| Rubınawıcz Ü "Pam:'enik Kuna prä dmıoty Klasa.-.. Rubmawicz Da nauki.... ' Rok szkalpy.... us Rubinawi zb n ‚Rubi bis IV vote s know D w) A 2 Rubınow icz U ESSEN JIESSEN MIN D8 488 Der Einband: Umschlag eines der fünf entdeckten Schulhefte, in die das jüdische Kind Dawid Rubinowicz seine Tagebuchaufzeichnungen eintrug. D. RUBINOWICZ+ «BODZENTYN® ul, Kielecka_N? 13 DAS TAGEBUCH DES DAWID RUBINOWICZ Heike Duill Marianne Giro Breidensteiner Weg 74 6000 Frankfurt/M. 90 Telefon 069/ 7893368 ww Verlag Volk und Welt- Berlin 1961 Titel der polnischen Originalausgabe: PAMIETNIK DAWIDA RUBINOWICZA Übersetzt von Stanislaw Zylinski 1. Auflage; Gemeinschaftsausgabe der Verlage „Ksiazka i Wiedza”, Warszawa und Verlag Volk und Welt, Berlin W8- L. N.302, 410/86/61 Printed in Poland Alle Rechte für die Deutsche Demokratische Republik vorbehalten © by„Ksigzka i Wiedza”, Warszawa 1960 Ausstattung: Rolf Jubisch Satz, Druck und Einband: Ars Polona Dieses Tagebuch schildert die Geschichte eines klei- nen Jungen und seiner Angehörigen in den schreck- lichen Jahren der faschistischen Okkupation Polens mit der ganzen Einfachheit der kindlichen Sprache; um so größer ist der Eindruck, den es hinter- läßt. Was der kleine Dawid beschreibt, mag manchem heute unbegreiflich und gespenstisch scheinen- es ist jedoch das Spiegelbild einer Wirklichkeit, die Millionen Polen und Juden in jenen schweren Jah- ren durchgemacht haben. Mit aller Sorgfalt müssen wir die Erinnerung an diese Epoche bewahren. Solche Aufzeichnungen, die die Wirklichkeit selbst diktiert, haben doku- mentarischen Wert und sind eine Mahnung. Jeder, der die einfachen Worte, die einfachen Sätze des leidenden, so sehr sympathischen kleinen Jungen liest, wird zweifellos sagen: Nie wieder! Nie wie- der eine Zeit der Menschenverachtung, nie wieder eine Epoche der Verbrennungsöfen. Zusammen mit Dawidek leiden wir, und zugleich sind wir stolz, daß dieser kleine Junge soviel Kraft, soviel Edelmut, soviel Intelligenz aufgebracht hat, Tag für Tag, Woche für Woche seine Erlebnisse in der schönen Sprache der polnischen Provinz nieder- zuschreiben. War sich dieser Junge, fast noch ein Kind, bewußt, daß das, was er in seinen Schulheften naiv aufzeichnete, einst eine große Anklageschrift gegen seine damaligen Verfolger werden würde, über deren Spuren keineswegs schon Gras gewach- sen ist, die noch nicht mit Sand verschüttet sind? Die Verfolger Dawideks heben ihr Haupt. Wir müs- sen ihnen entschieden antworten: Nein! Wir lassen nicht zu, daß sich wiederholt, was Dawidek und seine Familie durchmachen mußte, was die Millio- nen Menschen erlebten, die von ihren unmenschli- chen Verfolgern erschossen, vergast oder durch eine Spritze getötet wurden. Mir scheint, daß wir die Erinnerungen an die dama- lige Zeit ein wenig verdrängt haben, daß wir viel- leicht zu sehr vergessen wollten. Selbst die Insti- tutionen, denen die Pflege dieser Erinnerungen ob- liegt, haben in ihrer Tätigkeit nachgelassen oder sie sogar gehemmt. Das Echo, das Dawideks Tagebuch in der ganzen Welt geweckt hat, beweist, daß die faschistischen Verbrechen nicht vergessen sind. Arortau Lrauteir i Fi _ laki:. MIR hi,, ”* L L. 4 N, wi.. r Ei“ nauki...H. ° Rok uk. 14H)... rraamietn a ur ee . ‚’ WE oh“ .% i$ N, "NA BUDOWE SZKOL .» POWSZECHNYCH .\ y DI a,* E- I NG Ex Dr 7N! i hj jan a 5 4 Lil\uhidild Lulu a Die in dem Tagebuch genannten Ortschaften, wie das Dorf Krajno, die Siedlung Bieliny, die Städt- chen Bodzentyn, Suchedniöw und einige andere, liegen im Kreis Kielce. Während der nazistischen Besetzung war dieser Kreis einer der zehn Kreise des Distrikts Radom, dem drei Städte unter Sonder- verwaltung- Radom, Kielce und Czestochowa- an- gehörten. Der Distrikt Radom umfa ßte 25 500 Qua- dratkilometer undhattenach Angaben vom 10. März 1940 insgesamt 2 726 516 Einwohner, davon mehr als 360 000 Juden. Im Kreis Kielce lebten nach An- gaben aus dem Jahre 1941 etwa 33 000 Juden. Der Distrikt Radom war einer der vier Distrikte- Warszawa, Lublin, Kielce, Radom-, die das von den nazistischen Okkupanten in Zentralpolen geschaf- fene sogenannte Generalgouvernement(kurz GG) bildeten. Am 1. August 1941 kam ein fünfter Di- strikt, das sogenannte Galizien, hinzu. Vor und nach dem Ausbruch des zweiten Weltkrie- ges, bis zum Jahre 1942, wohnten in der Gemeinde Krajno sieben jüdische Familien, in den Nachbar- gemeinden Beczköw zwei Familien, Görno drei Fa- milien und Wola Jarochowa zwei Familien. In den Gemeinden Bieliny Poduchowne und Bieliny Kapi- tulne lebten insgesamt 79 Juden. DAS JAHR 1940 21. März: Frühmorgens bin ich durch das Dorf ge- gangen, in dem wir wohnen. Von weitem sah ich an der Mauer des Ladens eine Bekanntmachung, ich ging schnell hin, sie zu lesen. Die neue Bekanntma- chung war, daß die Juden überhaupt nicht mit Fuhrwerken fahren dürfen(mit der Eisenbahn war schon lange verboten). Dawidek hatte recht, denn schon am 26. Januar 1940 erließ der Generalgouverneur H. Frank eine Verfügung, die den Juden die Benutzung der Eisen- bahnen, Straßenbahnen und Autobusse verbot. Durch eine weitere Verfügung vom 20. Februar 1941 wurde der jüdischen Bevölkerung im GG überhaupt verboten, Verkehrsmittel zu benutzen; das Verbot erstreckte sich also selbst auf Pferde- droschken, Pferdewagen, Schlitten und so weiter. Diese Verfügung hing unmittelbar mit der dama- ligen Absicht der Okkupanten zusammen, abge- schlossene Wohnviertel, Ghettos, für die jüdische Bevölkerung zu bilden. 4. April: Heute bin ich früher aufgestanden, weil ich nach Kielce gehen sollte. Nach dem Frühstück 10) meinem Bruder in den Wald nach Pilzen gegangen, ging ich raus. Es war traurig, so allein die Feldwege entlangzugehen. Nach vier Stunden war ich in Kiel- ce. Als ich beim Onkel hineinkam, sah ich, daß sie alle so traurig dasaßen, und ich erfuhr, daß Juden aus verschiedenen Straßen ausgesiedelt werden, und da wurde ich auch traurig. Abends ging ich auf die Straße raus, was zu besorgen. 5. April: Die ganze Nacht konnte ich nicht schlafen, so seltsame Gedanken kamen mir in den Kopf. Nach dem Frühstück ging ich nach Hause. 12. April: Der Vater hat mir erlaubt, daß ich Rad- fahren lernen darf. Also ging ich zu einem Jungen, der ein Fahrrad hat, damit er mich Radfahren lehr- te. Er war damit einverstanden. 20. April: Heute bin ich auch radgefahren, ich kann schon allein aufsteigen. Mehr wollte er mir aber nicht beibringen. 14. Mai: Es ist schon die zweite Woche- und es regnet und regnet. Ich habe nicht einmal was in mein Tagebuch zu schreiben. 28. Mai: Heute bin ich zum erstenmal im Leben mit obwohl wir doch den Weg gar nicht kannten. Ob- wohl wir zum erstenmal Pilze suchen waren, haben wir doch eine Menge Morcheln gefunden, denn Pilze gibt es überhaupt noch nicht. 9. Juni: Heute hat deutsches Militär geübt. Das gan- ze Militär hat sich auf den Feldern verstreut, sie haben Maschinengewehre aufgestellt und aufeinan- der geschossen. 18. Juni: Die Polizei hat bei uns Haussuchung ge- macht nach irgendwelchen Militärsachen. Die Po- lizisten fragten mich: Wo sind die Sachen, aber ich antwortete immer, daß keine da sind, und Schluß. Sie haben also nichts gefunden und sind gegangen. 30. Juni: Ich fühle mich irgendwie schwach, ich habe etwas Fieber. Mutter sagte, ich soll mich ins Bett legen, aber ich wollte nicht, aber dann habe ich mich hingelegt. Ich habe Grippe gekriegt. Ich hatte schon keinen Appetit mehr und nur ein biß- chen Haferschleim gegessen. 7. Juli: Seit einer Woche bin ich schon krank, heute fühle ich mich ein bißchen besser. Ich habe mich ans Fenster gesetzt und auf die grünen Felder ge- schaut. Es war angenehm, so zu gucken, wo ich 1 doch schon eine ganze Woche nicht aus dem Fen- ster geguckt habe. 11. Juli: Ich fühle mich schon gesund. Ich bin schon auf den Hof rausgegangen, die Sonne schien, und es war heiß. Den ganzen Tag bin ich draußen ge- blieben, weil ich es nicht aushielt, zu Hause zu sein. 16. Juli: Tag für Tag werde ich froher nach dieser Krankheit. Wie auch die heutigen Tage immer fro- her und sonniger werden. 5. August: Gestern kam der Gemeindediener zum Dorfschulzen und sagte, daß alle Juden mit Fami- lien zur Registrierung ins Gemeindeamt gehen müs- sen. Wir waren dort einige Stunden. Denn die Er- wachsenen wählten den Rat der älteren Juden. Dann sind wir nach Hause gegangen. Diese Registrierung hing mit der Einführung der| Arbeitsdienstpflicht für die jüdischen Einwohner| im Alter von 14 bis 60 Jahren zusammen, die ver-| schiedene Arbeiten für die Besatzungsbehörden ausführen mußten. Bereits am 29. November 1939 ordnete der Generalgouverneur H. Frank die Bil- EEE dung von Judenräten an oder, wie Dawidek sie 12 nennt, Räten der älteren Juden. Diese Räte haben im allgemeinen, vor allem in den großen Städten, sehr eifrig die Anordnungen und Befehle der Be- satzungsbehörden ausgeführt. Ein solcher Rat für einige Gemeinden wurde hier, wie oben ersichtlich, ziemlich spät gewählt; das war durch die dörflichen Verhältnisse bedingt. 12. August: Schon die ganze Kriegszeit lerne ich allein zu Hause. Wenn ich daran denke, wie ich zur Schule ging, dann möchte ich direkt weinen, und heute muß ich zu Hause sein und kann nirgendwo hingehen. Und wenn ich so bedenke, welche Kriege vor sich gehen in der Welt, wie viele Menschen täglich fallen, durch Kugeln, durch Gas, durch Bomben, durch Epidemien und andere Feinde der Menschen, dann habe ich zu nichts Lust. 18. August: Das jüdische Rote Kreuz hat aus Bo- dzentyn mehrere Kranke(sie haben eine anstek- kende Krankheit) nach Kielce ins Krankenhaus ge- bracht. 1. September: Heute ist der erste Jahrestag des Kriegsausbruchs. Ich erinnere mich, was wir in der kurzen Zeit schon durchgemacht haben, wieviel Leiden wir schon erlebt haben. Vor dem Kriege hatte jeder seine Beschäftigung, fast niemand war 15 14 ohne Arbeit. Aber bei den heutigen Kriegen, da sind 90°/o arbeitslos, und nur 10°/o haben Beschäf- tigung. Wie wir, wir hatten eine Molkerei, und heute sind wir ganz arbeitslos. Da sind nur noch ein paar Vorräte aus der Zeit vor dem Kriege, da- von nimmt man noch, aber sie gehen doch schon zu Ende, und dann wissen wir nicht mehr, was wir tun werden. 13. Dezember: Der Dorfschulze sagte, wir müssen aus der Wohnung raus, weiler in die Wohnung kon- tingentierte Kartoffeln reinschütten will. Mit Not hat der Vater beim Schulzen ausgebeten, die Leute möchten die Kartoffeln anfahren, wo früher die Molkerei war. 14. Dezember: Heute haben sie angefangen, die Kartoffeln zu bringen. Heute wurden ungefähr 40 Zentner angefahren. 16. Dezember: Heute haben die Bauern den ganzen Tag Kontingentkartoffeln angefahren. 28. Dezember: Der Winter hat gerade erst begon- nen, aber Schneetreiben gibt es schon einige Tage. Nicht einmal auf den Hof kann man rausgehen, so zwickt der Frost am Gesicht und an den Händen. DAS JAHR 1941 21. März: Andere Jahre um diese Zeit haben schon die Feldarbeiten begonnen. Und heute ist noch Winter, so, als ob noch Januar wäre, nicht März. Großer Frost und Schneetreiben. 24. März: Heute ist es ein bißchen wärmer. Deut- sches Militär ist vorbeigefahren. Das meiste war Kavallerie. Ich stand am Fenster und guckte dem Militär zu, wie sie vorbeifuhren. Im Kopf begann es mir zu drehen von soviel Fahrzeugen und Ka- vallerie. Es fuhr auch schwere Artillerie. Es machte Spaß, das ziehende Militär zu sehen, wo bei uns ganz selten Militär vorbeikommt. 1. April: Um 10 Uhr kam ein Jude aus Kielce vor- bei und sagte, daß von heute an ein Judenviertel in Kielce sein wird. Ich war über diese schlechte Nachricht so aufgeregt, daß ich den ganzen Tag nicht wußte, was mit mir geschah. Am selben Tag sindsogar schon Juden, dieirgendwelche Verwandte außerhalb des Judenviertels haben, aus Kielce raus und zu ihren Familien gefahren. Wir aber ha- ben fast die ganze Familie in Kielce, was werden sie jetzt bloß anfangen. Und die Teuerung wird 15 doch gewaltig sein, wie in anderen Städten, wo sol- che Viertel sind. Der Onkel kam heute aus Kielce, zu beraten, was er tun soll. Der Papa sagte ihm, er soll vorläufig kommen, was wir tun werden, das macht er auch. Also ging er, ein Fuhrwerk für mor- gen zu bestellen. Es stimmt, daß der Stadtkommandant von Kielce, Hans Drechsel, gestützt auf eine allgemeine Ver- fügung des Distriktchefs von Radom, Karl Lasch, am 31. März 1941 angeordnet hat, ein Judenviertel in Kielce zu bilden. Punkt 4 der Anordnung Drech- sels lautet:„Die außerhalb des Judenviertels woh- nenden Juden haben bis Sonnabend, den 5. April, 12 Uhr mittags in das Judenviertel umzuziehen.“ In Punkt 5 heißt es warnend:„Juden, die bis zum angegebenen Termin nicht in das Judenviertel um- gezogen sind, werden zwangsweise aus der Stadt Kielce ausgesiedelt. Bei dieser zwangsweisen Aus- siedelung wird es ihnen verboten sein, Möbel, Wa- renvorräte usw. mitzunehmen.“ 2. April: Frühmorgens war der Onkel nach Kielce gefahren, die Sachen zu holen, die dort sind. Den ganzen Tag fuhren und fuhren die Fuhrwerke mit Sachen. Die mit ihnen fuhren, waren verweint und 16 hatten zu nichts Lust. Der Onkel sollte gegen 3 Uhr nachm. kommen. Und da kam schon der Abend, und er war immer noch nicht aus Kielce zurück. Wir wußten nicht, was wir davon denken sollten, was dort passiert war. Den ganzen Abend warteten wir auf sie, erst um 2 Uhr nachts kamen sie an. 3. April: Heute kamen auch viel Fuhrwerke mit Sa- chen angefahren. Abends, als wir dasaßen und uns mit dem Onkel erzählten, kam ein anderer Onkel, ich überlegte, wo sie nur bei uns bleiben werden. 4. April: Der Onkel, der gestern kam, ist heute nach Beczköw gefahren, denn er ist Schneider und hat dort gearbeitet. 9. April: Wir haben erfahren, daß der Onkel, als er nach Beczköw fuhr, es sich überlegt hat und ins Ju- denviertel zurückgefahren ist. Wir machten uns deshalb große Sorgen, denn wir wußten ganz genau, daß er dort nichts zu essen haben würde. Wie er ge- arbeitet hat, so hat er sich immer ernährt. Und heute geht es so vielen Leuten wie ihm. Der Termin zum Übersiedeln war nur vom 1. April bis heute mittag 12 Uhr. 23. April: Zu uns ist ein Junge aus diesem Viertel gekommen. Er hat erzählt, 2 Kilo Schwarzbrot 17 kosten 11 Zloty, das Kilo Kartoffeln kostet 1,5 Zloty usw. Ich dachte mir so, wie viele Menschen vor Hunger sterben, wie viele Leute Kartoffelschalen und andere Sachen essen, wovon Krankheiten kom- men. Von solchem Essen kommen doch verschie- dene Krankheiten, und Hunderte Menschen ster- ben daran. 14. Mai: Heute ist schon Mitte Mai, und die Früh- jahrsbestellung hat noch nicht einmal angefangen. Von Tag zu Tag wird alles, alles teurer, erst hat das Brot 5 Zioty gekostet, und jetzt kostet es schon 10 Zioty, so wird alles teurer, daß man für Geld nichts kaufen kann. Das wird der zweite Krieg sein. 25. Mai: Schon seit einer Woche ist es ganz warm. Die Feldarbeiten gehen zu Ende. Nur die Lebens- mittel sind so schrecklich teuer. Hunderte von Men- schen sterben vor Hunger, und Tausende gibt es, die nicht mal die erste Mahlzeit haben. Fast jeden Tag kommen Briefe, daß man diesem oder jenem Le- bensmittel kaufen möge, dabei können wir uns selbst nicht mal was kaufen. 12. Juni: Heute haben die Gendarmen bei einem reichen Bauern Haussuchung gemacht, weil ihn je- 18 mand angezeigt hat. Sie haben ihm 4 Zentner Wei- zen genommen, 3 Zentner Roggen, 10 Zentner Kar- toffeln und 4 Zentner Hafer, und er mußte alles nach Bieliny fahren. Sie haben ihn eingesperrt, weil er Getreide so teuer verkauft hat. 13. Juni: Auch heute haben Gendarmen bei reichen Bauern Haussuchung gemacht. 14. Juni: Nach dem Mittag saß ich am Tisch, und da sah ich, wie eine Pferdekutsche mit Gendar- men angefahren kam. Sie hielten bei uns an, ka- men rein und fingen gleich an, eine Haussuchung zu machen; als sie jede Ecke durchsucht hatten, sagten sie, daß der Vater am 16. zu ihnen kommen muß. Wir haben überhaupt nicht gewußt, was sie suchten. 16. Juni: Heute früh ist der Papa zur Gendarmerie gegangen, die Mama ist auch mitgegangen. Als der Papa aus dem Hause ging, waren wir alle sehr trau- rig, stundenlang habe ich aus dem Fenster geguckt und gedacht, vielleicht kommen sie, aber eine Stun- de nach der anderen verging, und sie waren nicht zu sehen, ich habe mir allerlei Gedanken gemacht, ob sie verhaftet worden sind, ob es diese Gendar- men gar nicht gibt, ich wußte selbst nicht mehr, was ich denken sollte. Ich habe meine Pantoffeln 19 genommen und bin zum Schuster gegangen, daß er mir Riemen dranmacht. Ich saß beim Schuster, weil ich auf meine Pantoffeln wartete, da kam ein Junge aus Bieliny angelaufen und zum Schuster rein, weil er nicht wußte, wo wir wohnen, und sag- te, der Onkel soll schnell zur Gendarmerie gehen, er soll sagen, wessen Getreide das war, weil sie den Papa vorläufig verhaftet haben. Sofort sind wir nach Hause gelaufen mit dieser schlimmen Nach- richt. Alle erschraken darüber. Der Onkel ging gleich zur Gendarmerie, und die Tante ging auch mit. Und wir Kinder sind allein geblieben, nur mit der Großmutter. Abendbrot haben wir gar nicht gegessen, um 12 Uhr habe ich mich schlafen gelegt. 17. Juni: Aus Poludniowa ist Zelman zu uns gekom- men, wir waren sehr neugierig, warum er kam. Er sagte, daß aus Bieliny einer mit dem Fahrrad gekommen ist und gesagt hat, daß wir alle besseren Sachen, Kleidung und Wäsche verstecken müssen, weil die Gendarmerie noch einmal herkommen wird. Noch als er da war, haben wir alle besseren Sachen versteckt. Ich bin öfters rausgegangen, zu sehen, ob sie kommen, aber sie waren nicht zu sehen. Im Dorfe herrschte furchtbare Panik, so, als wenn Banditen kommen sollten. Und dann sind sie gekommen, zuerst haben sie Haussuchung bei einem Bauern gemacht und sind dann weggefahren. Als sie nah bei uns waren, habe ich geglaubt, daß mein Herz rausspringt, so hat es geschlagen; aber, Gott sei Dank, die Gendarmen sind nicht zu uns gekom- men, aber sicher wollten sie zu uns kommen. Aber ich habe gesagt, wenn sie zurückkommen, dann kommen sie zu uns rein. Wir hatten solche Angst, daß wir nicht wußten, was mit uns geschah; als sie dann noch mal kamen, waren sie wieder nicht bei uns. Ich bin gleich hinterher gegangen, zu sehen, ob sie nicht noch irgendwo hingingen. Sie gingen da- hin, wo sie schon morgens gewesen waren. Ob sie da was requiriert haben, kann ich nicht sagen, weil ich es nicht weiß. Ich bin gleich zum Vetter gelau- fen, er sollte mit dem Fahrrad nach Bieliny fahren und ihnen Essen hinbringen, denn sie haben für eine so lange Zeit doch nichts mitgenommen. Ich habe ihm dann ein Päckchen gebracht, und er fuhr gleich los. Als ich nach Hause kam, habe ich was geges- sen, der Bruder hat die Kuh rausgeführt, der Bru- der hat gar nicht essen können. Ich bin zum Bruder gegangen, damit er zum Essen kommt. Als ich die Kuh hütete, kam die Schwester zu mir gerannt und sagte, Unsere kommen schon. Ich freute mich sehr, als sie mir das sagte. Der Vetter war schon da, weil er sie unterwegs getroffen hatte. Ich bin gleich nach 21 99 das Getöse vom ganzen Tag verstanden. Hause gerannt, ob sie schon da waren. Vielleicht nach einer halben Stunde kamen sie. Man kann sich vorstellen, wie groß die Freude war, als wir sie sahen. Papa erzählte, wie es ihnen im Gefängnis gegangen ist, wer ihnen genug Essen gegeben hat, alles hat er uns genau erzählt. 18. Juni: Gestern habe ich vergessen aufzuschrei- ben, wie Zelman zu uns kam und erzählte, daß alle verhaftet wurden, aber daß sie, Gott sei Dank, zu- rück sind. Nach dem Gestrigen fühlte ich mich ir- gendwie gestärkt. In diesen paar Tagen habe ich so viel Kraft verloren, daß ich nicht weiß, ob ich sie in 3 Monaten wiederbekomme. 20. Juni: Wir waren im Wald Holz holen. Angenehm war es im Wald, ich habe drei Pilze gefunden, und jeder nahm ein Bündel Reisig mit. 22. Juni: Es war noch dunkel, als Vater uns alle weckte und sagte, wir sollten horchen, was für ein furchtbares Getöse von Nordosten kam. Das war so ein Getöse, daß die Erde bebte. Den ganzen Tag war das Donnern zu hören. Gegen Abend kamen Juden aus Kielce vorbei und sagten, daß Sowjetrußland mit den Deutschen Krieg führt, und da erst habe ich 24. Juni: Mitten im Gespräch hörten wir irgendwie ein schreckliches Flugzeugbrummen. Nach ein paar Minuten hörten wir, daß Kasernen in Buköwka bombardiert wurden von den Flugzeugen, die eben vorbeigeflogen waren. Ich war nicht erschrocken, trotz des schweren Bombenkrachs. Die Tante aber, die hat sich sehr erschrocken. 26. Juni: Das Getöse hört man immer noch, manch- mal noch besser. Geregnet hat es schon seit zwei Wochen nicht, wenn es noch 2 Tage so bleibt, dann wird alles verwelken. Es ist schon sehr trocken, die Chaussee kann man gar nicht langgehen, so brennt und würgt der Sand. 29. Juni: Heute sind die Schüsse irgendwie nicht mehr zu hören, nur von Zeit zu Zeit hört man Don- nern. Von Norden zieht eine Wolke heran, aus der Regen kommen kann. Danach dürsten die Menschen und auch alle nur lebenden Pflanzen. Die Wolke kam und auch der ersehnte Regen. Über eine Stun- de hat es geregnet, ein bißchen zuwenig für die ver- durstete Erde. 3. Juli: Ich habe mich mit einem Jungen verabredet, daß wir im Wald Holz holen. Nach dem Mittagessen sind wir in den Wald gegangen, Als wir im Wald 23 Holz sammelten, haben wir einen Fuchs gesehen, ein bißchen kriegten wir Angst, aber der Fuchs kriegte vor uns auch Angst und lief weg, wir haben weiter Reisig gesammelt. 10. Juli: Eine sehr schwere Zeit ist gekommen. Jede Stunde ist schwer zu durchleben. Immer haben wir etwas Lebensmittelvorräte gehabt, wenn auch nur für einen Monat, und jetzt ist es schwer, für einen Tag Lebensmittel zu kaufen. Kein Tag vergeht, daß nicht einer betteln kommt; wer immer auch kommt, will nichts anderes, nur essen, was jetzt am schwer- sten ist. 11. Juli: Jungen, die in den Wald nach Beeren gin- gen, haben auch uns gerufen. Wir nahmen eine Schüssel mit. Zum erstenmal in diesem Sommer gingen wirin den Wald nach Beeren. Als wir anka- men, fingen wir gleich an, Blaubeeren zu pflücken. Es macht Spaß, Blaubeeren zu pflücken, nur die Mücken und Fliegen haben sehr gestochen. Wir ha- ben die Schüssel voll gesammelt und sind nach Hause gegangen, 5 Liter haben wir gesammelt für den Anfang. 14. Juli: Heute fuhren zwei Autos mit deutscher Gendarmerie aus Kielce vorbei. Man sagte, sie fah- ren nach Bodzentyn Haussuchung machen. Als sie vorbei waren, kam gleich der Onkel, aber er wußte nichts, weil sie unterwegs an ihm vorbeigefahren waren, und er sagte, daß sein Sohn am Abend zu- rückkommt, dann wird er sagen, wohin sie gefah- ren sind. Nachmittags kam er und erzählte, daß sie noch hinter Bodzentyn in ein Dorf gefahren sind, weil die Bauern kein Vieh auf Kontingent abgege- ben haben, da haben sie viele Kühe mitgenommen. 16. Juli: Heute war schönes Wetter im Walde. Gleich morgens waren wir Beeren sammeln gegan- gen und hatten schon ganze Menge gepflückt, eine halbe Schüssel voll, da fiel so ein Nebel im Walde, esfinganzuregnen, und wir sind gleich nach Hause gelaufen. Ehe wir aus dem Walde kamen, waren wir ganz durchgeweicht. Als wir zu Hause anka- men, haben wir uns umgezogen. 17. Juli: Als ich auf dem Hof stand, da sah ich ein Fräulein, das radfuhr und plötzlich das Gleichge- wicht verlor. Sie fuhr an der Biegung vorbei, fiel hin und fing an, laut zu schreien. Der Vater ging gleich zu ihr hin und zog sie unter dem Fahrrad hervor. Sie hatte sich das Knie bis auf den Kno- chen verletzt. Sie schrie schrecklich vor Schmerz. Mama hat ihr gleich einen Verband gemacht, und 96 Rumpf für sich und die Beine. Der Körper war gar sie hat noch einige Minuten gesessen. Dann kam gleich der Fahrradbesitzer und hat sie auf dem Rad mit sich genommen. 18. Juli: Das Fräulein, das sich gestern das Knie verletzte, haben sie heute nach Kielce ins Kranken- haus gebracht, sie hatten sie erst heute nach Bo- dzentyn gebracht und von dort gleich nach Kielce gefahren. 22. Juli: Der Himmel bezog sich schon am Morgen, in der Mittagszeit kam eine kleine Gewitterwolke mit einem schrecklichen Blitz. Jedesmal, wenn es donnerte, erzitterte die Erde. Und da!- da kommt ein Mädchen angelaufen und sagt, eine Kuh ist vom Blitz erschlagen und der Vater möchte kommen, sie abdecken, aber der Vater ging nicht. Als der Regen aufhörte, gingen wir zu diesem Bauern. 30. Juli: Als ich die Kuh vom Felde heimtrieb, sah ich, daß da ein Lastauto beim Grab des Deutschen stand. Anfangs dachte ich, sie reparieren, als ich näher kam, sah ich, daß sie die Leichenreste des Deutschen herausholten, der zu Anfang des Krieges gefallen war. Alle Teile des Körpers habe ich gese- hen, den Kopf für sich, die Arme für sich, den nicht da. Nichts war zu riechen, weil sie irgendeine Flüssigkeit gegossen hatten. Auf dem Auto waren schon zwei gefüllte Särge, und außerdem waren noch viele leere Särge da. Die Grube haben sie wieder zugeschüttet und irgendein Pulver auf diese Stelle gestreut. 4. August: Vom frühen Morgen an hat die Sonne schrecklich gebrannt. Wir gingen in den Wald Holz holen, aber wir konnten nicht zurück, so schwül war es. Nachmittags kamen zwei große Wolken, eine von Nordost, die andere von Südwest, und beide gingen aufeinander zu. Gegen Abend stießen beide Wolken zusammen, und es kam ein schreck- licher Wolkenbruch mit riesigen Blitzen. Es gab keine Minute, wo esnicht einige Male geblitzt hätte. Im Hause war es so hell wie am Tage, und wenn es donnerte, bebte die Erde. Wir sagten, das ist wohl schon das Ende der Welt. Das Wasser bedeckte alle Felder, was auf dem Wege war, das schwamm alles mit dem Wasser davon. Der Onkel ging mehrere Male auf den Hof raus, er sagte, daß die Wolken vom Norden schrecklich rot waren, und wir wußten nicht, was das war. Dann stehe ich am Fenster und sehe, daß es irgendwo brennt. Wir gingen sofort hinaus, und nicht weit von uns brannte es. Dann entstand große Panik, aber niemand ging dahin, JR 28) weil das Donnern nicht aufhörte, sondern zunahm. Der Brand hörte bald auf, weil der Regen das Feuer erstickte. Dieses furchtbare Gewitter dauerte 2'/2 Stunden, dann zog die Wolke nach Norden ab. 9. August: Gleich morgens ging ich raus nachsehen, was für Schaden das Wasser beim gestrigen Sturm angerichtet hat. Alles ist voller Löcher, auf dem Feld sind keine (hier fehlt eine ganze Seite) am späten Nachmittag haben wir Kalk gelöscht. Ich und der Dienstmann haben Wasser getragen, und der andere hat den Kalk gerührt. Abends sind wir nach Hause gegangen. 3. September: Heute kam der Kommissar zu uns, wir sollen morgen zur Arbeit kommen. 4. September: Um 8 Uhr ging ich raus zur Arbeit, nicht nur ich, es gingen noch mehrere Jungen. Als wir ankamen, da sagte der Dienstmann, daß ich und noch ein Junge dem Maurer Ziegelsteine reichen sollten. Die Arbeit war nicht schwer, aber sie war mir zuwider. Als wir gehen wollten, sagte der Sekretär, daß wir um 7 Uhr zur Arbeit kommen sollen. Die allgemeine Zwangsarbeit für die jüdische Be- völkerung im GG wurde auf Anordnung H. Franks am 26. Oktober 1939 eingeführt. Die zweite Aus- führungsbestimmung, herausgegeben vom SS- und Polizeiführer im GG, Friedrich Krüger, am 12. Dezember 1939, dehnte die Anordnung auf alle Juden im Alter von 12 bis 60 Jahren aus und be- stimmte sowohl das Einberufungsverfahren zur Zwangsarbeit als auch die Strafen bei Nichtbefol- gen dieser Anordnung. Deshalb mußte auch Dawi- dek, der am 27. Juli 1927 geboren war, für die Okkupanten arbeiten. Seine Arbeitspflicht erfüllte er zusammen mit anderen vor allem beim Schnee- schaufeln und bei der Instandsetzung des Gebäudes des Gemeindeamtes in Görno. 7.September: Heute gingen wir wieder zur Arbeit. Heute waren einige Dutzend Personen zur Arbeit gekommen. Einige Personen gingen das Gemeinde- gefängnis kalken und ausscheuern, ich bin mitge- gangen. Weil viele Personen da waren, haben wir die Arbeit früh beendet und sind nach Hause ge- gangen. 16. September: Vom frühen Morgen an ist gutes Wetter. Nach dem Mittagessen gingen wir in den Wald Holz holen. Im Walde beim Holzsuchen 29 30 habe ich ein Maschinengewehr gefunden. Ich war dadurch so verstört, daß mir die Beine zit- terten. 21. September: Der Gendarm aus Bieliny, der auf dem Motorrad nach Bodzentyn fuhr, fuhr so schnell, daß ihm das Motorrad kaputtging. Er konn- te es nirgends lassen, so schob er es bei uns auf den Flur. Da kamen gerade Juden, die auf dem Wege nach Bodzentyn waren, und dieser Gendarm fing an, sie zu kontrollieren, und dabei kriegte ein Jude von ihm feste Prügel. Er sagte ihnen, sie sollten einen Mechaniker zum Motorrad schicken. Um 8 Uhr abends kam der Mechaniker auf einem Motorrad angefahren und ging an die Arbeit. Ich hab mit Interesse zugeguckt. Um 12 Uhr war das Motorrad fertig. Es waren zwei Mechaniker, sie waren mit Motorrädern nach Bodzentyn gefahren, wo sie noch was fertig machen und morgen nach Bieliny bringen mußten. 7. Oktober: Vorige Woche hat die Polizei bei zwei Bauern ein geschlachtetes Schwein gefunden, und das Fleisch haben sie nach der Gendarmerie wegge- fahren. Die Polizei hat ihnen gesagt, daß sie sich heute bei der Ortspolizei melden müssen, einer hat sich gemeldet, der andere aber war nicht gegangen, dann kam also die Polizei ihn holen. Als sie ins Haus kamen, trafen sie ihn beim Anziehen, und als er die Polizei erblickte, lief er weg. Die Polizei verfolgte ihn, und als sie sahen, daß sie ihn nicht kriegten, fingen sie an zu schießen und trafen ihn in die rechte Seite. Aber er war nicht tot. Die Poli- zei telefonierte gleich nach Kielce nach einem Taxi, das kam in wenigen Minuten und brachte ihn ins Krankenhaus. Beim Telefonieren riß sich der Gen- darm die Haare vom Kopfe, so tat es ihm leid, was er gemacht hatte. 12. Oktober: Morgens hat es anfangs geregnet, dann verwandelte sich der Regen in Graupelschnee. Spä- ter kam dann ein solches Schneetreiben, daß man nicht auf den Hof rausgehen kennte. Um die Mit- tagszeit fing es an zu frieren, und der Winter war da. Heute war es wie am 12. Januar und nicht wie Oktober. 13. Oktober: Schon am frühen Morgen kam ein Gendarm mit dem Motorrad nach Bodzentyn ge- fahren. Er kam zu uns herein, sich wärmen. Als er im Hause war, sagte er, daß ihm die Juden in Krajno zwei Schaffelle für einen Pelz kaufen soll- ten. Als er zurückfuhr, ging er in den Laden und rief Mama, daß sie ihm dolmetschen sollte. Als die 31 39 Hause gingen, sagten uns Leute, daß Gendarmen in Mutter aus dem Laden kam, gab ihr der Gendarm !/s Liter Schnaps. 15. September: Frühmorgens sind wir nach Görno gegangen zur Betschule, denn heute ist Feiertag. Als wir in Görno ankamen, da hat man uns gesagt, daß die Deutschen im Dorfe sind, Nach einer Weile kamen sie und sagten, die Älteren sollten mit ihnen zu irgendeiner Arbeit gehen. Mehrere Männer flo- hen hinter den Zaun und einer auf den Dachboden, als er sah, daß die Deutschen kamen. Als die Deut- schen weggingen, sagte ihnen eine Frau, daß die Männer sich versteckt hatten. Als mein Onkel sah, daß sie weg waren, ging er nach Haus zurück. Als er ins Haus kam, merkte ich, daß sie wiederkamen, und da sagte ich dem Onkel, er soll eine andere Mütze aufsetzen und eine andere Jacke anziehen, damit sie ihn nicht erkennen, wo sie ihn doch schon gesehen hatten, als er weggelaufen war. Als die Deutschen zum zweitenmal kamen, erkannten sie den Onkel nicht und fragten, wo sind die ande- ren, sie haben sie gesucht, aber keinen gefunden. Dem Vater haben sie nichts gesagt, weil er von jeder Arbeit befreit ist. Als sie keinen fanden, sag- ten sie, daß jeder nach Hause gehen soll, daß es heute keine Andacht hier geben wird. Als wir nach Krajno rumgingen nach Kontingenten und Kühe nahmen und Bauern, die nichts auf Kontingente gegeben hatten. Wir glauben, diese Tagebucheintragung ist nicht am 15. September, sondern am 15. Oktober 1941 gemacht worden, weil das jüdische Fest Simchat Tora(das Fest der Zelte) im Jahre 1941 auf den 14. Oktober fiel. Anderntags, am 15. Oktober, trug Dawidek ein, daß er nach Görno zur Gebetsschule gegangen war, da ein religiöser Jude an hohen Feiertagen nicht schreiben darf. Der 15. September 1941 war kein Feiertag. 1. November: Heute waren in Kielce Bekanntma- chungen ausgehängt, daß jeder, der in das„Jüdi- sche Wohnviertel“ hineingeht oder rausgeht, mit dem Tode bestraft wird. Bis jetzt konnte man näm- lich aus dem Viertel raus und reingehen. Diese Nachricht hat mich sehr traurig gemacht, nicht nur mich, sondern jeden Israeliten, der das gehört hat. Nicht nur in Kielce wurden diese Bekanntma- chungen ausgehängt, sondern in allen Städten des Generalgouvernements(so heißt der Teil, der frü- her Polen war). Am 15. Oktober 1941 erließ der Generalgouver- neur H. Frank eine Verfügung, die der jüdischen 33 3 Bevölkerung unter Androhung der Todesstrafe verbot, das Ghetto zu verlassen. Die Verfügung trat am Tage ihrer Veröffentlichung in Kraft. Die Judenerschießungen durch die Gendarmerie, die Dawidek weiter unten beschreibt, hingen mit die- ser Verfügung und mit den polizeilichen Ausfüh- rungsbestimmungen zusammen, die von den örtli- chen Besatzungsbehörden ausgegeben wurden. Nur anfangs wurde ein Teil der Strafsachen dieser Art an das Sondergericht in Radom verwiesen, das übrigens in der Regel die Todesstrafe verhängte. 28. November: Am Nachmittag kam der Briefträ- ger und brachte einen Einschreibebrief mit einem Strafmandat, wir sollten 150 Zioty zahlen. Dafür, daß am 2.IX. unser Nachbar, ein Jude, zu uns ge- kommen war, der Körner mahlen wollte. Gleich hinterherkamen der Dorfschulze und der Gemeinde- sekretär, und sie zerschlugen den Mahlstein und schrieben ein Protokoll, daß er aus dem Wohn- viertel war, und heute muß man nun die Strafe zahlen. 5, Dezember: Heute ging der Sequester mit dem Schulzen, und sie kamen zu uns rein, und der Schulze schickte mich zu einem anderen Schulzen, ihm was zu bestellen. Als ich nach Hause ging, traf ich meine Schwester, die irgendwo hinlief; als ich sie fragte, wohin sie lief, sagte sie, sie ginge Geld borgen, weil wieder eine Aufforderung kam, 154 Zloty zu bezahlen für irgendeine rückständige Steuer. Als ich nach Hause kam, stritt der Schulze mit meinem Vater, weil er ein Protokoll schreiben wollte, daß wir Juden aus dem Wohnviertel ver- stecken, und das ist doch gar nicht wahr. Dann hörten sie auf zu streiten und waren wieder guter Laune. 6. Dezember: Spätabends kam der Junge vom Schu- ster angerannt, daß zu ihnen die Polizei, der Schul- ze und das Kontingentkomitee gekommen sind, sie sollen ihnen 150 Zloty geben, und wenn nicht, dann werden sie den Vater verhaften, und Papa solle die 100 Zioty zurückgeben, die er bei ihnen geborgt hat. Der Vater ging gleich mit ihm und bat die Poli- zei, daß der Besitzer dieses Geldes bis Dienstag war- ten möchte, und er war damit einverstanden, der Vater wird ihm das Geld bringen. 12. Dezember: Gestern nachmittag ging ich nach Bodzentyn, weil ich mir den Zahn plombieren lasse, und ich wollte dort übernachten. Heute frühmor- gens kam Gendarmerie. Als sie die Chaussee lang- fuhren, trafen sie einen Juden, der aus der Stadt 3) 36 rausging, und sie haben ihn gleich erschossen, ohne jeden Grund, dann sind sie weitergefahren und haben noch eine Jüdin erschossen, auch wieder ohne jeden Grund. So sind 2 Opfer gefallen, ganz ohne jeden Grund. Auf dem Weg nach Hause hatte ich große Angst ausgestanden, daß ich sie vielleicht auch zufällig treffen würde, aber ich habe keinen getroffen. 13. Dezember: Heute ist die Gendarmerie wieder nach Bodzentyn gefahren. Der Bauer, der mit ihnen fuhr, der war aus Krajno. Als er zurück- kam, erzählte er, daß heute wieder ein Opfer durch ihre Hand gefallen war. Diese Nachricht hat uns sehr aufgeregt, weil bisher so was noch nicht passiert ist. 21. Dezember: Heute bin ich nach Bodzentyn ge- laufen, um mir die Plomben fertig machen zu las- sen, und der Zahnarzt hat sie auch heute fertig gemacht. Als ich nach Hause kam, war der Vater nicht da, weil er nach Kielce gefahren war, das Kontingentmehl für die Juden der ganzen Gemein- de zu holen. Spät in der Nacht kam der Vater, aber ohne Mehl, weil das Pferd nicht weiterkonnte, und er hat es bei einem Bauern gelassen, 3km von uns entfernt, und morgen wird er es holen. 22. Dezember: Der Vater hat extra einen Pferde- wagen genommen und das Mehl geholt. Und ich machte eine Liste, und wir haben angefangen, das Mehl zu verteilen. 26. Dezember: Der Vater war gerade beim Anzie- hen, da kam ein Junge zu ihm und sagte, er soll in den Laden gehen, ein Gendarm ruft ihn, aber man weiß nicht weshalb. Der Vater zog sich fertig an und ging in den Laden. Wir waren in großer Angst, weil wir nicht wußten, wozu er ihn bestellt hatte. In den heutigen Zeiten kann man doch für jede Kleinigkeit verhaftet werden. Nach wenigen Minuten kam Vater zurück und sagte, daß 5 Juden zu ihm in den Laden kommen müssen, aber er sagte nicht warum. Ich bin gleich losgegangen, sie zu verständigen. Sie waren auch neugierig, wozu der Gendarm sie rief. Wir gingen gleich zusammen zum Laden. Unterwegs trafen wir Vater, der Vater sag- te, sie sollen nach Hause gehen, weil ein Befehl gekommen ist, daß die Juden alle Pelze abliefern müssen, auch ganz kleine Stückchen. Und 5 Juden werden für die verantwortlich sein, welche sie nicht abgeben. Und bei wem sie Pelze finden, der wird mit dem Tod bestraft, so scharf war diese Anordnung. Der Gendarm hat bis 4 Uhr nachmit- tags Zeit gegeben, um alle Pelze abzuliefern. Nach 37 28 Es ist erwähnenswert, daß diese Verordnung un- kurzer Zeit haben die Juden angefangen, kleine Stückchen und ganze Pelze zu bringen. Die Mutter hat gleich 3 Pelze aufgetrennt und von allen Män- teln die Pelzkragen. Um 4 Uhr kam der Gendarm selbst nach den Pelzen zu uns, und er hat dem pol- nischen Polizisten befohlen, er soll eine Liste schreiben über die Pelze, die die Juden abgeliefert haben. Dann haben wir siein 2 Säcke gesteckt, und 2 Juden haben sie zu einem Bauern gebracht, der sie nach Bieliny zur Ortspolizei bringen sollte. Von dieser Verordnung haben wir gestern gehört, denn der Vater war in Kielce und erzählte, daß diese Verordnung neulich in Kielce erlassen wurde. Am 24. Dezember 1941 hat der SD- und Polizei- führer im GG, Eberhard Schöngart, auf Befehl Himmlers ein Telegramm an die SS- und Polizei- führer in allen fünf Distrikten des GG mit dem Befehl gerichtet, unverzüglich alle Pelzwaren bei der jüdischen Bevölkerung zu beschlagnahmen. Am Schluß dieses Befehls heißt es unter anderem: „Den Judenräten muß angedroht werden, daß sie und diejenigen Juden, die nach Ablauf der festge- setzten Frist die Pelze nicht abgeliefert haben oder im Besitz eines Pelzes sind, erschossen werden.“ Bekanntlich blieb es nicht bei Warnungen. mittelbar mit der Niederlage der deutschen Trup- pen vor Moskau und mit dem Übergang der Roten Armee zur Gegenoffensive am 6. Dezember 1941 in Zusammenhang steht. Der Bankrott der Theorie vom„Blitzkrieg‘“ gegen die UdSSR und die Aus- sicht auf einen langen Aufenthalt unter den Bedin- gungen des russischen Winters lagen diesem Pelz- Massenraub an der jüdischen Bevölkerung im besetzten Polen zugrunde. 28. Dezember: Durch ein Klopfen am Fenster wur- de ich aus dem Schlaf geweckt, ich zog mich an und ging die Tür aufmachen. Es waren 2 Juden aus Bodzentyn, die nach Kielce wollten und sich wärmen kamen. Ich fragte, ob sie was Neues wüß- ten, da sagten sie, daß es wieder 2 Opfer gibt, die zu Weihnachten erschossen wurden, auch ohne jeden Grund. So vergeht kein Tag ohne schlechte Nachricht. Sie haben noch gesagt, daß auch in Daleszyce etwas passiert ist, wußten aber nicht was. Nachmittags kam aus Daleszyce der Sekretär vom Rat der älteren Juden und sagte, daß es heute 5 Opfer gegeben hat, 5 Juden sind von der Hand von Gendarmen umgekommen, weil jemand sie angezeigt hat, daß sie Pelze versteckt hatten. Der Gendarm hat Befehl gegeben, sie in einem Loch auf dem eigenen Hof zu vergraben, das waren der 39 Vater, 3 Söhne und die Tochter. In Kielce gibt es täglich mehrere Opfer fürs Rausgehen aus dem jüdischen Viertel. Unter solchen fürchterlichen, schlechten Bedingungen vergehen die Tage und die Wochen voll Angst und Schrecken. 29. Dezember: Am Vormittag ging ich mit dem Bruder zum Nachbarn, ein bißchen Weizen zu mahlen. Beim Mahlen kam ein Bauer und sagte, daß sie im Dorfe herumgehen und Inventarkon- trolle machen, weil sie im vorigen Monat Inventar aufgeschrieben haben, und heute, wenn einer mehr Inventar hat, als aufgeschrieben war, dann setzen sie das auf Kontingent, und wenn das Vieh, das aufgeschrieben war, verkauft ist, dann schreiben sie Protokoll. Wir aber waren sicher, daß unsere Kuh nicht aufgeschrieben war, denn wir haben sie verkauft. Aber die Kontrolle ist zu uns gekommen, sie war aufgeschrieben, und als sie sie nicht vorge- funden haben, haben sie angefangen zu schreien, wo ist die Kuh, die Kuh darf nicht verkauft werden. Der Vater hat sich entschuldigt, daß er es nicht gewußt hat und noch dieses und jenes. Aber Vaters Entschuldigungen haben nichts genützt, und sie wollten gleich ein Protokoll schreiben. Am Abend schickte mich der Dorfschulze nach Zucker, und ich habe ihn gleich hingebracht. Am Abend kam der Schulze und rief den Vater, weil die Kontrol- leure ihn sprechen wollten. Als der Vater raus war, haben sie ihn auf einen Schlitten genommen und sind weggefahren. Wir wußten nicht, wohin sie ihn mitgenommen haben oder warum. Mutter ging raus, aber sie waren schon weg, die Mutter und der Bruder liefen dem Schlitten nach, aber sie konnten ihn nicht einholen. Zu Hause war alles bedrückt, aber was war da zu machen. Alle Augen- blicke gingich raus, ob jemand kam, aber niemand kam. Einmal, als ich rausging nachsehen, kam der Bruder angelaufen und sagte mir sofort, daß sie Vater rausgelassen haben. Nach einigen Minuten kam der Vater, unterwegs hatte der Schulze dem Vater schon befohlen, er solle nach Hause gehen, aber die Kontrolleure hatten es nicht erlaubt, aber am Ende haben sie gesagt, er soll schon gehen, und da haben sie ihn noch mit dem Stock geschlagen. Nach dem Abendbrot kam der Dorfschulze wieder und sagte, daß der Vater zu einem Bauern kommen soll, weil sie dort sind. Der Vater ist nicht ge- gangen, nur die Mutter, aber sie hat nichts er- ledigt, sie haben befohlen, morgen früh wiederzu- kommen. 30. Dezember: Frühmorgens ist die Mutter gegan- gen und hat’s erledigt. Sie hat gebeten, sie möchten dl kein Protokoll schreiben, damit keine Strafe sein soll, aber... Diese Kontrolleure sind gestern abend zu anderen Juden gefahren und haben bestimmt, daß jeder eine Kuh abliefern und sie nach Kielce zum Schlachthaus abführen muß. DAS JAHR 1942 8. Januar: Nachmittags erfuhr ich, daß es in Bo- dzentyn wieder 2 Opfer unter den Juden gegeben hat. Einer war gleich tot und der andere verwundet. Den Verwundeten haben sie verhaftet und zur Ortspolizei nach Bieliny mitgenommen, und da werden sie ihn wohl totschlagen. 11. Januar: Vom frühen Morgen an herrscht Schneetreiben und starker Frost, heute bis 20° C. Als ich so zuguckte, wie der Wind auf den Feldern pustete, da sah ich, daß der Dorfbote eine Bekannt- machung anklebte. Gleich ging ich raus nachsehen, was es Neues war. Auf der Bekanntmachung war nichts Neues, nur der Dorfbote sagte, daß er Be- kanntmachungen zum Dorfschulzen gebracht hatte, daß aus allen Dörfern alle Juden ausgesiedelt wer- den. Als ich das zu Hause erzählte, haben wir uns alle sehr aufgeregt. Jetzt bei so einem scharfen Winter werden sie uns aussiedeln und wohin? Jetzt ist die Reihe an uns, zu leiden. Wie lange, weiß der liebe Gott. 12. Januar: Gleich morgens ging ich Schnee weg- räumen. Als ich mich wärmen ging, kam der 43 Hilfsschulze und sagte, daß er beim Schulzen die Bekanntmachung gelesen hat, daß alle Juden aus- gesiedelt werden und daß sie nichts mitnehmen dürfen, nur das, was sie anhaben. Wir waren so verstört durch diese Nachricht, daß wir nicht wuß- ten, was mit uns geschah. Als der Vater kam, haben wir angefangen, Bündel mit Sachen zu packen, die wir nicht so sehr brauchen, und haben sie zu Nach- barn getragen, für den Fall, wenn unerwartet aus- gesiedelt wird, damit wenigstens diese Sachen nicht im Hause sind. Der Vater wollte den Schrank verkaufen und andere Haushaltsgegenstände, aber kein Käufer war da. Käufer waren schon da, aber sie wollten nur für den halben Preis kaufen, aber der Vater sagte, er läßt die Sachen lieber stehen, als sie für so einen Preis zu verkaufen. Als wir etwas ruhiger wurden, haben wir angefangen, Pläne zu machen, wer welches Bündel nehmen soll, welche Wäsche man anzieht und welche ins Bündel kommt. Auf der Bekanntmachung stand nicht drauf, wohin sie uns aussiedeln und wann, da steht drauf, daß wir ausgesiedelt werden, und nichts weiter. Am Abend kam ein Bauer und wollte den Schrank kaufen, aber er wollte nur 250 Zloty dafür geben und hat nicht gekauft. So ein Schrank sollte jetzt mindestens 500 Zioty kosten. 13. Januar: Vater ist nach Kielce gefahren, um viel- leicht etwas über die Aussiedlung zu erfahren, wo- hin sie uns aussiedeln und wann. Mit Ungeduld warteten wir auf Vater, möglich, daß er uns eine bessere Nachricht brachte. Als der Vater kam, sagte er nichts Bestimmtes, nur, daß heute eine Sitzung aller Räte der älteren Juden vom ganzen Kreis Kielce beim Landratsamt ist. In dieser Sitzung soll von einer Siedlung oder einer Ortschaft ein Juden- viertel abgeteilt werden. Aber der Vater sagte nicht, wo das sein wird, weil er eher weggefahren war als sie, und sie sollten bei uns vorbeikommen, aber sie sind nicht gekommen, sie sind wohl erst nachts weggefahren. 14. Januar: Der Vater ist heute nach Daleszyce ge- gangen. Nachmittags war ich im Konsum, unter- wegs traf ich eine Nachbarin, die mir sagte, daß die Tochter ihrer Schwester aus Bieliny gekommen ist und erzählt hat, daß die Aussiedlung auf Mai verschoben ist. Ich habe mich über die Nachricht sehr gefreut und bin zu ihr gegangen, mehr zu hören. Als ich dahin kam, hat sie mir dasselbe ge- sagt. Ich ging gleich mit dieser Nachricht nach Hause, damit sie sich auch freuen sollten. Am Abend kam der Vater aus Daleszyce zurück. Vater sagte auch, daß die Aussiedlung auf Mai verschoben 46 Gendarm in dieselbe Richtung ging wie ich. Ich ist, er sagte, daß wir das Kontingentmehl für Januar kriegen sollen und daß er morgen nach Kielce fährt, das Mehl zu holen. 15. Januar: Als ich aus dem Fenster guckte, be- merkte ich, daß ein Pferdewagen mit Gendarmerie anhielt und sie zu uns kamen. Als sie hereinkamen, jagten sie uns alle in den Schnee raus, aber es war uns gar nicht bewußt, daß wir zum Schneeschau- feln sollten. Wir dachten, sie bringen uns wer weiß wohin. Ich, mein Bruder und die Tante sind ins Dorf davongelaufen, als die Gendarmen noch vor dem Laden standen. Der Onkel, die Mutter und die Großmutter aber sind gegangen. Ich bin nicht nach Haus gegangen, weil sie noch im Laden wa- ren, aber ich bin zum Nachbar gegangen und eine Weile dort geblieben. Die Mutter war ohne Hand- schuhe gegangen, die Großmutter auch, zu Mittag haben sie nicht gegessen, wo das Essen doch fertig war, und dabei noch so eine Kälte. Als ich Mittag aß, sah ich, daß derselbe Gendarm, der vorhin da war, die Straße langging. Ich lief aufs Feld raus und floh, weil ich dachte, daß er uns holen kam. Auf dem Feld habe ich mir gedacht, daß ich in ein anderes Dorf gehe und da bleibe, bis sie weg sind, ich bin auch gegangen. Dann habe ich gesehen, daß der konnte nicht weglaufen, weil er mich schon gesehen hatte. Ich hab mich in mein Schicksal ergeben, habe die Armbinde abgenommen, daß er mich wenig- stens von weitem nicht erkannte, und bin gegangen. Als ich ins Dorf kam, glaubte ich, daß ich einen Herzschlag kriegte, solche Angst hatte ich. Ich bin gleich die Dorfstraße runtergegangen. Am anderen Dorfende habe ich wieder denselben Gendarmen getroffen, weil er nicht hinter mir ging, sondern die andere Straße rauf. Aber er hat mich nicht gesehen. Jeder kann sich wohl vorstellen, wie angst und bange mir war. Er ging vorbei, und ich ging nach Hause. Ich war schon nahe beim Haus, da sah ich, daß ein Fuhrwerk vor dem Laden stand, da bin ich zum Nachbarn gegangen. Der Nachbar sagte mir, daß alle Juden beim Schneeschaufeln sind und die Mutter auch. Ich ging raus, um zu sehen, ob das Fuhrwerk weg war, und sah, daß alle vor unse- rem Haus Schnee schaufelten. Nach Hause bin ich noch nicht gegangen. Als ich so dasaß, kam ein Junge und sagte, daß ich weggehen sollte, weil die Gendarmen durchs Dorf gingen. Ich bin zu einem anderen Bauern gegangen, und der sagte, daß ich weggehen sollte, aber ich ging nicht. Als ich dann auf den Hof rausging, sah ich, daß der Wagen mit dem Gendarmen abfuhr, und gleich ging ich nach Hause. Es war schon Abend, alle waren schon 47 48 daßsie einen von den beiden, die sie gestern mitge- gekommen, und wir erzählten uns gegenseitig, was jeder durchlebt hatte. Der Gendarm hatte die Mut- r ter gefragt, wohin wir heute morgen gegangen wa- ren, aber er hatte es dann später vergessen. Ich) erfuhr, daß sie einen Juden gefesselt haben und ihn nach der Ortspolizei bringen, und zwei andere 4 haben sie eingesperrt und ihnen befohlen, daß jeder ihnen 100 Zioty gibt, dann werden sie sie rauslas- sen. Der Dorfschulze hat für sie gebürgt, und sie haben sie freigelassen. Ich habe mich dann gleich/ wieder angezogen und bin gegangen, um nachzuse- hen, was mit dem anderen war. Als ich kam, war f er schon nicht mehr da. Sie hatten ihn an den Schlitten angebunden, und er mußte hinterherlau- fen, vielleicht werden sie ihn erschießen, was kann man wissen. Den ganzen Abend haben wir sehr traurig und nachdenklich dagesessen. Wie viele Feinde auf so einen wehrlosen Hasen lauern. Spät am Abend kam der Vater mit dem Mehl. n 16. Januar: In der Nacht kam der Vater des Juden, den sie mitgenommen haben, zu uns, er wollte Rat vom Vater haben, aber was konnte Vater ihm raten. Heute haben sich alle zum Schneeschaufeln ver- sammelt. Als wir dabei waren, kam ein Mädchen mit einer Karte aus Görno. Auf der Karte stand, ROK 1gU0 Slmarca Perosmym HUMÄUM. SAL> dl. dar MR yorzajuns TU blöre ZU MAL cher m. Adada xodae dh NO SAL- ne hl(Pi ja y 3 pls) 7 Posen preclko er I, e YOSLORH dyb\ 22 Aydıı me yon ik«alarm (2 EI(nziagamı jur dh 4 Ab VE mon?)|| WÄarieeven"Ds uskelem ug dam.#2 10: do Made, Br: NL uscallem 2 domu. Smulno m. I a mit 2650 nolmymı droda 2,-. A,® I ix. or EU 1UBLHLEIN Mit dem 21. März 1940 beginnen Dawids Aufzeichnungen(s. S. 9) nommen haben, erschossen haben. Wer weiß, ob nicht den Juden, denn der andere war ein Pole. Seine Schwester ist nach Bieliny gegangen, um etwas zu erfahren. Nachmittags bin ich in den Kon- sum nach einer elektrischen Taschenlampe gegan- gen. Auf dem Rückweg ging ich zu einem Juden rein. Als ich zu ihm ins Haus kam, sah ich, daß alle verweint waren, da dachte ich mir gleich, daß sie den Jungen erschossen haben. Ich habe nur paar Worte gefragt, ob es wahr ist, daß er in einem Wäldchen begraben ist. Als er am Schlitten ange- bunden war, konnte er schon nicht mehr laufen, und sie haben ihn hinter dem Schlitten weggeschleift, und dann haben sie ihn erschossen, so ein un- glückliches Schicksal hat er gehabt. Ich kam nach Hause und brachte die Nachricht, jeder kann sich vorstellen, wie traurig alle waren. Gegen Abend kam der Dorfschulze zu uns, der Vater hat etwas Schnaps gekauft, und sie haben ihn zusammen aus- getrunken, denn er war etwas durchgefroren... Der Schulze sagte, daß alle Juden erschossen werden müßten, weil sie Feinde seien. Wenn ich nur einen Teil von dem aufschreiben wollte, was der alles bei uns gesagt hat, aber das kann ich einfach nicht... Heute haben wir auch im Schnee gearbei- tet, und Aufseher über die Juden war der Ge- meindediener. 49 17. Januar: Heute, dachte ich, werden wir nicht Schnee schaufeln, aber woher. Nach einem so schweren Erlebnis und Kräfteverlust müssen wir in so einem strengen Frost stehen und Schnee schaufeln. 18. Januar: Frühmorgens ging ich zum Schulzen fragen, wo wir Schnee schaufeln sollten, aber der Schulze hat nichts befohlen, weil kein Schnee da war. 19. Januar: Nach dem Frühstück bin ich mit dem Bruder weggegangen, um ein wenig Roggen zu mahlen. Als wir zurückgingen, sah ich, daß die Ju- den im Kreis im Schnee neben unserem Hause standen, und der Gemeindediener paßte auf sie auf. Der Gemeindediener befahl uns, gleich zum Schneeschaufeln zu gehen. Er gab den Befehl zu arbeiten, bis der Dorfschulze aus der Gemeinde zurückkommen würde, weil er morgens hingefah- ren war. Um vier Uhr kam er zurück, hielt an, ging in den Laden rein, und der Diener gleich hinterher. Als der Gemeindediener wieder rauskam, befahl er uns, daß wir uns paarweise aufstellten und mit der Schaufel auf der Schulter die Straße rauf- marschierten. Er sagte, daß ihm der Dorfschulze so befohlen hatte, und er müsse gehorchen. Er hat uns ganz auf den Berg geführt, wo der größte Frost und Schneetreiben war, und wir mußten bis Sonnen- untergang arbeiten. Wir haben vor Kälte geweint, jeder mußte bis Sonnenuntergang bleiben. Dann ist er wiedergekommen und hat uns wieder zu Paaren aufgestellt, und wir mußten marschieren. Als wir vor den Laden kamen, da war der Schulze noch drin. Es war schon Abend, aber trotzdem hat er uns nicht ins Haus gehen lassen. Erst am Abend hat er uns entlassen und gesagt, wir müssen mor- gen früh zur Arbeit kommen. 20. Januar: Ganz früh am Morgen sind die Mutter und der Onkel zum Schulzen gegangen, er möchte uns alle von der Schneearbeit befreien. Sie haben ihn gebeten, und er hat nicht befohlen, zum Schnee- schippen zu gehen. Nur wenn es frisch schneien sollte, dann müßten wir gehen... Der Vater war zum Landratsamt in Kielce, damit sie ihm den Passierschein verlängerten. Er kam spätabends zurück. 22. Januar: Morgens nach dem Frühstück sind wir mit dem Vater Schnee schaufeln gegangen. Beim Schneeschaufeln kam der Aufseher aus einem an- deren Dorf und sagte, daß wir alle zum Schnee- schippen auf eine andere Chaussee gehen sollten, 3 Kilometer weit von uns. Der Vater sagte, daß der Schulze befohlen hat, in unserer Nähe zu arbeiten, und er hat angefangen, Krach zu machen, den Vater geschlagen und alle gejagt. Ich bin nicht gegangen und hab mich versteckt, aber der Vater ging den Schulzen fragen. Der Schulze hat nicht befohlen, dahin zu gehen, aber der Vater ist doch gegangen, in den heutigen Zeiten kann vielleicht jeder jeden bei der Gendarmerie anzeigen. Lange haben sie nicht gearbeitet, sie gingen vor 12 Uhr hin, und um 3 Uhr waren sie zurück. 24. Januar: Der Bote kam zu uns, daß wir im Schnee arbeiten sollen, und wir sind gleich gegan- gen. Auch andere Juden waren gekommen, und wir machten die Chaussee sauber wie eine Straße. Die Polizei ging vorbei, das hat ihnen auch gefallen. 28. Januar: Über Nacht war die ganze Chaussee wieder zugeschneit, also gingen wir morgens Schnee wegschaufeln. Als wir arbeiteten, kam ein Mädchen und sagte, daß der Gemeindediener einen Juden verhaftet hat, daß der Schulze ihn nach der Gendarmerie bringen wird, weil Juden nicht von einem Dorf ins andere gehen dürfen. Mutter und der Onkel gingen zum Schulzen, ihn bitten, er 52 möchte ihn rauslassen. Mutter hat es kaum ge- schafft, daß er ihn rausläßt, und er hat noch 100 Zioty Strafe gezahlt. 1. Februar: Morgens kam ein Taxi angefahren und hielt beim Schulzen. Wir dachten, daß es kaputt war. Der Vater war nach Bodzentyn, und ich war mit dem Bruder zur Schneearbeit gegangen. Beim Schneeschippen fuhr das Auto zurück und blieb bei uns stehen. Ein Gendarm stieg aus, reparierte irgendwas, und sie fuhren weg. Nach einer Weile kam ein bekanntes Mädel und sagte, daß sie den Schulzen im Auto mitgenommen haben, und war- um, haben sie nicht gesagt. Ein Bauer kam vorbei und sagte, daß das Auto weggefahren ist und daß 2 Gendarmen mit dem Schulzen auf einem Pferde- wagen nach Bieliny gefahren sind. Zwei Gendar- men waren in der Schule geblieben und sollten irgendeine Untersuchung machen. Dann habe ich gehört, daß der Schulze verhaftet ist für den Ver- kauf von Kontingentmehl. Auch einen Bauern aus Poludniowa haben sie mitgenommen. 2. Februar: Vom frühen Morgen an herrscht große Aufregung darüber, was gestern passiert ist. Die meisten Leute sind zufrieden damit, weil er vielen Leuten unrecht getan hat, besonders den Armen. Der Gemeindevorsteher und der Sekretär kamen, Hp ou wir wußten nicht wozu. Am Abend erfuhr ich, daß ein neuer Schulze gewählt wurde. 8. Februar: Jemand hat gesagt, daß die vom Kon- tingentkomitee und ein Deutscher zusammen eine Haussuchung nach Getreide machen werden. Viel- leicht eine Stunde später haben sie damit angefan- gen. Ich bin zum Schneeschaufeln gegangen. Als ich beim Schneeschaufeln war, hat mir ein Junge ge- sagt, daß dieser Deutsche zu einem Juden gegan- gen ist und alle aus dem Hause gejagt hat, er hat befohlen, den Schnee in das Haus zu schaufeln, weil es dort so schmutzig sei. Ich habe das nicht geglaubt, bin aber am Abend hingegangen und habe mich überzeugt, daß das wirklich wahr ist, was er mir morgens erzählt hat. Allen war angst und bange, das kann sich wohl jeder denken. Er war hier bei dem Juden, dem der Sohn erschossen wurde. 9. Februar: Heute waren sie in einem anderen Dorf Haussuchungen machen. Wir hatten große Angst, denn sie hielten bei uns vor dem Laden an, und wir dachten, daß sie zu uns kamen, obwohl sie sowieso nichts gefunden hätten. Als ich Mittag aß, kam der Gemeindediener und sagte, daß ich zum Schnee- schaufeln hinter die Schule gehen müßte, und so ging ich eben. Ich ging bei einem anderen Juden vorbei, ob sie auch zum Schneeschaufeln gingen. Als ich hinging, da kam gerade der Deutsche mit dem Komitee raus. Als ich in die Wohnung kam, war sie nicht wiederzuerkennen, so eine Haus- suchung hatten sie gemacht. Alle haben dort Prü- gel gekriegt, das ist klar. Der Hausherr war nicht zu Hause, er war beim Schneeschaufeln, also sind sie zu ihm gegangen und haben ihn furchtbar ver- prügelt und ihm den Bart abgeschnitten. Bis zum Abend haben wir Schnee schaufeln müssen. Der Vater kam gerade aus Kielce, als der Deutsche und das Komitee zu uns reinkamen. Sie haben nicht eine so genaue Hausdurchsuchung gemacht. Als sie raus- gingen, befahlen sie, zwei Hühner zum Abendbrot zu geben und eine Flasche Schnaps. Wir mußten ein Huhn und eine Flasche Schnaps geben. So ver- geht ein Tag um den anderen, immer mit Kosten und Angst. 12. Februar: Nach dem Frühstück sind wir zum Schneeschaufeln rausgegangen, obwohl es uns nie- mand befohlen hat, aber die Chaussee war über Nacht verschneit. Ich habe den Gemeindediener erkannt und habe gefragt, wo er hinging, er hat gesagt, daß er mit Bekanntmachungen zum Dorf- schulzen ging. Nach vielleicht zwei Stunden kam 39 56 hört. der Gemeindediener und fing an, eine Bekannt- machung anzuschlagen. Das war gar keine Be- kanntmachung, sondern eine Karikatur auf die Ju- den. Da ist ein Jude gezeichnet, wie er Fleisch durchdreht und in die Hackfleischmaschine eine Ratte hineinlegt. Ein anderer gießt aus dem Eimer Wasser in die Milch. Auf dem dritten Bild steht ein Jude, der mit den Füßen den Teig knetet, und Würmer kriechen über ihn und den Teig. Der Titel der Bekanntmachung lautet: Der Jude ist ein Be- trüger, Dein einziger Feind. Und die Unterschrift war so: Lieber Leser, Du sollst sehen, wie Dich Juden hintergehen. Sie gießen schmutziges Wasser rein, und das soll Milch dann für Dich sein. Sie werfen tote Ratten rein, für Dich soll das dann Hackfleisch sein. Brot mit Würmern ist deswegen, weil sie den Teig mit Füßen kneten. Als der Gemeindediener das angeschlagen hatte, gingen gerade Leute vorbei und lachten so, daß ich direkt Kopfschmerzen kriegte von dieser Schande, die die Juden heutzutage erleben. Möge der liebe Gott nur geben, das diese Schande recht bald auf- In der ganzen Okkupationszeit bemühten sich die Hitlerfaschisten, durch eine verlogene, in polni- scher Sprache betriebene Propaganda die Juden in den Augen der polnischen Bevölkerung herabzu- würdigen. Diese antisemitische Propaganda sollte die Aufmerksamkeit der verfolgten polnischen Be- völkerung von ihrem wirklichen Todfeind, dem na- zistischen Okkupanten, ablenken. Diesem Ziel dienten unter anderem ständige oder wandernde Ausstellungen„Die jüdische Weltpest“ und ähn- liche. In kleinen Siedlungen und in Dörfern sollten die niederträchtigen Plakate, wie das von Dawidek beschriebene, diese Aufgabe übernehmen. 20. Februar: Vater war heute in Kielce. Er hat Mehl auf Zuteilung bekommen, aber nur die Hälfte, auch soviel ist gut. In der Tat hat der Gouverneur des Distrikts Ra- dom, Ernst Kundt, im Februar 1942 die Anzahl der Lebensmitteikarten für die jüdische Bevölkerung von 337 000 auf 200 000 reduziert und die Rationen um 50 Prozent gekürzt. Bis dahin erhielten die Ju- den kaum 100 Gramm Brot täglich pro Person und monatlich etwa 200 Gramm Zucker. Die Okkupan- ten begründeten diese Maßnahme damit, daß die pol- nische Bevölkerung angeblich das Ablieferungssoll 97 88 für landwirtschaftliche Erzeugnisse nicht erfüllt hatte. Der wirkliche Grund dafür aber war die am 20. Januar 1942 im Reichssicherheitshauptamt (RSHA) beschlossene Ausrottung der jüdischen Be- völkerung in allen besetzten europäischen Ländern. 24. Februar: Auch heute ist Vater nach Kielce ge- fahren. Er wollte erfahren, was mit der Aussied- lung ist und wann er Mehl abholen soll. Vater kam spät am Abend und sagte, daß er morgen Mehl ab- holen soll. Er hat 30 Kilo Marmelade gekriegt und 15 Kilo Zucker. Wir haben uns sehr gefreut, weil wir diese Produkte noch niemals gekriegt haben. Wenigstens was zum Kaffee. Wir haben uns aber umsonst gefreut, denn alles wurde verkauft, nicht verteilt, weil das Geld für irgendeinen gemeinsa- men Zweck notwendig ist. 25. Februar: Gegen Abend kam Vater zurück mit Mehl. Nur 6 Zentner, nur für die Ausgesiedelten, aber Weizenmehl gibt es nicht. 27. Februar: Vater war heute in Kielce, um etwas über die Aussiedlung zu erfahren, ob man sie we- nigstens um zwei Monate verschieben kann. Aber er hat nichts erledigt, weil der Landrat schon alle Papiere für die Aussiedlung unterschrieben hat. Es gibt noch eine kleine Hoffnung auf Aufschub. Der Vater hat mit dem Konsumleiter in Daleszyce besprochen, wenn er morgen einen Boten schickt, dann bleiben wir an Ort und Stelle, wenn nicht, dann werden wir nach Bieliny ausgesiedelt. Dieser Konsumleiter sollte diese Sache im Landratsamt erledigen, der Vater hatihm dafür Geld dagelassen. Wir haben aber Zweifel, weil nur wenig Zeit dazu bleibt und weil die Papiere nur noch zum Rat der älteren Juden geschickt zu werden brauchen. Die Mutter sagte, daß wir nach Bodzentyn zur Tante fahren werden. Der Vater erzählte, daß in anderen Gemeinden in einige jüdische Häuser 43 Familien reinkommen sollen, aus der Nachbargemeinde auch. 28. Februar: Vom frühen Morgen an haben wir mit Ungeduld auf den Boten gewartet, aber er ist nicht gekommen. Wir haben uns schon in Gottes Hand gegeben, und auf alles sind wir vorbereitet mit offenen Händen. Nachmittags ist der Vater nach Bodzentyn gegangen, er hat gesagt, daß heute oder morgen ein Fuhrwerk kommt, die Sachen abholen. Am Abend kam der Vater mit dem Fuhrwerk, und ich habe geholfen, das Pferd in den Stall zu brin- gen, dann haben wir angefangen, die Sachen zu verpacken. Die Kartoffeln haben wir in die Säcke gefüllt. Es wurde ein Uhr nachts, aber ich war gar 99 nicht schläfrig. Auch ein Bett haben wir auseinan- dergenommen. Keiner hat sich schlafen gelegt, nur so hingenickt, denn der Vater wollte um 3 Uhr ab-| fahren. Ich und mein Bruder haben uns ein bißchen| ins Bett gelegt. Wie die Sachen auf die Fuhre ver-| laden wurden, habe ich nicht gehört, nur wie die| Mutter sagte, daß dem Vater die Deichsel in einer Schneewehe steckengeblieben ist, als er vom Hof| wegfuhr, und er hat sich sehr abgemüht, bis er den Schlitten rausgekriegt hat. 1. März: Als der Vater weg war, haben wir darüber nachgedacht, ob er wohl auch glücklich durchge- kommen ist. Als ich auf dem Hofe stand, hielt ein Radfahrer an und gab mir ein Kärtchen aus Bo- dzentyn. Wir haben uns sehr gefreut, weil alles in Ordnung ist und der Vater gegen Abend kommt. Der Vater kam gleich nach dem Mittag und sagte, daß ein Mieter von der Tante gar nicht so sehr aus der Wohnung raus will. Inzwischen hat der Vater die Kartoffeln in den Keller des Mieters geschüttet und ihn zugenagelt, das Bett hat er auch dort aufgestellt. 3. März: Der Vater ist heute nach Kielce gefahren, um Marmelade und Zucker zu kaufen. Hat aber nichts gebracht, weil er kein Fuhrwerk hatte, erst am Freitag. Von der Aussiedlung hat er nichts 60 Neues gesagt. 5. März: Der Onkel aus Bodzentyn hat Vater ge- beten, daß er ihm 2 Zentner Roggen kauft. Das hat er getan und bringt ihm das heute hin. Für uns hat er auch 3 Zentner Kartoffeln gekauft. Der Vater ist früh weggefahren, wir haben schon nicht mehr geschlafen. Gegen 4 Uhr kam ein Mädchen, eine Jüdin, die um Rat fragen wollte, weil sie ihr Feld dem Dorfschulzen abgegeben haben, und jetzt ist ein anderer gekommen, der kein Land hat, mit Pa- pieren vom Gemeindeamt, und will, daß Zelman sie unterschreibt, aber er war nicht da, sondern in Bieliny. Das Mädchen kam, weil sie wußte, daß der Onkel nach Bieliny ging, er sollte dort Bescheid sagen, daß ihr Vater nach Hause kommen soll, aber der Onkel war schon weg. Der zu ihnen gekommen ist, erlaubt nicht, Stroh, Heu, Dung oder andere Sachen zu verkaufen. Als der Onkel kam, war der Vater schon angekom- men. Der Onkel sagte, die Gendarmerie erzählt, daß jeder nach Bodzentyn, nach Daleszyce oder nach Bieliny fahren und alle Sachen mitnehmen darf. Bereits Anfang 1942 begann im Distrikt Radom die Konzentration der jüdischen Bevölkerung in den vorherbestimmten Ortschaften, die an den Eisen- bahnstrecken oder Hauptverkehrsadern lagen. 61 Diese Maßnahmen hingen zusammen mit der von den Nazis geplanten Überführung der jüdischen Bevölkerung in die Vernichtungslager, die Ende des Sommers und im Herbst 1942 beginnen sollte. Die Umsiedlungs- und Sammelaktion wurde in al- len Kreisen des Distrikts in zwei Etappen durch- geführt. Die erste war die Umsiedlung der jüdi-| schen Bevölkerung aus Dörfern und Weilern in| größere Orte. Das geschah vom Januar bis zum Sommer 1942. Die zweite Etappe war die Konzen- tration der Juden aus kleineren und mittleren Ort- schaften in eine größere Ortschaft, die unbedingt an der Bahnlinie liegen mußte. Diese Aktion wurde auf Anordnung des Distrikts- gouverneurs E. Kundt vom 22. Februar 1942 durchgeführt. Diese Anordnung bestimmte, daß Juden, die das Ghetto verließen und private Fahr- zeuge, vor allem Bauernwagen, auf öffentlichen Verkehrswegen benutzten, und daß Personen, die Juden versteckten und ihnen Hilfe leisteten, nur mit einer Strafe- der Todesstrafe- zu rechnen hat- ten. Die erste Etappe war für Dawidek der Umzug von Krajno nach Bodzentyn, die zweite der Umzug nach Suchedniöw. 8. März: Der Vorsitzende des Ältestenrates hat eine 62 Karte geschickt, daß der Vater und andere nach Bieliny kommen müssen, wo den Juden Wohnun- gen zugeteilt werden. Der Vater und noch andere sind gegangen. Gegen Abend waren alle zurück. Jedem Juden haben sie eine oder zwei Familien zugeteilt, je nach der Wohnung. Ein Jude hat sich mit dem Vater um etwas gestritten, aber sich später entschuldigt. Der Vater hat gesagt, daß er morgen mit einem Fuhrwerk nach Bodzentyn will. 9. März: Ein Bauer hat verschiedene Sachen von uns genommen, die wir nicht mehr brauchen, er soll dafür heute ein Fuhrwerk geben. Ich ging mit dem Bruder einen Schlitten borgen. Wir haben ihn gebracht und angefangen, Sachen zu packen. Die kleine Schwester sollte auch mitfahren. Als der Schlitten fertig war, ging ich, ihm zu sagen, daß er mit dem Pferd kommen soll, er fuhr gleich ab. Nachmittags ist der Vater gekommen. .10. März: Früh am Morgen ging ich ein Fuhrwerk bestellen. Ich habe einen Bauern bestellt, er soll einige Sachen von zu Hause holen und morgen fahren. Als ich nach Hause zurückging, habe ich den Vetter bei uns getroffen, der gerade aus Bodzentyn kam. Ich habe dann auch noch einen eisernen Ofen abholen wollen, der verborgt war. Denn wenn wir wegfahren sollen, können wir ihn 63 vielleicht brauchen. In unserem Dorf ist fast kein Mensch, der uns nicht bedauert. Manche wollen sogar nicht zu uns kommen, sie sagen, sie wollen sich nicht anderer Leute Unglück ansehen. Der Vetter hat gebeten, daß ich mit ihm nach einer Maschine fahre. Gegen Abend fuhr ich mit dem Schlitten. Auf den Schlitten hat er den Maschinen- tisch raufgelegt und'/2 Zentner Kartoffeln, ich bin nach Hause gefahren, und er ist dageblieben. Ich sollte noch einmal kommen. Als ich ankam, war das Abendbrot schon fertig. Ich ging nicht mehr, aber der Bruder ging. Nach dem Abendessen kamen viele Bauern zu uns, sie wollten uns besuchen, denn bald werden wir nicht mehr da sein. Als ich dann so dachte, daß wir von hier wegmüssen, mußte ich auf den Hof rausgehen, ich habe so geweint, daß ich mehr als'/z Stunde dagestanden und ge- schluchzt habe. Als ich etwas ruhiger war, ging ich ins Haus. Die Bauern waren schon gegangen. Nur zwei waren geblieben, die den Kuhstall kaufen wollten. Einer wurde mit dem Vater einig, und morgen will er kommen und den Stall auseinan- dernehmen. 11. März: Der Bruder und der Vetter gingen früh- morgens nach Bodzentyn. Der Fuhrmann kam ge- gen 7 Uhr. Dann fingen wir an, die Sachen auf den WR TIWLDNDT. RE palrauc ea niegentsett. Haan MR rO0E uezrem fupahalem sarkamı. de sunkı ud ul ‚Holık sr 3nayaym «Ag zer ie z hpchite IT, D P) Apmi, A ON, zosbel L EIER mundlen MX pergechne. Feyyıchalem, 4 delaya dya pr; Ja ze: N yrosacd em t IP bl port!& kolng; road 3 de nas duo chlapuwv; yrr24 ade ad umohue nas,%b ya nas na& tan. Scby sobt lalem, 0 man gel cf Schlitten zu laden. Als der Fuhrmann weg war, war es zu Hause so leer wie in einem Tunnel, und das in wenigen Stunden. Wenn man im Dorfe kauft, ist es immer etwas billiger als in der Stadt. Jetzt müs- sen wir, solange wir noch hier sind, für Lebens- mittel sorgen, denn später wird es viel schwerer sein. Ich ging mit der Mutter zu einem Bauern, um ein Stück Holz oder sonst etwas billiger zu bekom- men. Die Mutter hat einer Bäuerin das Tischtuch verkauft, auch für Lebensmittel. Wir haben auch ein paar Kartoffeln von ihr genommen. Als wir nach Hause kamen, da waren sie schon da, den Kuhstall auseinanderzunehmen. Die Mutter blieb zu Hause, und ich ging um eine Restschuld, die noch für unseren Tisch geblieben war. Den Stall haben sie erst später auseinandergenommen, weil keiner helfen konnte. Ich habe den Anbau vom Stall ge- nommen, das wird Brennholz für ein paar Tage sein. Nach ein paar Stunden war keine Spur mehr vom Stall. Zu Hause war es sehr traurig geworden, und ich wollte, daß wir schon von hier wegfuhren. Nach dem Mittag mietete der Onkel ein Fuhrwerk nach Bieliny, er wollte schon wegfahren. Der Ab- schied von ihnen war sehr schwer. Ich half ihm seine paar Sachen auf die Fuhre laden. Der heutige Abend war sehr traurig, niemand war da, nur ich, die Mutter und der Vater. 65 12. März: Der Vater weckte mich heute sehr früh. Ich stand auf, und der Vater ging den Fuhrmann wecken. Der Vater kam gleich zurück und sagte, daß der Fuhrmann gar nicht zu Hause war, jetzt müssen wir bis zum Morgen warten und einen an- deren mieten, und dabei war es erst 4 Uhr früh. Die Mutter heizte ein, und wir wärmten uns. Es wurde hell, da klopfte jemand ans Fenster. Das war| der Fuhrmann, den Vater wecken wollte. Er fragte, warum der Vater denn nicht zu ihm kommt, er will doch fahren. Wir waren froh, daß wir keinen an- deren zu suchen brauchten. Wir holten den Schlit- ten und fingen an, uns zur Abfahrt fertig zu ma- chen. Nach etwa einer Stunde kam er mit dem Pferd. Ich ging voraus ohne Armbinde. Als ich rausging, da konnte ich kein Wort sagen, so schwer war mir ums Herz. Fünf Kilometer vielleicht ging ich fast ohne Besinnung, ich wußte nicht, wieso ich so schnell gehen konnte. Den ganzen Weg konnte mich das Fuhrwerk nicht einholen. Unterwegs hat- te ich furchtbare Angst, gnade Gott, wenn uns| jemand getroffen hätte, dann... Gott sei Dank sind wir glücklich angekommen. Als alles untergebracht war, haben wir gefrühstückt. Nachmittags haben wir verschiedene Sachen auf den Boden gebracht, die wir vorläufig nicht brauchen, die wir in diesem 66 Hause nicht brauchen. Nach einer Verfügung des Generalgouverneurs H. Frank vom 23. November 1939 mußten alle Ju- den vom zehnten Lebensjahr an ab 1. Dezember 1939 auf der Oberkleidung, am rechten Arm, eine zehn Zentimeter breite weiße Armbinde mit einem blauen„Davidstern‘“ tragen. 13. März: Obwohl wir eben jetzt angekommen sind, sind wir nicht fremd in Bodzentyn, jeder behandelt uns gut, wie Brüder, von der Tante und dem Onkel schon gar nicht zu reden. 16. März: Bei uns zu Hause war es anders als hier. Da war immer was zu tun, und hier gehe ich auf die Straße raus, aber ich gehe gleich zurück, denn was soll ich auf der Straße machen. Jemand zu Hause hat erzählt, daß in Krajno 4 jüdische Perso- nen erschossen wurden, als sie in Richtung Kielce gingen. Zwei Personen wurden nur mit dem Ba- jonett verwundet, und zwei, Mutter und Sohn, wa- ren tot. Wenn man ohne Ende von solchen Grau- samkeiten hört, kann man dann ohne Angst und ruhig leben? Wenn man das hört, wird man doch ganz ängstlich. Heute kam Gendarmerie, aber alles war ruhig. Bekannte kamen heute aus Krajno, sie kamen, weil sie Angst hatten, dort zu bleiben, weil eine Strafexpedition nach Kontingenten kam. Jedes 67 68 dzentyn etwa 1000 Juden, hauptsächlich Schuster, bißchen Getreide nehmen sie weg, und wenn sie nichts finden, schlagen sie ganz grausam, ganz gleich, ob Mann oder Frau. Der Vater ist heute nach Krajno gegangen, dort übernachtet er, und morgen geht er nach Kielce. 17. März: Verschiedene Gedanken drehen sich im Kopfe herum. Ob dem Vater der Passierschein unterschrieben wird, wie wird er nur kommen, wenn der Passierschein nicht unterschrieben ist. Gedanken manchmal ganz ohne Sinn drängen sich auf. Den ganzen Tag habe ich hinausgeguckt, ob der Vater noch nicht kam. Als ich mich schon schlafen legte, war der Vater noch nicht da. Im Schlaf hab ich gehört, daß der Vater schon da ist, ich habe mich angezogen und bin in die Küche gegangen. Den Passierschein haben sie ihm unterschrieben, aber Bodzentyn haben sie ausgestrichen. Er ist nur dienstags und freitags gültig und nur bis zum 1. April. So wollen sie die Juden einengen, so daß sie ganz und gar vor Hunger sterben. Ein Kilo Roggen kostet im jüdischen Viertel schon 9 Zloty, Kartoffeln 3,20 Zloty. So schrecklich sind die Le- bensmittelpreise gestiegen. Gewiß werden jetzt die ärmeren Leute vor Hunger sterben. Vor dem Kriege wohnten in dem Städtchen Bo- Schäftemacher, Schneider und Kleinhändler. In der Okkupationszeit stieg die Zahl der jüdischen Be- völkerung dort stark an, da die Juden aus Plock und später auch aus den umliegenden Dörfern nach Bo- dzentyn umgesiedelt wurden. So wohnten im Jahre 1940 etwa 1400 Juden in Bodzentyn, aber schon im Mai 1941 zählte die jüdische Bevölkerung dort etwa 3700 Personen. Daher ist es nicht verwunderlich, daß dort furchtbare Wohnungsverhältnisse herrsch- ten und im Zusammenhang damit schlechte sani- täre Zustände. In der Mehrheit war die Bevölke- rung ganz einfach dem Hungertod preisgegeben. In Bodzentyn gab es kein Ghetto im Sinne eines von der Außenwelt hermetisch abgeschlossenen jü- dischen Wohnviertels. Die Besatzungsbehörden im Distrikt Radom erklärten manchmal ein ganzes Städtchen oder eine ganze Siedlung zum Ghetto, so zum Beispiel die Ortschaft Szydtowce. 18. März: Heute kam das Komitee, das die jüdischen Familien größeren Wohnungen zuteilt. Auch wir wurden dem Mieter der Tante zugeteilt. Zuerst hat er sich widersetzt, aber dann mußte er nachgeben. Wir haben den Schrank reingestellt, und hier ma- chen wir schon alles. 19. März: Heute kreisen Gerüchte, daß am Sonn- tag sechs Bereitschaften polnischer Polizei kommen 69 70 Lastauto, und es dauerte nicht lange, da kamen sollen und die Gendarmerie. Manche sagen, sie werden Razzien machen, manche sagen was ande- res, aber genau weiß niemand was. Razzien natür- lich nicht auf arische Leute, nur auf Juden. Jeder geht erschrocken rum und überlegt, wo er nur unterschlüpfen und eine sichere Stelle finden kann. Aber wo kann man sich heute sicher fühlen, über- haupt nirgendwo. 22. März: Heute ist dieser gefürchtete Sonntag da. Gendarmerie und Polizei sind gekommen, aber nicht zu Razzien. Wir wußten nicht, wozu sie ka- men. In großer Angst warteten wir auf einen schrecklichen Augenblick, wußten aber selbst nicht, auf was. Alle Augenblicke ging ich vor die Haustür. Es war so still, als ob alles gestorben wäre, nur die Gendarmen gingen auf und ab. Vor der Haustür stehend, hörte ich, daß sie Haus- suchungen bei Juden machten. Auf die Straße zu gehen, hatte ich nicht den Mut. Nachdem sie bei einigen Juden Haussuchungen gemacht und ver- schiedene Waren gefunden hatten, fuhren einige Gendarmen weg, der Rest blieb. Vielleicht eine Stunde suchten sie und fuhren dann auch weg. Die, bei denen sie Schwarzwaren fanden, verhafteten sie. Die beschlagnahmten Waren luden sie auf das sie wieder. Die Verhafteten haben sie nach Bieliny mitgenommen. 23. März: Vater ist nach Krajno gegangen, wo wir ein paar Zioty zu bekommen haben. Wir waren schrecklich in Sorge, ob er auch glücklich durch- kam. Nur mit Sorgen und Nachdenken ist uns die Zeit vergangen. 24. März: Den ganzen Tag hielten wir Ausschau nach Vater, aber er kam nicht. Ich hatte mich schon schlafen gelegt, da sagte jemand, daß Vater kam. Ich zog mich sofort an und ging in die andere Woh- nung. Der Weg war ihm geglückt, er hat 2 Zentner Kartoffeln gekauft, aber erst am Freitag werden sie angefahren. 27. März: Gleich morgens kamen die Kartoffeln an, und ich ging für den Bauern etwas Hülsenfrüchte kaufen. Ich komme auf die Straße und sehe: Die Leute laufen und laufen irgendwohin, ich bin mitge- laufen, und dann hörte ich, daß die verhafteten Ju- den schon zurückkamen. Unterwegs traf ich nie- manden, sie waren gleich alle nach Hause gegan- gen, also ging ich zu ihnen. Die Freude, die hier war, ist nicht zu beschreiben. So viele Leute kamen in die Wohnung, daß man sich nicht umdrehen 71 konnte. Als dann alle da waren, erzählten sie, daß sie einen erschossen hätten, weil er nichts gestehen wollte. 28. März: Ein Unglück, das ist wenig, erst müssen mehrere zusammenkommen, dann erst erdrücken sie den Menschen. Nicht genug, daß wir vertrieben sind und schon ganz heruntergekommen, obendrein wurde uns das Vorhängeschloß am Stall aufgebro- chen und fast alles gestohlen, was da war. Als ich aufwachte, hörte ich, wie die Tante sagte, daß man uns bestohlen hatte. Ich zog irgendwas an und war raus. Drei Gänse haben sie gestohlen, zwei waren unsere, und eine gehörte dem Onkel, 15 Kilo Rog- gen, 5 Kilo Mehl und 8 Brote. Nur die eine Gans ge- hörte dem Onkel, der Rest war alles unseres. In un- serer kritischen Lage hat uns dieses Unglück gerade noch gefehlt. Was wir nur besessen hatten, war uns gestohlen, nicht einmal ein Stück Brot war geblie- ben. Ich kann mich gar nicht fassen, so hat mich das mitgenommen, kein Wort kann ich sagen, so schwer ist mir zumute. Der Nachbar sagte, nur nicht la- mentieren, sondern was machen, vom Lamentieren kommt nichts. Bei dem ganzen Vorfall stand einer aus Plock dabei, die Tante sagte, daß er in der Nacht rausgegangen und Mittäter wäre, aber er leugnete es. Ich schlug vor, daß wir zu seinem Bruder gehen wollten, vielleicht war irgendeine Spur da. Der Vater und mein Vetter gingen sofort hin und kamen gleich zurück, die Spur war da, neben dem Haus war alles voll Blut. Wir gingen dann alle gleich hin. Erst wollte er uns gar nicht einlassen, nur mit der Polizei. Aber wir gingen rein, gleich am Eingang lag das Brot. Mehr Beweise brauchten wir nicht, wir sagten ihm nur, gib die Gänse zurück, den Roggen, das Mehl, alles, was du genommen hast. Er leugnete nicht mehr und gab alles zurück. Dann gab es einen schrecklichen Betrieb, jeder kam, das zu sehen. Und als wir alles nach Hause trugen, freute sich jeder sehr. Zwei Brote fehlten, und die Gänse lebten nicht mehr. Ich war mit der Großmutter noch einmal bei ihm, und wir nahmen noch vielleicht ein Kilo Brot von ihm. Die ganze Stadt weiß schon von diesem Diebstahl. Der Polizei haben wir nichts gemeldet, davon wollten wir keinen Gebrauch machen, nur im Judenrat haben wir es gemeldet. Aber irgend jemand war doch bei der Polizei, und zwei Polizi- sten kamen. Der Vater wollte kein Protokollmachen und gab obendrein noch 25 Zioty, damit nur alles ruhig blieb. Später würde er vielleicht alles mögli- che erzählen. 29. März: Heute kam jemand, dem der Waschbot- tich verschwunden war. Er hat ihn bei demselben 73 Dieb gesehen. Später sind dann noch mehrere bei ihm gewesen, haben aber nichts gefunden. 2. April: In der Nacht kam die Gendarmerie und nahm dieselben wieder mit, die sie neulich rausge- lassen hatte. Noch zwei andere nahmen sie mit. Im Städtchen brach erneut eine Panik aus. Ungefähr um 11 ging ich zusehen, wie sie nach Bieliny weg- gefahren wurden. Jeder fuhr einzeln, und ein Po- lizist neben ihnen. 5. April: Heute kreisen Gerüchte, daß einer von den Mitgenommenen erschossen wurde. Die übrigen wurden nach Kielce geschickt. 6. April: Heute früh kam jemand aus Bieliny und erzählte, daß das, was gestern erzählt wurde, wahr ist. Einer wurde wirklich erschossen. Die Frau und die Familie wissen noch nichts davon, aber wenn man es ihnen sagt, dann wird es ein Weinen ge- ben... Unsere Lage wird von Tag zu Tag schlimmer. Wenn sie einen mitnehmen, dann zeigt der zehn andere Leute an. So gehen immer mehr Menschen ins Grab. 10. April: Gegenüber von uns haben sie einen Mann und eine Frau mitgenommen, und zwei Kinder sind zurückgeblieben. Erneut hört man, daß der Vater dieser Kinder vor 2 Tagen abends erschossen wurde. Die Frau, schwerkrank, wurde nach Kielce transportiert. Die Gendarmerie war in Siupia und nahm drei Juden fest. In Bieliny haben sie sie fer- tiggemacht(bestimmt wurden sie erschossen). In diesem Bieliny ist wirklich schon viel jüdisches Blut geflossen, dort ist wirklich schon ein ganzer jüdi- scher Friedhof entstanden. Wann endet endlich dieses schreckliche Blutvergießen? Wenn das noch lange so weitergeht, werden die Leute vor Grauen allein wie die Fliegen hinfallen. Ein Bauer aus Kraj- no kam zu uns, der sagte, daß die Tochter unseres früheren Nachbarn erschossen wurde, weil sie nach 7 Uhr ausgegangen war. Ich kann es kaum glauben, aber alles ist möglich. Ein Mädchen wie ein Blume, wenn sie erschossen werden konnte, dann wird wohl bald das Ende der Welt da sein. Daß es auch nicht einen ruhigen Tag gibt. Die Nerven sind ganz erschöpft, wenn ich von jemandes Unglück höre, gehen mir die Augen über, der Kopf fängt zu schmerzen an, und ich bin dann so erschöpft wie nach schwerster Arbeit. Nicht nur ich, jedem geht es so. Ist es nicht genug, daß im vorigen Kriege die Kosaken den Vater von Vati erschossen haben und er dabei war, wo er doch damals erst 11 Jahre alt war. Darum möchte er sich jetzt, wenn er nureinen Deutschen sieht, ins Mauseloch verkriechen, so verstört ist er. 75 76 mer gelassen, und hier freuen wir uns über so eine 12. April: Heute nacht wurde einem Bauern eine Kuh gestohlen. Die Polizei begann gleich mit Unter- suchungen. Bei einem Juden aus Plock fanden sie mehrere Kuh- und Kalbshäute, sie nahmen ihn gleich mit. Die Gendarmerie wird morgen schon Beschäftigung haben. Im Februar und März 1941 waren drei Transporte mit 1700 aus Plock ausgesiedelten Juden in Bo- dzentyn eingetroffen, von denen etwa 700 in Bo- dzentyn geblieben waren. Unter den damaligen Verhältnissen in Bodzentyn wurden die aus Plock ausgesiedelten Juden durch Hunger und Epidemien dezimiert. In einer Denkschrift der Plocker Juden, die am 10. Mai an den Obersten Judenrat des Di- strikts Radom gerichtet wurde, hieß es unter ande- rem:„In Bodzentyn erreichte die Sterblichkeit ge- radezu astronomische Zahlen.‘ Die Denkschrift endete mit dem Appell:„Rettet unsere Landsleute vor dem Untergang, hervorgerufen durch Hunger und Epidemien.“ 13. April: Unsere Nachbarn kamen heute, um den Schrank rauszunehmen. Es ist besser, erst wollten wir nicht, aber jetzt wird es ein bißchen geräumi- ger sein. Wir können uns also über etwas freuen, wenn man bedenkt, in Krajno haben wir vier Zim- Kleinigkeit. Aber was ist zu machen, es sind Zehn- tausende von Menschen, nicht wir allein, die wie wir vertrieben sind. Nachmittags haben sie den Schrank auseinandergenommen. An seinen Platz haben wir den Küchentisch gestellt, es wird jetzt etwas bequemer sein. Jetzt nur noch einen Herd aufstellen, und alles wird ein bißchen besser sein. Der Vater hat mit jemand zusammen etwas Mehl gekauft. Wir werden Brot backen zum Verkauf. Der Teilnehmer hat einen großen Ofen, und dort wer- den wir backen. 14. April: Gleich morgens habe ich erfahren, daß Gendarmerie gekommen ist, um bei Juden Haussu- chungen zumachen. Aus einem Hause haben sie drei mitgenommen. Jetzt wird bei anderen Haussuchung gemacht. Bei einem Schneider haben sie viel Ware gefunden und über zwanzig Bauernpelze, ihn haben sie auch gleich mitgenommen. Bei vielen Juden ha- ben sie Haussuchungen gemacht und viel Ware beschlagnahmt. Auch beim Nachbarn waren sie, alles, was er besaß, wurde ihm abgenommen, sogar schmutzige Wäsche und getragene Kleider haben sie mitgenommen. Das war doch keine Schwarz- ware. Wir hatten große Angst, daß sie vielleicht auch zu uns kamen, der Vater ging weg von zu Hause, und obwohl wir gar nichts besitzen, hatten EA 78 wir Angst. Aber der liebe Gott hat sie nicht zu uns kommen lassen. Als ich dann so zu Hause saß, sah ich einen Gendarmen vorbeigehen, und jemand ging zur Tante rein. Ich war gleich auf der Treppe und hörte, daß die Deutschen bei der Tante waren und ein Polizist vom Hofe reingekommen war. Das Herz fing mir gleich wie mit einem Hammer zu schlagen an. Ich bin gar nicht nach Hause gegangen, sondern langsam die Straße entlang. Ich bog in die Nebenstraße ein und sah, daß sie schon auf den Speicher raufgingen, ach je- habe ich mir gesagt, nun werden sie uns das bißchen Getreide wegneh- men. Ich habe dann nicht mehr gewartet, was da weiter kam, ich bin weitergegangen. Dann traf ich den Vater, und er wußte schon, daß sie da sind. Als ich dann bei einem Bekannten saß, dachteich mir so, daß dort jetzt wohl gar nichts mehr übrig bleibt. Dann kam mein Vetter mit der Nachricht, daß sie seinen Bruder mitgenommen haben, er hat noch gesehen, wie sie den Fahrradrahmen abgenommen haben, mehr hat er nicht gesehen. Wie groß war mein Schreck, als ich hörte, daß sie meinen Vetter mitgenommen haben. Sein Bruder fing an zu wei- nen, sie werden ihn dort schlagen, er wird dort so schreckliche Qualen leiden müssen. Ich schickte ein Mädchen hin, das nachsehen sollte, was dort los war. Nach wenigen Minuten war sie zurück und erzählte, daß sie noch da sind und jetzt ein Proto- koll schreiben. Der Vetter ging selbst noch hin. Nach ein paar Minuten war er wieder da und sagte, daß sie außer dem Fahrrad nichts weggenommen haben, nur noch 5 Meter Kleiderstoff von der Schwester. Mit dem Vater sind wir dann gleich nach Hause gegangen. Zu Hause war alles voll Men- schen. Alles war durcheinandergeworfen, und jetzt räumten sie auf. Sie begannen sich gegenseitig alles zu erzählen. Jeder erzählte, wie er in Angst und Schrecken auf den Augenblick wartete, bis er nach Hause konnte. Die Gendarmen, die die Haussuchung gemacht haben, sind ganz anständig gewesen, nicht einen einzigen haben sie angeschrien. Als sie in der Wohnung nichts fanden, gingen sie auf den Spei- cher. Hier sahen sie den Fahrradrahmen und ließen ihn runterholen. Sie haben gefragt, wo die anderen Teile sind, darauf hat er geantwortet, daß die Dek- ken und Schläuche auf einem anderen Speicher sind und die Räder bei der Schwester. Die Decken muß- te er noch runterholen und dann zur Schwester bringen. Bei der Schwester haben sie dann gründ- lich Haussuchung gemacht. Sie haben ihr mehrere Paar Hosen, Anzugstoffe und noch andere Sachen weggenommen. Als sie damit fertig waren, sind sie zurück, den Rahmen holen. Unterwegs hat der Vet- ter gebettelt, sie möchten der Schwester wenigstens 79 ihren Stoff lassen. Sie haben nur das Fahrrad ge- nommen, aber dafür 80 Zloty bezahlt, und der Vetter mußte unterschreiben. Seiner Schwester ha- ben sie auch nichts genommen, nur die 5 Meter Stoff, weil sie doch wenigstens den Stoff mitneh- men mußten. So haben sie einen Schaden von 1500 Zioty angerichtet. Als die Haussuchung bei allen fertig war, kamen die Fuhrwerke nach der Ware. Mehrere Stunden haben sie aufgeladen. Ich guckte zu, wie dieser Zug von Fuhrwerken abfuhr. Im gan- zen 5 Fuhren mit verschiedenen Waren! Als sie an uns vorbeikamen, hielt eine Fuhre an, der Rest aber nicht. Als dann der Deutsche einen Schuß abgab, dachte ich sofort, eine Leiche bleibt auf der Strecke, aber es war nichts. Er hatte nur geschossen, damit die anderen Fuhrwerke auch stehenbleiben sollten. Der Schneider, dem sie die Felle weggenommen ha- ben, ist furchtbar zusammengeschlagen, hat blaue Flecke im Gesicht und das ganze Gesicht geschwol- len. Er saß auf der Fuhre wie eine Mumie. Nach Bieliny haben sie nur drei mitgenommen, die ande- ren haben sie laufen lassen. Den mit den Fellen ha- ben sie mitgenommen, noch einen Mann und seine Frau. Im Städtchen ist jetzt eine furchtbare Stim- mung, denn immerzu sind Haussuchungen bei den Juden, und immer sind bei ihnen Schwarzwaren zu 80 finden. in den Rubmowiez|(a Rubınaw. ide)-- a Klasa.._... nr ange 2.02 GE GRoIZ HA BUDOWE JZKOR, POWSZECHNYCH U 15 x RP ag We, 15. April: Frühmorgens kam ein Bote aus Bieliny und sagte, sie sollen mehrere Tausend Zloty brin- gen, dann wird man sie rauslassen. Gleich ist ein Pferdewagen losgefahren. Dieser Bote sagte auch noch, daß der Onkel für eine Woche einen Passier- schein bekommen hat nach Bodzentyn und nach Krajno. Undnoch eine andere gute Nachricht haben wir erfahren. Das Mädchen, von dem erzählt wurde, daß sie erschossen ist, lebt. Heute haben wir also bessere Nachrichten als gestern. Der Vater sagte noch, daß sie keine Passierscheine mehr ausstellen, die Lebensmittel werden per Post geschickt. 16. April: Heute ist ein Fuhrwerk nach denen ge- fahren, die sie mitgenommen haben. Jeder wartet mit Ungeduld, daß sie nur schon schleunigst kämen. Das Fuhrwerk hat auch für die Gendarmen Ge- schenke mitgenommen, weil sie den Menschen gnädig waren. Gegen Abend kam eine sehr schlech- te Nachricht. Jemand erzählte, daß die, die heute morgen mit den Geschenken abgefahren sind, fest- genommen wurden, und keiner weiß warum. Nie- mand weiß es genau, aber wer kann wissen, ob es nicht wahr ist, heutzutage kann alles möglich sein. Als wir noch so zusammen sprachen, sahen wir, daß der Wagen ankam. Schnell gingen wir raus, alles zu erfahren. Unser Nachbar, der auch mit in 82 wieviel sie diesem weggenommen haben, wieviel Bieliny war, erzählte, daß sie nicht freigelassen werden, daßesnur ein Dreh war, aber welcher, das weiß niemand. Er sagte auch noch, daß dieser Schneider mit den Pelzen vielleicht schon erschos- sen ist. Und wir haben uns schon so gefreut, daß man sie freigibt. Wenn sich schon einmal so ein bißchen Hoffnung zeigt, wenn ein ganz kleiner Strahl leuchtet, dann kommt gleich ein Sturm, und alles ist aus. Dieser Schneider hat sieben Kinder, was sollen die armen Waisen jetzt machen, das, was sie hatten, wurde ihnen weggenommen, der Vater ist weg, und die Mutter muß noch auf die Polizei. Was diese Bestien nur mit den Menschen anstellen! 18. April: Heute ist so ein Wetter wie schon lange nicht. Wenn nur die Freiheit wäre, dann wäre alles gut. Aber man darf nicht mal rausgehen aus der Stadt. Wir sind jetzt gefesselt wie Hunde an der Kette. Gegenüber von uns haben sie die Eltern mit- genommen und zwei kleine Kinder allein gelassen. Von nebenan wieder haben sie den Mann mitge- nommen; guckt man dort ins Fenster rein, dann sieht man, welche Trauer dort ist. Von anderen kann man vergessen, dann ist wieder frische Sorge da. Wohin man nur kommt, ob in der Wohnung, ob im Kaffeehaus, ob anderswo, überall erzählt man, jenem usw. usw. Als wir ganz still beim Mittagessen saßen, kam der Polizist, uns zu erinnern, daß wir die 150 Zioty zahlen müssen, noch aus Krajno, für das Getreide, das wir gemahlen haben. Wir müssen gleich zahlen; wenn wir kein Geld geben, dann 18 Tage Arrest auf der Stelle. Mutter ist sofort zur Polizeistelle gegangen, und der Kommandant hat gesagt, daß spätestens bis Montag gezahlt werden muß. Wir haben sowieso nicht geglaubt, daß das an uns vorbeigeht, aber heute in diesen kritischen Zeiten ist es doch so schwer, 150 Zioty zu zahlen. 19. April: Aus Kielce kam Nachricht, daß sie unsere Nachbarin noch heute rauslassen, ihn aber haben sie doch in Bieliny erschossen. Vater traf heute einen Juden aus Bieliny, der eben erst ausgesiedelt wurde. Er sagte, daß er den Onkel gesehen hat und daß alle gesund sind. Er sagte auch, daß Lebens- mittel dort viel billiger sind als hier. Als ich so zu- fällig die Straße langging, sah ich, daß die aus Plock sich irgendwie so drängelten, dann hörte ich, daß sie hier privat Mittagessen bekommen. So ein Ge- dränge, jeder will der erste sein für diese zwei Kar- toffeln mit Wasser. Heute habe ich auch gesehen, wie das Mittagessen in der Küche verteilt wird. Einer sagte, mir steht Mittagessen für 3 Personen zu, warum ich nur 2 gekriegt usw. 89 oh 20. April: Wir sind früher aufgestanden, weil wir jemandem ein bißchen Roggen mahlen wollten. Um acht Uhr war er schon gemahlen. Vater ging zur Vorstadt raus, vielleicht läßt sich dort was kaufen. Ein paar Minuten später kam der Bruder und sagte, daß die Gendarmerie käme. Gleich entstand Auf- regung, ich schaffte die Handmühle weg. Mit den Gendarmen kam dieser Bursche, der den Onkel we- gen des Fahrrades angezeigt hat. Jetzt ging er einen anderen anzeigen. Der Vater sollte eigentlich gehen und die Strafe zahlen, aber er ist nicht gegangen, weil dort gerade die Gendarmen waren. Später kam der Polizist, und wir haben bei ihm bezahlt. Wir erlauben uns nicht einmal die kleinste Kleinigkeit, und hier müssen wir soviel Geld bezahlen. Wenn man wenigstens etwas dazuverdienen könnte. Um diese Strafe zu zahlen, mußten wir von unserer Garderobe verkaufen. So schwere Zeiten sind jetzt gekommen, daß man gezwungen ist, die eigenen Sachen zu verkaufen, für die man so schwer hat arbeiten müssen. Aber was ist zu machen, dem lie- ben Gott sei Dank, daß überhaupt was zu verkaufen da ist. 21. April: Morgens fuhr das Fuhrwerk, um die Nachbarin abzuholen. Onkel hat heute den Dünger verkauft, der Bauer kam ihn abholen. Gerade als der Bauer damit abfuhr, kam die Ordnungskom- mission an. Der Onkel mußte 20 Zloty Strafe zah- len, weil der Hof bis zum 18. April aufgeräumt sein sollte. Ich selbst habe das nicht mehr gehört, wie die Kommission kam, es war 11 Uhr. 22. April: Mutter ging zur Nachbarin, um von ihr was zu erfahren. Es ist besser, nicht aufzuschreiben, welche Folter sie und ihr Mann durchgemacht hat, sie lebt wenigstens noch, aber er... 24. April: Als wir nach Bodzentyn kamen, da besa- ßen wir ein paar Zloty, große Kapitalien hatten wir ja nicht, und jetzt ist das bald alle. Jetzt haben wir noch die Strafe gezahlt, und damit sind wir am Ende. Mutter hatte diese paar Zloty im Handel ver- dient, aber wie lange reicht das schon. Viel Ausga- ben haben wir jetzt freilich nicht. Aber für jede Kleinigkeit muß man jetzt Hunderte ausgeben, z.B. nur so eine Kleinigkeit wie Sacharin, von dem 100 Stück 70 Pfennig kosteten, kostet jetzt das Stück 10 Pfennig. Für Sacharin allein muß man täglich zwei Zloty ausgeben, und braucht man außer Sa- charin etwa nichts mehr? Kann man denn etwa für alles verdienen? Wie lange wird es reichen, die Sachen aus dem Hause zu verkaufen? Gott gebe, daß der Krieg so schnell wie möglich endet. Wenn 89 er noch lange dauert, wird keiner diesen schreck- lichen Krieg und diese schreckliche Folter aushal- ten. 26. April: Alsich zu Hause saß, meinte ich, Onkels Stimme zu hören, und dann kam er auch schon her- ein. Wir hatten nicht erwartet, daß er heute kam. Sogleich sagte er, daß er für Vater den Passier- schein bringt, wir waren so froh darüber. Vater soll- te sowieso nach Krajno, aber jetzt hat er wenigstens einen Passierschein. Der Onkel ging in die Stadt, was zu kaufen, und als er zurückkam, ging er gleich mit Vater weg. Jetzt brauchen wir uns wenigstens nicht so zu sorgen. 27. April: Gleich morgens kam der Vorsitzende des Judenrates aus Bieliny zu uns und sagte, daß der Vater Kartoffeln aus Krajno geschickt hat. Ich ging sie gleich abholen, es waren nicht viel, nur 25 Kilo. Nachmittags kam der Vater und schickte uns zu einem Juden, bei dem er Roggen gelassen hatte. Als wir ihn geholt hatten, sagte der Vater, daß das unser Roggen sei, den wir im Dorfe zurückgelassen hat- ten. Ein Jude kam zu uns fragen, ob wir Roggen zum Mahlen annehmen. Ich bin gleich mitgegangen und habe 15 Kilo Roggen geholt. Am Abend war alles fertig. Man mußsich dabei ordentlich anstren- gen, aber es gibt doch nichts anderes, womit man verdienen kann, und man darf das nicht verachten. Wir mahlen doch nicht das erstemal, wir mahlen jeden Tag von früh bis spät. Bei einer so schweren Arbeit, wo 4 Personen beschäftigt sind, sind höch- stens 30 Zioty zu verdienen. In der vergangenen Nacht wurde ein Überfall auf das Gut gemacht, und heute um 4 Uhr am hellichten Tage wurde von der hiesigen Bank zur Gendarmerie telefoniert, und die kommt morgen. 28. April: Im Morgengrauen gingen Vater und ich nach Krajno. Unterwegs holte uns ein Wagen ein, der uns mitnahm. Als wir dann so fuhren, kam es mir ganz so vor, daß ich nach Hause fuhr, und dann gab ich mich ganz und gar den Träumen hin. Aber schon kurz darauf wurde mir bewußt, daß es nur eine leere Träumerei war. Angekommen, ging der Vater ins Dorf, und ich wartete bei unserem frühe- ren Nachbarn. Später ging ich zu unserem Haus hin, dort wartete Vater auf mich. Als ich dann rein- ging, kam mir die Wohnung so fremd vor, alsob wir niemals hier gewohnt hätten. Vater gab mir Geld, damit ich die Kartoffeln bezahlte, die er gekauft hatte. Wie gern lief ich den mir so bekannten Weg entlang. Und wieder war esmir, alsobich eben nach Hause zurückliefe, daß dort die Eltern waren und 87 88 alle anderen, aber das ging gleich vorbei. Als ich zurückkam, war der Vater nicht mehr da. Ich habe mir ein paar Kartoffeln gebacken und auf ihn ge- wartet. Dann setzte ich mich extra ans Fenster, um mich noch besser an die Augenblicke zu erinnern, die ich hier früher verbracht hatte. Aber lange blieb ich nicht sitzen. Irgendwie wurde mir so traurig zumute, daß ich rausging, sonst hätte ich geweint. Ich wollte gleich ein paar Groschen einkassieren, aber vergeblich... als wir hier waren, da konnte man eher was bekommen, aber so, jetzt beeilen sich die Leute nicht. Ich habe nur an zwei Stellen einen Liter Milch gekriegt, einen halben Liter haben wir gleich zu dem Brot getrunken, unsnoch ein bißchen ausgeruht und sind dann schon früh zurück nach Hause gegangen, es könnten uns sonst Gendarmen antreffen. Obwohl wir einen Passierschein haben, ist es besser, sie nicht zu treffen. Hörten wir ein Fuhrwerk, dann versteckten wir unsim Walde, von dort beobachtete ich, wie sie vorbeifuhren. 29. April: Gestern habe ich mich schlafen gelegt, da war noch Sommer, und als ich aufstand, da war schon wieder Winter. Es hat so geschneit wie im Januar und nicht wie Ende April. Nicht genug, daß der liebe Gott soviel Strafen schickte, er hat noch eine dazugegeben, einen zweiten langen Winter. Die Feldarbeiten sollten schon fertig sein, dabei haben sie noch gar nicht einmal angefangen. Jetzt sollte alles billiger werden, aber in Wirklichkeit wird alles teurer. Und das ist noch gar nichts, der Onkel und die anderen im Hause setzen uns immer noch zu. Wir dürfen nicht einmal das Holz auf dem Hofe hacken und dann noch andere Kleinigkeiten, die gar nicht wert sind, daß man überhaupt davon spricht. Aber jetzt ist so eine Zeit, wo man nichts sagen darf, nur still sein muß und alles erdulden... 30. April: Als der Vater in Krajno war, hat er bei einem Bauern 2 Zentner Kartoffeln bestellt, und die sind heute angefahren worden. Gewogen wur- den diese Kartoffeln wie vor dem Kriege Apfelsi- nen, nicht ein Gramm haben sie zugegeben, und dazu noch so wahnsinnig teuer. 2 Zentner haben 270 Zioty gekostet. Für dieses Geld konnte man 200 Zentner kaufen und nicht nur zwei, aber jetzt hat sich ja alles verändert, das also auch. 1. Mai: Als ich in Krajno war, habe ich mir von dort mehrere Bündchen Schnittlauch mitgebracht. Heu- te hatte ich Zeit und habe sie in Blumentöpfe einge- pflanzt. Ich war noch nicht fertig, da hat mich Vater zum Mahlen gerufen, ich sollte alles auf dem Hofe liegen- und stehenlassen, und der Bruder sollte 89 aufräumen. Nach dem Mahlen ging ich in die Woh- nung. Als Vater kam, fing er an, sich sehr über mich zu ärgern, warum ich das Holz im Holzschuppen auseinandergeschmissen hätte, und schlug mich. Ich sagte ihm, daß ich doch keine Zeit gehabt hätte, das Holz zurechtzulegen, und er schlug mich noch mehr. Ich war sehr aufgeregt, warum schlug er mich ohne Grund. Und schließlich, als er mich so feste mehrere Male mit der Riemenspange geschla- gen hatte, fing ich zu weinen an, nicht so sehr vor Schmerz wie vor Wut. Ordentlich blaue Flecke habe ich abgekriegt, die auch stark schmerzten. Nach all dem hat er mir befohlen zu mahlen. Wie konnte ich aber mahlen, wo mich der Arm so schmerzte, daß ich ihn nicht bewegen konnte. Wenn der Kriegnicht wäre, dann wäre ich nicht zu Hause, dann wäre ich schon lange bei irgendeinem Handwerk, und so muß ich nur leiden. Der Vater hat mich überhaupt nicht lieb, und es tut ihm auch nicht leid, wenn was passiert. Er fühlt nur, daß es seine Pflicht ist, aber daran denkt er nicht, wie es sein soll. Den ganzen Tag war die Rede nur von mir. 2. Mai: Abends kamen alle vom Onkel zu uns und sprachen von meinen gestrigen Prügeln. Der Vater streitet immer mit der Mutter, warum sie sich ein- mischt, wenn er mich schlägt. Es ist sogar zu einem ernsten Streit gekommen. Ich denke, ein Ehepaar sollte sich nicht so streiten wie meine Eltern, aber das ist nicht nur heute so. 3. Mai: Der Onkel kam von Bieliny und brachte ein paar Kilo Roggen. Auch der Vorsitzende von Bie- liny kam und brachte dem Vater den Passierschein, für drei Tage, von morgen an. 5, Mai: Es sind Gerüchte, daß heute nacht eine Razzia auf Juden gemacht wird. Vater ist seit ge- stern nicht zu Hause, und es ist möglich, daß er gerade in die Razzia reinkommt. Wir haben eine Karte geschrieben, er soll heute nicht kommen. Gerade war ein Junge aus Krajno da, dem haben wir sie mitgegeben. 6. Mai: Ein schrecklicher Tag! So um 3 Uhr herum weckte mich ein Klopfen. Das war die Polizei, die schon eine Razzia machte. Ich hatte keine Angst. Der Vater und der Vetter waren ja in Krajno und wußten Bescheid. Die anderen Vettern hatten sich versteckt. Nach ein paar Minuten hörte ich noch ein Klopfen an der Tür, und der Onkel machte ihnen gleich auf. Ein jüdischer und ein polnischer Polizist traten ein. Gleich fingen sie an zu suchen, einer guckte mich an und befahl, ich solle mich 9 92 anziehen. Der andere fragte, wie alt ich sei, ich antwortete: 14 Jahre, da ließ er mich in Ruhe. Sie durchsuchten dann noch ein bißchen, fanden aber niemanden, nur die zwei aus Plock nahmen sie mit. Ich fürchtete mich nicht, trotzdem aber zitterte ich wie im Schüttelfrost. Als sie weg waren, schlief ich gleich ein. Morgens weckte mich die Kusine, der Vater mit dem Fuhrwerk war gekommen. Ich zog mich schnell an und ging raus, aber der Vater war schon nicht mehr da, weil er gleich vor der Polizei- streife davongelaufen war. Die Ware war schon vom Fuhrwerk abgeladen, und da sah ich, daß ein Po- lizist kam und auf unseren Hof einbog. Ich ging gleich weg, hörte aber, wie der Polizist schrie: Wo sind die Kartoffeln! Her mit dem Rest! Und noch was hat er geschrien, aber ich habe nicht verstanden was. Jetzt ist es aus mit uns, dachte ich, sie haben alles auf das Fuhrwerk geladen und zur Polizeistelle gefahren. Und der Vater istnicht da, was nur anian- gen?- Die Mutter und die Tante gingen zur Polizei- stelle. Ich war so durcheinander. Alles, was wir nur hatten, wurde uns weggenommen, jetzt muß man ein Stückchen Brot ersehnen. Ancielkam und sagte, daß der Vater und der Vetter auch aufgegriffen wurden. Und da erst fing ich an zu weinen. Den Vater haben sie uns genommen, unser Eigentum haben sie auch genommen, und jetzt fühlte ich so 3 =] eine Sehnsucht nach dem Vater. Die Ware haben wir schon vergessen. Die Mutter ging zum Juden- rat, daß der Vater freigelassen werden möchte. Er ist doch krank, ohne Medizin kann er nicht leben, und daß er jetzt in ein Lager muß, um dort zu ar- beiten, das ist schrecklich!- Sie haben gesagt, daß der Vater nach der Untersuchung rausgelassen wird. Wir hatten Hoffnung, daß sie ihn rausließen. Auf die Straße ging ich gar nicht raus, damit sie mich nicht auch aufgriffen, nur der Bruder und Anciel bringen ihnen Essen. Anciel kam von der Straße und erzählte, daß sie seinen Schwager auch aufgegriffen haben. Es war eine furchtbare Panik, jeder versteckte sich, wo er nur konnte. Die Ver- wandten oder die Frauen der Verhafteten weinten fürchterlich. Wie soll man auch nicht weinen, auch die Polizisten von Bieliny haben Razzia gemacht. Als es ein bißchen ruhiger wurde, kamen zwei Autos, und eins hatte einen Anhänger. Als ich das sah, dachte ich sofort, daß sie den Vater damit abholten, und fing fürchterlich zu weinen an. Vater hat dem Bruder gesagt, daß er ihm Essen bringen soll, ein paar Wäschestücke und einen kleinen Topf. Und wieder mußte ich weinen, als ich sah, daß er das alles mitnahm. Die Mutter war die ganze Zeit beim Judenrat, sie hat sich um Vater bemüht, sie haben nur gesagt, daß sie ihn rauslassen. Der 95 Bruder kam wegen einer warmen Mütze, aberes war schon zu spät... das Auto war schon auf dem ande- ren Marktplatz. Ich weinte laut auf, und als sie in unserer Nähe waren, habe ich laut gerufen: Vati!- Vati, wo bist du, wenn ich dich doch noch einmal sehen könnte... und da habe ich ihn auf dem letzten Wagen gesehen, er war verweint. Ich sah ihm nach, bis er an der Biegung verschwand, dann habe ich direkt einen Weinkrampf bekommen, und ich fühl- te, wie sehr ich ihn liebe und wie lieb er mich hat. Und erst jetzt habe ich gefühlt, daß das, was ich am 1. Mai geschrieben habe, daß er mich nicht lieb hätte, eine gemeine Lüge war, und wer weiß, ob ich dafür nicht werde büßen müssen, daß ich ihn so verdächtigt habe, wo es doch gar nicht wahr ist. Wenn es der liebe Gott will und er wiederkommt, dann werde ich nicht so zu ihm sein. Noch sehr lange habe ich geweint, und immer wenn ich so an Vaters verweintes Gesicht dachte, fing ich noch mehr zu schluchzen an. Das Teuerste in der Welt, das wir hatten, das haben sie uns weggenommen- und noch krank dazu... Als wir uns etwas beruhigt hatten, ging die Mutter zur Polizeistelle, weil es auf zwei Uhr zuging. Als ich so in der Wohnung saß und über Vaters Los nachdachte und über das, was uns alle schon getroffen hatte, kam die Schwe- ster und sagte, geh mit noch jemandem zur Polizei, weil sie alles zurückgegeben haben. Ich lief mit Anceiel hin, unterwegs trafen wir die Mutter. Anciel nahm der Mutter ab, was sie trug, und ich ging mit Mutter. Mehrere Male mußten wir hin und zurück, bis alles geholt war. Niemand kann sich diese Freu- de vorstellen, aber es war nur eine oberflächliche Freude; im Herzen ist Trauer, nicht zu beschreiben. Die Mutter hat welche vom Rat gebeten, sie sollten ihr helfen, die Ware zu retten, aber niemand wollte gehen. Der liebe Gott hat es aber so eingerichtet, daß wir alles ohne ihre Hilfe zurückgekriegt haben. Als wir von der Polizei zurück waren, kam ein Gen- darm zu uns und fragte, ob wir alles zurückbekom- men hätten. Das war ein sehr guter Deutscher, und wenn er nicht gewesen wäre, dann hätten wir nichts zurückbekommen. Die Mutter ist von den heutigen Ereignissen so erschöpft, als wenn sie schon 4 Wo- chen lang gedauert hätten. Ich habe mich ins Bett gelegt, an Vater gedacht... Ich liege hier so im be- quemen Bett, er aber hat vielleicht nicht mal ein bißchen Stroh in so einer Baracke. Mir wurde so schwer ums Herz, daß ich die Tränen nicht halten konnte, und so bin ich dann eingeschlafen. 7. Mai: Die gestrigen Szenen kann ich absolut nicht vergessen, wie könnte man das auch vergessen. Jeden Augenblick geht die Mutter zum Judenrat, 95 I6 damit sie helfen sollen. Einer hat der Mutter gesagt, daß sie am 12. nach Skarzysko fahren, die Kranken holen, dann würde Vater auch kommen. Was haben wir von dem Versprechen, möge Gott geben, daß Vater zurückkommt, bevor sie erst fahren. Jeder geht verstört herum, es vergeht keine Sekunde, daß ich nicht an Vater denke. Das jüdische Zwangsarbeitslager HASAG(Rü- stungskonzern Hugo Schneider AG, Sitz Leipzig) entstand in seiner endgültigen Form erst im Sep- tember 1942, mit den Bauarbeiten aber wurde schon im April 1942 begonnen. Neben einer bedeu- tenden Anzahl einheimischer Juden aus Skarzysko wurden etwa 2000 Juden aus Kielce, 500 aus Che- ciny, etwa 150 aus Radoszyce und aus Bodzentyn dort hingebracht, unter den letzten war auch Da- wideks Vater. In dieser Zeit wurden die jüdischen Zwangsarbeiter beim Waldroden, beim Bau von Verbindungsstraßen zwischen den einzelnen Be- trieben dieses Konzerns, beim Entladen von Wag- gons und so weiter beschäftigt. Später, das heißt nach dem September 1942, waren in diesem Lager durchschnittlich 8000 Juden. Insgesamt gingen durch dieses Lager etwa 15 000 Juden. Sie arbeite- ten bei der Munitionsherstellung, bei der Karbid- produktion(Werk A), bei der Herstellung von ko # oO # rd dA oH# ; x ud. silıadst. UA Dawids Versetzungszeugnis in die siebente Klasse (aus dem Klassenbuch der Grundschule in Krajno(s. S. 1 Sprengstoffen(Trotyl, Salpeter, Pikrin) für Ge- schosse(Werk B). In den zwei Jahren seines Be- stehens(September 1942 bis Juli 1944) starben in dem Lager etwa 10000 Juden. Nicht nur ihre Ar- beitskraft wurde von dem HASAG-Konzern aus- gebeutet, sondern auch ihr Tod, da an ihnen die tödliche Wirkung der Geschosse auf dem Schieß- platz in der Nähe des Werkes C ausprobiert wurde. 8. Mai: Man erzählt, daß auch heute Razzia sein wird, weil ihnen noch 120 Mann fehlen. Alle Män- ner haben sich versteckt, auf der Straße ist es ganz still. Als ich auf der Treppe stand, sah ich 3 Autos ankommen, ich erkannte sie gleich wieder, es wa- ren dieselben wie am Mittwoch. Gleich entstand Durcheinander, alle flohen aus den Wohnungen in den Wald, die Polizei hatte schon angefangen, die Menschen zu ergreifen. Die Tante kam und sagte, daß sie solche wie mich auch ergreifen. Erst wußte ich nicht, was tun, aber dann begriff ich sofort, daß ich mich verstecken mußte. Ich ging zur polnischen Nachbarin und blieb dort. Wenn ich nur was ra- scheln hörte, fürchtete ich mich schrecklich, daß sie nicht reinkamen! Diese Nachbarin sagte, daß sie in den Wald gegangen waren, und in dem Mo- ment, als sie das sagte, hörten wir mehrere Schüsse. Sicher ist schon jemand erschossen, dachte ich. 97 98 Hause kommt. Nicht lange war ich dort, als die Autos wegfuhren, nur zwei waren voll, das dritte war leer. Sofort ging ich nach Hause, jetzt konnte ich ruhig zu Hause sein, denn kein einziger kam rein. Auf die Straße ging ich den ganzen Tag nicht mehr. Abends bin ich beten gegangen, es ist doch Freitag heute. Sonst sind wir immer mit Vater zusammen gegan- gen, wie es auch immer war, ob lustig oder traurig, aber wir waren mit Vater, und jetzt... Als wir vom Beten zurückkamen, war ich furchtbar traurig. Wie sollte ich auch nicht traurig sein, das Abendessen war irgendwie nur so zubereitet, der Tisch gedeckt, es ist doch Feiertag. Als ich aber Vaters Platz sehe und er nicht dort sitzt, zerreißt mir Leid und Trauer das Herz... 9. Mai: Die Mutter ging zu einem Bekannten nach Skarzysko telefonieren. Mehrere Stunden hat sie auf Verbindung gewartet, dann haben sie ihr ge- sagt, sie soll um 2 Uhr wiederkommen. Diese Leute haben es nicht eilig, ihnen liegt nichts daran, wozu sollten sie sich auch beeilen. Wenn man ihnen auf einmal mehrere hundert Zioty geben würde, dann wären sie schon interessiert daran. Aber woher nehmen... Man muß das vom Leibe verkaufen. Aber es schadet nichts, wenn nur der Vater heil nach 10. Mai: Die jüdische Polizei hat den Befehl be- kommen, daß noch 50 Mann fehlen. Gleich nach dem Befehl haben sie angefangen, Leute zu fangen. Ich war schon nicht rausgegangen, habe zu Hause gesessen, aber, Gott sei Dank, sie sind nicht gekom- men. Als ich auf der Treppe stand, kam ein Herr und fragte, ob hier Rubinowicz wohnt, ich sagte ja. Da stellte er das Fahrrad ab und kam in die Woh- nung rein. Hier nahm er gleich einen Brief vom Vater raus und gab ihn der Mutter. Ich fragte ihn, wer er sei und woher er komme. Er antwortete, daß er der Aufseher über die Juden in Skarzysko ist. Nicht nur uns brachte er einen Brief, sondern noch für mehrere andere. Gleich versammelten sich viele Leute, jeder wollte etwas wissen. Er hielt sich bei uns nicht lange auf und ging andere Briefe abgeben. Es war kein langer Brief, aber schon diese wenigen Worte genügten. Ganz schnell hat er geschrieben, daß er gesund sei, daß die Arbeit nicht sehr schwer sei, daß man es aushalten kann, nur um uns bangt er sich sehr. Er schreibt, daß er sich sehr um mich sorgt, daß sie mich nur ja nicht fangen, ich solle mich gut verstecken. Wir sollen ihm wenigstens zum Trinken schicken oder ein paar Klöße in einer Flasche, einige Briefumschläge, ein halbes Kilo Brot und Geld per Post. Wahrscheinlich hat er das Paket vom Deutschen nicht bekommen, weil er 99 100 nichts davon schreibt. Er bittet, was zu verkaufen und ihn von da zu retten. Der Vater weiß also, wie es ist, nicht umsonst schreibt er gleich, daß wir was verkaufen sollen. Die Mutter machte ein kleines Päckchen und gab es dem Herrn mit dem Fahrrad. Schon am Abend kam eine Bekannte der Tante aus Suchedniöw, speziell uns zu sagen, daß man für 500 Zioty eine Person retten könne, und wenn mehr Personen, dann mehr Geld. Heute kann die Mutter nicht mehr nach Geld gehen, morgen geht sie ir- gendwo borgen. 11. Mai: Die Mutter hat ein Stück Stoff für einen Mantel, damit ist sie weggegangen, ihn zu verkau- fen oder zu versetzen. Sie kam gleich zurück und hatte das Geld schon geborgt. Sie gab es der Frau gleich, sie ging noch von mehreren Leuten Geld borgen und kam nach Hause. Mit Ungeduld wartete ich auf die Post, weil der Vater geschrieben hatte, daß er schon zweimal Postkarten geschrieben hatte. Nach einer Stunde wurde uns eine Postkarte ge- bracht. Der Vater schreibt, daß er gesund ist, noch am selben Tage war er ins Lager nach Suchedniöw gekommen. Abends hatten sie eine gute Kohlsuppe, er hat Bett und Wohnung. Morgens gehen sie zur Arbeit, aber zu welcher Arbeit, das schreibt er nicht. Sie arbeiten 12 Stunden, von 6 bis 6 Uhr. Dann sind sie sich waschen gegangen. Er fragt, ob wir von den Rüben etwas abgenommen haben, ob wir was zu drehen haben und womit wir drehen, das bedeutet, ob die Handmühle nicht kaputt ge- macht wurde, als sie uns Kartoffeln und Rüben wegnahmen. Er schreibt, wie schlimm es für ihn ist, dort zu bleiben, er sorgt sich sehr, wovon wir leben werden. Er bittet, ihm ein paar Zloty nur für Brot zu schicken, alte Pantoffeln, ein bißchen Ge- backenes, Rasiercreme und Sacharintabletten. Er schreibt uns: Liebe Kinder, gehorcht der Mutter. Am schmerzlichsten war der letzte Satz, gebe Gott, daß er bald zurück ist. Beim Judenrat ist angeschla- gen, wer was schicken möchte, soll etwas vorberei- ten, der Judenrat fährt morgen nach Skarzysko, dann will er alles mitnehmen. Obwohl wir schon Geld geschickt haben, wird Mutter trotzdem ein Paket hinbringen und 20 Zloty. Die jüdische Polizei fängt auch heute Menschen, fast den ganzen Tag lang habe ich bei einem polnischen Jungen geses- sen, zu Hause zu bleiben hatte ich Ansst. 12. Mai: Nachts war die jüdische Polizei bei uns auf dem Hof, sie haben die Vettern gesucht, aber sie waren nicht da. Nach dem Frühstück ging Mut- ter zum Judenrat das Paket und die 20 Zloty abge- ben. Vom Judenrat kam die Mutter ganz verweint 101 zurück. Wie es auch früher immer gewesen sein mochte, jetzt ist sie unzufrieden, die ganzen Tage geht sie herum und weint und weint. Von mir will ich schon gar nicht sprechen... Mutter sprach mit mehreren Bekannten vom Judenrat, sie haben ihr gesagt, sie solle sich nicht sorgen, denn wenn nur irgendeiner zurückkommt, dann kommt der Vater auch. Gegen Mittag hörte ich, daß ein Auto fährt; das Herz fing an mir zu schlagen, man sagte, daß 25 Kranke kommen sollen, vielleicht ist der Vater dabei... Sie sind dann auch gekommen, 25 Perso- nen, aber der Vater war nicht dabei. Wie mir das schmerzlich war, warum kommen andere, und der Vater nicht. Als das Auto anhielt, ließen sie die Kranken nicht raus, bevor nicht erst gesunde Leute an ihre Stelle abgeliefert wurden. Auch von unse- rem Hof war einer zurückgekommen, jemand von Plock. Ich fragte ihn, wie die Arbeit aussieht, ob er- Vater gesehen hat, alles habe ich ihn ausgefragt. Er sagte mir, daß er den Vater gesehen hat, und vorläufig hungert er nicht. Die Arbeit ist schwer, sie fällen Bäume und roden die Stümpfe. Täglich erhalten sie 120 Gramm Brot, schwarzen Kaffee und viel Suppe, man braucht nicht zu hungern bei so einem Essen. Jeder hat ein Bett, und der Vater ist zusammen mit den Vettern. Er zeigte mir im Ge- sicht einige Male von der Peitsche, bei der Arbeit paßt ein Aufseher auf. Als er mir das erzählte, fing ich zu weinen an. Warum hat ein so schreck- liches Los meinen Vater getroffen; möglich, daß er sich das beim Herrgott verdient hat. 13. Mai: Gleich morgens ging die Mutter sich er- sundigen, ob das Paket abgegeben worden war. Vater hat keinen Brief und gar nichts geschickt, im Judenrat haben sie gesagt, daß alles abgegeben wurde. Wir haben uns den Kopf zerbrochen, warum der Vater nicht zumindest eine Karte geschickt hat, da er aber nichts geschickt hat, ist unsere Sorge vergeblich, wo wir doch nichts wissen. 14. Mai: Als die Mutter über die Straße ging, hielt einer vom Rat sie an und gab ihr ein Päckchen. Sie haben vergessen, es ihr gestern abzugeben. Der Vater schickt die schmutzige Wäsche, die Vettern ebenfalls. In dem Päckchen waren auch drei Briefe. Der Vater schreibt, daß es ihm sehr unangenehm ist, warum wir keinen Brief schreiben und ihn nicht benachrichtigen, wenn wir was schicken, oder was anderes. Offensichtlich haben sie ihm den Brief nicht ausgehändigt. Er schreibt, daß ich mich ver- stecken soll, daß noch Razzia sein wird, er will, daß ich Mädchenkleider anziehe. Er bittet, ihm ein paar Zioty zu schicken, aber woher nehmen, weiß er nicht, und woher Geld für unsere Ausgaben 105 104 nehmen, auch das weiß er nicht. Er betont, daß wir was verkaufen und ihn retten sollen, wenn nur ir- gend möglich. Ich habe mich ordentlich ausgeweint nach so einem traurigen Brief. Alsich schon ruhiger war, ging ich, um die Briefe der Vettern zu lesen. Sie schreiben dasselbe wie der Vater, daß man sie retten soll. Beim Lesen der Briefe habe ich gedacht, wir sind hier in Freiheit(eine solche Freiheit wünsche ich einem Hund, aber immerhin haben wir es hier besser als der Vater dort), und vielleicht braucht Vater dort ein Stückchen Brot? Ach! Wie schrecklich das ist... 14. Mai: Heute wurde ein Anschlag ausgehängt, daß man Pakete nach Skarzysko schicken kann, weil ein Fuhrwerk dorthin fährt. Die Mutter hat gleich ein Paket gemacht, und ich habe sogar ein Messer für Vater besorgt. Abends kam ein Fräulein zu uns und sagte, daß morgen früh um 4 Uhr Gen- darmerie komme, es sei aber nicht bekannt wozu. Wir wußten noch nichts, hatten aber große Angst. 15. Mai: Morgens um 4 Uhr kamen mehrere Autos an, wir dachten, jetzt werden sie schnell alle aus- siedeln. Vor Schrecken bekam ich fürchterliche Schmerzen und mußte rausgehen. Kaum hatte ich die Tür aufgemacht, sah ich auf der anderen Stra- Benseite einen Deutschen stehen, der gerade zu mir guckte. Ich ging nicht raus, die Tür ließ ich offen- stehen, ich war sehr erschrocken und hatte Angst, daß er in die Wohnung kam; er blieb aber nicht lange stehen und ging gleich weg. Jeder blieb in der Wohnung oder ging vor das Haustor, aber auf die Straße ging keiner, aber jeder war ununter- brochen von großer Unruhe geplagt. Als ich am Fenster stand, sah ich ein Fuhrwerk mit Deutschen und irgendwelchen Zivilisten, die mit Handschel- len gefesselt waren. Ein zweites, drittes und vier- tes. Auf jedem Fuhrwerk waren so viele Zivilisten wie Deutsche. Die Deutschen waren stark bewaff- net, in Stahlhelmen, sie hatten Handgranaten und Maschinengewehre bei sich. Wir beruhigten uns ein bißchen, als wir sahen, daß man uns in Ruhe ließ. In der Wohnung hörte ich, daß die jüdische Polizei beim Onkel war, dann kam die Schwester und sagte, daß sie seinen Schrank wegholen woll- ten, weil er dem Rat die Steuer nicht bezahlt hatte. Die Polizei kam gleich mit dem Fuhrwerk, und sie begannen, den Schrank wegzutragen. Alle haben sich widersetzt, aber es war nichts zu machen, sie haben den Schrank rausgeholt. Als der Schrank aufgeladen war, kam der Onkel raus, er war sehr aufgeregt und hielt das Fuhrwerk an. Gleich kam der Polizist und stieß den Onkel weg, der Onkel gab ihm zurück, und sie fingen an, sich zu schlagen. 105 106 Alle kamen ran und wollten sie auseinanderbrin- gen, ein furchtbares Geschrei entstand, die Gen- darmerie sah das, sie kam gleich und fing von wei- tem an zu schießen, und ich habe das alles gesehen. Ich dachte schon, daß jemand zum Opfer gefallen war. Die Kugeln flogen über die Köpfe hinweg, und eine traf durchs Fenster in Onkels Wohnung. Ein Deutscher stürzte zu uns rein und riß die Tür mit solcher Gewalt auf, daß die Fensterscheibe rausflog, er fragte, wo der Onkel sei, und ging gleich weg, um den Onkel zu suchen, er fand ihn aber nicht. Nach einer halben Stunde vielleicht kam die polnische Polizei, und siemußten 100 Zloty Strafe zahlen. Bei der Schießerei war eine große Panik entstanden, jeder dachte, daß alles drunter und drüber ging. Nachmittags fuhren die Deut- schen ab, voraus im Auto, in der Mitte auf einem Auto waren Polen, gefesselt mit Handschellen, am Ende ein Auto mit Deutschen, auf diese Art und Weise wurden sie abgeführt. 16. Mai: Heute erst ist das Fuhrwerk mit den Pake- ten nach dem Lager Skarzysko abgefahren. Die Mutter hat noch ein Stück Brot dazugelegt. Die Frau des Vetters hat nach Skarzysko telefoniert, sie haben ihr geantwortet, daß alles erledigt sei und daß sie heute oder morgen kommen. 17. Mai: Die Kusine erhielt von ihrem Mann aus Skarzysko ein Paket mit schmutziger Wäsche, eine Postkarte war auch dabei. Er schreibt, ein Auto mit Kranken solle abfahren, möglich, daß die dann nach Hause kommen. Dann kam der Fuhrmann, der gestern in Skarzysko gewesen war, und sagte, daß er mit dem Vater gesprochen hat. Vater hat gesagt, daß er alle Pakete, die wir geschickt haben, be- kommen hat. Er hat schon viermal vor dem Arzt gestanden, jetzt soll er noch vor den deutschen Arzt, aber er weiß nicht, was sein wird. Nachmit- tags kam derselbe Mann, der in der vorigen Woche mit dem Fahrrad bei uns war, und brachte auch einen Brief. Als wir den Brief gelesen hatten, wa- ren wir sehr bekümmert. Vater schreibt, wir sollen uns beim Judenrat bemühen, und wenn nicht, dann bei dem Fräulein aus Suchedniöw, damit sie etwas unternehmen möge. Er war beim Arzt, aber der wolle ihn nicht rauslassen. Das war kein guter Brief, besser, ihn nicht so genau beschreiben. Wir wissen jetzt nicht, was tun. Vater schreibt, wir sol- len zu dem Fräulein aus Suchedniöw gehen, der wir das Geld gegeben haben, wir wissen nicht, was wir machen und denken sollen. Mutter geht nach diesem Brief wie verstört herum, mehrere Male war sie beim Judenrat. Dort hat man gesagt, sie solle sich nicht sorgen, alles wird in Ordnung sein. 107 1 08 Sie sagten, wenn die Kranken nur kommen, wird auch der Vater dabeisein. Aber was haben wir von diesem Trost, er ist doch immer noch im Lager, erst wenn er zu Hause ist, glaube ich an ihren Trost. 18. Mai: Heute hat Mutter mit dem Fräulein aus Suchedniöw telefoniert, die ihr sagte, daß der Onkel aus dem Lager geschrieben hätte, daß sie sich nicht um Vater bemühen soll, denn der Rat von Bodzentyn bemühe sich um ihn. Die Mutter hat ihr geantwortet, sie möchte sich auch um den Vater bemühen und sie soll auf niemand anderen hören. Heute ist im Rat ein Anschlag ausgehängt, daß morgen ein Fuhrwerk nach Skarzysko fährt und daß man Pakete schicken kann. Wir haben kein Paket geschickt, nur 50 Zloty. 19. Mai: Heute sind 6 Deutsche gekommen, weil in füni Gemeinden Mobilisierung von Pferden sein soll. Es kamen so viel Pferde, daß man schwer durch konnte. Das Fuhrwerk mit den Paketen ist nach der Mobilisierung nach Skarzysko abge- fahren. 20. Mai: Heute wurde uns ein Brief von Vater aus- gehändigt, ganze 4 Seiten hat er geschrieben, und noch ein Stück Papier. Er hat alles ganz genau be- schrieben. Er schreibt, daß er schon siebenmal vor dem Doktor war, und der will ihn nicht rauslassen. Morgen sollen 65 Kranke abfahren, vielleicht kommt der Vater auch. Der Vater bittet, im Falle, daß er nicht kommt, sollen wir ihm Brot schicken, Kartoffeln und noch etwas. Mit Ungeduld warten wir darauf, daß es Morgen wird. Diese Nacht wurde bei einem Bauern eine Kuh gestohlen. Es wurde der Polizei gemeldet, und die haben sofort eine Untersuchung begonnen. Die Spuren führten zu einem Juden, dort haben sie den Kopf gefunden und 40 Kilo Fleisch, sie haben ihn gleich festge- nommen. Alle sind sehr böse auf diesen Juden, daß ein Jude es wagt, eine Kuh zu stehlen. Nicht genug, daß wir von allen Seiten so verfolgt werden, kommt auch das jetzt noch dazu. 21. Mai: Um halb neun kam das Auto mit Juden an. Als ich das Auto sah, fing mir das Herz wie wild zu schlagen an, vielleicht ist auch Vater dabei. Als es näher kam, suchte ich Vater, sah ihn aber nicht. Ich rannte hinterher, das Auto hielt beim Judenrat an, und alle sprangen gleich raus, aber Vater war nicht dabei. Ich fing gleich sehr zu weinen an, so viele Leute waren gekommen und der Vater nicht. Manche waren ganz gesund und sind gekommen, das hat mich sehr erschüttert. Vater hat durch 109 110) haben sie rausgelassen. Bekannte mehrere Kärtchen geschickt, daß wir ihm ein paar Kartoffeln schicken möchten, Brot und Hirsegraupen. Wir haben gleich ein Paket fertig gemacht und es dem Autofahrer mitgegeben. Wir haben ganz und gar vergessen, daß heute Pfingsten ist, und haben gar nichts vorbereitet, so sind wir nur mit dem einen beschäftigt. Es ist noch nie vor- gekommen, daß der Vater an einem Festtag nicht dagewesen wäre, und heute ist er nicht nur nicht da, sondern auch noch im Lager. 22. Mai: Beim Beten bekam ich große Sehnsucht nach dem Vater. Ich sah andere Kinder mit ihren Vätern stehen, und was sie beim Beten nicht wuß- ten, zeigten ihnen die Väter, und wer zeigt es mir... nur der liebe Gott allein, daß er mir gute Gedanken gebe, daß ich einen guten Weg gehe. Noch nie war es mir so beschwerlich gewesen wie heute bei dem Gebet, weshalb hätte es mir auch früher so be- schwerlich sein sollen? Wenn der liebe Gott mir geben möchte, daß Vater bald gesund zurückkäme. Wir haben nach Suchedniöw telefoniert, und sie hat gesagt, daß die Sache noch nicht erledigt ist. 23. Mai: Heute haben sie die wegen der Kuh ver- hafteten Juden mitgenommen, einen Unschuldigen 25. Mai: Sehr früh kam der Onkel aus Bieliny, der mir gleich erzählte, daß er 20 Zioty Strafe gezahlt hat. In diesen kritischen Zeiten kann man sogar diese 20 Zloty nicht verdienen. Die Strafe hat er dafür gezahlt, daß er mit mehreren Juden unter- wegs war, und ein Jude hatte keinen Passierschein. Er hat noch viel Glück gehabt, daß sie ihn nicht gleich mitgenommen haben. Der Onkel hat keine Zeit vergeudet und ist gleich nach Hause gegangen. Heute wurde eine Bekanntmachung angebracht, daß der Rat morgen nach Skarzysko fährt. Wir ha- ben kein besonderes Paket geschickt, sondern nur Geld, vielleicht bekommt er Brot vom Rat. Wir machen ein kleines Päckchen und legen es zu in das Paket der Kusine. 27. Mai: Der Bruder brachte vom Rat ein Paket für uns und einen Brief. Der Vater schickte seinen Sweater, einen Schal und warme Wäsche zurück und obendrein noch ein sauberes buntes Hemd, das wir ihm geschickt haben. Er möchte, daß wir ihm weiße Wäsche schicken. Der Vater fragt, warum wir ihm nicht häufiger schreiben, er hätte soviel Freude, wenn er einen Brief von zu Hause bekäme, und den liest er dann mehrere Male täglich. Morgen kommt er vor die Kommission, weil er nicht arbei- ten kann. Der Vater schreibt, daß an allem Abram 111 schuld ist. Er läßt sagen, ihm nur Essen von zu Hause zu schicken, kein Geld, weil im Lager alles so teuer ist. Er fragt nach allem, ob wir Holz haben,. ob wir noch Kartoffeln haben und ob wir, was Gott verhüten möge, nicht hungern. Er fragt, wo wir nur für alles das Geld hernehmen, und wenn er wüßte, daß wir alles haben, was wir brauchen, dann würde er beruhigt sein, aber so denke er nur die ganze Nacht darüber nach und könne nicht schlafen. Er will unbedingt, daß wir ihm dieses ee Geld schicken, weil er sich dort schon alles allein/ besser erledigen kann. Wenn er in der vorigen f Woche das Geld gehabt hätte, dann wäre er mit dem zweiten Transport nach Hause gekommen. Der Vater schreibt, daß er jeden Tag Briefe schicke, ‚ aber wir nicht antworten. So schreibt er, aber wir| haben keinen einzigen Brief per Post erhalten. Heute werden wir sicher einen Brief bekommen. Ich habe ihm gleich einen Brief geschrieben und in den Briefkasten gesteckt, weil die Post gerade kam. Der Briefträger gab uns einen Brief vom Va- ter und danach zwei Postkarten. In dem Brief und/ den Postkarten schreibt er dasselbe wie im frühe-. ren Brief, nur im Brief schreibt er, ob es uns mit ihm und seiner Nervosität besser wäre oder ohne ihn. Die Mutter hat sofort nach Suchedniöw tele- 113 foniert und gesagt, dieses Geld gleich dem Vater SR % SEINEN 1 dy'k RG: 4 de£. ATIER R, fat 977 IR AL A jamunl uf»tane Fa(ad a 2% en gest.: 2} RZ £ pc slife Asanerce fe dd r- 6 ec 3.40: Arion oe erodas Be. RL Se MA mecsucde,“fk. sale erde, Hd deaslar e are BE Eu erdarde Dick ad Kong, 2 EL Ko FI Er 7 22 2ER 200 suleere da feste. Ua#6 IRA en plaerr Irmelen 22 a® fereozcee S Pa Shrechbawaf. 7 LY cal sualssceh 2a one need u, a zn u a Pe 2 77, ph entaorae Dezugf 2; auf ı Ayla>24 ei mallbr+ or Fehr VL WELL ah dä che bier Aarıs Eu Krridils % ar Haazer Ggprac 2, 0 ah Made E 4 dsl Z u: Fahre A Alemeo.r Io zacı- sel de gend- 2. oh: fa sch. i Kesdl, EM nnd cine a unge ad sh u od),& paszl. Ksle Lrser Am UI ec. Ay: endet Malisza Aal RI EEEEON pr such ze Zu 4Y f ih ch nit.2umenlrrert.r Men Perego Aus regel vhr> It Irunriar 20 Kress road PR Zu Die letzte Seite der Aufzeichnungen, die mit dem Wort ‚„Wer” abbrechen (SESZ2116) zu schicken, und wir haben Vater noch 100 Zloty von uns geschickt. Das Geld schicken wir ihm, weil hier nichts zu machen ist, vielleicht kann er sich dort besser bemühen. 29. Mai: Heute am Tage waren Banditen in Wzdolo. Als die Polizei kam, liefen sie gar nicht weg, son- dern begannen zu schießen. Die Polizei mußte sich verstecken, und sie gingen ruhig in den Wald. Gleich wurde nach Kielce telefoniert, damit Gen- darmerie kam. Nach einigen Stunden kamen zwei Autos, sie waren in Wzdolo, haben aber keinen ge- kriegt. Heute kam eine Postkarte vom Vater und eine vom Onkel aus Kielce. Vater schreibt nichts Neues, nur daß er Hoffnung habe, bald zu kommen. Der Onkel schreibt auch nichts Neues. 31. Mai: Heute war ein Anschlag ausgehängt, daß in Skarzysko die Arbeiter ausgetauscht werden, und am 4. Juni sollen sich beim Rat 60 Personen melden; die sich melden, bekommen Karten. In die- sem Falle wird der liebe Gott vielleicht geben, daß der Vater kommt. Die 60 Personen fahren nur für 7 Tage. 29. Mai: Als die Kielcer Gendarmerie abgefahren war, blieben noch die 8 von Bieliny hier. Ein 115 vorbeigehender Gendarm sah, wie auf einem Hof eine jüdische Frau weglaufen wollte. Sofort befahl er, sie solle stehenbleiben, aber sie hörte das nicht und lief weiter. Als sie nicht stehenblieb, schoß er und traf beim ersten Mal. Er befahl, sie dort zu begraben, wo alle anderen liegen, die erschossen sind. Welch ein schreckliches Schicksal sie ge- troffen hat, daß sie ohne jeden Grund erschossen wurde. Als sie da auf dem Hofe lag, und sie hat doch 6 Kinder, durfte keines von ihnen an sie rankommen, und wenn eines rangehen wollte oder angefangen hatzu weinen, dannhateer es geschlagen. 1. Juni: Ein Tag der Freude: Wir erwarteten einen Brief vom Vater, aber es kam kein Brief, nur eine Postkarte vom Vetter mit Grüßen vom Vater und weiter nichts. Wir haben für Vater ein großes Paket vorbereitet, denn morgen fährt der Rat nach Skar- zysko. Wir haben ein leichtes Jackett verpackt, Wäsche, Halbschuhe, ein paar Kartoffeln, Brot und andere Kleinigkeiten. Mit Ungeduld wartete ich, daß es drei Uhr wurde, da kommt die Post. Viel- leicht kommt ein Brief vom Vater, vielleicht hat er Aussichten, freizukommen. Gegen Abend war ich zum Nachbarn gegangen, um Hausschuhe für die Schwester zu machen. Bei der Arbeit hörte ich ein Auto kommen und Gesang, da hab ich mir gleich gedacht, daß die Juden aus Skarzysko kommen. Ich rannte raus, und richtig, sie kamen angefahren. Von weitem war zu sehen, wie sie mit Händen, Mützen winkten, ich sah auch, wie mein Vater winkte. Ich schmiß alles hin, lief hinterher und kam gleichzeitig mit dem Auto an. Sofort nahm ich dem Vater das Bündel ab, und er stieg vom Auto. Mutter nahm mir das Bündel ab, und ich ging zur Polizei, das Paket zurückzuholen. Ich ging in die Wohnung und konnte vor lauter Freude den Vater nicht einmal begrüßen. Niemand kann sich unsere Freude vorstellen, nur der kann sie sich vorstellen, der das selber erlebt hat. Es war alles wie in einem Film, so viel durchlebten wir fast in einer Sekunde. Es war sofort voller Leute, alle kamen, um was Gutes zu erfahren. Vater hatte sich den Arm verletzt, darum hatten sie ihn raus- gelassen... Zuerst bin ich sehr erschrocken, weil ich dachte, daß er sehr schlimm verwundet wäre. Es ist mir schwer, alles, was Vater erzählte, zu be- schreiben. Ich fange von Anfang an, am schlimm- sten war die erste Woche, bis er sich eingewöhnt hatte. Die Arbeit war nicht so schrecklich, nur die Disziplin war schrecklich; wenn einer nicht gut marschiert oder singt, kriegt er Prügel. Geweckt wird um 4 Uhr früh, um 5 Uhr nachmittags hört die Arbeit auf. 13 Stunden lang kann man sich nicht Mo ein Weilchen hinsetzen, wer sich hinsetzt, kriegt fürchterliche Prügel. Des Erzählens war kein Ende, bis nachts 2 Uhr blieben wir auf, das kann man gar nicht beschreiben. Der Vater sah nicht sehr schlecht aus, hatte soviel gegessen, wie er brauchte. Von dieser ganzen Freude habe ich vergessen, das Wichtigste und das Schrecklichste aufzuschreiben. Heute morgen waren zwei jüdische Frauen aufs Land gegangen, Mutter und Tochter. Zum Unglück fuhren die Deutschen von Rudki nach Bodzentyn Kartoffeln holen und sind ihnen begegnet. Als die beiden Frauen die Deutschen erblickten, da began- nen sie zu fliehen, wurden aber eingeholt und fest- genommen. Sie wollten sie gleich auf der Stelle im Dorfe erschießen, aber der Dorfschulze ließes nicht zu. Dann sind sie in den Wald gegangen und haben sie dort erschossen. Die jüdische Polizei fuhr gleich hin, um sie auf dem Friedhof zu begraben. Als das Fuhrwerk zurückkam, war es voll Blut. Wer Hier brechen Dawideks Tagebuchaufzeichnun- gen ab. Über das weitere Schicksal der jüdischen Bevölkerung von Bodzentyn Im September 1942, wahrscheinlich zwischen dem 15. und dem 21. September, wurde die gesamte jüdische Be- völkerung aus Bodzentyn auf die Chaussee und zu Fuß nach dem 25 Kilometer entfernten Suchedniöw getrie- ben. Für Greise, Frauen und Kinder waren einige Fuhr- werke bereitgestellt. Dieser Fußmarsch wurde von der Gendarmerie und der Polizei eskortiert, wobei die Be- gleitmannschaft die Unglücklichen bestialisch mißhan- delte, antrieb und mit Schlägen zwang, das befohlene Marschtempo einzuhalten. Zu derselben Zeit wurden 600 Juden aus Blizyn, 350 aus Samsonowo, aus Zagnahsk und aus anderen Orten nach Suchedniöw gebracht, wo die Bahnstation war, Insge- samt wurden hier etwa 5000 Juden gesammelt. Suche- dniöw war einer der beiden Konzentrationspunkte im Kreis Kielce, wo die jüdische Bevölkerung gesammelt und in das Vernichtungslager abtransportiert wurde. Der andere Sammelpunkt war Kielce. Die auf dem Marktplatz in Suchedniöw gesammelte jü- dische Bevölkerung, etwa 4500 Personen, wurde von den Naziokkupanten am Montag, dem 21. September 1942, am Tage des jüdischen Festes„Jom Kippur“(Ver- söhnungsfest) in die bereitgestellten und mit Kalk aus- gestreuten Viehwagen verladen. In Suchedniöw waren nur 250 Juden geblieben, deren Aufgabe es war, das Ghetto in Ordnung zu bringen, das zurückgelassene Gut zu sammeln, zu sortieren und so weiter. Nach Beendi- gung dieser Arbeiten wurden am 14. Oktober 1942 etwa 200 Personen in das Arbeitslager in Blizyn und 50 117 Personen in das Arbeitslager der HASAG in Skarzysko- Kamienna abtransportiert. Der Eisenbahnzug mit den aus Suchedniöw deportierten Juden wurde über Malkinia in das Vernichtungslager Treblinka(Treblinka II) geleitet. Über den Ort, an dem die jüdische Bevölkerung aus Bo- dzentyn, Suchedniöw, Zagnansk, Samsonowo und ande- ren Ortschaften vernichtet wurde, besteht kein Zweifel. Alle Transporte mit den aus dem Kreis Kielce depor- tierten Juden wurden ausnahmslos nach Treblinka ge- leitet. Außer den Juden aus dem Kreis Kielce haben ebenfalls alle Juden aus dem ganzen Distrikt R,adom, etwa 350 000 Menschen, den Tod in den Gaskammern von Treblinka gefunden. In dem Bericht über die Ausrottung der jüdischen Be- völkerung, den die antifaschistische Organisation im Warschauer Ghetto am 15. November 1942 an die pol- nische Regierung in London sandte, war in der Rubrik „Provinz“ angegeben, daß die Naziokkupanten auch die in Suchedniöw konzentrierte jüdische Bevölkerung liquidiert hatten; die Berichterstatter wiesen ausdrück- lich auf das Vernichtungslager in Treblinka hin. Es sei noch hinzugefügt, daß ein erhalten gebliebenes Rundschreiben des Präsidiums der Jüdischen Selbsthilfe in Kraköw, das an den Judenrat in Bodzentyn gerichtet war, von dem Briefträger am 30. Oktober 1942 mit dem Vermerk versehen wurde:„Zurück. Der Judenrat hat Bodzentyn verlassen.“ Treblinka II, das Vernichtungslager im Kreis Sokotöow, Wojewodschaft Warszawa In der Zeit vom Juli 1942 bis zum September 1943 wur- den dort mehr als 800 000 Menschen, vor allem polnische Juden, in Gaskammern ermordet. Der Tod trat dadurch ein, daß Gase von Verbrennungsmotoren in die Gas- kammern strömten. Mit ziemlicher Sicherheit kann der Tag bestimmt wer- den, an dem der Todeszug mit den deportierten Juden in Treblinka eintraf, die in Suchedniöw am 21. Septem- ber 1942 in die Waggons verladen worden waren. Der Fahrplan Nr. 587 vom 15. September 1942(siehe Foto- kopie) sah vor, daß der Zug mit den deportierten Juden von Suchedniöw über Skarzysko und Radom am Diens- tag, dem 22. September, 11.24 Uhr, in Treblinka an- kommen und an demselben Tage um 15.59 Uhr leer zurückfahren sollte. Unter Berücksichtigung des Um- standes, daß die zum Tode verurteilten Menschen un- mittelbar, innerhalb weniger Stunden nach der Ankunft in Treblinka, in die Gaskammer geführt und dort getötet wurden, kann angenommen werden, daß der kleine Da- wid ebenso wie die anderen aus dem Suchedniöw-Trans- port am 22. oder am 23. September 1942 den Tod gefun- den hat. Nachwort Als Dawidek die ersten Tagebucheintragungen in sein Schulheft schrieb, war er 12 Jahre alt. Auch ihm stand im Leben all das zu, was Millionen anderer Kinder in der ganzen Welt hatten: eine Mahlzeit, nach der man gesättigt aufsteht, möglichst hygienische Lebensbedin- gungen, dann die Schule, die man manchmal mehr, manchmal weniger liebt, Spiele mit Gleichaltrigen, die Lektüre geliebter, dem Herzen naher Bücher, einiger- maßen sorgliche Pflege, ein bißchen Freude undnicht all- zuviel Traurigkeit, hin und wieder eine Strafe für eine Unart, von Zeit zu Zeit eine größere Annehmlichkeit. Das sind wohl bescheidene Ansprüche, und eine solche Kindheit könnte schwerlich als übermäßig glücklich be- zeichnet werden. Das wäre ganz einfach eine durch- schnittliche Kindheit. Aber auch diese ärmliche, durchschnittliche Kindheit wurde durch eine der schrecklichsten Barbareien ver- nichtet, die die Geschichte der Menschheit je gekannt hat. Dawid Rubinowicz wurde wie Millionen älterer und jün- gerer Kinder umgebracht, einzig und allein, weil er als Jude zur Welt gekommen war. Die Eltern Dawids wünschten sicherlich ihren Kindern nichts anderes als das, was alle Eltern ihren Kindern wünschen, ganz unabhängig von Nationalität, Hautfarbe, Wohnort oder Lebensbedingungen. Dasselbe, was Sie, die diese Worte lesen, Ihren Kindern wünschen, was ich, die diese Worte schreibt, meinen Kindern wünsche. Gesund- heit, richtige Entwicklung des Charakters, ein bißchen 191 Glück und die Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Und das vermochten die Eltern Rubinowicz ihren Kindern nicht zu geben, ja nicht einmal den geringsten Teil ihrer elterlichen Wünsche und Träume. Einzig und allein, weil sie Juden waren. Es ist bekannt, daß die Familie Rubinowicz nicht im Überfluß lebte. In Bodzentyn erinnert sich heute nie- mand mehr, wann die Rubinowiezs aus Kielce nach Krajno, in dieses abgelegene Dorf in der Nähe von Bodzentyn, gekommen sind. Das muß jedenfalls lange vor der Zeit gewesen sein, da die mit dem schwarzen Hakenkreuz gezeichneten Scharen Europa überfielen. Es scheint, daß Dawideks Vater, Josek Rubinowicz, ein Stückchen Ackerland in Krajno besaß. Bauern in Krajno berichten, daß er dieses Land verkauft, sich dafür eine kleine Molkerei eingerichtet und mit seiner Familie in einem Zimmer mit Küche gewohnt hat. Sie lebten wie die Dorfbewohner und waren wie sie gekleidet. Wie aus den Aussagen derer hervorgeht, die die Rubi- nowiczs gekannt haben, waren sie wegen ihrer Ehrlich- keit, Sauberkeit und Hilfsbereitschaft bei allen sehr be- liebt. Noch heute erzählt man in Krajno, daß Dawids Mutter Tauba im Laufe der Jahre vielen Menschen bei Krank- heit und auch bei Verletzungen geholfen hat. Im Dorf war nicht einmal ein Feldscher, Tauba Rubinowiez aber hatte eine bescheidene Hausapotheke mit Ver- bandzeug, schmerzstillenden Mitteln, Jodtinktur, Pfla- ster und Salben. Gutnachbarlich hat sie geholfen, selbst- verständlich kostenlos. Dawidek besuchte die Grundschule in Krajno, im Juni 1939 wurde er von der sechsten Klasse in die siebente versetzt. In den alten Klassenbüchern sind die Abschrif- ten seiner Schulzeugnisse erhalten. Er war ein guter Schüler. Die Dorfbewohner können heute lediglich die Stelle zei- gen, an der das kleine Haus stand, in dem Dawidek sein Tagebuch zu schreiben begann. Von der kleinen Molkerei ist keine Spur geblieben. Noch vor dem Kriegsende wurde sie zerstört. Von der Existenz der Familie Rubinowicz wäre vielleicht auch keine Spur geblieben- das menschliche Ge- dächtnis ist schwach und vergänglich-, wären nicht die Tagebucheintragungen Dawids erhalten. Sie stehen in fünf einfachen liniierten Schulheften aus jener Zeit, mit orangefarbenen Umschlägen. Eines gehörte wahrschein- lich Dawids Schwester, auf dem Umschlag steht ihr Name. Die Notizen aus dem Jahre 1940 nehmen kaum achtein- halb Seiten ein. Sie wurden, obwohl die Handschrift noch ungelenk war, sehr sorgfältig und sauber geschrieben. Diese Eintragungen sind auf kindliche Art lakonisch, die Formulierungen entwaffnend einfach. Aus ihnen lernen wir einen mit dem Dorfleben und mit der Natur verbundenen Jungen kennen, ein empfindsames, nach- denkendes Kind. Die Eintragungen aus dem Jahre 1941 umfassen fünf- undvierzig Seiten. Der kleine Rubinowicez macht jetzt seine Notizen öfter und ausführlicher, in gleichmäßigen Zeitabständen. Die Schrift ist nicht mehr so kalligra- phisch, sondern kleiner und geübter. Sein Polnisch ist schön, typisch provinziell, mit den charakteristischen dörflichen Redewendungen der Kielcer Gegend. Ortho- graphie und Zeichensetzung sind im allgemeinen fehler- frei. 125 Ich bewundere die Gewissenhaftigkeit und die Charak- terstärke dieses jüdischen Jungen aus der einfachen dörflichen Umgebung, der im Chaos des Unrechts und der Grausamkeiten, in den Jahren, in denen jede Minute von Grauen erfüllt war und jede Stunde die letzte sein konnte, seine Eintragungen möglichst sorgfältig weiter- zuführen versuchte. Es ist interessant, daß in den weiteren Heften immer häufiger gewisse Ungenauigkeiten in den Wörtern vor- kommen- was meiner Meinung nach vom seelischen Zustand des Schreibenden zeugt. Dawidek läßt Buch- staben aus(sie sind im polnischen Text in eckigen Klam- mern ergänzt). Wie oft passiert das auch uns Erwach- senen. Wie oft- wenn man einen Brief in nervöser Span- nung oder in einer starken Gemütsbewegung schreibt- passiert es, daß man Buchstaben, Silben, ja ganze Wör- ter ausläßt. Im Jahre 1941 räumt der kleine Dawidek in seinen Ein- tragungen dem alltäglichen Dorfleben noch viel Platz ein. Er erwähnt, daß die Kühe gehütet werden, er sorgt sich wegen der Trockenheit, ist von einem gewaltigen Gewitter tief beeindruckt, das Beerensammeln bereitet ihm große Freude, die Begegnung mit dem Fuchs im Walde erlebt er als ein nicht alltägliches Abenteuer. Und hierbei schon öffnet sich diesem empfindsamen Jungen aus Krajno ein Weg von Erlebnissen, die die mensch- liche Widerstandskraft übersteigen. Alles ist in diesen Notizen, mehr als Dawidek in seinen knappen, jeder Exaltation baren Berichten niederge- schrieben hat. Mit erschreckender Deutlichkeit enthüllt sich hier der Mechanismus der hitlerfaschistischen To- desmühle. Man sieht, wie die Klammern eines unerhör- ten Unrechts sich immer enger um die Menschen schlie- ßen, denen durch Willkür und Gewalt alle Rechte ge- raubt wurden. Am Anfang des fünften Heftes des Jungen aus Krajno ist ein blaßroter Stempelabdruck zu sehen: D. Rubino- wiez, Bodzentyn, Kielecka-Straße 13. Wahrscheinlich hat Dawidek, um eine Beschäftigung zu haben oder viel- leicht von dem Wunsche getrieben, seine Gedanken von dem abzulenken, woran er, ohne es zu wollen, immer denken mußte, diesen Stempel in Gummi oder Holz geschnitzt. Wäre nicht dieses unscheinbare Zeichen, das mehrmals auf die Heftumschläge gedrückt wurde, dann wäre wahrscheinlich das Tagebuch des kleinen Rubinowicz, dieses erschütternde Zeugnis dessen, was hier geschehen ist, ein namenloses Zeugnis geblieben. Als der Junge seine Eintragungen vom Jahre 1942 be- gann und dabei eine Vignette auf der ersten Seite zeich- nete, rechnete er sicherlich nicht damit, daß gerade in diesem Jahr sein eigenes vierzehnjähriges Leben den endgültigen Abschluß finden würde. Die Aufzeichnungen aus fünf Monaten des Jahres 1942 umfassen 63 Seiten. Die letzten Seiten des fünften geret- teten Heftes fehlen. Es ist sehr wohl möglich, daß der kleine Dawid seine Eintragungen auch in den Sommermonaten 1942 weiter- geführt hat, in dem letzten Sommer, den er lebend ver- bringen durfte. Es besteht kein Zweifel darüber, daß er Mitte September 1942 gelebt hat, bis zu dem Tage, als auf dem Marktplatz von Bodzentyn das unheilverkün- dende Signal ertönte, das allen Juden befahl, sich sofort auf den Weg zu machen. Zusammen mit seiner Familie marschierte wahrschein- lich auch Dawidek dem„schwarzen Tor“ zu. Die Schüsse, 125 die die Gendarmen zur„Begrüßung“ aus den Karabi- nern abfeuerten, trafen jene, denen die Flucht als letzte Hoffnung erschien. Das Gebrüll der Eskorte, der Wider- hall der Schläge, das Bellen der Hunde, diese alltägliche Musik der Vernichtung, begleitete die Juden, die auf den Bahnhof Suchedniöw getrieben wurden. Dort wur- den diese Menschen in Viehwaggons zusammengepfercht und auf den letzten Weg gebracht, den Weg, von dem es kein Zurück gibt. Wie waren die letzten Stunden Dawideks? Was hat er gedacht, was hat er gefühlt? Wir wissen es nicht. Wir werden es wohl nie erfahren. Aber ich bin sicher, daß er sich bis zum Ende würdig gehalten hat. Man konnte sich auf ihn verlassen. Haben wir ihn doch aus seinen zweijährigen Aufzeichnungen kennengelernt. Dieser einzige, in Worten so sparsame Nachlaß von ihm enthält eine unerhörte emotionelle und psychische Ladung. Wir denken an Dawidek, der dieses schmutzige Plakat, das die Juden widerwärtig beleidigen wollte, betrach- tete und der Demütigung Herr zu werden versuchte. Wir erinnern uns, wie er in der Nacht vor der Aussiedlung aus dem elterlichen Hause auf den Hof hinausging, damit niemand seine bitteren Tränen sah. Wir denken daran, daß er fünf Kilometer vor dem Pferdewagen herlief, mit dem halb unbewußten Entschluß, seine Gefühle nieman- den sehen zu lassen. Wir beobachten, daß er, um Klagen und Mitleid mit sich selbst nicht aufkommen zu lassen, tapfer und mit allen Kräften den Eltern half, daß er sich um Menschen sorgte, die er kaum kannte, und daß ihm ihr Unglück sehr naheging. Wenig Unrecht ist diesem Kinde erspart geblieben. Obwohl er nichts Böses getan hat, wird er mit seinen Lieben außerhalb der menschlichen Gesellschaft ge- steilt. Es gibt kein Maß für die Leiden des kleinen Ru- binowicz. Und doch empfindet dieser arme, scheinbar einfache Junge keinen Haß gegenüber seinen Verfolgern. Psychologisch wäre es erklärlich, wenn die Grausam- keiten, die er erleben und erfahren mußte, alle mensch- lichen Regungen in ihm getötet und ihn gegen alles abgestumpft hätten, was nicht seine eigene Sicherheit betraf. Und doch ging dieser Junge siegreich und mit unversehrter Seele daraus hervor. Und vielleicht gerade, weil der kleine Dawid nicht an Rache gedacht, nicht von Vergeltung geträumt und nicht einmal jemanden beschuldigt hat, ist sein Tagebuch die erschütterndste und eindrucksvollste Anklage gegen das System, das Millionen solcher Menschen wie Dawid Ru- binowicez gemordet hat. Lane 2 wromstssg Dr.med. Irefried Eberl SS-Untersturmführer Warschau Palais Brün]/S3- und Polizeiführer Warschau, den 7.7.42. An den Der Kommissar Kommissar für den jüdischen Wohnbezirk für den Hudia-han 4obeairk in Warschan Betrifft: Arbeitslager Treblinka, Das Arbeitslager Treblinka wird am Sonnabend, den 11.7.2 betriebsfertig sein. Zur endgültigen Fertizstellung werden noch folgende Gegenstände benötigtt 1000 Schellen für Lichtleitung 2 mu 20 elektrische Fas,ungen mit Sch 20 elektrische Fassungen ohne Schalter 3 a Treibriemen 5 ca breit Saugkörbe für Brunnen mit Rückachlagventil 1 1/2 Zoll Tischbohrmaschine kg Nussbaunbeize kg Beize Eiche hell Feläschmiede Um schnellste Lieferung wird gebeten. Der Betriebsbeginn wird durch den Termin der Lieferung obengenannter Gegenstände nicht berührt, da Ule Anlage bis Sonnabend bereits behelfsmässig arbeits- IHN IM fähiz wird. ! Heil BALL SS z /,/ 7"£ % f r rg { vu I / es A. # X> de> I ER Dokument aus dem Archiv der Stadt und Wojewodschaft Warszawa Der generaläirektion der Ostbahn Krakau] den 15771,(\ Ss Bfp 16 Bfev Ä\= Bis Bepfın ei IL hnhof Seke'nw P £ Fahrplananoränung Hr 587°; 4 19 1% 2& nur Eur Ben Dinner: we—7T An —; Baui der Strecken Sedziszow- Kielce- Skarzysko Kam.- Radom- nn= ow-— Sledlce- Halkinia; Kieloe- Tschenstochau; Bf Treb- linka; Bf Kozienice; Seäziszow, Kielce, Tschenstochan, skarzysko Kam., Radom, Deblim, From, Siedlce, Kalkinia; Techenstochau, Siedloe; ZU Radom; D, Ozl, Bzp Warschau, Radom; Gedob: Bü, Bü(Lok, B 41, 1 3, 14, 35, 16, 17, 22, 44 12,3, 72%, Ye 11, VE LI(3), Ref T, 9, 2, 2in, eo, 31, 32, 93, vv. 36, 37; Es verkehren folgende(Sonderzüge für Umsiedleh aus dem Bezirk Radomt 1.) Leer Lp Kr 9220 nach Pahrplananoränung Nr 582 ist von Treblinka [) Ft, nac schenstochau, sondern nach Sedziszow zu 18 n Kielde an 6.41 am 20.9, ab 6.51 im Plan Dg 91266 5, SedzIpzow an 9.20 In Sedziszow ist der Wagenzug bis 21,9. abzustellen. 2.) E Kr 9228(30,9) Sedziszon- rren- am 21./22, Sept. se Sedzisgow in Fien Dg n2 B Helce 1.301548» 8 912553 arzysko Kam, 21.41/22.453°®® De 91255 8 En 0.03/ 0.28”"®» De 925573 n Gbf 2.30/ 3.10”» De 91257 B fr A edioe.4= x 52 Treblinka 11.24/(15.59) Wegenzug: 2 C+ 50 6. 2.) Rückleitung des Leerzugesi Pan Zr(30. 11) von Tee nach Saydlowieo am 22./23,Sept, ink restiar(11.24)/15 i4 Plan De 91368 B 17.86 18.22 De 9144% B L eibatee 19.36/30.377"® Dg 91266 B BIIn Gpr 22.34/23.356®® De 91266 B Aadom 1.34/ 1.50 og" De 91266 B Szydlowice 3.08/21.30) 3.) 2 Er. 9230(30,9) von$zydlowieo nach Treblinka am 23./24. Sept. Szydlowiec(3.08)/21.30 im Plan Dg 91249 PB Hadon 22.29/ 0,13%“x 2115538 in Gbf 2.00/ 3.10 R" De 91257 B Lukow 5.17/ 6.08** De 95402 B Siedice 6.58/ 8.34«" De 91365 B Treblinke« 11,24/(15.59) „Sonderzug für Umsiedler” aus Sedziszöw(s. Punkt 2) über Skarzysko—Kamienna kommt laut Fahrplananordnung oben am 22.9. um 11.24 Uhr in Trehlinka an(Dokument aus dem Archiv der Kommission zur Erforschung faschistischer Verbrechen in Polen) ® 4.) Rückleitung des Leerzugea: Lp Kr 92*1(30.11) von Treblinka nach Szydlowieo am 24,/25. a linke{11.24)/15.59 im! B Sienlce 17.56/18.42 a B 4 si Tukos:19.56/20.37 e B{ eb- Leblln Gt Gb N 23.36* 3\ Radon 34/ 1.50° B ’ Saydlowieo 3:08/(21.30): ; 4 5. 9232(30.9) von$zydlowiao nach Treblinka am 25,/26, Sept, ) 3 owleo. 13.087721 ‚„>C Im Flan De 31249 8 4 Radom 22. 2*° EB 1 5 Deblin Gbf- 2.00, 3.10®”" ke 31257 B 3 Luko® 5.17 6.8*”" De 95402 B Siedlos 6.58/ 8.354* De 91365 B 2 a Tretiinka 11.24/(15.59) 4 nka 6.) Rückleitung des Leerzuges: i 22#5, 9233(30.11) vor Tretlinke nach Sozianice 235„Sept, (11.24)/15.59 im Plan Dg 91368 B| 17.56/18.42 x" Is 91445 B 39.50/0,31°" De 91266 B 22.34/23.36%* De 91266 B 0.00/ 0,05 im Sonderplan(Kreuzung mit p' 0.35 7.)2 234(30.9) von Kozisnice nach Treblinke am 27./28. Sept, z 20.00 20.30/20.43 im Plan Dg 91237 B 21.08/23,.01 a" D& 91243 B 1.08/ 3.21”* Dg 91464 B 4.0/ 5.00°* 28 N3WB 7.20,(15.59) ‚3 lesrzu,es; pt: 0.11, von Tretlinke nach Tscohanstochau am 28,/29 171.2C0)/15.59 im Plen be 91368 B 17.55/18.42&, 31445 B 19.306/20,.37 D: 91266& 22.34/23.36 Y$ 1n34/ 1.50. 2 Beda/ Lob%« y en hl! Takt# a „Sehens sochau 14.02 Lok stellen:>w selziezon sis Skarsyasko| Kom., Bw okersyako K. bis Deb Deu Leblin bin ZLukow, Ba Lukow bis siedice, I, »1eälce bio Treblinka u, Lp zurück bis Lakow, Ew Debl ven lukow bis Szydlowiec bezw. Kosienice u, ikarzyskt Be ökarzysko&. his Kielce, Zw kieles bia Tuchenstool er 1320w biw- Skarzysko X, Bi ‚kurzyako E, bie Dei ihr»blia Lis Sledice Lo 11a Treblinke “p"Uruck bis Leblin,© big Kozienice, Sep) „ieu u. Skarsysko R. If„kercprko K, tie Xielca, 3 klelss bis Vecherstachau,.| g; vor,bergehond abzustellen. Al“ “este verwendıng Telst 4 Fortsetzung des Dokumentes | 7 ondazre Anungen u Me Bf- und Iu-Vorsteber oder Vertreter haben aus besonderen Grün) Ale plannädige Durchführung der Sonderzüge und die Lokgestellung zu überwashen. Die Sonderzüge und auch die nn sind planmäßig durchzuführen, da- nit die Bin- und Ausladezeiten und der Wagenzugumlauf eingehal ten war- den können. Bei Verspätungen sind die vorgesehenen Aufenthalte nach Nög- lichkeit zu kürsen. Die Leerzüge dürfen untervegs nicht abgestellt wer- den. 0BD Radeon und Warschau werden erg den Lauf der Züge zu überwachen. Ogl melden Unregelmäßigkeiten sOfort an das Fahrplanbüro der Gedob, Raf 1256 oder 5676. Bis Sedeiszow- Ssydlowise u. Kozienice melden die Zahl der beförderten Parsonan mit Einscohreibebrief an Ref 53 Ber Gedob, Der Wagenzug besteht aus 2 CO und 50 6, Lastı Yollzüge 800 t, Leerzügs 500 t. ” Die Binladung erfolgt im Einvernehmen nit dem Transportlieiter der Jon- dersüge., Die beteiligten Bediensteten und Stellen sind zu verständigen! Der Empfang dieser Ppla ist der vorgesetnten OBD zu bestätigen. ges Richter Bl ün en Beglaubigt:„ 2, Er (“ en 4 n » rs: Reichsbahninspektor 3£ a& s% % Fortsetzung des Dokumentes Id- In Viehwagen wurden die Opfer nach Treblinka verschleppt(Aufnahme aus dem Archiv mentes des Jüdischen Historischen Instituts in Warszawa) ] Das Nebengleis, das nach Treblinka führt(Aufnahme aus dem Archiv des Jüdischen Histo- rischen Instituts in Warszawa) Die in den Gaskammern Ermordeten wurden in Treblinka auf einem Scheiterhaufen verbrannt(Aufnahme aus dem Archiv des Jüdischen Historischen Instituts in Warszawa) (eMmezsıemM UI SYnITJSUI USUY9SLIOISIH USUYDSIPNL SOPp og ut IqI8 sa— YIy91y9saFyOnınz MONeIM yDdeu ap! ATUDOIV 394491193 wsp sne M‘st yuswms[oqg) ur uAjuazpog Iyaw uspn?r aurey UAJUSZP OFTUNsATas Syastpnf 91p ue 19p ‘'JOTIZ AOSOTq erhauf Ss A o Sn © 2 BEE N ERE TE ZI wi PAPIERDLCELULOZ. m ? Ei gatunek Format 148x210 rılm kartek 16. Pe Klasa.....‘UDINOW cz D.ror nauki Rok szkaley... 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