— so können sie das vielleicht haben, aber die Glück lichen und Gesegneten sind sie dabei nicht. Und zu denen,| die getrost dem Feind entgegen gehen, können sie auch nicht gehören, höchstens zu denen, die Schrittchen für Schrittchen zurückweichen; und wir sind doch wahrlich genug zurück- gewichen. Deshalb, lieber Schatz, nicht bitter werden, nicht gegen die Brüder und nicht gegen die Feinde der Kirche, Unser ‚Leiden‘ ist ja ein Vorzug und alsobald ist es ja kein Leiden mehr, sondern: ‚Freuet euch, wenn ihr mit Christo leidet“ Nur darum wollen wir ringen, daß unser Leiden ein Gott wohlgefälliges Opfer sei, in Christi Liebe und Geist gebracht, damit wir und die Gemeinden und die Kirche auch Segen davon haben.- Heute morgen war mir das Evangelium von der selbstwach- senden Saat ein großer Trost und ich muß es schon glauben, daß die Sache des Evangeliums in unseren Gemeinden auch ohne mein Rennen und Laufen keinen Schaden nehmen wird, Dennoch sollten wir auch nichts versäumen, was getan wer- den kann und muß: ich meine den Anfban und Ausbau der bekennenden Gemeinden. Grüße die treuen Freunde in den Gemeinden herzlich und sage ihnen, daß ich mich sehne und freue, wieder zu ihnen zu kommen. Jetzt gilt es in den Sturm hinein und hindurch: ‚Unverzagt und ohne Grauen‘ Philip- ber 1,28-30. Sage auch den Freunden, daß es mir gut gehe und sie sich jetzt und in Zukunft nicht um mich sorgen, SON- dern nur darum, daß das Wort Gottes und das Zeugnis des Evangeliums uns und unseren Kindern erhalten bleibe. Lest den Philipperbrief, singt und betet.- Gott hat uns das Herz des Kerkermeisters zugewandt und tut uns durch ibn Gutes. Heute bekam ich zum erstenmal einen halben Liter gute V or- zugsmilch und soll sie nun täglich bekommen. Daß mir der gute Kirner Onkel(ein Mitgefangener) mein Bein täglich massiert— ich tue es auch noch selbst des Morgens und 92 Abends,© ginterber ick, 870 Ins nächste den Du mi IM mangelt ysongt sichlich av in einma uch den( Rinder, 97 Stecken um umso lieb: ııleinande Liebe in 5 alt; so g Kirche, W hiter ode Anert— Feinde, ar ‚an könme uns er un Img noch vickelpap Bibelstelle Ihe Reih Ietteln ke denen Ar und Mor ächsten Kirche,\ litt der äizeln a Anliegen ge un > obwoh) vor Augen ie Glück, 2u denen Auch nich, Chrittchen 8 Zurück. ten, nich 7 Kirche, es ja kein it Christo eiden ein ind Geiy che auch Ibstwach- glauben, den auch nen wird,| etan wer. ısbau des de in den ehne und en Sturm 7 Philip- gut gehe gen, SON ugnis des ibe. Lest das Herz n Gutes. ute Vor- mir der n täglich Tens und Abends, wird er dir hoffentlich selbst erzählen.— Bruder Winterberg hat wieder ein großes Lebensmittelpaket ge- schickt, große Wurst, Käse, Tomaten, Keks usw. Ich fürchte, das nächste Mal kommt ein Reisekoffer! Der 23. Psalm, an den Du mich erinnerst, trifft buchstäblich und wörtlich ein. Es mangelt mir nichts im Geistlichen und Leiblichen. Gott versorgt mich sehr freundlich und treu. Er führt mich täglich reichlich auf die frische Weide seines Wortes, will Herz und Mut einmal schwer werden in demV erlangen nachEuch und nach den Gemeinden, wollen die Sorgen um Dich und die Kinder, um die Gemeinden aufstehen, so tröstet mich sein Stecken und Stab. Alles muß dazu dienen, daß wir uns nur um so lieber in Gott haben und uns noch viel mehr von Gott aufeinander gewiesen wissen. Alles hat Gott in übergroßer Liebe in seinem Heilsplan für uns längst in Rechnung ge- stellt; so gewiß auch die Gefängnishaft der Pfarrer für seine Kirche. Weil ich es so ansehen darf, kann ich auch gar nicht bitter oder ungeduldig werden, daß die Hajt nun so lange dauert- Gott bereitet auch den Tisch im Angesicht der Feinde, an dem wir leiblich wohlversorgt sind und fröhlich sein können. Unser Kerkermeister weiß schon gar nicht mehr, was er uns alles zulieb tun soll und wie er seine Hochach- tung noch bezeugen soll....“ Auf solchen Zetteln- Ein- wickelpapier— finde ich dann auch Listen von„gelernten Bibelstellen“ und„gelernten Liedern“. Es ist eine erstaun- liche Reihe. Aber Paul lernt man am besten noch auf andern Zetteln kennen:„Gebetshilfe“. Zuerst zählt er die verschie- denen Anliegen jedes Wochentages auf. Täglich: Abend- und Morgensegen(Luther), Vaterunser, Fürbitte für die nächsten Verwandten und Hausgenossen, Fürbitte für die Kirche, Volk und Obrigkeit. Der Freitag und Samstag ge- hört der Fürbitte für seine Gemeinden. Dann schreibt er einzeln auf, wer die Verwandten, die Freunde sind, was das Anliegen für die alte Gemeinde ist: kirchliche rechte Seel- sorge und für wen er dort im einzelnen bittet, wie die 95 zwölf Patenkinder heißen, wer die gefangenen Brüder und die ihm nahen Brüder im Amt sind.— Auf einem besonderen Blatt steht: ‚Gebetshilfe für Dickenschied‘. Es werden alle evangelischen Häuser mit Personenzahl aufgeführt, bei der Gebetshilfe für Womrath ebenso.— Am Morgen des 25. Juli stehe ich vor unserm Haus, auf ein Auto wartend, das mich zu einem entlassenen Kameraden Pauls bringen soll. Da kommt ein Womrather Bursche mit einem Brief meines Mannes: ‚Ich bin in Womrath! Obwohl aus dem Rheinland ausgewiesen, werde ich heute dort pre- digen. Wenn Du das Herz hast, dann komm herüber!‘ Ich fand Paul inmitten seiner Presbyter, beratend, betend. Er sah elend und blaß aus, das Bein war in schlechtem Zustand, nach vorne gebogen, verknorpelt und verkürzt. Die Massage, die ihm ein freundlicher Mithäftling während der kurzen| veirzt.| Zeit des„Spazierganges“ angedeihen ließ, hatte eben doch|% Her! nicht genügt.- Der Sonntag nimmt seinen Lauf. Alle Kir- 4“ Bren chenglocken läuten, die Leute wissen: der Pfarrer ist da! 4 ir sic, Seither wurde zum Zeichen der Trauer nur mit einer Glocke 4 sul zu geläutet. Paul predigt in beiden Gemeinden: ‚Glaubet ihr| hands= nicht, so bleibet ihr nicht.‘ Er sagt nicht ausdrücklich von der sinn Rei Ausweisung, bittet aber die Gemeinde um Fürbitte, daß er| atcheidui nun auch bei ihnen bleiben dürfe. Mancherlei Besuche aus IH"ug aı der Gemeinde und dem Pfarrbruderkteis füllen den Nach- ki Annal mittag aus. Abends fahren wir in ein befreundetes Pfarrhaus,| Aigen, Sc um am andern Morgen einen Knochenspezialisten konsul- 4“ug u tieren zu können. Nun erfahre ich den Hergang im einzelnen| en,< und muß auch„hindurch“ wie Paul die Nächte vorher: Der Ri isund da „Kerkermeister“ sagt Paul am Freitagabend heimlich:„Sie| tube, D, werden morgen ausgewiesen. Ich habe es zufällig auf dem|4“Han Büro erfahren.“ Nun hat Paul in einer langen Nacht Zeit, Kallein sich von der lockenden„Freiheit“ versuchen zu lassen, aber|"ste sein auch sich zu erinnern, daß er früher grundsätzlich dem Staate Bief aus das Recht zur Ausweisung eines Pfarrers abgesprochen hatte,|| Dinach l wenn ihm nichts Ungesetzliches nachgewiesen wäre. Der| runs. ıfahren, U uch zun inen Abfa niteiner V udläßt sic Insere Ho! Bein in Ort ses ea — 94 DEUETONFTEUGGERENNN PUOLULENDMNENMSMEN bh dene sa IEHUHNYNFNIOGUEET DOT VDOET IE EMMEN EeIETDET HOUUDER TEE A BEER L Grund seiner Haft gibt ihm Ruhe und das gute Gewissen sondern zur Ablehnung. Am andern Morgen wird ihm seine Auswei- tden all sung eröffnet. Er legt Verwahrung dagegen ein. Die Auswei- b bei del sung baue sich auf der unrechtmäßigen Haft auf, und er wäre vor Gott zu seinen Gemeinden gewiesen, die ihm ihr Ver- s, aufeint trauen bis heute noch nie entzogen hätten. Er wird dennoch ameradenl in ein Auto gesetzt und nach Wiesbaden(Hessen-Nassau!) tsche mitE gefahren, und dort auf freien Fuß gesetzt. Er geht sporn- ! Obwohll streichs zum Bahnhofe, wirft dort den Ausweisungsbefehl in dort pre.l einen Abfallkasten und fährt in unsere Kreisstadt, immer ber‘ Ih mit einer Verhaftung rechnend. Dort wartet er die Nacht ab etend, Bel und läßt sich dann in ein Womrather Presbyterhaus fahren.— Zustand,E Unsere Hoffnung, durch eine Spezialbehandlung könne Pauls Massage, U Bein in Ordnung kommen, ist getäuscht, das Bein bleibt 3 cm >t kurzen verkürzt. Paul gibt die Parole: Heim nach Dickenschied! ben dh Das Herz ist mir schwer. Aber, steht da nicht an der Straße Alle Kir.E unser Freund Langensiepen? Er hatte einen weiten Weg t ist da'” hinter sich, um diese Begegnung zu ermöglichen. Ihm gelingt > Gloce es, Paul zu überreden und ihn wegen seines Gesundheitszu- aubet ir. standes nach Baden-Baden zu„entführen“. Er erzählt von h vonder seinen Reisegesprächen mit Paul noch folgendes:„In dieset &, daß er Nacht standen ihm wieder seine Ver- tüder und che au| treibung aus Hochelheim und seine Bedenken, ob er damals en Nad.| bei Annahme seiner Versetzung recht gehandelt habe, vor farchaus,| Augen. Schließlich gab ihm das Wort aus Richter 5,18 Weg- weisung und Zuversicht. Man kann es schlecht als Zufall be- einvelnel zeichnen, daß ich an demselben Abend auch diesen Abschnitt her: Del las und dabei lebhaft an unseren gefangenen Freund denken ie: 30‘ mußte. Da war Ruben, der es vor lauter Bedenken nicht den zum Handeln brachte, Gilead, Dan und Asser, die ihre Brü- che Zeit I der allein den Kampf ausfechten ließen, ‚Sebulons Volk aber ven, db wagte seine Seele in den Tod‘.“— m Staat: Brief aus Baden-Baden vom 27. Juli 1937:„Nun bekommst cn hatte I Du nach langer Zeit den ersten mit Tinte geschriebenen Brief. sre, Det Über unsere Reise und Einführung hier wird Dir Fritz wohl 95 LEER DAT ER AT RHNUTA TA AA HS EIER EN Her auf! sur am m adresse au Aus eineNl fig mir um mußte venn es N die liebe niterwäbl ige Er lirfen.# ılle führe Christi al diese V nd des| nung de. werden.“ Und aus in dem€ das Nötige gesagt haben. Nun betet nur auch, daß Gott auch| diese unsere Wege, auch wenn sie nicht so ganz von Gott ge- führt sein sollten, segne und für die Haltung der Gemeinden zu keinem Schaden geraten lassen wolle. Darüber bleibt uns aber auch die Dankespflicht für Gottes gnädige Führung durch die vergangenen Wochen und aus dem Gefängnis ins Haus, Familie und Amt hinein. Wir dürfen uns nur für uns schämen, daß wir Gott nicht noch viel mehr glauben und| vertrauen. Er tut immer über unser Bitten und Glauben. Und dennoch muß sich Gott auch richten nach unserem Glay- ben. Deshalb, mein liebes Weib, bitte hilf mir glauben und beten und daß wir uns daran halten: Fürchte dich nicht, glaube nur!-— Das Haus ist sehr angenehm.... Gestern abend vor dem Einschlafen las ich noch die Briefe, die Du während meiner Haft bekamst. Wir müssen ja ganz beschämt sein um der vielen Anteilnahme und Treue, um der vielen Gebete und um der Sorge willen, die man an uns verschwen- det hat und die ich mir in Koblenz in keiner Weise so vor- gestellt hätte. Wir sind sie in keiner Weise wert, schon weil ..“..-.... Kol W wir gar nicht in gleicher Weise treu sind in Gebet, Fürbitte if os a . IN I; und Sorge für die andern. Auch das muß uns zur Buße rufen Hieb, we mich der und uns nur ein etwas freundlicheres Gericht Gottes sein als die Gefängniswochen:Weißt Du nicht, daß Dich Gottes Güte Jüngen 1 zur Buße leitet?... Für die Zukunft wollen wir- ich bitte es iner ge mir jetzt schon aus— ohne Sorgen und ohne Ausweichpläne dankbar sein, gelt? Sonst mußt Du nicht herkommen. Wenn Gott aus Acht Ta unserem Unglauben, Kleinglauben und Schwanken noch Gu- strahlen tes kommen läßt, so rechtfertigt das uns nicht, sondern ge- fehlte schieht nur zum Preis der unverdienten Barmherzigkeit Got:|) Wahn tes, von dessen sündenvergebender Gnade wir leben. Im| lukle übrigen bist Du ja mein liebes, tapferes, kluges, manchmal\A x w zu kluges Weib, auf das ich stolz bin, das die Last der ver- Meinen gangenen Wochen noch mehr getragen als ich und für mich uns den getragen hat, dem ich sein Sorgen und Dreinreden darum ‚lch ha auch ein wenig zugute halten will. Nun freu Dich, liebes ich wei 96 RHESDERIIHHANSTTNEEREENENEANRHEN EB h Gott ayjb n Gott 48 ’emeinden\ bleibt um, A Führumy ängnis in ur für um ben ml Glauben rem Glay zuben und lich nicht . Gesten fe, die Di ) der vielen erschwen: se So vor: schon weil t, Fürbitie 3uße rufen tes sein als? ottesGüte ich bitte es‘ veichpläne| n Gott ans“ noch Gi ondern ge- gkeit Gol- leben. Im manchmal“ st der ver- 4 für mich Jen darunz ich, liebe F Herz, auf bier, wie ich mich auf Dein Kommen freue. Schreib nur an mich ohne alle Heimlichkeit.“(Wir hatten eine Deck- adresse ausgemacht.) Aus einem Brief an die Mutter vom selben Tag:„Gelt, Du bist mir nicht böse, wenn ich Gretel oft auf einen Weg füh- ren mußte, den Du vielleicht nicht ganz gebilligt hast oder wenn es in Zukunft noch so sein müßte. Aufs Ende soll auch die liebe Gretel immer wieder das bessere und beste Teil miterwählt haben und für die kurze Zeit zeitliche Trübsal die ewige Erquickung vor dem Angesicht Gottes eintauschen dürfen. Auf diesem seligen Glaubenswege will uns Gott ja alle führen und ich bin gewiß, daß wir in der Kirche Jesu Christi alle mehr und mehr, in Schwaben und Preußen, auf diesem Wege in der Gemeinschaft der Leiden Jesu Christi und des uns reichlich widerfahrenen Trostes und der Hoff- nung des ewigen Lebens werden miteinander verbunden werden.“— Und aus einem Brief vom selben Tag an Präses Humburg, in dem er von seiner Haft und Ausweisung erzählt:„Gott ließ es also nicht zu, daß ich die ganze Zeit über ohne Bibel blieb, wenn der Wille dazu auch vorbanden war. So hat sie mich denn getröstet und gestärkt, ist mit mir ins Gericht ge- gangen und hat mir den Weg gewiesen. Die Haft ist mir zu einer geistlichen Rüstzeit geworden, für die ich Gott sehr dankbar bin und die ich nicht missen möchte“ Acht Tage danach werde ich mit einem großen Blumenstrauß strahlend in Baden-Baden empfangen. Nun hatten wir’s gut, es fehlte uns äußerlich an nichts. Ein dunkler Rahmen aber umrahmte das freundliche Bild— besonders ich sah eine dunkle Zukunft. Paul stand in kindlichem Vertrauen:„Es gehe wie es gehe, mein Heiland in der Höhe, weiß allen meinen Sachen Rat.“ Ich konnte dann wohl sagen:„Hast Du uns dena in jener Nacht der Entscheidung nicht liebgehabt?“ „Ich babe Euch noch nie so liebgehabt wie in jener Nacht, ich weinte um Euch...“ Da mußte ich mich seinem Ent- 97 U ET EEE EDITED RA DD IN BISL TA, schluß unterordnen, ihn achten und ihn auch mitverantwor- gegen“ b ten.— Es ging in diesen Wochen oft durch ein Sterben des nik dem eigenen Willens hindurch. Das Beugen im Gehorsam unter jchte, Bit Gottes Willen— so wie wir ihn damals verstanden— wird fir sind nicht auf einmal gelernt.— Ich konnte auch manchmal in der vine Kin Anfechtung auf das verhältnismäßig ruhige Leben anderer ih führen BK-Pfarrer hinweisen. Er tröstet:„Weißt, ich bin halt ein al schre Patrouillengänger. Vielleicht habe ich aber einen leichteren oder all Weg und ein besseres Ende als die, die ins Gewühl der har eine 1 Schlacht kommen!“- higer, ZU Unter allen Besuchen, die wir in B. bekamen, war für Paul unseren I natürlich der schönste und wichtigste der von Pfarrer Schlin- Ursache g gensiepen. Er kam als stellvertretender Präses des Rheini- Auf eine: schen Rates. Paul hatte dem Rat genau von seinem Handeln hei den Bericht erstattet. Nun prüfte dieser ihn, wieweit er gebun- Wie oft ı den wäre und ob er- und auch ich- über den Ausgang X7, steck seines Weges— wie er auch sei— getrost wäre, Er gibt ihm die Ausm den Weg in seine Gemeinden frei, nicht in kirchenregiment- licher Anweisung, sondern in Achtung des Glaubensgehor- sams Pauls. Im Gebet wird die Einigkeit besiegelt.— Ein wissendes und bewegtes Abschiednehmen, und dieBahn führt den Vielbeschäftigten fort. Paul aber singt aus befreitem Herzen auf dem Nachhauseweg! Pf. Schl. hatte Paul gebeten, eine Konferenz aller Ausgewiesenen abzuwarten, er bemühe sich sehr um ihr baldiges Zustandekommen. Deshalb kam es uns sehr gelegen, als nach den vier Wochen ‚Urlaub‘ in Baden-Baden ein hessischer Freund die Vertretung seiner Gemeinde während seines eigenen Urlaubs anbot. Wir fuh- ren am 28. August ab. Pauls 40. Geburtstag sollte wie in frühesten Zeiten mit diesem Freund gefeiert werden. Unsern zehnjährigen Ältesten nahmen wir unterwegs bei Verwand- ten in Empfang. Er hat in den nächsten Wochen noch seinen Vater genossen.— Endlich sitzen wir beim Geburtstags- kaffee! Da kommt der Ortsdiener und verlangt Pauls ge- naueste Personalien, da sich ein Ausgewiesener„von Rechts BEE ee h ı mehr wi Weges. abbringe iber der und bese helfen ki Da, als hatte, kz 9.9.19 [7 ee Sen er 98 Tank wor. *tben des AM Unter 0= wird al in der anderer halt ein eichteren vühl der für Paul *t Schlin- ; Rheini- Handeln t gebun- Ausgang gibt ihm egiment- nsgehor- t.- Ein ıhn führt efreitem gebeten, bemühe kam es laub‘ in g, seinet Wir fuh- wie in erwand- h seiaen ırtstags- auls ge- | Rechts | A ATTTEERE er EL wegen“ binnen 48 Stunden melden mußte! Also ist es aus mit dem„Untergetauchtsein“, das uns das Weltbad ermög- lichte. Ein Schatten liegt auf unserem„gemütlichen Feiern“. Wir sind Pilgrime!— Paul sieht im Laufe des September seine Kinder außer dem Kleinsten noch einmal. Sophie oder ich führen ihm die Wirtschaft. Als ich von Dickenschied ein- mal schreibe von der Sorge um den zarten Kleinen, schreibt er, der alles mit geistlichen Augen ansah:„Da ist doch offen- bar eine neue Störung. Wir Eltern sollten gehorsamer, gläu- biger, zuchtvoller auf Gottes Wegen wandeln. Wir sind es unseren Kindern schuldig und unserem Gott, der uns so viel Ursache gegeben hat, aus Dank und Liebe ihm zu dienen.“- Auf einer Besuchstour durch den Kreis Wetzlar sieht Paul bei den alten Gemeinden und bei guten Freunden herein. Wie oft muß er da bang hören: ‚Werden sie dich nicht ins KZ stecken?‘- Paul äußerte einmal nach Gesprächen über die Ausweisung mit ratenden und warnenden Freunden:„Je mehr wir davon reden, desto klarer werde ich mir meines Weges.“— Unsere gute alte Sophie wollte ihn auch durchaus abbringen— ‚Herr, schone dein selbst!‘— Sie muß stille sein über dem getrosten Glauben ihres Paul.- Die Gemeinden und besonders die Presbyter sannen, wie sie ihrem Pfarrer helfen könnten. Gleich im Juli sammelten sie Unterschriften. Da, als der größte Teil der Gemeinden schon unterschrieben hatte, kam eine Beschlagnahmung durch die Polizei.- Am 19. 9. 1937 schrieben sie an meinen Mann. Womrath, den 19. September 1937 Lieber Herr Pfarrer Schneider! Da Sie bereits seit dem zı. Mai d. J. durch die geheime Staatspolizei in Koblenz von uns gerissen wurden und Ihnen keinerlei Vergehen nachgewiesen werden konnte, womit man Sie bestraft hätte. Wir erkennen darin nur eine verleumderische Anzeige, welcheeigentlich von Rechts 99 LLUEDUDDUUTUEPEPRFHE wegen strafbar gewesen wäre. Da Sie nun längere Zeit aus der Verhaftung entlassen und Ihre Ausweisung noch nicht zurückgezogen ist, können wir als Presbyter der hiesigen Gemeinde den jetzigen Zustand nicht länger über uns ergehen lassen. Weil die Konfirmanden keinen Religionsunterricht seit Ihrer Abwesenheit erhielten. Die- Christenlehre für die angehende Jugend wurde unterlas- sen. Es fehlt die Seelsorge an den Kranken in beiden Ge- meinden. Die heilige Abendmahlsfeier ist bereits zwei- mal übergangen worden.- Alle rechtstehenden Ge- meindeglieder wünschen dringend Ihre baldige Rück- kehr, damit Sie wieder in Gottes Namen Ihres Amtes walten können. Das Presbyterium verlangt daher Ihre baldige Rückkehr und bittet Sie höflichst, die dringende Bitte, wenn irgend möglich, an eine höhere Staatsgewalt (Obrigkeit) weiter zu geben; denn wir können die Ver- antwortung in der Gemeinde durch Ihre Abwesenheit nicht mehr länger übernehmen. Das Presbyterium der Gemeinde Womrath Fuchs, Scherer, Auler. Ein ähnliches Schreiben liegt vom Presbyterium in Dicken- schied vor. Mit dem Rheinischen Rat blieb Paul in Verbindung. Die Konferenz der Ausgewiesenen konnte nicht zusammenge- bracht werden, einmal durch Verhaftungen der maßgeblichen Männer der Vorläufigen Leitung, und dann durch sonstige Behinderung der Ausgewiesenen selbst.- So schrieb Paul seinem Presbyterium den Termin seiner Heimkehr. Sie hiel- ten ihn ganz geheim.— Paul verfaßte in den letzten Tagen in Eschbach ein Schreiben an die Reichskanzlei, das er auch mit einem Begleitschreiben an den Rheinischen Rat sandte. HEERES TTTDOT Pfarrer Schneider Dickenschied(Hunsrück) Eschbach, den 30. September 1937 Sere Zeit ung nodh F ter der© It länger E An die n keinen Hohe Reichskanzlei des Deutschen Reiches Iten, Die. P in Berlin, Wilhelmstraße; Unterlas- zugleich in Abschrift an das Reichsinnenministerium iden Ge. F und an den Regierungspräsidenten in Koblenz. its zwei- den Ge. In aller Ehrerbietung beehre ich mich, den hohen staat- e Rück. lichen Stellen folgendes anzuzeigen: Am 30. Mai d. Js. wurde ich, gerade aus dem Kranken- s Am ‚her* haus nach Behandlung eines Unterschenkelbruches ent- tingende lassen, von Beamten der Geheimen Staatspolizei aus tsgewalt meinem Pfarrhaus zu einer Vernehmung nach Koblenz die Ver- mitgenommen und dort sofort gemäß einer mir gemach- resenheit ten Eröffnung ohne Vernehmung in längere Schutzhaft genommen. Der Schutzhaftbefehl, der mir in den ersten Tagen mei- Vomtath ner Haft zugestellt wurde, beruft sich auf den Erlaß Hin- denburgs vom Februar 1934 zur Aufrechterhaltung der öffentlichen Sicherheit und Ordnung und nennt als Gründe Dicken. meiner Verhaftung ganz allgemein mein Verhalten als hi geeignet, die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu ge- h fährden. Acht Wochen weniger zwei Tage wurde ich in ing, Die k Schutzhaft gehalten, ohne daß mir in einem Verhör oder er einer Untersuchung eine unrechte oder aufrührerische ehlichen II Handlung nachgewiesen wurde, die diesen Schutzhaft- a| befehl gerechtfertigt hätte. eb Paul Am 24. Juli wurde mir meine Ausweisung aus dem Rhein- Sie hie land eröffnet. Als Begründung verzeichnet der Auswei- Tagen sungsbefehl wieder mein Verhalten, das die öffentliche auch mit Sicherheit und Ordnung dieses Mal der ganzen Rhein- provinz gefährde. 2{ Bei der Ausweisungsverhandlung vor der Geheimen 101 HH Staatspolizei, Leitstelle Koblenz,erklärteich: Inacht Wo- chen Schutzhaft habe man nicht einmal den Versuch ge- macht, mir eine unrechte oder aufrührerische Handlung nachzuweisen. Die mir jetzt gemachte Eröffnung meiner Ausweisung sei für mich nunmehr ein Beweis, daß schon die Schutzhaft eine Verfolgungsmaßnahme gegen die Be- kennende Kirche und damit gegen die Kirche Jesu Christi in Deutschland darstelle. Ich müsse den Schutzhaftbefehl mit Berufung auf den Hindenburgerlaß als unrecht und unwahr bezeichnen; ich zerreiße zum Zeichen dessen den Schutzhaftbefehl. Dieses tat ich dann auch. Ein Ver- mächtniswort Hindenburgs sei gewesen:„Sorgen Sie da- für, daß Christus in Deutschland gepredigt wird.“ Nichts anderes tue die Bekennende Kirche. Selbstverständlich könne ich auch die Ausweisung nicht anerkennen oder annehmen. Ich wisse mich vor Gott an meine Gemein- den gewiesen und könne mich von ihnen nicht, durch Menschen, auch dutch die Obrigkeit nicht einfach los- reißen lassen, ohne daß mir ein Unrecht nachgewiesen sei.— In der Konsequenz dieser Erklärung lehnte ich es auch ab, einen Ort außerhalb des Rheinlandes zu nen- nen, wo ich Wohnung nehmen wolle. Die Unterschrift des von dem die Verhandlung leitenden Herrn Kommis- sar aufgenommenen Protokolls verweigerte ich mit dop- pelter Begründung. Ich sagte, daß das Protokoll nicht die ganze Verhandlung wiedergebe, indem es meine Ein- gangserklärung über Schutzhaft und Schutzhaftbefehl ver- missen lasse als Begründung für die Ablehnung der Aus- weisung. Ich sagte weiter, daß ich durch alle bisherigen offenherzig gemachten und unterschriebenen Protokoll- erklärungen für die Geheime Staatspolizei nur tiefer in die Bestrafung— nicht„Verantwortung“, wie das Proto- koll sagt— hineingeraten sei. Ich faßte dabei die lange Schutzhaft als Strafmaßnahme auf, was mir auch im Ge- stapo-Gefängnis von hoher Stelle bestätigt worden war. ERESDLSDIRTNHAAFLREENERRE NE ARNANEHRANTENEDTENNE acht W- such ge Tandlung 1g Meiner laß Schon n die Be. Su Christi aftbefeh] echt und -ssen den Bin Ver- n Sie da- « Nichts ständlich nen oder Gemein- tt, durch fach los- gewiesen te ich es zu nen- terschrift Sommis- mit dop- oll nicht ine Ein- fehl ver- Jer Aus- sherigen rotokoll- tiefer in s Proto- ie lange im Ge en wat. EIBEIT EDEN Nur der zweite Grund mit der erwähnten Veränderung meiner Aussage wurde protokolliert. Sodann wurde ich mit dem Auto über die Grenze ge- bracht. Gemäß der von mir gemachten Erklärung nahm ich mir das Recht, sofort in meine Gemeinde zurückzu- kehren. Am folgenden Tage predigte ich in meinen bei- den Gemeinden wieder das Evangelium von Jesus Chri- stus, daß er sei der Herr, und daß wir vom Bekenntnis nicht weichen dürfen. Der von mir nun genommene längere Urlaub, den ich wegen der langen Schutzhaft und wegen meines noch nicht ausgeheilten Beines auch brauchen konnte, ändert nichts an meiner grundsätzlich getroffenen Entscheidung in dem von mir bezeugten und zu bezeugenden Ungehor- sam gegen ein unrechtes Gebot der Menschen. Ohne Rechtsgrund greift die Ausweisung erheblich in dasLeben von Kirche und Gemeinde hinein. Sie reißt Pfarrer und Gemeinde auseinander, die vor Gott feierlich zueinan- der gewiesen sind. Auch für diese Zueinanderweisung gilt das Wort der Heiligen Schrift:„Was Gott zusam- mengefügt hat, das soll der Mensch nicht scheiden“, ebenso wie für den christlichen Ehestand. Gemeinden und Pfarrer sind hier darum gehalten, dem unrechten Verlangen und Gebot obrigkeitlicher Personen zu wider- streben, zumal ein solcher ohne Rechtsgrund gemachter Eingriff in Freiheit und Selbständigkeit des kirchlichen Lebens den feierlichen Versicherungen der höchsten obrig- keitlichen Personen des Deutschen Reiches widerspricht. Die gemachten Strafandrohungen von Geldstrafen oder Haft und neuer Schutzhaft können mich nicht schrecken. Gott kann mich wohl davon erretten, wenn er will, durch Einsicht obrigkeitlicher Stellen oder auf sonst eine Weise. Mögen die Strafen auch angewandt werden, so weiß ich doch, daß Gott Gericht und Gerechtigkeit schaffen wird allen, die Unrecht leiden, und daß er auch richten wird 103 a z Y Ban SERTH ei = re > STE 0 5 Se SCe55S er >= FE SEE zwischen meiner Obrigkeit und mir an seinem Gerichts tage über den schuldigen Gehorsam nach Gottes Wort, Römer 13,1, welches Wort man mir bei meiner Auswei- sung vorgehalten hat, und über den gebotenen Ungehor- sam nach Gottes Wort Apostelgeschichte 5,29:„Man muß Gott mehr gehorchen denn den Menschen“, auf wel- ches Wort ich mich auch bei Ablehnung meiner Auswei- sung berufen habe. Ich darf nun auf einige Punkte hinweisen, die zwar meine getroffene Entscheidung nicht maßgeblich begründen, die aber schon von äußerem Interesse der Kirche und aus Gesichtspunkten staatspolitischer Klugheit beachtenswert erscheinen. Meine Gemeinden sind bereits seit 20. März, also ein halbes Jahr, ohne geregelte Seelsorge, die christ- liche Unterweisung der Jugend liest vollkommen brach. Es besteht ferner die Gefahr, daß bei einer etwaigen Be- folgung der Ausweisung meine Pfarrgemeinde als öffent- lich-rechtliche Pfarrstelle überhaupt nichtmehr ordnungs- gemäß besetzt werde, nachdem schon viele kleine Pfarr- stellen eingespart sind. Meine sechs Kinder sehen in Dickenschied ihre Heimat, wie ich selber auch, der ich auch geborener Hunsrücker bin. Zum Zeichen der Verbundenheit mit der Gemeinde habe ich mir in Dickenschied einen eigenen Garten er- worben. Durch die lange Schutzhaft im Gefängnis unter Gefäng- nisordnung mit verschärften Bedingungen ist meine Ehre als deutscher Staatsbürger, als Mensch, als Christ, als evangelischer Pfarrer, als früherer Offizier und Kriegs- teilnehmer, der 37/5 Jahre in der Front war, genügend geschändet. Eine weitere Verfolgung meiner Person und weitere Bedrängnis der Gemeinden, die an ihrem recht- mäßigen Pfarrer festzuhalten gewillt sind, würde von allen gut und rechtlich gesinnten Leuten der Gemeinde, würde vor allem von allen ernsthaften Christen der Ge- FÜRTH IE EEE ENTER RER ET IT THU WSESPPDDODUPODDTIURZEERG geinde trauen$ führun! Gegn® meind hens Ü das Pr Beken! dages‘ Eadlic dem IC noch( meind Presby zukehi ich di in Go Presb und' keitli Kirch Ist, a Ih b dem verlie weltl der] | Geri i 2 R ekichts meinden nicht verstanden werden und zu großer Ver- tes Wort trauenseinbuße in dieGerechtigkeit derderzeitigen Staats- T Auswei führung Ursache geben. Das Geschrei der ganz wenigen Ungehor Gegner des bekenntnischristlichen Lebens in der Ge- Be„Mai meinde, die sich als offenbare Zerstörer kirchlichen Le- ‚auf wel. bens überhaupt, z. T. seit langem, erwiesen haben, und t Auswei. das Presbyterium zur Abwehr mit der gebotenen und im Bekenntnis verankerten kirchlichen Zucht nötigten, ist Er meine dagegen nicht aufzuwiegen. inden, die Endlich will ich auch noch auf ein Letztes hinweisen, in- ° und aus dem ich hoffe, daß die Stimme der Christlichen Gemeinde htenswert noch das Ohr der Obrigkeit findet: Meine beiden Ge- 20, März, meinden haben mich durch ihre ordentlich bestellten die christ- Presbyterien ausdrücklich schriftlich aufgefordert, zurück- ıen brach, zukehren und mein Amt weiter zu versehen. Damit lehne raigen Be- ich die Ausweisung nicht mehr nur aus meinem eigenen als öffent-" in Gott gebundenen Gewissen heraus ab, sondern meine ordnungs- Presbyterien und Gemeinden nehmen die schwere Last ine Pfarr- und Verantwortung des Ungehorsams gegen ein obrig- keitliches Gebot aus Gehorsam gegen den Herrn der e Heimat, Kirche, der doch zugleich auch der Herr der Obrigkeit [unsrücker ist, auch auf sich. Gemeinde Ich befehle hiermit meine Sache dem Gerichte Gottes, sarten ef- dem Obrigkeit und Kirche für das ihnen beiden von Ihm verliehene Amt Rechenschaft schulden, der jener das weltliche Schwert zur Strafe der Bösen und zum Schutze t Gefäng- eine Ehre der Frommen, dieser aber das geistliche Schwert seines Ohrist, als heiligen und ewigen Wortes gegeben hat, bis daß Gottes d Kriegs: Reich in ewiger und vollkommener Gerechtigkeit kommt, da unser Herr und Heiland Jesus Christus selber Prie- genügend erson und ster und König zugleich sein wird. Bis dahin halten wir em recht- es damit:„Gebet dem Kaiser, was des Kaisers, und ürde von Gott, was Gottes ist.“ emeinde, Am 28. September schreibt er den letzten Brief an meine 1 der Ge Mutter:„... Bis Freitag bleibt Gretel mit den Kleinen bei 105 DESOLTITEDUDUTYFUPUPFRTEHERN in dene Amtes jet für der sie gen, We der Kit zit jet sceidu die ein jicher, antwot mir. Am Sonntag zum Erntedankfest denke unserer Rück kehr, zu der wir eben einen stärkenden Bruderbrief von R, in V. erhielten. Wenn nicht die Kirchenleitung eine ausdrück- liche Weisung gegen die Rückkehr gibt, müssen wir also wie- der ins Trefjen. Wir wollen mit Freuden und in Gehorsam gehen, Gott sitzt im Regimente. ‚Wer Gott fürchtet, der hat eine sichere Zuflucht und seine Kinderwerden auch beschirmt‘, des wollen wir uns trösten.- E.Weber kommt in dieser Woche aus dem Urlaub zurück. Die Kollekte vom letzten Sonntag sollte hier am Sonntagabend beschlagnahmt werden, Ich hatte sie aber nicht mehr in Händen und verweigerte| weitere Auskunft. Bis jetzt blieb es darauf still.“(Später hat| trick das Sondergericht Frankfurt das Verfahren in dieser Sache Bist: eingestellt.)-„Nun sorgt Euch bitte nicht, was auch kommt. a E Betet nur im Glauben des gegenwärtigen und kommenden Weis Herrn und seines allmächtigen Tuns.... In herzlicher Liebe\\ at und Dankbarkeit bleibe ich frei oder gefangen. Igem Dein Sohn Paul“ P okt 2 mb In den letzten Tagen in Eschbach erhielt Paul folgendes Entsch Schreiben des Rheinischen Rates: Gewis In der Evangelische Bekenntnissynode I nitd im Rheinland gleiche Düsseldorf, den 28. September 1937 Lieber Bruder Schneider! Da Bruder Humburg zur Zeit abwesend ist, hat mich der Rat beauftragt, Ihren an den Präses gerichteten Brief zu beantworten, und zwar unter Berufung auf den Be schluß der Augsburger Bekenntnissynode. Wir möchten Ihnen dieses Wort ausdrücklich für Ihren Weg bezeugt haben. Im Ringen der Bekennenden Kirche um die Freiheit der Verkündigung des Evangeliums häufen sich die Fälle, ER DEREN TRUE De be De Bad Mad Ba DR erer Rück E rief vonRE 4° anscrich 1 also wie Gehor sone et, der hal bes chirmj‘. in diese, Om letzten NE werden, erweigerte Später hat eser Sache ch komm, mmenden cher Liebe Ihn Paul“ folgendes mber 1937 hat mich eten Brief EEE : den Be 5 - möchten 9. bezeugt Freiheit die Fälle, k % Ki { N in denen den Predigern die öffentliche Ausübung ihres Amtes auf mancherlei Weise verwehrt wird. Das bedeu- tet für sie und für ihre Gemeinde eine Anfechtung, in der sie nach einem wegweisenden Wort der Kirche fra- gen, weil sie mit uns allen unter dem Befehl des Herrn der Kirche stehen, der uns gebietet, seine Botschaft bis zur letzten Möglichkeit auszurichten. Obwohl die Ent- scheidungen, die hier gefällt werden müssen, zunächst an die einzelnen herangetreten sind, wird es immer deut- licher, daß in diesen Vorgängen die gesamte Kirche zur Ver- antwortung aufgerufen ist. Die Synode bekennt sich aus- drücklich zu dieser Verantwortung als ihrer eigenen. Es ist ihr zur Zeit nicht gegeben, den betroffenen Predi- gern und Gemeinden eine allgemein gültige bindende Weisung für ihr Verhalten zu geben, weil trotz der gro- ßen Zahl gleich und ähnlich gelagerter Vorgänge nicht allgemein gesagt werden kann, wo im einzelnen der P nkt erreicht ist, an dem das Wort in Kraft tritt: ‚Man muß Gott mehr gehorchen als den Menschen.‘ Diese Entscheidung zu vollziehen, vermögen wir dem einzelnen Gewissen nicht abzunehmen. In der gemeinsamen Verantwortung wissen wir uns aber mit den betroffenen Brüdern und Gemeinden unter die gleiche Leitung des Wortes und Geistes Gottes gestellt. Darum geben wir ihnen zu bedenken, daß nicht unsere eigenen menschlichen Befürchtungen oder Hoffnungen, auch nicht irgendwelche von außen kommenden Drohun- gen oder Lockungen für ihre Entscheidung bestimmend sein dürfen, und bitten sie, sich in allen solchen Versuchun- gen Gott und dem Wort seiner Gnade anzubefehlen. Gottes Wort ist uns zur Verkündigung aufgetragen; das macht die Verantwortung so groß. Gottes Wort will uns aber auch mit seiner Kraft zugleich selber tragen bis hinein in die Einsamkeit der letzten persönlichen Ent- scheidung. Im Gehorsam des Glaubens sollen wir der 107 EEDZDUUFVUUFYRFF Bye rechtfertigenden Gnade und Führung unseres Herrn ge- wiß sein. Wer sich in seiner Entscheidung auf sie ver- läßt, tut recht. Er soll wissen, daß er damit in der Ge- meinschaft der Bekennenden Kirche steht, die ihn als Glied an dem einen Leibe Jesu Christi mit ihrer Fürbjtte trägt und ihm mit ihrem brüderlichen Rate dient. Wir verweisen deshalb alle Angefochtenen auf die Glaubens- stärkung und Gewissenshilfe, die ihnen aus der seelsor- gerlichen Aussprache erwachsen soll. Hierbei haben sich Gemeinde, Bruderrat und kirchliche Führung in ihrem Auftrag zu bewähren und zu bezeugen, daß die Beken- nende Kirche ihre Verantwortung zu tragen bereit ist. „Gott ist getreu, der euch nicht läßt versuchen über euer ie beeind Vermögen, sondern macht, daß die Versuchung so ein uf Samstz Ende gewinne, daß ihr es könnt ertragen!“ Lieber Bru- ‚ließen, der Schneider! Es scheint uns nicht so, als ob in absch- Tenster, Ic barer Zeit eine Zusammenkunft der Ausgewiesenen zu- ireckt mit stande kommen könnte. Wir sind deswegen auch nicht Yınd ent; in der Lage, Sie um eine Verschiebung Ihres Vorhabens ken, wo i zu bitten unter Berufung auf diese in Aussicht genom- nach br mene Konferenz. Was Sie Ihrerseits tun können,„um j ritenoch alle Gerechtigkeit zu erfüllen“, erscheint uns auch gut TE a: ‚Wol und recht. Es ist uns klar, daß wir zu Ihrer Entscheidung© vKoble nicht nein sagen können. Ebenso klar ist uns aber auch, ner Aus daß es sich bei dem Ja Ihrer Entscheidung nicht um das nd Dicke Befolgen einer kirchenregimentlichen Anweisung han: F#j,„} deln kann, sondern nur um die Gewißheit des Gehor-= silierPf: sams gegenüber dem Befehl des Herrn selbst. Darum kann hier weder etwas befohlen noch etwas verboten werden. Wir befehlen Sie, lieber Bruder Schneider, Gott und dem Wort seiner Gnade in der Gewißheit, daß jeder von uns ter, der seinem Herrn steht oder fällt. ich den „Denn unser keiner lebt sich selber, und keiner stirbt sih Und der selber. Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wit,| N Iipaber Sen ze FE SFEH N em To ir gute. dan merl Der gute er ne he rn nn SEFEFFERTRE vo RETTET ERLZIENEHFN FIT BESTE ET HR DR ER DIT HUT EPILDULUTEZT D ch cht genom: NEN,„um s auch gu itscheidung aber aucı, cht um das isung hao- les Gehor- st. Darum s verboten© tt und dem [er von un - stirbt sic erben wi, so sterben wir dem Herrn, darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“ Mit herzlichen brüderlichen Grüßen im Namen und Auftrag des Rates Ihr Beckmann. Am ı. Oktober fahren wir miteinander von Eschbach ab. In Frankfurt trennen sich unsere Wege. Paul kommt in der Nacht in Kirn an. Ich lasse nun unseren lieben Bruder Met- tel erzählen:„Als Junggeselle habe ich die Untugend, häu- fig zu nachtwächtern. Da steht mir ganz lebendig eine Er- innerung an Pfarrer Schneider vor der Seele, durch die ich tief beeindruckt wurde.... Es war eine Nacht von Freitag auf Samstag halb zwei Uhr und ich will mich gerade ent- schließen, mein Lager aufzusuchen, da klopfte es an mein Fenster. Ich eile zurHaustür und öffne und Pfarrer Schneider streckt mir zu meinem Erstaunen und großer Freude die Hand entgegen. ‚Onkel Mettel, haben Sie noch ein Plätz- chen, wo ich noch für wenige Stunden rasten kann?‘, richtet er nach brüderlicher Begrüßung die Frage an mich. Ich be- reite noch schnell einen Kaffee, und dann geht’s ans Ausfra- gen: ‚Woher und wohin?‘— Er hatte Gelegenheit, nach sei- ner Koblenzer Haft nach Hause zu kommen und will trotz seiner Ausweisung aus dem Rheinland Sonntag in Womrath und Dickenschied predigen.- ‚Ist das nötig, sich so in Ge- fahr zu begeben?‘ So meine Frage! Statt einer Antwort schlägt Pfarrer Schneider seine Taaschenbibel auf und liest mit einem Tonfall, den ich nicht wiedergeben könnte: ‚Ich bin der gute Hirte‘(dabei weist er von sich weg in die Höhe, man merkt ihm seine unbedingte Gebundenheit an Ihn an). ‚Der gute Hirte läßt sein Leben für die Schafe. Der Mietling aber, der nicht Hirte ist, des die Schafe nicht eigen sind, sieht den Wolf kommen und verläßt die Schafe und flieht. Und der Wolf erhascht und zerstreut die Schafe. Der Miet- ling aber flieht; denn er ist ein Mietling und achtet der Schafe 109 Daran DDDOODDDUTUPUUPFERFFLEN N SE =erE E ee an A aa nee RS ee SHE =. II» Bier er Sees N Iren u) Kirche,Da nicht. Ich(und wieder der bedeutungsvolle Fingerzeig auf-' wärts) bin der gute Hirte.‘— Nach langem Schweigen sagte' ich innerlich gepackt: ‚Dann gehen Sie in Seinem Namen.‘ Und Min nach gemeinsamem Gebet gehen wir zur Ruhe....“ Ber Am andern Abend führt Paul ein Kirner Geschäftsmann, E.. ein Glied der BK, auf unsere Höhe hinauf. Wie gerne hät- van! 4 ten wir dem Heimkommenden eine Rast gegönnt!- ihn' ER. wenigstens einige Tage daheim„versteckt“— aber sein Sinn Bu ist auf das Erntedankfest gerichtet. Ein erquickendes Bad, ud ine dann schläft er gut und freut sich morgens seiner um ihn krabbelnden Kinder! Der Vormittag ist still, der Gottes- Der Singk dienst ist erst auf den Mittag angesetzt. Der größte Teil der|"“ Gemeinde freut sich, den eigenen Pfarrer so überraschend|“;" seines Amtes walten zu sehen. Ein jüngerer BK-Bruder In aber spricht zuerst ein kurzes Segenswort.....„Nun befehlen wir Im Nad dich Gott und dem Wort seiner Gnade.“- Paul predigt Enge Stu über die Perikope Psalm 145,15-21. Die Schlußsätze der Pre- kieinand digt lauten:„Erntedankfest! Wir rühmen den Reichtum Abendgot der Güte Gottes in seinen Gaben. Wir rühmen die Gerech- den seine tigkeit und Heiligkeit seines Waltens. Was soll denn num Ti fahre unser Dank sein? Das sagt uns der letzte Vers unseres Tex- Taldstral tes: Mein Mund soll des Herren Lob sagen. Nicht der Mund‘\etaftun eines andern, etwa nur deines Pfarrers, sondern dein Mund Ihel unc soll deinen Gott als den Vater unseres Herrn Jesu Christi it die P bekennen, hier und in und vor der Gemeinde, aber ebenso i, md vord auch draußen vor derWelt und der Öffentlichkeit, vor denen,“U geno die es hören wollen, und denen, die es nicht hören wollen, us Ki vor Volk und Staat und Obrigkeit: Alles Fleisch lobe seinen ber. Erh heiligen Namen immer und ewiglich, das bedeutet, daß ‚in feste Gottes Lob und Ehre nicht im Winkel bleiben darf. Wenn san der darum unser Weg, liebe Gemeinde, heute so angefochten dis de ist, wie es denn offenbar ist, weil man von eurem Festhalten Dickens] und Bekennen rundum spricht, weil man das Lob und Be- wissen kenntnis des Herrn und seiner Kirche so nicht haben will, so werfinde soll uns das eine Ehre sein und eine Ermunterung, fortzu- Bresbyter 1006) DRTOR RER ARE IT ORTEN U TIURIEEE EEE EZ eTzeig af eigen Sagt Amen,‘Und |“ häftsman, } 5etne hir nel< ihn E sein Sing .ndes Bat, er um ihn et Gotte« te Teil der erraschend 3K-Bruder fehlen vi: ul predir e der Pre Reichtum ie Gered: denn nın seres Tex: der Munl ein Mund su Christ er ebenst or denen, on wollen, be seinen tet, da) arf. Wem ıgefochten Resthalten und Be: n will, 0 g, fortzir fabren auf dem Wege der ihren Herrn laut bekennenden Kirche. Das sei unser Erntedank. Kommt, schließt dieReihen. Ich sing in Ewigkeit von des Erbarmers Huld. Er liebet treu sein V olk, vergibt und hat Geduld. Mein Mund soll seine Treu und Wahrheit laut verkünden, daß auch die Enkel Gott, wie wir ibn fanden, finden. Ja, seine Gnade steigt sich ewig zu erhöhen und seine Wahrheit bleibt im Himmel feste stehen. Amen.“ Der Singkreis singt— alles ist wie sonst!— Aber ein treuer Mann sieht den Pfarrer nach dem Segen auf der Kanzel stehen, in Schmerz und Liebe seine Gemeinde umfassend, dann aber entrückt— vergeistigt. Es ist ihm eigen zumute.— Zum Nachmittagskaffee haben wir alle Presbyter bei uns. Einige Stunden sind wir in aller Ruhe und auch Fröhlichkeit beieinander. Ehe wir mit den Womrather Presbytern zum Abendgottesdienst ins Filial fahren, steht Paul an den Bett- chen seiner Kinder und betet mit ihnen den Abendsegen.— Wir fahren mit dem Auto. Von weitem sehe ich auf der Waldstraße ein Licht blinken. Ich ahne es: die Polizei. Die Verhaftung geht schnell vorüber— schnell ihm noch seine Bibel und Gesangbuch zugesteckt! Auch in Dickenschied hat die Polizei inzwischen schon nach Paul gefahndet. Er wird vorderhand im Nachbarstädtchen Kirchberg in Gewahr- sam genommen. Am andern Morgen bin ich in der Küche seines Kirchberger„Kerkermeisters“. Pauls Zelle ist dar- über. Er hört meine Stimme, und nun pfeifter, so laut er kann: „Ein feste Burg ist unser Gott!“ Auf der Treppe stehend- er an der Tür seiner Zelle— sprechen wir einige Worte:... „Sag’s den Gemeinden, ich bin und bleibe der Pfarrer von Dickenschied und Womrath!“ Aus dem Fensterchen eines gewissen Örtchens winkt er mir beim Abfahren zu. Er war ja so erfinderisch!- Nun schreibt er Briefe an die Kinder, die Presbyter, die nächsten Freunde. Nachmittags machen sich III en Din een = SEE ee >= a vier Womrather Frauen auf nach Kirchberg, sie wollen end- lich ihren Pfarrer wiedersehen. Eine Sprecherlaubnis bekom- men sie natürlich nicht. Die gute Frau des„Kerkermeisters“ schiebt sie in einen Holzschuppen, und von da aus können sie| sich mit ihrem Pfarrer an jenem Fensterchen mit Winken und Weinen verständigen. Paul schickt ihnen einen Zettel herunter:„Vielen, vielen Dank, Ihr lieben Frauen und Mäd- chen! Nun sind wir uns doch schon ein wenig näher! Got| wird es vollends versehen. Ich bin und bleibe Euer Pfarrer, Betet, daß Gott alles zum Guten und Segen kehre für die| ganze Gemeinde. Euer Besuch war mir eine große Stärkung und Freude. Freuet Euch in dem Herrn alle Wege. Mit den| bösen und verführerischen Menschen wird es je länger je är- ger. Wir brauchen ihnen nicht zu zürnen, sie haben ihren Richter. Aber die Gemeinde des Herrn sollen sie nicht zer-\ stören. Gott wird uns noch ein frohes Wiedersehen schen-\ ken, ich hoffe es fest. Euer treuer Pfarrer Schneider.“- Die Fahrt nach Koblenz geht am selben Tage vor sich. Er ist diesmal nur kurz im Stapogebäude. Er wird in eine Zelle| des Polizeipräsidiums überführt. Die Unterkunft ist dort wohl auch primitiv, die Zelle 1,15 breit und 4,50 lang, aber die Behandlung durch die Polizeiwachtmeister sehr ordent- lich. Es ist noch eine Aufwartfrau da, die den Gefangenen aus der Stadt Lebensmittel mitbringt. Die Presbyterien der Gemeinden stellen sich hinter ihren Pfarrer mit folgenden Eingaben: Die Presbyterien der Kirchengemeinden Dickenschied-— Womrath(über Kirchberg/Hunsrück) Dickenschied, den 13. Oktober 1937 An den Herrn Reichs- und Preußischen Minister des Innern Berlin Unser Pfarrer Schneider hat vor seiner Rückkehr, die auf unsere ausdrückliche Bitte erfolgte, eine Eingabe an die Re Diese und Pi Herr P den 3. Filialg Fr wu verbra gefäng Nacht‘ In der Antw RR. 1 AH über| Dicke Nach tembe Reich Diese dig,| nochn erMeisten! können si it Winken nen Zettel und Mid, über! Gon /e7 Pfarrer hre für di e Stärkung e. Mit den inger je är. aben ihren > nicht zer ben schen ler.“- Die ich, Er it! eine Zeller ft ist dort lang, aber hr. ordent sefangenen inter ihren| ück) ktober 1997 kkehr, die Jingabe a die Reichskanzlei gerichtet,— Datum vom 30. September. Diese Eingabe ist in Abschrift auch dem Herrn Reichs- und Preußischen Minister des Innern zugegangen. Herr Pfarrer Schneider ist am Sonntage seiner Rückkehr, den 3. Oktober, abends nach 8Uhr, aufdem Wegeinseine Filialgemeinde erneut in Schutzhaft genommen worden. Er wurde zuerst in Polizeigewahrsam nach Kirchberg verbracht. Am Montage wurde er in das Staatspolizei- gefängnis in Koblenz, Vogelsang ı, überführt. Weitere Nachrichten fehlen bisher. In der Zwischenzeit ist von der Reichskanzlei folgende Antwort aufdieEingabevom 30.September eingegangen: RK. 15547 B Berlin W 8, den 8. Oktober 1937 An Herrn Pfarrer Schneider über Kirchberg((Hunsrück) Dickenschied Nach der Anschrift haben Sie Ihre Eingabe vom 30. Sep- tember d. J. wegen Schutzhaft gleichfalls dem Herrn Reichs- und Preußischen Minister des Inneren zugeleitet. Dieser ist für die Angelegenheit in erster Linie zustän- dig. Ich darf Ihnen anheimstellen, sich gegebenenfalls nochmals an ihn zu wenden. Im Auftrag Wienstein Wirmachen uns dieEingabe unseres Pfarrers vom 30.Sep- tember vollinhaltlich zu eigen. Wirweisen besonders dar- auf hin, daß unsere Gemeinden seit März dieses Jahres ohne Pfarrer sind, sich in ihren Gottesdiensten mit Ver- tretungen der umwohnenden Pfarrer behelfen müssen, die Kranken nicht regelmäßig besucht werden können, die Konfirmanden keinen geregelten Unterricht erhalten usw. Wir bitten den Herrn Reichs- und Preußischen Minister 113 des Innern, uns unsern Herrn Pfarrer bald zurückgeben zu wollen. Peter Kloß Jakob Scherer Heinrich Diener Peter Auler Adolf Müller Jakob Fuchs = Bericht des Presbyteriums der evang.-ref. Gemeinde Dickenschied Hunsrück ung abge Unser Pfarrer Paul Schneider ist bekanntlich wieder seit diese neu 3. Oktober d.J.(Erntedankfest) in Schutzhaft in Koblenz. anehmei Pfr. Schneider ist seit 1. 4. 1934 Pfr. unserer Gemeinde sung ZU| und der Gemeinde Womrath. Er hat mit großer Liebe im ein 0 und Begeisterung sein Amt verwaltet. Die Gemeinden| last: sind mit Pfr. Schneider, von wenigen Ausnahmen abge- Da Paul sehen, sehr zufrieden. Wiederholte wahrheitswidrige An- aut, nie zeigen bei Partei und Behörden von Leuten, die aus per-| von sönlicher Gehässigkeit heraus dies taten, haben Pfr. Schnei- offizielle der zum Staatsfeind stempeln sollen. Es ist denselben ja ab:„ce auch so ziemlich geglückt. Wir vom Presbyterium und| zihnet mit uns fast die ganze Gemeinde, auch die kath. Ge- sen, Vate meinde und die Bevölkerung des ganzen Hunsrück, die haum, D Pfr. Schneider kennt, sind der Ansicht, daß er nichts\ einen Ti Staatsfeindliches begangen hat, sondern nur für die reine nun trot Lehre des Evangeliums jederzeit mutig eingetreten ist. Er hat fast in jedem Gottesdienst für den Führer und seine Mitarbeiter gebetet. nehr er Die Ausweisung aus dem Rheinland, die Pfr. Schneider störte M nach achtwöchentlicher Schutzhaft im Juni und Juli d.]. 1 irte Fe ohne Begründung von der Gestapo erhielt, erkennt er| der E und erkennen auch wir nicht an. Wenn Pfr. Schneider sich nun nach mehrmonatlicher Tren- nung von Gemeinden und Familie(Frau mit sechs klei- nen Kindern) entschlossen hat, wieder seinen Dienst bei uns aufzunehmen, so hat er nichts Unrechtes getan. Se ee Al j IH H H “ r Te konnte.: am Fens Sn a ARE m? bis ins| schaut ı ‘eine H ze N er such RER HUGH UN ENOGE Tückgeher Scherer Auler Fuchs nde Yieder seit 1 Koblenz. E Gemeinde E Ber Liehe E 'emeinden nen abge- deige An- © aus per- fr.Schnei- nselben ja rium und kath, Ge- srück, die er nichts} die reine| treten ist, ihrer und Schneider Juli d.]. kennt er her Tren- ochs klei- jenst bei an. Die Gemeinden sind in großer Sorge und Aufregung um das Schicksal ihres treuen Pfarrers und hoffen, daß er bald wieder in seine Gemeinden zurückkehren kann. Das Presbyterium der evang.-ref. Gemeinde Dickenschied Hunsrück Klos Diener Müller In Koblenz konnte Paul Schneider eine schriftliche Erklä- rung abgeben, in der er seine Gründe darlegte, aus denen er diese neuerliche Schutzhaft ebensowenig wie die erste nicht annehmen und anerkennen könne und in der er um Freilas- sung zu ungehindertem Dienst in seinen Gemeinden oder um ein ordentliches Gerichtsverfahren bat, in dem die ihm zur Last gelegte Unruhestiftung aufgedeckt werden sollte. Da Paul dem Briefverkehr über die Stapo nicht mehr recht traut, nimmt er sich die Freiheit, seinen Wäschepaketen, die nur von seinen Polizeiwachtmeistern revidiert werden,„in- offizielle Briefe“ versteckt beizulegen, indem er mir den Rat gab:„celui qui cherche, aussi trouvera.“'— Seinen Kindern zeichnet er Bildchen, die in Schokoladetafeln zu uns gelan- gen. Vaters Verandaaussicht: der kahl gewordene Kastanien- baum. Die„Veranda“ kam so zustande, daß er seine Bank— einen Tisch besaß er nicht- auf seine Pritsche stellte und nun trotz„Scheuklappe“ etwas zum Fenster heraussehen konnte.—„Vater auf seinem Verandasitz“: Da sitzt er oben am Fensterchen:„Der Himmel ist grau und der Baum nicht mehr grün; o Stapo, o laß in die Heimat mich ziehn.“„Ge- störte Mittagsruhe“: Der Wachtmeister schaut durchs vergit- terte Fenster der Tür. Der Vater hat es sich auf der Bank in der Ecke gemütlich gemacht. Die ganze„Einrichtung“ ist bis ins kleinste gezeichnet.„Der Wachtmeister gar grimmig schaut und ist doch eine biedere Haut. Er nimmt uns unter seine Hut und meint’s mit den Gefangenen gut.“„So, geben 1 Wer sucht, wird auch finden. Sie die Schüssel her, weil diese noch zu spülen wär, und ma- chen Sie sich fertig dann, daß man spazieren gehen kann.“- „Ungestörtes Studium“: Der Vater sitzt auf der Bank, die Bibel auf den Knien, die Füße an die gegenüberliegende Wand gestemmt.„Eng ist’s in der Zelle, doch die Schrift ist weit, ins teure Wort gebunden hat Gott die Ewigkeit.“- Einmal bekomme ich eine Dreiviertelstunde Sprecherlaubnis. Die Wiedersehensfreude trägt uns, es ist viel zu berichten. Kirchberg; sich, Die: Vielen Dar allerhand° Sonntag: F her noch€ let von| itmir ja: ach zu ve Viertelstur Verspätun von Gott meine Ve den Häus Gottes W Nun sind var der I rat, dran ben halte die Gem lern lasse ‘o mehr a Kirchber, daß der feinseher undm. kann“_ Bank, die liegende Schr ft iy gkeit“_ etlaubnis, ichten, Gefängnisbriefe aus der Zeit vom 3.10. bis 24.11.1937 Kirchberg, 3. Oktober 1937..- Womrath hatte es gestern auf sich. Die Polizisten hatten noch gar nicht lange gewartet. Vielen Dank für das Nachtzeug. Nun bast Du leider wieder allerhand Sorgen. Grüße die lieben Gemeinden am nächsten Sonntag. Hoffentlich haben sich die Womrather gestern sel- ber noch einen Gottesdienst gehalten. Das wird, scheint es, heut von Gott von ihnen erwartet, daß sie das können. Es ist mir ja sehr leid, daß wir nicht binkamen. W enn wir es ja auch zu vertrauensselig angestellt haben, Gott hätte ja eine Viertelstunde Verspätung der Polizei schenken oder uns die Verspätung ersparen können. 50 wollen wir es im Glauben von Gott als gut nehmen wie es kam. Vielleicht kann man meine Verantwortung der Gemeinde vorlesen. Kommi in den Häusern und in der Kirche zusammen mit Gebet und Gottes Wort. Betet für die Obrigkeit und für die Kirche.— Nun sind wir wieder eingereiht: Er behütet alle, die ihn lie- ben. Wie bald können wir diesen Trost nun selber brauchen. Ich bin aber auch sehr froh, daß ich in Dickenschied war, da war der Dienst doch nötiger. Das nächstemal ist dann Wom- rath dran. Hoffentlich bald!... Nun wollen wir recht Glau- ben halten und auf Gottes Wundermacht vertrauen. Auch die Gemeinden sollen sich nicht erschrecken und einschüch- tern lassen. Jetzt stehen wir halt immer einsam— darum um so mehr auf Gott geworfen. Wir wollen noch treuer beten.... Kirchberg, 4. Oktober. Liebe Kinder! Jetzt war es doch schön, daß der Vater am Sonntag einmal in Haus und Gemeinde reinsehen konnte! Ich freue mich, wenn Ihr lieb beieinander 117 IEDDDDUOFUUUYPERFFE Deren ap nur all auf M weichen. jerheißwne® jede nach 5 eben in all seid und nicht zankt. Ohne das könnte Gott Euch gar nicht erhören, wenn Ihr für den Vater betet. Tut das nur auch flei- Pig weiter! Ich weiß, daß Gott Euch hört und Eure Gebet- lein auch mitbauen an der festen Mauer, die um uns her ist, so daß auch Eurem Vater kein Haar gekrümmt werden kann L ohne Gottes Willen. Betet nur schön weiter, daß Gott in sei- de dis% ner Macht und Gnade den lieben Vater wieder nach Dicken- oil nn schied zurückbringe und daß wir alle in Dickenschied blei- aujen© ben können! Wenn wir dann bei Gott ein wenig warten müs- see, duf sen auf die Erfüllung unserer Bitte, dürfen wir nicht irre un die Ko werden, als ob Gott uns nicht hörte und nicht müde werden, Ai u weil es so lang dauert.„Hilft Gott nicht zu jeder Frist, hilft polene ä er doch, wenn's nötig ist.“ Einstweilen bin ich noch gar nicht al, auch© weit weg von Euch hier in Kirchberg. Vielleicht gibt es Gott In der Ve den Männern im Staat noch ins Herz, daß sie den Vater wie- ie euch der freilassen. Wenn nicht, so müßt Ihr denken, daß es auch' tus Sond so gut und nötig ist, damit die Menschen wieder mehr auf u leidet! GottesWort hören undanseinen lieben Sohn, der unser lieber Erquickung Heiland ist, glauben lernen. Ich freue mich, daß Ihr mit der In Gram 0 lieben Mutter noch sicher und schön beieinander wohnt. Seid auch der lieben Mutter zuliebe recht brav! Lernt jeden Tag Koblenz, r etwas weiter im Schreiben und Lesen und Rechnen und auch Samstag v Verslein und Sprüchlein. Es hat euch lieb Euer Vater. Besitz, ger = Vie freut Koblenz, 10. Oktober(inoffiziell).... Nun bin ich wieder inder! Be eine Woche von Euch Lieben fort im heiligen Kriegsdienst toße Ber der Kirche Jesu Christi... Was mit mir wird, weiß ich noch dürfen wi nicht. Es ist leicht möglich, daß es Konzentrationslager gibt. wie Gott ı Es wird sich ja in absehbarer Zeit entscheiden. Dann wollen prüft, wor wir uns beide auch getrost darein fügen! Jedenfalls bin ich= Dutustm noch nicht irre daran geworden, daß mein Entscheiden und von mir h. Handeln recht gewesen ist. Vielleicht hast auch Du, Liebe, Lage imm im Herzen die Getrostheit über das Recht unseres Weges ge- nd möch wonnen. Vielleicht wird es Dir auch schon durch Gescheh- 1 iM vergan nisse in der Kirche und den Widerhall bei den Brüdern be-= erhielt ich 118 HERR TER DUPOOODDETEH EN 8Ar nich auch flei- 'e Geber. 2 her in, den kann Ott in sei. d Dicken. ie blei. ten mis. richt irre ° werden, rist, hilf gar nicht Les Gott ater wie- ß es auch mehr aul 'er lieber " mit der hnt. Seid den Tag ind auch er. wieder gsdienst ich noch ger gibt. n wollen + bin ich den und ‚, Liebe, eges ge sescheh- lern be: stätigt, daß es recht war, bier dem Gebot der Obrigkeit nicht zu weichen. Im übrigen wird ja ferner Gott fest zu seinen Verheißungen stehen und uns tragen und helfen an Leib und Seele nach seiner allmächtigen Kraft. Er wird uns den Trost geben in alles Leiden und den Segen von allem Leiden. Die aber das Leiden heute noch vermeiden wollen, die sollen wohl zusehen, daß sie nicht verwerflich und von Gott ver- worfen werden. Ich kann es einfach nicht fassen oder ver- stehen, daß man von Gott Freiheit bekommen könnte, sich um die Kollektensache und ihre offene Verfechtung gegen den Staat oder um die Fürbitte für die Brüder und andere gebotene Zeugnisse berumzudrücken. Darum sei getrost und still, auch wenn wir weiter die einzigen sind, die in die Tie- fen der Verfolgung bineinmüssen.„Lasset euch die Hitze, die euch widerfährt, nicht befremden, als widerführe euch etwas Sonderliches. Vielmehr freuet euch, daß ihr mit Chri- stus leidet!“ Er kommt schon bald und es kommt zuletzt die Erquickungszeit vom Angesicht unseres Gottes„da wird all ibr Gram und Leid lauter Freud und Lachen“. Koblenz, 17. Oktober 1937(offiziell). Dein lieber Brief vom Samstag voriger Woche kam gestern am Samstag in meinen Besitz, gerade recht, um mir den Sonntag feiern zu helfen. Wie freut man sich jetzt an einem Lebenszeichen vonein- ander! Besonders der Schluß Deines Briefes war mir eine große Beruhigung und auch Stärkung für mich selber. So dürfen wir auch dies nun gemeinsam erleben und erleiden, wie Gott uns im Glauben und in der Liebe zu ibm übt und prüft, worin wir ja nur schwache Anfänger sind. Du tust mir so herzlich leid, daß Du noch kein Lebenszeichen von mir bast. Ich weiß, daß Dir und auch den anderen meine Lage immer schlimmer erscheint als sie ist. Das möchte ich und möchtest ja auch Du nicht. Einen Brief, den ich endlich am vergangenen Montag von bier aus für Dich fertig machte, erhielt ich gleichzeitig mit Deinem Brief wieder zurück. Ich 119 DIOEDUDDTOFUPUPFRH en SIE = SS FERNER will Dir nun von meinem Ergeben berichten. Du weißt offen- bar schon, daß ich am 4. Oktober abends zum wohlbekann- tenV ogelsang abgeholt wurde. Eswar eine sehr schnelle Fahrt, die aber doch unterwegs noch Aufenthalte hatte. Ich kam für 4 Tage wieder in meine alte Zelle Nr. ı. Ich wurde auch zweimal verhört. Wie es Dir ergangen, so überkam auch mich oft große Traurigkeit über die neue Trennung von Euch Lie: ben und den Gemeinden. Da sitzt man denn wirklich im Elend, das heißt ja im Ausland drin. Ich muß gestehen, es war mir ein gewisser Trost, daß für einen Tag ein anderer „Vogel“ auch da unten saß, der das gleiche Liedchen pfif}. Sonst hatte ich diesmal keine Gesellschaft. AmFreitag, 8. Ok- tober, nachmittags, wurde ich an meinen jetzigen Aufenthalt überführt, im wörtlichen Sinne über mehrere Straßen hin- weg. Im ganzen ist es eine Verbesserung gegen den„V ogel- sang“. Eigentlich müßte es hierV ogelsang heißen, denn durch das kleineFenster der Zelle mit der vorgebautenScheuklappe aus Eisenblech sehe ich gerade in die Krone eines Kastanien- baumes, darin zuweilen Spatzen sich tummeln, oder auch Meislein und ein Drosselpärchen einenBesuch abstatten. Wir sind also diesmal nicht unter der Erde, sondern zwei Stock höher, nur daß, wie gesagt, derV orteil durch dieScheuklappe in etwa wieder ausgeglichen wird. Die Zelle ist etwa 1,10 m breit, 4,5 m lang und 3 m hoch. Die Luft ist viel trockener und gesünder. Das Fenster läßt mehr frische Luft durch als in alten Quartier. Die Zelle ist auch gut heizbar und jetzt natürlich schon immer geheizt. Mein Mobiliar ist insofern vereinfacht, als ein Tisch fehlt; den Napf oder Teller hält man auf den Knien. Diesen Brief schreibe ich teils auf der Fensterbank, die Bank der Zelle, zum Bette gerade passend, auf dasselbe gestellt, das ist ein ganz lustiger Sitz, teils auf denKnien bei elektrischer Beleuchtung von der Decke(Dek- kenbeleuchtung). Das erwähnte Bett, das ich seit gestern genieße, eisernes Bettgestell ohne Sprungfeder oder Schla- raffia, aber mit ganz annehmbarer Matratze, wohl Seegras, 120 PORTRAIT USE ODIPTT TUT Er Inch den| fr[13 Jabeimer jmg meineS 2 ziner a ndere 4 uf einer 9 A inte, Auf« _ udunsere P stecken geißen Tüc mi der Wü langt, SO mi Appetit ) nd servier Bucher und und auch breiart den Wurst Grießsuppe Kaffee ode fleln und vurst, aben auch mögli wische una uubere Ei tenen darf In sonst se agen wür bier eine gi um vierte Müche Luf “ramme B h, nun bi Iabe Dir. indenken bin, Dir&; eißt offen. 1 Ohlbekam, i velle Rah, ch kam fin urde aych Auch mich Buch Lig. irklich im °stehen, es n anderer Chen pi, lag, 8.OR- Aufenthal; aßen hin- N„Vogel. ern durch heuklappe Lastanien- oder auch itten. Wir wei Stock heuklappe wa 1,10M trockener durch als und jekzt : insofern eller halt s anf der passend, ‚teils auf ke(Dek- t gestern er Schla- , en EEE ns gleicht den fehlenden Komfort des Tisches also wieder aus. „Leibeimer“ und Wandbrett vervollständigen die Einrich- tung meines Wohbngemaches. Bis gestern war ich übrigens in einer anderen etwas dunkleren Zelle, in der ich nur den Ge- nuß einer niedrigen Holzpritsche mit aufgelegter Matratze hatte. Auf die Matratze bekommen wir ein weißes Laken und unsere Decken durften wir in frische blaukarierte Über- züge stecken. Trotzdem war ich auch hier noch an Deinen weißen Tüchern frob. Vielleicht kannst Du mir dieselben mit der Wäsche mal erneuern.- Was die leibliche Speise anlangt, so ist dieselbe ausreichend, und man kann sie auch mit Appetit essen. Sie wird von einer älteren Frau gekocht und serviert, d. b. jeder holt sich seinen Napf oder Teller, Becher und Brot am Serviertisch im Flur ab. Morgens gibt es Kaffee und Marmeladenbrot, mittags eine dicke Suppe oder auch breiartige Speise auf dem Teller, öfters mit einen Stück- chen Wurst oder Fleisch. Abends gibt es mal Hafergrieß oder Grießsuppe mit einer SchnitteBrot oder auch Käsestullen mit Kaffee oder Reis. Heute zum Sonntag gab es mittags Kar- toffeln und Möhren durcheinander mit Blut- bzw. Leber- wurst, abends Kakao mit Butter oder Margarinebrot. Es ist auch möglich, sich noch etwas zuzukaufen. Für die Morgen- wäsche und sonstigen körperlichen Bedürfnisse ist eine ganz saubere Einrichtung vorhanden. Mit meinen 7-10 Mitgefan- genen darf ich leider keinen geselligen Umgang pflegen, was ia sonst sehr zur Belebung des einförmigen Daseins bei- tragen würde. Ich habe nur feststellen können, daß es auch bier eine ziemlich bunte Gesellschaft ist. Einige Male, heute zum viertenmal, durfte ich für eine halbe Stunde an die frische Luft, das ist dann eine große Wobltat, die ich durch stramme Bewegung auch ausmütze. So, nun bist Du orientiert über mein äußeres Dasein. Ich habe Dir so ausführlich geschrieben, daß Du Dich gut bin- eindenken kannst. So brauchst Du jedenfalls, solange ich hier bin, Dir keine Gedanken zu machen über allzugroße Härten 121 Feige 5 BE mern | meiner Haft. Wenn Dir ein Besuch bei mir nicht gestattet pm wird, so gräme Dich nicht zu sehr darum. Wir wollen uns in Vin of if} der uns verbliebenen Verbindung um so treuer sein. Bibel ‚be 1 Ä und Gesangbuch habe ich diesmal schon bald in Vogelsang\A vl Bu| bekommen. Ich habe sie natürlich auch benutzt. Aber zum\ en Intigen klaren Denken, Arbeiten und Lernen war mir Kopf und Geist ii Rastamıe bisher nicht so recht aufgelegt. Ich hoffe, daß das nun besser VA nie A wird, habe auch wieder mit gesammelterem Lesen und Ler- u Iesthal nen begonnen. Wenn Du mir die Bekenntnisschriften der Inte Geöst Lutherischen und Reformierten Kirche, dazu den Heidel- seen wird berger Katechismus und einige Hefte der Evangelischen Theo- ih die Br logie schicken wolltest, so wäre ich Dir sehr dankbar. su mur BI Oft, liebesWeib, komme ich mir wie ein rechterRabenvater\ ik des B vor und denke, warum gerade ich das alles über Euch brin- vfilt mach gen muß, und ob ich ein Recht dazu habe, warum gerade ich md Aublges mit unseren Gemeinden so exponiert sein muß. Dann sitze Nlüchten w ich in rechter Bußstimmung in meiner Zelle, die ja dafür dann mischen( die richtige Umgebung ist. Aber wir können ja doch auch uch seine 5 nicht anders, als den Weg geben, den Gott uns führt und iheinen en bei allem Nachsinnen ist es mir noch nicht gekommen, daß\% te für an und wie wir es anders hätten machen können. So müssen wir ıeben. Er 1s unsere Sache getrost Gott anheimstellen und es ihm über- tens zuletzt lassen, daß er uns rechtfertigt, rechtfertigt im Glauben an VA nicht du unserem Geiste und Gewissen in aller unserer Sünde und\ Törter, Au rechtfertigt auch vor der Welt, wenn es Zeit ist.- Ja, Liebste, lichen Spra auch ich bin so dankbar für die Wochen des Zusammenseins ietes Morge mit Dir und den Kindern, die uns Gott so freundlich ge- Ieht, hat eı schenkt hat.Und nun wollen wir trauen der Verbeißung des| nich um Herrn, daß, wer all die Seinen und all das Seine verläßt um| ine schma Jesu willen, es bundertfach wiederbekommen soll in dieser Ufen wir q Welt und in jener das ewige Leben. Der Kastanienbaum fie Zellent wird mir dann zu Gottes schöner weiter Welt und die Welt Ihen yarter zu Gottes Ewigkeit, der so viel schöneren-„als die nichts Nihtsgeit h innehaben und doch alles innehaben“. Herr Jesu gib mir sol- dich sie ve chen Sinn beharrlich, bis ich komm dahin. Ind ein Po SESEs SS Fra I22 hr iften der n Heide) chenTha. bar, tabenvate Euch brin. gerade ich Dann sit lafür dam doch auch führt und men, dal) nüssen wit ihm über. lauben an Sünde und a, Liebste, mmenseins ndlich ge: sißung des verläßt um ) in dieser zmienbaum I die Wel die nichts ’b mir sol- Koblenz, 18. Oktober 1937(inoffiziell). Nachdem ich gestern den offiziellen Brief als Sonntagsvergnügen Dir geschrieben, schreibe ich heute an dem inoffiziellen weiter. Gott weiß, ob und wann Du Dich damit freuen wirst.— Ich sitze auf mei- nem lustigen Sitz am Fensterbrett, genieße den Ausblick in die Kastanienbaumkrone, die nun in wenigen Tagen gelb ge- worden ist, die Blätter im Wintersterben mit letzter Kraft noch festhaltend. Immerhin sieht man schon das feingeglie- derte Geäst der Krone, die nun bald nackt und kahl da- stehen wird. So kommt der Herbst- und Wintersturm auch über die Kirche und Christenheit und es wird sich zeigen, was nur Blätter gewesen sind und was kernig und holzig ein Stück des Baumes selber geworden ist, der zwar die Welt erfüllt nach Jesu schönem Gleichnis, aber doch auch so nackt und kablgeschlagen werden kann wie ein Baum im Winter. Möchten wir uns dann nicht ärgern an dem traurigen und störrischen Geäst, das doch für den Sehenden und Freund auch seine Schönheit hat.... Von unserem Tschechen habe ich einen englischen Unterrichtsbrief bekommen, als Gegen- gabe für andere Briefe, die ich auf die Ausländerstube ge- geben. Er ist mal Schlosser gewesen, im Hauptberuf minde- stens zuletzt Landstreicher; aber er hat eine schöne Schrift, ist nicht dumm und hat mir sehr sauber auf zwei Blättern Wörter, Aussprache und kleine Sätze für anfänglichen eng- lischen Sprachunterricht niedergelegt. Auch ein selbstgedich- tetes Morgengebet, das sich zum Vatergedanken Gottes er- hebt, bat er mir anvertraut.— Der ernsten Bibelforscherin bin ich um zwei Zellen nähergerückt und nur noch durch eine schmale Zelle von ihr getrennt. Über letzten Sonntag waren wir auch auf schriftlichen Verkehr, der immerhin durch die Zellentür möglich ist, angewiesen. Die arme Frau mit ihren zarteren Nerven tut mir leid. Sie hat schon längere Ge- richtszeit hinter sich. Derselbe Herr O., den Du kennst, hat auch sie verhört und ihre Sache bearbeitet.— Der Italiener und ein Pole, beide gute Kerls, suchen sich beim Spazieren- 123 gehen alle Zigarettenstummel im Hof zusammen, um se nachher neugeformt zu rauchen. So kommen sie mit dem Kopf nicht von der Erde los und von der guten Luft haben sie nur den halben Gewinn. So geht es wohl manchem, der keine Stummel zu rauchen braucht, wenn er ein Knecht seiner Leidenschaften ist.- Die letzte Woche verging mir noch recht gedrückt und unter quälender Erinnerung an vieles in mei- nem Leben, was nicht zu sein brauchte. Du weißt, liebes Her, welche Gedanken bis zur Fahnenflucht mir dann kommen, Aber Gottes Wort bietet auch dann Heilung und Stärkımg, Mit Deinem Brief wurde dann auch die volle. Freude wieder ausgelöst, die nur gedämpft war von dem Gedanken, daß Du nun noch nichts von mir in Händen hast. Ich bete zuGof, daß er es Dir auch so sagt, daß es mir gut geht und Dich ge- irost macht. Daß Du mir so getrost schreiben konntest, hat mich ja so froh gemacht und ich glaube fest, daß Du nicht nur Sorge und Last, sondern auch Segen und Freude und Frieden, der höher ist als alle Vernunft, durch unsern„Lei- densweg“, den ich Dir aufbürde und den Du doch so gefaft und tapfer trägst, hast.... So hilfst Du vielleicht noch mehr als ich mit, daß auch andere sich der uns befohlenen und an- gebotenen Leiden um des Glaubens willen nicht weigern, sondern Freudigkeit- nicht Lust- dazu gewinnen. Und ganz gewiß will Gott auch unsere Kinder mit einbeziehen unter den Segen unseres Weges..... In meiner Zelle ist es bereits Nacht und nur hier am Fenster eineinhalb Meter über der Erde sieht man noch gut. Dem Tschechen und seinen Kum- panen will ich noch ein Abendgebet aufschreiben, in der Hoff- nung, es ihnen bei der abendlichen Eimerentleerung noch zu- schmuggeln zu können.- Gott segne Euch den Eingang des Vikars in Haus und Gemeinde! Er segne den lieben jungen Bruder! Die Gemeinde möge ihn mit Dank und Liebe auf- nehmen! Gib ihm von dem Unsrigen, was ihm not ist, ohne zu kargen! Gottes Segen schließt uns alle nah zusammen in einem Geist und Glauben und wird uns miteinander heim- 124 ya de hnge ‚ie wie? uud. Dabe juenm©/ ghalten kön (uisqparkasS Jy kam man it zum Glü sin. Aber vi 2 m Vater I jo dan docl Koblenz, 24- Die Beamten Em den Poli dommen. 4 v große um ulhellere Z Bermten, mm ieren, weil c Ihen Zugaı vr höflich holt zu ei dm Aussage Itten Besuc ten Male Im Aussage drüber, wi in] Aufklä üılion gem und wer Unten wiss = Obmein R« ) diese noch J Swinsche, en, um 0 ’e mit dal Luft bojell anchem, h' echt seing ’r noch rer) ieles in ma liebes Her, m komme d Stärkım) eude wiede lanken, da] bete zuGol) nd Dich on onntest, ha ıß Du nich Freude un insern„Lei ch so gefall E noch mel nen und at= bt weigeni, 1. Und gang ieben una st es bereiii” er über da*0 zinen Kun" in der Hof:\ ng noch 2: Zingang di oben jungen ] Liebe at of ist, obit sammen ınder bein: bringen aus dem unruhvollen Erdentag in den ewigen Frieden und die ewige Freude bei Gott.... Spazieren waren wir auch wieder. Dabei sieht man an den Fenstern allerlei Gesichter, und wenn es jemand mal vor Sehnsucht nach mir nicht mehr aushalten könnte, brauchte er nur einen Fensterplatz in der Kreissparkasse in einer der Privatwohnungen zu belegen. Von da kann man den ganzen Hof einsehen. Na, ich weiß, Du bist zum Glück nicht so veranlagt, sonst schriebe ich es Dir nicht. Aber vielleicht dieW omrather Frauen, die so heldenhaft zum„Vater Philipp“ in Kirchberg vordrangen! Hier würden sie dann doch jedenfalls den ganzen Kerl sehen können!... Koblenz, 24. Oktober 1937(inoffiziell). Die Beamten, die Koch-, die Putzfrau wollen mir gut. Auch von den Polizisten im Präsidium ist mir noch keiner dumm gekommen. Als ich in dieser Woche einmal in eine doppelt so große und wegen der nicht vorhandenen Scheuklappen viel bellere Zelle übergesiedelt war auf Vorschlag des einen Beamten, mußte ich mitten in der N acht wieder zurückquar- tieren, weil diese Zelle mit drei Betten für nächtlichen weib- lichen Zugang gebraucht wurde. Da waren die Polizisten sehr höflich und hilfreich. Am Dienstag wurde ich herunter- geholt zu einer Vernehmung vor einem Amtsgerichtsrat zu den Aussagen von... und Frau... über meine seelsorger- lichen Besuche im Herbst vorigen Jahres. Da bin ich zum ersten Male in den Zusammenhang der von beiden gemach- ten Aussagen eingeführt worden und bin doch erschrocken darüber, wie eigentlich von uns allen geforderte Seelsorge und Aufklärung heute zum Gegenstand politischer Denun- ziation gemacht werden kann. Nun, ich habe mich verantwor- tet und werde mich mit Gottes Hilfe auch weiter zu verant- worten wissen, wenn die Sache vor das Sondergericht kommt. Ob mein Fall dazu reif sei, das zu entscheiden sollte offenbar diese nochmalige Voruntersuchung dienen. Fast möchte ich es wünschen, daß ich mich vor Gericht verantworten darf, ob 125 var eh, da] Gott wicht 1 Bhelenle,» jinge‘, Wi ich nun recht bekomme oder nicht. Die Feinde des Evanıı liums werden schon noch in ihren eigenen Strick fallen. Wi\ wollen ihnen nur vergeben, wie wir es nach dem heutigen Evangelium(Schalksknecht) schuldig sind. Die Verneb- mung am Dienstag war übrigens gemütlich und wenig am\N"!“ strengend und aufregend.„ib Da Mit Ausnahme von einem sind wir alle Tage der Woche in ydolen Pr Hof spazieren gewesen. Zuerst lief die übrige Gesellschaft\ je geben immer sehr ungeordnet. Ich ging meinen guten Schritt durch, Wi ue® ai So langsam schloß sich dann auch der Tscheche und nun auch VA" mis die zwei andern jungen Kerls an, während die beiden Älte. N nung se” ren, der Bibelforscher und ein Pole, ihren langsamen Kur: Ich gemacht für sich steuern. Am Schlusse der Stunde gestern marschierte Wi noch in| ich aber doch wieder allein, weil die andern Kerlchen schlapp Wa te". Bi machten. Mir bat es fast nichts ausgemacht und ich freute Wal Früchte mich der Anstrengung. Du siehst daraus, daß ich wieder gut nur den. bei Kräften bin und mein Bein felddienstfähig ist.... Nım KG Vikar n bin ich also reumütig in meine Zelle zurückgekehrt, die mir\4 ihwieder n schon lieb und heimatlich geworden ist. Es ist erstaunlich,\A Bitel und wie man auch an solchem an sich denkbar häßlichen Ort Hei- IA«Das Ev matgefühl bekommen kann. Das sauber gemachte Bett, die|\4 Kaht hätte Bank, das Wandbreit und das blank geputzte Fenster von|\4 m mit We Drahtglas mit dem Ausguck in den Kastanienbaum vermö- Gnade in] gen auch ein gewisses Wohlbehagen zu erwecken, welches Kinder Got noch erhöht werden wird, wenn ich mir Deine Karte oben Sculdnern innen auf die Tür und Martin Niemöller an die Wand kleben den!- Dar werde, wozu ich den Kleister schon noch bekomme. Wenn hıc, Lern ich dann noch nachmittags meinen Verandaplatz am offenen IA fit eines Fenster einnehme, wie auch jetzt beim Schreiben, oder wenn|\4!enlatz. 1 ich mich an dem nun gelb gewordenen Kastanienbaum freue, Kakao une den die Nachmittagssonne golden überglänzt, und durch den I ht will. der Himmel immer lichter fein ziseliert hereinschaut, dann kam, In« komme ich mir fast wie ein Lebemann vor und beneide kei- nerbrief, T nen Menschen auf der Welt.- Und gelt, Liebste, das haben wir num durch unsere verschiedenen Trennungen auch schon Binden ee SE: Bee Feen ) i H ee ae en ii 126 des Boa fallen. em heutigen die Vernel d; Wenig 7 Woche jm Gesellschgie chritt dung, nd num aylı ’eiden Älr. Samen Kyyı marschien; chen Schlap d ich freu; ) wieder gu st... Nm hrt, die mi erstaunlic, 'en Ort Hei te Bett, di Fenster von um vermi: en, welch Karte oben and kleben nme, Wem am offenen oder wenn baum frei, ] durch den haut, dam ‚eneide kei ‚ das haben anch schon NE> meer ae erfahren, daß das innere Zusammengehören im Glauben vor Gott wichtiger, ja entscheidend wichtig ist, gerade auch für Eheleute,„daß eins das andere mit sich in den Himmel bringe“. Wie Du es als Braut getan, so machst Du es auch jetzt wieder. Deine Liebe und Dein Trost und ich darf sagen, auch Dein Glaube haben mich froh gemacht und mir weiter- geholfen auf dem Weg des Glaubens, den ich, nein, den wir beide gehen dürfen. Entschädigt uns das nicht reich für alles äußere Vermissen und Entbehren aneinander, das wir nun tragen müssen? Daß auch Du darüber nicht murren und traurig sein willst, das hat mir Deinen letzten Brief so köst- lich gemacht.... Seit ich weiß, daß der Vikar da ist, kann ich noch in viel größerer Gemütsrube mich hier des Lebens freuen. Es ist auch gut, daß nun schon unsere Gemeinden die Früchte ihres Einsatzes für die BK ernten dürfen. Sag es nur den Leuten, daß ohne ihr Bekenntnis und ihr Opfer der Vikar nicht bei uns sein könnte.... Heute morgen hatte ich wieder meinen schönen Gottesdienst mit Evangelium und Epistel und Gebeten und Liedern. Da denke ich dann Eurer. ... Das Evangelium wurde mir so groß: wie Gott, der ein Recht hätte, da er mit uns„rechnen“ muß nach dem Gesetz, uns mit Weib und Kind zu verkaufen, uns doch nach seiner Gnade in Jesus Christus losläßt in die herrliche Freiheit der Kinder Gottes. Daß wir nur auch unseren Mitmenschen und Schuldnern gegenüber nicht als Schalksknechte erfunden wür- den!- Dann las ich noch mit Notizen im katholischen Haus- buch. Lernen und„englische Studien“ ließ ich heute sein, bielt eine Siesta nachmittags und ging dann an meinen Fen- sterplatz. Nun ist es schon 7 Uhr und das Abendbrot mit Kakao und Margarinebrot wird eingenommen. Dreiviertel acht will der Beamte das Licht ausdrehen, damit er heim kann. In der Woche lese und repetiere ich Jesaja und Rö- merbrief. Die Zeit wird mir nicht lang... 1 DerVikar hatte illegal seine Prüfung bei der Leitung der Bekennenden Kirche abgelegt und wurde somit auch nicht von der offiziellen Kirche bezahlt. 127 Koblenz, 26. Oktober 1937(offizieller Brief).... Meinen E de Gottesdienst des Sonntags muß ich mir freilich selber halten r e" si und Du kannst Dir denken, wie ich mich sehne nach den ı H Gottesdiensten unserer Gemeinde oder auch nach dem Zu- I ei spruch des Wortes Gottes durch einen anderen Bruder, denn W an „ich wollte gerne hingehen und mit ihnen wallen zum Hause en Gottes mit Frohlocken und Danken mit dem Haufen derer, A n 3; h IÄIEUN® die da feiern“. Psalm 42. Aber Gottes Geist und Segen sind F in N Hi! ja nicht gebunden und kommen auch in der Stille und Ein- Mn F hl samkeit meiner Zelle auf eine sonderliche Weise zu mir. In h Fi ll der Stille und Einsamkeit mit Gott und seinem Wort hat E Ar i N jetzt unsereins reichlich das, was er sonst zu wenig hat oder ie r Hl U sich zu wenig genommen hat. Darum dürfen wir Pfarrer in iiber 4 Mi| den Gefängnissen auch für uns persönlich die Haftzeit als Ang DI 1 freundliche Führung Gottes ansehen. Ich hoffe zuversichtlich, Ya; si daß Ihr zu Hause auch an Eurem Teil und vielleicht noch Tncdenspr i| auf andere Weise etwas von dieser freundlichen Führung im, die D Hi| Gottes spürt und deswegen Murren und Traurigkeit nicht Sonmtagsse, Pl| aufkommen, geschweige denn das Feld behalten dürfen. Den ngtens dr N Arbeitsdienst, der im Vogelsang den Vormittag so schön Sad kürzte, habe ich hier fast gar nicht. Aber mit allerlei geist- der alte m I| licher und geistiger Beschäftigung vergehen die Tage doch imes Wes I schnell, so daß ichüber Langeweile gar nicht zuklagen brauche, der Tschee hi' Es wird in meiner Zelle auch leicht und schnell warm, ich kann enden b N fast den ganzen Tag das Fenster offen stehen lassen, habe his jetzt g i darum trotz des kleinen Raums doch gute Luft, sitze auch jüngeren I j des Nachmittags immer noch einige Stunden auf der„Ve- ihm doch ı randa“ am ofjenen Fenster.... Ob ich nun von Dir bald die ling mein BE Bücher und Schriften bekomme, um die ich bat und die mir was wie ı auf meine Anfrage wenigstens nicht abgeschlagen wurden? Auftrag,| hi Nun ist es Abend, 8 Uhr, da gehen wir nach der Hausordnung N bald schlafen. hi; Koblenz, 31. Oktober 1937(inoffizieller Brief).... Wieder ıst Hi Tun, es Sonntagnachmittag, nun schon der dritte in meiner Haft. I N| 128 N if DOROOUERERO TI U N PEN MSOOITTT ODER FEB R EN ET nn Aa Meine elber halje © nach de ch dem 7 uder, den um Hays ufen dere Segen sin, le und Eiy u mir.|ı 2 Wort ha ig hat ode 7 Pfarrer 3 Aaftzeit o| versichtlich leicht nod m Führum igkeit nich, lürfen. Den g so schön lerlei geist Tage doch 'en brauche, m, ich kann assen, habe sitze auch f der ‚Ve )ir bald die nd. die mir n wurden® ausordnung Wieder einer Haft Gott macht auch hier im Gefängnis seine Verheißung wahr, die er auf den Sabbattag gelegt hat und kommt mit reichem Segen aus seinem Wort und mit feiertäglichem Frieden in Zelle und Herz und ich glaube auch zu den Kameraden.- Soeben, bald nach dem Mittagessen, haben wir unsern Spa- ziergang gemacht. Da war es mir eine Freude, daß wir alle ın Ordnung hintereinander liefen, Pole, Italiener, Tscheche und Pastor- ich hielt freilich auch ein gemäßigtes Tempo ein. In dieser Woche war das nicht so— das Einhalten einer Ordnung steht nämlich seltsamerweise in unserem Belie- ben- und jeder lief, wie er wollte. Aus bestimmtem Anlaß hatte ich ein ernsteres Wörtchen mit ihnen reden müssen, und darüber war der Tscheche, den es auch besonders anging, schwer eingeschnappt. Das ging bis heute morgen, da kam es wieder in Ordnung, nachdem sie schon Sonntagsbrief und Wochenspruch auf ihrer Stube hatten. Auch von den Blät- tern, die Du mitgebracht, haben sie hoffentlich zu rechtem Sonntagssegen auf ihrer Stube. Der junge Italiener hat we- nigstens drin gelesen, wie ich festgestellt; der ernste Bibel- forscher sprach sich sehr erfreut über die Geyser-Predigt aus, der alte nachdenkliche ältere Pole, der ein liebes, beschei- denes Wesen hat, wird wohl auch etwas davon haben und der Tscheche wird, wenn er seinen Stolz und Trutz über- wunden hat, wohl auch nicht so ungläubig bleiben, wie er bis jetzt getan hat. Wie weit die devote Dankbarkeit des jüngeren Polen ins Herz geht, weiß ich nicht, aber ich traue ibm doch auch Gutes zu. Das sind also nun drei Wochen lang meine Kameraden und Du siehst, ich babe auch hier so etwas wie eine kleine Gemeinde und einen seelsorgerlichen Auftrag. Unsere gute Kochfrau, die im Hause wohnt, ist im Flur gefallen und hat am Unterarm beide Knochen gebro- chen. Ich konnte ihr heute morgen einen Krankengruß schik- ken und auch von Deinen Blättchen dazu legen. Du siehst auch, einen wie schönen Dienst Du mit den Blättchen getan hast. Unserem„Wachtmeister“ will ich heute abend davon 129 SEE Ze un See ne ee == er mit nach Hause geben.- Dein Besuch am Freitag hat mir doch eine lichte Freude gebracht und zurückgelassen..., Auch Br. Petry bin ich sehr dankbar, daß er Dich gebracht und für das, was er sonst getan hat. Vielleicht werden wir die schweren Worte des Korintherbriefes noch brauchen kön- nen. Wir sind ja nun beide Gott dankbar, daß er vor allem durch die Hilfe von unserem Vikar alles so schön geordnet hat in den Gemeinden und im Haus, auch dafür, daß ich die Zeit hier ein solch friedliches Asyl mit allem darin geschenk- ten Gottessegen hatte. Das darf uns nun aber darüber nicht täuschen, damit wir nachher nicht enttäuscht sind, daß meine Lage nach wie vor sehr ernst ist. Das brachte mir nach Dei: nem Besuch einer von Herrn O., der Dich ja auch vernom- men hat, am Freitagabend zum Bewußtsein. Er forderte mich noch einmal auf, zu unterschreiben, daß ich meine Aus- weisung annehmen und nicht mehr ins Rheinland zurück- kehren wolle. Ich weigerte mich natürlich mit Berufung auf die Bindung des Hirten an seine Gemeinde. Darauf sagte er:„Sie ziehen also Konzentrationslager vor.“ Ich sagte, ich ziehe das nicht vor, aber wenn ich es erdulden soll, muß ich auch das erdulden können. Offenbar ist also meine Sache, auch nach erneuter Nachprüfung der vorletzten Woche, nicht reif für das Sondergericht." Und wenn die Drohung von Herrn O. kein Einschüchterungsversuch war, ist das die Ant- wort auf mein Schreiben an die staatlichen Stellen. Herr O. sagte dann noch, ich könne mich bereithalten, daß ich in den nächsten Tagen weiterkomme. Ich habe mich schon nach dem ersten Schreck damit abgefunden, für den Fall, daß es wahr gemacht werden sollte und bin still darüber geworden. Ich dachte, ob Petry darum das schwere Wort wählen und mir sagen mußte? Ich weiß, daß Gott, der bisher so freundlich mit uns war, auch weiter uns beistehen und keine Lage zu schwer werden lassen wird. Herr O. gab mir auch Deinen 1 Pauls Verfahren vor dem ? Sondergericht wurde am 10. Juni 1938 amnestiert, da eine Frei- heitsstrafe von weniger als 6 Monaten zu erwarten war. 130 I i® Brief vom] ium, daß® Dir hatte: Himveisen Fendigke vr diem vufen kle Hefe Te ut jast 8 Aätter get nd durchs tagen und um Zweig nlienlebe Jahre gew und schön auch bei u dam Gott hat, das duch die dielieben wohnen 1 Liebe, um Kinder« Rückkehr solche jet ten sollte Familien] derwohn lagerzei Formen insten] lgemei Jorscher Sein, we ag hat mi) lassen, A| h gebrach, verden zu, chen kön. vor allem % geordne} Laß ich die j geschenk. rüber nich daß meine nach Dei- h Vernom- r forderte zeine Aus- 1 zurüch- rufung auf rauf sagte sagte, ich I, muß, ich ine Sache, oche, nicht bung von s die Ant- . Herr O. ich in den nach dem ß es wahr orden. Ich 7 und mir freundlich 2 Lage -h Deinen ‚ da eine Frei- Brief vom Tage vorher, der diesmal also ganz schnell zu mir kam, daß ich gleichsam doppelten Besuch an dem Tage von Dir hatte. Der Brief mit der Losung und den ermunternden Hinweisen auf die uns vonGott geboteneFurchtlosigkeit und Freudigkeit war mir dann nach der Eröffnung des Herrn O. sehr dienlich und erquicklich— auch wieder eine von den großen kleinen Freundlichkeiten Gottes, wo sonst Deine Briefe 8 Tage brauchen. Der Kastanienbaum am Fenster ist jetzt fast ganz kahl, nachdem die letzten Tage ihm fast alle Blätter geraubt, aber der Himmel schaut nun um so heller und durchscheinender herein in diesen letzten schönen Herbst- tagen und die Vögel tummeln sich auch noch munter in sei- nen Zweigen. So mag es auch über unserem Ehe- und Fa- milienleben noch rauber und kahler werden, als es in diesem Jahre gewesen ist.- Bisher hatten wir es ja unverdient gut und schön im Familienleben- nun hat sich das liebe Kreuz auch bei uns auf diese Weise eingestellt.- Aber das wird dann Gott ganz gewiß auch wahr machen, daß er seine Ewig- keit, das Reich der Himmel, das wir glauben, nur heller durch die Trübsal scheinen läßt. Auch unsere Kinderlein, die lieben muntren Vöglein, wird er noch fröhlich und sicher wohnen lassen auf den Zweigen unseres Glaubens, unserer Liebe, unserer Hoffnung und unserer Gebete.„Und seine Kinder werden auch beschirmt.“ Und wenn auch jetzt eine Rückkehr nicht sein soll- es ist ja nicht abzusehen, wie eine solche jetzt nicht zu nenem Kampf und neuer Aufregung füb- ren sollte- so wollen wir nicht müde werden, auch für unser Familienleben auf eine Zeit der Erquickung, des Beieinan- derwohnens in Liebe, Eintracht und Frieden zu hoffen. Eine Lagerzeit kann ja lange dauern. Das Lager in verschiedenen Formen ist offenbar schon eine Weile die Methode für die ernsten Bibelforscher. Ich glaube, daß wir Pfarrer auch noch allgemeiner dafür reif werden. Die Frauen der ernsten Bibel- forscher sind vielfach mit in Haft, da wollen wir dankbar sein, wenn Ihr schon um der kleinen Kinder willen wenig- 131 DEU stens zu Hause bleiben dürft. Für uns Männer macht das\ u gabe nicht so viel aus. Und eben kriege ich fast die Blätter im ‚densprue* Block nicht auseinander, um Deiner Zeilen willen‘, so daß| per wir nun unter dem Schreiben regelrechte Zwiesprache halten, vondig.” Dann ist ja alles in Ordnung, denn das„innerlich“ hast Du ug, Dem ja sicherlich nicht zum Spaß unterstrichen und das wieder gen, da) kann mich meiner Sache, bzw. der von mir vertretenen Sache Zwang 0m von Gemeinde und Kirche nur desto gewisser machen. Ich nichts Laß halte allerdings jetzt, obwohl ich mir dessen nicht so bewußt ‚degentlic war, die zurückgewiesene Ausweisung, die ohne Rechtsgrund fir abgoktl \” vom Staat angeordnet und nun offenbar mit Lager durchge- inmer das Eos Jochten werden soll, für außerordentlich wichtig für das Ver- inmer mic hältnis von Staat und Kirche und die um des Evangeliums Ingen so willen zu behauptende innere und äußere Freiheit der Kirche, Brief nacl Ich begreife eigentlich immer weniger, wie man sich das bis-\\ yinter sich her so unter bloßem Protest mit Worten hat gefallen lassen, wo wir sogar noch als Körperschaft öffentlichen Rechts fun- Koblenz, gieren. Hoffentlich sieht die Kirchenleitung, die bisher in mit uns ge meiner Sache nicht reden wollte, die Wichtigkeit der Sache Schmerz ein und findet noch die Sprache dazu. Oder sollte ich als|% si daß kleinstes Pastörlein auf dem Hunsrück allein dem Staate be- beider Se zeugen müssen, was recht ist? Es ist dann fast dem Staate 2 mmicht zuviel zugemutet, das als kirchliche Entscheidung ernst zu ndern s ee nehmen. Warum bat man nun schon ein Vierteljahr lang daß wir seit meiner zurückgewiesenen Ausweisung von der Leitung dazu geschwiegen? Ich hatte es ihr ja deutlich geschrieben, Koblenz, daß ich es für recht hielte, wenn die Leitung meine von mir für mich entschiedene Rückkehr zu ihrer Sache mache. Mir scheint es so, daß nicht bei der Kirche und ihrer Leitung, sondern bei den einzelnen Gemeinden die Entscheidung für die kommende Kirche in Deutschland fällt. Darum verrech- nen sich auch alle klugen Kirchenpolitiker, die nicht an ibrem Platz in der Gemeinde kämpfen und einstehen. Auch von hier fie weger nd, Ma nichts vo Iyrer" w wieder z ist d Bleibt di Ich hatte beim Kaufen des Briefpapiers einige Zeilen zwischen die Seiten geschrieben Seel, und diese zugeklebt. ] klıge d 132 JORTER TORE IT TU HN NPODUDUPUDETDUEES ach; du Blätter;, 1 4 N, so dhf I} iche halten, h* hast D, das wieder enen Sach, rachen, Ic so bewufi ; er durchge. ir das Ver. vangelium; der Kirche, ich das bi; len lassen, Rechts fun- > bisher in der Sache te ich als Staate be- lem Staate 18 ernst{u oljahr lang er Leitung eschrieben ne von mit nache. Mir >r Leitung, eidung für m verrec- £ an ihrem ch von hier en geschriebe0 TI aus gesehen ist mein Kampf für die unlösliche— nach Men- schenspruch unlösliche- Verbundenheit von Gemeinde und Pfarrer nur richtig und für die Dauer der Kirche lebensnot- wendig.-... Oft hat mir der Zwang unserer Kinder zum sog. Deutschen Gruß Not gemacht. Ich kann es noch eben tragen, daß sie ihn einstweilen auf amtliche Anordnung und Zwang anwenden, d. h. bei Beginn und Schluß des Unter- richts. Laß sie darüber nicht hinausgehen. Sprich mit ihnen gelegentlich darüber und sage ihnen, daß Vater den Gruß für abgöttisch hält, siebe auch Apg. 4,12.- Laß Dir, Liebste, immer das Gebet für alles das Wichtigste sein und laß uns immer nichts tun ohne Gebet. Wie sind wir Christen in allen Lagen so wohl geborgen, schriebst Du mir in Deinem ersten Brief nach hier. Ja, so oft ich ruf und bete, weicht alles hinter sich.... Koblenz, 2. November 1937(inoffiziell)..... Was nun immer mit uns geschieht, Liebste, sei versichert, daß ich auch Deinen Schmerz mittrage. Aber dessen wollen wir beide versichert sein, daß der Herr Jesus und Gottes trenes Vaterherz unser beider Schmerz schon vorher getragen hat, daß er uns dar- um nicht kann versucht werden lassen über unser Vermögen, sondern schaffet, daß die Versuchung so ein Ende gewinne, daß wir es können ertragen.... Koblenz, 7. November 1937(inoffiziell).... Ich glaube, daß sie wegen uns evangelischen Pfarrern in großer Verlegenbeit sind. Man scheut sich, uns ärger zu strafen, da offensichtlich nichts vorliegt, was der Strafe wert ist und wir keine„Mär- tyrer“ werden sollen für die Sache unserer Kirche, die wir wieder zu offensichtlich vertreten. Läßt man uns aber laufen, so ist das auch ein Triumph des Glaubens und außerdem bleibt das„Ärgernis“ bestehen, um deswillen man uns ein- gesetzt. Gebe Gott, daß dennoch die Einsicht, schon die kluge politische Einsicht, die Oberhand behalte und unser 133 Klone j ae BEE SHcgn ITS es Volk vor den schlimmsten Auswirkungen der fanatischen Verfechtung Rosenbergscher Weltanschauung und„Kirchen- reformpläne“ verschont bleibe. Aber wie Gott will! Wenn es denn doch durchgefochten sein muß, dann in Gottes Na- men! Dann gilt es wohl je bälder desto besser.—... In dieser Woche habe ich Schnupfen und Husten, leichte Hals- entzündung und kleinen Hexenschuß glücklich überwunden und sitze eben beim Schreiben in früher Mittagsstunde wieder mit Genuß auf der Veranda. Ich habe mich ferner mit Kate- chismus, Jesaja und Römerbrief weiter beschäftigt, wenn ich dazu auch nicht so frisch war durch die Erkältung. Du frag- test ja bei Deinem Besuch, was ich den ganzen Tag machte, In der Hauptsache bin ich Schüler am göttlichen Wort und will’s auch bleiben. Ich kann bei dieser Gelegenheit einiges von dem in der Studienzeit Versäumten nachholen. So will ich morgens also hauptsächlich die Bibel treiben und nach- mittags in den Bekennitnisschriften arbeiten, lesen, schreiben und Erholungsbeschäftigung treiben, von der für diesmal die zwei für die Kinder beigelegten Blätter sprechen. So ein- geteilt ist mir auch hier der Tag und die Woche nicht zu lang, sondern eher das Gegenteil. Heute morgen hat mir der Kaffee mit Honigbrot sehr gut geschmeckt über der guten Nachricht, die ich da erfuhr." Denn wenn ich natürlich auch mit dem lieben Bruder mitleide, in diesem Falle ja ganz buchstäblich, so ist es mir doch eine Rechtfertigung meines Gewissens und meines Weges, daß ein anderer dieselbe kirch- liche Entscheidung trifft mit der Tat. Jetzt warte ich nur dar- auf, daß auch unsere Kirchenleitung noch einmal sehr ver- nehmlich und nicht so gewunden wie in Augsburg zur Frage der Ausweisung spricht.... Meinen Hexenschuß habe ich mit Fensterputzen morgens und nachmittags je etwa eine Stunde wieder ausgetrieben. Dieser Arbeitsdienst ist ja für mich freiwillig und ich war froh, daß 1 Im Honigglas war ein Zettel, daß ein anderer Pfarrer die Ausweisung auch nicht ange- nommen hätte und in Haft sei- später machte er diese Entscheidung rückgängig. 134 M und Hi Heut temot, ‚Kommt l siner frei Jöhn in Fr Gite! Hal dich hoffe nich im E Ichendig die Tat Je Migdlein 1 des blutfli muntert, 1 u suchen Jesus ent: fissentlic gebetsfro vorgestel Verstehe del erfil den mich kermtnis dunklen vr das ind La Man zu bat, ab dar, s fanat;\:;..- 'schen ich ein wenig mittun konnte, nachdem ich dem W achtmeister ie einigemale gesagt, daß ich das ganz gerne möchte. Diese Be- Al Br ist- gut und ER Die anderen auf der Ge- meinschaftszelle hatten Entlausung. 50 hat mich meine Ein- h ln zelhaft vor dieser Plage einstweilen bewahrt....(Er dankt us ö für den reichen Inhalt seines Wäschepaketes) NT bin ent ich ja vollends in meiner Zelle im gelobten Land, wo Milch "de wieder"und Honig fließt..... mit Kate. Heute morgen begann ich meinen Gottesdienst mit dem Vers: , wenn ich„Kommt, laßt uns immer auf ibn schauen, da unser Herz sich 1 Du frag- seiner freut, auf seinen heilgen Namen trauen und ihn er- Ag machte, höhn in Freud und Leid. Gib, daß uns behüte, Vater, deine Wort und Güte! Halt dein Vaterherz immer für uns offen, wie wir auf ’eit einiges dich hoffen, heilge Freud und Schmerz.“(Psalm 33). Ich freute "N. So will mich im Evangelium der Kraft des Glaubens, die die Toten und nacı- lebendig macht(in der Bitte des Jairus an Jesus), wie durch ‚ schreiben die Tat Jesu tatsächlich der Tod ein Spott worden ist(das liesmal die Mägdlein ist nicht tot, sondern es schläft) und wie der Glaube n. So ein- des blutflüssigen Weibes die kranke, geschwächte Kirche er- 1e micht zu muntert, in dem Anrühren Jesu neue Kräfte der Gesundung at mir der zu suchen und zu finden in dem Gedränge, das heute um der guten Jesus entstanden ist gerade da, wo man seinen Namen ge- irlich auch flissentlich totzuschweigen sucht. Die Epistel machte mich so le ja gan, gebetsfroh, um alles das zu bitten, was uns da vom Apostel ing meines vorgestellt wird: ‚geistliche Weisheit und Erkenntnis‘ zum selbe kirch- Verstehen der Schrift und der Kraft Gottes, ‚würdiger Wan- ch nur dar- del erfüllt mit Früchten guter Werke‘, damit wir den Fein- | sehr ver-© den nicht ‚Ursache geben, unsern Glauben zu lästern‘,- ‚Er- zur Frage® kenntnis Gottes‘- jetzt freilich wie in einem Spiegel im dunklen Wort- als dem Hauptgrund aller Erkenntnis, darin orgens und wir das ewige Leben haben und ‚Stärkung zu aller Geduld »n. Dieser und Langmütigkeit mit Freuden‘. Es beschämt wohl, daß ‚froh, dad© man zu dem allen die Ermahnung des Apostels noch so nötig hat, aber es macht doch auch froh, daß man das alles haben uch nicht and? darf, sich schenken lassen darf und vielleicht auch hier und gängig- 15 AS VLLT ee nn 0 er AR ERLEER v E LEEREN EFF re DEDDDDUUPUYUPHREFHERNEITS da einen schwachen Anfang gemacht hat. Da darf denn in die en 1 dieser Woche uns doch der Wochenspruch als frohes Lob aus Be" Ir dem Herzen kommen und uns verbinden ausderselben Epistel san o | j u(Kolosser 1,9-14): ‚Danksaget dem Vater, der uns tüchtig ge- rn Br IH macht hat zum Erbteil der Heiligen im Licht‘(V.ı2). noch nn | Ja,„gelobt sei Gott und der Vater unseres Herrn Jesu Christi, wer Mn:: u der uns wiedergeboren hat zu einer lebendigen Hoffnung e Ldı H durch die Auferstehung Jesu Christi von den Toten, zu einem sch am i A EM unvergänglichen und unbefleckten und unverwelklichenErbe, Inen, sel“ M Hi das behalten wird im Himmel.“ Sollte diese Hoffnung uns rnks,#9 nicht durch unser Erdenleben tragen können? Sollte diese stürzen WI Hoffnung nicht Lebens- und Triebkraft haben können für inden Ze alle, die ihr nicht mit letztem Unglauben und Verstockung Kirche, die abgesagt? Sollte Gott nicht seine Kirche, die er aus ihrer W elt- und wISSen seligkeit aufrüttelt, aus dieser Hoffnung schön erneuern in die Pforten dieser gefährlichen Zeit? Wieder predigt mir der Kastanien- ihr kann m N baum und streckt mir nun von seinen kahlen schwarzen Zwei- nr in dem H gen so verheißungsvoll die braunen kleinen Knospen für bens und| ‘ nächstes Frühjahr entgegen. Man sieht sie nahe vor dem Fen- vir wollen HN ster und sieht sie auch in den obersten Zweigen. Sie waren halten mit I;| schon da, als das gelbe fallende Laub sie noch verhüllte. deln als d Hi Sollten wir in Undank und Kleinglauben unter den fallenden der Sieg 1: I. welkenden Blättern der Kirche die auch hier vorhandenen Welt über N fest an Stamm und Zweige gewachsenen Knospen übersehen ihrem eitl H wollen? bringt un M Liebes Weib, ich meine, wir wüßten davon aus eigenem Her- Liebste, D " zenserleben zu sagen und zu glauben auch für unsere Ge- schönste N Ale meinden.... Die Bekennende Kirche, die es wahrhaft ist,| Gottes Tr ii ist der Baum mit den Knospen; die heimlichen Gemeinden allerliebst " in den Gemeinden sind die Knospen der Kirche. Da, wo man Allein wo H bereit ist, auf Pfarrstellen zu gehen, die keine„Pfarrstellen“ auch fern hi mehr sind, die auch ohne gesicherte„staatsfreie Position“ be-&inigen T N stehen, weil eine solche„Position“ kein Glaubensposten mehr ist als um \ wäre, da wo alle kirchenpolitischen Erwägungen und Über- Segnen u Sn legungen aufhören, da sieht schon jetzt das geistliche Auge(Paul hat N v 136 “ A OETTTIIFTTSTIHUORTIT TFT N SITE DEDEDROCEIILIETZU GER AR ee Darm m an name- Som in die kommende Kirche und ihren Frühling. Die Welt freilich ei aus und der ungeistliche Kirchenmann sehen den kahlen Baum "Eoist seiner Kulturbedeutung, seiner Öffentlichkeitsbedeutung be- chtig ge- raubt und urteilen, daß es bald aus mit ihm sei und er nur 2). noch zu Brennholz tauge, wenn ihm die Anerkennung der ü Christ, Welt und des Staates versagt bleibt. Sie retten sich in das Toffrung j Schlinggewächs der falschen Kirche und Staatsreligion, das u einem||| sich an dem in Wahrbeit gerichtsreifen Baum dieser gott- 'enErbe,||| losen, selbstherrlichen und selbstsicheren Welt üppig empor- tung un(|, um dann mit dem Baum dieser vergehenden Welt zu Ite diese|| stürzen und verbrannt zu werden. Wir aber bleiben sitzen nnen fir'\ Zweigen der armen, kablen, verachteten, geschändeten Stockung Kirche, die uns so verheißend ihre Knospe entgegenstreckt er Wel-| und wissen es, sie und sie allein trägt die Verheißung, daß euemin'\ die Pforten der Hölle sie nicht überwältigen werden. Nur in astanien- ihr kann man sicher wohnen,„wohlgeborgen in allen Lagen“; enZwi- nur in dem Glauben, der die unverwüstliche Kraft ihres Le- spen für| bens und Knospens ist, ist wahre Freiheit und Freude, und lem Fen- wir wollen es ferner nur immer mehr und immer eindeutiger ie waren halten mit diesem Glauben, aus ibm leben und aus ihm han- yerhüllte, deln als die reich„Getrösteten“, weil dieser Glaube allein allenden der Sieg ist, der das Gefängnis und die Todesmacht dieser andenen Welt überwunden hat.„Und mag die Welt vergehen mit bersehen ihrem eitlen Lohn, der Glaube bleibt bestehen, das Kreuz bringt uns zur Kron’.“ sem Her- Liebste, Deine Briefe machen mich so froh und sind mir der sere Ge- schönste menschliche Trost in meiner Haft, weil sie ja von rhaft ist, Gottes Trost zeugen. Wie gerne läßt man sich ja gerade vom ‚meinden allerliebsten Menschen diesen Trost sagen. Um deswillen wo man allein wollte ich mein Gefängnis segnen. Nun wolle Gott{ stellen" auch ferner Dich und Euch alle und mich in diesem unserm 4 ron“ be- einigen Trost im Leben und im Sterben, der ja kein anderer 1 sen mehr ist als unser gekreuzigter Herr und Heiland selber, reichlich H ‚d Über- segnen und trösten und erfreuen!-? he Auge(Paul hat etliche Kartengrüße von Gemeindegliedern und 137 2. HERE NDOTDEUT PET ee Den BEE met BeEcT 5 Se REST AGE ne EEE ee ren ie ne a erregen, Bear ee a 5 Freunden direkt in seine Zelle erhalten.)...,Auch ein Kar- tengruß von Bruder Joachim Beckmann gelangte an mich. und ich freute mich über seine Bezeugung der Gemeinsam- keit des Glaubens und Bekennens.“ Koblenz, 8. November(offiziell). ... Man lebt hier in der Zelle ein ganz eigentümliches Leben. Die Außenwelt ist einem fast versunken. Ob Winter oder Sommer ist, berührt einen kaum, Auch die Ereignisse im Volks- und Weltgeschehen, von denen man gelegentlich durch ein Zeitungsblatt erfährt, sind einem ferner gerückt, wenig- stens schaut man sie von einer anderen, darf ich sagen, höhe- ren Warte durch das innerlicbe Leben, das man zu führen genötigt ist und das einen in seine eigene Seele, in Gott und in die Ewigkeit hinein schauen läßt. Das ist nun unser evan- gelisches, nicht wie bei den Katholiken selbsterwähltes, son- dern von Gott uns verordnetes Klosterleben auf Zeit, das uns als solches gut und heilsam sein muß.- Unsere Briefe können ja auch nichts anderes sein als kurze Besuche mit An- standspersonen, wie das für Brautleute üblich war. Auch dieser wie jeder Brautstand geht vorüber und führt uns zu neuer Freude. Arm Ende allen Vermissens und Wiederfindens aber steht für uns Christen die ewige Hochzeitsfreude, da auch unsere Ehe und Liebe neue selige Erfüllung finden wird in der Gemeinschaft Gottes und unseres Heilandes. Wir wollen dankbar sein auch für diese„bräutliche“ Aussprache, die uns noch geschenkt ist. Koblenz, 14. November 1937(inoffiziell). ... Am Fenster habe ich am Dienstag eine Feier des 9. No- vember vor der angetretenen Polizei mitangehört: nicht in Demut und Trauer denken wir der sechzehn Gefallenen, son- dern in stolzer usw. Verherrlichung jener Männer in ihrer Vorbildlichkeit. Auch wir leben und kämpfen für ein Deutsch- land, das dauert in alle Ewigkeiten. Forderung nicht nur 138 RETTET TUE UPITDUTODI TE ne iolaler Hing: yultät in der (ac Fried son meiner I nkomme Mn iherhebli chi ji schwim Meisheit die Die Torheit ImBekenn! Iitung und Ischen Stud uch noch& Heute mitta digtkonzept raucht wir lo wieder unge Hau. punkt ist d neinePredi tersönlichst halte ich fr das Konze manchmal Predigten Wenn man veisung 0 wniger Ka lörer, alsc gestellt wı Grundsät: irungen dierten$ Nicht dem Ind seine | = iabaler Hingabe von Leib und Leben, sondern auch der To- ei s talität in ‚der Weltanschauung.— Sonst blieb die vergangene 5 Woche friedlich.— Ich glaube wohl, daß ich Frucht und Segen " von meiner Bibellektüre mit Auszügen babe und etwas wei- j terkomme im Verständnis der Hl. Schrift. Wie ünglaublich er Leben I überheblich ist es doch, diese Weisheit Gottes, in der ein Ble- = Ri fant Bonner: kann, zu gerwerjen und dafür die seichte Weisheit dieser Welt in ihrer Lüge und Sünde einzutauschen! a Die Torbheit Gottes ist weiser denn die Menschen sind. In j den Bekenntnisschriften bin ich noch bei der historischen Ein- ‚ weng."leitung und der Tscheche ist unzufrieden, daß ich die eng- en, höhe. j lischen Studien nicht eifriger betreibe. Im„Büchsel“ bin ich| 2 führen| H auch noch ziemlich weit vorne.| Gott und| ji Heute mittag kam Herr O. und wollte wissen, wo meine Pre-| dl eva digtkonzepte wären, da Unterlagen für den Staatsanwalt ge-} tes, sm braucht würden. Ich lehnte es ab, ihm das zu sagen.„Sie sind} Zeit, da> also wieder dickköpfig!“ Er stellte in Aussicht, daß sie das te Briefe' ganze Haus dann durchsuchen würden. Aber mein Stand- emit An‘| punkt ist der, daß ich für die Art meiner Vorbereitung auf ich dieser meinePredigten niemand Rechenschaft schulde und dies meine j 24 neue persönlichste, privateste Angelegenheit ist. Meine Predigten! dens aber halte ich frei ohne Konzept und binde mich nie wörtlich an h ‚da auch das Konzept und ich weiche oft auch erheblich davon ab, N 7 wird in manchmal gerade Schärfen weglassend oder mildernd. Die H ir wollen Predigten sind frei öffentlich und jedermann hat Zutritt. N ache, die Wenn man nun noch nach Gründen für Schutzbaft und Aus- A weisung oder für ein Gerichtsverfahren sucht, so kann et- N waiger Kanzelmißbrauch nur aus dem Zeugnis der Predigt- i hörer, also im wesentlichen der christlicben Gemeinde fest- N es 9. No- gestellt werden. h nicht im" Grundsätzlich sollten wir unsere Konzepte nicht für Nach- Ä nen, Sol: spürungen eines auf anderer weltanschaulicher Basis fun- N + in Ihrer dierten Staates herausgeben. Wir sind für unsere Predigten i Deutsch- nicht dem Staate Rechenschaft schuldig, sondern dem Herrn n zicht nut und seiner Kirche, der wir dienen. Sollten nun trotz meiner H 139 » CUT A WRERIIIEFTT*’% 007 2 PEEHYEN VENETIEN HEY PHERREIEEEET EFT DON Ta er RT E Ablehnung die Konzepte gesucht, gefunden und beschlag- nahmt werden, so laß es Dir nicht leid sein.“ Dann soll es auch so recht sein, dann will ich mich auch über das eben Gesagte hinaus noch zur Sache verantworten. Ich und wir alle haben ja in unseren Predigten nie zu viel, sondern immer zu wenig gesagt. Ich glaube nicht, daß ich darüber ein schlech- tes Gewissen zu haben brauche. Offenbar können wir nun aber damit rechnen, daß meine Sache so schnell nicht zur Ent- scheidung kommt.- Beim Spaziergang waren wir elf Leute. Es sind nun fünf Bibelforscher hier, darunter ein Ehepaar, die Frau„wohnt“ neben mir.(Auf der anderen Seite jetzt wieder ein Jude.) Mit ihren Ideen, die wohl nicht ganz aus der Bibel geforscht sind und viel endzeitliche Schwärmerei enthalten, können wir von der Kirche aus nicht ganz mit- gehen, so wie sie auch behaupten, daß sie einen„etwas an- deren Standpunkt“ haben und meist, wenn nicht alle, aus der Kirche ausgetreten sind. Immerhin sind sie uns ein lebendiger Vorwurf für die von der Kirche vernachlässigte Lehre von den letzten Dingen. Vieles sehen sie in ihrer Interessiertheit besser und klarer als die meisten Kirchenchristen.... So bist Du, Liebste, nun geplagt und Deine Plage ist alle Mor- gen neu. Gott schenke Dir auch Kraft und Hilfe nach seiner Verheißung: er legt uns eine Last auf, aber er hilft uns auch. „Wie deine Tage, so deine Kraft und unter dir sind ewige Arme.“ Die tragen und halten fest. Gelt, das Schwerste ist ja die Gewissenslast, daß man immer sorgt, daß man's recht macht und vor Menschen und vor Gott bestehen kann. Das ist ja die Last, die uns Christen vor anderen aufliegt, viel schwerer als alles äußerliche Leiden. Dies wenigstens will ich mit Dir und für Dich tragen und manchmal liegt mir diese Last auch sehr schwer auf und ich muß mich im Glauben immer wieder mühsam hochkrabbeln, daß ich vertrauen kann, daß doch Gott mein ganzes, unvollkommenes und sündiges Die Haussuchung fand statt, aber mit geringstem Erfolg. 140 Tun und Ve 1 solchen St sindiges Me Werkes Jest jeiligt und| ınd Leben| macht ja allı seine Händ: um wO and Koblenz, 16. „Der Sta, Iomzeptsach em Haush nicht mit. d legt ein Se, co wirst D Du von mi Koblenz, 17 Vom Bußtı gesegneten auf alles dı Amt und« ind Gedul: all das treu daß ich ih der Gemei Inoffixielle ...Geldsti zhlen, au kenntnish. Herr 0, N fall eund | beschlu Zum sol); das eben b und wir) ET in in schled. wir m Dt zur Ent. elf Lens ' Ehepanı, Seite jeny * ganz ayy hwärmerei ganz mil ‚etwas an- le, aus der ebendiger Lehre von essiertheil a alle Mor-' ach seiner ums aucı ind ewige orste ist an's recht ann, Dis liegt, viel ns willich mir diese Glauben nen kann, sündiges Tun und Verantworten und Bekennen in Gnaden ansieht. In solchen Stunden wollen wir dann vertrauen, daß er unser sündiges Menschenwerk um des vollkommenen Opfers und Werkes Jesu willen in seine treue Gotteshand nimmi und heiligt und reinigt und segnet. Über unserem ganzen Tun und Leben bleibt es wahr: Gottes Gnad und Christi Blut macht ja allen Schaden gut. So wollen wir aufs neue alles in seine Hände befehlen, auch die Predigtkonzepte, sie seien num wo auch immer. Koblenz, 16. November 1937(inoffiziell). ... Der Stapo habe ich meine Stellungnahme zu der Predigt- konzeptsache nun schriftlich mitgeteilt.... Vergiß bei Dei- nem Haushalten auch das Reich Gottes nicht. Wir wollen ja nicht mit der Wurst nach dem Schinken werfen! Aber es liegt ein Segen darin.„Lasse dein Brot übers Wasser fahren, so wirst Du es finden nach langer Zeit.“ Anderes darfst Du von mir aus, wie Du weißt, eher vergessen.... Koblenz, ı7. November 1937(inoffiziell). Vom Bußtagabend noch einen kurzen Gruß. Ich hatte einen gesegneten Tag mit Gottes Wort und in ernster Besinnung auf alles das Viele, das man verkehrt gemacht in Leben und Amt und wie man es doch fort und fort an Sanftmut, Liebe und Geduld fehlen läßt. Gott, lasse mich doch auch nur durch all das treue Graben und Düngen des W eingärtners geraten, daß ich ihm möchte Frucht bringen dürfen in Amt und in der Gemeinde, auch in der Familie. Inoffizieller Brief, 23. IT. 1937. ... Geldstrafen, die ich verschuldet haben soll, keinesfalls be- zahlen, auch sonst rate ich, Geldstrafen, die uns wegen Be- kenntnishaltung auferlegt werden, nur auspfänden zu lassen. Herr O. meinte zynisch, es wäre ja noch Geldstrafe für mich fällig und wollte es nicht gelten lassen, daß ich die ja längst 141 K’ K h | ki An PR 4 ee] Se a > Te ae IH abgesessen hätte, da meine Haft„Schutzhaft“ sei.(Für das! Nichtbefolgen der Ausweisung.) Er meinte, das zöge viel- leicht, wenn Ihr zu Haus notleidet. Ich sagte, sie sollten ma- chen, was sie wollten; sie wüßten ja, daß ich alles einschließ- lich meiner Haft für Unrecht halte.... Lest Jes. 10, zu dem ich mir aufschrieb: Gottes Zorngericht über das hochrmütige Assur, das nicht weiß, daß es nur Gottes Zornesrute ist, der Israels Gott unter die Götter der Heiden wirft, der sich sei- ner Kraft und Weisheit rühmt, die Völker als Vogelnester achtet, die er aushebt und plündert. „Mag sich eine Axt auch rühmen wider den, der damit haut oder eine Säge wider den, der sie zieht, als ob die Rute schwänge den, der sie hebt und den Stecken höbe, als wäre er kein Holz.“ Israels Licht wird ein Feuer und sein Heiliger eine Flamme sein zu schnellem und vernichtendem Gericht über Assurs Macht, daß die übrigen Bäume seines Waldes können gezählt werden und ein Knabe sie kann aufschrei- ben. Den Übrigbleibenden Israels aber ist Heil verheißen durchs Gericht hindurch, das vom Herrn kommt. Darum soll er sich nicht fürchten vor Assur, durch den Gott an Israel handelt, wie einst an Ägypten. Die Bedrängnis wird kom- men, aber wenn die Not am größten ist, sendet Gott Hilfe.- In und an Israel wird Assurs Macht zuschanden. 24. 11. 1937. Nun sind, wie es scheint, die Würfel gefallen. Lager, ob es nun Konzentrationslager oder Schutzhaftlager heißt, ist wohl einerlei. Wir sollen menschliche Behandlung und Verbindung mit den Angehörigen behalten.... Macht die Gemeinden selbständig- ein Grund für die so plötzliche Wendung ins Lager ist mir nicht bekannt. Ich vermute, daß Entscheidum- gen allgemeiner Art höheren Orts hier mitsprechen.- Was soll ich Dir nun noch raten? Das ist von außen her so leicht und billig. Ich sehe voraus, daß die Nötigung zum offenen Geständnis und freien Bekenntnis nun an jeden aufrichtigen 142 ROTES DRDSSISTCHDLIDIED erg (iristen kom ja dranko jrisgeben, 1 udtrane de Int eine sich hir“ La} | jiht mitma | vird Dir K | frage imme | dig Mensche 4 ıftmicht da. inThürngen viesie es bi O,gehen au werde ich ı werden wir len wir uns ıenStunden ınd Brüder nicht teuer unsere Hür lem unser Inden wer der Wolf Trübsal ist le Maße Gott durch Der treue} Paul hat s eilfin Lu Strieben,, die Brüder “af Sie je Meinde tr. Sehken "(Für ul Christen kommt. Du wirst schon wegen unserer Kinder auch %0ge ui) bald drankommen. Dann bedenke:„Lieber alle Kreaturen sollten Mg A preisgeben, denn im geringsten wider Gottes Willen tun“, Einschlief, ‚ und traue der Verheißung zugleich:„Wer Gott fürchtet, der 10,{u den\\ hat eine sichere Zuflucht und seine Kinder werden auch be- Pochmi,.“ Laß uns das Trauerspiel so vieler christlicher Eltern Ue ist, da nicht mitmachen. Halte der Gemeinde die Treue... Gott er sich se;| wird Dir Kraft geben, Du Liebe, Deinen Weg zu gehen. " ogelnesin) Frage immer zuerst in allen Dingen Gott um Rat, ebe Du die Menschen fragst, auch die besten Freunde werden uns damit ha, oft nicht das Richtige raten.- Auch die Gemeinden werden die Ryel\\ in Thüringen(Buchenwald) meinem Herzen so nahe bleiben, alswären.\ wie sie es hier in Koblenz waren.... Herr und Frau M. aus in Heilige, O.gehen auch gleichzeitig mit auf„Transport“. Mit HerrnM. m Gerid; werde ich auch in das gleiche Lager kommen.... Ja, so es Walde werden wir mit den Sektierern zusammengesteckt. Sicher sol- aufsche.\\ len wir uns gegenseitig dienen. Frau M. ist jetzt nach schwe- verheilm"\ renStunden ganz aufgernuntert und auch ruhiger. Die Freunde Darum sl und Brüder lasse ich alle grüßen. Wir sollen jetzt unser Leben £ an Isrod nicht teuer achten, wo der Wolf schon eingedrungen ist in wird kon“ unsere Hürden und nach der Seele unserer Leute und vor tt Hilfe,-\ allem unserer Jugend giert, auf daß wir nicht als Halbe er- " werden. Wo Mietlinge sind, da erhascht und zerstreut der Wolf die Schafe.- Laß uns bedenken, Liebste, unsere || Trübsal ist zeitlich und leicht und wirkt eine ewige und über ger, oba' alle Maßen wichtige Herrlichkeit. Unsere Kinder gehören 1, ist wohl l Gott durch unseren Glauben und die Taufe auf Christus. erbindun) Der treue Herr wird sie behüten an Leib und Seele. Temeinden dung in Paul hat seinen Kindern, der alten Sophie, unserer Haus- ischeidim|“ gehilfin Luise und Vikar Kemper noch Abschiedsworte ge- en.- Va\ schrieben. Aus dem Brief an den Letztgenannten:„Wenn Sie ‚rsoleit I" die Brüder sehen und grüßen, dann bitten Sie von mir aus, m offenen N daß Sie jetzt um Gottes willen etwas tun und vor die Ge- ufrichtigen) meinde treten möchten, in den Riß springen mit ihrem per- 143 een AAO DDTDUVPPHHHEHERERFEEDEDDEPDDEDg Dr = See x SEE > Seen ee Ehe air A sönlichsten und letzten Einsatz, um dem Geist greulicher Verführung und Abgötterei zu wehren, der sich aufgemacht und schon die Herrschaft, die geistige auch, an sich gerissen hat. Mit aller„Klugheit“ und„Besonnenheit“ wird. nichts mehr gerettet, aber auch das Letzte verloren. Siehe den Bankrott so vieler Amtsbrüder in ihren Gemeinden! Hier muß jeder jetzt auch das Leben wagen, sonst kann er es nicht gewinnen.“ Und nun kommt der Tag, da mir die Post eine gewöhnliche Postkarte von Paul bringt. Wieder ist es ein„Kerkermeister“, der ihm vor der amtlichen Meldung seinen Wegtranspotrt ins KZ anvertraut, und offenbar auch diese Postkarte weg- befördert.„23. 17.1937. 22 Uhr(Poststempel). Es wäre schön, wenn wir uns vor meinem Wegtransport von hier am Don- nerstagmittag noch einmal sehen könnten. Herr O. hatte mir ja auch Deinen Besuch schon in Aussicht gestellt. Wie wir es bisher getan haben, so wollen wir weiter Gott allein ver- trauen, in Demut und Geduld von Ihm allein alles Gute er- warten und Ihn von ganzem Herzen lieben, fürchten und ehren. So wird Gott mit uns sein und wir werden nicht zu- schanden werden in unserer Hoffnung. Seid getrost und tren und fürchtet Euch nicht. Ich behalt Euch fest in meinem Her- zen. In Gott sind wir ungeschieden. Hab auch nochmal innig Dank für alle Liebe nach hier. Wir wollen dankbar sein für diese schöne V oorbereitungszeit für härtere Proben. Neue Lei- den sollen uns neue Erfahrungen unseres Gottes und nene Herrlichkeiten bringen. Christus spricht: Ich bin bei Euch| alle Tage.... Außer etwas Lebensmittel(und Geld viel- leicht) kann man nichts mitnehmen. Anderes wird nachge- schickt. Ein paar frische Strümpfe brauch ich gleich. Viele herzliche Grüße allen. In Liebe Dein Paul.“ Als ich schon im Begriff zur Abfahrt nach Koblenz bin, kommt eine amtliche telefonische Erlaubnis, meinen Mann 144 sch einmi Wachtel Dank ihne dabei(0 u des Geset? u sein, bi Trost: Un: den Himm ich wieder Post von kommen.] konnte mi hat, den z et annimn vot dem ir, Er n; Licht die frei ist,\ Folge zu Paul leise tiefes We heamte fi genheit 1 schlagen: melnd be abgelaufe Das dar meister( dem Ab taßt, W; der Adv strömen lichem, 6 ist so gleichen E greHich| Aufgemay j ich gerissen Wird nich Siehe den nden! Hi, ver es nich ewöhnlid: Kermeister" egtranspr tkarte wer. wäre schön er am Don: ). hatte mi lt. Wieui t allein ver- les Gute er irchten un]' en nicht zu: st und treı zeinem Her chmal inni bar sein fü 1. Neue Lei s und neil\\ n bei End Geld vie: ird nachge eich. Viel ‘oblenz bin zinen Matt | I | noch einmal sprechen zu dürfen. Daraufhin haben mir die Wachtmeister dann sogar dreimalSprecherlaubnis gewährt.- Dank ihnen! Das erstemal waren unsere beiden Ältesten dabei(10 und 8 Jahre). Nach dem Abschied nahmen die Hüter des Gesetzes die Kinder vor und ermahnten sie, recht artig zu sein, bis der Vater wiederkäme. Zu mir sagt einer zum Trost: Unser Herrgott sorgt schon, daß die Bäume nicht in den Himmel wachsen!- Am andern Morgen sind Paul und ich wieder beieinander. Er hat tags zuvor seine Gefängnis- Post von Juni bis Juli 1937 von der Stapo ausgeliefert be- kommen. Diese Briefe waren sein Trost der Nacht. Ich selbst konnte mich nur noch an das Wort halten:„Wen Gott lieb hat, den züchtigt er, und er stäupt einen jeglichen Sohn, den er annimmt.“ Wir sagen uns diese Gedanken. Da es Freitag vor dem ı. Advent ist, habe ich ein Adventskränzlein bei mir. Er nimmt es nachher in seine Zelle und liest in seinem Licht die Adventslieder.- Paul weiß, daß er heute noch frei ist, wenn er sich verpflichtet, dem Ausweisungsbefehl Folge zu leisten. Das Herz ist uns ganz schwer. Ich streichle Faul leise: Wie hab ich Dich so lieb— da erschüttert ihn tiefes Weinen. Wir reden nichts mehr.— Der Aufsichts- beamte fordert uns dazu auf, indem er auf seine Verschwie- genheit hinweist! Ich habe die Losung des Tages aufge- schlagen:„Es hat überwunden der Löwe aus Juda.“— Stam- melnd beten wir das Vaterunser miteinander. Die Zeit ist abgelaufen. Ein schmerzdurchwühlterMann wird abgeführt.— Das darf nicht das Letzte sein. Das sieht auch der Wacht- meister ein. Und so bekomme ich in der letzten Stunde vor dem Abtransport noch einmal Einlaß. Wir haben uns ge- faßt. Wir dürfen nicht mehr weich werden, sagt Paul. Verse der Adventslieder, die ihn eben oben in der Zelle trösteten, strömen von seinen Lippen. Dann reden wir von Alltäg- lichem. In die Unterhaltung mischt sich der Wachtmeister— es ist sogar von der schweren Artillerie die Rede!!- In der gleichen Stube sitzt ein Ehepaar, ernste Bibelforscher, die 145 tn STUTV RD DDUPTUEUVERHFHEENEN FE Ber Fe due TE Be > ir zu bein- (was vom die Frage die Rück- h ein ein- 'hen. Der m 11. No- en Endes 5 erlassen elfall auf Predigers, u treffen. rück, dem äre dann scheidung fr 1937. 50 htung, ob chtfertigt g mit der aul nicht den noch t hat. Es nd damit sten und emherzig: ETETTITTHERT keit unsern Dienst an denen auszurichten, die unter dem christlichen Namen unchristliche Lehre oder Wandel führen“ (Brief vom 23. Dezember 1937 an mich).— Zu allen Zeiten, selbst in der Reformation, war der Staat gegenüber der An- wendung der Kirchenzucht empfindlich, weil deutlich wird, daß der Kirche Staatsgesetz und Volkssitte nicht höchster Maßstab sind. Auch die Kirche muß vom Rechte her verstan- den werden.„Sie richtet ein zeichenhaftes, prophetisches Recht auf, als Ausdruck der Herrschaft Christi über die Kirche und über die Welt.“ Die Maßnahme aber, die in Dickenschied getroffen wurde, konnte nur darum so großes Aufsehen erregen, weil sie vereinzelt war und blieb. Einen ‚Einzelgänger‘ und ‚Außenseiter‘ konnte der Staat leicht zum Schweigen bringen. Der rheinische Rat versuchte oft, eine Sprecherlaubnis bei Paul zu erwirken, um mit ihm noch ein- mal diese Fragen durchzusprechen, doch wurden alle dies- bezüglichen Anträge abgelehnt. Diese illegale Kirchenleitung hatte ja auch vor dem Staat keine Anerkennung! Das legale Konsistorium aber verhielt sich völlig passiv. Besuchserlaubnis bekam auch ich nie. So waren wir nur auf Gott geworfen. Die Gemeinde der Beter für Paul Schneider war groß. Gott Lob, daß ich darum wußte und selbst mit- getragen wurde. Darum darf ich trotz all unserer Schwach- heit über diese Zeit schreiben: ‚Die Güte des Herrn ist’s, daß wir nicht gar aus sind; seine Barmherzigkeit hat noch kein Ende, sondern sie ist alle Morgen neu, und deine Treue ist groß‘(Klagelieder 3, 22.23).— Oft erhielt ich von Gliedern der Bekennenden Kirche stär- kende Briefe. Einer soll für alle zeugen: Berlin-Friedenau, am 29. Mai 1939. Wie gut, daß Gott die Worte alle hört, Die wir den fernen Brüdern heimlich sagen, Die wir auf brennend heißem Herzen tragen Und die doch nie ein Mensch von uns erfährt! TITTEN WEBPATTBÄRSABBBALIEN, a BEREIT 5 SE ae ers Se he rei A pn Pr Be ER, Gott, hebt alle unsere Grüße auf Und sagt sie den Geliebten in die Ohren. Es ging bei IHM noch kein Gebet verloren, ER drückt nur stets sein Siegel noch darauf. ER läßt sie wissen, was sie tragen kann. ER läßt sie wissen, was sie tragen können. Wir dürfen IHM allein das Sorgen gönnen, Denn wenn wir schlafen, hebt sein Wachen an. ER spricht, ER hört, wo wir gebunden sind, ER nimmt uns unsre Sorgen aus den Händen. Solch ein Geschick, das nur der HERR kann wenden, Das macht uns sehend!— oder macht uns blind. In herzlichem, bewegtem Gedenken grüßt Sie, sehr verehrte liebe Frau Pfarrer Schneider, in der festen Gemeinschaft der Fürbitte im Namen vieler Brüder aus Berlin und Branden- burg. Erich Klapproth P. Ehe ich nun Pauls erste Briefe bringe, möchte ich versuchen, ein Bild von dieser Zeit zu geben, wie es sich mir aus per- sönlichen Berichten von Häftlingen und aus KZ-Büchern, die Paul erwähnen, ergibt.- Im ersten Vierteljahr arbeitete er mit andern Kameraden wohl immer im schwersten Ein- satz. Schon während dieser Zeit machte er sich zur Regel, am Freitag seine Nahrung möglichst zu beschrärken, zu„fasten“, um das so Erübrigte den Kameraden zu geben.„Wenn du es nicht nimmst, bekommt es halt ein anderer“, sagte er. So er- zählt ein Kamerad aus dieser Zeit:„Als ich im Dezember 1937 nach Buchenwald kam, lernte ich Paul Schneider beim Bau- kommando ‚Führerhäuser‘ kennen, dem ich zugeteilt wurde. In seiner Kleidung unterschied sich dieser magere Mensch durch nichts von seinen abgerissenen Kameraden. Schwere Arbeit mußteer verrichten. Man sah ihm an, daß er das Schie- 150 fr IE FUHHOO ORT OT TU UUWOSOPTOOTDUDTaZE U DE BO Eu ODe zZ 0 hen det sd seiner BeV recht gut i paat freun gebung de um zu Ze heansprud Augen UN yenn sie der primit schen ausg wohnt W2 Schneider cine Selb: die]ahre ung. Auc seiner Fre bescheide inden er: einem le (Brief vo Freunde jahr mit eroßes V vergleich Gottlose, erkennut Sache un. zwischen seflochte wenn er fätte, h; wäre lie fätte da Bericht len, - verehrte schaft der Branden- pproth P, ersuchen, - aus pet- -Büchern, arbeitete sten Ein- Regel, am „fasten“, enn du&s er. So et- mber 193] eim Bau- It wurde, » Mensch Schwere Jas Schie- ben der schweren Kipploren nicht gewohnt war, und manche seiner Bewegungen waren etwas unbeholfen.— Mir ist noch recht gut in Erinnerung, daß er mich am ersten Tage mit ein paar freundlichen Worten begrüßte, die gerade in dieser Um- gebung dankbar empfunden wurden. Ich erwähne das nur, um zu zeigen, daß er trotz der harten Arbeit, die ihn ganz beanspruchte, um nicht aufzufallen,- mit immer wachen Augen und immer wachem Geist Zeit für andere fand, selbst wenn sie ihm fremd waren.... Den kleinlichen Schikanen der primitiven SS-Posten waren natürlich in erster Linie Men- schen ausgesetzt, die das Verrichten der Erdarbeiten nicht ge- wohnt waren und aus anderen Berufen kamen wie Pfarrer Schneider auch. Für uns politische Häftlinge war Solidarität eine Selbstverständlichkeit. Nur durch diese haben wir all die Jahre durchgestanden, gefestigt durch unsere Weltanschau- ung. Auch unser lieber Freund hatte einen festen Kreis in seiner Freizeit um sich, die er unterstützte, denen er mit seinen bescheidenen Mitteln half.- Die wenigen Stunden, die uns in den ersten Jahren als arbeitsfrei blieben, nutzte auch er zu einem lebhaften Meinungsaustausch mit Kameraden aus.“ (Brief von Heinz Mißlitz, Leipzig.) Freunde erzählen von einem jungen Mann, der ein Viertel- jahr mit Paul zusammenarbeitete:„Paul Schneider war ein eroßes Vorbild tagaus, tagein. Sprach Mut zu und half in un- vergleichlicher Kameradschaft. Keiner, auch der fanatischste Gottlose, ließ auf ihn etwas kommen. Alles war voller An- erkennung für ihn, zumal sie merkten, daß es ihm um seine Sache und nur um seine Sache ging. So hat sich ein enges Band zwischen Paul, wie man ihn nannte, und seinen Kameraden geflochten. Ja, K. selbst, ein großer starker Mann, sagte, wenn er den Zuspruch und die Hilfe Schneiders nicht gehabt hätte, hätte er und so mancher andere schlapp gemacht und wäre liegen geblieben bei der schweren Arbeit; nicht jeder hätte das leisten können, was er konnte.“ Bericht von M. Zahnwetzer-Kassel:„KZ Buchenwald: Ich T5I Kehers eh rdrerbrsreranı, 4 De & \ if hi E3 pe Eee he Ai ee lernte ihn kennen, als wir an den SS-Kasernen ausschachteten. Wir führten wie immer diese Arbeit unter der Aufsicht der jungen Schlackse derSS aus. Er arbeitete neben mir, und wenn ich manchmal nicht mehr so recht mitkonnte, dann griff er mit seiner Schaufel zu mir herüber, um mir zu helfen.“ A. Leikam-Waiblingen schreibt:„Schneider hat seinen Beruf als Pfarrer den anderen Häftlingen gegenüber nie verleugnet; er versuchte, durch christlichen Zuspruch, Mahnung, Bitte, tätige Mithilfe seine Mitgefangenen für Christus zu ge- winnen....“ REED DERTRERT EIN KAREL AANRETERNE DRFT ER E EER AU RT nr Buchenwald Du wirst SC sorgen kat gem, der‘ alle ist je dankbar Fi uollen wir tost bleibe uns in diese und Adven ständen,€ ılle Anfra nen, unser Schaden% nach zu r Gottes Hı es also g1 bleibt una sundheit, Abschied. Schmerz mir eine habe, Ha leichten. ehn, B, 512.1 Nun kon Dich mie lachteten, fsicht der und wenn cf er mit| i| Erste Briefe aus Buchenwald en Bent 1 a| Buchenwald, 29. 1.1937. wo Ki Du wirst schon begierig auf Nachricht warten. Am Samstag- ge 7 morgen kamen wir schon bier an, nun ist der erste Einstand getan, der wie aller Anfang schwer ist. Die Einsamkeit der Zelle ist jetzt gründlich zu Ende und ich bin jetzt noch mehr dankbar für diesen Übergang in Koblenz. Mit Gottes Hilfe wollen wir beiderseitig, auch Ihr zu Hause, fröhlich und ge- = rost bleiben, zumal in dieser Vorweihnachtszeit. Wir wollen uns in diesem Jahr um so mehr die tiefinnerliche Weihnachts- und Adventsfreude, die unabhängig ist von den äußeren Um- ständen, erbitten. Wir sollen auch zu Hause mitteilen, daß \ alle Anfragen der Familienangehörigen oder anderer Perso- nen, unsere Sache betreffend, zwecklos seien und uns nur zum Schaden wären. Ich bitte Euch also auch meinerseits, sich da- nach zu richten. Wir wissen ja sowieso unser Geschick in Gottes Hand. Beachtet auch den Kopf des Briefes! Mir geht es also gut. Es ist jetzt eine Hauptsache, daß man gesund bleibt und ich bin dankbar für die mir mitgegebene gute Ge- sundheit. Wie schön war, daß Du mir in Koblenz noch den Abschiedsbesuch machen konntest, Liebste. Wenn es auch ein Schmerz war, so ist es doch auch für jetzt und die Zukunft mir eine große Stärkung, daß ich ein so liebes, trenes Weib babe. Hab noch einmal herzlich Dank für die auch Dir nicht leichten Wege. In treuer Liebe und Fürbitte für Euch alle zehn. Dein P. Bi 5.12.1937. Nun komme ich doch wenigstens in meinem Sonntagsbrief an x Dich nicbt aus der Übung, wenn ich auch, wie Du siehst, mit 155 a RT u ee en EEE Brennen RELD Pen a Ba ee eg IE a dem Schreiben etwas aus der Übung komme. Gott Lob habe ich nun die erste Woche hinter mir und kann Dir vermelden, daß ich noch gesund und munter bin. Ich hoffe Dich nun im Besitze meines Briefes, der Dir meine Ankunft und meinen ersten Einstand hier meldete. Von Dir hoffe ich auch in diesen Tagen erste Lebenszeichen zu bekommen. Du kannst Dir denken, daß ich mich bei aller großen Kameradschaft hier doch oft recht einsam fühle. Aber der treue Gott ist ja auch hier bei mir und kann mir auch diese„Ferne“ zur„Heimat“ machen und mir auch in dieser„Welt“ adventlich begegnen. Ich bin gewiß, daß Ihr auch in diesem Sinne für mich betet. Wie werden sich jetzt die Kinderlein mehr und mehr auf Weihnachten freuen und die Adventslieder mit Euch Großen singen! Gelt, sie haben jetzt noch einen besonderen Klang und eine besondere Verheißung für uns„Arme und Elende in dieser bösen Zeit, die ihr an allen Orten müßt haben Angst und Leid.“ Daran wird es Euch ja auch nicht fehlen, viel- leicht nicht nur im Vermissen des Vaters. Ob auch dunkle Wolken der Trübsal uns dies vor uns liegende liebe Fest ver- düstern, das ewige Licht, das ins Kripplein zu Bethlehem einging, wird um so reiner und sieghafter sich den Weg in unsere Herzen bahnen, daß wir, wenn auch getrennt, doch getröstet und gläubig feiern und uns der Liebe Gottes freuen können. An kleinen Freundlichkeiten und Hilfen fehlt es mir auch hier nicht, die mir das Leben erleichtern.... B., 9. 1. 1938. Es ist mir leid, daß Du umständehalber meinen Weihnachts- brief nicht bekommen hast und auch zu Deinem Geburtstag ohne besonderen Brief von mir geblieben bist. Nun will ich Dir nur kurz von meinem Ergeben mitteilen, daß ich noch gesund und munter bin. Nachgerade habe ich mich gut ein- gelebt.— Deine 3 Briefe habe ich erhalten, den ersten am Schluß der zweiten Woche bier, den Weihnachtsbrief zum Hi. Abend, den Deine liebe Hand mir schrieb und der mir 154 mal al gedacht OT chen Dank ig ich MM das liebe F( Deiner und 3,3.1.195 im Freita; Wie gut is dung ein I ertrauen 7 renden Sor iher die R Verbindun dabei gesc Heimkehr macht wer wir ja sOg stattet und ben kanns sam, fleißi "sehrlieb ı So hast D dürfen mi von einem Dankbar die mir je die Losur noch die, ich darin kann ich “sa e hier scho, | indSpeis { *t Lob hal Dermelde, ich rum h Ind Meing chin diese, kannst Dj; Ischaft I ist ja au r„Hleima‘ begegnen, mich beta, l mehr ay ıch Großen ren Klan nd Elend aben Anz oblen, viel:| uch dunkk 1e Fest ver Bethlehen en Weg n ennt, doch ttes freuen ehlt es mir "eihnachts Geburtstag un will ich ß ich noch ‚h gut eilt ersten am ‚brief zum d der mit RER EEE diesmal alle anderen Geschenke oder Grüße, die mir zu- gedacht waren, reich ersetzte. Aber auch für dies andere herz- lichen Dank. Den dritten Brief bekam ich zum 7. Januar. Wie freue ich mich, daß Ihr doch getröstet, fröhlich und gesegnet das liebe Fest feiern konntet... ich weiß mich dauernd von Deiner und der Freunde Liebe getragen. 923. 1. 1938. Am Freitag erhielt ich Deinen lieben Brief vom 18. Januar, Wie gut ist es, daß wir, auch wenn die schriftliche V erbin- dung einmal unterbrochen wird, doch in Glauben und Gott- vertrauen miteinander verbunden sein und von der verzeh- renden Sorge bewahrt bleiben dürfen! Ich freue mich sehr über die Reise, die Du gemacht, das schöne Erleben und die Verbindung mit so viel feinen, lieben Menschen, die Dir dabei geschenkt wurden.(Reise nach Berlin.) Und daß die Heimkehr so schön war und daß Ihr auch zu Hause reich ge- macht werdet an den Gütern des Hauses Gottes, durch die wir ja sogar trunken werden dürfen, wie uns die Schrift ge- stattet und verheißt. Besonders freue ich mich, daß Du schrei- ben kannst, daß unsere lieben Kinder wohlgeraten, gehor- sam, fleißig und fromm sind. Ich habe sie auch aus der Ferne sehr lieb und bin im Geist des Abends an ihren Bettleın.— So hast Du ja nun auch Deinen Geburtstag im Segen feiern dürfen mit einem so schönen Andachtswort, in dem auch mir von einemPfarrerkurs ber bekannten Dorfkirchlein(Dahlem). Dankbar bin ich Dir für die Losungsworte in Deinen Briefen, die mir jetzt sehr wertvoll sind.Vielleicht teilst Du mir immer die Losungsworte für die nächsten zwei Sonntage und etwa noch die eine oder andere schöne Tageslosung dazu mit, daß ich darin mit Euch verbunden bin.- Von meinem Ergehen kann ich Dir wiederum nur kurz mitteilen, aber auch durch- aus nur erfreulich, daß ich gesund und munter bin und mich hier schon recht zu Hause fühle. Auch hier darf man ja Arbeit undSpeise gesegnet aus Gottes Hand nehmen, auch hier macht 155 | 2. 2 19: Gott den 23. Psalm wahr, daß er unsere Seelen erquicket und h/ Dei uns auf rechter Straße führet um seines Namens willen. Im\ E. übrigen wollen wir uns fest auf die Zusage Gottes verlassen,\. daß mi daß ER die Gefangenen ausführt zur rechten Zeit und unsere i Mr voller Seelen in Geduld fassen.... Aa voy den B., 6. 2. 1938. m en Heute mittag bekarn ich noch Deinen lieben Brief vom 2.ds. 8 j hi Mts. Wie bin ich froh und dankbar für die im ganzen doch ee. guten Nachrichten.... Das weiß ich und spür ich auch,_ M Liebste, und es macht mich froh, daß trotz all’ unseres Sün-. ch d digens wider unsere Liebe doch alle Stürme und Schläge h j ff uns noch fester zusammengebunden haben, wohl darum, weil"sl Ki hm wir in aller Schwachbheit versuchen, doch Gott über alle Dinge E ‚. ii DR zu fürchten, zu lieben und zu vertrauen, in Jesus Christus sei- wen ü ; nem lieben Sohn, unserem Herrn. So ist die Verbundenbeit ab in G: { mit Dir, meinem lieben„Weinstock“ und seinen„Träub-| an gof 7 Hl lein“ und dem ganzen Hause wahrlich nicht nur eine Be-\\""" 2 hi lastung, sondern auch eine große Stärkung auf dem mir ver- Aa bus H ordneten Wege. Ich bin der guten Zuversicht, daß Gottes ind Gott H guter Geist uns auch jetzt, da wir getrennt sind, auf ebenem ie so sap iM| Wege weiterführt und Er uns mit seinen Augenleiten wird.-\\""' Na hi N Von meinem Ergehen kann ich Dir nur wieder kurz berich-\ n 4 ten, daß ich noch gesund und munter bin. Ich glaube, daß B,0.3.19 1 Du Dich über mein gutes Aussehen von dem dauernden Auf-= 2 I 4 enthalt in der frischen Luft freuen würdest. Gott hat mich Vopi H bisher freundlich geführt und vor Unbill und Unglück ver- di Vögel N| schont. Sein Rat ist gewiß über uns allen wunderbar und er\\ lite N führt es berrlich hinaus. Mein lieber kleiner Gerhard hat Ge- So darf i A| burtstag gehabt und wird gewiß im neuen Lebensjahr das termelde: | Bravsein und Gehorchen noch besser lernen wollen. DerVater au en[ I freut sich mit, wenn Ihr am Dienstag ihm das Lied singt und Denszeich it das Tischchen richtet.... auf i auch in R A un]] \ aka vollenw: VRERARRSDIIDDIINERT EN TRRERRENARNANENESEN Quicket und willen,|,\ s Verlassen R und Unsen ,* vom 2.dı anzen doc) i rich and), nseres Sin. nd Schläge darum, we) r alle Ding: Ohristus sei 'bundenhei en„Lräyb: ır eine Be: TEN FERNE ES em mir ver daß Gottes auf ebenen ten wird,- zurz berich- Jlaube, da] nden Auj- tt bat mich nglück ver rbar und&ı ırd hat Ge: onsjahr dis ‚DerVater d singt und B., 20. 2. 1938. ... Auf Deine Sorgen kann ich Dir von meinem Ergehen wieder nur kurz berichten, daß ich noch gesund und munter bin, daß mir die Winterfrische bisher nicht geschadet, mir sogar vollere Backen gemacht hat. Auch mein Bein hat die Bewegungsprobe bisher ohne Nachteil überstanden. DieSonn- tage, zu denen sich unsere Gedanken und Fürbitte dann son- derlich begegnen, wie ich auch Deinen Zeilen entnehme, sind ums auch hier eine W ohltat, auf die wir uns die ganze Woche über freuen. Für ein warmes Lager darf ich mit Euch Gott danken, wenn einen freilich auch jeden Abend beim frühen Schlafengehen leise das Heimweh beschleicht.— Bei den Winterfreuden unserer lieben Kinder freue ich mich von Her- xen mit-— Du weißt noch, wie wir hinter Müllers mitein- ander über und in den Wassergraben fuhren— ich teile sie auch im Genuß herrlicher Schneelandschaften.... Es ist mir ein großer Trost, daß Du in der Freundschaft mit Irmgard und so viel andern lieben treuen Menschen einen gesegneten Ersatz hast für unsere äußerliche Trennung; wie freundlich sind Gottes Wege! Stolz bin ich auf meinen großen Sohn, der so tapfer auf dem weiten Schulweg und in der Schule seinen Mann steht.... B., 6. 3. 1938. .,. Du hast recht, nach Frost und Schnee ist auch bei uns Vorfrühling geworden, wir freuen uns der wärmenden Sonne, die Vögelein xwitschern im Walde, da will auch Gemüt und Geblüt von unsereinem neu und fröhlich werden trotz allem. So darf ich Dir von meinem Ergeben dankbar wieder kurz vermelden, daß ich noch gesund und munter bin.... Im übrigen wollen wir gewiß frob und dankbar sein an den Le- benszeichen, die unsere Briefe für uns noch darstellen. In be- zug auf das andere, was wir uns nicht sagen können, was wir auch in Fortgang und Ausgang nur unvollkommen erschauen, wollenwir es im Glauben halten mit Claudius’ schönem Abend- 157 we a ee er e, + > Re a a 3 se EEE Z SIE SE ern = = ee en Pe ED rer N- Saunen ze lied:„So sind gar manche Sachen, die wir getrost belachen“- vielleicht auch oft getrost beweinen—„weil unsere Augen sie nicht sehn.“— Auch was wir einander jetzt nicht sagen kön- nen und was ich nicht wissen darf, das ist von Gott so ge- ordnet.... Betet für mich, daß ich auch bier in der Nach- folge unseres gekreuzigten Herrn erfunden werde und rechte Passionszeit halte. Euch wünsche ich auch, daß Ihr mit den lieben Gemeinden im Segen durch die Passionswochen geht.- Wie werdet Ihr Euch auch der Gartenarbeit freuen!... B., 23. 3,1938. ... Durch Deinen Brief vom 16. ds. habe ich am Samstag wieder ein Lebenszeichen von Dir bekommen. Hab herzlichen Dank für den Brief. Ich bin noch gesund und munter. Wir freuten uns der trockenen und warmen Märztage, die mir sehr wohl getan haben. Ihr werdet mit Fleiß schon die Gärten bestellt haben, und ich stellte mir vor, wie die lieben Kinder ihrem Mütterlein dabei halfen. Mein Nachtlager habe ich jetzt am offenen Fenster, wo Mond und Sterne freundlich zu mir hereinscheinen, die uns ja noch von anderem Licht Gleich- nis und Boten sind, von dem, was da„nun bleibet“ im Dun- kel und Leid dieser Erde.... Besonders am frühen Mor- gen gehen meine wachen Gedanken oft zu Euch, Eurem mir jetzt ungewissen Ergehen, Eurer Sorge und Arbeit; aber ich weiß auch, daß von treuer Hand auch für Euch gesorgt ist und Euch nichts mangeln wird. Küsse unsere lieben Sechs von ihrem Vater. B., 4. 4. 1938. ... Wie freue ich mich immer, Dir melden zu können, daß es mir gut geht und daß ich mich an Leib und Seele wohl befinde. Wir hatten auch schon die schönste Frühlingsfrische im März, da können uns die letzten kalten Tage mit Winter- rückschlag nicht mehr bange machen. Den Winter haben wir überwunden, der Sommer steht vor der Tür.- Im Fest des 158 NORRTUTTTERRATSTTIENUOCOPOOTTUTD USE gnagoo Tre ande hat. hat hineindei uch immer nige, Deine sorgen sind 0 „undem, der ge, in so© 0b Dieter st nem Kind sindürfen! urweiß wie im! ‚Weg h un Schwerer uferlegten 1 Liebe...» 3,1. Ostern Raub und 1 Wochen uma kommen, A beißung. ko Sinne ist da Leib und$ı inmittelbar Liebe, die fı getoret bat iber Deine inern beic ih auch vc !indere W se qysste Genptyun ms Sorne belachen:. Herrn feiern wir den Sieg des Lebens über e Augen; den Tod, und unser Glaube ist der Sieg, der die Welt über- Sagen ki,\ wunden hat.-W enn ich mich oft in alle Eure Sorge und Ar- Gott so ef beit hineindenke, so bleibt mir nur die einfältige Bitte, daß der Nach, Euch immer neu Kraft und Glaubensmut geschenkt werden und rech, möge. Deine Sorgen sind auch die Kinder. Wie alle unsere [br mir u Sorgen sind auch diese schon gehoben und werden getragen chengehy._ von dem, der besser sorgen kann als wir. Ob wohl unser Jüng- ven!.,. stes, in so viel Unruhe hineingeboren, weiter gut gedeiht? Ob Dieter seinen Weg findet? Möge Dir nur die Freude an unsern Kindern ferner eine Quelle der Kraft und des Trostes m Samy sein dürfen!— Wie schön wird es sein, wenn wir uns einmal— b herzliche, wer weiß wie bald- wiedersehen und aneinander freuen dür- unter. Wi; fen!„Weg hat er allerwegen“— Was werdet Ihr alles erleben ge, diem” Schwerem und Schönem! Wie trägt Mutter an dem uns die.Ckan auferlegten Los? Grüße sie doch recht herzlich in dankbarer ben Kinder Irene:... er habe id eundlich B., I. Ostern 1938. we icht Gleid- Raub und unfreundlich, mit Aprillaunen wie in den letzten aD Wochen und Tagen ist auch Ostern(das Wetter) zu uns ge- üben Mn kommen. Aber doch fehlen die Sonnenblicke nicht als Ver- en heißung kommender Herrlichkeit. Auch im übertragenen 1 i Sinne ist das so: So bin ich dankbar für die Erquickung an | Leib und Seele, die mir immer nee geworden und wird, ben sah|| ummittelbar von unserem Vater im Himmel und dank Eurer Liebe, die für die Kontoauffrischung und die„Ostersendung“ gesorgt bat(40 M). Sehr gefreut babe ich mich auch wieder ' über Deinen lieben letzten langen Brief vom 1. April. An Ernen, unsern beiden Gärten unter Deiner plegenden Hand habe . ich auch von hier aus meine Freude, an jedem auf eine be- BE; sondere Weise. Wenn die Lehrer unsern Kindern gute Zeug- Inge nich nisse ausstellen dürfen, so ist das für die Eltern Freude und a Wie Genugtuung.... Es ist Ostern und es ist wichtig, daß wir Er. uns spornen lassen zu einem Auferstehungsleben, das ja nur m Fest dis 159 NEN HI er a ee TOURER BHYYYEERERETZ EFT ODDTITUVUHUYHRHFHERRERFEESSEHIDDEDDDEDP PET IT aus einer dauernden Hingabe unseres Lebens in den Tod erwachsen kann und auf dem Wege des Glaubens uns von Gott geschenkt wird, des Glaubens, der mit Gott allein|' rechnet. Wir dürfen dankbar unter äußerer Trübsal uns zu- frieden geben mit der hoben Botschaft und dem Glaubens- inhalt unserer christlichen Feste und so gerade zur echten Freude und Feier kommen, die für die Christenbeit durch so viel äußere Dinge und Stimmung leicht einen zu billigen Ersatz gefunden hatte.- Ich brauche Dir jetzt nicht mehr zu versichern, daß ich noch gesund und munter‘ bin. Laf, uns in Geduld und fröhlichen Vertrauen unsern Weg weiter- gehen. Auch ich will geduldig all mein Nichtwissen von Euch und den Dingen unserer Kirche’ der allertreuesten Pflege des, der den Himmel lenkt, befehlen. Hab immer auch einen Kuß vom Vater übrig für die Kinder.- 1 Dies ist der letzte Brief, in dem„gesund und munter“ unterstrichen ist. 2 Auf Grund der strengen Zensur gingen nur allerpersönlichste Nachrichten durch. 160 in April I Hıkenkreu hutsie nie: heitszeiche anschauune das nun al berichtet, hej einer 0 Ich ist bei Fahne nid uf den„ wald ist Mi kür und d liefert, Pa deren Hä knecht, D Bücher be Aleikan „Im Früh mandos& Lagers gr Vorbeim: bezeugun Masse de ins Auge Dienst nı zeige be &annder zur$$ Als erst anschlie Einzelh Gott alle übsal uns| m Glauben, le zur echte 'enheit dur, 2 zu billige E nicht me) ter bin. Lu "Weg weite ssen von Eu nesten Pfley er auch eng“ ist, richten durch, ’n den T, 1 bens uns yo Im April 1938 kam der Zusammenstoß. Dem Grüßen der Hakenkreuzfahne konnte Paul in der Freiheit entgehen. Er hat sie nie gegrüßt, weil er in dieser Fahne nicht nur das Ho- heitszeichen des Reiches, sondern auch das Zeichen der Welt. anschauung sah. Hier im Lager fällt er nun deshalb aut. Ob das nun auf dem Wege zur Arbeit war, wie Leikam(s. u.) berichtet, oder nach mehreren Berichten anderer Häftlinge bei einer offiziellen Feier, tut nichts zur Sache. Wahrschein- lich ist beides zutreffend.— Paul nahm seine Mütze vor der Fahne nicht ab, wird gemeldet und kommt zum erstenmal auf den„Bock“. Der Arrest(Bunker) des Lagers Buchen- wald ist nun etwa 14 Monate seine Herberge. Er ist der Will- kür und dem Sadismus des SS-Scharführers Sommer ausge- liefert. Paul nennt diesen Mann in seinen letzten Tagen an- deren Häftlingen gegenüber einen Mörder und Henkers- knecht. Die Leiden, die in den Berichten der Buchenwald- Bücher beschrieben sind, gehen über ihn. So berichtet Notar A. Leikam über ihn: „Im Frühjahr 1958 war es beim Ausmarsch der Arbeitskom- mandos aus dem Lager noch üblich, daß die außerhalb des Lagers gehißte SS-Fahne durch Abnehmen der Mütze beim Vorbeimarsch von den Häftlingen gegrüßt wurde. Diese Ehren- bezeugung lehnte Schneider als Götzendienst ab. Bei der Masse der Häftlinge wäre diese Verweigerung zunächst nicht ins Auge gefallen. Mißgunst der Häftlinge jedoch, die diesen Dienst natürlich unwillig leisteten, brachte Schneider zur An- zeige bei der SS wegen Gehorsamsverweigerung. Nun be- sann dereigentlicheLeidensweg von Paul Schneider. Er wurde zur SS gerufen, der er freimütig seine Haltung begründete. Als erstes bekam er 25 Stockhiebe auf den A.’, und wurde anschließend in Dunkelarrest gesperrt, die eben bezeichnete Einzelhaft, in der er bis zu seinem Tode verblieb. Dort be- 161 > = ann Dee ee se 2 kannte er der SS gegenüber unerschrocken den christlichen Glauben.- In diesem Freimut war er wahrscheinlich der Einzige in Deutschland.— Er nannte also die Teufel bei Namen: Mörder, Ehebrecher, Ungerechte, Scheusale. Durch dieses Bekenntnis, dem er immer wieder die Gnade Christi gegenüberstellte und zur Buße rief, wurde Schneider ab- wechselnd schweren körperlichen Martern, Demütigungen und Ängsten ausgesetzt. Die körperlichen Martern bestan- den in schweren Schlägen, Aufhängen am Fensterkreuz an den nach rückwärts gedrehten Armen frei oberhalb des Bo- dens, Essensentzug, schwarzer Bunker, d.h. Tag und Nacht wurde die Zelle völlig abgedunkelt, ohne Schlafmöglichkeit, in Angst- und Leidensschreien aus den nebenliegenden Zel- len. Diese Qualzeiten wechselten ab mit relativ guten Zeiten wie helle Zelle, volles Essen, Schlafmöglichkeit, Heizung bei kalter Witterung, frei von Quälereien.— Schneider war un- ermüdlich, den anderen Häftlingen immer wieder Worte der Schrift zuzurufen, so vor allem morgens und abends beim Zählappell, wenn die Lagerbereitschaft vor dem Zellenbau antrat— ich selbst stand jedoch bereits außer Hörweite, doch wurde mir dies immer wieder bestätigt. An einem Ja- nuarmorgen 1939, als in dem Zellenbau zwei flüchtige Häft- linge nach ihrer Wiedergefangennahme ermordet worden wa- ren, rief Schneider beim Zählappell: ‚Im Namen Jesu Christi bezeuge ich denMord an den Häftlingen...‘,worauf ein wei- teres Bekenntnis durch Schläge erstickt wurde. Die schlimmste Zeit für Schneider dürfte der Frühsommer 1939 gewesen sein. Während dieser Tage war er in halber Höhe an den nach rückwärts gezerrten Händen gefesselt, so daß er immer in halbgebückter Stellung verbleiben mußte.- Das Andenken von Schneider war bei allen Häftlingen ehrerbietig und des Lobes voll. Für ihn galt das Wort, daß ‚seine Bande in Christo im ganzen Richthause offenbar geworden sind‘. Er ist meines Erachtens in Deutschland der einzige, der so bewußt in Über- windung der menschlichen Furcht das Kreuz Christi bis zum 162 RE" Tode aus hans sta unden ha ‚seines Jei konnte UN nüche sid Yan K neisten Hi innever A der Pfaste uch ihre Im,- Sch davon, al sei unter heten, sic Ich weiß Häftling, von Häft allein sei terlassen, ziehen, ai Ermüsse zuspreche merten.. Karl Trz Bunker, ich den I Ihe, Jed andacht, die Sch: Ih erin der Lag ter mit Ih ver Schneid istlichen inlich der ‚eufel bei le, Durch, de Christ eider ab- ütigungen N bestan- tkreuz an b des Bo- ind Nacht Öglichkeit, .nden Zel- 'en Zeiten eizung bei t war un- er Worte ends beim Zellenbau Hörweite, einem Ja- tige Häft- orden wa- su Christi ıf ein wei- chlimmste resen sein. den nach immer in Andenken g und des in Christo ist meines t inÜber- ti bis zum Tode auf sich genommen hat und unter dem Wort des Glau- bens stand: ‚Unser Glaube ist der Sieg, der die Welt über- wunden hat‘. Wenn einer das ‚Ehrenkleid‘ Christi trägt und ‚seines Leidens gewürdigt wurde‘, so Pfarrer Schneider. Ich konnte und kann seiner nur in Ehre gedenken. Wer von uns möchte sich diesem Geheimnis Christi gegenüber rühmen?“ Warum kommt er nicht mehr aus dem Arrest heraus? Die meisten Häftlinge sind doch nur kurze Tage dort, dann wieder in neuer Arbeit oder durch den Tod befreit? Er ist auch dort der Pfarrer im Amt, der Seelsorger der Bedrücktesten, wie auch ihrer Peiniger. Davon wissen alle Berichte zu erzäh- len.- Schon bei Lebzeiten Pauls bekomme ich eine Ahnung davon, als mir ein entlassener Kamerad berichten läßt, er sei unter Pauls Zellenfenster getreten und habe Paul ge- beten, sich doch zu schonen, an Frau und Kinder zu denken. „Ich weiß, warum ich hier bin“, sagt Paul. Und ein anderer Häftling, Zahnwetzer, berichtet:„Auf den gutgemeinten Rat von Häftlingen, die etlichemal einige Augenblicke bei ihm allein sein konnten, sein lautes Beten in seiner Zelle zu un- terlassen, um sich den Mißhandlungen durch die SS zu ent- ziehen, antwortetePaulSchneider, daß er nicht anders könne. Er müsse den gefolterten und mitgefangenen Gequälten Trost zusprechen, wenn sie in ihrer Verzweiflung stöhnten und jam- [73 merten.... Karl Trzmiel erzählt in einem Brief vom 22.3.1948:„In dem Bunker, in dem sich die Dunkelarrestzellen befanden, lernte ich den Pfarrer Schneider kennen, der neben mir in der Zelle lag. Jeden Morgen hielt er für uns Häftlinge eine Morgen- andacht, wofür er stets Schläge und Mißhandlungen durch die Scharführer Sommer und Pleißner einstecken mußte. Ich erinnere mich noch ganz deutlich eines Vorgangs, als der Lagerführer Schober im Bunker erschien und dem Pfar- rer mitteilte: ‚Ihre Frau ist mit Ihrem jüngsten Kind töd- lich verunglückt, geht Ihnen das nicht zu Herzen?‘ Pfarrer Schneider entgegnete nach kurzer Pause: ‚Gewiß, das geht 163 mir sehr zu Herzen, aber noch weit mehr bedrückt mich die ibn Jon Chri t N furchtbare Behandlung der Häftlinge durch Sie.‘ Lagerführer uchfolgt ' I Schober erwiderte wutentbrannt: ‚Das sollst du mir büßen, ji Stimm f if du Lump!“.... Nun einiges aus dem Leben im Bunker dis erzähl! Mi ul}(Arrest): Früh beim ersten Pfeifsignal mußte jeder austreten gti! Dei Me und sich waschen gehen. Das mußte in 5 Minuten erledigt ut Sie‘ N| sein... In der Zelle befand sich ein Bett, das am Tage an nund sc hi h) die Wand angeschlossen war; Sitzgelegenheit gab es keine, ieh M Hi u Früh bekam Ihr Mann 150 g Brot,"/;1 Kaffee oder Suppe, ner gefan 1 ie mittags'/2 1 Essen, abends"/| Suppe oder Kaffee. Das Brot Bnendein Saar war für den ganzen Tag gerechnet. Ihr Mann bekam täglich| A i nur eine halbe Ration. Aber es kam so oft vor, daß Ihr M iiege i| Mann Dunkelarrest bekam, und dann erhielt er nur jeden Ai ı vierten Tag sein reguläres Essen. Schläge waren keine Sel- j vscunde IM tenheit bei Ihrem Mann. Bücher gab es auch nicht zu lesen. em Als die Judenaktion war, wurde ein Häftling wahnsinnig j un Was geschlagen und bei dem Häftling Willi Mohr in die Zelle| Tr,De gesperrt. Als dieser sich weigerte, ihn aufzunehmen, kam: ; der Wahnsinnige zu Ihrem Mann in die Zelle. Trotzdem te i) hat sich Ihr Mann nicht erbittern lassen. Wenn wir zu ihm erh Hl sagten, daß er den Irrsinnigen entfernen lassen solle, sagbe Üherchr N uns Ihr Mann: ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst, sei i hilfreich und gut.‘ Dieser Wahnsinnige starb durch eine ‚nf L. Spritze(Himmelfahrtsspritze von uns genannt) in der Zelle die E der aus d N Ihres Mannes... Ra i Er war ‚frei zum Dienst‘, wie Präses Wilm auf seiner Schluß-. i ansprache auf dem Essener Kirchentag im Jahre 1950 aus- ni ur führte:„Es hat jemand uns erzählt, wie er auf dem Appell- 5 platz im Lager Buchenwald gestanden hat- grenzenlos a N allein, unheimlich gefangen und ohne Glauben- entschlos- men # sen, in der nächsten Nacht in den elektrischen Draht zu Mn A N gehen und Schluß zu machen. Da hörte man an diesem Ort B h des Grauens und der Verzweiflung eine laute klare Stimme sand a Mi über den Platz der zwanzigtausend Gefangenen schallen. ten Ge i I. Diese Stimme rief aus dem Fenster einer Bunkerzelle heraus: Br ic 164 CAFERTTIIIEISTIDIEIZZIETR AT TE DIDIOPOUOTOU TU u ZSSu ke mich die 8erführe,) Jesus Christus spricht: Ich bin das Licht der Welt, wer mir Mir büßen, i nachfolgt, wird nicht wandeln in der Finsternis. Das war im Bunker. die Stimme des rheinischen Pastors Schneider. Und der uns T austreten das erzählte, hat gesagt: ‚Er hat mich durch diesen Ruf ge- en erledigt rettet! Denn von da an wußte ich, daß doch Einer bei mir Mm Tage an ist!"— Sie haben den Paul Schneider für seinen Ruf geschla- bes keine, gen und schließlich stumm gemacht. Aber Gott hatte ihn ge- der Suppe, sendet, Menschen zu retten.... Paul Schneider war schlim- >. Das Brot mer gefangen als alle anderen, wehrloser und machtloser als kam täglich irgendein Mensch, und doch der freie Zeuge Jesu in jener Ir, daß Ihr Stunde- frei, weil er wußte, daß Jesus in der Welt ist, auch nur jeden für die gefangenen Brüder.... Paul Schneider konnte nur ‚keine Sel- noch rufen, sonst nichts, aber er gab für sein Zeugnis seinen 1t zu lesen, geschundenen Leib und sein Leben, damit die Brüder ge- wahnsinnig rettet wurden, daß Menschen den Heiland sehen und erken- 1 die Zelle nen. Was gibst Du? Gott braucht Dich, Dein Herz, Dein hmen, kam Wort, Deine Tat! Der Herr fragt: Wen soll ich senden?...“ Trotzdem wir zu ihr Der österreichische katholische Geistliche Leonhard Stein- solle, sagte; wender berichtet in seinem Buch ‚Christus im KZ‘ unter der selbst, sei"Überschrift ‚Die Stimme des Rufenden in der Wüste‘:„Bine durch eine I heroische Gestalt, zu der das ganze Lager mit ehrfürchtiger der Ze Bewunderung aufschaute, war der evangelischePfarrer Schnei- der aus dem Hunsrück. Am ı. Mai 1938 wurde am Turm über ner Schluß- IN dem Eingangstore des Lagers erstmalig im Beisein der Häft- on| linge die Hakenkreuzflagge gehißt. In langen Reihen stan- aloe den die Gefangenen. Es herrschte tiefes Schweigen, bis das Kommando erklang: ‚Mützen ab!‘ In den ersten Reihen Sa seines Blockes ganz in der Nähe des Tores, unmittelbar vor a! dem Diensthabenden der Lagerführung, hatte Pfarrer Schnei- a r der seinen Platz. Ein Zug harter und entschlossener Energie lesen E r stand auf seinem markanten Gesicht. Er konnte es mit sei- TE N nem Gewissen nicht vereinen, ein Symbol zu grüßen, das im n schalln.| innersten Wesen und nach der letzten Ausstrahlung un- Ic heraus christlich war. So stand Pfarrer Schneider allein in strammer 165 En TEE En AA IE ET EETLAT IHR AADADE LEE > Sa an 2. ErFETZ Be Fr en re SR rare see ee Haltung mit bedecktem Haupte vor der gehißten Flagge. Man mag über diese Haltung denken wie man will. Kein Häftling hatte schließlich einen freien Willen, keiner beugte sich mit innerer Zustimmung vor dem Geßlerhute. Für Pfar- rer Schneider aber war diese Grußverweigerung bewußter Ausdruck seines Bekennermutes. Er wurde in den Bunker geschleppt, das berüchtigte Ge- fängnis im Lager, das er nicht mehr verlassen sollte. Drei- zehn Monate erlitt er die Qualen dieser sadistischen Son- derbehandlung. Häftlinge, die mit ihm vorübergehend die Zelle teilten, waren erschüttert von der Seelengröße dieses tapfern Mannes. Trotz Hungerkost, die kaum ausreichte, das Leben zu fristen, verweigerte er am Freitag, dem Todes- t2g des Herrn, jede Nahrungsaufnahme. Vor dem einstöckigen Bunkergebäude war der große Appell- platz, an dem sich die Häftlinge täglich morgens und abends zum Zählappell, meist verbunden mit allerlei Schindereien, einzufinden hatten. An den höchsten Festtagen ertönte wäh- rend der Stille des Abzählens plötzlich die mächtige Stimme Pfarrer Schneiders durch die dumpfen Gitter des eben- erdigen Bunkers. Er hielt wie ein Prophet seine Festtags- predigt, das heißt, er versuchte sie zu beginnen. Am Öster- sonntag zum Beispiel hörten wir plötzlich die mächtigen Worte: ‚So spricht der Herr: Ich bin die Auferstehung und das Leben!‘ Bis ins Innerste aufgewühlt durch den Mut und die Kraft dieses gewaltigen Willens, standen die langen Rei- hen der Gefangenen. Es war, als hätte eine mahnende Stimme aus einer anderen Welt zu ihnen gerufen, als hörten wir die Stimme Johannes des Täufers aus den Kerkern des Herodes, die gewaltige Prophetenstimme des Rufenden in der Wüste. Mehr als einige Sätze konnte er nie sprechen. Dann klatsch- ten schon die Prügel der Bunkerwächter auf ihn nieder oder ein Faustschlag schmetterte seinen zermarterten Körper in eine Ecke des Bunkers. Mit seinem starken Willen und sei- ner unbeugsamen Härte wurde auch brutale Gewalt nicht 166 fertig Me Jagerkon sicht:„Sie Richtefstl Häftlinge! die in der Da man 1 fertig WE man dur hatte et Kraft det sem Köt Todesna« aufgeno Ich durft raden nie vüllg A kannten! Wir wis Tod in. und Fre seren Bi fen, als taufte, lernte ı Jahre K tachedu suchte, Backen en Gl in sein und ke Act Pa ter Po) Wat, sc en lagge, will, Kein iner beugt Für Pfar- 3 bewußter htigte Ge. ollte, Drei. ischen Son. gehend die töße diese; ausreichte lem Tode;- Be Appell und abend; hindereien, ttönte wäh- ige Stimme des eben- € Festtags- Am Oster- mächtigen tehung und n Mut und langen Rei- nde Stimme ten wir die es Herodes, der Wüste, ınn klatsch- nieder oder Körper io en und sei- ewalt nicht fertig. Mehr als einmal schleuderte er dem gefürchteten Lagerkommandanten den furchtbaren Vorwurf in das Ge- sicht: ‚Sie sind ein Massenmörder! Ich klage Sie an vor dem Richterstuhle Gottes! Ich klage Sie an des Mordes an diesen Häftlingen!‘ Und er zählte ihm die Namen der Opfer auf, die in den letzten Wochen ihr Leben lassen mußten. Da man mit der granitenen Härte seiner Überzeugung nicht fertig werden konnte, stempelte man ihn zum Narren, den man durch Schläge zum Schweigen bringt. Über ein Jahr hatte er die Qualen des Bunkers getragen, bis auch seine Kraft der rohen Gewalt erlag. Keine heile Stelle war an sei- nem Körper, als man ihn tot aus dem Bunker trug. Die Todesnachricht wurde im ganzen Lager mit tiefer Bewegung aufgenommen.“ Ich durfte aber auch schon damals erfahren, daß die Kame- raden nichts unversucht ließen, ihre Liebe und Fürsorge dem völlig Abgesonderten zu beweisen. Gott segne die Unbe- kannten!- Ob Paul wohl Frucht seines Zeugnisses sah? Wir wissen es nicht. Aber ein Pfarrer konnte nach seinem Tod in einer Predigt bezeugen:„Ein früherer Kommunist und Freidenker, der 7 Jahre im KZ war und dort durch un- seren Bruder Schneider das Evangelium hörte, ließ sich tau- fen, als er wieder in Freiheit war. Zu dem Pfarrer, der ihn taufte, sagte er, daß er diesen Pfarrer Schneider kennen- lernte und durch ihn das Evangelium, das sei die sieben Jahre KZ wert gewesen.“-— Einem sonst sehr rauhen und rachedurstigen KZler, der mich kurz nach Pauls Tod be- suchte, liefen beim Anblick seines Bildes die Tränen über die Backen:„Ja, das ist er. Wir wußten alle, der starb für sei- nen Glauben.“- Ein anderer Kamerad sagte abschließend in seinem Lagerbericht:„Wir brauchten keinen Sozialismus und keinen Kommunismus, wenn wir mehr Leute von der Art Paul Schneiders hätten.“— Der politische Häftling Wal- ter Poller, der als Arztschreiber in Buchenwald beschäftigt war, schreibt von ihm:„Paul Schneider war unser Kamerad, 167 a ö 5 z d Hi ine end$ dessen Gesinnung vielleicht nicht die unsere, aber dessen' 4» Lauterkeit und Tatchristentum über allem Zweifel erhaben jupaal! war.“— Theodor Koester, der ebenfalls Häftling in Buchen-'| komunget wald war, berichtet unter der Überschrift ‚Der Pfarrer von ıegenlb# Buchenwald‘ in der Rhein-Ruhr-Zeitung, Essen Nr. 18, vom fi dich ke 4. 3. 947:„Wir Häftlinge... 20 000 Häftlinge, Juden und unere He Christen, Häftlinge aus allen Parteien, aus allen Schichten Ind in Sto ... alle empfinden nur das eine. Das war ein Mann, ein ken entronn ganzer Kerl, einer, der von seinem Glauben überzeugt war,|° Konmunist ein Priester! Auch die, die Gott und Kirche mit spöttischen|# ha mh Worten abzutun pflegten, mußten bekennen: Das war ein ggg; Dein Mann, ein Märtyrer seines Glaubens! Er gab uns, den Ärm- sten der Armen, durch seine Worte und durch seinen Tod wieder Hoffnung und Licht in das Dunkel unserer Seele.“— Und der Kommunist Hasso Grabner-Leipzig versucht in dem Buch ‚Das war Buchenwald‘, auf seine Weise Paul Schneider ein Denkmal zu setzen: a a „In memoriam Pfarrer Schneider. Unter all den Tapferen, die bis in den Tod getreu waren, bist du nicht der Letzte, Pfarrer Schneider. In Ehrfurcht und Bewunderung haben wir, deine Kameraden, die heroische Sittlichkeit deines Her- zens empfunden. Wenn wir auch unter einem anderen Gesetz antraten zum Kampf gegen die faschistische Bestie, wenn wir auch die Erlösung von dem Übel nicht im Christentum sahen, sondern im Kampf um eine diesseitige bessere Welt, so warst du uns doch wahrhaft ein Bruder und wir dir in N ih in, { i er a Are BE ai AA brüderlicher Liebe zugetan. Deine Leiden waren unser aller Leiden, dein Tod unser aller tiefer Schmerz. Deine Liebe zur ganzen leidenden Menschheit, deine Liebe zu den Er- niedrigten und Beleidigten, deine Liebe zu all den namen- losen Helden und unschuldigen Opfern dieses wahnsinnigen Systems ließ dich selbst zu einem Helden und Märtyrer wer- den, würdig jener großen legendären Gestalten, die in den Toren Roms zur höheren Ehre cäsarischen Wahns ihren Glau- ben mit dem Tode besiegelten. Dein unbeirrbarer Glaube Sr Ser ge 168 9er dessen i Erhahen u Buchen. farrer von T. 1, vom Juden und Schichten Mann, ein ZEUSE war, Spöttischen IS war ein den Ärm- einen Tod t Seele.“_ cht in dem | Schneider Tapferen, ler Letzte, ung haben leines Her- ren Gesetz stie, wenn hristentum sere Welt, wir dir in unser aller eine Liebe u den Er- en namen- hnsinnigen rtyrer WeL- die in den hren Glau- er Glaube an eine endgültige Gerechtigkeit verbot dir kategorisch jede Kompromißlösung, die dir die feigen faschistischen Henker, bezwungen von der gläubigen Standhaftigkeit deiner Seele, oft genug anboten. Wir haben es alle täglich gefühlt, daß es für dich keinen anderen Weg gibt als den in den Tod, und unsere Herzen sind in Stolz und Trauer mit dir gegangen. Und in Stolz und Trauer gedenken wir, die wir dem Ster- ben entronnen sind, heute deiner. So darf ich auch heute als Kommunist deine Geschichte all denen erzählen, die Ohren haben zu hören, und ich weiß mich eins mit dir, wenn ich sage: Dein Tod legt unsere Hände ineinander...” LEE DAT RETTET TI DAS AD BRACH N IH H ! Be re ee nn ee Briefe aus der Arrestzelle des KZ Buchenwald B., 15. Mai 1938 Endlich komme ich zu dem von Dir und mir wohl gleicher- maßen ersehnten Brief, mit dem ich Dir nun Deine beiden vom 13. 4. und vom 4.5. gleich bestätigen darf. Hab Dank für alle die guten Nachrichten..., die mich alle sehr freuten, die mir auch ein Zeichen der uns begleitenden Liebe Gottes sind.-— Die vorübergehende Störung der Wetterlage Ende April Anfang Mai hat sich wohl auch bei Euch betrüblich bemerkbar gemacht. Zuletzt schriebst Du noch so fröhlich vom Keimen und Sprießen in unserm Gärtlein; die Kälte brachte sicher Stillstand und Rückschlag. So geht es halt leicht mit all unsern Erdengärtlein, die wir säen und pflan- zen. Darum ist es gut und klug, wenn wir unser Herz nicht an die Erdengärten hängen und nicht vergessen, den Garten unseres Herzens fürs Himmelreich fleißig zu bestellen mit den Früchten des Geistes, wozu freilich noch mehr Mühe und Geduld gehört als für die Erdengärten. Jetzt scheint die Maiensonne um so wärmer und hat in drei Tagen den Bu- chenwald um uns herum gar herrlich eingekleidet; wie Ihr und unsere Bauern, so darf auch ich mich ihrer freuen. Irm- gards' Treue ist ja wahrhaft rührend; ich bin ihr so herz- lich dankbar für ihren schwesterlichen Beistand und freue mich, daß die Entfernung von Barmen zum Hunsrück so kurz geworden ist. In meiner armen Gatten- und Vaterliebe, die sich oft innig nach Euch sehnt, weiß ich mich so auch durch Menschen reich ersetzt und getröstet. 1 Irmgard Humburg. Paul entnahm daraus, daß der Bruder-Rat der BK im Rheinland treu zu uns stand. 170 a EEERTETTETTTT 3,909 Durch ein ‚onderel I Iezten Brie ige, smo@ Inbe. Ich a Jin, Wir w ieraren 1 ale ber Liebe, von An mehr mit dem wirklich mm dern viel in. die E seichlich% som 19. M dem ich sönliche N riele bald Geld mel ich meine B,n. Jul dem ich aleFren ticht der würest L deirost 1 Eurer F, der Zeit "Wohl ein /ohl gleiche. Jeine beiden . Hab Dank sehr freuten, Liebe Gotter erlage Ends ch betrüblich so fröhlich| 1; die Kälte\ geht es hal\ n und Dflan 7 Herz nich\ ‚den Garten vestellen mi mehr Mil rt scheint die gen den Bır det; wie Ih frenen. Im: ihr so benz d und freu Hunsrück 50 4 Vaterliehe nich so and BK im Rheinland B., 19. 6. 1938 Durch ein Mißverständnis, das sich aus meiner jetzigen be- sonderen Lage ergibt, komme ich erst heute nach meinem letzten Brief vom 15. Mai wieder zum Schreiben. Entschul- dige, soweit ich daran schuld bin und Dich in Sorge gebracht habe. Ich darf Dir mitteilen, daß ich noch gesund und munter bin. Wir wollen auch für die Zukunft der gnädigen und wun- derbaren Durchbilfe unseres Gottes vertrauen, aber auch allezeit bereit sein, den reichen Ersatz unserer menschlichen Liebe, von dem ich Dir schrieb, in IHM anzunehmen, der doch mehr ist als ein bloßer Ersatz. Verzeihe, wenn ich Dir mit dem Ausdruck wehe getan habe. Ich war mir dabei wirklich meiner armen Liebe bewußt, die Dir und den Kin- dern viel Freundlichkeit, Sonne und Liebe schuldig geblieben ist, die Eich„ersatzweise“ freilich, jetzt durch andere so reichlich zufließt. Und nun danke ich Dir für Deinen Brief vom 19. Mai, den ich bekam und auch für den späteren, aus dem ich mich wenigstens über die Kinder und andere per- sönliche Nachrichten freuen durfte. Hoffentlich hast Du Ma- riele bald oder schon jetzt zur Hilfe.... Schicke bitte kein Geld mehr. Ich befehle mich dauernd Eurer Fürbitte, daß ich meinen Weg recht gehe... B., 13. Juli 1938 Meinen noch immer unveränderten’Umständen ents prechend, beantworte ich Dir heute gleich wieder zwei Briefe, nach- dem ich den vom 7. ds. heute erbielt. Hab herzlich Dank für alle Freude und Stärkung, die Du mir damit gibst. Du mußt nicht denken, daß es mir schlecht gehe. Über mein Aussehen wärest Du gewiß zufrieden, und daß der Mut immer wieder getrost und fröhlich wird, dafür sorgt durch die Hilfe auch Eurer Fürbitte ja ein anderer. Mit Recht‘ erinnerst Du Dich der Zeit vor einem Jahr, wie ich auch besonders gern zurück- 1 Wohl ein Hinweis auf seine Einzelhaft. ENT NRAADAAN LEINEN STE BET Erg EEE Se a END Br a 2 ae Bere Se denke an alles Schöne, was Gott uns da gab, von der glück- lichen Geburt unseres Sechsten an bis zu den schönen, ge- meinsamen Urlaubsiagen in B. B. und E. mit den Kindern. Das wollen wir jetzt nicht vergessen und uns noch ferner ausrichten lassen mit Geduld, die ja ein köstlich Ding ge- nannt wird. Dann wird also die Zeit der Trennung, die leicht noch lange dauern kann, uns beiden und uns allen zum besten sein, wie wir das zum Teil schon spürbar erfahren haben.- Eure Freude ist auch die meine, daß unser Haus wieder einen Liebesbund hat stiften helfen dürfen. Ich wüßte ja nicht, an wen wir unsere liebe Tutti lieber wären„los“ ge- worden als an den guten Onkel‘, bei dem sie doch so ganz die„unsre“ bleibt. Sorg nur, als gute„Schwiegermutter“, daß die Liebesleute bald heiraten, wenn das„Besserkennen- lernen“ gemügend besorgt ist, daß es in der Ehe seine Fort- setzung findet. Leicht findet sich bei den Freunden in W. eine Wohnung. Meine herzlichen Segenswünsche sind ihnen längst zugeflossen.- Auch das übrige, wovon Du schreibst, macht mich so froh, als wenn ich dabei gewesen wäre. Dankbar quittiere ich alle Grüße an die Freunde nah und fern... B., 12. August 1938 Zu unserem zwölfjährigen Hochzeitsjubiläum sind wir zwar äußerlich hart getrennt und in Trübsal, aber im Geist und Glauben doch fest und näher verbunden als je, darum dür- fen wir divsen Tag doch begehen mit Dank und Freude in Gott. Während ich schreibe, bist Du mit den Kindern und Leo auf der Reise. Von Herzen freue ich mich Eurer Pläne,. daß Du von der Dickenschieder Atmosphäre aufatmen und ganz DeinenKleinsten leben kannst, die dieMutter am nötig- sten brauchen; laß Dir darum auch andere Aufgaben nicht zu schwer werden. Gott geleite Euch heute, gebe Euch fröh- liche Ankunft und schöne und gesegnete Ferientage! Mutter 1 Pauls Stellvertreter in Dickenschied, Hilfsprediger Leo Kemper. 172 SEILDOLTILILTTTEIZZIIIELNSDDIDDISIZAICH ZA E F und, den ie vg Buch dei Gef des| ihdarf woh Aufgabe un 3,2. sehie’ ji großer I ug. erbalı „|. beantt yı meinem seht herzli Gottes Schi Imen, nacl Umständen nariechen' zum 1. Sept Blockflöte' Lebensjahr alten auf werde ich fremden Bi dersehen 0 ım die W klingen? D un schon sorge Dich och gesun B,4.10.14 It iste > bstager Iem,daß.d We schaye fer seim u und den lieben Geschwistern bin ich herzlich dankbar, daß sie Euch den Urlaub bereiten.... Hoffentlich trägt es zum Genuß des Urlaubs bei, zu wissen, daß es mir unverändert- ich darfwohl sagen-gut geht. Ich habe auch eine ganz kleine Aufgabe und bin noch gesund und munter. N der gljig, Schönen, de. en Kinden, Noch ferner ch Ding A 18, die leich 1 Zum besten ren haben... aus wieder b wüßte j en„los“ ge. B., 21. September 1938 Mit großer Freude habe ich Deinen lieben Brief vom 8.9. am 14. 9. erhalten, nachdem ich Dir den letzten vom 9. 8. am 12. 8. beantwortet hatte. Ich weiß aber auch, daß Du an und zu meinem Geburtstag meiner gedacht hast und danke Dir recht herzlich für alle Liebe. Nun wird unser Büblein unter loch so gan, : Gottes Schutz und Bewahrung auch ins Leben hinauslaufen germutter" 8| °sserkennen- seine Fort n in W. eine ihnen längs eibst, mach 'e. Dankbar fern... lernen, nachdem Du, liebe Kindermutter, es unter solchen Umständen hast auf die Beine stellen helfen.- Mein Ev- mariechen ist schon 9 Jahre alt geworden; ich habe seiner zum ı. September herzlich gedacht und freue mich nun der Blockflöte mit. Unser guter Hirte wird es auch in seinem Lebensjahr wohl bewirten und mit Segen und Behütung be- gleiten auf allen Wegen zum Spiele und zur Schule. Wie werde ich mich erst freuen, wenn ich meinen mir noch so fremden Buben und mein großgewordenes Töchterlein wie- derschen darf. Hoffentlich kann Dieter bald mit Evmarie um die Wette flöten, wem sollen dann die schönsten Lieder klingen? Die liebe Sophie tut mir herzlich leid; sie soll sich nur schonen und ruhen!... Über die lange Schreibpause sorge Dich nicht. Du weißt mich ja in guter Hand, ich bin noch gesund und munter.... 2d wir za 2 Geist und darum dir: 1 Freude in indern und Zurer Pläne, fatmen mE|, 4.10.1938 er am mög Jetzt ist es gerade ein Jahr, daß wir nach den schönen Ur- fgaben mit© Taubstagen wieder voneinander getrennt wurden. Wir ahn- ; Euch fröt ten, daß dieTrennung diesmal ernster und länger sein würde; age! Mutter wie schwer sie ist, das spüren wir jetzt. Aber wir wollen tap- fer sein und weiter den Weg gehen, den wir uns von Gott 173 SITIIRRTZEVHNHHUNYEREHFOHERERFRESDDDDTHFUUN DE DEgSSSSTse Sen sei Ser ee rer geführt glauben. Vielleicht, daß wir den Segen der Trübsal schon bald in neuem Beieinandersein genießen dürfen, wo ich Dir dann ein ordentlicherer und liebevollerer Ehegatte sein will. Vor allem aber geschieht uns die zeitliche Tren- nung ja darum, daß wir uns ewig wiederhaben sollen.— Ich schrieb Dir zuletzt vor 14 Tagen. Seitdem geht es mir im ganzen unverändert, ich bin noch gesund und munter.- Was werdet Ihr nach dem Urlaub in D. wieder erlebt haben? Meinen Vorschlag für Leo betreffs baldiger Heirat meinte ich ernst, die beiden sind ja alt genug und die Existenzfra- gen sind uns doch eigentlich recht klein geworden und gar nicht mehr vorhanden, wo uns etwas zur Glaubensfrage ge- worden ist. Den Lieben grüße ich besonders herzlich in der Zuversicht, daß er mein Fernsein an den unmündigen Kin- dern reichlich erstattet.... Wie sehne ich mich mit meinen Kinderlein fröhlich zu sein! Mit warmem Herzen gedenke ich Euer. B., 18. 10.1938 Hab herzlichen Dank für Deinen lieben Brief, den ich vor- gestern als eine rechte Sonntagsfreude erhielt. Wie froh bin ich, daß es Euch noch allen gut geht und daß so mancherlei erfreuliche Abwechslung ins Haus kommt, durch die sich auch das Schwere wieder leichter trägt. Daß ich so liebe, fleißige Kinder habe, ist mir auch hier ein rechter Trost. Wie lebhaft kann ich mir den Kartoffelacker vorstellen mit all dem klei- nen Kinder- und Weibsvolk und mit dem karstschwingen- den Hünen dazwischen. Sicher schmecken die Pellkartoffeln nachher doppelt!... Auch was Du von Luise schreibst, freut mich. Wie war aber der Liebste so schnell gefundenl?... Ich merke, Liebste, daß Dir das Warten oft recht schmerz- lich ist. Hoffentlich hat Dir inzwischen ein Brief von mir ein wenig Trost bringen dürfen. Wir wollen doch froh und dank- bar sein, daß ich Dir nach einem langen Jahr noch gesund und munter und so weit auch immer wieder fröhlich und ge- 174 HE EEETTE ETE u jrost mein kommen, Für alles, Gott allei B, 20. Mä Wie bin i henszeiche Noch bin ı der Fall i ntnebrei bar sein, lmge Nat geben, als nung und das aus d iber die, Ich macht ich sehr fı sten Dan Wie manı verbundei fen....| Freude d den Herz richt zu| u einer sieben Ja lieb hatte die größt Einmal I. - Meine anı Nerrel“ “ Dieter war inElt gend&inzu übsa] L, wo gatte Tren- - Ich ir im "Was ıben? /einte ıxfra- d gar e ge- n der Kin- einen denke ) vor- h bin herlei ) auch eißige obhaft ı klei- Ingen- offeln ‚freut [a2 Merz- ir ein dank- esund nd ge- trost meine Grüße schicken darf. Es darf ja nicht schwerer kommen, als wir tragen können, diese Zusage haben wir. Für alles, auch für unser eigenes Reifen und Wachsen, weiß Gott allein die rechte Zeit. B., 20. März 1939. Wie bin ich frob, daß ich Dir wieder schreiben und ein Le- benszeichen von mir geben darf. Gott sei Lob und Dank! Noch bin ich gesund und munter, was ja auch bei Euch allen der Fall ist, wie ich einem Brief von Dir vom 17. Februar‘ entnehmen darf; auch dafür will ich von Herzen Gott dank- bar sein, weiß ich doch, wieviel mehr ich Euch durch die lange Nachrichtenpause habe zu tragen und zu sorgen ge- geben, als mir selbst. Dafür ist nun unser Weg der Tren- nung und Trübsal ein gutes Stück weiter gefristet; ich ersehe das aus den.anderen Nachrichten Deines Briefes vom 17. 2. über die größer werdenden Kinder, vor allem über Dieter. Ich machte mir viel Sorge über ihn. Über diese Lösung bin ich sehr frob. Grüße die guten Lutzes mit dem allerherzlich- sten Dank und vor allem auch den lieben Buben selbst” Wie manchen Festtag haben wir nur im Geiste miteinander verbunden im vergangenen Halbjahr miteinander feiern dür- fen.... Hoffentlich hat es Euch an Lob und Dank und Freude dennoch nicht gefehlt, wenn auch mit Schmerzen in den Herzen.- Ihr meine Lieben! Wir wollen uns die. Zeit nicht zu lang werden lassen. Ihr kennt eine alte Geschichte, wo einer um seine Liebste diente sieben und noch einmal sieben Jahre, und die Jahre deuchten ihn wie Wochen, so lieb hatte er sie; so darf auch uns die Liebe zueinander, und die größte Liebe, von der wir wissen, die Trübsal kürzen. Einmal kommt der Tag, wo wir befreit... 1 Meine anderen Briefe waren zurückgekommen:„Adressat hat bis auf weiteres Post- sperrel“ 2 Dieter war seit Januar 1939 im Pfarrhaus Lutze in Barmen, um von dort aus das Gym- nasium in Elberfeld zu besuchen. In dieser Anstalt war es möglich, ihn nicht in die Hitler- jugend einzugliedern. 175 MICTIZIETURHENEEYNEREFFFFEF FREI OOODDDUYFUHUE HERE EZ h a h g hi f —n EEE, aeg Karte vom 5. 4.1939 Euch und allen Freunden ein recht gesegnetes fröhliches Osterfest! Unserem ‚Großen‘ frobe Ferien! Er wird sein Müt- terlein darüber trösten, daß er gewöhnlich ihr so ferne ist. Unser ‚Dicker‘ wird auch wieder zu Hause sein und unser ‚Goldiges‘ beim Osterhas-Suchen zum erstenmal mittun. Onkel wird auch den Großen und anderen Kindern die Ostereier gut verstecken. Auch Brief vom 16. 3. erhalten. B., 9. 5. 1939(Postkarte) DeinBrief vom 25.4.wurde meinOsterbrief, herzlichen Dank! Ich weiß nun von Eurer Osterfeier und Deiner Koblenz- Reise. Freue mich über alles Leben und allen Trost, die bei Euch kräftig sind. Grüße die Freunde, die Dir so Gutes taten, herzlich! Dieter nachträglich herzlichste Segenswünsche des Vaters ins neue Lebensjahr! Sein Weg und Lernen ist mir Trost und Freude. Lutzes wieder herzlichen Dank für alle Güte! Laß uns weiter in Geduld und Zuversicht warten auf den rechten Ausgang unserer Trennung.... B.,8. Juni 1939 Dein Pfingstbrief war wieder ein rechter Kinderbrief. Herz- lichen Dank! Auch über die eigenhändigen Grüße der Kin- der freute ich mich sehr, sehe ich doch daraus, wie sie lernen und wachsen, wenn mir die Zeit oft stillezustehen scheint. Wenn ich wiederkomme, will ich ihnen auch„einen schönen Jahrmarkt“ mitbringen. Mit Schokolade allein ist es da wohl nicht getan, wenn der große Bruder die schon in die Ferien mitbringt. Ja, Liebste, Deine Kinderbriefe sind mir lieb und wert, weil Deine wache Liebe und Sorge unsere Sechse frisch und gesund in die Zukunft marschieren und als frohe Trö- ster zu mir reden läßt. Dazu sind sie uns ja die Unterpfän- der unserer in Gottes Treue gegründeten Ehe und Liebe und dürfen mithelfen, daß das„Wetter, das auf uns zu schlahn gekommen ist und alle Betrübnis und Pein“ unserer Liebe 176 Vorkmot die jeiz! wieder: Vater di gr diesn indessen Tuttis F vorher‘ sich auf ten, SO vird da eine sät Begieße nicht,% meine\ der Ge ter. Mi haben i B, 1. „Ha mit un. ten, be habe; nen il unsere B,3.] Meine Vorge dorf ı ten, I mich. “ Dies: Iite An 1Dank! obleny- die bei Gutes vünsche rnen ist ank, für warten f. Herz- ler Kin- e lernen scheint, schönen da wohl e Ferien lieb und se frisch he Trö: ‚terpfän- iebe und ‚ schlahn er Liebe R Verknotigung sind. Mit Dir hoffe ich zuversichtlich, daß sich die jeizt schmerzende und blutende Familienwunde bald wieder schließen wird und daß die Kinder nicht vor dem Vater davonlaufen werden; schon aus diesem Grunde wird er diesmal auf Schnurr- und andere Bärte verzichten. Laß indessen immer neu mit Geduld uns wappnen. Leos und Tuttis Heiratspläne kenne ich zwar nicht, aber heiße sie von vornherein gut, wie Ihr ja wißt. Der liebe gute Onkel soll sich auf die Länge nicht immer nur als Vizevater betrach- ten, sondern auch sein Eigenes bauen ohne Beschwernis. Es wird das in aller Interesse sein, nach dem wie es heißt: Der eine säet, der andere schneidet bzw. kommt ja zuerst das Begießen, zumal in diesen heißen Tagen. Wir wissen ja auch nicht, wie sich alles in die Zukunft wendet und löst.... Auf meine Weise hatte ich auch fröhliche und gesegnete Pfingsten; der Geist Gottes wehet, wo er will. Ich bin gesund und mun- ter. Möchtest Du nicht mehr zu viel und zu lange Trübsal baben um mich..: B., 18. Juni 1939 ... Halte mir die Torheit zugute, wenn ich im letzten Brief mit unserer menschlichen Hoffnung zuviel an Gottes gerech- ten, heiligen und für uns heilsamen Wegen herumgeflickt habe: in der„lebendigen Hoffnung” müssen wir es ja immer neu üben und lernen, den eigenen Wünschen abzusagen und unserem Herrn nachzufolgen.-..- B., 3. Juli 1939 Meine liebe Gretel! Vorgestern schon erhielt ich Deinen lieben Brief aus Oberst- dorf mit Grüßen von Sopbie, Mariele und den vier Traban- ten. Für Brief und alle Grüße berzlicben Dank. Es freut mich sehr für Dich, daß Du mit Evmarie als kleinen Aus- m vollen Wortlaut, während in den anderen persön- 1 Diesen letzten Brief bringe ich i Freunde und Gemeinde z. T. gekürzt wurden. liche Anrede und Grüße an Familie, Terre EINE FERzeNG DEDERODDZOODT TEUER 177 ec NEE ae= REIZE gleich neben allem Schweren die schönen Ferientage genie- ßen darfst dank der Güte der Freunde und auch des lieben Mariele, die Dich zu Hause vertritt. Wie freundlich ist Got- tes Führung! Und das Töchterlein darf auch schon in die Berge. Wenn sich die liebe Mutter erholt und gestärkt hat, langt es vielleicht doch noch auf einen kleinen Berg. Hoffent- lich bleibt Euch das Wetter treu. Wie schön war es vor 13 Jah- ren, Du Liebel! Gott gebe, daß wir auch noch einmal mit- einander nach Süden in den Urlaub fahren dürfen. Die vie- len Besuche halten ja unser Haus in Atem und helfen Dir gewiß auch leichter über die Zeit hinweg. Grüße Leos Eltern mit ibm herzlich. An Herbert Mayer kann ich mich wohl mit gutem Zutrauen erinnern. Grüße auch ihn herzlich. Das Zu- sammenwohnen mit dem jungen Paar nachher stelle ich mir gemütlich und vergnüglich vor, eine Zeitlang! Dank den Lieben, daß sie dies Opfer bringen.- Mutter wird die Tren- nung von Konrad sicher noch schwer. Schade, daß sie nicht zu uns ziehen kann und unser eigenes Häuschen noch nicht so weit ist! Wie ist sie doch im Alter noch so umgetrieben: „Meine Zeit in Unruhe...“ Wie fliegen auch für uns Jüngere über der Trübsal die Wochen und Monde dahin! Möchten wir nur auch lernen und reifen an dem, was uns aufgegeben wird und überwinden!- Nun wünsche ich dem Brief so schnellen Lauf wie der Deine nach hier hatte. Grüße auch Deine lieben Gastgeber herzlich und dankbar. Sei mit dem Töchterlein mit berzlichem Gott befoblen für die Ferientage und eine glückliche Heimkehr in inniger Liebe gegrüßt! D.P. 1 Auf der Hochzeitsreise, 178 Er ist nun des Lebet is zeigen Das Neue sonst. Am 14. Oberst‘ gefüllt gets ZU schen| dem V. teise V zehn u Tages: sieht d wat d. Lied, I in den ne PNie- eben Got- Yale DAHEIM hat, Tent- 3 W Ren Er ist nun erlöst, er darf schauen, was er geglaubt, er ist daheim. Die Krone Jah- des Lebens krönt die Treue bis zum Tod. Er mußte vielen durch sein Zeug- mit- nis zeigen und sagen, um was es geht und Gott hat ihn gewürdigt, zu leiden- vie- Das Neue Testament spricht von dieser Würde des Leidens, sie ist nicht um- Dir sonst. Sie ist ein Zeigefinger höher hinauf, dorthin, woher die Würde en verliehen und wo die Krone des Lebens gegeben wird. en Karl Barth in einem Brief am 3.8.1939 Zu- mir Am 14. Juli kehrte ich mit der kleinen Evmarie von der den Oberstdorfer Reise zurück. Die nächsten Tage waren aus- ig gefüllt durch Besuche, die mit der Abreise des Hilfspredi- nicht gers zusammenhingen. Daß er vom 18. Juli ab zur militäri- richt schen Übung einberufen war, wußte Paul. Es wurden aus ben: dem VierteljahrÜbung 6 JahreKriegsdienst. Durch diese Ab- gere reise verspätet, hielten wir an diesem Tage erst zwischen hten zehn und elf Uhr die Morgenandacht über die Losung des eben Tages:„Der Mensch sieht, was vor Augen ist, der Herr aber f so sieht das Herz an.“ Das Lied„O Durchbrecher aller Bande“ auch war dazu in unserem Andachtsbuch vorgeschrieben. Dieses dem Lied, besonders seine beiden letzten Verse begleiteten mich tage| in den nächsten Tage IR, Ach wie teur sind wir erworben, nicht der Menschen Knecht zu sein. Drum, so wahr du bist gestorben, mußt du uns auch machen rein, rein und frei und ganz vollkommen, nach dem besten Bild gebildt; der hat Gnad um Gnad genommen, wer aus deiner Füll sich füllt. 179 u BEKHKTH ERRHn MEI Fe HE RERER ERS DODDDDDDE TE ER BZ Liebe, zeuch uns in dein Sterben; laß mit dir gekreuzigt sein, was dein Reich nicht kann ererben; führ ins Paradies uns ein. Doch wohlan, du wirst nicht säumen, laß uns nur nicht lässig sein; werden wir doch als wie träumen, wenn die Freiheit bricht herein. Abends um einhalb sieben Uhr bekam ich folgendes Tele- gramm:„Paul Schneider, geb. 29. 8. 97, heute verstorben. Falls Überführung auf eigene Kosten erwünscht, Antrag in- nerhalb 24 Stunden an das Bestattungsamt in Weimar, sonst Einäscherung. Lagerkommandant Buchenwald.“(Nach amt- licher Mitteilung ist der Tod 10.40 Uhr eingetreten.) Noch in derselben Nacht fuhr ich nach Weimar. Aus den verschiedensten Mitteilungen der Kameraden geht hervor, daß Paul in den letzten Monaten seiner Haft durch ein Herzleiden sehr geschwächt war. Wir können aus seinen Briefen u. a. feststellen, daß er im letzten Brief den ständi- sen Ausdruck„gesund und munter“ nicht mehr gebraucht hat.- Brief von H. Mißlitz:„In den letzten Monaten stellte sich Herz- und Kreislaufschwäche ein, die vor allem in den Füßen Wasser zur Folge hatte. Letztere hatte natürlich auch das lange Stehen bei Fesselungen zur Ursache gehabt. Zu- erst kümmerte man sich nicht um die zunehmenden Krank- heitserscheinungen und ließ ihm keinerlei Pflege zuteil wer- den. Erst kurz vor seinem Tode wurde er unter Bewachung von Sommer oder einem anderen Massenmörder ins Revier gebracht. Die Häftlingssanitäter haben zweifellos, wie in an- deren solchen Fällen, auch ihr Bestes getan. Mit ambulanter Behandlung ist in solchen Fällen natürlich nichts getan. Ein Freund von mir, Helmut Thiemann aus Werdau/Sa. half Pfr. Schneider bei den Besuchen des Reviers durch Rotlicht u. a., was nur irgendwie in seinen Kräften stand. Das Ende ist 180 Be une EEE ETIKETTE TREND REDET STEEL TE ET ERREET EFEEngErn |— Ihnen ih Pa sicht. in das habe 1 schütt den h Verkli Wille zum S gelen! die B Elefa schon vor€ noch und\ Weg Barac reyiei Auf e nung konn „Ich keine mir$ furch Ich v daß| Über Lage sprit beige ber| best; Ihnen bekannt.“-— Walter Poller:„Im Sommer 1939 bekam ich Paul Schneider zum erstenmal aus nächster Nähe zu Ge- sicht. Er wurde von dem SS-Scharführer Sommer plötzlich in das Häftlingsrevier gebracht. Welch ein Anblick! Niemals habe ich die tiefe Tragik des Pilatuswortes ‚Ecce homo‘ er- schütternder gefühlt. Das große edle fahlgelbe Gesicht mit den hellen offenen Augen leidzerfurcht, und doch voli jener Verklärung, die edelstes Menschentum und entschlossener Wille auf jede Kämpferstirne legt. Der Körper abgemagert [ele- zum Skelett, die Arme unförmig geschwollen, an den Hand- ben. gelenken blaurote, grüne und blutige Einschnürungen und 9 jn- die Beine— es waren keine Menschenbeine mehr— es waren Sonst Elefantenbeine- Wasser! Wir, die wir viele, viele Häftlinge amt- schon hatten an Kreislaufstörungen sterben sehen, standen Noch vor einem Rätsel: Wie war es möglich, daß dieser Mensch noch lebte?! Daß er in diesem Zustande, zwar unbeholfen geht und wankend, aber doch noch aus eigener Kraft den langen lurch Weg über den großen Appellplatz durch die endlos lange inen Barackenreihe und durch den Wald hinunter ins Häftlings- indie revier zu gehen vermocht hatte?!...“ che Auf einem dieser Gänge ins Revier hatte Paul eine Begeg- ellte nung mit einem Koblenzer Kameraden, Peter Propst. Sie de konnten einige Worte miteinander reden. Paul sagte etwa: Auch„Ich habe dicke Füße und auch schon Herzwasser. Es ist Fe keine Stelle an mir, die nicht blau geschlagen wäre. Man hat an mir Spritzen gegeben; seit der zweiten Spritze ist das Herz 8 furchtbar unruhig. Ich werde wohl nicht mehr lange leben. hung Ich will dich zum Abschied segnen und auch für dich beten, vier, 1 daß du auf den rechten Weg kommst.“ 1 an- Über Pauls Tod sind wir uns soweit klar, daß er durch den ner Lagerarzt vorsätzlich durch eine überdosierte Strophantin- Ein spritze und darauf folgende intensive Lichtbestrahlung her- Abk beigeführt wurde, wie W. Poller in seinem Buch„Arztschrei- M N ber in Buchenwald“(S. 158 ff.) berichtet.— Al lfred Leikam ke e ist bestätigt dies insofern, als er persön lich mit einem Chemiker I h ee 181 ee a EURE N KICKER FF] DDP - ex u 37; R HEHYYUYWEREREVIERTEFE FF BE OP TrrHrsh DREH en Ba LE H | H (Häftling) gesprochen hat, der die Sektion des Herzens vor- genommen hatte. Das inoffizielle Ergebnis dieser Sektion war: Getötet durch zuviel Strophantin.— Die Häftlinge Poller und Peix haben am ı9. Juli nach unse- rem Anruf aus Weimar auf Befehl der Lagerleitung Paul in einer Autogarage aufgebahrt. Ich durfte Pauls Antlitz noch einmal kurz schen. Er war nicht geschminkt, wie es in etlichen Büchern steht, jedoch leicht gepudert. Um seinen Kopf lagen rote und weiße Blumen, die die Schnittwunden der Obduk- tion verdecken sollten; der Körper, auch seine Hände waren zugedeckt. Auf Pauls Gesicht lag der Friede und die Hoheit der Erlösten. Ich durfte Paul in diesem kurzen Augenblick mit den Augen des Glaubens sehen:„Rein und frei und ganz vollkommen nach dem besten Bild gebild’t“...„Wie selig die Ruhe bei Jesus im Licht, Tod, Sünden und Schmerzen, die kennt man da nicht.“ Mein Begleiter, Pfarrer P. sprach:„Weil du vom Tod er- standen bist, werd’ ich im Grab nicht bleiben; mein höchster Trost dein Auffahrt ist, Todsfurcht kann sie vertreiben. Denn du bist mein und ich bin dein, und wo du bist, da werd’ ich sein, drum fahr ich hin mit Freuden“, und betete das Vaterunser.— Bei diesem kurzen Wiedersehen waren der Lagerführer, der Lagerarzt Dr. Ding und ein Stapoinspek- tor zugegen, die mich vorher mit ausgesuchter Höflichkeit begrüßten und mir allerlei über die Krankheit und über den sie überraschenden Herzkollaps erzählten. Dr. Ding behaup- tete, daß er sich alle Mühe gegeben hätte, aber auch mit der letzten Spritze sei meinem Mann nicht mehr zu helfen ge- wesen. Ich wisse ja wohl, daß er herzkrank gewesen sei, was ich verneinte. Dr. Ding habe die Obduktion der Leiche an- geordnet, um sich dadurch über die Todesursache selbst klar zu werden. Es sei einwandfrei ein Herzschlag gewesen,und an seinem Gesicht würde ich ja erkennen, daß er einen leichten Tod gehabt hätte.- Paul wurde dann von den genannten Häftlingen in unsern mitgebrachten Sarg gelegt und der Sarg 182 sieben! Stapol inspekt ten. Jd halb A wollte dieser ich wi - Ode zuerst haben tor bel schon Rhein! mein 1 Bald| lich et verstu Es wu öffnen wohl Beerd So ke Vater Sarg Fahrt Schne wurd: Der© die K Eine gen.] tiß,\ Chris geber Vor- tion nse- ıl in noch chen gen luk- aren heit Jlick anz selig zen, | er- ister ben. ww DREH DE EEE TO RT HFEHNUYYRKERTTT ERFURT FARO DDOTUPUVPEHFHEIEERF siebenfach versiegelt, während ich im Geschäftszimmer des Stapoinspektors die Formalitäten erledigte. Der Stapo- inspektor bot mir an, meine etwaigen Fragen zu beantwor- ten. Ich wollte nun also wissen, warum mein Mann fünfein- halb Monate nicht geschrieben:„Er war so störrisch und wollte nicht schreiben.“ Darauf ich:„Im ersten Brief nach dieser langen Pause schrieb er aber: ‚Wie bin ich froh, daß ich wieder schreiben darf‘.“ — Oder: Ob mein Mann eine Bibel gehabt hätte: es wurde zuerst unklar bestätigt, dann aber verallgemeinert:„Wir haben in unserer Lagerbüchere? 2000 Bücher.“— Der Inspek- tor behauptete auch, er hätte die Freilassung meines Mannes schon daliegen,— nur eine kleine Bedingung: nicht mehr ins Rheinland zurückzukehren, wäre damit verbunden. Die hätte mein Mann abgelehnt. Bald habe ich mit Fragen aufgehört, da mir doch alles frag- lich erschien und meinen Begleiter ohnehin diese Atmosphäre verstummen ließ. Es wurde mir zur Auflage gemacht, den Sarg nicht mehr zu öffnen und auch nicht in einem Privathaus unterzustellen, wohl aber erlaubt, ihn in der Dickenschieder Kirche bis zur Beerdigung aufzubahren. So konnte ich also den Kindern das Gesicht ihres lieben Vaters nicht mehr zeigen und konnte nur einen versiegelten Sarg mit heimbringen. Schon erreichten wir auf schneller Fahrt den Rhein, den geliebten Hunsrück. Nun galt für Paul Schneider keine Ausweisung mehr! Aber mitten in der Nacht wurden wir von der Polizei doch noch einmal aufgehalten: Der Sarg durfte nicht nach Dickenschied, sondern mußte in die Kapelle des Krankenhauses Simmern gebracht werden. Eine ernste Weihe lag dort über den beiden folgenden Ta- gen. Der, den man hier noch einmal seinen Gemeinden ent- riß, war den Schwestern wohlbekannt und ein Bruder in Christo.- Als der Sarg am ar. 7. beim Mittagläuten freige- geben wurde, war eine kleine Gemeinde unter Gottes Wort 183 2 Dar 7 PER KERKERFI und Gebet versammelt und der Schwesternchor sang für den Heimgegangenen:„... Herr, habe Dank, ich bin am Ziel.“ Unser Dickenschieder Kirchlein hielt sich in der Nacht der Überführung bereit, den heimkehrenden Pfarrer zu empfan- Bl; N HN is N N Er I in x gen. Feierlich war sie mit weißen Lilien geschmückt worden, feierlich harrend sah die Gemeinde der Ankunft entgegen. Sobald der Sarg über die Gemarkung käme, sollten die y Glocken ihn grüßen. Die Trostlieder Paul Gerhardts ver- kürzten die Zeit und nahmen die traurigen Menschen mit i hinein in die Geborgenheit:„Gib dich zufrieden und sei stille in dem Gotte deines Lebens... Er wird uns bringen zu den Scharen der Erwählten und Getreuen...“— Still gingen die Menschen in ihre Häuser, als ich allein zurück- kehrte. Ich bat um ein Grab für den Heimgekehrten neben dem hundertjährigen hohen Holzkreuz in der Mitte des alten Tei- les des Friedhofes. Jedes Haus stellte nun eine Arbeitskraft bereit, um das überwucherte Land von Gebüsch und Hecken zu befreien, und bald lohten hohe Feuer auf dem weiten leeren Gelände. Ich ahnte noch nicht, daß es am andern Tage von einer großen Gemeinde völlig ausgefüllt wurde!— Auch unsere Frauen rüsteten für viele Gäste: In selbstverständ- licher Zugehörigkeit buken sie gemeinsam das Hunsrücker Va SET et ee rn SE Ba FUN re Fe Leichengebäck und sorgten mit den herbeigeeilten Pfarr- schwestern für alles Nötige. In Womrath war am Donnerstagabend der reguläre Bitt- gottesdienst; angesetzt. Bruder Lutze von Barmen sprach über Römer 11,33-36, zu der Gemeinde: O welch eine Tiefe des Reichtums, beides, der Weisheit und Erkenntnis Gottes! Wie gar unbegreiflich sind seine Ge- richte und unerforschlich seine Wege! Denn wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Rat- geber gewesen? ren Yu a | hi X 4 I N { A Oder wer hat ihm etwas zuvor gegeben, daß ihm werde wie- dervergolten? 184 Denn W° Ihm sel. Immer 8 um fürb für Volk und ihre Euern P Es war€ In den einer 8 vn. Da außerst2 im Lag: annehm meine| Verbin ren, da ist durc s0.2usa7 rer. bete Ih be Gemeit schart s Heer v es, und mit ihn Pfarrer und inı Et wiec Daß II wieder und be das teu Nun is wie off icker fart- Bitt- prach Denn von ihm und durch ihn und zu ihm sind alle Dinge. Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen. Immer schon seid Ihr in der Woche zusammen gekommen, um fürbitt nde Hände zu erheben. Ihr habt Fürbitte getan für Volk und Obrigkeit, Fürbitte für die Kirche, ihre Not und ihre Bedrängnis. Vor allem habt Ihr Fürbitte getan für Euern Pfarrer. Zwei Jahre war er nun von Euch getrennt. Es war eine schmerzliche Trennung. Ihr hingt aneinander. In den drei Jahren, da er unter Euch ‚war, seid Ihr in einer ganz seltenen Weise miteinander verbunden gewe- sen. Das ist auch der Grund gewesen, weshalb er sich außerstande sah, dem Ausweisungsbefehl zu folgen. Noch im Lager hat er erklärt: Ich kann die Ausweisung nicht annehmen, ich bin zu sehr mit meiner Gemeinde, und meine Gemeinde ist zu sehr mit mir verbunden. Diese Verbindung ist nicht geringer geworden in den zwei Jah- ren, da Ihr voneinander getrennt waret- im Gegenteil, sie ist durch Eure Gebete nur enger geworden. Nichts schweißt so zusammen wie die Fürbitte. Das wußtet Ihr: Euer Pfar- ter betet. Er hat es einmal aus dem Gefängnis geschrieben: ‚Ich bete die Gemeinde durch.‘ Und das wußte er: Meine Gemeinde betet für mich, und um diese meine Gemeinde schart sich ein großer, unübersehbater Kreis von Betern, ein Heer von Betern, das wir nicht kennen, aber Gott kennt es, und das ist genug. So waret Ihr durch tausend Fäden mit ihm verwoben. Und wofür habt Ihr gebetet? Daß Euer Pfarrer gesund bliebe! Daß er die Kraft bekäme, äußerlich und innerlich, alles gut zu überstehen! Und vor allem, daß ttet. er wieder frei würde, daß Ihr ihn wieder bei Euch hä Daß Ihr sein strahlendes Gesicht, sein leuchtendes Auge wieder sehen, seine fröhliche Stimme wieder vernehmen, und besonders, daß Ihr seine Predigt wieder hören könntet: das teuere Evangelium aus seinem Munde! Nun ist Euch mit einem Schlage alles zerstört worden. Ach, wie oft habt Ihr es Euch ausgemalt, wie es wäre, wenn er 185 ICKIKEFFT DERERND FEIERN EUER OO ER USHUYYYYERERENZERFIBEFEERDSOODDDT THEIR NET wiederkäme. Nun ist er wiedergekommen. Als ein Toter ist er wiedergekommen. Jäh wie ein Blitz ist die Todesnachricht bei Euch eingetroffen. Er hatte zuletzt noch so fröhlich ge- schrieben. Da kam der Tod, das treue Herz hat aufgehört zu schlagen. Es konnte nicht mehr. Es war zu schwach ge- worden. Es zerbrach. Da sind uns die Worte des Apostels aus dem Herzen geschrieben: Wie unbegreiflich sind deine Gerichte und wie unerforschlich deine Wege. Wir wissen nicht, warum es geschah. Wir können es nicht begreifen. Mit all unseren Gedanken können wir das Dun- kel nicht durchdringen. Es steht vor uns wie eine unüber- steigbare Wand, über die wir mit unseren Meinungen, Hof- nungen, Wünschen, Träumen nicht hinüber können. Gottes Wille kennt kein Warum. Das ist hart für uns Menschen. Wir bilden uns so viel auf unseren Verstand ein. Wir mei- nen, wir wüßten alles, wir könnten alles, es gäbe nichts, was wir nicht fertig brächten. Ja, wir denken sogar, wir könnten Gott Vorschriften machen und hinterher Vorwürfe, wenn Er sich nicht genau so verhalten hat,wiewir eswünsch- ten. Aber, so sagt der Apostel, ‚Wer hat des Herrn Sinn erkannt, oder wer ist sein Ratgeber gewesen?‘ Ja fürwahr, ‚unbegreiflich sind Seine Gerichte und unerforschlich Seine Wege‘. Mit königlicher Freiheit geht Gott über alle unsere Gedanken hinweg. Gottes Wille kennt kein Warum. Aber zugleich wollen wir uns auch das andere sagen lassen: Gott macht keinen Fehler. Das war das Wort, das mir ge- stern einer in Barmen unter Schluchzen sagte, als er die Todesnachricht empfing: Gott macht keinen Fehler. Unser Apostel spricht von ‚der Tiefe des Reichtumes der Weisheit und Erkenntnis Gottes‘. Der Ratschluß Gottes ist wie ein tiefes Meer, dem wir mit dem Senkblei unsers Verstandes niemals bis auf den Grund kommen. Aber dieser Ratschluß ist ein weiser Ratschluß. Es ist mit dem Menschenleben wie mit einem Teppich: Wenn wir ihn von unten sehen, laufen die Fäden kreuz und quer durcheinander, aber von oben her 186 schauen Gott ha Paul Sd recht. Aber M Ratschlu Br hat| uns alle doch in inden' schenke! sonders nachfol; wit wis diese G können wieder die sich allen T unser E ders nu überwä Von di nis ab, Dinge. dem be ser Te; ausklin eigen Woche Von Ih Es wa; St mit Und im dieses ter ist chricht ich ge- ‘gehört ich ge- Postels deine S nicht 3 Dun- nüber- ‚ Hof Gottes schen, ir mei- nichts, Ir, wir würfe, ünsch- n Sinn wahr, Seine unsere lassen: nit ge- er die Unser eisheit ie ein tandes tschluß en wie Jaufen ‚en het Kuron er r ee schauen wir ein schönes Gebilde. So dürfen wir gewiß sein: Gott hat in seiner Weisheit auch das Leben unseres Bruders Paul Schneider gewebt, und wie Er es gewebt hat, ist es recht. Aber mehr noch— Gottes Ratschluß ist ein barmherziger Ratschluß. Sein Strafen ist nicht nur Weisheit, sondern Liebe. Er hat Euern Pfarrer Paul Schneider lieb gehabt, so wie Er uns alle lieb hat, Seine Freunde und Seine Feinde. Hat Er doch in Seiner Liebe Seinen eingeborenen Sohn für uns alle in den Tod gegeben. Wie sollte Er uns mit Ihm nicht alles schenken? Vielleicht hat Er sogar Euern Pfarrer ganz be- sonders lieb gehabt, weil Er ihn auf dem Weg der Kreuzes- nachfolge soviel hat leiden lassen. Um diese Liebe dürfen wir wissen— wissen mit der Gewißheit des Herzens. Und diese Gewißheit dürfen wir festhalten unerschütterlich. So können wir Herr werden über alle Verbitterung, die immer wieder in uns aufsteigt, Herr werden über alle Anklagen, die sich uns immer wieder auf die Lippen legen, Herr über allen Trotz und über alle Verzagtheit des Herzens: denn unser Herz ist ein trotzig und verzagt Ding und es wird an- ders nur, wenn es von der Liebe Gottes in Jesus Christus überwältigt wird. Von dieser Liebe legt der letzte Vers unseres Textes Zeug- nis ab. ‚Von Ihm und zu Ihm und durch Ihn sind alle Dinge.‘ Von Ihm, dem Vater, durch Ihn, den Sohn, zu Ihm, dem beiligen Geist. Ein mächtiger Akkord ist es, in den un- ser Text ausklingt. In ihm soll auch unser heutiger Abend ausklingen. Möge er dann auch hineinklingen in den mor- gigen schweren Tag und durch die kommenden Tage und Wochen hindurch! Von Ihm, dem Vater, war dies Leben, dies gesegnete Leben. Es war gesegnet für Euch, Seine Gemeinde. Es war— das ist mit gewiß— gesegnet auch für manchen im Gefängnis und im Lager. Von Ihm war auch das Leid und die Trübsal dieses Lebens. Denn dieses Leid war um Gottes willen er- 187 R EI TERN er) ERBE. „ ENEETF UV ODER HH YHY WERNER ERAEBEFEBDEnED DT ee rer re Be ke an Pe ae Sg eg litten und wurde darum auch aus Gottes Händen genom- men. Von Ihm, dem Vater! Jawohl, das väterliche Ange- sicht Gottes, das Auge des Vaters, die Hände des Vaters waren auch über diesem Leben. Auch da, wo Gott völlig verborgen war, wo nichts von Ihm zu spüren war, war Er dennoch da und wir dürfen getrost und voller Zuversicht beten: ‚Unser Vater...“ Durch Ihn, den Sohn! Wodurch wurde dies Leben ein so gesegnetes Leben? Durch Jesus Christus. ‚Ein treuer Knecht‘, sagte unser Präses Humburg, als er am Telefon die Todes- nachricht von mir hörte. Zinzendorf hat einmal gesagt: ‚Ich habe nur eine Passion: das ist Er, nur Er!‘ So war auch Paul Schneiders Passion, Er, nur Er. Daß Sein Name verherrlicht werde, daß Sein Reich komme, daß Sein Wille geschehe, das war sein entscheidendes Anliegen. Darum konnte er, der ein so zarter Mensch war, so unbeugsam sein. Und wodurch wurde sein Leben ein so leidvolles Leben? Durch Jesus Chri- stus! Weil er ein treuer Knecht war, darum mußte er Ver- folsung erleiden. Wer wundert sich?„Alle, die gottselig le- ben wollen, müssen Verfolgung erleiden!“ Und Jesus spricht: „So euch die Welt haßt, so wisset, daß sie mich vor euch ge- haßt hat. Wäret ihr von der Welt, so hätte die Welt das Ihrige lieb; weil ihr aber nicht von der Welt seid, sondern ich habe euch von der Welt erwählt, darum haßt euch die Welt!“(Johannes 15,18.19.) Zu Ihm, dem beiligen Geist! Unser Bruder Schneider war ein Mensch mit Schwächen, Fehlern und Sünden. Aber eine Kraft war in ihm lebendig, die nicht von dieser Welt war: der Geist Gottes. Daß er so unerschütterlich fest bleiben konnte zwei Jahre hindurch, das vermochte er nicht aus sich. Der Geist Gottes erfüllte das Gefäß seines Lebens. Und wir wissen jetzt, wie schwach er war. Schon seit Herbst hat er nach dem Urteil des Arztes am Herzen zu leiden gehabt. Dieser Geist Gottes gab ihm Mut zum Bekennen und Ge- duld im Leiden. Er war von einer großen, reinen, hellen 188 IRRE EEE: Flamme Jöscht. j Ihre Stu Humbut Und nut len uns meinde Bere wit gestern Eures} nahme wird si haben d gen der „Ihm se Am Mc weiße] weißes ich den ncch au dige C| Wortes Hölle s Ins Dic von Ir heit int nie vor Fürbitt ist ein etwas Hirten Darum Aus ei des G; bedeck KERUKERKERERREREFINIINHRRULENDIRSARF TE “ j Flamme erfüllt, die hat ihn verzehrt. Gott hat en ter löscht. Er war wie eine Kerze, die sich Er verbrennt. ll] Ihre Stunde war gekommen. ‚Er ist am Ziel‘, sagte mir Paul . B Humburg. Ach, wären wir alle am Ziel! Und nun laßt uns wieder in unsere Häuser gehen! Wir wol- ade 2 en uns still rüsten auf den morgigen Tag. Eine große Ge- i| meinde wird zugegen sein beim Begräbnis. Eine noch grö- ie Hi Bere wird sich mit Euch im Geiste vereinigen. So wurde ich re H gestern in Barmen den ganzen Tag über nach dem Tode odes-| Eures Pfarrers gefragt. Überall trat mir ergriffene Anteil- ‚ich| nahme entgegen. Mit dieser großen Gemeinde auf Erden Paul| wird sich die Gemeinde derer vereinigen, die überwunden rich U haben durch das Blut des Lammes. Und dahinein wird klin- , das| gen der Chor der Engel, die vor dem Throne Gottes stehen: ‚dee 9 Ihm sei Ehre in Ewigkeit! Amen.“ durch| Am Morgen des Begräbnistages trugen mir die Kinder viele Chri-, weiße Lilien in den Garten. Wir banden davon ein großes Ver© weißes Kreuz; es wurde oben auf den Sarg genagelt und ig le- 4 ich denke, es ging nicht allein mir so, daß dieses Kreuz auch richt: noch aus des Grabes Gruft den Sieg verkündigte. Der leben- ch ge: dige Christus bezeugte sich an uns durch die Kraft seines t das Wortes als der, der des„Todes Macht zerbricht und die ndern©) Hölle selbst macht stille“.— h die Ins Dickenschieder Pfarrhaus floß in jenen Tagen eine Fülle von Trostbriefen als Zeichen der Einheit und Verbunden- t wat heit innerhalb der Bekennenden Kirche. Menschen, die sich r eine nie von Angesicht gesehen haben, waren durch jahrelange wat: Fürbitte für Paul Schneider geschwisterlich verbunden. Es leiben| ist eine Gnade, wenn von der„Gemeinschaft der Heiligen“ s sich, etwas sichtbar wird. Hier und dort ist das Zeugnis des treuen Und Hirten begriffen worden. st hat Darum möchte ich einige solcher Briefe bringen: habt.| Aus einem Brief eines Lehrlings aus W., der mir ein Bild |Ge 7) des Grabes schickte; der Hügel war mit frischen Kränzen ıellen 7) bedeckt, von dem großen Friedhofskreuz sah man nur ein 189 en TREU NEEETEITENTT KIUVTDITERFRUUHPINNTRERZIENZ ENG SEEN DDDUTHHUVHRHEHEETE i de : en nig ad Stück des Stammes:„... Hoffentlich schmerzt es Sie nicht' A ‚| Aber zu sehr, wenn Sie das frische Grab immer vor sich haben.. Sehen Sie das Grab so wie ich! An dem schwarzen Pfahl° ni auf dem Bilde hängt der Herr Jesus Christus. Darunter N ee \ steht: ‚Das tat ich für dich. Was tust du für mich?!‘ Ja, und N Gott Hi darunter liegt einer, der sich selbst ins Gefängnis, ja, ins e. if Konzentrationslager stecken ließ und zum Schluß das dunkle Rn “ Todestal durchwandern muß. Aber am Ende dieses Todes- R ha E i 3 i DER, ı MI tales steht der Herr Christus, er hat die Arme weit ausein- an sich N ander und nimmt seinen Boten, seinen Pastor Schneider in Ei, K| Freuden an. Darüber wollen wir jubeln und wollen allen ne: i Schmerz vergessen...“ rillt. " Aus dem Brief einer Freundin, August 1939:„... Wir alle, Herz be i:=: standen il h alle machen Kompromisse über Kompromisse, und es hat ei; ! zwischen uns jemand gegeben, der nur treu sein wollte, treu BE a- k seinem Herrn, treu seinem Glauben! Ich glaube, daß Ihr lie- Det im h ber Mann für viele eine Stärke bedeutet.“ gobe" H Aus dem Brief eines Amtsbruders:„Ich kann es noch gar auch, dal N nicht übersehen, was er uns alles hinterlassen hat. Je länger Bat- 1 ich mich damit vertraut zu machen suche, daß er nicht mehr Sir könn hi unter uns Lebenden, Kämpfenden ist, um so größer und Dein ie Hi mannigfaltiger und heiliger werden mir die Verpflichtungen,| gerufen ni # die er uns hinterlassen hat. Es ist ein großes Geschenk Got- Des Ei Hi tes gewesen, daß wir um seinen Einsatz wissen dürfen-—| W Ketmit N wenn wir’s auch oft nicht wert waren. Wenn ein Quentchen I Bist eir il von einer Prophezeiung erlaubt ist, darf man sagen: Die durch De h Zeit wird kommen, wo die, welche sich eingesetzt haben har Ze " wie er, die Herren unserer Zeit genannt werden, und wo Prucht so N man uns glücklich preisen wird, mit ihnen zusammen ge-| bite für N wesen zu sein.- Aber das ist wohl sehr irdisch gedacht. Und 1 udlobr h es ist auch nicht entscheidend. Entscheidend sind die Ver-| D. Otto x heißungen, die der Herr selbst gegeben hat denen, die sich| dessen ge H ganz für ihn hingaben. Die hat er nun ererbt. Verzeihen Sie, N tn Atem i daß ich so lange von dem rede, was Ihr Mann in seinem 1 hinaus, ja Sl Verhältnis zur Gemeinde Jesu Christi bedeutet, und so we- 1 für viele 190 nig an das denke, was Ihnen persönlich auferlegt war und ist! Aber ich meine so: Wie sollen Sie und Ihre Kinder an- ders getröstet werden als durch den Herrn in seiner Ge- meinde. Und von dem, was Ihr Mann für die Kirche war und ist— wird auch Ihr Trost immer wieder gespeist wer- den. Gott helfe Ihnen, wie er bisher geholfen hat!...“ Aus dem Brief vom 19. 7. 1939 von Superintendent Lic. Mar- tin Albertz, ref. Mitglied der„Vorläufigen Leitung“ der D.E.K., der an Pauls Weg besonders teilnahm, und dessen Frau sich in all den Jahren wahrhaft mütterlich meiner an- nahm:„... Der Herr kennt die Seinen. Er weiß, wen er er- wählt hat und wozu er ihn erwählt hat. Er schaut allen ins Herz und so hat er auch Deinem lieben Mann zur Seite ge- standen in den letzten Stunden seines Lebens. Er hat seinen Knecht gerufen in sein Reich. Gottes Barmherzigkeit ist über ihm. Wo wir heute die Nachricht hingaben, schlug uns große Teilnahme, große Trauer entgegen. Aber Du weißt auch, daß in diesen Tagen viele deutsche Männer und Frauen für Dich und Deine Kinder von Herzen beten.... Wir können wahrlich nur von ganzem Herzen danken, daß Dein lieber Mann zu seinem und unserem Herrn heim- gerufen ist und mit den Aposteln und Märtyrern den Herrn preist. Er ist durch Leiden zur Herrlichkeit eingegangen und betet mit uns den an, der ihn auf seinen Weg gerufen hat.— Es ist eine große Gnade, die Gott der Bekennenden Kirche durch Deinen Mann geschenkt hat. Es ist ein weithin sicht- bares Zeichen aufgerichtet für uns alle. Wir beten um die Frucht solchen Sterbens.... Ich sage immer wieder: die Für- bitte für Br. Schneider hat nun aufgehört. Aber unser Dank und Lobpreis um seinetwillen soll nicht aufhören...“ D. Otto Dibelius schreibt am 19. 7. 1939:„.... Aber wir sind dessen gewiß, daß ein Zeuge Jesu Christi, der bis zum letz- ten Atemzuge im Bekenntnis gestanden hat, über den Tod hinaus, ja gerade durch seinen Tod zum Führer werden wird für viele...“ NERV DET RHEUYUUEERERERZEI TREFF ODDD DIT UHR PERHEREIIETT a Zn ir ee ER rt nn ET ne rn So ne Be m en Der englische Bischof von Chichester, Dr. George Bell, ver- öffentlicht in der„Times“, in der eine Notiz über Pauls Tod erschienen war, am 25. Juli 1959 den folgenden Nachruf: „Der Tod von Pfarrer Schneider im Konzentrationslager von Buchenwald vermehrt die Zahl der deutschen Märtyrer. Pfarrer Schneider war ein Geistlicher der deutschen evan- gelischen Kirche in der Gemeinde Dickenschied, einem klei- nen Dorf im Rheinland. Schon zwei Jahre vorher kam er ins Konzentrationslager, weil er sich weigerte, seine Ge- meinde auf den Befehl der nationalsozialistischen Macht- haber zu verlassen. Kein Gericht untersuchte die Gründe seiner Weigerung und er wurde sogar ohne den Schein eines öffentlichen Verhörs verhaftet. Während seiner ganzen Haft- zeit war er von seiner Familie und seinen Freunden ge- trennt. Er wäre vielleicht freigelassen worden, wenn er be- reit gewesen wäre, seiner Gemeinde die Treue zu brechen. Trotz seines Leidens war sein Geist ungebrochen. Alle, die das System dieser Lager kennen, können die Art der mora- lischen und physischen Leiden ermessen. Er starb— wie man sagt— an einem Herzschlag. Er gab sein Leben für Deutschland und für die Kirche Deutschlands. Alle Chri- sten und alle humanen Völker bezeugen seiner Witwe, sei- ner Familie von sechs kleinen Kindern und seiner Ge- meinde ihre Teilnahme. Er wurde als Pfarrer von Dickenschied gefangen genommen. Im Lager von Buchenwald war er noch Pfarrer von Dicken- schied; denn, obwohl er sein Amt in Dickenschied nicht län- ger ausüben konnte, lehnte er, solange er lebte, ab, es nie- derzulegen. Er starb als Pfarrer von Dickenschied und seine Leiche wurde zur Beerdigung in seine treue Gemeinde, in die alte Dickenschieder Heimat, zurückgebracht. Aber, ob- wohl er von uns gegangen ist, kann keine Macht das Zeug- nis seines Lebens zerstören oder die Fackel auslöschen, die sein Glaube angezündet hat.“ Ein Be tag, de eine U Bekent Schneic Vermä (Offen ren ii Schmer der un der Hk beweis spielha durch. heit; e ses We der kl die sel die zu Nichta wußte es ist, hörten Gotter oder; der ve 1 Deuts I, Ver- Is Toq ichruf: 1slager tyter, evan- n klei- am er IE Ge- Macht- stünde n eines 1 Haft- len ge- er be- rechen. Ile, die - MOra- - wie ven für e Chri- ve, sei- er Ge- mmen, Dicken- cht län- es nie- ıd seine inde, in yet, 0b- ; Zeug- en, die Rückblick auf den Tag der Beerdigung von Pfarrer Karl Dieterich Ein Bericht über die Trauerfeier in Dickenschied am Frei- tag, dem 2r. Juli 1939, schließt mit den Worten:„Es war eine unvergeßliche Stunde der Gemeinschaft der ganzen Bekennenden Kirche, der von nun an das Grab von Pfarrer Schneider auf dem Friedhof Dickenschied Mahnung und Vermächtnis ist: ‚Hier ist Geduld und Glaube der Heiligen‘ (Offenbarung 13, Vers 10)“." Was uns auch heute nach 14 Jah- ren im Gedenken an diese Feier bewegt, ist nicht der Schmerz und das Vermissen der Person Paul Schneiders, der uns hätte noch so manche treue Freundschaft als ein von der Heilkraft und Schärfe des Wortes Gottes Getroffener beweisen können; es ist nicht die Verehrung für den in bei- spielhafte Tapferkeit und Konsequenz zurückgelegten Weg durch Abgründe und Schrecken einer dämonisierten Mensch- heit; es ist nicht das menschlich Rührende in der Härte die- ses Weges und desjenigen seiner Familie, das uns im Bild der kleinen verwaisten Schar entgegentrat; es ist nicht nur die seltene Versammlung der Gleichgesinnten, der Treuen, die zu diesem Dienst noch herbeieilen konnten und der Nichtgezählten, die sich durch die Gekommenen vertreten wußten, der Wissenden und Ahnenden in jenem Juli 1939; es ist auch nicht einfach die Güte des Gebotenen und Ge- hörten, in dem schlicht bezeugt wurde, daß es beim Worte Gottes bleibt. Es war nicht das, was wir Menschen taten oder getan hatten, sondern es war der Friede des Herrn, der von diesem Sarge ausging. Es war die unaussprechliche 1 Deutsche Kirchendokumente, Zollikon 1947, S. 114. 195 ren a a ei Tröstung, die der Herr bereit hat, wenn ein Mensch Seiner Verheißung mehr folgt als den Versprechungen der Welt, und Ihn mehr fürchtet als die, die zwar den Leib töten, aber nicht in die Hölle verderben können. Es war die Freiheit, zu der die Erkenntnis der Wahrheit, das Bleiben an Seiner Rede führt, die Freiheit von den Sorgen um das eigene Le- ben und den Sorgen,„wie es noch alles gehen soll“, eine Freiheit„zu dankbarem Dienst an Seinen Geschöpfen“. Es ja! war das Heimkommen-dürfen, wenn dieser Kampf ein Ende hat. Weil wir das mit freiem Herzen für unseren Bruder Paul Schneider glauben durften, darum wurde sein Begräb- nis zu einer Feier des Dankes und der Liebe: des Dankes, daß der Herr sich an ihm zu einem immer kompromißlose- ren Zeugnis verherrlicht hatte, und der Liebe zu allen, die den Herrn Jesus Christus liebhaben unverrückt. Als die Gäste am 21. und auch schon am 2o. Juli eintrafen, fanden sie auf den Höhen des Hunsrück ein Dorf vor, das den Atem angehalten hatte. Es bedurfte keiner Worte, es war alles eine große Gemeinschaft, aus der einzelne heraus- traten und mit Worten ihrem Dank und ihrer Verbunden- heit gegenüber ihrem toten Seelsorger Ausdruck gaben.„Er hat mir zu einem neuen Verständnis des Evangeliums ge- holfen“, sagte ein Mann der Gemeinde; der Ausgang seines Pfarrerlebens stand vor dem Hintergrund einer treuen Arbeit in Predigt und Einzelbesuchen. Um die Mittagszeit des Beerdigungstages war der in Sim- mern festgehaltene Sarg mit dem Toten endlich gebracht und dann in der Kirche aufgestellt worden. Feierlich ernst stand der große Sarg neben der Kanzel, vor dem Altar, ver- schlossen mit sieben großen roten Siegeln. Der Tote lag vor der Predigtstätte, von deren Dienst er sich nicht hatte ent- binden lassen wollen. Frau und Kinder hatten noch eine kurze Zeit des Alleinseins mit ihm. Dann füllte sich das Kirchlein mit der Gemeinde und den Angehörigen, während die anderen Gäste draußen warteten. Bruder Langensiepen- 194 Göden mation und in gen sol Er spf‘ in Let immet Komp! auf die heit zu vor de nern be Auch b aber€: um das sem G hängut Katech sei zu ihrer teden möge 1 lichen| Brude: Wort: Ende Erbtei Wie w Antwe aalle Sich z; kreis ı Seifer! bracht meind Gödenroth hielt eine Andacht über Paul Schneiders Konfr- mationsdenkspruch Johannes 18, 37:„Ich bin dazu geboren und in die Welt gekommen, daß ich für die Wahrheit zeu- gen soll. Wer aus der Wahrheit ist, der höret meine Stimme.“ Er sprach davon, welche Bedeutung dieses Wort des Herrn im Leben des Entschlafenen gewonnen habe, wie er sich immer wieder habe von ihm ermahnen lassen, keine faulen Kompromisse zu schließen, auf nichts anderes zu sehen als auf die Wahrheit in Christus und selbst Bote dieser Wahr- heit zu sein. Der Herr habe sein Wort vor Pontius Pilatus, vor den Hohenpriestern, vor den Pharisäern und den Zöll- nern bezeugt, und im Bezeugen sei er selbst die Wahrheit. Auch bei seinen Dienern sei die Wahrheit zuerst oft bitter, aber es gehe auch bei der Wahrheit, die uns bitter dünkt, um das süße Wort, daß Gott uns seine Gnade schenkt. Die- sem Gnadenwort habe der Entschlafene auch mit der Ver- hängung der christlichen Bußzucht, wie sie der Heidelberger Katechismus vorsieht, dienen wollen. Und der Gemeinde sei zu sagen: sie habe einen Prediger des wahren Wortes in ihrer Mitte gehabt, der auch über den Tod hinaus zu ihr reden werde. Sie könne nicht zurück. Ihre Entscheidung aber möge mit Gottes Hilfe die Entscheidung einer rechten christ- lichen Gemeinde sein. Bruder Kemper segnete darauf die Leiche aus mit dem Wort aus Daniel ı2, Vers 13:„Du aber gehe hin, bis das Ende komme; und ruhe, daß dw auferstehest zu deinem Erbteil am Ende der Tage!“ Wie war auch in dieser Stunde das Lied der Gemeinde die Antwort des Glaubens!...„Warum sollte mir denn grauen? ... Lässet auch ein Haupt sein Glied, welches es nicht nach sich zieht?“ Der von dem Entschlafenen gegründete Sing- kreis sang unter Leitung von Bruder Müsse sehr fein den Seifertschen Satz von„Es ist vollbracht, gottlob, es ist voll- bracht, mein Heiland nimmt mich auf...“. Als die Ge- meinde zum Schluß das„Gloria sei dir gesungen“ anstimmte, 195 EEE TEE ee ee EN Se x Nr re ne setzte sich der Gesang fort in der großen Gemeinde, die draußen die Kirche umgab. So wurde der Sarg von den Presbytern hinausgetragen. Bruder Held aus Essen hatte sich an die Spitze der 170 bis 200 Pfarrer im Talar gesetzt, die in langem Zuge auf dem Wege zu dem außerhalb des Dor- fes gelegenen Friedhof die Lieder sangen:„Was Gott tut das ist wohlgetan...“ und„Wie Gott mich führt, so will ich gehen...“. Aufgerichteten Hauptes durfte die Witwe mit ihren Kindern dem Sarge folgen, und mit ihr eine große Gemeinde aus Dickenschied und Womrath, aus Hochelheim bei Gießen und aus den bekennenden Gemeinden des Huns- rück, der Nahe und einzelne von weit her. Unter Führung ihres Geistlichen hatte sich auch die katholische Gemeinde Dickenschied dem Zuge angeschlossen. Die Feier am Grabe war getragen vom gemeinsamen Bekenntnis in diesem ge- meinsamen Leide. Der Rheinische Bruderrat hatte als Schriftwort ausgewählt Römer 14, Vers 7 und 8:„Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn...“ An Stelle des leidenden Präses D. Humburg war als Mitglied des Rates Pfarrer Schlingensiepen entsandt wor- den, der die Predigt hielt, die unten im Wortlaut wieder- gegeben ist. Bruder Lutze aus Barmen nahm die Bestattung vor:„Es wird gesäet verweslich, und wird auferstehen un- verweslich. Es wird gesäet in Unehre, und wird auferstehen inHerrlichkeit....“.„Unser Wandel ist im Himmel, von dan- nen wir auch warten des Heilandes Jesu Christi, des Kleren= Nach dieser Wortverkündigung, Fürbitte und Gebet trat die Eine Kirche Christi noch einmal heraus in den Voten der Abgesandten der einzelnen B.K.-Gebiete. Vertreten waren die Vorläufige Kirchenleitung(Forck-Hamburg, zugleich für Hamburg und Schleswig-Holstein), die Konferenz der Lan- desbruderräte(Kloppenburg-Oldenburg, zugleich für Olden- burg), der Bruderrat der altpreußischen Union(Scharf-Ber- lin, zugleich für Brandenburg), Nassau-Hessen(Rumpf-Wies- 196 baden), Evangelisch-lutherische Kirche Bayerns, Landes- bischof und Pfarrerschaft(Putz-Fürth), Württembergische Kirchenleitung und Landesbruderrat(Mörike-Kirchheim/ Teck), B.K. Westfalen(Rinneberg-Deppen bei Bielefeld), Ostpreußen(Link-Königsberg), Berlin und Bruderschaft der Hilfsprediger und Vikare(Klapproth-Berlin), Reformierter Bund in Deutschland(D. Hesse-Elberfeld, der mit erhobe- ner Stimme die Frage 85 des Heidelberger Katechismus von der christlichen Bußzucht vor die Gemeinde stellte), Schle- sien(Seidel-Breslau), Bruderschaft rheinischer Hilfsprediger und Vikare(Müller-Hilden), Hunsrücker Pfarrbruderschaft (Petry-Wirschweiler; er hatte zusammen mit der Witwe den Sarg in Buchenwald abgeholt), Nahebruderschaft(Hötzel- Meckenbach), Synode Wetzlar(Essen-Volpertshausen und Heider-Dorlar), Synode Koblenz(Hammdorf-Bacharach), Kirchliche theologische Sozietät Württembergs(Dieterich- Edelfingen), Theologisches Seminar der Herrnhuter Brüder- gemeine(Hennig), Singkreis Hunsrück(Müsse-Hausen), Rheinische Mission(Lic. Weth-Barmen),Stadtmission Baden- Baden(Ippach-Baden-Baden). Zu Beginn der Voten hatte Superintendent Gillmann vom Kirchenkreis Simmern, der den Entschlafenen mit Jeremia 15,19 einst ins Dickenschieder Amt eingeführt hatte, Abschiedsworte gesprochen. Für die Gemeinden Dickenschied und Womrath sprachen Kemper- Dickenschied, Kirchmeister Klos und Kirchmeister Fuchs, für die landeskirchliche Gemeinschaft des Oberrheins Stadt- missionar Hach-Simmern; Fräulein Glassmann für dieFrauen- hilfe und Fräulein Timme-Bremen. Dreißig„Nachrufe“, die doch keine waren, sondern Bezeugung des„einen Wortes Gottes, das wir zu hören, dem wir im Leben und im Ster- ben zu vertrauen und zu gehorchen haben“(Erste Barmer These). Kurze Worte an Angehörige und Gemeinde, gro- Benteils jedoch kurze Bibelworte. Als die Gemeinde die Feier am Grabe mit dem Verse schloß:„Der Grund, da ich mich gründe, ist Christus und sein Blut...“, war sie ge- 197 TEEN EEE SENT en RES Er en ER a M Fi M ' if # sättigt worden mit der Speise, die nur die Glieder des Lei- bes Christi kennen. Und als sich draußen neben dem alten hohen Holzkreuz der Hügel wölbte und mit Kränzen und Blumen über und über bedeckt war, gingen nach kurzen Grüßen Menschen auseinander, in allem Getrenntsein ver- brden und in aller Zerrissenheit wunderbar getröstet, und zu eigener Treue kräftig aufgerufen. ATNEL EL KERSKEANFRERFEEITRRAOSTLET BERKERFINE zen Ver- und Predigt am Grabe Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum, wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Christus auch gestorben und auferstanden und wieder lebendig geworden, daß erüber Tote und Lebendige Herr sei. Römer 14, 8.9 Liebe Gemeinde Dickenschied! Liebe Gemeinde Womrath! Nun haben wir den Leib Eures treuen Hirten und Seelsor- gers ins Grab gesenkt. Mit Euch, der lieben Frau und den Kindern des Entschlafenen und mit seinen Verwandten und d Freunden trauert unsere ganze Kirche um den Verlust, den sie mit dem Heimgang unseres Bruders Paul Schneider er- litten hat. Nicht nur wir, die wir zu Euch gekommen sind, um diese Stunde mit Euch gemeinsam vor Gottes Angesicht zu durchleben, sondern wir sind gewiß, daß heute Tausende N und aber Tausende ihre Hände zu Gott emporheben. Sie treten mit uns vor Gottes Thron, wie sie es all’ die Monate hindurch getan haben, als wir in beständiger Fürbitte Eures Predigers gedachten und Gott darum baten, daß- wenn es sein Wille wäre— Euer Pfarrer noch einmal zu Euch zu- rückkehren dürfe, Ihr lieben Gemeinden. Unser aller Herzen sind erschüttert, und niemand kann den Gedanken und Fragen Ausdruck geben, die uns bewegen. Aber in dieser Stunde, in der wir mit unseren Gedanken nicht fertig werden— und erst recht für die noch schwereren | Stunden, Tage und Monate und Jahre, die nun folgen wer- den— wird uns der Weg gewiesen durch das Wort Jesu, das Du, liebe Schwester, uns in der Nachricht vom Heim- 199 NE EEE ET ET H HUN VEREREISERFRREF TFA RDD DD DD UDDV HERE ah gang Deines lieben Mannes weitergabst:„Habe ich dir nicht gesagt, so du glauben würdest, du solltest die Herrlichkeit Gottes sehen?“(Johannes 11,40). Dem Herrn sei Lob und Dank, daß wir zu ihm aufschauen dürfen, denn„soviel der Himmel höher ist denn die Erde, h£ sind auch seine Wege höher denn unsere Wege und seine San Gedanken denn unsere Gedanken“(Jesaja 55,9). Während Be N wir noch klagend und fragend vor dem Rätsel des Todes- Mi und gerade dieses Todes— stehen, läßt er uns seine Ge- ss h danken wissen. Er selbst kommt zu uns mit dem Evange- lium, der wunderbaren Kunde, der frohen Botschaft, und IH sein Heiliger Geist bezeugt uns durch das Wort des Apostels ri dies eine als die Wahrheit:„Für Jess Herrschaft über die, die er erlöst hat, macht es keinen Unterschied, ob einer noch am Leben ist oder hier schon sterben mußte“, denn,„leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum, wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn.“ Der Tod ändert nichts an dem Eigentumsverhältnis der Erlösten zu ihrem Herrn. Das Besitzrecht, das sich Jesus durch sein Blut an unserem Bruder Schneider erworben hat, läßt er sich von niemandem rauben, auch von dem Tode nicht.„Im Leben und im Sterben sind wir und bleiben sein.“ So klingt das Lied der Seinen am offenen Grabe. Und in sol- chem Liede spiegelt sich die Herrlichkeit wider, die zu sehen Jesus den Glaubenden verheißen hat. Laßt uns allein auf ihn schauen, unseren lieben Herrn Jesus Christus! In ihm ist das Wunder geschehen, daß der Gegen- satz zwischen Leben und Tod aufgehoben ist. Er hat die bei- den Gebiete, die wir durchwandern müssen, für uns durch- schritten: das Gebiet des Lebens und des Todes. Er ist der Auferstandene. Als lebendiger Toter, als der, der tot war, und siehe er ist lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit, herrscht er nun über die Seinen, die Lebendigen und die Toten. „Denn dazu ist Christus gestorben und auferstanden und wieder lebendig worden, daß er über Tote und Lebendige er DnDEmaeSgMrncee nn EHE ie en ers ren en een Be En De a ee FT ee 200 N z Ya Het Fleisd jieß il sündi: des T macht Jesu' Toten „jehg mehr Hand Liebe Da w dieser dürfer uns sC unser‘ für ih Tode „Jesu: wird" im St der 1934.) „Lebt wir di des erstai und mit q land Eue bei s Geis aus icht Herr sei.“ Dies eine trieb ihn vom Himmel in unser armes Fleisch und Blut, es trieb ihn auf den Weg zum Kreuz und ließ ihn wieder aus dem Grab hervorkommen, daß er uns sündige und verlorene Menschen aus der Gewalt der Sünde, des Todes und des Teufels erlöste und zu seinem Eigentum machte im Leben und im Sterben. Dies ist der Grund für Jesu Tod.nd Auferstehung, daß er an den Seinen, den Toten und den Lebendigen, die Verheißung wahr machte: „Ich gebe ihnen das ewige Leben; und sie werden nimmer- mehr umkommen, und niemand wird sie mir aus meiner Hand reißen.“(Johannes 10,28.) Liebe Gemeinde! Siehst Du die Herrlichkeit des Herrn? Da wird sie von uns geschaut, da ist der Himmel inmitten dieser sündigen Welt, wo wir mit dem Apostel sprechen dürfen:„Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben... mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, unserm Herrn.“(Römer 8,38.39). Wer für ihn lebt, darf auch für ihn sterben. Wer ihm im Leben gehört, bleibt auch im Tode sein Eigentum. So hängt für uns alles an dem Herrn „Jesus Christus, wie er uns in der Heiligen Schrift bezeugt wird“. Er„ist das eine Wort Gottes, dem wir im Leben und im Sterben zu vertrauen und zu gehorchen haben.“(Art. I der Theol. Erklärung der ı. Bek.-Syn. der D. E. K. Barmen, 1934.) „Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Christus auch gestorben und auf- erstanden und wieder lebendig worden, daß er über Tote und Lebendige Herr sei.“ Dies Wort der Heiligen Schrift, mit dem der Bruderrat der Bekennenden Kirche im Rhein- land den Pfarrern und Gemeinden davon Kenntnis gab, daß Euer Prediger und Hirte entschlafen ist, soll unsere Herzen bei sich festhalten. Mit diesem Wort dürfen wir alle bösen Geister, die uns von innen und außen anfechten wollen, aus unserer Mitte vertreiben und ihnen im Glauben befeh- 201 PHRYNYNERREIEIZEEF TFA DUO HRUPHRHFHEE * Es 3: TEL ETEE ETAGE, Se EEE EP a nn ars RENTE TIERE een x Le. - a he Be Er ne len:„Weicht ihr Trauergeister, denn mein Freudenmeister Jesus tritt herein.“ Dies Wort des Apostels darf nun aber zugleich die Unterschrift sein, die wir im Glauben unter das Leben und Sterben unseres Bruders setzen. Es soll uns dazu dienen, in allem allein dem Herrn die Ehre zu geben. Denn es ist die unvergleichliche Gnade unseres Heilandes, daß er unseren Bruder gewürdigt hat, für ihn zu leben und zu sterben. Jesus hat Euren Pfarrer durch sein Wort gerufen und ihn „durch den Heiligen Geist des ewigen Lebens versichert“ (Frage ı des Heidelberger Katechismus). Von der Treue Jesu überwunden, der„mit seinem teuren Blut für alle seine Sünden vollkömmlich bezahlt hat“, wurde er„dem Herrn forthin zu leben willig und bereitgemacht“(Frage ı des Hei- delberger Katechismus). So gewiß solches Leben für den Herrn in jedem Stande und Beruf geschehen kann und soll, so gibt es doch nichts Köstlicheres in der Gemeinde Jesu als das von ihm selbst gestiftete Predigtamt. In der Stunde, in der vor der Gemeinde dies teure Predigtamt Paul Schneider übertragen wurde,- im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes-, da hat er wie alle Prediger un- serer Kirche vor Gottes Angesicht gelobt,„sich mit allen Kräften Leibes und der Seele dem heiligen Amt zu widmen“. Sein Ordinationsgelübde war die dankbare Antwort auf den gehörten Ruf:„Ich habe dich bei deinem Namen gerufen, du bist mein.“ Jesaja 43,1. Es ist die Barmherzigkeit Jesu, daß er es unserem Bruder nicht auf einmal kundgetan hat, was das heißen kann: sich mit allen Kräften Leibes und der Seele dem Predigtamt zu widmen. Es ist die Barmherzigkeit Jesu, daß er nur Schritt für Schritt das Wort an ihm wahrgemacht hat:„Ich will ihm zeigen, wieviel er leiden muß um meines Namens willen (Apostelgeschichte 9,16). Wir preisen in dieser Stunde die Treue unseres Herrn, mit der er seinen Knecht fort und fort zugerüstet hat, für seinen Wink und Willen bereit zu stehen. 202 ME ind TEE en er a en loren 3 die de zucht „unter del fü mit ar Euch Dien: in lan wort Geb: Ents geric hi der! '' Schw IK der| IENFRI EL KERKKRRFERERFEDEOLRRR Versteht das nicht falsch. Nicht davon ist die Rede, daß Ihr einen fehlerlosen, sündlosen Hirten gehabt hättet. Wehe uns, wollten wir uns eines Menschen rühmen. Paul Schneider war ein Mensch wie wir, der mit der Sünde und dem Teufel zu ringen hatte bis ans Ende; aber er war ein Mensch, der von der Gnade dessen lebte, den er verkündigen durfte als den Herrn, der den Sieg für uns errungen hat. Als begnadigter Sünder hat Euer Hirte seines Amtes unter Euch gewaltet, und wenn an jenem großen Tage das Buch des Lebens auf- geschlagen wird, dann wird offenbar werden, wie viele unter Euch er durch das Wort vom Kreuz hat rufen dürfen zu einem Leben und Sterben für den Herrn. Es war das inbrünstige Gebet Eures Predigers, so wie er es Gott gelobt hatte,„ohne Menschen gefällig zu sein und ohne Menschenfurcht“ Euch das Wort zu verkündigen zur Zeit und zur Unzeit und in heiligem Eifer über Euch, die ihm anvertraute Herde, zu wachen. Es war das heiße Gebet Eures Seelsorgers, seinem Gelübde gemäß„keine Seele ver- loren zu geben“. Deshalb hat er auch mit dem Presbyterium die der Leitung der Gemeinde vom Herrn befohlene Buß- zucht ausgeübt an denen, die— wie das Bekenntnis sagt— „unter dem christlichen Namen unchristliche Lehre und Wan- del führen“(Frage 85 des Heidelberger Katechismus), da- mit auch sie möchten gerettet werden. Euch allen steht der Tag vor Augen, an dem er um dieses Dienstes willen von Euch getrennt wurde, und wie er dann in langen Wochen der Stille im Hören auf Gottes Wort Ant- wort erwartete auf die Frage, ob der Herr es ihm erlaube, in die Trennung von Euch einzuwilligen. Mit anhaltendem Gebet hat er darum gerungen, daß auch in dieser schwersten Entscheidung seines Lebens sein Auge allein auf den Herrn gerichtet sein möchte. Als ich in jenen Wochen im Auftrag der Leitung der Bekennenden Kirche mit ihm und Dir, liebe Schwester, noch einmal alles durchsprach und wir immer wie- der die Frage aufwarfen, ob es nicht doch einen Ausweg 203 DEN RE DR U EPINTAHRDADASHLILER KKEKKHRERBE DE; Burn ze ei = ar ne; rege er u ern en- rd Ts ER uf { N if A ;> Pe er rer geben könnte, da wurde es ihm vor Gottes Angesicht klar, daß es keinen anderen Weg gab, den er mit unverletztem Gewissen hätte gehen können. Durch den Herrn wußte er sich an Euch, seine ihm vertrauten Gemeinden, gebunden. Und- das war ihm gewiß geworden— der Herr gab ihn nicht los. Die Folgen seiner Rückkehr zu Euch hatte Euer Pfarrer klar vor Augen. Aber das Leben für den Herrn, der von ihm so erkannte Wille Gottes, galt ihm mehr als die irdische Freiheit. So legte er denn Leben und Freiheit in seine Hand. Uns aber wurde es zur Gewißheit, daß sich nun das Wort des Apostels an ihm erfüllen sollte:„Euch ist gegeben, um Christi willen zu tun, daß ihr nicht allein an ihn glaubt, son- dern auch um seinetwillen leidet“(Philipper 1,29). Der Herr schenkte ihm die Gabe des Leidens. Es begann für unseren Bruder jetzt der Weg des Leidens und des Sterbens; der Weg, auf dem wir Stück für Stück dieses Lebens aus der Hand geben müssen. Das Wirken in Deiner Mitte, Du liebe Gemeinde, das Zusammenleben mit Frau und Kindern, das Forschen in der Heiligen Schrift, die persönliche Freiheit und vieles andere mehr mußte nun abgelegt werden. Und er ließ es sich abnehmen im Aufblick zum Herrn, dessen Erlöste beten dürfen:„Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s ge- nommen, der Name des Herrn sei gelobt“(Hiob 1, 2rb). Daß nur eines ihm bliebe: die Gemeinschaft mit dem Herrn und das Zeugnis für ihn!— Aus seinen kurzen Grüßen, die Dich, liebe Schwester, seit jener Zeit erreichten, klang im tiefsten immer wieder heraus, was der Apostel aus seiner Gefangenschaft an die Philipper schrieb:„Ich lasse euch aber wissen, liebe Brüder, daß, wie es um mich steht, das ist nur mehr zur Förderung des Evangeliums geraten, also, daß meine Bande offenbar worden sind in Christo in dem gan- zen Richthause und bei den andern allen, und viele Brüder in dem Herrn aus meinen Banden Zuversicht gewonnen haben und desto kühner worden sind, das Wort zu reden 204 en ohne N Her, Herrn! seinen] dem W hört.= Ant de Jobt, U! hei die‘ letzten ihm gel fügungs geforde dab er ters im ja auch des He das im Leben Bruder zu sch wahr: (Matth Und n dem H ihn let den$ Sterbe mit di Hertn eines sen Fi ben,« serem tuht,} ‚klar, ohne Scheu“(Philipper 1,12).„Leben wir, so leben wir dem : SR En var 0, Sle£ben wir dem Herrn.“ Für den errn! as Zeugnis für ihn in seinem Herzen und auf aden, seinen Lippen nicht verstumme, blieb sein Gebet auch auf b ihn| dem Weg des Sterbens. Und der Herr hat diese Bitte er- Euer hört.- Sich„mit allen Kräften Leibes und der Seele“ dem 1, der Amt der Verkündigung zu widmen, hatte unser Bruder ge- s die lobt. Und Gott hat ihn beim Wort genommen. Er hat ihn bei diesem Wort behaftet, wie noch keinen von uns. Die . Uns letzten Kräfte der Seele und auch des Leibes wurden von t des ihm gefordert; gefordert durch den Herrn, dem er die Ver- , um j fügungsgewalt über Leben und Tod willig überlassen wollte; , SOn-‘ gefordert durch den Herrn, von dem er bekennen durfte,} Herr I daß er uns„also bewahrt, daß ohne den Willen meines Va- R Iseren ters im Himmel kein Haar von meinem Haupt kann fallen, N ;; der /15 ja auch mir alles zu meiner Seligkeit dienen muß“(Frage ı h s der|} des Heidelberger Katechismus). Es geschah das Wunder, ii ‚liebe U% das immer geschieht, wo ein Mensch die Herrschaft über i 1, das Leben und Tod dem Herrn überläßt: Jesus half unserem t und Bruder die ihm auferlegte Last tragen, daß sie ihm nicht r ließ zu schwer wurde, und machte an ihm seine Verheißung tlöste wahr:„Mein Joch ist sanft und meine Last ist leicht“ "5 ge-(Matthäus 11,30). h 2b). Und nun ist der Tod gekommen.„Leben wir, so leben wir B Herrn dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn.“ Wer für N) n, die ihn lebt, darf auch für ihn sterben. So viel tut Christus an h 1g im den Seinen, daß sie für ihn sterben dürfen. Er macht ihr M seiner Sterben zum Gottesdienst, zu seinem Opfer des Lebens, wo- R aber© mit die Seinen ihn preisen dürfen. Was das heißt, für den h st nur Herrn sterben, darf ich Euch im Anschluß an die Worte M ‚daß eines hochbegnadeten Lehrers unserer Kirche sagen, zu des- I | gan- sen Füßen auch unser Bruder gesessen hat. Dem Herrn ster- h rüder ben, das heißt, so sterben, daß sein Wohlgefallen über un- R onen serem Sterben liegt und Jesu freundlicher Blick auf ihm reden ruht. Dem Herrn sterben, heißt, ihm glauben, wo alles zer- I 205 EST VEUPPPHFHERH N EEE ge ee ar ee ne bricht und wir zerbrechen. Dem Herrn sterben, heißt, uns in seine gnädige Hand legen, jetzt, da nichts mehr uns tragen kann, als er allein. Dem Herrn sterben, das heißt, ihn an- beten, wo wir alles lassen müssen, nur ihn nicht. Solches Sterben läßt er sich wohlgefallen als für ihn getan. Solches Sterben darf dann aber auch zugleich ein Zeugnis sein für ihn, das letzte- und wohl auch das größte— Zeugnis, Jas ein Mensch auf Erden ablegen kann für seinen Herrn. Ihm sei Lob und Dank, daß wir unter das Leben und Sterben unseres Bruders Paul Schneider im Glauben dies Wort setzen durften:„Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, so sterben wir dem Herrn. Darum wir leben oder sterben, so sind wir des Herrn. Denn dazu ist Christus auch gestor- ben und auferstanden und wieder lebendig worden, daß er über Tote und Lebendige Herr sei.“ Er ist und bleibt der Herr unseres Bruders in Ewigkeit. Das ist der„Trost, mit dem wir getröstet werden von Gott“ (2. Korinther ı Vers 4), um dessen Thron in Ewigkeit versam- melt sind, die„überwunden haben durch das Wort ihres Zeug- nisses und haben ihr Leben nicht geliebt bis an den Tod,“ (Offenbarung 12, 11); sie, die„gekommen sind aus großer Trübsal und haben ihre Kleider gewaschen und haben ihre Kleider hell gemacht im Blut des Lammes“(Offenbarung 7,14).„Habe ich dir nicht gesagt, so du glauben würdest, du solltest die Herrlichkeit Gottes sehen?“ Darin erkenaen wir im Glauben die Herrlichkeit Gottes, daß— wie ver- schieden unsere Lebensführungen auch sein mögen— jeder von uns, der im Leben„unseres getreuen Heilandes Jesu Christi eigen“ ist, es auch im Tode bleiben darf. Ihr lieben Gemeinden Dickenschied und Womrath! Liebe Brüder und Schwestern! Gott gebe, daß das Zeugnis Eures Hirten, un- seres Bruders Euch erhalten bleibe und fortwirke durch Ge- nerationen hindurch, und daß es darüber hinaus lebendig bleibe und Frucht bringe in der ganzen Kirche. Wir wollen uns durch sein Zeugnis rufen lassen zu dem„einigen Trost 206 Diese: Paul| schriel Berich, Walter „Das M.Zah Leonh; enaen > VeL- jeder , Jesu lieben rund 1, un h Ge- endig rollen Trost PL LEI TERRPER PIIEFOR RD P ERSKER 2 ug> Ze= IRFLIEL RERKKERFERERBEIEDORRAR) ERKRRERDEIRRAN im Leben und im Sterben“, damit auch wir im Glauben be- kennen können: „Ich bin gewiß, daß weder Tod noch Leben... mag uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christo Jesu ist, un- serm Herrn.“ Jesu, Dir leb’ ich, Jesu, Dir sterb’ ich, Jesu, Dein bin ich, tot und lebendig! Amen. Schlußvermerk Dieses Buch wurde zusammengestellt aus Tagebucheintragungen und Briefen Paul Schneiders aus Freiheit und Gefangenschaft: Den verbindenden Text schrieb Margarete Schneider. Berichte aus folgenden KZ-Büchern wurden verwendet: Walter Poller:„Arztschreiber in Buchenwald“, Hamburg 1946. „Das war Buchenwald“, Leipzig, ohne Jahr. M. Zahnwetzer:„KZ-Buchenwald“, 1946. E Leonhard Steinwender:„Christus im KZ“, Salzburg 1946. 207 N ER UHREN THHNHNERENEEITERERFFFFFREDHEDDOTDDUY PET REFERENT n] h 4 1 \ M 1 x Der Inhalt Vorwott.des Herausgebers......2... ana: 5 Heimatund Kindheit>. 2... cu sn IL Schule und-Studiums... 2 2. ar. 15 Lehr- und Wanderjahter. u... a2 2 2 20 Hochelheim> st u ner ee ZI Seelsorge... 2 at reed ae Dee Eee 32 Kirchliche Sitte und Kirchenzucht.... 2.»2.2..0..203 36 Gemeindearbeit;....+. 2 2 RE ee eo 40 IOS2 1032, vos Be le ne ee a 43 Die letzten Monate in Hochelheim...... 2....... 45 Dickenschied 2.8 2.2 en Se ee so Der Sturm Horst Wessels-----.. 2... r0 000. 5I Entscheidungen im Kirchenkampf..... 2... vr... s6 Im Sommer 1035. Sie es a ae: 64 Die Wahl’1936 a. eo ee Rue 66 Kampf um Schule und Kirchenzucht............ 70 Predigt am Sonntag Estomihi 1997»... rc... 81 Haft und Ausweisung.ı 1... a. 87 Im Stapo-Gebäude in Koblenz............... 88 AUSGEWIESEN"... 0 eu ne oe ee 94 Brief.an.die Reichskanzlei”:.2.... u. 2a 2002 101 Zuuruck nach Dickenschied 7 2 2m er 109 Gefängnisbriefe vom 3.10. bis 24.11.1934.-:....... 117 Konzentrattonslagen= 2. 2 u aan 147 Erste Briefelaus Buchenwald„2 Vene 153 Tagerberichte: 1%. u... lee Se 161 Briefe’ aus der Artestzelle x»...... 0... oe 170 Daheim ren. ee ee ee 179 Häftlingsberichte über das Ende....... cr... 180 Die Gemeinden rüsten sich für das Begräbnis....... 183 „Gemeinschaft der Heiligen„0... 2.0... or 189 Rückblick auf den Tag der Beerdigung.......... 193 Predigt am’ Grabe:„0. 2, Na). Je Se 199 IB KAÄRFRHARNAÄRARHRHARAA EN) RAKHREE SED HAI IBRLERTARARI KEREBBELATT FRE ARAHBEDAARAHNG d Ä PEERHIEHHEEREF A N RR kt ft EI KEN = 1 EEE DE I An AR FAUNA aan AuH u HEEHERIN ıR HAN „, { { TUNHAAN, UM NIUHRNAHR IA NA HEIHRANN IA EE En 14H AN THAN A ANHRAHN ni KAHN han 4 IH IH I) ) AU TAN AHA SU NEU AHHNARA, AUMEH DAN LAN HRRANAINE TI KREHFINÄHNHE Colour& G rey Control Chart Blue Cyan Green Yellow Red Magenta White Grey 1 Grey 2 Grey 3 Grey 4 Black TRRTOFTRRERSRNERETEE ee.— N: i Ki Ein N k Pi f} } ı X N} ch i H ı I; " N AN BARLLLLELLLRU heiss MERRRRERRENFEHEEHRET RNIT Y Kt[|