hr nn Auschwitz: Schandmal der Mensch- heit! Auschwitz: Triumph des Widerstandes! Aus eigenem Erleben schildert Bruno Baum das grauenvollste Inferno des Faschismus, das Kon- zentrationslager Auschwitz, in dem innerhalb weniger Jahre vier Millionen Menschen vernichtet wurden, Er kennzeichnet die Zuhälter des Todes, die Henker in SS-Uniform und im weißen Arztkittel.° Dabei entlarvt er die Rolle der Konzerne, die um Riesenprofite willen die Technik in den Dienst des Massenmordes stellten. Bruno Baum, nicht nur politischer Häftling, sondern auch einer der Organisatoren des antifaschisti- schen Widerstandskampfes im Konzentrationslager Auschwitz, be- richtet von dem Heldentum der gefangenen Frauen und Männer, die kühn und unbeirrbar den Kampf gegen das Mordsystem ihrer entmenschten Peiniger aufnahmen und trotz größter Opfer bewiesen, wie internationale Solidarität und gemeinsames Handeln— selbst unter den unmenschlichsten Be- dingungen— den Sieg davon- tragen. B GIESSEN UB GIESSEN INIMIUNIMN 27 008 283 ! RER EERETEEETEUEEEER TEEN. eg TREE | # | © UB Gießen OSR 167 UB GIESSEN LETTTTE 27 008 283 N OR BRUNO BAUM- WIDERSTAND IN AUSCHWITZ BRUNO BAUM WIDERSTAND INAUSCHWITZ 1,095 7 EBENE R ESS VERLAGBERTTN Die Stätten allen rend Dachaı Volke maß d witz it Die tragen Umfa: nie W D: In| vier N Häftli 8| Zwan; Alle Rechte vorbehalten Au Verlagslizenz Nr. 15- A.f.L. Nr. 220/2 16/57 Beis Schutzumschlag und Einbandentwurf: Schönrade- Krenz p Druck: I6s-1„Neuer Tag“, Frankfurt(Oder) 449—357 Hitle: VO WORTE Die Konzentrationslager des Dritten Reiches waren Stätten grausamer Vernichtung. Das grauenhafteste von allen war das Konzentrationslager Auschwitz. Wäh- rend die Vorgänge in Sachsenhausen, Buchenwald, Dachau und anderen Lagern heute dem deutschen Volke ziemlich bekannt sind, weiß man von dem Aus- maß des Massenmordes im Konzentrationslager Ausch- witz im allgemeinen nur wenig. Diese dem Leser vorliegende Arbeit soll dazu bei- tragen, das Verbrechen von Auschwitz in seinem ganzen Umfang darzulegen, um zu erreichen, daß sich Ähnliches nie wiederholt. Dabei werde ich mich vieler Dokumente bedienen. In den Gaskammern von Auschwitz wurden mehr als vier Millionen Menschen ermordet. Hunderttausende von Häftlingen mußten vor ihrer Vernichtung schwere Zwangsarbeit für die deutschen Konzerne leisten. Auschwitz ist andererseits aber auch ein leuchtendes Beispiel des internationalen Widerstandes gegen den Hitlerfaschismus. Hier vereinten sich im gemeinsamen Kampf Patrioten aus vielen Ländern Europas, Sozial- demokraten, Kommunisten und andere Hitlergegner. Auch viele Polen und Deutsche nahmen in Auschwitz in brüderlicher Gemeinsamkeit am Widerstandskampf teil; und dieser gemeinsame Kampf in Auschwitz ist mit einer der Ausgangspunkte der deutsch-polnischen Freundschaft. Bruno Baum Aus Einwo fernt: machtl heitssc Die Ausch Beruf zugeb tung wurd Na Trans Beruf Kapo trag, insass I. KA BIT EL AUSCHWITZ Auschwitz ist ein kleiner Ort in Polen von etwa 12 000 Einwohnern und liegt ungefähr 60 km von Krakau ent- fernt am Rande Oberschlesiens. 1940 faßten die Nazi- machthaber den Plan, den Komplex alter Militärkasernen am linken Ufer der Sola zu einem Konzentrationslager auszubauen. Die Gegend schien ihnen dafür besonders geeignet, weil sie sumpfig und feucht ist, so daß schon allein dadurch das Leben dort außerordentlich gesund- heitsschädlich war. Die ersten Häftlinge, die in das Konzentrationslager Auschwitz gebracht wurden, waren etwa 30 deutsche Berufsverbrecher, die vorher lange Jahre in Zuchthäusern zugebracht hatten und über die nun Sicherheitsverwah- rung verhängt war. Mit diesen kriminellen Banditen wurde der Aufbau des Lagers begonnen. Nach ihnen kamen dann, vor allem ab Mitte 1940, Transporte polnischer Staatsangehöriger. Die deutschen Berufsverbrecher wurden als Lagerälteste, Blockälteste, Kapos! usw. eingesetzt und hatten den unbedingten Auf- trag, mit größter Brutalität gegen die anderen Lager- insassen vorzugehen. 1) Abkürzung des italienischen Wortes Caporale. In den Kon- zentratienslagern des Nazireiches wurde der Vorarbeiter Kapo genannt. ns| Später wurden dann- Transporte von Menschen aus fast allen europäischen Ländern, die im Verlaufe des zweiten Weltkrieges von Hitlerdeutschland besetzt wur- den, nach Auschwitz gebracht, und zwar vorwiegend Polen, Juden, Zigeuner und zeitweilig sowjetische Kriegs- gefangene. Dazu kamen zahlreiche politische Gefangene, die als Hitlergegner mit dem Ziel, sie zu vernichten, nach Auschwitz transportiert wurden. Auschwitz wurde so zum größten Konzentrationslager der Nazis. Zwar nannten sie es Konzentrationslager Auschwitz; jedoch waren im eigentlichen Lager Ausch- witz, im sogenannten Stammlager, nur etwa 18 bis 30 000 Häftlinge, während es im nahegelegenen Birkenau zeit- weilig bis zu 100 000 waren. Mit seinen vielen Neben- lagern umfaßte Auschwitz im wesentlichen drei Lager- komplexe, nämlich Auschwitz I, Stammlager, Auschwitz II, Birkenau, und Auschwitz III, Monowitz, Buna. Häftlingstransporte Zunächst trafen Häftlinge aus verschiedenen anderen Konzentrationslagern im Reich oder in den besetzten -Gebieten in Auschwitz ein; später kamen auch Gefan- genentransporte an, die nach Aktionen gegen Juden oder nach Razzien in Polen, Frankreich und anderen Ländern zusammengestellt worden waren. Die Häftlinge wurden im Lager in verschiedene Kate- gorien eingeteilt und entsprechend gekennzeichnet; und zwar trug jeder Häftling eine Nummer und ein Zeichen auf der Kleidung. Die Zeichen waren: roter Winkel für politische Gefangene, grüner Winkel für Kriminelle, schwarzer Winkel für Asoziale, und für dem be den lin! bestand numeric ihrer A Das insasset wurden absichtl eine st: achten ohne G Die rungsm die tä Prozen Einige Häftlir drei N lautere es nich Die Juden öfter noch{ und( zum\ die G fichter Sklaye Sell bi und für die Juden kam dazu noch der Judenstern. Außer- dem bekamen die Häftlinge ihre Häftlingsnummer auf den linken Unterarm tätowiert. Solange das Lager be- bestand, wurden insgesamt rund 400 000 Häftlinge numeriert. Nicht numeriert waren diejenigen, die nach ihrer Aussonderung dem Gastod verfielen. Das Leben im Lager war so eingerichtet, daß die Lager- insassen in möglichst kurzer Zeit zugrunde gingen. Daher wurden die sanitären Anlagen, besonders in Birkenau, absichtlich in einem solchen Zustand gehalten, daß sie eine ständige Quelle von Seuchen waren. Ärztliche Gut- achten zu dieser Zeit besagten, das Wasser könne nicht ohne Gefahr auch nur zum Mundspülen benutzt werden. Die unzureichende Versorgung der Häftlinge mit Nah- rungsmitteln führte zu vollständiger Entkräftung, so daß die tägliche und monatliche Totenzahl einen hohen Prozentsatz der jeweiligen Lagerbelegschaft ausmachte. Einige führende SS-Leute bemerkten dazu: Wenn ein Häftling im Konzentrationslager Auschwitz länger als drei Monate leben kann, dann muß er irgendwelche un- lauteren Dinge treiben. Ein„anständiger Häftling“ kann es nicht länger als drei Monate aushalten. Die schwersten Arbeiten im Lager wurden besonders Juden und katholischen Geistlichen aufgebürdet. Schon öfter wurde über die alte Walze geschrieben, die heute noch im Museum von Auschwitz zu sehen ist. Mit Juden und Geistlichen als Zugkräfte bespannt, benutzte man sie zum Walzen von Straßen. Unter vielen Schlägen mußten die Gequälten tagaus, tagein diese schwere Arbeit ver- richten. So, wie es vor mehr als zweitausend Jahren die Sklaven taten. Die Unterbringung Selbst die Unterkünfte waren völlig auf den Zweck des Lagers abgestimmt. Während im Stammlager Ausch- 9 witz noch Steinhäuser verhanden waren, gab es in Birkenau, dem bedeutendsten Konzentrationspunkt im Lagersystem von Auschwitz, zur Unterbringung der Häft- linge nur Baracken. Mit einer Länge von etwa 40 m waren die Baracken wie Pferdeställe gebaut mit auf Pfählen errichteten Lagerstätten aus Brettern in drei Etagen. Wenn die Häftlinge Glück hatten, fanden sie etwas Stroh vor. In den meisten Fällen war dies jedoch nicht der Fall, so daß die Gefangenen die Nächte häufig auf kahlen Brettern verbringen mußten. Die Baracken, im Durchschnitt für 200 bis 300 Häft- linge bestimmt, hatten nicht selten tatsächliche Belegungs- zahlen von 1000 bis 1200 Personen aufzuweisen. Kaum eine Nacht verging dort, in der nicht Häftlinge an all- gemeiner Erschöpfung starben. Zweifellos waren auch diese Unterkünfte Seuchenherde. Bekleidung Bei ihrer Ankunft im Lager bekamen die Häftlinge den bekannten gestreiften Drillichanzug, ein Hemd, eine Mütze und Holzschuhe; Strümpfe gab es nicht. In günsti- gen Fällen konnten sie in den Jahren 1943 und 1944 nach sechs bis acht Wochen den Hemdenfetzen gegen einen anderen eintauschen. Besonders schlecht erging es den weiblichen Häftlingen. Entweder bekamen sie die gestreifte Häftlingskleidung wie die Männer oder graue zerfetzte Kleider; in nicht wenigen Fällen erhielten sie aber auch die Drillich- kleidung ermordeter sowjetischer Kriegsgefangener. Irgendwelche hygienischen Mittel für die Zeit der Men- struation waren nicht vorgesehen. Rücksichtslos war ihre im allgemeinen schwächere Konstitution den Unmensch- lichkeiten des Lagerlebens ausgesetzt. 10 Viel der fu aber di 1942 a den m‘ ‚Auschv gewalt heit zu die rui gern V Zws mit de nicht e regime land, I sollten wie la billige ausnut war di ab 19. ten di eignet sofort Die Wie a getöte den b höfter „Endlösung“ der Judenfrage Viele Häftlinge wunderten sich über Sinn und Zweck der furchtbaren Zustände im Lager. Allmählich wurde aber doch jedem klar- und zwar besonders vom Jahre 1942 an, als in großem Stil Transporte von Juden aus den meisten von Hitler besetzten Ländern Europas nach Auschwitz gebracht wurden-, daß es darum ging, den gewaltigsten Massenmord in der Geschichte der Mensch- heit zu begehen. Deutlich wurde auch ausgesprochen, daß die rund 12 Millionen in Europa lebenden Juden in La- gern wie Auschwitz physisch vernichtet werden sollten. Zwar schwankten die Hitler und Himmler gemeinsam mit den Gewaltigen der deutschen Konzerne noch— aber nicht etwa, ob sie die Juden und die gegen das Hitler- regime kämpfenden politischen Gefangenen aus Deutsch- land, Polen, Frankreich und anderen Ländern vernichten sollten-, sondern für sie erhob sich lediglich die Frage, wie lange man die kräftigsten der Häftlinge noch als billige Arbeitssklaven für das deutsche Monopolkapital ausnutzen konnte, bevor man sie tötete. Aber sehr bald war diese Frage entschieden, und es wurden daher, etwa ab 1942, aus den in Auschwitz ankommenden Transpor- ten die für die Arbeit unter den Lagerbedingungen ge- eigneten Häftlinge ausgesondert, während alle anderen sofort vernichtet wurden. Massenvergasungen Die SS probierte die verschiedensten Methoden aus, wie auf schnellste Weise große Massen von Menschen getötet werden könnten. Zu diesem Zwecke wurden in den bei Auschwitz gelegenen Wäldern in einsamen Ge- höften solche Versuche mit Gas durchgeführt. Als sie ge- 11 lungen waren, vergaste die SS zunächst im Krematorium des Stammlagers Auschwitz Häftlinge. Es waren dies nicht nur arbeitsunfähige Juden, sondern ganze Trans- porte politischer Gefangener, die man auf diese Weise in Auschwitz ermordete. Dann baute man in Birkenau vier große Krematorien, deren Gaskammern teilweise unter der Erde lagen. Der ehemalige Lagerkommandant von Auschwitz, Hoess, sagte in seinem Geständnis in Nürnberg wörtlich: „Ich befehligte Auschwitz bis zum 1. Dezem- ber 1943 und schätze, daß mindestens 2 500 000 Opfer dort durch Vergasung und Verbrennung hin- gerichtet und ausgerottet wurden; mindestens eine weitere halbe Million starben durch Hunger und Krankheit, was eine Gesamtzahl von ungefähr 3.000000 Toten ausmacht. Diese Zahl stellt un- gefähr 70 oder 80 Prozent aller Personen dar, die als Gefangene nach Auschwitz geschickt wurden; die übrigen wurden ausgesucht und für Sklavenarbeit in den Industrien des Konzentrationslagers verwendet. Unter den hingerichteten und verbrannten Ber sonen befanden sich ungefähr 20 000 russische Kriegsgefangene(die früher von der*Gestapo aus den Gefängnissen der Kriegsgefangenen ausgeson- dert waren); diese wurden in Auschwitz den Wehr- macht-Transporten, die von regulären Offizieren und Mannschaften der Wehrmacht befehligt wurden, ausgeliefert. Der Rest der Gesamtzahl der Opfer umfaßte ungefähr 100 000 deutsche Juden und eine große Anzahl von Einwohnern, meistens Juden, aus Holland, Frankreich, Belgien, Polen, Ungarn, Tschechoslowakei, Griechenland oder anderen Län- dern. Ungefähr 400 000 ungarische Juden wurden allein in Auschwitz im Sommer 1944 von uns hin- gerichtet. .. Die ‚Endlösung‘ der jüdischen Frage be- deutete die vollständige Ausrottung aller Juden in Europa. Ich hatte den Befehl, Ausrottungserleichte- rungen in Auschwitz im Juni 1942 zu schaffen. Zu jener Zeit bestanden schon drei weitere Vernich- tungslager im Generalgouvernement: Belzec, Treb- linka und Wolzek. Diese Lager befanden sich unter dem Einsatzkommando der Sicherheitspolizei und des SD. Ich besuchte Treblinka, um festzustellen, wie die Vernichtungen ausgeführt wurden. Der Lager- kommandant von Treblinka sagte mir, daß er 80 000 im Laufe eines halben Jahres liquidiert hätte. Er hatte hauptsächlich mit der Liquidierung aller Juden aus dem Warschauer Ghetto zu tun. Er wandte Monoxid-Gas! an, und nach seiner Ansicht waren seine Methoden nicht sehr wirksam. Als ich das Vernichtungsgebäude in Auschwitz errichtete, gebrauchte ich also Zyclon B, eine kristal- lisierte Blausäure, die wir in die Todeskammer durch eine kleine Öffnung einwarfen. Es dauerte drei bis fünfzehn Minuten, je nach den klimatischen Verhält- nissen, um die Menschen in der Todeskammer zu töten. Wir wußten, wann die Menschen tot waren, weil ihr Kreischen aufhörte. Wir warteten gewöhn- lich eine halbe Stunde, bevor wir die Türen öffneten und die Leichen entfernten. Nachdem die Leichen fortgebracht waren, nahmen unsere Sonderkomman- dos die Ringe ab und zogen das Gold aus den Zähnen der Körper. Eine andere Verbesserung gegenüber Treblinka war, daß wir Gaskammern bauten, die 2000 Men- schen auf einmal fassen konnten, während die zehn 1) Um die Authentizität der diesem Buche beigefügten Doku- mente zı gewährleisten, hat die Redaktion von jeglicher Korrek- tur der Orthographie, der Grammatik und des Stils abgesehen. 13 Gaskammern in Treblinka nur je 200 Menschen faß- ten. Die Art und Weise, wie wir unsere Opfer aus- wählten, war folgendermaßen: Zwei SS-Ärzte waren in Auschwitz tätig, um die einlaufenden Gefangenen- transporte zu untersuchen. Die Gefangenen mußten bei einem der Ärzte vorbeigehen, der bei ihrem Vorbeimarsch durch Zeichen die Entscheidung fällte. Diejenigen, die zur Arbeit taugten, wurden ins Lager geschickt. Andere wurden sofort in die Vernichtungs- anlagen geschickt. Kinder im zarten Alter wurden unterschiedslos vernichtet, da sie auf Grund ihrer Jugend unfähig waren zu arbeiten. Noch eine andere Verbesserung, die wir gegen- über Treblinka machten, war diejenige, daß in Treb- linka die Opfer fast immer wußten, daß sie ver- nichtet werden sollten, während wir uns in Ausch- witz bemühten, die Opfer zum Narren zu halten, in- dem sie glaubten, daß sie ein Entlausungsverfahren durchzumachen hätten. Natürlich erkannten sie auch häufig unsere wahren Absichten, und wir hatten des- wegen manchmal Aufruhr und Schwierigkeiten. Sehr häufig wollten Frauen ihre Kinder unter den Klei- dern verbergen, aber wenn wir sie fanden, wurden die Kinder natürlich zur Vernichtung hineingesandt. Wir sollten diese Vernichtungen im geheimen aus- führen, aber der faule und Übelkeit erregende Ge- stank, der von der ununterbrochenen Körperverbren- nung ausging, durchdrang die ganze Gegend, und alle Leute die in den umliegenden Gemeinden leb- ten, wußten, daß in Auschwitz Vernichtungen im Gange waren. Von Zeit zu Zeit kamen Sonder- Gefangene an aus dem örtlichen Gestapo-Büro. Die SS-Ärzte töteten solche Gefangene durch Benzin- Einspritzungen.“ Die tatsächlich in Auschwitz vernichtete Anzahl von Mensche komman Unterlag geschätzt Hoess durchgel vor dem witz, gel Wenn vergesse gab, der der Ern Dafür e im Deze hingeric u, a. hei b) late Menschen war weit höher, als sie der ehemalige Lager- kommandant Hoess angab. Nach allen vorhandenen Unterlagen wird die Zahl auf weit über vier Millionen geschätzt. Hoess wurde im Jahre 1947 nach einem in Warschau durchgeführten Prozeß an der Stätte seiner Untaten, d. h. vor dem Krematorium I des Konzentrationslagers Ausch- witz, gehenkt und erhielt so seine gerechte Strafe. Wenn wir solche Geständnisse lesen, wollen wir nie vergessen, daß es eine breite Schicht von SS-Angehörigen gab, denen es offensichtlich Vergnügen bereitete, sich an der Ermordung Tausender von Menschen zu beteiligen. Dafür ein Beispiel: Der ehemalige Arzt Dr. Kremer, der im Dezember 1947 wegen seiner Verbrechen in Krakau hingerichtet wurde, hinterließ ein Tagebuch, in dem es u. a. heißt: 2. September 1942. Zum ersten Male draußen um 3 Uhr früh bei einer Sonderaktion zugegen. Im Vergleich hierzu erscheint mir die Hölle von Dante als eine Komödie... 5. September 1942. Heute nachmittag bei einer Sonderaktion aus dem Frauen-KZ(Muselmänner)— das Schrecklichste des Schrecklichen. Truppenarzt Dr. Thilo hat recht, wenn er mir heute sagte, wir befänden uns hier im anus mundi.t Abends gegen 8 Uhr wieder bei einer Sonderaktion aus Holland. Wegen der dabei an- fallenden Sonderverpflegung, bestehend aus 5 Liter Schnaps, 5 Zigaretten, 100 Gramm Wurst und Brot drängen sich die Männer zu solchen Aktionen. 6. und 7. September 1942. Heute hatten wir ein ausgezeichnetes Mittagessen: 1) Jateinisch— After der Welt. 15 'Tomatensuppe, ein halbes Huhn mit Kartoffeln und Rotkohl, Süßspeise und herrliches Vanille-Eis... Abends um 8 Uhr draußen für eine Sonderaktion. 9, September 1942. Abends teilgenommen an einer Sonderaktion (4mal). Wie viele Doppelgänger habe ich in dieser Welt? Unter„Sonderaktion“— manchmal auch„Entlausungs- aktion“ genannt— ist die Vergasung von Menschen zu verstehen. Wegen einer Sonderverpflegung und 5 Titer Schnaps drängten sich also die SS-Männer dazu, an der Vergasung teilzunehmen. Das allein beweist schon, welch verbrecherischer Geist in der SS herrschte, wie menschlich verkommen sie sein mußte und wie groß die Mordlust war. Für den Profit der deutschen Konzerne Es gibt gar keinen Zweifel darüber, daß die großen Konzerne Deutschlands an den Konzentrationslagern verdient haben, und zwar sowohl an ihrem Auf- und Ausbau, als auch an der von den Häftlingen geleisteten Sklavenarbeit. Ganz besonders sind in diesem Zu- sammenhang die IG-Farben, Krupp, Siemens und eine Reihe anderer Unternehmer zu nennen. Für den Arbeits- tag eines Häftlings zahlten sie 3 bis 4 Mark an die Lager- leitung und ließen ihn dafür 10 bis 12 Stunden arbeiten. Die Häftlinge mußten aber, um die im Konzentrations- lager herrschende Arbeitsweise überhaupt einige Zeit durchhalten zu können, in verhältnismäßig guter körper- licher Verfassung sein. Für diesen sogenannten Arbeits- einsatz wurden daher unaufhörlich Aussonderungen, im Lager Selektionen genannt, durchgeführt. Dies begann schon bei Ankunft der Häftlinge. 16 eln und I raktion, :raktion 1 dieser usungs- chen zu 5 Liter ‚an der n, welch nschlich fordlust großen nslagern uf- und leisteten em Zu und eine Arbeits- ie Lager- arbeiten. trations“ ige Zeit r körper“ Arbeits- ıngeN, im 5 begann Einfahrt nach Birkenau(Auschwitz II) Auf diesem Schienenstrang wurden die ankommenden Häftlingstransporte bis an die berüchtigte Rampe herangefahren, wo in unmittelbarer Nähe der Krematorien die Aussonderung für den Gastod stattfand In$ Die V Birken heitsh‘ pistolc Als e began lichen gelegt Trans sofort W trans wurd ein e allgeı der| währ geno Di die( sten Qua war bere selb Tod geh Seht geei ode arbı »> In großen Transporten kamen sie in Viehwagen an. Die Wagen fuhren bis an die berüchtigte Rampe von Birkenau, wo die Häftlinge ausgeladen wurden. Sicher- heitshalber wurde in großer Zahl SS, mit Maschinen- pistolen und Maschinengewehren ausgerüstet, eingesetzt. Als erstes hieß es dann: alles Gepäck ablegen. Dann begann das sogenannte ärztliche Aussondern. Im wesent- lichen bestand es darin, daß nach einem vorher fest- gelegten Prozentsatz die Kräftigsten des angekommenen Transportes ausgesucht wurden, während alle übrigen sofort in die Gaskammern kamen. Wenn die Lagerleitung jedoch infolge vieler Massen- transporte nicht unmittelbar neue Arbeitskräfte brauchte, wurden mitunter ganze Transporte— ohne daß auch nur ein einziger Mensch lebend davonkam- vergast. Im allgemeinen war es so, daß im Durchschnitt 10 Prozent der kräftigsten Männer und Frauen ins Lager kamen, während ihre Angehörigen und alle andern Leidens- genossen sofort vernichtet wurden. Die ausgesonderten Häftlinge kamen dann entweder in die Quarantäne des Stammlagers oder aber in den mei- sten Fällen in die Quarantäne nach Birkenau. Diese Quarantäne mit ihrer unerhört zermürbenden Lebensart war eine Gesundheitsprobe und zugleich auch die Vor- bereitung auf eine neue Selektion. Viele Häftlinge wollten selbst hier, beim Anblick der rauchenden Schlote der Todesfabriken, immer noch nicht glauben, daß ihre An- gehörigen nicht mehr unter den Lebenden weilten.- Sehr bald begann dann die Auswahl derjenigen, die für geeignet befunden wurden, für die IG-Farben bei Buna oder für Krupp, für Siemens oder auch sonstwie zu arbeiten. Ständig wurde auch der Krankenbau des Lagers nach Arbeitsunfähigen durchgekämmt und Hunderte kranker Häftlinge ins Gas geschickt. » 17 Noch unmenschlicher wirkte sich der Mordbefehl in Birkenau unter den Frauen aus, wobei das schrecklich- ste war, daß die für den Gastod Vorgesehenen in besondere Baracken— ständig unmittelbar den Tod vor Augen- tagelang warteten, bis sie den Weg in die Gaskammern antreten mußten. Selektionen gab es im Lager nicht erst nach Errich- tung der Gaskammern. In der ersten Zeit fanden sie aber hauptsächlich im Krankenbau statt, so daß sich viele Kranke gar nicht dorthin wagten. Es war bekannt, daß der Weg in den Krankenbau für viele gleichbedeu- tend mit dem Weg in den Tod war. Die Zentralkommission für Untersuchungen der Nazi- verbrechen in Polen schreibt dazu: Der Lagerarzt, SS-Obersturmführer Dr. Endress, erfand eine neue Methode, das Lager von arbeits- untauglichen Häftlingen zu befreien, und zwar durch Einspritzung von Phenol. Anfangs spritzte man den Opfern 10 bis 12 ccm eines 30prozentigen Phenol- präparats in die Adern. Nach einiger Zeit wurde diese ursprüngliche Methode dadurch„verbessert“, daß man den Opfern direkt ins Herz Einspritzungen machte. Die Zahl der durch Endress zu Phenoleinspritzun- gen ausgesonderten Häftlinge betrug an manchen Tagen bis 300 Personen. Die Einspritzungen führten zum großen Teil zwei Sanitäter, SS-Oberscharführer Joseph Klehr und SS-Oberscharführer Herbert Scherpe, aus. Ihr Helfer war in der ersten Zeit Stessel und später Panszczyk. Stessel prahlte vor den Häftlingen, daß er„roooo Kranke durch Phenol- einspritzungen erledigt“ habe. Panszczyk„beför- derte mehr als 12000 kranke Häftlinge auf die gleiche Weise ins Jenseits.“ davon, einfach schaft Nac Masse es sich ist die beinat der R Konzen Abteilu Ar: 2/ Betrefi \azi- u es eher> Diese Eingriffe- die sogenannten Abspritzun- gen— wurden im Ambulatorium des Blocks 20 oder im Block 28 des Stammlagers durchgeführt. Der Todeskandidat wurde auf einen Stuhl, der einem zahnärztlichen Sessel ähnlich war, gesetzt und von zwei Häftlingen an den Händen festgehalten, wäh- rend ein dritter ihm mit einem Handtuch die Augen verband und ihn am Kopf festhielt. Dann stieß ihm der eigentliche Henker eine lange Nadel in den Brustkorb, unmittelbar in die Herzkammer, und spritzte ihm das Phenol ein. Der Häftling starb nicht gleich nach der Einspritzung, sondern verlor nur das Bewußtsein. Das Opfer wurde dann von den bei der Einspritzung assistierenden Häftlingen in einen nebenan liegenden Raum gebracht und dort auf den Fußboden hingeworfen, wo es nach einigen Sekunden das Leben beendete. Häufig wurden„Abspritzungen“- ganz unabhängig davon, ob die Häftlinge krank oder gesund waren— einfach nur in der Absicht durchgeführt, die Lagerbeleg- schaft zu reduzieren. Nach Errichtung der Gaskammern vollzogen sich die Massenvernichtungen fast geschäftsmäßig, so, als handelte es sich um eine umfangreiche industrielle Tätigkeit. Groß ist die Zahl der Schriftstücke, die dies bestätigen— und beinahe möchte man sagen der„Geschäftsberichte“. Aus der Fülle der Materialien hier nur einige: Konzentrationslager Auschwitz Auschwitz O/S, 8. Juli 1943 Abteilung IIla Az: 23/2407/7. 43/S. Betreff: Neuzugänge aus KL Lublin An die Kommandantur des KL Auschwitz O/S. Heute früh traf der Häftlingstransport von Lublin mit 1500 Häftlingen gegen 6 Uhr hier ein, und waren dar- 2 19 unter 5 Tote und 2 mit Schußverletzungen. Die Häft- linge wurden sofort nach Eintreffen gebadet und entlaust und anschließend von den zuständigen Lagerärzten in Männer- bzw. Frauenlagern auf ihren Gesundheits- zustand und ihre Arbeitsfähigkeit untersucht. Von den 750 männlichen Häftlingen wurden nur 424 als arbeitseinsatzfähig ausgesucht, während der Rest von 326 Häftlingen als nicht voll arbeitsfähig für den vor- gesehenen Einsatz im Arbeitslager Buna bzw. Neu-Dachs bezeichnet wurde. Von diesen 40 Prozent nicht voll arbeitsfähigen Häftlingen muß ein Teil ins Häftlings- revier bzw. in die Schonungsblocks gelegt werden. Der Rest ist lediglich nur noch zu leichten Arbeiten zu ge- brauchen, die aber hier nicht mehr vorhanden sind. Von den 750 weiblichen Häftlingen sind 80 Häftlinge vom Lagerarzt als nicht arbeitseinsatzfähig bezeichnet worden, was etwa 10 Prozent der Überstellung ausmacht. Etwa 10 Prozent sind mit Krätze behaftet, und von den restlichen Häftlingen ist ein größerer Teil zu schwerer Arbeit nicht einzusetzen. Anliegend eine Anzahl Aufnahmen, aus denen zu er- sehen ist, in welch schlechtem körperlichen Zustand die Häftlinge überstellt wurden. Als weitere Anlage der Bericht des Standortarztes. Der Leiter der Abteilung IIIa Va Ssenll SS-Untersturmführer Es ist vollkommen klar, daß die 40 Prozent nicht voll einsatzfähiger Häftlinge vergast wurden. Es folgen weitere Unterlagen: 20 Konzentt: Aufgenon pS-Nt. Bin. Nuc An das I z. Hd. v Dringend Nachrich z. Hd. v Betr.:/ Bezug: Kl. G Aus gende DA 10 mit 201 Fahrpl darauf RSHA Oranie; Komm Na heitsh gesar ıt voll Konzentrationslager Auschwitz— FS-Dienst Aufgenommen: 23. Januar 1943, 15.45 Uhr FS- Nr. 15133 Befördert 25. Januar 1943 Geheim! Bln. Nue. 15133 22. 1. 42 1530-C 8 An das KL Auschwitz z. Hd. v. SS-Ostubaf. Hoess, Ovia-Auschwitz Dringend— sofort vorlegen— Geheim Nachrichtlich an den Insp. D. Kl. z. Hd. v. SS-Ostubaf. Liebehenschel, Ovia-Oranienburg Betr.: Abbeförderung von Juden nach Auschwitz Bezug: Hies. FS. v. 22. 12. 42- IV B4 Kl. A2093/42 Kl. G(391) Aus dem Ghetto Theresienstadt werden zunächst fol- gende Judentransporte nach. Auschwitz abgewickelt: DA 101 am 20. 1. mit 2000 Juden- DA 103 am 23. 1. mit 2000 Juden- DA 105 am 26. 1. mit 1000 Juden- Fahrplanmäßiges Eintreffen in Auschwitz am jeweils darauffolgenden Tag um 12.48 Uhr. RSHA- IV BA. Kl. A 2093/42 Kl. G(391) I. A. gez. Novak SS-Hauptsturmführer F.d.R.d.A.: Göbbert, SS-Unterscharführer. Konzentrationslager Auschwitz— FS-Dienst Aufgenommen: Befördert: 26. Januar 1943, 20.50 Uhr 27. Januar 1943 Az: 278 FS- Nr. 444 Oranienburg 444 26: 1.43 2045— ZED An den Kommandanten des KL Auschwitz Nach einem hier vorliegenden FS des Reichssicher- heitshauptamtes IV B4 wurden am 20., 23. und 26. ins- gesamt 5000 Juden aus dem Ghetto Theresienstadt in das 21 KL Auschwitz eingeliefert. Ich bitte, die mit diesem Transport überstellten Häftlinge sorgfältig zu erfassen und mir eine altersmäßige Aufstellung dieser Juden- häftlinge zuzuleiten. Die Häftlinge sollen bei der Bau- leitung Auschwitz sowie beim Bunawerk eingesetzt werden. Der Chef des Amtes D 11 i. V. gez. Sommer F.d.R.d.A.: SS-Obersturmführer Göbbert, SS-Unterscharführer Konzentrationslager Auschwitz Fr. Dienst Aufgenommen: Tag Monat Jahr Zeit(Stempel:) 17. Februar 1943 23.02 Konzentrationslager Auschwitz Kommandantur Eing. 18. Februar 1943 613 FS- Nr. 1023 Oranienburg, Nr. 1023 17. 2.43 2300- Gr.- An den Kommandanten des KL Auschwitz Betrifft: Überstellung von 5000 Juden aus Theresienstadt Bezug: Hiesiges FS Vo 26. 1. Nr. 444 Ich bitte um Nachricht durch FS über den Zustand und die Verwendungsfähigkeit der von Theresienstadt über- stellten 5000 Juden. Die Juden sind nur zum Zwecke des Arbeitseinsatzes nach Auschwitz abgegeben worden. gez. Mauerer (Stempel) Konzentrationslager Auschwitz Abt. Arbeitseinsatz 20. Februar 1943 Anlagen: Sachbearbeiter: ı. Schreiben an Zentralbaultg. v/12. 5. 43- 04/1599/5 43/Schw. Hö. An W.V.- Oranien! 1) Betreff Bezug: Ges den, d Männ« Vor einsatı Vor 284- Ge: - 602 am stadt dund über- wecke prden. yueref An W. V.-— Hauptamt- Amt D ıı Oranienburg 515 Betreff: Überstellung von 5022 Juden aus Theresienstadt Bezug: Dort. FS. v. 17. 2. 43 Nr. 1023 Gesamtstärke der Zugänge vom 21. 1. 43- 2000 Ju- den, davon ausgesucht zum Arbeitseinsatz 418— 254 Männer und 164 Frauen— 20,9%. Vom 24. 1. 43- 2029 Juden, davon zum Arbeits- einsatz 228— 148 Männer und 80 Frauen— 11,2%. Vom 27.1. 43- 993 Juden, davon zum Arbeitseinsatz 284- 212% Männer und 72 Frauen— 22,5%. Gesondert untergebracht!) wurden am 1. 1. 43 1582 _ 602 Männer und 980 Frauen und Kinder. am 24. 1. 43 1801- 623 Männer und 1178 Frauen und Kinder am 27.1.43 709- 197 Männer und 512 Frauen und Kinder Die Sonderunterbringung der Männer erfolgte wegen zu großer Gebrechlichkeit, die der Frauen, weil der größte Teil Kinder war. gez. Schwarz Obersturmführer Sämtliche Häftlinge wurden nach Ablauf der Quaran- täne am 15. 2. 43 der Bauleitung zugestellt. Alter der Männer: 18-40 Jahre Alter der Frauen: 18-33 Jahre 1) Gesondert untergebracht heißt: vergast. Von den drei aus Theresienstadt gekommenen Trans- porten mit insgesamt rund 5000 Häftlingen wurden also 4092 Menschen vergast. Hier der Beweis: Transport- Arbeitseinsatz vergast stärke Männer Frauen Männer Frauen 21.Januar1943 2000 254 164 602777939 24. Januar 1943 2029 148 80 623 1178 27.Januar 1943 993 212 12 190 912 614 316 1422 2670 Über den Verbleib vieler politischer Gefangener- ein- schließlich vieler Juden aus Deutschland— gibt nach- stehendes Dokument Auskunft: An W.V. Hauptamt- Amt D 11, Oranienburg 8.3143 Betr.: Antransport von jüdischen Rüstungsarb. Am 5. und 7. März trafen folgende jüdische Häftlingstransporte ein: Transport aus Berlin, Eingang 5. 3. 43, Gesamt- stärke 1123 Juden. Zum Arbeitseinsatz gelangten 389 Männer(Buna) und 96 Frauen. Sonderbehandelt wurden 151 Män- ner und 492 Frauen und Kinder. Transport aus Breslau. Eingang 5. 3. 43. Gesamt- stärke 1405 Juden. Die entwec unter( geeign: bisher noch{ desha gaben welch: schen War, Auc Ausdı TE Verg: lichen Birke sami“ Zum Arbeitseinsatz gelangten 406 Männer(Buna) und 190 Frauen. Sonderbehandelt wurden 125 Män- ner und 684 Frauen und Kinder. Transport aus Berlin. Eingang 7. 3. 43. Gesamt- stärke 690, einschließlich 25 Schutzhäftlingen. Zum Arbeitseinsatz gelangten 153 Männer und 25 Schutzhäftlinge(Buna) und 65 Frauen. Sonder- behandelt wurden 30 Männer und 417 Frauen und Kinder. gez. Schwarz SS-Obersturmführer Die erwähnten Dokumente betreffen Transporte, die entweder aus Lagern kamen, in denen diese. Häftlinge unter den dortigen Bedingungen als nicht mehr zur Arbeit geeignet galten, oder solche Transporte von Juden, die bisher in der Rüstungsindustrie gearbeitet hatten und die noch für die Sklavenarbeit benutzt werden konnten und deshalb zurückgehalten worden waren. Nach diesen An- gaben kann man sich eine Vorstellung davon machen, in welchem Maße der Verfall der Arbeitskraft dieser Men- schen infolge unerhörter Ausbeutung bereits eingetreten war. Auch die täglichen Meldezettel aus allen Lagern von Auschwitz zeigen, in welchem Ausmaß täglich massenhaft Vergasungen stattfanden. Hier z. B. einige solcher täg- lichen Meldezettel aus dem Frauenlager Auschwitz- Birkenau: Frauen-Lager, KL. Au. II Abteilung III/a Bla. b/B II b. g. c./B. II Stärkemeldung Stärke am 5. 10. 1944 Zugänge am 5. 10. 1944 Einlieferungen Durchgangs Jd. Überstellungen Abgänge am 5. 10. 1944 gestorben nat. Todes S. B.!) Überstellungen Entflohen Sa Frauen-Lager KL Au. I Abteilung III a Bla-b/B II b. 2. c. Birkenau, den 6. 10. 44 42. 961 Hftl. 41 203 Hitl. 3 4620 Hf£tl. 38 544 Hf£tl. SS-Obersturmführer} Stärkemeldung Stärke am 14. 10. 1944 Zugänge am 14. 10. 1944 Absänge am 14. 10. 1944: gestorben nat. Todes Überstellungen Durchgangs-Jd. S.B.! Durchgangs-Überst. Sa.: 1) S. B. heißt: vergast. 26 | N Birkenau, den 15. 10. 44\| | 31123 HEtl.| | 1| 322 4 477 49 30 274 He£tl. SS-Obersturmführer| 194 folgend stamme Karten gen ZU als Ab; der nid Klang| etwa z Angehi nicht ı Ich ı zeigen deutsch habe i fortset; fahrun einige darzul Ich andere Brand Von« Zucht! überle Reise bis B; diums Öster schlos war u trübe, überf uns Ware: ktl, 1943 und 1944 gab es bei der politischen Abteilung folgende neue Methoden. Die aus dem Reichsgebiet stammenden jüdischen Häftlinge erhielten die Erlaubnis, Karten an ihre noch erreichbaren Familienangehöri- gen zu schreiben. Die vorgedruckten Karten enthielten als Abgangsort den Ortsnamen Birkenau, der für den, der nicht wußte, was sich dort abspielte, einen lieblichen Klang hatte. Diese Karten wurden im Durchschnitt um etwa zwei Monate vordatiert, so daß, wenn sie bei den Angehörigen ankamen, die Betreffenden häufig schon nicht mehr unter den Lebenden weilten. Ich glaube, all die geschilderten grausamen Vorgänge zeigen mit aller Deutlichkeit, an welchen Verbrechen die deutschen Monopole mit beteiligt waren. Absichtlich habe ich viele Beweisstücke zitiert und will dies auch fortsetzen, um in Verbindung mit meinen eigenen Er- fahrungen als mehrjähriger Häftling von Auschwitz auch einige bisherige Forschungsergebnisse über Auschwitz darzulegen. Ich selbst bin im Jahre 1943 zusammen mit vielen anderen politischen Gefangenen aus dem Zuchthaus Brandenburg-Görden nach Auschwitz geschickt worden. Von den fast 150 Gefangenen, die mit mir aus dem Zuchthaus dort hinkamen, haben nur drei Auschwitz überlebt. In Brandenburg sagte man uns nicht, wohin die Reise ging. Im üblichen Zuchthaustransport fuhren wir bis Breslau. In den Kellern des dortigen Polizeipräsi- diums trafen wir mit vielen politischen Gefangenen aus Österreich und der Tschechoslowakei zusammen. Wir schlossen bereits hier untereinander Freundschaft. Das war um die Osterzeit, doch unsere Lage war mehr als trübe. Die Keller des Polizeipräsidiums, von Gefangenen überfüllt, standen teilweise unter Wasser, so daß wir uns nicht einmal setzen konnten. Weitere Transporte waren noch dazu angekündigt. 27 Da entschloß sich die Polizei in Breslau, etwa 200 Häftlinge unter Polizeibewachung nach Auschwitz zu bringen. Das entsprach jedoch keineswegs der Regel, denn sonst wurden die aus den Zuchthäusern kommen- den politischen Gefangenen von SS-Bewachungsmann- schaften des Konzentrationslagers Auschwitz abgeholt. Wir kamen also auf Grund dieser besonderen Lage nicht an der Todesrampe in Birkenau an, wo sich sonst die übliche Auswahl vollzogen hätte. Danach wäre unser Transport wahrscheinlich total vernichtet worden. Da wir von Polizeimannschaften unmittelbar nach Auschwitz ge- bracht wurden und für die Lagerbesatzung unerwartet eintrafen, gelangten wir direkt ins Stammlager. Dieser Umstand hat wahrscheinlich vielen von uns zunächst ein- mal das Leben gerettet. Vor dem Tor des Stammlagers stehend, konnten wir dann einige Stunden den Spruch „Arbeit macht frei“ betrachten. Zu diesem Zeitpunkt waren wir uns keineswegs be- wußt, daß wir soeben am Tode vorbeigegangen waren. Infolge unserer meist langjährigen Gefangenschaft wußten wir nichts von der Vergasungsmaschinerie. Wenn es auch in allen Zuchthäusern ein geflügeltes Wort gab, daß man aus den Konzentrationslagern höchstens durch den Schornstein wieder hinauskomme, so glaubten wir doch, daß sich dies darauf bezog, daß die Lebens- umstände so untragbar hart wären. Aber schon in den ersten Tagen unserer Anwesenheit im Lager hatten wir einen beachtlichen Anschauungs- unterricht. Wir mußten den Weg gehen, den schon viele vor uns gegangen waren— über die Einkleidung im bereits beschriebenen Sinne-, und kamen dann in die Quarantäne. In dieser Quarantäne sollten wir, nun mit allen Attributen des Lagers versehen, auf unseren Ar- beitseinsatz warten. Die SS holte uns aber schon vorher zur Arbeit an einer an der Strecke Oberschlesien-Krakau 28 gelegener Jebten wi mehr seh Tores sta Seite sch kriminell nen heraı Wand ar Ein totet hingen d blutig g abschrec Folgen ı lichen. So zo: Arbeit, das Ko prügeln« hatte g Füße w. großen Strang t Sie best der ein. zu bin gehen.] 5m „Anttej und vo: erfolger Altersgı Stitutior Unser e Von Krema, Jann- holt, nicht t die unser a Wit durch n wit ebens- onheit ngs- viele gelegenen großen Bahnrampe. Beim Ausmarschieren er- lebten wir zum ersten Male etwas, was uns später nicht mehr sehr auffiel. Auf der einen Seite in der Nähe des Tores stand der SS-Stab des Lagers, und auf der anderen Seite schauten aus den Fenstern des für privilegierte kriminelle Banditen vorgesehenen Bordells die Insassin- nen heraus. Auf derselben Seite standen Häftlinge an die Wand angelehnt, die bei der Flucht gefaßt worden waren. Ein toter Häftling lag nackt auf einem Leinentuch; ihm hingen die Gedärme heraus. Die beiden anderen waren blutig geschlagen und gefesselt. Sie standen dort als abschreckendes Beispiel, um den anderen Häftlingen die Folgen eines etwaigen Fluchtversuches zu veranschau- lichen. So zogen wir am ersten Tag aus der Quarantäne zur Arbeit, während die Kapelle„Hänschen klein“ spielte, das Kommando„Mützen ab!“ erscholl und SS-Leute prügelnd durch unsere Reihen liefen. Keiner von uns hatte ganze Schuhe oder Strümpfe; jedem taten die Füße weh. Doch mußte ein jeder von uns unterwegs einen großen Stein aufnehmen und diesen bis zum Schienen- strang tragen. Dann erst begann die eigentliche Arbeit. Sie bestand darin, die Steine eines zerstörten Hauses von der einen Seite des Bahndammes auf die andere Seite zu bringen. Zuerst schien das verhältnismäßig gut zu gehen. Dann aber wurden einige kriminelle Banditen auf je 5 m Entfernung verteilt, und der SS-Mann befahl: „Antreiber, los!“ Mit Stöcken hieben sie auf uns ein, und von nun an mußte das Steinetragen im Laufschritt erfolgen. Da es sich bei uns um Menschen verschiedener Altersgruppen und unterschiedlicher körperlicher Kon- stitution handelte, gab es schreckliche Szenen. So verlief unser erster Arbeitstag im Lager. Von unserem Arbeitsplatz hatten wir die Schlote der Krematorien sehen können, ebenso war der Geruch von 29 verbrannten Leichen zu spüren. Hier mußten wir nun erkennen, daß das, was viele von uns bisher nicht hatten glauben wollen, Wahrheit war. Jawohl, hier befanden sich große Fabriken des Todes; es stimmte, daß Menschen zu Hunderttausenden und später zu Millionen den Gas- tod erleiden mußten. Der SS-Leiter des Kommandos ließ uns zum Feier- abend mit Blick auf die Krematorien antreten und fragte, ob sich einer krank fühle. Viele fühlten sich elend und zerschunden, aber angesichts der Krematorien meldete sich niemand krank. In der darauffolgenden Nacht ver- starb jedoch ein Häftling an Erschöpfung. Die kräftigsten Häftlinge wurden dann später auf die verschiedenen Kommandos im Lager aufgeteilt, während die Schwächeren in die Gaskammern kamen. Ich selbst kam zunächst zu Regulierungsarbeiten an der Sola') zum sogenannten Arbeitskommando Sola-Durchstich und dann als Elektriker in die neue Wäscherei. Politische Abteilung und Block 11 In Auschwitz gab es eine sogenannte politische Ab- teilung. Hinter diesem Namen verbarg sich die Lager- Gestapo. Sie unterhielt unter den Gefangenen einen ganzen Stab von Spitzeln. Die politische Abteilung war auch das Instrument, das Zusammenschlüsse zu Wider- standsbewegungen im Lager verhindern sollte. Jedem Häftling von Auschwitz sind die Namen Grabner und Lachmann von der politischen Abteilung Begriffe. Jeder wußte, wenn sich einer dieser Banditen im Lager schen ließ, daß dann wiederum Dutzende und oftmals Hunderte der Häftlinge vom Tode bedroht waren. 1) Ein Flüßchen bei Auschwitz. 30 Der p Block 11 diejenige ihre Str. der S5- allerdin; im Konz mehr St der im des Lag spannt ı und Blo die als Auch de Grausar Block ei gefesselt urteilt, Eine dert Hi gesperrt der, dal weder| oder N hatten, als aud Die M wöchen! Mensch: Auschw Lastwa, und 11 heraus, dem Bj Ind - ‚ager- einen g war Vider- lamen eilung diten e und droht Der politischen Abteilung unterstand der berüchtigte Block 11. Das war der sogenannte Bunker, in dem all diejenigen, die gegen die Lagerordnung verstoßen hatten, ihre Strafe verbüßten. Unter den Willkürverhältnissen der SS-Herrschaft in Auschwitz sah das„Verbüßen“ allerdings völlig anders aus. Eine der üblichen Strafen im Konzentrationslager Auschwitz war, 25, 50 oder noch mehr Stockschläge auszuteilen. Zu diesem Zweck wurde der im Block 11 befindliche Bock auf den Appellplatz des Lagers geholt, der verurteilte Häftling auf ihn ge- spannt und verprügelt. Auf dem Hof zwischen Block 10 und Block 11 ist heute noch die schwarze Wand zu sehen, die als Kugelfang bei Häftlingserschießungen diente. Auch der Galgen von Auschwitz befindet sich noch dort. Grausam waren die Strafen, wenn Häftlinge in diesen Block eingeliefert wurden. Mitunter wurden sie gefesselt, gefesselt aufgehängt, oder sie wurden zu Stehbunker ver- urteilt. Eine ganze Zeitlang wurden im Block 11 einige Hun- dert Häftlinge der polnischen Lagerbelegschaft dort ein- gesperrt, ohne daß ein Grund dazu vorlag- es sei denn der, daß sie, als sie sich noch in Freiheit befanden, ent- weder in der polnischen Arbeiterbewegung gearbeitet oder sonst im öffentlichen Leben Ansehen genossen hatten. Unter diesen Häftlingen waren sowohl Arbeiter als auch Ärzte, Wissenschaftler, Geistliche und andere. Die Machthaber der politischen Abteilung ordneten wöchentlich die Erschießung einer großen Anzahl dieser Menschen an. Die Lagerinsassen des Stammlagers Auschwitz wußten, was sich wieder abgespielt hatte, wenn Lastwagen rückwärts in den Hof zwischen Block 10 und 11 einfuhren, denn sie kamen mit Leichen beladen heraus, und der Platz vor diesem Block war dann von dem Blut der Ermordeten rot gefärbt. In den Block 11 kamen aber auch diejenigen, die als 3 politische Gefangene noch nicht abgeurteilt waren. Sie wurden von dort entweder zur Aburteilung zu den Ge- richten der Umgebung gebracht oder— wenn es sich um Juden handelte- entweder erschossen oder vergast, nach- dem ihnen in ihrer Abwesenheit der Prozeß gemacht worden war. Viele tapfere Menschen aus beinahe allen von den Nazis unterdrückten Ländern haben in diesem Block 11 Schwerstes erdulden müssen— viele von ihnen deshalb, weil sie ihren Mitmenschen geholfen hatten, viele andere, weil sie Organisatoren der Widerstandsbewegung in Auschwitz waren oder auch Partisanen aus der Um- gebung. usJuUU0oNY USPI9A 37729wOq 442 u sne pojgq W uswp>sig „p>p9sge U A 9ISU9I 7 pur s J9 Be=“ eI7) 33U9wII dx uayDIjsjnay>s p]1 Y99P>9> JIe 4) I 319g q< u nauy P 5 B uapuep3e3s 19J9pue PU S I{ \,< I Je- b|= bi a w»n19q I9p syp>ay UIWWOU9ISJOA U9sUu}JeH UOA uapuasne Ine J9p SYU Ir 290] 9309122 J9 S I)) = pP F X ASU Suusyı19 TI JuUnI319JU H u» uV JSy>r[ına]]F Ip JISpINnA JUe JIZIEMUIS UIPUIUU9> Z u P IA F nn en F („oyung“) I yPoJq UA JOH PA « -9A Ip Muep w>p ur‘OI POJqsy>nsI9AU uoA USZUngaIyISIAUISSEN ‚nach- macht n den ock 11 ndere, ing in t Um- ıpddy wap weN— neusyaıg 158e7] wJ uU910U9s93 sıeeH Ip uew ey uajje Ise4"(neusyArg) II zZ18yDsnV UOA ozummyeH Sydgya A >ddv wop upeN NneusyAIlg] 198eJf wI (Tr,\1'4\| Die Umzäunung des Lagers war elektrisch geladen Die Häftlinge, die der Widerstandsorganisation angehörten, beschafften Zangen mit isoliertem Griff, um zu gegebener Zeit das Hindernis besei- tigen zu können We deutli nichtu dern( Nazis ständi ausZU nicht DINKCASDISTSEIT DIE SCHANDLICHEN EXPERIMENTE AN MENSCHEN Wer die Anlagen von Auschwitz heute betrachtet, kann deutlich erkennen, daß Auschwitz nicht nur die Ver- nichtungsstätte der europäischen Juden sein sollte, son- dern daß sogar daran gedacht war, nach einem Sieg des Nazismus im zweiten Weltkrieg auf diesem Territorium ständig etwa eine halbe Million Menschen zur Arbeit auszunutzen, bevor sie vernichtet wurden. Nach der Ver- nichtung der Juden wäre das gleiche in großem Umfange auch mit Polen, Tschechen und anderen europäischen Völkern geschehen. Das Konzentrationslager Auschwitz schien der Reichs- führung SS der gegebene Ort, um— unbeobachtet von der Weltöffentlichkeit- auch massenhaft Versuche an Men- schen durchzuführen. Diese verbrecherischen Versuche verfolgten das Ziel, zunächst einmal die Fortpflanzung der Juden unmöglich zu machen, die der Massen- vernichtung dank ihrer verhältnismäßig gut erhaltenen Arbeitskraft vorerst noch entgangen waren. Dem dienten auch die in großem Ausmaß durchgeführten Experimente der Sterilisation an Frauen. Daß sich deutsche Ärzte zur Erprobung dieser Massen- sterilisation anboten, war dabei das größte Verbrechen. 3 33 Das geht deutlich auch aus Unterlagen des Nürnberger Kriegsverbrecherprozesses hervor. Ich zitiere: Document No. 440 Eidesstattliche Erklärung Ich, Rudolf Emil Hermann Brandt, schwöre, sage aus und erkläre: ... Himmler war höchst interessiert an der Ent- wicklung einer billigen und schnellen Sterilisations- methode, welche gegen die Feinde des Deutschen Reiches, wie Russen, Polen und Juden, angewandt werden konnte. Man hoffte, damit den Feind nicht nur zu besiegen, sondern auch zu vernichten. Die Arbeitskraft sterilisierter Personen könnte von Deutschland ausgenützt werden, während die Fort- pflanzungsgefahr ausgeschaltet würde. .Dr. Clauberg entwickelte fernerhin eine Methode zur Sterilisation von Frauen. Diese Me- thode basierte auf der Injektion einer reizbaren Lösung in die Gebärmutter. Clauberg führte aus- gedehnte Versuche an Jüdinnen und Zigeunerinnen im Konzentrationslager Auschwitz durch. Mehrere tausend Frauen wurden von Clauberg in Auschwitz sterilisiert... Nürnberg, den 19. Oktober 1946 R. Brandt Der Schriftwechsel zwischen Professor Dr. Clauberg und den höheren Stellen der SS zeigt die ganze Ver- worfenheit dieser Personen. 34 Chefarz! des Ka. und des St.-Hed An de Reichs Heinri durch Gener Seh; Auf schung damal Ihres Brand meine Zweif tigere We damal an de von K führe, führe, lichen in de Herr Deut Inter Ehrte, Stabs Iberger No. 440 ge aus auberg e Ver- EEE Prof. Dr. med. C. Clauberg, Königshütte O/S., d. 30. Mai 1942 Chefarzt der Frauenklinik Telefon: 409-31 des Knappschaftskrankenhauses und des St.-Hedwig-Krankenhauses An den Reichsführer SS Heinrich Himmler durch die Hand von SS-Obergruppenführer und General der Polizei Schmauser Sehr verehrter Reichsführer! Auf mein Schreiben vom 5. 6. 41, betreffend For- schungsinstitut für Fortpflanzungsbiologie‘ erhielt ich damals die umgehende, vom 19. 6. 41 datierte Antwort Ihres persönlichen Adjutanten SS-Sturmbannführer Brandt, daß Sie- Reichsführer— sobald als möglich auf meine Ausführungen zurückkommen würden. Ohne Zweifel haben die kurz darauf einsetzenden weit wich- tigeren Kriegsgeschehnisse dieses verhindert. Wenn ich es kurz in Erinnerung bringen darf, so war damals das Weiterkommen in meiner Arbeit zunächst an der Frage gescheitert, wie die Zur-Verfügungstellung von KZ-Insassinnen vor sich gehen solle.- Mit dem Stabs- führer Ihrer hiesigen Dienststelle, SS-Obersturmbann- führer Dr. Arlt, bin ich gelegentlich einer wissenschaft- lichen Unterhaltung auch auf meine Forschungstätigkeit in der Fortpflanzungsbiologie zu sprechen gekommen. Herr Dr. Arlt sagte mir hierbei, daß derjenige, der in Deutschland heute an derartigen Dingen ein besonderes Interesse habe und mir helfen könnte, Sie, sehr ver- ehrter Reichsführer, seien. Als SS-Angehörigem und Stabsführer Ihrer hiesigen Dienststelle habe ich ihm dann 3 35 kurz davon berichtet, daß ich Ihnen bereits in dieser An- gelegenheit Vortrag gehalten habe. Nach dieser Rücksprache erlaube ich mir gehorsamst, Sie, Reichsführer, zu bitten, mir hier in Oberschlesien die Möglichkeit zu geben, die Arbeiten durchführen zu können. ...In der Frage der negativen Bevölkerungspolitik handelt es sich um einen Stand der Dinge, daß nunmehr vom Tierversuch(in welchem ich die Möglichkeit der operationslosen Sterilisierung dargetan habe) auf die ersten Versuche am Menschen übergegangen werden muß. Dazu ist notwendig: ... Operationslose Sterilisierung 1. Die Sonderunterbringungsmöglichkeit von jeweils 5-10 Frauen(Einzelräume oder zu zweien), ent- sprechend den Verhältnissen von Krankenzimmern. 2. Röntgen-Spezialapparatur mit Einrichtung und Zu- behör. 3. Kleineres Instrumentarium und Material. Reichsführer! Ohne Ihrer Entscheidung vorgreifen zu wollen, erlaube ich mir, den Vorschlag zu machen, die notwendigen Versuche sowie Einrichtungen im KZ in Auschwitz durchführen lassen zu wollen. Wie ich Ihnen bereits in meiner mündlichen Besprechung gesagt habe, unterordne ich mich Ihnen sehr gern als Leiter eines Forschungsinstitutes, das ausschließlich unter Ihrer Regie lantten. Heil Hitler! Ihr sehr ergebener Prof. Clauberg eisen ‚Set An- Orsamst, chlesien hren zu spolitik unmehr zeit der auf die en muß. jeweils n), Ent- immern. und Zu- eifen zu hen, die KZ ın 'h Ihnen gt habe, er eines DOC. NO 216 Führer-Hauptquartier, den Juli 1942 Geheime Reichssache! 1. Ausfertigung Am 7. 7. 1942 hat eine Besprechung stattgefunden zwischen dem Reichsführer SS, SS-Brigadeführer Pro- fessor Dr. Gebhardt, SS-Brigadeführer Glücks und SS- Brigadeführer Professor Clauberg, Königshütte. Inhalt der Besprechung war die Sterilisierung von Jüdinnen. Der Reichsführer SS hat dem Brigadeführer Prof. Clau- berg zugesagt, daß ihm für seine Versuche an Menschen und an Tieren das Konzentrationslager Auschwitz zur Verfügung steht. Es sollte anhand einiger Grundversuche ein Verfahren gefunden werden, das die Sterilisierung bewirkt, ohne daß die Betroffenen davon etwas merken. Sobald das Ergebnis dieser Versuche vorliegt, wollte der Reichsführer SS noch einmal einen Bericht vorgelegt be- kommen, damit dann an die praktische Durchführung zur Sterilisierung der Jüdinnen herangegangen werden kann. Ebenso sollte am besten unter Hinzuziehung von Pro- fessor Dr. Hohlfelder, der ein Röntgenspezialist in Deutschland ist, geprüft werden, in welcher Weise durch Röntgenbestrahlung bei Männern eine Sterilisierung er- reicht werden kann. Der Reichsführer SS hat allen be- teiligten Herren gegenüber betont, daß es sich hier um geheimste Dinge handle, die nur intern besprochen wer- den könnten, wobei jeweils die zu den Versuchen oder Besprechungen Hinzugezogenen auf Geheimhaltung ver- pflichtet werden müßten. Brandt SS-Obersturmbannführer 37 Doc. NO No. 213 Der Reichsführer SS Führer-Hauptquartier, 10. Juli. 1942 Persönlicher Stab Geheime Reichssachel Teb.-Ntr. 1266/42 6 Ausfertigungen 6. Ausfertigung Herrn Professor Clauberg Königshütte Sehr geehrter Herr Professor! Der Reichsführer SS hat mich heute beauftragt, an Sie zu schreiben und Ihnen seinen Wunsch zu übermitteln, doch einmal nach vorheriger Absprache mit SS-Ober- gruppenführer Pohl und dem Lagerarzt des Frauen- Konzentrationslagers in Ravensbrück nach Ravensbrück zu fahren, um dort die Sterilisierung von Jüdinnen nach Ihrem Verfahren durchzuführen. Bevor Sie mit Ihrer Arbeit beginnen, würde der Reichs- führer SS noch Wert darauf legen, von Ihnen zu erfahren, welche Zeit etwa für die Sterilisierung von 1000 Jüdinnen in Frage käme. Die Jüdinnen selbst sollen nichts wissen. Im Rahmen einer allgemeinen Untersuchung könnten Sie nach Ansicht des Reichsführers SS die entsprechende Spritze verabreichen. Über die Wirksamkeit der erfolgten Sterilisierung müßten dann auch eingehende Versuche durchgeführt werden, größtenteils in der Art, daß nach einer be- stimmten Zeit, die Sie dann bestimmen müßten, vielleicht durch Röntgenaufnahmen festgestellt wird, welche Ver- änderungen eingetreten sind. In dem einen oder anderen Fall dürfte aber auch ein praktischer Versuch in der Weise durchgeführt werden, daß man eine Jüdin mit einem Juden für eine gewisse Zeit zusammensperrt und dann sieht, welcher Erfolg dabei auftritt. 38 führers Professo: Chefarzt des Kna und des St,-Hedı An dei Reichsf Herrn Berl Sehr an Sie \itteln, Ober- rauen- sbrück ı nach eichs- ahren, Jinnen Ich darf Sie bitten, mir zur Unterrichtung des Reichs- führers SS Ihre Äußerung zu meinem Brief mitzuteilen. Heil Hitler! gez. Brandt SS-Obersturmbannführer Professor Dr. med. C. Clauberg Königshütte O.S., d. 7. Juni 1943 Chefarzt der Frauenklinik Telefon: 409-31 des Knappschaftskrankenhauses und des St.-Hedwig-Krankenhauses Geheim! An den Reichsführer SS Herrn Heinrich Himmler Berlin Sehr verehrter Herr Reichsführer! Meiner Verpflichtung, Ihnen von Zeit zu Zeit über den Stand meiner Untersuchungen zu berichten, komme ich heute nach. Dabei halte ich mich wie früher daran, nur dann zu berichten, wenn es sich um Wesentliches handelt. Daß dies- nach meiner letzten Rücksprache im Juli 1942- erst heute der Fall ist, liegt an zeitbedingten Einzel-Schwierigkeiten, denen gegenüber ich selbst macht- los war und mit denen ich Sie, Reichsführer, nicht be- helligen konnte. So bin ich z. B. erst seit Februar 1943 im Besitze eines für meine Spezialuntersuchungen einzig und allein vollwertigen Röntgen-Apparates. Trotz der kurzen Zeitspanne von eigentlich nur vier Monaten ist 39 es mir heute bereits möglich, Ihnen, Reichsführer, folgen- des mitzuteilen: führu | Die von mir erdachte Methode, ohne Operation eine Sterilisierung des weiblichen Organismus zu erzielen, | ist so gut wie fertig ausgearbeitet. Sie erfolgt durch eine Ge) j einzige Einspritzung vom Eingang der Gebärmutter her seh: und kann bei der üblichen jedem Arzt bekannten gynäko- logischen Untersuchung vorgenommen werden.-— Wenn ich sage, die Methode ist„so gut wie fertig“, so bedeutet das: 1. noch zu erarbeiten sind lediglich ihre Verfeinerungen, 2. sie könnte bereits heute bei unseren üblichen euge- nischen Sterilisierungen anstelle der Operation regelrecht Anwendung finden und diese ersetzen. Was die Frage anlangt, die Sie, Reichsführer, mir vor fast Jahresfrist stellten, nämlich in welcher Zeit es etwa möglich sein würde, 1000 Frauen auf diese Weise zu sterilisieren, so kann ich diese heute voraussehend be- antworten. Nämlich: Wenn die von mir durchgeführten Untersuchungen so weiter ausgehen wie bisher— und es besteht kein Grund anzunehmen, daß sie es nicht tun-, so ist der Augenblick nicht mehr sehr fern, wo ich sagen kann „von einem entsprechend eingeübten Arzt an einer entsprechend eingerichteten Stelle mit vielleicht 10 Mann Hilfspersonal(die Zahl des Hilfspersonals der gewünschten Beschleunigung entsprechend) höchstwahr- scheinlich mehrere hundert— wenn nicht gar 1000— an Einemklasesr Heil Hitler! Prof. Clauberg t, folgen- Aus der Aussage der Sekretärin des Dr. Clauberg gibt nachfolgender Auszug einige Aufschlüsse über die Durch- führung der Experimente an Frauen: atıon eine erzielen, Protokoll Geyer, Ilse geb. 2. 11. 1914 in Königsberg... Zur Sache: ) bedeutet Prof. Clauberg kenne ich seit 1938, und seit 1940 bin ich seine Sekretärin gewesen bis Kriegs- inerungen, ende. Als Sekretärin habe ich sämtliche schriftlichen Sachen erledigt, und außerdem war ich tätig wäh- ra| rend der Sprechstunden. In dieser Zeit war Prof. ;| Dr. Clauberg Chefarzt der Frauenklinik in Königs- Pa hütte in Schlesien. Während der Sprechstunden habe r, mir vor ich öfters die Schwester vertreten und Dr. Clauberg it esetwa| geholfen. Weise zu| Ungefähr 1942 bekam Dr. Clauberg vom Reichs- ehend ber|} gesundheitsministerium von Dr. Conti den Auftrag, | ein Ersatzmittel für Jodipin herzustellen und aus- ungen SO zuprobieren. Dieses Jodipin wird gebraucht zu in Grund Unterleibsdurchleuchtungen und war sehr knapp. wur j Dr. Goebel, der ein Chemiker ist, hat in dieser Be- as| ziehung mit Dr. Clauberg eng zusammengearbeitet und dieses Ersatz-Jodipin hergestellt. Das hat mir an einer Dr. Clauberg erzählt, und außerdem kenne ich 10 Mana Dr. Goebel persönlich. Zuerst wurden Versuche auf als Hier Kaninchen und Meerschweinchen gemacht, und seit hstwahr- Ende 1942 wurden diese Versuche im KZ-Lager 1000 Er in Auschwitz an Frauen, die Häftlinge waren, durch- ö geführt. | Hitler! Ich war ein paarmal mit Dr. Clauberg- viel- - CJauberg leicht fünf- bis sechsmal— in Auschwitz und habe 41 zwei- oder dreimal an den Versuchen Dr. Claubergs teilgenommen. Dr. Goebel war auch immer da. Die Versuche wurden im Röntgenraum durchgeführt, und zwar in dieser Weise, daß 5 bis 6 Frauen kamen, mußten ihre Beinkleider ablegen und sich auf den Röntgentisch hinlegen. Den Befehl dazu gab Dr. Clauberg. Ob ich auch, weiß ich nicht mehr. Später wurde den Frauen eine Einspritzung in die Gebärmutter mit diesem Ersatz-Jodipin gemacht und auch eine Röntgenaufnahme. Ich gebe vollkommen zu, daß das Versuche waren. Dr. Clauberg hatte bei diesen Experimenten einen weißen Kittel an und ich auch, da ich ihm helfen sollte. Es kann sein, daß ich zwei- oder dreimal dieses Ersatz-Jodipin in die Spritze aufgezogen habe. Es ist klar für mich, daß sich die Frauen nicht freiwillig zu diesen Experi- menten gemeldet haben, und ich gebe auch zu, daß das an und für sich eine Verletzung der menschlichen Rechte gewesen ist... Ilse Geyer Dr. Nora Mattaliano-Hodys sagte vor der Polnischen Kommission zur Untersuchung von Kriegsverbrechen aus: Ich wurde 1939 durch das Sondergericht in Hamm in Westfalen wegen Vergehens gegen das Heim- tückegesetz und Vorbereitung zum Hochverrat zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt und im Dezember 1939 in das Konzentrationslager Ravens- brück eingeliefert. Von dort wurde ich im März 1940 oder 1941 dem Konzentrationslager Auschwitz überstellt, wo ich auf der Effektenkammer tätig war. Meiner Erinnerung nach wurde ich im April 1944 auf Veranlassung des SS-Richters Gerhard Wiebeck vom Frauenlager Birkenau-Krankenbau in das Ibergs 1. Die führt, rauen d sich dazu mehr. in die ht und mmen tte bei n und n, daß in die 1, daß ‚xperi- u, daß nlichen Geyer nischen en aus: Hamm Hein- rrat ZU ind im Männerlager Auschwitz, und zwar auf Block 10 — Clauberg-Block— verlegt. Ich hatte dort ein eigenes Zimmer für mich. Auf diesem Block war der Frauenarzt Professor Clauberg tätig, der dort an jüdischen Frauen künstliche Befruchtungsversuche vornahm. Sein Assistent war der Chemiker Dr. Goebel, den ich auf diesem Block persönlich kennen- gelernt habe. Er war sehr verwundert darüber, daß ich auf den Block 10 verlegt worden war, und fragte mich unter anderem, warum ich dort sei und ob ich mit dem Kommandanten Hoess verwandt sei. Ich gab ihm keine Auskunft, weil mir der SS-Richter Wiebeck geboten hatte, über das, was er mit mir besprochen hatte, Stillschweigen zu bewahren. Mein Eindruck von Wiebeck war der, daß er den Kom- mandanten Hoess zu Fall bringen wollte. Die Befruchtung der einzelnen Frauen ging in folgender Weise vor sich: Die Frau mußte sich unter den Röntgenapparat der Station legen, und dann wurde ihr von Dr. Goebel Sperma durch die Scheide in die Gebärmutter eingespritzt. Diesen Vorgang beobachtete Professor Clauberg im Röntgenbild, das zu gleicher Zeit aufgenommen wurde. Ich habe selbst einmal durch das Schlüssel- loch meines Zimmers, das an den Röntgenraum an- grenzte, diesen Vorgang beobachtet und gesehen, daß Dr. Goebel in Gegenwart von Professor Clau- berg eine solche Einspritzung vornahm. ...Sie(d. h. die Frauen, an denen die Experi- mente durchgeführt worden waren) starben ent- weder auf dem Block 10 an den Folgen der Experi- mente— ich vermute an innerer Verblutung— oder wurden in Birkenau in den Gaskammern ge- fotet... a = Dr. Mattaliano-Hodys. 43 Soweit die Unterlagen. Clauberg hatte den Block 10 im Stammlager Ausch- witz von der Lagerkommandantur für seine Versuche zur Verfügung gestellt bekommen. Aus den Frauenlagern von Birkenau wurden Frauen für diese Experimente ausgewählt. Zwar war der Block 10 offiziell von den übrigen Blocks des Männerlagers abgeschlossen, jedoch waren durch die vielen im Lager unvermeidbaren Wechselbeziehungen diese Versuche den Häftlingen durchaus bekannt. Man kann die in Block 10 durchgeführten Experi- mente in folgende Gruppen einteilen: Experimente, die zum Ziel hatten, Krebs- und andere Erkrankungen zu erforschen, Sterilisationsversuche, Experimente zum Zwecke, eine neue Kontrast- substanz zu Röntgenaufnahmen zu finden sowie hämatologische und serologische Experimente. Vorwiegend wurde der Versuch an jüdischen Frauen durchgeführt— in einer Reihe von Fällen auch mehrere Male. Mißglückten die Experimente oder stellten sich Schäden ein, lieferte man diese Frauen der Vergasung aus. Außer Clauberg nahm auch Dr. Schumann Sterili- sationsversuche mittels Röntgenstrahlen vor, um die Fortpflanzungsorgane zu zerstören. Infolge Röntgen- bestrahlung der Eierstöcke erkrankten viele Frauen. Nach mehreren Monaten wurden Kontrolloperationen durch- geführt, wobei mitunter Teile der Geschlechtsorgane zur Untersuchung ihres Zustandes entfernt wurden. Aber nicht nur an Frauen wurden solche Versuche vorgenommen, sondern auch an Männern. Mir ist noch die Jagd in den verschiedensten Kommandos des Lagers 44 nach jut in Erin! sationsV nur ein diese F entlasse Bestrah ebten, Dr. Sch Zu die handelt samme einand: Profi durchfi lagen| zur Lö Frauen S$-Füh fangen verant Beze als Me Frauer von B Block Frauer anderı witz-F fürs e Fraue experi Die lichen Ausch- che zur nlagern timente on den jedoch idbaren ftlingen Expeti- s- und ontrast- ı Frauen mehrere Iten sich ergasung nach jungen Häftlingen im Alter von 18 bis 22 Jahren in Erinnerung. Bei den Männern wurden diese Sterili- sationsversuche in der Weise durchgeführt, daß zunächst nur ein Hode bestrahlt wurde. Anschließend wurden diese Häftlinge wieder zur Arbeit in ihre Kommandos entlassen. Auch Männer starben an den Folgen dieser Bestrahlungen. Diejenigen, die diese Experimente über- lebten, wurden nach Ablauf einer gewissen Zeit von Dr. Schumann erneut„behandelt“, indem er sie kastrierte. Zu diesen Experimenten gehörte auch, daß so„be- handelte“ Männer und Frauen auf mehrere Tage zu- sammen eingesperrt wurden, um zu sehen, wie sie auf- einander reagierten. Professor Clauberg, der die meisten der Experimente durchführte, tat dies— wie aus den vorstehenden Unter- lagen hervorgeht— auf eigenen Wunsch. Er hatte sich zur Lösung der Frage, wie auf rascheste Weise tausend Frauen sterilisiert werden könnten, sogar selbst der SS-Führung angeboten.— Clauberg, zur Zeit selbst Ge- fangener, wird sich vor einem westdeutschen Gericht verantworten müssen. Bezeichnend ist, daß sich Clauberg nun mit einem Male als Menschenfreund aufspielt. Er erklärt nämlich, diese Frauen lediglich aus Mitleid aus dem Dreck der Lager von Birkenau gezogen und sie durch seine Versuche im Block 10 geschützt zu haben. Im Block 10 waren die Frauen jedoch noch mehr vom Tode bedroht als an anderen Stellen des Lagers, denn jeder ehemalige Ausch- witz-Häftling weiß, daß in diesem Lager nur diejenigen fürs erste am Leben blieben, die voll arbeitsfähig waren. Frauen jedoch, an denen auf oben beschriebene Weise experimentiert wurde, waren nicht mehr arbeitsfähig. Die ständige Lebensgefahr für die im Block 10 befind- lichen Häftlinge ist auch dadurch erwiesen, daß aus 45 diesem Block von Zeit zu Zeit 20 bis 30 Frauen zur Vergasung geschickt wurden. Das zeigen auch die heute noch existierenden Appellberichte, die wiederholt das Fehlen von 20 bis 30 Frauen ausweisen. Außerdem ist mir persönlich bekannt, daß mehrmals die Kleidungs- stücke von 20 bis 30 Frauen vor der Desinfektion der Wäscherei des Stammlagers lagen. Und jeder Häftling in Auschwitz wußte, daß bei Vergasungen entweder Stunden später oder am nächsten Tage sich die Klei- dungsstücke der Vergasten vor der Desinfektion befan- den. Durch die auf den Kleidungsstücken befindlichen Nummern konnten wir gemeinsam mit Frauen aus dem Block 10- die neue Wäscherei lag unmittelbar neben diesem Block- diese Tatsache feststellen. Es kann also gar keinen Zweifel darüber geben, daß Prof. Clauberg seinen hypokratischen Eid gebrochen hat und statt im Dienste der Erhaltung des Menschenlebens an der Vernichtung von Millionen von Menschen ge- arbeitet hat. Und dies, um dem verbrecherischen Nazi- system und den hinter diesem stehenden Profitjägern der deutschen Konzerne die Möglichkeit zu verschaffen, Menschen vor ihrer physischen Auslöschung— ohne daß sie noch fortpflanzungsfähig waren- als billige Arbeits- sklaven ausnutzen zu können. Als später die Versuche von Block 10 weit über das Lager hinaus bekannt wurden, entschloß sich die Lager- kommandantur, diesen Block und seine Insassinnen in ein kleineres Frauenlager zu verlegen, das aus einem Teil des sogenannten Schutzhaftlager-Erweiterungsbaus gebildet war. Diese Änderung erfolgte vor allem aus dem Grund, weil im Stammlager Auschwitz ab und zu Besichtigungen stattfanden und dann immer wieder die Frage gestellt wurde, warum denn ein Frauenblock in- mitten eines Männerlagers sich befände. In diesem 46 erwäh punkt als G: an de spiel i der L; einsat Es! die V sogen! urspri bei eı es da zurück dantu sonde wjetis Krak: Töten en zur € heute olt das lem ist idungs- ion der läftling itweder © Klei- befan- (dlichen us dem - neben n, daß hen hat nlebens en ge- n Nazi- ern der chaffen, ıne daß Arbeits- ‚lock in- diesem erwähnten kleinen Frauenlager waren bis zu dem Zeit- punkt vor allen Dingen die Häftlinge untergebracht, die als Geheimnisträger, wie sie im Lager genannt wurden, an den verschiedensten Stellen arbeiteten, so zum Bei- spiel in der politischen Abteilung, der Lager-Gestapo, in der Lager-Kommandantur oder in der Abteilung Arbeits- einsatz usw. Es kann auch gar kein Zweifel darüber bestehen, daß die Verlegung der Insassinnen von Block 10 in den sogenannten Block 1 dieses Lagers deshalb erfolgte, weil ursprünglich die Absicht bestand, diese Geheimnisträger bei eventueller Evakuierung des Lagers zu töten. Wenn es dazu nicht kam, dann ist das keineswegs darauf zurückzuführen, daß Clauberg oder die Lagerkomman- dantur irgendwelche humanitären Anwandlungen hatten, sondern aus dem Grunde, weil der Vormarsch der so- wjetischen Armeen nach der Offensive auf Warschau und Krakau so überraschend schnell vor sich ging, daß zum Töten keine Zeit mehr verblieb. 47 UINDWWENSEH WI USLIOWOIN 1MZ punisusjurg WI'neusyarg uoA adwey op ne oJ1odsuenusssem SpuswwoyuV juueus3 SS Jap uoA aduryeH uSuawwoy>a3rsJungsy 31]]0A yprpsadıoy aıp uspınm„Suugwjosny““aBumge-zrnypsny IT an N N heruntergekommenen wurden die körperlich völlig „Muselmänner“ Auschwitz-Häftlinge, Häftlinge von der SS genannt SSKLABILEL DIE WAHREN SCHULDIGEN AN DEN VERBRECHEN IN AUSCHWITZ SIND DIE DEUTSCHEN KONZERNE Die großen deutschen Konzerne, wie IG-Farben, Siemens, Krupp usw., begannen gleich nach der Besetzung Polens einen Wettlauf, um Unternehmungen in Polen ihren Konzernen anzugliedern. Sehr bald war ihnen das aber nicht mehr genug, und sie begannen die durch ihre Spitzenorganisationen in die Wege geleitete Aktion, so- genannte Fremdarbeiter ins„Reich“ zu holen. Auf diese Weise wurden Arbeiter aus allen von deutschen Faschi- sten besetzten Ländern in Betriebe gepreßt, um dort unter meist menschenunwürdigen Verhältnissen für den Profit der Konzernherren zu arbeiten. Große Lager, ins- besondere für„Ostarbeiter“, vorwiegend aus Polen, wurden errichtet. Zwar wollen das heute viele Vertreter westdeutscher Konzerne nicht mehr wahrhaben, aber dennoch bleibt die Tatsache bestehen, daß es sogar z. B. in einem Konzern wie Siemens eine ausgearbeitete Anweisung gab, wie diese„Fremdarbeiter“ behandelt bzw. mißhandelt wer- den sollten. Als im Verlaufe des Krieges eine Reihe Produktions- stätten dieser Konzerne vernichtet wurden, empfahlen die Spitzenorganisationen, diese Produktionsabteilungen in weniger bombengefährdete Gebiete zu verlegen. Die 4 49 Konzerne ergriffen gierig die Möglichkeit, ihre Pro- duktionsstätten in die Konzentrationslager zu verlagern. Besonders dabei von ihnen bevorzugt war das Kon- zentrationslager Auschwitz. Mit der Motivierung, daß in Auschwitz große Produktionsstätten errichtet würden, transportierte man auch noch die in Berliner Betrieben beschäftigten Juden nach Auschwitz. Die umfangreichste Produktion in Auschwitz entwickelte zweifellos der IG-Farben-Konzern, der hier zeitweilig die Lebenskraft von 30 000 Häftlingen aufzehrte. Als eine Gründung der IG-Farben entstand überhaupt das Lagersystem Ausch- witz III, Buna. Außer dieser massenhaften Ausnutzung der Häftlinge als billige Arbeitssklaven kaufte die Konzernleitung aus dem Lager auch noch Frauen, um an ihnen Experimente mit Medikamenten zu machen. Aus den Gerichtsakten des Nürnberger Kriegsverbrecherprozesses liegen fol- gende Schreiben von Angestellten der IG-Farben an das Konzentrationslager Auschwitz vor: ... Im Hinblick auf Experimente mit einem neuen Schlafmittel wären wir Ihnen dankbar, wenn Sie uns eine Anzahl Frauen besorgen wollten... ... Wir erhielten Ihre Antwort, sehen jedoch den Preis von 200 Mark pro Frau als übersetzt an. Wir schlagen Ihnen einen Preis von höchstens 170 Mark pro Frau vor. Wenn Sie damit einverstanden sind, werden wir die Frauen kommen lassen. Wir benöti- gen annähernd 150... ... Wir bestätigen Ihr Schreiben, mit dem Sie sich einverstanden erklärten. Halten Sie für uns 150 Frauen in bestmöglichem Gesundheitszustand bereit; sobald Sie uns wissen lassen, daß Sie soweit sind, werden wir sie übernehmen... Di Ause ihre Pro- verlagern, das Kon- ng, daß in - würden, Betrieben eichste ellos der ebenskraft ndung der :m Ausch- Häftlinge eitung aus perimente ichtsakten iegen fol- en an das ıem neuen wenn Sie edoch den zt an. Wir 170 Mark ıden sind, "ir benöti- 1 m Sie sich für uns itszustand Sie soweit ...Die bestellten 150 Frauen erhalten. Trotz ihrem kümmerlichen Gesundheitszustand werden sie als genügend erachtet. Wir werden Sie über die Fortschritte des Experimentes auf dem laufenden halten... ... Die Versuche sind vorgenommen worden. Alle Versuchsobjekte sind gestorben. Wir werden Sie in Kürze betreffend einer neuen Lieferung benachrich- ven... Die IG-Farben unterhielten im Konzentrationslager Auschwitz die Buna-Werke(Auschwitz III Monowitz), die Fürstengrube, die Grube Heidebreck, Janina und die Güntergrube. Auf Grund von Vereinbarungen zwischen der Reichs- führung SS und des Konzerns IG-Farben wurde 1941 mit dem Aufbau des Buna-Werkes begonnen. Schon der Auf- bau dieses Werkes bedeutete für die Häftlinge eine un- erhörte Sklavenarbeit. Tausende von ihnen starben schon allein dadurch unmittelbar oder in der Folge. Wenn Häftlinge nach 10- bis 12stündiger Arbeit körper- lich immer mehr herunterkamen, fanden auf ausdrück- lichen Wunsch der Herren der IG-Farben wiederum Selektionen statt, wonach die vielen Entkräfteten in die Gaskammern geschickt wurden. Ein ebenfalls zum IG-Farben-Konzern gehörendes Unternehmen lieferte das Gas Zyklon B zur Vernichtung dieser Menschen. Die Arbeitsbedingungen in diesen Betrieben waren unmenschlich. Wahrscheinlich hat es in der modernen Geschichte bisher keine so grausame Ausbeutung ge- geben, wie das hier der Fall war. Es gab weder Arbeits- 4% 51 schutzkleidung noch Brillen oder sonstige notwendige Dinge. Die Arbeit mußte stets im Laufschritt verrichtet werden, denn es ging ja lediglich darum, die letzte Arbeitskraft der Häftlinge noch auszunutzen, bevor man sie in den Gaskammern tötete. Die Konzernleitung zahlte an die SS Beträge von 3 bis 4 Mark je Arbeitstag und Häftling. Bei der umfassenden Korrespondenz der Konzernleitung kann niemand von den Aktionären der IG-Farben sagen, er habe von diesem grausamen Unternehmen, das ihnen so viele Millionen Profit einbrachte, nichts gewußt. Klar, eindeutig und planmäßig haben die Konzerne hierbei Hand in Hand mit der SS gearbeitet. Bezeichnend ist der Brief, den Dr. Otto Ambros von der IG-Farben am 12. April 1941 schrieb: DR. OTTO AMBROS Ludwigshafen a. Rh., 12. April 1941/Si 1.G. Farbenindustrie Aktiengesellschaft An die Herren Direktor Dr. ter Meer Direktor Dr. Struß 1L.G.- Frankfurt Sehr geehrte Herren! In Anlage übersende ich Ihnen die Berichte über unsere Baubesprechungen, die regelmäßig wöchent- lich einmal unter meiner Leitung stattfinden. Sie entnehmen daraus die organisatorische Rege- lung und vor allem den Beginn unserer Tätigkeit im Osten. Inzwischen fand auch am 7. 4. die konstituierende Gründungssitzung in Kattowitz statt, die im großen wendige ’ertichtet ie letzte ‚vor man und ganzen befriedigend verlief. Gewisse Wider- stände von kleinen Amtsschimmeln konnten schnell beseitigt werden. Dr. Eckell hat sich dabei sehr bewährt, und außerdem wirkt sich unsere neue Freundschaft mit der SS sehr segensreich aus. von 3 bis assenden and von Anläßlich eines Abendessens, das uns die Leitung n diesem des Konzentrationslagers gab, haben wir weiterhin Millionen alle Maßnahmen festgelegt, welche die Einschaltung utig und des wirklich hervorragenden Betriebs des KZ-Lagers in Hand zugunsten der Buna-Werke betreffen. Ich verbleibe mit besten Grüßen Ihr Otto Ambros Anlage Gerald Reitlinger schreibt in seinem Buch„Die End- lösung“: ...daß die IG-Farbenindustrie in Frankfurt so- eben die Bewilligung zur Errichtung einer Fabrik für synthetisches Benzin und Gummi in Ober- schlesien für eine Gegend erhalten hatte, in der Arbeitskräfte aus Konzentrationslagern verfügbar waren. ... Gelegentlich der nächsten Baubesprechung zwischen den Direktoren von IG-Farben und der SS-Bauabteilung am 16. November wurde beschlos- sen, ein neues Häftlingslager in Monowitz in der che Rege- Nähe der Fabrik zu errichten und 12 000 russische Tätigkeit Kriegsgefangene beim Bau zu beschäftigen. Himmler hatte aber inzwischen Hoess ermächtigt, 5 km südlich ituierende der Stadt Auschwitz und keineswegs in der Nähe ichte über wöchent- ‚m großen des Bunawerkes etwas aufzubauen, was als Kriegs- 53 gefangenenlager Birkenau gelten sollte; die rus- sischen Kriegsgefangenen wurden dann'bei diesem Bau beschäftigt. ... Nur 450 von ihnen blieben am Leben. Auf diese Weise diente das Projekt des Bunawerkes mit den ministeriellen Genehmigungen und den Kon- ferenzen als eine Tarnung für die Schaffung eines künftigen„Selektions-Lagers“ in Birkenau. ... erst im Januar 1943 war der erste Teil des Bunawerkes mit Hilfe von Zwangsarbeitern aller Nationen, einschließlich britischer Kriegsgefangener, fertig geworden. Als die Fabrik eröffnet wurde, begann Himmler sie wieder als Tarnung für die Endlösung zu benützen, und Aushebungen für das Bunawerk waren im März der Vorwand für das endgültige Auskämmen der Berliner Juden aus der Rüstungsindustrie und die Ausrottung von drei Vierteln von ihnen, während das Bunawerk im Mai wieder den Vorwand für eine Wiederaufnahme der jüdischen Deportationen aus Holland abzugeben hatte. Alle Materialien zeigen deutlich, wie eng die Monopole und die SS miteinander verbunden waren. Beide hatten ihre Pläne völlig aufeinander abgestimmt. Krupp Dort, wo sich große deutsche monopolistische Unter- nehmen an der grausamen Ausbeutung und Vernichtung von Häftlingen der Konzentrationslager beteiligten, durfte auch Krupp nicht fehlen. Im Zusammenhang mit den Nürnberger Prozessen erklärte Krupp von Bohlen und Halbach: Es gibt keine Ideale. Das Leben ist ein Kampf für das Am-Leben-Bleiben, für Brot und Macht. Ich 2‘ [onopole e hatten eilisten, ‘k kano mit Bohlen 1 Kampt (acht. Ich rede geradeheraus, denn das ist notwendig in dieser bitteren Stunde der Niederlage. In diesem harten Kampf brauchten wir harte und starke Führung. Hitler gab uns beides. Nach den Jahren seiner Füh- rung fühlten wir uns alle viel besser. Weiter sagte er an anderer Stelle: Als ich über die antijüdische Politik der Nazis befragt wurde und was ich davon wüßte, sagte ich, daß ich nichts von der Ausrottung der Juden ge- wußt habe und weiterhin das:„Wenn man ein gutes Pferd kauft, muß man ein paar Mängel hinnehmen.“ Ist das nicht für den Geist dieser Konzernherren bezeichnend? Auf gut deutsch soll das doch heißen: Hitler garantierte uns unseren Profit, denn nach den Jahren seiner Führung„fühlten wir uns alle viel besser“. Wenn dabei eben 12 Millionen Menschen ausgerottet werden sollten(neben den sonstigen Opfern des Krieges), dann sind das eben„nur ein paar kleine Mängel“. Wenn Herr Krupp aber behauptet, er habe von diesen Ver- brechen nichts gewußt, dann ist das eine Lüge, denn am 16. März 1943 haben Vertreter von Krupp über eine in Auschwitz in Aussicht genommene Fabrik für Granat- zünder verhandelt. Dann baute die Firma Krupp im Lager den Rüstungsbetrieb Union, der von den Häft- lingen die Krupp-Werkhalle genannt wurde. Unter den gleichen Bedingungen wie bei Buna wurden auch hier die Häftlinge geschunden und ausgebeutet. Firma J. A. Topf& Söhne Das waren diejenigen, welche die riesigen Krematorien errichteten. In den Untersuchungsergebnissen der Zentral- kommission für Untersuchungen der Naziverbrechen in Polen heißt es hierzu: 55 ... Anfang 1943 übergab die Firma der Lager- leitung vier große neuzeitliche Krematorien, deren wesentlichster Bestandteil die Gaskammern waren. Die Krematorien waren mit römischen Ziffern II, II, IV und V bezeichnet. Die Krematorien II und III besaßen je zwei unterirdische Kammern, in den Bauplänen Leichenkeller 1 und 2 genannt, die zu- sammen eine einzige für Menschen bestimmte Ver- gasungseinrichtung bildeten. Kammer 1 war 210 qm groß und 2,3 m hoch, Kammer 2 besaß 400 qm Fläche und war ebenfalls 2,3 m hoch. In den Kre- matorien IV und V wurde je eine sich über der Erde befindende Kammer mit einer Fläche von 580 qm eingerichtet, die die offizielle Bezeichnung„Bade- anstalt für Sonderaktion“ trug. Unter den erhalten gebliebenen Dokumenten der ehemaligen Lagerleitung Oswiecim befinden sich einige Aufträge der Zentralbauleitung des Lagers, aus denen hervorgeht, daß sowohl die Kammern Nr. 1 in den Krematorien II und III(Leichenkeller) als auch die Badeanstalten für Sonderaktion in den Krematorien IV und V mit gasdichten Türen, die vergitterte Gucklöcher mit 8 mm dickem unzerbrech- lichem Glas hatten, versehen waren. Die eigentliche Bestimmung dieser mit mehr oder weniger un- schuldigen Bezeichnungen getarnten Räume bezeugt die Korrespondenz des Leiters der Zentralbau- leitung der Waffen-SS und Polizei im Lager Oswiecim, Bischoff, in der er diese Räume„Ver- gasungskeller“ nennt. Siemens-Konzern Auch dem Siemens-Konzern brachten die Todesmühlen von Auschwitz große Profite. Speziell für Siemens wurde das Lager Bobreck errichtet. Dazu heißt es in dem Recht- er Lager- en, deren {N waren. Ittern]I, en IT und en, in den t, die zu- ımte Ver- ır 210 qm 400 qm den Kre- der Erde n 580 qm g„Bade- enten der ıden sich ‘üren, die nzerbrech- entliche ger un- 1e bezeugt entralbau- im Lager me„Ver- jesmühlen ens wurde em Recht- fertigungsbericht des Siemens-Konzerns über‘den„Ein- satz ausländischer Zivilarbeiter, Kriegsgefangener, Juden und KZ-Häftlinge im Hause Siemens“ auf Seite 38: ... Infolge der starken Schäden, die das Kleinbau- werk der SSW! bei den Luftangriffen vom 3. und 4. September 1943 und vom 22. und 23. November 1943 erlitt und bei denen besonders die gesamten Werkzeuglager vernichtet wurden, war das Werk nicht mehr in der Lage, die ihm zugewiesenen Fertigungsprogramme zu erfüllen. Der Sonderbeauftragte für Verlagerungen inner- halb der Elektroindustrie im Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion wies dem Werk des- halb mit Schreiben vom 26. November 1943 als Aus- weichbetrieb die ehemalige Super-Phosphat-Fabrik Auschwitz zu, so daß die Einrichtung des Ausweich- betriebes im Dezember 1943 von den Siemens- Schuckert-Werken in Angriff genommen werden mußte... Es kann gar kein Zweifel darüber bestehen, daß Sie-= mens in noch größerem Umfang die Produktion nach Auschwitz zu verlegen beabsichtigte. Das zeigt allein schon die vom Januar 1944 stammende„Aufstellung des SSW-Montagepersonals, das von den deutschen TB’s? für den Osteinsatz zur Verfügung gestellt worden ist“. Auf dieser Liste sind mehrere Fachleute für den Einsatz in Auschwitz vorgesehen. Das Technische Büro Siemens in Kattowitz hatte direkte Beziehungen zum Konzentrationslager Auschwitz, und zwar nicht nur solche zur Produktionsstätte des Siemens-Konzerns. Der Siemens-Konzern unterhielt ebenfalls rege Geschäftsverbindungen zur Lager-Kom- 1) Siemens-Schuckert-Werke,?) Technische Büros. mandantur in Auschwitz und lieferte viel Material zum Ausbau des Lagers. Unter anderem stammten von, Sie- mens die großen Exhaustoren mit ihren umfangreichen Blechanlagen, die die rasche Absaugung des Gases aus den Gaskammern bezweckten, wodurch die furchtbare Menschenvernichtung mit größerer Schnelligkeit betrieben werden konnte. Hierüber gibt es viele Zeugenaussagen. Nach 1945 hatte die Konzernleitung eine Uhnter- suchungskommission eingesetzt, welche die wiederholten Anwürfe gegen die Konzernleitung— die namentlich von mir ausgingen— widerlegen sollte. Nachdem aber bei notariellen Vernehmungen die engen Geschäftsbeziehun- gen zwischen Konzern und Lagerleitung eindeutig be- wiesen waren, verzichteten die Herren darauf, der Öffent- lichkeit ein Ergebnis ihrer Kommissionstätigkeit zu.unter- breiten. Es wäre auch ein vernichtendes Urteil für die Konzernleitung gewesen. Vor dem Untersuchungsausschuß Siemens erklärte der Oberingenieur Erwin Wittwer: „.... Das Ergebnis ging dahin, daß im KZ-Lager Auschwitz Facharbeiter, wie wir sie brauchten, vor- handen waren. Ich war zunächst sehr skeptisch wegen der fachlichen Qualifikation dieses Personen- kreises. Herr Bundzius fuhr dann mit meinen Mit- arbeitern, Herrn Jungtow und Herrn Hanke, direkt nach Auschwitz, da ich wußte, daß Herr Bundzius auf meinem Fachgebiet, nämlich für die Eignungs- prüfung von Werkzeugmachern, nicht kompetent ge- nug war. Die Prüfung ergab dann, daß geeignete Facharbeiter unter den Häftlingen vorhanden waren. Ich fuhr dann selbst nach Auschwitz, um mir einen eigenen Überblick über die Arbeitsmöglichkeiten am Ort zu verschaffen und zur Festlegung der Werk- stattpläne. Es fand sich für unsere Pläne verwendbar Ausc beric den al zum on, Sie- reichen ses aus chtbare trieben Issagen. Ünter- holten ich von r bei ot Z-Lager ’en, VOL- keptisch ersonen- yen Mit- e, direkt n warten. ir einen ‚eiten am ‚r Werk- .g endbar a 9 N ein altes, nicht in Betrieb befindliches Phosphatwerk. Dort entstand im Laufe der nächsten Monate der Siemensbetrieb Bobreck....“ Die weiteren Absichten des Siemens-Konzerns in Auschwitz gehen auch daraus hervor, daß Siemens- berichte bestätigen, daß der Konzern bereits in folgen- den Lagern Produktionsstätten hatte: Konzentrationslager Groß-Roosen, Konzentrationslager Buchenwald, Konzentrationslager Ravensbrück und„Jugendschutzlager“ Ückermark. Außerdem waren viele Häftlinge unmittelbar in den Berliner Siemens-Werken eingesetzt, und im Konzentra- tionslager Sachsenhausen bestanden eigens für Siemens errichtete Nebenlager. Der Betriebsingenieur Karl Jun gtow sagte aus: ...Eine Löhnung durften wir den Häftlingen nicht bezahlen. Für die von der Lagerleitung zu liefernde Verpflegung hatten wir für Facharbeiter 4,— RM, für sogenannte Hilfsarbeiter 3,— RM täg- lich an die Lagerleitung abzuführen. ...Die Arbeitszeit der Häftlinge betrug täglich 10!/2 Stunden... Gleichzeitig erklärt Herr Jungtow: Es befand sich übrigens im Lager, und zwar auf dem IG-Farbengelände, eine Außenstelle des T.B. Kattowitz(des Siemenskonzerns), dort wurden elek- trische Anlagen, überwiegend Starkstromanlagen, und zwar nur für den IG-Betrieb, gemacht. Für unsere eigene Stromversorgung hat uns T. B. Katto- witz die Unterlagen geliefert... Hier der Brief zweier ehemaliger Häftlinge des Kon- zentrationslagers Auschwitz an einen Kameraden: Paris, den 20. 8. 1947 Mein lieber Edgar! Du mußt entschuldigen, daß ich so spät auf Dei- nen Brief antworte. Bis zum 17. August war ich in Urlaub und kann deswegen erst jetzt Antwort geben. Ich freue mich zu erfahren, daß Du lebend und hoffentlich gesund nach Hause gekommen bist. Es würde mich freuen, Dich hier in Paris empfangen zu können, da man solche geschlossene Kamerad- schaft wie unsere nicht so schnell vergessen kann. Ja, mein Kamerad Georges Gallot und ich haben in den Krematorien III und IV gearbeitet und können versichern, daß sowohl für die Gaskammern als auch für die gesamten elektrischen Anlagen der Lager Auschwitz und Birkenau viel Siemens-Material benutzt worden ist, so z. B. vergitterte Wand- armaturen, Schalt-Tafeln, Schalter, Transformatoren, Verteilungsdosen, Rohrschellen usw. Natürlich sind die Direktoren des Siemens-Konzerns dadurch an den Verbrechen in den Lagern von Auschwitz mit- schuldig, und ich hoffe, daß sie zur Verantwortung gezogen werden. In der Hoffnung, bald Nachricht von Dir zu erhalten, versichern wir Dir noch einmal unsere Freundschaft. ee a ee a Kein Farye Es grüßen Dich Deine Kameraden Pelisson, Roger und Gallot, Georges Schutzhäftling 45 957 Schutzhäftling 45 568 62 a Raspoil 37 mg o’g Hermitede Bagnolet(Seine) Montreux/ sur Seine Frankreich BERSERTENEN Ich selbst wurde vor diesem Untersuchungsausschuß Siemens vernommen und erklärte in Anwesenheit eines Notars: ...In meiner Eigenschaft als Elektriker der neuen Wäscherei kam ich verschiedentlich in die 4 Werkstatt der Elektriker-Verwaltung. Bei dieser at ich in Gelegenheit konnte ich einen Motor wahrnehmen, )rt geben. den ich sofort als ein Fabrikat von Siemens erkannte. end und... Als ich fragte, wo dieser Motor herkomme, bist Es erklärte mir der zuständige Häftling, ein Elektriker, Mpiangen daß der Motor aus dem Krematorium III sei. eic...Ich weiß nicht, ob Ihnen bekannt ist, daß ein Br direkter Verkehr zwischen Ihrem Werk und dem ich haben Konzentrationslager bestand. Damit Sie sich jedoch itet und davon überzeugen können, möchte ich Ihnen hier- ug über folgende Unterlagen vorlegen: gen der 1. ein Fernschreiben der Firma Siemens an den SS- s-Material e Wand Standort im Stammlager Auschwitz, 2. eine Aktennotiz des Technischen Büros Siemens /rmatoren, | in Auschwitz, die sich ebenfalls mit den Ge- schäftsbeziehungen zwischen der Firma Siemens und dem Konzentrationslager beschäftigt, 3. ein Schreiben über die Geschäftsbeziehungen mit dem Werk Buna der IG-Farben. . pn. 5 Mir kommt es darauf an, daß Sie anhand dieser 2 EB Unterlagen erkennen, daß ein direkter Geschäfts- 3 verkehr zwischen Ihrem Werk und dem Lager | Auschwitz bestand... ee; j Im Jahre 1944 wurde in Auschwitz eine große elck- 3 45 508 1: trische Desinfektion errichtet. An dieser von der Firma ermitede 4 Siemens gebauten Desinfektion arbeiteten auch Fachleute yr Seine dieses Konzerns. Wir fürchteten im Lager, daß diese 61 Anlage unter Umständen die Tarnung für eine neue Menschenvernichtungsstätte sein könnte. Ich selbst hatte Gelegenheit, die Anlage anzusehen. Zweifellos wäre es möglich gewesen, damit Menschen zu töten. Erst etwa acht Wochen nach Errichtung der Desinfektionsanlage konnte sie in Funktion genommen werden. Die tech- nischen Ursachen waren mir nach der ersten Besichtigung klar. Wir dachten aber nicht daran, bei der Ingangsetzung der Anlage zu helfen, bevor nicht bewiesen war, daß sie wirklich nur zur Desinfektion von Kleidungsstücken dienen sollte. Später zeigte es sich, daß sie tatsächlich nur zur Desinfektion benutzt wurde. Aber niemand kann sagen, was mit der Desinfektionsanlage noch alles ge- schehen wäre, wenn die Offensive der Sowjetmacht nicht Überlegungen in dieser Richtung verhindert hätte. Der Techniker Edgar Steinmetz, ehemaliger Häftling von Auschwitz, sagte aus: Ich versichere hiermit folgendes an Eides Statt: Ich bin von Beruf Elektriker und z. Z. Betriebs- techniker bei einer Berliner Firma. In der Zeit vom 31. Dezember 1941 bis 18. Februar 1943 war ich bei der Firma Siemens-Schuckert, und zwar im Tech- nischen Büro in der Schöneberger Straße in Berlin. Am 18. Februar 1943 wurde ich verhaftet, weil ich Jude bin. Anschließend, und zwar vom 27. Februar 1943 bis zum 18. Januar 1945, war ich im KZ-Lager Auschwitz. Ich wurde dort der Elektriker-Bauleitung zugeteilt. Wegen dieser meiner Tätigkeit kam ich in viele Teile des großen Lagers Auschwitz. Ich war Vor- arbeiter einer Häftlings-Elektriker-Kolonne. In dieser meiner Eigenschaft habe ich die Krematorien näher kennengelernt. Es handelte sich um vier bau- lich voneinander getrennt aufgeführte Krematorien; gsetzung ‚daß sie Häftling S tatt: Betriebs- Zeit vom war ich im Tech- n Berlin. weil ich Februar Z-Lager a) Te— ein fünftes war, weil es zu klein war, stillgelegt. Jedes Krematorium hatte fünf Verbrennungsöfen mit je drei Feuerungen. Die Gaskammern lagen räum- lich unter den Verbrennungsöfen. Erstere waren von außen durch Treppen zugänglich, für Kranke be- stand eine Rutschbahn. Am Eingang befand sich in allen in Betracht kommenden Sprachen die Auf- schrift„Baderaum“. Unten befanden sich außer dem Auskleideraum dann die eigentlichen Gaskammern, die einen Vorraum hatten, und zwar waren meistens eine große Gaskammer vorhanden und mehrere kleinere. Die Vergasungsanlagen reichten aus, um in einem Ablauf von 24 Stunden bis zu 20 000 Menschen zu vergasen. In solchen Fällen reichten dann die Kre- matorien nicht aus, und es mußte auf die bis zur Errichtung der Krematorien allein üblich gewesene Art von Leichenverbrennung in offenen Gruben zurückgegriffen werden. Das geschah besonders im Frühsommer 1944. Angesichts dieser meiner genauen Kenntnis der vorstehend beschriebenen Einrichtungen habe ich naturgemäß auch festgestellt, daß die technischen Abzugsvorrichtungen der Vergasungsanlagen in Form der Blechröhren und der dazugehörigen Exhaustoren Fabrikate der Firma Siemens waren. Mit Sicherheit weiß ich das, soweit es sich um das elektrotechnische Material handelt. Pläne von der Firma Siemens für derartige Anlagen habe ich nicht zu Gesicht bekommen. Bei den Reparaturen, die wir dort auszuführen hatten, hab ich keine Siemens- Monteure angetroffen. Gelegentlich meiner Arbeit als Vorarbeiter des Elektriker--Kommandos bin ich wiederholt mit 63 Siemens-Angestellten zusammengekommen, so mit dem Meister Ernst vom Kabelwerk in Berlin, einem Kabelspezialisten. Ich habe mit meinem Kommando und ihm zusammen die 30 000-Volt-Kabelverlegung für die Stromversorgung der Fabrik„Union“ ge- macht. Ich bin auch mit Leuten aus dem Siemens T.B. Kattowitz, die die Transformatoren für die Fabrik„Union“ bauten, zuammengekommen. Das gleiche gilt für die Arbeiten bei der Herstellung der Desinfektionsanlage, die ausschließlich aus Siemens- Material bestand. Das war im Spätsommer 1944... Diese Unterlagen, die die Tätigkeit der Konzerne in Auschwitz nachweisen, zeigen deutlich, daß das Hitler- regime und die deutschen Konzerne eins waren. Wenn sich nach 1945 daher in der ganzen Welt der Ruf nach Wiedergutmachung erhob, dann kann diese Wiedergutmachung nur bedeuten, daß die an Auschwitz wirklich Schuldigen bestraft werden. Die an Auschwitz wirklich Schuldigen bestrafen heißt, den deutschen Kon- zernherren ihre Macht nehmen. Niemand soll glauben, daß eine Wiedergutmachung von Auschwitz auf anderem Wege möglich ist, denn diese großen Machtgebilde in privater Hand werden durch ihr Profitstreben immer wieder Militarismus hervorbringen und mit diesem zusammen neue Ungeheuerlichkeiten. nm 1 ‚ So mit 0, einem mmando erlegung ion“ ge- Siemens für die nen. Das lung der Siemens- 1944... nzerne in ıs Hitler- ıM Welt der an diese Auschwitz Auschwitz hen Kon- | glauben, F anderem rebilde in en immer it diesem >%) Vorratslager für Giftgas, bestimmt zur Vergasung von Menschen Sunuy9psnvy us440y1oun J9UI9S UOA 372394 uaur> 3qIı3 pun neusyag sıadeT sap[I] uaul> 38192 pjig sasarq] (DI ZYIMUYDSnY) neusyIlg .= N 2 22 < „ 7 ARAPITEL WIDERSTAND IN AUSCHWITZ Die meisten Häftlinge in Auschwitz sahen keinen Aus- weg aus ihrer Lage. Sie stellten sich angesichts dieser Massenvernichtung von Menschen nur die eine'Frage, wann sie selbst an der Reihe sein würden. Dennoch gab es in dieser Hölle von Willkür und Tod von der Zeit an, da politische Gefangene nach Auschwitz kamen, Widerstandsaktionen aller Art, und zwar sowohl im Stammlager als auch in den Nebenlagern. Es begann damit, daß die politischen Gefangenen, die hauptsächlich aus der Arbeiterbewegung kamen, die Solidarität organi- sierten. Die Kräfte der Widerstandsbewegung setzten sich aus Menschen verschiedener Weltanschauung, ver- schiedener politischer Richtungen zusammen: Kommu- nisten und Sozialdemokraten schützten mit viel Geschick Menschen vor der Vergasung, organisierten die Flucht besonders Belasteter und knüpften sehr häufig feste Ver- bindungen zu den in der Umgebung kämpfenden Parti- sanen. Auf den nun folgenden Seiten will ich mich im wesent- lichen mit dem Widerstand im Stammlager Auschwitz beschäftigen. Etwa in der gleichen Weise, wenn auch nicht immer mit der gleichen Tragweite, wirkten sich die Widerstands- aktionen in den anderen Lagern aus. Wenn ich sagte, 65 nicht mit der gleichen Tragweite, dann deshalb, weil — wie bereits vorher geschildert-— im Stammlager die wichtigsten Einrichtungen, sowohl die Lager-Komman- dantur als auch die politische Abteilung, der Krankenbau, die zentralen Wäschereien und eine Reihe andere zen- trale, zum gesamten Lagerbereich gehörende Institutionen lagen. Überall waren die gefangenen Funktionäre der Ar- beiterbewegung und Hitlergegner aus den meisten euro- päischen Ländern die Organisatoren der Widerstands- bewegung. Sie alle einte die gemeinsame Gefahr des Gastodes zum Kampf. Im Laufe der Zeit schlossen sich viele Häftlinge der Widerstandsbewegung an. Die ersten Anfänge Lange bevor wir mit dem Aufbau einer breiten Wider- standsorganisation begannen, haben selbstverständlich schon zahlreiche Kommunisten und Sozialdemokraten aus den verschiedensten Ländern einzeln oder in Gruppen zusammengearbeitet, so z. B. der Deutsche Ludwig Wörl und der Österreicher Hermann Langbein. Besonders die Polen waren hervorragend und führend beteiligt. Wie die einzelnen Kameraden ihre Aufgaben erfüllten, mögen einige Beispiele zeigen: Hermann Langbein Er wurde Schreiber beim Standortarzt Wirts. In dieser Eigenschaft gelang es ihm, Einfluß auf diesen SS-Arzt zu gewinnen und dadurch vielen Häftlingen das Leben zu retten. Sein Einfluß trug dazu bei, daß sich Typhuskranke wieder in den Krankenbau wagten. Aus Furcht vor der Todesspritze waren sie bisher mitunter buchstäblich auf der Lagerstraße gestorben. 66 bey ld, weil fahr des ssen sich ändlich raten aus Gruppen Ludwig ıgbein. | führend erfüllten, In dieser , SS-Arzt Leben zu uskranke t vot der ;blich auf En nn So manches Mal, wenn im Block 11 des Stammlagers, dem sogenannten Bunker, Exekutionen von Polen statt- finden sollten, hat die politische Abteilung willkürlich 50 oder 100 Polen aus dem Lager dazugestellt- und das nur deshalb, weil der polnische Teil der Lagerbelegschaft schneller dezimiert werden sollte. Langbein gelang es häufig— hier schon in Zusammenarbeit mit dem pol- nischen Sozialisten Cyrankiewicz- und später dem deutschen Kommunisten Karl Lill-, den Standortarzt gegen diese Morde zu mobilisieren und damit Hunderten von polnischen Kämpfern gegen den deutschen Faschis- mus das Leben zu retten. Viele zur Vergasung vorgesehene Häftlinge aus dem Krankenbau wurden durch das Wirken dieser Kame- raden gerettet. Auch eine Reihe Verbesserungen im Krankenbau und im Lager sind ihnen zu danken, wenn ihre Arbeit auch- besonders nach der Niederlage der Faschisten bei Stalingrad— durch die Tatsache begünstigt wurde, daß die Häftlinge immer dringlicher als Arbeits- kräfte gebraucht wurden. Natürlich blieb der politischen Abteilung die Tätigkeit Langbeins nicht verborgen. Sie hätte ihn gern beseitigt, aber der Standortarzt konnte das lange Zeit verhindern. Eines Tages griff die politische Abteilung doch zu. Lang- bein wurde, wie es in der Lagersprache hieß, auf Trans- port nach Bremen geschickt. Noch lange hatten wir mit ihm Verbindung. So erfuhren wir, daß er mit Hilfe der Arbeiter des Betriebes, in dem er beschäftigt war, fliehen konnte. Wir hörten auch von seiner Wiederverhaftung in Berlin; dann riß die Verbindung ab. Viele Auschwitzer Häftlinge verdanken ihm ihr Leben. Heute ist Langbein in der österreichischen Arbeiter- bewegung wiederum führend. 67 Ludwig Wörl Er war ein Deutscher und hat als Lagerältester des Krankenbaus Auschwitz viel dazu beigetragen, daß die Atmosphäre besser wurde, d. h., es flogen eine Reihe krimineller Banditen aus ihren Funktionen. Auch die furchtbaren sanitären Verhältnisse konnten nun geändert werden. Später, in seiner Eigenschaft als Lagerältester des Stammlagers Auschwitz, führte er ebenfalls einen energischen Kampf gegen die Berufsverbrecher. Auch das darf nicht übersehen werden. Schließlich wurde er als Lagerältester abgelöst und strafversetzt, als der Lager- führung bekannt wurde, daß er schlechtes Essen durch Chemiker auf seine Schädlichkeit hin untersuchen ließ. Wir schaffen unsere Widerstandsorganisation Das Leben in Auschwitz war hart und grausam, denn das Lager trug den Charakter einer ausgesprochenen Vernichtungsstätte. Diese Vernichtung geschah auf ver- schiedene Art; durch Sklavenarbeit, durch das ungesunde, sumpfige Klima, durch Seuchen- letztere von schlechtem Wasser verursacht-, durch Hunger, tödliche Injektio- nen, Massenerschießungen usw. Lähmendes Entsetzen legte sich über das ganze Lager, als dann auch noch Vergasungen hinzukamen und außer vielen Häftlingen aus dem Lager ebenfalls ankommende Häftlingstransporte in den Gaskammern vernichtet wurden. Diesen Massenvergasungen standen wir macht- los gegenüber, ja, wir bekamen diese Menschen überhaupt nicht einmal zu sehen. Nur durch die stärkere Tätigkeit in den Krematorien, deren flammende Kamine nachts weithin sichtbar waren, erfuhren wir von der Ankunft neuer Transporte. Außerdem gab es ein großes Häftlings- kommando, das sich mit dem Sortieren der Kleidung der 68 Verg Eiger gesch Eb mehr Selel Au Gefa cester des ‚ daß die erältester ls einen Auch das de er als er Lager- sen durch chen ließ, am, denn prochenen ı auf ver nze Lager, und außer ‚ommende ernichtet vir macht- berhaupt ine nachts [ Ankunft E Vergasten beschäftigte. Diese Kleidung und anderes Eigentum der gemordeten Menschen wurde ins„Reich“ geschickt und dort verteilt. Ebenso endeten die seit Beginn der Vergasung nun- mehr in allen Lagern von Auschwitz durchgeführten Selektionen für die Ausgesonderten mit dem Gastod. Aus den Zuchthäusern brachte man viele politische Gefangene nach Auschwitz, um sie in den Gaskammern zu töten. Die letzten der Freiheitskämpfer des War- schauer Ghettos und viele französische, sowjetische und andere Partisanen fanden hier den Tod. Bei dieser Lage wurden viele Häftlinge zu hoffnungs- losen Fatalisten. Sie lebten in ständiger Angst von einer Selektion zur andern. In dieser Hölle mußten wir dennoch versuchen, den Menschen wieder Lebensmut einzuflößen und ihnen zeigen, daß es einen Ausweg gab aus ihrer Not. Dieser Ausweg konnte nur der gemeinsame Widerstand sein: Wir durften nicht kampflos all das über uns ergehen lassen. Als erstes gaben wir im Stammlager die Losung aus: Wenn man uns auf die Autos lädt, um uns an die Ver- gasungsstätte zu bringen, dann springen wir an der großen Bahnlinie, an der Eisenbahnkreuzung Ober- schlesien-Krakau, von den Wagen, um eine Massenflucht herbeizuführen. Wir hatten ja nichts, aber auch gar nichts zu verlieren- und auf diese Weise hätte wenigstens eine Anzahl Häftlinge das Leben gewinnen können. Diese erste äußerst primitive Losung fand besonders in den Reihen der Juden ein Echo und wurde Mittel zur Sammlung der aktivsten Kräfte unter ihnen. Die Schlacht von Stalingrad war längst geschlagen, aus den Ländern des Balkans hörten wir von großen Parti- 69 sanenkämpfen von französischen Häftlingen, wie helden- haft die Antifaschisten gegen das Hitlerjoch kämpften, und aus Deutschland von Zusammenschlüssen der Gegner des Hitlersystems. Aus nächster Nähe erlebten wir den Fi opferreichen Kampf des polnischen Volkes um seine | Freiheit. Immer mehr Partisanentrupps tauchten in der ' Umgebung des Lagers auf. Die Sowjetfront rückte näher. Angesichts dessen nahmen österreichische, französische, | tschechische und deutsche Kommunisten und Sozialisten It die Verbindung auf, um gemeinsam die Widerstands- | organisation auf breiterer Grundlage aufzubauen. Mit den polnischen Kameraden einigten wir uns dahin, daß sie ihre Organisation allein führen sollten. Nur in der Spitzenleitung wollten wir alle gemeinsam arbeiten. Aufbau unserer Organisation Wir sammelten nun alle Freunde, die mit uns gemein- sam kämpfen wollten— zuerst die politischen Gefangenen und viele Juden, die nur ins Lager gekommen waren, weil sie Juden waren. Französische, tschechoslowakische, belgische, österreichische und deutsche Antifaschisten, vorwiegend Kräfte der Arbeiterbewegung, waren in den meisten Fällen die Organisatoren. Aber auch viele andere Freiheitskämpfer aus den genannten Ländern schlossen sich uns an. | In den wichtigsten Arbeitskommandos entstanden all- | mählich unsere Gruppen, so in der Häftlingsschneiderei, in den alten und neuen Wäschereien, in den DHW- Werkstätten!), in der Krupp-Werkhalle Union, in der Desinfektion, der Fahrbereitschaft usw. 1) Deutsche Heeres-Werkstätten. 79 Si Bew für samı —d. unse wut ze En EEEERTERT. Die erste Aufgabe Sie bestand darin, unseren Mitkämpfern ihre Lage zum Bewußtsein zu bringen, um, davon ausgehend, den Boden für die richtigen Folgerungen vorzubereiten. Dazu sammelten wir Nachrichten aus Presse und Rundfunk - darunter auch von ausländischen Sendern- und gaben unseren Freunden mindestens einmal wöchentlich eine mündliche Information über die Lage. Selbstverständlich wurde besonderer Wert auf solche Nachrichten gelegt, die den Häftlingen neuen Lebensmut geben konnten. Die Hilfsaktionen Die von der Lagerleitung verabreichte Nahrung war völlig unzureichend. Da einige von uns in der SS-Küche, im SS-Lazarett, im Truppenversorgungslager, auf dem Schlachthof oder außerhalb des Lagers arbeiteten, wo sie auch mit freien Arbeitern zusammenkamen, scheue ich mich nicht, hier zu berichten, daß wir unsere Freunde beauftragten, überall zu stehlen, soviel sie nur konnten, und diese Dinge zum Verteilen zur Verfügung zu stellen. Auf diese Weise wurde viel Brot zusammengeholt, das wir an unsere Freunde aus allen Nationen verteilten, vor allem an diejenigen, die schwer in den Kommandos ar- beiteten. Manchem Antifaschisten, manchem guten Kame- raden halfen wir auf diese Weise. Auch viele sonst nicht aufzutreibende Medikamente konnten wir so beschaffen und den Bedürftigen geben. Es waren im Lager auch Polen und Tschechen oder andere Nichtjuden, die Pakete empfangen durften. Ihnen wurden Hungrige„zugeteilt“, denen geholfen werden mußte. Wir beauftragten Kameraden, die Zugangsquaran- tänen zu beobachten, um zu sehen, wer neu eingeliefert 71 wurde. Da die der Vergasung Entgangenen noch voller Schmerz über die Vernichtung ihrer Angehörigen oder ihrer Freunde waren, mußten wir versuchen, gerade ihnen neue Lebensimpulse zu geben. Das Stück Brot oder der Teller Suppe, den wir mit ihnen teilten, war für sie ein verheißungsvolles Zeichen, daß auch in dieser Hölle die Solidarität lebte. Wie viele haben auf diese Weise neuen Lebensmut gefaßt!— Leider konnten wir nicht allen helfen. So mancher gute antifaschistische Kämpfer ist sicherlich einsam zugrunde gegangen.- Aber vielen haben wir doch in dieser furchtbaren Zeit Hilfe bringen können. Widerstand bei Selektionen In der ersten Zeit hieß es im Stammlager zum Beispiel: „Antreten in der Birkenallee!“ Und dann mußten die Häftlinge einzeln nackt durch den Baderaum gehen, in dem ein SS-Arzt die Gasopfer aussuchte. Um zu ver- hindern, daß sich besonders schwache Häftlinge recht- zeitig versteckten, setzte die SS im Jahre 1944 die Selek- tionen immer überraschend an. Nicht einmal der Lager- älteste wurde vorher informiert. In der größten Gefahr befanden sich dann stets die über 50 Jahre alten Häft- linge. Alle mit unserer Organisation verbundenen Block- ältesten bzw. Blockschreiber verpflichteten sich deshalb, ihre Kartotheken so zu fälschen, daß in ihnen niemand war, der mehr als 50 Jahre zählte. Dabei ergab sich die Schwierigkeit, daß davon Betroffene aus konspirativen Gründen nicht unterrichtet werden durften, weil sie nur selten die ganze Gefahr für ihr Leben erkennen konnten. Manchmal fürchteten sie auch, daß ihnen die Herab- setzung ihres Alters sogar schaden könne, da sie sich eine leichtere Arbeit erhofften. Wir richteten daher im letzten 172 ch voller gen oder ade ihnen oder der ür sie ein Hölle die ise neuen cht allen mpfer ist er vielen e € bringen | ZU VEL- ge recht- lie Selek- er Lager- 1 Gefahr ‚en Häft- n Block- deshalb, niemand bir Dreivierteljahr in Auschwitz eine Bereitschaft für plötz- liche Selektionen ein. In solchen Fällen waren haupt- sächlich Juden den Selektionen unterworfen, wobei die deutschen Blockältesten und Kapos während dieser Aktionen den Absperrdienst übernehmen mußten. Wir versammelten die mit uns Verbundenen unter ihnen an der Desinfektion und ließen durch sie die Gefährdeten aus der Absperrung und damit aus der Gefahrenzone holen. Selbstverständlich war das mit großer Gefahr auch für die Blockältesten und Kapos verbunden. Besonders haben dabei mitgewirkt: der Kapo der Desinfektion Alfred Ponthius, ein deutscher Kommunist, der Block- älteste von Block 5, Rudolf Göbel aus Reichenau, der Lagerälteste Heinz Dürmayer, ein österreichischer Kom- munist und unsere Freunde aus den anderen Ländern. Durch das Wirken unserer Organisation konnten wir auf diese Weise viele Menschen dem Gastod entreißen. Militärapparat Da die SS-Führung sich täglich mehr von der Über- legenheit der sowjetischen Armee und von der unaus- bleiblichen Niederlage des deutschen Faschismus über- zeugen mußte, war auch mit einem plötzlichen Anschlag auf unser aller Leben zu rechnen. Wir schufen uns deshalb eine militärische Leitung, die aus je einem französischen, polnischen und öster- reichischen Kameraden bestand. Zuerst gehörte hierzu der österreichische Kommunist Heinz Dürmayer, später — als er selbst Lagerältester wurde— Rudolf Frömmel (österreichischer Kommunist). Die Aufgaben bestanden darin, alle Vorbereitungen für einen bewaffneten Wider- stand gegen eine mögliche Gesamtvernichtung des Lagers zu treffen. 73 Die Wehrfähigen aus allen Gruppen wurden besonders zusammengefaßt und ihnen eine Reihe von Aufgaben gestellt, an deren Erfüllung sie arbeiteten. Sie haben zum Beispiel- soweit sie in Metallbetrieben arbeiteten— Zangen mit isoliertem Handgriff beschafft, die wir brauchten, um gegebenenfalls den elektrischen Draht der Umzäunung durchkneifen zu können. Unter dem Dach der Desinfektion lagen etwa zehn solcher Zangen in Bereitschaft. Schußwaffen wurden entweder von draußen oder von korrupten SS-Leuten besorgt. Im Stammlager hatten wir leider nur vereinzelt Schußwaften. Unsere tapferen Frauen beschafften aus der Pulverkammer der Union-Werkhalle Sprengstoff, der, in Brot versteckt, ins Lager geschmuggelt wurde. Auch diesen versteckten wir unter dem Dach der Desinfektion. Hinzu kam, daß ein Flugzeug einmal mit Fallschirm zwanzig Kilogramm Sprengstoff außerhalb des Lagers abwarf. Er wurde uns über Partisanenverbindungen zur Verfügung gestellt und nach und nach in kleinen Mengen ins Lager gebracht. Wenn wir mit Anschlägen gegen die Gesamtbeleg- schaft des Lagers rechneten, blieben wir oft in Alarm- bereitschaft, wobei sich die Leitung der Widerstandbewe- gung in der Desinfektion der neuen Wäscherei aufhielt. Im Block ıs, von dem ausman den Lagereingang über- schen konnte, befanden sich Beobachter, und mit Hilfe der Bedienung des Handwagens, die die Wäsche aus der in Tag- und Nachtschicht arbeitenden neuen Wäscherei regelmäßig zu den im ganzen Lager verstreu- ten Trockenböden fuhr, konnten wir eine ständige Ver- bindung herstellen. Die Verbindung mit den anderen Lagern In Birkenau, dem größten Nebenlager von Auschwitz, in dem sich zeitweilig vier- bis fünfmal soviel Häftlinge wie im Stammlager befanden, hatten wir einige schwä- 74 Unsere ımer der teckt, ins kten wit daß ein losramm urde uns It und ındbewe- 1 hielt. a ng über- mit Hilfe ische aus n neuen verstreu- Jige Ver- chere Gruppen, die allerdings im Verhältnis zu uns im Stammlager gut bewaffnet waren. Sie sahen die großen Gefangenentransporte zuerst ankommen und erlebten die Menschenvernichtung aus allernächster Nähe. Kein Wunder, wenn sie oftmals, die Gesamtlage falsch ein- schätzend, losschlagen wollten. Vom Stammlager aus mahnten wir oft zur Mäßigung, denn das war klar: Schlägt Birkenau los, wird dies bei den starken SS-Kräften im Lager einen Schritt zur Selbstvernichtung bedeuten. Wir mußten also Geduld haben und auf den günstig- sten Moment warten. Um aber das Verständnis für diese Lage bei unseren Birkenauer Kameraden zu wecken, sandten wir den österreichischen Kommunisten Simra zu ihnen nach Birkenau. Er, der bis dahin in der Gruppe der SS-Fahrbereitschaft tätig war, sollte dort die Leitung der Gruppen in die Hand nehmen. Mit Simra hatten wir dann eine regelmäßige Verbindung und konnten über ihn auf das Geschehen in Birkenau einwirken. Das Sonderkommando In einem besonders abgeschlossenen Lager von Birkenau, nicht weit von den Krematorien, war das so- genannte Sonderkommando untergebracht. Das waren Häftlinge, die die furchtbare Arbeit an den Vergasungs- stätten und Krematorien durchzuführen hatten. Selbst- verständlich war keiner unter ihnen, der freiwillig in diesem Kommando arbeitete. So mancher von ihnen ist bei dieser Arbeit wahnsinnig geworden. Die SS gewährte dem Sonderkommando Vergünsti- gungen. Einige Häftlinge waren auf Grund dieser Besserstellung in einer moralisch eigenartigen Ver- fassung. Aber auch hier, im Sonderkommando, gab es Kameraden, die mit unserer Widerstandsbewegung ver- bunden waren. Sie standen buchstäblich jeden Tag vor 19 Leichenbergen und mußten außerdem gegen den mora- lischen Sumpf unter den Häftlingen ankämpfen. Mit diesen Kameraden unterhielten wir über die Birkenauer eine indirekte Verbindung. Wir schlugen ihnen vor, mit den zur Vergasung bestimmten Häft- lingen gemeinsame Sache zu machen und sich zu wehren. Unseren Kameraden gelang es aber nicht, die übrigen Häftlinge des Sonderkommandos hierzu zu be- wegen. Ja, als bei einem Transport die Todeskandidaten merkten, was ihrer harrte, und sie sich zum Teil zur Wehr setzten, rührte sich niemand vom Sonderkommando, um mit ihnen gemeinsam gegen die SS vorzugehen. Es war bekannt, daß jedes Mitglied des Sonder- kommandos selbst ein Todeskandidat war. Vom Sonder- kommando wurde niemand mehr an eine andere Arbeits- stelle versetzt. Von Zeit zu Zeit wurden kurzerhand einige, die besonders lange im Kommando waren, er- griffen und ebenfalls vergast. Auf diese Weise versuchte sich die SS der Mitwisser ihrer Massenmorde zu ent- ledigen. Im Sommer 1944 war das Kommando auf fast 1200 Mann angewachsen. Es sollte die sogenannte Aktion Hoess durchgeführt werden. Hierbei handelte es sich um die Vergasung von ungarischen Juden in kürzester Zeit. Von ihnen war nur ein kleiner Teil der Kräftigsten ins Lager gekommen oder aber in andere Orte Deutschlands zur Arbeit geschickt worden. In diesen Tagen reichten die Öfen der Krematorien nicht aus. Riesige Gruben wurden ausgehoben, in denen man große Scheiterhaufen errichtete, um die zu Tausenden aufein- andergeschichteteten Leichen zu verbrennen. Als das vorüber war, wurden zum ersten Mal etwa 160 Häftlinge des Sonderkommandos auf Transport ge- schickt. Man sagte ihnen, daß sie im Konzentrationslager 76 | mora- er die Chlusen ı Häft- Sich zu cht, die 3 zu be-# didaten 'eil zur| mando, Sonder-® Sonder- Arbeits- © Bi 5 zerhand h ren, ef-; ersuchte R zu ent- enannte andelte A ıden in 2, Teil der gi andere n diesen N orobe aufein- [al etwa a rLERTETE ‚port 86 onslaget 4 Groß-Roosen das neue Sonderkommando darstellen sollten. Sie kamen jedoch in Wirklichkeit zunächst ins Stammlager Auschwitz und wurden dann in einer Ent- wesungskammer weit vor dem Lager- noch innerhalb der großen Postenkette— vergast. Wir sorgten dafür, daß unsere Freunde im Sonder- kommando von dieser Tatsache erfuhren, und schlugen ihnen, die sowieso unmittelbar vom Tode bedroht waren, vor, sofort mit einem bewaffneten Akt loszuschlagen und auszubrechen. Gleichzeitig warnten wir die anderen Kameraden in Birkenau, sich daran zu beteiligen, denn was für die einen die einzige wahrscheinliche Lebens- rettung war, konnte für die anderen Selbstmord bedeuten. In monatelanger Vorbereitung hatten sich die Kame- taden vom Sonderkommando Waffen beschafft. Sogar einige Maschinenpistolen waren außer anderen Schuß- waffen vorhanden; ebenfalls selbstgefertigte Hand- granaten, für die Frauen aus dem Betrieb Union zum Teil den Sprengstoff geliefert hatten. Eines Tages verbreitete sich im Sonderkommando die Nachricht, daß wieder ein großer Teil von ihnen vergast werden sollte. Die Leitung unserer Gruppe im Sonder- kommando trat im Krematorium III zusammen, um zur Lage Stellung zu nehmen. Der Oberkapo- ein deutscher krimineller Bandit- kam dazu und drohte mit einer Anzeige bei der SS. Nach einem Wortwechsel wurde kurzerhand der Bandit ergriffen und in die Flammen geworfen. Nun gab es kein Zurück mehr. Das Krema- torium wurde in Brand gesteckt, die Waffen aus den Verstecken geholt- und in wenigen Minuten raste der Aufstand von 600 Häftlingen durch diesen Teil des Lagers. Kaum eine Viertelstunde dauerte es, und die Posten- kette war durchbrochen, wobei einige Posten getötet, 77 andere geflohen waren. Der Rapportführer glaubte schon, daß sich das ganze Lager im Aufstand befände, und brachte daher zunächst seine Familie in Sicherheit. Andere SS-Leute griffen zu ihren Gold- und Wertsachen, die sie den Vergasten abgenommen hatten, und wollten damit das Weite suchen. Eine große Verwirrung herrschte in diesem Teil des Lagers. In einer solchen Situation gelang es den Aufständischen, bis in den Raum von Budi vorzustoßen, was etwa 6 km vom Lager ent- fernt liegt. Erst hier wurden sie von größeren SS- Verbänden gestellt und bei diesem Kampf bis auf wenige, die entkommen konnten, vernichtet. Zum Sonderkommando hatten überwiegend Juden gehört; unter ihnen waren auch einzelne sowjetische Staatsbürger, die gezwungen worden waren, in diesem Kommando zu arbeiten.- Atemlos hatte das ganze Lager den Kampf verfolgt. Das mutige Sterben der Kämpfer vom Sonderkommando trug— abgeschen von seiner symbolischen Bedeutung— mit dazu bei, daß die Zu- sammenarbeit zwischen Juden und nichtjüdischen Häft- lingen aus den verschiedenen Ländern vertrauensvoller wurde, denn hier war ein sichtbares Beispiel gegeben worden, daß Juden kämpfen können. Viele ‚von der Rassenhetze der Nazis infizierte Polen und Deutsche hatten das bisher nicht geglaubt. Diese Häftlinge des Sonderkommandos belehrten sie jedoch eines anderen; mit der Waffe in der Hand waren die Tapferen gefallen und hatten sich nicht kampflos vergasen lassen. Selbst- bewußtsein und Selbstachtung der Juden im Lager hoben sich nach diesem ungleichen Kampf. So wurde das Blut- opfer des Sonderkommandos ein starkes Band, das die internationale Solidarität festigte. 78 — Monowitz-Buna Monowitz-Buna war eines der größten Konzentrations- punkte des Lagersystems Auschwitz. Außer den zeitweilig 30000 Häftlingen waren dort auch noch eine große Anzahl von Kriegsgefangenen und von halbfreien Ar- beitern beschäftigt. Hier waren die Bedingungen beson- ders günstig, sowohl für die Vorbereitung der Massen- flucht als auch für einen solidarischen Widerstandskampf. Zeitweilig war in diesem Lager der an anderer Stelle bereits erwähnte Ludwig Wörl Lagerältester im Kranken- bau. Auch Stefan Heymann, Erich Markowicz, Kurt Posener, Walter Blass und noch mehr Kameraden waren in Monowitz-Buna und nahmen neben vielen anderen an der Arbeit der Widerstandsbewegung teil.— Einer be- sonderen Schrift wird es vorbehalten sein, diesen Wider- standskampf gegen die Herren der IG-Farben zu schildern. Jawischowitz In Jawischowitz, einem Nebenlager von Auschwitz, arbeiteten die Häftlinge vorwiegend in den Kohlen- gruben. Hier waren es Hermann Axen und Fatti Hoff- mann, deutsche Kommunisten, und viele andere, die den solidarischen Kampf organisierten und führten. Budi Es war ein kleines Nebenlager, das sich mit Land- wirtschaft und Fischzucht befaßte. In diesem Lager gab es ebenfalls eine Widerstandsgruppe, die der deutsche Kommunist Heinz Brandt und der tschechische Kommu- nist Karl Beran führten. Mit ihnen zusammen arbeitete der parteilose tschechische Arzt Walter Löbner. Mit dieser Gruppe hielten wir ständige Verbindung. Solchen Kontakt gab es- mehr oder weniger eng— zu fast allen anderen Lagern. Der größte Teil dieser heim- 79 lichen Verbindungen ging über den Krankenbau, weil vom Krankenbau des Stammlagers Auschwitz aus viele Fäden von erlaubten notwendigen Verbindungen zu den verschiedenen Lagern liefen. Aber auch über die neue Wäscherei waren solche konspirativen Verbindungen her- gestellt worden, insbesondere durch die Bedienung des regelmäßig verkehrenden Wäschewagens. Die Leitung des Widerstandes Sie bestand zunächst aus dem österreichischen Kommu- nisten Ernst Burger, dem polnischen Sozialisten Josef Cyrankiewicz und Hermann Langbein, einem Öster- reicher, sowie Zbysek Raynoch, einem Polen. Im Sommer 1944 schied Ernst Burger aus, um sich auf seine Flucht vorzubereiten. An seine Stelle trat ich. Hermann Langbein war durch Abtransport ebenfalls ausgeschieden, so daß die Leitung im Sommer 1944, da sich auch Raynoch auf seine Flucht vorbereitete, nun von Josef Cyrankiewicz, von dem aus Flossenburg hinzugekomme- nen Heinz Dürmayer, ein österreichischer Kommunist, von dem später aus Lublin gekommenen österreichischen Kommunisten Ludwig Soswinski und von mir über- nommen wurde. Wir haben bis zu unserer Evakuierung kameradschaftlich zusammengearbeitet. Es gab einige bestimmte Stellen im Lager, wo wir un- sere Besprechungen durchführten. Oft saßen wir mit Bur- ger und Raynoch zu dritt in einem Kellerverschlag des Blocks vier und entwarfen unsere Pläne. Ein junger, parteiloser Pole, der Blockältester war, sorgte während dieser Zeit dafür, daß uns niemand störte. In der Des- infektion, in der polnische, österreichische und deutsche Kameraden arbeiteten und in die nur selten ein SS-Mann kam, konnten wir viele einzelne Maßnahmen bespre- chen. In der neuen Wäscherei, in der ich selbst als 80 u, weil is viele zu den ie neue en her- ıng des \ommu- n Josef Öster- en. Im uf seine ermann hieden, 'h auch n Josef komme- nmunist, chischen ir über- uierung wir uf mit Bur- hlag des jungef, yährend jer Des deutsche 55-Mann bespte- zlbst als Auschwitz f Der Reichsführer der SS, Himmler, bei einer Lagerbesprechung in g uoA sdwey ı>p jne u: Au dl DEF Eu 34>06 Jurpjer] VoA 9yunyuy ref L- wic Ik Bo | IW| BEER tra im In Lageplan des Stammlagers(Auschwitz T) sp! Die doppelt gestrichelte Linie bezeichnet den elektrisch geladenen Draht, o% der das Lager umgab. Haupteingang zum Lager: zwischen Küche und a Block 25. Rechts außerhalb des Lagers die Gebäude der Lagerkomman- die dantur, der politischen Abteilung und anderer zentraler Einrichtungen. ar! Deutlich zu erkennen sind Block ı0 und ı1, Schauplatz der großen Ver- brechen. Gegenüber Block ı1: Die neue Wäscherei und die Desinfektion auf dem Plan mit Block 22 bezeichnet. R ; i; ee& e Die Straßen des Lagers tragen Namen, so z. B.„Birken-Allee“(hinter N Blockreihe 10 und ıı gelegen). Auf dieser Straße mußten die Häftlinge d zu den Selektionen im Lager antreten und wurden dann nackt durch die de alte Wäscherei, die sich zwischen Block ı und 2 befand, geführt. Hier Ba wurde die Aussonderung für den Gastod vorgenommen R ti kc Pe Verbrennungsöfen in Auschwitz für die durch Gas Getöteten Elektriker beschäftigt war und infolgedessen größere Bewegungsfreiheit hatte, arbeitete an der Zentrifuge der zweiten Schicht der sowjetische Kamerad Monek Majo- witsch. In meiner Abwesenheit nahm er alle Mitteilun- gen für mich in Empfang und übermittelte sie mir. Im Block 20 des Krankenbaus war Josef Cyrankie- wicz Ältester einer Stube, die als Notreserve für bei Bombenangriffen Verletzte frei blieb. In dieser Stube trafen wir uns zu zweit und besprachen unsere Aufgabe. Unsere Frauen Lebten schon Männer unter furchtbaren Bedingungen im Lager, so war es für Frauen noch weitaus schlimmer. In der bereits an anderer Stelle geschilderten Atmo- sphäre von Schmutz und größter Not schufen auch sie sich eine Widerstandsorganisation. An ihrer Spitze stand die tschechische Kommunistin Hertha Soswinska. Auch sie arbeitete mit Frauen aus allen Nationen zusammen. Das Organisationsnetz erstreckte sich über eine Reihe Betriebe, wie Union-Werkhalle, SS-Wäscherei, Schneiderei usw. Im Krankenlager von Birkenau war die deutsche Kameradin Orly Reichert tätig. Des weiteren gab es einige Frauen-Nebenlager, so u. a. das sogenannte Stabsgebäude, in dem eine Zeitlang Frauen von Spezial- kommandos, vom Arbeitseinsatz oder von der politischen Abteilung usw. wohnten. Gerade hier haben. einige Frauen, wie z. B. Judith Dürmayer, hervorragend ge- arbeitet. Gemeinsam mit Hertha Soswinska gewann sie einige Mädel von der politischen Abteilung zur Mit- arbeit. Auf diese Weise konnten wichtige Nachrichten an uns weitergegeben werden. Die Übermittlung der Nach- richten, deren Beschaffung für unsere Frauen mit Lebensgefahr verbunden war, hat viel dazu bei- getragen, daß wir die Absichten der politischen Abteilung 8 in den verschiedensten Situationen schnell erkannten und unsere Gegenmaßnahmen treffen konnten. Im Betrieb Union(Krupp) Auch hier leisteten unsere Frauen eine gute Auf- klärungsarbeit, gewannen sie neue Widerstandskämpfer, und aus diesem Betrieb beschafften sie Sprengstoff zu unserer Bewaffnung. Hier im Unionbetrieb arbeitete eine Männergruppe mit den Frauen zusammen. Von dem im Männerlager gesammelten Brot lieferten wir auch einen Teil an solche Frauen, die es besonders schwer hatten. Block 10 Wie schon an anderer Stelle berichtet, lag inmitten des Männerlagers(Stammlager) der berüchtigte Frauen- versuchsblock, Block 10. Auch hier war unsere Organi- sation tätig und sammelte Widerstandskräfte. Die slo- wakische Ärztin Slawa Klein bildete hier zusammen mit weiteren Frauen die Widerstandsgruppe. Auch durch sie wurde so manches Elend gelindert. Gärtnerei Raisko In der Gärtnerei Raisko arbeitete eine Widerstands- gruppe von Frauen, zu der auch Gerda Schneider, eine deutsche Kommunistin gehörte. Später, d. h. im Jahre 1944, wurde innerhalb der großen Postenkette des Stammlagers ein kleines Frauen- lager(etwa 5000 Frauen) errichtet. Hierher kamen die Frauen der Arbeitskommandos, die hauptsächlich im Lagerbereich des Stammlagers arbeiteten. Stellen im Lager, an denen Männer und Frauen zu- sammen arbeiten mußten, waren für uns unauffällige Verbindungspunkte. So arbeiteten z. B. Hertha$. und Ludwig S. in der Bauleitung, d. h. sie als verantwortliche 8 Leiterin der Frauen und der Kamerad, der von uns ge- schickt, die Verbindung mit den Frauen unserer Wider- standsbewegung herstellte. Zusammensetzung unserer Widerstandskräfte Bei den Polen gab es einige besonders starke Gruppen, die sich in Links- und Rechtsgruppen unterteilten. Die Linksgruppen wurden von Josef Cyrankiewicz geführt. Zweifellos besaß J. Cyrankiewicz dank seiner Persönlich- keit auch unter den Rechtsgruppen starken Einfluß, so daß meist beide Richtungen zusammenarbeiteten. Die gemeinsame Lagernot und die ständig drohende Ver- nichtung schufen eben solche Möglichkeiten. Noch bis Mitte des Jahres 1943 war der Anteil der Polen an der internationalen Widerstandsorganisation überragend. Besonders der Anteil der Polen, die aus der polnischen Arbeiterbewegung stammten, war außer- ordentlich groß. Als die Front dann immer näher rückte, die Partisanenbewegung sich verstärkte und unser Auf- standsplan entdeckt war— wovon ich später noch berich- ten werde— wurden die polnischen Häftlinge bis auf einige Hundert in andere Lager im Innern Deutschlands geschickt. Die Widerstandskräfte der Arbeiterbewegung und der Widerstandsbewegungen aus den vom deutschen Faschis- mus besetzten Ländern waren zunächst in der schon an anderer Stelle beschriebenen Weise zusammengefaßt. Hinzu kamen einige jüdische Gruppen, die sich uns an- geschlossen hatten, darunter eine solche von etwa 300 Personen. Diese Gruppe stützte sich vorwiegend auf polnische, aber auch auf Juden aus anderen Ländern. Durch unsere Losung„nicht kampflos vergasen lassen!“ hatten wir sie gewonnen. Sie empfanden es als eine Schande, daß in Auschwitz über 4 Millionen Juden ver- 6. 83 gast wurden, ohne daß sie, bis auf einen einzigen Fall, Widerstand geleistet hatten. Sie glaubten sich zu den letzten europäischen Juden gehörend. Wenn sie ihre Ver- gasung schon nicht verhindern konnten, wollten sie ihren Tod jedoch keinesfalls kampflos hinnehmen. Diese Menschen nahmen wir in unsere Widerstandsorgani- sation auf, und sie zeigten sich dessen später auch würdig. Die vier tapferen Mädchen, von deren Wirken und Sterben ich an anderer Stelle berichten werde, ent- stammten dieser Gruppe. Eine weitere Gruppe, die etwa 120 Häftlinge um- faßte und die ihre Basis hauptsächlich im sogenannten Bauhof hatte, schloß sich ebenfalls unserem Kampf an. Zu ihr gehörten Sozialisten, Kommunisten und viele Parteilose. Des weiteren kamen im Laufe der Zeit noch eine Reihe kleinerer Gruppen hinzu. Sicherlich gab es bis zum Schluß noch selbständig arbeitende Gruppen, mit denen wir keine Verbindung hatten. Die wesentlichsten waren aber im Stammlager Auschwitz die Widerstandskräfte, die jedoch in unserer Organisation vereinigt waren. Sie umfaßte zum Schluß eine große Anzahl von Häftlingen, was bei dem un- geheuren Terror und der Zusammensetzung unserer Organisation aus vielen Nationen sehr viel bedeuten will. Umstellung in der Organisation Nachdem unsere Widerstandsbewegung so stark an- gewachsen war, mußten wir sicherheitshalber neue Orga- nisationsformen wählen. Deshalb wurden selbständige französische und belgische Gruppen gebildet. Der fran- zösischen widmete sich der ungarische Kommunist Arbert Haas, der lange Zeit in Frankreich gelebt hatte, und der belgischen Gruppe der belgische Kommunist Berliner. Für mehrere Arbeitsstätten übernahm jeweils ein Kame- 84 rad die Führung, so z. B. für alle innerhalb der kleinen Postenkette gelegenen der tschechische Kommunist Hans Lederer, für das gesamte Blockpersonal im Lager Arnim Glanz, ein tschechischer Kommunist, für Union und die DHW gleichfalls Arbert Haas, für die SS-Wäscherei und die Lederfabrik Sally Grünvogel, ein deutscher Kom- munist. Ebenso verfuhren wir mit Gruppen anderer Betriebe oder Widerstandspositionen im Lagergebiet. Durch Wechsel der Arbeitskommandos und besonders durch Massentransporte ins Reich, die seit Mitte 1944 stattfanden, wurde die Arbeit äußerst erschwert. Und zwar dadurch, daß häufig Kameraden, die sich gerade kennengelernt und zueinander Vertrauen gefaßt hatten, wieder getrennt wurden. Verbindungswege des Widerstandes Eine Zeitlang bestand eine Verbindung nach Birkenau über Kameraden, die mit Frauen aus Birkenau zusam- menarbeiteten. Mitunter gelang es auch, uns in ein Kommando einzuschmuggeln, das unmittelbar in Birkenau Arbeiten auszuführen hatte, so daß wir auf diese Weise selbst mit unseren dortigen Kameraden sprechen konnten. Ernst Burger, der das letzte Vierteljahr vor seiner Flucht zu einem Wagenkommando gehörte, das Holz an verschiedene Stellen im Lagergebiet lieferte, konnte dadurch ebenfalls teils mündlich- teils schriftlich Mitteilungen überbringen. Unsere schriftliche Post wurde in eine 60 bis 100 Amp. starke, innen ausgenommene Sicherungspatrone eingelegt. Zum Lager Budi hatten wir durch die Bedienung des Essenwagens Verbindung, der jeden Tag durch das Stammlager fuhr. Abwechselnd erschienen mit ihm Heinz Brandt, Karl Beran oder der tschechische Arzt Löbner, und wir besprachen dann alles, was zu besprechen not- wendig war. Bei unserer Widerstandsarbeit haben wir uns auch einiger SS-Leute bedient, die allerdings aus sehr unter- schiedlichen Gründen halfen. Einer von ihnen war so korrupt, daß er gegen entsprechende Belohnung für uns Briefe nach auswärts transportierte. Andererseits gab es auch einen alten bei der SS dienstverpflichteten Chauffeur, der Wäsche in die verschiedenen Stellen des. gesamten Lagergebietes fuhr. Dieser Mann kam bei solchen Gelegenheiten in die Wäscherei und tat so, als sollte ich irgendwelche kleinen Reparaturen am Wagen ausführen. Das gab mir Gelegenheit, ihm die Aufträge, die teils in Sicherungsstöpseln und teils in Zahnpasta- tuben verborgen waren, in seinem Wagen versteckt weiterzuleiten. Auf diesem Kurierweg gab es nie Schwierigkeiten. Dieser Alte war von unserem Kamera- den Ernst Burger gewonnen worden, der dabei eine glückliche Hand gezeigt hatte. Der Weg nach draußen Nach draußen gab es mehrere Verbindungswege. Meist waren sie jedoch nur„einseitig“, und zwar derart, daß lediglich Mitteilungen aus dem Lager hinaus-, aber nicht ins Lager hineingegeben werden konnten. So haben z. B. Häftlinge, die später mit der Verpflichtung entlassen wurden, im Lagerbereich zu arbeiten, Briefe hinaus- transportiert. Das war nicht immer einfach, denn sie mußten die Briefe, die häufig in verschiedene Orte Deutschlands gehen sollten, in Kattowitz in den Brief- kasten stecken. Ohne Urlaubsbewilligung nach Kattowitz zu kommen, war für diese sogenannten Halbfreien jedoch gefährlich und mit sehr großen Schwierigkeiten verbun- den. Auch in den Produktionsstätten, in denen Häftlinge mit freien Arbeitern zusammenarbeiteten, wurden alle Möglichkeiten ausgenutzt, Post zu verschicken. Wir hatten aber keine Kontrolle darüber, ob diese Briefe ihr 86 Ziel erreichten.— Das gleiche ist von den Versuchen dieser Art mit bestochenen SS-Leuten zu sagen. Einen guten zweigleisigen Verbindungs-Hin-und-Rück- weg hatten wir über einige Zwischenstationen nach Krakau zur dortigen Widerstandsbewegung. Cyrankie- wicz, der vor seiner Verhaftung Leiter der Sozialisten in Krakau war, hielt hier die Verbindung und führte vom Lager aus die Widerstandsgruppen in Krakau und Um- gebung weiter. Oft geschah es, daß unsere Verbindung auf diesem Weg durch Verhaftungen und Erschießungen unterbrochen wurde, aber immer wieder gelang es, sie herzustellen,— häufig geschah dies durch polnische Kameraden, die zu diesem Zweck aus dem Lager ge- flüchtet waren. Wir informieren die Welt Wir hielten es für unsere Aufgabe, über alle Grausam- keiten und über die furchtbaren Experimente an Menschen der Außenwelt zu berichten,— vor allem aber Mitteilung zu machen über die Massenvernichtung von Menschen durch Vergasen. Wir wußten, daß Auschwitz die größte Menschenvernichtungsstätte der Welt war, die es je gegeben hat. Wir wußten auch, daß uns nur ge- holfen werden konnte, wenn die Welt erfuhr, was sich in Auschwitz abspielte; denn die SS-Verbrecher und ihre Hintermänner fürchteten nichts so sehr wie die Welt- öffentlichkeit. Nachdem uns bekannt geworden war, daß einige polnische Kameraden im Lagerbereich und in Krakau Kurzwellengeräte installiert hatten, nahmen wir nach dort Verbindung auf und versuchten, Nachrichten über die Zustände und den Massenmord im Lager an die Öffentlichkeit zu bringen. Vor allem wurde an einen den Polen in London gehörenden Empfangsapparat gesendet. 87 Zwar wußten wir genau, daß man uns hörte, aber weder der Londoner Sender noch die Weltpresse brachten unsere Nachrichten. Wir erlebten die Enttäuschung, daß uns nicht geglaubt wurde. Selbst diesen Stellen klangen unsere Berichte zu ungeheuerlich. Erst Mitte 1944, als der Vormarsch der Sowjetarmee die Engländer und Amerikaner zur Errichtung der zweiten Front veranlaßte, begannen Veröffentlichungen großen Stils. Wir verfaßten nun einen Aufruf der Ge- fangenen in den deutschen Konzentrationslagern und hatten die freudige Genugtuung, diesen Aufruf wieder selbst beim heimlichen Abhören ausländischer Sender zu vernehmen. Um dieser ganzen Arbeit eine gute Grundlage zu geben, schufen wir eine Redaktionskommission, bestehend aus dem ungarischen Kameraden Arbert Haas und dem deutschen Schriftsteller Otto Heller. Sie sammelten Material und schrieben Aufsätze. Aber auch andere Kameraden nahmen an dieser Arbeit teil. So schrieb ein- mal eine 17jährige jüdische Slowakin über ihre besonders grausamen Erlebnisse im Lager. Als wir diesen Bericht absandten, lebte die Schreiberin schon nicht mehr. Sie war inzwischen ein Opfer von Auschwitz geworden. Arbeit der Redaktion Der Kamerad Heller mußte sein Material am Ort seines Arbeitskommandos zusammenstellen und es dann an uns weiterleiten. Dazu benutzte er Zahnpastatuben, in denen sich die auf dünnem Papier geschriebenen Artikel gut verbergen ließen. Eine ähnliche Methode wandte auch Haas an. Die fertigen Arbeiten kamen danach zu mir und wurden meistens während der Nachtschicht in der kleinen Werkstatt der Wäscherei, in der ich vor Überraschungen sicher war, durchgesehen. Sicher deshalb, 88 weil am Eingang zur Wäscherei ein Pförtner stand, der R neben sich unter dem Regal einen Klingelknopf bedienen En daß konnte. Bei einem Druck auf diesen Knopf ertönte in der sen Wäscherei eine Glocke und außerdem noch in der kleinen Werkstatt ein Summer, so daß bei Gefahr immer recht- zeitig gewarnt werden konnte. Von mir ging das Sende- material zum Kameraden Cyrankiewicz, der es dann weiterleitete. Ab Mitte 1944 haben wir mindestens zweimal in der Woche der Außenwelt berichtet. Nun wurde die Tragödie von Auschwitz in der ganzen Welt bekannt. Es ist keine Übertreibung, wenn ich sage, daß der größte Teil der um diese Zeit überall in der Welt verbreiteten Veröffentlichungen über Auschwitz von uns stammten. Wir durchkreuzten in diesen Tagen so manches Mal die tödlichen Absichten der politischen Abteilung, indem wir ihre Pläne der Öffentlichkeit übergaben. Gleichzeitig schickten wir Dokumente, die in unsere Hände gelangt waren, nach Krakau, um so die ganze Ungeheuerlichkeit der Massenvernichtung dokumentarisch zu beweisen. Ein tapferer Kamerad fotografierte unter Lebensgefahr die Inneneinrichtung der Gaskammern und Krematorien. Auch diese Bilder gaben wir nach Krakau weiter. Bis zum letzten Tage unseres Aufenthaltes in Ausch- witz informierten wir auf diese Weise die Weltöffentlich- ! keit. Auschwitzer Echo In Krakau wurde die im Lager geschriebene Zeitung „Auschwitzer Echo“ herausgegeben. Mit dieser klärten wir die Krakauer Bevölkerung über die Schandtaten der SS im Konzentrationslager auf. Die Zeitung berichtete über die ungeheure Blutschuld der Lagerkommandanten Hoess, Baer und anderer sowie über die Schuld der Blut- hunde Grabener, Schurz, Bogener und Lachmann von der 89 politischen Abteilung, denen die Ermordung unzähliger Häftlinge aus allen Nationen— insbesondere aber aus Polen- nachgewiesen war. Die polnische Widerstands- bewegung sprach ihnen das Todesurteil aus und ver- öffentlichte es im„Auschwitzer Echo“. Außerdem wurde es den Banditen noch per Post zugestellt.- Diese Maßnahmen riefen, was sie auch bezwecken sollten, eine tiefe Unruhe unter den SS-Führern hervor. Die Öffentlichkeit wußte nun um alle Verbrechen. Als die ersten Mitteilungen der ausländischen Rundfunk- stationen über Auschwitz bekannt wurden, blieb zunächst noch alles ruhig. Später forderten die Nazibehörden in Berlin, daß die politische Abteilung durchgreife. Auf Grund der ständigen konkreten Angaben zweifelte man nicht daran, daß die Urheber dieser Mitteilungen nur im Lager selbst zu suchen seien. Wie uns von Häftlingen, die es zufällig mit anhörten, berichtet wurde, äußerte sich der Chef der politischen Abteilung, Schurz:„Sie haben ja gar keine Ahnung, wie sehr das Lager durchorganisiert ist. Packen wir zu, bekommen wir meist nicht die Richtigen,— aber die Welt erfährt sofort davon!“ Als dann aus Berlin Untersuchungskommissionen der Gestapo kamen, konnten auch sie uns nicht fassen. Die internationale Lagersolidarität hat das verhindert. In Krakau ließ der Generalgouverneur Frank Flugblätter verbreiten, in denen es hieß: Die augenblicklich über Auschwitz verbreiteten Nachrichten sind Lügen. In Auschwitz ist alles in Ordnung. Zweifellos hat unsere Arbeit mit dazu beigetragen, daß die SS-Banditen unsicher wurden und manche be- absichtigte Vergasung unterblieb, und dies deswegen, weil wir die Öffentlichkeit vorher davon in Kenntnis gesetzt hatten. 90 u Im Zusammenhang mit der bevorstehenden Offensive der sowjetischen Armee hörten die Massenvergasungen, deren letzte im Herbst 1944 durchgeführt wurde, auf. Dann begann die Demontage der Gaskammern und Krematorien. Die demontierten Teile wurden jedoch keineswegs vernichtet, sondern nach Groß-Roosen und Mauthausen geschickt. Unsere Fluchtorganisation In vielen Fällen war es notwendig, Kameraden außer- halb des Lagers zu bringen. Dafür gab es verschiedene Gründe: Entweder wurden sie von der Widerstands- bewegung draußen angefordert, oder es bestand die Notwendigkeit eine unterbrochene Verbindung neu zu knüpfen. Mitunter mußten auch solche Häftlinge aus dem Lager verschwinden, die durch organisierte Spitzel- tätigkeit der politischen Abteilung unmittelbar bedroht waren. Es gab auch noch eine andere Kategorie. Diese Kameraden waren wegen illegaler Tätigkeit in den von den Nazis besetzten Ländern oder in Deutschland selbst verhaftet, und, noch ohne Verurteilung, zunächst nach Auschwitz gebracht worden. Man mußte damit rechnen, daß das Verfahren in ihrer Abwesenheit durchgeführt und an die Lagerleitung dann der Auftrag erging, die Häftlinge zu vergasen.— Viele von diesen Kameraden konnten wir rechtzeitig in Sicherheit bringen. Im wesentlichen ging die Flucht folgendermaßen vor sich: Der Kamerad ging in ein Arbeitskommando, das außerhalb der kleinen Postenkette arbeitete. An dem für die Flucht vorgesehenen Nachmittag verschwand er dann in einem sogenannten Bunker. Das waren Versteckräume, die, geschickt getarnt, sich vorwiegend in der Nähe des Bauhofs befanden; sie waren zu diesem Zweck von unseren Kameraden vorbereitet worden. Damit befand 91 sich der Geflohene noch innerhalb der großen Posten- kette. Wenn die Fluchtsirenen erschallten- meist geschah das bei der Entdeckung der Flucht vor dem Abendappell, mußte der Flüchtling bereits im Bunker sein. Einige Stunden wurde dann durch die SS unter Zu- hilfenahme von deutschen Blockältesten und Kapos das Gelände abgesucht. Dabei ergab sich häufig das Kurio- sum, daß gerade die Blockältesten, die sich der Wider- standsorganisation angeschlossen hatten, den Gelände- streifen zur Untersuchung übernahmen, in dem sich der Flüchtling aufhielt. Durch diese Taktik wurde er erheb- lich geschützt. Nach jeder Flucht blieb die große Postenkette drei Tage und drei Nächte stehen. Dann wurde sie nachts wieder eingezogen. In der vierten Nacht verließ dann der Kamerad sein Versteck und begab sich an eine vorher festgelegte Anlaufstelle außerhalb des Lagersystems, von wo er bei günstiger Gelegenheit weitertransportiert wurde. Einmal passierte es uns in Birkenau, daß bei einer Flucht von drei Kameraden zwei erschossen und einer angeschossen wurde. Der Verwundete wurde sechs Wochen in einem„Bunker“ außerhalb"der kleinen Postenkette von Angehörigen unserer Widerstands- bewegung gepflegt, bis er fähig war, das Lager ganz zu verlassen. Die geflüchteten Polen und andere Kameraden er- reichten fast alle ihren Bestimmungsort, teils in den Städten und zum Teil bei den Partisanen. Einige blieben auch beim Verbindungsapparat zwischen dem Lager und den Freunden draußen.- SS-Leute berichteten oft über Partisanenkämpfe, bei denen sie unter den Toten ehe- malige Häftlinge gefunden hatten. 92 füı Von den anderen Kameraden wußten wir nur, daß sie wohlbehalten alle Anlaufstellen passiert hatten. Über einen österreichischen Kameraden erfuhren wir, daß die Nazis ihn in Warschau erschossen hatten. Ein anderer österreichischer Kamerad war durch die Front hindurch bis nach Moskau gekommen. Selbstverständlich wurden auch andere Möglichkeiten zur Flucht ausgenutzt. So gab es einige Fälle, in denen sich SS-Männer, die wir zur Mitarbeit gewonnen hatten, Passierscheine beschafften und am Tage mit zwei Kame- raden durch die Postenketten gingen. Unsere Kameraden unter den Schneidern beschafften für einzelne Fälle auch Uniformstücke. Ebenso wurden Passierscheine gefälscht. Einige Male ist es geglückt, daß ein Häftling in SS-Uniform mit zwei Häftlingen in Ge- fangenenkleidung durch die Postenkette kam. Ein tapferes Mädel, das mit einem Mann geflüchtet war, wurde nach einigen Tagen wieder eingebracht. Es war die Kameradin Malla. Sie sollte öffentlich durch Erhängen hingerichtet werden. Auf ihren Wunsch nahm man ihr die Fesseln ab. Sie öffnete sich sofort die Puls- adern und schlug den SS-Henkern mit den blutigen Hän- den ins Gesicht, die sie daraufhin vom Richtplatz ins Krematorium schafften und verbrannten. Unser weiterer Weg Die Front rückte immer näher, die Partisanenbewegung in Polen fand immer mehr Anhänger, und die Nervosität unter den SS-Leuten wuchs ständig. Wir erfuhren, daß die Absicht vorlag, bei Annäherung der Front das ganze Lager zu vernichten. Schon fragte der Leiter der politischen Abteilung, Schurz, bei dem die Vergasungen leitenden SS-Mann Moll an, wie er über die Vergasung der gesamten Lagerbelegschaft denke. In Birkenau wurden täglich Häftlinge aus dem Lager vergast, nachdem die Sonderaktion Hoess(Vernichtung der ungarischen Juden) abgeschlossen war. Im Frauen- lager C Birkenau gingen die Vergasungen in die Zehn- tausende. Das ganze Zigeunerlager wurde bis auf wenige Hundert Überlebende vernichtet. Auch die im Gemein- schaftslager untergebrachten privilegierten Juden aus Theresienstadt— fünftausend Männer, Frauen und Kin- der- wurden bis auf zwei kleine Jungen in den Gas- kammern umgebracht. Über Auschwitz lag wochenlang Tag und Nacht der Geruch von verbrannten Leichen. Die SS-Banditen brachten die aus den Krankenbauten zum Vergasen bestimmten Häftlinge zum Teil nicht mehr in die Gaskammern, sondern fuhren sie mit Kartoffelautos an brennende Gruben heran, kurbelten die Wagen hoch und ließen die Häftlinge lebend in die Flammen fallen. All diese Schreckenstaten wurden im Lager bekannt, und es war klar, daß wir uns zu einer großen Aktion ent- scheiden mußten, wenn wir diese Dinge überhaupt noch überleben wollten. Wir beschlossen den Aufstand In der klaren Erkenntnis, daß es nunmehr keinen anderen Weg gab, beschlossen wir, den bewaffneten Auf- stand vorzubereiten. Mit unseren Freunden in Birkenau, Budi usw. legten wir einen einheitlichen Plan fest und verstärkten die Waffensammlung. Von Kameraden außerhalb des Lagers wurde uns Sprengstoff zur Ver- fügung gestellt. Wir sandten unsere Pläne, die im wesentlichen den Charakter eines Massenausbruchs erkennen ließen, nach Krakau und koordinierten unsere Absichten mit denen der Krakauer Kameraden. Nachdem diese ihr Ein- verständnis mit unseren Plänen ausgedrückt hatten, ver- sprachen sie, uns zu unterstützen. 94 En Mit den etwa einhundertvierzigtausend Häftlingen im gesamten Lagerbereich waren wir für die Partisanen- bewegung ein äußerst wichtiger Faktor. Nach unserer Befreiung hätten wir gemeinsam mit den Polen den in Warschau schon Tatsache gewordenen Aufstand ins ober- schlesische Gebiet tragen können. Auf dem Rückweg wurde jedoch unser Kurier von SS-Leuten angeschossen und gefangengenommen. Man fand bei ihm die Pläne und transportierte ihn in den Krankenbau des Lagers. In den darauffolgenden Ver- nehmungen hat er viel Schweres ertragen müssen, hielt aber tapfer durch und verriet nichts. Erst befürchteten wir, daß nach der Entdeckung unserer Pläne neue Massenvernichtungen von Häftlingen folgen würden. Das war jedoch nicht der Fall. Die SS ergriff aber nun unmittelbar solche Maßnahmen: 1. sofortige Verstärkung der Postenkette. Sogar die große Postenkette, die in weitem Umkreis um das Lager sonst nur am Tage stand und nachts ein- gezogen wurde, blieb einige Wochen hindurch die ganze Nacht stehen. Dadurch war das Lager Tag und Nacht von einer doppelten Postenkette um- geben, 2. genauestes Durchsuchen der Häftlinge, wenn sie nach der Arbeit wieder ins Lager einrückten, 3. Verstärkung der Spitzeltätigkeit gegen uns. Erstaunlich war, daß selbst nach diesen Maßnahmen nichts hochflog und— außer den obengenannten— zu- nächst keine weiteren Maßnahmen erfolgten. Später stellte sich jedoch heraus, daß die SS unsere Absichten auf andere Weise durchkreuzt hatte. In kurzen Abständen wurden plötzlich mehrere tausend Polen nach Groß-Roosen geschickt. Ebenso begann die SS, einen großen Transport von Juden und anderen 95 Häftlingen zur Arbeit in verschiedene Teile Deutsch- lands zu verschicken. In wenigen Wochen wurden Zehn- tausende abtransportiert. In Birkenau verblieben zeit- weise noch rund fünftausend Männer und etwa fünf- zehntausend Frauen. Im Stammlager Auschwitz befanden sich einschließlich der Frauenlager I und II noch etwa elftausend Männer und beiläufig fünftausend Frauen. Von dieser Belegschaft des Stammlagers waren un- gefähr die Hälfte neue Zugänge von ungarischen Juden. Manche von ihnen hatten noch vor kurzer Zeit auf deutscher Seite an der Ostfront gekämpft und dem- entsprechend war zum Teil auch ihre Einstellung. Im Lagerleben noch sehr unerfahren, konnten sie fürs erste für unseren Kampf nur wenig in Erscheinung treten. Mittlerweile gingen auch außerhalb des Lagers Ver- änderungen vor sich. Der Warschauer Aufstand war im Abebben. Bei Krakau hatte ein polnischer Partisanen- general mit seiner Division ohne vorherige Verständi- gung mit anderen Kräften einen Angriff durchgeführt, der als isolierter Akt scheitern mußte. Dieser Angriff wurde von den deutschen Faschisten zerschlagen und begrub mit sich auf Grund der Warschauer Verhältnisse _ fürs erste den Aufstandswillen in Krakau und im ober- schlesischen Gebiet. Wir waren nun gezwungen, aus dieser neuen Lage unsere Schlußfolgerungen zu ziehen und erkannten, daß durch den massenhaften Abtransport von Polen— nur einige Hundert blieben im Stammlager- und den der Häftlinge aus anderen Nationen, unsere militärische Kraft sehr geschwächt war. Neue Taktik Wir waren nun gezwungen, unsere Taktik zu ändern. Der Plan des Aufstandes wurde aufgegeben. 96 Deutsch- den Zehn- eben zeit- etwa fünf-| 2 befanden| noch etwa| d Frauen.| waren un- hen Juden. Zeit auf und dem- ellung. Im 2 fürs erste treten. agers Ver- nd war im Partisanen- Verständi- urchgeführt, ser Angriff hlagen und\ Verhältnisse| nd im ober- neuen Lage annten, daß olen— mUf nd den der militärische zu ändern. Völlig entkräftete, dem Tode nahe Kinder aus dem Lager Auschwitz - 1 ® ._ 22 ° _ :8 _ E - S En (PD 1 [ei » je! © ü [ei] Be] < ® ge) een fe] Ss „ © E & >} [ei a [e70) {e| Be) =) een E DD eo) KPD} "I „ = > ® on ‚S = An :8 jan “ ® us) X) H E © = je] Kame schen Situati konnte Nur Lager Burge und ı einer Weg n Es ben s zum I urspri von d tätowiert auf den linken Unterarm Teil der Häftlinge wurde die Häftlingsnummer Einem Wir sagten uns, wenn unsere Kraft nicht mehr zur Ret- tung der Lagerinsassen ausreicht, dann müssen wir be- strebt sein, einen Teil unserer besten Kräfte aus dem Lager hinauszuschaffen, um auf diese Weise zu versuchen, die Aufmerksamkeit auf unser Lager zu ziehen. Einzelne Kameraden sollten es versuchen, die Front der sowjeti- schen Truppen zu erreichen, um auch dort unsere Situation schildern zu können. Die endgültige Rettung konnten wir nur von ihnen erwarten. Nun wurde die Reihenfolge der Ausbrüche aus dem Lager festgelegt. Als erste waren unser Freund Ernst Burger mit zwei Polen und einem SS-Mann vorgesehen und wenige Tage darauf noch andere Kameraden. In einer Woche sollten sich etwa zehn Freunde auf dem Weg nach draußen befinden. Es war vereinbart, daß Heinz Dürmayer und ich blei- ben sollten, um die Widerstandsarbeit im Lager nicht zum Erliegen kommen zu lassen. Auch Cyrankiewicz, der ursprünglich ebenfalls das Lager verlassen sollte, wurde von den polnischen Kameraden beauftragt zu bleiben. Die Flucht unserer Besten Rudolf Frömmel und Viktor Wessely hatten es unter- nommen, die Flucht der ersten Gruppe zu organisieren. Rudolf Frömmel, ein Mann in den dreißiger Jahren, hatte am Wiener Februarkampf 1934 als Angehöriger des Republikanischen Schutzbundes teilgenommen und war zu einer mehrjährigen Kerkerstrafe verurteilt worden. Danach war er als Teilnehmer am spanischen Bürger- krieg ausgeliefert worden und über die französischen Lager nach Auschwitz gekommen. In seiner Eigenschaft als Elektriker der Fahrbereitschaft befaßte er sich damit, aus Zündvorrichtungen und einem plastilinähnlichem 97 Sprengstoff, mit dem die polnischen Partisanen versorgt waren und der- wie an anderer Stelle bereits berichtet - ins Lager gebracht wurde, Handgranaten herzustellen. Viktor Wessely war etwa fünfundzwanzig Jahre alt und gehörte lange Jahre dem österreichischen Kommunisti- schen Jugendverband an. Er war der Schreiber der glei- chen Fahrbereitschaft. Frömmel und Wessely kannten jeden der Fahrbereit- schaft zugeteilten SS-Mann und hatten sich einige durch verschiedene wechselseitige Gefälligkeiten gesichert. Sie unternahmen es, einen der SS-Fahrer für den Fluchtplan zu gewinnen. Die für das Unternehmen bestimmten Ka- meraden beabsichtigten, in einer großen Kiste verborgen, sich mit einem Lastwagen aus dem Lager zu einem ver- abredeten Treffpunkt bringen zu lassen. Noch ein zweiter SS-Mann, ein sogenannter Volksdeutscher aus Warschau, sollte mitwirken. Als der Fluchttag wegen einiger technischer Schwierig- keiten hinausgeschoben wurde, drohte der SS-Fahrer, er werde bei weiterem Aufschub von der ganzen Sache zurücktreten. Leider gaben die Kameraden seinem Drän- gen nach. Am 29. Oktober 1944 war es dann soweit. Gegen neun Uhr vormittags fanden sich die Kameraden Ernst Burger, Zbyszek Raynoch und Benedikt Brzezina am Treffpunkt ein. Eduard Pys aus Rzeszow hatte sich um zwei Minuten verspätet und kam zurück. Er hatte keine Spur mehr von den Freunden gesehen. Die Kameraden fuhren zum ersten Treff, wurden aber dort von der SS empfangen, und ohne daß sie es in ihrem Kasten bemerkten, über die Gestapo der Stadt Auschwitz wieder zurück ins Lager zum Bunker(Block 11) gefahren. Kurz nachdem lieferte man Frömmel und Wessely ein, die an der Fluchtvorberei- tung beteiligt waren. Der Verräter war der SS-Fahrer, in 98 der Rolle des Lockspitzels. Er erhielt dafür das Kriegs- verdienstkreuz und einen vierzehntägigen Erholungs- urlaub. Alle nahmen noch am gleichen Abend Gift. Der pol- nische Kamerad Zbyszek Raynoch aus Krakau starb, alle anderen kamen wieder zu Bewußtsein. Mit Raynoch starb einer unserer treuesten Kämpfer. Er gab sein Leben hin, damit es keiner Folter gelänge ihm ein Geheimnis zu entreißen, das seine Kameraden gefährdete. Am gleichen Abend lagen im Leichenkeller des Blockes 28 noch zwei Tote,— ein alter Arbeiter und ein junger ehemaliger Kapitän und Partisanenführer, die man am Treffpunkt erschossen hatte. Die übrigen Freunde blieben am Leben. Bei ihnen hatte das Gift nicht ausgereicht. Ihr Los teilte der volks- deutsche SS-Mann, der sich als echter Mitverschworener erwiesen hatte. Die folgenden Wochen waren voller Spannung. Bei den Verhören legten die Kameraden das Gewicht ihrer Aussagen darauf, daß es sich um eine Provokation, um eine Verlockung zur Flucht durch den SS-Fahrer ge- handelt habe. Die Sache schien nicht ungünstig zu stehen, denn der SS-Fahrer war dafür bekannt, daß er Betrügereien ver- übte. Gelang es, ihn als Provokateur zu überführen, hätte es für unsere Kameraden vielleicht mit einem Straftrans- port nach Flossenburg oder einem anderen Straflager ab- getan sein können. Überall wären ihnen sicherlich wieder gute Kameraden zu Hilfe gekommen.— Von uns wurde ebenfalls das letztmögliche versucht, auf SS-Offiziere ein- zuwirken, die sich direkt oder indirekt zugänglich zeigten. Letzten Endes war aber alles vergebens. 7» Was sich bei den Vernehmungen in der politischen Ab- teilung abspielte, ist müßig zu beschreiben. Aber alle Kameraden hielten die Folter aus, keiner zeigte sich schwach. Es wurde Weihnachten. Wir fühlten förmlich, daß die sowjetische Offensive jeden Tag losbrechen würde, denn die sogenannte letzte Auffangstellung vor dem ober- schlesischen Industrierevier verlief schon quer durch das ganze Lagergebiet. Die Kameraden im Bunker waren zu- versichtlich. Im allgemeinen hatte die Verbindung zu ihnen gut geklappt. Wir informierten uns wechselseitig und halfen ihnen mit Nahrungsmitteln, Zigaretten und Zeitungen. Unterkapo Koch, ein von der SS gekauftes Subjekt, wurde zu unseren Kameraden als Spitzel in die Zelle gesetzt. Auch durch ihn war für die SS nichts heraus- zuholen. Wie unsere tapferen Mädel von der politischen Abteilung meldeten, hatte Koch seinen Auftraggebern sogar falsche Berichte über die in der Zelle geführten Gespräche gegeben. Erst als nach der Verhaftung einiger Partisanen bei ihnen belastendes Material gefunden wurde, wußten wir unsere Kameraden in unmittelbarer Gefahr. Für die SS war nun die Verbindung mit der polnischen Widerstands- bewegung klar erwiesen. Am 29. Dezember erreichte uns die Nachricht, daß auf dem Appellplatz Galgen errichtet würden, wie ein furcht- barer Schlag. Zwar wurden sie noch einmal abgerissen, aber am 30. Januar richtete man sie wieder auf. Das ganze Lager war angetreten, als die Kameraden aus dem Bunker kamen. Von der Desinfektion ließen wir als letzten Gruß die Dampfsirenen ertönen. Als sie an uns vorbeikamen, grüßten wir sie alle, indem wir unsere 100 re ner ehe wi Mützen abnahmen. Sie hatten uns verstanden und grüß- ten wieder. Verstärkte Sicherheitsposten wurden aufgestellt, als man die fünf Kameraden heranführte. Am Hinrichtungs- platz wurde noch einmal das Todesurteil verlesen: „wegen Fluchtversuchs unter Verleitung von SS-An- gehörigen zum Zwecke der Zusammenarbeit mit Parti- sanen“. Noch während der Verlesung des Urteils führte man den ersten Kameraden, einen Polen, unter die Schlinge.„Es lebe Polen!“ rief er. Der Henker schlug ihm ins Gesicht.„Es lebe der Sozialismus!“ rief der zweite, „es lebe die Sowjetunion!“ der dritte. Einzelne Stimmen versuchten sie niederzuschreien. Und zwar waren es deutsche Berufsverbrecher, sogenannte„Grüne“. Dann rief noch ein Kamerad eine polnische Losung. Der letzte, dessen Bild sich uns allen am unauslöschlichsten ein- prägte, war Viktor Wessely. Als stiege er auf eine Redner- tribüne so frei und gelassen trat er auf den Schemel und rief mit seiner jugendlichen Stimme:„Nieder mit der braunen Mordpest! Es lebe die Freiheit!“ In diesen Tagen war in der Umgebung von Auschwitz der Teufel los. Fast alle Verbindungsleute mußten aus- gewechselt werden, denn der Gestapo war es gelungen einige Polen zu verhaften, unter denen sich wieder che- malige Häftlinge befunden hatten. Vier tapfere Mädel Doch sollten wir den Kelch noch bis zum letzten Tropfen leeren. Bei der Untersuchung der selbstgefertig- ten Handgranaten des Sonderkommandos stellte die SS fest, daß diese Granaten Sprengstoff aus der Pulver- kammer des Betriebes Union enthielten. Nun ließen sie ihren Spitzelapparat spielen. Eines Tages wurden mit Hilfe des gekauften Banditen- kapos Schulz acht Frauen von der Nachtschicht des Be- triebes in den Bunker gebracht. Unmenschlich wurden diese weiblichen Häftlinge von den Banditen der politi- schen Abteilung geprügelt, doch nichts war aus den Frauen herauszubringen. Nach einigen Tagen Bunker- haft mußte man sie wieder ins Lager entlassen. Damit hörten die Bemühungen der politischen Ab- teilung keineswegs auf. Sie bediente sich nunmehr ihres schon an anderer Stelle genannten Spitzels, des Unter- kapos Koch, der mit Hilfe seiner„Freundin“ sehr bald auf einige Mädel stieß, die vor einiger Zeit in der Pulverkammer in Tagschicht gearbeitet hatten. Vier Mädel wurden verhaftet, und— obwohl sie schwiegen, gelang es der SS-Bande nachzuweisen, daß sie der Pulverkammer Material entnommen hatten. Ich erspare mir, zu beschreiben, was die politische Abteilung mit ihnen anstellte, um sie zum Sprechen zu bewegen. Es war aber alles vergeblich, sie schwiegen.— Die Lager- leitung sah sich wieder in ihrer Hoffnung getäuscht, über diese Mädel unsere ganze Organisation aufzurollen. Dann wurde ihre Hinrichtung angeordnet. Öffentlich sollten sie im Frauenlager FL 1 erhängt werden. In der Nacht vor der Hinrichtung gelang es uns, eine von ihnen über eine sichere Verbindung mit Häftlingen zu sprechen. Nachts im Bunker standen wir einem etwa zwanzigjähri- gen Mädchen gegenüber. Sie jedoch beschämte uns, denn als wir ihr Mut geben wollten, versuchte sie ihrerseits, unseren Widerstandswillen zu weiterem Kampf zu wecken. Sie sagte, sie sei stolz darauf, daß sie am Wider- standskampf teilgenommen habe und sterbe ruhig. Selten haben wir uns so erschüttert von einer Kameradin ver- abschiedet, wie es hier geschehen ist. Wir wußten, daß 102 Sie: DR. A diese tapferen Mädchen bis ins Grab hinein schweigen würden. Am nächsten Tag erhängte man sie im Frauenlager während des Appells. Sie starben ruhig und gelassen, und eine von ihnen rief:„Wir werden gerächt werden!”- Unsere tapferen Mädel lebten nun nicht mehr. Den Ver- brecher Koch ereilte sein Schicksal später in Mauthausen. Wer waren diese Mädel? Es waren junge Jüdinnen im Alter von 18 bis 22 Jahren. Sie kamen aus Polen und hatten eigentlich ihr ganzes bewußtes Leben in Unfreiheit verbracht, denn 1939 kamen sie ins Ghetto und 1942 oder 1943 nach Auschwitz. Schon bei der Ankunft auf der Todesrampe von Birkenau nahm man ihnen die Eltern und Geschwister und schickte diese ins Gas. Sie waren die einzigen Überlebenden ihrer Familien und schlossen sich bald der jüdischen Gruppe von 300 Häftlingen an, die mit unserer Widerstandsorganisation verbunden war. Es war der 6. Januar 1945, als man ihrem jungen Leben durch die Hinrichtung ein Ende gemacht hatte. Kein ehemaliger Auschwitzer Häftling wird diese tapfe- ren jüdischen Mädel vergessen. Die Arbeit geht weiter Dieser Opfertod erschütterte uns schwer. Trotzdem setzten wir unsere Arbeit fort. Wir durften ja nicht müde werden. Die Flucht einzelner wurde weiter mit Erfolg organisiert. Ebenso funktionierte noch das ganze System des geschilderten Widerstandes. Bei der Mehrzahl der Häftlinge wuchs der Widerstandswille. Bezeichnend für die sich entwickelnde Kampfstimmung unter dem Einfluß der Widerstandsorganisation war folgendes: Ein belgischer Jude, der sich in Belgien als Spitzel der Gestapo betätigt hatte, kam eines Tages selbst in Ausch- 103 witz an. Die Gestapo hat sich zu allen Zeiten ihrer Mit- wisser entledigt, wenn sie für ihre Zwecke nicht mehr zu gebrauchen waren. Dieser Spitzel hatte viele Juden, die sich versteckt gehalten hatten, der Gestapo in die Hände gespielt, worauf diese Menschen dann nach Auschwitz transportiert wurden. Viele von ihnen lebten schon nicht mehr. Dieser Mann wurde nun von den empörten Häft- lingen aus der Quarantäne geholt und durch das ganze Lager geprügelt. Häftlinge aller Nationen beteiligten sich daran. Dann wurde er halbtot zu seinem Schutz von der SS in den Bunker geführt. Das gleiche wiederholte sich, als ein deutscher Berufs- verbrecher aus einem Nebenlager kam, der dort Häftlinge stark mißhandelt hatte. Auch er wurde durch das Lager geprügelt. Er hing sogar schon am elektrischen Draht, konnte aber wieder freikommen. Die SS brachte ihn dann ebenfalls in Sicherheit. Der schon erwähnte Banditenkapo Schulz, der sich nicht nur als Spitzel der politischen Abteilung betätigte, son- dern der auch wegen seines wilden Prügelns der Schrecken der Häftlinge seines Kommandos war, wurde in der Silvesternacht 1944/45 vollkommen verschlagen auf dem Eis des Wasserbehälters im Lager aufgefunden. Heinz Dürmayer In der ersten Zeit waren alle Hauptstellen im Lager bzw.„Lagerämter“ von kriminellen Banditen besetzt ge- wesen. Sie benutzten dies, um sich auf Kosten der übrigen Häftlinge ein besseres Leben zu verschaffen. Gleichzeitig waren die Kriminellen in Kapo- oder Blockältestenstellen, solche Häftlinge, die die Prügelaufträge der SS durch- führten. Es hatte sich sogar ein solcher Zustand heraus- gebildet, daß sie in vielen Fällen auch ohne direkten Auftrag— wenn auch immer in allgemeiner Direktive 104 di der SS- die anderen Häftlinge prügelten. Um für ständige Differenzen zu sorgen, setzte man besonders gern kriminelle Polen über deutsche oder jüdische Ge- fangene und kriminelle Deutsche über polnische und jüdische Häftlinge ein. Zuerst verabscheuten es die politischen Häftlinge aus allen Ländern, solche Ämter zu übernehmen, denn sie wollten nicht zu Hausknechten der SS-Banditen werden. Im Laufe der Zeit zeigte es sich aber, daß man mit Hilfe solcher Ämter vieles mildern konnte. Daher beschlos- sen wir, unsere ablehnende Haltung zu ändern, und tra- ten nun dafür ein, daß solche Ämter soviel wie möglich mit Häftlingen aus der Widerstandsorganisation zu be- setzen seien. Eines Tages wurde Heinz Dürmayer Lagerältester. Mit ihm, der Mitglied unserer illegalen Leitung war, konnten wir viele Aufgaben lösen. Ihm gelang es, fortzusetzen, was vorher schon ein anderer erfolgreich begonnen hatte, nämlich eine Reihe von Blockältestenstellen und Block- schreiberposten mit zuverlässigen Kameraden zu besetzen und damit an Einfluß im Lager zu gewinnen. Mit beson- derem Eifer war er hinter den Spitzeln her, vor allem hinter denen der politischen Abteilung. Indem er ge- schickt seine Beziehungen ausnützte, gelang es ihm, dem Lagerführer klarzumachen, daß die Spitzel der politischen Abteilung erhebliche Unruhe ins Lager trügen, ja, daß sie viele Häftlinge mit Drohungen erpreßten, um sie dann später zum großen Teil auf den Straftransport abzuschie- ben. Selbstverständlich war ein solches Verhalten des Kameraden Dürmayer nur dadurch möglich, weil es ständig Kompetenzstreitigkeiten zwischen der Lager- führung und der politischen Abteilung gab. Auf Grund dieser Arbeit wurde nach und nach der Ton im Lager ein anderer.- Doch würde es hier zu weit führen, dabei auf alle Einzelheiten einzugehen. Daß sich die politische Abteilung nun stark für unseren Kameraden Dürmayer interessierte, war nur zu klar, aber immerhin gelang es ihm, sich bis zur Evakuierung in dieser Funktion zu halten. Evakuierung Die Sowjetoffensive hatte begonnen. Nach vielem Hin und Her, ob man uns evakuieren oder doch noch vernich- ten sollte, wurde die Evakuierung des Lagers beschlossen und bis auf die Kranken, die im Lager zurückgelassen wurden, auch durchgeführt. Es bestand der Plan, das Lager mit den Kranken in die Luft zu sprengen. Da aber bereits ein Teil des dazu notwendigen Sprengmaterials durch die Häftlinge weggeschafft worden war und an- dererseits der sowjetische Vormarsch sehr schnell vor sich ging, konnte dieses Vernichtungswerk nicht mehr durch- geführt werden. Die Evakuierung begann am Morgen des 18. Ja- nuar 1945. Zuerst gingen 1500 Häftlinge auf Transport, dann mittags 4000 und der Rest des Stammlagers bis auf 600 der Gehfähigsten, die das Lager zwei Tage später verließen. Unser Abmarsch erfolgte in der Nacht, und wir legten in den nächsten Tagen auf dem Weg nach Loslau ungefähr 80 km zurück. Jeder, der aus Schwäche zurückblieb, wurde von der SS erschossen. Neben vielen Männern sahen wir einmal während einer Wegstunde etwa 200 Frauen erschossen am Wege liegen. Bei den Übernachtungen im Freien erfroren in den nächsten Näch- ten Hunderte. In offenen überladenen Kohlenwagen fuh- ren wir dann einige Tage bei einer Temperatur von 16 bis 18 Grad Kälte. Zuerst sollte es nach Groß-Roosen gehen, da aber der Weg dorthin nicht mehr frei war, kamen wir nach Mauthausen in Oberösterreich, wobei auch ein großer Teil unserer Widerstandsorganisation in- 106 takt blieb. Unterwegs erschoß die SS noch einige unserer guten Kameraden aus Birkenau bei Fluchtversuchen. Schluß Wir waren dem grausigsten aller Konzentrationslager, dem größten Schlachtfeld dieses Krieges entronnen. Mit allen, die sich dazu bereitfanden, hatten wir solidarisch den Kampf gegen den Gastod aufgenommen. Brüderlich haben wir in dieser furchtbaren Zeit mit der polnischen Widerstandsbewegung zusammengearbeitet. Über‘Grau- samkeiten und Massenvernichtungen im Lager wurde die Weltöffentlichkeit von uns in Kenntnis gesetzt. Auschwitz war für uns alle eine harte Schule, wohl die härteste, die je Menschen durchgehen mußten. Als wir das Lager verließen, konnten wir es selbst nicht begreifen, daß wir lebend davongekommen waren. Aber viele, nur zu viele haben wir dort lassen müssen. Sie sind dem Profit der IG-Farben, der Krupp, der Siemens und vieler anderer monopolistischer Unternehmen zum Opfer ge- fallen, und sie starben furchtbarsten Todes. Daran sollten wir, die wir der Hölle von Auschwitz entronnen sind, immer denken und nicht ruhen, bis die Urheber der Ver- brechen ihre gerechte Strafe erhalten haben und ihre Unternehmen in die Hände des Volkes übergeführt sind. —- Nur so verhindern wir ein neues Auschwitz.— Nachwort: Wie bereits berichtet, wurden einige Tausend Häftlinge des Krankenbaus in Auschwitz zurückgelassen. Dem raschen Vormarsch der Sowjettruppen ist es zu verdanken, daß die letzte Greueltat in Auschwitz— die kranken Häftlinge mitsamt dem Lager in die Luft zu sprengen— verhindert wurde. Noch im Januar erlangten sie ihre Be- freiung durch die sowjetischen Armeen. Damit endete die Geschichte des Konzentrationslagers Auschwitz, dieses größten Schandmals in der Geschichte der Menschheit. An anderer Stelle habe ich bereits darauf hingewiesen, daß die Menschenvernichtungen in Auschwitz fortgesetzt worden wären, wenn das Hitlerregime den zweiten Welt- krieg überdauert hätte. Auschwitz sollte auch weiterhin die Zwangsarbeitsstätte bleiben. Hier hätte man ganze Völker nach Ausnutzung ihrer Arbeitskraft dem Gas- und Flammentode überantwortet. Wer diese Zeilen liest, möge daran denken, daß auch das Schandmal Auschwitz von der Sowjetunion getilgt wurde. Er möge sich aber auch daran erinnern, daß in diesem Lager Menschen verschiedener politischer Richtun- gen zusammengearbeitet und geschworen haben, gemein- sam dafür einzutreten, daß die Menschheit niemals wie- der der Gefahr eines neuen Krieges ausgesetzt wird. Quellenangaben: Aus den dokumentarischen Unterlagen des Museums Auschwitz Aus den Akten der Zentralkommission für Untersuchung der Naziverbrechen in Polen Aus der Dokumentation des Nürnberger Kriegsverbrecher- Prozesses Gerald Reitlinger:„Die Endlösung“, Colloquium-Verlag 1956 Leon Poliakov- Josef Wulf:„Das dritte Reich und die Juden“, Verlag: Arani, 1956 Bericht des Hauses Siemens vom 31. Oktober 1945 über„Ein- satz ausländischer Zivilarbeiter, Kriegsgefangener, Juden und KZ-Häftlinge“ Aussagen vor dem„Untersuchungsausschuß Siemens“ in der Zeit von Juli bis Dezember 1947 Aus dem Bericht der internationalen antifaschistischen Lager- leitung Auschwitz, Potsdam 1949 Viele, selbst gesammelte Unterlagen und eigene Erfahrungen — ENSIELASIET KAPITEL Ausc&hwitz 2 KAPITEL Die schändlichen Experimente an Menschen 3: KAPITEL Die wahren Schuldigen an Auschwitz sind die deutschen Konzerne 4 KAPITEL Widerstand in Auschwitz. RER TERN! SER u EE Im selben Verlag erschien: SS im Einsatz 632 Seiten, mit etwa 300 Abbildungen und Faksimiles' Halbleinen mit Schutzumschlag 12,— DM Dokumente und Berichte über Verbrechen am deutschen Volk Massenvernichtung der Juden Europas Konzentrationslager Rehabilitierung der SS in der Bundesrepublik Green Yellow Red Magenta Grey 2 i ‚Grey Grey 4 Black