BOT £ ü m san ra 2 ET net en ana: met AARORE: NETTER ns.- Pre ee RTL RIalin ie DIE STIMME DES ANDEREN DEUTSCHLAND NEON ee var Dieses Buch soll vom Wesen des mW deutschen Widerstandes einen Eindruck vermitteln. An seiner Zusammenstellung wirkten zahl- ER reiche Angehörige der. deut- schen Widerstandsbewegung mit Für die Redaktion sind verantwortlich: I Friedrich August Fischer, Ralph u. Egon Giardono, P } Franz Heitgres, Gertr. Helling, Heinr. Chr. Meier,| Gertrud Meyer-Plock, Heinz Schmidt Op der Bek,\ Karl L. Schneider, Heinz Schuman, Hans Schwarz Künstlerische Gestaltung: Richard Grune Be SEITWITTECTERTT Herausgeber: SEE rer Br TE ES Druck: Gebr. Sto rck GmbH, Oberhausen(Rhld. SEE Sn Das Andere Deutschland! \ „Ich habe euch eine Beichte abzulegen.” ‘ Ich glaubte, daß ich Deutschland und die Deutschen kenne. Ich habe selbst ein kleines Buch über Deutschland geschrieben, und ich muß euch aufrichtig sagen, ich glaubte, daß bloß in Buchenwald und in anderen Lagern wirklich die antifaschistischen Deutschen seien. Ich habe mich jetzt davon überzeugt, daß auch andere Wider- standsgruppen in Deutschland existiert haben. Ich sehe, zu dieser Kategorie von Deutschen, an die ich mich wende, kann man Vertrauen haben. Es gibt eine Reihe von Franzosen, die das bis jetzt noch nicht verstehen und selbst solche, die in den Lagern waren und es nicht wußten. Noch viele Franzosen glauben, daß es nur ein Deutsch- land gibt und alle Deutschen dieselben sind. Colonel Henry Manhes PARIS Ehrenpräsident der FI'APP Rede vom 13. Septemiber 1948 in Berlin, 1. Reihe: Maurice Lampe, Präsident der FIAPP Henry Manhes, Paris, Ehrenpräsident d. FIAPP Jan Jsydorczik, Warschau, Abgeord. des Sjem 2. Reihe: Lilicia Sior Edward Kowalski, Warschau Direktor des Generalsekretariats der FIAPP Auge Christensen, Kopenhagen Sekretär des dänischen Verbandes Bild unten von links nach rechts: Pere Riquet, Paris Lastennet, Generalsekretär, Paris Pater Bonaventura HERE, ‘ Bu ET en Es kommt zuweilen wie für/den einzelnen Menschen, so für ein ganzes Volk ein Moment, wo es Über sich selbst Gericht hält. Es wird ihm nämlich Gelegenheit gegeben, die Vergangenheit zu reparieren und sich der. alten Sünden abzutun. Dann steht aber die Nemesis ihm zur linken Seite, und wehe ihm wenn es noch nicht den rechten Weg einschlägt. Friedrich Hebbel Aus der Vergangenheit lernen Noch immer umgibt Deutschland eine scheinbar unüberwindliche Mouer. Wo einmal Anerkennung und ehrliche Freundschaft bestanden, herrschen’ Mißtrauen und offene Feindscnaft als eine Folge jener Jahre, in denen im Namen des deutschen Volkes anderen Völkern namenloses Leid zugefügt wurde.> In Deuischland selbst bemühen sich vier Jahre nach der Beendigung eines in sei- nen Auswirkungen für alle Menschen furchtbaren Krieges die am nationalen Un- glück unseres Volkes verantwortlichen in Verwaltung, Wirtschaft und Politik ein- zudringen. Bereit, Gleiches nochmals zu wiederholen. Mehr denn je eıgibt sich für das deutsche Volk die zwingende Notwendigkeit, sich der Menschen zu erinnern, die vor und während der Jahre der nazistischen Unler- drückung auf die Folgen hinwiesen, die sıch aus dem verantwortungslosen und ver- bıecherischen Handeln der Hillerclique einmal für das gescomie deutsche Volk er- geben mußien. Jener aufrechten Männer und Frauen und der Besten der deutschen Jugend aus allen Schichten unseres Volkes, die allein ıhrem Gewissen folgend enen verbissenen Kampf gegen das Naziregime führten und im Kampf um den Frieden, um Glück und Wohlstand ihres Volkes große Opfer brachten und oftmals von der Richtstälte noch zur befreienden Tat aufriefen, Die vorliegende Schrift enthält Ausschnitte des antifaschistischen Widerstandskampfes. Es wird eıner späleren Zeit vorbehalten sein, die Geschichte des„Anderen Deutsch- Icnd’’ zu schreiben, weil es zugleich die Geschichte der Jahre der faschistischen Unteidrückung ist. Eine Zeit, dıe sehr viel Bitternis enthält und an deren Ende Ruinen und die Massengräber von Millionen Toten aufragen. Eine Zeit Jedoch, die ven dem neroischen Leben und Sterben der besten Söhne und Töchter unseres Vol- kes berichtet und reich ist an Beispielen menschlicher Größe. Es war ihnen trotz größter Opfer nicht beschieden, Deutschland zu befreien. Der Feschismus zerbrach unter den Schlägen der alliierten Armeen. Ihr leuchtendes Bei- spiel jedoch muß zur Richtschnur unseres Handelns werden, wenn Deutschland den Weg in dıe Gemeinschaft der friedliebenden Völker finden und als gleichberechtigtes Volk geachtet und anerkannt werden will, Wir erfüllen das Vermächtnis Unserer Toten’ durch die Weiterführung ihres Kampfes über alle weltanschaulichen und religiösen Bindungen hinweg für das große ge meinsame Ziel: die Einheit und nationale Unabhöngigkeit unseres Vaterlandes durch den leidenschaftlichen und konsequenten Kampf für den Frieden, In diesem Kampf wissen wir alle Menschen, die guten Willens sind, an unserer Seite, Der Rat der VVN. Unter den ersten Opfern des faschistischen Terrors befand sich Carl von Össietzky. Während seiner Haft im KZ wurde ihm, dem unbeug- samen Kämpfer für Völkerverständigung, der Friedensnobelpreis zu- gesprochen. Carl von Ossietzky starb an den Folgen der KZ-Haft. In einem 1930 ‚in der„Weltbühne”” veröffentlichten Artikel‘entlarvte Ossietzky schonungslos die eigentlichen Träger des deutschen Faschismus. Die Blutlinie Nachstehend bringen wir einen Auszug. Man darf die Hitlerbewegung nicht allein nach den Zivilmäulern der Feder und Strasset beurteilen, man muß vor allem auf ihre militärischen Fäuste schauen. Die Organisationen sind gespickt mit Offizieren aus der Freikorpsepoche. Diese Killinger, Heines, Stennes, Göring kommen alle von Ehrhardt-Roßbach und vom Baltikum. Sie fühlen sich nicht Hitler dienstbar, sondern ihren alten Chefs. Sie sind die Parasiten in der neuen Firma, sie tragen andere Interessen hinein. ohne die neue Kasse zU verschmähen, aber sie sind unentbehrlich, weil Erfahrung und gute Nerven sie über- all für die Exekutive empfehlen. Der kleine Goebbels ist für solche Schwerarbeit nicht ohne Riechfläschchen denkbar. Der Schlag Heines reibt sich am Gras das Rot von den Händen und geht zum Eisbeinessen. Es gibt ein paar Dutzend Freikorpsoffiziere, skrupellose, fanatische, beutegierige Abenteurer, die an allen nationalsozialistischen Aktionen seit zwölf Jahren beteiligt sind. Es führt eine Linie vom Edenhotel und dem Baltikum über Kapp und 0.S. weiter Zu den Ministermorden, der Schwarzen Reichswehr und dem Ruhrkampf, zu den Wahlraufereien und den zerbrochenen Scheiben in der Leipziger Straße. Vor ein paar Monaten wurden am Rhein auf: Geheiß der Partei die Häuser wirklicher oder vermeintlicher Separatisten demoliert, diesmal wird sehr gegen ihren Willen, an dem Tage, wo sie sich als salonfähig erweisen möchten, eine kleine Fensterscheiben- attacke geritten, denn die Helden ‚murren ob der Untätigkeit. Viele Politiker sind seit 1918 gekommen und verschwunden, geblieben ist eine Camorra von unbeschäf- tigten Offizieren die ständig im Geheimen neue Leute anzieht und in ihre Geschäfte verstrickt. Lest im Buche von Gumbel nach oder in den Protokollen der vielen Pro- zesse, ihr werdet immer die gleichen Namen finden,. Es geht eine Blutlinie durch die zwölf Jahre der Republik. Die Gerichte haben sie niemals ernsthaft blosgelegt. Ein einziger konsequent zu Ende geführter Ehrhardt- oder Roßbachprozeß hätte uns den ärgsten Zauber der Hitlermacht erspart. Carl von Ossietzky 6 tt Verfassungsbruch und Rechtsbeugung Der Feldzug beginnt Dimitroff im Reichstagsbrandprozeß Dimitroff: In dieser Beziehung ist auch die Notverordnung der deutschen Reichs- regierung vom 28. Februar 1933 ein ‚Beweis. Sie wurde sogleich nach dem Brande erlassen. Lesen Sie dieses Dokument. Was steht dort? Dort heißt es, daß diese und jene Verfassungsartikel, nämlich die Artikel über die Freiheit der Organisationen, die Unverletzlichkeit der Person, der Wohnung usw., aufgehoben werden. Das ist das. Wesen der Notverordnung, ihres zweiten Paragraphen— ein Feldzug gegen die Arbeiterklasse. y Ich muß sagen, daß auf Grund dieser Notverordnung nicht nur Kommunisten, sondern auch sozialdemokratische und christliche Arbeiter verhaftet wurden, deren Organi- sationen man auflöste... Dieses Gesetz war zur Erklärung des Ausnahmezustandes notwendig. Und es steht in unmittelbarem und organisatorischem Zusammenhang mit dem Reichstagsbrand. Präsident: Wenn, Sie die deutsche Regierung angreifen, entziehe ich Ihnen das Wort, N Dimitroff:.... In der politischen Situation jener Periode gab es zwei Hauptmomente. Das erste war das Streben der Nationalsozialisten nach der Alleinherrschaft, das zweite war als Gegengewicht dazu, die Tätigkeit der Kommunistischen Partei, die darauf gerichtet war, die Einheitsfront der Arbeiter zu schaffen. Meiner Meinung nach zeigte sich das auch während der gerichtlichen Untersuchung im Prozeß. Die Nationalsozialisten brauchten ein Ablenkungsmanöver,-um die Aufmerksamkeit von den Schwierigkeiten innerhalb des nationalen Lagers abzulenken und die Einheits- front der Arbeiter zu/ durchbrechen. Die ‚nationale Regierung‘ brauchte einen im- ponierenden Vorwand für die Herausgabe ihrer Notverordnung vom 28. Februar, die die Freiheit der Presse und der Person abschaffte und ein System der Polizei- verfolgungen, der Konzentrationslager und anderer Kampfmittel gegen die Kom- munisten erleichterte. Präsident: Sie haben die äußerste Grenze erreicht. Sie machen Anspiegelungen. “ Göring: Ihre Partei ist eine Partei von Verbrechern, die man vernichten muß! Dimitroff: Ist dem Herrn Ministerpräsidenten bekannt, daß diese Partei den sechsten Teil der Erde regiert, nämlich die Sowjet-Union? Göring(brüllend): Ich will Ihnen sagen, was im deutschen Volke bekannt ist. Bekannt ist, daß Sie sich hier unverschämt benehmen, daß Sie hierhergelaufen sind, um den Reichstag anzustecken. Sie sind in meinen Augen ein Gauner, der direkt an den Galgen gehört! Dimitroff(den die Polizeibeamten gepackt hatten): Sie haben wohl Angst vor meinen Fragen, Herr Ministerpräsident? Göring(Dimitroff nachrufend): Warten Sie nur, bis wir Sie außerhalb der Rechts- macht dieses Gerichtshofes haben werden! Sie Schuft, Sie! je* Dimitroff.(an Goebbels): Im Herbst 1932, unter der Regierung Papen und Schleicher, sind eine Reihe von Bombenattentaten in Deutschland unternommen worden. Ich frage, ob diese Terrorakte im Jahre 1932 nicht Sache der Nationalsozialisten gewesen sind? Goebbels: Es ist möglich, daß von außen Provokateure in die NSDAP hineingeschickt worden sind. Dimitroff: Nationalsozialisten, die einen Gegner ermordet hatten und zum Tode ver- urteilt wurden, sind vom Reichskanzler Hitler feierlich und demonstrativ begrüßt worden. Ist das dem Zeugen bekannt? Goebbels: Der Führer glaubte, diese Leute, die ja subjektiv im Interesse des Vater- landes richtig zu handeln geglaubt haben, vor dem Schafott nicht im Stich lassen zu dürfen. Dimitroff: Weiß der Zeuge, daß in Deutschland viele politische Morde begangen wurden? Es wurden die kommunistischen Führer Karl Liebknecht und Rosa Luxempurg ermordet\ N Präsident: Halt! Halt! Wir haben hier aufzuklären, wer den Reichstag angesteckt hat. Da kann man nicht so weit in die Vergangenheit zurückkehren. Otto Wels spricht zum Ermächtigungsgesetz Die sozialdemokratische Fraktion stimmte in der Reichstagssitzung vom 23. März 1933 mit»Nein«. seit es einen deutschen Reichstag gibt, ist die Kontrolle der öffent- lichen Angelegenheiten durch die gewählten Vertreter des’Volkes in solchem Maße ausgeschaltet worden, wie es jetzt geschieht und wie es durch das neue Ermäch- tigungsgeselz noch mehr geschehen soll. Eine solche Allmacht der Regierung wird sich um so schwerer auswirken, als auch die Presse jeder Bewegunggsfreiheit entbehrt. Die Herren von der nationalsozialıstischen Partei nennen die von ihnen entfesselte Bewegung eine nationale Revolution, nicht eine nationalsozialistische. Das Vernältnis ihrer Revolution zum Sozialismus beschränkt sich bisher auf den Versuch, die sozıal- demokratische Bewegung ZU veinichten, die seit mehr als zwei Menschenalter Trägerin sozialistischen Gedarıkengutes gewesen ist(Lachen bei den Nationalsozia- listen) und auch bleiben wird. Wollten die Herren von. der nationalsozialistischen Partei sozialistische Taten verrichten, sie brauchten kein Ermächtigungsgesetz Wir grüßen die Verfolgten und Bedrängten, wir grüßen unsere Freunde im Reich. Ihre Standhaftigkeit und Treue verdienen Bewunderung. Ihr Bekennermut, ihre UNn- gebrochene Zuversicht(Lachen bei den Nationalsozialisten,— Bravo bei den Sozial- demokraten) verbürgen eine hellere Zukunft. Noch niemals, 8 sr fs begann,| der Überrat die. Vorbere [s,begann( der Leidens ufrechten Aber es be oller Kamp gegen die freiheit unı Kunderttai Gefängnis & fs begann, die Politik der Erpressung, Mi der Überraschungen; die. Vorbereitung zum zweiten" ; Völkermorden.“ ler Kämpfer und Bekenner gegen die Schänder‘ von Recht, freiheit und a Hunderttausende gingen 1) die Gefängnisse, ZormbiBuget und KzU. Lehre und Aufgaba. Das freie Wort ist nur auf der Seite des Friedens. Das freie Wort dient der Wahrheit und der gerechten Sache. Das freie Wort ist den Faschisten verhaßt, denn sie wis- sen, daß nicht ihre gekaufte Literatur, sondern das Wort, das außerhalb des Dritten Reiches gesprochen wird, als Stimme des wahren Deutschland gilt, Willi Bredel Am’I0. Mai 1933... Am-10. Mai 1933 flammten auf dem Opernplatz zu Berlin und auf vielen öffentlichen Plätzen der Haupt- und Universitätsstädte des Reiches Scheiterhaufen, in denen Bücher verbrannt wurden. Das Todesurteil gegen die deutsche Literatur(die, diesen Namen verdiente), das die Nazis am 10. Mai 1933 proklamierten, wurde in absentia vollstreckt. Geist und Kultur waren dem plumpen Zugriff des Abhubs der menschlichen Gesellschaft ent- zogen; sie waren in die Katakomben gegangen oder sie hatten außerhalb der deutschen Grenzen ein Refugium gesucht, innerhalb„der deutschen Grenzen aber ein inneres Refugium in den Herzen und im Verstande des besseren Teiles der Deutschen gefunden. Nur an einigen wehrlosen Leibern tobte sich das Delirium der Barbaren physisch aus. Aber alles in allem an die 250 Schriftsteller deutscher Zunga haben beizeiten den Machtbereich der Barbaren verlassen. Man hat dergleichen in geschichtlichen Zeiten noch nicht erlebt, daß nahezu die gesamte qualifizierte Literatur eines Landes sich den Usurpatoren widersetzt. 250 Schriftsteller! Viele bedeutende‘ und die bedeutend- all viele, berühmte und die weltberühmten Autoren deutscher Zunge waren unter ihnen. 10 a N a RR Na ai Aus der Kartei der verbrannten Bücher: Julius Bab einer der. bekanntesten Berliner Theater- ve } kritiker. BN Ernst Barlach gleichbedeutend als Bildhauer wie als Dra- x | Dramatiker Ernst Bloch gehört zu den großen deutschen Lyrikern ‚ ‚ N der Gegenwart g Johannes R. Becher\ eigenwillig in der philosophischen Auf- fassung und im Stil Willi Bredel wurde 1935 ausgebürgert. Im Exil schrieb .. er den Romann: ‚Die Prüfung‘ Bertolt Brecht wurde mit dem Kleistpreis ausgezeichnet 1 ; Is Alfred Döblin Kassenarzt im Berliner Osten— seln ver-;“ filmter Roman:„Berlin— Alexanderplatz‘ H Lion Feuchtwanger wurde ausgebürgert, sein Vermögen be- f schlagnahmt. Im Exil neue Bücher ;}{ Leonhard Frank flammender Bekenner einer menschlich- pazifistischen Gesinnung(‚Der Mensch ist gut‘) j ); Sigmund Freud weltberühmter Begründer der Psychoana- Y Iyse und Verfasser zahlreicher psychoana- Iytischer Schriften Hellmut von Gerlach unerschrockener Herausgeber der„Welt am Montag’ Ernst Glaeser schrieb den vielumstrittenen Roman ‚‚Jahr- Bett. gang 1902 |. Stefan Grossmann war Begründer und Herausgeber des„Ta- N | gebuches 4 7 1 Oskar Maria Graf schrieb vor 1933 ‚Wir sind Gefangene’,& 2 ein Bekenntnisbuch aus den Tagen der Y r j Münchener Räteregierung— gehörte der f E& Redaktion der Zeitschrift ‚Neue Deutsche r Fi Blätter‘ an i N Altons Goldschmidt völkerkundlich, wirtschaftlich, politisch, so-} zialogisch fesselnde Bücher N Albrecht Haushofer durch, einen Genickschuss niedergestreckt — in den. Händen des Toten fanden sich die„Moabiter Sonette‘ . ne zT Walter Hasenclever Max Hermann-Neissee Kurt Hiller Arthur Holitscher Heinrich Mann Thomas Mann Hans Marchwitza Friedrich Muckermann Carl v. Ossietzky Ludwig Renn Erich M. Remarque Ernst Toller Kurt Tucholsky wandte sich später dem dramatischen Schaffen zu Verfasser des Romans„Cajetan Schalter- mann“ Begründer der Jahrbücher für geistige Po- litik Z schrieb Dramen und die autobiographische „Lebensgeschichte eines Rebellen’ Im achtjährigen Exil Wegbereiter einer vom Geist bestimmten demokratischen Po- litik berühmtester Repräsentant des geistigen Deutschlands oberschlesische Bergarbeiterfamilie— be- hondelt ein Grundihema der deutschen Arbeiterliteratur Priester und Jesuit— zahlreiche Artikel— Buch:„Der Mönch tritt über die Schwella'‘ durch den Friedensnobelpreis geehrt— hellsichlige Artikel, die in der Weltbühne erschienen sind Romane„Krieg’' und„Nachkrieg' erfolgreichstes Kriegsbuch„Im Westen nichts Neues‘ aufrüttelnde Antikriegsdramen„Wandlung“ — ,Masse‘ Mensch“,„Die Maschinen- stürmer’‘ einer der Gegner der Rechten und schärfsten Polemiker in der von Siegfried Jacobsohn und später von Carl v. Ossietzky geleiteten„Weltbühne‘“ ‚anderer Länder Übertragen wurde. Sigrid Undset schreibt an einen Deutschen »+. Ihr Brief hat mich sehr bewegt— ich glaubte eigentlich niemals, doß meine Bücher in Deutschland etwas anderes a!s Sponnung und Unterhaltung bedeuteten. Es gab ja kein Land in Europa, wo so viel aus der Literotur l “.. Dann kam aber das Bücherverbrennen. Ein junger deutscher Schriftsteller, I mit dem ich recht befieundet war, schrieb mir als Entschuldigung:„Wir haben}| so leidenschaftlich versucht, diese Bücher zu bewundern und zu verstehen, und dennoch, etwas in unserem Wesen sträubt sich immer gegen diesen fremden Geist. Es war wie eine Befreiung als wir sie vernichten durften. Vielleicht hätte man nicht gerade Feuer anzünden müssen.’— Wenn nicht 3 die meisten Deutschen in dieser Weise empfunden hätten, hätten sie wohl 1 nicht in einem solchen Umfang dem Nazismus anheim fallen können. „."' so, Sie werden verstehen, ich glaubte eigentlich nicht daran, daß die Deutschen jemals etwas andeıes als was deutsch ist, verstehen könnten und das mag vielleicht richtig sein. Sie aber haben jedenfalls verstanden, dos ich f niemals für Nazismus und ‚Nordische-Rasse-Unsinn‘ auch nur einen Funken; von Glauben oder Sympathie entgegenbringen könnte. Und ich bin ja sehr glücklich, wenn ich denken darf, das meine Bücher denjenigen Deulschen, die} gegen den Nozismus cushielien, auch nur einige Stunden von Trost und| Freude gegeben habe.| 2| | | | 1 Mit bestem Gruß und alle guten Wünsche für Ihre Arbeit Ihre ergebene Bierkebaek Sega el. pr. Lillehammer Orig. im VVN-Archiv Hamburg Goebbels gibt die Generallinie 3. März 1933: Ernst Thälmann verhaftet! Ein Prozeß gegen Thälmann ist nicht das Wichtigste, wichtig ist, daß er sich in sicherem Gewahrsam befindet. Goebbels Zitiert in:»Unter fremden Himmel« von F. C. Weisskopf 30. Aug. 1933: Professor Lessing ermordet (geboren 8. 2. 1872 Hannover) 2 1908 wurde Theodor Lessing Privatdozent für Pädagogik und Psychologie. an der. Technischen Hochschule in Hannover. Größeren Kreisen wurde er bekannt durch sein Buch:„Europa und Asien‘. Schon im Jahre 1925 warnte er vor der Selbstverstüm- melung der Demokratie und wendet sich gegen die bevorstehende Wahl Hinden- burgs zum Reichspräsidenten. Bei Beginn. der Hit!erregierung wird er ausgewiesen und geht nach Prag in die Emigration, später nach Karlsbad, von wo er den Kampf gegen den Nationalsozialismus fortführt. Auf seine Ergreifung wurde ein Kopfpreis von 40.000 Mark ausgesetzt, der später ouf 80000 Mark erhöht wird. Am 30. August 1933 wird er in Karlsbad durch Hitlers Agenten ermordet. 21. Juni 1. Juli 2. Juli 1. August 28. März 6. April 14. Mai Mai 8. Juli 8. Oktober 30. Oktober 8. November 23. November 17. März 1935 12. Mai 1956 z 17. Januar 1937 Köpenicker Blutsonntag: Zusammenstoß Ar- beiter mit SA. Dreizehn Tote. Braunschweig: Verhaftung von vierhundert sozialdemokra- tischen und kommunistischen Arbeitern. Ermordung vorn zehn Arbeitern, ausgesucht von SS-Stabführung(Jeckein und Klagges) die in Rieseberg eingescharrt werden. Braunschweig: Malkolonne des kommunistischen Jugend- verbandes verurteilt. Hamburg: Vier Hamburger bezahlen durch ihre Hin- richtung für einen Propagandamarsch der SA.(Altonaer Blutsonntag). Düsseldorf: Zehn Arbeiter wegen Fortführung illegaler Organisation hingerichtet. Gottesdienst der Bekenntniskirche, wo die Festnahme von vierhundertzwölf Geist- lichen verkündet wurde. Breslau-Oppeln: HKundertzehn Funktionäre der illegalen KP. stehen vor Gericht Bremen: Achtundachtzig Reichsbannerleute verhaftet. Wolfenbüttel: Flugblattverteiler verhaftet, Hamm: Massenprozeß gegen Arbeiterfunktionäre die ihre Organisationen neu aufbauten. Köln:\ Sechs Kölner Jugendliche hingerichtet. Erste Serienhinrichtung mit Beil. Schöningen: Arbeiter wegen Organisierung von Wider- standsgruppen ‚verurteilt. Wuppertal: Rekordprozeß gegen sechshundertachtund- zwanzig'Arbeiter wegen Organisierung der Einheitsfront gegen Hitler. Hundertfünfundachtzig Geistliche des Alt- preußischen Bruderrates verhaftet. Lüdenscheid: Massenprozeß gegen mehr als zweihundert Arbeiter, die Hitler nicht überzeugen konnte. Hamburg: RFB-Prozeß. Drei Todesurteile. Fünfund- zwanzig Angeklagte erhalten 180 Bahre Haft. ‚Konzentra*ionslager Oranienburg der Standarte 208 Oranienburg, den 17. Juni 1933\ Polizei-Abteilung 1) U der geheimen Staatspolizei Abteilung Potsdam zur Kenntnisnahme 2) Mit Bericht weiterleiten an den Heırn Polizeipräsidenten Graf Helldorf Der am 16. Juni 1933 auf Veranlassung der Staatspolizeistelle Pots- dam im hiesigen Konzentrationslager eingelieferte Schutzhäftling Walter Klausch aus Nowawes wurde am selbigen Tage gegen 22 Uhr in seiner Zelle erhängt aufgefunden. Klausch wurde auf Veranlassung der Polizei-Abteilung gegen 19 Uhr wegen Herausgabe sowie Druckens der»Roten Fahne« und weiterer politischen Delikte(Hochverrat) vernommen, wobei sich herausstellte, daß Kl. äußerst verstockter Kommunist war, der auch jetzt noch im Interesse der K.P.D. seine Aussagen machte. Bei der Vernehmung wurde ihm vorgehalten, daß er wissentlich seinen Auftraggeber verschweige, und er in Einzelhaft Gelegen- heit haben würde, sich auf den betreffenden Namen zu besinnen._ Kl. sollte dieserhalb wieder heute früh um 9 Uhr zur Vernehmung vorgeführt werden, und es ist sehr stark anzunehmen, daß Kl.nur deshalb Selbstmord beging, um die Interessen der jetzigen K.P.D.nicht zu schädigen. Kl. machte den Eindruck eines geistig hochstehenden Menschen, der sehr geschickte Antworten gab, aus denen ersichtlich war, daß Kl. einer mit der eifrigsten Vertreter der jetzigen K.P.D. sein mußte. Irgendwelche Mißhandlungen sind bei der Vernehmung in keiner Weise vorgenommen worden. Der Leiter des Konzentrationslagers Unterschrift Sturmbannführer ur er Erich Mühsam wurde in der Nacht vom 9. auf den 10.Juli1934, als revolutionärerSchrift- steller im Konzentrationslager Ora- nienburg erhängt. Ich sage nicht... Bi Ich sage nicht du darfst nicht hassen— Noch sag’ ich, daß du hassen mußt: Der Herzschlag in beweater Brust; ı Läßt sich nicht in Worte fassen. VS Nicht will ich dich zum. Hasser machen Re Und sprech auch nicht: Hab’ keinen Hoß! N Doch will ich dich ohn’ Unterlaß le Der Leidenschaften Glut entfachen.\ Nicht alles Heil entströmt der Milde, n Die Liebe ist ein reicherer Born: N Verschmähe nicht ihr Salz, den Zorn!| Stark forme deine Welt zum Bilde! ERICH MUHSAM ‚schrockene Haltung TE FE ER EETE VETERAN: Don 77 ET Etkar Andree Seine Kindheit und Jugend verlebte Etkar in Belgien. Vor dem ersten Weltkrieg schon war er Mitglied der belgischen antimilitaristischen Organisation ‚Junge Sozialistische Garden‘. Nach dem Kriege in Deutschland lebend, schloß er sich der Kommunistischen Partei an und wurde einer der beliebtesten Arbeiterführer Hamburgs. Ihm galt der besondere Haß der Faschisten. Schon 1931 versuchte die SA, ihn zu ermorden. Bei der Machtübernahme Hitlers wurde er sofort verhaftet. Es wurde ihm die intellektuelle Urheberschaft am„Altonaer Blutsonntag' zur Last gelegt. Sein Prozeß nahm viele Wochen in Anspruch, in welchem er restlos das Material der Anklage als falsch überführte. Durch seine vorbildliche und uner- hat sein Prozeß internationalen Widerhall gefunden und stür- mische Proteste in der ganzen Welt gegen das Naziregime ausgelöst. Er wurde am 4. November 1936 im Alter von 42 Jahren in Hamburg hingerichtet. Fiete Schulze wurde am 22. Oktober 1894 in Hamburg geboren. Als junger Handwerker bekennt er sich zum Sozialismus und wird noch vor dem Weltkrieg Mitglied der SPD und 1923 der KPD. Der Oktoberaufstand in Hamburg, an dessen Organisierung er hervorragend beteiligt war, zwingt ihn zur Emigration. Nach elf Jahen kehrt er in die Heimat zurück, um sofort den Kampf für Freiheit und Frieden aufzunehmen. Doch bereits im Sommer des folgenden Jahres gelingt es der Gestapo, ihn in ihre Hände zu bekommen. Fiete wird vor Gericht gestellt. Die nazistische Rachsucht tobt sich in einem Urteil von 260 Jahren Zuchthaus und drei- fachem Todesurteil aus. Fiete bleibt der mannhafte Verteidiger seiner Sache. Stolz bekennt er sich zu seinen Handlungen.... Im Angesicht des Todes schleudert er denen, cie ihm Ehre und Leben absprechen, die Worte ins Gesicht:„Wenn Ihr meinen Kopf noch haben wollt, müßt ihr euch beeilen. Denn lange dauert eure Herrlichkeit nicht!’ Am 6. Juni 1935 wird er in Hamburg hingerichtet. 19 er re ee he Die Schaftstiefel von Jan Petersen Alles war mit rasender Schnelle, völlig unerwartet über ihn hereingebrochen. Ausgerech- net heute, an diesem verfluchten Tage, mußte er in der SA-Stabswache am Potsdamer Platz herumscharwenzeln. Zum Heulen! Beefsteak-SA-Mann Ernst Rössel— außen braun und innen rot— geht seinen SA-Kontakt, seine für illegale Arbeit so wert- vollen Verbindungen aufpolieren, und schwapp, der ganze Bau wird ausgehoben. Und jetzt sitzt er in der Lichterfelder Kadetienanstait!— Ohrfeigen könnte man sich! Idiot! Klar, das war's: Der Gegenschlag gegen die herumgeflüsterte Parole: „Zweite Revolution!’ Gegen’ die bis auf die Knochen enttäuschte SA. Die neu- gebackenen Nazis, die Märzgefallenen-Politiker und Postenbeseizer, zusammen mit den wirklichen Herren im Hause, ließen mit der in so mancher Beziehung unsicheren SA aufräumen. Der große Traum der SA war ausgeträumt.‘ Die entscheidenden Posten in der. kommenden Armee? Für uns! Für die traditionelle Militärkaste!— Und was tat der Treueschwur-Führer? Stand der zwischen zwei Feuern?— Mitnichten! Seine SS war ausführendes Organ. „Meine SA-Männer! Soldaten der Bewegung!’ Verklungene Musik. Einen Dreck wert. „Nichts geschieht ohne mein Wissen!’ Auch das stammte von ihm.— Als ob wir es nicht haben kommen sehen, besonders in den leizten Monaten. Nur das ‚wie‘ haben wir nicht genau abschätzen können.—— Morgen vormittag werde ich nicht auf dem vereinbarten Treff sein, und Jan wird sich vieles denken können. Er wird sofort unsere Schriftsteller-Gruppen warnen, jede Verbindung mit mir abzubrechen... Wie weit werden sie gehen in diesem„Durchgreifen‘’?—— Morgen vormitiag! Mein Gott, was kann einem bis dahin nicht schon alles passiert sein. So ein elödsinniges Pech zu haben, so eine‘...! Wie spät war es nun eigentlich? Zwanzig Minuten nach ocht... Eine ruckartige Bewegung ging durch den Raum. Alle Köpfe drehten sich, wie aufgezogen, zur Tür. Ernst war plötzlich hellwach. Die Tür flog auf. SS-Leute, mit Karabinern in den Händen, füllten den Türrahmen. Sekundenlang war bleierne Stille. Jemand atmete laut und keuchend, als sei er am Ersticken. Draußen, auf dem Gang, schrie plötzlich eine Stimme in die lähmende Stille hinein: „Hauptsturmführer Grunewald!—— Hauptsturmführer Grunewald——!”’ Und dann schrill, sich überschlagend:„Sie sagen—— wir haben—— den Führer verraten!’ Ein baumlanger SA-Mann mit drei Sternen und zwei silbernen Litzen am Kragen, der links: von der Tür stand und alle überragte, gab brüllend Antwort:„Lügel—— Lüge!” Sein Gesicht war blaurot und verzerrt. an seinem Hals traten die Adern heraus. Er riß den rechten Arm zum Hitlergruß'hoch und brüllte erneut: ‚Lüge!— Heil Hitler’’!. In die SS, die schweigend und mit zusammengekniffenen Augen die Gesichter im Raum abgetastet hatte, kam Leben. Die Karabiner quer haltend, drangen sie ein, und hinter ihnen erschienen andere Totenkopf-Mützen, eine lange, schwarze Doppel- reihe, mit schußbereiten Karabinern. Ernst sah, wie sich einige an den SA-Mann hingen, der wild um sich schlug, ihm die: Arme umdrehten, ihn unter Kolbenschlägen zur Tür zerrten. Jetzt war es nicht nur der Hauptsturmführer. Links und rechts vor Ernst, in der Mitte des Raumes, zwischen den dichtgedrängt stehenden Männern, brach der zerrende Wirbel los. Ernst fühlte, wie‘ ihm Schweiß ausbrach, kalt und stechend, sein ganzer Körper schien von unzähligen Nadelstichen gepeinigt zu wer- den. Plötzlich wurde ihm eine Stimme bewußt, eine befehlende Stimme:„Der!— Der!— Und der!’ und wieder Gewühle und Gestoße, und immer die Siimme da- zwischen, kalt, und laut befehlend:„Der!— Der!” jetzt ganz nahe, jetzt wie von weit her... 20 Ernst duckte sich, machte sich schmal, als könne er in sich selbst hineinkriechen. Alles in ihm drängte nach der hinteren Wand des Raumes. Doch«der Raum, der ganze Raum selbst, schien sich nach dorthin zusammenzuziehen, eine große, rötliche Dunstfläche, die plötzlich zusammenschrumpft. Dann fühlte er sich hochgehoben. Irgend etwas, vielleicht der Rücken eines Menschen, vielleicht viele Rücken, schoben ihn hoch, hinein in das trübe Licht der Birnen, in den rötlichgelben Lichtkreis des Kellerraumes.. Jetzt sehen ‚sie mich!— Doch’ dieser Gedanke: löste auf einmal auch eiwas anderes in ihm aus. Irgend etwas merkwürdiges, nein, etwas Festes, ein Gefühl, das er immer gespürt hatte, wenn ihm in der illegalen Arbeit Gefahr drohte. Es brachte ihn zu sich, machte ihm das Geschehen im Raum- sichtbar, lehrte ihn wieder hören. Einer in der schwarzen Doppelreihe an der Tür, einer mit einer großen Hakennase unter der Totenkopf-Mütze, schrie jeden, den sie hinauszerrten an: „Schaftstiefel ausziehen!—— Schaftstiefel ausziehen!... Los, dalli! Die soll’n wir euch nachher wohl selber von den steifen Knochen zieh'n, was?!’ Auf einmal war der tosende Lärm zu Ende. Die Tür war knallend ins Schloß gewor- fen worden— und dann war Ruhe. Ruhe? Eine erstickende Ruhe. Als ob man unter einer Glasglocke säße, und aus ihr wird langsam die Luft, die Luft zum Atmen 'herausgepumpt! Ruhe! Tobte nicht in jedem einzelnen ein Sturm? Lauschte nicht jeder ängstlich, fieberhaft, mit allen seinen Sinnen?.\,. Da drüben, an der Wand, saß zusammengekrümmt, wie leblos, der untersetzte Graukopf. Sein eleganter Anzug war verdreckt, der linke Jäkettärmel eingerissen. Sein goldener Kneifer baumelte an einem schwarzen Seidenband zwischen seinen Knien. Mit empörter Würde hatte der. protestiert:„Ich bin nur ein Zivilist! Ich bin Generaldirektor!”—„sehr richtig, von Krupp! Du Röhm-Waffenschieber!‘ hatte die SS geantwortet. Und der dort, in der hohen Stahlhelm-Uniform, mit den ins Weite starrenden, gläsernen Augen, und den.blutlesren Schmissen?„Das ganze ist ein Mißverständnis! Ein Versehen! Erlauben Sie mir, bitte den Freiherin von Soundso zu verständigen! Der Freiherr ist mein...!“ ‚Welcher Tag war heute? Der dreißigste. Der dreißigste Juni 1934...„Von den steifen Knochen zieh'n....‘‘ Das Datum würde bleiben, nur das Datum. Alle diese— und. die Truppführer, Sturmführer, Hauptsturmführer, Standartenführer, und die ein- fachen SA-Männer, die belogenen und betrogenen SA-Männer, würden... Und er! Er auch...!—.In Badeanzügen waren welche hier. SA-Männer in Badeanzügen. Die hatten im Tegeler See gebadet, als man sie ergriff, so hatten sie's erzählt. „Erst die Uniformen anziehen? Lachhaft! Die braucht ihr nicht mehr!‘ So hatten sie’s erzanlt, Ja, so... Und jetzt... jetzt! Ein rollendes Knattern. Dumpf und fern, kaum hörbar. Doch, doch, klar und deutlich! Da, wieder... Da, wieder! Aus dem Menschenknäuel fuhr jemand hoch, stolperte, stieß, biß ‚sich nach vorn, hämmerte mit rasenden Fäusten gegen die Tür, schrie gurgelnd, immer dieselben Worte:„Laßt mich raus! Ich will nicht!— Laßt mich...! Ich will—— nicht!”—— Die Türen in der Lichterfelder Kadettenanstalt gingen auf und zu. Die ganze Nacht. Die SS hatte Schußfreiheit. Am Morgen kam Befehl, in jedem einzelnen Falle Unter- suchungen anzustellen.— Ich sah Ernst viele Wochen später. Sein Haar war an den Schläfen grau. Ganz grau. Er war damals zweiundzwanzig Jahre alt. Man hatte nachgeprüft, daß er ein„alter Kämpfer‘', Mitglied der SA seit dem Jahre 1931— völlig unverdächtig war. Er hatte in der Stabswache am Potsdamer Platz einen Freund besucht— an jenem Tage, da man Schaftstiefel von Füßen zog, um sie für andere Füße und für den Marsch, der die Welt verwüsten sollte, bereit zu haben.— Ernst kam heraus. Planung von oben Der Sklavenstaat entsteht Die Rolle der Konzentrationslager in Deutschland Zusammgestellt aus»Der SS-Staat« von Dr. Eugen Kogon Der Hauptzweck der Konzentrationslager, die ja nicht von Himmler erfunden, von ihm aber nach einem einheitlichen Gesichtspunkt ausgebaut und von seiner SS durchweg zu dem gemacht worden sind, was sie mit Recht als das entsetzlichste Kapitel Deutschlands erscheinen läßt, war die Ausschaltung jedes wirklichen oder vermuteten Gegners der nationalsozialistischen Herrschaft. Absondernd, diffamierend, entwürdigend, zerbrechend und vernichtend— das waren die Formen, in denen der Terror in Wirksamkeit trat. Dabei kam es den National- sozialisten nicht auf Gerechtigkeit an. Lieber zehn Unschuldige hinter Stacheldraht: setzen, als einen wirklichen Gegner aus den Augen verlieren. Auf solche Weise konnte man hoffen, jede Opposition von vornherein im Keime zu ersticken. Sie garnicht erst zU irgendeiner organisatorischen Entwicklung gelangen zu lassen und ihr, wenn sie sich doch irgendwo regen sollte, jeglichen Ausbreitungsboden zu entziehen. Die ersten In Deutschland errichteten Konzentrationslager stellten noch nicht den Typ dar, der sich später herausgebildet hat. Das KZ Dachau kam ihm am nächsten. Es war von 1933 an für politische Schutzhäftlinge errichtet. Als das älteste KZ Deutschlands wurde es überall im Land ein Begriff. Neben dem KZ Dachau gab es in den ersten Jahren nach der Machtüberrahme noch eine geringe Anzahl weiterer kieinerer Lager. Meist in Mitteldeutschland, vor allem in Sachsen und Thüringen. Sie unterstanden alle der SA. Genau wie die sogenannten Justizlager im Oldenburgischen Moor. Keines dieser ersten Lager hatte mehr als 1000 Insassen, meist nur einige Hundert von Dachau und den Emslandlagern ab- gesehen, deren Belegschaft jeweils wesentlich höher lag. Das Leben dort spottete 22 Taraımad Sauer ı Namanıs jeder Beschreibung. Die Schilderungen der wenigen alten Konzentrationäre, die jene Jahre überlebt haben, stimmen darin überein, daß es kaum eine Form des perver- tiertesten Sadismus gab, die von den SA-Leuten nicht praktiziert worden wäre. Die Totenkopfverbände, der SS wählten sich erst ab 1936 feste Standorte, deren Ein- richtungen von vornherein auf'Dauer berechnet waren. So entstanden die 3 Haupt- lager der SS: Dachau bei München, Buchenwald bei Weimar und Sachsenhausen bei Berlin. Sie wurden, wie man sieht, in Süd-, Mittel- und Norddeutschland die großen Stammlager der SS. Später kamen die KZ’s Groß-Rosen i. d. Lausitz, Flossenbürg bei Weiden in der Bayr. Oberpfalz, nahe der tschechischen Grenze, Nevengamme bei Hamburg, Ravensbrück i. Mecklenburg als Frauen-KZ und nach der Eroberung Oester- reichs, Mauthausen bei Linz hinzu. Die organisatorische Leitung und Zusammenfassung der KZ’s erfolgte von Berlin aus. Das SS-Wirtschafts-Verwaltungs-Hauptamt, von dem Teile in Oranienburg neben dem KZ Sachsenhausen untergebracht waren, lenkte die gesamte Wirtschafts- und Finanz- Autonomie der SS, während alle übrigen Bereiche Personalfragen, Stellenbesetzung, Ausbildung, Sanitätswesen, Rassenbiologie usw. dem SS-Führungs-Hauptamt zuge- ordnet waren. Ueber beiden und der von ihnen unabhängigen Gestapo mit dem SD stand der Reichsführer SS Heinrich Himmler. Das SS-WVH hat drei Stufen von Konzentrationslager geschaffen. Stufe I(Arbeits- lager) stellte die mildeste Form dar, Stufe II— eine Verschärfung der Lebens- und Arbeitsverhältnisse, Stufe III— die Knochenmühlen, die man nur in den seltensten Fällen lebend verließ. Die SS hat mit Ausbruch des Krieges, hauptsächlich aus den bereits angegebenen Gründen, aber auch weil ihr neue Serien von Gegnern in allen europäischen Lön- dern in die Hände fielen, die Zahl der KZ’s außerordentlich erhöht. Schon vorher hatte die Tendenz bestanden, von jedem Stammlager aus eine mehr oder minder große Anzahl sogenannter Außenlager zu gründen. Das Gesamtgebiet Deutschlands wurde systematisch mit diesen Terroreinrichtungen durchsetzt. 1939 scheint es ins- gesamt, unter Einrechnung der Außenlager, bereits mehr als 100 deutsche KZ’s aller Sorten gegeben zu haben, wenn auch nur die erwähnten großen KZ's ‚überragende Bedeutung hatten. Die Ausbreitung des Nationalsozialismus über Europa brachte dann einen wahren KL-Gründer-Boom. Es entstanden die weltberüchtigten Lager Auschwitz, Lublin, Maidaneck, Riga, Stutthof bei Danzig, Natzweiler i. d. Vogesen, Bergen-Belsen bei Hannover und eine lange Reihe von kleineren. Ohne alle Zweifel sind Millionen im Laufe der zwölfjährigen Herrschaft des Nationalsozialismus durch die Konzentrationslager gegangen. Nimmt man die Zahl der Toten von Auschwitz, die allein zwischen 3,5 und 4,5 Millionen zu liegen scheinen, sowie'anderer ähnlicher Lager zum Ausgangspunkt versuchsweiser Berechnungen, so ist leicht zu ersehen, daß es insgesamt mindestens elf Millionen Menschen gewesen sein müssen. RENTABILITATSBERECHNUNG DER Täglicher Verleihlohn durchschnittlich RM 6.- abzüglich Ernährung RM--.60 Bekli Amor", 10„7 79 durchschnittl. Lebensdauer 9 Mt.—270X RM 5.30—=RM 1.431.— Erlös aus rationeller Verwertung der Leiche:} 1. Zahngold 3. Wertsachen 2. Kleidung 4. Geld abzüglich Verbrennungskosten RM 2.— durchschittlicher Nettogewinn RM 200.— Gesamtgewinn nach 9 Monaten RM 1.631.— zuzüglich Erlös aus Knochen und Aschenverwertung Kogon:„Der SS-Staat’’ Bericht der ‚Fränkischen Presse‘’ Bayreuth vom 7.2.1947 Ne ee en Das erste Häftlingskomite im Lager Börgermoor Tatsache ist, daß schon nach wenigen W bestand, den niemand kannte, aber dessen Wir begannen in allen Baracken Unterrichtsk Französisch, Stenographie und Esperanto, Die Lehrer waren Arbeiter, die selbst denplan hing in der Sonntag, acht bis zehn Uhr, Esperanto, Tisch ach ren, daß man, wenn man an den Tisch der schnappte:„... Und deshalb ist die Gewinnun das strategische Hauptziel‘ Eines Abends, als wir beim Nachtessen bei Tisc „Hört mal, Genossen, muß. Also. die Sache ist so: lich. Wenn ihr irgendwelche Fragen habt, verschiedensten Gerüchte und Latrinenpar ob sie wahr sind oder nicht. Wenn ihr gesagt wird,„Moritz hat gesagt...." „Moritz.hat gesagt... ist also das, was die M na, Ihr versteht mich schon.“ Und seit der Zeit gab es in unserem La In einer Baracke waren der chemalige hessische Pressechef, dem Reichstagsabgeor tischen Funktionäre hatten es durch mit allen Barackeninsassen im besten Einverne Beispiel Deutsch-Unterricht in der Baracke und viel zu erzählen— besondeis über seine Ballon dorf jene Distanzierung zwischen sozialdemokra tern nicht In Frage kam. für unseren Tisch in Zu ochen ein geheimer ‚Kopf‘ im Lager Anweisungen jedermann befolgte. urse in der Freizeit einzuführen. Englisch, Wirtschaftsgeschichte, solche Kurse durchgemacht hatten. Ein Stun- Barccke. Sonntag, acht bis zehn, t usw. Es konnte aber auch passie- Esperantisten kam, die Worte auf- rückt ein wenig zusammen, dann kommt zu mir. olen durch die Gegend, dann wißt ger eine, geheime Leitung. dneten Mierendorf. ihr kameradschaftliches Verhalten verstanden, \ EEE re Schachunterricht. Uhr, Französisch. Tisch drei. g der Mehrheit der Arbeiterklasse h saßen, sagte ein Kamerad: damit ich nicht so laut sprechen ukunft verantwort- Da schwirren die und keiner weiß, kunft eine Meldung hört, von der Ihr, daß diese Parole stimmt. einung von Kameraden ist;-die=e. hier bin ich in Z minister Leuschner mit seinem Diese beiden sozialdemokra- Innen zu sein. Leuschner gab zum wußte auch sonst den Kameraden fahrten, so daß für ihn und Mieren- tischen und kommunistischen Arbei- hmen Wolfgang Langhoff EN FRE Re re Ye Sa Wilhelm Leuschner geb. am 15. 6. 1890 in Bay- reuih, von 4928 bis 1932 hessischer Innenminister, Mitglied des Internationalen Arbeitsamtes 1933 bei»der Rückkehr von einer Internationalen Ar- beitskonferenz aus Genf auf Ley's Veranlassung durch Funkspruch verhaftet. Bis Juni 1934 in verschiedenen Konzentrationslagern(Papen- burg-Lichtenburg). Im Zusammenfiang mit dem 20. Juli 1944 erneut verhaftet und am 29. September 1944 in Brandenburg hingerichtet. Holzschnitt von Fritz Schulze Rundgang im Gefängnishof Fu „Aus unserer Mitte sind brutale und gewissenlose Menschen hervorgegangen, die Deutschland entehrt und Deutschlands Untergang herbeigeführt haben. Sie beherrsch- ten das deutsche Volk mit einem so klug gesicherten Schreckensregiment, daß nur Heldenmütige den Versuch, es zu stürzen, wagen konnten. So tapfere Menschen gab es eine ganze Anzahl unter uns. Es war ihnen nicht beschieden, Deutschland zu retten, nur für Deutschland sterben durften sie. Wenn wir derer gedenken, die im Kampf gegen den Nationalsozialismus ihr Leben gelassen haben, erfüllen. wir eine Pflicht der Dankbarkeit, zugleich aber tun wir uns selbst wohl, denn indem wir ihrer gedenken, erheben wir uns über unser Unglück. Nicht allen sind unsere Märtyrer bekannt, und von denen, die man kennt, weiß man nicht viel mehr als den Namen... Ricarda Huch „Um eines bitte ich: Ihr, die ihr diese Zeit überlebt, vergeßt nicht. Vergeßt"die Guten nicht und nicht die Schlechten. Sammelt geduldig die Zeugnisse über die Gefallenen. Eines Tages wird das Heute Vergangenheit sein, wird man von der großen Zeit und von den namenlosen Helden sprechen, die Geschichte gemacht haben. Ich möchte, daß man weiß, daß es keine namenlosen Helden gegeben hat, daß es Menschen waren, die ihren Namen, ihr Gesicht, ihre Sehnsucht und ihre Hoffnungen hatten und, daß deshalb der Schmerz, auch des letzten unter ihnen, nicht kleiner war, als der Schmerz des ersten, dessen Namen erhalten bleibt. Ich möchte, daß sie alle euch immer nahe bleiben, wie Bekannte. wie Verwandte, wie ihr selhst. Julius Fucik:„Reportage unter dem Strang geschrieben.‘ 26 EEE PT ru => 1 r ae Jenseits von BDM und Frauenschaft Frauen stehen zu ihren Männern So groß war die Furcht vor Vergeltungsmaßnahmen der Nationalsozialisten, daß meine ehemaligen Kollegen vom Stadttheater nicht einmal mehr wagten, meine Frau zu grüßen,„geschweige denn mit ihr zu sprechen. Wie eine Verfemte und Aus- gestoßene lief sie durch die Stadt und fand überall verschlossene Türen. Wir in unseren Zellen.konnten uns gar nicht so richtig vorstellen, welche Sorgen, Qualen, Entbehrungen und Schikanen unsere Angehörigen ertragen mußten. Da saßen sie völlig rat- und hilflos, womöglich noch mit Mehreren Kindern zu Hause und mußten von den paar Pfennigen der Wohlfahrt leben. Und auch die bekamen noch nicht einmal alle. Wenn Besuchstag war, standen sie mit ihren Markttaschen oder Paketen, die Kinder an der Hand, vor dem Gefängnistor Schlange und warteten geduldig, bis sie an der Reihe waren, ihren Mann für kurze fünf oder zehn Minuten zu sehen. Von den umliegenden Ortschaften kamen sie zu Fuß mit den Kindern an. Sie marschierten am frühen Morgen weg, waren mittags in der Stadt und holten sich auf der Kriminal- polizei einen Besuchsschein, sahen dann den Vater oder den Mann im Besuchs- zimmer, lieferten ein wenig Tabak, Schmalz und ein paar Aepfel ab und marschierten dann wieder zurück, stundenlang. Unser Kommandant, der doch über die Entlassun- gen nicht zu verfügen hatte, wurde mit Bittgesuchen um Freilassung des Mannes, des Vaters, des Sohnes bestürmt. Man ließ die Kinder selbst Briefe schreiben an den Landrat oder die Kriminalpolizei, worin sie um ihren Vater bitten mußten.—— An einem Sonntagmorgen sahen einige Häftlinge am Brückenkopf jenseits des Kanals einen Autobus halten, dem viele Frauen entstiegen. „Die Frauen kommen! Die Frauen kommen!‘ Alles rannte aus den Baracken ans Stacheldrahtgitter und starrte zum Kanal hinüber. Tatsächlich! Es mochten 20 bis 30 Frauen sein, die dort in ungefähr 400 Meter Ent- fernung standen und mit dem SS-Posten verhandelten „Von Remscheid kommen sie. Meine Frau hat mir doch geschrieben, daß sie einen Omnibus nehmen wollen, wenn’s Besuchserlaubnis gibt!‘ „Dann ist auch meine dabei! Mensch, dann ist die Anna auch dabei! Die bleibt doch nicht zu Hause!’! „Vielleicht haben sie auch noch welche von Hagen und Düsseldorf mitgenommen!” Wir standen hinter dem Gitter und reckten uns die Hälse aus. Es war aber niemand zu erkennen. „Jetzt kommt ein Posten runter! Der geht zum Alten!’ „Paßt auf, die lassen sie gar nicht rein! Sie werden wieder zurückgeschickt!’' Der Posten kam jetzt am Gitter vorbei und schrie uns zu:„Was ist denn los, was ist denn los! Wollt ihr machen, daß ihr in die Baracken kommt! Was steht ihr denn da und glotzt! Habt ihr denn noch keinen Rock gesehen? Los— haut ab!" Keiner dachte daran, in die Baracken zurückzugehen. Das waren unsere Frauen, die dort draußen standen, unsere Frauen! Ä Mit einem Male brach: das durch und wurde Massenstimmung, was bisher nur Jedeı für sich allein gedacht und empfunden hatte: „Da sollen die mal unsere Frauen kennenlernen! Die lassen sich nicht wegschicken! Wenn die bis hierher gekommen sind, dann kommen sie auch ins Lager! Da könnt ihr Gift drauf nehmen!‘ Im Laufschritt rannten ein paar SS-Männer im Lager auf uns zu.„In die Baracken, marsch, marsch.' Unwillig und zögernd zogen wir ab. Von Zeit zu Zeit berichteten uns Kameraden, die zur Latrine gingen, daß die Frauen immer noch am Brückenkopf stünden. „Eine ist dabei mit einem ganz knallroten Kleid!’ „Ja, und eine winkt immer mit einem weißen Taschentuch!’ „Sie müssen auch Pakete mitgebracht haben, ich hab“ so was Aehnliches gesehen!’ „Jungens,— eben ist der Kommandant selber raufgefahren mit dem Fahrrad! Der verhandelt jetzt mit ihnen!’ Von 10 Uhr vormittags bis 2 Uhr nachmittags standen die Frauen oben am Brücken- kopf und ließen sich nicht abweisen. Schließlich erhielten sie vom Kommandanten die Erlaubnis, ihre Angehörigen fünf Minuten lang zu sprechen. Aus Wolfgang Langhoff:„Die Moorsoldaten”. 27 Denen ers A Geheime Staatspolizei’Hamburg Tgb.-Nr. 373/36 G.Sst.P. 6 Hamburg 36, den 26. März 1936 Stadthausbrücke 8 Dem Geheimen Staatspolizeiamt Abt. IV, BERLIN Betrifft: Illegale KPD Vorgang: Dort ohne Anlagen: 6 In der Anlage. I übersende ich einen Bericht(Durchschrift) betr. den augenblicklichen Stand der illegalen KPD-Organisation in Groß-Hamburg. Im Nachgang zum letzten Absatz dieses Berichts übersende ich in den Anlagen II, IN, IV und V Abschriften der wichtigsten Artikel aus dem mir zugegangenen neuesten Material. Die dorthin wie üblich abzugebenden Original-Exemplare sind bereits übersandt. Ich bitte von den Abschriften, Anlage V und VI, ein Exemplar an das Dezernat des Herrn Kommissar Wandel weitergeben zu wollen, da diese inhaltlich die Siemens-Schuckert-Werke behandelt. Bekanntlich sind wir kürzlich in der Angelegenheit der norwegischen getarnten Delegation, die im November 1935 auch Berlin berührt hat, auf die Siemens-Werke gestoßen. Zur Anlage VI wird bemerkt, daß die Grammophon-Sprechplatte am 23. März 1936 von Amsterdam abgehend, an ein Frau Müller, Hamburg, Hühnenstein 13, adressiert war, die sie nach dem Eingang hier ablieferte. Anlage I Gestapo 6 Hamburg, den 23. März 1936 BERICHT betr. den augenblicklichen Stand der illegalen KPD-Frauengruppe Thälmann- Saefkow- Mindus- Behr hatten nicht den gewünschten Erfolg und endeten jetzt mit der Feststellung, daß die Saefkow Anfang Januar 1936— wahrscheinlich mit dem - im letzten Herbst aus der Strafhaft entlassenen Robert Mi kes;kı— zur Lenin-Schule nach Moskau gegangen ist, während der:”" Thälmann eine aktive illegale Betätigung wohl kaum nach- zuweisen ist. Aus diesem Grunde brauchte mit der. Festnahme der Saefkow und der Behr nicht länger gezögert werden, die beide der illegalen Tätigkeit überführt sind. me TEE TEE TER BEN FRE .Die Beobachtungen der KPD-Kurierin nach Prag(Personalien bekannt) sind nach wie vor in Fluß und erfolgreich. Sie ist am 21. März 1936 erneut nach Prag gefahren und wird-.am Abend des ‘93. März zurückerwartet. Dabei soll sie die letzten Instruktionen für die bevorstehende Wahl mitbringen. Bisher bestand in dieser Weise die Anleitung, daß sich die Kommunisten bei-der Wahl nicht abseits stellen, sondern beteiligen sollen und ihre„Nein- Stimme’ abzugeben haben. Am 21. März 1936 gelang es auch, an den Auftraggeber der Kurierin heranzukommen und somit an die Leitung der hiesigen KPD. Dabei handelt es sich um einen namentlich noch unbekannten aber bereits mehrfach gesichteten auswärtigen Funktionär, dem ein V-Mann zugespielt und von ihm angenommen werden konnte. Die hierzu erforderlichen Vorarbeiten waren erfolgreich und führten zum gewünschten Ziel. gez. Kraus Kriminal-Inspektor Preußische Geheime Staatspolizei Geheimes Staatspolizeiamt Hamburg, den 18. April 1936 Registratur des Leiters An IIi A 373/36 v. 26. März Die Rot- 2671 Eins. Gestapo Hamburg betr.: Illegale KPD Hamburg ist noch nicht beantwortet worden! Die Frist ist am 11. April 1936 abgelaufen. Gestapo Nr. 124 2400/36 II 1A1 gez. Hamann IıA(A) B-Nr. 274/36 Berlin, den 21. April 1936 1) Laut Vermerk des Hauptstuf. Müller ist der Vortrag gehalten worden. 2) Der Registratur des Leiters zur Löschung der Not-Nr. 2671 3) Wv. gez. Unterschrift en z BEE REES. SEE SEEN 5;| nn L. Hermann: G. Lutz Liselotte Herrmann die erste Frau auf dem Schafott Hitlers. Die Gestapo verhaftete sie im Februar 1936. Von dem Augenblick an, in dem sie das Stuttgarter Untersuchungsgefängnis betritt, beginnt ein Leidensweg tür sie, der sich hinter den Mauern, aus denen kein Laut an die Oeffentlichkeit dringt, zuträgt und den Liselotte Herrmann mit einem Mut, ja mit einer ruhigen Gefaßtheit erträgt, der für einen so jungen Menschen ungewöhnlich ist. ‚Ein Jahr dauert es, bis es zur Hauptverhandlung kommt. Man hat inzwischen die Namen von Freunden und Gleichgesinnten wissen wollen. Doch sie schweigt— schweigt auch dann, als man nicht davor zurückschreckt, ihr Kind im Nebenraum auf sie warten zu lassen und ihr die Freilassung in Aussicht stellt, wenn sie nur aussagt. Lieselotte Herrmann besteht diese größte seelische Folter, die man einer Mutter zumuten kann. Nachdem das Todesurteil ausgesprochen ist, wird Liselotte Herrmann nach Berlin gebracht. Ein Jahr lang läßt man sie dort auf die Vollstreckung warten. Eines Gnodengesuches wird sie nicht für würdig gehalten. Aber das will sie auch nicht. Stolz und aufrecht geht sie ihren Weg zu Ende, so wie sie vor Jahren schon einmal ausgesprochen hat, daß sie sich ganz klar darüber ist, für ihre Veberzeugung einmal ihr Leben geben zu müssen. Am 20. Juni 1938 wird das Urteil vollstreckt und der Leichnam dieser tapferen Frau in einer Ecke des Gefängnishofes verscharrt. Gertrud Lutz, geb. Schlotterbeck, geb. 17. September 1910 in Reutlingen am 30. November 1944 wegen Vorbereitung. zum Hochverrat hingerichtet. „liebe Alma und Otto!\ .. Klein-Wilfriede wurde mir am 10. Juni fortgenommen und in das NSV-Kinderheim nach Waiblingen gebracht. Nie werde ich das herzzerreißende Weinen des Kindes vergessen, als es.mir von tremden Händen genommen wurde. Ich bitte Euch also, wenn das Schlimmste eintreten sollte: Nehmt Euch des Kindes an, seid ihm Vater und Mutter und erzieht es zu einem rechten Menschen. Vergeßt aber nie, unserem Kind, wenn es einmal in ein verständiges Alter gekommen ist, vom Leben und Sterben seiner Eltern zu erzählen. Bewahrt ihm von dem, was noch vorhanden ist, auf, was noch möglich. Vielleicht erfreut sich der liebe kleine Spatz mal dran. h .. daß mein Herz voll Bitternis ist, versteht Ihr vielleicht, vielleicht auch. nicht. N Bleibt gesund und wohlbehalten. E Mit vielen herzlichen Grüßen Eure Trudel.‘ | 30 1 a 06 eircnmnt aeg zu RE or u BEN,: TE heine TEE ET Erika von Brockdorff, Berlin Sozialreferentin Einfach und schlicht, fröhlich und voller Freude am Leben, ging Erika ihren Weg. Ihr klares, aufrechtes Denken, ihre Auflehnung gegen geistigen Zwang und sinnlose Vernichtung der Menschen an der Front, führten sie in die Reihen der Widerstandskämpfer. Ernsthaftes Studium marxistischer Werke vertieften ihren Willen zur Mithilfe am Sturz der Kriegsanstifter. Sie arbeitete bis zu ihrer Verhaftung in der Schulze-Boysen/Harnack- Gruppe. Nachdem sie erstmalig zu zehn Jahren Zucht- hausstrafe verurteilt wurde, fand auf Befehl Himmlers ein never Prozeß statt, der das geforderte Todesurteil brachte. Sie wurde am 13, Mai 1943 im Alter von 31 Jahren hingerichtet. . Niemand soll sagen können von mir, ohne zu lügen, ich hätte geweint und am Leben gehangen und darum gezittert. Lachend will ich mein Leben beschließen, so wie ich das leben lachend am meisten liebte und noch liebe... Elli Voigt, Berlin Fabrikarbeiterin Ueber den Arbeitersport kam Elli mit der sozialistischen Bewegung in Berührung. Noch als freier Mensch muste sie durch alle Leiden gehen, die den Widerstands- kämpfern von der faschistischen Diktatur gebracht wur- den. Ihr Lebensgefährte saß sechs Jahre im Zuchthaus und im Konzentrationslager. Doch das schreckte sie nicht zurück. Illegal mit einer Berliner Gruppe arbeitend, nahm sie die Verbindung mit den russischen und fran- zösischen Zwangsarbeitern auf, denen sie Flugblätter und Zeitungen in ihrer Sprache brachte und sie über die militärische und politische Lage unterrichtete. Sie wurde am 8. Dezember 1944 im Alter von 32 Jahren hingerichtet als letzte der in Plötzensee hingerichteten 187 Frauen. Hilde Coppi, Berlin Sekretärin Hilde wurde gemeinsam mit ihrem Mann Hans im Sep- tember 1942 als hochschwangere Frau wegen ihrer Arbeit in der Schulze-Boysen/Harnack-Gruppe verhaftet. Einen Monat, nachdem sie ihrem Sohn Hans das Leben gege- ben hatte, wurde ihr Mann hingerichtet. Auch die junge Mutter wurde zum Tode verurteilt. Hans und Hilde Coppi haben jeden Schritt ihres gemeinsamen Lebens im be- wußten Einsetzen ihrer Person für die schnelle Been- digung des unser Vaterland zerstörenden Krieges getan. Sie durften den Frieden nicht mehr erleben und sich nicht lange an dem so sehr erwarteten Kinde freuen. Als es acht Monate alt war, wurde auch die junge Mutter zum Schafott geführt. Sie wurde am 5. August 1943 im Alter von 34 Jahren hingerichtet. 187 Frauen in Plötzensee hingerichtet Juhnemann, Schröter, 8. 7. 36; Wittke, 25. 7. 36; Groger, 25. 5. 37; Kneup, 4. 10. 38; Kuhl- mann, ‚19. 7. 38; Seyferth, 12. 11. 38; Schweitzer, 15. 4. 33; Schwitzer 15.'6. 38; Gäßner, 7. 12. 39: Gose, 2. 3. 39 Diecker, Marje, 29. 7. 49; Mertyn, Janine, 21. 8. 41; Pyschewski, 21. 3. 41; Schubert, Ruth, 1. 2. 41; Augustinick, Veronika, 15. 8. 42; Ball 19. 3. 42; Baum, Marianne, 18. 8, 42; Bucach, Else, 17. 5. 42; Czubakoßka, Bronislawa, 15. 8. 42; Fieder- mann, 20. 6. 42; Götze, Ursula, 5. 8. 42; Golombiewski, Sophie, 7. 8. 42; Großvogel, 6. 7. 42; Hanusch, Erika; 117. 7. 42; Jadonowitz, Hildegard, 15. 8. 42; Kaeschali, Juliette, 2. 10. 42; Koschmann, Sara, 18. 8. 42; Korsing, Frieda, 5. 6. 42; Lambert, Elisabeth, 14. 12. AZ;>Laetsch, Ulla, 7:7. 42; Redepenning, 30. 7. 42; Reichmann, Luise, 18. 12. 42; Saarow, 5. 6. 42; Sadowska, 4. 5. 42; Scheijner, 15. 8. 42; Schulze-Boysen, Libertas, 22. 12. 42; Schumacher, Elisabeth, 22. 12. 42; Tucholla, Käthe, 28. 9. 42; Walther, Irene, 15. 8. 42; Zbierska, Liskadia, 22. 8. 42; Bach, Margarete, 4. 5. 43; Baumgartner, Gertrud, 15. 4.43; Beek, Kalo.von, 5. 8. 43; Behnke, Marta, 29. 7. 43; Belters, Frieda, 29. 12. 43; Berkowitz, Liane, 5. 8. 43; Biesenack, Emilie, 17. 5. 43; Buese, 17. 5. 43; Busch, 5. 8. 43; Casuck, Jarowiva, 25. 5. 43; Comelli, Jeanne, 24. 5. 43; Coppi, Hilde, 5. 8. 43; Delscher, Helene, 12. 11. 43; Dietrich, Giesela, 21. 12. 43; Dvorak, 29. 3. 43; Dymski, Monika, 25. 6. 43; Engler, Stephanie, 25. 6. 43; Erlik, Georgette, 20. 8. 43; Frosse, Tosca, 12. 11. 43; Gasvag, Marianne, 28. 9. 43; Hampel, Elise, 5. 4. 43; Hanke, Helene, 16. 3. 43; Henkel, Elfriede, 25. 6. 43; Hirsch, Hella, Sara, 4. 3, 43; Hitzhuber, Frieda, 23, 7. 43; Hofmann, Rosa, 9. 3. 43; Horstbruk, Frieda, 2. 11. 43; Joachim, Marianne, 4. 3. 43; Joch, Charlotte, 25. 6. 43; Jezierski, 9. 3. 43; Kocowa, Mislawa, 16: 2. 43; Nonieczna, Halina, 16. 2. 43: Kosin, Martha, 30. 9. 43; Kummerow, Ingeborg, 5. 8. 43; Kranek, Maria, 12. 4. 43: Ledera, Vera, 1. 7. 43; Lefevre, Madeleine, 25. 3. 43; Lindner, Herta, 29. 3. 43; Loswy, Hildegard, 4. 3. 43; Maireder, Karoline, 5. 4. 43,.Makowick, Helene, 2. 11. 43; Marivet, Margarite, 20. 8. 43; Meyer, Mildred, 16. 2. 43; Modrzevska, Hedwig 13. 10. 43; Hausmann, Else, 29. 7. 43; Oesterreich, Ruth, 25. 6. 43; Pheter, Simone, 20. 8. 43; Pietrykoski, Elli, 1. 6. 43; Prokop, Olga, 9. 3. 43; Rachel, Marta, 2. 9. 43; Rhode,"‘Anna,, 9. 12..43: Rink, Maria, 12. 2. 43; Rognant, Lucienne, 24. 9. 43: Rubal, Wilhelmine, 29. 3. 43; Ryhly, Franziska, 4. 3. 43; Slach, Eleonore, 12. 4. 43, Springer, Flora, 20. 8. 43; Szaidel, Hana, 12. 2. 43; Scheffezyk, Pelegia. 6. 10. 43; Scheitza, Elisabeth, 1. 7. 43; Scholz, Elfriede, 16. 12. 43; Tassin, Lucienne, 13. 10. 43; Tanton, Rense, 24. 9. 43; Terviel, Marie, 5. 8. 43; Veith, Henryke, 25. 6. 43; Völkner, Küthe, 25. 7. 43; Wegierska, Wanda, 25. 6. 43; Altermann, Marie, 20. 10. 44; Arnold, Rita, 11. 9. 44; Bajdowe, Antonie, 8. 9. 44; Bernasccva, Libusa, 30. 111. 44; Bethge, Emma, 9. 3. 44; Beuther, 11. 8. 44; Brinkmeyer, Therese. 27. 7. 44; Cervinka, Vera, 24. 11. 44; Bauhofer, 6. 10. 44; Dorffel. Gertrud, 27. 7. 44; Dubsky, 20. 7. 44; Dyialla, Elfriede, 29. 12. 44; Franke, Erna, 26. 4. 44; Frank- Schulz, Ehrengard, 8. 12. 44, Gast, Gertrud, 25. 8. 44; Göttermann, Elsa, 10. 11. 44; Günther, 9. 6. 44; Hallmann, Emma, 26. 5. 44; Henin, Marie-Luise, 9. 6. 44; Hilla, Mar- garete, 29. 6. 44; Hoffmann, 29. 9. 44; Hölzlsauer, Anna, 20. 5. 44; Jahn, Hedwig, 2. 3. 44; Janter, 21. 6. 44; Kallenbach, Wanda, 18. 8. 44; Kazlauskaite, Pjilmona, 22. 99. 44; Klute, Marie,|15. 12. 44; Korth; 6. 10. 44; Kosch, Marta, 27. 1. 44; Kreulich, Marie, 22. 5. 44; Lamaerts, Chr., 27. 1. 44; Latonschinski, 25. 9. 44; Liersch, Maria, 27. 10. 44; Lipke, Ursula, 8. 12. 44; Liptow, Marie, 29. 9. 44; Litzenberg, Charlotte, 26. 5. 44; Lucas, Andree, 24. 11. 44; Melzen, 6. 10. 44; Mliynary, Genovefa, 7. 7. 44; Möller, Helene, 9. 5. 44; Muzie, Annemarie, 15.9. 44; Obolewski, Vera, 4.8, 44; Olejak, Hedwig, 18. 2. 44; Parmentier, Madaleine, 2. 3. 44; Petit, Madaleine, 24. 11. 44; Pilan, Amanda, 9. 5. 44; Prohn, 15. 9. 44; Rainaud, Therese, 29. 9. 44; Slavikowa, 11. 8. 44; Stengel, Frieda, 20. 10. 44; Styma, Anna, Svatos, Leonore, 26. 4. 44;, Swierzek, Gertrud, 8. 9. 44; Szoviertnia, 11. 8. 44; Szyrigiew, Maria, 20. 11. 44; Schmenkel, Hulda, 9. 5. 44, Schmidt, de, 10. 11. 44; Schneider, Anna, 9. 6: 44; Tillmann, Hertha, 21. 10. 44; Toews, Hedwig, 8. 4. 44; Tygor, Elfriede, 25. 8. 44; Uriga, Elisabeth, 15. 9. 44; Yarret, Berthe, 1. 9. ,44; Westeroth, 11. 8. 44; Wiezorek, Marie, 22. 9. 44; Wegener, Marga, 7. 1. 44; Wittke, Frieda, 26. 5. 44; Wosikowski, Irene, 27. 10. 44; Zagora, Anna, 22. 9. 44; Zehden,‘Emmi, 9. 6. 44; Ziegler, Hildegard, 15. 9. 44;. Auer, Judith, 27. 10: 44;* Voigt, Elli,.8...12.” 44 [} 32 EB ge le EEE RT FERN Käthe Kollwitz wurde am 8. Juni 1867 geboren Mit 19 Jahren widmete sie sich der Malerei. 1918 wurde sie Mitglied der preu- Bischen Akademie der. Künste, 1933 wegen antıfaschistischer Tätigkeit ausgeschlossen. Im Verborgenen caiıbeitete sie weiter, aber es wurde immer einsamer um sie. 3 Sie starb kurzvor der Befreiung am 22. April 1945:in Moritzburg bei Dresden. 33 Luise Kautsky Erinnerung an eine tote Freundin Es war 1943 im Frauenlager Auschwitz-Birkenau. Ich arbeitete im Krankenbau.„Willst Du mitkommen und Luise Kauisky begrüßen‘, fragte mich eines Tages eine Wiener Kameradin. Luise Keutsky? Ich habe die Kameradin wohl ziemlich fassungslos angestarrt, dachte ich coch, Luise Keuisky sei-löngst lot. Für mich war sie ein beinche historischer Begriff, ‚Ja‘, sagte die Kameradin ernsthaft,„sie it eben mit einem Transport ci’er Frauen eingeliefert woıden, Es geht ihr sehr schlecht, sie ist schwach und krank.’ Und dann sah ich Luise Kautsky— ein Wunsch, der lange, lange Jahre zurücklag, gıng in Erfüllung. Als ich vor ihrem Bett stand, war ich befangen und mein Herz klopfte, als sei ich noch ein Kind. Die Freu, die da vor mir im Bett lag, ließ keine längere Befangenheit zu. Aus dem abgemagerten Gesicht einer über 70jährigen Frau sahen mich lebhafte und noch immer junge Augen prüfend on. Denn hielt sie mir:ihre Hand hin. Ich setzte mich auf den Rond ihres Betles. Sie umarmte mich so herzlich und selbst- verständlich, als kenne sie mich seit ewigen Zeiten, als sei ich ihr lieb und vertraut. Ich besuchte sie dann jeden Tag. Immer war sie, trotz Krankheit und Schwäche, zum Erzählen bereit. Lebhaft und jung war ihr Geist, als sei sie nicht 70, sondern erst 20 Jahre alt. Die Kranken in ıhrer Umgebung schwiegen still, wenn sie anfing zu erzählen. Sie konnte eine erstaunliche Anzahl Gedichte und rezitierte oft stunden- lang. Selbst der SS-Arzt Dr. Mengele, ein wütender und fanatischer Antisemit, wurde von ihrer Art beeindruckt, besuchte sie oft und unterhielt sich gerne und respektvoll mit ihr. Sie war eine Persönlichkeit, die die Atmosphäre des Krankenblocks, die ansonsten von Schreien und Stöhnen erfüllt war, durch ihr bloßes Dasein unmerklich veränderte. Nie hörten wir sie klagen. Vieles müßte man noch über Luise Kautsky sagen; doch alles wäre zu wenig. In allen Dingen war sie ein Mensch— und ein wirklicher Mensch sein ist viel, ist alles. Kurz vor ihrem Tode sagte sie mir einmal:„Du bist eine junge Kämpferin, ihr müßt das, was wir begonnen haben, voilenden. Haltet zusammen und vergeßt uns nicht.‘ Orlı Reichert Judith Auer, Berlin, Angestellte Judith arbeitete während der ganzen Zeit der faschistischen Diktatur illegal. Bis zum Tage ihrer Verhaflung war sie in der Saefkow-Gruppe tätig. Tapfer und uner- schrocken verteidigte sie vor den Richtern ihre Weltanschauung und ihren Kampf gegen den räuberischen Krieg, irotzdem ihr Herz heimlich bluteie bei dem Gedanken an ihr Kind, das groß genug war, um den Verlust der Mutter schmeizlichst zu empfinden. Sie wurde am 27. Oktober 1944 im Alter von 39 Jahren hingerichtet. Gertrud Seele, Berlin, Krankenschwester Gertrud versuchte, wie viele Menschen in allen Orten Deutschlands, den gehetzten und verfolgten Juden zu helten, die infolge der Rassenhetze schlimmste menschliche Erniedrigung, Deportierung und schließliche Vernichtung zu erleiden hatten. Für ihr edles warmherzıges Handeln wu:de sie zum Tode verurteilt und am 2. Januar 1945 im Alter von 27 Jahren hingerichtet. 34 IE Z u Fr en: Bi r= r R NE SEATEN—. ED EN VE 2 Said m Jugend ohne Ritterkreuz Es wird eine Zeit kommen, in der, niemand die Todesschrecken des Krieges kennen wird. Glücklichere werden leben, die auf unser Zeitciter sehen als einer der Geschichte, in der die Menschen nicht nur ihren physischen‘ Untergang vorberei- teten, sondern die Gesetze ihrer moralischen und sittlichen Existenz zu vernchten diohten. Vielleicht wird man mit Trauer feststellen, daß Periode zu diesem Werk auch ein großer Teil der deutschen Jugend mißbreucht wurde, die in jener Zeıt als Helden gefeiert, mit Auszeichnungen geschmückt, der Vernichtung dienten, um selbst elend zugiunde zu gehen oder einem hoffnungslosen ‚‚danach‘‘ überlassen wurden. Man wird aber.auch wissen, daß es eine andere deutsche Jugend gab, die Jugend der deutschen Widerstandsbeweaung. Diese kam aus den Kreisen der sozialistischen Jugendorganisationen, aus religiösen Jugendvereinigungen, der Bündischen bewegung. Es waren unter ihnen auch Jungen und Mädchen der Hitler-Jugend. Diese Jugend war beseelt von einem echten Heldentum, aas nicht den Tod und der Ver- nichtung diente, sondern deren Wirken zum Fundament Jugen<- künftiger Lebensgestaltung wurde. Das war keine knochenweiche Jugend, die sich dem Kampf und der Verant- bis zum verfemt, wortung entzog, sondern die bedingungslos ihren Weg zu Ende ging— Schafoit. Sie wurden nicht mit dem Ritterkreuz ausgezeichnet. Verachlet, verfolgt, das war inr Geschick. Kim Malthe-Bruun geb. 8.7. 1923- hinger 6.4. 1943 Auszug aus dam Urteil des Sonderfeld- ‚ gerichts der de''sche Polizei vom 4. April 1945 Dar dänische Staatsangehörige, Seemann Kım Maithe-Bruun, geb am 3.7. 1923 ın Schas ı-wan-Fort:, Kanada, Ansc uift der Maıter: Vibeks Malıhs Bruun, Kopen- hagen, Callıssnsve) 25, ist wegen Frei- scharlereı zım Tode verurteit worden. Er nat als Mity'ied der illegalen Gruppe Jörgeı Winther eın Zolipoot nach Scnw>den enıführt. Er tunr mit dem Dampter»Wanjau« nach Dänsmark zu- rück. Auf dies-m Dampfer wurd-»n ille- gal> Waffen für dis Gruppe Wintner herübe’g»schafft Malthe-Bruun b=tai- ligt-sicham Abtranspoıtder Waffen vom Kopenhagener Hafen. Er wußta, daß dıe Waff=n zur Bekämpf ıng der deutschen Wenrmacht verwendet werdn sollten. Nach$ 3 der Kriegs.ondersirafrechts- verordnung mußte zwingeud auf Todes- strafe erk nnt werdsn. Beglaubigt: Kopenhagsn, den 5. April 1945 (Navn) Hauptwachtmeister d. SchP.d. Res. Margarete Walter, geb. 22.°2. 1913— gest. 21. 10. 1935 Margarete, die als Landhelferin illegale Schriften ver- breitete, wurde von der Geheimen Staatspolizei fest- genommen und in das berüchligte- Untersuchungs- gebäude Prinz-Albrecht-Stiaße, überführt. Es gelang der Gestapo nicht, die Namen weiterer ihrer Gefährten ‚zu erfahren. Um den unmenschlichen Veı- harndlungen zu en gehen und nicht Aussagen über die ıllegale O.ganisation zu machen, stürzte sich Margarele Woi.er aus dem Fenster. Sie-siarb 22 Jahre alt. Cato Bontjes van Beek, geb. 14. 8, 1920— hinger. 5. 8. 1943. „Von dieser Liebe zu den Menschen habe ich auch in meinem Schlußwort gesprochen. Es war mir auch nıe zuvor klar, wie ich Deutschland liebe‘, schrieb die junge Keramikerin Cato nach der Verkündung des Todes- urteils an ihren gleichfalls inhaftierten, 15jährigen Freund Rainer Küchenmeister.„Ich bin kein politischer Mensch! Nennt man dies nun, dem Tod ins Auge sehen, es ver- pflichtet zu so vielem. Ich habe nicht um mein Leben gebettelt. Ich liebe das Leben und die Menschen unendlich und darum gehe ich ohne einen Groll aus dem Leben oder gar Haß. lebe Du weiter, lieber Rainer, suche das Schöne in der Kunst und in jedem Menschen und lerne mit dem Herzen zu denken.‘ Wenige Tage vor ihrem 23. Geburtstag schritt Cato zur Richistätte. Bruno Tesch, geboren am 24. 4. 1913 in Kiel, hingerichtet am 1. August 1933 in Hamburg, kaum zwanzig Jahre alt. Es war das erste Abschreckungsurteil nach dem Rechis- bruch der Hitler-Regierung. Gefällt wurde es ım Zusam- menhang mit.dem„Altonder Blutsonntag’’(Provokations- marsch der SA durch Hamburg-Altonaer Arbeiterviertel). Wie sich später herousstellte, traf die Beschuldigung, unter der man ihn verurteilte, nicht zu. Mit ihm zusammen wurden hingerichtet: August Lütgens, Karl Wolft, Walter Möller. Das Bild zeigt ihn am Abend vor seiner Hinrichtung, während er noch auf Begnadigung hofft. Pe: Egg ERSTE.. Hanno Günther, Rüthischule geb. 12. 1.1921— hingerichtet 9. 10. 1942 Aus einem Brief Hanno’s an seine Mutter: ı-». Du schriebst e.ınmal, wir zwei b.lden eigentlich eine Einheit, und dies ist auch mein unverbrüchlicher Glaube: diese Verbundenheit kann nun auf ewig nicht mehr getrennt werden. Bei unverdorbenen Völkern herrscht der schöne Glaube, daß man nach seinem Tode in den Schoß der Mütter zurückkehrt; dıes habe ich — wenn auch in übertragenem Sinne— zu meinem Glau- ben gemacht. Denn sieh, wenn es eine überirdische Macht gibt, so sind wir doch alie nur Ausdrucksformen Goties. Mit unserem Tode vereinigen wir uns wieder mit dem Ursprung, der eine früher, der andere später. So sind wir von nun ab wieder untrennbar vereint. Wir haben alle hier auf Erden eine Aufgabe zu erfüllen, und meine Aufgabe ist nun erfüllt.— Ich komme zu Dir zurück. f) Helmuth Hübener, geb. 8. 1. 1925— Todesurteil: 27. 8. 1942 In den Jahren 1941 und 1942 wurden in Hamburg in Brief- kästen der Reichspost und auf der Straße Flugschriften aufgefunden, ın denen zum Kampf gegen den Nazismus unu zur Beendigung des Krieges aufgerufen wurde. In mehr als&0 fortlaufend herausgegebenen Schriften wurde die lügnerische Berichterstatiung des OKH über den Kriegsverlauf und die an der Ostfront entstandenen Verlusie widerlegt. Als Verfosser dieser illegolen Schriften wurde der Ver- waltungslehrling Helmulh Hübener, Mitglıed der Kirche Jesu Christi, 1942 von der Geheimen Staatspolizei fest- genommen, durch einen Büroangesteliten der Gestapo denunziert. Helmu!h Hübener wurde am 27. August 1942 vom Volks- gerichtshof zum Tode verurteilt und wegen Vorbereituna zum Hochverrat durch Fallbeil hingerichtet. Helmuth starb 17'/s Jahre alt; seine noch jüngeren Freunde Rudolr, Karl-Heinz und Gerherd wurden zu Gefängnisstrafen bis zu 10 Jahren verurteilt. Hans Coppi, aeb. 25. 1. 1916— hinger. 22.‘12. 1942 Hans Coppi war seit frühester Jugend politisch orga- nisiert. Sein herzliches Lachen gewann alle Menschen, die mit Hans in Berührung kamen. Er verlor auch seine Fröhlichkeit nicht, nochdem er mit 16 Jahren wegen illegaler Arbeit ins Gefängnis geworfen wurde. Außeı seinen politischen Interessen hatte er großen Sinn für Literatur. Nach seiner Entlassung aus dem Gefängnis 1934 nahm er sofort seine illeacle Tätigkeit wieder auf Acht Johre beteiligte er sich on der Organisation von Wider standsqruppen, on der Herstellung und Verbreitung anti faschistischer Literatur, holf er gefährdeten Kameraden bei ihrer Flucht ins Ausicnd. Nebenher orbeitete Hrıns on seiner eimenen Fortbildung und brochte es durch eiserne Fnergie vom Hilfsorbeiter in einem Metallbetrieb bis zum Ingenieur. Mit dam Ausbruch des Krieges hatte er Verbindung zur Widerstanasgqrunnpe Schulze-Boysen- Harnack gefunden, in der er restlos tötia. war, Hans wurde mit seiner jungen Frau Hilde hingerichtet. ... n=. Bündische Jugend Illegale Gruppen gebildet...: Nachlese aus deufschen Gestapc- und Gerichtsakten \ Im Frühjahr 1940 wurden im Westen und Süden Deutschlands zahlreiche junge Leute im Alter zwischen 16 und 24 Jch.en von der Gehe,men Staatspolizei verhaftet. Die jungen Leute waren, wie es in den Anklageschriften hieß,„hinreichend verdächtig, illegale Giuppen gebilcet, den Hochvenat voibeieitet oder die Hillersche ‚Staats- jugend zeıseizt zu haben”.. Noch vorhendene Gestcpo- und Gerichtsakten lassen folgendes‘erkennen: 1. Dıe Verhafieten hatten, wenn“ auch graduell unterschiedlich, den Anordnungen der Geheimen Sıaatspolizei von 1937 üker Auflösung und Verbot der Bündischen Jugend zuwicergehencelt, feıner ncch Ansicht cer Ankläger gegen den 8 4 der Veıordnung zum Schulze von Volk und Siaat vom 28. 2. 1933 verstoßen. 2. Die iältigkeit dieser Opposilionskieise hatie sich verstärkt, nachdem 1936 die Hitlerjugend zur Sıaatsjugend erklärt wo.den war. Viele Jugendliche, die nach 1936 sich cem Wicersienaskıeıs cnschlossen, hellen zuvor koiporatliv mit ihren alten Jugendgiuppen oder einzeln am Leben der Hitlerjugend teilgenommen Sie wandten sich ab, als sie eıkennen mußten, wie begründet die Voraussage Eberhard Koebels, des. heute noch in London in der Emigration weilenden deutschen Jugendführeis, gewesen war, der in seinem„Gespannien Bogen‘ erklärte, daß eine Massenorgani- sation dem Staat nur als Kanonenfuiier-Lieferant dienen würde. 3. Bei der genannten Gestcpo-Aklıon 1940 wurde eine große Menge politisch brisan- ter-Druckwerke zu Tage gefördert. Diese Literatur umfaßte neben dem Gedankengut einzelner Jugendbünde aus der Zeit vor 1933 auch Werke allgemeiner Art mit einem Autorenregisier von Bakunin bis Radeck, von Tucholskı bis Kästner und Klabund. Die Ansicht einiger Herren des In- und Auslandes(etwa des amerikanischen Diplomaten Sunner Welles in„Time for Decision’‘), daß dıe deutsche Jugend unterschtiedslos den natioralsozialistiischen Doktrinen zum Opfer gefallen sei und noch auf ein Jahrzehnt eine pe. monenie Gefahr dars’elle, erscheint alleın ongesichts dieser Bücherliste reichlich problematisch.(Außercem waren von 11429 bei der VVN in Homburg regi- strierten politisch Verfolgten 1126 Personen am Tage der Inhaftierung noch Jugend- liche unter 21 Jchien.) Diese Gruppen von Jungarbeitern, Studenten und Schülern /höherer Lehranstalten haben nach 1936, als der deutsche Emigrant Rauschning das Ausland erneut auf de geföhrlichen Hochstcpler ın cer Berlirer Wilhelmstroße cufmerksom machte, cuf iroendeine ausländische oder auch inländische Ermunterung gehofft, auf ein Echo, eine Hilfe. Das Echo blieb cus. So korn!e es nur zu einzelnen isolierten Protest- aktionen kommen, die erschütternd hilflos und sinnlos wirkten. Vor Hitler woren diese Gruppen der Bündischen Jugend im wesentlichen von den Schülern höherer lehranstalten gebildet worden. Nun aber, unter der Diktatur, fand eine Umgruppierung statt und neben die Schüler irat der Werkstudent und der Junga'beiier, zumal cuch teilweise die Heimathäuser der ehemal:gen Schüler vom polilischen Terror ergriffen wurden und in soziales Elend absanken. Professor Rudolf Kern aus Mannheim, ous politischen Gründen aus dem Schuldienst entfernt, hat einigen Angehörigen der Roederschen Gruppe in der akufer werdenden Krise menschlich urd materiell noch sehr viel wei'er geholfen, ebenso späterhin Professor Dr. Karl d’Ester von cer Universität München.} Ein Hrup’feden der 920 cusgetoberen illeaalen deu'schen Jugencbewegung, die unbeachtet von den Spionogenetzen des Auslandes am Rande der aroßen Politik ihre leizien Opfer brachte, führt uns in den Münchener Kreis von Medizinstudenten, die Jahre später zur Gruppe Scholl-Huber gehört haben. (Aus einem Bericht der westdeutschen Jugendzeitschrift„Benjamin“, 1. Okt.-Heft 1947), a DENE A EN Sch das EB TAESERRTER, 517 ee"7 ‘ Die nicht zur| Reichskulturkammer gehörten Kurt Schumacher, Bildhauer Meisterschüler des Prof. Gieß hingerichtet am 22. 12. 1942 im Alter von 37 Jahren. Aus e,nem Brief, gefesselt und unter ständiger Be- obachtung, in der Todeszelle geschrieben: in.. Ich weiß, daß meine, unsere Welt- anschauung siegt,wenn auch wir, die kleine Vorhut, fallen. Wir hätten gern dem deutschen Volk das Härteste erspart. Un- sere kleine Schar hat aufrecht und tapfer gekämpft. Wir konnten nicht feige sein, Holzrelief von Kurt Schumacher a EL MD sc EEE EEE a ENTE Joachim Gottschalk, Berlin Schauspieler, war mit einer jüdischen Schauspielerin verheiratet. Vom Propagandaministerium wurde ihm nahegelegt, sich von seiner Frau scheiden zu lassen, die für die Deportation vorgesehen war. Er:schied gemeinsam mit ihr aus dem Leben, am 6. Dezember 1941 im Alter von 37 Jahren. Liebe Maurers! Für Sie ist es schwer— für Euch beide— laßt mich das in dieser Stunde sagen, das„Du”. Lest die’ leizten Briefe von Kleist, dann wißt Ihr, wie uns ums Herz ist. Lebt glücklich, seid bedankt und gegrüßt über Raum und Zeit von Eurem Gottschalk. Ernst Barlach geboren 1870 in Wedel in Holstein, gleichbedeutend als Bildhauer wie als Dramatiker, wurde durch die vom Schwarzen Korps eiöffnete Heize ein Opfer des Dritten Reiches. Die Aufführung seiner Stücke („Der arme Vetter‘,„Die echten Sedemunds’',„Der blaue. Boll’,„Der tote Tag’' und „Die Sündflut‘) wurde untersagt und als Bildhauer zählte mon ihn zu den Entarteten. Barlach wurde dem Hungerlod preisgegeben; er starb während der Nazizeit. Oda Schottmöller,Bildhauerin u. Tänzerin geboren 9. 2. 1905 in Posen, hingerichtet 5. 8. 1943 Schon in ihren ersten Schuljahren illustrierte Oda gerne Märchen durch Scherenschnitte. Oda be- suchte nach Ablegung der Reifeprüfung eine Edel- metallfachschule und studierte später auf der Kunsthochschule in Berlin. Ihr eigentlicher Berufs- werdegang war der eines Silberschmieds mit be- sonderer Liebe zur Emaillekunst, doch war in ihı der Wunsch gereift, sich zur Bıldhauerin auszubil- den. Gleichzeitig war Oda Schülerin einer Gym- nastik- und Tanzschule und machte die Prüfung cls Gymnastiklehrerın. Zusammen mit Kurt Schu- macher beteiligte sie sich an der Arbeit der Wi- derstandsgruppen. Alfred Schmidt-Sas, Musikerzieher Ein ungewöhnliches Schicksal Alfred Schmidt, genannt Sas, geboren am 26. März 18955 in der Lausitz, besuchte das Lehrerseminar. Doch kurz vor der Abschlußprüfung zog er als Frei- w iger in den Weltkrieg. Er wurde Flieger und wurde abgeschossen. Ueber die Stufen Bach, Schopenhauer, Buddhismus gelangie er zur kom- munistiıschen Bewegung. In Leipzig holte er sein versäumtes Lehrerexamen nach und studierte zugleich Musik. Vor seiner An- stellung als Volksschullehrer verweigzrte er je- doch der Weimarer Republik den Beamteneid und ging lieber als Werftarbeiter nach Hamburg. In Berlin wurde er Musikerzieher und sammelte als- bald eine begeisterte Jugend um sich, der die Klarheit seiner Persönlichkeit und die Totalität seiner Melhode faszinierte. Neben seıner musika- lisch-emenschlichen Erziehungsarbeit lief seine po- litische Tätigkeit. Mıt einigen wenigen Gleichge- sinnten druckte Sas anlifaschistische Flugblätter. Im Jahre 1941 wird Afıed Schmidt in das Konzen- trationslager Sachsenhausen eingeliefert, wieder in Freiheit, wird er wenige Monalte später erneut verhaftet und am 9. Oktober 1942 vom Volks- gerichishof zum Tode verurteilt. Das Urtel wurde am 5. April 1943 im Gefängnis Plötzensee voll- streckt. a 3. l- ar $- 8. nr I- n U- m Aber Herr General... Die anschließend veröffentlichte Episode ist, so unvorstellbar sie erscheint, authen- tisch und vor cer Veröfientlıchung vom Geimaen News Service(Vorläufer des Deut- schen Pıessediensies, DPD, aem Nachrichtenbüro der britischen Besatzungszone) nachgeprüft. E Zitiert nach der Gießener„Freie Presse‘’ vom 18. 7. 1945. Mitien im zerstörten Hamburger Stadtteil St. Georg, wo ein unbeschädigtes Haus schon e.ne wchie Sensation beceuiet, ganze Siraßenzüge nur noch aus brand- geschwärzıen ku.nen kestehen, finden wir auf einem Hot unvermutet G. A. Kurt Schneider. Mitielgıoß, schmächlig, bebiillt, so sitzt er über den Entwürfen von Metallschalen, Spielzeugen, Vcsen, Dieser Menn erzählt selbst: „Alles war nur möglıch, wenn man die Schwerfälligkeit des militärischen Instanzen- weges kannie und den Plan darauf aufbau.e. Von der Vorkriegszeit her kannie ich eine juviı ge Hamburger Künstierin. aie jeizt in eıner Fernschreibezentrale Dienst tat. Wir beschlossen, durch einen großen Bluff möglichst viele schaffende Künstlervaus der Front herauszuholen. So eiging eines Tages on einige Dienststellen der fernschrift- liche Eefehl, hier einen kekennien Bilohcuer, dort einen Maler sofort für seine künstlerische Täuigkeit abzusiellen. Sammelplatz der auf diese Weise losgemogelten Künstler war Deimold. Keine Tıuppe weigerte sich, dem anscheinend von höchster Stelle kommenden Befehl zu widersetzen, oder etwa eine Nachfrage zu starten. Nach und nach waren es etwa 15 bis 20 Künstler, die nun aus allen Teilen„Deutschlands ihıe besten Werke zuscmmenhol en. Dazu hatie ich selbst ınzwischen zahlreiche guie Kräfte aus den Lagern der ausländischen Zwangsarbeiler freigemacht, die nun gleichfalls für die cus dem Nichts entstehende Detmolder Kunstausstellung arbeiteten. Um gegen eventuelle Einwände der Gestapo geschützt zu sein. begannen wir dıe Aufsiellung des gesamien künstlerischen Bestandes auf Militärgelände. Die in Frage kommenaen Diensistellen einschließ! ch eires kommend,.eienden Generals wurden wieder cuch rete„Ee’ehle” zur lö de ung der Sache cufgefordert. Es war ein gewaat=s Spiel, ein Wetticuf mit vielleicht doch unlernommenen Nachfragen. Doch im Scmmer 1944 war unsere Zuss’ellung fertig. Sie zeigte den Krieg nicht als heroisches Eilebnis, sondern cls eine einzige Oıgie der Brutalität und Niedertracht. Wir sahen den Gegner nicht als„Untermenschen‘', sondern als eine leidende Kreatur wıe wir es selbst jahrelang gewesen waren. Junge Kräfte— eine kleine europäische Gemeinschaft— kcmen bei uns vor die Oeffenilichkeit; Leu'e, die zum Teil längst Scheffenverbot hatlen, cendere, die seit Jchren mit ihren neuen Arbeiten nicht an dıe Oeffenilichkeit geirelen waren, weil man ihre Auffassung mit tödlicher Sicher- heit cbgelehnt hätte. Zu Beginn der Ausstellung erschien cuch der kommandierende General. Ahnungslos besichtlige er mit Interesse cie Schcu. Hatte er coch erst vor wenigen Tagen indirekt von uns selbst die Aufforderung bekommen, das Unternehmen weitgehendst zu unierstülzen. So kam es, daß über 40.009 Besucher ım Laufe der nächsten Wochen die verko’ene Kunsicusstellung kesichtigten, bis denn schließlich Anfrcgen der Gestepo allmöhlich den Focen unter den Füßen heiß wercen ließen. So zogen wir über Nacht um und schlugen nun unsere Zelte ein pcar Dutzend Kilometer entfernt e neut cuf. Auch hier wor der Besuch vorzüglich. Länast hatten wir inzwischen in anderen Städten kleine Arbeitsgemeinscheften von unseren Freunden gebildet. Hoff- nungsvolle junge Kräfte wurden wieder ihrem wertvollen Schaffen zuoeführt. Wenn man cuch nicht den Umfarg der Köpenickiode ahnte, so war die Detmolder Aus- stellung doch der landläufigen Kunstcuffassung derart konträr gewesen, daß unsere Tendenz nicht zu verhe mlichen wor. Ein pcar’Tcge nach cer E öffnung der zweiten Schcu wurde ich verhaftet, doch hatten wir noch alle Bilder im letzten Augenblick in Sicherheit brirgen können. Men klcg’e mich wegen„Zersetzung der deutschen Weh macht” cn. Der Ausacrg ces Verfchrens wor mir nicht zweifelhaft. Doch kurz vor der Aburteilung befreilen mich cmerikenische Panzertruppen cus dem Gefönanis. Das ist uncer oonzes Erlebnis.. Wenn ich heute darüber nachdenke, so bekomme ich oft noch Angst wegen unserer Unverfrorenheit, mit der wir den Militärapparat durch seine eigenen Melhoden blufften. Wir hatten den Mut, für unsere künstlerische Idee mitten im Chaos zu werben." Die innere Front Die Gewerkschaften haben nicht kapituliert Im Juni 1933 trafen sich Vorstendsmitglieder des ADGB Maschke, Schevenels und Schlimme, in Berlin, um die Orgenisierung der illegalen Gewerkschafisarbe.t in die Wege zu leiten. Dieser Zuscmmenkunft folgten in größerem Kreise weitere Bespre- chungen. Inzwischen waren eine Anzchl leitender Geweikschafisführer inhaftiert. In Komolau in CSR wurde eine Verbindungssitelle zum IGB(Internationaler Gewerk- schafisbund) eingerichtet. In der Schweiz, der CSR, Dänemark, Holland, Frankreich und England, fanden in der Folge Besprechungen und Konferenzen statt. Die Verbindungen zu cen Oıgcnisctionen im Lande wurde aufrecht erhalten durch die Vorstandsmitglieder der Gau- und Bezirksveiwaltungen bis zu den Milgliedern in den einzelnen Oflen. Zu den zahllosen Toten der Deutschen Gewerkschaftsbewegung gehörer folgende bekannte Gewerkschaftler: Kurt Ackermann, Julius Birk, Karl Bublitz, Otto Dreßler, Gertrud Ellert, Lothar Erdmann, Hermann Jochade, Franz Künstler, Wilhelm Leuschner, Helmut Maschke, Grete Newthal, Hans Neuthal, Heinrich Schliiestedt, Hans Schmaus, E Schneppenhorst, Mothias Theesen, Fritz Vogt, Oswald Wiersich. (Aus einem Bericht von Hermann Schlımme, einem der illegal tätigen Gewerkschaftler.) R j J Hitler hat Angst! Die Vertrauensmänner-Wahlen finden nicht statt! „Der furchtloss Führer'‘ fürchtet, daß Abstimmungen über die„Vertrauens’’-Män- ner-Listen von neu m den\ Widerstand der Be.riebe gegen die braune Sozialreaktion zeigen würden, er fürchtet eine Niederlage noch stärker als d'e von 1934 und 1935.. In diesem Jahr wurden nicht einmal Kandidaten aufgastellt Zwei Janre finden nun schon keine„Wahlen‘’ statt, trotzdem Hitlers Arbeitsord- nungsgesetz verlangt, daß jedes Jahr abgestimmt wird.{ All. s ist teure: geworden, visIl-s ist knapp. Leb»nsmittel kosten im Durchschnitt 20 bis 250%/9 mehr als ım Fruhjahr 1933. 5 Hıtler hat versprochen, daß die Pre'sa nicht steigen, solange die Löhne nicht er- höht werd.n Natürlich ist auch dieses Versprechen nicht gehalten worden. Die Preise sind gestiegen, wir müss-n uns daher Lohnerhöhungen erkämpfen! Man hat uns dıe Gewerkschaften zerschlagen, man hat uns die Retriebsräte ge- nommen und uns dis Gestapo auf den Hals gshetzt- um uns wehrlo; zu machen. Aber die Herren haben eıne Kleinigkeit in ihrer Rechnung vergessen: sie brauchen uns! Dr. Ley sagt: ‚nur Lumpen sind bescheiden’'. Wir sind keine Lumpen, wir fordern unser Recht: Mehr Lohn her! Wir fordern 25%%,ige Lohnerhöhung! Wir fordern ausreichende Lebensmittelversorgung! Das Geld für Lohnerhönungen ist da. Wenn die Rüstungsindustrie dick verdienen kann, dann müss-n sich auch unsere Kinder s tt essen können. Wenn die General- direkt-ren ihre Gehälter verdoppeln; dann muß es auch für unsere Frausn r-ichen. Neue Veıtrauensmänner härten uns keinen Pıennig mehr Lohn gebracht und auch kein Pfund Maroarıne mehr. Aber d«ß dıe Abitimmuncen nun schon im zweiten Jahre aus Furcht vor der Er- ragung in den B trieben ausfallen, ist von Bedautung. Denn das zeigt uns, daß ein wachsende: Widerstani Erfolg haben wird, daß wir höhere Lönne’ und bessere Ver- sorgung mit Lebensmineln erzwingen können. Heute braucht man uns! Heuie können wir etwas erreichen. Mit Vorsicht und Enischlossenheit Vorwärts! an na Sie machte einen so guten Eindruck In Frankfurt a. M. wurde mit der illegalen Aıbeit in den Betrieben Teves, Metall- fabrik, Cpel,_Auicmcbilfcebrik in Rüs:elheim, Adlerweike, Radio-Braun und dem Haup.posıumı, begonnen. Her wurden Sammelgruppen und Patenschaften geschaffen. Die Celcer wuicen cuich\ertiieb illegceler Zei.ungen cufgebrecht und zur Unter- stülzung verhafie,er Kameracen, mitielloser Familien und zur weiieren Organisierung der illegalen Aıkeit, verwendet. Im Bezirk Fıcnkfurt wurcen ca. 12000 Blätter ille- galer Zeisungen he:gesielli, cie von hand zu Hand gingen. Die Hersiellung dieser Zeiiungen war schwierig, das Papier mußte in verschiedenen Geschäfien eingekauft we.den, da ein Masseneinkauf zu auffäll.g war. Die Wachs- platten wurcen cm Tcge gesch.ieben, aa dieses sıcherer war als in der Nacht, und an verschiedenen».ellen, so bei einem Friseur, in einer Samenhandlung, bei einem Kürschner, in einer Kaffee.ösierei abgezogen. Später wurde de ganze Herstellung in ein voinehmes Viertel, nämlich in die Neu- hofsiraße, verlegt, wo kei einem siädtischen Eecmien, einem Erz-Nazi, ein Zimmer gemieiet wu.ce. Es kostele 5 Mark und war unier dem Vorwand gemietet, es seien geschäftil.che Koriesponcenzen zu erledigen. Zum Schein schreb man Ge- schäftsbriefe und ließ sie acnn heiumliegen. Im Zimmer hingen Bilder von Hitler und Heß! In der Küche scng ein BDM-Mädel Hitlerjugend:Lieder. Als späler die lätigkeit der G.uppe cufflog, scgie der Wohnungsinhaber bei der Gestapo-Vernehmung: ‚Die Zimmeimieterin mechie einen so guien Eindruck!— Ich bin BE ESHEGER nıemals auf den Gedanken gekommen, daß sie„solche’” Sachen macht.’ Der Dicke mußte schwimmen In der Eckernförde:bucht, an den Bojen 3, 3a, 3b lagen verankerte Segelboote mit kostbarer Frecht:, illegale Schrift en in Gummisäcke ve packt, für Hambu.g bestimmt. Dıe Eckernförder Funktionäre, unter ihnen der unermüdliche Bertelsmeier, hatten mit Fischeıbooten aie Last aus Dänemark geholt. Gefährlich war die Nähe der Torpedo- versuchsanstalt, von wo cus curch Fernrohr die Bucht beobachtet werden konnte. Der ersie Transport stand unter schlechtem Vorzeichen. Bei schwerem Seegang zer- riß dos Segel und demit konnte der Anlaufspunkt zur festgesetzten Nachtstunde nicht erreicht we.den Die Gummisöcke mußten nun bei Tege an den Bojen versenkt werden und dann siellie es sich hercus, daß die Säcke nicht schwer genug waren und oben schwcemmen. Zum Glück un erschied sich die Farbe der Säcke nicht von der des Wassers. Aker wie sie nun cn Lond bekommen cm hellichien Tage? Doch der Dicke, der Verantwortliche des Trensportes, war ein ganzer Kerl, trotz Novem- berkälte und schwerem Seegang schwamm er ans Land. Mit einer Wurfleine wurden die Säcke im Verlcufe meh e er Siunden cns Land gezogen und im Buschwerk ver- steckt, von wo die Eckerniöider Illegalen sie in der Nocht abholten. Willi Grünert, Hamburg. In der Höhle des Löwen Lene war unterwegs mit illegalem Moterial. Die Herstellung der Wachsplatten war ohne Zwischenfälle verlaufen. Sıe beeilie sich, um pünkilich zum Treff zu kommen. Plötzlich hatte sie das Gefühl, keobachlet zu werden. Sie mcchte Umwege, aber immer folgte ihr der Schatten. Sie blieb stehen, sah in die Auslage eines Friseur- geschäfles und im Spiegel— den unangenehmen Begleiler! Sie ging weiter, er folgte ihr wieder— ein unbehagliches Gefühl— und am Treff warieie der Kamerad. Wieder’ mechie sie Umwege. Sie mußte den T'eff verpassen, aber wie sollte sie den uncengenehmen Schalten los we:den? Jetzt näherte sıe sich dem Gefängn's Starkestraße und plötzlich kam ihr ein Gedonke. Hinein ins Gefänanis! Hier saß seit Wochen ihr Schweger lucwig. Sie wußle zwar, es war kein Besuchstag, aber das mußte sie ja nicht wissen! 70 Minuten Ve hanceln mit dem Woachtmeister— unter dem Arm die Rol!e mit dem Material über den Rüstungsbetrieb Teves, mit e'nem Flugblatt an die SA zum 20. Juni 1934 mit der Aufforderung, die Woffen zu behallen und um die zwei’e Revo’'ution zu kämpfen, mit einem Bericht über die illeacle Tätigkeit der Ruh kumpels. Ach— dieser chnungslose Becmte mit dem Seehund- Schnu’rbart— was würce er scgen, wern er wüßte! Donn verließ sie das Gebäude. Es rieselte ihr aber eiwas über den Rücken, hatte sie den Schatten nun abgehängt? Am nächsten Tag hatte sie ihren Treff und dann wancerten die Flugblätier zu den Ereirniccen zum 20. Juni in Heuwsbriefkästen, lagen unter FußRmrt'en. trurh'en in Geschäften und Straßenbahnen auf. Lore Wolf, Frankfurt. 45 a| =||| 3,797 - MD) | Organ des Einheitsverbandes d.$, H. u.B, Deutschland für die Nord Seshäfen, Elbe u. Rhein| te ee remeon REN WEITER, DIE AUFRUSST B u& URS: nn; Hitler betrügt die Welt= KT Insre io: SCHRITTEN SUF UNSERE KOS VORRAUS. H BETRYEGT SICH SELBST|! R ee “ Be GESTIMMT. Hiller und arine Kumpane 7, 904 ea führen. ee uSirgesireudig verkündet die fesch- mussten Yurken am der Welt zu be Tagen, wird unsere Meyer ug un, PASNE an der Spitze die... Sie mißbrauchen die Erlaubnis zum Bibelvertrieb, dabei verteilen sie Flugzettel und werben neue Anhönger. Auf die Rückseite der an sıch gestatleten Werbezettel für den Bibelve trieb drucken sie Propegendaoparolen für die Zeugen Jehovas Bei dieser Tätigkeit„weissogte’' ein Anhänger dieser Sekte aus der heiligen Schrift, dcs Dritte Reich würde bold vergehen, um dem Reiche Jehovas Platz zu machen. Er sprach auch über die Aufrüstung Deutschlands. Diese staatsfeindlıche E'nstellung und Tötigkeit ist gerichtlich erwiesen, da der Sektierer sein Verhalten mit 6 Monaten Gefängnis büßen mußte. 47 ner weinen Bei der Werbetätigkeit wird mit großer Vorsicht vorgegangen. Mehrere als Kaffee- besuche geiainie zusammenkünfte Iinden zu gleicher Zeit in verschiedenen Stadt- gegenaen und Wohnungen einzeiner Mitglieaer stalt, wobei höchstens bis drei Feısonen leilnehmen. Wie veıheerend sıch die Weltanschauung dieser Sekte auswirkt, zeigt ein Fall in Beılın. Dort wurcen mehre.e Heitonen lesigencmmen wegen Teilnchme an e.ner Bibelforschervesscemmlung. Laiunier kefend sich auch ein Hauptwachlmeisier der Schupo, der bei seiner\ernehmung erklärie, daß er im Eınstfalle von eıner Walie, mit der er evil. eınen Menschen töten könnte, im Inleresse des Staates ke.nen Gebrcuch machen würde Diese Bibel. orscher scheuen sich auch nicht, Postkarten mit Beschimpfungen des Führers zu versenden. 5 . Im Bezirk Halle werden illegale Druckschriften verbreitet. Sie sind überschrieben „Sie essen das Brot der Gesetzlosigkeit und trinken Wein der Gewalttaten‘‘. Weißenberg-Sekte{ H In Berlin macht sich wie in anderen Landesstellen diese Sekte, die sich auch„Evan- gelische-Johannitesche-kirche nach der Offenbarung St. Johannes’ nennt, wieder unangenehm bemeikbar Reaktion Das Verhältnis des NSDFB zu den verschiedenen nationalsozialistischen Organisationen spitzt sich daueind zu. Die Ursache liegt in ersier Linie in dem Bestreben, organi- satorisch, personell und cufgabenmäßig dem alten Stahlhelm wieder gleich zu wer- den, alle früneıen Miiglieder ces Stchlhelms eıneut zu fassen. Vor allen, werden die cus dem Siahlhelm cusgetietenen Angehörigen der SAR I dahingehend beein- flußt. Der Stahlhelm fährt in der Gründung von Orisg uppen fort, wobei unentwegt Mitglieder- aufgenommen werden, gleichgültig ob Freimaurer, frühere Zentrümler, Deusschnationcle, Liberale oder Marxisten. Er wird dadurch zum Sammelbecken sol- cher politisch unzuverlässigen und gegneiischen Elemenie... In Polsdam wird in der dortigen Oriskrenkenkasse eine Inschrift gefunden, mit der die Minister veıspotlet werden. Sie schließt:„Nieder mit den Volksverdummeın! Nieder mit Hiller, dem Volksausbeuter! Es lebe der Kaiser!. Ein Stahlhelmer.‘ Katholische Bewegung Die katholische bemüht sich weiterhin'eifrigst um die Neugründung von Jugendgruppen unler Herausstellung unbedingter nationaler Tendenz! Die Aufnahme- foimali,äten siellen debei ein Zeremoniell von tıefster Symbolik dar, mit Gebet und Gelöbnis, mit Ritierschlcg und Ritierweihe. Appellation cn das germanische Treue- gefühl und feierliche Schwurbindung, durch die die eintretende Jugend eın für allemal an den Einfluß der Geistlichkeit gekeliet werden soll. Mit Einführung dieser Zere- monien, die offiziellen Gotiesdiensihendliungen in der Kirche gleich stehen, wird eine erfolgreiche Eeeinfluseurg cer Jugendlichen becbsichtigt und erreicht. Es ver- geht kcum eıre Kuncgekung, wo nicht die bedingungslose Vaterlondsliebe als selbstverständliches Moment katholischer Religiosıtät hingestellt und diese Verbun- denheit mit deutschem Volkstum beiont wird. Gleichzeitig setzen dann die Angriffe cuf die„Ve:gölllıchung von Blut und Rasse‘ in den ‚Heidnischen Gruppen” ein, cie zu cem Appell ükerleiten, in clier deutscher Treue zum Felsen Petri und zu den Bischöfen zu stehen, In Oberhausen im Rheinland wurden 180 solcher Hetzschriften beschlagnahmt. Die Kreise der katholischen Aktion rücken an den evangelıschen Pfarrernatbund näher heron. Die Geistlichen beider Konfessionen unterrichten sich über Vorgänae inner- halb ‚cer kämpfencen Kirchen‘, sie geken sich gegenseilig Ratschläge und „beien’ für einander. In Berlin wird durch ein Flugblatt eine angebliche Rede des Kardinals Faulhaber verbreitet. In ihm ist u. a. die von ‚„unmenschlichem Rassenhaß— die Verfolgungs- meihoden— gegenüber den Jucen sind eine Schmach und Schonde für uns— Gott besiraft immer cie Peiniger seires cuserwöhl’en Volkes der Juden—. Wir wollen uns e'n Beispiel cn cen Juden rehmen, wir* wollen sie ehren und schätzen, denn sie haben der Welt das herrlichste und kostbarste Geschenk, die Bibel, gegeben. Rottet aus das schreckliche, unmenschliche Vorurteil gegen das ewig leidende Volk.‘ Evangelische Bewegung Die Si'uolion hat keine Aenderung erfahren. Mitte vorigen Monats haben die„Be- kenntnispfarrer‘ in Perlin eine Zuscmmenkunft oehabt, in der die Ziele der Be- kenniniskirche besprochen wurden. An dieser Besprechung haben auch zwei kaiho- lische Priester, zwei Mohcmedcner und ein Rebbiner teilgenommen. Es ist ein Er- starken der Bekenntnisfront zu beobachten, was die Werbearbeit der evangelischen Jugend intensiver gestaltet und sich zum Nachteil der HJ auswirkt... 20000 Telegramme der»Zeugen Jehovas«(Bibelforscher) Aus Amerika, Kanada, England sowie allen Ländern des europäischen Festlandes. ] :} A | Telegramm Deutsche Reichspost 4 0734 NEWYORK-715-37 6 1140 WUN AN ! Aufgenommen UÜbermittelt il Tag Monat Ja r Zeit ADOLF HITLER Tag Z-it| 1. Okt. 1934 1446 E er ii yon Berin durch REICHSKANZLER BERLIN Ag % Am Berlin Ve i£ IHRE SCHLECHTE BEHANDLUNG DER ZEUGEN JEHOVAS 3.9 EMPORT DIE GUTEN MENSCHEN UND ENTEHRT GOTTES \ Er Tre TaraEaee Drag BI an, Tann 7 ERITIE SyE 4 NAMEN+ HOREN SIE AUF JEHOVAS ZEUGEN WEITER ZU N | IL DL— a VERFOLGEN SONST WIRD GOTT SIE UND IHRE NATIONALE 4 RR FA BLEIABERNIEHTENN 3,0 a ner x TS ee N SW JEHOVAS ZEUGEN| h Für amtliche Rückfragen} Ve RN ) a ERTN EREN ER RD NR RR re h i | | R 5 N Hitlers Antwort: Bi B j N 4 ki :| KZ-Lager- Erschießungen- Enthauptungen Ü 7 f N{f | 2 :| Opfer deutscher Bibelforscher 1933- 1945 1, fr\ ER f-!‘| d i, | Zahl der Inhaftierten....... 10000 4A J l 3;“ / i Gesamtzahl der Haftiahre.... 20000 a h Bar| n 4:? 3 Ka n| Durch Urteil Hingerichtte.... 1000 oh 1.[Be Zahl der in Zuchthäusern a und KZ-Lagern Ermordeten 1000 Auch jenseits der Grenze kämpften Deutsche Lied der Illegalen Hunderttausend Füße gehen in der Nacht, MM Hunderttausend Hände graben an einem Schacht,| n Tief ist der Schacht, ihr hört uns nicht, h Wir haben keine Stimme, wir haben kein Gesicht. e Der Mond ist eine Fackel, die Wolke löscht sie aus, b Die Nacht ist uns’re Heimat, die Nacht ist unser Haus, v Wir ziehen stumm auf unsere Schicht, M Wir haben keine Stimme, wir haben kein Gesicht. a Wir fragen nicht: Wie lange? und nicht: Wann wird es sein® k Wir graben immer weiter uns durch den dunklen Stein;; Und seh’n auch viele Tausend nicht mehr das Tageslicht,; Grad diese Tausend sitzen einst droben zu Gericht. v U Friedrich Wolf 1938 g E s ir V $ N N U ß Da! WAREN DIE WOLFE \%„[e h v U c N ) c f | a m Ve ee a 50 Heinrich Heine:(aus einem Brief an Varnhagen von Ense vom 27. Juni 1831) Fliehen wäre leicht, wenn man nicht das Vater- land an den Schuhsohlen mit sıch schlepptel Flugblätter über die Grenze Er war einer jener Vier, die in der illegalen Grenzarbeit Frankreich-Deutschland auf V\orpasien stencen. Ihm liefen cie Tränen über die Wangen, als die ersten Kinderlufiballore mit Flugblältern von der ‚„Spicherer: Höh’‘' aus nach der Heimat flogen. Er war bei den E.sten, die den ıllegalen Kampf von der Grenze aus und über die. Grenze, uner Eınsatiz aller Kraft und ces Lebens organisierten. Tag und Nacht waren wir cuf den Beinen, oft ausgehungert bis zur Erschöpfung führten wir das aus, was wir uns als Aufgabe gestellt hatten. Sepp Wagner reihte sich ım Ausland in den illegalen Kampf ein. Unter den furcht- baısten Verhältnissen, im fremden Lend ıllegal lebend, wurden die Bande nach der Heimat engeknüpft und somit cer Kontckt zwischen hüben und drüben hergestellt. Welch ein Abtasien und Fühlen war notwendig, wenn ein„Neuer’ von drüben kam, um das fortzusetzen, was ein Anderer begonnen, damit nicht du ch Unvorsichtigkeit ocer Verrat die Arbeit gefährdet würde, aenn die Gestapa verstand es, ihre Spitzel einzubauen. So mußte nach außen gut abgedichtet werden und der Kreis der Grenz- obschnittsleitung blieb nur auf einge Mann beschränkt, die sich ihren Mitarbeiter- kreis aufbaufen, ger allerdings ein größerer war. Unsere Gruppe arbeitele in Verbindung mit den Mitgliedern der leitung der Berg- arbeitergewerkschaft Loihringen-Forbach-Scar-Deutschlend. Wir recgierten auf alle Ereignisse durch Verbreitung von Flugblättern, Zeitungen. Zohlreiche ‚Grenzgänga»r‘ ous dem Saargebiet arbeiletlen in cen Bergwerken von Falkenberg, in den Gruben ven Merlebach und Umgebung. Ihnen galt unsere besondere Aufmerksamkeit. Unsere Flugblätier und Zeitungen fanden den Weg durch alle Giuben in die Hände der Barglevie. Sie wuden von allen gelesen und der Text saugte sich fest. Der Eıfolg unserer Arbeit war eine große Aktion cer Grenzgänger, die im Jahre 1936/37 stetifand, als man ihnen cm Zchliage die Entlohnung durch Umtausch der France in Mark um ein Dritie: entwerien wollte. Huncerie von Bergleu'en drängten ge- schlossen über die Grenze,klärt und zum Krmof a=gen kommunistische Agen’en ud Juden aufgeforde-t wird.(S. beiliegendes PlIrkat.): Die Großok!ion wurde am 16. 5. 43 mıt der Sprengung der Warschauer Synagoge um 20.5 beercet. S. 11: Von cen 5'065 inescercmt erfeß’en Jucen sind ca. 7000 im Zuce cer Groß- aktion im ehemaligen Jüdischen Wohnberirk selbst und durch Trensport nach T 06979, clso in-gercmt eiwa 14(00 Tuden, ve:nirh’et worcen. leber cie 7ohl 5A0/5 hircus sind schätzurcsweise E—(CCO Jucen bei Sprergungen und durch Feuer vernichtet. Die Zchl der vernichteten Bunker beträgt 631. Warschau, den 16, Mai 1943. Der SS- und Polizeiführer im Distrikt Warschau SS-Brigadeführer und Generalmajor der Polizei ER TEEN TETERTTEBEN OT Fre me w RE TE EEE TEEETTTEETRTET Der Krieg beginnt „In seiner Rede am 30. Januar 1939 hat Hitler zum erstenmal seine verbrecherische Intervention in Spanien öffentlich eingestanden und seine Bereitschaft erklärt, das deutsche Volk für die Eroberungspolitik Mussolinis in den Krieg gegen Frankreich zu treiben. Gleichzeitig setzt das Hitlerregime in brutaler Weise die Politik der Ver- sklavung der kleinen Völker fort. droht, jeden Widerstand dieser Völker mit militä- rischen Maßnahmen zu brechen, verlangt Kolonien, um sie als militärische Stütz- punkte für den Krieg auszubauen und bereitet seine Anschläge gegen die Sowijet- union vor. Im Westen wie im Osten schafft daher das Hitlerregime eine Lage, womit über Nacht das deutsche Volk in die Katastrophe gestürzt werden kann— eines Krieges gegen die gewaltige Front aller von Hitler und der Kriegsachse bedrohten und angegriffenen Völker.‘ (Aus der Resolution der Berner Konferenz der KPD vom 30. 1.— 1. 2. 1939.) Bis 1938 bezahlte nur die innerdeutsche Opposition für Hitlers Vorbereitungen für den Krieg. Mit dem Veberfall auf Oesterreich, die Tschechoslowakei und Polen wur- den der Nationalsozialismus und der Kampf gegen ihn ein europäisches Problem. Aufruf von Heinrich Mann Es ist möglich, den Frieden zu erhalten und Millionen Menschen das unermeßliche Leid’ des Krieges zu ersparen, wenn Hitler gestürzt wird, bevor er die Brandfackel ent- zünden kann. Das große einigende Kampfziel aller Freunde des Friedens und der Freiheit in Deutschland ist die demo- kratische Volksrepublik. In dieser demokratischen Volks- republik wird das deutsche Volk selbst frei über seine Geschicke entscheiden. Es wird den Faschismus mit der Wurzel ausrotten. Es wird nicht die folgenschweren Fehler und Schwächen von 1918 wiederholen, sondern eine starke Volksmacht gegen die Feinde der Volksfreiheit schaffen. Heinrich Mann sprach in Paris das aus, was sowohl die meisten der im Ausland lebenden Deutschen Politiker, als auch die innerdeutsche Opposition empfand. Krieg den Kriegstreibern! Kampfruf der Illegalen mittels Neujahrsböller 3 Geffapobericht Karlsruhe S De Januar 19as u 4 )„Originell wär die Verwen- We vg von Papierböllern in DT HE TTNELIENEIN SICH UN:| (nen| VD füllt waren und einiges I LEE ECT De „ieh habe nun Über 6Jahre am Aufbau der Wehrmacht gearbeitet. Esfindin diefer Zeit ber 0Mliardena AM———_ für den Aufbau der Wehrmachtange- wandt worden”_ Totaler Krieg, totaler Terror Von Henkern und Henkersknechten Die richtige Ausführung der Enthauptung mit dem Handbeil hing nur vom Geschick des Scharfrichters ab. Es gab damals drei Scharfrichter, die für Deutschland zustän dig waren und an die Hinrichtungsstelle beördert wurden: Reichhart aus München, Reindel aus Magdeburg und Röttger aus Berlin. Röttger wohnte in der Waldstraße in Moabit und hatte nebenbei ein aroßes Fuhrgeschäft, Er wirkte im Umgang wie ein„besserer Herr’‘. Sonst stammten die Scharfrichter gewöhnlich aus dem Fleischer handwerk, Ihre Henkersknechte waren Fleischergesellen, die normalerweise nach dem Abgang ihres Scharfrichtermeisters in. das Scharfrichteramt hineinwuchsen, Als die Hinrichtungen zunahmen, waren die Scharfrichter weder zeitlich in der Lage, noch finanziell genötigt, einen anderen Beruf neben ihrem Hauptbeiuf auszuüben. Sie würden gut bezahlt. Für jeda Hinrichtung erhielt, soviel ich erfuhr, der Scharfrichter 300 Mark, die Gesellen je 50 Mark. Außerdem aab es oft noch Sonderzuteilungen. Der ‚„erfolgreichste‘‘ Scharfrichter war Röttger, auf sein Konto kommt mehr als das Doppelte der Hinrichtung Reindels und Reichharts. Nach Plötzensee fuhr meistens der Magdeburger Reindel, wenn er verhindert war, der Münchener Reichhart. Sie kamen im eigenen Wagen, begleitet von vier bis sechs Gesellen. Neben ihnen fungierten später noch die Schörfrichter Köster, Ulitzka, Weiß, Hehr und Roselieb. Sie hatten, nach der nationalsozialistischen Auffassung, eine wichtige, ehrenvolle und staatserhaltende Mission zu erfüllen. In einem Be schluß des Landgerichts Magdeburg vom 27. November 1953(ST 399/33) heißt es Üübar den Stand der Scharfrichter: „Der Scharfrichter wirkte bei der Ausübung desjenigen Hoheitsaktes des Staates hervorragend mit, der nach außen hin den nachhaltigsten Eindruck macht. Der Scharf richter soll durch die Geldleistungen des Staates in einer Weise abgegolten werden, die eine.würdige Vergütung für höchst persönliche Dienste darstellt, damit er das Bewußtsein hat, daß seine Tätigkeit entsprechend anerkannt wird, und damit auch die Oeffentlichkeit seine Sonder- und Vertrauensstellung im Staate als solche er- kennt.’ Die Waffe des Scharfrichters war ein großes schweres Feil mit einer besonders breiten Schneide, Die Enthauptungen fanden im Freien statt, vor dem Gefängnis, in dessen Todeszellen die Verurteilten lagen. Aber die im Laufe der Jahre unaufhaltsam anschwellenden Hinrichtungen konnten mit dem Handwerkszeug nicht mehr bewältigt werden. Hitler wußte offenbar schon von Anfang an, was er vorhatte: bereits Ende 1933 bestellte er zwanzig nagelneue 67 Guillotinen. Sie wurden von den Gefangenen des Gefängnisses Tegel hergestellt, das eine gute Schlosserei und Härterei besaß. Von Ende 1934 ab wurde der Hand- betrieb der Menschenvernichtung durch den maschinellen Betrieb abgelöst. In Plötzensee stand die Guillotine in einem besonderen Hinrichtungsschuppen, Er befand sich auf dem Spazierhof des Gefängnisses Ill. Das Gefängnis Ill lag in der Mitte des Gesamtkomplexes der Gefängnisgebäude. Von hier aus gab es keine Möglichkeit zur Flucht. Der Schuppen war ein fı nsterloser Raum, etwa acht mal zehn Meter groß, aus Ziegelmauern und mit Zumentfußboden. Er war ein Teil eines langgestreckten Schuppengebäudes mit allerlei Lagerräumen. Von ihm. führte eine Tür in den lei- chenraum, der das Gebäude abschloß. In diesem Raum stapelte man die Holzkisten für die Leichen der Hingerichteten auf. Hierher wurden auch rasch die Leichen der Hingerichteten geschafft, wenn eine Reihe von Enthauptungen nacheinander zu er- folgen hatte. Ein großer schwarzer Vorhong, der durch eine er venchung sehr rasch aufgerissen und wieder geschlossen werden konnte, teilte den Hinrichtungsschuppen in zwei Teile. In dem kleineren Raum hatte man die Guillotine aufgestellt, die so zunächst den Blicken entzogen war. Im größeren Raum stand der Richtertisch mit dem Kruzi- fix. Das Kruzifix mußte in den späteren Jahren entfernt werden. In der letzten halben Stunde vor der Vollstreckung pflegte in Plötzensee gewöhnlich ein alter Schuster eine eifrige Tätigkeit zu entfalten. Er suchte die Verurteilten in ihren Todeszellen auf,’ fesselte ihnen die Hände auf dem Rücken. zog ihnen die Kleider und Schuhe aus und vertauschte die Schuhe mit den vorgeschriebenen Holz- pantoffeln. Den Frauen schnitt er die Haare so kurz, daß der Hals freigeleat wurde. Es galt als Vorrecht des Schusters. Es hieß, er unterbreche auch jeden Urlaub, um diesen ‚letzten Dienst‘, wie er es nannte, zu leisten. Er tat es mit Gleichmut, ohne Gemütsbewegung und mit einer gewissen stumpfsinnigen Befriedigung. Es kam auch vor, daß der Scharfrichter und seine Gehilfen Stunden vorher die Todeskandidaten aufsuchten. Sie schouten dem Verurteilten in den Mund nach Gold- zähnen, die man später ausbrechen konnte. Der gefesselte Delinquent wurde mit entblößtem Oberkörper in den Hinrichtungs- schuppen geführt. Nach Verlesen des Urteils in Geaenwart der üblichen Zeugen, wondte sich der Staatsanwalt an den Scharfrichter mit den konventionellen Worten: „Scharfrichter, walten Sie Ihres Amtes!’ Nun erst riß der Scharfrichter mit einem harten Ruck den schwarzen Vorhang aut. Niemals werde ich dieses knirschende Geräusch des Aufreißens des Vorhangs ve’- gessen können! Jetzt erst wurde die Guillotine im Schein des elektrischen Lichtes sichtbar. Der Verurteilte hatte sich an ein hochgeklapptes, am Kopfende aus- gekehltes Brett zu stellen. Ehe er sich besinnen konnte, warfen ihn die Henkers- knechte auf das Brett, das in einem Scharnier befestiat war und um neunziq Grad umschlug. Der Delinguent kam mit dem umaeklapoten Brett blitzschnell in eine Laae\ "n der sein Kopf genau unter dem Fallbeil lag. Es war die Kunst.der Gesellen, die änge des Opfers vorher richtig einzuschätzen. In derselben Sekunde drückte der Bzharfrichter auf den Knopf. Das Fallbeil sauste herab. der Kopf des Verurteilten koa in einen bereitgestellten Weidenkorb. Der Blutverlust war ungeheuer, die Beine res Sterbenden zuckten iedesmal so zusammen, daß die Holzpantinen im weiten Bogen fortgeschleudert wurden. Der Scharfrichter zog nun. mit der gleichen Hast, den schwarzen Vorhang vor dem furchtbaren Bild zu. Wieder der knirschende Laut, der uns unter die Haut"drana! In strammer Haltung meldete der Scharfrichter: ‚Herr Oberstaatsanwalt, das Urteil ist vollstreckt!’ Bei jeder Hinrichtung mußte dann regelmäßig el Anstaltsarzt den Tod bestätigen und bescheinigen. Der Gesamtakt vollzog sich in unglaublicher en Durch den Ueber- raschungscharakter der ganzen Manipulation für den Verurteilten solite die ‚‚Zeit- vergeudung‘’ des sonst üblichen Anbindens und anderen Sicherheitsmaßnahmen er- spart werden, Die Zeit von der ersten bis zur zweiten Hinrichtung war auf drei Minuten angesetzt worden. Also, beispielsweise: 7.10 Uhr Wilhelm Schulze, 7.13 Uhr Gustav Müller, 7.16 Uhr Fritz Lehmann. Aber die Hinrichtung beanspruchte längst nicht die vorgesehenen drei Minuten, sondern elf bis 13 Sekunden für einen geschickten Scharfrichter und eingeübte Henkersknechte. Auf diese Weise konnten die Hinrichtungen gleichsam am laufenden Band erfolgen. Ich habe bis zu dreißig und vierzig Hinrichtungen hintereinander erlebt. Harald Pölchau Graf Alexander$tenbock-Fermer 68 dem ano! Einige Angaben über Hinrichtungen in Deutschland solange Die Zahlen erheben keinen Anspruch. auf Vollständigkeit.) Scharfrichter: Vor 1933: 2, zeitweise nur einen 1937 63 1940 re. 1942 268 1944 a) 1945 8110) Zwei der Scharfrichter seien hier namentlich genannt. Sie führten manchmal bis zu 30 Hinrichtungen am Tage durch. Johannes Kleine, Halle: Hinrichtungen 153] Menschen. Monatsgehalt RM 250.-, pro Hinrichtung, für jede erste RM 60.- für jede weitere RM 40.-, Verdienst vom 1.4. 1944 bis 31.3.1945 RM 26 433.— Andreas Rose, Magdeburg: Hinrichtungen in drei Monaten 790 Menschen. Verdienst 1945 in drei Monaten RM 2602,— Hinrichtungen: Vor 1933 jährlich: 2 1937: 86 1939: 143 1940: 306 194]: 523 Hinrichtungen: 194]: 1146 im Reichsgebiet 1942 ı 3393 einschl. Protektorat 1943 im 1. Hbj. 9,603 1944 das Volk nicht sie richtet N Wände reden.... Im größten Zuchthaus Europas wurden zwischen 1940 und 1945 nicht weniger als zweitausendundzweiunddreißig Menschen umgebracht, in einer Autogarage auf dem Görden bei Brandenburg. Davon waren rund eintausendachthundert politische Opfer der Hitlertyrannei. Nöch heute sprechen‘ aus den Wänden der Todeszellen, worin die Verdammten ihre letzten lebensstunden verbrachten, die letzten Worte der vor Jahren unter das Fall- beil Geschickten. Beständig gefesselt, naben sie meistens mit bloßem Fingernagel ihre letzte Not den Wänden anvertraut, die zwar immer wieder glaitgestrichen und übertüncht wurden, aus denen aber immerhin noch an die sechzig Inschriften heraus- geholt und originalgetreu festgehalten werden konnten. Diese Worte werden unver- gönglich mit in die Annalen der Weltgeschichte eingehen. Alle Berufe waren vertreten: Arbeiter und"General, Diplomat und Baumeister, Hand- werker und Student. Nicht weniger als hundert Künstler und Gelehrte mußten auf dem Görden ihr leben lassen, Männer von internationalem Ruf dabei. Auf Akade- miker sind offenbar die beiden lateinischen Sinnsprüche zurückzuführen, die in freier Uebersetzung besagen: ‚Halte ständig bereit: dem Freunde die Brust, dem Gegner- die Stirn!”— Und: ‚Der Fromme erwartet den Todesstoß; besser Weiser sein als Tyrann!’”’— Oder auch so zu deuten:„Es gilt mehr im Angesicht des Todes weise zu sein als tapfer!‘’,. Walter Hammer. ..... im Zuchthaus Brandenburg bi Ernst Knaack, ein Berliner von der 1% K Uhrig-Gruppe, die Hunderte von h Toten zu beklagen hatte und von } der man nur einen einzigen Veber- r lebenden kennt... Schon ist der h f y} 2)# Sieg nahe, Recht und Gesittung R sollen bald triumphieren über die IRGEFIE fe RR? Tyrannei— darum ist es doppelt schmerzlich, noch in letzter Stunde den Opfergang vollenden zu müs- ; Trokz allede m. I sen. Aber:„Trotz alledem!’ RRR geb.6008 199 buorher mm ı Led Dieses schrieb Reinhard Röde! aus Reichenbach, der noch am Tcge seiner Hinrichtung einen ; CL HMM HN Strich auf seinem primitiven'Ka- £- lender machte: voller Siegeszuver-& De 7 sicht auch in letzter Stunde.| alle Yaur- much(Trotpdem dor- Key ut umser- von tung pelt müs- nn ae m Der französische Arzt Dr. Auguste Folliot aus Toulouse war vom sogenannten Volksgericht zum Tode verurteilt worden. Wie die vielen übrigen Franzosen, die knappe und sinnige Worte kunstgerecht in die Wände ritzten, so nahm auch die- ser Arzt, bevor er am 26. Februar . 1945 hingerichtet wurde, mutig und gefaßt Abschied von der Welt mit drei inhaltsschweren Worten, die in ihrer lapidaren Kürze und her- ben Nüchternheit erschütternd wir- ken: Adieu a tous!‘ ‚In diesem Abschied mischt sich oder Schmerz über den grausamen Abschlüß eines erfüllten Lebens. Fünfundsiebzig der Hingerichteten waren 20 Jahre und weniger, der Jüngste nur sechzehn. Was Wunder, das einige dieser halben Kinder nicht voll begriffen, was mit ihnen geschah, das sie angesichts des Ungeheuerlichen, Unfaßbaren nicht mehr fähig waren, einen Ab- schiedsbrief zu schreiben und bei den letzten Worten, die sie in die Wand ritzten, ganz konfus einzelne Buchstaben ausließen. Sie starben einsam in einer nack- ten Garage(bisweilen war sogar jegliche Seelsorge verboten), so- gar ohne die Möglichkeit, einige letzte Worte.des Bekenntnisses eder des Protestes an die Ver- wandten zu richten. Kalt und nüch- tern war in diesem Bau der Tod. In dieser tiefen Not galt der Mut- ter in allen Sprachen der letzte Gruß. Hier der Holländer— nichts als ‚„Moeder’’— Mutter! NE 262g FRANgAIS ADIRU A Tous Das haumm ft ayuum une, Alam turen yAavmıı Ein 19 jahmger Soldat verbachte hier Leme Letzten Lebestunde, Ü.EDER 7 Be hs ie. Sein: 3; ES Geschäft mit dem Tode 1.A.TOPF& SOHNE Maschinenfabrik und präzisionstechnisches Baugeschäft ERFURT, den 14. Juli‘1941 An den Reichsführer SS, Chef der deutschen Polizei Hauptamt Haushalt und Bauten S.S. Bauleitung Mauthausen Mauthausen/ Oberdonau Betr.: Ihr Schreiben vom 9. Juli 1941 Einäscherungsofen Im Verfolg unseres oben angeführten Schreibens übersenden wir Ihnen wunschgemäß eine Bedienungsvorschrift in dreifacher Ausfertigung mit der Bitte, eine hiervon im Ofenraum an sichtbarer Stelle aufzuhängen. Die beiden anderen können Sie zu ihren Akten nehmen. In den koksbeheizten TOPF-Doppelmuffel-Einäscherungsöfen können in ca. 10 Stunden 30-35 Leichen zur Einäscherung gelangen. Vorstehende Anzahl kann ohne weiteres täglich zur Einäscherung kommen, ohne den Ofen zu überlasten. Es schadet auch nichts, wenn der Betrieb es erfordert, daß Tag und Nacht Einäscherungen hintereinander vorgenommen werden. Die Tatsache besteht, daß die Schamotte alien länger halten, wenn im Ofen dauernd gleichmäßige Temperatur herrscht. Wir hoffen, mit vorstehendem bestens gedient zu haben und empfehlen uns Ihnen inzwischen. Heil Hitler! ppa. J. A. Topf& Söhne gez. Unterschrift Im Jahre 1943 wurden im gleichen Ofen in 10 Stunden bis zu 300 Leichen verbrannt. ES TE WR ERRDEFUTTSETERERDELR DPD vn RERETTHE Totenziffern aus den bekanntesten Konz E ions-Lagern 2 ET; 4000000 rab-REupn Een 20.000 Papenburg -Belsen 35000.. Yeufsche Tate Bis 1943), erh zten 2 Monaten)” R u: Maidanek(Lublin): 1380000.[Frauenkönzenirätionelg.} Plsen. 13000. Mauthausen"122766. Sachsenhausen, 2 52000 Natzweiler 2 25000,: Stutthof(b-Danzig) 2(vermutlich ohne Nebenig.) 2 Theresienstadt IETTT ELILID 43000- Th 15000(im lager EICHTUEITT- La Neuengamma, Fr) 000.(von:dort Deherlene) s 73 296-MALCTICH e-{ In.@ Krhsl a url, So ink& Aula Ja AR. 203 2 #f,. ER Er. uhr: 9 KL: TE Baryf 9 2 2. f= a DRAACHAT AG 2 Ein Kind wird geboren Wir schreiben das Jahr. 1942. Birkenau, das Konzen- ' trationslager, wo Schmutz, Ungeziefer und Seuchen einander die Waage halten. Es ist Nacht! Da liegt eine Frau auf der Erde. Sie hat die Zähne fest. auf- einander gebissen. Ihre Hände suchen Halt im Schlamm, den man hier Fußboden nennt. Dicht daneben siehst du eine Pflegerin, die Zeitungspapier in der Hand hält und ein Stück nach dem anderen anzündet. Warum tut sie das, will sie die Baracke in Brand setzen? Nein, sie leuchtet nur. Denn hier wird ein Kind geboren und anderes Licht haben wir nicht. Aus einem Bericht von Orli Reichert SI y en le s VEIT= ke 22 Das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück entstand 1939 in der Sandwüste bei Fürstenberg in Mecklenburg. Deutsche, Französinnen, Polinnen, Tschechinnen, Oesterreicherinnen, Norwegerinnen, Belgierinnen, Holländerinnen, Russinnen, verfolgt wegen ihres Kampfes gegen den Krieg, gegen Hitler und für den Frieden, waren in diesem Lager. Gaskammern, Hunger, Seuchen, Appellstehen in Hitze und Kälte, bei Nacht und Nebel, stunden-, "tagelang, bis zum Umsinken, Arbeit, Arbeit, 10 bis 14 Stunden täglich bei völliger Unterernährung und fürchterlichen unhygienischen Bedingungen, das war ihr Leben. Bis zum Zusammenbruch Mai 1945 gingen ca. einhundertundzehntausend Frauen durch das Konzentriationslager Ravensbrück.(Die Zahl der im Lager Neuengamme bei Hamburg bis zum April 1945 inhaftierten Frauen betrug dreizehntausendfünfhundert.) Allein vom Januar bis April\i945 wurden ca, sechstausend Frauen in Ravensbrück durch die Gaskammern getötet oder gingen an Seuchen und unmenschlicher Be- handlung zugrunde. Das Krematorium war Tag und Nacht in Tätigkeit und jeder Luftzug trug den Geruch verbrannten Fleisches ins Lager. Täglich fuhr der Leichen- wagen aus den Baracken Tote und Halbtote. Die SS-Betriebe, die Konzernbetriebe wie Siemens, verdienten durch die Arbeits- kraft der Häftlinge. Das Stammkapital der„Deutschen Textil- und Bekleidungs- gewerbe GmbH.”, einem SS-Betrieb, war bereits von 1720 000,— RM auf 3 000 000,— RM. erhöht worden. Für 1945 war eine Erhöhung auf 5 000 000,— RM vorgesehen. Der Umsatz betrug: 1940/41 575 000,— RM 1941/42 800 000,— RM 1942 1 214 000,— RM 1943 8 214 000,— RM 1944 15 500 000,— RM Für 1945 rechnete man 35 000 000,— RM Mit diesen Gewinnen wurden Gebäude- und Grundstückswerte erworben. Erika Buchmann 2 gi “= EB ERSTER => Der Chef> Berlin, den 29.11.96 des 44-Wirtschafte-Verwaltungshauptamtes gen- verw./Reinh./Fu/Bo Gen.Tab.Nr. 91/4# Veummmn vmn u> ‘.; Uhrenverteilung an Angehörige der Waffen-ü. e4 Reichsführer-# MH, BE 2 in sw 11 ee Be | Prinz-Albrecht-Straße 5 Reichsführer! Bei der Amtsgruppe D in Oranienburg lagern zur zeiy | 20.000 Taschenuhren N 4 ! 4.000 Armbanduhren? 3.000 Wecker und Stiluhren 5 5.000 Füllfederhelter > 24 Blindenuhren B& 80 Stoppuhren. Die Uhren und Füllfederhelter sind instandgesetzt und stehen ver- sandfertig. Ich habe wie im Vorjahre, gemäß anliegendem Verteiler an die Divi-. sionen der Waffen-4, Kontingente zur Verfügung gestellt. Die Aus- Eu later Gaben erfolgt in Ihren Namen an die bewährtesten und digsten Angehörigen den6Bivri ionen- Infolge der noch zur Ver- fügung stehenden kurzen abe den Verteilerplan bereits ge- nehnigt und bitte wm Ihre Bestätigung./ Pus 24 Baindanuhren sind für des Sanitatshauptamt, aie_9Q Stoppunren für das j-Führungshauptamt vorgesehet. Insgesamt befinden sich bei der Amtsgruppe D zur zeit In Reparatur| "®) 100.000 Armbanduhren| „009 Taschenuhre “209 Wecke 00 Wecher und Selluhren 37.30€ ä| 716.00 ü ehe attar| db) 350 Taschenuhren Gold u 2 aschenühren Gold mit Brillanten| 1.200 LEN d Gold hren Platin bzw. Gold mit Brillanten. Sollten Sie weitere ie wünschen, ao ab 11.Dez.1944 täg- lich von den unter a) genannten Uhren 139 Stück zur Verfügung. Die Reparatur der unter b). genannten Uhren 1ä8t sich infolge Mangel an Ersatzteilen und bei Beachtung der notwendigen Vorsichtsmaßnahmen nur langsam durchführen. ührer un affen-H -Obergrupp General der mau woı u Rapport an Himmler EL a LE Nas Die Industrie floriert KRUPP.FLICK. SIEMENS KRUPP: Zwischen 1940 und 1945 waren in den 81 Betrieben des Krupp-Konzerns rund 70 000 ausländische Zwangsarbeiter, 23000 Kriegsgefangene und 5000 KZ-Insassen be- schäftigt. 1942 erließen der Krupp-Direktor v. Bülow und die Personalabteilung der Kruppschen Gußstahlfabrik ein Rundschreiben, welches besagte,—— daß jedes Mitgefühl mit den Angehörigen der Feindstaaten falsches Mitleid sei. Rundschreipen ordneten an, daß die zivilen Zwangsarbeiter aus dem Osten Kriegsgefangenen gleichzustellen seien,“ andere ausländische Arbeiter erhielten ‚„Sonderlager’”. Gegen die Zwangsverschleppten wurden besondere Züchtigungsmethoden angewandt. Letz- tere besonders gegen Zwangsarbeiterinnen der SU. In einem Kruppschen Schlosserei- betrieb in Essen wurden in einer Art eisernen Schrank Männer und Frauen bis zu 48 Stunden eingesperrt. Durch oben angebrachte Oeffnungen wurden sie. auch im Winter. mit kaltem Wasser begossen, so daß viele an Lungenentzündungen star- ben. Bei Krupp verwendete KZ-Häftlinge erklärten, vor den Krupp-Funktionären mehr Angst zu haben als vor der Lager-SS. Zu erwähnen bleibt noch, daß Krupp mit seinem Geld und seinem Einfluß Hitler und seine Regierung unterstützte, nicht’, wie der Nürnberger Ankläger erklärte, „weil Krupp und seine Leute Nazis waren, sondern weil sie mit den Nczis gemein- same Grundsätze hatten.‘ Das Nürnberger Tribunol verurteilte Alfred Krupp zu 12 Jahren Gefängnis. Ein Teil der beteiligten Direktoren wurde freigesprochen. FLICK: 5 Ebenso wie die Krupp-Werke beschäftigte auch der Flick-Konzern Zwangsarbeiter und Konzentrationslager-Häftlinge. Flick erklärte vor seinen Richtern in Nürnberg: „».. den Einsatz von KZ-Häftlingen in seinen Werken habe er als eine durchaus zulässige Angelegenheit betrachtet.” Die tägliche Arbeitszeit betrug 11 Stunden. bei unzulänalichsten Wohnungsbedingun- gen, in verlausten Baracken und mangelhafter Ernährung. Die meisten Kinder dieser Zwangsarbeiter gingen durch Hunger ein. Noch im April 1945 wurden 186 kranke Insassen eines Flick-Konzentrationslagers in der Nähe der Fabrik ermordet. Eine besondee Schuld trifft Flick nicht nur durch seine Ausplünderung der besetzten Gebiete, sondern auch, weil er große geldliche Zuwendungen an die SS machte. Das Nürnberger Tribunal verurteilte Flick zu sieben Jahren Gefängnis, zwei leitende Direktoren erhielten geringere Gefängnisstrafen, drei andere wurden freigesprochen. SIEMENS: Diese Firma war ebenfalls in besonderem Maße an der Durchführung des Sklaven- arbeiterprogremms beteiligt. Zu ihrer Verfügung standen ihr große Teile der Kon- zentrationslager, so u. a.: das Frauenkonzentrationslager Ravensbrück, Buchenwald, Auschwitz, Zwoda. Das Lager Haselhorst, ein Nebenlager von Sachsenhausen, unter- stand der Firma Siemens. Für die Häftlinge dieses Lagers wurde von Siemens ein Kopfgeld an die SS gezahlt. Infolge der, Arbeitsbedingungen, die große ‚Ausfälle‘ verursachte, mußte das Lager Hoselhorst Monat um Monat zur ‚Totalaufbringung’‘ mit Häftlingen neuaufgefüllt werden, zu denen auch Frauen und Kinder aehörten. Durch die Hungerration ergab sich ein derartiger Verfall der Arbeitskräfte, das Hunderte nach Sachsenhausen zur Verrichtung überstellt wurden. In einem Protokoll vom 43. Juni 1944 heißt es: ‚In der vergangenen Woche hat Herr Benkert mit SS-Standartenführer Meurer über den Einsatz von 2000 ungarischen Juden für die Wiederingangbringung verhandelt. Herr Benkert teilt mit, daß sich entsprechende Lager bei der SS in Vorbereitung befinden, so daß mit dem Einsatz bereits in Kürze gerechnet werden kann. Es handelt sich dabei um Konzentrations- lager der SS.‘ Der Siemensdirektor und der ehemalige Wirtschaftsführer Dr. von Witzleben wurden 1947 von einem Berliner Entnazifizierungsausschuß für ‚entlastet‘ erklärt Egon Giordano, 77 SIOE u N- x von“ wre u. ee 7? 9 6 7 9 DR Een VLBIRALRENEETE BANK i< V SEE. j so schreibt David Rousset in„Les jours de notre mort”’ über‘ dieses„unerhörte | Kapıteläk."w.: Kurze Zeit nachdem er dem Schreiber seine Gefangenennummer genannt hatte, }| hatte Didier eine Prüfung bestehen müssen. Gegenstand war ein Plakat gegen die Wirkungen von Fliegerangriffen gewesen: was die Menschen tun müßten, um die Bunker schnellmöglichst zu erreichen. Man hatte ihn mit sieben anderen aus fünf- undzwanzig Prüflingen ausgewählt. Eine Woche später ging er auf Transport mit unbekanntem Bestimmungsort, Die Männer dieser Gruppe trugen den Judenwinkel. Kein Politischer, kein Krimineller war unter ihnen. Diese Beobachtung erweckte bei Didier Unruhe. Zu welchem besonderen Unternehmen hatte man sie bestimmt, wo man sich so bemüht hatte, nur rassisch verfolgte Häftlinge zu berücksichtigen? Am dritten Reisetage kamen sie in einem Lager an, von dem man ihnen sagte, es sei Sachsenhausen. Didier hatte den Eindruck unermeßlicher Weite. Sie betraten eine sehr große Konzentrationslager-Stadt. Sie wurden unverzüglich in besondere Ein- sperrung gebracht. Am folgenden Tage fragte Didier seinen Blockführer:„Zu wel- chem Zweck sind wir eigentlich hier? Was will man hier mit Malern? Dazu noch mit jüdischen Malern?’ Der Befragte sah ihn etwas sonderbar an und antwortete: „Darüber weiß ich nichts, aber Ihr seid für Block 19 bestimmt. Die Blocks 19 und 20| bilden ein Lager ganz für sich. Niemand, außer ganz bestimmten SS-Angehörigen,\ kommt da hinein. Nicht einmal der Sachsenhausener Lager-Kommandant. Das ist ihm verboten.”\ Drei Wochen später hielten Didier und seine Leidensgenossen ihren Einzug in Block 19, Sein erster Blick fiel auf die SS-Leute. Alles Kriegsverstümmelte. Dem einen fehlte ein Arm, der andere war Beinamputierter. Und er überlegte: j „Gestalten ohne Wert für eine große Sache und, wenn alie verrecken sollten, wer- | E den sie mit uns verrecken.‘' Sie kamen in einen großen Raum. Millionen von Pfund Sterling häuften sich über- 78 linie——. ö 5: ACETTEEIEERTT jbel- all auf den Tischen. Der SS-Mann empfing sie sehr liebenswürdig und ordnete an, man möge ihnen zu essen geben. 130 Häftlinge arbeiteten in diesem Kommando, lauter Juden, den Kapo einbegriffen. Sie sahen die neuen mit freundlichem Lächeln an, und Didier sagte sich: „Sie denken: neue Opfer, die sich einführen.” Er bedauerte bitter, sein Glück versucht zu haben. Er hätte es wissen müssen. Was konnten die Nazis von Juden anderes wollen, als sie umbringen? Der Kapo näherte sich ihnen und setzte ihnen auseinander: „Wir haben ein photographisches Atelier, eine Druckerei und eine chemigraphische Werkstätte mit herrlichen modernen Maschinen. Der Chef heißt Sturmbannführer Krüger. Der, den man nie sieht, das ist Karl Brenner. Die Vorgesetzten, die immer bei uns im Lager weilen, sind die beiden Hauptscharführer Werner und Jansen. Wir haben dann noch ein Dutzend kleine Scharführer, kleine SS-Männer, Alle kriegs- beschädigt.‘ Die Neuen fragten:„Nun mal ganz klar: was stellt man hier her?‘ „Die Fabrikation von Pfund-Sterling wird bald ausreichen. Wir werden wahrschein- lich demnächst mit den Dollars beginnen. Gezeichnet ist er schon. Ein Russe, auch Jude, hat die Vorlage haarscharf hingekriegt. Ein Berufsfälscher. Er befand sich schon fünf bis sechs Jahre im Gefängnis, als Hitler die Macht ergriff. Als sie dıe Gefängnisse frei gemacht haben, ist er in ein Lager geschickt worden. Eines Tages hat dann Krüger von seiner Existenz erfahren und hat ihn herschaffen lassen. Er ist ein famoser Kerl, hübsch, und ein guter. Maler. Krüger betet ihn geradezu an. In drei Monaten dürfte der Döllar herauskommen. Er ist sehr gut, vielleicht besser als das Pfund. Das ist aber noch nicht alles. Wir haben ein Sonderkommando, das falsche Pässe, Kennkarien, Führerscheine, Soldbücher, Arbeitsbücher— holländische, belgische, französische, überhaupt für jedes beliebige Land— herstellt.‘ . Und lächelnd raßte er zusammen:! „Ihr seid in einem Musterkommando. Wir sitzen in einem warmen Nest. ja einem zu warmen. Die Kehrseite ist, daß es mit jeder Beziehung nach außen vorbei ist. Keine Verbinaung mehr möglich. Wir leben hier in einem Grab. Das Essen kommt von draußen. die Kübel werden unter Aufsicht eines unserer SS-Leute vor unserem Block abgesetzt. Am Sonntagmorgen marschieren wir quer durchs Lager, um warm zu duschen. Alle unsere SS-Leuie umschließen uns. Die Duschen sind restlos leer, die Menschen im Lager in ihre Blocks zurückgeströmt. Vorm Abmarsch: genauestes Filzen, aus Furcht, wir könnten einen Fetzen Papier fallen lassen, auf dem wir anzeigten, was man hier betreibt. Und wenn Ihr nun meine Ansicht hören wollt: für nichts und wieder nichts sind wir nicht lauter Juden. Die SS-Leute laufen nicht die geringste Gefahr, wenn sie uns um die Ecke bringen. Wer würde uns wohl je zurückverlangen? Auf alle Fälle sind wir für die Gaskammer vorbestimmt. Im Augenblick gibt man uns noch einen kleinen Aufschub. Und ebenso den. armen Blödköpfen, die uns bewachen.‘ .. Von Zeit zu Zeit gab er Aufträge wie den folgenden bekannt: „Heute in 8 Tagen brauche ich 3 Millionen in Noten zu 10 und 20 Pfund.‘ Denn begann eine wilde Arbeit, Tag und Nacht, fast ohne Schlaf, in wahnsinnigem Tempo, bis zur Erschöpfung. Alles war'zum gewünschten Zeitpunkt fertig. Krüger hielt dann eine lange Dankrede. u»«. Ich bin sehr zufrieden mit Ihren Erzeugnissen‘, erklärte er,„ich habe ein junges Mädchen mit einer Zehnpfundnote zur Reichsbank geschickt. Die Note ist eingewechselt worden.‘ Er war vor Freude verrückt. Immerzu wiederholte er: „Ganz großer Erfolg! Ganz großer Erfolg!’ Der junge Samuel, der als Chemigraf arbeitete, wurde krank. Es zeigte sich bald, daß, wollte man inn mit Erfolg ärztlich behandeln, man ihn ins Revier schaffen müsse. Krüger gab den Befehl, ihn umzubringen. Er ließ alle sich versammeln: „Samuei war ein sehr ordentlicher Mensch‘‘, sagte er,„ein guter Arbeiter. Ich schätzte ihn sehr. Aber verstehen Sie, ich hätte ihn nicht ins Revier schicken kön- nen. Die Geheimhaltung gestattet einem eben solche Sachen nicht.” Am Vorabend hatte Krüger mit‘ihnen in- familiärem Verkehrston gesprochen. -„Nach dem Kriege‘, sagte er, ‚nach dem Siege, werden wir Euch für die gleiche Arbeit behalten. Deutschland wird immer Falschgeld nötig haben und eine geheime Druckerei. Man wird Euch kleine Häuschen mit Gärten in der Nähe von Berlin geben. Ihr werdet Eure Familien kommen lassen können. Wohlverstanden: fortzugehen wird Euch nicht möglich sein, aber ich versichere Euch, daß Ihr, was Ihr auch immer möct, werdet kaufen können. Wir werden Euch viel Geld geben. Nicht die Freiheit, sicherlich aber doch eine gewisse Freiheit, immerhin mit Haus, Garten und Familie. Ihr werdet bis an Euer Lebensende für. Deutschland arbeiten können.‘ Er sagte das noch, als die Russen keine 150.km mehr von Berlin standen. Er fügte hinzu: „Wenn jemals Deutschland den Krieg’ verliert, Ihr versteht das doch, dann werdet Ihr mit ihm draufgehen.‘ (Uebersetzung aus dem Französischen von F. A. Fischer.) 79 Widerstand oder Kollaboration Es war am 9. April 1940. Seit den frühesten Morgenstunden dröhnten Nazibomber über Kopenhagen und drohten die Stadt dem Erdboden gleichzumachen, falls nicht jeder Widerstand sofort eingestellt werden würde, Die deutschen politischen Emigranten, die von der Gestapo bei dem dänischen Volk eine Zuflucht gesucht und gefunden hatten, wußten was jetzt die Stunde geschlagen hatte. Jeder schien sich selbst der nächste. Nur Pastor Poulsen, der frühere dänische Kirchenminister, dachte zuerst an seine Emigranten. Unaufgefordert kam er bereits in früher Morgenstunde zu mir, um das zu besprechen, was sofort zum Schutz und zur Sicherheit der deutschen Emigranten zu tun sei. Die dänische Polizei führte über alle anerkannten politischen Flüchtlinge Akten, die auf keinen Fall in die Hände der Gestapo fallen durften. Kurz nach der Besetzung Prags hatten wir bereits vom 1937er Komitee aus die Polizei aufgeiordert, die Akten zu vernichten. Jetzt, in dieser Situation, die wir wohl geahnt, aber nicht für wahrscheinlich gehalten hatten, wurde beschlossen, daß Pastor Poulsen in seiner Eigenschaft als früherer Kirchenminister und hervorragender Vertreter der dänischen demokratischen Partei im letzten Augenblick die Polizei nicht bitten, sondern die Auslieferung der Papiere verlangen sollte. Die einzige wirkliche Sicherheit konnten wir nur erhalten, wenn wir selbst den ganzen Mist vernichten würden Pastor Poulsen eilte zur Polizei. Die deutschen Nazis, die neuen Herren in Dänemark, hatten aber bereits von der Polizei die Bestätigung erhalten, daß alle Akten über die deutschen Emigranten.bei der Polizei lagen. Die dänische Polizei wagte es nicht mehr sie auszuliefern:„Akten an das 1937er Komitee ausliefern, das könne man nicht, die Sachen der Polizei müßten in Ordnung sein.” Als Pastor Poulsen von seinem schweren Gang zurück kam, zitterte seine Stimme vor Entrüstung als er sagte: „Esistnichtzuglauben, daßesineinersolchen Situation Menschen geben kann, die nicht begreifen können, daß es jetzt ihre Pflicht ist, nicht ihre Pflicht zu t-UBn Hakon Jarner, Kopenhagen. Dietrich Bonhoeffer geb. 4. 2. 06 ermordet 3. 4. 45 in Flossenbürg TAT Nicht das Beliebige, sondern das Rechte tun und wagen, nicht im Möglichen schwe- ben, das Wirkliche tapfer ergreifen, nicht in der Flucht der Gedanken, allein in der Zögern heraus in den Sturm des Gesche- hens, nur von Gottes Gebot und deinem Glauben getragen, und die Freiheit wird deinen Geist jauchzend empfangen. 80 Tat ist die Freiheit. Tritt aus ängstlichstem. Graf von Galen auf dem Totenbett Der Kampf des Bischofs von Münster 12. Juli 1941. Als er zum Abendessen in das Speisezimmer kam, hatte er schon eine Stunde an der Schreibmaschine gesessen. Sich mit den Ellbogen auf den Tisch stützend, legte er den Kopf in beide Hände, und was er dann über die Vorgänge des Nach- mittags sagte, war der Klageruf eines bis ins Tiefste erschütterten Menschen. Nie im Laufe der Jahre habe ich den Bischof so leiden sehen; nie vorher oder nachher hat er gestöhnt,— nur an jenem Abend. Dumpf und schwül legten sich die Stunden der Nacht auf den Bischöflichen Hof. Türen und Fenster waren weit geöffnet, man hörte nur das langsame Klappern‘der Schreibmaschine, dazwischen das langgezo- gene Husten und Räuspern des Bischofs. Einmal erhob er sich und ging nach oben auf den Boden, wo der Diener B. Rüsenberg und ich wegen des drohenden Ge- witters mit der Abdichtung des Daches beschäftigt waren. Halb scherzhaft sagte er, wir sollten zum Schutzengel beten. Langsamen Schrittes, in der Hand die lange Pfeife, kehrte er in sein Zimmer zurück. In dieser Zeit schrieb er die Worte, die ihn und seine Stadt Münster zu einem Begriff gemacht haben. Er war der festen Ueber- zeugung, daß die Feinde der Kirche bald seinem Leben hier auf Erden ein Ende setzen würden. Dem Tode ins Auge schauend, ging er den Weg des Gewissens und der Treue, völlig bereit, aus Gottes Händen die Gnade des Martertodes entgegen- zunehmen. Am Tage der Bischofsweihe war ihm als Zeichen der Vermählung mit seinem Bistum der goldene Ring überreicht worden. Der Ring sollte niemals zer- brechen, so hatte er damals gelobt. Der gute Hirt gibt sein Leben für seine Schafe. Priester seiner Diözese schmachteten in den Kellern und Lagern der Gestapo oder, aus der Heimat ausgewiesen, irgendwo in der Einsamkeit... Etwas vom Edelsinn und Kampfesmut mittelalterlichen Rittertums, dessen heiliges Ideal es war, mit star- kem Arm den Schwachen Schutz zu gewähren, wurde in ihm lebendig angesichts der feigen Schamlosigkeit, mit der man wehrlose Ordensleute ihrer Habe und Wohn- stätten beraubte. Große Männer der Kirche und der deutschen Geschichte schauten ihn an. Er sah ihren Weg, wie von Blitzen der Sommernacht hell überstrahlt. Es war auch sein Weg. Jener Nacht folgte ein warmer Sommermorgen. In der Nervenklinik, 8] in der allein noch wenige Kranke zurückgeblieben waren(wegen der ersten Luft- ongriffe in der vergangenen Woche), feierte ich das hl. Opfer. Irgendwo in seiner, s Werkstatt klopfte ein Schuhmacher, das Radio spielte dazu, eine Katze lief über den Weg. Sonst unheimliche Stille überall, Gegen 10.30 Uhr kam der Bischof eilenden Schrittes an mein Zimmer und sogte, es sei Zeit. Eine seltsame Unruhe hätte ihn befallen. Man spürte, wie er diese zu überdecken oder abzuschütteln suchte. Auf dem Weg zur Lambertikirche sprach er Über die Gewohnheit lange mit jugendlichen Passanten, ebenso mit den Meßdienern in der Sakristei. Sobald der Priester zum hl. Opfer an den Altar geschritten war, folgte ihm der Bischof aufs Chor, kniete dort einige Minuten lang auf dem Boden nieder, und dann ging er langsam und schwer den Weg zur Kanzel. Wie manches Mal hatte er auf ihr als Pfarrer gestanden! Heute wurde sie für ihn der Oelberg. In’den ersten Sätzen, die er sprach, zitterte all das mit, was an seelischer Qual und Not in der vergangenen Nacht ihn bedrückt hatte,— die nahe persönliche Zukunft, die Bilder von Polizeigefängnis, Gestapokeller und den Gang auf das Schafott. Er mag gebetet haben, Gott möge solchen Leidenskelch an ihn vorübergehen lassen, aber nur sein Wille solle geschehen. Zehn Sätze mochte er gesprochen haben, da umfing ihn eine wunderbare Kraft und Ruhe. Voll feierlicher Majestät stand diese hohe Bischofsgestalt da; wie mit Donnerstimme gesprochen, fielen’ die Worte in die Reihen der gebannt, teils zitternd, teils mit trönenfeuchten Augen aufschauenden Menschen. Protest, Empörung und gleicher- maßen flammende Begeisterung wogten auf und nieder... Nach der Rückkehr in den Bischöflichen Hof gab der Bischof die Anweisung, beim voraussichtlichen Er- scheinen der Gestapo solle ich ruhig das Manuskript hergeben, er habe irgendwo zwei Durchschläge untergebracht, die nicht in die Hände der Gestapo gelangen würden; darüber müsse aber geschwiegen werden. Am Abend nahm der Bischof an der Schlußandacht des Ewigen Gebetes in der Ueberwasserkirche teil. Ein furchtbares Gewilter mit prasselndem Regen ging wäh- renddessen ‚über die Stadt Münster nieder. Die dortigen Kapläne verlangten beharr- lich nach dem Predigtexemplar. Einem von ihnen überreichte ich das für die Ge-: stapo vorgesehene Exemplar trotz der Folgen, die im Falle des Gestapobesuches zu erwarten waren. Drei Stunden später kehrte das Exemplar zurück, das noch in der folgenden Nacht vom Domvikar Roth vervielfältigt wurde. Am folgenden Morgen er- hielt es Pfarrer Uppenkamp, dessen Büro sogleich an die Arbeit ging. Von da ab läßt sich die„„Generationenfolge über Enkel und Urenkel‘ dieser Predigt nicht mehr übersehen, Jedenfalls wurden schon am gleichen Montagabend Aktentaschen voll vom Caritasbüro auf die Eisenbahn in Marsch gesetzt, von dort wanderte sie in kleineren Mengen in die Postkästen verschiedener Städte Westfalens. Während Par- tei und Gestapo sich des vermeintlichen Sieges freuten, war das alles geschehen. Als sie aus dem Schlafe erwachten, war es zu spät; keine Gestapo vermochte die durch den gebrochenen Damm strömenden Fluten mehr aufzuhalten. Es war geschehen, ohne vorherige Planung; Gott selbst hatte alles geheimnisvoll gefügt.—— Dr. Portmann, Sekretär des Graf v. Galen, Bischof v. Münster. R: fi ET nu Pfarrer Paul Schneider geboren 29. 8. 1897 gestorben 18. 7. 1939 in Buchenwald Lagerkommandant Kochs„bester Häftling’’ Aus Berichten von Mitgefangenen: Oftmals waren wir Sonntag früh zum Appell angetreten. Damals 1938 bis 1939 zehn- "und zwanzigiausend Menschen in Blocks auf dem riesigen Appellplaiz. Die Block- führer hatten gezählt und dem Rapportführer gemeldet. Einer der Lagerführer er- schien, das Mikrophon knackte, ein brutales Krächzen zerriß den Morgen: ‚Mützen ob!’ Toienstille. Da ertönte aus einer Arrestzelle eine Stimme, klar und fest, eine Stimme, in der die Liebe zur Welt schwang. Pfarrer Schneider sprach zu seinen Kameraden. j Wir wissen heute nicht mehr die Bibelworte, die er uns als Sonntagsmorgengruß zurief. Wir haben sie damals auch wohl- nicht verstanden, aber wir wußten, daß hier ein Mensch spricht, der leidet wie wir, der die tödliche Gefahr verachtet wie wir, der unser Bruder ist. Nur wenige Worte waren es, die Pfarrer Schneider sagen konnte. In viehischer Wut stürzte der Arrestführer Sommer in Pfarrer Schneiders Zelle, und die herrliche Stimme des Geistlichen verstummte, unter dem Klatschen der Nil- pferdpeitsche, die jenen tapferen Mann zusammenschlug... Wiederholt wurde ihm die Entlassung angeboten, wenn eı einen‘dreifachen Revers unterschreibe. Man wäre ihn gern losgeworden, diese nicht zum Schweigen zu bringende Stimme Schneider ging die gestellten Bedingungen nicht ein. Durch eine überdosierte Strontinspritze und Quarzlempenbestrahlung wurde sein Tod herbeigeführt. Den Angehörigen des Pfarrers wurde nach seinem Tode gestattet, ihn noch einmal zu sehen. Zu diesem Zweck veranloßte die Kommandantur seine Aufbahrung. Ein SS-Friseur mußte die Leiche schminken, um die blutunterlaufenen Stellen zu ver- wischen und den kahlgeschorenen Kopf mit einer Perücke versehen. Bei der Ver- abschiedung der Angehörigen weinte der Lagerkommandant Standartenführer Koch, der den Tod gewollt und herbeigeführt hatte. Und unter heuchlerischen Tränen beteuerte dieser Mörder:„Des war mein bester Häftling. Gerade als ich ihm. seine Entlassung mitteilen wollte, hat er einen Schlaganfall bekommen’. 83 Landesbischof Dr. Dr. Lilje vor dem Volksgerichtshof 1944 Wir sitzen von je zwei Schupos sorgfältig bewacht, die— arme Menschen— un- unterbrochen unsern Rockärmel festhalten müssen, im Saal... Die gegenüber- liegende Tür tut sich auf, der ganze Saal erhebt sich, das höchste deutsche Gericht betritt den Verhandlungsraum, Alles, was nicht angeklagt ist, erhebt die Rechte zum„Deutschen Gruß‘, wir dürfen es nicht! Es ist sofort klar, daß die bestimmende Gestalt der gefürchtete Freisler ist. Als er,„die Toga lässig umgehangen‘‘, Platz genommen hat und nun die Verhand- lung eröffnet, setzt mich ein unerwarteter Zug in Erstaunen-—- das völlig unjuristische Pathos. Er spricht nicht mit der zackigen, schneidenden Schärfe des Obernazi, son- dern im Kohlen pastoralen Tonfall eines deutsch-christlichen Superintendenten.... ein ursprünglich gute, beinahe edles Gesicht, mit scharfgeschnittenen, klaren gei- stigen Zügen, aber dies Bild ist gleichsam von innen her zerfallen, die Zeichen eines grauenhaften inneren Verkommens scheinen unverkennbar durch. Theodor Haubach, der edle Sozialist, hat diese jähzornige Unberechenbarkeit schwer zu spüren bekommen. Im Vertrauen auf die Rechtsordnung hat er das dem Angeklag- ten zustehende Schlußwort zu ernsthaften Ausführungen über die Hintergründe seiner Tat und Haltung benutzt und damit so sehr ‚den Zorn-Freisler$ hervorgerufen, daß er sofort die Verhandlungen neu aufnahm und die statt mit der schön beantragien Freiheitsstrafe mit dem Todesurteil endete. Nein, Freisler war weder wahrhaft groß noch wahrhaft bedeutend; es müßte denn eine Naivität sein zu meinen, einem Juristen müsse die Gerechtigkeit ungefähr ebenso wichtig sein wie einem Theologen die Frömmigkeit und der Glaube... R Es ist doch wohl keine Uebertreibung, wenn ich diesen ganzen Prozeß als eine groß angelegte Parodie auf die Gerechtigkeit empfinde. Es ist alles streng geheime Reichssache;... dafür sind Vertreter aller NS-Organisationen auf der ‚„Sachver- ständigenbank’' anwesend— was tun alle diese pseudogermanischen Jünglinge in diesem Saale, die vor Beginn der Verhandlungen unsre Personalien aufnehmen und Fragen an uns richten, als gehörten sie dazu? Da sitzen die Pflichtverteidiger—. sonst unbescholtene Männer, gegen die ich, obwohl sie hier nicht viel mehr als unwürdige juristische Statisten sind, keinen Groll hege. Nur bin ich entschlossen, meinem Pflichtverteidiger, einem Schwager Himmlers, im späteren Leben das Honorar für diese Verteidigung, das übrigens nicht sehr hoch sein soll, wieder abzunehmen und einer milden Stiftung zu überweisen, damit dies ungut erworbene Geld nicht sein Gewissen belasten muß. Denn irgend’ eine wirkungsvolle Tätigkeit hat er nicht entfaltet, und seine milden Prognosen, die er mir wenige Minuten vor der Urteils- verkündung zuflüsterte, erweisen sich als völlig falsch... Unstreitig die übelsten Erscheinungen im ganzen Saal sind die Laienbeisitzer, offensichtlich bewährte Pgs— wohlgenährt und zufrieden, die, von.den hier verhandelten Menschenschicksalen unberührt, während der Verhandlungen futtern und sich bescheidene Witze zuflü- stern, Es ist nicht angenehm zu denken, daß vielleicht schon in wenigen Wochen diese boshafte Harmlosigkeit ihre irdische Sühne gefunden haben wird... Was sollte es bedeuten, wenn Freisler zwischendurch noch einmal pathetisch aufdon- nerte:„Wenn Hitler fällt, fallen wir alle!‘? Hier in diesem Saale wurden zugleich mit den Todesurteilen noch Konfiskationen von Gütern verfügt, die längst in russische Hand gefallen waren. Da es keinen Ausweg aus dem geisterhaften Spuk gab, wurde das schattenhafte Spiel bis zum Schluß gespielt— wie ein ins Wasser gefallenes 84 Grammophon weitertöni, bis die gurgelnden Wellen es stumm machen, oder wir bei einem in Brand geratenen Karussel die Drehorgel weiterspielt, bis die Flammen auch sie erreicht haben. Jetzt ist alles vorbei. Aber ene wir den Saal verlassen und die Fesseln für den Rücktransport wieder angelegt bekommen, müssen wir das gesamte Aktenmaterial wieder abliefern, da es sich um eine streng„Geheime Reichssache‘° handelt! Mit diesem Augenblick habe ich längst gerechnet. Nachdem ich schon vor einiger Zeit den Haftbefehl aus dem Gefängnis geschmuggelt hatte, lasse ich nun blitzschnell die Ladung zum Termin ‚unter meiner Weste verschwinden, ehe ich den großen Um- schlag mit den übrigen Akten zurückgebe. Dieser üppige Bewachungsapparat ist immerhin so mit dem allgemeinen Aufbruch beschäftigt, daß es keiner im großen Saal bemerkt hat. Aber die Idee, uns hier nach allen Regeln der Kunst zu ver- urteilen und uns zugleich für den Ausbruch eines etwaigen Vierten Reiches gänzlich ohne Dokumente über das Erlittene zu lassen, geht mir denn doch zu weit. Später ist diese Ladung neben jenem Haftbefehl das einzige Dokument meiner Haft gewesen. Dr. Theodor Haubach am 5. 9. 1896 geboren Im Jahre 1924 wurde er Mit- begründer des Reichsban- ners. In Hamburg war er der Herausgeber des Hamburger Echo und dann bis zum Jahre 1933 bekleidete er das Amt des Pressechefs und des Polizeipräsidium Berlin. Ab 1934 mehıere Jahre Haft in Esterwegen. Später gehörte er zusammen mit Carlo Mierendorff zu den Führern des sozial- demokratischen Widerstan- des. Die Verhaftungswelle nach dem 20. Juli erfaßte cuch Haubach. Er wurde am 23, 1. 1945 hin- gerichtet. Heraus aus der Isolation Ein Geschichtsprofessor von der. Universität Chikago(Hans Rothfels), The German Opposition to Hitler”, Hinsdale 1948, Illinois USA) hat drei Jahre nach der Kapitulation Hitler- Deutschlands darauf hingewiesen, daß es nicht Abenteurer und politische Desperados waren, die gegen Hitlers Regime kämpf- ten, sondern Pionier der wahren Humanität. In Deutschland haben bisher weder die beruflichen noch die Liebhaber-Hisio- riker eine quellenkritische Arbeit über den deutschen Wider- stand vorgelegt. In jenen Jahren aber, als Hitler seine Blitzsiege zur Knech- tung der europäischen Völker mißbrauchte, hat es in‘den Reihen der Deutschen eine Volksbewegung gegen den Krieg und gegen Hitler gegeben, wie es zum Teil hier berichtet wird. Das war kein Kampf von Parteidoktrinären gegen eine. regierende Partei, das war der Aufstand von Menschen aller Klassen gegen die Herrschaft, wahnwitziger„Herrenmen- schen”. Warum diese Widerstandszentren sich nie zu einem einzigen großen Kraftzentrum zusammenschlossen, ist heute noch nicht hinreichend ergründet, Der verschärfte Terror war sicherlich einer der Gründe; ein anderer ist die Tatsache, daß niemand im Ausland der deutschen Opposition eine, sei es auch rur ideologische Plattform bot, und Oppositionsgruppen als Verhandlungspartner anerkennen wollte, wodurch weitere Violkskreise hätten zum Mitgehen veranlaßt werden kön- nen. In jenen Jahren wollte die deutsche Widerstandsbewe- gung heraus aus der Isolation. Jedoch sie\schlug von den Massen des eigenen Volkes weiterhin getrennt und der Majorität der anderen Europäer fremd und unbekannt, eine Schlacht, deren Erfolge und Niederlagen nicht im OKW-Be- richt standen. Sie wurden in den Papieren des Reichssicher- heitshauptamtes, der Justizbeamten und der Wehrmachtsbehör- den verbucht, jene Aktionen, die ständig Divisionen von Dienern des Dritten Reiches in Deutschland festhielten— ab- gesehen von dem direkten militärischen Nutzen, den die Alliierten zogen aus vielen Versuchen der deutschen Opp9- sition, die deutsche Kriegsmaschinerie zu lähmen. A ER er Beschuldigt des Hochverrats! Die Uhr g Tomschik-Gruppe. Ihr Schwergewicht lag bei Ausbruch des Krieges in Berlins Betrieben, so Deutsche Waffen- u. Munitionsfabrik, Dürener Metallwerke, Mauserwerke, Borsig-Reinmetall, Stolzenberg, AEG-Henningsdorf, Teves, Turbinen-Hüttenstraße, Dr. Paul Meyer, und einer Anzahl kleinerer Betriebe. Nachdem die zentrale Betriebs-Organisation geschaffen war, wurden die Verbindun- gen außerhalb, Berlins ausgebaut. Willi Sachs(bekannt aus dem Matrosen-Prozeß 1917) schuf die Verbindung nach München, Riedel nach Kassel und Leipzig und nach Tirol— Tomschik, Es gelang aber nicht nur die räumliche Ausdehnung, sondern auch gleich der Schulze-Boysen und Saefkow-Gruppe, die Verbindungen zu anderen Strömungen des Widerstandes, u. a. war Haupimann Beppo Römer ein Mitarbeiter dieser Gruppe. "Wie stark ihr Einfluß gewesen sein mag, kann man daraus schließen daß in den Deutschen Waffen- und Munitionsfabriken mit einer Belegschaft von ca 10000 Mann allein 74 aktive Funktionäre tätig waren. Ein besonderes Aufgabengebiet war auch die Arbeit in der Wehrmacht, wie auch die Einbeziehung ausländischer Zwangsarbeiter und der Kriegsgefangenen in die Tä- tigkeit der Gruppe. Die Wirkung der Uhrig Tomschik-Gruppe, die im Laufe der Zeit in vielen Teilen Deutschlands Gruppen hatte und Tausende von Personen umfaßte, machte sich be- merkbar. 1942 gelang es einem V-Monn der Gestapo einzudringen, so daß bald darauf die ersten Verhaftungen erfolgten. In kurzer Zeit waren über 200 Personen festgenommen. Einer der Prozesse fand wegen der Masse der Angeklagten in Landsberg an der Warthe statt. In einem anderen Prozeß vor dem 5 ‚Senat des Volksgerichtshofes unter dem Senats-Präsidenten Dr, Albrecht,-wurden gegenüber 43 Angeklagten 33 Todes- urteile, darunter gegen 2 Frauen, ausgesprochen. Viele Prozesse, mit Häufungen von Todesurteilen folgten. Andere Angehörige. dieser Widerstandsbewegung starben in KZ- und Zuchthaushaft. Kaum wissen wir die Namen weniger Ueberlebender. Originalbericht Klippenstein VVN-Archiv Berlin. (Bisher ist nur ein Ueberlebender der UT-Gruppe bekamnt). Die Front kam nicht näher „Am 13. November waren die Todesurteile gefällt. Vom Urteilsspruch bis zur Voll- streckung wurden im allgemeinen drei Monate Frist gerechnet. Würden die Henker auch unseren zum Tode verurteilten Genossen diese Chance einräumen? Eine Chance war es— aber auch eine Qual! Bei jeder sich bietenden Gelegenheit, beim Spazier- gang, die sich immer wiederholende Frage: ‚Wo steht die Ostfront?“ 5 Aber noch rückte die Ostfront nicht näher! Und so kam der bittere Tag, von dem sie Eingeweihten wußten: Nun ist es so weit! Nun heißt es Abschied nehmen von den Genossen, mit denen uns jahrelange Widerstandsarbeit verband. Dreiunddreißig Todeskandidaten, alles politische Häftlinge, dreißig Männer und drei Frouen, sollten dem Henker überantwortet werden. Wie ein Alpdruck lag es über den fast zehntausend Gefängnisinsassen am Münchner Platz in Dresden. Vormittags 10 Uhr wurden die Verurteilten, unter ihnen Georg Schumann;; Otto Engert, Kurt Kresse, William Zipperer, Arthur Hoffmann, Georg Schwarz, Alfred Frank und Jungbluth— nachdem ihnen die bevorstehende Urteilsvollstreckung mitgeteilt worden war, in die Todeszelle überführt. Jede Hafterleichterung, jede Kostverabreichung war ven diesem Augenblick an untersagt. "An diesem Tage waren aller Gedanken bei den Opfern einer grausamen Justiz in der Todeszelle. Wer will es verurteilen, wenn der Mensch angesichts des sicheren Todes seine Spannkraft verliert, wenn die Sehnsucht nach der Familie, nach dem Leben das Uebergewicht bekommt? Aber da war es Georg Schwarz der in einer hinreißenden Rede seinen Komeraden die Notwendigkeit ihres Sterbens aufzeigte, und ihren Tod als Voraussetzung des Sieges der Arbeiterklasse bezeichnete, so daß selbst die Helfer Hitlerischer Blutjustiz sich vor dieser Größe beugen mußten. Und dann riß man ihnen die Kleider vom Leibe, vollständig unbekleidet. wurden sie von brutalen Henkersknechten gepackt, hinaus in den Hof, in die erstarrende Winter- kälte geschleppt, wo sich der letzte Akt dieses grausamen Dramas abspielen sollte, Die Nerven sind zum Zerreißen angespannt. Da schlögt von ferne eine Uhr die sechste Stunde. Und jetzt weißt du es! Jetzt beginnt diese furchtbare Maschine zu arbeiten. An die Fenstergitter klammern sich die Gefangenen und starren mit Ent- setzen nach jener Ecke, in welcher das blaue Licht aufleuchtet und erlischt. Grabes- stille herrscht im Gefängnis, und deutlich vernimmt man in der Zelle den dumpfen Schlag des Fallbeiles. Dreiunddreißigmal saust das Fallbeil herunter. Reichskriegsgericht gegen ‚Rote Kapelle’’ Schulzen-Boysen-Gruppe, genannt„Rote Kapelle’ „Der Oberregierungsrat Dr. Harnack und der Oberleutnant Schulze-Boysen hatten es verstanden, in Berlin eine Schar von Personen aus den verschiedensten Gesell- schaftskreisen um sich zu sammeln, die aus ihrer staatsfeindlichen Einstellung keinen Hehl machten. Diese Personen waren z. T. früher Mitglieder«der KPD, zum anderen Teil neigten sie eigenen sozialistischen Gedankengängen zu. Ihre Einstel- lung gegenüber dem nationalsozialistischen Staat war negativ; einige von ihnen waren noch immer fanatische Anhänger des Kommunismus. Sie führten ihre Dis- kussionen, wobei marxistische und leninistische Literatur besprochen wurde, zunächst in kleinen Zirkeln, in die sie vorwiegend einzuziehen verstanden. Sie verfaßten Aufsätze und Berichte, die zur Schulung im kleinen Kreis dienten; darüber hinaus verfaßten und verbreiteten sie Hetzschriften kommunistischen Inhalts, in denen sie die$taatsregierung in der niedrigsten Weise angriffen und schmähten. Mit Beginn des russischen Feldzuges(22. 6. 1941) setzten sie ihre Tätigkeit in verstärktem Maße fort. Mit ihrer Propaganda suchten sie insbesondere die Künstler, Wissenschaftler, die Polizei und die Wehrmacht zu gewinnen, Mit ihren zahlreichen Hetzschriften und Broschüren vertreten sie immer wieder den Gedanken, daß nur das Zusammen- gehen mit dem Bolschewismus die Eigenstaatlichkeit des Reiches retten könne. Als im Frühjahr 1942 in Berlin die Ausstellung„Das Sowjetparadies’' veranstaltet wurde, führte Schulze-Boysen eine Gegenpropaganda durch, wobei Hunderte von Zetteln mit der von ihm verfaßten Aufschrift: Ständige Ausstellung des Naziparadies/Krieg, Hunger, Lüge, Gestapo/Wie lange noch?‘ in den Straßen Berlins, an Schaufenstern, Hauswänden und Plakatsäulen angeklebt wurden.‘ Durch Veberlebende der Gruppe wurde bekannt, daß sich eine unverhältnismäßig große Zahl von Frauen in der Gruppe befand, unter ihnen einige, die in der Haft entbunden hatten und dann hingerichtet wurden, Harro Schulze-Boysen, Berlin Oberleutnant der Luftwaffe im Reichsluft- fahrtministerium Der junge Harro‘glaubte noch vor 1933 an die Möglichkeit, an der Universität zwischen faschistischen und linksfortschritt- lichen Studenten vermitteln zu können. Die Ereignisse nach dem. Reichstagsbrand brachten ihn schnell zu anderer Einsicht. Im Laufe der Entwicklung wurde seıne Arbeit gegen den Faschismus immer ziel- bewußter. Mit Arvid Harnack organisierte er in gemeinschaftlicher Arbeit die nach beiden benannte Widerstandsgruppe. In dieser Gruppe kämpften viele Männer und ihre Frauen gemeinsam gegen die Reak- tion für den Fortschritt. So erlitt auch Harros Frau Libertas das gleiche Schick- sal wie ihr Mann. Er wurde& am 22. Dezember 1942 im Alter von 33 Jah- ren hingerichtet. a Dieser Tod paßt zu mir. Irgendwie habe ich immer um ihn gewußt. Es ist sozusagen mein eigener Tod, wie es ein- mal bei Rilke heißt. Es wird mir sehr schwer, wenn ich an Euch Lieben denke. Libertas ist mir nahe und teilt mein Schicksal zur Stunde. Ich hoffe nicht nur, ich glaube, daß die Zeit Ever Leid lindern wird. Ich bin nur ein Vorläufer gewesen in meinem teilweise noch unklaren Drän- gen und Wollen. Glaubt mit mir an die gerechte Zeit, die alles reifen läßt. (Aus Widerstandsgruppe Schulze-Boysen/ Hüarnack) Walter Husemann, Berlin Werkzeugmacher und Redakteur Voll sprühenden Lebens und starker Be- gabung wählte der junge Werkzeugmacher nach gründlichem Selbststudium die Lauf- bahn eines Redakteurs. Er war langjäh- riger Mitarbeiter der„Roten Fahne‘. Ge- meinsam mit seinem Freund und Vater saß er bis 1938 im Konzentrationslager Sach- senhausen. Nach seiner Entlassung fand er die Verbindung zu den ehemaligen „Rote Fahnen’'-Redakteuren John Sieg und Wilhelm Guddorf, mit denen gemeinsam er einen Teil der illegalen Schriften der Schulze-Boysen/Harnack-Gruppe mit Nacn- richten belieferte und redigierte. In der Untersuchungshaft erregte er durch seine ungebrochene und stolze Haltung die Be- wunderung seiner Mitgefangenen. Er wurde am 13. Mai 1943 im Alter von 33 Jahren hingerichtet. Ich sterbe leicht, weil ich weiß, wa- rum ich sterben muß. Die mich töten wer- den in nicht so langer Zeit einen schw>- reren Tod haben. Das ist meine Ueber- zeugung. Hart bleiben, Vater, hart, hart. Nicht nachgeben! Denke in jeder schwa- chen Stunde an diese letzte Forderung. Dr. Mildred Harnack-Fish geboren am 16. 9. 1902 Milwaukee(USA) hingerichtet 16. 2. 194? Mildred Harnack, Dr. Schriftstellerin und Lektorin für amerikanische Literatur an der Universität Berlin, arbeitete gemeinsam mit ihrem Mann in der Widerstandsgruppe Schulze-Boysen/Harnack. Das Kriegsgericht hatte sie zu sechs Jahren Zuchthaus ver- urteilt; kurze Zeit danach wurde auf Be- fehl Hitlers ohne jede weitere Beweisauf- nahme das Urteil in eine Todesstrafe um- gewandelt. Am 16. Februar 1943 wurde das Urteil vollstreckt. Bevor sie ihre Zelle ver- ließ, wandte sie sich noch einmal zum Fenster und sprach die Worte:„Der gute Mensch wird seinen Weg finden im Leben wie im ‚Sterben‘. Gebeugt und weißhaarig ging sie, die blond das Gefängnis be- treten hatte, zur Hinrichtung. Ihre letzten Worte waren: „Und ich habe Deutschland so SOakE> Arvid Harnack, Berlin Oberregierungsrat im Reichswirtschafts- ministerium, Dr. jur. et Dr. phil. wurde am 22. Dezember 1942 im Alter von EN 41 Jahren hingerichtet Meine Lieben! In den nächsten Stunden scheide ich aus dem Leben. Ich möchte Euch noch einmal für alle Liebe danken, die Ihr mir erwie- sen habt, gerade auch in der letzten Zeit Der Gedanke an sie hat mir alles Schwere leichter gemacht. So bin ich ruhig und glücklich. Auch denke ich an die gewal- tige Natur, mit der ich mich so verbunden fühle. Heute morgen habe ich laut vor mir hergesagt: „Die Sonne tönt in alter Weise...” Vor allem aber denke ich daran, daß die Menschheit sich im Aufstieg befindet. Das sind die drei Wurzeln meiner Kraft.... Adam Kuckhoff, Berlin Schriftsteller und Dramaturg Aus einem reichbewegten bürgerlichen Leben kommend, ging Adam Kuckhoff den Weg des sozialistischen Men- schen. Ein Dichter, der die Wahrheit— gestaltend— suchte, wurde er ein leidenschaftlicner Kämpfer gegen den Faschismus. 1933 reihte er sich sofort in eine Gruppe von Antifaschisten ein, die Arbeiter und Angestellte, Künstler und Offiziere umschloß. Im illegalen Kampf wurde sein Wort zu einer scharfen, zielsicheren Waffe gegen den Raubkrieg Hitlers. Ein Teil der flammenden Aufrufe der Schulze-Boysen/Harnack-Gruppe an das deutsche Volk, sich gegen die Weiterführung des Krie- A a Wehr zu setzen, stammt aus seiner Feder. Er wurde am 5. August 1943 im Alter von 55 Jahren hingerichtet. Der sich nicht ergeben hat Ist erschlagen worden Der erschlagen wurde Hat sich nicht ergeben. Bertolt Brecht Ein Überlebender ist Kurt Lehmann Kurt Lehmann, der Verfasser von„Julius’, ist heute 43 Jahre alt, seit 1926 poli- tisch und gewerkschaftlich organisiert. 1934‘als Seemann in der Emigration mit Edo Fimmen(ITF) zusammengearbeitet. 1936 Spanienkämpfer, anschließend holländische und französische Emigration. 1939 in Frankreich interniert, später der Gestapo aus- geliefert, bis zum Zusammenbruch in Einzelhaft und zuletzt den Todesmarsch von Dachau mitgemacht. Nach langer Krankheit Rückkehr in die Heimat nach Wuppertal, wo er den Tod von Bruder und Gefährten erfahren muß. Da er erwerbsbeschränkt, bezieht er Rente, für sich und seine Frau 116 Mark im Monat. Ueber seine Wohnverhältnisse redet man besser nicht. Sein größter Besitz sind zwei Wolldecken, übriggeblieben vom Todesmarsch aus Dachau. 90 a - Wer war Julius? 1941! Im Reichssicherheitshauptamt war in jenen Tagen die Stimmung bei der SS, die uns bewachte, gut. Eine Sondermeldung jagte die andere, En den Gängen riefen sie sich zu:„Wieviel Gefangene?‘ ‚180 000!‘ „Wann fällt Moskau, ich warte jeden Tag!” Das waren die Gespräche unserer Wächter vor den Zellen. Wenn Hitler sprach, oder eine Sondermeldung durchkam, machten sie bei uns die Klappen auf, damit wir hörten, damit wir die leizte Hoffnung aufgeben sollten. ——— Da kam in jenen Tagen, die für die Rote Armee so hart waren, ein Never auf den Hof.— Jeden Tag durften wir eine halbe Stunde Luft holen. Mit fünf Mann. Jede Woche wurden die fünf Mann anders zusammengestellt, damit sie nicht kom- plottieren konnten. Im Reichssicherheitshauptamt war das so Sitte. Das war also der Neue. Sein Haar war grau, seine Haltung ziemlich gebrochen, seine Kleidung gut. Er ging hinter mir. ‚Welcher Landsmann?” fragte er, Er sprach englisch, Ich erfuhr dann, daß er Schriftsteller, Revolutionär, Ungar und Jude war.„german’', war meine Antwort„Bist Du Genosse?‘' „Ja.“ Da kam es über Julius. ‚Wie steht die Front?‘ Ich sagte, Stalin hätte mit dem Blutsäufer einen Pakt gemacht und jetzt käme die Rechnung. ‚Kein Wort über Stalin, er ist der Mann, der den Widerstand organisiert‘, antwortete Julius. N „Die Maginot-Linie sollte mindestens 3 Monate halten’, meinte. ich. „Hier hat man sich allerdings verrechnet‘, sagte Julius. „Und dieser kleine Fehler kostet Millionen Menschen das Leben. Wir werden eben- falls das Blutgerüst besteigen müssen’, sagte ich. „Ich bin schon zufrieden, wenn ich höre, daß die Deutschen gestoppt sind, denn dann beginnt ihr Ende’‘, das sagte Julius. f ——— Zu diesem Gespröch hatten wir ungefähr 4 Tage gebraucht. Die SS paßte gut auf. Julius war zu eifrig. Er hatte zuviel auf dem Herzen und so wurden wir oft gewarnt, den Abstand einzuhalten. An einem Tage war Julius zur Vernehmung gewesen. Als er wiederkam, sagte er zu mir:„Höre zu, Genosse, ich heiße Julius Baccelavivus. Ich war Herausgeber von„Inprekorr‘‘ Ich wohnte in Paris, bin Kom- murist. Man hat mich mit meiner Frau nach Deutschland gebracht. Ich lag eine Zeitlang im KZ im Bunker. Man hat mich verhöhnt, gedemüligt, erbärmlich mißnan- delt. Vor einigen Tagen hat man mir mitgeteilt, daß meine Frau verstorben sei. Mein Sohn studiert in Moskau.”. Dann:„Gestern Hat mir die Gestapo ein Angebot gemacht. Ich solle Leiter der jüdischen Gemeinde von Berlin werden. Dafür sollte ich Flugblätter gegen die Komintern und den Kommunismus verfassen.” „Und, was hast du gesagt?‘ fragte ich. „Ich sagte, ich sei wohl bereit, zu sterben, aber nicht als Verräter!‘ Zwei Minuten nach diesem Gespräch war der Spaziergang zu Ende und wir gingen zu fünf Mann austreten. Auf der Toilette nahm ich die Gelegenheit wahr, faßte Julius Hand und sagie. ‚Gut gemacht, Genosse, am Ende werden wir gewinnen.” Julius war erschüttert und nahm meine Hand in seine:„Genosse, glaube an Stalin, er ringt die Bestie nieder.‘ ——— Am folgenden Tage auf dem Hof. „Genosse Julius, nun‘ wird wohl bald Dein Ende kommen?“ „Sicherer als unser aller Ende einmal kommt, kommt das Ende des Faschismus’', gab Julius zur Antwort. Wir trafen uns wieder am nächsten Sonntag. Julius sagte zu mir:„Genosse, solltest Du mit dem Leben davonkommen, dann berichte der Partei, daß Du mich hier zu- letzt gesehen hast.‘ j ——— Zwar war ich in derselben Lage wie Julius, aber ich dachte doch viel an ihn, wenn ich in meiner Zelle war. Und so kam ich auf den Gedanken, ihm das Sterben leichter zu'machen. Ich schrieb einen Zettel und teilte Julius mit, daß Hitlers Armeen vor Moskau geschlagen worden seien. Ein Kalfaktor hätte mir das gesagt. Diesen Zettel gab ich ihm cuf der Toilette. Und auf dem Hof, wo ich ihn das ietzte Mal sah, ging er stolzer als je zuvor. Als wollte er sagen: ich hatte also doch recht! Seit dem Tage habe ich von Julius nichts mehr gesehen oder gehört. Ich weiß auch nicht, ob der Name richtig ist. Ich habe ihn so hineingeschrieben, wie ich ihn verstanden habe. Ich habe die Geschichte geschrieben, damit Ihr seine letzten Tage kennt, und damit ich seinen letzten Wunsch erfülle. Weiß einer der Leser wer Julius war? Kurtlehmann. 9] Die Bästlein- Gruppe Aus den Akten des Volksgerichtshofes Saefkow, Jacob und Bästlein sind alle kommunistische Funktionäre, die von einem abgründigen Haß gegen unseren Führer und den Staat erfüllt sind und daraus selbst in der Hauptverhandlun g kein Hehl gemacht haben. Sie sind un- belehrbar und unverbesserlich. Die wegen Vorbereitung zum Hochverrat von ihnen verbüßten Strafen haben ebensowenig Ein druck bei ihnen hinterlassen wie ihr nach- folgendes Verweilen im. Konzentrationslager. Sie haben vornehmlich im 5. Kriegsjahr die KPD in einem derartigen Umfange wieder aufgezogen und die Wehrmacht zu zersetzen versucht, daß hier für das Reich die allerschwersten Gefahren herauf- beschworen wurden. Anton Saefkow geb. am 22. 7. 1903 in Berlin 1933 verhaftet und zu drei Jahren Zucht- haus verurteilt; anschließend bis 1939 in einem Konzentrationslager verbracht. Nach der Entlassung Wiederaufnahme der ille- galen Arbeit, Aufbau der Saefkow/Jacob/ Böstlein-Gruppe, die sich über ganz Deutschland und deren Grenzen hinweg erstreckte. Juli 1944 erneute Verhaftung und am 5. 9. 1944 zum Tode verurteilt. Am 16. 9. 1944 in Brandenburg hingerichtet. Bernhard Bästlein geb. am 3. 12. 1894 in Hamburg Im Mai 1933 verhaftet und zu einem Jahr, acht Monaten Zuchthaus verurteilt. Bis Februar 1935 im Zuchthaus Siegburg, dann Kolafu, Esterwegen und Sachsenhausen bis Herbst 1940. Nach der Haftentlassung Auf- bau illegaler Widerstandsgruppen mit Franz Jacob und Robert Abshagen. Er- neute Verhaftung im Oktober 1942. Am 29. Januar 1944 Flucht aus dem Gefängnis Piötzensee und Fortführung der illegalen Arbeit. Ende Mai 1944 erneute Verhaftung — am 5, September 1944 zum Tode verur- teilt. Hingerichtel am 18. September 1944 in Brandenburg. Franz Jakob geb. am 9. 8. 1906 in Hamburg im August 933 verhaftet und wegen Vor- bereitung zum Hochverrat zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Vom Zuchthaus Os- lebshausen ins KZ Sachsenhausen über- führt und 1940 entlassen. Wiederaufnahme des illegalen Kampfes. Oktober 192 er- folgt Verhaftung eines großen Teiles der Widerstandsgruppe in Hamburg. Franz Jacob gelingt die Flucht nach Berlin und Fortsetzung der Arbeit. Im Juli 1944 erneut verhaftet, am 5. 9. 1944 im Prozeß gegen Anton Saefkow, Franz Jacob und Bernhard Bästlein zum Tode verurteilt. Am 18. 9. 1944 in Brandenburg hingerichtet. Robert Abshagen geb. am 12. 1. 1911 in Hamburg 1934 wegen Vorbereitung zum Hochverrat zu zwei Jahren, sechs Monaten Zuchthaus verurteilt und im Zuchthaus Olbeshausen verbüßt. Anschließend, bis 20. April 1939, KL Sachsenhausen. Nach der Entlassung wieder Aufnahme der Verbindung mit Bernhard-Bästlein und Franz Jacob. Ham- burg—Berlin sind die Zentren seiner Tä- tigkeit. Oktober 1942 Massenverhaftungen in Hamburg, unter ihnen Robert Abshagen. 2. Mai 1944 vor dem V.olksgericht in Ham- burg der Pıozeß gegen„Bästlein und An dere’‘. Robert Abshagen wird wegen Vor- bereitung zum Hochverrat zum Tode ver- urteilt und am 10. Juli 11944 in Hamburg hingerichtet. Gustav Bruhn geb. am 14. 3. 1889 Angermünde/Uckermark 1933 verhaftet und vom Volksgerichtshof Berlin zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt. Vom Zuchthaus'Rendsburg ins KL Sachsen- hausen überführt. Entlassen Mitte 1939. Nach der Haftentlassung wieder illegale Arbeit als Angehöriger der„Böstlein-Wi- derstandsgruppe‘’. Oktober 1942 erneut verhaftet, anläßlich der Großangriffe auf Hamburg im Juli 1943 für acht Wochen be- urlaubt. Gustav Bruhn kehrt nicht freiwil- lig in die Haft zurück, arbeitet illegal wei- ter, wird Dezember 1943 von der Gestapo aufgespürt und auf ihre Veranlassung am 14. Februar 1944 ohne Prozeß mit seiner Frau Liesbeth und zwei anderen Kamera- den im KL Neuengamme erhängt. en en m angehen »Millionen Russen müssen den Hungertod sterben.« . Der Krieg kann nur fortgesetzt werden, wenn im dritten Kriegsjahr die gesamte Wehrmachtsernährung von Rußland geliefert wird. Es besteht kein Zweifel, daß Mil- lionen von Menschen in-Rußland den Hungertod sterben, wenn wir aus diesem Land die von uns benötigten Dinge entnehmen. (Denkschrift des Wirtschaftsstabes, Oldenburg, 2. Mai 1941) Der offizielle Plan sah vor, die anderen bezahlen- aber alle zahlten, auch die Deutschen Stalingrad Hauptmann Steiger war eine Gesichtshälfte vom Splitter eines Panzergeschosses auf- geschlagen, der rechte Arm war zerschmettert worden, die Füße waren heil geblie- ben, sie waren, als Tomas ihn von dem Hügel gebracht hatte, heil,gewesen. Nach der Schlittenfahrt wor aber auch mit den Füßen etwas los. In das Auto hat man ihn hineinheben müssen. Weddekopf sa zurückgelehnt, den Mantelkragen hochgeschlagen, die Pelzmütze in die Stirn gedrückt, und blinzelte durch die Windschutzscheibe ın das weile weiße Land. Eine Wüste mit weißem, trockenem Pulver und die vom Wınde aufgefegten Wellen in verschwenderischer Filigranarbeit erstarrt. Und wenn der Fahrer nach dem Schalthebel griff und auf den zweiten und auf den ersten Gang hinunterging, und gleichzeitig, um besser sehen zu können, den Scheinwerfer aufblendete, und der Motor aufknirschte und Getriebe und Räder im Leeren wühlten, und, wieder Grund fassend, der Wagen eine aufstäubende Schneewand durchpflügte, dann wehte auch in das Fahrerhaus die Grausamkeit dieser im Scheinwerferlicht aufleuchtenden Nacht herein. Einen großen LKW, Kühler und Vorderräder im Graben steckend und Hinterräder und Hinterteil auf der Straße hängend, hatten sie neben dem Wege liegen sehen. Eine Gestalt hatte mitten auf der Straße gestanden, zwei andere hatten daneben ge- hockt. Der Fahrer ohne Stimme, er war ausgeschrieen, und er hatte seinen in blu-/ tigem Verband steckenden Arm wie eine Winkfahne in die Höhe gehalten; die bei- den am Boden gurgelten nach Worte, aber sie vermochten ihre Füße ‚nicht zu 94 — schleppte die drei zum n Blick warfen sie auf den eckten Lastraum, Die Leich- und Verbandpackungen zu einem Klumpen zusammengefroren. Die Fahrt ging weiter, und es lag ein zweiter LKW am Wege, ein dritter, ein vierter. Eine LKW-Kolonne mit Verwundelien war am Tage die gleiche Straße gezogen und die Wagenkolonne war auseinandergerissen. Einmal hielt der Fahrer noch an und dann nicht mehr. Ein füntter, ein sechster, ein siebenter gescheiterter LKW. Aus dem Schnee auf- stehende Gesialten, auch Fahrer, auch Sanıtäter, auch ganze Trupps Verwundeter, welche die Wagen mit ihren gefrorenen Lasten verlassen hatten und zu Fuß ihren Weg suchten. im Scheinwerferlicht iaumellen sie auf— winkend, gestikulierend, hoben geballte Fäuste— prallten im letzten Moment vor dem vorbeipreschenden Wagen zurück und versanken in der Nacht. Der Wagen befand sich auf dem wiederansteigenden Teil des Weges. Weddekop hatte den Lappen abgewickelt und das Schuhband aufgelöst. Steiger preßte die Zähne aufeinander; der fressende Schmerz saß nicht im Fuß, sondern höher, das spürte er.„Ziehen Sie bitte, ziehen Sie den Stiefel mit einem Ruck herunter!” sagte er. Weddekop brauchte mehr Bewegungsfreiheit, und der Fahrer blendete erst den Scheinwerfer auf und überzeugte sich davon, daß in der Verlass keine Menschenseele und keine der Schneegestalten dieser Nacht zu sehen war, dann eıst schaltete er den Leergang ein und hielt den Wagen an. Die Schnee- gestalten waren aber doch da. Der Weg auf dıe Ebene zurück führte durch eine Einklüftung, welche westlich und der Fahrtrichtung enigegen verlief, und in der Seitenkluft, die von diesseiis der Kurve nicht einzusehen war, staken zwei festgefahrene LKWs. Die Verwundetenfracht, die sie befördert hatten, war ebenso erstarrt wie die in den Wagen vorher. Doch hier in der Kurve und auf dem ansteigenden Ende der Straße, wo die unlerwegs befindlichen Fahrzeuge gezwungen waren, langsam zu fahren, hatien sich alle gesammelt, die sich so weit halten schleppen können.: Und‘ sie hielten sich hinter den Schneewällen der Kıuft verborgen, sie waren verzweifelt wie Sterbende, die nicht sterben wollen,. und sıe waren listig— die Erfahrungen dieser Nacht hatten sie dazu gebracht— wie die jagenden Eismenschen der Urzeit. Und alles geschah gleichzeitig. Wedderkop zog den Siiefel herunter, und mit dem Stiefel— Leder, Lappen, Haut, Fleisch waren eine Masse— zog er den mürbe gefrorenen Fuß ab, und im Schoß hatte er das sauber abgeschälte Fußskelett Steigers liegen. An Steiger wäre es gewesen, aufzuheulen, aber Weddekopf schrie auf und prallte zurück, und sich, abwendend— aber wohin sich wenden, er konnte seinen Blick nur durch die Windschutzscheibe flıehen lassen— hatte er im grellen Scheinwerferlicht eine Ge- stalt vor sich, die den Weg herunterkam und von ihren wie Glas abbrechenden Füßen fiel und vornüber aufs Gesicht hinschlug. Und nicht nur dieser eine, ein ganzes Rudel war da, aus der Eınklüftung stiegen sie auf, mit verbundenen Köpfen, mit eingeschienten Armen, in Gipskorsetis, Decken, Fetzen, Zeltplane umgehängt, sie hinkten, sie taumelten, sie fielen, im Aufschlagen zersplilterten Knochen, Gestürzte richteten sıch wieder auf, und alle, auch die am Boden:lagen, alle eilten.„Eins, Zwei... Zehn”! zählte Weddekopf völlig geistesabwesend. Zehn grave Menschen- würmer, die kriechend und sich am Boden windend dasselbe zu leisten versuchten wie andere, ‚die noch Füße hatten. Ein blutüberstiömter Kopf erhob sich aus dem Schnee und fiel kraftlos wieder zurück. Ein anderer schlug einen spitzen Gegen- stand, es war das Teil eines Wagenhebers, vor sich in den Boden und angelte sich daran vorwärts. Der zu allererst gestürzt war, arbeitete mit Armen und Bauch und Schenkeln und wühlte sich näher. Alle und alles kam näher, und die noch ihre Füße hatten, warfen sich schon über das Fohrzeug. Da.waren die Hände, die nach den Türdrückern griffen, dıe am Kühler, am Trittbrett, am Wagenrand Halt suchten, welche die Zeltplane zerfetzten, in Gesichter und Augen faßten und andere zurück- rissen. Ein Schuß knallte, die Fensterscheiben zersplitterten, Hinten im'Raum heulten die Verwundeten, die unler der Last der über sıe Herfallenden erdrückt wurden. Der Motor keuchte, der Wagen liet wieder, schwankte im ersten Gang den Hang hoch, und oben schaltete der Fahrer den zweiten und dritien Gang ein, und er ließ den Wogen laufen, wos er laufen konnte, und im Wind und in voller Fahrt fiel duch das Gerank von Händen und Knochen, das an der Motorhaube, an den Trittbrettern, am Wagenrand hing, wieder ab. Theodor Plivier 95 BEWAHRUNGS-BATAILLON: 977 Im Herbst des Jahres 1942 versandten die Wehrmeldeämter der deutschen Städte Karten mit folgendem Aufdruck:»Für die Dauer des Dienstes in der Wehrmacht ist Ihre Wehrunwürdigkeit aufgehoben«. e Es waren Einberufungen zum Dienst im deutschen Heer. Die Empfänger jener Karten waren Männer, welche in Hitler-Deufschland politisch bestraft waren. Wegen Vor- bereitung zum Hochverrat und anderer ehrbarer Handlüungen:ihres politischen und moralischen Gewissens waren sie der Gestapo-Willkö ‚ausgeliefert und in die Hände der Thierack-Freisler-Frank-Justiz gespielt worden: Ihre Bestrafung hatte in jedem Fall die Erklärung der..Wehrunwürdigkeit: nach sich ‚gezogen. ‚Dazu kamen noch jene Männer, die,»hn& dürch ein: Verfahren hestrait sein, im:KZ oder Gestapo- Keller die kultur-heschtmpfende und'hestialische Version nazistisch-nordischer»Um- erziehungs-Traktate« durchlebt hatten. Man ga ihnen da: rg ikat»Wehrunwürdig« weil ihre Haltung gegen den: 100 0jährigen Staat der braunen Häuser der untrügliche Beweis ihrer bewährten politischen und zivilisatorischen Würde gewesen war. Sie wurden zu einer Sondereinheit formierf und auf dem Truppenübungsplatz Heuberg bei Stuttgart aufgestellt,'£s war die Afrika-Schützen-Divisien 999. Man ging bei Aufstellung. dieser Einheit von besonderen Gesichtspunkten aus. Die ungünstige Kriegslage des Jahres 1942 unterschied sich wesentlich von den für dieses Jahr gesteckten Zielen. Eine weitere ungünstige Entwicklung war der deutschen Führung gewiß. Es mußte: mit‘der Möglichkeit vermehrten Widerstandes gerechnet werden. Leiter dieser politischen Untergrund-Tätigkeit konnten vornehmlich die im Kampf bewährten, also bereits Bestrafte, sein. Noch ein zweiter Gedanke war maßgebend: Wenn die als anständig bezeichneten deutschen Männer und Jünglinge den Tod auf den Schlachtfeldern starben, so wollte man den»Unzuverlässigen und erwiesenen Feinden« keine Gelegenheit geben, in der Heimat zu verharren sondern auch sie sollten in die Vernichtung getrieben werden. Deshalb war der Einsatz dieser Division in dem ungesündesten Klima und der unwirtlichsten Gegend von ‚Tunesien vorgesehen: An den Salzseen von Gaffa und Sbitla. Als Anwärter des Todes in Marsch gesetzt, hatten die 999er das Leben behalten. Sie trugen es weiter, und sie dienten ihm. Unter den deutschen Kriegsgefangenen sind die Männer von 999 durch ihre pflichterfüllte Aufklärung, durch ihre aktive Haltung zu der Brigade des Lebens geworden. Das Lied der Division 999. In einem amerik. Kriegsgefangenenlager geschrieben Wir lagen westlich vor Kairouan, Der Tommy deckte uns ein. Da traten wir unseren Rückzug an. Wie konnte es anders auch sein? Wir trofteten in der Sonne dahin Und sahen uns oftmals um. Was hat denn Marschieren für einen Sinn, Wenn wir nicht wissen Warum! Immer daran denken, niemals vergessen, Was wir erlebt und gesehn. Wir haben in Kerkern und Lagern geses$en, Doch unser Banner blieb stehn. Vorwärts, vorwärts, das Morgen ist unser, Laßt unser Banner wehn. Ba Rn A EN Dieses stand nicht im OKW- Bericht Der 18. Februar 1943, jener Tag, an dem die Geschwister der Münchener Universität ausstreuten, in der kaum jemals zu schreibenden G war sich der Münchner Kreis völlig kla gang war, doch sie glaubten mit den Anfang einer Scholl ihre Flugblätter in ist vielleicht eines der denkwürdigsten Daten eschichte des deutschen Widerstandes. Zwar r darüber, daß dies Unterfangen ein Opfer- ihrem Ende zugleich einen Anfang zu schaffen— nicht mehr niederzuhaltenden offenen Empörung. Ihr Tod sollte das Zeichen zum Aufbruch sein, ihre Verwegenheit bei allen noch zögernden, heim- lichen Gegnein des Staates bedenkenlose Entschlössenheit auslösen. Jeder weiß heute, daß es anders kam, aber nicht jeder weiß, wie groß innerhalb der Studen- tenschaft tatsächlich der Kreis derer war, die durch viele Zwischenglieder mit dem Münchner Kreis in Verbindung standen und dessen Arbeit unterstützten oder fort- setzten. Seit den Februartagen herrschte tatsächlich eine deutliche Unruhe an den Universitäten und die Gestapo versuchte durch systematische Verhaftungen schon bestehende Gruppen auszuheben und die Bildung neuer Zellen durch erhöhte Spitzeltätigkeit und Ueberwachung zu verhindern. Mit einer Hysterie sondergleichen verfolgte man die winzigsten von München ausgehenden Spuren. Es ist heute schwer festzustellen, in welchem Maße die Gestapo bei dieser Aktion tatsächlich auf kom- pakte Gruppen stieß. In Hamburg war eine solche auf jeden Fall im Entstehen und in Dresden muß es sie nach den Angaben der Gestapo gegeben haben. Es zeugt für die Bedeutung, die die Gestapo der Möglichkeit einer studentischen Wider- standsbewegung zumaß, daß sie in Hamburg sofort schlagartig 20 Personen ver- haftete. Von Hamburg aus hatten deutliche Verbindungen nach München bestanden. In Hamburg waren die Münchener Flugblätter weiterverbreitet und vervielfältigt worden. In einem Kreis. dessen Mittelpunkt einige Studenten bildeten, dem aber auch Aerzte, Lehrer und Journalisten nahe standen und eınige Schüler, waren auf regelmäßigen Zusammenkünften, ähnlich wie im Münchener Kreis, Möglichkeiten des Widerstandes und Sabotagepläne besprochen worden. Kurz bevor die Verhaftung erfolgte, war die Vorbereitung eines Sprengstoffanschlages und dıe Schaffung eines Geheimsenders ins Auge gefaßt worden. Eine Geldsammlung für die Witwe des Professors Huber wurde von dem nach München übergesiedelten Hamburgeı Studen- ten Hans Leipelt(hingerichtet am 29. Januar 1945 in München) in Hamburg durchgeführt. Von den 30 Verhafleten wurden einige wieder entlassen. Zwei der Angeklagien, Dr. Katharina Leipelt und Elisabeth Lange, begingen angeblich Selbstmord. Zwei Studenten, Reinhold Meyer(stud. phil.) und Greta Rothe(cand. med.) erkrankten und starben infolge mangelnder ärztlicher Betreuung. Die 20 rest- lichen Angeklagten sollten am 19. April 1945, vor dem ersten Senat des„Volks Gerichts‘ abgeurteilt werden, wurden jedoch in Stendal, Bayreuth und Hamburg durch alliierte Truppen befreit. Karl Ludwig Schneider Kriegsschauplatz im Ather „Hier Gustav Siegfried Eins’’”— Soldatensender West darf gehört werden Hof, F. Y. Wer einmal die Geschichte des letzten Krieges zu schreiben unternimmt, der wird auch dem geistigen Kriegsschauplatz im Aether ein umfangreiches Kapitel widmen müssen. Den Sender„Gustav Siegfried Eins‘ kann man als das psychologische Musterbeispiel einer raffinierten Propaganda bezeichnen.„Hier ist Gustav Siegfried Eins— es spricht der Chef’. Wer erinnert sich nicht noch dieser geheimnisvollen Ansage aller sieben Minuten vor jeder vollen Stunde? „Wir kommen wieder— solange wir können— trotz Gestapo.‘ Das war die Absage kurz vor Ablauf jeder 60. Minute! Dazu das Pausenzeichen als geradezu prophetische Fortsetzung der Melodie des Deutschlandsenders:„... bis an dein kühles Grab!’ Drei Jahre lang geisterte diese Parodie als bewußte War- nung. Er hatte Geschick, der ‚Chef‘, und er hatte Erfolg! Und als„Gustav Siegfried Eins’ nach drei Jahren seiner Wirksamkeit im Frühjahr 1943 wieder verstummte, wußte man ebensowenig über ihn, über seinen Standort und seinen„Chef“, wie in den ersten Tagen seines sensationellen Auftauchens Die eigenartige Sendezeit des G.S.1(was wohl ‚Geheimsender 1’ heißen sollte) ist dadurch zu erklären, daß die Sieben-Minuten-Sendungen automatisch von Schall- platten abgespielt wurden, um so zu erreichen, daß der Chef vor plötzlichen unlieb- samen Besuchen geschützt war. Nach technischen Feldstärkemessungen müßte der Sender in der Nähe von Berlin gestanden haben und bisher unbestätigten Gerüchten zufolge, wurde die Anlage mit auiomatischem Plattenapparat in der Ansbacher „Straße im Berliner Westen entdeckt. Wohl die meist gehörten Sender der beiden letzten Kriegsjahre waren die Soldaten- sender ‚Atlantik‘ und„Calais’‘. In der„Radiowelt’’ spricht Walter Vedder die Ver- mutung aus, daß es sich hierbei um einen unter Leitung des britischen Geheimdien- stes\stehenden Sender handelte. Wie schnell und gut informiert die Sendeleitung arbeitete, geht daraus hervor, daß über alle bedeutenden Ereignisse bereits wenige Stunden, ja manchmal schon wenige Minuten später ausführlich berichtet wurde. Nach der Invasion trat zu dem ursprünglichen Kurzwellensender ‚Atlantik‘ der Mit- telwellensender ‚Calais’. Neue Sendefolgen, wie der Kameradschaftsdienst für die Kriegsmarine,(die Luftwaffe und den Bereich des Oberbefehlshabers West und Nor- wegen, kamen hinzu. Aber man ging noch weiter und übernahm die stündlichen „Luftlagemeldungen‘‘ des deutschen Rundfunks. Den Höhepunkt bildete jedoch die Originalübertragung der Hitlerrede am 9. November 1944, direkt von einem der deut- schen Sender übernommen. Der Wehrmachtsbericht wurde teilweise bereits vor den deutschen Sendungen wörtlich zitiert und seinem Text der wirkliche Sinn gegeben. Am 8. November 1944 wurden‘ die am nächsten Tage ausgesprochenen Beförderungen hoher deut- scher Offiziere gesendet, also noch bevor es ein Teil der Betroffe- nen selbst wußtel! Als sich die Front der deutsch-französischen Grenze näherte, kam ein weiterer Land- wellensender, der ‚„Soldatensender West’‘, hinzu. Mit der Feldpostnummer halte es begonnen: der„Soldatensender West’' hatte seine Hörer aufgefordert, ihre Wünsche und Vorschläge, überhaupt alles, was sie auf dem Herzen hatten, an die„Feld- postnummer des Senders’, die Nummer 03069, zu richten, die die Feldpostnummer der Propaganda-Abteilung-Frankreich war. Tausende von Briefen bestätigten dieser deutschen Dienststelle aufs neue den Erfolg des„Soldatensenders West’ und die unbestrittene Sympathie vor allem der deutschen Soldaten für ihn— aber: Die Wünsche und Vorschläge, die in diesen Briefen standen, gelang- tan tatsächlich auch in die Redaktion des Senders. Und während man noch kurz zuvor in internen Armee-Tagesbefehlen bei Androhung der Todesstrafe vor dem Abhören dieses verteufelten Senders warnte, setzte schließ- lich ein Ic seine Unterschrift und ein Dienstsiegel unter einen Befehl, der eine ungewollte Bescheinigung des Erfolges war. Er lautete:„Im Armeebereich darf nur der Soldaiensender West gehört werden!’ So endete der Aetherkrieg in einem Treppenwitz ohnegleichen, gleichsam mit einer deutschen Lizenz für den ‚„Soldatensender West’, Am 1. Mai 1945, morgens 8.00 Uhr, beendete er sein Programm für immer. HNRSF 98 a NE ragt ir Clausewitz und das KZ Clausewitz sagte: Der Krieg ist die Fortsetzung der Politik mit anderen Mitteln. Für die Opposition bedeutete aber das KZ die Fortsetzung des Widerstandes mit anderen Mitteln. KZ Auschwitz or KZ Flossenbürg An die Kämpfer in den Konzentrationslagern Kaum Erreichbare, ihr! In den Konzentrationslagern begraben Abgeschnitten von jedem menschlichen Wort Unterworfen den Mißhandlungen Niedergeknüppelte, aber Nicht Widerlegte! Verschwundene, aber Nicht Vergessene! Hören wir wenig von euch, so hören wir doch, ihr seid Unverbesserbar. Unbelehrbar, heißt es, seid ihr der proletarischen Sache ergeben Unabbringbar davon, daß es immer noch in Deutschland Zweierlei Menschen gibt: Ausbeuter und Ausgebeutete Und daß nur der Klassenkampf Die Menschenmassen der Städte und des Landes aus dem Elend befreien kann. Nicht durch Stockschläge, noch durch Aufhängen, hören wir, seid ihr So weit zu bringen, zu sagen, daß Zwei mal zwei jetzt fünf ist. Also seid ihr / Verschwunden, aber Nicht vergessen Niedergeknüppelt, aber Nicht widerlegt Zusammen mit allen unverbesserbar Weiterkämpfenden Unbelehrbar auf der Wahrheit Beharrenden ! Weiterhin die wahren Führer Deutschlands. BERTOLT BRECHT Bae en W De ANA N Nah KZ Sachsenhausen Am 11. Oktober 1944 wurden im Konzentrationslager Sachsenhausen auf Befehl des Reichsführers SS siebenundzwanzig Antifaschisten, unter ihnen 3 französische und wurde ihnen zur Last gelegt, unter den, Gefangenen des Lagers den Widerstand gegen die SS organisiert zu haben und f eine umfangreiche Widerstandsorganisation mit Verbindungen außerhalb des Lagers belgische Kommunisten, erschossen. Es geschaffen zu haben. Ihre Namen sind: Alfred Ahrend Heinz Bartsch Erich Boltze Fritz Bücker Emil Dersch Ernst Fürstenberg Willi Grübsch Arthur Henning Rudolf Henning MdR. Dietrich Hornig Otto Kröbel Erich Mohr Rudolf Mokry Sein letztes Wort Matthias Thesen, Duisburg Dreher wurde mit 26 Mitgliedern einer großen Widerstandsorganisation des Lagers Sachsenhausen nach elfjähriger Gefangenschaft am 11. Oktober 1944 im Alter von 53 Jahren erschossen. i e Brief erhalten. jetzt tu Deine Pflicht! Sachsenhausen, Block 58 den 24. September 1944 Noch bin ich am Leben. Besonders Hanns Rotbarth' Josef Putz i Wilhelm Sandhöfel I SR Gustel Sandtner Mdl. 8 Kurt Szalek i j Ernst Schneller MdR.| hf: Gustav Spiegel Br Siegmund Szredzski AN Mathes Thesen MdR. N Ludgar Zöllighofer j Benoit Moceau: Andre Bergeron Ir Roger Robine Matti KZ-Dora Befehlsverweigerung im KZ Ort: das unterirdische Konzentrationslager ‚„Dora’‘ bei Nordhausen, Die Häftlinge in„Dora‘‘ produzieren die ‚„Wunderwaffen” V 1 und V 2. Von der Wehrmacht kamen wütende Proteste zur Generaldirektion der unterirdischen Werke. Es war nämlich‘ festgestellt worden, daß sich bei den in„Dora’ hergestellten V- Waffen eine überdurchschnittliche. Zahl von Versagern befand. . als alle Terrormaßnahmen der SS nicht halfen, ersann die SS-Lagerführung ein teuflisches Abschreckungsmittel. Mitte Februar holte sie alle Häftlinge aus dem Berg und ließ sie auf dem Appellplatz antreten. Der gesamte Kommandanturstab der SS und Hunderte schwer bewaffnete SS-Leute postieren sich um den mitten auf dem Appellplatz errichteten Galgen. Unter dem Galgen standen zwei neue Todeskan- didaten, ein russischer und ein deutscher Häftling. Ohne Angabe von Gründen wurde mitgeteilt, daß die beiden Häftlinge zum Tode durch den Strang verurteilt worden sind, Der Lagerkommandant, SS-Sturmbannführer Förschner, rief dann den ersten Lager- ältesten, den Münchener Antifaschisten Georg Thomas, und erklärte ihm laut und deutlich:„Lagerältester, ich erteile Ihnen hiermit den Befehl, die beiden zum Tode verurteilten Höftlinge zu hängen!‘‘ Georg Thomas befand sich seit Beginn der Nazi- herrschaft im Konzentrationslager. Er hatte in den fast zwölf Jahren nicht einen Tag der Freiheit kennengelernt. Thomas wußte, der Tag der Freiheit ist nah, er spürte, daß die SS die letzten. verzweifelten Anstrengungen unternimmt, um ihre Herrschaft zu halten. Er sah die kalten, höhnischen. blutgierigen Augen der SS auf sich gerichtet. Er sah aber auch seine Kameraden, seine Freunde in den Reihen der Häftlinge, bei den Franzosen, Tschechen, Polen, Jugoslawen, Holländern, Russen und Ungarn. Er wußte, daß von seiner Entscheidung die Widerstandskraft des Lagers abhängıg ist. Er zögerte nur eine Sekunde, und dann rief er laut und deutlich, daß es alle hören konnten, Häftlinge und SS: „Ich verweigere den Befehl!‘ Ein Staunen ging durch die Reihen der SS. Höher schlugen die Herzen der Häft- linge. Die meisten hatten die Worte nicht verstanden, aber an der Stimme und am Ton wußten sie: der deutsche Antifaschist Georg Thomas weigert sich, den Mord- befehl der SS auszuführen. k Da kam ein neuer Befehl. SS stürzte sich auf Thomas, sie rissen ihm die Binde vom Arm, fesselten ihn und führten ihn in den Bunker ab. Wieder herrscht Totenstille. Und wieder ertönt die grausame Stimme des Lagerkommandanten: ‚„Lagerältester zwei zu mir!” Der Häftling Ludwig Szymczak, ein oberschlesischer Bergarbeiter, Kommunist, tritt hervor. Der Kommandant befiehlt:„Lagerältester zwei, hängen Sie die baiden Leute auf!‘ Ludwig Szymczak schaut den Lagerkommandanten an, er denkt an seine Frau und seine Kinder, die auch er seit 1933 nicht gesehen hat, denkt daran, daß er erst vor wenigen Stunden durch die illegale Radioanlage erfuhr, wie nahe schon die allierten Streitkräfte stehen, und denkt daran, wie gut es ist, zu leben, um gegen die Ver- brecher an der menschlichen Gesellschaft kämpfen zu können. Doch auch er zögert, keine Sekunde. Genau wie sein Kamerad Georg Thomas ruft er laut und fast fröh- lich: „Ich verweigere den Befehl!” Szymczak wird abgeführt. Die SS selbst verrichtet das schmutzige Handwerk. Die Häftlinge müssen zurück in die unterirdischen Stollen. Doch die mutige Tat der bel- den deutschen Antifaschisten klingt in ihren Herzen. Georg Thomas und Ludwig Szymczak wußten, sie gehen in den Tod. Erlebnisbericht von Walter Bartel, Berlin KZ- Dachau Veberraschung in Dachau. Im Waschraum nahm mich soeben S. auf die Seite und steckte mir verstohlen ein kleines, in einem„Völkischen Beobochter‘' gewickeltes Päckchen zu. Als ich es vol- ler Erwartung öffnete, fand ich darin die Broschüre von Grenier gegen Andre Gides Buch über die Sowjet-Union.\% S, hatte es unter allerlei anderen, ebenso streng verbotenen Schriften in einem Keller des Braunen Hauses in München gefunden, wo er bei einem ‚„Aufräumungs- kommando‘' arbeitet.: Prachtvolles Diskussionsmaterial für uns! se Er will versuchen, nächste Woche noch einige so interessante Bücher mitzubringen. Nico Rost, Holland. 102 A N der Verke, en V- g ein Berg jer SS dem skan- wurde orden Lager- t und Tode Nazi- einen h, er ı ihre er SS ‚eihen ussen ‚ogers \, daß Häft- Id am Mord- » vom stille. Itester beiter, n Sie u und st vor lierten e Ver- zögert, | fröh- k. Die »r bel- Berlin ‚n ein 7 vol- Andre einem nundgs“ ingen: nd. Eine leiche wird besorgt. Dachau, 27. April 1945. 5 Uhr. Außer General Delestrin wurden gestern noch fünfzehn andere NN-Häftlinge in Nacht und Nebel füsiliert(oder aufgehängt, das wissen wir nicht), und heute sind noch fünf aus dem Revier geholt worden. Van L. ist ebenfalls NN und fürchtet, daß sie auch ihn holen werden. Mit ihm bei Fritz gewesen, ihn um Rat gefragt.# „Fritz, mein Freund ist NN— ist er noch gefährdet?‘ Rz „Schon möglich. Abgeschlossenes Verfahren?'‘ „Nein, abgetrennt!‘ „Dann wird er wohl noch heute sterben müssen!’ Van L. und ich sahen uns an. War Fritz auch schon so geworden? Dagıld er über Leben und Tod bereits wie ein polnischer Kapo?' Er bemerkte unser Erstaunen, lächelte kaum merklich und wiederholte nochmals: ‚Dann wird er wohl noch heute sterben müssen.‘ „Aber wir sind doch gerade zu dir gekommen, um.. „Ihr seid Grünschnäbel! Noch nicht lange genug im Lager! Sonst hättet ihr mich längst verstanden. Also paßt nun gut auf! Ich werde sofort Erkundigungen ein- ziehen, ob die Sachbearbeiter der NN-Dossiers schon weg sind oder nicht. Sind sie noch nicht weg... dann muß dein Freund eben sterben.‘ Tuben Fritz....‘: „Beruhige dich nur!— Kannst du für eine Leiche sorgen?‘ P!ötzlich hatte ich ihn verstanden und sagte:„Ja, wahrscheinlich von Block 17. In der Straße davor liegen genug. Zusammen mit dem Pförtner der Totenkammer kann ich da eine unbekannte Leiche wegholen.‘ „Gut, van L. muß dann einen Zettel: mit seiner Nummer und,seinen Daten geben, und den bindet ihr dann der Leiche an die rechte Zehe. Dann ist van L. offiziell gestorben, kommt in die Totenliste, und wenn ‚sie‘ ihn dann holen wollen, bekom- men sie von der Schreibstube die Meldung, daß er tot ist.‘ „Und was habe ich zu tun?’ fragte van L., sichtlich beeindruckt. „Nico weiß sicher einen Platz. um dich zu verstecken.‘ „Ja, bei Gerhard, dem Blockältesten von 26, der wird schon ein Bett für ihn haben, in der obersten Reihe, wo sie ihn nicht so leicht finden.‘. „In Ordnung, aber du mußt da liegenbleiben, bis die Gefahr vorbei ist. Denn es wäre doch ein verdammtes Pech, gerade jetzt— so kurz vor Toresschluß— noch geholt zu werden.‘ Nico Rost, Holland. KZ-Buchenwald Die Häftlinge des KL Buchenwald wollten sich nicht umbringen lassen. . Darum mußte die Selbstbefreiung organisiert werden. Eine der wichtigsten Voraus- setzung war die Schaffung eines militärischen Apparates und seiner technischen Leitung. Letzterer hatte folgende Aufgaben: 1. Beobachtung aller Veränderungen beim Feind. 2. Wo hat der Feind seine Nachrichtenmittel und wie sind sie zu stören. 3. Wie stark ist die Bewaffnung und wo lagern. die Waffen . Schaffung eigener Nachrichtenmittel. . Bereitstellung von militärischen Hilfsmitteln aller Art. . Sanitätswesen. . Verpflegswesen. . Transport. . Waffen. An eigenen Nachrichtenmitteln standen zur Verfügung: Netzempfänger, Batterieempfänger, Supernetzempfärger für zentrale Leiiung, Netzgerät für die Kriegsgefangenen, Sendeanlage, Feldfernsprecher mit 3000 m Feldkabel und Zubehör. Die Sendeanlage wurde von russischen Kriegsgefangenen begonnen und von pol- nischen Freunden fertiggestellt und in Betrieb gesetzt. An Hilfsmitteln waren bereitgestellt: Nachschlüssel, Heb- und Brecheisen, Karten- taschen mit Inhalt, Benzin, Hieb- und Stichwaffen, Drahtscheren, Zangen und Werk- zeugkisten für die technischen Gruppen. noonavım Dee 103 EREREEREN Fe SFr RE Für fünf große Verbandplätze waren Medikamente und Instrumente, für die 50 Sani- täter 50 komplette Ausrüstungen und 20 000 Verbandspäckchen bereitgestellt. Der Wagenpark unseres Feindes wurde ständig kontrolliert und registriert. Mit Ab- zug der Kraftfahr-Erscatzabteilung waren die meisten Transportmittel(PKW, LKW und Motorräder) abgezogen. Fast alle Transporimitiel wurden in den kritischen Tagen seit dem 2. Aprıl 1945 von der SS abgeschoben, darunter auch alle Pferdefuhrwerke. Die Verpflegung wurde auf Grund der bisherigen Praxis im KL Buchenwald weiter- om und in der letzten Zeit waren die Beteiligten bestrebt, größere Vorräte zu sichern Im August 1943 wurden aus den Beständen der Gustloff-Werke im Lager 10 Gewenre abgezweigt und von der militärischen Führung sichergestellt. Bis zum April 1944 waren die Bestände auf 53 Gewehre gestiegen. Trotz der Gewehrproduktion außer- halb des Lagers war es möglich, weitere 32 Gewehre hereinzuschaffen. Von pol- nischen Freunden wurden 16 Handgranaten bereitgestellt. Durch einen deutschen Häftling wurde ein MG mit 2000 Schuß gegurteter Munition sichergestellt und der militärischen Leitung übergeben. 200 wurffertige Brandflaschen wurden hergestellt und je 50 den Kampfsektoren zugeteilt. Russische Kriegsgefangene fertigten 80 be- helfsmäßige Handgranaten an. Gesamtbestand an illegaıen Waffen war: 91 Karabiner mit etwa 2500 Schuß Munition, 1 MG mit 2000 Schuß Munition 16 deuische Stielhandgranaten 20 Kleinschußwaffen 150 angefertigte Hieb- und Stichwaffen 200 Brandflachen. Im Rahmen der Organisation des militärischen Kaders wurde von der militärischen Leitung eın Nachıichtenzug organisiert. Die Kader wurden aus- dem Lagerschutz zu- sammengestellt und 7 Gruppen zu 3 bis 4 Mann gebildet. Diese setzten sich aus je 2 Gruppen deutscher, 2 Gruppen tschechischer, 2 Gruppen polnischer und 1 Gruppe russischer Genossen zusammen. Insgesamt standen 25 Mann im Nachrich- ten-Trupp. Die Leitung hatie ein deutscher Häftlıng aus der militärischen Führung. Der Führer des Nachrichtenzuges und sein Stellvertreter kamen mit den Führern des Nachrichtenkaders, soweit es die Konspirativität erlaubte, zusammen. Am Sonntag, dem 8. April 1945, wurde zum ersten Male der ganze Zug alarmiert. Er bezog Steliung im kleinen Revier. Die Verbindung wurde durch Melder hergestellt. Dieser Alarm wurde am 9. April 1945 frühmorgens wieder aufgehoben. Die Kameraden gingen in ihre Lagerfunktionen zurück. Am 11. April 1945 wurde der gesamte Nach- richienzug mobilisiert und bezog Stellung im Block 48. Der größere Teil der Nach- richtenmelder beteiligte sich an dem Siurm auf die Tore und Türme; um in den Besitz von Waffen zu kommen. Nach Verlegung der militärischen Leitung in das Lagereingangsgebäude bezog auch der Nachrichtenzug dort einen Raum und wurde durch eiwa 20 Funktionäre der Feuerwehr verstärkt. Nach der Demobilisierung der militärischen Organisation gingen alle Nachrichtenmänner in ihre Lagerfunklionen zurück. Die militärische Leitung, die sich aus drei deutschen, einem französischen und einem russischen Kameraden zusammenseizte, bezog einen Raum im Lagereingangsgebäude. Der Befehl zur Besetzung des gesamten Lagergebietes wurde gegeben. Nach einer Stunde kamen die Meldungen über die Ausführung des Befehls. Das Lager war somit gesichert. In allen Sektoren wurden Gefangene gemacht, die in der Nacht vom 12. April 1945 etwa 120 Mann betrugen und in lock 17 unteraebracht wurden. Die erbeuteten Waffen betrugen etwa 1500 Gewehr®, 180 Panzerfäuste, 181 IMGs und 4 sMGs. Ungefähr 1000 Waffen gingen durch die Watffenmeisterei der militärischen Leitung, wurden nachgesehen und etwa 500 davon mit Munition wieder ausgegeben. Geheimlager A.K.Z. Zwölftausend Mann im Geheimlager A.K.Z. sollten in die Luft gesprengt werden. Mitten im Salzkammergut, am Traunsee, überragt von bekannten Ausflugsbergen, lag das A.K.Z.(Arbeitskommando Zement, ein Nebenlager von Mauthausen— Ebensee). Nur unter dieser Chiffre durfte es genannt und geschrieben werden, denn seine Bestimmung war die Errichtung großer unterirdischer Rüstungswerke in gewaltigen Tunnels, die durch die Häftlinge vom A.K.Z. in die Berge getrieben werden sollten. Wir mußten damit rechnen, dcß die SS-Lagerleilung uns zu überrumpeln und zu dezimieren versuchen würde, bevor wir kampfbereit waren. Deshalb beschlossen wir, gleichgültig mit welchen Erfolgsaussichten, uns unter jeder Bedingung zum Kampfe zu steilen. Jeden Tag starben bei uns damals an Schwäche und Unterernährung 150 104 uf u a A ee ni: bis 180 Kameraden. Die Leichenberge in und»vor dem Krematorium häuften sich. Höchstens 90 konnten täglich verbrannt werden. In unserem Lager waren damals tund 1500 Häftlinge. Selbst, wenn die Sterblichkeit nicht weiter steigen würde(sie stieg aber täglich) wären: wir in hundert Tagen nur noch ein stummes Massen- grab gewesen. Wir hatten also nichts mehr zu verlieren. Es wurde eine dreiköpfige Militärkommission gebildet. Sie bestand aus einem Oberst der Roten Armee, einem französischen Maquis-Offizier und einem deutschen Kommunisten. In der Schreib- stube von Block 15 war unser Hauptquartier. Tag und Nacht stand dort ein verant- wortlicher Kamerad des Stabes bereit. In Block 15 selbst und in den umliegenden Blöcken war eine ständige- Bereitschaft von 200 Mann unserer Kampforganisation. Dies war möglich, da wir in drei Schichten arbeiteten, so daß ständig Kameraden im Lager waren. In den Werkstätten der Stollen wurden aus Eisenstücken feststehende Messer geschmiedet. Eine technische Organisation Todt, die hauptsächlich aus österreichischen Tscheschen bestand, stellte Versuche an, um aus dem Sprengstoff, der in unseren Stollen verwendet wurde, Bomben herzustellen. Das Jahr der Entscheidung 1945 war angebrochen. Wir wußten, seine Losung war ‚Freiheit oder Tod. In steter Spannung— ‚immer sprungbereit— waren die‘ ersten Monate vergangen. Das Elend und der Hunger wuchs im Lager. Mit dem Vormarsch der alliierten Armeen wurden immer wieder die Häftlinge von den bedrohten Lagern in Marsch gesetzt und zu uns in das Gebirge evakuiert. Wir hatten aber auch bereits feste Verbindungen zu den Soldaten der Luftwoffe her- gestellt, die unserem Lager zur Bewachung zugeteilt waren. Ebenso bestanden Be- ziehungen zur österreichischen Widerstandsbewegung. Die Luftwaffe hatte uns für den Fall, daß die SS ein Blutbad unter uns anrichten wollte, ihre volle bewaffnete Unterstützung zugesagt. Mit Hilfe von gefälschten Papieren hat ein Kommando der Luftwaffe in Steyer Waffen gefaßt, die sie für uns bereithielten. Es galt nur, wach- sam zu sein. Entgegen der allgemein gehobenen Stimmung im Lager, in Erwartung der nanen Befreiung, hatte das geheime Lagerkomitee Nachrichten erhalten, die uns sehr ernst stimmten. Größere SS-Einheiten wurden in den Bergen um uns zusammengezogen. Panzer und höhere Stäbe zogen nachts an unserem Lager vorbei auf Bad Ischl zu. An zahlreichen Uebergängen und Tunnels, auch in unserem Stollen, wurden Vor- bereitungen zu Sprengungen getroffen, Der entscheidende Tag der Befreiung Es war ein heller, sonniger Morgen: 29. April 1945. Die Arbeit in den Stollen war wegen der Zuspitzung der Lage bereits eingestellt worden. Alles war im Lager ge- blieben. Plötzlich flog das Gerücht durch das Loger, alles tritt auf dem Appell- Platz an. Jeder soll 2 Decken mitnehmen. Man wollte uns also im letzten Augen- blick noch vernichten. Das geheime Lagerkomitee trat zusammen. Es herrschte volle Einmütigkeit: Wär gehen nicht in dıe Stollen, alle Vorbereitungen zum Kampf sind zu treffen.“ Die Befehlsgewalt wurde dem Stabe der Kampforganisation übertragen. Dieser befahl die Bewaffnung mit allen verfügbaren Mitteln— wer sonst nichts hatte, sollte sich die Tasche voll Steine stecken. Weiterhin wurde befohlen, ohne Decken, so langsam wie möglich, auf dem Appell- plctz anzutreten. Während sonst das Lager in 10 Minuten in Gliedern zu 10 schnur- gerade ausgerichtet auf dem Appellplatz stand, dauarte es diesmal 1'/. Stunde. Sichtlich nervös geworden, schickte der Lagerführer, selbst zu feige, um sich noch- mals ins Lager zu wagen, immer wieder SS-Leute herein, um zur Eile anzutreiben, In der Zwischenzeit waren wir deutschen Antifaschisten am elektrisch geladenen Zaun entlang von Posten zu Posten gelaufen. Da die gesamte SS am Lagereingang zusammengezogen war, bestand heute die Bewachung des Zaunes aus Luftwaffen- soldaten— unseren Freunden, Die Gespräche waren meist sehr kurz. „Habt Ihr schon gehört, man will uns in die Stollen treiben?‘ won. Wir gehen aber nicht rein! Was macht Ihr, wenn die SS auf uns schießt?‘ „Dann schießen wir auf die SS zurück.‘ „Bravo, Kameraden, wir verlassen uns auf Euch!‘ . Einigen von den Soldaten, die noch schwankten, empfahlen wir, so wie es brenz- lig würde, das Gewehr zu uns über den Zaun zu werfen und abzuhauen. Auf dem Appellplatz waren ınzwischen 12000 Häftlinge angetreten. So lag eine ungeheure Spannung über dieser Menschenmasse.. Die Sonne, der blaue Himmel, die schneebedeckten Berge hatten unseren Lebenswillen von neuem bestärkt. Endlich erschienen zwei SS-Leute. Totenstille herrschte. Der Rapportführer teilte mit, daß in kurzer Zeit unsere Gegend Kriegsschauplatz werden könnte. Zu unserem Schutze wäre deshalb befohlen worden, in die Stollen zu gehen. „Seid Ihr damit einverstanden? Ja oder nein?‘ Ein zwölftausendstimmiges drohendes ‚Nein‘ donnerte über den Appellplatz hin- weg— stieg an den Wänden der Berge auf— wurde als Echo zurückgeworfen— wanderte über das Tal hinweg, um von den gegenüberliegenden Bergen als schwä- cheres Echo nochmals zurückzukommen‘und langsam zu vergehen. Wortlos verließ die SS das Lager.\ Chne Hast wurde der Appellplatz geräumt. Alles ging in das Lager zurück. Unsere Kampfentschlossenheit hatte gesiegt. Ueberall wurden jetzt weiße Fahnen gehißt. Große Transparente wurden in allen Sprachen, die im Lager vertreten waren, be- malt.„Willkommen für unsere Befreier.‘ Drei Tage später durchfuhren die ersten amerikanischen Panzer das lagertor. Ernstakörcher So endete KZ- Neuengamme Todesfracht der„Cap Arcona‘ Die„Cap Arcona’' ist ein großer Luxusdampfer von 26000 Tonnen. Hier mögen sich ferienfrohe Menschen auf den weißen Decks getummelt haben, mögen in den Liege- stühlen geruht oder in den Unterhaltungsräumen sich im Tanze gewiegt haben. Als wir Neuergammer Häftlinge das Schiff betraten, war ven dieser früheren Pracht nichts mehr zu sehen. Verwahrlost bot es sich uns dar. In der Ecke eines Zwischen- decks war ein Haufen nackter Leichen aufaestapelt— das unvermeidliche Begleit- bild eines deutschen Konzentrationslagers. Drüben, kaum 200 m entfernt, lag die „Thilbeck‘, ein größerer Frachtdampfer, dahinter die ‚‚Athen”. Auf der anderen Seite die ‚Deutschland‘ und dazwischen einige kleine Schuten. R Elftausend Menschen harrten auf diesem schwimmenden KZ der Freiheit. Rundum schwammen wie bissige Wachthunde deutsche U-Boote— bereit, jedes Schiff in den Grund zu bohren, dessen Belegschaft meutern und den Weg in die Freiheit gewalt- sam suchen sollte.; Wir Fünftausend auf der„Cap Arcona‘' sind bunt durcheinander gewürfelt. Gruppen aller Nationalitäten bevölkern das Schiff. Wir Deutschen stellen nur ein Kontingent von einigen hundert Mann. Unsere Kabine ist Beratungsort der politischen Leitung. Geschonnek, Waldemar Molls, Hermann und ich als Vertreter der deutschen Gruppe diskutieren die Lage. „Wir haben hier hundert Mann SS an Bord. Die 400 bis 509 Marinesoldaten sind— wie zahlreiche Diskussionen beweisen— nicht feindlich gegen uns eingestellt. Wenn wir jetzt nicht die Initiative ergreifen, werden wir erleben, daß sie uns noch am letzten Tage in die Luft sprengen.‘ Wir reden hin und her. Solange die U-Boote uns umschwärmen, ist an eine Aktion auch dann nicht zu. denken, wenn die Marinesoldaten mit uns gehen Gerüchte be- sagen, daß cer Kapitän in scharfer Differenz mit dem SS-Kommandeur liegt. Auch aut anderen Schiffen soll es ähnlich sein. Der Kapitän sei entschlossen, auf keinen Fall Gewaltmaßnahmen gegen die Häftlinge zuzulassen. Heute morgen war ein englischer Beobachter über die Bucht geflogen und hatte unsere Flotte durch Funkspruch aufgefordert, die weiße Fahne zu hissen und an Lond zu kommen.. 105 ET Wütendes Gebell der Schiffsflak der ‚Thilbeck‘‘ hatte das Flugzeug empfangen. Auf der„Cap Arcona’‘ wehte die Reichskriegsflagge. SS bevölkerte das Deck. Die Zebras waren unsichtbar im Schiff drin. Um 11 Uhr erscholl der Ruf im Schiff:„Die Athen‘ hat die weiße Flagge gehißt und dampft zum Ufer!’ Bravo, braver Kapitän, du bist der einzige, der Mut und Entschlossenheit zeigt. Du wirst. eingehen als einer der Tapferen des 3. Mai, und daß du die SS auf deinem Schiff überwältigt hast, werden wir dir hoch anrechnen. Um 3 Uhr erfüllt Motorengeräusch die Luft. Schwere Bomberstaffeln kreuzen von Westen auf. Knattern von Bordwaffen, dumpfe Einschläge, und dann ein fürchter- licher Krach: das Schiff erbebt in seinen Grundfesten. Krach! Krach! noch einmal Krach! Das Schiff schwankt hin und her. Kabinentüren springen auf. Entsetzte Men- schen stürzen aus allen Löchern. Wer beschießt uns? Sollte das eine SS-Staffel sein? Habt ihr nicht bemerkt, daß die SS schon vor einer Stunde Schwimmwesten ausgegeben hat und das Schiff verlassen wollte? Und wır Idioten diskutieren über Komitees und ordnungsgemäße Uebergabe! ‚Feuer! Feu—er!‘' gellt es durch das Mittelschiff. Es knistert und prasselt und ein beizender Qualm wälzt sich durch die Kojengänge. Ein paar Beherzte stürzen zum Feuerwehr- schlauch. Andere bedienen die Pumpe. Aber es kommt kein Wasser. Irgendwo scheint ein Hahn abgestellt zu sein, Die„Cap Arcona’ gleicht einer riesigen Fackel. Das Mittelschiff ist in ein Flam- menmeer gehüllt, am vorderen und hinteren Ende des Schiffes stehen zusammen- gedrängt noch Hunderte von Häftlingen, die den Sprung ins Wasser scheuen. Aus den Bullaugen quellen Menschen, die Wasserfläche um das Schiff herum ist besät mit Köpfen von brüllenden, gurgelnden, heulenden Gestalten, welche zwischen Bal- ken und Planken herumtreiben. Erbitterte Kämpfe um jedes schwimmende Stück Holz finden statt. Erbarmungslos wird der Schwächere unter Wasser gedrückt, bis ein letztes Röcheln verrät, daß er.als Konkurrent um den Platz an der Luft ausgeschal- tet is#. Mit lautem Krachen wälzen einige Häftlinge Tische und Schränke über das Vorder- deck und wuchten' sie über die Reling hinunter ins Wasser. Wehe dem, der gerade unten schwimmt. Sollte ein Wunder geschehen? Rettungsboote in Sicht! Das müde Gehirn zwingt sich zur Konzentration. Es ist schwer. Eine Stunde im eis- kalten Wasser hat den Körper gelähmt. Denk an deine Lieben zu Hause, beiß die Zähne zusammen. Alle Energie auf einen Punkt konzentriert. Nicht mehr träumen. Rufe! Winke! Sie müssen dich sehen! Zwei Minensuchboote rauschen heran. Dort wird einer aufgefischt, hier ziehen sie einen aus dem Wasser.... Also sind wir doch nicht verloren? Ich rufe. Ich winke. Ein leises Lallen ist alles. Drei Handbreit über die Wasserfläche hebe ich den Arm. Dann sinkt er schwer und gefühllos ins Wasser herunter. Dann geschieht etwas. Schüsse peitschen durch die Luft. Ganze Maschinengewehr- salven ertönen. Kleine Wasserfontänen zeigen, daß Einschläge ins Wasser erfolgen. In das allgemeine Geschrei mischen sich helle Todesrufe, i Ein paar Meter vor mir wirft einer die Arme hoch. Ein lautes Gurgeln. Dann ist er verschwunden. Freund, wacht eine höhere Hand über dir? Sei froh, daß du nur gelallt hast vorhin. Sei froh, daß du deine Arme nicht höher heben konntest. Sie haben dich nicht gesehen, denn das, was du für deine Retter ansahst, waren die deutschen Marine- soldaten der U-Bootschule in Neustadt, die 5 Minuten nach 12 noch den Rest deiner Kameraden ermordeten. Drüben ragt der Schiffsrumpf. der„Cap Arcona’ aus dem Wasser, dahinter die ‚Deutschland‘, daneben die ‚„Thilbeck’‘— und rundum glatte See und Frieden. Vielleicht werden noch ein paar Tage lang verbrannte Leichen ans Ufer geschwemmt werden, dann wird der Mantel der Vergessenheit sich über die Katastrophe des 3. Mai breiten. 40000 Häftlinge betrug die Todesfracht. 8000 fanden den Tod in der Neustädter Bucht, Dos war das Ende des Konzentrationslagers Neuengamme. Rudi Goguvel, Konstanz. 7 egal er er 7 ek Bi: Luftlogemeldung vom 28. August 1944— 21 Uhr: Ueber dem Reichsgebiet befindet sich keın teinalıcher Kampfverband. Unter der Rubrik: ‚In Kürze’ meldet die Hamburger Zeitung vom Freitag, dem 15. 9. 1944, folgendes: (DNB)(Deutsches Nachrichten-Büro): Bei einem Terrorangriff auf die Umgebung von Weimar am 28. 8. 1944 wurde auch das Konzentrationslager Buchenwald von zahlreichen Sprengbomben getroffen. Unter den dabei ums Leben gekommenen Häftlingen befinden sich u. Breitscheid und Thälmann a. die ehemaligen Reichstagsabgeordneten (Bericht von WalierBartel, Vorsitzender des Internationalen Lagerkomitees in Buchenwald.) In der Nacht vom 27. zum 28. August wurde Ernst Thälmann aus dem Gefängnis Bautzen nach Bu- chenwald überführt. Der Ofen des Krematoriums wurde angeheizt. Während der Nacht kam ein Personenwagen in das Krematorium gefahren, dem drei Zivilisten entstiegen. Ein Zivilist mußte vorangehen. Unmittelbar nach dem Eintritt in das, Krematorium fielen die Schüsse. Der Erschossene wurde eigenhändig von der SS verbrannt. Die SS erklärte dem Krematoriumshäftling: Das war der Kommunistenführer Ernst Thälmann Ernst Thälmann geboren am 16. April 1886 verhaftet am 3. März 1933 In Haft bis zu seiner Ermordung am 28. August 1944 Elf Jahre ohne Reichstag. Im März 1933 ertkommt der sozialdemokratische Reichstagsabgeordnete Rudolf Breitscheid in die Schweiz. Später ist er Mitarbeiter sozialistischer Blätter in Paris. Beim Einrücken der Deutschen flüchtet er nach Marsaille mit der Hoffnung auf Asylrecht in der Schweiz oder in Amerika. Statt dessen gerät er in die Hände der Gestapo.— Berlin, Prinz-Albrecht-Straße, Sachsenhausen, Bu- chenwald, wohin ihn seine Frau begleitet, sind die nächsten Etappen. Bei einem britischen Luftangriff aut die Kriegs- betriebe innerhalb des Lagers Buchenwald am 24. August 1944 ist er vermutlich ermordet worden. (Nach einem Bericht von Frau Toni Breitscheid und „Hamburger Echo’' vom 24. August 1946.) Rudolf Breitscheid geboren am 3. 1. 1874— verhattet am 9. 2, 1941, im Konzentrationslager Buchenwaid ums Leben gekommen am 24. 8. 1944 1941, „ben Helmuth von Molike (Kreisauer Kreis) „Mein Liebes, denk mal, wie schön, daß ich noch einmal hier nach Tegel zurück- gebracht worden bin, daß die Würfel, deren Fall schon genau feststeht, sozusagen auf. der Kante noch einmal halten. So kann ich noch in Frieden einen Bericht schreiben. Erst einmal den Schluß vorweg: Um 3 Uhr etwa verlas Schulze, der keinen üblen Eindruck machte, die Anträge: Moltke: Tod und Vermögenseinziehung, Delp desgl., Gerstenmaier Tod; Reisert und Sperr desgl., Fugger 3 Jahre Zuchthaus, Steltzer und Haubach abgetrennt. Die Verhandlung spielte sich so ab: Freisler erzählt den Lebenslauf, man bejaht oder ergänzt, und dann kommen diejenigen Tatfragen, die ihn interessieren. Da schneidet er aus’ dem Tatbestand eben Dinge heraus, die ihm pcssen, und läßt andere weg.„Vorbereitung zum Hochveirat begeht, der zwar selbst jede Gewaltanwendung ablehnt aber Vorbereitungen für den Fall trifft, daß ein anderer, nämlich der Feind, die Regierung mit Gewalt beseitigt, dann rechnet er eben mit der Gewalt des Feindes.’ ‚Vorbereitung zum Hochverrat begeht jeder, der sich irgend ein Urteil über eine Angelegenheit anmaßt, die der Führer zu ent- scheiden hat.‘ Daraus gibt es nur einen Schluß: Hochverrat begeht, wer dem Herrn Freisler nicht paßt. Hingegen war.auch in den anderen Vernehmungen der Name Moltke immerzu zu hören. Wie ein roter Faden zog sich das durch alles durch, und nach den oben angeführten ‚„Richtsätzen’’ des Volksgerichtshofes war ja klar, daß ich umgebracht werden sollte. Typisch nur ein Vorfall. Aus irgendeinem Grunde wurde e’n Straf- gesetzbuch gebraucht, weil Freisler was daraus vorlesen wollte. Es stellte sich aber heraus, daß keines aufzufinden war. Nun kommt der zweite Tag. Da fing es mit mir an, Im milden Tone ging es los, sehr schnell, sozusagen rapid. Gott sei Dank, daß ich flink bin und Freislers Tempo spielend mitmachte. Aber wenn er das bei einem Manne exerziert, der nicht ganz schnell ist, so ist der verurteilt, ehe er bemerkt hat, daß Freisler die Personalien hinter sich gelassen hat. Dann kam mein Einwand, da bekam Freisler Tobsuchts- anfall Nr. 1. Ein Orkan brach los, er hieb auf den Tisch, lief so rot an wie seine Robe und tobte:„So etwas verbitte ich mir, so etwos höre ich mir gar nicht an’. Da ich ohnehin wußte, was rauskam, war mir das alles gonz gleich. Ich sah ıhm eisig in die Augen, was er offenbar nicht schätzte, und plötzlich konnte ich nicht umhin zu lächeln.” 15. Oktober 1944: Stabsfeldwebel Fischer sprengt sich bei Lorient mit 4000 Granaten in die Luft, um sie dem Einsatz zu entziehen. 109 Das letzte Kapitel Eine Nacht im Grunewald Sozialdemokraten am 28. Juli Im Sommer 1943 wurde ich von meinem Freunde, Dr, Karl Mierendorff, der die Seele der Widerstandsbewegung vom 20. Juli war und Verhandlungen nach allen. Seiten führte, in das Unternehmen eingeweiht. Diese Bewegung bestand, wie ich erst später erfuhr, aus drei Zweigen: den Mili- tärs, der politischen und der gewerkschaftlichen Gruppe. Die Gewerkschaftsgruppe hatte ihre Kreise nach Westdeutschland gezogen. So wurde ich eines Tages von meinen Freunden plötzlich nach Bochum gerufen. Dort wurde im engen Kreis ein fertiger Plan vorgetragen, der, wie sich später zeigte, im großen und ganzen mit der Berliner Aktion übereinstimmte. Dabei wurden Namen wie Leuschner, Gördeler, etc. offen genannt. Ich war entsetzt, denn selbst bei unseren Unterhaltungen in Berlin wurden Namen grundsätzlich nicht genannt. Jeder kannte außer dem eigenen Freundeskreis nur Vorder- und Hintermann. Sollte es sich da um ein Gestapomanö- ver handeln, dem die Freunde auf den Leim gegangen waren? Jedenfalls war mir die Sache unheimlich und ich fuhr sofort nach Berlin und ließ durch Mierendorff Leuschner warnen, Die Verbindung mit’ Gördeler hatte man mir bis dahin ver- schwiegen, weil man fürchtete, daß ich dafür nicht gewonnen würde. Ende November 1943 wurde ich dringend nach Berlin gerufen. Karl Mierendorff empfing‘mich schon ungeduldig wartend in seiner Berliner Wohnung. Es war Abend und gerade Alarm. Zwei Fahrräder standen bereit, und wir fuhren sofort in den Grunewald. ‚Wir müssen heute. Nacht mit Leber klar werden‘, erklärte mir Mieren- dorff sozusagen vor der Haustür. Dr. Leber und ich waren aus der Weimarer Zeit wegen Wehrfragen alte Gegner. Mierendorff hatte genau kalkuliert, daß ich in dem Moment nicht mehr abiehnen konnte. So wurden beide, Leber und ich, über- rumpelt. Aber was bedeutete das angesichts der gemeinsamen Interessen gegen- über dem Verbrecherregime!\ Leber hatte die Fäden nach der militärischen Seite hin in der Hand. Von seinen Verhandlungen mit Stauffenberg(ohne daß er den Namen nannte) war er sehr beeindruckt. Es gab eine scharfe Debatte. Ich konnte nicht daran glauben, daß die Generale die Chancen verpaßt hatten, doch noch losschlagen würden.„Der Kreis ist zu groß und die Nazis werden eines Tages uns allen die Köpfe abschla- gen’, worauf Leber wie Mierendorff mir erklärten, daß, wenn schon durch den Aufstand weitere Luftangriffe auf Berlin verhindert würden, wir das, von allem anderen abgesehen, in Kauf nehmen müßten, Ich vertrat dagegen den Standpunkt, den Krieg bis zur Katastrophe sich totlaufen zu lassen, einmal weil ich zum Gelingen eines Militärputsches kein Vertrauen hatte; dann aber auch, weil mir es für die Nachkriegszeit wichtig erschien, nicht erneut mit dem Odium des Dolch- stoßes belastet zu sein. Nur wenn Garantien geschaffen würden, daß die schwäch- liche Haltung der Weimarer Zeit sich nicht wiederholte, würden wir damit fertig werden. Ich war der irrigen Auffassung, daß der Anschauungsunterricht der letzten Kriegsmonate mit seinen Schrecken und Ruinen das deutsche Volk derart läutern würde, daß es vom Nationalsozialismus gründlich geheilt sein werde. Also mir war ein Bündnis mit den oppositionellen Militärs vom Schlage eines Stauffenberg und Graf Moltke, die für durchgreifende soziale Reformen eintraten, sympathischer. Aber der Plan lag schon in allen Einzelheiten fest, Programm und Aufruf waren bereits formuliert. in dieser Nacht gestand mir auch Leber, der als Reichsinnenminister vorgesehen war, daß die Unterrichtung einiger westdeutscher Freunde über die Gewerkschaftsgruppe erfolgt sein müsse und daß auch die Gördeler-Gruppe in der Aktion eingeschlossen sel, Es war gegen Morgen, als wir uns schlafen legten. Mir war nicht wohl. Der Kreis war mir zu groß. Ich hatte mich deshalb wohl für die Aktion, sonst aber nur bedingt bereit erklärt und dementsprechend auch jede beamtete Stellung abgelehnt. Bereits früher hatte ich ein Ministerium zum Aburteilen aller Naziverbrechen und Nochprüfen aller Sondergerichtsaktionen gefordert. Ein solches Ministerium war obgelehnt worden. Aber es sollte ein dem Innenministerium direkt unterstelltes Reichskommissariat mit dieser Aufgabe betraut werden. Die Uebernahme dieses Kommissariats sagte ich zu. Außerdem erhielt ich den Auftrag, mit Dr. Schumacher, der in Hannover leben sollte, Verbindung aufzunehmen. Fritz Küster 110 e n f Tote des 20. Juli Klaus Schenk, Graf von Stauffenberg, Oberst geb. am 15. 11. 1907 füsiliert am 20. 7. 1944 v. Stauffenberg zeichnete sich schon auf der Kriegs- schule durch überragende Leistung aus. Er wird später ein glänzender Offizier. Man nannte ihn im allgemeinen „den Schlieffen‘' der Zukunft, ein Feuerkopf voller Le- benskraft und Tatendrang. Einige Jahre vor der Aus- führung des Attentats wurde er zum Chef des Stabes des Ersatzheeres ernannt. Er war hier einer der fähig- sten jüngeren Offiziere. Während des Afrikafeldzuges verlor er das rechte Auge und zwei Finger der rechten Hand, was sich später, bei Ausübung des Attentats als sehr hemmend erwies Julius Leber, Kaufmann geb. am 16. 11. 1891 in Biesheim hingerichtet am 5. 1. 1945 Julius Leber war überzeugter Sozialist. Freisler nannte ihn den Lenin der deutschen Arbeiterbewegung. Er war tatkräftig und vital. Trotz langer KZ-Haft in jeder Weise ungebrochen. Zu Gördeler stand er in enger Verbindung Adolf Reichwein, ehem. Professor geb. am 3. 10. 1898 in Bad Ems hingerichtet am 20. 10. 1944 in Berlin Adolf Reichwein war Sozialdemokrat, entstammte einer hessischen Lehrerfamilie, bis 1933 als Professor an einer pädagogischen Akademie tätig zur Ausbildung von Volksschullehrern. Wegen seiner politischen Haltung machte man ihn zum Dorfschullehrer. Er war ein Mann von großem Weitblick, den er sich durch Weltreisen er- worben hatte. Man bezeichnete ihn in Freundeskreisen als einen Mann von besonderen Gaben Was war 07 und FBA? Im Keller des großen Luftgaugebäudes sind verschiedene Wehrmachtsvermittlungen. Ich löse ab, die Kameraden gehen schlafen. Die Gespräche jagen sich, Ausnahme— Führungsblitz— Flugnotigespräch. Gegen Morgen meldet sich das OKH. Der General redet gleich drauflos. Das Bataillon hat notfalls bıs zum letzten Mann zu kämpfen. Ich kann den Wahnsinn nicht fassen... fast ohne Waffen?..., Ich trenne ent- schlossen und sage: ‚Herr Hauptmann, das Volkssturmbataillon ist wegen der un- zureichenden Bewaffnung zurückzuführen und aufzulösen.” Ueberall saßen damals in München die Männer der 07 und bereiteten so die Be- fıeiung ihrer Vaterstadt vor. Schon seit 1937 hatte sich ja eine kleine Gruppe Gleich- gesinnter zusammengefunden, um die Bevölkerung über den wahren Charakter des NS-Regimes aufzuklären. Auf dem Vervielfältigungsapparat einer Münchener Ver- sicherungsgesellschaft wurden die ersten Flugblälter hergestellt, als Kettenbriefe verschickt oder an Gartenzäune, Mauern und Fabriktore geklebt. Ein Kamerad spezialisierte sich auf Mauerbeschrifiungen. In der Nacht zum 28. April 1945 wurde der Aufstand in München mit der Dolmetscher- Kompanie gewagt. Waffen waren seit langem gehortet worden. Benzin wurde„OrgQa- nisiert‘‘. Von Epp wurde verhaftet, das Zentralministerium nach kurzem Kampf ge- stürmt, doch Giesler war nicht® anwesend. Der Befehlsbunker in Pullach, von SS verteidigt, konnte nicht genommen werden, doch gelang es, die Ausgänge zu spren- gen und so Oberbefehlshaber Süd vorläufig auszuschalten. Ein Siurmzug der FAB | besetzte das Rathaus. Der Wehrmachtsender Freimann wurde besetzt. Um 3 Uhr gin- En gen die ersten Aufrufe heraus. Sender Erding begann gegen 7 Uhr mit Ansprache '# von Dr. Gerngroß. Daraufhin kapitulierten allein in der Amper-Glonnstellung 46 000 Mann. Giesler holte zum Gegenschlag aus. Teile dreier SS-Divisionen und Sturmtrupps überwältigten den Widerstand. Der Sender fiel zuletzt. Doch in München konnte sich 07 noch halten. Die Vermittlungen im Luftgaugebäude werden zerstört. 12 Stun- den später trafen US-Truppen ein. München fiel kampflos in ihre Hände. Die Rundfunksendungen waren für die auswärtigen Gruppen das Zeichen zum Los- schlagen. So konnie die Verteidigung von Dingolfing und Bad Aibling und sinn- lose Sprengungen verhindert werden, wie in Wolfrathshausen. In Landshut wurde der Leiter der Widerstandsgruppe von SS öffentlich gehenkt, doch 07 setzte sich durch. Die Verteidigung wird als ‚„unzweckmäßig‘ abgeblasen. So haben sich in diesen Tagen die als„Landesverräter”‘ gebrandmarkten Gegner der Hitler-Diktatur als die eigentlichen Beschützer und Retter ihrer Heimat erwiesen. | Ihrer Aktivität ist es zu danken, daß vieles sinnloses Blutvergießen oftmals vermie- den werden konnte. Der Aufruf des Heimatschutzes(Oberstdorfer Freiheitsaktion) den Dr. Ernst Richter und Dr. Franz J. Pister schon im März 1945 entwarfen und drucken ließen, sah so aus: Aufruf! 12 1. Der Zusammenbruch unserer Fronten ist eine voliendete Tatsache. | 2. Verblendete und verbrecherische Elemente haben vor, trotzdem dem übermäch- tigen Feind nutzlosen Widerstand entgegenzusetzen, 3. Durch unser rechtzeitiges entschlossenes Eingreifen soll verhindert werden, daß auch noch unsere engere Heimat unsinnig geopfert wird und in Flammen auf- geht. Widerstand gegen die Besatzung erfolgt nicht. 4. Deshalb tritt mil sofortiger Wirkung der freiwillige Heimatschutz in Aktion. Er hat nichts mit der Partei oder einer ihrer Gliederungen zu tun und hat ab heute Euren Schutz übernommen, j 5. Schließt Euch den Männern mit der weiß-blauen Armbinde an und folgt deren i| Weisungen. Sie sorgen für Ruhe und Ordnung und werden verhindern, daß Par- } tei, SS oder HJ in blinder Raserei Eure Wohnstätten zerstören. ! 6. Die Existenz der Partei hat bei uns aufgehört. Sie hat wahrlich genug Blut über unser Volk und über unsere Heimat gebracht. 7. Die Schuldigen werden zur Verantwortung gezogen. Sie sind uns bekannt. 8, Einzelaktionen haben zu unterbleiben, jedoch wird bei Widersetzlichkeit von Heimatschutzorganen rücksichtslos von der Waffe Gebrauch gemacht. 9. Aus diesen Gründen wurde mit sofortiger Wirkung der Heimat-Schutz aufgerufen. Nur ruhige beherzte Männef, die mit uns für Ruhe und Ordnung und Sauberkeit eintreten, haben in unseren Reihen Platz. 5 10. Haltet in diesen kritischen Togen, in denen alles auf dem Spiele steht, Disziplin! Falsche Gerüchte werden strergı geahndet. 11.. Weiteres Blutvergießen muß verhindert werden. Wir dulden keine„Werwölfe‘”. | Derartige Elemenie werden rücksichtslos ausgemerzt. Der Kampf aus dem-Hinter- | halt ist nicht deutsch, x ji 12. Freiwillige vor zum Heimatschutz! Vertraut uns! Unsere Heimat darf‘nicht ster- ben, sie ist das letzte, was wir noch haben. 112 Teilbilanz von 51 Tagen I Mittwoch, 4. Januar 1945 Max Hendel, Stöckigt/Sa— Flossenbürg. N Sral| Donnerstag, 5. Januar 1945 Dr. Theodor Neubauer, M. d. R. KPD zum KM en;: Tode verurteilt. Ne ant- Donnerstag, 5. Januar 1945 Dr. Julius Leber, M. d. R. SPD hingerichtet.: Un- Montag, 8. Januar 1945 Kurt Rühlmann, Karl Lade Saefkow-Gruppe hingerichtet. =“ i R Mittwoch, 10. Januar 1945 Günter Ratajczak, Berlin KPD, erschossen. S Donnerstag, 11. Januar 1945 Georg Schumann, Dr. Margarete Blank, d er Otto Engert, Alfred Frank(NKFD), Kurt iefe x Kresse, hingerichtet. tad\ Freitag, 12. Januar 1945 Gertrud Seele hingerichtet. | Freitag, 12. Januar 1945 Wolfgang Heinze, Artur Hoffmann, Karl” her- Jungbluth, Richard Lehmenn, Georg 'g0- N Schwarz(NKFD), William-Zipperer hin- ge-| gerichtet. ss\ Montag, 15. Januar 1945 Mervert(CSR), Hans Hutzelmann, Rupert SER 'en-| Huber, Münchener Widerstandsgruppe ADV va FAB hingerichlet. N a Mittwoch, 17. Januar 1945 Ludwig Steil, ev. Geistlicher— Dachau. N E Donnerstag, 13. Januar 1945 Beginn der Todesmärsche aus Auschwitz. pps i Montag, 22. Januar 1945 Albert Kunz und sechs weitere Antıfa- inte schisten wegen illegaler Organisation im WR tun- KZ Dora ermordet. Bi Dienstag, 23. Januar 1945 Cäsar Horn, Saefkow-Gruppe, Verbindung Los- Ä NFKD, zum Tode verurteilt. inn- Eugen Bolz, Pater Delp, Dr. Theodor Hau- bach, Helmuth v. Moltke, Erwin Plank, Lud-.£ ii och wig Schwamb, hingerichtet. t Freitag, 26. Januar 1945 Otto Tornseifer, KPD, in Buchenwald er- t inet mordet. sen. Sonnabend, 27. Januar 1945 Vernichtungstransport von Kronken aus Ra- er nie- vensbrück.! Sonntag, 28. Januar 1945 Egmont Schulz, Berlin, Saefkow-Sruppe, a hier hingerichtet.. 1‘ us Montag, 29. Januar 1945 Joseph losch,. kath. Geistl. hingerichtet. IS, «©. Kroeger, K. Fübinger, H. Splanemann,? * K. Lüdike, R. Seiffert(Saefkow-Gruppe) Ir ich-. hingerichtet. au K H. Wegener in Dachau ermordet. In daß Dienstag, 30. Januar 1945 Karl Hübener, Kurt Nelke, Richard Traut y auf-(Uhrig-Grupp) in Sonnenburg ermordet. Donnerstag, 1. Februar 1955 Erich Egerland, Berlin, KPD, in Sachsen- UNE Er: hausen erschossen. Bi ‚ute Freitag, 2. Februar 1945 Goerdeler hingerichtet. Dienstag, 5. Februar 1945 Martin Schwantes, ren Hermann Danz, Johann Schellheimer, Frie-\ Par- drich Rödel, Magdeburg, Dr. Theodor Neu- BER, bauer MDR KPD, hingerichtet. ver ‚ber Donnerstag, 3. Februar 1945 Walter Empacher,! Walter Miermeister, KPD, Stettin und zwei weitere hingerichtet. al Freitag, 9. Februar 19455 Eugen Wiihelm und Heinz Peters, KPD, Stettin, hin- fen. gerichtet.“ keil Sonnabend, 10. Februar 1945 Bernhard Sobottka, Hamburg, KPD, hin- P Yin! ge ichlet. 14 ur Dienstag, 13. Februar 1945 Verordnung über die Errichtung von Stand- 1 fo" gerichten ın feindbedrohten Gebieten. i ıler-% Sonnabend, 17. Februar 1945 Schriftsteller Friedrich Reck-Malleczewen im f # f KZ ermordet. 113 Mittwoch, 28. Sonntag, 25. Februar Montag, 26. Februar Freitag, 2. Montag, 5. Donnerstag, 8. 8» Freitag, Sonnabend, 16. Dienstag, 19. Donnerstag, 21. Sonnabend, 23. Sonntag, 31. Donnerstag, 4. Dienstag, 9. Mittwoch, 17. Sonnabend, 20. Sonntag, 21. Montag, 22. Dienstag, 23. Mittwoch, 24. Freitag, 26. Sonntag, 28. Montag, 29. Februar März März März März März März März März März April April April April April April April April April April April Montag, 19. Februar 1945 Dienstag, 20. Februar 1945 1945 1945 1945 1945 1945 1945 1945 1945 1945 1945 1945 1945 1945 1945 1945 1945 1945 1945 1945 1945 1945 1945 1945 Karl Wiese und Max Borrack, SPD, hin- gerichtet. Werner Etter, Hamburg, hingerichtet. Richard Teichgräber, SPD, nach 11jähriger Haft— Mauthausen. Paul Hegenbarth, Willi Heinze, Wilhelm Selke, Julius Wordelmann, Walter Zimmer- mann(Saefkow-Gruppe) hingerichtet. Franz Monjou, Kunstmaler, in Buchenwald ermordet. Arno Ricke, MdL. SPD— Buchenwald. Ernst von Harnack, SPD, hingerichtet. Vernichtungstransport von Ravensbrück. Hugo Rogge in Ruhleben erschossen. Gerhard Grün, Werner Scharfe, Berlin, KPD, in»ucnsenhausen hingerichtet. Cäsar Horn, Saefkow-Gruppe, hingerichtet. Johann Maria Verweyen in Bergen-Belsen umgekommen. Max Schlichting, Hamburg, Widerstands- gruppe Bästlein, hingerichtet. Käthe Latzke, Hamburg— Bästlein-Gruppe — Ravensbrück. Acht Antifaschisten im KZ Dora ermordet. Kim Malthe-Bruun, von Reventlow, Winkler und Fyhn, zum Tode verurteilt. Dietrich Bonhoefer in Flossenbürg ermordet. Wilhelm Seiler, Berlin, KPD, hingerichtet. Apvscnied der belgischen Gefangenen des KZ Sachsenhausen. Unter den letzten in Brandenburg Hin- gerichteten: Paul Hintze, Hugo Kaptein, Friedrich Klemmstein, Hans Schulz und Bo- ber Mumm V, Schwarzenstein. Sieben Hamburger Widerstandskämpfer- innen in Neuengamme gehängt— Beginn des Todesmarsches aus Neuen- gamme mit zehntausend Gefangenen, von denen etwa siebentausend auf der„Cap Arcona’' ums Leben kamen. 71 Antifaschisten, darunter dreizehn Frau- en(u. a, Hanne Mertens, Carl Rudolf Lade- wig, Heinrich Schröder, aus Gestapohatt Hbg.-Fuhlsbüttel nach dem schon fast gänz- lich geräumten KZ Neuengamme ge- schleppt und ermordet. Befreiung des KZ Ravensbrück. Politische Gefangene aus der Lehrter Straße von SS durch Genickschuß getötet. In Regensburg wegen Anti-Kriegsdemon- stratiion der Frauen vom 23. 4. 1945 Dom- prediger Dr. Maler, Michael Lettner und Josef Zirkl ermordet. Todesmarsch aus Dachau, mit zehntausen- den Gefangenen. Die Spanienkämpfer Dürr, Hackl, Hubmann beim Aufstand im KZ Dachau im Kampf gegen die SS gefallen. Exekution von 38 österreichischen Antifa- scnısien in Dachau. hin- figer helm Imer- wald ‚htet, sen ınds- = Auf dem Wege zur Republik Deutscher Widerstand von Stalingrad bis zum Zusammenbruch „Was aber, wenn Politiker auf gesetzlichem Wege Vollmacht über das Regierungsgerüst erlangen, den Geist der Regierung jedoch kreuzigen würden?‘‘! Charles A.Beard. Von New-York aus warf Professor Charles A. Beard 1943 den versklavten Menschen Europas das Losungswort ‚Aufstand‘ zu. Wenn, so sagte er damals, Politiker den Geist der Freiheit und der Staatsverfassung kreuzigen, dann muß man die stadt- lichen Formen zerbrechen, die zu leeren Hüllen geworcen sind. Zu dieser Zeit bereiteten in der Tat die Führer der europäischen Widerstandsbewegung einen Generaloufstand gegen die faschistischen Diktotoren vor, zumeist gekoppelt mit militärischen Aktionen, die von den alliierten Mächten geplant wurden. Nur in Deutschland und Italien, den zentral-europäischen Stützpunkten der faschistischen Diktatur, war es den leitern der Widersiandsbewegung zunächst nicht möglich, ihre Aktionen mit denen einer oder mehrerer allıierter Mächte abzustimmen. Insbesondere die deutschen Widerstandsgruppen standen bereits damals unter dem Schatten der — wenn auch durch die Kriegspartnerschaft noch verhüllten— Spannungen zwischen den West- und Ost-Alliierten. Sıe, die Deutschen, waren schuizloser als Norweger, Franzosen oder Belgier dem von Deutschen ausgeklügelten System des politischen Terrors ausgeliefert und kämpften zugleich an einer zweiten, ebenso starren Front: der Front der nationalen Vorurteile. Wie der französısche General der Reserve, Petit, Ende Februar 1949 in Paris erklärte, betrachteten 1943/1944 immer mehr Franzosen jede Kollcboration mit den Deutschen als eine Art Fahnenflucht Die Schwunagakraft des französischen Maquis wurde demnach in erster Linie ausgelöst durch die national- französısche Empörung über die deutsche Okkupationsmacht. Die Empörung gegen die Deutschen und ihre Helfer, die scheinbar Legalen wurden zur nationalen Pflicht. Von den britischen Inseln und der Pyrendenhalbinsel aus wurde zudem diese Empörung gegen den ‚Feind der Nation’ durch Fallschirmagenten der Westmächte und durch systematische Woffenlieferungen genährt. Jener Belgier, der 1942 von Brüssel aus die genauen Pläne der Möhne-Talsperre nach London übermitteln ließ, tat es, weil er die Nazis aus politischen Gründen verabscheute und erst in zweiter Linie als belgischer Patriot. Den nationalen Vorteil aber hatte die britische Kriegs- führung, als die RAF das Ruhrgebiet bombardierte und mit Hilfe der Skizzen die Talsperre zerstörte. Von allen diesen Vorteilen wußten die Vertreter der Widerstandsgruppen in Deutsch- land nichts. Von 1939 bis 1941 waren sie durch die nationalsozialıstische Politik der Ueberraschungen in die Defensive gedrängt und auf wenige Hundertschaften zu- scmmengeschmolzen. Der deuisch-sowjetische Pakt’und die von Hitler nach Compi°®gne betriebene Politik der deutsch-französischen ‚ Annäherung(Gespräche von Montoire) schienen die außenpolitischen Argumente Hitlers zu stützen. Auf dem Gipfel des Triumphes ver- suchien er und seine Heifer Ende 1940 dann, auch der deutschen Opposilion die innerpolitischen Argumente aus der Hand zu schlagen. Am 10. Dezember 1940 recht- fertigie Hitler selber in der Montage-Halle von Siemens-Schuckert vor zwölftousand Berliner Arbeitern den Terror»„Jawohl, wir terrorisieren die Freiheit, auf Kosten der Gemeinschaft zu profitieren und wenn es notwendig ist, beseitigen wir sıe sogar.” Er sprach vor einer Zuhörerschaft, die zu 70 Prozent noch zehn Jahre zuvor in den Reihen der marxistischen Arbeiterorganisationen gegen ihn gekämpft hatten. Da er sie für die gefährlichsten unier seinen potentiellen Gegnern hiek, gab er sich als einer der ihren aus(‚Ich bin ein Vertreter der Habenichtse‘'), sprach vom ‚‚Klassen- kampf der Nationen‘(so wie früher die Sozialisten vom Kampf der klassenbewußten Arbeiterschaft), vom„braven deutschen Proleten‘‘ und machte die Restopposition aus dem bürgerlichen Lager Deutschlands(‚jener Intellektuellen‘) in den Augen der Arbeiterschaft. lächerlich,‘um eine Einheitsfront dieser Gruppe zu verhindern. Drei Jahre dauerte es, bis die Thesen der deutschen Widerstandsbewegung auch vor der Majorität des Volkes durch den Verlauf des Krieges gerechtfertigt wurden. Hitler selber schob damals in seine Reden die düstere Warnung vor der Zu- 115 kunft ein:„Aber wenn wir zerbrechen müßten, würde mit uns das deutsche Volk zerbrechen’. Drei Jahre später heißt es in einem Memorandum der deutschen Widerstandsbewe- gung(bekannt geworden als das„politische Testament‘' des Anton Saefkow): „Deutschlands kommender Zusammenbruch ist ni.cht Deutschlands Untergang.‘ Da- her hatte die Saefkow-Gruppe auch bewust in den großen Versorgungsbetrieben, den Gas- und Elektrizitätswerken ihre Vertrauensleute postiert, um die Anlagen in- takt zu halten und Hitlers Politik der„verbrannten Erde’‘ zu verhindern, der noch Millionen Deutsche zum Opfer gefallen wären. u Die bis jeizt in deutscher Hand befindlichen und gesichteten Geheimakten des Dritten Reiches nebst anderen Dokumenten bescgen, daß allein an der von Saefkow auf- gebauten Gruppe der deutschen Untergrundbewegung zu der Zeit, als das oben zitiierie Memorandum verfaßt wurde, ıund 40C0 Personen beteiligt wa en, Als An- führer dıeser Gruppe nennt der Oberreichsanwalt in seiner am 31. August 1944 dem Ersten Senat des Volksgerichtshofes in Berlin überreichten Anklage den 41jährigen Kraftfahrer Anton Scaefkow aus Berlin, den 38jährigen Schlosser Franz Jacob aus Hamburg(vor 1930 Mitglied der Hamburger Bürgerschaft) und den S0jährigen Ham- burger Feinmechaniker Bernhard Bästlein aus Hamburg(vor 1933 Abgeordneter der KPD im Preußischen Landicg). Bereits fünf Tage später wird in einer formellen Hauptverhandlung gegen die drei in Haft befindlichen Männer unter dem Vorsitz des Landgerichtsdirektors Stier vor dem Volksgerichtshof das Todesurteil gefällt. Der Vorsitzende weist in der Anklageschrift ausdrücklich darauf hin, daß in der Haupt- verhandlung nur das zur Sprache kam, worauf die Angeklagten bei ihren Einver- nahmen durch die Geheime Staalspolizei bereits eingegangen seien. Die drei Ge- nannten werden zusammen mit zwölf anderen Gefangenen schon drei Tage nach dem Urleilsspruch am 8. September 1944 im Zuchihaus- Brandenburg um die Mittagszeit hingerichtet. Umfang und Ziele dieser Saefkow-Widerstandsgruppe, deren„Führungskopf‘ in der Rekordzeit von 8 Tagen durch die willfährige Justiz liquidiert wurde, ersch’en den nationalsozialistischen Exekuiivorganen so gefährlich, daß sie selbst den Kreis der eingeweihten Nationalsozialisien so klein wie möglich zu halten wünschlen. Wesentliche Punkte der konspiraiiven Tätigkeit, vor allem das konstruktive politische Programm, bleiben in der Anklageschrift fast unbeachtet. Die Revolulionäre hatten bereits eine bewaffnete Arbeitermiliz’ und Kampfgruppen im Ersatzheer zu bilden versuchi. Die meisten Akten erwähnten diesen Teil der Umsturzvorbereitungen nur mit der nichtssagenden Formel, die Angeklagten hätten den Aufbau eines AM- Apparates(allgemeinen Militörapparates) geplant. In Hamburg besaß die Organi- sation kömplett alle militärisch wichtigen Akten des Wehrkreises X. Das Hanseatısche Obeilandesgericht teilte dem Hamburger Sozialdemokraten Herbert Bittcher, der sechs Monate vor Beginn des Berliner Liquidationsprozesses wegen Zugehörigkeit zur Bästleingruppe hingerichtet wurde, am 18. Februar 1944 ausdrücklich mit:„Sie werden darauf hingewiesen, daß Sie die Anklageschrift geheim zu halten haben und aufgefordert, die Anklageschrift am Schluß der Hauptverhandlung dem Gericht zu- rückzugeben.‘' Ein Blick auf das Programm und die Plattform dieser Saefkow-Widerstandsgruppe genügt, um die Nervosität der führenden Nationalsozialisten zu begreifen. In Stock- holm, Oslo und Zürich befanden sich kurz nach der Kapitulation Hitler-Deutschländs Dokumente und Flugschrifien, aus denen das Aktionsprogramm der Widerstands- bewegung in Nordwestdeutschland klar hervorging. Es ist bekannt und jederzeit belegbar, daß diese Norddeutsche Widerstandsgruppe mit den Zentren Hamburg/ Berlin ihre Außenposten nicht nur in den Industriegebieten Schlesiens, Mitteldeutsch- Iunds und der Ruhr besaß. Ueber die schwedische Gesandtschaft in Berlin sind schon 1943 Widerstandsdokumente nach Stockholm gelangt,— zwölf Monate bevor die Opportunisten unter den nationalsozialitischen Führern ihre Friedensfühler in der gleichen Richtung ausstreckten. Angesichts anderer bestehender Fäden nach Zürich, Oslo und Brüssel, kann man wohl sagen, daß sich dieser verzweifelte Versuch, die Regierung Hitler noch vor Beginn der Invasion äurch eine Volksbewegung zu stürzen, vor den Augen des neutralen Auslandes und höchstwahrscheinlich auch mit Wissen der damals Deutschland bekämpfenden Großmächte abgespielt hat. Die Sowjet-Union hat durch Hilfsmaßnahmen von 1942 bis 1944 zum Zustandekommen die- ser Volksbewegung beizutragen versucht. Aus den bei Abschluß dieser Arbeit vor- liegenden Dokumenten geht ferner hervor, daß britische Stellen es vorzogen, mit kapitulationsbereit&än Noziführern und Naziagenten zu verhandeln, gleichzeitig aller- dings Funkkontakt mit einzelnen Vertretern der Widerstandsbewegung in Deutschland aufrecht erhielten. Ein in London vorliegendes Geheimprotokoll aus jener Ze't geht von der Voraussetzung aus, daß die Aufrechterhaltung von Ruhe und Ordnung zu- mindest in Westdeutschland durch die nationalsozialitischen Behörden besser garan- tiert werden könne, als durch neugewählte Volksvertreter, die erst nach der„stür- mischen Beseitigung’ der Naziexekutive ihre Machtbefugnisse ausüben könnten. 116 IRERET nen BE dem szeit | der den Kreis 5 Der Neuvaufbau einer echten Volksregierung aber in den kleinsten Zellen durch Volksausschüsse(Vorparlamente) und Betriebsräte war der Programmpunkt Nummero eins der Saefkow-Gruppe— etwas, was nach 1945 dann mit Kontrollratsgesetzen und Fragebogen versucht wurde. In einem handschriftlich hinterlässenen und beım An- klagematerial des Volksgerichtshofes vorgefundenen Aufruf an die Berliner Arbeiter fordert Saefkow die sofortige Wahl von Betriebsräten, die dem bewaffneten Schutz von„Wehrgruppen‘‘ zu je drei Mann unterstellt werden sollen. Es wird aktiver Widerstand gefordert gegen alle Anordnungen nationalsozialistischer Betriebsführer. Es wırd zur Bildung einer„nationalen Einheitsfront‘‘ ermahnt mit der Parole:„Her- aus aus dem Siumpfsinn, mit dem ihr noch den Krieg ertragt. Du darfst nicht war- ten, bis Dir Deine Führung,den Befehl zum Handeln gibt.‘ In einem gleichzeitig verbreiteten Merkblatt, das tausendfach an die West- und Ostfront gesandt wurde, fordert der Berliner Ausschuß des ‚„Nationalkomitee Freies Deuischland‘’ die Frontiruppen auf, den Kampf einzustellen. Wenn man der Anklage- schritt des Volksgerichtshofes Glauben schenken aarf, so hat die Gruppe Saefkow bereits 1943 langwierige Verhandlungen mit anderen deutschen Widerstandsgruppen geführt. Namentlich werden aufgeführt Besprechungen mit der SPD-Gruppe von Reichweın und Leber, mit katholischen Geistlichen, fortschiiitlich gesonnenen Industriellen und Ingenieuren und mit Oppositionsgruppen innerhalb der Wehrmacht und des M.ni- steriums für Rüstung und Kriegsproduklion. Von der Wehrmacht-Propaganda-Ablei- lung des OKW e.hielt die Saefkow-Gruppe das bei alliierten Truppen und Agenten beschlagnahmie Informations- und Propagandamaterial. Bei der Verhaftung der drei Angeklagien wurden ferner Geheimdokumenie aus dem Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion sichergestellt; durch einen Vertrauensmann aus dem Ministerium Speer der Widerstandsbewegung ausgehändigt. Bisherige Ermittlungen ergaben, daß allein in 22 Großbetrieben Berlins und einer größeren Zahl von Werken Hamburgs Beauftragte der Saefkow-Widerstandsgruppe tätig waren, um die Nationalsozialisten durch Produktionssenkung zur Einstellung des Krieges zu zwingen. Die Produktions- zeniren für neueniwickeite Flugzeug- und Panzertypen, technische Schlüsselbetriebe, wie Osram und Telefunken, Siemens, Heinkel und Argus, ferner Hamburger Werften und einige andere Betriebe gehörten zu den Stützpunkten der Saefkow-Untergrund- bewegung. Der Rahmen war sehr weit gespannt: In Hamburg sammelte Roger Fredana aus Paris, Vertrauensmann der französischen Kriegsgefangenen, täglich Geld für die An- gehörigen der aus politischen Gründen inhafiterten deutschen Arbeiter. Auch An- gehörige der anderen elf Nationen, die in Ausländer- Arbeitslagern Hamburgs lebten, haben den deutschen Widerstand gestärkt und gestützt. Noch ım Maoi 1944 brachten dıe Berliner Aıbeiter mehrere tausend Reichsmark auf, die sie freiwillig für die Saefkow-Organisation spendeten. Aerzle, Stabsoffiziere der Wehrmacht, Ingenieure und Siudienräte trugen in Berlin durch Privatspenden zur Finanzierung der Saefkow-Orgarnisalion bei. Die Frau von Rudolf Pechel, dem damals im Kon- zentrationslager sitzenden Chefredakteur der„Deutschen Zukunft‘‘, vermittelte der Saefkow-Gruppe Verbindung zu konservativen Kreisen, um ZU einer großen nationa- len Sammelbewegung zu gelangen.„Wir als| Kommunisten‘, so schreibt Saefkow in einer an seine Parteigenossen gerichteten Mitteilung,„müssen um der Einheit willen bewußt manche Forderung zurücksiellen’’. Es muß Ende 1943/Anfang 1944 auch zu festen Vereinbarungen mit anderen Wider- standsgruppen gekommen sein, Vereinbarungen über die ersten gemeinsamen Schritte zur Bilaung einer neuen deutschen Republik. Jedenfalls schreibt Saefkow kurz vor seiner Verhaftung im Mai 1944:„Wir(d. h. wir Kommunisten, Anm. d. Verfassers) kämpfen am stärksten für die vereinbarten Ziele‘‘. Vierundzwanzig Stunden bevor die Invasion begann und die ersten britisch-ameri- konischen Fallschirmspringer, ın der Normandie landeten, zogen die noch auf freiem Fuß ı befindlichen Führer der Nordwesideutschen Widerstandsbewegung eıne be- drückende Bilanz: Ihr Plan, das Hitlerregime durch eine revolutionäre Volksbewe- gung zu stürzen, hatte einstweilen zu einer Welle von Todesurteilen, aber noch nicht zu einer Volksbewegung geführt. In einem damals am 5. Juni 1944 an die leitenden Funktionäre verteilien sıebenseitigen Memorandum heißt es:„Im Gegen- satz zu 1941 herrscht weitgehende Uebereinsiimmung, daß die Niederlage Hitlers unabwendbar und nur noch eine Frage der Zeit ıst. Differenzen gibt es höchstens noch über die Art, wie sie erfolgt.‘ Es wird, da zum totalen Zusammenbruch Deutschlands der totale Einsatz der alliierten Militärmaschinerie notwendig erscheint, vorausgesagt, daß sich einige Vertreter des nationalsozialistischen Staates bemühen würden, Kapitulationsverhandlungen durch die Bildung eines Uebergangskabnetts ohne Hitler zu ermöglichen. In der Tat hat sicn dann auch zuletzt noch nach der foımellen Kapitulation der deutschen Wehrmacht mehrere Wochen lang ein solches Uebergangskabinett Dönitz/Schwerin-Krosigk in Flensburg im britischen Kontrollgebiet erhalten. 117 In dem gleichen Maße, in dem die redselige Verhandlungsbereltschaft selbst höch- ster SS-Funktionäre wie Himmler zunahm, nahm auch die Tätigkeit der Exekutions- moschinerie der Justiz und der Gestapo zu. Immer stärker wurden die Schläge, die nach den großen Schauprozessen, die dem Bombenanschlag des 20. Juli folgten, den Widerstandsgruppen versetzt wurden. Kaum gelceng es ihnen, den Rest der noch Verbliebenen zu retten. Es ging darum, beim militärischen Zusammenbruch der Hitlerregierung sich das Gesetz des Handelns für die zukünftige Gestaltung Deutsch- lands nicht ganz aus der Hand nehmen zu lassen und wenigstens einen Teil der Vertreter der Widerstandsbewegung lebend hinüberzuretten, um durch sie die Bil- dung einer unabhängigen deutschen Republik zu erzwingen. Um der historischen Wahrheit willen sei auch nochmals daran erinnert, daß dies durch die Spannungen der Okkupationsmächte doch noch verhindert wurde. Nfcht unerwähnt soll dabei bleiben, daß diese Absicht der Widerstandsbewegung dadurch noch erschwert wurde, daß man im Einmarschgebiet der Westalliierten stellenweise die politischen Häftlinge erst nach geraumer Zeit frei ließ; beispielsweise in Hamburg, wo die Kopitulation am 3. Mai 1945 erfolgte, wurden die politischen Gefangenen erst am 26. Mai aus dem Untersuchungsgefängnis entlassen.; Der zu erwartende Sturm erfüllte die Widerstandskämpfer in dieser Zeit mit einer gewissen Zuversicht, während jene Kreise, die sich für die Nachkriegszeit ein Alibi sıchern mußten, immer unruhiger wurden. Tag um Tag wurden z. B. vier Wochen lang im Kesselhaus des Untersuchungsgefängnisses in Hamburg die Akten der Gestapo verbrannt. Im April 1945 arbeiteten die Paßstelle und das sogenannte ‚Hauptwirt- schaftsamt””— beide unter Kontrolle von Gestapoagenten— mit Hochdruck. um allen Belasteten gefälschte Kennkarten, Abmeldebescheinıgungen für Lebensmittel- karten(Korrektheit muß sein!) und andere notwendige Papiere auszustellen. Bis auf die roten Ausmusterungsscheine der Wehrmacht waren die Papiere der Kriminalsekre- täre und der ‚V-Leute‘, die mit ihnen in den letzten Jahren die deutsche Wider- standsbewegung zertrümmert hatten, komplett. Die als Leihbücherei, Lesemappen- zentrale, Seifenhandlung oder sogar Wirtschaftsamt getarnten Agentenzentralen‘der Hamburger Gestapo wurden schleunigst liquidiert, alle Beteiligten tarnten sich mei- sterlich— einschließlich des Hotelknellners im ‚Hotel Atlantik‘, der fremde Rei- sende auszuhorchen pflegte, des Theaterfriseurs, der den Gestapospitzeln falsche Bärte lieferte und des Chauffeurs, der Möbel, Bücher und anderen Besitz liquidier- ter Antifaschisten in die Wohnung seiner Gestapovorgesetzten zu fahren pflegte. Mit gebeugtem Rücken wurde die Besatzungsarmee empfangen— man war zum Start in die Demokratie bereit, das neue Spiel konnte beginnen, Die wenigen Akten, die zeigten, wie‘der deutsche Widerstand gegen Hitler bei- spielsweise in Hamburg aussah und wie er ausradiert wurde, waren zumeist ver- brannt. Das interessantesite unter den nicht verbrannten Akten blieb zum Teil in Händen der Besatzungsmacht. Warum auch sollten Gestapoleute, die als„Experten zur Bekämpfung von Untergrundbewegung‘“ gelten konnien, nicht zusammen mit deutschen Atomwissenschaftlern und Ingenieuren im Ausland neue Karriere machen können? Der Hamburger Archıvar ‚Detlev Möller aber schrieb in seinem 1947 er- schienenen Buch„Das letzte Kapitel’‘, bis zum April 1945 sei in Hamburg von einer Widerstandsbewegung nichts zu merken gewesen,— bis auf kleine Jugendklubs, welche,„die englischen Farben.unter dem Rockaufschlag nur halb verbergend, dem Swing huldigten”. Möller’s Versuch, den Kreis jener Deutschen, die sich 1945 vom Kurs der nationalsozialistischen Staatsführung abwandten, durch die überraschende Nennung neuer Namen zu bereichern, steht nicht vereinzelt da. Selbst ehemalige Mitarbeiter Hitlers haben in der leizten Zeit versucht, durch Veröffentlichung ihrer Memoiren in der britischen Besatzungszone der ‚historischen’’ Wahrheit und der persönlichen Rehabilitiertung zu dienen. Warum sollte man nicht einmal vorschlagen, daß sich einige deutsche Historiker nunmehr auch der Geschichte der deutschen Widerstandsbewegung annehmen? Ständig werden neue Akten entdeckt. Von denen aber, die in den Speichern und Kellern. deutscher Justizstellen verstauben, wird sehr selten gesprochen. Für den Lokalhıstoriker in Hamburg müßte es beispielsweise reizvoll sein, an ge- wisse Dinge zu erinnern, So geht aus Hamburger Akten hervor, daß durch den Kriminalrat Kopko aus Berlin spezielle Folterwerkzeuge nach Hambu:g geschafft wurden und die Hamburger Gestapo vollste Freizügigkeit zur„verschärften Verneh- mung’ der Bästleingruppe und auch der 1944/1945 sehr aktiven KdF-Gruppe— Kampf dem Faschismus— gewährt wurde. Allein am 5. Mai 1944 wurden, so müßte ein Lokalhistoriker berichten, achtzehn Todesurteile gegen Angehörige der Bästlein- gruppe gefällt. Kurz vorher waren vier dieser Gruppe durch die Hamburger Gestapo zur illegalen Exekution nach Neuengamme geschafft worden. Die Todesserie gegen die Vertreter jener Gruppen schloß erst ab, als die Engländer bereits in Hamburg einmarschierten; so die Liquidation von dreizehn Frauen ‚und achtundfünfzig Män- nern, der Todesmarsch nach Kiel-Hasse, wo ein schleswig-holsteinischer Bauer an 118 = 3 soaa ®® einem kalten Aprilmorgen zwei erschlagene politische Gefangene(es waren zosen, die zur KdF-Gruppe Hamburg gehörten) auf den Misthaufen warf. Zu einer Zeit, als sich einige Exporteure und Beamte 5 Minuten vor 12 entschlossen, aus dem Naziomnibus auszusteigen, um eine Rückfahrkarte bei den westlichen Alll- ierien einzuhandeln, als tausende Hamburger Freiheitskämpfer als Staatsfeinde y u nlen waren, verhandelte das amtliche Deutschland um eine ‚„ehrenvolle Kapi-| ulation‘'. f Heinz Schmitz-op der Beck Fran- Wir haben im Lager gelernt, was’späterhin zu tun wäre. Jeden Tag waren wir auf das Nichts{ h gestellt. Für jeden Tag war gewissermaßen die Atombombe bereitet; und dennoch dachten wir CR% j 2; # an eine neue Welt, denn in der!alten hätten wir es selbst in Gedanken nicht mehr ausgehalten. Auch das haben wir im Lager!gelernt: Alle großen Wandlungen lagen(liegen) nicht um uns= herum sondern in uns. Alle Entscheidungen fielen nicht draußen, sondern in unserem Innern. a Das gilt auch für das Heute. Y Herbert Biank, Fi NN I o® I: So dachten sie sich das Ende...| 14. April 1945 e An die Lagerkommandanten von Dachau und Flossenbürg fe Die’ Übergabe kommt nicht in Frage. Das Lager ist sofort zu evakuieren. 4 Kein Häftling darf lebendig in die Hände des Feindes fallen. 2 Heinrich Himmler ... aber es kam anders Aufruf des internationalen Häftlingskomitees am Tage der Befreiungskundgebung im Lager Buchenwald am 19. April 1945. Kameraden! Wir Buchenwalder Antifaschisten sind’ heute angetreten zu Ehren der in Buchenwald und seinen Außenkommandos von den Nazibestien und ihren Helfershelfern ermordeten "51 000 Gefangenen! 51000 erschossen, gehängt, zertrampelt, erschlagen, erstickt, ersäuft, verhungert, vergiftet, abgesprilzt. 51.000 Väter, Brüder, Söhne starben einen qualvollen Tod, weil sie Kämpfer gegen das faschistische Mordregime waren. 51 000 Mütter und Frauen und.hunderttausende Kinder klagen an. Wir lebend Gebliebenen, wir Zeugen der nazistischen Bestialitäten, sahen In ohn- mächliger Wut unsere Kameraden fallen. Wehn uns eines am Leben hielt, dann war es der Gedanke: „Es kommt der Tag der Rache!” Heute sind wir freil Wir danken den verbündeten Armeen, den Amerikanern, Engländern, Sowjets und allen Freiheitsarmeen, die uns und der gesamten Welt den Frieden und das Leben erkämpfen. Wir gedenken an dieser Stelle des großes Freundes der Antifaschisten aller Länder, eines Organisators und des Inıtiators des Kampfes um eine neue, demo- kratische, friedliche Welt. F. D. Roosevelt! Ehre seinem Angedenken! Wir Buchenwalder, Russen, Franzosen, Polen, Tschechen, Slowaken und Deutsche, Sponier, Italiener und Oesterreicher, Belgier und Holländer, Engländer, Luxemburger, Rumänen, Jugoslaven und Ungarn, kämpften gemeinsam aegen die SS, gegen die nazistischen Verbrecher, für unsere eigene Befreiung. Uns beseelte eine Idee. Unsere Sache ist gerecht— unser muß der Sieg sein. Wir führten in vielen Sprachen den gleichen, harten, opferreichen Kampf. Und die- ser Kampf ist noch nicht zu Ende. Noch wehen Hitlerfahnen! Noch leben die Mörder unserer Kameraden! Noch laufen unsere: sadistischen Peiniger frei herum! Wir schwören deshalb vor aller Welt auf diesem Appellplatz, an dieser Stätte des faschistischen Grauensl: Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht! Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung! Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziell Das sind wir unseren Gemordeten, ihren Angehörigen schuldig. Zum Zeichen Eurer Bereitschaft für diesen Kampf erhebt die Hand zum Schwur und sprecht mir nach: > Wir schwören! 21 000 Männer und Knaben strecken die Hand zum Hımmel und sprechen: Wir schwören! Internationale Solidarität im KZ Nevengamme 13 000 Franzosen sind durch Neuengamme und seine Außenkommandos gegangen. Nur 600 sind zurückgekehrt. Mehr als 12000 fronzösische Familien wurden allein durch dieses Lager in Trauer versetzt. Zehntausende Familıen in Frankreich, die ihre Lieben verloren haben, verwünschen Hitler und sein Regime sowie seine Helfers- helfer. Selbst wir, die wir seit langem Internationalisten sind, mußten während des Krieges feststellen, daß das deutsche Volk gegen den in seinem Namen durch die Generale Hitlers, der SS, der Gestapo, durchgeführten Verbrechen ail!zu passiv war. 120 wald deten gert, egen ohn- dann und eben sten jemo- sche, irger, ı die nsere | die- örder Wir des hiern ‚bau Eurer nach: gen. „llein ‚ihre Ifers- | des gurch assiv wenn Mit Kummer haben wir feststellen müssen, daß sich viele Häftlinge als Kapos, Vorarbeiter oder Blockälteste als folgsame Helfershelfer der SS erwiesen, Aber diese Häftlinge rekrutierien sich aus Verbrechern, die den grünen Winkel trugen. Der größte Teıl der politischen Häftlinge, die wir kennenlernien, war von einem endeien Schlag. Troiz der langen Jahre ihrer Haft haben sie im allgemeinen ihren internationalen Geist als Antifaschisten intakt gehalten. Diesen Männern müssen wir Bewunderung zollen. Manche von ihnen waren bei unserer Ankunft im Lager mehr als elf Jahre in dieser Hölle und hatten dabei ihre hohe Moral und ihr Vertrauen auf die Zukunft behalten. Diese antifaschistischen Deutschen waren es, die bei der Ankunft der tschechischen, polnischen, sowjetischen, belgischen, holländischen, jugoslawischen und französi- .schen Kameraden die internationale Solidarität organisierten. Selbstverständl ch konnie dies— um keinen Verdacht bei der SS zu erregen— nur unter der g:ößten Vorsicht und Heimlichkeit vor sich gehen. Dies wäre jedoch nicht möglich gewesen, wenn nicht die internationale Verbindung der Arbeiter und der fortschriitlichsten Männer aller Nationalitäten bestanden hätte. Diese Solidarität und Hilfe wurde erreicht durch die Einsetzung von guien und ehrlichen Kameraden an wichtige Posten und Schlüsselstellungen des Lagers. Sie sorgten dann für eine materielle Hılfe an Essen, Kleidung und anderen lebensnot- wendigen Dingen ‚für den politischen Häftling, dessen Gesundheit nachlıeß. E.ne geheime aber wirksame Hilfe, die den politischen Häftlingen aller Nationalitäten zugute kam und die eine kostbare physische und moralische Unterstützung war. Ich denke besonders an die gefährliche Rolle, dıe der deuische Kamerad Albin Lüdke und der belgische Kamerad Andre Mandrickx im Arbeitseinsatz hatten, wo sie durch die Einteilung der Arbeiten und der Auswahl der Häftlinge in die Außenkommandos unier der Gefahr ihres eigenen Lebens eine große Anzchl von Menschenleben retteten. Wenn wir an das Leben im Lager und an die dort begangenen Verbrechen denken, dürfen wir das andere Gesicht unseres Erlebens nicht übersehen: der poli- tische Kampf gegen den Faschismus, der sich unter anderen Formen und in anderen Situationen abspielte. Wenn wir an Nazideutschland zurückdenken, das alle Völker verdammen, so darf man die Besten des deutschen Volkes nicht vergessen, die für die Aufrechterhaliung und Erweiterung des internationalen Geistes und der Soli- darität im Lager ihr Leben gelassen haben. Marcel Prenant, Professor an der Sorbonne in Paris. Aus der Abschiedserklärung der Mauthausener: „Wir wollen nach erlangter eigener Freiheit und nach Erkämpfung der Freiheit unserer Nationen die internationale Solidarität des Lagers in unserem Gedächtnis bewahren und daraus die Lehre ziehen! Wir wer- den einen gemeinsamen Weg beschreiten, den Weg der unteilbaren Freiheit aller Völker, den Weg der gegenseitigen Achtung, den Weg der Zusammenarbeit am großen Werk des Aufbaues einer neuen, für alle gerechten, freien Welt. Wir wenden uns an die ganze Welt mit dem Ruf: Helft uns bei dieser Arbeit! Es lebe die internationale Soli- darität! Es lebe die Freiheit!” Im Namen aller ehemaligen politischen Häftlinge von Mauthausen: .Ceskoslovensky Närodni Revolucni Vybor/ Deutsches Komitee/ Comite Espanol/ Comit& Franco-Belge/ Comite Grec/ Comitato Nazionale Italiano/ Jugoslovenski Odbor/ Magyar Bizottsag/ Österreichischer Nationalausschuß/ Komitet Polski/ Russkij Komitet/ Delegue pour les Albanese/ Delegue pour les Hollandais et Suisse/ Der Delegierte für Luxemburg/ Delegue pour les Roumains. 12] iung Befre Vorwärts Kameraden! ..... Sechsundzwanzig Millionen Tote und fast sechs Jahre erbitterten Kampfes waren nötig, um mit diesem infernalischen Unternehmen menschlicher Zerstörung fertig zu werden, das alles in der Geschichte der Völker bisher Dagewesene weit in den Schatten stellt und wir müssen zugeben, daß das deutsche Volk einen Teil der Verantwortung trägt, den man unterstreichen muß. Ohne Zweifel kann man diese Verantwortung nicht der Verantwortung der Länder gleichstellen, die das deutsche Volk auf diesen Weg brachten‘. Wir wären armselige Politiker, wenn wir anders dächten— aber, Kameraden, ihr möget wissen, daß für uns schon die Erkenntnis dessen, was wir als offensichtlich ansehen, der Beweis dafür ist, doß es augenblicklich in Deutschland eine immer größere Anzahl von Demokraten gibt, die in demselben Sinn wie wir tätig sind, das heißt, auf dem Wege der Demo- kratie und des Fortschritts. Weil wir diese Gleichheit der Anschauungen auf allge- meinem Gebiet festgestellt haben, haben wir zugestimmt, als die VVN ihre Aufnahme in die FIAPP erbat. Wir haben diesen Schritt getan, weil wir zu denen gehören, die denken, daß überall, wo es Menschen guten Willens gibt, es unsere Pflicht ist, sie zu ermutigen. Ihr könnt und müßt uns bei unserer Aufgabe helfen, unseren Län- dern nahezubringen, daß sie keinen Grund haben, am deutschen Volke zu verzweifeln. Darum ist es in erster Linie nötig, daß ihr Vertrauen zu euch selbst habt und in dem Gedanken lebt, daß Vertrauen im Kampf entsteht..... e Maurice Lampe, Paris Präsident der FIAPP Lehren der deutschen Geschichte{ Ein Volk ist verantwortlich auch für das, was es mit sich anstellen läßt,. sagt die Geschichte. Sie hat kaum je Ausnahmen von dieser Regel zu- gelassen und wird es auch diesmal nicht tun. Denn was unter der Perspektive von Staaten und Grenzen oft wie ein unverdientes Unglück aussieht, nimmt ein ganz anderes Relief an, wenn man den Maßstab von Klassenschichtungen und Klassenkämpfen anlegt, dann erkennt man oft, daß sich als nationales’ Unglück maskiert hat, was im Grunde schuldhaft unterlassener Klassenkampf war, die Weigerung eines reifen Volkes, sich zur Wehr zu setzen, wenn seine Oberschicht es mit schmuckhaften Lügen bösartiger Selbstvergottung und verdummen- der Aufhetzung gegen Nachbarvölker im Kriege stürzte, um die inneren Krisen außenpolitisch abzureagieren.—.... Selten hat eine herrschende Schicht so gut verstanden, die Affekte und Lebenslügen eines Volkes einzuspannen und auszubeuten, wie es das deutsche Volk erlekt hat.... ARNOLD ZWEIG- 1945 Der Kampf geht weiter (Von den Intern. Lagerkomitees über die VVN zur FIAPP!) Die aus allen Ländern der Okkupation in deutsche Konzentrationslagern verschlepp- ten Ausländer, dıe aktiven und passiven Gegner des Faschismus, lernten das „Andere‘” Deutschland kennen, nämlich, den Deutschen, der als Mensch seine Pflicht über Sprach-, Umgangs- und Rassegrenzen hinweg erfüllte und damit den im 20. Jahrhundert wertvollsien Samen der Völkerverständigung legte. Im Tiefstand eines Volkes, welches den Haß aller Völker auf sich vereinigte, waren es so einige Wenige, die um Verständigung durch Bereitschaft und Taten warben! Wenn am Ende des ersten Weltkrieges, des Totschießens müde, vom Schützengraben 4 zu Stacheldraht Freundschaften ausgetauscht wurden, wenn im weihnachtlichen Frie- den, insbesondere 1917, die militärisch-gehorsame Disziplin gebrochen wurde und so auch an der von den Völkern nicht gewollten Front sich Mensch zu Mensch fond, so war es damals ein Hoffnungsstrahl für die Kämpfer um den Frieden. In allen Ländern entstanden als Fortsetzung und Ergebnis der internationalen Lager- komilees die vergrößerten und nunmehr legalen Ländergemeinschaften der Wıder- standskämpfer, die Vereinigungen der Verfolgten des Naziregimes mit der Dach- organisation der Federation Internationale des Anciens Prisonniers Poltiques du Facisme(FIAPP),.die unmißverständlich die Lehren aus dieser grausamen Vertol- gung zu ziehen bereit ist und im Geiste eines realisierbaren Humanismus den Frie- den sichern will,_ In dieser Aufgabe steht die Resistance aller Länder, organisatorisch verbunden in der FIAPP, denn diese Aufaobe ist der Frieden, eine Aufgabe, die von ollen fort- schrittlichen Menschen gelöst werden muß, da der Friede kein leerer Beariff ist. Franz Heitgres 124 FT a Te ELTA Programm Die Ziele der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes sind: 1. Die Zusammenarbeit aller demokratischen Kräfte zu stärken und auszubauen. 2. Den Kampf gegen alle Reste des Nazismus, des Militarısmus und gegen den Rassenwahn systematisch zu führen, um dadurch zur Sicherung des Völkerfriedens beizutragen und jeden Versuch neuer faschistischer Tätigkeit.zu unterbinden. Die breitesien Bevölkerungsschichten, insbesondere die Jugend, über die taschi- stischen Verbrechen zu unterıichten. Den icpferen opferreichen Kampf der deutschen Widerstandsbewegung aufzuzei- gen und zu würdigen. 5. Den demokratischen Aufbau Deutschlands cu'ch die Heranziehung der Kämpfer gegen den Nazismus und durch die Ausschaltung der nczistischen Elemente aus dem öffentlichen Leben zu siche:n. 6. Die Wiederguimachung der schlimmsten Schäden an Gesundheit und Gut, d’e Sicherung der Existenz aller ehemals Verfolgten, die Fü,sorge für die Hinter- bliebenen unserer Toten und für die Arbeiisunfähigen als Pflicht des deutschen Volkes geselzlich zu regeln. 1. Die Zusammenarbeit mit den Bruderorganisationen aller Länder, um den gemein- samen Kampf weiter zu führen. Dieser bisherige Kampf um die gemeinsamen lang- jährigen Erlebnisse in den Konzenirationslagern vertieften die Erkenninis von der Notwendigkeit der fried!ichen Verständigung und der Zusammenarbeit aller Völker. Zur Erreichung dieser Ziele stellt sich dıe Vereinigung folgende Aufgaben: a) Das’Andenken on alle bekannten und unbekannten nationalen und internationalen Helden würdig zu wahren. b) Die Umbetiung oder Ueberführung der sterblichen Reste durchzuführen. Mahnmale, Erinnerungsiafein und Gedenkstätten für alle Kämpfer gegen den Faschismus zu errichten und sorgsam zu pflegen. c) Jährlich cm zweiten Sonnteg im September Feiern für die Millionen Opfer des Faschismus zu veransialien. d) Sammlung und Sicherstellung aller erreichbaren Unterlagen, die Registrierung der Toten und sonstige Erhebungen zu dem’ Zweck. Gewißheit über das Schicksal der Ermordeten und Verstorbenen aller Nationen zu verschaffen. e) Zusammenfassende Berichte über Gefängnisse, Zuchthäuser und Konzentrations- lager auszuarbeilen. f) In Zusammenarbeit mit allen deutschen und ausländischen Behörden zur Auf- deckung aller nazistischen Verbrechen beizutragen, um die Bestrafung der Schul- digen zuermöglichen g) Herausgabe von Zeitschriften, Plakaten, Broschüren und Büchern, Errichtung von Archiven, Aufstellung von Statistiken und Durchführung von Ausstellungen, Ver- sammlungen, Kundgebungen und Vorträgen.= h) Wahrung und öffentliche Vertretung der Interessen der Opfer des Faschismus. i) Unterstützung der Verwaltungssieilen bei ihren sozialen Aufgaben. ee IIELTSERE eg Die Rolle der FIAPP in der antifaschistischen Propaganda! (Association Francaise des APP.- Französische Vereinigung d. ehem. pol. Gefangenen) Die Organisation des Widerstandes in den Konzentrationslagern haben einigen Grund, die Frage der politischen Gefangenen auf die wahre Ebene zu rücken; des Kampfes gegen den Faschismus. Es handelt sich auch gleicherweise darum, aufzu- zeigen, daß der innerhalb der Gefängnisse und Lager geführte Freiheitskampf nur ein zum Ganzen gehörender Bestandieil des antifaschistischen Kampfes und der vaterländischen Kriege gewesen ist, die die Völker um ihre Befreiung geführt haben. Die FIAPP wird keine Bemühungen scheuen, um die Geschichte des Widerstandes in den Konzentrationslagern populär zu machen, und diese Mühen werden gleichzeitig zur Lösung einer ihrer wesentlichen Aufgaben beitragen: Der Aufrechterhaltung und Entwicklung der Internationalen Verständigung unler den ehemaligen politischen Gefangenen. Gerade die heimliche Betätigung, die zur Befreiung der Lager geführt hat, ist ein herrliches Beispiel der Solidarität und der inte nationalen Zusammen- arbeit, Uebrigens ist es unmöglich, ein solches Thema anders als In seiner Ganz- heil, d. h. auf internationaler Ebene, zu behandeln Die FIAPP Mitglied des ‚Bureau National de la FNDIRP' Durch die Initiative der polnischen Vereinigung ehemaliger politischer Gefangener schlossen sich im Februar 1946 in Warschau die in den europäischen Ländern be- stehenden Organisationen ehemaliger politischer Gefangener in der FIAPP(Federa- tion Internationale de Anciens Prisonniers Politiques) zusammen. Die Gründung der FIAPP erfolgte zu einer Zeit, als das polnische Volk aus tiefen Wunden blutend den Weg zu sozialer Gerechtigkeit, zu wirtschaftlicher und politischer Selbständigkeit beschritt. Die grauen Ruinen Warschaus zeugen nicht nur von dem unermeßlichen Leid, das dem polnischen Volk zugefügt wurde und dem brutalen Vernichtungs- willen der faschistischen Okkupaonten; sie bleiben ein eindringliches Symbol des herolschen Kampfes eines unterdrückien ‚Volkes um seine nationale Freiheit. Warschau wurde zum ständigen Sitz des Generalsekretariates der FIAPP erklärt. Der FIAPP sind die Organisalionen von 19 europäischen Ländern angeschlossen, die in sich die bewährtesten anlifaschislischen Kräfte aller der Länder vereinigen, die dem faschistischen Regime unterworfen wurden. Ihr gehören die Ueberlebenden der Partisanenverbände und die der Inte'nationalen Brigaden des spanischen Freiheits- kampfes an, die aus den faschistischen Zuchthäusern und Konzentrationslagern zu- rückgekehrten aktiven Kämpfer gegen den Faschismus und die große Zahl der aus religiösen und nationalen Gründen Verfolgten. Die FIAPP ist die Vertretung der ehe- maligen politischen Gefangenen‘der Länder: Albanien, Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Frankreich, Griechenland, Holland, Italien, Jugoslawien, Luxemburg, Norwegen, Oesterreich, Polen, Rumänien Spanien, Sowjetunion, Triest, Tschecho- slowakei, Mit der am 29. Mai 1948 vom Exekutivkomitee der FIAPP in Warschau vollzogenen Aufnahme der Vereinigungen ehemaliger politischer Gefangener der Länder Oester- reich und Deutschland reifte das in den Lagern abgegebene Gelöbnis internationaler Verbundenheit zur Tat. „Das Exekutivkomitee der FIAPP’, sagte der Präsident Maurice Lampe,„hat be- schlossen, die deuischen und österreichischen Verbände ehemaliger politischer Häftlinge in die FIAPP aufzunehmen. Auf diese Art werden die Antifaschisten aller Länder, welche in hitlerischen Konzentrationslagern gekämpft und gelitten haben, sich in einer gemeinsamen internationalen Organisation zusammenfinden, welche alle ehemaligen Gefangenen des Hitlerismus zusammenfassen wird, die der Mei- nung sind, daß ihr Kampf noch nicht beendet ist, da immer noch Kräfte am Werke sind, welche die Welt in die Umarmung des Faschismus und des Krieges stoßen wolien. Die Aufnahme der deutschen und österreichischen Organisationen ehemaliger Häftlinge in die FIAPP wird es diesen unzweifelhaft erleichtern, die Schwierigkeiten, die sich vor ihnen eıheben, zu überwinden, und wird ihnen helfen, ihre Autorität im eigenen Lande zu verstärken.‘ Die von 19 europäischen Ländern gemeinsam gebrachten: Mi,lionen Opfer im Wider- stand gegen den Faschismus, verpflichten die UVeberlebenden mit letzter Entschlos- senheit gegen jede Form faschistischer Unterdrückung für Frieden, Demokratie und Völkerverständigung zu kämpfen. 126 Quellen-Nachweis Archive des Generalsekretariats der VVN enthaltend: Gestapo- und Volksgerichtsdokumente, Auszüge aus der „Mordkartei’’ der NSDAP, Anklageschriften, Urteils- begründungen, Einzelberichte,-. Photomaterial, Prozeß- berichte, Schutzhaftbefehle und vieles. Archiv der VVN Hamburg, Abteilung Widerstandsforschung Archiv des Buchenwald-Komitee, Berlin Archiv des DPD Hamburg, Rothenbaumchaussee Archiv Köser, Hamburg-Stellingen Landesarchiv Brandenburg, Forschungsinstitut Zuchthaus Brandenburg Staatsarchiv, Hamburg Rathaus(NS-Presse) Nürnberger Dokumente: Dokumente des internationalen Gerichtshofes gegen die Hauptkriegsverbrecher. Erschienen in Nürnberg nach den Weisungen des internationalen Militärgerichtshofes, vom Sekretariat des Gerichtshofes, unter der Autorität des Obersten Kontrollrates für Deutschland. Akten der Kgl. britischen Militärregierung Tracing Büro, Arolsen "„Bruno Tesch’’, Franz Ahrens Hamburg, Komitee ehem. pol. Gef.(VVN). 1947 „Dachau‘‘, Hans Schwarz Hamburg, VVN Archiv 1947 „Das Urteil von Nürnberg’, München, Nymphenburger Verlagshandlung 1946 „Das letzte Kapitel”, Geschichte der Kapitulation Hamburgs, Detlev Möller, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 1947 „Der Bischof von Münster‘, Heinrich Portmann, Verlag Aschendorff, Münster 1946 „Die Moorsoldaten‘' Wolfgang Langhoff Aufbau-Verlag, Berlin W. 8, 1947 „Der SS-Staat‘', Eugen Kogon, Verlag der Druckhäuser, Berlin-Tempelhof, 1947 „Deutscher Widerstand’, Rudolf Pechel, Erlenbach-Zürich 1947, Eugen Renisch Verlag „Dokumente des Hamburger Widerstandes‘, Hamburg, Hamburger-Volkszeitung 1947 „Frankenpost‘’, Hof)Saale „Giessener Freie Presse’' v. 18. 6. 1946 „Goethe in Dachau’, Nico Rost, Verlag Volk und Welt, 1949, Berlin W. 8 „Hamburger Echo’’, v. 24. 8. 1946 ‚‚Helmuth Hübener’, herausgegeben vom Komitee ehemaliger politischer Gefangener (VVN) Hamburg 1947 „Im finstern Tal’, Hanns Lilje, Latäre Verlag, Nürnberg 1947 A EN RE veirheh „Jahrbuch 1949, VVN-Verlag Berlin „KL Bu‘‘, Bericht des internationalen Lagerkomitees Buchenwald, Thüringer Volks- Verlag©. m. b. H., Weimar! y „Publizistik im dritten Reich‘, Walter Hagemann, Hamburg 1948 „Reichstagsbrandprozeß“, Neuer Weg, Berlin 1946 „Reportage unterm Strang geschrieben’', Julius Fucik, Verlag|. H\. Berlin 1947 “. Heinrich Christian Meier, Phönix-Verlag, Christen& Co., Hamburg 1 1946 W. Dietz Nachtf., „So war es „Spanisches Tagebuch”, Alfred Kantorowicz, Aufbau-Verlag 1948 „Stalingrad'', Theodor Plevier, Aufbau-Verlag, Berlin 1946 „Streiflichter”‘, Hamburger Widerstand, VVN Hamburg 1948 „The German Opposition to Hitler‘, Hans Roihfels, Hinsdale(Illinois) 1948 \„The Republic'', Charles A. Beard, New York 1943, Viking Press /„Todeslager Sachsenhausen‘, Swa-Verlag, Berlin 1948 „Verboten und Verbrannt‘, Heinz Ullstein und Helmut Kindler-Verlag, Berlin 1947 „VVN-Kalender 1949”, VVN-Verlag Berlin „Weltbühne'', Jahrgang 1930 „Widerstand im Dritten Reich’(Schulze-Boysen-Harnack-Gruppe), der zentralen Forschungsstelle der VVN, Berlın 1947 „Zwischen den Zeilen‘‘, Rudolf Pechel, Droemersche Verlagsbuchhandlung 1948 herausgegeben von 128 Volks- lacht, 11946 Tg ar nr EEE N RR Re SED REAL RE RE” IE en RN: 22 Be” ah a Br # RE | a Pr 1 BR£ rey Control Chart Green Yellow Red Magenta