des Lagerkommandanten von MAUTHAUSEN 4-Standartenführer Franz Ziereis A Fr un u 1 a 4 a Arbeiisgemeinschaft „DasLicht, nt Bahn Baal 10 rar a ee N NT EnEN BERRRE FUR BR RABEN Sera —_ BEICHTE des Lagerkommandanten von MAUTHAUSEN 4-Standartenführer Franz Ziereis ».«+ } # Arbeitisgemeinschaft j Das. Licht‘ Die Einvernahme des Franz Ziereis „Am 23.Mai 1945 um 18 Uhr wurde ich auf der Hütte am Pyrhn bei Spital durch amerikanische Soldaten während der Flucht verletzt. Mein Name ist Franz Ziereis, geboren am 13. August 1905. Ich war der Kommandant des Konzentrationslagers Mauthausen und der zugehörigen anderen Konzentrationslager. Bei meiner Flucht erhielt ich einen Schuß am linken Oberarm und einen Schuß in den Rücken. Eine Kugel durch- bohrte den Bauch und die Bauchdecken. Ich wurde in das 131. Evakua- tionsspital(USA-Army-Hospital) in Gusen eingeliefert und will folgendes erklären: Nach Befehl des Reichsministerss und Reichsführers SS, Heinrich Himmler, sollte ich alle Häftlinge im besonderen Auftrage des SS-Obergruppenführers Dr. Kaltenbrunner umbringen. Die Häftlinge soll- ten in Stollen geführt werden, die Türen der Stollen(4) sollten schon vorher vermauert werden und nur ein Eingang offen bleiben. Dann ‚sollte ich die Stollen in die Luft sprengen.— Ich habe mich geweigert, diesem Befehl Folge zu leisten.— Es handelt sich hier um die Häftlinge der Lager Gusen I und Gusen II. Im Lager Mauthausen wurde auf Anordnung des damaligen SS-Stand- ortarztes, SS-Hauptsturmführer Dr.Krebsbach, eine Vergasungs- anstalt gebaut, die als Baderaum getarnt war.— In diesem getarnten Raum wurden die Häftlinge mit Cyklon-B(Blausäuregas) vergast. Außer- dem kursierte vom Lager Mauthausen nach Gusen ein spezielles Auto, in dem während der Fahrt Häftlinge vergast worden sind.— Das Auto wurde von dem seinerzeitigen Leiter der SS-Apotheke und späteren Lager- arzt des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück, SS-Hauptsturmführer Dr. Wasitzki, in Auftrag gegeben.— Ich selber habe nur das Auto auf der Strecke Mauthausen nach Gusen geführt, ich habe aber ge- wußt, daß die Häftlinge auf der Fahrt vergast werden.— Das Vergasen der Häftlinge geschah auf Anordnung des SS-Standortarztes Dr.Krebs- bach, der sich meines Wissens jetzt in Kassel befindet. Alles, was wir exekutiert haben, wurde vom Reichssicherheitsamt oder vom Reichsführer SS oder vom SS-Obergruppenführer Heydrich oder auch vom SS-Gruppenführer Müller, aber auch von Dr.Kalten- brunner, Chef der Sicherheitspolizei, angeordnet. Von den letzten ungefähr 800 Häftlingen, die in Gusen II mit der Axt oder mit dem Knüppel erschlagen, teilweise auch ertränkt wurden, weiß ich nichts. Ich habe den Befehl hierzu nicht gegeben.— Auch von den 640 Häftlingen, die zuletzt in Gusen I.auf Block 31 durch die Häftlinge Figel, Amelung und Lisberg(letzterer war Blockältester des Blockes 15) auf Befehl des Schutzhaftlagerführers SS-Hauptsturmführer Fritz Seidler und Rapportführer Michael Killer- mann vergast wurden, weiß ich nichts. Die Häftlinge(sie wurden alle nach der Befreiung durch die amerikanischen Truppen von den anderen Häftlingen erschlagen), die diese Vergasung durchgeführt hatten, mußten diese Vergasung durchführen, da ihnen gesagt worden war, falls sie es nicht tun, sie nicht aus dem Lager herauskommen. Wo der SS-Oberscharführer Jaentzsch ist, der in Gusen I unge- fähr 700 Häftlinge ermordet hat, indem er sie bei 12 Grad Frost nachts unter eiskaltem Wasser ein bis zwei Stunden stehen ließ, weiß ich nicht. Ich weiß auch nicht, wo sich Doktor Kiesewetter, Lagerarzt in Gusen I, der mehrere hundert Häftlinge durch intravenöse Spritzen mit Benzin, Wasserstoff(40 ccm), Kalzium-Sulfuricum, Eunarcon und Evipan getötet hat, befindet. Dr.Richter, SS-Obersturmführer, welcher mehrere hundert Häft- linge ohne jeglichen Grund operierte und ihnen teilweise das Gehirn ausgeschnitten hat oder Magenoperationen, Nieren- und Leberoperationen zu Studienzwecken durchgeführt hat, wurde von mir in das Lager Gunz- kirchen geschickt, mit dem Auftrag, die dortigen Insassen in ärzt- liche Obhut zu nehmen. Ich weiß auch nichts davon, daß der SS-Untersturmführer Miroff, der im Lager Pongau war, 15 kranke Häftlinge erschossen hat.\ Obwohl alle Prügelstrafen von Berlin bestätigt sein mußten, habe ich oft, sogar sehr oft, persönlich aus Wollust Häftlinge aufs Gesäß geschla- gen. SS-Gruppenführer Glücks hat die Anordnung gegeben, schwache Häftlinge als geisteskrank zu bezeichnen und sie in einer großen An- lage durch Gas umzubringen.— Dort wurden ungefähr 1 bis 1% Mil- lionen Häftlinge vernichtet.— Die Vernichtungsstelle heißt Hartheim und liegt ungefähr 10 Kilometer von Linz an der Donau entfernt in der Rich- tung Passau. Im Lager wurden diese vergasten Häftlinge als„normal verstorben” gemeldet. Die Todesmeldungen der noch lebenden Häftlinge, die sich bereits auf dem Transport befanden, wurden schon vorher in der politischen Abteilung des Konzentrationslagers Gusen ausgestellt. 4 Ich möchte dem Reichsführer SS und dem SS-Obergruppenführer Pohl gegenübergestellt werden. Pohl oder Glücks sollen sich augenblick- lich bei St. Lambrecht in der Krevenzenhütte im Gebirge befinden. Die Vergasungsanstalt Mauthausen wurde auf Anordnung des SS- Gruppenführers Glücks gebaut, da dieser behauptete, daß es mensch- licher sei, die Häftlinge zu vergasen statt zu erschießen. SS-Obergruppenführer Pohl schickte mir eines Tages ohne vorherige Benachrichtigung 6000 Frauen und Kinder, die zehn Tage ohne Verpfle- gung auf dem Transport waren.— Sie wurden im Winter 1943 in offenen Kohlenwaggons ohne Decken transportiert.— Die Kinder habe ich, auf Befehl von Berlin, nach Bergen-Belsen(KZ) in Marsch setzen müs- sen. Wie ich vermute, sind sie alle gestorben. Das war mit ein Grund für meinen nervösen Zusammenbruch. Ein Transport von 2500 Häftlingen kam vom Konzentrationslager Auschwitz nach Mauthausen und wurde, auf Befehl von Berlin, im Winter auf dem Appellplatz mit kaltem Wasser bespritzt(gebadet).— Ich mußte diesen Transport dann nach Gusen senden, auf einen Weg von ungefähr fünf Kilometer Länge.— Die Häftlinge hatten keine Kleidung außer Un- terhosen. Ich habe um Kleidung für die Häftlinge gebeten, bekam jedoch die Antwort von Berlin, daß man die Häftlinge, wenn nichts da sei, auch nackt hinschicken solle, Ich habe die Häftlinge also nur mit Unter- hosen bekleidet nach Gusen geschickt.— Dies ist x-mal der Fall gewesen. Der Gauleiter Eigruber hat mir die Verpflegung für alle neuen Zugänge und schwachen Häftlinge versagt und ‚hat sogar angeordnet, daß ich 50 Prozent der für den Winter vorbereiteten Kartoffeln an den Gau abgeben mußte. Der SS-Gruppenführer Glücks war derjenige, der den Befehl herausgab, diejenigen Häftlinge, die im Krematorium arbeiten, nach Gusen zu senden, um sie dort mit Genickschüssen zu erledigen. Sie hatten schon in Auschwitz im Krematorium gearbeitet und konnten dar- über Auskunft geben.— Es existierte ein geheimer Befehl, daß das „Krematoriums-Kommando‘“ alle drei bis vier Wochen zu erschießen war. — Auch war ein geheimer Befehl vorhanden, alle gefangenen Ärzte und Sanitäter, die im Revier arbeiteten, umzulegen.— Ich habe die Aus- führung verweigert.— Diesen Befehl hatte der SS-Standartenführer Dr. Lolling an die SS-Arzte ausgegeben.— Ich habe es aber, als es mir vertraulich mitgeteilt wurde, verboten. Auch andere Häftlinge, die im Revier beschäftigt waren, sollten in andere Lager versetzt und dort um- gebracht werden.— Dr. Wolter, welcher zuletzt als SS-Standortarzt in Mauthausen fungierte, hat es aber verweigert.— Er befindet sich jetzt in Ebensee und ist an Fleckfieber erkrankt. Sehr interessant war das Lager Schlier. Dort arbeiteten zahlreiche Jü- dische Häftlinge als Graphiker und Lithographen. Sie wurden ausschließlich zur Herstellung von ausländischen Bank- noten, Ausweisen und Siegeln gebraucht.(Die größte Fälschungsanstalt der Welt!) In Anwesenheit der Gauleiier Rainer, Dr. Uiberreither, Dr. Jury, Baldur von Schirach und anderer habe ich von Reichsführer SS Himmler folgenden Befehl erhalten:„Die Juden vom Stellungsbau ‚Südosten’ müssen zu Fuß aus allen Orten in Bewegung gesetzt werden mit dem Ziel Mauthausen!" 60000 Juden sollten in Mauthausen ankommen: Es ist aber nur ein geringer Bruchteil davon eingetroffen.— Als Beispiel führe ich an: Ein mit 4500 Juden abgegangener Transport kam nur mit 180 Häftlingen an. Von welchem Ort dieser Transport abgegangen ist, weiß ich nicht. Frauen und Kinder waren ohne Schuhe, in Lumpen gehüllt und verlaust. Bei dem Transport befanden sich ganze Familien. Unzählige waren auf dem Wege wegen allgemeiner Körperschwäche erschossen worden. (Ziereis stellt hier mit gespielter Entrüstung fest:„Das sind die Fol- gen solcher Befehle!" Allein bei einem Transport von 5000 Juden vom Zeltlager Maut- hausen in das Lager Gunzenkirchen wurden auf der kurzen Strecke von vier Kilometer(Lager Mauthausen—Eisenbahnbrücke—Mauthausen) nicht weniger als 800 tote Menschen, die erschossen worden waren, gezählt. Mehrere Lastwagen mußten zum Abtransport der Leichen benutzt werden. Auf die Frage nach seinem Vermögen gibt Ziereis an, nur ein Ver- mögen von etwa 13000 RM. zu besitzen und in einer Bank 6000 RM. hin- terlegt zu haben. Er behauptet, Gold, Diamanten, Brillanten usw. nie be- sessen zu haben.(Nach Aussagen der Ziereis bedienenden Häftlinge hat jedoch Ziereis wiederholt aus der Wertsachen-Abteilung der Gefangenen- Eigentumsverwaltung Wertsachen von Verstorbenen oder Juden entnom- men.) Briefe, die er von Himmler oder höheren SS-Führern erhalten hat, wurden verbrannt.— Dasselbe geschah mit allen Photographien, die Lagersachen betrafen.— Auch sämtliche Akten mußten verbrannt werden. — Der Gefangeneneigentumsverwalter, SS-Obersturmführer Eisen- höfer, hat alles mit sich genommen. Die Messerschmittwerke zahlten nach Aussage des Verhörten Ziereis täglich pro Häftling in den Rüstungsbetrieben an die Verwaltung in Oranienburg 8 RM. aus; aber nur 0.50RM. wurden dem arbeitenden Häft- ling ausbezahlt.— Ziereis verweist hier energisch auf die schamlose Korruption, zeigt sich entrüstet und verlangt, allen früheren Vorgesetzten gegenübergestellt zu werden, um allen diesen Betrügern und Mördern die Wahrheit ins Gesicht schleudern zu können. Mit weinerlicher Stimme weist er darauf hin, daß auch er einer der Betrogenen sei. Er sei kein studierter Kopf und habe als unbekannter Schütze im Felde gedient. Er habe sich durch Fleiß und Mühe emporgearbeitet.(Anmerkung: Ziereis war in diesem Krieg nie an der Front, halte seit 1939 das Konzentrationslager Mauthausen und alle Nebenlager unter sich und wurde innerhalb kurzer Zeit SS-Standartenführer.) Die Auflösung des Kommandos„Gut St. Lambrecht‘ \ Der Verwalter des Gutes war ein SS-Standartenführer aus München, der zusammen mit dem SS-Obergruppenführer Pohl und verschiedenen Frauen im Gute St. Lambrecht oft ausschweifende Gelage veranstaltet hat. Die Masse der Häftlinge stand ihrem Treiben im Wege, und darum entschlossen sie sich, die Häftlinge zu beseitigen. Sie bezichtigten sie, verschiedene Sachen auf dem Gute gestohlen und einen Fluchtversuch vorbereitet zu haben. Auf diese Beschwerde hin wurden die Häftlinge nach Mauthausen zurückgeschickt. Ziereis gibt an, den Befehl erhalten zu haben, diese Häft- linge sofort nach ihrer Ankunft zu beseitigen. Ein Teil dieser Leute wurde tatsächlich in den elektrischen Draht gejagt oder von Bachmayers Dogge zerrissen,(Bachmayer waı der Schutzhaftlagerführer des Lagers Mauthau- sen.) Der andere Teil dieser Häftlinge wurde in die Strafkompanie gesteckt, wo die meisten rasch umkamen. Exekution der 38.Osterreicher am 29. April 1945 Den Grund zur Exekution der in Mauthausen schon seit über einem Jahr sitzenden Österreicher kann Ziereis nicht angeben, da er ihm angeblich un- bekannt war. Er kann dazu nur mitteilen, daß auf Anregung des Gauleiters Eigruber(Oberdonau), weiter des Dr. Piprater und des Leiters der Linzer Gestapo, Spann, die Exekution durchgeführt wurde. Mit dieser Exekution wurde der Gestapoagent Prohaska beauftragt. Dieser Gestapoagent soll auch mit zwei Mauthausener Blockführern die Exekution durchgeführt haben.(Anmerkung: Als Lagerkommandant hat Ziereis nicht gewußt, wer diese Aktion durchgeführt hat! Er selber war fast immer dabeill) Aussage der Lagerschreiber Mauthausen I und II(Häftlinge Panek und Marschalek): Die Exekution sollte schon in der Nacht vom 28. zum 29. April 1945 stattfinden und zwar auf Befehl des damaligen Leiters der politi- schen Abteilung, SS-Obersturmführer Schulz. Die Exekution wurde mehrere- male verschoben. In der betreffenden Nacht um 23 Uhr verlangte der berüch- tigte SS-Hauptscharführer Spatzenegger(München) in Begleitung von mehreren Unterscharführern des Kommandanturstabes die Vorführung der gesamten Oberösterreicher. Alle SS-Männer waren mit automatischen Ma- schinenpistolen bewaffnet. Wir, Panek‘ und Marschalek, verweigerten die Vorführung mit der Begründung, daß wir den Befehl hätten, sie erst am nächsten Tag in der Frühe stellig zu machen.— Wir verwiesen auf den Schutzhaftlagerführer II, Altfuldisch, der uns auch tatsächlich diesen Befehl für den nächsten Tag erteilt hatte. Spatzenegger eilte mit seinem Trupp aus dem Lager. Wir hingegen verständigten die Osterreicher von dem ihnen bevorstehenden Schicksal. Diese unternahmen daraufhin sofort einen Fluchtversuch, der aber durch Mißgeschick und ein Eingreifen anderer Häftlinge vereitelt wurde.— Spatzenegger kehrte in dieser Nacht nicht mehr zurück. Am nächsten Tage mußten sämtliche Österreicher vor der Schreibstube antreten. Einer fehlte, ein gewisser Dietl.(Er lebt und befin- det sich bereits in seiner Heimat.)— Er hatte sich im Sanitätslager verbor- gen. Die Angetretenen standen den ganzen Vormittag an der Häftlingsküche. Erst um 1 Uhr nachmittags wurden sie von dem SS-Oberscharführer Nie- dermayer in den Bunker geführt und dort von zwei weiteren Block- führetn, deren Namen unbekannt sind, niedergemetzelt. Der Prohaska war nicht anwesend. i Den Verbleib oder das Versteck der Angehörigen des SS-Kommandan- turstabes Mauthausen teilt Ziereis ohne Zögern mit. Unter ihnen ist beson- ders der SS-Sturmbannführer Slupetzki interessant, der am 13. März 1944 den Block 15 in Gusen I mit ungefähr 170 SU.-Gefangenen auf Befehl des damaligen Lagerführers, SS-Hauptsturmführers Chmielewski, und des SS-Standortarztes, SS-Sturmbannführer Dr. Krebsbach, mit Cyklon-B-Gas vergaste; sämtliche SU.-Kriegsgefangenen wurden damals ausgerottet. Ziereis gibt an, von dieser Vergasung nichts gewußt zu haben.— Chmie- lewski übernahm Ende 1941 ein Lager in Holland; Konzentrationslager Her- zogenbusch(Holländisch: Hertogenbosch). Er hat dort seine Gusener Häft- lingsbehandlungsart fortgesetzt. Er wurde später aus der SS ausgeschieden und angeblich mit zehn Jahren Zuchthaus bestraft, weil er sich ungeheure Mengen von Schmuck, Edelsteinen, Seide, Stoffen usw. von den Häftlingen« angeeignet hat; ferner hat er in Herzogenbusch weibliche Lagerinsassen in } 9 4 a ; t a Mn, | ! | SET EEE EN IE das SS-Führerheim kommen lassen, sie geschlechtlich mißbraucht und ge- schlagen. Die verhängte Zuchthausstrafe wurde aber vom Reichsführer SS nicht bestätigt und Chmielewski lief bereits Anfang Dezember und im März 1945 in St. Georgen(Gusen), wo er seine Frau in einer eleganten Wohnung sitzen hatte, herum und verschwand erst wenige Tage vor dem Einzug der amerikanischen Truppen. Sein Nachfolger in Herzogenbusch soll ein gewisser SS-Sturmbannführer Grundewald gewesen sein, der später zumTode verurteilt wurde, jedoch vom Reichsführer SS Himmler begnadigt und wieder als SS-Führer ein- gesetzt worden ist.(G. hatte in einer Arrestzelle 40 Frauen eingeschlossen und ließ sie dort alle ersticken). Über den Verbleib Eigrubers erklärt Ziereis: ‘Der Gauleiter Eigruber ist meines Wissens auf eine Hütte gezogen, mit seiner Frau, einem gewissen Holzinger und SS-Sturmbannführer Peter- seil. Die Hütte befindet sich im Warscheneckgebirge, etwa 2400 Meter hoch. Es ist die Gegend, wo ich verhaftet wurde. Über den Verbleib der anderen kann vielleicht meine Frau, die mit der Frau des SS-Obersturmführers Mül- ler(Gusen I) in der Linzer Hütte zusammenwohnt, aussagen. Ziereis wünscht jetzt, daß seine Frau möglichst schnell zu ihm kommt und schreibt folgenden Brief an sie: Liebe Fraul Ich wurde am 23.5. 1945, während Du einholen warst, von den Amerika- nern gestellt und verhaftet. Ich legte meine Pistole hinter einen Baum, der vier Meter von der Hütte entfernt ist, etwa Richtung Hütte, entlang des We- ges, der am Bach entlang in Richtung Liezen führt. Ich bitte Dich, den Her- ren, die Dich vernehmen werden, die reine Wahrheit zu sagen. Insbesondere bitte ich Dich, das wahre Bild der Berliner Vorgesetzten wiederzugeben und meinen Entschluß kundzutun; Du weißt ja, daß wir gemeinsam in den Tod gehen wollten, um unseren Kindern eine bessere Zukunft zu sichern. Bei der Verhaftung gingen mir die Nerven durch, ich legte meine Pistole an den bezeichneten Baum, obwohl ich die Pistole als Meisterschütze gebrau- chen konnte, Die Amerikaner haben sich einwandfrei benommen und meine Flucht mit der Waffe vereitelt Ich wurde zweimal getroffen und konnte mich nicht mehr erheben. Ich befinde mich jetzt im amerikanischen Krankenhaus in Gusen. Ich habe bei meiner Verhaftung, bzw. Vernehmung ausgesagt, was 10 Ser u mir auf Grund meiner Verletzung überhaupt möglich war. Ich habe noch Einzelheiten, die mir noch nach und nach einfallen werden, zu berichten. Bitte, komme und sage den Heıren, wie schäbig sich die Berliner einschließ- lich des Reichsführers SS verhalten haben. Sage den Herren, wie Sich ins- besondere der SS-Obergruppenführer Pohl gemein verhalten hat. Dein Dich liebender: Franz. vage. v.g.u. als Zeugen Unterschriften. Ziereis berichtet weiter: Ich weiß noch Einzelheiten von anderen Lagern. Im Jahre 1941 wurden sämtliche Kommandeure der Konzentrationslager nach Sachsenhausen befohlen, um zu sehen, wie man am schnellsten die ein- gelieferten Politruks und SU-Kommissare liquidieren könnte. In einer abge- teilten Baracke wurden an einem Kopfende die Kommissare und Politruks versammelt und bei einem laut aufheulenden Radioapparat einzeln durch einen dunklen Gang in die Hinrichtungshalle geführt. Auf der gegenüber- liegenden Seite der Baracke war eine aufgeschlitzte Latte, hinter der sich eine bewegliche Auflagevorrichtung für Gewehre und Pistolen befand. Aus diesem Schlitz heraus wurde durch Einstellung die Hinrichtung vollzogen (Genickschuß!). Die SS-Führer des Stabes Glücks waren dabei meist betrunken. Die Erfindung selbst wurde von SS-Oberführer Loritz ersonnen. Hinter den Delinquenten standen SS-Oberscharführer, die nach dem Schuß die Leiche auf ein Brett warfen und, während die Türen von außen geöffnet wurden, die Leichen auf Haufen schichteten. Es waren acht fahrbare Krema- torien gegenüber dem Leichenraum beständig in Betrieb. Die Tagesleistung schwankte zwischen 1500 bis 2000 Verbrennungen. Nach meiner Schätzung dauerte diese Aktion mindestens fünf Wochen. Als wir Kommandanten kamen, war die Prozedur bereits etwa 14 Tage im Gange. In„Groß-Rosen" wurden Häftlinge vom Lagerarzt durch intravenöse Einspritzungen mit einer Zyankalilösung getötet. Der Lagerführer war SS- Hauptsturmführer Arthur Kögel. InBuchenwald war ich, als ich noch bei der Truppe Dienst leistete, Zeuge, wie den jüdischen Häftlingen alle Wertsachen und alles Geld abge- ‚nommen wurden. Dort haben sich als SS-Führer besonders der Obersturm- führer Hackmann und der Untersturmführer Mayer, der ein weitschichtiger Verwandter des Reichsführers SS Himmler war, hervorgetan. Jeder schaffte sich sofort ein großes Auto an; Hackmann ging nurmehr mit Cut und Zy- linder und gestohlenen Brillanten an den Fingern herum und Mayer äffte 11 diese Handlungen nach. Der Arrestaufseher von Buchenwald machte große Unterschlagungen und fuhr mit einem Auto, in dem sich eine nackte Frau befand, nach Erfurt, wo er Zechen bis 5000 Mark machte. Der Lagerkommandant, SS-Sturmbannführer Koch, war ein Syphilitiker und ließ sich von einem Häftlingsarzt behandeln, den er dann später durch einen SS-Arzt kaltblütig ermorden ließ. Mit dem Vermögen der jüdischen Häftlinge wurde ein bedeutender Han- del betrieben. Eine Schlafdecke im Werte von 2.20 RM. wurde an die Häft- linge für 100.— RM. verkauft. Bei sogenannten„Lagerkontrollen“ wurden diese Decken einfach wieder als„unerlaubtes Gut“ abgenommen. Der. seinerzeitige Lagerarzt, SS-Sturmbannführer Dr. Kirchner, hat in. seiner Eigenschaft als Psychiater eine große Anzahl Häftlinge beseitigt unter der Voraussetzung der„geistigen Minderwertigkeit. Die ganze Aktion wurde unter dem Aktenzeichen 14f13 durchgeführt, angeblich zwecks Ver- hütung erbkranken Nachwuchses. Die Häftlinge aus Buchenwald, aus Dachau und zum Teil von Maut- hausen, wurden von einer Berliner Kommission, deren Vorsitzender SS- Hauptsturmführer Dr. Lonauer war, ausgemustert und der Landesan- stalt Hartheim bei Linz a. d. Donau zugeführt. Hier bemerkt Ziereis, daß die Zuführung der ganzen Aktion nicht in Händen der SS lag; lediglich Dr. Lonauer(Linz) und Dr. Rainaud seien SS-Führer, alle anderen Teilnehmer seien von der Polizei gewesen.(Anmer- kung: Entspricht nicht den Tatsachen, denn auch der berüchtigte Dr. Krebs- bach sowie Dr. Kiesewetter und Dr.Richter haben als Ärzte an den Untersuchungen mitgewirkt oder davon gewußt und darüber gesprochen.) Auf die Frage, wer alles dafür ausgesucht worden ist, kann Ziereis keine näheren Angaben machen.(Anmerkung: Tatsache ist, daß z.B. bei den Spa- niern, die für diese Vernichtungsaktion ausgesucht wurden, der Vermerk in die Einlieferungsakten kam:„Rotspanier‘. Auch wurden Häftlinge, die sich bei der SS unbeliebt gemacht hatten, in diese Aktion einbezogen unter dem Einlieferungsvermerk:„Geistig minderwertig‘,„Homosexueller‘‘ oder „Berufsverbrecher”. E Auf die Frage, wie viele Häftlinge wohl der Anstalt Hartheim zugeführt worden sind, sagt Ziereis aus: Nach meiner Schätzung wurden vom Bereich Mauthausen in eineinhalb Jahren ungefähr 20000 Häftlinge zusammen mit den wirklichen Geisteskranken der Vergasung zugeführt. Da ich die ver- schiedenen Aktenstapel der Verstorbenen ın den Kelleın an verschiedenen N 12 Orten gesehen habe, schätze ich ungefähr 400000 vergaste Menschen aus allen Richtungen. An den Namen des Polizeihauptmannes, der diese Aktion geleitet hat, kann ich mich nicht erinnern. Er ist später in Kroatien gefallen. Zuerst wurde die Asche der Verstorbenen hinter der Anstalt aufgespeichert und nach Einstellung der Aktion mit Lastkraftwagen in die Donau gefahren. Die Einstellung der Aktion soll angeblich Hitler selbst befohlen haben, weil infolge der oberflächlichen und schlampigen Benachrichtigung der An- gehörigen vom angeblich normalen Tode des Verstorbenen die Beileids- schreiben über den erfolgten Tod und die Asche gleich zwei- und dreimal zugeschickt wurden und hunderte Reklamationen seitens der Angehörigen erfolgten. In Auschwitz hatte der Sonderbeauftragte des Reichsführers SS, der die Goldtransporte durchzuführen hatte— Zahngold verstorbener Häftlinge und die Goldmengen, die den jüdischen Häftlingen abgenommen wurden,— 40 Kilogramm Gold— unterschlagen. In fast allen Lagern wurden die Haare der Frauen, Kinder und Männer geschoren, um Material für Filzstiefel zu bekommen. Bei den Männern wurde lediglich ein Streifen in Haarschneidmaschinenbreite als Sicherungsmaß- nahme gegen Flucht belassen. Im Jahre 1942/43 wurden nach Mauthausen hollän- dische Juden gebracht. Am 31.5.1943 war Himmler in Mauthausen und ordnete an, daß sämtliche Juden schwere Granitsteine über die hohe Steintreppe vom Steinbruch Wienergraben ins Lager hinaufschleppen sollten. Bei dieser Aktion gingen in kurzer Zeit sämtliche Juden freiwillig über die 50 Meter hohe Steinwand hinunter und blieben mit zerschmetterten Körpern unten liegen.(Anmerkung: Seit dieser Zeit hieß diese Stelle allgemein im Lager„Der Judensprung‘'.) Kurze Zeit später kam Glücks nach Mauthausen. Ich habe Glücks diesen Befehl Himmlers mitgeteilt und gebeten, die Aktion einstellen zu dürfen, da sämtliche im Steinbruch beschäftigten Zivilisten und die Leute aus der Um- gebung diese Vorfälle sehen konnten. Ich bat um eine Vorsprache beim Reichsführer. Nach zwölf Stunden bekam ich einen telephonischen Anruf des SS-Obersturmbannführers Liebenheschl, der mir mitteilte, daß auf Befehl des Reichsführers SS gegen diese Aktion keine Einwendung ge- macht werden dürfe. i 13 REES ERUEER "4 er 4 \ R 1 Drei Monate später trafen in Mauthausen ungefähr 1000 tschechische Juden ein. Damals betrug die normale Sterblichkeit kaum drei Prozent. Die Vorgesetzten in Berlin hielten dies für viel zu wenig. Eines Tages rief Lieberheschl von Berlin an und fragte, was denn in Mauthausen eigentlich los sei und warum er keine Todes- zahlen mehr bekäme. Ich gab ihm zur Antwort, daß ich die Häftlinge für die Arbeiten in den Rüstungsbetrieben brauche.— Von dieser Zeit an wurde mir von Berlin aus mißtraut, und ich hatte einen Anstand nach dem anderen.(Anmerkung: Ziereis avancierte jedoch innerhalb kurzer Frist bis-zum SS-Standartenführer!) Horthys Sohn lebte in Mauthausen unter dem Spitznamen:„Maus”; Badoglio unter dem Namen Brausewetter und Cortey unter seinem eigenen Namen. Einem Befehl des Gauleiters Eigruber nach sollten alle umgelegt werden. Ich habe es aber nach einer Rücksprache mit Oberst Kuppert verweigert. Sie wurden dann nach Dachau geschickt. Nur Cortey blieb in Mauthausen und wurde im Zellenbau versteckt und mit SS-Verpflegung ver- sehen.’ Soweit das Protokoll. Ziereis selbst wurde laut Zeitungsnotiz bei einem zweiten Fluchtversuch erschossen. a, SH Si ER ER ER ERER Jen meensouas na ai BEER IEEBILTTTREREETN TERRE! EUREN ER TTTTNITRTTEE TE Colöür& Grey Control Chart Ei Blue Cyan Green Yellow Red Magenta - White Grey 1 Grey 2 Grey3 Grey 4 Black | FERIEN FEUDEEBTIENERISEREEGEERSMZERDSENSASSTEVE0R Franz rer ErE Te 0 777, * % E Arbeiisgemeinschaft „Mas Eicht,